Katerpoesie von Paul Scheerbart Inhaltsverzeichnis Morgentöne Hopp! Hopp! Hopp! Ich hab ein Auge Delirium! Delirium! Ein Dékadencebild Die große Sehnsucht Rixráx, der Sonnenbruder Vernünftige Devise Dicker roter Mond Frage Die Welt ist laut Grausamkeit Indianerlied Sei sanft und höhnisch! Charakter-Cyklus Ruhmeslied Wanderlied Fliegenlied Donnerkarl, der Schreckliche. Ein Heldengedicht Gemeinplatz Ein Säufertraum Abschiedslied Ermitage Notturno Das gute Schaf. Ein erschöpfendes Gedicht Säulenlied Schlußweisheit Moderner Gassenhauer Groglied Hobelphantasie Abendtöne Die großen Flammen Eine Lichthetäre Alter Spaß Hafentraum Ingrimm Der lachende Engel Die Zappelpappeljöhre Die alte Laube Ach ja! Singende Schlangen Der Frack-Komet Morgentöne Guten Morgen! schreit das Menschentier; Und mancher Schuft trinkt jetzt noch Bier. Guten Morgen! schreit auch der Tyrann; Früh fängt Er zu regieren an. An den Weltrand will ich heute gahn; Dort will ich einmal Fliegen fahn. Guten Morgen! schreit der Kriegersmann; Ach, der ist immerzu im Tran. Guten Morgen! schreit man dort und hier; Und meine Uhr schlägt schon halb vier. Und mancher Schuft trinkt jetzt noch Bier; Guten Morgen! schreit das Menschentier. Hopp! Hopp! Hopp! Hopp! Hopp! Hopp! Mein süßes Pferdchen! Hopp! Hopp! Hopp! Wo willst du hin?           Über jene hohe Mauer?           Ach, was kam dir in den Sinn? Hopp! Hopp! Hopp! Mein süßes Pferdchen! Hopp! Hopp! Hopp! Wo willst – Du – hin? Ich hab ein Auge...         Ich hab ein Auge, das ist blau Mir gestern Abend geschlagen. Ich schrie fünfhundertmal »Au! Au!« Was wollt ich damit sagen? Ich weiß es heute selber nicht; Ich hab ein Heldenangesicht. Delirium! Delirium! Ein Dékadencebild     Alte Knaben sitzen auf den leersten Tonnen, Und die Nächte siegen über alle Sonnen. Hinten nagen unsichtbare weiße Mäuse An dem bös zerbeulten großen Hirngehäuse. Hör doch, wie die ganze Schädelhöhle quarrt! Ist die alte Rinde »wirklich« noch so hart? Alles geht zu Ende – auch der dickste Kopf Ach, die weißen Mäuse haben dich am Schopf! Glaubst du, Läuse sitzen bloß in deinem Puder? Nein, du bist ein unverschämtes dummes Luder, Und die Frechheit kommt in erster Reihe ran. Die große Sehnsucht Wenn die große Sehnsucht wieder kommt, Wird mein ganzes Wesen wieder weich. Und ich möchte weinend niedersinken – Und dann möcht ich wieder maßlos trinken. Rixráx, der Sonnenbruder         Rixráx, was willst du? Ich stopfe den Mond In meine Riesenkanone. Rixráx, was willst du? Ich schieße den Mond Wie eine Riesensaubohne Hinaus in die ewige Nacht; Das hat noch keiner gemacht. Rixráx was willst du? Was? Du willst eine Sonnenkanone Und eine Milchstraßenkrone? Brüderchen, geh doch nach Haus! Sei friedlich und schlaf dich aus! Alter Sonnenbruder! Vernünftige Devise Trinke, wenn du trinken willst, Nie mit deinen Kameraden – Sonst wird dir der schönste Suff Leider überall nur schaden. Dicker roter Mond     Ach, ich kann ja gar nicht schlafen! Über dem dunkelgrünen Myrtentor Thront ein dicker roter Mond. – Ob es später wohl noch lohnt, Wenn man auf dem Monde wohnt? Über dem dunkelgrünen Myrtentor? Wär's nicht möglich, daß uns drüben »Längre« Seligkeiten küßten? Wenn wir das genauer wüßten! Hier ist alles zu schnell aus. Jeder lebt in Saus und