Adolf Stoltze Alt-Frankfurt Personen. Hieronymus Muffel , Inhaber der Firma Muffel \& Comp . Euphrosine , seine Frau . Heinrich , beider Sohn . Frau Schnippel , Ww., Teilhaberin der Firma Muffel \& Comp . Agathe , ihre Tochter . Frau Funk , Gärtnerin . Lorchen , ihre Tochter . Theophil Haspel , Friseur . Purzler , Direktor einer wandernden Schauspielertruppe . Babette Strampel , Büglerin . Dappler , Verwalter des Schuldgefängnisses auf der Mehlwage . Peter Schnuckes , Lehrling bei Muffel \& Comp . Niklees Spengler . Gretchen Eiser . Bärwelche Dauth . Fräulein Essig . Blotzer . Frau Wuppdich . Ein preußischer Unteroffizier . Ein bayrischer Unteroffizier . Ein frankfurter Unteroffizier . Italienerin. Schusterjunge. Bretzelverkäufer. Bauersfrau. Kleines Mädchen. Lehrbube. Ein Junge. Bürger und Bürgerinnen. Höckerinnen und Bauersleute. Kinder. Musikanten. Soldaten und Volk. Ort der Handlung : Abwechselnd in Frankfurt a. M. und Sachsenhausen. Zeit : Vor 1866. Erstes Bild Zweites Bild Drittes Bild Viertes Bild Fünftes Bild Sechstes Bild Siebentes Bild Achtes Bild Erstes Bild. Spezereiladen . Im Hintergrunde, in der Mitte die Ladentüre mit großer Schelle, welche jedesmal beim Oeffnen und Schließen der Türe ertönt. Rechts und links von der Türe große Erkerfenster, mit Kolonialwaren und Zuckerhüten dicht bestellt. Auf beiden Seiten der Bühne Ladentische mit Geschäftsutensilien, Wagen, Kistchen, Fäßchen etc. An den Seitenkulissen Regale mit Schubladen. Links eine Türe zu dem Ladenzimmer. Ganz im Vordergrunde, auf der rechten Seite ein kleines Pult mit Geschäftsbüchern, Briefen. Frau Schnippel , hinter dem Ladentische rechts Käufer und Käuferinnen bedienend. Heinrich und Schnuckes hinter dem Ladentische links. Strampel . Frau Wuppdich . Bauersfrau . Später ein Lehrbube und ein Schusterjunge . Fr. Wuppdich (einen großen dampfenden Topf tragend, tritt durch die Ladentüre ein und geht zornig auf Frau Schnippel zu) . Da heert alles uff! Versuche Se's, wann Se's net glääwe wolle. Growwer Bolongaro! (Hält den Topf empor) . Fr. Schnippel . Ich mich vergriffe, un Ihrm Biebche Schnupptewack for gemahlene Kaffee gewwe? Nää, Frää Wuppdich, des gibts net. Vielleicht der Lehrling. – Da, da hawwe Se Ihr Geld widder. Fr. Wuppdich (im Abgehen.) Wann mer die Brieh abschitt, denk ich, kann mer den Satz schnuppe. (Ab) . Fr. Schnippel (zu Schnuckes) . Was hast de da widder for Strääch gemacht? ääfälliger Bub! In sechs Lehrn bist de schon erum gefahrn un daugst nerjends ebbes. Von de Essigsieder zu de Zuckerbäcker, von de Hufschmid zu de Uhrmacher, von de Weißbenner zu de Schornstääfeger, bist de jetzt bei de Kääfleut des finfte Rad am Wage. Geh hääm un laß dich ausstoppe un uff de Ofe stelle. Des is ja zu arg! Lehrbube (kommt pfeifend auf Fr. Schnippel zu) . Ich soll frage, ob Se dem Määster net mit ener Groschemark aushelfe kennte? Fr. Schnippel . Dei Määster is e komischer Heiliger. Sei War kääft er da driwwe un bei mir heelt er sei Briefmarke. Da! (Gibt ihm eine Postmarke) . Lehrbube . Er segt, 's weersch äänzige, was bei Ihne gut wer. (Geht pfeifend ab) . Fr. Schnippel (zur Bauersfrau) . So, dem Amtmann sei Dechterche heurat? Wer is dann der Glickliche? Heinrich (einer Käuferin vorrechnend) . E Hering – Bauersfrau . Ach, dau leiwer Gott, die hot, die hot – (Hustet) . Heinrich (rechnend) . Große Rosine. Bauersfrau . Eich e Glick gemocht wei e Kauh die glitscht, die krieht enn Lihrer von – (Hustet heftig) . Heinrich (rechnend) . Lakritz. Bauersfrau . Ditzebach, der nix hot. Fr. Schnippel . Wann s'enn liebt. Bauersfrau . Giehn Se, su enn Minsch wei – (Hustet) . Heinrich (rechnend) . E vertel Worscht. Bauersfrau . Enn Ries. Der kann eich wos vertroge. Wos werd er hawwe – (Hustet) . Heinrich (addiert die auf dem Ladentisch mit Kreide aufgeschriebene Rechnung) . Achtunverzig, vier un siwwe: 59 Kreuzer. Danke, fellmich Ihne! Bauersfrau . Wiehe Se merr net su knapp. (Spricht leise mit Fr. Schnippel) . Heinrich . Un Sie Fräulein Strampel? Strampel (leise zu Heinrich) . Pst! enn scheene Gruß vom Lorche, un ob Se bis Sonndag e bissi nach Bernem keme? sie ging mit ihrer Mutter un dem Onkel hie. Heinrich . Was e Frag! – Nadierlich, un wann's Mihlstää regend. Schusterjunge (einen großen Zuber über den Hinterkopf gestülpt, kommt.) For sechs Heller Regewasser, die Määstern hat groß Wäsch. Heinrich . Der Zuwwer kost jetzt zwää Kreuzer – der Rege is uffgeschlage. Schusterjunge . In Bernem krieht mern for finf Heller. Heinrich . Holt enn euch dort; mir schitte ääch kää Bumbewasser drunner. Schusterjunge . Wer wääß, was ihr drunner schitt. Heinrich . Mechste, daß de enauskimmst, Lausbub! (Schusterjunge ab.) Fr. Schnippel (ruft) . Heinerich! Heinrich . Frää Schnippel. Fr. Schnippel . Steih emal uff die Bowwelaasch un gebb merr die Brunnelle erunner. (Zur Bauersfrau) . Da dut merr dem Amtmann sei Dechterche lääd. Heinrich (auf der Leiter) . Die alt Schachtel? Fr. Schnippel . Nää! die neu. (Heinrich reicht ihr eine große hölzerne Schachtel) . So! die sin ganz delikat sag ich Ihne, mer kann se gar net hoch genug stelle, damit se net genascht wern. Sonst noch was gefällig? (Spricht leise mit der Bauersfrau) . Heinrich (leise zu Strampel) . Mei Leut wolle freilich ins Lorschbacher Dal, des soll mich odder net abhalte, nach Bernem ze komme. Pst! mer guckt. (Sehr laut) . Zwää Pund Zucker un e paar Orange! Peter geww emal e Dutt her. Strampel (leise) . Lasse Se's liewer. Die Frää Schnippel is so so mißtrauisch – ach, un ich habb schon ihrm Selige gebichelt. Heinrich (leise) . Warum net gar – ich wern Ihne den weite Weg umsonst lääfe lasse. Daß Se odder nix beim Lorche babble, die is gar eige. Strampel . Ich wern mich hiete, (für sich) , wo die merr ehrscht des Däälche Sporjele spendiert hat, damit ich err ihr Kommissione ausricht. Heinrich (leise) . Sie is doch heint uff dem Mark? Ich will err die Antwort im e Briefche zugeh lasse. Strampel . Den ganze Dag. Heinrich (laut.) Hier zwää Pund Zucker un finf Orange. (Mit Betonung) . Bezahlt is es schon. (Zu Schnuckes) . Was gibst de merr da for e Vertelzentnerdutt? Schneid wenigstens e Stick davo ab. (Strampel hält die Düte Schnuckes entgegen und spricht dabei leise und eifrig mit Heinrich. Schnuckes schneidet mit einer Schere die Spitze der Düte weg, so, daß der Inhalt derselben zu Boden fällt) . Schnuckes . Des kimmt von Ihrer Schneiderei. Heinrich . Der Stoffel schneid die Dutt unne ab! (Bauersfrau ab) . Fr. Schnippel . Ich kann dein Vatter net begreife, daß er den Bub behält; mei Mann selig hätt enn schon am ehrschte Dag fortgejagt. Schnuckes (für sich) . Des wer ääch kää Unglick, ich bin draa gewehnt. (Heinrich, Strampel und Schnuckes bemühen sich die gefallenen Waren wieder zusammenzulesen. Käufer und Käuferinnen verlassen allmählich den Laden) . Zweiter Auftritt. Vorige . Niklees . – Später Muffel . Niklees (kommt mit einem großen Henkeltopf, für sich.) Die Strampelin! (indem er über die am Boden kauernde steigt, laut.) Achtung, sonst tret ich uff dei Bummeranz! Strampel . Sie weerns imstand! (Steht auf.) Ach, der Niklees! Wo kimmst du dann her? Niklees . Vom Harr Parrer. Strampel . Des freut mich fors Bärwelche, da gehts jetzt mit der Heurat vorwärts. Niklees . Bei dene Zeite? Naa, da waarte merr noch e bissi. Ich habb den Parrer bloß zem Daufe gebitt. Strampel . Zem Daufe?! . . . Seid ihr Haamdicker! E Bub odder e Mädche? Niklees . Bäädes. Strampel . Ach Gottche! des arm Bärwelche. Niklees . Was leiht der draa. Strampel . Des mechst de odder gut. Niklees . Die gehn doch meiner Schwester ihr Zwilling nix aa. Strampel . Deiner Schwester? des hättst de gleich sage misse. Niklees . Ihr Mann is krank, da versorg ich die Zwilling. Strampel . Da werscht de Fenchel hole wolle. Niklees . Naa Worschtsupp. Laß derr aach e Dippe fille. Muffel (kommt) . War des widder e Sitzung uff dem Disziplinargericht, Frää Schnippel. Danke Se Gott, daß Ihr Mann selig siwwe Jahr dod is; wann der da Mitglied wer, hätt er sich schon frieher die Gehlsucht an Hals geärjert. (Zu Heinrich und Strampel) . No, werd hier Grasegrasegriene gespielt? Apripo! war die Mutter schon hunne? Heinrich . Nää! die lest ewe e Buch iwwer die Eirichtung von Hausapoteke. (Leise zu Strampel) . Enn scheene Gruß, des Briefche kem nachgefloge. (Strampel ab) . Muffel (legt Hut und Handschuhe ab) . Denke Se Frää Schnippel, da hat so e oosiger Bumbjeh schon dreimal die Spritzeprob geschwenzt, un wie merrn vorsch Disziplinargericht vorgelade hawwe, leßt er uns sage, er kennt am Dag net komme, er weer Bäcker un mißt um die Zeit schlafe. Fr. Schnippel . Da wern s'enn in Kundimation verordeilt hawwe. Muffel . Warum net gar, enn hiesige Berjer. »Eines Mannes Rede ist keine Rede«. Der Herr Leitnant Rauschebart is zu emm gange un hat emm die Sach vorgestellt. Fr. Schnippel . Hat er da net geschlafe? Muffel . Geschlafe! Im Wertshaus hat er gesesse, bei me Stick Gehlworscht, so lang wie mei Aarm. Fr. Schnippel . Des werd emm iwwel uffstoße. Muffel . Meene Se, weils Gehlworscht weer? Der Herr Leitnant Rauschebart is odder ääch net widderkomme, wodorch der Herr Hauptmann gezwunge war, sich uff die Such nach emm ze mache. Allääns dasitze wollt ich net, un da bin ich dann eniwwer in de weiße Leeb geschowe, um e Glas Wei ze trinke. Wen meene Se odder, Frää Schnippel, wen ich da getroffe habb? Des ganze Disziplinargericht, den dicke Bäcker in der Mitt, hat dagesotze un mich ausgelacht wie ich ereikomme bin. Fr. Schnippel . Un dem Bäcker sei Straf? Muffel . Wo kann mer dann enn Mensch strafe, mit dem mer ehrscht gefriehstickt hat. – Apripo, (zu Schnuckes) . Sin die Gwetsche bestellt? Schnuckes . Nadierlich! Ich haww enn dazu geschriwwe, daß desmal die derre Gwetsche odder frisch sei mißte. Muffel (zu Heinrich) . Is die Mutter schon frisiert? Heinrich . Noch net. Ewe kimmt der Barickemacher. Dritter Auftritt. Vorige . Haspel . Später Dienstmädchen und ein kleines Mädchen . Haspel (singt) . »Kommt ein schlanker Bursch gegangen, blond von Locken oder braun.« Guten Morgen allerseits! (Singt in Beziehung auf Muffel) . »Hell sein Auge, rot die Wangen, ja nach dem darf man schon schau'n.« Muffel (ärgerlich) . Gehn Se an Ihr Geschäft un lasse Se die Hofsträäch. Haspel (singt) . »Leise, leise, fromme Weise« – Ach, Herr Muffel, dieser Freischütz ist die Quelle meiner Begeisterung. Ich ließ mich für ihn totschießen. Fr. Schnippel . For den Freischitz? Haspel . Sogar für's Aennchen. (Schiebt Muffel bei Seite, der zwischen ihm und Frau Schnippel steht – singt) . »Und ob die Wolke sie verhülle, die Sonne bleibt am Himmelszelt.« Fr. Schnippel (geschmeichelt) . Es is wahr, des Thejader is e Bildungsaastalt. Muffel . Sie misse's wisse. Ja, wann mer emal so e Brendche vom Thejader gehabt hat – – – Fr. Schnippel . Ich bitt Ihne – mit fufzeh Jahr. Muffel . Gewwe Se acht, e Komedjant werd sich in ää mit fufzig verliewe. Fr. Schnippel . Se halte den Klatsch for wahr? Muffel . Nexerei! Wann odder des Thejader so e groß Bildungsaastalt is, warum hawwe Se dann Ihr Dechterche in e Pension gedaa, damit se net mehr jeden Awend in die Komedje lääft, he? Fr. Schnippel . Weil se sich ehrscht e grindlich Schulbildung aaeigne soll. Gott sei Dank! morje kimmt se widder zerick von Friedrichsdorf. Sie wern gucke, Herr Muffel, wann Se mei Agathche seh. Haspel . Agathe! ach Agathe! (Singt) . »Kartenspiel und Würfellust und ein Kind mit runder Brust.« – Sonntag in acht Tagen gibt unser Verein eine dramatische Abendunterhaltung, wozu ich mir erlauben werde, Ihnen eine Einladung durch den Vorstand zugehen zu lassen. O es wird sehr schön. Ich singe dreimal: einmal aus dem Wildschütz, einmal aus dem Freischütz und einmal aus dem – – – Muffel . A-B-C-schitz. Haspel . Danke! man kann freilich nicht von jedem verlangen, daß er mit den Kamönen Bruderschaft getrunken hat. Madame Muffel oben? Heinrich . Sie hat schon viermal nach Ihne gefragt. Haspel (singt) . »All meine Pulse schlagen.« (Ab) . Muffel . Gewwe Se acht, daß der Ihrm Agathche mit seiner Thejaderkäwwer net zu nah kimmt, die steckt aa. Wie alt is jetzt des Mädche? Fr. Schnippel . Was e Frag – achtzeh Jahr. Muffel . Wahrhafdig, achtzeh Jahr. – Achtzeh Jahr! e schee Alter zem heurate. – – Hm! hm! unser Heinrich is jetz finfunzwanzig. Fr. Schnippel . Ja, merr wern alt un es wer Zeit, daß merr uns zur Ruh setze deete. Muffel . Ganz mei Määnung. Ihr Agathche achtzeh, unser Heinrich finfunzwanzig Jahr. – Ei, da kimmt merr ja wääß Gott e pletzlicher Gedanke. E Gedanke, wie damals, wo ich den Remer gerett habb. Sie wisse ja, anno Achtunverzig, wo der große Ufflääf uff dem Remerberg gewese is. Wie ich des Menschespiel damals geseh habb, dacht ich merr gleich, daß des kää gut Enn nimmt un habb mich dessentwege bei Zeit, zem Schutz vom Senat, uff die Kaisertrepp salviert. Lang haww ich net ze waarte brauche, dann eh ich mich recht verguckt habb, is Ihne e Schwubbsch von e paar dausend Mensche in die Remerhall un derekt uff die Trepp zugesterzt komme, un alles hat gekrische: »Preßfreiheit wolle merr, Preßfreiheit!« In dem gefehrliche Äägeblick is merr awwer e guter Eifall dorch den Kopp gefahrn. Ich habb die bääde Aerm ausgestreckt, den Menscheknäul uffgehalte un gerufe: »Es is alles bewilligt, Preßfreiheit un Zensur; ewe hat merr's die Ordenanz vom ältere Herr Borjemääster gesacht.« – Des hat gewerkt, Frää Schnippel; die Gemieter hawwe sich beruh'gt un ich hatt dorch mein Eifall den Remer gerett. Fr. Schnippel . Ich wääß, ich wääß! Sie hawwe's schon oft verzehlt; awwer was Se merr jetzt sage wollte vom Heinrich un Agathche, des intressiert mich. Muffel . Ja so! no komme Se emal mit ins Ladestibbche. (Ab mit Frau Schnippel) . Kleines Mädchen (kommt) . Forn Kreuzer Klunscher, awwer e bissi viel. (Schnuckes gibt das Verlangte. Mädchen ab) . Heinrich , (welcher verstohlen einen Brief geschrieben, zu Schnuckes, der sich mit dem Abwischen der Ladentische beschäftigt) . Peter, ich will doch emal seh, ob de e piffiger Kerl bist. Siehst de des Briefche hier? Des breng merr uff den Remerberg, am Eck vom Mark. Dicht newer der Samehannlung sitzt e jung Hockin unner emme große rote Barbleh; dere gibbst de's, odder beileib kääner annere. Un dann Peter, wedder mei Eltern noch die Frää Schnippel derfe ebbes davo erfahrn. Verstanne? Da! da hast de enn Dreibätzner, den kannst de bis Diensdag im Wäldche verblitze. Also, Verschwiegenheit! es hannelt sich um e Iwwerraschung. Schnuckes . Uff dem Brief steht ja kää Adreß. Heinrich . Des sin dei Sorje net; des geschieht von wege der Iwwerraschung. Geww enn nor ab, ze redde is gar nix. So e blond Lockekeppche is es, die scheenst uff dem ganze Mark. Schnuckes . Die Iwwerraschung? Heinrich . Nää, des Mädche. Also noch emal: Wann de dich ans stäänerne Haus stellst un guckst eniwwer, grad uff die stäänern Gerechtigkeit, dann muß dei Blick uff den Barbleh falle unner dem se hockt. Schnuckes . Die stäänern Gerechtigkeit? Heinrich . Oiwei! des Mädche. Schnuckes (halbweinend) . Sie mache ääm ganz err. Ehrscht warsch e Iwwerraschung, dann e Mädche un jetzt soll ich enn widder emm stäänerne Barbleh der Gerechtigkeit gewwe. Heinrich . Du allmächdiger Gott! den Brief hier sollst de dem Mädche brenge, sonst nix. Muffel (hinter der Szene ruft) . Heinerich! Heinrich . Gleich Vatter! – Verstehst de mich jetz? Schnuckes . Mer meent ich wer von Dummbach. Muffel (hinter der Szene) . Heinerich! Heinerich! Heinrich . Was die nor wolle. Gleich! gleich! Also bleib noch enn Äägeblick im Lade, awwer verwahr merr des Briefche gut un bestell's bei der ehrschte Gelegenheit. (Ab in die Ladenstube) . Schnuckes (allein) . Die Handlung hat doch ihr Flause. Bis mer nor gelernt hat die Aermel an de Elleboge verreiße un beim Wiehe e schwer Stick Babier mit uff die Wag ze lege, is die halb Lehrzeit erum. Un die koriose Name die mer all behalte muß; die schlechte Lichter hääße se Gutlichter un den Zucker der kää Mehl is, nenne se Melis. No, un die Eitreg ins Bouillon, des will verstanne sei. Immer hawwe se was an merr auszesetze, un ich bin doch die äänzig Vertrauensperson, die se hawwe. (Beschäftigt sich am Pult) . Dienstmädchen (kommt) . Schicke Se doch gleich uff die englisch Gesandschaft enn vertel Zentner Stärck un drei Flasche Rum. Schnuckes . Ääch noch schicke – pressierts dann so? Dienstmädchen . Die Gesandschaft hat den Rum dringend netig. Schnuckes . Werd besorgt. (Dienstmädchen ab) . Vierter Auftritt. Vorige . Muffel . Frau Schnippel . Muffel (im Eintreten nach der Ladenstube sprechend) . Des deet grad noch fehle, daß ich merr von meim Herr Soh uff der Nas erum danze ließ. Frag dei Mutter, ob se net von jeher gewinscht hat, daß du un's Agathche e Paar geebst? Fr. Schnippel . Beruh'ge Se sich doch, er hat ja net nää gesacht. So ebbes will ääch iwwerlegt sei Muffel . Finfunzwanzig Jahr treiwe merr des Geschäft jetzt mitenanner, un schon Ihrm Mann selig sei Lieblingsplan is es gewese, dorch e Verbindung von unsre Kinner die Ferma zu erhalte. Fr. Schnippel . Freilich! die Kinner sin groß, mir hawwe unser Schuldigkeit gedaa. Muffel . Un dann mei Frää mit ihre Eigenheite. Den ganze Dag hockt se hinner medizinische Bicher un will Gott un die Welt koriern. Des Agathche mecht sich nix draus un versucht ihr ze Lieb sogar ihr Medizin. Fr. Schnippel . Ääch sin die Kinner mitenanner uffgewachse. Der Heinerich im ehrschte un mei Dochter im zwette Stock. Se hawwe zesamme gespielt un sich ääch manchmal gekloppt. Muffel . Was fehlt dann da zu errer glickliche Eh? (Zu Schnuckes, der aufmerksam zugehört) : Geh an dei Arweit! was lurst de schon widder? Sin die Warn bestellt? Schnuckes . Freilich; da leihe ja die Brief. Muffel . Ääch kopiert? Schnuckes . Nää! Muffel . Dann erunner mit de Umschläg. Wie oft muß ich derr sage, aus emme orndliche kääfmännische Geschäft derfe so kää Brief enaus. Alles hast de ze kopiern – verstehst de mich – alles! Ich guck speter nach. (Schnuckes kopiert mit der Presse) . Freilich, Frää Schnippel, nää hat der Heinerich net gesacht odder ewesowenig ja. Uff wen waart er dann? Uff die Äppelfrääle, odder die Prinzessin von Trappezunt? So e Ääfalt segt, er wer ze jung un wollt sei Lewe noch e bissi genieße; als wann mer des besser wie bei errer junge Frää kennt. Fr. Schnippel . Nor Geduld! Wann er des Mädche widder sieht, werd er sich schon annerscht besinne. Sie is groß warn. Muffel . Uffgange wie e Heweklees, ich glääbs. Fr. Schnippel . Ja, wann der Heinerich e Liebschaft hätt, dann weersch fehlgeschosse – odder so – Lasse Se se nor da sei. Muffel . Sei ausweichend Antwort will merr als net in Kopp. Krieht e schee jung Mädche, so ze sage in die Aerm geworfe un huft zerick. Ich habb merr mei Frää im Schosseestääb erowern misse un war kää Lappes, sonnern e aagesehner Wejßbischoffezier. Am achzehnde Okdower bei der Grinkbrunne-Rewieh haww ich se zem ehrschtemal geseh. Gott, warn des Zeite! Mei Sinche hat beim hannöwerische Gesandte seiner Familch, wo ihr Schwester Gesellschaftern war, in der Kutsch gesotze, un weil se merr gleich in der Nas gestocke hat, bin ich an ihrn Wage getrete, habb Honneur gemacht un gesacht: Meine Herrschafte, wann Se den ganze Uffzuck seh wolle, misse Se sich aus dem Stääb, eniwwer uff die anner Seit mache.« Mit meim Vorschlag hatt ich odder was Scheenes aagericht, dann der Kutscher, der vor lauter Staubwolke den Grawe net bemerkt hat, hat ze korz gewendt un die ganz Gesellschaft enei geworfe. No, sie is wääch gefalle, dann der Grawe war vom letzte Rege noch net ganz ausgetrockend. Mei Sinche war nadierlich gleich widder uff de Strimb, wie ich se odder galant abbutze wollt, da kreischt uff äämal alles: »Sie komme! sie komme!