William Makepeace Thackeray Jahrmarkt der Eitelkeit / Vanity Fair. Band 1 Vor dem Vorhang / Before the Curtain Während der Direktor des Puppentheaters vor dem Vorhang auf den Brettern sitzt und über den Jahrmarkt schaut, befällt ihn beim Anblick des bunten Treibens eine tiefe Melancholie. Da wird gegessen und getrunken, geliebt und kokettiert, gelacht und geweint, geraucht, betrogen, gestritten, getanzt und gegeigt, da drängen sich Großmäuler im Getümmel, Stutzer machen Frauen schöne Augen, Spitzbuben leeren Taschen, und Polizisten sind auf der Wacht; da schreien Quacksalber (andere Quacksalber, die Pest soll sie holen!) vor ihren Buden, und Bauerntölpel starren zu den flitterglänzenden Tänzerinnen und den armen, alten, geschminkten Clowns hinauf, während die Langfinger sich hinten an ihren Taschen zu schaffen machen. Ja, das ist der Jahrmarkt der Eitelkeit; gewiß kein moralischer Ort und auch kein lustiger, wenn es auch lärmend genug zugeht. Seht euch die Gesichter der Schauspieler und Possenreißer an, wenn sie von der Arbeit zurückkommen, wie der Hanswurst sich die Schminke aus dem Gesicht wäscht, ehe er sich mit seiner Frau und seinen kleinen Hanswürstchen hinter der Jahrmarktsbude zum Essen setzt. Bald geht der Vorhang auf, und er wird Purzelbäume schlagen und schreien: »Seid ihr alle da?«   As the manager of the Performance sits before the curtain on the boards and looks into the Fair, a feeling of profound melancholy comes over him in his survey of the bustling place. There is a great quantity of eating and drinking, making love and jilting, laughing and the contrary, smoking, cheating, fighting, dancing and fiddling; there are bullies pushing about, bucks ogling the women, knaves picking pockets, policemen on the look-out, quacks ( other quacks, plague take them!) bawling in front of their booths, and yokels looking up at the tinselled dancers and poor old rouged tumblers, while the light-fingered folk are operating upon their pockets behind. Yes, this is Vanity Fair ; not a moral place certainly; nor a merry one, though very noisy. Look at the faces of the actors and buffoons when they come off from their business; and Tom Fool washing the paint off his cheeks before he sits down to dinner with his wife and the little Jack Puddings behind the canvas. The curtain will be up presently, and he will be turning over head and heels, and crying, “How are you?” Wenn ein nachdenklicher Mensch über solch einen Vergnügungsort wandelt, wird er vermutlich weder von seiner noch anderer Leute Fröhlichkeit überwältigt werden. Hier und da rührt und belustigt ihn wohl eine humorvolle oder ergreifende Episode – ein niedliches Kind, das eine Pfefferkuchenbude betrachtet; ein hübsches Mädchen, das errötend den Worten ihres Liebhabers lauscht, während er ihr ein Geschenk aussucht; der arme Hanswurst dort hinter dem Wagen, der inmitten seiner braven Familie, die von seinen Kunststücken lebt, an seinem Knochen nagt. Der allgemeine Eindruck aber ist eher melancholisch als heiter. Wenn du nach Hause kommst, so setzt du dich in ernster, nachdenklicher, milder Stimmung hin und wendest dich deinen Büchern oder deinen Geschäften zu.   A man with a reflective turn of mind, walking through an exhibition of this sort, will not be oppressed, I take it, by his own or other people’s hilarity. An episode of humour or kindness touches and amuses him here and there — a pretty child looking at a gingerbread stall; a pretty girl blushing whilst her lover talks to her and chooses her fairing; poor Tom Fool, yonder behind the waggon, mumbling his bone with the honest family which lives by his tumbling; but the general impression is one more melancholy than mirthful. When you come home you sit down in a sober, contemplative, not uncharitable frame of mind, and apply yourself to your books or your business. Eine andere Moral als die habe ich unserer Geschichte vom »Jahrmarkt der Eitelkeit« nicht unterzulegen. Manche betrachten Jahrmärkte überhaupt als etwas Unmoralisches und meiden sie mit ihrer Familie und den Dienstboten: vielleicht haben sie recht. Aber die, die anders denken, träge sind oder wohlwollend oder sarkastisch, treten vielleicht auf eine halbe Stunde näher, um sich die Vorstellungen anzusehen. Es gibt da alle möglichen Bilder: fürchterliche Kämpfe, großartiges Kunstreiten; Szenen aus dem Leben der vornehmen Welt und solche aus dem Mittelstand; ein bißchen Liebe für die Sentimentalen und ein paar komische leichte Szenen. Das Ganze ist umrahmt von entsprechenden Kulissen und von den Kerzen des Verfassers brillant beleuchtet.   I have no other moral than this to tag to the present story of “Vanity Fair.” Some people consider Fairs immoral altogether, and eschew such, with their servants and families: very likely they are right. But persons who think otherwise, and are of a lazy, or a benevolent, or a sarcastic mood, may perhaps like to step in for half an hour, and look at the performances. There are scenes of all sorts; some dreadful combats, some grand and lofty horse-riding, some scenes of high life, and some of very middling indeed; some love-making for the sentimental, and some light comic business; the whole accompanied by appropriate scenery and brilliantly illuminated with the Author’s own candles. Was soll der Direktor des Puppentheaters noch sagen? – Er muß für die freundliche Aufnahme danken, die das Stück bei den achtbaren Leitern der öffentlichen Presse, beim hohen und niederen Adel und bei dem verehrungswürdigen Publikum überhaupt gefunden hat, als er mit seinem Theater in allen bedeutenden Städten Englands herumkam. Der Gedanke, daß seine Puppen den Beifall der besten Gesellschaft des Königreiches gefunden haben, macht ihn stolz. Von der berühmten kleinen Marionette Becky wurde gesagt, sie sei ungemein gelenkig und bewege sich sehr lebhaft am Draht. Die Puppe Amelia hat der Künstler ebenfalls mit größter Sorgfalt geschnitzt und angezogen, dennoch hat sie nur einen kleineren Kreis von Bewunderern gehabt. Die Figur Dobbin tanzt sehr drollig und natürlich, wenn es auch etwas unbeholfen wirkt. Dem Tanz der kleinen Jungen haben einige gern zugesehen; und man achte bitte auf die reich gekleidete Figur des schurkischen Adligen, bei dem keine Kosten gescheut wurden und den der Teufel am Ende dieser Sondervorstellung holen wird. Hiermit, und mit einer tiefen Verbeugung vor seinen Gönnern, zieht sich der Theaterdirektor zurück, und der Vorhang geht auf.   What more has the Manager of the Performance to say? — To acknowledge the kindness with which it has been received in all the principal towns of England through which the Show has passed, and where it has been most favourably noticed by the respected conductors of the public Press, and by the Nobility and Gentry. He is proud to think that his Puppets have given satisfaction to the very best company in this empire. The famous little Becky Puppet has been pronounced to be uncommonly flexible in the joints, and lively on the wire; the Amelia Doll, though it has had a smaller circle of admirers, has yet been carved and dressed with the greatest care by the artist; the Dobbin Figure, though apparently clumsy, yet dances in a very amusing and natural manner; the Little Boys’ Dance has been liked by some; and please to remark the richly dressed figure of the Wicked Nobleman, on which no expense has been spared, and which Old Nick will fetch away at the end of this singular performance. And with this, and a profound bow to his patrons, the Manager retires, and the curtain rises. London, 28. Juni 1848   London , June 28, 1848 1. Kapitel. / Chapter 1. Chiswick Mall / Chiswick Mall Im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts fuhr an einem sonnigen Junimorgen vor dem mächtigen eisernen Tor von Miss Pinkertons Mädchenpensionat in der Chiswick Mall eine große Familienkutsche vor, gezogen von zwei wohlgenährten Pferden mit glänzendem Geschirr. Sie wurden von einem beleibten Kutscher mit Dreispitz und Perücke in einem Tempo von vier Meilen pro Stunde gelenkt. Ein schwarzer Diener, der neben dem beleibten Kutscher auf dem Bock döste, streckte seine krummen Beine, sobald der Wagen an Miss Pinkertons glänzendem Messingschild hielt, und als er die Klingel zog, sah man wenigstens zwanzig junge Köpfe aus den schmalen Fenstern des stattlichen alten Backsteingebäudes lugen. Ja, ein genauer Beobachter hätte sogar das rote Näschen der gutmütigen Miss Jemima Pinkerton über einigen Geranientöpfen am Fenster des Empfangsraumes der Dame selbst erblicken können.   While the present century was in its teens, and on one sunshiny morning in June, there drove up to the great iron gate of Miss Pinkerton’s academy for young ladies, on Chiswick Mall, a large family coach, with two fat horses in blazing harness, driven by a fat coachman in a three-cornered hat and wig, at the rate of four miles an hour. A black servant, who reposed on the box beside the fat coachman, uncurled his bandy legs as soon as the equipage drew up opposite Miss Pinkerton’s shining brass plate, and as he pulled the bell at least a score of young heads were seen peering out of the narrow windows of the stately old brick house. Nay, the acute observer might have recognized the little red nose of good-natured Miss Jemima Pinkerton herself, rising over some geranium pots in the window of that lady’s own drawing-room. »Es ist die Kutsche von Mrs. Sedley, Schwester«, sagte Miss Jemima. »Sambo, der schwarze Diener, hat gerade geläutet; und der Kutscher hat eine neue rote Weste an.«   “It is Mrs. Sedley’s coach, sister,” said Miss Jemima. “Sambo, the black servant, has just rung the bell; and the coachman has a new red waistcoat.” »Hast du alle für das Ausscheiden von Miss Sedley nötigen Vorbereitungen getroffen, Miss Jemima?« fragte Miss Pinkerton, jene majestätische Dame, die Semiramis von Hammersmith, die Freundin von Doktor Johnson, die Korrespondentin von Mrs. Chapone.   “The girls were up at four this morning, packing her trunks, sister,” replied Miss Jemima; “we have made her a bow-pot.” »Die Mädchen sind heute morgen um vier Uhr aufgestanden, um ihr die Koffer zu packen, Schwester«, erwiderte Miss Jemima; »wir haben ihr einen Blumenstrauß gebunden.«   “Have you completed all the necessary preparations incident to Miss Sedley’s departure, Miss Jemima?” asked Miss Pinkerton herself, that majestic lady; the Semiramis of Hammersmith, the friend of Doctor Johnson, the correspondent of Mrs. Chapone herself. »Sage lieber Bukett, Schwester Jemima, es klingt feiner.«   “Say a bouquet, sister Jemima, ’tis more genteel.” »Nun ja, ein Bukett, fast so groß wie ein Heuschober; ich habe zwei Flaschen Levkojenwasser für Mrs. Sedley und auch das Rezept dafür in Amelias Koffer gepackt.«   “Well, a booky as big almost as a haystack; I have put up two bottles of the gillyflower water for Mrs. Sedley, and the receipt for making it, in Amelia’s box.” »Und ich hoffe, Miss Jemima, du hast eine Abschrift von Miss Sedleys Rechnung angefertigt; das ist sie, nicht wahr? Sehr gut – dreiundneunzig Pfund und vier Shilling. Adressiere sie bitte an John Sedley, Esquire, und siegle dieses Billett, das ich an seine Gemahlin geschrieben habe.«   “And I trust, Miss Jemima, you have made a copy of Miss Sedley’s account. This is it, is it? Very good — ninety-three pounds, four shillings. Be kind enough to address it to John Sedley, Esquire, and to seal this billet which I have written to his lady.” Miss Jemima brachte einem eigenhändig geschriebenen Brief ihrer Schwester, Miss Pinkerton, ebenso tiefe Ehrfurcht entgegen, wie sie dem Brief eines Staatsoberhauptes entgegengebracht hätte. Nur wenn die Schülerinnen die Anstalt verließen oder wenn sie heiraten wollten, und einmal, als die arme Miss Birch an Scharlach gestorben war, schrieb Miss Pinkerton persönlich an die Eltern ihrer Schülerinnen, und Jemima war überzeugt, wenn etwas imstande sei, Mrs. Birch über den Verlust ihrer Tochter zu trösten, dann war es das fromme und beredte Schreiben, worin Miss Pinkerton ihr das Ereignis mitteilte.   In Miss Jemima’s eyes an autograph letter of her sister, Miss Pinkerton, was an object of as deep veneration as would have been a letter from a sovereign. Only when her pupils quitted the establishment, or when they were about to be married, and once, when poor Miss Birch died of the scarlet fever, was Miss Pinkerton known to write personally to the parents of her pupils; and it was Jemima’s opinion that if anything could console Mrs. Birch for her daughter’s loss, it would be that pious and eloquent composition in which Miss Pinkerton announced the event. Im vorliegenden Fall lautete Miss Pinkertons Billett folgendermaßen :   In the present instance Miss Pinkerton’s “billet” was to the following effect: — Chiswick, The Mall, 15. Juni 18 ..   The Mall, Chiswick, June 15, 18 Madame – nach ihrem sechsjährigen Aufenthalt in der Mall habe ich die Ehre und das Vergnügen, Miss Amelia Sedley ihren Eltern als junge Dame vorzustellen, die nicht unwürdig ist, in deren glänzendem, gebildetem Kreise die ihr zukommende Stellung einzunehmen. Es mangelt der liebenswürdigen Miss Sedley nicht an jenen Tugenden, welche eine junge englische Dame von vornehmer Abkunft charakterisieren, jenen Kenntnissen, die ihrer Geburt und ihrem Stand entsprechen. Ihr Fleiß und Gehorsam haben sie ihren Lehrern lieb und wert gemacht, und ihr reizendes, sanftes Wesen hat ihre älteren und ihre jüngeren Gefährtinnen bezaubert.   Madam , — After her six years’ residence at the Mall, I have the honour and happiness of presenting Miss Amelia Sedley to her parents, as a young lady not unworthy to occupy a fitting position in their polished and refined circle. Those virtues which characterize the young English gentlewoman, those accomplishments which become her birth and station, will not be found wanting in the amiable Miss Sedley, whose industry and obedience have endeared her to her instructors, and whose delightful sweetness of temper has charmed her aged and her youthful companions. In der Musik, im Tanzen, in der Orthographie, in allen Arten von Handarbeiten erfüllt sie wohl die sehnlichsten Wünsche ihrer Verwandten. In der Geographie bleibt noch manches zu wünschen übrig, und eine sorgfältige und unablässige Anwendung des Rückenbrettes, täglich vier Stunden in den nächsten drei Jahren, wird zur Erlangung jener würdevollen Haltung empfohlen, die für eine junge Dame von Welt erforderlich ist.   In music, in dancing, in orthography, in every variety of embroidery and needlework, she will be found to have realized her friends’ fondest wishes. In geography there is still much to be desired; and a careful and undeviating use of the backboard, for four hours daily during the next three years, is recommended as necessary to the acquirement of that dignified deportment and carriage , so requisite for every young lady of fashion . In den Grundsätzen der Religion und Moral wird sich Miss Sedley einer Anstalt würdig erweisen, die durch die Gegenwart des großen Lexikographen und die Gönnerschaft der bewunderungswürdigen Mrs. Chapone geehrt worden ist. Bei ihrem Scheiden von der Mall nimmt Miss Amelia die Herzen ihrer Gefährtinnen und die liebevolle Hochachtung ihrer Lehrerin mit sich, welche die Ehre hat zu zeichnen als   In the principles of religion and morality, Miss Sedley will be found worthy of an establishment which has been honoured by the presence of The Great Lexicographer , and the patronage of the admirable Mrs. Chapone. In leaving the Mall, Miss Amelia carries with her the hearts of her companions, and the affectionate regards of her mistress, who has the honour to subscribe herself, Ihre gehorsamst ergebene Dienerin Barbara Pinkerton.   Madam,Your most obliged humble servant, Barbara Pinkerton PS: Miss Sharp begleitet Miss Sedley. Es wird ausdrücklich gebeten, daß Miss Sharp ihren Aufenthalt am Russell Square nicht länger als zehn Tage ausdehnt. Die vornehme Familie, die sie eingestellt hat, wünscht ihre Dienste baldmöglichst in Anspruch zu nehmen.   P.S. — Miss Sharp accompanies Miss Sedley. It is particularly requested that Miss Sharp’s stay in Russell Square may not exceed ten days. The family of distinction with whom she is engaged, desire to avail themselves of her services as soon as possible. Als Miss Pinkerton diesen Brief beendet hatte, schrieb sie ihren und Miss Sedleys Namen auf das Vorsatzblatt eines Exemplars von Johnsons Wörterbuch, jenem interessanten Werk, welches sie jeder Schülerin beim Ausscheiden zu überreichen pflegte. Auf dem Deckel des Buches konnte man die »Zeilen an eine junge Dame bei ihrem Abgang von Miss Pinkertons Schule in der Mall, von dem seligen, hochverehrten Doktor Samuel Johnson« lesen. In der Tat führte diese majestätische Dame den Namen des Lexikographen ständig auf den Lippen, und ein Besuch, den er ihr abgestattet hatte, war die Ursache ihres Rufes und ihres Vermögens geworden.   This letter completed, Miss Pinkerton proceeded to write her own name, and Miss Sedley’s, in the fly-leaf of a Johnson’s Dictionary — the interesting work which she invariably presented to her scholars, on their departure from the Mall. On the cover was inserted a copy of “Lines addressed to a young lady on quitting Miss Pinkerton’s school, at the Mall; by the late revered Doctor Samuel Johnson.” In fact, the Lexicographer’s name was always on the lips of this majestic woman, and a visit he had paid to her was the cause of her reputation and her fortune. Nachdem Miss Jemima von ihrer älteren Schwester aufgefordert worden war, »das Wörterbuch« aus dem Schrank zu holen, hatte sie dem erwähnten Behältnis zwei Exemplare entnommen. Als Miss Pinkerton die Widmung in das erste geschrieben hatte, reichte ihr Jemima mit zweifelnder und schüchterner Miene das andere.   Being commanded by her elder sister to get “the Dictionary” from the cupboard, Miss Jemima had extracted two copies of the book from the receptacle in question. When Miss Pinkerton had finished the inscription in the first, Jemima, with rather a dubious and timid air, handed her the second. »Für wen soll das sein, Miss Jemima?« fragte Miss Pinkerton äußerst kühl.   “For whom is this, Miss Jemima?” said Miss Pinkerton, with awful coldness. »Für Becky Sharp«, erwiderte Jemima, heftig zitternd, und ihr welkes Gesicht wurde rot bis zum Halse, als sie ihrer Schwester den Rücken wandte. »Für Becky Sharp, sie geht ja auch.«   “For Becky Sharp,” answered Jemima, trembling very much, and blushing over her withered face and neck, as she turned her back on her sister. “For Becky Sharp: she’s going too.” »MISS JEMIMA!« rief Miss Pinkerton in den größten Großbuchstaben. »Bist du bei Sinnen? Stell das Wörterbuch in den Schrank zurück und wage in Zukunft nicht mehr, dir eine solche Freiheit herauszunehmen!«   “MISS JEMINA!” exclaimed Miss Pinkerton, in the largest capitals. “Are you in your senses? Replace the Dixonary in the closet, and never venture to take such a liberty in future.” »Ach, Schwester, es kostet doch nur zwei Shilling und neun Pence, und die arme Becky wird sich grämen, wenn sie keins bekommt.«   “Well, sister, it’s only two-and-ninepence, and poor Becky will be miserable if she don’t get one.” »Schick Miss Sedley sofort zu mir«, sagte Miss Pinkerton. Und so eilte die arme Jemima, verwirrt und ängstlich, ohne noch ein Wort zu wagen, davon.   “Send Miss Sedley instantly to me,” said Miss Pinkerton. And so venturing not to say another word, poor Jemima trotted off, exceedingly flurried and nervous. Miss Sedleys Vater war ein ziemlich vermögender Kaufmann in London, während Miss Sharp Lehrschülerin war, für die Miss Pinkerton genug getan zu haben glaubte, auch ohne ihr beim Scheiden die hohe Ehre des Wörterbuches zuteil werden zu lassen.   Miss Sedley’s papa was a merchant in London, and a man of some wealth; whereas Miss Sharp was an articled pupil, for whom Miss Pinkerton had done, as she thought, quite enough, without conferring upon her at parting the high honour of the Dixonary. Briefe von Schulvorsteherinnen sind kaum vertrauenswürdiger als Grabinschriften; wie es aber doch bisweilen vorkommt, daß ein Mensch das Zeitliche segnet und die Lobpreisungen des Steinmetzen über seinen Gebeinen verdient, also wirklich ein guter Christ, ein guter Vater, ein gutes Kind, eine gute Ehefrau oder ein guter Ehemann gewesen ist, also wirklich eine seinen Tod betrauernde, verzweifelte Familie hinterläßt, so kommt es auch hin und wieder in Mädchen- oder Knabenschulen vor, daß der Schüler die Lobpreisungen des selbstlosen Lehrers verdient. Miss Amelia Sedley nun war eine junge Dame dieser besonderen Art und verdiente nicht nur alles, was Miss Pinkerton zu ihrem Lobe sagte, sondern besaß noch viele andere liebenswerte Eigenschaften, die die wichtigtuerische alte Minerva von einem Weibe infolge des Rang- und Altersunterschiedes zwischen ihr und ihrer Schülerin nicht zu sehen vermochte. Denn Amelia konnte nicht nur singen wie eine Lerche oder eine Billington, tanzen wie Hillisberg oder Parisot, prächtig sticken und war fehlerfrei in der Rechtschreibung wie das Wörterbuch selbst, sondern sie besaß auch ein so gutes, freundliches, weiches, sanftes, großmütiges Herz, daß sie die Liebe von jedermann in ihrer Umgebung gewann, von der Minerva bis herab zu der armen Scheuermagd und der Tochter der einäugigen Kuchenfrau, die den jungen Damen in der Mall ihre Ware einmal in der Woche verkaufen durfte. Von den vierundzwanzig jungen Damen waren zwölf ihre Busenfreundinnen. Sogar die neidische Miss Briggs sprach nie schlecht von ihr; die hoch-wohlgeborene Miss Saltire (Lord Dexters Enkelin) gab zu, daß sie eine elegante Erscheinung sei, und bei Miss Swartz gar, der reichen wollhaarigen Mulattin von Saint Kitts, erlebte man an dem Tage, als Amelia die Schule verließ, einen solchen Tränenausbruch, daß man nach Doktor Floss schicken und sie mit Riechsalz halb betäuben mußte. Miss Pinkertons Zuneigung war ruhig und würdevoll, wie die hohe Stellung und die hervorragenden Tugenden dieser Dame nicht anders erwarten ließen; aber Miss Jemima hatte bei dem bloßen Gedanken an Amelias Abreise schon mehrmals geschluckt, und wäre nicht die Furcht vor ihrer Schwester gewesen, so hätte sie hysterische Anfälle bekommen wie die (doppelt zahlende) Erbin von Saint Kitts. Einen solchen Luxus mit seinem Schmerz zu treiben ist indessen nur besonders bevorzugten Schülerinnen gestattet. Die ehrliche Jemima dagegen hatte die Oberaufsicht über die Rechnungen, das Waschen und Ausbessern, die Puddings, das silberne und das einfache Geschirr sowie über die Dienerschaft. Aber warum sprechen wir von ihr: wahrscheinlich werden wir bis in alle Ewigkeit nichts mehr von ihr hören, und weder sie noch ihre ehrfurchtgebietende Schwester wird jemals wieder in der kleinen Welt unserer Geschichte auftauchen, wenn sich erst einmal das große, verschnörkelte, eiserne Tor geschlossen hat.   Although schoolmistresses’ letters are to be trusted no more nor less than churchyard epitaphs; yet, as it sometimes happens that a person departs this life who is really deserving of all the praises the stone cutter carves over his bones; who is a good Christian, a good parent, child, wife, or husband; who actually does leave a disconsolate family to mourn his loss; so in academies of the male and female sex it occurs every now and then that the pupil is fully worthy of the praises bestowed by the disinterested instructor. Now, Miss Amelia Sedley was a young lady of this singular species; and deserved not only all that Miss Pinkerton said in her praise, but had many charming qualities which that pompous old Minerva of a woman could not see, from the differences of rank and age between her pupil and herself. For she could not only sing like a lark, or a Mrs. Billington, and dance like Hillisberg or Parisot; and embroider beautifully; and spell as well as a Dixonary itself; but she had such a kindly, smiling, tender, gentle, generous heart of her own, as won the love of everybody who came near her, from Minerva herself down to the poor girl in the scullery, and the one-eyed tart-woman’s daughter, who was permitted to vend her wares once a week to the young ladies in the Mall. She had twelve intimate and bosom friends out of the twenty-four young ladies. Even envious Miss Briggs never spoke ill of her; high and mighty Miss Saltire (Lord Dexter’s granddaughter) allowed that her figure was genteel; and as for Miss Swartz, the rich woolly-haired mulatto from St. Kitt’s, on the day Amelia went away, she was in such a passion of tears that they were obliged to send for Dr. Floss, and half tipsify her with salvolatile. Miss Pinkerton’s attachment was, as may be supposed from the high position and eminent virtues of that lady, calm and dignified; but Miss Jemima had already whimpered several times at the idea of Amelia’s departure; and, but for fear of her sister, would have gone off in downright hysterics, like the heiress (who paid double) of St. Kitt’s. Such luxury of grief, however, is only allowed to parlour-boarders. Honest Jemima had all the bills, and the washing, and the mending, and the puddings, and the plate and crockery, and the servants to superintend. But why speak about her? It is probable that we shall not hear of her again from this moment to the end of time, and that when the great filigree iron gates are once closed on her, she and her awful sister will never issue therefrom into this little world of history. Da wir indessen viel über Amelia erfahren werden, kann es nichts schaden, wenn wir gleich zu Anfang unserer Bekanntschaft sagen, daß sie eines der besten und liebenswürdigsten Geschöpfe war, die je lebten, und es ist ein Segen, daß wir, da es sowohl im Leben als auch in Romanen (und in diesen besonders) von Bösewichten der schlimmsten Sorte nur so wimmelt, solch einen ehrlichen und gutherzigen Menschen zur Seite haben. Da sie keine Heldin ist, brauchen wir ihre Person nicht zu beschreiben; ich befürchte sogar, daß ihre Nase etwas zu klein und ihre Wangen viel zu rund und rot für eine Heldin waren; aber ihr Gesicht strahlte von blühender Gesundheit, und auf ihren Lippen lag das munterste Lächeln; sie hatte ein Paar Augen, die von lebhafter und ehrlicher guter Laune blitzten, wenn sie sich nicht gerade mit Tränen füllten, und das geschah in der Tat viel zu oft, denn das einfältige Ding konnte über einen toten Kanarienvogel oder über eine Maus, die die Katze gefangen hatte, oder über den Schluß eines Romans, war er auch noch so albern, weinen; und sagte man ihr ein unfreundliches Wort – vorausgesetzt, es fand sich jemand, der so hartherzig war –, um so schlimmer war es dann für diesen. Sogar Miss Pinkerton, diese strenge und göttergleiche Dame, schalt sie nur einmal, und obgleich sie von Gefühlen ebensowenig verstand wie von Algebra, gab sie allen Lehrern den ausdrücklichen Befehl, mit Miss Sedley so sanft wie möglich umzugehen, da diese eine rauhe Behandlung nicht vertrage.   But as we are to see a great deal of Amelia, there is no harm in saying, at the outset of our acquaintance, that she was a dear little creature; and a great mercy it is, both in life and in novels, which (and the latter especially) abound in villains of the most sombre sort, that we are to have for a constant companion so guileless and good-natured a person. As she is not a heroine, there is no need to describe her person; indeed I am afraid that her nose was rather short than otherwise, and her cheeks a great deal too round and red for a heroine; but her face blushed with rosy health, and her lips with the freshest of smiles, and she had a pair of eyes which sparkled with the brightest and honestest good-humour, except indeed when they filled with tears, and that was a great deal too often; for the silly thing would cry over a dead canary-bird; or over a mouse, that the cat haply had seized upon; or over the end of a novel, were it ever so stupid; and as for saying an unkind word to her, were any persons hard-hearted enough to do so — why, so much the worse for them. Even Miss Pinkerton, that austere and godlike woman, ceased scolding her after the first time, and though she no more comprehended sensibility than she did Algebra, gave all masters and teachers particular orders to treat Miss Sedley with the utmost gentleness, as harsh treatment was injurious to her. Als der Tag der Abreise kam, wußte Miss Sedley daher nicht, für welche ihrer beiden Gewohnheiten – lachen oder weinen – sie sich entscheiden sollte. Sie war froh, nach Hause zu kommen, und dabei doch wieder so unendlich traurig, die Schule verlassen zu müssen. Die letzten drei Tage folgte ihr die kleine verwaiste Laura Martin überallhin, wie ein kleines Hündchen. Sie mußte mindestens vierzehn Geschenke machen und entgegennehmen und vierzehnmal das feierliche Versprechen geben, jede Woche zu schreiben. »Schicke deine Briefe an mich bitte an die Adresse meines Großvaters, des Grafen von Dexter«, sagte Miss Saltire (die, nebenbei erwähnt, etwas knauserig war). »Du brauchst dich nicht um das Porto zu kümmern, schreibe mir nur jeden Tag, mein Herzblatt«, bat die ungestüme, wollhaarige, aber großherzige und liebevolle Miss Swartz, und die kleine Laura Martin – die eben schreiben gelernt hatte – ergriff die Hand ihrer Freundin und sagte, ihr ernst ins Gesicht schauend: »Amelia, wenn ich dir schreibe, werde ich dich Mama nennen.« Zweifellos wird Jones, der dieses Buch in seinem Klub liest, alle diese Einzelheiten äußerst töricht, unbedeutend, geschwätzig und übersentimental finden. Ja ich sehe direkt, wie Jones in diesem Augenblick –gerötet nach dem Genuß seiner Hammelkeule und einem Glas Wein – seinen Bleistift zückt, die Worte »töricht, geschwätzig« und so weiter unterstreicht und »sehr richtig« an den Rand schreibt. Ja, er ist ein Mann von großem Geist und bewundert das Erhabene und Heroische im Leben und im Roman; und deshalb sollte er sich lieber warnen lassen und sich anderem zuwenden.   So that when the day of departure came, between her two customs of laughing and crying, Miss Sedley was greatly puzzled how to act. She was glad to go home, and yet most woefully sad at leaving school. For three days before, little Laura Martin, the orphan, followed her about like a little dog. She had to make and receive at least fourteen presents — to make fourteen solemn promises of writing every week: “Send my letters under cover to my grandpapa, the Earl of Dexter,” said Miss Saltire (who, by the way, was rather shabby). “Never mind the postage, but write every day, you dear darling,” said the impetuous and woolly-headed, but generous and affectionate Miss Swartz; and the orphan little Laura Martin (who was just in round-hand), took her friend’s hand and said, looking up in her face wistfully, “Amelia, when I write to you I shall call you Mamma.” All which details, I have no doubt, Jones , who reads this book at his Club, will pronounce to be excessively foolish, trivial, twaddling, and ultra-sentimental. Yes; I can see Jones at this minute (rather flushed with his joint of mutton and half pint of wine), taking out his pencil and scoring under the words “foolish, twaddling,” \&c., and adding to them his own remark of “ Quite true .” Well, he is a lofty man of genius, and admires the great and heroic in life and novels; and so had better take warning and go elsewhere. Nun gut. Nachdem Mr. Sambo Miss Sedleys Blumen, Geschenke, Koffer und Hutschachteln in der Kutsche verstaut und dem Kutscher grinsend einen winzigen, schäbigen alten Rindslederkoffer, säuberlich mit Miss Sharps Namensschild versehen, gereicht hatte, den dieser hohnlächelnd wegpackte, schlug die Abschiedsstunde. Der Schmerz dieses Augenblicks wurde durch die vortreffliche Ansprache, die Miss Pinkerton an ihre Schülerin richtete, beträchtlich gelindert. Nicht daß die Abschiedsrede Amelia etwa zum Philosophieren verleitet hätte oder sie irgendwie mit einer Ruhe, die der Vernunft entspringt, gewappnet hätte – nein, die Rede war unerträglich langweilig, hochtrabend und ermüdend; und da Miss Sedley ihre Schulvorsteherin nicht wenig fürchtete, so wagte sie nicht, in deren Gegenwart ihrem privaten Schmerz freien Lauf zu lassen. Ein Kümmelkuchen nebst einer Flasche Wein wurden in den Empfangsraum gebracht, was sonst nur bei dem feierlichen Anlaß von Elternbesuchen geschah, und nachdem man diesen Erfrischungen gehörig zugesprochen hatte, stand es Miss Sedley frei, zu gehen.   Well, then. The flowers, and the presents, and the trunks, and bonnet-boxes of Miss Sedley having been arranged by Mr. Sambo in the carriage, together with a very small and weather-beaten old cow’s-skin trunk with Miss Sharp’s card neatly nailed upon it, which was delivered by Sambo with a grin, and packed by the coachman with a corresponding sneer — the hour for parting came; and the grief of that moment was considerably lessened by the admirable discourse which Miss Pinkerton addressed to her pupil. Not that the parting speech caused Amelia to philosophise, or that it armed her in any way with a calmness, the result of argument; but it was intolerably dull, pompous, and tedious; and having the fear of her schoolmistress greatly before her eyes, Miss Sedley did not venture, in her presence, to give way to any ebullitions of private grief. A seed-cake and a bottle of wine were produced in the drawing-room, as on the solemn occasions of the visits of parents, and these refreshments being partaken of, Miss Sedley was at liberty to depart. »Sie gehen doch wohl hinein und verabschieden sich von Miss Pinkerton, Becky?« sagte Miss Jemima zu einer jungen Dame, die, von niemandem beachtet, eben mit ihrer Hutschachtel die Treppe herabkam.   “You’ll go in and say good-by to Miss Pinkerton, Becky!” said Miss Jemima to a young lady of whom nobody took any notice, and who was coming downstairs with her own bandbox. »Ich kann wohl nicht umhin«, sagte Miss Sharp gelassen zu Miss Jemimas Verwunderung; und nachdem Jemima an die Tür geklopft hatte und zum Hereinkommen aufgefordert worden war, trat Miss Sharp unbekümmert vor und sagte in vollendetem Französisch: »Mademoiselle, je viens vous faire mes adieux.«   “I suppose I must,” said Miss Sharp calmly, and much to the wonder of Miss Jemima; and the latter having knocked at the door, and receiving permission to come in, Miss Sharp advanced in a very unconcerned manner, and said in French, and with a perfect accent, “Mademoiselle, je viens vous faire mes adieux .” Miss Pinkerton konnte nicht Französisch; sie stand nur denen vor, die es konnten; aber sie biß sich auf die Lippen, warf den ehrwürdigen Kopf mit der römischen Nase unter dem großen feierlichen Turban in den Nacken und sagte: »Miss Sharp, ich wünsche Ihnen einen guten Morgen!« Während die Semiramis von Hammersmith sprach, machte sie eine Handbewegung, teils zum Zeichen des Abschiedes, teils um Miss Sharp Gelegenheit zu bieten, einen zu diesem Zwecke ausgestreckten Finger zu schütteln.   Miss Pinkerton did not understand French; she only directed those who did: but biting her lips and throwing up her venerable and Roman-nosed head (on the top of which figured a large and solemn turban), she said, “Miss Sharp, I wish you a good morning.” As the Hammersmith Semiramis spoke, she waved one hand, both by way of adieu, and to give Miss Sharp an opportunity of shaking one of the fingers of the hand which was left out for that purpose. Miss Sharp aber faltete nur sehr kühl lächelnd die Hände, verbeugte sich und verschmähte die ihr zugedachte Ehre völlig, worauf Semiramis ihren Turban unwilliger denn je zurückwarf. Es war wirklich ein kleiner Kampf zwischen der jungen Dame und der alten Dame, und die alte zog den kürzeren. »Der Himmel beschütze dich, mein Kind«, sagte sie und umarmte Amelia, wobei sie über des Mädchens Schulter hinweg Miss Sharp grimmig anblickte.   Miss Sharp only folded her own hands with a very frigid smile and bow, and quite declined to accept the proffered honour; on which Semiramis tossed up her turban more indignantly than ever. In fact, it was a little battle between the young lady and the old one, and the latter was worsted. “Heaven bless you, my child,” said she, embracing Amelia, and scowling the while over the girl’s shoulder at Miss Sharp. »Kommen Sie, Becky«, sagte Miss Jemima und zog das junge Mädchen in höchster Angst hinaus. Die Tür des Empfangsraumes schloß sich für immer hinter ihnen.   “Come away, Becky,” said Miss Jemima, pulling the young woman away in great alarm, and the drawing-room door closed upon them for ever. Dann folgten die Aufregung und das Abschiednehmen unten. Worte vermögen es nicht zu schildern. In der Vorhalle hatten sich alle Dienstboten versammelt, die teuren Freundinnen, überhaupt sämtliche jungen Damen und der eben angekommene Tanzlehrer; da gab es ein solches Drängen und Umarmen, Küssen und Weinen, begleitet von den aus dem Zimmer der reichen Miss Swartz dringenden hysterischen Schreien, daß keine Feder es zu beschreiben vermag und ein gefühlvolles Herz es gern übergeht.   Then came the struggle and parting below. Words refuse to tell it. All the servants were there in the hall — all the dear friend — all the young ladies — the dancing-master who had just arrived; and there was such a scuffling, and hugging, and kissing, and crying, with the hysterical YOOPS of Miss Swartz, the parlour-boarder, from her room, as no pen can depict, and as the tender heart would fain pass over. Endlich waren die Umarmungen vorüber; sie trennten sich – das heißt, Miss Sedley trennte sich von ihren Freundinnen. Miss Sharp war einige Minuten zuvor ruhig in die Kutsche gestiegen. Niemand weinte bei ihrem Scheiden.   The embracing was over; they parted — that is, Miss Sedley parted from her friends. Miss Sharp had demurely entered the carriage some minutes before. Nobody cried for leaving her . Der krummbeinige Samba schlug die Wagentür hinter seiner weinenden jungen Herrin zu und sprang hinten auf. »Halt!« rief Miss Jemima, die mit einem Päckchen zum Tor stürzte. »Es sind nur ein paar belegte Brote, meine Liebe«, sagte sie zu Amelia. »Falls Sie Hunger bekommen – und Becky, Becky Sharp, hier ist ein Buch für Sie, das meine Schwester – das heißt ich – Johnsons Wörterbuch, wissen Sie? Sie dürfen uns nicht ohne das Buch verlassen. Adieu! – Fahr zu, Kutscher! Gott segne euch!« Und das gutmütige Geschöpf eilte, ganz überwältigt von ihren Gefühlen, in den Garten zurück.   Sambo of the bandy legs slammed the carriage door on his young weeping mistress. He sprang up behind the carriage. “Stop!” cried Miss Jemima, rushing to the gate with a parcel. “It’s some sandwiches, my dear,” said she to Amelia. “You may be hungry, you know; and Becky, Becky Sharp, here’s a book for you that my sister — that is, I — Johnson’s Dixonary, you know; you mustn’t leave us without that. Good-by. Drive on, coachman. God bless you!” And the kind creature retreated into the garden, overcome with emotion. Aber siehe da! Gerade als der Wagen anfuhr, steckte Miss Sharp ihr blasses Gesicht aus dem Fenster und schleuderte tatsächlich das Buch in den Garten zurück.   But, lo! and just as the coach drove off, Miss Sharp put her pale face out of the window and actually flung the book back into the garden. Die arme Jemima fiel vor Entsetzen fast in Ohnmacht. »Nein, ich habe noch nie...«, sagte sie, »so ein unverschämtes ...« Die heftige Erregung erlaubte ihr nicht, die angefangenen Sätze zu vollenden. Die Kutsche rollte fort; das große Tor wurde geschlossen; die Glocke gab das Zeichen zur Tanzstunde. Vor den beiden jungen Damen liegt nun die Welt; deshalb: ade, Chiswick Mall!   This almost caused Jemima to faint with terror. “Well, I never" — said she — "what an audacious" — Emotion prevented her from completing either sentence. The carriage rolled away; the great gates were closed; the bell rang for the dancing lesson. The world is before the two young ladies; and so, farewell to Chiswick Mall. 2. Kapitel. / Chapter 2. In dem sich Miss Sharp und Miss Sedley rüsten, den Feldzug zu eröffnen / In Which Miss Sharp and Miss Sedley Prepare to Open the Campaign Nachdem Miss Sharp die im vorigen Kapitel erwähnte Heldentat vollbracht und gesehen hatte, wie das Wörterbuch über das Pflaster des Gärtchens geflogen und vor den Füßen der erstaunten Miss Jemima gelandet war, erschien auf dem Gesicht der jungen Dame, das bis dahin einen bleichen Haß gezeigt hatte, ein kaum liebenswürdigeres Lächeln, und sie sank in die Kutsche zurück und sagte erleichtert: »So, das war das Wörterbuch; und nun ist Chiswick Gott sei Dank überstanden.«   When Miss Sharp had performed the heroical act mentioned in the last chapter, and had seen the Dixonary, flying over the pavement of the little garden, fall at length at the feet of the astonished Miss Jemima, the young lady’s countenance, which had before worn an almost livid look of hatred, assumed a smile that perhaps was scarcely more agreeable, and she sank back in the carriage in an easy frame of mind, saying — "So much for the Dixonary; and, thank God, I’m out of Chiswick.” Miss Sedley war über Beckys trotzige Handlung fast ebenso bestürzt wie Miss Jemima, denn man möge bedenken, daß sie erst vor einer Minute die Schule verlassen hatte und daß die Eindrücke von sechs Jahren in einem so kurzen Zeitraum nicht ausgelöscht werden können. Ja, bei einigen Menschen wirken die Schrecken und die Ehrfurcht der Jugendzeit ständig fort. Ich kenne einen alten Herrn von achtundsechzig Jahren, der mir eines Morgens beim Frühstück aufgeregt berichtete: »Ich habe heute nacht geträumt, Doktor Raine hätte mich geprügelt.« Die Phantasie hatte ihn im Laufe jenes Abends um fünfundfünfzig Jahre zurückgeführt. Im Innersten flößten ihm Doktor Raine und sein Stock jetzt mit achtundsechzig Jahren ebensoviel Furcht ein wie mit dreizehn. Wäre nun der Doktor mit einer großen Rute jetzt, in seinen alten Tagen, vor ihm erschienen und hätte ihm mit schrecklicher Stimme zugerufen: Junge, die Hosen herunter! ... Nun ja, Miss Sedley war wegen dieser Unbotmäßigkeit höchst bestürzt.   Miss Sedley was almost as flurried at the act of defiance as Miss Jemima had been; for, consider, it was but one minute that she had left school, and the impressions of six years are not got over in that space of time. Nay, with some persons those awes and terrors of youth last for ever and ever. I know, for instance, an old gentleman of sixty-eight, who said to me one morning at breakfast, with a very agitated countenance, “I dreamed last night that I was flogged by Dr. Raine.” Fancy had carried him back five-and-fifty years in the course of that evening. Dr. Raine and his rod were just as awful to him in his heart, then, at sixty-eight, as they had been at thirteen. If the Doctor, with a large birch, had appeared bodily to him, even at the age of threescore and eight, and had said in awful voice, “Boy, take down your pant — ”? Well, well, Miss Sedley was exceedingly alarmed at this act of insubordination. »Wie konntest du das nur tun, Rebekka!« sagte sie endlich nach einer Pause.   “How could you do so, Rebecca?” at last she said, after a pause. »Ach, glaubst du denn, Miss Pinkerton wird herauskommen und mich in das schwarze Loch zurückholen?« fragte Rebekka lachend.   “Why, do you think Miss Pinkerton will come out and order me back to the black-hole?” said Rebecca, laughing. »Nein, aber ...«   “No: but — ” »Das ganze Haus ist mir verhaßt«, fuhr Miss Sharp wütend fort. »Hoffentlich bekomme ich es nie wieder zu Gesicht. Ich wollte wahrhaftig, es läge auf dem Grunde der Themse, und wenn Miss Pinkerton dort wäre – ich würde sie bestimmt nicht herausziehen. Oh, wie gern würde ich sie in dem Wasser da treiben sehen, samt ihrem Turban und allem anderen, die Schleppe hinter ihr her, und als Schiffsschnabel ihre Nase!«   “I hate the whole house,” continued Miss Sharp in a fury. “I hope I may never set eyes on it again. I wish it were in the bottom of the Thames, I do; and if Miss Pinkerton were there, I wouldn’t pick her out, that I wouldn’t. O how I should like to see her floating in the water yonder, turban and all, with her train streaming after her, and her nose like the beak of a wherry.” »Pst!« rief Miss Sedly.   “Hush!” cried Miss Sedley. »Warum? Wird der schwarze Diener schwatzen?« rief Miss Rebekka lachend. »Er soll ruhig zurückgehen und Miss Pinkerton sagen, daß ich sie aus tiefster Seele hasse; ich wollte, er täte es, und ich wollte, ich hätte auch eine Möglichkeit, es ihr zu beweisen. Zwei Jahre lang hat sie mich bloß beleidigt und beschimpft. Ich bin schlechter behandelt worden als eine Küchenmagd. Nie hatte ich eine Freundin, und außer dir gab mir niemand ein freundliches Wort. Ich mußte die kleinen Mädchen in den unteren Klassen beaufsichtigen und mit den größeren französisch sprechen, bis meine Muttersprache mir zum Halse heraushing. War es nicht ein köstlicher Spaß, daß ich mit Miss Pinkerton Französisch sprach? Sie kann kein Wort Französisch, aber sie ist viel zu stolz, es einzugestehen. Ich glaube, das war der Grund, weshalb sie mich laufenließ, und deshalb sei dem Himmel Dank für das Französische! Vive la France! Vive l'Empereur! Vive Bonaparte!«   “Why, will the black footman tell tales?” cried Miss Rebecca, laughing. “He may go back and tell Miss Pinkerton that I hate her with all my soul; and I wish he would; and I wish I had a means of proving it, too. For two years I have only had insults and outrage from her. I have been treated worse than any servant in the kitchen. I have never had a friend or a kind word, except from you. I have been made to tend the little girls in the lower schoolroom, and to talk French to the Misses, until I grew sick of my mother tongue. But that talking French to Miss Pinkerton was capital fun, wasn’t it? She doesn’t know a word of French, and was too proud to confess it. I believe it was that which made her part with me; and so thank Heaven for French. Vive la France! Vive l’Empereur! Vive Bonaparte!” »Rebekka! Rebekka, schäm dich!« rief Miss Sedley; das war die größte Lästerung, die Rebekka je ausgestoßen hatte, denn wenn man in jenen Tagen in England sagte: »Es lebe Bonaparte!«, so war dies gleichbedeutend mit: »Es lebe Luzifer!« – »Wie kannst du nur! Wie wagst du, so schlecht und rachsüchtig zu denken?«   “O Rebecca, Rebecca, for shame!” cried Miss Sedley; for this was the greatest blasphemy Rebecca had as yet uttered; and in those days, in England, to say, “Long live Bonaparte!” was as much as to say, “Long live Lucifer!” “How can you — how dare you have such wicked, revengeful thoughts?” »Rache mag schlecht sein, aber sie ist natürlich«, erwiderte Miss Rebekka. »Ich bin kein Engel.« Und um die Wahrheit zu sagen, das war sie wirklich nicht.   “Revenge may be wicked, but it’s natural,” answered Miss Rebecca. “I’m no angel.” And, to say the truth, she certainly was not. Denn man wird im Laufe dieser kleinen Unterhaltung, während deren die Kutsche am Ufer des Flusses träge dahinrollte, bemerkt haben, daß Miss Rebekka Sharp zweimal das Bedürfnis verspürt hatte, dem Himmel zu danken; das erstemal jedoch geschah es nur deshalb, weil er sie von einer Person befreit hatte, die sie haßte, und das zweitemal, weil er ihr die Gelegenheit gab, ihre Feinde in Verlegenheit oder Verwirrung zu bringen. Beides waren nicht gerade liebenswürdige Beweggründe zu frommer Dankbarkeit, und freundliche und versöhnliche Gemüter würden sie auch nicht dafür gebrauchen. Miss Rebekka nun war nicht im mindesten freundlich oder versöhnlich. Dieser kleine Misanthrop (oder, besser gesagt, Misogyn, denn mit der Männerwelt hatte sie bisher wohl wenig Erfahrungen gemacht) war der Meinung, alle Welt behandele sie schlecht, wobei ziemlich sicher ist, daß alle Menschen beiderlei Geschlechts, die alle Welt schlecht behandelt, diese Behandlung auch verdienen. Die Welt ist ein Spiegel, aus dem jedem sein eigenes Bild entgegenblickt. Wirf einen mürrischen Blick hinein, und sie wird dir ein saures Gesicht zeigen, lach sie an und lach mit ihr, und sie ist dir ein lustiger, freundlicher Gefährte. Alle jungen Leute mögen nun ihre Wahl treffen. Eines ist jedoch sicher: Wenn die Welt Miss Sharp vernachlässigte, so war jedenfalls nicht bekannt, daß sie selbst jemals einem Menschen eine Freundlichkeit erwiesen hatte; man konnte auch nicht erwarten, daß vierundzwanzig junge Damen so liebenswürdig sein würden wie die Heldin dieses Buches, Miss Sedley (wir wählten sie dazu, weil sie die gutmütigste von allen war; denn was hätte uns sonst daran hindern können, Miss Swartz oder Miss Crump oder Miss Hopkins zur Heldin zu machen?). Man kann nicht erwarten, daß alle so bescheiden und sanft sind wie Miss Amelia Sedley, daß sie jede Gelegenheit ergreifen, Rebekkas Hartherzigkeit und unfreundliches Wesen zu bekämpfen und durch tausend gute Worte und Dienste Rebekka wenigstens einmal dazu bringen, ihre Feindseligkeit gegenüber dem eigenen Geschlecht zu überwinden.   For it may be remarked in the course of this little conversation (which took place as the coach rolled along lazily by the river side) that though Miss Rebecca Sharp has twice had occasion to thank Heaven, it has been, in the first place, for ridding her of some person whom she hated, and secondly, for enabling her to bring her enemies to some sort of perplexity or confusion; neither of which are very amiable motives for religious gratitude, or such as would be put forward by persons of a kind and placable disposition. Miss Rebecca was not, then, in the least kind or placable. All the world used her ill, said this young misanthropist, and we may be pretty certain that persons whom all the world treats ill, deserve entirely the treatment they get. The world is a looking-glass, and gives back to every man the reflection of his own face. Frown at it, and it will in turn look sourly upon you; laugh at it and with it, and it is a jolly kind companion; and so let all young persons take their choice. This is certain, that if the world neglected Miss Sharp, she never was known to have done a good action in behalf of anybody; nor can it be expected that twenty-four young ladies should all be as amiable as the heroine of this work, Miss Sedley (whom we have selected for the very reason that she was the best-natured of all, otherwise what on earth was to have prevented us from putting up Miss Swartz, or Miss Crump, or Miss Hopkins, as heroine in her place!) it could not be expected that every one should be of the humble and gentle temper of Miss Amelia Sedley; should take every opportunity to vanquish Rebecca’s hard-heartedness and ill-humour; and, by a thousand kind words and offices, overcome, for once at least, her hostility to her kind. Miss Sharps Vater war Künstler und hatte in Miss Pinkertons Schule Zeichenunterricht erteilt. Er war ein gewandter Mann, ein angenehmer Gesellschafter, in seiner Kunst sorglos und hatte eine starke Neigung zum Schuldenmachen und eine Vorliebe fürs Wirtshaus. War er betrunken, so pflegte er Frau und Tochter zu schlagen, und im Katzenjammer des nächsten Morgens schimpfte er auf die Welt, die sein Genie verkannte, und schmähte mit viel Witz und oftmals nicht unberechtigt seine Malerkollegen, diese Dummköpfe und Narren. Da er sich nur mühsam über Wasser hatte halten können und in Soho, wo er lebte, im Umkreis von einer Meile Schulden hatte, glaubte er seine Lage durch die Heirat mit einer jungen Französin, einer Ballettänzerin, zu verbessern. Miss Sharp erwähnte den einfachen Stand ihrer Mutter nie, sondern pflegte in späteren Jahren zu sagen, die Entrechats seien eine Adelsfamilie aus der Gascogne, und sie tat sich auf ihre Abkunft einiges zugute. Und seltsam genug: Je mehr sie im Leben vorwärtskam, desto höher stiegen auch die Vorfahren der jungen Dame in Rang und Glanz.   Miss Sharp’s father was an artist, and in that quality had given lessons of drawing at Miss Pinkerton’s school. He was a clever man; a pleasant companion; a careless student; with a great propensity for running into debt, and a partiality for the tavern. When he was drunk, he used to beat his wife and daughter; and the next morning, with a headache, he would rail at the world for its neglect of his genius, and abuse, with a good deal of cleverness, and sometimes with perfect reason, the fools, his brother painters. As it was with the utmost difficulty that he could keep himself, and as he owed money for a mile round Soho, where he lived, he thought to better his circumstances by marrying a young woman of the French nation, who was by profession an opera-girl. The humble calling of her female parent Miss Sharp never alluded to, but used to state subsequently that the Entrechats were a noble family of Gascony, and took great pride in her descent from them. And curious it is that as she advanced in life this young lady’s ancestors increased in rank and splendour. Rebekkas Mutter hatte irgendwo eine gewisse Erziehung genossen, und ihre Tochter sprach ein tadelloses Französisch. Dies war in jenen Tagen eine seltene Fertigkeit und verhalf ihr zu einer Anstellung bei der orthodoxen Miss Pinkerton. Denn als ihr Vater nach dem Tode der Mutter erkannt hatte, daß er sich nach seinem dritten Anfall von Delirium tremens wahrscheinlich nicht mehr erholen würde, schrieb er einen mannhaften und zugleich rührenden Brief an Miss Pinkerton, in dem er das verwaiste Kind ihrem Schutz empfahl. Dann sank er ins Grab, nachdem sich zwei Gerichtsvollzieher über seinem Leichnam gestritten hatten.   Rebecca’s mother had had some education somewhere, and her daughter spoke French with purity and a Parisian accent. It was in those days rather a rare accomplishment, and led to her engagement with the orthodox Miss Pinkerton. For her mother being dead, her father, finding himself not likely to recover, after his third attack of delirium tremens, wrote a manly and pathetic letter to Miss Pinkerton, recommending the orphan child to her protection, and so descended to the grave, after two bailiffs had quarrelled over his corpse. Rebekka war siebzehn Jahre alt, als sie nach Chiswick kam und als Lehrschülerin verpflichtet wurde. Wie wir gesehen haben, bestanden ihre Pflichten darin, mit den Schülerinnen französisch zu sprechen; dafür hatte sie Kost und Logis frei, bekam jährlich ein paar Guineen und durfte bei den unterrichtenden Lehrern einige Weisheitsbrocken aufschnappen.   Rebecca was seventeen when she came to Chiswick, and was bound over as an articled pupil; her duties being to talk French, as we have seen; and her privileges to live cost free, and, with a few guineas a year, to gather scraps of knowledge from the professors who attended the school. Sie war klein und schmächtig, hatte ein blasses Gesicht, rotblondes Haar und hielt die Lider gewöhnlich gesenkt. Wenn sie aufsah, erblickte man sehr große, eigentümliche, anziehende Augen, so anziehend, daß sich Ehrwürden Mr. Crisp, der soeben von Oxford gekommene Hilfsgeistliche des Pfarrers von Chiswick, Ehrwürden Mr. Flowerdew, in Miss Sharp verliebte, als er von einem tödlichen Blick getroffen wurde, den sie von den Pensionatsbänken quer durch die Chiswicker Kirche zum Chorpult hin abschoß. Dieser betörte junge Mann trank bisweilen Tee bei Miss Pinkerton, der er durch seine Mutter vorgestellt worden war, und in einem abgefangenen Briefchen, das die einäugige Kuchenfrau hatte überbringen sollen, machte er tatsächlich eine Art Heiratsantrag. Mrs. Crisp wurde aus Buxton herbeigeholt und entfernte ihren geliebten Sohn schleunigst; schon der bloße Gedanke an einen solchen Adler im Chiswicker Taubenschlag verursachte im Busen von Miss Pinkerton einen gewaltigen Aufruhr, und sie hätte Miss Sharp weggeschickt, wenn sie nicht gezwungen gewesen wäre, dann eine Kontraktstrafe zu zahlen. Nie glaubte sie den Beteuerungen der jungen Dame, die versicherte, mit Mr. Crisp nur im Beisein der Vorsteherin beim Tee gesprochen zu haben.   She was small and slight in person; pale, sandy-haired, and with eyes habitually cast down: when they looked up they were very large, odd, and attractive; so attractive that the Reverend Mr. Crisp, fresh from Oxford, and curate to the Vicar of Chiswick, the Reverend Mr. Flowerdew, fell in love with Miss Sharp; being shot dead by a glance of her eyes which was fired all the way across Chiswick Church from the school-pew to the reading-desk. This infatuated young man used sometimes to take tea with Miss Pinkerton, to whom he had been presented by his mamma, and actually proposed something like marriage in an intercepted note, which the one-eyed apple-woman was charged to deliver. Mrs. Crisp was summoned from Buxton, and abruptly carried off her darling boy; but the idea, even, of such an eagle in the Chiswick dovecot caused a great flutter in the breast of Miss Pinkerton, who would have sent away Miss Sharp but that she was bound to her under a forfeit, and who never could thoroughly believe the young lady’s protestations that she had never exchanged a single word with Mr. Crisp, except under her own eyes on the two occasions when she had met him at tea. Neben den vielen hochgewachsenen und kräftigen jungen Damen in der Schule wirkte Rebekka Sharp wie ein Kind. Aber sie hatte die traurige Frühreife der Armut. Manchen ungeduldigen Gläubiger hatte sie von der Tür ihres Vaters weggeplaudert; manchen Kaufmann hatte sie in gute Stimmung geschwatzt und ihm ein weiteres Mal das tägliche Brot abgeschmeichelt. Gewöhnlich saß sie bei ihrem Vater, der auf ihren Mutterwitz sehr stolz war, und hörte die Reden seiner zügellosen Kumpane mit an, die oft für Mädchenohren wenig geeignet waren. Wie sie selbst sagte, war sie jedoch nie ein Kind gewesen; schon mit acht Jahren war sie ein Weib. Warum nur ließ Miss Pinkerton einen so gefährlichen Vogel in ihren Käfig hinein!   By the side of many tall and bouncing young ladies in the establishment, Rebecca Sharp looked like a child. But she had the dismal precocity of poverty. Many a dun had she talked to, and turned away from her father’s door; many a tradesman had she coaxed and wheedled into good-humour, and into the granting of one meal more. She sate commonly with her father, who was very proud of her wit, and heard the talk of many of his wild companions — often but ill-suited for a girl to hear. But she never had been a girl, she said; she had been a woman since she was eight years old. Oh, why did Miss Pinkerton let such a dangerous bird into her cage? Tatsächlich hielt die alte Dame Rebekka für das sanftmütigste Geschöpf der Welt, denn wenn ihr Vater sie mit nach Chiswick nahm, pflegte sie die Rolle der ingénue so vollendet zu spielen, daß Miss Pinkerton meinte, sie sei ein bescheidenes und unschuldiges Kind, und ein Jahr noch vor dem Abkommen über Rebekkas Aufnahme im Hause – das Mädchen war damals sechzehn Jahre alt – überreichte ihr Miss Pinkerton majestätisch mit einer kleinen Ansprache eine Puppe als Geschenk, eine Puppe, die, nebenbei erwähnt, Miss Swindle gehört hatte und ihr weggenommen worden war, als man sie ertappte, wie sie heimlich während des Unterrichts damit spielte.   The fact is, the old lady believed Rebecca to be the meekest creature in the world, so admirably, on the occasions when her father brought her to Chiswick, used Rebecca to perform the part of the ingenue; and only a year before the arrangement by which Rebecca had been admitted into her house, and when Rebecca was sixteen years old, Miss Pinkerton majestically, and with a little speech, made her a present of a doll — which was, by the way, the confiscated property of Miss Swindle, discovered surreptitiously nursing it in school-hours. Wie lachten Vater und Tochter, als sie nach der Abendgesellschaft zusammen nach Hause wanderten (es war bei Gelegenheit der Jahresschlußfeier, zu der alle Lehrer eingeladen wurden), und wie wütend wäre Miss Pinkerton geworden, hätte sie die Karikatur gesehen, die Rebekka, die kleine Schauspielerin, von ihr aus der Puppe machte! Sie pflegte mit der Puppe Gespräche zu führen, die die Newman Street, die Gerrard Street und das ganze Künstlerviertel begeisterten. Wenn die jungen Maler kamen, um mit ihrem faulen, liederlichen, gewandten, lustigen älteren Kollegen Grog zu trinken, so fragten sie Rebekka regelmäßig, ob Miss Pinkerton zu Hause sei; sie kannten die arme Seele so gut wie Mr. Lawrence oder Präsident West. Einst hatte sie die Ehre, einige Tage in Chiswick zu verbringen; sie kam mit der Idee zurück, eine andere Puppe zur Miss Jemmy zu ernennen; denn obgleich das ehrliche Geschöpf Jemima sie mit Gelee und Kuchen für drei Kinder vollgestopft und ihr beim Abschied sogar noch ein Siebenshillingstück geschenkt hatte, so war doch der Sinn fürs Lächerliche bei dem Mädchen weitaus stärker als die Dankbarkeit, und Miss Jemmy wurde ebenso unbarmherzig geopfert wie ihre Schwester.   How the father and daughter laughed as they trudged home together after the evening party (it was on the occasion of the speeches, when all the professors were invited) and how Miss Pinkerton would have raged had she seen the caricature of herself which the little mimic, Rebecca, managed to make out of her doll. Becky used to go through dialogues with it; it formed the delight of Newman Street, Gerrard Street, and the Artists’ quarter: and the young painters, when they came to take their gin-and-water with their lazy, dissolute, clever, jovial senior, used regularly to ask Rebecca if Miss Pinkerton was at home: she was as well known to them, poor soul! as Mr. Lawrence or President West. Once Rebecca had the honour to pass a few days at Chiswick; after which she brought back Jemima, and erected another doll as Miss Jemmy: for though that honest creature had made and given her jelly and cake enough for three children, and a seven-shilling piece at parting, the girl’s sense of ridicule was far stronger than her gratitude, and she sacrificed Miss Jemmy quite as pitilessly as her sister. Die Katastrophe kam, als Rebekka in ihre neue Heimat, die Mall, gebracht wurde. Die strenge Förmlichkeit des Hauses erstickte sie: die Gebete und die Mahlzeiten, die Unterrichtsstunden und die Spaziergänge, alles in klösterlicher Regelmäßigkeit, lasteten beinahe unerträglich auf ihr, und sie vermißte die freie Bettelarmut des alten Ateliers in Soho so sehr, daß jeder, auch sie selbst, glaubte, der Kummer um den Vater verzehre sie. Sie hatte ein kleines Zimmerchen unter dem Dach, wo die Dienstmädchen sie nachts schluchzend auf und ab gehen hörten; allein das geschah vor Wut und nicht vor Kummer. Bisher hatte Heuchelei ihr ferngelegen; nun, in ihrer Einsamkeit, lernte sie, sich zu verstellen. Nie war sie in weiblicher Gesellschaft gewesen; ihr Vater war trotz aller seiner Laster ein begabter Mann; sie zog seine Unterhaltung tausendmal dem Geschwätz ihrer Geschlechtsgenossinnen vor, mit denen sie jetzt zusammenkam. Die eitle Wichtigtuerei der alten Schulvorsteherin, die törichte Gutmütigkeit ihrer Schwester, das dumme Geschwätz und die Klatschsucht der größeren Schülerinnen und die kalte Korrektheit der Erzieherinnen ermüdeten sie; und das unglückselige Geschöpf besaß kein sanftes, mütterliches Herz, um sich von dem Geplappere und Geplaudere der kleineren Mädchen, die sie hauptsächlich zu betreuen hatte, besänftigen und einnehmen zu lassen. Zwei Jahre lebte sie unter ihnen, und keine trauerte ihr nach, als sie ging. Die sanfte, gütige Amelia Sedley war die einzige, der sie sich einigermaßen angeschlossen hätte; und wer fühlte sich nicht zu Amelia hingezogen?   The catastrophe came, and she was brought to the Mall as to her home. The rigid formality of the place suffocated her: the prayers and the meals, the lessons and the walks, which were arranged with a conventual regularity, oppressed her almost beyond endurance; and she looked back to the freedom and the beggary of the old studio in Soho with so much regret, that everybody, herself included, fancied she was consumed with grief for her father. She had a little room in the garret, where the maids heard her walking and sobbing at night; but it was with rage, and not with grief. She had not been much of a dissembler, until now her loneliness taught her to feign. She had never mingled in the society of women: her father, reprobate as he was, was a man of talent; his conversation was a thousand times more agreeable to her than the talk of such of her own sex as she now encountered. The pompous vanity of the old schoolmistress, the foolish good-humour of her sister, the silly chat and scandal of the elder girls, and the frigid correctness of the governesses equally annoyed her; and she had no soft maternal heart, this unlucky girl, otherwise the prattle and talk of the younger children, with whose care she was chiefly intrusted, might have soothed and interested her; but she lived among them two years, and not one was sorry that she went away. The gentle tender-hearted Amelia Sedley was the only person to whom she could attach herself in the least; and who could help attaching herself to Amelia? Das Glück – die überlegene Stellung der jungen Damen um sie her erfüllten Rebekka mit unaussprechlichem Neid. »Wie vornehm sich doch dieses Mädchen aufspielt, bloß weil sie die Enkelin eines Grafen ist«, sagte sie von der einen. »Wie sie doch vor der Kreolin und ihren hunderttausend Pfund kriechen! Ich bin tausendmal gescheiter und hübscher als dieses Geschöpf mit all seinem Reichtum. Ich bin ebenso gut erzogen wie die Grafenenkelin, trotz ihres vornehmen Stammbaumes; und doch beachtet mich hier niemand. Aber gaben nicht, als ich noch bei meinem Vater lebte, die Männer ihre lustigsten Bälle und Gesellschaften auf, um den Abend mit mir zu verbringen?« Sie beschloß, sich auf jeden Fall aus dem Gefängnis zu befreien, in dem sie sich befand, und begann nun, selbständig zu handeln und zum erstenmal in ihrem Leben zusammenhängende Zukunftspläne zu schmieden.   The happiness the superior advantages of the young women round about her, gave Rebecca inexpressible pangs of envy. “What airs that girl gives herself, because she is an Earl’s grand-daughter,” she said of one. “How they cringe and bow to that Creole, because of her hundred thousand pounds! I am a thousand times cleverer and more charming than that creature, for all her wealth. I am as well bred as the Earl’s grand-daughter, for all her fine pedigree; and yet every one passes me by here. And yet, when I was at my father’s, did not the men give up their gayest balls and parties in order to pass the evening with me?” She determined at any rate to get free from the prison in which she found herself, and now began to act for herself, and for the first time to make connected plans for the future. Sie nutzte daher die Bildungsmöglichkeiten, welche das Haus ihr bot; und da sie gute Begabung für Musik und Sprachen zeigte, so hatte sie in kurzer Zeit das kleine Wissensgebiet durchstreift, dessen Kenntnis man bei einer Dame jener Tage für nötig hielt. Sie übte sich sehr fleißig in der Musik, und eines Tages, als die Mädchen ausgegangen waren und sie zu Hause geblieben war, hörte die Minerva sie ein Stück so gut spielen, daß sie weise überlegte, sie könne sich die Kosten eines Musiklehrers für die kleineren Mädchen sparen, und sie gab Miss Sharp zu verstehen, daß sie künftig Musikunterricht zu erteilen habe.   She took advantage, therefore, of the means of study the place offered her; and as she was already a musician and a good linguist, she speedily went through the little course of study which was considered necessary for ladies in those days. Her music she practised incessantly, and one day, when the girls were out, and she had remained at home, she was overheard to play a piece so well that Minerva thought, wisely, she could spare herself the expense of a master for the juniors, and intimated to Miss Sharp that she was to instruct them in music for the future. Zum ersten Male und zum größten Erstaunen der majestätischen Vorsteherin weigerte sich das Mädchen. »Ich bin hier, um mit den Kindern französisch zu sprechen«, sagte Rebekka kurz, »und nicht um Musikunterricht zu geben, damit Sie Geld sparen. Bezahlen Sie es mir, dann werde ich sie unterrichten.«   The girl refused; and for the first time, and to the astonishment of the majestic mistress of the school. “I am here to speak French with the children,” Rebecca said abruptly, “not to teach them music, and save money for you. Give me money, and I will teach them.” Die Minerva mußte klein beigeben und fand sie natürlich von dem Tage an unausstehlich. »Fünfunddreißig Jahre lang«, sagte sie mit einiger Berechtigung, »habe ich keinen Menschen erlebt, der gewagt hätte, in meinem Hause meine Autorität in Frage zu stellen. Ich habe eine Schlange an meinem Busen genährt.«   Minerva was obliged to yield, and, of course, disliked her from that day. “For five-and-thirty years,” she said, and with great justice, “I never have seen the individual who has dared in my own house to question my authority. I have nourished a viper in my bosom.” »Eine Schlange – Quatsch«, antwortete Miss Sharp der alten Dame, die vor Erstaunen fast in Ohnmacht fiel. »Sie haben mich aufgenommen, weil ich Ihnen nützlich war. Zwischen uns kann von Dankbarkeit keine Rede sein. Ich hasse diesen Ort und möchte gern weg von hier. Ich tue nur das, wozu ich verpflichtet bin, nicht mehr.«   “A viper — a fiddlestick,” said Miss Sharp to the old lady, almost fainting with astonishment. “You took me because I was useful. There is no question of gratitude between us. I hate this place, and want to leave it. I will do nothing here but what I am obliged to do.” Vergebens fragte die alte Dame, ob sie denn auch wisse, daß sie mit Miss Pinkerton spreche. Rebekka lachte ihr nur ins Gesicht, ein so schreckliches, sarkastisches, teuflisches Lachen, daß die Schulvorsteherin beinahe in Krämpfe fiel. »Geben Sie mir Geld«, sagte das Mädchen, »und Sie werden mich los – oder besorgen Sie mir, wenn Ihnen das lieber ist, eine Stelle als Erzieherin in einer adligen Familie -Sie können es, wenn Sie wollen.« Und in ihren späteren Auseinandersetzungen kam sie immer wieder auf diesen Punkt zurück. »Verschaffen Sie mir eine Stelle – wir können einander nicht ausstehen, und ich bin bereit zu gehen.«   It was in vain that the old lady asked her if she was aware she was speaking to Miss Pinkerton? Rebecca laughed in her face, with a horrid sarcastic demoniacal laughter, that almost sent the schoolmistress into fits. “Give me a sum of money,” said the girl, “and get rid of me — or, if you like better, get me a good place as governess in a nobleman’s family — you can do so if you please.” And in their further disputes she always returned to this point, “Get me a situation — we hate each other, and I am ready to go.” Die würdige Miss Pinkerton besaß zwar eine römische Nase und einen Turban und war, von Gestalt ein Grenadier, bis zu diesem Tage eine alles bezwingende Fürstin gewesen, mit dem Willen und der Stärke ihres kleinen Lehrlings konnte sie es jedoch nicht aufnehmen. Sie kämpfte und bemühte sich vergeblich, das Mädchen einzuschüchtern. Bei dem Versuch, sie einmal öffentlich zu schelten, kam Rebekka auf die bereits erwähnte Idee, ihr auf französisch zu antworten, was die alte Frau ganz und gar aus der Fassung brachte. Um ihre Autorität in der Schule zu wahren, erwies es sich als notwendig, diese Rebellin, dieses Ungeheuer, diese Schlange, diesen Feuerbrand zu entfernen; und da sie gerade hörte, daß Sir Pitt Crawleys Familie eine Gouvernante brauchte, empfahl sie – trotz Feuerbrand und Schlange – Miss Sharp für die Stelle.   Worthy Miss Pinkerton, although she had a Roman nose and a turban, and was as tall as a grenadier, and had been up to this time an irresistible princess, had no will or strength like that of her little apprentice, and in vain did battle against her, and tried to overawe her. Attempting once to scold her in public, Rebecca hit upon the before-mentioned plan of answering her in French, which quite routed the old woman. In order to maintain authority in her school, it became necessary to remove this rebel, this monster, this serpent, this firebrand; and hearing about this time that Sir Pitt Crawley’s family was in want of a governess, she actually recommended Miss Sharp for the situation, firebrand and serpent as she was. »Ich kann«, sagte sie, »Miss Sharps Betragen bestimmt nicht tadeln, wenn ich ihr Benehmen gegen mich selbst ausnehme; und ich muß zugeben, daß ihre Talente und Kenntnisse hervorragend sind. Zumindest was den Kopf betrifft, macht sie dem Erziehungssystem in meiner Schule alle Ehre.«   “I cannot, certainly,” she said, “find fault with Miss Sharp’s conduct, except to myself; and must allow that her talents and accomplishments are of a high order. As far as the head goes, at least, she does credit to the educational system pursued at my establishment.” Auf diese Weise brachte die Vorsteherin die Empfehlung mit ihrem Gewissen in Einklang; der Kontrakt wurde gelöst, und der Lehrling war frei. Der Kampf, hier in wenigen Zeilen beschrieben, dauerte natürlich einige Monate. Und da Miss Sedley, die nun siebzehn Jahre alt war und die Schule verlassen sollte, mit Miss Sharp befreundet war (»Dies ist der einzige Punkt in Amelias Betragen«, meinte Minerva, »der ihrer Lehrerin mißfallen hat«), so wurde Miss Sharp von ihrer Freundin eingeladen, eine Woche bei ihr zu Hause zu verbringen, ehe sie ihre Stelle als Erzieherin in einem Privathaushalt antrat.   And so the schoolmistress reconciled the recommendation to her conscience, and the indentures were cancelled, and the apprentice was free. The battle here described in a few lines, of course, lasted for some months. And as Miss Sedley, being now in her seventeenth year, was about to leave school, and had a friendship for Miss Sharp ("’tis the only point in Amelia’s behaviour,” said Minerva, “which has not been satisfactory to her mistress"), Miss Sharp was invited by her friend to pass a week with her at home, before she entered upon her duties as governess in a private family. So begann das Leben für die beiden jungen Damen. Für Amelia war es ganz neu, frisch und glänzend, in all seiner Schönheit. Nicht ganz so neu war es für Rebekka – denn in der Tat, um die Wahrheit über die Crisp-Affäre zu sagen, hatte die Kuchenfrau jemandem, der es wieder unter Eid weitererzählte, angedeutet, daß zwischen Mr. Crisp und Miss Sharp eine ganze Menge mehr vorgekommen sei, als an die Öffentlichkeit gedrungen war, und daß sein Brief nur eine Antwort auf einen andern gewesen sei. Wer vermag aber zu sagen, wie die Sache sich wirklich verhielt? Wenn das Leben für Rebekka nun auch nicht direkt begann, so begann sie es doch wieder einmal von vorn.   Thus the world began for these two young ladies. For Amelia it was quite a new, fresh, brilliant world, with all the bloom upon it. It was not quite a new one for Rebecca — (indeed, if the truth must be told with respect to the Crisp affair, the tart-woman hinted to somebody, who took an affidavit of the fact to somebody else, that there was a great deal more than was made public regarding Mr. Crisp and Miss Sharp, and that his letter was in answer to another letter). But who can tell you the real truth of the matter? At all events, if Rebecca was not beginning the world, she was beginning it over again. Als die jungen Damen den Schlagbaum auf der Kensingtoner Chaussee erreichten, hatte Amelia ihre Gefährtinnen zwar nicht vergessen, aber doch ihre Tränen getrocknet, und sie errötete heftig und war entzückt, als ein junger Offizier der Leibgarde sie im Vorbeireiten erspähte und sagte: »Bei Gott, ein verdammt schönes Mädchen!« Und ehe noch der Wagen am Russell Square anlangte, hatten sie viel über die Vorstellung bei Hofe geplaudert, und ob junge Damen sich bei solchem Anlaß wohl puderten und Reifröcke trügen, und ob Amelia dieser Ehre wohl teilhaftig werden würde; daß sie auf jeden Fall den Ball beim Lord Mayor erleben sollte, wußte sie. Als man nun endlich zu Hause angekommen war, hüpfte Miss Amelia Sedley an Sambos Arm heraus, ein so glückliches und hübsches Mädchen wie kaum ein anderes in dem ganzen großen London. In diesem Punkte war Sambo ganz der Ansicht des Kutschers, ihr Vater war darüber einig mit der Mutter, und so dachten alle Dienstboten des Hauses, die lächelnd in der Vorhalle standen und ihre junge Herrin mit Verbeugungen und Knicksen begrüßten.   By the time the young ladies reached Kensington turnpike, Amelia had not forgotten her companions, but had dried her tears, and had blushed very much and been delighted at a young officer of the Life Guards, who spied her as he was riding by, and said, “A dem fine gal, egad!” and before the carriage arrived in Russell Square, a great deal of conversation had taken place about the Drawing-room, and whether or not young ladies wore powder as well as hoops when presented, and whether she was to have that honour: to the Lord Mayor’s ball she knew she was to go. And when at length home was reached, Miss Amelia Sedley skipped out on Sambo’s arm, as happy and as handsome a girl as any in the whole big city of London. Both he and coachman agreed on this point, and so did her father and mother, and so did every one of the servants in the house, as they stood bobbing, and curtseying, and smiling, in the hall to welcome their young mistress. Man kann versichert sein, daß Amelia Rebekka jedes Zimmer im Hause zeigte und alle ihre Schubfächer, Bücher, das Klavier, ihre Kleider, Halsketten, Broschen, Spitzen und allerlei andere Kleinigkeiten. Rebekka mußte unbedingt den weißen Karneolschmuck und die Türkisohrringe sowie ein wunderhübsches geblümtes Musselinkleid annehmen, das sie ausgewachsen hatte, das ihrer Freundin aber wie angegossen passen mußte; und sie beschloß im Innern, die Mutter um Erlaubnis zu bitten, der Freundin ihren weißen Kaschmirschal schenken zu dürfen. Konnte sie ihn denn nicht entbehren, zumal ihr Bruder Joseph ihr soeben zwei aus Indien mitgebracht hatte?   You may be sure that she showed Rebecca over every room of the house, and everything in every one of her drawers; and her books, and her piano, and her dresses, and all her necklaces, brooches, laces, and gimcracks. She insisted upon Rebecca accepting the white cornelian and the turquoise rings, and a sweet sprigged muslin, which was too small for her now, though it would fit her friend to a nicety; and she determined in her heart to ask her mother’s permission to present her white Cashmere shawl to her friend. Could she not spare it? and had not her brother Joseph just brought her two from India? Als Rebekka die zwei prächtigen Kaschmirschals sah, die Joseph Sedley seiner Schwester mitgebracht hatte, sagte sie ganz aufrichtig, »daß es herrlich sein müsse, einen Bruder zu haben«, und weckte damit sehr leicht das Mitleid der gütigen Amelia für die arme Waise, die ohne Angehörige, freundlos und allein in der Welt stand.   When Rebecca saw the two magnificent Cashmere shawls which Joseph Sedley had brought home to his sister, she said, with perfect truth, “that it must be delightful to have a brother,” and easily got the pity of the tender-hearted Amelia for being alone in the world, an orphan without friends or kindred. »Du bist nicht allein«, sagte Amelia, »du weißt, Rebekka, ich werde stets deine Freundin sein und dich wie eine Schwester lieben – ganz bestimmt.«   “Not alone,” said Amelia; “you know, Rebecca, I shall always be your friend, and love you as a sister — indeed I will.” »Ach, hätte ich doch Eltern, wie du – gute, reiche, liebevolle Eltern, die einem jeden Wunsch erfüllen und einen mit ihrer Liebe umgeben, dem Kostbarsten, was es gibt. Mein armer Papa konnte mir nichts schenken, und ich besaß auf der ganzen Welt nur zwei Kittel! Und dann noch einen Bruder zu haben, einen lieben Bruder! Oh, wie mußt du ihn liebhaben!«   “Ah, but to have parents, as you have — kind, rich, affectionate parents, who give you everything you ask for; and their love, which is more precious than all! My poor papa could give me nothing, and I had but two frocks in all the world! And then, to have a brother, a dear brother! Oh, how you must love him!” Amelia lachte.   Amelia laughed. »Wie? Hast du ihn etwa nicht lieb? Wo du doch immer sagst, du liebst alle Menschen?«   “What! don’t you love him? you, who say you love everybody?” »Ja, natürlich, ich habe ihn lieb, nur...«   “Yes, of course, I do — only — ” »Nur was?«   “Only what?” »Nur scheint Joseph sich nicht viel darum zu kümmern, ob ich ihn liebhabe oder nicht. Als er nach zehnjähriger Abwesenheit kam, reichte er mir zwei Finger! Er ist freundlich und gut, aber er spricht selten mit mir; ich glaube, er liebt seine Pfeife viel mehr als seine...« Aber hier stockte Amelia, denn warum sollte sie schlecht von ihrem Bruder sprechen? »Er war sehr freundlich zu mir, als ich klein war«, setzte sie hinzu; »ich war erst fünf Jahre alt, als er wegging.«   “Only Joseph doesn’t seem to care much whether I love him or not. He gave me two fingers to shake when he arrived after ten years’ absence! He is very kind and good, but he scarcely ever speaks to me; I think he loves his pipe a great deal better than his" — but here Amelia checked herself, for why should she speak ill of her brother? “He was very kind to me as a child,” she added; “I was but five years old when he went away.” »Ist er nicht sehr reich?« fragte Rebekka. »Alle indischen Nabobs sollen doch ungeheuer reich sein.«   “Isn’t he very rich?” said Rebecca. “They say all Indian nabobs are enormously rich.” »Ich glaube, er hat ein sehr großes Einkommen.«   “I believe he has a very large income.” »Und ist deine Schwägerin eine nette, hübsche Frau?«   “And is your sister-in-law a nice pretty woman?” »Hach, Joseph ist doch gar nicht verheiratet«, rief Amelia und lachte abermals.   “La! Joseph is not married,” said Amelia, laughing again. Möglicherweise hatte sie es Rebekka schon einmal erzählt, aber die junge Dame schien es wieder vergessen zu haben; sie beteuerte eifrig, sie habe erwartet, eine Anzahl Neffen und Nichten von Amelia zu sehen. Sie sei ganz enttäuscht, Mr. Sedley unverheiratet zu finden; sie sei überzeugt, Amelia habe ihr erzählt, er sei verheiratet, und sie sei so vernarrt in kleine Kinder.   Perhaps she had mentioned the fact already to Rebecca, but that young lady did not appear to have remembered it; indeed, vowed and protested that she expected to see a number of Amelia’s nephews and nieces. She was quite disappointed that Mr. Sedley was not married; she was sure Amelia had said he was, and she doted so on little children. »Ich dachte, du hättest in Chiswick genug davon gehabt«, sagte Amelia, etwas verwundert über das plötzliche Interesse ihrer Freundin. In späteren Tagen hätte Miss Sharp sich niemals darauf eingelassen, Meinungen zu äußern, deren Unwahrheit so leicht aufzudecken war, allein wir dürfen nicht vergessen, daß das arme unschuldige Geschöpf erst neunzehn Jahre alt, daß sie in der Kunst, sich zu verstellen, noch wenig bewandert war, erst Erfahrungen sammeln mußte. Die obigen Fragen in der Sprache des Innern dieses scharfsinnigen jungen Mädchens übersetzt:, bedeuteten einfach folgendes: Wenn Mr. Joseph Sedley reich und unverheiratet ist, warum sollte ich ihn dann nicht heiraten? Ich habe zwar nur vierzehn Tage vor mir, aber es kann ja nichts schaden, wenn ich es versuche.   “I think you must have had enough of them at Chiswick,” said Amelia, rather wondering at the sudden tenderness on her friend’s part; and indeed in later days Miss Sharp would never have committed herself so far as to advance opinions, the untruth of which would have been so easily detected. But we must remember that she is but nineteen as yet, unused to the art of deceiving, poor innocent creature! and making her own experience in her own person. The meaning of the above series of queries, as translated in the heart of this ingenious young woman, was simply this: “If Mr. Joseph Sedley is rich and unmarried, why should I not marry him? I have only a fortnight, to be sure, but there is no harm in trying.” Sie beschloß im Innern, diesen lobenswerten Versuch zu unternehmen. Sie verdoppelte ihre Zärtlichkeit gegenüber Amelia; sie küßte das Halsband mit dem weißen Karneol, als sie es anlegte, und beteuerte, sie werde sich nie, nie davon trennen. Als die Tischglocke erklang, ging sie, wie junge Mädchen zu gehen pflegen, den Arm um die Taille ihrer Freundin geschlungen, die Treppe hinab. Als sie an der Tür des Gesellschaftszimmers anlangten, war sie so aufgeregt, daß sie kaum Mut fassen konnte einzutreten. »Fühl mal, wie mein Herz klopft:, meine Liebe«, sagte sie zu ihrer Freundin.   And she determined within herself to make this laudable attempt. She redoubled her caresses to Amelia; she kissed the white cornelian necklace as she put it on; and vowed she would never, never part with it. When the dinner-bell rang she went downstairs with her arm round her friend’s waist, as is the habit of young ladies. She was so agitated at the drawing-room door, that she could hardly find courage to enter. “Feel my heart, how it beats, dear!” said she to her friend. »Ach wo«, meinte Amelia, »komm mit herein und fürchte dich nicht. Papa wird dir nichts tun.«   “No, it doesn’t,” said Amelia. “Come in, don’t be frightened. Papa won’t do you any harm.” 3. Kapitel. / Chapter 3. Rebekka vor dem Feind / Rebecca Is in Presence of the Enemy Ein sehr gedrungener, kurzatmiger Mann in wildledernen Hosen und Reitstiefeln, mit mehreren, ungeheuren Halstüchern, die ihm beinahe bis an die Nase reichten, in einer rotgestreiften Weste und einem apfelgrünen Rock mit fast talergroßen Stahlknöpfen (das war das Morgenkostüm eines Stutzers jener Tage) las am Kaminfeuer Zeitung, als die beiden Mädchen hereintraten; er sprang von seinem Lehnsessel auf, errötete heftig und verbarg bei ihrem Erscheinen das Gesicht fast völlig in seinen Halstüchern.   A very stout, puffy man, in buckskins and Hessian boots, with several immense neckcloths that rose almost to his nose, with a red striped waistcoat and an apple green coat with steel buttons almost as large as crown pieces (it was the morning costume of a dandy or blood of those days) was reading the paper by the fire when the two girls entered, and bounced off his arm-chair, and blushed excessively, and hid his entire face almost in his neckcloths at this apparition. »Es ist nur deine Schwester, Joseph«, sagte Amelia lachend und schüttelte die ihr entgegengestreckten beiden Finger. »Du weißt, ich bin jetzt für immer nach Hause gekommen; und dies ist meine Freundin, Miss Sharp, von der ich dir bereits erzählt habe.«   “It’s only your sister, Joseph,” said Amelia, laughing and shaking the two fingers which he held out. “I’ve come home for good , you know; and this is my friend, Miss Sharp, whom you have heard me mention.” »Nein, niemals, auf mein Wort«, sagte der Kopf hinter dem Halstuch unter heftigem Schütteln,»das heißt, ja; welch abscheulich kaltes Wetter, Miss«; und damit fing er an, aus Leibeskräften das Feuer zu schüren, obwohl es Mitte Juni war.   “No, never, upon my word,” said the head under the neckcloth, shaking very much — "that is, yes — what abominably cold weather, Miss" — and herewith he fell to poking the fire with all his might, although it was in the middle of June. »Er sieht sehr gut aus«, flüsterte Rebekka Amelia vernehmlich zu.   “He’s very handsome,” whispered Rebecca to Amelia, rather loud. »Meinst du?« sagte die letztere, »ich werde es ihm sagen.«   “Do you think so?” said the latter. “I’ll tell him.” »Nicht um alles in der Welt, Teuerste«, sagte Miss Sharp und wich so schüchtern wie ein Reh zurück. Sie hatte vorher vor dem Herrn einen ehrerbietigen, jungfräulichen Knicks gemacht, und ihre sittsamen Augen schauten so beharrlich auf den Teppich, daß es ein Wunder war, wie sie Gelegenheit gefunden hatte, ihn zu sehen.   “Darling! not for worlds,” said Miss Sharp, starting back as timid as a fawn. She had previously made a respectful virgin-like curtsey to the gentleman, and her modest eyes gazed so perseveringly on the carpet that it was a wonder how she should have found an opportunity to see him. »Ich danke dir für die schönen Schals, Bruder«, sagte Amelia zu dem Feuerschürer. »Sind sie nicht schön, Rebekka?«   “Thank you for the beautiful shawls, brother,” said Amelia to the fire poker. “Are they not beautiful, Rebecca?” »Oh, himmlisch!« bestätigte Miss Sharp, und ihre Augen wanderten vom Teppich geradewegs zum Kronleuchter.   “O heavenly!” said Miss Sharp, and her eyes went from the carpet straight to the chandelier. Joseph machte immer noch mit dem Schüreisen und der Feuerzange ein ungeheures Getöse; dabei keuchte und schnaufte er und lief so rot an, wie sein gelbes Gesicht nur erlaubte.   Joseph still continued a huge clattering at the poker and tongs, puffing and blowing the while, and turning as red as his yellow face would allow him. “ »Ich kann dir keine so schönen Geschenke machen, Joseph«, fuhr seine Schwester fort, »aber ich habe dir in der Schule ein Paar sehr schöne Hosenträger gestickt.«   I can’t make you such handsome presents, Joseph,” continued his sister, “but while I was at school, I have embroidered for you a very beautiful pair of braces.” »Guter Gott! Amelia«, rief der Bruder, ernstlich beunruhigt, »was meinst du nur?« Und er riß mit aller Macht an der Klingelschnur, bis er sie in der Hand hielt, was den braven Burschen noch mehr verwirrte. »Um Himmels willen, sieh nach, ob mein Buggy vor der Tür steht. Ich kann nicht warten, ich muß fort. Dieser verd... Stallknecht! Ich muß fort.«   “Good Gad! Amelia,” cried the brother, in serious alarm, “what do you mean?” and plunging with all his might at the bell-rope, that article of furniture came away in his hand, and increased the honest fellow’s confusion. “For heaven’s sake see if my buggy’s at the door. I can’t wait. I must go. D — that groom of mine. I must go.” In diesem Augenblick trat der Vater der Familie herein, wie ein echter britischer Kaufmann mit den Petschaften klimpernd. »Was gibt es, Emmy?« fragte er.   At this minute the father of the family walked in, rattling his seals like a true British merchant. “What’s the matter, Emmy?” says he. »Joseph sagt, ich soll nachsehen, ob sein – sein Buggy vor der Tür steht. Was ist ein Buggy, Papa?«   “Joseph wants me to see if his — his buggy is at the door. What is a buggy, Papa?” »Das ist eine einspännige Sänfte«, sagte der alte Herr, der in seiner Art ein Schalk war.   “It is a one-horse palanquin,” said the old gentleman, who was a wag in his way. Bei diesen Worten brach Joseph in ein wildes Gelächter aus, von dem er jedoch, wie von einem Schuß getroffen, jäh abließ, als er dem Blick von Miss Sharp begegnete.   Joseph at this burst out into a wild fit of laughter; in which, encountering the eye of Miss Sharp, he stopped all of a sudden, as if he had been shot. »Diese junge Dame ist deine Freundin? Miss Sharp, es freut mich, Sie zu sehen. Haben Sie und Emmy mit Joseph bereits Streit gehabt, daß er durchaus fortwill?«   “This young lady is your friend? Miss Sharp, I am very happy to see you. Have you and Emmy been quarrelling already with Joseph, that he wants to be off?” »Ich versprach meinem Kameraden Bonamy, mit ihm zu speisen«, erklärte Joseph.   “I promised Bonamy of our service, sir,” said Joseph, “to dine with him.” »Ei, ei! Sagtest du nicht deiner Mutter, du wolltest zu Hause speisen?«   “O fie! didn’t you tell your mother you would dine here?” »Aber so wie ich angezogen bin, ist es unmöglich.«   “But in this dress it’s impossible.” »Sehen Sie ihn doch an, Miss Sharp; ist er nicht schön genug, um überall zu speisen?«   “Look at him, isn’t he handsome enough to dine anywhere, Miss Sharp?” Hierauf blickte Miss Sharp natürlich ihre Freundin an, und beide brachen in ein Gelächter aus, das dem alten Herrn sehr angenehm war.   On which, of course, Miss Sharp looked at her friend, and they both set off in a fit of laughter, highly agreeable to the old gentleman. »Haben Sie je bei Miss Pinkerton solch ein Paar wildlederne Hosen gesehen?« fuhr er fort, seinen Vorteil ausnutzend.   “Did you ever see a pair of buckskins like those at Miss Pinkerton’s?” continued he, following up his advantage. »Um Himmels willen! Vater!« rief Joseph.   “Gracious heavens! Father,” cried Joseph. »Da haben wir's! Nun habe ich seine Gefühle verletzt. Mrs. Sedley, meine Liebe, ich habe die Gefühle deines Sohnes verletzt. Ich habe auf seine ledernen Hosen angespielt. Frag doch Miss Sharp, ob es stimmt! Komm, Joseph, versöhn dich mit Miss Sharp, und laßt uns essen gehen.«   “There now, I have hurt his feelings. Mrs. Sedley, my dear, I have hurt your son’s feelings. I have alluded to his buckskins. Ask Miss Sharp if I haven’t? Come, Joseph, be friends with Miss Sharp, and let us all go to dinner.” »Es gibt einen Pilaw, Joseph, ganz so, wie du ihn liebst, und Papa hat den besten Steinbutt von Billingsgate mitgebracht.«   “There’s a pillau, Joseph, just as you like it, and Papa has brought home the best turbot in Billingsgate.” »Komm, komm, mein Junge, geh mit Miss Sharp hinunter, und ich werde mit diesen zwei jungen Damen folgen«, sagte der Vater, reichte Frau und Tochter den Arm und ging munter davon.   “Come, come, sir, walk downstairs with Miss Sharp, and I will follow with these two young women,” said the father, and he took an arm of wife and daughter and walked merrily off. Wenn Miss Rebekka Sharp im Innern beschlossen hatte, diesen dicken Beau zu erobern, so glaube ich nicht, meine Damen, daß wir ein Recht haben, sie zu tadeln; denn obgleich die jungen Mädchen das Geschäft der Jagd nach dem Ehemann im allgemeinen mit geziemender Sittsamkeit ihren Mamas überlassen, so müssen wir uns doch erinnern, daß Miss Sharp keine liebevolle Mutter besaß, die diese heikle Angelegenheit für sie in Ordnung bringen könnte, und daß, wenn sie sich nicht selbst einen Mann verschaffte, niemand in der weiten Welt ihr diese Mühe abnehmen würde. Weshalb lassen sich junge Mädchen sonst in der Gesellschaft einführen, wenn nicht aus dem edlen Streben, einen Mann zu finden? Was führt sie zu Hunderten in die Bäder? Was bewegt sie, eine entsetzlich lange Saison hindurch bis fünf Uhr morgens zu tanzen? Was treibt sie, sich mit Klaviersonaten abzumühen, bei dem gerade modernen Gesangmeister für eine Guinee pro Stunde vier Lieder zu lernen, Harfe zu spielen, falls sie wohlgeformte Arme und hübsche Ellbogen haben, grüne Jägerhütchen mit Federn zu tragen, wenn nicht der Wunsch, mit diesen tödlichen Waffen einen »begehrenswerten« jungen Mann zur Strecke zu bringen? Was veranlaßt respektable Eltern, ihre Teppiche zusammenzurollen, im Hause das Unterste zuoberst zu kehren und ein Fünftel ihres Jahreseinkommens für Bälle und eisgekühlten Champagner auszugeben? Ist es bloß die Liebe zu ihresgleichen oder der echte Wunsch, junge Leute beim Tanzen glücklich zu sehen? Pah! Sie wollen ihre Töchter verheiraten; und wie die ehrliche Mrs. Sedley in der Tiefe ihres wohlwollenden Herzens bereits ein Dutzend kleiner Pläne zur Verheiratung ihrer Amelia ausgedacht hatte, so hatte auch unsere geliebte, aber schutzlose Rebekka beschlossen, ihr möglichstes zu tun, sich einen Mann zu sichern, den sie sogar noch notwendiger brauchte als ihre Freundin. Sie besaß eine lebhafte Phantasie; außerdem hatte sie »Tausendundeine Nacht« sowie »Guthrie's Geographie« gelesen, und tatsächlich hatte sie sich beim Ankleiden zum Essen, nachdem sie Amelia gefragt hatte, ob ihr Bruder sehr reich sei, ein prachtvolles Luftschloß gebaut, dessen Herrin sie war, mit einem Ehemann irgendwo im Hintergrund (sie hatte ihn noch nicht gesehen, und seine Gestalt war daher noch etwas verschwommen); sie war geputzt mit einer unendlichen Menge von Schals, Turbanen und Diamanthalsbändern, unter den Klängen des Marsches aus »Blaubart« auf einen Elefanten gestiegen, um dem Großmogul einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Bezaubernde Märchenträume! Es ist das glückliche Vorrecht der Jugend, euch zu ersinnen, und manches phantasiereiche junge Geschöpf hat schon wie Rebekka Sharp solchen Tagträumen nachgehangen.   If Miss Rebecca Sharp had determined in her heart upon making the conquest of this big beau, I don’t think, ladies, we have any right to blame her; for though the task of husband-hunting is generally, and with becoming modesty, entrusted by young persons to their mammas, recollect that Miss Sharp had no kind parent to arrange these delicate matters for her, and that if she did not get a husband for herself, there was no one else in the wide world who would take the trouble off her hands. What causes young people to “come out,” but the noble ambition of matrimony? What sends them trooping to watering-places? What keeps them dancing till five o’clock in the morning through a whole mortal season? What causes them to labour at pianoforte sonatas, and to learn four songs from a fashionable master at a guinea a lesson, and to play the harp if they have handsome arms and neat elbows, and to wear Lincoln Green toxophilite hats and feathers, but that they may bring down some “desirable” young man with those killing bows and arrows of theirs? What causes respectable parents to take up their carpets, set their houses topsy-turvy, and spend a fifth of their year’s income in ball suppers and iced champagne? Is it sheer love of their species, and an unadulterated wish to see young people happy and dancing? Psha! they want to marry their daughters; and, as honest Mrs. Sedley has, in the depths of her kind heart, already arranged a score of little schemes for the settlement of her Amelia, so also had our beloved but unprotected Rebecca determined to do her very best to secure the husband, who was even more necessary for her than for her friend. She had a vivid imagination; she had, besides, read the Arabian Nights and Guthrie’s Geography; and it is a fact that while she was dressing for dinner, and after she had asked Amelia whether her brother was very rich, she had built for herself a most magnificent castle in the air, of which she was mistress, with a husband somewhere in the background (she had not seen him as yet, and his figure would not therefore be very distinct); she had arrayed herself in an infinity of shawls, turbans, and diamond necklaces, and had mounted upon an elephant to the sound of the march in Bluebeard, in order to pay a visit of ceremony to the Grand Mogul. Charming Alnaschar visions! it is the happy privilege of youth to construct you, and many a fanciful young creature besides Rebecca Sharp has indulged in these delightful day-dreams ere now! Joseph Sedley war zwölf Jahre älter als seine Schwester Amelia. Er stand im Zivildienst der Ostindischen Kompanie, und sein Name war zu der Zeit, von der wir schreiben, in der bengalischen Abteilung des »Ostindischen Registers« als Steuereinnehmer von Boggley Wollah aufgeführt – ein ehrenvoller und einträglicher Posten, wie man allgemein weiß. Will der Leser erfahren, zu welchen höheren Stellungen Joseph im Dienste aufstieg, so verweisen wir ihn auf die bereits erwähnte Zeitschrift.   Joseph Sedley was twelve years older than his sister Amelia. He was in the East India Company’s Civil Service, and his name appeared, at the period of which we write, in the Bengal division of the East India Register, as collector of Boggley Wollah, an honourable and lucrative post, as everybody knows: in order to know to what higher posts Joseph rose in the service, the reader is referred to the same periodical. Boggley Wollah liegt in einem schönen, einsamen, sumpfigen Dschungelgebiet, berühmt wegen seiner Schnepfenjagden, wo man nicht selten auch einen Tiger antreffen kann. Ramgunge, wo sich eine Behörde befindet, ist nur vierzig Meilen entfernt, und etwa dreißig Meilen weiter liegt ein Kavallerieposten; das alles berichtete Joseph seinen Eltern nach Hause, als er seine Steuereinnehmerstelle antrat. Er hatte ungefähr acht Jahre seines Lebens ganz allein an diesem bezaubernden Ort zugebracht, wobei er kaum häufiger als zweimal jährlich, wenn nämlich ein Truppenkommando eintraf, um die von ihm erhobenen Steuern nach Kalkutta zu bringen, je einen Christenmenschen zu Gesicht bekam.   Boggley Wollah is situated in a fine, lonely, marshy, jungly district, famous for snipe-shooting, and where not unfrequently you may flush a tiger. Ramgunge, where there is a magistrate, is only forty miles off, and there is a cavalry station about thirty miles farther; so Joseph wrote home to his parents, when he took possession of his collectorship. He had lived for about eight years of his life, quite alone, at this charming place, scarcely seeing a Christian face except twice a year, when the detachment arrived to carry off the revenues which he had collected, to Calcutta. Glücklicherweise zog er sich um diese Zeit ein Leberleiden zu, und um das zu heilen, kehrte er nach Europa zurück. Diese Krankheit wurde ihm zu einer Quelle von Freude und Unterhaltung in der Heimat. Er lebte in London nicht bei seiner Familie, sondern hatte als lebenslustiger Junggeselle eine eigene Wohnung. Ehe er nach Indien ging, war er zu jung gewesen, um an den herrlichen Vergnügungen der Lebemänner teilzuhaben; nun, bei seiner Rückkehr, stürzte er sich um so eifriger hinein. Er lenkte seine Pferde durch den Park, speiste in vornehmen Restaurants (der Orientklub bestand noch nicht), besuchte häufig die Theater, wie es in jenen Tagen Mode war, oder zeigte sich in der Oper, mühsam in enge Beinkleider gezwängt und mit Dreispitz.   Luckily, at this time he caught a liver complaint, for the cure of which he returned to Europe, and which was the source of great comfort and amusement to him in his native country. He did not live with his family while in London, but had lodgings of his own, like a gay young bachelor. Before he went to India he was too young to partake of the delightful pleasures of a man about town, and plunged into them on his return with considerable assiduity. He drove his horses in the Park; he dined at the fashionable taverns (for the Oriental Club was not as yet invented); he frequented the theatres, as the mode was in those days, or made his appearance at the opera, laboriously attired in tights and a cocked hat. Bei seiner Rückkehr nach Indien, wie auch später, pflegte er stets mit großer Begeisterung von den Freuden dieses Lebensabschnittes zu sprechen und gab zu verstehen, daß er und Brummel die tonangebenden Salonlöwen jener Zeit gewesen seien. Aber er war hier ebenso einsam wie in seinem Dschungel in Boggley Wollah. Er kannte kaum eine Seele in der Hauptstadt; und hätte er nicht seinen Doktor gehabt und seine Quecksilberpillen und das Leberleiden, so wäre er vor Langweile gestorben. Er war ein träger, mürrischer Bonvivant; der Anblick einer Dame erschreckte ihn außerordentlich, und so geschah es, daß er sich nur selten im väterlichen Kreise am Russell Square blicken ließ, wo es überaus lustig zuging und wo die Späße seines gutmütigen alten Vaters seine Eigenliebe verletzten.   On returning to India, and ever after, he used to talk of the pleasure of this period of his existence with great enthusiasm, and give you to understand that he and Brummel were the leading bucks of the day. But he was as lonely here as in his jungle at Boggley Wollah. He scarcely knew a single soul in the metropolis: and were it not for his doctor, and the society of his blue-pill, and his liver complaint, he must have died of loneliness. He was lazy, peevish, and a bon-vivan; the appearance of a lady frightened him beyond measure; hence it was but seldom that he joined the paternal circle in Russell Square, where there was plenty of gaiety, and where the jokes of his good-natured old father frightened his amour-propre. Sein Leibesumfang verursachte Joseph viele besorgte Gedanken und Unruhe. Dann und wann machte er auch einen verzweifelten Versuch, sich seines überflüssigen Fettes zu entledigen; aber seine Trägheit sowie seine Vorliebe fürs Wohlleben wurden dieser Reformbestrebungen bald wieder Herr, und er kehrte wieder zu seinen drei Mahlzeiten täglich zurück.   His bulk caused Joseph much anxious thought and alarm; now and then he would make a desperate attempt to get rid of his superabundant fat; but his indolence and love of good living speedily got the better of these endeavours at reform, and he found himself again at his three meals a day. Er war niemals gut gekleidet, obwohl er sich ungeheure Mühe gab, seine dicke Person zu putzen, und Stunden mit dieser Beschäftigung verbrachte. Sein Diener verschaffte sich ein Vermögen mit seiner alten Garderobe; auf seinem Toilettentisch standen ebenso viele Pomaden und Essenzen wie bei einer welkenden Schönheit; um eine Taille zu bekommen, hatte er alle damals erfundenen Leibgurte, alle Korsette und Leibbinden ausprobiert. Wie die meisten dicken Menschen ließ er sich die Kleider sehr eng machen und wählte stets die glänzendsten Farben und den jugendlichsten Schnitt. Hatte er nachmittags endlich seine Toilette beendet, so fuhr er mit niemand in den Park und kam dann zurück, um sich abermals anzukleiden und mit niemand im Piazza-Kaffeehaus zu speisen. Er war eitel wie ein Mädchen, und vielleicht war seine außerordentliche Schüchternheit eine Folge seiner außerordentlichen Eitelkeit. Gelingt es Miss Rebekka bei ihrem Eintritt ins Leben, ihn zu besiegen, so ist sie ein Mädchen von ungewöhnlicher Gewitztheit.   He never was well dressed; but he took the hugest pains to adorn his big person, and passed many hours daily in that occupation. His valet made a fortune out of his wardrobe: his toilet-table was covered with as many pomatums and essences as ever were employed by an old beauty: he had tried, in order to give himself a waist, every girth, stay, and waistband then invented. Like most fat men, he would have his clothes made too tight, and took care they should be of the most brilliant colours and youthful cut. When dressed at length, in the afternoon, he would issue forth to take a drive with nobody in the Park; and then would come back in order to dress again and go and dine with nobody at the Piazza Coffee-House. He was as vain as a girl; and perhaps his extreme shyness was one of the results of his extreme vanity. If Miss Rebecca can get the better of him, and at her first entrance into life, she is a young person of no ordinary cleverness. Ihr erster Schachzug bewies beträchtliche Gewandtheit. Als sie Sedley einen gutaussehenden Mann nannte, wußte sie, daß Amelia es ihrer Mutter erzählen würde, die es wahrscheinlich Joseph wiedersagen oder sich doch jedenfalls über das Kompliment für ihren Sohn freuen würde. Allen Müttern tut das wohl. Hätte man der Sycorax gesagt, ihr Sohn Caliban sei schön wie Apollo, so hätte es die Hexe gefreut. Vielleicht hörte Joseph Sedley das Kompliment auch selbst – Rebekka sprach ja laut genug –, und tatsächlich hatte er es auch gehört. Da er sich insgeheim für einen schönen Mann hielt, durchzuckte das Lob jede Fiber seines dicken Körpers und ließ ihn vor Wonne erbeben. Dann kam aber ein Rückschlag. Macht das Mädchen sich über mich lustig? dachte er, und darauf stürzte er, wie wir gesehen haben, geradewegs zur Klingel und wollte fort, bis die Scherze seines Vaters und die Bitten seiner Mutter ihn einhalten ließen und zum Bleiben bewogen.   The first move showed considerable skill. When she called Sedley a very handsome man, she knew that Amelia would tell her mother, who would probably tell Joseph, or who, at any rate, would be pleased by the compliment paid to her son. All mothers are. If you had told Sycorax that her son Caliban was as handsome as Apollo, she would have been pleased, witch as she was. Perhaps, too, Joseph Sedley would overhear the compliment — Rebecca spoke loud enough — and he did hear, and (thinking in his heart that he was a very fine man) the praise thrilled through every fibre of his big body, and made it tingle with pleasure. Then, however, came a recoil. “Is the girl making fun of me?” he thought, and straightway he bounced towards the bell, and was for retreating, as we have seen, when his father’s jokes and his mother’s entreaties caused him to pause and stay where he was. Zweifelnd und erregt führte er die junge Dame zum Essen. Hält sie mich wirklich für schön, dachte er, oder nimmt sie mich nur auf den Arm? Wir haben davon gesprochen, Joseph Sedley sei eitel wie ein Mädchen. Der Himmel beschütze uns! Die Mädchen brauchen nur den Spieß umzudrehen und von ihresgleichen zu behaupten: »Sie ist so eitel wie ein Mann«, und sie haben vollkommen recht. Das bärtige Geschlecht ist ebenso erpicht auf Lob, ebenso wählerisch in bezug auf die Kleidung, ebenso stolz auf persönliche Vorzüge, sich ebenso seiner Unwiderstehlichkeit bewußt wie je eine Kokette auf der Welt.   He conducted the young lady down to dinner in a dubious and agitated frame of mind. “Does she really think I am handsome?” thought he, “or is she only making game of me?” We have talked of Joseph Sedley being as vain as a girl. Heaven help us! the girls have only to turn the tables, and say of one of their own sex, “She is as vain as a man,” and they will have perfect reason. The bearded creatures are quite as eager for praise, quite as finikin over their toilettes, quite as proud of their personal advantages, quite as conscious of their powers of fascination, as any coquette in the world. So gingen sie also die Treppe hinab, Joseph über und über rot, Rebekka sehr sittsam, die grünen Äugen zu Boden geschlagen. Sie war weiß gekleidet, die bloßen Schultern weiß wie Schnee – ein Bild von Jugend, schutzloser Unschuld und bescheidener, jungfräulicher Naivität.   Downstairs, then, they went, Joseph very red and blushing, Rebecca very modest, and holding her green eyes downwards. She was dressed in white, with bare shoulders as white as snow — the picture of youth, unprotected innocence, and humble virgin simplicity. Ich muß sehr sanft sein, dachte Rebekka, und recht viel Interesse für Indien an den Tag legen.   “I must be very quiet,” thought Rebecca, “and very much interested about India.” Nun haben wir gehört, daß Mrs. Sedley einen schönen Curry zubereitet hatte, gerade wie ihr Sohn ihn mochte, und im Laufe des Essens wurde Rebekka eine Portion davon angeboten. »Was ist das?« wollte sie wissen und richtete einen fragenden Blick auf Mr. Joseph.   Now we have heard how Mrs. Sedley had prepared a fine curry for her son, just as he liked it, and in the course of dinner a portion of this dish was offered to Rebecca. “What is it?” said she, turning an appealing look to Mr. Joseph. »Köstlich«, erwiderte er, mit vollem Munde kauend. Sein Gesicht war rot von der heiligen Handlung des Hinunterschlingens. »Mutter, er ist so gut wie meine eigenen Currys in Indien.«   “Capital,” said he. His mouth was full of it: his face quite red with the delightful exercise of gobbling. “Mother, it’s as good as my own curries in India.” »Ach, wenn es ein indisches Gericht ist«, sagte Miss Rebekka, »muß ich es versuchen. Ich bin sicher, alles, was von dort kommt, muß gut sein.«   “Oh, I must try some, if it is an Indian dish,” said Miss Rebecca. “I am sure everything must be good that comes from there.” »Gib doch Miss Sharp etwas Curry, meine Liebe«, sagte Mr. Sedley lachend.   “Give Miss Sharp some curry, my dear,” said Mr. Sedley, laughing. Rebekka hatte das Gericht noch nie zuvor gekostet.   Rebecca had never tasted the dish before. »Finden Sie ihn auch so gut wie alles andere, was aus Indien kommt?« fragte Mr. Sedley.   “Do you find it as good as everything else from India?” said Mr. Sedley. »Oh, vortrefflich!« antwortete Rebekka, der der Cayennepfeffer Höllenqualen bereitete.   “Oh, excellent!” said Rebecca, who was suffering tortures with the cayenne pepper. »Essen Sie ein Chili dazu, Miss Sharp«, sagte Joseph, voll ehrlicher Anteilnahme.   “Try a chili with it, Miss Sharp,” said Joseph, really interested. »Ein Chili«, keuchte Rebekka, nach Luft schnappend. »Ja, ja!« Sie glaubte, ein Chili sei, dem Namen nach zu urteilen, etwas Kühlendes, und ließ sich daher eins geben.   “A chili,” said Rebecca, gasping. “Oh yes!” She thought a chili was something cool, as its name imported, and was served with some. »Wie frisch und grün sie aussehen«, meinte sie und steckte eins in den Mund. Es brannte aber noch mehr als der Curry; Fleisch und Blut konnten es nicht länger ertragen. Sie legte die Gabel weg. »Wasser, um Himmels willen, Wasser!« rief sie. Mr. Sedley brach in ein lautes Gelächter aus (er war ein ungehobelter Mann und an der Börse tätig, wo man handgreifliche Scherze liebte). »Sie sind echt indisch, das kann ich Ihnen versichern«, sagte er. »Sambo, gib Miss Sharp Wasser.«   “How fresh and green they look,” she said, and put one into her mouth. It was hotter than the curry; flesh and blood could bear it no longer. She laid down her fork. “Water, for Heaven’s sake, water!” she cried. Mr. Sedley burst out laughing (he was a coarse man, from the Stock Exchange, where they love all sorts of practical jokes). “They are real Indian, I assure you,” said he. “Sambo, give Miss Sharp some water.” Das väterliche Lachen rief bei Joseph ein Echo hervor, der den Spaß äußerst gelungen fand. Die Damen lächelten nur wenig. Sie dachten, die arme Rebekka habe zuviel auszustehen. Diese hätte zwar den alten Sedley gern erwürgt, aber sie schluckte ihren Ärger hinunter, wie vorher den abscheulichen Curry, und sagte, sobald sie sprechen konnte, aufgeräumt, mit drolliger Miene: »Ich hätte an den Pfeffer denken sollen, den die persische Prinzessin aus ›Tausendundeiner Nacht‹ in die Sahnetörtchen streut. Streut man in Indien Cayennepfeffer in die Sahnetörtchen, mein Herr?«   The paternal laugh was echoed by Joseph, who thought the joke capital. The ladies only smiled a little. They thought poor Rebecca suffered too much. She would have liked to choke old Sedley, but she swallowed her mortification as well as she had the abominable curry before it, and as soon as she could speak, said, with a comical, good-humoured air, “I ought to have remembered the pepper which the Princess of Persia puts in the cream-tarts in the Arabian Nights. Do you put cayenne into your cream-tarts in India, sir?” Der alte Sedley begann zu lachen und dachte, Rebekka sei doch ein munteres Ding. Joseph aber sagte bloß: »Sahnetörtchen, Miss? Unsere Sahne in Bengalen ist herzlich schlecht. Gewöhnlich brauchen wir Ziegenmilch; und, weiß Gott, der gebe ich jetzt den Vorzug.«   Old Sedley began to laugh, and thought Rebecca was a good-humoured girl. Joseph simply said, “Cream-tarts, Miss? Our cream is very bad in Bengal. We generally use goats’ milk; and, ’gad, do you know, I’ve got to prefer it!” »Nun werden Sie wohl nicht mehr alles, was aus Indien kommt, lieben, Miss Sharp?« fragte der alte Herr; als sich aber die Damen nach dem Essen zurückgezogen hatten, bemerkte der schlaue alte Bursche zu seinem Sohn: »Nimm dich in acht, Joe; das Mädchen hat es auf dich abgesehen.«   “You won’t like everything from India now, Miss Sharp,” said the old gentleman; but when the ladies had retired after dinner, the wily old fellow said to his son, “Have a care, Joe; that girl is setting her cap at you.” »Pah, Unsinn!« sagte Joe, höchlich geschmeichelt. »Ich erinnere mich, da wir ein Mädchen in Dumdum, eine Tochter Cutlers von der Artillerie, die später Lance, den Stabsarzt, heiratete. Sie hat mir im Jahre 1804 nachgestellt, mir und Mulligatawney, von dem ich vor dem Essen erzählt habe, ein verteufelt tüchtiger Kerl, dieser Mulligatawney, er ist jetzt Beamter in Budgebudge und wird in fünf Jahren sicherlich im Gouvernementsrat sein. Kurz und gut, die Artillerie gab einen Ball, und Quintin vom Königlichen Vierzehnten Regiment sagte zu mir: ›Sedley‹, sagte er, ›ich wette dreizehn gegen zehn, daß Sophie Cutler entweder Sie oder Mulligatawney noch vor der Regenzeit geangelt hat.‹ – ›Es gilt‹, sage ich; und meiner Treu – dieser Rotwein ist sehr gut. Von Adamson oder Carbonell?«   “Pooh! nonsense!” said Joe, highly flattered. “I recollect, sir, there was a girl at Dumdum, a daughter of Cutler of the Artillery, and afterwards married to Lance, the surgeon, who made a dead set at me in the year ’4 — at me and Mulligatawney, whom I mentioned to you before dinner — a devilish good fellow Mulligatawney — he’s a magistrate at Budgebudge, and sure to be in council in five years. Well, sir, the Artillery gave a ball, and Quintin, of the King’s 14th, said to me, ‘Sedley,’ said he, ’I bet you thirteen to ten that Sophy Cutler hooks either you or Mulligatawney before the rains.’ ‘Done,’ says I; and egad, sir — this claret’s very good. Adamson’s or Carbonell’s?” Ein leises Schnarchen war die einzige Antwort: der ehrliche Börsenmakler war eingeschlafen, und so konnte Joseph den Rest seiner Geschichte für heute nicht mehr an den Mann bringen. Aber er ist in der Gesellschaft von Männern stets sehr mitteilsam und hat diese köstliche Geschichte viele Dutzend Male seinem Arzt, Doktor Gollop, erzählt, wenn dieser kam, um sich nach der Leber und den Quecksilberpillen zu erkundigen.   A slight snore was the only reply: the honest stockbroker was asleep, and so the rest of Joseph’s story was lost for that day. But he was always exceedingly communicative in a man’s party, and has told this delightful tale many scores of times to his apothecary, Dr. Gollop, when he came to inquire about the liver and the blue-pill. Da Joseph Sedley sehr krank war, begnügte er sich mit einer Flasche Rotwein, abgesehen von seinem Madeira beim Mittagessen. Außerdem führte er sich einige Teller voll Erdbeeren mit Sahne sowie vierundzwanzig Biskuitküchlein, die unbeachtet neben ihm auf einem Teller lagen, zu Gemüte, und in Gedanken (Romanschreiber haben das Vorrecht, alles zu wissen) beschäftigte er sich viel mit dem Mädchen droben. Ein nettes, lustiges, heiteres, junges Geschöpf, dachte er bei sich. Wie sie mich anblickte, als ich bei Tisch ihr Taschentuch aufhob! Sie ließ es zweimal fallen. Wer singt wohl im Salon? Soll ich hinaufgehen und nachsehen?   Being an invalid, Joseph Sedley contented himself with a bottle of claret besides his Madeira at dinner, and he managed a couple of plates full of strawberries and cream, and twenty-four little rout cakes that were lying neglected in a plate near him, and certainly (for novelists have the privilege of knowing everything) he thought a great deal about the girl upstairs. “A nice, gay, merry young creature,” thought he to himself. “How she looked at me when I picked up her handkerchief at dinner! She dropped it twice. Who’s that singing in the drawing-room? ’Gad! shall I go up and see?” Aber seine Schüchternheit überfiel ihn mit unbezwingbarer Gewalt. Sein Vater schlief, sein Hut lag in der Vorhalle, und ganz in der Nähe, auf der Southampton Row, war ein Droschkenstand. »Ich werde in die ›Vierzig Räuber‹ gehen«, sagte er, »Miss Decamp tanzt«; und mit diesen Worten schlich er sich auf Zehenspitzen davon und verschwand, ohne seinen würdigen Vater zu wecken.   But his modesty came rushing upon him with uncontrollable force. His father was asleep: his hat was in the hall: there was a hackney-coach standing hard by in Southampton Row. “I’ll go and see the Forty Thieves,” said he, “and Miss Decamp’s dance”; and he slipped away gently on the pointed toes of his boots, and disappeared, without waking his worthy parent. »Da geht Joseph«, sagte Amelia, die aus dem offenen Salonfenster sah, während Rebekka Klavier spielte und sang.   “There goes Joseph,” said Amelia, who was looking from the open windows of the drawing-room, while Rebecca was singing at the piano. »Miss Sharp hat ihn verscheucht«, bemerkte Mrs. Sedley. »Armer Joe, warum ist er aber auch so schüchtern?«   “Miss Sharp has frightened him away,” said Mrs. Sedley. “Poor Joe, why will he be so shy?” 4. Kapitel. / Chapter 4. Die grünseidene Börse / The Green Silk Purse Die Panik des armen Joe dauerte zwei bis drei Tage; während dieser Zeit ließ er sich nicht zu Hause blicken; aber auch Miss Rebekka erwähnte seinen Namen nicht. Sie war voll ehrerbietiger Dankbarkeit Mrs. Sedley gegenüber, war über alle Maßen entzückt von den Basaren und fiel von einer Bewunderung in die andere im Theater, wohin die gutmütige Dame sie mitgenommen hatte. Eines Tages hatte Amelia Kopfschmerzen und konnte nicht an einer Landpartie teilnehmen, zu der die beiden jungen Mädchen eingeladen waren. Nichts konnte ihre Freundin bewegen, allein zu gehen. »Wie? Ich sollte dich allein lassen, wo du es doch warst, die der armen Waise zum erstenmal im Leben zeigte, was Glück und Liebe ist? Nimmermehr!« Die grünen Augen blickten zum Himmel auf und füllten sich mit Tränen; und Mrs. Sedley mußte zugeben, daß die Freundin ihrer Tochter ein bezaubernd gutes Herz besaß.   Poor Joe’s panic lasted for two or three days; during which he did not visit the house, nor during that period did Miss Rebecca ever mention his name. She was all respectful gratitude to Mrs. Sedley; delighted beyond measure at the Bazaars; and in a whirl of wonder at the theatre, whither the good-natured lady took her. One day, Amelia had a headache, and could not go upon some party of pleasure to which the two young people were invited: nothing could induce her friend to go without her. “What! you who have shown the poor orphan what happiness and love are for the first time in her life — quit you ? Never!” and the green eyes looked up to Heaven and filled with tears; and Mrs. Sedley could not but own that her daughter’s friend had a charming kind heart of her own. Was Mr. Sedleys Späße betrifft, so lachte Rebekka darüber mit einer Herzlichkeit und einer Ausdauer, die den gutmütigen Herrn nicht wenig ergötzte und erweichte. Aber nicht allein die Herrschaft gewann Miss Sharp für sich. Sie erweckte auch die Sympathien von Mrs. Blenkinsop, als sie das lebhafteste Interesse für das Einmachen von Himbeermarmelade, was im Zimmer der Haushälterin vor sich ging, an den Tag legte; sie blieb dabei, Sambo »Sir« oder »Mr. Sambo« zu nennen, zum großen Entzücken des Dieners; auch entschuldigte sie sich bei dem Zimmermädchen so liebenswürdig und bescheiden wegen der Mühe, die sie ihr verursache, wenn sie wagte, nach ihr zu läuten, daß die Gesindestube von ihr fast ebenso bezaubert war wie der Salon.   As for Mr. Sedley’s jokes, Rebecca laughed at them with a cordiality and perseverance which not a little pleased and softened that good-natured gentleman. Nor was it with the chiefs of the family alone that Miss Sharp found favour. She interested Mrs. Blenkinsop by evincing the deepest sympathy in the raspberry-jam preserving, which operation was then going on in the Housekeeper’s room; she persisted in calling Sambo “Sir,” and “Mr. Sambo,” to the delight of that attendant; and she apologised to the lady’s maid for giving her trouble in venturing to ring the bell, with such sweetness and humility, that the Servants’ Hall was almost as charmed with her as the Drawing Room. Eines Tages, als sie einige Zeichnungen ansah, die Amelia von der Schule nach Hause geschickt hatte, stieß Rebekka plötzlich auf eine, die ihr einen Tränenstrom entlockte, und sie lief aus dem Zimmer. Es war an dem Tage, an dem Joe Sedley sich zum zweiten Male zeigte.   Once, in looking over some drawings which Amelia had sent from school, Rebecca suddenly came upon one which caused her to burst into tears and leave the room. It was on the day when Joe Sedley made his second appearance. Amelia eilte ihrer Freundin nach, um die Ursache dieses plötzlichen Gefühlsausbruches zu erfahren, und das gutmütige Mädchen kam, ebenfalls ziemlich ergriffen, ohne ihre Gefährtin zurück. »Du weißt, Mama, ihr Vater war unser Zeichenlehrer in Chiswick, und er machte das meiste an unseren Zeichnungen.« »Meine Liebe! Miss Pinkerton sagte doch aber stets, daß er sie nicht anrührte, sondern bloß arrangierte!«   Amelia hastened after her friend to know the cause of this display of feeling, and the good-natured girl came back without her companion, rather affected too. “You know, her father was our drawing-master, Mamma, at Chiswick, and used to do all the best parts of our drawings.” »Man nannte es arrangieren, Mama. Rebekka erinnert sich wohl noch an die Zeichnung und daß ihr Vater daran gearbeitet hat; und der Gedanke überkam sie ziemlich plötzlich, deshalb, weißt du, konnte sie...«   “My love! I’m sure I always heard Miss Pinkerton say that he did not touch them — he only mounted them.” “It was called mounting, Mamma. Rebecca remembers the drawing, and her father working at it, and the thought of it came upon her rather suddenly — and so, you know, she — " »Das arme Kind ist ganz Herz«, meinte Mrs. Sedley.   “The poor child is all heart,” said Mrs. Sedley. »Ich wollte, sie könnte noch eine Woche bei uns bleiben«, sagte Amelia.   “I wish she could stay with us another week,” said Amelia. »Sie sieht Miss Cutler, mit der ich oft in Dumdum zusammen war, verteufelt ähnlich; nur ist sie blonder. Sie ist jetzt mit Lance, dem Stabsarzt bei der Artillerie, verheiratet. Weißt du, Mama, daß einst Quintin vom Vierzehnten Regiment mit mir wettete ...«   “She’s devilish like Miss Cutler that I used to meet at Dumdum, only fairer. She’s married now to Lance, the Artillery Surgeon. Do you know, Ma’am, that once Quintin, of the 14th, bet me — ” »Oh, Joseph, wir kennen diese Geschichte bereits«, sagte Amelia lachend. »Du brauchst sie uns nicht wieder aufzutischen; aber überrede Mama, daß sie an Sir Dingsbums Crawley schreibt.« »Hatte er nicht einen Sohn bei der Königlichen Leichten Kavallerie in Indien?« »Ja, willst du an ihn schreiben und ihn um Erlaubnis bitten, daß die arme, liebe Rebekka noch hierbleiben kann? Aber hier kommt sie ja mit rotgeweinten Augen.«   “O Joseph, we know that story,” said Amelia, laughing. Never mind about telling that; but persuade Mamma to write to Sir Something Crawley for leave of absence for poor dear Rebecca: here she comes, her eyes red with weeping.” »Es ist mir schon besser«, sagte das Mädchen mit dem süßesten Lächeln, das ihr zu Gebote stand, ergriff die ausgestreckte Hand der gutmütigen Mrs. Sedley und küßte sie respektvoll. »Wie freundlich sind doch alle zu mir! Alle«, setzte sie lachend hinzu, »außer Ihnen, Mr. Joseph.«   “I’m better, now,” said the girl, with the sweetest smile possible, taking good-natured Mrs. Sedley’s extended hand and kissing it respectfully. “How kind you all are to me! All,” she added, with a laugh, “except you, Mr. Joseph.” »Ich!« sagte Joseph, der eine sofortige Flucht plante. »Grundgütiger Himmel! Lieber Gott! Miss Sharp!«   “Me!” said Joseph, meditating an instant departure “Gracious Heavens! Good Gad! Miss Sharp!’ »Ja; wie konnten Sie nur so grausam sein, mich am ersten Tage unserer Bekanntschaft dieses abscheuliche Pfeffergericht essen zu lassen? Sie sind nicht so nett zu mir wie die liebe Amelia.«   “Yes; how could you be so cruel as to make me eat that horrid pepper-dish at dinner, the first day I ever saw you? You are not so good to me as dear Amelia.” »Er kennt dich nicht so gut«, rief Amelia..   “He doesn’t know you so well,” cried Amelia. »Ich glaube nicht, daß jemand häßlich zu Ihnen sein könnte, meine Liebe«, bemerkte ihre Mutter.   “I defy anybody not to be good to you, my dear,” said her mother. »Der Curry war köstlich, ja, wirklich«, meinte Joe würdevoll. »Vielleicht war nicht genug Zitronensaft darin; ja, das war es.«   “The curry was capital; indeed it was,” said Joe, quite gravely. “Perhaps there was not enough citron juice in it — no, there was not .” »Und die Chilis?«   “And the chilis?” »Beim Zeus, wie Sie dabei geschrien haben!« sagte Joe, von der Komik der Situation gepackt, und bekam einen Lachanfall, der wie gewöhnlich plötzlich wieder abbrach.   “By Jove, how they made you cry out!” said Joe, caught by the ridicule of the circumstance, and exploding in a fit of laughter which ended quite suddenly, as usual. »Ein anderes Mal werde ich mich hüten, Sie für mich wählen zu lassen«, sagte Rebekka, als sie wieder zum Mittagessen hinabgingen. »Ich glaubte nicht, daß es Männer gäbe, die ihre Freude daran fänden, arme arglose Mädchen zu quälen.«   “I shall take care how I let you choose for me another time,” said Rebecca, as they went down again to dinner. “I didn’t think men were fond of putting poor harmless girls to pain.” »Bei Gott, Miss Rebekka, um nichts in der Welt möchte ich Sie quälen.«   “By Gad, Miss Rebecca, I wouldn’t hurt you for the world.” »Ja«, sagte sie, »ich weiß, daß Sie das nicht möchten.« Und dann drückte sie mit ihrer kleinen Hand die seine sehr zart und zog sie ganz erschrocken wieder zurück und sah ihm erst einen Augenblick ins Gesicht und dann auf die Treppenläuferstangen; und ich vermag nicht zu sagen, ob Josephs Herz nicht höher schlug, als das einfache Mädchen ihm so unwillkürlich ein schüchternes, zartes Zeichen ihrer Aufmerksamkeit gab.   “No,” said she, “I know you wouldn’t”; and then she gave him ever so gentle a pressure with her little hand, and drew it back quite frightened, and looked first for one instant in his face, and then down at the carpet-rods; and I am not prepared to say that Joe’s heart did not thump at this little involuntary, timid, gentle motion of regard on the part of the simple girl. Es war ein Annäherungsversuch, und daher werden vielleicht einige vornehme Damen von unbestrittener Sittenstrenge die Handlung als unanständig verdammen; aber wie man sieht, mußte die arme Rebekka alle diese Mühe selbst auf sich nehmen. Wenn jemand zu arm ist, sich einen Dienstboten zu halten, so muß er, sei er auch noch so vornehm, seine Zimmer selbst kehren; hat ein liebes Mädchen keine liebe Mama, um die Sache mit dem jungen Mann ins reine zu bringen, so bleibt ihr nichts übrig, als es selbst zu tun. Ach, wie gut ist es, daß solche Frauen ihre Macht nicht öfter ausüben; wir können ihnen nicht widerstehen, wenn sie es tun. Schon bei der geringsten Absicht, die sie zeigen, sinken die Männer augenblicklich auf die Knie, ob alt oder häßlich, ist völlig gleichgültig. Und das ist die reine Wahrheit: Eine Frau kann bei günstiger Gelegenheit, wenn sie nicht gerade einen Buckel hat, heiraten, wen sie will. Seien wir dankbar, daß die lieben Geschöpfe wie die Tiere des Feldes sind und sich ihrer Macht nie bewußt werden. Wenn sie das täten, so würden sie uns völlig unterwerfen.   It was an advance, and as such, perhaps, some ladies of indisputable correctness and gentility will condemn the action as immodest; but, you see, poor dear Rebecca had all this work to do for herself. If a person is too poor to keep a servant, though ever so elegant, he must sweep his own rooms: if a dear girl has no dear Mamma to settle matters with the young man, she must do it for herself. And oh, what a mercy it is that these women do not exercise their powers oftener! We can’t resist them, if they do. Let them show ever so little inclination, and men go down on their knees at once: old or ugly, it is all the same. And this I set down as a positive truth. A woman with fair opportunities, and without an absolute hump, may marry whom she likes . Only let us be thankful that the darlings are like the beasts of the field, and don’t know their own power. They would overcome us entirely if they did. O Gott! dachte Joseph, als er das Speisezimmer betrat, ich bekomme genau dieselben Gefühle wie bei Miss Cutler in Dumdum. Viele nette kleine Fragen über die Speisen richtete Miss Sharp bei Tisch halb zärtlich, halb schelmisch an ihn, denn nun stand sie schon auf ziemlich vertrautem Fuß mit der Familie, und die beiden Mädchen liebten sich wie Schwestern. Das tun junge, unverheiratete Mädchen immer, wenn sie zehn Tage in einem Hause gelebt haben.   “Egad!” thought Joseph, entering the dining-room, “I exactly begin to feel as I did at Dumdum with Miss Cutler.” Many sweet little appeals, half tender, half jocular, did Miss Sharp make to him about the dishes at dinner; for by this time she was on a footing of considerable familiarity with the family, and as for the girls, they loved each other like sisters. Young unmarried girls always do, if they are in a house together for ten days. Als ob Amelia Rebekkas Pläne in jeder Weise fördern wollte, mußte sie ihren Bruder an ein wählend der letzten Osterferien gegebenes Versprechen erinnern – »als ich noch ein Schulmädchen war«, meinte sie lachend – ein Versprechen, daß er, Joseph, sie mit nach Vauxhall nehmen würde.   As if bent upon advancing Rebecca’s plans in every way — what must Amelia do, but remind her brother of a promise made last Easter holidays — "When I was a girl at school,” said she, laughing — a promise that he, Joseph, would take her to Vauxhall. “Now,” she said, “that Rebecca is with us, will be the very time.” »Jetzt, wo Rebekka bei uns ist, wäre es gerade die beste Gelegenheit.« »Oh, herrlich!« rief Rebekka und war im Begriff, vor Freude in die Hände zu klatschen; aber sie besann sich und hielt inne, wie es einem bescheidenen Geschöpf, das sie war, geziemte.   “O, delightful!” said Rebecca, going to clap her hands; but she recollected herself, and paused, like a modest creature, as she was. »Heute abend wird nichts daraus«, sagte Joe.   “To-night is not the night,” said Joe. »Na, dann morgen.«   “Well, to-morrow.” »Morgen bin ich mit eurem Vater zum Essen eingeladen«, sagte Mrs. Sedley.   “To-morrow your Papa and I dine out,” said Mrs. Sedley. »Du glaubst doch nicht etwa, daß ich gehe, Mrs. Sed?« fragte ihr Mann. »Und daß eine Frau in deinem Alter und mit deiner Figur sich an so einem abscheulich feuchten Orte eine Erkältung holen soll?«   “You don’t suppose that I’m going, Mrs. Sed?” said her husband, “and that a woman of your years and size is to catch cold, in such an abominable damp place?” »Es muß doch aber jemand die Kinder begleiten!« rief Mrs. Sedley.   “The children must have someone with them,” cried Mrs. Sedley. »Joe mag mitgehen«, sagte der Vater lachend. »Er ist gewichtig genug dazu.« Bei diesen Worten mußte selbst Mr. Sambo am Seitentisch lachen, und der arme, dicke Joe verspürte die Neigung, der Mörder seines Vaters zu werden.   “Let Joe go,” said-his father, laughing. “He’s big enough.” At which speech even Mr. Sambo at the sideboard burst out laughing, and poor fat Joe felt inclined to become a parricide almost. »Schnürt ihm das Korsett auf!« fuhr der alte Herr mitleidlos fort. »Spritzen Sie ihm doch Wasser ins Gesicht, Miss Sharp, oder tragen Sie ihn hinauf, das liebe Geschöpf fällt gleich in Ohnmacht. Armes Opferlamm! Tragt ihn hinauf, er ist federleicht!«   “Undo his stays!” continued the pitiless old gentleman. “Fling some water in his face, Miss Sharp, or carry him upstairs: the dear creature’s fainting. Poor victim! carry him up; he’s as light as a feather!” »Verdammt, wenn das jemand aushält!« brüllte Joseph.   “If I stand this, sir, I’m d — !” roared Joseph. »Laß Mr. Joes Elefanten kommen, Sambo!« rief der Vater. »Schick zum Zoo, Sambo.« Als aber der alte Witzbold sah, daß Joe vor lauter Ärger fast in Tränen ausbrach, hörte er auf zu lachen, streckte seinem Sohn die Hand entgegen und sagte: »Es herrscht ein offener Ton an der Börse, Joe – und du, Sambo, laß den Elefanten und gib mir und Mr. Joe ein Glas Champagner. Selbst Bony hat nicht solchen im Keller, mein Junge!«   “Order Mr. Jos’s elephant, Sambo!” cried the father. “Send to Exeter ’Change, Sambo”; but seeing Jos ready almost to cry with vexation, the old joker stopped his laughter, and said, holding out his hand to his son, “It’s all fair on the Stock Exchange, Jos — and, Sambo, never mind the elephant, but give me and Mr. Jos a glass of Champagne. Boney himself hasn’t got such in his cellar, my boy!” Ein Glas Champagner stellte Josephs Gleichmut wieder her, und noch ehe die Flasche geleert war – er, der Kranke, trank zwei Drittel davon –, hatte er seine Einwilligung gegeben, die jungen Damen nach Vauxhall mitzunehmen.   A goblet of Champagne restored Joseph’s equanimity, and before the bottle was emptied, of which as an invalid he took two-thirds, he had agreed to take the young ladies to Vauxhall. »Die Mädchen müssen jede einen Herrn haben«, sagte der alte Herr. »Joe verliert Emmy bestimmt im Gedränge, Miss Sharp wird seine Aufmerksamkeit ganz in Anspruch nehmen. Schickt nach Nr. 96 und fragt bei George Osborne an, ob er mitfahren will.«   “The girls must have a gentleman apiece,” said the old gentleman. “Jos will be sure to leave Emmy in the crowd, he will be so taken up with Miss Sharp here. Send to 96, and ask George Osborne if he’ll come.” Ich weiß nicht warum – aber bei diesen Worten sah Mrs. Sedley lachend ihren Mann an, und Mr. Sedleys Augen zwinkerten unbeschreiblich schalkhaft, wobei er Amelia anblickte; und Amelia ließ den Kopf hängen und errötete, wie nur Siebzehnjährige erröten können und wie Miss Rebekka Sharp in ihrem ganzen Leben nie errötet war – wenigstens nicht seit ihrem achten Jahr, als sie von ihrer Patin beim Marmeladenaschen im Speiseschrank ertappt wurde. »Amelia sollte lieber ein paar Worte schreiben«, meinte der Vater, »damit George Osborne sieht, was für eine schöne Handschrift wir aus Miss Pinkertons Schule mitgebracht haben. Erinnerst du dich noch, Emmy, wie du ihn zum Dreikönigsfest zu uns einludest und Fest mit ß schriebst?«   At this, I don’t know in the least for what reason, Mrs. Sedley looked at her husband and laughed. Mr. Sedley’s eyes twinkled in a manner indescribably roguish, and he looked at Amelia; and Amelia, hanging down her head, blushed as only young ladies of seventeen know how to blush, and as Miss Rebecca Sharp never blushed in her life — at least not since she was eight years old, and when she was caught stealing jam out of a cupboard by her godmother. “Amelia had better write a note,” said her father; “and let George Osborne see what a beautiful handwriting we have brought back from Miss Pinkerton’s. Do you remember when you wrote to him to come on Twelfth-night, Emmy, and spelt twelfth without the f?” »Ach, das ist viele Jahre her«, wehrte Amelia ab.   “That was years ago,” said Amelia. »Es ist, als ob es erst gestern gewesen wäre, nicht wahr, John?« wandte sich Mrs. Sedley an ihren Mann, und in jener Nacht führten beide noch ein Gespräch. Es fand in einem Vorderzimmer des ersten Stockwerkes statt, in einer Art Zelt aus Vorhängen von kostbarem Zitz mit phantastischen indischen Mustern, gefüttert mit zartrosa Kaliko. Im Innern dieses Prunkzeltes stand ein Bett, auf dem sich zwei Kissen befanden, und auf jedem lag ein rundes, rotes Gesicht, eins umrahmt von einer spitzenbesetzten Nachthaube, eins von einer einfachen baumwollenen Zipfelmütze. In diesem Gespräch, buchstäblich eine Gardinenpredigt, stellte Mrs. Sedley ihren Mann wegen der grausamen Behandlung des armen Joe zur Rede.   “It seems like yesterday, don’t it, John?” said Mrs. Sedley to her husband; and that night in a conversation which took place in a front room in the second floor, in a sort of tent, hung round with chintz of a rich and fantastic India pattern, and double with calico of a tender rose-colour; in the interior of which species of marquee was a featherbed, on which were two pillows, on which were two round red faces, one in a laced nightcap, and one in a simple cotton one, ending in a tassel — in a curtain lecture , I say, Mrs. Sedley took her husband to task for his cruel conduct to poor Joe. »Es war nicht nett von dir, Sedley«, sagte sie, »den armen Jungen so zu quälen.«   “It was quite wicked of you, Mr. Sedley,” said she, “to torment the poor boy so.” »Meine Teure«, verteidigte sich die baumwollene Zipfelmütze, »Joe ist noch ein ganz Teil eitler, als du je in deinem ganzen Leben gewesen bist, und das will schon etwas heißen. Dabei hattest du wahrscheinlich vor etlichen dreißig Jahren, so um siebzehnhundertachtzig, einige Ursache zur Eitelkeit, ich kann's nicht leugnen. Aber Joe mit seiner stutzerhaften Schüchternheit macht mich ungeduldig. Er ist schlimmer als der andere Joseph, meine Liebe, und dabei denkt der Junge doch die ganze Zeit nur an sich selbst und was für ein hübscher Bursche er ist. Ich glaube fast, Madame, wir werden mit ihm noch unsere liebe Not haben. Da ist nun Emmys kleine Freundin, die ihn nach Leibeskräften umgirrt, das ist ganz offensichtlich; und wenn sie ihn nicht kapert, dann kapert ihn eine andere. Dieser Mann ist nun einmal dazu bestimmt, den Frauen zur Beute zu fallen, wie ich, täglich zur Börse zu gehen. Wir können noch von Glück sagen, meine Liebe, daß er uns nicht eine schwarze Schwiegertochter mitgebracht hat. Aber denk an meine Worte, die erste Frau, die nach ihm angelt, fängt ihn auch.«   “My dear,” said the cotton-tassel in defence of his conduct, “Jos is a great deal vainer than you ever were in your life, and that’s saying a good deal. Though, some thirty years ago, in the year seventeen hundred and eighty — what was it? — perhaps you had a right to be vain — I don’t say no. But I’ve no patience with Jos and his dandified modesty. It is out-Josephing Joseph, my dear, and all the while the boy is only thinking of himself, and what a fine fellow he is. I doubt, Ma’am, we shall have some trouble with him yet. Here is Emmy’s little friend making love to him as hard as she can; that’s quite clear; and if she does not catch him some other will. That man is destined to be a prey to woman, as I am to go on ’Change every day. It’s a mercy he did not bring us over a black daughter-in-law, my dear. But, mark my words, the first woman who fishes for him, hooks him.” »Morgen noch soll sie fort, dieses geriebene kleine Geschöpf«, stieß Mrs. Sedley energisch hervor.   “She shall go off to-morrow, the little artful creature,” said Mrs. Sedley, with great energy. »Warum nicht sie ebensogut wie eine andere, Mrs. Sedley? Immerhin hat das Mädchen ein weißes Gesicht. Mir ist es gleichgültig, wer ihn heiratet. Joe kann tun und lassen, was er will.«   “Why not she as well as another, Mrs. Sedley? The girl’s a white face at any rate. I don’t care who marries him. Let Joe please himself.” Bald darauf verstummten beide Stimmen und wurden von der sanften, aber unromantischen Musik der Nase ersetzt. Wenn nicht gerade die Kirchenglocken die Stunden schlugen und der Nachtwächter sie ausrief, war es still im Hause von John Sedley, Esquire und Börsenmann vom Russell Square.   And presently the voices of the two speakers were hushed, or were replaced by the gentle but unromantic music of the nose; and save when the church bells tolled the hour and the watchman called it, all was silent at the house of John Sedley, Esquire, of Russell Square, and the Stock Exchange. Als der Morgen kam, dachte die gutmütige Mrs. Sedley nicht mehr daran, ihre Drohungen gegen Miss Sharp in die Tat umzusetzen; denn obgleich nichts wachsamer und verbreiteter, aber auch nichts mehr zu rechtfertigen ist als mütterliche Eifersucht, so konnte sie es doch nicht glauben, daß die einfache, dankbare, sanfte kleine Erzieherin es wagen würde, zu einer herrlichen Persönlichkeit wie dem Steuereinnehmer von Boggley Wollah aufzusehen. Auch war das Gesuch um Urlaubsverlängerung für die junge Dame bereits abgesandt, und man konnte nicht leicht einen Vorwand finden, sie so plötzlich wegzuschicken.   When morning came, the good-natured Mrs. Sedley no longer thought of executing her threats with regard to Miss Sharp; for though nothing is more keen, nor more common, nor more justifiable, than maternal jealousy, yet she could not bring herself to suppose that the little, humble, grateful, gentle governess would dare to look up to such a magnificent personage as the Collector of Boggley Wollah. The petition, too, for an extension of the young lady’s leave of absence had already been despatched, and it would be difficult to find a pretext for abruptly dismissing her. Und als ob alles sich zugunsten der freundlichen Rebekka verschworen härte, kamen ihr sogar die Elemente zu Hilfe, obgleich sie anfangs nicht geneigt war, deren Eingreifen als günstig für sie zu betrachten. Denn am Abend, den man für Vauxhall bestimmt hatte – George Osborne war zum Essen gekommen, und die beiden älteren Herrschaften waren ihrer Einladung gefolgt und speisten bei Alderman Balls in Highbury Barn -, gab es ein solches Gewitter, wie sie nur an Vauxhall-Abenden vorkommen, und so sahen sich die jungen Leute gezwungen, zu Hause zu bleiben. Mr. Osborne schien über diesen Verlauf der Dinge nicht im mindesten enttäuscht zu sein. Er und Joseph Sedley tranken tête à tête im Speisezimmer ein gehöriges Quantum Portwein, und dabei erzählte Sedley eine Anzahl seiner besten indischen Geschichten, denn in Männergesellschaft war er sehr gesprächig. Später machte Miss Amelia Sedley die Honneurs im Salon, und die vier jungen Menschen verbrachten den Abend so angenehm miteinander, daß sie erklärten, sie seien ganz zufrieden, daß sie wegen des Gewitters ihren Besuch in Vauxhall hätten aufgeben müssen.   And as if all things conspired in favour of the gentle Rebecca, the very elements (although she was not inclined at first to acknowledge their action in her behalf) interposed to aid her. For on the evening appointed for the Vauxhall party, George Osborne having come to dinner, and the elders of the house having departed, according to invitation, to dine with Alderman Balls at Highbury Barn, there came on such a thunder-storm as only happens on Vauxhall nights, and as obliged the young people, perforce, to remain at home. Mr. Osborne did not seem in the least disappointed at this occurrence. He and Joseph Sedley drank a fitting quantity of port-wine, tete-a-tete, in the dining-room, during the drinking of which Sedley told a number of his best Indian stories; for he was extremely talkative in man’s society; and afterwards Miss Amelia Sedley did the honours of the drawing-room; and these four young persons passed such a comfortable evening together, that they declared they were rather glad of the thunder-storm than otherwise, which had caused them to put off their visit to Vauxhall. Osborne war Sedleys Patenkind und gehörte seit dreiundzwanzig Jahren so gut wie zur Familie. Als er sechs Wochen alt war, hatte ihm John Sedley einen silbernen Becher geschenkt; im Alter von sechs Monaten eine goldene Klapper mit Pfeifchen und Glöckchen und einer Beißkoralle daran; von seiner Kindheit an bekam er regelmäßig zu Weihnachten von dem alten Herrn ein Geldgeschenk; auch erinnerte er sich noch genau, wie er, George, ein frecher zehnjähriger Bengel, einmal, als er zur Schule zurückkehrte, von Joseph Sedley, dem dicken, großtuerischen Tölpel, tüchtig durchgeprügelt wurde. Mit einem Wort, George war mit der Familie so vertraut, wie es solche täglichen Freundschaftsbeweise und Umgangsformen nur mit sich bringen konnten.   Osborne was Sedley’s godson, and had been one of the family any time these three-and-twenty years. At six weeks old, he had received from John Sedley a present of a silver cup; at six months old, a coral with gold whistle and bells; from his youth upwards he was “tipped” regularly by the old gentleman at Christmas: and on going back to school, he remembered perfectly well being thrashed by Joseph Sedley, when the latter was a big, swaggering hobbadyhoy, and George an impudent urchin of ten years old. In a word, George was as familiar with the family as such daily acts of kindness and intercourse could make him. »Weißt du noch, Sedley, wie wütend du warst, als ich die Troddeln von deinen Reitstiefeln abschnitt, und wie Miss – hm! – wie Amelia mir den Genuß einer Prügelsuppe ersparte, indem sie auf die Knie niederfiel und ihren Bruder Joe flehentlich bat, den kleinen George doch nicht zu schlagen?«   “Do you remember, Sedley, what a fury you were in, when I cut off the tassels of your Hessian boots, and how Miss — hem! — how Amelia rescued me from a beating, by falling down on her knees and crying out to her brother Jos, not to beat little George?” Joe erinnerte sich dieser denkwürdigen Begebenheit zwar genau, beteuerte aber, daß er sie vollkommen vergessen habe.   Jos remembered this remarkable circumstance perfectly well, but vowed that he had totally forgotten it. »Nun, weißt du noch, wie du mich vor deiner Abreise nach Indien in einer Gig bei Doktor Swishtail besuchen kamst und wie du mir eine halbe Guinee gabst und mir dabei den Kopf tätscheltest? Es schien mir immer, als seist du mindestens zwei Meter groß, und ich war daher bei deiner Rückkehr aus Indien ganz erstaunt, daß du nicht größer warst, als ich selbst bin.«   “Well, do you remember coming down in a gig to Dr. Swishtail’s to see me, before you went to India, and giving me half a guinea and a pat on the head? I always had an idea that you were at least seven feet high, and was quite astonished at your return from India to find you no taller than myself.” »Wie lieb war es von Mr. Sedley, in Ihre Schule zu kommen und Ihnen Geld zu schenken!« rief Rebekka, mit dem Ausdruck des äußersten Entzückens.   “How good of Mr. Sedley to go to your school and give you the money!” exclaimed Rebecca, in accents of extreme delight. »Ja, noch dazu, wo ich doch die Troddeln von seinen Stiefeln abgeschnitten hatte. Knaben vergessen solche Geschenke, die sie während ihrer Schulzeit erhalten, nie und ebensowenig die Geber.«   “Yes, and after I had cut the tassels of his boots too. Boys never forget those tips at school, nor the givers.” »Ich liebe Reitstiefel«, sagte Rebekka. Joe Sedley, der seine Beine außerordentlich bewunderte und stets diese dekorative chaussure trug, war über die Bemerkung höchlich erfreut, wenn er auch seine Beine dabei unter den Stuhl zurückzog.   “I delight in Hessian boots,” said Rebecca. Jos Sedley, who admired his own legs prodigiously, and always wore this ornamental chaussure, was extremely pleased at this remark, though he drew his legs under his chair as it was made. »Miss Sharp«, schlug George Osborne vor, »Sie als geschickte Künstlerin müssen uns ein großartiges historisches Gemälde von der Stiefelszene liefern. Sedley muß in ledernen Hosen dargestellt sein, mit einem der beschädigten Stiefel in einer Hand; mit der andern muß er mich an der Hemdkrause halten, und Amelia kniet mit erhobenen Händen neben ihm. Das Gemälde soll einen großartigen allegorischen Namen tragen, wie die Titelblätter in der Medulla und in der Abc-Fibel.«   “Miss Sharp!” said George Osborne, “you who are so clever an artist, you must make a grand historical picture of the scene of the boots. Sedley shall be represented in buckskins, and holding one of the injured boots in one hand; by the other he shall have hold of my shirt-frill. Amelia shall be kneeling near him, with her little hands up; and the picture shall have a grand allegorical title, as the frontispieces have in the Medulla and the spelling-book.” »Hier werde ich aber keine Zeit dazu haben«, sagte Rebekka. »Ich will es machen, wenn – ich fort bin.« Und sie ließ die Stimme sinken und sah so traurig und elend aus, daß jedermann fühlte, wie grausam ihr Los sei und wie ungern man sich von ihr trennen würde.   “I shan’t have time to do it here,” said Rebecca. ’I’ll do it when — when I’m gone.” And she dropped her voice, and looked so sad and piteous, that everybody felt how cruel her lot was, and how sorry they would be to part with her. »Ach, wenn du doch länger bleiben könntest, liebe Rebekka«, sagte Amelia.   “O that you could stay longer, dear Rebecca,” said Amelia. »Warum?« gab die andere, noch trauriger, zurück. »Damit ich noch unglück ... damit es noch schwerer wird, dich zu verlassen?« Sie wandte den Kopf ab. Amelia begann, ihrem natürlichen Hang für Tränen, der, wie gesagt, eine Schwäche dieses einfältigen kleinen Dinges war, nachzugeben. George Osborne blickte die beiden jungen Mädchen gerührt und neugierig an, und Joseph Sedley holte aus seinem mächtigen Brustkasten etwas hervor, was einem Seufzer sehr ähnlich war, und ließ seine Augen auf seinen teuren Reitstiefeln ruhen.   “Why?” answered the other, still more sadly. “That I may be only the more unhap — unwilling to lose you?” And she turned away her head. Amelia began to give way to that natural infirmity of tears which, we have said, was one of the defects of this silly little thing. George Osborne looked at the two young women with a touched curiosity; and Joseph Sedley heaved something very like a sigh out of his big chest, as he cast his eyes down towards his favourite Hessian boots. »Wollen wir nicht ein bißchen Musik machen, Miss Sedley – Amelia?« bat George, der in diesem Augenblick eine außerordentliche, fast unwiderstehliche Lust verspürte, das erwähnte junge Mädchen in die Arme zu schließen und vor den Augen der ganzen Gesellschaft zu küssen, und sie sah ihn eine Sekunde lang an, aber wenn ich sagen wollte, daß sie sich in diesem Moment ineinander verliebten, dann wäre das wahrscheinlich nicht die Wahrheit; denn es steht fest, daß die Eltern diese beiden jungen Leute auf dieses Ziel hin erzogen hatten und ihr Aufgebot sozusagen schon seit zehn Jahren in den jeweiligen Familien immer wieder verlesen worden war. Sie begaben sich zum Klavier, das, wie es meist üblich ist, in dem hinteren Teil des Salons stand, und da es ziemlich dunkel war, legte Miss Amelia auf die natürlichste Weise der Welt ihre Hand in die Mr. Osbornes, der selbstverständlich den Weg zwischen den Stühlen und Ottomanen viel besser finden konnte als sie. Das aber ließ Mr. Joseph Sedley tête à tête mit Rebekka am Salontisch, wo das Mädchen mit dem Knüpfen einer grünseidenen Börse beschäftigt war.   “Let us have some music, Miss Sedley — Amelia,” said George, who felt at that moment an extraordinary, almost irresistible impulse to seize the above-mentioned young woman in his arms, and to kiss her in the face of the company; and she looked at him for a moment, and if I should say that they fell in love with each other at that single instant of time, I should perhaps be telling an untruth, for the fact is that these two young people had been bred up by their parents for this very purpose, and their banns had, as it were, been read in their respective families any time these ten years. They went off to the piano, which was situated, as pianos usually are, in the back drawing-room; and as it was rather dark, Miss Amelia, in the most unaffected way in the world, put her hand into Mr. Osborne’s, who, of course, could see the way among the chairs and ottomans a great deal better than she could. But this arrangement left Mr. Joseph Sedley tete-a-tete with Rebecca, at the drawing-room table, where the latter was occupied in knitting a green silk purse. »Man braucht da nach Familiengeheimnissen nicht erst zu fragen«, meinte Miss Sharp. »Diese beiden haben ihres verraten.«   “There is no need to ask family secrets,” said Miss Sharp. “Those two have told theirs.” »Sobald er eine Kompanie bekommt«, sagte Joseph, »glaube ich, wird die Sache in Ordnung kommen. George Osborne ist ein so feiner Bursche wie nur je einer.«   “As soon as he gets his company,” said Joseph, “I believe the affair is settled. George Osborne is a capital fellow.” »Und Ihre Schwester ist das netteste Geschöpf der Welt«, fuhr Rebekka fort. »Glücklich der Mann, der sie heimführt!« Bei diesen Worten seufzte Miss Sharp tief auf.   “And your sister the dearest creature in the world,” said Rebecca. “Happy the man who wins her!” With this, Miss Sharp gave a great sigh. Wenn zwei Unverheiratete zusammen sind und so delikate Themen wie dieses besprechen, so stellt sich bald ein vertrauter und intimer Ton zwischen ihnen ein. Wir brauchen das Gespräch nicht wiederzugeben, das Mr. Sedley und die junge Dame nun führten; denn die Unterhaltung war, wie schon aus der vorangegangenen Probe ersichtlich, weder besonders witzig noch wortreich; in Privatgesellschaften und auch sonst ist sie das selten, außer in überspannten und ausgeklügelten Romanen. Da nebenan musiziert wurde, so sprachen sie natürlich dementsprechend leise, obwohl das Paar nebenan auch durch eine noch so laute Unterhaltung nicht gestört worden wäre, denn sie waren mit ihren eigenen Angelegenheiten vollauf beschäftigt.   When two unmarried persons get together, and talk upon such delicate subjects as the present, a great deal of confidence and intimacy is presently established between them. There is no need of giving a special report of the conversation which now took place between Mr. Sedley and the young lady; for the conversation, as may be judged from the foregoing specimen, was not especially witty or eloquent; it seldom is in private societies, or anywhere except in very high-flown and ingenious novels. As there was music in the next room, the talk was carried on, of course, in a low and becoming tone, though, for the matter of that, the couple in the next apartment would not have been disturbed had the talking been ever so loud, so occupied were they with their own pursuits. Fast zum ersten Male in seinem Leben, so kam es Mr. Sedley vor, sprach er ohne die mindeste Schüchternheit und ohne zu stocken mit einer Person des anderen Geschlechts. Miss Rebekka befragte ihn ausführlich über Indien, was ihm Gelegenheit bot, manche interessante Anekdote über jenes Land und sich zum besten zu geben. Er beschrieb die Bälle im Regierungsgebäude, erzählte, wie man sich bei heißem Wetter mittels Punkahs, Tattys und anderen Einrichtungen Erfrischung verschaffe, äußerte sich höchst witzig über die Schotten, die Lord Minto, der Generalgouverneur, begünstigte; und dann berichtete er von einer Tigerjagd, wobei eins dieser wütenden Tiere seinen Elefantentreiber vom Sitz heruntergerissen hatte. Wie entzückt war Miss Rebekka von den Regierungsbällen, wie lachte sie über die Geschichten von den schottischen Adjutanten und nannte Mr. Sedley dabei einen schlimmen, mutwilligen Spötter; und wie erschrocken war sie über die Beschreibung von dem Elefanten! »Um Ihrer Mutter willen, lieber Mr. Sedley«, bat sie, »um all Ihrer Freunde willen, versprechen Sie mir, daß Sie sich nie, nie mehr auf ein so schreckliches Unternehmen einlassen!«   Almost for the first time in his life, Mr. Sedley found himself talking, without the least timidity or hesitation, to a person of the other sex. Miss Rebecca asked him a great number of questions about India, which gave him an opportunity of narrating many interesting anecdotes about that country and himself. He described the balls at Government House, and the manner in which they kept themselves cool in the hot weather, with punkahs, tatties, and other contrivances; and he was very witty regarding the number of Scotchmen whom Lord Minto, the Governor-General, patronised; and then he described a tiger-hunt; and the manner in which the mahout of his elephant had been pulled off his seat by one of the infuriated animals. How delighted Miss Rebecca was at the Government balls, and how she laughed at the stories of the Scotch aides-de-camp, and called Mr. Sedley a sad wicked satirical creature; and how frightened she was at the story of the elephant! “For your mother’s sake, dear Mr. Sedley,” she said, “for the sake of all your friends, promise never to go on one of those horrid expeditions.” »Pah, Miss Sharp«, sagte er und zog den Hemdkragen hoch, »die Gefahr macht ja den Sport erst aus.« Er hatte erst einmal an einer Tigerjagd teilgenommen, und zwar gerade, als der fragliche Vorfall sich ereignete, und dabei war er beinahe gestorben – nicht durch den Tiger, sondern vor Angst. Als er mit der Unterhaltung fortfuhr, wurde er immer kühner und erdreistete sich tatsächlich, Miss Rebekka zu fragen, für wen sie wohl die grünseidene Börse arbeite? Er war sehr überrascht und entzückt über seine anmutige, vertrauliche Art.   “Pooh, pooh, Miss Sharp,” said he, pulling up his shirt-collars; “the danger makes the sport only the pleasanter.” He had never been but once at a tiger-hunt, when the accident in question occurred, and when he was half killed — not by the tiger, but by the fright. And as he talked on, he grew quite bold, and actually had the audacity to ask Miss Rebecca for whom she was knitting the green silk purse? He was quite surprised and delighted at his own graceful familiar manner. »Für irgend jemand, der eine Börse braucht«, erwiderte Miss Rebekka und blickte ihn äußerst sanft und gewinnend an. Sedley war im Begriff, eine seiner wortreichsten Reden zu halten, und hatte gerade begonnen: »Oh, Miss Sharp, wie...«, als ein Lied, das nebenan gesungen wurde, endete und er seine eigene Stimme so deutlich vernahm, daß er innehielt, errötete und sich in großer Aufregung schneuzte.   “For any one who wants a purse,” replied Miss Rebecca, looking at him in the most gentle winning way. Sedley was going to make one of the most eloquent speeches possible, and had begun — "O Miss Sharp, how — ” when some song which was performed in the other room came to an end, and caused him to hear his own voice so distinctly that he stopped, blushed, and blew his nose in great agitation. »Haben Sie je so etwas wie Ihres Bruders Beredsamkeit gehört?« flüsterte Mr. Osborne Amelia zu. »Ich muß schon sagen, Ihre Freundin hat Wunder gewirkt.«   “Did you ever hear anything like your brother’s eloquence?” whispered Mr. Osborne to Amelia. “Why, your friend has worked miracles.” »Um so besser«, sagte Miss Amelia, die, wie fast alle unnützen Frauen, im Innersten eine Kupplerin war und die erfreut gewesen wäre, wenn Joseph eine Frau nach Indien mitgenommen hätte. Sie hatte im Laufe dieser wenigen Tage, in denen sie beständig mit Rebekka zusammen war, eine innige Zuneigung zu dem Mädchen gefaßt und hatte an ihr unzählige Tugenden und liebenswürdige Eigenschaften entdeckt, die sie nicht bemerkt hatte, solange sie beide in Chiswick waren. Die Freundschaft junger Mädchen wächst ebenso schnell wie Jacks Zauberbohne und erreicht in einer einzigen Nacht den Himmel. Man kann ihnen nicht übelnehmen, wenn, nach der Heirat diese »Sehnsucht nach der Liebe« nachläßt. Was sentimentale Leute, die gerne große Worte machen, die Sehnsucht nach dem Ideal nennen, bedeutet einfach, daß Frauen gewöhnlich nicht zufrieden sind, bis sie Männer und Kinder haben, auf die sie ihre Liebe, die sonst gleichsam in kleiner Münze ausgegeben wird, konzentrieren können.   “The more the better,” said Miss Amelia; who, like almost all women who are worth a pin, was a match-maker in her heart, and would have been delighted that Joseph should carry back a wife to India. She had, too, in the course of this few days’ constant intercourse, warmed into a most tender friendship for Rebecca, and discovered a million of virtues and amiable qualities in her which she had not perceived when they were at Chiswick together. For the affection of young ladies is of as rapid growth as Jack’s bean-stalk, and reaches up to the sky in a night. It is no blame to them that after marriage this Sehnsucht nach der Liebe subsides. It is what sentimentalists, who deal in very big words, call a yearning after the Ideal, and simply means that women are commonly not satisfied until they have husbands and children on whom they may centre affections, which are spent elsewhere, as it were, in small change. Nachdem Miss Amelia ihren kleinen Liederschatz erschöpft hatte oder lange genug im hinteren Teil des Salons gewesen war, erschien es ihr angebracht, ihre Freundin zum Singen zu bewegen. »Sie würden mir nicht zugehört haben«, sagte sie zu Mr. Osborne (obwohl sie wußte, daß es eine kleine Lüge war), »wenn Sie vorher Rebekka gehört hätten.«   Having expended her little store of songs, or having stayed long enough in the back drawing-room, it now appeared proper to Miss Amelia to ask her friend to sing. “You would not have listened to me,” she said to Mr. Osborne (though she knew she was telling a fib), “had you heard Rebecca first.” »Gleichwohl muß ich Miss Sharp im voraus zu verstehen geben«, sagte Osborne, »daß ich, ganz gleich ob zu Recht oder Unrecht, Miss Amelia Sedley als beste Sängerin der Welt betrachte.«   “I give Miss Sharp warning, though,” said Osborne, “that, right or wrong, I consider Miss Amelia Sedley the first singer in the world.” »Sie werden es ja hören«, meinte Amelia, und Joseph Sedley war wirklich so höflich, die Kerzen zum Klavier zu tragen. Osborne gab zu verstehen, es lasse sich ebensogut im Finstern sitzen, allein Miss Sedley lehnte es lachend ab, ihm länger Gesellschaft zu leisten, und die beiden folgten daher Mr. Joseph. Rebekka sang weit besser als ihre Freundin (obgleich natürlich Osborne ruhig bei seiner Ansicht bleiben durfte) und gab sich außerordentliche Mühe, und selbst Amelia, die sie noch nie zuvor so gut hatte singen hören, war verwundert. Sie trug ein französisches Lied vor, von dem Joseph überhaupt nichts verstand und das nicht zu verstehen auch George gestehen mußte; dann folgte eine Anzahl der einfachen Balladen, die vor vierzig Jahren Mode waren und in denen britische Matrosen, unser König, die arme Susanna, die blauäugige Mary und ähnliches mehr eine Rolle spielten. Sie sollen in musikalischer Hinsicht nicht besonders anspruchsvoll sein, allein sie appellieren doch an die guten, schlichten Gefühle, und die Menschen verstanden sie besser als die Donizettische Milch- und Wassermusik mit ihren ewigen lagrime, sospiri, felicità, die man uns heutzutage auftischt.   “You shall hear,” said Amelia; and Joseph Sedley was actually polite enough to carry the candles to the piano. Osborne hinted that he should like quite as well to sit in the dark; but Miss Sedley, laughing, declined to bear him company any farther, and the two accordingly followed Mr. Joseph. Rebecca sang far better than her friend (though of course Osborne was free to keep his opinion), and exerted herself to the utmost, and, indeed, to the wonder of Amelia, who had never known her perform so well. She sang a French song, which Joseph did not understand in the least, and which George confessed he did not understand, and then a number of those simple ballads which were the fashion forty years ago, and in which British tars, our King, poor Susan, blue-eyed Mary, and the like, were the principal themes. They are not, it is said, very brilliant, in a musical point of view, but contain numberless good-natured, simple appeals to the affections, which people understood better than the milk-and-water lagrime, sospiri, and felicita of the eternal Donizettian music with which we are favoured now-a-days. Empfindsame Gespräche, die zum Thema paßten, wurden zwischen den Liedern geführt, und Sambo, der den Tee gebracht hatte, sowie die entzückte Köchin und sogar Mrs. Blenkinsop, die Haushälterin, erniedrigten sich, auf dem Treppenabsatz zu lauschen.   Conversation of a sentimental sort, befitting the subject, was carried on between the songs, to which Sambo, after he had brought the tea, the delighted cook, and even Mrs. Blenkinsop, the housekeeper, condescended to listen on the landing-place. Eins dieser Lieder, das letzte des Konzerts, lautete:   Among these ditties was one, the last of the concert, and to the following effect: Ach! Öde war's an jenem Heideorte, wo pfiff der Wind so kalt und schneidend drein; der Hütte Dach ward hier zum sichern Horte, und hell glänzt' auf dem Herd des Feuers Schein. Da ging vorüber an der kleinen Pforte ein Waisenknabe, traurig und allein, und wie er sah das Feuer lustig glühen, Fühlt' doppelt er im Schnee des Weges Mühen.   Ah! bleak and barren was the moor, Ah! loud and piercing was the storm, The cottage roof was shelter’d sure, The cottage hearth was bright and warm — An orphan boy the lattice pass’d, And, as he mark’d its cheerful glow, Felt doubly keen the midnight blast, And doubly cold the fallen snow. Und als er wieder griff zum Wanderstabe, mit schwachem Herzen und mit müdem Fuß, da lud man ihn, reicht' freundlich ihm die Gabe, und sanfte Stimmen boten ihm den Gruß. Der Tag bricht an – schon weiter ist der Knabe, noch winkt der Herd zum gastlichen Genuß. Die Pilger schirme all der Himmel droben! Horcht, wie die Stürme auf der Heide toben!   They mark’d him as he onward prest, With fainting heart and weary limb; Kind voices bade him turn and rest, And gentle faces welcomed him. The dawn is up — the guest is gone, The cottage hearth is blazing still; Heaven pity all poor wanderers lone! Hark to the wind upon the hill! Es war eine Variation des vorhin Ausgesprochenen: Wenn ich fort bin. Als Miss Sharp die letzten Worte sang, zitterte ihre dunkle Stimme. Alle fühlten die Anspielung auf ihre Abreise und ihr glückloses Waisendasein. Joseph Sedley, der Musik liebte und ein weiches Herz hatte, war während des Liedes ganz verzückt und tief gerührt über den Schluß. Hätte er den Mut dazu gehabt, wären George und Miss Sedley, wie der junge Mann es vorgeschlagen hatte, vorn geblieben, so hätte Joseph Sedleys Junggesellenstand hier sein Ende gefunden, und dieses Werk wäre nie geschrieben worden. Aber Rebekka ergriff nach dem Lied Amelias Hand und ging mit ihr vom Klavier weg in den dämmerigen vorderen Salon. In diesem Augenblick erschien Mr. Sambo mit einem Teebrett voller Sandwiches, Gelees und ein paar funkelnden Gläsern und Karaffen, die alsbald Joseph Sedleys ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Als die Oberhäupter des Hauses Sedley von ihrem Diner zurückkehrten, fanden sie die jungen Leute so ins Gespräch vertieft, daß die den Wagen nicht hatten vorfahren hören. Mr. Joseph sagte gerade: »Meine liebe Miss Sharp, ein kleines Teelöffelchen voll Gelee, um Sie nach Ihrer ungeheuren – Ihrer – Ihrer wunderbaren Anstrengung zu erfrischen.«   It was the sentiment of the before-mentioned words, “When I’m gone,” over again. As she came to the last words, Miss Sharp’s “deep-toned voice faltered.” Everybody felt the allusion to her departure, and to her hapless orphan state. Joseph Sedley, who was fond of music, and soft-hearted, was in a state of ravishment during the performance of the song, and profoundly touched at its conclusion. If he had had the courage; if George and Miss Sedley had remained, according to the former’s proposal, in the farther room, Joseph Sedley’s bachelorhood would have been at an end, and this work would never have been written. But at the close of the ditty, Rebecca quitted the piano, and giving her hand to Amelia, walked away into the front drawing-room twilight; and, at this moment, Mr. Sambo made his appearance with a tray, containing sandwiches, jellies, and some glittering glasses and decanters, on which Joseph Sedley’s attention was immediately fixed. When the parents of the house of Sedley returned from their dinner-party, they found the young people so busy in talking, that they had not heard the arrival of the carriage, and Mr. Joseph was in the act of saying, “My dear Miss Sharp, one little teaspoonful of jelly to recruit you after your immense — your — your delightful exertions.” »Bravo, Joe!« ließ sich Mr. Sedley vernehmen, und kaum hatte Joe diese wohlbekannten, spöttischen Laute gehört, als er auch schon wieder in sein ängstliches Schweigen verfiel und sich davonmachte. Er lag nicht die ganze Nacht wach, um darüber nachzudenken, ob er in Miss Sharp verliebt sei, denn Liebesleidenschaft störte weder seinen Appetit noch Schlaf; aber doch dachte er im stillen, wie herrlich es doch sein müsse, solche Lieder nach dem Dienst zu hören, wie vornehm sich das Mädchen zu geben wisse, wie sie besser Französisch spreche als selbst die Gemahlin des Generalgouverneurs und welches Aufsehen sie auf den Bällen in Kalkutta erregen würde. Offenbar ist das arme Geschöpf in mich verliebt, überlegte er. Sie ist nicht ärmer als die meisten Mädchen, die nach Indien kommen. Bei Gott, ich könnte es bei anderen weit schlechter treffen! Unter diesen Gedanken schlief er ein.   “Bravo, Jos!” said Mr. Sedley; on hearing the bantering of which well-known voice, Jos instantly relapsed into an alarmed silence, and quickly took his departure. He did not lie awake all night thinking whether or not he was in love with Miss Sharp; the passion of love never interfered with the appetite or the slumber of Mr. Joseph Sedley; but he thought to himself how delightful it would be to hear such songs as those after Cutcherry — what a distinguee girl she was — how she could speak French better than the Governor-General’s lady herself — and what a sensation she would make at the Calcutta balls. “It’s evident the poor devil’s in love with me,” thought he. “She is just as rich as most of the girls who come out to India. I might go farther, and fare worse, egad!” And in these meditations he fell asleep. Daß Miss Sharp wach lag und Betrachtungen darüber anstellte, ob er am folgenden Tage kommen würde oder nicht, braucht hier nicht erwähnt zu werden. Der Morgen kam und mit ihm, unvermeidlich wie das Schicksal, Mr. Joseph Sedley, noch vor dem zweiten Frühstück. Noch niemals hatte man erlebt, daß er Russell Square eine solche Ehre erwies. George Osborne war aus irgendwelchen Gründen bereits dort und brachte Amelia, die an ihre zwölf Busenfreundinnen in der Chiswick Mall schrieb, völlig aus dem Konzept; und Rebekka war mit ihrer Arbeit vom Vortag beschäftigt. Als Joes Buggy vorfuhr und als der Steuereinnehmer von Boggley Wollah nach seinem üblichen Donnern gegen die Tür und seiner lärmenden Geschäftigkeit in der Vorhalle sich die Treppe hinaufarbeitete und dem Salon zusteuerte, tauschten Osborne und Miss Sedley verständnisinnige Blicke, und das Pärchen blickte schelmisch lächelnd Rebekka an, die tatsächlich errötete, als sie ihre blonden Ringellocken über ihre Filetarbeit neigte. Wie ihr Herz schlug, als Joseph erschien – Joseph, vom Treppensteigen keuchend, in glänzenden, knarrenden Stiefeln – Joseph, in einer neuen Weste, rot vor Hitze und Befangenheit, hinter seinem wattierten Halstuch noch mehr errötend. Für alle war es ein ängstlicher Augenblick, und Amelia war, wie ich glaube, sogar noch ängstlicher als; die, die es am meisten betraf.   How Miss Sharp lay awake, thinking, will he come or not to-morrow? need not be told here. To-morrow came, and, as sure as fate, Mr. Joseph Sedley made his appearance before luncheon. He had never been known before to confer such an honour on Russell Square. George Osborne was somehow there already (sadly “putting out” Amelia, who was writing to her twelve dearest friends at Chiswick Mall), and Rebecca was employed upon her yesterday’s work. As Joe’s buggy drove up, and while, after his usual thundering knock and pompous bustle at the door, the ex-Collector of Boggley Wollah laboured up stairs to the drawing-room, knowing glances were telegraphed between Osborne and Miss Sedley, and the pair, smiling archly, looked at Rebecca, who actually blushed as she bent her fair ringlets over her knitting. How her heart beat as Joseph appeared — Joseph, puffing from the staircase in shining creaking boots — Joseph, in a new waistcoat, red with heat and nervousness, and blushing behind his wadded neckcloth. It was a nervous moment for all; and as for Amelia, I think she was more frightened than even the people most concerned. Sambo, der die Tür aufgerissen und Mr. Joseph gemeldet hatte, folgte dem Steuereinnehmer grinsend mit zwei schönen Blumensträußen. Das Scheusal war wirklich so galant gewesen, sie an jenem Morgen auf dem Covent Garden Market zu kaufen. Sie waren zwar nicht ganz so groß wie die Heuschober, die unsere Damen heutzutage in durchbrochenen Papiermanschetten herumschleppen, aber die jungen Damen waren trotzdem von dem Geschenk entzückt, als Joseph mit einer äußerst feierlichen und schwerfälligen Verbeugung jeder einen Strauß überreicht hatte.   Sambo, who flung open the door and announced Mr. Joseph, followed grinning, in the Collector’s rear, and bearing two handsome nosegays of flowers, which the monster had actually had the gallantry to purchase in Covent Garden Market that morning — they were not as big as the haystacks which ladies carry about with them now-a-days, in cones of filigree paper; but the young women were delighted with the gift, as Joseph presented one to each, with an exceedingly solemn bow. »Bravo, Joe!« rief Osborne.   “Bravo, Jos!” cried Osborne. »Danke schön, lieber Joseph«, rief Amelia, bereit, ihrem Bruder einen Kuß zu geben, wenn er es wünschte. (Und ich glaube, für einen Kuß von einem so netten Geschöpf wie Amelia würde ich unverzüglich alle Gewächshäuser von Mr. Lee leerkaufen.)   “Thank you, dear Joseph,” said Amelia, quite ready to kiss her brother, if he were so minded. (And I think for a kiss from such a dear creature as Amelia, I would purchase all Mr. Lee’s conservatories out of hand.) »Oh, die himmlischen, himmlischen Blumen!« rief Miss Sharp, roch zärtlich daran, preßte sie an den Busen und schlug ihre Augen in schwärmerischer Bewunderung zur Zimmerdecke auf. Vielleicht warf sie auch erst einen schnellen, prüfenden Blick auf das Bukett, um zu sehen, ob sich nicht etwa ein billet-doux zwischen den Blüten verberge; aber von einem Brief war nichts zu sehen.   “O heavenly, heavenly flowers!” exclaimed Miss Sharp, and smelt them delicately, and held them to her bosom, and cast up her eyes to the ceiling, in an ecstasy of admiration. Perhaps she just looked first into the bouquet, to see whether there was a billet-doux hidden among the flowers; but there was no letter. »Spricht man in Boggley Wollah auch die Sprache der Blumen, Sedley?« fragte Osborne lachend.   “Do they talk the language of flowers at Boggley Wollah, Sedley?” asked Osborne, laughing. »Quatsch!« erwiderte der empfindsame Jüngling. »Habe sie bei Nathan gekauft; bin froh, daß sie euch gefallen, und dann, meine liebe Amelia, ich habe auch eine Ananas gekauft. Ich habe sie Sambo gegeben, wir können sie zum Frühstück essen, angenehm erfrischend bei so heißem Wetter.« Rebekka sagte, sie habe noch nie Ananas gekostet und sei ganz erpicht darauf, eine zu probieren.   “Pooh, nonsense!” replied the sentimental youth. “Bought ’em at Nathan’s; very glad you like ’em; and eh, Amelia, my dear, I bought a pine-apple at the same time, which I gave to Sambo. Let’s have it for tiffin; very cool and nice this hot weather.” Rebecca said she had never tasted a pine, and longed beyond everything to taste one. So ging die Unterhaltung weiter. Ich weiß nicht, unter welchem Vorwand Osborne das Zimmer verließ oder warum Amelia sich wenig später entfernte – wahrscheinlich doch, um das Zerteilen der Ananas zu überwachen; Joe blieb jedenfalls mit Rebekka allein zurück, die wieder zu ihrer Arbeit gegriffen hatte, und die grüne Seide sowie die glänzende Nadel zuckten unter ihren weißen, dünnen, flinken Fingern.   So the conversation went on. I don’t know on what pretext Osborne left the room, or why, presently, Amelia went away, perhaps to superintend the slicing of the pine-apple; but Jos was left alone with Rebecca, who had resumed her work, and the green silk and the shining needles were quivering rapidly under her white slender fingers. »Was für ein schönes, ein schööönes Lied Sie uns gestern abend gesungen haben, liebe Miss Sharp«, sagte der Steuereinnehmer. »Ich hätte beinahe geweint, wirklich, Ehrenwort.«   “What a beautiful, BYOO-OOTIFUL song that was you sang last night, dear Miss Sharp,” said the Collector. “It made me cry almost; ’pon my honour it did.” »Weil Sie ein gutes Herz haben, Mr. Joseph; alle Sedleys haben ein gutes Herz, glaube ich.«   “Because you have a kind heart, Mr. Joseph; all the Sedleys have, I think.” »Es hielt mich die ganze Nacht wach, und heute morgen habe ich versucht, es im Bett zu summen, wirklich, Ehrenwort. Gollop, mein Arzt, kam um elf Uhr zu mir (denn ich bin, wie Sie wissen, äußerst leidend, und Gollop besucht mich täglich), und, bei Gott, da sang ich gerade wie ein Rotkehlchen.«   “It kept me awake last night, and I was trying to hum it this morning, in bed; I was, upon my honour. Gollop, my doctor, came in at eleven (for I’m a sad invalid, you know, and see Gollop every day), and, ’gad! there I was, singing away like — a robin.” »Oh, Sie drolliges Geschöpf! Singen Sie es doch einmal vor!«   “O you droll creature! Do let me hear you sing it.” »Ich? Nein, Sie, Miss Sharp; Sie müssen es singen, meine liebe Miss Sharp!« »Nicht jetzt, Mr. Sedley«, seufzte Rebekka. »Ich bin nicht in Stimmung; auch muß ich die Börse fertigmachen. Wollen Sie mir helfen, Mr. Sedley?« Und ehe er noch wie? fragen konnte, saß Mr. Joseph Sedley, Beamter der Ostindischen Kompanie, tête à tête mit einer jungen Dame, warf ihr mörderische Blicke zu und streckte ihr flehend die Arme entgegen, die Hände waren ihm mit einer Lage grüner Seide gefesselt, die sie aufwickelte.   “Me? No, you, Miss Sharp; my dear Miss Sharp, do sing it. “Not now, Mr. Sedley,” said Rebecca, with a sigh. “My spirits are not equal to it; besides, I must finish the purse. Will you help me, Mr. Sedley?” And before he had time to ask how, Mr. Joseph Sedley, of the East India Company’s service, was actually seated tete-a-tete with a young lady, looking at her with a most killing expression; his arms stretched out before her in an imploring attitude, and his hands bound in a web of green silk, which she was unwinding. In dieser romantischen Stellung fanden Osborne und Amelia das interessante Paar, als sie hereinkamen und verkündeten, daß das Frühstück bereit sei. Die Seide war gerade fertig aufgewickelt, aber Mr. Joe hatte keine Silbe gesprochen.   In this romantic position Osborne and Amelia found the interesting pair, when they entered to announce that tiffin was ready. The skein of silk was just wound round the card; but Mr. Jos had never spoken. »Bestimmt wird er sich heute abend erklären, meine Liebe«, sagte Amelia und drückte Rebekkas Hand; und auch Sedley war mit seinem Herzen zu Rate gegangen und hatte sich gesagt: Bei Gott, in Vauxhall will ich die große Frage stellen.   “I am sure he will to-night, dear,” Amelia said, as she pressed Rebecca’s hand; and Sedley, too, had communed with his soul, and said to himself, “’Gad, I’ll pop the question at Vauxhall.” 5. Kapitel / Chapter 5 Unser Dobbin / Dobbin of Ours Cuffs Kampf mit Dobbin und der unerwartete Ausgang dieser Schlägerei werden allen Zöglingen aus Doktor Swishtails berühmter Schule noch lange im Gedächtnis haften. Dobbin (den die Knaben auch Dös-Dobbin, Hottehü-Dobbin nannten und mit vielen verächtlichen Spitznamen bedachten) war der ruhigste, schwerfälligste und, wie es schien, dümmste von allen jungen Herren bei Doktor Swishtail. Sein Vater hatte einen Kramladen in London, und man munkelte, er sei in Doktor Swishtails Schule nur unter der Bedingung »gegenseitiger Verbindlichkeit« aufgenommen worden, das heißt; sein Vater bezahle für Lebensunterhalt und Ausbildung mit Waren anstatt bar, und der junge Dobbin stand nun – einer der Letzten der Schule – in schäbigen Kordhosen und einer Jacke, deren Nähte seine groben Knochen sprengten, als Verkörperung von soundso vielen Pfund Tee, Kerzen, Zucker, billiger Seife und Rosinen (wovon nur eine sehr geringe Menge für den Schulpudding geliefert wurde) und anderer Waren. Es war ein fürchterlicher Tag für den jungen Dobbin, als einer der Zöglinge, von einem Jagdzug durch die Stadt auf Zuckerwerk und Würstchen zurückgekehrt, erspähte, wie vor des Doktors Tür ein Frachtkarren von Dobbin und Rudge, Spezerei- und Delikatessenhandlung, London, Thames Street, voller Waren, mit denen die Firma handelte, entladen wurde.   Cuff’s fight with Dobbin, and the unexpected issue of that contest, will long be remembered by every man who was educated at Dr. Swishtail’s famous school. The latter Youth (who used to be called Heigh-ho Dobbin, Gee-ho Dobbin, and by many other names indicative of puerile contempt) was the quietest, the clumsiest, and, as it seemed, the dullest of all Dr. Swishtail’s young gentlemen. His parent was a grocer in the city: and it was bruited abroad that he was admitted into Dr. Swishtail’s academy upon what are called “mutual principles" — that is to say, the expenses of his board and schooling were defrayed by his father in goods, not money; and he stood there — most at the bottom of the school — in his scraggy corduroys and jacket, through the seams of which his great big bones were bursting — as the representative of so many pounds of tea, candles, sugar, mottled-soap, plums (of which a very mild proportion was supplied for the puddings of the establishment), and other commodities. A dreadful day it was for young Dobbin when one of the youngsters of the school, having run into the town upon a poaching excursion for hardbake and polonies, espied the cart of Dobbin \& Rudge, Grocers and Oilmen, Thames Street, London, at the Doctor’s door, discharging a cargo of the wares in which the firm dealt. Von da an hatte der junge Dobbin keine ruhige Minute mehr. Fürchterliche und grausame Neckereien wurden mit ihm getrieben. »He, Dobbin«, verkündete einer der Witzbolde, »da stehen gute Nachrichten in der Zeitung; Zucker wird teurer, mein Junge.