Theaterg'schichten durch Liebe, Ingtrigue, Geld und Dummheit. Posse mit Gesang in zwei Akten von Johann Nestroy Personen: Sebastian Stössl , Apotheker und Raths-Vorstand in einer kleinen Provinzstadt Conrad und Philippine , seine Kinder Mathias Damisch , Stössl's Mündel und Philippines Bräutigam Schofel , concessionierter Theater-Director Bei Schofel's Unternehmung engagiert: Rosaura , seine Nichte, Schauspielerin Maxner , Theatermeister Katharine , seine Frau Lisi und Mali , beyder Töchter, Schauspielerinnen Krammer , Regisseur Spindl , Soufleur Fink , Inspicient Clair , Stubenmädchen bei Rosaura Spornhofer , Heldenspieler James Inslbull , ein Englischer Rentier Felber , ein Handwercker Ein Wachter Ein Doctor Ein Kanzellist Ein Bureau-Diener Ein Wärter Herren und Frauen, Wärter, Wächter, Schauspieler und Schauspielerinnen Die Handlung spielt im ersten Act in einer kleinen Provinzstadt, im 2 ten Act, um 8 Tage später, in einer Hauptstadt. I. Act II. Act I. Act (Zimmer im Hause Stössl's; rechts und lincks Seitenthüre; im Prospect links die allgemeine Eingangsthüre; im Prospect rechts ein kleiner Bogen, innerhalb welchen man den Anfang einer nach unten führenden Wendeltreppe sieht, welche die Wohnzimmer mit der Apotheke verbindet.) 1 ste Scene ( Stössl , Philippine , Felber ) Felber . Müssen 's nicht übel nehmen Herr Rathsvorstand, aber der Doctor sagt, das is ganz was anders als was er verschrieben hat. Stössl (Eine Medizinflasche in der Hand haltend, welche er prüfend betrachtete) . Den Mathies soll der Teufel holen! Philippine (besänftigend) . Aber Vater – Felber . Manch'smahl macht's doch ein'n Unterschied, ob man das einnimmt oder das. Stössl . I glaub's! Sie sind Hämeroidarius, und das is a Augenwasser. I schick' Ihnen heut' schon noch 's rechte. Felber . Empfehl' mich ergebenst. (geht Mitte lincks ab.) 2 te Scene ( Die Vorigen ohne Felber .) Stössl ( aufgebracht ) . Das is der dritte Fall in Einer Wochen! 's Pintscherl von der Baronin hat er umbracht; statt Rosenhonig Cremor tartari – ! Philippine . Ein Pintscherl auf oder ab – Stössl . Da liegt freylich nix dran, aber die einzige Baronin, meine beste Kundschaft, is aus Rache und Verzweiflung homöopatisch word'n. Der hectischen Tabakkramerin hat er statt ein Eibischtaig a Diachilum-Pflaster geb'n; ganze 24 Stund hat sie 's Maul nit aufbracht –! Philippine . D'rum war s' auch 's Tag's drauf viel besser auf der Brust. Stössl . Der Erfolg entscheidet nicht. Dem will ich jetzt a Wetter machen –! (will durch den Bogen Mitte rechts nach der Apotheke hinab.) Philippine (ihn zurückhaltend) . Er is mein Bräutigam –! Stössl . Ich bin sein Vormund. Philippine . Ist denn Liebe ein Verbrechen? Stössl . Alles jenachdem. Es is nit aus Lieb' zu Dir, daß er Opodeldok mit Rhebarbarbara verwechselt, es is Theaterwuth, Comödi-Wahnsinn, was ihm das Bisserl Hirn verbrennt – Philippine . Liebe zur Kunst verzeih ich ihm gern. Stössl . 's Komödispiel'n is aber keine Kunst, es is eine reine Comödispielerey. Das hab' ich All's mein'm saubern Sohn zu verdancken. Philippine . Heut' kommt er z'ruck nach Dreyjähriger Abwesenheit, Sie werd'n ihn doch nicht etwan hart – Stössl . Hab' ich ihm's g'schafft, daß er damahls durchgangen is, und bey einer Comödianten-Trupp' – Philippine . Er hat aber seit ein'n Jahr, den, Ihnen so verhaßten Stand verlassen, und lebt von seiner Malerey. Stössl . Hat auch seitdem erst sein'n Familien-Namen wieder ang'nommen; das war sein Glück, daß er nit als Stössl auf'n Theater war. Ich, erster Rathsvorstand hirortiger Stadt, und mein Sohn ein Comoedi-Agierer –! Mit kein'n Schritt hätt' er mir mehr ins Haus derffen. Maler – no, das kann man ein'm Menschen eher noch verzeih'n, wenn er ein Maler is. Philippine . So wird's auch beym Mathies nur vorübergehend seyn. Stössl . Ich hab ihn zum Apotheker und Schwiegersohn bestimmt, sein Leben muß sich zwischen Dir und die Apotheken theil'n; Liebe und Laboratorium, sonst giebt's nix für ihn. Und jetzt mach' ich ihm extra a Wetter –! Philippine (ihn umfangend und ihn zurückhalten wollend) . Aber Vater –! Vater –! Stössl . Schmeichlerin –! Das Wetter is in Deinem Intresse – als Raths-Oberhaupt werd ich blitzen, als Apotheker muß ich donnern, und als Vormund schlag' ich vielleicht ein. (geht durch den Bogen Mitte rechts in die Apotheke hinab, Philippine folgt, indem sie ängstlich ihn zu beschwichtigen sucht.) 3 te Scene ( Conrad , allein.) (tritt während dem Ritornell des folgenden Liedes auf, nach dem Liede Monolog.) Lied 1.         Auf n Theat'r a Griseldis Was z'samm lamentiert Fast Alles verfehlt is Was sie deklamiert     Auch thut s' kokettieren     Ganz scharf mit'n Soufleur,     Manche Kraftstell' trainieren     Als ob's Strudltaig war' Und doch find't sie Anklang Man zeichnet sie aus Wenn s' spielt ist ein Andrang Man ruft s' Zehnmahl h'raus –     Weil s' a junge Griseldis ist, sonst war's gefehlt –     Der Jugend verzeiht man ja All's auf der Welt. 2. Eine Dam' thut verleihen Einem Mahler die Gunst, Daß er s' darf conterfeien, Denn sie liebt sehr die Kunst.     's mahlt der Mahler – o weh!     Zwey Stund die Dam' sitzt.     Und 's gelingt nicht 's Portrait,     Vor Ängsten er schwitzt Doch die Dam' spricht voll Huld: »Übereil'n Sie sich nicht, O, ich hab' schon Geduld. Mahl'n Sie's nochmahl mein G'sicht.« –     Ja, der Mahler ist jung noch, sonst war' es gefehlt –     Der Jugend verzeiht man ja All's auf der Welt. 3. Da sitzt a Kassierin, 's Kaffeehaus ist voll, 's muß Alles zu ihr hin, Was zahlen da soll.     Sie thut herausgeben     Auf Banknoten, nach Wunsch,     Doch manch Zehnerl geht darneb'n     Beym Kaffee und beym Punsch Wenn so was die dicke Kaffeesied'rin thät', Durch Wort' und durch Blicke Wurd' drüber geschmäht –     Doch d' Kassierin ist jung noch, sonst war' es gefehlt, –     Der Jugend verzeiht man ja All's auf der Welt. Da bin ich wieder als Zweyter Theil – vielmehr als parodistisches Seitenstück zum »verlornen Sohn«. – Jener Durchgegangene ist zurückgekehrt als Geld verschlemmt und verspielt habender, bis zum Borstenvieh-Hüther herabgekommener dürftig in das, was er selbst war, gehüllter Vagabond, und hat dennoch offne Vaterarme gefunden – ich Durchgegangener kehre zurück als ein auf dem Stiefelzieher der Enttäuschung dem Cothurn freywillig vom Fuß gestreift habender, bonjourlbekleideter, durch zurückgeschlagenen Hemdkragen genial gestempelter, Michael Angelo in spe – und das Vaterherz sollte regungslos bleiben? – Und doch man kann nicht wissen – Alles kommt darauf an, wie er meine Zerknirschungs-Epistel gelesen hat. Mein Brief lautet: (mit Pathos und Innigkeit) »Theurer Vater, was uns entzweyt, es ist vorüber, reuevoll betrete ich die väterliche Schwelle wieder – Verzeihung, Gnade erwartet Ihr Conrad« – Wenn er den Brief so gelesen hat, dann erwartet mich die brillanteste Aufnahme, – vielleicht aber hat er ihn so gelesen: (in frostig gleichgiltigem etwas anmaßendem Tone) »Theurer Vater!, was uns entzweyt, es ist vorüber, reuevoll betrete ich die väterliche Schwelle wieder, Verzeihung, Gnade erwartet Ihr Conrad.« – wenn er den Brief so gelesen hat, wird er sagen: »Was glaubt denn der kecke Pursch'!« – und (die Pantomime des Hinausgeworffenwerdens machend) der verlor'ne Sohn prallt von den heimischen Mauern retour, als ob er von Kautschuk wäre. – Ich glaube – ja, ja, er kommt – über die stattgefundene Leseart wird bald kein Zweifel mehr obwalten. 4 te Scene ( Philippine , Stössl ; der Vorige ) Philippine . Vater –! Da is er! (eilt auf Conrad zu.) Stössl . Was? Wo? Wer? Conrad (mit halb scherzhaften Pathos, indem er mit einem Arm die Schwester umschlingt) . Ihr sich im Staube windender Sohn, der Worte der Selbstverklagung stammelnd, auf seinen Knieen die oft im Geist umklammerten ihrigen zu umfassen strebt. Stössl . Aus welchen Stuck is denn das? Conrad . Aus gar keinen. Stössl . Lüg' nit, so was Dumm's kann nur aus ein'n Stuck seyn. Conrad . Ihr Theaterhaß verletzt mich nicht mehr, seitdem ich – Stössl . Also red' als vernünftiger Mensch; denn, auf Ehr', ich weiß nit, ob ich dich umarmen oder beuteln soll. Conrad (mit jovialer Unterwürfigkeit) . Im strengsten Fall ließe sich das Angenehme mit dem Nützlichen vereinen, mit einer Hand so (macht die Pantomime des Schopfbeuteln's) und mit der andern so (macht die Pantomime des an's Herzdrucken's) – da man aber andererseits nichts halb thun soll – Stössl . Na so komm' halt her als so ganzer! (umarmt ihn.) Dir is d' Komödi zwieder word'n, – ich bin versöhnt. Conrad . Es waren vielleicht zu ideale Erwartungen, die mich unter Thalia's Fahne lockten, und so habe ich selbst mir nicht genügt, noch weniger genügte mir das Bühnenleben, die Bühnenwelt. Ich will mich prosaischer aussprechen – Stössl . Is mir lieber. Conrad . Ich hab' es satt gekriegt; ich konnte sie nicht verdauen diese zahllosen Abgeschmacktheiten, die man da täglich zu sehen und zu hören bekommt, wie jeder Schauspieler ein großer Mieme ist, dem es nur an Glück fehlt, nie an Talent – wie noch gar kein Dichter ein schlechtes Stück geschrieben, sondern jedes Verunglückte nur durch die Darsteller geworffen wurde – wie jede Schauspielerin nur Kunst- und Platonische und gar keine andere Liebe fühlt – und wie jede Choristin ein braves Mädl ist – und wie jede Tänzerin nur deßwegen was annimmt, weil sie eine 65jährige Mutter, und eine 4jährige Schwester hat – das Alles – mit einem Wort, ich hab' es satt gekriegt. Stössl (hat ihn mit Wohlgefallen betrachtet) . Schad', schad'! Dir fehlt gar nix, als daß du ein Apotheker wärst. Philippine . Er is halt Mahler. Stössl . Was is ein Bild gegen eine Medizin! Conrad . O, meine Bilder haben auch pharmaceutische Wirckung, manchmahl herzstärckend, oft nur als Reitzmittel, auch grausenerregend – ich bin Portraitmahler. Philippine . Conrad, zeig' was Du kannst, mahl' unsern Vatern. Conrad (schnell seine Mappe öffnend, welche er auf den Tisch gelegt) . Bin immer in Bereitschaft, (zu Philippine) Lehnstuhl hergerückt, die erste Sitzung kann losgeh'n. Stössl (ablehnend) . Ich bin schon über d' Hälfte portraitiert, unser Zimmermahler hat mich recht sauber entworffen. Conrad . Warum hat er's nicht vollendet? Stössl . Es is ihm 's Engelroth ausgangen, eh' ich ganz fertig war. Aber weißt was, ein Familiengemählde können wir brauchen. Mahl' deine Schwester und ihren Bräutigam. Conrad . Das is aber keine Familie – Stössl . Die kommt nach, jetzt mahlst derweil die Hauptfiguren, und in a Paar Jahren pinselst ein Bub'n dazu mit ein'n Bertlesgarner-Schimmel, und im Hintergrund a Kind'sweib mit ein ganz ein'n Klein'n auf'n Arm; auf ein'n Bild hat gar viel Platz. Conrad . Ohne Zweifel ist Vetter Mathias der Glückliche. Wo bleibt er? Her mit ihm! Embarracieren, gratulieren, portraitieren –! wir haben keine Zeit zu verlieren. Philippine . Ich hol' ihn herauf, (indem sie zur Treppe hinter den Bogen eilt.) Mathies; Mathies,! er is da!! (ab.) 5 te Scene ( Stössl , Conrad .) Conrad . Wie ich bemercke, überhebt er Sie bereits des Geschäftes. Stössl . Ja sauber! – den hast auch Du auf'n G'wissen. Conrad . Wie so? Stössl . Ich werd glei wieder anfangen schiech z' werd'n. Vor Anderthalb Jahr hab ich ihn mit Comissionen ins Ausland g'schickt. Conrad . War das meine Schuld? Stössl . Aber spielen hat er dich g'seh'n unterwegs, in Dingsda – Conrad . War er Vierzehn Tage bey mir. Stössl . Hat Alles versaamt, und is verruckt z'Haus kommen – brüllt nix als Helden und winselt Liebhaber, und jetzt gar, seitdem die fliegende Trupp da is – Conrad . Ich habe mit Staunen vernommen, daß man hir in einer neuerbauten Arena, theatralischen Vorstellungen entgegen sieht. Die Bewilligung hiezu konnte doch nur von Ihnen ausgehen. Stössl (mürrisch) . Recommandationen, Rücksichten –, man muß, wenn man auch nit will; sie haben eine Schauspielerin, für die sich eine bedeutende Anzahl bedeutender Leute intressiert. – Aufs Monath reist die ganze Banda wieder fort. Conrad . Mittlerweile gewinnt aber des Vetters Theater-Manie an Nahrung und wächst – Stössl . Das is der Teufel. Conrad . Übrigens stünd' es ganz anders mit ihm, hätten Sie ihm vor Drey Jahren schon Philippine zur Frau gegeben. Stössl . Unter 20 Jahr lass' i keine Tochter heurathen, am allerwenigsten meine einzige; aufs Monath is ihr Geburtstag, da is schon Alles b'stimmt, 's Mädl hat das gehörige Alter, Ausstaffierung fertig, Heurathsgut – (zufällig nach der Treppe blickend) da kommt er – der Komödibüch'l-Phantast. 6 te Scene ( Philippine , Damisch ; die Vorigen .) Damisch (auf Conrad zueilend) . Conrad –! Conrad . Tausendmahl herzlich willkommen! Damisch (ihn entzückt betrachtend) . Dramatischer Vetter! hochtragischer Seelenverwandter! Stössl (ärgerlich für sich) . Fangt schon wieder an. Conrad (zu Damisch) . Ich bin nicht mehr, was Du sagst, und bin froh, daß ich's nicht mehr bin. Damisch . G'hört hab' ich's wohl; aber glauben kann ich's nit. Conrad . Warum nicht? Damisch . Daß es Leut' giebt, die nicht zum Theater geh'n, das find' ich noch begreifflich, – 's wär' auch nit gut, denn wenn All's zum Theater ging, gäbet's kein Publikum – wie aber Einer, der schon dabey war, wieder weggeh'n kann, freywillig aussa aus'n Begeisterungstempel in's schnöde Wirthschaftsleben –! da hab' ich keinen Begriff. Conrad . Du hast auch keinen Begriff von den Enttäuschungen, die gerade in dieser Bretter- und Leinwand-zusammengeflickten Coulissenwelt – Stössl (zu Conrad) . So is's recht, sag' ihm's nur. Damisch (zu Conrad) . Du kannst also leben ohne Ritterschwerdt und Federpirée, leben ohne Harnisch, ohne Flinserln und spanisch-gebuffte Unaussprechliche? Philippine (ängstlich zu Damisch) . Der Vater wird bös'. Conrad (zu Damisch) . Gelegentlich ein Näheres über alle diese Herrlichkeiten; jetzt mußt Du mir zu einem Probestück in meinem neuerwählten Kunstfache behilflich seyn. Damisch . Willst unser Laboratorium marmorieren? Conrad . Todte Wände beklecksen? Das mag wer da will, mein Pinsel gehört dem Leben und der Liebe, drum mahle ich den lebenden Mathies liebend, ich mahle ihn mit meiner Schwester, seiner Braut, (hat während dieser Rede begonnen, seine Farben, Palette etc. auszukramen, und zu ordnen.) Damisch (zu Philippine) . Mög'n S' Philippin'? Philippine . Ach ja! Stössl . Ihr müßts aber Jed's a Stellung machen. Conrad . Je ungezwungener desto besser. Stössl . Nix da,! ich will a Bild hab'n, wie sie's g'habt hab'n anno Dingsda – Conrad . Aha Sie meinen anno Dazumahl? o, das kann ich auch, die Braut so, mit einer Rose in der Hand – (zeigt die Stellung) der Bräutigam allenfalls die eine Hand aufs Herz gelegt, zärtlich auf sie hinblickend – (macht ebenfalls diese Stellung.) Damisch . Du machst aber a dumm's G'sicht. Conrad . Mach' Du nur Dein eigenes. Damisch . Ja, ich werd' so frey seyn. Conrad . Also setzt euch, wie ich's gezeigt. (Damisch und Philippine setzen sich in einiger Distanz vom Tisch.) Stössl . Zu meiner Zeit hab'n s' kein Mannsbild g'mahl'n, ohne Hand beym Chapodl, keine Jungfrau ohne Canarivogel oder Kiniglhaas. Conrad (während er zu mahlen anfängt zu Philippine und Damisch) . So ist's