Jonathan Swift Tagebuch für Stella   Prosa Schriften Zweiter Band. Jugendwerke und Tagebuch Erich Reiss Verlag Berlin 1910 Brief I. Chester, den 2. September 1710. Jo Joseph Beaumont, ein mit Swift befreundeter Kaufmann aus Trim. wird Ihnen über meine Fahrt Bericht erstatten, bis ich ins Boot stieg; dann begannen die Halunken von neuem zu handeln und zwangen mich, ihnen zwei Kronen zu geben; dabei redeten sie, als würden wir kaum imstande sein, noch irgendein Schiff einzuholen; aber in einer halben Stunde erreichten wir die Jacht; denn die Schiffe legten bei, um den Haushofmeister des Lord Statthalter zu erwarten. Wir machten die Überfahrt in genau fünfzehn Stunden; gestern Abend erreichte ich diese Stadt, und ich denke, ich werde sie Montag wieder verlassen. Der erste Mensch, dem ich in Chester begegnete, war Dr. Raymond. Vikar von Trim, einer Stadt nicht weit von Dublin; Swifts Pfarrerstelle, in Laracor, lag dort in der Nähe. Er und Frau Raymond waren hier, um ein Privileg zu erlangen, dass sie ihren Besitz verkaufen dürfen. Ich bin, als ich hier zum Parktor hinausritt, von meinem Pferd gestürzt; ich blieb unverletzt, denn das Pferd verstand genug vom Stürzen, um ganz still zu liegen, bis ich wieder aufgestanden war. Meine Empfehlung für den Bischof von Clogher. Ich sah ihn aus Dunlary zurückkommen, er aber hat mich nicht gesehn. Ich nehme es übel, dass er nicht in der Kirchenversammlung war, und dass sein Name nicht unter meiner Vollmacht steht. Ich bitte Sie, an Ihrem Entschluss, nach Trim zu gehn, festzuhalten und dort so viel zu reiten, wie Sie können. Der Bischof von Clogher möge den Bischof von Killala daran erinnern, dass er mir einen Brief schicke und einen an den Bischof von Lichfield einlege. Alle, die an mich schreiben, mögen einen Brief an Richard Steele in seinem Bureau im Cockpit, Cockpit = Hahnenplan; über dem alten Hahnenkampfplatz des Whitehall-Palastes lagen allerlei Gebäude, die später in die Säle des geheimen Rats verwandelt wurden. , Whitehall, einlegen. Nicht aber MD. MD = My Dears = Meine Lieben; dies die ständige Anrede und Abkürzung Swifts in seinen Briefen an Esther Johnson und Mrs. Dingley. Die letztere Stellas Gesellschafterin, die Swift in fast all seinen Anreden mitnennt, obwohl sie für ihn absolut Nebensache ist. Ich will für ihre Briefe im St. James's Kaffeehaus bezahlen, um sie schneller zu erhalten. Lord Mountjoy hat jetzt Lust, die Reise noch heute Nachmittag fortzusetzen, so dass ich mich hierher geschlichen habe, um diesen Brief zu beenden, der je nachdem lang oder kurz sein wird. Ich schreibe mit gleicher Post an Frau Wesley Die Frau eines Freundes Swifts. und will ihr sagen, dass sie ihren Schein über 115 Pfund haben kann, sobald sie ihn holen lassen will; in dem Fall bitte ich, ihn ihr eingeschlossen und versiegelt zu schicken und ihn bereit zu halten, falls sie schickt; sonst behalten Sie ihn; ich will nicht mehr sagen, bis ich weiss, ob ich heute reise oder nicht; wenn ja, so ist der Brief fast beendet. Meine Base Abigail ist fabelhaft alt geworden. – Gott der Allmächtige segne die fubbedoll duten MD; und um Gotteswillen, sein Sie lustig und bleiben Sie gesund! – Ich bin fest entschlossen, heimzukehren, sowie ich meinen Auftrag erledigt habe, ob mit oder ohne Erfolg. Ich bin in meinem ganzen Leben noch nicht mit so wenig Lust nach England gegangen. Wenn Frau Curry ]Wirtin der Damen. wegen der Wohnung irgendwelche Schwierigkeiten macht, so werde ich ihr kündigen und sie vom 9. Juli an bezahlen; und Frau Brent muss dementsprechend nebst den Anweisungen an Parvisol schreiben. Frau Brent Swifts Haushälterin; Parvisol Swifts Verwalter in Laracor. Die Post aus London ist eingetroffen und geht gerade wieder ab; also habe ich nur noch eben Zeit, Gott zu bitten, dass er die fubbedoll duten MD behüte. FW = Farewell = Lebt wohl, MD = meine Liebe, ME = Madame Elderly = Frau Aeltlich. FW FW FW MD ME ME ME. Brief II. London, den 9. September, Samstag, 1710. Ich bin nach fünf Tagen der Reise letzten Donnerstag hier angekommen: am ersten Tage war ich müde, am zweiten fast tot, am dritten ging es mir erträglich, und nachher ganz gut. Jetzt bin ich froh über die Anstrengung, die mir als Körperübung gedient hat, und ich befinde mich recht wohl. Die Whigs waren entzückt, mich zu sehen und wollten wie nach einem Zweig nach mir greifen, während sie ertrinken, und all die grossen Leute entschuldigten sich plump bei mir usw. Aber der Lord Schatzmeister Der Premierminister, Earl of Godolphin. empfing mich mit grosser Kühle, was mich so gereizt hat, dass ich fast Rache schwöre. Noch bin ich nicht meine halbe Runde abgelaufen; aber ich finde all meine Bekannten genau, wie ich sie verlassen habe. Ich höre, Lady Giffard ist viel bei Hofe, Temples Schwester; Swift hatte sich mit ihr überworfen, gelegentlich der Herausgabe von Temples Nachlass. und Lady Wharton hat ihn neulich lächerlich gemacht, so dass ich dort eine Freundin verloren habe. Ich habe sie noch nicht gesehn und habe auch nicht die Absicht; aber ich will versuchen, Stellas Mutter Frau Bridget Johnson, Gesellschafterin der Lady Giffard. auf irgendeine andre Art und Weise zu sehn. Ich habe von Chester aus an den Bischof von Clogher geschrieben; und ich schreibe jetzt an den Erzbischof von Dublin. Dr. William King; siehe Band I. Alles geht drunter und drüber. Jeder Whig, der ein hohes Amt bekleidet, wird bis auf den letzten Mann unfehlbar hinausgesetzt werden, und wir sehen einem Winter entgegen, wie er in England noch nicht erlebt worden ist. Alle fragen mich, wie es kommt, dass ich so lange in Irland war, und zwar so selbstverständlich, als lebte ich hier; aber keine Seele macht Anstalt, mein Leben hierher zu verlegen; und ich beteure, ich werde zufriedener nach Dublin und an den Kanal bei Laracor zurückzukehren, als ich es je in meinem Leben getan habe. Der Tatler erwartet Tag für Tag, sein Amt zu verlieren; Steele war Herausgeber der ministeriellen Zeitschrift; er wurde im Oktober entsetzt. und man sagt, der Herzog von Ormond werde Statthalter von Irland werden. Ich hoffe, Sie sitzen jetzt friedlich in Prestos Presto = schnell = swift. Wohnung: aber ich bin entschlossen, Sie schon Weihnachten wieder zu verdrängen; bis dahin werde ich entweder erledigen, was ich zu tun habe, oder sehn, dass es nicht zu machen ist. Bitte, sein Sie in Trim, bis dieser Brief Sie erreicht, und reiten Sie den kleinen Johnson, der jetzt in guter Verfassung sein muss. Ich habe diesen Brief wider meine Gewohnheit am Abend der Post begonnen; ich habe schon an den Erzbischof geschrieben und kann ihn also nicht mehr in die Länge ziehn. Von jetzt an will ich jeden Tag ein wenig für MD schreiben und eine Art Tagebuch daraus machen; wenn es voll ist, so will ich es abschicken, ob MD schreibt oder nicht; das wird hübsch werden, und ich werde in ständiger Unterhaltung mit MD stehn, und MD mit Presto. Bitte, lassen Sie sich die zehn Pfund auf der Stelle von Parvisol auszahlen; ich habe ihm Anweisung gegeben. Man sagt mir, ich würde dicker und sähe besser aus; und Montag soll Jervas mein Bild retouchieren. Gestern glaubte ich Jack Temple mit seiner Frau in ihrer Kutsche an mir vorbeifahren zu sehn; ich habe sie aber nicht beachtet. Ich bin froh, dass ich diese Familie ganz abgeschüttelt habe. Sagen Sie dem Probst, ich sei seinen Befehlen für den Herzog von Ormond nachgekommen; oder lassen Sie es, bitte. Eben habe ich Jemmy Leigh Ein irischer Gutsherr. im Kaffeehaus gesehn; er fragte sehr freundlich nach Ihnen; er spricht davon, in vierzehn Tagen nach Irland zu gehn. Meine Empfehlungen für den Dechanten, Frau Walls und ihren Archidiakon. Will Franklands Der Dechant: Dr. Sterne, Dechant von St. Patrick, Swifts Vorgänger. Die Walls, Pfarrersfamilie aus Swifts Nachbarschaft. Frankland Sohn des Oberpostkontrolleurs Sir Thomas Frankland. Frau steht vor ihrer Niederkunft, und ich habe versprochen, das Kind zu taufen. Ich denke mir, meinen Brief aus Chester werden Sie am Dienstag, nachdem ich ihn schrieb, gehabt haben. In Chester habe ich Dr. Raymond Lord Chester vorgestellt. Bitte, lassen Sie mich wissen, wenn Joe sein Geld bekommt. Es ist fast zehn, und ich hasse es, durch den Nachtwächter zu schicken. MD soll in einer Woche einen längeren Brief haben; ich schicke diesen nur ab, um zu sagen, dass ich wohlbehalten in London bin; und also lebt wohl usw. Brief III. London, den 9. September 1710. Nachdem ich den Herzog von Ormond besucht, mit Dr. Cockburn Swifts Arzt. gespeist, einen Teil des Nachmittags mit Sir Matthew Dudley Ein bekannter Whig, der später Zollkommissionär wurde. und Will Frankland, den Rest in St. James's Kaffeehaus verbracht hatte, ging ich nach Hause, schrieb an den Erzbischof von Dublin und MD und gehe jetzt zu Bett. Ich vergass Ihnen zu sagen, dass ich Will Frankland gebeten habe, bei seinem Vater ein gutes Wort für Manley Generalpostmeister in Irland, ebenfalls ein Whig. einzulegen, da die Winterstürme an allen Ämtern rütteln. Er sagte mir, sein Vater sei auch in Gefahr, zu fallen; um Manleys Stellung bewürben sich jetzt schon viele; man beschuldige ihn, Briefe geöffnet zu haben; Sir Thomas Frankland werde alles opfern, um sich selbst zu retten; daher fürchte ich, Manley ist verloren, usw. 10. Heute habe ich mit Lord Mountjoy in Kensington gespeist; habe meine Geliebte gesehn, Ophy Butlers Frau, die ein wenig reizlos geworden ist. Bis zehn Uhr habe ich mit Addison und Steele zusammen gesessen; Steele wird seine Stellung als Herausgeber der Zeitung sicherlich verlieren; denn jedermann ist ärgerlich, weil er sich auf Parteigezänk einlässt. Um zehn ging ich ins Kaffeehaus, denn ich hoffte, Lord Radnor dort zu finden, den ich noch nicht gesehn hatte. Ein unzufriedener Whig. Er war auch da; wir haben anderthalb Stunden lang von Herzen Verrat wider die Whigs, ihre Gemeinheit und ihren Undank geredet. Als ich nach Hause kam, wälzte ich Groll in meiner Seele und entwarf Rachepläne: voll von ihnen (ein paar Andeutungen habe ich niedergeschrieben) gehe ich zu Bett. Ich fürchte, MD haben zu Hause gegessen, denn es ist Sonntag; da hat es denn den halben Liter Wein gegeben; um Gotteswillen, seid artige Mädchen, und alles wird gut werden. Ben Tooke war heute morgen bei mir. Verleger des Märchens von einer Tonne; Agent Swifts. 11. Sieben Morgens. Ich stehe auf, um zu Jervas zu gehn, damit der mein Bild beendet; und es ist der Rasiertag; also guten Morgen, MD; aber halten Sie mich jetzt nicht auf, denn ich kann nicht mehr bleiben; und bitte, essen Sie beim Dechanten, aber verlieren Sie nicht Ihr Geld. Ich sehne mich danach, von Ihnen zu hören usw. – Zehn Abends. Ich habe Jervas heute morgen vier Stunden lang gesessen. Er hat meinem Bild eine ganz neue Wendung gegeben und ist jetzt sehr damit zufrieden; aber wir müssen den Beifall der Stadt haben. Wenn ich reich genug wäre, würde ich es kopieren lassen und die Kopie mitbringen. Herr Addison und ich haben zusammen in seiner Wohnung gegessen, und ich bin einen Teil des Abends hindurch bei ihm sitzen geblieben; eben komme ich nach Hause, um eine Stunde zu schreiben. Patrick Swifts Diener. behauptet, der Pöbel hier kümmere sich viel mehr um die Politik als in Irland. Jeden Tag erwarten wir Wandlungen und dass das Parlament aufgelöst wird. Lord Wharton Thomas, Earl of Wharton, Lord Statthalter von Irland bis 1710; politisch der von Swift vielleicht bestgehasste Mann seiner Zeit. erwartet von Tag zu Tag, sein Amt zu verlieren: er arbeitet wie ein Pferd für die Wahlen; und kurz, ich habe unter allem Volk nie eine solche Gärung erlebt. Ich habe letzten Samstag von Joe einen jämmerlichen Brief bekommen, in dem er mir sagt, dass Herr Pratt Vizeschatzmeister von Irland; Joseph Beaumont hatte Ansprüche an den Staat, in deren Geltendmachung Swift ihn unterstützte. sich weigert, ihm sein Geld zu zahlen. Ich habe mit Herrn Addison darüber gesprochen und will auch mit Lord Wharton sprechen; aber ich fürchte, es wird erfolglos sein. Immerhin will ich tun, was ich kann. 12. Heute habe ich dem Herzog von Ormond Herrn Ford Charles Ford, Besitzer von Woodpark bei Dublin, einer der vertrauteren Freunde Swifts; später Nachfolger Steeles als ›Gazetteer‹. vorgestellt und dem Lord Präsidenten Nämlich das Geheimen Rats Lord Somers. meinen ersten Besuch gemacht; mit ihm hatte ich eine lange Erörterung; ich wich ihm immer aus, wenn er in bezug auf mich von Lord Wahrton zu reden begann; als er mich aber drängte, sagte ich ihm, er wisse ja, ich hätte nie etwas von Lord Wharton erwartet, und Lord Wharton wisse, dass dies meine Ansicht sei. Er sagte, er habe Lord Wharton zweimal über mich geschrieben, und beide Male habe der auf diesen Teil des Briefes nichts erwidert. Man rät mir, in Dingen der Erstlinge Die Erstlinge (First Fruiss) sind die ›Annaten‹ katholischer Herkunft. Die Einkünfte des ersten Jahres jeder erledigten Pfründe gehörten der Krone. Dabei wurden sie fast durch den nötigen Verwaltungsapparat aufgezehrt. Swift sollte den Erlass dieser Auflage bewirken, die für England längst erlassen worden war . nichts zu unternehmen, bevor nicht diese Aufregung ein wenig vorüber ist; noch bleibt sie bestehn, und wir sind alle im Dunkeln. Der Lord Präsident sagte mir, er erwarte jeden Tag, sein Amt zu verlieren, und er hat es schon seit zwei Monaten erwartet. Ich versichere bei meinem Leben, ich bin dieser Stadt von Herzen müde und wollte, ich hätte mich nie gerührt. 13. Ich ging heute morgen in die Stadt, um Herrn Stratford zu sehn, den Kaufmann aus Hamburg, meinen alten Schulkameraden; doch als ich bei Bull Ein Huthändler, Verwandter des Bischofs Bull; Whig. auf Ludgate Hill vorsprach, nötigte er mich in sein Haus zu Hampstead, um in grosser und schlechter Gesellschaft zu essen; unter andern war Herr Hoadley Später Bischof von Winchester. da, der whiggistische Geistliche, der so berühmt ist, weil er die Gegenrolle gegen Sacheverell spielte. Siehe Einleitung zum Appendix in Band I. Aber morgen denke ich Stratford noch einmal aufzusuchen. Ich war jedoch froh, dass ich nach Hampstead kam, wo ich Lady Lucy und Moll Stanhope sah. Von Frau Long höre ich sehr unglückliche Nachrichten: sie und ihre Kameradin haben ihren Haushalt aufgelöst; sie ist für immer gebrochen und aufs Land gegangen: es sollte mir leid tun, wenn all das wahr ist. 14. Heute sah ich Patty Rolt, Eine Kusine Swifts. die gehört hatte, dass ich in der Stadt wäre; und ich habe mit Stratford bei einem Kaufmann in der Stadt gegessen, wo ich den ersten Tokaierwein trank, den ich je gesehn habe; er ist wundervoll, doch nicht so, wie ich es erwartet hatte. Stratford ist steinreich und leiht jetzt der Regierung vierzigtausend Pfund, und doch wurden wir in derselben Schule unterrichtet und besuchten dieselbe Universität. Wir hören, dass der Kanzler plötzlich entlassen worden ist, und dass Sir Simon Harcourt an seine Stelle treten soll; ich bin früh nach Hause gekommen, da ich mir aus dem Kaffeehaus nichts mache. 15. Heute haben Herr Addison, Oberst Freind und ich die Millionenlotterie besucht, die in Guildhall gezogen wird. Die Maulaffen und Blaujackenjungen gaben sich ein riesiges Ansehn, als sie die Zettel zogen, und sie zeigten der Versammlung die offenen weissen Hände, damit wir sehn könnten, dass kein Schwindel dabei war. Wir assen in einem Landhaus dicht bei Chelsea, wohin Herr Addison sich oft zurückzieht; und abends im Kaffeehaus hören wir, dass Sir Simon Harcourt zum Grosssiegelbewahrer ernannt worden ist, so dass wir jetzt jeden Augenblick die Auflösung des Parlaments erwarten; aber ich vergesse, dass dieser Brief erst in drei oder vier Tagen abgeht, und dass meine Nachricht schal sein wird, so dass ich sie hätte in den letzten Absatz stecken sollen. Soll ich diesen Brief abschicken, bevor ich von MD höre, oder soll ich ihn behalten, damit er länger wird? Stellas Mutter habe ich noch nicht gesehn, weil ich Lady Giffard nicht sehn will; aber ich werde es so einrichten, dass ich hinaus komme, wenn Lady Giffard nicht zu Hause ist. Ich vergass, meine beiden letzten Briefe zu numerieren; aber beachten Sie, dass dies Nummer 3 ist, und noch habe ich nicht Nummer 1 von MD erhalten; doch Montag werde ich ihn haben, und ich denke, das wird gerade vierzehn Tage später sein, als Sie meinen ersten hatten. Ich bin entschlossen, eine Menge Porzellan mit hinüber zu nehmen. Es gefiel mir heute gewaltig. Was soll ich bringen? 16. Morgens. Sir John Holland, der Haushofmeister des königlichen Haushalts, hat mir sagen lassen, er möchte meine Bekanntschaft machen; ich habe Lust, ihn abzuweisen, weil er ein Whig ist; ich vermute, er wird mit den andern fallen; aber er ist ein würdiger Mann von Gelehrsamkeit. Sagen Sie mir, ob Ihnen diese Tagebuchbriefe gefallen? Sind sie nicht langweilig und stumpfsinnig? Abends. Ich habe heute mit einem Vetter, einem Drucker, gegessen, bei dem Patty Rolt wohnt; dann ging ich nach ein oder zwei Besuchen nach Hause; es war ein sehr fader Tag. Frau Longs Unglück wird mir bestätigt; die Büttel sind in ihrem Hause; sie zieht sich in eine gemietete Wohnung zurück und von dort aufs Land, niemand weiss wohin: ihre Freunde hinterlegen ihre Briefe in einem Gasthof, und von dort werden sie ihr gebracht; und sie schreibt ihre Antworten, ohne sie mit einem Ortsvermerk zu versehn. Ich schwöre, es tut mir in der Seele weh. 17. Heute habe ich sechs Meilen vor der Stadt gegessen, und zwar mit Will Pate, dem gelehrten Wollhändler. Herr Stratford ging mit mir; hier sind sechs Meilen nichts; wir verliessen Pate nach Sonnenuntergang und waren hier, ehe es dunkel wurde. Dieser Brief soll Dienstag abgehn, ob ich von MD höre oder nicht. Mein Befinden ist fortdauernd recht gut. Gebe Gott, dass auch Stella mir von dem ihren gute Nachricht schicke: ich hoffe, Sie sind jetzt in Trim, oder gedenken es doch bald zu sein. Heute Abend habe ich eine Enttäuschung erlebt; der Bursche gab mir einen Brief, und ich hoffte, die Handschrift der kleinen MD zu sehn; es war nur eine Einladung zu einer Wildpretpastete auf heute; so habe ich obendrein noch meine Pastete versäumt. Zum Henker mit diesen untergehenden Höflingen. Da wünscht nun Herr Brydges, der Generalkriegszahlmeister, meine Bekanntschaft zu machen; aber ich höre, die Königin hat Lord Shrewsbury zu ihm geschickt, um ihm zu versichern, dass er seine Stellung behalten darf; und er verspricht mir grossen Beistand in der Sache der Erstlinge. Nun, ich muss dieses Blatt heute Abend wenden, obwohl die Seite noch eine Zeile fassen könnte; aber bitte, beachten Sie, dies ist ein ganzer Bogen; er enthält verteufelt viel, und Sie müssen schon zufrieden sein, wenn Sie müde werden; aber ich will es nicht wieder tun. Sir Simon Harcourt ist zum Generalstaatsanwalt ernannt worden, und nicht zum Grosssiegelbewahrer. 18. Heute habe ich mit Herrn Stratford auf Herrn Addisons Landsitz bei Chelsea gegessen; dann ging ich in die Stadt und früh nach Hause, wo ich einen Brief an den Tatler über den Verfall des Stils und der Kunst des Schreibens usw. begann; und da ich noch nicht von Ihnen gehört habe, so bin ich entschlossen, dass dieser Brief heute Abend abgehn soll. Lord Wharton wurde vom Herzog von Devonshire in gewaltiger Eile in die Stadt geholt; sie haben irgendeinen Plan; aber er wird nichts helfen, denn wir erwarten jede Stunde eine vollständige Umwälzung und dass das Parlament aufgelöst wird. Wenn Sie Joe sehn, so sagen Sie ihm, Lord Wharton habe zu viel zu tun, um an seine Angelegenheiten zu denken; aber ich will alle guten Dienste durchsetzen, die ich von Herrn Addison erlangen kann, und noch heute an Herrn Pratt schreiben; und sagen Sie Joe, er soll nicht den Mut verlieren, denn ich bin überzeugt, dass er das Geld unter jeder Regierung bekommen wird; nur muss er sich gedulden. 19. Ich habe heute Morgen gekritzelt, und ich glaube kaum, dass ich diese Seite heute füllen werde; ich will sie abschicken, wie sie ist; und sie ist auch gut genug für unartige Mädchen, die niemandem schreiben, und obendrein einem so guten Jungen wie Presto! Ich dachte dies heute Abend abzuschicken, aber ich wurde aufgehalten und konnte nicht; und die Wahrheit zu sagen, so wollte ich doch auch noch ein klein bisschen auf die nächste Post und einen Brief von MD warten. Gestern Mittag ist der Graf von Anglesea gestorben, die grosse Stütze der Torys; daher ist jenes Amt des Vizeschatzmeisters von Irland wieder einmal erledigt. Wir sollten gute Freunde werden, und ich konnte kaum einen Verlust erleben, der mir mehr Kummer gemacht hätte. Der Bischof von Durham ist am gleichen Tage gestorben. Die Tochter des Herzogs von Ormond hat mir heute am dritten Ort einen Besuch abgestattet, um mir Avancen zu machen, und ich soll ihn morgen erwidern. Ich habe einen Brief von Lady Berkeley erhalten, in dem sie mich um Gotteswillen bitten, My Lord Gesellschaft zu leisten, denn er ist an der Wassersucht erkrankt; aber ich kann nicht hingehn und muss morgen meine Entschuldigung schicken. Ich höre, dass in wenigen Stunden noch mehr Amtsentsetzungen stattfinden werden. 20. Heute habe ich den Töchtern des Herzogs den Besuch erwidert, und die unverschämten Dirnen sprangen mir bis an den Mund, um mich zu begrüssen; Die beiden Töchter standen, wie man aus dem scherzhaften ›Dirnen‹ entnimmt, bei Swift in grosser Gunst. dann hörte ich das Gerücht von den Veränderungen bestätigt; Lord Präsident Somers, der Herzog von Devonshire und Herr Boyle, der Staatssekretär, sind heute sämtlich hinausgesetzt worden. Ich entsinne mich nicht, dass je von einem Hof so kühne Massnahmen getroffen worden wären: ich bin fast entsetzt darüber, obgleich ich mir nichts daraus machen würde, wenn sie alle gehängt würden. Wir wundern uns, dass das Parlament noch nicht aufgelöst worden ist und dass man etwas von solcher Wichtigkeit bis zum Schluss verschiebt. Wir werden hier einen merkwürdigen Winter erleben zwischen dem Ringen einer schlauen, verdrängten Partei und den Triumphen der Machthaber; ich werde beiden gleichgültig zuschauen und sehr friedlich nach Irland zurückkehren, wenn ich meine Rolle in der Sache, die mir anvertraut worden ist, ausgespielt habe, ob mit oder ohne Erfolg. Morgen vertausche ich meine Wohnung in Pall Mall mit einer in der Bury Street, wo ich vermutlich bleiben werde, solange ich in London bin. Wenn morgen irgend etwas geschieht, will ich es noch hinzufügen. Robins Kaffeehaus. – Wir haben eben gerade grosse Neuigkeiten aus Spanien gehört; Madrid und Pampeluna sind genommen. Ich werde hier fortwährend unterbrochen. 21. Ich habe eben Ihren Brief erhalten, auf den ich noch nicht antworten will; Gott sei Dank, dass alles so gut steht. Ich sehe, Sie haben meinen zweiten noch nicht erhalten: ich hatte einen Brief von Parvisol, der mir schreibt, er habe Frau Walls einen Wechsel über zwanzig Pfund für mich gegeben, der Ihnen überreicht werden sollte; aber Sie haben ihn mir nicht geschickt. Heute Abend wird das Parlament aufgelöst: grosse Neuigkeiten aus Spanien; König Karl und Stanhope sind in Madrid, und Graf Staremberg hat Pampeluna genommen. Leben Sie wohl. Dies ist aus St. James's Kaffeehaus geschrieben. Meine Antwort auf Ihren Brief will ich heute Abend beginnen, aber diese Woche nicht mehr abschicken. Bitte, sagen Sie mir, ob Ihnen diese tagebuchartigen Briefe gefallen. – Ihre Gründe dafür, dass Sie nicht nach Trim gehn, gefallen mir nicht. Parvisol schreibt mir, er könne Ihr Pferd verkaufen. Verkaufen, zum Henker? Lassen Sie ihn bitte wissen, dass er ebensogut seine Seele verkaufen darf. Was? Irgend etwas verkaufen, was Stella liebt und zuweilen reiten kann? Es gehört ihr, und sie mag tun, was sie will: bitte, lassen Sie ihn das durch die erste Post wissen, die nach Trim geht. Er soll meinen Grauen verkaufen und sich hängen lassen! Brief IV. London, den 21. September 1710. Hier muss ich einen neuen Brief auf einem ganzen Bogen beginnen, denn die ungezogene kleine MD könnte böse werden und finden, dass das Papier viel zu klein ist. Ich habe Ihren Brief heute Abend erhalten, wie ich Ihnen ohne weitere Bemerkungen in meinem letzten eben gesagt habe; denn dieser wird damit draufgehn, dass ich Ihren beantworte, Naseweis! Ich glaube, ich habe Ihnen schon gesagt, wo ich heute gegessen habe; und morgen verlasse ich die Stadt auf zwei Tage, um am Sonntag mit derselben Gesellschaft zu essen, Molesworth, dem Gesandten in Florenz, Stratford und einigen andern. Ich hörte heute, eine Dame aus Lady Giffards Hause sei im Kaffeehaus gewesen, um nach mir zu fragen. Es war vermutlich Stellas Mutter. Ich werde ihr morgen einen Pennypostbrief schicken und es so einrichten, dass ich sie sehe, ohne dass ich Gefahr laufe, Lady Giffard zu treffen; denn ich will sie nicht eher sprechen, als bis sie mich um Verzeihung bittet. 22. Ich habe heute mit Lady Lucy usw. in Hampstead gegessen, und als ich nach Hause kam, fand ich einen Brief von Joe vor, dem einer für Lord Wharton einlag; ich will ihn Seiner Exzellenz schicken und ihn so gut ich kann unterstützen; aber den Befehl der Königin zu erwirken, das ist ein Scherz! Die Dinge sind hier in einem solchen Brand, dass man mir rät, noch nichts in der Sache zu unternehmen, deretwegen ich hier bin und die die Geistlichkeit eines ganzen Königreichs angeht; und meint er, es werde irgend jemand die Königin mit Joe belästigen? Ich hoffe, wir werden eine Empfehlung des Lord Statthalters an die Vertrauensmänner des Leinengeschäfts erhalten, und ich hoffe, das wird genügen; ich will es ihm in wenigen Tagen schreiben, und er muss sich gedulden. Dies ist die Antwort sowohl auf einen Teil Ihres Briefes wie auf seinen. Ich habe gelogen; ich gehe erst morgen aufs Land, und von Ihrem Brief will ich noch kein Tittelchen mehr beantworten. 23. Hier herrscht grosser Aufruhr und Lärm um diese unsre kleinen MD; jeden Abend muss ich schreiben; ich kann nicht ohne ein Wort für sie zu Bett gehn; ich kann mein Licht nicht ausblasen, ohne ihnen gute Nacht zu sagen; o Gott, o Gott! Nun, ich habe also heute zum erstenmal mit Will Frankland und seinem Vermögen gegessen; sie ist nicht sehr hübsch. Sagte ich nicht, ich wollte heute die Stadt verlassen? Ich hasse es, auswärts zu schlafen, und das Getöse; ich fahre morgen in Franklands Wagen und komme abends zurück. Lady Berkeley hat mich nach Berkeley Castle eingeladen, und Lady Betty Germain Swift war in Irland, als der Graf von Berkeley Lord Statthalter war, Kaplan der Berkeleys gewesen; für Lady Berkeley wurde die berühmte ›Betrachtung über einen Besen‹ geschrieben; Lady Betty Germain war die Tochter des Grafen und stand bei Swift in ganz besonderer Gunst. nach Drayton in Northamptonshire; aber ich werde weder hierhin noch dorthin gehn. Lasst mich in Ruh, ich muss meine Broschüre beenden. Ich habe Bickerstaff Bickerstaff war eins der Pseudonyme Swifts, der Prophezeiungen unter diesem Namen erscheinen liess. Riechen hier = erraten. einen langen Brief geschickt: der Bischof von Clogher mag ihn riechen, wenn er kann. Nun, ich will an den Bischof von Killala schreiben; aber Sie hätten ihm sagen können, wie plötzlich und unerwartet meine Reise immerhin kam. Der Henker hole Lady S.....; und wenn ich D....y kenne, so ist er ein fleischloser Bursche, keineswegs hübsch, und sichtlich nicht so jung, wie Sie sagen; sie opfert zweitausend Pfund im Jahr und behält nur sechshundert. Meine Landreise habe ich Ihnen ganz in meinem zweiten Brief geschildert; und das genügt. So sind Sie also in Prestos Wohnung gezogen; schön, wirklich! Wir haben vierzehn Tage lang das glorreichste Wetter von der Welt gehabt, und es dauert noch an; ich hoffe, Sie haben es ausgenutzt. Ballygall wird, wenn Frau Ashe ihr Versprechen hält, ein guter Ort sein; dort ist die Luft rein. Stella schreibt wie ein Kaiser: ich fürchte, es schadet Ihren Augen: nehmen Sie sich in acht, bitte, Frau Stella. Können Sie nicht mit Ihrem eigenen Pferd tun, was Sie wollen? Bitte, lassen Sie es nicht von Parvisol, diesem jungen Hund, verkaufen! Patrick betrinkt sich etwa dreimal die Woche; ich lasse es hingehn, und er hat Oberwasser gewonnen; aber eines Tages werde ich ihn sicher in die weite Welt hinausschicken, wenn niemand von Ihnen da ist, um Fürsprache für ihn einzulegen. – Dummes Zeug – wie kann ich ihren Gatten in die Karthause bringen? – Bringt einen ... in die Karthause! – Schreiben Sie beständig! Ha, Bursche, schreibe ich nicht jeden Tag und manchmal zweimal täglich an MD? Jetzt habe ich Ihren ganzen Brief beantwortet; und der Rest muss gehn, wie es geht; schicken Sie mir meinen Wechsel. Sagen Sie Frau Brent, was ich von der Karthause Stift für ältere Mädchen bei London. sage. Ich denke, dies genügt für einen Abend; und also leben Sie wohl bis morgen um diese Zeit. 24. Heute habe ich mit Stratford, Frankland und den Molesworths sechs Meilen vor der Stadt bei Will Pate gegessen; als ich abends nach Hause kam, war ich müde und träg. Ich kann jetzt nichts weiter sagen; aber gute Nacht. 25. Ich war heute so träge, dass ich nebenan gegessen habe; und seit sechs Uhr habe ich zu Hause gesessen und an den Bischof von Clogher, Dr. Asche. den Dechanten Sterne und Herrn Manley geschrieben; an diesen, weil ich für seine Stellung fürchte; ich habe ihm meine Ansicht geschrieben: was er nach meiner Meinung und nach der seiner andern hiesigen Freunde tun sollte. Ich hoffe, er wird es gut aufnehmen. Mein Rat war der, sich so sehr wie möglich bei Sir Thomas Frankland, seinem hiesigen Vorgesetzten, in Gunst zu erhalten. 26. Beachten Sie, wieviel breiter der Rand wird, wenn ich beim Schreiben im Bette liege. Mein Bett steht für mich auf der verkehrten Seite, so dass ich oft gezwungen bin, aufzustehn, wenn ich schreiben will. Manley, müssen Sie wissen, hat hier schon Leute, die sich um seine Stellung bewerben; und man hat Klage gegen ihn geführt, weil er Briefe geöffnet habe. Behalten Sie dies: der letzte Sonntag, der 24. September 1710, war so heiss wie mitten im Sommer. Dies ist morgens geschrieben; jetzt ist es Abend, und Presto liegt im Bett. Hier herrscht Aufruhr; ich habe MD's zweiten Brief erhalten und muss ihn hier beantworten. Den Wechsel habe ich Tooke gegeben und also... Nun, ich habe heute mit Sir John Holland gegessen, mit dem Haushofmeister; und bis acht bin ich bei ihm sitzen geblieben; dann ging ich nach Hause und schrieb einen Teil von einem Pasquill, ›Die Kraft der Rute des Sidi Named‹, eine Satire in Versen auf Lord Godolphin. das sehr langsam vorwärts kommt, und jetzt schreibe ich an die ungezogenen MD; kein Wunder auch; gute Jungen müssen an böse Mädchen schreiben. Ihre Mutter habe ich noch nicht gesehn; vermutlich ist mein Pennypostbrief verloren gegangen; ich werde noch einen schreiben. Herr S... hat mich aufgesucht und sagte, M... ginge am andern Morgen mit ihrem Gatten (der, wie ich finde, ein mürrischer Dummkopf ist) aufs Land, also konnte ich ihr nur meine Empfehlung schicken. 27. Heute hat unsre ganze Gesellschaft bei Will Frankland gegessen, Steele und Addison auch. Heute haben wir den ersten Regentag, seit ich in London bin; ich kann es mir noch nicht leisten, Ihren Brief zu beantworten. Morgan, der Gelbschnabel, hat mir einen langen Brief geschrieben und mich gebeten, ich möchte ihn dem nächsten Lord Kanzler, der mit dem nächsten Statthalter hinüberkäme, als Säckelmeister oder Sekretär empfehlen. Ich will ihm nicht antworten, aber ich bitte Sie, diese Worte seinem Vater zu sagen, Raymond, Dr. Raymond nannte er nur seinen Vater, weil er mit allen Kräften Herrn Morgans Interesse zu dem seinen machte. (Anm. der Erstausgabe.) oder irgend jemandem, der sie ihm wiedersagt: Dr. Swift habe seinen Brief erhalten und sei ganz bereit, ihm zu dienen, könne es aber in dem, was er verlange, nicht tun, weil er keinerlei Einfluss auf die Leute besitze, an die man sich wenden müsse. Diese Worte können Sie schreiben, und Joe oder Herr Warburton Swifts stellvertretender Pfarrer. möge sie ihm geben; die Pest auf ihn! Aber auf diese Weise erlangen Narren die Beförderung. Ich darf noch nicht schliessen, weil ich noch nicht gute Nacht sagen kann, ohne eine Zeile zu verlieren, und dann würde MD schelten; jetzt aber gute Nacht. 28. Ich habe für Dingley das schönste Stück brasilianischen Tabaks, das je geboren wurde. Sie reden von Leigh; nun, der wird noch zwei Monate lang nicht nach Dublin kommen. Er geht aufs Land und kommt dann nach London zurück, um zu sehn, wie hier die Welt im Parlament hinläuft. Gute Nacht, Burschen; nein, nein, nicht gute Nacht, ich habe das morgens geschrieben, und da ich unaufmerksam hinsah, so glaubte ich, es wäre von gestern Abend. Ich habe heute mit Frau Barton allein in ihrer Wohnung gegessen, und sie erzählte mir als gewiss, dass Lady S... schwanger war, als sie zuletzt nach England kam; sie habe aber eine Schwellung vorgeschützt und überall verkehrt; dann verschwand sie auf drei Wochen, und ihre Schwellung war verschwunden; dabei sah sie aus wie ein Gespenst, usw. Kein Wunder, dass sie heiratete, wenn sie so unenthaltsam war. Conolly Zollkommissionär; später, zur Zeit der Kampagne Swifts gegen Wood (›Tuchhändlerbriefe‹) Sprecher des irischen Unterhauses. ist entlassen, und Herr Roberts nimmt seine Stellung ein; er verliert eine bessere hier, war aber früher Kommissionär in Irland. Dieses Amt hat Conolly dreitausend Pfund gekostet, die er an Lord Wharton gezahlt hat; er hat in seinem Leben kein schlechteres Geschäft gemacht. 