Friedrich Schiller Demetrius Erster Aufzug Der Reichstag zu Krakau Wenn der Vorhang aufgeht, sieht man die polnische Reichsversammlung in den großen Senatssaale sitzen. Die hinterste Tiefe des Theaters ist eine drei Stufen hohe Estrade, mit rotem Teppich belegt, worauf der königliche Thron, mit einem Himmel bedeckt; zu beiden Seiten hängen die Wappen von Polen und Litauen. Der König sitzt auf dem Thron, zu seiner Rechten und Linken auf der Estrade stehen die zehen Kronbeamten. Unter der Estrade zu beiden Seiten des Theaters sitzen die Bischöfe, Palatinen und Kastellanen mit bedecktem Haupt; hinter diesen stehen mit unbedecktem Haupt die Landboten in zwei Reihen, alle bewaffnet. Der Erzbischof von Gnesen, als der Primas des Reichs, sitzt dem Proszenium am nächsten, hinter ihm hält sein Kaplan ein goldenes Kreuz Erzbischof von Gnesen . So ist denn dieser stürmevolle Reichstag Zum guten Ende glücklich eingeleitet; König und Stände scheiden wohlgesinnt, Der Adel willigt ein, sich zu entwaffnen, Der widerspenstge Rokosz, sich zu lösen, Der König aber gibt sein heilig Wort, Abhülf zu leisten den gerechten Klagen, Nichts – – – – – – – – – Wies die pacta conventa mit sich bringen. Und nun im Innern Fried ist, können wir Die Augen auf das Ausland richten. – – – – – – – – – – Ist es der Wille der erlauchten Stände, Daß Prinz Demetrius, der Rußlands Krone In Anspruch nimmt als Iwans echter Sohn, Sich in den Schranken stelle, um sein Recht Vor diesem Seym Walny zu erweisen? Kastellan von Krakau . Die Ehre foderts und die Billigkeit, Unziemlich wärs, ihm dies Gesuch zu weigern. Bischof von Wermeland . Die Dokumente seines Rechtsanspruches Sind eingesehen und bewährt gefunden. Man kann ihn hören. Mehrere Landboten . Hören muß man ihn. Leo Sapieha . Ihn hören heißt ihn anerkennen. Odowalsky . Ihn Nicht hören heißt ihn ungehört verwerfen. Erzbischof von Gnesen . Ists euch genehm, daß er vernommen werde? Ich frag zum zweiten und zum dritten Mal. Krongroßkanzler . Er stelle sich vor unsern Thron! Senatoren . Er rede! Landboten . Wir wollen ihn hören. (Krongroßmarschall gibt dem Türhüter ein Zeichen mit seinem Stabe, dieser geht hinaus, um zu öffnen) Leo Sapieha . Schreibet nieder, Kanzler! Ich mache Einspruch gegen dies Verfahren Und gegen alles, was draus folgt, zuwider Dem Frieden Polens mit der Kron zu Moskau. Demetrius tritt ein, geht einige Schritte auf den Thron zu und macht mit bedecktem Haupt drei Verbeugungen, eine gegen den König, darauf gegen die Senatoren, endlich gegen die Landboten; ihm wird von jedem Teile, dem es gilt, mit einer Neigung des Haupts geantwortet. Alsdann stellt er sich so, daß er eitlen großen Teil der Versammlung und des Publikums, von welchem angenommen wird, daß es im Reichstag mitsitze, im Auge behält und dem königlichen Thron nur nicht den Rücken wendet. Erzbischof von Gnesen . Prinz Dmitri, Iwans Sohn! Wenn dich der Glanz Der königlichen Reichsversammlung schreckt, Des Anblicks Majestät die Zung dir bindet, So magst du, dir vergönnt es der Senat, Dir nach Gefallen einen Anwalt wählen Und eines fremden Mundes dich bedienen. Demetrius . Herr Erzbischof, ich stehe hier, ein Reich Zu fordern und ein königliches Szepter. Schlecht stünde mirs, vor einem edeln Volk Und seinem König und Senat zu zittern. Ich sah noch nie solch einen hehren Kreis. Doch dieser Anblick macht das Herz mir groß Und schreckt mich nicht. Je würdigere Zeugen, Um so willkommner sind sie mir, ich kann Vor keiner glänzendem Versammlung reden. Erzbischof von Gnesen . – – – Die erlauchte Republik Ist wohl geneigt, Euch [anzuhören] – – Demetrius . Großmächtger König! Würdge, mächtige Bischöf und Palatinen, gnädge Herrn Landboten der erlauchten Republik! Verwundert, mit nachdenklichem Erstaunen, Erblick ich mich, des Zaren Iwans Sohn, Auf diesem Reichstag vor dem Volk der Polen. Der Haß entzweite blutig beide Reiche, Und Friede wurde nicht, so lang er lebte. Doch hat es jetzt der Himmel so gewendet, Daß ich, sein Blut, der mit der Milch der Amme Den alten Erbhaß in sich sog, als Flehender Vor euch erscheinen und in Polens Mitte Mein Recht mir suchen muß. Drum eh ich rede, Vergesset edelmütig, was geschehn, Und daß der Zar, des Sohn ich mich bekenne, Den Krieg in eure Grenzen hat gewälzt. Ich stehe vor euch ein beraubter Fürst, Ich suche Schutz: der Unterdrückte hat Ein heilig Recht an jede edle Brust. Wer aber soll gerecht sein auf der Erde, Wenn es ein großes tapfres Volk nicht ist, Das frei in höchster Machtvollkommenheit Nur sich allein braucht Rechenschaft zu geben, Und unbeschränkt von – – – – – Der schönen Menschlichkeit gehorchen kann? Erzbischof von Gnesen . Ihr gebt Euch für des Zaren Iwans Sohn; Nicht wahrlich Euer Anstand widerspricht Noch Eure Rede diesem stolzen Anspruch. Doch überzeuget uns, daß Ihr der seid, – – – – – – – – – – Dann hoffet alles von dem Edelmut Der Republik – Sie hat den Russen nie Im Feld gefürchtet; beides liebt sie gleich, Ein edler Feind und ein gefällger Freund zu sein. Demetrius . Iwan Wasilowitsch, der große Zar Von Moskau, hatte fünf Gemahlinnen Gefreit in seines Reiches langer Dauer. Die erste, aus dem heldenreichen Stamm Der Romanow, gab ihm den Feodor , Der nach ihm herrschte. Einen einzgen Sohn, Dmitri, die späte Blüte seiner Kraft, Gebar ihm Marfa, aus dem Stamm Nagoi, Ein zartes Kind noch, da der Vater starb. Zar Feodor, ein Jüngling schwacher Kraft Und blöden Geists, ließ seinen obersten Stallmeister walten, Boris Godunow , Der mit verschlagner Hofkunst ihn beherrschte. Födor war kinderlos, und keinen Erben Versprach der Zarin unfruchtbarer Schoß. Als nun der listige Bojar die Gunst Des Volks mit Schmeichelkünsten sich erschlichen, Erhub er seine Wünsche bis zum Thron; Ein junger Prinz nur stand noch zwischen ihm Und seiner stolzen Hoffnung, Prinz Dimitri Iwanowitsch, der unterm Aug der Mutter Zu Uglitsch, ihrem Witwensitz, heranwuchs. Als nun sein schwarzer Anschlag zur Vollziehung Gereift, sandt er nach Uglitsch Mörder aus, Den Zarowitsch zu töten und die Schuld Der Tat – – – – – – – – Ein Feur ergriff in tiefer Mitternacht Des Schlosses Flügel, wo der junge Fürst Mit seinem Wärter abgesondert wohnte. Ein Raub gewaltger Flammen war das Haus, Der Prinz verschwunden aus dem Aug der Menschen Und bliebs; als tot beweint ihn alle Welt. Bekannte Dinge meld ich, die ganz Moskau kennt. Erzbischof von Gnesen . Was Ihr berichtet, ist uns allen kund. Erschollen ist der Ruf durch alle Welt, Daß Prinz Dimitri bei der Feuersbrunst Zu Uglitsch seinen Untergang gefunden. Und weil sein Tod dem Zar, der jetzo herrscht, Zum Glück ausschlug, so trug man kein Bedenken, Ihn anzuklagen dieses schweren Mords. Doch nicht von seinem Tod ist jetzt die Rede! Er lebt ja, dieser Prinz! Er leb in Euch, Behauptet Ihr. Davon gebt uns Beweise. Wodurch beglaubigt Ihr, daß Ihr der seid? An welchen Zeichen soll man Euch erkennen? Wie blieb – – – – – – – – Und tretet jetzt, nach sechzehnjähriger Stille, Nicht mehr erwartet an das Licht der Welt? Demetrius . Kein Jahr ists noch, daß ich mich selbst gefunden, Denn bis dahin lebt ich mir selbst verborgen, Nicht ahnend meine fürstliche Geburt. Mönch unter Mönchen fand ich mich, als ich Anfing, zum Selbstbewußtsein zu erwachen, Und mich umgab der strenge Klosterzwang. Der engen Pfaffenweise widerstand Der mutge Geist, und dunkelmächtig in den Adern Empörte sich das ritterliche Blut. Das Mönchgewand warf ich entschlossen ab Und floh nach Polen, wo der edle Fürst Von Sendomir, der holde Freund der Menschen, Mich gastlich aufnahm in sein Fürstenhaus Und zu der Waffen edelm Dienst erzog. Erzbischof von Gnesen . – – – Wie? Ihr kanntet Euch noch nicht, Und doch erfüllte damals schon der Ruf Die Welt, daß Prinz Demetrius noch lebe? Zar Boris zitterte auf seinem Thron Und stellte seine