Ludwig Thoma Magdalena Volksstück Personen: Thomas Mayr, genannt Paulimann, Gütler Mariann Mayr, sein Weib Magdalena, beider Tochter Jakob Moosrainer, Bürgermeister Lorenz Kaltner, Aushilfsknecht bei Mayr Benno Köckenberger, Kooperator Barbara Mang, Taglöhnerin Martin Lechner, Bauernsohn Valentin Scheck, Bauer Johann Plank, Bauer Ein Gendarm Bauern, Weiber, Knechte, Mägde, Schuljugend Die Handlung spielt im Hause des Thomas Mayr in Berghofen, einem Dorf des Dachauer Bezirkes. Zwischen dem ersten und zweiten Aufzug liegen sechs Wochen, zwischen dem zweiten und dritten einige Tage. Erster Aufzug Erste Szene Thomas Mayr tritt von rechts langsam ein, in Hemdsärmeln. Er hat die blaue Arbeitsschürze vorgebunden und aufgeschlagen. Er nimmt seinen Hut ab und hängt ihn an einen Haken des Kleiderrahmens. Mariann hebt etwas müde den Kopf und lächelt ihm zu. Mariann Bist du da, Thomas? Thomas Amal nachschaug'n, wia's dir geht. Mariann Daß du weg'n meiner von der Arbet weggehst? Thomas I ko di net allaweil alloa lass'n. Mariann Dös hätt's net braucht. Kummt ja d' Nachbarin fleißig rüber. Thomas No ja, es treibt mi halt hoam. Mariann D' Nachbarin sagt, im Stall is all's in Richtigkeit, und an Gart'n hat s' mir aa  gossen. Sie is scho a guat's Leut. Thomas Ja - ja. Mariann Wia steht's denn im Feld drauß'n? Kimmt d' Gerst'n guat rei? Thomas Net b'sunders; an Hagel spürt ma stark. Mariann Dös is arg. Thomas Von mir aus! Was frag i danach? Mariann Geh weiter! Was host d' denn? Thomas I sag's, wia's is; dös bekümmert mi ganz wenig. Mariann So muaßt d' net red'n; du bist ja sunst net so g'wesen. Thomas Sunst! Ablenkend Und was machst denn du? Geht's a bissel leichter mit'n Schnauf'n? Mariann M - m — es is allaweil dös gleiche. Thomas Hat der Dokta nix g'sagt, daß er dir helfa ko? Mariann Er red't halt so rum, weil er mir d' Wahrheit net sag'n mag. Pause. Thomas setzt sich auf die Bank vor den Ofen, legt die Arme auf die Knie und schaut vor sich hin, dann wendet er sich Mariann zu. Thomas bekümmert Muatta, moanst d', du werst gar nimma? Mariann schlicht Na, Thomas. Und es is g'scheiter aa, wenn's bald z' End geht. Schau, was is denn? Zu der Arbet taug i do nix mehr, und i mach dir grad Kosten. Thomas Daß du jetzt weg muaßt! Mariann Sag selber, was tua i do, wann i zu nix mehr nutz bin? Mi bekümmert's a so, daß du für'n Dokta so viel zahl'n muaßt. Thomas Wer red't von dem? Mariann Und mei Leich kost' di no mal a schöns Geld. Thomas Da braucht di nix reu'n. Mariann Wenn ma si do an jed'n Grosch'n hart verdeana muß. Thomas Es braucht di net reu'n; für wen soll denn i spar'n? Mariann in sich gekehrt Ja - ja. Pause. Thomas rückt mit derBank näher zu Mariann und nimmt ihre Hand in die seine. Thomas Wia lang san mir beinander g'wesen, alte Mariann? Mariann mit einem guten Lächeln Auf Martini san's sieb'nadreißig Jahr g'wesen, und etla Woch'n davor hast du's Sach übernomma g'habt. Thomas Mit viel Schuld'n, han? Und hast di do traut mit mir? Mariann Und du di mit mir. I hab ja aa nix g'habt als a Paar feste Hand. Thomas Is viel Arbet g'wes'n umadum, und is letz g'wesen, aber do schö. Mariann Und hat mi koan Tag net g'reut. Pause. Thomas Und jetzt willst d' geh? Mariann Woll'n? I wer halt aa net g'fragt. Thomas herzlich Bist mei guate Kameradin g'wesen. Mariann Dös Zeugnis muaßt d' mir geb'n, gel? Ihre Hände betrachtend. G'arbet hab i allaweil gern. Thomas Und hast all's in Ordnung g'halt'n. Mariann still All's? Thomas Was si halt'n laßt. Stärker betonend. Ja, Muatta. Mariann Aba jetzt werd's Zeit, daß i Feierabend mach. Thomas Und mi laßt d' alloa ... Mariann Vielleicht. . . Stockt. Vielleicht bist d' do net ganz alloa? Thomas finster Laß s guat sei; über dös soll'n mir net red'n. Mariann I muaß red'n mit dir. I hab jetzt so viel Zeit zum Nachdenk'n, schaug - und da denk i mir oft, ob mir net aa schuld san, daß unser Madl schlecht worn is. Thomas Wia denn? Hat de bei uns a schlecht's Beispiel g'habt? Mariann Aba in d' Stadt hätt'n mir's net nei' lass'n soll'n. Thomas Hamm mir net lang gnua g'red't, und sie hat net änderst mög'n, und d'Bauernarbet is ihr allaweil z'hart g'wesen. Mariann Weil sie schwach g'wesen is; ja, Thomas, von kloan auf. Thomas Muaß sie desweg'n schlecht sei? Es gengan andere aa'r in d'Stadt und bleib'n brav. Mariann Mir wiss'n ja net, was sie so weit bracht hat und was an Madl unterkemma is. Thomas Da gibt's koan Ausred. Mariann Wenn s' aba jetzt von alle Türen wegg'jagt werd, muaß si do bei uns unterschliaf n derf'n . . . Fängt bitterlich zu weinen an. Unser Kind! Thomas steht auf, geht zu Mariann und legt die Hand auf ihre Schulter. Laß's guat sei, Alte! Geh ... mach's net no ärger! Du bist a so von nix ändern krank wor'n. Mariann Wia dös in der Zeitung g'standen is, da is mir ei'wendig was g'rissen. Thomas Um de is wert! Mariann Muaßt d' net schimpfn! Thomas I schimpf net. Mariann I bin halt d'Muatta und hab s' auf d'Welt bracht und hat mir oft derbarmt, als a Kloana . . . und jetzt derbarmt s' mi erst recht. Thomas setzt sich wieder auf die Ofenbank, seufzt und schaut düster vor sich hin Dös deriebt ma an die Kinder! Mariann I siech s' oft vor meiner, wia s' an Kopf ans Fenster druckt und einaschaugt zu mir, ob s' denn gar nirgends mehr dahoam is ... Wenn s' amal kummt und klopft drauß'n . . . bitt di gar schö ... tua s' net verjag'n! Thomas Mir san g'straft auf dera Welt! Mariann nach seiner Hand greifend Tua s’ net verjag’n! I woaß g'wiß, sie kummt amal und suacht a Hilf. Thomas Ja ... sie kummt amal. Mariann Wenn sie an Weg suacht, der z'ruckführt aus dera Abscheulichkeit ... und sie hat's ja net von uns, daß s' schlecht bleib'n muaß ... Thomas Mariann ... Mariann Und wenn i nacha nimma da bin, muaßt du für mi denk'n, daß ... Thomas unterbricht sie Mariann, i bin'net bloß weg'n deiner vom Feld hoamganga ... Mariann den Kopf langsam nach ihm wendend; Was sagst d? Thomas I hab no weg'n was ändern hoam müass'n. Mariann erschreckend Is scho wieder was ...? Thomas Brauchst net derschreck'n ... es is nix Neu's g'schehg'n. Mariann Aba mit da Leni was? Thomas Der Bürgermoasta hat mir de Botschaft bracht..., daß d'Leni hoamkimmt, . . Mariann Hoam? Zu uns? Thomas sehr gedrückt Ja ... Pause. Mariann zögernd und leise; Thomas ... is 's was Schiach's? Thomas A Schand is, Muatta ... Er sucht zitternd ihre Hand, mit unterdrücktem Schluchzen. Sie kummt am Schub. Beide schweigen. Mariann leise Vata! Thomas Sieb'nadreiß'g Jahr hamm mir hart g'arbet und san rechtschaff'n g'wesen, und hat uns jeder de Ehr lass'n müass'n ... und jetzt, weil mir alt san, g'hör'n mir zu de schlecht'n Leut! Mariann Dös ko neamd mit Wahrheit sag'n ... Thomas Glaubst du, dös sag'n net alle? Mariann Sie wer'n's für an Unglück o'schaug'n. Thomas Na. Weil dös no koan troff'n hat. De sehg'n bloß d' Schand. Mariann Für de neamd was ko. Thomas Mir hamm s' aufzog'n; und lobt ma oan für guate Kinder, nacha färbt aa d'Schand ab. Es is net änderst. Mariann In unsern Haus is so richtig zuaganga wia'r in an jed'n. Thomas Wer siecht nei'? Mariann Na muaß unser Herrgott wiss'n, daß mir's Madl zum Guat'n hamm richt'n woll'n. Thomas Aba d'Leut wissen's net. Mögst du hör'n, was heut g'red't werd im ganzen Dorf? Steht auf. I net. Scho, wia mir's der g'sagt hat! Der Schandarm, bringt dei Madl daher! So dreckig hat er mir's hing'schmissen! Mariann vor sich hinsehend Wann kummt s' denn? Thomas Woaß i? Grimmig. I hab scho g'moant, i paß ihr an Weg ab und hau s' z'ruck. Mariann ängstlich Des sell derfst d' net! Thomas Hab koan Angst! Der Bürgermoasta hat mir's schon ausdeutscht, daß i 's Recht net hab. Mariann Wo soll s' denn hin, wann s' mir z'rucktreib'n? Soll'n s' fremde Leut mit Füaß'n tret'n? A Viech müaßt di derbarma. Thomas geht an ein Fenster und schaut hinaus, Mariann den Rücken zukehrend. Mariann Wer soll s' denn auf n recht'n Weg bringa, wann's mir net tean? Thomas sich halb umkehrend De liegt drin im Grab'n, und mir ziag'n s' nimma raus. Mariann Du woaßt dös net a so ... Ös Mannsbilder wißt's dös net a so. I hab's Deandl aufzog'n und hab ihr 's Bet'n g'lernt mit'n Red'n. Thomas Dös hat de all's vergess'n ... Mariann Auf a Zeit - vielleicht. Aba ganz vergißt sie so was net. Kleine Pause. Wia s' 's erst'mal mit da Prozession ganga is, da is sie hinter'n Pfarra daher trappelt, so fromm als wie de ändern. Und wia'r i ihr dös weiße Kleidl anzog'n hab, da fragt sie mi: Is wahr, Muatta, daß i mit'n Himmivata geh derf? Ja, sag i, Lenerl, heunt gehst amal mit'n Himmivata. Thomas ohne sich umzuwenden Was woaß de no davo? Mariann Es fallt ihr scho wieda ei. Thomas aufgeregt das Fenster öffnend Horch! Mariann sich aufrichtend Kimmt 's Deandl? Thomas hat sich hinausgebeugt Na. Es hat mi täuscht. Mariann O mei, Thomas! Dös is a schwäre Stund! Thomas setzt sich wieder Wia'r uns der Bua tot aus'n Holz hoamtrag'n is wor'n, da hab i g'moant, es is uns des Ärgste g'schehg'n. Heut woaß i, daß dös a Leicht's war. Mariann Muaß 's Madl vo Prittlbach rüber? Thomas Ja. Z'erscht derf s' im Schubwag'n fahr'n. Mariann Nacha kummt s' jetzt den Weg daher, den s' so oft als Schuldeandl ganga is. Thomas Mit an Gendarm daneb'n, und vielleicht laff'n ihr d' Kinder nach. Mariann Wenn i aufsteh' kunnt, gang i ihr entgeg'n, und tat an Schandarm bitt'n, daß er s' mir laßt, und mir fand'n scho an Weg, wo uns neamd sehg'n kunnt. Es klopft. Thomas Hat's net klopft? Es klopft nochmal. Thomas steht auf, mit gepreßter Stimme. In Gott's Nam! Er geht zur Türe, als diese geöffnet wird und Kooperator Köckenberger auftritt. Köckenberger spricht in singendem, salbungsvollem Ton. Zweite Szene Köckenberger Gelobt sei Jesus Christus! Thomas In aller Ewigkeit, Amen. Köckenberger Hier ist eine Kranke, der ich Trost spenden soll? Thomas nach Mariann hin nickend Dös is sie. Köckenberger Man hat mir aufgetragen, einen Besuch bei Euch zu machen. Mariann I dank halt schö, Hoch würden. Thomas San Sie g'wiß der neue Herr Koprata? Köckenberger Ja ... jawohl. Zu Mariann Dem Anscheine nach sind Sie in einem bedenklichen Zustande? Thomas Seit sechs Woch'n liegt sie und kummt allaweil mehra von der Kraft. Mariann Ma muaß nehma, was kummt. Köckenberger Man muß es mit christlicher Geduld hinnehmen, ja, und muß seine Gedanken vom Irdischen abwenden. Mariann Wollen S' Ihnen net setz'n, Hochwürden? Thomas bringt einen Stuhl und stellt ihn gegenüber von Mariann hin. Köckenberger setzt sich und faltet die Hände im Schoß, die Finger gerade ausgestreckt. Köckenberger Man muß seine Gedanken gänzlich abwenden von den Vergänglichkeiten dieses Lebens. Mariann demütig So guat's geht ... Köckenberger eifrig Nicht so gut es geht, sondern vollkommen. Sie müssen erfüllt sein von einer grenzenlosen Sehnsucht nach dem Jenseits ... Thomas ist still hinausgegangen. Dritte Szene Mariann demütig Ja, Hochwürden. Köckenberger Sie müssen einsehen, daß die Güter dieser Welt nichts sind im Vergleich zu dem Schatze, den es zu erringen gilt. Mariann Mir liegt gor nix dro, daß i sterb'n muaß. Köckenberger Wie? Mariann I sag, daß i gern sterbat, wenn i ... Köckenberger eindringlich Sie verstehen mich immer noch nicht. Sie sollen sagen, daß Ihre Seele nach jenen Herrlichkeiten dürstet. Mariann Es is bloß weg'n oan .. . Köckenberger unterbricht sie Sie sollen mit einer wahren Ungeduld behaftet sein, dorthin zu gelangen. Mariann die Hände faltend Ja ... Hochwürden. Köckenberger Denn nur so kommt man in den Zustand der heilsamsten Reue, und man soll sich auch ein Bild machen von der schrecklichen Pein, die den Unbußfertigen erwartet. Mariann nickt ehrfürchtig, Köckenberger rückt eifrig auf dem Stuhle hin und her. Diese ist über alle menschliche Vorstellung entsetzlich, und selbst der heftigste Schmerz, den man etwa hier erleiden muß, gibt uns keinen Begriff von jenen Qualen. Mariann Ja — Hochwürden. Köckenberger Jene Unglücklichen hören nichts als Heulen und Wehklagen; sie sehen nichts als Feuer, sie fühlen nichts als Feuer; sie befinden sich in einem