29. Ich wünsche MD ein fröhliches Michaelis. Ich habe mit Herrn Addison und dem Maler Jervas auf Addisons Landsitz gespeist; dann kam ich nach Hause und habe an meinem Pasquill geschrieben. Ich habe, seit ich hier bin, einen Tatler geschrieben; raten Sie, welcher es ist, und ob der Bischof von Clogher ihn erkennt. Heute habe ich Herrn Sterne gesehn; er wird tun, was Sie ihm befehlen, und ich werde ihm Schokolade für Stellas Gesundheit geben. Er reist nicht vor drei Wochen. Ich wollte, ich könnte irgendwie anders schicken. Jetzt also zu eurem Brief, wackre Jungen! Ihre Art, Schillinge zu sparen, gefällt mir nicht; mich ärgert nur, dass Stella in der Kutsche nicht zum Feigling wird. Ich glaube nicht, dass irgendeiner Dame Rat inbetreff meines Ohrs zwei Groschen wert ist; ich will aber aus Nachgiebigkeit gegen Sie Dr. Cockburn fragen. Radcliffe kenne ich nicht, und Bernard sehe ich nie. Walls wird sicherlich unter dem Vorwand der Beraubung auf sieben Jahre noch filziger werden. Stella also macht wieder Wortspiele; nun, es ist ganz gut; aber ich will ihr nicht sekundieren, obwohl ich ein Dutzend machen könnte; seit ich Irland verlassen habe, habe ich noch kein Wortspiel gemacht. – Der Wechsel des Bischofs von Clogher? Ei, den hat er mir bezahlt. Meinen Sie, ich wäre Narr genug gewesen, ohne das zu reisen? Was die vier Schilling angeht, so werde ich Ihnen auf der andern Seite dieses Blatts eine Anweisung auf Parvisol geben; und bitte, reissen Sie die beiden Briefe, die ich an ihn und Joe schreiben werde, ab; oder Dingley mag sie kopieren und ihnen schicken; der an Parvisol allerdings, glaube ich, muss wohl in meiner Handschrift sein... Nein, nein, ich werde keine Trauben essen; ich habe neulich bei Sir John Holland etwa sechs gegessen; aber ich würde für tausend keinen halben Schilling bezahlen, sie sind so schlecht dieses Jahr. Ja, wahrhaftig, ich hoffe zu Gott, Presto und MD werden heut übers Jahr beisammen sein; was dann? Letztes Jahr, denke ich, war ich in Laracor, aber nächstes Jahr hoffe ich meine Michaelisgans bei meinen kleinen Gänsen zu essen. Ich trinke kein Biar (vermutlich meinen Sie Bier), sondern immer noch jeden Tag guten Wein zu fünf und sechs Schilling die Flasche. O Himmel, wie viel Stella schreibt! Bitte, treiben Sie das nicht zu weit, junge Frauen, sondern seien Sie mässig, damit Sie aushalten. Morgen gehe ich zu Herrn Harley. Harley war seit der Demission des Ministeriums Godolphin im August Kanzler des Schatzamtes; siehe auch Einleitung zum Appendix in Band I. Weshalb geringe Hoffnung auf den Herzog von Ormond? Er liebt mich sehr, glaube ich, und er würde mir, wenn ich an der Reihe bin, etwas geben, was mich der Sorgen enthebt; und ich habe viel Einfluss unter seinen besten Freunden. Aber ich denke an weiter nichts als an den Auftrag, mit dem ich hier bin; Sie sehen, ich hatte an Manley geschrieben, ehe ich noch Ihren Brief in Händen hielt, und ich fürchte, er wird hinausgesetzt. Ja, Frau Eule, Blighes Leichnam kam nach Chester, als ich dort war, und ich habe es Ihnen auch in meinem Brief gesagt, wenn ich es nicht vergass. Ich wohne in der Bury Street, wohin ich vor einer Woche umgezogen bin. Ich habe den ersten Stock; Speisezimmer und Schlafzimmer für acht Schilling die Woche; verteufelt teuer; aber fürs Essen gebe ich nichts aus; ich gehe nie in eine Schenke und fahre sehr selten mit einem Wagen; trotzdem wird es schliesslich kostspielig. Weshalb machen Sie sich Sorge um meine Vollmacht, Frau Stella? Ich habe die, die der Erzbischof mir gegeben hat; und sie ist jetzt noch genau so gut, da die Bischöfe fort sind. Der Dechant freundlich! Den Dechanten hole die Pest! Grosse Freundschaft, wahrhaftig, was Sie ihn zum Bischof von Clogher sagen hörten! Es wundert mich, dass er die Stirn hatte, so zu reden; aber er hat mir Geld geliehn, und das genügt. Meiner Treu, ich würde dies noch vier Tage lang nicht abschicken, wenn ich nicht an Joe und Parsivol schreiben müsste. Sagen Sie dem Dechanten, wenn die Bischöfe mir Pakete schicken, so sollen sie nicht an mich bei Herrn Steele schreiben, sondern an Herrn Steele selber in seinem Bureau im Cockpit; nur die Einlage soll an mich adressiert sein; dieses Versehn hat mich neulich achtzehn Pence gekostet. 30. Heute habe ich mit Stratford gegessen; Herrn Harley aber soll ich erst Mittwoch sehn. Es ist spät, und ich schicke dies ab, ehe ich den Nachtwächter brauche; denn ich möchte, dass Joe seinen Brief bekommt, und ebenso Parvisol: Sie müssen es so einrichten, dass es sie nicht doppeltes Porto kostet. Ich kann nichts mehr sagen, als dass ich bin usw. Brief V. London, den 30. Sept. 1710. Habe ich mir nicht einen bösen Handel zugezogen, als ich damit anfing, Briefe auf ganze Bögen zu schreiben? Und jetzt wage ich es nicht mehr, damit aufzuhören. Ich weiss nicht, ob Ihnen diese tagebuchartigen Briefe gefallen: ich glaube, es würde mich langweilen, sie durchzulesen; aber vielleicht macht es der kleinen MD Vergnügen, wenn sie weiss, wie Presto in ihrer Abwesenheit seine Zeit verbringt. Ich beginne den neuen Brief immer an demselben Tage, an dem ich den letzten geschlossen habe. Ich habe Ihnen schon gesagt, dass ich heute mit Stratford in einer Schenke gegessen habe. Lewis, Erasmus Lewis, einer der besten Freunde Swifts, Sekretär eines der neuen Staatssekretäre, nämlich des Grafen von Dartmouth. der bei Harley in hoher Gunst steht, sollte zu uns stossen; aber er wurde eiligst nach Hampton Court berufen und schickte seine Entschuldigung; er würde mich nächsten Mittwoch Harley vorstellen. Es ist ein köstlicher Anblick, wie jämmerlich all die Whigs zugeben, dass man mich schlecht behandelt hat; aber ich beachte sie nicht. Ich bin Harley bereits als ein unzufriedener Mensch dargestellt worden, den man schlecht behandelte, weil er nicht eifrig genug Whig war. Die Torys sagen mir ganz trocken, ich könne mein Glück machen, wenn ich wolle; aber ich verstehe sie nicht, oder besser, ich verstehe sie! Den 1. Oktober. Heute habe ich bei Molesworth, dem Gesandten in Florenz, gegessen; den Abend hindurch habe ich bei meinem Freund Darteneuf gesessen, von dem Sie mich haben reden hören; nächst mir ist er der grösste Wortspielmacher der Stadt. Haben Sie den Tatler erraten, den ich geschrieben habe? Er gefällt hier sehr, und ich denke, er ist echt. Morgen gehe ich mit Delaval, dem portugiesischen Gesandten, zu Tisch zu Lord Halifax in der Nähe von Hampton Court. Der Bruder Ihres Manley, ein hiesiger Parlamentarier, hat ein Amt bekommen. Und ich höre, er bietet allen Einfluss auf, um seinen Bruder zu retten; heute sprach ich mit dem älteren Frankland, damit er seinen Vater (den hiesigen Postmeister) bearbeitet; und ich hoffe, dass er davonkommt, obwohl er von allen Torys in Irland grausam gehasst wird. Mein Pasquill habe ich fast fertig. Und zur Rache an einer gewissen grossen Persönlichkeit will ich es drucken. An Essen und Trinken habe ich, seit ich hier bin, erst drei Schilling ausgegeben, so wenig Leute auch in der Stadt sind. Ich muss lachen, wenn ich mich so in diese Umwälzungen verwickelt sehe. Nun, ich muss aufhören und an Sir John Stanley schreiben, um ihn zu bitten, dass er Lady Hyde als meine Gebieterin dazu bringt, Lord Hyde zugunsten des Herrn Pratt zu engagieren. 2. Lord Halifax war in seiner Wohnung in Hampton Court, und ich habe dort bei ihm mit Methuen, Sir Paul Methuen, Gesandter in Lissabon. Delaval und dem früheren Generalstaatsanwalt gegessen. Vor Tisch ging ich in den Salon (die Königin war in Hampton Court), wo ich niemanden zu treffen erwartete; aber ich habe eine Menge Bekannte gesehn. Ich ging in die Gärten, sah mir Raffaels Cartons an und andres mehr, und kam nur mit Mühe von Lord Halifax los; er wollte mich bis morgen dabehalten, um mir sein Haus, seinen Park und seine Verbesserungen zu zeigen. Wir verliessen Hampton Court mit Sonnenuntergang und kamen in einem Zweispänner bei Sternenlicht früh genug hier an. Das bezaubert mich gewaltig an London: man kann im Oktober zwölf Meilen weit fahren, um zu essen; man bleibt den ganzen Tag hindurch, und ist so schnell wieder zu Hause; in Dublin geht das nicht. An Ihre Mutter habe ich einen zweiten Pennypostbrief geschrieben, höre aber nichts von ihr. Habe ich Ihnen gesagt, dass Lord Berkeley letzten Sonntag vor einer Woche in Berkeley Castle an der Wassersucht gestorben ist? Lord Halifax begann heute eine Rede auf mein Wohl: sie handelte von der Auferstehung der Whigs; ich lehnte sie ab, wenn er nicht auch ihre Reformation hinzufügen wollte; ich sagte ihm, er sei der einzige Whig in England, den ich liebe oder von dem ich eine gute Meinung habe. 3. Heute morgen kam Stellas Schwester mit einem Brief von ihrer Mutter, die in Sheen ist, zu mir; sie wird bald in die Stadt kommen und will mich dann besuchen. Sie gab mir eine Flasche Lähmungswasser, eine kleine, und bat mich, sie mit erster Gelegenheit zu schicken, was ich tun will; sie versprach mir auch noch eine Viertelflasche des gleichen. Ihre Schwester sah sehr gut aus und scheint ein gutes, bescheidenes Mädchen zu sein. Ich ging dann zu Herrn Lewis, dem ersten Sekretär des Lord Dartmouth und dem Günstling des Herrn Harley, dem er mich morgen früh vorstellen soll. Lewis hatte einen Herrn Dyet bei sich, einen Friedensrichter, der zwanzigtausend Pfund gilt, einen Kommissionär des Stempelamts, vermählt mit einer Schwester des Sir Philip Meadows, des Gesandten beim Kaiser. Ich sage Ihnen das, weil ich wetten will, dass dieser Herr Dyet gehängt wird; Er wurde freigesprochen, weil die Anklage auf ein Kapitalverbrechen lautete, während das Gericht annahm, es handle sich nur um einen Vertrauensbruch: eine Änderung der Anklage während des Verfahrens war nicht zulässig. man hat entdeckt, dass er Stempelpapier, für das er Kommissionär war, gefälscht hat; so hat er mit seinen Genossen die Königin um hunderttausend Pfund betrogen. Sie werden davon hören, bevor dieser Brief Sie erreicht, aber vielleicht nicht mit so viel Einzelheiten; und es ist sehr merkwürdig bei einem solchen Mann. Beachten Sie, dass Presto MD Neuigkeiten schreibt. Ich habe heute bei Lord Mountjoy in Kensington gespeist; von dort bin ich heute Abend einem Kaiser gleich zu Fuss in die Stadt zurückgekehrt. Merken Sie sich, dass gestern, am 2. Oktober, grausam scharfer Frost herrschte; es gab Eis; und vor sechs Tagen kam ich vor Hitze um. So wenig Leute auch in der Stadt sind, so habe ich doch mehr Einladungen als je; und diesen Monat bin ich von manchen Leuten gebeten, zu denen ich nicht gehn kann, weil ich vorher versprochen war. Nun, ich sollte deutlicher schreiben und bedenken, dass Stella nicht lesen kann, und Dingley ist mit meiner scheusslichen Handschrift nicht so vertraut. Ich erhielt heute Abend einen Brief von Herrn Pratt, der mir schreibt, Joe werde sein Geld erhalten, sowie der Lord Statthalter die Vertrauensmänner ernennt, die den Leinenfonds zu verwalten und über ihn zu verfügen haben; und sobald diese Vertrauensmänner ernannt worden sind, werde ich bei dem Lord Statthalter, wer es auch sei, vorstellig werden, und ich habe keine Angst um den Erfolg. Bitte also, sagen oder schreiben Sie ihm ein Wort; er soll nicht niedergeschlagen sein, denn Ned Southwell und Herr Addison finden beide, dass Pratt im Recht ist. Verlieren Sie heute Abend bei Manley nicht Ihr Geld, Burschen! 4. Als ich gestern Nacht meine Kerze schon ausgeblasen hatte, kam meine Wirtin mit einem Diener des Lord Halifax in mein Zimmer, um mich bitten zu lassen, ich möchte heute mit ihm in seinem Hause bei Hampton Court speisen; ich liess ihm sagen, ich hätte Geschäfte von grösster Wichtigkeit, die mich abhielten, usw. Und heute wurde ich heimlich zu Herrn Harley gebracht, der mich mit der grössten Achtung und Freundlichkeit empfing, die sich nur denken lassen. Er hat mich auf Samstag Nachmittag um vier bestellt; da will ich ihm mein Anliegen eröffnen; wenn ich eine Frau wäre, würde ich diesen Ausdruck nicht gebrauchen. Ich wusste, dass Sie es erraten würden; ich habe es nicht getan, bis ich es schrieb. Ich habe heute bei Herrn Delà val gegessen, dem portugiesischen Gesandten, und zwar mit Nic. Rowe, dem Dichter, und andern Freunden. Und ich habe mein Pasquill in Druck gegeben. Ich habe noch mehr Bosheiten auf dem Herzen; und ich denke, wenn diese sitzt und ich das Material finden kann, so werde ich mit ihnen allen die Runde machen. Ich bin sicher, dass ich Ihren zweiten Brief beantwortet habe; und doch finde ich ihn nicht hier. Ich glaube, es war in meinem vierten; und weshalb ›zweite Nummer‹, ›dritte Nummer‹? Genügt es nicht, wie ich zu schreiben: 1, 2, 3 usw.? Ich will einen neuen Tatler beginnen. Es wird schnell genug gehn, aber ich sage immer dasselbe zwei- oder dreimal, genau wie ich es tue, wenn ich mit der kleinen MD plaudere; doch was frage ich danach? Sie können es ebenso leicht lesen, wie ich es schreibe: ich denke, ich habe diese Zeilen wieder ziemlich ins gerade Geleis gebracht. Ich fürchte, es wird lange dauern, ehe ich bei diesem Tempo zwei Seiten voll habe. Bitte, liebe MD, wenn ich Ihnen gelegentlich mitten in meinem Brief einen kleinen Auftrag gebe, so vergessen Sie ihn nicht; wie den an Morgan und Joe usw.; denn ich schreibe, wie es mir einfällt, sonst würde ich sie alle untereinander reihen. Ich habe heute Herrn Sterne besucht und ihm Ihren Auftrag wegen der Taschentücher gegeben; den inbetreff der Schokolade will ich selbst erledigen; ich werde sie ihm schicken, wenn er reist; und Sie werden sie mir bezahlen, wenn ›des Gebers Brot‹ usw. Heute Abend will ich zu meinem Vergnügen eine Broschüre lesen. Gott erhalte Ihnen die teure Gesundheit! 5. Heute Morgen hat Delaval mich besucht, und wir gingen zu Kneller, Maler. Im folgenden zwei Namen der whiggistischen Kandidaten. der nicht in der Stadt war. Unterwegs trafen wir auf die Wähler fürs Parlament; der Pöbel umringte den Wagen und schrie: »Nieder mit Colt und Stanhope!« usw. Wir fürchteten uns vor einer toten Katze oder vor zerbrochenen Scheiben, und daher waren wir stets auf ihrer Seite. Ich habe wieder bei Delaval gegessen; und abends hörte ich im Kaffeehaus, Sir Andrew Fountaine Freund Swifts, Beamter des Hofs in Dublin. sei in die Stadt gekommen. Es war ein fader Tag, und ich habe nichts dazu zu bemerken, was einen Groschen wert wäre. Ich hoffe, MD hat bei dem Dechanten, dem Bischof oder Frau Walls einen bessern verlebt. Ei, der Grund, weshalb Sie vorgestern Abend bei Manley vier Schilling acht Pence verloren haben, ist der, dass Sie schlechte Spiele spielten; ich habe sechs bemerkt, in denen es zehn gegen eins wider Sie stand. Kann irgend jemand ausser einer irren Dame mit nichts als Manilio, Basto und zwei kleinen Carreaus zweimal spielen? Und dann machten Sie in jenem Piquespiel einen Fehler, als Sie die beste und drittbeste Karte hatten. Jemand wie Sie ist mir noch nicht vorgekommen; und jetzt sind Sie trotzig, weil ich es Ihnen sage. Nun, hier haben Sie zwei Schilling und achteinhalb Pence für Ihren Verlust. 6. Sir Andrew Fountaine kam heute Morgen und fand mich schreibend im Bett. Ich bin mit ihm in die Stadt gegangen, und wir haben mit Will Pate, dem gelehrten Wollhändler, im Speisehaus gegessen; dann sind wir in Porzellanläden und bei Buchhändlern herumgeschlendert, in die Schenke gegangen, wo wir zwei Liter Weisswein tranken, und nicht vor zehn aufgebrochen. Und jetzt bin ich zu Hause und muss ein paar Papiere abschreiben, die für Herrn Harley bestimmt sind; denn wie ich Ihnen schon sagte, soll ich ihn morgen Nachmittag sprechen; daher werde ich heute Abend MD wenig sagen, ausser dass ich von Herzen wünschte, bei ihnen zu sein, und dass ich kommen werde, sowie ich in meinem Auftrag entweder gescheitert bin oder ihn durchgesetzt habe. Wir hören jetzt täglich von den Wahlen; und in einer Liste von etwa zwanzig Resultaten, die ich gestern sah, standen sieben oder acht Torys mehr als im letzten Parlament; so dass ich glaube, mit Hilfe derer, die stimmen, wie der Hof es wünscht, braucht man sich um eine Majorität keine Sorge zu machen. Aber ich habe gehört, Herr Harley selber möchte die Torys nicht zu zahlreich werden lassen; er fürchtet, sie möchten unverschämt werden und wider ihn ausschlagen; aus diesem Grunde haben sie mehrere Whigs in den Ämtern gelassen, die jeden Tag hinausgesetzt zu werden erwarteten; wie zum Beispiel Sir John Holland und viele andre. Und also fort an Ihre Karten, Ihren Rotwein und Ihre Orangen, zum Dechanten; ich aber will jetzt schreiben. 7. Ich möchte wissen, wann dieser Brief beendet wird; Dienstag muss er abgehn, das ist sicher; und wenn ich vorher von MD keinen mehr erhalte, so werde ich ihn nicht beantworten, das ist ebenso gewiss! Es ist jetzt Morgen, und ich bin gestern Abend mit meinen Papieren für Herrn Harley nicht fertig geworden; denn Sie müssen wissen, Presto war schläfrig und machte Fehler und Kleckse. Hübsch, dass ich morgens frisch und mit nüchternem Magen an junge Frauen schreiben muss, wahrhaftig! Nun also, guten Morgen, und jetzt muss ich an die Geschäfte und dieses Blatt bis heute abend beiseite legen, Burschen. – Abends. Jack How Generalzahlmeister des Heeres unter der neuen Regierung. hat zu Harley gesagt, wenn es in der Hölle Orte gäbe, die niedriger lägen als andre, so seien die für seinen Pförtner bestimmt, der mit so ernster Miene und in so höflicher Weise Lügen sage. Mit diesem Pförtner habe ich heute zu tun gehabt, als ich auf Herrn Harleys eigenen Wunsch um vier Uhr nachmittags hinging, um ihm einen Besuch zu machen. Der Bursche hat mir aber doch nichts vorgelogen, obwohl ich jedes Wort beargwöhnte, das er sagte. Er erzählte mir, sein Herr sei eben in grosser Gesellschaft zu Tisch gegangen und habe gebeten, ich möchte in einer Stunde wiederkommen; ich tat es und erwartete zu hören, dass Herr Harley ausgegangen wäre; aber sie hatten gerade gegessen. Herr Harley kam zu mir heraus, führte mich hinein und stellte mich seinem Schwiegersohn, Lord Doblane (oder so ähnlich), seinem eignen Sohn und unter andern auch Will Penn, dem Quaker, vor: wir blieben zwei Stunden miteinander sitzen und tranken ebenso guten Wein wie Sie; und weitere zwei Stunden sassen er und ich allein beieinander. Da hörte er denn zu, wie ich ihm meinen Auftrag auseinandersetzte; er ging in aller Freundlichkeit darauf ein, fragte nach meiner Vollmacht und las sie durch; und er las auch eine Denkschrift, die ich verfasst hatte, und steckte sie in die Tasche, um sie der Königin zu zeigen; er sagte mir, welche Massnahmen er zu treffen gedächte, und kurz, er sagte mir alles, was ich nur wünschen konnte. Er versicherte, er müsste Herrn St. John (den Staatssekretär) und mich miteinander bekannt machen, und er sprach mit so viel persönlicher Liebenswürdigkeit und Achtung vor mir, dass ich halb geneigt bin, zu glauben, was mir einige Freunde gesagt haben, dass er nämlich alles tun würde, um mich zu gewinnen. Er hat mich gebeten, Dienstag bei mir zu speisen (was für ein komischer Schnitzer war das!); ich meine, er hat mich gebeten, Dienstag bei ihm zu speisen; und nachdem ich vier Stunden bei ihm gewesen war, setzte er mich in einer Droschke vor St. James's Kaffeehaus ab. All das ist wunderlich und komisch, wenn Sie ihn und mich bedenken. Er kannte meinen Vornamen ganz genau. Ich konnte mich nicht enthalten, so viel über dieses Thema zu sagen, obgleich es Ihnen als sehr langweilig erscheinen wird. Aber ich will Ihnen etwas sagen: Sie müssen wissen, dass es mein Verhängnis ist, am gleichen Tage ein Fürst und ein Lump zu sein. Denn da ich ihn um vier besuchen sollte, so konnte ich bei keinem Freund eine Einladung zum Essen annehmen; deshalb ging ich zu Tooke, um ihm eine Ballade zu bringen und bei ihm zu speisen; aber er war nicht zu Hause. So war ich denn gezwungen, in eine Winkelgarküche zu gehen und für zehn Pence mit Kräuterbier, schlechter Brühe und drei Hammelkoteletten vorlieb zu nehmen; und von dort musste ich dunstend zum ersten Staatsminister. Und jetzt will ich Steele, der letzthin sehr niedergeschlagen war, aus Barmherzigkeit einen Tatler schicken. Ich glaube, ich bin höflicher geworden als früher und sage nicht mehr ›ihr in Irland‹ und ›wir in England‹, wie ich es zu Ihrer grossen Entrüstung tat, als ich früher hier war. – Man mag reden von dem ›Sie wissen, was‹ ; Gemeint vermutlich das ›Märchen von einer Tonne‹. aber wäre es nicht darum, bei Gott, ich wäre nie imstande gewesen, überall Zutritt zu erlangen, wie ich ihn habe; und wenn mir das zum Erfolg verhilft, so wird eben das auch noch der Kirche nützen. Wie weit man sich freilich auf neue Freunde verlassen darf, das habe ich durch lange Erfahrung gelernt; obwohl sie unter grossen Ministern, denke ich, ebensoviel wert sind wie alte. So, scheint mir, hat dieser wichtige Tag in diese Seite des Blatts ein grosses Loch gerissen; und die Lappereien von morgen und Montag werden den Rest ausfüllen, und ausserdem werde ich Harley Dienstag wiedersehn' ehe dieser Brief abgeht. 8. Ich muss Ihnen ein sehr feines Kompliment Harleys erzählen. Er bat mich, oft zu ihm zu kommen; ich erwiderte, ich möchte ihn nicht stören, da er soviel zu tun habe; deshalb bat ich ihn, mir zu erlauben, dass ich zu seinem Lever käme; was er auf der Stelle ablehnte, indem er sagte, das sei nicht der Augenblick, in dem Freunde kämen. Es ist Morgen, und ich habe eine törichte Angewöhnung: ich muss MD ein paar Worte sagen, wenn ich aufwache, und ihnen guten Morgen wünschen; und heute ist kein Rasiertag, Sonntag; so habe ich Zeit genug. Aber schert euch fort, ihr Halunken, ich muss schreiben; ja, es würde mich bis aufs Blut ärgern, wenn einer dieser langen Briefe verloren ginge; wenn es so kommt, dann schrumpfe ich wieder auf halbe Blätter zusammen; aber was wollen dann Sie beginnen, um das Tagebuch wieder zu vervollständigen? Dann sind zehn Tage von Prestos Leben verloren, und gewiss und wahrhaftig, das wäre traurig! – Abends. Ich war heute um ein Diner verlegen, wenn ich nicht einen weiten Weg machen wollte; deshalb habe ich als Schmarotzer mit ein paar Freunden gegessen, die hier in der Nähe speisen; und heute Abend wollte Sir Andrew Fountaine durchaus, dass ich mit ihm in eine Schenke ginge, wo wir zu dritt für zwei Flaschen Wein, portugiesischen und Florentiner, sechzehn Schilling bezahlten. Aber wenn er mich wieder so fasst, dann will ich ebensoviel Pfund ausgeben! Und deshalb habe ich die Ausgabe unter meine ausserordentlichen geschrieben; wir hatten eine Hammelschulter à la Maintenon, die der Hund nicht essen konnte. Und jetzt ist es zwölf Uhr, und ich muss schlafen gehn. Ich hoffe, dieser Brief wird abgehn, ehe ich MD's dritten habe. Glauben Sie mir? Und doch, bei Gott, sehne ich mich auch nach MD's drittem; aber ich möchte auch sagen können, dass ich für zwei fünf geschrieben habe. Ich liebe St. James's Kaffeehaus keineswegs mehr so sehr wie früher. Ich hoffe, es wird sich im Winter bessern; aber jetzt sind sie alle der Wahlen wegen nicht in der Stadt oder noch nicht von ihren Landsitzen zurück. Gestern ging ich mit Dr. Garth zum Essen zu Charles Main in der Nähe des Tower; er hat dort ein Amt; er ist aus Irland, und der Bischof von Clogher kennt ihn gut; ein ehrlicher, gutmütiger Bursche, ein offener, herzlicher Lacher, der bei den geistreichen Leuten riesig behebt ist; seine Frau steht nicht über einer Köchin. Und so gute Nacht usw. Ich habe heute bei Sir John Stanley gegessen; Lady Stanley ist eine meiner Günstlinge; ich habe hier ebenso viel wie der Bischof von Killala in Irland. Ich denke darüber nach, was für ein schäbiger Unterhalter ich für MD sein werde, wenn ich zurückkomme: alles wissen Sie schon von mir: Ich will Ihnen nichts mehr sagen, sonst bleibt mir gar nichts mehr zu berichten, keine Geschichte und überhaupt nichts zu erzählen. Mir war gestern Nacht sehr übel von hässlichem, schmutzigem, scheusslichem Wein, der mir im Magen sauer wurde. Musste ich auch in die Schenke gehn! Oh, aber das habe ich Ihnen schon erzählt. Morgen esse ich bei Harley; dann will ich, wenn ich wiederkomme, diesen Brief beendigen; aber jetzt kann ich wegen des Erzbischofs nicht mehr schreiben; bei Gott, es ist wahr, denn ich will ihm jetzt schreiben, was ich in der Sache mit Harley getan habe. Und wahrhaftig, junge Frauen, ich will Ihnen etwas sagen, worauf Sie sich verlassen können, dass ich nämlich niemals ein Wort auf die dritte Seite dieser langen Briefe schreiben werde. 10. Der armen MD Brief lag so unter Papieren versteckt, dass ich ihn nicht finden konnte; ich meine des armen Presto Brief. Nun, ich habe heute bei Herrn Harley gegessen und hoffe, es wird sich einiges tun lassen; aber ich darf nichts weiter sagen; und dieser Brief muss zur Post geschickt werden, aber nicht durch den Nachtwächter. Nächsten Sonntag soll ich wieder bei ihm essen; ich hoffe auf einen guten Ausgang. Und jetzt muss ich also, sobald ich nur kann, im Bett meinen sechsten an MD beginnen, genau so ernst, als hätte ich den ganzen Monat lang kein Wort geschrieben; eine schöne Geschichte, wahrhaftig! Mich dünkt, ich schreibe nicht, wie ich sollte, weil ich nicht im Bett liege; sehn Sie die hässlichen, weiten Zeilen? Der Allmächtige segne Sie ewig usw. Wahrhaftig, dies ist eine ganze Abhandlung. Ich will die Zeilen auf den andern Seiten zählen. Ich habe sie gezählt. Brief VI. London, den 10. Oktober 1710. Wie ich Ihnen also eben in dem Brief, den ich vor einer halben Stunde abgeschickt habe, sagte, habe ich heute bei Herrn Harley gegessen, der mich dem Generalstaatsanwalt, Sir Simon Harcourt, unter viel Komplimenten auf allen Seiten vorstellte. Harley sagte mir, er hätte der Königin meine Denkschrift gezeigt und sie sehr kräftig unterstützt; er wünscht, dass ich Sonntag wieder bei ihm speise; er will es dann mit der Königin erledigen, bevor sie einen Statthalter ernennt; und ich kann versichern, ich hoffe, es wird dann bis auf die Förmlichkeiten alles getan sein, denn er liebt die Kirche; dies ist eine populäre Sache, und er möchte nicht, dass ein Statthalter das Verdienst mit ihm teilt; ausserdem höre ich von allen Seiten, dass er mich gern gewinnen möchte. Aber in dem Brief, den ich mit der letzten Post an den Erzbischof schrieb (gestern), habe ich noch keine Silbe von dem gesagt, was Harley gestern Abend mit mir besprochen hat, denn er bat mich, es geheim zu halten; deshalb würde ich es auch Ihnen nicht sagen, wenn ich nicht hoffte, dass es mit der Heimlichkeit vorbei sein wird, ehe dieser Brief angeht. Ich schreibe jetzt meine poetische Schilderung eines Schauers in London, die ich dem Tatler schicken will. Dies ist der letzte Bogen eines ganzen Buchs, das ich verschrieben habe, seit ich in der Stadt bin. Bitte, da es mir gerade einfällt, wollen Sie, wenn Sie zu Frau Walls gehn, in Erfahrung bringen, ob Frau Wesley in der Stadt ist, ob sie noch bei ihrem Bruder wohnt, wie es mit ihrem Befinden geht und ob sie noch in der Stadt bleibt? Ich habe ihr von Chester aus geschrieben, um zu fragen, was ich mit ihrem Schein machen sollte; ich glaube, die arme Frau fürchtete sich, an mich zu schreiben; jetzt muss ich an meine Geschäfte. 11. Heute endlich habe ich bei Lord Montrath gegessen und Lord Mountjoy und Sir Andrew Fountaine mitgenommen; ich habe ihnen wie ein Narr beim Ombre bis elf Uhr heut Abend zugesehn; sie spielten um halbe Kronen, und Sir Andrew Fountaine hat Herrn Coote acht Guineen abgewonnen; daher bin ich spät nach Hause gekommen und will MD heute Nacht nur wenig sagen. Ich habe mir einen halben Scheffel Kohlen gekauft, und Patrick, der verschwenderische Maulaffe, hatte ein Feuer für mich bereit; ich habe aber die Kohlen herausgelesen, ehe ich zu Bett ging. Es ist ein Zeichen, dass London jetzt leer ist, wenn es mir für nicht mehr als fünf oder sechs Zeilen täglich Stoff liefert. Haben Sie in meinem letzten gemerkt, dass ich Ihnen Tag und Ort nannte, als Sie Ombre spielten? Aber ich habe ein wenig eingerückt und geändert, als ich einen Brief von Herrn Manley erhielt, der mir sagte, dass Sie in seinem Hause beim Spiel sässen, während er mir schriebe; doch bis auf einen Tag hatte ich es auch ohne seine Hilfe erraten. Ihre Stadt ist jedenfalls weit geselliger als unsre. Ihre Mutter habe ich noch nicht gesehn, usw. 12. Ich habe heute mit Dr. Garth und Herrn Addison gegessen, und zwar in der Teufelsschenke bei Temple Bar, und Garth bewirtete. Es ist gut, dass ich jeden Tag diniere, sonst würde es länger dauern, bis ich meine Briefe füllte, denn wir sind noch immer in langweiliger Lage und fragen nur jeden Tag nach den neuen Wahlen, in denen die Torys unter den neuen Mitgliedern von sieben sechs gewinnen. Herrn Addisons Wahl ist leicht und unbestritten durchgegangen; und ich glaube, wenn er Lust hätte, sich zum König wählen zu lassen, so würde man es ihm kaum abschlagen. In Colchester ist ein wunderlicher Zwischenfall eingetreten; ein Hauptmann Lavallin, der aus Flandern oder Spanien kam, fand seine Frau schwanger durch einen Sekretär des Kollegiums der Rechtsgelehrten, dessen Aufgabe es ist, wie Sie wissen, Hurerei zu verhüten; und dieser Sekretär war ebenderselbe Bursche, der entdeckt hat, dass Dyet das Stempelpapier fälschte. Lavallin jagt dem Sekretär seit vierzehn Tagen nach, um ihn zu töten; aber der Bursche war beständig im Schatzamt mit der Entdeckung beschäftigt, die er gemacht hatte; der Frau war es gelungen, die Geschichte zu vertuschen, indem sie behauptete, der Sekretär habe ihr gesagt, ihr Gatte sei tot, nebst andern Entschuldigungen; aber neulich hat jemand Lavallin gesagt, seine Frau habe schon vor seiner Heirat mit ihm Händel gehabt; er geht wütend hin, schiesst seine Frau durch den Kopf und wirft sich in sein Schwert; und um ganz sicher zu gehn, feuert er sich auch noch in den eignen Kopf eine Pistole ab, so dass er auf der Stelle tot war und seine Frau ihn um Stunden überlebte, in welcher Geistes- und Körperverfassung freilich, das ist furchtbar auszudenken. Ich habe mein Gedicht auf den Regenschauer bis auf den Anfang beendet, und ich fahre in meinem Tatler fort. Man hat mir etwa fünfzig Schriften zugeschrieben, seit ich hier bin; ich habe nur drei gedruckt. Einen Vorteil habe ich dadurch, dass ich Ihnen täglich schreibe, oder vielmehr, Sie haben ihn, den nämlich, dass ich mich in acht nehme, dasselbe zweimal zu schreiben; und doch fürchte ich, ich habe es schon oft getan; aber ich will daran denken und mich auf die Ereignisse des Tages beschränken. Und jetzt scheren Sie sich ans Ombre, und sein Sie brave Mädchen und sparen Sie Ihr Geld, und werden Sie reich, bis Presto kommt, und schreiben Sie mir hin und wieder; ich denke mir, es wäre hübsch, wenn ich bisweilen von der ungezogenen MD hörte; aber ruinieren Sie sich die Augen nicht, Stella, ich bitte Sie. 13. O Himmel, da habe ich erst eine Kleinigkeit von meinem Brief geschrieben; was für ein Geplapper soll Presto vollführen, um MD zu unterhalten? Jetzt frischt das Gerede vom Herzog von Ormond für Irland auf; Herr Addison freilich sagt, es soll ein Ausschuss ernannt werden, und Lord Galway soll hinein. Diese meine Briefe sind eine Art Tagebuch, in dem sich die Dinge langsam eröffnen; und je nachdem ich wahr oder falsch rede, werden Sie am Ausgang erkennen können, ob ich gut unterrichtet bin; aber ich mache mir nicht für einen Groschen daraus, ob ich es bin oder nicht. – Abends. Heute war ich überall in der Paulskirche, bis in den Turm hinauf, wie ein Narr, und zwar mit Sir Andrew Fountaine und noch zwei andern; und wie ein Gelbschnabel habe ich sieben Schilling für mein Mittagessen ausgegeben; dies ist das zweitemal, dass er mich so hineingelegt hat; aber ich werde es nie wieder tun, und wenn auch die ganze Welt mich überredete, die rücksichtslosen Gelbschnäbel! Hier ist ein junger Bursche in der Stadt, den wir alle gern haben und der vor einem oder zwei Jahren von der Universität kam, ein gewisser Harrison, Dieser junge William Harrison, den Swift begönnerte, suchte später den Tatler fortzusetzen. ein hübscher kleiner Bursche mit viel Witz, Verstand und Gutmütigkeit; er hat ein paar wunderhübsche Sachen geschrieben; in der 6. Nummer der Miszellaneen steht etwas von ihm über einen Orangenspross. Er hat keinerlei Mittel, von denen er leben könnte, ausser, dass er für 40 Pfund im Jahr Hauslehrer eines der Söhne des Herzogs von Queensberry ist. All die feinen Burschen laden ihn immer in die Schenke ein, und seinen Klub muss er bezahlen. Henley ist ein grosser Freund von ihm; sie machen in der Schenke oft eine Zeche von sechs oder sieben Schilling, und immer muss der arme Junge seinen vollen Anteil bezahlen. Ein Oberst und ein Lord waren heute abend in derselben Weise über ihm und über mir her; ich lehnte einfach ab, hielt Harrison ein wenig zurück und überredete ihn, nicht mit ihnen zu gehn. Ich sage Ihnen dies, weil ich finde, dass alle reichen Burschen diese Laune haben, die Leute ohne jede Rücksicht auf ihr Vermögen zu behandeln; aber erst will ich sie verfaulen sehn, ehe es ihnen mit mir gelingen soll. Lord Halifax quält mich immer noch, ich soll ihn in seinem Landhause besuchen; das kostet mich eine Guinee Trinkgelder für seine Diener und zwölf Schilling Wagenlohn; und erst soll er sich hängen lassen. Ist dies nicht eine verwünschte, alberne Geschichte? Aber ich ärgere mich von Herzensgrund; denn ich liebe den jungen Burschen, und ich bin entschlossen, die Leute aufzustacheln, dass sie etwas für ihn tun. Er ist ein Whig, und ich werde ihn einigen meiner ausrangierten Whigs aufhängen; denn ich bin mit ihnen fertig; und sie sind, so hoffe ich, für unsre Zeit mit diesem Königreich fertig. Vor allen andern Orten waren sie der vier Londoner Wahlkreise sicher, und von den vier haben sie drei verloren. Sir Richard Onslow, so hören wir, ist in Surrey geschlagen worden; und an den meisten Orten werden sie überwunden. Sehn Sie, meine Damen, wenn ich lange Briefe schreibe, so muss ich Ihnen Neuigkeiten und Unsinn schreiben, wenn ich Ihnen nicht meine Verse schicke; und manche wage ich nicht zu schicken; die über den Regenschauer in London habe ich an den Tatler geschickt, und Sie können sie in Irland lesen. Ich denke mir, Sie werden mich in dem Tatler, den ich schreiben will, riechen; denn ich glaube, ich habe Ihnen einen Wink gegeben. Heute abend erhielt ich einen Brief von Sir Matthew Dudley; ich fand ihn auf dem Tisch, als ich nach Hause kam. Da er ganz ausserordentlich ist, so will ich ihn von Anfang bis zu Ende abschreiben. Er lautet wie folgt. Fehlt in allen Ausgaben. Ich hätte auf jede einzelne Stelle darin geantwortet, aber es fehlte mir an Zeit. Dies ist, wie es ist, genug für heute abend usw. 14. Ist das Tabak am obern Rand des Blattes, oder was? Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich gesabbert hätte. Himmel, ich habe gestern nacht so wirr von Stella geträumt, und wir sahen den Dechanten Bolton Der frühere Amtsbruder Swifts als Kaplan bei Berkeleys: jetzt Dechant von Derry. und Sterne in einen Laden gehn; sie befahl mir, sie zu ihr zu rufen, und da erwiesen sie sich als zwei Pastoren, die ich nicht kannte; ich ging draussen umher, bis sie weiterging, und solchen Unsinn, verbunden mit viel Melancholie und Unbehagen; und jetzt ist es ein hässlicher, düsterer Morgen. – Abends. Herr Addison und ich haben mit Ned Southwell gegessen und sind dann im Park spazieren gegangen; im Kaffeehaus fand ich einen Brief vom Bischof von Clogher und ein Paket von MD. Den Brief des Bischofs öffnete ich; MD's aber sparte ich mir auf und besuchte eine Dame, die eben in die Stadt gekommen ist; und jetzt bin ich ins Bett gestiegen und will Ihren kleinen Brief öffnen; Gott gebe, dass ich MD wohlauf und glücklich und lustig finde, und dass sie Presto lieben wie den Kamin. Oh, ich will ihn noch nicht aufmachen; doch, ich will. Nein, ich wills nicht! Ich tus; ich kann nicht warten, bis ich dieses Blatt wende; was soll ich tun? Mir jucken die Finger; und jetzt habe ich ihn in der linken Hand, und nun will ich ihn im Augenblick öffnen. – Ich habe ihn schon gefasst und ich breche das Siegel, und ich kann mir nicht denken, was darin ist; ich werde niemandes Einfluss benutzen ausser meinem eignen. Nun, ich will durchschaun – Bah, er ist von Sir Andrew Fountaine: Was? Noch einer? Der wird von Frau Barton sein; sie sagte mir, sie wollte mir schreiben; aber sie schreibt eine bessere Hand: ich wollte, Sie erkundigten sich; er muss in Dawsons Bureau im Schloss liegen. Ich fürchte, nach dem Gekritzel wird dies von Patty Rolt sein. Nun, ich will MD's Brief lesen. Ach nein, er ist von der armen Lady Berkeley, um mich für diesen Winter nach Berkeley Castle einzuladen; und jetzt tut es mir im Herzen weh: sie schreibt, sie hoffe, My Lord sei auf dem Wege der Besserung: die arme Frau! Also, jetzt zu MD's Brief! Wahrhaftig, es ist alles in Ordnung. Ihr Brief Nummer 3, den ich eben erhalten habe, ist vom 26. September datiert; und Manleys Brief, den ich vor fünf Tagen schon hatte, war vom 3. Oktober datiert; das ist ein Unterschied von vierzehn Tagen; ich denke mir, er hat in Steeles Bureau gelegen, und er hat ihn vergessen. Nun, das ist zu Ende; er hat seine Stellung verloren; und Sie müssen alle, die mir Briefpakete schicken, bitten, sie in einen Bogen mit der Adresse des Herrn Addison in St. James's Kaffeehaus einzuschlagen: keine gewöhnlichen Briefe, sondern Pakete: der Bischof von Clogher möge das dem Erzbischof gegenüber erwähnen, wenn er ihn sieht. Ihr Brief macht mich wahnsinnig; Himmelschock! Ich bin der beste Junge in der ganzen Christenheit gewesen, und Sie kommen mir mit Ihren zwei Eiern fürn Groschen! Ei, ich glaube gar, es lag ein Abgrund zwischen meiner Nummer 2 und 3! Wahrhaftig, ich werde Ihnen nicht versprechen, jede Woche zu schreiben; aber ich will jeden Abend schreiben, und wenn der Brief voll ist, will ich ihn schicken; das wird einmal alle zehn Tage sein, und das genügt; und wenn Sie sich angewöhnen, an Presto zu schreiben, weil es nun eben Dienstag oder Montag ist, bei Gott, da wird es zu einer Aufgabe; schreiben Sie, wann Sie Lust haben. Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein – ach Gott, ach Gott, ach Gott, ach Gott, ach Gott, ach Gott; nein, arme Stellachen. Bimbam, ich wollte, der Gaul sässe in ihrem – Schlafzimmer. Habe ich Parvisol nicht befohlen, Ihren Anweisungen über ihn zu gehorchen? Und habe ich nicht in meinen früheren Briefen gesagt, Sie könnten ihn pökeln oder einkochen, wenn Sie wollen? Wozu belästigen Sie mich mit Ihren Pferden? Gehn die mich im geringsten etwas an? – Umwälzungen für mich in meinen Geschäften ein Hindernis? Umwälzungen – für mich – in meinen Geschäften? Wenn die Umwälzungen nicht wären, so könnte ich garnichts ausrichten; und jetzt habe ich alle möglichen Hoffnungen, obgleich man nichts gewiss weiss; aber morgen soll ich eine Antwort haben, und mir ist eine gültige Antwort versprochen. Ich glaube, ich habe in diesem und einem früheren Brief genug darüber gesagt, wie ich mit den neuen Leuten stehe; zehnmal besser als ich je mit den alten stand; vierzigmal mehr umschmeichelt. Morgen soll ich bei Herrn Harley essen; und wenn er fortfährt, wie er begonnen hat, so ist nie ein Mensch von einem andern besser behandelt worden. Was Sie von Stellas Mutter sagen, darüber habe ich mich schon zur Genüge geäussert. Ich glaube, sie ist nicht in der Stadt; denn ich habe sie noch nicht gesehn. Mein Pasquill wird bis in den Himmel hinein gelobt; aber ausser Sir Andrew Fountaine hat niemand mich in Verdacht! wenigstens sagen sie mir nichts davon. Sagte ich Ihnen nicht von einem grossen Mann, der mich sehr kühl empfangen hätte? Den meine ich, aber sagen Sie nichts; es war nur eine kleine Rache; ich will daran denken und es mit hinüber bringen. Der Bischof von Clogher hat meine Tatler über die Verkürzung der Worte usw. gerochen. Aber Gott so usw. 15. Ich will deutlicher schreiben, wenn ich es nicht immer wieder vergesse; denn Stella darf sich die Augen nicht verderben, und Dingley kann meine Handschrift nicht recht lesen; ich fürchte auch, meine Briefe sind zu lang; dann müssen sie einen als zwei ansehn und ihn in zwei Abschnitten lesen. Ich habe heute bei Herrn Harley gegessen; Herr Prior war auch da. Er hat meine Denkschrift bei der Königin gelassen, und sie hat eingewilligt, uns die Erstlinge und die Zwanzigstel Auszug aus Swifts Denkschrift für Herrn Harley. »Die Zwanzigstel sind 1 Schilling vom Pfund, der jährlich von allen geistlichen Einkünften zu zahlen ist, wie sie zur Zeit der Reformation geschätzt wurden. Sie belaufen sich auf jährlich etwa 500 Pfund, sind aber, nachdem die Beamtenschaft und die andern Lasten bezahlt sind, wenig oder nichts mehr wert, während sie der Geistlichkeit viel Arbeit und Plage machen.« zu geben; wir hoffen, sie wird es morgen im Kabinett verkünden. Aber ich bitte Sie, sagen Sie es keiner lebenden Seele, denn so lautet mein Befehl, bis es öffentlich ist; und ich hoffe, noch etwas von grösserem Wert durchzusetzen. Nach Tisch kam Lord Peterborow: wir erneuerten unsre Bekanntschaft, und er hat mich gewaltig gern gewonnen. Sie begannen von einem Blatt Verse zu sprechen, das Sidi Hamed heisst. Herr Harley sagte einen Teil her, zog sie dann aus der Tasche und gab sie einem Herrn am Tisch, um sie vorzulesen, obgleich sie alle sie schon oft gelesen hatten; Lord Peterborow aber wollte nicht dulden, dass irgend jemand sie läse ausser ihm selber; er tat es, und Herr Harley stiess mich bei jeder Zeile an, um mich auf die Schönheiten aufmerksam zu machen. Prior zog Peterborow als Verfasser auf; und Lord Peterborow sagte, er wüsste, sie wären von Prior; Prior schob sie auf mich, und ich sie auf ihn. In der Stadt errät man mich keineswegs als Verfasser; und doch bin ich es; aber das ist ein Geheimnis zwischen Ihnen und mir. Zehn gegen eins, dass Sie die Verse in Irland gar nicht zu sehn bekommen; und doch gehn sie hier fabelhaft. Harley stellte mich dem Lord Präsidenten von Schottland und Herrn Benson, einem Lord des Schatzamts, vor. Prior und ich gingen um neun und blieben bis elf im Smyrnakaffeehaus sitzen wo wir Bekannte empfingen. 16. Heute morgen bin ich mit Patrick vor mir in einer Sänfte zu Herrn Harley gegangen, um ihm eine zweite Abschrift meiner Denkschrift zu geben, wie er es gewünscht hatte; aber da er zur Königin wollte, so war er zu beschäftigt, und ich konnte ihn nicht sprechen; er liess mich bitten, ihm die Abschrift hinauf zuschicken, und entschuldigte sich mit seiner Eile. Ich war ein wenig bestürzt, aber man sagt mir, es habe nichts zu bedeuten. Ich werde nach meinem nächsten Besuch urteilen. Ich habe seinem Pförtner eine halbe Krone Trinkgeld gegeben, so dass ich wenigstens eine Weile gut angeschrieben bin; gegessen habe ich bei Stratford in der Stadt; wir hatten Burgunder und Tokaier, aber ich musste wie ein Lump zu Fuss nach Hause gehn; dann begleitete ich Herrn Addison, um mit Lord Mountjoy zu Nacht zu essen, was mich für den ganzen Abend krank machte. Ich vergass, dass ich für Stella sechs Pfund Schokolade und eine kleine Holzkiste gekauft habe; und für Dingley habe ich ein grosses Stück brasilianischen Tabaks; und für Stella eine Flasche Lähmungswasser. All das soll mit den beiden Tüchern, die Herr Sterne gekauft hat und für die Sie ihn bezahlen müssen, in die Kiste gepackt werden, adressiert an Frau Curry und geschickt durch Dr. Hawkshaw, den ich noch nicht gesehn habe; aber Sterne hat das übernommen. Die Schokolade ist ein Geschenk, gnädige Frau, für Stella. Lesen Sie dies nicht, Sie kleine Halunkin, mit Ihren eignen kleinen Augen, sondern geben Sie es Dingley, bitte; und ich will so deutlich schreiben, wie der Himmel ist; und Stellas Antwort lassen Sie Dingley schreiben, während Stella diktiert, sooft sie für ihre Augen fürchtet, usw. 17. Dieser Brief sollte mit dieser Post abgehn; aber ich war von Geschäften in Anspruch genommen, und da ich zwei Nächte spät draussen war, muss er bis Dienstag warten. Heute habe ich auf Einladung mit Herrn Sterne gegessen und irischen Wein getrunken; aber ehe wir aufbrachen, kam jener Fürst der Gelbschnäbel, Oberst Edgworth; und so ging ich fort. Heute ist der Tatler erschienen, der ganz aus meinem Schauer und einer Vorrede dazu besteht. Man sagt, er sei das beste, was ich je geschrieben habe, und ich finde es auch. Vermutlich wird der Bischof von Clogher ihn Ihnen zeigen. Bitte, sagen Sie mir, wie er Dinen gefällt. Tooke druckt an meinen Miszellaneen weiter. Miszellaneen in Prosa und Versen; erschien 1711 bei Morphew, nicht bei Tooke; und zwar ohne Swifts Einwilligung; siehe später. Ich gäbe einen Groschen darum, wenn der Brief an den Bischof von Killala darin wäre: er würde ihm Ehre machen. Könnten Sie es nicht so einrichten, dass Sie sagen, Sie hätten gehört, man drucke meine gesammelten Schriften; und Sie wollten, der Verleger hätte mit den andern Sachen auch jenen Brief? Aber sagen Sie nichts in meinem Namen. Ich weiss nicht mehr, ob er gut war oder nicht; aber da ich viel Lob darüber gehört habe, so mag er es vielleicht verdienen. Nun, ich habe noch den morgigen Tag, um diesen Brief zu beenden; und dann will ich ihn übermorgen abschicken. Es ärgert mich, dass Sie mir Ihren dritten geschrieben haben, ehe Sie meinen zweiten hatten; und fünf hatte ich schon geschrieben; aber jetzt, so hoffe ich, haben Sie sie alle; und deshalb sage ich Ihnen, Sie sind ungezogene, hübsche, kleine, hebe Halunken usw. 18. Heute habe ich auf Einladung mit Stratford und andern bei einem jungen Kaufmann in der Altstadt gegessen; es gab Eremitagewein und Tokaier; ich blieb bis neun und bin eben nach Hause gekommen. Der Hund Patrick ist ausgegangen und trinkt, und ich kann meinen Schlafrock nicht finden. Ich habe Lust, den Gelbschnabel hinauszuwerfen; er ist in drei Wochen zehnmal betrunken gewesen. Aber ich habe keine Zeit, mehr zu sagen; also gute Nacht usw. 19. Ich komme eben nach Hause, nachdem ich in der Altstadt mit Addison bei einem Kaufmann gegessen habe; und eben haben wir im Kaffeehaus gehört, dass der Herzog von Ormond heute in Hampton Court im Kabinettsrat zum Lord Statthalter ernannt worden ist. Ich habe Herrn Harley seither nicht wieder gesehn; hoffe aber, die Sache mit den Erstlingen ist erledigt. Ich will ihn, wenn irgend möglich, morgen früh sprechen; aber dies geht heute Abend ab. Ich habe Herrn Sterne eine Kiste geschickt, die er Ihnen durch einen Freund übermitteln will. Ich habe sie an Herrn Curry adressiert; Sie sind also benachrichtigt, wenn sie ankommt, was, wie ich hoffe, bald sein wird. Die Tücher wird ein Freund in die Tasche stecken, damit sie keinen Zoll kosten. Und hier also endet mein sechster, abgeschickt, als ich von MD drei hatte: jetzt habe ich einen Vorsprung, und ich will ihn wahren; und Gott, der Allmächtige, segne die teuersten MD usw. Brief VII. London, den 19. Oktober 1710. O Himmel, ich bin verloren! Dieses Blatt ist grösser als die andern, und doch bin ich zu einem Bogen verurteilt; aber da es sich um MD handelt, so mache ich mir nichts daraus und würde ich auch zu einem Paar verurteilt. Ich habe Ihnen in einem Brief von heute schon gesagt, wo ich gegessen habe und wie ich den Tag verbrachte; und also usw. 20. Heute habe ich Herrn Lewis im Sekretariat aufgesucht, um ihn zu fragen, wann ich Herrn Harley sprechen könnte; und siehe, da kam Herr Harley selber und lud mich auf morgen zu Tisch ein. Ich habe bei Frau Vanhomrigh gegessen und dann den beiden Ladys Butler meine Aufwartung gemacht; aber der Pförtner erwiderte, sie seien nicht zu Hause; der Sinn war der: die jüngere, Lady Mary, soll morgen mit Lord Ashburham verheiratet werden, der besten Partie von England: zwölf tausend Pfund jährlich und viel Geld. Sagen Sie mir, wie mein Schauer in Irland gefällt. Hier ist meines Wissens nie etwas besser gegangen. Den Abend habe ich bei einer Flasche irischen Weins mit Wortley Montague und Herrn Addison verbracht. Weiss man in Irland irgend etwas von meiner Grösse unter den Torys? Jedermann macht es mir hier zum Vorwurf; aber ich achte nicht darauf. Haben Sie von den Versen über die Rute Sidi Hameds gehört? Sagen Sie um Ihr Leben nichts davon. Kaum irgend jemand hat mich im Verdacht; nur meint man, ausser Prior und mir hätte niemand sie schreiben können. Aber ich denke mir, sie werden noch nicht bis zu Ihnen durchgedrungen sein. Ich habe noch eine Ballade voller Wortspiele auf die Wahl in Westminster, die mich eine halbe Stunde gekostet hat; sie geht, obgleich sie nichts taugt. Aber das ist ausser für MD gleichfalls für alle ein Geheimnis. Wenn Sie sie nicht haben, so werde ich sie mitbringen. 21. Ich erhielt MD's vierten heute im Kaffeehaus. Gott, der Allmächtige, segne die arme Stella und ihre Augen und ihr Haupt: was sollen wir tun, um sie zu heilen, armes, liebes Leben? Ihre Leiden sind die Schattenseiten Ihrer guten Eigenschaften. Wollte der Himmel, ich riebe Ihnen in dieser Minute hier oder dort den armen, guten Kopf! Bitte, schreiben Sie nicht, und lesen Sie auch diesen Brief nicht; ich will deutlicher schreiben, damit hinfort Dingley es lesen kann, obgleich meine Feder gern nur so hinfliegt, wenn ich bedenke, an wen ich schreibe. Ich will Ihren Brief nicht eher beantworten, als bis ich Ihnen gesagt habe, dass ich heute bei Herrn Harley gegessen habe, der mich dem Grafen von Stirling, einem schottischen Lord, vorstellte; und abends kam Lord Peterborow. Ich blieb bis neun; eher wollte Herr Harley mich nicht fortlassen noch auch mir irgend etwas über meine Geschäfte sagen. Er sagt, die Königin habe die Erstlinge und die Zwanzigstel jetzt bewilligt; aber er will mir noch nicht erlauben, an den Erzbischof zu schreiben, weil die Königin den irischen Bischöfen die Sache in aller Form kund tun will; es soll dabei bemerkt werden, dass es auf eine Denkschrift von mir hin geschah; Herr Harley will es so, damit es für mich ehrenvoller aussieht, usw. Ich soll ihn Dienstag sehn. Ich weiss nicht, ob ich Ihnen schon sagte, dass ich in meiner Denkschrift um jährlich weitere zweitausend Pfund gebeten habe, obgleich das nicht in meinem Auftrag stand; aber Herr Harley sagt, das ginge doch nicht, und darüber müsste er noch weiter mit mir reden. Ich habe es aber wenigstens in Gang gebracht, und vielleicht folgt es mit der Zeit nach. Bitte, sagen Sie nichts davon, dass die Erstlinge gewährt worden sind, wenn ich Ihnen nicht weiter unten noch die Erlaubnis gebe. Ich glaube, nie ist etwas so schnell erreicht worden, und zwar einzig durch meinen persönlichen Einfluss auf Herrn Harley, der so über die Massen hebenswürdig ist, dass ich nicht weiss, was ich davon halten soll; es sei denn, er wolle den Halunken von der andern Partei zeigen, dass sie einen Mann unwürdig behandelt haben, der es besser verdiente. Die Denkschrift, die der Königin von mir überreicht worden ist, spricht sehr offen von Lord Wharton. Ich glaube, diese Angelegenheit ist für Sie ebenso wichtig wie die Kirchenversammlungsdisputationen des Herrn Tisdall. Ich hoffe, in ein oder zwei Monaten werden alle Förmlichkeiten in dieser Angelegenheit erledigt sein; und dann habe ich hier nichts mehr zu tun. Ich will nur noch eine törichte Frage hinzufügen, weil sie mir gerade in den Kopf kommt. Wenn die Sache bekannt wird, so sagen Sie mir unparteiisch, ob man mir das Verdienst daran zuschreibt oder nicht; ich bin überzeugt, ich habe so viel, dass ich es nie auf mich nehmen werde. Unverschämte Dirnen! Weil ich Dublin in Irland sage, müssen Sie darum auch London in England sagen? Das ist Stellas Bosheit. Nun, darum will ich Ihren Brief erst morgen beantworten; und so und so will ich jetzt etwas andres schreiben; es wird freilich nicht mehr viel, denn es ist spät. 22. Ich war heute Morgen bei Herrn Lewis, dem Unterstaatssekretär des Lord Dartmouth; ich habe zwei Stunden lang Politik geschwätzt, und es ist mir gelungen, Steelle sein Stempelpapieramt zu retten; seine Stellung als Herausgeber hat er verloren, dreihundert Pfund im Jahr, weil er vor einigen Monaten einen Tatler gegen Herrn Harley geschrieben hat, und dabei hatte der ihm die Stellung gegeben und das Gehalt von sechzig auf dreihundert Pfund erhöht. Das war verteufelt undankbar, und Lewis hat mir die Einzelheiten erzählt. Aber er hat mir einen Wink gegeben, dass ich ihm sein zweites Amt retten könnte; und ich habe Erlaubnis, die Sache mit Steele ins Reine zu bringen. Nun, gegessen habe ich mit Sir Matthew Dudley, und abends ging ich zu Herrn Addison, um ihm als dem Besonneneren die Sache aus der Ferne zu eröffnen; ich fand die Parteiwut in ihm so eingewurzelt, dass er redete, als beargwöhnte er mich; und er wollte nicht auf das eingehn, was ich sagte. Daher brach ich meine Verhandlungen ab, und wir trennten uns sehr trocken; ich werde auch Steele nichts sagen, und sie mögen machen, was sie wollen; wenn aber die Dinge bleiben wie sie stehn, so wird er sein Amt sicherlich verlieren, wenn ich ihn nicht rette; und deshalb will ich ihn nicht sprechen, um nicht zu seinem Nachteil Bericht erstatten zu müssen. Ist das nicht ärgerlich? Und ist das Sprichwort von den angebotenen Diensten so wahr? Wann werde ich verständig? Ich bemühe mich, nach den strengsten Regeln der Ehre und des Gewissens zu handeln, und meine nächsten Freunde wollen mich nicht so verstehn. Was muss da ein Mensch von seinen Feinden erwarten? Dies könnte mich ärgern, aber es soll es nicht! Und also sage ich Ihnen gute Nacht usw. 23. Ich weiss, es ist weder witzig noch unterhaltend, wenn ich Ihnen jeden Tag sage, wo ich speise; auch schreibe ich es nicht, um meinen Brief zu füllen; aber ich denke mir, irgendwann werde ich einmal neugierig sein, wie ich mein Leben im einzelnen verbrachte, als ich MD diesmal verlassen hatte; und deshalb sage ich Ihnen, dass ich heute bei Molesworth, dem Gesandten in Florenz, gegessen habe; dann ging ich ins Kaffeehaus, wo ich mich Herrn Addison gegenüber ziemlich kühl verhielt; dann bin ich nach Hause gegangen, um zu kritzeln. Morgen und übermorgen sind wir zusammen zu Tisch geladen; aber ich werde mein Verhalten ihm gegenüber so lange ändern, bis er mich um Verzeihung bittet, sonst werden wir blosse Bekannte bleiben. Ich bin der Freunde müde; und alle Freundschaften ausser der MD's sind Ungeheuerlichkeiten. 24. Ich vergass, Ihnen zu sagen, dass ich gestern Abend zu Herrn Harley ging, in der Hoffnung – aber nein, ich schiesse einen Bock, es war ja heute Abend um sechs; und ich hoffte, er würde mir sagen, alles sei erledigt und bewilligt; aber er war ausgewesen und krank nach Hause gekommen und gleich bei sehr schlechtem Befinden zu Bett gegangen, wenn der Pförtner nicht log. Gegessen habe ich heute mit Herrn Addison usw. bei Sir Matthew Dudley. 25. Heute habe ich den Herzog von Ormond besucht; und als ich herauskam, traf ich Lord Berkeley von Stratton, der mir sagte, Frau Temple, die Witwe, sei letzten Samstag gestorben; ich vermute, sehr zum äusserlichen Gram und zur heimlichen Freude der Familie. Ich habe heute mit Herrn Addison, Steele und einer Schwester des Herrn Addison gespeist; sie ist mit einem Monsieur Sartre, einem Franzosen und Pfründner von Westminster, verheiratet; er hat ein entzückendes Gartenhaus; mir aber schien, als herrschte in diesen Mauern ein Klosterleben, und Laracor gefiel mir besser. Addisons Schwester ist eine Art Frau von Geist und ihm sehr ähnlich. Ich mag sie nicht, usw. 26. Heute habe ich Herrn Congreve besucht, der fast blind ist, da er den grauen Star hat; die Sache ist die, dass er noch zwei oder drei Jahre warten muss, bis der Star reifer und er ganz blind ist; dann muss er ihn stehn lassen; ausserdem wird er die Gicht nicht mehr los, und doch sieht er jung und frisch aus und ist heiter wie immer. Er ist um drei oder mehr Jahre jünger als ich, aber ich bin zwanzig Jahre jünger als er. Er hat mir dadurch, dass er die Gicht erwähnte, Schmerzen in die grosse Zehe gejagt. Ich habe oft solche Anwandlungen, aber sie vergehen wieder. Ich habe einen zweiten Brief von Herrn Morgan erhalten; dafür habe ich Ihnen zu danken! Ich wollte, Sie würden ausgepeitscht, weil Sie vergessen haben, ihm die Antwort zu schicken, die ich Ihnen in einem früheren Brief gab: Ich könne nicht tun, was er verlange, da ich keinerlei Einfluss habe, usw. Gehn Sie! Ganz weit weg! Sie vergessliche Schlumpen! Auch von Parvisol habe ich einen Brief erhalten, mit einem Bericht darüber, wie meine Einkünfte stehn; sie sind seit letztem Jahr um sechzig Pfund gefallen. Eine tröstliche Neuigkeit! Er sagt mir ganz offen, er finde, Sie hätten keine Lust, sich von dem Pferd zu trennen; Sie hätten nach ihm geschickt und ihm zugleich meinen Brief gesandt, so dass ich nicht weiss, was geschehn soll. Es ist traurig, dass Stella ihr eignes Pferd haben muss, ob Parvisol will oder nicht! Jetzt also zur Antwort auf Ihren Brief, den ich vor drei Tagen erhielt. Ich liege jetzt nicht im Bett, bin aber gegen acht nach Hause gegangen; da es warm ist, schreibe ich im Sitzen. An den Bischof von Killala habe ich niemals geschrieben; vermutlich war das der Grund, weshalb er meinen Brief nicht erhalten hat. Ich habe keine Zeit, das ist des Pudels Kern. – So sehr dem Dechanten mein Brief auch gefällt, geschrieben hat er mir nicht. Ich möchte nur wissen, ob Dechant Bolton ihm die zwanzig Pfund bezahlt hat; was den Rest angeht, so mag er ... küssen. Und danach können Sie ihn fragen, denn ich bin in Sorge darum, Dechant Bolton ist ein solcher Mucker. Es ist ungeheuer liebenswürdig vom Dechanten Sterne, dass er so freundlich zu Ihnen ist. Ich glaube, er weiss, dass mir das Freude macht und dass es sein sonstiges Verhalten ausgleicht. Nein, von Ihrem Schnee haben wir nichts abbekommen; nur eines Morgens ein wenig. Allerdings glaube ich, dass eine Stunde lang ein grosses Schneetreiben herrschte, aber länger nicht. Von Will Crowes Tode hatte ich schon gehört, aber nichts von den törichten Umständen, die sein Ende beschleunigten. Nein, ich habe dafür gesorgt, dass Hauptmann Pratt durch Lord Angleseas Tod nicht leiden soll. Ich will versuchen, irgendwie eine Kopie meines Bildes von Jervas zu bekommen. Sir Andrew Fountaine soll eine kaufen, als wäre sie für ihn; ich werde sie ihm abnehmen und ihm das Geld wiedergeben; das heisst, wenn ich welches habe, ehe ich reise. – Der arme John! Ist er fort? Und Frau Parvisol ist in der Stadt gewesen? Hm, hm! Nun, Tighe Mitglied des Geheimen Rats und des irischen Parlaments; Whig und Feind Swifts. und ich werden einander, wenn er kommt, nicht sehr beachten; ich täte es hier in der Stadt ohnehin nicht, wenn wir uns auch nicht überworfen hätten. – Ich war heute in Herrn Sternes Wohnung; er war nicht zu Hause, und Herr Leigh ist noch nicht in die Stadt gekommen; aber sowie er kommt, werde ich Dingleys Auftrag ausrichten. Was weiss ich, ob Porzellan teuer ist oder nicht? Einmal hatte ich eine Anwandlung, mich darein zu vernarren, aber das ist vorüber; ich denke mir, ich habe es Ihnen in einem früheren Brief gesagt. Und also wollen Sie nur ein paar Salatschüsseln und Teller usw. Ja, ja, Sie sollen's haben. Mir scheint, was Sie genannt haben, wird fünf Pfund kosten. – Jetzt zu Stellas kleinem Postskriptum; und ich bin fast toll, weil Sie sich ärgern, wenn Sie nicht schreiben; können Sie nicht Dingley diktieren, um Ihre lieben kleinen Augen nicht anzustrengen? Es ist der Gram meiner Seele, wenn ich denke, dass Sie nicht wohlauf sind. Bitte, sein Sie ruhig, und wenn Sie schreiben wollen, so machen Sie die Augen zu und schreiben Sie eben eine Zeile und mehr nicht. So: Wie geht es Ihnen, Frau Stella? – Das habe ich mit geschlossenen Augen geschrieben. Wahrhaftig, es ist deutlicher, als wenn ich mit offenen schreibe. Und dann kann Dingley daneben stehn und Ihnen sagen, wenn Sie zu hoch oder zu tief geraten. – Meine Geschäftsbriefe und Pakete müssen, wenn noch welche nötig sein sollten, an Herrn Addison in St. James's Kaffeehaus adressiert werden; aber ich hoffe, sowie ich Herrn Harley sehe, zu hören, dass die Hauptschwierigkeiten vorüber sind und der Rest nur noch Formsache ist. Nehmen Sie zwei oder drei Galläpfel – nehmen Sie zwei oder drei – – behalten Sie Ihre Rezepte in Ihrem – – ich brauche sie nicht. Da haben Sie ein Durcheinander! Soviel also über Ihren Brief, den ich jetzt in meinem Schrank in das Brieffach tun will, wie ich es mit allen Briefen mache, sobald ich sie beantwortet habe. Methode ist in allen Dingen gut. Die Ordnung regiert die Welt. Der Teufel ist der Urheber der Verwirrung. Der General eines Heeres, ein Staatsminister; und um tiefer hinabzusteigen, ein Gärtner, ein Weber usw. Das kann eine schöne Beobachtung ergeben, wenn Ihnen scheint, sie verdiene, beendet zu werden; aber ich habe keine Zeit. Ist dies nicht ein furchtbar langes Stück für einen Abend? Ich habe heut mit Patty Rolt bei meinem Vetter Leach gegessen, in der Stadt, und gehörig! Er ist Drucker und druckt den Postboten, oh, oh, und er ist mein Vetter, Gott weiss wie, und er hat Frau Baby Aires aus Leicester geheiratet; und mein Vetter Thompson war auch da, und mein Vetter Leach erbietet sich, mich mit dem Herausgeber des Postboten bekannt zu machen; er sagt, er zweifle nicht daran, dass der Herr sich freuen würde, meine Bekanntschaft zu machen; er sei ein sehr geistreicher Mann und ein grosser Gelehrter, und er sei schon übers Meer gewesen. Ich aber war bescheiden und sagte, vielleicht sei der Herr scheu und liebe keine neuen Bekanntschaften; so schob ich es auf; und ich wollte, Sie könnten hören, wie ich all das im rechten Ton sagte, genau wie ich es schreibe. Es ist alles im gleichen Tonfall wie das ›ohoh!‹ oder wie wenn kleine Mädchen sagen: »Ich habe einen Apfel, Fräulein, aber Ihnen geb ich nichts ab.« Es ist ein elendes Zwölfgroschenwetter diese Woche, und sie hat mich zehn Schilling für Wagen und Sänfte gekostet. Wenn der Bursche, der Ihr Geld hat, zahlen will, so lassen Sie sich bitten, dass ich Bankpapiere dafür kaufen darf; die sind um fast dreissig Prozent gesunken, und sie geben acht Pfund aufs Hundert; und das Kapital können Sie haben, wann Sie wollen; sie werden sicherlich bald steigen. Ich wollte zu Gott, Lady Giffard legte die vierhundert Pfund, die sie Ihnen schuldet, Teil eines Legats, das Sir William Temple Stella hinterlassen hatte. dazu und nähme die fünf Prozent der gewöhnlichen Zinsen und gäbe Ihnen, was dann noch bleibt. Ich will mit Ihrer Mutter darüber reden, sobald ich Sie sehe. Ich bin entschlossen, auch für mich selbst für dreihundert Pfund davon zu kaufen und aufzunehmen, was ich in Irland besitze; ich weiss ein Mittel, wie ich es anfange; ein Freund von mir soll es kaufen, als wäre es für ihn selber, und ich gebe ihm das Geld zurück, sowie ich es einbekomme. Ich hoffe, Stratford wird mir diesen Gefallen tun. Ich will ihn morgen oder übermorgen darum bitten. 27. Herr Rowe, der Dichter, bat mich, heute mit ihm zu essen. Ich ging in sein Bureau (er ist Unterstaatssekretär und hat die Stellung, die Herr Addison in England innehatte) und dort war auch Herr Prior; und sie begannen meinen Schauer über alles zu erheben, was in der Art je geschrieben worden sei: seit Danach hat es einen solchen Schauer nicht mehr gegeben, usw. Sie müssen mir sagen, wie er unter Ihnen gefällt. Ich habe mit Rowe gegessen; Prior konnte nicht mitkommen; und nach Tisch gingen wir in eine Winkelschenke, wo Congreve, Sir Richard Temple, Eastcourt und Charles Main bei einer Bowle schlechten Punsches sassen. Der Ritter liess noch sechs Flaschen seines eignen Weins für mich holen, und wir blieben bis zwölf. Aber mein Kopf hält sich recht gut; ich habe das Trinken abgeschworen und nehme nur noch einen Löffel voll, mit Wasser gemischt, denn ich fürchte mich vor der Gicht oder irgendeiner hässlichen Krankheit; und da es jetzt spät ist, so will ich usw. 28. Garth, Addison und ich haben heute zusammen in einer Klippschenke gegessen; dann ging ich zu Herrn Harley, aber er liess sich verleugnen oder war nicht zu Hause; daher fürchte ich, ich werde, ehe dieser Brief abgeht, nicht mehr hören, dass meine Angelegenheit erledigt ist. Dann besuchte ich Lord Pembroke, der gerade in die Stadt gekommen ist, Ehemals (1707) kurze Zeit Lord Statthalter von Irland. und wir haben uns sehr lustig über alte Dinge unterhalten; ich habe ihm mit einem Wortspiel einen Hieb versetzt. Dann ging ich zu den Ladys Butler; und der Hurensohn von einem Pförtner verleugnete sie; ich habe ihnen durch eine andre Dame eine Drohbotschaft übersandt, weil sie mich dem Pförtner nicht ein für allemal als Ausnahme nennen. Ich war des Kaffeehauses müde, und Ford bat mich, nebenan mit ihm zu sitzen; ich tat das wie ein Narr und schwätzte bis zwölf, und jetzt bin ich ins Bett gestiegen. Ich fürchte, das neue Ministerium ist furchtbar um Geld verlegen; die Whigs reden, dass man hypochondrisch werden könnte, und ich fürchte, Herrn Harley bei schlechter Laune zu finden. Man meint, er werde dieses Unternehmen niemals durchsetzen können. Gott weiss, was daraus werden soll. Ich würde mich schrecklich ärgern, wenn die Dinge wieder herumschwenkten; es würde die Kirche und die Geistlichkeit auf ewig zugrunde richten; aber ich hoffe auf Besseres. Ich will diesen Brief Dienstag abschicken, ob ich weitere Nachricht über meine Angelegenheit habe oder nicht. 29. Herr Addison und ich haben heute bei Lord Mountjoy gegessen, und das sind alle Abenteuer dieses Tages. Heute Abend habe ich eine Weile im Kaffeehaus geschwätzt, denn es war eine volle Nacht; und jetzt bin ich nach Hause gekommen, um einiges Geschäftliche zu schreiben. 30. Ich habe heute bei Frau Vanhomrigh gegessen und der armen Frau Long einen Brief geschickt; sie schreibt uns, aber wo sie ist, das weiss Gott; und sie will niemandem sagen, wo sie sich aufhält. Ich kam früh nach Hause und muss jetzt schreiben. 31. Der Monat schliesst mit einem schönen Tage; ich bin spazieren gegangen und habe Lewis besucht und verabredet, wo ich Herrn Harley sehn kann. Ich habe Ihnen keine Neuigkeiten zu schicken. Aire, sagt man, ist genommen, obgleich die Whitehall-Briefe heute Morgen das Gegenteil behaupteten: es ist gut, wenn es wahr ist. Ich habe mit Herrn Addison und Dick Stuart, Lord Mountjoys Bruder, gegessen; Addison bewirtete. Sie waren bald bezecht, ich aber nicht, denn ich habe Wasser unter meinen Wein gemischt und sie zwischen neun und zehn allein gelassen; ich muss diesen Brief durch den Nachtwächter schicken, was mich ärgert; aber ich will ihn nicht länger verschieben. Beten Sie zu Gott, dass er nicht verloren gehe. Ich tue es selten; aber ich kann die kleine MD nicht länger hinhalten. Bitte, geben Sie einliegenden Schein der Frau Brent. Ich bin ein feiner Herr; und Sie verlieren all Ihr Geld bei den Karten, Bursche Stella! Ich bin dahinter gekommen, jawohl! Ich muss noch warten, ehe ich den Brief falten kann, bis das hässliche D in der vorletzten Zeile trocken ist. Sehen Sie es nicht? O Himmel, ich mag Sie wahrhaftig gar nicht verlassen – aber es muss sein, bis zum nächsten Mal. Die Pest hole das D; ich werde es verwischen, damit es trocken wird. Brief VIII. London, den 31. Oktober 1710. Jetzt also habe ich meinen siebenten auf Ihren vierten geschickt, junge Frauen; und nun will ich Ihnen sagen, was ich Ihnen in meinem letzten nicht sagen wollte; dass ich nämlich heute morgen, als ich im Bett sass, einen Schwindelanfall hatte; eine Minute lang drehte sich das Zimmer mit mir, und dann verging es, und ich war unpässlich, aber nicht sehr; und dann habe ich den Tag verbracht, wie ich Ihnen schon berichtet habe; aber ich wollte nicht einen Brief mit dieser Nachricht schliessen, weil sie Sie vielleicht beunruhigt; und ich hoffe zu Gott, es wird nicht wiederkommen. Ich habe heute Dr. Cockburn gesprochen, und er hat mir versprochen, mir die Pillen zu schicken, die mir letztes Jahr so gut taten, und er hat mir auch ein Öl für mein Ohr versprochen: er hat es für jemand anders gemacht, der dasselbe Leiden hat. 1. November. Ich wünsche MD ein glückliches neues Jahr. Finanziell begann für Swift, Stella und Frau Dingley mit dem 1. November ein neues Jahr. Sie wissen, dies ist für uns sein erster Tag. Heute habe ich keinen Schwindelanfall gehabt, aber ich habe Branntwein getrunken und mir für 2 Schilling einen Liter gekauft. Die Nacht vor dem Schwindelanfall war ich sehr lange aufgeblieben, und ich hatte viel geschrieben; daher will ich es darauf schieben. Aber Früchte habe ich nie gegessen und Bier nie getrunken; ich trinke besseren Wein als Sie, wie zum Beispiel heute mit Herrn Addison bei Lord Mountjoy; dann haben wir um fünf Herrn Harley besucht, der mich wegen zu grosser Gesellschaft nicht empfangen konnte; er schickte mir seine Entschuldigung und bat, ich möchte am Freitag bei ihm essen; und dann erwarte ich eine Antwort in dieser Angelegenheit, die entweder bald erledigt oder von neuem begonnen werden muss; und dann werden der Herzog von Ormond und seine Leute um ihrer Ehre willen eingreifen und nichts ausrichten. Ich kam um sechs nach Hause und habe die Zeit in meinem Schlafzimmer verbracht, ohne ins Kaffeehaus zu gehn, denn ich werde seiner müde; ich habe in Musse studiert, nicht mehr als vierzig Zeilen geschrieben – ein paar eigne Erfindungen und einige Fingerzeige, und überhaupt nicht gelesen; und zwar, weil ich auf Presto achten wollte, aus Furcht, MD könne böse werden. 2. Ich habe gestern Abend meine vier Pillen genommen, und sie haben mir eine Stunde im Hals gelegen, und das werden sie auch heute Nacht tun. Ich denke mir, ich könnte vier Beschimpfungen ebenso leicht hinunterschlucken. Ich habe heute mit Dr. Gockburn gegessen und bin um sieben nach Hause gekommen; aber Herr Ford ist bis eben bei mir gewesen, und es ist fast elf. Heute habe ich keinen Schwindelanfall gehabt. Ich habe Herrn Dopping gesehn, und er sagt mir ganz kühl, mein Schauer gefalle ganz gut; das ist Ihr irisches Urteil. Ich habe mit dieser Post an den Bischof von Clogher geschrieben. Es ist jetzt vierzehn Tage her, seit ich von Ihnen gehört habe. Einmal alle vierzehn Tage müssen Sie mir schreiben; dann will ich auch auf Wind und Wetter Bücksicht nehmen. Was macht das Ombre? Gewinnt Frau Walls immer noch beständig wie früher? Und Frau Stoyte? Ich habe seit langem nicht mehr an sie gedacht; wie geht es ihr? Ich sehe, es kommt eine Ladung Iren nach London; das tut mir leid, aber ich komme ihnen nie nahe. Und Tighe ist angekommen; aber Frau Wesley kehrt, sagt man, wie eine Närrin zu ihrem Gatten zurück. Nun, meine kleinen Affen, ich muss schreiben; und also gute Nacht. 