Fritz Reuter Ut mine Festungstid   Meinem biederen Freunde und treuen Leidensgenossen, Hermann Grashof, zu Lohe in Westfalen   Will auch der eigne Spiegel nicht Das Bild Dir ganz genau so zeigen, Und spielt darauf zu heitres Licht Und pflückt' ich von den Disteln Feigen, So denk', verwunden ist das Leid, Und Jahre lagern sich dazwischen: Die Zeiten nach der bösen Zeit, Sie konnten manches wohl verwischen Und habe ich den bittern Schmerz Durch Scherz und Laune abgemildert, So weiß ich doch, Dein freundlich Herz Lacht auch dem Spaß, den ich geschildert. Fritz Reuter Inhalt: I. De Festung G. II. De Festung M. III. Berlin un de Husvagtei (Nich taum irsten, ne! taum annern Mal) IV. De Festung Gr. V. Däms I. De Festung G. KAPITTEL 1 Worüm den Minschen friren ward, un worüm ok Linsen männigmal gaud smecken. Wat woll de Oberst B. von Stemhagen un Schill-Sommern wüßt, un worüm de Kreih hausten würd, as de witte Duw' an ehr Husdör vörbiflog. »Wat so'n Minsch all erlewen deiht!« säd oll Vader Rickert – dunn lewt hei noch –, as sin Jehann von den Walfischfang taurügg kamen was un nu 's Abends in'n Schummern von Isbarg' un Isboren vertellte. »Wat so'n Minsch all erlewen deiht!« säd oll Schult Papentin, as hei 's Abends mit oll Bumgoren ut den Kraug nah Hus gung, wo Friedrich Schult von de Slacht von Leipzig vertellt hadd. »Unserein kann säbentig Johr olt warden, äwer erlewen deiht bei nicks.« – »Du hest recht, Vadder«, säd Bumgoren. Ick äwer segg, de Schult hett unrecht! – So egal un so sacht flütt kein Lewenslop, dat bei nich mal gegen einen Damm stött un sick dor in en Küsel dreiht oder dat em de Minschen Stein in't klore Water smiten. Ne, passieren deiht jeden wat, un jeden passiert ok wat Merkwürdiges, un wenn sin Lewenslop ok ganz afdämmt ward, dat ut den lewigen Strom en stillen See ward; hei möt man dorför sorgen, dat sin Water klor bliwwt, dat Hewen un Ird sick in em speigeln kann. Min Lewenslop is mal tau so'n See upstaut worden, lange Johren hett hei still stahn müßt, un wenn sin Water ok nich ganz klor un ruhig was un af un an in wille Bülgen slog, so gaww dat doch ok Tiden, wo sick Hewen un Ird in em speigeln kunn. Wat heit dit? – Wider nicks, as dat sei mi mal säben Johr lang inspunnt hewwen. – Worüm? – Dat weit de leiw' Gott! – Stahlen un namen heww ick nicks, ok nich lagen un bedragen. Äwer drei Johr hadd ick all seten; ick was taum Dod verurtelt; dat hadden sei mi schenkt, äwer dorför hadden sei mi dörtig Johr Festung schenkt. So'n Present kann keiner richtig taxieren, as einer, de all drei Johr un irst drei Johr seten hett. De Utsicht was slimm, de Insicht slimmer. Dortau kamm, dat sei mi von ein Festung nah 'ne anner versetzen deden. Wo ick west wir, hadd ick Kammeraden, gaude Frün'n un Bekannten, wo ick hen süll, was ick allein. An einen bitterkollen Winterdag satt ick in en Planwagen, en Schandor satt neben mi. Drei Dag' lang durte de Fohrt, de Mann was fründlich tau mi, äwer ick frür. De Küll un de Ungewißheit, wat nu kamen künn, schüddelten mi dörch de Knaken. Wenn den Minschen en Schicksal bevörsteiht, wat hei nich wennen kann, denn drängt sick dat Blaud taum Harten, un denn frirt em. Den Soldaten in de heite Slacht, den Matrosen bi'n Schippbruch unner de gläugnige Sünn, den Verbreker up dat Blaudgerüst trett de Frost an. Wi kemen up de nige Festung an. – Natürlich tauirst taum Platzmajur! – De Mann satt un att Middag, hei stunn up, namm den Schandoren de Pappieren af un las; hei winkt sine leiwe Fru tau; sei bröchte en reinen Teller un setzte en Stauhl an den Disch, un hei frog mi, ob ick sin Gast sin wull. Wo girn! – Dat was doch wat! – Gott segen den Mann för sine Fründlichkeit! – Sinen braven Namen kann ich hir nich nennen, denn dat künn de annern Namen verraden, un dat wull ick nich girn. Wi eten Bratwust un Linsen. Meindag' hewwen mi kein Linsen so gaud smeckt; ick bün süs nich sihr för Linsen. De Schandor namm Affschid von mi, un ick was in de Hand von frömde Minschen up en frömdes Flag. De Platzmajur stek sinen Degen an de Sid un winkte mi: wi wullen gahn. Wi gungen up de Kummandantur taum irsten Kummandanten. Hei let mi nich vör. Dat was en eigen Gefäuhl. De Mann hadd in minen Ogen en groten Namen; hei was de Brauder von einen Mann, de Anno 13 in aller Welt Mun'n lewen ded, unner den sin Fahn mine leiwsten Lihrers, mine eigenen Unkels in't Feld tagen wiren. Ick hadd sinen Namen up den Turnplatz sungen, hei was in minen Sinn Swesterkind von Maud un von Friheit: un wat was't denn anners, wat mi up de Festung bröcht hadd, as dat ick des' nah mine Ort in'n Harten drog? – Un nu let mi de Mann mit den schönen Namen nich einmal vör? – Mi frür nich mihr, mi göt dat gläugnig heit äwer. De Platzmajur kamm herut un säd mi, dat wir en Verseihn von't General-Auditoriat, min Bliwens wir nich hir, ick müßt bald wider, vörlöpig süll ick en Prisong hewwen, wo en Leutnant in seten hadd, de wegen Verrücktheit in't Lazarett kamen wir. An de Hauptwach würd en ollen Mann rute raupen, de kamm mit en Bund Slätel tau Rum un slot nebenan 'ne Dör up; wi gungen 'ne Trepp tau Höchten, un ick stunn in 'ne lütte virkantige Kabach mit ein Fack düstere Finstern, natürlich mit iserne Gardinen. En ollen wackeligen Disch, en dreibeinigen Hüker, en Waterkraus un en Strohsack, dat was de Utrüstung. De Platzmajur gung; oll Vatter Kähler makte Füer in den Aben un gung ok, slot äwer baben un unnen de Dör tau. So satt ick denn nu allein – ach, wo allein! – 't is 'ne schöne Sak üm dat Alleinwesen, wenn einen fri üm't Hart is un hei mit sick tau Rat geiht äwer dat, wat in em lewt un wewt, wat em hölt un wat em driwwt, wenn hei olle Tiden vör sick upstigen lett un mit ehr vergahene Truer un vergahene Lust, un wenn hei vör sick süht un von de Taukunft drömt; äwer wenn hei mit sick Rat hölt, möt hei ok Rat weiten, de ollen Tiden mit ehre Lust un Truer möten verwun'n sin, dat Hart darw dorbi nich mihr rascher slagen un sick ängsten, un de Taukunft möt vör em liggen as en hellen Morgen. Äwer – as ick segg – dat Hart möt fri sin, un dat olle Unglück verwun'n. – Min Hart was nich fri; min Hart satt deiper in Keden un Banden as mine Knaken; Johr un Dag dat sülwige! Un hüt dat sülwige sid Johr un Dag! – Nicks was verwun'n, un in de Taukunft legen dörtig Johr Fängnis. – Dröm sick doch einer mal äwer dörtigjöhrige Nacht in en hellen Morgen henäwer. Ick satt up minen Strohsack allein, wo lang', weit ick nich; wat ick an desen Abend dacht heww, weit ick ok nich. Ick wakte von en Slätelklimpern up – dorvon wakt jeder Gefangen up, un set hei ok dusend Johr –, üm mi was dat Nacht; ick hadd woll lang' so seten. Min Dör würd upslaten, mit fasten Tritt kamm einer in min Kamer rin: »Guten Abend! – Haben Sie hier kein Licht?« – Ick säd, ick hadd kein. – »Kähler«, säd de Mann, »setzen Sie die Laterne hierher und holen Sie Licht.« Dat geschach, un vör mi stunn en middelgroten unnerset'ten Mann in en grisen Militörmantel un 'ne Feldmütz. Hei kunn twischen virtig un föftig sin, sach äwer frisch un gesund ut, un sin Hantieren was strack un stramm, as einer, de lang' kummandiert un sick ümmer kort resolviert hett. Ick was upstahn un stunn vör em. »Ich bin der zweite Kommandant, Oberst B.«, säd hei, »und wollte mich doch mal nach Ihnen umsehn.« – Ick antworte dor wat up, wat 'ne Höflichkeit sin süll; 't mag äwer woll en beten snurrig rutkamen sin, denn mi was nich nah Höflichkeiten tau Sinn. »Sie werden hier nicht lange bleiben können«, süd hei, »Sie werden bald weiter versetzt werden.« – Ick säd, dat wüßt ick all, de Herr Platzmajur hadd mi dat all seggt. »Warum haben Sie kein Licht? Und warum haben Sie es sich noch nicht bequem gemacht?« frog hei wider. – Ick säd, ick hadd noch nich utpackt un hadd an't Bequemmaken noch nich dacht. »Glaub's Ihnen«, säd hei, »aber quälen Sie sich nicht mit schweren Gedanken. Solange Sie hier sind, haben Sie es hauptsächlich mit mir zu tun, und ich werde, soweit es meine Pflicht erlaubt, Ihr Los zu erleichtern suchen.« Dormit wendt hei sick üm, nickte mit den Kopp: »Adieu!« un gung bet an de Dör. Hir dreiht hei sick rasch üm, as wenn hei wat vergeten hadd, un frog mi, wo ick her wir. – »Ich bin ein Mecklenburger«, säd ick. – »En Meckelnbörger?« frog hei up't beste Pladdütsch, blot mit so 'ne lichte preußsche Bimischung, as sei in de Gegend von Nigen-Strelitz reden. »In wecke Gegend sünd Sei denn dor gebürtig?« – »Ich bin aus Stavenhagen«, antwurt ick. – »Ut Stemhagen?« frog hei wider, »wat is Ehr Vader?« – »Bürgermeister«, säd ick. – »Wo lang' mag hei all dor sin?« frog hei. – »Sid Anno achteihnhunnertfiw«, süd ick nu ok up Pladdütsch. – »So? so?«, brummt hei so vör sick hen; äwer mit ein Mal frog hei so recht indringlich: »Seggen Sei mal, lewt de Bäcker Sommer noch?« – Je, säd ick, weckern hei meinen ded? Dor wiren twei Bäcker Sommers, den einen näumten sei ümmer »Kristopher Geist«, wil dat hei so'n Dodenfarw' hadd, und den annern näumten sei »Schill-Sommer«, wil dat hei dunntaumalen mit Schillen gahn wir. »Dat ist hei! Dat is hei!« röp hei rasch. »Lewt de noch?« – »Ne«, säd ick, »de 's vör etzliche Johren storben.« – »Kunn ok nich utbliwen«, säd hei kort, »hadd den Bramwin tau leiw.« Nickte noch einmal adjüs un gung. Mine sworen Gedanken wiren weg, den Obersten sine fründliche Ort un sine gauden Würd' hadden dat ehrige dahn; äwer vör allen ret mi de Niglichkeit dorute. – Dat unbedüdendste Nige hett för en fangen Minschen en grotes Bedüden. Äwer hir was wat, wat am En'n jeden niglich maken kunn. Wo kamm de Oberst tau't Pladdütschreden? – Na, hei kunn en Pommeraner wesen; äwer worüm würd hei so hellhörig, as ick von Meckelnborg säd? – Na, hei kunn jo ok en Meckelnbörger wesen, 't wiren vele Meckelnbörger dunn bi de Preußen; äwer de Ort redte kein Pladdütsch, de snuwwelten un bisterten leiwerst in 'ne grugliche Ort Hochdütsch rümmer, wil dat sei dat för vörnehmer höllen, un des' Mann hadd so recht mit Behagen sin Pladdütsch spraken, un't was en richtigen Mund vull. Un wat wüßt hei denn nu von Stemhagen un von minen Ollen, un vör allen, wat wüßt hei von Schill-Sommern? – Ick termaudbarst mi denn nu hiräwer mit allerhand Fragen, funn äwerst kein Antwurd, un as ick mi taum Slapen up den Strohsack smet, säd ick tau mi: »Na, lat't! Ick glöw äwer, up dat legste Flag büst du grad nich kamen.« Den annern Morgen packt ick min Habseligkeiten ut 'ne Kist; dor kamm denn allerlei herute, wat süs reisen Lüd' nich in de Welt mit rümmer slepen: 'ne Waschschöttel, en Glas, en Drahtlüchter, un denn min kostbarstes Stück Möbel: 'ne Koffemaschin. Vatter Kähler kamm un makte Füer in den Aben, ick set'te en lütten Pott mit Water an dat Füer, un as dat Water sine vullen Blasen smet, halt ick 'ne Tüt mit mahlen Koffe taum Vörschin, un 't wohrt nich lang', was min Koffe farig. Ick treckte minen ollen ihrwürdigen Slaprock an, de up de eine Sid mal häßlich ansengt was un leider Gotts nich in de Füerkaß' stunn, dortau mine schönen warmen Pampuschen – sei wiren von Daukeggen tausamfluchten un hadden blot den einen Fehler, dat sei in de Nattigkeit nich dicht höllen; äwer wat hadd ick ok in'n Natten tau dauhn? Ick satt jo in'n Drögen –, un so was mi denn up mine Ort ganz gaud tau Maud'. Dunn kamm de Reih bi't Utpacken an min Lewensmittel: en halw Kummisbrod, en Stück Zegenkes' un en En'n Talglicht. Dit letzte was denn nu grad nich taum Eten, äwer 't was jo doch noch tau bruken, un dorüm hadd ick dat mitnamen, denn wenn einer mit fiw Sülwergröschen den Dag äwer utkamen sall, denn möt hei dat Sinige hellschen tau Rad' hollen. – Fiw Sülwergröschen däglich is en grot Stück Geld, makt up't Johr sößtig Daler; äwer bi so'n armen Deuwel von Gefangen, de nich sülwst för sick sorgen kann, maken sick an sine Inkünften noch annere Lüd' de Fingern blag, un hei möt sick't gefallen laten. Dat hadd denn nu woll slicht bi mi uthau't, wenn min oll Vader nich west wir, de mi af un an mit en lütten Tauschub unner de Arm grep; äwer vel dürwt dat ok nich sin, un wat von dor kamm, leten sei einen ok man druppwis' taufleiten. Nu wüßt jo äwer min Vader gor nich, wo ick in de Welt was, ick müßt also irst schriwen, un bet ick Antwurd hadd, müßt ick nu also mit min Staatsgehalt von fiw Sülwergröschen utkamen, denn oll Vatter Kähler was woll en ollen gauden Mann, äwer so dumm was hei nich, dat hei sick up Borgen inlet. – Ick schrew also. As min Breiw farig was, stellt ick mi an't Finster. Mi was hüt morgen ganz anners tau Sinn as gistern abend; ein Nacht ruhigen Slap makt en annern Minschen; dortau schinte de Sünn in min Finster, un mine Gardinen wiren taum Glück nich so dicht, dat sei den Strahl nich up mi fallen leten. Ick kunn nah'n Dur henseihn, dor kemen Kutschen rinne tau führen un Postwagens un Markwagens, ok en Likenwagen führte rute – dat hadd ick sid virtehalw Johr nich mihr seihn –, mi kamm allens schön vör, ok de Likenwagen, Landmätens kemen mit Melk in de Stadt, Burjungs mit Holt, Börgers gungen ehren Geschäften nah, olle Herrn mit warme Pelzkragens verpeddten sick de Likdürn en beten, un denn kemen lütte, nüdliche Dams mit Feddern up den Haut un mit gräune Sleuers, wo de frischen, roden Gesichter rute keken as de Muschrosen. Sei wiren all hübsch, all! Ich wüßt nich ein, de mi häßlich vörkamen wir. Wovon kamm dat? – Na, ick was viruntwintig Johr olt, un sid virtehalw Johr hadd ick kein anner Dams seihn as de oll dick Fru Grelen, de vor dörtig Johr als Mackentenderin bi'n pohlsches Hulahnen-Regiment stahn hadd, un denn uns' Korlin mit de Leckogen. Mit all de Lüd', de ick dor seihn ded, hadd ick nicks tau dauhn, sei kümmerten sick ok nich üm mi, ick mi äwer desto mihr üm ehr, un nah en por Dag' wüßt ick all ganz schön Bescheid. Dat lütte Dirning mit dat rodbunte Fähnken up den Liw' was den Arbeitsmann sin Kind, de ümmer middags mit Äxt un Sag tau Hus kamm, hei gaww ehr mal vör minen Finster Geld, un sei kamm nah 'ne lütte Wil mit en Brod ut dat gräune Hus rechter Hand rute, dat Schild kunn ick nich seihn. Dor müßt also en Bäcker wahnen. En por Dag' drup slogen sick en por rechte driftige Slüngels up de Strat, un en Mann mit 'ne witte Schört kamm herut un höll Stür un gaww den einen en por in't Gnick, dat was also sin eigen, un hei was de Bäcker; un de anner Slüngel lep in de Nahwersdör rinne un kamm dor einen Mann mit en swart Schortfell in den Lop, de em ok en por verabfolgen ded, dat was also den Slösser sin. Un ut dat Bäckerhus kamm en lüttes nüdliches Mäten, schir, as ut dat Ei pöllt, un witt as 'ne Duw', un de Unteroffzierer von de Wach gung en lütt En'n mit ehr tausam un fot sei dunn an de Hand un redte mit ehr sihr angelegentlich, un sei kek ümmer äwer de Schuller nah ehr Vaders Finstern, un mit einmal würd sei rod as 'ne Ros' un ret em de Hand weg un was snubbs üm de Eck. – Wat hadd de Herr Unteroffzierer mit min lütt Bäckerdochter tau reden? – Un 't wohrt nich lang', dunn kamm sei wedder, un in den Slösser sin Dör stunn en smucken jungen Kirl; äwer swart as 'ne Kreih, un de Kreih, de hauste, un de lütt witt Duw' kek sick üm, un 't wohrte nich lang', dunn stunnen sei tausam un lachten un spaßten mitenanner, un de Herr Unteroffzierer trippelte vör de Gewehren up un dal un bet de Tähnen tausam un strek den Snurrbort un kek grimmig nah de beiden. – Wat hadd hei för Weihdag', wenn Kreihen un Duwen sick gaud sünd, un Nahwers Kinner sick leiw hewwen? Ja, up dat slichtste Flag was ick noch lang' nich kamen! Minschenverkihr, un gelt hei einen ok nicks nich an, frischt dat Hart up; äwer hei is as de Musik, sei möten beid nich tau drist warden; 'ne schöne, lise Melodie leggt sick weik an't Hart, äwer wenn allens üm einen rüm fidelt un tut't un trommelt, warden einen de Uhren weih dauhn, un ein sehnt sick nah de Einsamkeit. En por Dag' drup kamm min Oberst B. wedder tau mi un wedder des Abends. Ditmal hadd ick Licht; min Drahtlüchter stunn preislich up den Disch, un up em en Licht för'n halwen Sülwergröschen. De Oberst redte Hochdütsch mit mi, hei hett meindag' nich wedder Pladdütsch mit mi redt; ick natürlich ok nich. As hei gung, säd hei: »Aber was haben Sie für einen schlechten Leuchter!« – Ick säd: je, dat let sick doch nich anners maken, un sin Ding' ded hei jo. – »Haben Sie denn etwas zu lesen?« frog hei wider. – Ih ja, säd ick, ick hadd Höppnern sine Institutionen un Thibaut'n sine Pandekten un en corpus juris un Ohmen sine Mathematik un Fischern sine Hydrostatik un noch en por anner so 'ne interessante Les'bäuker. – »Na«, säd hei, »ich selbst lese wenig von Unterhaltungsschriften, aber meine Tochter hat eine kleine derartige Bibliothek, und ich werde Ihnen etwas daraus besorgen.« Dormit gung hei. KAPITTEL 2 Worüm de Oberst B. as en Kind-Jes utsach, un worüm ick minen Drahtlüchter ut dat Finster smet. Dat de Herr Unteroffzierer Altmann leider nich as en jung Mäten up de Welt kamen was, un dat Schnabel iserne Hanschen anhadd, un dat sick de Kummandanten-Dochter nah mi, un ick mi nah ehr ümkek. Mitdewil was dat Däuweder worden, dat Is un de Snei wiren von en Frühjohrsregen wegwuschen, un de Frühjohrsluft un de Frühjohrssünn hadden den Regen wedder updrögt, un't sach würklich ut, as wenn't Wassen un Bläuhen all losgahn süll, un in mi wuß un bläuhte en Verlangen nah Frühjohrslust un Frühjohrssünn, dat ick't knapp achter mine Gardinen uthollen kunn. Ick hadd an de Kummandantur üm de Erlaubnis schrewen, en beten in de frie Luft spazieren tau känen, hadd äwer noch kein Antwurd. Wat schrew ick ok an de Kummandantur, wo de Mann mit den groten Namen de irste Vigelin spelte? Worüm wendte ick mi nich an minen Obersten B.? Dorüm, wil mi keiner en Rat gaww un de Weg' wis'te. En Minsch, de fri is, hett dusend Weg', wenn hei wat för sick besorgen will; geiht't up den einen nich, geiht't up den annern. Unserein hadd blot man einen Weg, un de gung dörch de Fängnisdör un schrammte an Slott un an Rigel. Äwer't süll beter kamen, as mine Kleinmäudigkeit mi dat vörmalte. Uns' Herrgott hadd för gaud inseihn, in de letzten Dagen von den Februwori mi minen Heil-Christ tau bescheren, de tau Wihnachten utblewen was – denn dat möt keiner glöwen, dat hei man blot Wihnachter-Abend beschert, hei beschert dat ganze Johr dörch, un en Heil-Christ kann alle Dag' kamen, un dat Kind-Jes, wat em bringt, süht ball so un ball so ut. Min Kind-Jes sach desen Abend as en preußschen Oberst ut un kamm recht stramm in de Dör rinne. »Sie haben sich um die Erlaubnis, spazieren gehen zu dürfen, an die Kommandantur gewandt«, säd hei, »es ist Ihnen dies gestattet worden. Sie können sich auf dem Festungswalle unter Aufsicht eines Unteroffiziers, den ich bestimmen werde, Bewegung machen.« – Dat fung schön an, un en Strahl von de Frühjohrssünn was all in min Hart follen. »Und hier«, säd hei un langte in de Tasch, »ist auch ein Brief von Ihrem Vater, er schreibt sehr freundlich an Sie und sendet Ihnen Geld, welches ich Ihnen nach Bedürfnis zukommen lassen werde.« – Ick grep nah minen Breiw; dat let sick hüt würklich wonah an. De Oberst gung an de Dör un röp: »Ordonnanz!« Sin Ordonnanz kamm, hei namm ehr en Paket af, läd dat up den Disch: »Bücher für Sie.« Hei namm den Soldaten noch en Paket af: »Und hier ein paar anständige Leuchter. Werfen Sie den Drahtleuchter zum Fenster hinaus! – Gute Nacht! – Kähler, der Herr hat jetzt täglich einen halben Taler zu verzehren!« Dat was en Abend! Ein Breiw von minen Ollen, Geld in Hüll un in Füll; morgen spazieren gahn in Frühjohrsluft, all de lütten Mätens ganz in de Neg' seihn; nu dat ein Paket up! Goethe – Faust – Egmont – Wilhelm Meister; nu dat anner Paket up! twei lütte, wunderhübsche, sülwerne Spellüchter. – Rut mit den Drahtlüchter! Äwer nu, wo mit dat Sößlingslicht hen? Up den einen Spellüchter? Ih, dat wir doch so, as wenn en Husknecht up en Vullblaudhingst tau riden kümmt; dat geiht nich! »Vatter Kähler«, segg ick, un ick was en ganz En'n gröter upschaten, un Vatter Kähler was mine jitzigen Verhältnissen gegenäwer en ganz En'n bet tausamen krapen, »Vatter Kähler, hallen S' mi mal twei Lichter, dat Stück taum Sülwergröschen.« – Vatter Kähler will all gahn. – »Holt«, segg ick, »Vatter Kähler! – Un denn – denn – süll woll up de Neg' en Biwstück mit Bradtüften tau hewwen sin? – Ne, laten S' man! – Ick heww nu twei un en halw Johr nicks wider as Rindfleisch tau seihn kregen, blot Wihnachten, Ostern un Pingsten braden Bukspeck, as en Happen för de Festdag'. – Ne, Vatter Kähler, wat meinen Sei? Süll woll Swinbraden...?« – Taum Glücken föll mi äwer noch tau rechter Tid in, dat ick jo för min schönes Geld vel wat Schöneres verlangen künn; ick let mi also de schönsten Gerichte dörch den Kopp gahn, denn worüm süll ick mi verkopslagen? Na, tauletzt kamm ick denn also up Hasenbraden. De süll't sin, dorin was ick nu fast. »Also, Vatter Kähler, Hasenbrad!« Vatter Kähler gung bet an de Dör. – »Oh, noch ein Wurd! – 't langt woll nich, süs wull ick woll...« – »Wat wull'n Sei woll?« frog Vatter Kähler. – »Je, ick meinte, so mit 'ne halw Buddel Win? Äwer man wollfeilen!« set'te ick fix hentau, as ick sach, dat hei sick in den Kopp kratzen würd. – Endlich säd hei: »Langen deiht't nich, äwer Sei müßten denn morgen...« – »Ja«, föll ick em in de Red', »dat geiht, ick müßt denn morgen wedder Kummisbrod knacken. Na, man tau!« Un nah 'ne halw Stun'n satt ick denn nu bi minen Hasenbraden un min halw Buddel Win, un vör mi stunnen twei schöne dicke Talglichter up de sülwernen Lüchter, un Vatter Kähler hadd ordentlich updeckt un hadd ok 'ne Salwjett mitbröcht. – Dat was en Heil-Christ-Abend, un as oll Vatter Kähler gahn was, las ick minen Vader sinen gauden Breiw noch mal, un dunn las ick in Wilhelm Meistern sine Lihrjohren, un as ick an de Städ' kamm: Wer nie sein Brot mit Tränen aß, Wer nie die kummervollen Nächte Auf seinem Bette weinend saß... dunn was mi tau Sinn, as wenn ick äwer mi sülwst rührt würd un ick äwer mi sülwst weinen müßt. Un dat was ok ganz natürlich, denn ick was schön satt, un dat heww ick ümmer funnen in de Welt, dat dejenigen, de recht schön satt sünd, am lichtsten bi frömd Unglück rührt warden. Äwer dorbi bliwwt dat denn ok, un wenn dat up würkliche Hülp ankümmt, denn sünd sei nich tau Hus, denn springt ihre de Hungrige den Hungrigen bi. Den annern Morgen brächte Vatter Kähler so hentau elben den Unteroffzierer Altmann nah mi ruppe, de süll mit mi spazieren gahn. Na, dat geschach denn nu ok, wi gungen up den Wall. Ach, wat was dat schön, wat was dat herrlich! Ick kunn in de Welt rinne seihn, hüren un aten. En Bom frilich gräunte noch nich, un keine Blaum bläuhte, de Wischen un Brinker hadden noch ehr oll verschalen gelbrun Kled an, ehr schön niges, gräunes Kled was noch bi'n Snider; äwer de Snider let doch all velmal grüßen: in de negste Woch' mit den letzten; wenn't Kled äwer mit Blaumen beset't warden süll, künn hei't vör drei Wochen nich schaffen; un süllen't nich äwel nemen, dat hei nich sülwst kem, hei müßt noch – wat weit ick – in Italien oder in de Türkei achter'n warmen Aben sitten, hei schickte äwer vörlöpig sinen eigenen Jungen, en lüftigen Slüngel, den Gruß äwer würd hei woll bestellen. Na, un sin Jung' was denn nu de schöne warme Frühjohrsluft, in de allens all unsichtbar swemmt, wat dat Hart frölich maken kann. Un min Hart was ok frölich, 't was schir tau vel! Dat ded jo gor nich nödig, dat all de ollen lütten nüdlichen Frühjohrsgesichter von Mätens mi up den Wall begegnen müßten; ick wir jo mit ein taufreden west, mit eine einzige, de an minen Arm hungen un mit mi in de Welt rinne seihn hadd. Äwer wat kunn min Herr Unteroffzierer Altmann dorför, dat hei nich as en jung' Mäten up de Welt kamen was; wat kunn hei dorför, dat hei just, wenn ick an Gras un Blaumen un an Friheit för mi un min Vaderland dachte, up Schnabeln verföll, wat en gruglichen Röwer un Mürder was un unner min Quartier in Keden un Banden satt? Ja, Schnabeln hadden sei nu, hei was nu ok all – Gott sei Dank! – taum Dod verurtelt, un Nacht un Dag brennte Licht in sine düstere Kamer, un en Attollerist stunn mit en blank »Seitengewehr« vör sine Britsch, denn dreimal was hei all utbraken un de festesten Warschauer Slötter makte hei mit en Bessenries un en Bindfaden up; äwer nu! Nu hadden sei em iserne Hanschen antagen, nu müßt hei sick gewen! Ach, du leiwer Gott, wo blew min Frühjohr! Iserne Hanschen! Ick kunn jo ok mal mit iserne Hanschen bedacht warden. Un as min Herr Unteroffzierer Altmann mi dat grad utführlich vertellen ded, wo Schnabel mal vördem 'ne Popp mit sine Kledaschen utstoppt un up sine Britsch leggt hadd, un wo hei sülwst in den isernen Aben krapen was un dor lurt hadd, bet de Slüter kamen was un mit de utstoppte Popp up de Britsch 'ne Unnerhollung anfungen hadd, wo Schnabel dunn ut den Aben sprungen was un den Slüter den sworen isernen Abendeckel in dat Gnick smeten hadd, dat de Mann tidlewens en Schaden dorvon namm, wo hei dorup twei ihrsame Börgers, de vör sine Dör up Wach' stahn hadden, mit ehre leiwen Köpp tausam stött hadd, dat sei för ümmer wat düsig blewen wiren, un endlich so up de Strat un in Friheit kamen was – grad dunn, segg ick, as mi ok so tau Maud' was, as müggt ick den Herrn Unteroffzierer sinen Kopp ok mit en annern tausam stöten, dat hei ok tidlewens düsig blew –, grad dunn gungen uns en por Damen vörbi, un de ein kek mi merkwürdig an, un as ick mi ümsach, was sei still stahn blewen un kek sick ok nah mi üm. Wat was dat för en fründliches, hübsches Gesicht! Wo trurig un wo leiw segen de schönen Ogen ut! Un dese schönen Ogen hadden mi nahkeken! Wat is nu schöner, en Frühjohrsdag oder en Por schöne Ogen? – Denn von minen Herrn Unteroffzierer un von Schnabeln will ick wider nicks nich seggen. – Ach, ick mein doch en Por Ogen! In so'n Frühjohrsdag kann einer rinne seihn wid weg – ja wid weg –, schön is't; äwer je wider hei süht, desto trüwer un dunstiger ward dat; in so'n Mätens-Og kann einer rinne seihn – deip un ümmer deiper –, un je wider hei süht, je klorer ward dat, un ganz unnen in'n Grun'n, dor liggt de Hewen, un den sine blagen Wunner hett noch kein Minschen-Og dörch seihn. »Wer was dat?« frog ick. »Kennen Sei de Dam'?« – »Gewiß!« säd de Herr Unteroffzierer Altmann un läd de Hand an den Schacko, as wull hei sine Honnürs maken, »'t is de einzigste Dochter von den zweiten Kummandanten, Obersten B., un annere Kinner hett hei äwerall nich. – Schnabel hett twei Kinner, de...« »Dauhn S' mi den einzigen Gefallen«, segg ick, »un laten S' Schnabeln nu ganz ruhig sitten.« »Ih, wo denken Sei hen!« säd de Herr Unteroffzierer. »De kann jo gor nich ruhig sitten, de Attollerist, de vör sin Britsch steiht, ward jo alle twei Stun'n aflös't, un ahn Redensorten geiht jo dat nich af. – Schnabel seggt ok...« »Na, will'n man nah Hus gahn«, säd ick un folgte dat schöne Mäten ut de Firn nah; äwer in ehre Ogen sach ick meindag' nich wedder, un dat was gaud. Wenn einer lang' in den Schatten seten hett un hei kickt denn mit einmal in de leiwe Gottessünn, denn kann hei blind warden, un wenn einer sinen Dag äwer in den Keller rümmer hantiert hett un kümmt rut un kickt in den blagen Hewen, denn flirrt em dat vör de Ogen, un hei kann düsig warden un kann't bliwen sin Lewen lang. Dat grötste Elend, wat mines Wissens noch kein von de Herrn Romanschriwers utführlich beschrewen hett, is, wenn sick so'n arm, jung', inspunnte Student in 'ne Kummandantendochter verleiwt. Dat weit keiner, wo dat deiht; äwer wi weiten Bescheid, wi hewwen dat dörchmakt. KAPITTEL 3 Wo ick för en Row-Mürder anseihn würd un worüm ick den Obersten B. för en Landsmann von mi estimieren müßt; un worüm de Herr Justizrat Schröder in Treptow eigentlich de Meinung is, ick hadd köppt warden müßt. Ditmal kamm dat nich tau so'n Elend, ditmal reddete mi Schnabel. Min Herr Unteroffzierer let mi nich Tid, mi in dat schöne Mäten tau verleiwen; grad wenn mi so recht hell tau Sinn was, dat ick mi de schöne Kummandantendochter so recht lewig vörstellen wull, as wenn up Stun'ns einer in so'n Ding von Stereoskop rinner kickt, denn ret de Herr Unteroffzierer mine lütte, säute Herzenskummandantin unner dat Glas weg un schow Schnabeln mit »Sprenger, Weife« un iserne Hanschen unner dat Glas. Wi kemen nah Hus, Vatter Kähler snabbte mi wedder rin in dat Lock, un dor satt ick nu, un in mi hüppte un prickelte allens, nich blot Adern un Nerven, ne! Sülwst de ollen Knaken hadden sick, as wull jeder von ehr up eigen Hand spazieren gahn. Nu was eigentlich de richtige Tid un Stun'n tau en ordentlich un regelmäßig Verleiwen; äwer't was ok grad Tid un Stun'n taum Middageten. 't is wohr, wenn einer viruntwintig Johr olt is, geiht einer hellschen fix up dat Verleiwen in, äwersten gewiß eben so fix up dat Middagbrod. Vatter Kähler kamm rin un stellte 'ne Ort Supp-Eten up den Disch mit Hamelfleisch un Arwten un Tüften un Kohl un Räuben. »Na«, segg ick, »en por von dat Gesäus' hadd denn doch ok weg bliwen künnt; de Sak is mi denn doch tau kunterbunt.« Ick kunn jo dat seggen, ick hadd jo däglich en halwen Daler tau verzehren. »Sei hewwen recht«, säd Vatter Kähler, »äwer ick kak jo nich för Sei allein, ick kak jo ok för all de annern, un dit hett sick einer utdrücklich bestellt, den sin Ihrendag morgen is, un hüt is sin Dodesurtel von'n König t'rügg kamen, un morgen ward Schnabel köppt.« »All wedder Schnabel!« raup ick un spring' tau Höchten un kik ut dat Finster rut. »Stellen Sei sick dor nich hen«, seggt Vatter Kähler, »seihn Sei blot, wat dor för en Hümpel Minschen steiht, de willen all Schnabeln seihn, un wil dat nich mäglich is, indem dat hei in 'ne düster Kamer sitt, künnen sei Sei för Schnabeln anseihn, un denn künn dat en Uplop gewen.« Gott in'n hogen Himmel! Wat hadd ick mit Schnabeln tau dauhn? Hadd ick denn würklich so'n Röwer- un Mürdergesicht? 't müßt jo woll sin, denn knapp hadd ick mi an dat Finster stellt, dunn bröllte dat Volk unnen: »Kikt dor! Schnabel! Schnabel!« Ick prallte von dat Finster taurügg. »Vatter Kähler«, säd ick, »heww ick Ähnlichkeit mit den unglücklichen Minschen?« – »Gott bewohre!« säd hei. »Hei is von Geburt en Snidergesell un hellschen smächtig von Liw', un Sei sünd jo schön breid in de Schullern.« »Schnabel raus!« bröllte dat Volk buten. Ick set'te mi up minen Strohsack dal, läd den Kopp in de Hand un sunn 'ne Tidlang nah un säd denn endlich: »Vatter Kähler, ick heww mines Wissens meindag' keinen Minschen ümbröcht, ok keinen dat Sinige namen.« »Dat glöw ick«, säd Vatter Kähler, »süs würd de Oberst nich so fründlich tau Sei sin.« »Worüm is hei eigentlich so fründlich tau mi?« Vatter Kähler gung ganz dicht an mi ran un flustert mi in de Uhren: »Hei weit, wo dat deiht. Hei hett ok all mal seten.« – »Wat?« segg ick, »de tweite Kummandant hett seten?« – »Ja, tau vir Johr was hei verurtelt, äwer de König hett em mit en halw loslaten.« – »Wo 's denn dat kamen?« frog ick. – »Je«, säd hei, »dat is ok so'ne Geschicht; ick red dor nich äwer, fragen Sei Altmannen dornah, de weit't ganz genau.« »Mi is so wat noch nich vörkamen von Fründlichkeit«, segg ick, »un dat för en ganz fremden Minschen.« – »Sei mägen em jo woll nich ganz frömd sin«, seggt hei, »denn hei is jo en Landsmann von Sei.« – »Also doch?« frog ick. – »Ja«, seggt Vatter Kähler, »dat ward woll sinen Grund hewwen, denn hir in de Stadt wahnt en Snidermeister, wat en gauden Fründ von minen Swigersähn is, de stammt ut Friedland in Strelitz-Meckelborg, un de hett uns oft vertellt, dat de Oberst en Landsmann von em wir, un dat hei ok sine Öllern kennt hett, wat ganz gewöhnliche Katenlüd' west sünd.« – »Äwer«, raup ick ut, »wo Dausend is hei denn taum Oberst kamen?« – »Oh, wat meinen Sei? Hei hett all lang' deint, hei is all dunn, as Schill dörch Meckelborg trecken ded, as halwwussen Knecht mit em gahn, un nahsten hett hei sich so dörchfäuhlt nah Ostpreußen un is dunn mit dat Yorksche Anno 12 nah Rußland gahn, hett Anno 13, 14 un 15 mitmakt, un as ick nahsten in Breslau stunn, dunn was hei Rittmeister bi't irste Kürassierregiment. Dor was hei denn nu as Uhl mang de Kreihen; alle Offzierers bi dat Regiment wiren Eddellüd', hei was de einzigste Börgerliche, un dorüm wullen sei em also wegbiten; äwer hei gung nich, hei höll sei sick von'n Liw'. Na, dat hadd denn nu woll sine Tid wohrt, un tauletzt hadden sei em denn nu doch woll dümpelt, wenn de oll lütt pucklich General Hans von Zieten nich west wir, de höll em; un dat was man en lütten Kirl, äwer en krätigen Kirl, de sick so licht nich an den Wagen führen let. – Nu segen denn de Herrn, dat sei dor nich mit dörchkemen; äwer sei leten nich sacken, sei versöchten't mal up 'ne anner Manier un makten 'ne grote Ingaw' bi unsern König, wo dat doch nich assistieren künn, dat bi dat öllste Regiment in den ganzen preußischen Staat, wat all bi Fehrbellin vör den Find stahn hadd, en Börgerlicher als Offzierer stünn« »Ih, dat's jo recht nüdlich, Vatter Kähler«, segg ick, »de Herrn hewwen blot vergeten, dat bi Fehrbellin en Snidergesell dat Regiment kummandiert hett.« »Dat weit ick nich«, säd Vatter Kähler, »dat's vör min Tid west; äwer so vel weit ick, hei müßt weg; denn wat ded uns' allergnedigste König? – Hei wull de Herrn Offzierers nich vör den Kopp stöten, un den Rittmeister wull hei doch nich missen, hei makt em also taum Majur, äwer ok tauglik taum Eddelmann. – Wat ded äwer uns' gaud Herr Oberst? Hei stek den Majur ruhig in de Tasch un för den Eddelmann bedankt hei sick, hei wull nich dörch de Pikanteri von sin Kammeraden Eddelmann warden. – Na, nu was jo denn natürlich dat Kalw in't Og slagen, nu müßt hei furt, un so würd hei denn hir tweite Kummandant, denn sei seggen jo all, de König höllt trotz alledem noch grote Stücken up em. – Un dat strid ick gor nich«, set'te oll Vatter Kähler hentau, »denn bi de anner oll ekliche Geschicht, de hei hir nahsten hadd, wo hei den Sträfling dodstek un wo sei em mit vir Johr Festung bedachten, läd sick jo ok de König in't Middel, dat hei mit en halw Johr afkem. »Wo was denn dat?« frog ick. »Dor möten Sei Altmannen nah fragen, de is jo dor mit bi west. Ick bün en ollen Mann un heww Fru un Kinner, un äwer mine Vörgesetzten red ick äwerall nich; taudem is de Oberst en gauden Mann gegen mi, un wotau sall ick achter sinen Rüggen von Ding' reden, de em all gris' Hor naug makt hewwen un de em von 's Morgens bet 's Abends in den Kopp liggen? Denn sörredem is hei sihr verännert; dat kann einer marken, ahn dat hei tau de groten Propheten hürt.« Oll Vatter Kähler gung, un oll Vatter Kähler was en braven Mann, dat hürt ick un sach ick, denn hei was up sine Ort ganz trurig worden. Ick dächte äwer den Ollen sine Vertellung nah. – Also doch en Meckelnbörger, en Landsmann! Hei un Schill-Sommer, beid' Kammeraden! – De ein verdorben un storben, de anner in Ihren un Würden un gesund un kräftig. – Schnabel föll mi in: wi wiren jo ok Kammeraden, beid' taum Dod verurtelt, hei satt unnen un ick baben, blot dörch en swacken Windelbähn von einanner scheidt. Wi hadden beid grugliche Verbreken begahn; hei hadd en por Minschen ümbröcht, un ick hadd up eine dütsche Uneversetät an den hellen lichten Dag de dütschen Farwen dragen! – Wi hadden dat sülwige Urtel , un nu satt hei in Ängsten un Dodesnöten, un mi krümmt keiner en Hor. – Worüm dat? – Wo kamm dat? »Lieber Freund«, säd späderhen de Herr Justizrat Schröder tau mi, as ick em de Sak vertellte un dese Frag' vörläd, »nichts einfacher als dies: der König hat Sie begnadigt, ihn nicht.« Nich begnadigt , säd ick. »Kraft oberstrichterliche Gewalt hett hei de Straf in 'ne Festungsstraf verännert; un wo bliwwt denn dat Richteramt, wenn't mit de Gewalt tausamstellt ward?« »Nun, Sie glauben doch nicht«, säd hei, »daß der König von Preußen wegen solcher Bagatelle hundert junge Leute hinrichten lassen werde?« – »Worüm nich?« frog ick. »Wenn nu so'n achte Hinrich von England oder en rußschen Peiter oder blot man so'n Niklas un so'n verrückten Korl von Brunswik up den preußschen Thron seten hadd – worüm nich?« »Gegen so einen Mißbrauch der Todesstrafe schützt uns die Humanität der Regierung und der Zeit. Todesstrafe muß sein; die menschliche Gesellschaft muß die Gewalt haben, sich der Bestien aus ihrer Mitte zu entledigen. »Dank för't Kumpelment!« segg ick. »Äwer, Herr Justizrat, Humanität is up Stun'ns nicks wider as en falschen Gröschen; blot de Gaudmäudigen un de Dummen nemen em; äwer de em utgewen un dormit tau Mark trecken, de häuden sick. – Un wat de Dodsstraf un ehre Nützlichkeit anbedrapen deiht, so wünscht ick, Sei wiren mal mit dese Weig' weigt; mäglich, dat Sei denn de Ogen upgüngen.« »Sie haben sich nicht zu beschweren, denn das Gesetz sagt ausdrücklich: Konat des Hochverrats wird bestraft wie der Hochverrat selbst. Nach Ihrer eigenen Aussage ist der konstatierte Zweck Ihrer Verbindung gewesen: ‚Herbeiführung eines auf Volksfreiheit und Volkseinheit gegründeten deutschen Staatslebens‘; dies hat man richterlicherseits für einen Konat des Hochverrats angesehen; ob mit Recht oder Unrecht, lasse ich dahingestellt (Notabene dit was nah  1848); aber das Gesetz ist salviert.« »Na, Herr Justizrat, denn will ick Sei wat seggen, denn hett dat Gesetz un de Humanität sick gegensidig taum Nahren; entweder dat Gesetz möt de Humanität afschaffen, oder de Humanität dat Gesetz. – So , as sick dat herutstellt hett, was't en Puppenspill, en grausames Puppenspill! – Nich so sihr grausam gegen uns as gegen uns' ollen Öllern, un vel Minschenglück is dormit tau Grun'n richt't. Ick bün en Gegner von de Dodsstraf, un wer will mi't verdenken? Wer in't Water follen un binah dorin verdrunken is, mag't Water nich recht liden; un nich ick allein, ne, en jeder kann in't Water fallen. – Ick heww mal en tweisnidiges Metz seihn, womit en Wahnsinnige en Minschen umbröcht hadd, mi grugte vör dat Metz, un ebenso grugt mi ok vör en tweisnidig Gesetz, wat einer dreihn un wennen kann as en natten Hanschen, taumal, wenn dit Gesetz in de Hand von einen Wahnsinnigen gewen ward. Un de sogenannte Referent in uns' Sak, de Herr von Tschoppe, de ut de Akten den gruglichen Hochverrats-Konat rute dresselt hadd, was wahnsinnig un sturw ok as en Wahnsinnige. Den hadden sei tau rechter Tid inspunnen sullt, denn wiren Dusende von Familien vor unnütz Elend un Angst bewahrt blewen. – Un wat hadden wi denn dahn ? Nicks, gor nicks. Blot in uns' Versammlungen un unner vir Ogen hadden wi von Ding' redt, de jetzt up apne Strat fri utschrigt warden, von Dütschlands Friheit un Einigkeit, äwer taum Handeln wiren wi tau swack, taum Schriwen tau dumm, dorüm folgten wi de olle dütsche Mod', wi redten blot döräwer. Dat was jo äwer ok naug för so en geschickten Unnersäukungsrichter, as uns' Unkel Dambach was, de grad in sine beste Karriere was un nu doch nich slüppen laten kunn. So würd denn nu also ut en frien, frölichen Sünnenprust en Dunnerslag makt, un dat Dodsurtel würd spraken ahn alle Entscheidungsgrün'n, denn, obschonst sei uns versproken, sei nahtauliwern, sünd sei in de Hor drögt, un wi hewwen s' meindag' nich tau seihn kregen. Stats dessen wiren de Dicknäsigen, de dunn an't Räuder seten, hellschen parat, allerlei gefährliche Geschichten von Demagogen un Königsmürders in Ümlop tau bringen, un doch – Gott vergewt ehr! –, sei wußten am besten, dat allens utgestunkene Läg' wir! Verteidiger kunnen wi uns nich wählen, de würden uns set't; min, de mi fast versprok, dat ick in min Vaderland, Meckelnborg, müßt utliwert warden, hett mi up keinen Breiw, den ick an em schrewen heww, antwurt't. – Nemen S' nich äwel, Herr Justizrat, ick bün en beten von't Hunnert in't Dusend geraden; äwer wenn ick an de Nützlichkeit von de Dodsstraf un denn wedder an de Humanität denk, de mi von Gerichts wegen tauflaten is, denn bömt sick in mi so allerlei up un stött min Gedanken as Kohl un Räuben dörchenanner.« KAPITTEL 4 Mutter, mi grugt. Worüm ick mi mit den Herrn Unteroffzierer Altmann vertürn müßt, un worüm de Oberst B. up de Festung kamen was, un dat ick wedder inpackt un nah M. afschickt würd. So redte ick nah Johren; den Nahmiddag un Abend äwer, von den ick eben seggt heww, was mi nich taum Resonieren tau Sinn, up mi lagg dat as de Mort, un de Gedanken an dat unglückselige Minschenworm unner mi stödden mi binah dat Hart af. Unner mi, dörch en swackes Minschenwark von mi scheidt, stunn de Dod; hei was nich unverhofft kamen, as de Slap in de Kinnerjohren, hei was nich allmählich kamen, un dat Og hadd sick an em gewennt; mit einem Mal hadd hei sick an dat Lager von den Mürder stellt un stunn dor wis in sine gruglichste Gestalt un rüppelte un rögte sick nich un wis'te em Biller, blaudrode Biller, all ein bi ein, jo kein äwerslagen! »Licht aus!« röp de Schildwach von buten nah min Finster rup; de Klock was teihn, von nu an müßt ick in'n Düstern sitten. Ick was nich gruglich; ick hadd up de Festung, von wo ick kamen was, Johre lang in 'ne düst're Kasematt seten, unner mi brus'te un hulte de Stormwind dörch den langen, unnerirdschen Gang, de dörch de ganze Festung gung, links von mi was de Festungskirch, hinner mi en düstres Lock, wo de Röwer un Mürder Exner, von den Pitaval vertellt, in Keden un Banden an de Mur anslaten west wir – ick hadd mi nich grugt, ick wir oftmals des Nachtens dörch de Kirch gahn, de in Fredenstiden tau'ne Ort Mondierungskamer brukt würd. Dor hungen de Wän'n entlang olle witte, östreichsche Mantels, äwer jeden hung en Schacko, unner jeden stun'n en por Stäweln, de Finster wiren utnamen, dormit dat Tüg hübsch luftig hängen süll, un nu wewten un swewten de witten Mantels unner den Schacko un äwer de Stäweln de Wand entlang, un 't was, as wenn de Geister von de ollen Östreicher, de bi Prag un Leuthen follen wiren, noch einmal in Reih' un Glid stün'n un noch einmal in'n Stormschritt vörrücken müßten. – Ick hadd dat üm Middernacht seihn, äwer grugt hadd ick mi nich. Hüt grugte mi. Ick horkte un horkte nah jeden Ton, de von unnen ruppe kamm, un de lang' horkt, de hürt ok wat. Dat huschte un stähnte üm mi rüm – dat was jo nicks, kunn jo nicks sin: dat wiren jo blot min Gedanken! – Ja, äwer dese Gedanken wiren ut mi rute treden un wiren üm mi lewig worden, un min Uhr glöwt sei tau hüren un min Og sei tau seihn, un dat was de Grugel. Dat was 'ne lange Nacht un 'ne lange Qual! – Un so is de Minsch! – Tauletzt dacht ick blot noch an mi un nich an den Unseligen unner mi; ick dankte Gott för den Morgen, de em so schrecklich upgahn müßt. Unner mi würd dat lewig, en Wagen führte langsam vör de Dör, nah en beten führte de Wagen langsam wedder furt; ick kek nich rut – mi was slicht tau Maud'. Den Nahmiddag kamm de Herr Unteroffzierer Altmann un wull mi taum Spazierengahn afhalen: »Nemen S' nich äwel«, säd hei, as hei in min Gefängnis rinne kamm, »dat ick nich all hüt morrn kamen bün; äwer ick müßt noch bi Schnabeln...« – »Hollen S' Ehr Mul von Schnabeln!« fohrt ick em an. De Mann würd ordentlich verstutzt äwer mine Hastigkeit; äwer dat wohrte nich lang', hei kek mi ruhig an, denn hei was en Unteroffzierer in gesetzten Johren un hadd sick in sinen Lewen wat versöcht. »Schön«, säd hei, »wenn Sei min Unnerhollung nich geföllt, denn kann sei nahbliwen; ick bün blot kummandiert, mit Sei up den Wall spazierentaugahn. – Is't Sei also nu gefällig?« Wi gungen up den Wall! De Herr Unteroffzierer gung twei Schritt sidwarts achter mi, as wenn hei mi an'n Strick höll un mi tau Mark leddt as de Bur sin Farken. – Wi gungen den Wall entlang, wi gungen wedder t'rügg, ick kunn't nich länger uthollen, ick hadd den Mann unrecht dahn; hei hadd't gaud meint, un ick was groww west. Ick dreiht mi also üm un säd: »Herr Unteroffzierer, nemen S' mi mine hastigen Würd' nich äwel; ick heww des' Dag' ümmer blot von Schnabeln hürt, un de ganze Nacht is hei mi nich ut den Sinn kamen, dat ick kein Og taudahn heww, un as Sei nu hüt dormit wedder in de Dör rinne kemen, un ick mi dacht hadd, de Spaziergang süll mi up anner Gedanken bringen...« »Na, laten S' man«, antwurt't hei mi, »mi makt dat man so'n beten verstutzt, dat ick binah de sülwige Antwurd kreg, as hüt morrn bi den tweiten Kummandanten. Denn de süll eigentlich hüt morrn de Exkutschon mit afwohren, hei hett sick äwer krank mellen laten, un as ick em hüt morrn Rapport afstatten ded un em de Sak utführlich vertellen wull – denn ick bün dor mit taugegen west –, fohrt hei mi ok so an un wull nicks dorvon weiten.« »Worüm dat ?« frog ick. – »Je, wat weit ick?« säd hei. »Sörredem de Mann dunn dat Unglück mit den Sträfling hadd, is hei sihr verännert, hei was 'ne wohre Seel von'n Mann, nu is hei oft hastig un upfohrend, un't is, as wenn em de Unrauh plagt.« »Na, is dat mit den Sträfling en Geheimnis?« frog ick. »Oll Vatter Kähler hett ok all dorvon seggt; äwer hei wull mi kein Utkunft gewen.« »Oll Vatter Kähler is en Has'«, säd de Herr Unteroffzierer, »de Geschicht weit jedes Kind up de Strat, un sei is jo ok gerichtlich makt, un ick was de Nacht grad up Wach un heww ok in de Sak nahsten tügen müßt. – Dat was grad Wihnacht heilig Abend, un't sünd nu en beten äwer vir Johr, un ick müßt up den ›Stern‹ up Wach. Nu hadden sick de Sträfling' för dese Nacht fri Nacht losbeden, dat sei sick en beten tausam freuen wullen un ok Licht in de Kasematten brennen dürwten. Na, dat gung denn in de Irst ok ganz gaud, sei eten un drunken un sungen tausam un hadden sick denn ok Bramwin kamen laten; un den is jo nu dat Volk nich gewennt, denn so as sei annerthalwen Sülwergröschen däglich tau vertehren hewwen un up drei Dag' fiw Pund Kummisbrod, so will dat för en Sluck nicks afsmiten. Na, 't durt ok nich lang', dunn hadden sei wat in den Kopp, un de Slägeri gung los. Wi also mang ehr rinne un höllen Stüer, un wenn de Leutnant, de de Wach kummandiert, äwerst man noch en blaudjungen Minsch was, sin Lüd' kennt hadd un de Kirls in ehre Kasematten hadd insluten laten, denn wir allens gaud gahn, so äwer let hei sick dörch ehr Bidden begäuschen un let sei tausam bliwen. Dat was en groten Fehler, un ut den müßt wat Slimmes rute bräuden. – Dat durt denn ok nich lang', dunn was de Larm wedder in den Gang', un as wi nu wedder dormang kemen, hadd sick dat Blatt wen'nt, sei slogen sick nich mihr unnerenanner, ne, sei fungen an, uns tau drängen; uns' Leutnant wull jo woll de Verantwurtlichkeit nich up sick laden, Gewalt bruken tau laten, hei kommandierte uns taurügg un let dat Dur besetten, un dor stunnen wi nu ›Bangenett gefällt!‹ un vör uns en hunnert un föftig Sträfling' in vulle Rebelljon. Uns' Leutnant wüßt sick nich tau raden, hei schickte also 'ne Ordonnanz an den tweiten Kummandanten, dat de Rat schaffen süll. – De Oberst was den Abend ok in 'ne lustige Gesellschaft west, hei kamm tworst glik up de Städ'; äwer einer kunn't em anseihn, dat hei ut so'ne Gesellschaft kamm – un dat ded em nahsten den Damp –, hei sach rod in't Gesicht ut, drängte sick, ahn wider wat tau seggen, mang uns dörch, gung strack up de Kirls los un fragte mit hastige, lude Stimm: wat sei wullen? – Sei wullen ehr fri Nacht hewwen, sei wullen beteres Brod hewwen, sei wullen... Un nu schreg allens dörchenanner, wat sei allens hewwen wullen. – Einer süll reden! röp de Oberst. – Dunn sprung en langen Kirl vör, 't was en Snidergesell un hadd en Bänkenbein in de Fust un röp: ›Mit Gauden is hir doch nicks tau maken!‹ un gung up den Obersten los. – De stunn wis, ahn sick tau rögen, un as em de Snidergesell neger kamm, röp hei rasch achter'n anner: ›Kerl, bleib mir vom Leibe! – Kerl, bleib mir vom Leibe! – Bleib mir vom Leibe oder...!‹ – Hei stödd tau, un de Kirl lagg up de Städ' dod tau sinen Fäuten. Seihn S', Herr, ick bün mit tau Feld west as Attollerist, un bi Kulm würd' de ganze Mannschaft von min Batteri von de pohl'schen Hulahnen äwerreden un dodsteken bet up mi; äwer mi is nich so gräsen worden, un ick heww mi nich so verfirt as bi desen enzelnen Fall. Dat möt doch dorvon kamen, dat einer bi so'n Gefecht up allens fat't is un tau 'ne anner Tid nich. – De Sträfling' müßten sick ok so verfirt hewwen, denn kein Wurd let sick hüren, un sei drängten sick ordentlich, dat man en jeder fix in sin Kasematt herinne kamm. As de letzten inslaten wiren, stunn de Oberst noch ümmer, ahn en Wurd tau spreken, up den Platz, dreihte sick dunn kort üm, gung mang uns dörch un säd nich witt noch swart, un was noch, as ick man hürt heww, de sülwige Nacht taum irsten Kummandanten gahn, hadd sinen Degen afliwert un sick taum Arrest mellt. Dat Standrecht würd äwer em hollen, un ick müßt ok as Tüg' vör. Sei frogen vör allen, ob de Oberst wat in den Kopp hatt hadd. – Ja, wat wüßt ick? Hastig was hei ankamen, hastig hadd hei redt, hastig hadd hei handelt, un rod sach hei in't Gesicht ut – mihr kunnen wi all nich seggen; äwer weck von sine Gesellschaft, mit de hei tausam seten hadd, warden woll anners utseggt hewwen; hei würd tau vir Johr Festung verurtelt. Un worüm? Wil't en Minschenlewen was; un wenn't ok man en slichtes was, dat Lewen von einen Sträfling, de tau twintig Johr wegen Row un Deiwstahl verurtelt was, mit en Minschenlewen sall einer doch nich spillunken.« En por Dag' nah dese Vertellung föll wedder grusiges Weder in: min schön Frühjohr hadd lagen; un ick satt wedder achter mine Gardinen un kek in't Weder, wo de Wind mit den Snei towte, un 'ne Ort von Behagen kamm äwer mi, wenn ick so den armen Schelm von Schildwach vör de Gewehren up un dal lopen un in den Snei rümmertrampsen sach, dat hei sick de Fäut warm höll. – Wenn buten de Sünn schint un de Vägel singen un de Blaumen bläuhn, wenn alle Welt sick freut un de Harten lustiger slagen, denn is't för en Gefangen de slimmste Tid; sine beste Tid is, wenn de Regen gütt un de Stormwind ras't un den Snei in wille Warbel tausamen jöggt. – 't sünd nu sörredem vele Johren vergahn; äwer dit Gefäuhl is mi von jenne Tid her noch blewen, ick kann stunnenlang in so'n willes Weder seihn, un mi ward denn so still un sacht tau Sinn, mi is denn, as wenn dat schurige Weder buten mine slimmen Johren sünd, de nich mihr an mi ran känen un vergews üm mi rümmer rasen, un 'ne Trurigkeit kümmt denn äwer mi, dat grad dit wille Weder in min Lewensfrühjohr infallen müßt; äwer – Gott sei Dank! – 't is keine bittere Trurigkeit, denn uns' Herrgott hett mi einen schönen warmen Aben set't, dat ick binnen warm bün. Ick was nu all gegen söß Wochen an Urt un Städ' un hadd all de Hoffnung, ick würd hir bliwen, wo sick dat all so schön anlet; äwer dese Hoffnung, dit Frühjohr von mine Taukunft hadd lagen. Eins 's Abends kamm de Oberst un säd mi: 't wir Order kamen, ick süll von hir furt. – »Wohen?« frog ick. – »Nah M.«, was de Antwurd. – Dat was slicht Weder! M. was de Höll för uns; ick hadd dor en Vägelken von singen hürt. – Äwer wat hülp dat all; äwermorgen süll't losgahn. Ick set'te mi den annern Dag hen, schrew an minen Vader, makte Reknung mit oll Vatter Kählern, säd den Unteroffzierer Altmann adjüs, packte minen Klapperkram tausamen un satt nu wedder twischen Dör un Angel, twischen Bom un Bork, kunn nicks för mi dauhn un müßt aftäuwen, wo't warden süll. Den Abend vör mine Afreis' kamm de Oberst wedder un säd mi adjüs. »Ich habe Ihre Reise so angeordnet«, säd hei, »daß Sie nicht mit Extrapost nach M. befördert werden. Sie werden in kurzen Tagereisen von Ort zu Ort reisen; ich denke mir, dies wird Ihnen lieber sein.« – De Mann wüßt Bescheid; hei wüßt, wat en Gefangen gaud ded. – Ick bedankt mi bi em, un – worüm süll ick dat nich ingestahn – de hellen Tranen lepen mi äwer de Backen, as wenn ick von minen besten Fründ up ümmer Afschid nem. Un hei was en Fründ, un ick heww em meindag' nich wedder seihn. KAPITTEL 5 Worüm Schauster Bank mi en Por Stäweln nich mihr för söß Daler maken wull. Wat sick de Herr Postkummissorius mit den General Kalkreuth vertellte un de Fru Postkummissoriussen mit mi. Worüm en Swin vörwarts führt warden möt, un de Fru Postkummissoriussen dat Allerheiligste upslot. Worüm dese Geschicht en trurig En'n nimmt. Acht Johr kunnen vergahn sin, ick was all lang' fri; ick was Landmann worden; ick gung mit Stulpstäweln un korte Hosen in de Welt herüm; ick was en hellschen Kirl, de ganze Damm, de hürte mi tau. Ick was noch mal so breid worden, as ick west was, un Schauster Bank, wat noch en ollen Spelkammerad von mi was, säd: »Fritzing«, säd hei, »mit Utnam von oll Bäcker Haufnageln hest du de dicksten Waden in de ganze Stadt; de Deuwel mak di 'n Por Stulpstäweln för söß Daler!« Fri! Fri! un denn Landluft un Landbrod un von morgens bet 's Abends en deipen Drunk frische Luft, un Gottes Herrlichkeit rings herüm, blot taum Taulangen; un ümmer wat tau dauhn, hüt dit un morgen dat; äwer allens in de beste Regelmäßigkeit, dat dat ümmer stimmt mit de Natur, dat makt de Backen rod un den Sinn frisch, dat is en Bad för Seel un Liw, un wenn de ollen Knaken un Sehnen ok mal mäud warden un up den Grund sacken willen, de Seel swemmt ümmer lustig baben. Ick segen de Landwirtschaft, sei hett mi gesund makt un hett mi frischen Maud in de Adern gaten. Un wenn einer ok nich so vel dorbi lihren deiht as en anner, de bi dat allergelihrteste Mastfauder up 'ne Universität smeten is, so giwwt dat doch vel tau beachten, un wenn einer man nich tau ful un tau kortsichtig is un kickt en beten äwer den Tun von dat Gewarw , denn ward hei ok vele gaude Kost för Verstand un Vernunft finnen, un wat hei findt, is frische, gräune Weid', de unnern blagen Hewen in Regen un Sünnenschin wussen is un den Minschen ganz anners bekümmt as dat swore, gelihrte Mastfauder up de Universitäten un de Stallfauderung achter'n Schriwdisch. Ick was fri un was gesund! – Ick was tau Stadt führt nah min Vaderstadt un süll Klewersaat halen, denn't was in de Frühjohrssaattid, un wi wullen unner't Sommerkurn unsern frischen Slag anseigen. – Na, 'ne Stadtreis' is 'ne Dagreis'; ick hadd noch süs allerlei tau besorgen, wat noch nich prat was, ick hadd also noch Tid un kunn mi de ollen Füerstäden un de ollen Frünn' beseihn. 't was binah Middag, un üm de Middagstid plegt tau dunnmalen de Stemhäger Börger en beten in't Posthus tau gahn, denn de Fru Postkummissoriussen hadd dat beste Bir, un't gaww ok denn ümmer wat Niges tau seihn, wil denn de Berliner Post ankamm. Ick kamm rinne in dat lütt Stüwken, ick was lang' nich dor west; äwer't was noch all so, as't west wir. Von dat lütte Stüwken was noch en En'n afbucht't mit hölterne Tralligen, wat de Herr Postkummissorius sin »Kontur« näumen ded, wat äwer utsach as en gadlich Vagelburken, un in dit Vagelburken satt de Herr Postkummissorius mit sinen Herrn Sähn; singen deden sei äwer nich, denn – so vel ick weit – singt kein großherzogliche Postbeamter tau de Posttid, un't was also ok von ehr nich tau verlangen. Un de Fru Postkummissoriussen stunn noch ümmer an den Aben, wo sei all in mine Kinnertiden stahn hadd, dat müggt Winter oder Sommer sin, äwer de Glasur von de Kacheln hadd sei weg un den witten Aben rod schürt. Un ok de sülwigen Biller hungen in de Stuw', en por Biller von den Ollen Fritz un 'ne Mondierungskort von dat französche Militör un denn de General Kalkreuth. Kalkreuth hadd bi den Herrn Postkummissorius sin bestes Tüg antreckt un stunn dor in 'ne blage Frack un en dreikantigen Haut un witte Hosen un gnäterswarte, blankgewichste Postillonsstäweln; von Gesicht sach hei sihr schön rod un gesund ut, un sine Näs' let in de Läng' nicks tau wünschen äwrig. Hei hadd äwer den Ihrenplatz von all de Biller, denn de Herr Postkummissorius hadd unner em bi de littauschen Dreiguner stahn un estimiert em noch ümmer as sinen Kummandanten. Un wenn de Herr Postkummissorius mal lustig un ut sin Burken rute laten was, denn drunk hei nah de Posttid tauwilen etzliche von sinen roden Magenbittern un gung ganz militärisch in de Stuw' up un dal, un denn was dat för en Minschenhart leiwlich antauseihn, wo de beiden ollen Krigskammeraden sick fründlich ankeken. Kalkreuth säd nicks; äwer de Herr Postkummissorius makte jedesmal Front vör sinen Scheff, wenn hei in den Paradmarsch an em vörbikamm, un röp em tau: »Du bist mein Kalkreuth! « Un dat makte den Herrn Postkummissorius alle Ihr, denn hei hadd sick mal mit Kalkreuthen häßlich vertürnt, un Kalkreuth hadd em wegjagt; äwer hei drog em dat nich nah, obschonst dat Kalkreuth schuld hadd. Denn Kalkreuth hadd den Herrn Postkummissorius, as hei noch Wachtmeister bi de Dreiguner was, mal nah em von sin Gäuder schickt, dat hei dor dat Inventor upnemen süll – denn de Herr Postkummissorius was hellschen stark in de Fedder –, un dat was denn nu ok allens sihr schön afgahn bet up de Käuh, denn as de upschrewen warden süllen, hadden sei so'ne Nams, de 't eigentlich gor nich giwwt un de kein Deuwel schriwen kann, as Strimer un Bliß un Stirn un Dreititt un – wat weit ick! Ok kemen des' Namen den Herrn Postkummissorius tau gemein vör, un hei makte ut Strimer – Juno, ut Bliß – Minerva un ut Dreititt – Venus – usw. – Kalkreuth was tau ungebildt, üm de Verschönerung intauseihn, hei fohrte up den Herrn Wachtmeister los, de äwer, in dat richtige Gefäuhl, in Schönheitssachen den Herrn General äwerlegen tau sin, gaww nich nah, un sei vertürnten sick dägern. Nu is dat äwer meindag' noch nich so west, dat en Wachtmeister en General wegjagen kann, un wil sei nu doch einmal utenanner müßten, jog de General den Wachtmeister weg. – Dat was sin Glück; hei wir süs in'n Lewen nich Postkummissorius in Stemhagen worden. In't Irst müggt em dat woll man swack gahn, äwer hei was en Mann, de sick dörchtaubringen verstunn, hei smet sick mit sine Gemahlin up de »dramatische Kunst«, as sei dat hüt nennen, un – weit de Deuwel! hadd hei all in Ostpreußen von Stemhagen hürt, dat dor en sihr gebildtes Publikum sin süll – genaug, eines schönen Dags kamm hei in min Vaderstadt un spelte up Allmern sinen Sal Theater, tworst, wil hei man mit sine leiwe Fru allein was, blot virbeinige Stücke, äwer de wiren ok von't beste En'n. Nu müßt sick dat grad begewen, dat oll Postmeister Toll sick dat entsäd un begrawen was. Na, ahn Postmeister kunn jo doch Stemhagen nich assistieren, un de Postmeisterstäd' würd utbaden as sur Bir, keiner wull för hunnertuntwintig Daler dat Johr äwer Postmeister spelen, dunn äwernamm hei sick de Sak, un hei hett sei ok richtig dörchführt bet an sin selig En'n, denn hei was en ollen trugen, braven Mann, äwer hei wüßt dor ok up tau lopen. Dat sach hei: mit de hunnertuntwintig Daler Postmeistergehalt kunn hei nich utkamen, hei läd sick also gradäwer von sin Vagelburken noch en anner Vagelburken an un set'te sine leiwe Fru dorin. Dat was de Kopladen, un de hett, so lang as hei bestahn hett, en groten Raup hatt bi all de Schausters in ganz Land Meckelnborg – wegen den Snuwtoback. – Un worüm? Dorüm, wil dat hei sülwen 'ne Näs' för Snuwtoback hadd un mit sine eigene Näs' för de Echtheit von sine eigene Wohr instunn. Nah un nah kamm tau den Snuwtobackshandel noch en sihr anseihnlichen Birschank, un as de Großherzog em noch mit 'ne lütte Taulag' unner de Arm grep, dunn was keiner glücklicher as hei un sei un Kalkreuth, un alle drei lewten in Freden mitenanner. Blot männigmal, wenn de Vagel tau lustig würd un sick tau vel mit Kalkreuthen vertellen ded, denn würd sei schiwelich; äwer wenn hei marken ded, dat sei en Wurd reden wull, denn flog hei in sin Burken, un nu kunn sei seggen, wat sei wull, hei was nich tau Hus. Also tau des' ollen, gauden Lüd' kamm ick herinne un wull en Glas Bir drinken: »Guten Tag! Frau Postkommissariussen«, säd ick tau ehr up Hochdütsch, denn sei hadd dat sihr äwel namen, wenn ick Plattdütsch mit ehr redt hadd, wil dat sei sülwst blot Hochdütsch reden ded – mäglich, dat sei sick noch ümmer as dramatische Künstlerin betrachten ded – mäglich ok, dat sei ehren Stand nicks vergewen wull. »Was gibt es Neues?