William Shakespeare. Die beiden Edelleute von Verona. ( The Two Gentlemen of Verona ) Deutsch von Karl Simrock.     Hildburghausen. Verlag des Bibliographischen Instituts. 1867.     Personen:         Herzog von Mailand , Silviens Vater. Zwei Edelleute:     Valentin ,     Proteus . Antonio , des Proteus Vater. Thurio , ein alberner Nebenbuhler Valentins. Eglamour , Silviens Begleiter auf der Flucht. Sput , Valentins drolliger Diener. Lanz , Diener des Proteus. Panthino , Diener des Antonio. Der Wirth , bei dem Julie in Mailand wohnt. Julie , eine edle Veroneserin, Geliebte des Proteus. Silvia , des Herzogs Tochter, Valentins Verlobte. Lucette , Juliens Dienstmädchen. Diener, Musikanten, Räuber. Die Scene ist bald in Verona, bald in Mailand und an der Grenze Mantuas.     Erster Aufzug. Erster Auftritt. Platz in Verona. Valentin und Proteus treten auf. Valentin . Hör auf mir zuzureden, lieber Proteus: Bleibst du daheim, so bleibt dein Witz geheim. Wenn Neigung deine jungen Tage nicht An der Geliebten süße Blicke bände, Bät ich vielmehr, du möchtest mich begleiten, Mit mir der Ferne Wunder zu beschauen, Anstatt in dumpfer Unentschloßenheit Die Jugend mit formlosem Nichts zu füllen. Doch da du liebst, so lieb und wachse drin, Und lieb Ich einst, sei das auch Mein Gewinn. Proteus . So gehst du? Lieber Valentin, leb wohl! Denk deines Proteus, wenn du Seltnes siehst Und Merkenswerthes auf der Reise; wünsche, Dein Glück mit dir zu theilen, mich zu dir, Wenn es dir wohl ergeht; und in Gefahr (Wenn jemals dich Gefahr umgiebt) empfiehl Den Ausgang meinem heiligen Gebet: Denn für dich beten will ich, Valentin. Valentin . Du betst für mich aus einem Liebesbuch? Proteus . Ganz recht, aus einem Buche, das ich liebe. Valentin . Der seichten Mär vielleicht von tiefer Liebe, Wie durch den Hellespont Leander schwamm. Proteus . Ein tiefes Märchen ists von tiefrer Liebe. Ueber die Schuhe stak er ja in Liebe. Valentin . Ueber die Stiefel aber steckst du drin Und bist doch nie den Hellespont durchschwommen. Proteus . Mit spanschen Stiefeln, Freund, verschone mich. Valentin . So kommst du doch auf keinen Strumpf. Proteus .                                                                     Wie so nicht? Valentin . Verliebtheit, wo man Hohn für Kummer kauft, Für Herzweh kühlen Blick, flüchtige Lust Für zwanzig wache, müde, lange Nächte, Wo der Gewinn vielleicht nur ein Verlust, Und der Verlust Gewinn ist saurer Müh, Nur eine Thorheit ists, mit Witz errungen, Wenn nicht die Thorheit gar den Witz bewältigt. Proteus . Der Schluß ist deines Lieds: ich bin nicht klug. Valentin . Der Schluß des deinen zeigt es klar genug. Proteus . Die Liebe schmähst du: ich bin nicht die Liebe. Valentin . Lieb ist dein Meister, sie bemeistert dich, Und wer ins Joch sich einer Thörin schmiegt, Den kann man nicht ins Buch der Weisen schreiben. Proteus . Doch sagen Dichter, wie in zarter Knospe Die Raupe nagend wohnt, so wohne nagend Die Liebe in dem edelsten Gemüth. Valentin . Und Dichter sagen, wie die zarte Knospe Vom Wurm zernagt wird, eh sie sich erschließt, So wird der junge zarte Sinn in Thorheit Verkehrt durch Liebe: innerlich zerfreßen Verliert er schon im Lenz sein frisches Grün Und alle schönen Früchte künftger Hoffnung. Doch was vergeud ich Zeit, um dir zu rathen, Dem Priester schwärmerischen Liebeswahns? Lebwohl noch einmal: Auf der Rhede wartet Mein Vater schon, mich eingeschifft zu sehn. Proteus . Ich will dich hinbegleiten, Valentin. Valentin . Nein, lieber Proteus, laß uns Abschied nehmen. Zu Mailand laß in Briefen mich erfahren Von deiner Liebe Glück und was sonst Neues Sich hier begab, derweil dein Freund entfernt war; So such ich auch dich wohl mit Briefen heim. Proteus . Mög alles Glück in Mailand dir begegnen: Valentin . Nicht minder dir daheim: und so leb wohl. (Valentin ab.) Proteus . Er jagt der Ehre nach und ich der Liebe. Er läßt die Freunde, ihrer werth zu werden; Mich laß ich , Freund, und Alles für die Liebe. Du süße Julie, hast mich so verwandelt. Daß ich nun Zeit und Wißenschaft versäume, Die Welt nichts achte, guten Rath verschmähe, Bis liebesiech hinschmachtend ich vergehe. ( Sput tritt auf.) Sput . Gruß euch, Herr Proteus; saht ihr meinen Herrn? Proteus . So eben schifft' er sich nach Mailand ein. Sput . Nein, zwanzig gegen eins, er ist geschifft Und ich ein Schaf, das seinen Herrn verlor. Proteus . Ja, bald hat sich ein armes Schaf verirrt, Wenn seine Heerd im Stiche ließ der Hirt. Sput . Ihr schließt, mein Herr sei ein Schäfer und ich ein Schaf? Proteus . Freilich. Sput . So gehören ihm meine Hörner im Wachen wie im Schlaf. Proteus . Eine einfältige Antwort wie sie ziemt für ein Schaf. Sput . Das Alles macht mich zum Schaf. Proteus . Ja, und deinen Herrn zum Schäfer. Sput . Nein, ich kanns durch eine Schlußfolgerung widerlegen. Proteus . Das wird schwer halten; aber ich wills durch eine andere darthun. Sput . Der Schäfer sucht das Schaf und nicht das Schaf den Schäfer; ich aber suche meinen Herrn, nicht mein Herr mich: folglich bin ich kein Schaf. Proteus . Das Schaf folgt des Futters wegen dem Schäfer; der Schäfer nicht der Speise wegen dem Schaf, Du folgst des Lohnes wegen deinem Herrn, nicht dein Herr des Lohnes wegen dir. folglich bist du ein Schaf. Sput . Noch eine zweite Schlußfolgerung wie diese, so schrei ich bäh. Proteus . Aber höre: gabst du Julien meinen Brief? Sput . Ja, Herr: ich verlaufenes Schaf gab dem verkäuflichen Lamm euern Brief, und sie, das verkäufliche Lamm, gab mir, dem verlaufenen Schaf, nichts für meine Mühe. Proteus . Hier ist zu wenig Weide für eine solche Heerde Lämmer. Sput . Wenn der Weidegrund überfüllt ist, so müßt ihr sie stechen. Proteus . Da bist du wieder verirrt: ich muß dich pfänden . Sput . Nein, Herr, für das Brieftragen fändet ihr mich wohlfeiler ab. Proteus . Immer noch verirrt! in den Pfandstall sollst du. Sput . Fürs Bestellen in den Stall? Das ist ein böser Platz Für den Boten, der den Brief überbracht hat euerm Schatz. Proteus . Aber was sagte sie? Nickte sie nicht einmal? Sput (nickt) . Ich. Proteus . Nickt, ich? Ach, das ist nichtig. Sput . Ihr versteht mich nicht, Herr. Ihr fragtet mich, ob sie nickte, da nickte ich und sagte: ich. Proteus . Und zusammengesetzt ist das nichtig. Sput . Nun, habt ihr euch die Mühe genommen, es zusammen zu setzen, so nehmts für eure Mühe. Proteus . Nein, nein, du magst es für dein Brieftragen behalten. Sput . Ich muß viel aushalten, euch zu ertragen. Proteus . Ei, Bursch, was hast du bei mir zu ertragen? Sput . Herr, ich trug den Brief ganz ordentlich und erhielt nur einen nichtigen Lohn für meine Mühe. Proteus . Ei sieh, dein Witz ist ja recht behende. Sput . Und kann doch eurer langsamen Börse nicht beikommen. Proteus . Zur Sache! Heraus mit ihrer Antwort: was sagte sie zu dem Brief? Sput . Heraus mit eurer Börse, damit das Geld und die Sache zugleich zum Vorschein kommen. Proteus . Gut, Freund: hier ist für deine Mühe. Was sagte sie? Sput . Ach, Herr, ich glaube schwerlich, daß ihr sie gewinnt. Proteus . Warum das? Konntest du das aus ihr herausbringen? Sput . Nein, Herr, ich konnte gar nichts aus ihr herausbringen, nicht einmal einen Ducaten für die Ueberbringung eures Briefs. Und da sie so hart war gegen mich, der eure Gesinnung überbrachte, so wird sie eben so hartherzig gegen euch sein, wenn ihr euch mündlich gegen sie erklärt. Zu Liebeszeichen gebt ihr nichts als Steine, denn sie ist hart wie Stahl. Proteus . Wie, sagte sie gar nichts? Sput . Nein, nicht einmal: Nimm das für deine Mühe. Euch von Undankbaren zu unterscheiden, habt ihr mir Scheidemünze gegeben. Zum Dank dafür tragt künftig eure Briefe selbst; und so, Herr, will ich euch meinem Herrn empfehlen. Proteus . Geh und bewahr vor Scheiterung dein Schiff: Es kann nicht sinken, hat es dich an Bord, Zu trocknerm Tod bist du am Strand bestimmt. Ich muß ihr einen beßern Boten senden: Mein Julchen, fürcht ich, würdigt nicht mein Schreiben, Weil sies aus so unwerther Hand empfieng. Zweiter Auftritt. Julie und Lucette treten auf. Julie . Sprich jetzt, Lucette, denn wir sind allein. Räthst du im Ernst, ich soll in Liebe fallen? Lucette . Ja, Fräulein, wenn ihr nur den Hals nicht brecht. Julie . Doch von der ganzen Auswahl junger Herrn, Die ich hier täglich um mich seh und spreche, Wer scheint der Liebe dir am würdigsten? Lucette . Ich bitte, nennt sie mir, so sag ichs euch Nach meiner schlichten, unvollkommnen Einsicht. Julie . Was denkst du von dem schönen Eglamour? Lucette . Ein wohlberedter Ritter, hübsch und fein; Doch wär ich Ihr, er würde nimmer mein. Julie . Und von dem reichen Herrn Mercatio? Lucette . Von seinem Gelde gut, von ihm so so. Julie . Laß hören, was du von dem jungen Proteus sagst. Lucette . Gott, Gott: wie du uns doch mit Thorheit plagst: Julie . Warum ergreift so sehr der Name dich? Lucette . Verzeiht mir, Fräulein; doch ich schäme mich, Daß ich unwürdge Dirne richten soll Ueber einen Herrn so schön und anmuthvoll. Julie . Du mochtest doch von allen andern sprechen. Lucette . Er scheint mir alle andern auszustechen. Julie . Dein Grund? Lucette .                 Ich weiß nur einen Weibergrund: Er scheint mir so nur, weil er mir so scheint. Julie . Du räthst, ich soll ihm meine Liebe schenken? Lucette . Ja, wenn ihr sie nicht weggeworfen glaubt. Julie . Er ganz allein hat nie um mich geworben. Lucette . Er ganz allein wär fast um euch gestorben. Julie . Sein Schweigen zeigt, daß er für mich nicht fühlt. Lucette . Verschloßne Glut ist die am Tiefsten wühlt. Julie . Die lieben nicht, die keine Liebe zeigen. Lucette . Die Liebe bergen ist Verliebten eigen. Julie . O kennt ich doch sein Herz! Lucette .                                           Lest, Fräulein, dieß Papier. Julie . »An Julie«. Ei, von wem? Lucette .                                       Der Inhalt weist es aus. Julie . Wer aber gab es dir? Lucette . Der Page Valentins, den Proteus sandte. Er dacht es Euch zu geben, doch weil er euch nicht sah, Nahm ichs in euerm Namen; verzeiht, daß es geschah. Julie . Ei meiner Treu: 'ne feine Kupplerin! Wagst du verliebte Zeilen anzunehmen? Dich wider meine Jugend zu verschwören? Nun, auf mein Wort, das ist ein ehrbar Amt, Und du Beamte werth des Ehrenamts! Da, nimm das Blatt, heiß es ihm wiedergeben, Sonst komm mir nimmer wieder vor die Augen. Lucette . Wer für die Liebe spricht, soll man den haßen? Julie . Wirst du wohl gehn? Lucette .                               Und euch erwägen laßen. (Ab.) Julie . Und doch – hätt ich den Brief nur erst durchlesen! Ich schäme mich, sie wieder herzurufen, Um das zu thun, um das ich sie gescholten. Die Thörin weiß, daß ich ein Mädchen bin, Und zwingt mich doch nicht, diesen Brief zu lesen! Nein sagt ein Mädchen aus Bescheidenheit Und wünscht, der Frager deut' es ihr als Ja. Weh, wie verkehrt ist diese thörge Liebe, Die wie ein trotzig Kind die Amme kratzt, Und gleich gedemüthigt die Ruthe küsst: Wie ungestüm schalt ich Lucette fort, Als ich sie gerne bei mir haben wollte! Wie legt ich ärgerlich die Stirn in Falten, Als innerlich mein Herz vor Freude lachte! Zur Strafe ruf ich jetzt zurück Lucetten Und bitte sie, die Schuld mir zu verzeihn. Heda, Lucette! (Lucette kommt zurück.) Lucette .                 Was befiehlt eur Gnaden? Julie . Ist noch nicht Eßenszeit? Lucette .                                       Ich wollt, es wäre: So kühltet ihr eur Müthchen an den Speisen Statt an dem Mädchen. Julie .                                     Was hebst du auf so schnell? Lucette . Nichts. Julie .                   Nichts? warum denn bückst du dich? Lucette .                                                                             Ich nahm Ein Blatt vom Boden, das mir erst entfiel. Julie . Und ist ein Blatt nichts? Lucette .                                     Nichts, das mich betrifft. Julie . So laß für die es liegen, die's betrifft. Lucette . Es wird für die nicht lügen, die's betrifft, Wenn es nicht etwa falsche Deutung findet. Julie . Vielleicht daß dir ein Schatz in Versen schrieb. Lucette . Daß ich sie säng auf eure Melodie? Ihr setzt ja, Fräulein: findet mir die Weise. Julie . Ich setze wenig Werth auf solchen Tand. Sing es nur nach der Weise: Leichte Liebe! Lucette . Es ist zu schwer für solche leichte Weise. Julie . Zu schwer? Es geht doch wohl mit keiner Bürde? Lucette . Melodisch wird es nur, wenn Ihr es singt. Julie . Warum nicht du? Lucette .                         Ich reiche nicht so hoch. Julie . Laß sehn dein Lied. (Lucette giebt ihr den Brief.)                                           Was soll das sein, du Schalk! Lucette . Nein, bleibt im Ton und singts darin zu Ende. Und doch im Grund missfällt mir dieser Ton. Julie . Weswegen denn? Lucette .                         Fräulein, er ist zu scharf. Julie . Du bist zu unverschämt. Lucette .                                     Nun wird es platt. So störrisch bringt ihrs nicht zur Harmonie: Bequemt euch, den Tenor hinzuzunehmen. Julie . Du scheuchst ihn selbst mit ungestümem Bass. Lucette . Für Proteus bitt ich um den Pass zu euch. Julie . Nicht länger soll mich dieß Geschwätz verdrießen. Es ist doch nur ein Knäul von Liebesschwüren.         (Zerreißt den Brief.) Geh, mach dich fort, und laß die Stücken liegen. Du höbst sie doch nur auf, um mich zu ärgern. Lucette . Sie thut sehr spröd und sähs dabei recht gerne, Wenn bald ein zweiter Brief sie ärgerte. (Ab.) Julie . Nein, könnte mich der erste nur noch ärgern! Haßvolle Hände, Liebeswort zerreißt ihr! Treulose Wespen, freßt den süßen Honig Und stecht die Bienen todt, die ihn erzeugt! Zur Strafe küss ich jedes Stück Papier. »Gütige Julia!« – Ungütge Julia! Um deinen Undank zu bestrafen, werf ich Hier deinen Namen auf den harten Marmor Und trete höhnisch deinen Stolz mit Füßen. Ach sieh, hier steht »der liebeswunde Proteus.« Ach wundes Herz, mein Busen als ein Bett Herberge dich, bis ganz geheilt du bist; Die Wunde pfleg ich dir mit heilgem Kuss. Noch zwei- und dreimal steht hier Proteus Name, Still, guter Wind, blas mir kein Wort hinweg, Bis ich zur Letter las jedwede Letter, Nur meinen Namen nicht: den trage Sturm Zu einem Fels, der grausig überhängt, Und schleudr ihn dann in die empörte See! – Hier steht sein Name zwier in Einer Zeile, »Der arme Proteus, der verliebte Proteus Der holden Julia.« – Ach, das reiß ich ab. Nein, thu ichs nicht, weil ers so artig paart Mit seinem eignen kummervollen Namen. Ich will sie beide auf einander wickeln: Nun küßt, umarmt euch, zankt, thut was ihr wollt. ( Lucette kehrt zurück.) Lucette . Fräulein, kommt eßen: euer Vater wartet. Julie . Wohl, laß uns gehn. Lucette . Laßt ihr die Fetzen als Verräther liegen? Julie . Ist dir gelegen dran, so nimm sie mit. Lucette . Ihr nahmt mich mit, als ich den Brief euch gab; Doch nehm ich sie, sie könnten sich erkälten. Julie . Ich seh, du hast daran ein groß Behagen. Lucette . Ja, Ihr dürft sagen, Fräulein, was ihr seht; Auch Ich seh Dinge, schein ich gleich euch blind. Julie . Komm, komm: Beliebt es dir zu gehn? (Beide ab.) Dritter Auftritt. Zimmer in Antonios Hause. Antonio und Panthino treten auf. Antonio . Sag an, Panthino, welch ein ernst Gespräch Mein Bruder dort im Kloster mit dir hielt? Panthino . Von seinem Neffen Proteus, euerm Sohn. Antonio . Was ist mit dem? Panthino .                             Ihn wundre, daß Eur Gnaden Die Jugend ihn daheim verbringen laße, Da Mancher von geringerm Stand als ihr Den Sohn ins Weite schickt, sich auszubilden, Seis in den Krieg, sein Glück da zu versuchen, Seis, weitentlegne Inseln zu entdecken, Seis, zu studieren, auf die hohe Schule. Für eine solche Uebung, ja für alle, Meint er, sei Proteus, euer Sohn, geschickt, Und trug mir auf, euch dringend zuzureden, Daß ihr ihn länger nicht zu Hause haltet, Weil es im Alter ihm ein Vorwurf wäre, In seiner Jugend nicht gereist zu sein. Antonio . Du brauchst hierzu mir nicht viel zuzureden: Seit einem Monat schmied ich selbst daran. Erwogen hab ich auch den Zeitverlust Und daß er nie zum vollen Mann gedeiht, Wenn ihn die Welt nicht zeitigt und erzieht. Erfahrung läßt sich nur durch Müh erlangen; Im raschen Fluß der Jahre muß sie reifen. Doch sprich, wohin ich ihn am besten sende? Panthino . Ich denk, Eur Gnaden ist nicht unbekannt, Wie jetzt sein Freund, der junge Valentin, Am kaiserlichen Hofe Dienste nahm, Antonio . Ich weiß es wohl, Panthino . Es wär wohl gut, ihr schicktet ihn dahin: Da übt er sich im Stechen und Turnieren, Lernt höfschen Brauch, geht mit dem Adel um, Und bildet sich in jeder Fertigkeit, Die seinem Alter ziemt und seinem Stand. Antonio . Dein Rath gefällt mir, er ist wohl bedacht, Und daß du siehst, wie gut er mir gefällt, Will ich ihn alsobald vollstrecken laßen. Demnach gedenk ich ohne weitern Aufschub Den Sohn nun an des Kaisers Hof zu senden. Panthino . So wißt, daß morgen Don Alphonso reist Mit andern jungen Leuten hohen Rangs, Den Kaiser ehrerbietig zu begrüßen Und sich zu seinem Dienst bereit zu zeigen. Antonio . Das fügt sich gut, Proteus mag sie begleiten. Da kommt er just; jetzt will ichs ihm eröffnen. ( Proteus tritt auf.) Proteus . O süße Liebe! süße Zeilen! süßes Leben! Dieß ihre Hand, die mir ihr Herz bezeugt! Und dieß ihr Liebesschwur, ihr Ehrenpfand! Ach, billigten die Väter unsre Liebe Und krönten unser Glück durch ihren Beifall! O Engel Julia! Antonio . Wie stehts? Was liest du da für einen Brief? Proteus . Nur wenge Zeilen sind es, gnädger Vater, Worin mein Valentin mich grüßen läßt, Und die ein Freund mir bringt, der von ihm kommt. Antonio . Gieb mir den Brief; laß sehn, was schreibt er Neues? Proteus . Nichts Neues schreibt er mir, er schildert nur, Wie glücklich er da lebt und wie geliebt, Da täglich ihn der Kaiser neu begnadigt; Er wünscht mich hin, sein Glück mit ihm zu theilen. Antonio . Und hast du Lust, nach seinem Wunsch zu thun? Proteus . Herr, Euerm Willen hab ich mich zu fügen; Von meines Freundes Wunsch häng ich nicht ab. Antonio . Mein Will ist seinen Wünschen nah verwandt. Erstaune nicht, daß ich so schnell verfahre; Denn was ich will, das will ich: damit gut. Beschloßen ists, du sollst auf einge Zeit Mit Valentin am Kaiserhofe leben. Was er zum Unterhalt von Haus bezieht, Erhältst du auch von mir zum Jahrgehalt. Sei denn bereit, schon morgen abzureisen; Weich mir nicht aus, es ist unwiderruflich. Proteus . Herr, so geschwind bin ich nicht reisefertig: Nur ein Paar Tage gebt mir, mich zu sammeln. Antonio . Was du noch brauchst, das wird dir nachgeschickt. Zögre nicht länger: morgen must du fort. – Panthino komm: du must behülflich sein, Ihn für die Reise eiligst auszurüsten. (Antonio und Panthino ab.) Proteus . Das Feuer mied ich Thor, mich nicht zu brennen, Und stürzte mich ins Meer, wo ich ertrinke; Dem Vater wollt ich Juliens Brief nicht zeigen Aus Furcht, er möchte meine Liebe schelten, Und just den Vorwand, der mich schützen sollte, Benutzt er, meine Liebe zu verhindern. Wie gleicht der Liebe kurzer Lenz so sehr Doch des Apriltags unbeständgem Glanz: Jetzt scheint die Sonne noch in voller Pracht, Die Wolke kommt, verschwunden ist sie ganz. ( Panthino kommt.) Panthino . Herr Proteus, euer Vater fragt nach euch; Er ist sehr eilig, bitte, folgt ihm gleich. Proteus . So steht es denn: mein Herz ergiebt sich drein Und wehrt sich doch mit tausendfachem Nein. (Sie gehen ab.)     Zweiter Aufzug. Erster Auftritt. Mailand. Gemach im herzoglichen Pallast. Valentin und Sput treten auf. Sput . Herr, euer Handschuh. Valentin .                                 Nein, ich habe meinen. Sput . Doch wird er euer sein; ihr habt nur einen. Valentin . Wie? laß mich sehn: gieb her, ja, der ist mein – O süße Zierde, eines Kleinods Schrein! O Silvia, Silvia! Sput .                       Fräulein Silvia! Fräulein Silvia! Valentin . Was soll das, Schlingel? Sput .                                                 Sie wirds nicht hören, Herr! Valentin . Wer befahl dir, sie zu rufen? Sput . Euer Gnaden, Herr, wenn ich euch recht verstand. Valentin . Ja, du bist immer zu voreilig. Sput . Und jüngst schaltet ihr mich doch, weil ich zu langsam wäre. Valentin . Laß gut sein. Sage mir, kennst du Fräulein Silvia? Sput . Die euer Gnaden lieben? Valentin . Woher weist du, daß ich verliebt bin? Sput . Nun an diesen besondern Kennzeichen. Erstlich habt ihr gelernt, wie Herr Proteus die Arme übereinander zu schlagen wie ein Missvergnügter; an einem Liebeslied Gefallen zu finden wie ein Rothkehlchen; allein zu wandeln wie ein Pestkranker; zu seufzen wie ein Schulbube, der sein ABC verlor; zu weinen wie eine Dirne, die ihre Großmutter begraben hat; zu fasten wie Einer, der die Hungerkur braucht; zu wachen wie Einer, der Einbruch fürchtet, und zu winseln wie ein Bettler am Allerheiligentage. Früher pflegtet ihr, wenn ihr lachtet, wie ein Hahn zu krähen; wenn ihr giengt wie ein Löwe zu schreiten; wenn ihr fastetet, war es gleich nach dem Eßen; wenn ihr trübe drein saht, so wars, weil ihr kein Geld hattet. Jetzt aber hat euch ein Mädchen so verwandelt, daß ich euch, wenn ich euch ansehe, kaum für meinen Herrn halten kann. Valentin . Bemerkt man das Alles an mir? Sput . Man bemerkt das Alles außer euch. Valentin . Außer mir? Das kann nicht sein. Sput . Außer euch scheint unmöglich, weil Niemand außer euch so einfältig sein wird. Aber ihr seid so außer euch von diesen Thorheiten, daß diese Thorheiten in euch sind und in euch durchscheinen wie das Waßer in einem Uringlas. Jedes Auge, das euch sieht, wird augenblicklich zum Arzt und erräth eure Krankheit. Valentin . Aber sprich, kennst du das Fräulein Silvia? Sput . Die ihr so angafft, wenn sie bei Tische sitzt? Valentin . Hast du das bemerkt? Eben die mein' ich. Sput . Nein, Herr, ich kenne sie nicht. Valentin . Du bemerktest, daß ich sie angaffe und kennst sie nicht? Sput . Ist sie nicht verwachsen, Herr? Valentin . Sie ist schön, aber noch beßer gewachsen. Sput . Das weiß ich recht wohl. Valentin . Was weist du? Sput . Daß sie nicht so schön als euch ins Herz gewachsen ist. Valentin . Ich meine, ihre Schönheit ist überaus groß; aber ihr Wuchs unaussprechlich schön. Sput . Ja, weil das eine gemalt ist und das andere nicht der Rede werth. Valentin . Wie so, gemalt? und warum nicht der Rede werth? Sput . Ei Herr, sie schminkt sich so, daß Niemand von ihrer Schönheit spricht. Valentin . Wer bin Ich denn? Ich spreche von ihrer Schönheit. Sput . Ihr saht sie nicht, seit sie garstig ist. Valentin . Seit wann ist sie garstig? Sput . Seit ihr sie liebt. Valentin . Ich liebe sie, seit ich sie sah, und sehe sie immer noch schön. Sput . Wenn ihr sie liebt, könnt ihr sie nicht sehen. Valentin . Warum nicht? Sput . Weil die Liebe blind ist. O daß ihr meine Augen hättet! oder eure eigenen noch so gut sähen, als da Ihr Herrn Proteus schaltet, weil er ohne Kniebänder gieng. Valentin . Was würd ich dann sehen? Sput . Eure jetzige Thorheit und ihre ungewöhnliche Häßlichkeit; denn als Er verliebt war, sah er nicht darauf, seine Hosen zu schnallen, und Ihr, da ihr verliebt seid, seht nicht, ob ihr Hosen tragt. Valentin . So bist du wohl auch verliebt, Bursch, denn gestern Morgen sahst du nicht darauf, meine Schuhe zu putzen. Sput . Freilich, Herr; ich war in mein Bett verliebt. Ich dank euch, daß ihr mich für meine Verliebtheit wamstet: das giebt mir den Muth, euch für die eure zu schelten. Valentin . Kurz, ich stehe für sie in Flammen. Sput . Ich wollte, ihr setztet euch, so würde sich eure Liebe legen. Valentin . Gestern Abend trug sie mir auf, einige Zeilen an Einen zu richten, den sie liebt. Sput . Und das thatet ihr? Valentin . Ich that es. Sput . Sind sie nicht lahm geschrieben? Valentin . Nein, Bursch, so gut als ich nur konnte. – Still, da kommt sie. ( Silvia tritt auf.) Sput . O wie schön sie sich dreht! Eine treffliche Marionette! Jetzt wird er sie reden laßen. Valentin . Fräulein und Herrin, tausend gute Morgen! Sput . Gebt ihr einen guten Abend dazu, Eine Million von Complimenten: Silvia . Herr Valentin, mein Diener, Euch zweitausend. Sput . Er sollte Ihr Zinsen geben, und sie giebt sie Ihm. Valentin . Wie ihr mir auftrugt, schrieb ich euern Brief An den geheimen, unbenannten Freund; Ich gieng daran mit vielem Widerstreben, Und that es doch eur Gnaden zu gehorchen. Silvia . Ich dank euch, edler Diener. Recht geschickt! Valentin . Glaubt mir, Fräulein, es gieng mir schwer von Statten; Denn ungewiss, an Wen er gieng, schrieb ich Nur auf Gerathewohl in tausend Zweifeln. Silvia . Ihr schlagt die Mühe doch zu hoch wohl an? Valentin . Nein, Fräulein, frommt es euch, so schreib ich gern, Wenn ihr befehlt, noch tausendmal so viel. Und doch – Silvia . Ein hübscher Satz! Ich weiß den Schluß. Und doch – Sag ich ihn nicht, und doch – mich kümmerts nicht, Und doch – nehmt dieß zurück, und doch – ich dank euch, Und denk euch künftig nicht mehr zu bemühn. Sput . Und doch wird sie es thun, und doch und doch – Valentin . Was meint Ew. Gnaden? Hats euch nicht gefallen? Silvia . Doch, doch, recht artig schriebt ihr diese Zeilen; Doch weil ihrs ungern thatet, nehmt sie wieder. Nun, nehmt sie nur. Valentin .                         Fräulein, sie sind für euch. Silvia . Ganz recht; ihr schriebt sie, Herr, auf meinen Wunsch; Allein ich will sie nicht, sie sind für euch. Ich hätte sie noch rührender gewünscht. Valentin . Wenn euch beliebt, schreib ich euch einen andern. Silvia . Und wenn er fertig ist, lest ihn statt meiner; Gefällt er euch, ists gut, wo nicht, auch gut. Valentin . Und wenn er mir gefällt, Fräulein, was dann? Silvia . Gefällt er euch, so nehmt ihn für die Mühe. So guten Morgen, Diener: (Ab.) Sput . O unbegriffner, unerforschter, unsichtbarer Spaß, Wie die Wetterfahn auf dem Kirchthurm, im Gesicht die Nas! Mein Herr macht ihr den Hof, sie unterweist den Verehrer Und macht ihren Schüler sich zum eigenen Lehrer. O ganz ausbündger Scherz, ist Beßres aufzutreiben? Mein Herr als Secretär muß an sich selber schreiben. Valentin . Na Bursche, was räsonierst du da inwendig? Sput . Nein, Ich meinte nur; die Räson habt Ihr. Valentin . Wozu denn? Sput . Freiwerber für Fräulein Silvia zu sein. Valentin . Bei wem denn? Sput . Bei euch selbst. Sie wirbt um euch figürlich. Valentin . Wieso figürlich? Sput . Durch einen Brief nämlich. Valentin . Sie hat ja nicht an mich geschrieben. Sput . Wozu auch? da sie euch an euch selber schreiben ließ. Nun, merkt ihr den Spaß? Valentin . Nein, glaube mir. Sput . Es ist unglaublich: Saht ihr denn ihren Ernst nicht? Valentin . Sie zeigte keinen als ein zornig Wort. Sput . Sie gab euch ja einen Brief. Valentin . Ja den Brief, den ich an ihren Freund schrieb. Sput . Und den Brief gab sie an seine Adresse und damit Punctum. Valentin . Ich wollt, es wär nicht schlimmer. Sput .                                                                 