Jean Racine Mithridat. (1673) Aus dem Französischen von Adolf Laun     Leipzig Verlag des Bibliographischen Instituts. (ca. 1890)   ══════════════   Personen         Mithridat , König von Pontus und mehreren andern Staaten Monimia , mit Mithridat verlobt und schon zur Königin erklärt. Söhne Mithridats von verschiedenen Müttern:     Pharnazes .     Xiphares . Arbates , Mithridats Vertrauter, Befehlshaber von Nymphäum. Phödime , Monimias Vertraute. Arcas , Mithridats Diener. Wachen. Frauen der Monimia. Der Schauplatz ist Nymphäum, ein Hafen am kimmerischen Bosporus im taurischen Chersones.     Erster Aufzug. Erster Auftritt. Xiphares und Arbates . Xiphares . Die Kunde, die uns ward, ist wahr, Arbates: Rom triumphirt, und Mithridat ist todt. Des Vaters viel erprobte Vorsicht täuschend, Griff ihn der Römer Heer bei nächt'ger Zeit Am Euphrat an. Sein Volk zerstreute sich Nach langem Kampf und ließ ihn unter Haufen Gefallener zurück. Ein Krieger, sagt man, Gab in Pompejus' Hand sein Diadem Zugleich mit seinem Schwert. So stirbt ein König, Der vierzig Jahre lang allein die größten Der Feldherrn Roms ermüdete, und der, Im Orient des Glückes Schalen wieder Ins Gleiche bringend, aller Könige Gemeine Sache führt' und alle rächte. Er stirbt und hinterläßt, um ihn zu rächen, Zwei Söhne, die zum Unglück uneins sind. Arbates . Wie, macht der Wunsch, an seiner Statt zu herrschen, Dich deinem eignen Bruder schon zum Feinde? Xiphares . Ach nein, um solchen Preis verlangt mich's nicht Nach dieses unglücksel'gen Reiches Trümmern; 172 Ich weiß, welch Vorrecht ihm das Alter giebt, Und mit den Landen mich begnügend, die Mein Antheil sind, werd' ich in seine Hand Das gerne fallen sehn, was ihm die Freundschaft Der Römer, wie er hofft, verschaffen wird. Arbates . Der Römer? Er, der Sohn des Mithridat? O sage, Herr, ist's wahr? Xiphares .                                 Kein Zweifel, Freund! Pharnazes, lange schon im Herzen Römer, Erwartet Alles jetzt von Rom, vom Sieger, Und ich, dem Vater treuer jetzt, denn je, Fühl' ew'gen Haß im Herzen gegen Rom; Jedoch mein Haß und sein Begehr sind nur Ein Theil von dem, was unsern Zwiespalt macht. Arbates . Was ist's noch sonst, das gegen ihn dich reizt? Xiphares . So hör' und staune denn. Monimia, Die schöne Griechin, die des Vaters Herz Gewann, und die Pharnazes jetzt zu lieben Erklärt . . . . Arbates .               Nun, Herr? Xiphares .                                 Ich liebe sie und will Es länger nicht verschweigen, da mein Bruder Jetzt nur allein mein Nebenbuhler ist. Wohl mag dir's unerwartet kommen, doch Dies ist nicht ein Geheimniß wen'ger Tage, Seit lang wuchs diese Liebe still empor. O könnt' ich ihre ganze Macht dir zeigen, Der ersten Sehnsucht Glut, die letzten Qualen! Doch jetzt, in dieser schwer bedrängten Lage Erlaß es mir, das Schicksal meiner Liebe 173 Dir zu erzählen; mög's, mich zu entschuld'gen, Genug sein, wenn ich sag': Ich liebte sie Zuerst und dachte schon an Hymens Band, Bevor mein Vater ihren Namen kannte. Er sah sie, aber statt ihr seine Hand, Wie's ihrer Schönheit würdig, anzubieten, Hofft' er, sie würde, nicht nach Höh'rem strebend, Ihm einen würdelosen Sieg gewähren. Du weißt es, wie er ihre Tugend in Versuchung bracht' und müde, stets umsonst Zu kämpfen, in der Ferne selbst noch glühend, Durch deine Hand sein Diadem ihr bot. Groß war mein Schmerz, als mir genaue Kunde Von seiner Lieb' und seinen Plänen ward, Und daß Monimia, für ihn bestimmt, Durch dich nach diesem Ort geleitet worden. Es war zu jener unglücksel'gen Zeit, Wo meine Mutter dem, was Rom ihr bot, Entgegen kam und ob betrog'ner Liebe Nach Rache dürstend, oder buhlend um Pompejus' Gunst, für mich Verrath am Vater Beging und jenen Platz mit allen Schätzen, Die man ihr anvertraut, auslieferte. O, wie ergriff mich's, als ich solches hörte! Mein Vater war nicht mehr mein Nebenbuhler, Der feindlich meiner Liebe Bahn durchkreuzte, Er war nur noch der Schwerbeleidigte. Ich griff die Römer an, und meine Mutter Sah voll Bestürzung, wie ich, jenen Platz Zurückerobernd, mich dem Tode weihte, Und sterbend jene Schuld zu tilgen suchte. Befreit ward der Euxin und ist noch frei; Von Pontus' Ufern bis zu den Gestaden Des Bosporus ward meines Vaters Macht Rings anerkannt, und die beglückten Schiffe Sahn keine Feinde mehr als Wind und Welle. 174 Doch strebt' ich weiter noch, Arbat, ich wollte Bis an den Euphrat ihm zu Hülfe eilen. Da plötzlich traf mich seines Todes Kunde, Und unter Thränen, ich verberg' es nicht, Trat mir Monimia, die mein Vater dir Zur Obhut gab, mit allem Reiz entgegen, Und bange Sorg' ergriff mich um ihr Leben: Ich dachte an des Königs Grausamkeit Im Lieben. Dir ist ja bekannt, wie oft, Von Eifersucht erfüllt, er die Geliebten Ermorden ließ. Ich eilte nach Nymphäum Und traf dort an des Walles Fuß Pharnazes, Was, ich gesteh's, mir schlimme Ahnung weckte. Du nahmst uns Beide auf und weißt nun Alles. Pharnazes, immer wild in seinen Trieben, Verhehlte nun nicht länger sein Begehr; Er meldete der Königin des Vaters Unglückliches Geschick und seinen Tod Und bot sich ihr an seiner Stelle dar. Wie er es sagt, so denkt er's auszuführen; Doch ich auch bin gemeint, hervorzutreten. Wie ich des Vaters Ansehn stets geehrt, Dem ich seit meiner Kindheit huldigte, So trotz' ich jetzt, im Innersten empört, Dem Anspruch dieses neuen Nebenbuhlers. Entweder weist Monimia, meiner Liebe Entgegen, das Geständniß, das ich ihr Zu machen denke, kalt und stolz zurück . . . . Wo nicht, was auch für Unheil draus entstehe, Durch meinen Tod allein wird sie ein Andrer Gewinnen! Das ist Alles, was ich dir Im Stillen zu vertrauen hatte. Nun Entscheide, wer von Beiden deines Beistands Dir würd'ger scheint, zu wem du treten willst: Bin ich es oder ist's der Römerknecht? Pharnazes meint vielleicht, mit ihrer Freundschaft 175 Sich brüstend, daß er hier als Herrscher walten Und mir, als seinem Knecht, befehlen könne, Doch ich erkenne seine Macht nicht an. Ihm fiel der Pontus, mir fiel Kolchos zu, Und Kolchos' Fürsten sahen, wie bekannt, Den Bosporus stets an als ihr Gebiet. Arbates . Befiehl, o Herr! Schon traf ich meine Wahl, Und hab' ich Macht, so widm' ich sie der Pflicht. Mit gleichem Eifer und mit gleichem Muth, Wie ich dem Vater dient' und diesen Platz Vertheidigt habe gegen deinen Bruder Und selber gegen dich, werd' ich jetzt nach Des Vaters Tod dich gegen Alle schützen; Denn ohne dich, ich weiß es, war mein Fall Gewiß, sobald Pharnazes hier einzog. Er hätte diesen Wall mit meinem Blut Befleckt, hätt' ich ihn gegen ihn vertheidigt. Sei nur der Neigung und der Wahl Monimias Erst sicher, dann, sofern mein Ansehn nicht Ein bloßer Schatten, läßt Pharnazes dir Den Bosporus und mag sich anderswo Erfreun am guten Willen seiner Römer. Xiphares . Wie werd' ich's deiner Liebe danken? Doch Man kommt; geh', Freund, die Kön'gin ist's, sie selbst.   Zweiter Auftritt. Monimia . Xiphares . Monimia . Ich wende flehend mich an dich, o Herr: Verlässest du mich, wer soll mich beschützen? Nicht Freund, noch Eltern hab' ich; trostlos, furchtsam 176 Bin ich nur Königin dem Namen nach, Doch in der Wirklichkeit Gefangene. Ich heiße Wittwe und war niemals Gattin, Doch dies, o Herr, ist noch die mildeste Von meinen Qualen. Nur mit Bangen Kann ich den Feind dir nennen, der mir droht; Doch hoff' ich, nie wird ein so edles Herz Die Thränen der Unglücklichen dem Band Des Bluts, das euch vereint, zum Opfer bringen. Du ahnst es schon, daß ich Pharnazes meine. Er ist's, o Herr; mit frevelhaftem Sinn Sucht er der Ehe Joch mir aufzudrängen, Das schlimmer mir als selbst der Tod erscheint. Ach, unter welchem Unglücksstern bin ich Geboren! Für ein neigungsloses Bündniß Bestimmt, genieß' ich, frei geworden, kaum Der Ruh' und soll mich dem Verhaßten schon Ergeben! Wohl müßt' ich in meinem Unglück Bescheidner sein, bedenkend, daß ich hier Mit seinem Bruder spreche; doch, ob's nun Mit Recht, ob's Schicksal sei, ob's daher kommt, Weil ich in blindem Haß ihn mit den Römern, Um deren Gunst er buhlt, verwechsele, Nie wurde unter schwärzeren Auspicien Ein Ehebund gleich dem geschlossen, der Mit Todesqualen mich bedroht. O Herr, Wenn meine Thränen dich nicht rühren können, Und wenn Verzweifelung allein mir bleibt, Dann wirst du sehn, wie ich an dem Altar, Der auf mich harrt, mir selbst zurückgegeben, Das arme Herz durchbohren werde, das Man zwingen will, und über das bis jetzt Mir nie gestattet worden, zu verfügen. Xiphares . Auf meinen Beistand, Fürstin, darfst du baun, Du herrschest hier mit unbeschränkter Macht. 177 Pharnazes möge anderswo, wenn's ihm Beliebt, sich furchtbar machen – – doch noch kennst du Die ganze Größe deines Unglücks nicht. Monimia . Welch neues Unheil kann mich noch bedrohn? Xiphares . Ist, dich zu lieben, ein so groß Verbrechen, Dann ist Pharnazes nicht allein der Schuld'ge, Und ich bin strafenswerther noch als er. Monimia . Du? Xiphares .         Nenn's das unheilvollste der Geschicke, Ruf alle Götter gegen ein Geschlecht, Das nur geschaffen, dich zu quälen, gegen Den Vater und die Söhne. Doch wie sehr Auch meine Leidenschaft dich staunen macht Und Kummer dir erweckt, dein Unglück kommt Nicht jenem gleich, das ich erduld' und das Ich dir verbergen wollte. Doch du mußt Nicht glauben, daß ich dem Pharnazes gleich Dir huldige, um seine Stelle einzunehmen. Du willst dir selber angehören; nimm Mein Wort: nicht ich, noch er wird dich dran hindern: Doch welche Zuflucht hast du dir erwählt? Ist's, Fürstin, fern, ist's nah bei meinen Staaten? Gewährst du, daß ich dich dahin geleite? Wirst Schuld und Unschuld du mit gleichem Blick Betrachten, wie vor meinem Nebenbuhler, So auch vor mir zurück dich ziehn? Muß ich Zum Lohn, daß ich nach deinem Wunsche that, Auf immer deine Gegenwart entbehren? Monimia . O Götter! was vernehm' ich! Xiphares .                                                 Schöne Fürstin, 178 Verleiht die Zeit ein Anrecht, dann bedenke, Daß ich der Erste war, der dich gesehn, Und gleich beschloß, dir ewig zu gehören, Als noch, von meinem Vater unbemerkt, Die erste Blüthe deiner Reize sich Dem Blick der Mutter nur allein enthüllte. Ach, als die Pflicht mich zwang, dich zu verlassen, Und sich mein Herz dir noch nicht zeigen durfte, Wie war ich da – gedenkst du noch daran? – Schmerzlich bewegt in jener Abschiedsstunde! Doch ich allein erinnere mich deß; Gesteh' es nur, ich rufe dir, o Fürstin, Schon längst erloschne Träume vor die Seele. Dieweil ich fern von dir und ohne Hoffnung, Je heimzukehren, meinen Kummer nährte, Hast du zur Ehe mit dem Vater dich Nur allzu gern entschlossen, und die Qualen Des Sohnes haben dich wohl kaum gerührt. Monimia . Ach! Xiphares .           