Ozean von brennendem Pech. Er nimmt die Brille ab und putzt sie. Mariann Derfat i Eahna net was frag'n? Köckenberger Fragen? Was wollen Sie fragen? Mariann Ob S' mir koan Trost net wiss'n in a Sach, de mi recht bekümmert. Es is weg'n unsern Kind. Köckenberger Eine Tochter? Mariann Ja. Hamm S' g'wiß scho was g'hört? Köckenberger zuckt die Achseln. Und lauter Schlecht's. Köckenberger Man hat mir erzählt, daß sie in der Großstadt untergegangen ist. Mariann Untergegangen? Schweigt und blickt vor sich hin. Es is hart, an dös glaab'n. Für a Muatta gar z' hart. Köckenberger Es mag wohl bitter sein, aber in Ihrer Lage sollten Sie nicht mehr daran denken. Mariann Net dro denk'n! Wenn's Nacht werd und staad, hör i 's Madl ruaf'n, grad so, wia's als a Kind nach meiner g'schriean hat, i sollt eahm helfn, und i moa, i muaß auf und zu ihr geh. Köckenberger etwas unruhig Ja - - ja. Mariann Wissen S', Hochwürden: wenn ma'r a Kind aufziagt, de Angst bleibt in oan. Köckenberger Das ist begreiflich, aber ich möchte Ihretwegen, daß wir uns zu jenen ändern Dingen wenden. Mariann Derf i 's Eahna net verzähl'n? Vielleicht sehg'n Sie do an Ausweg. Köckenberger beunruhigt N — ja ... Mariann Sie san do a studierter Herr, bal S' aa no jung san. Köckenberger Wenn es Sie erleichtert: in Gottes Namen; aber wir hätten unsere Gedanken auf Besseres richten können ... und . . . Mariann ohne auf ihn zu hören Leni hoaßt s', Magdalena. Und is als Kind recht liab g'wen und guat zum hab'n. Daß s' in der Schul net recht weiter kumma is, des seil is wahr. Köckenberger Und habt Ihr sie zur Frömmigkeit angehalten? Mariann Wia's der Brauch is bei uns, und is nix übersehg'n wor'n. Freili, wia s' herg'wachs'n is, hat s' koa Freud zu da Bauernarbet g'habt; sie is ihr z' hart g'wen. Köckenberger Das ist es ebe Mariann demütig Wie moanen S', Hochwürden? Köckenberger Der Müßiggang ist die Quelle schlechter Begierden, sagt der heilige Bernhard. Mariann Sie is viel krank g'wesen von jung auf. Köckenberger zuckt die Achseln. Mir hamm s' zua'r a Nahterin in d' Lehr geb'n, und da hat sie si recht g'schickt zoagt, und späterszeit'n hat sie durchaus in d' Stadt nei" woll'n, weil halt da der Verdeanst größer waar. Köckenberger uninteressiert M — mh. Mariann Und da is sie etliche Jahr drin g'wes'n, und mir hamm des Beste glaabt. Aba nacha hat sie an Mensch'n kenna g'lernt, der hat ihr's Heirat'n versprocha und hat s' um ihre paar Grosch'n bracht und hat s' verlass'n. Köckenberger wie oben M - hm. Mariann Und nacha — — ja nacha muaß sie völlig an Verstand verlor'n hamm. Köckenberger Und hat sich der Sünde ergeben? Mariann Is ins Unglück kemma — ja. Köckenberger Sie ist vom Gericht gestraft worden? Mariann leise Ja. Am Johannistag hat uns d' Nachbarin d' Zeitung bracht. Da is drin g'standen. Köckenberger Das sind die Folgen. Mariann Glaab'n Sie net, Hochwürden, daß mir s' wieder z'recht bring'n? Köckenberger Ich weiß nur, daß Unlauterkeit eine Hauptstraße ist zum ewigen Untergange. Mariann Weil i mir denk, unser Herrgott ko net so schnell ferti sei mit an Mensch'n, und es müaßt eahm selber 's Herz weh toa, wann er siecht, daß so a G'schöpf nimmer in d' Höh derf. köckenberger unmutig Liebe Frau, ich kann Ihnen da gar nichts sagen. Wirklich nicht. Vor allem nichts, was Ihnen ein Trost wäre. Mariann Und i hätt'n braucht, wenn dös arme Madl jetzt daher kummt. Köckenberger aufmerksam geworden Wer kommt? Mariann Ja, Hochwürden ... dös is uns aa no aufg'setzt. D' Leni werd heut no herbracht. köckenberger aufstehend Heute? jetzt? Mariann nickt. Kökkenberger nimmt seinen Hut. Dann muß ich freilich gehen, und ich willlieber ein anderes Mal nachschauen. Mariann Weil d' Leni kummt? Köckenberger Es ist mit meinem Kleide nicht vereinbar, und ich weiß auch wirklich nicht . Er ist zur Türe gegangen. Also ein anderes Mal. Ab. Vierte Szene Mariann Da derf n Sie net bleib'n? Sie sieht vor sich hin und wischt in Gedanken verloren über die Decke. Thomas kommt leise herein, bleibt stehen und sieht ihr eine kurze Weile zu. Sie sieht auf und nickt ein paarmal ernst. Thomas Der is g'schwind aus'n Haus. Mariann Vor uns laff n d' Leut davo, Thomas. Thomas So? Der aa? Mariann Von sein G'wand hat er g'sagt, daß 's net da rei" paßt. Wenn ma da aa koa Derbarma find't! Thomas Arm gnua, wer's braucht! Na siecht er, wia rar dös is. Kleine Pause. D' Nachbarin hat mir grad g'sagt, daß sie nimmer kemma ko. Mariann Desweg'n? Thomas bitter O na! Weil s' am Feld sei muaß, weil s' dahoam sei muaß. Und weil. . . und weil! Aba ja net desweg'n! Jed's Wort a Lug und so hi'g'red't, daß ma's g'wiß kennt. Mariann Dös hätt i net glaabt von ihr. Thomas Ja, moanst denn du, sie ruck'n net allsamt weg? So weit, daß eahna Bravheit net o'stößt an uns? Mariann Jetzt host d' gar neamd im Stall, und mitt'n in der Arndt? Thomas Ah was! Mariann Wann i nur auf kunnt! Thomas Sei froh, daß d' da herin hockst. Siehgst wenigstens net, wia si d' Leut z'sammricht'n zu dera Gaudi. Mariann Han? Thomas heftiger, 's ganz Dorf is lebendi. Als wenn a G'witter am Himmel stand, fahren s' vom Feld eina mit halbe Fuhren. Daß sie's nur ja net versamma! Mariann ängstlich Weg'n der Leni? Thomas Weg'n was sunst? So was muaß ma do sehg'n, wia's an Mensch'n schlecht geht! Derf's de braven Leut gruseln. Mariann Dös is aba net schö. Thomas Da bist g'stimmt, dös is des Allerschönst, wenn ma'r an ändern sei Schand siecht. Da ko ma sei Ehrbarkeit an d'Sunn außa hänga. Er geht gegen das offene Fenster im Hintergrund zu, bleibt aber einige Schritte davor stehen und schaut hinaus. Da! Brauchst d' net weit schaug'n, wia d' Weiberleut am Zaun beinand stengan. Mariann Woher sie's no wiss'n? Thomas Frag an Bürgermoasta! Gegen das Fenster zu redend. Ja! Gafft's no her und schlägt's d' Hand z'samm! Es is scho a so, daß beim Paulimann d' Bagaschi dahoam is ... Er tritt zurück und setzt sieb auf die Ofenbank. Waar i a großer Bauer, na hätt ma's vielleicht hoamlicher mach'n könna, aba so derf ma de Leut a Freud lass'n. Mariann sehr ängstlich Wenn nur 's Ärgste vorbei waar! Thomas Da gibt's koa Vorbei. Mirsannix mehr, dös is gar wor'n. Mariann schwach I hab so Angst! Thomas stützt den Kopf in die Hände No nimma naus geh müass'n, und 's Dach über oan ei'fall'n. Mariann leise Thomas! Thomas Han? Mariann Geh, zünd an Wachsstock o und les mir was für! Thomas erschrocken aufspringend Fehlt's so weit, Muatta? Mariann sehr schwach I woaß net... so Angst hab i. Thomas Und i muaß di no derschreck'n! Mariann Ja no ... du ko'st ja aa nix dafür. Thomas ist zu dem Wandschrank gegangen und holt daraus einen Wachsstock, ein Gebetbuch und seine Brille. Er stellt den Wachsstock auf den kleinen Tisch neben Mariann, zündet ihn an und setzt sich auf den Stuhl, auf dem Köckenberger gesessen war, und seh lägt das Gebetbuch auf. Thomas Was soll i les'n, Muatta? Mariann I hab's a so ei'g'mirkt... Gebet in einer schweren Stund ... Thomas schlägt auf und liest nun langsam und stockend vor Allergütigster Herr und liebreichster Heiland, in meiner tiefsten Not rufe ich zu dir, o Herr, daß du dich in deiner unendlichen Liebe erbarmen mögest... mögest. Mariann hat die Hände gefaltet Erbarme dich unser ... Thomas Und mich stärkest in dieser schweren Stunde meines Lebens ... meine Seele ist traurig in mir und will sich nicht trösten lassen ... lassen ... Er horcht auf, da von ferne her Lärm zu vernehmen ist, der näher kommt. Gram und Trübsal wollen mich übermannen, und bitter sind die Leiden, die ich erdulde. Hilf mir, o Herr, nach deiner Barmherzigkeit ... Der Lärm kommt immer näher. Man hört Schreien und Pfeifen. Thomas steht auf, gepreßt Jessas - Maria! Mariann greift nach seiner Hand Bleib bei mir! Thomas Muatta — dös geht uns o ... Er legt das Euch weg und löscht das Licht aus und steht regungslos, nach dem Fenster hinsehend. Der Lärm ist nun ganz nahe. Man hört Rufe D' Paulimann Leni! Schaugt's hü D' Paulimann Leni! Dazwischen Lachen, Pfeifen, Schreien. Die Türe wird geöffnet, und herein tritt Leni, gefolgt von einem Gendarm. Leni bleibt stehen und heftet die Blicke auf den Boden. Sie trägt schlechte städtische Kleidung, einen Strohhut mit einer großen, geschmacklosen Bandschleife, in der Hand eine kleine Tasche. Ihr Gesicht ist gerötet, und ihre Zeugstiefelchen sind stark verstaubt. Thomas tritt ein paar Schritte vor und sieht sie finster an. Fünfte Szene Gendarm Sie sind der Gütler Thomas Mayr? Thomas Ja. Gendarm Ich muß auf Befehl die minderjährige Magdalena Mayr hierher bringen und selbe Ihnen übergeben. Ab. Sechste Szene Thomas tritt näher an Leni heran, losbrechend Bist d' da - du? Faßt sie am Arm. Kimmst du so hoam? Du! Leni sich losmachend, wehleidig N ... no! Marjann mütterlich Leni! Außen Stimmengewirr. Man sieht Weiber und Kinder, die sich an die Fenster drängen und hört Worte Do steht s'! Schau hi, do steht s'! Thomas geht an das offene Fenster und schreit hinaus. Thomas Habt's ös da was zum gaff n? Macht's, daß weiter kemmt's, oder i hau enk mit da Goaßl weg! Einen Augenblick Stille, dann lautes Geschrei und Gelächter. Leni stampft mit dem Fuße auf und dreht sich gegen das Fenster zu Nein! So was G'scheert's! Die Leute entfernen sich, es wird still. Mariann hat während der ganzen Zeit unverwandt Leni angesehen Leni! Leni trotzig Is ja wahr! So a g'scheerte Bande! Mariann Geh her zu mir! Thomas faßt Leni hart am Arm Host d' net g'hört? Leni schmollend und wehleidig Laß mi do geh! Mariann beschwichtigend Geh, Thomas! Thomas sehr barsch zu Leni Zu da Muatta gehst hi, und tua den Huat runter - - oder i hilf dir. Leni schmollend I tua'n scho runter. Sie nimmt den Hut ab und nestelt an ihrem Haar. Der Hut fällt auf den Boden, und Thomas stößt ihn mit einem Fußtritt unter die Ofenbank. Dann geht er langsam hinaus. Siebente Szene Leni N ... no! Mein Huat! Sie hebt ihn auf und putzt ihn ab. Mariann Kumm zu mir her! Leni sich trotzig nähernd Is ja wahr! Was braucht er denn mit mein Sach a so umgeh und glei mit'n Fuaß stössen! Sie ist langsam zu Mariann herangekommen und richtet an ihrem Hut. Mariann sieht sie bekümmert an. Mariann gütig Madl, is dir recht schlecht ganga? Leni Wenn d' Leut so ordinär san! Was geht's denn überhaupts de Leut o? Mariann Net dös! Ob's dir in da Stadt drin schlecht ganga is? Leni Besser scho als wia do, wenn s' oan nachlaffa und schrei'n ... Mariann müde Du redst allaweil vo dem! Geh, sitz di her zu mir! Leni Warum denn? Mariann Weil i red'n muaß mit dir, schau! Leni setzt sich zögernd auf den Stuhl neben Mariann. Mariann faßt sie bei der Hand: Madl, was hascht mir denn g'macht? Leni schmollend Jetzt schimpf mi net du aa! Mariann I schimpf di net. Helf'n möcht i dir, daß d' wieder rechtschaffn werst... Leni schnupft auf und schaut zur Seite, dann trotzig I hab no neamd nix g'stohl'n ... Mariann Du muaßt wieder zu da Reinlichkeit kemma und arbet'n und dei Brot redli verdeana. Leni Dös ko neamd sag'n, daß i was g'numma hab. Mariann streichelt ihr die Hand Du vastehst mi scho, Madl. Un du derbarmst mi ja so viel! Wenn i di o'schau, ziagt's mir's Herz z'samm ... Leni die Achseln rückend N ... no! Mariann I siech di vor meiner, wia's d' no dös kloane Schuldeandl warst ... und wenn i aa net all's vasteh, was d' to host... i hab koan Zorn über di... na, g'wiß net, Madl... grad Mitleid. Leni halb weinerlich Was host d' denn allaweil? Mariann Weil i Tag und Nacht denk'n muaß, wia du so weit kemma bist ... Kleine Pause. Gel, des hat di so ausanand bracht, wia di der seil in Stich hat lass'n ... Leni lebhafter Der Schuft! Mariann Und wia'r a dir dei Geld g'numma hat. Leni Der gemeine Mensch! Ausspuckend. Pfui Teifi! Mariann Aba schau, wenn di dös aa recht runterkümmert hat, nacha ... Leni lebhaft unterbrechend Überhaupt's g'hört er ins Zuchthaus, und dös hat mir a feiner Herr g'sagt, der wo sie auskennt auf de Gerichtssach'n. Hochdeutsch nachahmend Indem es ein Betrug ist, hat er g'sagt. Mariann Freili muaß dös a schlechta Mensch g'wes'n sei, aba... Leni Weil er