Ich steh dafür, so ists. Ihr schriebet oft an sie, doch Sie aus Sittsamkeit Schrieb nicht zurück, vielleicht gebrach ihr auch die Zeit; Oder war es Furcht, der Bote verrieth' ihre Liebe: Kurz, sie gebot dem Liebsten, daß er dem Liebsten schriebe. Dieß sprach ich wie gedruckt, denn ich fands in einem Buch. – Was sinnt ihr, Herr? 's ist Eßenszeit. Valentin . Mich hungert nicht. Sput . Ja, aber hört, Herr; obgleich das Camäleon Liebe von der Luft leben kann, so bin Ich doch einer, der sich von Victualien nährt und möchte gern eßen. O seid nicht wie eure Geliebte, laßt euch rühren, laßt euch rühren! (Beide ab.) Zweiter Auftritt. Verona. Zimmer in Juliens Hause. Proteus und Julie treten auf. Proteus . Gedulde dich doch, liebe Julie. Julie . Ich muß wohl, da kein Mittel ist. Proteus . Sobald als möglich will ich wiederkehren. Julie . Wenn du dich nicht verkehrst, so kehrst du wieder. Nimm diesen Ring und denk an deine Julie.         (Giebt ihm einen Ring.) Proteus . Gut, laß uns tauschen, diesen nimm dagegen. Julie . Ein heilger Kuss sei unsres Bundes Siegel. Proteus . Nimm meine Hand zum Bürgen ewger Treue, Und wenn im Tag mir Eine Stund entschlüpft, In der ich nicht um meine Julie seufze, So strafe mich die nächste Stunde gleich Mit schwerem Unheil für vergeßne Liebe. Mein Vater wartet mein; entgegne nichts! Die Flut ist da; nicht deiner Thränen Flut. Die hält mich länger als ich weilen sollte.         (Julie ab.) Julie, leb wohl: – Wie, ohn ein Wort gegangen? Ja, so thut treue Liebe, sie verstummt. Mit Thaten schmückt sich Treue, nicht mit Worten. ( Panthino tritt auf.) Panthino . Man wartet euer, Herr! Proteus .                                           Ich eile drum. Ach, solch ein Abschied macht Verliebte stumm. (Beide ab.) Dritter Auftritt. Straße in Verona. Lanz tritt auf, einen Hund am Seile. Lanz . Ne, es wird eine Stunde hingehen eh ich ausgeweint habe; das ganze Geschlecht der Lanze hat diesen Fehler. Ich habe mein Erbtheil empfangen wie der verlorne Sohn und gehe mit Herrn Proteus an des Kaisers Hof. Ich glaube Krabb, mein Hund, ist der allerunbarmherzigste Hund in der ganzen Welt. Meine Mutter weinte, mein Vater wehklagte, meine Schwester schrie, unsre Magd heulte, unsre Katze rang die Hände und unser ganzes Haus war in der grösten Bestürzung, und dieser grausame Köter ließ nicht Eine Thräne fallen. Er ist ein Stein, ein wahrer Kieselstein und hat nicht mehr Erbarmen in sich als ein Hund. Ein Jude hätte geweint, wenn er unsern Abschied gesehen hätte. Selbst meine Großmutter, die keine Augen hat, seht ihr, weinte sich blind bei meinem Abschied. Nun ich will euch zeigen, wie es dabei hergieng. Dieser Schuh ist mein Vater; nein, dieser linke Schuh ist mein Vater; nein, nein, dieser linke Schuh ist meine Mutter – nein, so kann es auch nicht sein. Ja doch, ja, so ists, seine Sohle ist am schlechtesten. Dieser Schuh, mit dem Loch darin, ist meine Mutter, und dieser mein Vater; zum Henker, ja so ists. Jetzt, Herr, ist dieser Stab meine Schwester, denn seht ihr, sie ist so weiß wie eine Lilie und so schlank wie ein Stecken. Dieser Hut ist Anna, unsre Magd, und ich bin der Hund. Nein, der Hund ist er selbst, und ich bin der Hund. Ach, der Hund ist ich, und ich bin ich selbst. Ja, so ists. Nun komm ich zu meinem Vater. Vater, euern Segen! Nun kann der Schuh nicht ein Wort sprechen vor Weinen; ich will meinen Vater küssen: er weint immerzu. Jetzt komm ich zu meiner Mutter; wenn der Schuh nur sprechen könnte wie ein sinnlos Weib: Gut, ich küsse sie (küsst den Schuh) : ja, recht natürlich: das ist ganz meiner Mutter Athem. Nun komm ich zu meiner Schwester (nimmt den Stock) : seht nur, wie sie zittert – und bei alledem vergießt der Hund keine Thräne und spricht kein Wort; und ihr seht doch, wie ich den Staub mit meinen Thränen zu Boden schlage. ( Panthino tritt auf ) Panthino . Fort, fort, Lanz, an Bord! Dein Herr ist eingeschifft und du wirst nachrudern müßen. Was soll das heißen? warum weinst du, Kerl? Fort, Esel, du verlierst die Flut, wenn du noch länger zögerst. Lanz . Ich zögre was ich kann, aber es ist das unempfindsamste Vieh, das je am Strick gezogen ward. Panthino . Was ist das unempfindsamste Vieh? Lanz . Krabb, mein Hund, den ich hier ziehe. Panthino . Schweig, Kerl, du verlierst die Flut, und wenn du die Flut verlierst, verlierst du die Reise; wenn du die Reise verlierst, verlierst du den Herrn; wenn du den Herrn verlierst, verlierst du den Dienst, und wenn du den Dienst verlierst – Warum hältst du mir den Mund zu? Lanz . Damit du deine Zunge nicht verlierst. Panthino . Wie sollt ich meine Zunge verlieren? Lanz . Mit Schwätzen. Panthino . Mit Schwänzen? Lanz . Die Flut verlieren, und die Reise und den Herrn und den Dienst um den Hund: Glaube mir, Mann, wenn der Sund vertrocknet, bin ich im Stande, ihn mit meinen Thränen zu füllen, und wenn der Wind sich legt, treib ich das Boot mit meinen Seufzern. Panthino . Komm fort, Kerl: ich bin geschickt, dich zu rufen. Lanz . Gut, so rufe mich. Panthino . Wirst du gehen? Lanz . Ja, ich gehe. Vierter Auftritt. Mailand. Zimmer im herzoglichen Pallast. Valentin , Silvia , Thurio und Sput treten auf. Silvia . Diener! Valentin . Herrin! Sput . Herr, Thurio runzelt die Stirn gegen euch. Valentin . Ja, Bursch, aus Liebe, Sput . Aber nicht zu euch. Valentin . Zu meiner Herrin denn. Sput . Ihr solltet ihm eins versetzen. Silvia . Diener, ihr seid verdrießlich. Sput . In der That, Fräulein, ich scheine so. Silvia . Scheint ihr was ihr nicht seid? Valentin . Wohl möglich: Thurio . Das thun Gemälde. Valentin . Das thut ihr. Thurio . Was schein ich, das ich nicht bin? Valentin . Weise. Thurio . Und was beweist das Gegentheil? Valentin . Eure Narrheit. Thurio . Und woran erkennt ihr meine Narrheit? Valentin . An euerm Wams. Thurio . Mein Wams ist ein Doppelwams. Valentin . Gut, so verdopple ich auch eure Narrheit. Thurio . Wie? Silvia . Was? erzürnt, Signor Thurio? ihr wechselt ja die Farbe. Valentin . Seht es ihm nach, Fräulein; er ist eine Art von Chamäleon. Thurio . Das mehr Lust hat euer Blut zu trinken als in eurer Luft zu leben. Valentin . Ihr habt gesprochen, Herr! Thurio . Ja Herr, und gehandelt für dießmal! Valentin . Ich weiß wohl, Herr: ihr seid immer fertig, eh ihr anfangt. Silvia . Eine hübsche Ladung Worte, meine Herrn, und lustig losgebrannt. Valentin . So ist es, Fräulein; wir danken dem Geber. Silvia . Wer ist das, Diener? Valentin . Ihr selbst, schönes Fräulein, denn Ihr gabt das Feuer; Signor Thurio borgt seinen Witz von euer Hoheit Blicken und verschwendet, was er borgt, in eurer Gegenwart. Thurio . Signor, wenn ihr Wort gegen Wort mit mir wechselt, so werde ich euern Witz bankerott machen. Valentin . Ich weiß wohl, Herr, ihr habt einen Schatz von Worten und, wie es scheint, kein ander Geld, eure Bedienten zu bezahlen; denn man sieht es an ihren kahlen Livreen, daß sie von euern kahlen Worten leben. Silvia . Nicht weiter, meine Herren: hier kommt mein Vater. (Der Herzog tritt auf.) Herzog . Nun, Tochter Silvia, du bist hart belagert. – Eur Vater, Signor Valentin, ist wohl. Was sagt ihr denn zu Briefen von den Euern Mit guter Zeitung? Valentin .                       Mein Fürst, ich danke Jedem, Der mir von dort willkommne Botschaft bringt. Herzog . Kennt ihr wohl euern Landsmann, Don Antonio? Valentin . Ja, gnädger Herr, er ist ein Edelmann Vom besten Ruf und allgemeiner Achtung, Der nach Verdienst so hoch im Ansehn steht. Herzog . Hat er nicht einen Sohn? Valentin . Ja, einen Sohn, mein Fürst, der seines Vaters Ansehn und Ruf zu erben wohl verdient. Herzog . Ihr kennt ihn näher? Valentin . Ich kenn ihn wie mich selbst: von Kindheit auf Verbrachten wir zusammen unsre Stunden, Und hab ich selber auch als Müßiggänger Nicht mit dem reichen Schatz der Zeit gewuchert, In Engelweisheit künftig mich zu kleiden, So nützte Proteus doch, das ist sein Name, Mit großem Vortheil seine Tage beßer: Er ist an Jahren jung, alt an Erfahrung, Sein Haupt ist jugendlich, sein Urtheil reif. Mit Einem Wort (denn hinter seinem Werth Bleibt weit zurück das Lob, das ich ihm gab). Er ist vollkommen an Gestalt und Geist Und Alles ziert ihn was den Edeln schmückt. Herzog . Wahrhaftig, Freund, wenn er dieß Wort bewährte, Wär er der Liebe einer Kaisrin werth Und schickte sich zu eines Kaisers Rath. Nun, dieser Edelmann ist angekommen, Durch Briefe mächtger Herrn mir wohlempfohlen, Denn er gedenkt hier einge Zeit zu bleiben. Die Nachricht wird euch wohl willkommen sein. Valentin . Hatt ich noch einen Wunsch, so war es der. Herzog . Nun, so bewillkommt ihn nach seinem Werth; Dich mein ich, Silvia, und euch, Herr Thurio – Da Valentin es ungeheißen thut. Ich send ihn alsobald hieher zu euch. (Ab.) Valentin . Dieß, Fräulein, ist der Freund, von dem ich sprach, Der mit mir kam, hielt ihm die Freundin nicht Die Augen mit krystallnem Blick gefeßelt. Silvia . Sie hat sie jetzt wohl wieder losgelaßen, Nachdem er ihr ein andres Pfand bestellt. Valentin . Sie hält sie sicherlich noch immer fest. Silvia . So muß er blind sein; ist er aber blind, Wie sah er dann den Weg, euch aufzusuchen? Valentin . Ach, Liebe hat der Augen vierzig wohl. Thurio . Man sagt, die Liebe habe gar kein Auge. Valentin . Für Liebende wie Ihr seid, hat sie keine: Sie schließt den Blick, wenn sich Gemeinheit naht. Silvia . Genug, genug. hier kommt schon unser Gast. ( Proteus tritt auf.) Valentin . Willkommen, lieber Proteus: Fräulein, bitte, Heißt ihn willkommen mit besondrer Gunst. Silvia . Sein Werth verbürgt ihm sein Willkommen schon, Wenn Er es ist, nach dem ihr oft gefragt. Valentin . Der ist es, Herrin. Gönnt ihm, holdes Fräulein, Mir beigesellt zu sein in euerm Dienst. Silvia . Zu niedre Herrin für so hohen Diener – Proteus . Nein, holdes Fräulein, zu geringer Diener Für einen Blick nur solcher hohen Herrin. Valentin . Laßt diese Reden von Unwürdigkeit. Nehmt, holdes Fräulein, ihn zum Diener an. Proteus . Ergebenheit allein hab ich zu rühmen. Silvia . Und nie hat Lohn Ergebenheit vermisst: Willkommen Diener der unwürdgen Herrin! Proteus . Ich schlüg ihn todt, der außer euch so spräche. Silvia . Daß ihr willkommen seid? Proteus .                                         Nein, daß ihr unwerth. (Ein Diener tritt auf.) Diener . Fräulein, der Herr, eur Vater, will euch sprechen. Silvia . Ich bin ihm zu Befehl. (Diener ab.) Herr Thurio, Begleitet mich. – Nochmals willkommen, Diener! Jetzt mögt ihr von der Heimat euch besprechen; Ist das geschehn, so laßt uns von euch hören. Proteus . Wir werden beid eur Gnaden zu Gebot stehn. (Silvia, Thurio mit Sput ab.) Valentin . Nun sprich, wie gieng es Allen denn daheim? Proteus . Die Deinen sind gesund und grüßen herzlich. Valentin . Wie gehts den Deinen? Proteus .                                         Sie sind alle wohl. Valentin . Wie steht es um dein Lieb und eure Liebe? Proteus . Wenn ich von Liebe sprach, war dirs zur Last: Ich weiß, du hältst nicht viel von Liebessachen. Valentin . Ja, Proteus; doch dieß ist nun Alles anders. Ich habs gebüßt, daß ich die Liebe schalt; Ihr stolzer Herschersinn hat mich gestraft Mit strengem Fasten, reuevollem Gram, Mit Thränen Nachts und Tags mit schweren Seufzern; Denn die verschmähte Lieb an mir zu rächen, Nahm sie den Schlaf von den besiegten Augen Und machte sie zu Wächtern meines Harms. O Proteus, Amor ist ein mächtger Fürst! Er hat mich so gebeugt, daß ich bekenne, Kein Schmerz ist seiner Züchtgung zu vergleichen, Und wie sein Dienst beglückt auf Erden nichts! Jetzt kein Gespräch als nur allein von Liebe; Für Frühstück, Mittag, Abendbrot und Schlaf Genügt mir jetzt der nackte Name Liebe. Proteus . Genug: dein Glück les ich in deinen Augen. War Sie die Göttin, die du so verehrst? Valentin . Ja sie; und ist sie nicht ein Himmelsbild? Proteus . Nein, doch ein irdisch Muster mag sie sein. Valentin . Nenne sie göttlich. Proteus .                                   Nein, ich schmeichl ihr nicht. Valentin . So schmeichle mir, denn Lob entzückt die Liebe. Proteus . Mir Liebesiechem gabst du bittre Pillen; Nun heil ich dich mit gleicher Arzenei. Valentin . So sprich von ihr die Wahrheit: wenn nicht göttlich, So sei sie eine doch der Himmelsmächte, Weit über den Geschöpfen dieser Welt. Proteus . Doch Julie nehm ich aus. Valentin .                                           Nimm Niemand aus, Du nähmst zuviel dir gegen sie heraus. Proteus . Hab ich nicht Recht, die Meine vorzuziehn? Valentin . Ich will ihr noch zu einem Vorzug helfen: Der hohen Ehre werde sie gewürdigt, Die Schleppe Silvien zu tragen, daß nicht Die niedre Erde Küsse stiehlt dem Kleid Und, stolz geworden ob so großem Glück, Der Sommerblumen Pracht zu tragen weigert, Und so der rauhe Winter ewig währt. Proteus . Schäm dich doch, Valentin, der Pralerei! Valentin . Vergieb mir: gegen sie ist das noch nichts. Vor ihr wird aller Andern Werth zu nichte, So einzig ist sie. Proteus .                   So laß sie einzig bleiben! Valentin . Nicht um die Welt: Ja, Freund, sie ist die Meine, Und ich so reich in des Juwels Besitz Als zwanzig Seen, wär Perlen all ihr Sand, Nectar die Flut und schieres Gold die Felsen. Verzeih, daß ich jetzt dein so wenig achte; Du siehst, wie mich die Liebe rasend macht. Der Thor, mein Nebenbuhler, den der Vater Vorzieht allein des großen Reichtums wegen, Gieng fort mit ihr, und ich muß eilends nach, Denn Liebe, weist du, ist voll Eifersucht. Proteus . Doch Sie liebt Dich? Valentin .                                   