3. Ich sollte diese Briefe, die ich schreibe, wenn sie fertig sind, noch einmal durchlesen; denn als ich ein Stück überflog, fand ich zwei oder drei Schreibfehler; und das sollte nicht sein, wenn die Handschrift so schlecht ist. Aber ich hoffe, sie wird der kleinen Dingley beim Lesen keine Schwierigkeiten machen, denn mir scheint, ich bessere mich; aber mir scheint, ich weiss nicht wie, wenn ich deutlich schreibe, als wären wir nicht allein, als könne alle Welt uns sehn. Ein schlechtes Gekritzel ist so behaglich, es sieht aus wie ein PMD. Ein Presto mit My Dears verbunden. Wir haben letzthin schäbige Tatlers gehabt; also haben Sie nicht mich in Verdacht, bitte. Ich habe zwei oder drei Andeutungen, die ich ihm schicken will; mehr nicht, er verdient es nicht. Er lässt sich in schmählicher Weise von seiner Frau leiten; wie ... Ich habe sie noch nicht gesehn, seit ich hier bin; und er hat mich auch nicht eingeladen; entweder wagt er es nicht, oder er ist ein so gedankenloser Bursche, dass er nicht daran denkt. Was frage ich nach seinem Witz? Er ist der schlechteste Gesellschafter von der Welt, bis er seine Flasche Wein im Kopfe hat. Ich kann im Bett nicht gerader schreiben; also müssen Sie wohl zufrieden sein. – Abends im Bett. Halt, wo ist dieser Brief an MD unter diesen Papieren? Oh, hier. Nun, ich will jetzt fortfahren, aber ich habe viel zu tun (beachten Sie die neue Feder). Ich habe heute bei Herrn Harley gegessen und bin auf Sonntag wieder dort eingeladen. Ich habe jetzt die Erlaubnis, an den Primas und den Erzbischof von Dublin zu schreiben, dass die Königin die Erstlinge bewilligt hat; aber sie sollen es nicht eher beachten, als bis sie auf Befehl der Königin einen Brief von Lord Dartmouth, dem Staatssekretär, erhalten, der es ihnen kund tut. Die Bischöfe sollen eine Körperschaft bilden, die über die Einkünfte usw. verfügen soll. Ich werde morgen an den Erzbischof von Dublin schreiben. (Ich habe heute keinen Schwindelanfall gehabt.) Ich weiss nicht, ob sie für mich dann noch länger hier zu tun haben; und ich kann es auch nicht eher beurteilen, als bis ich sehe, was für einen Brief die Königin den Bischöfen schickt, und was sie darauf unternehmen werden. Wenn alles beschleunigt wird, so kann es in sechs Wochen geschehn sein; aber ich kann es nicht beurteilen. Sie haben mir heute eine neue Vollmacht geschickt, unterschrieben vom Primas und vom Erzbischof von Dublin, und sie versprechen mir Briefe an die beiden hiesigen Erzbischofe; aber meinen A.... für das alles. Die Sache ist erledigt, und sie war es seit zehn Tagen; obgleich ich erst heute Erlaubnis erhielt, darüber zu reden. Heute habe ich auch einen Brief vom Bischof von Clogher erhalten, der sich darüber beklagt, dass ich ihm nicht schreibe; und was mich ärgert: er sagt, er wisse, dass Sie jede Woche lange Briefe von mir bekommen. Weshalb sagen Sie ihm das? Das ist nicht recht; aber ich will nicht aus der Perne auf MD böse sein. Ich hatte ihm mit der letzten Post geschrieben, ehe ich seinen Brief erhielt; und ich werde bald wieder schreiben, da ich sehe, dass er es erwartet und dass Lord und Lady Mountjoy ihn an mich verweisen, um selbst Ruhe zu haben. Letztens erhielt ich heute einen Brief von einem gewissen unartigen Halunken namens MD; und es ist Nummer 5, aber ich werde ihn heute Abend nicht beantworten, danke. Nein, wahrhaftig nicht, ich habe andre Fische zu braten; morgen oder übermorgen ist auch noch früh genug. Ich habe MD's Aufträge auf ein Merkblatt geschrieben. Ich glaube, ich habe sie alle erledigt, und mir fällt nichts mehr ein als dieser von heute inbetreff der Gläser, der Brille und des Brillenetuis. Ich habe keinen andern Auftrag von Stella als den über die Schokolade und die Tücher; die sind gekauft, und ich denke, sie werden auch bald geschickt. Ich bin zwei- oder dreimal bei Herrn Sterne gewesen und habe zu ihm geschickt, um zu fragen, aber er war nie zu Hause. Potz Henker, was mach ich nur? Ich muss schreiben und Arbeit verrichten. 4. Ich habe heute mit Addison, Steele und so weiter in Kensington gegessen; und als ich nach Hause kam, habe ich einen kurzen Brief an den Erzbischof von Dublin geschrieben, um ihm zu melden, dass die Königin die Sache bewilligt hat, usw. Ich habe im Kaffeehaus geschrieben, denn ich bin bis neun in Kensington geblieben; und ich bin verdammt müde. Oberst Proud war ein sehr schlechter Gesellschafter, und ich will nie wieder mit ihm in einer Gesellschaft sein; ich habe Punsch getrunken, und das und die schlechte Gesellschaft haben mich erhitzt. 5. Ich war heute vom Mittagessen an bis sieben abends bei Herrn Harley; dann ging ich ins Kaffeehaus, wo Dr. Davenant mich drängte, mitzugehn und in seinem Hause, ganz in der Nähe, mit Dr. Chamberlain eine Flasche Wein zu trinken. Aber der Gelbschnabel machte so viel Worte, dass mir vor seiner Gesellschaft bange wurde; und obwohl wir versprachen, um acht Uhr zu kommen, habe ich ihm einen Boten geschickt, um ihm zu sagen, Chamberlain müsse zu einem Kranken und wir hätten es deshalb auf ein andermal verschoben: er also, der Haushofmeister und ich Hessen uns bereden, mit Sir Matthew Dudley in sein Haus zu gehn, wo ich bis zwölf blieb und sie dann verliess. Davenant hat mich damit belästigt, dass ich irgendeine von seinen Schriften durchsehn soll, die er veröffentlichen will. Aber der Halunke liebt seine eignen Produktionen so sehr, dass ich höre, er trennt sich von keiner Silbe. Jüngst hat er eine alberne Broschüre herausgegeben, die ›Der dritte Teil des Tom Double‹ heisst; damit wollte er den Torys den Hof machen, die er im Stich gelassen hatte. 6. Ich bin heute in der Stadt umhergeschlendert, um Patty Rolt zu sehn, die nach Kingston geht, wo sie wohnt; aber die Wahrheit zu sagen, so hatte ich nur Lust auf einen Spaziergang, um mir Bewegung zu machen, und zufällig war ich frei; denn die Einladungen fallen mir hier zehnmal so zahlreich zu wie je oder wie in Dublin. Ich will Ihren Brief noch nicht beantworten, weil ich zu tun habe. Ich hoffe, diesen abzuschicken, bevor ich einen weitern von MD habe; es wäre traurig, wenn ich zwei Briefe zugleich beantworten müsste, wie es MD mit denen von Presto geht. Aber wenn die beiden Seiten voll sind, soll der Brief fort, das ist gewiss, ob er mag oder nicht mag; und das wird in etwa drei Tagen sein; denn die Antwortnacht wird eine lange werden. 7. Ich habe heute mit Congreve, Vanbrugh, Generalleutnant Parrington usw. bei Sir Richard Temple gegessen. Vanbrugh hat, wie ich Ihnen, glaube ich, erzählt habe, einen langen Streit über jene Verse auf sein Haus mit mir gehabt. Der Dramatiker Vanbrugh war zur Belustigung der Stadt Architekt geworden und hatte sich ein Haus gebaut, das scheusslich aussah. Aber wir waren sehr höflich und kühl. Lady Marlborough pflegte ihn damit aufzuziehn, und das hat ihn wütend gemacht, obgleich er ein gutmütiger Bursche ist. Es war ein Tag der Danksagung, und ich war bei Hofe, wo die Königin, von lauter Torys umgeben, an uns vorbeiging; kein Whig war darunter: Buckingham, Rochester, Leeds, Shrewsbury, Berkeley von Stratton, Lord Siegelbewahrer Harcourt, Herr Harley, Lord Pembroke usw. Und ich habe sie auch schon ohne einen einzigen Tory gesehn. Die Königin machte einen Knix und sagte in ganz vertraulichem Ton zu Presto: »Wie geht es MD?« Ich bedachte, dass sie Königin ist, und also entschuldigte ich sie. Ich entbehre die Whigs bei Hofe nicht; ich habe ebenso viel Bekanntschaften dort wie früher. 8. Jetzt gibt es Lärm und Aufruhr! Ich muss jetzt MD's fünften beantworten; erst aber müssen Sie wissen, dass ich heute bei dem portugiesischen Gesandten gegessen habe, und zwar mit Addison, Vanbrugh, Admiral Wager, Sir Richard Temple, Methuen usw. Ich wurde ihrer Gesellschaft müde und stahl mich um fünf davon; und ich bin wie ein guter Junge nach Hause gegangen und habe bei einem Feuer bis zehn nachgesonnen. Ohoh, und jetzt liege ich im Bett. In meinem Schlafzimmer habe ich keinen Kamin, aber es ist immer warmes Wetter, wenn man im Bett liegt. Ihre schöne Mütze, Madame Dingley, ist zu eng und zu knollig; ich werde den Pelz abnehmen lassen; ich wollte, sie wäre weit genug: meine alte Samtmütze taugt nichts mehr. Ist Samt unter dem Pelz? Ich habe nachgefühlt, kanns aber nicht herausfinden: wenn ja, so geht sie ohne ihn; sonst will ich sie verblenden; aber dann muss ich neuen Samt kaufen; oder vielleicht kann ich mir ein Stück erbetteln. Was soll ich tun? Also jetzt zu Halunkin MD's Brief. Gott sei gedankt, dass Stellas Augen sich bessern; und Gott gebe, dass es andauert; aber wirklich, Sie schreiben zu viel auf einmal; schreiben Sie lieber weniger, oder schreiben Sie es in zehn Absätzen. Ja, wahrhaftig, ein langer Brief an einem Morgen von einer teuren Freundin ist ein teuer Ding. Ich rieche ein Kompliment, ihr kleinen heillosen Mädchen, wahrhaftig! Aber wer sind diese Wiggs die meinen, ich wäre ein Tory geworden? Meinen Sie Whigs? Was für Wiggs meinen Sie? Von Raymond weiss ich nichts, und ich habe nur einen Brief von ihm erhalten, bald nachdem ich hier ankam. (Bitte denken Sie an Morgan.) Raymond wird allerdings noch viel Einfluss auf mich haben, wenn ich in London bin, und er wird an meiner Unterhaltung grossen Anteil haben. Ich werde ihn ohne Zweifel Harley, dem Grosssiegelbewahrer und dem Staatssekretär vorstellen. Der Tatler über Ithuriels Speer ist nicht von mir, gnädige Frau. Was für ein Wirrwarr steht zwischen Ihnen und Ihrem Urteil? Im allgemeinen können Sie der Dinge bisweilen sicher sein, wie es zum Beispiel mit jenem über den Stil war; aber ich hatte von dergleichen oft gesprochen. Aber das Raten ist mein A.....; und ich fordere die Menschheit heraus, wenn ich will. Ei, als ich zuletzt in London war, habe ich eine Broschüre geschrieben, die Sie und Tausende gesehn haben; und nie haben Sie erraten, dass sie von mir war. Hätten Sie erraten, dass der Schauer in London von mir war? Wie schade, dass Sie ihn nicht gesehn hatten, bevor Ihr letzter Brief abging. Aber ich denke mir, Sie in Irland hielten es nicht für der Mühe wert, ihn zu erwähnen. Auch wegen des Pasquills hat man mich nicht in Verdacht: nur Harley sagte mir, er rieche mich (habe ich Ihnen das schon gesagt?), und ein paar andre wussten is. Es heisst ›Die Rute Sidi Hameds‹. Und ich habe noch allerlei andre Sachen geschrieben, die ich loben höre, und niemand hat mich ihretwegen in Verdacht; und auch Sie sollen nichts wissen, bis ich Sie wiedersehe. Was meinen Sie mit dem: ›Die neben mir in Pension lebt und mit der ich hin und wieder esse‹? Ich kenne keinen solchen Menschen; ich esse nicht mit Pensionären. Die Pest! Sie wissen besser als ich, mit wem ich an jedem Tage gegessen habe, seit ich Sie verliess. Was meinen Sie, Bursche? Potz Henker, mein Leiden ist schon seit fast zwei Monaten vorüber. Unverschämte, wenn Sie mich ärgern, so gebe ich zehn Schilling die Woche für meine Wohnung aus; aus dieser st...t mich ohnehin die Senkgrube fast hinaus; und sie verhilft mir zu Versen in meinem Schauer. Nun, Madame Dingley, was sagen Sie zu der kommenden Welt? Was für eine Ballade? Ach, sehn Sie nach, sie taugte nicht viel; haben Sie Geduld, bis ich zurückkomme; Geduld ist ein gar lustig Ding, da usw. Ich höre nichts davon, dass Lord Mountjoy nach Irland kommt. Wann ist Stellas Geburtstag? Im März? Gott sei mir gnädig, meine Aushilfspredigt in der Christuskirche! Es ist so natürlich, Sie davon schreiben zu hören; ich glaube, Sie haben es schon hundertmal getan; es steht mir so frisch vor dem Geist, wie der Küster zu Ihnen kam; und weshalb zu Ihnen? Sollten Sie für mich predigen? 0, die Pest hole Ihre lateinische Orthographie. Jonsonibus atque, so heisst's. Wie hat der Dechant den Namen zu fassen bekommen? Sie haben mich verraten, ich nicht, potztausend; ich werde ihm nicht den Kopf brechen. Ihre Mutter ist noch auf dem Lande, vermute ich, denn sie hatte versprochen, mich zu besuchen, wenn sie in die Stadt käme. Ich habe ihr vor vier Tagen geschrieben und sie gebeten, es Lady Giffard zu eröffnen, dass sie einiges Geld für Sie in die Bank stecken möchte, die dreissig Prozent gefallen war. Wollte Gott, mein Geld wäre hier gewesen; ich hätte hundert Pfund verdient und ebenso gute Zinsen bekommen wie in Irland, und weit sicherer. Ich hätte mir gern dreihundert Pfund geborgt, aber das Geld ist hier rar, bei solchem Sinken der Kurse ist nichts zu borgen. Jetzt steigen sie wieder, und ich wusste das: sie waren von hundertsechsundzwanzig auf sechsundneunzig gefallen. Seither habe ich von Ihrer Mutter nichts mehr gehört. Meinen Sie, ich wäre so unhöflich, sie nicht zu besuchen, dass Sie mich in so melancholischem Ton darum bitten? Frau Raymond, sagen Sie, ist schwanger? Das tut mir leid, und ich glaube, auch ihrem Gatten tut es leid. Herr Harley sagt mir alles Freundliche in der Welt, und ich glaube, er würde mir helfen wollen, wenn ich hier bliebe; aber ich denke, mit der Zeit wird der Herzog von Ormond mir einen kleinen Zuwachs zu Laracor geben können. Weshalb sollten die Whigs glauben, ich wäre nach England gegangen, um sie zu verlassen? Meine Reise war doch kein Geheimnis? Ich beteure aufrichtig, ich habe getan, was ich konnte, um sie zu hindern, wie der Dechant es Ihnen bestätigen kann; jetzt freilich bereue ich sie nicht. Aber wer zum Teufel kümmert sich um das, was sie denken? Bin ich im geringsten irgendeinem von ihnen allen verpflichtet? Zum Henker mit den undankbaren Hunden! Sie sollen ihr Verhalten bereuen, ehe ich diese Stadt verlasse. Hier redet man auch so, als habe ich die Whigs verlassen; aber sie geben zu, dass sie mich in Anbetracht der Behandlung, die mir zuteil geworden ist, nicht tadeln können. Ich will für Ihre Brille sorgen, wie ich Ihnen schon sagte, und auch für die des Bischofs von Killala; aber schreiben werde ich ihm nicht, dazu habe ich keine Zeit. Was meinen Sie mit meinem vierten, Madame Dinglibus? Sagt Stella nicht, Sie hätten meinen fünften erhalten, Gevatterin Schnitzer? Sie haben mir Angst eingejagt, bis ich zurückblätterte. Nun, das genügt für einen Abend. Bitte, sagen Sie Frau Stoyte und ihrer Schwester Kate – oder heisst sie Sarah? – meine ergebene Empfehlung. Ihren Namen habe ich doch wirklich vergessen. Ich denke, ich werde (und auch Frau Walls und dem Archidiakon) dies schon morgen schicken; nein, das wäre zehn Tage nach dem letzten. Ich will es bis Samstag behalten, wenn ich auch nicht mehr schreibe. Wie aber, wenn inzwischen ein Brief von MD kommt? Nun, dann werde ich nur sagen: »Gnädige Frau, ich habe Ihren sechsten Brief erhalten, Ihr allerdemütigster Diener, über den Sie verfügen wollen, Presto.« Und damit Schluss. Also, jetzt will ich ein wenig schreiben und nachdenken, und dann ins Bett und von MD träumen. 9. Ich habe meinen Mund voll Wasser und wollte es ausspucken, weil ich bei mir selber sagte: wie kann ich schreiben, wenn ich einen vollen Mund habe? Haben Sie dergleichen nicht auch schon erlebt, dass Sie auf den ersten Gedanken ganz falsche Schlüsse zogen? Nun, ich habe heute Morgen Herrn Lewis gesprochen, und in ein paar Tagen soll ich, wie er mir sagt, mit Herrn Staats-Sekretär St. John speisen. Ich muss sehn, Harley bald wieder zu sprechen, um diese Angelegenheit mit der Königin zu beschleunigen. Ich habe heute bei Lord Montrath gegessen, und zwar mit Lord Mountjoy usw., aber der Wein war nicht gut, deshalb ging ich fort, blieb bis sieben im Kaffeehaus und ging dann nach Hause an mein Feuer: die Jungfernblüte meines zweiten halben Scheffels, und jetzt liege ich wie gewöhnlich um elf im Bett. Es ist riesig warm; aber ich fürchte, ich werde mich bei dem nassen Wetter erkälten, wenn ich abends noch in meinem Zimmer sitze, nachdem ich aus warmen Räumen komme: und ich muss sehr auf mich achten, weil MD nicht hier ist, um für Presto zu sorgen; und ich habe furchtbar viel zu tun, zu schreiben usw., und mache mir nichts aus dem Kaffeehaus; deshalb dient dies ein für allemal, damit ich nicht dasselbe immer wieder zu sagen brauche, wie alberne Leute es machen; aber Presto ist ein weiserer Mann, potztausend, als so, das lassen Sie sich gesagt sein, meine Damen. Sehn Sie, jetzt bin ich auf der dritten Seite; aber traun, das will ich nicht oft so machen; aber etwas musste ich heute auch sagen, bis der Brief fertig ist, und Samstag soll er abgehn; daher muss ich Raum sparen für morgen, übermorgen und überübermorgen. 10. O Himmel, ich wollte, dieser Brief wäre mit meinem ganzen Herzen bei Ihnen: wenn er verloren ginge, welche Menge ginge da verloren! Ich habe vergessen, in der vorletzten Zeile eine Lücke für das Siegel zu lassen; wie ein Gelbschnabel! Aber ich hätte auch an die Nacht, an das Gute-Nacht denken sollen; nur kann ich wahrhaftig nichts auslassen, wenn ich Abschied nehme; ich denke mir, das Siegel wird nicht dorthin kommen. Ich habe heute bei Lady Lucy gegessen, wo man meinen Regenschauer herunterriss und sagte, Sidi Hamed sei das albernste Gedicht, das man je gelesen habe; sie sagten Prior das, denn ihn hielten sie für den Verfasser. Wundern Sie sich nicht, dass ich noch nicht früher dort gegessen habe? Aber ich bin zu beschäftigt, und sie wohnen zu weit; und ausserdem mag ich die Frauen nicht mehr so gern wie früher. (MD, müssen Sie wissen, sind keine Frauen.) Zu Nacht habe ich heut mit Garth, Steele und Herrn Dopping bei Addison gegessen, und ich bin spät nach Hause gekommen. Lewis hat mich bitten lassen, ich möchte mit ein paar Leuten bei ihm essen, die mir gefallen werden. Ich vermute, es ist eine Verabredung mit dem Herrn Staatssekretär St. John. Ich habe eben einen Brief von Raymond erhalten, der in Bristol ist und sagt, er werde in vierzehn Tagen in London sein und seine Frau zurücklassen; er möchte gern in demselben Hause Wohnung nehmen, in dem ich bin, aber das darf nicht sein. Ich weiss nicht, was ich in der Stadt mit ihm anfangen soll; sicherlich werde ich ihn keinem meiner Bekannten vorstellen, und er wird ein heikles Leben führen als Pastor und vollkommen Fremder. Naaaach zwölf Uhr, deshalb gute Nacht usw. O, aber ich habe ganz vergessen: Jemmy Leigh ist in die Stadt gekommen; sagt, er habe Dingleys Sachen mitgebracht und werde sie bei erster Gelegenheit schicken. Mein Paket, höre ich, ist noch nicht abgeschickt. Er denkt, in einem Monat nach Irland zu gehn, usw. Ich kann morgen nicht schreiben weil ..., nun, wegen des Erzbischofs, weil ich meinen Brief früh siegeln will, weil ich von Mittag bis Abend versagt bin, wegen vielerlei Dinge; und doch will ich morgen früh ein oder zwei Worte schreiben, um mein Tagebuch durchzuführen; und morgen Abend will ich den neunten beginnen. 11. Morgens, bei Kerzenlicht. Sie müssen wissen, dass ich jeden Morgen zwischen sechs und sieben in meinem Schlafrock bin; und Patrick muss mich fünfzigmal mahnen, ehe ich meinen Schlafrock anlege; und jetzt also will ich für diesen Brief Abschied nehmen von meinen lieben MD, und meinen nächsten will ich beginnen, wenn ich heut Abend nach Hause komme. Gott der Allmächtige segne und beschütze die teuersten MD. Lebt wohl usw. Dieser Brief ist so lang wie eine Predigt, potztausend! Brief IX. London, den 11. November 1710. Ich habe heute auf eine Einladung mit dem Staatssekretär Herrn St. John gegessen. Herr Harley kam vor Tisch zu uns und entschuldigte sich bei mir, weil er nicht mit uns essen könne; er müsse Leute empfangen, die der Regierung Geld vorschiessen wollten. Mit uns speisten nur Herr Lewis und Dr. Freind, der die Geschichte der Feldzüge Lord Peterborows in Spanien geschrieben hat. Ich bin bis eben bei ihnen geblieben; es war zwischen zehn und elf, und meinen achten musste ich wieder dem Nachtwächter geben, was ich mit meinen eignen Händen getan habe, da ich ihn doch nicht bis zur nächsten Post warten lassen wollte. Der Staatssekretär ist ausserordentlich freundlich gegen mich gewesen. Nach Tisch kam Prior; und bei Gelegenheit sagte er (der Staatssekretär): das beste, was er je gelesen habe, sei nicht von ihm, sondern von Dr. Swift, das über Vanbrugh; was ich nun auch so sehr gut nicht finde. Aber Prior war niedergeschlagen, bis ich ihn mit zwei oder drei Komplimenten pfropfte. Ich entsinne mich noch, welche Ehrfurcht wir vor Sir William Temple hegten, weil er mit fünfzig hätte Staatssekretär werden können; und hier hat ein junger Bursche von kaum dreissig dieses Amt. Sein Vater ist ein Mann des Genusses, der auf dem Mall spazieren geht und in St. James's Kaffeehaus und den Schokoladenhäusern verkehrt, und sein junger Sohn ist erster Staatssekretär; liegt darin nicht etwas sehr Wunderliches? Er sagte mir unter anderm, Herr Harley beklage sich darüber, dass er mir nichts verbergen könne; ich hätte so eine Art, in ihn hineinzukommen. Ich wusste, es war ein Kompliment, und ich sagte es ihm, und es war auch so; es ist wahrhaftig stark, sehn zu müssen, dass diese grossen Männer mich wie jemand behandeln, der ihnen überlegen ist, während die Gelbschnäbel bei Ihnen in Irland mich kaum beachten: aber all das hat seine Gründe, die ich Ihnen sagen werde, wenn wir uns wiedersehn. Als ich nach Hause kam, fand ich einen Brief von Ihrer Mutter, die Antwort auf den, den ich vor zwei Tagen geschickt habe. Es scheint, sie ist in der Stadt, kann aber morgens nicht ausgehn, genau, wie Sie es sagten; Gott weiss, wann ich nachmittags Zeit haben werde. Wenn ich ihr einen Pennypostbrief schickte und nachher nicht imstande wäre, sie zu sprechen, so würde ich mich ärgern; und ausserdem sind die Tage kurz, und weshalb sie nicht frühmorgens kommen kann, ehe man sie braucht, kann ich mir nicht denken. Ich werde sie bitten, Lady Giffard zu sagen, sie höre, ich sei in der Stadt, und sie möchte mich aufsuchen, um sich nach Ihnen zu erkundigen. Es wundert mich, dass sie sich so mit der Laune der alten Bestie einsperren lässt. Sie wissen, ich kann Ehren halber Lady Giffard nicht besuchen und also auch nicht in ihr Haus gehn. Dies, denke ich, genügt fürs erste Mal. 12. Und wie konnten Sie nur auf so dünnem Papier schreiben? (Ich vergass, in meinem früheren Brief danach zu fragen.) Können Sie kein dickeres bekommen? Das ist doch eine ganz gewöhnliche Lehre, die Schreiblehrer ihre Schüler lehren; Sie müssen sie hundertmal gehört haben; sie lautet so: Ist das Papier zu dünn, Wird sich die Tinte verschmieren; Ist das Papier aber dick, Kannst einen Stock noch darüber führen. Heute erhielt ich von der armen Frau Long einen Brief, in dem sie mir über ihr gegenwärtiges Leben im Dunkel einer entlegenen Landstadt Bericht erstattet und sagt, wie wohl sie sich dabei fühle. Das arme Geschöpf! Es ist für sie derselbe Wandel im Leben, als würde Presto von MD verbannt und verurteilt, sich mit Frau Raymond zu unterhalten. Ich habe heute mit Ford, Sir Richard Levinge Sprecher des irischen Unterhauses und Lord Oberrichter des Oberhofgerichts in Dublin. usw. gegessen, und zwar in einem Kosthaus hier in der Nähe, wo sie wohnen. Ich war träg, und mir war nicht sehr wohl, da ich gestern so lange in Gesellschaft gesessen hatte. Ich habe heute Abend zu Hause sehr fleissig geschrieben; und ich hatte ein Feuer: ich verbrauche meinen zweiten halben Scheffel Kohlen; und jetzt liege ich im Bett, und es ist spät. 13. Ich habe heute in der Altstadt gegessen und ging dann hin, um Will Franklands Kind zu taufen; Lady Falconbridge Lady Falconberg (so hiess sie) war Mary Cromwell, die jüngste Tochter Cromwells. war eine der Patinnen; sie ist eine Tochter Oliver Cromwells, und nach den Bildern, die ich gesehn habe, sieht sie ihm sehr ähnlich. Ich blieb bis fast elf Uhr und bin jetzt nach Hause gekommen und zu Bett gegangen. In der Altstadt hatte ich Stratford für einen Gefallen zu danken, den er mir erwiesen hat, und von dem ich Ihnen jetzt erzählen will. Ich erfuhr, dass Bankpapiere um vierunddreissig Prozent gefallen waren, und wollte furchtbar gern welche kaufen. Freilich kam ich für den billigsten Augenblick ein wenig zu spät, da mich hier Geschäfte abhielten; denn ich war so gescheit, bis auf den Tag genau zu erraten, wann sie fallen würden. Mein Plan war dieser: ich habe dreihundert Pfund in Irland; und also schrieb ich an Herrn Stratford in der Altstadt und bat ihn, mir für dreihundert Pfund Bankpapiere zu kaufen; er sollte die Papiere behalten, und ich wolle mich verpflichten, sie ihm zu bezahlen; und wenn sie stiegen oder fielen, so wollte ich das auf mich nehmen und ihm derweilen die Zinsen bezahlen. Ich zeigte meinen Brief ein oder zwei Leuten, die etwas von solchen Dingen verstehn; und sie sagten mir, das Geld sei jetzt so knapp, dass niemand das für mich tun würde. Stratford aber, der der grossmütigste Mensch von der Welt ist, hat es doch getan; aber sie kosteten hunderteinhalb Pfund, das heisst, hundert Pfund und zehn Schilling, so dass meine dreihundert Pfund mich dreihundert Pfund und dreissig Schilling kosteten. Das geschah vor einer Woche, und jetzt kann ich schon fünf Pfund bei meinem Geschäft verdienen. Ehe sie fielen, standen sie auf hundertunddreissig, und wir sind überzeugt, dass sie wieder ebenso hoch steigen werden. Ich sagte Ihnen schon, dass ich Ihrer Mutter geschrieben habe, sie möchte Lady Giffard bitten, mit dem, was sie Ihnen schuldet, desgleichen zu tun; aber sie hat Ihrer Mutter gesagt, sie habe kein Geld. Ich wollte zu Gott, alles, was Sie haben, wäre da. Wenn Sie je Geld verleihen, so machen Sie es sich zur Regel, dass Sie zwei Leute bürgen lassen, die beide sichtlich Vermögen haben; denn sie werden kaum gleichzeitig sterben; und wenn der eine stirbt, so fallen sie über den andern her und lassen ihn für eine neue Bürgschaft sorgen; und wenn Rathburn (jetzt habe ich seinen Namen) Ihnen Ihr Geld zahlt, so lassen Sie es mich wissen, und ich werde Parvisol die entsprechenden Anweisungen geben: aber er soll Sie auf suchen und fragen. Also, meine Damen, genug der Geschäfte für einen Abend. Die Uhr hat zwöööölf geschlagen. Ich muss nur noch hinzufügen, dass es nach einer langen Zeit regnichten Wetters zwei oder drei Tage lang schön war, und dass es heute kalt und frostig geworden ist; deshalb müssen Sie dem armen, kleinen Presto Erlaubnis geben, morgens und abends auch in seinem Zimmer ein Feuer anmachen zu lassen, und er will Ihnen desgleichen geben. 14. Was, hat Ihr Kanzler Richard Freeman, Lord Kanzler von Irland seit 1707. den Verstand verloren wie Will Crowe? Ich vergass, Dingley zu sagen, dass ich gestern in Ludgate war, um in dem grossen Laden dort die Brillen zu besprechen; ich werde sie in ein oder zwei Tagen haben. Es ist ein fader Tag gewesen. Ich habe bei Frau Vanhomrigh gegessen und bin ernst nach Hause gegangen, nachdem ich nur eben ins Kaffeehaus hineingeblickt hatte. Sir Richard Cox, sagt man, wird sicher als Lord Kanzler hinübergehn; er ist ein so abenteuernder Gelbschnabel, wie nur je einer Brot ass; aber der Herzog von Ormond hat von Natur eine gewisse Neigung zu Gelbschnäbeln, was tausendmal schade bleibt, weil er selbst keiner ist. Ich habe mich bis jetzt zu Hause amüsiert und sage Ihnen jetzt im Bett gute Nacht. 15. Ich habe heute morgen Besuche gemacht, aber niemand war zu Hause: Bei Staatssekretär St. John, Sir Thomas Hanmer, Sir Chancellor Goxcomb usw. Ich habe dann den Herzog von Ormond mit etwa fünfzig andern irischen Herrn nach Skinner's Hall begleitet, wo die Londonderry Society dreihundert Pfund ausgab, um uns und Seinen Gnaden ein Diner zu geben. Drei grosse Tische mit dem Nachtisch in gewaltigem Prunk aufgebaut. Sir Richard Levinge und ich schlichen uns vorsichtig an den Kopf des zweiten Tisches, um das Gedränge am ersten zu vermeiden; aber es war so kalt und die Trompeten und Hoboen machten einen so höllischen Lärm, dass ich müde wurde und mich fortstahl, ehe noch der zweite Gang erschien; daher kann ich Ihnen keinen Bericht erstatten, was tausendmal schade ist. Ich bin noch wegen Dingleys Brille nach Ludgate gegangen und soll sie in ein oder zwei Tagen haben; und ich fürchte, das wird mich dreissig Schilling für ein Mikroskop kosten, aber nicht ohne Stellas Erlaubnis; denn ich entsinne mich, sie ist ein ›virtuoso‹. Soll ich es kaufen oder nicht? Es ist keins von den grossen, umfangreichen, auch keins von den gewöhnlichen kleinen, unter denen man eine Laus auf eine Nadelspitze steckt (mit Erlaubnis zu sagen); sondern ein exakteres, mit einem helleren Gesichtsfeld, mit allem Zubehör in einer kleinen Schatulle, die man in der Tasche tragen kann. Sagen Sie mir, Bursche, soll ich es für Sie kaufen oder nicht? Dann bin ich geradenwegs nach Hause gegangen. 16. Heute habe ich in der Altstadt gegessen, bei Herrn Manley, der Herrn Addison und mich und ein paar andre Freunde in seine Wohnung eingeladen hatte und uns recht hübsch bewirtete. Ich kehrte mit Herrn Addison zurück und hielt mich bis neun Uhr im Kaffeehaus auf, wo man mich kaum noch kannte, weil ich so selten komme. Ich bitte hier für Trounce; Sie kennen ihn: er war Feuerwerker auf der früheren Jacht und möchte es gern auf der jetzigen wieder werden; wenn Sie sich seiner entsinnen, er ist ein guter, kräftiger Bursche von frischen Farben. Soll ich warten, bis ich einen andern Brief von MD habe, ehe ich diesen abschliesse? Herr Addison und ich, wir treffen uns ein wenig seltener als früher, obgleich wir im Grunde so gute Freunde sind wie nur je; aber wir sind in Parteidingen etwas verschiedener Meinung. 17. Heute ging ich zu Lewis im Sekretariat, wo ich Herrn Harley sah und sprach; er versicherte mir, dass er meine Angelegenheit in wenigen Tagen erledigen wolle. Ich machte ihm Vorwürfe, weil er mich in die Notwendigkeit versetzte, ihn daran zu erinnern, und zog ihn auf, was er sehr gut hinnahm. Ich habe heute bei einem Herrn Gore gegessen, dem älteren Bruder eines jungen, mit mir bekannten Kaufmanns, und Stratford und die andern mir befreundeten Kaufleute assen mit uns; ich bin bis spät dort geblieben und habe Rotwein und Burgunder getrunken; ich bin erst eben zu Bett gegangen und will nichts weiter sagen, als dass es jetzt wieder Zeit wird, einen Brief von meiner lieben kleinen MD zu erhalten; denn den letzten hatte ich vor vierzehn Tagen, und der war zu alten Datums. 18. Heute habe ich mit Lewis und Prior in einem Speisehaus gegessen, aber mit Lewis' Wein. Lewis ging, und Prior und ich blieben sitzen und machten uns ein oder zwei Stunden lang gegenseitig Komplimente über unsern Witz und unsre Dichtkunst. Als ich um sieben nach Hause ging, hielt mich auf Pall Mall ein unbekannter Herr an und bat mich um meinen Rat; er sagte, er hätte der Königin (die gerade in die Stadt gekommen war) einen Besuch gemacht, aber die diensttuenden Beamten hätten ihn nicht vorlassen wollen; er hätte zweihunderttausend Mann bereit, um ihr im Kriege zu dienen; er kenne die Königin sehr genau und habe eine Wohnung im Palast, und wenn sie hörte, dass er da wäre, so würde sie auf der Stelle nach ihm schicken; sie sei ihm zweihunderttausend Pfund schuldig, und nun wollte er meine Meinung darüber wissen, ob er noch einmal versuchen sollte, sie zu sprechen, oder ob er nicht lieber bis morgen warten sollte, da sie vielleicht nach der Reise müde sei. Ich wollte meinen Gefährten los sein und bat ihn um alles in der Welt, ihr sofort seine Aufwartung zu machen; denn meines Wissens würde die Königin ihn vorlassen; dies sei eine Sache von ungeheurer Wichtigkeit, die Eile verlangte; und ich bat ihn, mir den Erfolg zu melden und ins Smyrna-Kaffeehaus zu kommen, wo ich bis Mitternacht auf ihn warten wollte, und so schloss dieses Abenteuer. Gern hätte ich dem Mann eine halbe Krone gegeben, fürchtete mich aber, sie ihm anzubieten, weil er vielleicht beleidigt gewesen wäre; denn ausser seinem Geld, sagte er, hat er noch tausend Pfund im Jahr. Ich kam nicht allzu früh nach Hause, und also, meine beiden Damen, gute Nacht usw. 19. Ich habe heute mit dem armen Lord Mountjoy gegessen, der an der Gicht leidet; und heute Abend habe ich das Kind Elliots, unsres Kaffeewirts, getauft; der Halunke hatte ein sehr nobles Abendessen, und Steele und ich sassen mitten in einer schäbigen Gesellschaft bei einer Bowle Punsch, so dass ich spät nach Hause gekommen bin, junge Frauen, und mich nicht mehr damit aufhalten kann, an die kleinen Halunkinnen zu schreiben. 20. Ich hielt mich zu Hause und ass dann bei Sir Andrew Fountaine; dann bin ich nach Hause gegangen; ein alberner Tag. 21. Ich habe den ganzen Morgen Besuche gemacht und ging dann ins Sekretariat, wo ich Herrn Harley fand, bei dem ich gegessen habe; Staatssekretär St. John war da usw.; und Harley versprach mir, in wenigen Tagen zu erledigen, was von meiner Sache noch zu tun sei. Prior war auch von der Gesellschaft, und wir alle essen morgen bei dem Staatssekretär. Heute früh habe ich Stellas Mutter gesehn; sie kam sehr zeitig, und wir haben eine Stunde lang geplaudert. Ich wollte, Sie schlügen Lady Giffard vor, ihr die dreihundert Pfund aus der Hand zu nehmen und ihr auf Lebenszeit Zinsen zu bezahlen, indem Sie ihr Bürgschaft für die Zahlung stellen; der Bischof von Clogher oder irgendein andrer Freund würde für Sie bürgen, wenn Sie ihnen Gegenbürgschaft gäben. Man kann geltend machen, dass es für den Fall eines Todes besser in Ihrer Hand wäre. Ihre Mutter sagt, wenn Sie es ihr schreiben, so wolle sie es unterstützen; und Sie können auch an Ihre Mutter schreiben, dann geht es von ihr aus. Sie sagt mir, nach ihren Reden zu schliessen, möchte Lady Giffard mich sprechen, aber ich habe ihr gründlich gesagt, was sie erwidern soll. Sie hat Lady Giffard gesagt, dass sie mich besuchen wollte; sie sieht ausserordentlich gut aus. Ich schreibe in meinem Bett wie ein Tiger; und also gute Nacht usw. 22. Ich habe beim Staatssekretär St. John gegessen; und Lord Dartmouth, der andre Staatssekretär, ass mit uns; ferner Lord Orrery, Prior usw. Harley sprach vor, konnte aber nicht mit uns speisen; er wollte mich mitnehmen, während ich noch bei Tische sass; aber die Gesellschaft, die zu ihm kommen sollte, behagte mir nicht. Wir blieben bis acht, und ich sprach noch im Kaffeehaus vor und sah dahin, wo die Briefe liegen; aber kein Brief an Herrn Presto; schliesslich sah ich einen Brief für Herrn Addison, und er sah nach der Handschrift einer Halunkin aus; deshalb liess ich ihn mir von dem Burschen geben und öffnete ihn vor seinen Augen und fand drei Briefe darin, alle für mich; wahrhaftig, da steckte ich sie denn in meine Tasche und ging nach Hause in meine Wohnung. Na, und nun sollen Sie hören: na, und der eine war in Dingleys Handschrift, der andre in Stellas und der dritte in Domvilles. Ein irischer Landedelmann. Na, und nun sollen Sie hören: na, ich sagte bei mir selber: Was? Zwei Briefe von MD auf einmal? Aber ich dachte mir, dass da etwas im Wind lag; ich also öffnete den einen, und ich öffnete den andern; na, und nun soll'n Sie hören; der eine war von Walls. Ja, aber der andre, der war von unsern lieben MD; jawohl! O Potztausend, haben Sie meinen siebenten schon erhalten? Dann muss ich diesen morgen abschicken, sonst wird Furchtbares geschehn in unserm Hause, traun. – Nun, ich will Ihren Brief noch nicht in diesem beantworten. Nein, das sollte mir einfallen! Und dergleichen habe ich noch nicht erlebt. Walls aber sagen Sie nur (mit Empfehlung für ihn und Frau usw.), dass ich nicht daran denke, Herr Pratt könnte seine Stellung verlieren; und solange Pratt sich hält, ist Clements nicht in Gefahr; Lord Hyde, von dem er spricht, habe ich bereits gebeten, und zwar für Pratt und zwanzig andre; aber wenn dergleichen geschehn sollte, so werde ich tun, was ich kann. Ich habe jetzt die Angelegenheiten von mindestens zehn andern Leuten auf dem Hals, und ich glaube, bei der Hälfte davon werde ich keinen Erfolg haben. Das ist Ihr sechster, den ich eben erhalten habe. Ich habe mit der letzten Post wieder an den Bischof von Clogher geschrieben. Soll ich dies morgen abschicken? Nun, ich will's tun, MD zu Gefallen. Was möchten Sie lieber, jede Woche einen kurzen Brief oder alle vierzehn Tage einen langen? Nein, ich sage Ihnen: viel zu lang für unartige Mädchen. 