Hast du einen Augenblick daran Gedacht? Monimia .       Mißbrauch', o Herr, nicht meine Lage. Xiphares . Mißbrauchen, Himmel! ich, der dich beschützt, Nichts fordert und nicht Lohn dafür verlangt, Der selbst, wenn du es wünschest, dir verspricht, Daß du ihn niemals wiedersehen sollst? Monimia . Das wäre mehr, als je du halten kannst. Xiphares . Wie, glauben willst du's nicht, wenn ich dir's schwöre? Du meinst, ich würd' im Mißbrauch meiner Macht 179 Dir deine Freiheit zu beschränken suchen? Man kommt. Erkläre dich mit Einem Wort. Monimia . Beschütz' mich vor Pharnazes' Leidenschaft; Daß ich dir dann gestatte, mich zu sehen, Dazu bedarf's des Mißbrauchs nicht der Macht. Xiphares . Monimia! Monimia .                   Dein Bruder kommt, o Herr.   Dritter Auftritt. Pharnazes . Monimia . Xiphares . Pharnazes (zu Monimia) . Wie lang harrst du auf meinen Vater noch? Die Todesboten, welche stündlich kommen, Gestatten weder Zweifel, noch Verzug. Komm, flieh den Anblick dieser wilden Küste, Wo Alles dich an deine Knechtschaft mahnt! In einem schönern Land, das deiner würd'ger, Erwartet dich ein dir ergebnes Volk. Der Pontus nennt dich seine Königin Seit langer Zeit, und noch trägt deine Stirn Die Königsbinde, deiner Herrschaft Zeichen. Vom Vater erbt' ich, Fürstin, diesen Staat, Und was er dir versprach, ich will es halten. Doch glaube mir, wir müssen Hymens Fest Und unsren Aufbruch jetzt beschleunigen, Mein Herz und auch die Klugheit rathen's so. Schon harren deiner meine Schiff' im Hafen, Wenn vom Altar du kommst, dich zu empfangen Als Königin der Fluten, die dich tragen. Monimia . Die Güte macht mich ganz beschämt, o Herr; 180 Doch da die Zeit zu rascher Antwort drängt, Darf ich des Herzens innerstes Gefühl Dir frei und offen mitzutheilen wagen? Pharnazes . O thu's. Monimia .                 Ich glaube dir bekannt zu sein. Mein Heimatland ist Ephesus, ich stamme Von Königen und von Heroen ab, Die bei den Griechen um der Tugend willen Noch höher stehn, als selbst die Könige. Dort sah mich Mithridat! Ionien war Mit Ephesus zu Einem Reich vereint, Er sandte mir voll Huld dies Diadem Als seiner Liebe Zeichen. Meinem Hause War's ein Befehl, dem man gehorchen mußte, Und als gekrönte Sklavin reiste ich Dem mir bestimmten Ehebund entgegen. Der König harrt' in seinem Reich auf mich, Allein der Krieg rief ihn in andre Lande, Und weil er ihn so ganz in Anspruch nahm, Entsandt' er mich an diesen ruh'gen Ort. Ich kam und bin noch hier. Jedoch, o Herr, Mein Vater büßte schwer für diese Ehre. Die Römer siegten, und Philopömen Erlag als erstes Opfer ihrem Schwert. Das ist es, was ich dir erzählen wollte, Und ob mich auch gerechter Haß erfüllt, Zum Kampfe gegen Rom hab' ich kein Heer; Ich weiß, was es im Schilde führt, doch mich Zu rächen, fehlt es mir an jeder Macht, Ich habe nur mein Herz. Was ich allein Vermag, ist, meinem Vater treu zu bleiben, Und meine Hand nicht in sein Blut zu tauchen, Indem ich sie dem Römerfreunde reiche. 181 Pharnazes . Was sprichst du mir von Rom und Römerfreundschaft? Woher das Mißtraun? Wer hat dir gesagt, Daß ich nach einem Bund mit ihnen trachte? Monimia . Du selber, Herr, du kannst es ja nicht leugnen; Wie bötest du mir sonst die Kron' und Zutritt Zum Lande an, das rings von ihrem Heer Umlagert ist, wenn ein geheimer Bund Das Reich mir und den Weg nicht sicherte? Pharnazes . Ich könnte meine Pläne dir enthüllen Und meine Gründe auseinandersetzen, Wenn du, von eiteler Verstellung frei, Des Herzens Meinung mir erschlossen hättest. Doch schon nach all' der Ausflucht, die du suchst, Und den Entschuldigungen wird mir's klar, Daß dich im Stillen ganz was Andres treibt; Ein Andrer als dein Vater spricht aus dir! Xiphares . Was auch die Kön'gin also reden läßt, Kann zweifelhaft, o Fürst, die Antwort sein? Und darf nur einen Augenblick dein Groll Noch zögern, gegen Rom hervorzubrechen? Wie, wir erfahren unsers Vaters Unglück Und, langsam in der Rache, aber rasch Im Uebernehmen seiner Stelle, sollen Wir unsre Ehre und sein Blut vergessen? Er starb. Doch ist's gewiß, daß ihm ein Grab Geworden? Jetzt, wo deine Seele noch Sich nur in süßen Eheträumen wiegt, Liegt er, der König, der den Orient Mit seiner Thaten hohem Ruhm erfüllte, Den man mit Recht den letzten König heißt, Im eignen Land vielleicht der Gruft beraubt, In einem Haufen unbekannter Leichen 182 Und klagt zum Himmel, der ihn nicht beschützt. Und nun die Söhne, welche ihn nicht rächen! Auf, laßt uns länger nicht im Winkel hier Des Bosporus die Zeit nutzlos verseufzen; Wenn irgendwo ein freier König lebt, Sarmate, Scythe oder Parther, der Die Freiheit liebt, er sei uns Bundsgenoß! Laß uns zu ihm, und leben oder sterben Als würd'ge Söhne Mithridats! Laß lieber Das Vaterland uns vor der Knechtschaft schützen, Als darauf sinnen, wie wir uns ein Herz Erzwingen, das nicht frei sich uns ergiebt! Pharnazes (zu Monimia) . Er weiß, wie du gesinnt. Nun, täuscht' ich mich? Das ist's, was dich bewegte, das der Vater, Die Römer, die du mir zum Vorwurf machtest. Xiphares . Ich kenne ihres Herzens Meinung nicht; Doch glaubt' ich so wie du sie zu verstehn, Dann unterwürf' ich mich ihr ohne Sträuben. Pharnazes . Du thätest wohl dran, ich weiß, was zu thun; Dein Beispiel ist für mich noch keine Richtschnur. Xiphares . Doch weiß ich Niemand hier, der nicht das Beispiel, Das ich ihm gebe, nachzuahmen hätte. Pharnazes . In Kolchos dürftest du vielleicht so reden. Xiphares . Ich darf's in Kolchos und ich darf es hier. Pharnazes . Hier könnt' es doch zu deinem Schaden sein. 183   Vierter Auftritt Pharnazes . Monimia . Xiphares . Phödime . Phödime . Ihr Fürsten, rings mit Schiffen ist das Meer Bedeckt, und bald erscheint der König selbst. Er wird die Todesbotschaft Lügen strafen. Monimia . Wie, Mithridat? Xiphares .                             Mein Vater? Pharnazes .                                                 Ha, was hör' ich! Phödime . Auf leichten Schiffen kam uns diese Nachricht. Er ist's. Arbates ist, ihn zu empfangen, Hinausgefahren in die hohe See. Xiphares . Was thaten wir! Monimia .                           Leb' wohl! Ha, welche Nachricht!   Fünfter Auftritt. Pharnazes . Er kehret heim, o grausames Geschick! Mein Leben, meine Lieb' ist in Gefahr! Das Römerheer, das ich erwarte, kommt Zu spät! (Zu Xiphares) Was ist zu thun, ich hör' dich seufzen Und sah, wie sie ein Lebewohl dir winkte. Doch jetzo handelt sich's um andre Dinge, Und ernste Sorgen sind's, die uns bedrängen. Er kehrte heim, und unerbittlich wird Er sein, denn furchtbar ist er, wenn ein Unglück 184 Ihn trifft, und dringender ist die Gefahr, Als du dir denkst. Wir beide sind in Schuld, Du kennst ihn. Lieb' entwaffnet seinen Zorn Nicht leicht, und keinen strengern Richter giebt's Für seine Kinder! Sahen wir ihn doch Aus schwächrem Grund zwei Söhne seinem Argwohn Zum Opfer bringen. Für die Königin, Für dich und mich ist wahrlich hier zu fürchten. Und sie beklag' ich um so mehr, als er Sie liebt, und wie sein Lieben glühend ist, So furchtbar ist er in der Eifersucht! Trau' nicht der Neigung, die er zu dir hegt, Sein Argwohn ist dann um so finstrer nur, Bedenk' es wohl. Die Krieger lieben dich, Und mir kommt Hülfe, über die ich mich Noch nicht erklären darf. Folg' meinem Rath, Auf unsre Sicherheit laß uns bedacht sein Und rasch zu Herrn uns dieses Platzes machen, Damit er uns nur solcherlei Bedingung Vorschreibe, welche wir genehm'gen wollen. Xiphares . Ich kenne meine Schuld und meinen Vater Und weiß auch, daß der Mutter Frevelthat Im Gegensatz zu dir mich schwer belastet. Doch wie die Liebe auch mein Herz befange, Erscheint mein Vater, kann ich nur gehorchen! Pharnazes . So sei'n wir mindestens einander treu, Ich kenne dein Geheimniß, du das meine. Der König, stets erfindungsreich in Listen, Wird jedes Wort von uns zum Fallstrick machen; Du kennst ihn ja, du weißt es, wie sein Haß Sich hinter Zärtlichkeit zu bergen pflegt. Wohlan, da's sein muß, folg' ich dir; wenn auch Gehorsam, woll'n wir doch uns nicht verrathen. 185   Zweiter Aufzug. Erster Auftritt. Monimia . Phödime . Phödime . Wie, du bist hier, wenn Mithridat sich naht, Wenn Alles ans Gestade eilt, um dort Ihn zu begrüßen? Herrin, sprich, was hast du, Was hält dich plötzlich hier zurück? Wird er Verletzt nicht sein, der so dich liebt, Der fast dein Gatte schon? Monimia .                                     Noch ist er's nicht; Bis dahin, sollt' ich meinen, ziem' es sich, Phödime, hier ihn zu erwarten. Phödime .                                           Doch Er ist ja kein alltäglicher Geliebter; Bedenke, daß dem großen König dich Dein Vater selbst hat angelobt. Du hast Von ihm ein feierliches Pfand der Liebe, Das am Altare er bestät'gen kann, Sobald er will. O folge meinem Rath, Eil' ihm entgegen, Herrin, zeig' dich ihm. Monimia . In solchem Zustand soll ich vor ihn treten? 186 Mein Angesicht in Thränen! Rathe mir, Statt ihn zu suchen, daß ich mich verberge. Phödime . Ihr Götter, was vernehm' ich' da! Monimia .                                                       O Heimkehr, Die mir den Tod bringt! Ach, ich Unglücksel'ge, Wie soll ich mich vor seinen Augen zeigen, Das Diadem im Haar und Qual im Herzen? Phödime, du verstehst mich, siehst, wie ich Erröthe. Phödime .       So verfällst du in den Gram Aufs Neu', der dir in Griechenland so viel Der Thränen schon gekostet? Xiphares Tritt immer wieder dir vor deine Seele? Monimia . Mein Unglück ist noch größer, als du ahnst. Nur mit der Tugend, mit des Ruhmes Glanz, Stand damals im Gedächtniß mir sein Bild, Doch wußt' ich nicht, daß er in Liebe glühte. Phödime . Dich liebt er, Fürstin? Er, der edle Held? Monimia . Ist so unglücklich, wie ich elend bin. Er liebt mich und was hier ich hab' erduldet, Erlitt er anderswo in gleichem Maß. Phödime . Und weiß er, wie du gegen ihn gesinnt? Weiß er, daß du ihn liebst? Monimia .                                     Er weiß es nicht. Die Götter waren hülfreich mir. Mein Herz Bezwingend sagt' ich Nichts, zum mindesten Nur halbe Worte. Wüßtest du, wie schwer Mir's ward, das Schweigen zu bewahren! Freundin, 187 Wenn's möglich ist, so seh' ich nie ihn wieder. Wie ich mich auch beherrschte, säh' ich ihn In Schmerz, ach, ich vermöchte nicht zu schweigen! Er wird mir mein Geheimniß noch entlocken, Doch liebt er mich, wird er sich deß nicht freun, Sein ungeahntes Glück verkauf' ich ihm So theuer, daß er's besser nicht erfährt. Phödime . Man kommt. Was willst du thun, Gebieterin? Monimia . So kann, so will ich nicht vor ihm erscheinen.   