« denn dat was de ewige Frag', de ehr in frühern Tiden von jedwereinen vörleggt würd un de sei ok ümmer beantworten kunn, deils von wegen de Post, deils von wegen den Kopladen. Äwer nu stunn de olle Fru so kurlos an ehren Aben un schüddelt mit den Kopp: »Ach, Fritzeken, ich bin 'ne alte Frau geworden, mir erzählt jetzt keiner mehr etwas Neues!«, un dorbi drögte sei sick de Ogen mit ehre Schört. Na, dat jammert mi denn nu, un blot üm ehr tau trösten, log ick fix en por Verlawungen un en por Murddahten un en ganzen lütten, nüdlichen Brand tausamen, dat sei doch ehre Lust doran hewwen kunn. Na, dat hülp denn ok, sei würd ganz upgemuntert, un wil sei doch nicks Niges wüßt, vertellten wi uns von ollen Tiden, un ut dat Vagelburken kemen af und an korte Würd' herute, as: »Gun Morrn ok!« – »De Geschicht is anners.« – »Ick heww man noch kein Tid.« – »Dreivirtel un en halben, sieben achtel – kost't drei Schilling – nah Jürgensdörp is nicks hir. – Gun Morrn, Herr Bold, gun Morrn, Herr Braun!« Jehnahdem de Stemhäger Börger an dat Kikfinster von sin Burken vörbigung. Un nu kemen s' denn all herinne: Otto Bold un Otto Braun un Kitte Risch un Swager Irnst, un Kitte Risch hadd en Swin köfft, un as't von den Wagen afladen würd, was't dod west, un Otto Bold set't em dat utenanner: dat Swin wir rüggwarts führt, un dat künn kein Swin verdragen, en richtig Swin müßt vorwärts führt warden. Un Otto Braun gaww Otto Boldten recht, denn en Swin wir inwennig grad as en Minsch getacht, un weck Minschen künnen't Rüggwartsführen ok nich verdragen, un denn hadd so'n Swin eigentlich noch mihr Nerven as de Minsch. Un Otting Bold weddete mit Otting Braunen üm twei Seidel, dat sin Gasten, den hei hüt seigt hadd, bi't Döschen ein Kurn mihr dauhn würd as Braunen sin; denn hei hadd sinen Acker grundklor makt, un as hei fragt würd, wo hei dit anfungen hadd, kamm't rut, dat hei up en Schepels-Utsat Acker twei Pird mit hölterne Eggen twei un en halwen Dag hadd rümmer trampeln laten, un dat nennte hei grundklor. Un sei drunken vörlöpig de beiden Seidel, un as sei tau de Fru Postkummissoriussen säden, ein von ehr würd sei up den Harwst betahlen, dunn wull sei nicks dorvon weiten un säd, up so'n willen Gaus'handel let sei sick nich in, un gung hellschen falsch ut de Dör rut. – Nu was dat Wedden in den Gang', un as de Post vör de Dör führen ded, dunn weddte min Swager Irnst mit Kitte Rischen, hüt makte de Fru Postkummissoriussen ehr Allerheiligstes up, un Kitte Risch höll Gegenpart. Dat Allerheiligste von de Fru Postkummissoriussen was en lütt Stüwken, wat achter dit lütt Stüwken was, un dor kamm keiner rinne von de däglichen Gäst, un Bir würd äwerall dor nich in schenkt; blot wenn Extrapost-Gäst ankemen oder Fürsten un Grafen, denn würd de Dör upmakt, un an de Dör stunn denn de Fru Postkummissoriussen un bedrew mit Winken un Knicksen de dramatische Kunst. – Tweimal in minen Lewen heww ick blot üm de Eck rinne kiken dürwt; äwer't was schön dor: an de Wän'n hungen de vir Johrstiden, all ungeheuer ähnlich, dat Frühjohr un de Sommer mit Blaumen un Ohren up de italienischen Strohhäud', un Harwst un Winter hadden Häud' von swarten Sanft up, un de ein hadd Windruwen un Appel un Beren up den Kopp, un de anner witte Feddern, un sei segen sick all utverschamten glik, as Swestern, de sei jo ok sünd, denn sei sünd jo all Kinner von ein un dat sülwige Johr. Dat wiren all luter Kleinigkeiten un tauwilen ok Dummheiten, äwer de Kleinigkeiten kregen för mi ehr Bedüden dordörch, dat ick de Minschen kennte, de sick in ehr rümmer dreihten, as de Herr Postkummissorius in sin Burken, un äwer de Dummheiten lachte ick recht von Harten, denn ick was fri un gesund; un för en frien Minschen un en gesunnen Minschen brukt de Spaß nich fin in 'ne Neihnadel infädelt tau sin, 'ne richtige Packnadel deiht de sülwigen Deinsten. Mit einem Mal würd dat düster in de Stuw', as wenn an den Hewen en Swark uptrecken ded, denn vör dat einzige Finster in de Stuw' hadd sick Otto Bold henstellt, un de hadd en Puckel as en Sagblock, ut den einer dreifäutsche Bred sniden kunn. Taum Utkiken was't also nich, un wi müßten de Postgäst nemen, as sei de Döst gaww. Tauirst schregelten denn also en por nüdliche Handlungskommis herinne, de sick in Kumpani en Seidel gewen leten, dorup kamm en lüttes, leiwes Kind von Mäten, wat knapp dat Hart hadd, en Glas Zuckerwater tau bestellen – de Konduktöhr würd't betahlen. Nah ehr kamm en rüstigen, forschen Mann in preußsche Uneform in de Dör, gung up dat lütt Mäten tau: »Haben Sie schon?« – »Ich erhalte es gleich!« säd sei. De Mann redte noch en por fründliche Würd' tau ehr un dreihte sick nu nah uns üm. Hei smet en flüchtigen Blick up uns, makte en verlurnen Diner un stellte sick vör Kalkreuthen un kek em in de himmelblagen Ogen. Fru Postkummissoriussen halte en Slätel ut de Tasch, slot dat Allerheiligste up, makte en Knicks un 'ne sihr innemende Handbewegung: »Vielleicht gefällig?« – Swager Irnst hadd de Wedd gewunnen, Kitte müßt betahlen. – »Danke!« säd de Herr ganz kort, kek in dat Allerheiligste rin, as wenn't för em dat Allerglikgültigste wir, un makte sick wedder mit Kalkreuthen tau dauhn. Otto Bold hadd blot 'ne halwe Wenning von't Finster tau dat Vagelburken tau maken, hei frog also dorinne: »Wer?« – »Zwei Personen nach Malchin, eine bis Güstrow; eine bleibt hier«, was de Antwurd ut dat Burken, un nu kamm noch en Nahsatz, de flustert warden sull, den wi äwer all schön dütlich hürten: »General von Sch...mann.« De Mann in de preußsche Uneform hadd wohrschinlich ebenso helle Uhren as wi, hei dreihte sick üm, lachte un frog uns denn: »Meine Herren, wie weit ist es von hier nach Ivenack?« »Wenn Sie den Fahrweg fahren, haben Sie eine starke halbe Meile«, säd ick, »der Fußweg ist aber nur eine viertel Meile und ist reizend, er führt durch Wiesen und Wald und zuletzt durch den schönen Ivenacker Tiergarten.« Hei besunn sick en Ogenblick, gung ut de Dör, sprok mit en Kutscher, de Tressen an den Haud hadd, kamm wedder rin un säd: »Ich habe mich zu der Fußpartie entschlossen, wie aber muß ich dann gehn?« »Sehn Sie mal«, säd Kitte Risch, »denn gehn Sie hier erstens den Wall entlang bis in die Malchinsche Straße und denn gehn Sie rechtsch um de Suseminsche Ecke in de Gatz, un denn gehn Sie rechtsch um den Burmeistergoren, da finden Sie ein Steg...« »Ih woh? Wo braucht der Herr so weit zu gehn?« säd Otto Bold. »Sie gehen bloß von meinem Haus' dwas über die Straße, un denn gehen Sie durch Christopher Schulten seinen Hof un Goren – wollt ich sagen ›Garten‹ –, un denn sind Sie in die Koppel.« »Ja, aber meine Herren...« fung de Preuß an. »Erlauben Sie«, säd ick, »ich habe augenblicklich nichts zu versäumen, und ein Spaziergang ist mir grade recht, ich werde Sie auf den rechten Weg führen.« Hei namm dat höflich an, säd dat junge Mäten recht herzlich adjüs, un wi gungen af. »Haben Sie das junge Mädchen wohl bemerkt, das so schüchtern in dem Zimmer stand?« frog hei mi, as wi ut de Stadt rute wiren. – Ick säd ja, un sei schinte mi noch sihr jung tau sin. »Sie ist siebenzehn Jahre alt, hat nie vorher eine Reise gemacht, kennt von der Welt weniger als ein siebenjähriges Kind und geht ohne Schutz und ohne Geld nach Surinam. Die Kondukteurs sind angewiesen, für ihre Bedürfnisse unterwegs zu sorgen; das Postgeld bis Hamburg ist bezahlt, und dort nimmt sie ein fremder Schiffskapitän in Empfang, der sie übers Meer schafft.« »Aber wie kommt dies?« frog ick. »Sie ist Herrnhuterin aus Gnadenfrei in Schlesien und wird sich in Surinam mit einem ihr ganz fremden Manne verheiraten. – Wahrlich, es gehört Mut dazu«, set'te hei hentau; »ich bin mit ihr von Schlesien herunter gereist und habe mich ihrer ein wenig angenommen, aber ein solches Vertrauen und solche Ergebenheit habe ich selten gefunden. »Aus Gnadenfrei«, säd ick in Gedanken. »Merkwürdig! dann habe ich das Mädchen schon öfter gesehen, das heißt, ich erinnere mich ihrer nicht; aber sie muß doch unter der kleinen grauen Schwesterschar gewesen sein, die alljährlich einmal mit ihrem Schulmeister, eine jede mit einem großen Feldblumenstrauß, nach S. kam, um von dort die weite Aussicht über das Land zu genießen. »Nach S.? Aber, verzeihen Sie, wie kommen Sie nach S.? Ein mecklenburgischer Landmann nach S.?«, un dorbi kek hei mine Stulpstäweln an. Ick wull all antworten, hei unnerbrok mi äwer un lachte: »Die Vorstellung meiner Person hat freilich schon Ihr Postmeister übernommen; aber der Form wegen: ich bin der General von Sch...mann aus G.« »Besitzer von M. hier in der Nähe?« frog ick. »Dann kann ich mich Ihnen leicht vorstellen, ich bin der Sohn Ihres Justiziarius.« »So? so?« säd hei. »Sehr angenehm! Aber wie kommen Sie nach S.?« Oh, säd ick, ick wir ok in sine Garnisonsstadt mal söß Wochen west, un vertellte em denn in'n Korten de Umstän'n. Ick vertellte em ok, wo dat mi de gaude Platzmajur mit en Linsengericht traktiert hadd, ick vertellte em von Vatter Kählern un von den Herrn Unteroffzierer Altmann un von Schnabeln un vör allen von den tweiten Kummandanten, Obersten B. – Ach, dat vertellt sick mal schön, wenn einer in gauden Tiden von de lang' vergahenen, slimmen Tiden snackt un vör allen, wenn de Dankborkeit en Würdken mit in redt! Mit de Wil wiren wi an dat Flag kamen, wo in den Stemhäger Stadtholt de Weg sick twälen ded, un ick wis'te em Bescheid un stunn dorbi still, wil dat ick dor ümkihren wull. »Aber, Herr General«, frog ick, »was machen meine alten Bekannten in G.?« »Ihr alter Vater Kähler muß tot sein«, antwurt't hei, »ein andrer, mir bekannter Unteroffizier ist als Schließer dort angestellt. Der Unteroffizier Altmann wird wohl zur Garnisonskompanie gehört haben, und deshalb kenne ich ihn nicht; aber der Platzmajor ist wohl und munter und besorgt seine vielfach unangenehmen Geschäfte mit derselben freundlichen Ruhe und derselben Gewissenhaftigkeit, die Sie an ihm kennengelernt haben.« »Und der Oberst B.?« frog ick so recht von Harten. »Der Oberst B.?« frog hei mi entgegen. »Kennen Sie den Vorfall, den der Oberst B. einmal am heiligen Weihnachtsabend gehabt hat?« Ja, säd ick, ick wüßte de Sak. »Dann werden Sie auch wissen, daß Oberst B. Witwer war und keine andern Angehörigen hatte als eine einzige, liebenswürdige Tochter.« Ja, säd ick, ick hadd sei seihn, un't wir en prachtvoll, herrlich Mäten west. Dunn let de General sinen frischen Blick so still tau Ird hensacken, un't was, as wenn en lisen Schudder äwer ein kamm: »Und diese einzige, liebenswürdige Tochter«, säd hei, un de Würd', de kemen so swor, so langsam ut em rut – »diese einzige Tochter eines durchaus braven Vaters ist am heiligen Weihnachtsabend zu derselben Stunde gestorben, in der er den Sträfling erstach – und der Vater ist im Irrenhaus.« Ick stunn as angedunnert. En Mann vull Kraft, vull Leiw', vull dägte Gesundheit – un wahnsinnig! – wahnsinnig dörch eine einzige rasche, hastige Daht, de as en swarten Stein in en rühmlich, ihrenvull Lewen herinne follen was! De General drückte mi de Hand« »Es tut mir leid, Ihnen mit einer so traurigen Nachricht für Ihre Begleitung danken zu müssen.« Un dormit gung hei sinen Fautstig wider. Ick dreihte mi üm un gung nah Hus taurügg, un as ick so in würkliche Truer dorhen gung, dunn föll mi 'ne Predigt von en ollen katholischen Preister in, wat en Waterpollack ut Äwer-Schlesigen was un up Regierungsbefehl dütsch predigen süll – ick hadd oft doräwer lacht. – Hei predigt': »Was is menschliche Lewe? – Menschliche Lewe is, wie Strohdach, kommt Wirbelwind, perdautz! fällt um.« Ick hadd oft doräwer lacht; nu äwer, as ick dörch de schönen gräunen Wischen un dat leiwliche, olle bekannte Land tau Hus gung, dunn hadd ick keine lächerlichen Gedanken, dunn äwerset't ick mi de Predigt von den ollen ihrlichen Papen: »Was ist menschliche Vernunft? Menschliche Vernunft ist wie ein Strohdach; schickt unser Herrgott einen Wirbelwind, dann ist sie dahin.« II. De Festung M. KAPITTEL 6 Up de Reis'. Worüm ick mi mit de lütten Stratenjungens afgewen müßt, un wat de beiden ollen Herrn mit mi tau dauhn hadden. Worüm ick nich weglep, un worüm 'ne junge Fru Burmeistern warner höllt as 'ne Pirddeck, un dat de W.....barger Primaner staatsgefährliche Minschen sünd. De Reis' nah M. gung los. Wedder kahle Feller un grusiges Weder. Ümmer von landrätlich Amt tau landrätlich Amt, männigmal ok blot man taum Herrn Burmeister. Ball en Fautschandor mit Schapschinken un »Seitengewehr« in den Wagen, ball en »Berittener« mit Slepsäwel un Pistolen buten den Wagen. – Wenn mi dit letzte Glück drop, hadd ick vel Vergnäugen un Ogenweid'; denn wenn min Schandor tau Pird so rechtsch un linksch von den ollen Planwagen, in den sei mi as afschreckend Bispill in den Lan'n herümmerkarjolten, herümmerflankierte un de Fuhrmann in en Likenwagen-Schritt dörch de Dörper un Städer hendörch parodierte un tauletzt bi'n Wirtshus anhöll, denn drängte sick allens üm uns rüm un bekek mi, dat ick mi sülwst ordentlich gefährlich vörkamm un tau gliker Tid gruglich, as wenn ick bi lewigen Liw' späuken ded un mit minen Kopp unner den Arm mang all de Minschen herümgüng. Ja, 't was en würklich fierlichen Uptog, un dat fäuhlten sülwst de lütten Stratenjungs, de uns ümmer dat Geleit gewen un mi mit allerlei Ihrentitel begrüßten, de sick up en Hor as »Spitzbauw« anhörten. Kamm ick denn des Abends nah so vele Upmarksamkeiten in min Nachtquartier, müßte ick jedesmal noch irst en Besäuk bi den Herrn Landrat oder den Herrn Burmeister maken, un de gewen mi denn tau mine Unnerhollung twei ihrwürdige, utrangschierte, öllerhafte Börgers mit in min Wirtshus, dat sei mi de Nacht äwer von ehren Toback wat vörrökern süllen un nebenbi dorup seihn, dat ick nich weglep un den königlich preußschen Staat an alle vir Ecken ansteckte. Meistendeils wiren't luter brave, olle Herrn, un keinen einzigen heww ick dorunner drapen, de nich tauletzt, wenn ick mit Fragen binah dod quält was, mi 'ne wollslapende Nacht wünscht un as letztes Wurd de Ansicht utspraken hadd: »Je, äwer unsern König hewwen Sei doch dodmaken wullt.« Unner uns, in de Wirtsstuw', seten denn de Hunneratschonen von de Stadt un nödigten sick den Schandoren rinne, un de müßte vertellen un drinken, un wat hei vertellte un wat hei drunk, müßte ick allens mit minen ihrlichen Namen betahlen. So kemen wi denn grad an den irsten Osterdag 1837 in de lütte Stadt B., un as ick de Ihr genaten hadd, mit den Herrn Kreissekretär Bekanntschaft tau maken, genöt ick dat Vergnäugen, dat mi en schönen Sluchter von lütte, nüdliche Stratenjung'ns nah't Wirtshus taurügg brächte, wo ick denn wedder von mine gewöhnliche Wach in't Gebett namen würd. Desen Abend süll dat äwer beter för mi uthau'n, denn de Wirt, en groten Mann mit en fründlich Gesicht – Stier würd hei heiten –, kamm nah mine Stuw' ruppe un nödigte mi, den Abend in sine Fomili tautaubringen. – »Je«, säd ick un kek mine beiden ollen Herrn an. – »Oh«, antwurte hei, »dat hett nicks tau seggen; de beiden kenn ick – Meyer, gahn S' runner un laten S' sick en por Buddel Bir gewen. Meyer gung, un ick gung ok. Dor satt ick also nu nah lange Tid taum irsten Mal wedder in 'ne Fomili mit an en runnen Disch un drunk Tee un hürte dat Klavierspelen mit an. Musik hadd ick in S., wo ick tauirst satt, in vullen Mat tau hüren kregen: »mein gutes Herr Bohlchen« spelte mi alle Abend mit de Ouvertür von de witte Dam' in den Slap, so dat ick sei hüt un desen Dag noch heil un deil nahfläuten kann; »frère Braunen« hadd dat Unglück 'ne Fidel in de Hand gewen, de jeden Dag drei Stun'n lang de gruglichsten Strabazen uthollen müßt, un as »de Bur« unner mi mit dat Hurn anfung, dunn kunn ick mi nich anners helpen, ick grep nach den Waterkraus un göt em – platsch! up mine Delen, dat hei dörch den ollen slichten Bred'bähn dörchdrew un unnen as 'ne gadliche Dackrönn ankem un em taum wenigsten dat ßackermentsche Notenblad dörchweikte. – De Musik was dat also nich, de mi dat hüt so warm üm't Hart makte, 't was ok nich de warme Aben, ick hadd jo doch ümmer, wenigstens des Abends, en warmen Aben hatt. Wat was't denn? – Dunnmals wüßt ick dat nich; nu weit ick't äwer, dat wiren all de warmen Strahlen, de in den Kreis von so'n runnen Disch tausamen scheiten; för mi an desen Abend de Erinnerung an de säute, glückliche Tid, wenn de oll Herr Amtshauptmann Wewer mit min Mutting an so'n runnen Disch Tee drunk; för mi an desen Abend, as wenn ick in Parchen bi de Fru Geheime Hofrätin an den runnen Teedisch satt un Adelheid inschenkte; för mi an desen Abend, wil dat sick rings üm mi rüm so'n ihrliches un nich taudringliches Mitgefäuhl utsprok, wat mi allerwegen entgegenkamen, ahn mi weih tau dauhn. – Dat was, as wenn en Soldat, de Johre lang in'n Biwacht legen hett, taum irsten Mal in en Dunenbedd herin kümmt. Gott segen de Lüd, de dat an mi dahn hewwen, de mi taum irsten Mal in dat wille, weuste Lewen de rauhige Ankerstäd' för de Taukunft wesen hewwen! Ach, sei lagg noch wid! – Gott segen dat gaude Mäten, wat mi an desen Abend bi de Mahltid de Tüften afpöllte! Doräwer mag männigein lachen, un ick hadd't jo ok sülwst dauhn kunnt; ich hadd jo min Stäweln sülwst putzt, ick hadd jo min Bedd sülwst makt un mine Stuw' utfegt, ick hadd jo min Tüften sülwst schellt; wat was dor wider bi? – Dat müßten betere Lüd', as ick was, allens dauhn; äwer dat mi hir taum irsten Mal 'ne fründliche Mätenshand so entgegenkamm, dat ded't! Taum irsten Mal nah so lange Tid! – Nu deiht dat mine leiwe Fru ümmer bi de Pölltüften, un ick bün ehr dorför sihr dankbor; äwer ick bün dor nu all an gewennt. Un ick in dese Gesellschaft? – Natürlich so unbehülplich as mäglich. – En Jenenser Student is för de menschliche Gesellschaft all en sihr unverdaulichen Happen, un wenn de noch drei un en halw Johr up preußische Festungen inpökelt ward, denn ward hei woll, taumal för de Dams, en beten tag wesen. – So was't denn nu ok ditmal, un vel Vergnäugen hewwen de Dams an mi nich hatt. Äwer ick desto mihr an ehr; un as ick gegen elwen tau mine ollen Herrn heruppe kamm un tau Bedd gahn was, dunn säd ick recht glücklich tau mi: »Uns' oll Herrgott lewt noch!« un möt mit desen Gedanken jo ok woll inslapen sin. Von nu an müßten wi en groten Bogen maken, wil up unsen graden Weg en anner dütsches Vaderland lagg, in dat keine preußischen landrätlichen Ämter Mod' wiren, un ahn de führten wi uns fast, de müßten wi hewwen. Desen Dag – den tweiten Osterdag – kemen wi nah Z., hir was kein Landratsamt, un de Burmeister was nich tau Hus un was in de einzigste Glaskutsch, de in de Stadt uptaubringen was, en beten bi sinen Swigervader tau Besäuk führt; de Schandor müßte also allens up eigene Hand anordnieren. Dit würd em denn licht, denn in dat Wirtshus, wo wi afstegen, seten ungefihr föftig olle Herrn un drunken Bir, hei wählte sick twei von de besten mang ehr ut, de set'ten sick en beten bet nah mi ranne, drunken ehr Bir wider un fungen mit de herkömmlichen Fragen an. De Wirt, noch en jungen Mann, stunn dorbi un hürte tau, un as hei vernamm, dat ick en Meckelnbörger was, kamm hei neger un grüßte mi as Landsmann. »Mein Gott!« frog ick em, »wo kamen Sei hirher?« – »Ih«, säd hei, »dat is jo nich so wid; von hir bet an de meckelnbörgsche Grenz känen gradtau tein bet twölw Milen sin.« Ein Wurd gaww dat anner, hei was ut Grabow, hei kennte weck von mine Bekannten, ick weck von sine; hei frog angelegentlich nah K.....bach, de ok seten hadd, un de nahsten Burmeister in Anklam was un nu in Amerika is. Wat gung mi allens dörch den Kopp! So neg' bi de Grenz! un hadd ick de in den Rüggen, denn kunnen de Preußen mi nahfläuten. De Wirt hadd mi mäglich Vörschub dahn, möglich ok en Vörschuß an Geld makt, dat fehlte mi; hir was kein Landrat un kein Burmeister, de Schandor was mit den Wagen wedder taurügg führt, un de anner, de mi in Empfang nemen süll, was wohrschinlich ok nich tau Hus, denn hei hadd sick noch nich seihn laten; ick was allein up mine beiden ollen würdigen Herren anwesen, un de wedder up ehr Bir, un dat Bir was en gauden Fründ von mi von Jena her un stunn mi bi, dat wüßt ick. Achteihn Gröschen hadd ick up de Reis' däglich tau verzehren, un hüt hadd ick noch nich vel vertehrt, ick hadd also noch en schönes Deil Gröschen bi den Wirt in Vörrat, un för de let ick mine beiden ollen Herrn flitig inschenken. – De Wirt markte Müs', dat was mi leiw, denn hei sweg un makte en Gesicht as »wat gelt mi dat an«; ick frog bi weg'lang so verluren nah den Weg; dat gung allens wunderschön; blot twei Ding' wiren slimm, kein Geld in de Tasch un buten twei Faut hogen Snei un kein Weg un kein Steg, denn dat fisselte noch ümmer sacht von den Hewen dal. Äwer wat mi taum Schaden was, was jo de ok taum Schaden, de mi wedder gripen wullen. As dat düster worden was, gung ick ruppe nah mine Stuw' un treckte mi min besten Stäwel an un twei Hemden, ein äwer dat anner, mi gegen de Küll tau wohren, denn Äwertreckers gaww't dunn noch nich, un en Mantel hadd't bi mi noch nich afsmeten. So, nu was ick farig, nu kunn't losgahn; äwer Geld! – Ach, un nu kamm mi noch en anner Bedenken, un dat stödd den ganzen Plan üm. Min oll Vader hadd mi binah in jeden Breiw beden, ick süll doch meindag' nich up en Fluchtversäuk verfallen; hei wir en ollen Mann, un wenn ick flüchtig würd, kregen wi uns seindag' nich wedder tau seihn; ick müßt jo ball fri kamen. Natürlich müßten wi ball fri kamen, dat was jo uns' Morgen- un Abendgedank, dat schrewen uns' Öllern, dat säden uns de Gerichtspersonen, dat säden uns uns' Verteidiger, wi süllen man jo nich appellieren, denn denn durte dat noch lang', wi süllen uns man blot an de Gnad' von den König wennen. – Je, de Gnad'! – As hei dod was, dunn kamm de Gnad'. – Äwer ick hadd minen ollen Vader fast verspraken, nich an Flucht tau denken, frilich tau 'ne Tid, as ick noch nich weiten kunn, dat sei mi mal so licht warden würd; äwer ick müßt jo doch nu ball fri kamen! Dat was dat Grausamste bi dat ganze Verfohren, dat von allen Siden in uns ümmer de Hoffnung weckt un nahsten denn von de Ministerbeinen un de staatsrätlichen Beinen tau Schanden peddt würd. Dese Nacht kamm nich vel Slap in mine Ogen, ick termaudbarst mi, süll ick't dauhn un dürwt ick't dauhn? Känen kunn ick't; mine beiden ollen Herren slepen in de Sofaecken ehren Slap von wegen ehre Gerechtigkeit un von wegen min Bir, ick lagg in min Kleidungsstücken dwars äwer min Bedd, unner mi was dat noch lang lewig, un de Husdör müßte noch up sin, denn't was jo de tweite Osterdag. – Äwer ne! ick müßt jo so wi so ball fri kamen! Ick treckte mi ut, läd mi in't Bedd: äwer slapen kunn ick nich, mi gung tau vel dörch den Kopp. Was't recht oder was't unrecht, dat ick blew? – Wer weit't. Weck von uns sünd glücklich dörchkamen: von Massow ut Kolberg, Bönninger ut Sülwerbarg un Wagner un Reinhardt ut Magdeborg, äwer dat sei dordörch vel glücklicher worden sünd, heww ick nich hürt. Wat sall so'n halwe dütsche Jurist oder Theolog, un wenn't ok en Mediziner is, in de Frömd? – För mi was't jedenfalls gaud, dat ick den Plan upgewen hadd; den annern Morgen wiren't 16–17 Grad Küll, un de Snei lagg kneihoch; ick wir gewiß de Nacht verklamt. Den annern Morgen kamm de Schandor mit en Planwagen vör de Dör gehottert. De Nacht hadd ick nich slapen, denn früst den Minschen so all ümmer, un nu noch 16 Grad Küll un nicks up den Liw'. – Dat was denn nu en stark Stück. – Äwer ick möt dat den Schandoren taum Ruhm nahseggen, hei sorgte för mi nah Mäglichkeit, hei gaww mi 'ne Pirddeck üm de Fäut; äwer wat hülp dat all? De Wind pust'te uns grad in de Tähnen, in den ollen Planwagen herin, dat mi de Seel in den Liw' frür. Up den halwen Weg nah L. begegente uns de Herr Burmeister in sine Glaskutsch un höll an, as hei den Schandoren sach un frog em, woso un woans? – Hei hadd en warmen Mantel üm, satt in 'ne dicht taugemakte Glaskutsch, führte mit den Wind, un bi em satt 'ne lütte, warme, junge, hübsche Fru un kek mit rosenrode Backen dörch de Glasfinstern. Ach, wo girn hadd ick mit em tuscht un hadd mit sine lütte, warme Fru Burmeisterin mit den Wind in de Glaskutsch seten. Äwer dat let sick denn nu doch nich maken; also man ümmer »Jüh!« Den Abend kamm ick an Kloster L. an. In de Wirtsstuw' seten en Stückener acht bet teihn junge Lüd', de sick ball as W.....barger Primaner utwesen; ick gung in de düsterste Eck herin un set'te mi an den Aben. Dat wiren ganz frische, nette Burßen, un ick hadd för so'ne Ort en Hart, as ick dat ok hüt noch heww; äwer ick müßt den Abend irst dörchdäuen. Sei drunken Punsch, un as ick mit minen Schandoren herinner kamen, dunn würd dat en Flustern un en Kiken, denn sei müggten jo woll marken, wat för en Geisteskind sei vör sick hadden. De Schandor müßt den Wirt un de Wirt ehr wedder Utkunft gewen, un as sei sick dorvon äwertügt hadden, dat sei mit en richtigen Königsmürder tau dauhn hadden, kamm de ein, wat woll ehr Öbberst was, an mi ran, presentierte mi en Glas von ehr Gedränk un frog mi, wat ick mi nich mit ehr en beten tausamen setten wull. Ick müßt dit aflehnen; ick was würklich tau kaputt; äwer dat hinnerte em nich, mi in korten tau vertellen, dat sei nu all up dat W.....barger Gymnasium 'ne lütte nüdliche dütsche Burschenschaft stift hadden, un dat hei de Spreker dorvon wir. Dat was jo ganz nett; de königlich preuß'sche Staat hadd uns as afschreckend Bispill vör aller Welt henstellt, un nu fungen de Primaner up de Schaulen all dormit an, womit wi uphürt hadden. – Ne, 't is nicks mit de Dodsstraf un mit de Afschreckungstheorie irst recht nich! As en ihrlichen Mann röd ick em, hei süll Dütschland sinen ollen scheiwen Gang gahn laten, em künn't süs as mi gahn; äwer hei wüßt dat beter – je jünger de Lüd' desto beter weiten sei dat jo –, sei hadden't vel tau fin infädelt mit Spitznamen, Stichwurt un geheime Verswörung. Dorbi was nicks tu maken, ick gung tau Bedd. KAPITTEL 7 Von minen Herrgott un minen Snider sin Makwark. Worüm von einen Gefangenen 'ne Schildwacht för 'ne Taschenklock anseihn ward, worüm dat allgemeine Ihrenteiken vör en Pund Toback tau Schan'n warden kann, un wat Dr. Martin Luther perßöhnlich in den deipen Snei tau stahn hadd. Den annern Dag kemen wi nah M., un't was grad de höchste Tid, süs wiren wi woll för't irste nich henkamen, denn nu föll dat grugliche Sneiweder in, wat Anno 1837 in de irsten Dagen von den April in Nurddütschland alle Weg' un Steg' verslot. Wi führten tau'n Platzmajur, de up de Zitadell wahnen ded. Hei was vör mine Tiden Platzmajur tau S. west, von wo ick eigentlich herkamm, ick müßt em denn vertellen, woans dat dor utseg, un dorbi kek ick ut dat Finster, woans dat hir woll utseg. As hei dit sach, schüddelte hei den Kopp un säd: »Hier bleiben Sie nicht, Sie kommen in das Inquisitoriat.« Dat was bös! 'ne Festung mag so slimm sin as sei will, einer hett doch Rum in de ollen Kasematten, wo doch notdürftige Bewegung mäglich is, einer kriggt doch af un an en Minschen tau seihn, un dat Ganze is doch nich utdrücklich dortau bugt, üm en Gefangenen nah alle Kanten tau schurigeln; äwer so'n apartig ingericht't Gefangenhus nimmt einen ok noch dat beten Luft un Licht un Bewegung un Ogenweid', wat einen von Rechts wegen taukümmt. Wi wiren tau Festungsstraf verurtelt; äwer wat kihrte sick de preußische Staat doran, wenn't in sinen Kram paßte, uns in en Zellengefängnis unnertaubringen. Wi gungen nah dat Inquisitoriat un dor dörch mihrere Häw' bet nah den letzten Flügel, de mit sine Finstern grad nah Nurden lagg; hei was dreistöckig un hadd gegen twintig Zellen un drei lange Korridurs, de langs dat ganze Gebüd' lepen, un up jeden 'ne Schildwach. As mi nu de Platzmajur in min niges Quartier afliwert hadd un gahn was, stunn ick in den Inspekter sine Stuw', un dese Herr un sin Handlanger, de Slüter D....mann, stunnen vör mi un keken mi an, un wil dat nich verbaden was, kek ick sei wedder an. – »Jetzt müßte ich Sie aber bitten...«, säd de Inspekter un höll in. – »Wat?« frog ick. – »Es ist Vorschrift vom Kommandanten...«, stamerte hei wider. – Ick wüßt nich, wat hei von mi wull, un kek em un D....mannen an. – »Daß Sie sich nackt ausziehen«, säd de Slüter, un as ick em dorup ankek, wil dat noch nahrends, sülwst in den Unnersäukungs-Arrest nich, von mi verlangt was, blänkerte den Kirl von sin dummdristes Gesicht so'n sures, fettes Grifflachen, as wir em dat Mul mit sur Gaus'smolt insmeert. – Wat Fettiges hett des' Ort äwerall un ok wat Sures; des' hadd ok noch wat Freches, wil hei wüßt, dat hei vördem bi den Herrn General Grafen H., den irsten Kummandanten, Uneformen putzt hadd un dat »allgemeine Ehrenzeichen« in't Knoplock drog, wat hei mal wegen sine Verdeinste üm den preuß'schen Staat un üm de Stäwel von den irsten Kummandanten kregen hadd. Wat hülp dat all? – Ick müßt ehr wisen, woans ick erschaffen wir, un as sei minen Herrgott sin Makwark besichtigt hadden, fisentierten sei ok minen Snider sin, indem dat sei all mine Taschen in de Kledaschen ümkihrten un de Näd unnersochten, ob ick dor nich Pistolen un Metzers un Dinger oder gor Geld in hadd. As dit besorgt was, kunn ick mi wedder antrecken, un nu föllen sei äwer minen Kuffert los. – 'ne olle eingehüsige, sülwerne Taschenklock, de all so lang' still stahn hadd, as ich satt, wil ick meindag' nich dat Geld taum Reparieren hadd upbringen kunnt, mi ok an de Tid up Stun'ns gor nicks gelegen was, würd tauirst mit Beslag beleggt. Dorup kamm en ollen Pipendeckel, so'n ollen Klemmdeckel, taum Vörschin. – »Ist das Silber?« frog de Inspekter. – »Ja«, säd ick, denn mi fohrte dat so dörch den Sinn, dat dese sülwerne Pipenbeslag en Glanz von Wollhabenheit up mi smiten kunn, un leigen ded ick dorbi ok nich, denn hei was würklich von Sülwer, äwer man von Nisülwer. Un as sei mi nu noch 'ne lütte goldne Dauknadel afnamen hadden, de ick von min Swester taum Wihnachten kregen hadd, un min Schriw- un Teikengeschirr, un as sei dit allens sauber tau mine Personalakten leggt hadden, kunn ick jo nu mit den Slüter nah mine Nummer gahn. Sei lagg in den ündelsten Stock un was in den ganzen Hus' dordörch bekannt, dat de Sünn un de Man, so vel Mäuh sei sick ok gewen, noch meindag' nich dat Glück hatt hadden, en flüchtigen Blick up de innere Inrichtung tau smiten. Dat was äwerst jo ok ganz natürlich; dat lütte Lock von Finster, wat annerthalw Faut hoch un annerthalw Faut breit ganz baben unner den Bähn satt, sach nah Nurden, rechtsch un linksch wiren breide Schuklappen von Bred' anbröcht, dormit wi un de beiden Himmelsstirn doch bileiw' nich üm de Eck kiken künnen, un wenn in de langen Sommerdag' de Sünn dat doch binah dörchsetten ded un so wid herüm kamm, denn schow sick de hoge Mur von den Hof un de Festungswall vör ehr leiwes Angesicht, un unsern Herrgott sin schönstes Makwark müßte vör so'n snödes Minschenwark schamrod versacken. Wenn ick minen Hüker up den Disch stellen ded an dor denn ruppe klattert was, hadd ick 'ne frie Utsicht up en lütten virkantigen Hof, 'ne rendliche, witte Mur un en swart un witt angestrekenes Schillerhus, un de einzigste Afwesselung in dese Einfachheit was, dat bi slicht Weder en Soldat in dat Schillerhus stunn un bi gauden Weder dor vör up un dal gung. Min Nummer, un so wiren sei all, kunn en twölf Faut lang un söß breit wesen; en Aben stunn dor nich in, indem wi mit 'ne Luftheizung bedacht wiren, de warme Luft strömte dörch en Lock in de Wand von baben, un de kolle dörch en anner von unnen in, so dat wi ümmer kolle Fäut un en rechten warmen Kopp hadden, wat för de Gesundheit sihr taudräglich sin sall. Äwer wer kunn dor wat för? Dat was 'ne nige Erfindung von en sihr gelehrten Bumeister, de sick ganz besonders up den Gefängnis-Bu smeten hadd, un üm de Gesundheit von de Sak uttauprobieren, kunnen sei jo gor keine passendere Lüd' finnen as uns; wi hadden 'ne schöne Reih von Johren vör uns, un wenn wi't uthöllen, denn was de Sak probat. In de Dör was en lütt virkantig Lock mit 'ne Klapp; tau mine Tid is de, Gott sei Dank! nich mihr upmakt worden; äwer mine Kammeraden vertellten, dat de frühere tweite Kummandant Oberst von B....stein, de nahsten wegen schamlose Niderträchtigkeiten sülwst up de Festung kamm – allerdings nich up dörtig Johr –, sick oft dat Provat-Vergnäugen makt hett, sei dörch de Klapp sick tau bekiken, ok gaude Frün'n mitbröcht hett, üm sei de tau wisen. – Dit Kiken- un Klappen-Plesier hett so lang durt, bet mal de Mann von den beschränkten Unnerdahnen-Verstand, de Herr Minister von Rochow Exellenz, sülwst up 'ne Dörchreis' up den Infall kamen is, sick de natürlichen Folgen von sine kräftige Regierung tau beseihn, un as hei dörch so'ne Klapp sin schönes Kunstwark seihn ded, wo hei dörch 'ne gründliche virjöhrige Bearbeitung ut en rodbackigen, frischen Burßen en bleikes Steinbild fabriziert hadd, dunn hett hei sick vör sin eigen Makwerk schämt un hett dese Klappen-Kikeri verbaden, un de Oberst von B....stein hett sick tworst nich schämt, hett't äwer auf »höhern Befehl« instellen müßt. Ja! bleike, witte, grise Steingestalten wiren sei worden, dese frischen, gesunnen Lüd', dörch de ehre jungen Adern dat Blaud so lustig flaten was, de ehre jungen Glieder nu stiw worden wiren as bi steinolle Lüd', up de ehren Geist de Gefängnisqual lasten ded un de menschliche Nidertracht und de Hoffnungslosigkeit von de Taukunft. As ick von de Visitierung bi den Inspekter mit den Slüter nah min Nummer gung, stunn en ollen leiwen Bekannten up den Korridur vör sine Dör – sin Lock würd just utfegt –, ick hadd em seihn un em kennt in alle Pracht, de dat Minschen-Frühjohr einen reinen un schönen jungen Mann üm Höwt un Schullern un Lenden leggt; wat was hei nu? – De utbrennte Kahl, de Asch von sinen vorigen Lewen! – Wat säd hei tau mi, as hei mi wedder sach? – »Unselige Minsch! wo kümmst du hir her?« Dat was de Empfang, den ick von min besten Frün'n kreg. Ach, ick kunn woll lachen, denn ick hadd't doch beter hatt, äwer mine Frün'n hir! – Sei seten all äwer drei Johr so, un nicks was beter worden in ehre Lag'. As ick nah min Lock herin kamm, kek ick mi üm: vir kahle, witte Wän'n, en Disch, en Schemmel, en Beddgestell un dorup 'ne Seegras-Madratz un ganz baben in de Wand dat lütte Finster. Dat äwrige was mi all bekannt, blot wat von't Finster ut tau seihn was, kennt ick noch nich, ick set'te also den Schemmel up den Disch un kletterte up minen Kikut ruppe. – Snei, vir Faut hogen Snei up den lütten Hof un dorin en Schillerhus un dorin en grises Worm von Schildwacht, de so still stunn as mine Taschenklock. Un för den Gefangnen sünd de Schildwachten würklich Taschenklocken, de bi Dag' un bi Nacht de Tid angewen un alle twei Stun'n frisch uptreckt warden. Bi Dag' sünd sei ganz plesierlich; äwer bi Nacht sünd sei en beten unbequem, wenn sei »Wer da?« schrigen un up de Korridurs de Gewehr fallen laten un sick en Lid fläuten, üm sick den Grugel tau verdriwen. »Na, stah du man!« segg ick, »nah twei Stun'n wardst du erlös't, dat höllst du sacht ut«, un as ick noch so äwer sine un mine Angelegenheiten in Bedenken stah, ward de Dör upslaten, un de Slüter bringt minen Kuffert herinne. – »Na«, seggt hei, »dat nenn ick drist, glick in de irste Virtelstun'n dor baben ruppe tau klattern!.« – »Wat?« segg ick. »Darw ick dat nich?« – Dorvon hadd hei nicks seggt, säd hei, un dorbi blänkerte em dat sure Gaus'smolt wedder von dat Gesicht, äwer ick schinte em einer von de Ort tau sin, de sick vel herute nemen wullen. – Dunnerwetter, wat was ick fix von minen Thron herunne! un stunn vör em un säd: hei hadd mi gor nicks tau seggen, un wenn ick wat ded, wat nich sin süll, denn hadd hei't antauzeigen, hei müßt mi upwohren, im äwrigen hadden wi nicks mit enanner tau schaffen. – Oh, meinte hei, ick wir jo en hellsch kratzböstigen Kirl; äwer so wiren vele west, un sei hadden sei hir all tamm kregen, sei würden mi ok woll krigen. Grad, as ick up de Utverschamtheit losbreken wull, kamm de Inspekter doräwer tau un frog, wat hir los wir. – Ick säd em so un so un frog em, ob den Slüter dat taustünn, mi ahn Ursak mit snodderige Reden unner de Ogen tau gahn. – Wenn ick nich ut dat Finster spraken hadd, hadd hei mi nicks tau seggen, was sine Antwurd, un dormit wen'nte hei sick an den Slüter un makte em wegen sine Dummdristigkeit en lütten Vers. – Äwer wat sned de Kirl em för en Gesicht, so vull Gift un Gall! Un as hei ut de Dör gung, brummte hei wat von »General« und »tau weiten krigen« in den Bort. De Inspekter hadd drei Pund Toback unner den Arm un vertellte mi, min oll Vader hadd all vör mine Ankunft för mi 'ne halw Kist Toback herschickt, un hei würd mi dorvon taukamen laten, wenn ick wecken bruken ded. – Dat was gaud, äwer ebenso gaud was't, dat ick tau weiten kregen hadd, woans de Inspekter un de Slüter mit enanner stunnen. Wenn den Düwel sin Reich uneinig is, hewwen de armen Seelen Firabend. Ick stickte mi 'ne Pip Toback an, läd mi up de Madratz, un wil ick mäud' was von de Reis', slep ick in, un wil ick minen Pipendeckel för en sülwernen utgewen hadd, verbrennt ick mi minen Slaprock, de so all ansengt was, un twors dörch nägen Stockwark, denn min Slaprock hadd mit de Tid ümmer ein Hut äwer de anner kregen, indem dat ick em ümmer wedder frisch äwertrecken let, un in de Ort was hei grad as Achillessen sin Schild mit de nägen Ossenfellen. Hei swälte denn ok noch ümmer förfötsch weg, as de Slüter wedder rinner kamm, de eigentlich nicks bi mi tau dauhn hadd. – »Gotts Dunner!« röp hei, »Sei brennen!« un hülp mi dat Füer utslan. – Na, dorför bedankt ick mi denn bi em, un nu kreg hei Äwerwater un würd so tauvertrulich un smeichlich, as en Hund, de sin Prügel kregen hett, un fung an: mit den Inspekter süll ick mi nich inlaten, denn de wir woll fründlich in de Ogen, äwer falsch achter'n Rüggen, un wat hei dauhn künn, dat süll mi woll tau Gauden kamen, un vördem hadd hei jo man spaßt, un worüm ick keinen Spaß verstahn hadd. Kort, dat was grad so'n Schubbejack von Kirl, as ick von de Ort all vele kennen lihrt hadd, nägenklauk, hinnerlistig, vull Schadenfreud', tau jeden Deinst för sine Vörgesetzten parat, un wir't ok de niderträchtigste, un dorbi feig, wenn em einer de Tähnen wisen ded. Min Toback stek em in de Näs': »Woll schönen Toback?« frog hei. – »Ih ja«, säd ick. »Will'n Sei em mal probieren?« – »Ne«, meinte hei, »wo denken Sei hen? Ick süll mi in so'ne Dörchstekerien inlaten?« – »Schön«, säd ick, »denn laten S't sin.« Herr D....mann kamm wedder, hei hadd nicks bi mi tau dauhn: »Na, wo geiht't?« – »Oh, recht gaud.« – »De Toback smeckt Sei woll?« – »Ja, sihr gaud.« – »Na, wil Sei doch so fründlich wiren..., probieren will ick em doch mal.« – Herr D....mann stoppte sick 'ne Pip: »Schön! Würklich schön!« – »Na, denn nemen S' sick en Pund mit«, säd ick. – Ne, dat künn hei nich. 'ne Pip Toback, dat güng woll; äwer en Pund! Dat wir gegen sine Schülligkeit, dat künn hei nich dauhn. Wat ick von em denken ded? – Äwer as Herr D....mann ut mine Dör gung, hadd hei min Pund Toback in de Hand, un ick dacht wat von em. Den Dag dorup würden Sträfling' nah den lütten virkantigen Hof kummandiert, de müßten Bahn schüppen, dat min Kammeraden doch wedder mal in de Luft gahn kunnen. All, de up einen Korridur seten, kemen up 'ne Stun'n däglich in de frische Luft. Min Korridur kamm tauirst an de Reih', ick natürlich nich mit, denn ick hadd jo noch keinen Verlöw dortau; ick klatterte indessen up minen Disch un Hüker ruppe un kek mi de Lüd' buten en beten an. Dicht unner dat Duwenslaglock, wat för min Finster gellen süll, stellte sick en Por hen, von de ick den einen recht gaud kennen ded, denn hei was en ollen Bekannten ut Jena; sei hadden lütte, dünne Stöcker in de Hand un fechteten sick dormit up Stoß, as wi't in Jena up den Mark dahn hadden, äwer mit Isen. Bi jeden Stoß un jede Parad' flöten mi en por Würd' tau: »Rechtsch von di sitten wi beid', linksch von di sitt Gr.« – de mi bi min Ankunft all begrüßt hadd –, »de irste Kummandant, Graf H., is de irste Minschenschinner gegen uns; de tweite Kummandant, Oberst von B., hett woll gauden Willen, kann äwer nicks maken, wil Graf H. dat för sine Schülligkeit, as Spelkammerad von den König, höllt, uns perßönlich nah Mäglichkeit tau schikanieren. De Platzmajur kann deswegen ok nicks. De Inspekter is en gauden Mann, lewt äwer in ewige Angst vör den irsten Kummandanten up de ein un den Slüter D....mann up de anner Sid, denn dat is de heimliche Taubringer nah baben rup un is de Legste von alltausamen. De Gefängnisknecht K. bedrüggt uns, un deswegen möt hei dauhn, wat wi willen; äwer D....mann sitt em tau sihr up de Hacken, hei kann nicks dauhn. Häud' di also vör D....mannen! Hei hett en wohren Haß up uns un is en sihr slichten Patron un würd sick säker ok besteken laten, wenn wi em man en gauden Pris betahlen künnen, so äwer, wil wi nicks hewwen, känen wi nich an em kamen.« Dese Nahrichten flöten mi so stückwis' tau. Min oll Fründ Gr. gung an min Finster vörbi: »En Metz kannst du von mi krigen.« – Dat was doch ok all watt – wenn 'ck't man irst hadd! Denn hir was't just so as in den Unnersäukungsarrest, Metz un Gabel würden glik nah't Middageten wegnahmen, un ick hadd all wedder tau dat olle Middel gripen müßt un hadd den Stel von minen ollen bleckernen Lepel up de ein Sid scharp schürt, dat ick mi doch noddürftig en Stück Brod afsniden kunn. Äwer wat süll dat mit D....mannen heiten? – »Häud di vör D....mannen! Hei nimmt nicks von uns an.« – De Mann hadd jo von mi en Pund Toback annamen. – Na, de Tid müßt dat lihren. Den Nahmiddag kamm de Inspekter tau mi un makte mi de Anzeig', dat ick ok 'ne Stun'n up den Hof spazieren kunn, 't wir allerdings noch nich von de Kummandantur anordniert; äwer hei wull dat up sine Kapp nemen, denn ick müßt jo doch an de Luft. – Ick namm dat denn girn an, un as ick up den Hof kamm, markte ick denn, dat dat Däuweder was, un dat de Snei ballte. Um mi nu 'ne gaude Motschon tau maken, wölterte ick grote Sneiballen tausamen un set'te sei upenanner, bet 'ne Ort von Postament farig was, un dunn namm ick en rechten schönen witten Sneiklut un fung dormit an tau kneden un tau pusseln, bet ick 'ne Ort von Bostbild farig hadd, un as ick min Makwark neger betrachten ded, dunn sprüng mi 'ne Ähnlichkeit mit den ollen, braven Dr. Martin Luther entgegen, ick makte em de Backen en beten dicker un de Näs' en beten stuwer, un dor stunn hei liksterwelt. Dat was grad kein Kunstwark; äwer, as de Upwohrer K. nahsten, üm mi wat Schöns tau seggen, säd, en jeder künn doch seihn, dat't en Mannsminsch un kein Frugensminsch sin süll. Ick hadd dese Geschicht nich vertellt, wenn dorut nich för mi wat Gaudes utbrött wir. De Platzmajur was glik nah mine Fristun'n kamen un hadd minen Dr. Martin dor stahn seihn; hei let sick also min Dör upsluten un frog mi, wat ick nich girn min Schriw- un Teiken-Material hewwen wull. Ick süd natürlich: Ja, un hei versprok mi, dorför tau sorgen; un ich kreg't ok. KAPITTEL 8 Dat bi weck Lüd' de ganze christliche Moral nich en Pund Toback wirt is, un dat dat würklich Preisters in de Welt giwwt, de kein Tid tau ehr Amt hewwen. Worüm den Herrn Inspekter sin leiwes Mulwark as en Knoplock let, worüm de Fleigen den Herrn Platzmajur sinen roden Kragen upfreten. Einige Dag' drup, so gegen Abend, hürte ick, dat bi minen Nahwer Gr. upslaten würd – dat geschach bi uns allen ümmer üm dese Tid, denn denn würd rein makt un frisch Water halt. Ick kloppte an mine Dör, un D....mann slot up, obschonst de Gefängnisknecht bi minen Fründ Gr. noch nich farig was; ick kamm rute un gung up Gr. tau un kunn doch en por Würd' mit em reden. As de Stuw' rein was, röp D....mann: »Herr Gr.!« un Gr. gung in sin Lock herin; äwer ick ok un set'te mi ahn wideres up dat Bedd. D....mann röp mi, ick süll rute kamen; ick äwer regte mi nich un meinte, hei künn mi jo bet Klock nägen bi minen Kammeraden sitten laten, denn kem hei jo doch noch mal wedder taum Tausluten för de Nacht. – Ne, dat künn hei nich, dat wir gegen de Husordnung, de Inspekter paßte em ümmer up den Deinst. – Ick säd, de Inspekter würd gewiß nich kamen, un säd, ick ded em ok mal wedder en Gefallen, indem ick nich ahn Absicht so'n beten stark mit den Tunpal up dat Pund Toback henwinkte. Un wat was dat En'n? – Herr D....mann slot uns beid tausamen in. Dor seten wi nu un vertellten uns von ollen un nigen Tiden. Gr. gaww mi en Metz un allerlei Kleinigkeiten, de hei missen kunn, un't würd afmakt, ick süll bi de Kummandanten inkamen, dat wi tausamen wahnen wullen. Binah all de annern wahnten tau twei in ehr Stuwen, un't müggt uns jo ok woll glücken. Äwer worüm vertell ick so'ne Kleinigkeiten? – Dorüm, wil ick nahwisen kann, dat min Pund Toback de ganze schöne, nah allen Kanten so faste Husordnung ümsmiten ded. – De Gefängnisknecht K. hadd seihn, dat D....mann sick arg gegen de Bestimmungen von den Grafen H. versünnigt hadd; hei würd jo dit glik an den Inspekter vertellen; de hadd nu den Slüter schön in de Fingern, dat hei em nich mihr hinnerrüggs bi den Kummandanten anpetzen kunn. Kort, de ganze, up gegensidige Furcht un Niderträchtigkeit von de Beamten gründte Uprechthollung von den Grafen H. sine scharpe Husordnung föll för ein Pund Toback. Un dat fratt mit de Wil so wid üm sick, dat ick, as noch lang' kein Johr vergahn was, de Slätel ut den Inspekter sine Stuw' herute halte un all de Gefängnissen upslot. – Doch dorüm geschach nicks Unrechts von uns – as denn äwerall in vir Johren äwer twintig bet dörtig junge Lüd' keine Klag' bi de Kummandantur vörkamen is, taum groten Arger von den irsten Kummandanten, de up öffentliche Parad' wütend tau den Inspekter seggt hewwen sall: »Wieder nichts zu melden? – Melden Sie was, und ich werde den Leuten zeigen, wie man mit Hochverrätern umgehen muß!« – Un all de erbärmlichen Quälerien, mit de wi schurigelt würden, wiren nich mal en Pund Toback wirt! Hir kann mi nu einer fragen, ob dat recht von mi was un ob dat mit de christliche Moral stimmt, dat ick en Beamten von sine Pflicht afwennig makt heww? Dorgegen möt ick antwurten: ick heww't oft lesen un ut den Mun'n von sihr frame Lüd' hürt, dat de Handlungen von de Lüd', de de bäwelsten Spitzen von de menschliche Gesellschaft utmaken, gor nich nah de christliche Moral tau taxieren sünd, worüm will denn einer de ündelsten Spitzen – un dat sünd de Gefang'nen – mit en anner Mat meten? Aller Welt Hand was gegen uns, un wenn wi nich unnergahn süllen, müßten wi uns wehren; un gegen wen? – Gegen so'n Kirl, den sine christliche Moral nich mal en Pund Toback wirt was, den wi nahsten sogar bi't Zigarrenstehlen attrapierten. Nu wehr sick mal einer mit de christliche Moral gegen einen Minschen, de vör Wut barsten müggt, dat hei junge Lüd', de in äwerminschliche Geduld Johre lang allens dragen, tau keine Klag' Anlat gewen hadden, nich noch scharper anfaten kunn, de tau de strengen, gedruckten Bestimmungen för den sworen Unnersäukungsarrest noch nige, strengere utfünnig makt un sei uns in dat Gefängnis rinne hängt hadd! – Nu wehr sick mal einer mit de christliche Moral gegen 'ne Karnallj von Kirl, de de gemeinsten Niderträchtigkeiten utbräuden ded, üm dat arme, jammervulle Lewen noch jammervuller tau maken! Un wat ded denn de preußische Staat för unsere christliche Moral? – Dat is un was ok dunn 'ne gesetzliche Bestimmung, dat jeder Gefang'ne sünndags in de Kirch gahn süll, un wo ick bether west was, in S., künnen wi ümmer in de Kirch gahn; äwer hir? – Wat den Spitzbauwen, Röwer un Mürder tau Gaud' kümmt, dat was uns afsneden: in vir Johr hadd kein einziger wat von christlichen Gottsdeinst, noch äwerall von en Preister seihn. – De Katholiken utbenamen; denn dat möt einer den katholschen Paster E. nahseggen, wat sei em ok von Kummandantur wegen för Stein in den Weg smeten, hei wüßt sei all furttaurümen, bet hei allwöchentlich sine Bichtkinner besäuken kunn. Äwer de evangelischen Preisters! Ih, Gott bewohre, föll ehr jo gor nich in. – Un as wi uns tauletzt mit de grötste Dringlichkeit an de Kummandantur üm Gottsdeinst wennen deden, dunn kamm so'n Unglücksworm von Preister up den Hof – wi wiren grad in de Fristun'n – un säd uns, de Kummandant hadd em schickt wegen den Gottsdeinst; äwer hei hadd kein Tid, hei hadd tau vele annere Geschäften, hei wull äwerst tauseihn, wat hei uns nich de anner Woch up den Husbähn – dat was de Waschbähn, wo de Hemden un Hosen un Strümp von de Kriminalgefangen drögt würden – 'ne Homilie lesen künn. – Dunn säden wi em, wi bedurten, dat hei kein Tid hadd; un wenn sine Homilie mit den Waschbähn as Kirch tausam stimmen ded, denn bedurten wi, dat wi von sinen waterigen Kram keinen Gebruk maken künnen; dat freut' em denn ogenschinlich, un hei gung. Ick kamm nu, as wie uns dat verafredt hadden, bi de Kummandantur in, wat ick nich mit minen Fründ Gr. tausamen trecken künn, un 't würd taugestahn; ick treckte nu also tau em herüm, un dor seten wi nu un warmten uns an enanner, un mit 'ne Hast würd fragt un Antwurd gewen, as wir morgen kein Tid mihr dortau. Wi frogen un vertellten; äwer jede Antwurd was trurig, sine Nahrichten wiren äwer noch vel truriger as mine, am slimmsten was't hir in M. taugahn. En Stückener acht von unsre Kammeraden wiren ogenblicklich in't Lazarett bröcht; krank wiren ok all de äwrigen; äwer för uns was de Rum in dat Lazarett man knapp, dorüm müßt denn af un an mal wesselt warden. Ein hadd Tuberkeln in de Lung', ein de Rüggendarr, ein was dow un ein lähmt worden, ein was wegen Swindsucht entlaten un ein wegen Verrücktheit, un bi en annern was de Verrücktheit grad utbraken, as ick ankamm. Dat wiren de Slimmsten, de annern leden an de Ogen, an de Lewer un an Blaudandrang nah den Kopp, un as ick nah Johr un Dag ut dese Höll herute kamm, was ick so tämlich de einzigste, de kein grises Hor uptauwisen hadd, all de annern 24-25jöhrigen Lüd' hadden wenigstens de Spuren dorvon. In de irsten Monate, de ick in M. was, kemen weck von min Kammeraden fri, meistendeils Bonnenser un Hallenser, de tau geringere Straf verurtelt west wiren. Dat was en grotes Freuen bi de, de dat Glück hadden; äwer ok bi de annern, de taurügg blewen, man blot, möt ick dortau setten, was dese letztere Freud' nich ganz rein von eigene Hoffnungen un Wünsch, denn wenn de fri kemen, denn müßten wi jo ok ball fri kamen: wat hadden wi denn mihr dahn? För Gr. un mi hadd de Sak äwer uterdem wat in den Mun'n, wat uns sihr tau Paß kamm, wi treckten in dat tweite Stockwark in de Eckstuw', de dörch den Inspekter sine Käk un Wahnung von de annern Gefängnissen scheidt würd. Dat was gaud, denn wenn de Inspekter uns en Breiw oder wat anners tau bringen hadd, würd em en Hüker henschaben, hei set'te sick en beten – hei hadd jo ok lang' Wil, un hir hürten de annern nicks – ein Wurd gaww dat anner, wi kregen doch bi weg'lang tau weiten, wat buten passieren ded, ok wat in de Zeitungen stunn, denn de wiren verbaden. – Gr. was Katholik, em besöchte af un an de Paster E., un dat was en uperweckten, lewigen Mann, de uns mit sine Munterkeit unner de Ogen gung un uns männig schön Mal up annere Gedanken bröcht hett. – Mi besöchte – ob mit, ob ahn Verlöw von den General, weit ick nich – af un an ein Herr K...f, Geschäftsführer von dat bedüdende Handelshus M. \& W., un ümmer hadd hei mi tau Gefallen sick wat utdacht, wat mi Freud' maken künn. Alle Sünndag kamm de olle ihrliche Husknecht von sin Kophus un bröcht bald dit, bald dat taum Middageten, nich so'n lütten taugedeckten Teller, as de framen un riken Lüd' in gauden Stun'n an de Armen un Kranken schicken, ne! so'n richtigen, dägten Braden, an den sick so'n por tausamschräu'te junge Magen mal wedder en por Dag' lang richtig utliwen kunnen. Bet de letzte Stun'n, de ick in M. was, hett de Mann as en Brauder an mi handelt, un deswegen was ick ümmer in de Meinung, hei ded dat in Updrag von minen Vader; äwer ne! Min Vader hett nicks dorvon wüßt, hei hett dat all ut sinen gauden Harten dahn; äwer worüm grad an mi? – Ick weit't nich – hei is doräwer wegstorben, ick heww em nich dornah fragen, mi nich mal bi em bedanken künnt. Dese leiwe, truge Mann hadd mi nu mal, as hei sach, dat ick en beten teiken kunn, en Kasten mit Pastellstiften mitbröcht, un nu süll't Malen recht losgahn; äwer as Gott den Schaden besach, wull de Farw nich up't Poppier hacken. Alles mägliche würd versöcht, äwer nicks hülp mi wider; binah en halwes Johr heww ick dormit rümmer probiert, bet tauletzt de Inspekter mal mit de einfache Nahricht tau Hus kamm, dat müßt mit den lütten Finger inrewen warden. Dorut kann einer nemen, wo sur dat en Gefangen ward, sick wider tau helpen un wat tau lihren. Dat heit för gewöhnlich: dor haddst du rechte Tid taum Lihren, dor stürte di kein Minsch. Ach, wat sünd de Lüd' doch klauk! – Stumm un dumm würd einer bi sin corpus juris un sine Dogmatik, un blot dejenigen, de all up de Uneversitäten mit ehren Kram dörchwiren un ehr Sak all in'n ganzen äwerseihn kunnen, blewen bi ehr Fach, wi annern smeten de Geschicht ball in den Grawen un sadelten üm; de ein bedrew dit, de anner dat un vele Tid gung mit Kaken un Strümpstoppen un Snider- un Oltflickerarbeit hen. Allerlei so 'n Handgebird' müßt notwendig makt warden, un't was en Glück, dat wi doran müßten; dat was en lichten un en taudräglichen Tidverdriw, denn hei bröcht up anner Gedanken. Dorüm kann ick mi sihr gaud denken, dat en Minsch dat in en Gefängnis in allerlei Handfarigkeiten sihr wid bringen kann; äwer seindag' nich kümmt ut en Gefängnis en Künstler herut oder en Gelihrten, de de Welt würklich wat nütt ward. De Musik allein mag dorin 'ne Utnam maken; äwer hir was't ok nicks mit ehr; denn singen un fläuten was verbaden, un einen von uns, de sick stark up Musik verstunn un sick 'ne Ort Akkordion sülwst bugt hadd, würd sin Makwark von Kummandantur wegen wegnamen. Ick smet mi also up dat Malen un up de Purtretts. Min oll Fründ Gr. müßt tauirst ran; ick heww em von rechtsch un von linksch, von vörn un von achter malt; mit Blistift un swarte Krid un ok bunt, denn mal eins mit en himmelblagen Hinnergrund, denn mal eins ganz in Wulken un einmal ok mit en prachtvollen rosenroden Schin, as wenn 's Abends de Sünn unnergeiht. Dit Stück hett mi vel Mäuh kost't, un as't farig was, sach't gor nich dornah ut. As Gr. vullstännig utnutzt was, kamm de Herr Inspekter an de Reih'; dat Bild süll för sine Brud, ick müßt em also en beten verschönnern, un hei müßt ok en beten fründlich utseihn. – Swor is't mi worden; äwer t'recht heww ick't kregen. Taum Glücken hadd hei 'ne wat lange Näs' – dat's ümmer'n Glück för en Anfänger –, de fat't ick, un as ick sei fat't hadd, dunn müßt all dat anner nah, dat müggt willen oder nich. – Äwer de Fründlichkeit un dat leiwliche Utseihn? Ok dormit würd ick prat; ick knep em de Ogen en beten tausam, makt em up de Backen en lütten Swulst, tröck den Mund an de beiden Enns en virtel Toll in de Höcht un makt em dor en por richtige Falten, dat hei utsach as en Knoplock, wat en düchtigen Snider linksch un rechtsch gaud verfestigt hett. Dit Bild bröcht mi vele Ihr in. De Inspekter wis'te dat in sine Hartensfreud' bi all min Kammeraden rümmer, un nu wull jeder von mi malt sin. Mit allerlei Künsten würd de Inspekter denn dortau bröcht, dat hei de enzelnen Frün'n von mi tau uns rinne let. Min Malwarkstatt was eben so gaud as jede anner; dat Licht föll schön von baben un was dat käuhlste Nurdlicht, wat sick en Maler wünschen kann. Äwer uterdem hadd ick noch en groten Vurtel vör min annern Malerkollegen vörut: de Lüd', de mi seten, wiren dat Sitten gewenn't, sei kunnen't up de Läng' uthollen, un wenn ick minen Disch ehr en beten knass up den Liw' schow un Gr. sinen Stauhl en halwen Faut bet an ehr ran rückte, denn seten sei as in en Schruwstock, un schappieren kunnen sei nich, uthollen müßten sei, denn de Dör was tauslaten. Hir möt ick äwer ingestahn, dat ick mi in dese Tid sihr gegen dat Ebenbild Gottes versünnigt heww, ick heww Gesichter malt, de't meindag' nich gewen hett un ok meindag' nich gewen kann, un dat mit Kalüren, de süs up de Welt nich vörkamen. – Mit de Swartköpp würd ick so tämlich prat; äwer wenn so'n Flaßkopp mit unnerlep, denn was't slimm; ick hadd mi dat – leider Gotts – anwen'nt, de Flaßhor mit Gräun tau schattieren, un wil ick nu ok de dämliche Mod' an mi hadd, in dat Gesicht en beten stark mit Rotstein rümmer tau arbeiten, so leten mine flaßhörigen Biller von firn liksterwelt as 'ne Ananas, taumal wenn nah unnenwarts noch en gräunen Rock kamm. Mine Biller würden nu meistens tau Geburtsdagen un Wihnachten an de ollen Öllern un an Swestern un Bräuder schickt, un wenn weck von ehr noch lewen süllen, denn will ick mi bi dese Gelegenheit bi ehr verbeden hewwen, wenn ick ehr an so'ne Festdag' en Schreck injagt heww äwer dat Utseihn von ehre leiwen Verwandten. – Min oll Vader taum wenigsten schrew mi, as ick em min eigen, ungeheuer ähnlich Purtrett tauschicken ded, hei hadd sick sihr verfihrt, un ick müßt mi gruglich verännert hewwen. Dat müggt nu äwer all sin, as dat wull, dit was doch de Anfang, dat wi uns enanner besäuken kunnen, un wenn D....mann ok sihr scheiw dortau utsach un männigen Rigel dortüschen schow, so würd hei doch af un an dörch en frisch Pund Toback wedder smidiger; un as ick em tauletzt gor dorbi attrapieren ded, dat hei minen Fründ Gr. sine Zigarren, de em en gauden Fründ ut Lübeck schickt hadd, heimlich angung, un as sick tauletzt de Herr Platzmajur sülwst von mi malen let, dunn was sin Regiment braken, un hei gung up de langen Korridurs rümmer as en Cherubim, de sinen gläugnigen Degen in de Scheid' steken hett, wil dat hei sick doran de Flunkfeddern vermengte. Dat Afpurtrettieren von den Herrn Platzmajur was eigentlich in dese Hinsicht min Glanzpunkt in M. – Ick würd ut min Lock nah den Herrn Inspekter sine Stuw' rümmer nödigt, denn hir süll de grote Daht gescheihn. Ick kamm nu mit min Malergeschirr an; ick hadd en Bagen upspannt, de en sihr schönen gräunlichen Schin hadd, un all min Stiften wiren scharp; äwer as ick in de Stuw' kamm, verfihrt ick mi, denn min schön Babenlicht, woran ick gewennt was, was hir nich begäng', de Stuw' hadd en grotes, natürliches Finster. Ick fung nu dormit an, dat ick mit den Herrn Platzmajur in allen Ecken herümmer exerzierte, dat ick dat richtige Licht fünn; äwer't wull nich warden, bet tauletzt den Inspekter sine Beddeck unnen an't Finster tüdert würd. – Unglücklicher Wis' was de Herr Platzmajur en Flaßkopp un hadd kein Ogenbranen – un ick Unglücksworm hadd dat an de Mod', mit de Ogenbranen antaufangen. – Wat nu? – Süs smerte ick tauirst en por Ogenbranen hen un let de Näs', so lang oder so kort, as sei just was, doranner dal bammeln. Äwer wat nu? Hei hadd kein Ogenbranen un ick keinen Anfang, un sin Näs' was för en Maler ok man so so. Ick hadd mi de Sak vermeten; äwer ick was ganz ut de Richt; anfangen müßt ick, un mit wat Horigs müßt ick anfangen, dat hadd ick mi tau dägern anwennt; ick fung also mit den Snurrbort an. Dat is mi nich led worden, un wenn einer von min Malerkollegen mal in so'ne Lag' kamen süll, so kann hei mi drist folgen, denn dat wohrte gor nich lang', dunn säd de Inspekter, de mi ümmer äwer de Schuller kek, dat Bild würd sihr ähnlich, un de Mann wüßt dorup tau lopen un hadd Insichten in de Sak, denn hei hadd mi all oft taukeken un hadd sin Urtel an mine Stücker utbildt. Wohrt ok nich lang', dunn was dat Gesicht farig, sihr schön; blot mit en beten gräunlichen Schin, woran dat gräune Poppier schuld sin kunn. Nu kamen äwer de Uneform , blag mit en roden Kragen, un denn de goldnen Epoletts un de blanken Knöp. – Wer dat seindag' noch nich makt hett, de ward sick hellschen dorvör verstutzen; so gung mi dat denn nu ok; äwer ick hadd Berlinerblag un Zinnober un Kromgel in minen Kasten, ick gung also forsch drup los, un wil ick mal lesen hadd: »Beiwerke beim Porträt müssen mit einer gewissen flüchtigen Genialität behandelt werden«, so ded ick dat denn ok. Flüchtig naug was't; äwer mit de Genialität blew ick vollständig hacken; denn as ick dormit dörch was, säden sei all beid', de Inspekter un de Platzmajur: ne! Dat wir nicks! Mit den berlinerblagen Rock gung dat noterwis', äwer de Epoletts un de Knöp, de segen jo ut, as wenn sei in säben Johr nich putzt wiren, un de Kragen was jo kein Platzmajurkragen, dat was man en ganz gewöhnlichen preußischen Postmeisterkragen. – Argern ded ick mi niderträchtig; äwer wohr was't, en beten gellerich sach hei ut, denn mit den Zinnober was ick ogenschinlich anführt, dat was idel roden Mönning, un ick hadd wedder mit den entfamtigen Rotstein in de Schatten rümmer fuhrwarkt. Ick hadd all so vel von de Malerkunst lihrt, dat ick mi nich verblüffen let un dat ick säd, ick wull dat Bild mit mi nemen, un nah en por Dag', denn wulln wi uns wider spreken. Un nu satt ick von em Licht in't anner un putzte den Herrn Platzmajuren sine Epoletts un Knöp up, bet G. dat tauletzt jammern würd un hei mi säd, nu wiren sei blank naug. Äwer de Kragen! – Noch up Stun'ns, wenn ick so'n preußischen Infanteriekragen seih, fallen mi all mine Sünden in; dat würd nicks, un dat wul nicks warden! Tauletzt smet sick de Taufall in't Middel, G. sin Karnallenvagel spölterte mi en Druppen Water up den Kragen, un up dit Flag würd hei schön schörlaken utseihn. – Wenn du em so mit 'ne Ort von Firnitz anstriken dedst? dacht ick. Äwer ne, de Firnitz is tau ölig, dat künn utseihn as en richtigen Fettplacken. Mit Gummi arabikum? Den hadd ick äwer nich tau Hand. Ick sunn un sunn un verföll tauletzt up Zucker. Dat geiht! Ick smölt'te mi also en por Stücken Zucker in Water un fung dunn sauber an, de Sak irst an de Kanten mit en Pinsel tau probieren. – Wunderschön! Ick strek drist wider, un't durt nich lang', dunn was min Kragen so, dat jeder Kaptehndarm ein för en richt'gen preußischen Soldatenkragen anseihn hadd. Gr. säd frilich, de Kragen wir tau blank gegen de annere Maleri; äwer wat verstunn Gr. von de Kunst? – Ick stellte minen Platzmajuren up den Disch, läd mi up min Bedd un kek em bet 's Abends Klock nägen an, bet de Schildwach: »Licht aus!