23. Ich frage nur: haben Sie die beiden zehn Pfund bekommen, oder nur die ersten? Ich hoffe, Sie meinen beide. Bitte, sein Sie haushälterisch, und ich flehe Sie an, gehn Sie, sooft Sie können, um der Gesundheit willen zu Fuss. Haben Sie das Pferd in der Stadt? Und reiten Sie jemals? Wie oft? Bekennen Sie. Ahhh, Bursche! Habe ich Sie gefangen? Können Sie es einrichten, Frau Fenton Swifts Schwester, die infolge des Bankerotts ihres Mannes, eines Gerbers, ganz von Swift abhing. wissen zu lassen, dass ich inbetreff der Bitte, die sie mir in ihrem Brief stellt, meinen ganzen Einfluss aufbieten werde, obwohl ich höre, dass es schwer zu erreichen ist, und fürchte, dass ich keinen Erfolg haben werde. Cox wird nicht Ihr Kanzler: alle haben sich gegen ihn verbündet. Ich habe mit Prior, Lewis und Dr. Freind bei Lord Peterborow zu Nacht gegessen. Er ist der tollste Lügenhalunke auf Erden. Dr. Raymond ist in der Stadt angekommen. Es ist spät, und also sage ich Ihnen gute Nacht. 24. Ich sage Ihnen, eine schöne Geschichte: Ned Southwell sagte mir neulich, er hätte einen Brief von den Bischöfen von Irland erhalten, mit einer Adresse an den Herzog von Ormond, damit er sich bei der Königin dafür verwenden möchte, dass sie die Erstlinge erliesse. Ich ass heute bei ihm und habe den Brief gesehn, und noch einen zweiten Brief vom Bischof von Kildare: er möchte die Papiere von mir verlangen, usw. Ich selber erhielt mit der letzten Post einen vom Erzbischof von Dublin, der mir den Grund für dieses Vorgehn angab; als die Bischöfe hörten, dass der Herzog von Ormond zum Lord Statthalter ernannt worden wäre, hätten sie eine Versammlung abgehalten und sich für diesen Plan entschieden, indem sie von meiner Vermittlung sehr kühl sprachen weil ich von der andern Partei begünstigt würde; immerhin wünschten sie, dass auch ich noch weiter vermittelte. Nun ist das eine wunderbare Weisheit; denn ich hatte dem Erzbischof über meinen Empfang bei Herrn Harley Bericht erstattet und ihm gesagt, er habe mit der Königin geredet und versprochen, dass es geschehen sollte; aber Herr Harley habe mir befohlen, es keiner lebenden Seele zu sagen. Eine Weile darauf erlaubte er mir, dem Primas und dem Erzbischof zu melden, dass die Königin auf die Erstlinge verzichtet hätte, und dass sie in Kürze durch Lord Dartmouth, den Staatssekretär, darüber unterrichtet werden sollten. Während also der Brief an Southwell und den Herzog von Ormond unterwegs war, ging ihnen meiner mit dem Bericht zu, dass die Sache erledigt sei. Ich habe dem Erzbischof auf der Stelle eine hitzige Antwort geschickt und meinen Groll gegen die Bischöfe gezeigt, wie es sich gebührt, und nur aus Höflichkeit habe ich ihn selber ausgenommen. Ich möchte wissen, was sie sagen werden, wenn sie hören, dass die Sache erledigt ist. Gestern war ich gezwungen, Southwell zu sagen, dass die Königin schon eingewilligt hätte usw., denn er sagte, der Herr Herzog wolle daran denken, wenn er in einigen Monaten nach Irland ginge; und er habe schon früher drei Jahre lang daran gearbeitet, aber ohne jeden Erfolg. Ich gebe Ihnen Erlaubnis, bei Gelegenheit zu sagen, dass es erledigt ist, und dass Herr Harley die Königin dazu vermocht hat usw., ganz, wie Sie wollen. So wahr ich am Leben zu bleiben hoffe, ich verschmähe die Ehre aus einem Übermasse des Stolzes heraus, und ich wünsche, dass Sie mir nicht das geringste Verdienst zuschreiben, wenn Sie davon reden; aber ich möchte die Bischöfe ärgern und es verbreiten, dass Herr Harley es durchgesetzt hat: bitte, tun Sie das. Ihre Mutter schickte mir gestern Abend ein Paket Wachskerzen und eine Bänderschachtel voll kleiner Plumkakes. Ich dachte, es wäre etwas für Sie, und ohne zu öffnen, schickte ich durch das Mädchen die Bestellung, dass ich dafür sorgen würde, die Sachen zu befördern usw.; aber ich werde ihr schriftlich danken. Ist dies ein langer Brief, Burschen! Nun, sind Sie zufrieden? Ich habe seit dem ersten keinen Anfall wieder gehabt: ich trinke jeden Morgen Branntwein und nehme jeden Abend Pillen. Keine Angst, ich ärgere mich nicht weiter über diese alberne Geschichte mit den Bischöfen, obwohl ich es zuerst getan habe. Ich will Ihnen sagen, welches mein Lohn ist: Herr Harley wird glauben, er habe mir eine Gunst erwiesen; der Herzog von Ormond, ich habe ihn vernachlässigt, und die Bischöfe in Irland, ich habe überhaupt nichts getan. So läuft die Welt. Aber ich bin über all das hinaus, und vielleicht habe ich mehr Grund dazu, als sie wissen; und nun werden Sie nichts mehr von Erstlingen, Herzögen, Harleys, Erzbischöfen und Southwells hören. Ich habe Raymond auf ein paar seiner Landsleute abgewälzt, damit sie ihm die Stadt zeigen, und ich leihe ihm Patrick. Er möchte abends gern bei mir sitzen; worauf ich Patrick strengen Befehl erteilt habe, dass ich abends nicht zu Hause bin. Brief X. London, den 25. November 1710. Ich will Ihnen etwas sagen, was verdammt albern ist. Ich hatte in meinem letzten am 23. vergessen zu sagen, wo ich gegessen hatte; und da ich es sonst stets getan habe, hielt ich es für eine grosse Unterlassung und wollte es zwischen die Zeilen schreiben; aber schliesslich trieb mich die Albernheit, ›Bah!‹ zu rufen, und ich liess es. Heute bin ich hingegangen, um den Zusammentritt des Parlaments zu sehn, aber ich sah nur ein grosses Gedränge; und Ford und ich besuchten die Gräber in Westminster und schlenderten so lange herum, dass ich gezwungen war, zum Essen in ein Speisehaus zu gehn. Bromley ist nemine contradicente zum Sprecher erwählt worden. Verstehn Sie die beiden lateinischen Worte? Und Pompejus, Oberst Hills Schwarzer, will sich zum Sprecher der Lakaien Die Lakaien, die vor dem Parlament ihrer Herren harrten, pflegten damals die parlamentarischen Formen nachzuahmen. wählen lassen. Ich bin gebeten worden, meinen Einfluss für ihn aufzubieten, und ich habe mit Patrick gesprochen, damit er ihm ein paar Stimmen verschafft. Wir sind jetzt alle voll Ungeduld auf die Rede der Königin; was sie über die Änderung des Ministeriums usw. sagen wird. Ich habe mich erkältet und weiss nicht wie; aber es ist so, und ich bin heiser. Ich weiss nicht, ob es besser wird oder schlimmer. Was geht das Sie an? Ich will Ihren Brief heute Abend noch nicht beantworten. Ich will Sie ein wenig länger in Ungewissheit halten: ich kann ihn nicht abschicken. Die Kuchen Ihrer Mutter sind sehr gut, und einen davon esse ich zum Frühstück, und jetzt will ich wie ein guter Junge schlafen gehn. 26. Ich habe mich grausam erkältet und heute den ganzen Tag in meinem Schlafrock im Zimmer bleiben müssen; gegessen habe ich für sechs Pence, und im übrigen habe ich gelesen und geschrieben und mich für jedermann verleugnen lassen. Dr. Raymond hat mehrmals nach mir gefragt, und ich wurde verleugnet; schliesslich aber, als ich müde war, liess ich ihn heraufkommen und fragte ihn ohne Umstände, wie Patrick mich verleugnet habe und ob er es verstehe. Auf diese Weise soll er sich daran gewöhnen, dass ich mich vor ihm verleugnen lasse; sonst wäre er für mich eine elende Plage und Hinderung; er hat zwei Stunden lang bei mir gesessen und einen Liter Bier getrunken, der mich fünf Pence gekostet hat; und er hat seine Pfeife geraucht; jetzt ist es nach elf, und er ist eben fort. Nun, mein achter ist jetzt bei Ihnen, junge Frauen, und Ihr siebenter steckt jetzt auch im Beutel eines Postjungen; und also gehn Sie zu Ihrer Truppe von Dechanten, Stoytes und Walls und verlieren Sie Ihr Geld; gehn Sie, Naseweise, und also gute Nacht und sein Sie glücklich, liebe Halunkinnen. Oh, aber Ihre Kiste ist von Sterne an Dr. Hawkshaw geschickt worden, und Sie werden sie mit Hawkshaw, Brille usw. usw. erhalten. 27. Heute begegnete Herr Harley mir im Gnadengerichtshof und bat mich flüsternd, bei ihm zu speisen. Bei Tisch erzählte ich ihm, was diese Bischöfe vollbracht haben und in welcher Schwierigkeit ich bin. Er bat mich, mir keine Sorge zu machen; er würde dem Herzog von Ormond sagen, dass die Sache erledigt sei und dass er sich nicht mehr darum zu kümmern brauche. Ich bin also unbesorgt, und sie können sich aufhängen als die Bande unverschämter, undankbarer Schurken, die sie sind. Ich vermute, ich habe Ihnen in meinem letzten gesagt, dass sie dem Herzog von Ormond eine Adresse und Southwell einen Brief geschickt haben, in dem sie ihm befahlen, die Papiere von mir zu verlangen, nachdem die Geschichte schon vorüber war; aber sie hatten meinen Brief noch nicht, obwohl der Erzbischof nach dem, was ich ihm schrieb, wohl hätte erwarten können, dass die Sache erledigt würde. Nun, das ist zu Ende, und in Kürze wird die Königin ihnen Nachricht schicken, usw. Dann werden die Methoden festgelegt, und ich werde an die Heimkehr denken, obgleich ich infolge der Gemeinheit dieser Bischöfe Irland weniger liebe als früher. 28. Lord Halifax liess mich zum Essen einladen, und ich blieb bis sechs bei ihm; ich widersprach ihm in all seinem whiggistischen Gerede und habe ihn oft auf meine Seite herübergezogen. Ich weiss, er macht den neuen Leuten den Hof, obgleich er zum Schein noch wie ein Whig redet. Ich hatte heute einen Brief von dem Bischof von Clogher, aber ich habe ihm schon vor kurzem geschrieben, ich würde seinen Befehlen inbetreff des Herzogs von Ormond nachkommen. Er sagt, ich hätte ihn gebeten, den Londoner ›Shaver‹ zu lesen; und Sie hätten beide geschworen, es hiesse ›Shaver‹, nicht ›Shower‹. Das mehrfach genannte Gedicht über den Regenschauer. Sie lügen alle, und Sie sind Gelbschnäbel und können Prestos Handschrift nicht lesen. Der Bischof irrt sich absolut in seinen Vermutungen über meinen Anteil an den Tatlers. – Ich habe an andre, weit wichtigere Dinge zu denken; sonst habe ich wenig damit zu tun, dass die neuen Minister mich kennen, die mich ein wenig mehr schätzen als die irischen Bischöfe. 29. Und jetzt Ihr naseweiser, guter, kleiner Brief; lassen Sie sehn, was sagt er? Kommen Sie. Ich habe heute bei Ford gegessen und bin früh nach Hause gekommen. Er hat mich noch wieder zu einer Flasche Wein in seinem Zimmer verführt, bis zwölf; also gute Nacht. Ich kann Ihnen jetzt keine Antwort mehr schreiben, Sie Halunkinnen. 30. Heute habe ich Besuche gemacht, was ich lange verabsäumt hatte; ich habe mit Frau Barton allein gegessen und dann bis acht im Kaffeehaus gefaulenzt; bis elf habe ich schliesslich noch gearbeitet, und jetzt will ich Ihren Brief beantworten, Sie Naseweise! Nun, lassen Sie mich noch einmal sehn. Meine Wachskerze ist fast ausgebrannt, aber ich will beginnen. Nun, sein Sie doch nicht so langweilig, Herr Presto; was können Sie auf MD's Brief erwidern? Beeilen Sie sich, hören Sie doch mit der Vorrede auf! – Nun, ich sage, dass ich mich freue, wenn Sie so oft ausgehn; Ihre Mutter meint, der Mangel an Bewegung schade Ihnen, und das meine auch ich. (Sie war heute Abend hier, aber ich war nicht zu Hause, das nebenbei.) Sie werden mich doch nicht täuschen, Stella, wenn Sie sagen, Sie befänden sich besser, als Sie es seit drei Wochen getan hätten. Denn gestern sagte mir Dr. Raymond, Smyth, vom Blind Quay, hätte Herrn Leigh gesagt, Sie wären sehr krank gewesen, als er abreiste, und kurz, er hätte so gesprochen, dass der arme Leigh fast geweint hätte und dass ich hätte von Sinnen kommen können; Ihr Brief freilich ist vom 11. dieses datiert, und Smyth habe ich vor über vierzehn Tagen in der Altstadt gesehn, als ich ihm im Wagen vorbeifuhr. Bitte, bitte, schreiben Sie nicht mehr, Stella, bis es Ihnen mit Ihren Augen wieder mächtig, mächtig, mächtig, mächtig, mächtig wohl geht und Sie sicher sind, dass es Ihnen nicht mehr schaden kann. Oder kommen Sie, ich will Ihnen etwas sagen; Sie, Frau Stella, sollen Ihren Anteil in fünf oder sechs Sitzungen schreiben, täglich eine Sitzung; und dann kommt Dingley hintereinander weg, und schliesslich Stella am Schluss noch einen kleinen Brocken, damit wir sehn, dass sie noch an Presto denkt; und dann wird mit etwas Hübschem und Artigem geschlossen; wie zum Beispiel mit einem: Ihre demütige, blütige oder usw. O Himmel, Patrick schreibt, ich käme nicht vor dem Frühjahr? Der Unverschämte! Er kennt meine Geheimnisse? Nein, wie der Herr Oberbürgermeister sagte, nein, wenn ich dächte, dass mein Hemd wüsste, usw. Wahrhaftig, ich will so bald kommen wie es nur irgend angängig ist, dass ich komme; aber die Wahrheit zu sagen, so bin ich gegenwärtig mit dem gegenwärtigen Ministerium ein wenig in einige gewisse Dinge verwickelt (was ich Ihnen als Geheimnis sage); sobald ich nur meine Hände frei machen kann, will ich nicht länger bleiben; denn ich hoffe, die Geschichte mit den Erstlingen wird bald in aller Form erledigt sein. Doch die Wahrheit zu sagen, so hat das gegenwärtige Ministerium eine schwierige Aufgabe, und es braucht mich, usw. Vielleicht wird es genau so dankbar sein wie die andern; aber nach meinem besten Urteilsvermögen verfolgt es das wahre Interesse der Allgemeinheit: und deshalb trage ich mit Freuden bei, was in meiner Macht steht. Um Gotteswillen, kein Wort davon an irgendeine lebende Seele. – Ihr Kanzler, gnädige Frau? O, ich kann Ihnen sagen, der ist seit vierzehn Tagen tot. Wahrhaftig, ich konnte kaum unsre Kindersprache vermeiden, als ich Ihnen von einem scheusslichen toten Kanzler zu berichten hatte; Sie können es am Durchgestrichnen sehn. Pflügen? Die Pest möge sie pflügen: sie werden mich zu nichte pflügen! Aber haben Sie Ihr Geld, die beiden Zehnpfundnoten? Wie konnte er wagen, die zweiten so bald zu bezahlen? Bitte, sein Sie haushälterisch. – Ach ja, und Joe; nun, ich habe kürzlich einen Brief von Joe erhalten, in dem er mich bat, ein wenig für Ihre arme Stadt zu sorgen, die, wie er sagt, ihre Privilegien verlieren soll. Ich habe Dr. Raymond gebeten, darauf zu erwidern: Die Stadt habe sich so schlecht gegen mich benommen, habe den Rat, den ich ihr gab, so wenig beachtet, und solche Zwietracht innerhalb ihrer Mauern gezeigt, dass ich fest entschlossen sei, mich nie mehr um sie zu kümmern; soweit ich aber Joe persönlich gefällig sein kann, soll es geschehn, Bitte, wenn Sie Joe sehn, so sagen Sie ihm das, damit Raymond keinen Schnitzer macht oder es ganz vergisst. Die arme Frau Wesley – wozu diese Entschuldigungen wegen ihres Aufenthalts im Ausland? Weshalb sollten Sie überhaupt zu Hause sein, wenn Stella nicht ganz wohl ist? – Hier kommt also Frau Stella noch einmal wieder mit ihren zwei Eiern, usw. Mein Schauer bei Ihnen bewundert? Ei, der Bischof von Clogher sagt, er hat schon etwas Ähnliches von mir gesehn, was besser ist als der Schauer. Ich vermute, er meint den ›Morgen‹; aber der ist nicht halb so gut. Ich möchte Ihr Urteil über die Dinge, nicht das Ihres Landes. Wie gefällt er MD? Und würdigen Sie ihn ganz ? usw. Ich freue mich, dass Dechant Bolton die zwanzig Pfund bezahlt hat. Weshalb sollte ich den Bischof von Clogher nicht ausschelten, wenn er an den Erzbischof von Cashel schreibt, ohne mir den Brief erst zu schicken? Das hat keinen ... zu bedeuten; denn er hat keinen Einfluss bei Hofe. Unsinn – sie sind alle Gelbschnäbel; ich werde Ihnen in allem Ernst den Kopf einschlagen, junge Frauen, wenn Sie so hässlich über Frau Barton scherzen. Unglückliches Schlümpchen, was für ein Wort steht da? Wahrhaftig, gestern, als ich bei ihr war, dachte ich immerfort, ob sie sie brechen könnte oder nicht, und das hat mir die ganze Phantasie verdorben. Frau Walls, gewinnt Stella wirklich, wie sie behauptet? Nein, wahrhaftig, Doktor, sie verliert immer, und wenn sie so gewagt spielt, wie kann sie da gewinnen? Nun sehen Sie, sind Sie nicht eine unverschämte Lügenbrut? Bitte, öffnen Sie Domviles Brief; was bedeutet es, wenn Sie Lust haben? Ja, wahrhaftig, Sie schreiben flott, wenn Sie die Augen geschlossen halten; alles war gut bis auf das W. Passen Sie auf, wie schön ich es kann: ›Frau Stella, Ihr ergebener Diener‹. O, man darf ja auch nachsehn, ob man schief schreibt, und dann fortfahren. Ich will Ihnen sagen, was Sie tun können; Sie können mit halbgeschlossenen Augen schreiben als wollten Sie einschlafen: das habe ich jetzt zwei oder drei Zeilen lang getan; man kann nur gerade genug sehn, um nicht schief zu schreiben. – Nun, Frau Dingley, ich denke, ich bat Sie, Herrn Walls zu sagen, ich würde seinem Freund, falls sich Gelegenheit bieten sollte, so weit ich kann, gern dienen; aber ich hoffe, die Gelegenheit wird nicht kommen. Immerhin erwarte ich, dass Sie ein neues Parlament bekommen; ob Sie aber ein bessres erhalten oder nicht, das ist mir gleich. Sie irren sich in all Ihren Vermutungen über die Tatlers. Ich habe ihm ein oder zwei Winke gegeben, und Sie haben mich über den Schilling Die Autobiographie eines Schillings; Tatler No. 249, von Addison. reden hören. Wahrhaftig, diese Antwortbriefe sind sehr lang: Sie nehmen mir fast den Raum für eine Woche des Tagebuchs; und ich will Ihnen etwas sagen; ich habe heute Kerle mit Kreuzen St. Andreastag. gesehn, und ich fragte mich, was wohl los sein möchte; aber in diesem Augenblick fällt mir ein, dass der kleine Presto Geburtstag hat; und seit drei Tagen war ich entschlossen, daran zu denken, wenn er käme, aber ich konnte nicht. Bitte, trinken Sie heute bei Tisch auf mein Wohl, ja, ihr Halunken? Gefällt Ihnen Sidi Hameds Rute? Verstehen Sie es ganz? Nun, endlich bin ich mit Ihrem Brief fertig, und nun will ich mich schlafen legen und von schönen Mädchen träumen, und ich hoffe, es werden lauter lustige Mädchen sein. Den 1. Dezember, morgens. Ich wollte, Smyth würde gehängt. Ich habe die melancholischsten Dinge von der armen Stella geträumt und mich die ganze Nacht gegrämt und geträumt. – Bah, es ist töricht: ich will aufstehn und mich zerstreuen; und Gott behüte und schütze Sie in seiner unendlichen Gnade. Der Brief des Bischofs von Clogher ist vom 21. November datiert. Er sagt, Sie dächten daran, mit ihm nach Clogher zu gehn. Das freut mich von Herzen, und ich wollte, Sie ritten dorthin, und Dingley führe in der Kutsche. Ich habe seit meinem ersten Schwindelanfall keinen wieder gehabt, obgleich mein Kopf bisweilen nicht ganz in Ordnung ist. – Abends. Ich habe heute Morgen Herrn Pratt besucht, der mit dem armen, kranken Lord Shelburn herübergekommen ist; ich musste mit ihnen essen, und bin wie ein Pinsel bis acht Uhr bei ihnen geblieben, indem ich ihnen beim Ombre zusah; dann bin ich nach Hause gegangen. Lord Shelburns Schwindelanfälle haben sich in eine Kolik verwandelt, und er sieht elend aus. 2. Steele, der Halunke, hat das Unverschämteste von der Welt getan: er hatte in einem Tatler davon gesprochen, dass wir in der Unterhaltung das Wort Grossbritannien benutzen sollten, und nicht England; wie zum Beispiel: die schönsten Frauen von Grossbritannien usw. Daraufhin schickten Rowe, Prior und ich ihm einen Brief, in dem wir das lächerlich machten. Heute hat er den Brief abgedruckt und ihn mit den Initialen unsrer Namen gezeichnet: J. S., M. P. und N. R. Congreve sagte mir heute, er habe es gleich gemerkt. Congreve und ich und Sir Charles Wager haben heute bei Delaval, dem portugiesischen Gesandten, gegessen; ich blieb bis acht und ging dann nach Hause, und jetzt schreibe ich an Sie, bevor ich Geschäfte erledige; denn Patrick, der Hund, ist nicht zu Hause, und es brennt kein Feuer, und ich bin nicht in meiner Tracht. Der Henker soll ihn holen! – Ich habe zufällig einen Blick auf den obern Rand dieser Seite geworfen und sehe, dass ich mich bei den Wörtern elend verschreibe; also müssen Sie ausser gegen die schlechte Schrift auch noch dagegen kämpfen. Wahrhaftig, ich kann weder noch will ich wieder durchlesen, was ich geschrieben habe, (Die Pest auf diesen Gelbschnabel!) Nun, ich will Sie verlassen, bis ich im Bett liege, und dann will ich noch ein oder zwei Worte sagen.– Also, es ist jetzt fast zwölf, und ich habe bis jetzt gearbeitet und zwar bei einem Feuer (ich nehme meine Kohlen in halben Scheffeln ein, ich versichere Sie), und jetzt bin ich ins Bett gestiegen. Nun, was haben Sie Presto zu sagen, nachdem er nun im Bett liegt? Kommen Sie, lassen Sie Ihre Reden hören. Nein, das ist eine Lüge, ich bin noch nicht schläfrig. Wir wollen uns noch ein wenig aufsetzen und plaudern. Also, wo sind Sie heute gewesen, da Sie erst gerade in dieser Minute in einem Wagen nach Hause kommen? Wieviel haben Sie verloren, Stella? Bezahlen Sie den Kutscher, Stella. Nein, bei Gott, ich nicht, da würde er murren. – Welche neue Bekanntschaft haben Sie geschlossen? Kommen Sie, lassen Sie uns hören. Delaval hat mir versprechen müssen, mir aus Portugal ein wenig brasilianischen Tabaks für Sie zu schicken, Madame Dingley. Ich hoffe, Sie werden Ihre Schokolade und Ihre Brille haben, ehe dies Sie erreicht. 3. Bah, jeden Abend muss ich an diese lieben, ungezogenen Bälge schreiben, ob ich will oder nicht, und wieviel ich auch zu tun habe und wie spät ich auch nach Hause komme und wie schläfrig ich auch sei; aber es ist ein alter Spruch und ein wahrer: Seid ihr Grafen, seid ihr grosse Herrn – An naseweise Mädchen schreibt ihr alle gern. Ich war heute bei Hofe und sah Raymond unter den Beefsteakessern, die dablieben, um die Königin zu sehn; ich gab ihm also einen bessern Platz, machte zwei oder drei Dutzend Verbeugungen und ging in die Kirche und dann wieder zu Hofe, um mir ein Mittagessen zu suchen; es gelang mir auch bei Sir John Stanley; und dann besuchten wir Lord Mountjoy, den wir erst eben verlassen haben, und es ist fast elf Uhr nachts, junge Frauen, und mich dünkt, dieser Brief geht schon ziemlich nah an den untern Rand heran; und es ist erst acht Tage her, seit ich ihn datierte, und glauben Sie nicht, dass ich noch auf der andern Seite schreibe, danke schön! Wahrhaftig, und wenn ich Sie an Briefe auf Bogen von der Breite dieses Zimmers gewöhnte, so würden Sie sie immer von mir erwarten. Oh, wahrhaftig, ich kenne Sie ganz genau; aber ein alter Spruch usw.: Zwei Seiten im Brief sind frei zu lassen, Und eine in der Gassen. Mir scheint, das ist ein alberner, alter Spruch, und so will ich nun schlafen gehn, und Sie tun das auch! 4. Ich habe heute bei Frau Vanhomrigh gegessen, bin dann nach Hause gegangen und habe bis zum Abend gesonnen. Keinerlei Abenteuer heute. 5. Ich ging also in den Gnadengerichtshof (hier ist der Teufel los und lauter Regen nebenbei), um mir ein Mittagessen zu holen, und Henley zwang mich, mit ihm und einem Oberst Brag in einer Schenke zu essen; hat mich Geld gekostet, bei Gott! Congreve sollte da sein, kam aber nicht. Ich ging dann mit Henley ins Kaffeehaus, wo Lord Salisbury sehr begierig schien, mit mir zu plaudern; und während er sich in meine Gunst hineinzuschlängeln suchte, fragte der Hund Henley mich ganz laut, ob ich Lord Somers aufsuchen wollte, wie ich versprochen hätte (was eine Lüge war); und all das, um den armen Lord Salisbury zu ärgern, der ein extremer Tory ist. Er spielte noch zwei oder drei ähnliche Streiche, und ich war gezwungen, My Lord zu verlassen; ich bin früh nach Hause gegangen, habe seither geschrieben und will jetzt zu Bett gehn. Neulich sah ich Jack Temple im Gnadengerichtshof; es war das erstemal, dass ich ihn sah; wir sprachen zwei oder drei gleichgültige Worte mit einander und trennten uns dann. Ist es wahr, dass Ihr Archivar und Bürgermeister und die fanatischen Ratsherrn vor ein oder zwei Monaten bei einem feierlichen Festmahl das Wohl Herrn Harleys, Lord Rochesters und andrer Torys getrunken haben? Lassen Sie es mich wissen; es wurde hier zuversichtlich behauptet. – Die Halunken! Es nützt nichts, Tom. 6. Ich möchte wissen, wann dieser Brief abgehn soll; hören Sie, junge Frauen, sagen Sie's mir! Nächsten Samstag gewiss, eher aber nicht; dann ist er gerade vierzehn Tage lang; Zeit genug für unartige Mädchen, und lang genug für zwei Briefe, potztausend! Congreve und Delaval haben Sir Godfrey Kneller endlich überredet, mich zu bitten, dass er mich umsonst malen darf; aber ich weiss nicht, wann ich sitzen soll. – Es ist so ungeheuerlich regnerisches Wetter, dass nichts zu machen ist. Staatssekretär St. John schickte mir heute morgen Bescheid, dass mein heutiges Mittagessen bei ihm auf morgen verschoben worden sei; so blieb ich denn friedlich bei meinem Nachbar Ford sitzen, ass mit ihm und kam um sechs nach Hause; und jetzt liege ich wie immer im Bett; und nun wird es Zeit, dass ich einen neuen Brief von MD erhalte; aber ich möchte ihn nicht bekommen, bevor dieser abgeht; denn das wäre ja, als bekäme ich zwei Briefe für einen. Ist es nicht wunderlich, dass der Dechant mir nicht ein einziges Mal geschrieben hat? Und ich finde, auch der Erzbischof verhält sich sehr schweigsam auf den Brief, in dem ich ihm berichtete, dass die Sache erledigt wäre. Ich glaube, er weiss nicht, was er schreiben oder sagen soll; und ich habe seither zweimal an ihn geschrieben, und beide Male gründlich! Nun, gehn Sie zu Bett, Burschen; ich tu's auch. Aber haben Sie heute verloren? Drei Schilling; o pfui, o pfui! 7. Nein, ich will diesen Brief heute noch nicht abschicken, nicht vor Samstag, nein! Und ich fürchte so sehr, dass bis dahin noch einer von MD kommt; wenn einer kommt, so werde ich nur sagen, dass ich einen Brief erhalten habe, weiter nichts. Ich habe heute bei Staatssekretär St. John gegessen; Lord Anglesea, Sir Thomas Hanmer, Prior, Freind usw. waren da und veranstalteten dann nach neun in Priors Hause ein Gelage; sie haben kalte Pasteten gegessen; ich hasse den blossen Gedanken daran, und ich mag sie nicht und bin satt und will zu Bett gehn, und es ist spät, und also gute Nacht. 8. Heute habe ich mit Prior bei Herrn Harley gegessen; aber Herr St. John kam nicht, obwohl er es versprochen hatte; er schalt mich aus, weil ich ihn nicht öfter besuchte. Hier ist eine verdammte Schmähbroschüre gegen Lord Wharton Von Swift selber; vielleicht die einzige Schrift Swifts, aus der reiner Hass spricht und in der er nicht zu Worte kommen lässt, was er selbst an Wharton anerkannte. erschienen; sie zeichnet erst den Charakter und gibt dann einige seiner Handlungen an: der Charakter ist ganz gut getroffen, aber die Tatsachen sind mittelmässig. Sie ist mehreren Herren dutzendweise in die Wohnung geschickt worden; ich selber hatte auch ein oder zwei Exemplare, aber niemand kennt Verfasser oder Drucker. Wir haben furchtbare Angst vor der Pest; man sagt, sie sei in Newcastle. Ich habe Herrn Harley um Gotteswillen gebeten, einige Vorsichtsmassregeln zu treffen, sonst sind wir alle verloren. Man hat Befehl erteilt, dass alle Schiffe aus dem Baltischen Meer in Quarantaine zu hegen haben, ehe sie durch dürfen; aber man ist nachlässig darin. Sie entsinnen sich, ich habe seit zwei Jahren Angst gehabt. 9. 0 wahrhaftig, Sie sind eine naseweise Halunkin. Ich habe Ihren sechsten Brief erhalten, gerade, ehe dieser abgehn soll; aber ich werde kein Wort daraus beantworten, nur, dass ich seit meinem ersten Anfall nicht wieder schwindlig geworden bin; aber ich bin genau vierzehn Tage erkältet gewesen und huste noch immer morgens und abends; aber es wird vergehn. Es ist jedoch so abscheuliches Wetter, dass niemand zu Fuss gehn kann. Man sagt hier, dass drei von Ihren Zollkommissionären fallen werden: Ogle, South und St. Quintain, und dass Dick Stuart und Ludlow zwei von den neuen sein werden. Ich lege ein paar gute Worte für einen dritten ein, für den armen Lord Abercorn; aber das ist ein Geheimnis; ich meine, dass ich für ihn rede, ist ein Geheimnis; aber ich glaube, infolge seiner eignen Schuld und seines Unglücks ist es zu spät. Ich habe heute mit ihm gegessen. Es tut mir von Herzen leid, dass Sie nicht nach Clogher gehn, wirklich; und nun beschütze Gott, der Allmächtige, die armen, lieben, lieben, lieben liebsten MD. Leben Sie wohl bis heute abend. Ich will heute abend meinen elften beginnen; so schreibe ich immer an die kleinen MD. Brief XI. London, den 9. Dezember 1710. Also, junge Frauen, ich habe eben meinen zehnten auf die Post geschickt, und wie ich Ihnen bereits sagte, habe ich Ihren siebenten erhalten (potztausend, ich habe mich versehn und sagte, Ihren sechsten, und dadurch werden wir für den ganzen Monat in Verwirrung geraten). Nun, ich sagte Ihnen schon, dass ich heute bei Lord Abercorn gegessen habe, und das genügt vorläufig; denn ich muss jetzt müssiges Zeug und Kinkerlitzchen schreiben. Was gibt's denn hier mit Ihren kleinen MD? Ich lege dies also eine Weile zurück. Es ist schon spät, und ich kann nur noch sagen, dass MD eine liebe, naseweise Halunkin ist; und was auch? Presto hat sie darum nur um so lieber. 10. Dieser H...sohn Patrik ist wieder einmal verschwunden, und ich kann nichts anfangen; ich muss mir Kohlen borgen; es ist jetzt sechs Uhr, und ich komme nach einem schönen Spaziergang im Park nach Hause; reizendes Wetter, aber erst seit heute. Gestern nacht ein furchtbarer Sturm; wir hören, eins Ihrer Postschiffe ist gestrandet, mit dem jungen Dandy Swift und General Sankey darin; ich weiss nicht, ob es wahr ist; Sie werden es früher wissen als ich. Raymond spricht davon, die Stadt in ein paar Tagen zu verlassen und in einem Monat wieder in Irland zu sein, denn er fürchtet, seine Frau möchte zu weit kommen und hier in der Stadt entbunden werden müssen. Ich glaube, er hat recht, aber vielleicht wird ihn dieses Postschiff beängstigen. Er findet keinen Geschmack an London; und das wundert mich nicht. Er hat ein paar Rechtsstudenten aus Irland gefunden, die ihm die Stadt zeigen. Ich lasse mich nicht öfter als zweimal die Woche sehn, und auch das nur, wenn ich morgens beim Anziehn bin. – Jetzt ist der Gelbschnabel nach Hause gekommen, und endlich habe ich meine eigne Tinte, aber auch eine neue Feder; und Jetzt sind Sie also Halunkinnen und Naseweise, bis ich zu Bett gehe, denn ich muss arbeiten, Burschen. Da es mir gerade einfällt, so sagen Sie dem Bischof von Clogher, er soll mich nicht um einen Zoll meines Glockenmetalls betrügen. Sie wissen, es ist nur, um das Geld der Stadt zu sparen; und Enniskilling kann es sich besser leisten als Laracor: er soll nicht mehr bekommen als eintausend fünfhundert Pfund. Ich habe wie gewöhnlich gelesen usw., und gehe jetzt zu Bett, und ich finde, der Artikel ist für heute lang genug; also machen Sie sich fort bis morgen, und dann. Gegessen habe ich bei Sir Matthew Dudley. 11. Ich bin wieder wie gestern nach Hause gekommen, und wieder hatte der Gelbschnabel mir, trotz allem, was ich ihm gestern gesagt habe, die Tinte weggeschlossen; aber er kam kurz nach mir, und also ist alles gut; jetzt wird mein Feuer angezündet, und ich will arbeiten. Das schöne Wetter ist wieder fort, und es hat den ganzen Tag lang geregnet. Mir gefällt dieses gelinde Wetter nicht, obgleich man sagt, es sei gesund. Man sagt, das Gerücht über die Pest in Newcastle sei ein blinder Lärm. Ich habe heute keine Neuigkeiten; ich habe bei Frau Vanhomrigh gegessen, um sie zu bitten, dass sie mir eine Halsbinde kaufe; und Lady Abercorn soll mir auch eine kaufen, damit ich sehe, wer es am besten macht; meine geht ganz in Fetzen. Gestern habe ich bei Hofe wieder den Herzog von Richmond gesehn; ich wollte aber nicht mit ihm sprechen; ich glaube, wir sind entzweit. Ich liege jetzt im Bett, und der Regen hat den ganzen Abend wie griechisches Feuer geprasselt ... Haben Sie in Ihrer Stadt auch so viel Regen? Raymond war, wie ich erwartet hatte, entsetzt über die Nachricht von dem Schiffbruch, aber ich habe ihn überredet, und er verlässt die Stadt in einer Woche. Ich habe ihn mit Sir Robert Raymond, dem Generalprokurator, bekannt gemacht, der ihn als zu seiner Familie gehörig anerkennt; ich glaube, das kann ihm nützen, weil er an Ihren neuen Lord Kanzler empfohlen wird. Ich habe einen Brief von Frau Long erhalten, der mich ganz wider sie eingenommen hat; nicht weniger als zwei scheussliche Witze darin, und obendrein unterstrichen! Sie wird in der Landstadt durch die gemeine Unterhaltung verdorben. – Auf Ihren Brief werde ich nicht eher antworten, als bis ich Musse habe. Also mag dieser weiterlaufen, wie er will; was frage ich danach? Was fragt der unartige Presto danach? 12. Ich war heute bei Lewis im Sekretariat, und Lord Rivers trat ein, führte Lewis hinaus und flüsterte mit ihm; dann trat er zu mir und bat, meine Bekanntschaft machen zu dürfen; so verbeugten wir uns denn, machten uns eine Weile Komplimente und trennten uns wieder. Gegessen habe ich mit Phil. Savage Kanzler des Schatzamts in Irland. und seinem irischen Klub in ihrer Pension; und nachdem ich den Abend schäbig genug verbracht habe, kam ich erst gegen acht nach Hause. Herr Addison und ich treffen uns in vierzehn Tagen kaum einmal; sein Parlament und meine verschiedenen Freundschaften halten uns auseinander. Sir Matthew Dudley hat gestern morgen seinen Haushofmeister hinausgeworfen, und abends starb der arme Kerl plötzlich auf der Strasse. War das nicht ein wunderlicher Zufall? Aber was fragen Sie danach? Ich freilich kannte den Haushofmeister. – Nun, es scheint, als sei Ihr Postschiff doch nicht verloren; bah, wie albern das ist: und dabei habe ich schon alle Förmlichkeiten durchgemacht und gesagt, es sei traurig und es täte mir sehr leid. Aber wann soll ich diesen Brief unsrer MD beantworten? Da ist er, er liegt zwischen diesem Bogen auf der andern Seite des Blattes; eine der wunderlichsten Versäumnisse, die ich erwägen muss, und also gute Nacht. 