Zweiter Auftritt. Mithridat . Pharnazes . Arbates . Wachen . Mithridat . Ihr Fürsten, wie ihr's auch entschuld'gen wollt, Es hat die Pflicht euch nicht hierher geführt. Ihr durftet nicht in dieser Zeiten Drang, Du Pontus nicht und du nicht Kolchos, welches In eure Hut gegeben war, verlassen. Doch Richter ist ein Vater, der euch liebt. Ihr glaubtet dem Gerüchte, das ich selbst Verbreitet; da ihr's wünscht, so will ich euch Für schuldlos halten und den Göttern dank' ich, Daß sie uns hier aufs Neu' vereinten. Bin Ich auch besiegt und nah dem Untergang, So sinn' ich doch auf einen neuen Plan, Der meines Muthes würdig ist. Bald werdet Ihr Näheres davon erfahren. Doch Nun geht, damit ich kurzer Ruhe pflege. 188   Dritter Auftritt. Mithridat . Arbates . Mithridat . So siehst du mich nach einem Jahre wieder, Nicht Mithridat, wie sonst, den Glücklichen, Der die Geschicke Roms in Händen wog Und zwischen Rom und mir die Welt im Schwanken Erhielt. Ich bin besiegt! Pompejus hat Den Vortheil einer Nacht benutzt, wo für Die Tapferkeit nur wenig Raum geblieben. Das Heer fast nackt, von Dunkelheit erschreckt, Die Reihen schlecht geschlossen und bewacht, Unordnung, durch Allarmgeschrei vermehrt, Die eignen Waffen gegen uns gerichtet, Der Rufe dumpfer Wiederhall am Felsen, Kurz, alle Schrecken eines Nachtgefechts! Was half in solcher Wirrniß Tapferkeit? Die Einen fielen und die Andren flohn, Ich selbst verdanke mein Entkommen nur Der Todesnachricht, die ich über mich Verbreitete. So kam ich unerkannt, Den Phasis überschreitend, bis zum Fuß Des Kaukasus und sammelte auf Schiffen, Die im Euxin dazu bereit schon lagen, Die Trümmer des versprengten Heers aufs Neue. Solch Unglück führte mich zum Bosporus, Und, ach! noch größres Unglück find' ich hier. Du siehst mich noch von gleicher Liebe glühen, Und dieses Herz, von Blut genährt und dürstend Nach Krieg und Schlacht, schleppt trotz der Last der Jahre Und des Geschicks, das mich verfolgt, die Fesseln Der Neigung zu Monimien mit sich fort Und findet in zwei undankbaren Söhnen Zwei Feinde, die es mehr als Alles haßt. 189 Arbates . Zwei Söhne, Herr? Mithridat .                               Hör' mich! Trotz meines Zorns Vermeng' ich Xiphares nicht mit dem Bruder. Ich weiß, daß meinem Willen gern sich fügend Er unsre Feinde so wie ich stets haßte; Ich sah, wie mir zu Lieb' er tapfer war Und meinen Beifall zu verdienen suchte; Ich weiß sogar, wie er verzweiflungsvoll Und nur die Pflicht im Auge, was die Mutter Treulos verbrochen, gut zu machen suchte, Und neuen Ruhm aus ihrer Schuld gewann. Nein, nein, ich glaub' es nicht, ich kann's nicht denken, Daß mich der treue Sohn hat kränken wollen. Was aber wollten Beide hier? Verstieg Sich ihre Kühnheit gar so weit, daß sie Sich um die Hand der Königin bewarben, Wem von den Beiden schien sie zugeneigt? Wie soll ich selbst mich gegen sie verhalten? Sprich. Wie mich auch die Sehnsucht zu ihr zieht, Ich muß erst über Beide Auskunft haben. Was ist geschehn, was sahst du und was weißt du? Seit wann, warum hast du den Platz geräumt? Arbates . Acht Tage, Herr, ist's, seit Pharnazes sich Voll Ungeduld an dieser Wälle Fuß Gezeigt. Er forderte sogleich den Einlaß Und stützte auf die Todesnachricht sich dabei, Die aber schien mir übereilt zu sein. Ich hätte nicht darauf gehört, wenn nicht Sein Bruder mehr durch Thränen, als durch Worte Bei seiner Ankunft mir's bestätigt hätte. Mithridat . Nun, wie war ihr Verhalten denn? 190 Arbates .                                                             Pharnazes War kaum herein, als er der Königin Von seiner Leidenschaft zu reden eilte Und sich erbot, durch Hymens Band ihr bald Das Diadem, das sie von deiner Hand Erhielt, zu sichern. Mithridat .                     Ha, er ließ ihr nicht Einmal die Zeit, die Thränen mir zu weihn, Die sie der Asche schuldete. Der Bruder? Arbates . Der Bruder, Herr, verrieth bis heute Nichts Von Liebesplänen, die er etwa hegte; Er schien im Einklang stets mit dir zu sein Und nur auf Rache und auf Krieg zu sinnen. Mithridat . Was aber, sprich, hat ihn hierher geführt? Arbates . Das, Herr, erfährst du früher oder später. Mithridat . Sprich, ich befehl's, ich will das Alles wissen! Arbates . Der Fürst, wenn ich ihn recht verstanden habe, Vermeinte, daß dies Land nach deinem Tode Zu seinem Reich gehör', und ohn' ein andres Gesetz, als seinen Muth, zu kennen, dacht' er Sich mit Gewalt sein Erbtheil anzueignen. Mithridat . Ha, das ist das Geringste nur, worauf Er rechnen darf, wenn mir mein fernres Loos Der Himmel zu bestimmen gönnt. Arbat, Ich athme wieder auf. Wie bin ich froh! Gezittert hab' ich um den theuren Sohn; Mir bangt', in ihm die Stütze zu verlieren Und einen Nebenbuhler gar zu finden. 191 Pharnazes komme nur und kränke mich, Er strebte lange schon, mir zu mißfallen; Im Stillen hing er stets den Römern an Und wider Willen nur erklärt' er sich Als ihren Feind. Wenn ihm Monimia Die Liebe, welche sie mir schuldig ist, Entgegenbringt, dann weh' dem Frechen, der Sie mir entreißen will, der mich zu kränken Wohl frech genug, jedoch zu feige, mir Zu dienen. Liebt sie ihn? Arbates .                                     Die Kön'gin, Herr! Mithridat . Ihr Götter, die ihr meine Liebe seht Und meinen Haß, schont mich in meinem Unglück; Verhindert, daß ich das nicht finde, was Ich suche. Doch genug. Laß mich, Arbat, Mit ihr allein.   Vierter Auftritt. Mithridat . Monimia . Mithridat .               Jetzt endlich, Fürstin, führt Der Himmel mich aufs Neu' in deine Nähe Und meinen liebsten Wunsch erfüllend zeigt Er meiner Liebe schöner dich, denn je. Ich dachte nicht, daß uns der Tag des Hymen So spät erscheinen, noch daß meine Rückkehr Statt Liebesglück mir Unglück bringen würde. Und doch ließ Liebe mich von allen Orten Nur den erwählen, wo du selber weilst, Und jedes Unglück wird mir süß erscheinen, Wenn dir kein Unglück meine Gegenwart. Dies, wenn du mich verstehn willst, ist genug, 192 Du mußtest längst auf diesen Tag gefaßt sein. Du trägst ein Pfand der Treue, welches Dir täglich kündet, wem du angehörst. So mög' denn heut' der Bund geschlossen werden, Die Ehre ruft uns Beide von hier fort, Und keinen Augenblick verlierend laß Mich heut dein Gatte sein und morgen reisen. Monimia . Dein ist die Macht, o Herr! Die mir das Leben Geschenkt, sie traten jedes Recht auf mich Dir ab, und wenn du es gebrauchen willst, So ist Gehorsam meine einz'ge Antwort. Mithridat . So willst du wie ein Opferlamm, das sich Dem Joche beugt, nur zum Altare gehn, Und ich soll, ein Tyrann des Herzens, das Mir widerstrebt, selbst wenn ich dich besitze, Dir Nichts verdanken; Fürstin, kann mir das Genügen? Soll auf deine Gunst verzichtend Ich nur noch streben, dein Tyrann zu werden? Bringt mir mein Unglück nur Verachtung ein? Ha, ständ' auch nirgends mehr ein Weg mir offen, Mir neue Länder zu erobern, hätte Mein Mißgeschick mich tiefer noch gestürzt, Eilt' ich besiegt, verfolgt, der Hülf' entblößt Und ohne Land, von einem Meer zum andern, Mehr dem Piraten, als dem König gleichend, Umher, und blieb' statt alles Andern dann Mir nur der Name Mithridat, so wisse, Daß ich, von dieses Namens Glanz umstrahlt, Den Blick des Weltalls auf mich ziehen würde, Und daß kein König ist, wenn er den Namen Verdient, der, ob sein Thron auch fest und sicher, Nicht höher als den eignen Ruhm das Schicksal Des sturmverschlagnen Mannes schätzen würde, Den Rom in vierzig Jahren kaum besiegte, 193 Und sähst du mich nicht selbst mit andren Augen, Wenn jene Griechen, deine Ahnen, noch In dir lebendig wären? Da ich doch Einmal dein Gatte werden soll, wär's da Nicht edeler und würdiger zugleich, Daß du zur freien Wahl die Pflicht erhöbst, Durch deine Achtung mich im Unglück stärktest, Mit holdem Worte meinen Schmerz bekämpftest Und jenes Mißtraun, das dem Unglück folgt? Wie, hast du Nichts, o Fürstin, zu erwidern, Und dient mein Eifer nur, dich zu verwirren? Du gönnst mir ja kein Wort, ich aber sehe, Wie du mit Mühe deine Thränen birgst. Monimia . Ich habe keine Thränen zu vergießen, Herr, ich gehorche, – ist das nicht genug? Mithridat . Nein, mir ist's nicht genug. Ich sehe klarer Ins Herz dir, als du glaubst; ich seh's, man hat Die Wahrheit mir gesagt. Durch deine Worte Ward meine Eifersucht nur mehr begründet. Ich sah, daß mein verrätherischer Sohn, Von deinem Reiz entflammt, mit dir von Liebe Gesprochen, daß du ihm Gehör gegeben; Um seinetwillen ist's, daß du dich ängstigst. Doch wenig werden ihm die Thränen nützen, Die du ihm, Ungetreue, weinst, und jetzt Hört Niemand mehr auf meinen Willen, oder Du hast ihn heut zuletzt gesehn. Man rufe Mir Xiphares herbei. Monimia .                           Was thust du, Herr! Warum denn Xiphares? Mithridat .                             Nicht er verräth Den Vater. Ihn brauchst du nicht zu entschuld'gen, 194 Und das ist's, was mein Vaterherz erfreut. O, meine Schmach und dein Verbrechen wären So groß nicht, hätte dieser Sohn, der würdig Der Achtung ist, sich deine Lieb' errungen; Jedoch, daß ein Verräther, der nur kühn ist, Wenn's gilt, mich zu beleidigen, bei dem Den Frevelmuth nicht Eine Tugend sühnt, Mit Einem Worte, daß Pharnazes frech An meinen Platz sich hat gestellt, daß er Von dir geliebt und ich von dir verschmäht . . . .   Fünfter Auftritt. Xiphares . Mithridat . Monimia . Mithridat . Komm her, mein Sohn, dein Vater ist verrathen: Ein übermüth'ger Bursch verhöhnt mein Unglück, Erlaubt sich jede Frechheit gegen mich, indem Er meine Pläne zu durchkreuzen wagt, Er liebt die Königin, gefällt und raubt Ein Herz mir, das die Pflicht mir eigen macht; Und doch, wie bin ich froh, bei solchem Kummer Allein Pharnazes anzuklagen, daß Der Mutter und des Bruders Beispiel dich Nicht zum Verrath verlocken konnte. Ja, Du bist's allein, mein Sohn, dem ich vertraue, Du bist's, den ich zu Großem ausersehn, Den ich seit lang mir zum Genossen wählte, Zum Erben meines Scepters – meines Namens. Jedoch Pharnazes nicht, noch sein Verrath Sind's, was allein mir jetzt den Geist erfüllt; Die Vorbereitungen zu wicht'ger Fahrt, Die Schiffe, die dazu sich rüsten müssen, Des Heers Willfährigkeit, die zu erproben, Sieh, Alles das heischt meine Gegenwart. 195 Du wach' indessen hier für meine Ruhe Und hintertreibe des Verräthers Pläne, Bleib bei der Königin, und wenn du's kannst, Gewinne sie für mich, der ich sie liebe, Und rede jene Wahl ihr aus, die mich Verletzt. Als theilnahmloser Richter kannst Du sie am besten überzeugen; schon genug Ward meiner Schwäche zugemuthet. Drum Soll sie sich hüten, meine Zärtlichkeit In Haß und Wuth zu wandeln, drob ich dann Erst Reu' empfände, wenn ich mich gerächt.   