Ludwig Thoma Brautschau Bauernschwank in einem Aufzug Personen: Korbinian Christl , Sedlbauer von Weidach Rosina Christl , sein Weib Simon , beider Sohn Jakob Elfinger , Schmuser Ursula Geisberger , Bauerntochter von Arnbach Alois Palser , Viehhändler Maria Atzenhofer , Gütlerstochter von Glonn Afra Salvermoser , Gütlerstochter von Zeitlbach Monika Salvermoser , ihre Mutter Ort: Im Hause des Sedlbauern in Weidach, einem Dorf der Dachauer Gegend. Zeit: Gegenwart. Herbst. Große, reinliche Bauernstube nach alter Art. Rechts im Herrgottswinkel ein viereckiger Tisch, um zwei Seiten desselben Bänke, die in die Wand eingelassen sind und in der Ecke zusammenstoßen. Stühle. Links, mehr nach vorne, ein Kachelofen, um den eine Bank läuft. Heiligenbilder, ein Gedenkblatt an die Militärzeit, ein Diplom des landwirtschaftlichen Vereins hängen an den Wänden. In der Rückwand zwei Fenster mit Blick in den Hof, in dessen Mitte ein Taubenkobel steht. Stallungen und Scheunen mit Stroh gedeckt. Rechts eine Tür, die in den Flötz, links eine Tür, die in die Schlafkammer führt.   Erste Szene Wenn sich der Vorhang hebt, ist die Bühne leer. Man hört vor der rechten Tür die scheltende Stimme der Sedlbäuerin : Und so gang's bei ins allawei, oan Tag für den andern! Und 's Sach geht mit G'walt z' Grund... Während der letzten Worte hat der Sedlbauer die Tür geöffnet und humpelt herein. Den rechten Fuß hat er wegen der Gicht eingewickelt. Er zieht ihn beim Geben nach und stützt sich auf einen derben Stock. Unmittelbar hinter ihm tritt die Sedlbäuerin ein, immer noch scheltend. Sedlbäuerin : Is ja wahr aa! Jetzt geht ins da Gaul woaß Good wia lang krumm! Ja, was soll denn dös wern? Sedlbauer : Was halt sunst aa worn is. Grad geht er wieda, wenn er lang gnua krumm ganga is. Sedlbäuerin : Ja, wia redst'n na du daher? Sedlbauer : Plärr no net gar a so! Du bist scho so a müads Weibsbild! Sedlbäuerin : Da waar mi müad, bal ma d'Wahret sagt. Sedlbauer : Sagt! Was hab denn i von dein Sag'n? Sedlbäuerin : Weil's bei ins gar nimma ausgeht, und jed'n Tag feit was anders. Sedlbauer : Und jed'n Tag machst du an Krach her. Sinscht hast du di wohl it kümmert um an Roßstall. Sedlbäuerin : Eppa wer muaß si na do kümmern, du hockst da herin bei'n Ofa. Sedlbauer : Für was is na dei Lapp da, da Simmerl? Sedlbäuerin : Der hat koa Recht it zu'n o'schaff'n, und wer 's Recht it hat, werd it g'hört. Sedlbauer hat sich auf die Ofenbank gesetzt: Ja, ja! I hör di scho geh'. Sedlbäuerin : Is vielleicht it wahr? Er hat koa Recht it, und du hockst da herin bei'n Ofa! Sedlbauer : Hock i gern da? Moanst d', mir waar's net liaba, du hättst mein Wehdam? Sedlbäuerin : Jetzt hoscht'n halt amal! Und bal koa Mannsbild net hinter de Deanstbot'n her is, geht's nimma um. Dös sag i. Sedlbauer gutlaunig und etwas spöttisch: Dös sagst du, und oft gnua. Es werd halt nix mehr, bis i net dein Simmerl an Hof übergib. Sedlbäuerin : Er is dei Bua so guat wia da mei. Sedlbauer : Aba i ko mei Liab a bissel bessa z'ruckhalt'n. Sedlbäuerin : Du haltst so lang z'ruck, bis er auf und davo geht. Sedlbauer : Der geht net weit. Sedlbäuerin : Is ja wahr aa! Jetz is da Mensch dreißg Jahr alt und hat no koan Aussegh'n gar it, daß er 's Sach kriagt. Sedlbauer : Dös lafft eahm net davo. Sedlbäuerin : Du werst halt aa toa müass'n, was da Brauch is. Sedlbauer : Amal scho. Sedlbäuerin : Wann er z'alt is zun heiret'n, gel? Und bal er koa Freud nimma hot und bal's Sach obakemma is. Sedlbauer gemütlich: Kimmt's oba? Sedlbäuerin : Vielleicht net, bal d' Deanstbot'n grad Schindluada treib'n! Sedlbauer gutmütig spöttisch: Es is a Kreuz! 