Eduard Mörike Die Regenbrüder Oper in zwei Akten Personen: Viktor, Felix und Wendelin, genannt die Brüder Regen Silvia, Temire und Justine. Schwestern Steffen, Müller Ännchen, Verwandte des Müllers Christel, Matthes und Velt, Bauern Peterling, Schulmeister Knechte und Mägde des Müllers. Chor der Landleute. Feenkinder. Himmlischer Chor Der Schauplatz ist in der Mühle und deren Umgebung . Erster Akt Erster Auftritt Mühle; Hausflur. Die Hinterwand hat statt der Fenster eine Art offner hölzerner Galerie, wodurch man ins Freie sieht. Die Gegend ist ganz in Regen gehüllt. In den Pausen des Chors hört man stark regnen. Steffen , der Müller; Nachbarn , Knechte , Mägde sitzen am Tisch und trinken. Justine und Ännchen warten auf. Chor . Heut gilt es, wackre Leute! Trinkt zu und stoßet an! Müller und Bauersmann, Die haben Festtag heute. Steffen : In dreiunddreißig Tagen Kein Tröpflein Regen mehr; Nun rauscht's in Strömen her – Nachbar, das will was sagen. Chor : Trinkt zu und stoßet an! Nun gießt es was es kann. Laß regnen, Regnen, Regnen, Für Müller und Bauersmann! Steffen : Mein Mühlbach trocken, Das Werk im Stocken, Blieb alles verhocken, Das ist kein Spaß. Christel und Veit : Und Acker und Auen! Es waren mit Grauen Die Halmen zu schauen, Auf glühendem Boden, so spröde wie Glas. Chor . Trinkt zu und stoßet an! Nun gießt es was es kann. Laß regnen, Regnen, Regnen Für Müller und Bauersmann! Christel : Ja, Kinder und Kindskinder werden davon erzählen. Justine zum Müller: Vater, Ihr müßt nicht vergessen, daß Ihr's in den Kalender schreibt. Steffen : Hast recht, Justine, oder in die Hauspostill, und jeder fromme Hausvater muß es tun mit tausend Dank. – Trinkt noch eins! Veit : Seit Menschengedenken weiß man wenigstens hierzulande nichts von so einer langen entsetzlichen Dürre und Trockenheit. Knechte und Mägde nacheinander: Das Erdreich wie ein Scherben. – Brunnen und Quellen wie verlechzt. – Mensch und Vieh hing alles die Köpfe. Und nun seit zwei Stunden macht's vom Himmel herunter, nichts desto schöner. – Man ist ordentlich wie neugeboren. Justine : Es hellt sich auf. Veit : Ein Sonnenblick, der geht vorüber. Christel : Schaut, Gras und Baum da draußen stehn wie im Paradies so frisch, und die Wachtel schlägt aus dem Weizen, daß es eine Lust ist. Steffen : Bald seh ich meine Räder wieder laufen, nächstens hört ihr meine drei Gänge wieder zusammenklappern. Knechte . Wollen hinaus! kommt, wollen sehen, wie's steht im Feld. Im Gehn: Laß regnen, Regnen, Regnen Für Müller und Bauersmann! Ab mit den Mägden und Ännchen. Zweiter Auftritt Der Schulmeister Peterling kommt. Steffen , Matthes , Veit , Christel , Justine . Letztere unbekümmert um die andern, macht sich sonst zu schaffen, und setzt sich dann auf einen Hocker im Hintergrund, mit dem Gesichte gegen die lichter werdende Aussicht ins Freie gekehrt. Schulmeister : Guten Morgen, Gevatter. Steffen und Andere : Guten Morgen, Herr Schulmeister. Nicht wahr, das ist ein Jubel? Schulmeister : Ich laß es gelten. Christel : Ich hab da meine sonderlichen Gedanken. Steffen : Was gilt's, ich weiß? Christel : Ich meine halt, die Regenbrüder müßten durchs Land passiert sein. Matthes : Just das denk ich auch. Schulmeister : Ei, daß euch doch! – Schamt euch! Christel : Man redt nur auch davon. Veit zu Steffen: Was ist's denn mit der Sache, Herr Vetter? Ich bin hier fremd. Schulmeister : Das einfältige, abgeschmackte Märchen! da hätten wir's wieder! Kaum hab ich es den Jungen ausgetrieben, gleich, wie das Wetter umschlägt, fangen die Alten von vorn damit an. Man möchte aus der Haut fahren! Das miserable, hirnverrückte Zeug – Steffen : Sprecht nicht so frech in meinem Hause, Herr! Ich kenne Leute dahinten im Gebirg, die haben die drei Brüder mehr denn einmal mit Augen gesehn. Schulmeister : Seind Vanitäten, sag ich! Regen ist Regen, sag ich, die ganze Geschichte, physisch und barometrisch, ein Unsinn! Steffen : Herr, haltet's Maul, wenn ich Euch gut zum Rate bin; Ihr wißt, ich kam Euch schon mal drüber in die Haare. Schulmeister : Und wenn unsre Gevatterschaft drüber zum Henker fährt, ich bleibe dabei! Steffen , Matthes , Christel dringen hitzig auf Peterling ein, während Veit mit Erstaunen zusieht: Schmeißt ihn hinaus, den Ketzer! Den unverschämten Schwätzer! Schulmeister : Ihr Blinden, o ihr Tauben! ihr liegt im Aberglauben! O du heilige Vernunft, Wie lang währt deine Wiederkunft! Die Andern : Hört doch den eiteln Tropfen! Nur her! man muß ihn klopfen! Der stolze Schulmeister Glaubt an keine Geister, Er glaubt an keine Teufel, Er glaubt an keinen Gott, Es ist ihm alles Trug und Spott! Sie stoßen ihn zur Stube hinaus. Steffen zurückkommend: Möcht ja einer die Schwerenot kriegen über so einem Tintenkleckser! Veit : Aber sagt nur, um Gottes willen – Matthes : Er hat sein Sach. Christel : Verderbt uns die Schuljugend in Grundsboden hinein. Matthes : Ich hab ihn brav gepufft. Veit : Bitt Euch, sprecht doch, was war das für ein Handel? wer sind denn diese Regenbrüder? Matthes : Davon habt Ihr in Eurem Gau noch nichts gehört? Christel : Kommt, setzen uns! man muß ihm's explizieren. – Also, merkt auf. Es sind die Söhne Thebars, welcher ein König und Zauberer gewesen, übrigens fromm und wohltätig. Der hatte Streit bekommen mit seinem Freund und Bundsgenossen, dem mächtigen und wackeren Alrachnod; und wie dieser mit Feuer und Winden, so wütete Thebar mit ungeheuren Regengüssen und Wolkenbrüchen gegen seinen Feind. Darüber gingen fast zwei Landschaften zuschanden. Die Götter wollten den Unfug nicht leiden und nahmen die beiden hinweg von der Erde. Sie versöhnten sich aber noch vor ihrem Ende miteinander und wohnen jetzt in Eintracht bei den seligen Geistern. Ihre beiderseitigen Kinder, heißt es nun, büßen auf Erden noch an der Väter Schuld. Thebars Söhne ziehen durch die Welt, bald einzeln, bald zusammen, und befeuchten das Erdreich, wo es not tut. Wo sie nur immer stehn und gehn, versammeln sich schwere Wolken am Himmel, die laufen ihnen überall voraus. Zuweilen sieht man die Brüder so von der Ferne in grauen Regenmänteln durchs Ackerfeld wandeln und immer sieht man sie gern, denn sie kommen niemals zur Unzeit. Sodann, was von Alrachnods Töchtern gesagt wird, weiß jedes Kind. Matthes : Ich muß nun gehn. Ades! Steffen, viel Dank für alles. Steffen : Nicht Ursach. Kommt bald wieder. Matthes ab. Veit zu Christel: Ja, weiter von Alrachnods Töchtern. Christel : Die eine haust da droben im Wald, man heißt's im Vogelsang; sie scheucht des Nachts das Wild von unsern Äckern, treibt dem Jäger auf Schußweite den Hirsch in die Hände, hilft heimlich den Köhlern beim Brennen, dem Schmied in der Werkstatt, und wo sie ihren Segen spricht im Dorf, da kommt kein Unglück aus mit Feuer. Die zweite sitzt im Schmerlensee, nur eine Stunde von hier; vorzeiten soll er Feuer und Schwefel gespieen haben, jetzt hat er ein eiskaltes Wasser, und das arme Kind muß drin frieren jahraus jahrein. Sie fängt zur Kurzweil in ihren langen Haaren die Fische, als wie in einem Netz, zusammen und schüttet sie früh morgens dem Fischer in den Kahn. Die dritte Tochter aber, nun, man soll's ja nicht sagen. Veit : Redet doch aus! Steffen : Laßt's gut sein. Christel : Die hilft in der Mühle; damit ist alles gesagt. Steffen zu Veit: Laßt Euch nichts weismachen! Christel : Ja ja, es macht sich weiß – an deinen Säcken. Nein, Alter, wir sind ja unter uns, gesteh's. Man sagt sich allerhand ins Ohr von deinem Mädchen. Veit : Zum Beispiel? Steffen : Possen das. Christel : Sie spaziert zuweilen mutterseelenallein auf unsern Bergen herum, setzt sich auf den höchsten Felsen, singt ein fröhlich Lied, und wenn sie in der Abendsonne ihre prächtigen Zöpfe losbindet, darf man drauf zählen, es wird gut Wetter. Dann streift sie oft weit in der Gegend umher, und wo ihr Kleid hinweht, da trocknet's Euch in einem Umsehn im Feld und auf den Straßen. Sie bindet ihr rotes Tüchlein dem Windmüller an die Flügel, daß sie sich