Sechster Auftritt. Xiphares . Monimia . Xiphares . Wie, Fürstin, soll ich dies verstehn, den Auftrag, Die Worte, die mir dunkel sind? Wär's wahr, O Götter, daß du meinen Bruder liebtest, Und er dadurch des Vaters Zorn verdiente? Ist er's, der so dich in Verwirrung bringt? Monimia . Pharnazes! Himmel, was muß ich vernehmen! Genügt es nicht, daß der unsel'ge Tag Mir Alles, was ich lieb', auf ewig raubt, Und ich, die Sklavin harter Pflicht, verdammt bin, In langem Gram mich zu verzehren? Muß Zu solchen Schmerzen noch Beleid'gung kommen? Jetzt soll mein Weinen dem Pharnazes gelten? Trotz meines Hasses heißt's, daß ich ihn liebe. Dem König, den der Zorn verblendet, kann Ich es verzeihn, er sieht nicht in mein Herz; Doch du, Herr, daß auch du mich so behandelst . . . . Xiphares . Verzeih', wenn mich die Leidenschaft verwirrt, 196 Wenn meinerseits, durch harte Pflicht gebunden, Ich mir das Theuerste entrissen seh', Und dennoch mich nicht rächen darf. Doch wie Soll ich die Wuth des Königs mir erklären? Er klagt, ihm stehe eines Andern Liebe Entgegen. Wer, ach, kann der glückliche Verbrecher sein? Wer ist's? o sag' es mir. Monimia . Du quälst, mein Prinz, dich selber ohne Noth; Beklag' dein Unglück, doch vermehr' es nicht. Xiphares . Ich weiß, was ich für Qualen mir bereite; Nicht, daß mein Vater die Geliebte heimführt, Nein, daß du einen Nebenbuhler ehrst Mit deinen Thränen, das ist mir das schwerste Der Leiden. Laß mich sie nicht unnütz mehren, O habe Mitleid, nenn' mir den Beglückten; Auf wen, o sag' mir, Fürstin, darf ich rathen? Monimia . Wird dir's, mein Prinz, so schwer denn, ihn zu ahnen? Als ich vor Kurzem gegen rauhen Zwang Mich sträubte, sprich, an wen denn wandt' ich mich Mit meinen Klagen gegen deinen Bruder? Sprich, unter welchen Schutz begab ich mich? Wer durfte mir von seiner Liebe reden? Xiphares . O Himmel! Wie, ich wäre der Beglückte, Den du mit günst'gem Aug' betrachtetest, Dein holdes Auge hätt' um mich geweint? Monimia . Ja, Prinz, ich darf es länger nicht verhehlen, Zu heftig ist mein Schmerz, als daß ich schwiege. Zwar zwingt mich eine strenge Pflicht dazu, Doch endlich muß ich, mich des Zwangs entled'gend, Zum ersten und zum letzten Male reden. Du liebst mich schon seit langer Zeit, und ich 197 Empfand für dich dieselbe Zärtlichkeit. Gedenk' des Tags, wo unheilsvoll mein Reiz Dir Lieb' erweckte, die er nicht verdiente, Der Hoffnung, die nur allzu bald dir schwand, Der Unruh', die die Liebe deines Vaters In dir hervorrief, und der herben Qual, Mich zu verlieren, ihn beglückt zu sehn, Der Pflicht, des Herzens Wunsch dir zu versagen, Dann kannst du deiner Qual dich nicht erinnern, Daß du der meinen nicht zugleich gedenkst, Und als du heute Morgen sie mir maltest, Fand jedes Wort in mir den Wiederhall. O nutzlos, unheilsvolle Sympathie, O Seeleneinheit, die das Schicksal trennt, Wie grausam eint der Himmel so zwei Herzen, Die er nicht für einander hat bestimmt! Denn wie mich auch die Neigung zu dir zieht, Ich sag's, um's nicht zum zweiten Mal zu sagen. Mich bannt die Pflicht und ruft mich zum Altar, Wo ich dir ew'ges Schweigen schwören werde. Du seufzest, Herr, doch das ist, ach! mein Loos: Nicht dir, nein, ich gehöre deinem Vater, Du selbst mußt mir behülflich sein, daß ich Dich aus dem allzu schwachen Herzen reiße. Das wenigstens darf ich von dir verlangen, Daß du aus meiner Nähe dich verbannst. Aus dem, was ich verrieth, kannst du schon sehn, Daß ich ein Recht, es zu befehlen, hätte; Hat aber je dein edles Herz für mich Geglüht, dann werd' ich dir's nur glauben können, Wenn du von jetzt an sorgsam mich vermeidest. Xiphares . O Götter, welch beklagenswerthe Liebe, Unglücklich und beglückt zugleich zu sein! Von welcher stolzen Höhe stürzest du In einen dunklen Abgrund mich hinab! 198 Ein Herz wie dein's vermocht' ich zu gewinnen, Du liebtest mich, und dennoch soll ein Andrer Dies Herz besitzen, das sich mir geweiht. O grausam, harter – unglücksel'ger Vater! . . . . Du willst, ich soll dich fliehn, ich soll dich meiden, Und dennoch fesselt mich an deine Nähe Der König. Sprich, was wird er sagen? Monimia .                                                       Dennoch Mußt du dich meinem Wunsche fügen. Sinn' Auf Gründe, die ihn überzeugen können, Das ist's, was einem Helden ziemt gleich dir. Ersinn', o Prinz, zu deinem eignen Nachtheil Ein Mittel, wie's der Trost der Liebenden Ersinnt, um seine Wünsche zu befriedigen. Ich kenne mich. Es geht hier um mein Leben. Auf meiner Tugend Kraft darf ich nicht traun; Ich weiß, wenn ich dich seh', kann die Empfindung Unwürd'ge Seufzer meiner Brust entlocken; Mein Herz, von innrem Gram zerrissen, flöge Dem Glück entgegen, das man ihm geraubt. Doch weiß ich auch, von dir nur hängt es ab, Daß mir ein freundliches Erinnern bleibt; Nur fühl' ich mich verletzt, dann hinderst du Es nicht, daß ich die Schuld sogleich bestrafe, Daß meine Hand in meiner eignen Brust Dich such', um dich herauszureißen, und Die Schmach auf diese Weise sühne. Götter! Im letzten Augenblick, der uns noch blieb, Bannt mich ein schmerzliches Gefühl der Wonne; Je länger, allzu schwach, ich mit dir rede, Vermehr' ich die Gefahr, die ich verscheuche. Ich flieh', damit mir nicht im Lebewohl Die letzte Kraft des Widerstandes schwinde; Ich flieh', vermeide mich, o Fürst, und suche Der Thränen werth zu sein, die du mich kostest. 199 Xiphares . Monimia! Sie entflieht, sie hört mich nicht. Unglücklicher, was willst du jetzt beginnen? Geliebt und doch verbannt aus ihrer Nähe! Ist Nicht meine Pflicht der ihren gleich? Jetzt möge Ein rascher Tod mich dieser Qual entreißen, Doch soll zuvörderst sich ihr Loos entscheiden. Und muß ein Nebenbuhler sie mir rauben, So darf's kein Andrer als der König sein, Dem ich sie sterbend überlassen werde. 200   Dritter Aufzug. Erster Auftritt. Mithridat . Pharnazes . Xiphares . Mithridat . Herbei, ihr Söhne! Endlich kam die Stunde, Wo ich euch mein Geheimniß sagen darf. Ich seh', wie Alles meinen hohen Plänen Sich günstig zeigt; ich brauche sie euch nur Noch darzulegen. Fliehen muß ich, so Verlangt's mein feindlich Schicksal; doch mein Leben Ist euch zu wohl bekannt, als daß ihr glaubtet, Ich werde mich verbergen und erwarten, Daß man mich sucht in diesen Wüstenein Der Krieg hat seine gut' und bösen Tage; Schon mehr als einmal kam ich plötzlich wieder, Wenn schon der Feind, durch meine Flucht getäuscht, Das eitle Volk zum Siegeswagen rief, In Erz die Zahl der schwachen Siege grub Und der mir abgekämpften Staaten Bilder Mit Ketten stolz umhing. Dann sah mich plötzlich Der Bosporus, wie ich durch neue Rüstung Aus Moor und Sumpf den Schreck heraufbeschwor, Die Römer fort aus Asien trieb und so An Einem Tag der Jahre Werk vernichtete. Doch andre Zeiten bringen andre Sorgen, Schon ist der Orient erschöpft und kann 201 Nicht länger ihres Angriffs Doppelstoß Ertragen. Mehr denn je sind seine Felder Mit Römerschaaren rings bedeckt, die sich Mit dem bereichern, was der Krieg uns nimmt. Sie lechzen gierig nach der Völker Gut, Und unsres Reichthums Kunde lockt sie Alle; Sie kommen schaarenweis, und auf einander Voll Neid verlassen sie ihr eignes Land, Um gierig auf das unsre sich zu werfen. Ich bin's allein, der ihnen widersteht. Der Bund mit mir wird allen meinen Freunden, Die theils gedrückt und theils ermüdet sind, Zur Last, die jeder abzuwerfen sucht. Pompejus' großer Name sichert ihm, Was er erobert hat, und ist der Schrecken Des Orients. Nicht dort such' ich ihn auf, Nein, Söhne, hin nach Rom denk' ich zu ziehn. Ihr staunt ob dieses Plans. Ihr meint vielleicht, Verzweifelung hätt' ihn mir eingegeben; Ich schelt' euch nicht darob, denn Billigung Erlangt so etwas erst, wenn's ausgeführt ist. Nur glaubet nicht, es trenne diese Lande Ein unabsehbar hoher Wall von Rom; Ich kenne jeden Weg, der dorthin führt, Und wenn der Tod nicht meinen Plan durchkreuzt, So führ' ich in drei Monden, um aufs Längste Es anzuschlagen, euch zum Kapitol. Bezweifelt ihr, daß der Euxin mich in Zwei Tagen bis zur Donaumündung trägt? Daß dort mein Bündniß mit den Scythen mir Den Zugang zu Europa leicht verschafft? In ihren Häfen aufgenommen, durch Ihr Kriegsvolk unterstützt, wird sich mein Heer Mit jedem Schritte, den wir thun, vermehren. Päonier, Dacier, trotzige Germanen, Sie alle harren eines Führers, der 202 Sie gegen die Tyrannen führt. Ihr saht, Wie Spanien, Gallien vor Allen mich Zur Rache riefen gegen jene Mauren, Die sie einst stürmten, wie sie bis nach Hellas Durch ihre Boten meine Trägheit schalten. Sie wissen, daß der Strom, der sie bedroht, Mich fortreißt, daß er Alles überschwemmt. Und sehen werdet ihr, wie sie mit mir, Um der Verheerung vorzubeugen, nach Italien ziehn und Alle mich geleiten. Sind wir erst dort, dann werdet ihr noch mehr Als unterwegs den Abscheu gegen Rom Bemerken und Italien rauchen sehn Vom Feuer, das der Freiheit Todeskampf Entzündete. Ihr Prinzen, an den Enden Der Erde nicht läßt Rom am schmerzlichsten Die Schwere seiner Kettenlast empfinden; Den stärksten Haß erweckt's in seiner Nähe, An seinen Thoren stehn die schlimmsten Feinde. Ha, wenn sie einen Sklaven, einen Fechter, Den Spartacus, sich zum Befreier wählten, Und in dem Rachekampf selbst Räuber folgen, Mit welchem Eifer werden sie dann nicht Sich unter eines Königs Fahne reihn, Der lange Sieger war, und deß Geschlecht Hinauf zu Cyrus, seinem Urahn, reicht. Und dann, wie ist die Lag', in der wir Rom Bekämpfen? Fern sind die Legionen, die's Beschützen könnten. Während Alles nur Bedacht, mich zu verfolgen, können Weiber Und Kinder meinem Marsch entgegentreten? Auf! Werfen wir in Roma's Schooß den Krieg, Den's selbst bis an der Erde Gränzen trägt, Und greifen wir in ihren eignen Mauern Die stolzen Sieger an, daß ihrerseits Sie für den Herd erbeben! Glaubt es mir, 203 Einst hat's der große Hannibal gesagt: Die Römer werden nur in Rom besiegt. Auf, tauchen wir es in sein eigen Blut Und werfen wir den Brand ins Kapitol, Wo ich erwartet war! Zerstören wir Die stolze Pracht, indem wir so die Schmach So vieler Kön'ge und die eig'ne tilgen! Auf, löschen wir, den Fackelbrand in Händen, Die Namen aus, die es der Schande weihte! Das ist der Ehrgeiz, der mein Herz erfüllt. Doch glaubet nicht, daß ich, entfernt von Asien, Es ruhig im Besitz der Römer lasse: Ich weiß, wo ich Vertheid'ger finden kann; Ich will, daß, rings umdroht von Feindesschaaren, Rom des Pompejus Hülf' umsonst erflehe. Der Parther, so wie ich der