Ja, und wir sind verlobt; Noch mehr, sogar die Stunde der Vermählung Und der Entwurf, wie wir entfliehen wollen, Ist festgestellt: aus Stricken ist die Leiter, Die mich ans Fenster trägt, und jedes Mittel Bedacht und zugesagt zu meinem Glück. Komm, lieber Proteus, mit mir auf mein Zimmer, Daß mir dein Rath in dieser Sache helfe. Proteus . Geh nur voraus; ich will dich schon erfragen. Ich muß zur Rhed, um Alles auszuschiffen Was ich als noth zur Reise bei mir führe; Dann bin ich gleich bereit zu deinen Diensten. Valentin . Und wirst du dich beeilen? Proteus .                                                 Sicherlich. (Valentin ab.) Proteus . Wie Eine Glut die andre wohl vertreibt, Der stärkre Nagel leicht den schwächern ausdrängt, So ist der frühern Lieb Erinnerung Durch diesen neuen Eindruck ausgelöscht. Ist es mein Aug, ists meines Freundes Lob, Ist es ihr Werth, mein falscher Unbestand, Was mich Unsinngen so gesonnen macht? Schön ist sie, schön war Julie, die ich liebe – Nein liebte, denn die Lieb ist weggethaut, Und wie ein Wachsbild an des Feuers Glut Schwand die Erinnerung sogar an sie. Auch fühl ich mich für Valentin erkaltet, Ich glaub ihn nicht zu lieben mehr wie sonst; Doch ach sein Fräulein lieb ich nur zu sehr: Das ist der Grund wohl, Ihn nicht mehr zu lieben. Kenn ich sie erst, wie werd ich für sie schwärmen, Die ich schon liebe, ohne sie zu kennen: Ihr Außenbild nur hab ich jetzt gesehn. Das hat mir schon die Sinne schier geblendet; Erkenn ich erst die innere Vollendung, So hilft kein Mittel mehr, ich werde blind. Die irre Liebe will ich gern bezwingen; Gehts nicht, um jeden Preis sie mir erringen. (Ab.) Fünfter Auftritt. Straße. Sput und Lanz treten auf. Sput . Lanz! bei meiner Ehre. Willkommen in Mailand! Lanz . Verschwör dich nicht, süßer Junge, denn ich bin nicht willkommen. Ich rechne so: ein Mann ist nicht eher verloren bis er gehängt ist, und nicht eher willkommen bis er seine Zeche bezahlt hat und seine Wirthin ihn willkommen heißt. Sput . Komm her, du Tollkopf, ich will gleich ins Bierhaus mit dir, wo du für fünf Pfennige fünftausend Willkommen haben sollst. Aber, Mensch, welchen Abschied nahm dein Herr von Fräulein Julie? Lanz . Nun, nachdem sie im Ernst eins geworden waren, schieden sie ganz artig im Scherz. Sput . Aber wird sie ihn heiraten? Lanz . Nein. Sput . Wie so? Wird er sie heiraten? Lanz . Nein, auch nicht. Sput . Wie, sind sie auseinander? Lanz . Nein, sie sind so gesund und heil wie der beste Fisch. Sput . Ja, wie steht es denn mit ihnen? Lanz . Nun so: wenn es wohl mit ihm steht, steht es wohl mit ihr. Sput . Was du ein Esel bist: Ich verstehe dich nicht. Lanz . Was du ein Klotz bist, daß dus nicht kannst: Mein Stock versteht mich. Sput . Was du sagst? Lanz . Ja und was ich thue dazu. Sieh nur, ich lehne mich drauf, und mein Stock versteht mich. Sput . Er hilft dir stehn, das ist richtig. Lanz . Nun verstehen und zum stehen helfen ist doch gleich. Sput . Aber in Ernst, giebt es eine Heirat? Lanz . Frag meinen Hund: wenn er ja sagt, so giebt es eine; wenn er nein sagt, giebts eine; wedelt er aber mit dem Schwanz und sagt nichts, giebt es auch eine. Sput . Das Ende vom Lied ist also: es giebt eine. Lanz . Du sollst niemals solch ein Geheimniss aus mir herausbringen als durch ein Gleichniß. Sput . Schon gut, wenn ichs nur so herausbringe. Aber, Lanz, was sagst du dazu, daß mein Herr jetzt so liebestrunken geworden ist? Lanz . Ich hab ihn nie anders gekannt. Sput . Als wie? Lanz . Als daß er die Trunkenheit liebte, wie du von ihm sagtest. Sput . Ei du Steinesel, du mißverstehst mich. Lanz . Ei Narr, ich meine dich ja nicht, ich meine deinen Herrn. Sput . Ich sage dir, mein Herr ist liebesbrünstig geworden. Lanz . Und ich sage dir, meinethalb mag er vor Liebe zu Asche brennen. Wenn du mit mir in ein Bierhaus willst, recht; wo nicht, so bist du ein Hebräer, ein Jude, und nicht werth, ein Christ zu heißen. Sput . Warum nicht? Lanz . Weil du nicht so viel christliche Liebe in dir hast, mit einem Christen zu Biere zu gehen. Gehst du mit? Sput . Dir zu Liebe. (Beide ab.) Sechster Auftritt. Proteus tritt auf. Proteus . Verlaß ich Julien, so ist es Meineid; Lieb ich Schön Silvia, so ist es Meineid; Verrath ich meinen Freund, ists doppelt Meineid. Dieselbe Macht, die mich zum Schwören brachte, Verlockt mich jetzt, dreifach die Treu zu brechen: Zum Eide trieb, zum Meineid treibt die Liebe. Süße Verführerin, dein war die Sünde: So lehre mich Verführten, sie entschuldgen, Ein glitzernd Sternlein hab ich erst verehrt; Jetzt bet ich zu der lichten Himmelssonne. Unklugen Eid räth Klugheit an zu brechen,' Und Dem fehlt Witz, dem der Entschluß gebricht, Den Witz zu lehren, Gut mit Schlecht zu tauschen. – Verleumderische Zunge, nennst du schlecht, Die du so oft als höchstes Gut gepriesen Mit zwanzigtausend herzentsprungnen Eiden? Nicht laßen kann ich Liebe und doch thu ichs, Doch laß ich da sie, wo ich lieben sollte: Ich laße Julie, laße Valentin. Behalt ich sie, so laß ich von mir selber; Verlaß ich sie, so find ich im Verlust Für Valentin mich selbst, für Julien Silvia. Ich bin mir selber lieber als der Freund, Denn Liebe hält sich selbst am werthesten. Und Silvia, bei dem Gott, der schön sie schuf! Stellt Julien als schwarzen Mohren dar. Ich will vergeßen, daß noch Julie lebt, Nur wißen, mein Gefühl für sie sei todt; Und Valentin will ich als Feind betrachten, Der Silvien mir, die süße Freundin, raubt. Ich kann mir selber nicht die Treue halten, Begeh ich nicht Verrath an Valentin. – Mit einer Leiter will er diese Nacht Ins Fenster dir, göttliche Silvia, steigen; Er selbst vertraut' es mir, dem Nebenbuhler. Gleich will ich ihrem Vater Kunde geben, Daß sie verkleidet zu entfliehn gedenken: Der, zornentbrannt, wird Valentin verbannen; Denn Thurio, will er, soll die Tochter frein. Doch ist erst Jener fort, durchkreuz ich rasch Mit schlauem Kniff des blöden Thurio Werbung. Leih, Liebe, mir die Schwingen zu dem Flug; Du liehst, dieß zu erdenken, Witz genug. (Ab.) Siebenter Auftritt. Verona. Zimmer in Juliens Hause. Julie und Lucette treten auf. Julie . Rath mir, Lucette, liebes Mädchen, hilf! Und bei der Liebe selbst beschwör ich dich, Die du die Tafel bist, der meine Wünsche Sichtbar sind aufgeprägt und eingeritzt: O steh mir bei, und lehre mich ein Mittel, Wie ich mit Ehren eine Reise mag Zu meinem lieben Proteus unternehmen. Lucette . O weh, beschwerlich ist der Weg und lang. Julie . Ein treu andächtger Pilger wird nicht müde, Am Stabe Königreiche zu durchmeßen. Wie sollt es die, der Liebe Flügel gab? Wenn sie der Flug so edelm Freund vereint, So göttlicher Vollkommenheit wie Proteus. Lucette . Ihr harrtet beßer bis er wiederkehrt. Julie . Du weist, ich lebe nur von seinem Blick. Erbarme dich des Hungers, der mich auszehrt, Da ich so lange schon nach Nahrung schmachte. O wüstest du, wie Lieb im Innern wühlt, Du würdest eh mit Schnee ein Feuer zünden Als Liebesglut mit Worten löschen wollen. Lucette . Ich will nicht eurer Liebe Feuer löschen, Des Feuers wilden Ausbruch nur verhüten, Daß es der Klugheit Schranken nicht durchbricht. Julie . Jemehr du dämmst, je heftger loderts auf. Der Bach, der nur mit sanftem Murmeln gleitet, Wird er gestaut, du weist, tobt ungeduldig; Doch wird sein schöner Lauf nicht aufgehalten, Tönt er melodisch fort auf Marmorschmelz, Schmiegt sich mit zartem Kuss an jedes Ried, Das ihm auf seiner Pilgerfahrt begegnet, Und so in buchtger Schlangenwindung trägt ihn Muthwillger Scherz zum wilden Ocean. Drum laß mich gehn und wehr nicht meinem Lauf. Ich bin geduldig wie ein sanfter Strom, Und jeder müde Schritt wird mir zur Kurzweil Bis mich der letzte bringt zu dem Geliebten: Dort will ich ruhn, wie nach des Lebens Stürmen Ein selger Geist wohnt in Elysium. Lucette . Allein in welchem Anzug wollt ihr ziehn? Julie . Nicht als ein Mädchen, denn vermeiden möcht ich Lose Begegnung ungezogner Männer. Besorge mir, Lucettchen, solch Gewand, Wie es gesetztem Edelknaben ziemt. Lucette . Dann müßt ihr, Fräulein, euer Haar verschneiden. Julie . Nein, Schatz, ich bind es auf mit seidnem Band, Mit zwanzig engverschlungnen Liebesknoten. Phantastisches Gewand mag selbst noch reiferm Jüngling wohl anstehn, als ich spielen will. Lucette . Doch welchen Zuschnitt geb ich euern Hosen? Julie . Das klingt beinah wie: »Sagt mir, guter Herr, Von welchem Umfang soll eur Reifrock sein?« Mach sie nur wie es dir gefällt, Lucette. Lucette . Ihr müßt sie wohl mit einem Lätzchen tragen. Julie . Nicht doch, Lucette: übel ließe das, Lucette . Die runde Hos ist keiner Nadel werth: Ein Latz muß sein, und wärs zum Nadelkissen. Julie . Lucette, liebst du mich, so schaffe mir Was dir gefällt und sich am besten ziemt. Doch sag mir, Herz, was wird die Welt wohl sagen, Wenn sie von so leichtsinnger Reise hört? Ich fürcht, es bringt mich in der Leute Mund. Lucette . Wenn ihr das glaubt, so bleibt und reiset nicht. Julie . Das will ich eben nicht. Lucette . Dann denkt auch des Geredes nicht und geht. Freut Proteus sich der Reise, wenn ihr kommt, So lästre wer da will, wenn ihrs nicht hört. Ich fürchte nur, es wird ihm nicht gefallen. Julie . Das ist, Lucette, meine kleinste Sorge. Denn tausend Eide und ein Weltmeer Thränen, Unendlichkeit der Liebe zu betheuern, Bezeugen, daß ich ihm willkommen bin. Lucette . Das Alles dient betrügerischen Männern. Julie . Gemein, wers zu gemeinen Zwecken braucht! Proteus Geburt beschien ein treurer Stern: Sein Wort ist Eid, sein Schwur wie ein Orakel, Sein Lieben wahr und sein Gedanke rein; Von Herzen kommt sein Weinen, der Gefährde Ist er so fern als Himmel von der Erde. Lucette . Gott geb, es sei so, wenn ihr zu ihm kommt. Julie . Wenn du mich liebst, so thu ihm nicht den Schimpf, Von meines Proteus Treu so schlecht zu denken. Nur, lobst du ihn, verdienst du meine Liebe. Jetzt aber folge mir zu meinem Zimmer Und nimm die Liste des was ich bedarf, Mich zur ersehnten Reise zu bereiten; Sonst bleibt dir zur Verfügung all mein Gut, Mein Land, mein Hausgeräth, mein guter Ruf: Für Alles das hilf eilends mir von hinnen. Antworte nicht, laß uns zur Sache schreiten, Denn jeder Aufschub macht mich ungeduldig. (Beide ab.)     Dritter Aufzug. Erster Auftritt. Mailand. Vorzimmer im herzoglichen Pallast. Der Herzog , Thurio und Proteus treten auf. Herzog . Laßt uns jetzt, Thurio, kurze Zeit allein: Wir haben was Geheimes zu verhandeln.         (Thurio ab.) Nun sprich, Proteus: was hast du mir zu sagen? Proteus . Mein gnädger Fürst, was ich eröffnen wollte, Heißt das Gesetz der Freundschaft mich verhehlen; Gedenk ich aber eurer Gunst und Gnade, Die ihr so reich gewährt dem Unverdienten, So drängt mich doch die Pflicht, euch zu vertrauen Was sonst mir wohl kein Gut der Welt entriße. Wißt, edler Fürst, daß Valentin, mein Freund, Euch diese Nacht die Tochter will entführen; Er hat den Anschlag selber mir vertraut. Ich weiß, daß ihr sie Thurio zu geben Beschloßt, den eure schöne Tochter haßt; Und würde sie euch also weggestohlen, Das wär ein bittrer Kummer euerm Alter. Darum aus Pflichtgefühl gedacht ich, lieber Des Freundes Uebelthat zu hintertreiben Als sie verhehlend auf eur graues Haupt Ein Sorgenheer zu häufen, das entfeßelt Euch niederzöge in ein frühes Grab. Herzog . Proteus, ich danke dir die treue Sorge, Für die ich lebenslang dein Schuldner bleibe. Gar wohl bemerkt ich dieser Beiden Liebe, Wenn sie mich manchmal eingeschlafen wähnten, Und oft schon dacht ich Valentin den Hof Und ihren Umgang gänzlich zu verbieten; Aus Furcht jedoch, mein Argwohn blicke fehl Und möcht ihm unverdiente Kränkung zuziehn, Wie stäts ich Uebereilung gern vermied, Blickt ich ihn freundlich an, bis ich erkundet, Was du soeben mir verrathen hast. Und daß du siehst, wie ich dieß stäts gefürchtet, Wohlwißend, wie verführbar zarte Jugend, So schloß ich Nachts sie stäts auf Thurmeshöhe, Und nahm den Schlüßel selber in Verwahrung: Von dort sie zu entführen ist unmöglich. Proteus . Wißt, edler Herr, ein Mittel fanden sie, Wie er ihr Kammerfenster mag ersteigen Und auf gewundnem Seil sie niederlaßen: Darnach gieng eben der verliebte Jüngling Und kommt sogleich damit des Wegs zurück: Ihr mögt ihn, wenn ihr wollt, damit betreffen; Doch thut es so behutsam, edler Fürst, Daß er nicht merkt, wer ihn verrathen hat. Denn euch zu Lieb, nicht aus des Freundes Haß, Hab ich euch seinen Anschlag kund gethan. Herzog . Bei meiner Ehre, nie soll er erfahren, Daß ich euch Licht verdankt in dieser Sache! Proteus . Lebt wohl, mein Fürst; da kommt schon Valentin. (Ab.) ( Valentin tritt auf.) Herzog . Freund Valentin, wohin so schnellen Schritts? Valentin . Erlaubt, mein edler Fürst, ein Bote wartet, Der meinen Freunden Briefe bringen soll, Die ich ihm eben übergeben will. Herzog . Sind sie von Wichtigkeit? Valentin . Ihr Inhalt ist, daß ich mich wohl befinde Und hier an euerm Hofe glücklich lebe. Herzog . So drängt es nicht, bleib eine Weile hier: Ich möchte dir von einer Sache sprechen Hier insgeheim, die mich sehr nah betrifft. Dir ist nicht unbekannt, daß ich die Tochter Ser Thurio, meinem Freund, vermählen will. Valentin . Ich weiß, mein Fürst, und wahrlich die Verbindung Wär reich und ehrenvoll, zumal der Mann Durch Tugenden und gute Eigenschaften Ein Weib verdient wie eure schöne Tochter. Könnt ihr sie nicht bestimmen, ihn zu lieben? Herzog . Nein, wahrlich: sie ist albern, spröd und trotzig, Im Ungehorsam starr und pflichtvergeßen; Sie achtet nicht was sie als Kind mir schuldet Und kennt vor ihrem Vater keine Furcht. Und dieser Uebermuth, daß ichs gesteh, Hat ihr, wie billig, meine Lieb entzogen, Und wenn ich sonst für meine letzten Tage Auf treue Kindespflege Hoffnung baute, So bin ich jetzt gesonnen, noch zu freien; Sie aber mag sich andre Heimat gründen; Mög ihre Schönheit dann ihr Mitgift sein, Da sie mich selbst geringschätzt und mein Gut. Valentin . Was will eur Gnaden, daß ich hierin thue? Herzog . Es ist ein Mädchen, Freund, in Mailand hier, Die mir gefällt; doch thut sie spröd und kalt, Und läßt sich von dem Greise nicht bereden. Drum wollt ich dich zu meinem Anwalt machen, Denn längst vergaß ich schon das Courtoisieren; Auch hat sich wohl der Brauch seitdem verändert. Drum rathe, wie ich mich betragen soll, Ihr sonnenhelles Auge festzuhalten. Valentin . Schickt ihr Geschenke, wenn nicht Worte helfen. Ein stumm Juwel, obwohl es scheinbar schweigt, Macht mehr als Worte oft ein Weib geneigt. Herzog . Doch ein Geschenk hat sie zurückgeschickt. Valentin . Ein Weib verschmäht oft, was sie gern erblickt: Ein andres schickt, gebt sie nicht auf so bald. Die Neigung wird recht heiß, die Anfangs kalt; Wenn sie erst zürnt, ists nicht, weil sie euch haßt, Sie will, daß Lieb euch tiefer erst erfaßt. Schickt sie euch fort, das heißt nicht, ihr sollt gehn; Die Närrchen werden wild, läßt man sie stehn. Nehmt keinen Korb an was sie immer sage, Denn »packe dich« bedeutet sicher: »wage«. Lobt, schmeichelt, preist, vergöttert ihre Mängel; Wie schwarz sie sei, vergleicht sie einem Engel. Ein Mann, der eine Zung hat, ist kein Mann, Wenn sie ihm nicht ein Weib gewinnen kann. Herzog . Doch die ich meine, ward von ihren Freunden Einem jungen würdgen Edelmann versprochen, Und streng bewacht vor aller Männer Zutritt, Daß Niemand sie bei Tage sehen mag. Valentin . So sucht ich in der Nacht zu ihr zu kommen. Herzog . Die Thür ist zu, der Schlüßel wohl verwahrt, Daß Niemand auch des Nachts zu ihr gelangt. Valentin . Was hindert, durch das Fenster einzusteigen? Herzog . Ihr Zimmer liegt zu hoch, vom Boden fern, In solcher Höh, daß Niemand auf mag klimmen Als mit des Lebens sichtlicher Gefahr. Valentin . Nun, eine Leiter, fest geknüpft aus Stricken, Mit ein Paar Ankerhaken aufzuwerfen, Genügt, der Hero Thurm wohl zu ersteigen, Wenn ein Leander kühn es wagen wollte. Herzog . Bist du ein Edelmann von echtem Blut, Hilf mir mit deinem Rath zu solcher Leiter. Valentin . Wann braucht ihr sie? ich bitte, sagt mir an. Herzog . Noch diese Nacht; denn Lieb ist wie ein Kind, Das ungeduldig nach dem Spielzeug greift. Valentin . Um sieben Uhr schaff ich euch solche Leiter. Herzog . Doch höre, ganz allein will ich zu ihr. Wie schaff ich denn die Leiter an den Platz? Valentin . Sie ist so leicht, ihr mögt sie selber tragen, Ist euer Mantel nur von einger Länge. Herzog . Ist lang genug ein Mantel wie der deine? Valentin . Ja, gnädger Herr. Herzog .                                 Zeig deinen Mantel her, So lang wie den laß ich mir einen machen. Valentin . Ei Herr, ein jeder Mantel thut den Dienst. Herzog . Wie mach ichs, solchen Mantel umzuwerfen? Ich bitte, häng mir deinen einmal um. – Was ist das für ein Brief? Laß sehn: – »An Silvia?« Und hier ein Werkzeug, wie ich es bedarf? Ich bin so frei, das Siegel zu erbrechen.         »Bei Silvia weilen die Gedanken nächtig;         Als meine Diener laß ich sie entfliegen:         O wär ihr Herr so frohen Fluges mächtig,         Um da zu ruhn, wo sie genußlos liegen:         Dein keuscher Busen birgt die Abgesandten,         Da ich, ihr König, dem solch Glück nicht blühte,         Die Gunst verfluche, die sie mir entwandten:         O gönnte sie mir selber Deine Güte:         Mich selbst verfluch ich, daß ich jene sende         Hin wo ich selbst mich gern beseligt fände!« Was noch?         »Silvia, in dieser Nacht befrei ich dich.« Ja, und dazu soll diese Leiter dienen, – Ha, Phaeton (denn du bist Merops Sohn), Wagst du den Himmelswagen zu regieren, Durch Uebermuth die Welt in Brand zu setzen? Greifst du nach Sternen, weil sie dich bescheinen? Geh, niedrer Eindringling, wahnsinnger Sklav, Dein grinzend Lächeln wend an deines Gleichen: Weil ich mich faßen kann, nicht weil dus werth bist, Sei dir vergönnt, dich aus dem Staub zu machen. Dieß dank mir mehr als alle Gunstbezeugung, Die ich an dich Unwürdigen verschwendet. Doch lungerst du in meinen Landen länger Als nöthig ist zur schnellsten Vorbereitung, Uns unsern königlichen Hof zu räumen, Bei Gott, so wird mein Zorn viel heißer lodern, Als ich die Tochter je und dich geliebt. Hinweg! Ich will nicht eitle Ausflucht hören: Liebst du dein Leben, spute dich von hinnen! (Ab.) Valentin . Warum nicht lieber todt als qualvoll leben? Denn sterben ist verbannt sein von mir selbst, Und Silvia ist ich selbst: verbannt von ihr Ist Selbst von Selbst und tödtliche Verbannung! Welch Licht ist Licht, wenn ich nicht Silvien sehe? Ist Lust noch Lust, wo Silvia nicht zugegen? Und war sies nicht, so dacht ich sie zugegen, Vom Schattenbild der Göttlichkeit zu zehren. Nur wenn ich in der Nacht bei Silvien bin, Ist mir Musik das Lied der Nachtigall. Und wenn bei Tag ich Silvien nicht sehe, So ist der Tag mir nicht des Schauens werth, Sie ist mein Wesen, und ich lebe nicht, Werd ich durch ihren schönen Einfluß nicht Genährt, bestralt, erquickt und neubelebt. Flieh ich den Spruch, dem Tod entflieh ich nicht; Verweil ich hier, erwart ich nur den Tod; Flieh ich von hier, entflieh ich allem Leben. ( Proteus und Lanz treten auf.) Proteus . Lauf, Bursch, lauf, lauf und such ihn mir! Lanz . Heda, heda! Proteus . Was siehst du? Lanz . Gerade den wir suchen: es ist kein Haar auf seinem Kopfe, das nicht ein Valentin ist. Proteus . Valentin? Valentin . Nein. Proteus . Was denn? sein Geist? Valentin . Auch der nicht. Proteus . Was denn? Valentin . Niemand. Lanz . Kann Niemand sprechen? – Herr, soll ich schlagen? Proteus . Wen willst du schlagen? Lanz . Niemand. Proteus . Halt, Schurke! Lanz . Nun, Herr, ich will Niemand schlagen; ich bitt euch – Proteus . Zurück, sag ich! – Freund Valentin, ein Wort. – Valentin . Mein Ohr ist taub für jede gute Zeitung, So sehr von böser ist sie vollgepfropft. Proteus . In dumpfes Schweigen senk ich denn die meine, Denn sie ist heiser, rauh und übeltönend. Valentin . Ist Silvia todt? Proteus .                           Nein, Valentin. Valentin . Kein Valentin mehr für Schön Silvia! Brach sie die Treue mir? Proteus .                                 Nein, Valentin, Valentin . Kein Valentin, wenn Silvia mich verschwor, Und deine Zeitung? Lanz . Herr, man rief aus, ihr wärt verwandt. Proteus . Daß du verbannt bist, ach, das ist die Zeitung, Von hier, von Silvia, von mir, dem Freund! Valentin . O diese Schmerzen hab ich schon durchkostet, Das Uebermaß wird jetzt mich übersättgen. Weiß es denn Silvia schon, daß ich verbannt? Proteus . Ja, ihr entströmte bei dem Richterspruch, Der, kommt kein Widerruf, in Wirkung tritt, Ein schmelzend Perlenmeer, man nennt es Thränen: Die goß sie vor des rauhen Vaters Füße, Zugleich auf ihre Knie ihr flehend Selbst, Zwei Hände ringend, deren Weiß sie schmückte, Als würden sie erst jetzt so bleich vor Weh; Doch nicht gebognes Knie, erhobne Hand, Seufzen, Gestöhn, noch Silberflut der Thränen, Nichts rührte mehr den unmitleidgen Vater. Doch Valentin, wird er gefaßt, muß sterben. Ja, ihre Fürsprach reizt' ihn so zum Zorn, Als sie für seine Rückberufung bat, Daß er in enge Haft sie bringen ließ Und nie zu öffnen drohte solch Verlies. Valentin . Nicht mehr, wenn nicht das Nächste, was du sprichst, Die Kraft besitzt, mein Leben zu vernichten. In diesem Falle hauch es in mein Ohr Als Schlußgesang endlosen Ungemachs. Proteus . Nein, klage nicht, wo du nicht helfen kannst, Und suche da zu helfen, wo du klagst. Die Zeit ist Amm und Mutter alles Guten. Verbleibst du hier, so siehst du nicht dein Lieb, Und dein Verweilen kürzt dein Leben nur. Der Liebe Stab ist Hoffnung: geh daran; Er schützt dich vor verzweifelnden Gedanken. Bist du auch fern, hier sind doch deine Briefe: Die sende mir, so werd ich sie befördern An den milchweißen Busen deiner Lieben. Es ist jetzt keine Zeit, dich zu beschweren: Komm, durch das Thor der Stadt begleit ich dich Und eh wir scheiden, laß uns noch genau Berathen was dein Liebesglück betrifft. Um Silvien, die du liebst, wenn nicht um dich, Bedenke die Gefahr und komm mit mir. Valentin . Hör, Lanz, sobald du meinen Burschen siehst, Heiß ihn doch eilends mich am Nordthor treffen. Proteus . Geh schnell und such ihn auf! Komm, Valentin! Valentin . O theure Silvia, armer Valentin! (Proteus und Valentin ab.) Lanz . Ich bin nur ein Narr, seht ihr, und doch hab ich den Verstand, zu sehen, daß mein Herr eine Art von Spitzbuben ist. Das ist Alles eins, wenn er nur weiter nichts wäre. – Der soll noch geboren werden, der weiß, daß ich verliebt bin, und doch bin ich verliebt; aber ein Gespann Pferde soll das nicht aus mir herausziehen; und auch nicht, in wen ich verliebt bin, und doch ists ein Weibsbild. Aber was für ein Weibsbild, das will ich mir selbst nicht einmal sagen, und doch ists ein Milchmädchen; und doch kein Mädchen, denn sie hat schon ein Hufeisen verloren, und doch ists ein Mädchen, denn sie ist ihres Herren Mädchen und dient um Lohn. Sie hat mehr Qualitäten als ein Waßerhund, welches viel ist für einen Christenmenschen. Hier ist der Katzenlog von ihren Vollkommenheiten (zieht ein Papier heraus) . » Inprimis , sie kann tragen und holen.« Nun, ein Pferd kann nicht so viel; ein Pferd kann nicht holen, nur tragen: deswegen ist sie beßer als eine Mähre. » Item , sie kann melken«: seht ihr, eine schöne Tugend an einer Dirne, die saubre Hände hat. ( Sput tritt auf.) Sput . Nun, Signor Lanz, was giebts Neues mit deiner Herschaft? Lanz . Deines Herren Affe? Nun, der bist du. Sput . Ach, immer noch deine alte Unart, einem das Wort im Munde zu verdrehen. Was steht denn Neues in deinem Papier? Lanz . Die schwärzeste Neuigkeit, die du je gehört hast. Sput . Wie so, Mensch, schwarz? Lanz . Wie? so schwarz wie Dinte. Sput . Laß michs lesen. Lanz . Fort, du Dummkopf, du kannst ja nicht lesen. Sput . Du lügst, ich kanns. Lanz . Ich will dich auf die Probe stellen: sage mir, wer zeugte dich? Sput . Nun, der Sohn meines Großvaters. Lanz . O unstudierter Faullenzer: Es war der Sohn deiner Großmutter. Das zeigt, daß du nicht lesen kannst. Sput . Komm, Narr, komm: laß michs an deinem Papier versuchen. Lanz . Hier! und St. Nicolas steh dir bei! Sput . » Inprimis , sie kann melken.« Lanz . Ja, das kann sie. Sput . » Item , sie braut gut Bier.« Lanz . Ja, und davon kommt das Sprichwort: »Vergelts Gott, ihr braut gut Bier.« Sput . » Item , sie kann nähen. Lanz . Das ist soviel als: kann sie? ne. Sput . » Item , sie kann stricken.« Lanz . Da muß ein Mann wohl auf die Strümpfe kommen, wenn sie ihm Strümpfe stricken kann. Sput . » Item , sie kann waschen und scheuern.« Lanz . Eine sonderliche Tugend, denn so braucht sie der Mann nicht zu waschen und zu scheuern. Sput . » Item , sie kann spinnen.« Lanz . So mag die Welt sich drehen, wenn sie nur immer spinnt. Sput . » Item , sie hat viel namenlose Tugenden.« Lanz . Das ist soviel gesagt als: Bastarde von Tugenden, die ihren Vater nicht kennen und darum keinen Namen haben. Sput . Hier folgen ihre Fehler. Lanz . Den Tugenden hart auf dem Fuße. Sput . » Item , sie ist nicht gut nüchtern zu küssen, wegen ihres Athems.« Lanz . Nun, diesen Fehler macht ein Frühstück gut. Lies weiter. Sput . » Item , sie ist ein Süßmäulchen.« Lanz . Das entschädigt für ihren sauern Athem. Sput . » Item , sie spricht im Schlaf.« Lanz . Das ist kein Schade, wenn sie nur nicht im Sprechen schläft, Sput . » Item , sie spricht wenig.« Lanz . O Schurke, das unter ihre Fehler zu setzen! Wenig zu sprechen ist eines Weibes gröste Tugend. Ich bitte dich, streich das aus und setz es unter ihren Tugenden oben an. Sput . Item , sie ist eitel.« Lanz . Auch das streich aus; es war Evas Erbtheil und läßt nicht von ihr. Sput . »Sie hat keine Zähne.« Lanz . Das thut auch nichts, denn ich liebe die Rinden. Sput . » Item , sie ist zänkisch.« Lanz . Nun ja; das Beste ist, sie hat keine Zähne zum Beißen. Sput . » Item , sie lobt sich einen guten Schluck.« Lanz . Wenn der Schluck gut ist, mag sie: thut sies nicht, so thu ichs; denn was gut ist, muß gelobt werden. Sput . » Item , sie ist zu freigebig.« Lanz . Mit ihrer Zunge kann sies nicht sein, denn es steht geschrieben, daß sie karg damit ist; mit ihrem Beutel soll sies nicht sein, denn den will ich verschloßen halten; ist sies noch mit einem andern Dinge, so weiß ich nicht zu helfen. Gut, fahr fort. Sput . » Item , sie hat mehr Haare als Witz, und mehr Fehler als Haare, und mehr Geld als Fehler.« Lanz . Halt an; ich will sie haben: sie war mein und nicht mein zwei- bis dreimal in diesem letzten Artikel; wiederhol ihn noch einmal. Sput . Item , sie hat mehr Haare als Witz« – Lanz . Mehr Haare als Witz – das mag sein; es versteht sich von selbst. Der Deckel des Salzfaßes verbirgt das Salz und ist daher mehr als das Salz: das Haar, das den Witz bedeckt, ist mehr als der Witz, denn das Größere verbirgt das Kleinere. Wie lautets weiter? Sput . – »und mehr Fehler als Haare« – Lanz . Das ist ungeheuer: wenn doch das heraus wäre! Sput . – »und mehr Geld als Fehler.