« Ein anderer stellte ihm eine Rechenaufgabe: »Wenn ein Pfund Kerzen siebeneinhalb Pence kostet, wieviel kostet dann Dobbin?« Und jedesmal folgte ein schallendes Gelächter der jungen Schurken, in das der Hilfslehrer und alle anderen einstimmten, die den Einzelhandel richtig als schandbare, nichtswürdige Tätigkeit verdammten und meinten, er verdiene Spott und Verachtung eines jeden wahren Gentlemans.   Young Dobbin had no peace after that. The jokes were frightful, and merciless against him. “Hullo, Dobbin,” one wag would say, “here’s good news in the paper. Sugars is ris’, my boy.” Another would set a sum — "If a pound of mutton-candles cost sevenpence-halfpenny, how much must Dobbin cost?” and a roar would follow from all the circle of young knaves, usher and all, who rightly considered that the selling of goods by retail is a shameful and infamous practice, meriting the contempt and scorn of all real gentlemen. »Dein Vater ist doch auch nichts anderes als ein Kaufmann, Osborne«, sagte Dobbin unter vier Augen zu dem kleinen Knaben, der den Sturm gegen ihn heraufbeschworen hatte. Dieser antwortete darauf nur hochmütig: »Mein Vater ist ein Gentleman und hält eine Equipage.« Mr. William Dobbin aber zog sich in einen Schuppen im Hintergrund des Spielplatzes zurück, wo er den freien Nachmittag in bitterster Trauer und Wehmut verbrachte. Wer unter uns erinnert sich nicht ähnlicher Stunden bitteren, ach, so bitteren Kinderkummers? Wer empfindet eine Ungerechtigkeit so tief, wen kränkt Geringschätzung so sehr, wer hätte ein so feines Gefühl für Recht und Unrecht, wer ist so dankbar für jede Freundlichkeit wie ein edelmütiger Knabe? Und ach, wie viele solcher sanften Gemüter erniedrigt, beleidigt und quält ihr wegen ein paar arithmetischer Formeln und einiger Brocken Küchenlatein!   “Your father’s only a merchant, Osborne,” Dobbin said in private to the little boy who had brought down the storm upon him. At which the latter replied haughtily, “My father’s a gentleman, and keeps his carriage”; and Mr. William Dobbin retreated to a remote outhouse in the playground, where he passed a half-holiday in the bitterest sadness and woe. Who amongst us is there that does not recollect similar hours of bitter, bitter childish grief? Who feels injustice; who shrinks before a slight; who has a sense of wrong so acute, and so glowing a gratitude for kindness, as a generous boy? and how many of those gentle souls do you degrade, estrange, torture, for the sake of a little loose arithmetic, and miserable dog-latin? William Dobbin jedenfalls war stets unter den allerletzten Schülern Doktor Swishtails zu finden, da er sich außerstande sah, auch nur die Anfangsgründe der obigen Sprache, wie sie in der wunderbaren »Etoner Lateinischen Grammatik« aufgeführt sind, zu erlernen. Er wurde ständig von kleinen rotwangigen Bürschchen, die noch Lätzchen trugen, gehänselt, wenn er mit der untersten Klasse aufmarschierte, ein Riese unter den Kleinen, niedergeschlagenen, erschrockenen Blickes, in seinen engen Kordhosen, die Fibel mit unzähligen Eselsohren unter dem Arm. Alle, vom ersten bis zum letzten, machten sich über ihn lustig. Sie nähten ihm seine sowieso schon zu engen Kordhosen ZU. Sie schnitten ihm die Bettgurte entzwei. Sie kippten Eimer und Bänke um, damit er sich daran die Schienbeine breche, was er auch jedesmal fast tat. Sie schickten ihm Pakete, aus denen er Kerzen und Seife vom väterlichen Laden auspackte. Es gab kein Bürschchen in der Schule, das nicht mit Dobbin seinen Spott und Spaß getrieben hätte; und der Ärmste ertrug alles mit Geduld, sagte keinen Ton und war unaussprechlich unglücklich.   Now, William Dobbin, from an incapacity to acquire the rudiments of the above language, as they are propounded in that wonderful book the Eton Latin Grammar, was compelled to remain among the very last of Doctor Swishtail’s scholars, and was “taken down” continually by little fellows with pink faces and pinafores when he marched up with the lower form, a giant amongst them, with his downcast, stupefied look, his dog’s-eared primer, and his tight corduroys. High and low, all made fun of him. They sewed up those corduroys, tight as they were. They cut his bed-strings. They upset buckets and benches, so that he might break his shins over them, which he never failed to do. They sent him parcels, which, when opened, were found to contain the paternal soap and candles. There was no little fellow but had his jeer and joke at Dobbin; and he bore everything quite patiently, and was entirely dumb and miserable. Cuff dagegen war der große Held und feine Pinkel der Swishtailschen Schule. Er schmuggelte Wein ein und schlug sich mit den Stadtjungen herum. Jeden Sonnabend ritt er auf einem Pony heim, das extra für ihn kam. In seinem Zimmer hatte er Stulpenstiefel, in denen er während der Ferien auf Jagd ging. Er besaß eine goldene Repetieruhr und schnupfte Tabak wie der Doktor. Er hatte die Oper besucht und kannte die Vorzüge der ersten Schauspieler, wobei er mehr von Kean hielt als von Kemble. Er konnte in einer Stunde vierzig lateinische Verse aus dem Ärmel schütteln. Er konnte französisch dichten, und was konnte oder wußte er nicht noch alles! Sogar der Doktor selbst fürchte sich vor ihm, hieß es.   Cuff, on the contrary, was the great chief and dandy of the Swishtail Seminary. He smuggled wine in. He fought the town-boys. Ponies used to come for him to ride home on Saturdays. He had his top-boots in his room, in which he used to hunt in the holidays. He had a gold repeater: and took snuff like the Doctor. He had been to the Opera, and knew the merits of the principal actors, preferring Mr. Kean to Mr. Kemble. He could knock you off forty Latin verses in an hour. He could make French poetry. What else didn’t he know, or couldn’t he do? They said even the Doctor himself was afraid of him. Cuff, unbestrittener König der Schule, herrschte über seine Untertanen und drangsalierte sie in großartiger Überlegenheit. Dieser wichste seine Schuhe, jener röstete ihm das Brot, andere wieder mußten ganze Sommernachmittage lang beim Kricket Balljunge für ihn spielen. »Feige« war der Junge, den er am meisten verachtete und mit dem er sich kaum je herabließ, persönlich zu verkehren, obwohl er ihn stets beschimpfte und auslachte.   Cuff, the unquestioned king of the school, ruled over his subjects, and bullied them, with splendid superiority. This one blacked his shoes: that toasted his bread, others would fag out, and give him balls at cricket during whole summer afternoons. “Figs” was the fellow whom he despised most, and with whom, though always abusing him, and sneering at him, he scarcely ever condescended to hold personal communication. Eines Tages hatten die beiden jungen Herren eine Meinungsverschiedenheit. Feige, der allein im Klassenzimmer war, schwitzte über einem Brief nach Hause, als Cuff eintrat und ihm einen Auftrag gab, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um Törtchen drehte.   One day in private, the two young gentlemen had had a difference. Figs, alone in the schoolroom, was blundering over a home letter; when Cuff, entering, bade him go upon some message, of which tarts were probably the subject. »Ich kann nicht«, sagte Dobbin, »ich möchte meinen Brief fertigschreiben.«   “I can’t,” says Dobbin; “I want to finish my letter.” »Du kannst nicht?« fragte Mr. Cuff und griff nach dem Schriftstück (in dem viele Wörter ausgestrichen oder falsch geschrieben waren und dessen Abfassung den Schreiber wer weiß wie viele mühsame Gedanken und Tränen gekostet hatte, denn der arme Bursche schrieb an seine Mutter, die ihn liebte, obgleich sie nur eine Krämersfrau war und in einem Hinterzimmer in der Thames Street wohnte). »Du kannst nicht?« fragte Mr. Cuff. »Ich möchte mal wissen, warum nicht. Kannst du nicht morgen an die olle Mutter Feige schreiben?«   “You can’t ?” says Mr. Cuff, laying hold of that document (in which many words were scratched out, many were mis-spelt, on which had been spent I don’t know how much thought, and labour, and tears; for the poor fellow was writing to his mother, who was fond of him, although she was a grocer’s wife, and lived in a back parlour in Thames Street). “You can’t ?” says Mr. Cuff: “I should like to know why, pray? Can’t you write to old Mother Figs to-morrow?” »Ich laß sie nicht beschimpfen«, begehrte Dobbin auf und sprang von seiner Bank hoch.   “Don’t call names,” Dobbin said, getting off the bench very nervous. »Nun, wirst du gehen?« krähte der Hahn der Schule.   “Well, sir, will you go?” crowed the cock of the school. »Leg den Brief hin«, erwiderte Dobbin; »kein Gentleman liest fremde Briefe.«   “Put down the letter,” Dobbin replied; “no gentleman readth letterth.” »Hm, wirst du nun bald gehen?« fragte der andere.   “Well, now will you go?” says the other. »Nein, habe ich gesagt. Hör auf, sonst verdresche ich dich«, brüllte Dobbin, sprang auf ein bleiernes Tintenfaß zu und sah so bösartig aus, daß Mr. Cuff innehielt, seine Rockärmel wieder herabstreifte, die Hände in die Hosentaschen steckte und hohnlächelnd davonging. Von da an ließ er sich nie wieder mit dem Krämerjungen ein, obgleich wir ihm die Gerechtigkeit widerfahren lassen müssen, daß er hinter Mr. Dobbins Rücken stets mit Verachtung von ihm sprach.   “No, I won’t. Don’t strike, or I’ll thmash you,” roars out Dobbin, springing to a leaden inkstand, and looking so wicked, that Mr. Cuff paused, turned down his coat sleeves again, put his hands into his pockets, and walked away with a sneer. But he never meddled personally with the grocer’s boy after that; though we must do him the justice to say he always spoke of Mr. Dobbin with con-tempt behind his back. Einige Zeit nach diesem Vorfall geschah es, daß Mr. Cuff an einem sonnigen Nachmittag in der Nähe des armen William Dobbin auftauchte, der unter einem Baum auf dem Spielplatz lag und, abgesondert von den übrigen Schülern, die ihren verschiedenen Vergnügungen nachgingen, ganz einsam und beinahe glücklich sein Lieblingsbuch »Tausendundeine Nacht« durchbuchstabierte. Würden die Menschen doch bloß Kinder sich selbst überlassen; würden doch die Lehrer nur aufhören, sie einzuschüchtern; würden die Eltern doch bloß davon ablassen, die Gedanken ihrer Kinder zu lenken und ihre Gefühle zu beherrschen – Gefühle und Gedanken, die allen ein Geheimnis sind (denn was wissen wir schon voneinander, von unseren Kindern, unseren Erzeugern, unseren Nachbarn, und wie unendlich viel schöner und heiliger sind doch wahrscheinlich die Gedanken der armen Knaben oder Mädchen, die ihr lenkt, als die der dummen und lasterhaften Person, die sie erziehen soll). Ach, würden nur, wie gesagt, Eltern und Lehrer ihre Kinder ein bißchen mehr sich selbst überlassen – der Schaden wäre unerheblich, wenn auch dabei weniger als in praesenti erreicht würde.   Some time after this interview, it happened that Mr. Cuff, on a sunshiny afternoon, was in the neighbourhood of poor William Dobbin, who was lying under a tree in the playground, spelling over a favourite copy of the Arabian Nights which he had apart from the rest of the school, who were pursuing their various sports — quite lonely, and almost happy. If people would but leave children to themselves; if teachers would cease to bully them; if parents would not insist upon directing their thoughts, and dominating their feelings — those feelings and thoughts which are a mystery to all (for how much do you and I know of each other, of our children, of our fathers, of our neighbour, and how far more beautiful and sacred are the thoughts of the poor lad or girl whom you govern likely to be, than those of the dull and world-corrupted person who rules him?) — if, I say, parents and masters would leave their children alone a little more, small harm would accrue, although a less quantity of as in praesenti might be acquired. William Dobbin hatte also einmal die Welt vergessen, war mit Sindbad dem Seefahrer im Tale der Diamanten oder bei dem Prinzen Namenlos und der Fee Peribanu in jener prächtigen Höhle, wo der Prinz sie fand und wohin wir wohl alle gern eine kleine Reise machen würden – als das gellende Geschrei eines kleinen Jungen ihn aus seinen angenehmen Träumen schreckte. Er blickte auf und sah Cuff einen weinenden kleinen Knaben bearbeiten.   Well, William Dobbin had for once forgotten the world, and was away with Sindbad the Sailor in the Valley of Diamonds, or with Prince Ahmed and the Fairy Peribanou in that delightful cavern where the Prince found her, and whither we should all like to make a tour; when shrill cries, as of a little fellow weeping, woke up his pleasant reverie; and looking up, he saw Cuff before him, belabouring a little boy. Es war der Bursche, der die Sache mit dem Krämerkarren verkündet hatte; aber Dobbin war nicht nachtragend, schon gar nicht gegenüber Jüngeren und Kleineren.   It was the lad who had peached upon him about the grocer’s cart; but he bore little malice, not at least towards the young and small. “How dare you, sir, break the bottle?” says Cuff to the little urchin, swinging a yellow cricket-stump over him. »Wie konntest du es wagen, die Flasche zu zerbrechen?« schrie Cuff das Kerlchen an und schwang einen gelben Kricketstab über seinem Kopf. Der Kleine hatte den Auftrag erhalten, über die Mauer, die den Spielplatz umgab, zu steigen, und zwar an einer besonderen Stelle, wo die Glasscherben entfernt und in den Ziegeln bequeme Löcher angebracht worden waren; er sollte eine Viertelmeile laufen, eine Flasche Rum mit Zitrone auf Kredit kaufen und allen draußen herumlungernden Spähern des Doktors zum Trotz wieder in den Spielplatz zurückklettern; als er diese Heldentat gerade vollbrachte, war er ausgeglitten, die Flasche war zerbrochen und das Getränk ausgelaufen. Er hatte sich die Hose zerrissen und erschien nun wieder vor seinem Auftraggeber – ein zitternder, schuldlos schuldiger armer Wicht.   The boy had been instructed to get over the playground wall (at a selected spot where the broken glass had been removed from the top, and niches made convenient in the brick); to run a quarter of a mile; to purchase a pint of rum-shrub on credit; to brave all the Doctor’s outlying spies, and to clamber back into the playground again; during the performance of which feat, his foot had slipt, and the bottle was broken, and the shrub had been spilt, and his pantaloons had been damaged, and he appeared before his employer a perfectly guilty and trembling, though harmless, wretch. »Wie konntest du es wagen, die Flasche zu zerbrechen?« schrie Cuff. »Du nichtsnutziger Pfuscher. Du hast das Zeug getrunken und erzählst nun, die Flasche ist zerbrochen. Hand her, Bursche!«   “How dare you, sir, break it?” says Cuff; “you blundering little thief. You drank the shrub, and now you pretend to have broken the bottle. Hold out your hand, sir.”   Dumpf schlug der Stab auf die Kinderhand nieder. Ein Stöhnen folgte. Dobbin blickte auf. Die Fee Peribanu war mit dem Prinzen Achmed in die innerste Höhle entflohen; der Vogel Rock hatte Sindbad den Seefahrer weit aus dem Diamantentale in die Wolken entführt – da lag die Wirklichkeit wieder vor dem ehrlichen William: ein großer Junge schlug grundlos auf einen kleinen ein.   Down came the stump with a great heavy thump on the child’s hand. A moan followed. Dobbin looked up. The Fairy Peribanou had fled into the inmost cavern with Prince Ahmed: the Roc had whisked away Sindbad the Sailor out of the Valley of Diamonds out of sight, far into the clouds: and there was everyday life before honest William; and a big boy beating a little one without cause. »Die andere Hand her, Bursche!« brüllte Cuff seinen kleinen Schulkameraden an, dessen Gesicht ganz schmerzverzerrt war. Dobbin flog am ganzen Körper, als er sich in seinen abgeschabten, engen Kleidern aufrichtete.   “Hold out your other hand, sir,” roars Cuff to his little schoolfellow, whose face was distorted with pain. Dobbin quivered, and gathered himself up in his narrow old clothes. »Hier hast du noch was, du verflixter Kerl!« rief Mr. Cuff, und abermals schlug der Stab auf die Hand des Kindes. (Entsetzen Sie sich nicht, meine Damen, jeder Schuljunge hat das getan. Auch Ihre Kinder werden es höchstwahrscheinlich tun und selbst erdulden müssen.) Wiederum sauste der Stab herab, und Dobbin sprang auf.   “Take that, you little devil!” cried Mr. Cuff, and down came the wicket again on the child’s hand. — Don’t be horrified, ladies, every boy at a public school has done it. Your children will so do and be done by, in all probability. Down came the wicket again; and Dobbin started up. Seine Beweggründe kenne ich nicht. In der Schule sind Foltermethoden ebenso gestattet wie in Rußland die Knute, und es ist eines Gentlemans unwürdig, sich zu widersetzen. Vielleicht empörte sich Dobbins törichtes Herz wider diese Tyrannei; vielleicht kochte in ihm auch noch ein Rachegefühl, und es verlangte ihn, sich mit dem glänzenden und tyrannischen Raufbold zu messen, der in der Schule allen Ruhm, alles Gepränge auf sich konzentrierte, für den allein die Fahnen geschwenkt, die Trommeln gerührt, Ehrenbezeigungen gegeben wurden. Welchen Beweggrund Dobbin auch gehabt haben mag, er sprang jedenfalls auf und schrie: »Halt, Cuff; schlag das Kind nicht länger, oder ich werde...«   I can’t tell what his motive was. Torture in a public school is as much licensed as the knout in Russia. It would be ungentlemanlike (in a manner) to resist it. Perhaps Dobbin’s foolish soul revolted against that exercise of tyranny; or perhaps he had a hankering feeling of revenge in his mind, and longed to measure himself against that splendid bully and tyrant, who had all the glory, pride, pomp, circumstance, banners flying, drums beating, guards saluting, in the place. Whatever may have been his incentive, however, up he sprang, and screamed out, “Hold off, Cuff; don’t bully that child any more; or I’ll — ” »Oder du wirst was?« fragte Cuff, verwundert über die Unterbrechung. »Los, Hand her, du kleine Bestie.«   “Or you’ll what?” Cuff asked in amazement at this interruption. “Hold out your hand, you little beast.” »Ich prügle dich, wie du noch nie in deinem Leben geprügelt worden bist«, erwiderte Dobbin auf Cuffs Frage; und der kleine Osborne blickte, luftschnappend und in Tränen aufgelöst, verwundert und ungläubig auf, als er diesen erstaunlichen Kämpen mit einem Male zu seiner Verteidigung auftreten sah; Cuffs Erstaunen war kaum geringer. Man stelle sich unseren seligen Monarchen Georg III. vor, als er die Nachricht vom Aufstand der nordamerikanischen Kolonien hörte, man stelle sich den ehernen Goliath vor, als der kleine David vor ihn hintrat und ihn herausforderte – dann hat man die Gefühle vor Augen, die Mr. Reginald Cuff beherrschten, als er zu diesem Duell gefordert wurde.   “I’ll give you the worst thrashing you ever had in your life,” Dobbin said, in reply to the first part of Cuff’s sentence; and little Osborne, gasping and in tears, looked up with wonder and incredulity at seeing this amazing champion put up suddenly to defend him: while Cuff’s astonishment was scarcely less. Fancy our late monarch George III when he heard of the revolt of the North American colonies: fancy brazen Goliath when little David stepped forward and claimed a meeting; and you have the feelings of Mr. Reginald Cuff when this rencontre was proposed to him. »Nach der Schule«, antwortete er nach einer Pause selbstverständlich, mit einem Blick, als wolle er sagen: Mach dein Testament und teile in der Zwischenzeit deinen Freunden deine letzten Wünsche mit!   “After school,” says he, of course; after a pause and a look, as much as to say, “Make your will, and communicate your last wishes to your friends between this time and that.” »Wie du willst«, meinte Dobbin, »Du mußt mein Sekundant sein, Osborne.«   “As you please,” Dobbin said. “You must be my bottle holder, Osborne.” »Gut, wenn du meinst«, erwiderte der kleine Osborne; denn bekanntlich hatte sein Vater eine Equipage, und so schämte sich der Kleine ein wenig seines Kämpen.   “Well, if you like,” little Osborne replied; for you see his papa kept a carriage, and he was rather ashamed of his champion. Ja, als die Stunde des Kampfes nahte, schämte er sich beinahe, »Drauf, Feige!« zu rufen; und während der ersten zwei oder drei Runden dieses berühmten Kampfes stieß nicht ein einziger der Knaben den Schlachtschrei aus, denn am Anfang ließ der versierte Cuff, ein verächtliches Lächeln auf dem Gesicht, leicht und spielerisch, als sei es nichts, die Schläge auf seinen Gegner niederhageln und schickte den unglücklichen Kämpen dreimal hintereinander zu Boden. Jedesmal erhob sich ein lautes Hurragebrüll, und alle stritten sich um die Ehre, dem Sieger ein Knie zu bieten.   Yes, when the hour of battle came, he was almost ashamed to say, “Go it, Figs”; and not a single other boy in the place uttered that cry for the first two or three rounds of this famous combat; at the commencement of which the scientific Cuff, with a contemptuous smile on his face, and as light and as gay as if he was at a ball, planted his blows upon his adversary, and floored that unlucky champion three times running. At each fall there was a cheer; and everybody was anxious to have the honour of offering the conqueror a knee. Was werde ich erst für eine Tracht kriegen, wenn das vorüber ist, dachte der junge Osborne, während er seinem Mann hochhalf. »Es wäre doch das beste, du würdest aufgeben«, redete er auf Dobbin ein; »er hat mich doch nur ein bißchen verprügelt, Feige, und daran bin ich schon gewöhnt, weißt du.«   “What a licking I shall get when it’s over,” young Osborne thought, picking up his man. “You’d best give in,” he said to Dobbin; “it’s only a thrashing, Figs, and you know I’m used to it.” But Figs, all whose limbs were in a quiver, and whose nostrils were breathing rage, put his little bottle-holder aside, and went in for a fourth time. Aber Feige, der am ganzen Leibe zitterte und aus dessen Nüstern Wut sprühte, schob seinen kleinen Sekundanten beiseite und trat zum vierten Male an. Da er keine Ahnung hatte, wie er die gegen ihn gerichteten Schläge parieren könnte, und da Cuff die drei ersten Male angegriffen hatte, ohne seinem Gegner Gelegenheit zum Schlag zu geben, beschloß Feige, nun seinerseits den Kampf mit einem Angriff zu eröffnen; da er Linkshänder war, brachte er nun diese Faust ins Spiel und schlug einige Male mit aller Kraft zu  – traf einmal Mr. Cuffs linkes Auge und ein anderes Mal seine schöne römische Nase.   As he did not in the least know how to parry the blows that were aimed at himself, and Cuff had begun the attack on the three preceding occasions, without ever allowing his enemy to strike, Figs now determined that he would commence the engagement by a charge on his own part; and accordingly, being a left-handed man, brought that arm into action, and hit out a couple of times with all his might — once at Mr. Cuff’s left eye, and once on his beautiful Roman nose. Diesmal ging Cuff, zum großen Erstaunen der Umstehenden, zu Boden. »Gut getroffen, beim Zeus«, lobte der kleine Osborne mit Kennermiene und klopfte seinem Mann auf die Schulter. »Immer schön die Linke brauchen, Feige, mein Junge.«   Cuff went down this time, to the astonishment of the assembly. “Well hit, by Jove,” says little Osborne, with the air of a connoisseur, clapping his man on the back. “Give it him with the left, Figs my boy.” Feiges Linke tat während des weiteren Kampfes ganze Arbeit. Jedesmal ging Cuff zu Boden. In der sechsten Runde schrien fast ebenso viele »auf ihn, Feige« wie »auf ihn, Cuff«. In der zwölften Runde war Cuff ganz angeschlagen, wie man so sagt, und hatte alle Geistesgegenwart verloren und weder Kraft zum Angriff noch zur Verteidigung. Feige dagegen war so ruhig wie ein Quäker. Sein bleiches Gesicht, seine glänzenden, aufgerissenen Augen und eine stark blutende Schramme an seiner Unterlippe verliehen dem jungen Burschen ein so wildes und gräßliches Aussehen, daß viele Zuschauer Furcht ergriff. Trotzdem bereitete sich sein unerschrockener Gegner zur dreizehnten Runde vor.   Figs’s left made terrific play during all the rest of the combat. Cuff went down every time. At the sixth round, there were almost as many fellows shouting out, “Go it, Figs,” as there were youths exclaiming, “Go it, Cuff.” At the twelfth round the latter champion was all abroad, as the saying is, and had lost all presence of mind and power of attack or defence. Figs, on the contrary, was as calm as a quaker. His face being quite pale, his eyes shining open, and a great cut on his underlip bleeding profusely, gave this young fellow a fierce and ghastly air, which perhaps struck terror into many spectators. Nevertheless, his intrepid adversary prepared to close for the thirteenth time. Hätte ich die Feder eines Napier oder könnte so gut schreiben wie »Beils Leben«, so würde ich diesen Kampf im einzelnen beschreiben. Es war der letzte Angriff der Garde (das heißt, er wäre es gewesen, hätte Waterloo schon stattgefunden) – es war Neys Kolonne, im Sturm auf den Hügel von La Haye Sainte, von zehntausend Bajonetten starrend und gekrönt mit zwanzig Adlern; es war das Kampfgeschrei der Briten, die den Hügel hinabstürzten und sich dem Feinde entgegenwarfen, um ihn mit den wilden Armen der Schlacht zu umschließen; mit anderen Worten: Als Cuff, zwar mutig, aber ziemlich schwankend und betäubt, herankam, bearbeitete der Feigenhändler, wie bisher, mit seiner Linken tüchtig seines Gegners Nase und schickte ihn endgültig zu Boden.   If I had the pen of a Napier, or a Bell’s Life, I should like to describe this combat properly. It was the last charge of the Guard — (that is, it would have been, only Waterloo had not yet taken place) — it was Ney’s column breasting the hill of La Haye Sainte, bristling with ten thousand bayonets, and crowned with twenty eagles — it was the shout of the beef-eating British, as leaping down the hill they rushed to hug the enemy in the savage arms of battle — in other words, Cuff coming up full of pluck, but quite reeling and groggy, the Fig-merchant put in his left as usual on his adversary’s nose, and sent him down for the last time. »Ich denke, er hat nun genug«, meinte Feige, als sein Gegner ebenso glatt auf den Rasen sackte, wie ich die Billardkugeln habe in ihr Loch fallen sehen; und tatsächlich konnte oder wollte Mr. Reginald Cuff, als ausgezählt wurde, nicht aufstehen.   “I think that will do for him,” Figs said, as his opponent dropped as neatly on the green as I have seen Jack Spot’s ball plump into the pocket at billiards; and the fact is, when time was called, Mr. Reginald Cuff was not able, or did not choose, to stand up again. Und nun stimmten alle Knaben für Feige ein solches Freudengeschrei an, daß man hätte glauben können, er sei während des ganzen Kampfes ihr Liebling gewesen, und daß selbst Doktor Swishtail aus seinem Studierzimmer trat, um sich nach der Ursache des Lärmes zu erkundigen. Natürlich drohte er Feige mit einem gehörigen Quantum Prügel; aber Cuff, der gerade wieder zu sich gekommen war und seine Wunden wusch, stand auf und sagte: »Ich bin schuld, Sir, nicht Feige – eh, Dobbin. Ich habe einen kleinen Knaben verprügelt, und deshalb ist mir recht geschehen.« Mit dieser großmütigen Rede ersparte er nicht allein seinem Sieger eine Tracht Prügel, sondern gewann auch seinen Einfluß auf die Knaben zurück, den er durch seine Niederlage beinahe eingebüßt hatte.   And now all the boys set up such a shout for Figs as would have made you think he had been their darling champion through the whole battle; and as absolutely brought Dr. Swishtail out of his study, curious to know the cause of the uproar. He threatened to flog Figs violently, of course; but Cuff, who had come to himself by this time, and was washing his wounds, stood up and said, “It’s my fault, sir — not Figs’ — not Dobbin’s. I was bullying a little boy; and he served me right.” By which magnanimous speech he not only saved his conqueror a whipping, but got back all his ascendancy over the boys which his defeat had nearly cost him. Der junge Osborne berichtete folgendes über den Vorfall nach Hause:   Young Osborne wrote home to his parents an account of the transaction. Zuckerrohrstockhaus, Richmond, März 18.. Liebe Mama!   Sugarcane House, Richmond, March, 18 — Dear Mama, Ich hoffe, es geht Dir gut. Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du mir einen Kuchen und fünf Shilling schicken würdest. Hier hat es einen Kampf zwischen Cuff und Dobbin gegeben. Cuff, weißt Du, war der Hahn der Schule. Dreizehn Runden haben sie gekämpft, und Dobbin hat ihn tüchtig verprügelt. Cuff ist deshalb jetzt nur noch zweiter Hahn. Der Kampf war wegen mir. Cuff hat mich verdroschen, weil ich eine Flasche Milch zerbrochen habe, und Feige war dagegen. Wir nennen ihn Feige, weil sein Vater Krämer ist – Feige und Rudge, Thames Street, in der Innenstadt. Weil er für mich gekämpft hat, glaube ich, wäre es gut, wenn Du Deinen Tee und Zucker bei seinem Vater kaufen würdest. Cuff geht jeden Sonnabend nach Hause, diesmal kann er aber nicht, weil er 2 blaue Augen hat. Er hat ein weißes Pony, das holt ihn ab, und einen Reitknecht in Livree auf einem Braunen. Ich wünschte, Papa würde mir auch ein Pony schenken, und ich bin Dein gehorsamer Sohn George Sedley Osborne. PS: Grüß bitte die kleine Emmy von mir; ich schneide ihr gerade eine Kutsche aus Pappe aus.   I hope you are quite well. I should be much obliged to you to send me a cake and five shillings. There has been a fight here between Cuff \& Dobbin. Cuff, you know, was the Cock of the School. They fought thirteen rounds, and Dobbin Licked. So Cuff is now Only Second Cock. The fight was about me. Cuff was licking me for breaking a bottle of milk, and Figs wouldn’t stand it. We call him Figs because his father is a Grocer — Figs \& Rudge, Thames St., City — I think as he fought for me you ought to buy your Tea \& Sugar at his father’s. Cuff goes home every Saturday, but can’t this, because he has 2 Black Eyes. He has a white Pony to come and fetch him, and a groom in livery on a bay mare. I wish my Papa would let me have a Pony, and I am Your dutiful Son, George Sedley Osborne P.S. — Give my love to little Emmy. I am cutting her out a Coach in cardboard. Please not a seed-cake, but a plum-cake. Nach Dobbins Sieg stieg seine Würde ungeheuer in den Augen all seiner Schulkameraden, und der Name Feige – bisher ein Schimpfwort – wurde zu einem ebenso ehrenvollen und populären Beinamen wie alle anderen in der Schule. »Schließlich kann er doch nichts dafür, daß sein Vater ein Krämer ist«, sagte George Osborne, der sich trotz seiner Kleinheit unter den Swishtailschen Jungen großer Beliebtheit erfreute; und seine Ansicht fand überall Beifall. Man bezeichnete es als gemein, über Dobbins Geburt zu spotten. »Alte Feige« wurde zum Kosenamen, und der niederträchtige Hilfslehrer verhöhnte ihn nicht länger.   In consequence of Dobbin’s victory, his character rose prodigiously in the estimation of all his schoolfellows, and the name of Figs, which had been a byword of reproach, became as respectable and popular a nickname as any other in use in the school. “After all, it’s not his fault that his father’s a grocer,” George Osborne said, who, though a little chap, had a very high popularity among the Swishtail youth; and his opinion was received with great applause. It was voted low to sneer at Dobbin about this accident of birth. “Old Figs” grew to be a name of kindness and endearment; and the sneak of an usher jeered at him no longer. Dobbins Mut wuchs mit den veränderten Verhältnissen. Er machte erstaunliche Fortschritte im Lernen. Der herrliche Cuff selbst, über dessen Herablassung Dobbin sich nur errötend wundern konnte, half ihm bei seinen lateinischen Versen, »büffelte« mit ihm in den Freistunden, brachte ihn im Triumph aus der untersten Klasse in die mittlere und verhalf ihm auch da zu einem ordentlichen Platz. Man entdeckte, daß er zwar schwach in den alten Sprachen war, in der Mathematik jedoch ungewöhnlich schnell auffaßte. Zu aller Zufriedenheit wurde er bei der nächsten öffentlichen Sommerprüfung der Drittbeste in Algebra und erhielt einen Preis, ein französisches Buch. Der geneigte Leser hätte das Gesicht seiner Mutter sehen sollen, als ihm der Doktor vor versammelter Schule, vor den Eltern und vielen anderen den »Télémaque«, jenen köstlichen Roman, mit der Widmung »für Gulielmo Dobbin« überreichte. Alle Knaben klatschten Beifall zum Zeichen ihrer Sympathie. Wer beschreibt sein Erröten, sein Stolpern, seine Verlegenheit oder zählt die Füße, auf die er trat, als er zu seinem Platz zurückging? Der alte Dobbin, sein Vater, der jetzt zum ersten Male Achtung vor ihm empfand, gab ihm vor aller Augen zwei Guineen, wovon das meiste für einen allgemeinen Schulschmaus verbraucht wurde; nach den Ferien kam er in einem Frack zur Schule zurück.   And Dobbin’s spirit rose with his altered circumstances. He made wonderful advances in scholastic learning. The superb Cuff himself, at whose condescension Dobbin could only blush and wonder, helped him on with his Latin verses; “coached” him in play-hours: carried him triumphantly out of the little-boy class into the middle-sized form; and even there got a fair place for him. It was discovered, that although dull at classical learning, at mathematics he was uncommonly quick. To the contentment of all he passed third in algebra, and got a French prize-book at the public Midsummer examination. You should have seen his mother’s face when Telemaque (that delicious romance) was presented to him by the Doctor in the face of the whole school and the parents and company, with an inscription to Gulielmo Dobbin. All the boys clapped hands in token of applause and sympathy. His blushes, his stumbles, his awkwardness, and the number of feet which he crushed as he went back to his place, who shall describe or calculate? Old Dobbin, his father, who now respected him for the first time, gave him two guineas publicly; most of which he spent in a general tuck-out for the school: and he came back in a tail-coat after the holidays. Dobbin war ein viel zu bescheidener junger Bursche, um anzunehmen, daß er diese glückliche Wendung seiner Verhältnisse seinem eigenen, mutigen und mannhaften Einsatz verdanke: infolge einer gewissen Halsstarrigkeit zog er vor, sein Glück einzig und allein der Vermittlung und Güte des kleinen George Osborne zuzuschreiben, dem er daher auch von nun an seine Liebe schenkte, eine Liebe, wie nur Kinder sie fühlen – eine Liebe, wie sie der ungeschlachte Orson in dem bezaubernden Märchenbuch für seinen Besieger, den herrlichen jungen Valentine, empfand. Er warf sich dem kleinen Osborne zu Füßen und liebte ihn. Schon vor ihrer Bekanntschaft hatte er Osborne insgeheim bewundert. Jetzt war er sein Diener, sein Hund, sein Freitag. Er hielt Osborne für einen Ausbund von Vollkommenheit, für ihn war er der schönste, tapferste, fleißigste, gescheiteste, großherzigste Knabe der Welt. Er teilte sein Geld mit ihm, kaufte ihm unzählige Geschenke: Messer, Federtaschen, vergoldete Siegel, Süßigkeiten, kleine Singvögel und romantische Bücher mit großen bunten Abbildungen von Rittern und Räubern, in denen man oft die Widmung »Für George Sedley Osborne, Esquire, von seinem lieben Freund William Dobbin« lesen konnte. Diese Huldigungsweise nahm George gnädig entgegen, da sie seinen hohen Verdiensten zukamen.   Dobbin was much too modest a young fellow to suppose that this happy change in all his circumstances arose from his own generous and manly disposition: he chose, from some perverseness, to attribute his good fortune to the sole agency and benevolence of little George Osborne, to whom henceforth he vowed such a love and affection as is only felt by children — such an affection, as we read in the charming fairy-book, uncouth Orson had for splendid young Valentine his conqueror. He flung himself down at little Osborne’s feet, and loved him. Even before they were acquainted, he had admired Osborne in secret. Now he was his valet, his dog, his man Friday. He believed Osborne to be the possessor of every perfection, to be the handsomest, the bravest, the most active, the cleverest, the most generous of created boys. He shared his money with him: bought him uncountable presents of knives, pencil-cases, gold seals, toffee, Little Warblers, and romantic books, with large coloured pictures of knights and robbers, in many of which latter you might read inscriptions to George Sedley Osborne, Esquire, from his attached friend William Dobbin — the which tokens of homage George received very graciously, as became his superior merit. So geschah es denn, daß Leutnant Osborne, als er am Tage des Vauxhall-Ausfluges am Russell Square ankam, zu den Damen sagte: »Mrs. Sedley, hoffentlich haben Sie noch Platz; ich habe Freund Dobbin eingeladen, hier mit uns zu essen und uns nach Vauxhall zu begleiten. Er ist fast so schüchtern wie Joe.«   So that Lieutenant Osborne, when coming to Russell Square on the day of the Vauxhall party, said to the ladies, “Mrs. Sedley, Ma’am, I hope you have room; I’ve asked Dobbin of ours to come and dine here, and go with us to Vauxhall. He’s almost as modest as Jos.” »Schüchtern! Pah!« rief der beleibte Herr und warf einen Siegerblick auf Miss Sharp.   “Modesty! pooh,” said the stout gentleman, casting a vainqueur look at Miss Sharp. »Das stimmt, aber du bist unvergleichlich anmutiger, Sedley«, fügte Osborne lachend hinzu. »Ich traf ihn im Bedfordklub, als ich dich dort suchte, und ich sagte ihm. Miss Amelia sei heimgekommen und wir hätten alle vor, heute abend auszugehen, und Mrs. Sedley sei ihm nicht länger böse, daß er auf der Kindergesellschaft die Punschbowle zerbrochen habe. Können Sie sich noch an die Katastrophe vor sieben Jahren erinnern, Madame?«   “He is — but you are incomparably more graceful, Sedley,” Osborne added, laughing. “I met him at the Bedford, when I went to look for you; and I told him that Miss Amelia was come home, and that we were all bent on going out for a night’s pleasuring; and that Mrs. Sedley had forgiven his breaking the punch-bowl at the child’s party. Don’t you remember the catastrophe, Ma’am, seven years ago?” »Über das rote Seidenkleid von Mrs. Flamingo«, sagte die gutmütige Mrs. Sedley, »was er doch für ein Tolpatsch war, und seine Schwestern sind auch nicht viel anmutiger. Lady Dobbin war gestern abend mit dreien davon in Highbury. Figuren haben die, Kinder, nein!«   “Over Mrs. Flamingo’s crimson silk gown,” said good-natured Mrs. Sedley. “What a gawky it was! And his sisters are not much more graceful. Lady Dobbin was at Highbury last night with three of them. Such figures! my dears.” »Der Alderman ist sehr reich, nicht wahr?« fragte Osborne verschmitzt. »Meinen Sie nicht auch, daß eine von den Töchtern für mich eine gute Partie wäre, Madame?«   “The Alderman’s very rich, isn’t he?” Osborne said archly. “Don’t you think one of the daughters would be a good spec for me, Ma’am?” »Sie Dummkopf! Wer würde Sie schon nehmen mit Ihrem gelben Gesicht? Das möchte ich gern wissen.«   “You foolish creature! Who would take you, I should like to know, with your yellow face?” »Ich und ein gelbes Gesicht? Warten Sie, bis Sie Dobbin gesehen haben. Der hat dreimal das gelbe Fieber gehabt, zweimal in Nassau und einmal auf Saint Kitts.«   “Mine a yellow face? Stop till you see Dobbin. Why, he had the yellow fever three times; twice at Nassau, and once at St. Kitts.” »Lassen Sie nur, Ihres ist gelb genug für uns, nicht wahr, Emmy?« meinte Mrs. Sedley, worauf Miss Amelia nur mit einem Lächeln und einem sanften Erröten antwortete. Sie blickte auf Mr. George Osbornes blasses, interessantes Gesicht und den schönen, glänzendschwarzen, gekrausten Backenbart, der dem jungen Herrn selbst außerordentlich wohl gefiel, und dachte in ihrem kleinen Herzen, daß es weder in Seiner Majestät Armee noch in der ganzen Welt je ein solches Gesicht oder einen solchen Helden gegeben habe. »Ich kümmere mich nicht um Hauptmann Dobbins Hautfarbe«, sagte sie, »oder um seine Ungeschicklichkeit. Ich weiß, ich werde ihn stets gern haben.« Der Grund dafür war seine Freundschaft und Ritterlichkeit für ihren George.   “Well, well; yours is quite yellow enough for us. Isn’t it, Emmy?” Mrs. Sedley said: at which speech Miss Amelia only made a smile and a blush; and looking at Mr. George Osborne’s pale interesting countenance, and those beautiful black, curling, shining whiskers, which the young gentleman himself regarded with no ordinary complacency, she thought in her little heart that in His Majesty’s army, or in the wide world, there never was such a face or such a hero. “I don’t care about Captain Dobbin’s complexion,” she said, “or about his awkwardness. I shall always like him, I know,” her little reason being, that he was the friend and champion of George. »In der ganzen Armee gibt es keinen netteren Menschen und keinen besseren Offizier, obgleich er nun einmal kein Adonis ist«, sagte Osborne. Dabei sah er treuherzig in den Spiegel und erhaschte dort den scharf auf ihn gerichteten Blick von Miss Sharp. Er errötete ein wenig, und Rebekka, dieses schlaue Hexlein, dachte in ihrem Herzen: Ah, mon beau Monsieur! Ich glaube, daß ich dein Kaliber jetzt kenne.   “There’s not a finer fellow in the service,” Osborne said, “nor a better officer, though he is not an Adonis, certainly.” And he looked towards the glass himself with much naivete; and in so doing, caught Miss Sharp’s eye fixed keenly upon him, at which he blushed a little, and Rebecca thought in her heart, “Ah, mon beau Monsieur! I think I have your gauge" — the little artful minx! Als an diesem Abend Amelia im weißen Musselinkleid, frisch wie eine Rose, in den Salon getrippelt kam, bereit, in Vauxhall die Herzen zu erobern, und wie eine Lerche sang, trat ein langer ungelenker Herr mit großen Händen und Füßen und großen Ohren, die unter dem kurzgeschnittenen, schwarzen Haar noch mehr auffielen, auf sie zu. Er trug den häßlichen Uniformrock und den Dreispitz jener Zeit und machte ihr die linkischste Verbeugung, die je von einem Sterblichen dargebracht worden war.   That evening, when Amelia came tripping into the drawing-room in a white muslin frock, prepared for conquest at Vauxhall, singing like a lark, and as fresh as a rose — a very tall ungainly gentleman, with large hands and feet, and large ears, set off by a closely cropped head of black hair, and in the hideous military frogged coat and cocked hat of those times, advanced to meet her, and made her one of the clumsiest bows that was ever performed by a mortal. Es war kein anderer als Hauptmann William Dobbin von Seiner Majestät ...tem Infanterieregiment, soeben aus Westindien zurückgekehrt, wo ihn das gelbe Fieber gepackt hatte. Dorthin hatte das Geschick sein Regiment beordert, während viele seiner tapferen Kameraden auf der Pyrenäenhalbinsel Ruhm ernteten.   This was no other than Captain William Dobbin, of His Majesty’s Regiment of Foot, returned from yellow fever, in the West Indies, to which the fortune of the service had ordered his regiment, whilst so many of his gallant comrades were reaping glory in the Peninsula. Er hatte seine Ankunft mit einem so schüchternen und schwachen Klopfen angezeigt, daß es die Damen oben nicht gehört hatten; sonst wäre Miss Amelia ganz sicher nicht so kühn gewesen, singend ins Zimmer zu kommen. Nun aber drang das süße, frische Stimmchen geradewegs in das Herz des Hauptmanns und nistete sich dort ein. Als sie ihm die Hand zur Begrüßung hinhielt, zögerte er einen Augenblick, bevor er sie mit der seinen umschloß, und dachte bei sich: Ei, ist es möglich, bist du das kleine Mädchen im rosa Kleidchen, das ich doch erst kürzlich gesehen habe – an dem Abend, wo ich die Punschbowle umwarf, gerade nach meiner Ernennung? Bist du das kleine Mädchen, das George Osborne heiraten wird, wie er immer erzählt? Was für ein blühendes, junges Mädchen du bist! Der Schurke hat doch wahrhaftig das Große Los gezogen! All dieses dachte er, ehe er Amelias Hand ergriff und dabei seinen Dreispitz fallenließ.   He had arrived with a knock so very timid and quiet that it was inaudible to the ladies upstairs: otherwise, you may be sure Miss Amelia would never have been so bold as to come singing into the room. As it was, the sweet fresh little voice went right into the Captain’s heart, and nestled there. When she held out her hand for him to shake, before he enveloped it in his own, he paused, and thought — "Well, is it possible — are you the little maid I remember in the pink frock, such a short time ago — the night I upset the punch-bowl, just after I was gazetted? Are you the little girl that George Osborne said should marry him? What a blooming young creature you seem, and what a prize the rogue has got!” All this he thought, before he took Amelia’s hand into his own, and as he let his cocked hat fall. Seine Geschichte von der Beendigung der Schule bis zu dem Augenblick, wo wir das Vergnügen haben, ihn wieder zu treffen, habe ich zwar nicht ausführlich erzählt, aber meines Erachtens doch für den scharfsinnigen Leser in dem Gespräch auf der vorhergehenden Seite einigermaßen verständlich angedeutet. Dobbin, der verachtete Krämer, war nun Alderman Dobbin, und Alderman Dobbin war Oberst bei der Londoner Bürgerwehr, die damals darauf brannte, den Einfall der Franzosen zu vereiteln. Der Herrscher und der Herzog von York hatten eine Truppenbesichtigung durchgeführt, an der auch Oberst Dobbins Korps beteiligt gewesen war (in diesem Korps war der alte Osborne nur ein kleiner Korporal). Oberst und Alderman war in den Ritterstand erhoben worden. Sein Sohn war zur Armee gegangen, und bald trat Osborne in dasselbe Regiment ein. Sie hatten in Westindien und Kanada gedient. Ihr Regiment war eben nach England zurückgekehrt, und Dobbin empfand für George Osborne immer noch die gleiche warme und hochherzige Freundschaft wie als Schuljunge.   His history since he left school, until the very moment when we have the pleasure of meeting him again, although not fully narrated, has yet, I think, been indicated sufficiently for an ingenious reader by the conversation in the last page. Dobbin, the despised grocer, was Alderman Dobbin — Alderman Dobbin was Colonel of the City Light Horse, then burning with military ardour to resist the French Invasion. Colonel Dobbin’s corps, in which old Mr. Osborne himself was but an indifferent corporal, had been reviewed by the Sovereign and the Duke of York; and the colonel and alderman had been knighted. His son had entered the army: and young Osborne followed presently in the same regiment. They had served in the West Indies and in Canada. Their regiment had just come home, and the attachment of Dobbin to George Osborne was as warm and generous now as it had been when the two were schoolboys. Nun setzten sich diese trefflichen Leute bald zum Essen nieder. Sie sprachen von Krieg und Ruhm, von Bony und Lord Wellington und der letzten Nummer der »Gazette«. Jede Zeitung in jenen Tagen hatte in ihren Spalten einen Sieg, und die beiden tapferen jungen Männer brannten darauf, ihre eigenen Namen auf der ruhmvollen Liste zu erblicken, und verfluchten ihr mißliches Geschick, zu einem Regiment zu gehören, das bisher noch keine Gelegenheit gehabt hatte, sich auszuzeichnen. Miss Sharp brannte vor Begeisterung bei diesem aufregenden Gespräch, Miss Sedley dagegen zitterte und wurde fast ohnmächtig beim Zuhören. Mr. Joe erzählte einige seiner Tigerjagdgeschichten, beendete die von Miss Cutler und Stabsarzt Lance, bediente Rebekka bei Tisch und aß und trank selbst riesige Mengen.   So these worthy people sat down to dinner presently. They talked about war and glory, and Boney and Lord Wellington, and the last Gazette. In those famous days every gazette had a victory in it, and the two gallant young men longed to see their own names in the glorious list, and cursed their unlucky fate to belong to a regiment which had been away from the chances of honour. Miss Sharp kindled with this exciting talk, but Miss Sedley trembled and grew quite faint as she heard it. Mr. Jos told several of his tiger-hunting stories, finished the one about Miss Cutler and Lance the surgeon; helped Rebecca to everything on the table, and himself gobbled and drank a great deal. Er sprang auf, um den Damen mit umwerfender Anmut die Tür zu öffnen, als diese sich zurückzogen, und zum Tisch zurückgekehrt, schenkte er sich einen Becher Rotwein nach dem andern ein und stürzte ihn mit nervöser Hast hinunter.   He sprang to open the door for the ladies, when they retired, with the most killing grace — and coming back to the table, filled himself bumper after bumper of claret, which he swallowed with nervous rapidity. »Er trinkt sich Mut an«, flüsterte Osborne Dobbin zu, und endlich kamen Stunde und Wagen für Vauxhall.   “He’s priming himself,” Osborne whispered to Dobbin, and at length the hour and the carriage arrived for Vauxhall. 6. Kapitel / Chapter 6 Vauxhall / Vauxhall Ich weiß, daß die Melodie, die ich jetzt blase, äußerst sanft ist (obgleich bald schrecklichere Kapitel folgen werden), und muß daher den gütigen Leser bitten, zu bedenken, daß wir augenblicklich bloß über eine Börsenmaklerfamilie vom Russell Square sprechen, deren Mitglieder spazierengehen, frühstücken, Mittag essen, sich unterhalten und sich verlieben wie andere gewöhnliche Sterbliche auch, und es passiert kein einziges leidenschaftliches und wunderbares Ereignis, das das Wachsen ihrer Liebe bezeichnen könnte. Die Sache steht jetzt so: Osborne, verliebt in Amelia, hat einen alten Freund zum Mittagessen und nach Vauxhall eingeladen; Joe Sedley ist verliebt in Rebekka. Wird er sie heiraten? Das ist die große Frage, die uns nun beschäftigt.   I know that the tune I am piping is a very mild one (although there are some terrific chapters coming presently), and must beg the good-natured reader to remember that we are only discoursing at present about a stockbroker’s family in Russell Square, who are taking walks, or luncheon, or dinner, or talking and making love as people do in common life, and without a single passionate and wonderful incident to mark the progress of their loves. The argument stands thus — Osborne, in love with Amelia, has asked an old friend to dinner and to Vauxhall — Jos Sedley is in love with Rebecca. Will he marry her? That is the great subject now in hand. Wir hätten dieses Thema auf vornehme, romantische oder witzige Art behandeln können. Angenommen, wir hätten die Szene nach dem Grosvenor Square verlegt, ohne an den Ereignissen selbst etwas zu ändern. Würden uns da nicht manche Leute zugehört haben? Angenommen, wir hätten gezeigt, wie Lord Joseph Sedley sich verliebte und der Marquis von Osborne Lady Amelia gewann, mit der vollen Zustimmung des Herzogs, ihres edlen Vaters; oder angenommen, wir hätten, anstatt den vornehmen Adel zu beschreiben, auf die untersten Schichten zurückgreifen und erzählen können, was in Mr. Sedleys Küche geschah: wie der schwarze Sambo sich in die Köchin verliebt habe (was wirklich stimmte) und wie er sich ihretwegen mit dem Kutscher prügelte, wie der Küchenjunge beim Stehlen einer kalten Hammelkeule ertappt wurde und wie Miss Sedleys Kammermädchen sich weigerte, ohne Kerze zu Bett zu gehen. Solche Ereignisse hätten wohl die Lachmuskeln des Lesers in Bewegung gesetzt und würden als Szenen aus dem »Leben« betrachtet werden. Oder angenommen, wir hätten im Gegenteil einen Hang zum Grausigen und machten den Liebhaber des neuen Kammermädchens zum Berufseinbrecher, der mit seiner Bande in das Haus eindringt, den schwarzen Sambo zu Füßen seines Herrn hinschlachtet, Amelia im Nachtkleid entführt und sie erst im dritten Band wieder freiläßt, dann wäre die Geschichte so überaus spannend geworden, daß der Leser die erregenden Kapitel atemlos verschlungen hätte. Man stelle sich zum Beispiel vor, dieses Kapitel hätte folgende Überschrift gehabt:   We might have treated this subject in the genteel, or in the romantic, or in the facetious manner. Suppose we had laid the scene in Grosvenor Square, with the very same adventures — would not some people have listened? Suppose we had shown how Lord Joseph Sedley fell in love, and the Marquis of Osborne became attached to Lady Amelia, with the full consent of the Duke, her noble father: or instead of the supremely genteel, suppose we had resorted to the entirely low, and described what was going on in Mr. Sedley’s kitchen — how black Sambo was in love with the cook (as indeed he was), and how he fought a battle with the coachman in her behalf; how the knife-boy was caught stealing a cold shoulder of mutton, and Miss Sedley’s new femme de chambre refused to go to bed without a wax candle; such incidents might be made to provoke much delightful laughter, and be supposed to represent scenes of “life.” Or if, on the contrary, we had taken a fancy for the terrible, and made the lover of the new femme de chambre a professional burglar, who bursts into the house with his band, slaughters black Sambo at the feet of his master, and carries off Amelia in her night-dress, not to be let loose again till the third volume, we should easily have constructed a tale of thrilling interest, through the fiery chapters of which the reader should hurry, panting. But my readers must hope for no such romance, only a homely story, and must be content with a chapter about Vauxhall, which is so short that it scarce deserves to be called a chapter at all. And yet it is a chapter, and a very important one too. Are not there little chapters in everybody’s life, that seem to be nothing, and yet affect all the rest of the history? *   * Der nächtliche Überfall   Text is missing in this edition Die Nacht war dunkel und wild – die Wolken schwarz – schwarz – tintenschwarz. Der brausende Wind riß die Schornsteinkappen von den Dächern der alten Häuser und wirbelte die klappernden Dachziegel durch die einsamen Straßen. Keine Seele wagte diesem Sturm zu trotzen – die Nachtwächter verkrochen sich in ihre Häuschen, wohin ihnen der prasselnde Regen folgte – wo vielleicht krachend der Blitz einschlug und sie traf. Einer war auf diese Weise gegenüber dem Findelhaus erschlagen werden. Ein versengter Mantel, eine zertrümmerte Laterne, ein zerbrochener Stab war alles, was von dem starken Will Standhaft übrigblieb. Ein Droschkenkutscher war in der Southampton Row vom Bock geweht worden – wohin? Aber der Wirbelwind bringt keine Kunde von seinem Opfer, nur den Abschiedsschrei, als er davongetragen wurde! Schreckliche Nacht! Es war dunkel, stockdunkel. Kein Mond. Nein, nein. Kein Mond. Nicht ein Stern. Nicht ein einziger, schwacher, funkelnder, einsamer Stern. Zwar war am zeitigen Abend einer aufgetaucht, aber er zeigte sein Antlitz nur einen Augenblick schaudernd am schwarzen Himmel und zog sich dann wieder zurück.   Text is missing in this edition Eins, zwei, drei! Es ist das Signal, das Schwarze Maske verabredet hat.   Text is missing in this edition »Mofy! Ist das deine Stimme?« fragte jemand vom unteren Hausraume her. »Ich will den Hund zum Schweigen bringen und die Tür augenblicklich aufmachen.«   Text is missing in this edition »Halt dein Maul, und tummle dich!« sagte Vizard mit einem entsetzlichen Fluch. »Hierher, Männer; wenn sie schreien, dann heraus mit euren Messern, und brav damit gearbeitet! Kümmere du dich um das Silberzimmer, Blowser, und du, Mark, um die Kiste, worin der alte Spitzbube seinen Mammon aufbewahrt; und ich«, setzte er mit leiserer, aber unheimlicherer Stimme hinzu, »ich will nach Amelia sehen!«   Text is missing in this edition Hier folgte Totenstille. »Ha«, sagte Vizard, »hat da nicht eben der Hahn einer Pistole geknackt?«   Text is missing in this edition Oder angenommen, wir hätten den vornehmen Rosenwasserstil angewendet.   Text is missing in this edition Der Marquis von Osborne hat soeben seinen petit tigre mit einem billet-doux zu Lady Amelia geschickt.   Text is missing in this edition Das liebe Geschöpf hat es aus den Händen ihrer femme de chambre, Mademoiselle Anastasie, empfangen.   Text is missing in this edition Teurer Marquis! Was für eine liebenswürdige Höflichkeit! Das Briefchen Seiner Lordschaft enthält die ersehnte Einladung ins Devonshire-Haus!   Text is missing in this edition »Wer ist das erstaunlich schöne Mädchen dort?« fragte der sémillante Prinz G-rge von Cambridge in einem Palast in Piccadilly noch am gleichen Abend (er war gerade aus der Proszeniumsloge in der Oper gekommen). »Mein lieber Sedley, im Namen aller Cupidos, stellen Sie mich ihr vor!«   Text is missing in this edition »Ihr Name, Monseigneur«, sagte Lord Joseph mit feierlicher Verbeugung, »ist Sedley.«   Text is missing in this edition »Vous avez alors un bien beau nom«, sagte der junge Prinz, während er sich recht enttäuscht auf dem Absatz herumdrehte. Dabei trat er einem alten Herrn auf den Fuß, der, in tiefe Bewunderung der schönen Lady Amelia versunken, hinter ihm stand.   Text is missing in this edition »Trente mille tonnerres!« schrie das Opfer und krümmte sich in der agonic du moment.   Text is missing in this edition »Ich bitte Eure Gnaden tausendmal um Verzeihung«, sagte der junge étourdi errötend und neigte seine blonden Locken tief. Er war dem größten Hauptmann aller Zeiten auf die Zehen getreten!     Text is missing in this edition »Oh, Devonshire!« rief der junge Prinz einem hochgewachsenen, gutmütigen Edelmann zu, dessen Gesichtszüge ihn als einen vom Blut der Cavendish auswiesen. »Nur auf ein Wort! Beabsichtigen Sie noch, sich von Ihrer Diamantkette zu trennen?«   Text is missing in this edition »Ich habe sie für zweihundertundfünfzig: Pfund an Fürst Esterhazy hier verkauft.«   Text is missing in this edition »Und das war gar nicht teuer, potztausend«, rief der fürstliche Ungar und so weiter und so fort.   Text is missing in this edition Sehen Sie, meine Damen, so hätte die Erzählung aussehen können, wenn der Verfasser die Absicht gehabt hätte, sie so zu schreiben. Er ist nämlich, um die Wahrheit zu gestehen, ebenso bekannt mit Newgate wie mit den Palästen unserer verehrten Aristokratie und hat beide von außen gesehen. Da ich aber die Sprache und Sitten von Rookery nicht verstehe noch die Konversation in vielen Sprachen, die nach den Modeschriftstellern die Tonangebenden führen sollen, so müssen wir, wenn der Leser gestattet, bescheiden unseren goldenen Mittelweg beibehalten und die Schauplätze und Personen beschreiben, die wir am besten kennen. Mit einem Wort, dieses Kapitel über Vauxhall wäre ohne obige kleine Erörterung so außerordentlich kurz ausgefallen, daß es die Bezeichnung Kapitel kaum verdient hätte. Und doch ist es ein Kapitel, und sogar ein sehr wichtiges. Gibt es nicht in jedermanns Leben kurze, scheinbar bedeutungslose Kapitel, die doch die ganze übrige Geschichte beeinflussen?   Text is missing in this edition *   * Wir wollen also mit der Gesellschaft vom Russell Square in die Kutsche steigen und in die Vauxhall-Gärten fahren. Auf dem Vordersitz zwischen Joe und Miss Sharp ist kaum noch Platz. Mr. Osborne sitzt gegenüber, eingezwängt zwischen Hauptmann Dobbin und Amelia.   Let us then step into the coach with the Russell Square party, and be off to the Gardens. There is barely room between Jos and Miss Sharp, who are on the front seat. Mr. Osborne sitting bodkin opposite, between Captain Dobbin and Amelia. Alle Insassen der Kutsche waren sich einig, daß Joe an dem Abend Rebekka Sharp bitten würde, Mrs. Sedley zu werden. Die Eltern daheim hatten sich stillschweigend in die Sache ergeben, obgleich, unter uns gesagt, der alte Mr. Sedley für seinen Sohn so etwas wie Verachtung fühlte. Er nannte ihn eitel, selbstsüchtig, träge und weibisch. Er konnte sein weltmännisches Gehabe nicht ausstehen und lachte herzlich über seine prahlerischen Aufschneidergeschichten. »Der Bursche wird mein halbes Vermögen erben«, sagte er, »daneben wird er selbst eine ganze Menge besitzen, aber ich bin völlig sicher, wenn du und ich und seine Schwester morgen sterben müßten, würde er ›Ach du lieber Gott!‹ sagen und sich seinem Essen ganz wie sonst widmen. Ich werde mir seinetwegen keine grauen Haare wachsen lassen. Meinethalben soll er heiraten, wen er will. Das ist nicht meine Angelegenheit.«   Every soul in the coach agreed that on that night Jos would propose to make Rebecca Sharp Mrs. Sedley. The parents at home had acquiesced in the arrangement, though, between ourselves, old Mr. Sedley had a feeling very much akin to contempt for his son. He said he was vain, selfish, lazy, and effeminate. He could not endure his airs as a man of fashion, and laughed heartily at his pompous braggadocio stories. “I shall leave the fellow half my property,” he said; “and he will have, besides, plenty of his own; but as I am perfectly sure that if you, and I, and his sister were to die to-morrow, he would say ‘Good Gad!’ and eat his dinner just as well as usual, I am not going to make myself anxious about him. Let him marry whom he likes. It’s no affair of mine.” Amelia dagegen war, wie alle jungen Mädchen ihres Geistes und Temperamentes, ganz begeistert für die Verbindung. Ein- oder zweimal hatte Joe angesetzt, ihr etwas sehr Wichtiges zu sagen, und sie hätte ihm herzlich gern ihr Ohr geliehen; aber der fette Bursche konnte sich nicht durchringen, sein großes Geheimnis preiszugeben, und wandte sich nur, zum Verdrusse seiner Schwester, mit einem abgrundtiefen Seufzer ab.   Amelia, on the other hand, as became a young woman of her prudence and temperament, was quite enthusiastic for the match. Once or twice Jos had been on the point of saying something very important to her, to which she was most willing to lend an ear, but the fat fellow could not be brought to unbosom himself of his great secret, and very much to his sister’s disappointment he only rid himself of a large sigh and turned away. Dieses Geheimnis hielt Amelias sanftes Herz in ständiger Aufregung. Wenn sie auch nicht mit Rebekka über den zarten Gegenstand sprach, so entschädigte sie sich doch durch lange und vertrauliche Unterredungen mit Mrs. Blenkinsop, der Haushälterin, die dem Kammermädchen einige Andeutungen machte, welche es wiederum, wahrscheinlich ganz nebenbei, gegenüber der Köchin erwähnte; diese nun trug zweifelsohne die Neuigkeit in allen Kaufmannsläden herum, so daß Mr. Joes Heirat jetzt von einer beträchtlichen Anzahl Personen aus der Russell-Square-Umgebung besprochen wurde.   This mystery served to keep Amelia’s gentle bosom in a perpetual flutter of excitement. If she did not speak with Rebecca on the tender subject, she compensated herself with long and intimate conversations with Mrs. Blenkinsop, the housekeeper, who dropped some hints to the lady’s-maid, who may have cursorily mentioned the matter to the cook, who carried the news, I have no doubt, to all the tradesmen, so that Mr. Jos’s marriage was now talked of by a very considerable number of persons in the Russell Square world. Mrs. Sedleys Meinung war natürlich, daß ihr Sohn sich durch die Heirat mit der Tochter eines Künstlers erniedrige. »Aber, mein lieber Gott, Madame«, rief Mrs. Blenkinsop, »wir waren doch auch nichts anderes als Krämer zu der Zeit, als wir Mr. S. heirateten, der kleiner Angestellter bei einem Börsenmakler war, und wir hatten zusammen keine fünfhundert Pfund, und doch sind wir jetzt reich genug.« Amelia teilte ganz und gar diese Ansicht, zu der sich nach und nach auch die gutmütige Mrs. Sedley bekehren ließ.   It was, of course, Mrs. Sedley’s opinion that her son would demean himself by a marriage with an artist’s daughter. “But, lor’, Ma’am,” ejaculated Mrs. Blenkinsop, “we was only grocers when we married Mr. S., who was a stock-broker’s clerk, and we hadn’t five hundred pounds among us, and we’re rich enough now.” And Amelia was entirely of this opinion, to which, gradually, the good-natured Mrs. Sedley was brought. Mr. Sedley blieb neutral. »Soll Joe doch heiraten, wen er will«, wiederholte er; »das ist nicht meine Angelegenheit. Das Mädchen hat kein Vermögen, aber Mrs. Sedley hatte auch keins. Sie scheint gutmütig und gescheit zu sein, und vielleicht gelingt es ihr, ihn in Ordnung zu halten. Lieber sie, meine Liebe, als eine schwarze Mrs. Sedley und ein Dutzend mahagonibrauner Enkelkinder.«   Mr. Sedley was neutral. “Let Jos marry whom he likes,” he said; “it’s no affair of mine. This girl has no fortune; no more had Mrs. Sedley. She seems good-humoured and clever, and will keep him in order, perhaps. Better she, my dear, than a black Mrs. Sedley, and a dozen of mahogany grandchildren.” So schien denn alles zu Rebekkas Glück zu lächeln. Als sei es selbstverständlich, ergriff sie Joes Arm, wenn man zum Essen ging; sie saß neben ihm auf dem Bock seines offenen Wagens (und fürwahr, er war ein gewaltiger Stutzer, wenn er so dasaß und prächtig gekleidet heiter seine Grauschimmel lenkte). Obgleich niemand ein Wort von der Heirat sprach, so schien es doch jedermann eine ausgemachte Sache zu sein. Alles, was sie noch brauchte, war der förmliche Antrag. Ach! Wie sehr vermißte Rebekka jetzt eine Mutter, eine liebe, zärtliche Mutter, die das Geschäft in zehn Minuten abgewickelt und im Laufe eines kleinen, zarten Gespräches unter vier Augen den verschämten Lippen des jungen Mannes das interessante Geständnis entlockt hätte!   So that everything seemed to smile upon Rebecca’s fortunes. She took Jos’s arm, as a matter of course, on going to dinner; she had sate by him on the box of his open carriage (a most tremendous “buck” he was, as he sat there, serene, in state, driving his greys), and though nobody said a word on the subject of the marriage, everybody seemed to understand it. All she wanted was the proposal, and ah! how Rebecca now felt the want of a mother! — a dear, tender mother, who would have managed the business in ten minutes, and, in the course of a little delicate confidential conversation, would have extracted the interesting avowal from the bashful lips of the young man! So standen die Dinge, als der Wagen über die Westminsterbrücke fuhr.   Such was the state of affairs as the carriage crossed Westminster bridge. Die Gesellschaft kam zur festgesetzten Zeit an den Königlichen Gärten an. Als der majestätische Joe aus dem knarrenden Fahrzeug stieg, begrüßte die Menge den dicken Herrn stürmisch, der daraufhin errötete und sehr groß und gewichtig wirkte, als er mit Rebekka am Arm davonschritt. George nahm sich natürlich Amelias an. Sie sah so glücklich aus wie ein Rosenstock im Sonnenschein.   The party was landed at the Royal Gardens in due time. As the majestic Jos stepped out of the creaking vehicle the crowd gave a cheer for the fat gentleman, who blushed and looked very big and mighty, as he walked away with Rebecca under his arm. George, of course, took charge of Amelia. She looked as happy as a rose-tree in sunshine. »Dobbin«, sagte George, »sei doch bitte so gut und kümmere dich um die Schals und die anderen Sachen.« So mußte der ehrliche Dobbin sich begnügen, während George und Miss Sedley davongingen und Joe sich mit Rebekka durch das Gartentor zwängte, seinen Arm den Schals zu geben und am Eingang für die ganze Gesellschaft zu bezahlen.   “I say, Dobbin,” says George, “just look to the shawls and things, there’s a good fellow.” And so while he paired off with Miss Sedley, and Jos squeezed through the gate into the gardens with Rebecca at his side, honest Dobbin contented himself by giving an arm to the shawls, and by paying at the door for the whole party. Bescheiden folgte er ihnen; er war kein Spielverderber. Um Rebekka und Joe kümmerte er sich keinen Pfifferling. Amelia dagegen hielt er sogar des brillanten George Osborne für würdig, und während er das hübsche Paar die Wege auf und ab gehen sah und des Mädchens Vergnügen und ihre Bewunderung bemerkte, beobachtete er ihre unschuldige Glückseligkeit mit einer Art väterlicher Freude. Vielleicht fühlte er auch, daß er gern etwas anderes als einen Schal am Arm gehabt hätte (die Leute lachten über den linkischen jungen Offizier mit dieser weiblichen Bürde), aber William Dobbin hatte keinen Hang zu selbstsüchtigen Plänen; und wie sollte er unzufrieden sein, solange sein Freund sich gut unterhielt? Und dabei nahm Hauptmann Dobbin von allen Herrlichkeiten des Gartens keine Notiz; nicht von den hunderttausend Lampen, die ständig brannten; nicht von den Geigern mit Dreispitz, die unter einer vergoldeten Muschel in der Mitte des Gartens hinreißende Melodien spielten; nicht von den Sängern, die mit lustigen und sentimentalen Balladen das Ohr entzückten; nicht von den Volkstänzen, die stramme Londoner und Londonerinnen mit Sprüngen, Stampfen und unter Lachen tanzten; nicht von dem Ausrufer, der verkündete, daß Madame Saqui sogleich auf einem bis zu den Sternen reichenden Schlappseil himmelan steigen würde; nicht von dem Einsiedler, der ständig in der erleuchteten Einsiedelei saß; nicht von den dunklen Wegen, die so geeignet waren für Liebesgeflüster junger Leute; nicht von den Bierkrügen, die schäbige alte Livrierte herumreichten, und nicht von den funkelnden Lauben, wo glückliche Schmauser glauben machten, sie verzehrten fast unsichtbare Schinkenschnitten. Von all diesem und auch von dem sanften Simpson, diesem freundlichen, lächelnden Idioten, der wohl, glaube ich, schon zu jener Zeit an der Spitze des Ganzen stand, nahm Hauptmann William Dobbin, wie gesagt, nicht die mindeste Notiz.   He walked very modestly behind them. He was not willing to spoil sport. About Rebecca and Jos he did not care a fig. But he thought Amelia worthy even of the brilliant George Osborne, and as he saw that good-looking couple threading the walks to the girl’s delight and wonder, he watched her artless happiness with a sort of fatherly pleasure. Perhaps he felt that he would have liked to have something on his own arm besides a shawl (the people laughed at seeing the gawky young officer carrying this female burthen); but William Dobbin was very little addicted to selfish calculation at all; and so long as his friend was enjoying himself, how should he be discontented? And the truth is, that of all the delights of the Gardens; of the hundred thousand extra lamps, which were always lighted; the fiddlers in cocked hats, who played ravishing melodies under the gilded cockle-shell in the midst of the gardens; the singers, both of comic and sentimental ballads, who charmed the ears there; the country dances, formed by bouncing cockneys and cockneyesses, and executed amidst jumping, thumping and laughter; the signal which announced that Madame Saqui was about to mount skyward on a slack-rope ascending to the stars; the hermit that always sat in the illuminated hermitage; the dark walks, so favourable to the interviews of young lovers; the pots of stout handed about by the people in the shabby old liveries; and the twinkling boxes, in which the happy feasters made-believe to eat slices of almost invisible ham — of all these things, and of the gentle Simpson, that kind smiling idiot, who, I daresay, presided even then over the place — Captain William Dobbin did not take the slightest notice. Er trug Amelias weißen Kaschmirschal mit sich herum, und nachdem er unter der vergoldeten Muschel zugehört hatte, wie Mrs. Salmon die »Schlacht von Borodino« sang (eine wilde Kantate gegen den korsischen Emporkömmling, den kürzlich in Rußland sein Schicksal ereilt hatte), versuchte Mr. Dobbin im Weitergehen, die Melodie zu summen, ertappte sich aber dabei, daß er die Melodie summte, die Amelia Sedley auf der Treppe gesungen hatte, als sie zum Essen herunterkam.   He carried about Amelia’s white cashmere shawl, and having attended under the gilt cockle-shell, while Mrs. Salmon performed the Battle of Borodino (a savage cantata against the Corsican upstart, who had lately met with his Russian reverses) — Mr. Dobbin tried to hum it as he walked away, and found he was humming — the tune which Amelia Sedley sang on the stairs, as she came down to dinner. Er mußte über sich selber lachen, denn in Wahrheit sang er nicht besser als eine Eule.   He burst out laughing at himself; for the truth is, he could sing no better than an owl. Es versteht sich von selbst, daß unsere beiden jungen Paare sich aufs feierlichste versprachen, während des ganzen Abends beisammenzubleiben, und sich zehn Minuten später schon trennten. Gesellschaften trennten sich schon immer in Vauxhall und trafen sich beim Abendessen wieder, wo sie sich die unterdessen erlebten Abenteuer erzählen konnten.   It is to be understood, as a matter of course, that our young people, being in parties of two and two, made the most solemn promises to keep together during the evening, and separated in ten minutes afterwards. Parties at Vauxhall always did separate, but ’twas only to meet again at supper-time, when they could talk of their mutual adventures in the interval. Welche Abenteuer hatten Mr. Osborne und Miss Amelia erlebt? Das ist ein Geheimnis. Der Leser mag aber überzeugt sein, daß sie sich vollkommen glücklich fühlten und ihr Betragen äußerst korrekt war. Da sie seit fünfzehn Jahren fast ständig zusammen gewesen waren, so bot ihr Tête-à-tête nicht viel Neues.   What were the adventures of Mr. Osborne and Miss Amelia? That is a secret. But be sure of this — they were perfectly happy, and correct in their behaviour; and as they had been in the habit of being together any time these fifteen years, their tete-a-tete offered no particular novelty. Als aber Miss Rebekka Sharp und ihr korpulenter Gefährte sich in einem einsamen Weg verloren, in dem kaum mehr als acht Dutzend andere Paare wie sie umherschlenderten, fühlten beide, daß die Situation äußerst delikat und kritisch sei, und jetzt oder nie, dachte Miss Sharp, sei der Augenblick für die Erklärung, die auf Mr. Sedleys schüchternen Lippen schwebte. Im Panorama von Moskau, wo sie vorher gewesen waren, war ein roher Bursche Miss Sharp auf den Fuß getreten, so daß sie mit einem kleinen Schrei in Mr. Sedleys Arme zurückgefallen war; und dieser kleine Vorfall steigerte die Zärtlichkeit und das Selbstvertrauen des Herrn so sehr, daß er ihr verschiedene von seinen besten indischen Geschichten mindestens zum sechsten Male erzählte.   But when Miss Rebecca Sharp and her stout companion lost themselves in a solitary walk, in which there were not above five score more of couples similarly straying, they both felt that the situation was extremely tender and critical, and now or never was the moment Miss Sharp thought, to provoke that declaration which was trembling on the timid lips of Mr. Sedley. They had previously been to the panorama of Moscow, where a rude fellow, treading on Miss Sharp’s foot, caused her to fall back with a little shriek into the arms of Mr. Sedley, and this little incident increased the tenderness and confidence of that gentleman to such a degree, that he told her several of his favourite Indian stories over again for, at least, the sixth time. »Ach, wie gern möchte ich einmal nach Indien!« seufzte Rebekka.   “How I should like to see India!” said Rebecca. »Wirklich?« erkundigte sich Joseph mit überwältigender Zärtlichkeit und wollte zweifellos dieser sinnreichen Frage eine noch zärtlichere folgen lassen (denn er schnaufte und keuchte gewaltig, und Rebekka konnte mit der Hand, die sich nicht weit von seinem Herzen befand, die fieberhaften Schläge dieses Organs zählen), als – ach, wie ärgerlich! – die Glocke zum Feuerwerk ertönte und mit einmal ein großes Geschiebe und Gerenne einsetzte, so daß auch unser interessantes Liebespaar gezwungen war, dem Menschenstrom zu folgen.   “ Should you?” said Joseph, with a most killing tenderness; and was no doubt about to follow up this artful interrogatory by a question still more tender (for he puffed and panted a great deal, and Rebecca’s hand, which was placed near his heart, could count the feverish pulsations of that organ), when, oh, provoking! the bell rang for the fireworks, and, a great scuffling and running taking place, these interesting lovers were obliged to follow in the stream of people. Hauptmann Dobbin hatte eigentlich die Absicht gehabt, sich beim Abendessen wieder der Gesellschaft anzuschließen, da er die Belustigungen von Vauxhall wirklich nicht besonders reizvoll fand – aber er ging zweimal an der Laube vorbei, wo die jetzt vereinigten Paare beisammensaßen, ohne daß jemand Notiz von ihm nahm. Es war für vier Personen gedeckt. Die beiden Paare plauderten munter, und Dobbin wußte, daß sie ihn so vollständig vergessen hatten, als habe er auf dieser Welt nie existiert.   Captain Dobbin had some thoughts of joining the party at supper: as, in truth, he found the Vauxhall amusements not particularly lively — but he paraded twice before the box where the now united couples were met, and nobody took any notice of him. Covers were laid for four. The mated pairs were prattling away quite happily, and Dobbin knew he was as clean forgotten as if he had never existed in this world. »Ich würde nur de trop sein«, sagte der Hauptmann und blickte ziemlich sehnsüchtig zu ihnen hin. »Das beste ist wohl, ich gehe und unterhalte mich mit dem Einsiedler«, und so zog er sich aus dem Stimmengesumm, Lärm und Besteckgeklapper zurück in den dunklen Weg, an dessen Ende der berühmte Papp-Einsiedler hauste. Es war nicht besonders kurzweilig für Dobbin, und tatsächlich weiß ich aus eigener Erfahrung, daß das Alleinsein in Vauxhall für einen Junggesellen eines der traurigsten Vergnügen ist.   “I should only be de trop,” said the Captain, looking at them rather wistfully. “I’d best go and talk to the hermit," — and so he strolled off out of the hum of men, and noise, and clatter of the banquet, into the dark walk, at the end of which lived that well-known pasteboard Solitary. It wasn’t very good fun for Dobbin — and, indeed, to be alone at Vauxhall, I have found, from my own experience, to be one of the most dismal sports ever entered into by a bachelor. Die beiden Paare in ihrer Laube unterhielten sich äußerst angeregt und vertraulich und waren vollkommen glücklich. Joe strahlte in seiner ganzen Herrlichkeit und gab den Kellnern majestätisch unaufhörlich Anweisungen. Er machte den Salat an, entkorkte den Champagner, zerlegte das Geflügel und aß und trank den größten Teil der aufgetragenen Erfrischungen. Zum Abschluß mußte er noch einen Arrakpunsch trinken; jedermann in Vauxhall trinkt Arrakpunsch. »Kellner, Arrakpunsch!«   The two couples were perfectly happy then in their box: where the most delightful and intimate conversation took place. Jos was in his glory, ordering about the waiters with great majesty. He made the salad; and uncorked the Champagne; and carved the chickens; and ate and drank the greater part of the refreshments on the tables. Finally, he insisted upon having a bowl of rack punch; everybody had rack punch at Vauxhall. “Waiter, rack punch.” Diese Bowle Arrakpunsch war der Anlaß zu der ganzen Geschichte; und warum soll nicht eine Bowle Arrakpunsch ein ebenso guter Anlaß sein wie jeder andere? War nicht eine Schale mit Blausäure der Grund, weshalb die schöne Rosamunde sich von der Welt zurückzog? War nicht ein Becher Wein die Ursache für das Ableben Alexanders des Großen? (Zumindest behauptet es Dr. Lempriere.) Nun beeinflußte dieser Arrakpunsch das Schicksal sämtlicher Hauptpersonen in diesem »Roman ohne Helden«, den wir jetzt erzählen. Er wirkte auf ihr ganzes Leben ein, obgleich die meisten von ihnen keinen Tropfen davon kosteten.   That bowl of rack punch was the cause of all this history. And why not a bowl of rack punch as well as any other cause? Was not a bowl of prussic acid the cause of Fair Rosamond’s retiring from the world? Was not a bowl of wine the cause of the demise of Alexander the Great, or, at least, does not Dr. Lempriere say so? — so did this bowl of rack punch influence the fates of all the principal characters in this “Novel without a Hero,” which we are now relating. It influenced their life, although most of them did not taste a drop of it. Die jungen Damen tranken keinen; Osborne mochte ihn nicht, und folglich trank Joe, der dicke Prasser, den Inhalt der Bowle allein aus; und die Folge davon wiederum war eine anfangs staunenerregende, dann fast peinliche Heiterkeit; denn er sprach und lachte so laut, daß sich Dutzende Neugieriger um die Laube scharten, sehr zum Leidwesen der harmlosen Gesellschaft drinnen, und als Joe schließlich anfing zu singen, und zwar in den rührseligen hohen Tönen Betrunkener, lockte er den Musikanten unter der vergoldeten Muschel fast das gesamte Publikum weg und erntete von seinen Zuhörern ungeheuren Beifall.   The young ladies did not drink it; Osborne did not like it; and the consequence was that Jos, that fat gourmand, drank up the whole contents of the bowl; and the consequence of his drinking up the whole contents of the bowl was a liveliness which at first was astonishing, and then became almost painful; for he talked and laughed so loud as to bring scores of listeners round the box, much to the confusion of the innocent party within it; and, volunteering to sing a song (which he did in that maudlin high key peculiar to gentlemen in an inebriated state), he almost drew away the audience who were gathered round the musicians in the gilt scollop-shell, and received from his hearers a great deal of applause. »Bravo, bravo, Dicker!« rief einer. »Da capo, Daniel Lambert!« schrie ein anderer. »Was für eine Figur: zum Seiltanzen!« brüllte ein dritter Spaßvogel zur unaussprechlichen Verlegenheit der Damen und zum großen Mißvergnügen von Mr. Osborne.   “Brayvo, Fat un!” said one; “Angcore, Daniel Lambert!” said another; “What a figure for the tight-rope!” exclaimed another wag, to the inexpressible alarm of the ladies, and the great anger of Mr. Osborne. »Um Himmels willen, Joe, laß uns doch lieber gehen«, rief der junge Mann, und die Mädchen erhoben sich.   “For Heaven’s sake, Jos, let us get up and go,” cried that gentleman, and the young women rose. »Halt, mein Lirum-larum-liebchen«, juchzte Joe, der jetzt kühn wie ein Löwe war und Miss Rebekka umfaßte. Rebekka fuhr zurück, konnte aber ihre Hand nicht befreien. Das Gelächter draußen verdoppelte sich. Joe fuhr fort zu trinken, seine Liebestollheit zu zeigen und zu singen; seinen Zuhörern zuwinkend und gläserschwenkend, forderte er alle auf, hereinzukommen und seinen Punsch mit ihm zu teilen.   “Stop, my dearest diddle-diddle-darling,” shouted Jos, now as bold as a lion, and clasping Miss Rebecca round the waist. Rebecca started, but she could not get away her hand. The laughter outside redoubled. Jos continued to drink, to make love, and to sing; and, winking and waving his glass gracefully to his audience, challenged all or any to come in and take a share of his punch. Mr. Osborne war gerade im Begriff, einen Herrn in Stulpenstiefeln zu Boden zu schlagen, der von dieser Einladung Gebrauch machen wollte, und ein Tumult schien unausbleiblich zu sein, als zum Glück ein Herr namens Dobbin, der im Garten umhergeschlendert war, auf die Laube zutrat. »Packt euch, ihr Narren!« rief dieser Herr, drängte einen großen Teil der Menge beiseite – vor dem Anblick seines Dreispitzes und seines grimmigen Aussehens verzog sich sowieso bald alles – und betrat höchst aufgeregt die Laube.   Mr. Osborne was just on the point of knocking down a gentleman in top-boots, who proposed to take advantage of this invitation, and a commotion seemed to be inevitable, when by the greatest good luck a gentleman of the name of Dobbin, who had been walking about the gardens, stepped up to the box. “Be off, you fools!” said this gentleman — shouldering off a great number of the crowd, who vanished presently before his cocked hat and fierce appearance — and he entered the box in a most agitated state. »Guter Gott! Dobbin, wo bist du bloß gewesen?« fragte Osborne, riß den weißen Kaschmirschal vom Arm seines Freundes und hüllte Amelia damit, ein. – »Mach dich ein bißchen nützlich und kümmere dich um Joe, während ich die Damen zum Wagen bringe.«   “Good Heavens! Dobbin, where have you been?” Osborne said, seizing the white cashmere shawl from his friend’s arm, and huddling up Amelia in it. — "Make yourself useful, and take charge of Jos here, whilst I take the ladies to the carriage.” Joe wollte aufstehen und sich ins Mittel legen, aber ein einziger Finger von Osborne warf ihn wieder schnaufend auf seinen Sitz zurück, und so konnte denn der Leutnant die Damen in Sicherheit bringen. Joe warf den Weggehenden Kußhände nach und schluchzte: »Gott segne euch, Gott segne euch!« Darauf ergriff er Hauptmann Dobbins Hand und vertraute diesem Herrn jämmerlich weinend das Geheimnis seiner Liebe an. Er bete das Mädchen an, das eben hinausgegangen sei; er wisse wohl, daß er durch sein Benehmen ihr Herz gebrochen; er wolle sie am nächsten Morgen in der Sankt-Georgs-Kirche am Hanover Square heiraten; er wolle den Erzbischof von Canterbury im Lambethpalast herausklopfen; ja, das wolle er, beim Zeus! Damit der gleich bereit sei. Diese Äußerung griff Hauptmann Dobbin geschickt auf und überredete ihn, den Garten schleunigst zu verlassen und zum Lambethpalast zu eilen. Sobald sie aber einmal den Ausgang hinter sich hatten, bugsierte er Mr. Joe Sedley ohne viel Mühe in eine Droschke, die ihn sicher vor seiner Wohnung absetzte.   Jos was for rising to interfere — but a single push from Osborne’s finger sent him puffing back into his seat again, and the lieutenant was enabled to remove the ladies in safety. Jos kissed his hand to them as they retreated, and hiccupped out “Bless you! Bless you!” Then, seizing Captain Dobbin’s hand, and weeping in the most pitiful way, he confided to that gentleman the secret of his loves. He adored that girl who had just gone out; he had broken her heart, he knew he had, by his conduct; he would marry her next morning at St. George’s, Hanover Square; he’d knock up the Archbishop of Canterbury at Lambeth: he would, by Jove! and have him in readiness; and, acting on this hint, Captain Dobbin shrewdly induced him to leave the gardens and hasten to Lambeth Palace, and, when once out of the gates, easily conveyed Mr. Jos Sedley into a hackney-coach, which deposited him safely at his lodgings. George Osborne brachte auch die Mädchen wohlbehalten nach Hause. Als aber die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte und er über den Russell Square ging, lachte er zur Verwunderung des Nachtwächters laut los. Amelia sah ihre Freundin kläglich an, als sie die Treppe hinaufstiegen, küßte sie und ging, ohne ein Wort zu sagen, zu Bett.   George Osborne conducted the girls home in safety: and when the door was closed upon them, and as he walked across Russell Square, laughed so as to astonish the watchman. Amelia looked very ruefully at her friend, as they went up stairs, and kissed her, and went to bed without any more talking. Morgen muß er mir den Antrag machen, dachte Rebekka. Viermal hat er mich seine Herzallerliebste genannt und mir vor Amelias Augen die Hand gedrückt. Morgen muß er mir den Antrag machen. Das gleiche glaubte auch Amelia, und dabei dachte sie wohl auch an das Kleid, das sie als Brautjungfer tragen würde, und an die Geschenke, die sie ihrer netten kleinen Schwägerin machen könnte, und an eine spätere Feier, bei der sie selbst die Hauptrolle spielen würde, und so weiter und so fort.   “He must propose to-morrow,” thought Rebecca. “He called me his soul’s darling, four times; he squeezed my hand in Amelia’s presence. He must propose to-morrow.” And so thought Amelia, too. And I dare say she thought of the dress she was to wear as bridesmaid, and of the presents which she should make to her nice little sister-in-law, and of a subsequent ceremony in which she herself might play a principal part, \&c., and \&c., and \&c., and \&c. Oh, ihr ahnungslosen jungen Geschöpfe! Wie wenig wißt ihr von der Wirkung des Arrakpunsches. Was ist die Freude beim abendlichen Arrakpunsch gegenüber der Pein am folgenden Morgen? Mir, einem Mann, kann man es glauben: Keine Kopfschmerzen der Welt gleichen denen, die der Vauxhall-Punsch verschuldet. Noch nach zwanzig Jahren erinnere ich mich an die Folgen von, auf Ehrenwort, nur zwei Gläsern; und Joseph Sedley, mit seinem Leberleiden, hatte mindestens einen Liter von dem abscheulichen Gebräu hinuntergestürzt.   Oh, ignorant young creatures! How little do you know the effect of rack punch! What is the rack in the punch, at night, to the rack in the head of a morning? To this truth I can vouch as a man; there is no headache in the world like that caused by Vauxhall punch. Through the lapse of twenty years, I can remember the consequence of two glasses! two wine-glasses! but two, upon the honour of a gentleman; and Joseph Sedley, who had a liver complaint, had swallowed at least a quart of the abominable mixture. Der nächste Morgen, der, wie Rcbekka dachte, die Morgenröte ihres Glückes bringen sollte, fand Sedley unter Qualen stöhnend, die zu beschreiben die Feder sich sträubt. Das Sodawasser war noch nicht erfunden. Dünnbier  – unglaublich! – war das einzige, womit unglückliche Herren das Fieber linderten, das die Zechgelage der vergangenen Nacht bewirkt hatten. Mit diesem milden Getränk vor sich, fand George Osborne den ehemaligen Steuereinnehmer von Boggley Wollah ächzend auf dem Sofa in seiner Wohnung. Dobbin war bereits anwesend, um, gutmütig wie er war, seinen Patienten vom vergangenen Abend zu pflegen. Die beiden Offiziere blickten auf den ausgestreckten Bacchanten, tauschten verstohlene Blicke und grinsten sich verständnisinnig an. Sogar Sedleys Diener, ein äußerst feierlicher und korrekter Mensch, sonst stumm und gravitätisch wie ein Leichenbestatter, konnte nur mit Mühe Haltung bewahren, als er seinen unglücklichen Herrn betrachtete.   That next morning, which Rebecca thought was to dawn upon her fortune, found Sedley groaning in agonies which the pen refuses to describe. Soda-water was not invented yet. Small beer — will it be believed! — was the only drink with which unhappy gentlemen soothed the fever of their previous night’s potation. With this mild beverage before him, George Osborne found the ex-Collector of Boggley Wollah groaning on the sofa at his lodgings. Dobbin was already in the room, good-naturedly tending his patient of the night before. The two officers, looking at the prostrate Bacchanalian, and askance at each other, exchanged the most frightful sympathetic grins. Even Sedley’s valet, the most solemn and correct of gentlemen, with the muteness and gravity of an undertaker, could hardly keep his countenance in order, as he looked at his unfortunate master. »Mr. Sedley war gestern abend außerordentlich ungebärdig, Sir«, flüsterte er Osborne vertraulich zu, als dieser die Treppe heraufkam. »Er wollte mit dem Droschkenkutscher anbinden, Sir. Der Hauptmann mußte ihn wie ein kleines Kind in seinen Armen hinauftragen.« Ein Anflug von Lächeln huschte über Mr. Brushs Züge, während er das erzählte, machte aber sofort wieder der unergründlichen Ruhe Platz, als er die Salontür aufriß und »Mr. Osborn« meldete.   “Mr. Sedley was uncommon wild last night, sir,” he whispered in confidence to Osborne, as the latter mounted the stair. “He wanted to fight the ’ackney-coachman, sir. The Capting was obliged to bring him upstairs in his harms like a babby.” A momentary smile flickered over Mr. Brush’s features as he spoke; instantly, however, they relapsed into their usual unfathomable calm, as he flung open the drawing-room door, and announced “Mr. Hosbin.” »Wie geht es dir, Sedley?« begann der junge Spaßvogel, als er sein Opfer eine Weile gemustert hatte. »Die Knochen noch alle ganz? Unten ist ein Droschkenkutscher mit einem blauen Auge und verbundenem Kopf, der dir mit dem Gericht droht.«   “How are you, Sedley?” that young wag began, after surveying his victim. “No bones broke? There’s a hackney-coachman downstairs with a black eye, and a tied-up head, vowing he’ll have the law of you.” »Was soll das bedeuten – Gericht?