alsbald drehen müssen wie ein Hexenhaspel. Steffen : Wind! lauter Wind! siehst du, das täte sie ja schon mir nicht zuleid. Der Windmüller verpfuscht mir die Kundschaft ohnehin. Christel : Soviel ist sicher: wenn mein Weib eine Wäsch hat, und sie bittet deine Tochter dazu, so haben die Windeln auf den Zäunen getrocknet, wie man eine Hand umkehrt. Veit und Steffen : Ha! ha! ha! ha! Veit : Mädchen, hör einmal! – Sie hört nicht, sie ist ganz in Gedanken. Christel : Sie ist in die Aussicht verzückt. Steffen : Laßt sie in Ruh. Die Gegend vor der Galerie wird in diesem Augenblick ganz von der Sonne erleuchtet. Von einem entstehenden Regenbogen ist ein ziemlicher Abschnitt sichtbar; er scheint über die Galerie hinweg in die Stube hereinzubeugen und gegen die Stelle gekehrt, wo Justine sitzt. Plötzlich erschrickt sie mit Lachen und blickt verwundert in ihren Schoß. Justine immer noch auf dem Stühlchen: Vater! o helft mir! Ha ha ha ha! Helft mir auf die Füße! Ha ha ha ha! Nehmt hier den Plunder, Und machet mich los! Ich breche darunter, Die Last ist zu groß! Steffen : Was ist das? o Wunder! Kommt doch nur schnelle! Sie hat hier das helle Gold in dem Schoß. Christel : Ja wahrlich, Gold! Veit :                                     Welch eine Pracht! Justine : Der Regenbogen, gebet acht, Hat mir den seltnen Schatz gebracht! Steffen mit den Andern geteilt: Seht doch die Farben licht und klar! Die roten, gelben, grünen, blauen, Die ihr um Hals und Schulter tauen! Sie netzen ihr das braune Haar. Steffen : Die Münzlein aber, Herr, nicht wahr? Veit : Form und Gepräge zwar – Christel : Ist alt und sonderbar. Justine . Und Röslein ihrer drei! Steffen , Christel , Veit : Was sollen die dabei? Justine : Drei Röselein, Drei Röselein! Die sollen mir viel lieber sein. Steffen , geteilt mit Christel und Veit : Doch das ist bares, Wahres, Klares, Gediegenes Gold! Justine : Vater, nehmt's nur, wenn Ihr wollt! – Drei Röselein, Drei Röselein, Die sollen mir viel lieber sein. Steffen : Da wär ich ja auf einmal reich! Christel und Veit : Da wärt Ihr ja auf einmal reich! Justine : Christel, dies Händchen voll für Euch. Veit, wart' nur, Ihr bekommet gleich. Die drei Beschenkten : Danken schön! danken schön! Das ist ein allerliebster Streich. Justine steckt die schönste der Rosen an die Brust, die zwei übrigen ins Haar: Drei Röselein, Drei Röselein! Dritter Auftritt Ein Mädchen tritt ein, außer Atem. Die Vorigen . Mädchen : Um Gottes willen, wißt ihr schon –? Die Anderen sämtlich nach- und miteinander : Was meinst du? was wissen? wovon? Gibt's Händel, gibt's Totschlag und Mord? Sprich, droht Überschwemmung dem Ort? Ist Feuer im Dache? Zur Sache, zur Sache! Justine : Verzeiht, daß ich lache! Ein Mühlknecht tritt herein, ebenso wie vorhin das Mädchen und jene Strophen wiederholen sich auf gleiche Weise. Das Mädchen und der Knecht geteilt : Mir fuhr der Schreck durch die Glieder, Ich sah – wir sahn – die Regenbrüder! Die Anderen : Die Regenbrüder? Was? Justine : Ach das war prächtig! ein herrlicher Spaß! Ännchen tritt ein : Da droben auf dem Hügel, Da standen sie, ja ja! Gewiß, in einer Reih, Gewißlich, alle drei, Wie die heilgen drei Könige standen sie da, Als wie in einer Gloria. Steffen, Veit, Christel, Justine zugleich. Steffen : Ich glaube fast sie reden wahr. Christel : Das ist doch wirklich sonderbar. Veit : Nach dem, was wir vorhin gesehn, Kann solch ein Wunder leicht geschehn. Justine : Wo sind sie denn? ich muß gestehn, Die nassen Pelze möcht ich sehn! Steffen zu Justinen : Nimm dich in acht, dich könnt es reuen, So etwas leidet keinen Spott. Wie? wenn sie kämen, dich zu freien? Justine : Was fällt Euch ein? Bewahr mich Gott! Steffen : Ich weiß nicht, vorhin, die Geschenke, Die Rosen – Justine :             Nun? Steffen :                     Je nun, ich denke Die fielen doch nicht aus der Luft. Justine mit ihm zugleich : Die fielen eben aus der Luft! Christel , Veit , das Mädchen und der Knecht : Sie kommen! sie kommen! Aufs Haus zu, gerade! Christel und Veit : O Schrecken! O Gnade! Steffen zu den übrigen : Stellt euch in Parade! Zu Ännchen : Geschwinde, räum auf! Vierter Auftritt Die Vorigen . Felix , Viktor , Wendelin . Die drei Brüder kommen in langen grauen Regenmänteln, ohne Ärmel; die Mantelkragen reichen nicht ganz auf die Mitte des Leibes. Sie tragen Hüte mit sehr breiter runder Krempe und entblößen anfangs das Haupt nicht. Die Gesichter sind bis an den Mund mit einem Tuche verhängt, welches Augen hat. Justine zwingt sich, ihr Lachen zu unterdrücken. Steffen , Christel , Veit , Justine : Seid uns feierlich willkommen, Edle Herrn, seid hoch verehret! Großes habt ihr heut bescheret, Nehmt aus unsrem Mund den frommen Dank des ganzen Dorfes an! Die drei Brüder : Haben's herzlich gern getan. Steffen beiseite zu Justine : Bitte dich, sei doch manierlich! Justine : Dieses Kleeblatt! wie possierlich! Steffen : Sprich mit ihnen, fang was an! Justine gefaßt, tritt zu den Brüdern, verbindlich mit etwas Schalkheit : Gleich vom Wetter Diskurieren, Sagt der Städter, Sei gemein; Aber diesmal mag's passieren, Denn es scheint am Platz zu sein. Viktor : Mache dies dich nicht verlegen! Wendelin : Reden wir nur immer zu. Felix : Sind wir die Gebrüder Regen, Kind, so bist die Sonne du. Justine : Beide sind sich schlecht gewogen, Haben stets verschiednen Sinn. Felix : Doch der siebenfarbne Bogen Deutet auch auf Frieden hin. Viktor : Kurz, wir gehn auf Freiersfüßen – Justine : Sehe weder Hand noch Fuß! Wendelin : Einen wirst du wählen müssen – Alle drei : Jeder hofft auf einen Kuß. Viktor , Felix , Wendelin unter sich : Dieses Röslein! Gutes Zeichen! Einer wird schon ihr Gemahl! Veit zu Justinen: Seid gescheit, laßt Euch erweichen Wählet einen aus der Zahl! Steffen zugleich : Rätlich ist's noch auszuweichen, Denn man wählet nur einmal. Justine zugleich : Da sich alle dreie gleichen, Hab ich eine schlimme Wahl. Veit zugleich : Da sich alle dreie gleichen, Hat sie eine schlimme Wahl. Wendelin : Ist es etwa unsre Tracht, Was dich scheu und stutzig macht? Viktor : Nun, dem wird zu helfen sein. Sie legen Mäntel und Hüte ab und stehen in zierlicher altdeutscher Kleidung, noch besser in byzantinischer, da. Bei Viktor ist die Hauptfarbe Purpurrot, bei Wendelin Meergrün. Felix bleibt verhüllt. Steffen , Christel , Veit , Justine : Ach, wie schön! wie reich! wie fein! Steffen : Einer will sich nicht entdecken. Christel : Sorgt vielleicht, sie zu erschrecken. Veit : Dieses muß Verdacht erwecken, Hier ist's nicht ganz rein, nein, nein! Justine zu Felix : Herr, Ihr allein wollt uns mißgönnen Den Anblick Eurer Herrlichkeit? Felix . Verzeiht die Grille, schöne Maid! Ihr mögt es Stolz, mögt's Demut nennen, Ich denke, Kleid ist doch nur Kleid. Justine teilweise Steffen für sich: Mir scheint, er spricht nicht unverständig, Und Augen hat er gar lebendig, Ein hübsches Kinn und Lippenpaar; Jedoch ein Trotzkopf, das ist klar. Felix : Nun mögt Ihr's überlegen! Viktor : Drei Tage habt Ihr Zeit. Justine : Drei Tage? Viktor : Ich sage Drei Tage! Alle drei Brüder : Drei Tage habt Ihr Zeit. Nun mögt Ihr's überlegen: Und wir Gebrüder Regen, Wir bleiben nie zu weit. Steffen , Christel , Veit : Viel Dank für allen Segen, Ihr Herrn, den ihr gestreut! Die Brüder: Es hat uns sehr gefreut, Empfehlen uns für heut. Während dieser Abschiedsworte bietet Justine ihre Hand dem Viktor und Wendelin, welche sie küssen. Felixen versäumt sie, mehr aus Befangenheit als mit Vorsatz. Justine allein, während Steffen, Christel, Veit die Brüder begleiten. Sie ist nachdenklich: Ich hab ihm keine Hand gegeben, Und weiß doch wahrlich nicht warum? Er sah mich traurig an und stumm, Er ging – ich stand so kalt daneben; Er sah sich nochmals nach mir um! Wenn er nun ungleich von mir dächte, Wenn mich's um seine Neigung brächte – Ich zittre schon, bei meinem Leben! Und wüßte doch auch nicht warum Ich hab ihm keine Hand gegeben: Justine, siehst du, das war dumm! Fünfter Auftritt Gegend an einem See und Wald; letzterer zieht sich am Berge hinauf. Viktor , Wendelin , Felix kommen (gekleidet wie bei ihrem ersten Erscheinen). Felix hält sich gedankenvoll immer etwas beiseit, nimmt wenig oder gar nicht Notiz von den andern. Wendelin zu Viktor: Nun, was hoffst du? Viktor : Was du fürchtest. Wendelin : Wird sich zeigen. Viktor : Wollen sehn! Auf Felix zeigend: Der da hat sich schlecht empfohlen. Wendelin : Und sie zeigt' es unverhohlen. Viktor : Mag euch all der Kuckuck holen! Ich nur hoffe zu bestehn. Felix : Weil ich Flitterputz verachte, Weil ich ihrer Neugier lachte, Weil ich nicht den Fanten machte, Hat sie dieses Herz verkannt! Und nicht einmal eine Hand! Wendelin : Ich schien ihr just nicht zuwider. Viktor : Wird sich zeigen, wollen sehn. Wendelin : Sie besah mich auf und nieder. Viktor : Und ließ dich am Ende stehn. Wendelin den Mantel auseinanderschlagend, läßt seine Füße mit Grazie spielen: Nein, wenn ich mich so betrachte – Viktor : Sachte, sachte! Wendelin : Bin ich doch ein hübsches Kerlchen. Viktor : Nicht zu fett – Wendelin .                   