« Lanz . Ach, das Wort macht die Fehler angenehm. Gut, ich will sie haben, und wenn eine Heirat daraus wird, wie denn kein Ding unmöglich ist – Sput . Was dann? Lanz . Nun, dann will ich dir sagen, – daß dein Herr am Nordthor auf dich wartet. Sput . Auf mich? Lanz . Auf dich: Ja, wer bist du? er hat schon auf beßere Leute gewartet als du bist. Sput . Und muß ich zu ihm gehen? Lanz . Du must rennen zu ihm, denn du hast so lange gezögert, daß Gehen schwerlich mehr hilft. Sput . Warum sagtest du mir das nicht früher? Die Pest über deine Liebesbriefe! (Ab.) Lanz . Jetzt kriegt er Prügel, weil er meinen Brief gelesen hat: ein unverschämter Schlingel, der sich in fremde Geheimnisse drängt! – Ich will hinterdrein und mich an des Lümmels Züchtigung ergetzen. (Ab.) Zweiter Auftritt. Zimmer im herzoglichen Pallast. Der Herzog und Thurio , Proteus hinter ihnen. Herzog . Ser Thurio, zweifelt nicht, sie wird euch lieben, Nun Valentin aus ihrem Blick verbannt ist. Thurio . Seit seiner Flucht verschmäht sie mich erst recht, Verschwört ganz meinen Umgang und verhöhnt Mich so, daß ich an ihrer Gunst verzweifle. Herzog . So schwacher Liebeseindruck gleicht den Blumen In Eis gebildet: Eine Stunde Wärme Löst sie in Waßer und vertilgt die Form. Ein wenig Zeit schmelzt ihren frostgen Sinn Und macht den niedern Valentin vergeßen. – Wie stehts, Ser Proteus? Ist nun euer Landsmann Nach unserm strengen Banngebot hinweg? Proteus . Ja, gnädger Herr. Herzog . Sein Fortgehn kümmert meine Tochter sehr. Proteus . Ein Bißchen Zeit, mein Fürst, tilgt diesen Gram. Herzog . Das glaub ich auch; doch Thurio denkt nicht so. – Die gute Meinung, die ich von dir habe (Denn Eifer zeigtest du in deinem Dienst), Macht mich geneigt, dir ferner zu vertraun. Proteus . Zeig ich mich jemals eurer Gunst nicht werth, Laßt mich nicht leben, eure Gunst zu schaun. Herzog . Du weist, wie sehr es mir am Herzen liegt, Ser Thurio meiner Tochter zu vermählen. Proteus . Ich weiß, mein Fürst. Herzog . Mithin wird dir auch unverborgen sein, Wie sie sich meinem Willen widersetzt. Proteus . Sie that es, als hier Valentin noch war. Herzog . Und unbekehrt bleibt ihr verkehrter Sinn. Was thun wir, daß die Dirne bald die Liebe Zu Valentin vergißt und Thurio liebt? Proteus . Am Besten ist wohl, Valentin verleumden, Als wär er untreu, feig und niedrer Herkunft, Drei Dinge, die den Frauen sehr verhaßt sind. Herzog . Wird sie nicht denken, daß uns Haß das eingiebt? Proteus . Ja, wenn sein Feind es meldet: darum muß es Mit jedem Nebenumstand der berichten, Den sie für seinen Freund und Gönner hält. Herzog . Demnach bist du der Mann, ihn zu verleumden. Proteus . Mein Fürst, das würd ich nur sehr ungern thun: Es ziemt sich schlecht für einen Edelmann, Besonders gegen seinen Busenfreund. Herzog . Wo euer Loben ihm nicht nutzen kann, Da kann ihm euer Lästern wenig schaden; Drum ist dieß Amt nicht wider eure Ehre, Zumal, da euch ein Freund darum ersucht. Proteus . Ihr überzeugt mich, Herr. Hat einge Kraft, Was ich ihr sagen will, ihn zu verleumden, So bleibt sie ihm nicht lange mehr gewogen. Doch rott ich Valentin aus ihrem Herzen, So folgt noch nicht, daß sie Ser Thurio liebe. Thurio . Darum, ist ihre Gunst von ihm gewickelt, Müßt ihr, daß sie nicht wirr zu gar nichts diene, Auf meinen Knäul sie aufzuwinden suchen, Und das geschieht, wenn ihr so hoch mich preist Als ihr Ser Valentin im Werth herabsetzt. Herzog . Und Proteus, hierin dürfen wir euch traun, Da wir aus Valentins Erzählung wißen, Daß euer Herz schon stäter Liebe huldigt Und sich nicht leicht zu fremdem Dienst bekehrt. Auf solche Bürgschaft habt ihr freien Zutritt Und mögt mit Silvia ungestört verkehren. Denn sie ist finster, trüb und melancholisch Und wird des Freundes halb euch gerne sehn: So mögt ihr sie durch Ueberredung stimmen Zum Haße Valentins und Thurios Liebe. Proteus . Was ich hierin vermag, das wird geschehn. Ihr aber, Thurio, zeigt zu wenig Eifer. Leimruthen stellt, und ködert ihre Wünsche Durch klagende Sonette, süß verschränkt, Mit Schwüren der Ergebenheit gefüllt. Herzog . Ja, viel vermag Dichtkunst, das Himmelskind. Proteus . Sagt, daß ihr auf dem Altar ihrer Schönheit Eur Herz ihr weiht mit Seufzern und mit Thränen. Schreibt, bis die Dinte trocknet, bringt sie wieder In Fluß mit Thränen, und so rührend sei der Vers, Daß er von Tiefe der Empfindung zeuge. Denn Orpheus Laute klang von Dichtersehnen, Ihr goldner Ton erweichte Stahl und Stein, Zahm ward der Tiger und der Leviathan Entstieg der Flut, um auf dem Strand zu tanzen. Habt ihr solch schmelzend Liebeslied gesungen, So bringt ihr Nachts vor ihrem Kammerfenster Ein Ständchen mit Musik, zum Saitenklang Singt euer Klagelied; die Nacht mit Schweigen Stimmt zu der süßen Wehmuth Laut gar eigen. Dieß oder nichts wird euch ihr Herz gewinnen. Herzog . Die Lehre zeigt, daß du die Liebe kennst. Thurio . Gleich diese Nacht befolg ich euern Rath; Drum, lieber Proteus, trefflicher Berather, Laß unverzüglich in die Stadt uns gehn, Geschickte Musikanten auszuwählen. Ich halt ein Lied bereit, das dienen kann, Um deinen guten Rath ins Werk zu setzen. Herzog . Frisch dran, ihr Herrn! Proteus . Bis nach der Tafel warten wir euch auf Und gehen dann sogleich an dieß Geschäft. Herzog . Nein, nein, sogleich ans Werk, ich geb euch Urlaub. (Alle ab.)     Vierter Aufzug. Erster Auftritt. Wald zwischen Mailand und Verona. Mehrere Räuber treten auf. Erster Räuber . Gesellen, sieht, dort kommt ein Reisender! Zweiter Räuber . Und wärens zehn, wankt nicht und macht sie nieder! ( Valentin und Sput treten auf.) Dritter Räuber . Steht, Herr, und gebt uns her was ihr besitzt: Sonst werfen wir euch hin und plündern euch. Sput . Wir sind verloren, Herr: dieß sind die Schufte, Die alle Reisenden so übel fürchten. Valentin . Ihr Freunde – Erster Räuber . Das sind wir nicht, Herr, wir sind eure Feinde. Zweiter Räuber . Still, hört ihn an! Dritter Räuber . Bei meinem Bart, das sei; er ist ein feiner Mann. Valentin . So wißt, ich habe wenig zu verlieren. Mir kam das Unglück immer in die Quere; Die schlechten Kleider hier sind all mein Reichthum: Wenn ihr von denen mich entblößen wollt, So nehmt ihr Alles hin was ich besitze. Zweiter Räuber . Wohin reist ihr? Valentin . Nach Verona. Erster Räuber . Woher kommt ihr? Valentin . Von Mailand. Dritter Räuber . Wart ihr da längre Zeit? Valentin . Sechs Monden wohl, und wär noch gern geblieben, Verwehrt' es nicht ein widriges Geschick. Zweiter Räuber . Wie? wurdet ihr verbannt? Valentin . Ich ward es. Zweiter Räuber . Für welch Vergehn? Valentin . Für eins, das mich noch schmerzt, wenn ichs erzähle. Ich tödtet' einen Mann, des Tod mich reut; Doch schlug ich ihn im ehrlichen Gefecht Und ohne Hinterlist und falschen Vortheil. Erster Räuber . Ei laßt es euch nicht reun, wenns so geschah. Und seid ihr um so kleine Schuld verbannt? Valentin . Ich bins und war noch froh so milden Spruchs. Erster Räuber . Versteht ihr Sprachen? Valentin . Ja; frühe Reisen halfen mir dazu; Ich wäre sonst oft übel weggekommen. Dritter Räuber . Bei Robin Hoods dickwanstgen Paters Glatze: Der Bursche wär ein Haupt für unsre Bande. Erster Räuber . Wir woll'n ihn haben; hört – Sput .                                                                   Geht unter sie: 's ist eine ehrenwerthe Dieberei: Valentin . Schweig, Schurke! Zweiter Räuber . Sagt, habt ihr irgendwas, worauf ihr baut? Valentin . Nichts als mein Glück. Dritter Räuber . Wißt denn, ein Theil von uns sind Edelleute, Die unberathner Jugend Uebermuth Aus der Gemeinschaft Rechtlicher verwies. Vertrieben bin ich selber aus Verona, Weil ich ein Fräulein zu entführen suchte, Des Herzogs Erbin und ihm nah verwandt. Zweiter Räuber . Und ich aus Mantua, weil ich im Zorn Dort einem Edelmann das Herz durchstach. Erster Räuber . Und ich um gleiche Lumperei wie diese. Zur Sache nun, denn unsre Strafen sollten Nur unsern Räuberstand entschuldigen: Wir sehn, ihr seid ein wohlgebauter Mann Von edler Bildung und, wie ihr uns sagt, Der Sprachen kundig: so vollkommnen Manns Bedürfen wir zu unserer Hantierung. Zweiter Räuber . In Wahrheit, weil ihr ein Verbannter seid, Darum vor allem Andern fragen wir: Sagt, möchtet ihr wohl unser Häuptling werden, Und eine Tugend machen aus der Noth, In dieser Wildniss hier mit uns zu leben? Dritter Räuber . Was sagst du? trittst du ein in unsern Bund? Sag ja, und werde Hauptmann von uns allen, Wir huldgen dir und schwören dir Gehorsam Und lieben dich als unsern Herrn und König. Erster Räuber . Doch ists dein Tod, verschmähst du unsre Gunst. Zweiter Räuber . Nicht sollst du je mit unserm Antrag pralen. Valentin . Den Vorschlag nehm ich an, mit euch zu leben Mit dem Beding, daß ihr harmlose Fraun Und arme Reisende mit Frieden laßt. Dritter Räuber . Ja. wir verschmähn so ehrlos feiges Thun. Komm mit, wir bringen dich zu unsrer Rotte Und zeigen dir den Schatz, den wir gehäuft: Du magst nun über ihn wie uns gebieten. (Alle ab.) Zweiter Auftritt. Mailand. Hof des Pallastes. Proteus tritt auf. Proteus . Erst war ich untreu gegen Valentin Und muß nun auch an Thurio unrecht handeln. Unter dem Vorwand, als empfähl ich ihn, Gewinn ich Zutritt eignem Liebeswerben. Doch Silvia ist zu schön, zu treu, zu heilig, Durch meinen niedern Dienst sie zu verführen. Betheur ich Treu ihr und Ergebenheit, Wirft sie die Falschheit an dem Freund mir vor; Und weih ich ihrer Schönheit mein Gelübde, Erinnert sie mich an den Eidesbruch Gegen mein Julchen, die ich einst geliebt. Und ungeachtet ihrer scharfen Hiebe, Die jedem Andern längst die Hoffnung raubten, Wächst meine Liebe, einem Hündchen gleich, Das, fortgestoßen, nur ergebner schmeichelt. Doch Thurio kommt: wir müßen vor ihr Fenster, Ein Abendständchen ihrem Ohr zu bringen. ( Thurio kommt mit Musikanten.) Thurio . Wie, Proteus? seid ihr mir vorausgeschlichen? Proteus . Ja, werther Thurio, denn ihr wißt, daß Liebe Zum Dienst hinschleicht, wo sie nicht gehen kann. Thurio . Ja; doch ich hoffe, Herr, ihr liebt hier nicht? Proteus . Doch, Herr, ich thus; sonst wär ich fern von hier. Thurio . Wen? Silvia? Proteus .                     Ja Silvia – für euch. Thurio . So sei mein Dank für euch. Wohlan, ihr Herrn, Stimmt an, und laßt die Instrumente klingen. (Im Hintergrunde tritt der Wirth auf und Julie in Pagenkleidern.) Wirth . Nun, mein junger Gast, ich glaube, ihr seid maulhängolisch; ich bitt euch, warum? Julie . Ach, Herr Wirth, weil ich nicht fröhlich sein kann. Wirth . Kommt, ihr sollt fröhlich werden. Ich bring euch hin, wo ihr Musik hört und den Edelmann seht, nach dem ihr gefragt habt. Julie . Aber werd ich ihn auch sprechen hören? Wirth . Ja, das werdet ihr. Julie . Da soll die Musik sein? (Die Musik beginnt.) Wirth . Hört, hört: Julie . Ist er unter ihnen? Wirth . Ja, aber still: laßt uns zuhören. Lied .         Wer ist Silvia, was ist Sie, Die wir zu preisen pflegen? Heilig, schön und weis ist sie, Der Gott den reichsten Segen Und der Welt Bewundrung lieh. Ist die Schöne denn auch gut? Bei Reiz muß Güte weilen. Amor ihr im Auge ruht, Von Blindheit sich zu heilen; So verbleibt er wohlgemuth. Dich, o Silvia, singen wir, Silvia ist ohne Gleichen: Auf der dumpfen Erde hier Muß Alles vor dir weichen. – Kränzt das Haupt mit Rosen ihr. Wirth . Wie nun? Seid ihr noch trauriger als zuvor? Was ist euch, Freund? Die Musik gefällt euch wohl nicht? Julie . Ihr irrt, der Musikant gefällt mir nicht. Wirth . Warum, mein Söhnchen? Julie Er spielt falsch, Vater. Wirth . Wie? greift er nicht die rechten Saiten? Julie . Das nicht; aber er spielt so, daß er die Saiten meines Herzens zerreißt. Wirth . Ihr habt ein zartes Gehör. Julie . Ja, ich wollt, ich wäre taub; es macht mir das Herz schwer. Wirth . Ihr habt keine Freude, merk ich, an Musik. Julie . Gar keine, wenn sie so misslautet. Wirth . Hört, welch ein schöner Wechsel in der Musik! Julie . Ach, eben der Wechsel ist vom Bösen. Wirth . Wollt ihr immer dasselbe gespielt haben? Julie . Derselbe sollte stäts dasselbe spielen. Hat jener Proteus, Herr, von dem wir sprachen, Mit diesem Edelfräulein viel Verkehr? Wirth . Wie mir Lanz, sein Diener, sagte, liebt er sie über alle Maßen. Julie . Wo ist Lanz? Wirth . Er ist fort, seinen Hund zu suchen, den er morgen, nach seines Herrn Befehl, dem Fräulein zum Geschenk bringen muß. Julie . Still, geht beiseite: die Gesellschaft entfernt sich. Proteus . Thurio, seid unbesorgt, ich rühm euch so, Ihr selbst sollt meine Rednerkünste rühmen. Thurio . Wo find ich euch? Proteus . Am Brunnen St. Gregors. Thurio . Auf Wiedersehn! (Thurio mit den Musikanten ab.) ( Silvia erscheint am Fenster.) Proteus . Fräulein, ich biet eur Gnaden guten Abend. Silvia . Nehmt meinen Dank, ihr Herrn, für die Musik. – Wer ists, der sprach? Proteus . Mein Fräulein, wüstet ihr, wie treu er liebt, Ihr lerntet bald ihn an der Stimme kennen. Silvia . Proteus vermuthlich. Proteus . Proteus, mein edles Fräulein, euer Diener. Silvia . Was wünschet ihr? Proteus . Nach euerm Wunsch zu leben. Silvia . Das könnt ihr haben, denn mein Wunsch und Will ist, Daß ihr sogleich nach Haus geht und zu Bett. Du treulos schlau, meineidger, falscher Mann! Meinst du, ich sei so dumm und unverständig, Daß mich dein loses Schmeichelwort verführte, Der du mit Schwüren schon so Manche trogst? Zurück, zurück und sühne deine Braut. Bei dieser bleichen Königin der Nacht, Ich bin, dich zu erhören, so entfernt, Daß ich dein schamlos Werben tief verachte, Und schon beginne, mit mir selbst zu hadern, Daß ich so lange Zeit noch mit dir spreche. Proteus . Ich läugn es nicht, Süßlieb, ich liebt ein Fräulein; Doch die ist todt. Julie (beiseite) .             