's Troad mag nimma wachs'n bei de alt'n Leut, und 's Viech hat koa Freud mehr mit ins. Derfst as glaab'n, Rosl, deine Henna halt'n aa scho d' Oar zruck für a junge Bäurin. Sedlbäuerin setzt sich an den Tisch.: Du bist scho so dumm, daß d' no Spaßetln machst. Sedlbauer : I moan allawei, de Dümmer bist du. Weilst d'as gar net dawart'n kost, daß 's da schlechte geht. Sedlbäuerin : Es werd bei ins sei, wia's bei ander Leut'n is. Sedlbauer : Aba wia is bei ander Leut'n? Dös siehgst du z'weni, sinscht tatst net so pressiern. Sedlbäuerin : A mei! Sedlbauer : Wart no, bis d' im Austrag hockst un de jung Bäurin blast d' Milli dreimal o, vor's da's hi'schiabt, weil dös schlachtest no z' guat is für de Alt'n. Sedlbäuerin : Gar so arg werd's it wern, und was amal sei muaß, laßt si net aufhalt'n. Sedlbauer : No, a wengl hab i's aufg'halt'n. Sedlbäuerin : Wia lang geht's denn no? Du redst, als wannst d' da allerbest waarst, und dawei seit dir allbot was. Sedlbauer : Feit ma was. Sell scho. Aba schaug, es is halt aa wieda schö, wia ma si jetzt um mi kümmert. Alle Damma lang wer i g'fragt: Wia geht's da denn, Vata? Und moanst do, du werst wieda? Und moanst net, es geht da heunt schlechte? Bal i amal im Austrag hock, schaugt mi koa Katz nimma o...   Zweite Szene Simon tritt von rechts ein. Hemdärmelig, die Schürze vorgebunden, in Stallpantoffeln. Er geht ohne Gruß mürrisch durch die Stube gegen die linke Tür. Die Mutter schaut ihm bekümmert, der Vater spöttisch nach. Vor er zur linken Tür kommt, ruft der Sedlbauer, so wie man Pferde zum Stehen bringt. Sedlbauer : Ö – i! Heb staad! Simon bleibt stehen, mürrisch: Han? Sedlbauer : Was tuast d' denn? Simon kurz: A Schmier'm hol i. Sedlbauer : Wia geht's denn an Gaul? Simon barsch: Vo mir aus, wia's mog. Sedlbauer : A so! Dös bekümmert di nix? Simon : I bi grad da Knecht. Er geht links ab und wirft die Tür hinter sich zu.   Dritte Szene Sedlbauer gutmütig spöttisch lachend: Host d'n g'sehg'n, dein künftig'n Herrn Sedlbauern? Sedlbäuerin : Ja no! Er is halt vadross'n. Sedlbauer : Der werd scho no vadrossner, bal er amal Herr is, und du willst was von eahm. Paß auf, wia der nacha erscht d' Tür'n zuaschmeißt. Sedlbäuerin : Da waar all's anderst. Sedlbauer : Waar's, wia's möcht, mir müaßt'n 's hamm, aba jetzt derf i halt no's Mäu aufmacha. Sedlbäuerin : Geh! Du werst na do scho koan Krach it macha! Sedlbauer gemütlich: Braucht's ja net. An Krach macht ma, bal ma sunst nix macha ko. Aba jetzt hab i 's Recht in Händ'n, und bal mi's freut, leg i eahm etla Monat zua, de er wart'n muaß. Sedlbäuerin : Jessas na! Mit enk Mannsbilder kunnt oan d' Freud scho vageh.   Vierte Szene Simon kommt von links zurück mit einer Flasche. Sedlbäuerin begütigend: Du, Simmerl, an Vata muaßt scho Red und Antwort geb'n! Simon mürrisch: I ho eahm ja g'sagt, daß i a Schmier'm hol. Sedlbauer : Z'weg'n was denn, wann's da wurscht is, wia's mit'n Gaul geht? Sedlbäuerin : Es is eahm ja it wurscht! A so muaßt d' aa net red'n, Vata! Sedlbauer : Host d'as it g'hört, wia'r as g'sagt hot? Simon einlenkend: Wei... wei... bei ins gar nix dakennt is. Von in da Fruah bis auf d' Nacht derfst d' arbet'n. Sedlbauer : I hon aa g'arbet. Simon : Du host d' do g'wißt, für was. U... und host it zuaschaug'n müaß'n, wia's Sach z'ruckgeht. Sedlbauer : Ahan! Kennst d'as du aa, daß mir z'ruckhaus'n? Du host mit da Muatta d' Brill'n tauscht. Sedlbäuerin : Mi sagt it vo dem, daß mi z'ruckhaust. Simon : Aba des sell is do wahr, daß bei ins neamd o'schafft. Auf mi pass'n d' Leut net auf, und du bist it daußt. Sedlbauer gutmütig spottend: Waar's d'r liaba, wann i daußt waar und recht reigiern kunnt? Simon : Dös is amal g'wiß! Sedlbauer : Na waar aba da Weg no weit bis zun Austragstüberl. Simon : I woaß net, warum mi da Vata no allaweil hiaselt! Sedlbäuerin zum Bauern: Des sell brauchat's net! Simon : Bal ma si an ganz'n Tag schind't von in da Fruah bis auf d' Nacht, und nix ist dakennt. Sedlbäuerin beschwichtigend: Es is scho dakennt, und jetzt geh zua, Simmerl! Sedlbauer : Und schmier an Gaul richti ei. Vielleicht g'hört er no dei, vor er umsteht. Simon : Ja, vor a umsteht... Sedlbäuerin : Jetzt geh no zua! Simon im Gehen: Weil's wahr is. Der Erst auf und da Letzt ins Bett, und dakennt is do nix... Geht rechts ab. Man hört ihn noch hinter der Tür brummen: Und grad o'rackern derfst di, und na werst d' no dableckt...   