« röp. – 't is mäglich, dat Raffael sine Madonna, as sei farig was, ok lang ankeken hett, äwer so verleiwt, glöw ick nich, dat hei in ehr west is, as ick in den Herrn Platzmajuren. Ick lagg noch lang' un kunn nich slapen vör Freuden. – En preußischen Offizier in vulle Uneform, dat will wat seggen, mine Herrn! Tauletzt slep ick in, slep äwerst ok in den hellen Dag herin. Un as ick upwakt – Gott in den hogen Himmel! Gr. hadd ditmal nich as Fründ gegen mi handelt, hei hadd't hinnern künnt –, dunn wiren dusend Fleigen dorbi un versehrten den Herrn Platzmajur sinen Kragen un hadden dor ok mit mang malt un hadden luter lütte swarte Punkte in mine schönsten Lichter set't. So wat nenn ick en Mallür. – Un wat nu? – Dat einzigste was, ick müßt em up't frisch wedder äwerlackieren un de Fleigen möten, bet hei ut mine Hän'n was. Dat schach denn un ok ball; ick was min Makwark los. Wat äwer den Herrn Platzmajur sine leiwe Fru tau de Ähnlichkeit seggt hett un ob de Herr Platzmajur sick mi taum Andenken in sine Dienstwahnung uphängt hett, heww ick meindag' nich tau weiten kregen. So vel is gewiß, ick hadd mi bi em un bi den Inspekter en Stein in't Bredd set't, un dat kamm nich mi allein, ne, uns allen schön tau Paß. KAPITTEL 9 Worüm de Herr Inspekter sick as en Hampelmann birden un de Gefängnisknecht K. sick von den Disch hausten ded. Worüm de Herr Inspekter as forsche Voß anseihn würd, un worüm wi nich för den Hertog Korl von Meckelnborg beden deden. Äwer ein Umstand müßt nu noch dortaukamen, de den Utslag gaww un uns düdlich wis'te, wo wid wi all mit de Afschaffung von de saubere Husordnung kamen wiren. – Min oll Vader hadd mi schrewen, ick süll mi 'ne Mäntel maken laten, un eines Dags kamm de Inspekter nah mi rüm un säd mi, ick süll nah sine Stuw' kamen, de Snider wir dor un wull mi Mat nemen. Ick gung also in minen Slaprock rüm. Nu wiren dor in de Stuw' äwerst twei Lüd', de ein sach gor nich as en Snider ut, de anner äwer desto mihr; ick frog also desen, wat hei mi Mat nemen wull. Äwer ihre de Snider mi Antwurd gaww, gung de anner up mi tau un frog mi, wat ick ein von de politischen Gefangen wir. – Dat kunn ick nich striden. – »Denn kennen Sei gewiß minen Brauder, ick bün de un de von'n Rhein her un heit H....mann.« – »Ja woll«, segg ick, »kenn ick Ehren Brauder, hei sitt in den drüdden Stock mit M. tausamen.« – Hei wull noch wider reden, dunn kamm de Inspekter rin, un de Snider gung an sin Geschäft. Hei was noch nich dormit prat, as de Dör wedder upgung un de Husknecht ut de Stadt Prag mit en Korw vull Buddeln rinne kamm. De Inspekter makte grote Ogen; äwer de Rheinlänner let em kein Tid, Mulapen tau verköpen, hei namm de höflichste Min' von de Welt an un säd in so'n frien, frischen Ton, as blot so'n ollen lustigen Rheinlänner kann, hei hadd sick dat verlöwt, den Herrn Inspekter mit en Dutzend Buddeln Virundörtiger unner de Ogen tau gahn. – Ach, nu äwer de Herr Inspekter! – De Snider was dor, ick was dor – hei säd, hei künn't nich, un dat wir tau vel, un dorbi dinert hei mit den Kopp un treckte mit de Schullern, as set einer unner sine Stuwendelen un regiert em von dor an en Band as en Hampelmann. – Wat äwer so'n richtigen Rheinlänner resolviert sin kann, dat heww ick hir seihn; uns' Rheinlänner kreg mir nichts, dir nichts, en Proppentrecker rut, makte 'ne Buddel up, namm en Waterglas, wat up den Disch stunn, schenkte in un let den Inspekter vör allen Dingen irst doran rüken. Dat hulp! De Geruch paßte em, un hei kreg nu ok so'n besondere Lust dortau, ein tau probieren. Taureden helpt, un em würd tauredt; hei drunk sin Glas ut. »Ick will nu Ehren Brauder halen«, säd hei, »äwer...«, un dorbi kek hei mi un den Snider an. De Snider was en Mann von Bildung, hei verstunn den Wink un gung; ick wull em doch dorin nich nahstahn un wull ok gahn; äwer de Rheinlänner stellte sick dwaslings vör de Dör: »Sei bliwen hir! Nich wohr, Herr Inspekter, de Herr bliwwt hir?« – Nu fung de entfamte Kirl unner de Stuwendelen wedder an an den Band tau tucken, un de Inspekter treckte mit de Schullern un hantierte mit de Hän'n un trippelte mit de Bein; äwer dat En'n von dat Lid was: ick blew. De Brauder kamm un föll den Brauder üm den Hals, un't was en grotes Freu'n un en grotes Fragen, un wil dat de beiden Bräuder doch in ehre Freud' nich sitten kunnen, set'ten ick un de Herr Inspekter uns up de Sofa un drunken Rhinwin tau ehre Freud' un uns taum Wollgefallen un freuten uns ok. Un as de irste Hitt bi de beiden Bräuder verflagen was, dunn set'ten sei sick ok un hülpen uns bi uns' Geschäft, un de Herr Inspekter makte den Rheinlänner en Kumpelment: de Win wir gaud, de Win wir sihr gaud. »Denn dauhn Sei em ok sine Ihr an«, säd de Frömde un schenkte den Herrn Inspekter dat Birglas wedder vull; denn dat ein hadden wi man. Nu kann äwer jeder Minsch inseihn, dat unner so'ne Umstän'n ein Birglas nich gaud langen deiht, ick kamm also up den klauken Infall, ut mine Stuw' noch twei tau halen, un wil de Herr Inspekter nich achter'n Disch bequem rutkamen kunn, namm ick minen Slätel von't Slätelbredd un wull gahn, dreihte mi äwer irst noch üm un säd: »Äwer, Herr Inspekter, G. bring' ick mit.« – »Ja«, säd H....mann, »un ick hal ok Gläs' un bring M. mit.« – De Herr Inspekter fung wedder an tau trecken mit de Schullern; äwer't was nich mihr so utdrücklich as vördem, un tauletzt nickte hei blot noch mit den Kopp. As ick rute kamm, gung D....mann vör den Inspekter sine Dör up un dal, denn hei hadd woll en beten horkt, wat woll passieren ded, un as hei mi in sin Slätelamt tuschen sach, wull hei mi bähnhasen un frog mi, wo ick dortau kem. »Herr D....mann«, säd ick, »Sei seihn, ick kam mit den Slätel ut den Herrn Inspekter sine Stuw', un as Sei weiten, is hei binnen, un wat em paßt, ward Sei jo ok woll passen. In'n äwrigen will ick Sei raden, laten S' sick mit mi nich in'n Bösen in, Sei weiten, wo wi mit enanner stahn; will'n Sei äwer vernünftig sin, denn will ick ok dorför sorgen, dat Sei Ehr Deil von de Lustborkeit afkrigen.« – Oh, hei meinte ok man, säd hei. Ick slot also up, halte Gr. un Birgläs'; H....mann kamm mit sinen Stuwenkammeraden M. antautrecken, un nu würd de Sak irst vollständig. Wi »organisierten« uns, as sei dat nennen, nich blot binnen üm den Disch herüm, ne ok buten, dat uns keiner äwer den Hals kamen kunn. D....mann müßt up den ündelsten Gang patrullieren un kreg tau de Unnerhollung in sine Einsamkeit 'ne Buddel Win, un de Gefängnisknecht K. würd up unsern Gang up en Disch stellt un müßt äwer den vördelsten Hof kiken, ob de Platzmajur woll kem. Hei kreg kein Buddel Win, äwer de Wisung, wenn em sihr dösten würd, denn süll hei hausten. Hei hett den Nahmiddag äwer wat Ihrliches tausam haust, un tau Schaden is hei dorbi nich wider kamen, as dat hei sick gegen Abend mitsamt den Disch ümhausten ded. Wi äwer seten binnen un hadden vulle fiw Johr ut unsern Lewenskalenner utstrecken un fungen bi den letzten Kommers, den wi in Jena un in Bonn mitmakt hadden, hir up den Inspekter sine Stuw' wedder an. De Herr Inspekter würd as Voß anseihn, un M., wat de Öllst von uns was, äwernamm sick dat Amt, em in alle Swindigkeit en beten ut den gräwsten för den Kummang tautaustutzen, vör allen makte hei em denn begriplich, dat en forschen Voß ümmer funditus drinken müßt. De Herr Inspekter bewes' in dese Sak vele Insichten, un wil dat wi em doch mit gauden Bispill vörangahn müßten, so kemen wi bald in jenne Ort von Verfat, wo dat Singen lostaugahn pleggt. – M., de all mal katholsche Preister west was un de drei irsten Weihen kregen hadd, hadd in sinen früheren Stand von Amts wegen schön singen müßt, hei stimmte also mit sinen höchsten un schönsten Ton an: »Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt...«, un wi annern föllen kräftig mit in, as – bautz! – in unsere »Freiheit, die wir meinten«, de Schildwach mit sinen Gewehrkolben gegen de Dör stödd: »Ruhig da drinnen!« De Inspekter flog tau Höcht, hei hadd ganz vergeten, dat de Schildwachen den Befehl hadden, Singen un Fläuten nich tau liden. – Dat was en slimm Stück för mine Kammeraden, de in fiw Johr nich hadden singen dürft un nu so'ne schöne Gelegenheit dortau hadden; äwer hir hulp H....mann ut de Not, hei ret de Dör wid up un röp den Musketierer, hei süll doch in de Stuw' rinne kiken, un frog em, ob em dit as en Gefängnis vörkem? – Na, so'ne Ort Gefängnis, mit so vele Buddeln un Gläs' up den Disch, hadd de jo denn woll noch nich seihn, hei meinte also: wi süllen't nich äwelnemen, hei wir hir taum irsten Mal. Dat was nu wedder so wid in de Reih! äwer uns' forsche Voß was ganz ut den Lim. Um Gotteswillen nich wider singen! – Ja, dat was licht seggt, äwer swer hollen. – Nah langen Prekademen mit den Herrn Inspekter würd denn nu utmakt, sungen müßt warden, äwer sacht, ganz sacht. Dat was denn nu so, as wenn einer seggt: wasch mi den Pelz, äwer mak mi nich natt; oder as wenn sei in de hillste Tid von de französche Revolutschon seggt hadden: köppt möt warden, äwer sacht, ganz sacht! De irste, de sick gegen dit nige Afkamen versünnigen ded, was de Herr Inspekter sülwst. Hei hadd 'ne Ort von Gitarrenstimm un hadd ok 'ne Ort von Gitarr; äwer de Lider, de hei weiten ded, wiren 'ne Utwahl von olle verschatene, fadenschinige Leiwslider, de hellschen upkratzt un utböst warden müßten, wenn sei hallweg passieren süllen. Un dat ded hei denn ok, un hei kratzte un böste denn ok schön drup los. Un von uns annern wull en jeder nah so vel Johren doch girn hüren, wo sick sine Stimm eigentlich utnem, un ob sei ok ganz inrustert wir, un so durte dat denn nich lang', dunn gung't wedder von Flässen. Wer weit, wat de Sak för 'ne Endschaft namen hadd, wenn sick nich üm dese Tid, as ick all seggt heww, de Gefangenknecht von den Disch herunne haust hadd. Hei föll recht mit Nahdruck mit den vullen Puckel gegen den Inspekter sine Dör, un as wi bi den Larm herute stört'ten, lagg hei up de Ird, un de Disch lagg up em, as hadd hei dat Dischblatt för sin Äwerbedd anseihn un hadd sick warm dormit taudeckt. – Nahsten säd hei, hei hadd mit Hausten nich mihr dörch unsern Gesang dörchdringen kunnt, hei hadd't mit Kloppen versäuken wullt, hadd sick dorbi tau wid up de Dischkant wagt un hadd de Blansierung verluren. – In desen Ogenblick säd hei nicks, hei was ganz still, un as wi em rute treckten un em upricht'ten, was hei von den Fall oder von dat vele Hausten ganz düsig; äwer, as de Inspekter up em infohren ded: hei süll sick wat schämen – kreg hei doch so vele Besinnung, dat hei em rasch in de Red' föll un säd: hei glöwt, de Platzmajur kem. Na, dit was en schönen Hopphei! Gr. un ick wutschten in uns' Lock, H....mann un M. sprungen de Trepp heruppe, de Inspekter un de Rheinlänner smeten vulle un leddige Buddeln un Gläs' in den Korw, un de Gefangenknecht slot uns in. So, nu kunn de Platzmajur kamen; äwer hei kamm nich. Den annern Dag, as wi uns dat nahdeken deden, kamm uns dat binah so vör, as wir mit uns en afkort't Spill drewen, dat wi man wedder utenanner kemen; äwer dat was egal: wi hadden en frölichen Nahmiddag hatt un hadden de schöne Husordnung gründlich verrungeniert; denn von nu an was alle Abend groten Besäuk, ball hir, ball dor. Wi vertellten uns wat, lesen wat vör, spelten Schach, ok woll en beten Korten, drunken en Glas Bir tausamen un leihnten enanner uns' Bäuker; denn dat was ok verbaden. Bäuker un Zeitungen wiren vör allen de beiden Artikel, de wi am meisten missen müßten. Zeitungen wiren ganz verbaden un Bäuker bet up de Fachbäuker binah ok. As Bispill will ick blot vertellen, dat sick vör mine Tid mal einer dat Brockhussche Konversationslexikon un en anner en Atlas von de olle Welt anschaffen wull, dat würd allens beid's afslagen, wil, nah de Ansicht von den Herrn Grafen H., dat Konversationslexikon »revolutionäre Artikel« enthöll un »Landkarten überall nicht zu gestatten seien, weil sie bei einem Fluchtversuche Vorschub leisten könnten«. – Dat was von em 'ne sihr lustige, äwer för uns 'ne sihr harte Ansicht. Af un an kregen wi äwer doch von den Paster E. oder von den Stabsarzt Reiche oder den Inspekter, ja ok männigmal dörch en oll Zeitungsbladd, wo Kes' un Hiring inwickelt was, en beten tau weiten, wo't in de Welt hergung. Gegen den Harwst von dit Johr (1837) würd denn uns ok vertellt, dat uns' Sak in den Staatsrat vörkamen süll, wat wi nich tau dat virtigjöhrige Jubiläum von den König Fridrich Wilhelm III. begnadigt warden süllen. Dat gaww nu vel Reden un Hoffen unner uns, weck hofften un weck streden dorgegen, un einer von de letztern brukte dorbi mal den despektierlichen Utdruck »de olle Rülps« stats »de olle König«, dat fohrte äwer minen ollen Kapteihn, de nahsten mit mi in Gr. satt, so in de Kron', dat hei desen Majestätsbeleidiger up de Städ' up einen Gang krumme Säwel föddern ded, uttaufechten an den irsten Dag, wenn wi frikemen, wil dat hei sick an sinen König versünnigt hadd. – So'ne Ort von Königsmürder wiren mang uns! Na, wi hofften also wedder: wi müßten jo fri kamen! Äwer dat kamm anners as mit de sel Fru; de Hertog Korl von Meckelnborg, as Presedent von den Staatsrat, hadd sick gegen uns vernehmen laten un hadd den Utslag gewen: wi müßten sitten. – Dat hett em denn nu grad nich vele frame Wünsch von uns indragen. Korte Tid nahher kamm de Stabsarzt mal tau uns un vertellte uns, de Hertog Korl von Meckelnborg wir dod. »Dat weiten wi all«, säden wi. – Dat wir nich mäglich, säd hei, hei kem graden Wegs von den General Grafen H. her, un de hadd in sine Gegenwart de Depesch upmakt, wo de Nahricht in stahn hadd; un in keine Zeitung stünn noch dor wat von. – Dat wir mäglich, säden wi, äwer weiten deden wi dat all. – »Von wen?« frog hei. – »Von Z.«, säden wi, »de hett uns dat hüt morgen vertellt.« – »Von Z.? von Z.?« frog hei un schüddelt mit den Kopp, »üm den sinentwillen ick hüt hirher kamen bün? Merkwürdig! Merkwürdig!« Un dormit gung hei ut de Dör. Z. was en prächtigen un mächtigen Kirl, as ick em up sine Dörchreis' in Jena kennen lihrte, hei was de Grötste un de Starkste von uns allen, ok hir noch; hei was en ihrlichen un trugen Fründ tau mi – dat weit ick, denn ick heww nahsten mit em in Gr. up ein Stuw' tausamen seten –, äwer sin Geist hadd leden. – Sei säden, hei hadd't von den Ogenblick an kregen, as em dat Dodsurtel spraken würd. Ick weit dat nich – tau mine Tid bildte hei sick dat in, hei künn prophenzeih'n un ut de Kreihn un Sparlings un Karnallenvägel ehr Gebirden de Taukunft seihn. Alle Abend, vertellte hei, kamm 'ne schöne Fru in en swartsiden Kled tau em un set'te sick vör sin Bedd un säd em, wat scheihn würd. – Hei hett vel tausamenprophenzeiht, un nicks is indrapen; äwer de Dodsnahricht von den Hertog Korl von Meckelnborg hett hei vörherseggt, dat is Wohrheit! Un noch 'ne anner Sak hett hei mit de lüttsten Ümstän'n vörher wüßt – ick ward sei an Urt un Städ vertellen. De Kreihen wiren in sinen Ogen de slimmen Vägel, un de Karnallenvägel, von de binah en jeder weck hadd, wiren de gauden. Nu begaww sick dat sonderbare Wis', dat binnen eine Woch' binah all de Karnallenvägel in den ganzen Hus' krank würden, sei kregen alltausamen, obschonst de ein so, de anner anners fauderte, ein un de sülwige Krämpfen un föllen för dod in ehr Burken üm, un weck stürwen würklich doran. Dit hadd em nu in 'ne grote Upregung set't, un de Stabsarzt müßt em in't Lazarett nemen, von wo hei up dreivirtel Johr in de Charité nah Berlin bröcht würd, üm dor kuriert tau warden; äwer as hei von dorut, as gesund entlaten, uns nah Gr. nahkamm, was hei noch eben so krank, as hei west was. Doran, desen armen Minschen tau entlaten, den sei up so'ne grugliche Wis' unschädlich makt hadden, was kein Gedank. – Tau mine grote Freud' heww ick hürt, dat de Friheit em dat wedder gewen hett, wat em de Knechtschaft namm, un dat min oll »Franzos'« lewt un gesund is. As ick vördem all seggt heww, let wi uns den Upentholt in't Lazarett so tämlich ümgahn, un wil de Stabsarzt en minschenfründlich Hart hadd, un wi ok alltausamen so beschaffen wiren, dat hei't mit gauden Gewissen verantworten kunn, wenn hei uns dorhen nem, so kamm denn mitdewil ok mal an mi de Reih, un ick erlewte dorin 'ne Geschichte, de de ganze Kummandantur ut den Lim brächte un för uns mit de Tid von dat grötste Bedüden würd. KAPITTEL 10 Dat einer männigmal en annern Minschen an en kahlen Kopp wedder kennen kann, un dat 'ne lütte Swester tauwilen en klauken Infall hewwen kann. Worüm de Schildwachten, as W. un R. weglepen, vör ehr presentieren deden, un worüm de olle ihrwürdige Oberstleutnant von H. in Angst wir, dat em Graf H. up sine ollen Beinen trampeln würd. Wat 'ne Gefängnis-Kummischon männigmal für frische Luft tau rüken kriggt, un worüm en ordentlich Minsch tauletzt en Demokrat warden kann. Üm dit ordentlich tau vertellen, möt ick von de Ümstän'n reden, unner de wi dor wahnten, un von de Ort un Wis', in de wi dor lewten. – Wi wahnten in twei Timmer; in ein lütt, wat vörn lagg, slepen drei von uns, in ein grot, wat dor achter lagg, söß bet acht, je nahdem. Wi kregen hir gaude Kost, kunnen des Dags äwer vir Stun'n in de frie Luft spazieren gahn un kunnen ahn alle Widlüftigkeiten mit enanner ümgahn. Tauslaten würd denn hir natürlich ok; äwer mit de Tid hadd sick dat all so wid taurecht tagen, dat bi allerhand lütte un grote Friheiten de Ogen taudrückt würden. De ollen Stammgäst' von mine Kammeraden, de hir all Johr un Dag west wiren, kennten desen Unteroffzierer un jennen Kumpani-Gregorius, sei wüßten, wen tau trugen wir un vör wen sick einer häuden müßt, sei kregen un besorgten heimlich Breiw' un hadden sick bor Geld tau verschaffen wüßt, sei hadden Middel funnen, sick annere Kledungsstücken, as de blag- und wittstripigen Lazarettkleder, antauschaffen; ja! vör mine Tid wiren sei männigmal tau twei un drei heimlich nachtens ut dat Lazarett rute gahn un wiren des Morgens irst wedder taurügg kamen. – Wo sei dit all mäglich makt hadden, weit ick nich, un wenn ick't wüßt, würd ick't nich vertellen! – Genaug! sei hadden allerhand Bekanntschaften in de Stadt makt, hadden Geld, un slicht würd nich lewt. Männig Potschon Braden, männig Buddel Moselwin un Rhinwin würd dor herinne mogelt, un wenn wi uns ok alle Mäuh gewen, de vullen Buddeln rinne tau schaffen, so was dat Rutschaffen von de leddigen doch tau beswerlich, un so wurden sei denn all ungeheuer künstlich, achter de Dör von unsern ollen groten Kamin tau Höchten stapelt, un H....mann was as Bumeister bi desen Babylonschen Torm anstellt. Nu begaww sich dat, dat de Cholera in de Stadt un in dat Lazarett utbrok, de Stabsarzt hadd also vel bi uns rüm tau dauhn, hei kamm oft, un as em twei von uns, de Mediziner wiren, beden, hei süll sei mit tau de Kranken nemen, ded hei dat; denn hei was so fast davon äwertügt, dat dese Krankheit nich anstecken ded, dat hei sülwst sine beiden einzigsten lütten Jungs dor mit hennamm. Ob hei in dese Meinung recht hadd, weit ick nich; ick weit man blot, dat W. un R. sick nich dorvör grugten un wi annern ok nich; äwer as dese beiden Gesellen tauletzt mit en Stück Lung' un Lewer un Darm taurügg kemen un dorbi up so'n höltern Schinkenteller tau sniden un tau mantschen anfungen, dunn würden sei von uns ut de grote Stuw' nah de vördelste lütte Stuw' herute kumpelmentiert. Un dat hadden de Rackers man wullt, as en jeder ut den Verlop von de Geschicht seihn ward. Eines Dags gah ick buten spazieren, dunn geiht mi en Minsch in 'ne Uneform von en Kumpani-Gregorius vörbi, un, as hei mi so vörbi geiht, grint hei so, un as ick em en beten nauer ankiken will, wis't hei mi den Rüggen un geiht graden Wegs nah unsern Timmer tau. – Gradäwer von uns, up densülwigen Gang, wahnte äwer ok en Kumpani-Gregorius, un ick denk also, 't is en Mitkolleg von em un besöcht em; ick gah also wider, bet tauslaten ward. As ick in uns' Stuw' herinne kamm, dunn sitt dor ein, mit den Rüggen tau mi dreiht, in Lazarettkittel frilich, äwer mit en kahlen Kopp. Nu hadden wi man twei mit en kalen Kopp tüschen uns hatt, un de ein, Piter, hadd all so vel smert un dahn, dat hei all 'ne Ort korte Lammwull wedder kregen hadd, un de anner, Br., was vör en Virteljohr fri kamen. Wer was dit? – Ick kamm neger – 't was Br., de olle lustige fidele Br., de den Unkel Dambach so velen schönen Arger makt hadd, de för jede slimme Sak ümmer 'n frischen Witz hadd un mal, as em sin oll Vader besöchte, tau uns ranne sprungen kamm. »Denkt jug, min Oll hett nu ok all en kahlen Kopp!« – Ut Fründschaft hadd dese brave Kirl dat wagt, sinen ihrlichen Kahlkopp wedder in den Löwenrachen rinne tau steken; äwer so ganz unbesonnen was dat nich, sine Fründschaft hadd wat anners in den Sinn. Hei blew dese Nacht bi uns, un vel müßte hei vertellen. Den annern Morgen gung hei strack un stramm as Kumpani-Gregorius wedder ut dat Lazarettdur rute. As hei weg was, kamm W. nah mi ranne: »Charles douze« – dit was min Spitznam, de Pommern un Meckelnbörger säden äwer ümmer »Korl Duß« –, »Charles douze, haddst du woll Lust, von hir dörchtaubrennen?« – »Worüm dat nich?« säd ick. »Gor tau sihr, Herr Rolack!« – »Kannst du Geld anschaffen?« – »Anners nich, as von minen Vader.« – »Süll hei di woll wat schicken?« – »Weit't nich«, segg ick, »bet up Stun'ns hett hei nicks von't Weglopen hüren wullt.« – »Versöcht möt't warden«, seggt hei, »sett di dal un schriw en Breiw; besorgen will ick em, un up de Person, de mi dorbi behülplich is, kann sick din Vader fast verlaten.« Ick set'te mi also dal un schrew en schrewen Breiw an den Ollen, dat dat Weglopen mi sihr taudräglich sin würd, dat ick dat ungeheuer fin infädeln würd, dat ick en por richtige Mitkollegen dortau hadd un dat uns kein Deuwel wedder krigen süll; ick för min Part wull denn nah Sweden gahn, wull dor Landmann spelen, mi in Schonen en Gaud, wenn't mäglich wir, 'ne lütte Grafschaft köpen un wull denn ümmer af un an heimlich nah Meckelnborg räwer kamen un em en beten besäuken; un tau all dese Herrlichkeit hürte wider nicks tau, as en por hunnert Daler Geld, de süll hei dortau hergewen, dat anner besorgt ick denn nahsten. W. namm minen Breiw un brächte nah'n acht Dag' richtig Antwurd. – De Oll wull nich; ick müßte jo bald fri kamen. – Ick kreg kein Geld un müßte also sitten bliwen. Den Namen von den Mann, de den Breiw besorgt hett, weit ick nich, un doch wir hei bi 'n Hor mit de Näs' an't Fett kamen, de ganze Geschicht wir an den Dag kamen, wenn min Krätending von lütt Swester nich en verdeuwelten Infall hatt hadd. – Ick möt de Geschicht hir inschuwen. Tau desülwige Tid was B. von den S....barg weglopen, un de Platzmajur dor, wat en Meckelnbörger was un mit minen Vader sick männigmal Breiw' schrew, klagte em sine Not, wo em dat güng, denn sei wullen em un den General von L. ut B. sin Utritschen 'ne Nahlässigkeit in ehren Deinst nahwisen. Min Oll antwurt't em wedder, hei hadd ok en Breiw von einen em ganz unbekannten Mann kregen, de mi tau 'ne Flucht behülplich wesen wull, hadd äwer de Sak aflehnt. Desen Breiw nimmt nu de Kummandant von den S....barg un schickt em an dat gottgesegente preußische Ministerium, wenn't so los güng, wenn de Lüd' butwarts von 'ne Festung sick all dormit afgewen, de Gefangen fri tau maken, denn müggt uns de Düwel möten, hei för sin Part wull leiwerst Flöhhäuden gahn. Dat preußische Ministerium wendte sick nu an de meckelnbörgsche Regierung – denn dunntaumalen hadden wi noch kein Ministerium in Meckelnborg –, sei süll doch mal en beten nahhorken, wer woll den Breiw an minen Vader schrewen hadd, un as min Oll eines Dags bi sin Middageten sitt, kümmt denn ok richtig en großherzoglichen Kummissorius an, de nah den Breiw fragen ward. – Na, nu schütt denn minen armen Ollen dat Bladd, un hei ward gewohr, dat hei sick in 'ne grote Dämlichkeit inlaten hett. Äwer hei süll dor noch gaud naug rute kamen! – Min lütt Krät von Swester süht, wo de Oll in de Klemm sitt, sei weit, wo de dumme Breiw liggt, sei geiht also driwens ut de Dör, söcht em sick un geiht dormit nah de Käk; dor brennt noch just en schönes Koffefüer, sei höllt den Breiw en beten an dit Füer, un as hei schön verbrennt is, leggt sei de Asch up en reinen Teller, kümmt rin tau den Herrn Kummissorius: »Hir is de Breiw!« – Je, wat nu? – De Oll wüßt den Namen nich mihr, un min lütt Krätending von Swester hadd en braven Mann vör 'ne langjöhrige Festungsstraf reddt. – Dit Stück hett mi ümmer sihr schön gefollen. Äwer wo würd dat nu in dat Lazarett tau M.? – Ick wüßte jo nu, wo de Klocken lüdd'ten un dat ick för min Part in de Geschicht vullstännig utspannt was. Dat Kläukste was nu, ick kümmerte mi nich mihr üm de Sak, un dat ded ick denn ok. Mit de Wil was frischen Nahschubb in dat Lazarett kamen, en por swor kranke Kammeraden wiren inbröcht worden, de Platz würd tau beengt, un eines Dags ordnierte de Stabsarzt dat an, dat vir von uns – ick ok mit – nah 'ne lütte Stuw' in dat tweite Stockwark bröcht warden süllen. Den sülwigen Abend kamm de Platzmajur, as all tauslaten was, let sick de Dör unnen upsluten un bröchte för einen en Breiw. In sine Gegenwart würd de Dör von den wachthabenden Unteroffzierer wedder tauslaten, in sine Gegenwart würd de Slätel an den Lazarett-Inspekter afliwert, un den annern Morgen wiren W. un R. weg. Wo sei dit farig kregen hewwen, weit ick von eignen Ogenschin nich, un't wüßt ok keiner von uns allen nich; äwer nah un nah hewwen wi uns unner enanner dat befragt, un de ein wüßt dit un de anner dat, un tauletzt kregen wi ok den Breiw tau lesen, den sei an den irsten Kummandanten Grafen H. schrewen hadden, wo sei em dat utführlich vertellten, woans sei't makt hadden. – 't was 'ne Ort von niderträchtigen Breiw, un ick red dor noch wider äwer. Vörlöpig dit. De lütte Br., de olle lütte fidele Br., hadd ut reine Fründschaft för W. sine Friheit, de hei knapp hadd geneiten kunnt, wedder wagt, üm sinen Fründ fri tau maken. Wat dat heit, kann jedwerein inseihn, äwer vollständig kann so'ne Daht blot einer taxieren, de nah Johren mal fri kamen is un weit, wo säut denn de Friheit smeckt. – Hei verlet Vader un Vaderland, würd en Flüchtling in de Welt, set'te sine ganze Taukunft up't Spill; äwer hei set'te dat dörch, hei makte den Fründ fri. Em sall't gaud gahn sin, hei sall einer von de beleiwtsten Schriftstellers in Wien sin, un dat freut mi recht von Harten, dat hei för gaude Daht gauden Lohn funnen hett. Hei hadd sick bi sine Anwesenheit de Släd' in Waß afdrückt, hei hadd mit 'ne Waschfru, de för den einen Kumpani-Gregorius waschte, Bekanntschaft makt un hadd sei dortau bröcht, dat sei unner ehr Wäsch en por Uneformen un wat dortau hürte för de beiden rinne smuggeln ded, un an desen Dag, von den ick red', was hei ut Berlin kamen un was just dorbi west, de Dör uptaudidrichen, as de Platzmajur för den einen von uns en Breiw brächte. – Knapp sall hei man Tid hatt hewwen, sick up de Retürad' tau retürieren, un dor sall hei denn so lang seten hewwen, bet de Luft rein worden is; dat heit buten. As de Platzmajur weg west is un allens schön hett tausluten laten, hett hei de Dör wedder upslaten, de annern beiden hewwen sick fix in 'ne Uneform smeten, un so sünd sei denn ganz gemächlich, de ein as Attollerileutnant, de annern beiden as Kumpani-Gregoriussen, ut den Dur rute gahn; up den Mark hett 'ne Extrapost parat hollen, un dormit sünd sei denn nah Hamburg kutschiert un nahsten tau Water wider nah Helgoland. – Dit allens vertell ick blot von Hürenseggen, un't kann sick mägliche Wis' ok en beten anners verhollen hewwen; äwerst wat nu kümmt, heww ick wedder sülwst mit anseihn. Den annern Morgen würd dat unner uns in de grote Stuw' all sihr tidig hellschen lewig, un ein von uns, de dat Mul nich recht hollen kunn un ümmer Hans vör allen Hägen was, de Baukhändler Cornelius ut Stralsund, makte unnen dat Finster up un röp nah uns, nah baben ruppe. – Wi keken ut: »Wat?« – »De sünd weg!« röp hei. – »Wer?« – »W. un R.«, säd hei. – »Na, denn lat sei, Schapskopp. Wat hest du hir tau raupen?« säden wi un makten dat Finster wedder tau. Äwer't müggt jo doch woll noch wer anners hürt hewwen, denn't was noch lang nich Tid taum Upsluten, as de Inspekter all mit de Slätels lep. Un't wohrte nich lang', dunn würd dat en Upstand un en Rönnen un Lopen, Wachtmannschaften un Upwohrers un Inspekter un Unteroffzierers, allens lep dörchenanner, un mit de Wil kamm denn ok de Präses von de Lazarettkummischon, de olle Oberstleutnant von H....ch, wat de öllste Offzierer von de ganze preußische Armee was, denn hei was all Leutnant bi den ollen Fritz west, herannewackelt, un unner uns würd dat nu sihr lud, denn de olle Herr towte för sin Öller nich slicht. As hei unnen farig was, kamm hei nah uns ruppe: »Meine Herrn, zwei von Ihren Kameraden sind zum Deuwel gegangen.« – »Schön«, säden wi. – »Den Deuwel schön!« säd hei. »Wenn ick dat den General Grafen H. sage, denn trampelt er mir ja uf de Bene rum.« – Je, säden wi, wi künnen bi de Sak ok wider nicks nich dauhn. – Hei kennte uns, meinte hei, wi wiren ebenso as de, de weglopen wiren, wi wiren mitschüllig. – Dat wiren wi nich, säden wi. Sei fasttauhollen, dortau wiren wi nich set't, un mitlopen wiren wi jo ok nich. Wat uns de ganze Sak angüll? – Nu würd de olle Herr äwerst hellschen kratzböstig: »Dat Mitlopen will ick Ihnen woll verpurren: hier in de Stube werde ick Ihnen Dag un Nacht 'ne Schildwacht rinner setzen.« – Nu lep mi ok de Lus äwer de Lewer. Hei künn dauhn, säd ick, wotau hei en Recht hadd, hei künn uns buten Schildwachen hinnen un vören hensetten; äwer in de Stuw' brukten wi sei nich tau liden. – Na, nu äwer de olle Herr! Wo lodderte hei up mi los! Un wer weit, wat noch passiert wir, wenn nich de Stabsarzt kamen wir – ok uter Pust un Aten. – De röp em nu tau: »Herr Oberstleutnant, Herr Oberstleutnant, übereilen Sie sich nicht! Die Sache ist schon in Richtigkeit, ich habe eben dem General den Fall mitgeteilt. Alle Gefangenen bis auf drei, bei denen ein Transport lebensgefährlich wäre, werden heute abend ins Inquisitoriat zurückgebracht.« – Na, nu gaww sick de oll Herr, denn nu brukte hei jo nich mihr tau den General tau gahn un sick up sine ollen ihrwürdigen Beinen rümmertrampeln tau laten. Mit de Wil was denn nu ok de Platzmajur un de Auditöhr kamen, un all uns' Kammeraden würden tau uns ruppe bröcht, dat de Herren unnen fri Feld behöllen, an Urt un Städ' tau unnersäuken, wo de Kirls dat Stück anfungen hadden. Wi künnen äwer all ehre Unnerhollung mit anhüren, ja ok ehr Hes'wesen mit anseihn, wil de Bähn keinen Windelbähn hadd un de Delenritzen wid utenanner stunnen. Ick will bi dese Gelegenheit vertellen, dat unse drei dodkranken Lüd' up dese Stuw' nahsten blewen, ok dunn, as unnen en Choleralazarett inricht't würd, un dat sei Dag un Nacht dat Stähnen, dat Günsen, de Krämpfen un dat Starwen von de unglücklichen Minschen hewwen mit anseihn un anhüren müßt. Ok en lütt Stückschen von de Humanität! Dat irste, worup sei verföllen, was ok dat Einfachste, nämlich sei wiren dörch de Dör gahn, dorgegen stred äwerst de Platzmajur, wil dat hei den Abend vörher sülwst in Person bi't Tausluten taugegen wesen was; dat tweite wiren de Finstern, äwer de ollen Finstergardinen wiren noch all vör, un tüschen dörch kunn sick keiner klemmen, dat drüdde was denn nu natürlich de Schorstein. De Herr Auditöhr gung denn nu sülwst eigenhändig bi un makte den Kamin up, was äwerst dorbi vel ungeschickter as min Fründ H....mann, denn knapp hadd hei em up, dunn schot em ok de ganze künstliche Buddeltorm entgegen, un nu würd dat unnen en dull Lachen, blot de oll Oberstleutnant schull mit den Lazarettinspekter, wo dat hei so 'ne Unregelmäßigkeit hadd liden kunnt. Äwer ok hir smet sick de Stabsarzt tüschen un makte den ollen Herrn begriplich, dat de Buddeln jo all leddig wiren, un dat 'ne leddige Buddel keinen Schaden bi en Kranken anrichten kunn. Dat müßt de oll Herr denn jo ok woll inseihn, un as sei tauletzt in gauden Freden utenanner gungen, dunn was en jeder von ehr grad so klauk, as hei west was. Wi, de wi gahn kunnen, würden gegen Abend all wedder in't Inquisitoriat taurügg bröcht, un hir – ach, du leiwer Gott, wo hadd sick dat verännert! All unsere »Errungenschaften«, as sei dat hüt nennen, wiren fläuten gahn; de Herr Inspekter let de Uhren hängen as en begaten Pudel, D....mann triumphierte, de Gefängnisknecht K. was wegjagt; denn Se. Excellenz, de Herr General Graf H., was in eigene Person up den Inquisitoriatshof kamen un hadd dor rümmer pust un towt as en Dampwagen, de ut de Schinen gahn is, un hadd tauletzt an den Gefängnisknecht K. en afschreckend Bispill statewiert. – Nu gung hir allens up de Tehnen rümmer. Twei Dag' nah dit Weglopen begaww sick en lustigen Spaß tüschen den Herrn Auditöhr un den Herrn Platzmajur, den wi nahsten, as de Tiden wedder beter würden, schön warm tau weiten kregen. – De beiden Herrn drapen sick bi unsern Inspekter, un de Auditöhr seggt: »Wiederkriegen werden wir sie denn wohl«, womit hei de Utknipers meinte. –»Das ist keine Frage«, seggt de Platzmajur. »Wohin wollen sie groß, die Steckbriefe...« – »Ja«, föllt em de Auditöhr in't Wurd, »ich wollte Sie schon immer danach fragen, wie Sie es mit den Steckbriefen eingerichtet haben.« – »Ich?« fröggt de Platzmajur. – »Ja, Sie !« seggt de Auditöhr. – »Das ist ja Ihre Sache«, seggt de Platzmajur. – »Den Teufel auch«, seggt de Auditöhr, »das müssen Sie besorgen.« Un as Gott den Schaden besach, wiren dese schönen Infangelbreiw' noch gor nich in Kurs set't. Nah söß – säben Dag' hadd wi denn ok all de tröstliche Nahricht, dat uns' gauden Frün'n richtig in Helgoland ankamen wiren; sei hadden dit fröliche Ereignis den Herrn General in einen ungeheuer lustigen un niderträchtigen Breiw persönlich anzeigt, un wi kregen desen Breiw den annern Dag all in 'ne saubere Afschriwwt tau lesen. – Wo dit mäglich was, weit ick nich, un wenn ick't wüßt, säd ick't nich. – Wohr is't äwer! – Excellenz wiren in helle Wut, un wat em am meisten argern ded, dat was dat , dat sei em vertellten, wo de Schildwachen ehr noch alle möglichen Honnürs wegen den falschen Attolerioffzierer makt hadden, un dat sei unner de brüklichen militörischen Ihren ut dat Lazarettdur rute gahn wiren. Dat was eigentlich en beten fatal för unsere Excellenz – oder »Pestilenz«, as de Bur bi uns seggt – un fatal wiren em ok de nüdlichen Näsen, de em von Berlin tauschickt würden, hei kamm also up den Infall, de ganze Sak unsern braven Stabsarzt in de Schauh tau schuwen: hei hadd gesunne Lüd' in't Lazarett rinne namen. Äwer de Voß was em tau klauk; de Stabsarzt was en Mann, de sick de Botter nich von't Brod nemen let; hei verlangte 'ne Kummischon, de den Gesundheitsstand bi uns unnersäuken süll, un so kemen denn ok eines Dags drei Herrn bi uns an, de Generalarzt B., de Regierungsrat A. un de Ingeniürmajur von L. Gr. un ick wiren de irsten, bi de sei rinne kemen, wi wahnten an de Trepp. De Majur met sick dat Lock ut, hei met ok dat Finster, un wo hoch dat von de Ird was. De annern beiden Herrn frogen uns, ob wi äwer uns' Gesundheit tau klagen hadden. Gr. säd, hei led an de Lewer, de Generalarzt frog em, wat hei dorgegen bruken ded. – Hei drünk Quastiantee, säd hei. – De Regierungsrat frog mi, wat mi fehlen ded; ick säd, ick wir wegen swacke Ogen von S. hirher verset't worden. – Hei sach sick üm, schüddelte mit den Kopp: »Hierher, wo Sie niemals ein direkter Lichtstrahl treffen kann, wo Sie stets nur ein schwach reflektiertes Licht trifft?« – Hei besach mine Ogen un gaww mi den Rat, mi nich bi't Waschen den Vörkopp so natt tau maken, as ick dat an de Mod' hadd, ick riskierte süs, dat ick den swarten Stor kreg. – Sei probierten dunn noch uns' Drinkwater un gungen wider. Up annere Fläg' hadden sei sick de kostbore Luftheizung anseihn, un tauletzt wiren sei nah den Hof gahn un hadden sick uns' En'n Spaziergang bekeken. Dor hadden sei denn nu wat Sauberes raken. Up unsern Hof wiren twei Kloaken, wo allens dat tausam flöt, wat gegen 500 Minschen, de in't Inquisitoriat seten, jichtens maken känen, un links von uns, nah Westen tau, lagg 'ne grote Isengeiteri, von de wi den Steinkahlendamp ut de irste Hand kregen. – Dese frische Luft hadd ehr begripliche Wis' nich sihr tauseggt, un as ihrliche Lüd', de sei würklich wiren, hadden sei ehr Gaudachten dorhen afgewen: »Den politischen Gefangenen im Inquisitoriat zu M. fehlt es an den drei notwendigsten Lebensbedingungen, an frischer Luft, an Licht und an Wärme; auch ist das Trinkwasser, da es Flußwasser von unterhalb der Stadt ist, nicht zu genießen.« So! Dat was denn nu nah uns' virjöhriges Elend dat Urtel von drei ihrenwirte, sakverstännige Lüd'; dor wiren nu Minister un Generals un Obersten un Upseihers un Schinnerknechts bi herümmer gahn un hadden seihn un hürt un raken, un keinen was't infollen, dat wi, wenn wi dörtig Johr afsitten süllen, doch ok dörtig Johr lewen müßten. Ick will nicks wider dorvon seggen, denn up Stun'ns noch, nah fiwuntwintig Johr, kriwwelt mi de Hut, wenn ick doran denk. Un denn wunnern sick de Lüd' noch, wo einer Demokrat warden kann. As wi inspunnt würden, wiren wi't nich, as wi rute kemen, wiren wi't all. KAPITTEL 11 Dat Graf H. sick dat entsäd, un dat de Gaus en snurrigen Vagel is. De Kapteihn trett up; nich blot in dese Geschicht, ne! hei trett för uns all up un fecht't en nigen, vörnemen Titel för uns dörch. Worüm min olle brave Kapteihn in sinen dodigen Friwilligenbort rinne weint un sick mit mi versetzen let, un wat sin olle grise Fründ dormit tau dauhn hett. De Bericht von unsere Lag' un unsern Gesundheitszustand was denn nu an de hohe Ministerialkummischon in Berlin inschickt, un obschonst de drei Herrn, de in dese Anstalt ehr Wesen bedrewen, de hartste Tucht för uns noch för 'ne Gnad höllen, so müggt bi ehr doch woll in 'ne gaude Stun'n, wo de ein von ehr an slimm Ogen, de anner an 'ne Bostbeklemmung un de drüdde an kolle Fäut led, de Gedank upstigen, dat sick ahn Licht un Luft un Warmnis man hellschen gadlich lewen lett, ok müggten sei bedenken, dat so'n laues, flaues un fläumiges Flußwater lang' nich so taudräglich för de Gesundheit is as dat Gedränk, womit sei sick in ehren Geschäften stärken deden: Der Herr Minister Regiment Soll beim Burgunder sein. Genaug, sei besloten, uns annerswo intaumeiden. Ick glöw äwer, dor wir ok noch lang' nicks ut worden, wenn sick nich noch en annern Umstand begewen hadd: de irste Kummandant, General Graf H., sturw nämlich üm dese Tid, un mit em würd en gaud Deil Haß gegen uns begrawen. De tweite Kummandant, Oberst B., folgte sine Lik, verküllte sick dägern dorbi, un drei Dag' drup folgte hei sinen Vörgesetzten up den sülwigen Weg. Vörher äwer, up sinen Dodenbedd, hadd hei den Platzmajur tau sick raupen laten un hadd em dat up de Seel bunnen, dat hei, de Platzmajur, dat utführen süll, wotau hei sülwen kein Tid mihr hadd. Hei süll an de Herren in Berlin schriwen, dat, wenn nich bald 'ne Ännerung mit uns vörgüng, wi alltausamen vör de Hun'n gahn müßten. Dat geschach denn nu ok, un dat Minister-Regiment müggt jo denn nu woll bedenken, dat wi doch eigentlich ok Minschen wiren, wenn ok man swart-rod-goldene; de Herrn makten denn nu also ok allmähliche Anstalten. Dat tägerte sick äwer hellschen hen; denn so wat darw jo doch nich äwerilt warden, un so kamm dat denn, dat de interimistische Kummandant, de Generalleutnant v. Th. I., de dat Armeekur kommandieren ded, noch vullup Tid behöll, unsere Bekanntschaft tau maken. De Mann kamm sülwst tau uns – sel. Graf. H. is seindag' nich mit keinen Faut bi uns west, hei hett seindag' nich de Kurage hatt, dat Elend antauseihn, wat sine Gesinnungen »mit Gott, för König un Vaderland« anstift hewwen. – Dese Mann kamm also tau uns, un wil dat Gr. un ick dicht an de Trepp seten, wiren wi de irsten, bi de hei vörsprak, hei frog nah allens: wo wi uns befünnen, wo uns tau Maud' wir, woans wi hollen un behandelt würden, un up all dese Fragen kreg hei ein un de sülwige Antwurd: »niderträchtig!« Un as de Tappen man irst ut de Tunn treckt was, dunn pruste dat ok bi uns schön herute, un all de Gift un Gall, de de sel. Graf in uns upspikert hadd, de kamm taum Vörschin. Hei säd nich vel; äwer as wi dorup kemen, dat wi nich mal in den Gottsdeinst gahn dürften, dunn rögte sick wat bi em, un hei säd: dat süll wi, un dat wull hei up sine Kapp nemen; dat anner müßt äwer so bliwen, bet en nigen Kummandanten instellt wir. Sei säden dunnmals, hei hürte unner de Framen, un wenn hei de Minschlichkeit in unsere Behandlung achter de Frömmigkeit stellte, so will ick den Mann dorüm nich verachten, denn för uns was hei beter as de sel. Graf, wat en Weltküken was un »die Güter dieser Welt« woll tau taxieren verstunn, indem dat hei des Morgens taum Frühstück en ganzen Gaus'braden upet un denn tau sine leiwe Fru säd: »Mein liebes Kind, eine Gans ist doch ein sonderbarer Vogel, ißt man eine zum Frühstück, so wird man nicht satt, ißt man zwei, so verdirbt man sich das Mittagsbrot.« – So vertellten sei sick wenigstens. Den Dag dorup kregen wi von den Herrn Generalleutnant jeder en Gesangbauk un, wat beter was, einen Besäuk von den Divisionspaster L. Dit was en annern Mann as de Preister, de uns 'ne Homilie up den Waschbähn lesen wull un kein Tid hadd; dese Mann hadd Tid för uns un set'te dat dörch, dat wi in de Kirch kemen; frilich blot einmal un in de Gesellschaft von vele Schandoren, äwer dit einmal was beter as süs hunnertmal , un sine Red' klingt mi noch in mine Uhren, un ick will hoffen, dat sei mi bet an min End in'n Harten klingen ward. Ick hadd nu all so ungefihr en Johr in dese Spitzbaubenanstalt von Inquisitoriat seten, un dat beten Lewenslust, wat sick noch hen un wenn in dat tausamschräute Mark von de Knaken vörfinnen ded, kunn nich mihr dörch den Jammerkram taum Vörschin kamen, as eines Abends in den Februwori 1838, wo de Snei vör beiden Dören lagg un dat buten Stein un Bein frür, de Platzmajur bi uns vörsprak un Lock bi Lock frog, wat sick nich weck von uns dortau verstahn wullen, sick den annern Morgen Klock vir up den Wagen tau setten un in Nacht un Küll nah 'ne anner Festung aftaureisen. – Wohen säd hei nich, dürwt hei ok nich seggen. – Keiner wull. – De meisten wiren krank, de annern hadden bi so'ne Küll nich recht wat von Tüg up den Liw', un ut all de Wolldahten, de uns de Herrn Ministers taudacht hadden, wir nicks worden, wenn mi de Snider nich dunn an den lustigen Dag 'ne nige Mantel anmeten hadd. Ick äwerläd mi de Sak; en rechten warmen »Scheper-wohr-di« hadd ick, mit mine Gesundheitsümstän'n gung dat passabel, un im äwrigen dacht ick: wat kann dor Grots nah kamen? En Ossen un en Fäuder Heu möt einer ut den Weg' gahn. Du büst nu all up vir, fiw Fläg' west, ball up en gaudes, ball up en slichtes, un't is jo mäglich, dat't ümschichtig geiht, un slimmer as hir kann't jo nich kamen. Ick säd also tau den Platzmajur, ick för min Part wir parat, un hei meinte jo, wenn wi man noch einen dortau hadden, denn künn de Reis' losgahn, un dese eine funn sick denn ok. – Min oll Fründ, de Kapteihn, dacht ebenso as ick, un denn hadd hei ok 'ne Mantel un tworsten ein mit säben Stockwark ümmer ein äwer't anner; sei sach man gris ut, un ok dese Farw wir all en beten verschaten, äwer jedwerein kunn't ehr anseihn, dat sei unner 'ne unschinliche Butensid en wolldähtig Gemäud hadd un dat sei in ehren langen Lewen an ehre velen Herrn vel Schutz un vel Warmnis veraffolgt hadd. Up dese olle Fründin verlet sick de Kapteihn, un den annern Morgen Klock vir seten wi tausam up den Wagen un führten mit twei Schandoren in den kollen Wintermorgen herin. Wohen? Dat wüßt blot de leiw' Gott un de allmächtige Ministerialkummischon. Heww ick nu eben de Mantel beschrewen, denn möt ick doch ok woll en por Würd' von den Kirl seggen, de dorinne satt. – De Kapteihn – eigentlich heit hei anners – verdeinte sinen Namen mit Recht, un wat sin militärisches Utseihn anbedrapen ded, so hadd hei eigentlich »Oberst« näumt warden müßt, blot dat hei bi de slichte Kost, de wi kregen, sick nich de paßliche Vülligkeit von so'n Regimentskummandür up de Ribben schaffen kunn. Hei was man hellschen drög; äwer schadt em nich, sülwst bi dese wenigen Mittel wüßte hei dat Militörische, wat in em satt, so herute tau kihren, dat de Schildwachen, wenn hei in sinen grisen Mantäg un 'ne olle Soldatenmütz spazieren gung, ümmer nich recht wüßten, süllen sei't Gewehr antrecken oder nich. Sei hadden't dahn, sei hadden't, der Deuwel hal! dahn, wenn hei sinen gelen Snurrbort noch hatt hadd, de em in gauden Tiden, as hei tau Hall as Füselier sin Johr afdeinte, unner de Näs' dal hung; äwer den hadd em de sel General Graf H. afscheren laten, nich up Staatskosten, ne! up sine eigenen, grad as uns äwrigen all. Denn de sel. Graf dachte so: kannst du de entfamten Bengels nich an Kopp un Kragen kamen, sallst du taum wenigsten mit den Bort vörleiw nemen, un so was denn nu tau de annern Schererien ok noch de Bortschereri kamen; äwer man tweimal up de Woch, weswegen wi fiw Dag' up de Woch as de Stachelswin herümlopen müßten. Keiner von uns argerte sick äwer dese Schurigeli düller as min Kapteihn, wi annern verlüren man blot en beten unbedüdendes Studentenbortwarks un müßten allerdings dortau noch de Kosten dragen; äwer hei verlür einen vullstännig in einjöhrigen Freiwilligendeinst utgebildeten Militörbort, un dat will en ganz Stück mihr beseggen. Hei smet also tau sinen natürlichen Gefangen-Haß noch en separaten Militör-Haß up den General un säd, achtteihnhunnertdrütteihn hadden vele Lüd' in de Grabens rümmer seten, un wat hei noch süs wider för unbedachtsame Anspelungen vörbröchte. Un as hei mal en Breiw von de Kummandantur kreg mit de Upschrift: »An den Demagogen Sch.«, dunn kreg hei den Ossen bi't Hürn tau faten un schrew an den Herrn Kummandanten: hei verbed sick dat; »Demagog'« wir en Schimpwurd, un dat wull hei nich för sin Vull hewwen. Un de General schrew em wedder, hei wir en Demagog', un hei würd em ümmer so nennen; un de Kapteihn antwurt em wedder: hei wir kein Demagog'; un de General schrew taurügg: hei wir doch en Demagog', un so schrewen sei sick 'ne Hand vull Breiw' mit allerlei Andüdungen un Upklärungen, de Kapteihn noch uterdem mit Spitzen, un de General mit Growheiten, bet des' tauletzt sick de ganze Schriweri verbed. Dunn gung min oll gaud Kapteihn an sinen Kuffert un halt en tausamgewickeltes Poppier herute un läd dat up den Disch un set't sick dorvör un folgt dat utenanner un kek lang' dat an, wat dorinne wickelt was, bet de hellen Tranen em in de Ogen stunnen un herinne fällen in den Bort, denn sin Friwilligen-Militör-Bort was in dat Poppier wickelt un lagg vör em up den Disch, un hei hadd trotz sine Kriegsdeinsten en hellisch rührsam Hart behollen. Un ut de Rührsamkeit äwer den Verlust von den horigen Fründ, den hei in betern Tiden, wenn ok nich an't Hart, doch unner de Näs' dragen hadd, kamm hei in helle Wut äwer de Nidertracht, de em irst in Schaden von wegen den Bort un dunn in Schimp von wegen den Demagogen bröcht hadd, un hei swur en sworen Eid, hei wull jede Gelegenheit benutzen un all sine Kraft tausam nemen, dat hei mitdewil wedder wat unner de Näs' un de Herr General wat in de Näs' kreg. Dat Irste gung nu nich so up en Slump, so'n Bort wull Tid hewwen tau wassen, vörnemlich up so'n jung Rad'land, un wenn hei ok mal einen Balbierdag 'ne lütte Schonung glücklich dörchbröcht, dat negste Mal müßt sei doch wedder reglementsmäßig fallen, un hei kunn nich dorför sorgen, dat sin Näs' wedder unnerwarts mit militärische Ihren ümgewen würd, hei müßt sick mit den tweiten Deil von sinen Swur begnäugen, nemlich dat den Herrn General sine Näs' ehr Recht geschach. Hei set'te sick also hen un schrew en dicken Breiw an dat Kammergericht un schickte sinen ganzen schriftlichen Schormützel mit den Herrn General mit in un verlangte stats »Demagog'« den Titel, de em von Rechts wegen taukamm. Richtig! hei set'te dat dörch, den Herrn General würd von babenwarts 'ne lütte nüdliche Pris' in de Näs' rewen, un min gaud Kapteihn kamm dat negste Mal up den Hof sprungen un höll in grote Freuden en Breiw von den Herrn General in de Höcht, worin de em schrew, von jitzt an würd hei sine Breiw' nich mihr an den »Herrn Demagogen Sch.« adressieren, sünnern an den »Herrn politischen Verbrecher Sch.«, wat ogenschinlich en groten Unnerscheid is, denn en politischen Verbreker is vel mihr as en gewöhnlichen Demagog'. – De Kapteihn hadd't dörchset't, nich allein för sick, ne, ok för uns, un wi freuten uns denn sihr tau desen langen Titel un bedankten uns bi den Kapteihn un höllen en langen Rat, wat wi nich dorüm inkamen wullen, dat sei uns ok noch den Titel » geheime politische Verbrecher« verstatten wollen, wil dat wi doch nu ok all Johre lang in't Geheime seten; dor würd äwer nicks mihr ut, denn de Herr General sturw glik nahher. Dit hadd de Kapteihn richtig dörchset't, äwer sinen Militörbort set'te hei nich dörch, un dit was eigentlich de Grund, weswegen hei sick versetzen let. Dat Klima in M. säd sine Bortkonstitution nich tau. Ut dese lütte Vertellung kann einer ungefihr utnemen, wat för 'ne Ort Minsch min oll Kapteihn eigentlich was. Von butwennig was hei en statschen Kirl mit gele Hor un en gelen Snurrbort – dat heit jitzt noch nich, ihrst nahsten – vull militärische Anstalten un in 'ne grise Mantel mit säben Kragen; äwer man mager; von binnen was hei en braven Mann, vull Ihr un vull Redlichkeit, mit en gor tau sihr rührsam Hart un mit 'ne Inbillung behaft, de ümmer up jensid von de Festungswäll spazieren gung un dor »de Eine« söchte, de hei sick för't Lewen tauleggen wull, ball was't 'ne Blonde, ball was't 'ne Brune, ball was't 'ne Swarte, sülwst de Roden let hei nich. – Na, wi warden't jo ball seihn. III. Berlin un de Husvagtei (Nich taum irsten, ne! taum annern Mal) KAPITTEL 12 Von't Wedderseihn un den Herrn Kriminaldirekter Dambach. 