Falsch wärs, käm Ich zu Wort; Denn ich weiß sicher, sie ist nicht begraben. Silvia . Gesetzt, sie wärs, doch lebt noch Valentin, Dein Freund, dem ich, wie du bezeugen kannst, Versprochen bin: kennst du denn keine Scham, Daß du ihn kränkst durch dein zudringlich Werben? Proteus . Man meldet mir, auch Valentin sei todt. Silvia . So denk, ich sei es auch; denn in sein Grab, Des sei gewiss, versenk ich meine Liebe. Proteus . Laßt mich sie, Fräulein, aus der Erde scharren. Silvia . Geh, rufe Juliens Lieb aus ihrem Grab, Und kannst dus nicht, begrab auch deine drin. Julie (beiseite) . Das hört er nicht. Proteus . Ist euer Herz, Signora, so verhärtet, So gönnt doch euer Bildniss meiner Liebe, Das Bildniss, das in eurer Kammer hängt. Zu ihm dann will ich sprechen, seufzen, weinen; Denn da das Wesen eures edeln Selbst Sich weggeschenkt, so bin ich nur ein Schatte, Und euerm Schatten will ich Liebe schwören. Julie (beiseite) . Wär sie das Wesen, du betrögest sie Und machtest sie zum Schatten so wie mich. Silvia . Es wär mir leid, eur Götzenbild zu sein; Doch da es eurer Falschheit wohlgeziemt, Schatten zu ehren, Schemen anzuflehn, Schickt morgen zu mir und ich send es euch. Somit schlaft wohl. Proteus .                       Wie arme Sünder thun, Die man zur Richtstatt schleppt am andern Morgen. (Proteus und Silvia ab.) Julie . Gehn wir, Herr Wirth? Wirth . Bei meiner Treu, ich war fest eingeschlafen. Julie . Sagt an, wo wohnt Ser Proteus? Wirth . Nun, in meinem Hause. Wahrhaftig, ich glaube, es ist schon Tag. Julie . Das nicht; doch wars die längste Nacht Und auch die bängste, die ich je durchwacht. (Beide ab.) Dritter Auftritt. Ebendaselbst. Eglamour tritt auf. Eglamour . Um diese Stunde hat mich Silvia Hieher beschieden, ihren Wunsch zu hören; Zu wichtgen Dingen will sie mich gebrauchen. Fräulein! ( Silvia erscheint oben am Fenster.) Silvia .             Wer ruft? Eglamour .                       Eur Diener und eur Freund, Der euern gnädigen Befehl erharrt. Silvia . Ser Eglamour, viel tausend guten Morgen: Eglamour . Ich wünsch euch, edles Fräulein, auch so viel. Nach euer Gnaden Willen und Befehl Komm ich so früh, zu hören, welchen Dienst Mir aufzutragen euch gefallen wird. Silvia . O Eglamour, du bist ein Edelmann (Denk nicht, ich schmeichle, wahrlich nein, ich thus nicht), Tapfer und klug, gefühlvoll, ohne Tadel. Dir ist nicht unbekannt, wie holden Sinn Ich dem verbannten Valentin bewahrt, Noch wie mein Vater mir den eiteln Thurio Aufdrängen möchte, den mein Herz verabscheut. Du hast geliebt, und sagen hört' ich dich, So nahe sei dir nie ein Leid gegangen Als deiner Braut und Heißgeliebten Tod, Auf deren Grab du ewge Keuschheit schwurst. Ser Eglamour, ich will zu Valentin Nach Mantua, wo er jetzt verweilen soll; Und da die Wege da gefährlich sind, So wünsch ich deine würdige Begleitung, Auf dessen Ehr und Treu ich zählen darf. Sprich von des Vaters Zorn nicht, Eglamour, Mein Leid erwäge, eines Weibes Leid, Und welch ein Recht ich habe zu der Flucht, Mich vor gottlosem Ehebund zu schützen, Den Himmel und Geschick mit Fluch bedroht. Von dir erfleh ich dieß mit einem Herzen So voll von Kummer als das Meer voll Sand, Mit mir zu gehn und mir Geleit zu geben; Wo nicht, so hehle, was ich dir gesagt, Daß ich allein das Abenteuer wage. Eglamour . Fräulein, mich jammert eure Kümmerniss, Und da ich sie in Tugend weiß gegründet, So bin ich gern bereit mit euch zu reisen; So wenig achtend was mich treffen könnte Als ich von Herzen eure Wohlfahrt wünsche. Wann wollt ihr fort? Silvia .                             Sobald der Abend kommt. Eglamour . Wo treff ich euch? Silvia .                                       In Bruder Patriks Zelle, Wo ich zuvor zur heilgen Beichte gehe. Eglamour . Ich werd euch nicht verfehlen, Fräulein: Guten Morgen! Silvia . Habt guten Morgen, werther Eglamour! (Beide ab.) Vierter Auftritt. Ebendaselbst. Lanz tritt auf mit seinem Hunde. Lanz . Wenn eines Menschen Diener sich wie ein Hund gegen ihn beträgt, seht, das geht einem nahe: Einer, den ich von Kindesbeinen erzogen habe; einer, den ich vom Ertrinken gerettet habe, als drei oder vier von seinen blinden Brüdern und Schwestern dran glauben musten: Ich hab ihn abgerichtet gerade wie sich Einer vornehmen möchte: so will ich meinen Hund abrichten. Ich ward geschickt, ihn der Fräulein Silvia als ein Geschenk meines Herrn zu überbringen, und kaum bin ich ins Eßzimmer getreten, so läuft er mir zu ihrem Teller und stiehlt ihr einen Kapaunenschenkel. O das ist ein böses Ding, wenn ein Hund sich nicht in allen Gesellschaften zu benehmen weiß: Ich möchte gern, versteht ihr, daß Einer, der es auf sich nimmt, ein rechter Hund zu sein, nun auch, sozusagen, ein Hund in allen Stücken wäre. Hätt ich nicht mehr Witz gehabt als er und den Fehler auf mich genommen, den er begangen hatte, ich glaube wahrhaftig, er wär gehängt worden: so wahr ich lebe, er hätt es ausbaden müßen. Urtheilt selbst: da schiebt er sich ein in die Gesellschaft von drei oder vier wohlgeborenen Hunden unter des Herzogs Tafel; da hatte er, mit Respect zu melden, kaum einen Piss lang gesteckt, so roch ihn schon das ganze Zimmer. Hinaus mit dem Hund, ruft der Eine; was ist das für ein Beest? sagt der Andre; peitscht ihn hinaus, sagt der Dritte; hängt ihn auf, sagt der Herzog. Ich, der mit seinem Geruch schon früher Bekanntschaft gemacht hatte, merkte gleich, daß es Krabb war und geh euch zu dem Kerl, der die Hunde peitscht: Freund, sag ich, wollt ihr den Hund da peitschen? Ja, zum Henker, das will ich, sagt er. Ihr thut ihm groß Unrecht, sag ich; ich war es, der das Ding that, das ihr wißt. Da peitscht er mich ohne Umstände zur Thür hinaus. Wie viel Herrn würden das für ihren Diener gethan haben? Ja, ich kanns beschwören, ich hab im Stock geseßen für Würste, die er gestohlen hat, sonst wär es ihm an die Haut gegangen; ich hab am Pranger gestanden für Gänse, die er todt gebißen; sonst hätt Er dafür leiden müßen: daran denkst du jetzt nicht mehr! – Ja und nun fällt mir der saubere Streich ein, den du mir spieltest, als ich von Fräulein Silvia Abschied nahm. Befahl ich dir nicht, auf mich Acht zu geben und es zu machen wie ich? Wann hast du gesehen, daß ich mein Bein aufhob und mein Waßer abschlug gegen eines Fräuleins Crinoline? Hast du je solche Streiche von mir gesehen? ( Proteus und Julie treten auf.) Proteus . Sebastian ist dein Name? Du gefällst mir. Ich will dich gleich zu einem Dienst verwenden. Julie . Was euch beliebt; ich will thun was ich kann. Proteus . Das, hoff ich, wirst du. – (Zu Lanz.) Nun, nichtswürdger Tölpel, Wo bummelst du umher jetzt seit zwei Tagen? Lanz . Je, Herr, ich brachte Fräulein Silvia, wie ihr befahlt, den Hund. Proteus . Was hat sie denn gesagt zu meinem Kleinod? Lanz . Je, Herr, sie sagte, euer Hund wär ein Köter, und meinte, ein hündischer Dank wär gut genug für solch ein Geschenk. Proteus . Aber nahm sie meinen Hund? Lanz . Nein, wahrlich, das that sie nicht: hier hab ich ihn wieder mitgebracht. Proteus . Was? brachtest du ihr diesen da von mir? Lanz . Ja; das andere Eichhörnchen wurde mir auf dem Markt von des Henkers Leuten gestohlen, und da schenkt ich ihr meinen eigenen, und das ist ein Hund wohl so dick als zehn von den eurigen: darum ist auch das Geschenk desto größer. Proteus . Geh, scher dich fort und bring mir meinen Hund, Sonst komm mir nie mehr vor das Angesicht. Hinweg, sag ich: stehst du hier, mich zu ärgern? Ein Schuft, der stäts mir nichts als Schande macht.         (Lanz ab.) Sebastian, dich nahm ich in den Dienst, Theils weil ich einen solchen Knaben brauche, Der mein Geheiß mit einger Einsicht thut, Denn kein Verlaß ist auf den dummen Bengel; Doch mehr um dein Gesicht und dein Betragen, Die, wenn mich meine Kennerschaft nicht trügt, Von zarter Herkunft, Glück und Treue zeigen: Dieß merke dir, daß ich dich darum nahm. Geh nun sogleich und nimm den Ring mit dir Und überbring ihn Fräulein Silvia; Sie liebte sehr mich, die mir ihn geschenkt. Julie . Ihr liebtet sie wohl nicht, daß ihr ihn weggebt. Sie ist wohl todt? Proteus .                     Das nicht; sie lebt noch, glaub ich. Julie . So weh mir! Proteus .                 Weshalb rufst du: weh mir? Julie . Ich muß sie wohl beklagen! Proteus . Warum beklagst du sie? Julie . Weil mich bedünkt, sie hat euch so geliebt Als ihr jetzt dieses Fräulein Silvia liebt. Sie träumt von ihm, der sie vergeßen hat; Ihr brennt für sie, die euch nicht lieben mag. O Jammer, daß die Liebe so sich ausweicht! Wenn ichs bedenke, muß ich »weh mir!« rufen. Proteus . Gut, gieb ihr diesen Ring und auch zugleich Den Brief; hier ist ihr Zimmer. – Sag dem Fräulein, Ich fordr ihr himmlisch Bild, das sie versprochen. Ist das gethan, so komm zu meiner Kammer; Du wirst mich traurig da und einsam finden. (Ab.) Julie . Wie wenig Frauen trügen solche Botschaft! Ach, armer Proteus, du erwählst den Fuchs Als Hirt dir, deine Lämmer zu behüten. – Ach, arme Thörin, was beklag ich den, Der mich aus vollem Herzen jetzt verschmäht: Weil er sie liebt, darum verschmäht er mich; Weil ich ihn liebe, muß ich ihn bedauern. Ich gab ihm diesen Ring, als wir uns trennten, Damit er meiner Liebe stäts gedenke: Nun schickt man mich, o unglückselger Bote! Zu fordern, was ich nicht gewinnen möchte; Zu bringen, was ich ausgeschlagen wünsche; Die Treu zu preisen, die ich schelten müste. Ich bin die treu Verlobte meines Herrn Und kann nicht sein getreuer Diener sein, Werd ich nicht an mir selber zum Verräther. Ich will wohl für ihn werben, doch so läßig Als ich, Gott weiß: ihm keine Gunst erflehe.         ( Silvia tritt auf mit Gefolge.) Ich bitt euch, Kammerfräulein, helft mir doch, Daß ich das Fräulein Silvia sprechen möge. Silvia . Was wolltet ihr bei ihr, wenn Ich es wäre? Julie . Wenn ihr es seid, so bitt ich, mit Geduld Die Botschaft anzuhören, die ich bringe. Silvia . Von wem? Julie . Von Signor Proteus, Fräulein, meinem Herrn. Silvia . Ach, eines Bildes wegen schickt er euch? Julie . Ja, Fräulein. Silvia . So bring mein Bildniss, Ursula. (Sie bringt es.) Geht, gebt das euerm Herrn; sagt ihm jedoch, Die Julie, die sein Wankelsinn vergaß, Ziere sein Zimmer beßer als der Schatte. Julie . Lest gütigst diesen Brief, Signora. – Verzeiht, Signora, unvorsichtig gab ich Euch ein Papier, das euch nicht zugehört: Dieß ist der Brief an euer Gnaden, dieß. Silvia . Ich bitte, laßt mich das noch einmal sehn. Julie . Ich darf nicht, Fräulein; zürnt mir nicht darum. Silvia . Da, nimm: Ich will die Zeilen deines Herrn nicht lesen. Ich weiß, sie sind mit Schwüren vollgepfropft, Mit neuerfundnen Eiden, die er bricht, So leicht als ich jetzt dieß Papier zerreiße. Julie . Fräulein, er schickt eur Gnaden diesen Ring. Silvia . So mehr ihm Schande, daß er mir ihn schickt! Denn tausendmal hab ich ihn sagen hören, Daß ihn ihm seine Julie gab beim Scheiden. Hat auch sein falscher Finger ihn entweiht, Soll Julien meiner nicht solch Unrecht thun. Julie . Sie dankt euch. Silvia .                           Was sagst du? Julie . Ich dank euch, Fräulein, daß ihr für sie fühlt. Das arme Kind: mein Herr thut ihr groß Unrecht. Silvia . Kennst du sie? Julie . Beinah so gut als ich mich selber kenne. Gedacht ich ihres Leids, ich glaube sicher, Wohl hundertmal hab ich um sie geweint. Silvia . Sie denkt wohl, Proteus habe sie verlaßen? Julie . Sie denkts gewiss, und das ist ihre Noth. Silvia . Ist sie denn nicht sehr schön? Julie . Sie war einst schöner, Fräulein, als sie ist: Als sie noch glaubte, daß mein Herr sie liebe, War sie so schön, bedünkt mich, als ihr selbst; Doch seit sie nicht mehr in den Spiegel schaut, Die Maske wegwarf, die der Sonne wehrte, Ersterbte Luft die Rosen ihrer Wangen, Und ihrer Stirne Lilienweiß vergilbte, Daß sie so dunkel wurde wie ich selber. Silvia . Wie groß war sie? Julie . Etwa von meiner Größe; denn zu Pfingsten, Als wir mit heitern Spielen uns ergetzten, Gab mir das junge Volk die Frauenrolle Und schmückte mich mit Fräulein Juliens Kleidern: Die passten mir so gut, wie alle sagten, Als wäre das Gewand für mich geschnitten: Daher weiß ich, sie ist von meinem Wuchs. Und damals bracht ich ernstlich sie zum Weinen, Denn traurig war die Rolle, die ich spielte; Ariadne war es, Fräulein, wie sie klagte Um Theseus Falschheit und treulose Flucht: Das spielt ich unter Thränen so lebendig, Daß mein arm Fräulein, tief davon ergriffen, Von Herzen weint', und strafe mich der Tod, Wenn ich ihr tiefes Leid nicht mit empfand. Silvia . Sie ist dir sehr verbunden, lieber Knabe. – Ach armes Fräulein, hoffnungslos verlaßen: Ich weine selbst, erwäg ich deine Worte. Hier, Knab, ist meine Börse: sie sei dein Um deines Fräuleins willen, die du liebst. Lebwohl! (Ab.) Julie . Sie solls euch danken, lernt ihr je sie kennen. – Ein edles Fräulein, zartgesinnt und schön. Mein Herr macht, hoff ich, wenig Glück bei ihr, Da meiner Herrin Liebe so sie rührte. Ach wie doch Liebe falsch spielt mit sich selbst! Hier ist ihr Bildniss. Laßt mich sehn: ich denke, Hätt ich nur solchen Anzug, mein Gesicht Wär ganz so liebenswerth als ihres ist; Und etwas hat der Maler ihr geschmeichelt, Wenn ich nicht allzuviel mir selber schmeichle. Ihr Haar ist nußbraun, meins vollkommen gelb: Hat das allein mir seine Lieb entwandt, So will ich mir hellbraune Locken kaufen. Ihr Aug ist blau wie Glas und meines auch, Doch ihre Stirn ist schmal und meine hoch. Was könnt es sein, das er all ihr erschaut, Das ich all mir nicht schauen laßen könnte, Wär nicht ein blinder Gott die kindsche Liebe? Komm, Schatte, komm, und nimm den Schatten mit. Er ist dein Nebenbuhler. Leblos Bild! Du wirst verehrt, geküsst, geliebt, vergöttert, Und wäre Sinn in seinem Götzendienst, Mein Wesen sollt er statt des Schattens lieben. Ich will dir hold sein deiner Herrin wegen; Sie war es mir: denn sonst, bei Jupiter, Kratzt ich dir aus dem Kopf die blinden Augen, Die Liebe meines Herrn zu dir zu tilgen. (Ab.)     