« Un von dem Truwel sin merr nor so mit fortgerisse warn un hawwe die verunglickt Gesandtschaft vollstennig aus de Ääge verlorn. »Se derfe sich schon emme frankforter Berjer un Weißbischoffezier am hellichte Dag aavertraue«, haww ich mei Sinche getrest, un wie ich gemerkt habb, daß se mit zichdige Widderstrewe Kordel nachgewwe hat, bin ich schon kihner warn un habb se in unser Zelt eigelade un mit Solwerknoche un Aeppelwei regaliert. Uff dem Häämweg hawwe merr uns dann grindlicher ausgesproche, un bis merr ans Galjedor kame, war alles abgemacht. No nadierlich, ich war e scheener Mensch, der uff e weiblich Herz immer enn gewisse Eidruck gemacht hat. Fr. Schnippel . Ja, so Erinnerunge, da geht nix driwwer. Ich habb mein Hekdor selig gefreit krieht, un merr hawwe doch ääch ganz glicklich mitenanner gelebt. Muffel . Warum ääch net? Des war ja e kreuzbraver Mann. (Zu Schnuckes) . Sin die Brief endlich ferdig? Schnuckes . Schon längst, da warn Se noch am Galjedor. Muffel . So! dann mach, daß se uff die Post komme. (Schnuckes ab) . E naseweiser Bub! (Tritt an das Pult und schlägt das Kopierbuch auf) . Ich muß nor emal seh, was er geschriwwe hat. Fünfter Auftritt. Vorige . Heinrich . Gleich darauf ein Junge . Heinrich . Die Mutter käm gleich. (Für sich) . Aha! der Schnuckes besorgt mein Brief an's Lorche. Junge (kommt) . Gunn Dach! E Havanna for sechs Heller. Heinrich (wickelt eine Zigarre ein) . Hier, die is awwer stark. Junge . Des dut nix, ich nemms mit err uff. No, krieht mer da kää Feuer? Heinrich . Was, du räächst schon? Junge . Mei Vatter räächt ja ääch. Heinrich (reicht Feuer) . Der treibt's awwer net so nowel – der räächt des Stick for enn Kreuzer. Junge . Wann ich emal finf Kinner habb, rääch ich se ääch forn Kreuzer. (Ab) . Muffel (das Kopierbuch in der Hand) . Da soll ääns net die narrisch Krenk kriehe. (Zu Heinrich) . Du hast doch dem Peter gesacht, daß merr noch Latwerg hätte? Heinrich . Zwäämal for äämal. Muffel . No, da heert, was der widder bestellt hat. (Liest.) Frau Kunigunde Hamster in Okriftel. Schicken Sie uns postwendend mit dem Fuhrmann zwei Fässer Latwerg. Achtungsvoll \&c. Nachschrift: Da sich soeben noch ein Faß Latwerg vorfindet, bitten wir obige Bestellung nicht auszuführen. – Die Obigen. Fr. Schnippel . Der stolwert emal net iwwer sein Verstand. Muffel . Was mege die Mensche von unserm Haus denke, die so enn Brief kriehe. E Korrespondenz besorgt der merr net mehr. Ich muß nor weiter gucke. (Setzt die Brille auf – liest) . Liebes Lorchen! was! liebes Lorchen? des is e neu Geschäftsverbindung. Liebes Lorchen – – Heinrich (erschrocken, für sich) . Kopiert des Schaf mein Brief. (Laut) . Weis emal her, Vatter. (Will das Buch fassen) . Muffel . Gehst de eweck! Liebes Lorchen! wenn es dir möglich ist heute Abend um neun an das Affentor zu kommen – – Fr. Schnippel . Warum net gleich an die Säusteg? Heinrich . Gebb her Vatter, du verderbst derr die Ääge an dem Geschmier. Muffel . Im Gegedäl, mir gehn die Ääge uff. – Zehe Schritt vom Leib! Fr. Schnippel . Des hätt ich dann doch net hinner dem Peter gesucht. Muffel (liest) . Ich habe dir in betreff Sonntags noch etwas mitzuteilen. Es grüßt und küßt dich dein – – (Reißt das Blatt aus dem Buch) . Fr. Schnippel . Was, der Lehrbub kißt ääch! Muffel . Jawohl! (Bei Seite) . Mit dem Heinerich seim Schnawwel. Wann des Agathche die Wahrheit erfehrt, is alles verlorn. (Laut) . Undankbarer Bub! Sechster Auftritt. Vorige . Frau Muffel und Haspel (aus dem Ladenstübchen). Später Schnuckes und Schusterjunge (durch die Ladentüre). Fr. Muffel . Ach, wie mich das freut! Ja, sie sollen ein Paar werden. Alle medizinischen Schriftsteller weisen auf die Notwendigkeit der Ehe hin. Ach, liebe Schnippelin, die Verbindung unserer Kinder ist die Erfüllung meiner heißesten Wünsche. – Hieronymus, wie siehst du aus? so aufgeregt! Hat dich das Glück so überwältigt? Du mußt ein Brausepulver nehmen. Freilich, freilich! (Tritt hinter den Ladentisch und bereitet ein Brausepulver) . Haspel . Wie, ich bin Zeuge einer Verlobung! Göttlicher Freischütz! (Singt abwechselnd zu Frau Schnippel und Heinrich gewendet) : »Wir winden dir den Jungfernkranz, mit veilchenblauer Seide und führen dich zu Spiel und Tanz aus lauter Lust und Freude. Schöner, grüner, schöner, grüner Jungfernkranz!« Heinrich (zu Haspel) . Gehn Se zem Deiwel! (Für sich) . Ich bin verrate un verkääft. Schnuckes (kommt eilig und stürzt über Haspels Füße, wobei er einige Aepfel fallen läßt) . Alles besorgt! Muffel . Wo hast de des Obst her? (Faßt ihn am Ohr) . Schnuckes (verwirrt) . Von – von der stäänern Gerechtigkeit! Fr. Schnippel (faßt ihn am andern Ohr) . Wem hast de den Brief geschriwwe? Schnuckes . Au! Ääch – ääch der stäänern Gerechtigkeit! Muffel . Nor Geduld, ich komm hinner des Lorche! Schusterjunge (stürmt pfeifend herein, Heinrich einen geöffneten Brief übergebend) . E Kompliment von errer junge Hockin uff dem Remerberg da hätt ääns enn Uz gemacht un hätt err den Brief gewwe; sie det odder net Kunigunde Hamster hääße un ääch net mit Latwerg, sonnern mit Gewerzel hannele. (Schnell ab) . Muffel . Von errer Hockin – des geht iwwersch Bohnelied! ( Vorhang fällt. ) Zweites Bild. Wohnzimmer bei Muffel , gediegen möbliert. Im Hintergrunde ein großer Bücherschrank mit Glastüren. Kronleuchter. Erster Auftritt. Frau Muffel (allein). Fr. Muffel (im Frisiermantel, sonst zum Ausgehen angekleidet, Bücher in dem Schrank ordnend) . »Das Buch vom gesunden und kranken Menschen.« O, abscheulich! da hat mir jemand den ganzen Knochenfraß herausgerissen. Mein Mann hat recht, man soll niemals Bücher verleihen. »Praktische Winke zur Blutegelzucht«, ein Geschenk unseres lieben Kapitalisten. (Schlägt ein Buch auf, liest) . »Die sauren Nieren – – saure Nieren – das muß ein neuentdecktes Uebel sein. (Betrachtet den Titel) . »Kochbuch von Wilhelmine Rührig!« Wie kommt das in meine medizinische Bibliothek? (Legt es bei Seite) . –»Blutarmut und Nervenschwäche«; seitdem ich dich besitze, entdecke ich täglich Leiden bei meinen Nebenmenschen, von denen die gar keine Ahnung haben. (Schließt den Schrank) . Meine wissenschaftliche Bibliothek und meine Hausapotheke sind meine Schätze. Mögen andere Frauen am Roman Gefallen finden, ich fühle mich bei Herzerweiterungen, Magenkrebs und Leberleiden wohler. (Sieht nach der Uhr) . Nein, dieser Haspel! Pünktlichkeit ist niemals seine Sache: wäre er mit meinem Kopfe nicht so vertraut, schon längst hätte ich mir einen anderen Friseur bestellt. Gleich zehn! immer Sonntags diese Verspätung und gar heute, wo wir Agathe erwarten. (Es klopft) . Endlich! Herein! Zweiter Auftritt. Vorige . Haspel . Haspel . Guten Morgen! Morgen! Fr. Muffel . Kommen Sie heute spät. Haspel . Spät kommt er – doch er kommt. Wir hatten eine Theaterprobe. Fr. Muffel . Am Sonntag Vormittag? Haspel . Es war eine Andacht der Kunst. Ich habe den Intrigant gespielt, »Franz heißt die Kanaille.« Fr. Muffel (setzt sich) . Der neue Zopf, Herr Haspel? Haspel . Der Zopf! ja so! Donnerwetter! wenn ich den im Harmoniesaal – – – (Sucht in seinen Taschen) oder, wenn mir jemand einen Schabernack – – die erste Liebhaberin wollte ihn geliehen haben. Nein, nein! hier ist er, (zieht einen sehr langen Zopf aus der Tasche) würdig, dies schöne Haupt zu schmücken. Fr. Muffel . Ah! prächtig. (Hält ihn wider ihre Haare) . Paßt er? Haspel . Wunderbar! Wie auf Ihrem Kopf gewachsen. Um zehn Jahre jünger – wahrhaftig! (Singt) . »Dies Bildnis ist bezaubernd schön.« Fr. Muffel (ärgerlich) . Beeilen Sie sich! Haspel (indem er sich hinter sie stellt und sie frisiert. Singt) . »Du hast Diamanten und Perlen – hast alles, was Menschenbegehr, du hast ja die schönsten Zöpfe –« Fr. Muffel . Sagen Sie meinem Mann nichts von dem Zopfe. Haspel . Ueber Toilettengeheimnisse werde ich niemals mit Männern reden, auch scheint mir Ihr Herr Gemahl gar nicht in der Stimmung zu sein, sich Mitteilungen machen zu lassen. Fr. Muffel . Ja, er ist äußerst aufgeregt. Auch diese starke Hülle umschließt nur eine schwache Gesundheit. Haspel . Ueber was klagt er denn? Fr. Muffel . Am meisten über unseren Heinrich. Haspel . Ich meine bei seiner Gesundheit. Fr. Muffel . Ueber nichts – das ist eben seine Krankheit, daß er niemals krank sein will. Haspel . Allerdings bedenklich – zwar kommt er mir auch wohl vor. Fr. Muffel . Wohl! Glauben Sie, diese Röte wäre Gesundheit? Dieser erstaunliche Durst der bei jedem Apfelweinkranz neu erwacht? Morgens muß er zweimal geweckt werden – was ist dieser Schlaf anders wie Schwäche? Ja, Herr Haspel, man muß populär-medizinische Bücher gelesen haben, um zu erfahren, wie krank man ist. Haspel . Sie frugen doch einen Arzt? Fr. Muffel . Nein, ich beurteile seine Leiden nach meinen Studien: Abends brennender Durst – morgens angegriffene Gehirnnerven und verdrießliche Stimmung. Ich rate zu Eisbeutel und Lindenblüttee, aber er ißt lieber nüchtern einen Hering. Haspel . Sie müssen es ihm unbemerkbar beibringen. Fr. Muffel . Ach, er ist so schlau, wenn er mich nur mit dem Eisbeutel kommen sieht, springt er schon aus dem Bette. Haspel . Ein merkwürdiger Mann! Fr. Muffel . Ebenso ängstigt mich die häufige Heiserkeit bei meinem Sohne; hier ist sicher eine akurate Kehlkopfentzündung im Anzug. Haspel (für sich) . Oder ein Herzleiden. (Laut) . Das kann sich nicht fehlen, wenn er stundenlang in der kalten Klappergasse steht. Fr. Muffel . In der Klappergasse? Haspel . Stundenlang in Sturm und Regen. Ich würde das meinem Tenor nicht antun. Fr. Muffel (für sich) . In der Klappergasse – o, ich werde bald mehr wissen. (Laut, forschend) . Sie sind zu empfindlich; was kann das schaden, wenn man einmal naß wird? Haspel . Einmal! So oft ich zum Aepfelwein gehe, steht er an der Ecke und wartet. – So! nun noch den Zopf aufgesetzt, und die Frisur ist fertig. Fr. Muffel (rasch aufstehend) . Hören Sie denn nicht, mein Mann kommt. Dieser schwankende Schritt, ach, wie mich das ängstigt! – Tun Sie den Zopf weg – mein Mann, Sie wissen ja, lacht darüber. Also in der Klappergasse. (Haspel verbirgt eilig den Zopf, dessen Anfang mit einem kleinen Gewicht beschwert sein muß, derart in seine hintere Rocktasche, daß derselbe seiner Länge nach heraushängt) . Dritter Auftritt. Vorige . Muffel . Muffel . Noch net ferdig? Die Frää Schnippel is schon längst uff der Bahn, des Agathche abhole. Fr. Muffel (betrachtet erschrocken Muffel) . Aber bester Hieronymus, wie siehst du denn aus? Muffel (sieht in den Spiegel) . E bissi stääwig, gelle? Fr. Muffel . Der Todesschweiß steht dir ja auf der Stirne. Muffel (wischt sich die Stirne ab) . Der Dodeschweiß? schwätz kää Blech. Ich habb e Limborjer Keeskist erunner gehowe. Es is ja kää Deiwel da, der ääm e bissi hilft. Fr. Muffel (zu Haspel) . Da hören Sie's! diese Gleichgültigkeit, wo er sich vielleicht innerlich verletzt hat. Soll ich dir ein Fußbad machen, oder einen kalten Aufschlag? Muffel . E Fußbad! Dorscht haww ich uff die Arweit krieht. Fr. Muffel . Schon wieder Durst. Ach, Hieronymus, komm folge meinen Ratschlägen: nimm dir ein Beispiel an deinem Associe, der schon sieben Jahre im Grabe ruht. Ich könnte den Witwenstand nicht lange ertragen. (Nimmt ein Handtuch und befeuchtet es) . Muffel . Ich bitt dich. Die medizinische Bicher mache dich ganz konfus. Haspel . O, Lesen bildet! Muffel . Des merkt mer an Ihne – verzwerwelter Barickestock! (Entschieden) . Ää for allemal: Ich bin net krank un laß mich ääch dorch dei Gäulskurn net krank mache! Such derr e anner Versuchskaninche. Fr. Muffel (mit einem feuchten Handtuch) . Komm, Müffelchen, komme mir zuliebe. Muffel . Jetzt reißt merr odder der Geduldsfaddem! Ich brauch dein nasse Lumbe net. (Wirft das Tuch zur Erde) . Fr. Muffel (sinkt weinend auf einen Stuhl) . Du wirst nicht zur Witwe, wenn du stirbst. Haspel (singt) : »Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen.« Muffel . Dann basse Se uff, daß se net iwwerlääft, wann se kocht. (Erblickt den Zopf) . Is des vielleicht aus des Deiwels Aadeil? odder hawwe Se vor, als Aff in der Zauwerflet uffzetrete? Haspel (stolz) . Wir geben heute die Räuber. Muffel (immer in Bezug auf den Zopf) . Zopp un Schwert, dacht ich. Also die Räuwer; da nemme Se sich odder vor de Schandarme in acht, dann des sieht sehr verdächdig aus. Haspel . Die Räuber von Schiller! ich erdrossle mich im fünften Akt. Muffel . Ich glääb, es wer besser, es deet im ehrschte gescheh. (Geht kopfschüttelnd um Haspel herum) . Haspel . »Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen.« Muffel (tritt auf den Zopf) . Odder sin Se aus errer Menagerie dorchgange, geschwänzter Haarkinstler? Fr. Muffel (springt auf) . Um Gotteswillen! mein neuer Zopf! (Hebt ihn auf) . Muffel . Dei Zopp! nemm merrsch net iwwel, ich hatt immer gemeent, dei Zepp wern aagewachse. Haspel . Ich begreife nicht – – – Fr. Muffel . Soll ich mich denn von jeder Mode ausschließen? Muffel . Warum net gar. Ich finn's nor seltsam, daß dei Haar in dem seim Rocksack wachse. Ich wern derr e Nudelkistche besorje, da kannst de se drei uffhewe. Fr. Muffel (setzt sich) . Nun Herr Haspel, beeilen Sie sich! (Zu Muffel) . Du wirst staunen, was mich das gut kleidet. (Haspel befestigt den Zopf) . Muffel . Du gefällst merr immer, ich wollt, ich kennt des ääch von unserm Heinerich sage. Fr. Muffel . Wieder etwas vorgefallen? Muffel . Is des net genug, die Geschicht mit dem Lorche? Wann die des Agathche erfehrt, werd se sich hiete enn Mensch ze nemme, der wo annerscht e Bekanntschaft hat. Fr. Muffel . Du nimmst es zu ernst. Muffel . Ze ernst! Sie sin uff dem schriftliche Duzfuß; ja, wann se sich noch sieze deete. Fr. Muffel . Vielleicht miteinander in die Schule gegangen. Haspel . Das glaube ich kaum. Muffel . In alles misse Se eneibabbele! Warum glääwe Se des kaum? Warum, warum? Kenne Se vielleicht des Mädche; stecke Se am Enn gar mit err unner ääner Deck? No, ins Deiwels Name, so redde Se doch! Haspel . Ich? was denken Sie von mir – ich habe nur so meine eigenen Gedanken. Fr. Muffel . Au! Sind Sie doch etwas vorsichtiger mit Ihren Haarnadeln. Haspel . Ich danke Ihnen – ich bin fertig. (Frau Muffel steht auf) . Muffel . Eigne Gedanke! – eraus damit! Wo is des Mädche her? Haspel . Ich – ich vermute – aus – natürlich unter uns – aus Sachsenhausen. Muffel . So! so e Sachsehäusern! Weiter, weiter. Haspel . Vielleicht aus der Klappergasse – mehr werde ich nicht sagen. Muffel . Ich wääß genug, ich wääß grad genug! Geww emal acht, Sinche, wie schnell ich dere Hack enn Stiel finn. Ei, des deet noch fehle; e Sachsehäuser Hockin in unsrer Familch. – Herr Haspel, daß Se reine Mund halte, sonst hat unser Freindschaft e Enn. – Ich wer se ausenanner brenge – ich wern enn heint noch weise, wo Bardel de Most helt. Vierter Auftritt. Vorige . Agathe . Gleich darauf Schnuckes , (eine kleine Reisetasche tragend). Agathe . Bon jour! bon jour, liebe Madame Muffel! bester Monsieur Muffel! Muffel . Ach des Agathche! Agathe . Ma chère maman, wo ist sie? Fr. Muffel . Nach der Bahn dich abzuholen, habt ihr euch denn nicht getroffen? Agathe . Nein, wie schade! Ach, sie wird doch bald kommen? Muffel . Sei unbesorgt, die vererrt sich net. (Für sich) . E Staatsmädche! (Laut) . No, wie bist de dann herkomme? Haspel (singt) . »Durch die Wälder, durch die Auen, zog sie leichten Sinn's dahin.« Schnuckes (kommt) . Hier is die Rääsdasch – den Koffer haww ich uff der Eisebah steh lasse, da sieht ääch die Frää Schnippel, wie schwer er is. Muffel . Dessentwege haww ich dich net mitgeh hääße. Schnuckes . Nää, awwer hernachend hätt's widder gehääße, was sich der Peter so dumm aastellt; des Schwere schleppt er, un des Leichte leßt er leihe. Muffel . So! weil de so piffig warscht, kannst de jetz noch emal an die Bahn lääfe un des Kofferche hole. Schnuckes . Geht des Freilein ääch mit? Muffel . Nää, des Freilein geht net mit, die waart hier uff ihr Mutter. Wann de den junge Herr siehst, segst emm, er sellt gleich eruff komme, es wer Besuch da. (Schnuckes ab.) No, Agathche, hast de dann schon was gefriehstickt? Agathe . Bin gar nicht hungrig. Herr Muffel, denken Sie nur, ein Herr, der mit mir reiste, ließ mir in Homburg einen halben Hahnen kommen. Muffel . Un den hast de genomme? Agathe . Oui! er war ja ganz frisch. Muffel . Von emme wildfremde Mensch? Agathe . Ich kann doch nicht alle Leute kennen. Muffel . Am Enn hat er dich ääch emal an die Rassel gefiehrt? Agathe . Haha! der Herr Theaterdirektor hatte ja kein Geld. Haspel . Wie, mit einem Bühnenleiter, mit einem wirklichen, lebendigen Theaterintendanten sind Sie gereist? Muffel . Da seid err also den Hahn schuldig gebliwwe? Agathe . Was glauben Sie – Mama hatte mir doch zehn Gulden geschickt. Muffel . Ich versteh – der hat gekloppt, un du hast beroppt. Nemm dich in acht, ich bin ääch emal mit ääm eneigefalle, der hat in Bockenem des Thejader gehatt un ich habb emm die eßbare Requisite geliwwert. Wie ich des ehrschtemal mei Geld hawwe wollt, da hawwe se grad den » Soh uff Reise « gewwe un wie ich des zweitemal widder komme bin, da warn se perr. No, wo is dann der gute Mann hiegefahrn? Agathe . Er stieg hier aus, weil er in den Nachbarstädten Vorstellungen geben will. Muffel . Du hast e merkwerdig Glick. Dei Muter schickt dich in e Pension, damit derr die Komödiandesträäch vergeh solle un kaum setzt de den Fuß widder nach Frankfort is dei ehrscht Begegnung die, mit ääm vom Thejader. Fr. Muffel (Speisen auftragend) . Greif zu, Kind, und wenn du satt bist, dann legst du die Hände auf den Rücken und gehst zehn- bis zwölfmal im Zimmer auf und nieder. Siehst du so! Immer Zwerchfellatem. (Geht mehrmals die Hände auf dem Rücken auf und ab) . Muffel . Verderw err doch den Appedit net dorch dein Zwerchfellatem. Fünfter Auftritt. Vorige . Heinrich . Heinrich . Du hast mich rufe lasse, Vatter? Ach, des Agathche! No, Freilein Schnippel, wie geht's dann? (Begrüßung) . Muffel . Laß dich häämgeije mit deim Geschnippel! Geww err enn Kuß, daß es knallt; mer meent, ihr weerd enanner fremd. Agathe . (Heinrich küßt sie) . Au, wie rauh! Bist du groß geworden. Heinrich . No, du brauchst dich ääch net ze beklage. Muffel . Bei dere Greß kennt err heurate, wann err wollt. Fr. Muffel . Komm, Hieronymus, die jungen Leute werden sich manches zu sagen haben. Heinrich . Net, daß ich's wißt. Drunne steht der Lade voll Leut. Muffel . Merr wern se schon bediene. Ihr sollt euer Widderseh feiern, daß es e Art hat. Haha! Bleib nor da, merr gehn schon. – Siehst de, Agathche, was der Heinerich for e fleißiger Geschäftsmann is? No, heint soll er sich emal Ruh genne. Heinrich . Awwer Vatter – der Peter is net da, du werscht allääns net – – Muffel . Bleib, sag ich derr. Guck nor, was des Mädche for Ääge mecht! (Zu Agathe, indem er sie näher zieht) . Stell dich emal newern, ich will nur seh wer greßer is. (Leise zu Heinrich, indem er ihn zu Agathe drängt) . Mach dich doch an se! (Laut) . Nää, was die sich ähnlich seh! Haha! (Zu Haspel mit Zeichen, daß er sich entfernen soll) . Herr Haspel, vergesse Se Ihr Kunne net, es is schon spet. (Dreht Heinrich so, daß er Agathe ins Gesicht sehen muß) . Ich glääb beinah, ihr scheniert euch! Mir Alte dricke e Ääg zu, komm Sinche! Amesiert euch! amesiert euch! (Rasch ab mit Frau Muffel) . Agathe (sieht Heinrich verlegen an) . Ist dein Papa heute aber komisch! Heinrich . Ja, wie er grad sein kritische Dag hat. Dei Esse werd kalt. (Zu Haspel) . Bleiwe Se noch enn Äägeblick. (Während sich Agathe zu Tisch setzt, leise zu Haspel) . Ich haww Ihne enn neue Kunne besorgt. Heint Awend um halb acht solle Se nach Sachsehause in die Klappergaß zu dem Freilein Funk komme, e Ballfrisur. Da! da hawwe Se den Gulde im voraus. Haspel . Sie sind ein charmanter Mann, danke! (Singt) . »Ja das Gold ist nur Chimäre«. Um halb acht, o das geht prächtig, denn unsere Vorstellung beginnt erst um halb neun. Heinrich . Un kää Geschwätz gemacht, heern Se! Haspel . Stumm wie ein Grab. (Laut) . Nun muß ich aber gehen. Agathe . Wollen wir nicht ein wenig von unseren Zukunftsplänen plaudern? Heinrich . (erschrocken für sich) . Zukunftspleen! Die hat am Enn schon Feuer gefange. (Zu Haspel) . Was lääfe Se dann so? Unnerhalte Se doch des Fräulein Schnippel e bissi. Agathche, hier stell ich derr enn Mensch vor, der wie du, for des Thejader lebt un sterbt. Herr Theophil Haspel, derzeit noch Haarkinstler, awwer sicherlich speter Kinstler ohne Haarn. Agathe . Ah! Sie wollen sich der Bühne widmen? Haspel (seufzt) . Ach ja! das wäre mein liebster Wunsch, aber – Agathe . Aber? – – Haspel . Glauben Sie, daß ich ein Theater fände, wo ich einen ersten Versuch als König Lear oder Richard der Dritte machen könnte? Als Theaterfriseurgehilfe, und das nur aus Gefälligkeit, wollte man mich annehmen. Agathe . Abscheulich! Doch verzweifeln Sie nicht, ich habe Verbindungen. Haspel . O Sie sind reizend! – (Mit einem Blick auf Heinrich sich schnell verbessernd) . Reizend – diese Aussichten. Heinrich (für sich) . Sie sin bei der Komedje, da kann ich schon emal meim Lorche uff dem Remerberg zu Gefalle geh. (Nimmt seinen Hut. Rasch ab) . Agathe . Sie deklamieren viel? Haspel . Deklamation ist mein Hauptfeld – sonst singe ich auch. Darf ich Ihnen vielleicht ein Billett überreichen für heute, oder heute in acht Tagen? Heute, die Räuber von Schiller. Sehen Sie hier auf dem Programm. (Zieht ein Papier aus der Tasche) . Franz Moor: Herr Haspel. – Später Ball, vorher darf nicht geraucht werden. Aeußerst anständige Gesellschaft. – Präsident: Theophil Haspel. Agathe . Sie sind Präsident! (Für sich) . Habe ich heute Glück! Theaterdirektoren und Präsidenten auf Schritt und Tritt. (Laut) . Also die Räuber? Haspel . Sie kennen das Stück? Agathe . Ob ich die Räuber kenne! Amalie war an meinem schlechten Zeugnis schuld – statt französische Vokabeln zu üben, studierte ich diese Rolle. Haspel . Und Sie haben sie noch im Gedächtnis? Agathe . Gewiß! ich memoriere fleißig. Haspel . Sie marmorieren auch! O bitte, gehen Sie eine Szene mit mir durch. (Deklamiert) . »Du weißt, was du unserm Hause warst, du wardst gehalten wie Moors Tochter, selbst den Tod überlebte seine Liebe zu dir, das wirst du wohl niemals vergessen?« – Agathe (immer essend und kauend, deklamiert) . »Niemals, niemals! Wer das auch so leichtsinnig beim frohen Mahle hinwegzechen könnte!« Haspel (deklamiert) . »Die Liebe meines Vaters mußt du in seinen Söhnen belohnen, und Karl ist tot. – Staunst du? schwindelt dir? Ja, wahrhaftig, der Gedanke ist auch so schmeichelnd erhaben, daß er selbst den Stolz eines Weibes betäubt. Franz tritt die Hoffnungen der edelsten Fräulein mit Füßen. Franz kommt und bietet einer armen, ohne ihn hülflosen Waise, sein Herz, seine Hand und mit ihr all sein Gold an und alle seine Schlösser und Wälder. (Kniet vor Agathe) . Franz, der Beneidete, der Gefürchtete, erklärt sich freiwillig für Amalias Sklaven.