« fragte Sedley matt.   “What do you mean — law?” Sedley faintly asked. »Weil du ihn vergangene Nacht verdroschen hast – nicht wahr, Dobbin? Du hast ja zugehauen wie Molyneux. Der Nachtwächter sagt, er habe noch nie im Leben einen Mann so schnell zu Boden gehen sehen. Frag Dobbin.«   “For thrashing him last night — didn’t he, Dobbin? You hit out, sir, like Molyneux. The watchman says he never saw a fellow go down so straight. Ask Dobbin.” »Ja, Sie haben tatsächlich eine Runde mit dem Kutscher ausgetragen«, sagte Hauptmann Dobbin, »und sind dabei sehr kampflustig gewesen.«   “You did have a round with the coachman,” Captain Dobbin said, “and showed plenty of fight too.” »Und der Kerl mit dem weißen Rock in Vauxhall! Wie Joe auf ihn losging! Wie die Frauen kreischten! Beim Zeus, es tat mir im Innersten wohl, dich so zu sehen. Ich dachte, ihr Zivilisten hättet keine Courage; aber ich werde mich hüten, dir in den Weg zu geraten, wenn du bezecht bist, Joe.«   “And that fellow with the white coat at Vauxhall! How Jos drove at him! How the women screamed! By Jove, sir, it did my heart good to see you. I thought you civilians had no pluck; but I’ll never get in your way when you are in your cups, Jos.” »Ich glaube, ich bin fürchterlich, wenn ich einen sitzen habe«, stieß Joe auf dem Sofa hervor und machte dabei ein so trauriges und lächerliches Gesicht, daß den Hauptmann die Höflichkeit verließ und er und Osborne in ein wieherndes Gelächter ausbrachen.   “I believe I’m very terrible, when I’m roused,” ejaculated Jos from the sofa, and made a grimace so dreary and ludicrous, that the Captain’s politeness could restrain him no longer, and he and Osborne fired off a ringing volley of laughter. Osborne setzte ihm unbarmherzig zu. Er hielt Joe für eine Memme. Er hatte die Heiratspläne zwischen Joe und Rebekka sorgfältig erwogen und empfand keine übermäßige Freude darüber, daß ein Mitglied der Familie, in die er, George Osborne vom ...ten Regiment, heiraten wollte, drauf und dran war, eine Mesalliance mit einer kleinen Null, einer kleinen ehrgeizigen Gouvernante, einzugehen. »Du und schlagen, du armer, alter Trottel?« sagte Osborne. »Du und fürchterlich? Ach, Mann, du konntest dich nicht einmal aufrecht halten, ganz Vauxhall hat über dich gelacht, und du selbst hast geheult. Du warst so weinselig, Joe. Kannst du dich nicht entsinnen, daß du ein Lied gesungen hast?«   Osborne pursued his advantage pitilessly. He thought Jos a milksop. He had been revolving in his mind the marriage question pending between Jos and Rebecca, and was not over well pleased that a member of a family into which he, George Osborne, of the — th, was going to marry, should make a mesalliance with a little nobody — a little upstart governess. “You hit, you poor old fellow!” said Osborne. “You terrible! Why, man, you couldn’t stand — you made everybody laugh in the Gardens, though you were crying yourself. You were maudlin, Jos. Don’t you remember singing a song?” »Ein was?« fragte Joe.   “A what?” Jos asked. »Ein rührendes Lied, und Rosa oder Rebekka oder wie sie nun heißt, Amelias kleine Freundin, hast du dein Lirum-larum-liebchen genannt.« Bei diesen Worten ergriff der unbarmherzige junge Bursche Dobbins Hand und spielte die ganze Szene zum größten Entsetzen des ursprünglichen Darstellers noch einmal, trotz Dobbins gutmütiger Bitten, doch Mitleid mit ihm zu haben.   “A sentimental song, and calling Rosa, Rebecca, what’s her name, Amelia’s little friend — your dearest diddle-diddle-darling?” And this ruthless young fellow, seizing hold of Dobbin’s hand, acted over the scene, to the horror of the original performer, and in spite of Dobbin’s good-natured entreaties to him to have mercy. »Warum sollte ich ihn denn schonen?« antwortete Osborne auf die Einwendungen seines Freundes, als sie den Leidenden in den Händen von Doktor Gollop zurückgelassen hatten. »Zum Henker, was für ein Recht hat er, sich stets so gönnerhaft aufzuspielen und uns in Vauxhall lächerlich zu machen? Wer ist das kleine Schulmädchen, das ihm schöne Augen macht? Zum Henker! Die Familie ist schon armselig genug ohne sie. Eine Gouvernante ist ja ganz schön, aber ich möchte doch lieber eine Dame zur Schwägerin haben. Ich bin zwar großzügig, habe aber doch meinen Stolz und weiß, wo ich hingehöre; und sie sollte sich ihre Stellung auch überlegen. Ich werde den großsprecherischen Nabob schon noch unterkriegen und verhindern, daß er sich zu einem größeren Narren macht, als er bereits ist. Deshalb habe ich ihm gesagt, er solle auf der Hut sein, sonst würde sie ihn noch wegen Heiratsschwindelei verklagen.«   “Why should I spare him?” Osborne said to his friend’s remonstrances, when they quitted the invalid, leaving him under the hands of Doctor Gollop. “What the deuce right has he to give himself his patronizing airs, and make fools of us at Vauxhall? Who’s this little schoolgirl that is ogling and making love to him? Hang it, the family’s low enough already, without her . A governess is all very well, but I’d rather have a lady for my sister-in-law. I’m a liberal man; but I’ve proper pride, and know my own station: let her know hers. And I’ll take down that great hectoring Nabob, and prevent him from being made a greater fool than he is. That’s why I told him to look out, lest she brought an action against him.” »Wahrscheinlich weißt du es am besten«, meinte Dobbin, wenn auch etwas zweifelnd. »Du bist immer Tory gewesen, und ihr seid eine der ältesten englischen Familien; aber...«   “I suppose you know best,” Dobbin said, though rather dubiously. “You always were a Tory, and your family’s one of the oldest in England. But — ” »Komm mit zu den Mädchen und mach Miss Sharp selbst den Hof«, unterbrach der Leutnant seinen Freund; aber Hauptmann Dobbin lehnte es ab, Osborne zu seinem täglichen Besuch bei den jungen Damen am Russell Square zu begleiten.   “Come and see the girls, and make love to Miss Sharp yourself,” the lieutenant here interrupted his friend; but Captain Dobbin declined to join Osborne in his daily visit to the young ladies in Russell Square. Als George von Holborn die Southampton Row hinabging, sah er im Sedleyschen Haus, in zwei verschiedenen Stockwerken, zwei Köpfe auf der Lauer liegen.   As George walked down Southampton Row, from Holborn, he laughed as he saw, at the Sedley Mansion, in two different stories two heads on the look-out. Miss Amelia schaute nämlich vom Balkon des Salons angestrengt nach dem Leutnant aus, der auf der anderen Seite des Russell Square wohnte; Miss Sharp dagegen war in ihrem kleinen Schlafzimmer im zweiten Stockwerk auf Wachposten, um Mr. Josephs mächtige Gestalt auftauchen zu sehen.   The fact is, Miss Amelia, in the drawing-room balcony, was looking very eagerly towards the opposite side of the Square, where Mr. Osborne dwelt, on the watch for the lieutenant himself; and Miss Sharp, from her little bed-room on the second floor, was in observation until Mr. Joseph’s great form should heave in sight. »Schwester Anne sitzt auf dem Wachtturm, aber niemand kommt«, rief er Amelia lachend zu und freute sich königlich über den Spaß, als er Miss Sedley mit den komischsten Ausdrücken den trübseligen Zustand ihres Bruders beschrieb.   “Sister Anne is on the watch-tower,” said he to Amelia, “but there’s nobody coming”; and laughing and enjoying the joke hugely, he described in the most ludicrous terms to Miss Sedley, the dismal condition of her brother. »Es ist doch aber sehr grausam von Ihnen, zu lachen, George«, sagte sie und sah recht unglücklich aus; allein George lachte nur um so mehr über ihren kläglichen und verwirrten Gesichtsausdruck und blieb dabei, daß der Spaß doch höchst gelungen sei. Als Miss Sharp die Treppe herabkam, neckte er sie munter wegen der Wirkung ihrer Reize auf den dicken Zivilisten.   “I think it’s very cruel of you to laugh, George,” she said, looking particularly unhappy; but George only laughed the more at her piteous and discomfited mien, persisted in thinking the joke a most diverting one, and when Miss Sharp came downstairs, bantered her with a great deal of liveliness upon the effect of her charms on the fat civilian. »Oh, Miss Sharp! Könnten Sie ihn heute morgen in seinem geblümten Schlafrock sehen«, sagte er, »wie er stöhnt und sich auf seinem Sofa windet. Hätten Sie nur sehen können, wie er Gollop, dem Arzt, seine Zunge zeigte.«   “O Miss Sharp! if you could but see him this morning,” he said — “moaning in his flowered dressing-gown — writhing on his sofa; if you could but have seen him lolling out his tongue to Gollop the apothecary.” »Wenn ich wen sehen könnte?« fragte Miss Sharp.   “See whom?” said Miss Sharp. »Wen? Ach, wen? Hauptmann Dobbin natürlich, dem wir alle, beiläufig gesagt, gestern abend so viel Aufmerksamkeit gewidmet haben.«   “Whom? O whom? Captain Dobbin, of course, to whom we were all so attentive, by the way, last night.” »Wir waren sehr unfreundlich zu ihm«, sagte Emmy und errötete. »Ich – ich hatte ihn ganz vergessen.«   “We were very unkind to him,” Emmy said, blushing very much. “I — I quite forgot him.” »Das ist ganz natürlich«, rief Osborne, immer noch lachend. »Man kann doch nicht immer an Dobbin denken, nicht wahr, Amelia. Oder doch, Miss Sharp?«   “Of course you did,” cried Osborne, still on the laugh. “One can’t be always thinking about Dobbin, you know, Amelia. Can one, Miss Sharp?” »Abgesehen von dem Weinglas, das er bei Tisch umstieß«, sagte Miss Sharp hochmütig und warf den Kopf zurück, »habe ich keinen Augenblick einen Gedanken an Hauptmann Dobbins Existenz verschwendet.«   “Except when he overset the glass of wine at dinner,” Miss Sharp said, with a haughty air and a toss of the head, “I never gave the existence of Captain Dobbin one single moment’s consideration.” »Sehr gut, Miss Sharp, ich will es ihm sagen«, sagte Osborne, und während er sprach, beschlich Miss Sharp ein Gefühl von Mißtrauen und Haß gegen diesen jungen Offizier, dessen er sich ganz und gar nicht bewußt war. Er will sich über mich lustig machen, ganz bestimmt, dachte Rebekka. Hat er mich bei Joseph lächerlich gemacht? Hat er ihn abgeschreckt? Vielleicht kommt er gar nicht.   “Very good, Miss Sharp, I’ll tell him,” Osborne said; and as he spoke Miss Sharp began to have a feeling of distrust and hatred towards this young officer, which he was quite unconscious of having inspired. “He is to make fun of me, is he?” thought Rebecca. “Has he been laughing about me to Joseph? Has he frightened him? Perhaps he won’t come." — A film passed over her eyes, and her heart beat quite quick. Ein Schleier legte sich über ihre Augen, und ihr Herz schlug zum Zerspringen. »Sie sind immer zu Spaßen aufgelegt«, sagte sie und lächelte, so unschuldig sie konnte. »Scherzen Sie nur weiter, Mr. George, mich verteidigt ja keiner.« Als George Osborne ging und Amelia ihn mißbilligend ansah, empfand er als Mann doch eine gewisse Zerknirschung, daß er sich gegen das schutzlose Geschöpf unnötigerweise so unfreundlich benommen hatte. »Meine liebste Amelia«, sagte er, »Sie sind zu gut – zu freundlich. Sie kennen die Welt nicht. Ich kenne sie aber. Und Ihre kleine Freundin, Miss Sharp, sollte sich überlegen, wo sie hingehört.«   “You’re always joking,” said she, smiling as innocently as she could. “Joke away, Mr. George; there’s nobody to defend me .” And George Osborne, as she walked away — and Amelia looked reprovingly at him — felt some little manly compunction for having inflicted any unnecessary unkindness upon this helpless creature. “My dearest Amelia,” said he, “you are too good — too kind. You don’t know the world. I do. And your little friend Miss Sharp must learn her station.” »Glauben Sie nicht, daß Joe ...«   “Don’t you think Jos will — ” »Ehrenwort, meine Liebe, ich weiß es nicht. Vielleicht, vielleicht auch nicht; ich habe ihm nichts vorzuschreiben. Ich weiß nur, daß er schrecklich dumm und eitel ist und daß er mein kleines liebes Mädchen gestern abend in eine sehr peinliche und schiefe Lage gebracht hat. Mein Lirum-larum-liebchen!« Und abermals lachend, verschwand er, und weil es so drollig geschah, mußte auch Emmy lachen.   “Upon my word, my dear, I don’t know. He may, or may not. I’m not his master. I only know he is a very foolish vain fellow, and put my dear little girl into a very painful and awkward position last night. My dearest diddle-diddle-darling!” He was off laughing again, and he did it so drolly that Emmy laughed too. Den ganzen Tag ließ sich Joe nicht blicken. Amelia aber machte sich deshalb keine Gedanken, denn die kleine Ränkeschmiedin hatte doch tatsächlich den Pagen, Mr. Sambos Adjutanten, in Mr. Josephs Wohnung geschickt, um ihn um ein versprochenes Buch zu bitten und sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Die Antwort von Joes Diener, Mr. Brush, lautete, sein Herr liege krank im Bett und der Doktor sei soeben bei ihm gewesen. Morgen wird er bestimmt kommen, dachte sie, hatte aber nicht den Mut, mit ihrer Freundin darüber zu sprechen; auch Rebekka erwähnte die Sache während des ganzen Abends nach der Vauxhall-Partie mit keinem Wort.   All that day Jos never came. But Amelia had no fear about this; for the little schemer had actually sent away the page, Mr. Sambo’s aide-de-camp, to Mr. Joseph’s lodgings, to ask for some book he had promised, and how he was; and the reply through Jos’s man, Mr. Brush, was, that his master was ill in bed, and had just had the doctor with him. He must come to-morrow, she thought, but she never had the courage to speak a word on the subject to Rebecca; nor did that young woman herself allude to it in any way during the whole evening after the night at Vauxhall. Am nächsten Tage jedoch, als die beiden jungen Damen auf dem Sofa saßen und so taten, als arbeiteten sie oder schrieben Briefe oder läsen Romane, kam Sambo mit seinem üblichen gewinnenden Grinsen ins Zimmer, mit einem Paket unter dem Arm und einem Billett auf dem Präsentierbrett. »Ein Billett von Mr. Joe, Miss«, verkündete Sambo.   The next day, however, as the two young ladies sate on the sofa, pretending to work, or to write letters, or to read novels, Sambo came into the room with his usual engaging grin, with a packet under his arm, and a note on a tray. “Note from Mr. Jos, Miss,” says Sambo. Wie Amelia zitterte, als sie es öffnete!   How Amelia trembled as she opened it! Es lautete wie folgt: Liebe Amelia! Anbei schicke ich Dir die »Waise vom Walde«. Ich war gestern zu krank, um Euch zu besuchen. Heute fahre ich nach Cheltenham. Wenn möglich, entschuldige mich bei der liebenswürdigen Miss Sharp wegen meines Benehmens in Vauxhall und bitte sie doch, jede Äußerung, die ich während dieses unglückseligen Soupers in der Erregung gemacht habe, zu verzeihen und zu vergessen. Sobald ich mich wieder erholt habe, denn meine Gesundheit ist einigermaßen erschüttert, werde ich auf einige Monate nach Schottland gehen. Unterdessen verbleibe ich Dein Joe Sedley.   So it ran: Truly yours, Dear Amelia, — I send you the “Orphan of the Forest.” I was too ill to come yesterday. I leave town to-day for Cheltenham. Pray excuse me, if you can, to the amiable Miss Sharp, for my conduct at Vauxhall, and entreat her to pardon and forget every word I may have uttered when excited by that fatal supper. As soon as I have recovered, for my health is very much shaken, I shall go to Scotland for some months, and am Jos Sedley Das war das Todesurteil. Alles war vorüber. Amelia wagte es nicht, in Rebekkas blasses Gesiebt und ihre brennenden Augen zu blicken; sie ließ den Brief in den Schoß der Freundin fallen, stand auf, ging in ihr Zimmer und weinte sich das kleine Herz aus dem Leibe.   It was the death-warrant. All was over. Amelia did not dare to look at Rebecca’s pale face and burning eyes, but she dropt the letter into her friend’s lap; and got up, and went upstairs to her room, and cried her little heart out. Mrs. Blenkinsop, die Haushälterin, suchte sie dort bald auf, um sie zu trösten; an ihrer Schulter weinte sich Amelia vertrauensvoll aus und fand Erleichterung. »Nehmen Sie sich die Sache doch nicht so zu Herzen, Miss. Ich wollte es Ihnen nur nicht sagen; aber keiner von uns im Haus hat sie gern gehabt, höchstens am Anfang. Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie sie Briefe von Ihrer Mama gelesen hat. Die Pinner hat erzählt, daß sie andauernd an Ihrem Schmuckkästchen und an Ihrer Kommode war, und auch an anderen Kommoden, und sie glaubt fest, daß sie sich Ihr weißes Band in den Koffer getan hat.«   Blenkinsop, the housekeeper, there sought her presently with consolation, on whose shoulder Amelia wept confidentially, and relieved herself a good deal. “Don’t take on, Miss. I didn’t like to tell you. But none of us in the house have liked her except at fust. I sor her with my own eyes reading your Ma’s letters. Pinner says she’s always about your trinket-box and drawers, and everybody’s drawers, and she’s sure she’s put your white ribbing into her box.” »Das habe ich ihr doch geschenkt, ganz bestimmt«, versicherte Amelia.   “I gave it her, I gave it her,” Amelia said. Allein das konnte Mrs. Blenkinsops Meinung über Miss Sharp nicht ändern. »Ich für mein Teil traue den Gouvernanten nicht über den Weg, Pinner«, bemerkte sie gegenüber dem Kammermädchen. »Sie tun, als wären sie Damen, und dabei ist ihr Lohn nicht höher als meiner oder Ihrer.«   But this did not alter Mrs. Blenkinsop’s opinion of Miss Sharp. “I don’t trust them governesses, Pinner,” she remarked to the maid. “They give themselves the hairs and hupstarts of ladies, and their wages is no better than you nor me.” Allen im Hause, außer der armen Amelia, wurde klar, daß Rebekka nicht länger bleiben dürfe, und hoch und niedrig (immer mit der einen Ausnahme) war man sich einig, daß die Abreise sehr bald erfolgen müsse. Das gute Kind durchstöberte all ihre Kommoden, Schränke, Handarbeitsbeutel und andere Behältnisse, in denen sie ihren Kleinkram verwahrte, musterte all ihre Kleider, Halstücher, Spitzenbesätze, Bänder, Seidenstrümpfe und dergleichen Firlefanz und suchte das eine oder das andere heraus, um Rebekka ein Häufchen zurechtzulegen. Dann ging sie zu ihrem Vater, der, großmütiger britischer Kaufmann, der er war, ihr versprochen hatte, ihr so viele Guineen zu geben, wie sie Jahre zählte, und bat den alten Herrn, das Geld lieber der guten Rebekka zukommen zu lassen, die es sicher brauchen könnte, während es ihr selbst doch an nichts fehlte.   It now became clear to every soul in the house, except poor Amelia, that Rebecca should take her departure, and high and low (always with the one exception) agreed that that event should take place as speedily as possible. Our good child ransacked all her drawers, cupboards, reticules, and gimcrack boxes — passed in review all her gowns, fichus, tags, bobbins, laces, silk stockings, and fallals — selecting this thing and that and the other, to make a little heap for Rebecca. And going to her Papa, that generous British merchant, who had promised to give her as many guineas as she was years old — she begged the old gentleman to give the money to dear Rebecca, who must want it, while she lacked for nothing. Sie bewegte sogar George Osborne, dazu beizusteuern, und bereitwillig (denn so freigebig wie er war kaum ein zweiter in der Armee) begab er sich in die Bond Street und kaufte den schönsten Hut und die hübscheste Jacke, die für Geld zu haben war.   She even made George Osborne contribute, and nothing loth (for he was as free-handed a young fellow as any in the army), he went to Bond Street, and bought the best hat and spenser that money could buy. »Das schenkt dir George, teure Rebekka«, sagte Amelia, ganz stolz auf die Schachtel mit diesen Gaben. »Was er für einen guten Geschmack hat! Keiner kommt ihm doch gleich.«   “That’s George’s present to you, Rebecca, dear,” said Amelia, quite proud of the bandbox conveying these gifts. “What a taste he has! There’s nobody like him.” »Nein, niemand«, antwortete Rebekka. »Wie dankbar bin ich ihm!« In ihrem Herzen aber dachte sie, George Osborne war es, der meine Heirat verhindert hat. Und dementsprechend waren auch ihre Gefühle für Osborne.   “Nobody,” Rebecca answered. “How thankful I am to him!” She was thinking in her heart, “It was George Osborne who prevented my marriage." — And she loved George Osborne accordingly. In aller Seelenruhe traf sie ihre Anstalten für die Abreise und nahm alle Geschenke der freundlichen kleinen Amelia nach schicklichem Weigern und Zögern entgegen. Natürlich gelobte sie Mrs. Sedley ewige Dankbarkeit, drängte sich jedoch der guten Dame, die etwas in Verlegenheit war und ihr offenbar ausweichen wollte, nicht auf. Sie küßte Mr. Sedley die Hand, als er ihr die Geldbörse schenkte, und bat ihn um Erlaubnis, ihn von nun an als ihren guten, guten Freund und Beschützer betrachten zu dürfen. Ihr Benehmen hatte etwas so Rührendes, daß er ihr beinahe einen Scheck für noch zwanzig Pfund ausgestellt hätte, allein er zügelte seine Gefühle. Die Kutsche, die ihn zum Essen fahren sollte, wartete; so eilte er davon mit einem: »Gott schütze Sie, meine Liebe. Besuchen Sie uns ruhig, wenn Sie in der Stadt sind. – Zum Mansion House, James!«   She made her preparations for departure with great equanimity; and accepted all the kind little Amelia’s presents, after just the proper degree of hesitation and reluctance. She vowed eternal gratitude to Mrs. Sedley, of course; but did not intrude herself upon that good lady too much, who was embarrassed, and evidently wishing to avoid her. She kissed Mr. Sedley’s hand, when he presented her with the purse; and asked permission to consider him for the future as her kind, kind friend and protector. Her behaviour was so affecting that he was going to write her a cheque for twenty pounds more; but he restrained his feelings: the carriage was in waiting to take him to dinner, so he tripped away with a “God bless you, my dear, always come here when you come to town, you know. — Drive to the Mansion House, James.” Schließlich war der Augenblick des Abschieds gekommen, ein Bild, über das ich lieber einen Schleier werfen will. Aber nach einer Szene, bei der es der einen ernst war und die andere sich als vollendete Schauspielerin, erwies – nachdem die zärtlichsten Liebkosungen, die rührendsten Tränen, das Riechfläschchen und die edelsten Gefühle des Herzens aufgeboten worden waren, trennten sich Rebekka und Amelia, wobei die Abreisende hundertmal schwor, daß sie ihre Freundin immer und ewig lieben werde.   Finally came the parting with Miss Amelia, over which picture I intend to throw a veil. But after a scene in which one person was in earnest and the other a perfect performer — after the tenderest caresses, the most pathetic tears, the smelling-bottle, and some of the very best feelings of the heart, had been called into requisition — Rebecca and Amelia parted, the former vowing to love her friend for ever and ever and ever. 7. Kapitel / Chapter 7 Crawley von Queen's Crawley / Crawley of Queen’s Crawley Einer der geachtetsten unter den Namen mit C im Adelskalender für das Jahr 18.. war Crawley, Sir Pitt, Baronet, Great Gaunt Street und Queen's Crawley, Hampshire. Dieser ehrenwerte Name war beständig zusammen mit denen einer Anzahl anderer würdiger Herren, die den Wahlbezirk jeweils vertraten, auf der Liste der Parlamentsmitglieder verzeichnet.   Among the most respected of the names beginning in C which the Court-Guide contained, in the year 18 — , was that of Crawley, Sir Pitt, Baronet, Great Gaunt Street, and Queen’s Crawley, Hants. This honourable name had figured constantly also in the Parliamentary list for many years, in conjunction with that of a number of other worthy gentlemen who sat in turns for the borough. Über den Wahlflecken Queen's Crawley erzählt man sich, Königin Elisabeth sei einst auf einer Reise in Crawley zum Frühstück abgestiegen und sei von dem außerordentlich guten Hampshire-Bier so entzückt gewesen, welches ihr der damalige Crawley, ein schöner Mann mit gestutztem Bart und hübschem Gang, gereicht hatte, daß sie Crawley sofort zum Wahlflecken gemacht habe, der zwei Abgeordnete ins Parlament schicken durfte. Vom Tage dieses erlauchten Besuches an nannte der Ort sich Queen's Crawley und heißt auch heute noch so. Obgleich im Laufe der Zeit durch die Wandlungen, die die Jahrhunderte in Staaten, Städten und Ortschaften vollbringen, Queen's Crawley nicht mehr so bevölkert war wie zu Zeiten der Königin Bess, ja sogar in den Zustand herabgesunken war, den man allgemein als »abgewirtschaftet« zu bezeichnen pflegte, so konnte doch Sir Pitt Crawley mit vollem Recht in seiner vornehmen Ausdrucksweise sagen: »Abgewirtschaftet? Zum Henker! Mir bringt es gute fünfzehnhundert im Jahr.«   It is related, with regard to the borough of Queen’s Crawley, that Queen Elizabeth in one of her progresses, stopping at Crawley to breakfast, was so delighted with some remarkably fine Hampshire beer which was then presented to her by the Crawley of the day (a handsome gentleman with a trim beard and a good leg), that she forthwith erected Crawley into a borough to send two members to Parliament; and the place, from the day of that illustrious visit, took the name of Queen’s Crawley, which it holds up to the present moment. And though, by the lapse of time, and those mutations which age produces in empires, cities, and boroughs, Queen’s Crawley was no longer so populous a place as it had been in Queen Bess’s time — nay, was come down to that condition of borough which used to be denominated rotten — yet, as Sir Pitt Crawley would say with perfect justice in his elegant way, “Rotten! be hanged — it produces me a good fifteen hundred a year.” Sir Pitt Crawley (so genannt nach dem großen Unterhausmitglied) war der Sohn von Walpole Crawley, dem ersten Baronet, der unter der Regierung Georgs II. im Schnur-und Siegellackamt war, wo er wegen Unterschlagung unter Anklage gestellt wurde, wie viele andere ehrliche Männer jener Zeit, und Walpole Crawley war, wie kaum erwähnt zu werden braucht, ein Sohn von John Churchill Crawley, so genannt nach dem berühmten Feldherrn unter der Regierung der Königin Anna. Ferner erwähnt der Familienstammbaum, der in Queen's Crawley hängt, einen Charles Stuart, später Barebone Crawley genannt, ein Sohn des Crawley aus der Zeit Jakobs I, und schließlich, im Vordergrund des Bildes, mit gegabeltem Bart, in voller Rüstung, steht der Crawley der Königin Elisabeth. Aus seiner Weste wächst, wie gewöhnlich, ein Baum hervor, auf dessen Hauptästen die erwähnten glänzenden Namen prangen. Dicht neben dem Namen von Sir Pitt Crawley, Baronet, dem Gegenstand dieser Abhandlung, liest man den seines Bruders, des Ehrwürden Bute Crawley (das berühmte Unterhausmitglied war bereits in Ungnade gefallen, als Seine Ehrwürden geboren wurde), Pfarrherrn von Crawley-cum-Snailby, und verschiedene andere männliche und weibliche Mitglieder der Familie Crawley.   Sir Pitt Crawley (named after the great Commoner) was the son of Walpole Crawley, first Baronet, of the Tape and Sealing-Wax Office in the reign of George II., when he was impeached for peculation, as were a great number of other honest gentlemen of those days; and Walpole Crawley was, as need scarcely be said, son of John Churchill Crawley, named after the celebrated military commander of the reign of Queen Anne. The family tree (which hangs up at Queen’s Crawley) furthermore mentions Charles Stuart, afterwards called Barebones Crawley, son of the Crawley of James the First’s time; and finally, Queen Elizabeth’s Crawley, who is represented as the foreground of the picture in his forked beard and armour. Out of his waistcoat, as usual, grows a tree, on the main branches of which the above illustrious names are inscribed. Close by the name of Sir Pitt Crawley, Baronet (the subject of the present memoir), are written that of his brother, the Reverend Bute Crawley (the great Commoner was in disgrace when the reverend gentleman was born), rector of Crawley-cum-Snailby, and of various other male and female members of the Crawley family. Sir Pitt war zuerst verheiratet mit Grizzel, der sechsten Tochter von Mungo Binkie, Lord Binkie, und folglich Vetter von Mr. Dundas. Sie gebar ihm zwei Söhne: Pitt, der weniger nach seinem Vater so genannt wurde als nach dem göttlichen Minister, und Rawdon Crawley, nach dem Freund des Prinzen von Wales, den Seine Majestät Georg IV. so vollständig vergessen hatte. Viele Jahre nach dem Ableben der Lady führte Sir Pitt Rose, eine Tochter von Mr. John Thomas Dawson aus Mudbury, zum Altar, die ihm zwei Töchter schenkte. Für diese nun war Miss Rebekka Sharp als Erzieherin eingestellt worden. Man wird sehen, daß die junge Dame in eine Familie mit den vornehmsten Beziehungen geriet und alle Aussichten hatte, sich in einem weitaus erleseneren Kreise zu bewegen als in dem bescheidenen von Russell Square, den sie soeben verlassen hatte.   Sir Pitt was first married to Grizzel, sixth daughter of Mungo Binkie, Lord Binkie, and cousin, in consequence, of Mr. Dundas. She brought him two sons: Pitt, named not so much after his father as after the heaven-born minister; and Rawdon Crawley, from the Prince of Wales’s friend, whom his Majesty George IV forgot so completely. Many years after her ladyship’s demise, Sir Pitt led to the altar Rosa, daughter of Mr. G. Dawson, of Mudbury, by whom he had two daughters, for whose benefit Miss Rebecca Sharp was now engaged as governess. It will be seen that the young lady was come into a family of very genteel connexions, and was about to move in a much more distinguished circle than that humble one which she had just quitted in Russell Square. Der Auftrag, zu ihren Zöglingen zu reisen, war auf ein altes Briefkuvert geschrieben worden und lautete folgendermaßen :   She had received her orders to join her pupils, in a note which was written upon an old envelope, and which contained the following words: »Sir Pitt Crawley bittet Miss Sharp samt Gepäck am Dienstag hier zu sein da ich morgen ganz früh nach Queen's Crawley abreiße. – Great Gaunt Street.«   Sir Pitt Crawley begs Miss Sharp and baggidge may be hear on Tuesday, as I leaf for Queen’s Crawley to-morrow morning ERLY. — Great Gaunt Street. Rebekka hatte, soweit sie wußte, noch nie einen Baronet gesehen, und sobald der Abschied von Amelia hinter ihr lag, die Guineen gezählt waren, welche der gutmütige Mr. Sedley ihr in einer Börse geschenkt hatte, und die Tränen mit dem Taschentuch getrocknet waren (das hatte sie schon erledigt, als die Kutsche um die Ecke bog), begann sie, sich im Geiste einen Baronet auszumalen. Ich möchte gern wissen, ob er einen Ordensstern trägt, dachte sie; oder tragen nur Lords Sterne? Aber er wird sehr gut angezogen sein, im Staatskleid mit Spitzenjabot und leicht gepudertem Haar, wie Wroughton im Covent-Garden-Theater. Vermutlich ist er furchtbar stolz und wird mich höchst verächtlich behandeln. Trotzdem muß ich mein hartes Los ertragen, so gut es geht; auf jeden Fall lebe ich aber bei Adligen und nicht bei gewöhnlichen Handelsleuten. Und nun dachte sie an ihre Freunde am Russell Square mit derselben philosophischen Bitterkeit, mit der in einer gewissen Fabel der Fuchs von den Trauben spricht.   Rebecca had never seen a Baronet, as far as she knew, and as soon as she had taken leave of Amelia, and counted the guineas which good-natured Mr. Sedley had put into a purse for her, and as soon as she had done wiping her eyes with her handkerchief (which operation she concluded the very moment the carriage had turned the corner of the street), she began to depict in her own mind what a Baronet must be. “I wonder, does he wear a star?” thought she, “or is it only lords that wear stars? But he will be very handsomely dressed in a court suit, with ruffles, and his hair a little powdered, like Mr. Wroughton at Covent Garden. I suppose he will be awfully proud, and that I shall be treated most contemptuously. Still I must bear my hard lot as well as I can — at least, I shall be amongst gentlefolks , and not with vulgar city people”: and she fell to thinking of her Russell Square friends with that very same philosophical bitterness with which, in a certain apologue, the fox is represented as speaking of the grapes. Der Wagen war über den Gaunt Square in die Great Gaunt Street eingefahren und hielt endlich vor einem großen, düsteren Haus zwischen zwei anderen großen, düsteren Häusern, von denen jedes am mittleren Salonfenster ein Totenschild aufwies, wie es in den Häusern der düsteren Great Gaunt Street üblich ist, wo der Tod auf ewig zu herrschen scheint. Die Fensterläden im ersten Stockwerk von Sir Pitts Hause waren geschlossen, die des Speisezimmers teilweise offen und die Rouleaus säuberlich mit alten Zeitungen bedeckt.   Having passed through Gaunt Square into Great Gaunt Street, the carriage at length stopped at a tall gloomy house between two other tall gloomy houses, each with a hatchment over the middle drawing-room window; as is the custom of houses in Great Gaunt Street, in which gloomy locality death seems to reign perpetual. The shutters of the first-floor windows of Sir Pitt’s mansion were closed — those of the dining-room were partially open, and the blinds neatly covered up in old newspapers. John, der Stallbursche, der die Kutsche allein gelenkt hatte, verspürte keine Lust, abzusteigen und zu klingeln; er ersuchte daher einen vorbeigehenden Milchjungen, es für ihn zu tun. Als die Glocke ertönte, tauchte ein Kopf zwischen den Fensterläden im Speisezimmer auf, und ein Mann in mausgrauen Hosen und Gamaschen, einem schmutzigen alten Rock, einem schmierigen alten Tuch um den borstigen Hals, mit einem glänzenden Kahlkopf, einem schlauen roten Gesicht, einem Paar funkelnder grauer Augen und einem ewig grinsenden Mund öffnete.   John, the groom, who had driven the carriage alone, did not care to descend to ring the bell; and so prayed a passing milk-boy to perform that office for him. When the bell was rung, a head appeared between the interstices of the dining-room shutters, and the door was opened by a man in drab breeches and gaiters, with a dirty old coat, a foul old neckcloth lashed round his bristly neck, a shining bald head, a leering red face, a pair of twinkling grey eyes, and a mouth perpetually on the grin. »Ist das hier richtig bei Sir Pitt Crawley?« fragte John vom Bock herab.   “This Sir Pitt Crawley’s?” says John, from the box. »Ja«, erwiderte der Mann an der Tür und nickte.   “Ees,” says the man at the door, with a nod. »Lang mal diesen Koffer da herunter«, sagte John.   “Hand down these ’ere trunks then,” said John. »Mach es doch selber«, antwortete der Pförtner.   “Hand ’n down yourself,” said the porter. »Siehst du nicht, daß ich meine Pferde nicht allein lassen kann? Komm, faß an, mein Guter, das Fräulein wird dir ein Bier spendieren«, rief John mit wieherndem Gelächter, denn er hatte keinen Respekt mehr vor Miss Sharp, jetzt, da ihre Verbindung mit der Familie abgebrochen war und sie beim Abschied den Dienstboten nichts gegeben hatte.   “Don’t you see I can’t leave my hosses? Come, bear a hand, my fine feller, and Miss will give you some beer,” said John, with a horse-laugh, for he was no longer respectful to Miss Sharp, as her connexion with the family was broken off, and as she had given nothing to the servants on coming away. Der kahlköpfige Mann folgte der Aufforderung, nahm nun die Hände aus den Hosentaschen, trat näher, warf Miss Sharps Koffer auf die Schulter und trug ihn ins Haus.   The bald-headed man, taking his hands out of his breeches pockets, advanced on this summons, and throwing Miss Sharp’s trunk over his shoulder, carried it into the house. »Nehmen Sie bitte diesen Korb und diesen Schal und machen Sie die Tür auf«, kommandierte Miss Sharp und stieg entrüstet aus der Kutsche. »Ich werde Mr. Sedley schreiben und ihm Ihr Betragen melden«, sagte sie zu dem Stallburschen.   “Take this basket and shawl, if you please, and open the door,” said Miss Sharp, and descended from the carriage in much indignation. “I shall write to Mr. Sedley and inform him of your conduct,” said she to the groom. »Lassen Sie's lieber bleiben«, erwiderte der Mann. »Haben Sie auch nichts vergessen? Miss Melias Kleider, die eigentlich die Kammerjungfer bekommen sollte? Hoffentlich passen sie Ihnen. Mach die Tür zu, Jim, von der hier kommt doch nichts«, fuhr John fort und deutete mit dem Daumen auf Miss Sharp, »ein böses Weibstück, sage ich bloß, ein böses Weibstück«, und mit diesen Worten fuhr Mr. Sedleys Stallbursche davon. In Wahrheit hatte er mit der fraglichen Kammerjungfer ein Verhältnis und war ganz empört, sie ihrer Nebeneinkünfte beraubt zu sehen.   “Don’t,” replied that functionary. “I hope you’ve forgot nothink? Miss ’Melia’s gownds — have you got them — as the lady’s maid was to have ’ad? I hope they’ll fit you. Shut the door, Jim, you’ll get no good out of ’ER,” continued John, pointing with his thumb towards Miss Sharp: “a bad lot, I tell you, a bad lot,” and so saying, Mr. Sedley’s groom drove away. The truth is, he was attached to the lady’s maid in question, and indignant that she should have been robbed of her perquisites. Als Rebekka nach Aufforderung des Menschen in Gamaschen das Speisezimmer betrat, fand sie es genauso ungemütlich, wie solche Räume gewöhnlich sind, deren vornehme Bewohner sich nicht darin aufhalten, sondern außerhalb der Stadt leben. Die treuen Gemächer scheinen gleichsam die Abwesenheit ihrer Herren zu betrauern. Der Perserteppich hat sich aufgerollt und verdrießlich unter das Büfett zurückgezogen ; die Gemälde haben ihre Gesichter hinter alten Packpapierbogen verborgen; der Kronleuchter ist in einen trübseligen grauen Sack gehüllt; die Fenstervorhänge sind unter allerlei schäbigen Hüllen verschwunden; Sir Walpole Crawleys Marmorbüste schaut aus ihrem finstern Winkel auf die leeren Regale, die eingeölten Kamingeräte und die leeren Visitenkartenständer auf dem Kaminsims; der Flaschenständer hat sich hinter dem Teppich versteckt; die Stühle sind mit den Beinen nach oben an den Wänden aufgestellt, und in dem dunklen Winkel gegenüber der Büste steht ein altmodischer, zerkratzter Besteckkasten verschlossen auf einem Drehtischchen.   On entering the dining-room, by the orders of the individual in gaiters, Rebecca found that apartment not more cheerful than such rooms usually are, when genteel families are out of town. The faithful chambers seem, as it were, to mourn the absence of their masters. The turkey carpet has rolled itself up, and retired sulkily under the sideboard: the pictures have hidden their faces behind old sheets of brown paper: the ceiling lamp is muffled up in a dismal sack of brown holland: the window-curtains have disappeared under all sorts of shabby envelopes: the marble bust of Sir Walpole Crawley is looking from its black corner at the bare boards and the oiled fire-irons, and the empty card-racks over the mantelpiece: the cellaret has lurked away behind the carpet: the chairs are turned up heads and tails along the walls: and in the dark corner opposite the statue, is an old-fashioned crabbed knife-box, locked and sitting on a dumb waiter. Zwei Küchenstühle, ein runder Tisch, ein altersschwaches Schüreisen und eine Feuerzange hatten sich indes um den Kamin versammelt, und über einem schwach sprühenden Feuer brodelte ein Topf. Auf dem Tisch waren ein paar Käse- und Brotstückchen, ein Zinnleuchter und ein Krug mit Porter.   Two kitchen chairs, and a round table, and an attenuated old poker and tongs were, however, gathered round the fire-place, as was a saucepan over a feeble sputtering fire. There was a bit of cheese and bread, and a tin candlestick on the table, and a little black porter in a pint-pot. »Vermutlich schon gegessen? Ist es Ihnen zu warm hier? Wollen Sie vielleicht einen Schluck Bier?«   “Had your dinner, I suppose? It is not too warm for you? Like a drop of beer?” »Wo ist Sir Pitt Crawley?« fragte Miss Sharp majestätisch.   “Where is Sir Pitt Crawley?” said Miss Sharp majestically. »Haha! Sir Pitt Crawley bin ich. Vergessen Sie nicht, daß Sie mir noch ein Bier fürs Gepäcktragen schuldig sind. Haha! Fragen Sie nur die Tinker, ob es stimmt. Mrs. Tinker, Miss Sharp; Fräulein Gouvernante, Frau Scheuerfrau. Hoho!«   “He, he! I’m Sir Pitt Crawley. Reklect you owe me a pint for bringing down your luggage. He, he! Ask Tinker if I aynt. Mrs. Tinker, Miss Sharp; Miss Governess, Mrs. Charwoman. Ho, ho!” Die mit Mrs. Tinker angesprochene Dame erschien in diesem Augenblick mit einer Pfeife und einem Paket Tabak, wonach sie eine Minute vor Miss Sharps Ankunft ausgeschickt worden war. Sie übergab beides Sir Pitt, der sich inzwischen ans Feuer gesetzt hatte.   The lady addressed as Mrs. Tinker at this moment made her appearance with a pipe and a paper of tobacco, for which she had been despatched a minute before Miss Sharp’s arrival; and she handed the articles over to Sir Pitt, who had taken his seat by the fire. »Wo ist der Farthing?« fragte er. »Ich habe Ihnen doch drei Halfpence gegeben. Wo ist das Wechselgeld, alte Tinker?«   “Where’s the farden?” said he. “I gave you three halfpence. Where’s the change, old Tinker?” »Da!« erwiderte Mrs. Tinker und warf die Münze hin. »Nur Baronets kümmern sich um Farthings.«   “There!” replied Mrs. Tinker, flinging down the coin; it’s only baronets as cares about farthings.” »Ein Farthing pro Tag macht sieben Shilling im Jahr«, erwiderte das Parlamentsmitglied; »sieben Shilling pro Jahr sind die Zinsen von sieben Guineen. Nehmen Sie Ihre Farthings in acht, alte Tinker, dann werden die Guineen bei Ihnen von ganz alleine kommen.«   “A farthing a day is seven shillings a year,” answered the M.P.; “seven shillings a year is the interest of seven guineas. Take care of your farthings, old Tinker, and your guineas will come quite nat’ral.” »Sie können sich drauf verlassen, daß es Sir Pitt Crawley ist, junges Fräulein«, gab Mrs. Tinker mürrisch von sich; »nämlich weil er so hinter den Farthings her ist. Sie werden ihn schon noch gründlich kennenlernen.«   “You may be sure it’s Sir Pitt Crawley, young woman,” said Mrs. Tinker, surlily; “because he looks to his farthings. You’ll know him better afore long.” »Und mich darum nicht weniger gern haben, Miss Sharp«, ergänzte der alte Herr geradezu höflich. »Ehe ich freigebig bin, muß ich genau sein.«   “And like me none the worse, Miss Sharp,” said the old gentleman, with an air almost of politeness. “I must be just before I’m generous.” »In seinem ganzen Leben hat er noch keinen Farthing verschenkt«, brummte Mrs. Tinker.   “He never gave away a farthing in his life,” growled Tinker. »Niemals, und auch in Zukunft nicht; das ist gegen meine Grundsätze. Holen Sie sich noch einen Stuhl aus der Küche, Tinker, wenn Sie sitzen wollen; und dann wollen wir ein bißchen Abendbrot essen.«   “Never, and never will: it’s against my principle. Go and get another chair from the kitchen, Tinker, if you want to sit down; and then we’ll have a bit of supper.” Darauf stach der Baronet mit einer Gabel in den Topf über dem Feuer und angelte ein Stück Kaldaunen sowie eine Zwiebel heraus. Beides schnitt er in einigermaßen gleiche Teile und teilte es mit Mrs. Tinker. »Wissen Sie, Miss Sharp, wenn ich nicht hier bin, bekommt die Tinker Kostgeld, wenn ich aber in der Stadt bin, so speist sie mit der Familie. Haha! Ein Glück, daß Miss Sharp keinen Hunger hat, nicht wahr, Tink?« Und nun fielen sie über ihr kärgliches Abendbrot her.   Presently the baronet plunged a fork into the saucepan on the fire, and withdrew from the pot a piece of tripe and an onion, which he divided into pretty equal portions, and of which he partook with Mrs. Tinker. “You see, Miss Sharp, when I’m not here Tinker’s on board wages: when I’m in town she dines with the family. Haw! haw! I’m glad Miss Sharp’s not hungry, ain’t you, Tink?” And they fell to upon their frugal supper. Nach dem Essen rauchte Sir Pitt Crawley seine Pfeife, und als es ganz dunkel geworden war, zündete er die Funzel im Zinnleuchter an. Sodann kramte er aus einer unergründlichen Tasche eine erstaunliche Masse von Papieren hervor und fing an, sie zu lesen und zu ordnen.   After supper Sir Pitt Crawley began to smoke his pipe; and when it became quite dark, he lighted the rushlight in the tin candlestick, and producing from an interminable pocket a huge mass of papers, began reading them, and putting them in order. »Ich bin wegen einiger Gerichtsangelegenheiten hier, meine Liebe, und so kommt es, daß ich morgen das Vergnügen habe, in einer so netten Begleitung zu reisen.«   “I’m here on law business, my dear, and that’s how it happens that I shall have the pleasure of such a pretty travelling companion to-morrow.” »Er hat andauernd mit dem Gericht zu tun«, sagte Mrs. Tinker und griff nach dem Bierkrug.   “He’s always at law business,” said Mrs. Tinker, taking up the pot of porter. »Trinken Sie, und geben Sie es weiter«, sagte der Baronet. »Ja, meine Liebe, die Tinker hat ganz recht: ich habe mehr Prozesse verloren und gewonnen als irgendeiner in England. Sehen Sie her: Crawley, Baronet, gegen Snaffle. Den Mann schaffe ich, oder ich will nicht Pitt Crawley heißen. Oder hier: Podder und noch jemand gegen Crawley, Baronet. Die Gemeindevorsteher vom Flecken Snailby gegen Crawley, Baronet. Sie können nicht beweisen, daß es Gemeindeland ist; ich werde ihrer schon Herr werden, es ist mein Land und gehört dem Kirchspiel ebensowenig wie Ihnen oder der Tinker da. Ich werde sie schlagen, und sollte es mich auch tausend Guineen kosten. Sehen Sie sich die Akten an; tun Sie es ruhig, meine Liebe. Haben Sie eine schöne Handschrift? Ich werde Sie schon ausnutzen, wenn wir in Queen's Crawley sind, darauf können Sie sich verlassen, Miss Sharp. Jetzt, wo die Alte tot ist, brauche ich jemand anders.«   “Drink and drink about,” said the Baronet. “Yes; my dear, Tinker is quite right: I’ve lost and won more lawsuits than any man in England. Look here at Crawley, Bart. v. Snaffle. I’ll throw him over, or my name’s not Pitt Crawley. Podder and another versus Crawley, Bart. Overseers of Snaily parish against Crawley, Bart. They can’t prove it’s common: I’ll defy ’em; the land’s mine. It no more belongs to the parish than it does to you or Tinker here. I’ll beat ’em, if it cost me a thousand guineas. Look over the papers; you may if you like, my dear. Do you write a good hand? I’ll make you useful when we’re at Queen’s Crawley, depend on it, Miss Sharp. Now the dowager’s dead I want some one.” »Die war um kein Haar besser als er«, sagte die Tinker. »Alle ihre Kaufleute belangte sie gerichtlich, und in vier Jahren hat sie nicht weniger als achtundvierzig Diener entlassen.«   “She was as bad as he,” said Tinker. “She took the law of every one of her tradesmen; and turned away forty-eight footmen in four year.” »Sie war sparsam – sehr sparsam«, sagte der Baronet einfach, »allein sie war mir viel wert und ersparte mir einen Verwalter.« In dieser vertraulichen Weise wurde das Gespräch zur großen Belustigung der Neuangekommenen eine ganze Weile fortgesetzt. Welche Eigenschaften, ob gute oder schlechte, Sir Pitt Crawley auch haben mochte, er machte kein Hehl daraus. Er sprach beständig von sich, bisweilen im rohesten und gemeinsten Hampshire-Dialekt, nahm aber hin und wieder auch den Ton eines Weltmannes an. Und so wünschte er Miss Sharp eine gute Nacht, nachdem er ihr eingeschärft hatte, am nächsten Morgen um fünf Uhr bereit zu sein. »Heute nacht werden Sie zusammen mit der Tinker schlafen«, sagte er, »es ist ein großes Bett, und zwei Personen haben gut Platz. Lady Crawley starb darin. Gute Nacht!«   “She was close — very close,” said the Baronet, simply; “but she was a valyble woman to me, and saved me a steward." — And in this confidential strain, and much to the amusement of the new-comer, the conversation continued for a considerable time. Whatever Sir Pitt Crawley’s qualities might be, good or bad, he did not make the least disguise of them. He talked of himself incessantly, sometimes in the coarsest and vulgarest Hampshire accent; sometimes adopting the tone of a man of the world. And so, with injunctions to Miss Sharp to be ready at five in the morning, he bade her good night. “You’ll sleep with Tinker to-night,” he said; “it’s a big bed, and there’s room for two. Lady Crawley died in it. Good night.” Mit diesem Segenswunsch entfernte sich Sir Pitt, und auch die feierliche Tinker ging mit dem Nachtlicht in der Hand voran, die große, öde Steintreppe hinauf, an den hohen, düsteren Salontüren vorüber, deren Klinken papierumwunden waren – bis sie endlich in das große, vordere Schlafzimmer gelangten, wo Lady Crawley ihren letzten Schlaf geschlafen hatte. Das Bett und das Zimmer waren so grabesdüster, daß man sich nicht allein gut vorstellen konnte, daß Lady Crawley da gestorben war, sondern auch, daß ihr Geist es noch bewohnte. Rebekka hüpfte indessen lebhaft im Zimmer herum, schaute in die ungeheuren Kleider- und Wandschränke, versuchte die verschlossenen Schubfächer zu öffnen und musterte die düsteren Gemälde und Toilettengegenstände, während die alte Aufwärterin ihr Gebet verrichtete. »Ich möchte in diesem Bett da nicht gern ohne ein gutes Gewissen schlafen, Miss«, sagte das alte Weib. »Es gibt darin Platz genug für uns und ein halbes Dutzend Gespenster«, meinte Rebekka. »Erzählen Sie mir alles, was Sie über Lady Crawley und Sir Pitt Crawley und alle anderen wissen, meine liebe Mrs. Tinker.«   Sir Pitt went off after this benediction, and the solemn Tinker, rushlight in hand, led the way up the great bleak stone stairs, past the great dreary drawing-room doors, with the handles muffled up in paper, into the great front bedroom, where Lady Crawley had slept her last. The bed and chamber were so funereal and gloomy, you might have fancied, not only that Lady Crawley died in the room, but that her ghost inhabited it. Rebecca sprang about the apartment, however, with the greatest liveliness, and had peeped into the huge wardrobes, and the closets, and the cupboards, and tried the drawers which were locked, and examined the dreary pictures and toilette appointments, while the old charwoman was saying her prayers. “I shouldn’t like to sleep in this yeer bed without a good conscience, Miss,” said the old woman. “There’s room for us and a half-dozen of ghosts in it,” says Rebecca. “Tell me all about Lady Crawley and Sir Pitt Crawley, and everybody, my dear Mrs. Tinker.” Aber die alte Tinker ließ sich von der kleinen Fragerin nicht ausholen; sie bedeutete ihr, daß das Bett ein Ort zum Schlafen und nicht zum Schwatzen sei, und ließ bald in ihrer Bettecke ein solches Schnarchen vernehmen, wie es nur die Nase der Unschuld hervorbringen kann. Rebekka lag lange, lange wach und dachte an den nächsten Tag, an die neue Welt, die sie nun betrat, und an die Glücksaussichten, die ihrer dort harrten. Das Nachtlicht flackerte. Der Kaminsims warf einen großen, schwarzen Schatten halb über eine alte vermoderte Handarbeitsprobe, die ihre Entstehung ohne Zweifel den Händen der seligen Lady verdankte, sowie über zwei kleine Familiengemälde, die zwei junge Burschen darstellten: einen in Universitätsrobe und den anderen mit einer roten Jacke wie ein Soldat gekleidet. Als Rebekka einschlief, wählte sie sich den zweiten für ihre Träume.   But old Tinker was not to be pumped by this little cross-questioner; and signifying to her that bed was a place for sleeping, not conversation, set up in her corner of the bed such a snore as only the nose of innocence can produce. Rebecca lay awake for a long, long time, thinking of the morrow, and of the new world into which she was going, and of her chances of success there. The rushlight flickered in the basin. The mantelpiece cast up a great black shadow, over half of a mouldy old sampler, which her defunct ladyship had worked, no doubt, and over two little family pictures of young lads, one in a college gown, and the other in a red jacket like a soldier. When she went to sleep, Rebecca chose that one to dream about. An diesem rosigen Sommermorgen, der selbst die Great Gaunt Street vergnügt machte, weckte die treue Mrs. Tinker ihre Bettgenossin, veranlaßte sie, sich zur Abreise fertigzumachen, riegelte und schloß die große Haustür auf (deren Knarren und Zuschlagen die schlafenden Echos in der Straße erschreckte) und begab sich zur Oxford Street, um von dem dortigen Droschkenstand eine Kutsche zu holen. Es erübrigt sich, die Nummer des Gefährtes anzugeben oder auszuführen, daß der Kutscher sich so früh in der Nachbarschaft von der Swallow Street eingefunden hatte, weil er hoffte, daß irgendein junger Geck auf dem schwankenden Weg vom Wirtshaus nach Hause seine Hilfe in Anspruch nehmen und ihn mit der Freigebigkeit der Trunkenheit bezahlen würde.   At four o’clock, on such a roseate summer’s morning as even made Great Gaunt Street look cheerful, the faithful Tinker, having wakened her bedfellow, and bid her prepare for departure, unbarred and unbolted the great hall door (the clanging and clapping whereof startled the sleeping echoes in the street), and taking her way into Oxford Street, summoned a coach from a stand there. It is needless to particularize the number of the vehicle, or to state that the driver was stationed thus early in the neighbourhood of Swallow Street, in hopes that some young buck, reeling homeward from the tavern, might need the aid of his vehicle, and pay him with the generosity of intoxication. Es erübrigt sich ebenfalls, festzustellen, daß der Kutscher, sollte er je Hoffnungen dieser Art gehegt haben, sich gewaltig getäuscht fand und daß der würdige Baronet, den er in die City fuhr, ihm auch nicht einen Penny mehr gab, als er zu zahlen hatte. Vergebens drängte und wütete Jehu; vergebens warf er Miss Sharps Hutschachtel in den Rinnstein bei den Necks, und vergebens schwor er, daß er sein Fahrgeld gerichtlich eintreiben werde.   It is likewise needless to say that the driver, if he had any such hopes as those above stated, was grossly disappointed; and that the worthy Baronet whom he drove to the City did not give him one single penny more than his fare. It was in vain that Jehu appealed and stormed; that he flung down Miss Sharp’s bandboxes in the gutter at the ’Necks, and swore he would take the law of his fare. »Laß das lieber bleiben«, riet einer der Stallknechte, »es ist Sir Pitt Crawley.«   “You’d better not,” said one of the ostlers; “it’s Sir Pitt Crawley.” »Ganz recht, Joe!« rief der Baronet beifällig. »Und ich möchte den Mann sehen, der mich unterkriegen kann.«   “So it is, Joe,” cried the Baronet, approvingly; “and I’d like to see the man can do me.” »Ich auch«, sagte Joe mürrisch grinsend und lud das Gepäck des Baronets auf das Droschkendach.   “So should oi,” said Joe, grinning sulkily, and mounting the Baronet’s baggage on the roof of the coach. »Reservier den Sitz auf dem Bock für mich, Fahrer«, rief das Parlamentsmitglied dem Kutscher zu, der an seinen Hut faßte und, im Innersten wütend, »Ja, Sir Pitt« antwortete, denn er hatte den Bock einem jungen Herrn aus Cambridge versprochen, der ihm gewiß eine Krone gegeben hätte. Miss Sharp wurde ein Rücksitz in der Kutsche angewiesen, die sie nun sozusagen in die weite Welt führte.   “Keep the box for me, Leader,” exclaims the Member of Parliament to the coachman; who replied, “Yes, Sir Pitt,” with a touch of his hat, and rage in his soul (for he had promised the box to a young gentleman from Cambridge, who would have given a crown to a certainty), and Miss Sharp was accommodated with a back seat inside the carriage, which might be said to be carrying her into the wide world. Es braucht hier nicht erzählt zu werden, wie der junge Mann von Cambridge verdrießlich seine fünf Überröcke draußen auf dem Vordersitz unterbrachte, sich aber mit seinem Schicksal wieder aussöhnte, als die kleine Miss Sharp aussteigen und zu ihm klettern mußte, worauf er sie in einen seiner Überröcke hüllte und wieder guter Dinge wurde; wie der asthmatische Herr, die affektierte Dame, die auf großes Ehrenwort versicherte, noch nie in einer öffentlichen Droschke gereist zu sein (stets befindet sich solch eine Dame in einer Droschke, ach nein, befand sich, denn wo sind die Droschken geblieben?), und die dicke Witwe mit der Branntweinflasche in der Kutsche Platz nahmen; wie der Gepäckträger von ihnen allen Geld verlangte und von dem Herrn sechs Pence und von der diesen Witwe fünf schmierige Halfpence erhielt; und wie der Wagen endlich abfuhr, sich zuerst durch die dunklen Gassen von Aldersgate wand, nun an der blauen Kuppel der Sankt-Pauls-Kathedrale vorbeirasselte, dann rasch am Fremdeneingang von Fleet Market vorüberdonnerte, der, zusammen mit dem alten Zoo, jetzt zum Schattenreich gehört; wie sie am »Weißen Bären« in Piccadilly vorüberfuhren und den Tau von den Gärtnereien in Knightsbridge emporsteigen sahen, und wie Turnham Green, Brentford, Bagshot ihrem Auge entschwanden. Aber der Schreiber dieser Zeilen, der in früheren Tagen bei ebenso schönem Wetter dieselbe denkwürdige Reise gemacht hat, denkt mit zartem, wehmütigem Bedauern daran zurück. Wo ist die Straße mit ihrem lustigen Leben und Treiben geblieben? Gibt es kein Chelsea oder Greenwich mehr für den alten, ehrlichen, pickelnasigen Kutscher? Ich möchte wohl wissen, was aus diesen wackeren Gesellen geworden ist. Lebt der alte Weller noch, oder ist er schon tot? Und die Kellner, ach, und die Wirtshäuser, in denen sie bedienten, und der große, kalte Rinderbraten, den es dort gab, und der verkrüppelte, blaunasige Hausknecht mit seinem klappernden Eimer – wo ist er, und wo ist seine Generation? Für die großen Genies, die jetzt noch im kurzen Röckchen umherspringen, aber später einmal für die Kinder des geschätzten Lesers Romane schreiben sollen, werden diese Menschen und Dinge ebenso Legende oder Geschichte sein wie Ninive, Richard Löwenherz oder Jack Sheppard. Für sie werden Postkutschen nur in Dichtungen existieren, ein Gespann mit vier Braunen wird zur Fabel geworden sein wie der Bukephalos oder wie die schwarze Bessie. Ach, wie glänzte deren Fell, wenn die Stallknechte ihnen die Decke abnahmen, wie flogen sie dahin – ach, wie wippten ihre Schweife, wenn sie mit heftig dampfenden Weichen am Ende der Fahrt gemessenen Schrittes den Hof des Gasthauses betraten. Ach, wir werden nicht mehr um Mitternacht den Klang des Posthorns hören und keine Schlagbäume mehr auffliegen sehen. Wohin führt uns aber der leichte Viersitzer nun? Ohne weitere Umschweife wollen wir in Queen's Crawley absteigen und sehen, wie es Miss Rebekka Sharp dort ergeht.   How the young man from Cambridge sulkily put his five great-coats in front; but was reconciled when little Miss Sharp was made to quit the carriage, and mount up beside him — when he covered her up in one of his Benjamins, and became perfectly good-humoured — how the asthmatic gentleman, the prim lady, who declared upon her sacred honour she had never travelled in a public carriage before (there is always such a lady in a coach — Alas! was; for the coaches, where are they?), and the fat widow with the brandy-bottle, took their places inside — how the porter asked them all for money, and got sixpence from the gentleman and five greasy halfpence from the fat widow — and how the carriage at length drove away — now threading the dark lanes of Aldersgate, anon clattering by the Blue Cupola of St. Paul’s, jingling rapidly by the strangers’ entry of Fleet-Market, which, with Exeter ’Change, has now departed to the world of shadows — how they passed the White Bear in Piccadilly, and saw the dew rising up from the market-gardens of Knightsbridge — how Turnhamgreen, Brentwood, Bagshot, were passed — need not be told here. But the writer of these pages, who has pursued in former days, and in the same bright weather, the same remarkable journey, cannot but think of it with a sweet and tender regret. Where is the road now, and its merry incidents of life? Is there no Chelsea or Greenwich for the old honest pimple-nosed coachmen? I wonder where are they, those good fellows? Is old Weller alive or dead? and the waiters, yea, and the inns at which they waited, and the cold rounds of beef inside, and the stunted ostler, with his blue nose and clinking pail, where is he, and where is his generation? To those great geniuses now in petticoats, who shall write novels for the beloved reader’s children, these men and things will be as much legend and history as Nineveh, or Coeur de Lion, or Jack Sheppard. For them stage-coaches will have become romances — a team of four bays as fabulous as Bucephalus or Black Bess. Ah, how their coats shone, as the stable-men pulled their clothes off, and away they went — ah, how their tails shook, as with smoking sides at the stage’s end they demurely walked away into the inn-yard. Alas! we shall never hear the horn sing at midnight, or see the pike-gates fly open any more. Whither, however, is the light four-inside Trafalgar coach carrying us? Let us be set down at Queen’s Crawley without further divagation, and see how Miss Rebecca Sharp speeds there. 8. Kapitel / Chapter 8 Persönlich und vertraulich / Private and Confidential Miss Rebekka Sharp an Miss Amelia Sedley, Russell Square, London (Portofrei – Pitt Crawley)   Miss Rebecca Sharp to Miss Amelia Sedley, Russell Square, London. (Free. — Pitt Crawley.) Meine teuerste, liebste Amelia!   My dearest, sweetest Amelia , Mit welcher Mischung von Freude und Kummer ergreife ich die Feder, um an meine teuerste Freundin zu schreiben! Oh, welcher Unterschied zwischen heute und gestern! Jetzt bin ich freundlos und allein, gestern noch war ich daheim, in der süßen Gesellschaft einer Schwester, die ich immer, immer lieben werde!   With what mingled joy and sorrow do I take up the pen to write to my dearest friend! Oh, what a change between to-day and yesterday! Now I am friendless and alone; yesterday I was at home, in the sweet company of a sister, whom I shall ever, ever cherish! Ich will Dir nicht erzählen, wie ich die verhängnisvolle Nacht unserer Trennung unter Tränen und mit unendlicher Traurigkeit zubrachte. Du gingst am Dienstag Freude und Glück entgegen, Deine Mutter und Deinen ergebenen, jungen Soldaten an der Seite, und ich dachte die ganze Nacht an Dich und sah Dich bei Perkins tanzen, gewiß die hübscheste von all den jungen Damen auf dem Ball. Ich wurde von dem Stallknecht in der alten Kutsche zu Sir Pitt Crawleys Stadtwohnung gefahren, wo ich, nachdem John, der Stallknecht, sich mir gegenüber sehr roh und unverschämt betragen hatte (o ja, es ist ganz ungefährlich für ihn, Armut und Unglück zu beschimpfen!), Sir Pitts Obhut übergeben wurde und die Nacht in einem düsteren alten Bett und noch dazu an der Seite einer schrecklichen, unfreundlichen, alten Scheuerfrau, die das Haus hütet, zubringen mußte. Die ganze Nacht tat ich kein Auge zu.   I will not tell you in what tears and sadness I passed the fatal night in which I separated from you. You went on Tuesday to joy and happiness, with your mother and your devoted young soldier by your side; and I thought of you all night, dancing at the Perkins’s, the prettiest, I am sure, of all the young ladies at the Ball. I was brought by the groom in the old carriage to Sir Pitt Crawley’s town house, where, after John the groom had behaved most rudely and insolently to me (alas! ’twas safe to insult poverty and misfortune!), I was given over to Sir P.’s care, and made to pass the night in an old gloomy bed, and by the side of a horrid gloomy old charwoman, who keeps the house. I did not sleep one single wink the whole night. Sir Pitt ist nicht das, was wir törichten Mädchen uns unter einem Baronet vorstellten, als wir in Chiswick die »Cecilia« lasen. Man kann sich wohl kaum etwas denken, was mit Lord Orville weniger Ähnlichkeit hätte. Vergegenwärtige Dir einen untersetzten, ordinären und schmutzigen Alten in abgetragenen Kleidern und schäbigen, alten Gamaschen, der eine abscheuliche Pfeife raucht und sich selbst sein abscheuliches Abendessen in einem Schmortopf kocht. Er spricht wie einer vom Lande und fluchte gewaltig über die alte Scheuerfrau und auf den Kutscher, der uns nach dem Gasthause brachte, von wo die Kutsche abfuhr; ich mußte den größten Teil der Reise außen sitzen.   Sir Pitt is not what we silly girls, when we used to read Cecilia at Chiswick, imagined a baronet must have been. Anything, indeed, less like Lord Orville cannot be imagined. Fancy an old, stumpy, short, vulgar, and very dirty man, in old clothes and shabby old gaiters, who smokes a horrid pipe, and cooks his own horrid supper in a saucepan. He speaks with a country accent, and swore a great deal at the old charwoman, at the hackney coachman who drove us to the inn where the coach went from, and on which I made the journey outside for the greater part of the way . Bei Tagesanbruch wurde ich von der Scheuerfrau geweckt, und als wir am Gasthause angekommen waren, bekam ich einen Platz in der Kutsche. Als wir aber an einen Ort namens Leakington kamen und es anfing, in Strömen zu regnen, mußte ich – kannst Du es glauben? – mich draußen setzen, denn Sir Pitt ist Miteigentümer der Kutsche. Als in Mudbury ein Passagier zustieg, der einen Platz in der Kutsche haben wollte, mußte ich mich in den Regen setzen, wo mich indessen ein junger Herr von der Universität in Cambridge recht freundlich in einen seiner vielen Überröcke hüllte.   I was awakened at daybreak by the charwoman, and having arrived at the inn, was at first placed inside the coach. But, when we got to a place called Leakington, where the rain began to fall very heavily — will you believe it? — I was forced to come outside; for Sir Pitt is a proprietor of the coach, and as a passenger came at Mudbury, who wanted an inside place, I was obliged to go outside in the rain, where, however, a young gentleman from Cambridge College sheltered me very kindly in one of his several great coats. Dieser Herr und der Schirrmeister schienen Sir Pitt gut zu kennen und machten sich über ihn lustig. Beide waren sich darüber einig, daß er ein alter Knicker sei – womit sie einen sehr geizigen, knauserigen Menschen meinen. Wie sie erzählten, gibt er nie jemandem Geld, und so eine Knauserigkeit hasse ich. Der junge Herr machte mich auch darauf aufmerksam, daß wir den letzten Teil des Weges sehr langsam fuhren, weil Sir Pitt auf dem Bock saß und die Pferde auf dieser Strecke ihm gehören. »Wenn ich erst die Zügel in der Hand habe, werde ich sie nach Squashmore jagen«, sagte der Student. »Immer geben Sie's ihnen, Master Jack«, meinte der Schirrmeister. Als ich den Sinn dieses Satzes erfaßte und begriff, daß Master Jack die Absicht hatte, den restlichen Weg selbst zu kutschieren und sich an Sir Pitts Pferden zu rächen, mußte ich natürlich auch lachen.   This gentleman and the guard seemed to know Sir Pitt very well, and laughed at him a great deal. They both agreed in calling him an old screw; which means a very stingy, avaricious person. He never gives any money to anybody, they said (and this meanness I hate); and the young gentleman made me remark that we drove very slow for the last two stages on the road, because Sir Pitt was on the box, and because he is proprietor of the horses for this part of the journey. “But won’t I flog ’em on to Squashmore, when I take the ribbons?” said the young Cantab. “And sarve ’em right, Master Jack,” said the guard. When I comprehended the meaning of this phrase, and that Master Jack intended to drive the rest of the way, and revenge himself on Sir Pitt’s horses, of course I laughed too. In Mudbury jedoch, vier Meilen von Queen's Crawley entfernt, erwartete uns ein wappengeschmückter Vierspänner mit prächtigen Pferden, und so fuhren wir mit Pomp in den Park des Baronets. Eine schöne Allee von einer Meile Länge führt zum Hause, und die Frau am Parktor (auf dessen Pfeilern eine Schlange und eine Taube, die Schildhalter im Crawleyschen Wappen, angebracht sind) machte uns unendlich viele Knickse, als sie die alten eisernen verschnörkelten Tore aufstieß, die denen im verhaßten Chiswick ähneln.   A carriage and four splendid horses, covered with armorial bearings, however, awaited us at Mudbury, four miles from Queen’s Crawley, and we made our entrance to the baronet’s park in state. There is a fine avenue of a mile long leading to the house, and the woman at the lodge-gate (over the pillars of which are a serpent and a dove, the supporters of the Crawley arms), made us a number of curtsies as she flung open the old iron carved doors, which are something like those at odious Chiswick. »Das ist eine Allee«, sagte Sir Pitt, »eine Meile lang. In diesen Bäumen da steckt Holz im Werte von sechstausend Pfund. Ist das etwa nichts?« Allee spricht er Ollee aus, und nichts – nischt; es klingt so drollig; ein Mr. Hodson, sein Knecht aus Mudbury, saß mit im Wagen, und sie sprachen von Pfänden, Versteigern und Trockenlegen und Pflügen und eine Menge über Pächter und andere landwirtschaftliche Dinge – vieles, was ich gar nicht verstand. Sam Miles war beim Wildern ertappt worden, und Peter Bailey hatte man endlich ins Armenhaus gesteckt. »Geschieht ihm ganz recht«, sagte Sir Pitt, »dem seine Familie und er haben mich in den letzten hundertundfünfzig Jahren auf dem Gut genug betrogen.« Vermutlich ein alter Pächter, der seine Pacht nicht bezahlen konnte. Eigentlich hätte Sir Pitt sagen müssen »dessen Familie«, aber reiche Baronets brauchen nicht so auf die Grammatik zu achten wie arme Gouvernanten.   “There’s an avenue,” said Sir Pitt, “a mile long. There’s six thousand pound of timber in them there trees. Do you call that nothing?” He pronounced avenue — EVENUE, and nothing — nothink , so droll; and he had a Mr. Hodson, his hind from Mudbury, into the carriage with him, and they talked about distraining, and selling up, and draining and subsoiling, and a great deal about tenants and farming — much more than I could understand. Sam Miles had been caught poaching, and Peter Bailey had gone to the workhouse at last. “Serve him right,” said Sir Pitt; “him and his family has been cheating me on that farm these hundred and fifty years.” Some old tenant, I suppose, who could not pay his rent. Sir Pitt might have said “he and his family,” to be sure; but rich baronets do not need to be careful about grammar, as poor governesses must be. Im Vorüberfahren bemerkte ich einen prächtigen Kirchturm, der einige alte Ulmen im Park überragte, und davor, mitten auf einer Wiese, umgeben von einigen Nebengebäuden, ein altes, rotes, efeubewachsenes Haus mit hohen Schornsteinen und in der Sonne blitzenden Fenstern. »Ist das Ihre Kirche, Sir?« fragte ich.   As we passed, I remarked a beautiful church-spire rising above some old elms in the park; and before them, in the midst of a lawn, and some outhouses, an old red house with tall chimneys covered with ivy, and the windows shining in the sun. “Is that your church, sir?” I said. »Ja, der Henker soll sie holen«, antwortete Sir Pitt (nur, meine Liebe, brauchte er einen viel schlimmeren Ausdruck), »wie geht es Buty, Hodson? Buty ist mein Bruder Bute, meine Liebe – mein Bruder, der Pfarrer. Ich nenne ihn Buty oder Biest, haha!«   “Yes, hang it,” (said Sir Pitt, only he used, dear, A much WICKEDER word ); “how’s Buty, Hodson? Buty’s my brother Bute, my dear — my brother the parson. Buty and the Beast I call him, ha, ha!” Hodson lachte ebenfalls, dann aber wurde er ernster und sagte kopfnickend: »Ich fürchte, es geht ihm besser, Sir Pitt. Gestern war er auf seinem Pony draußen und besichtigte unsere Kornfelder.«   “Looking after his tithes, hang’un (only he used the same wicked word). Will brandy and water never kill him? He’s as tough as old whatdyecallum — old Methusalem.” »Da hat er wohl nach seinem Zehnten gesehen, der Henker soll ihn holen!« Hier benutzte er wieder den gleichen schlechten Ausdruck. »Wird ihm denn der Branntwein nie den Garaus machen? Er ist so zäh wie der alte Dingsda, der alte Methusalem.«   Hodson laughed too, and then looking more grave and nodding his head, said, “I’m afraid he’s better, Sir Pitt. He was out on his pony yesterday, looking at our corn.” Mr. Hodson lachte wieder. »Die jungen Leute haben Universitätsferien und sind nach Hause gekommen. Sie haben John Scroggings so verdroschen, daß er beinah ins Gras biß.«   Mr. Hodson laughed again. “The young men is home from college. They’ve whopped John Scroggins till he’s well nigh dead.” »Was? Meinen zweiten Wildhüter verdroschen!« brüllte Sir Pitt.   “Whop my second keeper!” roared out Sir Pitt. »Er war auf dem Land des Pfarrers, Sir«, erwiderte Mr. Hodson; und Sir Pitt schwor wutschnaubend, daß er sie bei Gott deportieren lassen würde, wenn er sie einmal auf seinem Grund beim Wildern ertappte. Er verkündete: »Ich habe mein Präsentationsrecht verkauft, Hodson, keiner von der Brut soll die Pfarre bekommen«, worauf Mr. Hodson sagte, er habe vollkommen recht. Aus all diesem ist mir klargeworden, daß die zwei Brüder in Uneinigkeit leben – wie das bei Brüdern und auch bei Schwestern so oft vorkommt. Erinnerst Du Dich nicht an die beiden Miss Scratchley in Chiswick, die sich andauernd in den Haaren lagen – und an Mary Box, die Louisa immer stieß?   “He was on the parson’s ground, sir,” replied Mr. Hodson; and Sir Pitt in a fury swore that if he ever caught ’em poaching on his ground, he’d transport ’em, by the lord he would. However, he said, “I’ve sold the presentation of the living, Hodson; none of that breed shall get it, I war’nt”; and Mr. Hodson said he was quite right: and I have no doubt from this that the two brothers are at variance — as brothers often are, and sisters too. Don’t you remember the two Miss Scratchleys at Chiswick, how they used always to fight and quarrel — and Mary Box, how she was always thumping Louisa? Kurz darauf sprang Mr. Hodson auf Sir Pitts Befehl aus der Kutsche und stürzte sich mit seiner Peitsche auf zwei kleine Knaben, die im Wald Holz sammelten. »Hau sie, Hodson«, brüllte der Baronet, »peitsch ihnen die Seele aus dem Leibe und bring sie ins Haus hinauf, die Vagabunden; ich werde sie einsperren lassen, so wahr ich Sir Pitt heiße.« Und gleich darauf hörten wir Mr. Hodsons Peitsche auf die Schultern der armen kleinen schluchzenden Wichte klatschen. Als Sir Pitt die Übeltäter in Gewahrsam wußte, fuhr er weiter zum Schloß.   Presently, seeing two little boys gathering sticks in the wood, Mr. Hodson jumped out of the carriage, at Sir Pitt’s order, and rushed upon them with his whip. “Pitch into ’em, Hodson,” roared the baronet; “flog their little souls out, and bring ’em up to the house, the vagabonds; I’ll commit ’em as sure as my name’s Pitt.” And presently we heard Mr. Hodson’s whip cracking on the shoulders of the poor little blubbering wretches, and Sir Pitt, seeing that the malefactors were in custody, drove on to the hall. Die ganze Dienerschaft stand zu unserer Begrüßung bereit, und....   All the servants were ready to meet us, and ... Hier, meine Liebe, wurde ich gestern nacht durch ein entsetzliches Getrommel gegen meine Tür unterbrochen; und wer, glaubst Du, war es? Sir Pitt Crawley in Schlafrock und Nachtmütze: was für eine komische Figur! Als ich vor solchem Besuche entsetzt zurückfuhr, trat er näher und griff nach meiner Kerze. »Keine Kerze nach elf Uhr, Miss Becky«, sagte er, »gehen Sie im Dunkeln ins Bett, Sie kleines hübsches Weibstück« (so nannte er mich), »und wenn Sie nicht wollen, daß ich jeden Abend wegen der Kerze komme, so denken Sie daran, um elf Uhr im Bett zu sein.« Und mit diesen Worten gingen er und Horrocks, der Butler, lachend davon. Du kannst glauben, daß ich keinen zweiten Anlaß mehr zu ihrem Besuch geben werde. Nachts machen sie zwei ungeheure Bluthunde los, die gestern nacht die ganze Zeit bellten und den Mond anheulten. »Ich nenne den Rüden Packan«, erklärte Sir Pitt, »er hat tatsächlich schon einen Menschen zerrissen und nimmt es mit einem Stier auf; seine Mutter hieß früher Flora, jetzt aber nenne ich sie Blaffer, denn zum Beißen ist sie nun zu alt, haha!«   Here, my dear, I was interrupted last night by a dreadful thumping at my door: and who do you think it was? Sir Pitt Crawley in his night-cap and dressing-gown, such a figure! As I shrank away from such a visitor, he came forward and seized my candle. “No candles after eleven o’clock, Miss Becky,” said he. “Go to bed in the dark, you pretty little hussy” (that is what he called me), “and unless you wish me to come for the candle every night, mind and be in bed at eleven.” And with this, he and Mr. Horrocks the butler went off laughing. You may be sure I shall not encourage any more of their visits. They let loose two immense bloodhounds at night, which all last night were yelling and howling at the moon. “I call the dog Gorer,” said Sir Pitt; “he’s killed a man that dog has, and is master of a bull, and the mother I used to call Flora; but now I calls her Aroarer, for she’s too old to bite. Haw, haw!” Die große Haustür von Queen's Crawley, das ein abscheuliches, altmodisches, rotes Backsteingebäude mit hohen Schornsteinen und Giebeln im Stile der Königin Elisabeth ist, führt auf eine von der Familientaube und –schlange flankierte Terrasse. Weißt Du, meine Liebe, die Eingangshalle ist bestimmt ebenso groß und düster wie die in dem guten alten Schloß Udolpho. Sie hat einen ungeheuren Kamin, wo man Miss Pinkertons halbe Schule unterbringen könnte; der Feuerrost ist groß genug, um mindestens einen Ochsen darauf zu braten. Rundherum an den Wänden hängen wer weiß wie viele Generationen von Crawleys, einige mit Bärten und Halskrausen, andere mit riesigen Perücken und auswärts gedrehten Füßen, einige in langen, geraden Schnürleibern und Röcken, so steif wie Türme, wiederum andere mit langen Ringellocken und, ach, du lieber Gott, kaum Korsetts. An dem einen Ende der Halle befindet sich die große Treppe, ganz aus schwarzem Eichenholz, so unheimlich wie nur möglich; zu beiden Seiten führen mit Hirschgeweihen geschmückte hohe Türen ins Billardzimmer, in die Bibliothek, in den großen gelben Salon und in die Frühstückszimmer. Ich glaube, im ersten Stock gibt es wenigstens zwanzig Schlafzimmer; in einem steht das Bett, in dem Königin Elisabeth geschlafen hat. Meine neuen Schülerinnen haben mich heute morgen durch diese anheimelnden Räume geführt. Du kannst glauben, daß sie nicht freundlicher werden, wenn die Fensterläden stets zu sind; fast in jedem erwartete ich, beim ersten Lichtschein ein Gespenst zu erblicken. Wir haben ein Schulzimmer im zweiten Stock, in das mein Schlafzimmer und das der jungen Mädchen mündet. Dann folgen die Räume von Mr. Pitt – er wird Mr. Crawley genannt und ist der älteste Sohn – und die von Mr. Rawdon Crawley – er ist Offizier, wie ein gewisser Jemand, und befindet sich bei seinem Regiment. Raummangel gibt es hier nicht, das kann ich Dir versichern. Ich glaube, man könnte alle Leute von Russell Square im Hause unterbringen, und es bliebe immer noch Platz übrig.   Before the house of Queen’s Crawley, which is an odious old-fashioned red brick mansion, with tall chimneys and gables of the style of Queen Bess, there is a terrace flanked by the family dove and serpent, and on which the great hall-door opens. And oh, my dear, the great hall I am sure is as big and as glum as the great hall in the dear castle of Udolpho. It has a large fireplace, in which we might put half Miss Pinkerton’s school, and the grate is big enough to roast an ox at the very least. Round the room hang I don’t know how many generations of Crawleys, some with beards and ruffs, some with huge wigs and toes turned out, some dressed in long straight stays and gowns that look as stiff as towers, and some with long ringlets, and oh, my dear! scarcely any stays at all. At one end of the hall is the great staircase all in black oak, as dismal as may be, and on either side are tall doors with stags’ heads over them, leading to the billiard-room and the library, and the great yellow saloon and the morning-rooms. I think there are at least twenty bedrooms on the first floor; one of them has the bed in which Queen Elizabeth slept; and I have been taken by my new pupils through all these fine apartments this morning. They are not rendered less gloomy, I promise you, by having the shutters always shut; and there is scarce one of the apartments, but when the light was let into it, I expected to see a ghost in the room. We have a schoolroom on the second floor, with my bedroom leading into it on one side, and that of the young ladies on the other. Then there are Mr. Pitt’s apartments — Mr. Crawley, he is called — the eldest son, and Mr. Rawdon Crawley’s rooms — he is an officer like somebody , and away with his regiment. There is no want of room I assure you. You might lodge all the people in Russell Square in the house, I think, and have space to spare. Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft läutete die große Tischglocke zum Essen, und ich ging mit meinen beiden Schülerinnen hinab (es sind sehr magere, nichtssagende Dingerchen von zehn und acht Jahren); ich trug Dein hübsches Musselinkleid (weswegen die abscheuliche Mrs. Pinner so frech wurde, als Du es mir schenktest), denn ich soll als Familienmitglied behandelt werden, nur wenn Gesellschaften gegeben werden, müssen die jungen Mädchen und ich oben speisen.   Half an hour after our arrival, the great dinner-bell was rung, and I came down with my two pupils (they are very thin insignificant little chits of ten and eight years old). I came down in your dear muslin gown (about which that odious Mrs. Pinner was so rude, because you gave it me); for I am to be treated as one of the family, except on company days, when the young ladies and I are to dine upstairs. Die große Tischglocke rief also zum Essen, und wir alle versammelten uns in dem kleinen Salon, wo Lady Crawley sich aufhält. Sie ist die zweite Lady Crawley und Mutter der jungen Mädchen. Sie war die Tochter eines Eisenhändlers, und ihre Heirat galt als glänzende Partie. Sie scheint früher hübsch gewesen zu sein, und ihre Augen weinen ständig um die verlorene Schönheit. Sie ist blaß, mager und hochschulterig und hat offenbar nichts zu sagen. Ihr Stiefsohn, Mr. Crawley, befand sich ebenfalls im Zimmer. Er war in vollem Staate, feierlich wie ein Beerdigungsunternehmer. Er ist blaß, mager, häßlich und schweigsam, hat dünne Beine, eine eingefallene Brust, einen heufarbenen Bart und strohgelbe Haare. Er ist das leibhaftige Ebenbild seiner seligen Mutter über dem Kaminsims – Griselda, aus dem edlen Hause Binkie.   Well, the great dinner-bell rang, and we all assembled in the little drawing-room where my Lady Crawley sits. She is the second Lady Crawley, and mother of the young ladies. She was an ironmonger’s daughter, and her marriage was thought a great match. She looks as if she had been handsome once, and her eyes are always weeping for the loss of her beauty. She is pale and meagre and high-shouldered, and has not a word to say for herself, evidently. Her stepson Mr. Crawley, was likewise in the room. He was in full dress, as pompous as an undertaker. He is pale, thin, ugly, silent; he has thin legs, no chest, hay-coloured whiskers, and straw-coloured hair. He is the very picture of his sainted mother over the mantelpiece — Griselda of the noble house of Binkie. »Dies ist die neue Gouvernante, Mr. Crawley«, sagte Lady Crawley, trat auf mich zu und ergriff meine Hand, »Miss Sharp.«   “This is the new governess, Mr. Crawley,” said Lady Crawley, coming forward and taking my hand. “Miss Sharp.” »Oh!« ließ Mr. Crawley sich vernehmen, streckte den Kopf kurz vor und wandte sich wieder einer umfangreichen Broschüre zu, die er gerade las.   “O!” said Mr. Crawley, and pushed his head once forward and began again to read a great pamphlet with which he was busy. »Ich hoffe, Sie werden nett zu meinen Mädchen sein«, sagte Lady Crawley, ihre roten Augen wie stets tränengefüllt.   “I hope you will be kind to my girls,” said Lady Crawley, with her pink eyes always full of tears. »Ach Gott, Ma, natürlich wird sie das«, sagte die ältere; und mit einem Blick sah ich, daß ich mich vor dieser Frau nicht zu fürchten brauchte. Der Butler, ganz in Schwarz, mit einem ungeheuren weißen Jabot, das aussah, als sei es eine abgemalte Spitzenkrause der Königin Elisabeth in der Halle, meldete: »Gnädige Frau, es ist aufgetragen.« Lady Crawley nahm Mr. Crawleys Arm und ging in den Speisesaal voraus, wohin ich ihr, an jeder Hand eine meiner kleinen Schülerinnen, folgte.   “Law, Ma, of course she will,” said the eldest: and I saw at a glance that I need not be afraid of that woman. “My lady is served,” says the butler in black, in an immense white shirt-frill, that looked as if it had been one of the Queen Elizabeth’s ruffs depicted in the hall; and so, taking Mr. Crawley’s arm, she led the way to the dining-room, whither I followed with my little pupils in each hand. Sir Pitt war bereits, mit einer silbernen Kanne beschäftigt, im Zimmer. Er war soeben aus dem Keller gekommen und gleichfalls in vollem Staat, das heißt, er hatte seine Gamaschen abgelegt und zeigte seine kurzen, dicken Beine in schwarzen Wollstrümpfen. Das Büfett war beladen mit funkelndem altem Geschirr – goldenen und silbernen Bechern, Serviertellern und Menagen –, ganz wie in Rundell Bridges Geschäft. Auch alles auf dem Tisch war von Silber, und zwei Bediente mit rotem Haar und kanariengelben Livreen standen neben dem Büfett.   Sir Pitt was already in the room with a silver jug. He had just been to the cellar, and was in full dress too; that is, he had taken his gaiters off, and showed his little dumpy legs in black worsted stockings. The sideboard was covered with glistening old plate — old cups, both gold and silver; old salvers and cruet-stands, like Rundell and Bridge’s shop. Everything on the table was in silver too, and two footmen, with red hair and canary-coloured liveries, stood on either side of the sideboard. Mr. Crawley sprach ein langes Tischgebet, und Sir Pitt sagte amen, worauf die großen silbernen Deckel von den Gerichten abgenommen wurden.   Mr. Crawley said a long grace, and Sir Pitt said amen, and the great silver dish-covers were removed. »Was gibt es denn zu essen, Betsy?« fragte der Baronet.   “What have we for dinner, Betsy?’ said the Baronet. »Ich glaube Hammelbrühe, Sir Pitt«, antwortete Lady Crawley.   “Mutton broth, I believe, Sir Pitt,” answered Lady Crawley. »Moutons aux navets«, setzte der Butler gravitätisch hinzu (ausgesprochen, bitte sehr, wie: Mudongonaveez), »und die Suppe ist potage de mouton à l'Ecossaise. Die Beigerichte bestehen aus pommes de terre au naturel und chou-fleur à l'eau.«   “Mouton aux navets,” added the butler gravely (pronounce, if you please, moutongonavvy); “and the soup is potage de mouton a l’Ecossaise. The side-dishes contain pommes de terre au naturel, and choufleur a l’eau.” »Hammelfleisch bleibt Hammelfleisch«, sagte der Baronet, »ist was verteufelt Gutes. Was für ein Schaf war es, Horrocks, und wann habt ihr geschlachtet!« »Eins von den schottischen Schwarzgesichtern, Sir Pitt, wir haben es am Donnerstag geschlachtet.«   “Mutton’s mutton,” said the Baronet, “and a devilish good thing. What ship was it, Horrocks, and when did you kill?” “One of the black-faced Scotch, Sir Pitt: we killed on Thursday. »Wer hat was davon abbekommen?«   “Who took any?” »Steel aus Mudbury hat zwei Keulen und den Rücken genommen, Sir Pitt; allein er sagt, das letzte sei zu jung und bloß verdammt wollig gewesen, Sir Pitt.«   “Steel, of Mudbury, took the saddle and two legs, Sir Pitt; but he says the last was too young and confounded woolly, Sir Pitt.” »Möchten Sie etwas potage, Miss Sharp?« fragte Mr. Crawley.   “Will you take some potage, Miss ah — Miss Blunt? said Mr. Crawley. »Vorzügliche schottische Hammelbrühe, meine Liebe«, sagte Sir Pitt, »obwohl man es französisch benamst.«   “Capital Scotch broth, my dear,” said Sir Pitt, “though they call it by a French name.” »Ich glaube, in anständiger Gesellschaft ist es so üblich, das Gericht so zu nennen, wie ich es getan habe, Sir«, erwiderte Mr. Crawley hochmütig, und nun wurde uns das Besprochene samt dem mouton aux navets von den Bedienten in der kanariengelben Livree auf silbernen Tellern serviert. Danach gab es Ale und Wasser für uns junge Damen, in Weingläsern serviert. Ich bin keine Ale-Kennerin, aber ich kann mit gutem Gewissen sagen, daß ich mir Wasser vorziehe.   “I believe it is the custom, sir, in decent society,” said Mr. Crawley, haughtily, “to call the dish as I have called it”; and it was served to us on silver soup plates by the footmen in the canary coats, with the mouton aux navets. Then “ale and water” were brought, and served to us young ladies in wine-glasses. I am not a judge of ale, but I can say with a clear conscience I prefer water. Während wir uns an dem Mahl erfreuten, fragte Sir Pitt, was aus den Hammelschultern geworden sei.   While we were enjoying our repast, Sir Pitt took occasion to ask what had become of the shoulders of the mutton. »Ich glaube, sie wurden in der Gesindestube verzehrt«, sagte die Lady demütig.   “I believe they were eaten in the servants’ hall,” said my lady, humbly. »Das stimmt, gnädige Frau«, bestätigte Horrocks, »was anderes bekommen wir ja auch nicht.«   “They was, my lady,” said Horrocks, “and precious little else we get there neither.” Sir Pitt brach in ein heiseres Lachen aus und setzte seine Unterhaltung mit Mr. Horrocks fort. »Das kleine schwarze Ferkel von der Kenter Sau muß doch jetzt ganz schön fett sein.«   Sir Pitt burst into a horse-laugh, and continued his conversation with Mr. Horrocks. “That there little black pig of the Kent sow’s breed must be uncommon fat now.” »Es wird noch nicht gleich platzen, Sir Pitt«, versetzte der Butler ernsthaft, worüber Sir Pitt und die jungen Damen gewaltig lachen mußten.   “It’s not quite busting, Sir Pitt,” said the butler with the gravest air, at which Sir Pitt, and with him the young ladies, this time, began to laugh violently. »Miss Crawley, Miss Rose Crawley«, sagte Mr. Crawley, »euer Lachen scheint mir ganz und gar fehl am Platze.«   “Miss Crawley, Miss Rose Crawley,” said Mr. Crawley, “your laughter strikes me as being exceedingly out of place.” »Mach dir nichts draus«, sagte der Baronet, »wir werden das Ferkel am Sonnabend probieren. Schlachte es Sonnabend früh, John Horrocks. Miss Sharp ißt Schweinefleisch für ihr Leben gern, nicht wahr, Miss Sharp?«   “Never mind, my lord,” said the Baronet; “we’ll try the porker on Saturday. Kill un on Saturday morning, John Horrocks. Miss Sharp adores pork, don’t you, Miss Sharp?” Dies war, glaube ich, das ganze Tischgespräch. Als das Mahl beendet war, wurde eine Kanne heißes Wasser vor Sir Pitt gestellt, zusammen mit einer Korbflasche, die, glaube ich, Rum enthielt. Mr. Horrocks schenkte mir und meinen Schülerinnen ein Gläschen Wein ein, Lady Crawley erhielt einen Humpen. Als wir uns zurückzogen, holte sie aus ihrem Handarbeitskasten ein riesiges, nicht enden wollendes Strickzeug; die jungen Mädchen fingen an, mit einem schmutzigen Kartenspiel Cribbage zu spielen. Es brannte nur eine Kerze, aber sie stand in einem prächtigen, alten, silbernen Leuchter. Nach einigen Fragen, die die Lady an mich richtete, stand ich vor der Wahl, mich entweder an einem Band Predigten oder an der Broschüre über die Kornzölle, in der Mr. Crawley vor dem Essen gelesen hatte, zu ergötzen.   And I think this is all the conversation that I remember at dinner. When the repast was concluded a jug of hot water was placed before Sir Pitt, with a case-bottle containing, I believe, rum. Mr. Horrocks served myself and my pupils with three little glasses of wine, and a bumper was poured out for my lady. When we retired, she took from her work-drawer an enormous interminable piece of knitting; the young ladies began to play at cribbage with a dirty pack of cards. We had but one candle lighted, but it was in a magnificent old silver candlestick, and after a very few questions from my lady, I had my choice of amusement between a volume of sermons, and a pamphlet on the corn-laws, which Mr. Crawley had been reading before dinner. So saßen wir wohl eine Stunde, bis Schritte zu hören waren.   