Sastafs an die Grenzen, Um scharf auf jeden Wanderer zu achten. Wie? Diese Sage ging nicht aus von Euch? Ihr hättet Euch nicht für Demetrius Gegeben? Demetrius . Ich erzähle, was ich weiß. Ging ein Gerücht umher von meinem Dasein, So hat geschäftig es ein Gott verbreitet. Ich kannt mich nicht. Im Haus des Palatins Und unter seiner Dienerschar verloren Lebt ich der Jugend fröhlich dunkle Zeit. Mir selbst noch fremd, mit stiller Huldigung Verehrt ich seine reizgeschmückte Tochter, Doch damals von der Kühnheit weit entfernt, Den Wunsch zu solchem Glück empor zu wagen. Den Kastellan von Lemberg, ihren Freier, Beleidigt meine Leidenschaft. Er setzt Mich stolz zur Rede, und in blinder Wut Vergißt er sich so weit, nach mir zu schlagen. – – – – – – – – – – So schwer gereizet, greif ich zum Gewehr, Er, sinnlos wütend, stürzt in meinen Degen, Und fällt durch meine willenlose Hand. Mnischek . Ja, so verhält sich – – – – – Demetrius . Mein Unglück war das höchste! Ohne Namen, Ein Russ und Fremdling, hatt ich einen Großen Des Reichs getötet, hatte Mord verübt Im Hause meines gastlichen Beschützers, Ihm seinen Eidam, seinen Freund getötet. Nichts half mir meine Unschuld; nicht das Mitleid Des ganzen Hofgesindes, nicht die Gunst Des edeln Palatinus kann mich retten, Denn das Gesetz, das nur den Polen gnädig, Doch streng ist allen Fremdlingen, verdammt mich. Mein Urteil ward gefällt, ich sollte sterben; Schon kniet ich nieder an dem Block des Todes, Entblößte meinen Hals dem Schwert – (Erhält inn und – – – – –) In diesem Augenblicke ward ein Kreuz Von Gold mit kostbarn Edelsteinen sichtbar, Das in der Tauf mir umgehangen ward. Ich hatte, wie es Sitte ist bei uns, Das heilge Pfand der christlichen Erlösung Verborgen stets an meinem Hals getragen Von Kindesbeinen an, und eben jetzt, Wo ich vom süßen Leben scheiden sollte, Ergriff ich es als meinen letzten Trost Und drückt es an den Mund mit frommer Andacht. Das Kleinod wird bemerkt, sein Glanz und Wert Erregt Erstaunen, weckt die Neugier auf. Ich werde losgebunden und befragt, Doch weiß ich keiner Zeit mich zu besinnen, Wo ich das Kleinod nicht an mir getragen. Nun fügte sichs, daß drei Bojarenkinder, Die der Verfolgung ihres Zars entflohn, Bei meinem Herrn zu Sambor eingesprochen. Sie sahn das Kleinod und erkannten es An neun Smaragden, die mit Amethysten Durchschlungen waren, für dasselbige, Was Knäs Mstislawskoy dem jüngsten Sohn Des Zaren bei der Taufe umgehangen. Sie sehn mich näher an und sehn erstaunt Ein seltsam Spielwerk der Natur, daß ich Am rechten Arme kürzer bin geboren. Als sie mich nun mit Fragen ängstigten, Besann ich mich auf einen kleinen Psalter, Den ich auf meiner Flucht mit mir geführt. In diesem Psalter standen griechische Worte, Vom Igumen mit eigner Hand hinein Geschrieben. Selbst hatt ich sie nie gelesen, Weil ich der Sprach nicht kundig bin. Der Psalter Wird jetzt herbeigeholt, die Schrift gelesen; Ihr Inhalt ist: daß Bruder Philaret (Dies war mein Klostername), des Buchs Besitzer, Prinz Dmitri sei, des Iwan jüngster Sohn, Den Andrei, ein redlicher Diak, In jener Mordnacht heimlich weggeflüchtet; Urkunden dessen lägen aufbewahrt In zweien Klöstern, die bezeichnet waren. Hier stürzten die Bojaren mir zu Füßen, Besiegt von dieser Zeugnisse Gewalt, Und grüßten mich als ihres Zaren Sohn. Und also gählings aus des Unglücks Tiefen Riß mich das Schicksal auf des Glückes Höhn. Erzbischof von Gnesen . – – – – – – – – – – Demetrius . Und jetzt fiels auch wie Schuppen mir vom Auge! Erinnrungen belebten sich auf einmal Im fernsten Hintergrund vergangner Zeit; Und wie die letzten Türme aus der Ferne Erglänzen in der Sonne Gold, so wurden Mir in der Seele zwei Gestalten hell, Die höchsten Sonnengipfel des Bewußtseins. Ich sah mich fliehn in einer dunkeln Nacht, Und eine lohe Flamme sah ich steigen In schwarzem Nachtgraun, als ich rückwärts sah. Ein uralt frühes Denken mußt es sein, Denn was vorherging, was darauf gefolgt, War ausgelöscht in langer Zeitenferne; Nur abgerissen,, einsam leuchtend, stand Dies Schreckensbild mir im Gedächtnis da. Doch wohl besann ich mich aus spätern Jahren, Wie der Gefährten einer mich im Zorn Den Sohn des Zars genannt. Ich hielts für Spott Und rächte mich dafür mit einem Schlage. Dies alles traf jetzt blitzschnell meinen Geist, Und vor mir stands mit leuchtender Gewißheit, Ich sei des Zaren totgeglaubter Sohn. Es lösten sich mit diesem einzgen Wort Die Rätsel alle meines dunkeln Wesens. Nicht bloß an Zeichen, die betrüglich sind, In tiefster Brust, an meines Herzens Schlägen Fühlt ich – – – – – – – – Und eher will ichs tropfenweis verspritzen, Als – – – – – – – – – Erzbischof von Gnesen . Und sollen wir auf eine Schrift vertrauen Die sich durch Zufall bei Euch finden mochte? Dem Zeugnis einger Flüchtlinge vertraun? Verzeihet, edler Jüngling! Euer Ton Und Anstand ist gewiß nicht eines Lügners; Doch könntet Ihr selbst der Betrogne sein; Es ist dem Menschenherzen zu verzeihen, In solchem großen Spiel sich zu betrügen. Was stellt Ihr uns für Bürgen Eures Worts? Demetrius . Ich stelle funfzig Eideshelfer auf, Piasten alle, freigeborne Polen Untadeliges Rufs, die jegliches Erhärten sollen, was ich hier behauptet. Dort sitzt der edle Fürst von Sendomir, Der Kastellan von Lublin ihm zur Seite, Die zeugen mirs, ob ich Wahrheit geredet. – – – – – – – – – – – – Erzbischof von Gnesen . Was nun bedünket den erlauchten Ständen? So vieler Zeugnisse vereinter Kraft Muß sich der Zweifel überwunden geben. Ein schleichendes Gerücht durchläuft schon längst Die Welt, daß Dmitri, Iwans Sohn, noch lebe, Zar Boris selbst bestärkts durch seine Furcht. – Ein Jüngling zeigt sich hier, an Alter, Bildung, Bis auf die Zufallsspiele selber der Natur, Ganz dem verschwundnen ähnlich, den man sucht. Durch ed – – des großen Anspruchs wert. Aus Klostermauern ging er wunderbar, Geheimnisvoll hervor, mit Rittertugend Begabt, der nur der Mönche Zögling war: Ein Kleinod zeigt er, das der Zarowitsch Einst an sich trug, von dem er nie sich trennte, Ein schriftlich Zeugnis noch von frommen Händen Beglaubigt seine fürstliche Geburt, Und kräftger noch aus seiner schlichten Rede Und reinen Stirn spricht uns die Wahrheit an. Nicht solche Züge borgt sich der Betrug, Der hüllt sich täuschend ein in große Worte Und in der Sprache rednerischen Schmuck. Nicht länger denn versag ich ihm den Namen, Den er mit Fug und Recht in Anspruch nimmt. Und meines alten Vorrechts mich bedienend, Geb ich als Primas ihm die erste Stimme. Erzbischof von Lemberg . Ich stimme wie der Primas. Mehrere Bischöfe . Wie der Primas. Mehrere Palatinen . Auch ich! Odowalsky . Und ich! Landboten . (rasch aufeinander) Wir alle! Sapieha . Gnädge Herren, Bedenkt es wohl. Man übereile nichts. Ein edler Reichstag lasse sich nicht rasch Hinreißen zu – – – – Odowalsky . Hier ist Nichts zu bedenken, alles ist bedacht. Unwiderleglich sprechen die Beweise. Hier ist nicht Moskau. Nicht Despotenfurcht Schnürt hier die freie Seele zu. Hier darf Die Wahrheit wandeln mit erhabnem Haupt. Ich wills nicht hoffen, edle Herren, daß hier Zu Krakau, auf dem Reichstag selbst der Polen Der Zar von Moskau feile Sklaven habe. – – – – – – – – – – Demetrius . O habet Dank, erlauchte – – – Daß ihr der Wahrheit Zeichen anerkennt. Und wenn ich auch nun der wahrhaftig bin, Den ich mich nenne, o so duldet nicht, Daß sich ein frecher Räuber meines Erbs Anmaße und den Szepter länger schände, Der mir, dem echten Zarowitsch gebührt. – – – – – – – – – – Daß ich den Thron erobre meiner Väter. Die Gerechtigkeit hab ich, ihr habt die Macht; Es ist die große Sache aller Staaten Und Thronen, daß gescheh, was Rechtens ist, Und jedem auf der Welt das Seine werde; Denn da, wo die Gerechtigkeit regiert, Da freut sich jeder sicher seines Erbs, Und über jedem Hause, jedem