« (Agathe springt auf) . Sechster Auftritt. Vorige . Herr und Frau Muffel , Frau Schnippel , Schnuckes (mit einem Koffer kommen und bleiben beim Anblick der Szene betroffen stehen). Schnuckes (läßt den Koffer fallen) . Ach, e Betstunn! Muffel . Ich bin sprachlos! So e Duckmäuser! Fr. Schnippel . Agathche! Agathche, was soll des hääße? Fr. Muffel . Hieronymus, bedenke deine Gesundheit. (Tritt an den Schrank und nimmt aus demselben eine große Arzneiflasche nebst Löffel) . Haspel (springt erregt auf) . Es war nur eine Probe. Muffel . So, bloß e Prob! Drum hawwe Se mein Soh fortgeschustert. Fr. Schnippel . Hast de sonst nix im Institut gelernt, wie dich aabete lasse? Mach, daß de uff dei Stubb kimmst. Haspel . Aber ich bitte Sie, Ihre Fräulein Tochter ist ja ganz unschuldig. Muffel (hitzig) . Wie kenne Se sich unnersteh, e hiesig aastennig Berjersdochter verfiehrn ze wolle? un noch derrzu in meim Logie! Agathe . So hören Sie doch nur. Muffel . Was! du hälst emm noch die Bardie? Enaus! sag ich, enaus! Haspel . Aber Herr Muffel, eine Probe – eine – Muffel . Des kenne merr. Ehrscht prowiert mersch, bis es klappt. E Kääfmannsdochter un e Barickemachersgesell, da heert ja alles uff! Haspel (unter der Türe) . – Sie werden doch nicht glauben, daß ich mir erlaubt habe – (Haspel ab) . Muffel . Von Ihne glääw ich alles. Sie Schaf im Wolfsbelz! Sie Kuschemuschemächer! (Schlägt die Türe zu) . Agathe (lachend) . Er hat mir ja nur eine Szene vorgespielt. Fr. Muffel (mit einem großen Löffel Arznei) . Komm, Hieronymus, das beruhigt dich wieder. Muffel . Zehe Schritt vom Leib! Vorhang fällt. Drittes Bild. Großer Hausgang in altertümlichem Hause. An der Decke befinden sich horizontal gespannte Schnüren, an denen Welschkorn, Samenbüschel und Zwiebeln aufgehängt sind. Rechts im Hintergrunde führen einige Stufen nach einem Parterrzimmer, links eine hölzerne Wendeltreppe nach den oberen Stockwerken. Im Vordergrunde links der Keller mit wagrechter Türe, die mit einem Strick mit Gegengewicht zum Aufziehen versehen ist. Die Mitte des Hintergrundes gewährt freien Ausblick nach dem Hofe. In demselben eine alte Bank, Schiebkarren, Feldgeräte, Mahnen usw. Erster Auftritt. Lorchen allein, (auf der Bank sitzend und Gemüse putzend). Lorchen . Naa, die Sporjele un der Spinat lache aam aa mar mecht eneibeiße. Unser Harrgott is doch e gar guter Mann, daß er alles so schee blihe und wachse leßt. – – Der Heinerich wollt noch emol komme, er werd net kenne wie er will. – Ich muß aach net so allmaanig sei, sei Leut wern enn aach genieße wolle. (Singt halblaut vor sich hin) . Gern möcht' ich alles mit dir teilen, Wie ich mein Herz geteilt mit dir. Was weer ich heint so gern in die Kerch gange, wo des Hannche mit ihrm Balser kopeliert is warn. Ach, der Herr Parrer soll so su e schee Redd iwwer die Treu gehalte hawwe. Ja, enn Sunndag gibt's bei uns Gärtnerschleut net, unser Kerch is des Feld, da peife aam die Vegelcher die Preddig vor. (Singt) . Könnt' ich von jedem Leid dich heilen, O welche Wonne wär das mir. Wie freu ich mich uff heint Awend des Krenzi! der Heinerich werd Aage mache, wann er mich in meim neue Klaad sieht, e bissi aakör, wie marsch ewe hat. – Ach Gottche! die Strampelin – no Bawett? Zweiter Auftritt. Vorige . Strampel , (einen kleinen Korb am Arm kommt durch die Hoftüre). Strampel . Wie fleißig, uff den helle Sonndag. Lorchen . Marr misse morje unsere Kunne liwwern – es is Sporjelzeit, do gibt's kaa Ruh. – Nix Neues driwwe? Hast de den Heinerich noch emol geseh? Strampel . Der aarme Mensch sitzt in scheene Schwullideete. Lorchen (erschrocken) . Es is emm doch nix bassiert? Strampel . In Mää is er net gefalle, awwer der Frää Schnippel ihr Dochder is aus dem Pensionat aakomme. Lorchen . Da werd er heint gar net abkomme kenne – ach, da geh ich aach net uff's Krenzi. Strampel . Wie ääfällig! wann ich so sei wollt, kem ich nerjends wohie. Wie oft hawwe mich mei Bekanntschafte schon eigelade un wann's an Bindrieme gange is, sin se net komme. Lorchen . Dei Bekanntschafte? Strampel . De wunnerscht dich! Soll ich kää Bekanntschafte hawwe, wo ich iwwerall bichel? Ei, immer drei uff äämal, da is mer ääch sicher, daß mer net derrhääm bleiwe muß. Lorchen . Ich merk odder nix davo. Strampel . Des is heint emal. Der Anselm Bohneberjer nemlich – ach, was e scheener Mensch! du kennst enn net? is uff e Kindääf un darum, un um den Fritz Schnaiter net ze beleidige, haww ich den Schorsch Ditzel gebitt, mich net abzehole. Lorchen . Du hast jo des Geriß wie e Achtzehjehrig. Strampel . Wieviel bin ich dann älter? siwweunzwanzig is doch kää Alter for e jung Mädche. Was ich odder sage wollt, der Herr Muffel – – Lorchen . Welcher? es sin doch zwaa. Strampel . Wie ääfällig, als wann ich den alte Muffel in Mund nemme deet. Lorchen . Is er dann so bees? ich kenn enn gar net. – No, also der Heinerich? Strampel . Leßt derr sage, de sellst dich nor forsch Krenzi malmische, er kem un wann enn finfunzwanzig Freilein Schnippel an de Rockscheeße halte deete. Lorchen . Ich waaß, ich kann mich uff enn verlasse. Strampel . Wie die Bumb uff die Milchfrää. Ach, wie ich emm dei Briefche gewwe habb, hat er mich mit e paar Ääge aageguckt, du brauchst net eifersichdig zu wern, awwer e paar Ääge warn's, e anner hätt's for was ganz annerschter ausgelegt. Lorchen . Was e Geschwätz! Er is mei ehrscht un mei letzt Bekanntschaft, wann ich den net krieh, heuerat ich iwwerhaupt net. Strampel . Des deet merr uffleihe! Is es der net, is es e annerer. Priefet Alle, den Besten behaltet. Lorchen . Scheene Aasichte! Strampel . Dorch Erfahrung werd mer klug, ää Lerch bringt kään Sommer. Lorchen . Schem dich. Strampel . Warum? Mache's die Männer net ääch so? – Was ich noch sage wollt, dei Heinerich hat derr ääch enn Barickemacher bestellt – um halb acht kimmt er. Lorchen . Die Koste hätt ich sparn kenne. Strampel . Koste! es is ja e guter Freind von emm, der sich e Ehr draus mecht – wann de dem was aabiete deest, kennst enn schee verkrumpele. Lorchen . Schon widder e guter Freind. – Willst de darr net e Daalche Spinat mitnemme? Strampel . Am Sonntag? No, mach's eweil in die Reih, ich will nor deiner Mutter gun Awend sage. (Ab über die Stiege) . Lorchen . E komisch Mädche, den Deiwel sei Bekanntschafte un als kaan Hochzeiter. Dritter Auftritt. Vorige . Muffel (kommt, sieht sich neugierig überall um). Lorchen . Wen suche Se dann? Marr stecke ehrscht die anner Woch aa – gehn Se eweil zem Kurferscht, der hat heint enn Kranz erausgehengt. Muffel . Ich – ich such e Mädche. Lorchen (für sich) . Gewiß der Barickemacher. (Laut) . Hat Ihne vielleicht der junge Herr Muffel herrekommandiert? Muffel (für sich) . Aha! Da bin ich an der rechte Schmidd. (Laut) . Gewiß, der junge Herr Muffel. Lorchen . Also sin Sie der Friseur? Des is schee von Ihne, daß Se zeitig do sin – awwer Sie misse noch e bissi Geduld hawwe, bis die Leut aus dem Feld haam komme. – Sie wisse ja, mir hawwe kaan Sunndag. Muffel . Ich habb Zeit. Lorchen . Den Kopp brauche Se marr aach net ze wäsche. Muffel (für sich) . Dessentwege bin ich eigentlich komme. (Laut) . Sie sin doch des Freilein – – – Lorchen . Lorche. Muffel . Ganz recht, Lorche. Lorchen . Sie sin e guter Freind vom Heinerich? Muffel . Sei bester. (Für sich) . Des is wenigstens net geloge. Lorchen . Er hat noch nie von Ihne geredd. Wie is dann Ihr werter Name? Muffel . Mei Name? Ja so, mei Name – wie ich haaß, meene Se – – Brenneise. Lorchen . Enn scheener Name for enn Haarkinstler. Muffel . Wie dafor gemacht. Lorchen . Sie trinke doch enn Schoppe? Muffel . Warum net gar – mich fiehrn annern Sache her. Lorchen . E halb Maaß wern Se marr net abschlage. Was gibt's dann Neues driwwe? Muffel . Des neuste is, daß es nix Neues gibt. Lorchen . Des is for uns was Altes. Muffel . Dann brengt's in die Juddegaß un verkääft's. Lorchen . Was Witz. Ich will Ihne nor enn Schoppe hole, damit Se Ihrn Humor ufffrische. (Ab in den Keller.) Muffel . Da haww ich mein Dappe! Dich soll ja e Krott petze. – Hm! Bin doch in errer butzige Lag; komm hierher, um dere Naseweis ze sage, daß ich die Geschicht mit meim Soh net leid, un muß hinnedrei e Gastroll als Friseur gewwe. Was schadt's; uff die Weis seh ich doch klar. – E ganz nett Mädche, da hääßt's sich zesammenemme, wann mer grobb sei will. Vierter Auftritt. Vorige . Lorchen (kommt mit Krug und Glas aus dem Keller). Lorchen (indem sie einschenkt) . Versuche Se den emal! – No, wie schmeckt err? Muffel (für sich) . Ich bin uff dem beste Weg err mei Määnung ze sage. (Trinkt – laut) . Hm! Net iwwel. Trinkt den ääch der Heinerich? Lorchen . Freilich, wann marr zappe – sonst net. Muffel . Ich hatt gedacht, der kreeg e extra Worscht gebrate. Er kimmt wohl selte? Lorchen . Ach ja, manchmal nor zwaamal im Dag. Muffel . Nor! Kann er dann so abkomme? Lorchen . Der nimmt sich die Zeit. Da gibt's emol enn Gang uff die Post, odder awends wann er bade geht. Muffel (für sich) . Ich merk's, der hat sich gewäsche. Lorchen . Was mormele Se? Muffel . Des weer schee von emm. Lorchen . Net mehr wie Flicht un Schuldigkeit. Wann mar mit emme Mädche geht, leßt mar se net sitze. Muffel . Was sage odder sei Leut derrzu? Lorchen . Die hawwe kaa Ahnung. Daß er Ihne des noch net verzehlt hat, er is doch sonst net so haamlich. Muffel . Da errn Se sich. Lorchen . Er muß sei Familch ehrscht bearweite, bevor er mit der Farb erausricke kann. Muffel . So! Lorchen . Des weern gar konfuse Mensche; ich kenn se noch gar net. Sei Mutter deet den ganze Dag hinner medizinische Bicher sitze, kennt den Rotlääf deete un Blaster koche un wollt alle Leut koriern. Muffel . E merkwerdig Frää! Lorchen . Sehr merkwerdig. Sie deet freilich gescheiter, sie ließ ihr Quacksalwereie un deet als e bissi im Lade helfe. Muffel . Bravo! No un er, sei Vatter? Lorchen . Die Bawett lobt enn. Muffel (für sich) . Aha! Des laut annerscht. (Laut) . Weiter. Lorchen . E guter Mensch weersch, awwer e Prahlhans wie kaa zwetter. Muffel . Die Bawett muß ja e – – scharf Beowachtern sei. Lorchen . Die hat Aage wie e Scheckel. Die besorgt merr mei Bodente. Wann der aal Muffel im Lade is, dann lehnt se sich uff enn Aageblick die Nachricht odder kääft e Schächtelche Schwewwelhelzer; wie er odder den Ricke verwendt, richt se mei Ufftreg an sein Soh aus. Muffel . Da kann mer noch was lerne. Lorchen . In Ihre Jahrn, do heern so Straach uff. – Es dut marr laad genug, daß mer e Zwischetregern netig hat. Awwer do is so e Fraa Schnippel, die Daal am Geschäft hat, un die mecht gern ihr iwwerecks Dochter an Mann brenge. Die bohrt dann bestennig an dem aale Muffel erum, daß sei Soh ihr Agathche nemme sollt. Muffel . Un des alles verzehlt mei Heinerich? Lorchen . Ihr Heinerich – mei Heinerich, Herr Barickemacher. – Mei Heinerich verzehlt gar nix. Un weil der sei Leut gern hat, haww ich se aach gern un laß die Mensche babbele, was se wolle. Wann ich des all behalte wollt, was ich heern muß, kreg ich enn Kopp wie e Simmern. Muffel . So viel redde die Leut iwwer se? Lorchen . Es geht net uff enn Haanzlerschwage. Die Bawett maant no gar, dem Heinerich sei Vatter hätt frieher e Aag uff die aal Schnippelin gehatt, un sie wollte dessentwege des ihne versagte Glick ihre bääderseitige Kinner zu dääl wern lasse. Muffel (für sich) . Um Gotteswille, wann des mei Frää heert! (Laut) . Un des glääwe Se? Lorchen . Da hätt ich viel ze duh. Is mir mei Heinerich treu, warum soll sei Vatter net aach seiner Mutter treu sei? Muffel (kneift ihr in die Wange) . Sie sin doch e brav Mädche. Lorchen . Redde Se net mit de Henn, ich kann des net verknuse. – Naa, was die heint im Feld so lang bleiwe. – Wisse Se was, Sie kenne mich hie im Hausehrn frisiern, des gibt Ihrer Ehr kaa Loch, un ich seh alles was vorgeht. Muffel . Ich soll Ihne die Haarn mache! (Für sich) . Ja so, ich bin ja der Barickemacher. (Laut) . Haww ich dann ääch mei Kämm bei merr? Lorchen . Mir hawwe drei. Muffel (verlegen) . Drei! Dunnerwetter, des is awwer viel! Die Bomadbichs haww ich rein derrhääm steh lasse. (Will sich entfernen) . Lorchen (hält ihn fest) . Wo will ich dann des Geschmier, e paar Leckelcher, un e Blimche ins Haar, des is genug. Muffel (in steigender Verlegenheit) . E paar Leckelcher, ja ja! Awwer mei Brenneise – des wern ich doch ehrscht hole misse. Lorchen . Wo brauche Se dann e Brenneise? Mir hawwe e alt Blehstang, die werd e bissi worm gemacht. Des geht Ihne wie Lottche. Muffel . E Blehstang! e Blehstang – ja dadruff bin ich – – (für sich) . Der Deiwel hol die Barickemacherei! die leßt net los. (Laut) . Ja, awwer – – Lorchen . Sie maane enn Stuhl – den wolle marr gleich hawwe. Muffel . Ich glääb doch, ich sollt liewer die Eise hole. (Will fort) . Lorchen (hält ihn fest) . Un hernachend huddele. Naa, was Se brauche, besorg ich Ihne. (Ab über die Stiege) . Muffel . Jetzt hääßt's: Muffel drick dich! dei Aaseh leid Not. – Dem Lorche wern ich schreiwe, was ich von der Geschicht halt. (Will nach dem Höfchen ab – prallt zurück) . Mei Frää! was fiehrt dann die her? Un wie se sich umguckt! Wann die e Ahnung hätt, daß ich mich bei dem junge Mädche for enn Barickemacher ausgewwe hätt, die deet sofort e Herzerweiterung bei merr entdecke, un um mei Ruh weersch gescheh. Was mach ich dann da! – – – Enuff! – da soll ich Haarn kräusele – enaus – da mißt ich Haarn lasse – also – enn Äägeblick enunner – da sucht mich niemand. (Hebt die Kellertüre auf, steigt in den Keller und läßt die Türe langsam herab. Kleine Pause.) Fünfter Auftritt. Lorchen (mit einem Stuhl), Frau Funk und Strampel (kommen die Stiege herab). Frau Muffel (vom Höfchen her.) Lorchen . Hier is e Stuhl! Die Blehstang haww ich eweil uff die Kohle gelegt. – No! wo is dann der Barickemacher? Herr Brenneise! Herr Brenneise! (Zu Frau Muffel, welche eintritt) . Hawwe Sie vielleicht jemand im Hefche geseh? – Herr Brenneise! Fr. Muffel (lorgnetiert Lorchen) . Nein! Sind Sie vielleicht die Leonore Funk? Fr. Funk . Jawohlche! des is des Freilein Leonore Funk! des Freilein Lorche Funk. Was soll se? Fr. Muffel . Sie scheinen die Mutter – ich habe mit Ihnen ein ernstes Wort zu reden. Fr. Funk . Su! ich schein Ihne. Sie hawwe e eige Aart sich de Leut vorzestelle – mit wem hot mar die Ehr? Fr. Muffel . Mein Name ist Madame Muffel. Strampel (leise zu Frau Funk) . Die aal Muffelin! Die war merr doch gleich so bekannt. Lorchen . Dem Heinerich sei Mutter. (Rückt den Stuhl näher) . Fr. Funk . Des fraat mich, daß Se uns die Gunn aaduh; ich hoff, marr wern noch eftersch zesammekumme. Bawett, koch emol schnell enn Kaffee; der Deutsche leiht uff der Aaricht, nemm e geherig Pod davo. (Strampel geht nach der Stiege, wo sie stehen bleibt) . Fr. Muffel . Bitte, lassen Sie das – was ich zu sagen habe, ist sehr kurz. (Für sich) . Ohne Aergerniß wird das kaum abgehen, ich werde mit einigen Beruhigungstropfen vorbeugen. (Zieht Löffel und Fläschchen aus der Tasche, gießt eine Anzahl Tropfen in den Löffel, wobei sie zählt) . Eins, zwei, fünf, neun, sechszehn – halt! zwanzig Tropfen! (Nimmt die Arznei und steckt Fläschchen und Löffel wieder ein) . Fr. Funk . Wos enn Gammel! setze Se doch des Puddelche an Hals – bei der ungesunde Witterung kann mar schun e Werfche vertrage. Lorchen . Ei, Mutter, es is ja Arznei. Fr. Muffel . Was ich Ihnen sagen muß, geschieht in Erfüllung einer heiligen Mutterpflicht. Sie wissen wohl nicht, daß Ihre Tochter mit meinem Sohn heimlich ein Liebesverhältnis angeknüpft hat. Fr. Funk . Haamlich! mir hot se's gleich gesacht, bei uns geschieht nix haamlich. Fr. Muffel . Sie wußten davon und haben es ihr nicht verboten? Fr. Funk . Verbotte! Es is jo kaa Lump, un die junge Leutcher hawwe sich aach gern. Fr. Muffel . Fühlen Sie denn nicht, daß Ihre Tochter durch Fortsetzung solcher ziellosen Liebeleien den Frieden und die Hoffnungen eines angesehenen Handlungshauses zerstört? Fr. Funk . Wos Se net sage! Strampel . Des hat merr gleich geahnt. Fr. Muffel . Ihre Tochter wird sich doch unmöglich in eine gebildete Kaufmannsfamilie eindrängen wollen? Fr. Funk . Mei Dochter hot Ihrn Suh net gerufe. Fr. Muffel . Ueberlegen Sie nur, Kaufmann und Höckerin. Fr. Funk (zornig) . Jetzt laaft marr odder die Laus iwwer die Lewwer! Fr. Muffel . Was lauft Ihnen? Fr. Funk . Die Gall iwwer, wann Se's su besser verstiehn. (Stemmt die Arme in die Hüften) . Kaafmannsfamülje un Höckerin! Sehr schie geredd, Madame Muffel, deete Se marr's net e bissi nodiern, odder hat's Ihne selbst aaner uffgeschriwwe un Se hawwe's auswennig gelernt? Gebild Kaafmannsfamilje! Eigebild Kaafmannsfamilje, wern Se sage wolle! Maane Se dann, mei Lorche kennt kaan annere, wie Ihrn Heringswieler von Suh kriehe? Ei Barone un Grafe, wann se will. Lorchen . Ich bitt dich, Mutter! Fr. Funk . Du werscht dich doch net eweckwerfe wolle. – Su e Verdeldutt! Su e Spitzbiwereikremern maant sie deet aam glicklich mache – su e huchdeutsch Ladefrääle von Gott wer waaß woher. Lass' Se sich doch gesacht sei, jeder Sachsehäuser is e Frankforter, odder e Frankforter noch lang kaa Sachsehäuser. Lorchen . Awwer Mutter! Fr. Funk . Sei still mit deim Gemuttersch! Was hawwe Se dann an meim Lorche auszesetze? Hot se vielleicht scheppe Baa? Is se kaa brav Mädche? Lorchen . De wääßt net was de babbelst. Fr. Funk . E orndlich Mädche derf sich iwwerall seh lasse, des hat net netig, die Aage nidderzeschlage un wann die ganz Owrigkeit uff Stelze kimmt; un wann se su aarm is wie e Kerchemäusi, brauch se err Prinzessin net aus dem Weg ze gieh. Un mei Lorche is e brav Mädche! – Was wolle Se dann mit Ihrm Gummi? Losse Se sich enn ausstoppe. Fr. Muffel . Was soll ich? Fr. Funk . Enn ausstoppe losse! Mar maant, mar weer des greßte Lumpezeig uff Gottes Erdboddem. Marr hawwe am Kinnbetterbrunne un am Volleuleweg e Baamstick leihe, mei Balser selig war Feldgeschworner un Brunnemaaster. Kaafmannsfamilje Se hannele mit Schwewwelhelzer un ich mit Blummekiehl. Fr. Muffel (macht vergebliche Versuche sie zu unterbrechen) . Genug – ich – – Fr. Funk . Su e Derr Quetschemadam maant sie weer der Bettmann. Fr. Muffel (will sie überschreien) . Sind Sie still! sag ich, ich – – Fr. Funk (fortfahrend) . Kaafmannsfamilje, do kennt mar jo die narrisch Krenk kriehe. Am letzte Wäldchesdag hawwe marr newer dem ältere Herr Borjemaaster gelagert un ich haww emm enn Moßkrug mit unserm Äppelwei zem versuche geschickt, un er hot davo getrunke un hot gesacht: so gut hätt emm lang kaaner geschmeckt. Kaafmannsfamilje. Wie laaf ich uff! Su e Hochmut muß zem Fall kumme. Fr. Muffel (welche fortgesetzt vergebliche Versuche macht, sie zu unterbrechen) . Da weiß man wirklich nicht, was man sagen soll. Fr. Funk . Des glaaw ich – weil Se nix erwiddern kenne un Kordel beigewwe misse. Lasse Se sich haamgeije un wann Se marr widder ebbes ze sage hawwe, dann geruhe Se nor, sich zu marr uff den Remerberg an mein Stann ze bemiehe, do kenne Se aach heern wos die Ehl kost. Verstanne? Felmich Ihne, Fraa gebild Kaafmannsfamilje! (Knixt) . Fr. Muffel (für sich) . Daheim würde ich ohnmächtig. (Laut) . Genug! Sie wissen nun, daß ich das Verhältnis nicht dulde. (Rasch ab, kommt nochmals erregt zurück, kann aber nicht zu Worte kommen. Ab) . Fr. Funk (ihr nachrufend) . Komme Se unner kaan Schubkarrn! Un wann Ihne die Brick net braat genug is, kann jo der Kaiser Karl aus dem Weg gieh. Fehlmich Ihne!! – Su! Die haww ich enausperschwadiert. Lorchen . Ach Mutterche! Was bin ich jetzt so unglicklich! (Weint) . Fr. Funk . Sei marr kaa Flennels – ich habb der aal Muffelin jo uff e ganz aastennig Manier mei Maanung gesacht. Lorchen . Was haww ich davo, wann der Heinerich net mehr kimmt. Fr. Funk . Wann sei Lieb su groß, wie seiner Mutter ihr Hochmut is, dann kannst de außer Sorje sei. – Un kimmt err net, dann kimmt e gut Johr – du kannst noch zehe annern kriehe. Strampel . Ich meen ääch – guck mich aa. Lorchen . Ihr habt gut redde. Heinrich (im Hof) . Lorche! Lorche!! Pst! Lorchen (aufjubelnd) . Mutterche, der Heinerich! Siehst de, er is doch komme! Komm erei, dir is ja niemand bees. Heinrich (von außen) . Mei Vatter is doch noch drei. Lorchen . Bewahr! nor dei Mutter war hier. (Ab nach dem Höfchen) . Strampel . Der aarme Mensch sieht jetzt iwwerall Gespenster. Fr. Funk . Wie die anenanner hengge – wie Klette. Naa, was der liewe Gott for enanner bestimmt hat, des soll kaa Spezereikremern trenne. (Ab über die Stiege. – Es wird allmählich dunkel, ohne völlig Nacht zu werden) . Sechster Auftritt. Vorige . Gretchen (im Sonntagsstaat). Bärwelche (einen Korb Spargeln am Arm). Niklees (mit einem Schiebkarren Gemüse). Zwei Gärtnerinnen , (zahlreiche ineinanderstehende leere Mahnen auf dem Kopf tragend, kommen vom Hofe her). Die Gärtnerinnen stellen ihre Mahnen auf die Kellertüre und gehen über die Stiege ab. Niklees . Heint hot's haaß gemacht, Fräulein Strampel. Strampel . Da steht was zem Kihle. Es is doch schee, daß err erre Wittfrää so unner die Aerm greift un err Sonndags ihr Feld in Stann setzt. Niklees . Nix wie Schuldigkeit. (Trinkt aus dem Krug) . Uff dei Wohl Bärwelche! Es soll merr gut duh. Gretchen . Die bedankt sich noch net emal – is des all dei Bildung? Bärwelche . Loß es! der waaß, wie ich's maan. Strampel . Schemt euch! for Nachbarschkinner immer wie Katz un Hund. Bärwelche . Die Hahlgans kann jo schweihe. Gretchen . Der glaabt kaa Mensch, daß se aus Sachsehause is, mit dem Aastann. Strampel . Was hast de dann heint Awend vor? Niklees . Maanst de mich? – ich gieh zem Äppelwei. Strampel . Wie kann mer sich nor in die Stubb hocke bei