Und nicht zu schwächlich. Viktor : Wieselrasch – Wendelin :                   Nicht zu bedächtig. Und mein Bein – Viktor :                       Dies ganz hauptsächlich! Wendelin : Fand schon meine Muhme schön. Viktor und Wendelin : Wird sich zeigen, wollen sehn. Felix : Weil ich Flitterputz etc. wie oben. Viktor : Die Rose an Justinens Brust – Wendelin : War die meine! Viktor : War die meine! Beide mit- und durcheinander: Nein, die meine! nein, die meine! Viktor : Ei, das hast du schlecht gewußt! Felix immer für sich: Nein, nicht einmal eine Hand! Tor, der ich gewesen! Stolz und Unverstand Hielten mich gebannt. Er reißt seinen Mantel herunter, tritt ihn mit Füßen. Du verflucht Gewand! Ich will dich zerreißen! Wendelin : Was soll das heißen? Viktor : Er speit Feuer und Flammen. Wendelin und Viktor zu Felix, dem sie den Mantel aufheben und umhängen: Nimm dich zusammen! Sei kein Sparrfantel! Nimm deinen Mantel! Halt dich vernünftig, Und häng ihn künftig, Kommst du zum Liebchen Wieder ins Stübchen, Hübsch an die Wand, Und sei galant! Felix sich langsam entfernend: Nein, nicht einmal eine Hand! Viktor : Ja, der hat sich schlecht empfohlen etc. wie oben. Plötzlich werden Viktor und Wendelin durch zwei weibliche Stimmen aufmerksam gemacht, wovon die eine aus dem See, die andere oben aus dem Walde hervorzukommen scheint. Die Brüder drücken ihre Verwunderung pantomimisch aus. Felix hat sich schon früher ganz entfernt. Während der folgenden Szene wird es Abend und dunkel. Sechster Auftritt Silvia aus dem Wald: Temire! Was machst du? Temire aus dem See: Ich friere. Silvia : Wie immer! Temire : Ihr Götter! Silvia : Will nimmer Von Hoffnung Ein Schimmer, Temire und Silvia : Kein Retter Erscheinen? Temire : Ihr Götter, Kein Licht? Silvia : Geduld nur, Temire! Verliere Den Glauben Die Hoffnung Du nicht! Viktor : Auf! Zur Rettung! Hier ist ein Unglück! Ein edles Fräulein wahrscheinlich am Ertrinken, ihre Zofe, im Wald umirrend, ruft nach Hülfe für ihre arme Herrschaft. Ich will mit ritterlichem Mute sogleich – Wendelin : Sei doch klug! Sei kein Narr! Mir wär's ja auch nicht um das bißchen Naßwerden, unsereiner war ja schon mehr dabei. Aber das hier ist ein ganz anderer Kasus als du denkst. Das sind Nixen oder Nymphen, die sich vielleicht nur nicht so ganz in ihrem Elemente befinden – Viktor : Auf! Auf! so muß ich sie beide in ihr Element bringen! die Zofe in ihr Element und das Fräulein in ihr Element! Wendelin : Wir wollen bald sehen. Stimmen! wo seid ihr? Temire : Hier im See. Silvia : Hier im Walde. Viktor : Und wer denn eigentlich? Beide Stimmen : Mädchen. Wendelin : Wie hoch im Alter, wenn man fragen darf? Temire : Ich siebzehn. Viktor : Und die andere da droben? Mag die den Mund nicht auftun? Temire : Nehmt's ihr nicht übel; sie macht nicht viel Worte. Zwei Jahre hat sie mehr als ich. Wendelin : Kann man euch irgendeinen Dienst leisten? Silvia : Nicht jeder kann's, nicht jeder will's. Temire : Unser Bräutigam tut's. Viktor : Wer sind denn eure Liebsten? Temire : Wir kennen sie noch nicht. Wendelin : Da sieht's getreu aus! Viktor : Wir vermögen also nichts für euch? Können euch nicht lösen? Temire : Vielleicht, wenn ihr Liebe zu uns faßtet. Wendelin : Ja, da faßt sich was! Du närrische Brut! Haben noch nicht fingerslang von euch gesehen. Temire : Ach, das ist eben der Knoten. Versteht: wir dürfen unser Gesicht keinem jungen Manne zeigen, er hätt uns denn zuvor ewige Liebe und Treue geschworen. Silvia : Das ist des Schicksals Wille. Viktor : Eine harte Nuß, mein Seel! Temire : Wir sind aber schöne. Wendelin : So? da ist's wahrhaftig ein Glück, daß deine Schönheit immer frisch Wasser hat, damit sie sich hält, bis der rechte Freier kommt, was wohl beiläufig so ein Jahrhundert und ungrad anstehen dürfte. Viktor : Sagt an, wer kann eure Qualitäten bezeugen? Silvia : Braucht ihr Zeugen, so geht eures Wegs. Viktor : Nein, im Ernst, nennt uns irgendeine glaubwürdige Person. Silvia . Der Fuchs im Walde. Temire - Der Fisch im See. Viktor : Sie wollen uns äffen, glaub ich. Wendelin : Sie sind giftig, weil wir nicht gleich anbeißen. Hört, Kinder, ich weiß vorderhand so ein halb Dutzend Fürsten- und Königstöchter in der Welt herum; bei der Schönsten – sie dient gegenwärtig nur in der Mühle drüben – will ich mein Glück probieren; gibt's einen Korb und bleibt mir am Ende nichts übrig, als daß ich mich ersäufe, so stell ich mich hier ein, verlaßt euch drauf, und dann, meine schöne Nixe, machen wir gleich Hochzeit da unten, und die Frösche und Unken mögen Spielleute sein. Viktor : Was mich betrifft, im schlimmsten Fall häng ich mich droben im Wald. Die Jungfer dort ist dann vielleicht so gut und schneidet mir noch zu rechter Zeit den Strick ab, das gibt ein recht haltbares Ehband. Wendelin : Adieu, meine Schönen! Gehen lachend ab. Siebenter Auftritt Anderer Platz im Walde, von hohen Bäumen eingeschlossen, nur links im Hintergrunde sieht man auf eine Wiese, die hinten ebenfalls von Büschen begrenzt ist. Rechter Hand, nicht zu sehr im Grunde, steht ein wildbewachsener Fels mit senkrechter Platte hervor. Es ist Nacht und Mondschein. Steffen und Justine treten auf. Gespräch oder Rezitativ. Justine : Wohin führt Ihr mich, Vater? Steffen : Nicht weiter, Kind; wir sind zur Stelle nun. Justine : Wie wunderbar zieht dieser Raum mich an! Noch nie hat ihn mein Fuß betreten, doch deucht mir alles so bekannt. Die Felswand hier, diese hundertjährigen Eichen, der Ausblick auf die grüne Wiese dort! Ein ahnungsvoller Ort! Wem kann ich ihn vergleichen? Steffen : Seit lange kenn ich diesen Fleck des Waldes als einen Schauplatz wundersamer Dinge, und dich geht er besonders an, mein Kind. Man sieht links auf der Wiese einen Tanz kleiner Feen . Es sind ihrer sechs bis sieben. Justine : Ei, sieh aber, sieh doch! Welch seltsam Gesichte! Steffen : Dort tanzen im Lichte Des Mondes die Feien Den festlichen Reihen Auf grünendem Plan! Justine : Welch artiges Völkchen! Die lieblichen Kinder! Schon schweben sie näher, Und näher heran. Man muß sich verstecken, Sie nicht zu erschrecken. Husch, husch! Hinter den Busch! Beide verstecken sich. Die Feenkinder, die indessen tanzend auf die Mitte des Theaters gekommen sind, suchen Justinen, gewahren sie auch bald, und winken ihr freundlich, aus dem Gebüsch hervorzukommen. Justine : Schon bin ich entdeckt! Jetzt werd ich geneckt! Sie ist hervorgetreten. Die Kinder stehen im Halbkreis um sie. Justine : Was gibt es, ihr Närrchen? Was suchet ihr hier? Sie schweigen Und beugen Sich alle vor mir. – Kennt ihr denn Justinen? Und wollet mir dienen, Ihr niedlichen Fein? – Wie eigen. Sie zeigen Dort nach dem Felsen! Was soll mir der Stein? Eins der Kinder geht nach der Felswand, klettert hinauf, scheint etwas aus einer Ritze hervorzuholen, und in dem Augenblick durchzuckt ein sanfter Purpurschein die Fläche