mir mei Sparkassabüachl g'nomma hat, damit daß er's aufhebt, und weil's uns mitanand g'hört, hat er g'sagt, wann mir heiret'n. Mariann streichelt ihr wieder gütig die Hand Hast dir was derspart g'habt, Madl? Leni Dreiadachz'g Mark und zwanz'g Pfenning san's g'we-sen, und i hab's unterschreib'n müass'n, daß eahm dös Geld g'hört, weil's überall so is, hat er g'sagt, wann ma heiret. Mariann Da bist d' arm dro g'wesen. Leni Und ... und nacha hat er 's Geld rausg'numma und is durchbrennt. Wieder hochdeutsch Und das ist ein schwerer Betrug, hat der Herr g'sagt... nach dem Gesetze. Mariann Aba schau, wann di dös aa recht runterkümmert hat... dös, was d" nacha to host, hat nix besser g'macht. Leni Weil mi überhaupt's nix mehr g'freut hot. Mariann Hättst d' no richtig weiter g'arbet, da hättst ehn-der drauf vergess'n. Leni Zu was soll ma denn arbet'n, wenn oan' 's Geld auf de Weis g'numma werd? Mariann Oder waarst d' hoamganga! Leni Was hätt i denn dahoam to? Mariann Muaß jetzt aa sei... Leni schaut verdrossen zu Boden. Aba no, was vorbei is, könna mir nimma änderst macha, und du muaßt halt tracht'n, daß jetzt wieda all's recht werd. Leni Geh, fängst d' scho wieda o! Mariann I hab nimma viel Zeit, und mir müass'n do über dös red'n. Leni schmollend Da soll ma hoam geh, wenn ma nix als wia g'schimpft werd. Mariann Koa unrecht's Wort kriagst d' von mir, Leni Ja ... und d' Leut laff'n oan' nach, als wann i was g'stohl'n hätt. Überhaupt's, was geht's denn de o? Mariann Fang net wieda von dem o! Leni Na! De geht's alle mitanand nix o! Was brauch'n mir de Nama geb'n und a so nachi schrei'n? Mariann Moanst d' net, für uns is no ärger g'wesen? ... Leni schweigt trotzig und schnupft auf. Für dein brav'n Vata, der si seiner Lebtag g'schund'n und plagt hat, und hat nia nix Unrecht's to? Leni Für was braucht er denn nacha mein Huat so umanand schmeiß'n? Mariann stützt müde den Kopf mit der Hand und schaut vor sich hin. Kleine Pause. Leni I hab'n aa zahl'n müass'n ... Kleine Pause. Mariann Host du über dös nachdenkt, was jetzt sei werd? Leni N ... na. Mariann Was d' jetzt o'fanga willst? Leni I waar net hoam kemma, wenn i net müass'n hätt... Mariann Daß d' nimma in d'Stadt nei darfst, dös muaßt d' do selber wiss'n? Leni Halt auf a paar Jahr net. Mariann dringend Deiner Lebtag nimma, Madl; dös muaß aus sei, und du derfst koan Gedank'n mehr an dös hamm. Es handelt sie um dös, daß du g'sund werst! Daß d' wieder sauber werst! Leni weinerlich Gel, na sagst d', du schimpfst net. Mariann wieder milder Wia mir de Botschaft von deiner Straf kriagt hamm, bin i krank wor'n, und siehgst scho, wia'r i dro bin. Leni weinerlich Du werst scho wieder g'sund. Mariann Na, dös wer i nimmer. Aber i sag's net desweg'n, daß i dir's vorhält. I hab an Vata bitt, er soll di dahoam lass'n, wenn i nimmer da bin. Leni sieht zur Seite und schweigt. Mariann Und di bitt i, daß d' dahoam bleibst und brav werst. Dös muaßt ma auf d'Hand vasprech'n. Leni Anderne, wo's viel ärger treib'n, san net g'straft wor'n. Mariann dringender Madl, vasprich mir's . . . es is ja bloß weg'n deiner ... Leni I ko aba de Bauernarbet gar it. Mariann De lernt si scho, wenn ma den recht'n Fleiß dazua hat, und da Vata geht dir scho an d'Hand. Leni Du host aba selber allaweil g'sagt, daß i z' schwach bin dazua. Mariann seufzend'. I wollt, i hätt's nia g'sagt! ... Dringend Siehgst denn net, daß d' wieder rechtschaff'n wern muaßt? Bleib dahoam, arbet, vergiß all's, was amal unsauber g'wesen is ... da ... gib mir d'Hand drauf! Sie hält ihre Hand hin. Leni legt die ihrige zögernd hinein. Sie sieht dabei zu Boden und schnupft ein paarmal auf. Mariann Halt dei Versprech'n ... vielleicht werd's no recht! Leni J ... ja. Mariann zärtlich Ruck näher her zu mir! Leni I bin ja do! Mariann Ganz her! Leni rückt mit ihrem Stuhl ein paarmal vor, so daß sie nun dicht bei Mariann sitzt. Mariann nimmt sie bei der Hand, sehr gütig Woaßt d' no, wia's d' den erst'n Winta in d'Schul ganga bist, nach Prittlbach, und du bist so a kloana Zwazzel g'wesen ... und amal hat's so g'sturmt und g'schneit, daß i Angst kriagt hab, und i bin dir entgeg'n ganga, und beim Leitner bist d' hinter an Holzschupf n g'stand'n und hast grad g'woant. Und da hab i g'sagt: Lenerl, tuast di fürcht'n? Und du host g'sagt: Jetzt nimma, weil i bei dir bin. Woaßt d' dös no? Leni Dös is scho so lang her! Mariann Aba g'sagt hast d'as, und heut kunnt'st d'as wieder sag'n. Leni verständnislos Was? Mariann Daß d' di nimmer furchst, weil's d' bei mir bist. Leni I furcht mi ja net. Kleine Pause. Mariann streichelt in Gedanken verloren Lenis Hand. Dann spricht sie wieder leise und gütig. Mariann Und woaßt d' no, wia dei Schulkameradin, de kloane Kramerlis'l, g'storb'n is, und i bin mit dir ins Haus nüber, und d'Lis'l is in Sarg drinna g'leg'n. Woaßt d' dös no? Leni Geh, was du für alte G'schicht'n daher bringst! ... Mariann Und da hab i dir verzählt, daß d'Lis'l jetzt nimma in d'Schul geht, sondern als a Engel singa derf, und da host du g'sagt: »Dös möcht i aa.« Leni ganz teilnahmslos So? Mariann I bin so derschrock'n, weil i mir ei'bild't hab, wia dös waar, wann du so im Sarg drinna liegetst mit an wachs-gelb'n G'sichtl ... Verloren vor sich hinblickend. Selbigs Mal waar mir dös als des größte Unglück fürkemma ... I hab wohl net g'wußt, daß so was des beste Glück sei kunnt... Leni Was für a Glück? Mariann sich besinnend Na ... na, Madl! I wünsch dir nix Schlecht's. Muaßt d'aba oft z'ruck denk'n an Kinderzeit'n und an dei alte Muatta ... Leni I denk scho dro ... Mariann Woaßt d'as no, wia'r i dir 's erstmal Pfüad Good g'sagt hab? 's erstmal, wia's d' fürt bist... und ... i hab dir an Seg'n geb'n? ... Sie führt ihn Hand an Lenis Stirne und macht ihr mit dem Daumen das Zeichen des Kreuzes auf Stirne, Mund und Ernst, dabei die Worte sprechend Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes — Amen! Leni blickt stumpfsinnig zur Seite. Da bedeckt Mariann ihr Gesicht mit der Hand und fängt lautlos und bitterlich zu weinen an. Vorhang Zweiter Aufzug Erste Szene Stube wie im ersten Aufzug. Der Lehnstuhl, in dem Mariann gesessen hat, ist an die linke Wand gerückt. Leni steht vor einem kleinen Spiegel, der an der linken Wand hängt und richtet an dem schwarzen Bande, das sie um den Hals trägt. Sie betrachtet sich im Spiegel und dreht sich nach der Seite. Thomas tritt von links ein, und Leni geht verlegen und hastig vom Spiegel weg. Thomas knurrig Host du koa Arbet in der Küchel? Leni I muaß zum Ess'n herricht'n. Thomas Vor'm Spiegel da? Leni Weil ma 's Band aufganga is. Lern geht an den Tisch, sie holt aus der Schublade Löffel heraus und legt sie neben die Teller, die dort stehen. Thomas Im Stall war i drauß; host d' wieder an Barren net ausg'wasch'n ... Leni I geh nacha umi. Thomas Nach jeder Mahlzeit g'hört a putzt, und so will i's hamm. Net, daß i jed'n Tag red'n muaß. Leni I putz'n nacha glei, wenn i in der Küchel ferti bin; i gib ma g'wiß de größt Müah' ... Thomas Und wenn i net nachschau, g'schiecht nix. Leni Hat d' Mangin aa g'sagt, daß i mi ganz guat g'stell zu der Arbet... Thomas De muaß 's ja wiss'n ... Er stellt sich an ein Fenster und schaut hinaus. Kleine Pause. Leni Vata, der Jud Männlein hat dir nachg'fragt. Thomas ohne sich umzuwenden So? Leni Und der Bürgermoasta is aa da g'wesen. Thomas sich umdrehend Was will denn der? Leni Er hat mir nix g'sagt, als daß er wieder herkummt, und g'fragt hat a, wann du hoamkimmst. Thomas Mö'cht i scho wiss'n, was der bei mir suacht. Leni gesprächig Wia'r a bei uns außi ganga is, hab i g'sehg'n, daß er zum Wirtshaus ummi is, und da is der Männlein heraußd g'stand'n, und g'rad gnädi hamm sie's mitanand g'habt, und zu uns hamm s' herg'sch'augt. Thomas hat sich wieder dem Fenster zugekehrt Was geht denn dös mi o? Pause Leni Vata, gel, der Männlein möcht' dir gern abkaff'n? Thomas Ko scho sei. Leni zaghaft Dös sollt'st aba net toa. Thomas sich umwendend Han? Leni Dös sollt'st net toa, daß d' 's Sach hergibst. Thomas Z'weg'n was net? Leni I moan halt, es is do g'scheiter, du b'haltst äs. Thomas Weil di du so guat zu der Arbet schickst? Leni I gib ma ja g'wiß de größt Müah ... Thomas Dös siech i. Jetzt is d'Muatta vier Woch'n tot, und wia schaugt's denn aus bei uns? Moanst d', i hab koane Aug'n? Leni Wo schaugt's denn so aus? Thomas Du merkst äs freili net. Und nacha de Dreingab', dass i a Taglöhnerin neb'n deiner hamm muaß, de di o'lerna soll. Leni Sie lobt mi aba recht und sagt, daß i's jetzt scho ganz guat ko. Thomas Von dem G'red hab' i was! Leni Derfst g'wiß glaab'n, daß i gern mei Arbet tua . .. Thomas Geh, hör ma'r auf! A Stund im Tag tuast d' so, als wenn's d' an Eifer hältst, und in der nächst'n hockst wieda umanand, oder stehst vor'n Spiagl ... Leni Nach und nach lern i's scho bessa ... Thomas Wenn 's Sach amal hi is. Na! Dös G'red' hat koa Hoamat. Leni weinerlich Was is denn nacha, wenn's d' verkaffst? Thomas setzt sich auf die Ofenbank Ja ... was is nacha? So is nix, und änderst werd' s nix ... Pause. Wenn ma mit dir red'n kunnt, und wenn's an Wert hätt, na saget i, genga ma fürt von da ... wo änderst hi, wo di neamd kennt ... und neamd was woaß von dir ... Leni N ... no! Thomas Aba mit dir was Neu's o'fanga, dös waar ja no schlechta, und so weit kunnt'n ma gar net geh, daß uns 's G'red net nachlaffet. Leni Gar so arg sollt'st d'as na do net macha! Thomas Net, moanst d'? I sollt's halt a so o'schaug'n kinna wia du und nix g'spür'n vo dem, was um mi rum is! Leni D'Muatta hat's aa g'sagt. Thomas schaut finster vor sich hin und schweigt. Leni Am letzt'n Tag hat sie's no g'sagt, daß ma dös vergess'n muaß, was amal g'wesen is ... Thomas Vergess'n ... ja ... Leni Und daß ma sunst net auf a Neu's o'fanga ko, wenn ma dös Alte net guat sei laßt... Thomas Dös host d' dir g'merkt, aba sunst net recht viel. Leni Und daß mir beinand bleib'n soll'n, hat s' g'sagt und hat di no so bitt'. Thomas aufstehend Ja ... glaabst denn du, wenn dös net waar ... wenn i net an d'Muatta denkat... glaabst du, i gab de Leut da an Hanswurst'n ab? Er ist nach vorn gegangen. Tag für Tag an Verdruß und mi versteck'n, als wenn i was g'stohl'n hätt' oder an jed'n was schuldi waar? Na! Er wendet sich gegen Leni Und wenn's d'Muatta net g'wißt hätt... und wenn's i net wisset, daß du im Dreck derstickst, wenn i di weg laß ... Leni I will aba gar net weg. Thomas mißtrauisch Daß du jetzt auf oamal vom Bleib'n redt'st? De erst Zeit host d' allaweil fürt woll'n und host d' soviel von deiner Nahterei g'sagt? Leni Selbig's Mal hab i's halt aa net so überdenkt. Thomas Hätt' ma di no um Gott's Wiü'n bitt'n müass'n, daß d' net davolaffst und dahoam bleibst? Leni Jetzt vasteh i's halt bessa ... Thomas Was vastehst d'? Leni Halt, daß halt, daß 's do g'scheiter is, wenn i do bin und arbet ... Thomas trocken So an Ei'sehg'n host du auf oamal? Leni Und weil d'Muatta g'sagt hat, i sollt di net alloa lass'n. Thomas So? Leni weinerlich Und jetzt is all's für nix, und du willst verkaff'n! Thomas Mach du dei Arbet und mach 's richti, und dös ander is mei Sach! Zweite Szene  Lenz tritt ein, hemdärmelig, eine alte Soldatenmütze in der Hand. Leni Guat Morg'n, Paulimann! Thomas Was gibt's? Lenz I hab dir sag'n woll'n, daß i mit'n Möslacker firti bin, und i möcht wiss'n, was d' jetzt o'schaffst. Leni die Lenz freundlich zugelacht hat, ohne daß dieser darauf achtet Guat Morg'n, Lenz! Lenz trocken und ohne nach ihr hinzusehen Guat'n Morg'n! Wieder zu Thomas I hätt ma denkt, ob i net an der Bachleit'n ackern soll? Thomas überlegend An der Bachleit'n? Lenz Wenn's d' an Rogg'n o'bau'n willst, waar's jetzt g'rad recht und gang leicht. Thomas I ho's selber toa woll'n, aba wann du scho firti bist, is mir aa recht. Lenz Du kunnt'st halt vierzehn Tag mit der Saat wart'n, dass si der Bod'n setzat. Thomas Also pack du's o! Leni wieder sehr freundlich: Lenz, mir ess'n fei bald! Net, dass d' wieda z' spat kimmst. Lenz gleichmütig Is scho recht. Zu Thomas Nacha fang i