Georg Herwegh Am Grabe eines deutschen Flüchtlings Juli 1860 In der Zeit der Reden und Redensarten ist es nicht meine Sache, Worte zu machen. Wiederum ein Flüchtling, der in fremder Erde begraben wird! Mühe und Arbeit, das war sein Los auf der Welt. Vergeblich wartete er elf Jahre darauf, zurückgerufen zu werden in die Heimat; aber Fürsten und Prinzregenten – sie werden noch manchen warten lassen! Arme, treue Seele, du hast es jetzt überwunden. Sei sie dir leicht, die fremde, republikanische Erde, leichter als die dumpfe heimatliche Luft manchem der Freunde draußen ist! – Morgen tragen sie in das »Invalidenhaus« mit allem Pomp der Erde einen Fürsten, während dich heute ein Dutzend Freunde aus dem Invalidenhaus zum Grabe begleitet! Ich sehe dich lächeln über jenen Pomp! Leb wohl, du braver, ehrlicher Republikaner! Nach altem, frommem Brauch werfe ich eine Scholle Erde auf dein Grab. Leb wohl.