Schrecken Roms, Tritt mir mit gleich gerechtem Haß zur Seite; Er ist bereit, sein Haus und seinen Groll Aufs Engste mit dem meinen zu verbinden, Und fordert einen Sohn von mir zum Eidam. Dir ist die Ehre zugedacht, Pharnazes, Dich wählt' ich, sei du der beglückte Gatte, Und schon die nächste Morgenröthe soll Weit ab vom Bosporus die Flotte sehen; Dich hält hier Nichts zurück, so ziehe denn Und mach' durch Eifer meiner Wahl dich würdig! Schließ' diesen Bund und zeig', vom Euphrat kommend, In Asien dich als zweiter Mithridat, Daß die Tyrannen drob vor Schreck erbleichen, Und bis nach Rom zu mir die Kunde dringe! Pharnazes . Herr, mein Erstaunen kann ich nicht verhehlen. Ich höre voll Bewundrung von dem großen Plan, Denn niemals ward ein kühnerer erdacht, Der des Besiegten Arm aufs Neu' bewaffnet,: Vor Allem doch bewundr' ich deinen Muth, 204 Der durch das Unglück neue Kraft gewinnt. Doch, darf ich offen reden, bist du denn Schon bis zum Alleräußersten gebracht? Warum gefahrvoll weite Fahrten, wenn In deinen Staaten ein Asyl sich findet? Warum so viele Mühen und Gefahren, Die besser einem Führer von Verbannten Als einem König sich geziemen, der Noch jüngst vom Aufgang bis zum Niedergang Der Völker Hoffnung war, und seinen Thron Auf dreißig blüh'nde Staaten gründete, Ja, der in seines Reiches Trümmern noch Ein mächtig Reich besitzt? Herr, du allein, Du ganz allein vermagst nach vierzig Jahren Den Kampf mit dem Geschick noch zu bestehn, Du bist ein Feind der Römer und der Ruhe; Doch ist dein Heer an Heldenmuth dir gleich? Meinst du, daß es, von seiner Niederlage Betäubt, ermüdet durch die lange Flucht, Voll Eifer unter freiem Himmel Tod Und Mühen suchen wird, die schlimmer noch Als selbst Gefahren sind? Mehrmals besiegt Im Angesicht des Vaterlandes, wird Es anderswo des Feindes Wuth ertragen? Wird er da wen'ger furchtbar sein, und wird Es besser ihn im Schooß der Stadt besiegen, Wo er vor seiner Götter Augen kämpft? Der Parther wirbt um dich und bittet dich Um einen Eidam; aber dieser Parther, Der's mit uns hielt, als noch die ganze Welt Auf unsre Seite sich zu schlagen schien, Wird er mit einem Eidam sich befassen, Dem jede Stütze fehlt? Soll ich allein, Verstoßen vom Geschick, den Unbestand, Den jeder an ihm kennt, o Herr, ertragen, Zum Lohn verwegner Liebe deinen Namen 205 Preisgeben dem Gespötte seines Hofs? Doch wenn wir, unserem Gebrauch entgegen, Uns beugen und demüthig bitten sollen, Dann heiß' mich nicht des Parthers Knie umfassen, Dann fleh' du selber keinen König an, Der kleiner ist als du. Dann steht wohl noch Ein sichrer Weg uns offen. Blicken wir Dorthin, wo man mit Freuden uns die Arme Entgegenstreckt. Zu deinen Gunsten wird Sich Rom, o Herr, gar leicht beschwicht'gen lassen. Xiphares . Rom! Bruder, solchen Vorschlag magst du wagen? So soll der König sich erniedrigen, Sein ganzes Leben soll ein einz'ger Tag Der Lüge zeihn, Rom soll er sich vertraun Und einem Joch sich beugen, gegen das Er vierzig Jahre lang die Kön'ge alle Beschützte? Harre aus, o Herr! Wenn auch Besiegt, sind Krieg und Kriegsgefahr für dich Die einz'ge Hülfe. Rom verfolgt in dir Den schlimmsten seiner Feinde, den es mehr Als selbst den Hannibal zu fürchten hat. Mit Römerblut bedeckt, kannst du von Rom, Was du auch thust, nur blut'gen Frieden hoffen, Nur einen solchen, wie in Asien Dein streng Gebot ihn hunderttausend Römern Einst gab. Doch schone dein geweihtes Haupt Und eile nicht von Land zu Land umher! Den Völkern als besiegten Mithridat Dich zeigend, mindre nicht den Glanz, mit dem Dein großer Name sich umgiebt! Gerecht Ist deine Rache, führe drum sie aus, Verbrenn' das Kapitol und lege Rom In Asche. Doch für dich genügt's, den Weg Dahin zu öffnen; überlaß, die Fackel Hineinzuwerfen, einer jüngern Hand. 206 Indeß Pharnazes Asien hier beschäftigt, Ehr' meinen Muth durch dieses Unternehmen! Befiehl! Laß uns, von deinem Ruhm begleitet, Rings zeigen, daß wir deine Söhne sind! Setz' Ost und West durch unsre Hand in Flammen; Bleibend im Bosporus, erfülle rings Die Welt mit deiner Gegenwart! Die Römer, Indem sie hier- und dorthin eilen, mögen Nicht wissen, wo du bist und überall Dich finden. Laß, o Herr, sogleich mich ziehen. Dich fesselt Alles hier, und mich treibt Alles Von hier hinweg. Doch ist der große Plan Zu groß für meine Kraft, dann mindestens Stimmt die Verzweifelung zu meinem Unglück. Wie glücklich, könnt' ich meines Elends Ende Beschleunigen! Ich geh', der Mutter Schuld Zu sühnen! (Er wirft sich dem Mithridat zu Füßen.) Herr, zu deinen Füßen sieh Mich drob erröthen! Ach, daß ich so wenig Dein würdig bin! Mein Blut vermag allein Den dunklen Flecken wegzuwaschen; doch Der Tod, dem ich entgegeneile, soll Noch deinen Ruhm vermehren. Rom, wohin Mich die Verzweiflung ruft, Rom ist allein Ein würdig Grab dem Sohne Mithridats! Mithridat (sich erhebend) . Mein Sohn, Nichts mehr vom Treubruch deiner Mutter! Ich bin zufrieden, kenne deinen Eifer, Und will nicht, daß Gefahren dich bedrohn, Die ich nicht selber mit dir theilen soll. Du bleibst bei mir, Nichts soll uns Beide trennen. (Zu Pharnazes) Du, Prinz, bereite dich, mir zu gehorchen. Die Schiffe harren schon; ich selbst bestimmte Ausrüstung und Gefolge, wie's dir ziemt. 207 Arbates, der zur Brautfahrt dich begleitet, Wird melden, wie du mir gehorsam warst. Geh', stütze deiner Ahnen Ruhm und nimm Aus meinen Armen jetzt dein Lebewohl! Pharnazes . Herr! Mithridat . Prinz, daß ich es will, sei dir genug. Gehorche, laß mich nicht zum zweiten Mal . . . . Pharnazes . Herr, könnt' ich deinen Beifall durch mein Sterben Erringen! Ha, wie eilt' ich da zum Kampf! O lasse mich vor deinen Augen fallen! Mithridat . Ich habe dir befohlen, gleich zu gehn, Wenn nicht im Augenblick . . . . Prinz, du verstehst mich. Kein Widerwort, sonst ist's um dich geschehen. Pharnazes . Und wenn mich tausendfacher Tod bedrohte, Ich kann nicht frein um eine Unbekannte. Mein Leben steht bei dir. Mithridat . Ha, jetzt ist's klar. Du kannst nicht fort, Verräther; ich versteh' dich, Ich weiß, warum du dieser Eh' entweichst. Es quält dich, deine Beute hier zu lassen. Monimia ist es, die dich fesselt; sie Gedachtest du, von wilder Glut entbrannt, Den Armen deines Vaters zu entreißen. Nicht, daß ich eifrig um sie warb, daß schon Mit meiner Krone ihre Stirn sich schmückt, Und ich ihr hier die Zufluchtsstätte wählte; Selbst mein gerechter Zorn vermochte nicht, Dich einzuschüchtern. Ha, Verräther, dein Liebäugeln mit den Römern war vielleicht Für mich noch nicht beleidigend genug, 208 Noch fehlte die verrätherische Liebe, Um meines Lebens Qual und Schmach zu sein. Statt Reu' auf deinem Angesicht zu lesen, Seh' ich Nichts, als den Aufruhr deiner Wuth; Es währt dir schon zu lange, bis du, mir Entschlüpft, mich zu verderben eilen kannst Und an die Römer mich verkaufen; doch bevor Ich von hier gehe, soll dir Recht geschehn. Ha! meine Wachen!   Zweiter Auftritt. Mithridat . Pharnazes . Xiphares . Wachen . Mithridat . Nehmet ihn gefangen! Ja, den Pharnazes! Sperrt ihn in den Thurm Und habet Acht auf ihn! Pharnazes . Nun wohl, ich will Mich mit dem Schein der Unschuld nicht umgeben. Gewiß, ich habe deinen Haß verdient; Ich liebe; wahr ist, was man dir berichtet. Doch, Herr, nicht Alles hat dir Xiphares gesagt, Du hörtest nur das kleinere Geheimniß: Der treue Sohn hat dir's wohl nicht enthüllt, Daß er seit langer Zeit mit gleicher Glut Die Kön'gin liebt und sie ihn wiederliebt.   Dritter Auftritt. Mithridat . Xiphares . Xiphares . Herr, glaubst du, daß so schuldiges Beginnen . . . . Mithridat . Mein Sohn, ich weiß, wozu dein Bruder fähig, 209 Der Himmel schütze mich vor dem Verdacht, Du könntest also meiner Liebe lohnen, Es könnt' ein Sohn, der meines Lebens Freude Bisher gewesen, so ein Vaterherz Verrathen, das ihm ganz vertraute; nein, Ich glaub' es nimmermehr. Ich sinne nur Von jetzt an, wie wir Beid' uns rächen können.   Vierter Auftritt. Mithridat (allein) . Nicht glauben? Eitle Hoffnung, die mir schmeichelt! Ich Unglücksel'ger glaub' es nur zu sehr. Wie, Xiphares mein Nebenbuhler, und Die Königin mit ihm im Einverständniß? Auch sie sogar vermochte mich zu täuschen? Wohin ich blicke, überall ist Treu' Und Glauben schon verschwunden! Hier verläßt Und dort verräth mich Alles. Er, Pharnazes, Die Freunde, die Geliebte und auch du, Mein Sohn, auch du, der mir durch seine Tugend Ein Trost im Unglück war. Doch kenn' ich nicht Pharnazes' Arglist? Schwäche war's von mir, Dem Wüthenden zu glauben, den der Neid Aufhetzte gegen seinen Bruder, der Mich aus Verzweifelung belog und gern Der Schuld'gen Zahl vergrößert hätte, um Sich selbst zu retten. Nein, ihm glaub' ich nicht. Jedoch laß sehn. Wie fang' ich's an? Wer klärt Mich auf? Wo find' ich Zeugen und Beweise? Ha, eine List, die mir ein Gott einflößt! Man soll die Kön'gin rufen, sie will ich Vernehmen; andres Zeugniß brauch' ich nicht. Die Liebe glaubt gern Alles, was ihr schmeichelt. Wer besser als die Undankbare kann 210 Vom Sieger reden, der ihr Herz bezwang? Wer wird's von Beiden sein, den sie beschuldigt? Ist dieser Fallstrick mein nicht würdig, nun, So ist er's ihrer doch. Wer mich verräth, Nun, den betrüg' ich auch. Kein Mittel, das Um Falschheit zu entlarven nicht . . . Jedoch Sie kommt. Jetzt hilf mir, Heuchelei! Ich will Mit eitler Hoffnung sie geschickt bethören Und volle Wahrheit ihrem Mund entlocken.   Fünfter Auftritt. Monimia . Mithridat . Mithridat . Ja, endlich seh' ich's ein, und ich gestehe, Für deine Schönheit wär's ein traurig Opfer, Böt' ich mit meinem Herzen dir zugleich Mein Alter und das Unglück dar, das mich Verfolgt. Bis jetzt verhüllten Glück und Sieg Die greisen Locken unter dreißig Kronen; Doch das ist nun vorbei: ich war ein Herrscher Und bin ein Flüchtling jetzt. Es wuchs Die Zahl der Jahre, doch mein Ruhm nahm ab, Und meine Stirn, so edlen Schmucks entblößt, Giebt die Verheerung böser Zeiten kund. Auch geht mein Geist mit tausend Plänen um; Du hörst es, wie mein Heer zum Aufbruch ruft, Die Schiffe, die ich kaum verließ, muß ich Aufs Neu' besteigen. Fürstin, solche Flucht Gewährt für Hymens Feier keine Muße; Wie könnt' ich jetzt dich an mein Schicksal knüpfen, Wo ich den Krieg nur suche und den Tod? Doch an Pharnazes darfst du nicht mehr denken, Sprech' ich mein Urtheil nur, sprech' er sich's auch; Ich duld' es nicht, daß der verhaßte Sohn, 211 Den ich auf immerdar verbannt', ein Herz, Das mir sich weigerte, besitzt und dich Zu der Verbündeten der Römer mache. Dir kommt mein Thron zu. Weit entfernt, daß ich's Bereue, sorg' ich, daß, bevor ich gehe, Du ihn besteigst, wofern du einverstanden, Daß ein mir theurer, meiner würd'ger Sohn, Daß Xiphares dein Gatte werd', am Bruder Mich räch' und gegen dich der Schuld entled'ge. Monimia . Herr, Xiphares? Mithridat . Ja, Fürstin. Aber wie Macht dieser Nam' auf einmal dich bestürzt? Warum empört dich die gerechte Wahl, Beherrscht dich ein geheimer Widerwille? Er ist, ich wiederhol's, mein zweites Ich, Ein sieggekrönter Held, der mich liebt, wie Ich ihn, ein Feind der Römer, Stütz' und Erbe Des Reiches und des Namens, der in ihm Aufleben wird. Was deine Leidenschaft Sich sonst auch zu versprechen wagte, ihm, Nur ihm allein werd' ich dich überlassen. Monimia . O Himmel, Herr, was sprichst du da? Du könntest Es billigen, warum mich so versuchen? O quäl' nicht länger ein gequältes Herz. Ich weiß, daß du es bist, dem ich bestimmt bin; Ich weiß, daß jetzt zum feierlichen Bunde Das Opfer am Altare harrt, so komm. Mithridat . Ich sehe wohl, was ich auch möge thun, Du willst dich für Pharnazes aufbewahren; Stets ist's derselbe ungerechte Haß, Der jetzt auf meinen unglücksel'gen Sohn Auch übergeht. 