dem scheene Wetter, statt e bissi in die Luft ze geh. Niklees . In der Luft vergieht aam der Dorscht aach net. Gretchen . Die will nor haamgefiehrt sei. Bärwelche . Hat se dann net recht, wann mer kaans hat, des aam abheelt. Strampel . Ihr naseweise Dinger! Ich brauch kään Schritt weit allääns ze geh, der dritte Borsch kennt mich ja. Bärwelche . Des is grad dei Unglick. Gretchen . Bis uff die Altegaß is odder e weiter Weg. Niklees . Un es zappt ewe kaa Mensch do. Strampel . Was e Unglick! Als wann des e Vergniege wer, sich in so e räächerisch Stibbche ze hocke. Niklees . Babbel net vun Sache, die de net verstiehst. Je besser des Stoffche, je dicker der Damp. Wie die Hering muß mar uffenanner hocke, sunst is in errer Äpelweiwertschaft nix los. Strampel . Wo mecht ich mich so dricke lasse. Niklees . Des kem uff e Prob aa, du bist doch sunst net so engstlich. Strampel . Un awends dann des spete Häämgeh. Ich deet vor Angst verzwatschele. Gretchen . Du hast kaa gut Gewisse. Strampel . So! geh du emal allääns die Nacht von hier bis uff die Altegaß. Bärwelche . E Heldedat! Wie oft sein merr schon von Bernem komme. Strampel . Ja, in Gesellschaft – ich fercht mich ewens. Siebenter Auftritt. Vorige . Lorchen . Später Frau Funk . Muffel . Lorchen (sich nach allen Seiten umsehend) . Ihr habbt doch ääch niemand geseh? Strampel . Wen solle merr dann geseh hawwe? Der Barickemacher, segst de ja, weer lengst perr. Lorchen (sich immer umsehend) . Der Heinerich maant, sei Vatter weer im Haus. Strampel . Hier! Es wird ääm noch ganz unhäämlich in dem dunkle Hausehrn. Bärwelche . Jetzt werd err widder euer dumme Gespenstergeschichte vom Muhkalb un Ketteesel verzehle wolle, um aam ferchterich ze mache. Strampel . Des Muhkalb, des de Leut des nachts uff den Buckel hippt, is ääfällig – was odder den Ketteesel betrifft, davo hat mei Großmutter merkwerdige Sache verzehlt. Niklees . Su e Awerglawe im neunzehte Johrhunnert! – Gieh ham, mit deine abgedankte Stadtgespenster! (Muffel pocht im Keller leise wider die Türe) . Alle (stoßen einen Schrei aus) . Niklees . Wie kann mar sich nor ferchte, wann aans enn schlechte Witz mecht. (Es klopft lauter) . Bärwelche (sich an Niklees klammernd) . Mach kaan Unsinn, Niklees! Gretchen . So enn Schrecke aam eizejage. Niklees . Ich bin's wääß Gott net. Es laut wie vun unne eruff. Lorchen . Was Hasefieß! was Hasefieß! Strampel (stößt einen Schrei aus) . Die Mahne! Guckt emal, die Mahne bewege sich! Bärwelche . Ach, Niklees, verloß mich net! Niklees . Marr wern gleich hinner des Gespenst komme – es werd e Scheckel sei. (Tritt auf die Kellertüre zu, dieselbe erhebt sich, die Mahnen stürzen um, alle ergreifen die Flucht) . Alle (in höchster Aufregung) . Der Ketteesel! der Ketteesel! (Frau Funk erscheint mit einem Licht auf der Treppe) . Muffel (mit eingedrücktem Zylinder, hebt mit beiden Händen die Kellertüre empor) . Fui Deiwel, ihr habt ja Ratte. Vorhang fällt. Viertes Bild. Geräumiges Zimmer auf der Mehlwage, mit kahlen, weißen Wänden, schlecht vergitterten Fenstern. In der einen Ecke eine Bettstelle, mit Strohsack und Kolter . In der Mitte ein einfacher Tisch, auf demselben ein kleiner Koffer. – Die Sonne scheint hell durch das Fenster. Erster Auftritt. Direktor Purzler (allein, in etwas abgeschabtem, wunderlichem Anzug, unruhig auf- und abgehend). Purzler . Was soll aus Don Carlos werden, wenn Philipp der Zweite hier auf der Mehlwage schmachtet? – Schuldgefangen! während meine hirtenlose Künstlerschar auf den Hund kommt. Und warum bin ich eingekerkert? Wegen eines unbezahlten Wamses für Wallenstein und zwei Paar Hosen für Marquis Posa nebst Gerichtskosten. – Schneiderseele! Schneiderseele! Klebten meine Affichen nicht schon am Brunnen zu Krotzenburg, ich würde mich furchtbar an dir rächen und – hier bleiben für deine Rechnung. O, du hast keine Ahnung von der Geduld eines wandernden Schauspieldirektors. – Warum mußte ich auch gerade über Frankfurt reisen, wo ich doch wußte, daß man mir ein liebevolles Andenken aus meiner Direktionszeit in Bockenheim bewahrt hatte. – Warum? weil mich eine junge Dame in Homburg zum Frühstück einlud. Und dann hieß sie Schnippel! Agathe Schnippel! Hat doch meine erste Liebe auch einen Schnippel geheiratet. Ich habe der jungen Dame auf gut Glück geschrieben, mich hier zu besuchen – ob sie wohl kommen wird? – (Geht unruhig auf und ab) . Nichts werde ich aus meinem Schiffbruch retten, wie diesen Kasten mit unbezahlten Perücken, die ich erst heute früh von einem Friseur erhandelte. (Die Hausglocke wird heftig geläutet) . Markdurchdringendes Getöse! O, daß man in den Gefängnissen keine Rücksicht auf schwache Nerven nimmt. (Es klopft) . Herein! Zweiter Auftritt. Vorige . Agathe (dicht verschleiert), kommt. Agathe (furchtsam) . Ich habe Ihren Brief erhalten – es war ein Zufall, daß er an mich gelangte. – Sie stöhnen im Kerker. (Sieht sich neugierig um) . Hier ist's ja ganz gemütlich. Purzler . Tausend Dank! mein guter, ungeflügelter Engel. Sie sehen den Mimen in den Krallen der Manichäer. Agathe . Ich hatte mir ein unterirdisches Verließ gedacht – feuchte Mauern – klirrende Ketten, Sie wahnsinnig in einer Ecke und finde alles anders – ganz nett! Eine erste Etage, freie Bewegung im Zimmer und auf dem Korridor, nur die Haustüre verschlossen. Da war der alte Moor in seinem Kerker übler dran. Purzler . Glauben Sie das nicht. Er war kein Theaterdirektor, dessen Personal Hunger litt, während ihn ein boshafter Gläubiger fütterte. Agathe . Ich kann an Ihrer Lage doch nichts ändern. Purzler . Ja, Sie können es! Die Gänse retteten das Kapitol, und Sie, ein Schwan, ein Phönix der Kunst, sollten nichts vermögen? Nicht um das Kapitol handelt es sich hier, sondern um das Kapital. Darf ich Ihnen mein Innerstes ausschütten? Darf ich Sie einführen in das Reich meiner Geheimnisse? Darf ich Sie – darf ich Sie – vorerst um einen Gulden vierzig Kreuzer bitten? Agathe (lachend) . Wenn es das nur ist – hier sind zwei Gulden. Purzler . Sehen Sie, ich füge mein tägliches Kostgeld von achtundvierzig Kreuzer bei, und nun Schoßkind der Kamönen, Rachel der Zukunft, leisten Sie mir den Eid der Verschwiegenheit. Agathe . Wie romantisch! Ich schwöre! Purzler . Der Eid ist heilig! Agathe . Weiter – weiter! Purzler . Was kann ich hier anders tun wie – durchbrennen – auskneifen!! Agathe . Entfliehen! Um Mitternacht bei Vollmond. Purzler . Ja, bestes Fräulein, helfen Sie mir. Agathe . Ich kann Ihnen die Leiter unmöglich halten, bei uns wird das Haus um zehn Uhr geschlossen. Purzler . Was Leiter! ich werde mich einem Strick von zwanzig Fuß Länge anvertrauen. Agathe . Einem Strick? Purzler . Gewiß, ich habe ihn redlich verdient, er soll mich retten. Sehen Sie diese rostzerfressenen Gitter? In einer halben Stunde durchfeile ich sie. Agathe . Immer romantischer! Also eine Feile? Purzler . Getroffen. Eine Feile und einen Strick, das ist alles, was ich von Ihnen verlange. Teures Fräulein, ein Band umschlingt alle Musensöhne und Töchter. Ich bin ein ergrauter Veteran, Sie eine strahlende Jüngerin der Kunst. – Sie, die Morgenröte, ich der Abendstern des Ruhmes. Sind nicht alle Künstler auf einander angewiesen? Ich bahne Ihnen den Weg zu den Brettern und Sie mir zum Strick. Auf meiner Bühne sollen Sie Ihren ersten theatralischen Versuch machen, von meiner Bühne aus soll Ihr Ruf die Welt erfüllen, bis Sie alle Photographen mit offenen Armen aufnehmen , bis es des Bildhauers höchster Stolz ist, Sie auszuhauen. Agathe . Glauben Sie wirklich, daß ich Talent habe? Purzler . Sie brauchen kein Talent, nur Mut. Agathe . Für die Bühne? Purzler . Nein für Strick und Feile. Agathe . Ich meinte das Theater. Purzler . Ja so! Da brauchen Sie heutzutage auch nur Mut und Gönner. Agathe . Und die fürchte ich, fehlen mir. Purzler . Sie müssen sich die Bescheidenheit abgewöhnen, wenn Sie eine große Künstlerin werden wollen. Agathe . Ich singe auch ein wenig. Purzler . Und wenn Sie keine Zunge hätten, die Philomele könnten Sie nicht leugnen. Sie besorgen mir doch Feile und Strick? Agathe . Gewiß! Wird auch kein Verdacht – Purzler . Wenn Sie sie in einem Regenschirm geschickt verbergen, sind Sie vor Entdeckung sicher – und dann – erster theatralischer Versuch in Klein-Krotzenburg oder Langen! Agathe . Reizend. In einer Stunde haben Sie beides. – Glauben Sie, daß ich später auch ein Engagement an einer großen Bühne finde? Purzler . Ein Engagement – zwanzig in einer Saison. Agathe . Tausend Dank! Ich eile Sie zu retten! (Ab.) Purzler (allein) . Nun zittere, elender Schneider, der mich hierhergebracht, deine Häscher hast du umsonst gedungen! (Untersucht die Gitterstäbe an dem Fenster) . Ihr sollt mir nicht lange mehr den Weg zur Freiheit versperren. Schwachheit, dein Name ist Mehlwage! (Kleine Pause. Es klopft) . Aha, mein Gläubiger. Herein! Dritter Auftritt. Vorige . Fr. Schnippel , (einen Brief in der Hand, kommt). Fr. Schnippel (sehr aufgeregt) . Des sein merr ja scheene Geschichte! mei Dechterche hierher ze bestelle; odder hawwe Se vielleicht den Brief gar net geschriwwe? (Liest) . »Hochgeehrtes Fräulein! Eingedenk unserer Bekanntschaft in Homburg, wage ich es, Sie um Ihre Hilfe anzurufen«, un so weiter. Es is nor e Gottesglick, daß ich den Wisch in ihrm Hausklääd gefunne habb; so e unerfahrn Mädche leßt sich leicht ze errer Dummheit verbabbele. No, wann Se merr aus der Klavierstunn kimmt, krieht se geherig die Levitte gelese. Purzler (Frau Schnippel aufmerksam betrachtend, für sich) . Ist sie's oder ist sie's nicht. (Seufzt) . Thekla! Fr. Schnippel . Da hawwe merrsch! sogar wie ich hääß, hat err schon erausgeluxt. Purzler (für sich) . Sie ist's! (Laut) . Thekla, kennst du deinen Max nicht mehr? (Stürmt auf sie zu) . Fr. Schnippel (zurückweichend) . Was! der Fridolin Schlucker. Du spielst ja e schee Achtelche. Fui Deiwel! ich deet mich scheme! Purzler . Ja, ich bin's! Ich habe meinen Familiennamen Schlucker abgestreift und reise jetzt unter dem Künstlernamen Purzler. Fr. Schnippel . Un bist doch e aarmer Schlucker gebliwwe? Purzler . O Thekla! schütte in den Freudenkelch des Wiedersehens keine Wermutstropfen. Gedenke in Liebe der Zeit, da du in Neustadt zum Besuche geweilt, da unsere Herzen für die Musen geschlagen, da wir selbander durch die Auen wandelten, Hand in Hand. Fr. Schnippel . Bis ich von meim Onkel mei Feng krieht habb un du aus der Lehr fort un unner die Komedjante gelääfe bist. Purzler . Und dann hast du dich nach Köln verheiratet. Fr. Schnippel . Nach Frankfort – des Kelle hat dich nor mei Onkel weiß mache lasse, damit de net mein eheliche Friede steerst. Purzler . Schnöder Oheim! Wie schnürte es mir die Brust zusammen, als ich hörte, daß du eines Anderen Weib geworden. Fr. Schnippel . Schweih, Lichemaul! Du bist ja schon in de ehrschte acht Däg, wo de von Neustadt fort warscht, mit ääner vom Chor dorchgebrennt. Purzler . Aus Verzweiflung. Fr. Schnippel . Merr kenne dich. Un jetzt, in deine alte Däg kannst de die Strääch noch immer net lasse un willst ääch mei Agathche in's Geredd brenge. Purzler (für sich) . Ihre Tochter! O, wenn sie ahnte. (Es wird rasch dunkel – donnert und blitzt – man hört heftig regnen) . Fr. Schnippel . Schem dich, e jung Mädche uff die Mehlwag ze bestelle. Was willst de dann von err? Soll se derr vielleicht dei Schulde bezahle? – Du liewer Gott was e Wetter! Des tretscht nor so. Purzler . Du hast dich ja vorgesehen. Fr. Schnippel . Dei Schulde zu bezahle – des deet merr eifalle. Purzler . Nein, mit einem Regenschirm. Fr. Schnippel . Ich geh nie ohne Barblee aus. (Die Hausglocke wird heftig gezogen) . Da reißt ja ääns schee die Schell. Wann des des Agathche weer! Purzler . Ich werde nachsehen. (Will zur Türe hinaus) . Fr. Schnippel (faßt ihn am Arm) . Du bleibst hier. Meenst de ich deet leide, daß de draus vor Zeuge des Mädche blosstellst. Purzler . Thekla! Thekla, du bist heute mein böser Geist. Fr. Schnippel . Des is merr egal was ich derr bin, wann nor mei Kind aus de Leut ihrm Mund bleibt. Muffel (hinter der Szene) . Bis uff die Haut naß – trotz meim Regemantel – un des all von wege so emme Kerl. Fr. Schnippel (heftig erschrocken für sich) . Die Stimm – der Herr Muffel! (Lauscht) . Muffel (hinter der Szene) . So e Gourmand – denke Se nor, Herr Verwalter – lebt wie e Ferscht in dem Bockenem – beschummelt Gott un die Welt – ich komm um mei scheenste Schinke. Purzler (für sich) . Er spricht von Schinken – nun kann mir die Sache nicht mehr Wurst sein. Muffel (hinter der Szene) . Ich wißt gar nix von dem Fang, wann merrsch net ääner vom Fiskal gesteckt hätt. – So e oosiger Komedjant! Fr. Schnippel . Ja, will err dann zu dir? Purzler . Zu wem sonst? Fr. Schnippel . Ich bitt dich um Gotteswille, des is ja mei Kompagnon! Wann der mich hier finne deet, wo er wääß wie mir zwää zesamme gestanne hawwe, ich kennt mich ja net mehr vor meiner Dochter seh lasse. Kann mer sich dann nerjends versteckele? (Sieht sich verzweiflungsvoll um) . Purzler . Ich halte die Türe zu. Fr. Schnippel . Ääch noch! damit mer glääbt, merr hätte uns eigeschlosse. Muffel (hinter der Szene) . Also dadrei is err? Fr. Schnippel . Ich bin verlorn! (Verbirgt sich neben der Bettstelle) . Deck mich zu, deck mich zu! (Purzel wirft die Kolter über sie) . Wann's hier nor net eischlegt, so nah an de eiserne Drallje! (Starker Donnerschlag) . Vierter Auftritt. Vorige . Muffel (im Regenmantel und Zylinderhut, völlig durchnäßt, kommt). Muffel . Brr! des rumbelt ja schee! Mei Name is Muffel, ich breng Ihne blos e paar unbezahlte Rechnunge. Sie sin merr untreu warn mit Ihrer werte Kunnschaft. Wer liwwert Ihne dann jetzt mit fortlääfendem Erfolg? der Scheppler? – Der werd sich biete. Hawwe Se vielleicht die groß Erbschaft, uff die Se mich vor drei Jahr vertrest hawwe, aagetrete un hie die ehrscht Etag gemiet? Odder warsch e iwwerseeisch un is ins Wasser gefalle. Meene Se, ich bräucht bloß ze peife un da käme die Budellje Konjack ebeigefloge un die Schinke deete merr uff der flach Hand wachse? Ich muß mei Sache ääch bezahle, verstehn Se mich! Purzler . Ich bitte, beruhigen Sie sich. Muffel (auf- und abgehend) . An mir solle Se ihrn Siwwesorteflegel gefunne hawwe! Fihrt die Thejaderdirektion in Bockenem unner dem scheene Name: Direktor Taubenspeck un jetzt entpuppt er sich als Borzler. Purzler . Hören Sie mich doch nur – Muffel . Ich habb Ihne lang genug Geheer geschenkt. Fihrt mich der Deiwel emal enaus in des Thejader – ich lern den sauwere Batron kenne, un eh ich mich verguck, haww ich e Klett von hunnertachtzig Gulde am Bää. Wann des mei Däälhawwern wißt. Purzler . Die würde mich gewiß nicht so peinigen. Muffel . Da kenne Se se schlecht, die hungrig Mott! – Brauche Sie Havanna ze rääche, des Stick for zehe Kreuzer, un ääm dann blaue Dunst vorzemache? Purzler . Ich wollte Sie etwas verdienen lassen. Muffel . Guck emal aa! – verdiene lasse un bezehlt vor Gott nix. – Awwer waarte Se! an mir solle Se Ihrn Mann gefunne hawwe; entwedder mei Geld, odder ich laß Ihne sitze bis Se grie un gehl wern. Purzler . Während der Sommersaison kann ich nicht zahlen. Muffel . Da hawwe sich allerdings Ihr Verhältnisse geennert; friher konnte Se's während der Wintersaison net. Purzler . Ich habe nichts wie diese Perücken. (Er setzt eine Muffels Haartracht ähnliche Perücke auf) . Muffel . Un die wern net bezahlt sei. Lasse Se nor die Atzel ab, die Minz hat bei mir kään Korsch. Purzler (für sich) . Was blitzt mir durch den Kopf! (Nimmt einen kleinen Handspiegel aus dem Koffer) . Die Aehnlichkeit ist täuschend. – Frisch gewagt, vielleicht gelingt's. Muffel . Ääch derfe Se sich net eibilde, daß Se hier verdufte kennte. Ich habb schon mit dem Nachtwächter geredd, der werd e wachsam Ääg uff Ihr Fenster hawwe. For enn Browenner schleft der sechs Woche am e annere Eckstää. Purzler . Ich werde dieses Haus nur verlassen, wenn mir der Verwalter selbst die Türe aufschließt. Muffel . Da wern Se waarte kenne. Purzler (für sich) . Wir werden sehen. (Laut) . Aber bester Herr, Ihr Mantel und Hut macht das ganze Zimmer naß. Muffel . Wahrhafdig! Des is ja ääch e Hundewetter. Purzler . Ich bin gegen jede Feuchtigkeit empfindlich. Muffel . Davo haww ich nix gemerkt, wie Se mein Konjack gepetzt hawwe. – Wann Ihne odder der Mantel schenniert – Purzler (schnell) . Wollen wir ihn auf den Korridor hängen? Muffel . Wie Se meene – Sie wisse hier Bescheid. Daß ich mich odder bei dem Wetter dricke soll, wern Se merr net zumute. Purzler . Im Gegenteil, Sie sollen recht lange hier bleiben. Fr. Schnippel (von Muffel unbemerkt, winkt heftig ab) . Muffel . Un wann ich verzeh Däg hier bleiwe mißt, uff neue Versprechunge lass' ich mich doch net ei. – Da! (Reicht Purzler Hut und Mantel) . Wann's nor gut ablääft. (Tritt an das Fenster.) Purzler (wirft unter der Türe den Mantel über und setzt den Hut auf) . Ich hoffe, daß es gut abläuft! (Ab. – Es donnert in der Ferne.) Muffel . Des Gewitter verzieht sich – es treppelt nor noch e bissi. Was des Wasser den Garkicheplatz erunnerschießt; e rein Iwwerschwemmung. (Tritt vom Fenster) . No, der Herr Direktor wääß wenigstens jetzt, was die Ehl kost. – Wollt der merr sei Baricke uffschmuse; ich meen dann, ich hätt an der Frisierkunst e Haar gefunne. (Nimmt einige Perücken aus dem Koffer und setzt eine, Purzlers Frisur ähnliche Perücke auf) . An des Sachsehause denk ich. Ketteesel! Seh ich wie e Ketteesel aus? (Betrachtet sich im Spiegel) . Was ääm so e Atzel entstellt, mer werd an sich selwer err. (Es schellt heftig) . Des Geschäft bliet – was mag dann da widder for e Kunne komme. (Es klopft) . Es kloppt – herein! (Die Türe öffnet sich ein wenig und ein Regenschirm wird ins Zimmer geschoben) . Agathe (von außen, leise) . Alles besorgt! Ich fürchte, man ist mir auf der Spur. Muffel . Komme Se doch erei. Agathe (von außen) . Nein! nein, ich muß fort. – Vergessen Sie meinen theatralischen Versuch nicht. (Die Türe schließt sich wieder) . Muffel . E theatralischer Versuch uff der Mehlwag, un noch derrzu mit emme Barbleh, des is doch e wunnerbar Geschicht. (Hebt den Regenschirm auf) . Dunner! hat der e Gewicht, mit dem mecht ich net uff den Feldberg geh un wann des scheenste Wetter weer. (Will den Schirm aufspannen, wobei eine Feile und ein Seil herausfällt) . Krieh die Krenk! E Feil un e Wäschsääl! Oho, Herr Borzler, es is gut, daß ich bei dem dramatische Versuch rechtzeitig hinner den Vorhang geguckt habb. Fünfter Auftritt. Vorige . Dappler . (sehr kurzsichtig, trägt eine blaue Brille). Dappler . Es ist acht Uhr, Herr Derekter; die Besuchszeit is voriwwer. Muffel . Ja, wo bleibt dann der Mensch? – Ich habb noch e Wertche mit emm ze redde. Des Wetter hat ääch uffgeheert. Dappler . Freilich! schon widder brotdrocke. Des Frauenzimmer braucht sich vor kääm Sampel ze ferchte. Muffel . Des Frauenzimmer – Sie meene die mit dem Scherm, die – (Für sich) . Da scheint der Verwalter mit unner der Deck ze stecke. Dappler (sieht sich überall um) . Ihr Besuch is grad lang genug da – Sie wern doch kää Strääch mache. – Nää, nää, des geht hier net. Muffel . Wo steckt er dann? Mir sin gleich ferdig. Dappler . Der Herr? der is lengst fort – ich haww emm selwer uffgeschlosse. Der hat's eilig gehatt. Muffel . Ich wern aus Ihne net gescheidt. Dappler . Mit dem kenne Se sich ausenanner setze. – Leut, die gleich uffbrause, des sin in der Regel die beste Mensche. Awwer des Frauenzimmer. – Muffel . Was wolle Se dann nor mit Ihrm ääfällige Frauenzimmer! Dappler . No, sie is doch noch bei Ihne. Muffel . Deiwel zu! For wen halte Se mich dann? Dappler . For ään, der froh weer, wann er jetzt ääch enaus mißt. Muffel . Ich glääb gar der meent – – (Mit Nachdruck) . Mei Name is Muffel. Dappler (findet Feile und Seil) Ei des Dunnerwetter noch emal! Was hawwe Se dann da ereigeschmuggelt? Sie Himmelherrgottsapperment! Wo hawwe Se des Zeug her? Muffel . Ääns von uns zwää is verrickt. Ich bin's net! – Wen meene Se dann eigentlich, wen Se vor sich hätte? Dappler . Enn ganz häämdickische Kerl, der enn gutmietige Verwalter dorch sei Lumpesträäch um sei Brot brenge mecht. Es soll Ihne odder vergeh!! – Uff der Stell gewwe Se jetzt des Frauenzimmer eraus, odder ich lass die Bolizei hole. Sie ordinärer Dorchbrenner! Sie Alteleutuzer! Muffel . Scheeler Kiwwitz! Ich wern Ihne gleich zeige, wer ich bin. (Reißt das Fenster auf) . Seh'n Se den Schibbkärjer drunne? Dappler . So weit kann ich nit gucke. Muffel . Der Mann kennt mich – gewwe se acht: (Ruft nach der Straße) . Pst, pst! Du, Specht, wer bin ich? – Wer bin ich? Stimme (von der Straße) . E Lump! E Schuldemächer! Muffel (schlägt das Fenster zu) . Olwel! Hier kann mer noch enn schlechte Name kriehe. – Ewe werd merrsch ze dumm. Dappler . Mir odder ääch. Des Frauenzimmer eraus! Muffel (wütend) . Wo is mei Mantel un mei Hut? (Es schellt heftig) . Dappler . Seither haww ich gedacht, emme Komedjant derf mer enn dolle Strääch net iwwel nemme, jetzt awwer packt mich die Wut. Muffel (läuft nach der Tür) . Wo is mei Mantel un Hut – ich will enaus! Sechster Auftritt. Vorige . Schnuckes (Hut und Mantel auf dem Arm, stürmt atemlos herein). Später Haspel . Schnuckes . Hier! hier! Ich bin schee gelääfe. Ei, wie seh'n Se dann aus! Sie hawwe ja neue Haarn krieht. Muffel (nimmt erschrocken die Perücke ab) . Des Oos haww ich in Gedanke uffgelasse. Schnuckes . Die Frää Muffel schickt mich