Thron Schwebt der Vertrag wie eine Cherubswache. Doch wo – – – – – – – – Sich straflos festsetzt in dem fremden Erbe, Da wankt der Staaten fester Felsengrund. – – – – – – Gerechtigkeit Heißt der kunstreiche Bau des Weltgewölbes, Wo alles eines, eines alles hält, Wo mit dem Einen alles stürzt und fällt. – – – – – – – – – – Demetrius . O sieh mich an, ruhmreicher Sigismund! Großmächtger König! Greif in deine Brust Und sieh dein eignes Schicksal in dem meinen. Auch du erfuhrst die Schläge des Geschicks, In der Gefangenschaft wardst du geboren, In einem Kerker kamest du zur Welt, Dein erster Blick fiel auf Gefängnismauern. Du brauchtest einen Retter und Befreier, Der aus dem Kerker auf den Thron dich hob. Du fandest ihn, Großmut hast du erfahren, O übe Großmut auch an mir! in mir – – – – – – – – – – Und ihr, erhabne Männer des Senats, Ehrwürdge Bischöfe, der Kirche Säulen, Ruhmreiche Palatinen und Kastellanen, Hier ist der Augenblick, – – – – Zwei lang entzweite Völker zu versöhnen. Erwerbet euch den Ruhm, daß Polens Kraft Den Moskowitern ihren Zar gegeben, Und in dem Nachbar, der euch feindlich drängte, Erwerbt euch einen dankbarn Freund. – – Und ihr Landboten, – – – – – – – Zäumt eure schnellen Rosse, sitzet auf, Euch öffnen sich des Glückes goldne Tore; Mit euch will ich den Raub des Feindes teilen. Moskau ist reich an Gütern, unermeßlich An Gold und edeln Steinen ist der Schatz Des Zars; ich kann die Freunde königlich Belohnen, und ich wills. Wenn ich als Zar Einziehe auf dem Kremel, dann, ich schwörs, Soll sich der Ärmste unter euch, der mir Dahin gefolgt, in Samt und Zobel kleiden, Mit reichen Perlen sein Geschirr bedecken, Und Silber sei das schlechteste Metall, Um seiner Pferde Hufe zu beschlagen. (Es entsteht eine große Bewegung unter den Landboten) Korela . – – – – – – – – – – Odowalsky . Soll der Kosak uns Ruhm und Beute rauben? Wir haben Friede mit dem Tartarfürst Und Türken, nichts zu fürchten von dem Schweden. Schon lang verzehrt sich unser tapfrer Mut Im – – Frieden, die müßgen Schwerter rosten. Auf, laßt uns fallen in das Land des Zars Und einen dankbarn Bundesfreund gewinnen, Indem wir Polens Macht und Größe mehren. Viele Landboten . Krieg! Krieg mit Moskau! Andre . Man beschließe es! Gleich sammle man die Stimmen! Sapieha (steht auf) . Krongroßmarschall! Gebietet Stille, ich verlang das Wort. Eine Menge von Stimmen . Krieg! Krieg mit Moskau! Sapieha . Ich verlang das Wort Marschall! Tut Euer Amt. (Großes Getöse in dem Saal und außerhalb desselben) Krongroßmarschall . Ihr seht, es ist Vergebens. Sapieha . Was? Der Marschall auch bestochen? Ist keine Freiheit auf dem Reichstag mehr? Werft Euren Stab hin und gebietet Schweigen! Ich fodr es, ich begehrs und wills. (Krongroßmarschall wirft seinen Stab in die Mitte des Saals, der Tumult legt sich) Was denkt ihr? Was beschließt ihr? Stehn wir nicht In tiefem Frieden mit dem Zar zu Moskau? Ich selbst als euer königlicher Bote Errichtete den zwanzigjährgen Bund. Ich habe meine rechte Hand erhoben Zum feierlichen Eidschwur auf dem Kreml, Und redlich hat der Zar uns Wort gehalten. Was ist beschworne Treu? Was sind Verträge, Wenn ein solenner Reichstag sie zerbrechen darf? Demetrius . Fürst Leo Sapieha! Ihr habt Frieden Geschlossen, sagt Ihr, mit dem Zar zu Moskau? Das habt Ihr nicht , denn ich bin dieser Zar. In mir ist Moskaus Majestät, ich bin Der Sohn des Iwan und sein rechter Erbe. Wenn Polen Frieden schließen will mit Rußland, Mit mir muß es geschehen! Euer Vertrag Ist nichtig, mit dem Nichtigen errichtet. Odowalsky . Was kümmert Eur Vertrag uns! Damals haben Wir so gewollt, und heute wollen wir anders! Sind wir – – – – – – – – Sapieha . Ist es dahin gekommen? Will sich niemand Erheben für das Recht, nun so will ichs. Zerreißen will ich dies Geweb der Arglist, Aufdecken will ich alles, was ich weiß. – Ehrwürdger Primas, wie? Bist du im Ernst Gutmütig, oder kannst dich so verstellen? Seid ihr so gläubig, Senatoren? König, Bist du so schwach? Ihr wißt nicht, wollt nicht wissen, Daß ihr ein Spielwerk seid des listgen Woiwoda Von Sendomir, der diesen Zar aufstellte, Des ungemeßner Ehrgeiz in Gedanken Das güterreiche Moskau schon verschlingt? Muß ichs euch sagen, daß bereits der Bund Geknüpft ist und beschworen zwischen beiden, Daß er die jüngste Tochter ihm verlobte? Und soll die edle Republik sich blind In die Gefahren eines Krieges stürzen, Um den Woiwoden groß, um seine Tochter Zur Zarin und zur Königin zu machen? Bestochen hat er alles und erkauft, Den Reichstag, weiß ich wohl, will er beherrschen; Ich sehe seine Faktion gewaltig In diesem Saal, und nicht genug, daß er Den Seym Walny durch die Mehrheit leitet, Bezogen hat er mit dreitausend Pferden Den Reichstag und ganz Krakau überschwemmt Mit seinen Lehensleuten. Eben jetzt Erfüllen sie die Hallen dieses Hauses, Man will die Freiheit unsrer Stimmen zwingen. Doch keine Furcht bewegt mein tapfres Herz; So lang noch Blut in meinen Adern rinnt, Will ich die Freiheit meines Worts behaupten. Wer wohl gesinnt ist, tritt zu mir herüber. So lang ich Leben habe, soll kein Schluß Durchgehn, der wider Recht ist und Vernunft; Ich hab mit Moskau Frieden abgeschlossen, Und ich bin Mann dafür, daß man ihn halte. Odowalsky . Man höre nicht auf ihn! Sammelt die Stimmen! (Bischöfe von Krakau und Wilna stehen auf und gehen jeder an seiner Seite hinab, um die Stimmen zu sammeln) Viele . Krieg! Krieg mit Moskau! Erzbischof von Gnesen (zu Sapieha) . Gebt Euch, edler Herr! Ihr seht, daß Euch die Mehrheit widerstrebt, Treibts nicht zu einer unglückselgen Spaltung. Krongroßkanzler (kommt von dem Thron herab, zu Sapieha) . Der König läßt Euch bitten, nach zugeben, Herr Woiwod, und den Reichstag nicht zu spalten. Türhüter (heimlich zu Odowalsky) . Ihr sollt Euch tapfer halten, melden Euch Die vor der Tür. Ganz Krakau steh zu Euch. Krongroßmarschall (zu Sapieha) . Es sind so gute Schlüsse durchgegangen. o gebt Euch! Um des andern Guten willen, Was man beschlossen, fügt Euch in die Mehrheit. Bischof von Krakau (hat auf seiner Seite die Stimmen gesammelt) . Auf dieser rechten Bank ist alles einig. Sapieha . Laßt alles einig sein – Ich sage nein. Ich sage Veto, ich zerreiße den Reichstag. – Man schreite nicht weiter. Aufgehoben, null Ist alles, was beschlossen ward. (Allgemeiner Aufstand: der König steigt vom Thron, die Schranken werden eingestürzt, es entsteht ein tumultuarisches Getöse. Landboten greifen zu den Säbeln und zücken sie links und rechts auf Sapieha. Bischöfe treten auf beiden Seiten dazwischen und verteidigen ihn mit ihren Stolen) Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat? Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl? Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt, Um Brot und Stiefel seine Stimm verkaufen. Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen; Der Staat muß untergehn, früh oder spät, Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet. Odowalsky . Hört den Verräter! Landboten . Nieder mit ihm! Haut ihn in Stücken! Erzbischof von Gnesen (reißt seinem Kaplan das Kreuz aus der Hand und tritt dazwischen) . Friede! Soll Blut der Bürger auf dem Reichstag fließen? Fürst Sapieha, mäßigt Euch! (Zu den Bischöfen) Bringt ihn Hinweg! Macht eure Brust zu seinem Schilde! Durch jene Seitentür entfernt ihn still, Daß ihn die Menge nicht in Stücken reiße. (Sapieha, noch immer mit den Blicken drohend, wird von den Bischöfen mit Gewalt fortgezogen, indem der Erzbischof von Gnesen und von Lemberg die aufdringenden Landboten von ihm abwehren. Unter heftigem Tumult und Säbelgeklirr leert sich der Saal aus, daß nur Demetrius, Mnischek, Odowalsky und der Kosakenhetman zurückbleiben) Odowalsky . Das schlug uns fehl – – – – – – Doch darum soll Euch Hülfe nicht entstehen. Hält auch die Republik mit Moskau Frieden, Wir führens aus mit unsern eignen Kräften. Korela . Wer hätt auch das gedacht, daß er allein Dem ganzen Reichstag würde Spitze bieten! Mnischek . Der König kommt. (König Sigismundus, begleitet von dem Krongroßkanzler, Krongroßmarschall und einigen Bischöfen) König (zu Demetrius) . Mein Prinz, laßt Euch umarmen. Die hohe Republik erzeigt Euch endlich Gerechtigkeit, mein Herz hat es schon längst. Tief rührt mich Euer Schicksal. Wohl muß es Die Herzen aller Könige bewegen. Demetrius . Vergessen hab ich alles, was ich litt; An Eurer Brust fühl ich mich neugeboren. König . Viel Worte lieb ich nicht; doch was ein König Vermag, der über reichere Vasallen Gebietet, als er selbst, biet ich Euch an. Ihr habt ein [böses] Schauspiel angesehn; Denkt drum nicht schlimmer von der Polen Reich, Weil wilder Sturm das Schiff des Staats bewegt. Mnischek . In Sturmes Brausen lenkt der Steuermann Das Fahrzeug still und führts zum sichren Hafen. König . Der Reichstag ist zerrissen. Ich darf den Frieden mit dem Zar nicht brechen, Doch ihr habt mächtge Freunde. Will mein Adel Auf eigene Gefahr sich für Euch waffnen, Will der Kosak des Krieges Glücksspiel wagen: Er ist ein freier Mann, ich kanns nicht wehren. Mnischek . Der ganze Rokosz steht noch unter Waffen. Gefällt dirs, Herr, so kann der wilde Strom, Der gegen deine Hoheit sich empört, Unschädlich über Moskau sich ergießen. König . Die besten Waffen wird dir Rußland geben, Dein bester Schirm ist deines Volkes Herz. Rußland wird nur durch Rußland überwunden. So wie du heute vor dem Reichstag sprachst, So rede dort in Moskau zu den Bürgern; ihr Herz erobre dir und du wirst herrschen. Durch fremde Waffen gründet sich kein Thron; Noch keinem Volk, das sich zu ehren wußte, Drang man den Herrscher wider Willen auf Ich bin der Schweden geborener König, Ich habe den Thron friedlich bestiegen, Ich habe – – – – – – Und doch hab ich den väterlichen Erbthron verloren, Weil mir die Volksgesinnung widerstrebt. (Marina [tritt auf]) – – – – – – – – – – Mnischek . Erhabne Hoheit, hier zu deinen Füßen Wirft sich Marina, meine jüngste Tochter. Der Prinz von Moskau Du bist der hohe Schirmvogt unsres Hauses, Von deiner königlichen Hand allein Geziemt es ihr den Gatten zu empfangen. (Marina kniet vor dem König) König . Wohl, Vetter, ists Euch wohl genehm, will ich Des Vaters Stelle bei dem Zar vertreten. (Zu Demetrius, dem er die Hand der Marina übergibt) So führ ich Euch in diesem schönen Pfande Des Glückes heitre Göttin zu – Und mög es Mein Aug erleben, dieses holde Paar Sitzen zu sehen auf dem Thron zu Moskau! Marina . Herr – – – – – – – – – Und deine Sklavin bleib ich, wo ich bin. König . Steht auf, Zaritza! Dieser Platz ist nicht Für Euch, nicht für die zarische Verlobte, Nicht für die Tochter meines ersten Woiwods. Ihr seid die jüngste unter Euren Schwestern, Doch Euer Geist fliegt ihrem Glücke vor, Und nach dem Höchsten strebt Ihr hochgesinnt. Demetrius . Sei Zeuge, großer König, meines Schwurs, Ich leg als Fürst ihn in des Fürsten Hand. Die Hand des edeln Fräuleins nehm ich an Als ein kostbares Pfand des Glücks. Ich schwöre, Sobald ich meiner Väter Thron bestiegen, Als meine Braut sie festlich heimzuführen, Wies einer großen Königin geziemt. Zur Morgengabe schenk ich meiner Braut Die Fürstentümer Pleskow und Großneugart Mit allen Städten, Dörfern und Bewohnern, Mit allen Hoheitsrechten und Gewalten Zum freien Eigentum auf ewge Zeit. Und diese Schenkung will ich ihr als Zar Bestätigen in meiner Hauptstadt Moskau. Dem edlen Woiwod zahl ich zum Ersatz Für seine Rüstung eine Million Dukaten polnischen Geprägs. – – – – – – – – – – – – – – – So helf mir Gott und seine Heiligen, Als ich dies treulich schwur und halten werde. König . Ihr werdet es, Ihr werdet nie [vergessen], Was Ihr dem edeln Woiwod schuldig seid, Der sein gewisses Glück an Eure Hoffnung, Ein teures Kind an Eure Hoffnung wagt. So seltner Freund ist köstlich zu bewahren! Drum, wenn Ihr glücklich seid, vergesset nie, Auf welchen Sprossen Ihr zum Thron gestiegen, Und mit dem Kleide wechselt nicht das Herz! Denkt, daß Ihr Euch in Polen selbst gefunden, Liebt dieses Land, das Euch zum zweitenmal geboren. Demetrius . Nicht ohne – – – – – – – Gelang- – – – – – – – Ich bin erwachsen in der Niedrigkeit, Das schöne Band hab ich verehren lernen, Das Mensch an Mensch mit Wechselneigung bindet. König . Ihr tretet aber in ein Reich jetzt ein, Wo andre Sitten und – – – – Hier in der Polen Land regiert die Freiheit; Der König selbst, wiewohl am Glanz der Höchste, Muß oft des [mächtgen Adels] Diener sein. Dort herrscht des Vaters heilige Gewalt, Der Sklave dient mit leidendem Gehorsam, Der Herr gebietet ohne Rechenschaft. Demetrius . Die schöne Freiheit, die ich [hier gefunden] Will ich verpflanzen [in mein Vaterland] Ich will aus Sklaven [freie] Menschen machen, Ich will nicht herrschen über Sklavenseelen. König . Tuts nicht zu rasch und lernt der Zeit gehorchen. Hört, Prinz, Ich will Euch, Prinz, drei Lehren – – – Befolgt sie treu, wenn Ihr zum Reich gelangt. Ein König gibt sie Euch, ein Greis, der viel Erfuhr, und Eure Jugend kann sie nutzen. Demetrius . O lehrt mich Eure Weisheit, großer König! Ihr seid geehrt von einem stolzen Volk; Wie mach ichs, um dasselbe zu erreichen? König . Ihr kommt vom Ausland, – – – – Euch führen fremde Feindeswaffen ein; Dies erste Unrecht habt Ihr gutzumachen. Drum zeiget Euch als Moskaus wahrer Sohn, Indem Ihr Achtung tragt vor seinen Sitten. Dem Polen haltet Wort und – – – Denn Freunde braucht Ihr auf dem neuen Thron, Der Arm, der Euch einführte, kann Euch stürzen. Hoch haltet ihn, doch ahmet ihm nicht nach. Nicht fremder Brauch gedeiht in einem Lande, Iwan Wasilowitsch. Kein Volk wird groß, Es kann mit Lappen fremder Felle sich zwar behängen, Doch lebendig muß – – – – – – – Um Eures Landes – – – – – Doch was Ihr auch beginnt, ehrt Eure Mutter! Ihr findet eine Mutter! Demetrius . O mein König! König . Wohl habt Ihr Ursach, kindlich sie zu ehren. Verehrt sie – zwischen Euch und Eurem Volk Steht sie, ein menschlich teures Band. Frei ist Die Zargewalt von menschlichen Gesetzen, Den – – Herrscher beschränkt kein Reichsvertrag. Dort ist nichts Furchtbares als die Natur, Kein beßres Pfand für Eure Menschlichkeit Hat Euer Volk als Eure Kindesliebe. Ich sage nichts mehr. Manches muß geschehn, Eh Ihr das goldne Widderfell erobert. Erwartet keinen leichten Sieg. Zar Boris herrscht mit Ansehn und mit Kraft, Mit keinem Weichling geht Ihr in den Streit. Wer durch Verdienst sich auf den Thron geschwungen, Den stürzt der Wind der Meinung nicht so schnell. – – – – – – – – – – Doch seine Taten sind ihm statt der Ahnen. – Lebt wohl und – – – – – – – Ich überlaß Euch Eurem guten Glück, Es hat Euch gerettet aus der Hand des Mords, Es hat Euch zum zweitenmal vom Tod gerettet, Und durch ein Wunder Euch – – – – Es wird sein Werk vollenden und Euch krönen. Marina. Odowalsky Odowalsky . Nun, Fräulein, hab ich meinen Auftrag wohl Erfüllt, und wirst du meinen Eifer loben? Marina . Recht gut, daß wir allein sind, Odowalsky. Wir haben wichtge Dinge zu besprechen, Davon der Prinz nichts wissen soll. Mag er Der Götterstimme folgen, die ihn treibt! Er glaub an sich, so glaubt ihm auch die Welt. Laß ihn nur jene Dunkelheit bewahren, Die eine Mutter großer Taten ist – Wir aber müssen hell sehn, müssen handeln. Er gibt den Namen, die Begeisterung, Wir müssen die Gesinnung für ihn haben. Und haben wir uns des Erfolgs versichert Mit kluger Kunst, so wähn er immerhin, Daß es aus Himmelshöhn ihm zugefallen. Odowalsky . Gebiete, Fräulein! Deinem Dienste leb ich, Dir weih ich mich mit Gut und Blut. Ist es Des Moskowiters Sache, die mich kümmert? Du bist es, deine Größ und Herrlichkeit, An die ich Blut und Leben setzen will. Ich hab dich