So we sat for an hour until steps were heard. »Packt die Karten weg, Mädchen«, rief die Lady in großer Angst; »legen Sie Mr. Crawleys Bücher hin, Miss Sharp!« Kaum waren wir diesen Befehlen nachgekommen, als Mr. Crawley eintrat.   “Put away the cards, girls,” cried my lady, in a great tremor; “put down Mr. Crawley’s books, Miss Sharp”; and these orders had been scarcely obeyed, when Mr. Crawley entered the room. »Meine jungen Damen, wir wollen unsere gestrige Abhandlung fortsetzen«, sagte er, »und jede von euch soll abwechselnd eine Seite lesen, so daß Miss Sharp Gelegenheit erhält, euch zu hören.« Und nun begannen die armen Mädchen eine endlose, langweilige Predigt über die Bekehrung der Chikasaw-Indianer zu buchstabieren, die in der Bethesda-Kapelle in Liverpool gehalten worden war. War das nicht ein entzückender Abend?   “We will resume yesterday’s discourse, young ladies,” said he, “and you shall each read a page by turns; so that Miss a — Miss Short may have an opportunity of hearing you”; and the poor girls began to spell a long dismal sermon delivered at Bethesda Chapel, Liverpool, on behalf of the mission for the Chickasaw Indians. Was it not a charming evening? Um zehn mußten die Dienstboten Sir Pitt und den ganzen Haushalt zur Abendandacht zusammentrommeln. Sir Pitt trat zuerst ein, ganz rot im Gesicht und etwas unsicher auf den Beinen; nach ihm erschienen der Butler, die Kanarienvögel, Mr. Crawleys Diener, drei andere Männer, die aufdringlich nach Stall rochen, und vier Frauenzimmer. Eine von denen war sehr aufgedonnert und warf mir einen verächtlichen Blick zu, als sie sich auf die; Knie fallen ließ.   At ten the servants were told to call Sir Pitt and the household to prayers. Sir Pitt came in first, very much flushed, and rather unsteady in his gait; and after him the butler, the canaries, Mr. Crawley’s man, three other men, smelling very much of the stable, and four women, one of whom, I remarked, was very much overdressed, and who flung me a look of great scorn as she plumped down on her knees. Nachdem Mr. Crawley seine Ansprache und seine Erläuterungen beendet hatte, erhielten wir unsere Kerzen und gingen zu Bett. Dann wurde ich beim Schreiben gestört, wie ich meiner lieben, süßen Amelia bereits geschildert habe.   After Mr. Crawley had done haranguing and expounding, we received our candles, and then we went to bed; and then I was disturbed in my writing, as I have described to my dearest sweetest Amelia. Gute Nacht! Tausend, tausend, tausend Küsse!   Good night. A thousand, thousand, thousand kisses! Sonnabend. – Heute morgen um fünf Uhr hörte ich das schwarze Ferkel quieken. Rose und Violet haben mich ihm gestern vorgestellt, auch den Ställen und dem Hundezwinger und dem Gärtner, der Obst für den Markt abnahm. Sie bettelten und flehten um eine Weintraube aus dem Gewächshaus; er meinte aber, Sir Pitt habe jede Beere gezählt, und er würde um seine Stelle kommen, wenn er sich breitschlagen ließe, eine wegzuschenken. Die lieben Mädchen fingen ein Füllen in der Koppel. Sie fragten mich, ob ich reiten wolle, und begannen dann selbst zu reiten, als der Stallknecht unter abscheulichen Flüchen herbeikam und sie fortjagte.   Saturday. — This morning, at five, I heard the shrieking of the little black pig. Rose and Violet introduced me to it yesterday; and to the stables, and to the kennel, and to the gardener, who was picking fruit to send to market, and from whom they begged hard a bunch of hot-house grapes; but he said that Sir Pitt had numbered every “Man Jack” of them, and it would be as much as his place was worth to give any away. The darling girls caught a colt in a paddock, and asked me if I would ride, and began to ride themselves, when the groom, coming with horrid oaths, drove them away. Lady Crawley ist stets und ständig mit ihrem Strickzeug beschäftigt. Sir Pitt ist regelmäßig jeden Abend betrunken. Er trinkt, glaube ich, mit Horrocks, dem Butler. Mr. Crawley liest abends immer Predigten, und morgens schließt er sich in sein Studierzimmer ein oder reitet in Grafschaftsangelegenheiten nach Mudbury oder nach Squashmore, wo er mittwochs und freitags vor den Pächtern predigt.   Lady Crawley is always knitting the worsted. Sir Pitt is always tipsy, every night; and, I believe, sits with Horrocks, the butler. Mr. Crawley always reads sermons in the evening, and in the morning is locked up in his study, or else rides to Mudbury, on county business, or to Squashmore, where he preaches, on Wednesdays and Fridays, to the tenants there. Herzliche Grüße und hunderttausendmal danke an Deinen lieben Papa und Deine liebe Mama. Hat sich Dein armer Bruder von seinem Arrakpunsch wieder erholt? Gott, o Gott! Männer sollten sich vor dem bösen Punsch hüten!   A hundred thousand grateful loves to your dear papa and mamma. Is your poor brother recovered of his rack-punch? Oh, dear! Oh, dear! How men should beware of wicked punch! Immer und ewig die Deine. Rebekka   Ever and ever thine own Rebecca Alles in Betracht gezogen, ist es, glaube ich, ganz günstig für unsere liebe Amelia Sedley vom Russell Square, daß Miss Sharp und sie nicht mehr zusammen sind. Rebekka ist gewiß ein drolliges, komisches Geschöpf, und die Beschreibung der armen Lady, die um ihre verlorene Schönheit weint, sowie die des Herrn »mit heufarbenem Backenbart und strohgelben Haaren« ist zweifellos sehr scharf und verrät eine große Weltkenntnis. Daß sie, als sie auf den Knien lag, an etwas Besseres hätte denken können als an Miss Horrocks Bänder, hat uns wahrscheinlich beide in Bestürzung versetzt. Aber der geneigte Leser wird sich erinnern, daß diese Geschichte den Titel »Jahrmarkt der Eitelkeit« trägt und daß der Jahrmarkt der Eitelkeit ein eitler, verderbter, närrischer Ort ist, voll von Lug und Trug und Dünkel; und wenn auch der Moralist weder Talar noch Beffchen trägt, sondern ganz einfach dieselbe langohrige Narrenkappe, in der seine Gemeinde steckt, so ist er dennoch verpflichtet und verbunden, die Wahrheit zu sagen, soweit er sie kennt, mag er nun eine Schellenkappe oder einen Pfarrershut tragen; und im Laufe eines solchen Unternehmens kommt nun eben eine Masse Unangenehmes zur Sprache.   Everything considered, I think it is quite as well for our dear Amelia Sedley, in Russell Square, that Miss Sharp and she are parted. Rebecca is a droll funny creature, to be sure; and those descriptions of the poor lady weeping for the loss of her beauty, and the gentleman “with hay-coloured whiskers and straw-coloured hair,” are very smart, doubtless, and show a great knowledge of the world. That she might, when on her knees, have been thinking of something better than Miss Horrocks’s ribbons, has possibly struck both of us. But my kind reader will please to remember that this history has “Vanity Fair” for a title, and that Vanity Fair is a very vain, wicked, foolish place, full of all sorts of humbugs and falsenesses and pretensions. And while the moralist, who is holding forth on the cover ( an accurate portrait of your humble servant), professes to wear neither gown nor bands, but only the very same long-eared livery in which his congregation is arrayed: yet, look you, one is bound to speak the truth as far as one knows it, whether one mounts a cap and bells or a shovel hat; and a deal of disagreeable matter must come out in the course of such an undertaking. Ich habe in Neapel einen Kollegen gehört, einen Mann aus dem Geschichtenerzähler-Gewerbe, wie er einem Rudel ehrlicher, fauler Nichtsnutze am Meeresufer predigte und sich dabei in eine solche Wut und Leidenschaft über einige der Bösewichter steigerte, deren verruchte Taten er beschrieb oder erfand, daß er seine Zuhörerschaft mitriß; sie brachen mit dem Dichter in ein Gebrüll von Flüchen und Verwünschungen gegen das erdichtete Scheusal der Erzählung aus, so daß inmitten eines Sturmes von Mitgefühl der Hut herumging und die Bajocchi hineinfielen.   I have heard a brother of the story-telling trade, at Naples, preaching to a pack of good-for-nothing honest lazy fellows by the sea-shore, work himself up into such a rage and passion with some of the villains whose wicked deeds he was describing and inventing, that the audience could not resist it; and they and the poet together would burst out into a roar of oaths and execrations against the fictitious monster of the tale, so that the hat went round, and the bajocchi tumbled into it, in the midst of a perfect storm of sympathy. In den kleinen Pariser Theatern hört man andererseits nicht nur die Leute »Ah, gredin! Ah, monstre!« brüllen und den Tyrannen des Stückes von den Logen herab verwünschen, sondern die Schauspieler selbst weigern sich entschieden, die Schurkenrollen, wie zum Beispiel infâmes Anglais, brutale Kosaken, und was es sonst noch davon gibt, zu übernehmen, und ziehen es vor, bei kleinerer Gage in ihrem wirklichen Charakter als ehrenwerte Franzosen aufzutreten. Ich stelle die beiden Geschichten einander gegenüber, damit man sehen kann, daß der Puppenspieler dieses Stückes seine Schurken nicht aus rein eigennützigen Gründen zeigt und durchprügelt, sondern weil er ihnen gegenüber einen aufrichtigen Haß hegt, den er nicht zu unterdrücken vermag und der sich in Schimpfreden und mit bösen Worten Luft machen muß.   At the little Paris theatres, on the other hand, you will not only hear the people yelling out “Ah gredin! Ah monstre:” and cursing the tyrant of the play from the boxes; but the actors themselves positively refuse to play the wicked parts, such as those of infames Anglais, brutal Cossacks, and what not, and prefer to appear at a smaller salary, in their real characters as loyal Frenchmen. I set the two stories one against the other, so that you may see that it is not from mere mercenary motives that the present performer is desirous to show up and trounce his villains; but because he has a sincere hatred of them, which he cannot keep down, and which must find a vent in suitable abuse and bad language. Ich bereite daher meine gütigen Freunde darauf vor, daß ich eine Geschichte erzählen werde, in der viele abscheuliche Schurkereien und verwickelte – aber hoffentlich interessante – Verbrechen vorkommen werden. Meine Schurken sind ganze Kerle, das verspreche ich euch. Wenn wir an die passenden Stellen kommen, wollen wir es an schönen Worten nicht fehlen lassen, nein, bestimmt nicht! Wenn wir aber durch die stille Landschaft wandeln, müssen wir notgedrungen ruhig sein. Ein Sturm im Wasserglas ist abgeschmackt. Das sparen wir lieber für den gewaltigen Ozean oder die einsame Mitternacht. Dieses Kapitel hier ist noch sehr sanft. Andere – doch wir wollen nicht vorgreifen.   I warn my “kyind friends,” then, that I am going to tell a story of harrowing villainy and complicated — but, as I trust, intensely interesting — crime. My rascals are no milk-and-water rascals, I promise you. When we come to the proper places we won’t spare fine language — No, no! But when we are going over the quiet country we must perforce be calm. A tempest in a slop-basin is absurd. We will reserve that sort of thing for the mighty ocean and the lonely midnight. The present Chapter is very mild. Others — But we will not anticipate those . Auch möchte ich, während unsere Darsteller ihren Weg gehen, mir als Mensch und Bruder die Erlaubnis erbitten, sie nicht allein vorzustellen, sondern auch gelegentlich von der Bühne herabzusteigen und über sie zu sprechen. Sind sie gut und freundlich, will ich sie lieben und ihnen die Hand schütteln, sind sie dumm, mir mit dem Leser ganz insgeheim ins Fäustchen lachen, sind sie aber böse und herzlos, will ich sie so energisch ausschelten, wie es die Höflichkeit erlaubt.   And, as we bring our characters forward, I will ask leave, as a man and a brother, not only to introduce them, but occasionally to step down from the platform, and talk about them: if they are good and kindly, to love them and shake them by the hand: if they are silly, to laugh at them confidentially in the reader’s sleeve: if they are wicked and heartless, to abuse them in the strongest terms which politeness admits of. Sonst würde der freundliche Leser am Ende noch meinen, ich verhöhnte die Abendandacht, die Miss Sharp so lächerlich findet; oder ich lachte über den schwankenden alten Silen von einem Baronet, während doch das Gelächter von einer Person herrührt, die nichts hochachtet als ihr Wohlergehen und kein Auge für etwas anderes als ihren Erfolg hat. Solche Leute leben in der Welt und kommen vorwärts – ohne Glauben, ohne Liebe, ohne Hoffnung. Diese, meine Freunde, wollen wir uns mit aller Kraft vornehmen. Es gibt auch Leute darunter, die Erfolg haben und bloß Pfuscher und Narren sind, und um diese zu bekämpfen und bloßzustellen, wurde zweifellos das Lachen geschaffen.   Otherwise you might fancy it was I who was sneering at the practice of devotion, which Miss Sharp finds so ridiculous; that it was I who laughed good-humouredly at the reeling old Silenus of a baronet — whereas the laughter comes from one who has no reverence except for prosperity, and no eye for anything beyond success. Such people there are living and flourishing in the world — Faithless, Hopeless, Charityless: let us have at them, dear friends, with might and main. Some there are, and very successful too, mere quacks and fools: and it was to combat and expose such as those, no doubt, that Laughter was made. 9. Kapitel / Chapter 9 Familienporträts / Family Portraits Sir Pitt Crawley war ein Philosoph, mit einem Hang zum Ordinären. Seine erste Ehe mit der Tochter des edlen Binkie war unter der Beihilfe seiner Eltern zustande gekommen. Da er Lady Crawley zu ihren Lebzeiten oft wiederholt hatte, sie sei eine verdammt zänkische, vornehme Hexe und er lasse sich lieber hängen, als nach ihrem Tode wieder eine ihres Schlages zu nehmen, so hielt er nach dem Hinscheiden der Lady sein Wort und nahm als zweite Frau Miss Rose Dawson, Tochter von Mr. John Thomas Dawson, Eisenhändler in Mudbury. Welch ein Glück für Rose, Lady Crawley zu werden!   Sir Pitt Crawley was a philosopher with a taste for what is called low life. His first marriage with the daughter of the noble Binkie had been made under the auspices of his parents; and as he often told Lady Crawley in her lifetime she was such a confounded quarrelsome high-bred jade that when she died he was hanged if he would ever take another of her sort, at her ladyship’s demise he kept his promise, and selected for a second wife Miss Rose Dawson, daughter of Mr. John Thomas Dawson, ironmonger, of Mudbury. What a happy woman was Rose to be my Lady Crawley! Wir wollen nun die Posten ihres Glückes aufzählen. Erstens gab sie den jungen Peter Butt auf, mit dem sie eine Liebschaft hatte und der sich nun infolge seiner unglücklichen Liebe auf Schmuggeln, Wildern und tausend andere schlimme Dinge verlegte. Zweitens brach sie pflichtschuldigst mit allen Freunden und Vertrauten ihrer Jugend, die sie als Lady von Queen's Crawley natürlich nicht empfangen konnte – fand aber in ihrem neuen Rang und ihrem neuen Wohnsitz niemanden, der sie willkommen hieß. Wer wäre aber auch in Frage gekommen? Sir Huddleston Fuddleston hatte drei Töchter, die alle gehofft hatten, Lady Crawley zu werden. Sir Giles Wapshots Familie fühlte sich beleidigt, daß keins der Wapshotschen Mädchen bei der Heirat berücksichtigt worden war, und die übrigen Baronets der Grafschaft waren empört über die Mißheirat ihres Standesgenossen. Die Bürgerlichen ziehen wir gar nicht in Betracht, die mögen anonym grollen.   Let us set down the items of her happiness. In the first place, she gave up Peter Butt, a young man who kept company with her, and in consequence of his disappointment in love, took to smuggling, poaching, and a thousand other bad courses. Then she quarrelled, as in duty bound, with all the friends and intimates of her youth, who, of course, could not be received by my Lady at Queen’s Crawley — nor did she find in her new rank and abode any persons who were willing to welcome her. Who ever did? Sir Huddleston Fuddleston had three daughters who all hoped to be Lady Crawley. Sir Giles Wapshot’s family were insulted that one of the Wapshot girls had not the preference in the marriage, and the remaining baronets of the county were indignant at their comrade’s misalliance. Never mind the commoners, whom we will leave to grumble anonymously. Sir Pitt kümmerte sich, wie er sagte, keinen Pfifferling um jemanden dabei. Er hatte seine hübsche Rose, und was braucht ein Mann mehr, als zu tun, was ihm gefällt? Er betrank sich daher jeden Abend, prügelte ab und zu seine hübsche Rose und ließ sie mutterseelenallein zurück, wenn er nach London zu den Parlamentssitzungen fuhr. Selbst Mrs. Bute Crawley, die Pfarrersfrau, weigerte sich, sie zu besuchen, da sie, wie sie sagte, niemals einer Krämerstochter den Vortritt lassen würde.   Sir Pitt did not care, as he said, a brass farden for any one of them. He had his pretty Rose, and what more need a man require than to please himself? So he used to get drunk every night: to beat his pretty Rose sometimes: to leave her in Hampshire when he went to London for the parliamentary session, without a single friend in the wide world. Even Mrs. Bute Crawley, the Rector’s wife, refused to visit her, as she said she would never give the pas to a tradesman’s daughter. Die einzigen Gaben, mit denen die Natur Lady Crawley ausgestattet hatte, waren rosige Wangen und eine weiße Haut, und da sie keinen Charakter und keine Talente, keine Meinung, keine Beschäftigung und keinen Zeitvertreib hatte und ihr jene Seelenstärke und jenes wilde Temperament fehlten, die oftmals sonst ganz törichten Frauen eigen sind, so gelang es ihr nicht, Sir Pitt sonderlich zu fesseln. Die Rosen verschwanden von ihren Wangen, und ihre Gestalt verlor die hübsche Frische nach der Geburt einiger Kinder; sie wurde zu einer bloßen Maschine im Hause ihres Mannes, ebenso unnütz wie das große Klavier der verstorbenen Lady Crawley. Da sie einen hellen Teint hatte, so trug sie helle Kleider, wie die meisten Blondinen, und erschien vornehmlich in einem schmutzigen Meergrün oder schlampigen Himmelblau. Tag und Nacht war sie mit diesem Strickzeug oder einem ähnlichen beschäftigt. Im Laufe weniger Jahre hatte sie Bettdecken für ganz Queen's Crawley gestrickt. Ihr gehörte ein Blumengärtchen, das sie ganz gern hatte; sonst aber empfand sie weder Zuneigung noch Abneigung für etwas. War ihr Mann grob gegen sie, so war sie apathisch; schlug er sie, so weinte sie. Sie hatte nicht Charakter genug, um sich dem Trunke zu ergeben, und schlurfte seufzend den ganzen Tag mit Lockenwickeln umher. Oh, Jahrmarkt der Eitelkeit – Jahrmarkt der Eitelkeit! Ohne dich hätte sie ein frohes junges Mädchen sein können: Peter Butt und Rose, ein glückliches Ehepaar auf einem hübschen kleinen Bauernhof inmitten einer gesunden Kinderschar und einem ehrlichen Paket Freuden, Sorgen, Hoffnungen und Kämpfen. Aber ein Titel und ein Vierspänner sind auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit kostbarer als Glück, und wenn Heinrich VIII. oder Blaubart noch lebte und die zehnte Frau suchte – glaubt ihr nicht, er könnte das hübscheste Mädchen der Saison bekommen?   As the only endowments with which Nature had gifted Lady Crawley were those of pink cheeks and a white skin, and as she had no sort of character, nor talents, nor opinions, nor occupations, nor amusements, nor that vigour of soul and ferocity of temper which often falls to the lot of entirely foolish women, her hold upon Sir Pitt’s affections was not very great. Her roses faded out of her cheeks, and the pretty freshness left her figure after the birth of a couple of children, and she became a mere machine in her husband’s house of no more use than the late Lady Crawley’s grand piano. Being a light-complexioned woman, she wore light clothes, as most blondes will, and appeared, in preference, in draggled sea-green, or slatternly sky-blue. She worked that worsted day and night, or other pieces like it. She had counterpanes in the course of a few years to all the beds in Crawley. She had a small flower-garden, for which she had rather an affection; but beyond this no other like or disliking. When her husband was rude to her she was apathetic: whenever he struck her she cried. She had not character enough to take to drinking, and moaned about, slipshod and in curl-papers all day. O Vanity Fair — Vanity Fair! This might have been, but for you, a cheery lass — Peter Butt and Rose a happy man and wife, in a snug farm, with a hearty family; and an honest portion of pleasures, cares, hopes and struggles — but a title and a coach and four are toys more precious than happiness in Vanity Fair: and if Harry the Eighth or Bluebeard were alive now, and wanted a tenth wife, do you suppose he could not get the prettiest girl that shall be presented this season? Das schlaffe, mißmutige Wesen ihrer Mama erweckte natürlich bei den kleinen Töchtern keine große Zuneigung. Die Kinder waren jedoch glücklich in der Gesindestube und in den Ställen; und da der schottische Gärtner glücklicherweise eine nette Frau und nette Kinder besaß, so fanden sie gute Gesellschaft und ein wenig Unterweisung in seinem Häuschen – und dies war die einzige Erziehung, die ihnen zuteil wurde, bis Miss Sharp kam.   The languid dulness of their mamma did not, as it may be supposed, awaken much affection in her little daughters, but they were very happy in the servants’ hall and in the stables; and the Scotch gardener having luckily a good wife and some good children, they got a little wholesome society and instruction in his lodge, which was the only education bestowed upon them until Miss Sharp came. Sie war einzig und allein auf die Vorstellungen von Mr. Pitt Crawley eingestellt worden; er war der einzige Freund oder Beschützer, den Lady Crawley je besessen hatte, und der einzige Mensch außer ihren Kindern, zu dem sie eine schwache Zuneigung empfand. Mr. Pitt schlug den edlen Binkies nach, von denen er abstammte, und war ein sehr höflicher und anständiger Herr. Als er vom Christchurch College zurückgekehrt war und ins Mannesalter kam, begann er, die gelockerte Disziplin im Hause wiederherzustellen, ohne auf seinen Vater, der ihn fürchtete, Rücksicht zu nehmen. Er war ein Mann von so strenger Förmlichkeit, daß er lieber verhungert wäre, als ohne weiße Halsbinde zum Essen zu gehen; einmal, als er gerade von der Universität zurück war, überbrachte ihm Horrocks, der Butler, einen Brief ohne Präsentierbrett und empfing dafür einen so schneidenden Blick und einen so scharfen Verweis, daß der Diener sein Leben lang vor ihm zitterte. Das ganze Haus beugte sich vor ihm: Lady Crawleys Lockenwickel wurden schneller beseitigt, wenn er zu Hause war, Sir Pitts schmutzige Gamaschen verschwanden, und wenn auch der unverbesserliche alte Mann noch an anderen alten Gewohnheiten hing, in Gegenwart seines Sohnes betrank er sich nie und war zurückhaltend und höflich gegenüber der Dienerschaft. Die Dienstboten bemerkten auch, daß Sir Pitt nie auf Lady Crawley fluchte, wenn sein Sohn im Zimmer war.   Her engagement was owing to the remonstrances of Mr. Pitt Crawley, the only friend or protector Lady Crawley ever had, and the only person, besides her children, for whom she entertained a little feeble attachment. Mr. Pitt took after the noble Binkies, from whom he was descended, and was a very polite and proper gentleman. When he grew to man’s estate, and came back from Christchurch, he began to reform the slackened discipline of the hall, in spite of his father, who stood in awe of him. He was a man of such rigid refinement, that he would have starved rather than have dined without a white neckcloth. Once, when just from college, and when Horrocks the butler brought him a letter without placing it previously on a tray, he gave that domestic a look, and administered to him a speech so cutting, that Horrocks ever after trembled before him; the whole household bowed to him: Lady Crawley’s curl-papers came off earlier when he was at home: Sir Pitt’s muddy gaiters disappeared; and if that incorrigible old man still adhered to other old habits, he never fuddled himself with rum-and-water in his son’s presence, and only talked to his servants in a very reserved and polite manner; and those persons remarked that Sir Pitt never swore at Lady Crawley while his son was in the room. Er war es, der den Butler anwies, »Gnädige Frau, es ist aufgetragen« zu sagen und der darauf bestand, die Lady zu Tisch zu führen. Er sprach zwar selten mit ihr, aber wenn er es tat, geschah es mit der tiefsten Ehrerbietung, und nie ließ er sie das Zimmer verlassen, ohne sich zu erheben und ihr mit einer zierlichen Verbeugung die Tür zu öffnen.   It was he who taught the butler to say, “My lady is served,” and who insisted on handing her ladyship in to dinner. He seldom spoke to her, but when he did it was with the most powerful respect; and he never let her quit the apartment without rising in the most stately manner to open the door, and making an elegant bow at her egress. In Eton nannte man ihn Miss Crawley, und wie ich leider berichten muß, pflegte ihn sein jüngerer Bruder Rawdon fürchterlich durchzuprügeln. Seinen Mangel an Talent und glänzenden Geistesgaben machte er durch rühmlichen Fleiß wett, und er soll während seiner acht Schuljahre jene Strafe nicht erhalten haben, der – wie man gewöhnlich glaubt – nur ein Cherub entgehen kann.   At Eton he was called Miss Crawley; and there, I am sorry to say, his younger brother Rawdon used to lick him violently. But though his parts were not brilliant, he made up for his lack of talent by meritorious industry, and was never known, during eight years at school, to be subject to that punishment which it is generally thought none but a cherub can escape. Seine Universitätslaufbahn war natürlich höchst ehrenvoll gewesen. Hier bereitete er sich für das öffentliche Leben vor, in das ihn sein Großvater, Lord Binkie, einführen sollte. Er studierte mit großem Fleiße die antiken und modernen Redner und sprach unaufhörlich in den Debattierklubs. Aber obwohl seine Worte nur so flossen und er sein schwaches Stimmchen zum eigenen Vergnügen sehr wichtigtuerisch hören ließ und er nur Gedanken oder Meinungen vorbrachte, die völlig alt und abgedroschen waren und noch durch ein lateinisches Zitat untermauert werden konnten, schlugen seine hochfliegenden Pläne fehl, trotz seiner Mittelmäßigkeit, die doch eigentlich jedem Menschen Erfolg verspricht. Er gewann nicht einmal den Gedichtpreis, der ihm doch, nach Meinung aller seiner Freunde, zukam.   At college his career was of course highly creditable. And here he prepared himself for public life, into which he was to be introduced by the patronage of his grandfather, Lord Binkie, by studying the ancient and modern orators with great assiduity, and by speaking unceasingly at the debating societies. But though he had a fine flux of words, and delivered his little voice with great pomposity and pleasure to himself, and never advanced any sentiment or opinion which was not perfectly trite and stale, and supported by a Latin quotation; yet he failed somehow, in spite of a mediocrity which ought to have insured any man a success. He did not even get the prize poem, which all his friends said he was sure of. Als er die Universität verließ, wurde er Privatsekretär von Lord Binkie und dann zum Attaché bei der Gesandtschaft in Pumpernickel ernannt. Diesen Posten bekleidete er in durchaus ehrenvoller Weise, indem er dem damaligen Außenminister Depeschen in der Form von Straßburger Pasteten überbrachte. Nachdem er zehn Jahre Attaché gewesen war (mehrere Jahre noch nach dem Hinscheiden des vielbetrauerten Lord Binkie) und da er fand, daß die Beförderung etwas auf sich warten ließ, gab er endlich leicht angewidert die diplomatische Karriere auf und fing an, ein Landedelmann zu werden.   After leaving college he became Private Secretary to Lord Binkie, and was then appointed Attache to the Legation at Pumpernickel, which post he filled with perfect honour, and brought home despatches, consisting of Strasburg pie, to the Foreign Minister of the day. After remaining ten years Attache (several years after the lamented Lord Binkie’s demise), and finding the advancement slow, he at length gave up the diplomatic service in some disgust, and began to turn country gentleman. Nach England zurückgekehrt, schrieb er eine Broschüre über Malz (denn er war ehrgeizig und liebte es, im Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stehen) und nahm heftig Partei in der Frage der Negerbefreiung. Dann wurde er ein Freund von Mr. Wilberforce, dessen Politik er bewunderte, und führte jenen berühmten Briefwechsel mit Ehrwürden Silas Hornblower über die Bekehrung der Ashantis. Wenn auch vielleicht nicht während der Parlamentssitzungen, so doch im Mai, während der religiösen Treffen, war er in London. Auf dem Lande war er Friedensrichter sowie auch ein eifriger Fürsprecher und Besucher derjenigen, die der religiösen Unterweisung bedurften. Es hieß, er mache Lady Jane Sheepshanks, Lord Southdowns dritter Tochter, den Hof, deren Schwester, Lady Emily, die rührenden Erbauungsschriften »Der wahre Kompaß des Seemannes« und »Die Apfelfrau von Finchley« schrieb.   He wrote a pamphlet on Malt on returning to England (for he was an ambitious man, and always liked to be before the public), and took a strong part in the Negro Emancipation question. Then he became a friend of Mr. Wilberforce’s, whose politics he admired, and had that famous correspondence with the Reverend Silas Hornblower, on the Ashantee Mission. He was in London, if not for the Parliament session, at least in May, for the religious meetings. In the country he was a magistrate, and an active visitor and speaker among those destitute of religious instruction. He was said to be paying his addresses to Lady Jane Sheepshanks, Lord Southdown’s third daughter, and whose sister, Lady Emily, wrote those sweet tracts, “The Sailor’s True Binnacle,” and “The Applewoman of Finchley Common.” Miss Sharps Bericht von seiner Tätigkeit in Queen's Crawley war durchaus keine Karikatur. Die Dienerschaft dort mußte sich tatsächlich den erwähnten Andachtsübungen unterwerfen, und er brachte sogar, was ja ein großer Vorteil war, seinen Vater dazu, sich daran zu beteiligen. Eine Independentenkapelle im Kirchspiele stand unter seinem Schutz, zur tiefen Entrüstung seines Onkels, des Pfarrherrn, und mithin zum großen Vergnügen Sir Pitts, der sich bewegen ließ, ein- oder zweimal selbst hinzugehen. Das verursachte einige heftige Predigten in der Pfarrkirche von Crawley, direkt gegen den alten gotischen Kirchenstuhl geschleudert, den der Baronet dort hatte.   Miss Sharp’s accounts of his employment at Queen’s Crawley were not caricatures. He subjected the servants there to the devotional exercises before mentioned, in which (and so much the better) he brought his father to join. He patronised an Independent meeting-house in Crawley parish, much to the indignation of his uncle the Rector, and to the consequent delight of Sir Pitt, who was induced to go himself once or twice, which occasioned some violent sermons at Crawley parish church, directed point-blank at the Baronet’s old Gothic pew there. Honest Sir Pitt, however, did not feel the force of these discourses, as he always took his nap during sermon-time. Aber der ehrliche Sir Pitt fühlte die Kraft dieser Reden nicht, da er während der Predigt stets sein Schläfchen machte. Mr. Crawley war zum Besten der Nation und der ganzen Christenheit sehr darauf bedacht, daß der alte Herr ihm seinen Parlamentssitz überließe; der Vater aber weigerte sich beharrlich, das zu tun. Beide waren natürlich zu klug, um die fünfzehnhundert Pfund pro Jahr aufzugeben, die der zweite Sitz einbrachte (um jene Zeit hatte ihn Mr. Quadroon inne, mit carte blanche betreffs der Sklavenfrage). Tatsächlich war das Familiengut sehr verschuldet, und das Einkommen aus dem Wahlflecken war für den Haushalt von Queen's Crawley von großem Nutzen.   Mr. Crawley was very earnest, for the good of the nation and of the Christian world, that the old gentleman should yield him up his place in Parliament; but this the elder constantly refused to do. Both were of course too prudent to give up the fifteen hundred a year which was brought in by the second seat (at this period filled by Mr. Quadroon, with carte blanche on the Slave question); indeed the family estate was much embarrassed, and the income drawn from the borough was of great use to the house of Queen’s Crawley. Die Familie hatte sich nie mehr von der harten Geldstrafe erholt, die Walpole Crawley, dem ersten Baronet, wegen Veruntreuungen im Schnur- und Siegellackamt auferlegt worden war. Sir Walpole war ein lustiger Bursche gewesen, der erpicht war, Geld zu haben und es auszugeben (»alieni appetens, sui profusus«, wie Mr. Crawley stets seufzend bemerkte). Er war zu seiner Zeit in der ganzen Grafschaft beliebt wegen der Trunkenheit und der Gastfreundschaft, die beständig in Queen's Crawley herrschte. Damals waren die Keller mit Burgunder gefüllt, die Zwinger mit Jagdhunden und die Ställe mit prachtvollen Jagdpferden; jetzt mußten die Pferde von Queen's Crawley vor dem Pflug gehen oder die Trafalgarkutsche ziehen. Ein Gespann dieser Pferde hatte eines Tages, als es nicht woanders benötigt wurde, Miss Sharp ins Schloß gebracht; denn obgleich Sir Pitt durch und durch ein ungeschlachter Bauer war, so hielt er doch große Stücke auf sein Ansehen, solange er zu Hause war; selten fuhr er mit weniger als vier Pferden aus, und obgleich nur gekochtes Hammelfleisch auf den Tisch kam, mußten es doch stets drei Diener servieren.   It had never recovered the heavy fine imposed upon Walpole Crawley, first baronet, for peculation in the Tape and Sealing Wax Office. Sir Walpole was a jolly fellow, eager to seize and to spend money (alieni appetens, sui profusus, as Mr. Crawley would remark with a sigh), and in his day beloved by all the county for the constant drunkenness and hospitality which was maintained at Queen’s Crawley. The cellars were filled with burgundy then, the kennels with hounds, and the stables with gallant hunters; now, such horses as Queen’s Crawley possessed went to plough, or ran in the Trafalgar Coach; and it was with a team of these very horses, on an off-day, that Miss Sharp was brought to the Hall; for boor as he was, Sir Pitt was a stickler for his dignity while at home, and seldom drove out but with four horses, and though he dined off boiled mutton, had always three footmen to serve it. Wenn bloßer Geiz einen Mann reich machen könnte – Sir Pitt Crawley wäre sehr reich geworden. Wäre er Rechtsanwalt in einer Provinzstadt geworden ohne anderes Kapital als seinen Kopf, so hätte er wahrscheinlich Nutzen daraus geschlagen und sich einen bedeutenden Einfluß und ein gutes Auskommen verschafft. Statt dessen hatte er unglücklicherweise einen wohlklingenden Namen und einen großen, aber belasteten Besitz, was ihm eher Schaden als Nutzen brachte. Er hatte eine Schwäche fürs Prozessieren, und das kostete ihn jährlich viele Tausende. Da er, wie er sagte, viel zu gescheit war, um von einem einzigen Verwalter ausgeraubt zu werden, ließ er ein ganzes Dutzend in seinen Geschäften mißwirtschaften, denen er allen gleichermaßen mißtraute. Er war ein so strenger Gutsherr, daß er fast nur bankrotte Pächter finden konnte, und ein so geiziger Landwirt, daß er dem Boden die Saat mißgönnte, worauf ihm die rächende Natur die Ernte vorenthielt, die sie freigebigeren Bauern spendete. Er spekulierte, wo er nur konnte, besaß Bergwerke, kaufte Kanalaktien, lieferte Pferde für Postkutschen, übernahm Regierungsaufträge und war der geschäftigste Mann und Friedensrichter der ganzen Grafschaft. Da er in seinem Granitbruch keinen ehrlichen Verwalter bezahlen wollte, so konnte er mit Genugtuung feststellen, daß ihm vier Aufseher nach Amerika durchgingen und ein Vermögen mitnahmen. Da er die nötigen Vorsichtsmaßregeln nicht beachtete, füllten sich seine Bergwerke mit Wasser; die Regierung nahm ihm die Lieferung verdorbenen Rindfleisches nicht ab; und was seine Postpferde betrifft, so wußte jeder Posthalter im Königreich, daß er mehr Pferde verlor als jeder andere, weil er zu billig kaufte und nicht genug fütterte. Von Natur aus war er gesellig und weit entfernt, hochmütig zu sein, er zog die Gesellschaft eines Bauern oder eines Pferdehändlers der eines Gentlemans, wie seines Sohnes, vor; er trank und fluchte gern und liebte es, mit den Bauerntöchtern zu scherzen. Man konnte sich nicht entsinnen, daß er je einen Shilling verschenkt oder eine gute Tat vollbracht hätte, aber er war immer guter Laune, hinterlistig und lachlustig. Er konnte mit seinem Pächter ein Gläschen trinken und Witze reißen und ihn tags darauf pfänden lassen; er konnte mit dem Wilddieb spaßen, den er in ebenso guter Laune deportieren ließ. Seine Höflichkeit gegenüber dem schönen Geschlecht hat Miss Rebekka Sharp bereits angedeutet – mit einem Wort: England besaß unter allen seinen Baronets, Peers und einfachen Leuten keinen listigeren, knauserigeren, selbstsüchtigeren, törichteren, verrufeneren alten Mann. Sir Pitt Crawleys adlige Hand war in jedermanns Tasche, nur nicht in seiner eigenen; und zu unserem großen Kummer und Schmerz sehen wir als Bewunderer der britischen Aristokratie uns gezwungen, so viele schlimme Eigenschaften bei einer Person zugeben zu müssen, deren Name im »Debrett« aufgeführt ist.   If mere parsimony could have made a man rich, Sir Pitt Crawley might have become very wealthy — if he had been an attorney in a country town, with no capital but his brains, it is very possible that he would have turned them to good account, and might have achieved for himself a very considerable influence and competency. But he was unluckily endowed with a good name and a large though encumbered estate, both of which went rather to injure than to advance him. He had a taste for law, which cost him many thousands yearly; and being a great deal too clever to be robbed, as he said, by any single agent, allowed his affairs to be mismanaged by a dozen, whom he all equally mistrusted. He was such a sharp landlord, that he could hardly find any but bankrupt tenants; and such a close farmer, as to grudge almost the seed to the ground, whereupon revengeful Nature grudged him the crops which she granted to more liberal husbandmen. He speculated in every possible way; he worked mines; bought canal-shares; horsed coaches; took government contracts, and was the busiest man and magistrate of his county. As he would not pay honest agents at his granite quarry, he had the satisfaction of finding that four overseers ran away, and took fortunes with them to America. For want of proper precautions, his coal-mines filled with water: the government flung his contract of damaged beef upon his hands: and for his coach-horses, every mail proprietor in the kingdom knew that he lost more horses than any man in the country, from underfeeding and buying cheap. In disposition he was sociable, and far from being proud; nay, he rather preferred the society of a farmer or a horse-dealer to that of a gentleman, like my lord, his son: he was fond of drink, of swearing, of joking with the farmers’ daughters: he was never known to give away a shilling or to do a good action, but was of a pleasant, sly, laughing mood, and would cut his joke and drink his glass with a tenant and sell him up the next day; or have his laugh with the poacher he was transporting with equal good humour. His politeness for the fair sex has already been hinted at by Miss Rebecca Sharp — in a word, the whole baronetage, peerage, commonage of England, did not contain a more cunning, mean, selfish, foolish, disreputable old man. That blood-red hand of Sir Pitt Crawley’s would be in anybody’s pocket except his own; and it is with grief and pain, that, as admirers of the British aristocracy, we find ourselves obliged to admit the existence of so many ill qualities in a person whose name is in Debrett. Eine Hauptursache der Zuneigung von Sir Pitt zu seinem Sohn lag in Geldangelegenheiten. Der Baronet schuldete seinem Sohn aus der Mitgift seiner Mutter eine Summe Geldes, die zu bezahlen ihm nicht einfiel. In der Tat hatte er einen fast unbesiegbaren Widerwillen gegen das Zahlen überhaupt, und nur mit Gewalt konnte er dazu gebracht werden, seinen pekuniären Verpflichtungen nachzukommen. Miss Sharp rechnete aus (denn sie wurde, wie wir bald hören werden, in die meisten Familiengeheimnisse eingeweiht), daß der ehrenwerte Baronet jährlich mehrere hundert Pfund nur an seine Gläubiger zu zahlen hatte; es bereitete ihm jedoch ein Vergnügen, das er sich nicht versagen konnte. Er hatte eine wilde Freude daran, die armen Teufel warten zu lassen und die Zahlung von einem Gericht zum anderen, von einem Termin zum anderen zu verschieben. »Was hat es sonst für sich, im Parlament zu sitzen, wenn man seine Schulden bezahlen muß?« fragte er. Und seine Stellung als Abgeordneter brachte ihm so wirklichen Nutzen.   One great cause why Mr. Crawley had such a hold over the affections of his father, resulted from money arrangements. The Baronet owed his son a sum of money out of the jointure of his mother, which he did not find it convenient to pay; indeed he had an almost invincible repugnance to paying anybody, and could only be brought by force to discharge his debts. Miss Sharp calculated (for she became, as we shall hear speedily, inducted into most of the secrets of the family) that the mere payment of his creditors cost the honourable Baronet several hundreds yearly; but this was a delight he could not forego; he had a savage pleasure in making the poor wretches wait, and in shifting from court to court and from term to term the period of satisfaction. What’s the good of being in Parliament, he said, if you must pay your debts? Hence, indeed, his position as a senator was not a little useful to him. Oh, Jahrmarkt der Eitelkeit – Jahrmarkt der Eitelkeit! Hier ist ein Mann, der nicht richtig schreiben kann und der sich nichts aus dem Lesen macht, ein Mann mit Bauerngewohnheiten und Bauernschläue, dessen einziger Lebenszweck es ist, die Leute übers Ohr zu hauen, dessen Geschmack, Rücksicht und Vergnügen nur auf das Gemeine und Schmutzige gerichtet waren; und doch ist es ein Mann von Rang und Ehre und Macht, ein Würdenträger des Landes und eine Stütze des Staates. Er ist Obersheriff und fährt in einer goldenen Kutsche. Große Minister und Staatsmänner suchen seine Gunst, und auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit nimmt er eine höhere Stellung ein als das glänzendste Genie oder die unbefleckteste Tugend.   Vanity Fair — Vanity Fair! Here was a man, who could not spell, and did not care to read — who had the habits and the cunning of a boor: whose aim in life was pettifogging: who never had a taste, or emotion, or enjoyment, but what was sordid and foul; and yet he had rank, and honours, and power, somehow: and was a dignitary of the land, and a pillar of the state. He was high sheriff, and rode in a golden coach. Great ministers and statesmen courted him; and in Vanity Fair he had a higher place than the most brilliant genius or spotless virtue. Sir Pitt hatte eine unverheiratete Halbschwester, die das große Vermögen ihrer Mutter geerbt hatte, und obgleich der Baronet vorgeschlagen hatte, ihm dieses Geld als Hypothek zu überlassen, lehnte Miss Crawley das Angebot ab und zog die sichereren Staatspapiere vor. Sie hatte jedoch zu verstehen gegeben, daß sie ihr Vermögen Sir Pitts zweitem Sohne und der Familie im Pfarrhaus vermachen wolle, und hatte bereits ein- oder zweimal die Schulden Rawdon Crawleys auf der Universität und bei der Armee bezahlt. Miss Crawley war daher der Gegenstand größter Hochachtung, wenn sie nach Queen's Crawley kam, denn sie hatte ein Guthaben auf der Bank, das ihr überall Liebe erworben hätte.   Sir Pitt had an unmarried half-sister who inherited her mother’s large fortune, and though the Baronet proposed to borrow this money of her on mortgage, Miss Crawley declined the offer, and preferred the security of the funds. She had signified, however, her intention of leaving her inheritance between Sir Pitt’s second son and the family at the Rectory, and had once or twice paid the debts of Rawdon Crawley in his career at college and in the army. Miss Crawley was, in consequence, an object of great respect when she came to Queen’s Crawley, for she had a balance at her banker’s which would have made her beloved anywhere. Welche Würde verleiht doch ein Bankkonto einer alten Dame! Wie nachsichtig blicken wir auf ihre Fehler, wenn sie eine Verwandte ist (möge jeder Leser ein paar Dutzend davon haben!), wie freundlich und gütig finden wir das Geschöpf! Lächelnd führt der jüngere Teilhaber von Hobbs und Dobbs sie zu ihrer wappengeschmückten Kutsche mit dem dicken keuchenden Kutscher! Gewöhnlich finden wir bei ihrem Besuch Gelegenheit, unsere Freunde wissen zu lassen, welche vornehme Stellung sie einnimmt! Wir sagen (und das ist nicht gelogen), »ich wünschte, ich hätte Miss MacWhirters Unterschrift auf einem Scheck über fünftausend Pfund«. – »Sie würde es nicht vermissen«, sagt Ihre Frau. »Es ist meine Tante«, sagen Sie beiläufig, wenn Ihr Freund Sie fragt, ob Sie mit Miss MacWhirter verwandt seien. Ihre Frau sendet ihr ständig kleine Liebesbeweise; Ihre kleinen Mädchen arbeiten ewig Körbchen, Kissen und Fußstützen für sie. Was für ein schönes Feuer brennt in ihrem Zimmer, wenn sie zu Besuch kommt, obgleich Ihre Frau sich ihr Korsett im Kalten schnüren muß! Während ihres Aufenthaltes ist das Haus festlich, hübsch, warm, behaglich und freundlich, wie zu anderen Zeiten niemals. Sie selbst, verehrter Herr, vergessen das gewohnte Nachmittagsschläfchen und sind ganz plötzlich (obgleich Sie stets verlieren) leidenschaftlicher Whistspieler. Was für ein Essen gibt es – jeden Tag Wildbret, Madeira und Haufen guter Fische aus London. Selbst die Dienstboten in der Küche haben teil an dem allgemeinen Glück; irgendwie ist das Bier, während der dicke Kutscher von Miss MacWhirter da ist, viel stärker geworden, und es wird gar nicht darauf geachtet, wieviel Tee und Zucker im Kinderzimmer (wo ihre Kammerjungfer speist) verbraucht wird. Stimmt es oder stimmt es nicht? Ich wende mich an den Mittelstand. Oh, ihr himmlischen Mächte! Ich wollte, ihr schicktet mir eine alte Tante – eine unverheiratete Tante – eine Tante mit einem Wappen an der Kutsche und einem milchkaffeebraunen Toupet. Meine Kinder müßten Handarbeitsbeutel für sie anfertigen, und meine Julia und ich würden es ihr bequem machen! Süße, süße Vision! Törichter, törichter Traum!   What a dignity it gives an old lady, that balance at the banker’s! How tenderly we look at her faults if she is a relative (and may every reader have a score of such), what a kind good-natured old creature we find her! How the junior partner of Hobbs and Dobbs leads her smiling to the carriage with the lozenge upon it, and the fat wheezy coachman! How, when she comes to pay us a visit, we generally find an opportunity to let our friends know her station in the world! We say (and with perfect truth) I wish I had Miss MacWhirter’s signature to a cheque for five thousand pounds. She wouldn’t miss it, says your wife. She is my aunt, say you, in an easy careless way, when your friend asks if Miss MacWhirter is any relative. Your wife is perpetually sending her little testimonies of affection, your little girls work endless worsted baskets, cushions, and footstools for her. What a good fire there is in her room when she comes to pay you a visit, although your wife laces her stays without one! The house during her stay assumes a festive, neat, warm, jovial, snug appearance not visible at other seasons. You yourself, dear sir, forget to go to sleep after dinner, and find yourself all of a sudden (though you invariably lose) very fond of a rubber. What good dinners you have — game every day, Malmsey-Madeira, and no end of fish from London. Even the servants in the kitchen share in the general prosperity; and, somehow, during the stay of Miss MacWhirter’s fat coachman, the beer is grown much stronger, and the consumption of tea and sugar in the nursery (where her maid takes her meals) is not regarded in the least. Is it so, or is it not so? I appeal to the middle classes. Ah, gracious powers! I wish you would send me an old aunt — a maiden aunt — an aunt with a lozenge on her carriage, and a front of light coffee-coloured hair — how my children should work workbags for her, and my Julia and I would make her comfortable! Sweet — sweet vision! Foolish — foolish dream! 10. Kapitel / Chapter 10 Miss Sharp beginnt Freundschaften zu schließen / Miss Sharp Begins to Make Friends Nachdem Rebekka in diese liebenswürdige Familie aufgenommen war, deren Porträt wir auf den vorhergehenden Seiten skizziert haben, machte sie es sich natürlich zur Pflicht, sich, wie sie es ausdrückte, ihren Wohltätern angenehm zu machen und nach bester Kraft deren Vertrauen zu gewinnen. Muß man nicht unbedingt dieses Dankbarkeitsgefühl bei einer armen Waise bewundern; und muß man nicht zugeben, daß ihre Berechnungen eventuell etwas selbstsüchtig waren, ihre Klugheit aber durchaus gerechtfertigt war? Ich stehe allein in der Welt, sagte sich das freundlose Mädchen. Ich werde nie etwas anderes besitzen, als was ich durch meiner eigenen Hände Arbeit verdiene. Während das junge Ding mit den roten Wangen, diese Amelia, nur die Hälfte von meinem Verstand hat und ihr trotzdem zehntausend Pfund und glänzende Aussichten sicher sind, muß sich die arme Rebekka (und meine Figur ist viel besser als ihre) auf sich selbst und ihren Verstand verlassen. Nun, wir wollen abwarten, ob mein Verstand mir nicht einen anständigen Unterhalt verschaffen kann und ob ich nicht eines Tages Miss Amelia meine wahre Überlegenheit zeigen kann. Nicht daß ich etwas gegen die arme Amelia hätte: wer könnte etwas gegen ein harmloses, gutmütiges Geschöpf wie sie haben? Aber es wird doch ein schöner Tag sein, wenn ich meine Stellung über ihr in der Gesellschaft einnehmen kann, und warum sollte ich das auch nicht? In solchen Zukunftsträumen wiegte sich unsere kleine romantische Freundin, und wir dürfen keinen Anstoß daran nehmen, daß in allen ihren Luftschlössern ein Mann der Hauptbewohner war. Woran sollten junge Damen sonst denken als an Männer? Woran sonst denken ihre lieben Mütter? Ich muß meine eigene Mutter sein, meinte Rebekka, nicht ohne ein stechendes Gefühl der Niederlage, wenn sie an ihr kleines mißliches Abenteuer mit Joe Sedley dachte.   And now, being received as a member of the amiable family whose portraits we have sketched in the foregoing pages, it became naturally Rebecca’s duty to make herself, as she said, agreeable to her benefactors, and to gain their confidence to the utmost of her power. Who can but admire this quality of gratitude in an unprotected orphan; and, if there entered some degree of selfishness into her calculations, who can say but that her prudence was perfectly justifiable? “I am alone in the world,” said the friendless girl. “I have nothing to look for but what my own labour can bring me; and while that little pink-faced chit Amelia, with not half my sense, has ten thousand pounds and an establishment secure, poor Rebecca (and my figure is far better than hers) has only herself and her own wits to trust to. Well, let us see if my wits cannot provide me with an honourable maintenance, and if some day or the other I cannot show Miss Amelia my real superiority over her. Not that I dislike poor Amelia: who can dislike such a harmless, good-natured creature? — only it will be a fine day when I can take my place above her in the world, as why, indeed, should I not?” Thus it was that our little romantic friend formed visions of the future for herself — nor must we be scandalised that, in all her castles in the air, a husband was the principal inhabitant. Of what else have young ladies to think, but husbands? Of what else do their dear mammas think? “I must be my own mamma,” said Rebecca; not without a tingling consciousness of defeat, as she thought over her little misadventure with Jos Sedley. Sie beschloß daher weise, ihre Stellung bei der Familie in Queen's Crawley angenehm und sicher zu gestalten, und nahm sich zu diesem Zwecke vor, alle um sie her, die irgendwie zu ihrem Glück beitragen konnten, zu Freunden zu machen.   So she wisely determined to render her position with the Queen’s Crawley family comfortable and secure, and to this end resolved to make friends of every one around her who could at all interfere with her comfort. Da Lady Crawley nicht zu diesem Personenkreis gehörte und da sie außerdem eine gleichgültige und charakterlose Frau war, die in ihrem eigenen Hause nicht das mindeste zu sagen hatte, so entdeckte Rebekka bald, daß es durchaus nicht notwendig sei, sich um ihre Zuneigung zu bemühen – ja daß es überhaupt unmöglich sei, sie zu gewinnen. Mit ihren Schülerinnen pflegte sie von der »armen Mama« zu sprechen; und obwohl sie diese Dame mit allen Anzeichen kühlen Respekts behandelte, richtete sie doch ihr Hauptaugenmerk wohlweislich auf die übrigen Familienmitglieder.   As my Lady Crawley was not one of these personages, and a woman, moreover, so indolent and void of character as not to be of the least consequence in her own house, Rebecca soon found that it was not at all necessary to cultivate her good will — indeed, impossible to gain it. She used to talk to her pupils about their “poor mamma”; and, though she treated that lady with every demonstration of cool respect, it was to the rest of the family that she wisely directed the chief part of her attentions. Gegenüber den Kindern, deren Beifall sie völlig gewann, benutzte sie eine ganz einfache Methode. Sie stopfte die jungen Köpfe nicht mit allzuviel Gelehrsamkeit voll, sondern ließ ihnen lieber viel Freiheit, sich selbst zu erziehen; denn welche Erziehung ist wirksamer als die Selbsterziehung? Die ältere hatte eine Vorliebe für Bücher, und da die alte Bibliothek in Queen's Crawley eine beträchtliche Menge französischer und englischer Unterhaltungsliteratur aus dem vergangenen Jahrhundert beherbergte (die Bücher hatte der Sekretär des Schnur- und Siegellackamtes erworben, als er in Ungnade gefallen war) und da sich keiner außer Rebekka um die Bücherregale kümmerte, so konnte sie Miss Rose Crawley auf angenehme Weise und sozusagen spielend eine Menge Kenntnisse beibringen.   With the young people, whose applause she thoroughly gained, her method was pretty simple. She did not pester their young brains with too much learning, but, on the contrary, let them have their own way in regard to educating themselves; for what instruction is more effectual than self-instruction? The eldest was rather fond of books, and as there was in the old library at Queen’s Crawley a considerable provision of works of light literature of the last century, both in the French and English languages (they had been purchased by the Secretary of the Tape and Sealing Wax Office at the period of his disgrace), and as nobody ever troubled the book-shelves but herself, Rebecca was enabled agreeably, and, as it were, in playing, to impart a great deal of instruction to Miss Rose Crawley. So lasen sie und Miss Rose viele reizende französische und englische Schriftsteller zusammen, von denen wir nur einige erwähnen wollen: den gelehrten Doktor Smollett, den geistreichen Mr. Henry Fielding, den anmutigen und phantastischen Monsieur Crebillon den Jüngeren, den unser unsterblicher Dichter Gray so sehr bewunderte, sowie den universellen Monsieur de Voltaire. Einmal, als Mr. Crawley fragte, was die Mädchen lasen, antwortete die Gouvernante: »Smollett.« – »Oh, Smollett«, rief Mr. Crawley völlig befriedigt. »Seine Geschichte ist zwar langweiliger, aber keineswegs so gefährlich wie die von Mr. Hume. Sie lesen also Geschichte?« – »Ja«, antwortete Miss Rose, ohne jedoch hinzuzufügen, daß es die »Geschichte von Mr. Humphry Clinker« sei. Bei anderer Gelegenheit nahm er Anstoß daran, in der Hand seiner Schwester einen Band französischer Schauspiele zu finden; als aber die Gouvernante erklärte, sie lasse das ihre Schülerin lesen, um ihr die französische Konversation beizubringen, so mußte er sich wohl oder übel zufriedengeben. Als Diplomat war Mr. Crawley nicht wenig stolz auf seine Fertigkeit im Französischen (denn noch gehörte er dieser Welt an), und er fühlte sich durch die Komplimente, die ihm die Gouvernante deswegen beständig machte, sehr geschmeichelt.   She and Miss Rose thus read together many delightful French and English works, among which may be mentioned those of the learned Dr. Smollett, of the ingenious Mr. Henry Fielding, of the graceful and fantastic Monsieur Crebillon the younger, whom our immortal poet Gray so much admired, and of the universal Monsieur de Voltaire. Once, when Mr. Crawley asked what the young people were reading, the governess replied “Smollett.” “Oh, Smollett,” said Mr. Crawley, quite satisfied. “His history is more dull, but by no means so dangerous as that of Mr. Hume. It is history you are reading?” “Yes,” said Miss Rose; without, however, adding that it was the history of Mr. Humphrey Clinker. On another occasion he was rather scandalised at finding his sister with a book of French plays; but as the governess remarked that it was for the purpose of acquiring the French idiom in conversation, he was fain to be content. Mr. Crawley, as a diplomatist, was exceedingly proud of his own skill in speaking the French language (for he was of the world still), and not a little pleased with the compliments which the governess continually paid him upon his proficiency. Miss Violets Neigungen dagegen waren rauher und geräuschvoller als die ihrer Schwester. Sie kannte die abgelegenen Orte, wo die Hennen die Eier legen. Sie konnte auf einen Baum klettern, um in den Nestern der gefiederten Sänger gefleckte Beute zu machen. Ihr größtes Vergnügen war es, auf den jungen Füllen zu reiten und wie Camilla die Ebene zu durchstreifen. Sie war der Liebling ihres Vaters und der Stallknechte. Sie war auch der Günstling und gleichzeitig der Schrecken der Köchin, denn sie entdeckte die Marmeladentöpfe im dunkelsten Versteck und machte sich darüber her, sobald sie in ihre Reichweite kamen. Sie lag sich mit ihrer Schwester ständig in den Haaren. Entdeckte Miss Sharp solch eine Schandtat, so erzählte sie Lady Crawley nichts davon, die sie sonst dem Vater oder, noch schlimmer, Mr. Crawley mitgeteilt hätte, sondern versprach, nichts zu verraten, wenn Miss Violet ein artiges Mädchen sein und ihre Gouvernante liebhaben wollte.   Miss Violet’s tastes were, on the contrary, more rude and boisterous than those of her sister. She knew the sequestered spots where the hens laid their eggs. She could climb a tree to rob the nests of the feathered songsters of their speckled spoils. And her pleasure was to ride the young colts, and to scour the plains like Camilla. She was the favourite of her father and of the stablemen. She was the darling, and withal the terror of the cook; for she discovered the haunts of the jam-pots, and would attack them when they were within her reach. She and her sister were engaged in constant battles. Any of which peccadilloes, if Miss Sharp discovered, she did not tell them to Lady Crawley; who would have told them to the father, or worse, to Mr. Crawley; but promised not to tell if Miss Violet would be a good girl and love her governess. Mr. Crawley gegenüber zeigte sich Miss Sharp respektvoll und unterwürfig. Sie zog ihn zu Rate, wenn sie französische Stellen nicht verstand, obgleich ihre Mutter eine Französin gewesen war; er konnte sie stets zu ihrer Zufriedenheit auslegen. Neben dieser Hilfe bei der weltlichen Literatur war er auch so gütig, Bücher ernsteren Charakters für sie auszuwählen. Er richtete oft das Wort an sie, und sie bewunderte über die Maßen seine Rede vor der Gesellschaft zur Unterstützung der Quashimabu, interessierte sich für seine Malz-Broschüre, war oft bis zu Tränen gerührt von seinen Abendandachten und versicherte dann: »Ach, ich danke Ihnen, Sir.« Dabei seufzte sie und schickte einen Blick zum Himmel, der ihn bisweilen bewog, ihr die Hand zu drücken. »Schließlich ist das Blut doch alles«, pflegte der aristokratische Frömmler zu sagen. »Wie ist Miss Sharp doch von meinen Worten gepackt, während niemand von den Leuten hier ergriffen wird. Ich bin zu fein für sie – zu zart. Ich muß meinen Stil populärer machen – sie aber versteht mich. Ihre Mutter war eine Montmorency.«   With Mr. Crawley Miss Sharp was respectful and obedient. She used to consult him on passages of French which she could not understand, though her mother was a Frenchwoman, and which he would construe to her satisfaction: and, besides giving her his aid in profane literature, he was kind enough to select for her books of a more serious tendency, and address to her much of his conversation. She admired, beyond measure, his speech at the Quashimaboo-Aid Society; took an interest in his pamphlet on malt: was often affected, even to tears, by his discourses of an evening, and would say — "Oh, thank you, sir,” with a sigh, and a look up to heaven, that made him occasionally condescend to shake hands with her. “Blood is everything, after all,” would that aristocratic religionist say. “How Miss Sharp is awakened by my words, when not one of the people here is touched. I am too fine for them — too delicate. I must familiarise my style — but she understands it. Her mother was a Montmorency.” In der Tat stammte Miss Sharp mütterlicherseits offenbar von dieser berühmten Familie ab. Natürlich erzählte sie nicht, daß ihre Mutter auf der Bühne gestanden hatte; es hätte nur Mr. Crawleys religiöse Skrupel geweckt. Wie viele adlige Emigranten hatte die abscheuliche Revolution ins Elend gestürzt! Noch ehe sie ein paar Monate im Hause war, hatte sie schon verschiedene Geschichten über ihre Ahnen parat; einige davon fand Mr. Crawley zufällig in d'Hoziers Lexikon, das in der Bibliothek stand, und so sah er sich in seinem Glauben an deren Echtheit und an die vornehme Geburt Rebekkas bestärkt. Sollen wir oder unsere Heldin aus dieser Neugierde und den Nachforschungen im Lexikon schließen, daß Mr. Crawley sich für sie interessierte? Nein, seine Teilnahme war rein freundschaftlicher Natur. Haben wir nicht bereits gesagt, daß Lady Jane Sheepshanks seine Angebetete war?   Indeed it was from this famous family, as it appears, that Miss Sharp, by the mother’s side, was descended. Of course she did not say that her mother had been on the stage; it would have shocked Mr. Crawley’s religious scruples. How many noble emigres had this horrid revolution plunged in poverty! She had several stories about her ancestors ere she had been many months in the house; some of which Mr. Crawley happened to find in D’Hozier’s dictionary, which was in the library, and which strengthened his belief in their truth, and in the high-breeding of Rebecca. Are we to suppose from this curiosity and prying into dictionaries, could our heroine suppose that Mr. Crawley was interested in her? — no, only in a friendly way. Have we not stated that he was attached to Lady Jane Sheepshanks? Ein paarmal machte er Rebekka Vorstellungen, wie wenig schicklich es sei, daß sie mit Sir Pitt Puff spiele; er nannte dieses Spiel einen gottlosen Zeitvertreib und setzte hinzu, daß sie weit besser daran täte, »Thrumps Vermächtnis« oder »Die blinde Waschfrau von Moorfields« oder irgendein Werk ernsteren Charakters zu lesen; allein Miss Sharp bemerkte, ihre liebe Mutter habe dieses Spiel oft mit dem alten Comte de Trictrac und dem ehrwürdigen Abbé du Cornet gespielt, und fand so eine Entschuldigung für diese und andere weltliche Belustigungen.   He took Rebecca to task once or twice about the propriety of playing at backgammon with Sir Pitt, saying that it was a godless amusement, and that she would be much better engaged in reading “Thrump’s Legacy,” or “The Blind Washerwoman of Moorfields,” or any work of a more serious nature; but Miss Sharp said her dear mother used often to play the same game with the old Count de Trictrac and the venerable Abbe du Cornet, and so found an excuse for this and other worldly amusements. Aber die kleine Gouvernante machte sich bei dem Baronet nicht bloß durch das Puffspiel angenehm. Sie fand mancherlei Mittel, um ihm nützlich zu sein. Sie las mit unermüdlicher Geduld die Prozeßakten durch, mit denen er vor ihrer Ankunft in Queen's Crawley versprochen hatte, sie zu unterhalten. Sie erbot sich, viele seiner Briefe abzuschreiben, und änderte dabei geschickt die Orthographie, um sie mit dem gegenwärtigen Stand in Einklang zu bringen. Sie interessierte sich für alles, was mit dem Besitz zusammenhing, den Ackerbau, den Park, den Garten und die Stallungen; und sie wußte sich zu einer so angenehmen Gesellschafterin zu machen, daß der Baronet seinen gewöhnlichen Morgenspaziergang selten ohne sie (und natürlich auch die Kinder) machte. Sie erteilte dann gute Ratschläge betreffs der Bäume, die gekappt, der Beete, die umgegraben, des Getreides, das geschnitten, der Pferde, die für den Wagen oder den Pflug bestimmt werden sollten. Sie war noch kein Jahr in Queen's Crawley und hatte das Vertrauen des Baronets bereits in vollstem Maße gewonnen, und das Tischgespräch, das früher zwischen ihm und Mr. Horrocks, dem Butler, geführt wurde, fand jetzt fast ausschließlich zwischen Sir Pitt und Miss Sharp statt. Sie war beinahe Herrin im Hause, wenn Mr. Crawley abwesend war; dabei benahm sie sich aber in ihrer neuen, hohen Stellung mit so viel Umsicht und Bescheidenheit, daß sie die Autoritäten in Küche und Stall, denen gegenüber sie sich auch äußerst bescheiden und freundlich gab, nicht beleidigte. Sie war ganz verschieden von dem hochmütigen, scheuen, unzufriedenen kleinen Mädchen, das wir früher kennengelernt haben; und diese Wesensänderung bewies große Klugheit, den aufrichtigen Wunsch, sich zu bessern, oder jedenfalls doch viel moralischen Mut. Ob dieses neue System der Gefälligkeit und Demut, das unsere Rebekka anwandte, vom Herzen diktiert wurde, wird ihre spätere Geschichte beweisen. Ein System der Heuchelei wird selten jahrelang von einer Einundzwanzigjährigen befriedigend praktiziert. Unsere Leser werden sich jedoch erinnern, daß unsere Heldin, obwohl jung an Jahren, doch alt an Lebenserfahrung war. Unsere Geschichte hat ihren Zweck verfehlt, wenn Sie nicht bereits entdeckt haben, daß Becky ein sehr gescheites Mädchen war.   But it was not only by playing at backgammon with the Baronet, that the little governess rendered herself agreeable to her employer. She found many different ways of being useful to him. She read over, with indefatigable patience, all those law papers, with which, before she came to Queen’s Crawley, he had promised to entertain her. She volunteered to copy many of his letters, and adroitly altered the spelling of them so as to suit the usages of the present day. She became interested in everything appertaining to the estate, to the farm, the park, the garden, and the stables; and so delightful a companion was she, that the Baronet would seldom take his after-breakfast walk without her (and the children of course), when she would give her advice as to the trees which were to be lopped in the shrubberies, the garden-beds to be dug, the crops which were to be cut, the horses which were to go to cart or plough. Before she had been a year at Queen’s Crawley she had quite won the Baronet’s confidence; and the conversation at the dinner-table, which before used to be held between him and Mr. Horrocks the butler, was now almost exclusively between Sir Pitt and Miss Sharp. She was almost mistress of the house when Mr. Crawley was absent, but conducted herself in her new and exalted situation with such circumspection and modesty as not to offend the authorities of the kitchen and stable, among whom her behaviour was always exceedingly modest and affable. She was quite a different person from the haughty, shy, dissatisfied little girl whom we have known previously, and this change of temper proved great prudence, a sincere desire of amendment, or at any rate great moral courage on her part. Whether it was the heart which dictated this new system of complaisance and humility adopted by our Rebecca, is to be proved by her after-history. A system of hypocrisy, which lasts through whole years, is one seldom satisfactorily practised by a person of one-and-twenty; however, our readers will recollect, that, though young in years, our heroine was old in life and experience, and we have written to no purpose if they have not discovered that she was a very clever woman. Der ältere und der jüngere Sohn des Crawleyschen Hauses waren, wie der Mann und die Frau im Wetterhäuschen, nie gemeinsam zu Hause – sie haßten einander von ganzem Herzen. Rawdon Crawley, der Dragoner, hegte eine gewaltige Verachtung gegen das ganze Haus und kam fast nur dahin, wenn seine Tante ihren jährlichen Besuch abstattete.   The elder and younger son of the house of Crawley were, like the gentleman and lady in the weather-box, never at home together — they hated each other cordially: indeed, Rawdon Crawley, the dragoon, had a great contempt for the establishment altogether, and seldom came thither except when his aunt paid her annual visit. Die großartige Eigenschaft dieser alten Dame ist bereits erwähnt worden. Sie besaß siebzigtausend Pfund und hatte Rawdon so gut wie adoptiert. Ihr älterer Neffe war ihr außerordentlich zuwider, und sie verachtete ihn als einen Milchreisjüngling. Dieser wiederum zögerte nicht, ihre Seele für unrettbar verloren zu erklären und auch seinem Bruder in jener Welt keine Chance zu geben. »Sie ist eine gottlose weltliche Frau«, pflegte Mr. Crawley zu sagen, »sie verkehrt mit Atheisten und Franzosen. Meine Seele schaudert, wenn ich an ihr furchtbar schreckliches Los denke und wenn ich erwäge, daß sie, bereits am Rande des Grabes, noch so der Eitelkeit, gottlosen Ausschweifungen und der Torheit frönt.« In der Tat lehnte die alte Dame durchaus ab, seiner Abendandacht zu lauschen, und wenn sie allein nach Queen's Crawley kam, mußte er seine gewohnten frommen Übungen einstellen.   The great good quality of this old lady has been mentioned. She possessed seventy thousand pounds, and had almost adopted Rawdon. She disliked her elder nephew exceedingly, and despised him as a milksop. In return he did not hesitate to state that her soul was irretrievably lost, and was of opinion that his brother’s chance in the next world was not a whit better. “She is a godless woman of the world,” would Mr. Crawley say; “she lives with atheists and Frenchmen. My mind shudders when I think of her awful, awful situation, and that, near as she is to the grave, she should be so given up to vanity, licentiousness, profaneness, and folly.” In fact, the old lady declined altogether to hear his hour’s lecture of an evening; and when she came to Queen’s Crawley alone, he was obliged to pretermit his usual devotional exercises. »Behalt deine Predigten für dich, Pitt, wenn Miss Crawley herkommt«, sagte sein Vater, »sie hat geschrieben, daß sie das Salbadern nicht vertragen kann.«   “Shut up your sarmons, Pitt, when Miss Crawley comes down,” said his father; “she has written to say that she won’t stand the preachifying.” »Oh, Sir! Denken Sie doch an die Dienstboten!«   “O, sir! consider the servants.” »Zum Henker mit den Dienstboten!« sagte Sir Pitt, und sein Sohn dachte, daß ihnen noch weit Schlimmeres als das Hängen widerfahren würde, wenn man sie der Gnade seiner Unterweisungen beraubte.   “The servants be hanged,” said Sir Pitt; and his son thought even worse would happen were they deprived of the benefit of his instruction. »Zum Henker, Pitt!« antwortete der Vater auf seine Vorstellungen. »Hoffentlich bist du nicht so blödsinnig und willst der Familie jährlich dreitausend Pfund durch die Lappen gehen lassen?«   “Why, hang it, Pitt!” said the father to his remonstrance. “You wouldn’t be such a flat as to let three thousand a year go out of the family?” »Was ist alles Geld verglichen mit unserem Seelenheil?« fuhr Crawley fort.   “You mean that the old lady won’t leave the money to you?" — and who knows but it was Mr. Crawley’s meaning? »Du meinst vielleicht, daß die Alte dir das Geld sowieso nicht hinterläßt?« – Und wer weiß, ob das nicht wirklich Mr. Crawleys Meinung war?   “What is money compared to our souls, sir?” continued Mr. Crawley. Die alte Miss Crawley gehörte bestimmt zu den Verdammten. Sie hatte ein hübsches Häuschen in der Park Lane, und da sie während der Saison in London viel zuviel aß und trank, so ging sie während des Sommers nach Harrowgate oder Cheltenham. Sie war gewiß die gastfreundlichste und jovialste aller alten Vestalinnen und war, wie sie sagte, in ihrer Jugend eine Schönheit gewesen. (Wir wissen gut, daß alle einmal Schönheiten gewesen sind.) Sie war ein bel esprit und für jene Zeit schrecklich radikal. Sie war in Frankreich gewesen (wo Saint-Just in ihr eine unglückliche Leidenschaft erweckt haben soll) und liebte seither französische Romane, französische Küche und französische Weine. Sie las Voltaire und kannte Rousseau auswendig, sprach sehr leichtfertig über Ehescheidungen und sehr energisch über Frauenrechte. In jedem Zimmer ihres Hauses hingen Bilder von Mr. Fox. Ich bin nicht sicher, ob sie nicht mit diesem Staatsmann in Verbindung stand, als er in der Opposition war; und als er ins Ministerium kam, tat sie sich nicht wenig darauf zugute, daß sie Sir Pitt und seinen Kollegen von Queen's Crawley auf seine Seite gebracht hatte, obwohl Sir Pitt von sich aus auch ohne Bemühungen der ehrlichen Dame zu ihm übergegangen wäre. Ich brauche hier wohl kaum zu bemerken, daß Sir Pitt sich veranlaßt sah, nach dem Tode des großen Whig-Ministers seine Ansicht wieder zu ändern.   Old Miss Crawley was certainly one of the reprobate. She had a snug little house in Park Lane, and, as she ate and drank a great deal too much during the season in London, she went to Harrowgate or Cheltenham for the summer. She was the most hospitable and jovial of old vestals, and had been a beauty in her day, she said. (All old women were beauties once, we very well know.) She was a bel esprit, and a dreadful Radical for those days. She had been in France (where St. Just, they say, inspired her with an unfortunate passion), and loved, ever after, French novels, French cookery, and French wines. She read Voltaire, and had Rousseau by heart; talked very lightly about divorce, and most energetically of the rights of women. She had pictures of Mr. Fox in every room in the house: when that statesman was in opposition, I am not sure that she had not flung a main with him; and when he came into office, she took great credit for bringing over to him Sir Pitt and his colleague for Queen’s Crawley, although Sir Pitt would have come over himself, without any trouble on the honest lady’s part. It is needless to say that Sir Pitt was brought to change his views after the death of the great Whig statesman. Diese würdige alte Dame faßte eine Vorliebe für Rawdon Crawley, als derselbe noch ein Knabe war, schickte ihn nach Cambridge (in Opposition zu seinem Bruder, der in Oxford war) und kaufte ihm, als die Behörden der erstgenannten Universität dem jungen Mann nach zwei Jahren nahegelegt hatten, das Studium aufzugeben, ein Offizierspatent für die Grüne Leibgarde.   This worthy old lady took a fancy to Rawdon Crawley when a boy, sent him to Cambridge (in opposition to his brother at Oxford), and, when the young man was requested by the authorities of the first-named University to quit after a residence of two years, she bought him his commission in the Life Guards Green. Der junge Offizier wurde als stadtbekannter Stutzer gefeiert. Boxen, Jagen, Fünferball und Vierspännigfahren waren damals bei unserer britischen Aristokratie hoch im Schwange, und in allen diesen edlen Wissenschaften war er Meister. Obgleich er zu den Gardetruppen gehörte, die sich um den Prinzregenten scharen mußten und deshalb ihre Tapferkeit noch nicht vor dem Feind bewiesen hatten, so war doch Rawdon Crawley wegen des Glücksspiels, das er über alles liebte, schon in drei blutige Duelle verwickelt gewesen, in denen er seine Todesverachtung bewiesen hatte.   A perfect and celebrated “blood,” or dandy about town, was this young officer. Boxing, rat-hunting, the fives court, and four-in-hand driving were then the fashion of our British aristocracy; and he was an adept in all these noble sciences. And though he belonged to the household troops, who, as it was their duty to rally round the Prince Regent, had not shown their valour in foreign service yet, Rawdon Crawley had already (apropos of play, of which he was immoderately fond) fought three bloody duels, in which he gave ample proofs of his contempt for death. »Und auch für das, was nach dem Tode kommt«, pflegte Mr. Crawley zu bemerken und heftete seine stachelbeerfarbenen Augen auf die Zimmerdecke. Er dachte beständig an die Seele seines Bruders oder an die Seelen derer, die anderer Ansicht waren als er; dies ist oft eine Art Trost für die Frommen.   “And for what follows after death,” would Mr. Crawley observe, throwing his gooseberry-coloured eyes up to the ceiling. He was always thinking of his brother’s soul, or of the souls of those who differed with him in opinion: it is a sort of comfort which many of the serious give themselves. Die törichte, romantische Miss Crawley war weit entfernt, über den Mut ihres Lieblings entsetzt zu sein, und bezahlte jedesmal nach dem Duell seine Schulden. Sie wollte auch nicht ein Wort von dem hören, was man über seinen schlechten Lebenswandel munkelte. »Er wird sich schon noch die Hörner ablaufen«, pflegte sie zu sagen, »aber er ist jedenfalls tausendmal mehr wert als sein winselnder Heuchler von Bruder.«   Silly, romantic Miss Crawley, far from being horrified at the courage of her favourite, always used to pay his debts after his duels; and would not listen to a word that was whispered against his morality. “He will sow his wild oats,” she would say, “and is worth far more than that puling hypocrite of a brother of his.” 11. Kapitel / Chapter 11 Arkadische Einfachheit / Arcadian Simplicity Neben diesen ehrlichen Schloßbewohnern, deren Einfachheit und holde ländliche Unschuld gewiß die Vorteile des Landlebens gegenüber dem Stadtleben beweisen, müssen wir den Leser mit ihren Verwandten und Nachbarn im Pfarrhause, mit Bute Crawley und Frau, bekannt machen.   Besides these honest folks at the Hall (whose simplicity and sweet rural purity surely show the advantage of a country life over a town one), we must introduce the reader to their relatives and neighbours at the Rectory, Bute Crawley and his wife. Ehrwürden Bute Crawley, ein großer, stattlicher, lustiger Mann mit einem breitkrempigen Pfarrershut, war in seiner Grafschaft weitaus beliebter als sein Bruder, der Baronet. Während seiner Universitätsjahre hatte er im Christchurch-Boot als Schlagmann gerudert und die besten Boxer der Stadt besiegt. Er nahm seine Freude am Boxen und an der Athletik mit ins Privatleben, und es gab auf zwanzig Meilen in der Runde keinen Boxkampf, kein Rennen, keine Hetzjagd, keine Regatta, keinen Ball, keine Wahl, keinen Empfang oder ein gutes Gastmahl überhaupt in der ganzen Grafschaft, dem beizuwohnen er nicht Mittel und Wege fand. Wo auch immer eine Gesellschaft gegeben wurde  – in Fuddleston oder Roxby oder in Schloß Wapshot oder bei den hohen Lords der Grafschaft, mit denen er samt und sonders auf vertrautem Fuße stand – überall im Umkreis von ein paar Dutzend Meilen konnte man seinen Braunen und seine Giglaternen erblicken. Er hatte eine schöne Stimme, sang »Ein Südwind und der Wolkenhimmel« und gab das »Hollahe« im Refrain zu jedermanns Beifall wieder. Bei Hetzjagden erschien er in einem Pfeffer-und-Salz-Rock. Er war auch einer der geschicktesten Angler der Grafschaft.   The Reverend Bute Crawley was a tall, stately, jolly, shovel-hatted man, far more popular in his county than the Baronet his brother. At college he pulled stroke-oar in the Christchurch boat, and had thrashed all the best bruisers of the “town.” He carried his taste for boxing and athletic exercises into private life; there was not a fight within twenty miles at which he was not present, nor a race, nor a coursing match, nor a regatta, nor a ball, nor an election, nor a visitation dinner, nor indeed a good dinner in the whole county, but he found means to attend it. You might see his bay mare and gig-lamps a score of miles away from his Rectory House, whenever there was any dinner-party at Fuddleston, or at Roxby, or at Wapshot Hall, or at the great lords of the county, with all of whom he was intimate. He had a fine voice; sang “A southerly wind and a cloudy sky”; and gave the “whoop” in chorus with general applause. He rode to hounds in a pepper-and-salt frock, and was one of the best fishermen in the county. Mrs. Crawley, die Pfarrersfrau, war eine lebhafte kleine Person, die dem würdigen Geistlichen die Predigten schrieb. Da sie einen häuslichen Sinn hatte und mit ihren Töchtern das Haus fast ganz allein führte, so herrschte sie unumschränkt im Pfarrhause, ließ aber ihrem Manne draußen volle Freiheit. Er konnte kommen und gehen und auswärts speisen, wann immer es ihm beliebte, denn Mrs. Crawley war eine sparsame Frau und kannte den Preis des Portweins sehr genau. Von dem Tage an, als Mrs. Bute den jungen Pfarrer von Queen's Crawley heimführte (sie war aus guter Familie, die Tochter des verstorbenen Oberstleutnants Hector MacTavish, und sie und ihre Mutter hatten sich in Harrowgate um Bute die Hacken abgelaufen und ihn bekommen), war sie ihm stets eine umsichtige und sorgliche Ehefrau gewesen. Trotz all ihrer Fürsorge aber steckte er stets in Schulden. Es kostete ihn mindestens zehn Jahre, um die noch zu Lebzeiten seines Vaters auf der Universität gemachten Schulden zu bezahlen. Im Jahre 179..., als er eben damit fertig geworden war, wettete er zweitausend gegen zwanzig, daß Känguruh verlieren würde, aber das Pferd gewann das Derby. Der Pfarrer sah sich gezwungen, das Geld zu Wucherzinsen aufzunehmen, und hatte seit jener Zeit stets mit Schulden zu kämpfen gehabt. Dann und wann half ihm seine Schwester mit einem Hunderter aus; seine große Hoffnung aber ruhte natürlich in ihrem Tode – wenn, »zum Henker« (so pflegte er zu sagen), »Matilda mir ihr halbes Vermögen hinterlassen muß«.   Mrs. Crawley, the rector’s wife, was a smart little body, who wrote this worthy divine’s sermons. Being of a domestic turn, and keeping the house a great deal with her daughters, she ruled absolutely within the Rectory, wisely giving her husband full liberty without. He was welcome to come and go, and dine abroad as many days as his fancy dictated, for Mrs. Crawley was a saving woman and knew the price of port wine. Ever since Mrs. Bute carried off the young Rector of Queen’s Crawley (she was of a good family, daughter of the late Lieut.-Colonel Hector McTavish, and she and her mother played for Bute and won him at Harrowgate), she had been a prudent and thrifty wife to him. In spite of her care, however, he was always in debt. It took him at least ten years to pay off his college bills contracted during his father’s lifetime. In the year 179-, when he was just clear of these incumbrances, he gave the odds of 100 to 1 (in twenties) against Kangaroo, who won the Derby. The Rector was obliged to take up the money at a ruinous interest, and had been struggling ever since. His sister helped him with a hundred now and then, but of course his great hope was in her death — when “hang it” (as he would say), “Matilda must leave me half her money.” Der Baronet und sein Bruder hatten somit alle Gründe, die zwei Brüder nur haben können, um sich ständig in den Haaren zu liegen. In unzähligen Familienangelegenheiten hatte Bute gegenüber Sir Pitt das Nachsehen gehabt. Der junge Pitt ging nicht nur nicht auf die Jagd, sondern gründete auch noch ein Bethaus vor der Nase seines Onkels. Rawdon sollte bekanntlich den Löwenanteil von Miss Crawleys Vermögen erben. Solche Geldangelegenheiten, Spekulationen über Tod und Leben, stille Kämpfe um Erbbeute verursachen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit heiße Liebe unter Brüdern. Ich selbst bin Zeuge gewesen, wie eine Fünfpfundnote zwischen zwei Brüdern einer fünfzigjährigen Liebe den Garaus machte; ich muß nur staunen, wenn ich bedenke, wie schön und dauerhaft doch die Liebe unter den Menschen ist.   So that the Baronet and his brother had every reason which two brothers possibly can have for being by the ears. Sir Pitt had had the better of Bute in innumerable family transactions. Young Pitt not only did not hunt, but set up a meeting house under his uncle’s very nose. Rawdon, it was known, was to come in for the bulk of Miss Crawley’s property. These money transactions — these speculations in life and death — these silent battles for reversionary spoil — make brothers very loving towards each other in Vanity Fair. I, for my part, have known a five-pound note to interpose and knock up a half century’s attachment between two brethren; and can’t but admire, as I think what a fine and durable thing Love is among worldly people. Es stand zu erwarten, daß die Ankunft einer Person wie Rebekka in Queen's Crawley und ihr allmähliches Einschleichen in die Gunst sämtlicher Schloßbewohner Mrs. Bute Crawleys Aufmerksamkeit nicht entging. Mrs. Bute, die wußte, wie lange ein Lendenbraten im Schlosse reichte, was bei der großen Wäsche alles gewaschen wurde, wie viele Pfirsiche an der Südwand hingen, wieviel Arznei die Lady einnahm, wenn sie krank war – solche Dinge sind für gewisse Personen auf dem Lande Gegenstand von tiefschürfendem Interesse –, Mrs. Bute also konnte nicht an der Gouvernante im Schloß vorbeigehen, ohne gründliche Nachforschungen über ihre Vergangenheit und ihren Charakter anzustellen. Zwischen den Dienstboten vom Pfarrhaus und denen vom Schloß herrschte stets bestes Einvernehmen. In der Pfarrküche gab es stets ein gutes Glas Ale für die Leute vom Schloß, deren gewöhnliches Bier sehr dünn war – und tatsächlich wußte die Pfarrersfrau aufs Haar genau, wieviel Malz auf jedes Faß Bier im Schloß kam. Es bestanden auch zwischen den Dienstboten des Schlosses wie zwischen den Herrschaften verwandtschaftliche Bande, und durch diese Kanäle war jede Familie genau mit dem Leben und Treiben der anderen unterrichtet. Man kann hier beiläufig eine allgemeine Beobachtung festhalten: Stehst du mit deinem Bruder auf gutem Fuße, so interessiert dich das, was er tut, nicht; hast du dich dagegen mit ihm verzankt, so weißt du alle seine Schritte, als ob du sein Spion wärst.   It cannot be supposed that the arrival of such a personage as Rebecca at Queen’s Crawley, and her gradual establishment in the good graces of all people there, could be unremarked by Mrs. Bute Crawley. Mrs. Bute, who knew how many days the sirloin of beef lasted at the Hall; how much linen was got ready at the great wash; how many peaches were on the south wall; how many doses her ladyship took when she was ill — for such points are matters of intense interest to certain persons in the country — Mrs. Bute, I say, could not pass over the Hall governess without making every inquiry respecting her history and character. There was always the best understanding between the servants at the Rectory and the Hall. There was always a good glass of ale in the kitchen of the former place for the Hall people, whose ordinary drink was very small — and, indeed, the Rector’s lady knew exactly how much malt went to every barrel of Hall beer — ties of relationship existed between the Hall and Rectory domestics, as between their masters; and through these channels each family was perfectly well acquainted with the doings of the other. That, by the way, may be set down as a general remark. When you and your brother are friends, his doings are indifferent to you. When you have quarrelled, all his outgoings and incomings you know, as if you were his spy. Sehr bald nach ihrer Ankunft fing Rebekka an, in Mrs. Crawleys Bulletin vom Schloß einen ständigen Platz einzunehmen. So ein Bulletin hatte folgenden Inhalt: »Das schwarze Schwein ist geschlachtet – wog soundso viel Kilo – die Seiten eingesalzen – Wurst und Schweinskeule zum Mittagessen. Mr. Cramp aus Mudbury bei Sir Pitt, wegen John Blackmores Gefängnisstrafe – Mr. Pitt im Bethaus (nebst den Namen aller Anwesenden) – Lady Crawley wie gewöhnlich – die jungen Damen bei der Gouvernante.«   Very soon then after her arrival, Rebecca began to take a regular place in Mrs. Crawley’s bulletin from the Hall. It was to this effect: “The black porker’s killed — weighed x stone — salted the sides — pig’s pudding and leg of pork for dinner. Mr. Cramp from Mudbury, over with Sir Pitt about putting John Blackmore in gaol — Mr. Pitt at meeting (with all the names of the people who attended)- -my lady as usual — the young ladies with the governess.” Dann kam wieder ein Bericht, etwa folgenden Inhalts: »Die neue Gouvernante eine ganz Gerissene – Sir Pitt sehr nett zu ihr – auch Mr. Crawley – liest ihr Traktate vor.« –»Was für eine lockere Spitzbübin!« rief die böse, geschäftige, brünette kleine Mrs. Bute Crawley aus.   Then the report would come — the new governess be a rare manager — Sir Pitt be very sweet on her — Mr. Crawley too — He be reading tracts to her — "What an abandoned wretch!” said little, eager, active, black-faced Mrs. Bute Crawley. Schließlich lauteten die Berichte, die Gouvernante habe jedermann »eingewickelt«, schreibe für Sir Pitt Briefe, erledige seine Arbeiten, führe seine Rechnungen, beherrsche das ganze Haus, die Lady, Mr. Crawley, die Mädchen, überhaupt alles – worauf Mrs. Crawley erklärte, die Gouvernante sei ein verschlagenes Weibstück und habe fürchterliche Absichten. So gaben die Vorgänge im Schloß den Gesprächen im Pfarrhaus immer neue Nahrung, und Mrs. Butes helle Augen spionierten alles aus, was im feindlichen Lager geschah – alles, und noch manches andere.   Finally, the reports were that the governess had “come round” everybody, wrote Sir Pitt’s letters, did his business, managed his accounts — had the upper hand of the whole house, my lady, Mr. Crawley, the girls and all — at which Mrs. Crawley declared she was an artful hussy, and had some dreadful designs in view. Thus the doings at the Hall were the great food for conversation at the Rectory, and Mrs. Bute’s bright eyes spied out everything that took place in the enemy’s camp — everything and a great deal besides. Mrs. Bute Crawley an Miss Pinkerton, The Mall, Chiswick Pfarrhaus, Queen's Crawley, ...ten Dezember   Mrs. Bute Crawley to Miss Pinkerton, The Mall, Chiswick. Rectory, Queen’s Crawley, December — . Meine sehr verehrte Dame. – Obgleich viele Jahre verflossen, seit ich Ihren köstlichen und unschätzbaren Unterricht genoß, habe ich doch nie aufgehört, für Miss Pinkerton und das teure Chiswick die innigste Liebe und Hochachtung zu empfinden. Hoffentlich geht es Ihnen gesundheitlich gut. Die Welt und die Sache der Erziehung können Miss Pinkerton noch auf Jahre hinaus nicht entbehren. Als meine Freundin, Lady Fuddleston, mit gegenüber erwähnte, daß ihre lieben Töchter eine Erzieherin brauchten (ich bin zu arm, um für die meinigen eine Gouvernante einzustellen; aber bin ich nicht in Chiswick erzogen worden?), rief ich sogleich: »Bei wem können wir besseren Rat einholen als bei der vortrefflichen, der unvergleichlichen Miss Pinkerton?« Mit einem Wort, teure Madame, haben Sie auf Ihrer Liste Damen, deren Dienste meine liebe Freundin und Nachbarin in Anspruch nehmen könnte? Ich versichere Ihnen, daß sie nur eine Gouvernante Ihrer Wahl nehmen wird.   