heunt namittag o damit. Er geht zur Türe und bleibt stehen. Was i sag'n will, wia lang brauchst du mi no, Paulimann? Thomas Warum? Willst du scho wieda geh? Lenz Ja — woll'n ... A guate Holzarbet kunnt i kriag'n ... und du host mi ja g'rad zu der Aushilf g'numma. Leni lebhaft Geh! Du ko'st do leicht bleib'n bei ins, wann di da Vata net gern her laßt! Host äs vielleicht net scho? Lenz ohne im geringsten auf sie zu achten, zu Thomas Woaßt scho: a guate Akkordarbet laßt ma net gern aus. Thomas Ja - ja. Lenz Und i kunnt mir a schön's Geld dabei verdeana. Thomas etwas bitter Und gar z' gern bist d' wohl net da. Lenz dreht seine Mütze verlegen in der Hand Warum? Mir hat nia nix g'fehlt bei dir. Thomas resigniert: l vasteh di scho. Lenz Wiaso? Thomas I vasteh di guat. Leni Geh, wem d' do net so eig'nsinnig sei! Bleib halt bei ins, wann ma dir all's tuat. Lenz schenkt ihr keinen Blick. Thomas Mir waar's recht, wenn's d' da g'wesen waarst, weil i d' Dreschmaschin kriag. Lenz Daß i halt scho mit'n Eichmüller g'red't hab ... Thomas Ja no, i ko di net aufhalt'n. Lenz Weil i scho g'red't hab damit... Leni sehr freundlich Überleg da's no ... Lenz öffnet die Türe. Leni Und 's Ess'n is fei bald firti! Lenz M - hm - ja ... Ab. Dritte Szene Leni eifrig Sollt'st 'n do bessa zuared'n, daß er bleibt! Thomas Da is nix mehr zum red'n! Leni Ma legt eahm do nix in Weg! Daß er so g'schwind fürt will? Thomas Er werd's scho wiss'n. Leni Weil du g'sagt host, du vastehst'n guat? Thomas Daß er in dem Haus net sei mag. Dös is net hart zum vasteh' ... Leni Warum denn, bal er's ganz scho hot? Thomas Wia oft glaabst d' denn, daß der o'g'red't werd um dös? Was er hör'n muaß von seine Kameraden? Leni Ja no! Thomas Und de altern Leut wern eahm aa an Deuter geb'n. Leni Was braucht er si um dös z' kümmern? Thomas Es is net a jed's a so, daß eahm all's gleich is. Leni Du host halt no net richti mit eahm g'red't. Thomas Daß di du um dös bekümmerst? Leni Weil du scho oft g'sagt host, daß er gar so fleißi is und si auskennt mit der Arbet. Thomas Na werd's aa wahr sei. Leni Und g'sagt host, daß ma net leicht amal so an braven und nüachtern Mensch'n auftrifft. . Thomas I schick'n ja net fürt. Oda glaabst du, i freu mi auf de Zeit, wo i mit dir alloa haus'n muaß? Leni schweigt. Wenn i den ganz'n Tag von dahoam weg bin, dös ko ja schö wern. Leni Vielleicht moant er, du verkaffst scho bald ... Thomas Ah was! Leni Dös werd überall'n verzählt. Hat's ja mir aa d' Mangin g'sagt. Thomas Dös is des wenig'st. Leni Er werd halt moana, daß er do net bleib'n ko. Thomas Und i moan, du werst jetzt in da Küchel was z' toa hamm. Leni I geh scho. Macht ein paar Schritte zur linken Türe hin, und bleibt wieder stehen; einschmeichelnd Waar's net g'scheiter, du redest mit eahm, wenn du 's Anwes'n b'halt'n willst? Thomas Na! Dös waar net g'scheiter. Leni Daß er si do auskennat! Thomas Wann di no du auskenna tatst! Leni I sag's ja bloß weg'n deiner, weil's d' do z' alt bist, dass d' de ganz Arbet alloa machst. Thomas A solchene Sorg' host du um mi? Dös hätt' dir ehnder ei'fall'n soll'n. Leni Und wenn's d' a richtige Hilf host, nacha b'halt'st aa 's Sach liaba. Thomas Jetzt geh amal zua! Leni geht zögernd bis zur Türe und wendet sich hier wieder um. Leni Und ... Stockt. Und ... nacha kunnt ja dös aa 'r amal sei ... Thomas Was? Leni verschämt No ... daß i heirat. Thomas verächtlich Du? Leni Warum nacha net? Thomas Wen denn? Wer sollt denn di heirat'n? A Handwerksbursch? Und dag'rad der schlechtast! Leni weinerlich N... no! Jetzt redt st scho wieda aso mit mir! Thomas nähert sich ihr Bist du so dumm, oda g'stellst di aso? Leni blickt zu Boden und zupft an ihrem Rock. Wbaßt du net, daß du allssammete verspielt host? Leni I tua do nix mehr! Thomas Is dir dös nia ei'g'fall'n, wia's d' dös Leb'n g'fuhrt host? Daß 's aus is? Daß 's nix mehr gibt für di? Leni D'Muatta hat ganz änderst g'red't... Thomas Aba von dem nix, daß d'Leut dir z'liab all's vergess'n. Wenn wirkli a Mensch so hirnrissig waar, oder so schlecht, daß er di heirat'n möcht', glaabst denn du, ma lasset enk in d'Kirch eini? Leni De hätt'n aa net 's Recht dazua. Thomas Host d'scho viel über dös nachdenkt? Wia's d' mit da Musi ausruckst und de ganz Freundschaft ei'lad'st? Woaßt d' scho an Hochzeita? Leni Ma derf do red'n ... Thomas Dappig red'n — ja. Er setzt sich auf die Ofenbank. Ah mei! Es is scho bald a so, wia d'Muatta g'sagt hat, daß mehra dei Dummheit schuld war als wia d' Schlechtigkeit. Leni hat etliche Male aufgeschnupft Wenn ma si de g roßt Müah gibt und muaß si allaweil des Alte fürhalt'n lass'n. Thomas Du host äs scho hinter deiner? Gel? Winkt ihr mit der Hand ab. Geh zua, und mach dei Sach' und traam vo was ändern! Leni geht ab und zieht die Türe zögernd hinter sich zu. Vierte Szene Thomas schaut vor sich hin, und schüttelt manchmal den Kopf Na! ... Mögst d'as net glaab'n! De woaß heut no net, was s' to hat... Es klopft. Herein! Fünfte Szene Bürgermeister Lechner tritt von rechts ein, mit dem Hut auf dem Kopfe. Thomas bleibt sitzen. Bürgermeister S' Good, Paulimann! Thomas S' Good. Bürgermeister I bin heut scho amal da g'wesen und hab dir nachg'fragt. Thomas gleichgültig So? Bürgermeister Weil i mit dir a weni was z' red'n hätt. Host d'Zeit? Thomas immer kurz angebunden Vo mir aus red! Bürgermeister nimmt den Hut ab und behält ihn in der Hand I kimm net als Bürgermoasta, i kimm g'rad aso ... Er setzt sich auf einen Stuhl, der neben der Türe steht. Bal's dir recht is, sitz I mi a weng nieder. Thomas Meinetweg'n ... Bürgermeister Wie geht's dir nacha? Bist d' halt recht verlass'n? Thomas M - hm. Bürgermeister Es is a Kreuz, oaschichtig sei, wenn ma'r amal älter werd und ma is dös halt gar nimmer g'wohnt. Thomas schaut ihn an, ohne zu antworten. Pause. Bürgermeister Es hat uns allesamt recht bedauert, daß die Mariann so bald sterb'n hat müass'n. Allesamt im Dorf. Thomas So? Bürgermeister Weil ma des Weibet's gern g'habt hat; is scho wahr. Thomas Du aa? Bürgermeister I mach da koan Ausnahm; derfst d'as g'wiß glaab'n. Thomas I ho's g'merkt. Bürgermeister ohne darauf zu hören Weil a jeder sagt, daß sie a brav's Leut g'wes'n is, und a richtig's Leut, und a fleißige Hauserin. Durchaus! Thomas Sagt's ös? Bürgermeister Alle mitanand. Und red't ihr neamd was Schlecht's nach weg'n dera Sach. Thomas feindselig, aber ruhig Was für a Sach? Bürgermeister No - woaßt d' scho. Aba ma denkt si, dös hätt an ändern aa passiern könna, und is scho de best'n Leut' g'schehg'n, daß amal a Kind net g'rat. Thomas Was geht's denn enk o? Bürgermeister Z'letzt g'hört ma do z'samm in der Gmoa und bekümmert si um dös, wann den ander'n an Unglück trifft. Thomas höhnisch: A — freili! Bürgermeister Und nacha red't ma halt; net? Weil ma'f a Derbarmnis hat mit enk. Mit dir aa. Darfst d'as g'wiß glaab'n, Paulimann! Thomas Bist du desweg'n kemma? Bürgermeister Han? Thomas Ob du desweg'n kemma bist, daß d' mir dei Derbarmnis da eina bringst in d' Stub'n? De ko'st drauß'd lassen. I mag 's net. Bürgermeister Du host an Zorn auf mi, aba da host du koan Ursach dazua. Thomas bitter Na! Gar koane. Bürgermeister Was i als Bürgermoasta hab toa müass'n, des seil derfst d' mir net für übl hamm ... dös waar des gleiche g'wen bei an jed'n. Thomas Net wahr is. Bürgermeister begütigend Ja no, über dös kon i net streit'n, Paulimann. Aber des seil muaßt du glaab'n, i derf als Bürgermoasta net hantier'n, wia'r i mog. I ho meine Vorschrift'n. Thomas winkt verächtlich mit der Hand ab Hör' ma'r auf! Bürgermeister Du werst äs net änderst wiss'n. Thomas I woaß, daß ma's so und a so macha ko. Bürgermeister Dös is! Dös hat ma davo, bal ma si für an Amt hergibt. Thomas Is scho recht, ja! Bürgermeister I sag mei Sach', wia'r i's denk, weil i an aufrichtiga Mensch bi... und i moan dir's nur guat, und hat koana a größers Bedauern mit dir, als wia'r i. Thomas Na mach i mei Danksagung... Erstehtauf. San mir jetzt firti? Bürgermeister I hab ja no gar net o'g'fangt. Thomas setzt sich wieder Ah so ... Host d' no was anders zu'n auspack'n als wia dei Kümmernis? Bürgermeister lauernd Ma hört, daß du verkaff n willst? Thomas I? Bürgermeister Ja. Daß da Jud Männlein dein Hof kriag'n soll zum Z'trümmern? Thomas Da woaßt du mehra wia'r i. Bürgermeister Hat ma's da Männlein selber ei'b'stand'n ... Thomas Desweg'n braucht's it wahr sei. Bürgermeister Ma hört dös nämli von alle Leut ... Und ... ah ... da hab i mir denkt, vor dei Anwes'n z'trümmert werd, es kunnt's oana in der Gemeinde kaff'n und beinand lass'n. Thomas Host d' dir denkt? Bürgermeister A richtiga Mensch, der wo a Geld auf da Hand hot und di baar auszahl'n ko. Thomas Der richtige Mensch waarst du? Bürgermeister I sag net na ... Thomas Da hätt'st du aa de Fahrt, über de mir g'stritt'n hamm ... Bürgermeister Ah mei! Thomas Wo's d' an Prozeß vaspielt host. Bürgermeister Dös hon i lang vagess'n. Thomas Du bist der net, der wo so was vergißt... Host's aa wieder hoamzahlt. Bürgermeister Dös hat koan Bezug auf dös ... Da Thomas verächtlich mit der Hand abwinkt... Na! Durchaus gar it! Und de G'schicht'n hamm koan Wert. Du kennst mi, daß i zahl'n ko, und machst a schön's Angebot. Thomas barsch I mach koans. Bürgermeister begütigend Überlegst da's halt. Es muaß ja net heut sei! Thomas Es werd gar nia. Bürgermeister wie oben So muaßt d' jetzt aa net red'n, schau! Und net g'rad bockboanig sei! Du derfst ma's glaab'n, i moans nur guat mit dir. Thomas höhnisch Des seil woaß i. Bürgermeister Und verkaff'n muaßt d' ja do. Thomas So? Muaß i? Bürgermeister Was willst d' denn sunst? Du bist alt, tuast dir hart mit'n Wirtschaft'n, und morg'n ko'st d' sterb'n. Was is denn nacha, bal de ander ... mit dem Kopf nach der Türe links hinnickend ... 's Anwes'n erbt? Und muß's auf Schnall und Fall hergeb'n. Da werd s' net viel dafür kriag'n. Thomas Wenn sie's hergibt. Bürgermeister Du bild'st dir do net ei', daß de am Haus bleib'n ko? Thomas Dös werst d' ihr net verbiat'n kinna. Bürgermeister I alloa net. Thomas erregter Und alle mitanand net. Bürgermeister I sag net vom Verbiat'n, aba i moan, si tat si a weng hart, wenn's neamd im Dorf leid'n will. Thomas lauter Ah! So viel Kuraschi habt's ös geg'n an oa'schichtig's Weibsbild! Bürgermeister Geh zua! Dös Dischkrier'n hat koan Wert. Thomas schreit Na muaßt ma du net so kemma, als wann's d' ma du 's Häusl abdrucka kunntst! Bürgermeister Von dem hon i nix g'sagt. Thomas Hint'n rum, wia ma's g'wohnt is von dir ... Bürgermeister Es is net guat red'n über de Sach, und dir brauch i nix sag'n; du woaßt äs so guat als wia'r i! Thomas Gar nix woaß i! Bürgermeister erregter Wenn's d' äs net änderst hamm willst, na sag' i dir's pfei'g'rad. Deutet mit der Hand nach der Türe, De Schand tuat uns weh, daß so oane im Dorf is. Thomas schreit laut Dir? Bürgermeister Da gibt's koan, vom Pfarra bis zum letzt'n, der net dös nämli sagt. Thomas Vo mir aus red't's zua! Bürgermeister Weil ma dös net woaß, so lang Berghofen steht. Thomas Red't's zua, sag i! Schimpft's beim Bier, wenn s' b'suffa seid's ... Da! Er schnalzt mit Daumen und Mittelfinger. Net so viel paß i auf. Bürgermeister Du bist aa net alloa Herr auf da Welt! Thomas schlägt auf die Bank Aba da herin! Wen kümmert dös, was in mein Haus is? Bürgermeister Sie geht aa naus unter d'Leut... Thomas Net wahr is! Bürgermeister War s' net in der Kirch'n? Thomas zwingt sich zur Ruhe Beim Begräbnis von ihra Muatta. Hätt s' enk frag'n müass'n, ob s' ihr de letzt Ehr geb'n derf? Bürgermeister kalt, die Achseln zuckend Ma siecht's net gern. Thomas schreit; Waarst d' halt wegblieb'n! Du und de ander Bande! I hart enk net braucht. Bürgermeister immer zurückhaltend Mit'n Schimpf n is gar nix g'richt. Du tuast g'rad so, als wenn's d' mi net verstandst ... I möcht di hör'n, wenn dös bei an ändern fiir-kemma waar. Thomas Da wurd'st weni hör'n ... Bürgermeister M . .., hm . .. is scho recht... Thomas I hab mi um mei Sach kümmert, und net um ander Leut. Und dir stand's aa besser