Fünfte Szene Sedlbäuerin setzt sich seufzend auf einen Stuhl: Na! Da is oans scho net z' neid'n mit selle zwoa Büffeln, wia's ös seid's. Sedlbauer : Gel? Sagst d'as aa? Sedlbäuerin : Mi woaß gar it, zu wem daß ma helfa soll. Sedlbauer gemütlich: No, d' Bruathenn geht allawei mit die Junga. Sedlbäuerin : Föppeln ko'st, aba sinscht ko'st nix. Sedlbauer : Na na! Des sell is koa G'spaß. Ös paßt's auf n' Alt'n nimma auf, wenn's amal Junge habt's. Sedlbäuerin : I bin dir a richtige Hauserin g'wen; da werst d' nix sag'n kinna. Sedlbauer : Aba jetzt hast d' koa Ruah, bis d' mi von Haus und Hof bringst und bis i da Garnix mehr bi. Sedlbäuerin gut: Schaug, Vata, mi wern halt alt! Sedlbauer : I g'spür's no z'weni. Und 's Reigiern tat mi g'freu'n. Woaßt, Rosl, in Auswarts mit'n Pfluag außi schleppern bei'n Hof und grad umarbet'n... Seufzt: Ah was! Sedlbäuerin : Geh! Host di lang gnua plagt. Sedlbauer : Plag'n is leb'n, und des ander is nix. Lustiger. Und du nacha, Muatta! Was werst d' na du sag'n, bal di de jung Bäurin aus da Kuchl außi schafft? Sedlbäuerin seufzt: Dös sell werd's na it toa. Sedlbauer : Mach, daß d' außi kimmst, werd s' sag'n, du gehst da im Weg um! Kleine Pause Sedlbäuerin seufzt wieder: Amal muaß 's ja do sei. Na is g'scheidta bei Zeit'n, daß da Simmerl no a richtige Heiret macht. Sedlbauer gutmütig: Ja – ja. Sedlbäuerin eifriger: Woaßt scho, Vata, es geit it gar so viel, de mi braucha ko auf an sellan Hof. A Geld muaß sie hamm und an Vastand zua da Arbet und an Fleiß, und haus'n muaß s' kinna und a brav's Leut muaß s' sei... und... Sedlbauer unterbricht sie: Wia hoaßt sie denn? Sedlbäuerin : Wer »sie«? Sedlbauer : No, de halt, wost d' so lobst. B'steh's no, du host oani. Sedlbäuerin : Na, hamm tua i koani. Sedlbauer schlau blinzelnd: Net? Sedlbäuerin : Na, mi sagt g'rad... Sedlbauer : Siehgst, da bin i wieda da besser... Sedlbäuerin : Was nacha? Sedlbauer : I hätt oani. Sedlbäuerin : Du? Geh zua, du hättst mi grad für'n Narrn! Sedlbauer : Bal a da's sag! Reibt den Daumen am Zeigefinger. Und koa schlechte. Sedlbäuerin : Wer waar na de sell? Sedlbauer : Sagst d' ma ja du de dei aa net! Pause. Die Sedlbäuerin ist nachdenklich geworden; sie streicht sich die Schürze glatt. Er kneift ein Auge zu und schaut ihr belustigt zu. Sedlbäuerin hat einen Entschluß gefaßt: Du, Vata! Sedlbauer : Was nacha? Sedlbäuerin : Paß auf, i... i... hätt aa oani. Sedlbauer : Gel! Hab i di außi kitzelt bei'n Loch wia'r a Grill'n! Sedlbäuerin : Ja no, des sell ko'st da denka, daß i mi über dös bekümmert hab, und überhaubs... net? Sedlbauer : Freili. Und wia hoaßt's nacha? Sedlbäuerin : Sag ma z'erscht du de dei! Sedlbauer : Naa! Aba dös werd a langs G'spiel, Alte, bald koans an Trumpf auskart'n mag. Sedlbäuerin : Woaßt d', i kenn s' a no gar it. Sedlbauer : Net? Sedlbäuerin : Sie is mi grad varrat'n. Sedlbauer : So? Sedlbäuerin : Von an Schmusa. Vom Elfinger Jackl. Sedlbauer : Mei Liabi, was dir der Spitzbua o'draht... Sedlbäuerin : Do ko er nix betrüag'n. Ihra Geld muaß sie aufweis'n, und des ander laßt si dafrag'n. Zögert etwas. Sie is vom Leitner vo Arnbach. Geisberger schreibt sie si. Sedlbauer : Is ma nix bekannt. Sedlbäuerin resolut: Und daß a da's glei sag, sie kimmt heut zu ins her. Sedlbauer : De dei? Sedlbäuerin : Ja, und da Elfinga damit. Sedlbauer lacht: Jetzt werd's recht! Jetzt hamma's guat troffa! Sedlbäuerin : Was lachst d' denn a so? Sedlbauer : Paß auf, laß da sag'n... mei Schmusa kimmt aa, der Palser Alisi. Sedlbäuerin : Waar ja net aus! Sedlbauer : Der werd wahrscheinli aa de sei mitzieahg'n. Sedlbäuerin : A so a Dummheit! Sedlbauer : Dös kimmt vo deiner Hoamlichkeit, siehgst... Sedlbäuerin : Ja, Hoamlichkeit! De ganz Zeit tuast it dergleicha und hört ma nix und auf oamal rennat'n oan d' Weibsbilder 's Haus ei. Sedlbauer : Von mir is bloß oane. Sedlbäuerin : Und de Dummheit mag i überhaupts gar it sehg'n. I geh zu da Schuasterin ummi. Sedlbauer gemütlich: Dös tuast. Oda gehst d' in Kella obi. Mir tean scho eppas dawei. Sedlbäuerin : Du moanst allawei, du bist da allerg'scheidtest, aber dös host ganz dumm g'macht. Sedlbauer : De ander Hälft vo dera Dummheit trifft di, Muatta. Sedlbäuerin : Jessas! Jessas na! Sedlbauer lacht gemütlich.: Mir is ganz recht a so. Es rührt si allaweil mehra bei'r an Handel, wann zwoa bieat'n.   