mit Ihrm Mantel un Hut her – e fremder Mensch hätt se gebracht un enn scheene Gruß vom Herr Thejaderdirekter Borzler ausgericht, er deet ääch bestens danke, er weer schon iwwer die Grenz. Muffel . Was! der Kerl is ausgerisse; in meine Klääder! Da schlag e Bomb enei! Schnuckes (zieht ein Fläschchen aus der Tasche) . Un davo, meent Ihr Frää, sollte Se gleich zwelf Troppe von wege dem Gewitter nemme. – Ach, sin Se net bees! ich habb mich vergriffe un des Fläschi mit Stiwwellack gedappt. Dappler (fortwährend das Zimmer durchsuchend) . Wo er des Frauenzimmer nor hiegebracht hat? Halt, was is des! (Zieht die Kolter über Frau Schnippel empor) . Aha! Sie wolle doch net iwwer Nacht bleiwe? Muffel . Frää Schnippel! Ich bin eweck wie dem Bape sei Dos'! Fr. Schnippel . Ach du liewer Gott! Der Schei is gege mich. Schnuckes . Sie hawwe ääch Schulde? Muffel . Jetzt geht merr e Licht uff: O zarte Sehnsucht, sießes Hoffe, die uff der Mehlwag sich getroffe. – Alte Liebe rostet net. – No, sin Se nor still, ich kann schweihe. Dappler . Des gibt e Kriminalunnersuchung. Haspel (stürmt herein) . Wo ist er! wo ist er! O meine Perücken! meine teuren Perücken! – Dieser Purzler soll ja niemand bezahlen. (Ergreift den Koffer) . Muffel . No, uns hat er bees bezahlt. Unter allgemeiner Bewegung fällt der Vorhang. Fünftes Bild. Sachsenhäuser Aepfelweinwirtschaft. Geteilte Bühne. Rechts: Stube. Im Vordergrunde kleines Büffet, auf demselben großer Aepfelweinkrug. Neben dem Büffet Schemel mit Zuber. An der Wand Regale mit Gläsern. Altertümliche Tische und Bänke ohne Lehnen. An den Wänden vergilbte Kupferstiche, Hirschgeweihe und Schießscheiben. An der Decke Schnüre mit Zwiebeln. – Links: Von alten Mauern umschlossener Hof. Im Hintergrunde eine Linde, darunter Schiebkarren, Mahnen und Gartengeräte. Rechts an das Haus anlehnend, schräge Kellertüre mit Vorrichtung zum Aufziehen; davor Eingang zur Stube, über demselben Stange mit Tannenkranz. Links in der Mauer Türe nach der Straße. Im Vordergrunde Tische und Bänke. Stube und Hof sind mit Gästen überfüllt. In großen Krügen wird ab und zu Aepfelwein aus dem Keller geholt und am Buffet in Schoppengläser gegossen. Fortwährend kommen und gehen Personen, darunter stadtbekannte Figuren. Erster Auftritt. Frau Funk (hinter dem Büfett). Lorchen und Strampel (tragen Äpfelweinkrüge aus dem Keller herbei, füllen Gläser und bedienen die Gäste ). Haspel (mit Hauskäppchen und sehr langer Pfeife) sitzt nächst dem Büfett, ihm gegenüber Dappler . An einem zweiten Tisch Niklees im Gespräch mit mehreren Sachsenhäusern . Blotzer (mit einigen Gästen Karten spielend). Niklees (zu seinem Nachbar) . Sie kenne merrsch glaawe, iwwer Nacht kanns losgeh: mir hat's dem kurhessische Gesande sei Kechin gesacht, so Leut wisse als mehr wie ihr Herrschaft. Blotzer (unterbricht sein Spiel) . Da hawwe Se ja recht, mei Onkel is Portje beim Bundesdag, der geht kaam Diplomat aus dem Weg. Die Franzose hawwe's widder uff den Rhei abgeseh. Niklees . Die Kerl muß Gott verblitze! Blotzer . Denke Se nor an den Komet vorig Jahr, der war doch net for die Katze do. Niklees . Enn Krieg kriehe mer, des steht fest. Merr brauch ja nor dem alte Schäfer Tomas sei Prophezeiunge zu lese: Wann der Mond dem Jubitter im Juli zu nah kimmt, gibbts enn Zusammestoß uff der Welt. Unser Welf wern ewe schon eiexerziert. (Reden leise miteinander) . Fr. Funk . Gieh marr eweck mit deiner Kopphenggerei! sunst host de den ganze Dag gesunge wie e Lerch, un jetzt leßt de die Flichel hengge wie e Droschkegaul. Lorchen . Es is marr aach darnach – am liebste ging ich in Recheneigrawe. Es is nor gut, daß ich dem Heinerich geschriwwe habb. Fr. Funk . Hast emm den scheene Brief vun seim Vatter enneigelegt? Lorchen . Naa! so krenke wollt ich enn net. Wann der lese deet, daß enn sei Leut aus dem Haus jage un enterwe wollte, wann er net hie eweck blieb, der deet sich enn Dod aa. – So is es besser, Mutterche – ich haww emm geschriwwe, daß ich marr die Sach noch emal iwwerlegt hatt un zu der Iwwerzeigung komme weer, daß marr doch net ze enanner basse deete (bricht in Tränen aus) un daß er net mehr komme selt. Fr. Funk (gerührt) . Aarm Oos! – heer uff! die Mensche gucke. Lorchen (sich die Tränen trocknend) . Du hast recht! was wisse die, was in aam vorgeht, die mache hechstens schlechte Witz driwwer. – Ich bin dem Heinerich waaß Gott net bees, wann er die Freilein Schnippel nimmt; die hat Franzeesch gelernt, kann Klavier spiele un waaß mit de vornehme Leut umzegeh. Was kann ich odder – die Madammercher am Klaad zoppele un sage: Kaafe Se marr e Daalche ab. Ich halt mich net driwwer uff, daß de mich net ääch die Bildung host lerne lasse, marr redd nor davo – ich hätt ääch gor kää Pote forsch Klavier. Fr. Funk . Ich hätt dich's gern lerne lasse, awwer als Wittfrää do vergiehn aam die Straach. Do siehst de's jo, weil marr den Weißbenner darhaam hawwe, misse marr bei Nachbarschleut zappe. Dei Vatter selig hat die ganz Weißbennerei selwer unner dar Hand gemacht. Dappler (klopft) . Freilein Lorche! enn Schoppe un enn Handkees mit Musik. (Zu Haspel) . Sie kenne von Glick sage, daß Se Ihr Baricke widder hawwe. Fr. Funk . Aach Peffer? Dappler . Mehr Essig! Haspel . Um eine bin ich doch gekommen. Dappler . Mit der der Derekter dorchgebrennt is – der Verlust is net groß, die hat ja gar kää Haarn gehatt. Lorchen (bringt Dappler Käse und Aepfelwein) . Wohlbekomms! Haspel . Ei ei! Herr Dappler, Sie schütten mir Ihren Essig in mein Glas. Strampel . Enn frische Schoppe, Herr Haspel? (zu Lorchen) . Awwer Lorche, du mechst ja e Gesicht, wie der Gickel in der Betstunn. Sei froh, daß d'enn los bist. Niklees . Des weer odder des ehrschtemal, daß ich uff Pingste net ins Wäldche ging. Schon um finf Uhr werd iwwermorje uffgepackt –; Frää Funk, Sie zappe doch drunne? Fr. Funk . Wos e Frog! uff den Wäldchesdag, sein ich da net jed Johr im Gescherr? Strampel (zu Niklees) . Da kennst de mich odder mitnemme. Niklees . Wu kann ich dann des Gezeppel brauche – ich habb an meim Bärwelche genug. Du waaßt ja, wu marr sei, komm enunner. Haspel (welcher neuen Apfelwein bekam) . Aber bester Herr! jetzt tunken Sie gar Ihre Käse in mein Getränk. Dappler . Wahrhaftig! des kimmt von der verwinschte Korzsichtigkeit – ich hatt's for mein Essig gehalte. Lorche, brenge Se dem Herr enn annern Schoppe. (Lorchen bringt ein frisches Glas) . Zweiter Auftritt. Vorige . Kleiner Junge , Bretzelverkäufer kommen. Kl. Junge (im Hof) . Gebackene Fisch gefällig! gebackene Fisch gefällig! Niklees (ruft hinaus) . Gieh haam klaa Krott, mit deine Worschtfettgaase! Mit su arrer verschrumbelte Schneiderschfamilie kann mar nor sein Mage uze. Frää Funk, e Kristche un e bissi Salz, ich habb marr e Solwerknechelche mitgebracht. Strampel (welche Brot bringt) . Herrjeh, wie fett! Niklees . Do rutscht aach dar Aeppellwei. Lorchen . Bawett! geww emal dein Bretzelbub enn Stumber, der Herr hie will enn Kimmelweck. Haspel (zu dem Bretzelverkäufer) . Sind die Kümmelwecke auch frisch? Bretzelverkäufer . Wie vom Lade. Haspel . Vorgestern hatten Sie so mürbe. Bretzelverkäufer . Des sein ja noch dieselwe. (Gäste suchen sich Backwerk aus) . Blotzer (kartenspielend) . Herz is Trump! – Ihr Kenig hat die Krenk! (Trumpft) . Un noch emal! un noch emal! – Genug! un verzig in de Henn. Haspel . Wie, Sie sind verheiratet! ein Bretzelbube hat Frau und Kinder? Bretzelverkäufer . Es gibt noch mehr Buwe, die Kinner hawwe. (Ab) . Niklees . Noch enn Schoppe un e bissi Babier, ich will des Knechelche meiner Scheckel mitnemme. Fr. Funk (bringt das Verlangte) . Niklees, du kennst merr enn Gefalle duh. Niklees . Zehe for aan, des is ja aam sei Flicht bei errer Wittfraa. (Reden leise miteinander. Niklees ab nach dem Keller) . Haspel . Es gibt für mich keine größere Freude, als abends im Kreise biederer Bürger einige Stunden beim Hohenastheimer zuzubringen. Ich habe mir deshalb die lange Pfeife angewöhnt – denn meine Passionen sind: Stoffchen und Kunst. Dappler . Nor kää Kunst beim Stoffche. Ich hätt die lieb Brieh davo, wann's gedääft is. Haspel . Von dieser Kunst ist auch nicht die Rede. – Haben Sie Robert den Teufel gesehen? (Singt) . »Einst hast du mir gehuldigt, zu Füßen lieg ich dir.« Strampel . Ganz mei Fall. Was segt sie dann dazu? Haspel (singt) . »Du siehst meine Angst – Gnade! Gnade!« Strampel . Da wern se ääch widder äänig wern. Ach, wie schee! ich muß doch ääch emal den Robert seh. Haspel . Versäumen Sie's nicht, es ist vierundzwanzig Kreuzer für die Gallerie wert. Strampel . Ui! Der Vichelinspieler is im Hefche: jetzt gibts gleich enn Hopser. Dritter Auftritt. Vorige . Bärwelche . Später Heinrich . Violinspieler . Bärwelche (kommt und sieht sich um.) Is der Niklees net hier? Strampel . Doch, der is nor in den Keller Aeppelwei abfille. Bärwelche . Da waart ich e bissi. Blotzer . Frää Funk noch aan zem Abgewehne! Fr. Funk (bringt Aepfelwein.) Wohl bekomms! Blotzer (trinkt) . Hm! is des noch von dem alte? Fr. Funk . Nadirlich, alles aus aam Faß. Blotzer . Ich waaß net, er kimmt merr e bissi dinn vor. Fr. Funk . Sie sinn aach dinn. Ich maan, es hätt drauß geklobbt. (Ab nach dem Hof, wo sie die Kellertüre etwas öffnet und in den Keller ruft.) Niklees heer uff sie merk es! (Ab nach dem Büfett.) Lorchen . Ach Mutterche, der Heinerich! Sag, ich weer net darrhaam. (Verbirgt sich hinter das Büfett) . Heinrich (aufgeregt) . Gun Awend Frää Funk – wo is dann des Lorche? Fr. Funk . Die Lorche! ei, die is – ei die – die is noch im Feld. Heinrich . Bei Nacht? Mir so enn Brief ze schreiwe, des hätt ich net for menschemeglich gehalte. Was stelle Se sich dann so bräät hie? da hockt ja's Lorche! No? Fr. Funk . Da muß se jetz gleich ins Feld. Heinrich . Dann geh ich mit. Lorchen . Naa! naa Heinerich, unser Weg kenne net mehr newerenanner geh. – Ich habb derrsch doch geschriwwe, worum mechst de marr des Herz so schwer. (Sprechen leise miteinander) . Strampel . Der Deiwel is doch e Steuweoos! Awwer der Robert is net mitgange, des fräät mich nor. O ja, mer verfiehrt nor die Leut so. – Hat's net draus gekloppt? (Ab nach dem Hof) . Niklees . Jetzt kriehn marr wos gegeiht, ewe is der Vichelinspieler im Hefche. Fr. Funk . Der werd widder im Dach hawwe. Niklees . Naa! er steht noch su grad wie e Kerwebaam. Fr. Funk . Es is e Schann for enn Mensch der wos gelernt hat, su erunner ze komme. (Ab nach dem Hof. Alle, außer Lorchen und Heinrich folgen. Violinsolo: »Ach wie ist's möglich dann, daß ich dich lassen kann«.) Heinrich . Was haww ich derr dann gedaa, daß de merr den Laafbaß gibst, wie emme Hausborsch? Lorchen . Ach Heinerich, marr basse net zu enanner. Heinrich . Schwätz net so ääfällig! Wer hat derr widder die Ratt in Kopp gesetzt? Lorchen . Kaa Mensch; waaß Gott kaa Mensch. Heinrich . Uff Pingste is es e Jahr, daß merr uns kenne gelernt hawwe. Wääßt de noch vorm Forschthaus, wo der klaane Buh von der Schaukel gefalle is, den merr zesamme uffgehowe un zu seine Leut gebracht hawwe. Lorchen . Heer uff, ich will net draa denke. Heinrich . Un wie ich dann mei Eltern gesucht un net mehr gefunne habb un mit euch häämgange bin, un wie ich derr unne im Hefche gesacht habb, wie merrsch ums Herz weer, un du fortgelääfe bist un uff äämal vom ehrschte Stock erunnergerufe hast: Gun Nacht! – morje zappe merr. – Lorchen . Ob ich's waaß – sowos vergißt marr net. Heinrich . Un jetzt schreibst de merr den Brief. Lorchen . Wann de mein Brast wißt – ich habb net annerschter gekennt. (Violinspieler spielt einen Walzer. Im Hof wird getanzt) . Heinrich . Dei Mutter werd derr enn Gärtner ausgesucht hawwe – des sein ihr Leut. Lorchen . Met Mutter hot dich liewer wie de glaabst. Heinrich . Odder hawwe derr mei Leut ins Ohr gebischbelt, de sellst enn annern nemme, ich weer kää Mann for dich, odder meenst de gar, ich hätt e Ääg uff die Freilein Schnippel? Lorchen . Un wann aach. Heinrich . Aha! ewe hawwe merrsch – Eifersucht. – Nor Geduld, des Agathche kimmt selwer– mir zwää sein äänig. – Lorchen . Des fraat mich. Heinrich . Des kann's ääch. Die werd herkomme un werd derr sage, wie merr ze enanner steh. Dei Betrage fällt merr schon die ganz Zeit uff. Lorchen . Begammel dich net, de siehst Gespenster. Wann nor dei Vatter un dei Mutter will, daß de des Mädche nimmst? Heinrich . Ich nemm se odder net – ehnder gehn ich unner die Frankforter Soldate. Lorchen . Unner die Welf – des dust de net. Du werscht's schon iwwernuppe. (Wendet sich ab) . Vierter Auftritt. Vorige . Agathe (dicht verschleiert) kommt. Heinrich . Es is gut, daß de kimmst. Da is des Agathche. Lorchen (für sich) . Ääch des noch. (Laut) . Der bild sich allerhand Geschichte ei. Heinrich . Ich bild merr gar nix ei, wann ääm ääns odder so enn meschante Brief schreibt, da muß mersch doch iwwerzeige, daß es uff dem Holzweg is. Agathe . Es ist wahr, unsere Eltern wünschen unsere Verbindung. Lorchen . Heerst de's! Un ich sollt mich dazwischekeile. Agathe . Sie lieben Heinrich. Ich bin deshalb gekommen, Ihnen zu sagen, daß Sie von mir nichts zu fürchten haben. Heinrich . Gell, jetzt bist de geschlage! Agathe . Wir sind einander fremd auf diesem Gebiete. Heinrich . Spinnefeind sin merr uns. Gebb merr e Hand druff, daß merr uns spinnefeind sin. Agathe . Als Braut und Bräutigam – gewiß! (Reicht ihm lachend die Hand) . Heinrich . Jetzt haww ich dich grad noch emal so gern. Lorchen . Sie wern Ihrer Fraa Mutter doch net vor den Kopp stoße wolle. Ich habb marr verzehle lasse, schon morje sellt der Verspruch sei. Heinrich . Mir lasse die Alte gewährn, die heern ja doch net uff ihr Kinner. Verlobt is noch lang net verheurat. Agathe . Ich hege nur eine Liebe, und das ist die Liebe zur Bühne. Lorchen . Zum Thejader! e schee Bekanntschaft. Heinrich . Merr hawwe uns vorweck ausgehalte, ehrscht in zwää Jahr heurate ze misse; bis dahie odder fließt noch viel Wasser dem Mää enunner, un kimmt Zeit, kimmt Rat. Die Hauptsach is, daß merr äänig sin. – Was kann da bassirn! Es hääßt ja Verspruch, also kann mer sich schon emal verspreche. Net wahr Agathche? Lorchen . Schem dich! Agathe . Ich bin auch anderer Meinung, dem ich mich verspreche, dem will ich auch angehören. Heinrich . Halt! des is gege die Absprach. – Mit dem Schmus häst de derrhääm bleiwe kenne. Agathe . Ja, glaubst du denn, daß es dahin kommen darf? Bei mir ist alles vorbereitet, mein Plan steht fest, ich gehe zur Bühne. Heinrich . Wann? Agathe . Das wirst du schon erfahren. Lorchen . Ich bitt Ihne! Iwwerlege Se sich die Sach zehemal. Marr laaft seine Eltern net so fort. Mir brauche Se des Opfer net ze brenge, for mich is der Heinerich sowieso verlorn. Heinrich . Verlorn! ich for dich verlorn – so nemm doch Vernunft aa, ich habb ja gar niemand uff der ganze Welt so gern wie dich. (Für sich) . Wann ich se nor eifersichdig mache kennt. (Laut) . Setz nor dein Trotzkopp uff, un ich weern derr enn Bosse spiele, daß de an mich denkst so lang de lebst. Lorchen . Is des dei Abschidd? Heinrich . Geww acht, ich weern flenne – da kennst de mich odder schlecht. Ich heurat die Fräulein Schnippel – ja, des dun ich. Agathe (betroffen) . Das ist gegen die Absprache. Heinrich . Was licht merr an der Absprach. Dei Mutter wills; da wern korze Fuffzeh gemacht un eh de dich verguckst, bist de geheurat. Agathe . Ich zweifle wahrhaftig an deinem Verstand. Heinrich . Da kann mer ääch iwwerschnappe. No Lorche, was segst du derrzu? Lorchen . Ich habb darr jo alles geschriwwe – loss' mich doch. Heinrich (hoffnungslos) . Is des dei letzt Wort? – No, dann leb wohl! awwer des Unglück des de aarichst, des sollst de ääch verantworte. (Stürmt ab) . Lorchen . Heinerich! Heinerich! so heer doch! Ach, du liewer Gott, wos haww ich do gemacht! ich hätt net schreiwe solle. Ach, wann arr sich nor nix aadut. (Läuft nach dem Hofe) . Heinerich! Heinerich! (Die Gäste nehmen ihre früheren Plätze wieder ein) . Strampel (stößt wider Lorchen) . Wo brennts? du gibst aam ja scheene Buffer. Lorchen (zu Niklees, der aus dem Keller kommt.) Ach liewer Niklees, laaf dem Heinerich nach un geww uff enn acht, daß er sich nix aadut. Niklees . Deim Liebste? Wos habbt arr dann gehott? Lorchen . Frag net – eil dich! Niklees (setzt seine Kappe auf) . Der werd doch kaa Straach mache. Lorchen . Ich verzwatschel jo vor Angst – eil dich! Niklees . Ich will enn schon am Schlaffittche dappe. (Ab mit Lorchen) . Haspel (erkennt Agathe) . Ah, Fräulein! das, Glück, Sie hier zu sehen, blendet mich. (Sucht seine lange Pfeife zu verbergen und richtet dadurch verschiedenes Unheil an) . Sie erinnern sich meiner schwerlich – mein Name ist Haspel – Theophil Haspel. Agathe . Wahrhaftig! Wenn ich an Ihren Franz Moor denke, könnte ich mich zu Tode lachen. Haspel . Es war auch ein komisches Mißverständnis. Agathe . Es tut mir nur leid, daß Sie einen Kunden dadurch verloren haben. Haspel . Das könnte ich verschmerzen; aber Sie meiden zu müssen, von der ich so viel hätte lernen können, das kränkt mich. Strampel (zu Haspel) . So, Sie kenne ääch Baricke mache? wie schadd, daß ich schon frisiert bin. Hääße Se des Frauenzimmer doch sitze. (Es wird allmählich dunkel) . Haspel (indem er einen Stuhl holt) . Wenn ich mir erlauben darf, bitte, nehmen Sie Platz. Strampel . Nemme Se uns die Ruh net mit – es gibt Ihrer Ehr kää Loch, wann Se sich e bissi setze. (Für sich) . Der Barickemacher scheint ja schee in die verschammeriert ze sei. Wohlbekomms! (Zündet die Gaslampen an und tritt dann hinter das Büffet) . Ääch enn Schoppe? ich schenk for mei Lewe gern ei. (Bringt ein Glas Aepfelwein) . Agathe . Warum nicht gar! Haspel . Nur einen Schluck – auf das Wohl der dramatischen Muse! auf eine lorbeerreiche Zukunft. Agathe . Nun, darauf will ich es einmal wagen. (Stößt schüchtern an und setzt sich so, daß sie dem Höfchen den Rücken zukehrt) . Fräulein Funk wird doch nicht lange bleiben? Strampel . Die muß jeden Äägeblick komme. Blotzer (kartenspielend) . Beschummelei! Beschummelei! mit de Buwe werd net gemeldt. (Zu einem Nachbar) . Lege Se sich doch net in unser Kaarte – der iwwerzehlige Spieler heert unnern Disch. – Trump! Agathe . Es wird schon finster. Haspel . Sie gestatten mir doch, Sie später über die Brücke zu begleiten? (Zu Dappler) . Aber Herr Dappler, qualmen Sie doch nicht so fürchterlich. Dappler . Nix for ungut! Awwer Mädercher, die zem Äppelwei geh, misse sich an starke Tuwack gewehne. (Haspel und Agathe reden leise miteinander) . Fünfter Auftritt. Vorige . Herr u. Frau Muffel , Frau Schnippel kommen. Fr. Schnippel . Da enei, in die Stubb – net for e Million! Muffel . No, no, es is noch lang kää Mehlwag. Fr. Schnippel (leise zu Muffel) . Ich bitt Ihne, Ihr Frää. Muffel (leise zu Frau Schnippel) . Ferchte Se nix – der Borzler bleibt unner uns. Fr. Muffel . Dieser brennende Durst, der dich immer quält, sobald wir nach Sachsenhausen kommen, bestätigt nicht nur meine Ansicht, bezüglich deiner schwankenden Gesundheit, er ist auch für uns Frauen sehr peinlich, indem er uns zwingt, das wüste Wirtshaustreiben mitanzusehen. Fr. Schnippel . Eile Se sich e bissi, mir waarte solang hier im Hefche. Muffel . Was Umstenn! was Umstenn um enn lumbige Schoppe Aeppelwei! Ehrscht wollt err gar net erei, obwohl merr die Zung am Gaume klebt, un jetzt soll ich mich abhetze, un den kalte Aeppelwei enunnersterze. Fr. Muffel . Um Gotteswillen, nein! Trinke ganz bedächtig. Muffel . Merr bleiwe enn Äägeblick hier. Ich will nor mein Hut in die Stubb hengge, weil merr des Jahr schon zwää eweckkomme sin. (Hängt seinen Hut in die Stube an ein Hirschgeweih, in nächster Nähe der Türe) . So, es geht nix iwwer Kihlung. (Setzen sich auf eine Bank im Hofe) . Fr. Muffel . Du wirst dir eine Hirnhautentzündung zuziehen, wo du so erhitzt bist. Komm', binde wenigstens das Tuch um deinen Kopf. (Will ihm ein rotes Tuch umbinden) . Muffel (reißt das Tuch ab und steckt es in die Tasche) . O ja! du deest mich noch z'emm Butterweibche mache. Fr. Muffel . Wer nicht hören will, muß fühlen! Muffel (klopft) . Wertschaft! Wertschaft! Drei Schoppe, merr verdorschte! Fr. Funk (in der Stube) . Gleich, gleich, ich habb nor zwaa Henn'. Haspel (zu Agathe) . Der Prolog zu den Räubern war von mir gedichtet. Agathe . An Ihrer Wiege standen ja alle Musen Gevatter. Haspel . Und meine Patin. Agathe (für sich) . Ein ganz netter Mensch, wenn er nicht so überspannt wäre. Fr. Funk (kommt mit drei Gläser Äpfelwein nach dem Hof um sie Muffel zu bringen. – Prallt zurück) . Su e Unverschemtheit! Ihne soll ich vun meim Äppelwei verzappe. – Ihne, der mei Lorche su unglicklich gemocht hot! Ei, ehnder schitt ich enn allmitenanner in Maa! Muffel . Da wern ja die Fisch voll. Fr. Funk . Gelle, weil marr net in unserm eigene Häusi zappe, seid arr err warn un hie ereigedappt? Muffel . Merr brauche Ihr Gesöff! Merr danke Gott, daß merr Ihne los sin. Fr. Funk . Et worum kummt arr dann? Ich laß mich net ins Blettche ricke, wie su e uffgeblose Kaafmannsfamilje: »Böster Java-Kaffee – däglich frisch verbrennt.