'ne Geschicht, de glik achter't Uphängen kümmt. Worüm mi de Kammergerichtsbad' Heubold as de Düwel un de Schandor Res' as en Gottsengel vörkamm. Wedderseihn! Wedderseihn! Wer kennt nich dit leiwe, truge Wurd? Wer kennt nich dese handgripliche Gewißheit, von de uns de Hoffnung Johre lang vertellt hett, up de sei uns vertröst't hett? Wer hett nich sine Brud mal wedder seihn, wer nich sine ollen Öllern, wer hett nich sinen Fründ ut jungen Johren (Korl Kräuger, Fritz Peiters) an't Hart drückt? – Un wenn sick't einer ok nich so marken lett, wil dat hei mit de Tid ok oltfränksch worden is – warm ward't em doch üm't Hart, denn de, de em de ollen trugen Gesichter vör de Ogen rückt – uns' Herrgott –, de steiht denn ganz dicht bi em up de Neg' un hett sei noch an sinen Faden: »Süh dor! Freu di!« – Wer hett nich de Städen wedder seihn, wo mal en grotes Glück, en grot Hartled em bedrapen? – Ach, de Städen! – Worüm stigen ut dese Städen, ut Busch un Wald, ut Gras un Blaumen, ut Lauwen un Gräwer so vele stille, schöne Wesen up un lachen uns an un weinen in unsere grisen Hor ehre Tranen, un wi känen sei nich faten un hollen, dat sei uns Antwurd gewen von't Wedderseihn! – Ja, schön is dat Wedderseihn, ok bi de Städen ; äwer wenn einer up en Flag kümmt, wo sin Hart mal mit Fäuten peddt is, wo nicks, rein gor nicks von Gotts-Segen un Minschenfründlichkeit up em follen is, denn krempt sick sin Hart üm, un denn is dat Wedderseihn Gift, un de Wesen, de dor upstigen, sünd bleike, grise Späukels, de in ehre Hän'n Rad un Galgen dragen un en unverständlich Bauk »Preußisches Landrecht; Titel: Konat des Hochverrats«. Oh, ick heww di velmals wedderseihn, du olles grises Hus up den Schinkenplatz tau Berlin. Dat letzte Mal was't verleden Sommer, as ut ganz Dütschland de frischen Grisjacken un Windbüxen tau't Turnerfest in Berlin tausamen kemen, as de swart-rod-gollnen Fahnen ut alle Finstern weihten un sülwst de wirklichen Herrn Geheime Räte »Gut Heil« ut dat Finster röpen. – »Kumm mit, Fritz!« röp mi en ollen Fründ an den irsten Dag tau, »wi führen hüt all nah Spandau. De Stadt Spandau spendiert hüt, de Magistrat hett virhunnert Daler tau uns' Bewillkamung utset't.« – »Ick dank velmal!« säd ick, »de Weg von Swartrodgold nah Spandau is mi gaud naug bekannt«, un gung nah Hus un namm mine gaude Fru unner den Arm un säd: »Dat känen wi neger hewwen.« Un ick bröcht sei nah den Schinkenplatz vör dat olle trurige Hus un säd: »Süh, dor hewwen sei mal üm min Lewensglück spelt, un sei hewwen gewunnen.« – Un schreg äwer weihte 'ne swartrodgollene Fahn ut en Finster rut, un ick namm mine leiwe Fru faster in den Arm un säd: »Ick heww't betahlt; mihr as betahlen kann de Minsch nich; ward ok nich von em verlangt.« – Un as sei so fründlich un still tau mi tau Höchten kek, säd ick: »Min leiw Döchting, einer sall Gott för allens danken. Wenn ick hir nich seten hadd, wer weit, wat ick di denn kregen hadd.« Den annern Dag set'te ick mi up de Iserbahn un führte tau Hus, let Turnerfest Turnerfest sin. dat Wedderseihn hadd mi't Hart ümkrempt. Äwer mine Geschicht! De Kapteihn un ick seten also in en Wagen un führten mit twei Schandoren, de Slott un Käden in ehre Patrontaschen as notwennige »Bedürfnisse« för uns mit sick führten, nah – Berlin. Hir kemen wi in de negste Nacht, Klock halw twölwen, bi dat lütte, unschinliche grise Hus up den Schinkenplatz, de Husvagtei, wedder an, von wo wi unsen nigen Lewenslop hadden antreden müßt un wo de Herr Kriminalrat Dambach, uns' würdige Unkel, inwahnen ded, äwer mit en högern Titel, denn hei was sörre de Tid Kriminaldirekter un Husvagt worden, wil em dat so schön gelungen was, ut uns dummen Jungs de swönnsten politischen Verbrekers herute tau unnersäuken, de allseindag' den preußschen Staat un den leiwen Bundesdag bet dicht an den Afgrund bröcht hewwen. As wi vör de Dör führt wiren un klingelt hadden, kamm de Herr Inspekter mit datsülwige dröge Knakengerüst un densülwigen fettigen Schappelz tau Rum, mit den hei uns vör fiw Johren alle Morgen un Abend de Ihr andahn hadd, sick nah uns ümtauseihn. Hei was sihr in Verlegenheit, wat hei mit uns upstellen süll, wil wi – as hei säd – em nich ordnungsmäßig anmellt wiren un hei kein Lock för uns in de Reih hadd. Wi müßten also ut de bitterliche Küll in de Wachtstuw' herinne un dor in Qualm un Dunst un 'ne Hitt von 22-24 Grad (unnerdem deiht dat kein preußsche Wachtstuw') bet gegen Klock twei sitten. Üm dese Tid kamm de Herr Inspekter taurügg un mellte uns, nun wäre alles fertig, un wi süllen man mitkamen. As wi äwer den ollen bekannten Hof gungen, wo ick so männigen Tritt liggen hadd, de en vulles Johr hendörch mine ganze Welt utmaken ded, schot mi so allerlei dörch den Sinn, ick müßt stahn bliwen. – Dunnmals un jitzt! – Dunnmals, herute reten ut dat schöne, junge, frische Studentenlewen, üm achter Bleckkasten, Slott un Rigel jeden Sünnenstrahl von Leiw' tau vermissen, üm as 'ne Dreiörgel, de dagdäglich mit twölw Gröschen in Pust un in Gang hollen würd, de Melodie uptauspelen, de de Herr Kriminalrat Dambach vör't hochpreißliche Kammergericht singen wull, dormit dat hei sin beter Furtkamen finnen wull. Hei hadd't dörchset't, hei was up de Kosten von uns, von äwer dusend junge Lüd', de irste Kriminalbeamte in Preußen worden, hei hadd't farig kregen, ut uns, de wi in de unschülligste Uprichtigkeit nich blot säden, wat wi dahn, ne, ok wat wi dacht un wat wi fäuhlt hadden, sick Leddertramen tau sniden, dat hei doran tau sine jitzige höchste Stellung heruppe klattern künn. – Dunnmals! – Wir de Leiw' ok nich begäng', blew de Hoffnung doch bi uns. Hadd hei doch sülwst tau mi seggt – den Herrn Kriminaldirekter mein ick –: »Lassen Sie sich immerhin auf die Festung abführen, Sie müssen entschieden in Ihr Vaterland ausgeliefert werden.« – Un nu? Fiw Johr binah hadd ick seten un keinen Schritt vörwarts! Den Herrn Kriminaldirekter hadd ick von früher her kennen lihrt, un ick dacht so bi mi: 't is en legen Kirl: ick süll em äwer doch noch beter kennen lihren; hei was nich leg , hei was niderträchtig! De por Dag', de wi ditmal in Berlin blewen, hewwen mi dat utwis't. Na, ick will't vertellen. De Inspekter bröcht uns in en Gefängnis rin. Merkwürdig! in datsülwige, wo ick früher mal seten hadd. Dor was desülwige Bleckkasten vör't Finster, desülwigen Ritzen in de Wand, up de ick so oft minen Blick richt't hadd, desülwigen Delen, wo ick so oft in unrauhige Qual herümmer gahn was, dor was de Städ' noch, wo ick mi mal heimlich en Keinspohn ut de Delen sneden hadd. Ut desen Keinspohn hadd ick mi 'ne Schriwfedder makt, versteiht sick von sülwst, heimlich! Tau Wihnachten hadd ick en por Walnät kregen, ick hadd de Nätschellen brennt un mi dorut 'ne Ort Tusch makt, mit de hadd ick schrewen, natürlich heimlich! Nicks Böses hadd ick schrewen, nicks, wat gegen de Husordnung was, blot Gedichte – slichte Gedichte, worin de Wut utbrok, worin de ganze Bitterlichkeit von mine Lag' ludhals' schreg, worin ick dat beten Welt in Grus un Mus tausam slagen un mi dennahsten as »Herrgott der zweite« up desen Schutt etablieren wull. Taum Glück för de Welt is dit allens verluren gahn, un taum Glück för mi klingen dese Gedichte in minen Harten nich mihr wedder, sülwst de Fedder, de Keinspohn, mit de ick dit allens schrewen heww, un de ick Johre lang as Andenken uphegt heww, is von Mariken Gramkows in Treptow mal as en gewöhnlichen Spohn taum Anbäuten in en Aben vernutzt worden. – Wenn mi äwer einer mal besäuken süll, denn kann ick em doch wat Schriftlichs ut dese Tid wisen: »Die Tochter Jephthas« von Byron, de ick ut den Gedächtnis dal schrewen heww. – Byron was tau dunnmalen min Mann. In dit Gefängnis kemen wi in dese bitterkolle Nacht herin. Allens noch as süs, äwer kolt, kolt, bitterkolt! Allens was noch so as süs; äwer up dat Beddgestell hadd en Strohsack legen, de fehlte ditmal. – »Na, Kapteihn, denn helpt dat nich!« – Wi läden uns up de Delen, en Stück Dings unner den Kopp, mit den Mantel taugedeckt, un stats tau slapen, früren wi de Nacht hendörch, denn dat Lock was lang' nich dörchwarmt. Den annern Morgen slot de Inspekter de Dör up un frog recht fründlich; woans wi slapen hadden, wi deden, as wenn wi sine spöttische Reden nich markten, un verlangten för den Fall, dat wi noch 'ne Nacht hir bliwen süllen, en Bedd, taum wenigsten doch en Strohsack. Doräwer, meint bei, künn hei nich bestimmen, hei wull't äwer den Herrn Kriminaldirekter Dambach seggen; im äwrigen hadden wi däglich fiw Sülwergröschen tau verzehren. – Ick antwurt't em, wi wiren doch up de Reis', un unner so'ne Umstän'n wir dat doch Satz, dat wi twintig Sülwergröschen kregen. – Dat hadd de Herr Kriminaldirekter so bestimmt, säd hei un gung dormit ut de Dör. As hei weg was, kamm denn de Slüter un frog, wat wi geneiten wullen. Wi wiren dörchfroren bet up de Knaken un lepen in unsen Kasten rümmer as de willen Dir, blot üm warm tau warden; wat was denn nu natürlicher, as dat uns nah 'ne warme Taß Koffe verlangen ded? Also twei Potschonen Koffe! – Wi kregen den Koffe, äwer de Potschon kost'te vir Sülwergröschen, uns blew noch ein Sülwergröschen för den ganzen äwrigen Dag. Wat süllen wi dorför köpen? Natürlich Brod. Also en Brod taum Sülwergröschen för jeden, un wi wiren mit uns' fiw Sülwergröschen dörch. As wi gegen Abend ok mit uns' drög' Brod dörch wiren un in'n Düstern herümme huckten, kamm de Herr Inspekter wedder, üm uns gaude Nacht tau wünschen. – Dat was denn nu nicks wider as de nichtswürdigste Spott, ick let mi dat äwer nich marken, wo ingrimmig dat in mi towte, un frog em, ob wi denn ok dese Nacht noch ahn Bedd oder Strohsack slapen süllen; wenn uns von wegen de Husvagteiverwaltung kein Lager gewen warden künn, so hadd ick noch 26 Taler un de Kapteihn noch 21 Taler Provatgeld, wat de beiden Schandoren ut M. mitbröcht un hir afliwert hadden, un dorvon künnen jo de Kosten för en Bedd betahlt warden. – De Inspekter makte mi en höflichen Diner un säd, dat wir allens recht gaud, äwer de Herr Kriminaldirekter hadd bestimmt, wi süllen uns irst von uns' fiw Sülwergröschen so vel tausamensporen, dat wi uns en Bedd meiden künnen. Dat was denn nu doch apenbore Niderträchtigkeit, wenn wi däglich von uns' erbärmlich Traktement einen Sülwergröschen afstödden, denn müßten wi dörtig Dag' up de blanken Delen liggen von des Abends Klock fiwen bet des Morgens Klock achten in Düstern, ihre wi den Daler tausam hadden, den dat Bedd för't Monat kosten ded, müßten Hunger un Kummer liden, un weswegen? Hadden wi up't frisch denn wedder wat verbraken, dat sei so mit uns in't Gericht gahn kunnen? – Ick verlangte denn also den Herrn Kriminaldirekter persönlich tau spreken. – De Antwurd was, de Herr Kriminaldirekter let sick üm dese Tid nich spreken, un dormit würd de Dör wedder tauslaten, un wi legen de Nacht wedder up den Fautboden un früren. Den annern Morgen datsülwige: wedder warmen Koffe un en Sülwergröschenbrod. – Ick wull nu den Herrn Kriminaldirekter spreken, as Husvagt was dat sine amtliche Schülligkeit, Klagen von de Gefangenen antaunemen, un wi hadden tau klagen. De Antwurd was: de Herr Kriminaldirekter wull uns äwerall gor nich spreken. Ick set'te mi also dal un schrew an em, ick verlangte einen Protokollführer, wil dat ick mi äwer em bi't Kammergericht besweren wull. Ick kreg kein Antwurd. Den Abend wedder den fründlichen Gaude-Nacht-Wunsch von den Inspekter un dat harte Lager up de Delen. De drüdde Morgen kamm un brächte datsülwige, äwer hei brächte einen Dag, an den ward ick tidlewens denken, denn uter dat anner Ungemack, wat uns all so mör makt hadd, brächte hei 'ne nige Angst un en niges Elend. Min oll Kapteihn würd krank. 'ne grote Unrauh, 'ne jagige Hast kamm äwer em, hei grep hirhen un dorhen. 'ne Bibel lagg in uns' Gefängnis, hei namm sei, hei les', hei smet sei weg, hei les' wedder, hei smet sei wedder weg un lep in't Gefängnis rümmer, rod, blaudrod in't Gesicht, un smet sick denn wedder up de harten kollen Delen dal. – Ick weit't, hir hett hei den Grund tau en por swere Lungenkrankheiten leggt, de em nahsten in ein Johr up de nige Festung beföllen. 'ne Bibel in en Gefängnis is 'ne schöne, minschenfründliche Sak, un de Mann, de tauirst dorför sorgt hett, hürt tau jenne uterwählten Minschen, de nich allein dat swacke Minschenhart, ne, ok unsern Herrgott sine allbarmherzige Afsichten richtig verstahn hewwen. Männig steinern Hart mag weik worden sin vör Gottswurd; männig Verbreker mag dordörch tau de richtige Insicht un tau Gott kamen sin; äwer wi wiren keine Verbreker, wi wiren Sünner alltaumal, eben so'ne Lumpenhun'n as de, de up ehre twei Beinen fri herümmerlepen, äwer in unsen Fall hadden wi nicks verbraken, un dorin stunnen wi rein vör Gott, un nich uns' Herrgott drop uns hir mit Jammer un Elend, ne! de Niderträchtigkeit von Minschen, de ehr grausam Gelüst an uns utlaten wullen, de nicks mit unsen Herrgott, desto mihr äwer mit den Düwel tau dauhn hadden. »Lat dat Bauk liggen, Kapteihn, uns' Herrgott drop di nich, sin slichtes Afbild hir up de Ird hett di blot en por Stein in den Weg smeten! Lat dat Bauk liggen, Kapteihn, mak di nich taum Mitschuldigen von de Gotteslästerer, de mautwillig Elend äwer de Lüd' bringen un denn Gottswurd taum Trost dorför henleggen!« Ick kloppte an de Dör un würd up den Gang herute laten, dor drop ick en ollen Kammergerichtsbaden, de mi ut frühere Tiden bekannt was, Heubold heit de Kirl, hei sall nahsten wegen Unnersleif up de Festung kamen sin, wat ick äwer nich verbürgen kann. Wenn hei dorhen kamen is, denn het't de Hallunk allein all för den Hohn verdeint, den hei mi mit sin grinsiges Gesicht entgegensmet, as ick em frog: »Heubold, wissen Sie nicht, wie lange wir hier noch bleiben müssen?« – Dor stunn hei vör mi mit dat olle, weike, witte, upgedunsene Gesicht, mit dat olle slappe Lachen üm dat breide Mul, mit de olle vossige Perük, un langsam kamm de Antwurd herute: »Sie bleiben immer hier. Glauben Sie, daß der König alle diese großen Gebäude hier leer stehen lassen will? Nein, Sie bleiben hier, und Ihre Kameraden kommen alle nach.« De Schuft wüßt dat beter: hei wüßt recht gaud, dat wi wider reis'ten, hei wüßt recht gaud, wo elendiglich wi hir hollen würden, hei wüßt recht gaud, wo vull Sorgen uns tau Maud' was; äwer 't kettelte den Hallunken doch, uns ok noch en Fauttritt mit up den Weg tau gewen; einer kunn em de entfahmtigte Lust von't Gesicht herunner lesen, mit de hei sprok: »Nein, Sie bleiben hier.« Ick kann't un will't nich striden, dat ick mi von de gründliche Gemeinheit von desen Kirl in't Buckshürn jagen let – so'n Gefangen is gor tau zag, un drei Dag' Water un Brod, dat Liggen up den Fautboden un de bittere Küll maken grad ok nich vel Kurasch' – ick glöwte, hei redte de Wohrheit, un ick verfirte mi dägern doräwer, vel mihr as dunnmals, as sei mi min Dodsurtel spraken hadden. Dat was en Ogenblick Sak, un dit was 'ne lange, lange allmähliche Dodquäleri. 't giwwt man wenig Minschen in de Welt, de en Begriff dorvon hewwen, wat dat heit, wenn einer up Staatskosten langsam tau Dod' quält ward. Mäglich was't, de Anfang was jo all makt, un worüm süllen sei de Sak nich wider bedriwen. – Ach! mi was slicht tau Sinn; äwer dat vulle Unglück süll irst losgahn: min olle leiwe Kapteihn hadd de ganze Geschicht mit anhürt, un wat för mi 'ne jammervulle Qual was, kunn för em tau en dödlich Gift warden. As wi wedder inslaten wiren, felen wi uns einanner in de Arm, un lang' mägen wi woll so stahn un Schutz un Trost an einanner söcht hewwen – wo lang', weit ick nich mihr – äwer dat weit ick noch as hüt, dat min oll brav Kapteihn strack un stramm in dat Lock herümmer gung un sine Krankheit äwerwunnen hadd un dat in mi en allmächtigen Trotz upbegehrte: De Düwel müßt mit den Düwel verdrewen warden. Ick kloppte an de Dör; ick wull en Protokollführer hewwen! Ick wull mi bi't Kammergericht besweren! – Richtig! nah en por Stun'n kamm en Kirl herinne, so'n oll binnen un buten smeriges Worm von Referendorius, von de Ort, de ehr Richterexamen nich farig krigen känen un ehr Lewen lang as Schauhputzer bi de höhern Gerichte vernutzt warden. »Sie wollen sich beim Kammergericht beschweren?« – »Ja!« – »Am besten wäre es denn wohl, wenn Sie selbst Ihre Beschwerde aufsetzten.« – Ne, säd ick, dat wull ick nich, hei wir dortau set't, un hei müßt dat, hei müßt mi dat ok betügen, dat wi all drei Nacht up de blanken Delen legen un den Dag äwer von Water un Brod lewt hadden. Mit Hängen un Wörgen kamm hei dortau; äwer de Redensorten, de ick äwer den Herrn Kriminaldirekter makte – fin wiren sei just nich –, de wull hei nich in sin Protokoll upnemen. Natürlich müßten wi dese Nacht noch wedder up den Fautboden slapen; wi legen tausam, min oll brav Kapteihn lagg in minen, ick in sinen Arm; dat Unglück smedt de Minschen hellschen dicht tausam. Den annern, den virten Morgen ümmer datsülwige! Min oll Kapteihn blew still up sin hart Lager liggen, ick gung up un dal un stellt mi endlich vör den Bleckkasten hen, wo de grage Wintermorgen twei Hän'n breit von baben herinne sach. – Leiwer Gott! un hir noch fiwuntwintig Johr! Min oll Kapteihn was upstahn, hei grep wedder nah dat Bibelbauk. »Lat dat Bauk liggen, Kapteihn! Uns' Herrgott helpt blot den, de sick sülwen helpt. – Wi will'n uns wehren, Kapteihn!« Ach, du leiwer Gott! Wi stunnen tausamen in en halwdüster Lock, inslaten, nicks up un nicks in den Liw', un wullen uns gegen de Welt wehren! Mäglich, dat mi einer von de sogenannten Framen deswegen verachten deiht, dat ick dat Bibelbauk taurügg smeten heww, ick kann ehr äwer de Versicherung gewen, dat en helles, frisches Gottvertruen ahn Bibelbauk un Beden äwer mi kamen was, un taum Pris un Ruhm von unsen Herrgott will ick't hir seggen: »Dat hett mi nich bedragen!« De Dör würd upslaten, un in de Dör stunn de Schandor Res', de mi vör fiw Johren so oft taum Verhür bi den Herrn Kriminalrat bröcht hadd. Hei was en ollen, langen, drögen Mann, sin Gesicht was von Pockennoren terreten un von Sommersprutten bemalt, en kümmerlich gris' Hor hung em von baben dal, un ut jeden Näs'lock hung em »Friedrich Wilhelm der Dritte« as en grises Talglicht herute – hübsch was hei nich, äwer dennoch! – wenn mi einmal uns' Herrgott in mine Dodsstun'n en Erlösungsengel schicken will, denn sall hei mi den ollen Schandoren Res' schicken. Dor stunn hei in de Dör in sine königlich preußsche Engelsuneform un röp herinne in uns' Jammerlock: »Meine Herren, machen Sie sich bereit; in einer halben Stunde reisen wir.« Ach, Kapteihn! Charles douze! Wat was't för 'ne Freud! – Weg! – Weg! – Wohen? – Wi wüßten't nich; äwer man weg! Weg von den Kirl, de uns up Lewenstiden unglücklich makt hadd! Weg von den Kirl, de sine Freud doran hatt hadd, uns ahn Ursak bet up't Blaud tau quälen! Äwer, ward männigein seggen, dat hewwen doch anner un vel beter Lüd' noch düller uthollen müßt. – Denkt doch an de Landwehren von achtteihnhunnertdrütteihn! – Ja, 't is wohr, äwer de Lüd' hewwen nich blot leden, sei hewwen ok wat dahn. Un dat is de Sak! – Wi jungen Lüd', in de jede Atentog von Dauhn un Wirken redte, wi süllen blot von Liden un von Dulden reden; wi süllen uns von so'n Graf H. un en Kriminaldirekter Dambach nah Gefallen tau Water riden laten? Ja, Schandor Res' un uns' Herrgott erlösten uns dunnmals ut unsere Qual, un ick will den Herrn Kriminaldirekter Dambach dat nich anreken, eben so as ick äwer sine annern Quälerien, de hei in den Unnersäukungsarrest gegen mi utäuwt hett, ok en dicken Strich maken will; äwer in eine Hinsicht sall hei mi Red' stahn – hei is all dod, up dese Ird kann hei't nich mihr – äwer up Jensid sall hei sick verantwurten, worüm hei minen ollen Vader, de grad in desen Dagen in sine hartliche Leiw' för sinen einzigsten Sähn nah Berlin kamen was, üm wat för sin Frikamen tau dauhn – worüm hei minen ollen Vader de twintig Schritt tau min Gefängnis nich wis't hett, dat de Sähn doch an Vaders Bost sick mal utweinen künn. – Dorför sallst du mi Red' stahn! KAPITTEL 13 Woans de Schandor Prütz sick as 'ne Mutter för uns utwisen ded un Vatter Res' as en Vader. Up wecker Ort wi tau en Frühstück un de Schandoren tau en Middageten kemen. Ick begah en niderträchtigen Streich, indem dat ick anfang', Quittungen tau schriwen un Vatter Resen antauführen. Worüm wi binah in't Water un nahsten in en pol'sches Wirtshus rinne föllen. »Meine Herren, machen Sie sich bereit; in einer halben Stunde reisen wir.« – Je, wat was dor grot bereit tau maken? Uns' Kufferts wiren packt, de Mäntel legen noch von dat Taudecken äwer Nacht up de Delen, un Afschid brukten wi – Gott sei Dank! – nahrends tau nemen; de Kapteihn namm also blot sin grotes Burken mit de Karnallenvägelheck unner'n Arm, de hei mit up Reisen namm, un de hei bi de Küll ümmer sorglicher mit sinen Grisen taudeckt hadd, as sin eigen arm Knei- un Beinwarks. – Wat satt sin oll lütt Volk dor plustrig! Keinen Ton hadd't wilen de ganze Tid taum besten gewen. – Ick söcht uns' Pipengeschirr ut de vir Ecken tausam, stek dat halwe anbraken Pund Toback in de Tasch – un nu kann't losgahn, Schandor Res'! – Äwer Res' kamm nich. Wenn einer up en Wagen luren möt, dat hei girn nah en anner Flag hen kamen müggt, so is dat all 'ne häßliche Unrauh; äwer vel düller is't, wenn einer luren möt, dat hei man von en Flag weg kamen müggt. Na, 't müßt jo doch ok en En'n nemen, un 't namm jo ok en En'n. Schandor Res' kamm mit en annern Kammeraden – hei heit Prütz un was en lütten, frischen, fründlichen Kirl – un halte uns af; uns' Saken würden upladen, wi ok, un nu för ümmer adjüs, Husvagtei! Ick heww di woll von buten wedder seihn, äwer nah din Binnensid verlangt mi nich wedder! 't was mitdewil Däuweder worden, 't hadd twei Dag' regent, un de Snei was weg; de irste leiwe Frühjohrssünn schinte hell up de düstere Ird un hell in uns' düster Hart, un wenn sei ok noch nich warmen kunn, denn versprok sei dat doch, un sei hett ehr Wurd hollen: de slimmsten Tiden legen achter mi, un von nu an sull't beter warden. – De Kapteihn slog de Slipp von sinen Grisen von dat Burken taurügg un set'te sine Vägel in de Sünn, un ut de ollen plustrigen Dinger würden lütte, schöne, glatte Vägel, de lustig hen- un hersprungen un pipten, wenn 's ok grad noch nich sungen. Ach, wat was dat anners worden sörre 'ne Stun'n! Min oll Kapteihn was ebenso updäut as ick; oll Vatter Res' vertellte Geschichten von den Unnersäukungsarrest her un röp uns de ollen Frün'n in't Gedächtnis; de lütt Prütz sorgte as 'ne Mutter för uns: »Täuwen S', hir 's noch 'ne Deck, de will'n wi uns äwr'e Fäut leggen. – Steken S' Ehr Beinen doch hir dörch, den sitten Sei bequemer.« – Un allens wir gaud west, wenn mi nich twei Ding' in den Magen legen hadden, irstens de Ungewißheit, wo wi henkemen, un tweitens en ganz entfahmtigen Hunger. – Äwer ok hirför süll Rat warden. As wi en En'nlang führt wiren, kamm mi de Gegend so bekannt vör, ick was de Strat all einmal führt, un sei gung nah Osten. – »Mein Gott«, säd ick, »dit geiht jo woll nah M....barg hentau?« – »Jawoll«, säd Res', »un dor maken wi Middag.« – »Un nahsten?« frog ick wider. – »Oh, denn geiht't ümmer so wider nah Gr. hentau«, säd Vatter Res' in sine unschüllige Gaudmäudigkeit, denn ick glöw noch hüt, dat hei dor hellschen unverwohrs mit rute kamm, denn Vatter Res' was man en beten düsig. – Mit de Ungewißheit was dat nu vörbi, äwer den Barg wiren wi glücklich räwer, un wat achter den Barg lagg, dat süll uns för't irste noch nich kümmern. – Äwer mit den Hunger. – Na, dat süll sick ok stüren. As wi en twei Milen müggten führt sin, namm de lütt Schandor Prütz, de mi genäwer satt, sinen Schacko af – denn dunn hadden sei noch keine Helms – un snerte dat Unnerfutter up un halte en blagwörpelten Snuwdauk herute. – Na, ick denk, hei will sick de Näs' snuwen, aber dat kamm anners as mit de sel. Fru. – Hei halte ut den Snuwdauk en Stück gekaktes Kalwfleisch rute un ut de Tasch en schönen Knaggen Brod un en Metz un fung an, recht nührig tau frühstücken. As Vatter Res' dit sach, namm hei ok sinen Furaschkasten von den Kopp un läd sick ok dwaslings vör sine Gottsgaw', un dor seten sei nu vör uns un eten as de Engel in'n Himmel, un de Kapteihn un ick segen andächtig tau. Unsere Andacht müggt äwerst woll en beten tau utdrücklich warden un sick up uns' Gesicht afmalen, genaug, Prütz markte Müs' un säd, sin Snuwdauk wir ganz rein, un wenn wi Apptit hadden... un Vatter Res' verswur sick, sine Wust wir von den rendlichsten Slachter in ganz Berlin, hei höll dorup un ok sine leiwe Fru, un wenn wi Lust hadden... – un somit würd dat Dammastgedeck von blagwörpelten Snuwdauk äwer de acht Knei deckt, un de Wust gung in de Run'n, un dat Kalwfleisch un de Metzers gungen ümschichtig, un tauletzt eten de Kapteihn un ick noch as de Engel in'n Himmel, un Prütz un Res' segen andächtig tau. Sörredem ward mi ümmer ungeheuer dankbar tau Sinn, wenn ick en preußschen Schandoren un en blagwörpelt Snuwdauk tau seihn krig'. De Schandoren möt ik nemen, as sei kamen; äwer von de blagwörpelten Snuwdäuker heww ick mi en por anschafft, nich tau den gewöhnlichen Gebruk, ne, as Dischdäuker, un de warden denn blot updeckt, wenn ick en beten wat Besonners heww, as en rechten fetten Kalwsbraden un 'ne schöne meckelnbörgsche Mettwust, un denn frag' ick mi ümmer: »Je, smeckt di dat woll so as dunn?«, un ümmer is de Antwurd: »Ne, Prützen sin utkaktes Kalwfleisch un Resen sin Slackwust, dat was doch en annern Snack.« Äwer lang' höll dat nich vör, wi wiren tau sihr uttehrt, un as wi gegen hentau tweien nah M....barg kemen, was dor 'ne grote Tafel deckt för de Postgäst mit witt Linnen, nich mit blagwörpelt. Sörre en Johr hadd ick nich an en Disch mit witt Linnen eten, un't kamm mi gefährlich apptitlich vör; wi hadden in M. ok alle Middag updeckt, äwer man mit gris' Löschpoppier, dat de blank Disch nich smerig warden süll, un nu ordentlich mit witt Linn'n! – »Vir Potschonen!« säd ick tau en jung' Mäten, de dor stunn un ehr Mulapen verköfft un uns ankek, as wiren wi Apen un Boren, de för Geld in'n Lan'n rümmerledd't würden – »Ne«, säd Vatter Res' »man twei Potschonen! Prütz un ick hewwen all eten, wi eten nich mit.« – »Na, dat wir nett! – Ne, dat Brüden geiht üm, seggt Trohls. – »So du mi, so ick di; hewwen wi Sei dat Frühstück verzehren helpen müßt, sälen Sei uns bi't Middag bistahn.« – »Ja, dat is all recht schön; dat Geld langt man nich. Sei hewwen tausam en Daler un acht Gröschen tau verzehren, un wenn wi dat hir verputzen, denn hewwen Sei up de Nacht nicks. Wi führen de Nacht dörch, un de Nacht is lang.« – »Herr Res', wi hewwen jo uns' Provatgeld noch.« – »Je, dat Provatgeld...« – Äwer hei würd mit sine Inwendungen nich mihr prat, de vir Potschonen Supp wiren bröcht, de lütt Prütz set'te sick dal: »Na, denn helpt dat nich!« Wi seten ok all, un Vatter Res' wull de Supp doch nich kolt warden laten, hei set'te sick also ok dor achter. – »Oh, bringen Sei doch 'ne Buddel Win!« röp ick. – »Um Gottes willen, wi kamen jo hir all in Schulden!« röp Vatter Res'. »Laten Sei dat man, wi hewwen jo dat Provatgeld noch!« – »Ach, du leiwer Gott! Dat is jo äwerst insigelt, un dat möt ick jo an de Kummandantur tau Gr. afliwern.« – »Laten Sei man, dat treckt sick all nah'n Liw', as de Snider seggt.« – De Win, de kamm, wi drunken, un Vatter Res' drunk mit. – »Oh, min Kind, noch 'ne Buddel; äwer en beten betern!« – »Herr du meines Lewens! Dit geiht jo doch allmeindag' nich!« – »Vatter Res', wi hewwen jo dat Provatgeld noch.« – Un wi drunken noch ein un noch ein, un as up jedwereinen en Vagel kamen was, dunn säd ick tau den Ollen: »So, Vatter Res', nu maken S' mal min Schatzkästlein up un halen S' mal en Teihndalerschin herute, un Sei, min Döchting, bringen S' mal Dint un Fedder her«; set'te mi dal un schrew den ollen Herrn Res' 'ne schöne Quittung, worin stunn, dat hei teihn Daler von min Provatgeld in minen Nutzen verutgawt hadd, un betahlte de Reknung un stek dat Geld, wat ick wedder rut kreg, in mine eigene Tasch, denn wat süll Res' sick dor noch vel mit dragen. Un wil ick nu just bi't Schriwen was, schrew ick noch en Breiw an minen Fründ Gr. in M., worin ick em meldte, dat ick min Teikenbrett dor vergeten hadd, dat süll hei an sick nemen. – Nu paßte äwer Vatter Res' eklig up un frog, wat ick dor schriwen ded. – »En Breiw«, säd ick. – Dat kunn hei nich liden, säd hei. – Je, ick hadd in M. wat vergeten. – Dat wir em ganz egal, un hei led't nich. – Hei süll den Breiw doch sülwst lesen. – Dat wir em ganz egal, hei led't nich. – Na, säd ick tauletzt, denn süll hei sick sülwst hensetten un süll de Upschrift sülwst »an de Kummandantur in M.« maken, denn kem de Breiw doch gewiß in unverdächtige Hän'n – un Vatter Res' ded't. – Vatter Res', Vatter Res', dor heww ick di schön anführt! Ick hadd mi nämlich mit minen Fründ Gr. verafredt, wenn ick ein schrew, dat ick en Por Strümp vergeten hadd, denn güng't mit uns nah Pillau, un en Bauk süll Glatz bedüden un en Hemd Kolbarg un en Teikenbrett Gr., dat sei doch wüßten, wo wi henkamen wiren un wohen sei uns wohrschinlich nahfolgen würden. Un dit slog mi richtig in, un nah en beten seten wi up den Wagen un führten in den Abend herin, un seindag' mag woll keine Schandoren- un Verbrekergesellschaft so lustig in den preußschen Stat herümmerkutschiert sin as wi; blot dat Vatter Res' bi jeden Schossestein utröp: »Na, Sei warden uns doch in kein Ungelegenheiten bringen?!« – Dor dachten wi gor nich an, wi wiren tau froh, dat wi vergnäugt wiren; äwerst dat Quittungschriwen hadd uns doch sihr gefollen, dat set'ten wi nah, un as Vatter Res' nahsten in Gr. uns' Provatgeld afliwern süll, dunn hadd hei nicks as Quittungen. – Na, 't was jo ganz einerlei, ob hei't hadd, oder ob wi't hadden: Ei is en Ei, säd de Köster, hei langt äwer nah't Gaus'ei. So kemen wi denn nah twei Dag' un twei Nacht gegen Gr. ranne, äwer tüschen uns un unse nige Festung gung en groten Strom, un de höll nich un brök nich un was up de beiden Siden all updäut, blot in de Midd stunn dat Is noch; dor süllen wi räwer. – »Vatter Res'«, säd ick, »in de Gefohr gew ick mi nich ; de preußsche Staat kann von mi as Utlänner nich verlangen, dat ick en groten Heldenmaut upwenn, blot üm en por Dag' ihre wedder up ein von sine Festungen tau kamen; mit den Kapteihn is dat anners, hei is en Landskind, un hei will jo abslut ok räwer. Ick will Sei en Vörslag maken, gahn Sei mit den Kapteihn äwer dat Is, ick will mit Prützen hir up dese Sid in den Gasthof so lang liggen bliwen, bet dat Water fri is.« So uneben was min Vörslag grad nich, un Prütz hadd ok Lust dortau, un wer weit, wat ick dormit nich dörchkamen wir, hadd ick mi Vatter Resen för den Gasthof wählt; denn hei stunn dor un kratzte sick den Kopp un säd: slimm wir't, un hei hadd ok von lütt up en groten Grugel vör't Water hatt, äwer wat sin müßt, müßt sin, un räwer müßten wi. Un so hülp dat denn nich; as sei all gegen mi wiren, müßt ick mit un müßt min jung' Lewen wagen as en Stint, un de Fohrt gang los. Des Morgens gegen Klock achten würden wi mit de beiden Schandoren un uns' Saken in 'ne Boot laden, un sös Schappelzen, in de sös Pollacken seten, flötterten uns dörch dat frie Water, wat 'ne virtel Mil lang de Wischen äwerswemmt hadd, bet an dat Is ranne. Dor müßten wi utstigen, de beiden Schandoren nemen ehr Gewehr in den Arm, de Kapteihn namm dat Vagelburken un ick uns' Pipengedriw', un so gung't ümmer bet an de Enkel in't Water räwer äwer dat Is, un von baben fuchte uns uns' Herrgott mit en sachten Fisselregen an; de sös Schappelzen gungen in de Folg un treckten uns' Saken up en Sleden nah. – De Uptog was nich slicht, äwer dor fehlte kein Timmermannshor an, denn wir de ganze Uptog mit Schandoren un Vagelburken un all de schönen Pipen för ümmer fläuten gahn, un nicks wir äwrig blewen, wat dorvon Nahricht gewen kunn, as mäglicherwis' de sös Schappelzen. Wi müggten woll dreivirtel räwer sin, as up jensid en Raupen würd un en Winken mit Däuker un Dinger, un as wi uns doräwer verstutzen deden, dunn segen wi denn ok, dat wi up den besten Weg wiren, in dat blanke Water rinne tau lopen, denn wer Deuwel kann dor nipp seihn, wenn einer dörch fauthoges Water waden möt un de Regen einen in't Gesicht sleiht. Vatter Res' kommandierte denn ok glik: »Kehrt!«, un nah 'ne Wil kemen wi denn ok mit nauer Not tüschen de velen Löcker dörch, de sick de Strom all dörch dat Is freten hadd, bet an en Flag, wo sei Bred' leggt hadden, un von dor up 'ne Ort Lopplank, de bet an't Äuwer upricht't was. Dormit was denn nu dese ekliche Geschicht verwunnen; äwer nu süll ein kamen, de was noch en ganz Deil eklichter, un dat was en pol'sches Wirtshus. Wi müßten in dat Fährhus rinne. Dor hadd nu de ganze Nacht de Tranlamp brennt, un in den dicken Dunst streden sick nu Hiring, ollen Kes' un Fuselbramwin, wer am düllsten stinken wull; middwarts von de Stuw' stunn en Aben mit gräune Kacheln, so grot as bi uns en Backaben, un üm em rümmer lep 'ne Bänk, dor legen drei Bootsknecht up un slepen as de Rotten, un baben up den Aben legen säben Schappelzen taum Drögen. As wi de Dör upmakten, stunn uns de Aten still, un wi zupften beid taurügg; äwer Vatter Resen sine Näs' was all in de verschidentlichen Wachtstuwen up so wat inäuwt, hei meinte, wenn't ok grad nich nah Mäsch rüken ded, denn wir't doch warm, un 't wir ok dröger as buten in'n Regen. Dat hülp also nich, wi müßten dor mit herin un süllen dor nu so lang sitten, bet Prütz en Wagen besorgt hadd. – Dat wohrte äwer nich lang', dunn kihrte sick bi mi in'n Liw' allens üm un dümm, ick müßt herute, un de Kapteihn kamm mi nah, un ok de oll Herr müßt uns folgen. Äwer wir dat nu, dat hei sick tau gaude Letzt noch en beten in de Bost smiten wull, oder frür em würklich so, kortüm, hei verlangte von uns, wi süllen uns wedder, stats mit frische Luft, mit Kes' un Hiring un Tran begnäugen. Tauletzt un tauletzt, nah velen Prekademen gaww hei nah, dat wi up de Del bestahn blewen, bet Prütz kamm. Na, de kamm jo denn nu ok, wi set'ten uns up den Wagen un führten up de Festung. IV. De Festung Gr. KAPITTEL 14 Worüm de Herr General von T. nich för Fickfackerien is, un wörum hei uns en Abendbrod schickt. Wat en studierten Philosoph för en Jammer in de Fomilien un en unstudierten Balbierer för en Elend bi Prüken anrichten kann, un wo't nu nahgrad' mit den Kapteihn sinen Bort en gesegenten Anfang nimmt. Ganz tauletzt: Herr Bartels. Wenn en Minsch blot von unsen Herrgott afhängt un von dat, wat de em schickt, denn möt hei sick bescheiden, wat em drapen deiht, un wenn hei en framen Sinn hett, denn ward hei seggen möten: wat de mi schickt, dat is gaud. Anners is't äwer, wenn Glück un Unglück von einen Minschen in de Hand von einen annern Minschen leggt is. In so en Fall äwerkümmt einen en bang Gefäuhl, denn jedwerein weit ut sinen eigen Verstand un ut sin eigen Gewissen, wo swack dat mit menschliche Insichten un mit menschliche Gaudheit bestellt is. – Nu lagg wedder unsere ganze Taukunft in de Hand von einen einzigen Mann, von den Kummandanten von Gr., un wotau dat führen kann, wiren wi bi'n Grafen H. tau M. all wohr worden. De Festung liggt en En'nlang afsid von de Stadt up en Äuwer an den Strom, un ehre Muren un Wäll segen von butwennig ebenso trostlos un langwilig ut as all de annern, wenigstens in de Ogen von en Gefangenen; ehre Durweg wiren ebenso düster, un ehre Togbrüggen rummelten ebenso holl, as wi doräwer führten, äwer von inwennigtau kreg dat doch en anner Anseihn. Frilich wiren dor ok ringsum luter Kasematten, un de kennte ick all von S. her, äwer sei wiren sauber afputzt, un von buten leten sei recht schön, un denn gung dörch de ganze Festung 'ne Reih Hüser entlang, so dat einer seihn kunn, dat hir ok anner Lüd' wahnen deden, as blot Soldaten un Gefangen, un ok Alleen wiren dor von Linden un von Pöppeln; kort, de irste Anblick was nich slicht, as Adam säd, as hei Eva tau seihn kreg. Vör dat grötste von de Hüser führten wi vör, dat was de Kummandantur, un as wi afstegen wiren, gung Vatter Res' mit uns' Poppieren tau den General von T. herinne, un wi lurten up den Vörsal. – Na en beten gung de Dör up, un de General kamm herute, en groten, statschen Mann mit en slohwitten Snurrbort un slohwittes Hor – nahsten säden sei, dat wir man 'ne Prük, äwer de Prük, de kledt em mal! –, un säd tau uns mit 'ne dütliche westfälsche Utred': »Ich seh' aus Ihren Papieren, daß Sie ordentliche Leute sind, und Sie sollen's hier auch gut haben, denn meine Sache ist es nicht, Leute, die im Unglück sind, noch mehr hinunterzutreten. Sie sind von Ihren Kameraden, die mir angemeldet sind, hier zuerst angekommen, ich will Ihnen deshalb die Erlaubnis geben, von den Kasematten, die für Sie bestimmt sind, sich die auszusuchen, die Ihnen am besten scheint. Haben Sie aber eine gewählt, denn müssen Sie sie auch behalten; denn für Fickfackereien bin ich nicht.« Dat wiren – ick weit't noch ganz genau – sine eigenen Würd'. Wi bedankten uns un wullen gahn, dunn röp hei uns noch mal taurügg un säd: »Und denn ist hier noch einer von Ihren Kameraden, er heißt ›Schr.‹ – Sie mögen ihn wohl kennen –, der hat hier den dummen Streich gemacht, daß er sich mit einem Mädchen verlobt hat – ein ordentlich Mädchen und ordentlich verlobt –, dem habe ich die Erlaubnis gegeben, daß ihn seine Braut und deren Bruder wöchentlich dreimal besuchen kann; darauf werden Sie sich nicht berufen, denn die Erlaubnis kann ich Ihnen nicht geben.« – Wi säden denn, up so'ne Saken wullen wi uns nich inlaten, un för unserntwegen künn Schr. sogar ümmer frigen, wenn't de Herr General för gaud inseihn ded. – »Solche Antwort habe ich von Ihnen erwartet«, säd hei, un wi gungen. Hei hadd uns den Kummandanturschriwer mitgewen, dat de uns Bescheid wisen süll; de ded dat ok, un nu hadden wi tau wählen. Taum Glücken wüßt ick mit den Krempel all Bescheid, ick hadd all jahrelang in Kasematten seten; »Kapteihn«, säd ick, »wi nemen ein in't tweite Stock, 't süht frilich gruglich ut, as wenn einer in en groten Reis'kuffert inspunnt is, von wegen dat runne Gewölw baben; äwer't is ümmer beter, wenn einer anner Lüd' up den Kopp peddt, as wenn hei sick sülwen up den Kopp pedden laten sall, denn tüschen de beiden Stockwark sünd keine Windelbähns, blot Bred', un in den Frühjohr, in den irsten Andäu, denn fangen de ollen Dinger an tau lecken, un de Wän'n, de driwen, un de unnen wahnt, kriggt allens duwwelt.« Wi wählten uns also dat tweite Stock von 'ne Kasematt; de Kummandanturschriwer sorgte för 'ne Upwohrfru, de sorgte för en Bedd, uns' Saken würden ruppe bröcht, un Vatter Res' un Prütz säden adjü! – Wo't woll mit Vatter Resen sine velen, schönen Quittungen aflopen was? – Ick frog den Kummandanturschriwer dornah, un de säd mi: »Um so etwas bekümmert der General sich nicht, das ist Sache des Platzmajors, und der wird morgen wohl zu Ihnen kommen und mit Ihnen darüber verhandeln.« – De Mann was en beten niglich, einer kunn em dat anmarken, denn hei blew tau lang' bi uns, ahn dat hei dor wat tau dauhn hadd; na, ick was ok niglich un frog em denn also, woans dat Schr. hir güng, ick kennte em all von Jena her un von den Unnersäukungsarrest. De Antwurd was: »Sehr gut!« – Ein Wurd gaww dat anner, un hei verteilte denn tauletzt, as Schr. hier ankamen was un de General sinen Namen lesen hadd, hadd hei em fragt, wer sin Vader wir. – Dat wir de Regimentsarzt Schr. tau Gl. – Dunn hadd de olle brave General de Hän'n tausam slagen un hadd utraupen: »Und den Sohn des Mannes, der mir bei Waterloo das Leben gerettet hat, soll ich hier mit solcher Strenge behandeln!« – Hei hadd't äwerst intaurichten wüßt, un Schr. hadd't gaud hatt, hadd äwer vel dumm Tüg bedrewen. Je, so geiht dat in de Welt, dese Burs hadd dat gaud hatt, wil dat annere un betere Lüd' bitter leden un weck von ehr gänzlich tau Grun'n gahn wiren. Hei was in unsere Verbindung in Jena west, un dörch sin grotes Mul hadd hei dor de irste Vigelin mitspelt, äwer as de Sak taum Klappen kamm, as em Unkel Dambach de Klemm upsetten ded un as em Unkel Dambach üm den Bort gung un em vörpredigte, hei wir »ein philosophischer Kopf, er könnte das Objekt der Untersuchung in seiner ganzen Totalität umfassen und übersehen«, dunn kamm de erbärmlichste Eitelkeit un de jämmerlichste Swäcklichkeit bi em tau Rum, un hei gestunn nich blot – dat hewwen wi annern all dahn –, ne, hei fung an tau denunzieren un wull sick leiw Kind maken un let sick bi Nacht un bi Dag' bi den Herrn Kriminalrat mellen, wenn em so'n arme Paster in Sachsen oder so'n arme Doktor in Schlesingen ut olle Tiden inföll, de ok einmal »Burschenschaft« spelt hadd un nu mit Fru un Kinner dor set, dormit dat sei doch ok dat Vergnäugen hadden, sin vergritztes Angesicht bi 'ne Konfrontation mal wedder tau seihn. – Un de Knaw hadd dat hir gaud hatt! – De Herr Kriminalrat Dambach kunn ok dankbor sin, denn hei hadd em nah 'ne Festung set't, wo hei allein was un wi annern em de Höll nich heit maken kunnen, un nu hadd de Taufall mit den ollen General noch en äwriges dahn. Wildeß, dat wi knapp unner'n anner spreken dürwten, hadd hei mit gebildte Lüd' ümgahn dürwt un hadd 'ne Brud up den Schoot un herzte un küßte sick dormit, un de armen Frugens un Kinner von de Lüd', de hei angewen hadd, hadden wildeß in Jammer de Arm nah den Mann un den Vader utreckt. – So geiht't in de Welt. Hieräwer redten wi, de Kapteihn un ick, as de Kummandanturschriwer gahn was, un ick was vör allen up em falsch, denn mi hadd hei ok ümmer unnödige Wis' in sine friwilligen Bichten mit herinne fligt, un glik den irsten Dag hadd hei mi verraden un hadd anzeigt, dat ick em en Erkennungsteiken makt hadd, äwer't was jo nu all so lang' her, allentwegen, wo wi west wiren, hadden wi unner enanner in Freden lewt, wat süllen wi hir olle Geschichten uprühren? Un de Kapteihn un ick besloten, wi wullen mit em in Freden lewen, un dat, meinten wi, süll uns so swor nich warden, denn wi süllen man in de Fristun'n mit em tausam kamen, wil dat hei up dat anner En'n von de Festung wahnen ded; äwer hei makte uns hir ok so velen Spermang, dat ut de gaude Afsicht nich recht wat würd. As dat Abend was, let de wachthabend Unteroffzierer den General sinen Bedeinter bi uns rin, un de bröcht uns en Korw: 'ne Empfehlung von den Herrn General, un hei schickte uns hir en beten taum Abendbrod, denn wi wiren woll nich vüllig inricht't. – Dat kamm uns schön tau Paß, un ut de brunen Bradtüften un dat heite Eierbir keken allerlei schöne Hoffnungen för de Taukunft herute, un die Kapteihn säd: »Charles, ick glöw, wi sünd hir beter dran as bi den seligen Grafen.« – »Ick glöw ok, Kapteihn, äwer nu will'n wi tau Bedd gahn, ik bün hundsföttchen mäud'. Äwer noch eins! Wenn du tau Bedd geihst, denn darwst du nich steidel herinne stigen, du möst di up de Beddlad setten un ganz dukerig rinne krupen, süs wardst du di an dat olle Tunnengewölw häßlich den Kopp stöten. Süh! so makt em dat in de Kasematten.« Ick krop herin, un hei pusselt un kramt dor noch wat, un as ick all binah inslapen was – bautz! knallte dor wat up de ollen Breddelen dal. Min oll Kapteihn hadd mine Warnung vergeten, was mit den Kopp gegen den Swibbagen rönnt un nu rügglings ut dat Bedd rute schaten. Ja, ehre Unbequemlichkeiten hewwen de ollen Kasematten ok. Den annern Morgen kamm de Platzmajur tau uns, hei was en ollen gaudmäudigen Drähnbartel un vertellte sick mit uns von allerlei, blot nich von Schandor Resen sine Quittungen, un as hei uns unsere königlich preußschen Staats-Traktementen mit fiw Sülwergröschen däglich blank un bor up den Disch tellen ded, dunn segen wi, dat wi von jitzt an wollhabende Lüd' warden süllen, de bi passende Gelegenheit doch ok mal in de Taschen rümklimpern kunnen. – Nu müßten wi tau den General, müßten uns äwer vörher doch balbieren laten, denn de Bort stunn uns as de Hekeltinnen in't Gesicht. En studierten Balbierer kunn sick up de Festung nich hollen, 't was also en Soldat, de dat Horsniden un Balbieren bedrew, wenn hei just kein Holt tau hau'n hadd. Sei säden all, hei hadd keine lichte Hand, un dat heww ick ok spört, un dortau hadd hei blot en Sößlingsmetz; un dat hadd em just den Damp nich dahn, de arm Schelm hadd äwerst dat Unglück hatt un hadd den General sine schöne Prück för natürlich Hor anseihn, un as hei em de por würkliche Locken ut den Nacken hadd sniden süllt, hadd hei sine Sak recht gaud maken wullt un hadd em de schöne Prück hinnenwarts ganz kahl scheert. Dorüm was hei denn nu bi allen un jeden in en recht leges Verhältnis geraden, un ahn grote Not let sick keiner von em sniden un scheeren. – Na, wi wiren in grote Not, un ick set'te mi also dal; äwer so lang, as ick bi dit Geschäft worden bün, bün ick vördem un sörredem meindag' nich west, un lütt Lüd' süllen sick ümmer von en preußischen Füselier un mit en Sößlingsmetz balbieren laten. – Nah mi kamm de Kapteihn, hei höll ok drist ut; äwer as em de Kirl den Snurrbort insmeren wull – denn hei balbierte nich in'n ganzen, blot stückwis' –, dunn säd de Kapteihn: Holt! dat wir sine Sak, hei hadd sine Schonung nu äwer 'ne Woch glücklich dörchbröcht, ut den gräwsten wir sei nu, un hadd hei de Last dorvon hatt, wull hei nu ok sin Vergnäugen doran hewwen. Un sörredem hett hei ok sin Vergnäugen doran hatt, un so'n Bort, as hei sick anbändigen ded, heww ick meindag' nich wedder tau seihn kregen. Hei krüs'te em nich, klisterte em nich, hei smerte em nich, ne! hei treckte em ganz einfach as an 'ne Spaljeh blot nah unnenwarts, stats süs nah babenwarts, un gel un unschüllig hung hei em äwer sine beiden Lippen dal, as en niges Strohdack äwer de beiden halwen Dören von en Katen, in den Taufredenheit un Gaudhartigkeit wahnen. – Ick heww mi nahsten ok wat wassen laten; äwer't würd ok dornah. Wi kemen tau den General; hei stellte uns einen Herrn vör, de süll up uns uppassen un süll uns bewohren un bewachten, dat wi nich von den vörschrewen Spaziergang up Afweg' geröden; dat was de Herr Unteroffzierer Bartels. Herr Bartels gung mit uns af, un as wi in de Lindenallee kemen, säd hei: »Sehn Sie, meine Herren, von diese kleine Linde an bis ans Niedertor können Sie nun 's Morgens zwei Stunden lang immer in der frischen Luft auf und nieder gehen und 's Nachmittags wieder, d. h., reden dürfen Sie nicht mit keinem Menschen, als bloß mit Ihnen und mit mir.« So wüßten wi jo denn nu Bescheid, un wil wi't so gaud noch meindag' nich hatt hadden un von den Esel up't Pird kamen wiren, so lewten wi uns bald in de Verhältnissen in. KAPITTEL 15 Worüm ick mi äwer den Apostel Paulus un de Kapteihn sick äwer Schr...men sine Brud argert. Worüm de Kapteihn mit beide dörchlopene Stäwelsahlen in den deipen Dreck peddt un sick nahsten an en Pal stellt un up den Abend 'ne Brudschaft för't Heiligste un rode Hor un gräune Ogen för't Schönste erklärt un sick up de letzt mit de Königin Viktoria in England verlawt. Nu wir dat woll nich mihr as billig west, dat wi uns dankbor un taufreden mit dat begnäugt hadden, wat uns de oll Herr General un dat Glück so schön in den Schoot rinnesmeten hadd; äwer de Minsch is nu einmal so, hei rückt un rögt an 'ne gaude Lag' ebenso as an 'ne slichte, hei will't ümmer noch anners un noch beter hewwen, un wenn nah buten tau nich vel tau rücken un tau rögen is, as in unsen Fall, denn fangt hei binnen an, mit allerlei Wünsch' un Hoffnungen un Afsichten sin Hart tau äwerlasten, un wir de Utführung von de Hoffnung ok so wid af as Kukuk von't Säbenstirn. Na, ick bün ok allmeindag' en unrauhigen Gast west; äwer ditmal was ick't nich, de den Surdeig in den Backeltrog smet, ditmal was dat min oll Kapteihn. Wi wiren nu all an de virteihn Dag' an Urt un Städ' un gungen regelmäßig morgens un nahmiddags bet an de lütte Lind' spazieren, ein achter'n anner, as de Gäus' in den Gasten, denn dat was sihr deip tau gahn, un ut de Allee dürwten wi nich rute; Herr Bartels satt denn middwegs von unsen Spaziergang an't Wagenhus up en Kugelhopen un – wenn't Weder dornah was – in'n Sünnenschin un kek uns nah de Beinen un spelte mit den Quast von sin »Kurzgewehr«. Schr...men hadden wi all den tweiten Dag wedder tau seihn kregen, un hei gung ok mit uns un wüßt vel tau vertellen, denn ut den philosophschen Kopp von den Unnersäukungsarrest her hadd sick up de Festung en poetischen rute puppt, hei hadd en grotes Heldengedicht schrewen: »Paulus«, un dat wüßt hei unglücklicher Wis' utwennig un deklamiert uns de schönsten Städen dorut vör; sei süllen nah de Melodie von den ollen Homer gahn, sei gungen äwer meistendeils nah de Melodie von Jehann Hinrich Vossen, as hei sick den Spaß maken ded un de Hexameters von Goethen und Schillern en lütten Lack anhängte: »In Weimar und in Jena macht man Hexameter, wie die da; Aber die Pentameter sind noch viel schlechterer.« Schr...men sin »Paulus« was för mi un den Kapteihn all slimm, denn wi hadden nicks dorgegen uptauwisen, womit wi em wedder traktieren un dat Mul stoppen kunnen; äwer slimmer was't noch, wenn hei uns mit sine Brud kamm, denn von de Ort hadden wi irst recht nicks uptauwisen. Hei läd dat ordentlich dorup an, uns den Mund wätern tau maken, hei beschrew uns sine Leiwste von Kopp bet tau Fäuten, hei wis'te sei uns ut de Firn un tauletzt ok in de Neg' – un sei was för en philosophschen Kopp ok aller Ihren wirt –, hei malte uns dat so säut vör, wenn sei dreimal in de Woch so bi em set un hei ehr ut de Bäuker Bildung bibröcht, denn sei wir – as hei säd – »noch nicht auf der Höhe seiner Bildung angelangt«. Kortüm! Schr. stek uns allerlei Sticken un strigelte uns' Fleisch mit allerlei Durn- un Nettelwark. De Kapteihn un ick, wi argerten uns, un wi deilten uns ihrlich in den Arger; ick argerte mi äwer Paulussen, un hei argerte sick äwer de Brud. Nu müßt sick dat eines Dags drapen, dat uns 'ne öllerhafte Dam mit en jung, slank Mäten begegen ded, un wil dat nu de Fautstig so small was von wegen de Deipigkeit von den Weg, schrammten wi ein achter'n anner an de beiden Frugenslüd' vörbi. Mit de jung' Dam gung dat noch handlich, äwer mit de olle Dam, de en beten stark vüllig was, gung dat man swack, un de Kapteihn, de sin Lewsdag' ümmer sihr ritterlich gegen Damen west was un hüt taufällige Wis' sine Stäweln anhadd, wo de Bodden so tämlich rute was, läd up militärisch de Hand an de Mütz, säd en por verbindliche Würd' un peddte mit beide unversäkerte Beinen in den deipen Dreck, ick ströpte noch so knappemang vörbi, denn sei hadden dunntaumalen noch keine Kreolinen. As wi en por Schritt wider gahn wiren, kamm de Herr Unteroffzierer Bartels pil up den Kapteihn los un säd: »Sie haben eben mit die Dam' geredt, das dürfen Sie nicht.« – De Kapteihn säd, hei hadd blot 'ne Höflichkeit tau ehr seggt. – »Höflichkeit oder Grobheit«, säd Bartels, »is ganz engal; Sie sollen überall nich mit keinem reden, und wenn Ihnen einer entgegenkommen tut, so sollen Sie auch nicht grüßen, denn sie kennen Ihnen nicht.« – Wer dat denn west wir? frog ick. – »Das darf ich Ihnen nicht sagen«, säd Herr Bartels. – »Na, denn will ich es dir sagen«, säd Schr., »das ist die Frau des Proviantmeisters Lucke, und die junge Dame ist ihre Tochter aus erster Ehe und heißt Aurelia Schönborn, und sie wohnen in der Kasematte, in die sie jetzt hineingehn.« – »Herr Schr.«, säd Bartels, »ich weiß recht gut, Sie kennen hier die ganze Menschheit auf der Festung; aber das muß ich den Herrn General mellen, daß Sie hier Instruktschonen for die beiden fremden Herrn ausgeben.« Nu was äwer de Kasematt, wo de beiden Damen rinne gahn wiren, grad äwer von de lütte Lind', bet wo wid wi man gahn dürwten, un as wi bet an de gahn wiren, stellte sick de Kapteihn an de lütte Lind', slog den Grisen mit de säben Kragen dichter üm sick un kek nah de Kasematt räwer. – Schr. un ick gungen wedder taurügg, un Herr Bartels was taum irstenmal in grote Verlegenheit: süll hei den Kapteihn dor stahn helpen, oder süll hei mit uns den Weg entlang gahn? Tauletzt wählte hei den Middelweg, hei set'te sick wedder up den Kugelhopen un spelte mit den Quast, kek äwer mihr den Kapteihn as uns an. – Wi kemen wedder taurügg, de Kapteihn stunn an de Lind', wi gungen un kemen wedder, de Kapteihn stunn ümmer noch an sine Lind', blot dat hei sick dat bequemer makt un sick an den Pal lehnt hadd. – »Kapteihn, kumm doch mit!« – »Laßt mich!« säd hei, strek mit de Hand äwer dat gele Stoppelfeld, wat nu unner sine Näs' all gadlich begäng' würd, un läd sick noch drister an den Pal. De Fristun'n was tau En'n, wi würden inslaten, un de Kapteihn gung mit groten Schritten in de Kasematt up un dal. »Ein dummer Kerl!« säd hei, »ein sehr dummer Kerl!« – »Bartels?« frog ick. – »Nein, Schr.«, säd hei, »der Hanswurst renommiert ordentlich damit, daß er eine Braut hat. Ist das eine Kunst, sich eine Braut anzuschaffen, wenn einer mit der ganzen Welt verkehren kann?« Dormit gung hei noch forscher up un dal. – »Kapitän«, säd ick, »heute war er im ganzen doch recht freundlich. Er hat mir seinen Paulus mitgegeben; sieh einmal hier, er hat gleich Bilder dazu gezeichnet.« – »So? Das will er auch können? – Ja, er weiß alles, er kann alles, er hat alles. Sein Dicktun ist unausstehlich! Und welcher anständige Mensch tut wohl mit seiner Braut dick? Charles, ich betrachte ein solches Verhältnis als das zarteste und heiligste, welches selbst den vertrautesten Freunden verschlossen bleiben muß; und der alberne Mensch bringt gestern sogar einen Schuh seiner Braut mit auf die Promenade, um uns zu zeigen, was für einen kleinen Fuß sie hat!« Wohr was't, wat de Kapteihn säd; äwer wat argerte hei sick denn so sihr doräwer? Ick hadd doräwer ümmer von Harten lacht. – Nu las ick in Paulussen; äwer ick fung mi ok allmählich an tau argern; jede Satz fung so breitspurig an, as wenn de Weisheit sülwen einen bi den Kanthaken kreg, un wenn't dick En'n nahkamen süll, denn snappte dat af, as wenn einer mit 'ne Fleigenklapp nah 'ne Fleig' vörbi sleiht. Un denn de Versen! – »Kapteihn, hör mal. Rätetetätetetätete...« – »Ach was! laß das doch! Dieselbe Stelle hat er mir schon zweimal als ganz was Besonderes vordeklamiert.« – »Dann sieh doch das Bild einmal an, was dazu gehört.« – Dat was Paulus, as em Satan verfolgen deiht. Paulus lep all wat hei kunn, äwer Satan let nich locker un folgt em up Fledermusflüchten, un ut sinen langen Start schot hei ümmer mit höllische Blitzen up Paulussen dal. – De Kapteihn kek mi, sur, as wir hei in Essig leggt, äwer de Schuller, un weit de Kukuk, wat em hüt fehlen ded; hei was so vergritzt, as ick em meindag' noch nich seihn hadd. – »Ein erbärmlicher Kerl«, säd hei. – »Schr.?« frog ick. – »Ne, Paulus«, säd hei, »Schr...men sein Paulus; reißt aus, wenn's was gilt; sieht aber auch gerade so aus wie Schr. selbst. Ich wette drauf, er hat sich in seiner Eitelkeit vor den Spiegel gestellt und hat sich zuletzt selbst für den Paulus angesehn.« Mit den Kapteihn was hüt abend nich tau reden, hei was so ut den Lim, as ick em meindag' noch nich seihn hadd, hei sach wedder so rod ut, as ick em in dat Berliner Gefängnis seihn hadd. – »Nasse Füße gekriegt«, säd hei un treckt sick de Stäweln ut. – »Haha«, dacht ick, »dorvon is dat ok«, un set'te lud hentau: »Hei hadd ok Vernunft bruken künnt, un wenn hei von sine Stäwel-Ümstän'n Bescheid wüßt, denn hadd hei ok nich nödig hatt, üm de oll Dam ehrentwegen mit beide Beinen dörch 'ne Pütt dörchtauwaden un sick nahsten mit de natten Fäut 'ne Stun'n lang an de lütte Lind' hintaustellen.« – »Charles«, frog hei, un sine Ogen lücht'ten ordentlich, »hast du die junge Dame gesehn?« – »Ja«, säd ick, un't wir en rank un slank Mäten west. – »Hast du ihr Haar gesehen?« – »Ja«, säd ick, 't wir rod west. – »Rot? – Das nennst du rot? – Ich sage blond! – Ich will auch zugeben: hochblond! Und das ist eine Farbe, die zu allen Zeiten von Dichtern und Malern gepriesen ist. Nicht der Sonnenstrahl vergoldet das Haar, das Haar vergoldet den Sonnenstrahl.« – »Wat Dausend! Wat heit dit?« – »Hast du den Teint der Dame gesehn?« – »Ja«, säd ick, »sovel as dat in'n Vörbigahn un dörch en gräunen Sleuer mäglich wir.« – »Weiß wie Alabaster!« röp hei ut. – »Ja«, säd ick, »äwer sei hadd Sommersprutten.« – De Kapteihn kek mi an, tog mit de Schullern un gung up un dal, äwer nah en beten stellte hei sick vör mi hen: »Charles, willst du mich ärgern?« – »Ne«, säd ick, »doran hadd ick nich dacht.« – »Warum führst du denn gerade den Umstand gegen mich an, der sonst allgemein für den Beweis eines zarten Teints gilt?« – »Gegen em«, frog ick, »wo so? – Ick hadd jo nicks nich gegen em seggt; ick hadd ok nicks wider gegen dat Mäten, as dat sei in't Gesicht so bunt utseg as en Kuhnenei.« – »Solche Vergleiche verbitte ich mir«, säd hei un lep wedder hastig up un dal. – Dit würd ümmer schöner, un nahgradens markt ick, wo dat fuchten was; ick säd also, hei süll dat man sin laten, un't wir jo doch ümmer 'n hübsch Mäten. Dat geföll em, un hei würd mit einmal wedder de oll Kapteihn vull Füer un Fett, wenn't sine Inbillung angahn ded: »Charles«, röp hei, »hast du ihre Augen gesehn?