212 Monimia . Ich ihn verschmähen, Herr! Mithridat . Gut, Fürstin. Sprechen wir nicht mehr von ihm. Fahr' fort, schmachvoll in Liebesglut zu glühen, Dieweil ich fern von dir mit meinem Sohn Glorreichen Tod such' an der Erde Gränzen. Du unterwirf indeß mit seinem Bruder Dich hier den Römern, seines Vaters Blut Verkaufend. Komm, nicht beßre Strafe giebt's Für deinen Hochmuth, als daß ich dich selbst In seine feigen Hände überliefere. Ich will für deinen Ruhm nicht länger sorgen Und die Erinnerung an dich verbannen. Komm, Fürstin, daß ich dich mit ihm vereine. Monimia . O straftest du mit tausend Toden mich! Mithridat . Du widerstrebst umsonst, ich seh's, wie du Nach Ausflucht suchst. Monimia . Wie, werd' ich schon, o Herr, Zum Aeußersten gebracht? Jedoch ich muß Dir glauben, denn nicht denken kann ich mir, Daß du so lange dich zum Heucheln zwingst. Die Götter zeugen mir's, ich war ja stets Bestrebt, dir zu willfahren; jedem Loos War ich bereit, mich gern zu fügen. Doch Wenn Schwäche mich befiel, wenn sich mein Herz Mit aller Kraft dagegen waffnen mußte, So sei gewiß, daß meines Unglücks Stifter, Pharnazes, nie mir eine Thrän' entlockte. Der sieggekrönte Sohn, den du begünstigst, Dein Ebenbild, in dem du dir gefällst, Der Feind der Römer, der dein andres Ich, Der Xiphares, von dem du willst, daß ich . . . . 213 Mithridat . Du liebst ihn? Monimia . Hätte mich mein Schicksal nicht An dich geknüpft, dann wär' mir's wie ein Glück Erschienen, würd' er mein Gemahl. Bevor Du mir dies Pfand der Liebe sandtest, liebten Wir Beid' uns schon. Doch du erbleichst, o Herr! Mithridat . Nein, Fürstin, das genügt. Ich send' ihn dir. Geh'. Kostbar ist die Zeit, ich muß sie nützen. Ich sehe, daß du willig mir gehorchst, Ich bin zufrieden. Monimia (im Fortgehen) . Himmel, hätt' ich mich Getäuscht?   Sechster Auftritt. Mithridat (allein) . Sie lieben sich! Ha, also treibt Man seinen Spott mit mir! Du Undankbarer Sollst mir für Alle büßend untergehn. Ich weiß, dein Ruhm und deine falsche Tugend, Sie haben mir das Heer verführt! Verräther, Ich werde dich mit sichrem Streiche treffen. Erst soll, damit ich besser dich vernichte, Die Meutrerschaar beseitigt werden; während Die Schlimmsten mir vor Augen abziehn, sollen Die Treusten nur bei mir verweilen. Auf! Doch darf mein Antlitz nicht den Groll verrathen, Und du, Verstellung, sollst mir ferner helfen. 214   Vierter Aufzug. Erster Auftritt. Monimia . Phödime . Monimia . Beim Himmel, Freundin, thu', was ich verlange; Sieh, was es giebt, und sag' es mir sogleich. Ich weiß nicht, aber ruhig bin ich nicht, Und mancherlei Verdacht quält mir das Herz. Warum noch zaudert Xiphares, wie kommt's, Daß er die Wünsche, die sein Vater billigt, Nicht gleich befriedigt? Mithridat, als er Fortging, versprach, er wolle mir ihn senden; Vielleicht verstellt' er sich! Ich hätte Nichts Gestehen sollen. Hat er sich verstellt? Und ich schloß ihm mein Innres auf! O Götter, Ihr hättet mich in solcher Noth verlassen? Hätt' ich in unbedachtem Liebeseifer Der Rachsucht den Geliebten preisgegeben? O Fürst, als lieberglüht du in mich drangst, Dir mein Geheimniß zu enthüllen, ach, Wie grausam hielt ich es vor dir zurück Und ließ dich's büßen, als du's dennoch mir Entrangst! Jetzt, wo dein Vater dir mißtraut, Ja, wo dein Leben selbst gefährdet ist, Da red' ich, lass' mich wie ein Kind bethören Und zeig' ihm selber, wo dein Herz zu treffen. 215 Phödime . Gebieterin, sieh's doch nur richtig an, Wie könnte bis zu solcher Arglist sich Ein Mithridat erniedrigen? Wer zwang Ihn denn zu solchem Umweg? Ohne Murren Gingst du ja zum Altar ihm schon voraus. Er sollte diesen Sohn verderben wollen, Den er so zärtlich liebt? Bis jetzt entspricht, Wie er gehandelt, dem, was er versprach. Er sagte dir, ein wicht'ger Plan zwäng' ihn, Dich morgen wider Willen zu verlassen, Und das ist's, was allein ihn jetzt beschäftigt. Die Reise zu beschleun'gen, ordnet er Am Meeresstrande Alles selber an, Die Schiffe nehmen rings die Truppen auf, Und Xiphares ist überall bei ihm. Verräth das eines Nebenbuhlers Groll, Und widerspricht sein Handeln seinen Worten? Monimia . Pharnazes doch, den er verhaften ließ, Erfährt des Nebenbuhlers ganze Härte, Wird Xiphares sie weniger empfinden? Phödime . Pharnazes ist ihm nur der Römerfeind, Da hat die Lieb' am Mißtraun keinen Theil. Monimia . Wie gern lass' ich von dir mich überreden! Dein tröstlich Wort beschwichtigt mich ein wenig, Doch Xiphares erscheint noch immer nicht! Phödime . O eitle Täuschung solcher Liebenden, Nach deren Wunsch sich Alles richten soll. Beim ersten Hinderniß gleich ungeduldig . . . . Monimia . Phödime, ach, ich kann es noch nicht fassen, 216 Zwei kummervolle Jahre sind vergangen, Und jetzt athm' ich zum ersten Male auf. Geliebter Prinz, mit dir vereint zu sein! Dein theures Leben hätt' ich nicht gefährdet? Es dürften meine Ehr' und deine Pflicht Nach langem Kampf sich dieser Liebe freun? Daß ich dich liebe, dürft' ich jeden Tag Dir wiederholen? Warum kommst du nicht?   Zweiter Auftritt. Xiphares . Monimia . Phödime . Monimia . In diesem Augenblick sprach ich von dir, Ich sehnte mich, o Herr, dich hier zu sehn, Um dir . . . . Xiphares . Und jetzt muß ich dir Lebewohl . . . . Monimia . Mir Lebewohl? Xiphares . Ja und für's ganze Leben. Monimia . Was hör' ich? Sagte man mir doch . . . O Götter, Ich bin betrogen! Xiphares . Ein versteckter Feind Hat unser Einverständniß aufgespürt, Der dich verräth und mich verderben will. Der König, der noch kurz vorher Pharnazes Nicht glauben wollte, weiß jetzt Alles, was In unsren Herzen vorgeht. Er verstellt sich, Ist freundlich gegen mich und schmeichelt mir, Das, was er vorhat, schlau verbergend. Ich 217 Jedoch, an seiner Seite groß geworden, Durchschau' nur allzu gut, was ihn bewegt, Und les' in seinem Blick das Nahn der Rache. Er treibt, er drängt und sendet Alle fort, Die Mitgefühl mit meinem Unglück leicht Zum Aufstand gegen ihn verleiten könnte. Sein freundlich Wesen zeigte seine Arglist, Auch hat Arbates meine Furcht bestätigt; Er kam mir heimlich nah und sagte mir, Im Auge Thränen: Man weiß Alles, flieh'! Und zittern machte mich dies Wort um dich. Das ist es, was allein mich zu dir führt; Mir bangt um dich, und auf den Knien, o Fürstin, Fleh' ich dich an. Gieb nach um deinetwillen, Du bist in einer rauhen Hand, die vor Dem Blut des Theuersten sogar nicht schaudert. Du weißt nicht, bis zu welcher Grausamkeit Die Eifersucht den König schon getrieben. Vielleicht droht seine Wuth nur mir allein, Vielleicht, indem er mich vernichtet, will Er dich begnadigen. Benutz' es, Fürstin, Benutz' es, bei den Göttern fleh' ich drum, Und reiz' ihn nicht durch neue Weigerung. Je wen'ger du ihn liebst, such' um so mehr Ihm zu gefallen. Zwinge dich und such' Dich zu verstellen, denk', daß er mein Vater! O leb' und laß bei allem meinen Unglück Dir meine Liebe Nichts als Thränen kosten! Monimia . So hab' ich ins Verderben dich gestürzt! Xiphares . O edele Monimia, klage dich Des Leids nicht an, das mich befällt. O nein, Nicht deine Huld allein ist's, die mir schadet, Ich bin ein Armer, den sein Mißgeschick Verfolgt. Es hat mir meines Vaters Freundschaft 218 Geraubt und mir zum Nebenbuhler ihn Gegeben, meine Mutter stachelte Es zur Empörung an und weckt den Feind In dieser bösen Stund', uns zu verrathen. Monimia . Und wie, du kennst ihn noch nicht, diesen Feind? Xiphares . Ach nein, und das vermehrt noch meine Qual. O könnt' ich sein verräth'risch Herz durchbohren, Bevor ich selber mich dem Tode weihe! Monimia . Nun, Herr, so lern' ihn kennen, suche nicht Ihn anderswo, als hier. Sieh her, Ich bin's. Triff mich, laß keine Schonung walten. Ich Hab' dies gethan, und mich mußt du bestrafen. Xiphares . Du? Monimia . Wüßtest du, wie grausam hinterlistig Er meine Schwäche zu bethören wußte Und Lieb' und Freundschaft für dich heuchelte, Wie gern in dir er meinen Gatten sah! Wer hätt' ihm nicht geglaubt? Doch nein, ich durfte Dich nicht preisgeben seiner falschen Güte, Und dreimal von der Gottheit selbst gewarnt . . . . O wär' ich dieser Stimme stets gefolgt, O hätt' ich es vermocht zu schweigen! Ach, Warum hab' ich nicht ferner dich geschont! warum Lehnt' ich des Königs tückisches Geschenk Nicht ab! Und mögest du mir auch verzeihn, Ich will mich selbst dafür bestrafen. Xiphares . Wie, Du selbst, die Liebe war's, o Fürstin, die Mich in Gefahr gebracht? Entsprang mein Unglück 219 So schönem Grund? Der Liebe Uebermaß Hat das Geheimniß unsrer Lieb' enthüllt, Und du beklagst, daß du mich glücklich machtest? Was wünscht' ich mehr! Jetzt sterb' ich treu und glücklich, Dich aber ruft dein Schicksal auf den Thron. Nicht länger, Fürstin, widersetze dich Und schließ' den Bund, der dich zu ihm erhebt. Monimia . Wie, dem Barbaren, deß verhaßte Liebe Uns ewig trennt, ihm soll ich mich verbinden? Xiphares . Bedenk', noch heute Morgen wolltest du Dich fügen und mich niemals wiedersehn. Monimia . Ach, kannt' ich seine ganze Grausamkeit? Soll ich, indem ich seine Wuth beschön'ge, Wenn ich, von seinem Stahl durchbohrt, dich sehe, Dem wilden Gatten zum Altare folgen? Soll meine Hand in seine legen, die Noch von dem Blute des Geliebten raucht? O flieh' und rette dich vor seinem Grimm! Verliere nicht die Zeit, indem du mich Zu überreden suchst. Mir wird ein Gott Einflößen, was ich soll. O Himmel, wenn Er jetzt uns überraschte! Horch, man kommt. Geh', eil', entschließe dich zu leben, warte Zum mindsten ab, was mir mein Schicksal bringt.   