nicht besitzen können, Ein güterloser – – – Vasall Durft ich die Wünsche nicht zu dir erheben; Verdienen aber will ich deine Gunst, Dich groß zu machen sei mein einzig Trachten. Mag immer dann ein andrer dich besitzen: Mein bist du doch, wenn du mein Werk nur bist. Marina . Drum leg ich auch mein ganzes Herz auf dich. Du bist ein Mann der Ausführung – – Der König meint es falsch. Ich schau ihn durch, Ein abgeredet Spiel mit Sapieha – – – – Zwar ists ihm wohl gelegen, Daß sich mein Vater, dessen Macht er fürchtet, In dieser Unternehmung schwächt, daß sich Der Bund des Adels, der ihm furchtbar war, In diesem fremden Kriegeszug entladet. Doch will er selbst neutral im Kampfe bleiben. Des Kampfes Glück – – – Siegen wir, So denkt er – – das geschwächte Moskau; Sind wir besiegt, so leichter hofft er uns Sein Herrscherjoch in Polen aufzulegen. Wir stehn allein, Sorgt er für sich, wir sorgen für das Unsre. – – – – – – – – – – Du führst die Truppen nach Kiew. Dort lässest Du sie dem Prinzen Treue schwören und mir. Mir, hörst du? Es ist eine nötige Vorsicht. Odowalsky . Dir! Es ist deine Sache, für die wir kämpfen. In deine Pflichten werde ich sie nehmen. Marina . Nicht deinen Arm bloß will ich, auch dein Auge. Odowalsky . Sprich, meine Königin. Marina . Du führst den Zarowitsch. Bewach ihn gut, weich nie von seiner Seite. Von jedem Schritt gibst du mir Rechenschaft, Wer zu ihm naht, – – – – – – Ja sein geheimstes Denken laß mich wissen. Odowalsky . Vertrau auf mich. Marina . Laß ihn nicht aus den Augen. Sei sein Beschützer, doch sein Hüter auch. Mach ihn zum Sieger, – – – doch so, Daß er uns immer brauche. Du verstehst mich. Odowalsky . Vertrau auf mich, er soll uns nie entbehren. Marina . Kein Mensch ist dankbar. Fühlt er sich als Zar Schnell wird er unsre Fessel von sich werfen. Erzeigte Wohltat wird zum schweren Unrecht, Wenn man sie wiedererstatten soll. Der Russe haßt den Polen, muß ihn hassen, Da ist kein festes Herzensband zu knüpfen. – – – – – – – – Was vorgeht, Glück oder Unglück, laß michs schleunig haben. Ich will in Kiew deiner Boten harren. Wie Meilenzeiger stelle deine Boten, Fertige sie aus in jeder Tageszeit, Und wenn du mir das Heer entvölkern solltest! – – – – – – – – – – Es kommen viele Edelleute Edelleute . Haben wir uns hören lassen, Patronin? Haben wirs recht gemacht? Wen sollen wir totschlagen? Gebiete über unsere Arme und Säbel! Marina . Wer will für mich zu Felde ziehn? Edelleute . Wir alle! alle! Marina . In Kiew ist der Musterplatz. Dort wird Mein Vater aufziehn mit dreitausend Pferden. Mein Schwager gibt zweitausend. Von dem Don Erwarten wir ein Hilfsheer von Kosaken, Die unterhalb der Wasserfälle wohnen. [Edelleute.] Erst lös uns aus, wenn wir zu Felde sollen; Wir sitzen fest- – – – – – Der lange Reichstag hat uns aufgezehrt. [Andre.] Schaff Geld, Patronin, und wir ziehen mit, Wir machen dich zu Rußlands Königin. Marina . Der Bischof von Kaminiek und von Kuim Schießt Geld auf Pfandschaft her von Land und Leuten. Verkauft, verpfändet eure Bauernhöfe, Versilbert alles, steckts in Pferd und Rüstung. Der beste Landwirt ist der Krieg; er macht Aus Eisen Gold. – Was ihr in Polen jetzt verliert, Wird sich in Moskau zehnfach wiederfinden. Rokol . Es sitzen noch zweihundert in der Trinkstub. Wenn du dich zeigst und einen Becher leerst Auf ihre Gesundheit, sind sie alle dein. Marina . Erwarte mich, du sollst mich hin geleiten. Alle . Du sollst Zarin werden, oder wir wollen nicht das Leben haben! Andre . Du hast uns neu gestiefelt und gekleidet, Wir dienen dir mit unserm Herzensblut. Opalinsky, Ossolinsky, Zamosky und viele andere Edelleute kommen Opanlinsky . Wir ziehen auch mit. Wir! Wir bleiben nicht Allein zurück! Zamosky . Wir ziehen mit. Wir wollen Teilnehmen an der moskowitischen Beute. Ossolinsky . Patronin, nimm uns mit. Wir wollen dich Zu Rußlands Zarin machen. Marina . Wer sind denn die? Es ist gemein Gesindel. Ossolinsky . Stallknechte sind wir beim Starost von – – Zamosky . Ich bin der Koch beim Kastellan von Wilna. Opalinsky . Und ich der Kutscher. Bielsky . Ich der Bratenwender! Marina . Fy, Odowalsky, die sind doch zu schlecht. Stallknechte . Piasten sind wir, freigeborne Polen. Vermeng uns nicht mit schlechtem Bauergesindel. Wir sind von Stand. Wir haben unsre Rechte! Odowalsky . Ja, auf dem Teppich werden sie geprügelt. [Zamosky.] Veracht uns nicht, wir haben edle Herzen. Odowalsky . Nimm sie in Sold, gib ihnen Pferd und Stiefel, Sie schlagen drein gleich wie der beste Mann. Marina .- – – – – – – – – Geht! Und zeigt euch wieder, wenn ihr menschlich ausseht. Mein Haushofmeister soll euch Kleider geben. [Edelleute.] Sorgst du auch dafür? Nein, dir entgeht nichts. Gewiß, du bist zur Königin geboren. Marina . Ich weiß, so ists; drum muß ichs werden. Ossolinsky . Besteig den weißen Zelter, waffne dich, Und, eine zweite Vanda, führe du Zum sichern Siege deine mutgen Scharen. Marina . Mein Geist führt euch, der Krieg ist nicht für Weiber. Schwört ihr mir Treue? Alle . Juramus! Wir schwören! (Ziehen die Säbel) Einige . Vivat Marina! Andre . Russiae regina! Mnischek. Marina Marina . Warum so ernst, mein Vater, da das Glück Uns lacht Und alle Arme sich für uns bewaffnen? Mnischek . Das eben, meine Tochter. Alles, alles Steht auf dem Spiel; in dieser Kriegesrüstung Erschöpft sich deines Vaters ganze Kraft. Wohl hab ich Grund, es ernstlich zu bedenken; Das Glück ist falsch, ich zittre vor den Folgen. Marina . Warum- – – – – – – – Mnischek . Gefährlich Mädchen, wozu hast du mich Gebracht! Was bin ich für ein schwacher Vater, Daß ich nicht deinem Dringen widerstand. Ich bin der reichste Woiwoda des Reichs, Der Erste nach dem König – Hätten wir Uns damit nicht bescheiden, unsers Glücks Genießen können mit vergnügter Seele. Du strebtest höher – nicht das mäßge Los Genügte dir der- – – – – Erreichen wolltest du das höchste Ziel Der Sterblichen und eine Krone tragen. Ich allzu schwacher Vater möchte gern Auf dich, mein Liebstes, alles Höchste häufen; Ich lasse mich betören durch dein Flehn, Ergreife- – – – – – – Und an den Zufall wag ich das Gewisse! Marina . Und wie, mein Vater? reut dich deine Güte? Wer kann mit dem Geringem sich bescheiden, Wer, dem das Höchste überm Haupte schwebte? Mnischek . Doch tragen deine Schwestern keine Kronen, Doch sind sie hoch [beglückt] Marina . Was für ein Glück ist das, wenn ich vom Hause Des Woiwods, meines Vaters, in das Haus Des Palatinus, meines Gatten, ziehe? Was wächst mir Neues zu aus diesem Tausch? Und kann ich mich des nächsten Tages freuen, Wenn er mir mehr nicht als der heutge bringt? O unschmackhafte Wiederkehr des Alten, O traurig leere Dasselbigkeit des Daseins! Lohnt sichs der Müh, zu hoffen und zu streben? Die Liebe oder Größe muß es sein, Sonst alles andre ist mir gleich gemein. Mnischek .- – – – – – – – – – Marina . Erheitre deine Stirn, mein – – – Was soll- – – – – – – – Wenn wir zuerst, wir selbst an uns verzagen? Laß uns der Flut vertrauen, die uns trägt! Nicht an die Opfer denke, die du bringst, Denk an den Preis, an das erreichte Ziel – Wenn du dein Mädchen sitzen sehen wirst Im Schmuck der Zarin auf dem Thron zu Moskau, Wenn deine Enkel diese Welt beherrschen! Mnischek . Ich denke nichts, ich sehe nichts als dich, Mein Mädchen, dich im Glanz der Königskrone! Ich bin besiegt, all meine Zweifel schwinden; Marina . Noch eine Bitte, lieber süßer Vater, Gewähre mir! Mnischek . Was wünschest du, mein Kind? Marina . Soll ich zu Sambor eingeschlossen bleiben Mit der unbändgen Sehnsucht in der Brust? Jenseits des Dniepers wird mein Los geworfen – Endlose Räume trennen mich davon – Kann ich das tragen? O der ungeduldge Geist Wird auf der Folter der Erwartung liegen Und dieses Raumes ungeheure Länge Mit Angst ausmessen und mit Herzensschlägen. Mnischek . Was willst du? Was verlangst du? Marina . Laß mich in Kiew des Erfolges harren, Dort schöpf ich jedes Neue an der Quelle. Dort an der Grenzmark beider Reiche Dringt jedes neugebor- – – – Schnell bis zu mir, dort kann ich seine Post Dem Wind ablauschen – dort kann ich die Wellen Des Dniepers sehn, die aus Smolensko fließen, Dort- – – – – – – – – Mnischek . Dein Geist strebt furchtbar. Mäßge dich, mein Kind. Marina . Ja du vergönnst mirs, ja du führst mich hin. Mnischek . Du führst mich hin! Muß ich nicht, was du willst! Marina . Herzvater, wenn ich Zarin bin zu Moskau, Sieh, dann muß Kiew unsre Grenze sein. Kiew muß mein sein, und du sollsts regieren. Laß mich nur erst in Moskau Zarin sein, Und große Anschläge sollen reifen. Mnischek . Mädchen, du träumst! Schon ist das große Moskau Zu eng für deinen Geist, du willst schon Land Auf Kosten deines Vaterlands – – Abreißen. Marina .