recht. Damisch . Ja was is denn das? Du mahlst schon, und vergißt die Hauptsach'. Conrad . Wie so? Damisch . Mir hat das ein bedeutender Portrait-Mahler g'sagt; wenn man ein'n Kopf unter d' Hand kriegt, so is das Erste, daß man ihn so lang umundum draht, und hin und her wend't, bis man den Punct find't, wo der wahre Geist herausschaut. Conrad . Dein Geist ist ja schon ein alter Bekannter von mir. Stössl (zu Conrad) . Was Teufel Du bist ja in die graue Färb hinein g'fahrn. Conrad . Hm, (den Pinsel abstreifend) ich bemercke es eben auch. Damisch . Das mußt Dir aufsparen, bis du einmahl ein'n Esel mahlst. Conrad . Ich begreiffe nicht, wie mir das gerade jetzt gescheh'n ist. Stössl . Plauschts nicht immer, er kann dich ja nicht treffen. Damisch . Mit'n Treffen wird's eh nichts sein. Conrad . Warum? Damisch . Meine seelenvollen aber heitern Züge nehmen immer einen melancholischen Anstrich an – wann ich dich anschau und an die Zeit denk – weißt noch, wie ich dich g'seh'n hab', in der »Maria Stuart« als Mortigall, (sich corrigierend) will i sagen, als Mortimer. (Declamiert folgende Stelle des Mortimer, indem er seinen Platz verläßt, und die Worte in Extase mit Action begleitet.) Der That bedarfs jetzt, Kühnheit muß entscheiden, Für Alles werde Alles frisch gewagt, Frey müßt ihr seyn, noch eh' der Morgen tagt. Stössl (grimmig) . Bist stad, und setz'st dich nieder!? Conrad (zu Stössl, besänftigend) . Das sind Paroxismen, die man austoben lassen muß. Damisch (der sich wieder auf seinen Platz begeben, zu Conrad) . Mahl' zu! du wirst es ja wieder finden, wo's d' steh'n blieb'n bist in mein'n G'sicht. Stössl (wie oben, drohend) . I treib' dir's doch noch aus dein' Passion! A Glück daß sein seeliger Vater das so ordiniert hat, daß er von sein'n Vermög'n kein'n Kreutzer kriegt, bis er verheurath't is; sonst wär' er im Stand der dalkete Bua – Conrad . Bua!? Sie thun ihm Unrecht, Vater, er ist Einunddreißig Jahre alt. Damisch . Acht Jahr' älter als der Don Carlos, wie er noch nix für die Unsterblichkeit hat gethan g'habt, – was is das?! Philippine (erschreckend) . Mathies –! ich glaub' gar Sie hab'n ein'n Plan –!? Damisch . Hab' i denn g'sagt, daß i zum Theater will? Philippine (fast mit Thränen) . Da wären wir verloren füreinander! Damisch . Is denn das a Sünd', wenn der Mensch a Acteur is? 7 te Scene ( Schofel ; die Vorigen .) Schofel (zur Mittelthüre lincks eintretend zu Stössl) . Sie haben bereits das Vergnügen mich zu kennen; zu was also sollst Dich erst melden lassen? hab' ich mir denckt – Stössl (in mürrischer Aufregung) . Sie kommen mir g'rad recht –! Schofel . Freut mich, das hör' ich gern, (auf die Anwesenden zeigend.) Die werthesten Angehörigen? Conrad und Damisch . Aufzuwarten. Schofel (sich Beyden präsentierend) . Theater-Director Schofel, allgemein als solcher bekannt. Stössl (wie oben) . Ich hab' Ihnen nur sagen wollen – Schofel . Daß ich Vormittag hätt' kommen sollen, weil Sie wünschen, daß ich immer bey Ihnen speis' – ? werde künftig unfehlbar – Stössl (wie oben) . Wer sagt Ihnen denn – Schofel . Daß Sie schon in Ängsten waren wegen einer Loge –? Hier haben Sie die einzige, die noch da is – Alles vergriffen – wenn aber Hochdieselben noch a Paar brauchen, werd' ich es schon möglich machen, (zieht ein Logenbillet aus der Tasche.) Stössl (mit gesteigertem Unwillen) . Ich begreiff nit – Schofel . Warum ich mich persönlich herbemüh'? – Ich weiß daß die hohen Gönner die höher'n Beträge lieber dem Betreffenden selbst einhändigen. (eine Hand aufhaltend, überreicht er mit der andern das Logen-Billet.) Stössl . Werd'n S' mich einmahl zu Wort kommen lassen? Ich geh' gar nit, und von meiner Famili derf noch weniger Ein's geh'n. Schofel . Kennimus! Das gehört in die Rubrick gnädiger Scherze. – Wir spielen die »Sappho« (einen Theaterzettel hervorziehend.) »Sappho« oder »Der ungetreue Grichen-Jüngling« oder »Liebesschmerz, und Meeressturz«. Conrad (welcher mittlerweile seine Schwester besänftigte, und im Mahlen fortgefahren ist, zu Schofel.) . Hahahahaha! »Sappho« in einer Arena –!! ohne Zweifel wollen Sie dieses, vom reinsten Hauch der Poesie durchwehte Meisterwerck, auch von irdischen Lüften ein wenig durchwehen lassen? Schofel (zu Conrad) . Junger Herr, mir scheint, Sie wissen nicht, was eine Arena is; Arena is die Vermählung der Kunst mit der Natur. Conrad . Arena ist der plumpe Finger, mit welchem man der dramatischen Kunst den Nimbus abstreift, wie vom Schmetterlings-Flügel den Farbenschmelz. Damisch . »Arena« heißt auf Deutsch »Sand«. Schofel . Und Sand ist ein curioses Kunstelement. Conrad . Allerdings zum in die Augen streuen. Schofel . Is g'scheidter als ein Bretter-Podium; warum soll die Kunst immer auf'n Holzweg gehn? Conrad . Schon die Tageshelle ist die Mörderin jeder Illusion. Damisch . Ein fester Künstler, der sicher is, daß er nit abbrennt, der stellt sich auch in die Sonn'. Schofel . Nur gewisse Künstlerinnen, in gewissen Jahren scheuen sich vor der Arena, wegen gewisse Teintfehler die s' beym Tageslicht nicht mit Wienerweiß so überhiaseln können, wie beym Lampenlicht. Conrad (zu Schofel) . Aber kommt es Ihnen denn nicht selbst lächerlich vor wenn Einer sagt: »Ha, wie erdrückt mich die dumpfe Kerkernacht!« – und dabey mit den Augen blinzelt, weil ihm die Sonne auf die Nase scheint? – oder wenn Damen im Blaffondlosen Salon sitzen, und ein kalter Herbstwind weht ihnen welcke Blätter in die Gockscheitel-Coiffure? – oder wenn ein Intrigant im July um 5 Uhr Nachmittag mit brennender Kerze das geheime Gemach durchschreitet – (den Ton und das Spiel des Intrigants parodierend) »Wo find' ich denn die Dokumente – ha – Geräusch – man kommt« – (mit natürlicher Stimme.) Das Licht entfällt ihm, er tappt herum – (wieder wie oben im Tone des Intrigants.) »Verdammt, ich kann den Ausgang nicht finden in der Dunkelheit« – (wieder mit natürlicher Stimme.) Wie kann man Kunst und Künstler so rücksichtslos der Verhöhnung preisgeben? Schofel . Ich bitt' Ihnen, zu was hätt' denn das Gesammt-Publicum, so wie jeder einzelne Publicus seine Fantasie? Conrad . Ich fühlte mich immer zum Mitleid angeregt, beym Anblick der Obdachlosen Kunst. Schofel . Lächerlich – Damisch . Die Kunst is ein G'schäft, und g'rad bey die großartigsten Geschäft' is man meistens nicht gedeckt. Stössl (aufgebracht) . Jetzt werd' ich aber glei – Schofel (ohne auf Stössl gehört zu haben) . Mein Geschäft is auch in der Arena gedeckt, gedeckt durch Zwey eminente Talente; das eine is meine Nichte, ein Geschöpf, begabt mit jeder Begabung, ein Geschöpf – Damisch . Mädchen? Frau? Wittib? Schofel . Bey ihrer Kunsthöhe werden so unbedeutende Distinctionen nicht berücksichtigt, da sagt man nur »Geschöpf« – Conrad . Und die andere Kunstgröße? Schofel . Bin ich selbst. Conrad . Ihrem Äußer'n nach, zweifle ich nicht im Geringsten, daß Sie im Komischen ganz köstlich sind. Schofel (mit Künstlerstolz) . Komisch? No, da kummeten S' mir z'recht – ich spiele »König Philippe«, »Belisare«, »Scheylöcke«, »alte Mööre« – Conrad . Im Hungerthurme müssen Sie sich gut ausnehmen. Schofel (ohne darauf zu achten) . Auch meine Würmer seyn nicht schlecht, der Wurm in »Cabale und Liebe« ist mir besonders gelungen. Und an meinem »Don Valeros« kann Jeder lernen – Conrad . Es giebt nichts Lehrreicheres als abschreckende Beyspiele. Schofel (wie oben, deklamiert ein Paar Verse des Don Valeros) . Und der Augen hohle Bogen, Wie von Zorn herabgezogen, Schien der stumme Mund zu sagen: »Räche mich ich bin erschlagen.« Damisch (fällt, das Stichwort erfassend, mit den darauffolgenden Versen des »Hugo« ein) . Ja so ist's – die Höll' ist offen, Und ihr falber Wiederschein Leuchtet in die Nacht hinein, Daß die Wege sichtbar werden, Die der Teufel geht auf Erden. Schofel (wie oben, mit gesteigerter Begeisterung, und großartiger Action) . Ungeheuer, das der Nord Auferzogen hat zu Mord, Und gereift des Südens Gluth –! Damisch (wie oben, in größtem Affect) . Nun ist's gut, die Flamme brach Mit dem Worte, das ich sprach, An das Tageslicht heraus, Ausgebrannt, doch ruhig steht das Haus. Stössl (losbrechend) . Himmeltausendsaprawalt, jetzt wird's mir z'viel! Schofel (zu Stössl) . Der junge Mann hat ein ungeheuer verstecktes Talent. Stössl . Komödi spiel'n! in mein'n Zimmer fangen s' an Komödi z' spiel'n!! Philippine (eilt zu Stössl, ihn zu besänftigen.) Conrad (leise zu Schofel) . Der Vater ist in übler Laune, es wird gut seyn, wenn Sie – (mit der Bedeutung er möchte sich entfernen.) Damisch (schnell und leise zu Schofel) . Sag'n S', Sie brauchen was aus der Apotheken, damit ich allein mit Ihnen reden kann. Schofel (zu Stössl) . Eh' ich geh' möcht' i nur noch aus Hochdero Medikamentenfabrick – Stössl . O, da is allerhand, was ich Ihnen geben möcht'. Schofel . Ich brauch was für's Übelwerd'n; ein Theaterdirector hat gar viel Geleg'nheit dazu. Damisch (Schofel unter dem Arm nehmend) . Kommen S' nur, Herr Directeur, ich werd' Ihnen schon was aussuchen, was Herz und Magen stärckt. Schofel (zu Stössl und Conrad) . Habe die Ehre, (geht mit Damisch rechts durch den Bogen, nach der Apotheke hinab.) Stössl . Wann ich könnt', wie ich wollt' –, aber die höllischen Rücksichten! Ich überleb's nit, bis die Banda wieder fort is aus der Stadt. Und dieser Mathies –! Er is mit ihm hinab – (argwöhnisch.) Zu was? 's is ja der Subject unten – da is was in Werck –! Den werd'n wir behorchen, den Diskurs, (eilt mit Vorsicht leise auftretend durch den Bogen, nach der Apotheke hinab.) 8 te Scene ( Conrad , Philippine , dazu Spornhofer .) Philippine (jammernd) . Du wirst sehn, Bruder, mich bringt das leidige Theater noch um mein'n Bräutigam. Conrad . Wenn ich nicht der wachsame Schutzgeist eu'res Bundes wäre. Spornhofer (zur Mitte eintretend; er spricht in norddeutschem Dialect, und hat das auffallende Äußere eines norddeutschen Comödianten) . Hir, sagt mir die Hausmagd, werde ich Herrn Stössel finden. Conrad (zu Spornhofer) . Sie sind Schauspieler? Spornhofer . Hab' ich das schon gesagt? Conrad . Nein, aber man kennt s' meistens auf Hundert Schritt. Spornhofer . Mein Nahme, bekannt soweit die deutsche Zunge spricht, ist Spornhofer (setzt sich.) Philippine (leise zu Conrad) . Kennst du ihn? Conrad (zu Philippine) , Nur par renomée; die deutsche Zunge giebt ihm auch einen Beinahmen, indem sie »Krakehler«, »Trincker«, »Schuldenmacher« und sonstige Mauvais-sujet-Ingredienzen in Eine Silbe preßt. Spornhofer . Sie sehen in mir den ersten Helden und Liebhaber von Schofel's Entreprise. Conrad . Da möcht' ich Ihnen wohl rathen ein andermahl zu kommen – Spornhofer (beleidigt, auffahrend) . Wie –!? was –!? abweisen, mich –?! Conrad . Mein Vater wurde eben durch Ihren Principal, der wahrscheinlich noch im Hause ist, in die übelste Stimmung versetzt. Spornhofer (erfreut) . Bravissimo! wer wird auch nicht empört seyn über diesen schoflen Schofel, diesen Kunstmörder, diesen Genie-Unterdrücker, diesen Schauspielerhautüberdieohrenabzieher – (man hört Lärm unten in der Apotheke, und vernimmt Stössl's und Damisch's Stimme.) Stössl (unten) . Himmel – – Million tausend – Damisch (unten) . Was zu arg is, is zu arg! ich werd –! Stössl (unten) . Du Pursch du! wart' –! (man hört in der Apotheke unten eine Thüre heftig zuschlagen.) Spornhofer . Was ist da los –? Philippine (erschreckend) . Himmel –! Spornhofer (zu Conrad) . Am Ende warf Ihr Vater meinen Director zur Thüre hinaus?! ich votiere ihm den Danck der Menschheit –! Conrad (welcher zur Treppe im Bogen geeilt ist) . Da ist er – 9 te Scene ( Stössl ; die Vorigen ) Stössl (durch den Bogen rechts aus der Apotheke heraufkommend, in heftiger Aufregung) . Hab' ich's troffen, oder nid? Familienverrath, häusliche Meuterey – Conrad . Was ist denn geschehen? Stössl . Heimlich abg'macht hat er's mit dem sauberen Schofel, daß er 'n aufs Theater laßt, und d' Vorstellung von oben anschau'n kann. Ich hab' aber den wahren Riegel vorg'schob'n, ins Laboratorium hab' ich'n eing'sperrt. Spornhofer (vortretend, mit getäuschter Erwartung) . Und meinem Director haben Sie gar nichts gethan? Conrad . Aber Vater – Stössl (zu Conrad) . Was wollen Sie? (zu Spornhofer) wer ist der? (sich corrigierend) will ich sagen – (zu Conrad) wer is der? (zu Spornhofer) was wollen Sie? Conrad . Dieser Herr hat, glaube ich, eine Beschwerde gegen Herrn Schofel vorzubringen. Stössl (triumphierend) . Gegen den? (freundlich zu Spornhofer.) Heraus damit! Spornhofer . Staatskluger Greis – Conrad . Und wir (Philippine an der Hand nehmend) begeben uns zu dem Inhaftierten; nicht Thür und Riegel, nein, Zwey Worte der Liebe von Dir gesprochen, und ein Bild der dramatischen Dornenbahn, von mir mit dem Feuer der Rede photographiert, hält ihn vor tollen Streichen weit sicherer zurück. Komm Schwester! (geht mit Philippinen, durch den Bogen rechts nach der Apotheke ab.) 10 te Scene ( Stössl , Spornhofer .) Stössl . Jetzt klag'n Sie nach Gusto je mehr desto besser! Spornhofer . Meine Klage ist das alte Lied; die Directoren behandeln uns schlecht, sie glauben, weil sie uns Gage zahlen, müssen wir ihnen dienstbar seyn, das ist doch gegen alle Menschenwürde. Sehn Sie, ich bin Schofel's Perle, sein Juwel, nur mich will das Publicum sehen, ohne mich muß er seine Schmiere schließen. Stössl . O, das wär' g'scheidt! aber Sie werden halt Contract haben? Spornhofer . Allerdings existiert so eine juridische Lächerlichkeit, ein Verpflichtungswisch – nun macht mir aber ein anderer Director bessere Bedingungen; doch wie komme ich los? Stössl . Ja, das wird nit geh'n. Spornhofer . Erhabener Großwürdenträger dieser Stadt. Sie allein können es möglich machen, wenn Sie mir ein ganz kleines Urkundchen zur Abreise – Stössl . Ich hab' glaubt, Sie hab'n ein'n andern Plan; aber blos weil S' mehr krieg'n, wollen Sie aus einem Höllenpfuhl in den andern, da hilf i nit mit. Spornhofer (bey Seite) . Nu, krieg ich ihn doch herum. (zu Stössl.) Ich will Ihnen mein ganzes Vertrauen schencken, hochgefeierter Pharmaceute; mich bestimmen edlere Motive, ich möchte einem Stande entfliehen, der sich mit meinen Grundsätzen nicht verträgt. Stössl . Warum haben Sie das nicht gleich g'sagt? Spornhofer . Mich drängt es einen Vater zu versöhnen, der, dem Theater abhold, mir seit Acht Jahren in einem fort flucht. Stössl . Sehn Sie, was das is. Spornhofer . Ich habe eine Mutter, – sie ist eine Apothekerstochter – die Tausend Thränen weint, weil ich den ihr verhaßten Stand ergriffen. Stössl (gerührt) . Eine Apothekerstochter weint – Spornhofer . Ich habe eine Geliebte die dem Grabe zuwelckt, weil ihr Vater keinen Schauspieler zum Schwiegersohn will. Stössl . Sie müssen gerettet werden, ich stell' Ihnen ein Certificat aus – (setzt sich zum Schreiben.) Es ist freylich nicht meines Amtes – (zögert etwas.) Spornhofer (dieß bemerckend) . Ich hab' auch ein Großmütterchen, das zitternd am Stabe wanckt – Stössl (indem er gerührt zu schreiben anfängt) . Das sind die Folgen, wenn a junger Mensch zum Theater geht. Spornhofer . Auch eine blinde Muhme hab' ich, die sich freut auf das Wiederseh'n – Stössl (während er schreibt) . Genug, der allgemeine Familientrost bleibt nit aus. (aufstehend) – Da hab'n Sie das Certificat – (übergiebt ihm die Schrift, man hört von Außen ein Posthorn.) Spornhofer . Die Postchaise bläst eben das erste Signal – Stössl . Da sind nur mehr Fünf Minuten – tummeln S' Ihnen und leb'n Sie wohl. Spornhofer . Möge Sie Ihr Bewußtseyn dafür trösten, wenn Ihnen Deutschland grollt, daß Sie es um die Kunstgröße Spornhofer ärmer gemacht, (eilt zur Mitte lincks ab.) 11 te Scene ( Stössl , allein.) Stössl . Wieder ein Verirrter, dem sein guter Stern heimleuchten thut. – Ich werd' einige Verantwortlichkeit haben – Verdruß – denn eigentlich sollt' ich nit – und Aufseh'n wird's machen – am End' hätt er gar heut' spielen soll'n – da liegt ja 's Comödizettel – (nimmt den Zettel, welchen Schofel auf dem Tisch liegen ließ, und überliest ihn schnell.) »Phaon« – richtig – »Phaon, Herr Spornhofer« – da hab'n wir den Teufel – (überlegend.) G'scheidter wär's, wenn er erst Morgen Früh – (man hört das Posthorn wie früher) zu spät –! – jetzt fahrt s' fort die Ordinari, das Schicksal geht seinen Gang, (mit selbstzufriedener Resignation.) G'scheh'n is g'scheh'n. – Das wird eine Mord-Confusion –. (mit Stolz.) Aber ich beglück' eine Famili, und ruinier' eine Comödi – das is der glorreichste Tag meines Lebens! (man hört unten, wie früher, gegen die Thüre poltern, Stössl eilt durch den Bogen die Treppe hinab nach der Apotheke ab.) 12 te Scene ( Damisch .) Damisch (kommt erbost von der Apotheke herauf) . Mein Vormund wird sich wundern; was in einem Menschen steckt, kommt auf einmahl an's Licht. Beruf is einmahl Beruf, und über'n Beruf kann man in Voraus nicht aburtheil'n. Ja, wenn ich ein anderer Gegenstand wär'! aber ich bin ein Mensch; nur bey andern Gegenständen sieht man's und weiß, was d'raus wird, bey einem Menschen aber, da kann man gar nix in Voraus wissen. Couplet 1.                               