« – »Ja«, säd ick, »sei hadd blag'.« – Dat was em nu äwer nich naug: blag' Ogen hadden vele, sei müßt nu doch noch wat vörut hewwen. – »Blau?« röp bei; »ja blau; aber was für ein Blau? Ein Blau, so warm, daß es ordentlich einen grünlichen Schein annimmt. Der klare, blaue Himmel nicht allein; auch das traute Grün der Erde spiegelt sich in diesem Auge!« – Nu müßt ick äwer lachen, gegen minen Willen lachen, un ick säd, dat hadd ick meindag' noch nicht hürt, dat gräune Ogen schön wiren, un't wir woll von den gräunen Sleuer herkamen, dat hei sei för gräun anseihn hadd. – Nu was äwer dat Kalw ganz un gor in't Og slagen; hei hadd ümmer ungeheuern Respekt vör de Frugenslüd' ehr Ogen, grad es de nimodschen Dichters, de reden ok man ümmer blot von de Ogen, un dat äwrige von den menschlichen Liw', dat bammelt man blot so dorbi. Hüt abend würd dat nicks mihr mit mi un den Kapteihn, wi kemen nich mihr äwerein. Un doch! Ick les' de erhabenen Stellen von Paulussen, de Schr. wollweislich rod anstreken hadd, un de Kapteihn lep in de Kasematt rümmer un deklamiert dortau mit de Hän'n. Wir ick verstänniger west un hadd ick von lütt up mihr up Mutter Roßsch un Mutter Snursch ehren Rat hürt un hadd mi mihr mit de menschlichen Krankheiten un mit Smeren un Püstern afgewen, denn hadd ick dat mit en Stock fäuhlen müßt, dat minen ollen Kapteihn wat in de Knaken satt un dat hei sick 'ne Krankheit vermauden was; so äwer gung ick ruhig tau Bedd un dacht an nicks Slimmes; äwer den annern Morgen süll ick wat gewohr warden. Den Morgen wakte ick tidig von einen Spektakel up, un as ick mi in de Höcht richtete, dunn satt min oll leiw' Kapteihn steidel in'n Bedd un röp ümmer ut vullen Hals': »Viktoria! Viktoria!« – »Kapteihn, wat is 'e los?« – »Viktoria, ich bin dein Albert!« – »Gotts dausend nich mal tau!« – Ick also ut dat Bett herute, un dor sach ick denn dat Unglück: hei satt dor brunrod in't Gesicht un slog mit de Arm üm sick un wüßt von sinen Sinnen nicks. – »Viktoria, ich bin dein Albert!« kamm denn mal herute, un denn mal wedder: »Charles, verdammtes Kuhnenei! Schmeiß doch den Hampelmann von Schr. heraus! Da steht er und zeigt mir immer den Schuh seiner Braut. – Rot sind sie nicht – blond – bloß blond!« Un so gung dat nu hen un her. Na, ick wüßt mi ok nich wider tau raden, ick gaww em en Glas koll Water un lep unnen runner un röp nah de Wach, dat de den Stabsarzt besorgen süll. – De kamm denn ok mit de Wil un let em en gaud Deil Blaud af, bet hei ruhiger würd; äwer de »Viktoria« wull hei nich vergeten, de brummelte hei noch ümmer vör sick hen. – »Was hat er denn mit der Viktoria?« frog de Stabsarzt. – »Je«, säd ick, »dat wüßt ick ok nich; ick künn mi dat äwer woll denken, wo dat tausam hängen ded: hei hadd in de Zeitungen lesen, dat de Königin Viktoria in Engelland den Prinzen Albert frigen wull, un wil dat hei nu ok Albert mit Vörnamen heiten ded, hadd hei sick dat mäglich inbildt, dat hei de richtige Albert wir, un dat dat för em in'n ganzen taudräglicher wir, wenn hei Prinzregent von Engelland würd, as dat hei hir noch länger up de preuß'schen Festungen rümmer set.« – Na, dat gaww nu ok de Stabsarzt Bifall un ordnierte dat an, dat hei in dat Lazarett kamm. Un so gung denn min oll Kapteihn von mi af, un ick müßt nu blot mit Schr...men un Paulussen spazieren gahn un des Abends allein in min Kasematt sitten. KAPITTEL 16 Mit de Königin Viktoria is dat vörbi, äwer mit Aurelia'n is't in'n vullen Gang'. Don Juan un Kopernikus, un woans de heiligste Erzbischoff von Dunin bi uns ankamm. Worüm de Kopernikus nicks von rode Hor weit un weiten will, un dat hei sick tauletzt as 'ne »Schlange« utwisen ded. Uns' Herrgott gaww, dat min oll gaud Mitkolleg sine Lungenstichkrankheit bald un glücklich äwerstahn ded, un as hei taurügg kamm, freu'te ick mi recht, denn de philosophsche Kopp, de mi alle Dag' as einzigstes Gericht upschöttelt was, kamm mi tauletzt gor tau tag un leddern vör, un dortau pisackte un tahrte hei mi mit sine velen Eitelkeiten, denn hei höll sick för en »bedeutenden« Minschen un gebirdte sick so, as hadd dat hochpreißliche Kammergericht uns utdrücklich tau sine Bewunnerung nah Gr. schickt. – Wer was also fideler as ick, dat min oll Kapteihn nu wedder mang uns begäng' was; äwer – weit de Kukuk! – hei was gor tau still, gung ümmer in Gedanken herüm, un as wi in de Fristun'n kemen, stellte hei sick wedder an sinen Lindenpal un kek nah de Kasematt heräwer, in de ehr düster Gewölw sin Stirn mal unnergahn was. Dat sach ick denn nu düdlich, dat mit Viktoria'n un den Thron von Engelland hadd hei upgewen, denn dat lagg blot in't Blaud, un dat hadden sei em aftappt, äwer mit Aurelia'n was't noch in'n vullen Gang', denn dat satt em deiper, mäglich all bet in't Hart. Schr. müßt ok all so wat marken, hei makte allerlei verdächtige Anspelungen, natürlich mit allerlei Winken mit den Tulpenstengel up sine eigene Klaukheit, mit wecke hei dat mit sine Brudschaft anfungen hadd; sülwst Herr Bartelsen fung in den beschränkten Unteroffzierskopp en Licht an uptaugahn. Em müggt de Kapteihn woll grad so vorkamen, as hei sick sülwen von früheren Tiden her, as hei in düstere Middernacht stunn einsam up de stille Wacht un an sin jitzig Fru hadd dacht, as hei sick dunn ok männigmal, wenn de Run'n vörbi was, an en Pal stellt hadd, dat Kinn up den Gewehrlop, un ruhig indrusselt was, bet de Pal ümsackt, un hei sick un sin Gewehr nahsten von de Ird upsammeln müßt. – Äwer dat was lang' her, un hei hadd in de Ort weder Mitled mit sick sülwen noch mit annern: Hei gung also up den Kapteihn los: »Jeht die verdammte Palsteherei schon wieder an? Dat muß ich mellen.« – »Melden Sie's zum Teufel!« bölkt em de Kapteihn grimmig an. – »Ne, ich mell's en General«, säd Herr Bartels. – »Das können Sie. – Bis hierher kann ich gehn, und ich kann stehen bleiben, wo ich will.« – »Das können Sie; aber Sie sollen sich man nich an den Pal stellen; Sie stehen mich den Pal ümmer schief, und ich muß mich denn ümmer ein Beil von den Steuerkontrolleur leihen, daß ich ihn wieder grad' richt', und der will mich sein Beil nich mehr borgen.« Dorut kann nu einer afnemen, von wat för Verdreitlichkeiten de Leiw' up 'ne Festung afhängen deiht; den Kapteihn sin hung an den Pal von de lütte Lind'. In dese verdreitlichen Umstän'n müßt sick dat glückliche Wis' begewen, dat weck von uns' Kammeraden ut M. uns nahkemen, un dat gaww denn nu wedder 'ne lütte Upfrischung, un sülwst min oll Kapteihn verget sin Janken nah Aurelia'n up 'ne Tid lang, as sin beste Fründ von Hall her, de lütte Kopernikus, un Don Juan inrückten. – Na, dat wiren en por pläsierliche Kirls: Don Juan was en argen Sünner, hei was all von Geburt en Stralsünner, hei was, wat sei up Hochdütsch en beten von Lüderjan näumen, hei was meindag' nich, as de Kapteihn, sterblich, ne ümmer bi lewigen Liw' verleiwt; hei hürte eigentlich ok nich tau uns, denn hei was sines Glowens en Baukhändler un hadd blot einmal 'ne grote Red' bi't Hambacher Fest hollen, äwer hei hadd Johre lang mit uns tausamen in den Unnersäukungsarrest un in M. seten, was en groten statschen Kirl, un wat för mi dat Beste an em was, hei was 'ne Ort von Dichter, un dorüm freu'te ick mi, dat wi nu doch einen mang uns hadden, mit den wi Paulussen dümpeln künnen. Don Juan was ümmer tau jede Stun'n prat, sick tau verleiwen, nich einmal för ümmer , ne! ümmer för einmal . Ick weit nich, wat sei den richtigen Don Juan mal an de Ked leggt hewwen, un wo hei sick dorbi hatt hett, dese ret äwer in sine Keden so rümmer, wenn hei en hübsch Mäten sach, as en Windhund, wenn em von firn en Hasen wis't ward. De lütte Kopernikus was dorgegen en ganz anner Gewächs von en Kirl; was Don Juan binah sös Faut hoch, so was hei knapp fiw, was äwer dennoch bi de Füselier tau Hall linke Flügelmann in't tweite Glid west; wog Don Juan gaud tweihunnert Pund, so wog hei man nah Tollgewicht sösunnägentig up't Og; sach Don Juan in't Gesicht schön witt un rod ut, so sach hei dorgegen schön gel un brun ut, denn sei hadden em ok enmal mit en Kuhnenei in't Gesicht rin smeten; hadd Don Juan ok 'ne krumme Näs', so was sei doch taum wenigsten dick, äwer de Kopernikus hadd ne krumme Näs', de was so spitz, dat sei in 'ne gadliche Stoppnadel infädelt warden kunn, un't Ding sach so drist in de Welt herinne, as »sühst mi woll«. Un dese Näs' hürte tau einen Kirl, de was strack und stramm, un wenn hei de Groten nich aflangen kunn, denn stellte hei sick up de Tehnen, un denn stunn hei eben so stiw as en Sösfäutigen. – Weck Minschen bedriwen allens mit Arm und Hän'n, weck mit den Kopp, weck mit de Mag', hei bedrew sine Geschäften blot mit de Gall; dreivirtel von dat Johr, wat ick mit em hir in Gr. tausam west bün, hadd hei de gele Sucht, un de Hälfte von de Tid, de wi taum Spaziergang hadden, hett hei ihrlich in Smidt Grunwaldten sine Teertunn rinne keken, denn dese Zympathi hülp em, un as hei mal ganz gel tau den General gahn was, hadd de oll Herr sick äwer sine Utsicht so dägern verfihrt, dat hei em de Erlaubnis dortau ein för allemal gewen hadd; un Smidt Grunwald, de uns schreg genäwer wahnt, hadd ok nicks dorgegen, dat hei sick in sinen Teer speigeln ded. De Freud was grot, as de beiden ankamen deden, vör allen äwer den Kopernikus un vör allen bi minen ollen Kapteihn, denn de nige Ankämling was sin beste Fründ von Hall her, sei hadden Pandekten un preußsch Landrecht tausam bedrewen, hadden ehre Kriegsjohren tausamen dörchfuchten un't irste Examen tausamen makt un hadden nahsten in M. de ganze Tid lang up eine Stuw' tausamen seten. De Kopernikus müßte nah unse Sid räwer trecken un in de Kasematt unner uns wahnen, un nu kunnen wi drei ümmer tausamen kamen, denn tüschen uns würd nich tauslaten. Vel würd nu vertellt von dit un von dat: De Kopernikus vertellte von de ollen Frün'n, un dat W. noch nahkamen ded, un mäglich ok noch de Franzos', den sei äwer vörlöpig wegen sin gestörtes Wesen nah Berlin in de Schariteh bröcht hadden, un wi vertellten nu von den ollen General un von Herr Bartelsen un von Schr...men un Paulussen. Hadd de Kapteihn sick 'ne Karnallvagelheck mitbröcht, so brächte sick nu de lütte Kopernikus 'ne Heck von witte Müs' mit, de in en ordentlichen Glas-Paleh wahnen deden un de hei in'n Groten tüchtete. Na, all Bott helpt, säd de Mügg, un spuckt in den Rhein, un was dat ok kein grot Plesier, dat mi de Müs' maken deden, so kunn ick sei mi denn doch ok af un an eins bekiken, un einer sall Gott för allens danken, ok för Müs', d. h. so lang', as sei säker in en Glaskasten sitten. En por Dag' drup gung dunn up de Festung dat Gered, de Erzbischoff ut Posen, Dunin, süll nah uns bröcht warden un süll bi uns sitten, denn dit was dunnmals grad de Tid, as de Katholschen an den Rhein un in Posen un Schlesingen den preußischen Staat groten Spermang makten. Wi hadden dat von Schr...men tau weiten kregen, de dat von sine Brud ehrentwegen wüßt, un ok Herr Bartels was dor mal unverwohrs mit rute kamen, as sick in sine Unteroffziererbost de königlich preußische Deinst-Instruktschon mit sinen katholschen Globen in de Hor lagg. – Na, eins Dags gung't denn nu los. Allens, wat up uns' Festung katholsch was – un dat was dat meiste –, kamm ut Hüser un Kasematten herut un stellte sick an de Strat up: »Er kommt, er kommt! Er ist schon da!« – Na, wi gungen denn ok, so wid, as wi gahn dürwten, bet an unsere lütte Lind', Herr Bartels ümmer hart an uns. Von dor ut kunnen wi nu nah de Kummandantur henseihn, un vör de Kummandantur stunn en Kutschwagen, üm den dat Volk sick ordentlich drängte, un as wi en beten stahn hadden, kamm wer ut de Kummandantur rute, un dat Volk bückte sick andächtig un bed üm sinen Segen, un hei hadd den Haut afnamen un winkte ümmer mit de Hand, un as hei uns neger kamm, dunn kunnen wi dat seihn: hei was en lütten statschen Herr, en beten kumplett von Liw' un mit en ihrwürdigen kahlen Kopp, un as hei ganz neg' heranne was, dunn bögte sick ok Herr Bartels nah vör un wull sick segen laten, äwer mit einmal kregen wi dat mit dat Lachen, un de oll lütt Kopernikus schöw Herr Bartelsen taurügg un sprung up den Herrn Erzbischoff los un röp: »Donnerwetter! Dicker, wo kommst du her?« Un wi nu all üm em rümmer, un Herr Bartels röp ümmer dormang: »Das muß ich mellen! Das muß ich mellen! Und, meine Herren, Sie dürfen nicht mit den allerheiligsten Herrn reden!«, bet endlich de Kummandanturschriwer, de doräwer tau kamm, tau em irnstlich säd: »Sind Sie denn unklug, Bartels? Das ist ja nicht der Erzbischof, das ist ja ein Kamerad von den Herrn.« Na, dunn was Fred in't Land, un wi trocken mit unsern Erzbischoff af, un't Lachen wull gor kein En'n nemen, as hei uns vertellte, wo sei em up den Weg mit allerlei Ihren unner de Ogen gahn wiren un wo em namentlich de Postmeisters mit Spis' un Gedränk ihrfürchtig unner de Arm grepen hadden. Hei kamm ok ganz unverfallen an, un de Verwesselung, de mit em passiert was, hadd mit keinen annern von uns so vullstännig passieren kunnt, denn hei was uns in geistlichen Utseihn gor tau sihr äwerlegen. Von Natur all lagg up sin runnes Gesicht 'ne geistliche Salwung, de bi jede Gelegenheit dorut hervor blänkerte, de hei äwer beter as Smer för sinen Kopp hadd vernutzen süllt, mäglich, dat em de Hor dornah wussen wiren, denn de sach blank ut as 'ne Billardkugel, wo einer unnenwarts en por Frangen rümmer makt hett. Dortau hadd hei wegen de Warmnis en langen brunen Äwertrecker an, den hei von sinen leiwen Papa arwt hadd; un sin Papa was en sösfäutschen Kirl west, un hei was man en halwen Toll gröter as de Kopernikus. Dese lange Pahletoh un 'ne vigelettrode, samtene Kapp, de em Don Juan mal in M. tau Wihnachten mit en Gedicht, wat den Titel führen ded: »Diesem Kürbis fehlt ein Stengel«, verihrt hadd, hadd em tauirst unnerwegs in den heiligen Geruch bröcht, un desen Geruch hadden de Postillons von Statschon tau Statschon wider verbreit't, un so was hei denn nu bi uns as Erzbischoff ankamen. – Äwer nu? Wo mit em hen? – Hei was en Schriwwtsetter un hadd en so grugliches Verbreken begahn, dat sülwst wi, de wi doch as Königsmürders anschrewen wiren, uns schugen müßten, mit em tausam tau wahnen. Hei was nämlich in de Sweiz west un hadd dor ihrlich sin Brod as Schriwwtsetter bi Orelli'n in Zürich verdeint, hadd äwer – un dat was dat Schauderhaftige an den Kirl – sin gaud Brod nich upgewen wullt, as de König von Preußen up den Infall kamm, de ganze Sweiz för sine leiwen Landskinner tau verbeiden, un as hei dämlicher Wis' wedder taurügg kamen was, hadden sei em up 'ne Reih' von Johren up de preußischen Festungen schickt, dat hei sick doch allmählich wedder von dat sweizer an't preußische Brod gewennen süll. Mit so einen sworen Verbreker kunnen wi doch unmöglich tausamen wahnen; äwer taum Glücken bestimmte ditmal uns' oll Herr General dat: de Schriwwtsetter süll mit den Baukhändler tausamen wahnen, denn sei wiren sowieso Annerbäulkenkinner, un so müßte denn de allerheiligst Erzbischoff mit Don Juannen tausamen trecken. – Nich wohr? – 'ne slichte Passung; äwer wat helpt dat all? In de Ort hett 'ne Festung Ähnlichkeit mit den Ehstand: wat tausam sall, kümmt tausam, un süll't de Düwel mit de Schuwkohr tausam karren. Na, nu kamm 'ne muntere Tid, nu kamm Lewen in de Baud'; för uns würd't idel spaßig un lustig; äwer för Herr Bartelsen würd't ärgerlich un verdreitlich, dat Spelen mit den Degenquast was vörbi, un de Kugelhopensitteri hadd ehren Vergang nich mihr, hei müßt von einen taum annern lopen un müßt häuden un möten, denn männigmal wiren wi langs unsen Spaziergang utenanner, as 'ne Tiralljür-Ked vör den Find, un en jeder söcht sick vör Herr Bartelsen sin Og' achter Böm un Gebüden tau decken; Schr. gung mit sinen Swager tausam un redte mit em von sine Brud, dor süll hei nu uppassen, dat de Swager nich mit uns reden ded. Kopernikus stunn in Smidt Grunwaldten sinen Durweg un kek in sine Teertunn, un wenn hei den in't Og faten wull, denn brok Don Juan ut de Bahn un fung en lütten Roman mit de Schenkjumfer in den negsten Hus' an, oder de Erzbischoff kreg 'ne olle Fru up de Strat fat't, de sick Hiring halt hadd, un frog, wat hei gellen ded – denn hei was hellschen ökonomschen –, oder ick lep äwer dat Mal von de lütte Lind' herut un kek en beten nah't Waterdur dal, un bi allendem stunn de Kapteihn wedder an sine Lind' un stunn em den Pal scheiw. Herr Bartels hadd swore Dag', un alle Dag' meldte hei wat bi den General, 't kamm äwer nicks dornah. Wildeß satt Aurelia ümmer flitig an't Finster un stickte un neigte dor, denn wo süll sei ok just anners sitten as an't Finster, wenn sei sticken un neigen wull, denn de ollen Kasematten sünd gefährlich düster. Männigmal kamm sei ok vör de Dör tau Rum, un denn trock de Kapteihn in vulle Parad' up un makte Front un strek sick den gelen Snurrbort – denn de was nu all – un redte mit mi oder en annern sihr lud, wat dat för schönes Weder wir; un männigmal gung sei ok spazieren un schrammte em wedder so dicht vörbi as dunnmals, denn makte hei densülwigen Diner, den hei sick tau maken vörnamen hadd, as hei de Königin Viktoria üm ehre Hand anspreken wull, un wenn sei denn, slank un rank, an em vörbigahn was, denn gung hei fiw Schritt achter her un tred so vel as mäglich in ehre Fauttappen, un denn stred sick in sin Hart Leiw' un Arger, denn Bartels let em denn nich ut dat Og' un gung denn wedder fiw Schritt achter em, un achter Bartelsen fiw Schritt kamm denn Schr. blot ut fründschaftliche Niglichkeit, wat dat den Kapteihn woll so glücken ded as em, un achter den folgte Don Juan up de Spör von en hübsch Mäten, un achter den de Erzbischoff, üm en von 'ne dugendlose Verführung aftauhollen; un wenn denn min oll Kapteihn sick ümkek un sach de ganze Prozeßschon achter sick, denn lep hei wütig in sin Lock herin un bedrew dor dulle Ding', un wenn ick denn nahkamen ded, denn hürte ick noch so'ne afgebrakene Redensorten, as: »Das Heiligste wird hier in den Staub getreten« un: »Wissen denn diese Menschen gar nicht, was Liebe heißt?«, un denn namm hei sick dat gor nich äwel, den Don Juan för einen liderlichen Racker, Schr...men för en Hanswusten, den ihrlichen Erzbischoff för einen Däsbartel un den braven Bartels för en vullstännig Rindvieh tau estimieren. »Kopernikus«, säd hei, »wir noch de einzigste von all de Ankämlingen, de noch Takt un Ihr in'n Liw' hadd.« – Arme Kapteihn! Hei ahnte gor nich, dat em grad' von den lütten Kopernikus sine Sid her all't mägliche bren'nte Hartled andahn warden süll. »Charles«, frog mi de lütt Kopernikus en por Dag' nah so'n Trubel, »warum steht der Kapitän immer wie angenagelt an der kleinen Linde?« – Dat was nu 'ne ekliche Frag': ganz tau verheimlichen was de Sak nich mihr, un doch wull ick ok nich verraden, wo deip min oll Kapteihn in de Leiwesquäleri un Angst herinne satt, un dat hei all sine Ansprüch' up de Königin von England tau Gunsten von Aurelia'n upgewen hadd; ick säd also: »Ih, hei kickt dor man blot; dor grad äwer wahnt en hübsch Mäten.« – »Dieselbe, hinter der er vor ein paar Tagen herlief?« frog hei, un dorbi fohrte dat Ding so hastig up mi los, dat ick denk, hei steckt di mit de Näs' dörch den Hals'dauk. »Gott bewohre!« segg ick, »wat hest du? Kann hei nich dornah kiken un achter ehr hergahn?« – »Charles, ist das dieselbe mit dem schönen goldblonden Haar?« – »Dat weit der Deuwel!« segg ick, »du seggst von blond, un hei seggt ok von blond, un ick seih dat för rod an. Heww ick denn kein Ogen mihr in den Kopp?« – Dor brok hei nu knas von af, äwer nu frog hei mi nah de Fomilienumstän'n, un ick Däskopp mark ok nicks Slimmes, denn ick denk, dat is, wil dat hei en gauden Fründ von den Kapteihn is, un segg em allens. – Den annern Dag, as wi in de Fristun'n gahn, stellt sick't oll lütt Ding ok an de Lind', un ick denk noch so bi mi: süh, dat Krät hett doch en menschlich Gefäuhl, hei will doch den ollen Kapteihn dor nich allein stahn laten un will em möglicher Wis' en beten upvermüntern, trotzdem hei wedder sine gelen Turen hett un kolle Fäut krigen kann, un ick freu mi ordentlich äwer den Kopernikus. – Schlange! KAPITTEL 17 Worüm nu ümmer twei an de lütte Lind' stahn. Mine lütte leiwe Idachechen. De witten Müs' warden gris un de Kopernikus gräun un möt wedder in Smidt Grunwaldten sine Teertunn kiken. De Kapteihn ward en blagen Löw, un de Erzbischoff hölt 'ne Red' äwer Stülp un Pott, bet hei binah ut sin Vaders Rock rute schüddt ward. En por Dag dorup kümmt Bartels an mi ran: »Nu schtehn da ümmer zwei.« – »Wo?« – »Na, an die kleine Linde.« – »Denn lassen Sie sie stehen!« – »Ne, dat muß ich mellen.« – »Na, denn melden Sie's!« – »Ja, das is auch man so. Recht gibt mich der General ümmer, aber er will nichts davon wissen; un wenn die Herrn sich man so an den Pal stellen wollten, mit den Rücken gegeneinander, daß jeder den andern Gegenstand hielte, oder beide mit's Gesicht nah das Wagenhaus hin, denn wollt ich noch nichts nich sagen.« – »Warum sollen sie denn nicht nach der anderen Seite zu sehen?« – »Na, wegen das junge Mädchen; junge Mädchen schtehn in meine Instrukschon oben an.« – »Wie denn das?« – Un Herr Bartels kamm neger nah mi ranne un flustert mi halflud tau: »'s is wegen Herr Schr...men, und der General hat an die eine Brautschaft genug und will sich nicht auf't frische Läus' in den Pelz setzen.« Na, wat Herr Bartels marken ded, müßten wi doch ok nahgradens marken: ut de beiden gauden Frün'n von Hall her wiren en por richtige Gegenbuhler worden: de Kapteihn in'n gauden Glowen un in den irsten Besitz, dat Krät von Kopernikus as en Indränger, de em sin rechtlich Eigendaum stridig maken wull. Ob Aurelia den Kapteihn sine mäuhsamen Anstalten an den Pal gewohr worden is, is meindag' nich bekannt worden, sei satt un neigte un let so unschüllig, as wull de Kapteihn ehr leiw' Mutting frigen; as nu äwer de Kopernikus ok Dag för Dag Stun'n lang an ehren Hewen stunn un neben dat stille Planetenlicht von den Kapteihn as en swewelgelen Komet upgung un in ehren Gesichts- un Dunstkreis hen un her schot, blot mit den Unnerscheid, dat de Komet den Start un hei de Näs' in En'n reckte, dunn müggt sei woll wat marken. Äwer as dat för gewöhnlich in de Welt taugeiht, de dat am irsten marken müßt un markt hewwen süll, de Kapteihn was de letzte, de up slimme Gedanken kamm, un wenn dat Kopernikussen-Krät de Dumen in dat Ärmellock slog un mit sin wißnäs'tes Fragteiken von Näs' allerlei anzügliche Fragen an Aurelia'n richt'te, denn stunn hei mild an sinen Pal, un sin stilles Abendstirn-Gesicht schinte knappemang dörch de fürigen Anstalten hendörch, de de Hall'sche Flügelmann von't tweite Glid vör un tüschen sine un Aurelia'n ehre Ogen bedrew. Na, tauletzt, tauletzt, süll hei ok dorachter kamen, as Thoms achter de Hamel; äwer üm dormit klor tau warden, möt ick 'ne Hakwenning taurügg trecken. Dicht bi unse Kasematten was 'ne Kinnerschaul von lütte Mätens, un wenn wi Klock twölwen in uns' Löcker wedder insnappt würden, denn begegent uns dat lütte Görenwarks un sprung in den schönen Frühjohrssünnenschin herümmer, as wenn 'ne Haud Bottervägel loslaten wir un wull sick nah'n langen Winter mal wedder up Blaumen weigen. Sei danzten so lustig de Lindenalleh entlang, un in de frische Frühjohrsluft was de dumpige Schaulstuw' vergeten, sei smeten de ollen verdreitlichen Schaulbäuker mit de Eselsuhren hoch in de Luft, dat sei doch ok wat von de Frühjohrssünn annemen können, un äwer ehr lustig Gedriw' breid'ten sick de jungen, frischen Lindenbläder un malten Lichter un Schatten doräwer, dat de roden und witten un blagen un gräunen Röckschen noch bunter un lustiger leten, un ut dese bunten Röckschen keken mit blage un brune Ogen de lütten weiken Kinnergesichter herute, frisch in Gesundheit un lewig in Lust. Blot, wenn wi mit Bartelsen an ehr vörbikemen, denn würden sei still un keken uns schu an, as wir wat Frömds, wat Gefährlichs in ehr Spill follen, un ein un de anner von de grötern makte en verlegenen Knicks, den sei för so'ne beängstliche Fälle von ehr Mutting lihrt hadd. Äwer't süll nich lang' duren, dunn würden wi drister mit enanner, sei wüßten jo ok von ehr Schaulstuw' her, wat inspunnen heit; un mäglich, dat Herr Bartels de lütten Kinner noch nich för junge Mätens ansach, hei drückte en Og' tau, wenn wi mit ehr en por Würd' wesselten. – Ein was äwer dorunner, dat was de Kron von dat Ganze, dat was en Kind, so wunnerleiwlich, dat sülwst Bartels dat nich äwer't Hart bringen kunn, mi den Mund tau verbeiden, wenn ick mit ehr länger redte. Ut de groten, brunen Ogen kek so'ne schelmische Frölichkeit, un äwer ehr frisches Angesicht dor flog dat räwer mit Schatten un Licht, as wir sei unner Sünnenstrahl un weiken, gräunen Frühjohrs-Lindenschatten geburen un hadd ehr kortes Lewen lang in en Land wahnt, wo't ümmer Frühjohr is. – Sei is dod – un ick bün en ollen Kirl worden, äwer noch ümmer steiht sei mi in all ehr Leiwlichkeit vör Ogen, un wenn ick en schönes, frömdes Kind seih, denn met ick sine Schönheit, ahn dat ick doran denk, an mine lütte Ida ehr, un ick dank Gott hüt noch dorför, dat hei mi dunnmalen an dit lütte Wesen so'ne reine Freud hett erlewen laten. Sei was de Halfswester von Aurelia'n, un obschonst Herr Bartels up de öllste Swester binah en grimmigen Haß hadd wegen de Schererien, de sei em makte, so kunn hei dit lütt Dirning doch nich bös warden, hei led, dat ick mit ehr redte, un näumte sei ümmer, üm sine eigene Tauneigung tau bewisen, mit en duwwelten Leiws-Akzent: »dat Idachechen«. Nu müßte äwer dat Idachechen des Nahmiddags Klock twei ümmer an den Kopernikus sin Finster vörbi, un wil hei unnen wahnen ded, dat Weder ok all so was, dat einer dat Finster uphewwen kunn, so makte sick dat ganz natürlich, dat hei mit ehr en beten an tau klänen fung. – De Kopernikus was in'n ganzen en gauden Kirl; äwer von den Kapteihn sine Großmütigkeit, de sick blot tüschen Mahn un Stirn an den Hewen rümmer drew, slog em nich 'ne Ader; hei krawwelte ümmer up de Ird rümmer, un dor wüßt hei sick allens so handlich taurecht tau leggen. Wat was denn nu natürlicher, as dat hei min lütt Idachechen tau sinen Aportendräger maken ded. Sei müßte em vertellen, wat Aurelia hüt seggt hadd, un wat sei gistern seggt hadd, un wohen sei vörgistern spazierengahn was, un hei let denn up sine verdammte pfiffige Manier mit infleiten, wat hei von Aurelia'n seggt hadd un wat Idachechen seggen süll, wat hei seggt hadd. – Genaug, de Telegraph was in vullen Gang', un de Racker let minen ollen Kapteihn in aller Unschuld up den koppernen Draht danzen, ahn dat de arm Kirl wüßt, wat unner em passieren ded, un dat ick lud hadd lachen müggt, wenn mi de Kapteihn nich neger angahn hadd. Wenn de Kapteihn dat Glück hatt hadd, sinen Engel up den Spazierweg tau grüßen, denn gung hei ümmer in de Kasematt taurügg un sned en Karn in den Dörenstänner taum Wohrteiken un Andenken an sin flüchtiges Glück; un denn stunn hei männigmal Stun'n lang vör de Karn un röp sick bi jeden de besondern Ümstän'n in't Gedächtnis un drunk so döstig un so deip ut den Hoffnungsbeker, bet de helle Kurasch' em ut de blanken Ogen lücht'te, un denn halte hei sick ut sin Karnallenvagelburken sinen schönsten jungen, gelen Hahn herute un strakte un eiete em un wüßt em so vel tau vertellen, wo schön dat lütte Dird dat mal hewwen süll, un't ded em led, äwer trennen müßten sei sick. – »Willst du em denn verköpen?« frog ick. – »Für kein Geld!« was de Antwurd, »aber ...« – Ick verstünn dit »Aber« un dachte so bi mi: wer weit, wat hei mit den Karnallenvagel nich sin Glück makt? – Hei äwer drömte blot von dat Glück, wat sinen Karnallenvagel bevörstunn, un verget sin eigen doräwer, denn de Kopernikus kamm em tauvör. Eins Middags kümmt denn dat lütte, giftige Ding nah uns ruppe: »Charles, hast du nicht eine Schachtel?« – »Ja«, säd ick, »de hadd ick woll, äwer de brukte ick sülwen.« – Un't was ok wohr, denn ick hadd dorin swarte Krid un Keinruß, den ick ümmer in'n groten brukte, wil ick meistendeils alle Lüd' in'n swarte Liwrock malen müßt. – Oh, ick süll em de doch leihnen, in en por Dag' kreg ick sei wedder. Na, ick ded dat ok; wat wüßt ick dorvon? Un hei nimmt de Schachtel un set't en por witte Müs' ut sinen Mus'paleh dorin, un as ick noch achter em ankam un will em noch von dat inwennige Utseihn von de Schachtel Bescheid seggen, dunn langt hei de oll Schachtel all hastig dörch sine iserne Gardinen un seggt tau dat lütte Idachechen: »Und grüß auch Aurelia vielmal!« Nu hadd ick jo den Bewis in Hän'n, dat hei den Kapteihn verraden ded. – »Was hast du in die Schachtel gepackt?« frog ick. »Oh, ich habe der kleinen Ida nur ein paar weiße Mäuse geschenkt«, säd hei, un dorbi steg em dat blage Blaud in't gele Gesicht, dat hei ganz gräun utseihn würd. – »Haha!« dacht ick, »up den Sack sleihst du un den Esel meinst du!« Un ick argerte mi doräwer, dat hei dat oll lütt unschüllig Kind in sinen Nutzen verwendete un dat hei den Kapteihn tauvör kamm, de doch dat Vörkopsrecht hadd; äwer mi kettelte dat ok, wo woll de witten Müs' in de Keinrußschachtel utseihn würden. Ick bün nu grad nich niglich, mag äwer doch girn allens weiten, un kort vör Klock twei, as upslaten warden süll un de oll lütten Mätens nah ehr Schaul vörbi gungen, gung ick runne un läd mi mit 'ne Pip Toback bi den Kopernikus recht tauvertrulich in't Finster; un't wohrt denn ok nich lang', dunn kamm min oll lütt Iding mit rodweinte Ogen an; un sei hadd gor tau vel Schell kregen, un Aurelia hadd sick dägern verfihrt, as sei de Schachtel upmakt hadd, un ehr Mutting let den Herrn Kopernikus seggen, wenn hei wider nicks wull, denn süll hei't man för sick behollen, denn von de Ort hadd sei sülwen naug in ehr Kasematten, un sei güngen ehr all dat Speck an. – De Kopernikus würd wedder gräun vör Bosheit, un as hei de Schachtel upmaken ded, dunn seten dor twei natürliche grise Müs' in, grad so, as sei allentwegen wild herümmelopen. – Den Blick verget ick meindag' nich, den hei mi tausmiten ded, as hei de beiden keinrussigen Wörm wedder in dat Paleh setten ded. – »Das habe ich dir und der dummen Schachtel zu verdanken!« röp hei mi giftig tau. – Na, ick verdeffendierte mi denn nu ok, denn ick was jo in minen Recht; äwer dat Unglück wull, dat de Kapteihn doräwer taukamen ded un ut unsen Strit tau weiten kreg, dat de Kopernikus Aurelia'n en por witte Müs' hadd taum ewigen Angedenken schenken wullt. In de irst, as hei so unverwohrs achter uns stunn, verfirte ick mi gruglich, un de Sünner von Kopernikus noch düller, de Kapteihn fung äwer ut vullen Hals' an tau lachen: »Nu bitte ich einen um alles in der Welt! Schenkt der kleine verdrehte Kerl einer jungen Dame ein paar weiße Mäuse! Na höre, Kopernikus! Ein Rosenbukett wäre wohlriechender gewesen.« – Gott sei Dank! denk ick so bi mi, de Sak is em blot spaßig, un üm em in sinen lustigen Tog tau hollen, segg ick: »Un kik mal, wo de beiden Beister in mine Keinruß-Schachtel utseihn worden sünd!« un wis' em dat Present, wat nu as dull in dat Mus'paleh herümmer fohren ded un mit sine grise Jack de annern tau grugen makte. De Kapteihn wull sick ümmer dod lachen; äwer de Kopernikus was so gräun worden as Gras un dreihte sick von sinen Mus'kasten af un lep ut de Dör, de grad upslaten was, un röp: »Und wenn ich einer Dame etwas schenke, so geht das keinen was an!« – »Keinen was an?« säd de Kapteihn. »Keinen was an?« un lep, nu ok in Arger, achter em her. »Mich geht's was an, und du weißt es, daß es mich was angeht; und ich leid's nicht, daß einer diese Dame in solche lächerliche Geschichten hineinbringt.« – So susen sei denn beid' an Don Juannen un den Erzbischoff vörbi, de ok grad in de Fristun'n gahn sünd; de Kopernikus stracks nah Smidt Grunwaldten sine Teertunn, wil dat hei dat in't Gefäuhl hadd, dat em de Gall wedder äwertreden was, un wil hei sick doch nah dat afblitzte Mus'present nich vör Aurelia'n seihn laten kunn; de Kapteihn graden Wegs nah de lütte Lind', wo hei up un dal tau gahn anfung, grad as en blagen Löwen, denn bi dat gaude Weder hadd hei den Grisen mit de säben Kragen afsmeten un gung in en blagen Rock, un tau sine stille Palstaheri fehlte em hüt de Andacht. Don Juan un de Erzbischoff fragten mi denn nu, wat passiert wir, un ick vertell ehr de Mus'geschicht un dat de beiden Frün'n sick vertürnt hadden. Dat was denn nu Ul up den Erzbischoff sine geistliche Lamp, sin Beraup was, Freden tausamen stiften, un hei makte sick nu also glik an den Kapteihn un fädelte sine Sak mit allgemeine Redensorten in: 't gew zweierlei Minschen in de Welt, säd hei, Mannsminschen un Frugensminschen, un uns' Herrgott hadd sei beid in de Welt set't, dat sei för enanner passen süllen; männigmal paßten sei ok so schön as Stülp tau en Pott, äwer männigmal wull sick de Passung abslutemang nich finnen; männigmal kek sick de Pott nah 'ne Stülp üm, an de kein Minsch dacht hadd. Hir höll hei in un kek den Kapteihn so recht mit Mitled in de Ogen, un sin kahle Kopp fung noch ihrwürdiger an uttauseihn as för gewöhnlich. De Kapteihn kek em ok an; äwer – wi geseggt – as en blagen Löwen. De Erzbischoff äwer, ahn sick im geringsten tau fürchten, fohrte in sine Red' un in sin Bild furt; ja, säd hei, un wenn einer nu Pott un Stülp, de nich tausam paßten, mit Gewalt tausam bringen wull, denn gung dat ahn Sprüngen un Hartbosten nich af, un dorvör müßt sick jedwerein in acht nemen, un hei, de Erzbischoff, gew em, den Kapteihn, den Rat, hei süll den Pott, den hei sick utsöcht hadd, Pott sin laten, und hadd sick de Pott 'ne anner Stülp utsöcht, denn süll hei de Stülp Stülp sin laten. De Kapteihn hadd em wildeß mit ümmer grötere Ogen anseihn, un as de Erzbischoff sine Pott- und Stülpen-Red' mit de letzte Stülp taudeckt hadd, fohrte de Kapteihn up den ihrwürdigen Herrn los, un – der Deuwel hal! – hadd hei Hor up den Kopp hatt, hei wir em dorinne fohrt, so kreg hei em äwer in dat lange Arwstück von väterlichen Paletoh tau faten un schüddte den geistlichen Herrn up de weltlichste Wis' dorin hen un her: »Was sagst du da? Was sagst du da?« – Je, wat süll de Erzbischoff nu anners seggen? So in de Klemm kamm hei mit de Wohrheit herute: em kem dat so vör, un jedwerein von uns wüßte dat jo ok, dat de Kopernikus ok en Og' up Aurelia'n smeten hadd, un wenn hei nah de Anteiken urteln süll, denn seg sei mihr up den Kopernikus as up em, den Kapteihn, obschonst de Kopernikus lütter un lang nich so statsch wir. Dat was noch en Glück för den Erzbischoff, dat hei em dat so buh un bah in't Gesicht seggen ded, denn de Kapteihn würd ganz stiw, let den brunen Paletoh los, kek den Erzbischoff ahn allen Utdruck in de wollmeinenden Ogen, säd mit velen Utdruck: »Du Schafskopf!«, smet en langen, bittern Blick up Aurelia'n ehr Finster un sus'te an mi un Don Juannen vörbi un so in de Kasematt herin, dat ick denk: Na, dit geiht allmeindag' nich gaud. Äwer achter em her kamm de Erzbischoff, hadd de Hän'n äwer den brunen Paletoh folgt, dreihte mit de Dumen un sach so fram ut, as Gottswurd, wenn't in brun Kalwledder bunnen is. – »Er weiß es nun«, säd hei, »ich habe es ihm gesagt.« – »Was sagte er denn?« frog ick. – »Gesagt hat er eigentlich nichts; er war im ganzen sehr ruhig und sagte zuletzt bloß: du Schafskopf!« – Ja, denk ick ok, du Schapskopp! un lop nu nah unsre Kasematt, üm mi nah den Kapteihn ümtauseihn. Dor satt hei, hadd den Kopp in de Hän'n stüt't, en witten Bagen Poppier vör sick un schrew dorup mit allerlei schöne Zügen; denn dit ded hei ümmer, wenn hei in grote Unrauh was. Ich kamm nah em ranne: »Kapteihn!« Hei härte mi nich; ick kek äwer sine Schuller, dor hadd hei mit dütsche Baukstawen schrewen: »Freund«, dorunner stunn mit schöne latinsche Schrift: »mein bester Freund!« un wider dal mit Fraktur: »mein bester Freund hat mich verraten!« – » Kapteihn!« raup ick wedder – hei hürt nich; un as ick mi nu ümwen'n un ratlos in alle Ecken rümkik, dunn seih ick dor nicks, as luter witte Müs'! – »Wat's dit?« KAPITTEL 18 Wo de Müs' utwannern un de Herr General den Kopernikus achter dat Geheimnis kümmt. Worüm Herr Bartels üm Gotts willen dat Mul hadd hollen süllt un de Herr Erzbischoff ok. Worüm ick 'ne Anstellung as Richter in Leiwssaken krig, de mi stats Sporteln un Ihr blot 'ne Taß Koffe un Hun'nlohn indröggt. Un worüm sick den Kapteihn sine Großmaud an en swarten Kledrock un en preußischen General breckt. Nu hadd dat Krätending von Kopernikus, as em de Kapteihn äwer den Hals kamm, in sine Verlegenheit vergeten, dat Mus'paleh tautaumaken, un sine dreijöhrsche Mus'heck – wat dat beseggen will, weit jedwerein – was mit Fru un Kind ut de Arche Noäh utwannert un beset'te nu allens, wat fast was, un vör allen uns' Kasematt. – »Kapteihn«, schreg ick, »ick bidd di üm Gotts willen, hir sünd all den Kopernikus sine witten Müs'!« – Wer denkt denn äwer ok an allens? Mit dese Würd' ret ick den Kapteihnen sine Wun'n wedder bläudig, denn von de ßackermentschen Müs' was jo de ganze Spermang herkamen. Hei sprung up un kek den Kopernikus sin lüttes, wittes, frames Volk mit 'ne Wut an, as wir 'ne Haud wille Dird bi em inbraken, smet mit Stücken un Dinger nah de Unschuldswörm, nennte sei »ekelhaftes Ungeziefer«, un denn mal lachte hei wedder höhnschen up, wenn hei doran dachte, dat de Kopernikus an Aurelia, an sine Aurelia, weck von dit Takel hadd taum Present maken wullt, um tauletzt set't hei sick wedder dal un kümmert sick üm den ganzen Krempel nich. Ick för min Part fung nu an, mi mit de ßackermentschen Dinger rümmer tau jagen – in de Dör wiren sei rin kamen, dor müßten s' doch also wedder rute – je ja! je ja! hadd ick ein von dat Wormtüg herute, denn kamm en halw Dutzend frischen Nahschub wedder rin. – Allein kreg ick dat nich farig, ick röp also den Erzbischoff un Don Juannen, de Röck würden uttreckt un nu gung de Jagd los! – »Hir sünd s'!« – »Holl wiß! Holl wiß!« – »Hurah, ick heww ein!« – Mit de Jagd kamm ok de Lust äwer de Jagd, un mit de Lust kamm ok dat Lachen äwer de Lust, un dat olle Kasemattengewölw schallte vör Lust un Lachen, wenn de erzbischöfflichen Gnaden in Hemdsmaugen sick as en Brummküsel herümmer küselte un in de Ecken herümmer tründelte oder Don Juan mit de langen Beinen unner't Bedd herute spaddelte oder ick mi mit den breiden Puckel unner den ollen hochbeinten Aben fast klemmt hadd. – Äwer 'ne Lust is up Festungen verbaden un 'ne Jagd irst recht, un as Gott den Schaden besach un wi so recht in Iwer wiren, kamm Herr Bartels herin: »Das muß ich mellen. Die Schildwach hat schon zweimal ›Ruhe da oben!‹ gerufen und hat's dem Unteroffzier gemellt, und der hat's dem du jour gemellt, und ich muß es dem General mellen.« – Na, wenn einer midden in so'n lustig Wirken is, dat is, as wenn en Strohdack brennt, dat lett sick mit ein Emmer vull Water nich löschen, ick säd also drist: hei süll man hengahn un't mellen; un as hei Don Juannen un den Erzbischoff ut uns' Kasematt gahn heiten ded, lachte Don Juan em in't Gesicht un makte allerlei Bubulum mit em, un de Erzbischoff set'te em mit sine angeburne Salwung utenanner, dat de Fristun'n noch nich tau En'n wiren un dat sei bi uns bliwen künnen, so lang', as de durten. Herr Bartels gung mit Recht wütend von uns weg, un as hei unnen bi den Kopernikus dörchkamm, was de taurügg kamen un bedrew ok de Mus'jagd, äwer nich mit Lust, ne, in grimmigen Arger, un as Herr Bartels em seggt hadd, hei müßt em mellen, wil dat hei de Kasematten mit Ungezifer besetten ded, hadd de Kopernikus em 'ne snodderige Redensort in't Gesicht smeten. – Herr Bartels gung also un mellte. – Un wi? Wi gungen, as wi baben farig wiren, unnen dal nah den Kopernikus un drewen dat Rewier ok af, un nu kamm de Erzbischoff, de vel in ökonomschen Dingen verstunn, up den gesegenten Infall, dat en jeder sick einen Stäwel uttrecken un in de düstern Ecken leggen süll, un dat de Müs' in de Stäwelschächt jagt warden müßten. – Dit Middel is probat, un ick bedriw de Mus'jagd noch hüt un desen Dag so. Grad, as wi nu wedder in vulle Arbeit wiren un up einen Stäwel un einen Socken herümmer hüppen deden, gung de Dör up, un de Platzmajur kamm herin: wat hir los wir, de Larm wir all up de Wach' mellt? – Ick wull em nu in'n korten de Sak utenanner setten, äwer de Erzbischoff drängte sick vör, un wil dat ick wüßt, dat hei'n grot Stück bi den Platzmajur güll, let ick em sinen Willen, denn mit en por richtige Drähnbartels is't justament so as mit en por Tobacksbräuder, sei verlaten sick nich un hacken tausam as Pick un Ledder. Un as de Drähnbartel von Erzbischoff allens kort un klein snacken ded, dunn hülp em de Drähnbartel von Platzmajur ihrlich dorbi, un as dunn Don Juan säd: Bartels hadd mit dat Mellen sihr unrecht dahn, dunn säd de Platzmajur: Ja, hei hadd ok sihr unrecht dahn, un as de Kopernikus un ick grad achter'n por Müs' her wiren, dunn möt't sei de Platzmajur mit sine Beinen, un ick glöw, wenn hei nich just den Degen an de Sid un den Fedderbusch up den Kopp hatt hadd, hei hadd sick mit uns up dat Mus'gripen leggt, so sihr hadd em de Erzbischoff von unsere gerechte Sak äwertügt. Nu lat Bartelsen man kamen! Wi hadden nu den Herrn Platzmajur un kunnen em as en schönen Stein in't Bredd schuwen. Äwer den annern Dag kamm Bartels: De Kopernikus un ick süllen taum General kamen. – Na, wi gungen. – Bi den General was de Platzmajur, un Herr Bartels kamm mit uns rinne. – De olle Herr sach verdeuwelt irnshaft ut, un de witte Prück stunn em so krus üm den Kopp, as wenn dat unner ehr nich so ganz ruhig utsach. »Sie haben gestern einen solchen Lärm in Ihren Kasematten gemacht«, was de Anred'. – »Ja«, säd ick, »wi hadden blot 'ne lütte Mus'jagd hollen. – »Die Schildwache hat Ihnen Ruhe geboten, und Sie haben nicht darauf gehört!« – Dat hadden wi in unsen eigen Larm nich hürt, wi wiren dor hellschen giftig achter an west. – »Sie sollen aber keinen Lärm machen.« – »Herr General«, säd ick, »es war 'ne vollständige Treibjagd, und wie Sie wissen, geht das ohne Hallo nicht ab.« – De oll Herr vertrock den Mund en beten taum Lachen, hei was en Jäger, äwer 'ne Driwjagd up Müs' was em woll noch nich vörkamen, un ick dacht ok so: smäd du dat Isen man, so lang' dat noch warm is, un säd: de Herr Platzmajur wir doch ok dor west un hadd jo seihn, dat nicks Unrechts passiert wir. – De oll Herr kek den Platzmajur an, un de schüddelte den Kopp: ne, Unrechts nich; 't wiren blote Mus'angelegenheiten west. – Dese Unnersäukung let de oll Herr nu fallen, wendte sick äwer an den Kopernikus un frog em: Bartels hadd mellt, dat hei un de Kapteihn ümmer an de lütte Lind' stahn deden, un hei sülwen hadd dat ok all von sinen Finster ut bemerkt, wat sei dor tau stahn hadden? – Dat was nu 'ne häßliche Frag' för den Kopernikus, hei stamerte denn irst en beten hen un her un kamm tauletzt mit de Antwurd herute: »Wegen der schönen Aussicht.« – De General kek Bartelsen an, un Bartels säd nu so recht höhnschen: »Ja, nach die Proviantmeistersdochter.« – »Na, hören Sie mal!« säd de oll Herr mit en groten Nahdruck tau den Kopernikus. – Hir müßt nu wat gescheihn, dat dat Spill nich verluren gung, ick spelte Bartelsen also gradtau Trumpf in't Gesicht un säd: De Utsicht von de lütte Lind' wir äwer de schönste up unsen ganzen Spazierweg, un Bartels, de sünn dor man ordentlich up, dat hei wat mellen wull, un't wiren luter unschüllige Saken, wo hei wat rute säuken ded. Von de unschüllige Mus'geschicht hadd sick de Herr Platzmajur sülwst äwertügt; äwer hei hadd jo ok mellt, dat ein von uns nah den Pris von'n Hiring fragt hadd, un dat wi de lütten Schaulkinner de Dagstid baden hadden. – Nu fohrte äwer de oll Herr up mi los: »Das soll er auch melden, das ist seine Pflicht: er soll alles melden, was gegen seine Instruktion ist!« – Hadd Bartels nu dat Mul hollen, denn wir de Sak vörbi west, un wi wiren mit en schönen Wischer nah Hus schickt worden; äwer hei wull ok dat Isen smäden, so lang' dat noch heit was, un heit was't bi den ollen Herrn. »Ja«, säd hei, »und Sie mellen sich man, Sie reden ümmer mit die kleine Idachechen, und wenn ich man allens so sagen wollt...« – »Zum Teufel, sagen Sie's«, fohrt em de oll Herr in de Parad'. – »Ja, und die Mäus'geschicht is ganz anders. Der Herr da hat ein paar Mäuse in 'ne Schachtel gepackt und hat die Proviantmeistersdochter da en Present mit machen wollen.« – » Was ist das?« fohrt de oll Herr up den Kopernikus los. – Kopernikus, Kopernikus, dit ward slimm! – Äwer tau gliker Tid dreihte hei sick ok nah Bartelsen üm: »Woher wissen Sie das?« – Un ut Herr Bartelsen sin Ogen stek de gele Voß sinen Start herute, un sin dämlich Gesicht würd ganz glücklich äwer sine eig'ne Pfiffigkeit utseihn, as hei still vergnäugt säd: »Das hab' ich die kleine Idachechen abgefragt.« – Herr Bartels, Herr Bartels, dit ward sihr slimm! – »Kinderschnack!« fohrte de General up em los, »habe ich Ihnen befohlen, die Schulkinder auszufragen? Steht es in Ihrer Instruktion, daß Sie spionieren sollen? Das sollen Sie melden, was augenfällig ist. – Und gehn Sie man nach Haus'«, säd hei tau uns; »aber das sag' ich Ihnen, wenn die Schildwache ruft, denn müssen Sie Ordre parieren.« Den Abend kamm de Kummandanturschriwer en beten an den Kopernikus sin Finster un vertellte uns mit grote Häg': Bartels wir bi uns afset't as en Bucklamm; denn dat, wat för de gemeine Niderträchtigkeit von alle Minschen gelt, dat sei sick äwer't Unglück von einen annern freuen, gelt för de Handlangers in Festungs- un Gefangenanstalten duwwelt. Na, de General un wi kunnen dormit taufreden sin, denn stats den schulschen, ewigen Mellbrauder kregen wi einen ollen, gaudmäudigen Mann, de nicks hüren un seihn wull, un de General einen, de em nicks mellen ded. – Lewandowsky heit hei un bedrew neben sinen Unteroffziererposten noch de Snideri. Ick lep nu also nah den Kapteihn heruppe, üm em in sin Trübsal 'ne Freud' tau maken, un vertellte em, Herr Bartels wir afset't. Äwer dor kamm ick schön an. – Bartels, säd hei, hadd sinentwegen noch lang' bliwen kunnt, denn Bartels wir noch lang' nich de Legst'; 't gew vel slichtere Minschen in de Welt; un wenn hei klauk west wir, denn hadd hei mihr up de Stein Obacht gewen, de em Bartels bi de lütte Lind' in den Weg smeten hadd. »Aber«, säd hei wild, »es soll alles ausgerottet werden aus meinem Herzen! selbst die Erinnerung!« Un dormit sprung hei up un kreg en Metz tau faten, lep nah de Dör un sned all de Erinnerungskaren an den Dörenstänner ut. – Äwer as hei dat dahn hadd, kamm 'ne Weikmäudigkeit äwer em, hei sackte up sinen Stauhl tausamen un kek mi äwer dat preußische Landrecht weg in de Ogen, denn hei was up den vernünftigen Infall kamen, de Leiw' mit dat preußische Landrecht tau verdriwen, un säd: »Charles, was sollen jetzt noch Heimlichkeiten? Ja, ich habe sie geliebt, ich habe sie glühend geliebt; aber nicht um meinetwillen , um ihretwillen habe ich sie geliebt, und wehe!« Hir schot hei äwer de Paragraphen in't Landrecht, de von de unrechtmäßige Ersitzung handeln, einen scharpen Blick nah mi räwer: »Wehe dem Kopernikus, wenn er eigensüchtige Zwecke verfolgt! – Wehe ihm! sage ich, wehe!« Un so blew dat bi, bet wi tau Bedd gungen. Äwer wenn de Kopernikus blot halw all de Weihdag' in'n Liw' hatt hett, de an den Abend von baben äwer em kamen is, hei wir möglicher Wis' tau Insichten von sine grote Slichtigkeit oder ok tau starken Kamellentee kamen. Drei Dag' lang gung de Kapteihn nich ut, drei Dag' lang was hei in't Gewäuhl; twei Dag' lang was hei giftig up den Kopernikus, den drüdden Dag smet hei sick up Schr...men. »Der Hanswurst«, säd hei, wenn em de blot von firn in de Ogen kamm, »glaubt, weil er eine Braut hat, den Dicknäsigen spielen zu können. – Ist das 'ne Kunst? wenn einer gehen kann, wo er will?« Glik den irsten Dag kamm ok de Erzbischoff un bed em, hei süll mit runne kamen; hei wull nich. De geistliche Herr beswur em bi allens in de Welt, hei süll kamen, dat wir 'ne Notsak, de uns all angahn ded; wi müßten doch Rat hollen doräwer, woans wi uns gegen den nigen Uppasser tau stellen hadden; hei ded't nich, un de Erzbischoff müßt mit uns äwrigen vörleiw nemen. De ganze Nacht hadd sick de würdige Herr up 'ne Red' tau Lewandowsky'n sinen Regierungsantritt vörbereit't un hadd sick de Weg' äwerleggt, de hei uns för de Taukunft vörschriwen wull. As wi all, utbenamen de Kapteihn, üm em rümmer wiren, let hei sine wolläwerleggte Red' los un fung mit en »Gott sei Dank!« an, dat wi ut den Bartelschen Löwenrachen errett't wiren, kamm denn up de irste Veranlassung, up den Kopernikus sin Mus'present, un set'te hentau, dat ok ut de apenbore Durheit von einen Minschen Glück för de annern entstahn künn. – Hir würd nu de Kopernikus falsch, un as de Erzbischoff dit wohr würd, set'te hei in sine Gaudhartigkeit hentau: äwer de Kopernikus hadd dat dörch sin klaukes Benemen un dörch sine dristen Reden vör den General wedder gaud makt. – Dordörch stödd hei mi nu vör den Kopp, denn wat dor Klauks un Drists redt worden was, rekente ick mi an, un as hei wohr würd, dat ick ok doräwer falsch wir, säd hei rasch: »Aber Charles auch!« – Dorup makte hei den Vörslag: Von nu an af süll keiner mihr an de lütte Lind' stahn – hir wull de Kopernikus losfohren –, denn, set'te hei hentau, wenn ok einer unner uns ungerechter Wis' mihr Friheiten hadd as de annern un mit 'ne Brud an den Arm gahn künn, so – dit kamm Schr...men sine Philosophi an't Mager, äwer as hei Inwendungen maken wull, winkte em de Redner mit de Hand tau Rauh – so, säd hei, wir dat vör uns' Tid verlöwt worden, un de General hadd dat verlöwt, un den General sin Seggen un Dauhn müßte för uns dat heiligste Gesetz sin. »Darum«, slot hei sine Red', »beschwöre ich euch, lieben Brüder, schweift nicht über die vorgeschriebenen Schranken hinaus, meidet den Verkehr mit unerlaubten Menschen, dringt nicht auf heimlichen Wegen in die Häuser hiesiger Bewohner« – hir kek hei Don Juannen an –, »kurz, laßt uns dem neu angestellten Herrn Lewandowsky zeigen, daß wir zu gehorchen wissen, und er wird das Befehlen vergessen; vor allem aber warne ich euch: stellt euch nicht mehr an die Linde, ihr würdet nicht bloß den Baum, nein! Ihr würdet auch Lewandowsky in eine schiefe Stellung bringen!« – Äwer nu gung't los! De irste was natürlich dat giftige Ding von Kopernikus: hei würd sick an de Lind' henstellen, wenn't em geföll, un wull hei den mal seihn, de't em wehren wull! Un Schr. frog em spöttischen up philosophisch: ob dor en Sinn in wir, dat hei üm sinentwillen, den Erzbischoff sinentwillen un üm Lewandowsky'n sinentwillen sine Brudschaft upgewen süll? Un ick frog em, ob hei wider kein Smerzen hadd? Hei wir doch de irste west, de sick mit en oll Wiw in en verbaden Hiringshandel inlaten hadd. – Äwer dat was allens nicks gegen Don Juannen, wo de upbegehrte. – Hei hadd sick ebenso gaud as de Erzbischoff de Nacht hendörch all de Weg' utdacht, de hei unner Lewandowsky'n sin Regiment wandeln wull, un de lepen meistendeils all in de Ställ un de Durweg' achter rüm in de Hüser. Hei hadd eben 'ne Red' anhürt, säd hei, »ein schwächliches Produkt, geboren aus der Schwächlichkeit einer geistlichen Natur« – denn hei drückte sick ümmer sihr sauber ut, wil hei en Dichter was –, äwer, säd hei, hei för sin Part wir nich ut Kummandanturbefehlen un Unteroffzierer-Instruktschonen tausam pappt, hei wir ut Fleisch un Bein, un hei wir nich dortau dor, Lewandowsky'n dat Lewen bequem un säut tau maken; ne, hei wull sick sin eigen Lewen säut maken; un dortau, säd hei, wir menschliche Umgang nödig, vör allen mit Frugenslüd'. Un nu let hei sick äwer dese Annehmlichkeit widlüftiger ut un wis'te sei an Bispillen ut sinen eigenen Lewen nah. »Und«, slot hei sine Red', »meine Herrn, wir müssen Lewandowsky'n verblüffen, ›verblüffen‹ ist das rechte Wort, wir müssen gleich in den ersten Tagen alle möglichen Extravaganzen mit der unschuldigsten Miene begehen, damit er glaubt, daß wir ein Recht dazu haben, und im übrigen bin ich der Meinung, ein jeder tue, was er will.« Un dorin gewen wi em all recht, bet up den Erzbischoff, uns' Versammlung slot grad so, as sei all sluten, wi gungen utenanner un deden all, wat wi wullen. – De Kopernikus stunn an de Lind', Schr. gung mit sin Brud, ick spaßte mit lütt Idachechen, un Don Juan würd von Lewandowsky'n bi de Schenkjumfer rute halt, würd äwer nich mellt; blot uns' geistliche Herr tründelte den irsten Dag as 'ne streng gesetzliche Körbs den Spazierweg entlang, den tweiten Dag äwer sach ick all, dat hei mit de dicke Bäckerfru äwer den Tun räwer parlamentieren ded, un den drüdden satt hei bi ehr up de Bänk un let sick von ehr ehre grote Krankheitsgeschicht un ehren Kinnersegen utenanner setten, denn as ick seggt heww, hei interessierte sick sihr för ökonomische Angelegenheiten. – Blot min oll gaud Kapteihn satt in sin Kasematt in Gram un in Led. Den virten Dag endlich – 't was en Sünndag – sach ick, dat hei sick Vatermürder ümbinnen würd un dat hei sinen nigen blagen Rock utbösten ded. – Haha! denk ick, hüt geiht hei ut! – Ja, dor hadd 'ne Uhl seten, hei gung nich ut, wenigstens den Morgen nich. Äwer as wi uns' Middageten vertehrt hadden, treckte hei sick den Blagen an, rückte de Vatermürder en beten vör den Speigel taurecht un säd: »Charles, ich habe einen schweren Gang vor mir, willst du mich begleiten?« – Ja, säd ick, wohen hei ok ümmer gahn wull, ick wull em ümmer tau Hand stahn; äwer nu wir de Dör unnen noch tauslaten. – »Wir gehen bloß runter zum Kopernikus«, säd hei un gung. – Leiwer Gott, dacht ick, wat dit woll ward! un folgt em. As wi unnen dal kemen, was dat Krät grad dorbi un makte sick Koffe; de Kapteihn gung strack un stramm up em los, höll em de Hand hen un säd: »Kopernikus, wir sind sechs Jahre lang ehrliche Freunde gewesen, sind wir das noch?« – »Ja«, säd dat Ding un gaww em verlegen de Hand un stickte sick gräun dorbi an. – »Kopernikus«, säd de Kapteihn wider un schüddelte em so recht truhartig de Hand, »hast du etwas dagegen, daß Charles Zeuge unserer Unterredung wird? Ohne daß wir weitläufig darüber gesprochen hätten, weiß er, worum es sich handelt; er soll Richter sein zwischen mir und dir.« – Dor hest du en gauden Posten kregen! dacht ick bi mi, wo dit woll warden deiht? Un ick denk: Täuw'! denk ick, sallst dat Krät en beten weikmäudig maken, de Kapteihn is't all, un tüschen weikmäudig Lüd' geiht allens glatter. Un ick gew em ok min Hand hen un kik em mit alle mägliche Weihleidigkeit in dat gräune Gesicht; dunn ritt sick dat Ding los un springt nah sinen Koffepott hen un röppt: de kakte em äwer! Un hei wull noch frischen Koffe upschüdden, un denn wullen wi hüt nahmiddag recht schön Koffe tausam drinken, un de Kapteihn süll ut 'ne lange irdne Pip Toback dortau roken. Nu bidd ick einen üm Gottes willen! Um 'ne Pip Toback was doch de Kapteihn nich herkamen, un üm 'ne Tass' Koffe giwwt doch keiner 'ne Aurelia up! – De Kapteihn säd also ok sihr kolt: »Laß das! Ich will dich bloß fragen: Liebst du Aurelien?« – Süh so, nu satt dat Krätending dor un süll Hals gewen, un nu wull hei nich. – Äwer de Kapteihn was up den richtigen Weg, un hei let nich locker: »Ick frage dich«, säd hei, »liebst du Aurelien?« – »Ja«, säd endlich de Kopernikus. – Dat was äwer den Kapteihn nich naug, kunn em ok nich naug sin, denn wenn hei sick dormit begnäugt hadd, wir de Sak ut de Welt west, un up so'ne Wis' 'ne Sak ut de Welt tau bringen, dat is jo binah, as wenn't Kind in de Weig' ümbröcht ward; hei frog also noch indringlicher: »Liebst du Aurelien mit all der Innigkeit, mit der ich sie geliebt habe?« – Dat was nu 'ne dämliche Frag' von den Kapteihn, wo kunn de Kopernikus weiten, wo deip sei em satt; ick säd also ok as Richter in de Sak: De Frag' dürwt hei nich stellen, denn dordörch set'te hei den Kopernikus blot in Verlegenheit. Un ick denk noch so bi mi: na, dor hest du dinen Posten mal gaud verwacht! – Je ja, je ja! Dunn springt dat Ding von Kopernikus up mi los un fröggt, wat ick dormang tau reden hadd? Sei wullen ehr Sak allein utmaken; un de Kapteihn seggt, dorüm hadd hei mi nich mitnamen, dat ick sei utenanner bringen süll. – Na, dat treckt mi denn nu ok eklich an, un ick frog denn, wat sei sick stats mi nich leiwer den Erzbischoff raupen wullen, de wüßt jo allens taum Gauden tau kihren, oder ok Don Juannen, de wüßt jo mit Leiwsangelegenheiten am besten Bescheid. – Dat wullen sei äwer all beid' nich, un ich würd nu ok steinpöttig un set't mi dal un drunk Koffe un rokte Toback un denk: lat't Ding sinen Lop. De Kapteihn hadd nu äwer in de drei Dag', de hei allein seten hadd, sick einen in allen Kanten fasten Plan utdacht, un hei was en tau gauden Militör, as dat hei sinen Find slippen laten süll, un wenn de Kopernikus Sprüng' nah rechtsch un linksch maken ded, gung hei em ümmer wedder drist tau Liw' mit de Frag': »Liebst du sie mit all der Innigkeit, mit der ich sie geliebt habe?