Braus. Wem das schließlich nicht gefällt, Hält die ganze große Welt Auch bloß für ein Narrenhaus! Ach, ich kann ja gar nicht schlafen! Alter Mond, ich lach dich aus! Doch du machst dir nichts daraus! Frage Meine ganze Welt ist kantig, Und die Bäume sind verrückt. Sage, Wilhelm, sage, Sauhirt, Warum gehst du so gebückt? Die Welt ist laut... Die Welt ist laut, Und ich bin still! Erloschen sind die Flammen. Ich kann nicht mehr, So wie ich will! Den Rausch muß ich verdammen. Die Welt ist laut, Ich möcht so viel! Doch bring ich's nicht zusammen. Grausamkeit     Der König saß auf seinem Thron Und sagte: »Lieber guter Sohn, Hast du das Gift genossen? Genieß es schleunigst unverdrossen!« Indianerlied Murx den Europäer!           Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn!           Murx ihn ab! Sei sanft und höhnisch! Charakter-Cyklus                                 Charakter ist nur Eigensinn; Ich bin mit mir zufrieden. Ich geh nach allen Seiten hin; Wir sind ja so verschieden. * Geht mir mit der Quälerei! Sie macht wirklich kein Vergnügen; Mir kann nur die Wurschtigkeit Toll und voll und ganz genügen. * Was wie ein Schienenpaar zerfahren ist, Das ist noch härter als der Antichrist. * Ich möcht am liebsten meine Tinte Dem Menschenvolk ins Blutgeäder spritzen. Ich will mich bloß nicht so erhitzen. * Glaube mir: Ich streichle dir Die zarten vollen Wangen. Glaube mir: Ich hab nach dir Wahrhaftig kein Verlangen. Ich will dir immer gut sein! Bleibe mir nur ewig fern Wie der stille Abendstern. * Ich hab die ganze Nacht gelacht –       Natürlich – nur im Traume! Jetzt bin ich endlich aufgewacht –       Natürlich – noch im Raume! Ich kann nun nicht mehr lachen!       Was soll ich also machen?                 Weiterwachen? * Sei klein – dann ist die Welt so groß! Sei schwach – dann ist die Welt so stark! Sei dumm – dann ist die Welt so klug! Sei stumm – dann ist die Welt so laut! Sei arm – dann ist die Welt so reich! * Ach, nur im Dunkeln Funkeln die Sterne. * Reimerei und Schweinerei! Mir ist alles einerlei! Alte Katzen sind nicht blöde. Aber jene Untermenschen, Die ich täglich braten möchte, Machen mir die Welt so öde. Mir ist alles einerlei!     Mensch, sei frei! *                     Freche Fratze,                     Deine Glatze                     Ist nicht alt,                     Auch nicht jung,                     Bloß voll Dung,                     Hast du bald                     Dung genung? * Die Eitelkeit, die Eitelkeit – Die steckt ja wohl im Narrenkleid. Doch bei den steifen ernsten Leuten – Da steckt sie unter allen Häuten. * Der Nebel meiner Lebensqual Ist dunkel, trüb und fett. Ich liege still zu Bett. * Fahrig, lax, frivol und wischig Ist die große Alterskunst – Gräßlich ist der ganze Dunst. * Doch die stillen Flaggenstöcke – Freunde, die laßt stehen, Wenn auch die Spektakelfeste Lichterloh vergehen. * Die Flaggenstöcke gingen tief In unsre alte Erde rein. Wir aber gingen immer schief – Im Sonnen- wie im Mondenschein. * Alte böse Menschen schimpfen Über meine Lustigkeit. Und das ist doch weiter nichts als Alter, dunkelgelber Neid. *           Du kindische Kröte,           Dich quetsch ich zu Brei.           