Aus einer Weinbeer wird der Most,     Wenn man s' im Büttel z'sammastoßt,     Und aus dem Most, das weiß man eh',     Da thut entsteh'n der Heurige;     Der Heurige thut älter werd'n,     Und wird ein Wein, man trinckt ihn gern.     Auf d' Letzt' wird ein Haarbeutel d'raus –     So wachst sich eine Weinbeer aus. A Köchin aus Budweis giebt's nobel, und wie! Beym Sperl sagt s': »Mit Handwerkern tanze ich nie.« Im Diskurs thut s' oft wällische Brocken auskramen, Und sagt, sie thut von ein'n Marchese abstammen; So lang s' ruhig red't, geht's; doch in der Hitz' rutscht ihr aus: Ich bin von Talien bey Venedig z' Haus, – Einer Weinbeer, der sieht man's – einer Böhmin nicht an, Auf was sie sich Alles hinauswachsen kann. 2.     Der Esel jung thut neckisch seyn,     Wird älter er, spannt man ihn ein,     Und so bleibt er mit graue Haar,     Derselbe Esel, der er war;     Und is er todt, so wird verwendt     Die Eselshaut zu Pergament,     Aus dem wird ein Diplom daraus,     So wachset sich ein Esel aus. A blau's Fürtuch, grün's Kappel, das hat er getrag'n, Als Hausknecht, hat Heu geb'n, hat g'schmiert jeden Wag'n. Nach Zehn Jahr'n da war schon sein Kappel gestickt, Nach Zwölf Jahr'n haben s' als Deputierten ihn g'schickt, Und jetzt hat'r a Haus, is ein g'wichtiger Mann, Der in der G'meinderaths-Sitzung drinn angiebt den Ton. Ein'm Esel, dem sieht man's, doch ein'n Hausknecht nicht an, Auf was er sich Alles hinauswachsen kann. 3.     Die Haselnuß, so winzig klein,     Legt man sie in die Erd' hinein,     Währt es geraume Zeit oft auch,     So wird doch endlich d'raus ein Strauch;     Der Strauch der wachst gedeihet sehr,     Erzeugt den schlancken Haslinger.     Aus dem werd'n Fünfundzwanzig daraus,     So wachst die Haselnuß sich aus. Ein schwärmender Jüngling der seufzet und schmacht't, Von der Bertha da schwärmt er bey Tag und bey Nacht; Der Jüngling wird Bräutigam, Gatte sogar, Mit der Bertha is er schon verheurath't Zwey Jahr'; Doch will sich jetzt d' Bertha zu was nicht bequemen, Thut vom Kasten er 's spanische Röhrl gleich nehmen. Einer Haselnuß der sieht man's, doch ein'm Schwärmer nicht an, Auf was er sich Alles hinauswachsen kann. 4.     Ein winzigkleines Matzihaserl     Das sitzt und memmerlt an ein'n Graserl;     Das Matzi-Haserl wachst sich an,     Und wird ein dicker Haas' sodann;     Der Jäger schießt und trifft ihn starck,     's Tag's drauf hängt er aufn Wildprätmark.     Zuletzt wird ein Cylinder draus,     So wachst ein Matzi-Haas sich aus. Einer hat sich als Redner sehr viel zugetraut, Wer and'rer Meinung war, den hat er g'fressen aufn Kraut, Wo a G'leg'nheit nur war, is er allemahl frisch Zum Red halten h'naufg'sprungen wo auf ein'n Tisch, Ganz stolz is'r auf n Pferd allweil g'ritten herum, Als Zimmerputzer reit't er auf der Bürsten jetzt um. Einem Haasen dem sieht man's – ein'n Bramarbas nie an, Auf was er sich Alles hinauswachsen kann. 5.     Man steckt in d' Erd ein'n Kerschenkern,     's thut nach und nach ein Pflanzerl werd'n,     In Sechs bis Sieben Jahren kaum     Wird draus ein hübscher Kerschenbaum,     Von dem man Kerschen profitiert,     Bis er nach Zwanzig Jahr'n umg'haut wird,     Dann wird ein Schubladkasten draus,     So wachst ein Kerschenkern sich aus. A Zündhölzel-Bua fangt mit Dreißig Kreutzer an Sein'n Handel; 's werd'n d'raus Dreyßig Gulden sodann; Da giebt er's schon nobler, thut mit Loos' hausier'n, Und weil er Geschäfte jetzt macht in Papier'n, So reitzt's ihn auf d' Börs' z' geh'n, in Nordbahn macht er, 's wird der Zündhölzel-Bua volli a Millionär. Ein'm Kerschenkern sieht man's, ein'n Hausierbub'n nicht an, Auf was er sich Alles hinauswachsen kann. 6.     Ein Füllerl kommt zur Welt au'm Land,     Weil's weiß is, wird's ein Schimmel g'nannt,     Und weil das Schimmerl Habern frißt,     Das Schimmerl bald ein Schimmel ist;     Der Schimmel thut Schabraken trag'n,     Und endet vor ein'n Ziegelwag'n.     Aus seine Haar' ein Unterrock wird d'raus,     So wachset sich ein Schimmel aus. Ein Afrika-Mohr hat ein'n kohlschwarzen Buabn, Nach Europa verschlagt ihn des Schicksals Stuam; Dort bleicht er sich, doch was'r an Schwärze verliert, An Kunstsinn und Weisheit er reich profitiert; Völlig blaß hat er'n ganzen Shaquespeare einstudiert, Bis ein lichter dramatischer Künstl'r aus ihm wird. Ein'n Schimmel, dem sieht man's, doch ein'n Mohren nicht an, Auf was er sich Alles hinauswachsen kann. 7.     's gräbt Ein'r in d' Erden kommt auf Lahm,     Er nimmt den Lahm, und tragt ihn ham;     Und weil der Mann ein Hafner is,     So thut er'n Lahm auf d' Scheibn'n so g'wiß,     Stellt dann das Ding in Sonnenschein,     Und nacher gar in Ofen h'nein;     Zuletzt wird dann ein Plutzer d'raus,     So wachst das Stückerl Lahm sich aus. Ein Wunderkind giebt mit Sieb'n Jahr'n schon Concert, Mit Neun Jahr'n componiert's neue Walz'r, unerhört! Mit Zwölf Jahr reist 's Wunderkind schon nach Paris, Mit Fufzehn Jahr'n 's Wunderkind z'ruckkommen is, Mit Achtzehn Jahr'n 's Wunderkind, ui das Spectakl Is 's Wunderkind nix als ein ung'schickter Lakl. Em'n Lahmpatz'n dem sieht man's, doch em'n Wunderkind nicht an, Auf was es sich Alles hinauswachsen kann. (Ab.) Verwandlung (Die Bühne stellt eine Arena vor, und zwar den Raum wo gespielt wird. Die Kulissen, von Bäumen überragt, erscheinen dem Publikum von der Rückseite. Auf der vierten Kulisse läuft quer über die ganze Bühne jene 7 Fuß hohe Wand, welche in der Mitte sich theilen läßt und welche in den Arenen die Stelle der Cortine vertritt. Auf dem Bühnenraum sind alle Versetzstücke angebracht, welche die Dekoration im Trauerspiele »Sappho« vorschreibt, die Säulenhalle mit Stufen, welche den Eingang zu Sappho's Wohnung bildet, ist rechts. Sämtliche Dekorationsstücke sind mit der Rückseite dem Publikum zugewendet; oben durchaus freyer Horizont.) 13 te Scene ( Maxner , Krammer , Fink , Spindl (in ihrer eigenen Kleidung), Männliches und Weibliches Theaterpersonale (sämtlich im Costum des Trauerspieles »Sappho« gekleidet, als griechisches Volk; einige vom weiblichen Personale als Sclavinnen Sappho's), Theater-Arbeits-Personal (in ihrem Arbeitsanzug).) (Es ist eine ängstliche Spannung und hin und her Eilen sichtbar. Die 7 Fuß hohe Cortin-Wand, jenseits welcher sich das Arena-Publicum befindet, ist geschlossen.) Krammer (zu den ihn Umgebenden) . Das ist ja schrecklich, jetzt soll angefangen werden! Maxner (in seinem Arbeits-Anzug als Theatermeister) . Das Publicum wird ungeduldig, »um Sechs Uhr Anfang« steht auf'n Zettel – Fink . Und viertel auf Sieb'n is schon. Krammer . Er muß ja doch – Maxner (zu Krammer) . Pariern S', Herr Regisseur, daß er durchgangen is? Krammer . Das wäre schrecklich –! (Man hört das Publikum außerhalb der Cortin-Wand applaudieren.) 14 te Scene ( Schofel ; die Vorigen .) Schofel (tritt von Seite lincks, wo die Garderoben angenommen werden, auf. Er ist im Kostüm des »Rhamnes« gekleidet, mit einer grauen Glatzen-Perücke und hat einen grauen Vollbart nur an einem Ohre befestigt herabhängen; er raucht aus einem Ulmerkopf) . Na was is denn? Overtur,! Overtur! warum spiel'n s' denn nit auf in Orchester? Krammer . Wir können nicht anfangen, Herr Spornhofer ist noch nicht da. Schofel (erschrocken) . Was?! der kommt glei in der Zweyten Scen'; er muß da seyn! Maxner . Das is leicht g'sagt, aber – Schofel . Kreutzmillion –! (zu Fink) Inspicient, warum melden Sie das jetzt und nit schon vor einer Stund' –? Maxner (zu Schofel) . Wie kann er denn um Fünfe schon melden, daß der Spornhofer um Sechse noch nit da is? Fink . Und er bleibt immer bis zum letzten Augenblick im Wirthshaus. Schofel (zu Fink) . Sie sind schuld; von diesem Moment an sind Sie brodlos; bringen Sie mir morgen die Stempelgebühr, und Sie erhalten das Entlassungs-Dekret. Spindl . Herr Director, ich habe eine Bemerckung gemacht. (man hört, wie früher, das Arena-Publicum applaudieren.) Schofel (desperat) . Das hab'n wir's! sie wollen mit G'walt a Stuck hab'n! Spindl . Herr Director ich sah circa Fünf Uhr Herrn Spornhofer in die Eilkutsche steigen. Schofel . Durchgangen!? abg'fahr'n!? und das verschweigen Sie –? Spindl . Ich bin nur im Soufleur-Kasten zu reden verpflichtet. Schofel . Sie sind auch brodlos! versteh'n Sie mich?! Spindl (achselzuckend) I nu –! Maxner (leise zu Schofel) . Bedenck' was du thust; er is Soufleur, und du spielst selber noch Comödie. Schofel (leise zu Maxner, eingeschüchtert) . Ja, ja – du hast recht – Maxner (wie oben) . Mit dem derfst du dich nie verfeinden. Schofel (wie oben) . Sag ihm, er is meiner Anstalt unentbehrlich, und du wirst die Sache vermitteln – Maxner . Zu was! sag' ihm selber »Sie bleiben wieder«. Schofel . Nein, so g'schwind umsatteln is gegen mein Prinzip. Maxner (Spindl unter dem Arm nehmend, mit Beziehung auf Schofel) . Er is nur in der Rage, gleicht sich Alles wieder aus. Spindl . Denck' es auch; ich soufliere, und weiter – Maxner . Versteht sich, Sie hab'n da g'nug z' thun. 15 te Scene ( Rosaura ; die Vorigen ) Rosaura (im Kostüm als »Sappho« von links auftretend) . Alles auf die Plätze! (zu Krammer) Machen Sie Ordnung, Herr Regisseur, es kann anfangen, ich bin fertig. Schofel . Wär z' wünschen! Fang' an ohne Phaon wannst kannst. Rosaura . Wie – Spornhofer – !? (mit der Bedeutung, als ob er wie gewöhnlich zu viel getruncken hätte.) Es wird wohl nur vorübergehend seyn? Schofel . Nein, dasmahl is es durchgehend, er is abg'fahr'n. Rosaura . Unmöglich –! ich gehe nicht ab von dieser Rolle, mir liegt Alles daran – Krammer . Wo nehmen wir aber einen Phaon her?! Schofel . Könnt' man denn den Phaon nit herausstreichen? Krammer . Wo dencken Sie hin? Rosaura (zugleich; leise zu Schofel) . Blamieren Sie sich nicht. Schofel . Oder ich spiel' ihn zum Rhamnes dazu. Krammer . Das geht auch nicht. Schofel . I kann doch die Einnahm' nit fahren lassen. Da müssen wir ein andres Stuck geben. Rosaura (zu Schofel) . Nein, nein, »Sappho« muß seyn; Sie wissen, welch großen Zweck ich gerade an diese Rolle knüpfe. Schofel (zu Krammer) . Zieh'n wir Eine von die Madln als Phaon an; 's Madl deut't, und der Soufleur red't. Krammer . Das geht nicht. Rosaura (zu Schofel) . Schaffen Sie einen Phaon her! warum schließen sie keine bündigeren Contracte. Schofel , 's Durchgehn is erst so in Schwung seitdem die Contract' existieren. Krammer . Nitimur in vetitum – 16 te Scene ( Damisch ; die Vorigen .) Damisch (aus Seite rechts kommend) . Noch nit ang'fangt? Das is g'scheidt, ich hab schon g'forchten, ich komm z' spat. Schofel . O, wär'n S' lieber ganz z' Haus blieb'n –! Damisch . Sie hab'n aber erlaubt, daß ich – Schofel . Sie kommen zu ein'n Malör – der Phaon is britsch. Damisch (erstaunt) . Was!? Rosaura (leise zu Schofel) . Ist das der junge Mann, von dem Sie mir sagten – ? Schofel . Daß er alle Trauerspiel' in klein'n Finger hat; ja, der is's. Rosaura ! Wenn er aus Gefälligkeit – (zu Damisch) mein Herr – Damisch (sich zu Rosaura wendend) . Sie befehlen –? (über ihren Anblick ganz perplex) Gott, diese Gestalt –! Rosaura (zu Damisch) . Sie könnten – Sie allein – der Rettungsanker seyn im Sturm der Gefahr. Damisch . I sag' gar nix, als: Gott, diese Gestalt –! so hab'n sie ausg'schaut die alten Grichinnen, wie sie noch jung waren, wie noch die Mithologie ihr Remissori hat trieb'n am Fuße des Olymp. Rosaura . Bringen Sie der Kunst, der Künstlergesellschaft, vor Allem mir ein Opfer – Damisch . Ja wie denn? was denn? Rosaura . Spielen Sie den Phaon. Damisch . Den Phaon? ich soll – Schofel . Das is a Idee die in d' Welt taugt. Sie können Alles auswendig – Damisch . Ja aber – Schofel . Sie haben ein schlummerndes Talent, das muß aufg'weckt werd'n, Sie haben ein angebor'nes Pfund, das derffen Sie nicht vergraben. Rosaura . Seyn Sie nicht unerbittlich. Damisch . Ich thät's ja gern, auf das Bisserl Phaon kommt's mich ja nicht an, aber – Rosaura . Sie machen eine junge Künstlerin glücklich; grausamer Mann, genügt Ihnen das nicht? soll ich noch mehr sagen? Damisch (im höchsten Entzücken) . Gott –! so red't sie, die Gestalt –! ich spiel' Alles, Alles – (plötzlich kleinlaut) aber wann mich wer kennt – Krammer . Zufällige Ähnlichkeit – Schofel . Einer sieht dem Andern gleich. Sie warn's nicht, wird abdisputiert. Rosaura . Und im Kostüm – Damisch (mit freudiger Aufwallung) . Kostüm? i krieg' a Kostüm –?! a Gricheng'wandl, ein'n Phaon-Anzug –! Rosaura . Wie herrlich wird sie dieß – (man hört von Außen das Arena-Publicum applaudieren.) Schofel (ärgerlich gegen die Cortin-Wand) . Na ja, ja!, brennt's denn? Damisch . Was bedeut't denn das? Rosaura . Das Publicum will Sappho an der Seite ihres Phaon's seh'n. Damisch (entzückt) . Sie applaudier'n jetzt schon, und i bin noch in Civil –? Kostüm! nur viel Kostüm her!, ich zieh' Alles an, ich spiel All's, ich thu' All's –! Krammer (in die Coulisse links rufend) . Gardrobier's! Gardrobier's! Nur schnell, schnell –! (er hat Damisch unter dem Arm genommen, und eilt mit ihm zur Seite lincks ab.) 17 te Scene ( Die Vorigen ohne Damisch ) Rosaura . Nur annoncieren! geschwinde! Schofel . Wo is denn mein Regisseur, er soll – Rosaura . Nein Onkel, Sie selbst müssen – Maxner . Wenn einmahl 's Publicum so aufgeregt is, da muß der Director selber – Schofel (ärgerlich zu Maxner) . I weiß nit, Du schaffst so herum mit mir – (stolz.) Das is gegen mein Prinzip; meiner Seel', wenn ich Dir nit so viel schuldig wär', ich dancket dich auch ab. Maxner . Na, na, mach nur. (Der Regisseur kommt aus Seite links zurück.) Schofel . Aufzieh'n! Maxner . Gib dein'n Bart her! (nimmt Schofels Bart in Verwahrung.) Krammer . Platz vom Theater! (Das sämtliche Personale zieht sich zu beyden Seiten in die Coulissen zurück.) (Rosaura entfernt sich in die Coulisse lincks.) (Vier Theater-Arbeiter laufen an die Cortin-Wand, und packen dieselbe, Zwey rechts, zwey lincks, an der Quer-Latte.) Schofel . Nazi! halt' mir die Pfeiffen! (giebt seine Pfeiffe einem an der Coulisse stehenden Arbeiter.) So jetzt! Krammer . Auf! (Die Cortin-Wand wird von den Arbeitern die eine Hälfte rechts die andere lincks in die Coulisse geschoben, wodurch sich die Aussicht auf das Arena Publicum eröffnet, welches amphitheatralisch, theils aus lebenden, theils aus gemahlten Personen bestehend, sich praesentiert.) Schofel (tritt gegen das Arena-Publicum vor, (folglich für das wirckliche Publicum nach rückwärts) und spricht) . Hohe Anwesende! es war Einer abwesend, der Darsteller des Phaon nehmlich war in einem Zustand von Abwesenheit, welcher seine Anwesenheit verhinderte. Da dieser Übelstand bereits sich gehoben hat – so wird das verehrteste Publicum um gefällige Selbstberuhigung ersucht, indem in der kürzesten Frist durch die Anziehungskraft Zweyer Schneider, auch in Betreff der äußeren Erscheinung, dem Kunstgenuß erhabener Gönner möglichst Genüge geleistet werden dürfte, (macht tiefe Complimente gegen das Arena-Publicum, welches applaudiert; die Vier Theaterarbeiter schieben wieder aus beyden Seiten die Cortin-Wand zusammen, worauf sich die Bühne wieder mit dem aus den Coulissen hervorkommenden Theaterpersonale füllt.) Krammer (zu Schofel) . Der Herr Director haben sich ausgezeichnet aus der Affaire gezogen. Schofel (mit selbstgefälliger Wichtigkeit) . Vorbereitet is es keine Kunst, aber ex abrupto – Fink (mit kriechender Schmeicheley) . Wenn s' in England so einen Redner hätten im Parlament. Schofel (mit affectierter Bescheidenheit) . Warum, sie hab'n schon dort auch ihre Leut' – Fink (wie oben) . Es giebt halt doch nur Einen Schofel! Schofel . Keine Schmeicheley, das is gegen mein Prinzip. Übrigens – Sie verbleiben wieder bey meiner Anstalt, (rufend) Krammer –! (hängt sich in den Regisseur ein, und geht mit ihm nach Seite lincks ab.) Fink (zu einigen Arbeitsleuten, welche während dem Vorigen in der Nähe gestanden) . Sehts, so geht er auf'n Leim – o, den kenn' ich! (entfernt sich mit den Arbeitsleuten in die Seite rechts.) 18 te Scene ( Lisi , Mali , Maxner ) (Theater-Personale in Kostüm, geht fortwährend promenierend auf der Bühne ab und zu.) Mali (im Costüm als Eucharis) . Die Freud' auch wieder verdorb'n! jetzt wird doch g'spielt. Lisi (im Costüm als Melitta) . Ich wär' trostlos g'wesen, wenn ich um die Melitta kommen wär'. Maxner . Na, Madln, nehmts öng z'samm heut, voll is's unbändig. Lisi . Werden wir seh'n, ob die Directrische, als Sappho, mich verdunckelt, oder ich sie. Mali . Wenn der Vater nur schon die Direction hätt'. Maxner . Ruhig Kinder, nit vorlaut! (den Finger auf den Mund legend zur Seite links ab.) Lisi . Da wurdet s' gedemüthigt die aufblas'ne Fräule Rosaura. Mali . Da derf gar kein Stuck mehr geb'n werd'n mit so ein'n faden grichischen Anzug; die Charaktere mit die feschen Spenserln, das is mein Fach. 19 te Scene ( Inslbull ; die Vorigen ohne Maxner .) Inslbull (von Seite rechts auf die Bühnen kommend) . Ich haben nicht verstanden, der Annonce von der Directeur –. Wird gespielten, wird nicht gespielten –? ich werden fragen Mamsell Rosaura. Mali (zu Lisi) . Das is der Directrischen ihr Engländer. Lisi (erstaunt) . Jetzt is er ihr richtig nachg'reist –! Mali (wie oben) . Hat die G'schnaufte a Glück –! 20 te Scene ( Ein Wächter ; die Vorigen .) Wächter (von Seite rechts auftretend zu Inslbull) . Erlauben Sie, ich hab' vom Herrn Rathsvorstand den strengsten Befehl, daß Niemand vom Publikum aufs Theater derf. Inslbull . Dieser Befehl ist sehr gut – da, haben Sie Zwey Dukaten, (giebt ihm Geld) lassen Sie herauf Niemand, ich lieben es, zu seyn ungeniert. Wächter . Euer Exlenz – (verneigt sich tief, und geht rechts ab.) 21 ste Scene ( Die Vorigen ohne Wächter .) Mali (zu Lisi) . Ein interessanter Mann is er. Lisi . Auf mich hat er einmahl curios geschmacht't. Mali . Und auf mich erst! Lisi (zu Inslbull) . Ungeheuer voll muß es seyn, und die Hitze – Mali (zu Inslbull) . Hir is es lüftiger; diesem Umstand verdancken wir wahrscheinlich das Vergnügen Ihnen hir – Inslbull (ohne eine von Beyden anzusehn) . Lassen Sie mir ungeschoren seyn. Lisi (zu Mali) . G'schieht dir recht, warum bist so aufdringlich. (zu Inslbull) Es ist für die Leistungen unserer Gesellschaft höchst schmeichelhaft – Inslbull (ohne von obiger Rede Notiz zu nehmen, der von links aus der Coulisse kommenden Rosaura einige Schritte entgegengehend) . Ah, da sind sie ja! 22 ste Scene ( Rosaura ; die Vorigen .) (Lisi und Mali verlieren sich unter dem Personale.) Rosaura (zu Inslbull) . Die Hindernisse sind beseitigt, und Sie werden mich nun doch als Sappho bewundern. Inslbull . Ich bewundere Alles, was ist an Ihnen. Rosaura . Ihre Kälte seit einiger Zeit ließ mich fast das Gegentheil vermuthen, und weil Sie mir so schleunig hieher nachgereist – Inslbull . Warum Sie reden so viel? Ich bewundere Sie, weil Sie sind das Frauenzimmer, wegen welches ein Mann sich hat umgebracht um das Leben. Rosaura . Wie kommen Sie jetzt auf jene unseelige Geschichte?! Inslbull . Weil ich durch Ihnen wollte erproben an mir, wie das ist, wenn man sich bringt um aus Liebe. Aber, God dam, ich leben noch immer so, wie ich haben gelebet, als ich sie habe noch nicht geliebet. Rosaura . Fort mit diesen gräßlichen Bildern! Welchen Reitz hätte das Leben für mich, wenn Sie – Inslbull . Sie machen mich um Vieles zu glücklich. Rosaura . Undanckbarer, also das der Grund Ihrer Kälte? 23 te Scene ( Damisch , Schofel , Krammer , Maxner ; die Vorigen ) Schofel . Er is fertig! Krammer (zu den Arbeitsleuten) . Geschwinde den Triumphwagen herausgeschoben! (ein Paar Arbeiter gehen nach rechts ab.) Damisch . Aber i genir' mich völlig in dem G'wand; wie a Badwaschl – Schofel . Süperb steht Ihnen das Kostüm, und nur recht Mantel-Spiel, Faltenwurf is die Hauptsach; seh'n Sie, bey mir ist jede Bewegung ein Bild, (macht ihm Attitüden vor.) Inslbull (Damisch bemerckend) . Was ist das vor einer Figur? Rosaura . Diesem ausgezeichneten Dilletanten dancken wir die Möglichkeit – Inslbull (lacht Damisch ins Gesicht) . Sie spielen den Phaon? Hahahahaha! Damisch (beleidigt) . Erlauben Sie –? (zu den Übrigen.) Was hat denn der G'schwuf? Inslbull . Ich eile in meiner Loge, ich werde lachen ungeheuer, (geht lachend nach rechts ab. Schofel begleitet ihn äußerst devot bis an die Coulisse.) 24 ste Scene ( die Vorigen ohne Inslbull ) Damisch (Inslbull, welcher nicht mehr sichtbar ist nachrufend) . Gehst heim auf deine Drey Inseln, Godsevdekingerer –! Schofel (zurückkehrend) . Ich hab' ihm schon meine Meinung gesagt. (Der Triumphwagen wird von der rechten Seite von Theaterarbeitern auf die Bühne geschoben.) Krammer (zu Damisch und Rosaura) . Jetzt bitt' ich nur geschwind den Wagen zu besteigen. Rosaura (zu Damisch) . Wenn es gefällig ist – (steigt zuerst auf den Wagen, wobey ihr der Regisseur behilflich ist.) Damisch . Krieg'n wir keine Pferd? (steigt ebenfalls auf den Wagen.) Schofel . Nein, wir spannen Sclaven ein, steht schöner. Maxner (zu zwey Statisten, welche als Sclaven costumiert sind) . Ihr Zwey ziehts den Wagen. Damisch . Aber der Handige is z' klein gegen den Sattlichen. Maxner (zu den Sclaven) . So jetzt nur z'ruckg'schoben! (zu dem Sclaven lincks, welcher statt rückwärts zu schieben, nach vorne zieht.) Aber versteht Er denn nicht deutsch? »Z'ruckschieb'n« hab' i g'sagt. Damisch . Der Sattliche is vernagelt. (Der Wagen mit Rosaura und Damisch wird links in die Coulisse geschoben.) Schofel . Jetzt tummeln, was 's Zeug halt't! Es trübt sich, und der schwüle Wind – Krammer (zu Spindl) . Statt der Overtür wird nur ein Tusch gemacht. Spindl . Ganz wohl, (eilt rechts ab.) Schofel (indem er seinen grauen Bart um nimmt, zu Krammer) . Z'sammgstrichen hab'n S' die G'schicht? Und nur glei springen von einer Scen' in die andere, 's Kind im Mutterleib wird nicht verschont. Fink . Anfang! Krammer . Die Sclavinnen rechts, das Volk links hinein! (Alle räumen in dieser Weise die Bühne, nur die Vier Arbeitsleute stellen sich, das Zeichen erwartend zur Cortin-Wand.) (Man vernimmt im Orchester der Arena, ausserhalb der Cortin-Wand einen Tusch von Trompeten und Paucken. Nach dem Tusch hört man ein Glockenzeichen, darauf theilen die Arbeitsleute, wie früher, die Cortin-Wand, und ziehen die beyden Hälften, nach rechts und lincks in die Coulisse zurück.) 25 te Scene ( Die Vorigen ) (Es fängt auf der Bühne die Vorstellung des Trauerspieles »Sappho« an. Alle Auftretenden spielen nach rückwärts, wo das Publicum der Arena sichtbar ist.) Schofel (als Rhamnes, stürzt von Seite lincks auf die Bühne, und richtet seine Worte gegen den Porticus rechts) . Auf! auf, vom weichen Schlaf! Sie kommt, sie naht! O, daß doch nur die Wünsche Flügel haben! Heraus, ihr faulen Mädchen! Lisi (als Melitta, von rechts aus dem Porticus kommend) . Was schiltst du uns? Da sind wir ja. (Mehrere Sclavinnen Sapphos, darunter Mali (als Eucharis) folgen ihr.) Schofel (als Rhamnes) . Sie naht. Lisi (als Melitta) . Wer? – Götter – Schofel (als Rhamnes) . Sappho naht! (Geschrey von links innerhalb der Scene) . »Heil Sappho! Heil!«. Schofel (als Rhamnes) . Ja wohl, Heil! Sappho Heil! Du braves Volck! (in seinem gewöhnlichen Tone zu den Sclavinnen, leise.) Ordentlich »Vivat« schreyn, Madln! Die Sclavinnen . Vivat!! (Der Triumphwagen, auf welchem Rosaura (als Sappho) und Damisch (als Phaon) stehen, von den Zwey Sclaven gezogen, fährt aus der ersten Coulisse heraus nach rückwärts, und wendet sich so dem Arena-Publikum zu.) Das Volk . Heil, Sappho Heil! Rosaura (als Sappho, mit Kranz und gold'ner Lyra) . Danck, Freunde! Land'sgenossen, Danck! Um euretwillen freut mich dieser Kranz, Der nur den Bürger ziert, den Dichter drückt, In eurer Mitte nenn' ich erst ihn mein! Schofel (als Rhamnes) . Sey mir gegrüßt, du Herrliche! Lisi (als Melitta zu Rhamnes) . Siehst du an ihrer Seite Hoch eine and're glänzende Gestalt, Wie man der Leyer, und des Bogens Gott zu bilden pflegt. Rosaura (als Sappho, ist vom Wagen herabgestiegen) . Umsonst sollt ihr die Bürgerin nicht grüßen, Sie führt zum Danck euch einen Bürger zu; Hir Phaon. Von den Besten stammet er, Und mag auch kühn sich stellen zu den Besten. Damisch (als Phaon, ist ebenfalls vom Wagen her abgestiegen) . Du spottest, Sappho, eines armen Jüngling's! Wodurch hätt' ich so reiches Lob verdient? Wer glaubt so Hohes von dem Unversuchten? Rosaura (als Sappho) . Wer sieht, daß Du erröthest, da ich's sage. Damisch (als Phaon) . Ich kann, beschämt, nur staunen und verstummen. (leise zu Schofel, welcher in seiner Nähe steht, in seinem natürlichen Tone.) Ich bin aber sehr beklommen. Schofel (leise in seinem natürlichen Tone halb zu Damisch, halb für sich) . Ich auch, wir krieg'n a Wetter; ich hab' schon ein'n Tropfen auf der Nasen, (geht in die Coulisse nach rechts ab.) Rosaura (als Sappho) . Du schmeichelst süß, doch, Lieber, schmeichelst du! Eine Stimme (im Parterre der Arena) . Das is ja der Damisch! Damisch (leise zu Maxner, welcher an der inneren Seite einer Coulisse steht) . Haben S' g'hört? ich bin erkannt. Maxner (zu Damisch) . Täuschung! Damisch (als Phaon) . Wie fiel Dein Auge denn auf einen Jüngling, Der dunckel, ohne Nahmen, ohne Ruf, Sich höhern Werth's nicht rühmt, als diese Leyer, Die man verehrt, weil Du sie hast berührt. Eine Stimme (im Arena-Publicum) . Bravo, Damisch! Mehrere Stimmen (im Arena-Publicum) . Bravo, bravo!! Damisch (leise zu Rosaura) . Jetzt hab'n mich wieder a Paar kennt. Rosaura (als Sappho) . Sieh diese Gegend, diese Rosenbüsche – Eine Stimme (im Arena-Publicum) . Ich hab' schon was g'spürt – (im Parterre des Arena-Publicums zeigt sich ein aufgespanntes Paraplü, und fast zugleich ein aufgespannter Sonnenschirm.) Rosaura (als Sappho) . In dieser Säulen freundlicher Umgebung, Hir wollen wir gleich den Unsterblichen – (während dieser Rede haben sich im Arena-Parterre die aufgespannten Regenschirme um Zwey vermehrt, auch auf der Arena-Gallerie zeigen sich Zwey Regenschirme.) Eine andere Stimme (im Arena-Publicum) . Was is denn das mit die Paraplü?! Mehrere Stimmen (im Arena-Publicum) . Man sieht ja nix! Rosaura (als Sappho) . Nur des Genusses ewig gleiche Lust – Viele Stimmen (im Arena-Publicum) . Zumachen! d' Paraplü zu! es is nit so arg. (Die Paraplüs werden zugemacht. Man sieht im Arena-Parterre mehrere, welche sich Tücher über die Hüte nehmen, um nicht naß zu werden. Der Theil, wo nur gemahlte Personen sind, ist mittels Klappen zum Verändern eingerichtet, und wurde früher einen Moment durch die aufgespannten Regenschirme verdeckt; nach Zumachung der Regenschirme sieht man nun das gemahlte Gallerie-Publicum der Arena auch mit Schnupftüchern über den Hüten und Frisuren.) Rosaura (als Sappho) . Des schönen Daseyn's uns vereint erfreu'n. Damisch (als Phaon) . Wie kann ich so viel Güte je bezahlen? Stets wachsend fast erdrückt mich meine Schuld. Lisi (als Melitta, ist während Phaons letzter Rede, mit einem aufgespannten Sonnenschirm, und einem noch zugemachten Paraplü in der anderen Hand, von rechts aufgetreten, und spricht im Tone ihrer Rolle zu Sappho, indem sie ihr das Paraplü giebt) . Gebietherin – Rosaura (als Sappho) . Melitta – und weißt Du mir so gar nichts denn zu sagen? (hat sich während dieser Worte das Paraplü aufgespannt.) Schofel (ruft halb aus der Coulisse vorgebeugt auf den Soufleur der Arena) . Springen! auf n ersten Act-Schluß! Eine Stimme (im Arena-Publicum) . Jetzt nutzt nix, es fangt z' dick an. (Man hört fernen Donner, und sieht etwas Wetterleuchten; alsogleich zeigen sich viele aufgespannte Regenschirme.) Damisch (für sich) . Das kann ich auch thu'n. (er langt nach der Coulisse von wo aus ihm ein Regenschirm zugereicht wird. Darauf spricht er indem er sich den Regenschirm aufspannt, wieder im Character als Phaon) O, könnt' ich doch Besinnung mir gewinnen, Um ganz zu seyn, was ich begehre! Eine Stimme (im Arena-Publicum) . Gute Nacht Damisch! Eine andere Stimme (im Arena-Publicum) . Jetzt sieht man aber gar nix mehr. Viele Stimmen (im Arena-Publicum) . Paraplü zu!! (Es blitzt und donnert stärcker.) Damisch (zu Rosaura) . Wir steh'n rein anstatt 's Teufels da. Stimmen (im Arena Publicum) . Aufhören. Andere Stimmen (im Arena Publicum) . Weiterspiel'n! weiterspiel'n!! Damisch (als Phaon) . Was kannst Du sagen, holde Zauberin – 26 ste Scene ( Stössl , Felber ; die Vorigen .) Felber (zu Stössl, im Arena Parterre) . Sehn S' ihn, da is er! Stössl (im Arena Parterre zu Damisch auf die Bühne