- Kiew – – – – Dort herrschten der Waräger alte Fürsten. – Ich hab die alten Chroniken wohl inn – Vom Reich der Russen ist es abgerissen, Zur alten Krone bring ich es zurück! Mnischek . Still, still. Das darf der Woiwoda nicht hören. (Man hört Trompeten) Sie brechen auf. Zweiter Aufzug Erste Szene Ansicht eines griechischen Klosters in einer öden Wintergegend am See Belosero. Ein Zug von Nonnen in schwarzen Kleidern und Schleiern geht hinten über die Bühne; Marfa in einem weißen Schleier steht von den übrigen abgesondert an einen Grabstein gelehnt. Olga tritt aus dem Zuge heraus, bleibt einen Augenblick stehen, sie zu betrachten, und tritt alsdann näher Olga . Treibt dich das Herz nicht auch heraus mit Ins Freie der erwachenden Natur? Die Sonne kommt, es weicht die lange Nacht, Das Eis der Ströme bricht, der Schlitten wird Zum Nachen, und die Wandervögel ziehn. Geöffnet ist die Welt, uns alle lockt Die neue Lust aus enger Klosters Zelle Ins offne Heitre der verjüngten Flur. Nur du willst, ewig deinem Gram zum Raub, Die allgemeine Fröhlichkeit nicht teilen? Marfa . Laß mich allein und folge deinen Schwestern. Ergehe sich in Lust, wer hoffen kann. Mir kann das Jahr, das alle Welt verjüngt, Nichts bringen; mir ist alles ein Vergangnes, Liegt alles als gewesen hinter mir. Olga . Beweinst du ewig deinen Sohn und trauerst Um die verlorne Herrlichkeit? Die Zeit, Die Balsam gießt in jede Herzenswunde, Verliert sie ihre Macht an dir allein? Du warst die Zarin dieses großen Reichs, Warst Mutter eines blühenden Sohns, er wurde Durch ein entsetzlich Schicksal dir geraubt, Ins öde Kloster sahst du dich verstoßen, Hier an den Grenzen der belebten Welt. Doch sechzehnmal seit jenem Schreckenstage Hat sich das Angesicht der Welt verjüngt. Nur deines seh ich ewig unverändert, Ein Bild des Grabs, wenn alles um dich lebt. Du gleichst der unbeweglichen Gestalt, Wie sie der Künstler in den Stein geprägt, Um ewig fort dasselbe zu bedeuten. Marfa . Ja, hingestellt hat mich die Zeit Zum Denkmal eines schrecklichen Geschicks! Ich will mich nicht beruhigen, will nicht Vergessen. Das ist eine feige Seele, Die eine Heilung annimmt von der Zeit, Ersatz fürs Unersetzliche! Mir soll Nichts meinen Gram abkaufen – Wie des Himmels Gewölbe ewig mit dem Wandrer geht, Ihn immer unermeßlich, ganz, umfängt, Wohin er fliehend auch die Schritte wende, So geht mein Schmerz mit mir, wohin ich wandle, Er schließt mich ein wie ein unendlich Meer, Nie ausgeschöpft hat ihn mein ewig Weinen. Olga . O sieh doch, was der Fischerknabe bringt, Um den die Schwestern sich begierig drängen! Er kommt von fern her, von bewohnten Grenzen, Er bringt uns Botschaft aus der Menschen Land; Der See ist auf, die Straßen wieder frei – Reizt keine Neugier dich, ihn zu vernehmen? Denn sind wir gleich gestorben für die Welt, So hören wir doch gern von ihren Wechseln, Und an dem Ufer ruhig mögen wir Den Brand der Wellen mit Verwundrung schauen. (Nonnen kommen zurück mit einem Fischerknaben) Xenia . Sag an, erzähle, was du Neues bringst! Alexia . Was draußen lebt im Säkulum, erzähle. Fischer . Laßt mich zu Worte kommen, heilge Frauen. Xenia . Ists Krieg? Ists Friede? Alexia . Wer regiert die Welt? Fischer . Ein Schiff ist zu Archangel angekommen, Herab vom Eispol, wo die Welt erstarrt. Olga . Wie kam ein Fahrzeug in dies wilde Meer? Fischer . Es ist ein engelländisch Handelsschiff; Den neuen Weg hat es zu uns gefunden. Alexia . Was doch der Mensch nicht wagt für den Gewinn! Xenia . So ist die Welt doch nirgends zu verschlossen! Fischer . Das ist noch die geringste Neuigkeit. Ganz anderes Geschick bewegt die Erde. Alexia . O sprich, erzähle! Olga . Sage, was geschehn! Fischer . Erstaunliches erlebt man in der Welt, Die Toten stehen auf, Verstorbne leben. Olga . Erklär dich, sprich. Fischer . Prinz Dmitri, Iwans Sohn, Den wir als tot beweinen sechzehn Jahr, Er lebt, er ist in Polen aufgestanden. Olga . Prinz Dmitri lebt! Marfa (auffahrend) . Mein Sohn! Olga . Faß dich! O halte, Halte dein Herz, bis wir ihn ganz vernommen. Alexia . Wie kann er leben, der ermordet ward Zu Uglitsch und im Feuer umgekommen? Fischer . Er ist entkommen aus der Feuersnot, In einem Kloster hat er Schutz gefunden; Dort wuchs er auf in der Verborgenheit, Bis seine Zeit kam, sich zu offenbaren. Olga (zur Marfa) . Du zitterst, Fürstin, du erbleichst? Marfa . Ich weiß, Daß es ein Wahn ist – Doch so wenig noch Bin ich verhärtet gegen Furcht und Hoffnung, Daß mir das Herz in meinem Busen wankt. Olga . Warum wär es ein Wahn? o hör ihn! hör ihn! Wie könnte solch Gerücht sich ohne Grund Verbreiten? Fischer . Ohne Grund? Zu'n Waffen greift Das ganze Volk der Litauer, der Polen. Der große Fürst erbebt in seiner Hauptstadt! (Marfa, an allen Gliedern zitternd, muß sich an Olga und Alexia lehnen) Xenia . O das wird ernsthaft! Rede, sage alles! Alexia . Sag an, wo du das Neue aufgerafft? Fischer . Ich aufgerafft?. Ein Brief ist ausgegangen Vom Zar in alle Lande seiner Herrschaft, Den hat uns der Posadnik unsrer Stadt Verlesen in versammelter Gemeinde. Darinnen steht, daß man uns täuschen will, Und daß wir dem Betrug nicht Sollen glauben! Drum eben glauben wirs, denn wärs nicht wahr Der große Fürst verachtete die Lüge. Marfa . Ist dies die Fassung, die ich mir errang? Gehört mein Herz so sehr der Zeit noch an, Daß mich ein leeres Wort im Innersten erschüttert! Schon sechzehn Jahr bewein ich meinen Sohn Und glaubte nun auf einmal, daß er lebe! Olga . Du hast ihn sechzehn Jahr als tot beweint, Doch seine Asche hast du nie gesehn! Nichts widerlegt die Wahrheit des Gerüchts. Wacht doch die Vorsicht über dem Geschick Der Völker und der Fürsten Haupt – O öffne Dein Herz der Hoffnung – Unerforschlich sind – – – – – – – – – – – – wer kann der Allmacht Grenzen setzen? Marfa . Soll ich den Blick zurück ins Leben wenden, Von dem ich endlich abgeschieden war? – – – – – – – nicht im Grab? Nicht bei den Toten wohnte meine Hoffnung? O sagt mir nichts mehr! Laßt mein Herz sich nicht An dieses Trugbild hängen! Laßt mich nicht Den teuren Sohn zum zweitenmal verlieren. O meine Ruh ist hin, hin ist mein Friede! Ich kann dies Wort nicht glauben, ach und kanns Nun ewig nicht mehr aus der Seele löschen! Weh mir, erst jetzt verlier ich meinen Sohn; Jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich bei den Toten, Ob bei den Lebenden ihn suchen soll, Endlosem Zweifel bin ich hingegeben! (Man hört eine Glocke) Olga . Was ruft die Glocke, Schwester Pförtnerin? Schwester Pförtnerin kommt Pförtnerin . Der Archijerei steht vor den Pforten, Er kommt vom großen Zar und will Gehör. Olga . Der Archijerei vor unsern Pforten! Was führt ihn Außerordentliches her? Den weiten – – – – – – – Xenia . Kommt alle, ihn nach Würden zu empfangen. (Sie gehen nach der Pforte, indem tritt der Archijerei ein, sie lassen sich all vor ihm auf ein Knie nieder, er macht das griechische Kreuz über sie) Hiob . Den Kuß des Friedens bring ich euch im Namen Des Vaters und des Sohnes und des Geists, Der ausgeht von dem Vater. Olga . Herr, wir küssen In Demut deine väterliche Hand. Was – – – Gebiete deinen Töchtern! Hiob . An Schwester Marfa lautet meine Sendung. Olga . Hier steht sie und erwartet dein Gebot. Hiob und Marfa Hiob . Der große Fürst ists, der mich an dich sendet, – – – – – – – denkt er dein, Denn wie die Sonn mit ihrem Flammenaug Die Welt durch – und Fülle rings verbreitet, So ist das Aug des Herrschers überall; Bis an die fernsten Enden seines Reichs Wacht seine Sorge, späht sein Blick umher. Marfa . Wie weit sein Arm trifft, hab ich wohl erfahren. Hiob . Er kennt den hohen Geist, der dich beseelt, Drum teilt er zürnend die Beleidigung, Die ein Verwegner dir zu bieten wagt. Marfa .