« Zu mir kumme die Leut ääch ohne su enn »Moses Lärmeschleger« – do wisse se, daß se wos for ihr Geld kriehe. Marr lege kaa Pund Babier uff die Wog. Verstanne! Fr. Schnippel . Ich glääb, die stichelt. Des derfe Se sich net gefalle lasse. Muffel . Ja, wann mer ze Wort kem. Fr. Funk . Wos wolle Se dann, Sie alt Rosineschachtel! bekimmern Se sich um Ihr Aagelegenheite. Fr. Muffel . Die Beredsamkeit einer Höckerin ist unberechenbar. Komm Hieronymus, du ärgerst dich sonst krank – komm! komm! – Fr. Funk . Jo, mache Se, daß Se fortkumme. Mir zwaa sin geschiedene Leut. – Der orme kranke Mann! wickle Se sich enn in Seidebabier un dun S'enn in Ihr Nehlad, daß kää Liftche an enn kimmt; dann wann der Ihne sterbt, kriehn Se kaan annere, un wann Se's ausschelle losse. Su e Mann is e Rarideet, do kann mar sich schon die Bää ablääfe, bis mar noch emal su e Stick Mewel findt. Will sein aanzige Suh verstoße weil er net aach enn Gewichtstaa statt emme Herz im Leib hot. Agathe (sehr ängstlich) . Man zankt sich im Garten. Ach, Herr Haspel, es wird doch keine Schlägerei geben? Ich muß fort! Haspel . Fürchten Sie nichts! Dappler . Was gläwe Se dann, e Schlegerei beim Äppelwei, des weer noch net dagewese. Die Frää Funk leßt ihrn Schnawwel e bissi spaziern geh. Haspel . Sie nehmen doch meinen Schutz an? Agathe . Ja, ja! bringen Sie mich nur weg. Haspel (für sich.) In dieser Mütze eine Dame begleiten – das geht nicht. (Laut zu Strampel) . Fräulein Babettchen! ich nehme einen Augenblick diesen Hut, man wird wohl nicht böse sein – ich komme sofort wieder. (Nimmt Muffels Hut und hängt dafür seine Mütze auf) . Fr. Funk (im Hof) . Je ehnder Se geh', desto aagenehmer! Es is nor schadd, daß marr kaa Equibaag hawwe, sunst deete marr Ihne abfahrn lasse, wann Se odder mit emm Schubbkarrn forlieb nemme wolle, stieht Ihne nix im Weg. Die Madammercher kenne jo dricke. Hie, Schimmel! hie! – Su e Keckheit, aam in's Geheg ze kumme. Haspel (zu Agathe) . Darf ich um Ihren Arm bitten? (Gehen der Türe zu) . Fr. Schnippel . Es hat merr von klääne Kinner un Konfekt geträämt, des bedeut jedesmal Verdruß. Muffel . So was is merr noch net bassiert – emme hiesige Berjer den Äppelwei ze versage. Fr. Muffel . Hättest du deinen Hut aufbehalten, wir wären längst fort. Muffel (tritt in die Stube, sucht seinen Hut) . No, ich haww enn doch hier uff des Geweih gehengt. (Indem er sich umwendet, stößt er wider Haspel und Agathe, welche betroffen nach dem Hofe ausweichen) . Fr. Schnippel (stößt beim Anblick Agathens einen Schrei aus) . – Wa–a–as! ihr seid ääch hier! Haspel (sehr verlegen) . Der – Zufall – – Fr. Schnippel (faßt Agathe gewaltsam am Arm) . Du gehst häämlich mit emme Barickemacher zem Äppelwei? Schem dich! schem dich! Haspel . Ich wollte die Dame nur nach Hause begleiten. Muffel . Un dabei fihrn Se mein Hut aus! Sie Filzmarder! (Reißt ihm den Hut vom Kopf) . Haspel . Ihren Hut – ich wollte – – Muffel (wütend) . Miserawler Kerl. Hutstrippser! Bomadedippe, infames! Haspel . Bomadedippe! Ich bin Haarkünstler, Herr Muffel. Fr. Schnippel (zu Agathe, welche sich noch an Haspel führt) . Leßt d'enn los! Ei glääbst de dann, daß dich e orndlicher Mensch nemme deet, wann de so Strääch mechst? Agathe (stürmt weinend ab) . Nein! diese Behandlung lasse ich mir nicht gefallen. Sechster Auftritt. Vorige . Lorchen kommt eilig, gleich darauf Niklees . Lorchen . Ach, du allmächdiger Gott! Gell ar hot sich wos aagedaa, drum sein se hier versammelt? Muffel . Freilich hat er uns was aagedaa – der Hutgampfer! Lorchen (weinend) . Mei Heinerich! mei Heinerich! Niklees (kommt) . Mach darr kää Sorje! der hockt in de drei Hase un sterzt aa Glos Bier nach dem annern enunner. Muffel (im Abgehen) . Morje is Verlowung da hat die Geschicht e Enn. Fr. Funk . Fellmich Ihne! Glicklich Raas! ( Gäste verlassen die Bank Dapplers, wodurch dieselbe aufschnappt und Dappler zur Erde fällt ). Vorhang fällt. Sechstes Bild. Elegant möbliertes Zimmer in Muffels Wohnung. Rechts im Hintergrunde ein Klavier, links ein Sofa. Im Vordergrunde an der Seite, ein Spiegelschrank. In der Mitte der Bühne eine kleine, gedeckte und mit Blumen bestellte Tafel. Links ein Fenster, rechts und im Hintergrunde Türen. Es ist Abend, ein dreiarmiger Lüster erhellt das Zimmer. Erster Auftritt. Heinrich , allein. Heinrich (vor dem geöffneten Apothekerschränkchen, in der Hand ein Arzneifläschchen, welches er unausgesetzt schüttelt) . Was heint die Frää Schnippel um mich erumschwenzelt, von wege dem Awendeuer, des ihrer Dochter in der Äppelweiwertschaft zugestoße is. Jetz pressierts de Alte nadierlich doppelt. Weern die gucke, wann se merke, daß merr trotz der Verlowerei nix for enanner iwwrig hawwe. Was des Agathche nor hat – bald flennt se, bald lacht se. Die werd doch kää Mäus mache un mich nach dem Verspruch beim Wort halte! Unsinn, sie hat merr ja ehrscht vorhin enn Kuß druff gewwe, daß se mich net leide kennt. – Die Hauptsach is jetzt, daß mei Mutter in ihrer Hausapothek des Fläschi findt un die Etikett lest: Gift, zwische zwää Dodekepp. Für Herrn Heinrich Muffel, stindlich enn Eßleffel voll. Wann mei Leut merke, daß ich mich mit Selbstmordgedanke trag, gehn se ei wie Nanking un gewwe Kordel nach. Uff die Art muß ich merr helfe. Sääfebrieh un Lakritz is ja ääch e ganz ungefehrlich Gift. (Stellt das Fläschchen in den Schrank und schließt die Türe) . Duh dei Werkung. Zweiter Auftritt. Vorige . Frau Schnippel (auf einer Platte Backwerk tragend) kommt. Fr. Schnippel . Noch net aagezoge! da mußt de awwer jetzt draa denke. Uff neun Uhr hat dei Vatter die Leut eigelade un es is acht vorbei. Heinrich . Was die Zeit vergeht. Fr. Schnippel . Des is immer so, wann mer was vor hat. Bei meiner Verlowung seiner Zeit ääch – da haww ich mich gehetzt un gehetzt un wie die Leut kame, haww ich noch im diefste Negligee gestocke. Heinrich . Da is des Agathche flinker, die lääft schon seit heint Middag gebutzt erum. Fr. Schnippel (indem sie den Tisch ordnet) . Die kann den glickliche Äägeblick kaum erwaarte. Was sich des Kind fräät – es hat dich ääch zu gern. Heinrich . So! des Ehrschte was ich heer. Fr. Schnippel . Die hält nor noch hinnerm Berg. An der Mutterbrust hat se ihr Herz ausgeschitt, da hat se merr gestanne, daß se mich, un die ganze Welt verlasse kennt, um dem Zug ihres Herzens ze folge. Heinrich (für sich) . Was e Licheoos! Fr. Schnippel . Mehr kann se doch gewiß net sage, wie dem Zug ihres Herzens folge ze wolle. Heinrich . Bewahr! wann's nor kää Schnellzug is. (Ab) . Fr. Schnippel (allein) . Was ich froh bin, wann heint der Dag erum is, kann ich kääm Mensch sage. Sin emal die Ring gewechselt, hawwe wenigstens die Strääch mit dem Barickemacher e Enn un der Heinerich werd sich iwwer die Sachsehäusern kää graue Haarn wachse lasse. – Wie setz ich dann die Leut. – Hier an die Spitz nadierlich des Brautpaar. (Legt Zettel auf die Teller) . Da, den Onkel Blotzer, dann der Herr Muffel mir gegeniwwer, newer merr des Gretche Eiser, von wege der Kunnschaft. Uff die anner Seit die Jumfer Essig un newer se den Buchhalter Schnawwel; hier die Frää Muffel da is se in der Neh von ihrm Arzneischrank un da unne die Freilein Rotheborjer. So! – jetzt noch die Name von de annern Gäst, un die Gesellschaft is arrangiert. – Ach Gott, was muß mer den Schummel for sei Kinner mache. (Oeffnet das Fenster und sieht hinaus) . E bissi frisch Luft is e Erholung. Dritter Auftritt. Vorige . Agathe kommt. Agathe (in einer Rolle lesend, ohne Frau Schnippel zu bemerken) . Wenn ich nur nicht in der Rolle der Königin von Karthago stecken bleibe. (Liest) . Stichwort: dein elend Blut! – Dido. (Mit gehobener Stimme) . Du schnöder Wüterich entweiche meiner Wut! Ich merk' es wohl nur du willst mein Verderben, eh ich dich lieb', will ich in Flammen sterben. – Stichwort: die jugendlichen Schläfe kränzen. – Dido. So hoffst du den Tribut zu schwänzen? Ich gründete mein Reich mit einer Ochsenhaut, doch nimmer werd' ich eines Ochsen Braut! Fr. Schnippel . Gewiß e Iwwerraschung for heint Awend? des is recht, da kimmt ääch e bissi Lewe unner die Leut. Agathe (verbirgt erschrocken die Rolle) . Gewiß Mama – eine Ueberraschung. Fr. Schnippel . Siehst de endlich ei, was des for e gut Bardie for dich is? Agathe . Eine reizende Partie – namentlich im dritten Akt. Fr. Schnippel . Dei Heinerich im dritte Akt? Agathe . Nein! die Dido. Fr. Schnippel (ärgerlich nach der Rolle greifend) . Als der Thejaderkram! Do die werd verbrennt. Agathe . Gewiß Mama – aber erst im fünften Akt und nicht do – die, sondern Di–do. Fr. Schnippel . Kannst de dann die Dummhette gar net lasse. Bedenk doch den ernste Schritt, den de vorhast, eh zwää Stunn erum sin, is dei ganz Zukunft entschiede. Agathe (Frau Schnippel um den Hals fallend) . Ja. es ist ein ernster Schritt, den ich vorhabe, aber nicht wahr Mama, du bist liebreich und gütig, du wirst ihn verzeih'n? Fr. Schnippel . Verzeihe! ich bin glicklich, daß de dich entschlosse hast. Awwer was is derr dann – du flennst ja. Vierter Auftritt. Vorige . Gretchen Eiser und Frau Muffel kommen. Gretchen . Gun Awend Fraa Schnippel! Gun Awend Agathche! Bleibst de jetzt ganz hier? (Leise) . Ei, ich habb jo wos munkele heern – is es wohr mit dem junge Herr Muffel? Fr. Schnippel . Was mecht dann die Frää Mutter? braucht err noch kää Schmiersääf? Gretchen . Ich danke! in unserm Lädche geht's net su stark. Fr. Muffel . Bitte, Fräulein Eiser, legen Sie ab. Gretchen . Ich bin noch ganz echauffiert – es mecht schon geherig worm. Fr. Muffel . Echauffiert! da müssen Sie schnell einige Tropfen Kräutersaft auf Zucker nehmen. Gretchen . Gott bewohr mich! was ich net kenn, schluck ich net. Ei, es sin schon die gesindste Leut an Arzeneie gestorwe. Agathe (leise zu Gretchen) . Nein! ich gehe zum Theater. Gretchen (leise) . Loß es! Die Frau Muffel hot marr die ganz Geschicht verzehlt. Agathe (sie bei Seite ziehend) . Verrate mich nicht! Wir wurden miteinander eingesegnet, drum bist du die Einzige, der ich mein Herz ausschütte. Morgen Abend trete ich zum ersten Male auf. Gretchen . Uff den Wäldchesdag? Agathe (leise) . In einem Nachbarstädtchen. Ich bitte dich, bewahre mein Geheimnis. Meinen Koffer habe ich schon heimlich weggeschickt. Fünfter Auftritt. Vorige . Muffel , Blotzer , Fräulein Essig und verschiedene Gäste kommen. Später Schnuckes . – Mägde tragen ab und zu Speisen auf. Muffel . Nemme Se Blatz, so jung komme merr doch net mehr zesamme. No Agathche, uij, wie gebutzt! wo is dann dei sanfter Heinerich? Schnuckes (im Eintreten) . Angele; ich haww emm vorhin Werm hole misse. Muffel . Angele – ich meen der hätt doch hier enn Fusch gefange, wie kääner im Mää schwimmt. Fr. Schnippel (leise zu Schnuckes) . Du bist e Dummkopp, so was segt mer net laut. Fr. Muffel . Er wird sich ein wenig ergehen wollen.. Muffel . Was hat er dann gesacht, wie er fortgange is? Schnuckes . Ich derfs net sage. Muffel . Warum? Schnuckes . Die Frää Schnippel leid's net. Fr. Schnippel . Was! ich leid's net. (Für sich) . Da werd was Scheenes erauskomme. Muffel . Als mit der Sprach eraus! Schnuckes . Er – er – er deet bald widderkomme. Fr. Schnippel (sehr erleichtert) . Des häst de gleich sage derfe. Sonst nix? Schnuckes . Nää! nor wie er enausgange is hat err gesacht: Die Gesellschaft kann merr mei Ruh lasse – ich leg mei Grundangel. Fr. Schnippel . Butz dei Ohrn aus – dummer Bub! Wer wääß, was de widder geheert hast. Schnuckes . O ja! ganz deutlich – – – Muffel . Schweih! (Schnuckes geht mürrisch nach dem Hintergrunde) . Agathe . Er wird mir eine Freude machen wollen. Muffel . Nadierlich! was sollt enn dann sonst bei Nacht un Newwel an's Wasser treiwe, er wääß, daß de die Backfisch noch vom Institut her gern hast. Setze merr uns. Blotzer Enn gesegnete Appetit allerseits. (Setzt sich) . Fr. Schnippel . Danke! dadraa werd's hoffentlich niemand fehle. Essig . Aber der junge Herr? Muffel . Werd schon komme. (Winkt Schnuckes, leise zu demselben) . Geww e bissi am Fenster acht, wann er kimmt, gibst de merr enn Stumber. (Schnuckes tritt an's Fenster) . Fr. Muffel . Agathchen wird uns mit einem musikalischen Vortrag erfreuen. Muffel . Ich bitt dich, Sinche, wann mer nix im Mage hat. Fr. Schnippel . Ja, spiel! Was vom Händel, heerst de. Blotzer . Nor kää Händel bei me Nachtesse. Schnuckes . (Stößt Muffel heftig an) . Muffel (leise) . Kimmt er? Schnuckes . Nää, noch immer net – soll ich weiter gucke? Muffel . Nadierlich! Gretchen (zu Agathe) . Zier dich doch net – wann ich spiele kennt, ich deet ga net mehr uffheern. Blotzer . Die scheenst Musik is, wann die Gleser anenanner klinge. »Des Vatterland verleiht die beste Gawe«. (Liest die Flaschenetikette) . »Hochheimer, aus den Weinbergen der freien Stadt Frankfurt.« Hoch Frankfort! Hoch! (Während alle anstoßen, eilt Schnuckes auf Muffel zu und gibt demselben einen heftigen Stoß) . Schnuckes (halblaut) Ewe is er unne un leßt unsern Karo dorch die Ärm springe. Muffel . No, no! Ich glääb gar! (Für sich) . Der brengt noch die ganz Verlowung uff den Hund. Sechster Auftritt. Vorige . Heinrich kommt. Heinrich . Gun Awend! is des Wasser klar, mer kann im Mondschei bis uff den Grund gucke. Muffel . Is des e Aart, so auszebleiwe? Fr. Muffel . An solchem Abend. Heinrich . Ich hatt's wääß Gott vergesse – no, nix for ungut. Fr. Schnippel . Was hast de dann gefange? Heinrich . Enn Schliwwer an dere alte Hausdier, enn Kerl wie enn Kerwebaum. Essig . Wie schrecklich! ich kann kein Blut sehen. Fr. Muffel (untersucht den Finger.) Ich bemerke nichts. Du wirst dir doch keine Blutvergiftung zugezogen haben! Heinrich . Wo geww ich mich mit so Sache ab. (Frau Muffel verbindet den Finger) . Fr. Schnippel . Es is nor e Glick, daß es net den Ringfinger getroffe hat. Komm, setz dich, des Esse werd kalt. Muffel (für sich) . Jetzt kann's losgeh. (Räuspert und erhebt sich) . Agathe (springt auf) . Sie müssen mich aber entschuldigen, wenn mein Vortrag nicht so ausfällt, wie Sie wünschen. Blotzer . Bravo! Muffel (für sich.) Da! jetzt fiehrt die des große Wort, da kann ich schweihe. (Setzt sich) . Eß ehrscht ferdig. Gretchen . Ach naa, spiel wos. Wann ich Musik heer, geht marrsch bis in die groß Fußzeh. (Stellt sich an das Klavier) . Agathe (sieht nach der Uhr – für sich) . Noch eine volle Stunde bis der Zug geht – ach! und mir ist das Herz so schwer. (Spielt einen kleinen Walzer, während sich die Gesellschaft unterhält) . Fr. Muffel . Bravo, Agathchen! bravo! (Alle applaudieren) . Essig . Ich bin keine Freundin von Tänzen – etwas getragenes ist mir lieber. Blotzer . Des segt mei Frää net, die will nor neues. Muffel . So jetzt setz dich emal. (Räuspert und erhebt sich) . Blotzer . Silentium! Der Herr Muffel werd e Redd redde. Muffel . Verkleerte – merte – ehrte Anwesende! E Dag, wie der heutige Awend, kömmt nicht alle Dag widder; enn Augeblick, wie der jetzige Äägeblick is – ist – is sozesage die ereignißvollste Stunde des Menschenlebens. (Agathe schleicht ab) . Es ist ein Famieljönföst was uns heint zusammegefiehrt hat. Es ist diejenige Feier, derjenigen Herzen, die dasjenige empfinde, was mer von zwää, die mitenander uffgewachse sin erwarte derf – eine Vereunigung für das ganze Löben. Blotzer . Hoch! hoch! Fr. Muffel . Pst! noch nicht. Die Rede ist wenigstens noch eine Seite lang. Muffel (fortfahrend) . Als mir vor siwweunzwanzig Jahr die Ferma Muffel un Compagnie grindeten, da dachte weder ich, noch mei Freind Schnippel selig, daß dermaleinst unsere Kinner, wir waren beide noch leddig ja, daß mir selbst dorch die Erziehung von klääne Schnippelcher und Muffelcher diesem Geschäft eine Dauer verleihen deeten, von der die speteste Generatione – Generatione – mit ääm Wort, eine Dauer, die sich heern leßt. Fr. Schnippel (weint) . Ach Gott! wann des mei Hector selig erlebt hätt, der werr for Frääd gestorwe. Sie mache's ääch zu riehrend! Muffel (fortfahrend) . Heute ist nun der erhebende Monement, der Moment gekommen, wo hier in Gegenwart von Zeige das Band geknöppt wern soll, geknöpft, geknipft, geknüpft für das ganze Leben. Gebbt euch die Henn, gebbt euch die Henn! denn indem ich jetzt das Glas erhebe, – Blotzer . Erlääwe Se, des is mei Glas. Muffel (verwirrt) . Ihr Glas? mei Glas – des sin doch all mei Gleser – also, bitte, erhewe Se mei Gleser und trinke Se mit mir uff des Wohl – – (Sieht sich betroffen um) uff des Wohl – Frää Schnippel, wo is dann Ihr Dochter? Fr. Schnippel . Am Enn in die Kich. (Springt auf) . Muffel (leise für sich) . Mei schee Red. (Laut) . Uff des Wohl – von uns're Gäst! (Sinkt erschöpft auf den Stuhl) . Heinrich . Bravo! unsere Gäste sie leben hoch! Alle . Hoch. Blotzer (zu Muffel) . Hier mei Hand! sehr schee – ich hatt merr odder doch enn annern Schluß erwaart. Muffel (springt auf) . Ich aach! (Leise zu Frau Schnippel) . Ihr Agathche is e Hahlgans! Fr. Schnippel (leise) . Sie hawwe's ääch ze eilig. Noch net die Supp recht drunne un schon verlowe – waarte Se doch bis zem Salat, die junge Leut misse ehrscht warm wern. Muffel . Mir lääft die Brieh der Stern erunner. Heinrich (zu Muffel) . Ich habb derr als geblunke, du sollst schweihe – awwer wann de so im Babbele bist, da siehst de un heerst de nix. Fr. Schnippel . Ich weer des Agathche emal ganz geherig zwiwwele. Blotzer . Wie weersch, wann merr e bissi Pendersches spiele deete? – Eins, finf, siwwe Prr! Schnuckes . Uij! jetzt werd gekißt. Herr Muffel, soll ich Ihne noch e Salvet hole? Muffel . Willst de schweihe! – Nor net Prrrn, des dauert e Ewigkeit. ( Man hört auf der Straße Akkorde einer Guitarre ). Fr. Schnippel . No, was is des? Fr. Muffel . Still! Muffel . Verdeppel! e Ständche. Wer is dann uff den Einfall komme. (Während alle nach dem Fenster drängen, macht sich Schnuckes über den Wein her) . Haspel (auf der Straße, singt. Melodie: Ständchen aus Don Juan) . Zu der Verlobungsfeier Greif ich zur alten Leyer. Ob auch das Herz mir bricht, Euch groll' ich dennoch nicht. Was nützte auch mein Klagen, Die Losung heißt: Entsagen. Es war ein schöner Traum, Der nun vergeht im Schaum. (Nachspiel) . Muffel (wütend) . Der Barickemacher! So e Frechheit! Gebb Owacht, ich gebb derr Schaum, aafälliger Kerl! Fr. Schnippel . Der Mensch is unser Unglick! Heinrich . Awwer e ganz schee Stimm hat er. Fr. Schnippel . Ja, um unerfahrene Dechter zu verfihre, der sollt sich e bissi scheme. Heinrich . Macht doch nor aus errer Mick kaan Elefant, der hats net bees gemaant. Muffel . Dem wolle mer gleich des Maul stoppe. Peter, gebb merr emal schnell enn Kiwwel Wasser – da, in der Newestubb. Eil dich! (Schnuckes ab.) Blotzer . Du werscht doch net? – Muffel . Freilich wern ich! Wie e gedaaft Katz soll er treppele. Der Kerl verfolgt ja des Mädche uff Schritt un Tritt. Siebenter Auftritt. Vorige . Schnuckes (eine große Punschbowle tragend) kommt. Schnuckes (etwas angetrunken) . Es war kää anner Wasser da – wie Spilwasser. Muffel (greift hastig nach dem Topf) . Schadd nix. Spilwasser baßt ze seiner Spielerei. Haspel (auf der Straße singt) . Viel Glück und reicher Segen Erblüh auf euren Wegen, Mit jedem Tage neu Schmückt schöner euch die – – – Muffel (schüttet die Bowle zum Fenster hinaus) . Werscht de jetzt schweihe – Drallaff! Haspel (auf der Straße) . O, wie gemein! die schöne Guitarre. Fr. Muffel . Um Gotteswillen, Hieronymus! du hast ja den Maitrank zum Fenster hinausgeschüttet! Blotzer . Was! den Maitrank! Fr. Schnippel . Ich hatt den beste Wei dazu genomme. Muffel . Un der Olwel gibt merrsch als Spilwasser. (Verfolgt Schnuckes, welcher flüchtet) . Schnuckes . Ich habb gemeent, Gewerzel deet drei erumschwimme un dann hat's so geroche. (Ab.) Muffel (energisch) . Alle Äägeblick was annerscht! Sinche, hol emal die Ring. – Meine Herrschafte jetzt uffgebaßt – jetzt gibt's e Iwwerraschung. – Heinerich! Fr. Schnippel . Sie hawwe recht; was soll mer lenger Werks mache. (Ruft) . Agathche! Agathche! Agathche! (Ab durch die Mitteltüre) . Muffel (feierlich) . Der langersehnte Äägeblick is endlich aagebroche, wo sich zwää liewende Herze sage derfe, was se for enanner iwwerig hawwe. Der Lieblingswunsch seit Jahren associerter Eltern geht heint in Erfillung. Unser Kinner, Heinerich un Agathe sin nach reiflicher Iwwerlegung zu dem Entschluß gelangt, daß – daß – – Achter Auftritt. Vorige . Fr. Schnippel (einen Brief in der Hand) kommt. Fr. Schnippel (laut weinend) . Ach! daß ich des erlewe muß – die Schann! die Schann! (Sinkt auf einen Stuhl – Alle umringen sie.) Muffel . Was is dann bassiert? Frää Schnippel, so redde se doch! Fr. Schnippel . Da! lese Se selbst. (Gibt ihm den Brief) . Ich kann net mehr! Muffel (setzt seine Brille auf, liest, während sich Frau Muffel mitlesend so an seine Schulter lehnt, daß sie Muffel fast zur Erde drückt) . »Liebe Mama! Die Braut der Kunst kann nicht in einen prosaischen Muffel aufgehen. Ich gehe zum Theater und trete schon morgen auf. Ein Lorbeerblatt, das ich dir sende, betrachte als ein Zeichen meines Erfolges!« – Als erunner, drick mich bis unner die Erd! – »Forsche nicht nach meinem Aufenthalt, denn Du wirst ihn nie erfahren. Liebe, gute, beste Mama, verzeihe mir, wenn ich dir Kummer bereite, aber ich muß dem Zug meines Herzens folgen. Lebe wohl und vergiß nicht dein Agathchen.