Ich mag doch nicht hören           Die Mopslitanei,           Die sich lustig macht           Über den, der lacht. * Ich schmiß einen Menschen zum Fenster hinaus – Natürlich – nur im Traume! Ich fragte höflich die Mama: Wozu ist das Männchen da? *     Was denkt sich denn der junge Fant?     Ich liebte nie mein Vaterland.     Das tun ja schon so viel Soldaten!     So selbstgefällig bin ich nicht! * Lieber süßer Kannibale, Liebst du meine Tante Male? Friß sie auf – sie ist gesund – Ihre Welt wird ihr zu bunt. * Rosenstielchen, Blätterkuß! Meine Welt ist voll Verdruß! * Klarheit wollt ihr? Dicke Klarheit?     Seid ihr echte Untermenschen?     Wollt ihr nicht den kummervollen     Rausch der Ewigkeit umhalsen?     Wollt ihr nicht den götterhaften     Allempfindungsdünkel kosten?     Aber nein: ihr seid gescheidter;     Eure Sehnsucht will ins Bettchen,     Denn der liebe Sandmann kam. * Ich weiß, was ich begehrte; Nie klar wird das Verklärte. * Mit den Ketten will ich rasseln, Daß das Trommelfell euch platze! Es erblüh in euern Dasseln Alles Glück in einem Satze. * Ach, nur im Dunkeln Funkeln die Sterne. * Breite Nachtkapuzen, Ich will euch nur uzen! Keiner sticht euch tot! Alles ist im Lot! * Überwinden, überwinden Wollen wir die letzten Trümpfe. Und wenn wir das Letzte finden, Machen wir uns auf die Strümpfe. * Charakter ist nur Eigensinn. Es lebe die Zigeunerin!               Schluß!! Ruhmeslied Meine Welt ist nicht von Pappe! Dieses sag ich dir im Traum! Trägst du eine Narrenkappe, Trag sie unterm Lorbeerbaum! Wanderlied             Wie weit der Weg! Im tiefen Tale glänzt Der Tau der letzten Sommernacht.     Wie weit der Weg! Im hohen Weltall glüht Der großen Sonnen Glück so heiß.     Wie weit der Weg! In tollen Köpfen kreist Die Schöpferkraft des ganzen Alls.     O still! Zum Ziel!     Es wird zu viel! Fliegenlied     Fliege, fliege, kleine Fliege! Fliege, fliege in die Wiege!           Siege! Siege! Donnerkarl, der Schreckliche Ein Heldengedicht     Reich mir meine Platzpatronen, Denn mich packt die Raserei! Keinen Menschen will ich schonen, Alles schlag ich jetzt entzwei. Hunderttausend Köpfe reiß ich Heute noch von ihrem Rumpf! Hei! Das wilde Morden preis ich, Denn das ist der letzte Trumpf!           Welt, verschrumpf! Gemeinplatz     Ich lobe mir die Freiheit auf den Gassen, Jedoch das Weib soll man zu Hause lassen. Ein Säufertraum                 Ich war im Traume betrunken Und sah ein altes Kamel, Das war zu Boden gesunken – Es lachte – bei meiner Seel! Und bald lag mein ganzes Genie Neben dem lachenden Vieh. Der Himmel lachte über mir, Und ich trank immer noch für Vier. Mein Kamel kam nicht zu kurz dabei; Ich ließ es trinken fast für Drei. Dies war meine schönste Zecherei; Ich fühlte mich so groß und frei. Ich trinke – bei meiner ewigen Seele! – Nur noch mit einem alten Kamele. Mit Menschen trinken ist der größte Kohl – Kamele nur verstehn den Alkohol. Abschiedslied     Fahr wohl, du alte Schraube! Mir warst du sehr egal. Mir schmeckt die Lebenstraube, Und dir ist alles Qual! Tu immer, was du wolltest; Ich stör' dich nicht dabei. Ich weiß nicht, was du solltest; Ich laß dich gerne frei. Und wenn du wieder grolltest, So wär's mir einerlei. Schrei nur, mein Liebchen, schrei! Ermitage     Die Maske der Betrunkenheit hab ich nun abgelegt! Ich bin allein – und tue, was ich wollte. Wer