Fünfter Aufzug. Erster Auftritt. Ein Kloster in Mailand. Eglamour tritt auf. Eglamour . Die Sonne goldet schon den Abendhimmel: Die Stunde naht, die Silvia mir bestimmte, Hier bei Patricius Zelle sie zu treffen, Sie bleibt nicht aus, denn Liebende verfehlen Die Stunde nur, um vor der Zeit zu kommen, So sehr beeilen sie ihr Stelldichein.         ( Silvia tritt auf.) Da kommt sie schon. Mein Fräulein, guten Abend! Silvia . Amen, Amen! Geht, guter Eglamour, Dort durch der Klostermauer Hinterthür: Ich fürchte, daß ein Späher mich belauscht. Eglamour . Sorgt nicht; zum Wald ists nicht drei Meilen weit. Ist der erreicht, sind wir in Sicherheit. (Beide ab.) Zweiter Auftritt. Gemach im herzoglichen Pallast. Thurio , Proteus und Julie treten auf. Thurio . Proteus, was sagt Silvia zu meiner Werbung? Proteus . Ich finde sie jetzt milder, Ser, als früher; Doch hat sie viel noch an euch auszusetzen. Thurio . Wie, daß mein Bein zu lang ist? Proteus .                                                     Nein, zu dünn. Thurio . So trag ich Stiefel, daß es runder wird. Julie (beiseite) . Den Haß verkehrt ein Sporn in Liebe nicht. Thurio . Und mein Gesicht? Proteus .                               Sie findet es recht hell. Thurio . Da lügt die Lose: mein Gesicht ist schwarz. Proteus . Doch hell sind Perlen, und das Sprichwort sagt: Ein schwarzer Mann ist Schönen eine Perle. Julie (beiseite) . Ja, Perlen wie ein Mädchenaug vergießt; Denn lieber blind als solchen Gimpel sehn. Thurio . Und mein Gespräch? Proteus .                                   Schlecht, wenn vom Krieg ihr sprecht. Thurio . Doch gut, wenn ich von Liebe red und Frieden? Julie (beiseite) . Am besten, wenn ihr sie in Frieden laßt. Thurio . Was sagt sie denn von meinem Muth? Proteus . O Ser, sie zweifelt nicht daran. Julie (beiseite) . Nicht nöthig, da sie eure Feigheit kennt. Thurio . Und was von meiner Abkunft? Proteus . Daß ihr sehr hoch herabgekommen seid. Julie (beiseite) . O ja, vom Edelmann herab zum Narren. Thurio . Erwägt sie meine Güter? Proteus .                                           Ja, mit Bedauern. Thurio . Weshalb? Julie (beiseite) .         Daß solch ein Esel sie besitzt. Proteus . Daß sie verpachtet sind. Julie .                                             Da kommt der Herzog. (Der Herzog tritt auf.) Herzog . Wie gehts, Ser Proteus? Thurio, wie gehts? Hat Keiner jüngst Ser Eglamour gesehn? Thurio . Ich nicht. Proteus .                 Ich nicht. Herzog .                                   Saht ihr denn meine Tochter? Proteus . Auch nicht. Herzog . So floh sie zu dem lumpgen Valentin, Und Eglamour hat sie dahin begleitet. Gewiss, denn Fra Lorenzo traf sie beide, Als er wallfahrtend durch die Waldung schritt: Ihn kennt er wohl und glaubte Sie zu kennen, Doch ihrer Maske wegen trug er Zweifel; Auch gab sie vor, sie woll am Abend beichten In St. Patricius Zell, und kam dann nicht. Durch alles dieß wird ihre Flucht bestätigt. Drum bitt ich, steht nicht lang berathend da, Nein, springt zu Pferde gleich und trefft mich dort Am Fuße des Gebirgs, wo sich der Hügel Nach Mantua zieht: dahin sind sie geflohn. Beeilt euch, werthe Herrn, und folgt mir nach. (Ab.) Thurio . Nun ja, das heißt doch recht ein kindisch Ding, Die ihrem Glück entflieht, wenn es ihr folgt. Ich folge mehr um Eglamour zu strafen Als weil ich Silvia noch, die Thörin, liebe. (Ab.) Proteus . Ich folge mehr aus Liebe Silvias Als weil mir Eglamour verhaßt, ihr Führer. (Ab.) Julie . Ich folge nur zu wehren dieser Liebe Und haße Silvien nicht, die floh aus Liebe. (Ab.) Dritter Auftritt. Wald. Silvia und Räuber treten auf. Erster Räuber . Kommt, kommt! Sorgt nicht, wir bringen euch zu unserm Hauptmann! Silvia . Durch tausend größre Unglücksfälle lernt ich, Den heutigen geduldig zu ertragen. Zweiter Räuber . Kommt, führt sie weg! Erster Räuber . Wo ist der Edelmann, der bei ihr war? Dritter Räuber . Flink auf den Füßen ist er uns entlaufen; Doch Moses mit Valerius setzt ihm nach, Geh du mit ihr nach Westen in den Wald Zum Hauptmann, während wir dem Flüchtgen folgen. Das Dickicht ist besetzt, er kann nicht durch, Erster Räuber . Kommt, zu des Hauptmanns Höhle bring ich euch. Doch fürchtet nichts, er ist von edelm Sinn Und geht mit keinem Weibe übel um. Silvia . O Valentin, dieß duld ich deinethalb. Vierter Auftritt. Ein andrer Theil des Waldes. Valentin tritt auf. Valentin . Wie doch Gewohnheit auf die Menschen wirkt! Die schattge Einsamkeit, der dunkle Wald Gefällt mir mehr als volkreich blühnde Städte. Hier kann ich einsam sitzen, ungesehn, Und zu dem Klagelaut der Nachtigall Mein Leid besingen, meine Seufzer hauchen. Du, dieser Brust Alleinbesitzerin, Laß deine Wohnung nicht verödet stehn Bis sie in Trümmer sinkt, der Bau zerfällt, Und kein Gedächtniss bleibt, was er einst war! Erbau mich wieder, Silvia: deine Nähe, Geliebte Nymphe, tröste deinen Schäfer! – Welch ein Halloh ists heute, welch ein Lärm? Mein Volk ists, das den Willen zum Gesetz macht, Und ein Paar arme Wanderer verfolgt. Sie lieben mich; doch hab ich viel zu thun, Von roher Ungebühr sie abzuhalten. Verbirg dich, Valentin: wen seh ich kommen? (Er zieht sich zurück.) ( Proteus , Silvia und Julie treten auf.) Proteus . Mein Fräulein, diesen Dienst erwies ich euch, Gilt gleich für nichts euch eures Dieners Thun. Mein Leben wagt ich, euch von dem zu lösen, Der euch entehrt, und Lieb erzwungen hätte. Gönnt mir zum Dank nur einen holden Blick. Geringern Lohn als den kann ich nicht fordern Und weniger könnt ihr unmöglich geben. Valentin (beiseite) . Wohl einem Traum gleicht was ich seh und höre: Leih, Liebe, mir Geduld, jetzt noch zu schweigen. Silvia . Wie elend bin ich, wie beklagenswerth! Proteus . Elend, mein Fräulein, wart ihr, eh ich kam, Allein mein Kommen macht euch wieder glücklich. Silvia . Recht elend ward ich erst als ihr erschient. Julie (beiseite) . Ich würd es erst, wenn er dir näher käme. Silvia . Würd ich dem Leu, dem hungrigen, zum Raub! Viel lieber Speise sein dem wilden Thier Als von des falschen Proteus Hand errettet! Du, Himmel, weist wie Valentin ich liebe, Des Leben theuer mir, wie meine Seele, Und ganz so sehr, denn mehr noch wär unmöglich, Ist der meineidge Proteus mir zum Abscheu. Drum geh nur hin und laß um mich dein Werben. Proteus . Haarsträubender Gefahr, dicht bei dem Tod, Wich ich nicht aus um Einen holden Blick, Es ist der Liebe Fluch, bewährt so oft: Den liebt kein Weib, der Liebe von ihr hofft. Silvia . Die liebt kein Proteus, die den Falschen liebt. In Juliens Brust lies, deiner erst Geliebten, Um deren theure Gunst dein Herz zerfloß In tausend Schwüre: alle tausend hast du In Meineid umgewandelt mich zu lieben. Nun hast du keine Treu mehr, wenn nicht zwei, Was schlimmer wär als keine: beßer keine Als Doppeltreue, die zuviel um eine. Verräther deines wahren Freundes du! Proteus .                                                           In Liebe, Wem gilt da Freundschaft? Silvia .                                           Jedem außer Proteus. Proteus . Nun, wenn der milde Geist beredter Worte Euch nicht zu sanfterer Gesinnung stimmt, Werb ich als Krieger mit des Arms Gewalt Und lieb euch wider die Natur der Liebe. Silvia . O Himmel! Proteus .                 Ich zwinge dich mir zu willfahren. Valentin . Schandbube, weg mit deiner rohen Hand! Freund aller schnöden Sitte! Proteus .                                         Valentin! Valentin . Gemeiner Freund, der Treu und Liebe höhnt! (So sind die Freunde jetzt) o du Verräther! Du trogst mein Hoffen: meinem Aug allein Mag ich dieß glauben. Nun darf ich nicht sagen: Mir lebt ein Freund, weil du mich Lügen straftest. Wem traun wir noch, wenn unsre rechte Hand Sich wider unsre Brust empört? O Proteus, Wie traurig, nie darf ich dir wieder traun, Muß mich um dich der Welt ein Fremdling achten. O schlimme Zeit: so tief kann nichts verwunden, Als wird im Freund der schlimmste Feind gefunden. Proteus . Mich tödten Scham und Schuld! Vergieb mir, Valentin; wenn Herzensreue Genügen kann, Beleidigung zu büßen, So sieh mich an: so groß ist jetzt mein Schmerz Als je die Schuld war. Valentin .                           Dann bin ich versöhnt Und achte wieder dich als Ehrenmann. Wen Reue nicht versöhnen kann, verdient Erde noch Himmel: die sind beide mild; Durch Reue wird des Ewgen Zorn gestillt; Und daß vollkommen scheine mein Verzeihn, Laß ich dir Alles, was an Silvien mein. Julie . O ich Unselge! (Wird ohnmächtig.) Proteus .                     Seht, was fehlt dem Knaben? Valentin . Ei, Knabe! Schelm! was soll das sein? was fehlt dir? Blick auf und sprich! Julie .                                 O Ser, mein Herr befahl mir, Der Fräulein Silvia diesen Ring zu bringen, Was ohne meine Schuld noch nicht geschah. Proteus . Wo ist der Ring? Julie .                                   Hier ist er. (Giebt ihm einen Ring.) Proteus .                                               Laß mich sehn: Ha, Julien hab ich diesen Ring geschenkt. Julie . Verzeiht mir, Herr, ich habe mich vergriffen. Dieß ist der Ring, den ihr an Silvia sandtet. (Zeigt einen andern.) Proteus . Allein wie kamst du denn zu jenem Ring? Beim Abschied gab ich ihn an Julien. Julie . Und Julie selber hat ihn mir gegeben, Und Julie selber hat ihn hergebracht. Proteus . Wie? Julie? Julie . So schau sie denn, das Ziel so vieler Schwüre, Die sie im Herzen alle tief bewahrte. Wie oft zerschoß dein Meineid dann ihr Herz: Laß diese Tracht auch, Proteus, dich beschämen: Erröthe du, daß solch unschicklich Kleid Ich angelegt; wenn Schande leben kann In Liebesmasken. Anstand entscheide, wer am schwersten fehle, Vertauscht ein Weib ihr Kleid, ein Mann die Seele. Proteus . Ein Mann die Seele, wahr! Gott, wär ein Mann Nur treu, er wär vollkommen. Dieser Mangel Füllt ihn mit Fehlern, führt zu allen Sünden. Untreu zehrt ab eh sie noch recht gelebt. Was säh ein treues Auge frischer nicht In Julien als in Silviens Angesicht? Valentin . Wohlan, reicht mir die Hände: Gönnt mir das Glück, so schönen Bund zu weihn; Wir Freunde dürfen niemals Feinde sein. Proteus . Der Himmel weiß, mir ward erwünschtes Glück. Julie . Wahrlich auch mir. ( Räuber mit dem Herzog und Thurio treten auf.) Räuber . Ha Beute, Beute, Beute! Valentin . Zurück, sag ich: es ist mein Fürst, der Herzog. Eur Gnaden sei gegrüßt dem gnadelosen, Verbannten Valentin. Herzog .                             Wie, Valentin! Thurio . Silvia ist dort und Silvia ist mein. Valentin . Thurio, hinweg: sonst kostet es dein Blut. Tritt nicht in den Bereich ein meiner Wuth, Noch nenne Silvia dein: thus noch einmal Und Mailand schützt dich nicht. Hier sieh sie stehn: Nun wag an ihres Kleides Saum zu rühren! Nicht athmen darfst du hin nach meinem Lieb. Thurio . Ser Valentin, ich frage nichts nach ihr. Ich halt ihn nicht für klug, der in Gefahr Sich für ein Mädchen setzt, das ihn nicht liebt. Ich will sie nicht und darum sei sie dein. Herzog . Um so entarteter und schlechter bist du, Mit solchem Aufwand erst um sie zu werben Und dann sie gleich aus Feigheit aufzugeben. – Jetzt bei der Macht und Würde meiner Ahnen Bewundr ich deine Kühnheit, Valentin! Du bist der Liebe einer Kaiserin werth, Vergeßen sei denn wie du mich gekränkt, Dein Bann gelöst: ich rufe dich zurück. – Verdienst giebt dir ein Recht auf neuen Stand, Den ich verleihe; Ritter Valentin, Steh auf, ein Edelmann von altem Blut: Nimm deine Silvia, du bist sie werth. Valentin . Eur Gnaden Dank: die Gabe macht mich glücklich. Ich bitt euch nun, um eurer Tochter willen, Gewährt mir eine Gunst, die ich erflehe. Herzog . Gewährt ist deinetwillen, was es sei. Valentin . Herr, die Verbannten, die mit mir gelebt, Sind Männer voll Verdienst und seltnem Werth: Seht ihnen nach was sie begangen haben, Und ruft aus der Verbannung sie zurück. Sie sind gebeßert, mild und wohlgesinnt Und hoher Aemter würdig, edler Fürst. Herzog . Es sei gewährt: Verzeihung dir und ihnen! Gieb ihnen Stellen, Jedem nach Beruf. Komm, laß uns gehn und enden jeden Zwist Mit Freudenspiel und seltner Festlichkeit. Valentin . Und unterwegs hab ich vielleicht das Glück, Euch im Gespräch ein Lächeln abzuzwingen. Was dünkt euch wohl, mein Fürst, von diesem Pagen? Herzog . Er scheint ein holder Knabe; er erröthet. Valentin . Ich steh dafür, er ist mehr hold als Knabe. Herzog . Was meint ihr mit dem Scherz? Valentin . Geliebts, so will ichs euch im Gehn erzählen, Daß ihr euch wundern werdet der Geschichte. – Komm Proteus, dieß soll deine Strafe sein, Zu hören deine Liebesabenteuer. Hernach sei unser Hochzeittag auch deiner: Ein Fest, Ein Haus, ein doppelt Liebesglück, (Alle ab.)