rufend) . Mathies! Höllenkerl! Damisch . Million! der Vormund – i fahr' ab! (läuft in die Coulisse links ab.) Mehrere Stimmen (im Arena-Publicum) . Weiterspiel'n! weiterspiel'n! Schofel (sich aus der Coulisse halbvorbeugend, auf Rosaura rufend) . G'schwind Actschluß! aussa mit'n Monolog! Rosaura (als Sappho) . Goldene Aphrodite, Listenersinnende Tochter des Zeus –! (Heftiger Blitz und Donner.) (Rosaura eilt in die Coulisse lincks ab.) Das Arena-Publicum (verwirrt durcheinander hört man folgende Ausrufe) . Es gießt! – Schau'n wir, daß wir nach Haus kommen! – mein neuer Hut! – Die Kleider sind hin! – (während diesem Tumult kommen Stössl und Felber an beyden Seiten des Arena-Soufleurkastens auf der Bühne zum Vorschein.) Stössl (wüthend) . Ich muß ihn kriegen! Felber (ihn zurückhaltend) . Nur kein Aufseh'n! Stössl . Wo is er! Mehrere Stimmen (im Arena-Publicum) . Weiterspiel'n! Schofel (Stössl entgegengehend) . Was steht zu Diensten? Stössl . An der Stell' geben S' mir den Phaon her! Schofel . Was? mein'n Phaon!? Stössl . Er is mein Mündl. Schofel . Er is mein Held und Liebhaber, der Spornhofer! Stössl (mit gesteigerter Wuth) . Lug und Trug! den Spornhofer kenn' ich! vor Drey Stund hab' ich ihm ein'n Paß ausg'stellt. Schofel . Sie? Durchgehn geholfen meinem Contracts-Mitglied? Jetzt bin ich keine Rechenschaft mehr schuldig. Stössl . Das woll'n wir sehn! (geht gegen die Coulisse rechts und winckt.) (während dem obigen Reden, ist immer weibliches Theater-Personale mit Tücheln über dem Kopf, sich in Mantillen oder Umhängetücher wickelnd, über die Bühne von links nach rechts geeilt.) (Im Zuschauerraum der Arena ist es leerer geworden, nur ein Bube ist noch zurückgeblieben und schreyt.) Ein Bube (im Zuschauer-Raum der Arena) . Weiterspiel'n! weiterspiel'n!! Schofel (eilt gegen den Soufleurkasten der Arena und spricht) . Verehrteste! Ein Act ist g'spielt, Geld wird kein's zuruckgeb'n, – die Witterung ist dem Unternehmen nicht günstig. (ruft auf die Arbeitsleute.) Zuziehn! (geht nach links ab.) (die Cortinwand wird von den Arbeitern nach beyden Seiten wieder vorgeschoben, und somit geschlossen.) Stössl (wüthend) . Wachter! Wachter! ich stürm' die Gardrob! (es erscheinen Drey Wachter von Rechts auf der Bühne.) Wachter, mir nach!! (eilt nach lincks ab, die Wachter folgen ihm.) (im Orchester fällt Gewitter Musick ein, heftiger Blitz und Donner. Die folgende Decoration fällt vor.) Ende des ersten Actes II. ACT (Spielt um Acht Tage später, in einer großen Staat, eine Tagreise von der vorigen entfernt.) (Einfach möbliertes Zimmer in Maxner's Wohnung, eine Seitenthüre rechts, eine lincks; in der Mitte der allgemeine Eingang. Im Prospecte rechts ein Fenster mit Jalousien.) 1 te Scene ( Frau Katharin , Rosaura .) Rosaura (zur Mitte eintretend, mit affectierter Ängstlichkeit) . Liebe Frau Maxner – Katharin . Was verschafft mir die Ehre? Rosaura . Sie sind eine verschwiegene Frau, eine kluge Frau – Katharin . Mein Gott – so viele Jahr' beym Theater – Rosaura . Herr Damisch wohnt bey Ihnen – Katharin (nach rechts zeigend) . Das Zimmer verlassen wir an ihn. Rosaura . Er ist mit meinem Onkel spazieren gegangen, diese Gelegenheit benütze ich eben, um einige Erkundigung – er spricht von großem Vermögen, scheint aber bedeutend in der Klemme zu seyn. Katharin . Bey uns hat er 's Quartier noch nit bezahlt, die Kost' bleibt er schuldig, und gestern hat er sich bey mein'n Mann Dreyßig Kreutzer ausg'liehn. Rosaura (bey Seite) . Dafür hat er mir wohl das Bouquet gekauft, (laut.) Auch trägt er Kleider aus unserer Theater-Garderobe, was jedoch Alles durch Familien- Differenzen erklärbar. – Schreibt er Briefe? Katharin . An Ihnen, wie er Ihnen Zwey Stund nit sieht. Rosaura . Erhält er Briefe? Katharin . Ihr Stubenmädl hat gestern ein'n bracht. Rosaura . Das gehört nicht hieher. Aufgesucht hat ihn noch Niemand? Katharin . G'rad is Einer da, der um ihn g'fragt hat; er is mit mein'n Mann in sein'n Zimmer (nach Rechts deutend) drinn. Wenn die Fräule warten woll'n – Rosaura . Nein ich komm in einer Stunde um Auskunft. Leben Sie wohl; ach, ein Mädchen kann nicht vorsichtig genug seyn! (eilt sehr schüchtern, wie sie gekommen zur Mitte ab.) 2 te Scene ( Lisi , Mali ; die Vorige ohne Rosaura ) Lisi (mit Mali aus der Seitenthüre lincks kommend) . Is sie einmahl fort, die G'spreitzte? Mali . Im schönsten Horchen hat sie uns g'stört mit ihre Wichtigkeiten, die Öde. Katharin . Raisonnierts nit immer über sie, ich wollt', es hätt' Eine von euch ihr Talent. Lisi . Für das, daß wir nur Theatertischler'stöchter sind leisten wir Unglaubliches. Mali . Man könnte sagen, Niedagewesenes. Übrigens is nicht zu zweifeln, daß der Vater bald Theater-Director wird – Lisi . Dann sind wird per se erhaben über alle engagierten Mitglieder. Mali . Sollt' sich Eine untersteh'n, und ein Talent haben, gegen uns! Jetzt will ich aber wieder – (nähert sich, horchen wollend, der Thüre rechts.) Katharin . Gehst weiter –!? mir scheint, sie kommen g'rad heraus. 3 te Scene ( Conrad , Maxner ; die Vorigen .) Maxner (mit Conrad aus Seitenthüre rechts kommend) . So is es, wie ich Ihnen g'sagt hab'. Conrad . Und ich kann auf Ihre Mitwirckung – (die Anwesenden erblickend.) Ah, da sind Ihre Töchter –? Maxner (auf jede einzelne zeigend) . Die Lisi, und die Mali. Conrad . Und Ihre Erstgebor'ne (auf Katharin zeigend) übergehen Sie mit Stillschweigen? Maxner . Was!? (lachend.) Hahahaha! Das is ja mein Weib, die Kathrin. Conrad (außerordentliches Staunen affectierend) . Nein, nein, das gäbe einen unabsehbaren Krieg zwischen der Möglichkeit und Unmöglichkeit – so eine Gränz'-Überschreitung –! Katharin (sehr geschmeichelt und hochdeutsch sprechend) . O, es ist doch so – Maxner (zu Conrad) . Na, na, keine Kinderey'n, wir haben aufs Jahr schon die Silberne. Conrad . Was für eine »silberne«? Doch nicht Hochzeit –? Maxner . Was denn sonst? Conrad . Man verblüfft mich mit Naturspielen. (Zur Katharin.) Vor 24 Jahr'n können Sie ja noch gar nicht gewesen seyn; wenn sie so fortfahren, so feyern Sie die goldene Hochzeit mit etliche Dreißig Jahr'n. Katharin (wie oben) . O, ich bitt – Maxner (zu Conrad) . Wann S' mit'n Alteweiberfoppen fertig sind, so sagen S' mir's. Katharin . Ungalanter Mann –! Conrad . Nein, er hat recht. Katharin (beleidigt) . Was –!? Conrad . Daß er eifersüchtig ist; wenn ich – (zu Katharin) wie heißen Sie? Katharin . Katharin. Conrad . Wenn ich Käthchens Gatte wäre, ich wär' es auch, eifersüchtig nehmlich. Maxner (zu Conrad) . Na, na, hören S' auf von Friedgeb'n! Sie haben also in mir einen Verbündeten wollen, den haben Sie. Conrad . Aber auch die Ihrigen müssen meine Alliierten seyn; mein Plan ist vorzugsweise auf Damenbeyhilfe basiert. Maxner . Meine Famili muß thu'n, was ich schaff. Wir wollen als Fünf Verbundene handeln, denn Ihr Intresse is auch das meinige. Der Schofel is schon Acht Tag' mit der G'sellschaft da, und hofft vor der Linie a Theater-Permission und Locale z' krieg'n; aber die Zwölf Meilen Reis', von der verhängnißvollen Arena bey Ihnen bis daher, und die Acht Tag Zuwarten haben seine Fond's aufgezehrt. Die Mitglieder warten keine 24 Stund mehr, dann werd' ich sagen, »ich zahl' die Gagen«, – »Hoch Maxner! Fort Schofel!« werden s' Alle mit ihren Kraftorganen schrey'n, so bin ich dann der Erwählte von die Millionstimmen, und mein g'hört die Direction. Conrad . Es könnte aber fehlschlagen, wenn Damisch als gefangener Goldfisch in Schofel's Netzen bleibt. Maxner . Drum muß er ihm entrissen werd'n, dann hab' ich in meinen Netzen den Schofel als Stockfisch g'fangt. Lisi . Ich weiß aber nicht, ob der Damisch so leicht abz'bringen seyn wird. Mali . Er is zu starck in die Directrische brennt. Conrad (galant) . Unzerstörbare Leidenschaft ist undenckbar bey einem Menschen, der mit Drey so liebenswürdigen Damen unter einem Dache wohnt. Lisi . O, der hat gar keine Augen für uns Zwey. Conrad . Wirklich? für Keine von allen Dreyen? Katharin (mit affectierter Bescheidenheit) . Oh, geh'n Sie, wenn man einmahl große Töchter hat, wie ich – Conrad . In das kann ich mich nicht finden! ich sag' immer, Sie sind auch eine Tochter. Maxner . Werd'n S' mir d' Alte geh'n lassen!? Mit der is nit z' g'spaßeln; wenn S' ihr's noch a Paar Mal sagen, so glaubt sie 's. Mali (welche zum Fenster gesehen) . Er kommt –! Conrad . Der Damisch –?! Maxner . Wißts was, Madln; redts mit ihm, damit Sie (zu Conrad) sich überzeugen von sein'n Liebeswahnsinn. Conrad . Gut, Lisi und Mali bleiben hir, und Vater, ich und Käthchen (auf Katharin zeigend) werden lauschen. Katharin . O, ich bitt' – (Conrad geht mit Maxner und Katharin in die Seitenthüre lincks ab.) 4 te Scene ( Lisi , Mali , Damisch ) Damisch (zur Mitte eintretend, ohne Lisi und Mali zu bemercken) . Seit Erfindung der Verhältnisse war noch kein solcher Übelstand da. Der Onkel Schofel geht der Rosaura nicht von der Seiten, und wenn er ihr von der Seiten geht, so muß i mitgehn. Weg'n ein'n Onkel solche Tantalus-Qualen aussteh'n, das is wircklich – Lisi . Aber Herr Damisch, schon wieder niederg'schlagen? Damisch . O, nein! i hab nur an Ein'n denckt, den i gern niederschlag'n möcht'. Mali . Wir hätten Ihnen schon lang' gern g'sagt – Damisch . Ob sie mir was sagen oder nit, das verschaffet mir keine Linderung. Sie haben Keine die Sprach' die zum Herzen dringt. Lisi . Diese Behauptung können wir durch Thatsachen dementieren. Mali . Wir haben schon zu curiose Herzen gesprochen. Damisch . Aber Sie haben eine locale Mundart, und Localität zerstört jede Poesie, (pikant) Amor war kein Stockerauer. Mali (die Pikanterie erwiedernd) . Potsdamer is er aber auch keiner g'west. Damisch . Das soll eine Anspielung auf die Göttersprache – Lisi . Der affectierten Rosaura seyn. Damisch (mit Begeisterung) . Die spricht keinen irdischen Dialect; sie redt himmlisch, überirdisch, Rosaurisch! Wann mir eine sagt: (in Local-Dialect.) »I lieb di, du bist mein All's auf der Welt« – was hab' ich da davon? Wenn aber Eine sagt: (übertrieben hochdeutsch.) »Du bist das Ideal meiner Träume, alle Regungen meines Herzens verweben und verschlingen sich mit dir« – ! das is a anders Numero. Mali . Na, wann's Ihnen g'fallt in der Sprach' anplauscht z' werd'n –. Lisi . 's is gar keine Spur von Natur drinn. Mali . Und man sagt doch allgemein: »Süße heilige Natur, laß mich geh'n auf deiner Spur«. Damisch . O, nein nur nix Natürliches! wann ich das wollt', das hätt' ich z'Haus haben können. Schaun S', wann ich Ihnen Zwey so anschau', so denck' ich mir oft – Lisi (ihm ins Wort fallend) . So ein Mädl müßt' auch nit übel seyn. Mali . Ich wüßt' nicht, was Sie sich sonst dencken könnten. Damisch . Da denck' ich mir oft: wann sie jetzt allein da wär' –! Lisi und Mali . Die welche? Damisch (mit Begeisterung auf Rosaura) . Sie allein, statt Ihnen Zweyen, wie seelig wär' ich dann! Lisi (pikiert) . Sehr galant – Damisch . Da fühl' ich erst recht, was das für ein Unterschied is, Sö, und sie. Mali . Na so redet ich s' halt in Gott'snahm an um a heimliche Zusammenkunft. Damisch . O, das thut sie nicht. Lisi . I weiß nit, ob sie allweil so viel' Umständ g'macht hat. Damisch . Wie ich nur von einer specifischen Annäherung was dergleichen thu', so is's, als wann s' nicht deutsch verstund'. Lisi (boshaft) . Englisch, scheint mir, versteht s' besser. Damisch . Englisch? Das kann s' gar nicht. Mali . Ah ja! wenn's gebrochen g'sprochen wird, versteht sie's ganz. Lisi . Fürchten S' Ihnen nicht, so ein Engländer weiß sich schon andere Schönheiten z' finden. Mali , 's is nit der Erste der s' sitzen laßt. Damisch . Über die Rosaura giebt's nix! sie is als Mädl untadlhaft schön, und is auch als Mädl ed'l und untadlhaft brav; Sie möchten s' nur verläumden bey mir. Lisi . Verläumden! hahahaha! Mali . Da braucht man erst a Verläumdung! Damisch . Schaun Sie lieber auf sich selber, mir scheint, Sie wandeln alle Zwey dann und wann einen Wand'l, der just nit alleweil gar so extra ganz fleckenlos is. Mali (auffahrend) . Impertinenz ohne Gleichen –! Lisi . Ruhig, Schwester, vergiß nicht unsere Erziehung – Mali , (sich mäßigend) . Ja, ja, und die Stellung welche uns in der Welt vorgezeichnet ist. Lisi (zu Damisch) . Ich verzeihe Ihnen, denn Sie scheinen das dem Schiller vorgeschwobene Ideal zu seyn, wie er seinen »Ferdinand« lamentieren laßt um die Unze Gehirn, die dem Pavian zum Menschen verholffen hätte – Mali (Lisis Rede ergänzend) . Während sie in einem gewissen Hirnkasten (mit Bezug auf Damisch) verschwendet, dem sechsten Schöpfungstage nicht zur Auszeichnung gereicht. So fein red't eine Gebildete, wenn sie grob seyn will. Komm Schwester! (beyde gehen in die Seitenthüre lincks ab.) 5 te Scene ( Damisch , allein.) Damisch . Jetzt muß ich gleich in »Schiller's Wercke« nachschlagen, was sie meint, was ich für Einer bin; nacher schlag' ich den Shaquespear auf; i glaub, da, wo der Hamlet gegen die Ophelia ausart't, da werd' ich a Paar Sottisen finden, die paßen auf die. Ah, Antwort bleib i keine schuldig! (Einleitung zum Lied. Lied, nach dem Liede in die Seitenthüre rechts ab.) 6 te Scene ( Mali , Lisi ) (kommen aus der Seitenthüre links.) Lisi . Wie g'schwind die Mutter Alles beysamm g'habt hat! Mali (ungeduldig) . Wenn s' nur bald fertig werd'n –! Lisi . Kannst es denn gar nit erwarten? Mali . Es is mir zu a große Freud', wann der Directrischen Einer abspenstig g'macht wird! I bin g'wiß nicht neidig, nur wenn ich seh', daß eine so ein unverdientes Glück hat – Lisi . Du find'st halt a jed's Glück unverdient, was Du nicht selber hast. Mali (in die offengebliebene Seitenthüre hineinzeigend) . Dem Vater seine Kammerthür geht auf – Du, da schau' her –! 