des Steins. Die Kinder bleiben gelassen dabei, Justine fährt nur leicht zusammen. Justine : Himmel, was war das? Was bringst du, mein Liebchen? Sie empfängt das Gebrachte. Sieh doch, einen Ring! Ach, das ist ein köstliches Ding, Ein blitzend Juwel mit blutrotem Schein; Und der wäre mein? Die Kinder nicken zu. Justine : Da dank ich euch fein. Den geb ich einem hübschen Knaben: Denn schaut, Ich bin so eine halbe Braut; Den soll mein Allerliebster haben, Wenn man uns traut. Die Kinder, diesem Vorsatz Beifall gebend, klopfen vergnügt in die Hände, sie machen ein paarmal den Reigen um das Mädchen; währenddessen kommt Steffen wieder hervor und die Kinder entschwinden im Tanz. Achter Auftritt Steffen . Justine . Rezitativ. Justine : Schau, Alter, welch ein köstlich Angebinde. Steffen : Laß sehn. Beim Himmel, deines Vaters Ring! Justine : Ist's möglich? Steffen : Ja, wisse! Du wandelst hier bei deines Vaters Grabe. Justine : Versteh ich dich? Hier wäre – Steffen : Vernimm denn ein Geheimnis, Das ich so manche Jahre In treuer Brust bewahre: Du bist mein Kind nicht, bist – Justine : Ich bin Alrachnods Tochter! Steffen : Du weißt –? Woher kam dir die Kunde? Justine : Aus keines Menschen Munde, Mir sage es lang der eigne Geist. – Doch hier , sagst du...? Steffen : Ja, dieser mächtige Stein Bedeckt sein heiliges Gebein. Er selber lebt in ewigem Ruhme. Justine : Mich laß in diesem Heiligtume Ihm liebevolle Tränen weihn. Steffen : Du magst in diesem usw. Steffen Gespräch: Zweifach ehrwürdig sei dir dieser Platz. Denn hier war's auch, wo einst – vor fünfzehn Jahren – Dienstbare Geister deines großen Vaters Dich meinen Händen überlieferten. Ich war hinüber ins Gebirg gegangen, Geschäftehalber, kehrte spät am Abend Zurück und ging den Fußsteig durch den Wald Nach Mitternacht; der Mond schien hell wie heut; Wie's kam, daß ich verirrte, weiß ich nicht, Genug, mir ward ganz wunderlich auf einmal, Ich rannte jeden Schritt auf einen Baum, Endlich gelangt ich an die Wiese dort, Und wie ich aufschau, stehn zwei schmucke Knaben Vor mir, die trugen sorgsam einen Korb Mit einem grünen Flor bedeckt, der glänzte Als wie getaucht ins klare Mondenlicht. Sie grüßten, und ich faßte mir ein Herz, Es gab ein Wort das andre. »Traun«, sprach einer Zuletzt: Du bist der Mann just, den wir suchen, Nimm dieses Kindlein auf! es ist Alrachnods; Behalt es, pflege sein und zieh es groß, Als wie dein eigenes. Dir bringt es Segen Und Reichtum in dein Haus. Einst kommt der Tag, Da wird man werben um des Mägdleins Hand. Von dreien Brüdern einer ist bestimmt Justine ihn unterbrechend: Wie? also wär es wohl des Schicksals Fügung, Daß Thebars Söhne – – Steffen :                               Daran ist kein Zweifel. »Und«, setzten jene Knäblein noch hinzu, »Sie wähle gut, daß sie den Rechten treffe, Nur einer kann der Rechte sein. Aber zugleich wird sie den traurigen Bann Der beiden ältern Schwestern lösen helfen. Von ihrer Klugheit hängt es ab, daß Silvia Und daß Temire, die Unglücklichen, Nach jahrelangem unerhörtem Seufzen Endlich den Retter finden und Gemahl, Der, mitleidsvoll, des Waldes Finsternis, Des Wassers kaltem, unfruchtbarem Bette sie Entreißen wird.« So sprachen die zwei Knaben. Drauf hießen sie mich schwören, feierlich, Bei ihres Meisters Grab, dir treu zu dienen. Ich schwur, sie gingen, und so trug ich denn Das Töchterchen im Korb mit mir nach Hause. Justine : Die Jungfrau dankt dir in des Kindes Namen. – Ach lieber, väterlicher Freund, wie ist mir? Mein Leben, das nur Spiel und Lachen war, Wird ernsthaft nun mit eins. In diesem tiefverborgnen Winkel, wo Das früheste Gedächtnis meines Daseins, Der Asche meines Vaters zugesellt, Im Dämmerlichte schwebt und sich verliert, Schein ich mir heute staunend erst erwacht Zu dem Bewußtsein meiner selbst, und doch Empfind ich jetzt zugleich, im Angesichte Der neuen Bahn, die mir geöffnet ist Daß ich ein unerfahren Kind noch bin. Steffen . Nun gilt es, fühlst du wohl, gesetzten Geist; Man fordert einen wichtigen Entschluß Von dir. Justine : So schnell, so dringend! Bester Alter, Ach, wie erraten wir des Schicksals Willen? Sprich, wie erkenn ich, was hier frommen mag? Steffen : Dies zu bedenken haben wir zu Hause Zeit und Gelegenheit. Zwei volle Tage Sind ja noch unser. Komm, schon wird es spät. Justine für sich: Seit wenigen Stunden Wie anders ist alles Nun mit mir geworden! Und, Herz, warum wirst du Mit einmal so schwer? Kaum kann ich mich fassen! Ist das noch Justine? Ich bin es, und wieder, Ich bin es nicht mehr. Steffen : Kaum kann sie sich fassen, Ich will es wohl glauben, Es hat sie erschüttert, Sie kennt sich nicht mehr. Justine, nach einer nachdenklichen Pause, rafft sich plötzlich zusammen, ergreift entschieden Steffens Hand, beide treten in feierlicher Stellung in die Mitte der Bühne. Beide : Herrlicher! Mächtiger! Justine . Erhabner Vater! Dir dienen des Himmels geflügelte Flammen, Du rufst die Geschwader des Windes zusammen Zu Segen und Lust, zu Verderben und Graus. Steffen : Dir beben die Berge und hüpfen die Hügel, Es rollet der Fels und es springen die Riegel Der Hölle, sie strömet ein Gluten heraus. Justine : Du fährest im Sausen des Sturmes zum Meere, Es heult der Matros in die heulenden Chöre – Du hemmest den Atem, gibst glückliche Fahrt. Steffen : Du jagest die Wolken gleich flüchtigen Rossen, Und wie auch die Flut sich des Feindes ergossen, Du rauftest ihm grimmig den tropfenden Bart. Justine : Und was du gefehlet in stolzem Erkühnen, Gern will es die Tochter, die liebende, sühnen, Noch fühlt sie sich freudigen Mut in der Brust. Himmlischer Chor unsichtbar: Alrachnod ging ein in die himmlischen Hallen; Von Sterne zu Stern darf der Herrliche wallen Zu göttlichen Taten, unsterblicher Lust. Doch seine Seligkeit zu mehren, Sei glücklich, Kind, du schaffst ein vielfach Glück, Wir können dich der Liebe Wahl nicht lehren, Doch Götter leiten dein Geschick. Himmlischer Chor . Wir können dich der Liebe Wahl nicht lehren, Doch Götter leiten dein Geschick. O möchtet ihr der Liebe Wahl sie lehren! O Götter, leitet ihr Geschick! Justine zugleich : Sie können mich der Liebe Wahl nicht lehren, Doch Götter leiten mein Geschick. O möchtet ihr der Liebe Wahl mich lehren! O Götter, leitet mein Geschick! Steffen zugleich : Wir können dich der Liebe Wahl nicht lehren, Doch Götter leiten dein Geschick. O möchtet ihr der Liebe Wahl sie lehren! O Götter, leitet ihr Geschick! Zweiter Akt Erster Auftritt Tag. Freie Gegend mit einigem Gebüsch links und rechts, sowie im Mittelgrunde. Justine und Ännchen sitzen auf einem Rasen, winden Blumenkränze und erheben sich jetzt. Justine : Ännchen, ach, die Zeit verstreicht, Und wir sind nicht weiter. Ännchen : Alles könnte richtig sein, Wärst du nur gescheiter. Justine : Wie ich gleich den ganzen Tag Sinn und überlege – Ännchen : Ei, warum läufst du den Herrn Immer aus dem Wege? Heute küßt der Große dich, Schreist du wie besessen – Justine : Nun, er fuhr auch los auf mich, Als wollt er mich fressen. – Ännchen, ach die Zeit verstreicht! Ännchen : Drum entschließ dich munter! Ist die Katz den Baum hinauf, Wer holt sie herunter? Justine : Ännchen, soll ich dir gestehen, Halb schon hat mein Herz gesprochen. Ännchen : Ist es möglich? So, du Schelm? Hab ich doch so was gerochen! Nun, laß hören, beichte mir. – Gewiß der Grüne? Justine : Warum just der? Ännchen : So ist's der Rote? Justine : Heut rätst du schwer. Ännchen : Wie? gar der Weiße? Justine : Plag mich nicht mehr! – Ännchen : Ist es möglich? So, du Schelm? Hab ich doch so was gerochen! Justine : Halb schon hat mein Herz gesprochen, Ännchen, ja ich will's gestehn. Pause, da Anne nachdenklich wird. Justine mit einer Art von erzwungener Lustigkeit: Nun, wohlan! die Zeit verstreicht, Ich entschließ mich munter; Ist die Katz den Baum hinauf, Wer holt sie herunter? Ännchen : Aber, Mädchen! Justine : Was denn wieder? Ännchen : Wenn du nun den Falschen wähltest? Und des Schicksals Wink