Sechste Szene Simon tritt von rechts ein. Sedlbäuerin lebhaft: Simmerl, was sagst d' denn du dazua? Jetzt hot er aa oani herb'stellt! Simon sehr gleichmütig: So? Sedlbäuerin ärgerlich: »So« sagst d'! De von Leitner kimmt aa! Simon : Na kemman halt zwoa. Sedlbauer : So hab's i aa ausg'rechent. Sedlbäuerin : Aba weita denkt's ös all zwoa it! Simon setzt sich auf die andere Seite der Ofenbank: Ich möcht wiss'n, zweg'n was de Weibsbilder kemma? Bal da Vata net übageb'n will! Sedlbauer : Vielleicht b'sinn i mi anderst. Simon grob: Ja – – vielleicht – und vielleicht net. Zu so was g'hört na do scho an Ernst her! Sedlbäuerin zu Simon: Jetzt fang net scho wieder zun mammsen o! Bal's d' siehgst, daß er überhaupts auf dös denkt! Sedlbauer ohne auf Simon zu achten, deutet mit dem Daumen zum Fenster hin. Zur Sedlbäuerin: Da schaug außi! An den Fenstern geht Elfinger vorbei. Hinter ihm Ursula Geisberger, deren rotwollenes Kopftuch auffällig sichtbar ist. Sedlbauer : Is dös de mei oder de dei? Sedlbäuerin : Seid's no grad staad! Es is scho de mei, weil da Elfinga Jackl dabei is. Sedlbauer : Na geht ja d' Gaudi scho o! Sedlbäuerin : I bi ganz vazagt. Hättst d'no grad geschting g'red't mit mir! Sedlbauer : Oder hättst du vorgeschting was g'sagt. Sedlbäuerin horcht: Pscht!   Siebente Szene Die Tür rechts wird geöffnet, und Elfinger tritt ein. Er hat ein rasches, lautes Wesen an sich, wie es Metzgern und Viehhändlern eigen ist. Er ist halb städtisch angezogen. Kariertes, braunes, kurzes Jackett, die Hose aufgekrempelt. An der mächtigen Uhrkette scheppert ein großer Charivari. Auf dem grasgrünen Samthut, den er aufbehält und beim Grüßen nur lüftet, schwippt ein Gemsbart. Er trägt einen Havelock, den er anbehält. Seinen dünnen Stock, mit gebogenem Griff, läßt er nicht aus der Hand. Einen Schritt hinter ihm tritt Ursula ein; sie zieht den Kopf scheu ein und schaut aus ihrem roten Kopftuch kaum heraus. Sie hält die Hände über die Taille verschränkt. In ihren linken Arm hat sie den landesüblichen, ziemlich großen Handkorb mit Henkel eingehängt. Elfinger pfeift durch die Zähne, dann ruft er sehr laut: Grüaß Good beinand! Sedlbauer trocken: S'Good! Sedlbäuerin freundlich: Ja, Elfinga Jackl, kimmst du z'weg'n? Grüaß di Good! Ursula schüchtern: S' Good! Elfinger immer laut: Wia geht's denn nacha? Zum Sedlbauern, indem er mit dem Stock auf dessen eingefatschten Fuß deutet. Di hat's wieda, Sedlbauer? Host da'r an Nagl ei'tret'n, oder hot di da Spitzl bissen? Sedlbauer : Eppas sellas werd's sei. Elfinger : Göi, Luada, jetzt kimmt's auf, daß d' naß g'fuattert host? Sedlbauer : Wann ma grad vom Sauf'n krank wurd' waarst du scho lang ei'grab'n. Elfinger : I? Da host amal was g' sagt! Weil's inseroan scho so viel leid't! Sedlbauer : Du saufst aa, bal's as net leid't. Elfinger : An Bier kennt ma's net o, moanst d'? Da kunnt'st recht hamm. Sedlbäuerin freundlich zur Ursula: Hockt's enk do a weng zuawi! Ursula : Wann's verlaubt is. Sedlbäuerin : No freili! Geh no eini in d' Bank! Zu Elfinger: Vielleicht mögt 's a Glasl Schnaps? Elfinger : Net wer i mög'n! Sedlbäuerin entschuldigend zu Ursula: Des derft's heut wohl it z' fast umschaug'n, weil gar nix g'richt is. D' Arbet is so viel, und nacha kimmt no allbot was daher, und, woaßt scho, im Stall muaß mi allaweil nachschaug'n, sinscht tean de Weibsbilder grad was mög'n, und zu koana Arbet in Haus kimmst d' a so scho nimmer... Elfinger unterbricht sie: Schnaps hast d' g'sagt, net? Sedlbäuerin : Ja... ja... i bring an glei, und hock di no amal hi. Sie geht rechts ab.   