My Dear Madam, — Although it is so many years since I profited by your delightful and invaluable instructions, yet I have ever retained the fondest and most reverential regard for Miss Pinkerton, and dear Chiswick. I hope your health is good . The world and the cause of education cannot afford to lose Miss Pinkerton for many many years . When my friend, Lady Fuddleston, mentioned that her dear girls required an instructress (I am too poor to engage a governess for mine, but was I not educated at Chiswick?) — "Who,” I exclaimed, “can we consult but the excellent, the incomparable Miss Pinkerton?” In a word, have you, dear madam, any ladies on your list, whose services might be made available to my kind friend and neighbour? I assure you she will take no governess but of your choosing . Mein lieber Mann sagt immer, daß er an allem, was aus Miss Pinkertons Schule kommt, Gefallen finde. Ach, wie gern möchte ich ihm und meinen lieben Mädchen die Freundin meiner Jugend und die bewunderte Freundin des großen Lexikographen unseres Landes vorstellen! Mr. Crawley bittet mich, zu schreiben, daß er hofft, wenn Sie einmal nach Hampshire kommen sollten, daß unser ländliches Pfarrhaus dann mit Ihrer Gegenwart geziert werden wird. Es ist das bescheidene, aber glückliche Heim Ihrer liebevoll ergebenen Martha Crawley.   My dear husband is pleased to say that he likes everything which comes from miss Pinkerton’s school . How I wish I could present him and my beloved girls to the friend of my youth, and the admired of the great lexicographer of our country! If you ever travel into Hampshire, Mr. Crawley begs me to say, he hopes you will adorn our rural Rectory with your presence. ’Tis the humble but happy home of Your affectionate Martha Crawley PS: Mr. Crawleys Bruder, der Baronet, mit dem wir leider nicht ganz so einig sind, wie es Brüdern geziemt, hat für seine kleinen Mädchen eine Gouvernante, die, wie ich erfuhr, das große Glück hat, in Chiswick erzogen worden zu sein. Man erzählt verschiedenerlei über sie, und da ich das zärtlichste Interesse für meine kleinen Nichten fühle und sie, ungeachtet aller Familienstreitigkeiten, gern meinen eigenen Kindern zuführen möchte – und da ich das sehnlichste Verlangen habe, mich gegen jede Ihrer Schülerinnen aufmerksam zu erweisen –, so bitte ich Sie, meine teure Miss Pinkerton, mir die Geschichte dieser jungen Dame mitzuteilen, der ich um Ihretwillen von ganzem Herzen Freundschaft erzeigen möchte. – M. C.   P.S. Mr. Crawley’s brother, the baronet, with whom we are not, alas! upon those terms of UNITY in which it becomes brethren to dwell , has a governess for his little girls, who, I am told, had the good fortune to be educated at Chiswick. I hear various reports of her; and as I have the tenderest interest in my dearest little nieces, whom I wish, in spite of family differences, to see among my own children — and as I long to be attentive to any pupil of yours — do, my dear Miss Pinkerton, tell me the history of this young lady, whom, for your sake , I am most anxious to befriend. — M. C. Miss Pinkerton an Mrs. Bute Crawley Johnson-Haus, Chiswick, im Dezember 18..   Miss Pinkerton to Mrs. Bute Crawley. Johnson House, Chiswick, Dec. 18 — . Sehr geehrte Dame. Ich habe die Ehre, den Empfang Ihres freundlichen Schreibens zu bestätigen, und beeile mich, dasselbe zu beantworten. Es ist höchst erfreulich für eine Person in meiner mühevollen Position, festzustellen, daß meine mütterliche Sorgfalt eine entsprechende Liebe erweckt hat, und in der liebenswürdigen Mrs. Bute Crawley meine vortreffliche Schülerin aus früherer Zeit, die lebhafte und talentvolle Miss Martha MacTavish, wiederzuerkennen. Ich schätze mich glücklich, die Töchter vieler Ihrer ehemaligen Mitschülerinnen in meiner Anstalt jetzt unter meiner Obhut zu haben. Welches Vergnügen würde es mir bereiten, wenn auch Ihre lieben jungen Damen meiner Aufsicht und Belehrung bedürften.   Dear Madam, — I have the honour to acknowledge your polite communication, to which I promptly reply. ’Tis most gratifying to one in my most arduous position to find that my maternal cares have elicited a responsive affection; and to recognize in the amiable Mrs. Bute Crawley my excellent pupil of former years, the sprightly and accomplished Miss Martha MacTavish. I am happy to have under my charge now the daughters of many of those who were your contemporaries at my establishment — what pleasure it would give me if your own beloved young ladies had need of my instructive superintendence! Ich spreche Lady Fuddleston meine respektvollsten Komplimente aus und habe die Ehre, der gnädigen Frau brieflich meine beiden Freundinnen, Miss Tuffin und Miss Hawky, vorzustellen.   Presenting my respectful compliments to Lady Fuddleston, I have the honour (epistolarily) to introduce to her ladyship my two friends, Miss Tuffin and Miss Hawky. Jede der beiden jungen Damen ist bestens befähigt, im Griechischen, Lateinischen und in den Anfangsgründen des Hebräischen, in Mathematik und Geschichte, im Spanischen, Französischen, Italienischen und in Geographie, in der Vokal- und Instrumentalmusik, ohne Unterstützung eines Tanzmeisters im Tanzen sowie in den Grundlagen der Naturwissenschaften zu unterrichten. Beide sind im Gebrauch des Globus wohlbewandert. Außerdem kann Miss Tuffin, die die Tochter des verstorbenen Ehrwürden Thomas Tuffin (Professor im Corpus College, Cambridge) ist, in der syrischen Sprache sowie in den Grundlagen des konstitutionellen Rechts unterrichten. Da sie aber erst achtzehn Jahre alt ist und ein besonders hübsches Äußeres hat, so dürfte diese junge Dame vielleicht für Sir Huddleston Fuddlestons Familie nicht ganz geeignet erscheinen.   Either of these young ladies is perfectly QUALIFIED to instruct in Greek, Latin, and the rudiments of Hebrew; in mathematics and history; in Spanish, French, Italian, and geography; in music, vocal and instrumental; in dancing, without the aid of a master; and in the elements of natural sciences. In the use of the globes both are proficients. In addition to these Miss Tuffin, who is daughter of the late Reverend Thomas Tuffin (Fellow of Corpus College, Cambridge), can instruct in the Syriac language, and the elements of Constitutional law. But as she is only eighteen years of age, and of exceedingly pleasing personal appearance, perhaps this young lady may be objectionable in Sir Huddleston Fuddleston’s family. Miss Letitia Hawky dagegen glänzt nicht durch persönliche Reize. Sie ist 29 Jahre alt, und ihr Gesicht hat ziemlich viele Pockennarben. Sie hinkt etwas, hat rote Haare und schielt ein wenig. Beide Damen sind mit allen moralischen und religiösen Tugenden ausgestattet. Ihre Gehaltsansprüche stehen natürlich im Verhältnis zu ihren vielen Talenten. Mit den dankbarsten Empfehlungen an Ehrwürden Bute Crawley habe ich die Ehre, zu zeichnen, sehr geehrte Dame, Ihre ergebenste und gehorsamste Dienerin Barbara Pinkerton.   Miss Letitia Hawky, on the other hand, is not personally well-favoured. She is-twenty-nine; her face is much pitted with the small-pox. She has a halt in her gait, red hair, and a trifling obliquity of vision. Both ladies are endowed with every moral and religious virtue . Their terms, of course, are such as their accomplishments merit. With my most grateful respects to the Reverend Bute Crawley, I have the honour to be, Dear Madam, Your most faithful and obedient servant, Barbara Pinkerton. PS: Miss Sharp, die Sie als Gouvernante bei Sir Pitt Crawley, Baronet und Parlamentsmitglied, erwähnten, war eine Schülerin von mir, und ich habe nichts Nachteiliges über sie zu berichten. Ihr Äußeres ist zwar unangenehm, aber wir können doch das Walten der Natur nicht hindern; und obgleich ihre Eltern einen schlechten Ruf hatten (der Vater war Maler und machte mehrere Male Bankrott, und ihre Mutter war, wie ich später zu meinem Entsetzen erfuhr, Ballettänzerin), besitzt sie doch beachtenswerte Talente, und ich brauche es nicht zu bereuen, sie aus Barmherzigkeit in mein Haus aufgenommen zu haben. Ich befürchte nur, die Grundsätze der Mutter – wie man mir schilderte, eine französische Gräfin, die durch die Schrecken der Revolution zum Auswandern gezwungen wurde, in Wirklichkeit aber, wie ich inzwischen entdeckte, eine ganz ordinäre und sittenlose Person – könnten sich auf das unglückliche junge Mädchen, das ich als Vagabund auflas, vererbt haben. Bis jetzt aber sind ihre Grundsätze (wie ich glaube) untadelhaft gewesen, und ich bin überzeugt, daß in den vornehmen und gebildeten Kreisen des hervorragenden Sir Pitt Crawley nichts sie verderben wird!   P.S. The Miss Sharp, whom you mention as governess to Sir Pitt Crawley, Bart., M.P., was a pupil of mine, and I have nothing to say in her disfavour. Though her appearance is disagreeable, we cannot control the operations of nature: and though her parents were disreputable (her father being a painter, several times bankrupt, and her mother, as I have since learned, with horror, a dancer at the Opera); yet her talents are considerable, and I cannot regret that I received her out of charity . My dread is, lest the principles of the mother — who was represented to me as a French Countess, forced to emigrate in the late revolutionary horrors; but who, as I have since found, was a person of the very lowest order and morals — should at any time prove to be hereditary in the unhappy young woman whom I took as an OUTCAST. But her principles have hitherto been correct (I believe), and I am sure nothing will occur to injure them in the elegant and refined circle of the eminent Sir Pitt Crawley. Miss Rebekka Sharp an Miss Amelia Sedley   Miss Rebecca Sharp to Miss Amelia Sedley. Viele Wochen habe ich meiner geliebten Amelia nicht geschrieben; denn was konnte ich Dir schon von dem Leben und Treiben aus Schloß Einerlei, wie ich es getauft habe, berichten? Und was würde es Dich auch interessieren, ob die Rübenernte gut oder schlecht war, ob das Mastschwein fünfundsiebzig oder fünfundachtzig Kilo wog und ob das Rindvieh bei Rüben gedeiht? Seit ich Dir das letztemal schrieb, ist ein Tag wie der andere vergangen. Vor dem Frühstück ein Spaziergang mit Sir Pitt und seinen Sprößlingen, nach dem Frühstück Unterricht (was man eben so nennt) im Schulzimmer; nach dem Unterricht Lesen und Schreibereien für Sir Pitt (dessen Sekretärin ich geworden bin) wegen Advokaten, Pachtkontrakten, Bergwerken und Kanälen; nach dem Abendessen Mr. Crawleys Predigten oder Puff mit dem Baronet – beiden Belustigungen sieht die Lady mit der gleichen Ruhe zu. Sie ist in der letzten Zeit durch ihre Unpäßlichkeit etwas interessanter geworden, denn das hat in der Person eines jungen Doktors einen neuen Besucher ins Schloß geführt. Weißt Du, meine Liebe, junge Mädchen brauchen niemals zu verzweifeln. Der junge Doktor gab einer gewissen Freundin von Dir zu verstehen, daß sie, wenn sie Mrs. Glauber werden wolle, sehr gern die Zierde seiner Praxis werden könne! Ich antwortete auf seine Unverschämtheit, daß vergoldete Mörser und Stößel wohl Zierde genug seien – als ob ich zur Frau eines Landarztes geboren wäre! Mr. Glauber ging nach diesem Korb ernstlich mitgenommen nach Hause, trank dort etwas Kühlendes und ist jetzt wieder vollkommen hergestellt. Sir Pitt billigte meinen Entschluß entschieden; ich glaube, er würde seine kleine Sekretärin nur ungern verlieren, und ich bin der Ansicht, der alte Schuft hat mich so gern, wie er nur überhaupt jemanden gern haben kann. Heiraten, mein Gott! Und noch dazu einen Landarzt, nachdem ... Nein, nein, man kann alte Verbindungen nicht so schnell vergessen, aber davon will ich nicht mehr sprechen. Kehren wir nach Schloß Einerlei zurück!   I have not written to my beloved Amelia for these many weeks past, for what news was there to tell of the sayings and doings at Humdrum Hall, as I have christened it; and what do you care whether the turnip crop is good or bad; whether the fat pig weighed thirteen stone or fourteen; and whether the beasts thrive well upon mangelwurzel? Every day since I last wrote has been like its neighbour. Before breakfast, a walk with Sir Pitt and his spud; after breakfast studies (such as they are) in the schoolroom; after schoolroom, reading and writing about lawyers, leases, coal-mines, canals, with Sir Pitt (whose secretary I am become); after dinner, Mr. Crawley’s discourses on the baronet’s backgammon; during both of which amusements my lady looks on with equal placidity. She has become rather more interesting by being ailing of late, which has brought a new visitor to the Hall, in the person of a young doctor. Well, my dear, young women need never despair. The young doctor gave a certain friend of yours to understand that, if she chose to be Mrs. Glauber, she was welcome to ornament the surgery! I told his impudence that the gilt pestle and mortar was quite ornament enough; as if I was born, indeed, to be a country surgeon’s wife! Mr. Glauber went home seriously indisposed at his rebuff, took a cooling draught, and is now quite cured. Sir Pitt applauded my resolution highly; he would be sorry to lose his little secretary, I think; and I believe the old wretch likes me as much as it is in his nature to like any one. Marry, indeed! and with a country apothecary, after — No, no, one cannot so soon forget old associations, about which I will talk no more. Let us return to Humdrum Hall. Seit einiger Zeit ist es nicht mehr Schloß Einerlei. Stell Dir vor, meine Liebe, Miss Crawley ist angekommen mit ihren dicken Pferden, ihren dicken Bedienten und ihrem dicken Schoßhund – die bedeutende, reiche Miss Crawley, mit siebzigtausend Pfund in fünfprozentigen Papieren, die – nicht Miss Crawley, sondern eher das Geld – ihre zwei Brüder anbeten. Sie sieht sehr apoplektisch aus, die gute Seele; kein Wunder also, daß ihre Brüder ängstlich um sie besorgt sind. Du solltest nur sehen, wie sehr sie miteinander wetteifern, wenn es gilt, ihr die Kissen zurechtzurücken oder den Kaffee zu reichen! »Wenn ich aufs Land fahre«, sagte sie (denn sie hat Sinn für Humor), »lasse ich meine Speichelleckerin, Miss Briggs, zu Hause. Hier sind meine Brüder meine Speichellecker, und wahrhaftig, ein hübsches Paar!«   For some time past it is Humdrum Hall no longer. My dear, Miss Crawley has arrived with her fat horses, fat servants, fat spaniel — the great rich Miss Crawley, with seventy thousand pounds in the five per cents., whom, or I had better say which , her two brothers adore. She looks very apoplectic, the dear soul; no wonder her brothers are anxious about her. You should see them struggling to settle her cushions, or to hand her coffee! “When I come into the country,” she says (for she has a great deal of humour), “I leave my toady, Miss Briggs, at home. My brothers are my toadies here, my dear, and a pretty pair they are!” Wenn sie zu uns aufs Land kommt, so hat unser Schloß offene Türen, und mindestens einen Monat lang könnte man sich einbilden, der alte Sir Walpole sei wieder lebendig geworden. Wir geben Gesellschaften, fahren vierspännig aus, die Diener tragen das neueste Kanariengelb, wir trinken Rotwein und Champagner, als ob wir nie etwas anderes bekämen. Im Unterrichtszimmer haben wir Wachskerzen und Feuer, um uns aufzuwärmen, Lady Crawley muß das schönste Erbsengrüne anziehen, das ihre Garderobe aufzuweisen hat, und meine Schülerinnen legen ihre dicken Schuhe und engen alten Schottenkittel ab und tragen seidene Strümpfe und Musselinröcke, wie es sich für Baronetstöchter von Welt schickt. Rose kam gestern übel zugerichtet heim – die Wiltshire-Sau, ihr erklärter Liebling, hatte sie umgerannt und war auf ihrem hübschen, lilageblümten Seidenkleid herumgetrampelt. Wäre dies vor einer Woche geschehen, so hätte Sir Pitt greulich geflucht, das arme Ding tüchtig geohrfeigt und sie einen Monat lang auf Wasser und Brot gesetzt. Alles, was er jetzt sagte, war: »Warte nur, bis deine Tante fort ist«, und dabei lachte er über den Vorfall, als sei es etwas ganz Unbedeutendes. Wir wollen hoffen, daß sein Zorn verflogen ist, wenn Miss Crawley abreist. Ich hoffe es sehr um Miss Roses willen. Was für ein bezaubernder Versöhner und Friedensstifter doch das Geld ist!   When she comes into the country our hall is thrown open, and for a month, at least, you would fancy old Sir Walpole was come to life again. We have dinner-parties, and drive out in the coach-and-four the footmen put on their newest canary-coloured liveries; we drink claret and champagne as if we were accustomed to it every day. We have wax candles in the schoolroom, and fires to warm ourselves with. Lady Crawley is made to put on the brightest pea-green in her wardrobe, and my pupils leave off their thick shoes and tight old tartan pelisses, and wear silk stockings and muslin frocks, as fashionable baronets’ daughters should. Rose came in yesterday in a sad plight — the Wiltshire sow (an enormous pet of hers) ran her down, and destroyed a most lovely flowered lilac silk dress by dancing over it — had this happened a week ago, Sir Pitt would have sworn frightfully, have boxed the poor wretch’s ears, and put her upon bread and water for a month. All he said was, “I’ll serve you out, Miss, when your aunt’s gone,” and laughed off the accident as quite trivial. Let us hope his wrath will have passed away before Miss Crawley’s departure. I hope so, for Miss Rose’s sake, I am sure. What a charming reconciler and peacemaker money is! Eine weitere wunderbare Wirkung Miss Crawleys und ihrer siebzigtausend Pfund zeigt sich in dem Betragen der beiden Brüder Crawley. Ich meine den Baronet und den Pfarrer, nicht unsere Brüder. Die beiden, die sich das ganze Jahr über hassen, werden zu Weihnachten ganz liebevoll gegeneinander. Ich habe Dir im vergangenen Jahre geschrieben, wie der abscheuliche Pferderenn-Pfarrer uns in der Kirche andauernd mit plumpen Predigten auf den Leib rückt und wie Sir Pitt mit Schnarchen antwortet. Sobald aber Miss Crawley kommt, hört man nichts mehr von Zank und Streit, das Schloß besucht das Pfarrhaus und umgekehrt, der Pfarrer und der Baronet unterhalten sich freundschaftlich ohne jeglichen Zank beim Wein über Schweine und Wilddiebe und Grafschaftsgeschäfte. Miss Crawley will tatsächlich nichts von ihren Streitereien wissen und schwört, sie werde ihr Geld den Shropshire Crawleys hinterlassen, wenn man sie ärgere. Wenn diese Shropshire Crawleys nur ein bißchen schlau wären, so könnten sie wahrscheinlich alles bekommen; der Shropshire Crawley ist jedoch Geistlicher wie sein Hampshire-Vetter und hat Miss Crawley durch seine engstirnigen Moralauffassungen tödlich beleidigt, als sie einmal in einem Wutanfall gegen ihre widerspenstigen Brüder zu ihm geflohen war. Er wollte, glaube ich, zu Hause das Beten einführen.   Another admirable effect of Miss Crawley and her seventy thousand pounds is to be seen in the conduct of the two brothers Crawley. I mean the baronet and the rector, not our brothers — but the former, who hate each other all the year round, become quite loving at Christmas. I wrote to you last year how the abominable horse-racing rector was in the habit of preaching clumsy sermons at us at church, and how Sir Pitt snored in answer. When Miss Crawley arrives there is no such thing as quarrelling heard of — the Hall visits the Rectory, and vice versa — the parson and the Baronet talk about the pigs and the poachers, and the county business, in the most affable manner, and without quarrelling in their cups, I believe — indeed Miss Crawley won’t hear of their quarrelling, and vows that she will leave her money to the Shropshire Crawleys if they offend her. If they were clever people, those Shropshire Crawleys, they might have it all, I think; but the Shropshire Crawley is a clergyman like his Hampshire cousin, and mortally offended Miss Crawley (who had fled thither in a fit of rage against her impracticable brethren) by some strait-laced notions of morality. He would have prayers in the house, I believe. Unsere Predigtbücher werden zugeklappt, wenn Miss Crawley kommt, und Mr. Pitt, den sie verabscheut, findet es besser, nach London zu fahren. Statt seiner erscheint dann der junge Geck – Stutzer nennt man so einen wohl –Hauptmann Crawley, und wahrscheinlich willst Du wissen, was für ein Mensch er ist.   Our sermon books are shut up when Miss Crawley arrives, and Mr. Pitt, whom she abominates, finds it convenient to go to town. On the other hand, the young dandy — "blood,” I believe, is the term — Captain Crawley makes his appearance, and I suppose you will like to know what sort of a person he is. Nun, er ist ein langer, junger Geck, sechs Fuß groß und spricht sehr laut; er flucht viel und kommandiert die Dienstboten herum, die ihn aber trotzdem anbeten, denn er ist nicht knauserig mit seinem Geld, so daß sie alles für ihn tun. Vergangene Woche haben die Wildhüter beinahe einen Gerichtsdiener und seinen Gehilfen umgebracht, die von London gekommen waren, um den Hauptmann zu verhaften. Sie wurden ertappt, als sie an der Parkmauer entlangschlichen – die Wildhüter verprügelten sie, tauchten sie und hätten sie als Wilddiebe erschossen, wenn sich der Baronet nicht ins Mittel gelegt hätte.   Well, he is a very large young dandy. He is six feet high, and speaks with a great voice; and swears a great deal; and orders about the servants, who all adore him nevertheless; for he is very generous of his money, and the domestics will do anything for him. Last week the keepers almost killed a bailiff and his man who came down from London to arrest the Captain, and who were found lurking about the Park wall — they beat them, ducked them, and were going to shoot them for poachers, but the baronet interfered. Der Hauptmann zeigt gegenüber seinem Vater eine abgrundtiefe Verachtung, nennt ihn einen alten Tropf, einen alten Blödian, einen Bauerntölpel und belegt ihn mit zahllosen anderen hübschen Namen. Er hat ein schreckliches Ansehen bei den Damen. Er bringt seine Renner mit nach Hause, verkehrt mit den Squires der Grafschaft, ladet zum Essen ein, wen er will, und Sir Pitt wagt keinen Mucks, aus Angst, Miss Crawley zu beleidigen und um seinen Anteil zu kommen, wenn sie am Schlaganfall stirbt. Soll ich Dir ein Kompliment erzählen, das mir der Hauptmann gemacht hat? Ich muß, es ist zu hübsch. Eines Abends war doch tatsächlich Tanz bei uns; es waren Sir Huddleston Fuddleston mit Familie, Sir Giles Wapshot mit seinen Töchtern, und ich weiß nicht, wer noch alles, anwesend. Ich hörte ihn sagen: »Beim Zeus, das ist aber ein hübsches, kleines Füllen!«, womit er Deine ergebene Dienerin gemeint hat; er tat mir auch die Ehre an, zwei Contretänze mit mir zu tanzen. Er kommt mit den jungen Squires gut aus, trinkt mit ihnen, reitet und unterhält sich vom Jagen und Schießen; die Landmädchen aber findet er langweilig, und ich glaube wirklich, damit hat er nicht ganz unrecht. Du solltest nur sehen, mit welcher Verachtung sie auf mich armes Wesen herabblicken. Wenn sie tanzen, sitze ich ganz bescheiden am Klavier und spiele; als er aber neulich abend ziemlich erhitzt aus dem Speisesaal hereinkam und mich so beschäftigt fand, beteuerte er laut, daß ich die beste Tänzerin des Abends sei, und schwor bei seiner Ehre, daß er Musikanten aus Mudbury kommen lassen würde.   The Captain has a hearty contempt for his father, I can see, and calls him an old put , an old Snob , an old CHAW-BACON, and numberless other pretty names. He has a dreadful reputation among the ladies. He brings his hunters home with him, lives with the Squires of the county, asks whom he pleases to dinner, and Sir Pitt dares not say no, for fear of offending Miss Crawley, and missing his legacy when she dies of her apoplexy. Shall I tell you a compliment the Captain paid me? I must, it is so pretty. One evening we actually had a dance; there was Sir Huddleston Fuddleston and his family, Sir Giles Wapshot and his young ladies, and I don’t know how many more. Well, I heard him say — "By Jove, she’s a neat little filly!” meaning your humble servant; and he did me the honour to dance two country-dances with me. He gets on pretty gaily with the young Squires, with whom he drinks, bets, rides, and talks about hunting and shooting; but he says the country girls are BORES; indeed, I don’t think he is far wrong. You should see the contempt with which they look down on poor me! When they dance I sit and play the piano very demurely; but the other night, coming in rather flushed from the dining-room, and seeing me employed in this way, he swore out loud that I was the best dancer in the room, and took a great oath that he would have the fiddlers from Mudbury. »Ich will einen Contretanz spielen«, erbot sich Mrs. Bute Crawley bereitwillig (sie ist eine kleine brünette Alte mit funkelnden Augen, geht ziemlich krumm und trägt einen Turban), und als der Hauptmann und Deine arme kleine Rebekka miteinander getanzt hatten, tat sie mir doch wirklich die unglaubliche Ehre an, mir über mein Tanzen Komplimente zu machen! So etwas war noch nicht dagewesen. Die stolze Mrs. Bute Crawly, älteste Cousine des Grafen von Tiptoff, die sich nur dann herabläßt, Lady Crawley zu besuchen, wenn ihre Schwägerin auf dem Lande ist. Die arme Lady Crawley! Während dieser Vergnügen hockt sie meistens oben und schluckt Pillen.   “I’ll go and play a country-dance,” said Mrs. Bute Crawley, very readily (she is a little, black-faced old woman in a turban, rather crooked, and with very twinkling eyes); and after the Captain and your poor little Rebecca had performed a dance together, do you know she actually did me the honour to compliment me upon my steps! Such a thing was never heard of before; the proud Mrs. Bute Crawley, first cousin to the Earl of Tiptoff, who won’t condescend to visit Lady Crawley, except when her sister is in the country. Poor Lady Crawley! during most part of these gaieties, she is upstairs taking pills. Mrs. Bute hat plötzlich eine große Vorliebe für mich entwickelt. »Meine liebe Miss Sharp«, sagte sie, »warum kommen Sie nicht einmal mit Ihren Schülerinnen ins Pfarrhaus? Die kleinen Cousinen würden sich so freuen, sie zu sehen.« Ich weiß schon, was sie damit bezweckt. Signor Clementi hat uns nicht umsonst Klavierspielen gelehrt: Mrs. Bute aber möchte für ihre Kinder eine Lehrerin umsonst. Ich durchschaue ihre .Pläne, als ob sie sie mir verraten hätte, aber ich werde hingehen, weil ich mich angenehm machen will. Ist das nicht die Pflicht einer armen Gouvernante, die in der ganzen weiten Welt auch nicht einen Freund oder Beschützer hat? Die Pfarrersfrau machte mir auch Dutzende Komplimente über die Fortschritte meiner Schülerinnen und dachte zweifellos, das könnte mein Herz rühren – das arme, einfältige Landei! Als ob mich meine Schülerinnen auch nur einen Pfifferling scherten!   Mrs. Bute has all of a sudden taken a great fancy to me. “My dear Miss Sharp,” she says, “why not bring over your girls to the Rectory? — their cousins will be so happy to see them.” I know what she means. Signor Clementi did not teach us the piano for nothing; at which price Mrs. Bute hopes to get a professor for her children. I can see through her schemes, as though she told them to me; but I shall go, as I am determined to make myself agreeable — is it not a poor governess’s duty, who has not a friend or protector in the world? The Rector’s wife paid me a score of compliments about the progress my pupils made, and thought, no doubt, to touch my heart — poor, simple, country soul! — as if I cared a fig about my pupils! Dein indisches Musselinkleid sowie Dein Rosaseidenes, liebste Amelia, sollen mir sehr gut stehen. Sie sind schon recht abgetragen; aber Du weißt, wir armen Mädchen können uns des fraiches toilettes nicht leisten. Ach, wie glücklich, wie unendlich glücklich bist Du! Du brauchst nur zur St. James' Street zu fahren, und eine gute Mutter schenkt Dir alles, worum Du bittest. Lebe wohl, teuerstes Mädchen. Deine Dich liebende Rebekka   Your India muslin and your pink silk, dearest Amelia, are said to become me very well. They are a good deal worn now; but, you know, we poor girls can’t afford des fraiches toilettes. Happy, happy you! who have but to drive to St. James’s Street, and a dear mother who will give you any thing you ask. Farewell, dearest girl, Your affectionate Rebecca. PS: Schade, daß Du nicht die Gesichter der beiden Miss Blackbrook (Admiral Blackbrooks Töchter, vornehme junge Damen, mit Kleidern aus London) sehen konntest, als Hauptmann Rawdon mich armes Ding zum Tanzen aufforderte.   P.S. — I wish you could have seen the faces of the Miss Blackbrooks (Admiral Blackbrook’s daughters, my dear), fine young ladies, with dresses from London, when Captain Rawdon selected poor me for a partner! Als Mrs. Bute Crawley (der unsere scharfsichtige Rebekka so schnell auf die Schliche gekommen war) von Miss Sharp das Versprechen eines Besuches erlangt hatte, bewog sie die allmächtige Miss Crawley, Sir Pitt um die nötige Erlaubnis dafür anzugehen; und die gutmütige alte Dame, die selbst gern lustig war und stets alles um sich her froh und glücklich sehen wollte, war ganz entzückt und gleich bereit, zwischen ihren beiden Brüdern eine Versöhnung herbeizuführen und sie wieder zu Freunden zu machen. Es wurde daher vereinbart, daß die jungen Leute beider Familien sich in Zukunft häufig besuchen sollten. Die Freundschaft währte natürlich nur so lange, wie die joviale alte Vermittlerin da war, um den Frieden aufrechtzuerhalten.   When Mrs. Bute Crawley (whose artifices our ingenious Rebecca had so soon discovered) had procured from Miss Sharp the promise of a visit, she induced the all-powerful Miss Crawley to make the necessary application to Sir Pitt, and the good-natured old lady, who loved to be gay herself, and to see every one gay and happy round about her, was quite charmed, and ready to establish a reconciliation and intimacy between her two brothers. It was therefore agreed that the young people of both families should visit each other frequently for the future, and the friendship of course lasted as long as the jovial old mediatrix was there to keep the peace. »Warum hast du bloß diesen Halunken, den Rawdon Crawley, zum Essen eingeladen?« fragte der Pfarrer seine Eheliebste, als sie durch den Park nach Hause gingen. »Ich will den Kerl nicht. Er sieht auf uns Leute vom Lande herab, als wären wir Mohren. Er gibt sich nie zufrieden, bis er meinen Gelbsiegelwein bekommt, der mich zehn Shilling pro Flasche kostet; zum Henker mit ihm! Außerdem hat er einen teuflischen Charakter – er spielt, säuft und ist durch und durch ein Bruder Liederlich. Er hat einen Menschen im Duell getötet, steckt bis über die Ohren in Schulden und hat mich und die Meinen um den größten Teil von Miss Crawleys Vermögen gebracht. Waxy sagt, sie habe ihn« – hier schüttelte der Pfarrer die Faust zum Mond empor und stieß etwas aus, was einem Fluche nicht unähnlich klang; dann fügte er melancholisch hinzu – »in ihrem Testament mit fünfzigtausend bedacht, so daß nicht mehr als dreißigtausend zum Teilen übrigbleiben.«   “Why did you ask that scoundrel, Rawdon Crawley, to dine?” said the Rector to his lady, as they were walking home through the park. “I don’t want the fellow. He looks down upon us country people as so many blackamoors. He’s never content unless he gets my yellow-sealed wine, which costs me ten shillings a bottle, hang him! Besides, he’s such an infernal character — he’s a gambler — he’s a drunkard — he’s a profligate in every way. He shot a man in a duel — he’s over head and ears in debt, and he’s robbed me and mine of the best part of Miss Crawley’s fortune. Waxy says she has him" — here the Rector shook his fist at the moon, with something very like an oath, and added, in a melancholious tone, “ — , down in her will for fifty thousand; and there won’t be above thirty to divide.” »Ich glaube, sie macht nicht mehr lange«, meinte die Pfarrersfrau. »Sie war schrecklich rot im Gesicht, als wir vom Essen aufstanden. Ich mußte sie aufschnüren.«   “I think she’s going,” said the Rector’s wife. “She was very red in the face when we left dinner. I was obliged to unlace her.” »Sie hat sieben Gläser Champagner getrunken«, sagte der ehrwürdige Herr leise, »und dabei ist es entsetzlicher Champagner, mit dem uns mein Bruder vergiftet – aber ihr Weiber habt ja keine Ahnung.«   “She drank seven glasses of champagne,” said the reverend gentleman, in a low voice; “and filthy champagne it is, too, that my brother poisons us with — but you women never know what’s what.” »So muß es wohl sein«, erwiderte Mrs. Bute Crawley.   “We know nothing,” said Mrs. Bute Crawley. »Nach dem Essen hat sie Kirschbranntwein getrunken«, fuhr Seine Ehrwürden fort, »und dann zum Kaffee Curaçao. Ich würde nicht für fünf Pfund ein Glas trinken, das Sodbrennen würde mich umbringen. Das kann sie nicht mehr lange aushalten, Mrs. Crawley, sie wird bald das Zeitliche segnen, Fleisch und Blut können das nicht überleben. Ich wette fünf gegen zwei – noch ein Jahr, und Matilda liegt im Grabe.«   “She drank cherry-brandy after dinner,” continued his Reverence, “and took curacao with her coffee. I wouldn’t take a glass for a five-pound note: it kills me with heartburn. She can’t stand it, Mrs. Crawley — she must go — flesh and blood won’t bear it! and I lay five to two, Matilda drops in a year.” In diese ernsthaften Erwägungen vertieft, schritt der Pfarrer mit seiner Frau eine Weile dahin und dachte an seine Schulden, an seinen Sohn James auf der Universität, an Frank in Woolwich und an die vier so wenig hübschen Mädchen, die armen Dinger, die außer dem, was ihre Tante ihnen hinterlassen würde, keinen Pfennig zu erwarten hatten.   Indulging in these solemn speculations, and thinking about his debts, and his son Jim at College, and Frank at Woolwich, and the four girls, who were no beauties, poor things, and would not have a penny but what they got from the aunt’s expected legacy, the Rector and his lady walked on for a while. »Pitt kann doch kein so teuflischer Schurke sein und die Anwartschaft auf die Pfründe verkaufen. Und der methodistische Weichling von einem ältesten Sohne möchte gern ins Parlament«, fuhr Mr. Crawley nach einer Pause fort.   “Pitt can’t be such an infernal villain as to sell the reversion of the living. And that Methodist milksop of an eldest son looks to Parliament,” continued Mr. Crawley, after a pause. »Sir Pitt Crawley kann man alles zutrauen«, sagte die Pfarrersfrau. »Wir müssen in Miss Crawley dringen, daß sie ihn dazu bringt, die Pfründe James zu versprechen.«   “Sir Pitt Crawley will do anything,” said the Rector’s wife. “We must get Miss Crawley to make him promise it to James.” »Pitt wird alles versprechen«, erwiderte der Bruder. »Er versprach mir, meine Universitätsschulden zu bezahlen, als unser Vater starb; er versprach, den neuen Flügel an das Pfarrhaus zu bauen; er versprach mir, daß er mir Jibbs Feld sowie die sechs Morgen Wiesenland überlassen wollte – aber wie hat er seine Versprechungen gehalten! Und dem Sohn dieses Mannes, diesem Spitzbuben, Spieler, Schwindler, Mörder Rawdon Crawley, hinterläßt Matilda den Löwenanteil ihres Vermögens. Ich sage, es ist unchristlich. Beim Zeus, das ist es. Der infame Hund hat alle Laster, außer der Heuchelei, und die besitzt sein Bruder.«   “Pitt will promise anything,” replied the brother. “He promised he’d pay my college bills, when my father died; he promised he’d build the new wing to the Rectory; he promised he’d let me have Jibb’s field and the Six-acre Meadow — and much he executed his promises! And it’s to this man’s son — this scoundrel, gambler, swindler, murderer of a Rawdon Crawley, that Matilda leaves the bulk of her money. I say it’s un-Christian. By Jove, it is. The infamous dog has got every vice except hypocrisy, and that belongs to his brother.” »Still, Liebster! Wir sind auf Sir Pitts Grund und Boden«, fiel ihm seine Frau ins Wort.   “Hush, my dearest love! we’re in Sir Pitt’s grounds,” interposed his wife. »Ich sage, er hat jedes Laster, Mrs. Crawley. Bitte, Madame, überschrei mich nicht. Hat er nicht Hauptmann Firebrace erschossen? Hat er nicht den jungen Lord Dovedale im ›Kakaobaum‹ ausgeraubt? Hat er nicht den Kampf zwischen Bill Soames und dem Cheshire As hintertrieben, wodurch ich vierzig Pfund verlor? Das weißt du alles ganz genau. Und was die Weiber betrifft, nun, so hast du das ja in meiner eigenen Gerichtsstube gehört...«   “I say he has got every vice, Mrs. Crawley. Don’t Ma’am, bully me. Didn’t he shoot Captain Marker? Didn’t he rob young Lord Dovedale at the Cocoa-Tree? Didn’t he cross the fight between Bill Soames and the Cheshire Trump, by which I lost forty pound? You know he did; and as for the women, why, you heard that before me, in my own magistrate’s room.” »Um Himmels willen, Mr. Crawley«, rief die Dame, »erspare mir Einzelheiten I«   “For heaven’s sake, Mr. Crawley,” said the lady, “spare me the details.” »Und diesen Schuft lädst du dir ins Haus!« fuhr der empörte Pfarrer fort. »Du, die Mutter von kleinen Kindern, die Frau eines Geistlichen der Kirche von England. Beim Zeus!«   “And you ask this villain into your house!” continued the exasperated Rector. “You, the mother of a young family — the wife of a clergyman of the Church of England. By Jove!” »Bute Crawley, du bist ein Narr«, sagte die Pfarrersfrau verächtlich.   “Bute Crawley, you are a fool,” said the Rector’s wife scornfully. »Schön, Madame, Narr oder nicht – und ich behaupte ja auch nicht, Martha, daß ich so klug bin wie du, und habe es nie behauptet. Aber Rawdon Crawley will ich nicht sehen, damit du Bescheid weißt. Ich will zu Huddleston hinüber, ja, ganz bestimmt, und mir seinen schwarzen Windhund ansehen, Mrs. Crawley; und ich wette um fünfzig Pfund, daß Lancelot besser läuft als der oder jeder andere Hund in England. Beim Zeus, das will ich. Aber das Biest Rawdon Crawley will ich nicht sehen.«   “Well, Ma’am, fool or not — and I don’t say, Martha, I’m so clever as you are, I never did. But I won’t meet Rawdon Crawley, that’s flat. I’ll go over to Huddleston, that I will, and see his black greyhound, Mrs. Crawley; and I’ll run Lancelot against him for fifty. By Jove, I will; or against any dog in England. But I won’t meet that beast Rawdon Crawley.” »Mr. Crawley, du bist wieder einmal betrunken«, erwiderte seine Frau. Und als am nächsten Morgen der Pfarrer aufwachte und Dünnbier verlangte, erinnerte sie ihn an sein Versprechen, am Sonnabend Sir Huddleston Fuddleston zu besuchen, und da er wußte, daß es ein feuchter Abend werden würde, so beschloß man, daß er erst am Sonntagmorgen zurückgaloppieren sollte, um noch rechtzeitig zum Gottesdienst zu kommen. So kann man sehen, daß die Pfarrkinder von Crawley sich gleichermaßen zu ihrem Gutsherrn wie zu ihrem Pfarrer Glück wünschen konnten.   “Mr. Crawley, you are intoxicated, as usual,” replied his wife. And the next morning, when the Rector woke, and called for small beer, she put him in mind of his promise to visit Sir Huddleston Fuddleston on Saturday, and as he knew he should have a wet night, it was agreed that he might gallop back again in time for church on Sunday morning. Thus it will be seen that the parishioners of Crawley were equally happy in their Squire and in their Rector. Miss Crawley hatte sich noch nicht lange im Schlosse aufgehalten, da hatten Rebekkas Reize schon das Herz der gutmütigen Londoner Müßiggängerin erobert wie früher das der unschuldigen Landleute, von denen wir sprachen. Als sie eines Tages ihre gewohnte Spazierfahrt machen wollte, hielt sie es für angemessen, zu befehlen, daß »die kleine Gouvernante« sie nach Mudbury begleiten solle. Noch ehe sie zurück waren, hatte Rebekka sie erobert, da sie die alte Dame viermal zum Lachen gebracht und während der ganzen kleinen Reise amüsiert hatte.   Miss Crawley had not long been established at the Hall before Rebecca’s fascinations had won the heart of that good-natured London rake, as they had of the country innocents whom we have been describing. Taking her accustomed drive, one day, she thought fit to order that “that little governess” should accompany her to Mudbury. Before they had returned Rebecca had made a conquest of her; having made her laugh four times, and amused her during the whole of the little journey. »Miss Sharp nicht mit an der Tafel teilnehmen lassen?« entrüstete sie sich gegenüber Sir Pitt, der einen offiziellen Empfang arrangiert und alle benachbarten Baronets dazu eingeladen hatte. »Glaubst du denn, du holdes Wesen, ich könne mich mit Lady Fuddleston über Kinderstubentratsch unterhalten oder mit dem alten Dummkopf, Sir Giles Wapshot, Friedensrichterprobleme diskutieren? Ich bestehe darauf, daß Miss Sharp dabei ist! Lady Crawley kann ja oben bleiben, wenn kein Platz mehr da ist. Aber die kleine Miss Sharp! Ja, die ist die einzige in der ganzen Grafschaft, mit der man ein vernünftiges Wort reden kann!«   “Not let Miss Sharp dine at table!” said she to Sir Pitt, who had arranged a dinner of ceremony, and asked all the neighbouring baronets. “My dear creature, do you suppose I can talk about the nursery with Lady Fuddleston, or discuss justices’ business with that goose, old Sir Giles Wapshot? I insist upon Miss Sharp appearing. Let Lady Crawley remain upstairs, if there is no room. But little Miss Sharp! Why, she’s the only person fit to talk to in the county!” Auf einen so entschiedenen Befehl hin wurde Miss Sharp, die Gouvernante, natürlich aufgefordert, mit der vornehmen Gesellschaft unten zu speisen. Und als Sir Huddleston mit großem Gepränge und vielen Zeremonien Miss Crawley zur Tafel geführt hatte und sich eben anschickte, neben ihr Platz zu nehmen, rief die alte Dame mit schriller Stimme: »Becky Sharp! Miss Sharp! Kommen Sie, setzen Sie sich neben mich und amüsieren Sie mich. Sir Huddleston kann sich ja neben Lady Wapshot setzen.«   Of course, after such a peremptory order as this, Miss Sharp, the governess, received commands to dine with the illustrious company below stairs. And when Sir Huddleston had, with great pomp and ceremony, handed Miss Crawley in to dinner, and was preparing to take his place by her side, the old lady cried out, in a shrill voice, “Becky Sharp! Miss Sharp! Come you and sit by me and amuse me; and let Sir Huddleston sit by Lady Wapshot.” Wenn die Gesellschaften vorbei und die Wagen davongerollt waren, sagte die unersättliche Miss Crawley stets: »Kommen Sie mit mir in mein Ankleidezimmer, Becky, wir wollen die Leute von heute abend ein bißchen durchhecheln«, und das gelang diesem Frauenzimmer prächtig. Der alte Sir Huddleston keuchte entsetzlich beim Essen, Sir Giles Wapshot hatte eine besonders geräuschvolle Art, seine Suppe zu schlürfen, und seine Lady zwinkerte ein wenig mit dem linken Auge, und all das karikierte Becky bewundernswürdig. Ebenso wie die Einzelheiten der Abendunterhaltung, Politik, Krieg, die vierteljährlichen Sitzungen der Friedensrichter, das berühmte Rennen und all die schwerwiegenden und ermüdenden Themen, worüber Landedelleute sprechen. An den Toiletten der beiden Miss Wapshot und dem berühmten gelben Hut von Lady Fuddleston ließ Miss Sharp keinen guten Faden, zur unendlichen Belustigung ihrer Zuhörerin.   When the parties were over, and the carriages had rolled away, the insatiable Miss Crawley would say, “Come to my dressing room, Becky, and let us abuse the company" — which, between them, this pair of friends did perfectly. Old Sir Huddleston wheezed a great deal at dinner; Sir Giles Wapshot had a particularly noisy manner of imbibing his soup, and her ladyship a wink of the left eye; all of which Becky caricatured to admiration; as well as the particulars of the night’s conversation; the politics; the war; the quarter-sessions; the famous run with the H.H., and those heavy and dreary themes, about which country gentlemen converse. As for the Misses Wapshot’s toilettes and Lady Fuddleston’s famous yellow hat, Miss Sharp tore them to tatters, to the infinite amusement of her audience. »Meine Liebe, Sie sind ja eine wahre trouvaille«, pflegte Miss Crawley zu sagen. »Ich wollte, Sie könnten zu mir nach London kommen. Aber ich könnte Sie nicht wie die arme Briggs zur Zielscheibe meines Spottes machen, nein, nein, Sie gerissenes kleines Geschöpf, Sie sind zu schlau dazu. – Nicht wahr, Firkin?«   “My dear, you are a perfect trouvaille,” Miss Crawley would say. “I wish you could come to me in London, but I couldn’t make a butt of you as I do of poor Briggs no, no, you little sly creature; you are too clever — Isn’t she, Firkin?” Mrs. Firkin (die gerade damit beschäftigt war, die wenigen Haarreste auf Miss Crawleys Schädel zu frisieren) warf den Kopf in den Nacken und sagte mit mörderischem Sarkasmus: »Ich glaube, Miss ist wirklich sehr schlau.« Mrs. Firkin besaß jene natürliche Eifersucht, die eine Haupteigenschaft jeder ehrlichen Frau ist.   Mrs. Firkin (who was dressing the very small remnant of hair which remained on Miss Crawley’s pate), flung up her head and said, “I think Miss is very clever,” with the most killing sarcastic air. In fact, Mrs. Firkin had that natural jealousy which is one of the main principles of every honest woman. Nachdem Miss Crawley sich Sir Huddleston Fuddlestons entledigt hatte, befahl sie, daß Rawdon Crawley sie jeden Tag zu Tisch führen und daß Becky ihr mit dem Kissen folgen sollte, oder aber sie nahm Beckys Arm und ließ Rawdon mit dem Kissen folgen. »Wir müssen zusammen sitzen«, erklärte sie. »Wir sind die drei einzigen Christen in der Grafschaft, meine Liebe«; wenn das der Fall war, durfte es allerdings zugegebenermaßen in der Grafschaft Hampshire mit der Religion nicht eben zum besten stehen.   After rebuffing Sir Huddleston Fuddleston, Miss Crawley ordered that Rawdon Crawley should lead her in to dinner every day, and that Becky should follow with her cushion — or else she would have Becky’s arm and Rawdon with the pillow. “We must sit together,” she said. “We’re the only three Christians in the county, my love" — in which case, it must be confessed, that religion was at a very low ebb in the county of Hants. Miss Crawley war aber nicht nur eine fromme Christin, sie war auch, wie bereits erwähnt, von ultraliberaler Einstellung und ergriff jede Gelegenheit, ihre Ansichten offen zu verkünden.   Besides being such a fine religionist, Miss Crawley was, as we have said, an Ultra-liberal in opinions, and always took occasion to express these in the most candid manner. »Was ist schon Geburt, meine Teure?« pflegte sie zu Rebekka zu sagen. »Sehen Sie sich meinen Bruder Pitt an, sehen Sie sich die Huddlestons an, die schon seit Heinrich II. hier wohnen, sehen Sie sich den armen Bute im Pfarrhause an – kann es einer von denen mit Ihnen in bezug auf Verstand und Erziehung aufnehmen? Es mit Ihnen aufnehmen? Ach du großer Gott, die können es nicht einmal mit der armen lieben Briggs, meiner Gesellschaftsdame, oder Bowls, meinem Butler, aufnehmen. Sie, meine Liebe, sind wirklich ein Musterexemplar, ein kleiner Edelstein. Sie haben mehr Verstand als die halbe Grafschaft. Würde Vortrefflichkeit belohnt, so müßten Sie eine Herzogin sein – nein, es sollte überhaupt gar keine Herzoginnen geben, aber Sie dürften niemanden über sich haben, und ich betrachte Sie, meine Liebe, in jeder Hinsicht als mir ebenbürtig; und... würden Sie bitte ein paar Kohlen nachlegen, und würden Sie bitte dieses Kleid nehmen und es ändern, wo Sie es doch so gut können?« So ließ diese alte Philanthropin die, die sie als Gleichgestellte betrachtete, ihre Aufträge ausführen, betraute sie mit ihren Näharbeiten und ließ sich von ihr jeden Abend mit französischen Romanen in den Schlaf lesen.   “What is birth, my dear!” she would say to Rebecca — "Look at my brother Pitt; look at the Huddlestons, who have been here since Henry II; look at poor Bute at the parsonage — is any one of them equal to you in intelligence or breeding? Equal to you — they are not even equal to poor dear Briggs, my companion, or Bowls, my butler. You, my love, are a little paragon — positively a little jewel — You have more brains than half the shire — if merit had its reward you ought to be a Duchess — no, there ought to be no duchesses at all — but you ought to have no superior, and I consider you, my love, as my equal in every respect; and — will you put some coals on the fire, my dear; and will you pick this dress of mine, and alter it, you who can do it so well?” So this old philanthropist used to make her equal run of her errands, execute her millinery, and read her to sleep with French novels, every night. Wie ältere Leser sich vielleicht noch erinnern werden, war damals die vornehme Welt in beträchtliche Aufregung versetzt worden durch zwei Vorfälle, die geeignet waren, wie die Zeitungen sich ausdrücken, den Herren in den langen Roben Beschäftigung zu verschaffen. Fähnrich Shafton war mit Lady Barbara Fitzurse, Tochter und Erbin des Grafen von Bruin, entlaufen; und der arme Vere Vane, ein Herr, der bis in sein vierzigstes Lebensjahr in bestem Rufe stand und zahlreiche Kinder großgezogen hatte, verließ mit einemmal schändlicherweise sein Haus wegen Mrs. Rougemont, der fünfundsechzigjährigen Schauspielerin.   At this time, as some old readers may recollect, the genteel world had been thrown into a considerable state of excitement by two events, which, as the papers say, might give employment to the gentlemen of the long robe. Ensign Shafton had run away with Lady Barbara Fitzurse, the Earl of Bruin’s daughter and heiress; and poor Vere Vane, a gentleman who, up to forty, had maintained a most respectable character and reared a numerous family, suddenly and outrageously left his home, for the sake of Mrs. Rougemont, the actress, who was sixty-five years of age. »Das war der schönste Zug an Lord Nelsons teurem Charakter«, sagte Miss Crawley, »daß er für eine Frau zum Teufel ging. In einem Mann, der das tut, muß Gutes stecken. Ich liebe alle unklugen Heiraten. Am schönsten finde ich, wenn ein Adliger eine Müllerstochter heiratet, wie Lord Flowerdale es getan hat. Das macht alle Frauen so wütend. Ich wollte, ein Mann liefe mit Ihnen davon, meine Liebe, hübsch genug sind Sie.«   “That was the most beautiful part of dear Lord Nelson’s character,” Miss Crawley said. “He went to the deuce for a woman. There must be good in a man who will do that. I adore all impudent matches. — What I like best, is for a nobleman to marry a miller’s daughter, as Lord Flowerdale did — it makes all the women so angry — I wish some great man would run away with you, my dear; I’m sure you’re pretty enough.” »Zwei Postillione! Ach, das wäre entzückend!« gestand Rebekka.   “Two post-boys! — Oh, it would be delightful!” Rebecca owned. »Und am zweitbesten gefällt mir, wenn ein armer Kerl mit einem reichen Mädchen durchbrennt; es wäre herrlich, wenn Rawdon irgendeine entführte.«   “And what I like next best, is for a poor fellow to run away with a rich girl. I have set my heart on Rawdon running away with some one.” “A rich some one, or a poor some one?” »Eine Reiche oder eine Arme?«   »Ei, ei, Sie Gänschen! Rawdon hat keinen Shilling, außer dem, was ich ihm gebe. Er ist criblé de dettes – er muß sein Glück reparieren und Erfolg in der Welt haben.«   “Why, you goose! Rawdon has not a shilling but what I give him. He is crible de dettes — he must repair his fortunes, and succeed in the world.”   »Ist er sehr klug?« fragte Rebekka.   “Is he very clever?” Rebecca asked. »Klug, meine Liebe? Ei, er hat keine Ahnung von etwas anderem als von Pferden, seinem Regiment, seiner Jagd und seinem Spiel; aber er muß Erfolg haben – er ist so entzückend lasterhaft. Wissen Sie nicht, daß er einen Mann getötet und einem beschimpften Vater nur durch den Hut geschossen hat? Bei seinem Regiment beten sie ihn an, und alle jungen Leute bei ›Wattier‹ und im ›Kakaobaum‹ schwören auf ihn.«   “Clever, my love? — not an idea in the world beyond his horses, and his regiment, and his hunting, and his play; but he must succeed — he’s so delightfully wicked. Don’t you know he has hit a man, and shot an injured father through the hat only? He’s adored in his regiment; and all the young men at Wattier’s and the Cocoa-Tree swear by him.” Als Miss Rebekka Sharp ihrer geliebten Freundin den kleinen Ball in Queen's Crawley beschrieb und schilderte, wie Hauptmann Crawley sie zum ersten Male ausgezeichnet hatte, war ihr Bericht seltsamerweise nicht in allen Stücken genau. Der Hauptmann hatte sie schon oft zuvor ausgezeichnet. Der Hauptmann war ihr ein dutzendmal auf Spaziergängen begegnet. Der Hauptmann hatte sie fünfzigmal in Korridoren und Gängen getroffen. Der Hauptmann hatte sich abends wohl zwanzigmal über das Klavier gelehnt, wenn sie sang (die Lady war krank und hielt sich oben auf, und niemand kümmerte sich um sie). Der Hauptmann hatte Rebekka Briefchen geschrieben (die schönsten, die der große, ungeschickte Dragoner ersinnen und aufs Papier bringen konnte, aber mit Dummheit kommt man bei den Frauen ebenso weit wie mit allen anderen Eigenschaften). Als er aber sein erstes Briefchen in die Noten des Liedes gesteckt hatte, das sie gerade sang, erhob sich die kleine Gouvernante, sah ihm fest ins Gesicht, ergriff das dreieckige Briefchen, schwenkte es hin und her, als ob es ein Dreispitz wäre. Dann schritt sie auf den Feind zu und warf das Briefchen ins Feuer, und nach einem tiefen Knicks ging sie an ihren Platz zurück und sang lustiger als je weiter.   When Miss Rebecca Sharp wrote to her beloved friend the account of the little ball at Queen’s Crawley, and the manner in which, for the first time, Captain Crawley had distinguished her, she did not, strange to relate, give an altogether accurate account of the transaction. The Captain had distinguished her a great number of times before. The Captain had met her in a half-score of walks. The Captain had lighted upon her in a half-hundred of corridors and passages. The Captain had hung over her piano twenty times of an evening (my Lady was now upstairs, being ill, and nobody heeded her) as Miss Sharp sang. The Captain had written her notes (the best that the great blundering dragoon could devise and spell; but dulness gets on as well as any other quality with women). But when he put the first of the notes into the leaves of the song she was singing, the little governess, rising and looking him steadily in the face, took up the triangular missive daintily, and waved it about as if it were a cocked hat, and she, advancing to the enemy, popped the note into the fire, and made him a very low curtsey, and went back to her place, and began to sing away again more merrily than ever. »Was ist los?« fragte Miss Crawley, die durch das plötzliche Aufhören der Musik in ihrem Nachmittagsschläfchen gestört wurde.   “What’s that?” said Miss Crawley, interrupted in her after-dinner doze by the stoppage of the music. »Es war eine falsche Note«, lachte Miss Sharp; Rawdon Crawley dagegen platzte vor Wut und Ärger.   “It’s a false note,” Miss Sharp said with a laugh; and Rawdon Crawley fumed with rage and mortification. Wie gut war es doch von Mrs. Bute Crawley, nicht eifersüchtig zu werden, als sie Miss Crawleys offensichtliche Vorliebe für die neue Gouvernante entdeckte, sondern die junge Dame ins Pfarrhaus einzuladen, und mit ihr zusammen auch Rawdon Crawley, ihres Gatten Rivalen in den fünfprozentigen Papieren der alten Jungfer. Sie fanden viel Gefallen aneinander, Mrs. Crawley und ihr Neffe. Er gab das Jagen auf, folgte nicht mehr den Einladungen nach Fuddleston und speiste nicht mehr in der Offiziersmesse im Hauptquartier des Regiments in Mudbury; sein größtes Vergnügen war, nach dem Pfarrhause von Crawley hinüberzuschlendern, wohin sich auch Miss Crawley begab, und warum nicht auch Miss Sharp mit den Kindern, da doch deren Mutter krank war? So kamen denn auch die Kinder (die herzigen Kleinen!) mit Miss Sharp, und abends gingen gewöhnlich einige aus der Gesellschaft zu Fuß zurück. Nicht Miss Crawley – sie zog ihre Kutsche vor; aber für zwei Liebhaber des Malerischen wie den Hauptmann und Miss Rebekka war der Spaziergang im Mondschein über die Felder des Pfarrers und durch das Parkpförtchen zu den dunklen Bäumen und durch die Allee nach Queen's Crawley hinauf bezaubernd schön.   Seeing the evident partiality of Miss Crawley for the new governess, how good it was of Mrs. Bute Crawley not to be jealous, and to welcome the young lady to the Rectory, and not only her, but Rawdon Crawley, her husband’s rival in the Old Maid’s five per cents! They became very fond of each other’s society, Mrs. Crawley and her nephew. He gave up hunting; he declined entertainments at Fuddleston: he would not dine with the mess of the depot at Mudbury: his great pleasure was to stroll over to Crawley parsonage — whither Miss Crawley came too; and as their mamma was ill, why not the children with Miss Sharp? So the children (little dears!) came with Miss Sharp; and of an evening some of the party would walk back together. Not Miss Crawley — she preferred her carriage — but the walk over the Rectory fields, and in at the little park wicket, and through the dark plantation, and up the checkered avenue to Queen’s Crawley, was charming in the moonlight to two such lovers of the picturesque as the Captain and Miss Rebecca. »Oh, die Sterne, die Sterne!« rief Miss Rebekka jedesmal aus und schlug ihre grünen funkelnden Augen auf. »Ich fühle mich fast wie ein Geist, wenn ich sie anschaue.«   “O those stars, those stars!” Miss Rebecca would say, turning her twinkling green eyes up towards them. “I feel myself almost a spirit when I gaze upon them.” »Oh – ah – Gott – ja, ich genauso, Miss Sharp«, antwortete der andere Enthusiast. »Meine Zigarre stört Sie doch hoffentlich nicht, Miss Sharp?« Miss Sharp liebte Zigarrenduft im Freien über alles – und sehr zierlich probierte sie selbst mal eine, paffte ein wenig, stieß einen kleinen Schrei aus, kicherte ein wenig und gab die Köstlichkeit dem Hauptmann zurück; der zwirbelte seinen Schnurrbart, paffte so heftig, daß rote Glut zwischen den dunklen Bäumen aufleuchtete, und schwor: »Beim Zeus – ah  – Gott – ah – das ist die beste Zigarre, die ich je geraucht habe – ah«, denn seine Unterhaltung war ebenso brillant wie sein Verstand und einem schwerfälligen jungen Dragoner angemessen.   “O — ah — Gad — yes, so do I exactly, Miss Sharp,” the other enthusiast replied. “You don’t mind my cigar, do you, Miss Sharp?” Miss Sharp loved the smell of a cigar out of doors beyond everything in the world — and she just tasted one too, in the prettiest way possible, and gave a little puff, and a little scream, and a little giggle, and restored the delicacy to the Captain, who twirled his moustache, and straightway puffed it into a blaze that glowed quite red in the dark plantation, and swore — "Jove — aw — Gad — aw — it’s the finest segaw I ever smoked in the world aw,” for his intellect and conversation were alike brilliant and becoming to a heavy young dragoon. Der alte Sir Pitt, der pfeiferauchend, sein Bier vor sich, mit John Horrocks über ein Schaf sprach, das geschlachtet werden sollte, erspähte vom Fenster seines Arbeitszimmers aus das solcherart beschäftigte Paar und schwor unter entsetzlichen Flüchen, daß er, wenn Miss Crawley nicht da wäre, Rawdon ergreifen und hinausschmeißen würde, wie es einem Spitzbuben seines Schlages gebühre.   Old Sir Pitt, who was taking his pipe and beer, and talking to John Horrocks about a “ship” that was to be killed, espied the pair so occupied from his study-window, and with dreadful oaths swore that if it wasn’t for Miss Crawley, he’d take Rawdon and bundle un out of doors, like a rogue as he was. »Er ist schon schlimm«, bemerkte Mr. Horrocks; »sein Diener Flethers aber ist noch schlimmer. Er hat im Zimmer der Haushälterin einen solchen Skandal wegen Essen und Bier aufgeführt, wie kein Lord es tun würde. Aber ich glaube, Miss Sharp ist ihm gewachsen, Sir Pitt«, setzte er nach einer Pause hinzu.   “He be a bad’n, sure enough,” Mr. Horrocks remarked; “and his man Flethers is wuss, and have made such a row in the housekeeper’s room about the dinners and hale, as no lord would make — but I think Miss Sharp’s a match for’n, Sir Pitt,” he added, after a pause. Und das war sie auch – dem Vater mitsamt dem Sohn.   And so, in truth, she was — for father and son too. 12. Kapitel / Chapter 12 Ein ganz sentimentales Kapitel / Quite a Sentimental Chapter Wir müssen uns nun von Arkadien und den liebenswürdigen Leuten, die dort die ländlichen Tugenden pflegen, verabschieden und nach London zurückkehren, um zu erforschen, was aus Miss Amelia geworden ist. »Wir machen uns keinen Pfifferling aus ihr«, schreibt eine unbekannte Leserin mit kleiner, hübscher Handschrift in einem rosa versiegelten Briefchen. »Sie ist fad und abgeschmackt.« Und fügt dann noch ein paar ähnliche freundschaftliche Bemerkungen hinzu, die ich überhaupt nicht wiederholt hätte, wären sie nicht in Wahrheit ungemein schmeichelhaft für die junge Dame, die sie betreffen.   We must now take leave of Arcadia, and those amiable people practising the rural virtues there, and travel back to London, to inquire what has become of Miss Amelia “We don’t care a fig for her,” writes some unknown correspondent with a pretty little handwriting and a pink seal to her note. “She is fade and insipid,” and adds some more kind remarks in this strain, which I should never have repeated at all, but that they are in truth prodigiously complimentary to the young lady whom they concern. Hat der geneigte Leser mit ausreichender Welterfahrung nie ähnliche Bemerkungen gutmütiger Freundinnen gehört, die sich stets wundern, was man bloß Bezauberndes an Miss Smith finden könne oder was Major Jones nur veranlaßt habe, um die einfältige, uninteressante, gezierte Miss Thompson zu werben, die doch nichts aufzuweisen hat als ihr Wachspuppengesicht. Was sind denn schon ein paar rosige Wangen und blaue Augen? fragen die guten Moralistinnen und geben klug zu verstehen, daß Geistesgaben und Bildung, die Beherrschung von Mangnalls Fragen, daß Kenntnisse in Botanik und Geologie – soweit man es von Damen verlangen könne –, daß das Talent, Verse zu machen, Sonaten in Herzscher Art herunterzurattern und so weiter, für eine Frau von weit höherem Werte sei als jene flüchtigen Reize, die unvermeidlich in wenigen Jahren vergehen werden. Es ist erbaulich, zu lauschen, wenn Frauen über den Wert und die Dauer der Schönheit Betrachtungen anstellen.   Has the beloved reader, in his experience of society, never heard similar remarks by good-natured female friends; who always wonder what you can see in Miss Smith that is so fascinating; or what could induce Major Jones to propose for that silly insignificant simpering Miss Thompson, who has nothing but her wax-doll face to recommend her? What is there in a pair of pink cheeks and blue eyes forsooth? these dear Moralists ask, and hint wisely that the gifts of genius, the accomplishments of the mind, the mastery of Mangnall’s Questions, and a ladylike knowledge of botany and geology, the knack of making poetry, the power of rattling sonatas in the Herz-manner, and so forth, are far more valuable endowments for a female, than those fugitive charms which a few years will inevitably tarnish. It is quite edifying to hear women speculate upon the worthlessness and the duration of beauty. Aber obgleich Tugend eine weit bessere Eigenschaft ist und jene Ärmsten, die das Unglück haben, gut auszusehen, beständig an ihr künftiges Schicksal erinnert werden sollten und obgleich der heroische weibliche Charakter, den die Damen so bewundern, höchstwahrscheinlich ein weit herrlicheres und schöneres Gesprächsthema ist als die freundliche, frische, lächelnde, harmlose, zärtliche kleine Hausgöttin, die die Männer verehren, so muß doch diese untergeordnete Gruppe von Frauen den Trost haben, daß die Männer sie trotzdem bewundern. Und deshalb beharren wir, allen Warnungen und Protesten unserer netten Freundinnen zum Trotz, auf unserem verzweifelten Irrtum und unserer Torheit, werden bis zum Schluß des Kapitels darauf beharren. Obgleich mir Personen, für die ich große Achtung hege, erklärten, Miss Brown sei ein unbedeutendes Lärvchen, Mrs. White habe nichts als ihr petit minois chiffonné und Mrs. Black wisse gar nichts zu sagen, so kann ich nur versichern, daß ich für mein Teil mit Mrs. Black die angeregtesten Unterhaltungen geführt habe (natürlich sind diese Gespräche, meine teure Dame, ein unverletzliches Geheimnis), ich sehe alle Männer sich um den Stuhl von Mrs. White sammeln, und alle jungen Burschen reißen sich um einen Tanz mit Miss Brown. Daher fühle ich mich versucht, zu glauben, daß es kein geringes Kompliment für eine Frau ist, wenn ihre eigenen Geschlechtsgenossinnen sie verachten.   But though virtue is a much finer thing, and those hapless creatures who suffer under the misfortune of good looks ought to be continually put in mind of the fate which awaits them; and though, very likely, the heroic female character which ladies admire is a more glorious and beautiful object than the kind, fresh, smiling, artless, tender little domestic goddess, whom men are inclined to worship — yet the latter and inferior sort of women must have this consolation — that the men do admire them after all; and that, in spite of all our kind friends’ warnings and protests, we go on in our desperate error and folly, and shall to the end of the chapter. Indeed, for my own part, though I have been repeatedly told by persons for whom I have the greatest respect, that Miss Brown is an insignificant chit, and Mrs. White has nothing but her petit minois chiffonne, and Mrs. Black has not a word to say for herself; yet I know that I have had the most delightful conversations with Mrs. Black (of course, my dear Madam, they are inviolable): I see all the men in a cluster round Mrs. White’s chair: all the young fellows battling to dance with Miss Brown; and so I am tempted to think that to be despised by her sex is a very great compliment to a woman. Die jungen Damen in Amelias Gesellschaft taten das hinlänglich mit ihr. Es gab zum Beispiel kaum einen Punkt, worin sich die beiden Miss Osborne – Georges Schwestern –und die beiden Mademoiselle Dobbin so sehr einig waren wie in der Beurteilung der geringen Verdienste Amelias sowie in der Verwunderung, was für Reize ihre Brüder ihr abgewinnen konnten. »Wir sind freundlich gegen sie«, verkündeten die beiden Miss Osborne, zwei hübsche Brünetten, die die besten Gouvernanten, Lehrer und Putzmacherinnen gehabt hatten, und sie behandelten sie mit Gönnermiene so außerordentlich freundlich und herablassend, daß das arme kleine Ding in ihrer Gesellschaft tatsächlich stumm und allem Anscheine nach so dumm war, wie sie es von ihr glaubten. Amelia bemühte sich, sie pflichtschuldigst als Schwestern ihres zukünftigen Gatten zu lieben. Sie verbrachte lange Morgen bei ihnen – die langweiligsten und ernstesten, die sie je erlebt hatte. Sie fuhr mit ihnen und mit ihrer Gouvernante, Miss Wirt, einer grobknochigen Vestalin, feierlich in der Familienkutsche aus. Um ihr einen besonderen Hochgenuß zu bereiten, schleppten sie die Schwestern zu Kirchenkonzerten, zu Oratorien und in die Sankt-Pauls-Kathedrale zu den Waisenkindern, wo sie aus lauter Angst vor ihren Freunden kaum wagte, sich durch die Hymne der Kinder rühren zu lassen. Das Osbornesche Haus war gemütlich, des Vaters Tisch reich und glänzend, ihre Gesellschaft feierlich und vornehm, ihre Selbstachtung gewaltig; sie hatten den ersten Platz im Findelhaus; alle ihre Gewohnheiten waren pompös und regelmäßig und alle ihre Vergnügungen unerträglich langweilig, aber züchtig. Jedesmal nach Amelias Besuch (und ach, wie froh war sie stets, wenn er vorüber war!) fragten Miss Osborne und Miss Maria Osborne und Miss Wirt, die vestalische Gouvernante, mit steigender Verwunderung: »Was kann George doch bloß an dem Geschöpf finden?«   The young ladies in Amelia’s society did this for her very satisfactorily. For instance, there was scarcely any point upon which the Misses Osborne, George’s sisters, and the Mesdemoiselles Dobbin agreed so well as in their estimate of her very trifling merits: and their wonder that their brothers could find any charms in her. “We are kind to her,” the Misses Osborne said, a pair of fine black-browed young ladies who had had the best of governesses, masters, and milliners; and they treated her with such extreme kindness and condescension, and patronised her so insufferably, that the poor little thing was in fact perfectly dumb in their presence, and to all outward appearance as stupid as they thought her. She made efforts to like them, as in duty bound, and as sisters of her future husband. She passed “long mornings” with them — the most dreary and serious of forenoons. She drove out solemnly in their great family coach with them, and Miss Wirt their governess, that raw-boned Vestal. They took her to the ancient concerts by way of a treat, and to the oratorio, and to St. Paul’s to see the charity children, where in such terror was she of her friends, she almost did not dare be affected by the hymn the children sang. Their house was comfortable; their papa’s table rich and handsome; their society solemn and genteel; their self-respect prodigious; they had the best pew at the Foundling: all their habits were pompous and orderly, and all their amusements intolerably dull and decorous. After every one of her visits (and oh how glad she was when they were over!) Miss Osborne and Miss Maria Osborne, and Miss Wirt, the vestal governess, asked each other with increased wonder, “What could George find in that creature?” Wie kommt das? ruft hier ein kritischer Leser aus. Wie kommt es, daß Amelia, die doch in der Schule so viele Freundinnen hatte und dort so beliebt war, bei ihrem Eintritt in die Welt von ihrem scharfsinnigen Geschlecht verachtet wird? Mein sehr verehrter Herr, es gab außer dem alten Tanzmeister in Miss Pinkertons Schule keine Männer; und seinetwegen hätten doch die Mädchen einander nicht in die Haare zu geraten brauchen! Wenn George, der hübsche Bruder, sofort nach dem Frühstück davonlief und wöchentlich sechsmal nicht zu Hause speiste, so ist es kein Wunder, daß die vernachlässigten Schwestern sich etwas ärgerten. Kann man wohl erwarten, daß Miss Maria hätte erfreut sein sollen, als der junge Bullock (von der Bank Hulker, Bullock und Co., Lombard Street), der ihr während der letzten beiden Saisons den Hof gemacht hatte, Amelia doch wahrhaftig zu einem Kotillon aufforderte? Und doch erklärte sie, sie sei es – das harmlose, verzeihende Geschöpf. »Ich freue mich so, daß die liebe Amelia Ihnen gefällt«, beteuerte sie Mr. Bullock ganz eifrig nach dem Tanz. »Sie ist mit meinem Bruder George verlobt; es ist zwar nichts Besonderes an ihr, aber sie ist doch ein sehr gutmütiges und natürliches junges Ding. Zu Hause haben wir sie alle so gern.« Das gute Mädchen! Wer vermag die innige Liebe abzuschätzen, die in diesem enthusiastischen so liegt?   How is this? some carping reader exclaims. How is it that Amelia, who had such a number of friends at school, and was so beloved there, comes out into the world and is spurned by her discriminating sex? My dear sir, there were no men at Miss Pinkerton’s establishment except the old dancing-master; and you would not have had the girls fall out about him ? When George, their handsome brother, ran off directly after breakfast, and dined from home half-a-dozen times a week, no wonder the neglected sisters felt a little vexation. When young Bullock (of the firm of Hulker, Bullock \& Co., Bankers, Lombard Street), who had been making up to Miss Maria the last two seasons, actually asked Amelia to dance the cotillon, could you expect that the former young lady should be pleased? And yet she said she was, like an artless forgiving creature. “I’m so delighted you like dear Amelia,” she said quite eagerly to Mr. Bullock after the dance. “She’s engaged to my brother George; there’s not much in her, but she’s the best-natured and most unaffected young creature: at home we’re all so fond of her.” Dear girl! who can calculate the depth of affection expressed in that enthusiastic so ? Miss Wirt und diese beiden liebevollen jungen Damen führten George Osborne so oft und eindringlich vor Augen, welches ungeheure Opfer er bringe und mit welch romantischem Großmut er sich so an Amelia wegwerfe, daß ich nicht ganz sicher bin, ob er sich nicht wirklich als einen der verdienstvollsten Männer in der britischen Armee betrachtete und sich mit leichter Resignation lieben ließ.   Miss Wirt and these two affectionate young women so earnestly and frequently impressed upon George Osborne’s mind the enormity of the sacrifice he was making, and his romantic generosity in throwing himself away upon Amelia, that I’m not sure but that he really thought he was one of the most deserving characters in the British army, and gave himself up to be loved with a good deal of easy resignation. Obwohl George Osborne, wie wir berichteten, jeden Morgen von zu Hause wegstürzte und sechsmal wöchentlich auswärts speiste, so daß seine Schwestern glaubten, der betörte Jüngling hänge an Miss Sedleys Schürzenbändern, war er nicht immer bei Amelia, wenn die Welt ihn zu ihren Füßen glaubte. Mehr als einmal, wenn Hauptmann Dobbin seinen Freund besuchen wollte, deutete Miss Osborne (die dem Hauptmann ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte und sehr erpicht auf seine Soldatengeschichten und seine Berichte von der Gesundheit seiner lieben Mama war) lachend über den Russell Square und sagte:»Oh, nach George müssen Sie sich bei den Sedleys erkundigen; wir bekommen ihn ja vom Morgen bis zum Abend nicht zu sehen.« Nach solchen Worten lachte dann der Hauptmann etwas eigenartig und gezwungen und lenkte als vollendeter Weltmann das Gespräch auf einen Gegenstand allgemeinen Interesses, wie zum Beispiel die Oper, den letzten Ball beim Kronprinzen im Carlton-Haus oder das Wetter – diesen Wohltäter der Gesellschaft.   Somehow, although he left home every morning, as was stated, and dined abroad six days in the week, when his sisters believed the infatuated youth to be at Miss Sedley’s apron-strings: he was not always with Amelia, whilst the world supposed him at her feet. Certain it is that on more occasions than one, when Captain Dobbin called to look for his friend, Miss Osborne (who was very attentive to the Captain, and anxious to hear his military stories, and to know about the health of his dear Mamma), would laughingly point to the opposite side of the square, and say, “Oh, you must go to the Sedleys’ to ask for George; we never see him from morning till night.” At which kind of speech the Captain would laugh in rather an absurd constrained manner, and turn off the conversation, like a consummate man of the world, to some topic of general interest, such as the Opera, the Prince’s last ball at Carlton House, or the weather — that blessing to society. »Was für ein unschuldiger Mensch ist doch dein Liebling«, pflegte dann Miss Maria zu Miss Jane zu sagen, nachdem der Hauptmann gegangen war. »Hast du gesehen, wie er errötete, als ich erwähnte, daß der arme George Dienst tue?«   “What an innocent it is, that pet of yours,” Miss Maria would then say to Miss Jane, upon the Captain’s departure. “Did you see how he blushed at the mention of poor George on duty?” »Es ist jammerschade, daß Frederick Bullock nicht etwas von seiner Bescheidenheit besitzt, Maria«, erwiderte dann die ältere Schwester und warf den Kopf zurück.   “It’s a pity Frederick Bullock hadn’t some of his modesty, Maria,” replies the elder sister, with a toss of he head. »Bescheidenheit! Du meinst wohl, Unbehilflichkeit, Jane. Ich möchte nicht, daß Frederick mir ein Loch ins Musselinkleid tritt wie Hauptmann Dobbin dir, als wir bei Mrs. Perkin waren.«   “Modesty! Awkwardness you mean, Jane. I don’t want Frederick to trample a hole in my muslin frock, as Captain Dobbin did in yours at Mrs. Perkins’.” »In dein Kleid, haha! Wie konnte er denn das? Hat er nicht mit Amelia getanzt?«   “In your frock, he, he! How could he? Wasn’t he dancing with Amelia?” Die Sache verhielt sich aber so: Als Hauptmann Dobbin errötete und so verlegen aussah, erinnerte er sich eines Umstandes, den er den jungen Damen lieber verschweigen wollte, nämlich daß er bereits in Mr. Sedleys Haus gewesen war, natürlich unter dem Vorwand, George zu sehen. George aber war nicht dort, sondern bloß die arme kleine Amelia, die ziemlich traurig und gedankenvoll am Salonfenster saß und nach einigen belanglosen, einfältigen Worten zu fragen wagte, ob etwas Wahres an dem Gerücht sei, daß das Regiment ins Ausland gehen würde, und ob Hauptmann Dobbin Mr. Osborne an dem Tage schon gesehen habe?   The fact is, when Captain Dobbin blushed so, and looked so awkward, he remembered a circumstance of which he did not think it was necessary to inform the young ladies, viz ., that he had been calling at Mr. Sedley’s house already, on the pretence of seeing George, of course, and George wasn’t there, only poor little Amelia, with rather a sad wistful face, seated near the drawing-room window, who, after some very trifling stupid talk, ventured to ask, was there any truth in the report that the regiment was soon to be ordered abroad; and had Captain Dobbin seen Mr. Osborne that day? Das Regiment hatte bis jetzt noch nicht den Befehl erhalten, und Hauptmann Dobbin hatte George nicht gesehen. »Höchstwahrscheinlich ist er bei seiner Schwester«, meinte der Hauptmann. »Soll ich den Säumigen holen gehen?« Darauf reichte sie ihm freundlich und dankbar die Hand, und er ging über den Platz. Sie wartete und wartete, aber George kam nicht.   The regiment was not ordered abroad as yet; and Captain Dobbin had not seen George. “He was with his sister, most likely,” the Captain said. “Should he go and fetch the truant?” So she gave him her hand kindly and gratefully: and he crossed the square; and she waited and waited, but George never came. Armes, zartes Herzchen! Und so schlägt es weiter in Hoffen, Sehnen, Vertrauen. Man sieht, es wird hier kein besonderes Leben beschrieben, kein ereignisreiches Leben, den lieben langen Tag nur ein Gefühl – wann kommt er? Nur ein Gedanke im Wachen und im Schlafen. Ich glaube, George spielte mit Hauptmann Cannon in der Swallow Street Billard, als Amelia Hauptmann Dobbin nach ihm fragte; denn er war ein lustiger, geselliger Bursche und Meister in allen Geschicklichkeitsspielen.   Poor little tender heart! and so it goes on hoping and beating, and longing and trusting. You see it is not much of a life to describe. There is not much of what you call incident in it. Only one feeling all day — when will he come? only one thought to sleep and wake upon. I believe George was playing billiards with Captain Cannon in Swallow Street at the time when Amelia was asking Captain Dobbin about him; for George was a jolly sociable fellow, and excellent in all games of skill. Als er einmal drei Tage lang nicht bei ihr gewesen war, setzte sich Miss Amelia den Hut auf und drang wirklich in das Osbornesche Haus ein. »Wie! Sie lassen unsern Bruder allein und kommen zu uns?« fragten die jungen Damen. »Haben Sie Streit mit ihm gehabt, Amelia? Erzählen Sie doch!« Nein, sie hatten sich nicht gezankt. »Wer könnte sich schon mit ihm streiten!« sagte sie. Sie sei bloß herübergekommen, um ihre teuren Freundinnen zu besuchen; sie hätten sich schon so lange nicht mehr gesehen. Und diesmal benahm sie sich so einfältig und unbeholfen, daß die beiden Miss Osborne und ihre Gouvernante, die ihr nachstarrten, als sie sich traurig entfernte, sich mehr denn je wunderten, was doch George an der armen kleinen Amelia finden könne.   Once, after three days of absence, Miss Amelia put on her bonnet, and actually invaded the Osborne house. “What! leave our brother to come to us?” said the young ladies. “Have you had a quarrel, Amelia? Do tell us!” No, indeed, there had been no quarrel. “Who could quarrel with him?” says she, with her eyes filled with tears. She only came over to — to see her dear friends; they had not met for so long. And this day she was so perfectly stupid and awkward, that the Misses Osborne and their governess, who stared after her as she went sadly away, wondered more than ever what George could see in poor little Amelia. Es war ganz natürlich, daß sie sich wunderten. Aber wie konnte Amelia auch nur jemals diesen jungen Damen mit den kalten schwarzen Augen ihr kleines, schüchternes Herz öffnen. Das beste war wohl, sie hielt es zurück und verbarg es. Ich weiß, daß die beiden Miss Osborne einen Kaschmirschal oder ein rosa Atlasunterkleid vortrefflich zu beurteilen verstanden; und wenn Miss Turner ihren rot färbte und sich einen Spenzer daraus machen ließ, oder wenn Miss Pickford ihren Hermelinkragen in einen Muff und Besatzstücke umarbeiten ließ, so garantiere ich, daß derartige Veränderungen den beiden intelligenten jungen Mädchen nicht entgingen. Aber sehen Sie, es gibt Dinge von feinerer Beschaffenheit als Pelzwerk und Atlas, alle Herrlichkeiten Salomos und die ganze Garderobe der Königin von Saba – Dinge, deren Schönheit manchem Kennerauge entgeht. Und es gibt süße, bescheidene Seelchen, die man duftend und lieblich blühend an ruhigen, schattigen Stellen trifft; und es gibt; prächtige Gartenblumen, so groß wie Messingwärmflaschen, welche durch ihre Blicke selbst die Sonne in Verlegenheit bringen können. Miss Sedley gehörte nicht zu dieser Art Sonnenblumen; und ich kann nur sagen, es verstößt gegen alle Regeln der Proportion, ein Veilchen so groß wie eine gefüllte Dahlie zu malen.   Of course they did. How was she to bare that timid little heart for the inspection of those young ladies with their bold black eyes? It was best that it should shrink and hide itself. I know the Misses Osborne were excellent critics of a Cashmere shawl, or a pink satin slip; and when Miss Turner had hers dyed purple, and made into a spencer; and when Miss Pickford had her ermine tippet twisted into a muff and trimmings, I warrant you the changes did not escape the two intelligent young women before mentioned. But there are things, look you, of a finer texture than fur or satin, and all Solomon’s glories, and all the wardrobe of the Queen of Sheba — things whereof the beauty escapes the eyes of many connoisseurs. And there are sweet modest little souls on which you light, fragrant and blooming tenderly in quiet shady places; and there are garden-ornaments, as big as brass warming-pans, that are fit to stare the sun itself out of countenance. Miss Sedley was not of the sunflower sort; and I say it is out of the rules of all proportion to draw a violet of the size of a double dahlia. Nein, wirklich, im Leben eines braven jungen Mädchens, das sich noch im väterlichen Nest befindet, kann es nicht viele jener spannenden Ereignisse geben, auf die eine Romanheldin gewöhnlich Anspruch erhebt. Die alten Vögel, die draußen umherfliegen und Futter suchen, können Opfer von Schlingen oder Kugeln werden, oder es können Habichte draußen sein, denen sie entkommen oder zur Beute fallen. Aber die Nestjungen führen in Stroh und Daunen ein ganz bequemes, unromantisches Leben, bis auch sie flügge werden. Während Becky Sharp schon selbständig auf dem Lande herumflog und auf allen möglichen Zweigen und zwischen einer Menge Fallen herumhüpfte und ganz harmlos, aber erfolgreich ihr Futter aufpickte, lag Amelia behaglich in ihrem warmen Nest am Russell Square; begab sie sich in die Welt hinaus, so geschah es unter der Führung ihrer Eltern, und weder sie noch das reiche, freundliche und bequeme Haus, in dem sie so liebevoll beschützt wurde, schien ein Unglück treffen zu können. Die Mama hatte ihre Vormittagspflichten, ihre täglichen Ausfahrten und jene entzückende Besuchs- und Einkaufsrunde, die das Vergnügen, wie man es auch nennen kann, den Beruf der reichen Londonerin ausmacht. Der Papa führte seine geheimnisvollen Geschäfte in der City – ein lebhafter Ort in jenen Tagen, als der Krieg in ganz Europa wütete und Weltreiche auf dem Spiele standen; als eine Zeitung wie der »Courier« ihre Abonnenten nach Zehntausenden zählte, als ein Tag die Schlacht von Vitoria, ein anderer den Brand von Moskau brachte; oder als zur Essenszeit ein Zeitungsverkäufer am Russell Square durch sein Horn verkündete: »Schlacht bei Leipzig – sechshunderttausend Mann beteiligt – totale Niederlage der Franzosen – zweihunderttausend Tote.« Ein paarmal kam der alte Sedley mit sehr ernstem Gesicht nach Hause; kein Wunder, wenn solche Nachrichten alle Herzen und Börsen Europas in Bewegung setzten.   No, indeed; the life of a good young girl who is in the paternal nest as yet, can’t have many of those thrilling incidents to which the heroine of romance commonly lays claim. Snares or shot may take off the old birds foraging without — hawks may be abroad, from which they escape or by whom they suffer; but the young ones in the nest have a pretty comfortable unromantic sort of existence in the down and the straw, till it comes to their turn, too, to get on the wing. While Becky Sharp was on her own wing in the country, hopping on all sorts of twigs, and amid a multiplicity of traps, and pecking up her food quite harmless and successful, Amelia lay snug in her home of Russell Square; if she went into the world, it was under the guidance of the elders; nor did it seem that any evil could befall her or that opulent cheery comfortable home in which she was affectionately sheltered. Mamma had her morning duties, and her daily drive, and the delightful round of visits and shopping which forms the amusement, or the profession as you may call it, of the rich London lady. Papa conducted his mysterious operations in the City — a stirring place in those days, when war was raging all over Europe, and empires were being staked; when the “Courier” newspaper had tens of thousands of subscribers; when one day brought you a battle of Vittoria, another a burning of Moscow, or a newsman’s horn blowing down Russell Square about dinner-time, announced such a fact as — "Battle of Leipsic — six hundred thousand men engaged — total defeat of the French — two hundred thousand killed.” Old Sedley once or twice came home with a very grave face; and no wonder, when such news as this was agitating all the hearts and all the Stocks of Europe. Unterdessen ging das Leben am Russell Square, Bloomsbury, weiter, als ob die Dinge in Europa nicht im geringsten in Auflösung begriffen wären. Der Rückzug von Leipzig brachte keine Veränderung in der Anzahl der Mahlzeiten mit sich, die Mr. Sambo in der Bedientenstube einnahm ; die Alliierten überfluteten Frankreich, und die Tischglocke läutete um fünf Uhr wie üblich. Ich glaube nicht, daß sich die arme Amelia um Brienne und Montmirail kümmerte oder sonstwie am Krieg interessiert war – bis der Kaiser abdankte. Da klatschte sie in die Hände und sprach voller Inbrunst Dankgebete und warf sich stürmisch in George Osbornes Arme, zum Erstaunen aller, die Zeuge dieser Gefühlsaufwallung waren. Friede war nämlich geschlossen, Europa sollte wieder zur Ruhe kommen; der Korse war gestürzt, und Leutnant Osbornes Regiment brauchte nicht zum Kriegsdienst auszurücken. Das waren Amelias Gedankengänge. Für sie war Leutnant George Osborne das Schicksal Europas. Da er außer Gefahr war, sang sie ein Tedeum. Für sie war er Europa, Kaiser, die alliierten Monarchen und der hohe Prinzregent. Er war ihre Sonne und ihr Mond; und ich glaube sogar, in ihren Augen waren die große Illumination und der Ball, der für die Herrscher im Mansion House gegeben wurde, nur zu Ehren George Osbornes arrangiert.   Meanwhile matters went on in Russell Square, Bloomsbury, just as if matters in Europe were not in the least disorganised. The retreat from Leipsic made no difference in the number of meals Mr. Sambo took in the servants’ hall; the allies poured into France, and the dinner-bell rang at five o’clock just as usual. I don’t think poor Amelia cared anything about Brienne and Montmirail, or was fairly interested in the war until the abdication of the Emperor; when she clapped her hands and said prayers — oh, how grateful! and flung herself into George Osborne’s arms with all her soul, to the astonishment of everybody who witnessed that ebullition of sentiment. The fact is, peace was declared, Europe was going to be at rest; the Corsican was overthrown, and Lieutenant Osborne’s regiment would not be ordered on service. That was the way in which Miss Amelia reasoned. The fate of Europe was Lieutenant George Osborne to her. His dangers being over, she sang Te Deum. He was her Europe: her emperor: her allied monarchs and august prince regent. He was her sun and moon; and I believe she thought the grand illumination and ball at the Mansion House, given to the sovereigns, were especially in honour of George Osborne. Wir haben von den traurigen Lehrmeistern Betrug, Eigennutz und Armut gesprochen, denen die arme Miss Becky Sharp ihre Erziehung verdankte. Die letzte Lehrerin von Miss Amelia Sedley dagegen war die Liebe gewesen, und es ist erstaunlich, welche Fortschritte unsere junge Dame unter dieser beliebten Lehrmeisterin machte. Im Laufe von fünfzehn bis achtzehn Monaten täglichen Unterrichts bei dieser ausgezeichneten Erzieherin lernte Amelia eine ganze Reihe von Geschehnissen kennen, von denen Miss Wirt und die schwarzäugigen Damen drüben, ja sogar die alte Miss Pinkerton in Chiswick keine Ahnung hatten! Woher sollten diese steifen und anständigen Jungfrauen auch etwas davon erfahren? Bei Miss P. und auch Miss W. kann von der süßen Leidenschaft keine Rede sein; ich würde es nicht wagen, eine solche Idee auch nur anzudeuten. Miss Maria Osborne »verkehrte« zwar mit Mr. Frederick Augustus Bullock von der Firma Hulker, Bullock und Bullock; aber dieser »Verkehr« war durchaus ehrbar, und ebensogut hätte sie Bullock senior nehmen können, da sie sich nun einmal, wie jedes wohlerzogene junge Mädchen eigentlich sollte, auf ein Haus in der Park Lane, ein Landhaus in Wimbledon, eine schöne Kutsche mit zwei prächtigen Pferden und Lakaien sowie auf ein Viertel des Jahresgewinnes der ausgezeichneten Firma Hulker und Bullock versteift hatte – alles Vorteile, die in der Person des Frederick Augustus vereinigt waren. Wären damals schon die Orangenblüten erfunden gewesen, jene rührenden Symbole weiblicher Reinheit, die aus Frankreich zu uns kamen, wo die Leute ihre Töchter allgemein für die Ehe verkaufen, so hätte sich Miss Maria wohl den reinen Kranz aufs Haupt gesetzt, wäre an der Seite des alten gichtbrüchigen, kahlköpfigen, rotnasigen Bullock senior in den Reisewagen geklettert, hätte ihre schöne Erscheinung mit vollkommener Bescheidenheit seinem Glücke geopfert – wenn der alte Herr nicht leider bereits verheiratet gewesen wäre. So schenkte sie ihre Neigung dem jüngeren Teilhaber. Süße Orangenblüten! Neulich sah ich Miss Trotter (die ehemalige) mit ihnen geschmückt vor der Sankt-Georgs-Kirche am Hanover Square in den Reisewagen klettern, und Lord Methusalem hinkte hinter ihr her. Mit welch bezaubernder Schamhaftigkeit ließ sie die Vorhänge in der Kutsche herab – die liebe Unschuld! Die Hälfte aller Kutschen vom Jahrmarkt der Eitelkeit hatte sich zur Trauung eingefunden.   