verfehltest? Dieses überlege wohl! Justine in halbkomischer Verzweiflung: So bist du stets! voll Widerspruch! So wär's das alte nun! Justine : O Himmel, hilf mir aus der Not! Was soll, was kann ich tun? Ännchen zugleich : O Himmel, hilf ihr aus der Not! Was soll, was kann sie tun? Zweiter Auftritt Steffen tritt hastig auf. Die Vorigen . Steffen : Da seid ihr! Wißt ihr's schon? Justine und Ännchen : Was denn? Ist doch kein Unglück geschehen? Redet! Steffen : Habt ihr denn nichts gesehn? Hörtet ihr nicht den tollen Lärmen im Dorf? Justine : Wir achteten nicht drauf. Was ist's denn wieder? Steffen : Der Peterling, der Schulmeister, es ist ja unerhört! Ich hab's ihm aber gleich gesagt – Justine : Nun, was hat er verbrochen? Ännchen : Was hat er angestellt? Steffen : Der Maulaffe, der Prahlhans, der alles besser wissen will! Aber diesmal ist's ihm übel bekommen, der wird dran denken. Laßt euch sagen: wie ich da vorhin über die Gasse geh, und ihm einen guten Abend biete, stellt er mich, und will mir den Text lesen, daß ich meine Tochter an Glücksritter wegwerfen wolle, an Landstreicher, die den dummen Leuten einen blauen Dunst vormachen und dergleichen. Da ich ihm kein Gehör gebe und weglaufe, fängt er ein Spektakel an, daß jung und alt zusammenläuft, und will da den Gelahrten machen und hält eine Predigt über den Aberglauben und schwätzt von Aufklärung, daß es weder Zauberer noch Hexen gebe, und daß es in der Welt mit Sonnenschein und Regen allezeit seine natürliche Bewandtnis habe, und was weiß ich, für neumodisches, gottloses Zeug. Darüber kommt sein Weib herbeigeschnauft und seine Tochter, die Käthe, die schnattern auch mit drein und krakeelen und schimpfen auf dich wie die Rohrspatzen, denn sie möchten schwarz und gelb werden vor Neid und Galle. Ich hörte dem Unwesen eine ganze Weil zu unter meiner Haustür und wollte bersten vor Ingrimm. Aber es dauerte nicht lang. Wart, Schulfuchs, dacht ich, die Landstreicher werden dir's eintränken. Gedacht, geschehn. Gebt acht, was wird. Er war eben im besten Zug, da hebt's auf einmal an zu tröpfeln, erst nur ganz sachte, sachte, dann aber kam's plötzlich mit Macht, stromweise, als würde mit Kübeln geschüttet. Justine : Was sagt Ihr da? Ännchen, haben wir da oben auch nur einen Tropfen gespürt? Steffen : Wetter, drum war's auch nur der einzige Fleck, wo die Rotte beisammenstand; du kannst die Lache noch sehen. Hört weiter. Das Volk stäubt auseinander, wie besessen, als hätte der Donner mitten drein geschlagen, im Hui war der Platz wie gefegt. Aber mein Schulmeister, wo ist der hingekommen mit seinem Siebenjaucharthut? mit seinem hänfenen Regenschirm? Wo hat sich die Frau Schulmeisterin so hurtig hinverkrochen und die rothaarige Mamsell Käthe? Fliegst nicht, so gilt's nicht! Droben hängen sie in den Lüften und segeln mit dem Regen landeinwärts; drei Nebelballen unter den Füßen machen das Fuhrwerk, und jetzt gut Nacht, Herr Peterling! In Eurer Schule ist Vakanz auf Jahr und Tag. Justine : Entsetzliches Wunder! Ännchen : Mir beben die Knie. Steffen : War das ein Zetermordgeschrei, als es nun Ernst wurde und die drei anfingen zu steigen, erst nur über die niedrigen Häuser hinweg, und immer zickzack, dann auf einmal schief übers Rathaus hin und immer weiter. Der dürre Kerl, der Schulmeister, flog am geschwindesten, in zwei Vaterunserlängen hatte der den Gockelhahn aufm Kirchturm zwanzig Klafter tief unter sich; er sah, mein Seel, aus, wie ein Storch, und die Weibsleute auf und nieder wie zwei nasse Schneegäns. Ännchen : Ach du meine Güte! Justine : Sind sie denn noch immer oben? Steffen : Versteht sich; das will ich hoffen. Ännchen : Ob man sie nicht sehen kann von da aus? Steffen : Pah! die mögen schon eine gute Strecke weit geschifft sein. Die kommen hin, wo der Pfeffer wächst. Das halbe Dorf ist nach ihnen aus. Ganz umsonst, alles umsonst! Dritter Auftritt Des Schulmeisters Stimme, außerhalb der Szene: Zu Hülfe! Steffen : Gebt Achtung! Justine und Ännchen : Was war das? Stimme : Zu Hülfe! Zu Hülfe, alle guten Geister! Dem allerärmsten Dorfschulmeister! O schreckliches Mirakulum! Ich halt's nicht aus, ich komme um! Der Schulmeister erscheint in der Luft auf einem Nebelstreif stehend, den Hut auf dem Kopf und den Regenschirm über sich ausgespannt. Justine und Ännchen : Seht, seht! Es ist doch zum Erbarmen! Steffen : Ha ha ha ha, ha ha ha ha! Schulmeister : O lieber Nachbar, helft mir Armen, Lauft heim und holt ein Schnepfengarn! Steffen . Justine . Ännchen : Was schwatzt er da von Schnepfengarn? Ich glaube fast, er ward zum Narrn. Schulmeister : Holt Haken! holt Stangen! Jetzt wär ich zu fangen; Ihr könnt mich erlangen. Steffen : Ich darf nicht, fürwahr, Euch tut das kein Haar. Schulmeister : Holt Haken und Stangen etc. wie oben. Justine zugleich : Holt Haken und Stangen! jetzt wär er zu fangen! Ännchen zugleich : Man könnt ihn erlangen, Der Vogel fürwahr, Der Vogel ist rar. Steffen zugleich : Was Haken, was Stangen! Man darf ihn nicht fangen; Mir mag er wohl bangen, Ich darf nicht, fürwahr, Mir brächt es Gefahr. Schulmeister : Macht, daß ich mich setze! Holt Seile, holt Netze! Steffen : Nicht um alle Schätze Der Erde, fürwahr. Schulmeister : Seht meine Gefahr! Justine und Ännchen zugleich : Seht seine Gefahr! Steffen zugleich : Das schadt ihm kein Haar! Schulmeister indem er etwas tiefer herabsinkt: Ich scheine dem Boden Schon näher zu rücken. Schulmeister : Kommt, faßt mich am Fuße! Nun könnt es wohl glücken. Justine und Ännchen zugleich : Komm, faß ihn am Fuße, Nun könnt es wohl glücken. Steffen zugleich : Gutherzige Kinder, Ei laßt doch den Sünder! Ännchen hat sich niedergebückt, Justine besteigt ihren Rücken und ergreift ihn am Fuße. Schulmeister und Ännchen : Zieh, zieh, brauch Gewalt! Steffen zugleich : Da hilft nicht Gewalt! Schulmeister : Was Teufel! o halt! Justine hält den leeren Stiefel in der Hand. Justine und Steffen : O wehe! Ännchen : Was ist das? Steffen : Der Stiefel! Schulmeister : O Himmel! Kommt nochmals! faßt an! Er hält den Fuß ohne Stiefel hin, Justine zieht wieder. Schulmeister : Ich scheine dem Boden Schon näher zu rücken. Ännchen zugleich : Gezogen! Gezogen! Nun muß es ja glücken! Justine zugleich : Ihr scheinet dem usw. Steffen zugleich : Gutherzige Kinder, Ei ließt ihr den Sünder! Schulmeister steht frei auf der Erde. Der Nebelstreif verschwindet : Da wär ich! Justine und Ännchen : Da wärt Ihr! Schulmeister : Da wär ich! O Dank! Zehntausendmal Dank! Steffen : Ich lache mich krank! Peterling macht sich mit dem Ende des Quartetts schnelle davon, in der einen Hand den Stiefel, in der andern Hut und Regendach. Die Anwesenden verwundern sich drüber und lachen. Steffen : Was fällt dem ein? Ist der Mensch verrückt worden? Justine : Da rennt er den Hügel hinunter und sieht nimmer um sich. Ännchen : Drum hat er's Laufen wieder verschmeckt. Steffen : Was gilt's? der hat mit seinen Luchsaugen irgendwo einen Fetzen von seiner edlen Ehehälfte fliegen sehn. Justine : Wirklich, ich sehe so etwas Schwarzes da unten im Ackerfeld sich regen. Nicht? Ännchen : Wahrhaftig, ja, es ist die Jungfer Tochter! Die arme Käthe ist's! Der Wind hat sie zwischen die Hanfstengel niedergelassen. Steffen : Aber dort hinten am Steg schleicht ja auch so eine zerzauste Vogelscheuche herbei. Richtig! hab ich's nicht gesagt: die Frau Gemahlin. Ännchen : Er läuft ihr entgegen. Er hebt die Hände empor, wie ein Prophet, und segnet sie. Justine : Sie umarmen sich ein übers andremal und küssen sich und weinen. Steffen : Das pure Regenwasser. Ännchen : Ei, nicht wahr, Herr Schulmeister, mit Regen, Sturm und Sonnenschein hat's immer seine ganz natürliche Bewandtnis? Steffen : Jetzt aber zu etwas Ernsthaftem. Anne, du schier dich heim; 's ist Zeit, das Vieh zu füttern. Ännchen ab. Vierter Auftritt Steffen , Justine . Steffen : Ich muß dir nur sagen, die Herrn Gebrüder sind sehr unzufrieden über dein Betragen. Justine : Ach, ich mag auch gar nicht mehr nach Haus. Das ganze Dorf ist voll von der Geschichte, und alles fragt und quält und begafft mich. Steffen : Besonders der Mosje Felix macht ein fatales Gesicht, daß du gar keinen Zug tust. Justine : Wie fang ich's denn an? Vater, morgen ist schon der letzte Tag; das Wasser geht mir an die Kehle. Ach, und meine armen Schwestern! Steffen : Bevor du an die Schwestern denkst, denk an dich selbst. Der Sache muß jetzt ein Stiel gedreht werden, da hilft nichts. Resolvier dich kurz und gut, wähl dir deinen Liebsten. Justine : Nun, ich... Steffen : Halt, schweig! Sapperment, nicht so schnabelschnell! Es hat schon noch Zeit. Nur nichts übereilt, um Gottes willen! Du weißt, es hieß ausdrücklich in jenem Schicksalsspruch: »Sie wähle gut, daß sie den Rechten treffe!