13. Morgens. Ich soll heute den ganzen Tag mit Lady Kerry und Frau Pratt umherschlendern und mir Sehenswürdigkeiten ansehn: sie haben mich gestern morgen beim Tee gebeten. Sie hören von der Verwüstung, die im Heer angerichtet wird: Meredyth, Macartney und Oberst Honeywood sind genötigt, ihre Stellungen um den halben Wert zu verkaufen und das Heer zu verlassen, weil sie auf den Untergang des gegenwärtigen Ministeriums getrunken und einen Hut auf eine Stange gesteckt und Harley genannt haben; dann leerten sie mit der einen Hand ein Glas und schossen mit der andern eine Pistole gegen den Popanz ab, indem sie wünschten, es möchte Harley selber sein; derlei hübscher Possen haben sie noch hundert mehr gespielt, um die Soldaten und die fremden Gesandten gegen die jüngsten Wechsel bei Hofe aufzusetzen. Cadogan hat auch ein wenig abbekommen; seine Mutter sagte mir gestern, er habe den Gesandtenposten verloren; aber ich hoffe, sie werden nicht weiter gegen ihn vorgehn, denn er war nicht bei jenen aufrührerischen Zusammenkünften. Nun, diese naseweisen Dirnen nehmen mir dadurch, dass ich morgens an sie schreiben muss, soviel von meiner Zeit! Aber wahrhaftig, es macht mir Freude, Sie zu sehn, sooft ich kann: ein kleiner Bissen, und dann weiter; und also halten Sie den Mund, denn ich muss aufstehn: kein Wort, bei Ihrem Leben! Was nuuun? Also gut; warten Sie, bis ich nach Hause komme, und dann werden Sie vielleicht mehr von mir hören. Und wohin wollen Sie heute gehn? Denn ich kann wegen dieser Damen nicht mitkommen. Es ist ein regnichter, hässlicher Tag. Ich wollte, Sie liessen Walls holen und gingen zum Dechanten; aber spielen Sie keine kleinen Spiele, wenn Sie verlieren. Sie werden sich durch den Buben und die Königin und zwei kleine rote Trümpfe ruinieren. Ich gebe zu, gegen den Spieler sind das ganz gute Karten; aber dann stehen wieder Piqueass und Coeurass, der König und starke Trümpfe wider Sie, und mit noch einem Trumpf mehr sind das drei Stiche mit den besten Karten: denn angenommen, Sie spielen Ihren Buben aus ... – O, wie albern, wie ich schwätze und am frühen Morgen schon nicht von MD fortkommen kann. Gehn Sie fort, Sie lieben, ungezogenen Mädchen, und lassen Sie mich aufstehn. Sehn Sie, gestern abend hatte Patrick die Tinte zum drittenmal eingeschlossen; der Halunke gewinnt die Übermacht über mich; aber ich will Ihnen zum Trotz aufstehn, Burschen. – Abends. Lady Kerry, Frau Pratt, Frau Cadogan und ich in einem Wagen; Lady Kerrys Sohn und sein Erzieher mit zwei weiteren Herren in einem zweiten; Mädchen und Fräuleins und der Kleine (Lord Shelburns Kinder) in einem dritten, lauter Droschken, so brachen wir heute morgen um zehn von Lord Shelburns Haus in Piccadilly zum Tower auf, und wir haben uns alle Sehenswürdigkeiten, die Löwen usw. angesehn; und dann nach Bedlam; dann assen wir im Speisehaus hinter der Börse; dann nach Gresham College (aber der Kustode war nicht zu Hause), und den Abend beschlossen wir im Puppentheater, von wo wir um acht Uhr wohlbehalten nach Hause fuhren, worauf ich sie verliess. Die Damen waren alle in Hauben – wie nennen Sie es? Im Negligé; und es war der regnerischste Tag, der je getröpfelt hat; ich bin müde, und es ist nach elf. 14. Warten Sie, ich will heute Morgen im Bett einen Teil Ihres Briefes beantworten; lassen Sie sehn; komm und tritt auf, kleiner Brief! Hier bin ich, sagt er, und was haben Sie heute Morgen frisch und mit nüchternem Magen zu Frau MD zu sagen? Wer wagt es, MD für nachlässig zu halten? Ich gebe Ihnen vierzehn Tage, und Sie geben sie mir. Ich könnte jede Woche einen Brief füllen, aber er wird mit jedem Tage länger, und so behalte ich ihn vierzehn Tage; dann kommt er um die Hälfte billiger. Liebe Stella, mir ist seit jenem Morgen nie wieder schwindlig gewesen; ich habe eine ganze Schachtel voll Pillen genommen und jeden Abend daran gewürgt, und morgens habe ich einen Liter Branntwein getrunken. – O, Sie feiern also den Geburtstag des kleinen Presto? Wollte Gott, ich wäre bei Ihnen gewesen! Ich hatte ihn ganz vergessen, wie ich Ihnen schon sagte. Lecherlich, gnädige Frau? Ich denke mir, Sie meinen lächerlich: lassen Sie mich dergleichen nicht wieder erleben! Das ist die Orthographie der Verfasserin der neuen Atalantis. Ich habe es in Ihrem Brief verbessert. Und kann Stella diese Handschrift lesen, ohne ihren lieben Augen zu schaden? O, wahrhaftig, ich fürchte, nein. Geben Sie acht auf Ihre Augen, bitte, bitte, hübsche Stella. – Es ist ganz richtig, was Sie da bemerken: Wenn ich besser schriebe, so würden Sie vielleicht nicht so gut lesen, da Sie an diese Manier gewöhnt sind; es ist ein Alphabet, das Sie auswendig kennen. Sie wissen schon, derundder Topfhenkel bedeutet einen Buchstaben, und Sie wissen auch, welchen Buchstaben, und so weiter. – Ich schwöre, er hat es mir gesagt, und es wären sogar lange Briefe; aber ich habe ihm erwidert, es wäre nur eine Prahlerei von Ihnen, usw. Ich rede von dem Bischof von Clogher, wie er vergessen hatte. Umgedreht! Auf der andern Seite hatte ich keinen Platz mehr, um das zu sagen; deshalb sagte ich es auf dieser: mir scheint, das ist ein hübscher irischer Schnitzer. Ach, weshalb gehn Sie nicht nach Clogher, Sie undezogenundezogenliebe Mädchen; undezogen ohne lieben wage ich nicht zu sagen. O, wahrhaftig, Sie haben mich ganz in der Gewalt. Aber im Ernst, es tut mir leid, dass Sie nicht hingehn, soweit ich es aus der Ferne beurteilen kann. Nein, wir würden ein andres Pferd für Sie finden; ich will Parvisol sagen, er soll Ihnen eins suchen. Ich hatte Ihr Pferd stets in Verdacht; bitte, verkaufen Sie es, und es soll ein Geschenk für mich sein. Mir tut das Herz weh, wenn ich denke, dass Sie es reiten. Sagen Sie Parvisol, er soll es verkaufen, und Sie sollen mir das Geld zurückgeben; ich werde keine Ruhe haben, bis es aus Ihren Händen ist. Wahrhaftig, seit ich Ihren Brief erhalten habe, habe ich fünf- oder sechsmal von stolpernden Pferden geträumt. Wenn er es nicht verkaufen kann, so lassen Sie es diesen Winter laufen. Potztausend, wenn ich bei Ihnen wäre, so würde ich Ihnen eins mit der Peitsche auf den ... geben, und zwar zu einer Melodie, weil Sie mir wegen des Dechanten und Jonsonibus eine so ernste, naseweise Antwort geben. Und der Dechant hat für mich gepredigt? Schön. Ei, wollten Sie, dass ich hier stände und Ihnen predigte? Nein, der Tatler über den Schilling war nicht von mir, abgesehn von dem Gedanken und zwei oder drei allgemeinen Fingerzeigen. Ich habe viel wichtigere Arbeit auf dem Hals; ausserdem hassen die Minister den Gedanken, dass ich ihm helfe, und sie haben mir Vorwürfe gemacht; da habe ich ihnen offen gesagt, ich würde es nicht mehr tun. Aber dies ist ein Geheimnis, Frau Stella. Sie gewinnen acht Schilling? Sie gewinnen acht Paperlapapp! Potztausend, von dem, was Sie verlieren, sagen Sie nichts, junge Frauen! – Ich hoffe, Manley ist nicht in grosser Gefahr, denn Ned Southwell ist sein Freund, und ebenso Sir Thomas Frankland; und sein Bruder John Manley tritt kräftig für ihn ein. Andrerseits sind hier all die Herren aus Irland wütend gegen ihn. Nun sagen Sie, Frau Dingley, sind Sie nicht eine unverschämte Schlumpe, wenn Sie mit dem nächsten Boot wieder einen Brief von Presto erwarten, während Sie selber gestehn, dass Sie erst kürzlich in vier Tagen zwei Briefe hatten? Unvernünftiges Pack! Nein, kleine Dingley, um zwölf liege ich immer im Bett; ich meine, um zwölf ist meine Kerze ausgelöscht, und ich nehme mich sehr in acht. Bitte, lassen Sie es gelegentlich jedermann hören, dass Herr Harley den Erlass der Erstlinge für die irische Geistlichkeit bei der Königin durchgesetzt hat, und dass nur noch die Form zu erledigen ist, usw. Sie sagen also, dass Sie und der Dechant bei den Stoytes gegessen haben, und dass Frau Stoyte begeistert war, weil ich mich ihrer entsinne? Ich darf es nur selten tun, sonst nutzt ihre Begeisterung sich ab. – Aber was nun, Sie naseweisen Schlumpen, all das ist an einem Morgen geschrieben worden, und ich muss aufstehn und ausgehn. Bitte warten Sie bis zum Abend: glauben Sie nur nicht, dass ich meine Morgende an Sie verschwenden werde, gute Frau. Potztausend, wenn ich dies noch lange fortsetze, dass ich morgens schreibe, so fürchte ich mich dann, es aufzugeben und meine, Sie erwarten es, und dann habe ich Angst. Guten Morgen, Burschen, ich will aufstehn. – Abends. Ich bin heute in den Gnadengerichtshof gegangen (den Rest Ihres Briefes will ich noch nicht beantworten, das nebenbei), denn ich hoffte, bei Herrn Harley essen zu können, aber Lord Dupplin, sein Schwiegersohn, sagte mir, er würde nicht zu Hause speisen; so war ich in Verlegenheit, bis ich den Herrn Staatssekretär St. John traf und mit ihm nach Hause ging und bei ihm ass; und er erzählte mir von einer hübschen Prellerei. Lord Rivers sagte mir vor zwei Tagen, er wolle nächsten Sonntag in vierzehn Tagen kommen, um mich vor der Königin predigen zu hören. Ich versicherte ihm, der Tag sei noch nicht bestimmt, denn ich wusste von nichts. Heute sagte mir der Staatssekretär, sein Vater (Sir Harry St. John) und Lord Rivers würden in der St. Jakobskirche sein, um mich dort predigen zu hören; so gibt es also noch eine Prellerei; denn ich weiss von der ganzen Sache nichts, als dass Herr Harley und St. John fest entschlossen sind, dass ich vor der Königin predigen soll; und der Staatssekretär sagte mir, er würde es mir drei Wochen vorher sagen; ich bat ihn, mich zu entschuldigen, aber das will er nicht. St. John: »Entschuldigt werden Sie nicht!« Doch ich hoffe, sie werden es vergessen; denn wenn es doch dazu kommen sollte, so werden all die Gelbschnäbel hier sich drängen, um mich zu hören und irgend etwas Ausserordentliches erwarten und verdammt enttäuscht sein, wenn ich ihnen einfaches, ehrliches Zeug vorpredige. Ich bin bis acht bei St. John geblieben, dann bin ich nach Hause gegangen, und Patrick bat um Erlaubnis, ausgehn zu dürfen; nach einer Weile kam dann das Mädchen herauf, um mir zu sagen, unten wäre ein Herr mit einem Wagen, um mir eine Rechnung zu bezahlen; ich liess ihn heraufkommen, und wer sollte es wohl sein als Herr Addison und Sam Dopping, die mich zum Abendbrot fortschleppen wollten; und ich blieb bis zwölf bei ihnen. Wenn Patrick zu Hause gewesen wäre, so wäre ich dem entgangen; denn er hat bei mir fast ebenso gut gelernt, mich zu verleugnen, wie Herrn Harleys Pförtner. – Wo habe ich in MD's Brief abgebrochen? Lassen Sie sehn. Jetzt habe ich es. Es behebt Ihnen, zu behaupten, Frau Dingley, dass alle Leute, die nach England gehn, niemals sagen können, wann sie zurückkommen. Soll das etwa eine Stichelei gegen Presto sein, gnädige Frau? Naseweise, ich werde zurückkommen, sobald ich kann, so wahr ich auf ein ewiges Leben hoffe; und ich hoffe auch, in etwas besserer Stellung, wenn nicht alle Minister gleich sind, wie es vielleicht der Fall ist. Ich hoffe, Hawkshaw ist jetzt schon in Dublin, und Sie haben Ihre Sachen, und Ihre Brille gefällt Ihnen. Ich hoffe, Dingleys Tabak wird Stellas Schokolade nicht verdorben haben, und dass alles wohlbehalten ankommt; bitte, lassen Sie es mich wissen. Herr Addison und ich sind verschieden wie schwarz und weiss, und ich glaube, unsre Freundschaft geht in die Brüche durch diese verdammte Parteigeschichte; er kann es nicht ertragen, dass ich mich diesem Ministerium so anschliesse; aber ich mag ihn noch ebenso gern wie früher, obgleich wir uns selten sehn. Stella, Sie Weibsstück, Sie scherzen über die Augen des armen Congreve! Wahrhaftig, Weibsstück, aber ich werde Ihnen die Knochen dreschen, potztausend! – Ja, Steele war eine kurze Weile im Gefängnis, oder wenigstens in einem Wachtlokal, kurz bevor ich herkam, aber seither nicht wieder. Zum Henker mit Ihrer Kirchenversammlung und Ihren Lamberts; Sie schreiben, dass der Donner! Ich vermute, Sie halten es für Ziererei, wenn ich wünsche, dass Ihre Iren meinen Schauer nicht mögen; aber Sie irren sich. Ich würde mich freuen, wenn ich dort den allgemeinen Beifall fände wie hier (obwohl ich es sage), aber ich habe ihn nur bei ein oder zwei Leuten, und deshalb möchte ich überhaupt keinen haben, damit Sie alle im Unrecht sind. – Ich weiss nicht, dies alles ist nicht das, was ich sagen wollte, aber ich bin so aufgeregt vom Abendessen und Zeug, dass ich mich gar nicht ausdrücken kann. – Was Sie über Sidi Hamed sagen, ist ganz gut; einem Feind muss er gefallen, einem Freund aber nicht; und wenn man ihnen den Verfasser nennte, so würden beide ihre Ansicht ändern. Weshalb haben Sie Griffyth nicht gesagt, Sie fänden, es stecke etwas von meinem Stil darin? Aber erst stacheln Sie sein Lob bis auf seinen Gipfel, genau wie wir es mit meinem armen Onkel machten; als ich die Laterne ausgebessert hatte. Nun, ich bat Sie, Frau Fenton das zu sagen, was ich ihr zur Antwort sagen wollte, um ihr das Porto und mir die Mühe zu ersparen; und ich hoffe, ich habe es getan, wenn Sie es nicht getan haben. 15. Himmel, was für ein langer Tagesbrief ist gestern aus der Antwort auf Ihren Brief geworden, Burschen. Heute habe ich mit Lewis und Ford gegessen, die ich miteinander bekannt gemacht habe. Lewis hat mir eine hübsche Geschichte erzählt; ich hatte Herrn Harley angebettelt, um Steele sein zweites Amt zu retten und sich seiner ein wenig zu erbarmen, und ebenso hatte ich zu Lewis gesprochen, der Herrn Harleys Günstling ist. Lewis sagt Herrn Harley, wie gut ich es aufnehmen würde, wenn er sich mit Steele versöhnen wollte, usw. Herr Harley geht um meinetwillen darauf ein und nennt Steele eine Stunde, in der er ihm seine Aufwartung machen soll; Steele nimmt mit grosser Unterwürfigkeit an, kommt aber nicht und schickt auch keine Entschuldigung. Ob es ein Irrtum, Verdriesslichkeit, Unverschämtheit oder Parteiranküne war, weiss ich nicht; aber ich werde mich nicht mehr um ihn kümmern. Ich glaube, Addison hat ihn aus reinem Trotz zurückgehalten, da es ihn bis in die Seele hinein verwundete, dass er glauben sollte, er könnte je meiner Hilfe bedürfen, um seinen Freund zu retten; und dabei bittet er mich jetzt, wieder einen seiner Freunde zum Sekretär der Königin in Genf zu machen; und ich werde es auch tun, wenn ich kann; es ist der arme ›Hirten‹-Philips. 16. 0, weshalb haben Sie mein Bild in der andern Wohnung zurückgelassen? Vergessen? Schlimm. Aber jetzt denken Sie bitte daran und rollen Sie es nicht, hören Sie? Sondern hängen Sie es sorgfältig irgendwo in Ihrem Zimmer auf, wo keine Stühle, Kerzen und Nägel es ruinieren, Burschen! Nein, wahrhaftig, diesmal will ich nicht bei Gevatterin Walls Gevatter stehn, und ich hoffe, sie wird dann keine mehr bekommen. Das Kind wird die Ruhe und die Karten stören. Ich hoffe, es wird am Tage nach der Taufe sterben. Herr Harley hat mir ein Papier gegeben, das einen Bericht über das Urteil gegen die Burschen enthält, die die Statue verunstaltet haben, Eine Statue Wilhelms III. war in Dublin zerschlagen worden. von dem Sie sagen, Ingolsby tadle den einen Teil, der von dem Stillstehn vor der Statue redet. Ich hoffe, dass es nie vollstreckt worden ist. Ihren Broderick haben wir draussen; Doyne soll sein Nachfolger werden, Cox Doyne. Und jetzt ist Ihr Brief erledigt; er ist ganz beantwortet, und nun muss ich wieder auf eigne Rechnung fortfahren; fortfahren, sagte ich? Ei, ich habe genug geschrieben; aber es ist noch zu früh, um ihn abzuschicken, junge Frauen; wahrhaftig, ich wage nicht, Sie zu verwöhnen; dann erwarten Sie es immer. Der Rest des Raums soll nur mit kurzen Tagesnotizen ausgefüllt werden, und für heute Morgen will ich jetzt aufstehn. – Nachts. Gegessen habe ich mit meinem Nachbar von gegenüber, mit Darteneuf, und ich habe heute wieder Bittgänge getan, um den Bischof von Clogher zum Vizekanzler zu machen; aber es geht nicht; sie sind alle gegen ihn, und der Herzog von Ormond, so höre ich, ist entschlossen, anderweitig über das Amt zu verfügen. Nun, Sie kleinen naseweisen Halunkinnen, bleiben Sie heute Abend nicht zu lange aus, denn es ist Sonntag Nacht, und da sollten junge Frauen früh nach Hause kommen. 17. Ich ging an den Hof, um mir ein Mittagbrot zu suchen; aber die Königin war nicht in der Kirche, sie hat einen Anfall von Gicht; daher war der Hof nur dünn versammelt, und ich ging ins Kaffeehaus; und Sir Thomas Frankland, sein ältester Sohn und ich gingen zu Tisch zu seinem Sohn William. Ich habe mit Sir Thomas viel über Manley geredet und sehe, dass er sein guter Freund ist; Ned South well war es auch; und ich hoffe, er wird sicher sein, obwohl die Iren hier seine Todfeinde sind. Heute hat es eine verteufelte Prellerei gegeben. Man hatte, ich weiss nicht, woher, gehört, dass ich heute Morgen in der Hofkirche predigen sollte; viele gingen hin, unter andern Lord Radnor, der sonst nie vor drei Uhr nachmittags draussen ist. Ich bin um sechs den ganzen Weg von Hatton Garden aus zu Fuss gegangen; bei Mondschein, es war ein schöner Abend. Um neun sprach Raymond vor, aber ich liess mich verleugnen; und jetzt, zwischen elf und zwölf, liege ich im Bett und will schlafen und von meiner lieben, halunkischen, unverschämten, hübschen MD träumen. 18. Sie werden jetzt kurzes Tagewerk erhalten: nur ein paar Zeilen, um Ihnen zu sagen, wo ich bin und was ich treibe; höchstens für den letzten Tag werde ich mir Platz aufsparen, um Ihnen Neuigkeiten zu geben, wenn welche zu berichten sind, die es verlohnen. Ich hätte es bisweilen fast am Kopf meines Briefes getan, bis ich merkte, dass sie alt wurden, ehe sie Sie erreichten. Ich habe heute auf Herrn Harley Jagd gemacht, um bei ihm zu essen, aber ich konnte ihn nicht finden; so habe ich denn bei dem ehrlichen Doktor Cockburn gegessen und bin um sechs nach Hause gegangen; dann wurde ich von Dopping und Ford nach nebenan geholt, um schlechten Rotwein zu trinken und Orangen zu essen; wir liessen Raymond herein, der davon spricht, die Stadt morgen zu verlassen; aber ich glaube, er wird noch einen oder zwei Tage länger bleiben. Es ist spät jetzt, und ich will nichts weiter sagen, sondern diese Zeile damit schliessen, dass ich meinen lieben, naseweisen MD gute Nacht sage usw. 19. Heute habe ich eine Enttäuschung gehabt, denn ich wollte den Herzog von Buckingham besuchen, kam aber zu spät; deshalb besuchte ich Frau Barton und dachte bei irgendeinem vom Ministerium zu speisen, aber es regnete, und Frau Vanhomrigh war in der Nähe; ich ergriff die Gelegenheit, ihr eine Halsbinde zu bezahlen, die sie für mich gekauft hat, und ass bei ihr; um vier ging ich zu Lord Shelburn, um ihm zum Tode der armen Lady Shelburn, der Witwe, zu kondolieren; er war in seinem Landhaus und kam nach Hause, als ich wartete; er hatte noch nichts gehört, nahm es aber gut auf. Jetzt bin ich schon vor sechs nach Hause gekommen und finde ein Paket vom Bischof von Clogher vor; es liegt ein Brief an den Herzog von Ormond bei, der um zehn Tage früher datiert ist als einer, den ich von Parvisol erhalten habe. Es macht freilich nichts aus, der Herzog hat das Vizekanzleramt bereits dem Erzbischof von Tuam gegeben; und ich konnte nichts dabei machen, denn Sie wissen, das hängt ganz vom Herzog ab; und ich sehe, der Bischof hat Feinde beim Herzog. Ich habe dies geschrieben, während Patrick meine Halsbinde faltete und das Feuer anmachte (denn ich habe Feuer, und es kostet mich zwölf Pence die Woche); und jetzt seien Sie ruhig, bis ich zu Bett gegangen bin, und dann setzen Sie sich ein wenig zu mir, und wir wollen noch ein paar Worte plaudern. Also – jetzt sitzt MD an meinem Bett, und was haben wir nun zu sagen? Wie geht es Frau Stoyte? Was hat der Dechant zum Abendbrot gehabt? Wieviel hat Frau Walls gewonnen? Die arme Lady Shelburn! So und jetzt zu Bett, Burschen. 20. Morgens. Ich war heute Morgen früh auf und habe mich bei Kerzenlicht rasiert. Dies schreibe ich beim Kamin. Eben kam der arme Raymond herein und nahm Abschied von mir; er wird durch strengen Befehl seiner Frau abberufen, aber er behauptet, er habe genug von London. Ich war ein wenig melancholisch, als ich mich von ihm trennen musste. Er geht nach Bristol, wo sie bei seinem Bruder, dem Kaufmann, wohnen sollen; und sie gedenken bis zum Mai zu bleiben, so dass sie in England niederkommen wird. Er war so angenehm und lenkbar, dass ich es fast bereue, so wenig für ihn zu Hause gewesen zu sein. Aber er ist fort, und er wird Patrick ein paar Lügen die Woche ersparen; Patrick hat das wundervoll gelernt, und er wird sein Glück machen. Was Burschen, muss ich Eurer Unverschämtheit schon am Morgen schreiben? Wartet, bis die Nacht anbricht, Ich weiss, wie leicht es sich da spricht, Schwarz auf Weiss, da fehlt es nicht, Beim Kerzenlicht, Wachs wird zu zunicht, Hilft dem Gesicht – Haltet den Wicht, haltet den Wicht! Nur immer heran, Frau Kühngesicht! Abends. Dr. Raymond ist umgekehrt und reist morgen. Ich bin erst um elf nach Hause gekommen und fand ihn hier vor, um Abschied zu nehmen. Ich ging heute Morgen in den Gnadengerichtshof, denn ich dachte, Herrn Harley zu treffen und bei ihm zu essen; Henley und alle andern lehnte ich ab, und schliesslich wusste ich gar nicht, wohin ich mich wenden sollte; da traf ich zufällig Jemmy Leigh, und da es ihm ebenso ging, so ass ich mit ihm in seiner Wohnung ein Beefsteak und trank auf Ihre Gesundheit; und als ich ihn verliess, ging ich mit Ben Tooke und Portlack, dem Sekretär des Herzogs von Ormond, in die Schenke, wo wir bis elf hässlichen Weisswein tranken. Mir ist übel, und ich schäme mich dessen usw. 21. Ich bin der Bestie Ferris begegnet, der früher Lord Berkeleys Verwalter war, und ging eine Runde im Park mit ihm spazieren; der Lumpenhund ist glücklich wie ein Kaiser; er hat eine Frau mit beträchtlichem Landbesitz und mit Häusern hier in der Stadt geheiratet und lebt behaglich in Hammersmith. Nun sehn Sie Ihr verwünschtes Geschlecht! – Also, ich hatte heute dasselbe Glück mit Herrn Harley; es war ein schöner Tag, und ich fuhr zu Wasser in die Altstadt und ass mit Stratford bei einem Kaufmann; nach Hause ging ich gegen acht zu Fuss mit einem ebenso grossen Schafskopf wie Ferris es ist, nämlich mit dem ehrlichen Oberst Caufield; und jetzt liege ich im Bett und will um die Wette schlafen und diesen Brief Samstag abschicken; und also, aber erst will ich Ihnen vergnügte Weihnachten wünschen und ein glückliches neues Jahr und Gott bitten, dass wir sie nie wieder getrennt zu feiern brauchen. 22. Morgens. Ich gehe jetzt eigens, um ihn zu ärgern, zu Herrn Harleys Lever; ich werde ihm sagen, ich habe keine andre Möglichkeit gehabt, um ihn zu sprechen, usw. Patrick sagt, es sei ein dunkler Morgen, und der Herzog von Argyle solle heute zum Ritter geschlagen werden; der Pinsel meint, in Windsor eingeführt zu werden. Aber ich muss aufstehn, denn es ist Rasiertag, und Patrick sagt, es brenne ein schönes Feuer; ich wollte, MD sässe davor, oder ich sässe vor dem MD's. – Abends. Ich vergass, Ihnen zu sagen, Frau Dingley, dass ich neun Schilling für Ihre Brille bezahlt habe, wovon drei für das Futteral des Bischofs waren; es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht auch so ein Futteral gekauft habe; aber wenn es Ihnen gefällt, so will ich eins mit hinüberbringen; bitte, sagen Sie es mir; das Leseglas kostete vier Schilling, die Brille zwei. Und haben Sie Ihre Schokolade bekommen? Leigh sagt, er habe den Unterrock durch einen Herrn Spencer geschickt. Bitte, haben Sie keine weitern Aufträge für mich? Ich habe den Optiker erst gestern Abend bezahlt, und er wollte mir das Mikroskop im Wert von dreissig Schilling zum Geschenk machen und es mir ins Haus schicken; ich dachte, der Teufel steckte in dem Mann: er aber erwiderte, ich könnte ihm einen grösseren Dienst leisten als das wert sei, usw. Ich lehnte sein Geschenk ab, versprach ihm aber, für ihn zu tun, was ich könnte; und jetzt bin ich in Ehren verpflichtet, ihn jedermann zu empfehlen. – Abends. Ich bin zu Herrn Harleys Lever gegangen; er kam auf mich zu und fragte mich, was ich da zu suchen hätte. Und er lud mich zu einem Familiendiner ein, was ich annahm, und es war das erstemal, dass ich seine Gattin und seine Tochter zu sehn bekam; um fünf kam der Lord Siegelbewahrer: Sir Simon Harcourt, der vorher Generalstaatsanwalt gewesen war. ich sagte Herrn Harley, Sir Simon Harcourt habe er mich schon vorgestellt, aber dem Lord Siegelbewahrer müsse er mich noch vorstellen, worauf er lachte, usw. 23. Morgens. Dieser Brief geht unfehlbar heute Abend ab. Ich hoffe, dass noch keiner von Ihnen im Kaffeehaus liegt; ich will nachher hinschicken und auch selber sehn und es Sie wissen lassen, und so weiter. Patrick geht hin, um nach einem Brief zu fragen; was wollen Sie wetten, ob einer von MD da ist oder nicht. Ich sage nein, wetten wir um sechs Pence. Weshalb hat der Dechant nicht ein einziges Mal an mich geschrieben? – Ich habe sechs Pence gewonnen; es ist nicht ein einziger Brief für Presto da. Guten Morgen, liebe Burschen. Stratford und ich essen heute bei Lord Mountjoy. Gott der Allmächtige behüte und segne Sie; leben Sie wohl, usw. Ich habe bei Lord Mountjoy gegessen und bin nach Hause gekommen, um zu arbeiten. Die Nachrichten, die wir mit dieser Post aus Spanien erhalten haben, nehmen uns einen Teil unsrer Befürchtungen. Das Parlament ist heute bis nach den Ferien vertagt worden. Bankpapiere stehen 105, also kann ich schon 12 Pfund bei meinem Handel verdienen. Patrick, der Gelbschnabel, ist ausgegangen, und wie soll ich also diesen Brief abschicken? Gute Nacht, Sie beiden kleinen Lieben, und seien Sie glücklich und denken Sie Ihres armen Presto, der Sie arg nötig hat, so wahr ich hoffe, selig zu werden. Lassen Sie mich an die Arbeit gehn, Sie unartigen Mädchen, und halten Sie mich nicht noch unten auf der Seite fest. Wahrhaftig, wenn Sie wüssten, was mir beständig auf dem Halse hegt, so würden Sie sich wundern, dass ich noch so lange Briefe schreiben kann; aber davon wollen wir ein andermal reden. Nochmals gute Nacht; und Gott segne die lieben MD mit seinem besten Segen, ja, ja, Dingley und Stella, und mich dazu, usw. Fragen Sie den Bischof von Clogher nach dem Wortspiel von Lord Stawells Bruder, das ich ihm geschickt habe; das wird eine rechte Prellerei geben. Dieser Brief enthält ohne all die Postskripte 199 Zeilen; ich war doch neugierig und habe gezählt. Da haben Sie einen langen Brief. Er ist länger als eine Predigt, potztausend. Ich habe noch einen zweiten Brief von Frau Fenton erhalten, die mir sagt, Sie wären bei ihr. Ich hoffe, Sie sind nicht eigens hingegangen. Ich werde bald auf ihren Brief antworten; er handelt von Geld, das in Lady Giffards Händen ist. Sie sagen, acht Paketboote seien für Sie fällig gewesen; also bitte, meine Damen, tadeln Sie Presto nicht, sondern den Wind. Meine ergebene Empfehlung für Frau Walls und Frau Stoyte; die erstere habe ich seit langer Zeit entbehrt. Brief XII. London, den 23. Dezember 1710. Meinen elften habe ich heute wie gewöhnlich abends abgeschickt und beginne nun den zwölften. Gegessen habe ich, wie ich Ihnen schon sagte, mit Stratford bei Lord Mountjoy; und vorläufig will ich Ihnen auch weiter nichts sagen; raten Sie, weshalb – weil ich für allerlei zu sorgen habe, für gewaltige Geschäfte, nicht Ihre scheusslichen Erstlinge: die lasse ich liegen, bis Herr Harley den Brief von der Königin hat; andre Dinge von grösserer Bedeutung, von denen Sie eines Tages erfahren sollen, wenn die Entchen allen Schmutz aufgefressen haben. Also bleiben Sie eine Weile ruhig neben mir sitzen und sagen Sie kein Wort, das rate ich Ihnen, und wenn ich zu Bett gehe, nehme ich Sie mit und rede eine Weile mit Ihnen, also da setzen Sie sich. – Nun also, kommen Sie und lassen Sie uns sehn, was wir den naseweisen Bälgen zu sagen haben, dass sie uns nach elf noch nicht schlafen lassen. Ei, ich bin ein wenig ungeduldig, wie es Ihnen geht; nur nehme ich es als feststehenden Grundsatz, dass alles gut ist, wenn Sie schweigen, denn das ist die Art, wie ich an Ihnen handeln will; und wenn es etwas gibt, was Sie sofort wissen sollen, so werde ich mit der ersten Post schreiben, und hätte ich auch erst am Tage zuvor einen Brief abgeschickt. Merken Sie sich das, junge Frauen, und Gott, der Allmächtige, erhalte Sie beide und mache uns miteinander glücklich; und sagen Sie mir, wie die Finanzen zwischen uns stehn, damit Sie Zahlung erhalten, längst ehe sie fällig ist, und nicht in Verlegenheit kommen. Ich will, solange ich bleibe, kein Geld mehr aufnehmen, so dass Sie keine Angst um die Zahlung zu haben brauchen; aber lassen Sie es mich mindestens einen Monat vorher wissen, ehe Sie in Verlegenheit kommen. Merken Sie sich das, hören Sie, Ihr kleinen, lieben Burschen? Und lieben Sie Presto, wie Presto MD liebt, usw. 24. Sie werden vergnügtere Weihnachten haben als wir hier. Ich ging von der Kirche an den Hof, und in einem der Zimmer, in dem nur wenig Leute waren, trat ein Bursche in einem roten Rock ohne Schwert auf mich zu und fragte mich, wie es den Damen ginge. Ich fragte, welchen Damen. Er sagte, Frau Dingley und Frau Johnson. Gut, sagte ich, als ich zuletzt von ihnen hörte; und bitte, wann sind Sie herübergekommen? Sprach er: Ich bin nie in Irland gewesen; und gerade bei diesen Worten trat Lord Winchelsea zu mir, und der Fremde ging davon; als ich fortging, sah ich ihn noch einmal, und da entsann ich mich seiner; es war Vedeau, zum Henker. Ich ging zu ihm und entschuldigte mich: ich hätte den Kopf voll gehabt von dem, was ich Lord Winchelsea zu sagen hatte, usw. Ich fragte nach seiner Frau, und so war alles gut; und er fragte nach meiner Wohnung, weil er mich in Irland um einen Gefallen zu bitten hätte; ich soll irgend jemand irgend jemandem empfehlen; ich weiss nicht, was es ist. Als ich aus der Kirche kam, ging ich noch einmal zu Hofe, wo Sir Edmund Bacon mir die schlimme Nachricht aus Spanien sagte, von der Sie gehört haben werden, ehe dieser Brief Sie erreicht; soweit wir jetzt wissen, sind wir dort vernichtet worden, und es war wunderlich zu beobachten, dass der ganze Gesichtsausdruck des Hofes sich in zwei Stunden so gewandelt hatte. Lady Mountjoy nahm mich mit zum Essen nach Hause; ich blieb nicht lange und ging früh nach Hause; und jetzt bin ich ins Bett gestiegen, denn man muss seinen MD stets im Bett schreiben, das ist Grundsatz. Herr Weiss und Herr Rot, Schreiben Sie an MD nur im Bett Herr Schwarz und Herr Braun, Schreiben Sie an MD, wenn Sie ruhn; Herr Eiche und Herr Weide, Schreiben Sie an MD auf Ihrem Kissen. Was ist denn das? Wahrhaftig, ich rieche Feuer; was kann das sein? Dieses Haus hat tausend Senkgruben im Leibe. Ich denke, es Donnerstag zu verlassen und nach gegenüber zu ziehn. Wahrhaftig, ich muss aufstehn und meinen Kamin ansehn, denn der Geruch wird stärker; warten Sie. – – Ich bin aufgewesen und in mein Zimmer gegangen; aber da ist alles in Ordnung, nur sass im Ofenvorsatz, um sich zu wärmen, eine Maus, die ich nicht fangen konnte. Ich habe dort auch nichts gerochen, aber hier in meinem Schlafzimmer rieche ich es wieder; ich glaube, ich habe die wollenen Vorhänge versengt, weiter nichts; aber finden kann ich es nicht. Presto ist verdammt albern heute Abend, wie? Ja, und so soll er auch sein. Aber wenn ich nun aufwachte und Feuer sähe? Nun, ich will es wagen, und also gute Nacht, usw. 25. Bitte, junge Frauen, wenn ich jeden Tag so viel schreibe, wie wird da dieser Bogen die Arbeit von vierzehn Tagen fassen und obendrein einen von Ihnen beantworten können? Daran denken Sie nie, aber lassen Sie mich nur wie einen Einfaltspinsel fortfahren. Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Weihnachten und noch manches, manches mit Presto an einem hübschen Ort. Ich war heute um acht in der Kirche und habe das Sakrament genommen; und um zehn kam ich nach Hause. Dann ging ich um zwei zu Hofe. Es war ein Kettentag, das heisst ein Tag, an dem die Ritter des Hosenbandordens ihre Ordensketten tragen, aber die Königin blieb so lange beim Sakrament, dass ich heimging und mit meinem Nachbar Ford zu Mittag ass, denn heute essen alle Leute zu Hause. Es ist auch in jedem Haus in ganz England ein Kettentag, wenigstens wo Fleisch vorhanden ist: und das ist gut. – Ich will Ihnen ein gutes Wortspiel sagen; hier ganz in der Nähe behauptet ein Bursche, er könne Agues Fieber (sprich egjus); egoes, Plural von ego. heilen, und er hat ein Schild ausgehängt, auf dem sie aber Egoes geschrieben sind; als ein Herr und ich das sahen, sagte er: Wie kann der Bursche behaupten, Agues zu heilen? Ich sagte, das wüsste ich nicht, aber ich sei überzeugt, es geschehe nicht durch einen Spell. ›Zauber‹ und ›Orthographie‹. Das ist ausgeschlossen. Sie haben also den Bischof nach dem Wortspiel über Lord Stawells Bruder gefragt. Reingefallen! Habe ich Sie gefangen, junge Frauen? Müssen Sie sich durchaus einfallen lassen, nach halunkischen Wortspielen zu fragen, und noch dazu nach lateinischen? O, aber Sie haben mich erraten, und den Bischof nicht gefragt. O, aber Sie sind eine Närrin, und Sie haben doch gefragt. Vedeau bin ich heute bei Hofe wieder begegnet, und ich sah auch, dass er ein Schwert um hatte; ich denke mir, er hat Bankerott gemacht und hat sich nun ins Heer eingekauft, aber ich habe ihn nicht gefragt. Vedeau, glaube ich, heisst er; aber Parvisols Diener heisst Vedel, so ist es. Die Bankpapiere werden durch diese schlechte Nachricht wie Stockfische fallen, und vor zwei Tagen hätte ich zwölf Pfund bei meinem Handel verdienen können. Aber ich will nicht verkaufen, und mit der Zeit werden sie wieder steigen. Es ist wunderlich, dass Lord Peterborow diese Schlappe vor zwei Monaten schon vorausgesagt hat, als ich eines Abends bei Herrn Harley war; er sagte, wir sollten nur darauf gefasst sein, dass Stanhope Spanien noch vor Weihnachten verlieren würde; er wollte seinen Kopf dafür zum Pfande setzen und gab uns auch Gründe an; und obgleich Herr Harley das Gegenteil behauptete, hielt er doch an seiner Ansicht fest. Ich habe das heute Morgen bei Hofe Lord Anglesea erzählt, und ein Herr, der dabei stand, sagte, das habe er Lord Peterborow auch behaupten hören. Ich habe weise Leute sagen hören, eine arge Zunge könne viel ausrichten. Und ein alter Spruch behauptet: Einmal erriet ich der Dinge Lauf, Und ich gründete mein Ansehn darauf; Dreimal riet ich daneben, Aber mein Ansehn blieb am Leben. Nun tut es Ihnen leid, mir nicht. 