Achte Szene Elfinger setzt sich auf die in die Rückwand eingelassene Bank. Ursula hockt an der seitlichen Innenseite des Tisches. Simon bleibt unbeweglich auf der Bank an der Vorderseite des Ofens sitzen. Er hockt lässig vorgebeugt, die Ellenbogen auf die Schenkel gestützt, und schnullt hie und da gleichmütig an seiner Zigarre, indes er vor sich hin oder ins Leere schaut. Er hat während der ganzen Zeit noch keinen Blick auf Ursula geworfen. Elfinger zum Sedlbauer: Wia geht's na mit'n Viech? Sedlbauer : Tuat's scho. Elfinger : Da Preis geht z'ruck; dös werst d' g'hört hamm? Sedlbauer : I hör net so guat wia du. Elfinger : Na, na! Is scho wahr! D' Kaibln, d' Säu, all's is billiger worn. Host d'nix zum vakaffa? Sedlbauer : I wart, bis da Preis wieda aufi geht. Elfinger : Gar z' schlauch is aa nix. Was tuast d' denn, bal's no weniger kost'? Sedlbauer : Na wart i no länger. Elfinger eifrig: Sagt ma, net wahr? Na, g'scheidt, Sedlbauer: host d' gar nix ? Sedlbauer gleichmütig: Na. Mit dem Kopf gegen Ursula hin nickend: Was host d' denn da für oani dabei? Ursula hat ihren Handkorb auf den Schoß gestellt und die Hände darübergekreuzt. Sie sieht unbeweglich vor sich hin, den Kopf etwas eingezogen so daß ihr Gesicht unterm Tuch fast völlig versteckt bleibt. Elfinger fragend zu Sedlbauer: Han? Sedlbauer : Was d' da für oani mitzog'n host? Elfinger mit dem Stockgriff nach Ursula deutend: Sie? Vo Arnbach is s'. Sedlbauer : So? Vo Arnbach? Elfinger : Geisberger mit Namens. Beim Leitner hoaßt ma's am Haus. Sedlbauer : Is ma nix bekannt. Elfinger : Aba an Ding kennst d' do, an Zwerger vo Niederroth? Sedlbauer : Den sell'n kenn i guat. Elfinger : Na kemma mir scho z'samm. Da Zwergerin ihra Muatta und dera wieder mit dem Stockgriff auf Ursula deutend ihra Muatta han Schwestern g'wen. Sedlbauer : So? Da Zwergerin ihra Muatta?   Neunte Szene Die Sedlbäuerin kommt von rechts mit einem Enziankrug und einigen Schnapsgläsern, die sie auf den Tisch stellt. Sedlbäuerin : Jetzt trinkt's no; da han i an Enzian. Ursula schüchtern: I dank schö! I mag koan Schnaps gar it. Sedlbäuerin : Daß er halt net süaß is, aba oa Glasl nimmst d' do scho. Sie hat ein Glas eingeschenkt und schiebt es ihr hin. Ursula nippt: I trink 's ganz Jahr koan Schnaps it. Elfinger nimmt den Krug und schenkt sich selber ein: Du woaßt halt no net, was guat is. Trinkt. Ah! Der warmt oan auf! So was ko ma braucha. Sedlbauer : Bal ma mit an junga Weibsbild umanand zieahgt. Elfinger lacht überlaut: De Arbet waar net amal de leichtest. Sedlbäuerin freundlich zu Ursula: Muaßt d' it auf d' Mannsbilder aufpass'n. De hamm so grobe Gspaß. Ursula vor sich hinschauend: I paß scho net auf. Sedlbäuerin : Du bischt vo Arnbach, gel? Ursula : Ja. Elfinger eifrig: Beim Leitner is sie dahoam. Des sell is a richtig's Haus. Sedlbäuerin : I hab's wohl g'hört. D' Heitmayerin hat ma's aa g'lobt. Elfinger lärmend, und in den Tisch schlagend: Göi? Ja, wann i amal was sag, na muaß 's wahr sei. Da gibt's nix bei mir. I sag allawei, des Lüag'n hat koan Wert, weil's ja do aufkimmt. Sedlbauer trocken: A jed'smal werst d'net aufkemma sei. Elfinger : Na, G'spaß beiseit', Sedlbauer! I mag 's Lüag'n gar net. Sedlbauer : Und 's Aufkemma no weniger. Elfinger : Dös brauch i net scheucha, weil i a richtiger Mo bi, vastehst d'? Frag dei Bäurin! Zur Sedlbäuerin. Göi? Hat d' Heitmayerin net dös nämliche sag'n müass'n? Is epp's derlog'n g'wen, was i g'sagt hab! Sedlbäuerin : Sie hat de Leitnerischen durchaus g'lobt, und, hat s' g'sagt, Sedlbäuerin, sagt s', da Leitner is von de fleißigst'n oana g'wen, und, sagt s', er hat si des beste Zeugnis vodeant. Elfinger patscht mit den Händen, immer lärmend: Göi? Göi? Ja, wer d'Wahret red't, braucht koan Zeug'n net fercht'n. Des sell sag dar i, Sedlbauer, und dir aa, Simmerl! Simon ohne sich zu rühren, sehr gleichgültig: Vo mir aus. Elfinger eifrig: Wia host d' g'sagt? Simon : Vo mir aus, sag' i. Elfinger : Ja, laß da vazähl'n, des sell derfst d' glaab'n, mit dera – er deutet mit dem Stockgriff auf Ursula waar koana schlecht aufg'richt. Sie kennt d' Arbet und is bei da Arbet aufg'wachs'n und scheucht koa Arbet. Zu Ursula. Jetzt red' amal und