o! Bürgermeister höhnisch abwinkend Ah - was! Thomas Paß no du auf dei Haus auf! Bürgermeister wie oben Geh zua! Für dös kriagst d' nix! Thomas Magst d'as net hör'n? Gel? Hat net dei Madl a ledigs Kind? Bürgermeister Dös geht neamd was o. Thomas Ah so! Da is 's änderst! Bürgermeister erregter G'stell di net a so! Du woaßt recht guat, daß dös net herg'hört. Thomas Da hat dir dei G'scheitheit nix g'holf n. Bürgermeister Daß junge Leut' Dummheit'n macha, dös woaß ma, und wenn's oan aa net freut, dös kummt amal vom Jungsei ... aba desweg'n is mei Resi do rechtschaff'n. Thomas höhnisch Und brav! Bürgermeister sehr erregt Und brav! Jawohl! De hat ihra Lebtag von der ehrlich'n Arbet g'lebt und net vo da Schlechtigkeit. Und was sunst is, dös geht den o, der wo s' amal heiret ... aba sunst neamd. Thomas Na muaßt d' di aa net um mi bekümmern. Bürgermeister I tat mi scho net kümmern, wann i net a Verantwortung hätt'. Thomas A Verantwortung host du für mi? Bürgermeister Na, aba für dös, daß de Sach' net gar z'weit geht. Du woaßt net, gel, daß mir bei alle Gemeinden rundum an Nama kriag'n, weil's des erstmal is, im ganz'n Bezirk, daß so oane da is. Thomas Was liegt denn da mir dro? Bürgermeister Aber ins! Geh' nüber ins nächste Dorf! Schrei'n dir's de Buab'n auf da Straß'n nach, was mir sin. Thomas Na zua! Bürgermeister Ja! No zua! Unsere Burschn derleid'n net gar so viel! Thomas schreit Ah so! Host da s' scho wieda abgricht? Host da s' scho wieda aufg'hetzt? Bürgermeister Da braucht's koa Hetz'n ... de steck'n scho lang d'Köpf z'samm und frag'n, warum g'rad unser Dorf dös schlechtast sei muaß. Und dös geht mi o als Bürgermoasta. Thomas Freili! Wenn's d' dir a so nimma gnua bist für a Schlechtigkeit, na kimmst d' als Bürgermoasta. Bürgermeister Du werst mir koa Schlechtigkeit nachweis'n kinna! Thomas immer erregter Sei staad ... du! Di kenn i guat. Du host ma's nia verziech'n, daß amal der kloa Bauer Recht kriagt hat geg'n den groß'n ... Bürgermeister Jetzt kam er mit dem daher! Thomas Weil's wahr is! Lüag du ander Leut' o mit deine scheinheilig'n Spruch! Mi net. I woaß lang, was du für oana bist! Bürgermeister Hab i dei Weibsbild aufzog'n? Thomas Auf da Paß bist g'stand'n und host g'wart, ob's d' mi net treff'n ko'st. Bürgermeister Hab i dei Weibsbild aufzog'n? Thomas Und g'rad taugt hat's dir ... gel? Wia de G'leg'nheit kemma is ... Du host g'wißt, wia arm und krankmei Wei da herin g'leg'n is ... und host a Lustbarkeit g'macht aus meiner Schand! Bürgermeister Bin i schuld .. .? Thomas laut schreiend 's Mau halt! Bist du net von oan Haus zum ändern g'loff'n, und host 's ei'g'sagt, wia r' a Hochzeit? Bürgermeister Dös muaßt du beweis'n! Thomas Ja du! Und mitt'n beim Tag hat's sei müass'n, damit das ganze Dorf sein Spaß g'habt hat... Bürgermeister Schimpf de in da Stadt, de s' raus g'schickt hamm! Thomas Waar's an anderer g'wesen, du hätt'st Mittel und Weg g'fund'n ... Bürgermeister I bin net bewandert g'wesen in dera Sach. 's nächst Mal mach i 's besser, wenn s' da s' wieder amal hoamschick'n ... Thomas geht auf den Bürgermeister los Derfst du mi auszahna? Der Bürgermeister tritt zurück. Wenn s' ma s' 's nächst Mal hoamschick'n, sagst du? Und z'erscht host ma droht mit deine Lausbuab'n, de des Weibsbild net da lass'n woll'n! Bürgermeister I laß mi vo dir schlecht macha ... Thomas Und i mi zum Lapp'n! In mein eigna Haus! 's nächst Mal machst d'as änderst, host d" g'sagt? Mach's wieder so! Er macht noch einen Schritt auf dm Bürgermeister zu. Aber es is nimma wia selbigsmal, wo i mi net rühr'n hab derf n. Bürgermeister Schrei zua! I geh ... Thomas Und sag de ändern, sie soll'n ma wieda Haberfeldtreib'n ... aber der erst, der mir zum Fensta rei schreit ...den schiaß i nieder wia'r an Hund ... Packt den Bürgermeister an der Brust. Sag's eahna! Bürgermeister schrill Laß aus, sag i! Thomas ihn schüttelnd Hol deine Hetzhund! Du Pharisäer, du scheinheiliger! Der Bürgermeister macht sich frei. Bürgermeister Vo dir laß i mir koan Nama net geb'n .. . Er geht zur Türe. Von so an net... Thomas Hol s' allsamt! Bürgermeister Dös ander werst d' ja sehg'n! Thomas Probiert's äs no! Der Bürgermeister schlägt die Tür zu. Sechste Szene Leni kommt von links und bleibt an der Türe stehen. Leni Was gibt's denn? Thomas schaut zornig nach der Türe rechts, durch die der Bürgermeister abgegangen ist, ohne auf Leni zu achten. Di kenn i und deine Hoamlikeiten, du Feinspinner ... aber jetzt is 's änderst ... Leni Hat's was geb'n? Thomas bemerkt sie erst jetzt Was suachst denn du do? Leni Wann ma'r enk bis in d'Kuchel außi schrei'n hört... Thomas Dös werd di nix o'geh . .. Leni Hat da Bürgermoasta mit dir g'stritt'n? Thomas M - hm - ja ... g'stritt'n ... Grob. Waarst d' no herin g'wes'n und hättst d' all's g'hört... vielleicht gang dir a Liacht auf! Leni Soll i 's Ess'n einabringa? Thomas ist am Fenster gegangen und dreht ihr den Rücken zu, ohne zu antworten. Von rechts tritt Lenz ein und hängt seine Soldatenmütze an den Rahmen. Leni freundlich zu Lenz Geh fei nimma außi! Es is scho zun Mittag macha ... Lenz gleichgültig I woaß scho ... Leni links ab. Siebente Szene Lenz sich räuspernd I hab ma 's jetzt überlegt, Paulimann ... Thomas, der die Hände nach rückwärts verschränkt hält, wendet sich nicht um und gibt keine Antwort. Lenz I ko de Akkordarbet net hint lass'n ... Thomas sich langsam umdrehend Han? Lenz I sag, daß i de Holzarbet o'nimm, weil's halt für'n ganz'n Winter is. Thomas mürrisch Ja ... ja. Lenz Und nacha steh i bei dir auf Micheli aus . .. Thomas Mein'tweg'n gnua! Lenz Weil du g'sagt host, i soll no dableib'n, wenn d' Dreschmaschin kummt, aba ... Thomas G'wiß net! I halt di net auf. Lenz Ja no ... i hab ma denkt, wann du notwendi an Aushilf brauchst, kunnt ja mei Bruada auf a Zeitlang kemma ... Thomas I brauch'n net. Lauter. I brauch überhaupt's neamd! Lenz freimütig Dös waar mir z'wider, wann mir net guat ausanand kummat'n ... Thomas Warum net im Guat'n? Lenz No ... daß du an Zorn hätt'st auf mi, weil i net bleib ... Thomas I hab koan Zorn ... Lenz Mir kimmt's aso für ... Thomas Dös moanst d' grad ... Bitter Mei Liaba, i will net, daß im Dorf umanand g'red't werd, als wann oana in dem schlecht'n Haus da z'ruckg'halt'n wurd' ... Lenz I hoaß dei Haus net schlecht... Thomas Net! Lenz Na ... und i red a nix rum ... Thomas Nacha red'n anderne. Er wendet sich wieder um. Lenz gekränkt Vo dem woaß i nix ... und bekümmer mi net drum ... Hat ma no neamd nachsag'n kinna, daß i was aus 'n Haus trag ... Kleine Pause. Thomas sich umwendend Du! Du kimmst do mit de junga Bursch'n z'samm? Lenz Moanst d', weg'n dem? Thomas I moan was anders. Sagst d' eahna, sie soll'n sie net auf'n Bürgermoasta verlass'n . . . Lenz versteht ihn nicht Was? Thomas Ja ... ja ... sie soll'n sie net z'viel trau'n, sagst d' eahna! Lenz I vasteh di net... Thomas Denkst d' halt a weng nach! Und dös sag' eahna von mir: es kunnt amal schlechter ausgeh', als sie glaab'n ... Lenz Was woaß denn i von de Bursch'n? I laff net damit rum. Er bricht ab, da Leni mit dem Essen hereinkommt. Sie stellt die mit Kraut und Knödeln gefüllte Schüssel auf den Tisch. Achte Szene Leni Geht's halt her! Thomas geht langsam an den Tisch und setzt sich auf die Bank, das Gesicht dem Zuschauerraum zugewendet. Lenz bleibt rechts, Leni links vom Tische stehen. Lenz macht das Kreuz und spricht mit eintöniger Stimme das Gebet. Lenz Himmlischer Vater, segne uns Speis' und Trank, die wir von deiner großen Güte empfangen haben ... Leni betet nun auch laut mit..., und gib uns Gnade und Gedeihen dazu, damit wir zu deinem Lobe gereichen mögen. Amen! Beide machen das Kreuzeszeichen und setzen sich, Lenz rechts, Leni links. Thomas hat nicht mit gebetet, sondern finster vor sich hingeschaut. Leni zu Thomas Vata — fang o! Thomas Was? Leni Ess'n sollst d'... Thomas Ja ... iß! Er stößt den Teller zurück, steht auf und geht links ab Neunte Szene Leni ihrem Vater nachsehend Was hat a denn? Lenz gibt keine Antwort. Er nimmt sich Kraut und Knödel aus der Schüssel und fängt zu essen an. Leni Woaßt du, warum er so zorni is? Lenz mit vollem Munde I net. Leni Der Bürgermoasta is voring da g'wes'n, und da müas- sen s' was g'habt hamm mitanand. Lenz antwortet nicht, sondern ißt weiter. Leni I bi ganz daschrock'n ... a so is zuaganga ... Sie nimmt sich heraus und ißt; Pause.  Wia schmeck'n dir nacha de Knödl? Lenz Wia s' halt schmeck'n. Leni De hab fei i kocht. Lenz gleichgültig So? Pause. Leni Du, Lenz, was hab' da denn i to? Lenz Nix. Leni Daß d' nacha so häßli bist auf mi? Lenz gleichgültig I? Leni Ja ... red'st nia mit mir, und wann i di was frag', gibst d' ma gar it o! Lenz mit vollem Mund I hab koa Zeit zun Red'n. Leni Net amal an Gruaß gibst d' ma z'ruck. Lenz Da is mir nix bekannt. Leni Erst gestern bist d' hintern Stadel ganga, und i hab dir nachg'schrian ... ob's d' net was zun Vespern mitnehma magst... und du host gar it umg'schaugt. Lenz I muaß auf mei Arbet schaug'n. Leni schmollend So viel Zeit hätt'st d' scho g'habt... aba sie wern die halt aufg'red't hamm geg'n mi? Lenz grob Mi red't nearnd auf. Leni Ja ... i woaß scho. I hab di scho g'sehg'n am Sunntag. Lenz Siehgst mi jetzt aa! Leni I hab di scho g'sehg'n, wia's d' nach da Kircha bei da Glonner Marie hibei g'stand'n bist. Lenz Ko leicht sei. Leni Wia si de draht hot, als wenn s' woaß Gott was für oane waar! Lenz brummt M — hm. Leni G'rad gnädi hat's des Weibsbild g'habt, und gar net g'wißt hat s', wia s' geh muaß vo lauta Ei'bildung. Lenz gibt keine Antwort und ißt. Leni Und nacha, wia'r i bei da Tür außi bin, habt's herg'schaugt und habt's g'lacht. Lenz So? Leni Jawohl! I hab's deutli gnua g'sehg'n. Lenz Werd ins halt was g'freut hamm. Leni De moant vielleicht, sie derf mi auszahna. Lenz Du werst ihr 's Lacha net verbiat'n könna. Leni De braucht si gar it so aufführ'n, über mi ... De soll si no selber bei da Nas'n nehma! Kleine Pause. D' Mangin sagt's aa, daß de gar koan Ursach net hat. Lenz nimmt sich wieder aus der Schüssel heraus. Leni Von dera werd gar nix Guat's g'red't. Lenz Von mir aus. Leni Ja ... is dös vielleicht net wahr, daß zu da Glonner Marie a jeder an's Kammerfensta hat kemma derf n? Lenz höhnisch Dös nimmst ihr du für üb'l? Leni I sag g'rad, daß si de net so auffuhr'n braucht über mi. Pause. Vielleicht bist du aa scho bei ihr g'wen? Lenz trocken Na. Leni neckisch Du sagst äs halt net? Lenz kauend Sag'n tat i 's aa net. Leni Da brauchetst dir fei nix ei'bild'n auf de! Mit ihre Summermirln! Lenz I bild ma scho nix ei. Leni Und mit ihre fuchsrot'n Haar! Da gibt's scho anderne. Lenz grob Herrgott! Laß mi amal mit Ruah ess'n! Was paß denn i auf d' Weibsbilder auf? Leni neckisch Paßt du gar it auf? Lenz Waar ma z'dumm! Leni steht auf und rückt in die Bank hinein neben Lenz. Leni kokett Dös glaab i dir fei net, daß du dir gar nix bekümmerst um d' Mädeln. Lenz Na glaabst d'as halt net! Leni Du bist a recht a Hoamlicher ... gel? Du g'stellst di g'rad aso, als wann's dir nix o'gab. Lenz M — hm ... ja ... Leni Stößt ihn mit dem Ellenbogen an Wia muaß denn oani ausschaug'n, de wo dir g'fallt? Lenz grob Jetz sag i dir's no'mal, daß i zun Ess'n herin bi und net zun Dischkrier'n. Leni dumm verschämt Du bist aber oana! Pause. Leni zutulich Du, Lenz, host dir's net änderst übalegt? Lenz Was? Leni No ... mit'n Furtgeh? Sie lacht Lenz an, der nicht darauf achtet; Leni rückt näher zu ihm. Leni Wer woaß, wia's amal geht, wenn's d' dableibst! Lenz I bleib net. Leni Du werst halt glaab'n, daß da Vata verkafft! Lenzantwortet nicht. Er verkafft aba net, sinst hätt a mir scho was g'sagt ... Pause, Leni wartet auf Antwort und fährt erst fort, da Lenz unbekümmert weiter ißt. Und weil er si mit'n Bürgermoasta so z'kriagt hat, woaß i's g'wiß. Lenz Was geht denn dös mi o? Leni I hab ma denkt, du gehst desweg'n ... Stockend. Und wann's d' äs inne werst, daß da Vata 's Anwes'n b'halt, hab i ma denkt, nacha bleibst d'. Lenz höhnisch Moanst du? Leni No ja ... weil's nacha