- – – – – – – – – – Hiob . Ein frecher Trugner in der Polen Land, Ein Renegat und Rostriga, der, sein Gelübd abschwörend, seinen Gott verleugnet Mißbraucht den edeln Namen deines Sohns Den dir der Tod geraubt im Kindesalter. Der dreiste Gaukler rühmt sich deines Bluts Und gibt sich für des Zaren Iwans Sohn. – – – – – – – [Der Pole führt] Den Afterkönig, den er selbst erschaffen, Mit Heereskraft in unsre Grenzen ein. Das treue Herz der Reußen führt er irre Und reizt sie auf zu Abfall und Verrat. – – – – – – – – – [Mich schickt] Der Zar zu dir in väterlicher Meinung. – Du ehrst die Manen deines Sohns, du wirst Nicht dulden, daß ein frecher Abenteurer Ihm aus dem Grabe seinen Namen stiehlt Und sich verwegen drängt in seine Rechte. Erklären wirst du laut vor aller Welt, Daß du den – – – – – – – Du wirst nicht fremdes Bastard blut ernähren An deinem Herzen, das so edel schlägt, Du wirst, der Zar erwartet es von dir, Der schändlichen Erfindung widersprechen Mit dem gerechten Zorn, den sie verdient. Marfa (hat während dieser Rede die heftigsten Bewegungen bekämpft) . Was hör ich, Archijerei? O sagt an! Durch welcher Zeichen und Beweise Kraft Beglaubigt sich der kecke Abenteurer Als Iwans Sohn, den wir als tot beweinen? Hiob . Durch eine flüchtge Ähnlichkeit mit Iwan, Durch – – – – – – – – – Und durch ein köstlich Kleinod, das er zeigt, Täuscht er die Menge, die sich gern betrügt. Marfa . Was für ein Kleinod? O das sagt mir an! Hiob . Ein goldnes Kreuz, belegt mit neun Smaragden, Das ihm der Knäs Iwan Mstislawskoy, So sagt er, in der Taufe umgehangen. Marfa . Was sagt Ihr? Dieses Kleinod weist er auf? (Mit gezwungener Fassung) – Und wie behauptet er, daß er entkommen? Hiob . Ein treuer Diener und Diak hab ihn Dem Mord entrissen und dem Feuersbrand, Und nach Smolensko heimlich weggeführt. Marfa . Wo aber hielt er sich – wo gibt er vor, Daß er bis diese Stunde sich verborgen? Hiob . Im Kloster Tschudow sei er aufgewachsen, Sich selber unbekannt, von dort hab er Nach Litauen und Polen sich geflüchtet, Wo er dem Fürst von Sendomir gedient, Bis ihm ein Zufall seinen Stand entdeckt! Marfa . Mit solcher Fabel kann er Freunde finden, Die Blut und Leben wagen an sein Glück? Hiob . O Zarin, falsches Herzens ist der Pole, Und neidisch sieht er unsers Landes Flor. – – – – – – – – – – Den Krieg in unsern Grenzen anzuzünden! Marfa . Doch gäb es selbst in Moskau gläubge Seelen, Die dieses – – – – – berückt? Hiob . Der Völker Herz ist wankelmütig, Fürstin, Sie lieben die Veränderung, sie glauben Durch eine neue Herrschaft zu gewinnen. Der Lüge kecke Zuversicht reißt hin, Das Wunderbare findet Gunst und Glauben. Drum wünscht der Zar, daß du den Wahn des Volks Zerstreust, durch eine – – – – – Dich – – – – – – – – – Der sich verwegen lügt zu deinem Sohn. Mich freuts, dich so bewegt zu sehen, dich Empört, ich sehs, das freche Gaukelspiel, Und deine Wangen färbt der edle Zorn. Marfa . Und wo – das sagt mir noch – verweilt er jetzt, Der sich für unsern Sohn zu geben wagt? Hiob . Schon rückt er gegen Tschernigow heran; Von Kiew, hört man, sei er aufgebrochen, Ihm folgt der Polen leichtberittne Schar, Samt einem Heerzug donischer Kosaken. Marfa . O höchste Allmacht, habe Dank, Dank, Dank, Daß du mir endlich Rettung, Rache sendest! Hiob . Was ist dir, Marfa? Wie versteh ich das? Marfa . O Himmelsmächte, führt ihn glücklich her! Ihr Engel alle, schwebt um seine Fahnen! Hiob . Ists möglich? Wie? Dich könnte der Betrüger – Marfa . Er ist mein Sohn. An diesen Zeichen allen Erkenn ich ihn. An deines Zaren Furcht Erkenn ich ihn. Er ists. Er lebt. Er naht. Herab von deinem Thron, Tyrann! Erzittre! Es lebt ein Sprößling noch von Ruriks Stamm, Der wahre Zar, der rechte Erbe kommt, Er kommt und forden Rechnung von dem Seinen! Hiob . Wahnsinnige, bedenkst du, was du sagst? Marfa . Erschienen endlich ist der Tag der Rache, Der Wiederherstellung. Der Himmel zieht Aus Grabesnacht die Unschuld an das Licht, – – – – – – mein Todfeind muß Zu meinen Füßen kriechend Gnade flehn. O meine heißen Wünsche sind erfüllt. Hiob . Kann dich der Haß zu solchem Grad verblenden? Marfa . Kann deinen Zar der Schrecken so verblenden, Daß er Errettung hofft von mir – von mir! Der unermeßlich schwer Beleidigten? Daß er dich an mich sendet, – – – – – – – – – – abzulisten. Ich soll den Sohn verleugnen, den der Himmel Mir durch ein Wunder aus dem Grabe ruft? Ihm, meines Hauses Mörder, zu gefallen, Der über mich unsäglich Weh gehäuft, – – – – – – – – soll ich Die Rettung von mir stoßen, die mir Gott In meinem tiefen Jammer endlich sendet? Hiob . – – – – – – – – – – Marfa . Nein, du entrinnst mir nicht. Ich habe dich, ich lasse dich nicht los. O endlich kann ich meine Brust entladen, Ausströmen endlich kann ich meinen Schmerz, Der tiefsten Seele lang verhaltnen Groll, Ins Antlitz meines Feinds – Wer wars, der mich In diese Gruft der Lebenden verstieß Mit allen frischen Kräften meiner Jugend, Mit allen warmen Trieben meiner Brust? Wer riß den teuren Sohn mir von der Seite Und sandte Mörder aus, ihn zu durchbohren? O keine Zunge nennt, was ich gelitten, Wenn ich die langen hellgestirnten Nächte Mit ungestillter Sehnsucht durchgewacht, Der Stunden Lauf an meinen Tränen zählte, – – – – – – – – – – Der Tag der Rettung und der Rache kommt, Ich seh den Mächtigen in meiner Macht. Hiob . Du glaubst – – – – – – Marfa . Er ist In meiner Macht – ein Wort aus meinem Mund, Ein einziges, kann sein Geschick entscheiden! Das ists, warum dein Herrscher mich beschickte! Das ganze Volk der Reußen und der Polen Sieht jetzt auf mich. Wenn ich den Zarowitsch Für meinen Sohn und Iwans anerkenne, – – – – – – – – – – Verleugn ich ihn, so ist er ganz verloren. Denn wer wird glauben, daß die wahre Mutter, Die Mutter, die wie ich beleidigt war, Verleugnen könnte ihres Herzens Sohn, Mit ihres Hauses Mörder einverstanden? Ein Wort nur kostet michs, und alle Welt Verläßt ihn als Betrüger – Ists nicht so? Dies Wort will man von mir – den großen Dienst, Gestehs, kann ich dem Godunow erzeigen! Hiob . Dem ganzen Vaterland erzeigst du ihn, Aus schwerer Kriegsnot rettest du das Reich, Wenn du der Wahrheit Ehre gibst. Du selbst, Du zweifelst nicht an deines Sohnes Tod, Und könntest zeugen wider dein Gewissen? Marfa . Ich hab um ihn getrauert sechzehn Jahr, Doch seine Asche sah ich nie. Ich glaubte Der allgemeinen Stimme seinen Tod Und meinem Schmerz. Der allgemeinen Stimme Und meiner Hoffnung glaub ich jetzt sein Leben. Es wäre ruchlos, mit verwegnem Zweifel Der höchsten Allmacht Grenzen setzen wollen. Doch wär er auch nicht meines Herzens Sohn, Er soll der Sohn doch meiner Rache sein: Ich nehm ihn an und auf an Kindes Statt, Den mir der Himmel rächend hat geboren. Hiob . – – – – – – – – – – – Marfa . Er kann mich töten, meine Stimme kann er Im Grab ersticken oder Kerkersnacht, Daß sie nicht mächtig durch die Welt erschalle, Das kann er; doch mich reden lassen, was Ich nicht will, das vermag er nicht, dazu Bringt er mich nicht durch – – – – – – – – – den Zweck hat er verloren! Hiob . Ist dies dein letztes Wort? Besinn dich wohl. Bring ich dem Zar nicht besseren Bescheid? Unglückliche! dem Starken trotzest du! Vor seinem Arme bist du nicht geborgen Auch in des Klosters heilger Sicherheit. [In zwei früheren Redaktionen] Marfa . Er hoffe auf den Himmel, wenn er darf, Auf seines Volkes Liebe, wenn er kann. Hiob . Unglückliche, du willst entschlossen dein Verderben. Du hältst dich an ein schwaches Rohr, das bricht; Du wirst mit ihm zugrunde gehen. Marfa (allein) . Es ist mein Sohn, ich will nicht daran zweifeln. Die wilden Stämme selbst der freien Wüste Bewaffnen sich für ihn; der stolze Pole, Der Palatinus, wagt die edle Tochter An seiner guten Sache reines Gold – Und ich allein verwärf ihn, seine Mutter? Und mich allein durchschauerte der Sturm Der Freude nicht, der schwindelnd alle Herzen Ergreift und in Erschütterung bringt die Erde? Er ist mein Sohn, ich glaub an ihn, ich wills. Ich fasse mit lebendigem Vertrauen Die Rettung an, die mir der Himmel sendet! Er ists, er zieht mit Heereskraft heran, Mich zu befreien, meine Schmach zu rächen! Hört seine Trommeln! seine Kriegstrompeten! Ihr Völker, kommt von Morgen und Mittag, Aus euren Steppen, euren ewgen Wäldern, In allen Zungen, allen Trachten kommt! Zäumet das Roß, das Rentier, das Kamel! Wie Meereswogen strömet zahllos her, Und dränget euch zu eures Königs Fahnen! O warum bin ich hier geengt gebunden, Beschränkt mit dem unendlichen Gefühl! Du ewge Sonne, die den Erdenball Umkreist, sei du die Botin meiner Wünsche! Du allverbreitet ungehemmte Luft, Die schnell die weitste Wanderung vollendet, O trag ihm meine glühnde Sehnsucht zu! Ich habe nichts als mein Gebet und Flehn, Das schöpf ich flammend aus der tiefsten Seele, Beflügelt send ichs in des Himmels Höhn, Wie eine Heerschar send ich dirs entgegen! Zweite Szene Eine Anhöhe, mit Bäumen umgeben. Eine weite und lachende Ferne eröffnet sich, man sieht einen schönen Strom durch die Landschaft ausgegossen, die von dem jungen Grün der Saaten belebt ist. Näher und ferner sieht man die Turmspitzen einiger Städte leuchten. – Trommeln und Kriegsmusik hinter der Szene. Odowalsky und andere Offiziere treten auf. Gleich darauf Demetrius Odowalsky . Laßt die Armee am Wald hinunterziehn, Indes wir uns hier umschaun auf der Höhe. (Einige gehen. Demetrius tritt auf) Demetrius (zurückfahrend) . Ha welch ein Anblick! Odowalsky . Herr, du siehst dein Reich Vor dir geöffnet – das ist russisch Land. Razin . Hier diese Säule trägt schon Moskaus Wappen, Hier hört der Polen Herrschgebiete auf. Demetrius . Ist das der Dnieper, der den stillen Strom Durch diese Auen gießt? Odowalsky . Dort fließt der Dnieper hinter Tschernigow Das ist die Desna, Herr, die – – – Und was du siehst, ist deines Reiches Boden. Razin . Was dort am fernen Himmel glänzt, das sind Die Kuppeln von Sewerisch Nowgorod. Demetrius . Welch heitrer Anblick! Welche schöne Auen! Odowalsky . Der Lenz hat sie mit seinem Schmuck bedeckt, Denn Fülle Korns erzeugt der üppge Boden. Demetrius . Der Blick schweift hin im Unermeßlichen. Odowalsky . Doch ists ein kleiner Anfang nur, O Herr, Des großen Russenreichs, denn unabsehbar Streckt es der Morgensonne sich entgegen, Und keine Grenzen hat es nach dem Nord Als die lebendge Zeugungskraft der Erde. Razin . Sieh, unser Zar ist ganz nachdenkend worden. 1 Demetrius . Auf diesen schönen Aun wohnt noch der Friede, Und mit des Krieges furchtbarem Gerät Erschein ich jetzt, sie feindlich zu verheeren! Odowalsky . Dergleichen, Herr, bedenkt man hinterdrein. Demetrius . Du fühlst als Pole, ich bin Moskaus Sohn; Es ist das Land, das mir das Leben gab! Vergib mir, teurer Boden, heimische Erde, Du heiliger Grenzpfeiler, den ich fasse, Auf den mein Vater seinen Adler grub, Daß ich, dein Sohn, mit fremden Feindeswaffen In deines Friedens ruhigen Tempel falle. Mein Erb zurückzufordern, komm ich her, Und den geraubten edeln Vaternamen. Hier herrschten die Waräger, meine Ahnherrn, In langer Reih seit dreißig Menschenaltern; Ich bin der Letzte ihres Stamms, dem Mord Entrissen durch ein göttliches Verhängnis. [Dritte Szene] Ein russisches Dorf Freier Platz vor der Kirche. Man hört die Sturmglocke. Gleb, Ilia und Timoska eilen, mit Äxten bewaffnet, auf die Szene. Gleb (aus dem Hause kommend) . Was rennt das Volk? Ilia (aus einem andern Haus) . Wer zog die Feuerglocke? Timoska . Nachbarn, heraus! Kommt alle, kommt zu Rat! Oleg und Igor mit vielen andern Landleuten, Weibern und Kindern, welche Gepäcke tragen. Oleg . Flieht, flieht, – – – rette sich, wer kann! Gleb . Was gibts? Wo kommt ihr her mit Weibern und mit Kindern? Igor . Flieht! flieht! der Pole ist ins Land gefallen Bei Moromesk und mordet, was er findet. Oleg . Flieht, flieht ins innre Land, in feste Städte! Wir haben unsre Hütten angezündet, Uns aufgemacht, ein ganzes Dorf, und Fliehn Landeinwärts zu dem Heer des Zaren. Timoska . Da kommt ein neuer Trupp von Flüchtigen. Iwanske und Petruschke mit bewaffneten Landleuten treten an der entgegengesetzten Seite auf Iwanske . Es leb der Zar, der große Fürst Dimitri! Petruschke . Wer – – – – – – – kommt mit! Gleb . Wie? Was ist das? Ilia . Wo eilt ihr hin? Timoska . Wer seid ihr? Iwanske . – – – – – – – – – – Timoska . Was ist denn das? Da flieht ein ganzes Dorf Landeinwärts – – – – – – – Und ihr wollt hin, wo diese hergeflohn? Wollt übergehen zu dem Feind des Landes? Petruschke . Was, Feind? Es ist kein Feind, der kommt, es ist Ein Freund des Volks, der rechte Erb des Landes. – – – – – – – – – – Da kommt der Posadnik! Posadnik (mit einer Rolle tritt auf) . Das ist ein böser Handel, Nachbarn und Ratsgenossen. Gott helf uns aus der Verworrenheit! Gott erleucht uns! Landleute . Was gibts, Posadnik? Posadnik . Da ist ein Schreiben angelangt vom Zarowitsch, Der bei dem Polenheere sich befindet, Worin man uns – – – – – – Was sollen wir tun? Landleute . Leset das Schreiben! Lasset hören! Andre . Das Schreiben! leset! Posadnik . Nun, so höret denn. Wir Dimitri Iwanowitsch, von Gottes Gnaden Zarowitsch von ganz Rußland, Fürst von Uglitsch, Dmitrow und andern Fürstentümern, nach meiner Geburt Herr und Erbe aller russi- schen Reiche, an alle unsern königlichen Gruß! Gleb . Das ist der ganze Titel unsrer Zaren. Posadnik . Zar Iwan Wasilowitsch glorwürdigen Gedenkens – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – seinen Kindern treu und hold zu sein. – – – – – – Nun sind wir aber der wahre, leibliche Sohn dieses Zaren, dem Boris Godunow nach dem Leben getrachtet, der aber durch ein göttliches Ge- schick erhalten ward. Wir kommen jetzo, unsern Erbthron ein- zunehmen, in der einen Hand das Schwert und den Ölzweig in der andern, Gnade den Treuen, Verderben den Widerspenstigen. Darum erinnern wir uns eures Eids, ermahnen euch, die Partei des Boris Godunow zu verlassen und uns als eurem erblichen Beherrscher und wahren Zar zu huldigen. Werdet ihr das tun, so werden wir euch gnädig regieren; wo nicht, so falle das ver- gossene Blut auf euer Haupt, denn eher stecken wir das Schwert nicht in die Scheide, bis wir den Thron unsrer Väter bestiegen. Timoska . – – – – – – – – – – – – – – – – – – Gleb . Wie können wir dem Sohne unsers Herrn Die Treu versagen und das Land verschließen? Ilia . – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – Timoska . Wie? Seid nicht so einfältig! Seid doch klug, Wie könnt er so was heucheln, lügnerisch erfinden! Wenn ers nicht wäre, würd ers sagen und behaupten? Gleb . Das denk ich auch! Würde der Pole für einen Betrüger ins Feld ziehn? Timoska . Und ist ers wirklich, Nachbarn, wie`s nicht anders, Sagt: können wir dem Sohne unsers Herrn Die Treu versagen und das Land verschließen? Ilia . Doch haben wir dem Boris Godunow Als unserm Zar gehuldigt und geschworen.