« – Nu kunn de Kopernikus nich wider retürieren, hei müßte sick stellen: Dat wüßt hei nich, säd hei, wo wid de Kapteihn in de Leiw' herinne geraden wir, bet an den Hacken oder bet an dat Hart; hei wüßt blot, dat hei sülwen dat Mäten liden müggt un dat hei eben so gaud wir as jeder anner. – Dunn let de Kapteihn den Hall'schen Flügelmann von't tweite Glid los un let em schappieren un gung mit groten Schritten up un dal un säd: »Das war dein Glück! Die Antwort rettet dich! Hättest du diese Frage mit einem einfachen ›Ja‹ beantwortet; ich hätte dich für einen Lügner ansehen müssen, denn so wie ich sie geliebt habe, kannst du sie nicht lieben.« – »Nicht?« röp de Kopernikus un set'te so'n verwogen Gesicht up, as wull hei wedder mit fleigende Fahnen un Standarten in de Slacht rücken. »Herre Gott!« röp ick dormang, »nu makt äwer Freden! De Sak is jo nu vörbi, nu kamt her un drinkt Koffe!« – »Schweig, Charles!« röp de Kopernikus; »was hast du darin zu reden?« – »Ja, schweig Charles!« röp ok de Kapteihn, »nun kommt erst die Hauptfrage.« – Na, dachte ick, ditmal un nich wedder! Wo gahn sei mit ehren Richter in Leiwssaken üm! – »Kopernikus«, frog äwer mit einmal ruhig un kolt de Kapteihn un richtete sick steidel vör em in de Höcht, »willst du Aurelien heiraten?« – As nu äwer dit swore Geschütz von Frag' unverseihens achter'n Barg rute kamm un em in de Flanken fot, treckte de Kopernikus Fahnen un Standarten in un wull sick heimlich ut den Stohm maken, äwer de Kapteihn schot ümmer wedder mit de Frag' up em los: »Willst du sie heiraten?« – Na, ick was woll verdreitlich wegen de Behandlung, de sei mi as Richter hadden taukamen laten; äwer bi dese Frag' müßt ick doch nu ludhals' lachen: »Kapteihn«, säd ick, »dat is jo mines Wissens de allerletzte Frag', un de leggt einen jo irst de Preister an'n Altor vör.« – »So?« säd de Kapteihn un kek mi von baben dal an, »so? – Nu, dann laß dir sagen, ich stehe hier auch gleichsam als Priester, denn bevor ich an dies ernste Werk gegangen bin, habe ich mein Teuerstes als Opfer dargebracht. – Und dann laß dir sagen, daß diese Frage wohl am rechten Orte ist, denn der Kopernikus kann sie zu jeder Zeit beantworten; er ist homo sui juris, er ist majorenn, seine Eltern sind tot, er hat Vermögen und hat sein Auskultatorenexamen gemacht.« – »Un sall noch fiwuntwintig Johr sitten«, säd ick. – »Das geht dich nichts an«, säd de Kopernikus, »sorge du für dich selbst! Du hast selbst noch fünfundzwanzig Jahr.« – »Ja«, säd de Kapteihn, »du kannst nicht heiraten, denn du hast ja noch nicht das Auskultatorenexamen gemacht. Jeder Auskultator im preußischen Staat kann heiraten, das heißt, wenn er Vermögen hat; ich hab's nicht, aber Kopernikus hat es, und darum soll er heiraten – ich sage: er soll heiraten, und wär's auch erst nach fünfundzwanzig Jahren.« – Un hir fung taum irstenmal bi den ganzen Handel sick in den Kopernikus sine Bost wat von Begeisterung an tau regen un ganz gräun gaww hei den Kapteihn de Hand un röp: »Und ich will heiraten!« – Un de Kapteihn slot em in de Arm un küßt em baben up den Kopp, denn an den Mund kunn hei wegen den Kopernikus sine korte Verstiperung un wegen sine krumme Näs' nich gaud ankamen, un reckte den einen Arm in de ganze Welt un röp: »Und hiermit entsag' ich allen meinen Rechten!« In desen Ogenblick müßt dat nu grad passieren, dat Aurelia an unse Kasematt vörbi gung, an'n Sünndagnahmiddag en beten spazieren. Snubbs wendte sick de Kapteihn af un gung hinnen nah de Kasematt rin; hei was en Mann von Ihr un von Wurd; de Kopernikus stellte sick an't Finster un kek sin niges Eigendaum nah, un ick satt dor as't föwt Rad an'n Wagen un hülp mi mit Koffedrinken ut de slimme Lag'; denn alle beid' hadden sei en Haß up mi smeten, as wir ick schuld an all de Qual; äwer so mag dat woll all de Richters gahn. – Ick wull nu doch äwer ok nich so von minen Posten afgahn, ahn dat ick mi wat marken laten ded, ick säd also: »Ja«, säd ick, »wir dat nu woll nich gaud, dat wi ehr« – un ick wis'te so äwer de Schuller ut dat Finster rute –, »dat wi ehr, minentwegen dörch de lütt Iding, tau weiten kamen leten, wat wi hüt hir äwer ehr utmakt hewwen, denn ji mägt nu seggen, wat ji willt, mit in de Geschicht rinne hüren deiht sei doch.« – Dunn fohrte de Kapteihn hinnen ut de Kasematt herute un säd, dorvon verstünn ick nicks, tau Kinnerkram un Aposteldräger wir de Sak nich anleggt, de Kopernikus müßte den negsten Sünndag en swarten Kledrock un witte Hanschen antrecken un müßte bi den Papa mit paßliche Würden üm de Dochter anhollen. Nu smet sick äwer de Kopernikus up min Sid un säd: hei hadd äwer keinen swarten Kledrock. – Denn müßt hei sick einen von den Erzbischoff borgen, de hadd einen. – Ne, säd de Kopernikus, dorför bedankt hei sick, denn dorin würd hei utseihn as de Hiring in'n Rockluhr. »Ja«, säd ick, »un wat würd de General dortau seggen?« Dit verblüffte den Kapteihn, hei wüßt ogenschinlich keinen Rat wider! »Oh!« röp hei, »wenn ihr ahntet, was mir diese Tat gekostet hat, und sie soll an einem Leibrock und an einem General scheitern!« Dormit gung hei wedder in dat hindelst En'n von de Kasematt un ümmer up un dal. – Nah'ne Wil kamm hei still nah uns ranner: »Charles«, säd hei, »komm!« un dorbi wischte hei sick de kollen Sweitdruppen von dat blasse Gesicht; ich klappte min Pip ut, un wi gungen nah baben. KAPITTEL 19 De Philosoph vertürnt sick mit den Kapteihn wegen den Begriff »Liebe«, mit Don Juannen wegen Paulussen, mit den Erzbischoff wegen de Waden un mit mi wegen unsen leiwen Unkel Dambach. Worüm ick tau den General up de Parad' müßt, un worüm de Kopernikus nich mit de Rotten in de Dackrönn spazieren gahn wull. Dat was dat En'n von den einen Roman, un nu süll de anner anfangen. Äwer ihre de losgahn süll, müßt irst de Sommer vergahn un de Spätharwst kamen, un wil dese Tid wiren wi gor nich in ruhige Taufredenheit, obschonst de Gegenbuhleri von den Kapteihn un den Kopernikus vullstännig uphürt hadd; denn min oll ihrlich Kapteihn höll Tuck; mit keinen Blick ströpte hei nah Aurelia'n räwer, mit keinen Faut peddte hei in ehre Fauttappen, un för sinentwegen stunn de Pal an de lütte Lind' grad as en Licht. Äwer – hei hadd en stillen Haß up Schr...men smeten, hei kunn em nich vör Ogen seihn, wil dat de dat farig kregen hadd, wat hei nich farig kregen hadd, nämlich 'ne Brudschaft. – Sei vertürnten sick denn ok bald, un tworst äwer den Begriff »Liebe«. – De Philosoph was allmählich dörch sine lütte, nüdliche, pummliche Brud up en Begriff von »Liebe« kamen, den min brawe Kapteihn in sine Ritterlichkeit un sine Opferstimmung unmöglich för den richtigen annemen kunn. »Er ist trotz aller preziösen Redensarten ein sinnlicher Selbstsüchtling«, säd hei un gung den Philosophen ut den Weg'. Mit Don Juannen was de Philosoph glik in de irsten acht Dag' äwer den Faut spannt; sei wiren sick einanner an den Dichterwagen führt. – As Schr. tau weiten kreg, dat Don Juan ok in sin Fierabendstun'n en beten up Pegasussen spazieren riden ded, hadd hei em sinen höchsten Trumpf – Paulussen – entgegenspelt, üm em von vörnherin tau verblüffen. – Nu hadd äwer Don Juan en sihr schönes Lid makt nah de Melodi: »Morgenrot! Morgenrot!« 't fung äwer taum Unnerscheid mit den Abend an: »Hesperus! Hesperus! Bring dem Liebchen Gruß und Kuß!« usw. Un wil hei nu en schönen Baß un vele Liebchens hadd, de hei all mit Grüß' un Küss' unner de Ogen gahn müßt, stimmte hei dit alle Abend an, so drad sick sin Breiwdräger, de Abendstirn, an'n Hewen seihn let. Wi hürten denn andächtig tau, denn Gesang is en Artikel, de is ror up de Festungen; hewwen dat Lid äwer meindag' nich bet tau En'n tau hüren kregen, denn wenn hei so recht mit Grüß' und Küss' üm sick smiten un de Stimm dorbi erhewen ded, röp de Schildwacht ümmer: »Ruhe da drinnen!« – Na, dit Gedicht stek hei nu up Schr...men sinen Trumpf un begung dormit nah mine Ansicht 'ne grote anmaßliche Dämlichkeit. Denn wo kann einer mit en Gedicht von drei – na, will'n ok seggen, fiw – Vers' en grot Heldengedicht von dörtig Bagen aftrumpfen willen, un noch tau mit Biller? De Philosoph funn nu dat Richtige ok glik rute un lachte äwer Hesperussen, un taum Dank dorför lachte Don Juan äwer Paulussen; kortüm, de Gegenbuhleri was ok hir in vullen Gang', un wenn de tüschen en por richtige Dichter utbreckt, denn is sei säbenunsäbentigmal slimmer as de tüschen Leiwslüd', den bi des' kann doch bi Weg' lang ok noch de Großmaud utbreken, as uns de Kapteihn wis't hett, bi de richtigen Dichter äwer meindag' nich. – Dat Ei was also von Anfang an intwei. Mit den Erzbischoff hadd hei de ganze Tid lang Fred hollen; äwer as Lewandowsky'n sin Regiment un den Erzbischoff sine Bekanntschaft mit de dicke Bäckerfru anfung, passierte en Stück, dat sei ganz un gänzlich utenanner bringen süll. – De Erzbischoff unnerhöll sick eins Dag's up sine gewöhnliche ihrbore Wis' mit de Bäckerfru äwer den Gorentun heräwer un twors von ehr Häuhner, denn as ick seggt heww, hei was sihr för't Ökonomsche; un de Bäckerfru klagte em, dat sei nah ehre grote Krankheit so sihr stark un kumplett worden wir, dat sei nu nich sülwst mihr nah den Hauhnerwim ruppe kamen kunn, un dat de Lihrburs, de dit nu besorgen müßt, ehr ümmer de Eier utsöp un nahsten säd: de Mort hadd't dahn. »Ja«, säd sei, »Sei glöwen gor nich, wat dat för 'ne Last is, wenn einer so utenanner geiht as en Weitendeig – un natürlich is dat nich!« set'te sei hentau. – Nu was de Erzbischoff ümmer vull Mitgefäuhl bi allerlei menschliche Leiden, hei wull de arme Bäckerfru trösten un säd: doräwer süll sei sick keine grisen Hor wassen laten, denn hei wull doch leiwer – nu gung grad de Philosoph achter em vöräwer, un hei kek sick üm –, hei wull doch leiwer up en Por dägte Waden in de Welt rümgahn as up en Por Stöcker, up de sick keiner för en Sößling Zyrup von en Kopmann tau halen trugte – un dorbi kek hei mit Vergnäugen sin eigen Unnergestell an un mag jo ok woll den Philosophen sin dorbi anseihn hewwen – wat weit ick? – Genaug, de Philosoph dreihte sick üm un säd: »So ein Klotz!« Dat Wurd smet hei em so – baff! – in dat Gesicht un dat in Gegenwart von de dicke Bäckerfru, de hei grad äwer ehr Vülligkeit trösten ded. De Erzbischoff set'te also sine gesun'n Pal in Bewegung un so achter den Philosophen sine Stöcker achter drin, un, as dat nich anners sin kunn, de Pal würden de Stöcker Herr un grepen s' sick. – Un nu würd dat en häßlichen Strid tüschen de Stöcker un de Pal, un as wi annern doräwer taukemen, säd de olle gaudmäudige Erzbischoff: hei för sin Part vergew em den Utdruck »Klotz«, so vel christliche Besinnung hadd hei, obschonst dat en infamen Utdruck wir – äwer hei hadd dormit so baff üm sick smeten, un de Utdruck künn ok äwer den Tun flagen sin un künn de brave Bäckerfru, de jo noch kumpletter wir as hei sülwst, bet up't Blaud beleidigt hewwen, un de arme Fru hadd sowieso ehre grote Last tau dragen; hei verlangte also, de Philosoph süll de Bäckerfru Afbidd dauhn! – Natürlich! Dat kunn hei jo nich! – Un de beiden gesunnen Pal un de beiden drögen Stöcker sünd meindag' nich wedder tausamen kamen. Nu blew den Philosophen blot noch de Kopernikus un ick tau de Unnerhollung up den Spaziergang, un de Kopernikus was gor nich tau reken, denn de stunn blot spazieren an de lütte Lind', un tau 'ne Unnerhollung hadd hei kein Tid nich; also ick was't allein, an den hei sinen Haken anslagen kunn. – Äwer't durt ok man so lang' as't duren süll. – Eins Dags kamm hei nah mi ranne un vertellt mi, dat wir nu afmakt, hei wull sin Brud nah sinen Vader schicken, dat sei noch mihr Bildung kreg. – »Wo?« segg ick, »du hest jo doch nu all twei Johr Bildung mit ehr drewen, hett sei noch nich naug?« – »Ne«, seggt hei, »de Fomilienbildung fehlt ehr noch.« – »Na, denn man tau!« segg ick. – »Ja«, seggt hei, »äwer't is mi tau wid afgelegen«, seggt hei, »ick müggt sei doch af un an mal eins bi mi seihn.« – »Verdenk ick di gor nich«, segg ick. – »Un deswegen«, seggt hei, »müggt ick mi von hir weg nah S. versetten laten, wil dat up de Neg' is.« – »Dauh dat nich!« segg ick, »ick weit dor Bescheid, dat Brod, wat di dor backt ward, kenn ick.« – »Langwiliger as hir kann't ok nich sin«, seggt hei. – »Dat nich«, segg ick, »äwer verdreitlicher.« – »Wo so dat?« frog hei. »Je«, segg ick, »kannst du en uprichtig Wurd verdragen?« – »Ja, dat kann ick.« – »Na«, segg ick, »denn will 'ck di man seggen, du steihst in keinen besondern Geruch bi all uns' Kammeraden von wegen de Unnersäukung her, un as wi hir herkemen, hewwen wi uns dat Verspreken gewen, dat wi di dat nich fäuhlen laten wullen. Nu hest du hir äwer allerlei Bubulum anfungen un hest di mit jedwereinen separat vertürnt, un dor warst du ok von dine Nücken nich laten; äwer de Ort, de dor sitt, de kenn ick; mit Paulussen kümmst du dor nich dörch, un keiner will von de Philosophi wat weiten, desto beter hewwen sei äwer noch Unkel Dambachen un Berlin in't Gedächtnis, un sei künnen di mit allerlei Fragen un Anspelungen unner de Ogen gahn, un denn setst du dor as de Pogg up't Glattis.« – Ick säd dit in de wollmeinenste Afsicht, un wil dat hei seggt hadd, hei kunn en uprichtig Wurd verdragen – äwer hei kunn't nich. – Hei tred en por Schritt von mi taurügg, dat hei mi ut de Fingern kamm, un säd dunn, indem dat hei mi von baben bet unnen besach un tauletzt ok mine Waden – grad as bi den Erzbischoff – in't Og faten ded: »So ein Klotz!« – grad as bi den Erzbischoff. Ne, 't was würklich doch en ganz entfahmten Kirl! As hei sick nu nah un nah mit uns alltausamen vertürnt hadd, schickte hei richtig sinen Schatz an sinen Ollen, un hei kam för sick üm Versettung nah S. in, un't gelung em; äwer vörher makte hei uns dor noch en Stück, wat uns uns' Hauptvergnäugen, den Spaziergang, binah gänzlich verleden un mit den ollen, braven General utenanner bringen süll. Was dat nu pure Rach', oder was dat dat häßliche Gefäuhl, wat hei hadd, wenn hei so allein ahn allen Verkihr mang uns rümmer gahn süll, kortüm, hei gung nah den ollen Herrn un bed em, wat hei nich up de anner Sid von dat Wagenhus spazieren gahn künn. Worüm? frog de oll Herr. – Anstatt nu de Wohrheit tau seggen, dat hei mit uns alltausamen up Karangzett stunn, säd hei, up unsen Spazierweg güngen em tau vele Minschen, ok männigmal Frömde, de uns niglich ankeken, un hei müggt ehr nich taum Ulenspeigel deinen. – De General gung dorup in un set'te hentau, denn süllen wi von jitzt af alltausamen dor gahn. Wi süllen also unsen schönen Spazierweg verlaten, wo de Sünn so schön warm schinte, wo wi doch Minschen tau seihn kregen, un wo jedwerein von uns all sinen lütten pläsierlichen Haken anslagen hadd, un süllen dorför uns achter'n ollen groten Kasten von Hus mang Kugelhümpel verlustieren, wo nich Sünn noch Man schinen ded, un wo wi keinen Minschen tau seihn kregen as Lewandowsky'n, un dat blot, wil de Philosoph slichte Waden hadd – denn dat was sin Hauptarger. Nu was denn äwer unner jeden sinen Ketel tau scharp unnerbött worden, un sei kakten all äwer; blot minen ollen Kapteihn sin Ketel, de regte sick nich, unner em legen swart un düster de dodigen Kahlen von sine verbrannten Hoffnungen, an de fungen kein Füer, denn sei müggten woll von männige heimliche Tran natt sin. Äwer bi uns annern, dor ziß'te un sus'te dat man so: Kopernikus süll Aurelia'n verlaten, ick de lütte Idachechen, Don Juan sin Schenkjumfer un de annern all un de Erzbischoff sine dicke Bäckerfru, un as de Platzmajur kamm un uns de nige Verordnung ansäd, dunn brok't los, un vör allen was ick wedder so dämlich, dat Mul am widsten uptauriten: Dat ded ick nich, säd ick, dor güng ick nich! – Wat? säd de Platzmajur, dat ded ick nich! De General hadd dat Recht, hei künn uns en Spaziergang anwisen, de em geföll. – Dat wüßt ick, säd ick, äwer mi stünn ok dat Recht tau, dorvon Gebruk tau maken oder nich; ick würd hir blot vör de Wach up un dal gahn, oder ick würd ganz in mine Kasematt bliwen. – Dat wir Weddersetzlichkeit! – Dor seg ick de Sak anners an, antwurte ick, wi kemen up de Ort mit unsen Spaziergang von't Pird up den Esel, un ick höll dat för 'ne Straf, un de hadd ick nich verdeint. – Dat was 'ne grote Dämlichkeit von mi; na, dat segg ick jitzt , ick bün nu so vel äwer föftig as dunn äwer twintig, äwer led dauhn deiht mi dat hüt un desen Dag noch nich, dat ick so redte, denn süs hadd ick woll kein Gelegenheit hatt, vull intauseihn, wat för'n ollen prächtigen Minschen uns' oll General was. 't müggten woll en acht Dag' vergahn sin, dat ick mit den Kopernikus – denn de was ebenso dull as ick un wull ok nich hohalieren – vör de Wach up un dal gahn was, as ick nah den General up de Parad' kummandiert würd. – Dor stunn hei nu mit sinen witten Fedderbusch mang all de swarten un swart un witten Fedderbüsch, un as ick ranne kamm, gung hei up mi tau un säd: »Herr, warum opponieren Sie sich gegen den Kommandanturbefehl?« – Nu stunnen de Herrn Majurs un Kapteihns un Leutnants üm em rüm un keken mi all mit nigliche Gesichter an, un dat makt einen in so'ne Lag' hellschen empfindlich; ick säd also trotzig: achter't Wagenhus güng ick nich spazieren. – Nu fohrt de olle Herr denn hellschen up un frog, ob ick nich wüßt, dat hei de Kummandant wir un dat ich tau gehorken hadd, wenn hei befehlen ded? – Ja, säd ick, äwer dit seg ick för 'ne Straf' an, un ick wir mi nicks bewußt, wodörch ick de verdeint hadd. – 'ne Straf' süll dat nich sin, säd hei, un sin Hast hadd sick all leggt; weck von min Kammeraden hadden üm desen Spaziergang beden, un dorüm hadd hei em anbefahlen. – Dat künn man einer sin, de dorüm beden hadd, un de hadd wahrhaftig nich dorbi in'n Sinn hatt, uns en Gefallen tau dauhn, säd ick. – De olle Herr kek mi an, winkte dorup Lewandowsky'n un sprok mit den af sid un kamm dunn wedder ran un säd: »Ich werde mich darnach erkundigen, Ihnen gebe ich indessen den Rat, sich meinen Befehlen zu fügen; und das sagen Sie dem andern auch.« – Dor meinte hei den Kopernikus mit. – »Und nun können Sie gehn.« So, nu was't noch grad so, as't west was; blot so vel wüßt ick nu doch, de olle Herr hadd dat nich in böse Afsicht dahn; hei hadd Schr...men dormit en Gefallen dauhn wullt, un wer weit, wat de em vörsnackt hadd. – Ick säd dit denn nu ok allens den Kopernikus; äwer dat Krät brus'te glupschen up un säd: Hei gung dor nich, hei ded't nich. – De Erzbischoff kamm doräwer tau un höll uns 'ne lütte Predigt, worin hei schön utenanner setten ded, de General künn uns befehlen, wi süllen in de Dackrönn von't Wagenhus oder up de Fast spazieren gahn, un wenn sick bi dese Gelegenheit de Hälft von uns dat Gnick afschöt, denn kreih'te in Berlin nich Hund noch Hahn dornah. – Sinentwegen, säd de Kopernikus, künn de Erzbischoff mit de Rotten in de Dackrönn spazieren gahn, hei güng nich up't Wagenhus un nich achter't Wagenhus. – »Je«, säd ick, »Kopernikus, mi kümmt den Erzbischoff sine Predigt gor nich so dämlich vör, denn wat hei hir seggt, hett hei blot as en Gliknis seggt. Denk doch äwer mal nah M. taurügg, wat so'n General all tausteiht. Hett uns General Graf H. ok nich up de Däker spazieren gahn laten, wil em dat mäglich tau fri was, so hett hei uns doch up Meßkulen gahn laten, un de Hälft von uns is dorbi tidlewens ungesund worden, un wecke Hund un Hahn hadd in Berlin dornah kreiht, wenn hei't sick nich tau rechte Tid entseggt hadd? – Mi dücht, wi gahn achter't Wagenhus, de Oll het't nich bös meint.« – De Kopernikus wull nich. – Ick kreg em bi'n Arm: »Kopernikus«, segg ick, »denk' doch an Aurelia!« – »Das ist es ja eben«, fohrt hei herute. – »Ich gebe dir Brief und Siegel«, segg ick, »je eher dich der General zwischen den Kugelhaufen sieht, desto eher siehst du Aurelien wieder.« Dit slog dörch, un den Nahmiddag gung ick mit den Kopernikus Arm in Arm mang de Kugelhümpel spazieren. Dat was en eklig Gefäuhl för uns beiden, un de Anstifter von dese Verdreitlichkeit kreg grad nich de fründlichsten Gesichter tau seihn, wenn hei an uns vörbi gung. Ick heww dese Geschicht blot vertellt, üm nahtauwisen, wo oft un wo unschülliger Wis' en Minsch in so'ne Lag' sick wat gefallen laten möt, un dat bi en gauden Kummandanten, von de legen gor nich tau reden. – Dat hadd ick mi nich gefallen laten! seggt hir männigein, ick hadd't nich dahn! – Na, denn wir wi von't Feg'füer in de Höll kamen. – Ja, ji wir't äwer in jug' Recht. – Ach, du leiwer Gott! Mit dat Recht hadd wi nu all so lang' Bekanntschaft makt, uns verlangt nich wider dornah – un wat süllen wi denn dauhn? – Uns besweren bi't Kammergericht in Berlin? – Denn hadden wi de tröstliche Antwurd kregen, 't blew allens so, as 't bestimmt wir, un uns' olle brave Kummandant hadd möglicher Wis' en Wischer kregen, dat hei uns mihr Erlaubnissen gew, as dat Kammergericht taugestahn wull. – Un dat verdeinte de olle Herr nich! Dat verneinte hei üm uns nich! Twei Dag' wir de Kopernikus un ick up den nigen Spazierweg gahn – de olle Herr kunn uns von sin Eckfinster ut seihn –, dunn let hei sick Lewandowsky'n raupen, un as de nah uns taurügg kamm, vertellte hei uns ganz heimlich, de oll Herr hadd em fragt, wat dat nich de lütte gele Hallenser un de obsternatsche Meckelnbörger wiren, de dor spazieren güngen, un as hei »ja« seggt hadd, hadd hei't Finster taumakt un hadd wat in den Bort brummelt. – Den annern Morgen kamm de Platzmajur mit sinen Fedderbusch un Degen un makte uns den Kummandanturbefehl bekannt: »Die Staatsgefangenen, so und so und so und so, sollten wieder den alten Spaziergang bis zu der kleinen Linde in der Nähe des Wassertors benutzen.« – So hadden wi denn nu wedder, wat wi wünschten, un de oll General was en braven Mann. – Ach, wat würd Graf H. mit uns upstellt hewwen? Äwer dese Mann was all Colonel bi den Kaiser Napoleon west, hei hadd in Spanien un Rußland sin Ding'n dahn, hei hadd gegen Dütschland fechten müßt – dorför kunn hei nich, dorför kunnen de Fürsten –, un up de velen Slachtfeller un ut dat gruglichste Elend hadd hei sick en minschenfründlich Hart bewohrt, un in dit ihrlich Hart was kein Platz för de Erbärmlichkeiten un Jämmerlichkeiten, de annere Kummandanten gegen uns utäuwen deden. – Kirls, de in jene schöne Fredenstiden Kummandanten würden, wil sei nich en Regiment kommandieren kunnen, Kamaschenhingste, de ehre Seligkeit dorin funnen, de Instruktschonen von ehre Vörgesetzten bet up den Baukstaben uttauführen, dat wiren de, de uns schinnen deden; äwer Lüd' as dese Mann un as de Oberst B. in Gl., de sick wat versöcht hadden un wüßten, wo't hergung in de Welt, de hewwen uns meindag' nich schurigelt. – Un noch hüt un desen Dag freut sick min Hart, wenn't so'n ollen witten Snurrbort tau seihn kriggt, dörch den de Wind von Anno drütteihn mal weiht is – mag't nu General oder Kapperal wesen. För Schr...men was dese letzte Kummandanturbefehl sihr fatal, denn hei müßt nu wedder as Ulenspeigel dor rümmer lopen, bet hei denn tauletzt glücklich versett würd. Hei reis'te af, un ick heww em meindag' nich wedder seihn. Nu kamm 'ne ruhige Tid, 't was Winter worden, 'ne lütte Ümkateri hadd stattfunnen: de Kapteihn was mit sinen lütten Hallschen Fründ tausam treckt, un ick hadd den Franzosen as Stubenkammeraden kregen, de uns ut Berlin nahkamen was. KAPITTEL 20 Ick gew mi mit den Franzosen in de Menage. Worüm den Franzosen sin Hals för Arwtenslusen tau fin, un worüm de Roddog ok en Fisch is. Zipollen un Lurbeerbläder verdarwen kein Gericht. Worüm de Füerwarksleutnant von C. mi mit en blanken Degen tau Liw' geiht un de Franzos mi dat heite Fischwater äwer den Kopp stülpt. Von't bairsche Bir un von't Lüttjedünn. Z. oder de Franzos', as wi em näumen deden, was, as ick all früher vertellt heww, en groten, staatschen Kirl; äwer von de Behandlung in M. was hei krank an sinen Geist worden. – Statt em nu fri tau laten, hadden sei em nah Berlin in de Schariteh schickt, un von dor kamm hei tau uns – was äwer nich heilt. – Hei hadd sick inbildt, hei künn prophenzeihn, un dorbi blew hei un satt Stun'n un Dag' lang un läd sick Korten un slog in den Virgil un de Bibel de Pagina's up un dachte sick allerlei Tügs dorbi. – Na, üm em nu up annere Gedanken tau bringen, makte ick em den Vörslag, wi wullen uns sülwen kaken, un't gung ok richtig los. – Tüften würden köfft, un dor seten wi denn un schellten sei in ein von uns' sihr rein utgespäulte Waschschötteln; äwer de Franzos' was nich dortau tau krigen, ehr ordentlich de Ogen uttaustecken; up unsen Vörbähn lag en ganzes Sortiment Suppenkrut in Sand inpackt; 'ne Sammlung von grote un lütte Pött stunn bi den Aben rümmer – glik tau Hand –, denn in'n Aben würd kakt, un blot de Obergerichte, tau de vele Kunst un Uppassung hürt, würden, as sick't hürt, up en Füerhird vörkregen. Mit grote Kosten würd 'ne bleckerne Bifstückmaschin anschafft un allens, wat dortau sin möt; blot dat Fleisch fehlte uns ümmer, wil dat nich gaud antauschaffen was. So gung't denn nu in'n groten los, un't Kaken süll ümgahn; wi loßten, un den Franzosen drop't Loß. – So lang hadd ick ümmer den Koffe makt, nu müßt de Franzos' em maken; hei gung ok an't Wark, schüddte Koffe baben up, stickte Füer unnen an, verget äwer, dat Water intaugeiten, un smölt'te ut den Klempner Löffen in Berlin sin schönstes Kunstwark den Bodden ut. – Dat was de Anfang von uns' Geschäft. – »Franzos'«, frog ick, »hest du di all mal mit dat Kakgeschäft bemengt oder doräwer nahdacht oder dorbi mal tauseihn?« – »Wo so?« frog hei. – »Na, ick mein man«, segg ick, »ob du all mal kakt hest oder ob du mal in en Kakbauk studiert hest oder ob du ok man blot mal 'ne richtige Käksch, de in ehren Fach gebildt is, en beten äwer de Schuller seihn hest?« – Kakt hadd hei noch nich, säd hei, mit Kakbäuker hadd hei sick ok nich afgewen, äwer gebildte Käkschen hadd hei all oft naug äwer de Schullern seihn – un hei nennte mi 'ne ganze Reih, luter französche Namen. – »Je«, seg«, ick, »all dine Madelons un Louisons un Scharlottons känen uns hir nich helpen, hir heit dat, sülwst is de Mann', trugst du di, en richtig Suppeten taurecht tau kaken?« – »Ne«, säd hei. – »Na«, segg ick, »denn will w' dat so maken: ick will kaken un't Geschirr inklarren, un du makst dat wedder rein, smittst mi äwer kein Pött intwei, denn de warden di an't Lohn aftreckt; dat Tüftenschellen un Suppenkrutputzen is gemeinschaftliche Arbeit, wil sei in'n ganzen sihr pläsierlich is un sick dorbi en Wurd vertellen lett.« Nah dit Äwereinkamen gang denn nu de Kakeri los. – Ick hadd noch en schönes Stück Mal-Linnen, wo ick mine irsten Versäuke mit luter echte Ölfarben upmalt hadd, dat namm ick mit de verschiden Gesichter un Böm un Blaumen, de dorup stunnen, as Schört un bunn sei mi mit en por Bindfaden hinnen tausamen, un dunn gung't los: »Franzos', mak mi mal desen Pott rein – ganz rein. – So! – Nu giww mi mal de Arwten her! – Schapskopp, de nich; de ingequellten dor baben up den Aben! So! – Nu hal mal en por dröge Spöhn taum Anbäuten!« Min oll Franzos' ded alles. »Was kochst du für Erbsen?« frog hei, »dünne oder dicke?« – »Franzos'«, segg ick, »nu will'ck di ein för allemal wat seggen! De Pöttenkikeri kann'ck nich liden. Süh, du deihst din Ding'n, un ick dauh min Ding'n, un wenn't Eten farig is, denn kümmt't up den Disch, un denn ettst du't.« Min Arwten wiren wunderschön, ick hadd en gaud Stück Speck ansteken, äwer trotzdem kau'te de Franzos dor ümmer so hoch up. – »Wat hest du?« frag ick. – Je, segg hei, em kemen so vel Slusen mang de Tähnen. – Na, dat müßt mi jo denn doch argern: »Wo?« segg ick; »du hest jo en verdeuwelt finen Hals, wo nich mal 'ne Arwten-Slus' dörchkamen kann. – Meinst du, dat wi hir in'n vullen lewen un de Arwten-Slusen in den Drank smiten känen? – Wi hewwen jo nich mal en Swin, den't tau gaud kamen kann. – Un kik hir! Einen Daler un acht Gröschen; dor sälen wi virteihn Dag' von lewen, de kän wi doch nich glik den irsten Dag utgewen, un wenn di de Slusen tau struw sünd, denn schaff mi irst en Täms' an.« Na, dat hülp; in de negste Tid säd hei ok gor nicks, äwer ick kakte ok ümmer schönes Eten, un dorbi kamm mi dat hellschen tau Paß, dat dat grad in de nüchterne Kalwertid was un dat wi grad an'n Dur wahnen deden, denn dor hadd ick de schönste Gelegenheit, so'n halwes nüchternes Kalw rinne tau smuggeln – up de Festung was noch Mahl- un Slachtstüer –, un dat ded ick oft, denn ick köfft so vel as mäglich ümmer in'n groten. – En halw Kalw kost'te dunntaumalen acht Gröschen, wenn't smuggelt was, un wenn ick denn up minen Vörbähn so'n halw Kalw baben hängen un unnen en Schepel Tüften liggen hadd, denn freu't sick min Hart ordentlich, un ick kamm denn rinne in de Kasematt un säd: »Franzos', för ditmal verhungern wi noch lang' nich!« Dit hadd nu ümmer in alle Sporsamkeit un Nohrhaftigkeit so furt gahn kunnt, wenn de Franzos' kein Leckertähn west wir; äwer so geiht hei mal de Alleh hendal, un en hübsch Mäten kümmt, un hei fröggt, wat sei in den Korf hadd? »Karpen«, seggt sei, »schöne Ruhrkarpen!« – Nu stiggt em de Giwwel nah Karpen up, un hei föllt mi in min Geschäft – denn de Kass' un den Inkop hadd ick – un köfft de Karpen för en grot Stück Geld. – Ick stah grad mit den Füerwarksleutnant von C., den ick malt hadd un de uns oftmals besöchte – denn uns oll General hadd gegen so wat jitzt gor nicks –, un vertell em grad von unse vorzügliche Kakinrichtung, as de Franzos' ankümmt un von mi Geld ut de Kass' för sinen Karpenhandel verlangt, na, ick betahl also un dauh dorbi so, as wenn Karpen en ganz gewöhnlich Gericht för uns wir – wer will sick so'n Leutnant gegenäwer ok 'ne Thimothee gewen? – »Karpen?« fröggt de Leutnant. – »Ja«, segg ick, » Karpen! Mägen Sei girn Karpen?« – Nu fangt hei denn von Karpen en Strahl an tau singen, un dat hei sick mal krank dorin eten, äwer nu sid vir Johren kein mihr tau seihn kregen hadd, un ick kann nich anners: ick nödig em tau Middag, denk äwer noch so bi mi: »Na, täuw, för't Kranketen will 'ck di woll en P vörschriwen.« – Hei nimmt dat an, un ick gah nu ruppe un will uns' Karpen kaken – natürlich in Bir. As ick baben kamm, frag ick: »Franzos', wo sünd de Karpen?« – »Hir in din Waschschöttel!« seggt hei. – Ick gah ranne un bekik mi de Dinger, un de Arm sacken mi an den Liw' dal: »Dat nennst du Karpen?« raup ick. – »Ja«, seggt hei, »Ruhrkarpen!« – »Na«, segg ick, »ick nenn't Roddogen«, un kik de Kreaturen in stille Wut an: irst dat grote Stück Geld dorför tau betahlen un sick denn babenin noch vör'n königlich preußischen Füerwarksleutnant mit Roddogen blamieren! »Glik löppst de Dirn nah un lettst di dat Geld wedder gewen«, segg ick, »un denn segg man den Leutnant, hei süll man woanners eten, mit de Karpen wir dat Essig, 't wiren Roddogen worden; un dat du man seggst, du wirst doran schuld, dormit de Dämlichkeit nich up minen Schalm kümmt.« – Na, dat wull hei nu nich, un ick sach dat ok in: dat was tau vel verlangt, un ick äwerlegg mi dat wider un segg endlich: »Na«, segg ick, »wat tau maken is, sall makt warden, un wenn 'ne Roddog' gaud kakt ward, denn is Roddog' ok en Fisch. – Franzos'«, segg ick, »min leiw' Franzos', nu paß ok recht up, wat ick di seggen will, süh, nu snid ehr irst all de roden Flotten un den Swanz af, denn de verraden uns taum irsten, un denn rit sei up, un dat Ingedäum leggst du mi hir up desen Töller, un bileiwe nimm di mit de Gall in acht, un denn snid sei in ganze lütte Stücken, dat dat utsüht, as wir't en kostbor Gericht, von dat nich vel mit einmal gewen warden kann; ick will noch fixing henlopen un will noch allerlei Gewürzen inköpen, wi willen den Leutnant en schönen blagen Dunst vör de Ogen maken.« – Ick lop; äwer as ick up de Trepp bün, krig ick dat wedder mit 'ne Angst, un ick kam taurügg un segg: »Französing!« segg ick un strak em eins äwer, »nimm di ok jo mit de Gall in acht!« – Na, hei versprok dat ok, un ick lop nah den Kopmann un köp in: »'ne Buddel Bir!« – »Echtes Bairsches Bir?« fröggt hei. – »Ne«, segg ick, »säut Bir.« – »Süs, ick heww ok ganz kaptales Bairsches«, segg hei. – Je, 't was hüt 'ne Gelegenheit dortau: »Na«, segg ick, »denn gewen S' mi ok man glik drei Buddel Bairsches, un denn för'n halwen Sülwergröschen Nägelken, för'n halwen Sülwergröschen engelsch Gewürz, för'n halwen Sülwergröschen brunen Honnigkauken un en por Lurbeerbläder tau.« – Na, ick krig dat ok all, de vir Birbuddeln lett hei mi von sinen Jungen hendragen, un ick gah mit 'ne ganze Göps vull Lurbeerbläder achter an. – »Wat hest du dor?« fröggt de Kapteihn. – »Lurbeerbläder«, segg ick, »wi eten hüt Karpen.« – »Karpen?« fröggt Don Juan, »ick weit gor nich mihr, wo de Ort smeckt.« – »Je«, segg ick, »Kinnings, ick wull jug girn inladen, äwer't langt nich, denn wi hewwen hüt all den Füerwarksleutnant von C. tau Middag.« – Nu kamm de Erzbischoff ok an, un as de von Karpen hürte un de Lurbeerbläder sach, säd hei: dat seg hei, ick verstünn de Sak, Lurbeerbläder hürten dortau, un dunn kek hei uns all indringlich an un säd: »Und das merkt euch, Lorbeerblätter und Zwiebeln verderben kein Gericht.« Blot wat Backels-Kram wir, as Pottkauken un Pudding, säd hei, dor müßt mit dese Saken sporsam ümgahn warden. – Na, as ick weggah, freu ick mi denn, dat ick mit den Erzbischoff sine Ansichten so äwerein stimmte, denn hei verstunn vel von't Ökonomsche; un as ick baben ruppe kamm, was de Franzos' mit sine Geschäften all prat, un hei hadd ok nah mine Meinung allens sihr schön un hadd ok Füer anmakt, ick treckte mi also den Rock ut, bunn mi mine bunte Schört vör un tred an den Füerhird, denn dit Gericht was en Obergericht, un't gung mit em in den Aben abslutemang nich. Ick ströpte mi de Ärmel up, un nu kunn't minentwegen losgahn. Unnen in den Rägen, wil dat hei süs nich gor ward, denn 'ne Schicht Solt un Zipollen un nu ümmer Roddogen un Solt un Zipollen un Solt un Roddogen un Zipollen, bet't all was. – As min Fisch äwer halw gor wiren, raup ick den Franzosen un segg: »Nu stellst du di hir bi mi her un deihst mi Handreikung, denn för einen allein is de Sak nich andahn.« Un dormit geit ick dat Fischwater af, un hei möt mi 'ne Schöttel dortau halen. Un as ick dormit prat bün, segg ick: »So, nu hal dat Bir!« – Dat deiht bei denn ok, un ick geit dat äwer de Zipollen un de Fisch un lat dat upkaken un smit nah 'n lüttes Bedenken min Gewürzen un minen Honigkauken an un stah nu blot noch mit mine Göps vull Lurbeerbläder dor. Vel wiren't; äwer de Erzbischoff hadd seggt: Zipollen un Lurbeerbläder verdarwen kein Gericht; ick hadd dägt Zipollen ansmäten, also müßten ok dägt Lurbeerbläder an, un so streu ick denn min Göps vull rinne. – »So«, segg ick, »Franzos', nu de Botter!« – »Von de frisch?« fröggt hei, »oder von de oll?« – »Meinst du«, segg ick, »dat för de ollen Roddogen uns' olle schöne Bodder nich gaud naug is?« – Na, hei bringt sei, un de Botter was sihr schön, denn ick hadd sei von Hus schickt kregen, un sei was in min Vaders Hus sülwst makt worden; äwer vör en halw Johr. – Um min Sak gaud tau maken, stek ick denn also ok einen unverantwortlichen Stich dorvon in den Pott – den en Ketel hadd wi nich –, un ick stunn nu dor un täuwte ruhig min Sak af, denn min Ding'n hadd ick dahn, un wat dortau hürt, was richtig rin kamen: »So«, segg ick, »Franzos', wat wi nich an de Fisch hewwen, warden wi an de Sauß hewwen.« Un nu stahn wi dor, un ick freu mi äwer den schönen Geruch, de ut minen Pott stiggt, un hei seggt: »Nu sünd sei gaud.« – »Ne«, segg ick, »noch sünd sei nich gaud: Roddogen möten lang kaken.« – Un dese Vörsicht hett mi möglicher Wis' dat Lewen reddt, denn grad nu kamm de Leutnant an, un wil hei irst dörch uns' Käk müßt, nemen wi em dor in Empfang, un de Franzos' makte de Honnürs un näumte em ümmer »Herr Kammrad«, denn hei sülwst was ok Leutnant bi de Landwehr west, un ick wull doch ok dat Minige dauhn un mak an den Füerhird ümmer so'n verschraten Diner: un ick freute mi sihr, un dat wir doch nett von em, dat hei Wurd hollen hadd; un bi de Gelegenheit kamm ick mit mine ßackermentsche Schört von Öllinnen in dat Füer un stah ok in'n Ogenblick middwarts in helle Flammen. De Leutnant – dit seihn – de Gefohr inseihn – denn hei was Füerwarksleutnant un müßt dat weiten –, treckt den Degen blank un fohrt mi mit dat spitze Ding tau Liw', un de Franzos' kriggt de Schöttel mit dat heite Fischwater tau faten un gütt mi dat – swabb! – äwer den Kopp. – Gotts ein Dunner! wo was mi tau Maud'! – äwer de Leutnant hadd richtig mit den stumpen Degen den Bindfaden dörchfidelt, un min Käkenschört föll mit min Anfangsgrün'n in de Ölmaleri vör mi dal, un ick sprung dorup herümmer un grep mit de Hän'n bald unnen un bald baben, un hadd ick nich vörher in Bedenken mit de Lurbeerbläder stahn, un wir de Roddog' nich so'n tagen Fisch taum Kaken, denn wir dat Fischwater noch kakend west, un de Franzos' hadd mi afbräut as en Kapunhahn. Dorüm segg ick, Bedenken is bi jeder Sak gaud, un wir't ok man 'ne Roddog'. – Ick kamm ditmal mit en por Blasen up de Knei, mit 'ne verbrennte olle Hos', mit en halw afsengten Brot un mit niderträchtige Koppweihdag' von wegen dat heite Fischwater dorvon af, un't kamm blot von de Äwerleggung her. Na, äwer den Brandschaden wiren nu äwersten min Fisch vergeten un kakten ümmer still vör sick hen, un as nu de Franzos' den Leutnant rinne nödigt hadd, säd ick tau mi: »Na, wenn s' nu nich mör sind, denn warden s' ok nich.« – Ick nem also den Pott von't Füer un ward de Stücken rute fischen un krig tauirst en Kopp – schön mör! wahrhaftig schön mör. – Ick will doch ok mal probieren, wo de Sak utfollen is, ick pöll mi also en Spirken von den Kopp af – schön mör! äwer gallenbitter! – »Ne!« segg ick, »up den Minschen, den Franzosen, is doch gor kein Verlat, nu hett hei mi de schönen Köpp gällt, na, täuw! Dorför sallst du s' ok beid alleiner upeten!« – Ick grawwel nu mit minen Lepel wider in den Pott – luter Kräumels! De ganze Geschicht was tau Grütt kakt! – »Ja, dat kümmt dorvon her!« segg ick, »ick segg em, hei sall sei lütt sniden, un nu snitt hei s' in luter lütte Finzel!« Tauletzt un tauletzt fisch ick noch en por Swäns' rut, de wiren noch heil, wil uns' Herrgott de Roddog' in'n Swanz mit sihr faste Graden erschaffen hett. – »De sälen för den Leutnant«, segg ick, »dor kann de Gall nich ankamen sin.« As dat Gericht nu up den Disch stunn, rök't recht apptitlich, un't sach ok so ut, un dorbi kemen mi de velen Lurbeerbläder schön tau Paß, denn de hadd ick baben upleggt, dat de Grütt nich tau seihn was. – Dormit dat hei mi nu nich achter dat Geheimnis kamen süll, läd ick sülwen vör un ded so, as wenn ick sihr besorgt wir, dat hei ok dat richtige Stück kreg. – »An'n fetten Karpen«, segg ick«, »is de Swanz dat beste Stück; un dat sälen Sei hewwen!« segg ick un legg em richtig de beiden Swäns' up. – Hei kickt mi an, as wenn em dat ganz wat Niges wir, un mi was't sülwst ganz wat Nig's; äwer ick slog den Dummen an den Hals. – De Franzos' kreg tau Straf den Kopp. Ihre ick nu sülwst anfung tau eten, wohrschugte ick sei denn all beid', wo sei sick woll hadden. – De Franzos' et up sinen Kopp düchtig los, äwer de Leutnant sned snurrige Gesichter un kau'te verdeuwelt hoch up den Swanz. – Ja, denk ick, kau du man! Dat sünd de Graden, un för de kann ick nich, ick heww de Roddogen ok nich makt. – Nu fang ick denn ok an tau eten – Gotts ein Dunner! – gallenbitter! – nich blot de Fisch – ne! de Sauß! – Still, man nicks seggen! – Ick et also drist drup los un, üm mi nich tau verraden, fang ick an tau nödigen: »Herr Leutnant villicht en por Zipollen oder en por Lurbeerbläder?« un legg em denn ok en Hümpel Zipollen un Lurbeerbläder up den Teller, dat hei mit de letzt Ort sinen ganzen Kriegsruhm bekränzen kunn. – »Ich danke! ich danke!« stamert hei, »ich bin gar kein Freund von Lorbeerblättern, sie schmecken gar zu – bitter – pikant, wollte ich sagen.« – Un nu schot mi dat Bladd, nu gung mi en Licht up; von de ßackermentschen Lurbeerbläder kamm de ganze Strengigkeit in den Gesmack, un dor was keiner wider an schuld as de dämliche Erzbischoff mit sinen nämlichen Rat un de Gaudmäudigkeit von den Kopmann, de mi so vele Lurbeerbläder taugewen hadd. – Ick was dor nich an schuld un de Franzos' ok nich; ick hadd em nit dat Gällen unrecht dahn, ick füll em also noch en por Lepel von min Grütt up un segg: »Franzos', nahsten möt ick di Afbidd dauhn.« – Hei et ok ümmer förfötsch dorin furt; äwer de Hauptperßohn, de Leutnant, auste mit Fingern un Tung' un Tähnen in den Mund nah Graden rümme, dat ick denk: de wir gaud bi't Nahharken in so'n korten Gasten tau bruken. Äwer dunn mit einen Mal kamm mi Rat: de Düwel möt mit den Düwel verdrewen warden. Wenn du nu so mit din Bairisches Bitterbir vörrücken dedst, mäglich, dat denn in Verglik mit dat Bitterbir din Fisch säut as en Nätkarn smecken künnen. – »Na«, segg ick, »nu will'n wi äwer doch ok tau uns' Karpen en schön Glas Bairsches drinken!«, gah hen und schenk jeden en Seidel in. – »Merkwürdig!« seggt de Leutnant, »mein Bier sieht viel heller aus als das Ihrige.« »Ja«, segg ick, »wahrhaftig! – Dat is doch merkwürdig, 't is all von einen Kopmann.« – De Leutnant set't sin Seidel an, set't äwer glik wedder dal: »Da ist auch der Hopfen dran gespart«, seggt hei. – Sall denn hüt allens verkihrt gahn? denk ick. Din Bir smeckt doch hellschen bitter, un ick nem den Leutnant sin Glas: »Erlauben Sie mal!« – Leiwer Gott! Nu was dat Lüttjedünn. Nu was dat dat Fischbir, un de Franzos' hadd 'ne Buddel Bairisch Bir an de Fisch gaten. – Na, nu was't jo all klor! – De Roddogen, de Zipollen, de Lurbeerbläder, nicks was doran schuld, blot de Franzos' un dat Bairsche Bir! – De Franzos' hadd taum Glücken ut sin Glas noch nicht drunken, ick schow dat den Leutnant hen un set'te den Franzosen dat Lüttjedünn vör. – Da drink' du man! – Ick nödigte nu noch ümmer tau min Fisch; äwer keiner wull, un as endlich tau mine Freud de Kasematt upslaten würd, gung de Leutnant un bedankte sick höflich för dat schöne Middageten. KAPITTEL 21 De Franzos' ward unbescheiden. Wat 'ne Hos' ok tau en Käkeninventor tau reken is? Worüm ick nah Muttern gah, beit mit Kodillg' ward un as en Schaustermeister ut de Dör gah. Worüm 'ne Nachtmütz tau Gottes Finger warden kann. Dat ick ok mal 's Nachtens in de Tacken von en jungen Plummenbom seten heww, un woans en Minsch taum Börnkalw warden kann. Nu was ick mit den Franzosen allein; ick gung stumm in mine Blamage herüm. – »Na«, seggt hei endlich un drinkt sin Glas mit Lüttjedünn ut, »schön Tüg von Bir hest du uns äwer köfft.« – »För di gaud naug!« segg ick. – »Wat meinst du eigentlich hüt middag dormit?« frog hei, »du wullst mi noch Afbidd dauhn?« – »Di Afbidd? Ok dat noch?« segg ick. »Irst köffst du mi Roddogen stats Karpen up den Hals? Nahsten sniddst du sei mi in luter lütte Finzel? Un tauletzt güttst du mi Bairsches Bir in't Gericht? – Du süllst di as Koch afmalen laten!« – Dat süll ick dauhn, säd hei, ick äwernem mi ümmer Saken, de ick nich wussen wir. – Un so kamm tau de Bitterkeit von de Lurbeerbläder un dat Bairsche Bir noch en bittern Strid, un as dat gegen Abend kamm, würd hei unbescheiden un verlangte noch Abendbrod. – »Mich dücht«, segg ick, »du hest hüt middag gaud naug eten un künnst hüt abend woll mal äwerscheiten, un ick heww mi hüt all naug an den Füerhird afextert, un du künnst mi de Rauh nu woll günnen.« – Äwer ne! Dor legen noch drei Eier in't Schapp, un't stunn dor ok noch en Teller mit Weitenmehl, un hei verlangte, ick süll em en Pannkauken backen. Ick hadd kein Pann, säd ick. – Dat güng ok in de Bifstückmaschin, säd hei. – Dor wir kein Spirtus, säd ick. – Dat güng ok mit Kahlen, säd hei. – Wi hadden kein Melk, säd ick. – Dat gang ok ahn Melk, säd hei. – »Denn back di sülwst weck«, segg ick, »wenn du't doch all so schön weitst.« – Un hei deiht't un rührt sick de Eier un dat Mehl tausam, leggt Kahlen unner de düre, nige Maschin un rührt nu ümmer dorin rümmer, dat em sin Kauken nich anbrennt, un ick gah dor ümmer an vörbi, segg nicks, seih äwer, dat dat luter Wrümmels warden, un denk: Na, wo dit woll möt? un bün noch so niderträchtig un häg' mi doräwer, dat hei mit sinen Kauken in'n Nettel leggt. Nu wiren sine ollen lütten brunen Wrümmels jo woll nah sine Meinung gaud, un hei schrapte sei sick tausam un drückt jo woll mit den Lepel en beten fast up den Bodden – klack! säd de Bodden, un de ganze düre Maschin lagg in de Kahlen. – »Süh so!« segg ick. – »Ja«, seggt hei. – »Dat kümmt dorvon her!« segg ick. – »Ja«, seggt hei un kickt bald de utenanner smölt'te Maschin un bald sin Wrümmels an. – »Mit de Sak sünd wi nu farig«, segg ick, »denn de Sak geiht nich länger!« un gah hen un hal uns' drei heilen Pött tausam un stell de halwe Bifstückmaschin dorbi hen un segg: »So, nu kik di mal uns' Bescheerung an! As wi vör twei Monat uns in de Kakeri begewen, künnen wi jedwereinen mit säben nige Pött – dat Stück dörchsnittlich tau'n gauden Gröschen – unner de Ogen gahn; wo vel stahn dor nu? – drei! – de annern hest du all liwert, un nu de Bifstückmaschin, un irst min Koffemaschin, un drei flack Teller fehlen, dat ick hüt middag min Fisch heww von en deipen eten müßt.« – Grütt, säd hei höhnschen, müßt ok von en deipen Teller eten warden, un wat von't Kakinventor in'n Deinst tau Grun'n güng, müßten wi beid' dragen. – »Haha!« segg ick, » so willst du? na, denn man tau!« un gah hen un hal min Hos', de ick mi hüt middag verbrennt hadd, un legg sei bi de Bifstückmaschin hen. »Denn geiht de ok ut de allgemeine Kass'«, segg ick. – 'ne Hos', säd hei, hürte nich taum Kakinventor, un dormit fung hei an, up sine Wrümmels tau kauen. – De Ort un Wis' kunn mi denn doch nich gefallen. – »Hir«, segg ick, »is uns' Kass', hir's mine dägliche Bereknung, un nu kumm mit! – Hir liggt en Schepel Tüften, de känen wi deilen, un dat Suppenkrut ok; üm de drei Pött un de Bifstückmaschin känen wi loßen, ut dat halw Kalw, wat ich gistern köfft heww, will ick di dinen Part bor utbetahlen, un de Teller deilen wi uns ok. – Nu, mein ick, sünd wi utenanner.« – Dunn kriggt hei mine unschüllige Hos' tau faten un böhrt sei in de Höcht un fröggt: »Sall üm de ok loßt warden? Denn du hest sei jo utdrücklich tau't Käkeninventor rekent.« Dat wiren nu Spitzen. Ick argerte mi woll doräwer, äwer sei makten mi fast, mi meindag' nich wedder in 'ne vorteilhafte Kaprusch-Wirtschaft intaulaten. – Von jitzt an kakte ick mi allein, denn ick hadd de drei Pött gewunnen, un hei let sick för düres Geld ut de Leutnantskäk spisen. Äwer't was ok dornah; gegen mi kamm hei nich an, denn ick kakte em tau'n Arger von nu an de künstlichsten un swönnsten Gerichte, un wenn hei achter sinen Teller mit de ollen groten grisen Arwten mit 'ne sure pohlsche Sauß satt, denn hadd ick en schönes Kalwfleisch-Frikanßeh, oder ick hadd mi ok en Stück Hammelfleisch mit Käm smurt; un wenn hei mit sine Flintenkugeln in'n Liw' in de Kasematt herümmerlopen ded, denn satt ick in alle Behaglichkeit dor un freute mi, dat mi keine Flintenkugeln in'n Liw' klätern deden. Mine Käk gaww mi ok 'ne nützliche Beschäftigung un 'ne grote Belihrung, denn von ehr ut bün ick allmählich up de Chemi verfollen, un as mi de oll Herr General de Verlöwnis gaww, en por lütte nüdliche Jungs in de Wissenschaften tau unnerwisen, dunn hadd ick mit min Malen tausamen den Dag äwer utreikende Geschäften, un de Tid gung hen. Mit min Malen hadd sick dat ok utspraken, un üm Wihnachten ut kamm min oll lütt Idachechen mit 'ne Empfehlung von ehr leiw' Mutting, un wat de öllste Swester von Aurelia'n wir, de süll frigen, un wil sei dat en beten vörnemer as gewöhnlich anrichten wull, süll bi dese Gelegenheit 'ne Transparent in ehre Kasematt anbröcht warden, un wat ick mi de Sak äwernemen wull? – Dat ded ick drist, säd ick. – Na, denn süll ick doch den General bidden, dat ick Mutting mal besäuken künn. – Un ick ded dat ok, un de oll Herr General ded't ok. Na, as dit nu bekannt würd, dunn gaww dat en Upstand, denn dit was dat irste Mal, dat ein von uns in en Provathus gahn dürwt, un noch dortau in dit, wo sick all so vel üm dreiht hadd. De Kapteihn stunn lang' un kek mi an, as wull hei wat seggen, säd äwer nicks, Don Juan kamm, gratuliert mi un gaww mi männigen finen Wink, woans ick de Gelegenheit in minen eignen Nutzen verwennen künn, de Franzos' treckte mi an, leihnte mi en Por Vatermürder, bünn sei mi sülwst vör un makte mi en künstlichen Knuppen in't Halsdauk, de Erzbischoff, de en Por Hän'n as en Por Waschhölter hadd un von den sei immer vertellen deden, dat hei ut twei Por gewöhnliche ledderne Hanschen sick ein Por maken let, indem dat ümmer twei un twei tausam neigt würden, leihnte mi en Por von sine, äwer't wiren en Por wullene, utgeflüschte, un ick dacht ok so: na, 't is Winterdag; denn dunnmals was dat noch nich abslut notwennig, dat einer, de den Finen utlusen wull, mit Schapledder an den Knäwel herüm gahn müßt. – Na, ick sach statsch naug ut, as ick in minen besten Rock un Don Juannen sine pohlsche Pelzmütz un de annern tausamgepumpten Saken unnen bi den Kopernikus rinne kamm. – Dat Ding wull platzen vör Arger un Afgunst. »Süh!« säd hei spitz, »ick hadd nich dacht, dat ji mit jug' Tausamenscheiten so'n Stat updriwen künnt.« – »Je«, segg ick, »dat seggst du woll! – Süll ick in desen Uptog mi woll sülwen en beten an ehr ranne swenken känen?« – Nu würd em äwer woll bang', un hei bedwung sinen Arger un süd: »Charles, dauh mi den Gefallen un segg ehr...« – »De Mutter?« frog ick. – »Ne, ehr! « – »De Brud?« frog ick. – »Ne, Aurelia'n«, säd hei verdreitlich. – »Hest du ehr denn sülwst all wat seggt?« frog ick. – »Ne!« seggt hei. – »Na, denn segg ick ehr ok nicks«, segg ick. »Ick künn dor ankamen as de Säg' in't Judenhus, denn dat Mäten kann jo noch recht gaud den ollen, braven Kapteihn in ehre bläudige Seel dragen, oder de Mutter mag jo ok woll dat för gaud inseihn hewwen, dat ick de Paßlichste för ehre Dochter bün, denn so vel ick weit, hett sei mi un nich di tau sick inladen.« Dor mit gung ick ut de Dör: so! dor rük an! Du willst di äwer mine Utstaffierung monkieren? Heww ick von din Wormtüg von Kinnerkledaschen all wat leihnen wullt? As ick nu buten tau Rum kamm, segen mi de annern all recht erfreulich an, denn ick was ehr Stolz, wil ick von jeden von ehr wat an mi drog, un as ick nu, sihr mit min Utseihn taufreden, de Alleh entlang gah un mi 'ne Anred' an de Mutter inäuw': »Wenn ich es wage...« wat was dorbi grot tau wagen? – »Wenn ich so frei bin...« – ick was man nich fri – »Wenn ich Ihren Befehlen gehorche...« – dat was tau vel; sei hadd mi nicks tau befehlen – »Wenn ich Ihren Wünschen nachkomme, so...« – dunn kümmt einer achter mi un grawwelt mi hinnen an de Rocktasch, un as ick mi ümseih, was't de Erzbischoff, de mi minen buntbomwullnen Taschendauk 'ne halw Ehl ut de Tasch trecken ded. – »So«, säd hei, »das fehlte noch«, un dunn bögte hei sick nah mi ran un flustert mi in de Uhren, dat Lewandowsky, de bi mi gung, dat nich hüren süll: »Es prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet... Na, Charles, du weißt, was ich meine«, slog mi mit sine Segenshand drist in dat Gnick: »Nu geh mit Gott, alter Junge!« un ick was nu up mine eignen Kräfte anwesen. Lewandowsky blew buten, ick gung rinner in de Proviantmeisters-Kasematt. – Na, de dummsten Lüd' bugen de meisten Tüften; ick hadd also dat grote Glück, Aurelia'n allein tau drapen. – As ick rin kamm, sprung sei von ehr Stickgeschirr tau Höcht, un as en oll lütt nüdlich unschüllig Mäten reckt sei mi de Hand entgegen.« –Guten Tag! guten Tag! Das ist sehr freundlich von Ihnen.« – De Anfang was gaud, äwer nu hadd ick de ßackermentschen utflüschten Hanschen von den Erzbischoff an de Fingern, un de kunn ick ehr doch nich gewen, un as ick sei endlich aftagen hadd un hadd sei in Don Juannen sine Pudelmütz rinne leggt, was ehr Hand all weg. – Nu hadd ick mi woll up 'ne Anred' bi de Mutter prekawiert, äwer up en jung' Mäten was ick nich inricht't, un wenn ick ok in vergahnen Johren männig schöne Anred an en jung' Mäten hollen hadd, so was ick up Stun'ns gänzlich ut de Äuwung mit Frugenslüd', denn ick hadd in de sös Johr Festung mi blot an de Korline mit de Leekogen in S. un hir an min oll Fru Bütow'n äuwen kunnt, un mit de kunn ick sei doch nich äwer einen Leisten slagen. – Ick stamerte wat taurecht, un tauletzt kamm ick mit de grötste Dämlichkeit tau Platz, de einer utfünnig maken kunn: »Ist Ihre Frau Mutter wohl zu sprechen?« säd ick. – Leiwer Gott! ick hadd't ganze Spill in Hän'n mit drei Matadur un de Irsten un würd beit! – Beit mit Kodillg'! »Ich will Mutter rufen«, säd sei un lep rute, un ick stunn nu dor un wunnerte mi, dat ick mit mine langen Uhren nich an den Bähn schrammte. Nu was »Mutter« denn woll noch in hüsliche Geschäften un in en Morgenrock inwickelt, ick hadd also Tid naug, mi wenigstens de Anred' an »Muttern« noch en pormol dörch den Kopp gahn tau laten, un as sei endlich kamm, dunn fung ick denn ok an: »Wenn ich Ihren Wünschen nachkomme, so...« – »Sie sind sehr gütig!« säd Mutter. »Sehn Sie, dies hier ist die Nische. Und wenn Sie so gütig sein wollten, mir darin ein Transparent zu machen...« – »Ja woll! Ja sehr gerne!« Un dormit müßt ick nu Aurelia'n den Rüggen taukihren, un de set'te sick nu wedder an't Finster un stickte wider. – »Ja, sehr gerne!« säd ick, un ick hadd mi all vörlöpig so'ne Idee von de Sak makt. – »Wie meinen Sie denn wohl?« frog sei. – Oh, säd ick, ick meinte in de Midd en rechten schönen Altor mit Efa bewussen, »um die Dauer der Liebe auszudrücken«, säd ick; up den Altor en brennend Hart, »um die Glut der Liebe auszudrücken«, säd ick; un äwer de Flamm en Por verslungene Hän'n, »um den geschlossenen Bund auszudrücken«, säd ick. – Dat geföll Muttern ok ganz gaud; äwer't würd tau kahl utseihn, meinte sei. – Ja, säd ick, dat süll sei mi man maken laten, üm de Geschicht herümmer müßten noch en por Engel swewen, de Myrten- un Palmtwig in de Hän'n höllen un unnenwarts an de Bein mit 'ne Rosengirland' ankedt wiren. – Mit dat äwrige was sei taufreden; äwer mit de Engel, dat wull ehr nich in den Kopp, un't kamm binah so rute, as wenn sei mi Engel nich recht tautrugen ded. – Ob wi de Engel nich weglaten künnen, frog sei. – Ne, säd ick, von Engel künn ick nich afstahn: de Sak würd süs tau dodig utseihn, wat Lewigs müßt dor mang. – Na, sei gaww sick denn ok dorin, un as ick mi ümdreih, üm Aurelia'n doch wedder antauseihn, dunn sitt dat listige Ding dor, kickt ut dat Finster rute, lacht äwer't ganze Gesicht, böhrt en Finger in de Höchst, nahsten en halwen, leggt en annern dorgegen un makt mit beide Hän'n allerlei Mirkens. – Dunner! Wat's dit? denk ick un gah neger an't Finster. – »Also meinen Sie?« seggt Mutter. – »Ja«, segg ick, »so meine ich«, un kik ut't Finster rut, un dor stunn de Kopernikus an de lütte Lind' un makt justament so'ne Mirkens as Aurelia. – Haha! denk ick, ji kikt jug nu nich mihr blot an, ji makt jug nu all Telegraphen! Un ick gab noch neger an't Finster un kik dörch de Ruten, un dunn makt mi dat Krät von Kopernikus ok 'ne Telegraph tau, de ick recht gaud verstunn, hei sparrte de Fingern utenanner un läd de beiden Hän'n unner sinen krummen Näthaken von Näs' un grinte mi an: »Schrap Räuben, Charles! Dat hett di doch nicks hulpen.« – Ick gung noch mal nah de Nisch' ran un namm Mat un dacht, ick wull noch Gelegenheit finnen tau'n recht gebildtes Gespräk; äwer de Ollsch frog mi blot, wenn ick mit min Arbeit woll farig sin künn. – Oh, in drei Dagen, säd ick, un as de Unnerhollung nu wedder in't Stocken kamm, namm ick min Pudelmütz un min utflüschte Hanschen, säd adjüs, un as ick ut de Dör gung, hadd ick dat Gefäuhl, as wir ick en Schaustermeister, de up Bestellung arbeiten ded un de Muttern en por nige Stäwel anmeten hadd. Oh, wat was ick falsch up mi! Mine ganze Damenunnerhollung hadd ick verlihrt; all de schönen Redensorten wiren mi up de verschiedenen Festungen afhannen kamen, un hadden sei mi as Schauster traktiert, hadd ick mi jo as Schauster man bedragen. Äwer as ick den Kopernikus buten stahn sach, dunn begehrte in mi en Trotz up: jo nicks marken laten, leiwer leigen! – »Du kümmst jo so bald wedder?« seggt hei spöttschen tau mi. – »Ja«, segg ick, »wenn du't west wirst, du haddst jo woll glik bi'ne Antrittvesit de Lüd' den ganzen Vörmiddag up den Hals' legen? – Ne, Gott sei Dank! Sovel kenn ick dor denn doch noch von.« Dormit gung ick denn forsch an em vörbi un nah den Franzosen, Don Juannen un den Erzbischoff ran. – »Na, wie ist's gegangen?« frog Don Juan, un de Franzos' kamm up mi los un treckte mi den einen Vatermürder bet rute, as wenn dat nu noch Not wir. – »Schön«, säd ick, »sihr schön! – As ick rin kamm, stunn en schönes Frühstück up den Disch, un Aurelia namm mi bi de Hand un nödigt mi up den Sofa dal un schenkte mi en Glas Madera in.« – »Madera?« frog de Erzbischoff un lickmün'nte dorbi, »ordentlichen Madera?« – »Natürlich«, segg ick; »meinst du, dat sei mi dor en Bittern vörsetten warden? – Un dor seten wi denn recht tauvertrulich tausamen un kemen denn ok bald up dat Kapittel ›Liebe‹.« – »Dat settst du tau«, seggt de Franzos', »dortau was de Tid tau kort.« – »Na«, segg ick, »wenn du't beter weitst, süs frag Don Juannen, ob einer, de sick dorup versteiht, lange Tid dortau brukt.« – Ne, säd Don Juan, hei för sin Part hadd männig Mäten binnen fiw Minuten 'ne utführliche Leiwserklärung makt, un denn wir Madera dor noch gor nich mit mang west. – »Na«, vertellte ick denn nu wider, »un so seten wi denn tausam; ick hadd ehr Hand fat't un drückte sei männigmal, un sei drückte sei mi wedder...