jemals über Albernes sich kindlich aufgeregt, Der weiß nun endlich, daß ich stets ihm grollte. Ich lächle nur und lächle immer wieder – wieder! Mir hängt die Luft voll kreischend-toller Jubellieder! Notturno             Ich liege ganz still. Der Nachtwind rauscht leise vorbei. Eine große Sehnsucht zieht mich noch tiefer. Diese Sehnsucht – nach – ich weiß nicht was! Das macht so traurig. Ich möchte – ich weiß nicht was! Ich denke an ferne, ferne Zeiten . . . Das gute Schaf Ein erschöpfendes Gedicht         Du bist mein Schaf; Ich bin dir niemals böse. Und er ist baff; Er schaut ins Weltgekröse. Du bist mein Schaf, Erlöse ihn, erlöse Auch mich von dem Getöse Der auferstandnen Jugendzeit; Sie steht vor mir im Leichenkleid. Säulenlied         Ich steh auf meiner Säule Und schau ins weite Meer. Ich höre dein Geheule Und wundre mich nicht mehr. Ich steh auf meiner Säule Mir wird mein Herz nicht schwer. Schlussweisheit Wer sich mit Anderen verbindet, Auf Erden niemals Ruhe findet. Moderner Gassenhauer     Der Eremit ist dick und groß; Er haßt die Nebenmenschen bloß. Er liebt nur seine Klause Und bleibt daher zu Hause. Die ganze Welt ist ihm Pomade. Die Nebenmenschen sagen: schade! Das aber rührt den Teufel nicht. Hat er nur stets sein Leibgericht, So ist ihm alles piepe – Der Haß und auch die Liepe. Groglied     In meinen Adern brennt der stramme Grog; Pompöser Kohl durchrast mein Eingeweide. Die kalte Nase steckt im Weltgehirn; Die heißen Hengste führ ich auf die Weide. Jetzt, Erdenbürger: Leide! Leide! Leide! Hobelphantasie     Mir klappern alle Zähne; Der alte Brei der Welt ist dick. Doch lange Wunderspäne Umringeln all mein Mißgeschick. Abendtöne                             Wozu mich mein Schuh drückt? Das willst du wissen? Leg dich nur ruhig Auf dein Ruhekissen; Es wird zum Luftballon. Mit dem gehst du davon. Und deine Locken – Die werden klingen; Du sollst mit ihnen, Da sie rot sind, Die gelben Sterne umschlingen! Ach ja, dein verfluchter, Alter, dammlicher Luftballon Wird dich weit bringen. * Durch die alte Türe, Die so herrisch knarrt, Kommt der Ofenmann Mit vielen schwarzen Bechern, Die so traurig sind wie schwarze Briefe. Na – was will denn der Ofenmann? Will er den alten Zechern Die letzten Tropfen schenken? Der Ofenmann hat kurze Beinchen; Sein Leib ist ein großes viereckiges Steinchen. Und auf dem Steinchen sitzt ein Wachskopf – Der geht natürlich ganz entzwei, Denn der Ofen ist ja warm. Und die schwarzen Becher fallen Diesem alten Ofenmann Aus den schwarzen alten Händen Auf die stillen weißen Dielen. Und der Wein macht die Dielen naß. Das macht den Zechern Spaß. Die Beinchen des Ofenmanns Brechen entzwei. Und der schwarze Ofen Steht an der Wand – wie einst. Die großen Flammen     So nehm' ich denn die Finsternis Und balle sie zusammen Und werfe sie, so weit ich kann, Bis in die großen Flammen, Die ich noch nicht gesehen habe Und die doch da sind – irgendwo Lichterloh . . . Eine Lichthetäre     Wie ein Lichtstrahl war ich einst, Zuckte hin und her Durch die Weltenpracht In dem Äthermeere. Quintillionen Wettersterne Hab' ich prickelnd angeblickt. Oh, ich war geschickt – Eine Lichthetäre. Alter Spaß         Ja – meine Sonnenkälber Sind mit Öl begossen, Sind naß wie Badelaken Und erweichte