do änderst is ... Lenz Da bischt weit irr. Leni scheint die Zurückweisung etwas zu verstehen, zieht ihren Teller von ihrem früheren Platz zu sich herüber und ißt ein wenig. Leni Host d' no gar nia Obacht geb'n, daß da Lechner Martl jed'smal nach'n Feierabend beim Zaun hibei steht? Lenz Na. Leni Und er schaugt allaweil nach mir umma. Lenz Schaugst d' halt wieda hi. Leni I mag net . . . aba wahr is. Dumm koken. I glaab, der möcht was. Lenz I vergunn's eahm. Leni Geh! Wia du daher red'st ... Hätt'st d' mi halt in da Stadt drinna sehg'n soll'n ... in mein blau'n Kleidl mit rote Schnür ... da bin i fei schö g'wen! Lenz So? Leni Änderst scho als wia d' Glonner Marie mit ihr'n g'scheert'n Kopftüachl... und an woll'na Unterkittl. Lenz brummt etwas Unverständliches, indes er mit vollen Backen kaut. Leni Und Hemmata han i g'habt... net so grob, als wia de ... Zupft an ihrem Ärmel... ganz feine ... Vielleicht hätt i dir guat g'falln ... Lenz sehr grob G'wiß net! Leni immer noch zutulich Hätt'st mi no g'seg'n! Lenz mit der Irland abwehrend I dank schö dafür! Leni halb beleidigt N ... no! Lenz Solchene hab' i ma gnua g'seg'n, wia'r i Soldat war. Leni Was für solchene? Lenz legt seine Gabel weg Wia du oane warst! Aba i hab mi nia abgeb'n damit. Da bin i ma z' guat g'wen für solchene! Leni weinerlich Sei do net gar so abscheuli zu mir! Was hab i dir denn to? Lenz I sag da's g'rad, daß di amal auskennst! Leni Von erst'n Tag o bin i freundli g'wen zu dir und ho dir nia koan unrecht's Wort geb'n. Lenz M - ja! Leni Und is dös vielleicht net wahr, daß i dir dei Sach' g'flickt hab? Lenz Hab i dir's o'g'schafft? Leni Vergelt's Gott hätt'st d' aa sag'n derf'n, und so grob brauchet'st d' net sei mit mir! Lenz erregter Weil i mei Ruah hamm möcht! Leni schnupft ein paarmal auf und macht ein weinerliches Gesicht. Lenz Moanst d', i merk's net scho lang, daß du mir schö tuast? Aba du spannst äs net, daß mir dös z'wider is! Leni sehr weinerlich Dös is dir z'wider? Lenz Ja. I muaß da's scho pfei'grad sag'n, weil's d'as sunst net kennst! Glaabst denn du, i mag mit dir ins G'red kemma? Leni weinend Hör amal auf! Lenz Waar mir scho z' dumm, daß de Bursch'n hinter mir drei'lach'n, g'rad als wann i was hätt mit dir! Leni mit erstickter Stimme N ... no! Lenz Du muaßt da scho an ändern raussuacha! Koan richtig'n Mensch'n net! Da behaupt i mein Charakta ... Leni wischt sich mit dem Handrücken über die Augen. Lenz Und daß d'as woaßt, desweg'n geh'n i... weil ma dös z' dumm werd. Bloß weg'n deiner mag i nimmer bleibn! Leni zornig, unter Tränen Geh halt zua! I brauch di net ... i ho scho anderne g'fall'n ... i wer scho oan find'n. Lenz Find no zua! Er leert mit dem Löffeiden Teller aus, schleckt ihn ab und legt ihn auf den Tisch. Aba mir werst d' jetzt mei Ruah lass'n. Leni I brauch di net. Lenz Is scho recht... Er steht auf und fängt wieder eintönig zu an Himmlischer Vater, wir danken dir, daß du uns Unwürdige gespeiset hast und deiner Gnaden teilhaftig machest und nimmer aufhörest, deine Wohltaten gütig mitzuteilen. Amen! Er geht nach der Türe und nimmt seine Mütze vom Nagel herunter. Leni sich hastig die Tränen abwischend Geh no weita! Mi hamm scho Besserne mög'n als wia du! An dir liegt ma gar nix dro! Lenz geht ohne Antwort hinaus. Leni ihm nachschreiend An dir liegt ma gar nix dro! Sie sieht nach der Türe, legt sich in den Tisch hinein und fängt laut zu weinen an. Vorhang Dritter Aufzug Erste Szene Stube wie in den beiden vorhergehenden Aufzügen. Sonntagsstimmung. Man hört die Kirchenglocken läuten, die bald verstummen. Leni sitzt auf der Ofenbank, näht an der Bluse, die sie bei der Heimkehr getragen hat, die letzten Stiche, hält sie vor sich hin und streicht sie glatt. Von rechts tritt Barbara Mang ein, in sonntäglichem Gewand mit Kopftüchel. Sie trägt ein Gebetbuch in der Hand. Leni sieht unordentlich und verstört aus. Barbara Guat Morg'n, Leni! Leni Guat Morg'n! Barbara I ho di g'rad frag'n woll'n, ob's d' mi net brauchst. Leni Heut net. Barbara Bist d' scho firti mit da Arbet? Leni mürrisch I bin scho firti. Pause. Barbara In da Kircha bin i g'wen; da hat's heut änderst viel Leut geb'n. Leni So? Barbara gesprächig Ja, weil da neue Koprata zun erst'nmal predig'n hat derf n, durch dös, weil da Herr Pfarra krank worn is. De ganz Kirch'n is g'steckt voll g'wen. Leni antwortet nicht und packt ihr Nähzeug zusammen. Barbara anzüglich I woaß gar it, was er g'habt hat. Grad von Ärgernis hat er predigt. In geziertem Hochdeutsch. Daß diesen Übles geschiecht, die wo Ärgernis geben. Waar scho bald aso g'wen, als wann er auf was g'spitzt hätt'. Leni gleichgültig Was moanst d'? Barbara No ja! Weil er grad allaweil 's Ärgernis daher bracht hat. Und d' Glonner Marie hätt'st d' sehg'n soll'n. De hätt' si aso bald an Hals auskegelt, so hat s' oiwei uma-g'schaugt auf mi her. Leni Vo mir aus. Barbara Weil s' eahm denkt hamm werd, i sag das wieder. Aba de bal i amal alloa derwisch, nacha frag i s', ob sie vielleicht glaabt, frag i s', daß bloß ander Leut an Ärgernis geb'n und ob's z'Berghofa net mehra gibt, frag i s', de wo si aus dera Predigt was außa nehma hätt'n kinna. Ja ... aso frag i s'. Leni Zweg'n meiner brauchst d'as net frag'n. Barbara Weil's wahr is. Zweg'n was muaß denn de oiwei zu mir umaschaug'n? Leni Vielleicht müassen si de Berghofer nimmer gar so lang ärgern über mi. Barbara Was host d' denn? Leni A so halt! Barbara Du red'st ja, als wann's d' nimma dableib'n mögst. Leni Mög'n! Mög'n tua i g'wiß net. Barbara So waar i net. Erst recht gab i net nach. Du host dei Straf ausg'halt'n, und de ändern geht's nix o. Leni müde J — ja. Barbara Und von so oana lasset i mir scho durchaus gar nix g'fall'n, de wo si z' allererst schama müaßt. Leni steht auf und nimmt Nähzeug und Bluse an sich. Barbara Was feit denn dir? Leni Nix. Barbara Dös sagst d' grad; i kenn's guat. Leni ungeduldig N ... na! Mir feit nix. Barbara Und nacha brauchst d' mi heut net? Leni Na. Barbara I hätt da gern g'holfa. Leni Da Vata ißt heunt aso net dahoam. Er geht auf Arnbach umi, hat er g'sagt, zu sein Bruada. Barbara Ja ... und ... Leni Und der ander steht heunt aus. Barbara Der Lenz? Leni Ja. Barbara Siehgst d'as, na is 's do wahr! Weil d' Hotzin zu mir g'sagt hot, da Lenz, hat s' g'sagt, bleibt aa koan Tag nimmer da drent, sagt s'. So? Heunt steht er aus? Leni Is ja Micheli! Barbara Daß der auf oamal geht? Leni Er werd scho an ändern Platz hamm. Barbara D' Leut hamm g'sagt, daß er überhaupts ganz bleib'n möcht, und du host äs ja aa'r amal glaabt. Leni I? Barbara No ja! Weil mir halt g'red't hamm über dös. Net? Und i hab nix anders net denkt, als daß er's so an Sinn hot. Leni Geh, laß ma mei Ruah! Barbara Weil du g'sagt host, wer woaß, wia's amal geht, und daß er dir g'fall'n tat. Leni Der? Barbara Net grad oamal hamm ma davo g'red't, daß er a sauberner Bursch is und ... wia ma halt red't. Leni heftiger Der is ma z' g'scheert! Barbara Ah so? Leni Ja. Auf den paß i gar nix auf! Der braucht si nix ei'bild'n. Da hon i scho Feinere kennt als wia den! Barbara neugierig, lauernd Is er g'wiß grob g'wen geg'n deiner? Leni wieder verschlossen I woaß it, vo was du oiwei red'st. Barbara No ... weil's d'halt 's letzt Mal ganz anders g'sinnt g'wen bist... net? Ma sagt grad vo dem ... Leni Jetzt bin i aso g'sinnt. Barbara I sag dös, daß er aa nix Guats hot, wann er liaba a Deanstbot bleibt und si von de Leut aufhetz'n laßt... Leni Von mir aus tuat er, was er mag. Barbara Nacha geh'n i. Leni Adjä! Barbara Braucha tuast d' mi net, host d' g'sagt? Leni Na! Barbara Mang wendet sich zum Gehen und macht ein paar Schritte gegen die Türe rechts, bleibt stehen und kehrt sich wieder Leni zu, die langsam nach links abgehen will. Barbara Du! Paß auf Leni mürrisch Wos denn! Barbara lauernd D' Leut red'n vom Lechner Martin, als wann's da was geb'n hätt'. Leni hastig Von Lechner? Barbara I hab nix glaabt, weil i dös überhaupts net mag, dös G'schwatz überanand, und weil i sag, daß d' Leut überhaupts gern lüag'n. Leni verlegen, erschrocken Hamm s' ...? Was hamm s' denn g'red't? Barbara mit gespielter Entrüstung Dös mag i dir gar net sag'n . . . na! De machen's a bisserl gar z’ braun ... und Sach'n bringen s' daher, wo si inseroans gar nimma auskennt... Leni Hätt' vielleicht da Lechner Martin was sag'n mög'n über mi? Barbara I woaß aa net so g'nau ... Lauernd. Warum? Bist du mit eahm beinand g'wen? Leni wieder bockig Waar ma scho z' dumm! Barbara Dös seil lasset i mir net g'fall'n, daß mi oana so rumziagt... g'rad häuf'nweis san d' Leut beinand g'stand'n, und Ausdrück hamm s' g'habt. Leni Geg'n meiner? Barbara I mag dir's net sag'n ... und überhaupts bin i wegganga, weil i dös net leid'n ko, wann's a so hergeht... Leni Vo mir aus sag'n s', was s' mög'n. I muaß ja net da sei! Barbara lauernd Host du 's Furtgeh in Sinn? Leni rückt unwillig die Schultern. Du host ja nix z'fiircht'n, bal's net wahr is! Leni I wer mi von de G'scheert'n da aso herstell'n lass'n! Barbara Arg is scho, wia unverschämt de Leit daher red'n ... Leni mit einem plötzlichen Entschlüsse Du, Barbara ... Du derfst aba neamd nix sag'n! Barbara eifrig G'wiß net! Du kennst mi guat für dös! Leni Du host amal g'sagt, daß du den Spenser von da Muatta hamm mögst? Barbara Den greana? Leni I gib dir'n ... für a paar Mark. Barbara Aba dei Vata? Leni Der braucht's ja net z' wiss'n ... und 's G'wand von da Muatta g'hört mei. Barbara zögernd A paar Mark, host d' g'sagt? Leni I mag net oiwei da hocka ohne an Pfenning Geld ... und wann i fürt bi, glaabt da Vata halt, i hab an Spenser mitg'numma. Barbara neugierig Mögst du scho bald weg? Leni wieder unwillig Frag mi net aso aus! ... I geh scho amal. Barbara I ho jetzt koa Geld net bei mir ... bring i dir's halt nacha umma. Leni Gibst d' ma's in da Kuchl. Barbara Is recht . . . aba net, daß i an Vadruß kriag ... Leni bat nach der Türe hin gehorcht, halblaut Sei staad! Zweite Szene Thomas tritt ein von rechts, sonntäglich gekleidet. Er nickt kurz zum Gruß und hängt seinen Hut an den Rahmen. Barbara laut und freundlich Also na geh'n i ... und wann's d' mi brauchst, sagst d' ma's. Pfiiad Good, Leni! Zu Thomas'. Pfiiad Good, Paulimann! In da Kircha bist d' heut net g'wen? Thomas Na. Barbara Hätt'st d' den neu'n Koprata predinga g'hört. Thomas M - hm ... ja ... Barbara Nacha pfiiad Good beinand! Ab rechts. Dritte Szene Thomas zieht seinen Rock aus und hängt ihn an den Nagel. Morg'n in da Fruah muaßt d' mit in d' Bachleit'n zu'n Ruab'n klaub'n. Leni kleinlaut Ja. Thomas Nach da Fuattazeit. Und heut an Na'mittag, wann i in Arnbach bin, daß d' ma net aus'n Haus gehst! I will nix hör'n. Leni I geh net außi. Thomas der sie jetzt erst ansieht Was host denn du? Was machst denn du für a Trentsch'n? Lenk I mach koane. Thomas Weil i 's net siech! Is mir gesta'n scho so ftirkemma. Leni Wenn ma oiwei ei'g'sperrt is! Thomas Ah so! Dös hat sein Grund ... und laß da no nix traama, daß 's änderst werd! Leni N ... na! Lenz tritt von rechts ein, feiertäglich angezogen. In der linken Hand trägt er seinen Hut, mit der rechten trägt er einen kleinen Koffer, den er neben der Türe hinstellt. Bei seinem Eintritt zieht Leni den Kopf ein, sieht ihn scheu an und geht still nach links ab. Vierte Szene Thomas , freundlich Bist d' zum Geh' g'richt? Lenz Ja. Er zieht sein Dienstbuch aus der Tasche. Wenns d' so guat waarst und tatst mir a Zeugnis schreib'n ... Thomas nimmt das Euch An Lohn host d' kriagt? Lenz Feit si nix. Thomas im Euch blätternd Drei Monat bist d" da g'wesen . . . und hast dei Arbet richti g'macht. I muaß di lob'n. Lenz I bin aa gern da g'wen. Thomas Gern? Ja - ja. Lenz verlegen den Hut drehend Wann i 's an Eichmüller net zuag'sagt hart', und Überhaupts ... wann i net... Thomas Is scho recht, Lenz. Mir brauchst d' nix verzähl'n. Lenz Na, is wahr! Wann si dös net aso auftroffa hätt' ... Thomas Du bist a richtiga Bursch und host dein Stolz ... und host recht, daß d' gehst. Er geht näher zu ihm heran. Glaabst denn du, wann's