7 te Scene ( Conrad , Maxner , Katharin ; die Vorigen .) (Conrad, Maxner und Katharin treten aus der Thüre links auf.) Conrad (gerade so gekleidet, wie Rosaura in der 1 sten Scene dieses Actes, hüpft, aus der Seitenthüre links, auf Lisi und Mali zu, und umschlingt mit jedem Arm Eine von Beyden; mit weiblicher Stimme) . Ach theure Freundinnen, möge dieser Kuß euch sagen, wie sehr – (will Beyde, indem er sie an sich drückt, küssen.) Lisi (ausweichend) . Gefehlt! weit gefehlt! Mali (ausweichend) . So macht sie's nicht, diejenige, die sie copieren woll'n. Conrad (mit männlicher Stimme) . Schade! Gerade diesen Charakterzug hätt' ich mit Vorliebe imitiert, (zu Katharin) Sagen Sie ihm also, daß ich ihm die ersehnte Zusammenkunft gewähre, daß ich aber aus übergroßer Schüchternheit keine Tageslichte vertrage, und daß ich es meiner Tugend schuldig bin, ihn für dießseits und jenseits zu flieh'n, wenn er mir nur auf Drey Schritt' in die Näh' kommt. Katharin . Wird ihm Alles eingeschärft, verlassen Sie sich d'rauf. (geht in die Seitenthüre rechts ab.) 8 te Scene ( die Vorigen ohne Katharin .) Maxner . Ich mach g'schwind die Jalougatter zu (thut es.) Conrad (mit männlicher Stimme) . Ja, ja, sonst kennt er mich; so dunkel als möglich! Mali . Auf die Finsterniß in sein'n Kopf können Sie auch große Stuck bau'n. Conrad (mit männlicher Stimme) . Allerdings hat diese Finsterniß ihre Ägyptische Nebenbuhlerin nicht zu scheuen, aber Vorsicht kann nicht schaden. Maxner . Er kommt – kommts Madln in's Zimmer herein. (geht mit Lisi und Mali in die Thüre links ab.) 9 te Scene ( Conrad dazu Katharin und Damisch .) Damisch (mit Katharin aus der Thüre rechts kommend) . Es is nicht möglich –! (Conrad erblickend, mit Entzücken.) Ha – Rosaura –! Katharin (zu Damisch) . Was hab ich g'sagt!? Also da is sie, jetzt können S' selber reden mit ihr. (geht in die Thüre links ab.) 10 te Scene ( Damisch , Conrad (als Rosaura).) Damisch (für sich) . Er is da der entscheidende Moment – jetzt alle Freyschaaren, Aufgebothe, und Redif's der Liebenswürdigkeit in's Feld geschickt –! Mein Herz kennt sie – ich muß sie mit was Neuem überraschen, ich werd' meinen Geist spielen lassen. Conrad (als Rosaura, einen Schritt näher tretend) . Aus dem ungeheueren Schritt, den ich eben thue, werden Sie ersehen, daß ich Sie liebe. Damisch (mit schlauer Zärtlichkeit) . Ich hab' Ihnen die ganze Wochen schon in dem Verdacht. Conrad (als Rosaura) . Ich habe gerungen mit meinen Grundsätzen, wie noch keine Sterbliche rang. Damisch (galant) . Sie sind auch keine Sterbliche; als personificierte tragische Muse, haben Sie schon Ihren abonnierten Sitz im Wolkenparterre der Unsterblichkeit, (für sich) Die erste poetische Phrase ist nicht ungelungen. Conrad (als Rosaura) . Ich habe manchen Grundsatz zu Boden geschleudert – sonst stünd' ich ja nicht hier, zugleich als Siegerin, und als Besiegte. Damisch (für sich) . Ha – ein aufmunternder Calembour – (zärtlich nähertretend) Rosaura –! Conrad (als Rosaura, geziert zurückweichend) . Zurück –!! Die Drey Schritte ja nicht überschritten, sonst – dieser Grundsatz steht noch aufrecht, wie Deutschlands Zollschrancken. Damisch (für sich) . Sie will mich schlagen mit einem politischen Witz – (laut.) Am Ende vermittelt sich ja jede Differenz, (für sich.) Bumsdi! gleich d'rauf ein diplomatisches bon mot! Conrad (als Rosaura) . Sie kennen mich noch nicht – Damisch (mit naiver Schlauheit) . Is das meine Schuld? wenn es auf mich ankäm' – Conrad (als Rosaura) . Ich ahne in Ihnen eine, nur für das Höhere, mir gleichgestimmte Seele. – Alles kommt darauf an, ob Sie meine Erwartungen rechtfertigen werden. Damisch . Reden Sie, ich wart' ja nur auf das, was Sie erwarten. (selbstgefällig bey Seite.) Wortspiel minderer Bedeutung, aber dennoch – Conrad (als Rosaura) . Ich habe noch nie geliebt, um so fürchterlicher werd' ich jetzt lieben. Damisch (neckisch) . Wenn ich mich aber doch nicht fürcht –? – »Bange machen jielt nicht« heißt es in Ihrem Vaterlande. Conrad (als Rosaura) . Keinen Scherz, mein Herr – Es schlummert ein dämonisch-finst'rer Geist in meines Herzens Tiefen; wecken Sie ihn nicht, denn wenn er erwacht – (unheimlich drohend) dann ist mir nichts mehr heilig, nicht mein Leben, nicht das Deine! Damisch (etwas verblüfft) . Wenn ich Ihnen aber gar keine Veranlassung geb' –? Conrad (als Rosaura) . Die wird sich finden, ich greiffe sie aus der Luft; eine erhabene Seele greifft Alles aus der Luft, (bey Seite, mit natürlicher Stimme.) Jetzt wird er doch bald genug haben an mir. Damisch (mit Geduld und Hingebung) . O, Kämpfe wird es schon geben in unserer Liebe, aber wie doppelt seelig, wenn wir uns dann Versöhnung zulächeln, Jedes mit ein'n Kraller in G'sicht, und a Paar zwickte blaue Fleck! Conrad (als Rosaura) . Damisch, Damisch! Du legst Infusorien-Maßstab an vorweltliche Ungeheuer. Ich verletze nicht, ich morde; mich lieben ist permanente Todesgefahr. Damisch (erschreckend) . Seyn S' so gut –! (sich fassend bey Seite.) Das kommt nicht aus ihr, das is aus einem Mordstuck, aus einem Rauber-Characterbild – da muß i schon auch was solches d'rauf sag'n. (laut.) O der Tod von deiner Hand ist süß! Conrad (als Rosaura) . Glaubst Du –? (bey Seite, mit männlicher Stimme.) Prallt denn Alles ab, an dieser Guttapercha-Leidenschaft? (mit weiblicher Stimme, laut.) Seit ich dich liebe, bin ich keinen Augenblick mehr unbewaffnet. Sieh diesen Dolch – (zieht einen kleinen, blinckenden Dolch hervor) er ist für Dich geschliffen, wenn ungestümes Feuer je dich hinreißt – Damisch . Wenn ich aber bey Erstrebung meiner Wünsche nur dem besonnenen Fortschritt huldige? Conrad (als Rosaura) . »Besonnen« –? Ha, welch kaltes Wort! (furchtbar drohend.) Lass' es mich nie wieder hören –! Denn eine Ahnung von Kälte, und – (zieht ein kleines Fläschchen hervor) dieses Fläschchen Gift reicht für uns Beyde aus. Damisch (sehr betreten) . Gift –? wie kommen Sie zu Gift? so was solln s' gar nit hergeben in der Apotheken. Conrad (als Rosaura) . Macht es dich schaudern –? Feigling! Schwöre mir, daß du auf jedesmaliges Verlangen zu sterben bereit bist –! Wozu noch zögre ich –? jetzt! gleich! in diesem Augenblick! (zückt den Dolch.) Damisch ( zurückweichend ) . Rosaura, du bist schrecklich in deinem Grimm! Conrad (als Rosaura, bey Seite, mit männlicher Stimme) . Na, endlich! Damisch (von Entzücken hingerissen) . Aber lieb, lieb! gar nit zum sag'n! Conrad (als Rosaura, bey Seite, mit männlicher Stimme) . Verfluchter Kerl! (laut mit weiblicher Stimme.) Und glaubst du etwa, daß du dein Leben für ein braves Mädchen opferst? Damisch (ganz verblüfft) . Was –!? Conrad (als Rosaura) . Mich drängt der finst're Geist in mir, durch Untreue den zu zermalmen der mich liebt. Damisch (schaudernd) . O pfui Rosaura! 11 te Scene ( Inslbull ; die Vorigen .) Inslbull (tritt zur Mitte ein) . Ich sehe herrschen hier die Dunkelheit. Conrad (als Rosaura) . Sie hir –!? Mylord, ich werffe mich in Ihre Arme! Damisch . Ah, da müßt i bitten (dazwischen tretend zu Inslbull.) Zurück,! nur über meine Leiche –! Inslbull . Hahahahaha! Das ist der, dem ich muß immer lachen in's Gesicht. Damisch . Wählen Sie sich eine andere Beschäftigung. Conrad (als Rosaura) . Mylord –! Damisch (zu Conrad als Rosaura) . »Nur über meine Leiche«, hab' ich g'sagt. Inslbull . Die Lady begeben sich unter meiner Schutzung, (zu Damisch, ihn zurückweisend) folglich werden Sie – Damisch (stolz zu Inslbull) . Mir scheint, Sie wissen nicht, was das heißt »Nur über meine Leiche«. Inslbull . Ich glauben es zu begreiffen. (zieht gelassen ein Terzerol aus der Tasche, und schlägt es auf Damisch an.) Damisch (erschrocken zur Seite weichend) . Na na, jetzt keine Dummheiten! Das bitt' ich mir aus – kann ich denn wissen, ob Sie schon Alles versteh'n auf Deutsch, (hat sich während dieser Rede gegen die Seitenthüre rechts retiriert, in welche er rasch verschwindet.) 12 te Scene ( die Vorigen ohne Damisch ) Inslbull . Ich überrasche Sie – Conrad (als Rosaura) . Mylord – Inslbull . Sie brauchen zu sagen gar nichts, der Dunckelheit lassen sehen mich klar. 13 te Scene ( Rosaura ; die Vorigen .) Rosaura (zur Mitte eintretend, und die Anwesenden bemerckend, für sich) . Ha, was ist das!? Inslbull (ohne die Eintretende bemerckt zu haben) . Und deßhalb wird überraschen Sie, der Antrag, was ich habe zu machen Ihnen. Rosaura (für sich, sich bemühend die Anwesenden zu erkennen) . Der Lord – aber sie – Conrad (als Rosaura, ebenfalls ohne Rosaura bemerckt zu haben, zu Inslbull) . Sprechen Sie. Inslbull . Im großen Stadttheater sollen gastieren als Sheylok heute ein Künstler, was habe ich getroffen in London. Der Actrice, was spielen der Porcia, sie sind erkranckten – großer Confusion – ich – ich habe vorgeschlagen Sie; Sie brauchen nicht Probe, ich garantiere der Erfolgen, und statt zu seyn bei einer Truppe von Wanderung, werden Sie seyn von heute in einer Sphäre der Würdigkeit von Ihrer Talent –. Nun? ich führen Sie hin sogleich – Conrad (als Rosaura, verlegen) . Ja so ein Schritt – es ist immer eine Sache – Rosaura (welche Inslbull's Worte mit großer Spannung zuhorchte, stürzt vor und erfaßt Conrad an der Schulter) . Betrügerin –!! Conrad (als Rosaura, mit unterdrückter Stimme) . Ha –!! (stürzt in die Seitenthüre lincks ab; man hört sogleich dieselbe von Innen verschließen.) 14 te Scene ( Inslbull , Rosaura , Damisch (von Innen).) Inslbull (verblüfft) . Was ist das?! Eine Lady sie erscheinen Zwey Mahl. Rosaura (welcher nur der Schleyer des entflohenen Conrad in der Hand geblieben, in heftiger Zornesaufregung) . Verrath –!! (zu Inslbull.) Öffnen Sie die Jalousien! (während Inslbull thut, wie ihm befohlen) Licht muß ich haben! (stürzt zur Seitenthüre lincks, welche sie verschlossen findet.) Verschlossen –!? aufgemacht!! Inslbull . Lassen Sie das –! Rosaura . Offenbar hat Eine von Maxner's Töchtern – war er nicht hier –? Inslbull . Wer? Rosaura (ist zur Seitenthüre rechts geeilt, findet dieselbe verschlossen, und rüttelt daran) . Herr Damisch! Herr Damisch! Damisch (von Innen) . Was is es? Rosaura (an der Thüre) . Machen Sie auf! Damisch (von Innen) . Nein, Schlange! Du willst mich an England ausliefern! Rosaura (diese Worte sich nicht erklären könnend) . Was soll das –!? Inslbull (sie von der Thüre wegführen wollend) . Kommen Sie – Rosaura . Ergründen muß ich – Inslbull . Lassen Sie dieses als Nebensache. Rosaura (sich besänftigend) . Allerdings, – allein mein Mädchen hat Sie hirhergewiesen? Inslbull . Es ist so. Rosaura . Ohne Zweifel führt Reue Sie zu meinen Füßen zurück? Inslbull . Dieses so viel als nicht; zu explicieren es aber Ihnen, wir haben dazu zu verlieren keine Zeit. Rosaura . Wohl habe ich den unerwarteten Antrag vernommen – Inslbull . Haben Sie? gut! Sie werden gründen sich eine Existenz als Artiste, – mein Wagen warten unten; ich werden sie begleiten an die Local von Ihrer künftigen Triumphen. Rosaura . Ich folge Ihnen. (Beyde gehen zur Mittelthüre ab.) 15 te Scene ( Damisch , allein.) Damisch (aus der Seitenthüre rechts tretend) . Sie geht fort mit ihm –! Entsetzlich! Sie wird mir früher untreu, eh' sie mir noch treu g'wesen is! – Es is schon so, wie sie sagt; das thut Alles der finst're Geist in ihr. O, wenn ich ihm nur heimleuchten könnt, dem finstern Geist! Sie kann eigentlich am wenigsten davor; – es wird s' auch wieder reu'n; sie wird zurückkehren – o, die kann einmahl noch sehr brav werd'n! – Aber für jetzt kann ich mir das doch nit g'fallen laßen; sie behandelt mich ja, als ob sie ein'n dummen Kerl vor sich hätt. – Ich hab' nicht Alles hören können, aber im Theater haben s' was vor, im großen Stadt-Theater – (über einen Plan brütend) wenn ich – wenn ich so – 16 te Scene ( Conrad ; der Vorige .) Conrad (in seiner eigenen Kleidung, wie am Anfang des Actes, aus der Seitenthüre lincks kommend) . Vetter Mathies –! Damisch (erstaunt) . Conrad –!? was machst denn Du da? Conrad . Dich hab' ich aufgesucht, da ich nicht zweifelte, daß ein gescheidter Mensch, wie Du, von selbst zur Einsicht kommen wird. Damisch . Was sagt denn der Vormund, und Deine Schwester? Conrad . Beyde sind hier; im Gasthof »zum Engel« wohnen wir. Philippine weiß nur von der Verirrung Deines Verstandes, die Verirrung des Herzens haben wir ihr schonend verschwiegen. Damisch . Verstandesverirrung? Kann ich davor, daß es mir mein erstes Debüt verregnet hat? Hast du mich g'sehn, als Phaon? Conrad . Leider! Damisch (verletzt) . Hm, und ich hätt' mich für recht ein'n talentvollen Anfänger gehalten. Conrad . Du hast auch diese Rosaura für einen Engel gehalten. Damisch . Und derweil is sie eine Mischung von Medea, Judith, Lucrezia Borgia mit etwas Satanella unterspickt. Conrad . Du bis geheilt, nun komm' mit mir! Damisch . Zum Vormund, und zu der Philippin' –? Conrad . Was sonst? Damisch (zögernd) . Weißt Du – es wäre beleidigend für Deine Schwester. Conrad . Was wäre beleidigend? Damisch . Wenn ich mit Dir komm' – es schaut so g'wiß gezwungen aus; – ich will allein – leih' mir Zwey Gulden – Conrad . Sehr gern – (in der Tasche suchend) fatal – ich hab' mein Port monai vergessen – Damisch . Das is aber dumm! Conrad . Der Vormund giebt dir ja, was du willst. Damisch . Ich wär' halt gern' – hing'fahren. Conrad . Der »Engel« ist ja das dritte Haus von hier. Damisch . Ach so – ! also geh' ich halt z' Fuß – und in einer Viertelstund, wann's a bisserl a starcke is, kommst Du nach. Conrad . Gut, auf Wiedersehen! Damisch . Das zarte Sehnen, und das süße Hoffen is schon fabelhaft! Pfirti Gott! (eilt zur Mitte ab.) 17 te Scene ( Conrad , allein.) Conrad . Gelungen! ich hab' mein Wort gelöst! ein Stein fällt mir vom Herzen! (Einleitung zum Lied. Lied, nach dem Liede zur Mitte ab.) Lied 1.                       Ein Tuchhändler, der sich b'stellt aus der Fabrik Von all'n Modefarb'n auf's Lager mehrere Stück', Lamentiert: »D' Stutzer zahl'n mich nicht; 's prellt mich oft g'nug Um's solideste Tuch so ein liederlich's Tuch.« – Ein Schneidermeister richt't a Magazin sehr schön ein, Bis in d' Kleider die Schab'n statt die Leut' kommen h'nein: Der sagt: »Wenn ich lieber ein Tuchhändler wär'!, Geg'n ein'n Schneid'r is ein Tuchhändl'r ein gnädiger Herr.« – Ein Schneiderg'sell', der sich mit ein'n Frack und Gilée Knapp verdient in der Wochen sein' Sonntags-Gaudé, Der sagt: »Wär ich Meister!, da wär' ich ein Mann! Ich rühret ka Scheer' mehr, ka Beg'leisen an!« – Jetzt wenn Tuchhändler, Schneidermeister und Schneiderg'sell'n                                                                         schon so klag'n, – Da kann man sich denck'n was die Lehrbub'n erst sag'n. 2. 's ist ein Landwirth, dem d'r Ackerbau sein Element Von a Paar g'lehrte G'sellschaft'n ein Correspondent; Der lamentiert, sagt: »Für Andere plagt man sich nur, Der Feldbau der tragt nichts, trotz aller Cultur.« – Ein Müllner, dem trotz allem Rädergeklapp Sich herausstellt sein Mehlbedarf immer zu knapp, Der sagt: »Wenn ich ein Landwirth nur wär', meiner Seel', Da stünd' es so traurig nicht mit Korn und Mehl.« – Ein Bäck'nmeister, der wegen Satzung und G'wicht, Ein zweytes Haus z' kaufen, sich nicht hinaussicht, Der sagt: »Nur ein Müllner seyn, is jetzt ein G'schäft, Der hat von die Preise in Händen das Heft.« – Jetzt wenn schon d' Landwirth', die Müllner und die Bäcken                                                   so über Mehlmangel klag'n, Da kann man sich denck'n, was erst d' Brod-Esser sag'n. 3. 's will ein'm Eisenbahn-Actionär durchaus nicht g'fall'n, Daß die Nordbahn heut' steig'n, und morg'n gleich wieder fall'n: Er lamentiert, sagt: »Der Teufel hat mich dazu bracht, Ich wollt', ich hätt' niemahls in dem Papier g'macht!« – Ein Locomotiv-Führer, auf'n Tender hint, Der d' Maschin thut kutschieren in Wetter und Wind, Der sagt: »Wenn ich Actionär nur seyn könnt', Mich kümmert ka Steigung, nur mein' Dividend'!« – Ein Packer, der mit der Bagage sich plagt, Und Kisten mit Siebzehn Pferdekraft tragt, Der sagt: »Wie hat's ein Locomotiv-Führer gut! Während uns'rein sein Buckel ein Lasttrain seyn thut.« Jetzt wenn s' von den Actionären abwärts bis zum Locomotiv-Führer,                                                           und bis zum Packer so klag'n – Da kann man sich denck'n, was erst d'Bahnwächter sag'n. 4. Einem Richtern aufn Land sein Amt z'wieder schon wird, Bis er die Beweis' herstellt, Jed'n überführt: Er lamentiert: »Man erlebt bey d' Verhör' jetzt kein End', Seitdem jeder Halunk, so wie ich das G'setz kennt.