« – E schee Nachricht! Heinrich (für sich) . Hätt se merr e Wort davo gesacht, ich hätt err die beste Empfehlunge verschaffe kenne. Fr. Schnippel . Des kimmt von der Thejaderlääferei – ich kent merr die Ääge aus dem Kopf flenne. Muffel . Un von dem verwinschte Barickemacher. Blotzer . Sollt der net von dem ganze Kram wisse? Muffel . Nadierlich! der Kerl is mit err dorchgebrennt. Heinerich, räch' dei Ehr, merr wollen schon kriehe. Heinrich . Ich bin wie verschlage, Vatter, dorch den Schrecke – ich kann derr kaum e Bää rihrn. Muffel . Bleib! ich verwisch enn ääch allääns. Dod odder lewendig soll er hier sei Schandate eigesteh. (Ab, gefolgt von Blotzer) . Fr. Muffel (ängstlich) . Was sagst du, Heinrich! wie verschlagen? – Am Ende ein Hexenschuß – ein Blutandrang nach dem Gehirn. Damit ist nicht zu spaßen. Komm, ich habe dir einen kalten Aufschlag mit etwas Balsam hergerichtet. Heinrich (für sich) . Wann die wißt, wie wohl merrsch weer. Fr. Muffel (legt Heinrich ein Tuch auf die Stirne) . So da wirst du gleich Linderung fühlen. Muffel (vor der Türe) . Als erei, Berschi! als erei! Neunter Auftritt. Vorige . Muffel , Haspel und Blotzer kommen. Muffel , (welcher Haspel am Kragen hält, indem er ihn losläßt) . Will nix von der Geschicht wisse – steht ganz gemietlich drunne un butzt sich ab. Haspel (trägt einen, vom Wasser triefenden Hut und hat eine, mit Maitrank gefüllte Guitarre ohne Saiten umhängen – spricht mit höchster Erregung) . Ich bin doch kein Verbrecher! meine Toilette derangiert – die Guitarre zerbrochen und Fräulein Schnippel entflohen, das ist ja entsetzlich! Fr. Schnippel . Des is Ihr Werk! Sie hawwe se entfiehrt. Haspel . Mein Werk! glauben Sie, daß ich jemand entführen könnte, ohne dabei zu sein? Muffel . Sie hawwe err mit Ihrm Klimperkaste e Zeiche gewwe, un an der Dier uffgebaßt, bis se perr war. Haspel . Ich bitte Sie! Hätte ich geahnt, daß die vermummte Dame, welche während meines Ständchens das Haus verließ und an der Ecke in einen Wagen stieg, Fräulein Schnippel gewesen wäre, ich hätte sie mit Gewalt zurückgehalten oder wäre wenigstens – mitgefahren. Fr. Schnippel . Ach, mei Agathche, mei Agathche! Haspel . Wenn der junge Herr Muffel, wie mir scheint, im Augenblick nicht in der Lage ist, die Fliehende einzuholen und Sie wollen mir gestatten, ihren Aufenthalt ausfindig zu machen so will ich nicht rasten noch ruhen, bis ich Ihr Vertrauen glänzend gerechtfertigt habe Fr. Schnippel . Lääfe Se! lääfe Se err nach. Brenge Se merr nor mei Kind zerick, un Se solle reichlich dafor belohnt wern. Muffel . Wo Se se ääch entdecke, telegrafirn Se gleich – mei Soh helt se. Haspel . Daß ich meine ganze Kraft einsetzen will, sie aufzufinden, das schwöre ich bei dieser Guitarre! (Indem er die Guitarre mit dramatischer Extase emporhält, bespritzt er mit dem ausfließenden Wasser usw. die ganze Gesellschaft) . Muffel (indem er seinen Rock abwischt) . Jetzt haww ich doch was vom Maitrank krieht! Alle (trocknen ihre Kleider ab) . Vorhang fällt. Siebentes Bild. Bei geschlossenem Vorhang: Männerchor von Mendelssohn-Bartholdy. »Wer hat dich du schöner Wald Aufgebaut so hoch da droben? Wohl, den Meister will ich loben So lang noch mein' Stimm' erschallt. Lebe wohl, du schöner Wald.« Während des Refrains erhebt sich der Vorhang. Die Bühne stellt den Frankfurter Stadtwald mit dem am dritten Pfingsttage stattfindenden Volksfeste dar. Im Hintergrunde das Oberforsthaus. Rechts und links leichte Erhöhungen mit Buschwerk. Rechts, zwischen den hinteren Seitencoulissen eine Schaukel, die darauf schaukelnden Mädchen springen nach der Bühne zu ab; auf derselben Seite, ungefähr in der Mitte, eine Mordgeschichte mit der Ueberschrift: »Lottchens Ende für drei Kreuzer.« Auf der linken Seite ein Kasperltheater, daneben ein Verkaufsstand mit Schnarren, Rasseln, Papierlaternen \&c. \&c. Ganz im Vordergrund der Äpfelweinstand der Frau Funk, daneben einige Bänke. Auf der Mitte der Bühne eine Baumgruppe, unter der eine blinde Frau mit immerwährend spielender Spieldose, neben einem lahmen Manne sitzt. Die ganze Szene ist äußerst belebt, hinter der Baumgruppe wird getanzt und Blindekuh \&c. gespielt. – Man hört bald in der Nähe, bald in der Ferne Orgel-, Flöten- und Geigenspiel. Erster Auftritt. Frau Funk und Lorchen (hinter ihrem Stand). Niklees und Bärwelche , sowie verschiedene Paare tanzen zu den Klängen einer Drehorgel. Niklees (tanzend) . Gebb Owacht, daß de net stolwerscht. Bärwelche . No, wann mar aach uff die Nas' fällt, heint is jo Wäldchesdag. Niklees . Wann mar su enn Schottisch net mehr gewehnt is, kimmt ar am ganz spannisch vor. (Tritt mit Bärwelche zu Frau Funk) . Ich habb wenigstens siwwe Pund Staab geschluckt. Enn Schoppe! schnell enn Schoppe, Fraa Funk. Lorchen (bei Seite zu Bärwelchen) . Wer hot darr dann des verzappt? Bärwelche . Die Gretche, die war jo uff dar Verlowung. Lorchen . Was e Babbelmaul! Bärwelche . Heint Morjend um sechs Uhr haww ich's schon gewißt, sie hätt gar net schlafe kenne, hot se gesacht, bis se marrsch verzehlt hätt. Lorchen . Do sieht mar wie su Sache erumkomme. Des arme Freilein Schnippel, was des aach for Straach mecht. Bärwelche . Du bedauerst se noch, die iwwerecks Hahlgans. Fr. Funk . Awwer Lorche! ich hätt die lieb Brieh vun euerm Gebabbel! do stieht mei Stann voll Mensche un ihr klawaatscht, als wann arr uff dem Mark weert. Niklees . Der Hack finne marr gleich enn Stiehl. (Zieht seinen Rock aus) . Ich will emol die Gleser widder zesammetrummele. (Sucht die Gläser zusammen) . Zweiter Auftritt. Vorige . Frau Wuppdich (einen Kinderwagen vor sich herschiebend), ihr Mann (einen Jungen auf dem Rücken und ein Wickelkind auf dem Arm). Strampel . Ein Frankfurter Unteroffizier . Fr. Wuppdich . Ach, was e Hitz! was e Hitz, was e Hitz! Strampel (am Arm des Unteroffiziers, indem sie eine Schnarre in Bewegung setzt) . Was hawwe merr Ihne gesucht, Frää Funk; – am Schwengelbrunne, am Kaffeeherdche un an der Säusteg. Des is recht, daß Se sich in die Neh vom Forschthaus gemacht hawwe. No, Lorche! Niklees Wen host de dann do widder am Bennel? Strampel . Pst! net so laut, – mei Bräutigam, der dient schon in der dritte Koppelation. – Wahrhafdig! er soll speter Hellbardier beim jingere Herr Borjemääster wern – wenigstens hat er's stark vor. Niklees . Wann ar dich nor heurat. Strampel . Der! der hat ja die leiblich Ruh net. – E sehr braver Mensch – schenk emm emal ei. Da! da is Geld. Niklees (bringt dem Unteroffizier Äpfelwein) . Frankforter, wos sein Se dann for e Landsmann? Unteroffizier . E Württemberger, aus Gaislinge. Proscht! Niklees . E Schwob – do bin ich net fehl gange. Unteroffizier . Ich henn denkt, des merkt gar kains. Fr. Funk . Ach Niklees, heb marr emol des Fässi eruff, es is des elfte – bis in arre Stunn sein marr ferdig. (Niklees legt ein Faß auf. Ein Flötist bläst möglichst falsch eine volkstümliche Melodie) . Dritter Auftritt. Vorige . Heinrich kommt. Heinrich (für sich) . Richdig, da sin sie. (Laut) . Was hast de dann zu meiner Botschaft heint Morjend gesacht? des Agathche is perr. Lorchen . E traurig Geschicht. Heinrich . Warum? Meintwege hätt se dableiwe kenne, ich hätt se net geheurat. »Die Braut der Kunst will in kääm Muffel uffgeh«, was so e Thejaderprinzessin for enn Hochmut hat. Lorchen . Die werd sich aach noch annerschter besinne. Heinrich . Nadierlich! wann se dorchfällt werd se um gut Wetter bitte. Was hawwe all die Sporjemente gebatt, mei Familje sieht jetzt selwer ei, daß merr net zu enanner basse. Lorchen . Werklich? Heinrich . Gesacht hawwe se freilich noch nix – awwer des kimmt noch, nor Geduld. (Sprechen leise miteinander) . Vierter Auftritt. Vorige . Frau Muffel und Jungfer Essig kommen von rechts, ein Bretzelverkäufer von links. Fr. Muffel . Sie nehmen den verkehrten Atem, liebes Fräulein, daher diese Beschwerden. Nach meinem Dafürhalten, sollte man vor allen Dingen die Menschen atmen lernen. Wenn wir nur unsere Gesellschaft wiederfinden, – was hat es mich für Ueberredung gekostet, bis ich Frau Schnippel veranlaßt habe mitzugehen, und nun sind wir alle zersprengt. Denken Sie, mein armer Mann, vergessen wie er ist hat seine Universaltropfen daheim stehen lassen; ich habe sie darum zu mir gesteckt, und nun wird er mich und die Tropfen vermissen. Essig . Wenn er nur die Mägde mit den Speisen bei uns gelassen hätte; ich muß Ihnen gestehen, daß ich Appetit verspüre. (Zu dem Bretzelverkäufer) . Haben Sie Jünglingsschenkel? Bretzelverkäufer . Jinglingsschenkel! nää, ich bin verheuratet. Fr. Muffel . Die Dame ist fremd hier, sie meint große Bubenschenkel. Bretzelverkäufer . Da soll se nach Hechst geh, wann err Buweschenkel in der Nas stecke. Hier in Frankfort gibt's nor Stutzweck, Kuchelloppe, Äppelranze, Fiezi, Fastebretzele un Kimmelweck. Essig . Ich behalte diesen Stutzweck. (Nimmt einen und beißt hinein) . Au! au, wie zäh! (Wirft das Backwerk wieder in die Mahne) . Bretzelverkäufer . Des glääw ich, da steckt ja ääch e ganz Gebiß drei. Essig Geben Sie her! Nein dieses Gebäck. (Ab mit Frau Muffel. Tanzmusik in der Ferne.) Strampel (zu Bärwelche) . Des deet merr uffleihe, daß ich heint uff den dritte Feierdag mein Liebste den Schummel mache ließ. Bärwelche . Loß doch, ar hilft arre Wittfraa. Strampel . Da weer meiner ze stolz derrzu. Bärwelche . Ze eigebildt werscht de sage wolle. Strampel . Da vorne danze se ja, ich komm gleich widder – daß de nix babbelst. (Ab. – Bärenführer mit Tanzbär zieht vorüber) . Fünfter Auftritt. Vorige . Frau Schnippel und Schnuckes kommen. Fr. Schnippel . Ach Gott, mei Fieß! die enge Schuh un die Leichderner. Warum haww ich mich ääch verschwätze lasse, mit meine Sorje ins Wäldche zu geh. Au, mei Fieß! Komm, Peter, fiehr mich! Schnuckes Gelle, damit die Mensche meene, Sie wern verlobt – anstatt dem Freilein! Fr. Schnippel . Du werscht mit jedem Dag dummer un frecher!.– Uff dem Sandhof wollt ich die Familje Muffel treffe, habb se awwer verfehlt un kann jetzt allääns im Wald erumlääfe. Schnuckes . Hier sin doch Leut genug. Fr. Schnippel . Un was des erjerlichste is, ich habb kään Sack im Rock. Schnuckes . Un kää Geld im Sack. Fr. Schnippel . Nadierlich! Schnuckes . Soll ich Ihne zwelf Kreuzer lehne? Fr. Schnippel . Noch net. (Beide ab) . Unteroffizier (springt auf und eilt zu einem Dienstmädchen, das vorübergeht) . Käterle! Käterle! dich muß e Maisle beische, wo kommscht du dann her? (Hängt sich an ihren Arm. – Beide ab) . Heinrich (zu Lorchen) . No nemm merrsch net iwwel, dei Mutter hat e bitterbees Maul. Lorchen . Des is ihr Stolz. Heinrich . Hätt se mei Leut net so behannelt, es weer besser for uns. Lorchen . Schlag darr doch die Geschichte aus dem Kopp – an e Heuerat zwische uns is net ze denke. Sechster Auftritt. Vorige . Strampel kommt. Strampel (sehr erregt) . Nää, wie der estreicher Korperal danzt, lieb Bärwelche, so was kimmt net widder. Des geht derr nor so – Hopp! hopp! hopp! (Sieht sich um) . Wo is dann mei Herr Unneroffizier hiekomme? Niklees . Der Frankforter, der do gesotze hot? Gebb darr kaa Mieh – der hot sich emme Frauenzimmer an Aarm gehenggt un is lengst iwwer alle Berg. Strampel . Was! der schlechte Kerl! Es hat merr gleich geahnt; mer soll doch niemals nix mit Saldate aafange. Waart Schlippche, wann ich widder bei der jinger Frää Borjemääster bichel, will ich err doch emal dei Betrage verzehle. Siebenter Auftritt. Vorige . Mordgeschichterklärer . Später Muffel mit einer Magd , (welche einen schweren Henkelkorb trägt). Mordgeschichtenerklärer (singt im Vorübergehen) . Das Lottchen liebte früher schon Einen reichen Bankierssohn, Und als der von ihr schied in Groll Da kaufte sie sich Vitriol Und schüttet es dem ins Gesicht. Der Mensch verlor sein Augenlicht! Auch nicht mehr zu gebrauchen sind, Sein neuer Rock und seine Bind. Muffel . Wie lang wolle merr dann noch unser Leut suche? Halt ei, un stell dein Korb ab! Des is ja heint e Gäulstour! Seit vier Uhr spiele merr Nachlääfches un noch kään Hollerhopp. (Sieht nach der Uhr.) Halb sechs – da glääw ich's, daß ääm der Mage knorrt. Wer ich, wege deim schwere Korb, net mit dem Nache gefahrn, kennte merr jetzt all schee beisamme sitze. (Breitet sein Taschentuch auf der Erde aus und setzt sich darauf) . So, mach emal dein Korb uff. (Die Magd kniet neben Muffel und entleert den Korb) . Des duh widder enei, des is der Frää Schnippel ihr Säuohr. – Aha! jetzt kimmt mei Schinke. Des geschmierte Groschelääbche geheert zu meim Soh sein Preßkopp. Halt emal, meiner Sinche ihr Rindszung. (Versucht sie) . Richdig widder versalze – mei Frää hat awwer ääch immer e versalze Zung. – Mer meent dorch des Brot hätt der Bäcker sei Määd gejagt. (Sieht durch) . Wie im e Panorama, nix wie Gucklecher. – Die Budell Affedaler stell for mich uff die Seit. – Uij! Der Jumfer Essig ihr gefillt Kalbsbrust. (Riecht daran) . Die is ääch net mehr ganz frisch. – Wickel se schnell widder ei, sonst meent die, merr hätte draa genascht. Jetzt hawwe merr noch finf Budelle Deidesheimer, der Frää Schnippel ihr Gensschenkel – un dreizeh Eier un dein Schwartemage. – Greif zu un nemm derr ääch e Budell Wei. (Magd nimmt Flasche und Glas und will sich damit entfernen) . No, no, no! ich glääb gar, die Määd trinke aus de Gleser un die Herrschafte saufe aus de Flasche. Des Glas her, merr hawwe nor ääns! Guck dich e bissi um, vielleicht entdeckst de unser Leut. (Magd ab) . Die wern enn scheene Hunger hawwe. – Warum hawwe se awwer ääch net am Sandhof gewaart bis merr komme sin. (Ißt und trinkt) . Wääß der Deiwel, es schmeckt merr net recht! Immer muß ich an des Agathche denke wo die sich erumtreibt. (Gesangverein im Hintergrunde singt ein kurzes heiteres Lied) . Achter Auftritt. Vorige . Dappler (etwas angetrunken) kommt von rechts, gleich darauf Purzler (am Arm eines schäbig-elegant gekleideten Herrn von links). Muffel . No, no, no! gucke Se doch, wo Se eneitrete. Dappler . Bin ich wo eneigetrete? Muffel . Nadierlich! uff meim Soh sein Preßkopp. Dappler . Werklich eneigetrete – ei – ei – ei! Muffel . Gewwe Se als e bissi acht. Dappler . Achtgewwe is mei Amt. Nix for ungut. (Ab) . Muffel . Des war ja der Verwalter von der Mehlwag. Gott wann ich an die Geschicht denk, da falle merr all mei Sinde ei. – Purzler (zu seinem Begleiter) . Sie haben den Undank meiner Gesellschaft ja mit eigenen Augen gesehen. Denken Sie, ich hatte eine neue Heldin gewonnen; gestern Nacht traf das Fräulein mit zwei wohlgefüllten Koffern in Langen ein, und heute Morgen, bei der Probe der Dido, setzte man mir, dem verdienten Direktor, weil er in Krotzenburg nichts verdient hatte, den Stuhl vor die Türe und spielt nun ohne mich auf Teilung. (Treten dicht an Muffel) . Ah! da ist ja was wir suchen. Wurst und Schinken noch unangeschnitten und staubfrei. – Heda! Wurstmann – schneiden Sie mir für dreißig Kreuzer Schinken ab. Muffel . Ich glääb gar, der meent mich. Worschtmann! (Sieht in die Höhe und springt dann zornig auf.) Oho, Herr Dorchbrenner, hier sin merr uff frankforter Gebiet. (Faßt ihn am Rock) . Jetzt uze Se mich net mehr. (Ruft) . Herr Dappler! Herr Verwalter! ebei, ebei, merr hawwen! Purzler . Nur sachte, nur sachte! dieser Rock ist noch nicht bezahlt. – Ich suche Sie schon den ganzen Nachmittag. Muffel . Sie solle Ihrn Mann gefunne hawwe. (Ruft) . Herr Verwalter! Purzler (ruft) . Herr Verwalter! Ohne Direktion, wie ich eben bin, kommt mir Ihr Haftantrag äußerst erwünscht. Muffel . Was Se net sage. Purzler . Was würde mein Kollege hier darum geben, wenn er solche edle Menschen fände. Muffel . Uff den Leim gehn merr net! – Warum sin Se dann dorchgebrennt, wann's Ihne so gut uff der Mehlwag gefalle hat? Purzler . Damals war ich noch Direktor einer Gesellschaft, heute bin ich ohne Bühne, ohne Engagement, ohne Geld. Sie können sich also denken, wie erwünscht mir diese Begegnung ist. Muffel (für sich) . Da hätt ich merr am Enn e schee Rieb verkääft. (Laut) . Der Wäldchesdag is der frankforter Versehnungsdag, ich will da ääch net garschdig sei un Gnad for Recht ergeh lasse – ich schenk Ihne mei Guthawwe. Purzler . Glauben Sie, daß ich das annehme? Muffel . Soll ich Ihne vielleicht fußfällig drum bitte? Purzler . So handelt kein Ehrenmann – Sie werden mich verhaften lassen. Muffel . Des deet merr uffleihe. Purzler . Herr Verwalter! Herr Verwalter! Muffel (hält ihm den Mund zu) . Wolle Se schweihe! Warum komme Se dann grad an mich, wenne Se sich doch an Ihrn Schneider. Purzler (verächtlich) . Diese Krämerseelen denken nur an den eigenen Vorteil. (Ab mit seinem Begleiter) . Muffel . Der weer im Stann und deet den Fijaker bezahle, wann mern uff die Mehlwag brenge wollt. Nää! nää, liewer e Stoppgans for mei Koste hiegesetzt, wie so enn Kerl. (Setzt sich) . Neunter Auftritt. Vorige . Italienerin (mit Tamburin) kommt und stellt sich in der Nähe Muffels auf. Frau Muffel und Jungfer Essig vom Hintergrund kommend, setzen sich auf eine Bank neben den Stand der Frau Funk , jedoch so, daß sie weder Frau Funk noch Muffel bemerken. Es wird allmählig finster, man hört fernen Donner. Essig . Wo kann man hier im Gedränge jemand finden. Fr. Muffel . Wir sind aber jedes Jahr auf diesem Hügel. (Fächelt sich Kühlung zu) . Es ist entsetzlich schwül – und dabei einen leeren Magen. Essig . Ach, meine schöne Kalbsbrust – jetzt muß ich mich mit einem Schinkenbrötchen begnügen. Fr. Muffel . Fünf Flaschen Deidesheimer im Korb und hier müssen wir diesen sauren Apfelwein trinken. – Ich habe wenigstens die Universaltropfen meines Mannes bei mir, Sie glauben nicht, wie die die schlechten Getränke verbessern. Niklees (bringt Frau Muffel ein Glas Apfelwein) . Sie wolle doch enn Schoppe? – Ich glaab marr kriehn wos, es werd so trieb un staawig. Unser Harrgott werd doch kaa Bosse mache. Italienerin (singt und tanzt) . »Sul mare luccica l'astro d'argento, Placida é l'onda, prospero é il vento! Venite all 'agile barchetta mia, Santa Lucia, Santa Lucia!« Muffel (springt auf) . Bravo! bravo, Signorini! (Wirft ihr ein Geldstück in's Tambourin und kneift ihr in die Wange) . Nix deutsch? Italienerin . Gohr nix. (Singt und tanzt) . »In fra le tende bandir la cena, In una sera cosi serena, Chi non domanda? chi non desia? Santa Lucia, Santa Lucia!« (Sammelt Geld ein) . Muffel . Des Zoppe habbt err los, da kennt err euch e Badent druff gewwe lasse. Ich muß se nor emal frage, wie lang se schon in Deutschland is: Signorini Tambourini, adio a Napoli, anno domini? – Verstanne? – net! ich ääch net. (Spricht leise mit der Italienerin, wobei er ihr häufig in die Wangen kneift) . Fr. Muffel . Ah, mein Mann – Haha! er hat galante Anwandlungen. (Lorgnettiert Muffel) . Essig . Ich mag gar nicht hinsehen – mich empören solche Szenen. (Setzt eine Brille auf) . Am Ende gibt er noch meine Kalbsbrust zum besten. Fr. Muffel . Bleiben wir unbemerkt – mich amüsiert die Geschichte. Niklees (legt ein frisches Faß auf) . Mit dem werd's happern – ich glaab, marr kriehn enn Schittel. Fr. Funk . Es is jo des Letzte – marr kenne zefridde sei. (Bemerkt Frau Muffel und stößt Lorchen an, die neben Heinrich und Bärwelchen hinter dem Äpfelweinstand sitzt. Leise) . Guck emol Lorche, die Madame Muffel! Hast de dann sowas schon geseh – Un do driwwe ihr Herr Gemahl, wie er arre Idaljenern die Cour schneid. Lorchen (leise eindringlich) . Ich bitt dich, Mutterche, mach kaa Uffseh. Fr. Funk . Ich will an mich halte, awwer nor wege dem Heinerich – dann wann marrsch nochging, deet ich arr noch emol mei Maanung sage, der uffgeblosene Kaafmannsfamilje. Fr. Muffel (versucht den Äpfelwein) . Puh! wie sauer. Wo habe ich denn die Tropfen! Ah hier! (Zieht ein Fläschchen aus der Tasche und gießt einige Tropfen in ihr Glas, wobei sie beständig nach Muffel sieht) . Schon das Aroma veredelt das Getränk. (Trinkt ein wenig, schüttelt mit dem Kopf und stellt Glas und Fläschchen neben sich) . Fr. Funk . Ich glaab gor, die schitt Spritt enei. (Tritt leise hinter Frau Muffel und nimmt das Fläschchen heimlich) . Muffel . Signorini Tambourini il Baccio! (Küßt die Italienerin) . Fr. Muffel . Das ist stark – das ist mehr als Herzerweiterung. (Will nach dem Glase greifen, Frau Funk reißt es ihr aus der Hand) . Fr. Funk . Sin Se dann ganz des Deiwels, wann e Mann emol enn Spaß mecht. (Hält das Fläschchen empor) . »Gift; stindlich enn Eßlöffel voll.