bei mir net mehr brauchet, als dass i mein Koffer nahm und an Huat aufsetzet, glaabst denn du, i bleibet? Lenz verlegen Ja ... no! Thomas Na, mei Liaba! Am erst'n Tag waar' i fürt, und mi hätt' neamd mehr g'sehg'n in Berghof'n. Legt das Dienstbuch auf den Tisch. Es is nix Schön's, in an Haus leb'n, wo d' Leut koa Ehrbarkeit mehr suacha. Lenz Dös muaßt d' na aa net glaab'n! Thomas Net? Mög'st du mir a Zuckerl geb'n? Aba dös friß i net. I g'spür's am Buckel, wenn ma d' Leut nachschaug'n. Lenz Auf de passet i net auf. Thomas Dös sagst d' aso ... aba du selber host das ja nimmer derlitt'n, daß d' Leut mit de Aug'n blinzeln, wann s' di frag'n, wia's da bei mir g'fallt! Und di braucht nix druck'n ... Ja, Mensch! Schand tuat weh. Lenz verlegen Geh ... Paulimann! Wann's d' mir jetzt 's Zeugnis schreibest! Thomas Ja so! Gel, 's Zeugnis? Er nimmt das Euch und legt es wieder hin. Daß du Überhaupts oans willst vo mir? Waar 's net g'scheidter, in dein Büachl stand mein Nama gar net drin? Lenz I brauch mi nix z' schama ... i hab mei Sach to. Thomas I sag's ja grad weg'n deiner ... aba wann's d' willst, schreib i's. Er geht an den Wandschrank, holt Tinte und Feder und seine Brille, die er aufsetzt, während er sich an den Tisch setzt. Thomas Auf 'n erst'n Juli bist d' kemma? Lenz Ja. Thomas Den Tag woaß i no guat. Schreibt. Lorenz Kaltner ist bei mir eingestanden zur Aushilfe den ersten Juli... Ersetzt aus... Selbigsmal is grad da Dokta dag'wen und hat ma's g'sagt, daß 's schlecht steht bei da Mariann ... Die Frau, hat er g'sagt, hat sich in ihrem Leben zu viel geplagt... ja, dös hat ma davo! Lenz I ho mir aa nix Guat's denkt, weil s' so schwach g'wen is ... Thomas Schwach g'wen ... ja! Gibt sich einen Ruck und schreibt wieder. Also ... den ersten Juli und ist ausgetretten den ersten Oktober ... und war sehr treu und fleißig. Er legt die Feder hin. Dös schreibt ma heuntingtag's bei an jed'n ... aba bei dir is 's wahr. Lenz I mach halt mei Danksagung, Paulimann. Thomas Nix zum dank'n. Dös Beste kon i dir net neischreib'n, daß du dir nia was host o'kenna lass'n, vor mir und da Mariann net ... von dera G'schicht. Lenz Da hon i koa Recht it g'habt. Thomas Aba G'leg'nheit. Und de lasset si net a jeda auskemma. Er gibt ihm die Hand. Für dös dank i dir no b'sunders, und wann dir aa nix dro liegt, sag' i's do, daß i vor dir an Respekt hab. Lenz fährt sich verlegen durch die Haare Ja no ... i sag' dir aa Vergelt's Gott! Thomas gibt ihm das Dienstbuch Da hast d' dei Büachl, und i wünsch Glück überall'n. Lenz herzlich I dir aa ... daß 's da guat geht, Paulimann! Thomas resigniert Werd ma guat geh', ja! Wann i jetzt an Karr'n alloa schiab'n muaß! Lenz I hätt' ja g'moant, du sollt'st mein Bruada auf a Zeit ei'stell'n. Thomas Daß er nach drei Tag den nämlich'n Grund zum Geh' hat wia du heunt? Na! Liaba racker i mi z'samm ... und wann's nimmer geht ... mir is 's net z' fruah. Na! I woaß, du moanst äs guat... aba i bleib alloa. Jetzt pfüad du Lenz Adjes! Thomas ist ans Fenster getreten und schaut hinaus. Lenz bleibt an der Türe stehen und dreht verlegen seinen Hut in beiden Händen. Er kämpft sichtlich mit einem Entschlüsse. Lenz Paulimann! Thomas sich halb umwendend No was? Lenz etwas stockend Du host neuling zu mir g'sagt, daß i weg'n de Bursch'n ... daß i de Bursch'n warna sollt, wenn's grad was ... a so ... an Sinn hätt'n ... Thomas Seim war i zorni. I woaß scho, daß dös grad an Bürgermoasta sei G'red war. Lenz entschiedener I woaß net, ob dös bloß a G'red' is. Thomas sich ganz umwendend Han? Lenz Mir g'fallt de Sach net. Seit gestern is grad, als wenn oana in a Wespennest nei'sticht. De Bursch'n hamm was. Thomas überrascht, aber ruhig Ah, so moanst d? Lenz Es is net sauber. Thomas drohender Laß s' no! Sie wer'n si net gar so leicht toa mit mir. Lenz Wenn aba . . . Stockend... wenn's aba änderst geht, als du moanst? Thomas Es werd so geh', daß i rnei Recht behaupt'. A Buaberei laß i net ausüab'n an mir. Lenz unsicher: Ja ... scho! Freili net! Aba ... Thomas Da brauchst d' koan Angst hamm. Lenz Es gibt halt Sach'n, wo ma si net dageg'n rühr'n ko! Thomas Sach'n? Lenz Du woaßt halt no net, was 's geb'n hat? Thomas lauter Geb'n? Mit da Leni was? Lenz I ko aa net red'n über dös ... Thomas dringender Aba du woaßt... daß was fürkemma is? Lenz Dös sag'n s' dir bald gnua. Thomas schreiend Herrgott! Mensch, marter mi do net her! Lenz Schau! Thomas Red! sag i, und lass' mi net im Ung'wiss'n! San dir de Bursch'n so viel wert? Lenz Net de Bursch'n. Na ... aba schau, i ko da aa nix geg'n d' Leni red'n ... sie hat ma nia nix to ... Thomas Ja, muaß i di lang bitt'n um dös? lenz in sichtlicher Aufregung Na! Des seil geht net! Thomas Aba o'fanga host d' kinna ... und mi hetmartern! Lenz Weil i mir denkt hab ... i muaß di warna ... und dös ander sag'n s' dir scho. Thomas sehr dringend Lenz! Red aus! Jetzt muaßt d' all's sag'n. Lenz I... i ko net. Thomas Na laß bleib'n! Lenz Weil... Thomas Geh zua! Sag i. Lenz geht langsam zur Türe hinaus. Fünfte Szene Thomas sieht ihm nach und bleibt unschlüssig stehen. Erfaßt einen Entschluß, geht zur Türe, nimmt seinen Hut vom Nagel und setzt ihn auf; bleibt wieder stehen, die Hand an der Türklinke, und schaut finster vor sich bin. Er geht zum Tisch, legt seinen Hut hin, sinnt nach und geht zur Türe links, öffnet sie und ruft hinaus. Thomas Leni! Pause. Es kommt keine Antwort. Thomas lauter und ungeduldig Herrgott! ... Leni! Lenis Stimme von außen, verdrossen Was denn? Thomas grob Da geh amal eina! Er tritt von der Türe zurück; Leni kommt scheu und langsam herein. Sechste Szene Leni Was willst d' nacha? Thomas , schaut sie finster an Mir hamm was z red'n mitanand: kimm no her! Leni kommt zögernd näher und heftet die Blicke auf den Boden. Thomas Mir hat wer g'sagt, daß 's was geb'n hat mit dir ... Leni furchtsam Mit mir? Thomas Mit dir - ja! Schau ma no ins G'sicht! I brauch bloß naus geh', hat wer g'sagt, nacha derfrag' i 's von an jed'n ... Leni aufsehend, lebhafter Hat da Lenz ...? Thomas Der — oder an anderner. Kleine Pause. Muß i nausgeh' und frag'n? Er sieht Leni drohend an, die wieder zu E öden sieht. — Pause. Thomas An Antwort will i! Leni zögernd und furchtsam I woaß net, was du moanst... Thomas faßt sie beim Arm, sich zur Ruhe zwingend Du! Wenns d' aa net viel Verstand host, des seil werst d' begreif n, dass dir 's Lüag'n nix mehr hilft! Leni weinerlich I woaß aba net... Thomas mit unterdrückter Heftigkeit Wenns was geb'n hat ... sag's! Es is bessa, als i derfrag's da drauß'n. Er wartet auf Antwort. Leni schweigt und sieht nicht auf. Thomas Is g'wes'n, was mag — red! Mach's mit mir aus! Leni I woaß net, was du moanst ... Thomas zornig und verächtlich Ah! Lüag du! Er gebt zum Tische hin und nimmt seinen Hut, wendet sich aber wieder gegen Leni. Thomas Bist d' amal aus 'n Haus? Leni eifrig Mit koan Schritt net, weil du g'sagt host, i derf net außi, und . . . Thomas Na is wer bei dir g'wen? Leni wieder zaghaft N ... na! Thomas auf den Boden stampfend Ob wer bei dir g'wesen is? Leni weinerlich Dös is scho ausg'schämt, daß da Lenz so was behaupt' geg'n meiner, und daß a mir so was o'hängat, vor er geht, und ... Thomas sie verächtlich ansehend Na muaß i d' Wahrheit drauß'n hör'n. Er setzt seinen Hut auf und geht zur Türe. Indem er sie öffnet, tritt sein Nachbar Johann Plank ein. Leni ist zuerst zögernd, dann rasch nach links abgegangen. Siebente Szene Thomas überrascht und unruhig Bist du da? Flank verlegen und auf geregt Ja... i bin da... hat mi net recht g'freut, 's Hergeh'... aba weil i mir denkt hab, mir san alla-weil guate Nachbar'n g'wen ... bin i jetzt herganga ... thomas : Was is? Plank hat den Hut abgenommen und glättet sieb verlegen mit der Hand die Haare I sag dir all's ... aba net, daß d' moanst, i bin gern her ... i ho ma denkt, es is dir liaba, wann i mit dir red, vor de ändern kemma ... Thomas De ändern? Plank No ja ... der Bürgermoasta ... und i woaß net, wer vom Ausschuß no mitgeht... Thomas Zu mir her? Plank Freili... zu dir ... Thomas heftig Da muaß da Bürgermoasta erst sehg'n, ob i 'n einalaß! Plank Paß auf ... laß da sag'n ... i verzähl dir all's ... Nach da Kirch' is da Ausschuß z'sammkemma, und da hamm s' de G'schicht fürbracht. Thomas aufgeregt Von mir was? Plank Vo dir? . . . Na! Von dir net ... aba ... ko'st da 's leicht denk'n. Thomas mit dem Daumen nach der Tiire deutend Vo dera? Plank nickt bejahend, dann kratzt er sich heftig hinterm Ohr Ah! Es is a Kreuz! Es is a Kreuz! I sag's ja, wenn ma Kinda hot, woaßt d' nia, wia's amal geht. Thomas stampfend Mach zua! Plank No ja ... sie hamm de G'schicht fürbracht ... Hat denn dir no neamd was g'sagt? Thomas An Deuta hab' i kriagt... Schneid net lang' um! Plank spricht stockend mit Pausen Wia muaß i das sag'n? Seit gestern auf 'n Abend is 's im Dorf, als wann d' Imp'n auskemman ... An Lechner sei Martl ... kennst 'n scho ... hat de G'schicht ausanand bracht ... no ja ... er is bei deiner Leni g'wen ... sie ... hat'n in d' Kammer ei'lass'n . . . waar ja net so weit g'feit ... aba ... wia soll i da's sag'n ... no ja, sie hat a Geld von eahm verlangt. Thomas schreit Plank! Plank freier Da Martl is von ihr weg zum Bäcker Hans'n umi ... und verzählt's an Kamerad'n, und der verzählt's wieda ... und gestern nach Feierabend is scho des ganz' Dorf aufmahrig g'wen ... Thomas ruhiger Vo wem hast du's? Plank Vo wem hab's i? Vo dem ... und dem ... von an Dutzed. Thomas schreit wieder A Lug is! Plank kratzt sich hinterm Ohr Ja schau! Thomas Da, wo du stehst, is vor etla Tag der Bürgermoasta g'stand'n! Hätt' ma d' Ohr'n voll g'red't, daß i verkaff n muaß ... daß ma d' Leni net im Dorf leid't ... mit die Bursch'n hätt' a ma droht... und jetz' waar's a so! Plank Nachbar ... i sag da ... Thomas Dös trifft a bissei schö z'samm ... na, mei Liaba! Den Feinspinna kenn i... a Lug is Plank Laß da sag'n ... Thomas Er braucht bloß 's Mau aufmacha ... und ös müaßt's äs glaab'n! Plank sich wieder hinteren Ohr kratzend Es is a Kreuz! Es is a Kreuz! Thomas Aba i kimm eahm hinter seine Gang', dem Judas! Und auf da Stell sag i 's eahm ... Er will zur Türe. Plank vertritt ihm den Weg. Plank Geh ... laß mi aa was sag'n ... Du woaßt, i bi die Feind net... schau. Thomas! So was ko der Bursch it aus der Luft greif'n ... da is er gar it der Mensch dazua ... der war eahm net hell gnua ... Thomas Der net! Aber der ander, der dahinter steckt ... Den kennst du z' weni! Plank Wia kunnt dös sei! Thomas Den kennst du z' weni! Plank I sag dir do! In da Fruah, von da Kamma weg is er zu'n Bäcker Hansen g'laffa und hat's brüahwarm verzählt. Der Bursch hot eahm gar it denkt, daß a so a Ramasuri d'raus werd! Thomas schweigt und schaut finster vor sich hin. Plank Und ... es is hart zu'n sag'n ... i will di g'wiß net beleidig'n ... aba nach dem, was scho amal passiert is ... braucht's oan z'letzt net gar a so wundern. Thomas auffahrend Da hab i enk! Plank Sag selm ... es is ja an Unglück, aba . .. Thomas Ös moant's, so oane is leicht nunterstöß'n, de scho im Rutsch'n is. Plank Wer sollt dös toa? Thomas De ko ma leicht mit Füaß'n tret'n, de scho am Bod'n liegt... Plank Nachba! Thomas in großer Erregung Und i ... moant's ös ... muaß zuaschaug'n mit bundne Hand ... wia ma s' ... wia ma s' auf'n Mist wirft... Plank fährt sich über die Haare Es is a Kreuz! Thomas Dös g'ringste Viech tat si wehr'n ... i derfat's not... moant's ös. Plank Was sollst d' da sag'n? Thomas faßt Plank am Arm und zieht ihn zum Lehnstuhl hin, der an der linken Wand steht. Sie sind im Laufe des heftigen Gespräches schon auf die linke Seite hinübergekommen, Plank! Dir is aa dei Bäurin g'storm, und de mei hat ihr aufg'wart... bis z'letzt.. . Plank I woaß wohl ... i woaß wohl... Thomas in höchster Erregung, schlägt auf die Stuhllehne Da! Da herin is mei alte Mariann g'leg'n ... Dös Letzte, was s' g'sagt hat ... laß 's Madl net fürt! ... Wia ihra Hand in der mein kalt wor'n is ... no amal hat sie s' druckt ... und is a Bitt