26. Beim Herrn Harry, ich werde hier mit Weihnachtsgeschenken zugrunde gerichtet: die Halunken im Kaffeehaus haben ihre Steuer erhöht, denn jeder gibt eine Krone, und ich gab aus Scham die meine dazu, abgesehn von vielen halben Kronen für die Pförtner grosser Männer, usw. Heute bin ich zu Wasser in die Altstadt gefahren und habe bei keinem geringem als dem städtischen Drucker gegessen. Zwischen uns besteht eine Freundschaft, die sich auf Gründen aufbaut, wie Sie sie erfahren sollen, wenn ich Sie sehe; aber der Regen überfiel mich, als ich von zu Hause nicht mehr weiter als eine Fahrt von zwölf Pence entfernt war. Ich sprach bei Herrn Harley vor, der nicht zu Hause war, gab seinem Pförtner meine halbe Krone und fuhr ins Kaffeehaus, wo mich der Regen bis neun Uhr festhielt. Ich habe heute Briefe vom Erzbischof von Dublin und Herrn Bernage erhalten; dieser schickt mir einen melancholischen Bericht über Lady Shelburns Tod und seine eignen Enttäuschungen; er möchte gern Hauptmann werden; wenn ich ihm helfen kann, so werde ich es tun. 27. Morgens. Ich hatte gegenüber für morgen eine Wohnung reserviert, und der Hund hat sie gestern einem andern vermietet; ich hatte ihm kein Handgeld gegeben, und daher konnte er es tun, wie es scheint; Patrick wollte, dass ich ihm Handgeld gäbe, um ihn zu binden, aber ich wollte nicht. Daher muss ich heute umherschlendern, um mir anderswo eine Wohnung zu suchen. Haben Sie jemals in England einen so gelinden Winter erlebt? Wir haben keine zwei Frosttage gehabt; aber dafür Regen; in sechs Wochen haben wir keine drei schönen Tage erlebt. O, potztausend, ich habe gestern Nacht gewaltig von MD geträumt, aber so wirr, dass ich kein Wort mehr darüber sagen kann. Ich habe Ford mit Lewis bekannt gemacht, und heute haben wir zusammen gegessen; abends sprach ich bei einem oder zwei Nachbarn vor, weil ich hoffte, den Weihnachtsabend dort verbringen zu können; aber niemand war zu Hause, sie waren alle ausgegangen, um mit andern lustig zu sein. Ich habe oft beobachtet, dass in lustigen Zeiten alle Leute unterwegs sind; wo zum Teufel stecken sie nur? Da ging ich denn ins Kaffeehaus und sprach ein Stunde lang mit Herrn Addison, dem schliesslich einfiel, dass er mir zwei Briefe zu geben hatte, die ich heute Abend noch nicht beantworten kann, und morgen auch nicht, das kann ich Ihnen versichern, junge Frauen, zählen Sie darauf. Ich habe mehr zu tun, als ungezogenen Mädchen zu antworten; es ist ein alter Spruch und ein wahrer: Werden Dir Briefe von MD's zugetragen, So beantworte Sie niemals in zehn Tagen. 28. Heute erhielt ich eine Einladung von Sir Thomas Hanmer, bei ihm zu essen: der berühmte Dr. Smalridge war dort, und wir blieben bis sechs sitzen; dann ging ich in meine neue Wohnung in St. Alban Street, wo ich dieselbe Miete (acht Schilling die Woche) für eine Wohnung zwei Treppen hoch bezahle; aber ich kann das Empfangszimmer benutzen, um vornehme Leute zu empfangen, und jetzt bin ich in mein neues Bett gestiegen, usw. 29. Sir Andrew Fountaine ist diese Woche sehr krank gewesen und schickte heute Morgen zu mir, ich möchte mit ihm beten; Sie wissen, das ist das letzte. Ich fand die Ärzte und alle rings um ihn in Verzweiflung. Ich las ihm Gebete vor und erfuhr, dass er alles geordnet hatte; als ich herauskam, fragte die Krankenpflegerin mich, ob ich es für möglich hielte, dass er am Leben bliebe, denn die Ärzte glaubten es nicht. Ich sagte, ich glaubte, dass er am Leben bleiben würde, denn ich habe die Saat des Lebens in ihm gefunden, die, wie ich beobachtet habe, selten versage; (ich habe sie auch in der armen teuersten Stella gefunden, als sie vor vielen Jahren krank war); und heute Abend war ich wieder bei ihm, und er hatte sich gewaltig erholt; ich hoffe, er wird aufkommen, und der Arzt zollte meinen Gründen Beifall; wenn er aber sterben sollte, so stände ich erbärmlich da. Der Staatssekretär (Herr St. John) liess mich einladen, bei ihm zu essen; Herr Harley und Lord Peterborow waren auch da, und abends kam Lord Rivers. Lord Peterborow geht in ein oder zwei Tagen nach Wien; er hat versprochen, mich dahin zu bringen, dass ich ihm schreibe. Herr Harley ging um sechs, wir aber blieben bis sieben. Ich nahm den Staatssekretär beiseite und beklagte mich bei ihm über Herrn Harley; er habe es bei der Königin durchgesetzt, dass sie auf die Erstlinge verzichtete, er habe versprochen, mich zu ihr zu bringen und einen Brief an die Bischöfe von Irland von ihr durchzusetzen; aber den zweiten Teil seines Versprechens habe er in sechs Wochen noch nicht erfüllt, und ich sei in Gefahr, meinen Ruf zu verlieren, usw. Er nahm die Sache gut auf, bat mich, Sonntag Morgen zu ihm zu kommen, und versprach, die Angelegenheit in vier Tagen zu erledigen; also werde ich in Kürze wissen, woran ich mich zu halten habe. – Es ist neun Uhr, und ich muss an die Arbeit gehn, Sie kleinen Halunkinnen; und also gute Nacht, usw. 30. Morgens. Es wird kalt, Sie Naseweisen! Eben erhalte ich Bescheid, dass es Sir Andrew Fountaine besser geht. Ich will aufstehn, denn meine Hände erstarren, während ich im Bett schreibe. – Abends. Jetzt, da Sir Andrew Fountaine in der Besserung ist, will er seine Ruhe haben. Ich sprach heute Morgen vor, um ihm Gebete vorzulesen, aber er hatte Befehl gegeben, dass man ihn nicht stören sollte. Ich habe ein Legat verloren, dadurch, dass er am Leben geblieben ist; denn er sagte, er hätte mir ein Gemälde und ein paar Bücher vermacht, usw. Ich machte dann meinem quondam Nachbarn Ford einen Besuch (und wissen Sie, was quondam heisst?) und er lud mich ein, bei ihm zu speisen, denn er speist an Operntagen stets zu Hause. Um sechs kam ich nach Hause, schrieb an den Erzbischof, arbeitete bis nach elf und stahl mich dann ins Bett, um diese wenigen Zeilen an MD zu schreiben, damit Sie wissen, dass es mir gut geht, während ich dies schreibe, und ich hoffe zu Gott, dass es MD ebenso geht. Ich wundere mich, dass ich Ihnen niemals von Politik schreibe; ich könnte Sie zum tiefsten Politiker der ganzen Gasse machen. – Nun, und wann sollen wir diesen Brief von MD, die Nr. 8, beantworten? Nicht vor dem nächsten Jahr, bei Gott! O Himmel, – bäh – aber das ist ja nächsten Montag. Wahrhaftig, wie? Ja: so was hab ich noch nicht erlebt. Bitte, bitte, Dingley, lassen Sie mich schlafen gehn, bitte, bitte, Stella, lassen Sie mich schlummern gehn und meine Kerze ausmachen. 31. Morgens. Es ist jetzt sieben, und ich habe ein Feuer; aber ich schreibe in meinem Schlafzimmer im Bett. Es ist kein Rasiertag, und also werde ich rechtzeitig fertig, um noch vor der Kirche zu Herrn St. John zu gehn; und morgen will ich den Brief unsrer MD beantworten. Wollen Sie antworten auf MD's Schreiben, So lassen Sie es am besten bis Neujahr bleiben: Denn fängt das neue Jahr mit MD an, Es ohne MD auch nicht enden kann. Doch schreiben Sie zu Neujahr nicht, MD Ihnen alle Knochen zerbricht. – Aber Patrick sagt, ich müsste aufstehn. – Abends. Ich war heute früh beim Staatssekretär St. John und gab ihm eine Denkschrift, damit er für den Brief der Königin über die Erstlinge sorgt; er versprach, es in wenigen Tagen zu erledigen. Er sagte mir, er wäre bei dem Herzog von Malborough gewesen, der seine früheren Schritte und einen Anschluss an die Whigs beklage; er sei vor Alter, Beschwerden und Missgeschick ganz erschöpft. Ich schwöre, es tat mir leid, und ich glaube wirklich, sie tun nicht gut daran, den Mann zu sehr zu quälen, obwohl es seine eigne Schuld ist. Er ist habgierig wie die Hölle und ehrgeizig wie ihr Fürst: er wäre gern auf Lebenszeit Oberbefehlshaber geworden, und er hat alle Friedensunterhandlungen scheitern lassen, um sich seine Grösse zu erhalten und Geld zu machen. Der Königin hat er gesagt, er sei weder ehrgeizig noch habgierig. Sie sagte, wenn sie sich anständigerweise hätte umdrehn können, so hätte sie gelacht, und kaum habe sie sich bezwingen können, um ihm nicht einfach ins Gesicht zu lachen. Er schloss sich den abscheulichen Massnahmen des letzten Ministeriums an, weil die Minister ihm zu ihren eignen Zwecken zu Willen waren. Und doch ist er ein erfolgreicher General gewesen, und ich hoffe, er wird seinen Oberbefehl behalten. O Himmel, beachte Politik für MD! Nun, aber wenn sie Ihnen Spass macht, so will ich hin und wieder ein wenig davon einstreuen, und die meine kommt frisch aus den ersten Händen. Ich habe also bei Herrn Harley gegessen und bin um sechs nach Hause gegangen. Es waren viele Leute da, und ich war keineswegs lustig. Herr Harley liess mich ein paar Verse von Prior vorlesen. Ich las sie ganz einfach herunter, ohne jede schöne Betonung, und Prior schwor, ich sollte nie wieder Verse von ihm vorlesen. Aber er rächte sich und las ein paar von mir ebenso schlecht. Ich entschuldigte mich und sagte, ich sei berühmt dafür, dass niemand Verse schlechter vorläse als ich, und jedermann risse sie mir fort, wenn ich beginnen wollte. So hatten wir zu lachen. – Sir Andrew Fountaine ist immer noch krank. Ihn plagt irgendein Geschwür. Den 1. Januar. Morgens. Ich wünsche meiner teuersten hübschen Dingley und Stella ein glückliches, neues Jahr und Gesundheit und Heiterkeit und einen guten Magen und Frs Gesellschaft. Fr = Foolish rogue, närrischer Kerl; Pdfr = Poor dear foolish rogue, der arme, liebe, närrische Kerl. Potztausend, ich wusste gar nicht, wie ich Fr. schreiben sollte. Ich fragte mich, woran es nur läge, jetzt fällt mir ein, dass ich immer Pdfr schreibe. Patrick wünscht mir ein glückliches neues Jahr und bittet mich, aufzustehn, denn es brenne ein schönes Feuer, und wahrhaftig, es ist kalt. Ich war gestern Abend so politisch gegen MD; nie sowas erlebt. Verschaffen Sie sich die Examiners Wörtlich »Untersucher«, eine Zeitschrift, die noch unter dem Ministerium Godolphins gegründet wurde, um den Umschlag in der Politik des Landes vorzubereiten und zu stützen. Swifts Mitarbeit war namentlich um die Zeit, aus der die obigen Briefe stammen, ausserordentlich rege und wertvoll. und lesen Sie sie; die letzten neun oder zehn enthalten die Gründe des jüngsten Wechsels und einen Bericht über die Missbräuche des letzten Ministeriums; die grossen Herren versichern mir, dass alles wahr sei. Sie sind auf ihre Ermutigung hin und unter ihrer Anleitung geschrieben worden. Ich muss aufstehn und Sir Andrew Fountaine besuchen; aber vielleicht kann ich heute abend auf MD's Brief antworten; also guten Morgen, meine Damen, guten Morgen. Ich wünsche Ihnen beiden ein glückliches Jahr, Roastbeef, Pasteten und kräftiges Bier: Einen Teil Ihrer Lustigkeit wünsche ich mir Ach, wäre ich dort, oder Sie wären hier! Und Sie sind mir ein naseweis-liebes Paar! Nochmals guten Morgen, liebe Burschen; man kann Ihretwegen nicht aus dem Bett kommen. – Abends. Heute morgen habe ich Lady Kerry und Lord Shelburn besucht, und ich musste bei ihnen essen. Sir Andrew Fountaine geht es besser. Und jetzt kommen Sie und lassen Sie sehn, was dieser naseweise, liebe Brief von MD besagt. Komm her, Brief, komm zwischen den Blättern hervor; hier hegt er darunter, aber er will nicht herauskommen. Komm her, ich sag es noch einmal! Also, hier ist er. »Was hat Presto mir zu sagen?« fragt er. Komm und lass mich für dich deiner Herrin antworten. Also den Kopf hoch und sei ein braver Brief! So. Bitte, und wieso haben Sie mit Presto Schritt gehalten, Frau Stella? Sie schreiben Ihren achten, als Sie meinen achten erhalten: ich aber schreibe meinen zwölften, als ich Ihren achten erhalte. Bedenken Sie nicht, dass auch noch welche unterwegs sein müssen, Sie Einfaltspinsel? Was sagen Sie nun? Und also haben Sie Prestos kleinen Geburtstag gefeiert, das glaube ich: wollte Gott, ich wäre bei dem Toast zugegen gewesen; lieber als hier, wo ich keinerlei Vergnügen kenne, nichts, als ewig Geschäfte auf dem Hals. Ich werde mit der Zeit weise werden: aber nichts mehr davon: nur sage ich von Herzen und aus dem Innersten Amen, auf dass wir nie wieder zehn Tage hintereinander getrennt werden, solange der arme Presto lebt. – – – – – Ich kann so dicht hinter melancholischen Reden nicht gleich wieder lustig werden; deshalb habe ich die vielen Striche gemacht, und jetzt ist alles wieder gut. Ja, Sie sind eine anmassende Schlumpe, wahrhaftig, mit Ihrem vierten und fünften am Rande und Ihrem Tagebuch und all dem andern. Wind – wir haben hier keinen Wind gehabt, nichts Aussergewöhnliches. Wir hatten ihn einmal, als Sie ihn nicht hatten. Aber es ist ein alter Spruch und ein wahrer: Ich hasse den Wind von vorn und von hinten, Aus den Backen mit Augen und aus den blinden. Ihr Schornstein herunterfallen? Gott behüte Sie. Ich denke mir, Sie meinen nur einen oder zwei Ziegel; aber das ist eine verdammte Lüge von Ihnen, dass Ihr Schornstein von dem Wind aufs nächste Dach geworfen wurde. Dergleichen binden Sie uns lieber nicht auf; das hat hier keinen Kurs; halten Sie sich ein wenig an die Möglichkeiten. Lord Hertford hätte sich einer solchen Übertreibung geschämt. Sie sollten ein wenig acht geben, mit wem Sie reden; wenn man sich das erst einmal angewöhnt hat, ist es schwer, wieder davon loszukommen. Jemmy Leigh spricht davon, hinüberzugehn; aber quando? Ich weiss nicht, wann er reisen wird. O, jetzt haben Sie meinen neunten, jetzt, wo Sie mich eingeholt haben; ja prosit Mahlzeit, eingeholt! Ich kenne die ganze Geschichte mit Lady S. Will niemand dieser verdammten .... den Hals abschneiden? Fünfhundert Pfund nennen Sie eine erbärmliche Bezahlung dafür, dass jemand drei Monate lang das Leben eines Königs führt? Man sagt, sie sei vor Gram gestorben, und zum Teil, weil sie wegen irgendeines Zanks zwischen ihren Dienstboten vor Gericht erscheinen musste. – Der Bischof von Clogher hat Ihnen eine Broschüre gezeigt. Swifts Schrift über den Grafen von Wharton. Nun, an derlei Dinge müssen Sie nicht so ohne weiteres glauben; die Leute sagen allerhand. Die Charakterschilderung gilt hier als ausgezeichnet, aber die meisten der angeführten Tatsachen sind Kleinigkeiten. Sie ist hier zuerst als Privatdruck erschienen; und dann riskierte es irgendein verwegener Hund, sie öffentlich zu verlegen, und er hat in zwei Tagen zweitausend Exemplare verkauft. Meinen Sie, Sie wüssten es, Unverschämte? Wie kommen Sie dazu, so etwas zu denken? Zum Henker, mit Ihren Parlamenten! Der Erzbischof hat mir davon erzählt; aber wir geruhen nicht, hier irgend etwas davon zu wissen. Nein, nein, keine Schwindelanfälle mehr; danke Ihnen, Stella, dass Sie fragen; danke Ihnen; Gott, der Allmächtige, segne Sie für Ihre Güte gegen den armen Presto. Sie schreiben an Lady Giffard und Ihre Mutter über das, was ich Ihnen riet, als es zu spät ist. Immerhin denke ich mir, diese schlimme Nachricht wird den Kurs so stark herunterdrücken, dass man sehr vorteilhaft wird einkaufen können. Ich habe die Absicht, das Wagnis zu begehn und Ihre Mutter eines Tages zu besuchen, wenn Lady Giffard ausgegangen ist. Also behalten Sie Ihren Rathburn und so weiter. Ich dachte, er sollte Ihr Geld auf seine Häuser einzahlen, die abgerissen werden sollen, da bei dem, wie heisst es gleich? – Nun, Frau Dingley, ich habe Ihre Einlage nach Bristol geschickt, aber von Raymond habe ich seit seiner Abreise nichts mehr gehört. Kommen Sie, kommen Sie, junge Frauen, ich habe ein schönes Feuer; es kostet mich zwölf Pence die Woche, und ich fürchte, sogar noch etwas mehr; ärgern Sie mich nur, dann lasse ich mir auch in meinem Schlafzimmer noch eins machen. Nein, habe ich Ihnen nicht eben schon gesagt, dass wir hier keinen starken Wind haben? Haben Sie das schon wieder vergessen? – Da kommen Sie schon wieder, alberne Stella! Weshalb sagt Ihre Mutter, meine Kerzen seien skandalös? Es sind gute Sechs-aufs-Pfund, und sie sagte, ich sei recht verschwenderisch, dass ich sie auch bei Tageslicht brennte. Weniger als eine brenne ich nie auf einmal. Was wollen die Leute? Der Teufel hole Hawkshaw. Er schreibt mir, er habe die Kiste nicht, und am nächsten Tage sagt Sterne mir, er habe sie vor vierzehn Tagen abgeschickt; neulich konnte Patrick ihn nicht finden; aber morgen; liebes Herz und Leben, ärgern Sie mich? Ärgert Stella Presto? Das Lähmungswasser ist in der Kiste; es war zu gross für ein Paket, und ich fürchtete, es möchte zerbrechen. Leigh war damals nicht in der Stadt, sonst hätte ich es Sterne nicht anvertraut, obwohl ich ihm genügend Freundschaftsdienste geleistet habe, um noch mehr Gefälligkeiten von ihm verlangen zu können. Ich habe keine Ruhe, bis Sie sie erhalten haben, oder bis sie zu Ihnen unterwegs ist. Armer, lieber Schelm, wie unartig, zu meinen, es könnte mich ärgern: wie hätte ich es mir je vergeben können, wenn ich irgend etwas versäumte, was sich auf Ihre Gesundheit bezieht? Dann wäre ich ja ein Satan ... Sehn Sie nur, wie weit ich von Stella zurücktreten muss, weil ich fürchte, sie glaubt, der arme Presto sei mit ihren Kleinigkeiten nicht sorgfältig umgegangen; ich weiss ganz genau, ich habe sie sofort der Bestellung gemäss gekauft, sie mit eignen Händen gepackt und zu Sterne geschickt, und sechsmal war ich bei ihm, damit er sie abschickte. Es freut mich, dass Ihnen die Gläser gefallen. Ich habe jetzt eine neue Samtmütze, die Lord Herbert gekauft hat und mir eines Morgens schenkte, als ich zum Frühstück bei ihm war; er war so lustig und behaglich, wie ich ihn nur je gesehn habe; und doch hatte er eine halbe Stunde zuvor eine Forderung erhalten und focht eine halbe Stunde darauf ein Duell aus. Es war vor etwa zehn Tagen. Sie irren sich in Ihren Vermutungen über die Tatler; den über die Nasen und den über die Religion habe ich nicht geschrieben, und seit einiger Zeit schicke ich ihm auch keine Ideen mehr. Wahrhaftig, Stella, als ich Ihren Brief las, war ich keineswegs unruhig; aber als es galt, die Einzelheiten zu beantworten, und ich fand, dass Sie Ihre Kiste nicht erhalten haben, da schmerzte es mich bis ins Herz hinein, denn ich meinte durch Ihre kleinen Worte hindurch zu hören, dass Sie glaubten, ich hätte mir nicht die gebührende Mühe gegeben. Aber es ist in dieser Sache irgend etwas versehen worden; ich werde das morgen erforschen und an Sterne schreiben, aus Furcht, er möchte sonst wieder nicht zu Hause sein. – Und bitte, bitte, Presto, jetzt, bitte. – Nein, Raymond war nicht mehr als viermal bei mir, solange er in der Stadt war, und auch da nur, während ich mich anzog. Frau Fenton hat mir wieder einen Brief geschrieben wegen irgendwelchen Geldes, das Lady Giffard von ihr in Händen hat; es war mir von meiner Mutter anvertraut worden und soll ihrem Mann nicht in die Hände fallen. Ich schicke meine Briefe regelmässig alle vierzehn Tage ab; und wenn Sie sie öfter haben wollen, so geht das auch, aber dann werden sie kürzer. Bitte, lassen Sie Parvisol das Pferd verkaufen. Ich glaube, ich habe Ihnen schon in einem früheren Brief davon gesprochen; ich freue mich, dass Sie es los sind, und ich war unruhig, solange ich dachte, Sie ritten es noch; aber wenn er oder irgend sonst jemand Ihnen ein andres kaufen wollte damit Sie oft reiten können, weshalb tun Sie es nicht? 2. Heute früh bin ich zum Schatzsekretär St. John gegangen, und er sagte mir im Namen des Herrn Harley, dass die Vollmacht in Sachen des Freibriefes wegen der Erstlinge jetzt entworfen sei, sie muss erst durch mehrere Bureaus laufen, und das wird einige Zeit in Anspruch nehmen, weil man in allen Dingen, die die Königin bewilligt, sehr besonnen vorgeht; aber er versichert mir, dass es bewilligt und erledigt und unanfechtbar ist, und er bittet, mir keinerlei Sorge zu machen. Ich will morgen noch einmal an den Erzbischof schreiben und ihm das sagen, und ich wollte, Sie sagten es auch bei Gelegenheit. Vom Staatssekretär ging ich zu Herrn Sterne, der mir sagte, er wolle Ihnen heute Abend schreiben, die Kiste müsse in Chester liegen; ein Freund von ihm gehe sehr bald hinüber und werde sie mitnehmen. Gegessen habe ich bei dem Herrn Staatssekretär St. John, und um sechs ging ich in Darteneufs Haus, um ein wenig Punsch zu trinken, mit ihm, Herrn Addison und dem kleinen Harrison, einem jungen Dichter, dessen Glück ich machen will. Steele sollte auch dort sein, aber er kam nicht, wie er denn, seit ich ihn kenne, noch keine zwei Verabredungen innegehalten hat. Ich blieb bis nach elf, und jetzt liege ich im Bett. Steeles letzter Tatler ist heute herausgekommen. Sie werden ihn sehn, ehe dieser Brief Sie erreicht. Er hat nicht einmal Herrn Addison etwas davon gesagt; der war ebenso erstaunt wie ich, aber die Wahrheit zu sagen, so wurde es Zeit, denn er begann grausam stumpf und trocken zu werden; meines Wissens hat man ihm mehrere gute Ideen gegeben, an die er sich halten konnte, aber er war so träge und der Arbeit so müde, dass er nichts verbessern wollte. Ich denke, ich werde dies übermorgen abschicken soll ich es tun, ehe der Bogen voll ist, Dingley? 3. Gestern rief mich Lord Peterborow in einen Barbierladen, und dort haben wir tiefe Politik geredet; er bat mich, heute mit ihm im Globe auf dem Strand zu essen; er sagte, er wolle mir so deutlich zeigen, wie Spanien zu bekommen sei, dass ich unmöglich daran zweifeln könnte. Ich ging also heute hin und sah ihn unter einem halben Dutzend Rechtsgelehrter und Anwälte und Galgenstricke, für die er vor seiner Abreise Urkunden und dergleichen unterschrieb, denn er geht morgen nach Wien. Ich blieb bis nach vier unter dieser schäbigen Gesellschaft sitzen, aber von Spanien habe ich nichts gehört; nur schliesse ich aus dem, was er mir früher sagte, dass er fürchtet, auf seiner gegenwärtigen Reise nichts Gutes ausrichten zu können. Wir wollen einen gewaltig regen Briefwechsel unterhalten. Ich nahm also Abschied von ihm und ging zu Sir Andrew Fountaine, dem es weit besser geht. Hach Hause kam ich, wenns gefällig ist, um sechs, und bis nach elf habe ich gearbeitet. 4. Morgens. Morgen, Ihr kleinen Lieben. Ei, traun, ich habe geträumt; ich sollte, weshalb, das weiss ich nicht, ins Gefängnis kommen; und ich fürchtete mich so vor einem schwarzen Loch; und dann dachte ich, alles, was ich gestern über Sir Andrew Fountaines Krankheit erfahren habe, sei von der armen Stella gemeint gewesen. Das schlimmste bei Träumen ist, dass man genau in der Stimmung erwacht, in der sie einen verlassen. Soll ich dies heute abschicken? Von Herzen gern. Es fehlen noch zwei Tage an den vierzehn; aber vielleicht möchten MD gern bald das runde Dutzend haben; und wie haben Sie mich dann eingeholt mit Ihrem achten, junge Frauen? Aber freilich sollten Sie eigentlich zweimal so langsam schreiben wie ich, weil Sie zwei sind, das gebe ich zu. – Nun, ich will diesen Brief an meiner Morgenkerze versiegeln und mit in die Stadt nehmen, denn ich esse in der Altstadt, und dann will ich ihn mit meinen eigenen schönen Händen in der Post abgeben. Also lassen Sie sehn, ob ich MD irgend etwas Neues mitzuteilen habe. Man sagt, es werde bald eine Untersuchung über die Missbräuche des letzten Ministeriums stattfinden; und das ist auch nötig, um seine Verabschiedung zu rechtfertigen. Atterbury, so denken wir, wird Dechant der Christuskirche in Oxford; das Kollegium freilich hätte Smallridge vorgezogen. – Aber was geht all das Sie an? Was fragen Sie nach Atterburys und Smallridges? Nein, Sie fragen nach nichts als Presto, wie? Nun will ich aber aufstehn und Ihnen Lebewohl sagen; und doch mag ich noch nicht, weil noch ein grosses Stück Papier übrig ist, auf dem man schwätzen kann; aber Dingley will es; ja, sagt sie, machen Sie Ihre Tagebücher kürzer und schicken Sie sie öfter; und das will ich auch tun. Und auf eine andre Weise habe ich Sie auch betrogen; denn dies ist beschnittenes Papier, und es fasst mindestens sechs Zeilen weniger als die früheren Bögen. Ich will Ihnen ein hübsches Kompliment sagen, das ich Lord Carteret gemacht habe. »Also«, sagt er, »Lord....... erreichte mich ....« »Nein«, sagte ich, »Lord....... kann Sie nie erreichen!« Wir machen hier alle bisweilen Wortspiele. Ich entsinne mich nicht, von den Ministern auch nur ein einziges gutes gehört zu haben, und das ist wirklich eine Schmach. Henley ist zu Weihnachten aufs Land gegangen. Der Gelbschnabel kommt ohne seine Frau her und macht kein Haus; ich sollte in Speisehäusern mit ihm essen; aber das habe ich einmal getan, und ich werde es nie wieder tun. Er hatte mich im Kaffeehaus eine Weile nicht mehr gesehn, und als er nach mir fragte, bat er Lord Herbert, mir zu sagen, ich sei nach dem Geheiss Melchisedeks ewig eine Bestie! Haben Sie je die Schrift gelesen? Er hatte nur das Wort Priester in Bestie verwandelt. – Ich glaube, ich bin bezaubert, dass ich Ihnen soviel schreibe, Sie kleinen MD. Lassen Sie mich los, bitte, ja? Heute Abend will ich wiederkommen, angetan mit einem schönen, saubern Bogen; aber jetzt will ich weder noch auch kann ich längerbleiben; nein, ich will nicht und wenn Sie noch so sehr schmeicheln; nein, nein, sehn Sie fort; lächeln Sie mich nicht an, und sagen Sie mir nicht: Bitte, bitte, Presto, schreiben Sie noch ein wenig mehr. Ach, Sie sind eine Schmeichelschlumpe, ja, das sind Sie. Nein, aber, bitte, drehn Sie sich um, und lassen Sie mich gehn, ja? Seien Sie ein braves Mädchen, und tun Sie's. O, potztausend, jetzt ist meine Morgenkerze ausgegangen, und ich muss jetzt fort, allem zum Trotz; denn mein Schlafzimmer ist dunkel durch die Vorhänge, und ich liege auf der verkehrten Seite. Also leben Sie wohl, usw. Ich sitze fast in Finsternis; ich muss mir, wenn ich aufgestanden bin, eine neue Kerze kommen lassen, um diesen Brief versiegeln zu können; aber falten will ich ihn noch im Dunkeln; und lesen Sie dies, so gut Sie können, denn ich sehe nur das Papier, auf dem ich schreibe. Meine Empfehlung für Frau Walls und Frau Stoyte. Gott der Allmächtige segne Sie, usw. Was ich schreibe, kann ich nicht sehn; aber ich will es falten und nicht mehr ansehn. Brief XIII. London, den 4. Januar 1710/11. Ich war in der Altstadt, wo ich gegessen habe, und auf dem Rückweg (nicht vor neun Uhr heute Abend) habe ich meinen zwölften mit meinen eignen, schönen Händen auf die Post getragen. Ich habe bei Leuten gegessen, von denen Sie noch nie gehört haben, und es lohnt sich auch nicht, wenn Sie es erfahren; mit einer Schriftstellerin und einem Drucker. Nach Hause bin ich, um mir Bewegung zu machen, zu Fuss gegangen; und ich kam erst um elf ins Bett. Und die ganze Zeit über, während ich mich auszog, habe ich alberne Possen in die Luft hinein geredet, gerade, als wäre MD dabei, und das habe ich erst gemerkt, als ich ins Bett stieg. Ich habe gestern Abend an den Erzbischof geschrieben und ihm gesagt, dass der Befehl wegen der Erstlinge unterschrieben wäre; ich habe ihm auch gesagt, dass Lord Peterborow seine Reise nach Wien angetreten hat; aber es scheint, das Herrenhaus hat sich an ihn gewandt, damit er bleibe, weil man eine Untersuchung über die Angelegenheiten in Spanien anstellt; er soll über diese Niederlage vernommen werden und sagen, an wem die Schuld gelegen hat, usw. Ich habe dem Erzbischof also eine Lüge geschrieben, aber ich denke, es ist keine Sünde. 5. Herr Staatssekretär St. John liess mich heute Morgen so früh zu sich bitten, dass ich unrasiert ausgehn musste, was mich ganz aus der Reihe brachte; dann sprach ich bei Ford vor und bat ihn, mich bei ihm rasieren zu dürfen; so gelang es mir, wieder in Ordnung zu kommen. Himmel, hier hat es eine Unverschämtheit gegeben; Sir Andrew Fountaines Mutter und Schwester sind mehr als hundert Meilen weit aus Worcester gekommen, um ihn vor seinem Tode noch einmal zu sehn. Sie trafen erst gestern ein, und er hätte auf jeden Fall ausser Gefahr oder hoffnungslos verloren sein müssen, ehe sie ihn erreichen konnten. Ich begann zu schelten, als ich hörte, dass sie kämen; und alle, die ihn umringten, wunderten sich über mich und sagten, wie angenehm es doch für beide Seiten wäre, wenn er stürbe, während sie bei ihm wären. Ich habe die Mutter gekannt, sie ist die übertriebenste Person, die ich kenne, und die Schwester, sagt man, ist noch schlimmer; der arme Mann wird, wenn sie bei ihm sind, einen Rückfall haben. Der Bruder, der Halunke! heulte hier im Vorzimmer, bis Sir Andrew wirklich in Gefahr kam, und der Hund hätte den ganzen Besitz geerbt, wenn er gestorben wäre; und dabei ist er ein unwissender, wüster Halunke, der nichts taugt; die Krankenpflegerinnen trösteten ihn immer und baten ihn, er möchte es sich nicht so zu Herzen nehmen. Ich habe heute zum erstenmal bei Ophy Butler und seiner Frau gegessen; und Sie haben bei dem Dechanten zu Nacht gespeist und zweiundzwanzig Pence im Kartenspiel verloren. Frau Walls also ist von einem Mädchen entbunden worden, das zwei Tage nach der Taufe starb; und unter uns, es tut ihr nicht sehr leid, sie liebt ihre Behaglichkeit und ihre Vergnügungen zu sehr, um sich viel mit Kindern abzugeben. Ich will zu Bett gehn. 6. Morgens. Gestern Abend wollte ich, nachdem Patrick zu Bett gegangen war, noch ein paar Kohlen auf mein Feuer legen; und da sah ich in der Kammer einen armen Hänfling, den er gekauft hat, um ihn Dingley mitzunehmen. Er hat ihn sechs Pence gekostet, und er ist so zahm wie ein Siebenschläfer. Ich glaube, er weiss gar nicht, dass er ein Vogel ist; wo man ihn hinsetzt, da bleibt er stehn, und er scheint weder Hoffnung noch Furcht zu kennen; ich vermute, dass er in einer Woche an Schwermut sterben wird. Patrick beriet sich mit mir, ehe er ihn kaufte. Ich hielt ihm die Höhe der Summe und die Übereiltheit des Unternehmens offen vor; ich sagte ihm, wie unmöglich es sei, ihn übers Salzmeer zu bringen; aber er wollte meinem Rat nicht folgen, und das wird er zu bereuen haben. Es ist heute Morgen sehr kalt im Bett, und ich höre, drüben brennt ein gutes Feuer im Zimmer, im – wie heisst es gleich? – im Esszimmer. Ich hoffe, dass schönes Wetter herrscht, und also lassen Sie mich aufstehn, Burschen, bitte. – Abends. Ich habe heute Morgen den Dechanten besucht, oder den Herrn Wortführer, so, denke ich, nennen Sie ihn? Weshalb sollte nicht ich so gut wie Sie zum Dechanten gehn? Ein kleiner, schwarzer Mann von fast fünfzig? Ja, ebender. Ein guter, lustiger Mann? Ja, ebender. Ziemlich schlau? Ja. Einer, der seinen Vorteil wahrzunehmen versteht? So gut wie nur irgendeiner. Wie kommt es, dass MD und ich uns dort nicht bisweilen begegnen? Ein sehr gutes Gesicht und viel Witz; kennen Sie seine Frau? O Himmel, wen meinen Sie? Ich meine Dr. Atterbury, den Dechanten von Carlisle und Wortführer. Bah, Presto, Sie sind ein Narr; ich dachte, Sie meinten unsern Dechanten von St. Patrick. Albern, albern, albern, Sie sind albern, alle beide albern, alles ist albern. Als ich in die Stadt ging, wurde ich von Ansammlungen von Knaben und Dirnen aufgehalten, die sich wie die Fliegen um die Kuchenläden drängten. Die Narren hatten ihre Läden zwei Ellen in die Strasse hinein verlängert, und alles war mit grossem zuckerüberstreuten Kuchen belegt und mit Flitterfähnchen besteckt. Und dann ging ich zu Bateman, dem Buchhändler, bei dem ich achtundvierzig Schilling für Bücher ausgegeben habe. Ich habe unsrer Stella drei kleine Bände eines französischen Lukian gekauft usw. Dann ging ich zu Carraway, um Stratford zu treffen und mit ihm zu speisen; aber es war ein Mussetag für die Kaufleute, und er war in unser Ende der Stadt gegangen; so habe ich denn im Postamt bei Thomas Frankland gegessen, und wir haben auf das Wohl Ihres Manley getrunken. Es hatte in einer Zeitung gestanden, dass er sein Amt verloren hätte; aber Staatssekretär St. John sagte mir, die Nachricht sei falsch; nur ist der betreffende Reporter ein verdammter Tory. Ich habe keine Spur von Weihnachtslustbarkeiten gesehn. 