Dritter Auftritt Monimia . Phödime . Phödime . Wie war sein Leben in Gefahr, o Fürstin! Der König ist's! 220 Monimia . Eil', hilf ihm, sich verbergen! Verlaß ihn nicht! Daß er nicht eh'r sein Schicksal Entscheid', als bis er von dem meinen hört!   Vierter Auftritt. Mithridat . Monimia . Mithridat . Auf, Fürstin, auf! Geheime Gründe drängen, Mich rasch aus diesem Ort zurückzuziehn, Dieweil, bereit zu folgen, meine Krieger Zu Schiff' gehn und der Abfahrt harr'n. O komm, Und möge am Altar ein ewig Band, Wie ich's gelobt, uns aneinander knüpfen. Monimia . Uns Beide, Herr? Mithridat . Du wagst zu schwanken, Fürstin? Monimia . Verbotest du mir nicht, daran zu denken? Mithridat . Ich hatte damals meine Gründe, doch Das sei vergessen. Jetzt, o Fürstin, sinne Nur, wie du meiner Lieb' entsprechen magst; Bedenk', daß du dein Herz mir schuldig bist Monimia . Warum, o Herr, gabst du mir's denn zurück? Mithridat . Wie, immer noch den undankbaren Sohn Im Herzen? Glaubst du . . . . Monimia . Herr, du hättest mich Betrogen? 221 Mithridat . Ha, Verrätherin, ziemt dir's, Also zu reden? Bargst du nicht im Herzen Schon jene treuvergeßne Liebe? Als Ich dich zum Gipfel hoher Ehr' erhob, Ersannst du mir den schwärzesten Verrath; Du Undankbare, die du feindlicher Mir als die Römer bist, vergissest du, Von welch erhabnem Rang ich niederstieg, Um zu dem Thron, an den du nie gewagt Zu denken, dich emporzuheben? Sieh In mir nicht den Besiegten, den Verfolgten, Den Sieger sieh in mir, den jeder fürchtet; Bedenk', als ich in Ephesus dich liebte, Wie ich aus hundert Königstöchtern dich Herausgewählt, wie manches Bündniß ich Um dich verschmäht und wie viel Staaten ich Zu Füßen dir gelegt! Wenn damals schon Dich unbesiegbar eine andre Neigung Erfüllt' und gegen mich erkältete, Warum denn schwiegst du, eh' hierher du kamst, Und schobst das traurige Geständniß auf, Bis mir das Schicksal Alles raubte Und ich mich überall verlassen sah, Du mir allein als Trost und Hoffnung bliebst? Und jetzt, wo ich die Schmach vergessen will, Und vor mir jenes düstre Bild verberge, Wagst du Vergangenes zurückzurufen Und mich, den du beleidigt, anzuklagen? Ich sehe, daß um den Verräther dich Ein thöricht Hoffen noch verblendet. Götter, Zu welcher Prüfung habt ihr mich verdammt! Welch ein geheimer Zauber bannt in mir Den Zorn, der rasch und streng zu strafen weiß? Benutz' den Augenblick, den meine Liebe Dir jetzt noch gönnt. Komm, ich befehle dir's 222 Zum letzten Mal. Dem frevelhaften Sohn Zu Lieb' stürz' dich nicht unnütz in Gefahr. Du wirst ihn niemals wiedersehn und ohne Mit einer Neigung, welche mir du schuldest, Dich noch zu schmücken, laß aus dem Gedächtniß Ihn schwinden, wie er deinem Aug' entschwindet. Und jetzt erkenne meine Güt' und sorge, Daß du dich des Verzeihens würdig machst. Monimia . Wohl weiß ich, welche Dankbarkeit, o Herr, Mich zum Gehorsam gegen dich verpflichtet. Wie hoch auch meiner Ahnen Rang einst war, Ihr Ruhm aus solcher Fern' besticht mich nicht, Und ich erkenn' es, wie ich durch Geburt Weit unter einem solchen Hymen stehe. Und trotz der Neigung, trotz den ersten Wünschen Für einen Sohn, nach dir dem Größesten Der Sterblichen, entsagt' ich, Herr, sobald Um meine Stirn dies Diadem sich wob, Ihm und auch mir. Gemeinsam hatten wir Beschlossen, uns zu opfern. Meinem Wink Gehorsam eilt' er, fern mich zu vergessen; Der Liebe Glut erlosch beinah im Dunkel Des Schweigens, selbst mein Loos erschien mir nicht Beklagenswerth, denn mußt' ich süß're Wünsche Auch opfern, doch beglückt' ich einen Helden Wie du. Du selbst, o Herr, hast vom Gehorsam Mich losgelöst. Die unglücksel'ge Neigung, Die schon besiegt war, deren Glut erlosch, Weil er sich meinem Blick entzog, du hast Durch List sie aufgedeckt und zum Geständniß Mich überredet. Leugnen werd' ich nicht, Wenn du es auch vergessen könntest. Mir Bleibt diese Schmach, zu der du mich gezwungen, Auf immerdar im Geiste gegenwärtig. Stets werd' ich denken, daß du mir nicht traust; 223 Das Grab, o Herr, ist mir so schrecklich nicht, Als eines Gatten Bett, der mich betrog, Der ew'gen Kummer mir bereitete Und mich erröthen ließ ob einer Glut, Die ihm nicht galt. Mithridat . Ist das dein letztes Wort? Die Ehre, die ich dir bestimmt, verschmähst du? Bedenk' es wohl! Ich wart', um zu beschließen. Monimia . Vergebens suchst du, Herr, mich zu betäuben. Ich kenne dich und weiß, was zu erwarten, Welch Unheil ich herabzieh' auf mein Haupt; Doch mein Entschluß steht fest, es wird ihn Nichts Erschüttern, siehst du doch, wie ich zu sprechen Und die Bescheidenheit, die ich bis jetzt gewahrt, Zu übertreten wage. Du hast meiner Hand, Der unheilvollen, dich bedient, um in Des eignen Sohnes Brust den Dolch zu stoßen; An dem Geheimniß unschuldvoller Liebe Hast du mich zur Verrätherin gemacht. Verlör' er drob auch nur des Vaters Neigung, Er stirbt daran, Herr; nie wird meine Liebe Der Preis so listig grausamen Betrugs. Jetzt richte über die Empörerin Und brauche alle Macht, die man dir gab, Ich harre deines Spruchs. Befiehl nur, Herr, Nur bitt' ich Eins, indem ich dich verlasse: Glaub', denn der Tugend schuld' ich dies Geständniß, Mitschuld'ge hatt' ich nicht, ich war's allein, Die dich verrieth. Dein Wunsch, er wär' erfüllt, Hätt' ich, Herr, deines Sohnes Wunsch befolgt. 224   Fünfter Auftritt. Mithridat . Sie geht, und ich durch feiges Schweigen scheine Die Keckheit ihres Gehns zu billigen. Das fehlte noch, daß ich aus Herzensschwäche Mich ob zu großer Grausamkeit verklagte! Wer bin ich denn? Ist das Monimia Und bin ich Mithridat? Nein, nein, Nichts mehr Von Lieben und Verzeihn. Mein Ingrimm kehrt Zurück, und ich erkenne mich aufs Neu'. Mit Einem Schlag will ich drei Undankbare Im Scheiden opfern. Rom ist jetzt mein Ziel, Durch solche Opfer will ich meinem Haß Die Götter günstig stimmen, denn ich muß, Ich kann's; sie haben keine Stütze mehr, Die schlimmsten der Empörer sind schon fern Vom Land. Ich will ohn' Unterschied im Lieben Und Hassen gleich mit Xiphares beginnen. Doch welche Wuth packt mich! Was sprach ich da? Ich will, Unglücklicher, wen will ich opfern? Den Sohn, vor dem Rom zittert, der vielleicht Den Vater rächt? Warum ein Blut vergießen, Deß ich noch einst bedürftig bin? Hat denn Bei meinem Sturz das Schicksal mir zu viel Der Freunde noch gelassen? Besser wär's, Ich suchte seine Liebe zu gewinnen. Des Rächers, der Geliebten nicht, bedarf ich. Ist's da nicht besser, da ich ihrer doch Entbehren muß, daß ich dem Sohn sie lasse, Den ich mir aufbewahren will? Es sei, Er nehme sie. O eiteles Bemühn! Ich fühle nur, wie schwach mein Herz, das sich Umsonst zu täuschen sucht. Ich glüh' für sie, Ich lieb' und, weit entfernt sie zu verbannen . . . . Doch das ist ein Verbrechen auch, das sie 225 Mir büßen soll. Zu lang schon war mein Ruhm Gebannt in Liebesfesseln. Möge sie Allein denn untergehn, jedoch mein Sohn Begleite mich. Ein wenig Festigkeit, Mit der ich ihr Verweigern strafe, wird Mich von der Furcht vor ihr befrein. Warum Hält noch das Mitleid mich zurück? Bestraft' Ich nicht geringere Verbrechen schon? Monimia! Mein Sohn! Unnützer Zorn, Wie würdet ihr, o Römer, triumphiren, Erführt ihr meine Schmach und wüßtet ihr, Wie feig mein Herz im Liebeskampf sich windet! Hab' ich nicht längst, Verrath von theurer Hand Befürchtend, gegen jedes Giftes Wirkung Zu schützen mich gesucht und selbst die Kraft Des tödtlichsten durch Müh' und Kunst geschwächt? Ach, klüger wär's und glücklicher für mich, Hätt' ich mich vor der Liebe Gift geschützt Im Herzen, das vom Eis des Alters schon Erstarrt. Wie soll ich diesem Wirrsaal, ach, entgehn!   Sechster Auftritt. Mithridat . Arbates . Arbates . Herr, deine Truppen alle weigern sich Davonzuziehn. Pharnazes hält sie hier Zurück und theilet ihnen mit, daß du Nach Rom zu neuen Kämpfen ziehst. Mithridat . Pharnazes? Arbates . Zuerst verführt' er seine eignen Wachen, Und selbst die Kühnsten schreckt der Name Roms, Sie träumen nur von schrecklichen Gefahren; 226 Die Einen klammern ängstlich sich ans Ufer, Die Andern, die schon auf der Abfahrt waren, Ringen sich in den Fluten oder halten Dem Schiffsvolk drohend ihre Speer' entgegen. Verwirrung überall, sie hören nicht, Sie schrein nach Frieden, wollen sich ergeben; Pharnazes führt sie an, er schmeichelt ihnen, Und schon im Namen Roms verspricht er ihnen Den Frieden. Mithridat . Ha, Verräther! Eilt. Man rufe Mir seinen Bruder, daß er schleunigst mir Zu Hülfe komme! Arbates . Was er vorhat, Herr, Vermag ich nicht zu sagen, aber plötzlich Eilt' er wie außer sich dem Hafen zu. Man sagt, daß er mit einem Trupp Getreuer Sich mitten in die Meutrerschaar begab. Das ist's, was ich erfuhr. Mithridat . Ha, was vernehm' ich! Ihr Schurken, meine Rache hat zu lang Gezaudert. Doch ich fürcht' euch nicht. Die Meutrer, Wie frech sie sind, vermögen doch mein Antlitz Nicht zu ertragen. Sehn nur will ich sie, Ich will mit eigner Hand vor ihren Augen Hinopfern meine frevelhaften Söhne.   Siebenter Auftritt. Mithridat . Arbates . Arcas . Arcas . Herr, Alles ist verloren! Rings umzingeln Pharnazes, die Rebellen und die Römer Schon diesen Platz. 227 Mithridat . Die Römer! Arcas . Rings mit Römern Ist schon der Strand bedeckt, und bald bist du In dieser Mauern Ring belagert. Mithridat (zu Arcas) . Götter! Eil'. Höre, Arcas . . . . Ungetreue Fürstin, Du wahrlich sollst dich nicht des Unglücks freun, Das jetzt von allen Seiten mich bedrängt. 228   Fünfter Aufzug. Erster Auftritt. Monimia . Phödime . Dienerinnen . Phödime . Wohin! Welch blinde Leidenschaft, o Fürstin, Treibt dich zum Frevel an dem eignen Leben! Wie hast du aus dem heil'gen Diadem Ein schreckerregend Band gemacht! Die Götter, Du siehst es, haben, menschlicher gesinnt, In deiner Hand die Binde selbst zerrissen. Monimia . Mit welcher Wuth folgst du mir nach und willst Das Leben wider meinen Willen mir Erhalten? Xiphares ist todt. Der König Sieht selbst verzweiflungsvoll den sichren Tod Vor Augen. Welche Frucht versprichst du dir Davon? Denkst du mich auszuliefern an Pharnazes? Phödime . Warte doch, bis sichre Kunde Dir seines unglücksel'gen Bruders Tod Bestätigt. Alles ist ja in Verwirrung, Wie leicht ist's möglich, daß man da sich täuschte. Zuerst, du weißt es ja, ließ ein Gerücht Ihn in der Meutrer Reihn erscheinen, jetzt Sagt man, daß die Empörer gegen ihn 229 Sich kehrten. Nun urtheile selbst und höre Doch erst, o Herrin. Monimia . Xiphares ist todt, Kein Zweifel! Was geschah, bestätigt nur Des Herzens bange Ahnung, wär' auch nicht Die blut'ge Nachricht. Er ist todt, dafür Bürgt mir sein Muth und auch sein Name, der Den Römern so verdächtig. Ha, wie werden Sie, die nach diesem edlen Blut so lang' Gelechzt, jetzt triumphiren! Welch ein Feind Bedrohte sie in diesem Helden! Aber ich, Die Unglücksel'ge, such' mich zu entschuld'gen. Ist's denn nicht klar, daß ich für ihn die Quelle Von allem Unheil war? Wie hatt' ich ihn Mit Mördern rings umstellt! Nie wäre er Den Dolchen all' entwischt! Es war umsonst, Daß er die Römer und den Bruder mied, Gab ich ihn seines eig'nen Vaters Wuth Doch preis! Ich war's, die Beider Eifersucht Erweckt' und jene Flamm' entzündete, Die jetzo Alles zu verzehren droht. Ich bin der Zwietracht Fackel, bin die Furie, Die Roma's Dämon nährte und erzog, Und lebe noch und harre, bis Pharnazes, Mit ihrem Blut befleckt, begleitet von Den Römern kommt und seine Lust am Morden Vor meinem Aug' entfaltet. Ja, Verzweiflung Kennt viele Wege, die zum Tode führen! (Zu den Dienerinnen) Grausame, ihr versperrt durch eure Hülfe Vergeblich mir den nächsten Weg zum Tod, Ich find' ihn, wär' es auch in euren Armen! Fort, unheilvolles Diadem, du Zeuge Und Werkzeug aller meiner Qualen, Binde, Die tausendmal mein Aug' mit Thränen netzte! 