sag' eahna, was d' host! Ursula fährt sich mit dem Handrücken über den Mund und fällt sogleich ein. Sie sagt ihre Angaben wie auswendig gelernte Stellen aus dem Katechismus monoton her: Vataguat hon i achttausad March und von da Muatta hon i no viertausad g'irbt... Elfinger erläuternd: Weil ihra Muatta nach'n Vata g'storm is. Ursula wiederholt, weil sie unterbrochen worden ist: Vataguat hon i achttausad March und von da Muatta hon i no viertausad g'irbt und macht mitanand zwölftausad March und vo dena san Hypathek neuntausad March und baar san dreitausad... Elfinger unterbricht erklärend: 's Geld liegt auf'n Anwes'n und dös hat ihra Bruada übanomma. Zu Ursula, aufmunternd: Red no und sag's eahna allssammat! Ursula : 's Geld liegt auf da zwoat'n Hypathek und de erscht Hypathek is a Kirchageld und des sell san sechstausad vierhundert March und 's Anwes'n is g'schatzt auf zwoaravierzgtausad. Sie bricht unvermittelt ab, zieht den Kopf wieder ein und schnupft auf, indes sie wieder mit dem Handrücken den Mund abwischt. Alle schweigen. Pause. Elfinger triumphierend zum Sedlbauer: Was sagst d'nacha jetzt? Sedlbauer gleichmütig: M–hm, ja – ja. Es hört si guat o. Elfinger : Und is all's notorisch und g'richtsmaßi. Da feit si koa Haar. Sedlbauer bedächtig: Wia groß is denn 's Hoamat? Elfinger zu Ursula: Wia groß daß 's Anwes'n is von dein Bruada? Ursula wieder genau in dem vorigen Ton hersagend: 's Anwes'n is Haus Nummera siebzehn a halbs in Arnbach und hat simmavierzg To'werk und vo dena san acht To'werk Wies'n und sechs To'werk Holz und 's ander han Gründ. Sie bricht wieder ab wie vorher und zieht den Kopf ein. Sedlbauer : Und is bloß sie auf Ursula hin nickend und ihra Bruada? Elfinger bestätigend: Es san eahna net mehra Kinda wia zwoa. Sedlbauer : Nacha is ihr a bissel weni ausg'macht, bal 's Anwes'n do so guat g'schatzt is. Elfinger zu Ursula: Han? Er moant, du hättst mehra krieag'n soll'n. Ursula : Es is a so ausg'macht wor'n beim Notari. Vataguat hon i achttausad March und von da Muatta hon i no viertausad g'irbt. Sedlbäuerin freundlich: Es is na it gar so weni, und mit'n Geld alloa is aa net all's g'wunna. Ma muaß scho auf dös schaug'n, ob oani d'Arbet ko. Elfinger eifrig: Dös is amal richtig! Sedlbauer nachrechnend: Bal ma sagt, zwoaravierzg tausad March is 's wert, und zwoa Kinda sans... Sedlbäuerin unterbricht ihn: D' Mannsbilder schatz'n inser Arbet viel z'weni. I sag's oanmal fürs andermal, sie wissen gar it, was g'schafft is im Küahstall und mit'n kloan Sach und in Hauswes'n und in da Kuchl und in... Sedlbauer abwehrend: Mir wissen's scho. Sedlbäuerin in Eifer kommend: Du? Du bischt der allerletzte der inser Arbet acht'. Du moanst allawei, was du net siehgst, dös is it g'schehg'n, aba es is it gar so leicht, und bal mir net mit die Kreuzer sparet'n, kunnt' 's ös gar it Geld gnua herbringe. Sedlbauer : Ja – ja. Sedlbäuerin : Ja, sagst du, aba i sag dös, es muaß a jed's seiner Arbet fürsteh, mir so guat als wia ös, und bal dös oa hi'zieahgt und des ander herziehagt, na geht nia was g'scheidt's z'samm... Sedlbauer beschwichtigend und abwehrend: I glaab da's scho, und du sagst ma's ja oft gnua. Sedlbäuerin : I sag da's oft gnua! Freili! Mi muaß scho. Weil's ös allawei glaabt's, was ös it teat's, des sell is it to. Schaug no amal um! Wia viel hamm net scho z'ruckg'haust, weil d'Bäurin nix war... Simon rutscht auf der Bank etwas vor, so daß er um's Ofeneck herum sieht. Pfeift durch die Zähne; dann grob zu Elfinger: Wia lang müaßt na dös Geld lieg'n bleib'n? Elfinger : Was sagst d', Simmerl? Simon : Ob dera mit dem Kopf gegen Ursula nickend ihra Geld lieg'n bleib'n müaßt bis zu der Auferstehung? Elfinger : Ah so! Zu Ursula: Des sell host d'vagess'n, wia's kündbar is. Red halt! Ursula sagt wieder ihr Auswendiggelerntes her: Die Hypathek ist kündbar fünf Jahre nach dem Tode des letztverstorbenen Eheteils und kann die Kündigung erfolgen jedes Jahr auf Micheli. Elfinger : Es is ja all's notorisch und g'richtsmaßi! Da felt si