« – Ein Beisitzer sagt: »Ob i mir 's Beysitzen mirck', Halbe Tag' sitz' ich da oft wie a ang'mahlener Türck; Ach wär' ich nur Richter, das möcht' ich erleb'n, Bey Nichts in der Welt, dürft's ein'n Beysitzer geb'n!« – Ein Grundwachter, welchem der Dienst ist zu streng, Weil er Zwanzigmahl macht oft die nehmlichen Gäng', Der sagt: »So ein Beysitzer möcht' ich halt seyn!, Da sitzet ich ruhig bey'm G'richt, und schlafet ein.« Jetzt wenn der Richter, die Beysitzer, und so abwärts sogar die                           Grundwachter über d' Langweil' schon klag'n, Da kann man sich denck'n was d' Arrestanten erst sag'n. 5. Eine Dame kokett, die das Kurmachen liebt, Die ein Kreis stets von Schmachtern und Schwärmern umgiebt, Lamentiert, und sagt: »D' Männer vom jetzigen Ton Sind Schmett'rling, heut' nippen s', morg'n flattern s' davon.« – Ein jung's Kammermädl, die sich fast blaß alteriert, Weil ihr alle Acht Tag' ein Schapo echappiert, Die sagt: »Hätt' ich nur meiner Gnäd'gen ihr Geld, Ich krieget schon Ein'n; schmutzig is d' Männerwelt.« – A saub're Köchin, die auch einen Liebhaber möcht', Mit ihr'n Marktzöger aber kein'n find't, der ihr recht, Die sagt: »Wär' ich d' Kamm'rjungfer! mit der ihr'n Putz Krieget ich gewiß Ein'n, seyn s' auch Alle nix nutz.« – Jetzt wann die jungen Damen, die Kammermädln und die                                   Köchinnen über d' Männer so klag'n, Da kann man sich denck'n was d' alt'n Jungfern erst sag'n. 6. Ein Livree-Kutscher muß in Reg'n umfahr'n Zwey Stund, Bloß daß d' Bräunln Bewegung hab'n, 's ist ihnen g'sund, Der sagt: »Aus dem Dienst lauff ich auf und davon, 's sticht s' der Habern zu starck diese Pferd' von bon ton.« – Ein Kabkutscher, der hint ob'n nur dann und wann, Wenn'r ein'n Fuß über's Dach legt sich ausstrecken kann, Der sagt: »Käm' ich nur zu einer Herrschaft in's Brod, In Pelz breit auf'n Bock sitzen, das is commod!« – Ein Fiaker, schon früher gekränckt durch die Tax, Und durch d' Einspänner jetzt starck beschränckt in der Prax, Lamentiert: »D' Comfortaibln nur seh'n sich hinaus, A Fiaker fahrt oft jetzt als Schneider nach Haus.« – Jetzt wenn die Livree-Kutscher, die Kab-Kutscher, die Fiaker,                         kurz alle Kutscher über 's Fuhrwerck so klag'n. Da kann man sich denck'n was die Rösser erst sag'n. (Ab.) Verwandlung (Vorsaal in einer Irren-Anstalt. Allgemeiner Eingang in der Mitte; rechts eine Thüre, welche nach den Observations-Zimmern, lincks eine Thüre welche in ein Bureau führt. Im Hintergrund, rechts von der Thüre, steht ein Schreibtisch mit Licht, an welchem ein Kanzleydiener sitzt. Ein Wärter hält sich im Hintergrunde auf. Es ist Abend.) 18 te Scene ( Ein Kanzellist , ein Kanzleydiener , ein Wärter .) Kanzellist (aus der Seitenthüre lincks kommend, in einer Hand Zwey Actenstücke tragend, in der anderen den Hut, um fortzugehen, zum Kanzleydiener) . Das kommt in die Ober-Verwaltungskanzley. (übergiebt ihm das eine Actenstück, worauf sich dieser zur Mitte entfernt.) Und hir diesen Wochenausweis (zum Wärter) lassen Sie vom Herrn Primär-Arzt unterschreiben. (giebt dem Wärter das andere Actenstück.) Wärter . Gleich, wie er herauskommt. Kanzleydiener (zurückkommend, die erhaltene Schrift noch in der Hand) . Dieser Herr (zeigt auf den ihm folgenden Schofel) möcht' mit dem Herrn Doctor reden. (entfernt sich zur Mitte.) 19 te Scene ( Schofel , Kanzellist , Wärter ) Schofel (eintretend) . Schamster Diener –! Kanzellist . Es ist jetzt eben Ordinationsstunde – ist Ihre Angelegenheit dringend? Schofel . Unendlich! Kanzellist (zum Wärter) . Melden Sie es dem Herrn Doctor. (Der Wärter geht in die Seitenthüre rechts ab.) Kanzellist (zu Schofel) . Alle Patienten, und ebenso die Geisteskrancken werden gegen Abend schlimmer, weßhalb der Herr Primarius um diese Zeit am meisten beschäftigt ist. Schofel . Ja, es is halt gar ausserordentlich dringend. Kanzellist . Belieben Sie hier zu warten. (geht zur Mitte ab.) 20 ste Scene ( Schofel , allein.) Schofel . Alles überlauft mich um Geld – das darf nicht so bleiben. Zwischen mir und meinen Gläubigern muß eine Scheidewand fallen. Sicherheit der Person is das Erste; Eigenthum hab' ich kein's, man kann aber nicht wissen, was vielleicht einmahl g'schieht, darum müssen meine Contracte für ungiltig erklärt werden. Beyde Zwecke erreich' ich nur auf diese Art. 21 ste Scene ( Doctor , der Wärter ; der Vorige ) Wärter (auf Schofel zeigend zum Doctor) . Das is der Herr. Doctor . Was steht zu Diensten –? Schofel . Bevor ich Ihnen das sag', Herr Doctor, sagen Sie mir – Doctor . Und wer sind Sie? Schofel . Bevor ich Ihnen das sag', sag'n Sie mir – waren Sie nie beym Theater? Doctor (befremdet) . Welche Frage –? nein! Schofel . Seyn S' froh, müssen auch nicht dazu geh'n. Doctor (wie oben) . Ich, zum Theater geh'n –? mein Herr, ich bin Doctor, und Leiter der hiesigen Irren-Anstalt seit Dreyßig Jahren. Schofel . G'rad so lang bin ich Theater-Director, (in kameradschaftlichem Tone) wir Zwey können schon a Wort reden miteinand. Doctor (Schofel von oben bis unten messend) . Lassen Sie hören. Schofel . Es existiert bekanntlich eine unsichtbare Butten, die immer losgeht, wenn's Unglück will – bey mir is diese Butten losgegangen. Doctor . »Accidit in puncto« – oder »Fuimus Troës« – andere Trostgründe wüßte ich nicht – Schofel . Sie würden einen groben Verstoß gegen die Wahrheit begeh'n, wenn Sie der Meinung wären, daß ich keine Schulden hab'. Doctor . Ich bedauere, jedoch – Schofel . Überdieß hab' ich meinen Glanzpunct verloren, meine Nichte, die Rosaura. Doctor . Ist sie todt? Schofel . Nein sie hat mich lebendig verlassen. Doctor . Also für Sie moralisch todt. Schofel . Nit einmahl; sie is zu ein'n andern Theater gangen, das war undankbar, also nicht moralisch. Doctor . Da müssen Sie in einer andern Acquisition Ersatz suchen, übrigens – Schofel . Übrigens verlier' ich durch sie auch einen reichen Bräutigam, auf den ich starck gerechnet hab'. Doctor . Das ist allerdings fatal, aber warum klagen Sie gerade mir Ihre Leiden? Schofel . Das is sehr einfach; ich bin über alle diese Unglücksfälle narrisch word'n, und deßhalb meld' ich mich bey Ihnen. Doctor . Mein Herr –! wie kommen Sie mir vor –!? Schofel . Komm' ich Ihnen vor? Das is schon recht. Doctor . Bis jetzt waren Ihre Reden so ziemlich vernünftig – Schofel . Ja, die Reden, aber meine Handlungen! Die seyn a Bisserl anders. Ich hab' Contracte abgeschlossen, die ich nicht halten kann, mit Leut', die ich nicht brauchen kann. Thut das ein Mensch der bey Verstand is? Doctor . Das war wohl unüberlegt, aber keineswegs närrisch. Schofel . Ich hab' aufs Gerathewohl eine Kunstreis' unternommen mit einer Massa Leut' – Doctor . Das war ein Wagniß, aber keine Narrheit. Schofel . Ich hab' eine Schlange in meinem Busen genährt. Doctor . Das haben schon die vernünftigsten Leute gethan. Schofel . Also glauben Sie, daß mir meine Handlungen keine Ansprüche geben? Doctor . Sie sehen die Verrücktheit derselben ein, ein Beweis, daß Sie zu Vernunft gekommen, (halb scherzend) Da hätte man Sie eher damahls hier ein logieren sollen – Schofel . Wie ich so gehandelt hab? nit wahr? eben aber weil Sie es damahls unterlassen haben, so erfordert der Credit Ihrer Anstalt, daß Sie es jetzt nachholen; ein ordentlicher Narr geht Ihnen sonst gar nicht mehr her. Doctor . Liebster Mann, Ihnen fehlt es an Geld, und kein Geld haben ist keine Narrheit. Schofel . Aber g'scheidt is es auch nicht; oder wenn Sie's gar so g'scheidt finden, daß ich kein Geld hab', dann sind Sie ein schadenfroher Mensch! Doctor (nicht wissend was er dencken soll) . Ich weiß wirklich nicht – (bey Seite.) Jetzt scheint's doch fast als ob er nicht recht – (macht die Pantomime des Verrücktseyns.) Schofel . Wenn Sie mich geseh'n hätten, wie ich nach dem Schlag so auf und ab gangen bin, – (macht die Stellung mit verschränckten Armen) kein Wort herausbracht – nur denckt hab' ich mir: »Schofel, du hast so viel für die Kunst gethan –« das war stiller Wahnsinn! Doctor . Grillen, Grillen!, weiter nichts. Schofel (in einer Art Extase fortfahrend) . Wie dann meine Mitglieder um die Gage gekommen sind – wenn Sie mich da g'seh'n hätten, wie ich über die hintere Stiegen fortg'stürzt bin, wie ein Rasender – (in ruhigem Tone) Rasende hab'n Sie g'wiß auch da? Doctor (apprehendiert) . Jetzt gewinnt es fast den Anschein – (ernst) mein Herr, Sie glauben vielleicht, daß ich Ihr Narr seyn soll? Schofel . Conträr! ich möcht' ja gern der Ihrige seyn! Doctor (ärgerlich) . Mein Herr – (weist nach der Thüre.) Schofel . Aber Herr Doctor, unter die Halbnarr'n werd' ich Ihnen doch gut genug seyn?! Doctor (wie oben) . Adieu, mein Herr – (will zur Seite ab.) Schofel (ihn zurückhaltend) . Also nicht einmahl als Halbnarr? Nein, was man jetzt in all'n Fächern verlangt –! Doctor (peremtorisch) . Sie sind bey Verstand. Schofel . Das sagen Sie, nachdem ich Ihnen mein Schicksal erzählt hab'? – Herr, wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren; es is also g'rad so viel, als ob sie mich ein'n Esel geheißen hätten. Doctor (bey Seite, das Verrücktseyn pantomimisch andeutend) . Jetzt scheint er wieder – (zu Schofel) ich werde nicht klug aus Ihnen. Schofel . Auf mich hab'n Sie gewart't, um klug zu werd'n? – da bedauer' ich Ihnen. Doctor (zum Wärter) . Führen Sie ihn in's Observations-Zimmer. Schofel . Na, sehn Sie's einmahl ein? Und daß nur recht gut g'schaut wird auf mich! – ich bin ein interessanter Fall. Doctor (zum Wärter) . Thun Sie, wie ich gesagt! Schofel (zum Wärter, welcher ihn abführt) . Und wann ich auch dann und wann lichte Augenblick' hab', das derf Ihnen nicht täuschen, es is nie von Dauer; kehr' die Hand um, is wieder der ganze Narr fertig. (wird von dem Wärter zur Seitenthüre rechts abgeführt.) Doctor (allein) . Der Fall ist mir in praxi noch nicht vorgekommen. Bis jetzt mußte noch Jeder durch List oder durch Zwang hirhergebracht werden, (man hört Lärmen außerhalb der Mittelthüre.) Was ist das für ein Tumult – !? (Hir beginnt das Ensemble-Quodlibet.) Quodlibet 22 ste Scene ( Damisch , Wärter ; die Vorigen .) (Wärter des Irrenhauses bringen unter großem Tumult Damisch herein.) Die Wärter (Chor) . Den saubern Herrn da: haben s' übergeben unt am Thor – Wie s' ihn gebracht hab'n ui je das war ein Rumor, Hier diese Schrift, die ihn betrifft – Von höherm Ort ist's der Rapport – (Ein Wärter übergibt dem Doktor eine Schrift. Männliches und weibliches Hausgesinde kommt durch die Mitte.) Doctor (lesend) . Wollte ins Theater ohne Eintrittskarte, ohne Geld, Wahnsinn so sich nur geberdet, wähnte sich ein Held – Ihrer strengen Obhut den Unzurechnungsfähigen. Damisch . 's hat grad gschlag'n g'habt siebni,     zum Theater küm i Durch's Parterrthürl hab i eini guckt     D' Rosaura sieh agirn i     Schön thut deklamirn sie Daß ma bis in d' Seel hat eini zuckt,     H'nauf zu ihr will i –     Pumps da packen s' mi, Habn den Weg mit mir hinaus nit gfehlt,     Gibts kan Eisenbahn,     Gibts kan Luftballon Der mi außiführt aus dera Welt? Doctor . Das ist Wahnsinn nicht, nur ein Spleen aus ihm spricht! Chor der Wärter und des Hausgesindes . Mit Kleinem fängt man an, mit Großem hört man auf, Ja das is a alte G'schicht, und nach und nach hörts auf. 23 ste Scene ( Maxner , Lisi , Mali ; die Vorigen .) (Maxner, Lisi, Mali kommen durch die Mitte.) Maxner . Ja, hier ist der Arme, Damisch ich bin hier! Ich werd für Sie sprechen, Sie gehn gleich mit mir. Lisi (zum Doctor) . Bei uns schon lang logirt er, wir können garantiren Daß Sie sich in ihm gewaltig irrn. Maxner , Lisi , Mali . Es wird klar, es wird klar, er ist kein Narr, er ist kein Narr. Damisch (zugleich.) . Ich ein Narr, ich ein Narr, warum nicht gar, warum nicht gar? 24 ste Scene ( Stössl , Conrad ; die Vorigen ) (Stössl und Conrad treten eilig durch die Mitte ein; nachdem Stössl Damisch bemerkt, eilt er auf den Doctor zu.) Stössl . I bitt Herr Doktor, bitt recht schön, Gehn S' lassen S' diesen Menschen gehn – Wie kann denn der 'n Verstand verliern Er hat ja niemals ein' g'habt in sein' Hirn! Stössl und Conrad . Man brachte ihn als närrisch ein Der is ja z' dumm zum Narrischsein – I bitt Herr Doktor bitt recht schön – Mit uns glei lassen S' 'n gehn, bitt recht schön! Conrad (mit Brummstimmen Begleitung) . Ach komm mit uns und kehr zurück, In deiner Hand liegt dein Geschick, Ach komm zu ihr zu meiner Schwester, Mit offnen Armen harrt sie dein, Den Vater sieh sein bleiches Antlitz Rührt dich das nicht, so ist dein Herz von Stein! Damisch (macht gegen Conrad und Stössl eine abwehrende Bewegung) . Nein! Tutti . Der ist ein Klotz den's nicht rührt Wenn ihm so zugsetzt wird Und ohne Prophet zu sein kann man ihm es prophezeien Es wird ihn über kurz oder lang noch reun! Damisch . Wie? Wie? Wie? Stössl , Conrad , Maxner , Lisi , Mali . Damisch komm, wir gehen fort. Damisch . Nie, nie, nie! Stössl , Conrad , Maxner , Lisi , Mali . Du wirst froh und glücklich dort. 25 ste Scene ( die Vorigen , Schofel .) Damisch (Rezitativ) . Nach meines Vaters Testament Krieg mein Vermögen ich in d' Händ Wenn ich verheirath werde sein, Drum führ d' Rosaura ich jetzt ein, Ins Brautgemach vulgo Kämmerlein. Stössl (im höchsten Grade entrüstet) . Das möchtest du, Mordsapprament, Damisch . Ja, ich halte mich ans Testament. Stössl . 's is daß man aus der Haut fahrn könnt, Der Bua entbrennt, verblendt. Damisch . Ja justament, ich halt mich ans Testament. Stössl . Er heirat fikrament, das is mein letztes End. Damisch . (zugleich) . Gheirat wird fikrament, und wärs mein letztes End. Tutti . Ha, welche Verblendung. Schofel (eine Ohnmacht fingirend) . Ha! Tutti . Was ist geschehn – – ? Schofel (von Mehreren, besonders von Conrad und Damisch unterstützt, erwacht) . Wo bin ich? Conrad . Er kommt ja schon zu sich! Damisch . O faße dich! Schofel (freudig da er hörte, daß Damisch Rosaura heirathen will und Vermögen besitzt) . Sein ganz Vermögn kriegt auszahlt er – Und dann d' Rosaura heirath er – O unnennbare Seligkeit Wann ich von Geld hör, wiar i gscheidt!         (Damisch die Hand reichend.) Ein reicher Vetter ist ein Glück, Ich fühl es, mein Verstand kommt z'rück, O unnennbare Seligkeit Wann ich von Geld hör, wiar i gscheidt. Maxner . Halt, da hab ich noch ein Wörtel drein zu reden noch mit dir Zahle was du schuldest meinen Töchtern und auch mir Ja mein Geld will ich von dir Sonst zittre, zittre, zittre vor mir. Conrad (zu Schofel) . Sie benützen seine Schwäche, zittern sollen Sie vor mir. Maxner (mit Conrad zugleich) . Du benützest seine Schwäche, zittern sollst du noch vor mir, Ich durchkreuze deine Pläne, ja das schwör ich, schwör ich dir! Lisi , Mali (mit den Obigen zugleich) . Zittern sollst du, das schwören sie dir – Zittern – – – – – – – schwören sie dir! Schofel (ganz ängstlich, weil Maxner Geld von ihm verlangt, will ihn glauben machen er sey närrisch) . Du willst a Geld? O Himmel mir wird finster vor den Augen, ja ich seh nicht klar –! Wo ist denn der Doktor? (desperat auf Maxner deutend.) Der will a Geld – Ich bin schon wieder a Narr! (will mit gekreuzten Armen stieren Blickes durch die Mitte fort.) Damisch (der Schofel zurückhält) . Schofel, vertraue deinem Freund Und höre mich, Günstig die Sonne heut dir scheint, Ich zahl für dich. Ich theile alles, was ich habe Gerne Schofel mit dir D' Rosaura, süße Himmelsgabe, Lohnt auch dafür! Stössl , Conrad , Maxner , Schofel . Es is ja wahr und gwiß Wenn man Hallodri is Da tappt man überall drein, is völlig blind, Thut oft auf d' Nasen falln, Für Alls das Lehrgeld zahln, Man merkts nit, wann s' Ein'm foppen vorn und hint. O schöne Zeit der jungen Liebe, Ach wenn sie ewig, ewig bliebe. Lisi , Mali (Chor mit Obigen zugleich) . Er wähnt die Braut im Hochzeitsglanze, Als höchstes Glück im Myrthenglanze, Nur sie allein ist Seligkeit Er glüht für sie in Ewigkeit. Und girrt die Taube, In grüner Laube, So fühlt sein Herz engelreine Lieb, Ach wenn es ewig, ewig so blieb. Stössl (zu Conrad desperat) . Was hast ausgricht? Sag mir was? Grad so viel als: Wasch mir'n Pelz und mach mir'n nicht naß. Conrad . Sie werden es noch sehen – Nach Wunsch wird Alles gehen – Ich leg ihm eine Schlinge, Die wendet sein Geschick, Dann reuig ich ihn bringe Auf die rechte Bahn zurück! Lisi . Wir werden es jetzt sehen, Wie Alles wird noch gehen – Ob führt ihn sein Geschick Die rechte Bahn zurück? Mali (wiederholt obige 4 Zeilen) . Alle . A Hochzeit gibts La la la – wie's gestaltet sich – La la la – wie's entfaltet sich – La la la – wart ma drauf – La la la – es kommt auf. Schofel (Pepita imitierend) . Manchmal a Tanzel das is ja nit zwida a la Pepita! Alle . Es is Alles aus – es is alles aus Im Narrenthurm da tanzen s' aus! (Alles schnell ab. Die Musick endet.) Verwandlung (Sehr einfaches Zimmer in Schofels Wohnung, rechts eine Seitenthüre. In der Mitte der allgemeine Eingang.) 26 ste Scene ( Krammer , mehrere Schauspieler von Schofel's Gesellschaft, Spindl , Fink .) Die Schauspieler (ihre Contracte in Händen habend, in Aufregung) . Wir geh'n einmahl nicht von der Stell' bis er kommt! Krammer (die Schauspieler beruhigend) . Ganz recht, wir erwarten Director Schofel, aber mit Anstand und Besonnenheit. Die Schauspieler . Das sind unsere Contract', er muß zahlen. Krammer . Eben aber, weil es ein Rechtsfall ist müssen wir im Wege Rechtens und mit Ordnung – 27 ste Scene ( Maxner ; die Vorigen .) Maxner (zur Mitte eintretend) . Oho, meine Herrn – Die Schauspieler (auf Maxner) . Das is der Mann; der hat Geld! der soll Director seyn! Maxner . Es is mir sehr schmeichelhaft, aber vor der Hand – Krammer . Ja, wenn Herr Maxner das Ruder ergreiffen wollte –! Spindl . So verstünde es Keiner! Fink . Ich hab's immer g'sagt, es giebt nur Einen Maxner! Die Schauspieler Es lebe der neue Director! Maxner hoch!! Maxner . Zu früh, meine Herrn! wir müssen erst seh'n, wie die Sachen steh'n. Krammer (schmeichelnd zu Maxner) . Im Interesse der Kunst wollen wir hoffen – 28 ste Scene ( Rosaura , Clair ; die Vorigen .) (Rosaura tritt zur Mitte ein, im Mantel vom Theater nach Hause kommend, Clair tragt ihr einen großen überdeckten Korb mit Theatergarderobe nach.) Rosaura (die Anwesenden erblickend) . Was ist das –!? (zu den Schauspielern) Ohne Zweifel suchen Sie meinen Onkel? Die Schauspieler (schroff) . Wir woll'n unser' Gage! Fink (auf den Korb, welchen Clair trägt zeigend) . Sollen wir nicht den Korb gleich pfänden? Rosaura (ihn zurückweisend) . Er enthält meine Theatergarderobe. Krammer (im Tone des Verweises zu Fink) . Keine Eigenmächtigkeit! (Clair geht mit dem Korb in die Thüre rechts ab.) Rosaura (stolz zu den Anwesenden) . Ich muß bitten, da ich künftig einer anderen Sphäre angehöre, mich nicht mehr in Herrn Schofel's Angelegenheiten zu mengen. Die Schauspieler (unter sich) . Jetzt giebt sie's hoch, (gruppieren sich um Maxner.) Rosaura (für sich) . Wo mag der Lord nur weilen? Nach dem Triumph, den ich gefeyert, bleibt er fern –?! Alles drängte sich um mich, mit Lobsprüchen mich überhäufend, und nur er – Maxner (zu den Schauspielern) . Meine Herrn, ich zahle mit Vergnügen, übernehm' alle Verpflichtungen, des dermahligen Directeurs, wenn er mir seine Rechte, nehmlich seine Concession abtritt. Die Schauspieler . Das muß er! 29 ste Scene ( Inslbull ; die Vorigen .) Inslbull (zur Mitte eintretend) . Miß Rosaura, ich fühle vor Entzücken zu seyn ausser mir. Rosaura . Es ist mir doppelt schmeichelhaft, wenn meine Leistung – Inslbull . Herr Damisch ist aus Verliebtheit geworden ein Narr. Die Schauspieler (welche Inslbulls Worte gehört) . Hahahaha!! viel hat ihm so nicht g'fehlt! Rosaura (zu Inslbull) . Was sagen Sie –? Inslbull . Ein Mann hat sich gestürzen in das Wasser wegen Ihnen – der Andere ist gekommen in einer Irrigen-Anstalt, – Sie sind eine Lady von größtem Intresse vor mich. Rosaura . Mylord – Inslbull (sich besinnend) . Ha, welche Vergeßlichkeit! (zieht eine Schrift aus der Tasche.) Ich bringe den untergezeichneten Contract hir Ihnen, von die Stadttheater-Entreprise, wo sind Sie engagier' mit ansehnlicher Emolumenten. (überreicht ihr die Schrift.) Rosaura (den Contract annehmend, freudig) . Ich bin Ihnen zu großem Danck verpflichtet – Inslbull . Sie sind mir schuldig Danck, und ich tragen in mir die Persuasion, daß Sie werden seyn undanckbar. Ich reisen ab in dieser Stunde for ever, mit der starckesten Hoffnung, daß werden ich mich bringen um aus Liebe. Rosaura (mit Entrüstung) . Sie reisen –? abermahls –? ist das Ihr Ernst? Inslbull . Ich scherzen nie. 30 ste Scene ( Schofel , Damisch ; die Vorigen .) Schofel (mit Damisch zur Mitte eintretend) . Triumph! Triumph! Da bring' ich ihn als Bräutigam! Damisch (mit Extase sich Rosaura nähernd) . Ja, Rosaura, ich werd' Ihnen glücklich machen in einem Grad, der bisher noch gar nicht bekannt war! Rosaura . Sie tragen mir Ihre Hand an? Damisch . Allemahl; nichts soll fehlen zu Ihrer vollendeten Seeligkeit. Rosaura (zu Damisch, mit einem zermalmenden Seitenblicke auf Inslbull) . Ich weiß die Unwandelbarkeit Ihrer Gefühle zu schätzen, und nichts hält mich ab – Damisch . Ich garantier' Ihnen feenhafte Wonne. Inslbull (zu Rosaura) . Sie heurathen den? Hahahahahaha! Rosaura . Ja, er wird mein Gemahl, denn ich bin es überdrüßig der Spielball Ihrer Launen zu seyn. Maxner . Du, Director (auf die Schauspieler zeigend) die Herrn sind alle da – Die Schauspieler . Ja, wir sind Alle da, und woll'n – Schofel (zu den Schauspielern) . Sie hör'n ja grad', daß eine reiche Parthie meiner Niece mich aus aller Verlegenheit reißt. Maxner . Die Mitglieder woll'n aber einen Director, wo ihre Existenz auf solider Basis, und nicht auf Speculations-Heurathen beruht. Rosaura . Ich staune, mit welcher Zuversicht Herr Schofel über das Vermögen meines künftigen Gemahls disponiert; mit welchem Rechte –? Schofel . Mit den heiligen Rechten eines Onkels – Rosaura . Den ich als solchen figurieren zu lassen, für meine isolierte Stellung passend fand. Damisch (zu Schofel) . Sie seyn also nur ein ang'nommener Onkel? Schofel (zu Damisch) . Macht nix; sag'n S' ihr, Sie nehmen s' nicht, wann S' mich nicht unterstützen derffen. Damisch . Warum nit gar! Glaub'n Sie denn ich heurath' nur um Ihnen auf die Füss z' helfen? Rosaura gewinnt an Reitz durch die Entdeckung, daß Sie nicht ihr Oheim waren, sondern nur ihr Elephant. Schofel . Ich könnt' Ihnen jetzt auch was animalisches sag'n – Maxner (zu Schofel) . Dein Reich is aus, ich zahl' für dich und werd' Director. Die Schauspieler . Director Maxner hoch!! Stössl (von Aussen) . Wo is der Höllenbub, ich will ihm zeigen –! Damisch (erschrocken) . Schon wieder mein Vormund – (zu Rosaura.) Bleiben Sie nur da Rosaura, an unserer Felsenliebe scheitert Alles – bleib'n S' nur da! Rosaura . Nein, nein, ich zieh' es vor, bey Familienzwisten mich zu entfernen, (geht in die Seitenthüre rechts ab.) 31 ste Scene ( Stössl , Conrad ; die Vorigen .) Stössl (mit Conrad zur Mitte eintretend) . Da is er –! Noch einmahl steh' ich als Vormund vor Dir – Schofel (zu Stössl) . Willkommen, verkannter Greis, wenn Sie der Zerstörer dieser zwecklosen Verbindung sind. Stössl (ohne auf ihn gehört zu haben zu Damisch) . Ich sag' dir noch ein Wort –! Damisch . Verschwendung! Stössl . Du verharrst –? Damisch (auf Schofels Schauspielergesellschaft zeigend) . Ich habe in Gegenwart dieser Kunst-Notabilitäten meine Absicht erklärt, und in wohlunterrichteten Kreisen weiß man bereits – Conrad . Ich werde diese Kreise besser unterrichten, (zu den Anwesenden.) Herr Damisch heurathet Rosaura nicht! Schofel (zu Conrad) . Ich hab' nicht die Ehre zu kennen, allein Du sprichst mir aus der Seele Knabe. Stössl . Wo is die Verblenderin?! Maxner (zu Stössl) . Ihre Ankunft hat sie dort hinein (nach der Thüre rechts zeigend) vertrieben. Stössl (grimmig) . Heraus mit ihr! Conrad . Halt –! (zu Stössl) Ich habe mein Wort verpfändet, ich werd' es lösen; nichts ließ ich unversucht, jetzt muß ich zum Äußersten schreiten, (er will gegen die Seitenthüre rechts.) Damisch (ihm den Weg zu vertretend) . Da drinn is meine Braut – was suchst Du in meinem Brautgemach? Conrad (zu den Schauspielern) , meine Herrn, (auf Damisch zeigend) er kommt ebenaus dem Irrenhaus, offenbar war seine Entlassung verfrüht; halten Sie ihn mir auf Zwey Minuten fest. Die Schauspieler . Mit Vergnügen! (zu Damisch) Halt, verrückter Damisch! Damisch . Zurück! Die Schauspieler (fassen Damisch unter den Armen, und ziehen ihn rücklings von der Seitenthüre rechts, bis gegen die Portalkulisse lincks) . Ja, zurück von der Thür, und zwar bis da her! Conrad . Es ist fürchterlich – doch muß es seyn! (drückt sich den Hut in die Stirne, und stürzt in die Seitenthüre rechts ab.) 32 ste Scene ( Die Vorigen ohne Conrad ). Stössl . Was kann er drinn vorhaben Schofel . (beynahe zugleich) A Paar Grobheiten – Damisch . (beynahe zugleich) Sie schafft'n hinaus – (Man hört innerhalb der Seitenthüre rechts einen grellen Schrey des Entsetzens, von Rosaura's Stimme.) Damisch (aufschreyend) . Ha!! Alle Anwesenden (erschrocken) . Was ist geschehn –!? (Die Schauspieler lassen Damisch los, welcher jedoch von Entsetzen sich der Thüre nicht zu nähern getraut.) Damisch . Er hat sie umgebracht, daß ich s' nit heurathen kann!! Schofel . »Ein Mord, in unserem Haus!« sagt Lady Macbeth – Rettung! Stössl . G'schwind in d' Apotheken –! Inslbull (welcher sich an der Seite lincks in einen Stuhl gesetzt) . Einer hat sich geselbstmordet wegen ihr, ein Anderer mordet sie selbst – die Lady gewinnen ungeheuer an Intresse. Die Schauspieler (welche mit schaudernder Spannung nach der Thüre rechts geblicket) . Da kommt er –! 33 ste Scene ( Conrad ; die Vorigen .) Schofel (erscheint unter der Thüre rechts) . Es ist geschehn – Damisch (auf ihn losstürzend) . Brautumbringer! Schofel (zu Conrad) . Angenommener Nichte-Vernichter! Stössl (schaudernd zu Conrad) . Du bist ihr Mörder –!? Conrad (mit Resignation und Erschöpfung) . Nein – ich bin nur ihr Mann –! Alle (im höchsten Staunen) . Ihr Mann –!? Stössl . Nicht möglich –!?! – Sohn –!! Damisch (zu Conrad) . Schnöde Gaukeley –! (zu Stössl) Fluchen Sie ihm auf meine Verantwortung, wenn er nochmahl sagt daß er ihr Mann is. Conrad . Ich kann auf Begehren auch die Rede ändern, und sagen, »sie ist meine Frau«! Damisch . Das ist ja fast dasselbe. Stössl . Also doch –!? Conrad . Ein halbes Jahr lang hab ich es an ihrer Seite ausgehalten, oder eigentlich nicht ausgehalten – da gieng ich eines schönen Morgens fort, ein Briefchen hinterlassend: »Madame, wenn Sie diese Zeilen entfalten, haben bereits die Wellen in ihre Todesarme mich geschlossen – Conrad Wall« – so hieß ich, wie ich der Bühne angehörte –. Nun war ich wieder frey. Stössl (kopfschüttelnd) . Hörst es, das war Unrecht – Conrad . Was thut der Mensch nicht, wenn er in Verzweiflung ist!? Maxner . Aber die Folgen, wenn sich Eine für a Wittwe halt't! Schofel , 's Herz is immer thätig. Conrad . »Wenn du stürbest, wäre die ganze Männerwelt tod für mich« – so lautete einer ihrer ersten Liebesschwüre. Stössl . Sie hätt auch können eine lebenslängliche Melancholie krieg'n. Schofel . Wann s' woll'n hätt'. Conrad . Ich habe nur einen Anflug von Trauer vergebens erwartet; ich sah sie, meinen Verlust mit stoischem Gleichmuth, mit der ächten Seelen-Plastik antiker Schule, ertragen. Maxner . Wie leicht aber hätt' sie ein'n Andern unglücklich machen können, (auf Damisch zeigend) wie figura zeigt. Conrad . Ich wußte Alles, und war immer bereit, im Nothfalle wieder lebendig zu werden, wie ebenfalls (auf sich zeigend) figura zeigt. Damisch (herabgestimmt und fast vernichtet) . In welchem Licht erscheint der Engel meiner Seele!? Der Strahlenglorie wird Tumprigkeit – das Ideal is tschali –! 34 ste Scene ( Rosaura , die Vorigen ; Inslbull (aus der Mitteltüre).) Rosaura (mit Shawl und Hut, kommt aus der Seitenthüre rechts) . Mein Herr, (zu Conrad) ich meide dieses Haus, wie fortan Ihre Nähe. Glücklicher Weise haben Sie mich nicht nur durch Ihren Tod getäuscht, sondern auch durch Ihr Leben; Sie wurden unter falschem Nahmen im Auslande mein Gemahl, dieß läßt mich die gänzliche Lösung dieses unseeligen Bandes hoffen. Conrad . Uns're Wünsche begegnen sich; auch wird meine Cassa nie sich weigern, das Gesetzliche zu leisten. Rosaura (mit Geringschätzung) . Eine Künstlerin meines Ranges wird Ihrer gütigen Unterstützung nie bedürfen, (will zur Mitte ab.) Conrad . Nur Eines noch –! Sie müssen, Ihrem Talente nach, eine vortreffliche Kotzebue'sche »Eulalie« seyn; ich habe nie Dümmlinge gespielt, d'rum werden Sie auch das Capo aller Dummköpfe, den »Unbekannten« aus »Menschenhaß und Reue« nie finden. Rosaura (wie oben) . Überflüßige Warnung, die ich nur mit einem Lächeln, halb Mitleid, halb Verachtung erwiedern kann, (geht stolz zur Mitte ab.) 35 ste Scene ( Die Vorigen , ohne Rosaura .) Damisch (enttäuscht) . So spricht eine Rosaura zu einem Conrad, der aus Rosaurischer Erfahrung spricht –? Conrad (zu Damisch) . Siehst Du jetzt ein, was meine Schwester ist im Vergleich mit dieser? Inslbull . Ihr sich umgebrachthabender lebt, und sie ist umgebracht worden nicht – ich erblicke in ihr nur mehr einer ganz indifferenten Lady. Damisch (reuig) . Conrad red' ihm zu, (auf Stössl zeigend) dem Philippinen Erzeuger, daß er mir verzeiht. Stössl (zu Damisch) . Du bist reich und dumm, da giebt's eigentlich nix Unverzeihliches. Damisch . Ich leid' an keiner Leidenschaft jetzt mehr, und werde ein Muster von Eh'mann und Apotheker seyn. Schofel (zu Stössl) . Erlauben Sie, ohne Entschädigung kann ich ihn seines 25jährigen Contractes nicht entheben. Maxner (zu Schofel) . Du bist ja kein Director mehr, aber viel besser wirst du dich künftighin als mein erster Komiker befinden. Schofel . Und auf meine Heldenväter reflectierst du gar nicht? Maxner . So wenig als auf den (auf Damisch zeigend) für d' Liebhaberrollen. Damisch . Die werd' ich ewig spielen, aber nur bey meiner Frau. Conrad . Edler Vorsatz!, der meistens mit dem Übergang ins Bonvivant-Fach schließt! Damisch . Jetzt aber nur g'schwind! mein halbes Vermögen für einen Separat-Train in die Arme meiner Braut! (gegen das Publicum.) Und wann Jemand meine Zukünftige in der Zukunft begegnen sollt' – es is wegen dem Hausfrieden – nur ja nix erzählen von meiner Leidenschaft. (Unter passender Musick im Orchester fällt der Vorhang.) Ende