230 Warum hast du mir nicht den Dienst geleistet, Das Leben und den Schmerz zugleich zu enden? Fort, zeige dich nicht länger meinen Blicken! Mir werden andre Waffen dienstbar sein. Den Tag verfluch' ich und die Mörderhand, Die dich zuerst um meine Stirne wob. Phödime . Man kommt, Gebiet'rin; Arcas ist's. Ich hoffe, Er naht, um deine Aengste zu zerstreun.   Zweiter Auftritt. Monimia . Arcas . Phödime . Monimia . Sprich, Arcas, ist's geschehen? Hat Pharnazes . . . . Arcas . Frag' mich darum nicht, Fürstin, was sich dort Begab. Mir ward ein schlimmres Amt zu Theil, Das Gift verkündet dir des Königs Willen. Phödime . O unglücksel'ge Fürstin! Monimia . Arcas, gieb! O Wonne! Sag' dem König, der es sandte, Daß von den Gaben allen, die er mir Verlieh, ich hier die theuerste empfange. Nun athm' ich auf, und nun zum ersten Male Bin ich die Herrin meiner selbst und darf Mein Loos nach eignem Wunsch mir wählen. Phödime . Ach! ach! Monimia . Halt' ein und durch unwürd'ge Thränen Stör' nicht die Wonne dieses Augenblicks! Du konntest mich beklagen, als man mich Mit jenem unheilvollen Titel ehrte, 231 Als man mich fortriß aus dem schönen Hellas Und hierher führte ins Barbarenland; Jetzt kehre heim zu der glücksel'gen Küste, Und wenn man meinen Namen dort noch kennt, So sag', was du hier sahest, und verkünde Die Unglücksmär von meinem Königsglanz. Du aber, den ein neidisches Geschick Von einem Herzen riß, das dir gehörte, O Held, mit dem ich selbst nicht hoffen darf Durch ein gemeinsam Grab vereint zu werden, Empfange dieses Opfer! Könnte doch Dies Gift die Sühne deines Todes sein!   Dritter Auftritt. Monimia . Arbates . Arcas . Phödime . Arbates . Halt' ein! Halt' ein! Arcas . Arbates, was beginnst du? Arbates . Halt' ein! Es ist der Wille Mithridats. Monimia . O lasse mich! Arbates Nein, nein, du darfst es nicht! Gebieterin, ich muß des Königs Willen Vollziehn. Entschließe dich zu leben! Arcas, Eil', melde Mithridat, daß mir's gelang. 232   Vierter Auftritt. Monimia . Arbates . Phödime . Monimia . Grausamer, was beginnest du mit mir? Ist euch, was ich erdulde, nicht genug? Verlangt der König, der mir dieses sandte, Der mir so raschen Tod mißgönnet, daß Für seinen Haß ich zweimal sterben soll? Arbates . Gleich wird er hier sein, und ich bin gewiß, Du selbst wirst ihn mit mir beweinen. Monimia . Wie? Der König . . . . Arbates . Naht sich seiner letzten Stunde. Ihm strahlt nur noch des Lichtes letzter Schimmer; Ich ließ ihn blutend seinen Kriegern, die Ihn trugen. Weinend schritt ihm Xiphares Zur Seite. Monimia . Xiphares? O große Götter! Wie, wach' ich? Meinem Ohre wag' ich kaum Zu glauben, was ich höre, Xiphares, Er lebt noch? Xiphares, den meine Thränen . . . . Arbates . Er lebt, mit Ruhm bedeckt, in Schmerz versunken. Nicht dich allein hat seines Todes Kunde Erschreckt; die Römer, welche überall Sie zu verbreiten suchten, warfen Schrecken In Aller Herz; der König selber ward getäuscht Und weint' um ihn. Von nun an sah er klar Sein Loos voraus. Vom meuterischen Sohn Ringsum bedrängt, auf keine Hülfe hoffend, Darauf gefaßt, daß seine Reihen wichen, 233 Erblickte er, von Schreck und Wuth ergriffen, Die Adler Roms inmitten seiner Fahnen. Da war sein Sinnen nur darauf gerichtet, Wie er den Weg sich bahnte und der Schmach Entgehen könnt', in ihre Hand zu fallen. Zuerst versucht' er's mit dem Gifte, das Er für das stärkste hielt, doch blieb es fruchtlos. O eitle Hülfe, rief er aus, die ich zu oft Bekämpfte! Als ich gegen alle Gifte Mich zu bewahren suchte, hab' ich, ach, Die Frucht verloren, die vom Gift ich hoffte! Ein beßres Mittel such' ich jetzt, den Tod, Der jenen Römern soll verderblich sein! Er sprach's und bietet Trotz den mächt'gen Schaaren Und läßt die Thore des Palasts weit öffnen. Beim Anblick dieser edlen Stirn, die oft In ihren Reihen Schreck verbreitete, Wie wichen sie auf einmal da zurück, Das Feld freilassend zwischen uns und ihnen, Und zu den Schiffen, die sie hergebracht, Flohn Ein'ge schon erschreckt zurück. Doch, ach, Kaum wag' ich's zu erzählen, vom Pharnazes Gespornt, rief das Bewußtsein ihrer Schande Aufs Neu' den alten Muth hervor: sie kommen Zurück und greifen jetzt den König an, Den eine kleine Schaar mit mir beschützte. Doch wie soll ich das Unerhörte malen? Wie hieb er drein, wie glühten seine Blicke, Wie hat sein Arm zum letzten Male kämpfend Mit Wunderthat den Heldenlauf beschlossen! Und endlich, müde, staub- und blutbedeckt, War er von einem Leichendamm umringt. Da schreitet gegen uns heran ein andrer Trupp, Die Römer weichen, um zu ihm zu stoßen, Damit dann beide Mithridat zermalmen! Er aber sprach: Es ist genug, Arbates, 234 Mordlust und Wuth trieb mich zu weit voran, Sie sollen Mithridat nicht lebend haben, Und in den Busen stößt er sich das Schwert. Noch aber flieht der Tod die große Seele, Und blutend fällt der Held in meine Arme, Er grollte ob des Sterbens Langsamkeit Und klagte, daß das Leben ihn noch halte; Er hob die schwere Hand langsam empor, Und auf die Stelle deutend, wo das Herz Noch schlug, schien er um einen sichern Stoß Mich anzuflehn, dieweil ich selbst verzweifelnd Den eignen Busen zu durchbohren dachte. Da macht' ein lauter Schrei mich plötzlich stutzen. Ich sah, o Wunder, wie Pharnazes Mit seinen Römern rings geschlagen wurde, Wie sie, besiegt und überwältigt, sich In Hast auf ihre Schiffe flüchteten; Der Sieger, der sie warf, zog jetzt heran, Und Xiphares erschien vor meinem Blick. Monimia . O Götter! Arbates . Xiphares war treu geblieben. Ihn hatt' inmitten des Gefechts ein Trupp Aufständischer nach dem Befehl des Bruders Umzingelt, doch er wußte ihrem Arm Sich zu entwinden, hieb die Frechsten nieder Und schlug sich zu den Seinen durch. Er bahnte, Von Stolz und Freude strahlend, einen Weg Durch tausend Leichen sich zu seinem Vater, Grad' im verhängnißvollsten Augenblick. Doch welch ein Schrecken folgt' auf solche Freude! Schon hebt er seinen Arm, um zu den Füßen Des Königs sich zu tödten, da eilt man Herbei und kommt der raschen That zuvor. Der König blickt mit mattem Aug' auf mich 235 Und spricht mit einer halberloschnen Stimme: Ist's Zeit noch, eil', die Königin zu retten! Dies Wort ließ mich für Xiphares und dich Erzittern. Argwohn sagte mir, es sei Geheim ein tödtlicher Befehl gegeben. Wie müd' ich war, es gaben Schreck und Eifer Mir plötzlich neue Kraft, hierher zu eilen, Und glücklich fühl' ich mich in unsrem Unglück, Daß ich dem Schlag zuvorgekommen bin, Der Beide euch bedrohte! Monimia . Tief bewegt Bei solchem Schicksal, solchem Schrecken klag' ich, Ach, um des großen Königs Loos! O Götter, Hätt' ich doch nie dazu die Hand geliehn! Könnt' ich als bloße Zeugin ohne Schuld Dem großen Unglück meine Thränen weihn! Er kommt. Welch neuen Sturm erregt im Herzen Das Blut des Vaters und des Sohnes Thränen!   Letzter Auftritt. Mithridat . Xiphares . Monimia . Arbates . Arcas . Phödime . Garden , die den Mithridat stützen. Monimia . Was seh' ich, Herr! Ach, welch ein Loos ward dir! Mithridat . O weinet nicht, nein, trocknet eure Thränen, (Auf Xiphares zeigend) Von seiner Lieb' und ihrer Freundschaft heischt Mein Schicksal Anderes, als Mitleid, denn Mein Ruhm ist würdig der Bewunderung. Die Welt hab' ich gerächt, so viel ich konnte, Und nur der Tod hat meinen Plan zerstört. Ein Feind der Römer und der Tyrannei 236 Blieb ich verschont mit ihres Joches Schmach, Und schmeicheln darf ich mir, daß unter Allen, Die Römerhaß berühmt gemacht, nicht Einer Je theuerer den Sieg an sie verkaufte, Noch ihnen alle Blätter der Geschichte Mit gleicher Zahl von schwarzen Tagen füllte. Das Schicksal hat es nicht gewollt, daß Rom In Flammenglut getaucht mich sterben sah, Doch Eine Freude tröstet mich: ich sterbe Von Feinden, die ich opferte, umringt. In ihr verhaßtes Blut taucht' ich die Hand, Und daß sie flohen, sah mein letzter Blick. Dir, Xiphares, verdank' ich diese Freude. Du spartest ihren Anblick meinem Tode, Warum, ach, kann ich mit dem Herrlichsten, Was je mein Thron besaß, dir diesen Dienst Nicht lohnen? Du allein, o Fürstin, bliebst mir, Und du ersetzest Krone mir und Reich; Gestatte, daß ich dich dem Sohne gebe, Und Alles, was ich je von dir gefordert. Ich fleh' dich darum an, o weih' es ihm! Monimia . Nein, lebe, lebe für das Heil der Welt Und für die Freiheit, der du Stütze bist! Leb', um an deinen Feinden dich zu rächen! Mithridat . Es ist vorbei, ich habe ausgelebt. Denk' nun an dich, mein Sohn, und glaube nicht, Daß du dem Feind zu widerstehn vermagst. Die Römer werden, ob der Schmach ergrimmt, Sich bald von allen Seiten auf dich stürzen. Verliere nicht die Zeit, die ihre Flucht Dir läßt, um mir ein Grabmal zu erbaun; Deß brauch' ich nicht, und ich erlass' es dir. Die Schaar, die rings umher den Boden deckt, Sie ehret meine Asche schon genug. 237 Verbirg vor ihnen dich und deinen Namen, Geh' und bewahr' dich für die Zukunft auf! Xiphares . Ich fliehn, o Herr . . . . Pharnazes ungestraft? . . . . Die triumphir'nden Römer sollen bald . . . . Mithridat . Nein, ich verbiete dir's, denn den Pharnazes Erreicht sein Schicksal einst, sei's früh, sei's spät; Ihn zu bestrafen überlaß den Römern. Doch meine Kraft erlischt, der Geist entflieht. Ich fühl's, ich sterbe. Komm heran, mein Sohn! In diesem Kusse, der so wohl mir thut, Empfang' die Seele Mithridats. Monimia . Er stirbt! Xiphares . Laß uns, o Fürstin, unsre Trauer einen Und rings im Erdkreis ihm die Rächer suchen.   ══════════════