g'wesen ... Laß 's Madl net fürt! ... Schreit Ja ... glaabt's ös ... i wehr mi net? Plank Ja ... mei Mensch ... du muaßt... Thomas Nix muaß i! Zur Türe rechts herein kommen der Bürgermeister und Valentin Scheck. Achte Szene Plank auf die Eintretenden blickend Da san s' scho. Thomas hat sich gefaßt und geht entschlossen auf den Bürgermeister zu Host du was z' toa da herin? Bürgermeister ruhig und fest' Ja! I hab was z' toa. Fragend zu Plank Du host scho g'red't mit eahm? Plank I hab eahm halt g'sagt, was furkemma i s ... Thomas zum Bürgermeister Was du z'sammg'log'n host! Bürgermeister Z'sammg'log'n? I? Thomas Ja du! Wann du's aa no so fei o'gehst... i kenn di! Scheck Paulimann! Dös seil hat koan Wert! Du muaßt'n hör'n. Thomas I hab'n scho g'hört . Scheck Dös werst du wiss'n, daß mir richtige Leut san . .. Da gibt's nix mit Lüag'n und a so Plank zu Thomas Laß 'n sei Sach fürbringa! Bürgermeister Es is bald ausg'red't. I hab an Ausschuß z'sarnm g'ruaf'n, weil dös mit deiner Leni fiirkemma is. Thomas schreit Du lüagst! Bürgermeister nun auch zornig Dös werd sie aufweis'n. Weil's furkemma is, sag' i ... und weil de Bursch'n ganz off'n z'sammstengan und Drohunga daher bring'n. Thomas Mir? Bürgermeister Dir! Ja ... daß s' liaba 's Haus ei'reiß'n, als dös Weibsbild im Dorf lass'n ... Thomas Laß s' kemma! Bürgermeister Na! Dös woll'n mir net! Für dös san mir da, daß koa Unglück rauskimmt ... desweg'n hon i an Ausschuß z'sammg'ruaf'n. Thomas Und host deine Lug'n fürbracht. Scheck Dös hat a net... Mir hamm aso all's g'wißt. Plank ruhig Du muaßt äs glaab'n, Thomas, daß dös ganze Dorf überanand is. Thomas steht mit geballten Fäusten da und schaut Plank und die ändern finster an. Bürgermeister Mir hamm den Bursch'n herkemma lass'n . .. an Lechner Martin... und der hat de Sach b'steh' müass'n. Scheck Auf a G'red' alloa hätt'n mir nix geb'n ... und überhaupts ... Bürgermeister Da lass'n mir uns nix nachsag'n. Thomas befug Red aus! Bürgermeister Und der Ausschuß sagt... alle mitanand . .. Zu den beiden ändern Is it wahr? ... Plank und Scheck nicken zustimmend ... daß da nix anders gibt ... daß du dei Lern weg toa muaßt... Thomas höhnisch Auf da Stell? Bürgermeister ruhig und gewichtig So schnell, als d' ko'st, Paulimann. Scheck Sinst geht de G'schicht net guat. Bürgermeister Und mir kennan da koa Verantwortung net übernehma. Thomas sich zur Ruhe zwingend Ös kemmt's zu mir ins Haus . . . Scheck Mir san für dös do. Thomas schreit ihn an Jetzt red i! ... Zum Bürgermeister Ös kemmt's zu mir her, in mei Haus ... und sagt's ... du bischt net Herr da herin ... du muaßt dös Weibsbild ... du muaßt dei Kind nausjag'n auf d' Straß'n ... Losbrechend Ja, bin i enker Läpp ... Derft's ös Schindluada treib'n mit mir? Plank G'wiß net! Dös will neamd. Thomas keuchend Net? Z'erscht bringt mir der da ... auf den Bürgermeister zeigend ... dös Weibsbild ins Haus ... schreit mei Schand im Dorf rum . . . bringt s' da rei zu da krank'n Muatta ... i derf mi net wehr'n ... na! I muaß s' hamm ... und heut kummt er, i derf s' in mein Haus nimmer g'halt'n ... i muaß leid'n, daß s' draußd im Dreck der- stickt ... Derf mi der zum Narr'n halt'n? Schaugt's mi z'erscht o! I vertrag nimma viel .. . Bürgermeister schreit Bin i all's schuld? Woaßt du koan ändern als mi ...? Thomas Koan ändern als du Bürgermeister Nachageh zu de G'richtsherrn! Frag' de, was 's G'setz is! Warum s' dei Weibsbild aus der Stadt g'haut hamm ... Thomas Und hamm sie s' nausg'haut, na is s' jetzt da! Immer heftiger Da herin in mein Haus! Dös ma'r i vadeant hab' mit meine Hand! Und wo s' dahoam is ... host d' g'hört ... dahoam! Plank legt ihm beschwichtigend die Hand auf die Schulter Geh! So könna mir it red'n! Thomas ihn abschüttelnd So net! Na! Hörst du net, daß er 's G'setz daher bringt? Is dös mit 'n G'setz, daß ma bei oan insHaus ei'bricht? . . . Sich aufrichtend Und koan will i mehr hamm da herin! Macht's, daß naus kommts ... alle mitanand, sag i! Bürgermeister sich zum Gehen wendend Na g'schiecht, was mag! I geh! Plank hält ihn auf Net! Bleib! Beschwörend zu Thomas. Paulimann! du muaßt an Zorn net Herr sei lass'n! Dös hat koan Wert! Schau, mir hamm ja das größt' Derbarma mit dir! Scheck Weil a jeda woaß, daß du a richtiga Mensch bist ... Thomas Und enker Hanswurst! Moant's ös! Daß si der ... Auf den Bürgermeister zeigend vor mi hi'stellt und mir an Befehl gibt ... Bürgermeister Von an Befehl is nix g'sagt wor'n ... aba i woaß, daß de Bursch'n Ernst macha. Schaug naus, siehgst äs bald gnua! Thomas schreit Bist du fürs Gesetz? Bürgermeister I muaß Acht hamm, daß a Ruah is in da Gmoa ... dös is mei Pflicht. Thomas schreit Bist du fürs Gesetz? Bürgermeister auch schreiend I bin für dös, daß brave Leut net ins Unglück kemma weg'n schlechte ... Thomas auf ihn losstürzend Derfst du mi schlecht hoaß'n, du Kerl! Scheck dazwischen springend Halt! Aso geht dös it! Plank Thomas haltend Laß guat sei! Bürgermeister zornig San mir schuld, daß du a schlecht's Mensch host? Hättst d'as änderst aufzog'n! Thomas Ah, kimmst d' jetzt so? Zoagst d' jetzt dei G'sicht her? Plank energisch zum Bürgermeister Du hörst mit'n Schimpf n auf! Bürgermeister Muaß i mi an Kerl hoaß'n lass'n? In an sellan Haus? Thomas Schimpf zua! Vielleicht sagst d' Wahrhet aa no ... daß koan anderner Mensch de Bursch'n aufg'hetzt hat wia du ... mit deiner abkart'ten Lug! Bürgermeister Mit meiner Lug ... Flank Jetza ... dös hat koan Wert ... Dem Bürgermeister abwehrend: ... Laß mi red'n ... Thomas, du derfst ma's glaab'n, es muaß an End hergeh ... Scheck, der nahe bei der Tür gestanden ist, geht von den ändern unbemerkt hinaus. Neunte Szene Thomas bitter zu Plank Tuast du aa mit? Plank Weil's sei muaß! Mir kinnan do net zuaschaug'n, dass dös Ärgste g'schiecht ... Da Thomas eine ungeduldige Bewegung macht, eindringlicher Was kam da raus, wann's de Kamerad'n mit da G'walt probier'n? Thomas I müaßt ma 's Recht nehma lass'n? Plank 's Recht! Thomas Vielleicht net? In mein Haus? Plank Aba du werst aa net leid'n, daß so was g'schiecht in dein Haus! Thomas Was g'schiecht? Plank Geh! Mögst ja du selm nimma drin bleib'n. Thomas sieht ihn schweigend an. Plank Und mir müass'n ins dageg'n stell'n. Dös muaßt ei'sehg'n ... Dös derf amal it sei ... und is no nia g'wes'n. Mir hamm Kinder im Dorf. Bürgermeister grob einfallend: Und mir leidÄn amal koane, de si mit da Schand ‚s Brot vadent. Thomas auffahrend Hat de koa ehrlich's Brot bei mir? Willst du dös sag'n? Von der Straße heran dringt Lärm, der schon vorher undeutlich zu hören war; er schwillt jetzt stark an. Bürgermeister nach dem Fenster deutend Es sag'n 's dir scho de ändern. Frag de da drauß'n! Thomas wild um sich blickend Ah ... so is 's g'moant? Hast da s' herb'stellt? Plank stellt sich ihm in den Weg Weg von da Tür! In diesem Augenblicke wird die Türe aufgerissen; Scheck kommt mit Martin Lechner herein. Ihnen nach drängen einige Burschen. Thomas bleibt regungslos stehen. Zehnte Szene Der Bürgermeister geht den Eindringenden entgegen. Bürgermeister fest und ruhig Da Lechner Martl bleibt do ... aba ös ändern geht's naus! Einer von den burschen Mir san Zeug'n für dös ... Bürgermeister energischer Naus! Sag i. Sie ziehen sich zurück, und Scheck schlägt die Türe zu. Elfte Szene Scheck schiebt Lechner Martin vor. Scheck Da! jetzt geh no fiiri und red! Vor den Fenstern sammeln sich viele Leute an, hauptsächlich Burschen; aber auch Weiber und Bauerndirnen. Der Lärm ist allmählich verstummt. Thomas ist ein paar Schritte zurückgetreten und sieht den Burschen finster an. Martin redet zuerst stockend, später wird er dreister. Bürgermeister zu Lechner'. Host d' g'hört, du sagst jetzt dei Sach, als wia bei ins! Lechner Warum net? I sag's, wia's war, und brauch ma nix z' fercht'n. Bürgermeister Dös brauchst aa net! Lechner Überhaupts hätt' i nix g'sagt, wenn net des ander g'wen waar ... aba dös geht na do it, daß ma'r a Geld verlangt! Thomas scharf Wer hot a Geld verlangt? Lechner frech Dei Leni! Daß d'as woaßt! Bürgermeister Laß di auf nix ei und verzähl! Lechner Da is net viel zum verzähl'n. I ho mit ihr o'bandeln woll'n ... no ja ... wia's halt is ... net... und de erst Zeit hot s' mir net o'geb'n ... aba ... am Donnerstag ... no ja ... da bin i zu ihr in d' Kamma ... net... Scheck Und nacha? Lechner Und ... no ja ... nacha hat sie zu mir g'sagt... i soll ihr a paar Markl geb'n ... indem ... daß sie koa Geld gar it hot... Alle schweigen. Thomas streicht sich mit der Handdie Haare in die Stirne und wiederholt die Bewegung immer wieder wie geistesabwesend. Lechner wieder verlegener I hätt's liaba net verrat'n ... aba de Burschen sag'n allsammete, daß i recht g'habt ho ... weil dös arnal ausg'schämt is. Bürgermeister ruhig zu Thomas Glaabst du, daß der lüagt? Lechner Des werd sie net laugna kinna ... und Überhaupts kon i schwör'n auf dös! Von außen wird wieder dumpfer Lärm vernehmbar. Thomas, der auf den Bürgermeister nicht hört, faßt Plank am Arm. Thomas heiser. Hans! Plank gut zuredend Schau, jetzt muaßt d' wohl toa, was recht is. Thomas ruhig, mehr für sich hin Was recht is ... gel? Plank Ko'st ja dem Weibsbild net helfen. Thomas wie oben Und derf net halt'n, was i der alt'n Mariann versproch'n hab ... muaß zuaschaug'n, wia ma s" nausjagt... Plank Was is aso? Thomas Nausjagt auf d' Straß'n, daß s' schlechta z'grund geht wia des ärmst Viech. Plank Geh, Thomas! So is 's koa Leb'n für di! Thomas wischt sich mit dem Ärmel aber die Stirne Is wohl koans mehr. Der Lärm auf der Straße, der in dumpfes Murmeln übergegangen ist, schwillt stärker an und geht plötzlich in wildes Johlen und Pfeifen und Schreien über. Man sieht die Leute sich lebhaft nach der linken Seite der Bühne wenden und mit den Armen gestikulieren. Bürgermeister ist an das Fenster geeilt und reißt es auf, schreit Was is dös? Schämt's enk net? Viele stimmen D' Leni! D' Leni! Da is s'! Bürgermeister beugt sich weiter hinaus; sehr laut Ös da! Die stimmen Da is s'! D' Leni! Bürgermeister überschreit den Lärm Sepp! Sepp! Du führst dös Weibsbild reu Und ös läßt's äs in Ruah! Habt's g'hört? Der Lärm legt sich. Der Bürgermeister tritt vom Fenster zurück. Bürgermeister De soll's jetzt laugna, wenn s' ko, Scheck Is sie drauß'd g'wen? Bürgermeister De werd glei do sei... Zwölfte Szene Die Türe geht auf; Leni kommt herein, hinter ihr fünf, sechs Bauernburschen, die nachdrängen. Draußen drücken sich die Leute an die Fenster, an dem offenen stehen sie Kopf an Kopf. Leni kommt zögernd vorwärts; sie trägt das Kleid, in dem sie heimgekommen ist, auch den Hut mit der schwarzen Schleife und die Handtasche. Die Haare sind unordentlich gekämmt und etwas zerzaust. Sie bleibt furchtsam stehen und zieht den Kopf ein. Bürgermeister Aha! De hat weglaff'n woll'n. Thomas ruhig; zum Bürgermeister Du red'st koa Wort! Er geht auf Leni zu Du! AufLechner deutend Woaßt du, was der sagt? Leni wendet ihren Kopf langsam nach Lechner hin und schaut zu Boden. — Pause. Thomas Daß du a Geld von eahm verlangt host. Leni sehr furchtsam Is net wahr! Lechner grob Wos? Wia ko'st denn du so lüag'n? Leni wie oben Net wahr is. Lechner auf sie zutretend Host d' net g'sagt... a paar Markl muaßt d' hamm ... hast d' g'sagt.. . Thomas reißt Lechner heftig zurück Weg da, Kerl! Ruhiger zu Leni Willst du lüag'n, wenn dir a jeda d' Schuld vom G'sicht runter lest? Leni mit verhaltenem Weinen Weil i fürt hab woll'n ... weil's ma do nix hilft ... weil i schlecht bleib'n muaß ... Thomas schreit Du! Leni wie oben Weil mi da Lenz aa schlecht g'hoaß'n hat ... und weil i koan Pfenning g'habt hab zum Furtgeh' ... Thomas schreit Und host mir dös to! Leni Weil da Lenz g'sagt hat ... Thomas hat blitzschnell sein Messer gezogen und sticht sie nieder. Sie bricht mit einem schwachen Schrei zusammen. Alle weichen entsetzt zurück. Plank ruft Jessas Maria! Draußen kreischen die Weiber, die Burschen rufen Er hat s' derstocha! Dann plötzliche Stille. Thomas dumpf Jetzt reißt's äs naus in d' Schand! Vorhang