We have talked of shift, self, and poverty, as those dismal instructors under whom poor Miss Becky Sharp got her education. Now, love was Miss Amelia Sedley’s last tutoress, and it was amazing what progress our young lady made under that popular teacher. In the course of fifteen or eighteen months’ daily and constant attention to this eminent finishing governess, what a deal of secrets Amelia learned, which Miss Wirt and the black-eyed young ladies over the way, which old Miss Pinkerton of Chiswick herself, had no cognizance of! As, indeed, how should any of those prim and reputable virgins? With Misses P. and W. the tender passion is out of the question: I would not dare to breathe such an idea regarding them. Miss Maria Osborne, it is true, was “attached” to Mr. Frederick Augustus Bullock, of the firm of Hulker, Bullock \& Bullock; but hers was a most respectable attachment, and she would have taken Bullock Senior just the same, her mind being fixed — as that of a well-bred young woman should be — upon a house in Park Lane, a country house at Wimbledon, a handsome chariot, and two prodigious tall horses and footmen, and a fourth of the annual profits of the eminent firm of Hulker \& Bullock, all of which advantages were represented in the person of Frederick Augustus. Had orange blossoms been invented then (those touching emblems of female purity imported by us from France, where people’s daughters are universally sold in marriage), Miss Maria, I say, would have assumed the spotless wreath, and stepped into the travelling carriage by the side of gouty, old, bald-headed, bottle-nosed Bullock Senior; and devoted her beautiful existence to his happiness with perfect modesty — only the old gentleman was married already; so she bestowed her young affections on the junior partner. Sweet, blooming, orange flowers! The other day I saw Miss Trotter (that was), arrayed in them, trip into the travelling carriage at St. George’s, Hanover Square, and Lord Methuselah hobbled in after. With what an engaging modesty she pulled down the blinds of the chariot — the dear innocent! There were half the carriages of Vanity Fair at the wedding. Diese Art Liebe war es nicht, die Amelias Erziehung vollendete und im Laufe eines Jahres ein artiges junges Mädchen zu einem schönen jungen Weib wandelte, das eine gute Ehefrau werden würde, sobald die glückliche Zeit kam. Dieses junge Wesen liebte von ganzem Herzen den jungen Offizier im Dienste Seiner Majestät, dessen Bekanntschaft wir bereits flüchtig gemacht haben (vielleicht war es nicht sehr klug von ihren Eltern, sie in solchen närrischen, romantischen Ideen noch zu ermuntern und zu bestärken). Der Gedanke an ihn war der erste beim Aufwachen, und sein Name war der letzte, den sie im Gebet erwähnte. Niemals hatte sie einen so schönen und klugen Mann gesehen, noch nie eine solche Gestalt zu Pferde erblickt, noch nie einen solchen Tänzer, überhaupt einen solchen Helden zu Gesicht bekommen. Man schweige von des Prinzregenten Verbeugung! Was war sie schon gegen Georges? Sie hatte Mr. Brummel gesehen, von dem jedermann schwärmte. Wie konnte man einen Menschen wie diesen mit ihrem George vergleichen? Unter allen Beaus in der Oper (und es gab damals etliche Beaus, mit richtigen Klapphüten) war keiner, der ihm das Wasser reichen konnte. Er war gut genug, ein Märchenprinz zu sein, und ach! wie großmütig war es doch von ihm, sich zu einem so geringen Aschenbrödel herabzulassen! Miss Pinkerton hätte wahrlich versucht, dieser blinden Ergebenheit Schranken zu setzen, wäre sie Amelias Vertraute gewesen; aber gewiß nicht mit viel Erfolg, darauf kann man sich verlassen. Das liegt nun einmal in der Natur mancher Frauen. Einige sind zum Ränkeschmieden geboren, andere zum Lieben; und ich wünschte, jeder anständige Junggeselle, der dies liest, möge die Sorte wählen, die ihm entspricht.   This was not the sort of love that finished Amelia’s education; and in the course of a year turned a good young girl into a good young woman — to be a good wife presently, when the happy time should come. This young person (perhaps it was very imprudent in her parents to encourage her, and abet her in such idolatry and silly romantic ideas) loved, with all her heart, the young officer in His Majesty’s service with whom we have made a brief acquaintance. She thought about him the very first moment on waking; and his was the very last name mentioned m her prayers. She never had seen a man so beautiful or so clever: such a figure on horseback: such a dancer: such a hero in general. Talk of the Prince’s bow! what was it to George’s? She had seen Mr. Brummell, whom everybody praised so. Compare such a person as that to her George! Not amongst all the beaux at the Opera (and there were beaux in those days with actual opera hats) was there any one to equal him. He was only good enough to be a fairy prince; and oh, what magnanimity to stoop to such a humble Cinderella! Miss Pinkerton would have tried to check this blind devotion very likely, had she been Amelia’s confidante; but not with much success, depend upon it. It is in the nature and instinct of some women. Some are made to scheme, and some to love; and I wish any respected bachelor that reads this may take the sort that best likes him. Unter diesem überwältigenden Eindruck vernachlässigte Amelia ihre zwölf lieben Freundinnen in Chiswick aufs grausamste, wie es selbstsüchtige Menschen immer tun. Sie dachte natürlich stets nur an diesen einen Gegenstand, und Miss Saltire war für eine Vertraute viel zu kühl. Auch Miss Swartz, der wollköpfigen jungen Erbin von Saint Kitts, konnte sie ihre Gefühle nicht mitteilen. Während der Ferien war die kleine Laura Martin bei ihr zu Besuch, und ich glaube, sie machte sie zu ihrer Vertrauten und versprach, daß Laura bei ihr wohnen sollte, wenn sie erst verheiratet wäre. Sie erzählte Laura eine Menge Dinge über Liebesleidenschaft, die für dieses kleine Mädchen besonders nützlich und neu gewesen sein müssen. Oje! Ich fürchte fast, es stand mit ihrem Kopfe nicht eben zum besten.   While under this overpowering impression, Miss Amelia neglected her twelve dear friends at Chiswick most cruelly, as such selfish people commonly will do. She had but this subject, of course, to think about; and Miss Saltire was too cold for a confidante, and she couldn’t bring her mind to tell Miss Swartz, the woolly-haired young heiress from St. Kitt’s. She had little Laura Martin home for the holidays; and my belief is, she made a confidante of her, and promised that Laura should come and live with her when she was married, and gave Laura a great deal of information regarding the passion of love, which must have been singularly useful and novel to that little person. Alas, alas! I fear poor Emmy had not a well-regulated mind. Warum aber hinderten ihre Eltern dieses kleine Herz nicht daran, so schnell zu schlagen? Der alte Sedley schien von diesen Dingen nicht viel zu bemerken. Er war in der letzten Zeit ernster geworden, und seine Geschäfte in der City nahmen ihn ganz und gar in Anspruch. Mrs. Sedley war so ruhig und so wenig neugierig, daß sie nicht einmal eifersüchtig war. Mr. Joe war fort und wurde in Cheltenham von einer irischen Witwe belagert. Amelia hatte das Haus ganz für sich allein – ach! bisweilen zu sehr für sich allein; nicht daß sie je von Zweifeln geplagt worden wäre, denn sicherlich war George im Kriegsministerium; und er konnte auch nicht ständig Urlaub von Chatham bekommen; er mußte seine Freunde und Schwestern besuchen und, wenn er in der Stadt war, in der Gesellschaft auftauchen (er, die Zierde jeder Gesellschaft!); und wenn er beim Regiment war, so war er zu müde, um lange Briefe zu schreiben. Ich weiß, wo sie das Bündel aufbewahrte, das sie bekommen hatte, und ich kann mich in ihr Zimmer stehlen und wieder unbemerkt verschwinden, wie Jachimo. Wie Jachimo? Nein, das wäre eine schlechte Rolle. Ich will nur den Mondschein spielen und arglos in das Bett lugen, wo Treue, Schönheit und Unschuld träumen.   What were her parents doing, not to keep this little heart from beating so fast? Old Sedley did not seem much to notice matters. He was graver of late, and his City affairs absorbed him. Mrs. Sedley was of so easy and uninquisitive a nature that she wasn’t even jealous. Mr. Jos was away, being besieged by an Irish widow at Cheltenham. Amelia had the house to herself — ah! too much to herself sometimes — not that she ever doubted; for, to be sure, George must be at the Horse Guards; and he can’t always get leave from Chatham; and he must see his friends and sisters, and mingle in society when in town (he, such an ornament to every society!); and when he is with the regiment, he is too tired to write long letters. I know where she kept that packet she had — and can steal in and out of her chamber like Iachimo — like Iachimo? No — that is a bad part. I will only act Moonshine, and peep harmless into the bed where faith and beauty and innocence lie dreaming. Osbornes Briefe waren kurz und soldatisch, müßten wir allerdings Miss Sedleys Briefe an Mr. Osborne veröffentlichen, hätten wir diesen Roman zu einer solchen Menge von Bänden zu erweitern, daß auch der sentimentalste Leser es nicht aushalten könnte. Sie füllte nicht nur große Bogen voll, sondern beschrieb sie auch in ihrer Durchgedrehtheit kreuz und quer; sie kopierte ohne Gnade und Barmherzigkeit ganze Seiten aus Gedichtsammlungen, unterstrich Wörter und Sätze mit wahrhaft wahnsinnigem Nachdruck und ließ, mit einem Wort, die üblichen Zeichen ihres Zustandes merken. Sie war keine Heldin, ihre Briefe waren voller Wiederholungen. Bisweilen war die Grammatik recht zweifelhaft, und in ihren Versen erlaubte sie sich alle Arten von Freiheiten mit dem Metrum. Aber, omeine Damen, wenn es Ihnen nicht erlaubt sein soll, manchmal aller Syntax zum Trotz das Herz zu rühren, und wenn Sie erst geliebt werden sollen, wenn Sie den Unterschied zwischen Trimeter und Tetrameter kennen, so mag alle Poesie zum Teufel fahren und jeder Schulmeister eines elenden Todes sterben!   But if Osborne’s were short and soldierlike letters, it must be confessed, that were Miss Sedley’s letters to Mr. Osborne to be published, we should have to extend this novel to such a multiplicity of volumes as not the most sentimental reader could support; that she not only filled sheets of large paper, but crossed them with the most astonishing perverseness; that she wrote whole pages out of poetry-books without the least pity; that she underlined words and passages with quite a frantic emphasis; and, in fine, gave the usual tokens of her condition. She wasn’t a heroine. Her letters were full of repetition. She wrote rather doubtful grammar sometimes, and in her verses took all sorts of liberties with the metre. But oh, mesdames, if you are not allowed to touch the heart sometimes in spite of syntax, and are not to be loved until you all know the difference between trimeter and tetrameter, may all Poetry go to the deuce, and every schoolmaster perish miserably! 13. Kapitel / Chapter 13 Sentimentales und anderes / Sentimental and Otherwise Ich fürchte, der Herr, an den Miss Amelias Briefe gerichtet waren, war ein ziemlich verstockter Kritiker. Leutnant Osborne folgte überall eine solche Menge von Briefchen, daß er sich beinahe der Späße seiner Kameraden darüber schämte und seinem Diener befahl, sie nur in seiner Privatwohnung abzugeben. Es wurde beobachtet, wie er sogar einmal seine Zigarre mit einem solchen Brief anzündete, zum Entsetzen Hauptmann Dobbins, der, wie ich glaube, das Dokument gern mit einer Banknote aufgewogen hätte.   I fear the gentleman to whom Miss Amelia’s letters were addressed was rather an obdurate critic. Such a number of notes followed Lieutenant Osborne about the country, that he became almost ashamed of the jokes of his mess-room companions regarding them, and ordered his servant never to deliver them except at his private apartment. He was seen lighting his cigar with one, to the horror of Captain Dobbin, who, it is my belief, would have given a bank-note for the document. Einige Zeit suchte George die Verbindung geheimzuhalten. Er gab zu, daß eine Frau im Spiel sei. »Bestimmt nicht die erste«, sagte Fähnrich Spooney zu Fähnrich Stubble. »Der Osborne ist ein Teufelskerl. In Demerara wurde eine Richterstochter seinetwegen fast verrückt; dann kam in Sankt Vincent das prachtvolle Quarteronmädchen, Miss Pye, Sie wissen; und seitdem er nach England zurückgekommen ist, soll er ein wahrer Don Juan sein, beim Zeus!«   For some time George strove to keep the liaison a secret. There was a woman in the case, that he admitted. “And not the first either,” said Ensign Spooney to Ensign Stubble. “That Osborne’s a devil of a fellow. There was a judge’s daughter at Demerara went almost mad about him; then there was that beautiful quadroon girl, Miss Pye, at St. Vincent’s, you know; and since he’s been home, they say he’s a regular Don Giovanni, by Jove.” Stubble und Spooney dachten, daß »beim Zeus, ein wahrer Don Juan« zu sein eine der besten Eigenschaften eines Mannes sei, und Osborne erfreute sich bei den jungen Leuten des Regiments eines ungeheuren Ansehens. Er war ausgezeichnet in allen möglichen Sportarten, er war ein ausgezeichneter Sänger, er war ausgezeichnet bei der Parade und freigebig mit dem Gelde, womit ihn sein Vater reichlich versah. Seine Röcke waren besser gearbeitet als die aller anderen im Regiment, und er hatte mehr davon als alle anderen. Die Soldaten beteten ihn an. Er konnte mehr trinken als alle anderen in der Offiziersmesse, einschließlich des alten Obersten Heavytop. Im Boxen übertraf er selbst Knuckles, den Gemeinen (der Preiskämpfer gewesen war und ohne seine Trunksucht zum Korporal befördert worden wäre); auch war er weitaus der beste Kricketspieler und Kegler des ganzen Regimentsklubs. Bei den Quebec-Rennen ritt er sein eigenes Pferd, den »Geölten Blitz«, und gewann den Garnisonspokal. Außer Amelia gab es noch andere, die ihn verehrten. Stubble und Spooney hielten ihn für eine Art Apollo, Dobbin sah in ihm einen »bewundernswerten Crichton«, und die Majorin O'Dowd bekannte, daß er ein eleganter junger Bursche sei und sie an Fitzjurld Fogarty, Lord Castlefogartys zweiten Sohn, erinnere.   Stubble and Spooney thought that to be a “regular Don Giovanni, by Jove” was one of the finest qualities a man could possess, and Osborne’s reputation was prodigious amongst the young men of the regiment. He was famous in field-sports, famous at a song, famous on parade; free with his money, which was bountifully supplied by his father. His coats were better made than any man’s in the regiment, and he had more of them. He was adored by the men. He could drink more than any officer of the whole mess, including old Heavytop, the colonel. He could spar better than Knuckles, the private (who would have been a corporal but for his drunkenness, and who had been in the prize-ring); and was the best batter and bowler, out and out, of the regimental club. He rode his own horse, Greased Lightning, and won the Garrison cup at Quebec races. There were other people besides Amelia who worshipped him. Stubble and Spooney thought him a sort of Apollo; Dobbin took him to be an Admirable Crichton; and Mrs. Major O’Dowd acknowledged he was an elegant young fellow, and put her in mind of Fitzjurld Fogarty, Lord Castlefogarty’s second son. Stubble und Spooney und alle anderen ergingen sich also in höchst romantischen Vermutungen, wer Osborne wohl Briefe schreibe. Sie meinten bald, es sei eine Londoner Herzogin, die sich in ihn verliebt habe, bald, es sei eine Generalstochter, die mit einem anderen verlobt sei, ihn aber rasend liebe, bald, es sei die Frau eines Parlamentsabgeordneten, die ihm eine Entführung im Vierspänner vorschlage, bald, es sei ein anderes Opfer einer für alle Teile reizvollen, aufregenden, romantischen und schmachvollen Leidenschaft. Auf alle diese Vermutungen wollte Osborne nicht das geringste Licht werfen und ließ seine jungen Bewunderer und Freunde ihre ganze Geschichte nach Belieben erfinden und ausspinnen.   Well, Stubble and Spooney and the rest indulged in most romantic conjectures regarding this female correspondent of Osborne’s — opining that it was a Duchess in London who was in love with him — or that it was a General’s daughter, who was engaged to somebody else, and madly attached to him — or that it was a Member of Parliament’s lady, who proposed four horses and an elopement — or that it was some other victim of a passion delightfully exciting, romantic, and disgraceful to all parties, on none of which conjectures would Osborne throw the least light, leaving his young admirers and friends to invent and arrange their whole history. Der wirkliche Sachverhalt wäre nie im Regiment bekannt geworden, hätte nicht Hauptmann Dobbin Indiskretion geübt. Eines Tages saß der Hauptmann beim Frühstück in der Offiziersmesse, als der Unterarzt Cackle und die beiden obenerwähnten Ehrenmänner Vermutungen über Osbornes Liebeshandel anstellten. Stubble behauptete, die Dame sei eine Herzogin am Hofe der Königin Charlotte, und Cackle schwor, es sei eine berüchtigte Opernsängerin. Diese Worte erregten Dobbin dermaßen, daß er, den Mund voller Ei und Butterbrot, herausplatzte, obwohl er gar nichts hätte sagen dürfen: »Cackle, Sie sind ein Dummkopf. Immer haben Sie Unsinn und Skandalgeschichten auf Lager. Osborne hat nicht vor, eine Herzogin zu entführen oder eine Putzmacherin unglücklich zu machen. Miss Sedley ist eines der bezauberndsten jungen Mädchen, die es je gegeben hat. Er ist mit ihr schon seit langem verlobt, und wer sie beschimpft, sollte es nicht in meiner Gegenwart tun.« Hier schwieg Dobbin, puterrot geworden, und erstickte beinahe an einer Tasse Tee. In einer halben Stunde wußte das ganze Regiment die Geschichte, und noch am gleichen Abend schrieb die Majorin O'Dowd an ihre Schwägerin Glorvina in O'Dowdstown, sie brauche sich nicht zu beeilen, von Dublin anzureisen, der junge Osborne sei bereits, und leider zu früh, verlobt.   And the real state of the case would never have been known at all in the regiment but for Captain Dobbin’s indiscretion. The Captain was eating his breakfast one day in the mess-room, while Cackle, the assistant-surgeon, and the two above-named worthies were speculating upon Osborne’s intrigue — Stubble holding out that the lady was a Duchess about Queen Charlotte’s court, and Cackle vowing she was an opera-singer of the worst reputation. At this idea Dobbin became so moved, that though his mouth was full of eggs and bread-and-butter at the time, and though he ought not to have spoken at all, yet he couldn’t help blurting out, “Cackle, you’re a stupid fool. You’re always talking nonsense and scandal. Osborne is not going to run off with a Duchess or ruin a milliner. Miss Sedley is one of the most charming young women that ever lived. He’s been engaged to her ever so long; and the man who calls her names had better not do so in my hearing.” With which, turning exceedingly red, Dobbin ceased speaking, and almost choked himself with a cup of tea. The story was over the regiment in half-an-hour; and that very evening Mrs. Major O’Dowd wrote off to her sister Glorvina at O’Dowdstown not to hurry from Dublin — young Osborne being prematurely engaged already. Am Abend beglückwünschte sie den Leutnant in einer angemessenen Rede bei einem Glase Whisky-Toddy, und George ging wütend nach Hause, um mit Dobbin zu streiten, weil er sein Geheimnis verraten hatte. (Dobbin hatte die Einladung der Majorin O'Dowd ausgeschlagen und saß in seinem Zimmer, wo er Flöte spielte und, wie ich glaube, höchst melancholische Verse machte.)   She complimented the Lieutenant in an appropriate speech over a glass of whisky-toddy that evening, and he went home perfectly furious to quarrel with Dobbin (who had declined Mrs. Major O’Dowd’s party, and sat in his own room playing the flute; and, I believe, writing poetry in a very melancholy manner) — to quarrel with Dobbin for betraying his secret. »Wer, beim Satan, hat dich gebeten, von meinen Angelegenheiten zu sprechen?« schrie Osborne zornig. »Warum, zum Teufel, muß das ganze Regiment wissen, daß ich bald heiraten will? Warum muß die geschwätzige alte Vettel, Peggy O'Dowd, an ihrer verdammten Abendtafel meinen Namen im Munde führen und meine Verlobung in allen drei Königreichen austrompeten? Und was für ein Recht hast du überhaupt, zu erzählen, ich sei verlobt, oder dich in meine Angelegenheiten zu mischen, Dobbin?«   “Who the deuce asked you to talk about my affairs?” Osborne shouted indignantly. “Why the devil is all the regiment to know that I am going to be married? Why is that tattling old harridan, Peggy O’Dowd, to make free with my name at her d — d supper-table, and advertise my engagement over the three kingdoms? After all, what right have you to say I am engaged, or to meddle in my business at all, Dobbin?” »Es scheint mir ...«, fing Hauptmann Dobbin an.   “It seems to me,” Captain Dobbin began. »Zum Henker mit dem, was dir scheint, Dobbin«, unterbrach ihn der Jüngere. »Ich bin dir zu Dank verpflichtet, das weiß ich, und verdammt viel zu gut weiß ich das; aber ich will mir nicht ewig deine Predigten anhören, weil du fünf Jahre älter bist. Ich will verdammt sein, wenn ich mir deine überlegene Miene, dein höllisches Mitleid und dein Beschützergehabe länger gefallen lasse. Mitleid und Schutz! Ich möchte wohl wissen, in welchem Stück du mir über bist!«   “Seems be hanged, Dobbin,” his junior interrupted him. “I am under obligations to you, I know it, a d — d deal too well too; but I won’t be always sermonised by you because you’re five years my senior. I’m hanged if I’ll stand your airs of superiority and infernal pity and patronage. Pity and patronage! I should like to know in what I’m your inferior?” »Bist du verlobt?« unterbrach Hauptmann Dobbin.   “Are you engaged?” Captain Dobbin interposed. »Was, zum Teufel, geht es dich oder einen anderen Menschen hier an, ob ich es bin?«   “What the devil’s that to you or any one here if I am?” »Schämst du dich deshalb?« fuhr Dobbin fort.   “Are you ashamed of it?” Dobbin resumed. »Welches Recht hast du, mir diese Frage zu stellen? Das möchte ich gern wissen«, rief George.   “What right have you to ask me that question, sir? I should like to know,” George said. »Großer Gott, du willst doch damit nicht sagen, daß du mit ihr brechen willst?« fuhr Dobbin auf.   “Good God, you don’t mean to say you want to break off?” asked Dobbin, starting up. »Mit anderen Worten, du fragst mich, ob ich ein Ehrenmann bin«, erwiderte Osborne grimmig; »willst du das damit sagen? Seit einiger Zeit hast du gegen mich einen solchen Ton angeschlagen, daß ich verdammt sein will, wenn ich es mir noch länger gefallen lasse.«   “In other words, you ask me if I’m a man of honour,” said Osborne, fiercely; “is that what you mean? You’ve adopted such a tone regarding me lately that I’m — if I’ll bear it any more.” »Was habe ich denn getan? Ich habe dir bloß gesagt, daß du ein süßes Mädchen vernachlässigst, George. Ich habe dir bloß gesagt, du sollst zu ihr gehen, wenn du in die Stadt fährst, und nicht in die Spielhäuser um Sankt James.«   “What have I done? I’ve told you you were neglecting a sweet girl, George. I’ve told you that when you go to town you ought to go to her, and not to the gambling-houses about St. James’s.” »Ich nehme an, du willst dein Geld zurückhaben«, sagte George höhnisch.   “You want your money back, I suppose,” said George, with a sneer. »Natürlich will ich das – habe es immer gewollt, nicht wahr?« rief Dobbin. »Du redest wie ein besonders Großmütiger.«   “Of course I do — I always did, didn’t I?” says Dobbin. “You speak like a generous fellow.” »Nein, zum Henker, William, verzeih mir bitte«, fiel ihm George in einem Anflug von Reue ins Wort. »Weiß der Himmel, du hast deine Freundschaft hundertfach bewiesen. Du hast mich schon oft aus heiklen Situationen errettet. Ich weiß, als Crawley von der Leibgarde diese Geldsumme von mir gewann, wäre es ohne dich um mich geschehen gewesen. Aber du solltest nicht so streng gegen mich sein. Du darfst mich nicht immer so schulmeistern. Ich liebe Amelia, ich bete sie an und so weiter. Guck nicht so böse. Ich weiß, sie ist fehlerlos. Aber siehst du, es macht keinen Spaß, etwas zu gewinnen, um das man nicht gespielt hat. Zum Henker! Das Regiment ist ja eben erst aus Westindien zurück, ich muß mich ein bißchen austoben. Wenn ich erst einmal verheiratet bin, will ich mich bestimmt bessern, Ehrenwort. Und – weißt du – Dob – sei mir nicht böse; nächsten Monat bekommst du hundert Pfund von mir, wenn mein Vater mir eine hübsche Summe gibt. Ich will Heavytop um Urlaub bitten und morgen in die Stadt fahren und Amelia besuchen – so, bist du nun zufrieden?«   “No, hang it, William, I beg your pardon" — here George interposed in a fit of remorse; “you have been my friend in a hundred ways, Heaven knows. You’ve got me out of a score of scrapes. When Crawley of the Guards won that sum of money of me I should have been done but for you: I know I should. But you shouldn’t deal so hardly with me; you shouldn’t be always catechising me. I am very fond of Amelia; I adore her, and that sort of thing. Don’t look angry. She’s faultless; I know she is. But you see there’s no fun in winning a thing unless you play for it. Hang it: the regiment’s just back from the West Indies, I must have a little fling, and then when I’m married I’ll reform; I will upon my honour, now. And — I say — Dob — don’t be angry with me, and I’ll give you a hundred next month, when I know my father will stand something handsome; and I’ll ask Heavytop for leave, and I’ll go to town, and see Amelia to-morrow — there now, will that satisfy you?” »Man kann dir niemals lange zürnen, George«, sagte der gutmütige Hauptmann, »und was das Geld betrifft, alter Knabe, so würdest du wohl den letzten Shilling mit mir teilen, wenn ich welches brauchte.«   “It is impossible to be long angry with you, George,” said the good-natured Captain; “and as for the money, old boy, you know if I wanted it you’d share your last shilling with me.” »Beim Zeus, das würde ich, Dobbin«, erklärte George höchst großmütig, obgleich er, nebenbei gesagt, nie Geld hatte, um etwas abzugeben.   “That I would, by Jove, Dobbin,” George said, with the greatest generosity, though by the way he never had any money to spare. »Ich wünschte nur, du hättest dir die Hörner schon abgelaufen, George. Hättest du das Gesicht der armen kleinen Emmy gesehen, als sie mich neulich nach dir fragte, so hättest du die Billardkugeln zum Teufel geschickt. Geh und tröste sie, du Schurke. Schreib ihr einen langen Brief. Tu etwas, um sie glücklich zu machen, eine Kleinigkeit tut's schon.«   “Only I wish you had sown those wild oats of yours, George. If you could have seen poor little Miss Emmy’s face when she asked me about you the other day, you would have pitched those billiard-balls to the deuce. Go and comfort her, you rascal. Go and write her a long letter. Do something to make her happy; a very little will.” »Ich glaube, sie hat mich verdammt gern«, stellte der Leutnant mit selbstzufriedener Miene fest und entfernte sich, um den Abend mit einigen lustigen Kameraden im Speisesaal zu beschließen.   “I believe she’s d — d fond of me,” the Lieutenant said, with a self-satisfied air; and went off to finish the evening with some jolly fellows in the mess-room. Amelia am Russell Square blickte unterdessen zum Mond, der auf diesen friedlichen Fleck herabschien und ebenso auf die Chatham-Kaserne, wo Leutnant Osborne einquartiert war, und sie überlegte sich, was ihr Held wohl jetzt gerade tue. Vielleicht visitiert er jetzt die Wachen, dachte sie, vielleicht liegt er im Biwak, vielleicht sitzt er am Lager eines verwundeten Kameraden oder studiert die Kriegskunst droben in seinem einsamen Zimmer. Und ihre freundlichen Gedanken eilten dahin, als seien sie Engel mit Flügeln. Sie flogen am Fluß entlang nach Chatham und Rochester und versuchten in die Kaserne zu dringen, in der George war. Alles in allem war es, glaube ich, ganz gut, daß die Tore geschlossen waren und die Schildwache niemanden einließ, so daß der arme, kleine Engel im weißen Gewande die Lieder nicht hören konnte, die die jungen Burschen dort beim Whiskypunsch grölten.   Amelia meanwhile, in Russell Square, was looking at the moon, which was shining upon that peaceful spot, as well as upon the square of the Chatham barracks, where Lieutenant Osborne was quartered, and thinking to herself how her hero was employed. Perhaps he is visiting the sentries, thought she; perhaps he is bivouacking; perhaps he is attending the couch of a wounded comrade, or studying the art of war up in his own desolate chamber. And her kind thoughts sped away as if they were angels and had wings, and flying down the river to Chatham and Rochester, strove to peep into the barracks where George was... . All things considered, I think it was as well the gates were shut, and the sentry allowed no one to pass; so that the poor little white-robed angel could not hear the songs those young fellows were roaring over the whisky-punch. Am Tag nach der kleinen Meinungsverschiedenheit in der Chatham-Kaserne traf der junge Osborne Anstalten, zur Stadt zu fahren, um zu beweisen, daß er wirklich zu seinem Wort stehe, und Hauptmann Dobbins Beifall blieb nicht aus. »Ich hätte ihr gern ein kleines Geschenk gemacht«, vertraute Osborne seinem Freunde an, »ich habe bloß kein Geld mehr, bis mein Vater mit dem Taschengeld herausrückt.« Dobbin aber wollte nicht, daß Osbornes Gutmütigkeit und Großmut gehemmt werden sollten, und gab ihm daher ein paar Pfundnoten, die er, nach einigem anfänglichen Weigern, auch annahm.   The day after the little conversation at Chatham barracks, young Osborne, to show that he would be as good as his word, prepared to go to town, thereby incurring Captain Dobbin’s applause. “I should have liked to make her a little present,” Osborne said to his friend in confidence, “only I am quite out of cash until my father tips up.” But Dobbin would not allow this good nature and generosity to be balked, and so accommodated Mr. Osborne with a few pound notes, which the latter took after a little faint scruple. Ich vermute, er hätte für Amelia bestimmt etwas recht Hübsches gekauft, hätte er nicht beim Aussteigen in der Fleet Street in einem Juweliergeschäft eine schöne Busennadel erblickt, deren Anziehungskraft er nicht zu widerstehen vermochte; und als er sie bezahlt hatte, hatte er nur noch wenig Geld übrig, um seiner Großmut freien Lauf zu lassen. Doch es machte nichts, denn wir können uns darauf verlassen, daß es nicht Geschenke waren, die Amelia von ihm erwartete. Als er zum Russell Square kam, leuchtete ihr Gesicht auf, als ob er der Sonnenschein gewesen wäre. Die kleinen Sorgen, Ängste, Tränen, schüchternen Befürchtungen, ruhelosen Einbildungen wer weiß wie vieler Tage und Nächte waren unter dem Einfluß jenes bekannten, unwiderstehlichen Lächelns im Nu vergessen. Er strahlte sie an, als er in der Salontür stand – ein Gott in seiner Pracht und mit seinem ambrosiaduftenden Backenbart. In Sambos Gesicht strahlte ein teilnehmendes Grinsen, als er Hauptmann Osborne meldete (er hatte den jungen Offizier um eine Stufe befördert). Der Diener sah das kleine Mädchen zusammenfahren und errötend von ihrem Beobachtungsposten am Fenster aufspringen und zog sich zurück. Sobald die Tür geschlossen war, flog sie Leutnant George Osborne ans Herz, als ob dieses das einzige richtige Nest für sie wäre. Ach, du armes, unruhiges Seelchen! Der schönste Baum des Waldes mit dem geradesten Stamme, den stärksten Ästen und dem dichtesten Laub, wo du dein Nest bauen und girren willst, kann gezeichnet sein – wofür, weißt du – und bald zu Boden krachen. Was für ein altes, altes Gleichnis ist das zwischen Mensch und Baum!   And I dare say he would have bought something very handsome for Amelia; only, getting off the coach in Fleet Street, he was attracted by a handsome shirt-pin in a jeweller’s window, which he could not resist; and having paid for that, had very little money to spare for indulging in any further exercise of kindness. Never mind: you may be sure it was not his presents Amelia wanted. When he came to Russell Square, her face lighted up as if he had been sunshine. The little cares, fears, tears, timid misgivings, sleepless fancies of I don’t know how many days and nights, were forgotten, under one moment’s influence of that familiar, irresistible smile. He beamed on her from the drawing-room door — magnificent, with ambrosial whiskers, like a god. Sambo, whose face as he announced Captain Osbin (having conferred a brevet rank on that young officer) blazed with a sympathetic grin, saw the little girl start, and flush, and jump up from her watching-place in the window; and Sambo retreated: and as soon as the door was shut, she went fluttering to Lieutenant George Osborne’s heart as if it was the only natural home for her to nestle in. Oh, thou poor panting little soul! The very finest tree in the whole forest, with the straightest stem, and the strongest arms, and the thickest foliage, wherein you choose to build and coo, may be marked, for what you know, and may be down with a crash ere long. What an old, old simile that is, between man and timber! George küßte sie indessen recht freundlich auf die Stirn und die glänzenden Augen und war recht gnädig und gut, und sie hielt seine diamantene Busennadel (die sie noch nie zuvor an ihm gesehen hatte) für den schönsten Schmuck der Welt.   In the meanwhile, George kissed her very kindly on her forehead and glistening eyes, and was very gracious and good; and she thought his diamond shirt-pin (which she had not known him to wear before) the prettiest ornament ever seen. Der aufmerksame Leser, dem das frühere Benehmen unseres jungen Leutnants nicht entgangen ist und der unsere Berichte von dem kleinen Wortwechsel zwischen ihm und Hauptmann Dobbin noch im Gedächtnis hat, ist wohl zu gewissen Schlüssen hinsichtlich des Charakters von Mr. Osborne gekommen. Ein zynischer Franzose hat einmal gesagt, daß zu einem Liebeshandel zwei gehörten: einer, der liebt, und einer, der sich herabläßt, geliebt zu werden. Gelegentlich ist die Liebe wohl auf seiten des Mannes, andere Male auf seiten der Frau. Vielleicht hat auch schon vorher manch Verliebter Gefühlskälte für Bescheidenheit, Dummheit für jungfräuliche Zurückhaltung, bloße Leere für Schüchternheit und, kurz gesagt, eine Gans für einen Schwan gehalten. Vielleicht hat auch schon die eine oder die andere meiner verehrten Leserinnen einen Esel mit dem Glanze und der Glorie ihrer Phantasie umgeben, seine Stumpfheit als männliche Einfachheit bewundert, seine Selbstsucht als männliche Überlegenheit und ihn so behandelt wie die glänzende Fee Titania einen gewissen Weber aus Athen. Ich glaube solche Komödien der Irrungen in der Welt schon beobachtet zu haben. Sicher ist jedenfalls, daß Amelia ihren Liebhaber für einen der tapfersten und glänzendsten Männer im ganzen englischen Reich hielt; und es ist wohl möglich, daß Leutnant Osborne das gleiche dachte.   The observant reader, who has marked our young Lieutenant’s previous behaviour, and has preserved our report of the brief conversation which he has just had with Captain Dobbin, has possibly come to certain conclusions regarding the character of Mr. Osborne. Some cynical Frenchman has said that there are two parties to a love-transaction: the one who loves and the other who condescends to be so treated. Perhaps the love is occasionally on the man’s side; perhaps on the lady’s. Perhaps some infatuated swain has ere this mistaken insensibility for modesty, dulness for maiden reserve, mere vacuity for sweet bashfulness, and a goose, in a word, for a swan. Perhaps some beloved female subscriber has arrayed an ass in the splendour and glory of her imagination; admired his dulness as manly simplicity; worshipped his selfishness as manly superiority; treated his stupidity as majestic gravity, and used him as the brilliant fairy Titania did a certain weaver at Athens. I think I have seen such comedies of errors going on in the world. But this is certain, that Amelia believed her lover to be one of the most gallant and brilliant men in the empire: and it is possible Lieutenant Osborne thought so too. Er war etwas wild, aber wie viele andere junge Männer sind es auch! Und lieben die Mädchen einen Schurken nicht mehr als einen Milchbart? Er hatte sich die Hörner noch nicht abgelaufen, aber das mußte doch wohl bald geschehen; auch würde er wohl seinen Abschied nehmen, da jetzt der Friede verkündet war, das korsische Ungeheuer auf Elba festsaß. Mit der Beförderung war es natürlich nun auch vorbei, da sich ihm nun keine Gelegenheit mehr bot, seine unzweifelhaften militärischen Talente und seine Tapferkeit an den Tag zu legen. Sein Geld, zusammen mit Amelias Mitgift, konnten ausreichen, sich auf dem Lande, in der Nähe einer guten Jagd, bequem niederzulassen; da konnte George ein wenig jagen und ein wenig Landwirtschaft betreiben, und sie würden beide sehr glücklich sein. Denn als verheirateter Mann konnte er unmöglich in der Armee bleiben. Man stelle sich einmal Mrs. George Osborne vor, in einem Landstädtchen einquartiert oder, was noch schlimmer wäre, in Ost- oder Westindien, in der Gesellschaft von Offizieren und unter dem Schutz der Majorin O'Dowd. Amelia lachte sich halbtot über die Geschichten, die Osborne von der Majorin O'Dowd erzählte. Er liebte Amelia viel zu sehr, um sie jenem abscheulichen Weib mit ihren Gemeinheiten und dem rauhen Leben einer Soldatenfrau auszusetzen. An sich selbst dachte er nicht, nein. Aber sein liebes kleines Mädchen sollte die Stellung in der Gesellschaft einnehmen, die ihr als seiner Frau zukam. Und wie zu erwarten, stimmte sie diesen Vorschlägen zu, wie sie überhaupt allen Vorschlägen, die von ihm kamen, zustimmen würde.   He was a little wild: how many young men are; and don’t girls like a rake better than a milksop? He hadn’t sown his wild oats as yet, but he would soon: and quit the army now that peace was proclaimed; the Corsican monster locked up at Elba; promotion by consequence over; and no chance left for the display of his undoubted military talents and valour: and his allowance, with Amelia’s settlement, would enable them to take a snug place in the country somewhere, in a good sporting neighbourhood; and he would hunt a little, and farm a little; and they would be very happy. As for remaining in the army as a married man, that was impossible. Fancy Mrs. George Osborne in lodgings in a county town; or, worse still, in the East or West Indies, with a society of officers, and patronized by Mrs. Major O’Dowd! Amelia died with laughing at Osborne’s stories about Mrs. Major O’Dowd. He loved her much too fondly to subject her to that horrid woman and her vulgarities, and the rough treatment of a soldier’s wife. He didn’t care for himself — not he; but his dear little girl should take the place in society to which, as his wife, she was entitled: and to these proposals you may be sure she acceded, as she would to any other from the same author. Bei solcher Unterhaltung brachte das junge Paar einige Stunden sehr angenehm zu und baute Luftschlösser. Amelia schmückte sie mit allerlei Blumengärten, ländlichen Spaziergängen, Dorfkirchen, Sonntagsschulen und dergleichen mehr, während George sein geistiges Auge auf die Stallungen, den Hundezwinger und den Keller gerichtet hatte. Da dem Leutnant nur ein Tag in der Stadt zur Verfügung stand und er noch ungeheuer viele und wichtige Geschäfte zu erledigen hatte, so schlug er vor, daß Miss Emmy bei ihren zukünftigen Schwägerinnen speisen sollte. Die Einladung wurde freudig angenommen. Er begleitete sie zu seinen Schwestern hinüber, wo er sie so gesprächig und plauderlustig zurückließ, daß die Damen ganz erstaunt dachten, George würde vielleicht doch noch etwas aus ihr machen. Dann ging er fort, um seine Geschäfte zu erledigen.   Holding this kind of conversation, and building numberless castles in the air (which Amelia adorned with all sorts of flower-gardens, rustic walks, country churches, Sunday schools, and the like; while George had his mind’s eye directed to the stables, the kennel, and the cellar), this young pair passed away a couple of hours very pleasantly; and as the Lieutenant had only that single day in town, and a great deal of most important business to transact, it was proposed that Miss Emmy should dine with her future sisters-in-law. This invitation was accepted joyfully. He conducted her to his sisters; where he left her talking and prattling in a way that astonished those ladies, who thought that George might make something of her; and he then went off to transact his business. Um es kurz zu machen: Er ging Eis essen in einer Konditorei am Charing Cross, probierte einen neuen Rock in der Pall Mall, sprach im Old Slaughter vor und ließ Hauptmann Cannon rufen, spielte elf Partien Billard mit dem Hauptmann, wovon er acht gewann, und kehrte eine halbe Stunde zu spät fürs Abendessen, aber in vortrefflicher Laune zum Russell Square zurück.   In a word, he went out and ate ices at a pastry-cook’s shop in Charing Cross; tried a new coat in Pall Mall; dropped in at the Old Slaughters’, and called for Captain Cannon; played eleven games at billiards with the Captain, of which he won eight, and returned to Russell Square half an hour late for dinner, but in very good humour. Nicht ganz so verhielt es sich mit dem alten Osborne. Als dieser Herr aus der City nach Hause kam und im Salon von seinen Töchtern und der eleganten Miss Wirt empfangen wurde, sahen diese an seinem Gesicht – das auch in den besten Zeiten aufgeblasen, feierlich und gelb war – sowie an seinem düsteren Blick und dem Zucken seiner schwarzen Augenbrauen, daß ihm das Herz unter der großen weißen Weste unruhig und beklommen schlug. Als Amelia auf ihn zuging, um ihn, wie stets, mit Zittern und Zagen zu begrüßen, gab er als Zeichen des Erkennens ein grämliches Grunzen von sich und ließ die kleine Hand seiner großen, zottigen Pfote entsinken, ohne einen Versuch zu machen, sie festzuhalten. Er sah sich düster nach seiner ältesten Tochter um, sie erfaßte die Bedeutung seines Blickes, der unverkennbar fragte: Was, zum Teufel, will die denn hier?, und sagte schnell:   It was not so with old Mr. Osborne. When that gentleman came from the City, and was welcomed in the drawing-room by his daughters and the elegant Miss Wirt, they saw at once by his face — which was puffy, solemn, and yellow at the best of times — and by the scowl and twitching of his black eyebrows, that the heart within his large white waistcoat was disturbed and uneasy. When Amelia stepped forward to salute him, which she always did with great trembling and timidity, he gave a surly grunt of recognition, and dropped the little hand out of his great hirsute paw without any attempt to hold it there. He looked round gloomily at his eldest daughter; who, comprehending the meaning of his look, which asked unmistakably, “Why the devil is she here?” said at once: »George ist in der Stadt, Papa, er ist ins Kriegsministerium gegangen und wird zum Essen wieder hiersein.«   “George is in town, Papa; and has gone to the Horse Guards, and will be back to dinner.” »Ei, ei, tatsächlich? Ich will nicht, daß man mit dem Essen auf ihn wartet, Jane«, und damit sank der würdige Mann in seinen Stuhl, und nun wurde die vollkommene Stille in dem vornehmen, gut eingerichteten Salon nur noch durch das aufgeregte Ticken der großen französischen Uhr unterbrochen.   “O he is, is he? I won’t have the dinner kept waiting for him, Jane”; with which this worthy man lapsed into his particular chair, and then the utter silence in his genteel, well-furnished drawing-room was only interrupted by the alarmed ticking of the great French clock. Als dieses Chronometer, auf dem sich eine heitere Bronzedarstellung der Opferung Iphigenies befand, mit tiefer Kirchenglockenstimme fünf geschlagen hatte, riß Mr. Osborne aus Leibeskräften am Klingelzug zu seiner Rechten, und der Butler stürzte herein.   When that chronometer, which was surmounted by a cheerful brass group of the sacrifice of Iphigenia, tolled five in a heavy cathedral tone, Mr. Osborne pulled the bell at his right hand-violently, and the butler rushed up. »Essen!« brüllte Mr. Osborne.   “Dinner!” roared Mr. Osborne. »Mr. George ist noch nicht da, Sir«, entgegnete der Butler.   “Mr. George isn’t come in, sir,” interposed the man. »Zum Teufel mit Mr. George, Herr! Bin ich hier Herr im Hause? Essen!!« donnerte Mr. Osborne, und sein Blick war dabei ungemein düster. Amelia zitterte. Die drei anderen Damen telegrafierten einander mit den Augen. Die gehorsame Glocke in den unteren Regionen begann das Zeichen zum Essen zu geben. Als das Läuten vorbei war, schob das Familienoberhaupt die Hände in die großen Taschen seines großen blauen Rockes mit den Messingknöpfen und schritt, ohne auf eine weitere Einladung zu warten, allein die Treppe hinab, wobei er die vier Frauen scheel über die Schulter ansah.   “Damn Mr. George, sir. Am I master of the house? Dinner !” Mr. Osborne scowled. Amelia trembled. A telegraphic communication of eyes passed between the other three ladies. The obedient bell in the lower regions began ringing the announcement of the meal. The tolling over, the head of the family thrust his hands into the great tail-pockets of his great blue coat with brass buttons, and without waiting for a further announcement strode downstairs alone, scowling over his shoulder at the four females. »Was ist nun wieder los, meine Teure?« fragten sie einander, als sie aufstanden und behutsam hinter dem Hausherrn hertrippelten. »Vermutlich fallen die Aktien«, flüsterte Miss Wirt, und so folgte die weibliche Gesellschaft zitternd und schweigend ihrem finsteren Führer, und schweigend nahmen sie ihre Plätze ein. Er knurrte einen Segen, der barsch klang wie ein Fluch. Dann wurden die großen silbernen Deckel abgenommen. Amelia zitterte auf ihrem Platz, denn sie saß dem furchtbaren Osborne am nächsten, ganz allein an ihrer Tischseite – die Lücke war durch Georges Abwesenheit entstanden.   “What’s the matter now, my dear?” asked one of the other, as they rose and tripped gingerly behind the sire. “I suppose the funds are falling,” whispered Miss Wirt; and so, trembling and in silence, this hushed female company followed their dark leader. They took their places in silence. He growled out a blessing, which sounded as gruffly as a curse. The great silver dish-covers were removed. Amelia trembled in her place, for she was next to the awful Osborne, and alone on her side of the table — the gap being occasioned by the absence of George. »Suppe?« fragte Mr. Osborne mit Grabesstimme, den Schöpflöffel in der Hand, und heftete die Augen auf sie. Nachdem er sie und die übrigen bedient hatte, redete er eine Weile kein Wort.   “Soup?” says Mr. Osborne, clutching the ladle, fixing his eyes on her, in a sepulchral tone; and having helped her and the rest, did not speak for a while. »Nimm Miss Sedleys Teller weg«, befahl er schließlich. »Sie kann die Suppe nicht essen – und ich auch nicht. Sie ist ganz scheußlich. Nimm die Suppe weg, Hicks, und du, Jane, kannst morgen die Köchin wegschicken.«   “Take Miss Sedley’s plate away,” at last he said. “She can’t eat the soup — no more can I. It’s beastly. Take away the soup, Hicks, and to-morrow turn the cook out of the house, Jane.” Nachdem Mr. Osborne das Thema Suppe beendigt hatte, machte er ein paar kurze, gleichfalls bösartige und satirische Bemerkungen über den Fisch und verwünschte Billingsgate mit einem Nachdruck, der ganz dem Ort entsprach. Dann verfiel er in Schweigen und stürzte mehrere Gläser Wein hinunter, wobei sein Blick ständig furchterregender wurde, bis ein lebhaftes Klopfen an der Haustür Georges Ankunft meldete und alle sich wieder faßten.   Having concluded his observations upon the soup, Mr. Osborne made a few curt remarks respecting the fish, also of a savage and satirical tendency, and cursed Billingsgate with an emphasis quite worthy of the place. Then he lapsed into silence, and swallowed sundry glasses of wine, looking more and more terrible, till a brisk knock at the door told of George’s arrival when everybody began to rally. Er habe nicht früher kommen können. General Daguilet im Kriegsministerium habe ihn warten lassen. Suppe oder Fisch brauche er nicht unbedingt. Man solle ihm irgend etwas geben – ganz egal was. Prächtiges Hammelfleisch, alles prächtig. Seine gute Laune stand im Gegensatz zu seines Vaters Ernst, und er schwatzte während des Essens unaufhörlich, zur Freude aller und besonders einer, die nicht genannt zu werden braucht.   “He could not come before. General Daguilet had kept him waiting at the Horse Guards. Never mind soup or fish. Give him anything — he didn’t care what. Capital mutton — capital everything.” His good humour contrasted with his father’s severity; and he rattled on unceasingly during dinner, to the delight of all — of one especially, who need not be mentioned. Sobald die jungen Damen die Orange und das Glas Wein genossen hatten, was gewöhnlich den Abschluß der traurigen Bankette in Mr. Osbornes Haus bildete, wurde das Zeichen zum Absegeln in den Salon gegeben. Alle erhoben sich und gingen davon. Amelia hoffte, George würde sich bald zu ihnen gesellen. Sie begann auf dem großen, lederverkleideten Flügel mit den geschnitzten Beinen droben im Salon einige seiner Lieblingswalzer (die damals ganz neu waren) zu spielen. Aber dieser kleine Kunstgriff brachte ihn nicht hinauf. Er war taub für die Walzer; sie klangen leiser und leiser, und bald verließ die entmutigte Spielerin das riesige Instrument. Obgleich nun ihre drei Freundinnen ein paar sehr laute und brillante neue Stücke aus ihrem Repertoire spielten, so hörte sie doch keine einzige Note, sondern war nachdenklich, Unheil schwante ihr. Der alte Osborne war zwar immer finster und schrecklich, aber noch nie hatte er so tödliche Blicke gegen sie geschleudert. Seine Augen verfolgten sie bis zur Tür, als ob sie etwas verbrochen hätte. Als man ihr den Kaffee reichte, fuhr sie zurück, als ob Mr. Hicks, der Butler, ihr einen Giftbecher anbieten wollte. Welches Geheimnis verbarg sich wohl dahinter? Oh, diese Frauen! Sie hegen und pflegen ihre Ahnungen und hätscheln ihre garstigen Gedanken, wie sie ihre verunstalteten Kinder hätscheln.   As soon as the young ladies had discussed the orange and the glass of wine which formed the ordinary conclusion of the dismal banquets at Mr. Osborne’s house, the signal to make sail for the drawing-room was given, and they all arose and departed. Amelia hoped George would soon join them there. She began playing some of his favourite waltzes (then newly imported) at the great carved-legged, leather-cased grand piano in the drawing-room overhead. This little artifice did not bring him. He was deaf to the waltzes; they grew fainter and fainter; the discomfited performer left the huge instrument presently; and though her three friends performed some of the loudest and most brilliant new pieces of their repertoire, she did not hear a single note, but sate thinking, and boding evil. Old Osborne’s scowl, terrific always, had never before looked so deadly to her. His eyes followed her out of the room, as if she had been guilty of something. When they brought her coffee, she started as though it were a cup of poison which Mr. Hicks, the butler, wished to propose to her. What mystery was there lurking? Oh, those women! They nurse and cuddle their presentiments, and make darlings of their ugliest thoughts, as they do of their deformed children. Die Düsterkeit im väterlichen Gesicht hatte auch George Osborne ängstlich gemacht. Wie sollte George bei solchen finsteren Augenbrauen und einem so ausgesprochen galligen Blick das Geld aus dem Familienoberhaupt herauslocken, das er so nötig brauchte? Er fing an, seines Vaters Wein zu loben. Das war gewöhnlich ein erfolgreiches Mittel, dem alten Herrn zu schmeicheln.   The gloom on the paternal countenance had also impressed George Osborne with anxiety. With such eyebrows, and a look so decidedly bilious, how was he to extract that money from the governor, of which George was consumedly in want? He began praising his father’s wine. That was generally a successful means of cajoling the old gentleman. »Wir haben in Westindien nie so guten Madeira bekommen, Vater, wie deinen. Oberst Heavytop hat sich neulich drei Flaschen von dem, den du mir geschickt hast, zu Gemüte geführt.«   “We never got such Madeira in the West Indies, sir, as yours. Colonel Heavytop took off three bottles of that you sent me down, under his belt the other day.” »Wirklich?« fragte der alte Herr. »Die Flasche kostet mich acht Shilling.«   “Did he?” said the old gentleman. “It stands me in eight shillings a bottle.” »Willst du sechs Guineen für ein Dutzend Flaschen haben?« fragte George lachend. »Einer der größten Männer des Königreiches möchte gern welchen davon.«   “Will you take six guineas a dozen for it, sir?” said George, with a laugh. “There’s one of the greatest men in the kingdom wants some.” »Wirklich?« brummte der Alte. »Hoffentlich bekommt er welchen.«   “Does he?” growled the senior. “Wish he may get it.” »Als General Daguilet in Chatham war, gab ihm Heavytop ein Frühstück und bat mich um einige Flaschen von dem Wein. Dem General schmeckte er ebenso gut; er wollte sogar ein Faß für den Oberbefehlshaber haben. Er ist die rechte Hand Seiner Königlichen Hoheit.«   “When General Daguilet was at Chatham, sir, Heavytop gave him a breakfast, and asked me for some of the wine. The General liked it just as well — wanted a pipe for the Commander-in-Chief. He’s his Royal Highness’s right-hand man.” »Es ist wirklich verteufelt guter Wein«, sagten die Augenbrauen und sahen schon etwas besser gelaunt aus. George wollte gerade aus dem Wohlbehagen seines Vaters Nutzen ziehen und die Geldfrage aufs Tapet bringen, als der Alte ihn in seinem vorherigen feierlichen Ton, wenn auch nicht ohne Herzlichkeit, bat, zu läuten und Rotwein kommen zu lassen. »Und wir wollen sehen, George, ob der so gut ist wie der Madeira, von dem ich Seiner Königlichen Hoheit sicher etwas abgeben werde. Während wir ihn dann trinken, will ich mit dir eine Sache von Wichtigkeit besprechen.«   “It is devilish fine wine,” said the Eyebrows, and they looked more good-humoured; and George was going to take advantage of this complacency, and bring the supply question on the mahogany, when the father, relapsing into solemnity, though rather cordial in manner, bade him ring the bell for claret. “And we’ll see if that’s as good as the Madeira, George, to which his Royal Highness is welcome, I’m sure. And as we are drinking it, I’ll talk to you about a matter of importance.” Amelia hörte oben nervös die Rotweinglocke läuten. Dieser Klang schien ihr irgendwie mysteriös und ahnungsvoll zu sein. Manche Leute haben stets Ahnungen, und einige davon müssen sich schließlich auch einmal erfüllen.   Amelia heard the claret bell ringing as she sat nervously upstairs. She thought, somehow, it was a mysterious and presentimental bell. Of the presentiments which some people are always having, some surely must come right. »Was ich wissen wollte, George«, sagte der alte Herr, nachdem er sein erstes Glas geleert hatte, »was ich wissen wollte, wie stehst du mit dem – hm – dem kleinen Ding da oben?«   “What I want to know, George,” the old gentleman said, after slowly smacking his first bumper — "what I want to know is, how you and — ah — that little thing upstairs, are carrying on?” »Ich denke, Sir, das ist nicht schwer zu sehen«, sagte George mit selbstzufriedenem Grinsen. »Ziemlich klar, Sir – was für ein prächtiger Wein!«   “I think, sir, it is not hard to see,” George said, with a self-satisfied grin. “Pretty clear, sir. — What capital wine!” »Was meinst du mit ziemlich klar?«   “What d’you mean, pretty clear, sir?” »Hach, zum Henker, dring doch nicht so in mich. Ich bin ein bescheidener Mensch. Ich – nun ja – ich will mich nicht gerade als Herzensbrecher aufspielen, aber ich muß doch zugeben, daß sie so höllisch verliebt in mich ist wie nur möglich. Das sieht doch ein Blinder.«   “Why, hang it, sir, don’t push me too hard. I’m a modest man. I — ah — I don’t set up to be a lady-killer; but I do own that she’s as devilish fond of me as she can be. Anybody can see that with half an eye.” »Und du selbst?«   “And you yourself?” »Wieso, hast du mir nicht befohlen, sie zu heiraten, und bin ich nicht ein gehorsamer Sohn? Haben nicht unsere Papas die Sache schon vor ewigen Zeiten abgemacht?«   “Why, sir, didn’t you order me to marry her, and ain’t I a good boy? Haven’t our Papas settled it ever so long?” »Ja, ja, ein schöner Sohn. Habe ich nicht von deinen Machenschaften mit Lord Tarquin, Hauptmann Crawley von der Leibgarde, dem ehrenwerten Mr. Deuceace und Leuten solchen Schlages gehört? Nimm dich in acht, Junge, nimm dich in acht!«   “A pretty boy, indeed. Haven’t I heard of your doings, sir, with Lord Tarquin, Captain Crawley of the Guards, the Honourable Mr. Deuceace and that set. Have a care sir, have a care.” Der alte Herr ließ diese aristokratischen Namen auf der Zunge zerfließen. Sooft er einem großen Namen begegnete, kroch er vor ihm und schmeichelte ihm, wie nur ein frei geborener Brite es fertigbringt. Er ging nach Hause und schlug im Adelskalender nach, um Näheres über ihn zu erfahren; ständig führte er seinen Namen im Munde, prahlte mit Seiner Lordschaft seinen Töchtern gegenüber. Er lag vor ihm auf den Knien und wärmte sich an seinem Anblick wie ein neapolitanischer Bettler an der Sonne. George wurde unruhig, als er die Namen hörte. Er fürchtete, sein Vater könnte von gewissen Spielgeschichten unterrichtet worden sein. Allein der alte Moralist beruhigte ihn, als er heiter sagte:   The old gentleman pronounced these aristocratic names with the greatest gusto. Whenever he met a great man he grovelled before him, and my-lorded him as only a free-born Briton can do. He came home and looked out his history in the Peerage: he introduced his name into his daily conversation; he bragged about his Lordship to his daughters. He fell down prostrate and basked in him as a Neapolitan beggar does in the sun. George was alarmed when he heard the names. He feared his father might have been informed of certain transactions at play. But the old moralist eased him by saying serenely: »Nun ja, junge Leute sind eben junge Leute. Es tröstet mich, George, daß du in der besten Gesellschaft Englands verkehrst, wie ich hoffe und glaube und wie meine Mittel es dir gestatten.«   “Well, well, young men will be young men. And the comfort to me is, George, that living in the best society in England, as I hope you do; as I think you do; as my means will allow you to do — ” »Ich danke dir, Vater«, sagte George und benutzte den günstigen Augenblick, »aber man kann mit so hohen Personen nicht umsonst verkehren; sieh dir meinen Geldbeutel an.« Bei diesen Worten hielt er seine Börse, ein selbstgearbeitetes Geschenk von Amelia, in die Höhe, die die letzte Pfundnote von Dobbin enthielt.   “Thank you, sir,” says George, making his point at once. “One can’t live with these great folks for nothing; and my purse, sir, look at it”; and he held up a little token which had been netted by Amelia, and contained the very last of Dobbin’s pound notes. »Es soll dir an nichts fehlen, mein Junge, dem Sohn des britischen Kaufmanns soll es an nichts fehlen. Meine Guineen sind so gut wie ihre, George, mein Junge, und ich gebe sie dir gern. Geh morgen, wenn du in die City kommst, bei Mr. Chopper vorbei; er wird was für dich haben. Ich bin nicht kleinlich mit dem Geld, wenn ich weiß, du bist in guter Gesellschaft, weil ich weiß, in guter Gesellschaft kann es nie schiefgehen. Ich bin nicht stolz. Ich bin von niedriger Abstammung, aber du hast in diesem Punkt bedeutende Vorteile. Mache einen guten Gebrauch davon. Misch dich unter den jungen Adel. Es gibt darunter viele, die deiner Guinee keinen Dollar entgegensetzen können, mein Junge. Und was die Weiberhüte betrifft« – hier drang ein schlaues, unangenehmes Blinzeln unter den starken Augenbrauen hervor –, »so sind Burschen nun einmal Burschen. Aber eins mußt du meiden, das sage ich dir, und wenn du das nicht tust, so erhältst du, beim Zeus, von mir keinen Shilling mehr: Ich meine das Spielen.«   “You shan’t want, sir. The British merchant’s son shan’t want, sir. My guineas are as good as theirs, George, my boy; and I don’t grudge ’em. Call on Mr. Chopper as you go through the City to-morrow; he’ll have something for you. I don’t grudge money when I know you’re in good society, because I know that good society can never go wrong. There’s no pride in me. I was a humbly born man — but you have had advantages. Make a good use of ’em. Mix with the young nobility. There’s many of ’em who can’t spend a dollar to your guinea, my boy. And as for the pink bonnets (here from under the heavy eyebrows there came a knowing and not very pleasing leer) — why boys will be boys. Only there’s one thing I order you to avoid, which, if you do not, I’ll cut you off with a shilling, by Jove; and that’s gambling.” »Oh, natürlich, Sir«, sagte George.   “Oh, of course, sir,” said George. »Um aber auf die andere Angelegenheit, auf Amelia, zurückzukommen: Warum solltest du nicht etwas Besseres als eine Börsenmaklerstochter heiraten, George? Das möchte ich wissen.«   “But to return to the other business about Amelia: why shouldn’t you marry higher than a stockbroker’s daughter, George — that’s what I want to know?” »Das ist doch Familiengeschäft, Sir«, sagte George, während er Haselnüsse knackte. »Du und Mr. Sedley, ihr habt doch die Sache schon vor hundert Jahren abgesprochen.«   “It’s a family business, sir,".says George, cracking filberts. “You and Mr. Sedley made the match a hundred years ago.” »Das leugne ich nicht, aber die Stellung der Menschen kann sich ändern, mein Lieber. Ich leugne es nicht, daß Sedley mein Glück gemacht hat oder, richtiger, daß er mich in die Lage gesetzt hat, dank meiner eigenen Talente und Anlagen die stolze Position zu gewinnen, die ich, ich kann es wohl sagen, im Talghandel und in der City von London einnehme. Ich habe Sedley meine Dankbarkeit bewiesen, und er hat sie in der letzten Zeit sehr in Anspruch genommen, wie man aus meinem Scheckbuch ersehen kann. George, ich sage dir im Vertrauen, Mr. Sedleys Geschäfte gefallen mir nicht. Auch meinem Hauptbuchhalter, Mr. Chopper, wollen sie nicht recht gefallen, und der ist ein alter Fuchs und kennt die Börse wie keiner in London. Hulker und Bullock sind auch mißtrauisch. Ich befürchte, er hat sich auf eigene Gefahr in dumme Sachen eingelassen. Man sagt, die ›Jeune Amelie‹, die von der ›Molasses‹ der Yankees gekapert worden ist, habe ihm gehört. Eins ist klar: Solange ich nicht Amelias zehntausend Pfund gesehen habe, heiratest du sie mir nicht. Ich will nicht in meiner Familie die Tochter eines verkrachten Spekulanten haben. Reich mir mal den Wein, Junge, oder klingle lieber nach dem Kaffee.«   “I don’t deny it; but people’s positions alter, sir. I don’t deny that Sedley made my fortune, or rather put me in the way of acquiring, by my own talents and genius, that proud position, which, I may say, I occupy in the tallow trade and the City of London. I’ve shown my gratitude to Sedley; and he’s tried it of late, sir, as my cheque-book can show. George! I tell you in confidence I don’t like the looks of Mr. Sedley’s affairs. My chief clerk, Mr. Chopper, does not like the looks of ’em, and he’s an old file, and knows ’Change as well as any man in London. Hulker \& Bullock are looking shy at him. He’s been dabbling on his own account I fear. They say the Jeune Amelie was his, which was taken by the Yankee privateer Molasses. And that’s flat — unless I see Amelia’s ten thousand down you don’t marry her. I’ll have no lame duck’s daughter in my family. Pass the wine, sir — or ring for coffee.” Mit diesen Worten entfaltete Mr. Osborne die Abendzeitung, und George erkannte an diesem Zeichen, daß die Unterredung nun zu Ende sei und daß Papa ein Schläfchen machen wolle.   With which Mr. Osborne spread out the evening paper, and George knew from this signal that the colloquy was ended, and that his papa was about to take a nap. In bester Laune rannte er die Treppe hinauf zu Amelia. Wieso war er an jenem Abend so aufmerksam gegen sie wie schon lange nicht, so eifrig, sie zu unterhalten, so zärtlich, so glänzend im Gespräch? Schlug sein großmütiges Herz in der Voraussicht auf kommendes Unglück wärmer für sie? Oder schätzte er seine kleine, liebe Beute höher bei dem Gedanken, sie verlieren zu können?   He hurried upstairs to Amelia in the highest spirits. What was it that made him more attentive to her on that night than he had been for a long time — more eager to amuse her, more tender, more brilliant in talk? Was it that his generous heart warmed to her at the prospect of misfortune; or that the idea of losing the dear little prize made him value it more? Viele Tage noch zehrte Amelia von den Erinnerungen an jenen glücklichen Abend, sie entsann sich seiner Worte, seiner Blicke, des Liedes, das er gesungen hatte, seiner Haltung, als er sich über sie beugte oder sie aus der Ferne ansah. Ihr schien noch nie ein Abend in Mr. Osbornes Haus so rasch verstrichen zu sein, und diesmal war das junge Mädchen fast versucht, ärgerlich zu werden, als Mr. Sambo allzufrüh mit ihrem Schal auftauchte.   She lived upon the recollections of that happy evening for many days afterwards, remembering his words; his looks; the song he sang; his attitude, as he leant over her or looked at her from a distance. As it seemed to her, no night ever passed so quickly at Mr. Osborne’s house before; and for once this young person was almost provoked to be angry by the premature arrival of Mr. Sambo with her shawl. Am nächsten Morgen kam George und nahm zärtlich von ihr Abschied; dann eilte er in die City, wo er bei Mr. Chopper, dem Hauptbuchhalter seines Vaters, vorsprach. Von diesem Herrn erhielt er ein Dokument, das er bei Hulker und Bullock gegen eine ganze Tasche voll Geld tauschte. Als George das Haus betrat, kam der alte John Sedley gerade mit unglücklicher Miene aus dem Besuchszimmer des Bankiers. Sein Patensohn aber war viel zu froher Stimmung, um die Niedergeschlagenheit des würdigen Börsenmaklers oder die trostlosen Blicke, die der gute alte Herr ihm zuwarf, zu bemerken.   George came and took a tender leave of her the next morning; and then hurried off to the City, where he visited Mr. Chopper, his father’s head man, and received from that gentleman a document which he exchanged at Hulker \& Bullock’s for a whole pocketful of money. As George entered the house, old John Sedley was passing out of the banker’s parlour, looking very dismal. But his godson was much too elated to mark the worthy stockbroker’s depression, or the dreary eyes which the kind old gentleman cast upon him. Young Bullock did not come grinning out of the parlour with him as had been his wont in former years. Der junge Bullock war dieses Mal auch nicht, wie in früheren Jahren, lächelnd mit ihm aus dem Besuchszimmer gekommen. Und als die Tür von Hulker, Bullock und Co. sich hinter Mr. Sedly schloß, winkte Mr. Quill, der Kassierer, dessen angenehme Aufgabe es war, knisternde Banknoten aus einer Schublade zu ziehen und mit einer Kupferschaufel Sovereigns auszuteilen, Mr. Driver, dem Kontoristen am rechten Pulte, zu. Mr. Driver winkte zurück.   And as the swinging doors of Hulker, Bullock \& Co. closed upon Mr. Sedley, Mr. Quill, the cashier (whose benevolent occupation it is to hand out crisp bank-notes from a drawer and dispense sovereigns out of a copper shovel), winked at Mr. Driver, the clerk at the desk on his right. Mr. Driver winked again. »Geht nicht«, flüsterte Mr. Driver.   “No go,” Mr. D. whispered. »Nein, auf keinen Fall«, sagte Mr. Quill. »Mr. George Osborne, wie hätten Sie es gern?« Und George stopfte sich eifrig eine Anzahl Banknoten in die Tasche und bezahlte Dobbin noch am gleichen Abend fünfzig Pfund in der Offiziersmesse.   “Not at no price,” Mr. Q. said. “Mr. George Osborne, sir, how will you take it?” George crammed eagerly a quantity of notes into his pockets, and paid Dobbin fifty pounds that very evening at mess. Am gleichen Abend schrieb ihm Amelia den zärtlichsten aller langen Briefe. Ihr Herz strömte über vor Zärtlichkeit, aber dennoch ahnte es Böses. Warum sah Mr. Osborne so finster aus? fragte sie. Hatte es zwischen ihm und ihrem Papa Streit gegeben? Ihr armer Papa kam so melancholisch aus der City zurück, daß daheim alle ängstlich wurden – kurz, es waren vier Seiten voller Liebe, Befürchtungen, Hoffnungen und Ahnungen.   That very evening Amelia wrote him the tenderest of long letters. Her heart was overflowing with tenderness, but it still foreboded evil. What was the cause of Mr. Osborne’s dark looks? she asked. Had any difference arisen between him and her papa? Her poor papa returned so melancholy from the City, that all were alarmed about him at home — in fine, there were four pages of loves and fears and hopes and forebodings. »Die arme kleine Emmy – die gute kleine Emmy! Wie liebt sie mich doch«, sagte George, als er den Brief las. »Ach, mein Gott, was für Kopfschmerzen hat mir doch der gemixte Punsch gebracht!« Wirklich, arme kleine Emmy!   “Poor little Emmy — dear little Emmy. How fond she is of me,” George said, as he perused the missive — "and Gad, what a headache that mixed punch has given me!” Poor little Emmy, indeed. 14. Kapitel / Chapter 14 Miss Crawley daheim / Miss Crawley at Home Etwa um dieselbe Zeit fuhr ein wappengeschmückter Reisewagen an einem ungemein hübschen und gut eingerichteten Haus in der Park Lane vor; auf dem Bedientensitz befand sich ein unzufriedenes weibliches Wesen mit grünem Schleier und gebrannten Locken, auf dem Bock saß ein dicker, vertrauenerweckender Mann. Es war die Equipage unserer Freundin Miss Crawley, die aus Hampshire zurückkam. Die Wagenfenster waren geschlossen, das fette Hündchen, dessen Kopf und Zunge sonst aus einem Fenster heraushing, ruhte auf dem Schoß des unzufriedenen weiblichen Wesens. Als der Wagen hielt, wurde ein großes rundes Bündel von Schals mit Hilfe verschiedener Diener und einer jungen Dame herausgehoben, die dieses Paket von Bekleidungsstücken begleitete. Das Bündel enthielt Miss Crawley, die sofort die Treppe hinaufgeführt und in ein Zimmer und Bett gebracht wurde, die wie zur Aufnahme einer Kranken gehörig gewärmt worden waren. Boten wurden geschickt, um ihre beiden Ärzte herbeizuholen. Diese kamen, berieten sich, verschrieben etwas und verschwanden wieder. Die junge Begleiterin von Miss Crawley kam am Ende der Besprechung herein, um Verhaltungsmaßregeln zu empfangen, und gab ihr dann die antiphlogistischen Arzneien ein, die die ausgezeichneten Männer verordnet hatten.   About this time there drove up to an exceedingly snug and well-appointed house in Park Lane, a travelling chariot with a lozenge on the panels, a discontented female in a green veil and crimped curls on the rumble, and a large and confidential man on the box. It was the equipage of our friend Miss Crawley, returning from Hants. The carriage windows were shut; the fat spaniel, whose head and tongue ordinarily lolled out of one of them, reposed on the lap of the discontented female. When the vehicle stopped, a large round bundle of shawls was taken out of the carriage by the aid of various domestics and a young lady who accompanied the heap of cloaks. That bundle contained Miss Crawley, who was conveyed upstairs forthwith, and put into a bed and chamber warmed properly as for the reception of an invalid. Messengers went off for her physician and medical man. They came, consulted, prescribed, vanished. The young companion of Miss Crawley, at the conclusion of their interview, came in to receive their instructions, and administered those antiphlogistic medicines which the eminent men ordered. Hauptmann Crawley von der Leibgarde kam am nächsten Tage von der Kaserne in Knightsbridge angeritten; sein stattlicher Rappe scharrte im Stroh vor der Tür seiner kranken Tante. Er erkundigte sich sehr liebevoll nach dem Befinden seiner guten Verwandten. Es schien viele Gründe zur Besorgnis zu geben. Er fand Miss Crawleys Kammermädchen (das unzufriedene weibliche Wesen) außerordentlich mürrisch und niedergeschlagen; er fand Miss Briggs, ihre dame de compagnie, in Tränen und allein im Salon. Sie war nach Hause geeilt bei der ersten Nachricht von der Krankheit ihrer geliebten Freundin. Sie wollte an ihr Lager fliegen, an das Lager, dessen Kissen sie, Briggs, in Stunden der Krankheit oft glattgestrichen hatte. Allein der Zutritt zu Miss Crawleys Zimmer wurde ihr verwehrt. Eine Fremde gab ihr die Arznei ein ... eine Fremde vom Lande... eine abscheuliche Miss... Tränen erstickten die Worte der dame de compagnie, und so begrub sie denn ihre grausam zurückgewiesene Liebe und ihre arme, alte, rote Nase im Taschentuch.   Captain Crawley of the Life Guards rode up from Knightsbridge Barracks the next day; his black charger pawed the straw before his invalid aunt’s door. He was most affectionate in his inquiries regarding that amiable relative. There seemed to be much source of apprehension. He found Miss Crawley’s maid (the discontented female) unusually sulky and despondent; he found Miss Briggs, her dame de compagnie, in tears alone in the drawing-room. She had hastened home, hearing of her beloved friend’s illness. She wished to fly to her couch, that couch which she, Briggs, had so often smoothed in the hour of sickness. She was denied admission to Miss Crawley’s apartment. A stranger was administering her medicines — a stranger from the country — an odious Miss ... — tears choked the utterance of the dame de compagnie, and she buried her crushed affections and her poor old red nose in her pocket handkerchief. Rawdon Crawley ließ sich durch die mürrische femme de chambre oben melden, und Miss Crawleys neue Gesellschaftsdame kam aus dem Krankenzimmer herangetrippelt, legte ihre kleine Hand in die seine, als er eifrig auf sie zuging, um sie zu begrüßen, und warf der völlig verwirrten Briggs einen höhnischen Blick zu. Dann winkte sie den jungen Leibgardisten aus dem Salon, führte ihn die Treppe hinab in das nun verlassene Speisezimmer, wo so manches gute Mahl eingenommen worden war.   Rawdon Crawley sent up his name by the sulky femme de chambre, and Miss Crawley’s new companion, coming tripping down from the sick-room, put a little hand into his as he stepped forward eagerly to meet her, gave a glance of great scorn at the bewildered Briggs, and beckoning the young Guardsman out of the back drawing-room, led him downstairs into that now desolate dining-parlour, where so many a good dinner had been celebrated. Hier sprachen die beiden etwa zehn Minuten miteinander und erörterten zweifellos die Krankheit der alten Patientin droben. Nach Ablauf dieser Zeit wurde energisch die Speisezimmerklingel gezogen, und augenblicklich erschien Mr. Bowls, der dicke vertrauenerweckende Butler (der sich zufällig während des größten Teils der Unterredung am Schlüsselloche aufgehalten hatte). Der Hauptmann trat, seinen Schnurrbart zwirbelnd, heraus und bestieg den im Stroh scharrenden Rappen, zur großen Bewunderung der kleinen Gassenjungen, die sich in der Straße versammelt hatten. Er blickte zum Speisezimmerfenster und ließ sein Pferd tänzeln und eine prächtige Kapriole schlagen – einen Augenblick konnte man das junge Mädchen am Fenster sehen, dann verschwand ihre Gestalt, und ohne Zweifel stieg sie wieder die Treppe hinauf, um die zarten Pflichten der Wohltätigkeit wieder auf sich zu nehmen.   Here these two talked for ten minutes, discussing, no doubt, the symptoms of the old invalid above stairs; at the end of which period the parlour bell was rung briskly, and answered on that instant by Mr. Bowls, Miss Crawley’s large confidential butler (who, indeed, happened to be at the keyhole during the most part of the interview); and the Captain coming out, curling his mustachios, mounted the black charger pawing among the straw, to the admiration of the little blackguard boys collected in the street. He looked in at the dining-room window, managing his horse, which curvetted and capered beautifully — for one instant the young person might be seen at the window, when her figure vanished, and, doubtless, she went upstairs again to resume the affecting duties of benevolence. Wer mochte wohl dieses junge Mädchen sein? An jenem Abend war im Speisezimmer für zwei Personen gedeckt. Mrs. Firkin, die Kammerjungfer, machte sich, während die neue Krankenwärterin und Miss Briggs sich zu dem kleinen Mahl niederließen, ungestüm im Zimmer ihrer Herrin zu schaffen.   Who could this young woman be, I wonder? That evening a little dinner for two persons was laid in the dining-room — when Mrs. Firkin, the lady’s maid, pushed into her mistress’s apartment, and bustled about there during the vacancy occasioned by the departure of the new nurse — and the latter and Miss Briggs sat down to the neat little meal. Die Briggs war so mitgenommen, daß sie kaum ein Bröckchen Fleisch essen konnte. Das junge Mädchen zerlegte ein Huhn mit der größten Sorgfalt und bat so bestimmt um die Eiersoße, daß die arme Briggs, vor der diese würzige Köstlichkeit stand, zusammenfuhr, ein gewaltiges Klapperkonzert mit dem Soßenlöffel vollführte und wieder in ihre rührselige Hysterie verfiel.   Briggs was so much choked by emotion that she could hardly take a morsel of meat. The young person carved a fowl with the utmost delicacy, and asked so distinctly for egg-sauce, that poor Briggs, before whom that delicious condiment was placed, started, made a great clattering with the ladle, and once more fell back in the most gushing hysterical state. »Wäre es nicht besser, wenn Sie Miss Briggs ein Glas Wein gäben?« sagte die Junge zu Mr. Bowls, dem dicken, vertrauenswürdigen Mann. Er tat es. Die Briggs griff mechanisch danach, stürzte es krampfhaft hinunter, stöhnte ein wenig und fing an, mit dem Hühnchen auf ihrem Teller zu spielen.   “Had you not better give Miss Briggs a glass of wine?” said the person to Mr. Bowls, the large confidential man. He did so. Briggs seized it mechanically, gasped it down convulsively, moaned a little, and began to play with the chicken on her plate. »Ich glaube, wir können uns selbst bedienen«, sagte die Junge mit größter Höflichkeit, »wir können daher auf die freundliche Hilfe von Mr. Bowls verzichten. Mr. Bowls, wir werden klingeln, wenn wir Sie benötigen.«   “I think we shall be able to help each other,” said the person with great suavity: “and shall have no need of Mr. Bowls’s kind services. Mr. Bowls, if you please, we will ring when we want you.” He went downstairs, where, by the way, he vented the most horrid curses upon the unoffending footman, his subordinate. Der Butler ging hinunter ins Bedientenzimmer, wo er, beiläufig gesagt, den unschuldigen Lakaien, seinen Untergebenen, mit den fürchterlichsten Flüchen überhäufte.   “It is a pity you take on so, Miss Briggs,” the young lady said, with a cool, slightly sarcastic, air. »Wie können Sie sich die Sache so zu Herzen nehmen, Miss Briggs«, meinte die junge Dame mit kühler, etwas sarkastischer Miene.   “My dearest friend is so ill, and wo — o — on’t see me,” gurgled out Briggs in an agony of renewed grief. »Meine liebe, liebe Freundin ist so krank und wi... i... i... i... i... ill mich nicht sehen«, gurgelte die Briggs in einem neuen Schmerzensausbruch hervor. »Sie ist nicht mehr sehr krank. Trösten Sie sich, teure Miss Briggs. Sie hat nur zuviel gegessen – das ist alles. Es geht ihr schon bedeutend besser. Bald wird sie wiederhergestellt sein. Sie ist noch schwach vom Schröpfen und von der ärztlichen Behandlung, wird sich aber bald erholen. Beruhigen Sie sich doch bitte und trinken Sie noch ein bißchen Wein.«   “She’s not very ill any more. Console yourself, dear Miss Briggs. She has only overeaten herself — that is all. She is greatly better. She will soon be quite restored again. She is weak from being cupped and from medical treatment, but she will rally immediately. Pray console yourself, and take a little more wine.” »Aber warum, warum will sie mich nicht sehen?« plärrte Miss Briggs. »Oh, Matilda, Matilda, ist das nach dreiundzwanzig Jahren zärtlicher Liebe der Dank für deine arme, arme Arabella?«   “But why, why won’t she see me again?” Miss Briggs bleated out. “Oh, Matilda, Matilda, after three-and-twenty years’ tenderness! is this the return to your poor, poor Arabella?” »Weinen Sie doch nicht, arme Arabella«, sagte die andere mit einem kaum merklichen Lächeln, »sie will Sie nur deshalb nicht sehen, weil sie sagt, ich pflegte sie besser als Sie. Es ist für mich kein Vergnügen, die ganze Nacht aufzubleiben. Ich wünschte, Sie könnten es an meiner Stelle tun.«   “Don’t cry too much, poor Arabella,” the other said (with ever so little of a grin); “she only won’t see you, because she says you don’t nurse her as well as I do. It’s no pleasure to me to sit up all night. I wish you might do it instead.” »Habe ich nicht viele Jahre lang das teure Lager bewacht?« fragte Arabella. »Und jetzt...«   “Have I not tended that dear couch for years?” Arabella said, “and now — ” »Jetzt zieht sie eben jemanden anders vor. Kranke haben nun einmal ihre Grillen, und man muß ihnen ihren Willen lassen. Wenn sie wieder gesund ist, werde ich gehen.«   “Now she prefers somebody else. Well, sick people have these fancies, and must be humoured. When she’s well I shall go.” »Nie, niemals«, rief Arabella und roch wie wahnsinnig an ihrem Riechfläschchen.   “Never, never,” Arabella exclaimed, madly inhaling her salts-bottle. »Nie wieder gesund sein oder nie gehen, Miss Briggs?« fragte die andere mit derselben herausfordernden Gutmütigkeit. »Pah – in vierzehn Tagen ist sie wieder auf den Beinen, und dann gehe ich zu meinen kleinen Schülerinnen nach Queen's Crawley und zu deren Mutter zurück, die weit kränker ist als unsere Freundin. Sie brauchen nicht eifersüchtig auf mich zu sein, meine liebe Miss Briggs. Ich bin ein armes kleines Mädchen ohne Freunde und tue keinem was zuleide. Ich will Sie gar nicht aus Miss Crawleys Gunst verdrängen. Wenn ich eine Woche fort bin, wird sie mich vergessen haben. Ihre Freundschaft dagegen ist das Werk von vielen Jahren. Bitte, geben Sie mir ein bißchen Wein, meine liebe Miss Briggs, wir wollen Freundinnen sein. Ich brauche Freunde so sehr.«   “Never be well or never go, Miss Briggs?” the other said, with the same provoking good-nature. “Pooh — she will be well in a fortnight, when I shall go back to my little pupils at Queen’s Crawley, and to their mother, who is a great deal more sick than our friend. You need not be jealous about me, my dear Miss Briggs. I am a poor little girl without any friends, or any harm in me. I don’t want to supplant you in Miss Crawley’s good graces. She will forget me a week after I am gone: and her affection for you has been the work of years. Give me a little wine if you please, my dear Miss Briggs, and let us be friends. I’m sure I want friends.” Die versöhnliche und weichherzige Miss Briggs reichte ihr auf diese Bitte hin wortlos die Hand, aber trotzdem traf sie die Abtrünnigkeit tief, und sie beklagte heftig die Unbeständigkeit ihrer Matilda. Als nach einer halben Stunde das Essen vorüber war, verfügte sich Miss Rebekka Sharp (denn so heißt sie merkwürdigerweise, die bisher sinnreich als »das junge Mädchen« beschrieben worden ist) wieder in die Zimmer ihrer Patientin und komplimentierte mit ausgesuchter Höflichkeit die arme Firkin wieder hinaus. »Ich danke Ihnen, Mrs. Firkin, das genügt vollkommen; wie nett Sie das machen! Ich werde klingeln, wenn etwas benötigt wird. Ich danke Ihnen.« Und die Firkin kam herab in einem Sturm der Eifersucht, der um so gefährlicher war, als sie ihn im Busen verbergen mußte.   The placable and soft-hearted Briggs speechlessly pushed out her hand at this appeal; but she felt the desertion most keenly for all that, and bitterly, bitterly moaned the fickleness of her Matilda. At the end of half an hour, the meal over, Miss Rebecca Sharp (for such, astonishing to state, is the name of her who has been described ingeniously as “the person” hitherto), went upstairs again to her patient’s rooms, from which, with the most engaging politeness, she eliminated poor Firkin. “Thank you, Mrs. Firkin, that will quite do; how nicely you make it! I will ring when anything is wanted.” “Thank you”; and Firkin came downstairs in a tempest of jealousy, only the more dangerous because she was forced to confine it in her own bosom. War es wohl dieser Sturm, der die Salontür aufblies, als sie am Treppenabsatz des ersten Stockes vorüberging? Nein, sie wurde verstohlen von der Hand der Briggs geöffnet. Die Briggs hatte auf der Lauer gelegen. Nur zu gut hatte die Briggs die zähneknirschende Firkin die Treppe herabkommen und den Löffel in der Haferbreischüssel, die die vernachlässigte Frau trug, klappern hören.   Could it be the tempest which, as she passed the landing of the first floor, blew open the drawing-room door? No; it was stealthily opened by the hand of Briggs. Briggs had been on the watch. Briggs too well heard the creaking Firkin descend the stairs, and the clink of the spoon and gruel-basin the neglected female carried. »Nun, Firkin?« sagte sie, als die andere ins Zimmer trat. »Nun, Jane?«   “Well, Firkin?” says she, as the other entered the apartment. “Well, Jane?” »Schlimmer und schlimmer, Miss Briggs«, sagte die Firkin kopfschüttelnd.   “Wuss and wuss, Miss B.,” Firkin said, wagging her head. »Es geht ihr also nicht besser?«   “Is she not better then?” »Sie hat nur ein einziges Mal gesprochen. Ich habe sie gefragt, ob sie sich etwas wohler fühle, und sie hat mir geantwortet, ich solle meinen dummen Mund halten. Oh, Miss B., daß ich diesen Tag noch erleben mußte!« Und die Wasserspiele setzten erneut ein.   “She never spoke but once, and I asked her if she felt a little more easy, and she told me to hold my stupid tongue. Oh, Miss B., I never thought to have seen this day!” And the water-works again began to play. »Was für ein Mensch ist diese Miss Sharp eigentlich, Firkin? Ich habe es mir nicht träumen lassen, als ich das Weihnachtsfest in dem vornehmen Hause meiner treuen Freunde, Ehrwürden Lionel Delameres und seiner liebenswürdigen Gattin, zubrachte, zu entdecken, daß eine Fremde meinen Platz im Herzen meiner teuersten, immer noch teuersten Matilda eingenommen hat!« Wie man aus der Sprache der Miss Briggs ersehen kann, war sie eine literarisch gebildete und sentimentale Dame. Sie hatte schon einmal einen Band Gedichte mit dem Titel »Das Schluchzen der Nachtigall« auf Subskription herausgegeben.   “What sort of a person is this Miss Sharp, Firkin? I little thought, while enjoying my Christmas revels in the elegant home of my firm friends, the Reverend Lionel Delamere and his amiable lady, to find a stranger had taken my place in the affections of my dearest, my still dearest Matilda!” Miss Briggs, it will be seen by her language, was of a literary and sentimental turn, and had once published a volume of poems — "Trills of the Nightingale" — by subscription. »Alle sind wie vernarrt in dieses junge Frauenzimmer, Miss B.«, erwiderte die Firkin. »Sir Pitt hätte sie gar nicht gehen lassen, aber er wagte nicht, Miss Crawley etwas abzuschlagen. Mrs. Bute im Pfarrhause ist genauso schlimm – sie ist nicht glücklich, wenn sie sie nicht sieht. Der Hauptmann ist ganz verrückt nach ihr, Mr. Crawley kannibalisch eifersüchtig. Seit Miss Crawley krank ist, will sie niemanden um sich haben als Miss Sharp; ich kann überhaupt nicht sagen, wie oder warum; ich stell mir nur vor, irgendwas hat alle verhext.«   “Miss B., they are all infatyated about that young woman,” Firkin replied. “Sir Pitt wouldn’t have let her go, but he daredn’t refuse Miss Crawley anything. Mrs. Bute at the Rectory jist as bad — never happy out of her sight. The Capting quite wild about her. Mr. Crawley mortial jealous. Since Miss C. was took ill, she won’t have nobody near her but Miss Sharp, I can’t tell for where nor for why; and I think somethink has bewidged everybody.” Rebekka verbrachte jene Nacht wachend bei Miss Crawley. In der nächsten Nacht schlief die alte Dame so ruhig, daß Rebekka einige Stunden auf dem Sofa am Fußende ihrer Gönnerin schlafen konnte; und sehr bald war Miss Crawley wieder so wohlauf, daß sie aufsitzen konnte und über die vollendete Nachahmung von Miss Briggs und ihrem Kummer, die Rebekka ihr vorführte, herzlich lachte. Miss Briggs' tränenreiches Geschnüffel und ihre Art, das Taschentuch zu gebrauchen, waren so täuschend wiedergegeben, daß Miss Crawley ganz lustig wurde, zur großen Verwunderung der Ärzte, denn gewöhnlich fanden sie bei ihren Besuchen diese würdige Dame von Welt bei der geringsten Krankheit total niedergeschlagen und von Todesfurcht erfüllt.   Rebecca passed that night in constant watching upon Miss Crawley; the next night the old lady slept so comfortably, that Rebecca had time for several hours’ comfortable repose herself on the sofa, at the foot of her patroness’s bed; very soon, Miss Crawley was so well that she sat up and laughed heartily at a perfect imitation of Miss Briggs and her grief, which Rebecca described to her. Briggs’ weeping snuffle, and her manner of using the handkerchief, were so completely rendered that Miss Crawley became quite cheerful, to the admiration of the doctors when they visited her, who usually found this worthy woman of the world, when the least sickness attacked her, under the most abject depression and terror of death. Hauptmann Crawley kam täglich und ließ sich von Rebekka über das Befinden seiner Tante Bericht erstatten. Ihre Gesundheit verbesserte sich so schnell, daß die arme Briggs ihre Gönnerin besuchen durfte. Weichherzige Leser können sich die unterdrückte Rührung dieses sentimentalen Wesens und das liebevolle Gespräch vorstellen.   Captain Crawley came every day, and received bulletins from Miss Rebecca respecting his aunt’s health. This improved so rapidly, that poor Briggs was allowed to see her patroness; and persons with tender hearts may imagine the smothered emotions of that sentimental female, and the affecting nature of the interview. Bald wollte Miss Crawley die Briggs wieder häufiger um sich haben. Rebekka pflegte sie vor ihren eigenen Augen mit dem bewundernswertesten Ernst nachzuahmen und machte dadurch die Sache für ihre würdige Gönnerin doppelt pikant.   Miss Crawley liked to have Briggs in a good deal soon. Rebecca used to mimic her to her face with the most admirable gravity, thereby rendering the imitation doubly piquant to her worthy patroness. Die Ursachen, die zu Miss Crawleys beklagenswerter Krankheit und zu ihrer Abreise aus dem Haus ihres Bruders auf dem Lande geführt hatten, waren so unromantisch, daß sie sich kaum eignen, in diesem vornehmen, sentimentalen Roman erklärt zu werden. Denn wie kann man auch nur andeuten, daß eine feine Dame aus guter Gesellschaft zuviel gegessen und getrunken habe und daß der allzu reichliche Genuß von warmen Hummern bei einem Abendbrot im Pfarrhaus die Ursache eines Unwohlseins gewesen sei, das Miss Crawley selbst einzig und allein dem feuchten Wetter zuschrieb? Der Anfall war so heftig, daß Matilda – wie Seine Ehrwürden sich auszudrücken beliebte – nahe daran war, »ins Gras zu beißen«. Die ganze Familie war in fieberhafter Erwartung wegen des Testamentes, und Rawdon Crawley sah sich noch vor Beginn der Saison in London im Besitz von mindestens vierzigtausend Pfund. Mr. Crawley schickte ein Paket auserlesener Traktätchen, zur Vorbereitung des Augenblicks, wo sie den Jahrmarkt der Eitelkeit und die Park Lane mit einer anderen Welt vertauschen würde. Aber ein tüchtiger Arzt, der noch zur rechten Zeit von Southampton herbeigerufen worden war, bezwang den verhängnisvollen Hummer und brachte sie wieder so weit zu Kräften, daß sie nach London zurückkehren konnte. Der Baronet verhehlte nicht seinen heftigen Ärger über diese Wendung der Dinge.   The causes which had led to the deplorable illness of Miss Crawley, and her departure from her brother’s house in the country, were of such an unromantic nature that they are hardly fit to be explained in this genteel and sentimental novel. For how is it possible to hint of a delicate female, living in good society, that she ate and drank too much, and that a hot supper of lobsters profusely enjoyed at the Rectory was the reason of an indisposition which Miss Crawley herself persisted was solely attributable to the dampness of the weather? The attack was so sharp that Matilda — as his Reverence expressed it — was very nearly “off the hooks”; all the family were in a fever of expectation regarding the will, and Rawdon Crawley was making sure of at least forty thousand pounds before the commencement of the London season. Mr. Crawley sent over a choice parcel of tracts, to prepare her for the change from Vanity Fair and Park Lane for another world; but a good doctor from Southampton being called in in time, vanquished the lobster which was so nearly fatal to her, and gave her sufficient strength to enable her to return to London. The Baronet did not disguise his exceeding mortification at the turn which affairs took. Während alle Welt Miss Crawley mit Aufmerksamkeiten überhäufte und Boten vom Pfarrhause stündlich der liebevollen Familie dort Nachrichten über ihr Befinden holten, lag in einem anderen Teil des Hauses eine schwerkranke Dame, um die sich jedoch keine Seele kümmerte; und dies war die Herrin von Crawley. Der gute Doktor schüttelte den Kopf, als er sie sah. Sir Pitt hatte den Besuch erlaubt, da der Arzt nicht extra dafür bezahlt werden mußte. Aber man ließ sie in ihrem einsamen Zimmer langsam dahinsiechen und kümmerte sich um sie sowenig wie um ein Unkraut im Park.   