« Fr. Muffel . Sie sind verrückt! Fr. Funk . Odder Sie! mit Ihrer aafällige Eifersucht. Scheme Se sich, sich vergifte ze wolle, un noch dazu uff Pingste. (Betrachtet das Fläschchen.) Zwaa Dodekepp! – was steht dann do unne im Eck: Heinrich Muffel! Am Enn wollte Se gor Ihrn Suh von wege meim Lorche – – Fr. Muffel (starrt das Fläschchen an) . Gift! wahrhaftig, Gift! Wie kommt das in meine Hausapotheke! ich muß mich vergriffen haben. – Gift! Gift! ach, ich habe Gift in Äpfelwein genommen! Jungfer Essig, rufen Sie meinen Mann! – Gift! ach, ich spüre schon etwas! Ach! (Fällt in Frau Funks Arme. Italienerin ab. – Das Gewitter kommt näher) . Muffel (eilt herbei) . Was is dann los? So redd doch Sinche. Fr. Muffel (deutet auf den Äpfelwein) . Gift! – ich habe Gift. Muffel (zu Frau Funk) . Was! Sie wollte mei Frää vergifte! Fr. Muffel . Nein! – ich selbst – ach Hieronymus! Muffel . Du selbst! Hast de dann kää Arzenei bei derr? Fr. Muffel . Die Arznei – das ist ja Gift. Lorchen . Awwer lieb Fraa Muffelche, wo duts Ihne dann weh? Heinrich . Soll ich in die Stadt lääfe, enn Dokter hole? (Alle bemühen sich um Frau Muffel. – Das Gewitter nimmt an Heftigkeit zu, es blitzt und donnert – Staubwolken verhüllen den Hintergrund – Platzregen. Alles flüchtet: Dienstmädchen, Kinder nachzerrend; Frauen hochaufgeschürzt, zum Teil die Röcke über den Kopf geschlagen; Männer, Taschentücher um die Hüte, Kinder auf den Armen tragend. – Der Lahme wirft seine Krücken fort und läuft, die blinde Frau hebt sie auf und folgt ihm. – Allgemeine Verwirrung) . Zehnter Auftritt. Vorige . Bayerischer Unteroffizier (trägt Strampel über die Bühne)s. Strampel (welche nur einen Schuh trägt) . Was e Wetter! was e Wetter! Mußt merr ääch grad jetzt mei Schuh in erre Worzel stecke bleiwe. – Lasse Se mich nor net falle, Herr Unneroffizier – gell, ich bin e schwer Person? Unteroffizier . Sakrisch leicht sains. (Ab mit Strampel) . ( Musikanten flüchten über die Bühne, in einer Baßgeige sitzt ein Kind. – Ein Bretzeljunge und eine Harfenistin legen das Kasperltheater um und kriechen hinein ). Heinrich (welcher Frau Muffel mit Tüchern usw. vor dem Regen zu schützen versucht) . Wo habbt err dann nor des Fläschi? Fr. Funk . Hier! Gewwe Se acht, daß nix an Ihr Finger kimmt, Sie kennte sunst uff dar Stell des Dods sei. Heinrich (lachend) . Davo hast de getrunke, Mutter? ich kennt mich schiewele! Haha! Lorchen . Awwer Heinerich, bei so me ernste Fall! Heinrich . Ich kennt merr enn Ast lache – des is ja Sääfebrieh, davo schadde e paar Troppe nix. Fr. Muffel . Gift ist es – ich kenne den Geschmack. Heinrich . Harzsääf un Lakritz is es – ich habb's selwer fawerizirt, damit err gläwe sellt. ich wollt merr enn Dod aaduh von wege der Verlowung. Fr. Funk . Su ze frevle! Muffel . Harzsaäf un Lakritz – was e Schinnoos! Fr. Muffel . Es wird mir auch merklich leichter. Ich habe gleich gewußt, daß es kein schweres Gift ist – aber Arznei nehme ich keine mehr. (Zu Frau Funk) . Ihnen werde ich diesen Liebesdienst nicht vergessen. Fr. Funk . Wann Se widder wos brauche. Muffel . Des is e Wäldchesdag, der hat sich gewäsche. – Putschtreppelnaß un kään Barbleh. (Bärenführer führt einen Bären, über den er seinen Schirm hält, über die Bühne) . Da guck, Sinche, was Bärn for glickliche Mensche sin. – Wann merr nor wenigstens e Kutsch hätte. (Man hört in der Ferne Peitschengeknall) . Ich glääb, da kimmt ää hergejackert. – Heda Kutscher! Heda stillgehalte! E krank Frää! (Rasch ab. – Das Gewitter verzieht sich und der Himmel erglüht im Abendrot) . Elfter Auftritt. Vorige . Frau Schnippel . Schnuckes . Später Haspel und Agathe . Fr. Schnippel (den Rock über den Kopf geschlagen, schnappt und hält sich an Schnuckes) . Ach, mei Fieß! mei Fieß! die enge Stiwwel. (Setzt sich auf eine Bank) . Un wann ich versääf, hier bleiw ich sitze. Ach, mei scheener Hut, wie is der verknutscht! Heinrich . Ei, Frää Schnippel, wo komme Sie dann her? Muffel (eilt herbei) . Ich haww e Kutsch uffgetriwwe un dabei enn Fang gemacht, da werd err gucke. Haspel (mit einem Reisesack kommt) . Victoria! ich habe sie gefunden. Denken Sie, in Langen bei einer ganz entsetzlichen Schmiere. Nur gegen eine Conventionalstrafe von einem Viertel Äpfelwein gab man sie frei. Eine Stunde später und die Vorstellung hätte begonnen, schon war das Fräulein als Jungfrau von Orleans angekleidet, aber ich habe nichts darnach gefragt und bin mit ihr davongefahren. (Singt) . Ho, ho, ho, ho, so schön und froh, Du Postillon von Lonjumeau! Muffel (hält ihm den Mund zu) . Fr. Schnippel . Mei Kind! mei Agathche! Wo? wo? Agathe (mit einer großen Krone von Pappe, roter Tunica, blauem Ueberwurf und rotem Regenschirm) . Mama! (Fällt Frau Schnippel in die Arme) . Du verzeihst mir doch! Ach, ich bin do unglücklich! – Was hab' ich alles ausgestanden! – Nie mehr an's Theater. Fr. Schnippel . Ach, mei Agathche! alles is vergesse. Agathe (reicht Heinrich die Hand) . Du Heinrich zürnst mir auch nicht? Heinrich . Net enn Äägeblick! Awwer vom Lorche laß ich net, des wääßt de. Muffel (gereizt) . Des werd sich zeige. Fr. Muffel . Ihre Mutter hat edel an mir gehandelt. Muffel . Dann versehn dich mit err – ich geh odder flichdig, wann se ze babble aafängt. Fr. Schnippel . Nemmt die Kerb un macht, daß err fortkommt. (Agathe ergreift den einen Henkelkorb, Schnuckes den anderen) . Fr. Funk . Do kann mar odder e Schlagzung heern. Redd vun meiner Beredsamkeit, un er muß zehe Johr nach seim Dod noch von Nodar un Zeige des Maul versiegelt kriehe, domit err schweiht. Muffel . Haww ich's net gesacht, sie fengt widder aa. – Adschee Frää Funk, gewwe Se acht, daß Se sich die Ihne Ihrige Kielad net verrenke. Fr. Funk . Glücklich Raas mit dar Wäldchesdagkenigin! ( Lampionzug, dem sich in komischen Gruppen alle Waldbesucher in heiterster Stimmung, unter Musik und Hochrufen auf Frankfurt anschließen. Alle ab, außer Lorchen und Frau Funk. ) Vorhang fällt. Achtes Bild. Gemüsemarkt auf der östlichen Seite des Römerberges. Höckerinnen und Bauersleute, zum Teil unter großen, roten Regenschirmen, hinter Mahnen mit Gemüse, Butter, Eiern und Handkäsen. Während der folgenden Szenen, lebhaftes Treiben im Hintergrunde. Erster Auftritt. Frau Funk , unter einem großen, roten Regenschirm; vor demselben Lorchen . Rechts, Niklees , neben einem Blumenstand, links, Bärwelchen , hinter einigen Mahnen mit Obst; etwas im Hintergrunde: Bauersfrau bei einer Mahne mit Eier und Butter. Fr. Funk (zu Lorchen) . Denk net an enn – du siehst jo den Hochmut von su Mensche. Alle Schlag hawwe se wos an aam auszusetze; bald sein marrn als Hocke ze gering, bald sein marrn net mandenierlich genug, un jetz halte se sich gar iwwer mei Maulwerk uff. Lorchen . E bissi feiner kennte marr aach redde. Heer emol, wie des laut: »Häst de die Maabrick zweerch im Mage«, des is doch gar nix gebildetes. Fr. Funk . Awwer es kimmt vun Härze. – Ich babbel, wie marr dar Schnawwel gewachse is. Bärwelche (von ihrem Stand) . Fraa Funk, hawwe Se's dann aach geheert, gestern selle sich jo die Soldate uff dar Bockemergaß widder su gehaage hawwe. Die spannisch Gesandschaftskechin hot marrsch ewe verzehlt; dere ihr Liebster hat den Kopp gespalte krieht, bis erunner. Lorchen . Der aarm Mensch – is ar dann dot? Bärwelche . Warum net gar! awwer verzeh Däg werd ar als mit ze du hawwe. Niklees (von seinem Stand) . Die gewwe net ehnder Ruh, bis dar Franzus kimmt. Fr. Funk . E schee Aanigkeit! wie is es dann aagange? Bärwelche . E paar Preiße wern Schuld gewese, die hätte iwwern Estreicher, Babbsack gesacht. Lorchen . Immer die Preiße, mar maant, die hätte den Deiwel im Leib! – Frankforter warn odder doch kaa dabei? Bärwelche . Jo, die fehle – die Bayern hawwe aach mitgeholfe. Niklees . Do hot's aach mehr Blesierte gewwe. Bärwelche . Zwaa Kollerakerb voll. Lorchen . Des is schrecklich! Fr. Funk . Su! die kenne jo dahaam bleiwe – wer brauch dann des viele Milideer hier? unser Welf sein grad genug. Niklees . Es gibt ehrscht e Enn, wann Deutschland aanig is – die sollte all Frankfortisch wern do weer enn geholfe. Fr. Funk . Die Badrullje mißte eigreife. Des is jo e Schann. Bärwelche . Die Badrullje! des sein marr grod die rechte, die arrediern immer die verkehrte – ihr Leut losse se laafe. Niklees . Die Späß heern odder uff. Der Stadtkommandant hat befohle, daß nor noch komprimierte Badrullje erumgeh selle. Fr. Funk . Wos sein dann des widder for Soldate? vun dene haww ich jo noch gar nix geheert. Niklees . Zusammengesetzte. Zwaa Estreicher, zwaa Preiße, zwaa Bauern un zwaa Frankforter. Fr. Funk . E scheener Uffzuckl die wern sich jetzt unner enanner haage. Zweiter Auftritt. Vorige . Jungfer Essig (ein kleines Körbchen am Arm kommt). Lorchen (zu Jungfer Essig) . Pst! pst. Madamche! Suche Se wos? – E bissi Grienes for in die Supp? Essig . Was kosten die Spargeln? Fr. Funk . Des Daalche? – no, sechsunddreißig Kreuzer. – Bleiwe Se doch! – Zwaa redde mitenanner. – Lorche, weis' emol die Radiesercher. Essig (versucht einige Radieschen) . Die sind holzig und hahl. Fr. Funk . Wos! – Sie scheine marr aach aa vun dene Madamme, die nor uff den Mark zem Schnawweliern komme. Alle Aageblick knupperts an meim Stann erum. Ich erleb's doch noch, daß se Essig un Ehl mitbrenge, un den Salat in dar Mahn aamache, bloß damit se aach den versuche kenne. – Ziehe Se ab mit Ihrer seidene Mandill! Sie Versuchsstation – Sie sein holzig und hahl, Sie helzern Hahlgans! (Jungfer Essig geht schnell nach dem Hintergrunde) . Bärwelche . Die hawwe Se aalaafe lasse, daß es e Staat war – kimmt aach immer an mein Stann. – Do waaß marr als net, wovo su Leut lewe – do sieht marrsch, vom versuche. Dritter Auftritt. Vorige . Heinrich kommt. Heinrich . Ge Morjend, Lorche, ge Morjend, Fraa Funk! Wie is es euch dann gestern noch gange, im Wäldche? Lorchen . Ganz gut. Ihr wart kaum fort, do sin unser Leut komme, hawwe uffgelade un marr sin haamgefahrn. Heint haww ich mich vorgeseh, un mein Regemantel mitgebracht, marr kennte uff dem Bernemer Mittwoch noch emol so enn Schittel kriehe. – No un ihr? Heinrich . An die Fahrt denk ich. Uff dem Bock der Kutscher un der Schnuckes, un in der Scheeß mei Vatter, der Haspel, die Jungfer Essig un ich. Mei Mutter uff meim Vatter seim Schooß, die Frää Schnippel uff dem Haspel seim; des Agathche uff meim, un die Henkelkerb, die Undiern, uff der Jumfer Essig ihrm. E Glick, daß sich die Määd verlääfe hatte, sonst hätte merr die rein uffs Verdeck setze misse. Lorchen . Do war des ja for dich e ganz aagenehm Fahrt. Heinrich . Sehr aagenehm. Fr. Funk . Lorche, geww emol uff mein Stann acht, ich geh enn Aageblick in die Eul, wos friehsticke. (Ab) . Heinrich (kneift Lorchen in die Wange) . Ich komm noch emal vorbei – Adschee einstweile. Lorchen . Heerst de uff, Ekel! hie, uff der Gaß. Heinrich (tritt zu Niklees, leise.) Es is merr ärjerlich, daß des Sträußi forsch Lorche noch net da is – so kann ich emm net emal ze seim Geburtsdaag graduliern. Niklees (leise) . Sie kenne sich druff verlosse, es muß jeden Aageblick komme – des Gewitter gestern hot enn Mordsschadde unner de Blumme aagericht. Heinrich . Ich geh eweil uff's Zollamt, wann ich widderkomm, wern ich's doch kriehe? Niklees . Mache Se sich kaa Sorje. (Heinrich ab) . Lorchen (für sich) . Daß arr marr noch net emol ze meim Geburtsdag gradeliert hot, is sonnerbar – ich maan aach sunst, arr weer so korz aagebunne gewese. Bin ich dann net schuld draa – sag ich emm net jedesmol, arr sellt net mehr komme. – Do werd des Freilein Schnippel ganz annerschter sei, die werd sich wie e Klett an enn hengge. Ach Gott, wann arr die schließlich doch nemme deet, mecht ich gor net mehr uff der Welt sei. (Setzt sich unter den Schirm und strickt) . Bauersfrau (zu Essig) . Die Botter is gaut. Essig . So kann ich sie nicht versuchen. Sie müssen sie mir auf's Brötchen streichen – bitte, ein wenig dicker. – Was kosten die Eier? Bauersfrau . Acht Batze. Essig . Was! diese Eierchen? Schämen Sie sich, sich überhaupt so etwas legen zu lassen. (Ab) . Vierter Auftritt. Vorige . Herr und Frau Muffel (denen eine Magd mit großem Korbe folgt) kommen. Muffel . Awwer lieb Sinche, warum zackerst de mich heint uff dem Mark erum? Es is ja recht lowenswert von derr, daß de dich nach dem gestrige Schrecke entschlosse hast, in Zukunft, statt Medizin, e bissi Achlebutz zu studieren, un, daß de dem Kehrschelbauer dei ganz Hausapothek mitgewwe hast; awwer warum soll grad ich Zeige von deim ehrschte Versuch uff dem Mark sei? – du hast ja die Lißbet bei derr, die wääß Bescheid. – Fr. Muffel . Du sollst nur einmal sehen, mit welcher Sicherheit ich mich in dieser neuen Sphäre bewege. Muffel . Bis de orndlich ausgescholle werscht, dann hat die Sicherheit e Enn. – Guckst de Sinche, de bist von zaarte Eltern, un was hier hockt. da hat ää wie die anner e Maulwerk wie die Frää Funk. Fr. Muffel . Ich fürchte mich nicht davor, hinter dieser rauhen Außenseite verbirgt sich oft ein edles Herz. Muffel . Nää, so enn Umschwung – un des alles dorch e verwechselt Arzneifläschi – freilich muß mer die Leut ehrscht kenne, bevor mer se beordeilt. Fr. Muffel (auf Lorchen deutend) . Da ist ja die junge Gärtnerin. Muffel . Gärtnerin! Was sich e Hockin uff Hochdeutsch so nowel ausnimmt. Du weerscht im Stann un deest dei Gemies bei err kääfe. Fr. Muffel . Warum nicht? Muffel . So Strääch mußt de mache, dann sollst de mit dem Heinerich fertig wern – es werd so Mieh genug koste, bis die Sach mit dem Agathche widder im Blei is. – No, was is dann da los? da renne ja die Leut wie besesse. (Sieht in die Kulisse) . Niklees . Die Saldate haage sich widder uff der Zeil. Fünfter Auftritt. Vorige . Gemischte Patrouille (zwei österreichische, zwei preußische, zwei bayerische, zwei frankfurter Soldaten), geführt von einem preußischen Unteroffizier , marschiert vorüber, Volk folgt ihnen. Unteroffizier (kommandiert) . Faßt dat Jewehr an! (Patrouille ab) . Muffel . Nää, so e Schann! Guck nor, Sinche, was die Mensche lääfe. Fr. Muffel . Die Soldaten werden doch nicht bis hierher kommen? Muffel . Von dem Vertel bleiwe se, da wisse se, daß se mit Dorrschte dodgeworfe deete wern, wann se Skandal mache wollte. Besorg dei Sach eweil, ich will emal gucke was los is. Fr. Muffel . Ich bitte dich, bleib. Muffel . Sei außer Sorje, ich habb merr e Fläschi von deine Troppe gerett. Mir bassiert nix. Adschee! (Rasch ab) . Fr. Muffel . Hieronymus! Hieronymus! – Er läßt sich nicht halten – es ist das kriegerische Blut, das seine Adern durchströmt. Komm, Lißbet, wir wollen unsere Einkäufe besorgen. (Gehen an verschiedene Stände, dann ab. Trommelwirbel in der Ferne) . Sechster Auftritt. Vorige . Agathe und Haspel kommen. Agathe . Wären Sie mir ganz gleichgültig, hätte ich Ihnen diese Zusammenkunft nicht gewährt. Sie wissen, daß ich dabei riskiere von Mama ausgezankt zu werden. Ach, ich habe schon entsetzlich viel dumme Streiche gemacht. Haspel . Machen Sie nun einen klugen – und sind Sie mir ein wenig gut. Agathe . Ich bin Ihnen dankbar, ist das nicht auch etwas? Niklees (zu Haspel) . Enn Blummestock gefällig? odder e Sträußi for des Freilein? Gucke Se emol hier des Löwemäulche. Haspel . Eine Rose, eine einfache Rose. (Gibt Agathe eine Rose, die diese an ihren Busen steckt) . Agathe . Danke schön. (Für sich) . Wenn das Mama wüßte. (Laut, indem sie weiter gehen) . Herr Haspel! warum sind Sie nicht Kaufmann geworden? Haspel . Ich! – – Agathe . Da könnten Sie vielleicht bei uns Ladendiener werden. Haspel . Ach Gott, wie gerne würde ich umsatteln. Agathe . Reden Sie einmal mit Mama – sie ist Ihnen gewogen. Haspel (feurig) . Ich soll mit Ihrer Frau Mama reden! – Aber was wird Herr Heinrich dazu sagen? Agathe . Der hat schon mit seinem Vater darüber gesprochen. Haspel (äußerst erregt) . Und ich soll mit Ihrer Frau Mama reden. (Will ihr die Hände küssen) . Agathe . Herr Haspel, wenn das jemand sieht. Sie brauchen nicht zu erzählen, daß ich Ihnen etwas davon gesagt habe. Herr Muffel wollte es ins Blättchen rücken lassen. Haspel . Daß ich mit Ihrer Mama reden soll? Agathe . Nein! daß wir noch einen Ladendiener suchen. Haspel . Ja, so! (Für sich) . Ich verstehe heute alles falsch. (Beide nach dem Hintergrunde ab) . Siebenter Auftritt. Vorige . Strampel kommt gelaufen. Strampel (zu Lorchen) . Komm, geh mit – die Saldate sin widder hinnerenanner. Ich kann derr net sage, was ich so froh bin, daß mei Bayer Kasernearrest hat; denk emal, wann der dodgestoche deet wern, wie kennte merr uns dann koppeliern lasse. Lorchen . Dei Bayer! ich maan jo, es weer e Frankforter? Strampel . Ach, du glääbst der Blonde mit dem rote Schnorres, der mich gestern in de Wald gefiert hat? mit dem is es ab, der hat ja dem Deiwel sei Bekanntschafte. Mei Bayer is e ganz annerer Mensch, der werd demnechst Sergant. Lorchen . Gebb nor acht, du kriehst noch die greßte Unannehmlichkeite. Strampel . Des haww ich gestern Awend gefercht. Uff der Altegaß, ich mußt mich an dem Bayer fiern, weil ich mein Stiwwel verlorn hat, begegne merr uff äämal dem Frankforter. Ich bin zem Dod erschrocke – awwer es war gar net netig, die zwää hawwe gelacht un sich die Henn geschittelt als alte Bekannte. Lorchen . Des sein koriose Liebhawer. Strampel . Die wahr Lieb kennt kää Eifersucht, hat der Frankforter gesacht, un hat mich in dem nemliche Äägeblick uff den linke Backe gekißt, wo des der Bayer uff den rechte gedaa hat. Lorchen . Un sowas leßt de derr gefalle? Strampel . Lehn du dich uff, gege die bewaffend Owrigkeit. – Soll ich mich mit Suldate aabinne, un noch dazu mit de Herrn Unneroffiziern? (Tumult hinter der Szene) . Heer emal des Gekrisch! Komm, merr gucke! (Läuft ab) . Lorchen . Die muß doch iwwerall dabei sei. (Sieht in die Kulisse) . Um Gotteswille! dem Heinerich sei Vatter. Unteroffizier (hinter der Szene) . Platz jemacht – sonst wird jeschossen. Stimmen (hinter der Szene) . Lääfe Se! lääfe Se – die wolle Ihne arrediern! Unteroffizier (hinter der Szene) . Wo ist der Mann, der den Bundestag eenen Jammerlappen jeschimpft hat? Stimmen (hinter der Szene) . Nor langsam, nor langsam! der Mensch is von hie. Achter Auftritt. Vorige . Muffel , (drängt sich flüchtend durch einen Volkshaufen). Später Schusterjunge , Unteroffizier , gemischte Patrouille von rechts. Dann Heinrich , Frau Funk von links. Muffel (in höchster Aufregung) . Uff die Hauptwach! mich uff die Hauptwach! un dorch Mensche, die mer noch net emal kennt. Der Bundesdag is ääch nix weiter wie e Jammerlappe, sonst deet er so Geschichte net leide. Die Friedensstifter solle arrediert wern un die Saldate, die sich prichele, lääfe frei erum, Lorchen . Ach, Herr Muffel, halte Se! – do enaus kenne Se jo net, un sellt laafe S'enn widder in die Arm. Komme Se, komme Se! ich haww enn Eifall. (Wirft ihm ihren Regenmantel über und drängt ihn auf ihren Schemel unter den Schirm. Füllt seinen Hut mit Salat) . So, lasse Se den Scherm e bissi erunner – do sucht Ihne niemand. (Stellt sich breit vor ihren Stand.) Unteroffizier (an der Spitze der gemischten Patrouille) . Nur Jeduld! wir erwischen schon eenen. Schusterjunge (ruft) . Die deutsch Aanigkeit soll lewe! Vivat hoch! Unteroffizier (faßt den Schusterjungen) . Wart Schlingel! ick lehre dir den Bundestag beleidigen. (Unter allgemeinem Gejohle zieht die Patrouille, den Schusterjungen in ihrer Mitte, ab. – Alle, mit Ausnahme von Niklees, welcher an seinem Stand verbleibt, und Lorchen, welche an die Kulisse tritt und der Patrouille nachsieht, ab) . Heinrich (zu Niklees) . Ferdig? Niklees . Ewe haww ich enn krieht. (Gibt Heinrich einen Strauß) . Heinrich . Des laß ich merr gefalle – der is fei. (Tritt an den Stand der Frau Funk und dicht an den Schirm) . Ich gradelier derr ääch ze deim Geburtstag. Da! goldig Lorche, e Sträußi for heint un des Ringelche for ewig. (Bückt sich rasch und küßt Muffel – fährt empor) . Fui Deiwel! wie borschdig. Fr. Funk (mit einem Glas Bier in der Hand kommt und tritt dicht an den Schirm) . Do, trink emol; du werscht dich doch net gefercht hawwe? Muffel (springt auf und stößt ein Loch durch den Schirm, so, daß er oben mit dem Kopf heraussieht) . Ich bin net des Lorche! Heinrich . Der Vatter! Fr. Funk . Der huchnäsig Kaafmann! Lorchen (eilt herbei) . Herr Muffel! sie sin fort – die hawwe enn Fang gemacht. Muffel . Sturt mich nor net so aa, (tritt hervor) es is e groß Verennerung mit merr vorgange. Neunter Auftritt. Vorige . Frau Muffel , Frau Schnippel , Agathe , Haspel und Schnuckes kommen. Fr. Muffel . Um Gotteswillen, mein Mann! mein Mann! – Ach, da ist er ja. Fr. Schnippel . Was die Leut liehe! Sie weern krumm geschlosse uff die Hauptwach gefiert warn. Schnuckes . Sie hätte den Bundesdag in die Luft sprenge wolle. Fr. Funk . Wos mache Se dann aach for Straach? Muffel . Gar kää Strääch! Friede wollt ich unner de Saldate stifte, damit de Kinner nix bassiert, die grad aus der Schul komme sin. Nadierlich hat mich die Badrullje verfolgt, un die Spektakelmächer lääfe lasse. Haspel . Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Errettung. Muffel . No, no, dodschieße hätte Se mich net kenne; daß merr odder die Blamag erspart gebliwwe is, von so errer Gesellschaft am hellichtige Dag uff die Hauptwach, odder gar uff's Klapperfeld transpordiert ze wern, des verdank ich niemand annerschter, wie dem goldige Schnuckessi hier. Schnuckes . Meene Se mich? Muffel (zieht Lorchen an sich) . Dei Geistesgegenwart war beinah so groß wie mei Anno Achtunverzig, wo ich den Remer gerett habb – no, ihr kennt ja die Geschicht – un sowas wääß ich ze schätze. – Undank soll merr kääns vorwerfe. (Küßt sie) . Da! der is von meim Heinerich, der hat enn an die falsch Adreß abgewwe, un hier des Ringelche ääch, uff dem jetzt unser Sege ruht – gell Sinche? Fr. Muffel . Von Herzen! Heinrich und Lorchen (schütteln einander die Hände) . Fr. Schnippel (leise zu Agathe) . Ich kann's emm net verdenke, daß er dich links liche leßt – ich mecht dich ääch net zerr Frää, mit deim Barickemacher. Haspel (leise zu Agathe) . Soll ich wegen meiner Anstellung reden? Agathe . Ach Gott! ich zittre so. Haspel (sehr verlegen zu Muffel) . Sie suchen einen Ladendiener – ich bin zwar noch gänzlich unerfahren in diesem Berufe, aber Fleiß und guter Wille werden es mir schon ermöglichen meinen Platz auszufüllen. – Ich schreibe eine schöne Handschrift, verstehe etwas Französisch – rechne – rechne – Muffel . Uff des Freilein Schnippel – sage Se's doch eraus. Agathe . Ach, Herr Muffel! Muffel . Sei merr still, du hast ja den Haspel zem Fresse gern. Haspel . Frau Schnippel, ich will der Kunst entsagen, Kaufmann werden. Im Rechnen hatte ich immer den ersten Platz. Fr. Schnippel . No, da solle Se sich ääch heut net verrechent hawwe. Mache Se mei Agathche glicklich! Haspel (singt) . Nun sei bedankt mein lieber Schwan. (Umarmt Frau Schnippel und Agathe) . Fr. Funk . No, un wo bleib ich? Muffel . Sie gewwe Ihrn Stand uff un ziehe zu uns. Mei Frää gibt Ihne däglich e Stunn hochdeutsch. Vorhang fällt. Ende!