« – »Das lügst du!« röp 'ne scharpe Stimm achter mi, un as ick mi ümkik, steiht de Kapteihn achter uns un kickt mi mit wütende Ogen an: »Das lügst du, Charles, und du solltest dich schämen, daß du auf Kosten eines braven Mädchens lügst.« – Dat was mi nu gor nich infollen, ick wull blot nich ingestahn, dat mi mine Damenunnerhollung fläuten gahn un dat ick as Schaustermeister ut de Dör gahn was. – »Wo so?« frog ick denn also sihr verdutzt. – »Ich will's dir beweisen!« seggt hei, »komm mit!«, un ick tüffel ok richtig achter em an, denn wenn einer so up frische Daht fat't ward, denn giwwt hei sick in allens. »Sieh, wie abscheulich du gelogen hast: Aurelia hat dir bloß guten Tag gesagt, hat dann ihre Mutter gerufen und hat kein Wort weiter mit dir gesprochen.« – Dunner, wo verfihrt ick mi! Wovon wüßt hei dat all? – Ja, säd ick, ick wull em allens ingestahn, wo't west wir; äwer hei süll mi ok seggen, wovon hei dat weiten ded. – Hei wünn sick irst, tauletzt säd hei: »Charles, du weißt, ich bin aus einem Nebenbuhler ein Vertrauter, ja ein Beschützer von Kopernikus' Liebe geworden.« – Dat wüßt ick nu gor nich, äwer ick slog den Dummen an den Hals. – »Du weißt«, säd hei wider, »hier auf der Festung treibt sich ein armes taubstummes Mädchen umher, welches in einer Anstalt die Fingersprache erlernt hat. Dies arme Mädchen erhält alle Sonnabend ihr Mittagessen bei Proviantmeisters, und der hat Aurelia ihre kleinen Künste abgelernt – zufällig, nicht in besonderer Absicht. Ich habe mal mit einem Stubenburschen in Halle zusammen gewohnt, der sich zum Lehrer in einem Taubstummeninstitut ausbilden wollte, der hat mir diese Sprache beigebracht und ich wieder dem Kopernikus.« – »Zufällig«, säd ich, »nicht in besonderer Absicht!« – Nu würd de Kapteihn en beten verlegen: »Nein«, säd hei, »dies war volle Absicht, denn, wie gesagt, ich betrachte mich als Schützer dieser Liebe.« – »Haha!« segg ick, »nu weit ick jo mit de Telegraphen Bescheid, de achter minen Rüggen spelen deden. Dat is jo denn also de gewöhnliche Spitzbauben-Kasperi, as ick sei up de Stadtvogtei achter jeden Bleckkasten herute fingieren seihn heww, un dorüm steihst du up Stun'ns woll ümmer wedder bi de lütte Lind', üm den Kopernikus Provatunnerricht tau gewen?« – Nu stickte de Kapteihn sick äwer rod an, un sin Og, dat würd unsäker. – »Darum nicht«, säd hei. – »Dit is nett«, segg ick, »ji verlangt von mi, ick sall ümmer de Wohrheit seggen, un ji hewwt allerlei Heimlichkeiten vör mi!« – »Nein, Charles«, säd de olle ihrliche Burß, »ich weiß, daß du nichts verraten wirst: ich liebe .« – »Gotts ein Dunner!« segg ick, »all wedder!« – »Hast du mich jemals nach der bewußten Zeit an der kleinen Linde nach Aurelien blicken sehn?« – »Ne«, segg ick, »dat kann'ck di betügen, du hest ehr ümmer den Rüggen taukihrt un hest ümmer up de anner Sid nah Majur Martini'n sine Finstern henkeken, un nu brukt Lewandowsky den Pal nich mihr tau richten, denn du un de Kopernikus staht em ümschichtig scheiw un wedder grad.« – »Ja, Charles, sie ist es«, säd hei un strek sick gedankenvoll äwer de Ogen, un as de Hand an sinen dreivirteljöhrigen, prachtvollen Snurrbort kamm, fung hei dormit an tau dreihn, un as de Snurrbort pil in En'n stun'n, säd hei: »Ja, Charles, sie ist es, Auguste von Martini ist es, und sie wird es.« – Dortau was nich vel tau seggen, denn hei was nah mine Insichten up den richtigen Weg; tüschen de Proviantmeistersdochter un de Königin Viktoria wählte hei de Middelstrat un namm sick en adlich Frölen, un de Middelstrat was dunn allentwegen sihr begäng', denn de beiden berühmtesten Lüd' tau de dunnmalige Tid, Herr Guizot un Lurwig Philipp gungen de sülwige Strat. »Kapteihn«, segg ick, »ick glöw, ditmal hest du de Wust up't richtige En'n ansneden; äwer wo is dat kamen?« – »Je«, seggt hei, »'s ist augenscheinlich Gottes Finger. – Damals, als der Kopernikus und du euch beide weigertet, den Spaziergang hinter dem Wagenhaus zu benutzen, hatte Schr. einmal Besuch von seiner Braut, der Erzbischoff hatte den Schnupfen, ging nicht aus, und Don Juan versuchte auf dem anderen Ende des langen Wagenhauses, ob er nicht einen freundlichen Blick von dem Schenkmädchen erhaschen konnte, kurz, ich befand mich allein auf der Promenade, denn Lewandowsky beschäftigte sich mit Don Juan. Da gehe ich an dem geöffneten Torwege des Major von Martini vorüber, der Torweg steht auf, und ich erblicke eine reizende Dame, die dort Zeug zum Trocknen aufhängt – du meinst vielleicht Bett-, Hand- und Tischtücher, nein, die niedlichsten, freundlichsten Toilettengegenstände, die uns in ihrer Zartheit und mannigfachen Bezüglichkeit so rührend tief erfreuen, als Unterärmel, Busenkragen und Nachtmützen. – Daraus strahlte sie hervor wie eine volle aufgeblühte Rose zwischen weißen Lilien.« – »Ja«, segg ick, üm em 'ne Freud tau maken, »wat vüllig is sei, un dat hett sei vör Aurelia'n vörut.« – »Nicht wahr?« fröggt hei un vergett sine herrliche Aurelia ganz un gor. – »Sie ist eine prachtvolle Erscheinung! Und wie ich nun so in der Fülle ihrer Schönheit versunken dastehe, erhebt sich ein starker Windstoß, und eine der Nachtmützen flattert durch den offenen Torweg auf mich zu, ich ergreife sie, bevor sie zur Erde fällt, und sage: »Glücklich, mein Fräulein, derjenige, der wenigstens mit der Hülle Ihrer Träume hat Bekanntschaft machen können.« – Dat weit de Kukuk! denk ick so bi mi, de Kapteihn hett de Damenunnerhollung doch nich verlihrt, worüm du? un arger mi. – »Na«, segg ick giftig, »un dunn lacht sei, un dunn was't vörbi?« – »Charles«, säd hei irnsthaftig, »die junge, schüchterne Liebe lacht nie. – Wir standen schweigend in dem Torwege, und sie zupfte in holder Verlegenheit an den Bändern ihrer Traumhülle. Plötzlich rief eine barsche Männerstimme aus einem Fenster in den Hof hinein: ›Auguste, meine Schärpe!‹ – Sie erschrak, rief ängstlich: ›Ach Gott! Vater muß zur Parade!‹, riß stärker an den Bändern, sprang in den Torweg und hinterließ mir dies Angedenken.« Un dormit treckte de Kapteihn einen natürlichen Nachtmützenband unner de West herute. – »Kapteihn«, säd ick, »ick segg nicks wider, as du büst up den richtigen Weg! – Mit allerlei lose Bänner fangt 'ne richtige Sak an, un mit en Band, wo'n Knuppen inslagen is, hürt sei dennahsten up. – Ach Gott!« segg ick, un mi würd ok weikmäudig tau Sinn, »heww ick all dörchmakt! Wenn ok nich grad mit en Nachtmützenband! – Ick heww ok mal 'ne schöne blage Sleuf von en schönen blonden Kopp unner de West dragen un hadd nu all Fru un Kinner hewwen künnt, wenn de ßackermentsche Festungsgeschicht dor nich mang kamen wir. – Ach, Kapteihn! Wat heww ick för romantische Geschichten anstellt! – So wat is di meindag' nich in den Sinn kamen.« – Na, dat wull hei nu nich; dorin wull hei sick nu nich vörbijagen laten. – »So?« segg ick, »hest du all mal in en jungen Plummenbom seten, in all de verdammten Tacken, de so'n Kretur hett, blot üm ehr Slapstubenfinster tau seihn?« – »Ne«, säd hei. – »Na«, segg ick, »dat heww ick , un unner mi stunn min Fründ Wählert – na, mag nu ok all lang' Preister mit Fru un Kinner sin – un spelte up 'ne Gitahr un sung: ›Höre, wie der Regen fällt, hör', wie Nachbars Hündchen bellt!‹ – Un sihr schön sung hei, äwer Hun'n wiren dor nich, un de einzigsten, de dor herümmer bleken deden, dat wiren hei un sin Gitahr. Äwer slimm was't, dat de Regen nich föll un de Mahn hell schinte, denn dat würd min Unglück, indem dat sei – wat sei was – mi dor in de Tacken sitten sach un ehr Swester röp; un dunn bekeken sei mi beid' in mine Verlegenheit, un de Swester, de stark äwersichtig was, noch dortau mit 'ne Lorjett. Un Wählert lep weg un let mi dor sitten, as wir ick gegen de Sparlings rinne set't, un as ick tauletzt ut den Bom rute sprung, ret ick mi mine einzigste Hos' hinnenwarts intwei, von't Fleisch gor nich tau reden, denn dat heilt woll wedder; un wil nu min Snider de Ort Hosentüg in ganz Parchen nich updriwen kunn – denn de Hos' hadd 'ne entfahmte Kalür un stammte ut Stemhagen –, müßte ick den ganzen Harwst äwer – un't was en windigen Harwst – mit de Rockslippen möten, dat de Lüd' doch nich segen, wo slicht min Achterdeil mit min Vödderdeil stimmte; äwer de ollen lütten Quintaner hadden't doch seihn un röpen achter mi her: ›Stigelitsch!‹ Äwer dat slimmste En'n kamm all glik den annern Morgen, dunn schickte de oll Geheime Hofrat sinen Bedeinter tau mi: 'ne Empfehlung von den Herrn Geheimen Hofrat un wenn ick dat nich sin let un em de nachtslapen Tid nich günnen ded, denn zeigte hei't bi'n Schauldirekter an. – Heww ick all dörchmakt, Kapteihn!« – Dat hadd denn nu de Kapteihn woll nich in mi söcht, denn hei was ogenschinlich erfreut, as hei dat tau hüren kreg, un hei würd noch tauvertrulicher un verteilte mi nu, hei hadd sin Auguste nahsten nochmals spraken, as de Oll up de Parad' gahn was. Sei hadd 'ne Lin anbinnen wullt, äwer ehre Natur was tau kort dortau west, un hei was hensprungen un hadd ehr hulpen, un sei hadden äwer den hübschen Hof redt, un dunn hadd sei em ok de einzelnen Ställ wis't un säben wunderschöne Käuh, denn wat ehr Vader was, de was Majur von den Platz, un sine Inkünften bestunnen uter dat äwrige noch ut all dat Heu, wat up de Festung wassen ded, un sei müßt de Melkwirtschaft bi ehren leiwen Vatting bedriwen un hadd ok den Melkverkop; äwer't gung man slicht, denn up Stun'ns wiren dor gor tau vel Käuh up de Festung. – Un dorbi was de Kapteihn up 'ne romantische Idee verfallen: wie süllen, meint hei, all uns' Melk von sine Auguste köpen. »Je«, segg ick, »Kapteihn, wi annern dauhn't woll, äwer de Erzbischoff deiht't gewiß nich, denn de hett sick all tau deip mit sine Bäckerfru inlaten.« – »Wahr!« seggt hei un geiht in deipen Gedanken neben mi: »Der Absatz würde zu unbedeutend sein.« – Mit einmal dreiht hei sick nah mi üm un fröggt: »Charles, was hältst du von dem Stabsarzt R. in M.?« – »Dat is en heil prächtigen Kirl!« segg ick. – »Ich meine, was du von seinen medizinischen Fähigkeiten hältst!« –»Oh«, segg ick, »ick holl em för en uterwählten Doktor.« – »Weißt du, was der einmal äußerte? – Wir alle in M. müßten einmal eine gründliche Milchkur durchmachen.« – »Woans is dei?« frog ick. – »Man genießt nichts anders als Milch; in den ersten drei Tagen ist noch etwas trockner Semmel dabei erlaubt, aber später genießt man vier Wochen hindurch nichts als Milch.« – »Gott sall mi bewohren!« segg ick, »dor möt jo en Minsch rein taum Börnkalw warden.« – »Ja, verjüngt wird er«, seggt hei, »ganz verjüngt!« – » Verjüngt? « frag ick. – »Denn slag di dat ut den Sinn; de Sak paßt nich för uns. Wenn wi in vir Wochen dörch dine Kur fiwuntwintig Johr öller würden, denn let ich sei mi gefallen, denn künnen wi fri dormit kamen.« – Hei meinte nu jo woll, ick wull äwer em spektakeln, un namm't äwel un gung von mi furt. KAPITTEL 22 Wat de Kopernikus von de Kunst verstunn, un worüm ick mi mit em in 'ne düstere Käk scheiten süll. Wat en richtigen Nahtusch is, un worüm ick in Fru' Bütow'n ehr Emmer kik. Trostlose Insicht in dat Emmer un in minen Geldbüdel. De Kapteihn un ick leggen 'ne vollständige Hollänneri an. Ick gung nu in mine Kasematt un fung bi den Transparenten an. Ick malte, dat dat man so stöwen ded, von't ein Licht in't anner – denn de Dag' wiren man kort –, ick sned mit en stumpes Dischmetz in de dickste Papp herüm, dat ick Quesen in beide Hän'n hadd, un tauletzt was't denn ok schön so wid farig, bet up de beiden Engels: »Franzos'«, frag ick, »meinst du, dat ick sei mit 'ne Posaun oder ahn 'ne Posaun maken sall?« – »Je«, seggt hei, »dat kümmt up de Backen an; willst du sei mit Plusterbacken malen, denn hüren sick Posaunen, för smallbackte möten äwer kein.« – De Sak hadd ehren Grund, un ick stah noch so in Bedenken, wat för mi lichter wir, mit smalle Backen oder mit Plusterbacken, dunn kümmt de Kapteihn herin. »Charles, hast du dir's überlegt?« – »Ne«, segg ick; »ick bün dor noch grad bi.« – »Na«, seggt hei, »willst du denn eine gründliche Milchkur anfangen oder nicht?« – »Ih, doran heww ick noch gor nich dacht!« segg ick, »ick judizier hir blot doräwer, ob hir en por Posaunenengel hübscher kleden würden oder en por gewöhnliche.« – De Kapteihn dacht jo wull nu wedder, ick wull äwer em minen Spektakel bedriwen, hei gung falsch ut de Dör un smet sei achter sick tau. Den annern Dag bün ick denn wedder düchtig dor un mal mine Engels; de Franzos' kickt mi äwer de Schuller: »Weitst du wat?« seggt hei, »din Engel sünd so wid recht rund un nüdlich, äwer de Posaunen sünd tau kort!« – denn wi wiren äwer Posaunen einigworden. – »Dat seggst du woll«, segg ick ärgerlich, »wo sall't herkamen? För so'ne lange Musik heww ick keinen Rum.« – Indem kümmt de Kapteihn wedder rin un fröggt, as hei min Bild süht, worüm ick de beiden ollen lütten Gören mit en Postilljonstrumpet makt hadd? – »Dat is dat richtige Wurd«, seggt de Franzos'; »äwer an so'n Trumpet hüren sick noch Troddeln.« – »Makt mi den Kopp nich warm!« segg ick, »hei rokt mi so all von all dat Bedenken.« – »Dorüm kam ick ok nich«, seggt de Kapteihn, »ick wull di blot fragen, wo vel sall ick denn för di bestellen?« – » Wat bestellen?« frog ick. – »Melk«, seggt hei. – »Ei wat!« segg ick, »fohr mi hir nich mit so'ne Fragen in de Kunst rinne, frag' den Erzbischoff, de weit mit so'ne Saken Bescheid!« – »Mit di is ok nich tau reden«, seggt hei un geiht sin Weg'. Nu hadden sei mi mit de Troddeln 'ne Flöh in't Uhr set't, un wenn ick ok recht gaud wüßt, dat för gewöhnlich de Engels ahn Troddeln afmalt warden, so geföll mi dat doch, denn up de Wis' hadd ick de schönste Gelegenheit, mit rechte bunte Kalüren en beten tau spillunken. – »Franzos'«, segg ick, »meinst du, ick sall mine meckelnbörgschen Landsfarben, blag, rod un gel, nemen?« – »Bewohr uns«, seggt hei, »du möst swart, rod, gold nemen, denn dorüm sitt wi jo. Un denn möst du de beiden lütten Knaben middwarts noch mit 'ne Scherf verseihn, denn so is't en beten tau schanierlich.« – Dorin hadd hei recht, äwer dat hei wull, ick süll de Scherf swart un witt up Preußsch malen, dorin hadd hei unrecht, denn dat hadd allmeindag' nich kledt – hir bröcht ick mine meckelnbörgsche Landsfarben an, denn preuß'sche Leutnants wull ick jo nich malen, un wil hinnenwarts noch Rum was, let ick de Enns lang hängen. – Nu stellte ick Lichter dor achter, un wil ick nu de beiden ollen lütten Jungs mit blage un witte Flüchten malt hadd, so wiren sei denn ok würklich so bunt as en por Pagelunen. – De Franzos' säd, sei wiren prächtig, un as wi nu beid' dorvör stahn un uns freuen, kümmt de Unglücksvagel von Kapteihn mit den Kopernikus heruppe un seggt: »Du, ich habe ihn gefragt.« – »Wen?« segg ick. – »Den Erzbischoff«, seggt hei. – »Na, wat seggt de tau de swart, rod, gollenen Troddeln un de Scherf?« – »Acht bis zehn Quart, meint er«, seggt hei un kickt min Wark gor nich an. – »Minentwegent!« segg ick, »minentwegent sösteihn!«, un ick arger mi, dat hei bi all sine Leiw' för dat weibliche Geslecht ok gor keinen Kunstsinn hett. Dunn kümmt dat olle schulsche Krät von Kopernikus ranne un bekickt sick dat. – »Na?« frag ick. – »Ih ja«, seggt hei, »aber ein bißchen zu bunt; ich vermisse die Harmonie der Farben, und die Engel scheinen mir im Verhältnis zu klein.« Dat was mi denn doch tau stripig, en Kirl, de knapp dat Militörmat hadd, de säd von »zu klein«? – En Kirl, de gel un gräun in't Gesicht utsach, säd von »Harmonie der Farben«? – »Kopernikus«, segg ick, »du weitst, ick bün en Lamm – en wohres Lamm! – Äwer wenn en Lamm maudwillig up de Tehnen peddt ward, denn is't all mit dat Lamm! Ut di sprekt de gelgräune Afgunst, du kannst so'n Transparent nich malen, du kannst dat morgen nich uphängen; äwer ick kann dat!« Un dormit nem ick den Franzosen unner den Arm, gah mit em up un dal un segg: »Franzos', wat will'n wi uns äwer den Minschen argern?« – »Charles«, seggt de Kapteihn, »Charles! – Ich bitt dich, beruhige dich, es war wirklich nicht so bös gemeint!« un geiht ok mit mi up un dal, un de Kopernikus steiht dor, kickt dat Bild an un will mi antworten, äwer hei kann't nich – ne, hei kann't nich. – »Charles«, seggt de Kapteihn, »bleibt es im übrigen bei deinem letzten Wort?« – »Ja«, segg ick un rit mi von em los, »und wenn auch das noch durchgemacht werden soll, so wird es durchgemacht!« Dunn geiht de Kapteihn nah den Kopernikus, nimmt em bi den Arm un geiht mit em af, dreiht sick äwer in de Dör noch üm un seggt: »Charles, morgen nachmittag kriegst du Bescheid.« – »Schön!« segg ick, »schön!« un pust dorbi as 'ne Adder. »Na, dit ward 'ne schöne Geschicht!« seggt de Franzos', as sei weg sünd, »du als Jenenser wardst up Stoß losgahn willen un hei als Hallenser up Hieb, un wo willt ji Waffen krigen?« – »Is mi ganz egal«, segg ick. – »Dat einzigst wir noch Pistolen, de kregen wi woll dörch den Füerwarksleutnant«, seggt hei. – »Is mi ganz egal!« segg ick. – »Je, up de Promenad' känt ji doch nich losgahn un hir in de Kasematt ok nich, dat ballert tau dull; de Mäglichkeit wir noch in de Käk; äwer denn müßten wi de Bedden gegen de Dör leggen, dat dat nich schallen deiht.« – »Is mi ganz egal«, segg ick, »äwer in de düstere Käk un denn up drei Schritt?« – »Is 'ne ganz gewöhnliche Förderung bi't Militör«, seggt hei, un hei müßte dat weiten, denn hei was jo Landwehrleutnant. – »Schön!« segg ick, »denn ward in'n Düstern losgahn.« Ick legg mi nu tau Bedd, äwer dat ick vel slapen heww, kann ick nich seggen. – Pistolen, up drei Schritt, in'n Düstern? – Kinnerspill is dat ok nich! – Ick gah also mit mine Ihr tau Rat. – Beleidigen hadd hei mi wullt – wo kann hei süs von »Harmonie der Farben« reden? – Hadd hei in sinen Lewen all malt? – Wüßt hei, wat bi de Sak vermakt was? – Ick lagg de ganze Nacht un termaudbast mi, un as ick upstunn, was ick noch ebenso klauk, as ick tau Bedd gahn was. – Äwer min Transparent was farig, dat müßt henbröcht warden, de oll Herr General hadd't verlöwt, Fru Bütow'n müßt't dragen, Lewandowsky un ick gungen achter her, un wenn uns einer begegen ded, denn würd't ümmer upstellt as 'ne Dreihördel un Räubergeschicht bi Johrmarktstiden. As ick weg gung, wull mi Don Juan un de Erzbischoff wedder utkleden, »zivilisieren«, säden sei; ick säd äwer, dornah wir mi hüt nich tau Maud', un gung mine Weg'. Äwer as ick so mit minen Herrn Lewandowsky'n un mine Fru Bütow'n de Alleh lang gah, dunn kümmt dor en wat strammen Togwind, fött mine Fru Bütow'n un minen Transparenten, un wenn Don Juan nich bi Gelegenheit tauspringt, denn sus't jo woll min Transparent mit mine Fru Bütow'n as en Draken dörch de Luft. – Don Juan törnt sei äwer all beid' noch glücklich un helpt uns dat Beist bet in de Husdör un flustert mi tau. »Charles, ick gah mit rin!« – »Minentwegen!« segg ick un segg tau Lewandowsky'n: »Dat hewwen Sei nu doch seihn, wo swer so'n Kretur tau regieren is, wenn de Herr nich mit rin kümmt, ick krig't allein gor nich fast.« – Lewandowsky kek noch rasch mal ut de Dör, ob de Luft rein wir un plinkte dunn Don Juannen tau: »Na, gahn S' man mit rin!« Wi kemen denn nu ok dwaslings mit dat Ding rinne tau dragen, un Aurelia kamm uns entgegen: »Na?« – »Ja«, säd ick. Un Mutter kamm uns entgegen: »Na?« – »Ja«, säd ick, »farig is't.« – Un nu fung Aurelia mit Don Juannen an, Kumpelmenten tau maken, wil dat hei sick dormit beswert hadd, un Don Juan malte denn nu de mäglichsten Redensorten, un mi kreg Mutter in de Mak un lawte mine Fründlichkeit dörch dat Bredd, un wenn uns' gegensidig Glück pundwis taxiert würd, denn wir ich Don Juannen stark äwerlegen west, denn nich allein Mutter was dicker as Aurelia, ne! ok ehre Kumpelmenten wiren dicker. Äwer argern ded ick mi nich slicht, denn ick hadd denn doch wahrhaftig de grötste Mäuh dorvon hatt, un nu fischte sick Don Juan dat säute Smolt von mine Arbeit af, un as Mutter röp: »Aurelia, setz die Fenster zu! Ich will Lichter holen, wir wollen's doch gleich probieren«, un nu rute lep, dunn stunn ick mit minen Transparenten in'n Arm in'n Düstern dor un hürte vör mi wat russeln un tusseln. Na, denk ick, dit's en schönen Besäuk! Du steihst hir mit 'ne Hand vull Quesen, un hei drückt jo woll nu 'ne lütte weike Hand? In desen Ogenblick kamm Mutter rinner, preislich mit twei Lichter in de Hän'n, un Don Juan stunn dor un hadd en Tügstänner ümfat't un hadd so recht weik un warm Muttern ehren flanellnen Unnerrock in den linken Arm un drückte so zärtlich den Fäutling von Vadern sinen Strump, denn dat listige Ding, de Aurelia, hadd em stats de Hand ehr Knüttüg henreckt, indem dat sei grad' för ehren leiwen Vatting noch en por warme Strümp tau Wihnacht knütten ded. Mutter fung denn nu hell an tau lachen, denn ick stunn dor as en Wapenlöw' an den Transparenten un Don Juan as Vagel Grip an den Tügstänner; un dat oll lütte Krät von Aurelia lachte in Muttern ehr fettes Lachen so hell un säut mit mang, as wenn mang Swinsmolt Bursdörper Appel bradt warden. Ditmal gung dat meistendeils up Don Juannen sinen Schalm, äwer't wohrt nich lang', dunn süll't up minen Seelsack los gahn. – De entfahmte Transparent würd up- un de Lichter dorachter stellt – un nu kikt jug mal eins an, wat en Minsch mit Äwerleggung un Kunst tausam katern kann! – Ick kek't Ding nich an, denn ick wüßt jo, wo't sick utnemen müßt, un as ick nu mit den Rüggen gegen min Makwark stah un de Geschicht anfung utenanner tau setten as Künstler, geiht en Lachen los: Mutter lacht fett, Don Juan frech, un dat Krät, de Aurelia, liblich! liblich, äwer de Maßen leiwenswürdig! äwer för mi nichtswürdig verdreitlich. – Ick seih mi vörwarts an: hest du wat an di? – Ne! – Ick will mi hinnenwarts bekiken, hewwen sei di in'n Düstern en Zopp ansteken? – Ach du leiwer Gott! As ick mi äwer de Schuller kik, krig ick denn min Kunstwark tau seihn, un mine beiden Posaunenengel kiken mi mit de kläglichste Min' an, jeder von ehr hadd en groten swarten Snurrbort! Dat hett de Hallunk, de Kopernikus, dahn! – »Don Juan«, segg ick, »du weißt, was vorgekommen ist, ist dieser Schnurrbart nicht ein Nachtusch von dem Kopernikus?« – Ja, säd hei, dat wir hei mit Recht. – Ick spring up den Transparenten los, rit em dal un will em denn nu all mit beide Beine bearbeiten, dunn fohrt Mutter mi entgegen: »Herr, hab ich's Ihnen nicht gesagt, Sie sollten die Engel fortlassen?« – Ick kihr mi äwer nah Aurelia'n üm: »Sie lieben ihn? – Sie lachen über mich? – Fräulein, den Vogel, der am Morgen so schön singt, frißt am Abend die Katz! – Ich empfehle mich Ihnen!« Dormit gah ick ut de Dör, un Don Juan un Lewandowsky dragen den Transparenten achter mi her. Ick kam tau Hus an, de beiden set'ten den Transparenten recht behutsam an de Wand, un ick gah glik nah en Pott mit Keinruß, stipp minen Pinsel rin; dunn kümmt de Franzos': »Na?« seggt hei. – »Ja«, segg ick un strik de ganzen Engels mit en Keinrußpinsel äwer. – Nu will ick ok all de beiden de Trumpeten mit de Troddeln äwerstriken, äwer dat led de Franzos' nich: »Holt!« säd hei, »de lat stahn, de maken sick tau schön.« – »Ei wat!« segg ick, »ick bün in'n Stan'n un strik de ganze Pastet äwer.« – »Wo so?« seggt hei. »Morgen is de Hochtid, verspraken hest du't, krigst du bet morgen en nigen farig?« – Dat was wohr, un as ick noch so in min gallig Bedenken stah, kümmt Fru Bütow'n rin un set't en Emmer an de Dör dal un seggt, so'n groten Pott hadd sei nich hatt, un't Emmer müßt sei ok ball wedder hewwen, un hir! – un gaww mi en Zeddel – de wir von den Kapteihn. »Haha!« segg ick, »Franzos', nu rögt sick wat. Äwer is dat en Kummang, Fru Bütow'n tau'n Kartelldräger tau maken? – Da!« segg ick, »dat's din Sak«, un gew den Zeddel an den Franzosen. – De nimmt den Zeddel un les't un fangt ludhals' an tau lachen: »Na«, segg ick falsch, »lächerlich is de Sak nu grad ok nich. – Les'!« – Un hei fangt nu an: »Lieber Charles! Acht Quart täglich, das Quart einen Silbergroschen, macht auf einen Monat grade acht Taler. – Da wir nun anständigerweise beim Herrn Major vorausbezahlen müssen, so bitte ich mir das Geld noch heute aus. – Dein usw. – Nachschrift: Ich denke, wir fangen mit acht an, wir können ja später bis auf zehn oder zwölf steigen.« »Himmlischer Vater!« raup ick, »wat's dit?« un lop an dat Emmer ran un kik rinne – luter Melk! binah bet baben vull Melk! – »Na«, segg ick, »dor slag sick doch Höppner'n sin Deuwel mang! – Un dat sall ick all betahlen?« – »Ja«, lacht de Franzos', »un sallst't ok all utdrinken! – Un nah mine Meinung wir't woll am besten, du makst di glik dorbi, denn süs wardst du hüt mit din Sak nich prat.« – »De Kapteihn is nich klauk«, segg ick, »un du ok nich.« – »Ja«, seggt hei, »äwer seggt hest du't. – Hei frog di noch utdrücklich, ob dat bi din letztes Wurd blew, un du sädst: Ja.« – »Ja, ick meinte mit den Kopernikus.« – »Un hei meinte mit de Melk. Un dat beste is, du fangst dorbi an.« Ne, wo's't mäglich? Dor satt ick nu, ick süll en ganzen Monat lang acht Quart Melk däglich utdrinken un acht Daler vörut betahlen, un dat all, wil de ßackermentsche Kapteihn sick in den Majur Martini'n sine Dochter verleiwt hadd! – Ne! leiwer noch up drei Schritt Pistolen in 'ne düstere Käk! Ick halte minen gottserbärmlichen Geldbüdel ut den Kuffert herut un äwerschot min Vermägen. – Je ja, je ja! allens in allen – dat lütt Schurr-Murr ingerekent – knapp drei Daler. – »Franzos'«, segg ick, »hest du Geld?« – »Ja«, seggt hei, »äwer bruk ick sülwst.« – Hm – brukt hei also sülwst. Dat was afbluckt. – »Franzos'«, segg ick, »Melkdrinken sall ungeheuer gesund sin.« – »Dor strid ick gor nich gegen«, seggt hei. »Will'n wi nich mit de Melk halw Part hollen?« – frag ick. – »Ne!« seggt hei un grint mi an, »sörre de Tid, dat ick nich mihr von dine verdammten Gerichten et, bün ick mit mine Gesundheit sihr taufreden.« – Hm! – Is mit sine Gesundheit sihr taufreden. – Dat was also ok afbluckt. – »Süh!« seggt hei un lacht so spöttischen, »mit di is dat wat anners, du hest in de letzte Tid so vele nüchterne Kalwer vertehrt, de ehr Recht mit de Melk nich kregen hewwen, wenn du nu de Melk ehr nahgüttst, denn kümmt allens wedder in de Reih.« – »Sall'ck mi an di hir noch vel argern?« raup ick. »Ut einen Lock möt de Voß herut«, un lop nah den Kapteihn dal. De sitt nu vör 'ne grote Schöttel mit Melk un ett so nührig, un as ick rin kamm, röpt hei mi so recht heldenmäudig tau: »Charles, ich bin schon dabei!« – »Dat seih ick«, segg ick un sett em nu utenanner, dat mi dat tau vel Melk un tau vel Geld wir; äwer dor kamm ick schön an: hei hadd dacht, säd hei, dat hei mit en Mann von Wurd tau dauhn hadd. – Nu kunn ick em dat gor nich utenanner setten, dat dat Ganze en Mißverständnis wir, denn de Kopernikus satt dorbi un grinte uns an. – Je, du Krät! Du süllst man de Melkkur bruken, dat »die Milch der frommen Denkart« dat »gärende Drachengift« in di verwandeln ded. – »Na«, segg ick denn endlich, »denn helpt dat nich, äwer de Majur möt pumpen!« Un dormit gah ick ut de Dör. – »Das tut er nicht«, röppt de Kapteihn mi nah. – »Denn behölt hei sin Melk!« raup ick noch mal in de Dör rinne un gah verdreitlich nah baben un quäl mi en schönen Posten Melk rin in dat Liw – äwer, äwer! wat ick ok haspeln ded, dat En'n wull nich ran. Den annern Morgen fung ick all tidig an, in dat Melkgeschäft tau gahn; äwer't was 'ne pure Unmäglichkeit. De Resten würden ümmer gröter, un wenn ick dachte nu wardst du ehr Herr, denn kamm Fru Bütow'n wedder mit frischen Nahschub. All min Schötteln un Pött un Tellers stun'n vull Melk. – Unnen was't grad so, un as ick dörch den Kapteihn sin Kasematt gung, dunn stunn Fru Bütow'n ganz kurlos dor un säd: Sei wüßt't ok nich, wo't warden süll, denn hir wir't noch düller as baben. – De Franzos' un de Kopernikus, de uns nu hadden schön helpen kunnt, leten sick up nicks in un hägten sick äwer unsere Verlegenheit, un de Kopernikus hadd jo tau den Kapteihn mal seggt, wenn hei nu noch en groten Pott vull Honnig köpen ded, denn wiren wi vullstännig in'n Gelobten Lan'n. De Kapteihn was mi falsch, wil dat ick nich betahlen ded, äwer dat Unglück bringt de Minschen tausam, un wi seten in datsülwige Unglück. Den drüdden Dag, as de Melkbescherung von Fru Bütow'n wedder los gung un hei mi sine Not klagte, säd ick: »Weitst wat, Kapteihn? Ümmer praktisch! säd de Düwel. Wi will'n bottern un Kes' maken.« – »Wo so?« fröggt hei. – »Dat will'ck di seggen«, segg ick, »ut den Rom mak wi Botter un ut dat anner Kes'. En Botterfatt hewwen wi nich; äwer wi bottern in 'ne Buddel. Wi schüddeln so lang', bet dat Botter ward, un't Kes'maken is noch lichter, taum wenigsten makt dat weniger Arbeit.« Un ick sett em dat allens nah Kunst un Wissenschaft gelihrt utenanner, wo un worüm dat so un so makt ward, as ick dat ut de ratschonelle Landwirtschaft von oll Thaeren-Vatting un von min Tanten Schäning lihrt hadd, un segg denn tauletzt: »Blot de Kes'büdels! Wo nemen wi twei Kes'büdels her?« un gah an minen Kuffert un seih minen Linnenschatz nah. – Je 't was doch all man schad, un denn müßt't irst neiht' warden. – »Holt!« seggt de Kapteihn, geiht dal un kümmt mit 'ne engelsch ledderne witte Hos' ruppe. – »Süh hir! Sei is ganz heil un rein, äwer ick kann sei nich mihr dragen, wil dat sei mi unnen tau kort un baben tau eng worden is.« – »Prächtig!« segg ick, »un nu bruken wi nich tau neihen un nicks, wi sniden de beiden Beinlings knas af, binnen sei unnen tau, un baben füllen wi in.« KAPITTEL 23 Wi bottern un maken Kes' un drinken Kardinal, un en jeder sitt up Sinen. Wat dat 'ne Tranendrupp oder 'ne Waddickdrupp was, de den Kopernikus längs de Näs' dallep. Worüm de Kes' utschot un Fru Bütow'n de Hän'n äwer den Kopp tausamslog un ehre lütten Gören däglich mit sösteihn Quart säut Melk börnte. Na, dat geschüht denn ok; ick röm all uns' Melk ordentlich af, füll den Rom in en por Tweipottsbuddeln un de upgekakte Klütermelk in de beiden Beinlings, häng' des' sauber an de Wand un stell unner jeden 'ne Waschschöttel för den Waddick. – »So«, segg ick, »nu geiht't Bottern los!« un gew em sine Buddel, un ick nem min, un nu gahn wi denn up un dal, un jeder hett sin Buddel in de Hän'n un lett sin Pöppedeiken danzen, dat dat man so'ne Lust is; de Kes'büdels äwer lepen von sülwen. – »Wat dauhn wi man äwer mit de Botter?« fröggt hei, »denn in vir Wochen dörwen wi jo kein eten.« – »Heww ick allens bedacht«, segg ick. »De Botter verköpen wi; wenn de Erzbischoff sei en Schilling billiger kriggt, köfft hei sei uns mit Kußhand af, un de Kes' – na, de hett lang Tid, de möt so wi so irst dörchliggen.« So reden wi denn un bottern un bottern un reden, dunn kloppt wat an min Dör: »Herein!« un wer kümmt rinne? Min lütt Idachechen mit en groten Korf: »Empfehlung von Mutter, und sie hätte Sie gerne auf der Hochzeit gesehen, da das aber nicht möglich gewesen, so nähme sie sich die Erlaubnis und schickte Ihnen dies; und das Transparent wäre auch gar zu hübsch gewesen.« – Ick stell also min Botterbuddel bi Sid un pack den Korf ut – Kauken un luter Kauken un vir Buddeln, dor was wat anners in as in uns'. – Ick let mi ok velmal bedanken säd ick; un as lütt Iding wedder rut is, hett de Kapteihn ok sine Botteri instellt, un wi kiken de Bescherung an. – »So«, segg ick, »dit fehlt noch, un wi sünd nu grad bi't Bottern! un dat darw keinen Stillstand hewwen«, un grip wedder nah min Buddel. – »Ja«, seggt de Kapteihn un grippt ok nah sin Buddel, »un midden in uns' Kur! Charles, du wirst doch nicht so unvernünftig sein und sie unterbrechen?« – »Bewohre«, segg ick, un wi bottern wider, ümmer up un dal. Wenn wi äwer an den Disch kemen, wo uns' Herrlichkeiten stun'n, denn botterten wi dor länger, un tauletzt segg ick: »Kapteihn, weitst wat? In de irsten Dagen von de Kur känen wi Semmeln eten, in de irsten Dagen sünd wi noch, un dit hir is Beskwit, un de Ort ward männigmal för de Kranken up den Dodenbedd noch expreß verschrewen; de kann uns nich schaden.« – »Dat glöw ick nu grad ok nich«, seggt hei. Un wi setten uns' Buddeln hen un eten de Beskwit. Un as wi dormit prat sünd, rük ick an en anner Stück Kauken un segg: »Dit rückt sick so an as 'ne Mandelturt, un mi dücht, dat stimmt mit uns' Melk gaud äwerein, denn ut de Mandeln ward jo ok Melk makt.« – »Dat hett sinen Grund«, seggt hei, un wi eten ok de Mandelturt. – »Wat woll in de Buddeln is?« segg ick. – »Ja«, seggt hei, »wat sei woll tausambru't hewwen?« – Un ick mak den Proppen up un schenk em en Drüpping in un segg: »Preuw mal!« – »Kardinal«, seggt hei. »Schönen Kardinal.« – »Dat weit der Deuwel!« segg ick, »un wi sünd grad in de olle dämliche Kur, un wenn so'n Kardinal vir Wochen steiht, denn ward hei sur.« – »Dat's gewiß«, seggt hei. – »Kapteihn«, segg ick, »hest du all 'ne Prauw von Botter in din Buddel?« – »Ne«, seggt hei. – »Ick ok nich«, segg ick«, »äwer't is 'ne olle Sak, wenn dat nich bottern will, denn bottert dat nich«, un somit gah ick an de Kes'büdels ranne un segg: »De sünd all schön utleckt, un nu möten sei unner 'ne dägte Preß.« – »Denn möt wi woll Stein halen«, seggt hei. – »Ih ne«, segg ick, »dat kän wi uns sülwst verdeinen«, un ick legg den einen Beinling up den Franzosen sinen Breddschemel un den annern up minen un up jeden einen ollen Kistendeckel, de ick noch hadd, un segg: »So, du sett di up dinen, un ick sett mi up minen.« Un dat deden wi un seten uns gegenäwer un botterten un makten Kes' un tüschen uns stunnen de vir Buddeln Kardinal. – »Je«, segg ick, »ick möt em doch ok mal preuwen, blot preuwen.« – Un ick ded dat. – »Hür mal«, segg ick, »dat Tüg is gaud, dat hett Aurelia richtig drapen.« – »Aurelia?« fröggt hei. – »Ja«, segg ick, »Aurelia! – Mutter hett den nich tausamstellt, süs wir hei säuter. – Je öller de Frugenslüd warden, je säutmüliger warden sei.« – »Also, du meinst würklich, Aurelia hett em bru't«, seggt hei, »dor möt ick em doch eins up anseihn«, un hei schenkt sick enen Druppen in un mi ok, un wi preuwen em wedder, äwer ditmal utdrücklicher, indem dat wi Aurelia'n ehr Kunst un Kardinal-Dugenden doch recht taxieren wullen. – As wi nu dormit up den Grund wiren un up en richtigen, segg ick: »Kapteihn, sei is doch en lüttes, prächtiges Mäten, un ick denk, wi laten sei mal lewen.« – »Dat is sei«, segg hei, »un dormit du sühst, dat ick keinen Grull gegen ehr heww...«, un somit drinkt hei dat Glas heil un deil ut. – Na, ick stah em denn nu in sine Ansichten tru tau Sid; äwer't durt nich lang', dunn würd em dat Gewissen slahn – nich eben wegen den Kardinal un de Melkkur, ne! wegen sine nige Auguste, un hei seggt: »Charles, weil wir doch einmal dabei sind – es ist noch ein anderes liebenswürdiges Geschöpf hier auf der Festung –, du weißt, wen ich meine«, un dormit schenkt hei wedder in. – »Holt!« segg ick, »de ehr Gesundheit möt wi ut de Rombuddel drinken, för jeden Vagel hüren sick sin eigen Feddern.« – »Charles«, röp hei, »willst du mich kränken?« Na, dat wull ick nu nich, un wi nemen de Gläser tau Hand un stödden an, un hei läd sick sine Hand up't Hart un drunk in deipe Andacht an de Majursdochter sin Glas ut, un unner em siperte dat ganz sacht un still ut den Kes'büdel rute un föll in lisen Druppen up den Bredbähn: 't was en rechten feierlichen Ogenblick, un wi seten still dor. – Still schenkt ick ok wedder in, un as ick dunn recht weihmäudig seggen will: »Nu kik doch mal einer, de oll Buddel is all leddig«, dunn ward dat unner uns lewig, denn de Franzos' un de Kopernikus kemen ut de Fristun'n un würden gewohr, dat de unschüllige Waddick dörch den Bähn drewen is un unnen ok in lisen Druppen in de Stuw' rin drüppt. – »Willn wi ehr nich wat afgewen?« fröggt de Kapteihn in sine andächtige Besinnung. – »Wotau dat?« segg ick. »Hewwen sei uns nich bi de Melk hulpen, bruken sei uns ok nich bi den Kardinal tau helpen«, un blot üm tau wisen, dat ick mi an ehr räken will, mak ick de tweite Buddel up un schenk in. Nu kümmt denn de Franzos' mit en groten Hallo ruppe un fröggt, wat wi taum Kukuk hir maken deden. – »Kes'«, segg ick sihr kolt. – »Kes'?« fröggt hei verstutzt; äwer as hei neger kümmt un den Kauken un de Buddeln süht, dunn ward hei so hellögig utseihn. »Wat Deuwel!« seggt hei un ritt de Ogen wid up. – Ja, denk ick, blänker du man mit dine ollen groten Külpogen! för di is hir nich updeckt. – »Meines Lebens!« fröggt hei un höllt de ein Buddel gegen den Dag, »wat's dit?« – »Kardinal«, segg ick. – »Wo Dusend! kümmt de hir her?« – Dunn richt ick mi äwer in En'n un denk, sallst em doch glik so kamen, dat hei't versteiht, un segg: »Wer etwas kann, den hält man wert; Den Ungeschickten niemand begehrt.« Äwer hei verstunn 't nich, un as hei mi un den Kapteihn so unsäker ansach, säd de Kapteihn: »'t is wegen den Transparenten; Charles'n sine Kunst hett uns dit indragen.« – »Charles, olle Jung', heww ick di nich ümmer dorbi hulpen?« – Dat was wohr, dat mit de Trumpeten un de Troddeln hadd hei angewen. – »Na«, säd ick, »denn hal di ok en Glas«, un wi stödden up de Kunst an. Un as ick nu en Glas drunken hadd, dunn würd mi so rührsam tau Maud', un ick stah sachten up von minen fuchten Sitz un segg: »Kumm her, Franzos', du kannst ok wat dauhn; äwer sett di nich mit en Ruck dal!« Un somit gah ick unvermarkt ut de Dör, dal nah den Kopernikus, un red em fründschaftlich an un gew em de Hand un segg: »Kumm, Kopernikus, wi willen uns wedder verdragen, un kumm mit baben ruppe, denn wi maken dor Kes' un drinken von Aurelia'n ehren Kardinal dortau.« Un't oll lütt kratzböstige Ding würd so wabbelig, dat em de Tranen an de krumme Näs' dal lepen, un folgte mi as en Lamm. – Nahsten hett hei frilich seggt, dat wiren kein Tranen west, dat wir en Waddickdruppen west, de em up de Näs' follen wir – äwer ick kenn em beter, hei hadd ok sine weihmäudige Turen. Un as ick nu mit den lütten Gesellen ruppe kamm, dunn gung en Hurah! los, denn de beiden Kes'utsitters hadden ehre Tid in Kardinal begrepen un hadden sei sörredeß sihr nützlich anwendt, de Kapteihn in'n ruhigen Furtschritt up den Vörweg un de Franzos' in Hastigkeit, dat hei nahkem. Wegen den Kopernikus müßte nu Aurelia noch mal lewen, un nahsten ok Mutter, un't würd 'ne grote Frölichkeit, äwer keine Utgelatenheit. Un wovon kamm dat? – Wil dat wi dat nützliche Geschäft mit de Lustborkeit tau verbinnen wüßten, denn't wohrte nich lang', dunn botterten wi beiden, ditmal de Kopernikus un ick, wedder in de Kasematt up un dal, dat dat 'ne wohre Lust was, un de annern beiden seten wiß un stiw up de Büxenbeinlings. Äwer de Kapteihn was tau sihr up den Vörweg un tau sihr ut de Richt, un as wi de drüdde Buddel binah ut hadden, dunn slog hei sick vör de Bost un säd: »Kopernikus, von mir hast du sie, ich habe sie dir abgetreten.« – Un de Kopernikus säd, wat dat för'n dämlichen Snack wir, un mi würd himmelangst, dat den Kapteihn sine Großmut wedder losbrök, denn wat dunnmals bi den Koffe so so aflopen was, kunn bi'n Kardinal slimm warden, un ick redte taum Gauden, un min oll Kapteihn let allens äwer sick ergahn. »Denn«, säd hei, »ich habe einen Trost gefunden, einen Ersatz – und was für einen Ersatz! – einen reichen Ersatz!« Un nu vertellte hei denn ok de annern in aller Heimlichkeit von sine Auguste, un wo't so kamen was, un wenn hei hacken blew, denn hülp ick mit in. – Un mit einem Mal, as ick grad de virte Buddel upmaken ded, kreg hei den Kopernikus, de unverwohrs an em vörbi bottern ded, an den Slaprock tau faten un treckt em up sinen Schot un küßt em un säd: »Kopernikus, wir bleiben ewig Freunde.« – »Ja«, säd de Kopernikus un botterte ruhig wider. – Un de Franzos' un ick segen uns dit Bild von de ewige Fründschaft an, ick käuhl bet an dat Hart, un hei käuhl bet an de Knei, von wegen dat Sprütten von de Waddick. Un ut Dankborkeit wull nu de Kopernikus den Kapteihn sinen nigen Schatz lewen laten. »Auguste Martini!« röp hei un stunn mit en Ruck von den Kapteihn sinen Schot in de Höcht un – »Puff!« säd dat unner den Kapteihn, un de Kapteihn sackte en vir Toll sider dal; so'ne Fründschaft un so en Vivat kunn de Beinling nich uthollen, hei was platzt, un de Kes' was utschaten. Herr Gott von Bentheim! Dor lagg nu de schöne witte Kes' up de sandigen Delen, un wat nich dor lagg, dat hackte fläg'wis an den nigen hellgräunen Bodden, den sick de Kapteihn in sinen Slaprock set't hadd, un de Gegend dorümmer let so as en schönes gräunes Roggenfeld in'n Frühjohr, wenn noch Sneischanzen doräwer liggen. – »So« segg ick, »dat kümmt dorvon!« – »Ja«, seggt de Kapteihn, »dat kümmt dorvon.« – Un de Kopernikus seggt: »Oh!«, un de Franzos' will upstahn, üm sick ok den Schaden tau beseihn, ick holl em äwer wis un segg: »Franzos', ick bidd di üm Gotts willen, bliw ruhig sitten, du richtst süs am En'n noch en niges Elend an.« – Äwer hei lett dat nich, un as hei den Schaden süht, verfällt hei in en ganz unverstänniges Lachen und kriggt sin Glas tau faten un röppt: »Charles'n sine Melkwirtschaft sall lewen!«; un as hei den Kapteihn sine Achtersid tau seihn kriggt, breckt hei wedder los mit Lachen un smitt sick up de unverstännigste Wis' up sinen Sitz taurügg: »Paff!« seggt ok sin Beinling, un dor liggt de Pastet. »Süh so«, segg ick, »mit dat Geschäft wiren wi nu farig, nu fehlt blot noch, dat en por von jug up den Infall kamen un stöten mit de Rombuddeln up Auguste ehr Gesundheit tausamen. – Willst du nich, Franzos'? – Willst du nich, Kopernikus?«, un ick schuw jeden en Ding hen. – Sei wullen nich; äwer de Kapteihn, de wull. – »Auguste?« frog hei. »Für Auguste ist nichts zu gut!« un – bautz – sleiht hei mit de ein Rombuddel an de anner, dat all uns' Botter un all uns' Inkünften von den Botterverkop äwer Disch un Stäul lopen. – »Oh, hir is noch 'ne Buddel Kardinal«, segg ick, »Willst du de nich leiwer ok intwei slagen?« – Un hei hadd't dahn, hei hadd't wahrhaftig dahn, wenn de Kopernikus nich so vel mitleidige Besinnung hatt hadd, tau seggen, dat wir doch man schad, un em in den Arm tau fallen. – Ick stunn dor un kek as en bedräuwten Lohgarwer mine fläutengahne irste ökonomsche Unnernemung an, de Franzos' un de Kopernikus beschäftigten sick angelegentlich mit de letzte Buddel un mit vele slichten Witzen äwer de Melkwirtschaft, wodörch sei mi mägliche Wis' upvermüntern wullen, un de Kapteihn gung nah sine letzte Heldendaht un nah dat grote Botteropfer, wat hei sine Auguste bröcht hadd, mit 'ne Ort militörischen Hahnentritt up un dal un höll 'ne lopende Standred' an sine Büxenbeinlings, dat sei em Johre lang tru deint hadden, dat sei ümmer hollen hadden un dat sei ok ehren letzten Deinst woll verseihn hewwen würden, wenn menschliche Unverstand nich de Unmäglichkeit von ehr verlangt hadd. As dat letzte Glas in'n Stahn utdrunken was, denn taum Sitten was't nahrends mihr, kamm Fru Bütow'n rinne un slog de Hän'n äwer'n Kopp tausam: »Herre Je! un unnen is't ebenso, de ganze Stuw', de driwwt. – Na, Rendlichkeit is't halwe Lewen«, säd sei un fegte den Disch mit en Bessen af. Dat was dat En'n von minen Transparenten un von den Kapteihn sine witten militärischen Sommer-Beinen; oder beter seggt – dat was noch nich dat En'n, denn up de Nacht würd ick so krank, so krank, dat dat sülwsten den Franzosen jammern würd un hei de ganze Nacht mit uns' einzigste Medizin, mit en Pott vull Kamellentee, vör min Bedd stunn. Un as Fru Bütow'n den annern Morgen rin kamm un minen erbärmlichen Verfat sach, slog sei wedder de Hän'n äwer'n Kopp tausam un röp: »Herre Je! un unnen is't ebenso; de Herr Kapteihn weit ok sinen Liw' keinen Rat.« Also de ok! na, denn wüßt ick jo nu Bescheid, un as de annern in de Fristun'n gahn sünd, kräpel ick mi nah den Kapteihn dal, un dor sitten wi denn beid' un kiken uns enanner an, as Waddick un Weihdag', un ick segg: »Dat kümmt dorvon.« – Un hei seggt: »Ja, dat kümmt dorvon; von den Kardinal.« – »Ne«, segg ick, »von de Melk.« – Un wi striden uns doräwer, äwer man swack, un tauletzt segg ick: »Kapteihn, lat dat! Sovel is gewiß: Kardinal un Melk verdragen sick man slicht in den menschlichen Liw', un in de irsten drei Dag' känen wi dat ein un dat anner nich geneiten. Süh, hir achter din Bedd stahn all wedder acht Quart, min heww ick Fru Bütow'n hüt morgen all gewen, denn up 'ne Holländeri lat ick mi nich mihr in. Wo wir dat, Kapteihn, wenn du di, nahdem dat du di en beten verhalt hest, sauber antrecken dedst un nah den Herrn Majur güngst un den Melkhandel upkünnigen dedst?« Dat künn hei nich, säd hei, wat de Majur un sine Dochter von em denken süllen? – »Kapteihn«, segg ick, »du büst en ollen Has', du versteihst dinen groten Vurtel nich wohr tau nemen. – Süh, de General ward di dat girn verlöwen, du kümmst mit den dicken Majur in en sihr angenehmen perßöhnlichen Verkihr, un wenn du 'ne genaue un utführliche Beschriwung von unsen ogenblicklichen Gesundheitsstand makst, denn müßt dat jo mit den Deuwel taugahn, dat sick in Auguste'n nich en Mitgefäuhl regen süll. – Mitleid im Frauenherzen«, segg ick, »Kapteihn, ist halbe Liebe.« Richtig! – Nah drei Dag' gung de Kapteihn tau den Herrn Majur, un in dese Tid börnte Fru Bütow'n ehr fiw lütten Gören dagdäglich mit sösteihn Quart säute Melk. KAPITTEL 24 Ick krig en nigen Posten in den Kopernikus sine Leiwsangelegenheiten. Worüm de Bäcker krank warden möt, un worüm en richtigen Brüdjam ümmer up ein Sid sine Brud un up de anner en gerökerten Schinken hewwen süll. Wat de General säd, un wat Vader un Mutter säden, un worüm de Kapteihn nich wull, as sei all wollen. Wo dat halw Anker tauletzt en En'n kreg. De Kapteihn was rinne bi den Herrn Majuren gahn, un ick stah up de Lur, mit wat för en Gesicht hei woll wedder herute kümmt. – Wer kümmt antaugahn? – Aurelia. – Ick swenk mi also en beten an ehr ranne, denn ick heww ok Bildung, un ward mi bi ehr för Kauken un Kardinal bedanken, un wil dat sei dat jo woll nich sihr ilig hadd, so snackten wi an den Speckröker sine Eck en ganzen lütten nüdlichen Strämel taurecht. Na, ick ahn mi nicks Slimms, äwer as sei weggahn is, kümmt de Kopernikus up mi tau un seggt, hei höll dat för sihr ungebildt, dat ick 'ne Dam' up de Strat anreden ded. – Je, sei hadd eigentlich mi anredt, säd ick. – Dat wir lik gaud, säd hei, denn hadd ick mi nich dormit inlaten müßt. – Un de Kapteihn kümmt doräwer tau un süht ut as Brus'bort in't Kortenspill und seggt, ick hadd em einen heimtückschen Rat gewen, un dor wir hei schön ankamen, denn de oll Majur wir em eklich spitz kamen, un von Auguste'n hadd hei blot noch en Zippel von de Nachtjack seihn, as sei ut de Dör flitscht was, un wider nicks. – Un wil dat sei nu all beid' ehre Leiwsten de Kur nich maken kunnt hewwen, maken sei mi de Kur, bet ick denn tauletzt falsch würd un ehr frog, ob sei mi denn nu vullstännig för ehre Wederstang' anseihn deden, wenn an ehren Leiwshewen en Swark uptrecken ded? Nu gnurrte un gnägelte dat üm mi rümme, denn mit all de vele Leiw' was ok all de Dunner un dat Ungemack bi uns losbännig worden, wat äwerall dormit vermakt is; un wenn dat schöne Frühjohr nich kamen wir, denn wir ick jo woll dor ganz musikalisch mang worden, as oll Jakobsch in Stemhagen säd, as ehr Mann wegen de Schapfellen inspunnt was. Äwer dat Frühjohr frischt den Minschen wedder an, un so lang ick jichtens kunn, dammelte ick wedder unner de gräunen Lin'n hen un her. Un as ick einmal wedder an de lütten Tüschengatz von Smidt Grunwaldten sinen un den Bäcker sinen Hus' vörbi gahn will, wat seih ick dor? – Minen gauden Kopernikus un Aurelia, un hewwen't ok gor tau hild un reden un drucken sick de Hän'n un – der Kukuk hal! – dat Ding, de Kopernikus, wuppt up de Tehnen in de Höcht un giwwt ehr – swapp! – en Kuß grad in't Gesicht. – Na, denk ick, dit's en schönen Besäuk! Mi will hei dat Reden up de Strat verbeiden, un hei fangt hir an tau küssen! Du kumm mi man! Un hei kümmt ok mitdewil. – »Kopernikus«, segg ick, »ick holl dat för sihr ungebildt, wenn einer mit 'ne Dam' up de Strat reden deiht.« – Hei kickt mi wat unsäker an un fröggt endlich: »Wo so?« – »Äwer noch ungebildter is dat, wenn einer 'ne Dam' up de Strat küssen deiht.« – »Charles«, fangt hei an so halwlud tau flustern, äwer hellschen indringlich, »ich bitte dich! Sag nichts davon, wir haben uns eben verlobt.« – »Dit is lustig«, segg ick ebenso verdutzt as de Klocksiner Smidt, as Herr von Frisch tau em säd, hei wir en Esel. – »Ja«, seggt hei, »und alles ist in Richtigkeit, denn Mutter weiß es.« – »Dit ward ümmer lustiger!« segg ick as de Klocksiner Smidt, as em Herr von Frisch en por Mulschellen gaww un em nahsten ut de Dör rute smet. – »Charles«, seggt hei, »ich mache dich zum Vertrauten unserer Liebe, du kannst uns helfen.« – All wedder en nigen Posten bi dit Geschäft! denk ick und segg: »Denn sall ick bi jug woll as Vader spelen?« – Ne, säd hei; de kem so wi so in de negsten Dagen ran an den Baß; morgen äwer wir Sünndag, un de Reih taum Kirchengahn nah de Stadt wir an den Kapteihn un den Erzbischoff un mi, un ob ick dat nich so maken künn, dat de Kapteihn mit em tuschen ded un de Erzbischoff taurügg blew, denn wull hei de Gelegenheit nutzen un mit Aurelia'n up den Kirchweg dat Notwennige bereden; ick müßt denn äwer den Unteroffzierer em von den Liw' hollen. Also »Vertrauter unserer Liebe!« säd ick tau mi sülwst, as ick in de Kasematt taurügg kamm, »dat büst du meindag' noch nich west!« Un ick äwerlegg mi de Sak un segg tauletzt: »Ahn grugliche Lägen geiht de Geschicht nich af.« Äwer ick fang ok furtsen dormit an. – Ick gah runne tau den Kopernikus un den Kapteihn un segg: »Kopernikus, du sädst doch nilich von en Schinken; ick weit einen, in de Stadt is en schönen Schinken tau verköpen.« – »Ja«, seggt dat lütte pfifige Krät, »äwer ick möt em sülwst seihn.« – »Na«, segg ick, »denn kümmst du morgen mit rin in de Stadt, de Kapteihn ward di sine Städ' woll äwerlaten.« – Un de olle gaude Kapteihn ahnte nicks Böses, dachte ok mägliche Wis' an den Schinken un was mit den Tusch taufreden. Äwer nu de Erzbischoff! Ick kloppte den ganzen Nahmiddag up den Busch: äwer ne! hei wull irst den Paster Salm-Salm hüren un sick nahsten en por Pund gräun Sep köpen, denn hei wir in de Wasch, säd hei. – Ick redte mägliches Tüg; hülp mi all nich, sine geistliche un ökonomische Natur brok ümmer wedder dörch. – Tauletzt kamm ick up den Infall un segg, as wi grad bi dat Bäckerhus vörbi gahn: »De ward ok nich wedder.« – »Wer?« fröggt hei. – »De Bäcker«, segg ick, »hei hett dat jo woll mit en Swindel kregen. Hüt morgen stunn de Fru jo ganz kurlos in de Dör.« – »Wat?« fröggt hei, »wat? de arme Fru!« – »Ja«, segg ick, »un sei hett keinen Minschen üm sick, de ehr en beten an de Hand gahn deiht, un hei is ok sihr kumplett un korthalsig.« Nu wiren de Fristun'n tau En'n, un as Fru Bütow'n den Abend kümmt, segg ick: »Fru Bütow'n, dat Leigen ward en enzeln Minschen gor tau sur, Sei möten mi en beten helpen; ick heww Sei jo ok dunn all de Melk gewen. Wenn morgen de Erzbischoff nah den Bäcker fröggt, denn seggen Sei man: mit em wir't slimmer worden; wider nicks.« – Na, Fru Bütow'n versprok dat ok un ded dat ok, un as wi den annern Morgen prat wiren, mit den Unteroffzierer in de Kirch tau gahn, stunn de Erzbischoff bi dat Bäckerhus un kek äwer den Tun un wull nich mit, wil dat hei de Bäckerfru trösten wull. So also gahn wi beiden den Kirchweg allein dal, un ick segg: »Kopernikus, den Schinken möst du äwer köpen, denn ick weit würklich einen, un wenn du ahn Schinken kümmst, warden sei de Lägen marken.« In de Kirch satt uns Aurelia schreg gegenäwer, un wenn ick den Herrn Unteroffzierer utbenem, was ick den Dag woll de framste von uns drei, denn knappemang was de Predigt ut, dunn gung dat ok all mang de beiden stramm wedder mit Telegraphen los. Wi gungen ut de Kirch, de Kopernikus köffte den Schinken, un as wi de Schasseh nah de Festung ruppe gahn, dunn wankt Aurelia dor vör uns up, äwer mit knappe Schritten un't Gesicht meistens up den Rüggen. »Nu holl uns den Unteroffzierer von'n Hals'«, seggt de Kopernikus, un sine korten Beinen fungen an, stüerlos tau warden, un ick würd mit einmal so amböstig, dat ick still stahn un mi verpusten müßt. – Utenanner wiren wi nu; äwer de Unteroffzierer drew, dat wi wedder tausamen kamen süllen, un dat süll ick jo nu doch hinnern. – Ick fung also an, de Gegend tau betrachten, ick plückte Blaumen an de Grawenburd, un as hei ümmer vörwarts driwen ded, sprung ick ratsch äwern Schassehgrawen un frog em von jensid: »Wenn'ck Sei nu weglopen ded?« – Oh, dat würd ick jo doch woll nich dauhn, meinte hei. – Je, kumpawel wir ick dortau, säd ick; un as ick wiß wir, dat ick em 'ne Flöh in't Uhr set't hadd, kamm ick wedder räwer un hadd nu dat Vergnäugen, dat he sick ümmer drang' an mi höll un dat de Kopernikus sin Leiwsangelegenheiten afmaken kunn. Kort, ick spelte 'ne Ort Schutzengel un hadd mine Freud an de beiden, wo slank un rank Aurelia dorhen gung, wo frisch un rod ehr de Backen lücht'ten von Hoffnung un von Frühjohrsmorgenwind un wo dat lütte Krät von Kopernikus mit de korten Beinen gegen ehr up haspelte, in den Harten de frische Leiw' un unner den Arm den gerökerten Schinken. So hett't Ort, segg ick tau mi, denn wat nützt uns de Leiw', wenn de Nohrung fehlt! Un sörre de Tid hett mi ümmer de Kopernikus un Aurelia un de Schinken vör Ogen stahn, wenn ick an 'ne gangbore Leiw' dacht heww. – Un dat sei äwer de Nützlichkeit de Annehmlichkeit nich vergeten heww'n, kann ick ok betügen, denn as wi mang de Festungswark kemen, wo de Weg sick swenkt, dunn wiren sei nich tau seihn, un as wi en beten wider gahn wiren, dunn kemen sei achter uns her, achter'n Kugelfang rute un hadden sick ok Blaumen plückt, säden sei; un ick will't glöwen. De Kopernikus hadd sick rode Feldnägelken plückt un sei gele Botterblaumen, denn ehre Lippen gläuhten rod, un hei was wedder gel. »Charles«, säd dat lütte Ding von Brüdjam tau mi, as Aurelia selig verswunnen was, »der Vater weiß es auch schon und hat seine Einwilligung gegeben.« – »Ja«, segg ick, »dat is all recht schön, äwer paß up! nu geiht't up mi wedder los«; denn ick sach den Erzbischoff unner de Linden rümmer pusten. – Knapp wiren wi gegen em kamen, dunn snow hei mi an: »Lauter Lügen! lauter ausgestunkene Lügen! Der Bäcker ist ganz gesund.« – »Dat freut mi«, segg ick, »freut mi üm de Fru ehrentwillen; also hett hei sick wedder verdort?« – »Er ist gar nicht krank gewesen.« – »Nich?« segg ick, »desto beter.« – »Äwer denk di mal!« seggt Don Juan, de dorbi stunn, »nu slickt sick de Erzbischoff ut Mitgefäuhl för de Fru in dat Hus rinne, un as hei in de Stuw' rin kümmt, sitt de Bäcker dor un hett en Spickaal un sur Fleisch un 'ne Kämbuddel vör sick stahn un frühstückt ganz as en Gesun'n, un as hei sick doräwer verfihrt un von Dod un Deuwel an tau reden fangt, kumpelmentiert em de Bäcker ut de Dör rute, denn Grunewaldten sine Emilie seggt, hei kann dat Wurd ›Dod‹ äwerall nich liden.« – Un dormit kriggt hei mi unner den Arm tau faten un geiht mit mi allein un seggt: »Du? Is dat nu all in de Reih?« – »Wat?« frag ick. – »Oh, ick mein man! Mit den Kopernikus un Aurelia'n. – Grunwaldten sine Emilie seggt, dat is all lang in'n vullen Gang'.« – So, nu wüßt de dat ok all, un ick kamm mi as »Vertrauter unserer Liebe« sihr äwerflüssig vör. Ick gah also nah den Kopernikus un segg: »Kopernikus, du weitst't, Mutter weit't, Vader weit't, un Aurelia weit't irst recht; ick weit't, Don Juan weit't un Grunwaldten sin Emilie weit't ok; nimm mi den Vertrugensposten af, denn mit den Erzbischoff bün ick nu ok all wedder äwer den Faut spannt. Süh, hüt is Sünndag, un hüt nahmiddag bi den Koffe, wo wi all tausamen sünd, wir de beste Gelegenheit, de annern mit dinen Brüdjamsstand bekannt tau maken.« Un dat geschach, un as de Kopernikus sin Glück vertellt hadd, was min oll Kapteihn de Herzlichste bi't Gratulieren, denn hei dachte jo woll an sine Auguste; un as allens ruhiger worden was, dunn smet sick de Frag up, wat nu gescheihn müßt, un't wohrt nich lang', dunn wiren wi all einig: de Kopernikus müßte den General sine Verlawung anzeigen un müßte den Andrag stellen, sine Brud besäuken tau dörwen. Dat gung dörch, un de Kopernikus let sick up den annern Dag bi den Herrn General melden, un de Antwurd kamm taurügg: de General wull em den annern Dag spreken, wenn hei von't Waterdur nah de Parad' güng. Den annern Morgen Klock elben, as dat Tid tau de Parad' was, gaww ick Kopernikussen dat Geleit up sinen suren Gang, hei müßt sick bi de lütte Lind' upstellen, un ick stellte mi achter 'ne dicke Pöppel, hei lurte up den General, un ick lurte up em, woans hei sick woll bi de Sak stellen würd, un af un an röp ick em so 'ne lütte Upmünterung tau, as: »Ümmer düchtig dor, Kopernikus!« un »Holl de Uhren stiw, Kopernikus!« un »Lat di nich verblüffen, is't elwte Gebot!« Endlich kamm de oll Herr grot un statsch mit Dreimaster un Fedderbusch langsam antaustigen, un uns' lütt Brüdjam trippelte em krätig entgegen. Dat sach ick nu glik, dat dat en swor Stück' för den Kopernikus warden würd, denn de oll Herr kek annerthalwen Faut up em dal un redte mit em bargdal, un de Kopernikus süll bargan reden. – »Was wünschen Sie?« frog de General ganz fründlich. – Mi kloppte dat Hart achter de olle Pöppel. – »Herr General«, säd dat Krät ganz vernimm, stellte sick up den linken Bein, höll den Kopp so'n beten scheiw, wohrschinlich, üm sinen wißnäs'ten Snabel in dat gehürige Licht tau stellen, »ich komme her, um Ihnen meine Verlobung anzuzeigen.