« Das hat seine Bedeutung. Justine : Ich denke mir's. Steffen : Drum also! Justine : Wenn ich auch sagen wollte, der Weiße, der Felix, gefällt mir am besten und den nehm ich, so könnt's am Ende doch der Unrechte sein, und könnte das größte Unglück draus entstehen. Steffen : Drum also. – Hm, aber – daß man – man möchte ein Narr werden vor lauter Ratschlagen. Hm – wenn ich – der Weiße, sagst du? ein wackrer Herr! ein angenehmer Mann! Ei, der andre auch, der Grüne, ein sehr feines Männchen. Sodann der Rote ohnehin, er scheint ein tüchtiger Kriegsmann zu sein. Überhaupt, diese Herrn Gebrüder Regenwetter – wie dumm – ich wollt sagen Regenwürmer – äh – Regenbrüder – ach ich bin ganz konfus. Justine : Lieber Alter, so kommen wir nicht zum Ziel. Was meint Ihr, wenn man den Göttern ein wenig in die Karten guckte? Mir ist so ein Gedanke durch den Kopf gefahren. Steffen : Und? Justine : Wie ich mir den ganzen Handel federleicht machen könnte. Steffen : Und? Justine : Ihr werdet gleich hören. Ich brauche die Schwestern dazu. Erst sagt mir aber nur, wie hängt denn das zusammen: wenn den Schwestern verboten ist, sich vor jungen Männern sehn zu lassen, was wohl seine Ursachen haben mag, wie kommt es denn, daß sie sich auch vor mir so feindselig verstecken? Das ist nicht schön von ihnen. Seht, von Kindheit an wohn ich in dieser Gegend, bin schon viel hundertmal durch den Wald gegangen und dort am Wasser vorbei, meint Ihr aber, es wär den Jüngferlein je eingefallen, auch nur einen Laut, ein Zeichen, von sich zu geben, und grüßen doch zuweilen andre Mädchen, wenn sie abends im Mondschein mit der Sichel heimziehn von der Wiese; bin ich dabei, so rührt sich nichts. Steffen : Das nimmt mich nicht wunder. Du bist den guten Dingern auf gewisse Art 'n Dorn im Aug; denn, ohne Ruhm zu sagen, du hattest als des Müllers Pflegekind noch immer weit das beste Teil unter deinen Geschwistern. Du bist die Jüngste und der Augapfel deines großen Vaters. Er hat im Tode noch gebeten für dich, sonst säßest du auch, Gott weiß, in welchem kalten Erdloch oder Teich. Justine : Die armen Tropfen! Aber wenn ich mich halbwegs auf die Winke des Schicksals verstehe, muß ihnen die Erlösungsstunde nächstens schlagen. Steffen : Wie meinst du das, Mädel? Justine : Vor allen Dingen ist nötig, daß die Herrn Regenbrüder meine Schwestern zu sehen kriegen. Steffen : Bist du bei Trost? Justine : Ich sag Euch, es muß sein. Steffen : Schatz, da richten wir nichts aus; sie gehn eben nicht her; denn was das Mannsvolk anbelangt, nämlich das unter sechzig Jahren ist, da müssen die zwei Jungfern eine verdammt strenge Instruktion haben, sie sind wie die Nonnen. Der Teufel selbst, glaub ich, brächte sie nicht dazu, einem Junggesellen unters Gesicht zu treten. Justine : Sie sollen auch nicht, sie sollen ruhig in ihren Löchern sitzen bleiben. Steffen : Und doch gesehen werden? Justine : Doch! Und sollen schwatzen und lachen mit den Herrn nach Herzenslust. Steffen : Das ginge nicht mit rechten Dingen zu. Justine : Hört an. Ich hab Euch ja den Ring gezeigt, den mir die Feenkinder gestern gaben. Steffen : Wie gesagt, es ist der Ring deines Vaters. Als Knabe hab ich viel Wunderbarliches davon erzählen hören; allein was soll – Justine : Ihr meintet ja, er habe auch die Eigenschaft, den, der ihn trägt, in jede beliebige Gestalt zu verwandeln. Steffen : Aha! du willst den Herren was vorspiegeln, und – pfütt – ich wittre den Fuchs. Justine : Kurzum, ich will mich in meine beiden Schwestern verwandeln; vielleicht bleibt der eine und der andre hängen, dann merken wir schon eher, wo es hinauswill, und was das liebe Schicksal mit uns allen im Schilde führt. Steffen . Ein Kapitaleinfall! Die Dirne beluchst, mein Seel, Götter und Menschen. Justine : Es ist nichts Arges dahinter, und am Ende, wenn's fehlt, kann ich noch tun was ich will. Vielleicht bekomm ich alle drei in Sack, das wäre lustig! Kommt, laßt uns gleich die Probe machen. Was ist die Regel dabei? Steffen : Du steckst den Ring an den Mittelfinger, läufst dreimal im Kreis herum und denkst den Namen der Person, deren Gestalt und Stimme du annehmen willst. Justine : Gut. Also Schwester Temire zuerst. Ich will die Runde hier um den Haselbusch machen. Musik. Justine tanzt zweimal um den in der Mitte der Bühne stehenden Busch herum; alsdann guckt sie dahinter hervor, jedoch völlig unverändert, außer, daß sie mit Temirens langem grünem Schleier versehen ist. Justine : Bin ich's? Steffen : O weit gefehlt! Justine tritt hervor: Bin ich's noch nicht? Steffen : Es ist dein eigenes Schelmengesicht. – Drei mal im Kreis herum! Justine : Drei mal, ja so, wie dumm! Dreimal im Kreis herum. Steffen : Nochmals von vorn! Es geschieht; hierauf streckt sie, oder vielmehr die Sängerin, welche Temirens Rolle spielt, den Kopf hinter dem Busch hervor. Justine [d. h. Temire]: Bin ich's? Steffen : O wunderbar! Justine [Temire] hervorgetreten: Bin ich es ganz und gar? Steffen : Völlig die Fischerin, Fehlt auch kein Haar! Justine [Temire]: Seh ich nicht lustig drein? Steffen : Jetzt soll's die Jägerin sein! Justine [Temire]: Gut, nun soll's Silvia sein! Steffen : Sechsmal herum! Sie macht den Kreis sechsmal. Beim zweitenmal verliert sie den Schleier, ohne daß man sieht, wo er geblieben ist; beim dritten erscheint sie im Vorbeigehn als Justine, beim vierten hat sie, als solche, einen Federhut auf dem Kopfe, beim fünften einen Jagdspieß in der Hand, und zuletzt tritt sie als vollkommene Silvia im Jagdkleid hervor. Justine [Silvia]: Bin ich's? Steffen : O ganz und gar! Justine [Silvia] besieht ihre herabhängenden Haarflechten: Wahrlich, kohlschwarzes Haar! Steffen : Völlig die Jägerin – Justine [Silvia]: Still, wer kommt dort? Viktor und Wendelin! Steffen : Da muß ich fort. Justine [Silvia]: Schnelle, nur fort! Steffen ab. Fünfter Auftritt Justine [Silvia], Viktor , Wendelin . Beide drücken durch Gebärden sogleich ihr Entzücken über das Mädchen aus. Auch Felix erscheint, bleibt aber nur wenige Minuten mit den Zeichen der größten Gleichgültigkeit und Zerstreuung. Justine [Silvia]: Die Jägerin durchstreift das Holz Von früh bis in die Nacht; Sie weiß ein Wild gar schön und stolz, Das lohnte wohl der Jagd. Viktor für sich: Wie schlank sie ist! wie kühn und stolz, Wie ganz für mich gemacht! Wendelin für sich: Lock ich das Schätzchen hier ins Holz, Dann, Mühle, gute Nacht! Justine [Silvia] mit Hornbegleitung: Trara! Trara! Justine [Silvia]: Das lohnte wohl der Jagd! Viktor zugleich : Wie ganz für mich gemacht! Wendelin zugleich : Nun, Mühle, gute Nacht! Viktor hat sich ihr zärtlich genähert; Wendelin von der andern Seite nimmt ihre Hand. Viktor : Hinweg diese Hand! Wendelin : Was kannst du verbieten? Die Hand ist soviel wie die deinige wert! Justine [Silvia]: Was soll mir das all? so habt doch nur Frieden! Justine [Silvia]: Noch weiß ich ja wahrlich nicht, was ihr begehrt. Wendelin zugleich : Noch hat sie sich wirklich für keinen erklärt. Viktor zugleich : Täuscht mich nicht mein Auge, so bin ich erhört. Wendelin : O schießest du auf mich den Blick, Er trifft und nimmt mich hin! Viktor : Du suchst wohl nur den edlen Hirsch Und läßt den Hasen ziehn! Justine [Silvia]: Ei, wo