7. Morgens. Ihr neuer Lord Kanzler Sir Constantine Phipps bricht morgen nach Irland auf: ich habe ihn nie gesehn. Er nimmt einen gewissen Trapp, einen Pastor, eine Art Prätendenten des Witzes, einen zweitklassigen Broschürenschreiber für die Sache als Kaplan mit hinüber, man bezahlt ihn, indem man ihn nach Irland schickt. Ich habe auch Trapp nie gesehn. Gestern bin ich bei der Börse Tighe und Ihrem Smyth, dem von Lovet, begegnet. Tighe und ich beachteten einander nicht, aber Smyth hielt ich an und erzählte ihm von der Kiste für Sie, die in Chester liegt, denn er sagt, er gehe sehr bald nach Irland; ich glaube, noch diese Woche: und ich will heute Morgen zu Sterne schicken, damit er sich mit Smyth bespricht; also guten Morgen, Burschen, und lassen Sie mich aufstehn, bitte. Als ich abends, das heisst, in dieser Minute, nach Hause kam, nahm ich dieses Blatt auf; dann aber sagte ich: Nein, nein, wahrhaftig, MD, Sie müssen warten; und damit wollte ich es bei Seite legen; aber ich konnte es um mein Leben nicht tun, obwohl ich sehr beschäftigt bin, ohne Sie zu fragen, wie es Ihnen seit heute Morgen geht; nachher wollen wir mehr plaudern; also lass mich dich bis dahin sanft niederlegen, kleines Blatt; so – jetzt an die Arbeit; weg, sag ich, pack dich; nein, einen Stoss will ich dir auch nicht geben, sondern dich auf die eine Seite legen. – So. – Jetzt, da ich ins Bett gestiegen bin, will ich mit Ihnen plaudern. Herr Staatssekretär St. John liess mich heute Morgen in aller Eile holen; aber ich wollte mein Rasieren nicht versäumen, weil ich fürchtete, sonst zu spät in die Kirche zu kommen. Ich ging an den Hof, der letzthin stets sehr voll ist, und der junge Manley und ich haben bei Sir Matthew Dudley gegessen. Ich musste Politik reden. Ich versichere, ich fürchte, dass wir alle in Parteispaltungen verwickelt werden. Die Whigs sind jetzt, da sie gefallen sind, die boshaftesten Kröten von der Welt. Wir haben jetzt ein zweites Unglück erlitten, den Verlust mehrerer Virginiaschiffe. Ich fürchte, die Leute werden beginnen, des Glaubens zu sein, dass unter diesem Ministerium nichts gelingt; und wenn das Ministerium beim Volk erst einmal verhasst ist, so lässt das Parlament sich wählen, wie die Königin will, für die Whigs oder für die Torys. Mir scheint auch, als drückten unsre Leute den Herzog von Marlborough ein wenig zu hart. Die Mitglieder vom Lande sind wütend darauf verpicht, dass die vergangenen Fehler untersucht werden, und sie haben recht; aber ich merke nicht, dass das dem Ministerium sehr gefiele. Meiner Meinung nach kann uns nichts retten als der Friedensschluss, und ich bin überzeugt, dass wir keinen Frieden durchsetzen können; wie wir ihn erhofften, dann aber werden die Whigs schreien, was sie alles ausgerichtet hätten, wenn sie am Ruder geblieben wären. Ich sage dem Ministerium das so deutlich, wie ich es nur zu sagen wage, und ich werde es sogar übernehmen, ihnen noch ein wenig mehr zu sagen, besonders über den Herzog von Marlborough, der, wie die Whigs aussprengen, seinen Oberbefehl niederlegen will; und es scheint mir zweifelhaft, ob je ein weiser Staat einen General beiseite geschoben hat, der neun Jahre lang erfolgreich war, den die Feinde so sehr fürchten, und von dem seine eignen Soldaten glauben müssen, dass er immer siegreich sein wird; und Sie wissen, im Kriege macht die Meinung neun Zehntel von allem aus. Das Ministerium hört mich stets scheinbar mit grosser Achtung und viel Freundlichkeit an; aber mir scheint, man lässt zu viel persönliche Feindschaft auf die Massnahmen Einfluss gewinnen. Inzwischen scheinen sie all das als ein Nichts anzusehn, und sie sind so ruhig und lustig, als hätten sie nichts auf dem Herzen oder auf den Schultern; Ärzten gleich, die zwar zu heilen suchen, aber keinen Schmerz empfinden, wie sehr der Kranke auch leide. Bah, was soll all das? Wissen Sie eins? Ich merke, dass ich Ihnen viel leichter über Politik schreiben kann als irgend jemandem sonst. Aber ich schwöre, der Kopf ist mir voll, und ich wollte, ich wäre in Laracor, bei den lieben, reizenden MD, usw. 8. Morgens. Mich dünkt, junge Frauen, ich habe in vier Tagen grosse Fortschritte gemacht; ich bin schon am untern Rande dieser Seite, und noch ist kein Brief von MD gekommen. (Das eingeschobene Wort heisst Morgens.) Ich sehe, ich habe an MD über Staatsgeschäfte geschrieben. Wie gefällt Ihnen das? Nun, alles was von Presto kommt, ist willkommen; freilich, die Wahrheit zu gestehn, so wäre es Ihnen, wenn Sie die Wahl hätten und nichts zu verschleiern brauchten, immerhin lieber ... usw. Nun, Presto, ich muss Ihnen sagen, Sie werden albern, sagt Stella. Das ist nur eines Menschen Meinung, Gnädigste. Ich habe versprochen, heute Morgen zu Herrn Staatssekretär St. John zu kommen; aber ich bin träge und will nicht hingehn. Gestern hatte ich einen Brief von ihm mit der Bitte, heute bei ihm zu essen. Man wird mich schelten, aber was frage ich danach? Eben war Frau South bei mir; sie kam gerade von Sir Andrew Fountaine und will auf den Markt. Er hat immer noch Fieber und kann leben oder sterben. Seine Mutter und seine Schwester sind jetzt eingetroffen und wohnen im Hause, und also herrscht dort Aufruhr. Ich habe Frau South als Neujahrsgeschenk eine halbe Pistole gegeben. Also guten Morgen, Ihr beiden Lieben, bis gleich. – Abends. Himmel, ich bin vom Mittagessen an bis acht Uhr beim Herrn Staatssekretär gewesen; und obgleich ich Wein und Wasser gemischt trank, ist mir so heiss! Lady Stanley kam, um Frau St. John zu besuchen, und liess mich hinaufbitten, um einen Streit mit Frau St. John zu schlichten, die ich noch nie gesehn habe; und meinen Sie, dieser Satan von einem Staatssekretär hätte mich gehn lassen? Er hielt mich mit Gewalt zurück, obgleich ich ihm sagte, ich sei in seine Gattin verliebt und es sei eine Schmach, einen Liebenden aufzuhalten, usw. Aber alles half nichts. Daher musste ich mich schliesslich auch mit Gewalt losreissen, ging aber nicht mehr hinauf, weil es zu spät war; und hier sitze ich jetzt und habe heute Abend sehr viel zu tun, obwohl es schon neun Uhr ist; aber man muss ein paar Worte mit diesen ungezogenen MD reden, sonst hat man keine Ruhe. 9. Den heutigen Tag hatten Ford und ich für einen Gang in die Altstadt reserviert, um Bücher zu kaufen; aber wir bekamen nur ein schäbiges Mittagessen in einem Bierhaus, und ich musste mit ihm in die Schenke und Florentiner trinken, zu viereinhalb Schilling die Flasche; ein verdammter Wein! Ich habe also, was ich selten tue, mein Geld ausgegeben, einen faden Tag verlebt und niemand gesehn; jetzt ist es zehn Uhr, und ich habe nichts zu sagen, als dass es vierzehn Tage her sind, seit ich einen Brief von MD erhalten habe; wenn ich ihn aber rechtzeitig bekomme, um ihn hier noch zu beantworten, gut, sonst wehe Ihnen, potztausend! Dann gehe ich in den Spielwarenladen hier dicht nebenan auf Pall Mall; der verkauft ungeheure Stöcke; jawohl, das tut er. Nicht wahr, Dingley? Ja, bei Gott. Verlieren Sie diese Weihnachten nicht Ihr Geld. 10. Ich muss heute Morgen zum Herrn Staatssekretär St. John gehn. Ich hatte es ihm gestern versprochen, habe ihn aber im Stich gelassen; also kann ich heute vor dem Abend nicht mehr an die armen, lieben MD schreiben. – Abends. O, potztausend, Dingley, ich erhielt heute Morgen Gesellschaft und konnte den Besuch, den ich beabsichtigte, nicht machen; und von Raymond habe ich aus Bristol einen Korb mit sechs Flaschen Wein und einem Pfund Schokolade und ein wenig Schnupftabak erhalten, er hatte darunter geschrieben, dass die Fracht bezahlt sei, aber er hatte gelogen, oder man betrügt mich oder es liegt ein Irrtum vor; und er schreibt mir über alles mögliche so wirr, dass Luzifer selbst ihn nicht verstehn könnte. Dieser Wein soll mit Harleys Bruder und Sir Robert Raymond, dem Generalstaatsanwalt, getrunken werden, damit sie den Doktor dem neuen Lord Kanzler empfehlen, der Montag von hier abgereist ist; Raymond sagt, er eile nach Chester, um ihn zu begleiten. Ich vermute, dass er seine Frau zurücklässt; denn als er London verliess, dachte er nicht daran, sich vor dem Sommer wieder zu rühren. Ich denke mir also, er wird bei Ihnen sein, ehe dieser Brief Sie erreicht. Ford kam und bat mich, ich möchte mit ihm speisen, weil es ein Operntag sei; ich tat es und schickte Lord Shelburn, der mich eingeladen hatte, meine Entschuldigung. 11. Ich tue einen neuen Tatler auf, den kleinen Harrison, den ich Ihnen genannt habe. Andre haben ihn darauf gebracht, und ich ermutige ihn; er war heute Morgen und heute Abend bei mir und zeigte mir seinen ersten, der Samstag herauskommt. Ich fürchte, er wird keinen Erfolg damit haben, denn ich halte nicht viel von seinem Stil, aber der Plan stammt vom Staatssekretär St. John und von mir, und in guten Händen hätte er sehr wohl gereicht. Ich habe ihn einem Drucker empfohlen, den ich holen liess; und heute Abend habe ich die Sache zwischen ihnen erledigt. Harrison hat mich gerade verlassen, und ich bin ganz müde, weil ich sein Zeug so lange korrigiert habe. 12. Ich war heute Morgen in Geschäften bei Herrn Staatssekretär St. John; ich musste ihm versprechen, bei ihm zu essen, was ich sonst bei Herrn Harley getan hätte, denn bei dem bin ich seit zehn Tagen nicht mehr gewesen. Ich kann mir nicht anders denken, als dass sie ungeheure Schwierigkeiten haben, und doch finde ich sie stets so ruhig und unbefangen wie Schulknaben an einem Ferientag. Harley hat die Beschaffung von fünf oder sechs Millionen auf dem Rücken, und die Whigs werden ihm keinen Heller leihn; das ist der einzige Grund für den Kurssturz der Bankpapiere. Sie sind wie die Quäker und Fanatiker, die nur untereinander Handel treiben wollen, während alle andern auch mit ihnen Handel treiben. Lady Marlborough erbietet sich, wenn man ihr ihre Ämter lassen will, der Königin nie vor Augen zu kommen. Die Whigs sagen, der Herzog von Marlborough wolle nicht mehr dienen; aber ich hoffe und denke es doch. Ich wollte zu Gott, ich wäre in dieser Minute bei MD in Dublin, denn ich bin der Politik, die mir so melancholische Ausblicke gewährt, von Herzen müde. 13. Ei, traun, ich hatte gestern Abend in meinem Schlafzimmer einen hässlichen Schwindelanfall, und ich habe mir eine neue Schachtel Pillen besorgt und hoffe, es wird eine lange Weile nicht wiederkommen. Ich wollte es Ihnen nicht eher sagen, weil es Sie quälen würde, Sie kleinen Halunkinnen; aber jetzt ist es vorüber. Ich habe heute bei Lord Shelburn gegessen, und heute ist des kleinen Harrison neuer Tatler erschienen; es ist nicht viel daran, aber ich hoffe, er wird sich bessern. Sie müssen wissen, dass, als Steele abbrach, zwei oder drei Schundtatler erschienen, und einer von ihnen besteht noch fort und macht heute wider den Harrisons Reklame; und also wird es eine Polemik geben, die echt ist gleich der um die Rasiermesserriemen. Ich fürchte, die kleine Kröte hat nicht die rechte Ader dafür. Ich will Ihnen ein paar Verse mitteilen. Als Herr St. John vor drei Jahren aus dem Kriegsministerium verabschiedet wurde, zog er sich aufs Land zurück; da sprach er davon, dass er irgendeinen Spruch über seinen Sommerhaus haben möchte und ein Herr gab ihm diese Verse: Dem Lärm der Welt und ihrer Müh entflohn, Verschmäh'nd der Liebe und der Ehren Lohn – So harr ich, bis ich Charons Boot seh' ziehn, Und trinke wie ein Fisch und – wie ein Hermelin. Er schwor mir, er habe den Scherz kaum ertragen können; denn er gedachte, sich als Philosoph zurückzuziehn, obgleich er erst achtundzwanzig Jahre alt war; und ich glaube ihm das, denn er war ein gründlicher Wüstling gewesen. Mir scheint, die drei ersten Zeilen leiten die letzte recht gut ein. Wahrhaftig, aber ich will schlafen gehn; ich schlafe jetzt früh. 14. O potztausend, junge Frauen, ich entbehre einen Brief von MD; jetzt sind es neunzehn Tage her, seit ich den letzten erhielt; und wo behalte ich Platz für die Antwort, bitte? Ich hoffe, diesen Brief überhaupt ohne Antwort fortzuschicken; ich werde ihn beschleunigen; dann geht er Dienstag, und inzwischen ist diese Seite voll. Ich werde ihn aus Trotz eigens zwei Tage früher schicken, und Sie müssen wissen, dann wird am Tage darauf ihr Brief eintreffen; dann ist es zu spät, und ich werde lachen, wie ich mein Leben lang noch nicht gelacht habe! Bei uns haben wir schon Frühling, neulich habe ich Spargel gegessen. Haben Sie je einen so frostfreien Winter erlebte? Sir Andrew Fountaine liegt immer noch schwer krank darnieder; das kostet ihn täglich zehn Guineen für Ärzte, Chirurgen und Apotheker; und so geht es nun schon drei Wochen. Gegessen habe ich heute bei Herrn Ford; er zieht es mitunter vor, zu Hause zu essen, und ich bin es dann zufrieden, mit ihm zu essen; abends aber ging ich ins Kaffeehaus, wo ich seit einer Woche nicht mehr gewesen war; und dort habe ich eine Weile kühl mit Herrn Addison geplaudert. Unsre ganze Liebe und Freundschaft sind fort: wir sind höfliche Bekanntschaften, reden feststehende Phrasen: wann wir uns wiedersehn, usw., und das ist alles. Ich bin ihm seit sechs Wochen in keinem Hause mehr begegnet; neulich sollten wir zusammen beim Haushofmeister essen; aber ich entschuldigte mich, da ich beim Staatssekretär eingeladen war. Ist das nicht merkwürdig? Aber mir scheint, er hat schlecht an mir gehandelt, und ich habe zu gut an ihm gehandelt, wenigstens an seinem Freund Steele. 15. Heute habe ich drei Guineen für eine Perücke ausgeben müssen. Ich bin zugrunde gerichtet! Ein Bursche aus Leicester hat sie gemacht; er hat die Tochter der Frau Worrall zur Frau, bei der meine Mutter gewohnt hat; deshalb glaubte ich, sie würde billig sein, zumal er in der Altstadt wohnt. Nun, die Londoner Habenichtse – ich merke, es ist die Wahrheit. Ich habe Harrison für einen neuen Tatler morgen ein paar Ideen gegeben. Es fehlt dem Laffen am rechten Geschmack; ich fürchte, es wird nicht gehn. Gegessen hab ich heut bei meinem Freund Lewis im Sekretariat; und ich bin früh nach Hause gegangen, weil ich viel zu tun habe; aber ehe ich anfange, muss ich doch durchaus ein paar Worte mit MD plaudern. – Nein, potztausend, ich habe gelogen; es sind heute erst neunzehn Tage her, seit ich meinen letzten von MD hatte. Ich habe Herrn Harley das Versprechen abgenommen, dass der Bischof von Clogher, welche Veränderungen im Rat auch beschlossen werden mögen, nicht versetzt wird; er hat sich eine diesbezügliche Notiz gemacht. Ich will es den Bischof mit der nächsten oder übernächsten Post wissen lassen. Dies ist ein Geheimnis; aber ich weiss, er hat Feinde, und sie sollen nicht befriedigt werden, wenn sie dergleichen beabsichtigt hatten, was möglich ist; denn einige Veränderungen wird es drüben geben. Also trinken Sie Ihren Rotwein und seien Sie ruhig und verlieren Sie Ihr Geld nicht. 16. Morgens. Potztausend, wenn ich nicht vor Abend noch einen Brief von MD erhalte, will ich diesen heute abschicken, um Sie zu beschämen, das ist gewiss. Werden Sie brummen, weil die dritte Seite fehlt, wie? Ja, ich bürge Ihnen; ja, ja, Sie sollen die dritte Seite auch noch haben, wenn Sie sie fassen können; ein andermal, wenn Sie schreiben, Mädchen. – Ei, ich glaube, ich werde nicht erst bis zum Abend warten, sondern diesen Brief gleich versiegeln, ihn in die Tasche stecken und, wenn ich abends nach Hause komme, in die Post werfen. Ich gehe heute Morgen früh aus. – Patricks Rechnungen für Kohlen und Kerzen belaufen sich wöchentlich bisweilen auf drei Schilling; ich brenne ein gutes Feuer, obgleich das Wetter warm ist. Irland wird nimmermehr glücklich werden, bevor Sie nicht auch kleine Kohlen haben; nichts ist so bequem, so billig und hübsch, wenn man ein Feuer anmachen will. Meine Empfehlung für Frau Stoyte und Frau Walls; hat sie einen Jungen oder ein Mädchen? Ein Mädchen, hmm! Und es starb nach einer Woche, hmm! Und musste Stella Pate stehn? – Lassen Sie mich wissen, wie die Konti stehn, damit Sie Ihr Geld rechtzeitig erhalten. Es sind auch noch vier Monate für meine Wohnung zu bezahlen, das dürfen wir gleichfalls nicht vergessen: und nun gehn Sie zu Manley und zu Tisch und verlieren Sie Ihr Geld, Sie verschwenderischen Frauenzimmer, aber ärgern Sie sich nicht. – Drei Wochen werden herum sein, ehe ich den nächsten Brief erhalte; denn morgen sind sie schon herum. Leben Sie wohl, liebste, geliebte MD, und haben Sie den armen, armen Presto lieb, der nicht einen glücklichen Tag verlebt hat, seit er Sie verliess, so wahr er selig werden will. – Dies ist der letzte Ausflug, den ich jemals mache, und ich hoffe, er wird sich ein wenig lohnen. Ich habe für diese mehr getan, und ich glaube, sie sind ehrlicher als die letzten. Nämlich Minister Aber enttäuscht werde ich doch nicht sein. Ich möchte es MD und mir erleichtern, und mehr habe ich nie gewünscht. Leben Sie wohl, usw. Brief XIV. London, den 16. Januar 1710/11. Ei, potztausend, junge Frauen, ich habe meinen Brief Nummer 13 ohne die Krume einer Antwort auf einen Brief von MD abgeschickt; das haben Sie davon; und doch ist Presto nicht böse, keine Spur; nur macht er sich bei der nächsten irischen Post Sorge, wenn er nicht MD's kleine Handschrift unterm Glase am Schanktisch in St. James's Kaffeehaus sieht, das Presto niemals besuchen würde, wäre es nicht zu diesem Zweck. Presto ist jeden Tag, Gott steh ihm bei!, von sechs Uhr abends bis Schlafenszeit zu Hause, und er findet jetzt so wenig Freude oder Genuss am Leben wie nur irgend jemand in der Welt, obwohl er beim ganzen Ministerium in voller Gunst steht. So wahr er selig werden will; nichts kann Presto auch nur einen Traum von Glück eingeben, es sei denn, dass er hin und wieder einen Brief von seinen liebsten MD erhält. Ich hebe auch die Erwartung, und wenn er nicht kommt, so tröste ich mich damit, dass er ja doch kommen und mich glücklich machen muss. Ja, wahrhaftig, und wenn ich an MD schreibe, so bin ich auch glücklich. Mir ist genau so, als wären Sie hier und ich schwätzte mit Ihnen und erzählte, wo ich gewesen bin. »Nun«, sagen Sie, »Presto, kommen Sie, wo sind Sie heute gewesen? Lassen Sie hören.« Und ich erwidere: »Ford und ich haben heute Herrn Lewis besucht, und dann Herrn Prior; und Prior hat mir einen schönen Plautus gegeben; und Ford wollte, ich sollte bei ihm in seiner Wohnung essen; ich aber weigerte mich; und also habe ich mit ihm in einem Speisehaus gegessen; das habe ich, seit ich hier bin noch keine fünfmal getan; und dann bin ich nach Hause gegangen, nachdem ich zuvor noch Sir Andrew Fountaines Mutter und Schwester besucht hatte; Sir Andrew Fountaine erholt sich, wenn auch langsam.« 17. Heute Morgen habe ich ein paar allgemeine Besuche gemacht. Um zwölf sprach ich im Kaffeehaus vor und fragte nach einem Brief von MD; und der Kellner sagte, er hätte ihn Patrick gegeben. Dann ging ich in den Gnadengerichtshof und ins Schatzamt, um Herrn Harley zu suchen; und nachdem wir uns eine Weile gegenseitig Vorwürfe gemacht hatten, lud er mich zum Essen ein; ich bin bis sieben bei ihm geblieben und sprach dann bei Sterne und Leigh vor, um über Ihre Kiste zu reden und sie durch Smyth schicken zu lassen. Sterne sagt, er habe Erkundigungen eingezogen und werde die Sache so schnell wie möglich in Ordnung bringen. Ich denke mir, sie liegt in Chester; wenigstens hoffe ich es, und es bedarf nur der Überfahrt zu Ihnen. Der kleine Harrison war hier, um sich darüber zu beklagen, dass der Drucker, den ich ihm für seinen Tatler empfohlen habe, ein Laffe sei; und nun sehn Sie, wie es so geht in der Welt; denn eben dieser Drucker ist mein Vetter; er heisst Dryden Leach; haben Sie nie von Dryden Leach gehört, dem, der den Postboten druckt? Er hat den Orunoko gespielt und ist in Fräulein Cross verliebt. – Also dann ging ich nach Hause, um meinen Brief von Stella zu lesen; aber der Hund Patrick war ausgegangen; schliesslich jedoch kam er, und ich erhielt meinen Brief; ich fand, dass die Überschrift von einer andern Hand stammte; und als ich ihn aufgemacht hatte, sah ich, dass er ganz und gar französisch geschrieben und Bernage unterschrieben war: bei Gott, ich war bereit, ihn Patrick an den Kopf zu schleudern. Bernage sagt mir, er sei zu Ihnen gegangen und habe Sie um eine Empfehlung an mich gebeten, damit ich ihm eine Hauptmannsstelle verschaffte; Ihre vorsichtige Antwort, »er habe ebensoviel Einfluss auf mich wie Sie«, war grossartig; wenn Sie hier wären, würde ich Sie den Ministern als eine gewandte Persönlichkeit vorstellen. Bernage sollte mich wissen lassen, wohin ich ihm schreiben kann; dies ist schon der zweite Brief, den ich erhalte, ohne dass er mir eine Adresse angibt; ich bitte jedoch, dass er mir keinen dritten schicke, sondern dass Sie ihn fragen und mir schreiben, wohin ich die ihm Antwort schicken soll. Inzwischen sagen Sie ihm dies: Wenn hier, wie er behauptet, Regimenter ausgehoben werden, so will ich mit George Granville, dem Staatssekretär des Kriegsdepartements, reden, damit der ihn zum Hauptmann mache; und ich will jeden Einfluss benutzen, den ich anständigerweise aufbieten kann. Ich denke, das genügt; und sagen Sie es ihm, und belästigen Sie mich nicht länger mit seinen Briefen, wenn ich solche von MD erwarte; hören Sie, junge Frauen? Schreiben Sie an Presto! 18. Heute Morgen war ich bei Herrn Staatssekretär St. John, und wir sollten in einer wichtigen Sache allein mit Herrn Harley speisen; aber es waren noch zwei oder drei Herren da. Der Herr Staatssekretär und ich gingen zusammen aus seinem Bureau zu Herrn Harley und meinten, sehr schlau zu sein; aber den Teufel auch! Die Leute blieben und es kamen noch mehr, und Harley verschwand um sieben; der Staatssekretär und ich aber blieben mit den andern bis elf; dann wollte ich ihn mit forthaben, aber er war einmal drin; und obgleich er schwor, er würde nach dieser Flasche mitkommen, liess ich ihn allein. Ich wundre mich über die Höflichkeit dieser Leute; als er sah, dass ich nicht mehr trinken wollte, reichte er die Flasche immer an mir vorbei, und doch konnte ich die Kröte nicht davon abhalten, selber weiterzutrinken; und fortlassen wollte er mich auch nicht, und Masham, der bei uns war, ebensowenig. Als ich nach Hause kam, fand ich ein Paket mit meiner Adresse vor, und als ich es öffnete, fand ich eine Broschüre darin, die ganz wider mich geschrieben ist; ich werde nicht bei Namen genannt, aber sie richtet sich gegen etwas, was ich geschrieben habe; sie ist recht höflich und bildet sich etwas darauf ein; ich denke, ich werde sie nicht beachten; sie richtet sich gegen etwas, was ich sehr kürzlich geschrieben habe; und wahrhaftig, ich weiss nicht, was ich sagen soll, und mache mir auch nichts daraus. Sie aber sind eine naseweise Halunkin, weil Sie heute bei Stoyte Ihr Geld verloren haben; pfui, Stella, schämen Sie sich nicht, sich von so einem Stümper schlagen zu lassen? Nun, dieses eine Mal will ich Ihnen vergeben; aber tun Sie's nicht wieder, nein, neieiein! Küssen Sie mich und lassen Sie uns Freunde sein, Bursche. – Kommen Sie, lassen Sie mich schlafen gehn; ich gehe jetzt früher zu Bett als sonst; und seit zwei Monaten bin ich nicht mehr so spät draussen gewesen; aber der Staatssekretär war in der Trinklaune. Also gute Nacht, meine liebenkleinennaseweisunverschämtenhalunkinnen. 19. Haben Sie das lange Wort in der letzten Zeile gelesen? Nein, bei Gott, das haben Sie nicht getan. Und wann wird dieser Brief von unserm MD kommen? Morgen oder übermorgen unfehlbar; ja, wahrhaftig, er kommt. Es war heute ein fader Schneetag, und ich habe gesittet bei Frau Vanhomrigh gegessen und bin dann nach Hause gegangen; und kurz nach zehn bin ich ins Bett gestiegen; ich entsinne mich der Maxime des alten Culpepper: Willst du klar aus den Augen sehn, So musst du früh zu Bette gehn; Ich sag dir und sag es dir immer wieder: Um zehn Uhr spätestens lege dich nieder. 20. Heute also bin ich mit meiner neuen Perücke, ei, ei!, zu Lady Worsley gegangen, die ich zuvor noch nicht gesehn hatte, obgleich sie seit fast einem Monat in der Stadt ist. Dann ging ich im Park spazieren, um Herrn Ford zu suchen, denn ich hatte versprochen, mich mit ihm zu treffen; und als ich Mall entlang gehe, wer sollte mir da wohl entgegenkommen? Patrick! und er zieht fünf Briefe aus der Tasche. Ich las die Aufschrift des ersten. Pah! sagte ich. Die des zweiten; wiederum: Pah! Die des dritten: Pah, pah, pah! Die des vierten: Ach Gott, ach Gott ach Gott! Und ich gerate in Wut. Die des fünften und letzten: Ei, ei! Ja, wahrhaftig, das lob ich mir, das ist unsre MD; und gewiss, ich glaube, wir haben ihn auf der Stelle aufgemacht, und er begann in der unverschämtesten Weise von der Welt so: »Soweit wären wir also quitt, lieber Presto!« Jetzt sind wir quitt, sagte Peter Schmidt, als er seiner Frau sechs Hiebe für einen versetzte. Ich erhalte Ihren neunten vier Tage nachdem ich meinen dreizehnten abgeschickt habe. Aber darüber wollen wir gleich abrechnen, junge Frauen. Weshalb haben Sie am Schluss Ihres Briefes, als Sie meinen elften erhielten, nicht widerrufen? Sagen Sie mir das, Sie gemeinen Weibsen, waren wir da auch noch quitt, wie, Bursche? Aber ich will Ihren Brief noch nicht beantworten, ich will ihn für ein andermal aufsparen. Wir haben heute viel Schnee gehabt, und es ist schrecklich kalt. Ich habe mit Ford gegessen, denn es war sein Operntag, und es schneite, und daher mochte ich nicht weiter gehn. Morgen will ich zu Smyth schicken. 21. Morgens. Es hat die ganze Nacht hindurch furchtbar geschneit, und es ist bitterkalt. Ich bin noch nicht aufgestanden, kann aber nicht lange schreiben, sonst erfrieren mir die Hände. »Brennt ein schönes Feuer, Patrick?« »Ja, Herr.« »Dann will ich aufstehn. Hier nehmen Sie die Kerze fort.« Sie müssen wissen, ich schreibe auf der dunklen Seite meines Schlafzimmers und muss eine Kerze brennen, bis ich aufstehe; denn das Bett steht zwischen mir und dem Fenster, und ich halte bei diesem kalten Wetter die Vorhänge geschlossen. Also, bitte, lassen Sie mich aufstehn, und Patrick, hier, nehmen Sie die Kerze fort. – Abends. Wir haben hier jetzt gewaltigen Frost und Schnee, und das grösste Feuer kann uns kaum warm halten. Es ist scheusslich, wenn man zu Fuss geht; ein Bäckerjunge hat sich gestern den Schenkel gebrochen. Ich geh langsam, nehme kurze Schritte und trete nie auf den Stiefelabsatz. In Devonshire haben die Leute ein gutes Sprichwort: Schnell geh im Schnee; Bei Frost aber langsam geh; Doch so bei Frost wie bei Schnee: Stets tritt auf den Zeh: Doch kommen Schnee und Frost gemeinsam, So schone die Stiefel und bleibe am Feuer einsam. Gegessen habe ich heute mit Dr. Cockburn; aber ich werde es nicht so bald wieder tun, er hat meist eine solche Bande von Schotten bei sich. 22. Morgens. Ich sterbe, sterbe vor Kälte, uh, uh, uh, uh! – Entsinnen Sie sich, wie ich immer in Ihr Zimmer kam und Stella aus ihrem Stuhl warf und das Feuer schürte, wenn der Morgen kalt war, und dabei »Uh, uh, uh« rief? O, wahrhaftig, ich muss aufstehn, die Hand ist mir so kalt, dass ich nicht mehr schreiben kann. Also guten Morgen, Burschen. – Abends. Heute Morgen bin ich in Lady Giffards Haus gegangen und habe Ihre Mutter besucht; sie musste mir eine Literflasche Lähmungswasser geben, die ich in der Tasche mit nach Hause genommen habe; dann habe ich sie versiegelt, in Papier verpackt und zu Herrn Smyth geschickt, der morgen nach Irland abreist; ich habe ihm einen Brief geschrieben, um ihn zu bitten, dass er sie in seine Obhut nimmt und in Chester nach der Kiste fragt. Er war nicht zu Hause; so blieben Flasche und Brief in seiner Wohnung liegen, und zwar mit strengem Befehl, ihm beides zu geben. Ich will auch in ein oder zwei Tagen Patrick noch einmal zu ihm schicken, um zu fragen, ob er es erhalten hat oder nicht. Dr. Stratford und ich haben heute in der Altstadt bei Herrn Stratford gegessen; wir hatten uns verabredet, aber ich zog es vor, mir im Frost Bewegung zu machen und zu Fuss zu gehn. Das Wetter hatte jedoch etwas nachgelassen, so dass es glitschig war, wie Sie Frauen es nennen. Ich kam erst um neun nach Hause, und jetzt liege ich im Bett, um Ihnen den Kopf zu brechen. 23. Morgens. Man sagt mir, es friere wieder, aber es ist nicht so kalt wie gestern; deshalb will ich jetzt ein Stück Ihres Briefs beantworten. – Abends. O, ich wollte heute Morgen eben ein Stück aus dem Brief unsrer MD beantworten, als in Geschäften ein Drucker kam und eine Stunde blieb; dann stand ich auf und es kam Ben Tooke, und dann rasierte ich mich und kritzelte, und es war ein so furchtbarer Tag, dass ich vor eins nicht ausgehn konnte; dann sprach ich bei Frau Barton vor, und wir gingen zu Lady Worsley, wo wir auf Grund einer Verabredung essen sollten. Der Graf von Berkeley soll Lady Louisa Lennox heiraten, die Tochter des Herzogs von Richmond. Ich habe heute Nacht an den Dechanten Sterne geschrieben und ihn gebeten, er möchte Ihnen von der Flasche Lähmungswasser sagen, die mit Smyth kommt, und morgen früh will ich Ihnen einiges auf Ihren Brief erwidern. 24. Morgens. Jetzt zu Ihrem Brief. Darüber, dass Sie mit mir quitt sein wollen, habe ich schon gesprochen. Jetzt also, meine innigst Geliebten, wollen wir weiter sehn. Sie brummen immer, weil Sie die Briefe nicht schnell genug erhalten. »Wir werden doch wohl bald Ihren zehnten bekommen?« Und dabei gestehn Sie vor Schluss Ihres Briefes, dass Sie meinen elften haben. – Und weshalb ist MD nicht mit dem Bischof von Clogher aufs Land gegangen? Wahrhaftig, eine solche Reise hätte Ihnen wohl getan; Stella wäre geritten und Dingley wäre im Wagen gefahren. Vom Bischof von Kilmore weiss ich nichts; er ist alt und kann jeden Augenblick sterben; er lebt in irgendeinem dunklen Winkel, denn ich höre nie von ihm. Wenn Sie mit meinen alten Freunden die Whigs meinen, so sehe ich sie niemals, wie sie meinem Tagebuch entnehmen können; nur Lord Halifax bisweilen, und auch den sehr selten; Lord Somers habe ich seit dem ersten Besuch nie wieder gesehn, denn er hat sich als ein falscher, verräterischer Halunke gezeigt. Meine neuen Freunde sind sehr liebenswürdig, und ich erhalte genug Versprechungen, aber ich rechne nicht auf sie, und meine Ansprüche an sie sind sehr jung. Immerhin wollen wir sehn, was sich machen lässt; und wenn nichts geschieht, so werde ich auch nicht enttäuscht sein; vielleicht aber ist die arme MD enttäuscht, und dann wird es mir mehr um ihretwillen leid tun als um meinetwillen. – Sie reden mir von vergnügten Weihnachten (weshalb schrieben Sie es denn so, junge Frauen? Sauce für die Gans ist Sauce für den Gänserich); ich habe es Ihnen schon vor zwei oder drei Briefen gewünscht. Ach ja, und Ihre Neuigkeit, dass Herr St. John nach Holland gehe! Er denkt nicht daran, die grosse Stellung zu verlassen, die er inne hat; und wenn er es täte, so käme ich nicht umhin, ihn zu begleiten. Also, politische Frau Stella, Sie kommen mir mit Ihrem »zwei Eier einen Groschen« usw. Und Frau Dingley, Frau Stoyte also lädt Sie ein, und Sie sind in Donnybrook und konnten also nicht schreiben? Sie sind verdammt genau in Ihren Tagebüchern vom 25. Dezember bis zum 4. Januar. Nun, Smyth und das Lähmungswasser, das haben wir schon in die Hand genommen; aber er wohnt nicht (oder vielmehr, er wohnte nicht, denn der Arme! jetzt ist er fort) bei Herrn Jesse, und was dergleichen Unsinn mehr ist; zu Stellas Mutter bin ich auf eigne Faust gegangen, denn ich dachte gar nicht mehr daran, dass in dem Brief um eine weitere Flasche gebeten wurde; aber ich war so ärgerlich und so gereizt und so ungeduldig, dass Stella endlich wieder Wasser haben sollte (ich meine nichts Unanständiges, seien Sie keine Halunken), und so wütend auf Sternes Nachlässigkeit! Ich bete zu Gott, dass Stellas Krankheit nicht wiederkehre. Wenn sie seltener kommt, so beginnt sie müde zu werden; das weiss ich von mir selber her; denn wenn meine Besuche seltener werden, so bin ich meiner Bekanntschaften müde. Sie lassen einen grossen Teil meines zehnten unbeantwortet? Unverschämte, wann hätten Sie je meinen zehnten oder neunten oder irgendeinen andern beantwortet? Und wer verlangt, dass Sie antworten, wenn Sie nur schreiben. Ich fordere den Satan heraus, meine Briefe zu beantworten; bisweilen steht wohl das eine oder andre darin, worauf ich gern eine Antwort hätte; aber ich vergesse diese Dinge, und Sie denken nie daran. Nie werde ich selbst wieder gern auf Briefe antworten, wenn Sie auch von Antworten reden. Beantworten, warum nicht gar: Schöne Beantworter, weiss Gott! Was die Broschüre angeht, von der Sie reden, die Sie skandalös nennen, und die ein gewisser Presto verfasst haben soll, so hören Sie meine Antwort. Pfui, Kind, Sie müssen nicht auf alles hören, was irgend ein Müssiggänger Ihnen erzählt. Ich glaube, Sie lügen, und die Spatzen schrien es noch nicht von den Dächern, als Sie es sagten; kommen Sie, sagen Sie die Wahrheit. Es tut mir leid, dass Sie schon so bald nach St. Mary gehen; St. Marienkirche in Dublin, in deren Nähe ihre Stadtwohnung lag. da sind Sie arm wie eine Kirchenmaus; die Stadt wird Sie gründlich aussaugen; ausserdem wollte ich, Sie dächten daran, im Sommer auf dem Lande zu sein. Wirklich, Stella, die Pippinen haben gut getragen; Parvisol konnte aus Laracor nicht schicken; es waren etwa zehn; ich möchte wissen, ob sie zu irgend etwas taugten. Frau Walls bei Ihnen in Donnybrook? Weshalb kommt sie nicht nieder? Nun, nun, nun, Dingley, bitte, geben Sie sich zufrieden! Sie reden, als ärgerten Sie sich darüber, dass der Bischof Ihnen keine Bequemlichkeiten für die Reise angeboten hat; und er hätte es auch tun sollen. Was für Weihnachten? Ei, ich habe überhaupt keine Weihnachten gehabt; und ist wirklich jüngst Weihnachten gewesen? Ich habe nicht einmal daran gedacht. Meine Empfehlung für Frau Stoyte und Katharina; und Katharina soll den Kaffee bereit halten, wenn ich komme, und nicht so viel Sorge auf dem Angesicht tragen; denn es wird alles gut werden. Herr Bernage, Herr Bernage, Herr Fiedelnage – drei Briefe habe ich nacheinander von ihm bekommen; er schickt keine Adresse, und wie, zum Henker, soll ich ihm schreiben? Seinen letzten hätte ich verbrannt, wenn ich nicht unten Stellas Handschrift erkannt hätte; sein Verlangen ist Unsinn. Wie soll ich ihm beim Kauf helfen? Und wenn er nach Spanien beordert wird, so muss er gehn oder verkaufen; und ich glaube, unter solchen Umständen kann man gar nicht verkaufen. Wenn er gewartet hätte und neue Regimenter aufgestellt worden wären, so hätte ich meinen Einfluss benutzt, um ihm die Versetzung zu verschaffen; freilich habe ich in der Richtung keinen Einfluss, oder doch sehr wenig; wenn aber das Regiment marschiert, so müsste er auch marschieren; er hat viel Nachsicht genossen und viel Gelegenheit gehabt, zu sparen; ich habe ihn hundertmal dazu gedrängt. Was kann ich tun? Wenn es je in meiner Macht steht, ihm einen guten Dienst zu leisten, so will ich es tun. Bitte, kleiden Sie das in hübsche Worte und stellen Sie es ihm in meinem Namen vor; ich würde schreiben, wenn ich wüsste, wohin ich adressieren kann; das habe ich Ihnen schon fünfzigmal gesagt und Sie gebeten, es ihm zu sagen. Ja, Frau Stella, ich glaube, ich kann Ihr langes Schlusswort lesen, aber Sie können meins nicht lesen, nachdem ich Ihnen gute Nacht gesagt habe. Und doch, dünkt mich, bessert sich meine Handschrift sehr; aber wenn Stellas Augen wieder gesund sind, so hoffe ich wieder so schlecht schreiben zu können wie nur je. Jetzt also habe ich Ihren Brief beantwortet, und es ist eine Antwort; denn ich habe Ihren vor mich hingelegt, und ich blicke hinein und schreibe und blicke hinein und schreibe weiter. Also guten Morgen, meine beiden Damen, und ich will aufstehn, denn ich muss aufstehn, denn ich nehme Pillen abends, und also muss ich früh aufstehn, ich weiss nicht, weshalb. 25. Morgens. Ich habe Ihnen gestern nicht gesagt, wie ich meine Zeit verbracht habe; und ich habe Ihnen auch nicht gute Nacht gesagt. Das hatte seine guten Gründe. Morgens ging ich in Geschäften zu Staatssekretär St. John; er hatte einen grossen Whig bei sich, ein Geschöpf des Herzogs von Marlborough, der als Vermittler zwischen dem Herzog und dem Ministerium Frieden schliessen soll; er kam also aus seinem Zimmer, und nach ein paar Worten bat er mich, um drei Uhr mit ihm zu essen; aber Herr Lewis blieb bis sechs Uhr aus, und dann sassen wir und plauderten, und die Zeit verstrich so schnell, dass es, als ich schliesslich ernstlich darauf bestand, ich müsste gehn, nach zwei Uhr war. Als ich nach Hause kam, ging ich dann stracks zu Bett. Er wollte mich nicht auf die Uhr sehn lassen, und ich konnte mir, als wir gingen, nicht denken, dass es nach zwölf wäre. Ich sage Ihnen also für gestern gute Nacht, und für heute guten Morgen; ich liege noch im Bett, obgleich es fast zehn ist, aber ich muss aufstehn. 26. 27. 28. 29. 30. Ich bin die letzten vier Tage lang so träge und gleichgültig gewesen, dass ich nicht an MD schreiben konnte. Mein Kopf ist nicht in Ordnung und doch ist er auch nicht geradezu krank; schwindlig, und dadurch werde ich gleichgültig; ich gehe jeden Tag spazieren und nehme Dr. Cockburns Tropfen; und eben bin ich mit meiner Schachtel Pillen fertig, und heute schickte mir Lady Kerry von ihrem bitteren Trank, den ich zweimal am Tage nehmen will; ich hoffe, dann wird es besser. Ich wollte, ich wäre bei MD; ich sehne mich nach dem Frühling und nach schönem Wetter, und dann will ich hinüberkommen. In Irland hält mich das Reiten bei Gesundheit. Ich bin sehr massig und esse nur von den leichtesten Speisen, laut Anweisung; und ich hoffe, das Übel wird sich legen; aber ein einziger Anfall erschüttert mich auf lange Zeit. Heute habe ich bei Lord Mountjoy gegessen, gestern bei Herrn Stone in der Altstadt, Sonntag bei Vanhomrighs, Samstag bei Ford, und Freitag, glaube ich, bei Vanhomrighs; und das ist das ganze Tagebuch, das ich MD schicken kann; denn ich war so träge, als mir noch wohl war, dass ich nicht schreiben konnte. Ich wollte dies eigentlich heute Abend abschicken, aber es ist zehn Uhr, und ich will ins Bett gehn und morgen auf der andern Seite an Parvisol schreiben, um es Donnerstag abzuschicken; und also gute Nacht, meine Teuren, und lieben Sie Presto und bleiben Sie gesund, und Presto will es auch tun, usw. Schneiden Sie mir diese Anweisungen hübsch ab, hören Sie, Burschen? Und geben Sie Frau Brent die ihre, und behalten Sie Ihre, bis Sie Parvisol sehn; und dann ergänzen Sie den Brief an ihn und schicken Sie ihn ihm mit erster Gelegenheit; und nun segne Gott, der Allmächtige, Sie beide hier und in Ewigkeit, und ebenso den armen Presto. Wie, ich wette, Sie dachten, diese letzten Zeilen wären ein neuer Brief! Dingley, bitte, bezahlen Sie Dingley sechs Fische und schreiben Sie sie Ihrem ergebenen Diener Presto auf die Rechnung. Stella, bitte, bezahlen Sie Dingley sechs Fische und schreiben Sie sie Ihrem ergebenen Diener Presto auf die Rechnung. Da haben Sie Anweisungen.