« – »Was? Deuwel...« röp de oll Herr, un't was ordentlich, as wenn sick de Hor up sine witte Prük verfiren deden, denn de Fedderbusch schot noch annerthalben Toll höger up. – »Ja«, säd uns' Brüdjam ganz drist un makte dörch sine Apenherzigkeit sinen nigen Stand alle Ihr, »ich habe mich gestern mit der Tochter des Herrn Proviantmeisters Lucke verlobt.« – »Den Deuwel haben Sie!« röp de oll Herr. – Den hadd hei nich, säd de Kopernikus, kränsch as en Vullblaudpony, hei hadd blot 'ne Brud. – »Un dat sagen Sie mir? Un dat soll ich nach Berlin melden? – Himmel-Kreuz-Donnerwetter, was würden die in Berlin for Augen machen, wenn sie zu hören krigten, daß sich die Demagogen hier schon verloben?« – Äwer de Kopernikus let sick nich verblüffen, hei stellte sick blot tau de Afwesselung up den annern Bein, set'te de Arm in de Siden un säd: »Herr General, gegen die Verlobung selbst können Sie gar nichts einwenden, das ist meine Sache; ich komme auch bloß her, um Sie um die Erlaubnis zu bitten, meine Braut besuchen zu dürfen.« – »Und Sie meinen, ich bin so dumm und soll Ihnen die Erlaubnis geben? – Ne! – Wenn das die andern erst zu wissen krigen, daß sie dadurch in die Häuser hineinkommen können, sie verloben sich morgen im Tage allzusammen. – Ne, auf solche Geschichten wollen wir uns doch lieber nicht einlassen«, säd hei, un somit gung hei af un läd nich mal de Fingern an den Haut. »Charles...«, säd de Kopernikus tau mi, as ick achter de dicke Pöppel herute kamm –, »Charles...«, säd hei un was ganz intwei. – »Lat du dat man sin«, segg ick, »up den irsten Hau föllt de Bom nich«, un ick klarr an em mit allerlei Trost herümmer, un as wi tau de annern taurügg kamen, fangen de ok an; äwer wi wiren all sihr bedräuwt, denn de Kopernikus was uns' Brüdjam, un wat em passiert was, was uns passiert, denn Schr. sine Brudschaft was nich tau reken, de was vör uns' Tid taurecht kamen. Wi termaudbarst'ten uns den Kopp nah 'ne Utkunft; äwer allens, wat süs in so'ne Verhältnissen taudräglich un paßlich is, taum Bispill: 'ne Entführung, de Don Juan abslut in de Reih bringen wull, kunn nich billigt warden, denn de Kopernikus hadd sine Brud up de Festung ümmer in en Ring rümmer entführen müßt. 'ne heimlich Eh' slog de Erzbischoff vör. – Ja, sei wir in Gang tau bringen: de Kopernikus hadd wedder sine gelen Turen krigen müßt, un wildeß, dat Lewandowsky glöwte, hei speigelte sick in Grunwaldten sine Teertunn, hadd hei sick in den Durweg trugen laten müßt, äwer wo en Preister herkrigen? denn de Erzbischoff was katholsch, un keiner von uns hadd tau sinen geistlichen Stand rechten Fiduz. – De Sak was äwerall slimm; äwer tauletzt kemen wi äwerein, de Kopernikus hadd sin möglichstes dahn, nu müßte sei ok wat dauhn, dat heit Aurelia. Sei kreg also dese Orrer, un de Sak kreg 'ne Utsicht. Aurelia was nämlich 'ne uterwählte Fründin von den General sine annamene Dochter, un de oll Herr müggt sei girn liden un spaßte girn mit ehr, un as hei nu in de negsten Dagen nah dat Waterdur runner gung, un sei – ganz taufällig – äwer de Bostwehr von de Ramp räwerkek, drauhte hei ehr mit sine olle brave Fust un säd: »Warten Sie man, Sie haben mich einen Demagogen verführt.« – Ja säd sei, dat hadd sei woll; äwer Vurtel hadd sei nich dorvon, denn ehr Brüdjam dürwt ehr nich besäuken. – Dunn hadd de olle Herr sick an den witten Snurrbort dreiht un sick an de witte Prück schaben un hadd tauletzt halw gaudmäudig, halw verdreitlich seggt: »Na, schicken Sie mich heute mittag den Papa mal zu.« – Un Vader was ok hengahn, un de oll Herr hadd em fragt, wat hei dorför instünn, dat de Kopernikus nich weglöp? Un Vader hadd seggt: dat künn hei nich, wil dat hei nich in den Kopernikus sine Hut stek; hadd äwer sihr verstännig dortau set't: hei hadd äwer noch seindag' nich dorvon hürt, dat einer dessentwegen ihre weglopen wir, wil dat hei 'ne Brud hadd. – Dat hadd den ollen Herrn denn nu inlücht't, un den Nahmiddag müßte de Brüdjam tau em kamen. »Nu kümmt de Sak taum Swur«, säden wi, as wi all up en Drümpel bi de lütte Lind' stunnen un up den lütten Kopernikus täuwten. – Na, tauletzt kamm hei, un wo smet hei de lütten Bein! So utwarts gung hei as mäglich, un as hei gegen de Lind' kamm, dunn swenkte hei dreimal sinen witten Snuwdauk gegen Aurelia'n ehr Finster, un de weihte dreimal wedder, un Lewandowsky säd: dat seg hei nu, de Herr Kopernikus künn nu mit gepackten Tornüster, mit Ober- un Unnergewehr in sinen Brudstand rinner marschieren. Un as wi in unsre Kasematt taurügg kamen wiren, kregen de Franzos' un ick den Kopernikus tau faten un stellten em up den Disch, denn hei was uns' Stolz, wil hei't dörchfuchten hadd för uns alltausamen; un de Kopernikus höll ne Red', de fung an: in de Ort, as Aurelia dat schönste Frugenzimmer up de ganze Welt wir, wir ok de oll General de beste Kirl up de ganze Welt; un hei slot: in de Ort, as de General de beste Kirl up de Welt wir, wir Aurelia dat schönste Frugenzimmer up de ganze Welt. Un wi stimmten em dorin bi, ut Ihrlichkeit wegen den ollen General un ut Höflichkeit wegen Aurelia'n, un as wi glöwten, nu wir de Sak taum Sluß, dunn kamm äwerst dat dick En'n nah, denn de Kopernikus langte in den Bussen un treckte 'ne Schriwwt herute, de müßten wi, säd hei, tau sin vullstännig Glück all unnerschriwen. Un as hei sei vörlesen müßt, dunn säd de oll General dorin: wi äwrigen süllen uns all hir unnerschriwen, dat keiner von uns sick hir wider verlawen wull, denn an eine Verlawung hadd hei naug. Na, dat was nu mal en Stück! De Gesichter würden denn ok sihr lang utseihn; äwer wat hülp dat all? Ick äwerschot in Gedanken mi de Frugenstimmer, de up de Festung noch begäng' wiren, un as ick dor nich recht wat Paßliches funn, schrew ick mi unner: Charles douze. Nah mi kamm de Franzos', de säd, so lang hei sitten ded, dacht hei nich an't Frigen, un wenn hei fri kem, wir hei wedder preußsche Leutnant, un denn müßt hei, wenn hei sick verfrigen wull, 12 000 Daler upwisen, un de hadd hei nich, also: Franzos', königlich preußischer Lieutenant, augenblicklich a. D. Dunn kamm de Erzbischoff, de säd, vör en por Dagen hadd hei't nich dahn, nu äwer dat hei den Bäcker bi dat Frühstück seihn hadd, wull hei't dauhn, denn de Mann künn noch lang' lewen: F. W., Erzbischoff. Don Juan säd, hei wull kein Narr sin un sick fast binnen, hei wir noch jung, un em hürte noch de ganze Welt tau, so wat ded hei den Kopernikus girn tau Gefallen: Don Juan, Dichter. Nu kamm de Kapteihn an de Reih'; äwer de wull nich. – »Ih, Kapteihn«, segg ick, »du wardst doch woll vör allen de jungen Lüd' ehr Glück up de Bein helpen.« – Ne, hei wull nich, un as wi em drister tau Liw' gungen, säd hei, wi süllen rechtlich von em denken, hei hadd wiß un wahrhaftig naug dahn gegen den Kopernikus, hei hadd em 'ne vullstännige Brud aftreden, un wat em dat kost't hadd, dat wüßt hei ; äwer sine Taukunft künn hei em nich verschriwen, denn an sine Taukunft hüng dat Glück von en anneres Wesen, un för dat müßt hei upkamen, denn dat wir en swackes Frugenstimmer. Dor seten wi denn nu wedder mit en dicken Kopp! Ick argert mi nich slicht un kreg den Kapteihn allein und frog em: »Na, büst du mit dine Auguste denn nu ok all wedder in de Reih'?« – »Ne!« seggt hei, »vull so wid is't noch nich.« – »Na«, segg ick, »denn mötst du di spauden, denn dat, wat nu all en Virteljohr lang munkelt hett, hett sine Richtigkeit, de oll Majur is tau de Disposition stellt un treckt des' Woch' all af, un de nige Majur von den Platz is all hir.« – Dat wull un kunn hei nich glöwen; äwer as hei Lewandowsky'n fragt hadd, un as den annern Morgen de Drähnbartel von Erzbischoff den Drähnbartel von Platzmajur in sine Gegenwart fragen ded, woans de Sak stünn, un as de Platzmajur mit alle Umstän'n vertellen ded, dat de oll Majur noch des' Woch' aftrecken ded un Auguste all afreis't wir, dat sei de nige Wahnung up jensid von den Fluß anrichten süll, dunn sackte an den Kapteihn sinen Hewen ein Stirn nah den annern dal, un as hei nu in'n Stickendüstern satt, dunn verschrew hei sine Taukunft ok an den Kopernikussen sin Glück: »Aber«, säd hei tau mi, »Charles, ich habe mit meinem Herzblut unterschrieben.« Den annern Dag gung nu de Schriwwt an den General taurügg, un de Kummandanturbefehl kamm taurügg un würd in't Wachbauk indragen: Wil dat Unglück nu doch einmal gescheihn wir, so künn de Kopernikus sine Brud alle drei Dag' besäuken, un't künn den Dag glik losgahn. Lewandowsky süll äwer ümmer bet an de Dör mit em gahn. Mit uns äwrigen blew't bi'n Ollen. Nu treckten wi denn unsen lütten Brüdjam smuck an, un as hei so vör uns stunn in sinen Stat, dunn sach hei so nüdlich ut as 'ne Kin'njes-Popp, äwer mit en blagen Liwrock, denn hei hadd sick tau desen Gang en nigen maken laten. Un nu gung hei bi uns rümmer un bedankte sick bi uns, dat wi em tau sin Glück verhulpen hadden, un gung an sinen Kuffert un halte den Schinken herute un smet em up den Disch un säd: da, den gew hei taum besten. Un wi nemen em nu in unsere Midd un gewen em dat Geleit – bet up den Kapteihn, de wull nich, denn dat wir em tau angrepsch, säd hei – un bröchten em bet an de lütte Lind', un von dor schot hei von uns furt up sine Leiwste tau, de ganz rosenrod in de Husdör stunn, as so'n lütten blagen Käwer, de pil up 'ne Ros' los burrt un in'n Ümseihn dorin verswunnen is, denn – swabb! – slog de Husdör tau, un war Käwer un Ros' sick dor vertellt hewwen, dat kreg Lewandowsky wenigstens nich tau weiten, denn de kläterte nu irst mit sin »Seitengewehr« bet an de Dör ranner. Un wi stunnen nu dor un lurten, denn sei müßten sick doch an't Finster wisen, un as dat irste Hes'wesen tüschen de Leiwslüd' voräwergahn sin müggt, dunn kemen sei denn ok Arm in Arm an't Finster un dinerten un nickköppten, un dat Ding de Kopernikus sach so vörnem ut as en twölwjöhrigen Graf, un Aurelia bögte sick so smidig as en Lilgenstengel, up dem rode Rosen wassen, un för de beiden hadd sick lütt Idachechen drängt un klappte in de Hän'n un winkte un lachte un wis'te up ehren lütten nigen gelen Swager, as wir't 'ne Honigpopp, de sei tau Wihnachten kregen hadd, un achter dat ganze stunn »Mutter« un dukerte ümmer knixwis up un dal, dat de Franzos' tau mi säd: »Du, dor achter ward bottert.« – Un Don Juan, de in'n Horen gung un nicks taum Swenken tau Hand hadd, ret den Erzbischoff sinen Körbsenstengel von den Kopp un swenkte em in de Luft un röp: »Hurah för de beiden!«, un wi annern röpen »Hurah!« mit un swenkten ok mit de Mützen – blot de Erzbischoff nich, de grawwelte sick verlegen up den kahlen Kopp herüm. – Un de oll Herr General hadd dat Hurah ok hürt un hadd jo nahsten tau Lewandowsky'n seggt, 't wir nich ganz in de Ordnung west; äwer hei hadd sick doch freut, dat wi so kammeradschaftlich tau enanner höllen. Un as wi nu mit Spaß un Lachen wedder an unse Kasematten ranne kamen, dunn sitt uns' oll brav Kapteihn in sine grote Bedräuwnis an den Disch un hett sick den Schinken utenanner klöwt un fött sinen Hartenskummer un sine Leiwsnot mit Speck un Brod tau en wohren Risen in sick grot, un as wi nu mit Hägen un Lachen üm em stahn un uns wunnern, dat Schinken gaud sin sall gegen Trurigkeit, seggt hei mit 'ne gottserbärmliche Min', hei hadd dat Bedürfnis in sick fäuhlt, sick nützlich tau beschäftigen, üm de swarten Gedanken Herr tau warden, un in desen Taustand wir em de Schinken in de Hand follen, un hei hadd em uns blot mundrecht maken wullt. – »Un dat hett hei dahn!« röp Don Juan, »un nu will'n wi taulangen. Äwer täuwt noch en beten: ick bring ok noch wat.« – Un hei gaww den Erzbischoff en Wink, un sei gungen un kemen wedder; äwer mit en halw Ankersdeil Win, un Don Juan säd, dat hadd eigentlich irst an den Dag drunken warden süllt, wenn hei frikamen ded – denn hei hadd sine Tid negstens afseten –, äwer hüt wir ok en Dag un en schönen Dag. – Ja, säd ick, denn 't wir eigentlich för uns alltausam uns' Ihrendag. – Un de Kapteihn kreg wegen sine grote Bedräuwnis dat irste Glas, un hei drunk't ok richtig ut, in de vernünftige Ansicht: Schinken allein ded't bi em nich. – Un as wi nu all so recht schön in'n Tog wiren, gung de Füerwarksleutnant mit en por annere Leutnants, de wi kennen deden, an't Finster vörbi, un sei müßten rin kamen, un de Herr Unteroffzierer von de Wach wull nich rinne ut Respekt vör sine Vörgesetzten, stunn äwer achter de Dör un drunk ein Glas nah dat anner, un as Lewandowsky mit unsen lütten Brüdjam endlich wedder angeleddt kamm, stellte hei sick mit den Herrn Unteroffzierer tausam, un sei unnerhöllen sick dor beid ut ein Glas. Äwer uns' lütt Brüdjam würd baben anset't un sin Aurelia'n ehr Gesundheit würd ümmer ümschichtig drunken, un denn mal wedder tausam, un Don Juan makte up de Verlawung en Gedicht ut den Kopp, so as hei stunn un gung, äwer sei säden all, dat paßte mihr up 'ne Hochtid as up 'ne Verlawung wegen de Anspelung, un de Franzos' näumte sick mit de Leutnants ümmer »Herr Kammrad«, un de ein Leutnant kamm dor spaßwis' mit rute, dat de Füerwarksleutnant un de Kapteihn eigentlich en por Gegenbuhler bi Auguste Martini wiren, so dat sei beid ganz weihmäudig würden un sick in de düsterste Eck von de Kasematt tau 'ne ewige Fründschaft verswüren, un de Erzbischoff vertellte de annern beiden Leutnants sine Gefangenschaft up de Husvagtei un wis'te ehr sinen kahlen Kopp, den hadd hei dorvon kregen, säd hei, dat sei em 'ne tau korte Beddstäd' gewen hadden, wo hei unnen un baben anstött hadd, un dor hadd hei sick babenwarts all de Hor afschürt. Un so kregen denn de Verlawungsfestlichkeiten en En'n, as dat halw Anker en En'n kreg, un de lütt Kopernikus blew en Brüdjam, bet hei en Ehmann würd, un de Kapteihn blew leddig un los, bet hei en Brüdjam würd. Un wenn sei beid noch lewen, denn wünsch ick ehr vel Glück, vel Glück, denn sei wiren en por brave Kirls un hewwen mi männig Gauds andahn. KAPITTEL 25 Tauletzt seggt de Franzos' doch noch wohr. Woans ick »Urphede« swören möt un wedder mit en Schandoren dörch't frie dütsche Vaderland reisen möt. Wat mi up de Reis' passieren ded. Worüm de preußische Schandor en slichten Begriff von de meckelnbörgschen Beamten kriggt, äwer mitdrinken deiht. Franzing, weitst woll noch? Don Juan was fri kamen, un wi annern muddelten ümmer sachten wider. Söß Johr hadd ich nu all seten un blot viruntwintig blewen mi noch nah. Mine meckelnbörgsche Landesregierung hadd mi taurügg föddert, dreimal hat sei mine Utliwerung verlangt; äwer de Preußen – deden't nich, obschonst ick kein Preuß was, meindag nich in Preußen studiert, also ok min gruglich Verbreken nich in Preußen begahn hadd. – De Sleswiger un Holsteiner wiren up Verlangen an Dänemark utliwert – worüm de? wohrschinlich, wil Dänemark gegen Preußen dat Mul wid upreten hadd, grad as nu. – Mine meckelnbörgschen Kammeraden von Jena her wiren mit en halw mit dreivirtel, höchstens mit ein Johr afkamen, un as ick noch up de Husvagtei in Unnersäukung satt, studierte ein von ehr all wedder lustig in Berlin, un de was deiper in de Sak verwickelt as ick. – So was't dunnmals in Dütschland. Gott gew, dat't beter ward! – Sei seggen jo, Preußen hett up Stun'ns de Führung in Dütschland äwernamen – in Gotts Namen! segg ick –, äwer dunnmals hadd't ok de Führung, in Norddütschland wenigstens, un wo hett't uns dann henführt? De ganze Karr, de mit alle Kraft un Gewalt, mit Haw un Gaud, mit Tran un Blaud von dat Volk ut den französchen Sump ruterreten was, hett dat dunn in en Grawen smeten un den einzelnen mit Ungerechtigkeit un Grausamkeit verfolgt. – Äwer lat dat! de Wind hett dräwer weiht, un de Vagel is dräwer flagen, un de swarte Tafel, worup de bittern Gedanken von jeden einzelnen von uns verteikent wiren, is de Schriwwt binah verlöscht – sall verlöscht sin, wenn de groten Herrn de Schriwwt blot lesen wullen, de vör ewige Tiden in Stein uthau't is. – Allens hett up Stun'ns wedder Hoffnung, allens politisiert üm mi rümmer, un binah bi allen kümmt dat up't Reken rute, de ein rekent sinen Vurtel so herümmer un de anner anners herümmer, sei politisieren mit den Kopp; unsereins ok mit dat Hart; denn stahn in ehren Kopp de Tallen ok hell un klor, schön in eine Reih, wat uns in't bläudige Hart schrewen is, höllt doch länger un strömt doch warmer dörch't ganze Wesen as de heilge Zins- up Zinsreknung. Äwer't süll nu anners warden, ein de mi dat tauirst verkünden ded, was min Franzos'. – Ick heww all seggt, dat hei en grot Geschäft mit Prophenzeien bedrew, ok mit Drömen; un so waken wi denn eins Morgens up, un hei seggt tau mi: »Weitst, wat mi drömt hett?« – »Ne«, segg ick. – »Mi hett drömt«, seggt hei, »du kriggst hüt en Breiw von dinen Vader.« – »Dat's woll mäglich«, segg ick kort, denn wenn einer up sine Geschichten ingung, denn was den ganzen Dag kein Vergang mit em. – »Du kriggst ok Geld«, seggt hei. – »Ne«, segg ick, »min Vader hett mi irst vör virteihn Dag' Geld schickt, so fix geiht't nich.« – »Du kriggst Geld«, seggt hei, »un kriggst noch 'ne annere fröliche Nahricht.« – Na, ick estimier dat nich wider un gah, as dat Tid is, dal nah de Fristun'n, as ick mit de annern dor vör de Dör stah, de upslaten ward, geiht just de Kopmann Swarz dor vörbi, bi den ick dörch minen Vader akkreditiert was un de meistendeils mine Breiwschaften besorgen ded, d. h., wenn de oll General sei lesen hadd. – »Schön, dat ick Sei drap!« seggt hei. »Sei hewwen en Breiw unnen up de Post.« – »Sühst du?« seggt de Franzos', de achter mi stunn. – »Äwer de Breiw«, seggt de Kopmann wider, »is mit Geld beswert, un ick möt irst den Postschin dal schicken.« – »Sühst du?« seggt de Franzos' wedder. – »Merkwürdig!« – Na, wi gahn in de Fristun'n, un't passiert wider nicks; äwer as wi des Nahmiddags unner de gräunen Linden sitten un ick mit den Kapteihn 'ne Partie Schach spel, steiht de Franzos' un kickt tau. – Na, ick kik denn einmal so verluren de Alleh entlang un seih den Kopmann dor dal kamen mit en witten Snuwdauk in de Hand, den swenkt hei ümmer so dörch de Luft. – »Wat föllt den in?« segg ick, »so warm is't doch grad ok nich, dat hei sick fäkeln möt.« – »Hei bringt di de gaude Nahricht!« seggt de Franzos', un as de Kopmann neger kümmt, röppt hei mi tau: »Sie kommen von hier fort, Sie werden an Ihr Vaterland ausgeliefert.« – »Merkwürdig!« röp de Franzos' un gung ganz verstutzt bisid, as hadd hei sick äwer sine eigne Kunst verfirt. Un't was ok merkwürdig, dat sin Prophenzeien einmal würklich genau indrapen was, denn wohr is de Sak; äwer't wir noch vel merkwürdiger west, wenn all sin Wohrseggen indrapen wir, denn min gaud Franzos' hett de wunderlichsten Saken vörher seggt, un wenn dat allens würklich gescheihn wir, denn hadd de ganze Welt en Rucks kregen, un wi güngen dorin jo woll nu up den Kopp spazieren. Mi wenigstens würd binah so tau Sinn, as süll ick en pormal vörlöpig Hesterkopp scheiten, üm den Bregen wedder in de gehürige Lag' tau schüdden, as ick dese Nahricht kreg, un't wohrte 'ne ganze Tid, ihre ick mit Verstand minen Vader sinen Breiw lesen kunn; äwer dor stunn't jo düdlich in, dat ick in min Vaderland utliwert warden süll, frilich blot bet an sin bütelst En'n un in keine angenehme Gegend, nämlich nah Däms; äwer dor stunn't jo düdlich in, dat ick dese Versettung de perßöhnliche Vörbed von minen Großherzog Paul Fridrich bi den ollen König von Preußen tau danken hadd, wat sin Swigervader was, frilich mit den eklichen Tausatz: de König von Preußen behöll sick dat Begnadigungsrecht vör, un wat min eigen Großherzog wir, dürwte mi nich gahn laten. – Dat was allens recht slimm, äwer't was doch nich anners tau maken; all Bott helpt, säd de Mügg un spuckt in den Rhein, un ick dacht bi mi, wenn du man irst dor büst, dann ward't ok woll nich so heit eten, as't upfüllt is. Un dat hett Paul Fridrich för mi dahn, un wenn ick nah Swerin kam, denn besäuk ick em up sin Postament vör den Sloß, denn begrüß ick em in sine stille Gruft, un de Würd', de min Hart denn redt, sünd vull Dank dorför, dat hei mal 'ne arme afquälte Minschenseel tau 'ne grote Freud uperweckt hett. Virteihn Dag' vergungen nu noch, bet dat allens »offiziell« in Ordnung was, dunn würd ick tau den Auditöhr kummandiert un müßte »Urphede« swören, dat ick keinen Faut meindag' nich up dat preußsche Rebeit setten wull, süs sollen de Schandoren mi upgripen un wat ganz Gruglichs – ick weit nich mihr wat – mit mi upstellen. – Du leiwer Gott, wo ännert sick dat all; nu bün ich Preuß – kost't mi säbenuntwintig un en halwen Sülwergröschen – un wahn as Inligger in Meckelnborg, un wer weit, wat mi nu de Meckelnbörger nich wedder »Urphede« swören laten, denn »Was ist des Deutschen Vaterland?« is en schön Lid, un ick heww't ok oft sungen, äwer meindag' nich funnen un bün nu doch ok all binah tweiunföftig Johr dorin rümmer wandert, ok dorin rümmer stött worden. As de Feierlichkeit mit dat »Urphede«-Swören tau En'n was, as ick von minen ollen braven General un mine trugen Kammeraden Afschid namen hadd, müßt ick tau den Herrn Landrat kamen. De Mann was fründlich gegen mi un set'te in minen Paß utdrücklich: »Der Flucht nicht verdächtig, weil er in sein Vaterland ausgeliefert wird«; äwer'n Schandoren kreg ick doch mit up den Weg, un so reis'te ick denn wedder mit desen Klotz an'n Bein hunnertuntwintig Mil dörch't frie dütsche Vaderland. Den irsten Dag hadd ick dat Glück, Auguste von Martini vör ehre nige Wahnung up jensid von den Strom tau drapen, un brächte ehr en Gruß von minen ollen Kapteihn. – »Herr Reuter, was heißt dies?« röp sei mi in den Wagen rinne – wi hadden meindag' kein Wurd mit enanner spraken. – »Ich werde ausgeliefert«, röp ick taurügg, »und ... läßt vielmal grüßen!« – »Kommt er auch frei?« frog sei. – »Bald!« säd ick, »bald.« – Un de Postilljon blos, un sei winkte mi noch tau, un ick ehr ok, un kennten uns doch gor nich; äwer wenn dat Led ok de Harten tausamen smäd't, isern, fast, von 'ne richtige Freud' geiht en Blitzstrahl ut un sleiht hir in un dor in, woran keiner denkt, un wer sick süs frömd un kolt vörbigahn is, de fäuhlt sick warm, wenn em de warme Freud' von en annern Minschen dröppt, denn en jeglich Minschenhart is von unsen Herrgott nich för sick allein – ne, för alle Minschen makt. Un den annern Dag kemen wi in en Holt. 't was en Eikwald, in söß Johr hadd ick keinen seihn. – »Ach«, säd ick tau den Schandoren, »will'n Sei mi 'ne Freud' maken? Laten S' uns dörch dat Holt gahn.« – Un de Schandor ded't, un de Postilljon blos sin lustig Stückschen, un dat Holt rök as idel Mäsch, un de Bost dehnte un widete sick, un de Bottervägel spelten in de Sünn – dor was en Swälkenswanz, dor en Schillerfalter, dor en Sülwerstrich! – En Kind kunn einer warden, en wohres Kind! Un as wi ut dat Holt kemen, dunn lag dor linksch en wittes Klewerfeld, en Saatklewerfeld, un dat rök so säut, so säut as idel Honnig, un de Immen, de drögen so flitig as Husfrugens, un summten vör sick hen as junge Mätens, wenn sei en Lid anstimmen willen, wat Harten rühren un gewinnen will; un äwer allens lüchte Gottssünn in den Jehannsmand! – Ick smet mi hen up de Grawenburd, un de hellen Tranen lepen mi in den Bort, un de Schandor stunn dorbi un säd, wi müßten wider un de Postilljon lurte all. – Un wat was't denn ok? – In acht Dagen was dat Klewerfeld 'ne Stoppel, un de Immen drögen annerswoher, un de Eikwald lagg achter uns, un denn satt ick in Däms. – Äwer in söß Johren taum irsten Mal! – Un dorbi stunn de Kriminalrat Dambach un säd: Sitzen müssen sie; un de Herr von Tschoppe: Sitzen müssen sie; un de President von't Kammergericht, de Herr von Kleist, de bläudige: Sitzen müssen sie! un Friedrich Wilhelm, de Gerechte: Sitzen müssen sie. Den Dag dorup kemen wi nah Berlin, wo ick wedder drei Dag' bliwen müßt, ditmal äwer taum groten Glücken up de Stadtvagtei, wo süs jo woll man Spitzbauben inspunnt warden; äwer dat schadt nich, 't was doch beter as bi den Herrn Kriminaldirekter Dambach. Äwerhaupt heww ick de Bemarkung makt, dat tau jennen Tiden de richtigen Spitzbauben, taumal wenn sei von vörnemen Stand wiren, dat vel beter up preußsche Festungen hadden as wi. – S., wo ick tauirst satt, hadd ick Gelegenheit, dese Kalür kennen tau lihren: ein Herr von B..., de mit de ganze Stüerkass' tau Grüneberg dörch de Lappen gahn was, de sin Fru un sin einzigstes Kind verlaten un sick dorför en Schätzchen mit up de Reis' namen hadd, de, as hei de 40 bet 50 000 Daler in Italien verjuchhei't hadd, in Frankfurt a. M. as falscher Speler infat't würd, de tau föftig Johr, Utstellung an den Pranger, Staupenslag, Verlust von Adel un Ihrenteiken usw. verurtelt was, wahnte ganz gemütlich in de Stadt; en Herr von Sch., de 'ne ganze königliche Kass' in Oeil-de-perdrix un Chateau flüssig makt hadd, wahnte mit Fru un Kinner as anner ihrliche Lüd' ebenfalls in de Stadt; sei kunnen beid de Luft up de Festung nich verdragen, för uns was sei gaud naug. En Herr von O. – de Karnalj hadd gradtau stahlen – kunn gahn, wo hei wull un spelte den Galanten in de Stadt un up de negsten Dörper, un wenn wi Unglückswörm uns' Frühstück von Kommisbrod un Swinsmolt dalwörgten un am En'n noch halw mit en verfrigten Herrn Leutnant deilten, denn satt Herr von O. in den irsten Gasthus' in de Stadt un hadd en warm Frühstück vör sick un späulte mit Ungarwin nah. – Dese Ort ehr kostbar Lewen müßte konserviert warden, an uns Hochverräters un Königsmürders was jo nicks gelegen. Schad, dat wi nich ok vörnem wiren un stahlen hadden. Dat hürt hir möglicher Wis' nich her, äwer mi krüppt dat, wenn ick doran denk, wenn ick an dat Preußen von dunnmals denk un nu seih, dat all dese Hallunken- un Hansbunkenstreich blot dortau utäuwt würden, dat de Wagen rüggwarts schaben warden süll un dat dortau de Räd' mit uns' Fett smert würden. Äwer nu was't jo vörbi – taum wenigsten för mi –, ick kamm jo nah min Vaderland, nah Däms; un as drei Dag' üm wiren, satt ick mit en nigen Schandoren up 'ne Extrapost un führte gegen de meckelnbörgsche Grenz hentau. – Adjüs ok Preußen! – Doch ihre ick dit tau Warnow raupen süll, müßt mi noch wat passieren, wat mi in't Hart sniden süll; ick süll noch tau weiten krigen, dat sei mit uns' Dodesurtel nich blot uns alleine, ne, dat sei mit dat Bil, wat sei uns slepen hadden, ok Öllern, Verwandten un Fründschaft drapen hadden. Ick stah unnerwegs in en Posthus' un beseih mi de Biller an de Wand, as dat mine Mod' is – un 'ne gaude Mod' is't, denn einer kann meistendeils von de Biller up de Lüd' urtelen, de sei uphängt hewwen –, dunn hür ick achter mi still wat vör sick hen weinen, un as ick mi ümdreih, seih ick dor 'ne Fru up en Staul sitten, de hett de beiden Hän'n vör't Gesicht deckt, un de Tranen lopen ehr mang de Finger dörch. – Leiwer Gott! un ick denk an en plötzliches Unglück, wat äwer de Fru kamen is. – »Was ist Ihnen?« frag ick. – »Ach«, röppt sei, »ich habe auch einen Sohn dabei!«, un dormit steiht sei up un leggt mi de Hand up de Schuller un kickt mi so trostlos-trurig mit ehre natten Ogen an, dat mi dat dörch Mark un Bein gung un sei mi vörkamm, as wir sei min eigen Mutter, de all lang' den letzten Slap slep. – »Wer?« frog ick. »Wer ist Ihr Sohn?« – »W., er sitzt in S.« säd sei still un müggte woll denken, ick kennte em nich. – Äwer ick kennte em recht sihr gaud, un 'ne ordentliche Freudigkeit kamm äwer mi, dat ick hir recht wat Gauds seggen un vertellen kunn, denn hei was gesund blewen an Liw un Geist, un't wohrt nich lang', dunn satt sin Vader bi uns un sin Swester, en leiwlich Kind von säbenteihn Johren, un ick müßte vertellen von den Sähn un den Brauder un ümmer wedder vertellen, bet de Schandor kamm un säd, nu wir't de allerhöchste Tid. – Ach, du leiwer Gott! so hadd't in min Vaderhus ok woll utseihn, möglich noch slimmer. Un as wi bi Warnow äwer de Grenz kemen – adjüs ok Preußen! –, dunn was't düster worden, un as wi nah Grabow kemen un vör den Keller führten, dat wi de Nacht dorbliwen wullen, dunn säd 'ne Stimm up de Ramp vör den Hus': »Gute Nacht, und morgen wollen wir das Nähere besprechen.« – Un dese Stimm hadd ick vör acht Johr taum letzten Mal hürt, as sei mit mine tausam Antwurd gaww in dat mündliche Schaulexamen, wo uns de oll Herr Konrekter frog: »Wieviel mal ist Konstantinopel erobert worden?« – Un ick kennte dese Stimm in'n Düstern wedder, un wer mi dat nich tau glöwen will, de frag den Herrn Hofrat Franz Flürk tau Grabow. – »Gun Abend, Franz!« röp ick ut den Wagen, »täuw noch en beten!« – Un as ick nu mit minen Schandoren tau Rum un gegen't Licht kamm, freu'te de olle Knaw sick ordentlich un verget ganz, dat hei Burmeister was un ick Delinquent. – De acht Johr hadden en schönen Slagbom tüschen uns smeten, un nu is de Tun noch höger worden dörch den Hofratstitel, un paß einer up! – dor kümmt mit de Tid noch en Hakelwark baben up, denn wo lang' ward't wohren, denn möt hei jo doch wat Geheims warden, un dortau ward ick mi sihr freuen, denn heww ick ok en geheimen Duzbrauder. Äwer den Abend wull de Schandor ganz utenanner gahn, as hei hürte, dat de Burmeister sick mit den Vagebunden duzte, un as hei sach, dat hei mit em 'ne Buddel Win drünk; hei kreg 'ne slichte Meinung von de meckelnbörgschen Beamten, äwer mitdrinken ded hei doch. – Franzing, weitst woll noch? V. Däms KAPITTEL 26 Wen Däms tau dunnmalen eigentlich tauhüren ded. Worüm ick un de Schandor ut ein Glas Rodwin drinken müßten, un worum de Jungs in Ludwigslust ümmer »Ledderbom!« röpen un de Schildwachten in Däms »Hunde vorbei«. Wat Leutnant L. von Krigskunst verstunn, un wat 'ne Pag' för en Dirt is. Woans ick fri kamm un dunn splitterfadennakt unner'n Dannenbusch in de Bokupper Haid satt un nahsten den rechten Weg nich finnen kunn. Worüm ick tauletzt 'ne ganze Gesellschaft in't Water smit, un worüm de dummsten Lüd' de meisten Tüften bugen. Den annern Morgen gung't nu nah Däms. – Wer in verleden Tiden in Meckelnborg dat Wurd »Däms« hürte, den würd so tau Maud as weck Lüd', wenn von de Krätz de Red is, hei makte sick ganz 'ne falsche Vörstellung, denn ick heww binah luter ihrliche Lüd' in Däms kennen lihrt. Däms was dunnmals de Ruklas von ganz Meckelnborg; äwer mit Unrecht. Däms hadd sine swacken Siden as menschliche Inrichtung äwerhaupt, äwer as Festung hadd Däms blot starke Siden, trotzdem dat de olle langbeinige Spigelbarg mit de groten Ogen ümmer de Festung in frühern Tiden stürmt hadd, denn hei was ümmer, stats unner dat Dur dörch, baben dat Dur weg gahn. Däms würd verteidigt up de ein Sid von de Elw – grot Elw, lütt Elw, oll Elw, Elwengraben –, denn von de Eld – grot Eld, lütt Eld, oll Eld un säben Eldengrawen; von de anner Sid dörch sine natürliche Lag' un den Bokup-Eldenaer-Sand – för 'ne Festung gor nich tau betahlen. – 't was 'ne grote Gegend, un Voß un Has' säden sick dor »Gun Morgen«; Minschen wahnten dor nich, un sei säden jo, sülwst de Franzos' wir ümkihrt, as de Sand em bet an den Schinken gahn was. – Uterdem würd't noch dörch en Brüggentoll verteidigt; de Magistrat hadd weislich för dat einzige Dur en Brüggentoll inricht't, wo för jedes Pird en Gröschen betahlt warden müßt, dat was den Find tau dür, un hei führte leiwerst nah den roden Hus' un versehrte dor up Amts-Rebeit sin Geld in Bradaal un sure Gurken. – Wen Däms tau de Tid hüren ded, wüßt kein Minsch; de Festung hürte den Großherzog, dat säd hei nich allein, sünnern ok sin Oberstleutnant, den hei as Kummandanten dor inset't hadd, un doräwer was ok kein Strid; äwer wen de Stadt hüren ded? – De Oberstleutnant säd, hei wir nich blot Kummandant von de Festung, hei wir ok as Guwernör von de Stadt, un sinen Großherzog hürte de Stadt ok, un wenn hei de Festungsklock stellen ded, denn mußte de Stadtköster sick dornah richten. – De Köster säd äwerst, hei richt'te sick nah de Sünn; un de Oberstleutnant un de Großherzog hadden em in de Ort nicks tau befehlen. As dese Strid so recht in'n Gang was, kamm mit ein Mal en drüdden Pretendent, dat was de Herr Stadthauptmann Zachow, de bewes' sin Recht ut de Superficies; hei wes' nah, dat em von Rechts wegen all de Stratenmeß taukamm un dat jeder an sine Stäweln des Abends seihn künn, up weckern sinen Grund un Bodden hei spazieren gahn wir. – Nah mine Meinung, ahn 'ne hohe bundesdägliche Austrägalinstanz vörgripen tau willen, hadd de Mann recht: Däms hürte em tau. Un hei was ok bet an sinen seligen Dod en billigen Regent, denn hei regierte still för sick hen, un jedes Lock in sine Regierung würd mit den Stratenmeß taustoppt – blot gegen den Stadtmus'kanten was hei hart, denn hei kunn kein Musik verdragen, un wenn hei länger an de Regierung blewen wir, denn wir Däms möglicher Wis' de einzigste Festung west, de von den Musikdeuwel nich erobert worden wir. – Em gung't as Lurwig Philippen, den hett de Herzog von Modena un de Baukdrücker Pompejus in Glatz meindag' nich anerkennt – em erkennte de Oberstleutnant nich an; sin grötste Find was äwer sin Nahwer Leutnant Lang', de de eklichte Gewohnheit hadd, des Nachts up de Fidel tau spelen; un sei seggen jo, hei sall em einmal paddendod un Däms wedder in den Besitz von den Großherzog spelt hewwen, wat äwrigens grad keine Kunst was, denn de Stadthauptmann hinnerlet keinen Erbprinzen. So sach dat in Däms ut, as ick des Nahmiddags Klock drei in den Jehannsmand eindusendachthunnertunnägenundörtig äwer de Stadtbrügg führte un de Schandor den Brüggentoll betahlte. – As ick in den Gasthus' ankamen was, treckte ick mi en ganzen hagelnigen swarten Kledrock un swarte Hosen an – de hadd ick mi in Gr. up de letzt noch maken laten, dat ick minen Großherzog Paul Fridrich doch kein Schand' makte, un hei doch keinen Lumpen in't Land kreg – un lep minen Schandoren weg, nah 'ne Tanten von mi, de as Witfru dor wahnte un mi mit alle mägliche Fründlichkeit upnamm. – Dunner! wat was ick för'n Kirl worden! – En swarten Liwrock hadd ick up den Liw', in de Tasch hadd ick Geld – Franzing, weist noch? –, in't Gewissen hadd ick de königlich preußische Urphede, un nu hadd ick noch 'ne gaude Tanten för de Notfäll; äwer den preußischen Schandoren hadd ick doch noch up de Hacken. Hei grep mi hir wedder, un nu hülp dat nich, ick müßt mit up de Festung. Nu begaww sick dat, dat den Stadtköster sine Klock grad vir slog un dat de lütten Schauljungs ut de Schaul kemen, un as de den preußischen Schandoren tau seihn kregen, kamm hei ehr so niglich vör, dat sei uns tau Gefallen wedder ümkihren deden, un as wi uns verbistert hadden un, stats rechtsch, linksch gahn wiren, halten wi uns de annern lütten nüdlichen Gören ut de Elwstrat un de ganze Gegend ok noch af, un nu gewen sei uns mit allerlei Juchhei! dat Geleit up de Festung, Ich aber gung mit Weinen Zu Däms woll über die Steinen, Woll vor's Kommandantenhaus. »Guten Tag! Guten Tag, Herr Kommandant! Ich hab' eine Bitt' an Sie: Wollet meiner Bitt' gedenken Und mir Eure Gnade schenken, Dazu ein frei Quartier. As wi rinne nah em kemen, satt hei dor in en gräunen Sommerrock vör en swarten Schapp, wat bei sinen Arbeitsdisch näumen ded, un les' in »de ollen verfluchten Wiwergeschichten« von Henriette Hanke, un as ick em »Gun Dag« böd, smet hei Henriette Hanke bi Sid un frog mi: »Ach, das sind Sie woll?« – »Ja«, säd ick, »dat wir ick.« – »Na, hören Sie mal«, säd hei, »wir haben schon lange auf Sie gelauert, ich habe Ihnen ein gutes Quartier angewiesen, und Ihre Frau Tante ist hier gewesen und hat alles gut für Sie eingerichtet.« Dormit stunn hei up, makte de eine Dör von sin Schapp up, halte 'ne Buddel un en Birglas rute, schenkte en dristen Strämel Rodspohn in dat Glas un höll mi dat hen: »Na, da! Trinken Sie man mal.« Un as ick dit in allen Respekt farig kregen hadd, schenkte hei för den Schandoren in datsülwige Glas in: »Da! Wollen Sie auch mal?« – Un de Schandor wull ok. – »Na«, wendt hei sick dunn wedder an mi, »wie ist Ihnen denn das bei den Preußen gegangen?« – »Je«, säd ick, »man ganz swack.« – »Ja«, lachte hei, »das glaub' ich, die Preußen, die fackeln nicht lange«, un dorbi kek hei den preußischen Schandoren von baben bet unnen an un würd ok bi dese Gelegenheit sin Portepeh ansichtig. – »Was Dausend«, frog hei, »wie ist das jetzt bei den Preußen mit dem Portepeh?« – Un de Schandor müßt em dat wisen, wo dat dörchschaten un knüppt warden müßt, un as em dit gefallen ded, säd hei: »Nun will ich Ihnen was sagen, nun gehen Sie mal hin zum Hauptmann von Hartwig und sagen Sie ihm, ich hätte mir das angesehen, und es hätte mir gefallen; er sollte sich das auch ansehen, wir wollten das hier bei unseren Truppen auch so einführen; und Sie«, säd hei tau mi, »können nu 'rüber gehen und es sich bequem machen, und dann kommen Sie man wieder her, dann sollen Sie mir und meiner Familie erzählen, wie's Ihnen in Preußen gegangen ist.« De Sak, de kunn mi gefallen, de oll Herr was idel fründlich, un wenn hei ok so utsach, as hadden sick bi em vele Eigenheiten inquartiert, so hadd hei nu nahgradens ok all en Recht dortau, denn hei was gegen de Achtig ranne un all lang' Kummandant in Däms, un dat makt den Kopp eigenwillig. Ick gung nu räwer nah min fri Quartier, dat lagg up de Wach; äwer as ick de Trepp mir nichts, dir nichts ruppe stigen wull, stellte sick en ollen langen utgedeinten Herr in 'ne olle lang' utgedeinte Leutnantsuneform vör mi hen un frog mi: »Um Vergebung zu fragen, sind Sie nämlich der Herr Reuter?« – Ja, säd ick, so wir min Nam'. – »Denn muß ich Ihnen sagen, daß Sie einen großen Verstoß nämlich gegen die hiesige Wachordnung begangen haben; Sie hätten sich nämlich erst hier melden müssen, bevor Sie zum Herrn Kommandanten gingen – nämlich zum Herrn Oberstleutnant.« – Je, säd ick, dat ded mi led; äwer ick müßt hengahn, wo de Schandor hengüng, un wenn einer en Verseihn makt hadd, denn hadd de dat dahn. – »Oh, es macht auch gar nichts aus«, säd de oll Herr; »treten Sie gefälligst näher – nämlich hierher«, un nödigt mi in de Ofiziererwachstuw' rinne. Na, von wegen de Höflichkeit müßt ick jo denn nu folgen un frog nu, mit wen ick de Ihr hadd. – »Ich bin nämlich der Premierleutnant K.«, säd hei, »Sr. Königlichen Hoheit, der hochselige Großherzog, Friedrich Franz nämlich, haben die hohe Gnade gehabt, mich bei meinem funfzigjährigen Dienstjubiläum zum Premierleutnant zu ernennen.« – Na, de Minsch will doch ok höflich sin, ick säd also: »Wohl nicht wegen der langjährigen Dienste, sondern wegen der Verdienste.« – »Ach nein!« säd de olle gaude Mann, »Verdienste habe ich gar nicht.« – »Nun dann wegen Ihrer Dienste in den Feldzügen.« – »Feldzüge«, säd hei ganz ruhig, »habe ich gar nicht mitgemacht. Bloß 1812 habe ich mal 'ne Partie Ochsen nach Polen geleiten müssen; denn Sie müssen wissen, ich stand bei den Reutern zu Pferde in Ludwigslust, wir hatten Blau mit Gelb und waren nämlich unserer funfzig, hatten aber nämlich nur fünfundzwanzig Pferde, die mußten wir immer umschichtig gebrauchen, und weil sie nämlich nicht reichten, riefen die bösen Buben immer hinter uns her: ›Ledderbom! Ledderbom!‹ womit sie nämlich sagen wollten, die Hälfte von uns müßte auf dem Leiterbaum reiten.« De Sak würd mi pläsierlich; ick vertellte mi wider wat mit den ollen Herrn. »Ja«, säd hei, »meine Stellung bei den Reutern zu Pferde in Ludwigslust war einträglicher als meine jetzige; ich war nämlich Feldwebel und hatte außer meinem Traktement noch all die Bittschriften an Sr. Königlichen Hoheit, und da hatte ich einmal das Glück, einer alten Frau eine sonderbare Pension zu verschaffen. – Sr. Königlichen Hoheit hatten nämlich die Gewohnheit, die alten ausrangierten Jagdhunde nämlich gegen einen Taler monatlich in Kost zu geben, und die alte Frau hatte die Anwartschaft auf die nächsterledigte Pension; nun hatte ich aber in Erfahrung gebracht, daß einer der großherzoglichen Jagdhunde aus dieser Welt geschieden war, und kam für die alte Frau, nämlich um die Hundepension ein, und – richtig! – sie erhielt sie.« – Na, säd ick, denn hadd hei sick doch dor sihr verdient üm de Welt makt. – »Ja«, säd hei, »das wohl, aber es waren auch mancherlei Verdrießlichkeiten dabei. Zum Exempel nämlich war mal der hochselige Erbgroßherzog Friedrich gestorben, und ich hatte die Leichenwache; es war aber nämlich Befehl, keine Kinder und keine Dienstmädchen zuzulassen. Nu denken Sie sich, nu kommt der Obermedizinalrat Sachse mit seiner kleinen Tochter anzugehen. – Ist sie ein Kind, oder ist sie's nicht? – Ich kann nun doch nicht fragen, nämlich wie alt sie ist; das würde nämlich ungebildet herausgekommen sein. – Aber ich faßte mich und fragte nämlich: Um Vergebung, mein Fräulein, haben Sie schon das heilige Abendmahl genossen oder nicht? Und wenn ein Mädchen kam, was mir nämlich als Dienstmädchen vorkam, fragte ich: Um Vergebung zu fragen, sind sie 'ne Jungfer, oder sind Sie 'ne Mamsell? – Damit bin ich durchgekommen.« – Dat wir schön, säd ick, äwer nu, hir in Däms, hadd hei denn ok woll ruhige Dag'. – »Arger«, säd hei, »un böse Buben gibt's allenthalben und hier erst recht. Sehn Sie«, säd hei un wis'te up sin oll ihrlich Mundstück, »ich bin ein alter Mann, und die Vorderzähne sind mir ausgefallen, und ich kann das ›R‹ nicht mehr deutlich aussprechen. Wenn ich nun des Abends die R-hunde gehe und die Schildwacht ruft: ›Wer da?‹ dann antwort' ich ›R-hunde‹, und dann rufen diese bösen Menschen immer: ›Hunde vorbei!‹« Ach, de olle gaude Mann! Hei hadd einige säbentig Johr lewt un was noch as en Kind, hei vertellte in de irste halwe Stun'n einen wildfremden Minschen sine ganze Lewensgeschicht. – »Ne«, säd ick, as ick de Trepp tau Höchten steg in min niges Quartier, »dusendrnal leiwer in Keden un Banden as mit sösunsäbentig Johr Premierleutnant.« Gott sei Lob un Dank! min Stuw' hadd keine iserne Gardinen. Ick rümte mine Habseligkeiten en beten in un gung wedder räwer nah den Oberstleutnant. Hir hadd sick dat nu sihr tau sinen Vurtel verännert; min Herr Oberstleutnant hadd en ganzes Nest vull Döchter, ein ümmer schöner as de anner, de Fru Oberstleutnantin was 'ne gaude fründliche Fru, un männigen frölichen Nahmiddag un tauvertrulichen Abend heww ick in desen gastfründlichen Hus' taubröcht, un noch hüt denk ick doran un dank dorför recht ut Hartensgrun'n. Blot mit den ollen Herrn müßte sick einer en beten in acht nemen, denn as ick seggt heww, hei hadd sine Eigenheiten, un wil hei man wenig Umgang hadd un em de Tid tauwilen lang würd, was hei ok männigmal wat verdreitlich. Mit sine Offzierers kunn hei sick nich recht verdragen: »Luter olle nägenklauke Feldwebels«, säd hei, »schicken sei mi hir her; und das sollen denn Offiziers sein! – Was weiß so'n Leutnant L. von Kriegskunst? – Damals als Diebitsch in der Türkei war, sagte dieser Leutnant L., Diebitsch könnte nicht über den Balkan kommen; aber Leutnant Th. sagte ihm, er käme rüber, und er ist auch rüber gekommen; aber Th. war auch ein wirklicher Offizier.« Recht hadd min oll Herr Oberstleutnant, 'ne sonderbare Versammlung von Krigshelden hadd sick in Däms tausam funnen, un em würd't swor, ut dit vertüderte Klugen dat En'n rute tau finnen, an dat hei sine Unnergewenen anbinnen süll; ick mein, hei kunn seindag' keinen Adjudanten dor mang rute finnen. Un noch denk ick doran, wo em dat gung, as mal 'ne nige Uplag' von Offzierer för em in de Wismar rute kamen was, de sei em as ganz wat Besonders tauschicken deden. Hei beslot, dit süll von jitzt af sin Adjudant warden, un, üm em doch glik mit aller möglichen Fründlichkeit unner de Ogen tau gahn, gaww hei en feierliches Abendbrod, wotau de nige Adjudant mit de Fru Adjudantin inladen würd. Mit Eten un Drinken wüßten sick denn ok de beiden Ihrengäst ganz gaud tau behelpen; äwer as dat nah Disch mit 'ne Unnerhollung losgahn süll, dunn wull dat nich recht, dunn hackt dat. – Ein von de Frölens kamm denn nu up den Infall, den Quartiermeister P., de dor up de Festung satt un allerlei Hokuspokus mit Taschenspelerstückschen verstunn, räwer kamen tau laten. Na, de Mann makt denn also ok sin Sak, un as hei mal unner'n Haut en Ball in en Karnallenvagel verpuppen deiht, seggt de nige Herr Adjudant: »Herr Oberstleutnant, das Stück habe ich schon mal gesehen, das war aber dunnmals kein Karnallenvagel, das war eine Pag'.« – »Nein, lieber Mann«, röppt de Fru Adjudantin, »es war keine Pag', es war eine Maus.« – »Nein«, seggt hei, »es war eine Pag'.« – De olle Herr, de all wat sworhürig was, glöwt jo woll, hei hadd sick verhürt un fröggt mi: »Was meint er mit 'ner Pag'?« – »Ich glaube, Herr Oberstleutnant, er meint einen Frosch.« – »Und dazu sagt er 'ne Pag'? Mein Adjudant sagt zu einem Frosch 'ne Pag'? – 'ne Pag'?« Un dormit gung hei ut de Dör herute. – Ja, för Adjudanten was Däms man 'ne swacke Gegend. – 't mag sick äwer dor jo ok woll mit betert hewwen. Ick satt hir in Däms nu noch äwer fiwvirtel Johr, un vel let sick dorvon noch vertellen; äwer't würd in'n ganzen dorup herute kamen, dat mi de meckelnborgsche Regierung allens mägliche tau gauden ded, un dat ick't bi minen ollen braven Kummandanten so gaud as Kind in den Hus' hadd; äwer wat helpt dat all? De Friheit fehlte, un wo de fehlt, sünd an de Seel de Sehnen dörchsneden. Fridrich Wilhelm III. sturw 1840, un wat sin Sähn was, Fridrich Wilhelm IV., let 'ne Amnestie för all de Demagogen utgahn, un in de Zeitungen stunn tau lesen, wo sei allentwegen fri kamen wiren; äwer mi hadden sei vergeten; ick müßt ruhig wider sitten; de Preußen dachten nich an mi, un de Meckelnbörger dürwten mi nich gahn laten. Ach, wat sünd mi de vir Wochen lang worden! – Eines Dags äwer – ick was en beten utgahn – kamm mi en Unteroffzierer nah tau lopen: »Herr Reuter, Sei sälen fix nah den Herrn Gerichtsrat Blankenberg kamen, för Sei is wat ankamen; Sei kamen fri.« – Ick gung taurügg, ick gung an en swartes Stakettengelänner vörbi, de deipe Nahmiddagssünn schinte grell dörch de swarten Stäw, dat fung an, mi vör de Ogen tau flirren; ick müßt mi fast hollen. Ick kamm tau den Gerichtsrat, hei äwergaww mi en Schriwen: »Hir, Sei sünd fri, Sei känen, as Sei gahn un stahn, von de Festung gahn, keiner hett Sei wat tau befehlen.« – Un dor stunn't: Paul Fridrich hadd't up sin eigen Hand dahn, ahn de Preußen tau fragen, un as ick nah acht Dag' all bi minen ollen Vader tau Disch satt, kamm en schönen Breiw von den Herrn Justizminister Kampz, worin de em meldte, ick würd nu ok bald an't Hus kamen. Ja, 't was recht fründlich von em, blot dat't en beten tau lat kamm. Ick säd adjüs bi minen Oberstleutnant un bi annere gaude Lüd' in de Stadt, packte mine säben Saken un gaww sei mit Frachtgelegenheit. Den annern Morgen Klock vir namm ick en lütten Ränzel up den Puckel, bunn minen lütten Hund an de Lin, dat de Soldaten em mi nich weglockten, un gung as en frien Mann ut dat Dur, nah de Fenzirsche Mähl hentau. As ick achter de Mähl kamm, kamm ick in de Haid – 'ne trostlose Gegend! Sand un Dannenbusch un Haidkrut un Knirk, so wid dat Og reckt; Weg' gungen bi Weg'; äwer wecke was de rechte? Ick wüßte keinen Bescheid; ick set'te mi dal, un mi kemen allerlei Gedanken. So! Säben Johr legen achter mi, säben swore Johr, un wenn ick ok up Stun'ns in'n ganzen lustig dorvon vertellt heww, sei legen mi dunn swor as Zentnerstein up't Hart; in dese Johren was nicks gescheihn, mi vörwarts tau helpen in de Welt, un wat sei mi mäglich nützt hewwen, dat lagg deip unnen in'n Harten begrawen unner Haß un Fluch un Grugel; ick müggt nich doran regen; 't was, as süll ick Gräwer upriten un süll minen Spaß mit Dodenknaken bedriwen. – Un wat lagg vör mi? – 'ne Haid mit Sand un Dannenbusch. – Weg'? – Oh, vele Weg' führten dor dörch, äwer gah man einer so'n Weg, hei sall woll mäud' warden. – Un wecker was de rechte? – Ick bün rechtsch gahn – nicks as Sand un Dannenbusch; ick bün linksch gahn – datsülwige. – Wo ick henkamm – keine Utsicht! Ok de Minschen wiren anners worden. – Männigein hett mi 'ne fründliche Hand henreckt; äwer in'n ganzen stimmte ick nich mihr mit ehr tausam. Mi was tau Maud', as wir ick en Bom, de kröppt wir, un üm mi rümmer stunnen de annern un gräunten un bläuhten un nemen mi Licht un Luft weg. Dat Kröppen hadd ick mi woll noch gefallen laten, denn ick fäuhlte in mi noch 'ne düchtige Lust taum Driwen un Utslagen; äwer in de Tid wiren mi ok de Wörteln afsneden. – Min oll Vader was nah Däms henkamen und hadd mi besöcht; hei was desülwige olle gaude Vader von vördem; äwer in de säben Johr wiren mit mine Hoffnungen ok sine verdrögt; hei hadd sick gewennt, mi so antauseihn, as ick mi sülwst ansach – as en Unglück; hei hadd sick för de Taukunft en annern Tausnitt makt, un ick stunn nich mihr vöran in sin Rekenexempel. Wi wiren uns frömd worden; de Schuld lagg mihr an mi as an em; de Hauptschuld äwer lagg dor, wo mine säben Johr legen. Ach, wat wiren dat för Gedanken! – Wat was ick? Wat wüßt ick? Wat kunn ick? – Nicks. – Wat hadd ick mit de Welt tau dauhn? – Rein gor nicks. – De Welt was ehren ollen scheiwen Gang ruhig wider gahn, ahn dat ick ehr fehlt hadd; üm ehrentwillen kunn ick noch ümmer furt sitten un – as ick so unner den Dannenbusch satt – för minentwegen ok. – Äwer du büst fri! du kannst gahn, wohen du willst! De Welt steiht di apen! – Ja, äwer wecker Weg is de rechte? – »Schüten, kumm her!« un ick bunn minen lütten Hund von de Lin los, »allong! Vöran!« Ick spelte en beten Blin'nkauh mit de Welt. – De Taufall un de Instinkt, dat wiren de beiden einzigsten Haken, de ick in ehre kalen Wän'n inslagen kunn. Up de Festungen hadden sei mi knecht't; äwer sei hadden mi en Kled gewen, dat was dat füerfarben Kled von en grimmigen Haß; nu hadden sei mi dat uttagen, un ick stunn nu dor: fri, äwer ok splitterfadennakt, un so süll ick rinne in de Welt. 't gaww noch wat – dat fäuhlt ick –, wat mi wedder insetten kunn in de Welt, dat was de Leiw'; äwer sei was mi verluren gahn, sei lagg wid af von den Sand un de Dannenbüsch, up de min Og' föll. – »Schüten, min olle lütte Hund, lop vöran!« – Hei lep vöran, un ick folgte, hei was in desen Ogenblick dat einzigste Kreatur, wat mit Leiw' an mi hung. Hei was los von sine Lin, un hei sprung lustig hen un her, hei sprung an mi tau Höchten – dat was Leiw' – un äwer minen lütten Hund un mi schinte Gottes Sünn hell un warm, un wo de schint, sall't nich lang düster bliwen; in mi würd't heller. Schüten hadd den richtigen Weg inslagen, ick kamm nah Grabow un tau olle Frün'n – Franzing, weitst noch? – Äwer wo kamm mi allens vör? – Keiner mag't markt hewwen, äwer in mi was 't, as stunn ick mang all dat Gräunen un Bläuhen, un sei hadden mi de Telgen afslahn. Franz hadd mit mi sin Schaulexamen makt, sin Unkel Hös' hadd ein dortau 'ne halw Buddel Schampanger schenkt. Hei hett sei ihrlich mit mi deilt, as wi glücklich dörchkamen wiren. Nu was hei Burmeister in 'ne lütte hübsche Stadt un hadd sick 'ne leiwe, fründliche Fru frigt, un von baben bet unnen sach sin Hus ut, as künn hei dor Lewenstid glücklich in wahnen. – Hei hett mi dat woll nich anmarkt, wo mi tau Sinn was – Afgunst was dat bi Gott nich! Äwer mi was so tau Maud', as wir ick mit dreckige Stäweln in' ne saubere Stuw' rinne treden. Ick besöchte en annern ollen Schaulfründ von mi, den Amtsverwalter Prehn. Desülwige fründliche Upnam. – Ja, sei was so fründlich un herzlich, dat mi dese olle brave Fründ noch dat vulle Geleit nah Ludwigslust hen gaww. Dor drop ick minen gauden Vetter August. – Hei wull mi wat tau Gefallen dauhn un brächte mi tau den Hofmaler Lenthe, de wis'te mi sine Biller, un as ick de sach, säd ick tau mi: »So, dormit büst du nu ok dörch! Du hest säben Johr teikent un malt, un nu is dat ok man en Quark!« – Dunn föll wedder en Telgen up de Ird. Ick kamm nah Parchen, wo ick up de Schaul west was, mine Lihrers von vördem nemen mi fründlich up – sei sünd vörher un nahher ümmer fründlich tau mi west –, de Direkter namm mi mit nah Prima in de Klass'. – De Primaner kemen mi as pure Kinner vör, un doch, wenn ick't mi recht äwerläd, denn stunn ick mit mine dörtig Johr up densülwigen Punkt, wo sei mit ehr achteihn stunnen, dat heit bet up dat, wat ick vergeten hadd. – Wo wiren mine schönen Johren blewen! – Ick kamm nah Hus. – As ick mit min Fellisen up den Nacken ut de Pribbenowschen Dannen tred un nah mine lütte Vaderstadt räwer kek, kennte ick sei binah nich wedder. Dat olle Bild, wat mi in de Firn ümmer vör Ogen stahn hadd, was unnergahn; nige Straten wiren upkamen, un de Stadt hadd sick nah allen Kanten utbugt. Ick gung in min Vaders Hus – dat was en frölich-trurig Wedderseihn! – Denn äwer de Freud' läd sick bi mi swor as Bli de Frag': wat nu? un bi em ok; ick kunn't em anseihn. – Ick säd mine Swestern un minen Swager »gun Dag«; ok in unsere Famili hadd sick allerlei utbugt, äwer mi kamm't ebenso frömd vör as de nigen Straten. – Stadtmus'kant Berger brächte mi en Ständschen; sei säden, 't wir ok man so so west, äwer ick freu'te mi doräwer; de Lüd' dachten doch noch an mi. As ick den annern Morgen upwakte, frog ick mi: wat nu? Un as ick tau minen Vader kamm, frog de ok: wat nu? Un in dese schreckliche Frag' bün ick Johre lang herümmer bistert; ick grep hir hen, ick grep dor hen, nicks wull mi glücken; ick weit, ick hadd schuld – de Lüd' säden't jo ok –, äwer wat helpt dat all, ick was sihr unglücklich, vel unglücklicher as up de Festung. – Min Vader was storben, un nu hadd ick mi de slimme Frag' man noch allein vörtauleggen; ick was Landmann worden, mit Lust was ick dat west; äwer mi fehlte de Hauptsak taum Landmann – dat Geld. – Ick hadd vele gaude Frün'n un einen gauden Fründ; de gauden Frün'n treckten mit de Schuller, un de gaude Fründ kunn mi nich helpen, hei hadd sülwst man knapp Geld. Dunn säd ick eines Dags tau mi: din Kahn geiht tau deip, du hest em äwerladen; du hest all dat Takeltüg in den Kahn, wat di mal mit Hoffnungen un Wünsch un Utsichten unner de Ogen gahn is, un kein von de Rackers rögt Hand un Fäut, un du sallst den Kahn allein räudern? Rut mit den Ballast! – Un ick krig den irsten bi den Kragen: »Wer sünd Sei?« – »Avkat«, seggt hei. – »Nu kik den Düwel an, wat hei för Schauh verdröggt!« segg ick. »Heww ick di raupen?« – Un – plumps! lagg hei in't Water. Un ick krig den tweiten tau faten: – »Wer is dit?« – »Ein Verwaltungsbeamter«, seggt hei, »zu dienen.« – »As wat?« frag ick. – »Oh«, seggt hei, »man bloß als Ratsherr oder Kammerarius oder Stadtprotokollist, in 'ner kleinen ungebildeten Stadt.« – »Un du meinst, ick sall mi mit so'n Schubbejack noch länger rümmerslepen?« – »Aufzuwarten«, seggt hei. – »Je, ick will di upwohren !« segg ick, un dunn lagg ok de rin in't Water. – Dunn kamm de drüdde an de Reih. – »Wer büst du?« frag ick. – »Ein Künstler«, seggt hei – »Wo so?« frag ick. – »Ein Maler«, seggt hei. – »Ja«, segg ick, »dat hadd ick di glik an dine verdreihten Anstalten afseihn kunnt: Wat snittst du din Brod langs, wenn anner Lüd' ehr verdwars sniden? So'ne ükerwendsche Ort kann ick hir nich bruken. – Rin mit di!« Na, de spaddelte noch en En'nlang wider, de wull sick noch nich gewen; äwer tauletzt müßt hei doch Water sluken. – »Also nu de virte!« röp ick. – Nu wuchte sick dor wat in de Höcht, dat hadd grad kein Rick un Schick; äwer'n schön Gewicht, un dorüm was't mi tau dauhn. – »Woher des Lan'ns?« frag ick. – »Ut't Domanium«, seggt hei. »Un wat för einer?« frag ick. – »En Pächter«, seggt hei. »Kann di hir nich länger bruken, Bräuding«, segg ick. »Kann nich in din Hut krupen; din Hut is mi tau wid. – Rinne mit di!« – Na, Fett swemmt baben; de mag mägliche Wis' noch rüm swemmen. – As ick den föften bi den Kanthaken kreg, säd hei gottserbärmlich tau mi: »Laten S'! – Ick bün en Inspekter un möt mi vel gefallen laten un heww an tweihunnert Daler un en Pird fri un denn dat beten Lastengeld.« – »Lastengeld hest ok noch?« segg ick. – »Racker! un denn willst mi hir noch Spermang maken?« – Hei wull sick noch wehren; äwer hir hülp kein Wehren un kein Beden. – Rinne mit em! – Nu kamm de letzt, en oll lütt tausamschräutes Männeken: »Na, Brauder, wat büst du för ein?« – »Nemen S' nich äwel«, seggt hei, »ick bün en Schaulmeister, heww nägentig Daler Gehalt un fri Wahnung in de Schaulstuw', schriw all unsern Herrn Paster sine Schriwwten un heww dorför noch fri Tüftenland. Mi geiht't grad so as Sei: ick heww ok mal studiert; Sei stimmen nich mit de Welt äwerein un ick nich mit den Oberkirchenrat. Mi känen S' ümmer leben laten.« – »Ja«, segg ick, »olle Burs, dine Hoffnungen un Wünsch un Utsichten warden minen Kahn grad nich tau sihr belasten; äwer wenn wi an't Land kamen, denn borg mi dinen Rock.« – »Hei's flickt«, seggt hei. – »Schadt em nich.« – »Hei's Sei tau eng«, seggt hei. – »Schadt em ok nich, ick möt mi in em inrichten.« Un as wi an't Land kemen, treckte ick den Schaulmeister sinen Rock an, un was hei ok eng, so höll hei mi doch Wind un Weder von'n Liw', un wenn ick ok jahrelang de Stun'n tau twei Gröschen gewen müßt, heww ick mi in em doch gaud naug gefallen; un hadd ick för den Herrn Paster ok kein Schriweri tau besorgen, denn schrew ick des Abends »Läuschen un Rimels«, un dat würd min Tüftenland, un uns' Herrgott hett doräwer jo sine Sünn schinen lauen un Dau un Regen nich wehrt – un de dummsten Lüd' bugen de meisten Tüften.