der Has im Pfeffer liegt, Das eben fragt sich ja, Und hab ich nur erst das gewiß, So ist der Hirsch schon da. Trara! Trara! Justine [Silvia]: Ich bin ihm ziemlich nah. Viktor zugleich : Ich denk, er ist schon da! Wendelin zugleich : Sie meinet mich, ja, ja. Es faßt sie jeder an. Viktor und Wendelin : O Schönste! Justine [Silvia] zugleich : O Himmel! Justine [Silvia]: Ich kann doch nicht beiden gehören! Ich rufe die Schwester, die schlichte den Streit! Viktor : Ich will nur von dir, von der Schwester nichts hören. Wendelin : O laß dich beschwören! Justine [Silvia]: O wär ich befreit! Viktor zu Wendelin: Das Schwert soll entscheiden. Hier sieh mich bereit! Wendelin zugleich zu Justinen: Was braucht es der Possen! Du gib den Bescheid! Justine [Silvia] zugleich : Ich rufe die Schwester; sie schlichte den Streit. Sie entflieht, die Brüder ihr nach; dabei hört man die folgenden Ausrufungen auf und hinter der Bühne. Viktor und Wendelin : Halte! halte! Justine [Silvia]: Laßt! o laßt mich! Viktor : Süßes Mädchen! Wendelin : Ach, wo bist du? Viktor der auf der Szene mit Wendelin zusammenstößt: Geh zum Teufel! Wendelin : Serviteur. Justine [Silvia] ersieht sich in dem Augenblick, da sie allein auf dem Schauplatz ist, den Vorteil, die Runde um den Busch zu machen, und geht, nachdem sie einmal im Vorübertanzen wie oben in ihrer natürlichen Gestalt erschienen, als Temire hervor; in diesem Augenblick trifft Wendelin auf sie. Auch Felix zeigt sich wieder, aber ganz kurz und teilnahmslos, wie oben. Justine [Temire] gegen Wendelin: Ha! wer ist das? Wendelin : Welche Göttin? Er fällt vor ihr auf die Kniee. Viktor im Vorübereilen: Ihre Schwester! Wendelin indem Justine [Temire] wegläuft: O verweile! Viktor hinter der Szene: O Geliebte! Wendelin ebenso hinter der Szene, doch auf der entgegengesetzten Seite, wo Justine sich entfernt hat: Gib Gehör! Justine kommt, als Temire, abermals allein zum Vorschein, sie macht die Runde, und erscheint in ihrer natürlichen Gestalt im Augenblick, als beide Brüder von verschiedenen Seiten herbeikommen. Sie beide stehen in großer Verlegenheit. Wendelin : Verzeiht! Viktor :                     Verwünscht! Justine :                                         Wie so verlegen! Wendelin : Wo flieh ich hin? Viktor :                                 Wo kommt Ihr her? Justine : Es scheint, ich kam euch ungelegen? Viktor : O keineswegs. Wendelin :                     Ich bitte sehr. Justine : Genug, genug; spart Euch die Lügen! Viktor : Wir wollten bloß – Wendelin :                         Spazierengehn. Viktor : Hier ist's gar hübsch – Justine :                                   Nun, viel Vergnügen! Wendelin : Euch ebenfalls. Viktor :                               Wir danken schön. Beide Brüder ab. Sechster Auftritt Justine allein: Ha, ha, ha, ha! So weit wäre der Hokuspokus gelungen. Sie sind angebrannt bis über die Ohren. Gut, gut, ich bin nicht eifersüchtig. Dafür, daß mir die Schwestern auf ein Viertelstündchen ihre Schönheiten borgen mußten, hab ich ihnen zwei Liebhaber geangelt, von denen sie sich noch diese Stunde nichts träumen lassen. Der Himmel gibt's den Seinigen im Schlaf. Ich hoffe, die beiden Pärchen werden sich nun doch über kurz oder lang in der Wirklichkeit einander begegnen, denn nun haben die zwei Liebesritter schon keine Rast noch Ruhe mehr, bis jeder seine verlorne Dame wieder aufgefunden hat. Dann mögen sie den Handel vollends unter sich ausmachen. Mit der Hauptsache wären wir fertig, das heißt, ich müßte mich sehr irren, oder ich weiß nun, was ich zu tun habe. Denn daß diese verliebten Zeisige mich so schnell vergessen und verschmerzen können, sobald ihnen ein anderes hübsches Gesichtchen über den Weg läuft, das, denk ich, ist Beweises genug, daß Justine für keinen von ihnen gewachsen sei. Wie ganz anders hat sich doch Felix erzeigt! O Felix! so ist es wahr, so hat mein Herz mich nicht getäuscht? Und doch – wenn diese Hoffnung noch immer zu voreilig wäre, wenn gar jenes kecke Spiel den Göttern mißfallen hätte, wenn meine Schwestern – Nicht doch! Die Hand auf der Brust. Hier, hier ist eine Stimme, der darf ich trauen. Wo bleibt mein Freund? Muß er mir fehlen     Im hoffnungsreichsten Augenblick! Muß ihn noch Angst und Zweifel quälen,     Und ahnt er nichts von seinem Glück? Bald, bald erscheint ja wohl die Stunde,     Dann tret ich vor den Liebsten hin, Die sel'ge Botschaft auf dem Munde,     Daß ich nun sein auf ewig bin. Sie legt sich auf den Rasen und entschläft. Siebenter Aufzug Justine . Felix kommt und betrachtet die Schlafende. Felix : Wie fromm und gut, Von Sommerluft umfächelt, Des Mädchens Lippe lächelt,     Indes die Hand,     Die liebe Hand Am unschuldsvollen Busen ruht.     Dir duftet süß Des Schlafes heilge Rose; Doch ach, der Hoffnungslose,     Einmal verkannt,     Er bleibt verbannt Aus deines Traumes Paradies. Justine erwacht. Beide sehn sich schweigend an, er will sich zurückziehn. Justine : O bleib! Wie magst du fliehen! Hab ich dir weh getan? Sag mir, es sei verziehen, Und hier nimm Frieden an. Felix : Welch eines Engels Grüßen? Ihr Götter, hört ich recht? Hier lieg ich dir zu Füßen, Dein Diener und dein Knecht. Justine : Steh auf – Darf ich dir sagen, Was ungern sich verschweigt? Felix : Darf ich zu denken wagen, Was dieser Blick mir zeigt? Justine : Mein Freund! Felix : Geliebtes Leben! Sprich! ende meine Pein! Justine : Wohlan: wie sollt ich beben – Dich lieb ich! dich allein! Umarmen sich. Felix . Justine die Meine! o kann ich es glauben? Justine : Dich halt ich im Arme, wer will dich mir rauben? Und doch... Felix :                 Was beklemmt dir aufs neue die Brust? Justine : Nein, weg, Angst und Sorgen! Hier bin ich geborgen! Beide : Uns winket ein neuer, ein lieblicher Morgen! Hilf Himmel! wie trag ich die Angst und die Lust! O Himmel, wie trag ich nur alle die Lust! Beide ab. Achter Auftritt Gegend am See und Wald, wie im fünften Auftritt des ersten Akts. Temire und Silvia unsichtbar. Silvia aus dem Walde: Temire Was machst du? Temire aus dem See: Ich friere usw. Sie wiederholen ihr Duett aus dem ersten Akt. Temire : Ach, Silvia, mit der Hoffnung geht's auf die Neige. Ich fange an zu glauben, was die beiden Springinsfelde sagten: wir können grau werden, bis unsre Ritter kommen. Silvia : Mich dünkt, am liebsten ließest du dich doch vom Jüngern aus dem Wasser ziehn, vom Grünen. Er hat die Farbe deines Sees. Ist das nicht artig? Temire : Ach geh. Silvia : Es ist ein ganz hübscher Fisch. Temire : Und der andre? Dir leuchtet wohl sein mutig Wesen ein? Silvia : Es läßt ihm erträglich. Was geht's mich an. Temire : Ja, wie mögen wir nur noch von ihnen sprechen, da sie uns so höhnisch im Stich gelassen haben. Silvia : Höre, es heißt aber doch auch nicht wenig von einem jungen Mann verlangt, wenn er ein Mädchen lieben soll, das er noch gar nicht sah. Temire : Wir sagten ihnen, wir wären weder Kröten noch Ungeheuer. Es ist auch gar kein Glaube mehr unter den Männern. Silvia : Du hast recht. Denn wären wir häßlich, wir könnten's ihnen ja nicht zumuten. Temire : Wenn Sie's doch nur so gewiß wüßten wie wir! – das nächste Mal aber hätt ich auch gute Lust, aus dem Wasser zu springen. Silvia : Um Gottes willen nicht! Da wären wir beide auf immer zugrunde gerichtet. Temire : Unsere naseweise Schwester in der Mühle drunten hat eigentlich die größte Schuld an unserm Jammer. Wenn sie nur nicht so nahe bei uns wohnte; aber da will keiner einen Wurf aufs Ungewisse tun. Silvia : Sprich nicht so hart von ihr; sie meint's gewiß nicht schlimm mit uns. Temire : Du hast gut reden, du bist im Trocknen, ich friere fast zu Eis – huhu! Silvia : Es kann auf einmal anders kommen. Ich habe heut sechsblättrigen Klee im Wald gefunden. Temire : Zum wievieltenmal? Den findest du fast alle Tage, aber der hat noch nie was Guts gebracht. Silvia : Ach! Temire : Ihr Götter! Silvia : Will nimmer Von Hoffnung Ein Schimmer – Beide : Kein Retter Erscheinen? Temire : Ihr Götter, Kein Licht? Silvia : Geduld nur, Temire, Verliere Den Glauben, Die Hoffnung nur nicht. Neunter Auftritt Viktor und Wendelin , welche während des Gesangs von verschiedenen Seiten, fast zu gleicher Zeit, suchend gekommen sind, sehen erstaunt umher. Viktor : Was hör ich? Wendelin :                 Täuscht mich Ohr und Sinn? Beide : Die Stimme meiner Jägerin! | Fischerin! Sie bergen sich in Busch und Rohr! O süße Schwestern, kommt hervor! Silvia und Temire : Laßt euren unverschämten Scherz. Viktor gegen den Wald. Wendelin gegen den See: Komm, Liebchen, an mein glühend Herz! Beide Schwestern : Wer ist es, den ihr sucht? Beide Brüder : Umsonst ist eure Flucht! Viktor dringt ins Dickicht, Wendelin in den Schilf, alle viere wiederholen die vorhergehenden Strophen, die Schwestern lachen dazwischen, endlich kommen die Brüder zurück. Wendelin : Ich habe nichts gefunden. Viktor zugleich : Meine Hände sind voll Wunden! Die Schwestern zugleich : Das sind mir feine Kunden! Die Brüder : O hört uns flehn! O laßt euch sehn! Die Schwestern : Wen sucht ihr? Die Brüder nach zwei Seiten: Dich! Die Schwestern : Mich? Die Brüder . Ja dich! Viktor : Dich mit dem rabenschwarzen Haar, Mit deinem braunen Augenpaar, Dich, der ich ganz ergeben bin, Dich such ich, holde Jägerin! Temire : Ha, Silvia, Verräterin! Du hast dich ihm gezeigt? Wir sind verloren! Silvia : Ich nicht! bei allen Göttern sei's geschworen! Wendelin : Dich mit dem feuchten blonden Haar, Mit deinem blauen Augenpaar, Dich, der ich ganz ergeben bin, Dich such ich, holde Fischerin! Silvia : Temire hättest du – –? Temire : Nein, nein! Beide Mädchen : Was mag das für ein Wunder sein? Silvia : Wo habt ihr uns gesehn? Viktor : Ihr Lieben! Auf der Wiese da drüben! Mit dem Federbarett, mit dem Speer in der Hand – Von Hörnern begleitet. Wendelin : Mit dem grünen Schleier, dem Perlenband! Flötenbegleitung. Temire : Silvia! Silvia : Schwester! Temire : Weißt du Rat? Silvia : Gib acht, die Stunde der Rettung naht. Beide Schwestern : Was wollt ihr? Beide Brüder : Ewige Lieb und Treu. Die Schwestern jubelnd: Lieb und Treue? – so schwört! Die Brüder : Es sei! Wir schwören! Die Schwestern : Sie schwören! Die Brüder : Ruft die Götter zu Zeugen herbei! Wir schwören euch ewige Lieb und Treu. Sie wiederholen es knieend. Temire : Silvia, wagen wir's nun? Silvia : Temire, dürfen wir's tun? Die Brüder : Geliebte Fraun, O laßt euch schaun! Die Schwestern : Ja der Bannfluch ist zerrissen! Silvia : Aus des Waldes Finsternissen – Temire : Aus der Wellen kaltem Schoß – Silvia : Aus dem unwirtbaren Moos – Beide : Eilen wir, betten uns weich und warm, Eilen der Liebe, der Liebe, der Lieb in den Arm! Silvia und Temire kommen aus dem Wald und See hervor, beide Paare umarmen sich. Zu vieren : Komm, süßes Leben! du bist mein! Mit diesem Kuß auf immer dein! Fest halt ich dich umwunden. Nun fang ich erst zu leben an. Ach, wie ein Traum und böser Wahn Ist alle Not verschwunden. Temire : Doch woher ist uns dies Heil erschienen? Wem danken wir dies Glück? Silvia nach der Seite gewendet, ausrufend ; Justinen! Zehnter Auftritt Felix und Justine treten auf. Justine : Heil euch, ihr Schwestern! Es ist gelungen! Des Schicksals Tücke Hab ich bezwungen. Genießet euer Glück! Felix : O einziger Augenblick! Silvia und Temire : O fröhliche Kunde! Viktor und Wendelin : O selige Stunde! Alle umarmen sich. Silvia und Temire : Doch sage, wie es mit der Rettung ging! Justine : Durch des Vaters Zauberring Hab ich mich in euch verwandelt, Und euch diesen Herrn gezeigt. Zu Viktor und Wendelin, die ihr Erstaunen zu erkennen geben wollten, etwas leiser: Wollt ihr euch verraten? Schweigt! Viktor und Wendelin beiseite zu Justinen: So hast du an uns gehandelt? Justine ebenso: Still! die Strafe war gering! Wenn ich euch hier schonen soll: Keinen Vorwurf! keinen Groll! Felix : So ist der alte Götterspruch erfüllt, Und Thebar und Alrachnod sind In ihrer Kinder Liebe nun vereint. Viktor und Wendelin : Was hör ich? Wie? Alrachnods Töchter? Silvia und Temire : Und Thebars Söhne? Justine : Ja, die Regenbrüder! Felix : Drei glückliche Paare! So wollten es die Himmlischen, Und legten in Justinens Hand All unser Los. – O küsset diese Hand! Die Anderen : Nimm unsern Dank, o holde Retterin! Justine : Seid glücklich! – Hier ist mein seligster Gewinn, Mein schönster Lohn an dieser treuen Brust! Alle : Nun ist jedes Leid geendet, Holde Sterne leuchten wieder, Und die Götter sind versöhnt! Wendet, sel'ge Väter, wendet Auf die Schwestern, auf die Brüder Segenvoll die Blicke nieder! Eure Eintracht ist gekrönt. Justine : Die Dorfbewohner nahn! Die Anderen : Sie ziehn geschart heran. Justine : Sie suchen uns. Willkommen! Letzter Auftritt Chor der Landleute ; an ihrer Spitze Steffen , Ännchen , Veit , Christel , Matthes und der Schulmeister . Chor : Ja, wir eilen euch entgegen: Eurem Bunde Heil und Segen! –O wie selig alle sind! Justine : O mein Vater! Steffen zwischen Ehrfurcht und Liebe: Himmlisch Kind Getilgt ist nun die alte Schuld. Der Himmel schenkt euch seine Huld Du hast der Götter Sinn verstanden, Frei seid ihr von den Unglücksbanden. Justine : O Vater, Dank für deine Pflege! Steffen : Du fandest selbst die rechten Wege. Justine : Mein Ännchen! Freunde! Ännchen : Welches Glück! Veit , Christel , Matthes , Schulmeister : Ja, wir wünschen, wünschen Glück. Schulmeister mit Kratzfüßen: Cum salva venia – Auch Peterling ist da! Fratres reverendissimi, Jetzt glaub ich felsenfest an Sie! Steffen , Veit , Christel : So glaubt Ihr endlich doch? Schulmeister : Vivat! Es leben die Gespenster, die Hexen, Die Zauberer, die Kobolde, die Feen, die Elfen, Sie leben alle hoch! Und die Herren Regenbrüder, sie leben dreimal hoch! Wendelin : Spannt mal auf, Schulmeister, Euern Schirm! Schulmeister zitternd, für sich: Recht gern! Alle guten Geister Loben Gott den Herrn! In der Dienstfertigkeit und Angst stülpt er den Regenschirm so heftig auf, daß derselbe überschnappt und oben eine Schüssel bildet. Alle lachen. Wendelin schüttelt seinen Mantel gegen ihn. Man hört Münzen klingend in den Schirm fallen. Wendelin : Nehmt hier ein kleines Schmerzengeld Für den gehabten Schreck. Viktor : Jetzt aber, wenn es Euch gefällt, Macht Euch geschwind hinweg. Schulmeister : Ago immenses gratias! Das war ein exzellenter Spaß! Und wenn ich wieder fliegen soll, Mein Seel, So steh ich zu Befehl. Ab. Die Brüder und Schwestern zu den Landleuten: Euch, Freunde, bleiben wir gewogen, Wie wir es immerdar gewesen: Wir wollen euch verleihn Regen, Segen Und Gedeihn! Chor der Landleute : Bleibt uns gewogen, hohe Wesen! Ja, wollet uns verleihn Regen, Segen Und Gedeihn! Felix zu den Seinen: Wir aber, o Geliebte, wir Behalten unsre Heimat hier, Sind in geschwisterlichem Frieden Auf ewig, ewig ungeschieden. Zu sechsen : Ja in geschwisterlichem usw. Justine gibt Felixen ihren Zauberring. Er beschreibt damit einen Bogen durch die Luft, in dessen Richtung ein Meteor erscheint und gegen den Hintergrund schwebt; dieser öffnet sich und man erblickt ein blendend erleuchtetes Feenschloß, aus welchem eine sanfte Flötenmusik ertönt. Das Portal tut sich auf und die Feenkinder gehen hervor, welche die drei Paare tanzend bekränzen. Alle : Schöne, wunderbare Stunde! Heil und Segen diesem Bunde! Die Brüder und Schwestern wie oben: Nun ist jedes Leid geendet usw. Es geschieht ein leichter Donnerschlag. Die Brüder werfen ihre Mäntel, die ihnen bisher, vorn halb geöffnet, über die Schultern hingen, ab; die Mäntel lösen sich in Nebel auf, der langsam in die Höhe steigt und eine Wolke bildet, welche bald von einem rosenroten Schein erhellt wird, alsdann sich teilt und einen Regen von Rosen herabsendet. Alle : O herrlicher Regen, Den Götter uns streun, Mit himmlischem Segen Dies Bündnis zu weihn! Die drei Paare, von den Feenkindern geleitet, gehen in das Schloß. Die Landleute verharren, nach ihnen gewendet, in einer feierlichen Stellung, bis der Vorhang fällt.