koa Haar. Simon rutscht auf der Bank zurück auf seinen alten Platz und schaut wieder mit scheinbarer Teilnahmslosigkeit ins Leere. Sedlbäuerin fährt unbeirrt fort: Und i sag dös, was oani derspart, is oft bessa, als was oani mitbringt. Elfinger mit dem Stockgriff auf Ursula deutend: Und de da waar a Hauserin erster Klass'. Sedlbäuerin : I ho's wohl g'hört. Elfinger : Da gibt's nix! Da leist i Garatie. Sedlbauer : Mit da Garatie bischt du glei bei da Hand. Elfinger : Weil dös stimmt, was i sag, und weil i net mehra vasprich, als was i halt'n ko. Sedlbauer : Gar so lob'n tean di aba d'Leut net. Elfinger : Wer ko was sag'n vo mir? Da müaßt scho oana hersteh und müaßt was nachweis'n kinna. Zur Sedlbäuerin: Du werst mir 's Zeugnis geb'n kinna, was d' Heitmayerin zu dir g'sagt hot. Sedlbauer beugt sich vor, und schaut gegen das Fenster hin: Da kimmt jetzt grad oana, der di guat kennt. Elfinger : Wer nacha? Dreht sich gegen das Fenster um. Am Fenster geht der Schmuser Alois Palser vorbei, hinter ihm Maria Atzenhofer mit einem blauwollenen Kopftuch. Elfinger : Der Palser Alisi? Der durft aa no was sag'n. Sedlbauer : Vielleicht hat er di g'lobt. Elfinger : Weil mir da scho was dro'liegt, hast d' g'hört, ob mi der lobt oder net. Sedlbäuerin etwas erregt: Geh, Vata, gehst d' g'schwind außi und sagst eahm, er soll an andersmal kemma. Sedlbauer seelenruhig: I ko eahm's net vabieat'n, daß er heunt kimmt. Elfinger : Was will denn der überhaups? Sedlbauer : Fragst d'n selm... Die Tür rechts wird geöffnet, und Palser kommt herein, hinter ihm die Maria Atzenhofer. Palser ist ähnlich gekleidet wie Elfinger, nur ist sein Anzug von anderer Farbe. Er trägt auch einen Havelock, einen Hut mit Hirschbart und hat einen Weichselstock mit gebogenem Griff. Maria Atzenhofer kommt scheu in die Stube und bleibt an der Tür stehen. Im Schnitt ist ihre Kleidung ganz so, wie die Ursulas. Auch trägt sie wie diese einen Handkorb und ihr Gesicht ist von dem blauwollenen Kopftuch fast völlig verdeckt.   Zehnte Szene Palser : Grüaß Good! Er sieht mißvergnügt auf Elfinger und Ursula; zum Sedlbauer: Daß ös net alloa seid's? Sedlbäuerin streitbar: De san halt aa kemma. De wern's Recht so guat hamm, wia du! Palser : I bin aba herb'stellt. Zum Sedlbauer: Dös, was mir z' red'n hamm, is do net für ander Leut! Sedlbauer der, wie Simon auf der Ofenbank sitzen geblieben ist, beschwichtigend: Jetzt is scho, wia's is. Hock di no hi! Palser brummend: Ja hock di hi! Wieder aufbrausend: Wann i enk net recht bi, nacha konn i geh' aa. Sedlbauer : Ah was! Jetzt hockst di zuawi. Palser barsch zur Atzenhofer, auf die Bank deutend: Ruck halt eini! Maria rückt in die Bank neben Ursula, die weiter in die Ecke rutscht, ohne die Atzenhofer anzusehen. Nun hocken beide steif da und halten ihre Hände über die Körbe gekreuzt. Die Sedlbäuerin ist von ihrem Stuhl aufgestanden und setzt sich neben Elfinger. Palser setzt sich mürrisch auf den frei gewordenen Stuhl. Palser verächtlich mit dem Kopf gegen Elfinger hin nickend, zum Sedlbauer: Was will denn überhaupts der do? Sedlbauer : Halt aa. Von da Handelschaft a weng red'n. Palser : Der? Elfinger : Vo dir wer i koa Konzession braucha! Palser grob: I gaab da's scho net, du Leutbetrüaga! Elfinger schreit: Wos? Derfst du dös sag'n? Palser : I frag di scho net, ob i derf. Sedlbäuerin : Zum Streit'n werst d' na do scho net kemma sei! Palser : Mit dem streit ja i gar net. Elfinger : Du net? Palser : Na! Zum Sedlbauer: Wannst d' ma du g'sagt hättst, daß i den triff, nacha waar i wohl net kemma. Elfinger : Waarst d' halt dahoam blieb'n mit dein Glump! Palser sich in den Tisch hinein beugend: Wer Glump? Was Glump? Han? Sedlbäuerin : Jetzt laß do amal guat sei! Was waar denn net dös?! Palser : So a... i mag mi ja gar net ausdruck'n... Zum Sedlbauer: Du hättst ma wohl was sag'n kinna! Sedlbauer gleichmütig: Er is halt aa kemma. Palser zum Sedlbauer: I spann's scho, woaßt d'! Aba dös laß da sag'n, mit dem Stockgriff gegen Ursula deutend, was der daher