Schrippen. Ich weiß mit diesen feuchten Märchenweltschleimtieren Nichts anzufangen – nichts. Solche alten Späße Sind doch eigentlich abscheulich. Hafentraum       Ich hab in dieser ganzen Nacht Still wie ein Stall geschlafen. Ich hab in dieser ganzen Nacht Geträumt von tausend Schafen. * Sie waren alle dick und rund, Ich aber war nicht ganz gesund, Ich kam allmählich auf den Hund; Es war in einem Hafen. * In diesem Hafen trank ich viel Mit großen Welt-Matrosen, Die spielten Handharmonika Und mit den tausend Schafen. Ingrimm             Eine wilde Fratze Muß ich schneiden, Denn dies Leben Macht mir keinen Spaß. O, ich möchte nur Ein altes Rabenaas Mit verrückter Wollust In zehntausend Stücke reißen, Und dann möcht ich Hübsche Mädchenköpfe Balsamieren mit verfaultem Tran Oder andrer ekler Flüssigkeit. Und dann möcht ich In den Himmel springen Und die Sterne fressen Und zuletzt: Den ganzen Lebensunsinn Ohne weiteres vergessen Und als Ätherwolke Traumlos weiterschweben. Dieses, glaub ich, wird mir Noch einmal gelingen. Der lachende Engel                           Wie war's doch nur? Im Himmel schwebten Große blanke Diskusscheiben – Auf denen drehten sich blutrote Nüsse. Doch alles schlug ein böser Geist entzwei. Ein Engel lacht dazu Und spritzt mit Vitriol. Jawohl! Jawohl Die Zappelpappeljöhre         Mal ist mir alles astral Und mal so ganz egal. Ich kenne den längsten Strahl Und auch das Jammertal, Wo ich beinah nicht hingehöre. O du Zappelpappeljöhre! Die alte Laube               Ich habe so viel vergessen. Ich weiß nicht mehr Woher ich komme. Ich saß in einer Laube Von großen grünen Smaragden; Sie schimmerten wie Glühwurmlicht. Mehr aber weiß ich nicht. Es war ganz hinten im Raume Und fast wie in dem Traume, Der uns der allerliebste ist. Ach ja!     Ach ja! Jetzt weiß ich's ganz genau! Von Max und Moritz kam ich her! Die lagen in einem Syrupmeer Und waren blöde wie der große Stier. Es kam ein Strahl durch das Revier Und hüpfte mit uns Dreien. Das sollte uns bald entzweien. Nach jenem Trubel durft ich endlich So selig ruhen auf dem Zuckersterne, Der mir aus allen seinen Kratern Ein glückliches Vergessen dampfte. Singende Schlangen             Ich war schon wo, Da ging es wüste zu; Ich hatte weder Hemd noch Schuh, Nur grüne Schlangen In beiden Händen. Ich konnte mich nicht drehen Und nicht wenden. Doch viele Beutelsterne Drehten sich um meine Arme Und sahen aus Wie schlaffe Luftballons. Die Schlangen aber sangen. Der Frack-Komet                 Ich lebte vor langer langer Zeit In einem Raume, Der ganz voll Licht war; Es leuchteten wohl sämtliche Atome. Und da kam plötzlich Eine schwarze Sonne an, Die schwarze Strahlen Durch das Lichtreich sandte. Die schwarzen Strahlen waren kühl Und kühlten auch meinen heißen Leib, Der selbstverständlich nicht Aus dicken Stoffen sich zusammensetzte. Nun brach sich jenes schwarze Licht, Das ganz besondre Qualitäten zeigte, In meinem heißen Leibe so, Daß ich einen – Schwarzen Schweif bekam; Und spalten tat sich dieser Schweif Und sah beinah so aus Wie jene langen Streifen, Die sich an Menschenfräcken Unter den Händen Fleißiger Schneider bilden. Ich ward in jener alten alten Zeit Ein Frack-Komet. Ob sich für unsre Erde Noch mal Kometen Sichtbar machen könnten – In Frackform?