bringt, is nia nix. Da bist ausg'schmiert, vor'st d' o'fangst. Elfinger schreit: Gel du! Dös werst du beweis'n müass'n! Palser : I weis' da's scho auf dir! Bei an jed'n G'richt weis' a da's auf! Elfinger : Dös wer ma sehg'n. Palser : Host d' ma du net am Ägidimarkt a Kuah vakafft, und 's Kaibi hat gar net dazua g'hört? Elfinger : Geh zua! Für dös kriagst d' nix. Palser : Vo dir kriagt ma freili nix. Sedlbäuerin : I woaß gar it, daß enk ös net schamt's vor de Weibsbilder da! Elfinger : Jetzt kam er mit dem daher! Überhaups is vo dem jetzt koa Red, und überhaups... Palser grob: Hot 's Kaibi g'suffa? Elfinger : Und überhaups bin i daher kemma, weil ma's d' Bäurin g'hoaß'n hat... Palser lauter schreiend und sich in den Tisch hinein beugend: Hot 's Kaibi g'suffa? Elfinger : Und na werd's do recht sei, wenn i kimm, und werd schö gnua sei, wann i dös tua, was ma mir schafft... Palser noch lauter: Hot's Kaibi g'suffa? Elfinger : Na müaßt ma si da Grobheit'n macha lass'n. Hot'n der a Hausrecht da herin? Sedlbäuerin : Is wahr aa! Des sell geht na do scho net. Sedlbauer zum Palser: Jetzt waar's Zeit, daß 's amal aufhöret's. Palser zum Sedlbauer: Sei no du staad! Stimmt er mi da her, und nacha waar's nimma recht, weil eahm der oani herzog'n hat... Sedlbauer : Laß da sag'n... Palser : Nix laß a ma sag'n. Aba i vagunn enk de. Gegen Ursula mit dem Stockgriff weisend. Dös muaß de recht sei, bal sie si vo dem verschmusen laßt. Elfinger aufspringend: Jetzt wer i aba belzi! Bei jedem Satz auf Ursula hin mit der Hand gestikulierend. Woaßt du vo dera was? Hot da de was to? Derfst du dei Mäu aufreiß'n gega de? Kennst du de? Palser schreiend: I mag s' gar it kenna. Du host no nia nix richtig's g'habt. Elfinger ebenso: Und du nacha? Und de dei nacha? Wo host d' denn de z'sammklaabt? Dös muaß da recht Hadern sei? Palser auf den Tisch mit der flachen Hand patschend und sehr laut schreiend: Hadern, sagst d'? Elfinger : Hadern, sag i. Palser bei jedem Satz auf den Tisch schlagend: Jetzt hab i di, Bürschei! Jetzt g'hörscht mei! Jetzt bischt d' g'richtsmassi! Elfinger in den Tisch patschend: Vo mir aus! Klag no! Palser ebenso: I klag scho! Elfinger ebenso: Klag da grad gnua! Sedlbauer aufstehend: Ja, Herrschaftseit'n! Bei mir is do koa Wirtshaus da herin! Simon ist aufgestanden und hinter dem Ofen hervorgegangen: An Ruah gebt's! Des plagt's enk a so umasunst! Palser und Elfinger halten mit dem Schimpfen ein und wenden sich gegen Simon. Palser in ruhigem Ton: Was sagst d'? Simon : Ös braucht's net so plärr'n, sag i. I will von enk alle zwoa nix. Elfinger : Han? Simon : I ho ma scho selm an anderne herb'stellt. Da kimmt s' grad. Schaugt's no außi! D' Salvermoser Afra von Zeitelbach is. Am Fenster kommt Monika Salvermoser mit ihrer Tochter Afra vorbei. Monika trägt braunwollenes, Afra blauwollenes Kopftuch, auch hat diese, wie Ursula und Maria, einen Handkorb. Monika hat die alte Dachauer Polenkitteltracht, Schirm usw. Sedlbäuerin : D' Afra? Sedlbauer belustigt: Da schau her! Palser zu Sedlbauer, wieder zornig werdend: Na, zu mir schau her, du Feinspinna, du o'drahta! I laff vo Glonn uma! Elfinger : Und i vo Arnbach... Palser : Dös will i sehg'n, ob du it zahl'n muaßt! Dös mach i advikatisch. Elfinger : Zeitvasäumnissen und Köschten und Gewinnvalust... Sedlbauer : Is scho recht. Monika und Afra Salvermoser treten ein und bleiben befangen neben der Tür stehen, so daß sie den Ausgang frei lassen. Palser befehlend zu Maria Atzenhofer, die ebenso wie Ursula während des ganzen vorhergehenden Streites regungslos am Tisch gesessen ist: Da geh außa! Mi hamm nix mehr z'toa da herin. Elfinger ebenso zu Ursula: Du aa! Geht's zua! Ursula und Maria gehen hintereinander, ohne sich umzusehen, bei der Tür rechts hinaus, dann folgt Palser, der sich an der Tür umdreht. Palser gegen Sedlbauer hin: Mit dir wachs i z'samm, du Bauerndada, du spitzohreter, du ausg'schamta! Ab. Elfinger sich ebenfalls umdrehend, drohend: Zeitversäumnis und Köscht'n und G'winnvalust! Ab. Vorhang