While everybody was attending on Miss Crawley, and messengers every hour from the Rectory were carrying news of her health to the affectionate folks there, there was a lady in another part of the house, being exceedingly ill, of whom no one took any notice at all; and this was the lady of Crawley herself. The good doctor shook his head after seeing her; to which visit Sir Pitt consented, as it could be paid without a fee; and she was left fading away in her lonely chamber, with no more heed paid to her than to a weed in the park. Auch die jungen Damen versäumten viel von dem unschätzbaren Segen des Unterrichts bei ihrer Gouvernante. Miss Sharp war eine so liebevolle Krankenwärterin, daß Miss Crawley nur von ihr die Medizin nehmen wollte. Die Firkin war schon lange vor der Abreise ihrer Herrin vom Lande ihres Dienstes enthoben worden. Bei ihrer Rückkehr nach London fand diese treue Dienerin einen traurigen Trost darin, zu sehen, daß Miss Briggs die gleichen Eifersuchtsqualen litt und derselben treulosen Behandlung ausgesetzt war wie sie selbst.   The young ladies, too, lost much of the inestimable benefit of their governess’s instruction, So affectionate a nurse was Miss Sharp, that Miss Crawley would take her medicines from no other hand. Firkin had been deposed long before her mistress’s departure from the country. That faithful attendant found a gloomy consolation on returning to London, in seeing Miss Briggs suffer the same pangs of jealousy and undergo the same faithless treatment to which she herself had been subject. Hauptmann Rawdon ließ sich wegen der Krankheit seiner Tante seinen Urlaub verlängern und blieb pflichtschuldig zu Hause. Er hielt sich stets in ihrem Vorzimmer auf (sie lag im prächtigsten Schlafzimmer, das man durch den kleinen blauen Salon betreten konnte). Stets begegnete ihm dort sein Vater; und kam er auch noch so leise den Korridor herab, so öffnete sich doch stets die Tür seines Vaters, und das Hyänengesicht des alten Herrn starrte heraus. Warum bewachten sie sich gegenseitig so scharf? Ohne Zweifel war es nur edler Wettstreit, der teuren Kranken im Schlafzimmer die größte Aufmerksamkeit zu beweisen! Rebekka kam gewöhnlich heraus und tröstete beide – oder vielmehr den einen nach dem anderen. Jedem der würdigen Herren lag außerordentlich viel daran, durch die vertraute kleine Botin der Patientin Neues über sie zu erfahren.   Captain Rawdon got an extension of leave on his aunt’s illness, and remained dutifully at home. He was always in her antechamber. (She lay sick in the state bedroom, into which you entered by the little blue saloon.) His father was always meeting him there; or if he came down the corridor ever so quietly, his father’s door was sure to open, and the hyena face of the old gentleman to glare out. What was it set one to watch the other so? A generous rivalry, no doubt, as to which should be most attentive to the dear sufferer in the state bedroom. Rebecca used to come out and comfort both of them; or one or the other of them rather. Both of these worthy gentlemen were most anxious to have news of the invalid from her little confidential messenger. Zum Essen kam Rebekka eine halbe Stunde herunter und stiftete immer wieder Frieden zwischen ihnen. Danach verschwand sie für die Nacht. Rawdon ritt ins Hauptquartier des 150. Regiments nach Mudbury und ließ seinen Papa bei Mr. Horrocks und seinem Grog zurück. Rebekka verbrachte zwei über alle Maßen ermüdende Wochen in Miss Crawleys Krankenzimmer; allein sie schien stählerne Nerven zu besitzen, und die beschwerlichen Pflichten und die Langeweile des Krankenzimmers erschütterten sie nicht im geringsten.   At dinner — to which meal she descended for half an hour — she kept the peace between them: after which she disappeared for the night; when Rawdon would ride over to the depot of the 150th at Mudbury, leaving his papa to the society of Mr. Horrocks and his rum and water. She passed as weary a fortnight as ever mortal spent in Miss Crawley’s sick-room; but her little nerves seemed to be of iron, as she was quite unshaken by the duty and the tedium of the sick-chamber. Erst viel später erzählte sie, wie mühsam ihr dieser Dienst war, was für eine launische Patientin die joviale alte Dame war, wie zornig in ihrer Schlaflosigkeit, welche Todesfurcht sie hatte, wie viele lange Nächte sie stöhnend im Bett lag, in wahnsinnigen Fieberträumen von der zukünftigen Welt, die sie als Gesunde völlig ignorierte. – Oh, hübsche junge Leserin, stell dir ein weltliches, selbstsüchtiges, gnadenloses, undankbares, gottloses altes Weib vor, das sich vor Schmerz und Angst windet, und dabei noch ohne Perücke. Stell sie dir vor, und lerne lieben und beten, ehe du alt wirst!   She never told until long afterwards how painful that duty was; how peevish a patient was the jovial old lady; how angry; how sleepless; in what horrors of death; during what long nights she lay moaning, and in almost delirious agonies respecting that future world which she quite ignored when she was in good health. — Picture to yourself, oh fair young reader, a worldly, selfish, graceless, thankless, religionless old woman, writhing in pain and fear, and without her wig. Picture her to yourself, and ere you be old, learn to love and pray! Die Sharp wachte an diesem gnadenlosen Bette mit unermüdlicher Geduld. Nichts entging ihr; wie eine kluge Haushälterin wußte sie alles zu gebrauchen. In späteren Jahren erzählte sie manche nette Geschichte von Miss Crawleys Krankheit – Geschichten, über die die Damen unter ihrem künstlichen Rot erröteten. Während der Krankheit war sie nie schlechter Laune und stets munter und flink; sie schlief schnell ein, da sie ein reines Gewissen hatte, und konnte auch in kürzesten Zeitspannen einen erquickenden Schlaf finden. So konnte man in ihrem Äußeren kaum Spuren der Ermüdung finden. Ihr Gesicht mochte ein klein wenig blasser, die Augenringe etwas dunkler als gewöhnlich sein; sooft sie aber aus dem Krankenzimmer trat, lächelte sie und sah in ihrem Morgenröckchen und dem Häubchen so nett und frisch aus wie im schönsten Abendkleid.   Sharp watched this graceless bedside with indomitable patience. Nothing escaped her; and, like a prudent steward, she found a use for everything. She told many a good story about Miss Crawley’s illness in after days — stories which made the lady blush through her artificial carnations. During the illness she was never out of temper; always alert; she slept light, having a perfectly clear conscience; and could take that refreshment at almost any minute’s warning. And so you saw very few traces of fatigue in her appearance. Her face might be a trifle paler, and the circles round her eyes a little blacker than usual; but whenever she came out from the sick-room she was always smiling, fresh, and neat, and looked as trim in her little dressing-gown and cap, as in her smartest evening suit. Dieser Ansicht war wenigstens der Hauptmann, der sie in sonderbarer Erregung umschwärmte. Der Liebespfeil war in sein dickes Fell eingedrungen. Sechs Wochen Nähe und Gelegenheit hatten ihn völlig besiegt. Ausgerechnet seine Tante im Pfarrhaus zog er ins Vertrauen. Sie verspottete ihn deshalb, sie hatte seine Torheit schon bemerkt; sie warnte ihn, aber sie endete damit, daß sie zugab, die kleine Sharp sei das gescheiteste, drolligste, komischste, gutmütigste, einfachste, freundlichste Geschöpf in ganz England. Rawdon dürfe aber mit ihren Gefühlen nicht spielen, die liebe Miss Crawley würde ihm das nie vergeben; denn auch sie sei von der kleinen Gouvernante ganz hingerissen und liebe die Sharp wie eine Tochter. Rawdon solle fort – zurück zu seinem Regiment, in das leichtfertige London  – und dürfe nicht mit den Gefühlen eines armen, harmlosen Mädchens spielen.   The Captain thought so, and raved about her in uncouth convulsions. The barbed shaft of love had penetrated his dull hide. Six weeks — appropinquity — opportunity — had victimised him completely. He made a confidante of his aunt at the Rectory, of all persons in the world. She rallied him about it; she had perceived his folly; she warned him; she finished by owning that little Sharp was the most clever, droll, odd, good-natured, simple, kindly creature in England. Rawdon must not trifle with her affections, though — dear Miss Crawley would never pardon him for that; for she, too, was quite overcome by the little governess, and loved Sharp like a daughter. Rawdon must go away — go back to his regiment and naughty London, and not play with a poor artless girl’s feelings. Oft und oft gab diese gutmütige Dame dem armen Leibgardisten aus purem Mitleid mit seinem Zustand Gelegenheit, Miss Sharp im Pfarrhause zu sehen und mit ihr nach Hause zu gehen, wie wir bereits gesehen haben. Wenn eine gewisse Sorte Männer verliebt sind, meine Damen, so müssen sie, ob sie wollen oder nicht, den Köder verschlucken, auch wenn sie den Haken und die Schnur und das ganze Instrument, womit sie gefangen werden sollen, sehen; und einen Augenblick später werden sie schnappend an Land gezogen. Rawdon erkannte, daß Mrs. Bute es offenbar darauf anlegte, ihn für Rebekka einzunehmen. Er gehörte nicht zu den Gescheitesten, war aber doch Weltmann genug und hatte verschiedene Saisons mitgemacht. Ein Licht dämmerte in seiner trüben Seele auf, als er über einen Ausspruch von Mrs. Bute nachdachte.   Many and many a time this good-natured lady, compassionating the forlorn life-guardsman’s condition, gave him an opportunity of seeing Miss Sharp at the Rectory, and of walking home with her, as we have seen. When men of a certain sort, ladies, are in love, though they see the hook and the string, and the whole apparatus with which they are to be taken, they gorge the bait nevertheless — they must come to it — they must swallow it — and are presently struck and landed gasping. Rawdon saw there was a manifest intention on Mrs. Bute’s part to captivate him with Rebecca. He was not very wise; but he was a man about town, and had seen several seasons. A light dawned upon his dusky soul, as he thought, through a speech of Mrs. Bute’s. »Gib acht auf meine Worte, Rawdon«, sagte sie. »Eines Tages wird Miss Sharp noch deine Verwandte werden.«   “Mark my words, Rawdon,” she said. “You will have Miss Sharp one day for your relation.” »Was für eine Verwandte? – Etwa meine Cousine, he, Mrs. Bute? Ist Francis hinter ihr her?« fragte der mutwillige Offizier.   “What relation — my cousin, hey, Mrs. Bute? James sweet on her, hey?” inquired the waggish officer. »Mehr als das«, erwiderte Mrs. Bute, und ihre schwarzen Augen blitzten.   “More than that,” Mrs. Bute said, with a flash from her black eyes. »Doch nicht etwa Pitt? Der soll sie nicht kriegen. Der Kriecher verdient sie nicht. Der ist für Lady Jane Sheepshanks bestimmt«   “Not Pitt? He sha’n’t have her. The sneak a’n’t worthy of her. He’s booked to Lady Jane Sheepshanks.” »Ihr Männer habt doch keine Augen im Kopf. Du dummer, blinder Kerl – wenn Lady Crawley etwas zustößt, dann wird Miss Sharp deine Stiefmutter; und so wird's kommen.«   “You men perceive nothing. You silly, blind creature — if anything happens to Lady Crawley, Miss Sharp will be your mother-in-law; and that’s what will happen.” Rawdon Crawley stieß einen ungeheuren Pfiff aus, zum Zeichen des Erstaunens, das diese Nachricht bei ihm auslöste. Er konnte es nicht leugnen. Die offensichtliche Zuneigung seines Vaters für Miss Sharp war ihm nicht entgangen. Er kannte den Charakter des alten Herrn sehr gut, und ein skrupelloser alter... Er beendete den Satz nicht, sondern ging unter heftigem Schnurrbartzwirbeln nach Hause. Er war überzeugt, daß er den Schlüssel zu Mrs. Butes Geheimnis gefunden hatte.   Rawdon Crawley, Esquire, gave vent to a prodigious whistle, in token of astonishment at this announcement. He couldn’t deny it. His father’s evident liking for Miss Sharp had not escaped him. He knew the old gentleman’s character well; and a more unscrupulous old — whyou — he did not conclude the sentence, but walked home, curling his mustachios, and convinced he had found a clue to Mrs. Bute’s mystery. Beim Zeus, das ist zu schlimm, dachte Rawdon, zu schlimm, beim Zeus! Ich glaube wirklich, das Weib möchte, daß das arme Mädchen zugrunde gerichtet wird, damit sie nicht als Lady Crawley in die Familie kommt.   “By Jove, it’s too bad,” thought Rawdon, “too bad, by Jove! I do believe the woman wants the poor girl to be ruined, in order that she shouldn’t come into the family as Lady Crawley.” Als er Rebekka allein traf, zog er sie in seiner anmutigen Art mit seines Vaters Zuneigung auf. Sie warf ihren Kopf verächtlich in den Nacken, sah ihm voll ins Gesicht und sagte:   When he saw Rebecca alone, he rallied her about his father’s attachment in his graceful way. She flung up her head scornfully, looked him full in the face, and said, »Nun, nehmen wir einmal an, er hat mich gern. Ich weiß, daß er das tut, und andere tun es auch. Sie glauben doch wohl nicht, daß ich vor ihm Angst habe, Hauptmann Crawley? Sie nehmen doch wohl nicht an, daß ich außerstande bin, meine Ehre zu verteidigen?« Diese Worte sprach das junge Mädchen mit der Miene einer Königin.   “Well, suppose he is fond of me. I know he is, and others too. You don’t think I am afraid of him, Captain Crawley? You don’t suppose I can’t defend my own honour,” said the little woman, looking as stately as a queen. »Oh – ach – na – will Sie bloß warnen – müssen sich in acht nehmen, wissen Sie, weiter nichts«, stammelte der Schnurrbartzwirbler.   “Oh, ah, why — give you fair warning — look out, you know — that’s all,” said the mustachio-twiddler. »Spielen Sie etwa auf etwas Unehrenhaftes an?« fuhr Rebekka hoch.   “You hint at something not honourable, then?” said she, flashing out. »Oh – Gott – wirklich – Miss Rebekka«, warf der schwerfällige Dragoner ein.   “O Gad — really — Miss Rebecca,” the heavy dragoon interposed. »Glauben Sie etwa, ich hätte keine Selbstachtung, weil ich arm und allein bin und weil reiche Leute keine haben? Denken Sie etwa, weil ich Gouvernante bin, habe ich nicht so viel Verstand und Gefühl und Bildung wie ihr Adligen in Hampshire? Ich bin eine Montmorency. Glauben Sie etwa, eine Montmorency ist nicht ebenso gut wie ein Crawley?«   “Do you suppose I have no feeling of self-respect, because I am poor and friendless, and because rich people have none? Do you think, because I am a governess, I have not as much sense, and feeling, and good breeding as you gentlefolks in Hampshire? I’m a Montmorency. Do you suppose a Montmorency is not as good as a Crawley?” Wenn Miss Sharp aufgeregt war und auf ihre Verwandten mütterlicherseits anspielte, sprach sie immer mit einem kaum merklichen Akzent, was ihrer klaren, tönender. Stimme einen besonderen Reiz verlieh. »Nein«, fuhr sie in ihrem Gespräch mit dem Hauptmann fort und wurde immer hitziger, »Armut kann ich ertragen, aber keine Schande.; Hintansetzung, aber keine Beleidigung; und dann gerade Beleidigungen von – von Ihnen.«   When Miss Sharp was agitated, and alluded to her maternal relatives, she spoke with ever so slight a foreign accent, which gave a great charm to her clear ringing voice. “No,” she continued, kindling as she spoke to the Captain; “I can endure poverty, but not shame — neglect, but not insult; and insult from — from you.” Hier übermannten sie ihre Gefühle, und sie brach in Tränen aus.   Her feelings gave way, and she burst into tears. »Zum Henker, Miss Sharp – Rebekka – beim Zeus – bei meiner Seele, das wollte ich nicht für tausend Pfund. Halt, Rebekka!«   “Hang it, Miss Sharp — Rebecca — by Jove — upon my soul, I wouldn’t for a thousand pounds. Stop, Rebecca!” Aber schon war sie fort. An diesem Tage fuhr sie mit Miss Crawley aus. Es war vor der Krankheit der Dame. Beim Mittagessen war sie ungemein strahlend und witzig; aber weder von den Anspielungen noch von dem Nicken, noch von den plumpen Vorstellungen des gedemütigten, betörten Leibgardisten wollte sie Notiz nehmen. Solche Scharmützel fanden während des kleinen Feldzuges ständig statt. Es wäre zu ermüdend, von allen zu erzählen, zumal sie alle zu ähnlichen Resultaten führten. Die Crawleysche schwere Kavallerie wurde durch die Niederlagen fast rasend, aber täglich wieder in die Flucht geschlagen.   She was gone. She drove out with Miss Crawley that day. It was before the latter’s illness. At dinner she was unusually brilliant and lively; but she would take no notice of the hints, or the nods, or the clumsy expostulations of the humiliated, infatuated guardsman. Skirmishes of this sort passed perpetually during the little campaign — tedious to relate, and similar in result. The Crawley heavy cavalry was maddened by defeat, and routed every day. Hätte der Baronet von Queen's Crawley nicht befürchtet, das Vermächtnis seiner Schwester vor der Nase zu verlieren, so hätte er seinen lieben Mädchen niemals die segensreiche Erziehung durch ihre unschätzbare Gouvernante vorenthalten. Das alte Haus schien eine Einöde ohne Rebekka, so nützlich und angenehm hatte sie sich dort gemacht. Keiner schrieb Sir Pitts Briefe und korrigierte sie, keiner führte seine Bücher. Seine häuslichen Geschäfte sowie seine vielfältigen Pläne blieben unerledigt, seitdem seine kleine Sekretärin fort war, und am Ton und der Orthographie der vielen Briefe, die er ihr schrieb und in denen er sie bat und aufforderte zurückzukommen, konnte man leicht erkennen, wie nötig ihm ein solcher Amanuensis war. Fast jeder Tag brachte einen portofreien Brief vom Baronet, mit den dringendsten Bitten an Becky, doch zurückzukommen, und für Miss Crawley die pathetischsten Darstellungen von den Folgen der vernachlässigten Erziehung seiner Töchter. Von diesen Dokumenten nahm Miss Crawley jedoch kaum Notiz.   If the Baronet of Queen’s Crawley had not had the fear of losing his sister’s legacy before his eyes, he never would have permitted his dear girls to lose the educational blessings which their invaluable governess was conferring upon them. The old house at home seemed a desert without her, so useful and pleasant had Rebecca made herself there. Sir Pitt’s letters were not copied and corrected; his books not made up; his household business and manifold schemes neglected, now that his little secretary was away. And it was easy to see how necessary such an amanuensis was to him, by the tenor and spelling of the numerous letters which he sent to her, entreating her and commanding her to return. Almost every day brought a frank from the Baronet, enclosing the most urgent prayers to Becky for her return, or conveying pathetic statements to Miss Crawley, regarding the neglected state of his daughters’ education; of which documents Miss Crawley took very little heed. Miss Briggs war zwar nicht förmlich entlassen worden, aber ihre Stelle als Gesellschafterin war eine Sinekure und ein wahrer Hohn; ihre Gesellschaft war der fette Schoßhund im Salon oder gelegentlich die mißvergnügte Firkin im Zimmer der Haushälterin. Doch obgleich die alte Dame auf keinen Fall etwas von Rebekkas Abreise hören mochte, war auch das Mädchen in der Park Lane in ihrem neuen Amt nicht regulär eingestellt worden. Wie viele reiche Leute, so hatte auch Miss Crawley die Gewohnheit, ihren Untergebenen so viele Dienste wie möglich abzufordern und sie dann gutmütig wieder abzuschieben, wenn sie sie nicht länger benötigte. Bei gewissen reichen Leuten ist Dankbarkeit nicht selbstverständlich oder etwas, woran man denken muß. Sie betrachteten die Dienste der Ärmeren als eine Pflichterfüllung. Du armer Schmarotzer und demütiger Schmeichler hast keinen Grund, dich zu beklagen! Deine Freundschaft mit dem Reichen ist in der Regel ebenso echt wie der Lohn, den du gewöhnlich dafür empfängst. Du liebst das Geld und nicht den Menschen; und müßte Krösus die Stellung mit seinem Diener vertauschen – du armer Schelm wüßtest wohl, wem du Treue beweisen würdest.   Miss Briggs was not formally dismissed, but her place as companion was a sinecure and a derision; and her company was the fat spaniel in the drawing-room, or occasionally the discontented Firkin in the housekeeper’s closet. Nor though the old lady would by no means hear of Rebecca’s departure, was the latter regularly installed in office in Park Lane. Like many wealthy people, it was Miss Crawley’s habit to accept as much service as she could get from her inferiors; and good-naturedly to take leave of them when she no longer found them useful. Gratitude among certain rich folks is scarcely natural or to be thought of. They take needy people’s services as their due. Nor have you, O poor parasite and humble hanger-on, much reason to complain! Your friendship for Dives is about as sincere as the return which it usually gets. It is money you love, and not the man; and were Croesus and his footman to change places you know, you poor rogue, who would have the benefit of your allegiance. Ich bin nicht sicher, ob die schlaue alte Londonerin, an die diese Schätze der Freundschaft verschwendet wurden, trotz Rebekkas Einfachheit, Behendigkeit, Sanftmut und unermüdlicher guter Laune, nicht doch die ganze Zeit über ein geheimes Mißtrauen gegen ihre liebevolle Wärterin und Freundin hegte. Miss Crawley mußte doch sicher oft der Gedanke gekommen sein, daß niemand etwas umsonst tut. Wenn sie ihre eigenen Gefühle gegenüber der Welt maß, so mußte sie wohl auch in der Lage sein, die Gefühle der Welt ihr gegenüber gehörig abschätzen zu können. Vielleicht überlegte sie auch, daß es gewöhnlich das Los der Menschen sei, keine Freunde zu haben, wenn sie sich selbst um niemanden kümmern.   And I am not sure that, in spite of Rebecca’s simplicity and activity, and gentleness and untiring good humour, the shrewd old London lady, upon whom these treasures of friendship were lavished, had not a lurking suspicion all the while of her affectionate nurse and friend. It must have often crossed Miss Crawley’s mind that nobody does anything for nothing. If she measured her own feeling towards the world, she must have been pretty well able to gauge those of the world towards herself; and perhaps she reflected that it is the ordinary lot of people to have no friends if they themselves care for nobody. Unterdessen aber war ihr Becky eine große Stütze und Annehmlichkeit, und sie schenkte ihr dafür ein paar neue Kleider sowie eine alte Halskette und einen ebenso alten Schal und bewies ihr ihre Freundschaft, indem sie alle ihre früheren Freundinnen gegenüber ihrer neuen Vertrauten beschimpfte. (Einen rührenderen Freundschaftsbeweis kann es wohl kaum geben!) Sie dachte auch beiläufig daran, ihr künftig noch irgendeine große Wohltat zu erweisen, sie zum Beispiel an Clump, den Apotheker, zu verheiraten oder sie sonst irgendwie vorteilhaft zu versorgen. Auf alle Fälle wollte sie sie nach Queen's Crawley zurückschicken, wenn sie ihre Dienste nicht mehr benötigte und die Saison in London erst richtig begonnen hätte.   Well, meanwhile Becky was the greatest comfort and convenience to her, and she gave her a couple of new gowns, and an old necklace and shawl, and showed her friendship by abusing all her intimate acquaintances to her new confidante (than which there can’t be a more touching proof of regard), and meditated vaguely some great future benefit — to marry her perhaps to Clump, the apothecary, or to settle her in some advantageous way of life; or at any rate, to send her back to Queen’s Crawley when she had done with her, and the full London season had begun. Als Miss Crawley einigermaßen wiederhergestellt war und in den Salon hinabging, sang Rebekka ihr vor oder unterhielt sie anderweitig. Als sie wieder ausfahren konnte, mußte Becky sie begleiten. Und welches andere Ziel wählte Miss Crawleys bewundernswürdige Gutmütigkeit und Freundschaft bei einer dieser Ausfahrten als das Haus von John Sedley am Russell Square in Bloomsbury?   When Miss Crawley was convalescent and descended to the drawing-room, Becky sang to her, and otherwise amused her; when she was well enough to drive out, Becky accompanied her. And amongst the drives which they took, whither, of all places in the world, did Miss Crawley’s admirable good-nature and friendship actually induce her to penetrate, but to Russell Square, Bloomsbury, and the house of John Sedley, Esquire. Vor diesem Ereignis waren selbstverständlich zwischen den beiden guten Freundinnen viele Briefe gewechselt worden. Während der Monate, die Rebekka in Hampshire verbrachte, hatte die ewige Freundschaft natürlich bedeutend Einbuße erlitten und war so hinfällig und altersschwach geworden, daß sie ganz zu sterben drohte. Das kam, weil beide den Kopf mit ihren eigenen Angelegenheiten voll hatten: Rebekka mit ihrem Fortkommen bei ihren Arbeitgebern, Amelia mit dem Thema, das sie völlig in Anspruch nahm. Als unsere beiden sich wiedersahen und einander mit dem Ungestüm junger Mädchen in die Arme flogen, spielte Rebekka ihre Rolle bei der Umarmung mit vollendeter Lebhaftigkeit und Energie. Die arme kleine Amelia errötete, als sie die Freundin küßte, und dachte, sie habe sich doch einer gewissen Kälte gegen sie schuldig gemacht.   Ere that event, many notes had passed, as may be imagined, between the two dear friends. During the months of Rebecca’s stay in Hampshire, the eternal friendship had (must it be owned?) suffered considerable diminution, and grown so decrepit and feeble with old age as to threaten demise altogether. The fact is, both girls had their own real affairs to think of: Rebecca her advance with her employers — Amelia her own absorbing topic. When the two girls met, and flew into each other’s arms with that impetuosity which distinguishes the behaviour of young ladies towards each other, Rebecca performed her part of the embrace with the most perfect briskness and energy. Poor little Amelia blushed as she kissed her friend, and thought she had been guilty of something very like coldness towards her. Ihre erste Unterhaltung dauerte nur einige Augenblicke. Amelia war gerade im Begriff, spazierenzugehen. Miss Crawley wartete unten in ihrer Kutsche, und ihre Leute wunderten sich über den Ort, zu dem sie gefahren waren, und starrten den ehrlichen Sambo, den schwarzen Diener von Bloomsbury, als einen der komischen Eingeborenen dieses Ortes an. Dann kam Amelia freundlich lächelnd herab. Rebekka mußte sie ihrer Freundin vorstellen, Miss Crawley war so erpicht darauf, sie zu sehen, war aber noch zu krank, den Wagen zu verlassen. Als Amelia erschien, wunderte sich die Livreearistokratie von der Park Lane noch mehr, daß Bloomsbury so etwas hervorbringen könne, und Miss Crawley war ganz hingerissen von dem süßen, errötenden Gesicht der jungen Dame, die so schüchtern und anmutig auf sie zutrat, um der Beschützerin ihrer Freundin ihre Aufwartung zu machen.   Their first interview was but a very short one. Amelia was just ready to go out for a walk. Miss Crawley was waiting in her carriage below, her people wondering at the locality in which they found themselves, and gazing upon honest Sambo, the black footman of Bloomsbury, as one of the queer natives of the place. But when Amelia came down with her kind smiling looks (Rebecca must introduce her to her friend, Miss Crawley was longing to see her, and was too ill to leave her carriage) — when, I say, Amelia came down, the Park Lane shoulder-knot aristocracy wondered more and more that such a thing could come out of Bloomsbury; and Miss Crawley was fairly captivated by the sweet blushing face of the young lady who came forward so timidly and so gracefully to pay her respects to the protector of her friend. »Was für ein Teint, meine Liebe! Was für eine liebliche Stimme!« sagte Miss Crawley, als sie nach der kurzen Unterhaltung wieder gen Westen fuhren. »Meine teure Sharp, Ihre junge Freundin ist ja bezaubernd. Bitten Sie sie doch, einmal nach der Park Lane zu kommen, hören Sie?« Miss Crawley hatte einen guten Geschmack. Sie liebte natürliches Benehmen – etwas Schüchternheit hob es nur noch hervor. Sie hatte gern hübsche Gesichter um sich, ebenso wie sie schöne Gemälde und hübsches Porzellan gern hatte. An dem Tage sprach sie noch ein halbes dutzendmal mit Entzücken von Amelia. Sie erwähnte sie gegenüber Rawdon Crawley, der pflichtschuldigst kam, um am Hühnchen seiner Tante teilzuhaben.   “What a complexion, my dear! What a sweet voice!” Miss Crawley said, as they drove away westward after the little interview. “My dear Sharp, your young friend is charming. Send for her to Park Lane, do you hear?” Miss Crawley had a good taste. She liked natural manners — a little timidity only set them off. She liked pretty faces near her; as she liked pretty pictures and nice china. She talked of Amelia with rapture half a dozen times that day. She mentioned her to Rawdon Crawley, who came dutifully to partake of his aunt’s chicken. Daraufhin gab Rebekka natürlich sofort zu verstehen, daß Amelia mit einem gewissen Leutnant Osborne verlobt sei, eine alte Liebe.   Of course, on this Rebecca instantly stated that Amelia was engaged to be married — to a Lieutenant Osborne — a very old flame. »Dient er in einem Linienregiment?« fragte Hauptmann Crawley, dem nun nach einiger Mühe – typisch Leibgardist – auch die Nummer des Regiments einfiel.   “Is he a man in a line-regiment?” Captain Crawley asked, remembering after an effort, as became a guardsman, the number of the regiment, the — th. Rebekka meinte, es sei dies wahrscheinlich das Regiment. »Der Hauptmann heißt Dobbin«, erklärte sie.   Rebecca thought that was the regiment. “The Captain’s name,” she said, “was Captain Dobbin.” »Ein langer, linkischer Bursche, der über jedermann stolpert«, meinte Crawley. »Den kenne ich, und Osborne, ist das ein gutaussehender Kerl mit großem, schwarzem Backenbart?«   “A lanky gawky fellow,” said Crawley, “tumbles over everybody. I know him; and Osborne’s a goodish-looking fellow, with large black whiskers?” »Ungeheuer groß und ungeheuer stolz darauf, das können Sie mir glauben«, versicherte Miss Rebekka Sharp.   “Enormous,” Miss Rebecca Sharp said, “and enormously proud of them, I assure you.” Als Antwort brach Hauptmann Rawdon Crawley in ein heiseres Gelächter aus. Die Damen forderten ihn dringend auf, eine Erklärung abzugeben; als daher der Heiterkeitsausbruch vorüber war, sagte er: »Er bildet sich ein, ein guter Billardspieler zu sein. Zweihundert habe ich ihm im ›Kakaobaum‹ abgewonnen. Der und spielen, dieser Grünschnabel! Er hätte an dem Tag alles aufs Spiel gesetzt, aber sein Freund, Hauptmann Dobbin, holte ihn weg. Zum Henker mit ihm!«   Captain Rawdon Crawley burst into a horse-laugh by way of reply; and being pressed by the ladies to explain, did so when the explosion of hilarity was over. “He fancies he can play at billiards,” said he. “I won two hundred of him at the Cocoa-Tree. He play, the young flat! He’d have played for anything that day, but his friend Captain Dobbin carried him off, hang him!” »Rawdon, Rawdon, führ nicht so lose Reden«, warf Miss Crawley vergnügt ein.   “Rawdon, Rawdon, don’t be so wicked,” Miss Crawley remarked, highly pleased. »Na, unter allen jungen Burschen von der Linie ist der da wohl der grünste. Tarquin und Deuceace nehmen ihn ganz schön aus. Er würde zum Teufel gehen, bloß um mit einem Lord gesehen zu werden. Er bezahlt ihre Essenrechnungen in Greenwich, und sie laden die Gesellschaft ein.«   “Why, ma’am, of all the young fellows I’ve seen out of the line, I think this fellow’s the greenest. Tarquin and Deuceace get what money they like out of him. He’d go to the deuce to be seen with a lord. He pays their dinners at Greenwich, and they invite the company.” »Wahrscheinlich eine nette Gesellschaft?«   “And very pretty company too, I dare say.” »Ganz richtig, Miss Sharp. Richtig, wie gewöhnlich, Miss Sharp. Eine ungewöhnlich nette Gesellschaft, haha!« Und der Hauptmann, der glaubte, er hätte einen guten Witz gemacht, lachte immer lauter.   “Quite right, Miss Sharp. Right, as usual, Miss Sharp. Uncommon pretty company — haw, haw!” and the Captain laughed more and more, thinking he had made a good joke. »Rawdon, sei nicht unartig!« rief seine Tante.   “Rawdon, don’t be naughty!” his aunt exclaimed. »Sein Vater ist Citykaufmann, ungeheuer reich, heißt es. Zum Henker mit diesen Cityleuten; sie müssen geschröpft werden, und ich bin mit ihm auch noch nicht fertig, das kann ich euch bloß versichern. Haha!«   “Well, his father’s a City man — immensely rich, they say. Hang those City fellows, they must bleed; and I’ve not done with him yet, I can tell you. Haw, haw!” »Pfui, Hauptmann Crawley, ich werde Amelia warnen. Ein Ehemann, der spielt!«   “Fie, Captain Crawley; I shall warn Amelia. A gambling husband!” »Abscheulich, nicht wahr?« versetzte der Hauptmann feierlich und fügte dann, als ihm plötzlich ein Gedanke kam, hinzu: »Bei Gott, Tante, wir werden ihn hierher einladen.«   “Horrid, ain’t he, hey?” the Captain said with great solemnity; and then added, a sudden thought having struck him: “Gad, I say, ma’am, we’ll have him here.” »Ist er denn gesellschaftsfähig?« fragte die Tante.   “Is he a presentable sort of a person?” the aunt inquired. »Gesellschaftsfähig? Ei freilich. Du merkst bestimmt keinen Unterschied«, antwortete Hauptmann Crawley. »Können wir ihn nicht einladen, wenn du wieder ein paar Leute empfängst, und seine Dingsda – seine Amorosa – nicht, Miss Sharp, nennt man das nicht so ähnlich? – kann auch kommen. Bei Gott, ich will ihn in einem Briefchen einladen, und dann werden wir mal sehen, ob er ebenso gut Pikett spielen kann wie Billard. Wo wohnt er denn, Miss Sharp?«   “Presentable? — oh, very well. You wouldn’t see any difference,” Captain Crawley answered. “Do let’s have him, when you begin to see a few people; and his whatdyecallem — his inamorato — eh, Miss Sharp; that’s what you call it — comes. Gad, I’ll write him a note, and have him; and I’ll try if he can play piquet as well as billiards. Where does he live, Miss Sharp?” Miss Sharp gab Crawley die Londoner Adresse des Leutnants, und einige Tage nach diesem Gespräch erhielt Leutnant Osborne einen Brief in Hauptmann Rawdon Crawleys Schülerhandschrift, dem eine Einladung von Miss Crawley beigelegt war.   Miss Sharp told Crawley the Lieutenant’s town address; and a few days after this conversation, Lieutenant Osborne received a letter, in Captain Rawdon’s schoolboy hand, and enclosing a note of invitation from Miss Crawley. Auch Rebekka schickte eine Einladung an ihre teuerste Amelia – die diese, wie man sich vorstellen kann, nicht ungern annahm, als sie hörte, daß George mit von der Partie sei. Es wurde verabredet, daß Amelia den Vormittag bei den Damen in der Park Lane zubringen solle, wo alle sehr freundlich gegen sie waren. Rebekka begönnerte sie mit ruhiger Überlegenheit; sie war ihr an Verstand so weit überlegen, und ihre Freundin war so sanft und bescheiden, daß sie stets nachgab, wenn es jemand einfiel, zu kommandieren, und deshalb ließ sie sich auch Rebekkas Befehle sanftmütig und gutwillig gefallen. Miss Crawleys Huld war ebenfalls bemerkenswert. Sie setzte ihre Begeisterungsergüsse über die kleine Amelia fort und sprach in ihrer Gegenwart von ihr, als ob sie eine Puppe, ein Dienstmädchen oder ein Gemälde wäre, und bewunderte sie wohlwollend. Ich bewundere die Bewunderung, die die vornehme Welt bisweilen den einfachen Menschen zollt. Es gibt im Leben nichts Angenehmeres, als die Mayfair-Welt sich herablassen zu sehen. Miss Crawleys übertriebenes Wohlwollen ermüdete die arme kleine Amelia doch sehr, und ich glaube sicher, daß ihr von den drei Damen in der Park Lane die ehrliche Miss Briggs noch am liebsten war. Sie sympathisierte mit Miss Briggs wie mit allen vernachlässigten, sanften Personen; sie war nicht das, was man gemeinhin als Frau mit Geist bezeichnet.   Rebecca despatched also an invitation to her darling Amelia, who, you may be sure, was ready enough to accept it when she heard that George was to be of the party. It was arranged that Amelia was to spend the morning with the ladies of Park Lane, where all were very kind to her. Rebecca patronised her with calm superiority: she was so much the cleverer of the two, and her friend so gentle and unassuming, that she always yielded when anybody chose to command, and so took Rebecca’s orders with perfect meekness and good humour. Miss Crawley’s graciousness was also remarkable. She continued her raptures about little Amelia, talked about her before her face as if she were a doll, or a servant, or a picture, and admired her with the most benevolent wonder possible. I admire that admiration which the genteel world sometimes extends to the commonalty. There is no more agreeable object in life than to see Mayfair folks condescending. Miss Crawley’s prodigious benevolence rather fatigued poor little Amelia, and I am not sure that of the three ladies in Park Lane she did not find honest Miss Briggs the most agreeable. She sympathised with Briggs as with all neglected or gentle people: she wasn’t what you call a woman of spirit. George kam zum Diner, einem Essen en garçon bei Hauptmann Crawley.   George came to dinner — a repast en garcon with Captain Crawley. Die große Osbornesche Familienkutsche brachte ihn vom Russell Square zur Park Lane. Die jungen Damen, die selbst nicht eingeladen waren und diese Nichtachtung scheinbar mit größter Gleichgültigkeit betrachteten, schlugen trotzdem Sir Pitt Crawleys Namen im Adelskalender nach und erfuhren darin alles, was dieses Werk über die Familie Crawley und deren Stammbaum und die Binkies, ihre Verwandten und so weiter und so fort zu berichten wußte. Rawdon Crawley empfing George Osborne mit großer Freimütigkeit und war äußerst freundlich, lobte sein Billardspiel, fragte ihn, wann er Revanche haben wollte, legte viel Interesse für Osbornes Regiment an den Tag und hätte ihm wohl noch am gleichen Abend ein Pikettspiel vorgeschlagen, hätte Miss Crawley nicht das Spielen in ihrem Haus energisch verboten, so daß für diesmal wenigstens die Börse des jungen Leutnants von seinem großmütigen Gönner nicht erleichtert wurde. Sie verabredeten sich jedoch für den folgenden Tag, um ein Pferd zu besichtigen und im Park auszuprobieren, das Crawley zu verkaufen hatte; dann wollten sie zusammen speisen und den Abend in Gesellschaft einiger lustiger Kameraden verbringen. »Das heißt, wenn Sie bei der hübschen Miss Sedley nicht Dienst haben«, sagte Crawley mit schlauem Blinzeln. »Ein schrecklich nettes Mädchen, bei meiner Ehre, Osborne«, war er so gnädig hinzuzusetzen. »Vermute, eine Masse Moneten; he?«   The great family coach of the Osbornes transported him to Park Lane from Russell Square; where the young ladies, who were not themselves invited, and professed the greatest indifference at that slight, nevertheless looked at Sir Pitt Crawley’s name in the baronetage; and learned everything which that work had to teach about the Crawley family and their pedigree, and the Binkies, their relatives, \&c., \&c. Rawdon Crawley received George Osborne with great frankness and graciousness: praised his play at billiards: asked him when he would have his revenge: was interested about Osborne’s regiment: and would have proposed piquet to him that very evening, but Miss Crawley absolutely forbade any gambling in her house; so that the young Lieutenant’s purse was not lightened by his gallant patron, for that day at least. However, they made an engagement for the next, somewhere: to look at a horse that Crawley had to sell, and to try him in the Park; and to dine together, and to pass the evening with some jolly fellows. “That is, if you’re not on duty to that pretty Miss Sedley,” Crawley said, with a knowing wink. “Monstrous nice girl, ’pon my honour, though, Osborne,” he was good enough to add. “Lots of tin, I suppose, eh?” Osborne hatte keinen Dienst; mit Vergnügen wolle er mit Crawley zusammenkommen. Als sie sich dann tags darauf trafen, lobte Crawley die Reitkunst seines neuen Freundes – was er auch ehrlich tun konnte – und machte ihn mit drei oder vier jüngeren Männern von Rang und Namen bekannt, auf deren Bekanntschaft der einfache junge Offizier außerordentlich stolz war.   Osborne wasn’t on duty; he would join Crawley with pleasure: and the latter, when they met the next day, praised his new friend’s horsemanship — as he might with perfect honesty — and introduced him to three or four young men of the first fashion, whose acquaintance immensely elated the simple young officer. »Übrigens, wie geht es der kleinen Miss Sharp?« fragte Osborne beim Wein seinen Freund mit der Miene eines Stutzers. »Ein gutherziges kleines Mädchen das. Wie macht sie sich in Queen's Crawley? Miss Sedley war sehr befreundet mit ihr im vorigen Jahr.«   “How’s little Miss Sharp, by-the-bye?” Osborne inquired of his friend over their wine, with a dandified air. “Good-natured little girl that. Does she suit you well at Queen’s Crawley? Miss Sedley liked her a good deal last year.” Hauptmann Crawley sah den Leutnant aus seinen kleinen blauen Augen wütend an und beobachtete ihn, als er hinaufging, um seine Bekanntschaft mit der blonden Gouvernante zu erneuern. Ihr Benehmen muß Rawdon aber wieder beruhigt haben, wenn es in der Brust des Leibgardisten die Eifersucht überhaupt gab.   Captain Crawley looked savagely at the Lieutenant out of his little blue eyes, and watched him when he went up to resume his acquaintance with the fair governess. Her conduct must have relieved Crawley if there was any jealousy in the bosom of that life-guardsman. Als der junge Osborne hinaufgegangen und Miss Crawley vorgestellt worden war, stolzierte er großartig und gönnerhaft auf Rebekka zu. Er wollte ihr gegenüber recht freundlich sein und sie beschützen. Ja, er wollte ihr, als einer Freundin von Amelia, sogar die Hand geben; und so hielt er ihr denn mit den Worten: »Ah, guten Tag, Miss Sharp!« die linke Hand hin, in der Erwartung, daß die Ehre sie gänzlich verwirren werde.   When the young men went upstairs, and after Osborne’s introduction to Miss Crawley, he walked up to Rebecca with a patronising, easy swagger. He was going to be kind to her and protect her. He would even shake hands with her, as a friend of Amelia’s; and saying, “Ah, Miss Sharp! how-dy-doo?” held out his left hand towards her, expecting that she would be quite confounded at the honour. Miss Sharp streckte den rechten Zeigefinger hin und nickte ihm leicht zu; ein so kühles und herablassendes Nicken, daß Rawdon Crawley, der den Vorgang vom Nebenzimmer aus beobachtete, sich kaum das Lachen verbeißen konnte, als er die völlige Schlappe des Leutnants bemerkte, sein plötzliches Zurückweichen, die Pause und die Ungeschicklichkeit, mit der er sich zuletzt herabließ, den angebotenen Finger zu ergreifen. »Sie würde noch den Teufel unterkriegen, beim Zeus!« jubelte der Hauptmann.   Miss Sharp put out her right forefinger, and gave him a little nod, so cool and killing, that Rawdon Crawley, watching the operations from the other room, could hardly restrain his laughter as he saw the Lieutenant’s entire discomfiture; the start he gave, the pause, and the perfect clumsiness with which he at length condescended to take the finger which was offered for his embrace. Der Leutnant fragte Rebekka liebenswürdig, um die Unterhaltung in Gang zu bringen, wie ihr ihre neue Stellung gefalle:   “She’d beat the devil, by Jove!” the Captain said, in a rapture; and the Lieutenant, by way of beginning the conversation, agreeably asked Rebecca how she liked her new place. »Meine Stellung?« erwiderte Miss Sharp kühl. »Wie freundlich von Ihnen, mich daran zu erinnern! Es ist eine erträgliche Stellung, das Gehalt ist nicht schlecht, aber wohl nicht so hoch wie das von Miss Wirt bei Ihren Schwestern am Russell Square. Wie geht es den jungen Damen – wenn ich überhaupt fragen darf?«   “My place?” said Miss Sharp, coolly, “how kind of you to remind me of it! It’s a tolerably good place: the wages are pretty good — not so good as Miss Wirt’s, I believe, with your sisters in Russell Square. How are those young ladies? — not that I ought to ask.” »Warum denn nicht?« fragte Mr. Osborne erstaunt.   “Why not?” Mr. Osborne said, amazed. »Nun, sie haben sich doch nie herabgelassen, mit mir zu sprechen oder mich einzuladen, als ich bei Amelia war; aber wissen Sie, wir armen Gouvernanten sind dergleichen Hintansetzungen ja gewohnt.«   “Why, they never condescended to speak to me, or to ask me into their house, whilst I was staying with Amelia; but we poor governesses, you know, are used to slights of this sort.” »Meine liebe Miss Sharp!« rief Osborne.   “My dear Miss Sharp!” Osborne ejaculated. »Wenigstens in einigen Familien«, fuhr Rebekka fort. »Sie können sich aber kaum vorstellen, was es da für Unterschiede gibt. Wir in Hampshire sind nicht so reich wie ihr glücklichen Leute von der City. Dafür lebe ich aber in der Familie eines Edelmannes – gutes, altes, englisches Blut. Vermutlich wissen Sie, daß Sir Pitts Vater die Peerswürde ausgeschlagen hat. Dabei sehen Sie ja, wie man mich behandelt. Ich fühle mich recht wohl. Wirklich, es ist eine gute Stellung. Aber wie außerordentlich nett von Ihnen, sich zu erkundigen.«   “At least in some families,” Rebecca continued. “You can’t think what a difference there is though. We are not so wealthy in Hampshire as you lucky folks of the City. But then I am in a gentleman’s family — good old English stock. I suppose you know Sir Pitt’s father refused a peerage. And you see how I am treated. I am pretty comfortable. Indeed it is rather a good place. But how very good of you to inquire!” Osborne war wütend. Die kleine Gouvernante begönnerte und verhöhnte ihn, daß es diesem jungen britischen Löwen sehr peinlich wurde. Er hatte aber nicht so viel Geistesgegenwart, sich von diesem ergötzlichen Gespräch unter irgendeinem Vorwand zurückzuziehen.   Osborne was quite savage. The little governess patronised him and persiffled him until this young British Lion felt quite uneasy; nor could he muster sufficient presence of mind to find a pretext for backing out of this most delectable conversation. »Ich hatte doch den Eindruck, die Cityfamilien hätten Ihnen zugesagt«, sagte er hochmütig.   “I thought you liked the City families pretty well,” he said, haughtily. »Sie meinen voriges Jahr, als ich gerade aus dieser scheußlichen, gemeinen Schule kam? Natürlich, damals. Fährt nicht jedes Mädchen während der Ferien gern nach Hause? Und woher hätte ich es besser wissen sollen? Aber ach, Mr. Osborne, eine achtzehnmonatige Erfahrung macht doch einen unheimlichen Unterschied! Achtzehn Monate, die man – entschuldigen Sie, daß ich es so ausdrücke – mit Gentlemen verbracht hat. Die liebe Amelia, das gebe ich zu, ist eine Perle und würde überall bezaubern. – Na, bitte sehr, wie ich sehe, wird Ihre Laune allmählich besser; aber nein! Diese komischen Leute! Und Mr. Joe – wie geht es dem wunderbaren Mr. Joseph?«   “Last year you mean, when I was fresh from that horrid vulgar school? Of course I did. Doesn’t every girl like to come home for the holidays? And how was I to know any better? But oh, Mr. Osborne, what a difference eighteen months’ experience makes! eighteen months spent, pardon me for saying so, with gentlemen. As for dear Amelia, she, I grant you, is a pearl, and would be charming anywhere. There now, I see you are beginning to be in a good humour; but oh these queer odd City people! And Mr. Jos — how is that wonderful Mr. Joseph?” »Mir scheint, daß Sie den wunderbaren Mr. Joseph voriges Jahr nicht so ungern sahen«, sagte Osborne liebenswürdig.   “It seems to me you didn’t dislike that wonderful Mr. Joseph last year,” Osborne said kindly. »Wie streng Sie doch sind! Nun, entre nous, seinetwegen ist mir das Herz nicht gebrochen; aber wenn er mich um das gebeten hätte, was Ihre Blicke wohl andeuten wollen (wie ausdrucksvoll und freundlich Ihre Blicke übrigens sind), so hätte ich sicher nicht nein gesagt.«   “How severe of you! Well, entre nous, I didn’t break my heart about him; yet if he had asked me to do what you mean by your looks (and very expressive and kind they are, too), I wouldn’t have said no.” Mr. Osborne warf ihr einen Blick zu, der etwa sagen wollte: Wirklich, bin außerordentlich verbunden!   Mr. Osborne gave a look as much as to say, “Indeed, how very obliging!” »Welche Ehre, Sie als Schwager zu haben, denken Sie nun, nicht wahr? Schwägerin von George Osborne, Esquire, Sohn von John Osborne, Esquire, Sohn von ... was war doch gleich Ihr Großvater, Mr. Osborne? Nun, nicht gleich ärgerlich werden! Sie können ja nichts für Ihren Stammbaum, und ich gebe Ihnen recht, daß ich Mr. Joe Sedley geheiratet hätte; denn konnte ein armes mittelloses Mädchen etwas Gescheiteres tun? Nun kennen Sie das ganze Geheimnis. Ich bin offen und ehrlich, und wenn ich es recht betrachte, so war es sehr nett von Ihnen, auf die Sache anzuspielen – sehr nett und höflich. Amelia, meine Liebe, Mr. Osborne und ich haben uns gerade über deinen armen Bruder Joseph unterhalten. Wie geht es ihm?«   “What an honour to have had you for a brother-in-law, you are thinking? To be sister-in-law to George Osborne, Esquire, son of John Osborne, Esquire, son of — what was your grandpapa, Mr. Osborne? Well, don’t be angry. You can’t help your pedigree, and I quite agree with you that I would have married Mr. Joe Sedley; for could a poor penniless girl do better? Now you know the whole secret. I’m frank and open; considering all things, it was very kind of you to allude to the circumstance — very kind and polite. Amelia dear, Mr. Osborne and I were talking about your poor brother Joseph. How is he?” So wurde George völlig aus der Fassung gebracht. Nicht daß Rebekka recht gehabt hätte, aber sie hatte es zuwege gebracht, ihn ins Unrecht zu setzen. Und nun ergriff er eine schimpfliche Flucht, weil er fühlte, daß er in Gegenwart Amelias zum Narren gemacht worden wäre, hätte er noch eine Minute länger verweilt.   Thus was George utterly routed. Not that Rebecca was in the right; but she had managed most successfully to put him in the wrong. And he now shamefully fled, feeling, if he stayed another minute, that he would have been made to look foolish in the presence of Amelia. Obgleich er Rebekka gegenüber den kürzeren gezogen hatte, war George doch nicht so gemein, eine Dame zu verleumden oder sich an ihr zu rächen; er konnte aber nicht umhin, tags darauf Hauptmann Crawley einige seiner Ansichten über Miss Rebekka anzuvertrauen – daß sie eine verschlagene, gefährliche Person, eine schreckliche Kokette sei und so weiter. All dem stimmte Hauptmann Crawley lachend bei, und ehe vierundzwanzig Stunden um waren, hatte Miss Rebekka alles erfahren. Ihre ursprüngliche Achtung für Mr. Osborne wurde dadurch noch erhöht. Ihr weiblicher Instinkt hatte ihr verraten, daß es George gewesen war, der den Erfolg ihres ersten Liebesabenteuers vereitelt hatte, und sie schätzte ihn entsprechend.   Though Rebecca had had the better of him, George was above the meanness of talebearing or revenge upon a lady — only he could not help cleverly confiding to Captain Crawley, next day, some notions of his regarding Miss Rebecca — that she was a sharp one, a dangerous one, a desperate flirt, \&c.; in all of which opinions Crawley agreed laughingly, and with every one of which Miss Rebecca was made acquainted before twenty-four hours were over. They added to her original regard for Mr. Osborne. Her woman’s instinct had told her that it was George who had interrupted the success of her first love-passage, and she esteemed him accordingly. »Ich will Sie bloß warnen«, sagte er zu Rawdon Crawley mit einem schlauen Blick – er hatte das Pferd gekauft und nach dem Essen ein paar Dutzend Guineen verloren –, »ich will Sie bloß warnen – ich kenne die Frauen und rate Ihnen, auf Ihrer Hut zu sein.«   “I only just warn you,” he said to Rawdon Crawley, with a knowing look — he had bought the horse, and lost some score of guineas after dinner, “I just warn you — I know women, and counsel you to be on the look-out.” »Sehr verbunden, mein Junge«, antwortete Crawley mit besonders dankbarem Blick. »Wie ich sehe, sind Sie sehr auf Draht.« Und George entfernte sich mit dem Gedanken, daß Crawley recht habe.   “Thank you, my boy,” said Crawley, with a look of peculiar gratitude. “You’re wide awake, I see.” And George went off, thinking Crawley was quite right. George Osborne berichtete Amelia, was er getan und daß er Rawdon Crawley – einem verteufelt netten, ehrlichen Burschen – geraten habe, sich vor der schlauen, hinterhältigen kleinen Rebekka in acht zu nehmen.«   He told Amelia of what he had done, and how he had counselled Rawdon Crawley — a devilish good, straightforward fellow — to be on his guard against that little sly, scheming Rebecca. »Vor wem?« rief Amelia.   “Against whom?” Amelia cried. »Vor Ihrer Freundin, der Gouvernante. Gucken Sie doch nicht so erstaunt!«   “Your friend the governess. — Don’t look so astonished.” »O George, was haben Sie getan?« jammerte Amelia. Denn ihre von der Liebe geschärften Frauenaugen hatten ein Geheimnis entdeckt, das Miss Crawley, der armen, jungfräulichen Briggs und vor allem den einfältigen Augen des jungen bärtigen Stutzers, Leutnant Osbornes, verborgen geblieben war.   “O George, what have you done?” Amelia said. For her woman’s eyes, which Love had made sharp-sighted, had in one instant discovered a secret which was invisible to Miss Crawley, to poor virgin Briggs, and above all, to the stupid peepers of that young whiskered prig, Lieutenant Osborne. Als nämlich Rebekka in einem Zimmer oben Amelia in ihren Schal hüllte und die beiden Freundinnen Gelegenheit gefunden hatten, ein wenig zu tuscheln und Pläne zu schmieden – für Frauen stets ein großes Vergnügen –, wandte sich Amelia ihr zu, nahm ihre beiden kleinen Hände und sagte: »Rebekka, ich begreife alles!«   For as Rebecca was shawling her in an upper apartment, where these two friends had an opportunity for a little of that secret talking and conspiring which form the delight of female life, Amelia, coming up to Rebecca, and taking her two little hands in hers, said, “Rebecca, I see it all.” Rebekka küßte sie.   Rebecca kissed her. Keine der beiden Frauen verrieten auch nur eine Silbe von dem süßen Geheimnis. Aber es sollte nicht mehr lange dauern, bis es an die Öffentlichkeit drang.   And regarding this delightful secret, not one syllable more was said by either of the young women. But it was destined to come out before long. Kurze Zeit nach diesen Ereignissen – Miss Rebekka Sharp weilte im Hause ihrer Gönnerin in der Park Lane –konnte man in der Great Gaunt Street ein weiteres Totenschild neben den vielen anderen sehen, mit denen diese traurige Gegend gewöhnlich geziert ist. Es befand sich an Sir Pitt Crawleys Haus, zeigte aber nicht das Hinscheiden des würdigen Baronets an. Es war ein weibliches Totenschild und hatte vor wenigen Jahren beim Begräbnis von Sir Pitts alter Mutter, der verwitweten Lady Crawley, gedient. Nachdem es seine Schuldigkeit getan hatte, war es von der Hausfront entfernt worden und hatte in irgendeinem Hintergebäude von Sir Pitts Haus ein zurückgezogenes Dasein geführt. Jetzt erschien es wieder für die arme Rose Dawson. Sir Pitt war abermals Witwer. Das Wappen auf dem Schild neben seinem war zwar nicht das der armen Rose. Sie hatte kein Wappen. Aber die aufgemalten Engel paßten ebensogut für sie wie für Sir Pitts Mutter. Unter dem Wappenschild stand »Resurgam«, und zu beiden Seiten sah man die Crawleysche Taube und Schlange. Wappen, Totenschild und »Resurgam« – wahrhaftig eine schöne Gelegenheit zum Moralisieren!   Some short period after the above events, and Miss Rebecca Sharp still remaining at her patroness’s house in Park Lane, one more hatchment might have been seen in Great Gaunt Street, figuring amongst the many which usually ornament that dismal quarter. It was over Sir Pitt Crawley’s house; but it did not indicate the worthy baronet’s demise. It was a feminine hatchment, and indeed a few years back had served as a funeral compliment to Sir Pitt’s old mother, the late dowager Lady Crawley. Its period of service over, the hatchment had come down from the front of the house, and lived in retirement somewhere in the back premises of Sir Pitt’s mansion. It reappeared now for poor Rose Dawson. Sir Pitt was a widower again. The arms quartered on the shield along with his own were not, to be sure, poor Rose’s. She had no arms. But the cherubs painted on the scutcheon answered as well for her as for Sir Pitt’s mother, and Resurgam was written under the coat, flanked by the Crawley Dove and Serpent. Arms and Hatchments, Resurgam. — Here is an opportunity for moralising! Nur Mr. Crawley hatte sich um die einsame Kranke gekümmert. Lady Crawley ging aus der Welt, gestärkt durch die trostreichen Worte, die er ihr geben konnte. Viele Jahre lang war dies die einzige Freundlichkeit, die ihr widerfahren war, die einzige Freundschaft, die diese schwache, verlassene Seele irgendwie getröstet hatte. Ihr Herz war tot, bevor ihr Körper starb. Sie hatte es verkauft, um Sir Pitt Crawleys Frau zu werden. Tagtäglich schließen Mütter und Töchter auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit den gleichen Handel ab.   Mr. Crawley had tended that otherwise friendless bedside. She went out of the world strengthened by such words and comfort as he could give her. For many years his was the only kindness she ever knew; the only friendship that solaced in any way that feeble, lonely soul. Her heart was dead long before her body. She had sold it to become Sir Pitt Crawley’s wife. Mothers and daughters are making the same bargain every day in Vanity Fair. Bei ihrem Hinscheiden befand sich ihr Mann in London, mit seinen zahllosen Plänen und seinen unzähligen Advokaten beschäftigt. Trotzdem hatte er Zeit gefunden, öfter in der Park Lane aufzukreuzen und Rebekka Briefe zu schreiben, worin er sie bat, ihr auftrug, zu ihren jungen Schülerinnen aufs Land zurückzukehren, die nun während der Krankheit ihrer Mutter völlig sich selbst überlassen waren. Allein Miss Crawley wollte ganz und gar nichts von ihrer Abreise hören, denn obgleich es in London keine Dame von Welt gab, die ihre Freunde leichteren Herzens aufgab, sobald sie ihrer Gesellschaft überdrüssig war (und keine wurde ihrer schneller überdrüssig), so war sie doch, solange ihr engouement anhielt, sehr anhänglich, und noch klammerte sie sich mit aller Kraft an Rebekka.   When the demise took place, her husband was in London attending to some of his innumerable schemes, and busy with his endless lawyers. He had found time, nevertheless, to call often in Park Lane, and to despatch many notes to Rebecca, entreating her, enjoining her, commanding her to return to her young pupils in the country, who were now utterly without companionship during their mother’s illness. But Miss Crawley would not hear of her departure; for though there was no lady of fashion in London who would desert her friends more complacently as soon as she was tired of their society, and though few tired of them sooner, yet as long as her engoument lasted her attachment was prodigious, and she clung still with the greatest energy to Rebecca. Die Nachricht von Lady Crawleys Tod erregte in Miss Crawleys Familienkreis nicht mehr Kummer oder Beachtung, als man hätte erwarten können. »Ich werde wohl die Gesellschaft, die ich am Dritten geben wollte, verschieben müssen«, meinte Miss Crawley und setzte nach einer Pause hinzu: »Hoffentlich besitzt mein Bruder den Anstand, sich nicht wieder zu verheiraten.« »Pitt wird sich totärgern, wenn er es doch tut«, bemerkte Rawdon mit seiner gewöhnlichen Hochachtung vor dem älteren Bruder. Rebekka sagte nichts. Sie schien die Ernsteste und Ergriffenste von der ganzen Familie zu sein. Sie verließ an diesem Tage das Zimmer, ehe Rawdon ging; aber zufällig trafen sie sich unten, als er sich verabschiedet hatte und gerade aufbrechen wollte. Sie sprachen lange miteinander.   The news of Lady Crawley’s death provoked no more grief or comment than might have been expected in Miss Crawley’s family circle. “I suppose I must put off my party for the 3rd,” Miss Crawley said; and added, after a pause, “I hope my brother will have the decency not to marry again.” “What a confounded rage Pitt will be in if he does,” Rawdon remarked, with his usual regard for his elder brother. Rebecca said nothing. She seemed by far the gravest and most impressed of the family. She left the room before Rawdon went away that day; but they met by chance below, as he was going away after taking leave, and had a parley together. Als Rebekka am nächsten Morgen aus dem Fenster blickte, erschreckte sie Miss Crawley, die ganz friedlich mit einem französischen Roman beschäftigt war, durch den Schreckensruf: »Sir Pitt kommt, Madame!« Das Klopfen des Baronets folgte dieser Ankündigung unmittelbar.   On the morrow, as Rebecca was gazing from the window, she startled Miss Crawley, who was placidly occupied with a French novel, by crying out in an alarmed tone, “Here’s Sir Pitt, Ma’am!” and the Baronet’s knock followed this announcement. »Meine Liebe, ich kann ihn nicht sehen. Ich will ihn nicht sehen. Sagen Sie Bowls, ich sei nicht zu Hause, oder gehen Sie hinunter und sagen Sie ihm, ich sei zu krank, um jemanden zu empfangen. Meine Nerven könnten meinen Bruder in diesem Augenblick wirklich nicht ertragen«, rief Miss Crawley aus und kehrte zu ihrem Roman zurück.   “My dear, I can’t see him. I won’t see him. Tell Bowls not at home, or go downstairs and say I’m too ill to receive any one. My nerves really won’t bear my brother at this moment,” cried out Miss Crawley, and resumed the novel. »Sie ist zu krank, um Sie zu empfangen, Sir«, sagte Rebekka und trippelte Sir Pitt entgegen, der gerade die Treppe erklimmen wollte.   “She’s too ill to see you, sir,” Rebecca said, tripping down to Sir Pitt, who was preparing to ascend. »Um so besser«, antwortete Sir Pitt. »Ich will ja Sie sprechen, Miss Becky. Kommen Sie mit mir in das Empfangszimmer.« Sie betraten gemeinsam das Zimmer.   “So much the better,” Sir Pitt answered. “I want to see you , Miss Becky. Come along a me into the parlour,” and they entered that apartment together. »Sie müssen unbedingt nach Queen's Crawley zurück, Miss«, sagte der Baronet und heftete seine Augen auf sie, als er die schwarzen Handschuhe und den Hut mit dem breiten Trauerflor ablegte. Sein Blick war so seltsam, so starr auf sie gerichtet, daß Rebekka Sharp fast zu zittern begann.   “I wawnt you back at Queen’s Crawley, Miss,” the baronet said, fixing his eyes upon her, and taking off his black gloves and his hat with its great crape hat-band. His eyes had such a strange look, and fixed upon her so steadfastly, that Rebecca Sharp began almost to tremble. »Ich hoffe, ich kann bald kommen«, sagte sie leise, »sobald es Miss Crawley besser geht. Dann werde ich zu – zu den lieben Kindern zurückkehren.«   “I hope to come soon,” she said in a low voice, “as soon as Miss Crawley is better — and return to — to the dear children.” »So reden Sie nun schon drei Monate lang, Becky«, erwiderte Sir Pitt, »und immer noch haben Sie sich nicht von meiner Schwester losmachen können. Die wird Sie wie einen alten Schuh wegwerfen, wenn sie Sie satt hat. Ich sage Ihnen, ich brauche Sie. Ich fahre zur Beerdigung nach Hause. Kommen Sie zurück? Ja oder nein?«   “You’ve said so these three months, Becky,” replied Sir Pitt, “and still you go hanging on to my sister, who’ll fling you off like an old shoe, when she’s wore you out. I tell you I want you. I’m going back to the Vuneral. Will you come back? Yes or no?” »Ich wage es nicht – ich glaube nicht – daß es sich schicken würde – so ganz allein – mit Ihnen, Sir«, sagte Becky, offensichtlich in großer Erregung.   “I daren’t — I don’t think — it would be right — to be alone — with you, sir,” Becky said, seemingly in great agitation. »Ich sage es noch einmal: Ich brauche Sie«, rief Sir Pitt und hämmerte auf den Tisch. »Ich komme ohne Sie nicht weiter. Als Sie fort waren, habe ich es erst gemerkt. Im Hause geht alles schief. Es ist alles wie verdreht. Meine Rechnungen sind wieder ganz durcheinander. Sie müssen zurückkommen. Ach, kommen Sie doch zurück! Liebe Becky, kommen Sie doch!«   “I say agin, I want you,” Sir Pitt said, thumping the table. “I can’t git on without you. I didn’t see what it was till you went away. The house all goes wrong. It’s not the same place. All my accounts has got muddled agin. You must come back. Do come back. Dear Becky, do come.” »Kommen – als was, Sir?« keuchte Rebekka.   “Come — as what, sir?” Rebecca gasped out. »Kommen Sie als Lady Crawley, wenn Sie wollen«, sagte der Baronet und griff nach seinem Trauerhut. »So! Sind Sie damit zufrieden? Kommen Sie zurück und werden Sie meine Frau. Sie sind die Richtige. Zum Henker mit der Abstammung! Sie sind so gut eine Lady wie jede andere. Sie haben in Ihrem kleinen Finger mehr Verstand als irgendeine Baronetsfrau in der Grafschaft. Wollen Sie kommen? Ja oder nein?«   “Come as Lady Crawley, if you like,” the Baronet said, grasping his crape hat. “There! will that zatusfy you? Come back and be my wife. Your vit vor’t. Birth be hanged. You’re as good a lady as ever I see. You’ve got more brains in your little vinger than any baronet’s wife in the county. Will you come? Yes or no?” »Oh, Sir Pitt!« sagte Rebekka tief bewegt.   “Oh, Sir Pitt!” Rebecca said, very much moved. »Sagen Sie ja, Becky«, fuhr Sir Pitt fort. »Ich bin ein alter Mann, aber noch ganz gut beisammen. Zwanzig Jahre treibe ich es noch. Ich werde Sie glücklich machen, das werden Sie erleben. Sie können tun, was Sie möchten, können alles so einrichten, wie Sie es wollen. Ich setze Ihnen eine Summe aus. Ich werde alles in Ordnung bringen. Da, sehen Sie!« Und der alte Mann fiel auf die Knie und blinzelte wie ein verliebter Satyr.   “Say yes, Becky,” Sir Pitt continued. “I’m an old man, but a good’n. I’m good for twenty years. I’ll make you happy, zee if I don’t. You shall do what you like; spend what you like; and ’ave it all your own way. I’ll make you a zettlement. I’ll do everything reglar. Look year!” and the old man fell down on his knees and leered at her like a satyr. Rebekka fuhr zurück – ein Bild der Bestürzung. Im Laufe dieser Geschichte haben wir sie noch nie die Geistesgegenwart verlieren sehen; nun tat sie es, und sie weinte einige der echtesten Tränen, die je ihren Augen entfielen.   Rebecca started back a picture of consternation. In the course of this history we have never seen her lose her presence of mind; but she did now, and wept some of the most genuine tears that ever fell from her eyes. »Ach, Sir Pitt!« sagte sie. »Ach, Sir – ich – ich bin doch schon verheiratet!«   “Oh, Sir Pitt!” she said. “Oh, sir — I — I’m married already .” 15. Kapitel / Chapter 15 In dem Rebekkas Mann für kurze Zeit erscheint / In Which Rebecca’s Husband Appears for a Short Time Jedem sentimentalen Leser (und wir wünschen uns keinen anderen) muß das tableau, womit: der letzte Akt unseres kleinen Dramas schloß, gefallen haben, denn kann es ein hübscheres Bild geben, als Amor auf den Knien vor der Schönheit?   Every reader of a sentimental turn (and we desire no other) must have been pleased with the tableau with which the last act of our little drama concluded; for what can be prettier than an image of Love on his knees before Beauty? Als aber Amor das schreckliche Geständnis der Schönheit hörte, daß sie bereits verheiratet sei, sprang er aus seiner demütigen Haltung auf dem Teppich auf und schrie Worte, die die arme kleine Schönheit in größere Angst versetzten, als sie im Augenblick ihres Geständnisses empfunden hatte. »Verheiratet! Sie machen wohl Witze«, schrie der Baronet nach dem ersten Ausbruche von Wut und Staunen. »Sie halten mich zum Narren, Becky. Wer würde Sie schon heiraten, ohne einen Shilling Vermögen?«   But when Love heard that awful confession from Beauty that she was married already, he bounced up from his attitude of humility on the carpet, uttering exclamations which caused poor little Beauty to be more frightened than she was when she made her avowal. “Married; you’re joking,” the Baronet cried, after the first explosion of rage and wonder. “You’re making vun of me, Becky. Who’d ever go to marry you without a shilling to your vortune?” »Verheiratet! Verheiratet!« schluchzte Rebekka, in Tränen aufgelöst, vor Erregung sprachlos, das Taschentuch an die strömenden Augen gedrückt. So stand sie, an den Kamin gelehnt, um nicht in Ohnmacht zu sinken – ein Bild des Schmerzes, das auch das verstockteste Herz hätte rühren müssen, »Ach, Sir Pitt, lieber Sir Pitt, halten Sie mich nicht für undankbar gegenüber all der Güte, die Sie mir erwiesen haben. Nur Ihre Großmut hat mir mein Geheimnis entlockt.«   “Married! married!” Rebecca said, in an agony of tears — her voice choking with emotion, her handkerchief up to her ready eyes, fainting against the mantelpiece a figure of woe fit to melt the most obdurate heart. “O Sir Pitt, dear Sir Pitt, do not think me ungrateful for all your goodness to me. It is only your generosity that has extorted my secret.” »Zum Henker mit der Großmut!« brüllte Sir Pitt. »Mit wem sind Sie denn verheiratet? Wo war es denn?«   “Generosity be hanged!” Sir Pitt roared out. “Who is it tu, then, you’re married? Where was it?” »Oh, lassen Sie mich mit Ihnen wieder aufs Land gehen, Sir! Lassen Sie mich über Ihnen wachen, so treu wie je! Ach, bitte, trennen Sie mich nicht von dem lieben Queen's Crawley!«   “Let me come back with you to the country, sir! Let me watch over you as faithfully as ever! Don’t, don’t separate me from dear Queen’s Crawley!” »Der Kerl hat Sie also sitzenlassen, ja?« fragte der Baronet, der glaubte, daß ihm allmählich ein Licht aufginge. »Nun, Becky, kommen Sie zurück, wenn Sie wollen. Man kann einen Kuchen nicht zweimal essen. Auf jeden Fall habe ich Ihnen ein ehrliches Anerbieten gemacht. Kommen Sie zurück als Gouvernante – Sie können alles so einrichten, wie Sie es wollen.« Sie streckte eine Hand aus und weinte dabei, als ob ihr das Herz brechen sollte; ihre Locken fielen ihr übers Gesicht und über den marmornen Kaminsims, auf dem ihr Kopf ruhte.   “The feller has left you, has he?” the Baronet said, beginning, as he fancied, to comprehend. “Well, Becky — come back if you like. You can’t eat your cake and have it. Any ways I made you a vair offer. Coom back as governess — you shall have it all your own way.” She held out one hand. She cried fit to break her heart; her ringlets fell over her face, and over the marble mantelpiece where she laid it. »Der Halunke ist also durchgegangen, he?« sagte Sir Pitt in einem schrecklichen Versuch, sie zu trösten. »Es macht nichts, Becky, ich werde für Sie sorgen.«   “So the rascal ran off, eh?” Sir Pitt said, with a hideous attempt at consolation. “Never mind, Becky, I’ll take care of ’ee.” »Oh, Sir! Es wäre der Stolz meines Lebens, nach Queen's Crawley zurückzukehren und wie früher für die Kinder und für Sie zu sorgen, wo Sie mir doch immer gesagt haben, daß Sie mit den Diensten Ihrer kleinen Rebekka zufrieden wären. Wenn ich mir überlege, was Sie mir eben angeboten haben, so schwillt mir das Herz vor Dankbarkeit, wirklich. Ich kann nicht Ihre Frau werden, Sir; lassen Sie mich – lassen Sie mich Ihre Tochter sein!« Bei diesen Worten sank nun Rebekka ihrerseits in tragischer Pose auf die Knie, nahm Sir Pitts schwielige schwarze Hand in ihre beiden (die sehr hübsch und weiß und so weich wie Seide waren) und blickte mit einem Ausdrucke tiefster Leidenschaft und unbegrenzten Vertrauens zu ihm auf, als die Tür aufging und Miss Crawley hereinsegelte.   “Oh, sir! it would be the pride of my life to go back to Queen’s Crawley, and take care of the children, and of you as formerly, when you said you were pleased with the services of your little Rebecca. When I think of what you have just offered me, my heart fills with gratitude indeed it does. I can’t be your wife, sir; let me — let me be your daughter.” Saying which, Rebecca went down on her knees in a most tragical way, and, taking Sir Pitt’s horny black hand between her own two (which were very pretty and white, and as soft as satin), looked up in his face with an expression of exquisite pathos and confidence, when — when the door opened, and Miss Crawley sailed in. Mrs. Firkin und Miss Briggs hatten, bald nachdem der Baronet und Rebekka das Empfangszimmer betreten hatten, zufällig an der Tür gestanden, hatten dann, abermals zufällig, durchs Schlüsselloch hindurch den alten Herrn vor der Gouvernante knien sehen und seinen großmütigen Antrag gehört. Er war ihm kaum von der Zunge, so eilten Mrs. Firkin und Miss Briggs die Treppe hinauf, stürzten in den Salon, in dem Miss Crawley mit ihrem französischen Roman saß, und überbrachten der alten Dame die erstaunliche Nachricht, daß Sir Pitt vor Miss Sharp auf den Knien liege und ihr einen Heiratsantrag mache. Berechnet man nun die Zeit, die der oben wiedergegebene Dialog dauerte, und dann die Zeit, die die Briggs und die Firkin brauchten, um zum Salon zu fliegen, die Zeit, die Miss Crawley benötigte, um in Erstaunen zu geraten, ihren Pigault-Lebrun fallen zu lassen und die Treppe herabzukommen, so wird man feststellen, wie genau diese Geschichte stimmt und daß Miss Crawley gerade in dem Augenblick erscheinen mußte, als Rebekka die demütige Stellung eingenommen hatte.   Mrs. Firkin and Miss Briggs, who happened by chance to be at the parlour door soon after the Baronet and Rebecca entered the apartment, had also seen accidentally, through the keyhole, the old gentleman prostrate before the governess, and had heard the generous proposal which he made her. It was scarcely out of his mouth when Mrs. Firkin and Miss Briggs had streamed up the stairs, had rushed into the drawing-room where Miss Crawley was reading the French novel, and had given that old lady the astounding intelligence that Sir Pitt was on his knees, proposing to Miss Sharp. And if you calculate the time for the above dialogue to take place — the time for Briggs and Firkin to fly to the drawing-room — the time for Miss Crawley to be astonished, and to drop her volume of Pigault le Brun — and the time for her to come downstairs — you will see how exactly accurate this history is, and how Miss Crawley must have appeared at the very instant when Rebecca had assumed the attitude of humility. »Die Dame liegt doch auf den Knien, nicht der Herr«, sagte Miss Crawley mit tiefer Verachtung in Blick und Stimme. »Man hat mir gesagt, du lägest auf den Knien, Sir Pitt; knie doch noch einmal nieder, damit ich das hübsche Paar sehen kann!«   “It is the lady on the ground, and not the gentleman,” Miss Crawley said, with a look and voice of great scorn. “They told me that you were on your knees, Sir Pitt: do kneel once more, and let me see this pretty couple!” »Ich habe Sir Pitt Crawley gedankt, Madame«, sagte Rebekka und erhob sich. »Ich habe ihm gesagt, daß – daß ich nie Lady Crawley werden kann.«   “I have thanked Sir Pitt Crawley, Ma’am,” Rebecca said, rising, “and have told him that — that I never can become Lady Crawley.” »Ihn abgewiesen!« rief Miss Crawley, mehr denn je verwirrt. Die Briggs und die Firkin an der Tür rissen vor Staunen Mund und Augen auf.   “Refused him!” Miss Crawley said, more bewildered than ever. Briggs and Firkin at the door opened the eyes of astonishment and the lips of wonder. »Ja – abgewiesen!« fuhr Rebekka mit trauriger, tränenvoller Stimme fort.   “Yes — refused,” Rebecca continued, with a sad, tearful voice. »Und darf ich meinen Ohren trauen, daß du ihr wirklich einen Heiratsantrag gemacht hast, Sir Pitt?« fragte die alte Dame.   “And am I to credit my ears that you absolutely proposed to her, Sir Pitt?” the old lady asked. »Jawoll«, antwortete der Baronet, »das stimmt.«   “Ees,” said the Baronet, “I did.” »Und sie hat dich abgewiesen, wie sie sagt?«   “And she refused you as she says?” »Jawoll«, sagte Sir Pitt, sein Gesicht zu einem breiten Grinsen verzerrt.   “Ees,” Sir Pitt said, his features on a broad grin. »Jedenfalls scheint es dir nicht das Herz zu brechen«, bemerkte Miss Crawley.   “It does not seem to break your heart at any rate,” Miss Crawley remarked. »Nicht ein bißchen«, antwortete Sir Pitt so kühl und gutgelaunt, daß Miss Crawley vor Staunen beinahe verrückt wurde. Daß ein alter Edelmann vor einer Gouvernante, die arm wie eine Kirchenmaus war, auf die Knie sank und sich halbtot lachte, als sie ablehnte, ihn zu heiraten, daß ferner eine arme Gouvernante einen Baronet mit jährlich viertausend Pfund abwies – all das waren Rätsel, die Miss Crawley nicht begreifen konnte. Das übertraf alle noch so verwickelten Intrigen in ihrem geliebten Pigault-Lebrun.   “Nawt a bit,” answered Sir Pitt, with a coolness and good-humour which set Miss Crawley almost mad with bewilderment. That an old gentleman of station should fall on his knees to a penniless governess, and burst out laughing because she refused to marry him — that a penniless governess should refuse a Baronet with four thousand a year — these were mysteries which Miss Crawley could never comprehend. It surpassed any complications of intrigue in her favourite Pigault le Brun. »Es freut mich, daß du es als einen guten Spaß ansiehst, Bruder«, fuhr sie fort und versuchte, sich durch die Wildnis der Verwirrung zu tasten.   “I’m glad you think it good sport, brother,” she continued, groping wildly through this amazement. »Famos«, sagte Sir Pitt. »Wer hätte das gedacht! Was für ein schlaues Teufelchen! So ein kleiner Fuchs!« murmelte er und kicherte vor Vergnügen.   “Vamous,” said Sir Pitt. “Who’d ha’ thought it! what a sly little devil! what a little fox it waws!” he muttered to himself, chuckling with pleasure. »Wer hätte was gedacht?« rief Miss Crawley und stampfte mit dem Fuße auf. »Sagen Sie mir doch, Miss Sharp, warten Sie vielleicht auf die Scheidung des Prinzregenten, da Ihnen unsere Familie nicht gut genug ist?«   “Who’d have thought what?” cries Miss Crawley, stamping with her foot. “Pray, Miss Sharp, are you waiting for the Prince Regent’s divorce, that you don’t think our family good enough for you?” »Meine Haltung, als Sie hereinkamen«, antwortete Rebekka, »machte gewiß nicht den Eindruck, als verachtete ich den ehrenvollen Antrag, den dieser gute – dieser edle Mann sich herabließ, mir zu machen. Glauben Sie, ich habe kein Herz? Sie haben mich alle geliebt und sind gegen das arme verwaiste – alleinstehende – Mädchen so freundlich gewesen – und ich soll nichts fühlen? Oh, meine Freunde! Oh, meine Wohltäter! Darf ich mit meiner Liebe, meinem Leben, meiner Pflicht nicht das Vertrauen zu vergelten suchen, das Sie mir erwiesen haben? Sprechen Sie mir sogar Dankbarkeit ab, Miss Crawley? Es ist zuviel – mein Herz ist zu voll!« Sie sank so pathetisch in einen Stuhl, daß die meisten Zuschauer von ihrer Traurigkeit ganz gerührt wurden.   “My attitude,” Rebecca said, “when you came in, ma’am, did not look as if I despised such an honour as this good — this noble man has deigned to offer me. Do you think I have no heart? Have you all loved me, and been so kind to the poor orphan — deserted — girl, and am I to feel nothing? O my friends! O my benefactors! may not my love, my life, my duty, try to repay the confidence you have shown me? Do you grudge me even gratitude, Miss Crawley? It is too much — my heart is too full”; and she sank down in a chair so pathetically, that most of the audience present were perfectly melted with her sadness. »Ob Sie mich nun heiraten oder nicht, Sie sind ein braves kleines Mädchen, Becky, und ich bin Ihr Freund, merken Sie sich das«, sagte Sir Pitt, setzte seinen florumwundenen Hut auf und ging – sehr zur Erleichterung Rebekkas; denn offensichtlich hatte Miss Crawley von ihrem Geheimnis noch nichts erfahren, und so hatte sie noch eine Galgenfrist.   “Whether you marry me or not, you’re a good little girl, Becky, and I’m your vriend, mind,” said Sir Pitt, and putting on his crape-bound hat, he walked away — greatly to Rebecca’s relief; for it was evident that her secret was unrevealed to Miss Crawley, and she had the advantage of a brief reprieve. Rebekka hielt ihr Taschentuch vor die Augen, bedeutete der ehrlichen Briggs, ihr nicht die Treppe hinauf zu folgen, und ging auf ihr Zimmer, während die Briggs und Miss Crawley in großer Aufregung zurückblieben, um das seltsame Ereignis zu besprechen. Die nicht weniger bewegte Firkin tauchte in die Küchenregionen hinab und besprach die Angelegenheit mit der ganzen männlichen und weiblichen Gesellschaft dort. Der Eindruck dieser Nachricht auf Mrs. Firkin war so gewaltig, daß sie es für zweckmäßig erachtete, noch mit der Abendpost ihre »untertänigsten Empfehlungen« zu schreiben »an Mrs. Bute Crawley und die Familie im Pfarrhaus, und Sir Pitt ist dagewesen und hat Miss Sharp einen Heiratsantrag gemacht, den sie zur Verwunderung aller aber abgewiesen hat«.   Putting her handkerchief to her eyes, and nodding away honest Briggs, who would have followed her upstairs, she went up to her apartment; while Briggs and Miss Crawley, in a high state of excitement, remained to discuss the strange event, and Firkin, not less moved, dived down into the kitchen regions, and talked of it with all the male and female company there. And so impressed was Mrs. Firkin with the news, that she thought proper to write off by that very night’s post, “with her humble duty to Mrs. Bute Crawley and the family at the Rectory, and Sir Pitt has been and proposed for to marry Miss Sharp, wherein she has refused him, to the wonder of all.” Die beiden Damen im Speisezimmer (der würdigen Miss Briggs war zu ihrem Entzücken wieder einmal ein vertrauliches Gespräch mit ihrer Herrin vergönnt) wunderten sich nach Herzenslust über Sir Pitts Antrag und Rebekkas Ablehnung. Die Briggs vermutete sehr scharfsinnig, daß ein Hindernis in der Gestalt einer früheren Liebe im Wege sein müsse; sonst würde wohl kein vernünftiges junges Mädchen einen so vorteilhaften Antrag ablehnen.   The two ladies in the dining-room (where worthy Miss Briggs was delighted to be admitted once more to confidential conversation with her patroness) wondered to their hearts’ content at Sir Pitt’s offer, and Rebecca’s refusal; Briggs very acutely suggesting that there must have been some obstacle in the shape of a previous attachment, otherwise no young woman in her senses would ever have refused so advantageous a proposal. »Sie hätten den Antrag wohl angenommen, nicht wahr, Briggs?« sagte Miss Crawley freundlich.   “You would have accepted it yourself, wouldn’t you, Briggs?” Miss Crawley said, kindly. »Wäre es nicht ein Vorzug, Miss Crawleys Schwägerin zu sein?« erwiderte die Briggs, bescheiden ausweichend.   “Would it not be a privilege to be Miss Crawley’s sister?” Briggs replied, with meek evasion. »Nun, schließlich hätte Becky doch eine gute Lady Crawley abgegeben«, bemerkte Miss Crawley. Die abschlägige Antwort des Mädchens hatte sie beruhigt, und jetzt, da man kein Opfer von ihr verlangte, war sie ungemein liberal und großmütig. »Sie hat Verstand genug (im kleinen Finger schon mehr als Sie, meine arme liebe Briggs, im ganzen Kopf). Ihre Manieren sind ausgezeichnet, seitdem sie in meinen Händen ist. Sie ist eine Montmorency, Briggs, und Blut bedeutet etwas, obgleich ich für mein Teil keinen Wert darauf lege; und gewiß hätte sie diesen aufgeblasenen, dummen Leuten in Hampshire besser gezeigt, wer sie ist, als die unglückselige Eisenhändlerstochter.«   “Well, Becky would have made a good Lady Crawley, after all,” Miss Crawley remarked (who was mollified by the girl’s refusal, and very liberal and generous now there was no call for her sacrifices). “She has brains in plenty (much more wit in her little finger than you have, my poor dear Briggs, in all your head). Her manners are excellent, now I have formed her. She is a Montmorency, Briggs, and blood is something, though I despise it for my part; and she would have held her own amongst those pompous stupid Hampshire people much better than that unfortunate ironmonger’s daughter.” Wie gewöhnlich stimmte die Briggs zu, und dann stellte man Vermutungen über Vermutungen über die »frühere Liebe« an. »Ihr armen freundlosen Geschöpfe habt stets so ein törichtes tendre«, sagte Miss Crawley. »Sie wissen ja, Sie selbst waren in einen Schreiblehrer verliebt (weinen Sie nicht, Briggs – andauernd weinen Sie, und das macht ihn nicht wieder lebendig), und ich vermute, die unglückliche Becky ist ebenfalls töricht und sentimental gewesen – wahrscheinlich ein Apotheker, ein Hausverwalter, ein Maler, ein junger Pfarrer oder so etwas Ähnliches.«   Briggs coincided as usual, and the “previous attachment” was then discussed in conjectures. “You poor friendless creatures are always having some foolish tendre,” Miss Crawley said. “You yourself, you know, were in love with a writing-master (don’t cry, Briggs — you’re always crying, and it won’t bring him to life again), and I suppose this unfortunate Becky has been silly and sentimental too — some apothecary, or house-steward, or painter, or young curate, or something of that sort.” »Armes Ding, armes Ding!« sagte die Briggs (die sich vierundzwanzig Jahre zurückversetzte und an den schwindsüchtigen jungen Schreiblehrer dachte, dessen strohblonde Haarlocke und in ihrer Unleserlichkeit schöne Briefe sie in ihrem alten Pult liebevoll verborgen hielt). »Armes Ding, armes Ding!« sagte die Briggs. Und noch einmal war sie ein rotwangiges Mädchen von achtzehn, und in der Abendandacht sangen der schwindsüchtige Schreiblehrer und sie aus einem Gesangbuch.   “Poor thing! poor thing!” says Briggs (who was thinking of twenty-four years back, and that hectic young writing-master whose lock of yellow hair, and whose letters, beautiful in their illegibility, she cherished in her old desk upstairs). “Poor thing, poor thing!” says Briggs. Once more she was a fresh-cheeked lass of eighteen; she was at evening church, and the hectic writing-master and she were quavering out of the same psalm-book. »Nachdem sich Rebekka so verhalten hat«, sagte Miss Crawley enthusiastisch, »sollte unsere Familie etwas für sie tun. Suchen Sie doch ausfindig zu machen, wer das Objekt ist, Briggs. Ich richte ihm einen Laden ein oder bestelle mein Porträt bei ihm, wissen Sie, oder ich spreche mit meinem Vetter, dem Bischof – und Becky gebe ich eine schöne Aussteuer, und dann werden wir eine Hochzeit haben, Briggs, und Sie sollen das Frühstück herrichten und Brautjungfer sein.«   “After such conduct on Rebecca’s part,” Miss Crawley said enthusiastically, “our family should do something. Find out who is the objet, Briggs. I’ll set him up in a shop; or order my portrait of him, you know; or speak to my cousin, the Bishop and I’ll doter Becky, and we’ll have a wedding, Briggs, and you shall make the breakfast, and be a bridesmaid.” Die Briggs erklärte, es werde entzückend sein, und beteuerte, daß ihre liebe Miss Crawley stets gütig und großmütig sei. Dann ging sie zu Rebekka in deren Schlafzimmer hinauf, um sie zu trösten und mit ihr über den Heiratsantrag und ihre Ablehnung und den Grund dafür zu plaudern, um Miss Crawleys großmütige Absichten anzudeuten und ausfindig zu machen, wer denn der Herr wäre, der Miss Sharps Herz erobert habe.   Briggs declared that it would be delightful, and vowed that her dear Miss Crawley was always kind and generous, and went up to Rebecca’s bedroom to console her and prattle about the offer, and the refusal, and the cause thereof; and to hint at the generous intentions of Miss Crawley, and to find out who was the gentleman that had the mastery of Miss Sharp’s heart. Rebekka war sehr freundlich, sehr liebevoll und gerührt, erwiderte die zärtlichen Angebote der Briggs mit heißer Dankbarkeit, gestand ein, daß eine geheime Liebe im Spiele sei, ein köstliches Geheimnis. Wie schade, daß Miss Briggs nicht eine halbe Minute länger am Schlüsselloch geblieben war! Vielleicht hätte Rebekka mehr gesagt. Miss Briggs war kaum fünf Minuten in Rebekkas Zimmer, als Miss Crawley – eine unerhörte Ehre – selbst erschien. Ihre Ungeduld hatte sie überwältigt. Sie konnte nicht die langsamen Operationen ihrer Gesandten abwarten; nun kam sie in höchsteigener Person und hieß die Briggs hinausgehen. Nachdem sie Rebekka ihre Befriedigung über ihr Benehmen ausgedrückt hatte, fragte sie nach Einzelheiten der Unterredung und allem Vorangegangenen, was zu dem erstaunlichen Angebot Sir Pitts geführt hatte.   Rebecca was very kind, very affectionate and affected — responded to Briggs’s offer of tenderness with grateful fervour — owned there was a secret attachment — a delicious mystery — what a pity Miss Briggs had not remained half a minute longer at the keyhole! Rebecca might, perhaps, have told more: but five minutes after Miss Briggs’s arrival in Rebecca’s apartment, Miss Crawley actually made her appearance there — an unheard-of honour — her impatience had overcome her; she could not wait for the tardy operations of her ambassadress: so she came in person, and ordered Briggs out of the room. And expressing her approval of Rebecca’s conduct, she asked particulars of the interview, and the previous transactions which had brought about the astonishing offer of Sir Pitt. Rebekka sagte, sie habe schon längst die Vorliebe bemerkt, mit der Sir Pitt sie geehrt hatte (denn er habe die Gewohnheit, seine Gefühle durchaus offen und ohne allen Rückhalt an den Tag zu legen); aber – ohne private Gründe anzuführen, womit sie Miss Crawley vorerst verschonen wolle – machten doch Sir Pitts Alter, Stand und Gewohnheiten eine Heirat unmöglich. Und könnte denn ein anständiges Mädchen, das nur ein wenig Selbstachtung besaß, in einem Augenblick einen Heiratsantrag annehmen, wo die dahingeschiedene Frau des Liebhabers noch nicht einmal beerdigt war?   Rebecca said she had long had some notion of the partiality with which Sir Pitt honoured her (for he was in the habit of making his feelings known in a very frank and unreserved manner) but, not to mention private reasons with which she would not for the present trouble Miss Crawley, Sir Pitt’s age, station, and habits were such as to render a marriage quite impossible; and could a woman with any feeling of self-respect and any decency listen to proposals at such a moment, when the funeral of the lover’s deceased wife had not actually taken place? »Unsinn, meine Liebe; Sie hätten ihm nie einen Korb gegeben, wenn nicht noch jemand im Spiele wäre«, sagte Miss Crawley, ohne weiteres auf den Kern zusteuernd. »Teilen Sie mir Ihre privaten Gründe mit, was sind das für private Gründe? Es gibt jemanden! Wer ist es, der Ihr Herz erobert hat?«   “Nonsense, my dear, you would never have refused him had there not been some one else in the case,” Miss Crawley said, coming to her point at once. “Tell me the private reasons; what are the private reasons? There is some one; who is it that has touched your heart?” Rebekka schlug die Augen nieder und gab zu, daß das stimmte. »Sie haben es erraten, teure Lady«, sagte sie schlicht mit süßer, stockender Stimme. »Sie wundern sich, daß ein armes, freundloses Mädchen lieben kann, nicht wahr? Ich habe nie gehört, daß Armut vor Liebe schützt. Ich wollte, es wäre so.«   Rebecca cast down her eyes, and owned there was. “You have guessed right, dear lady,” she said, with a sweet simple faltering voice. “You wonder at one so poor and friendless having an attachment, don’t you? I have never heard that poverty was any safeguard against it. I wish it were.” »Mein armes, liebes Kind«, rief Miss Crawley, die jederzeit bereit war, sentimental zu werden. »Wird unsere Liebe nicht erwidert? Haben wir geheimen Kummer? Erzählen Sie mir alles, und ich will Sie trösten.«   “My poor dear child,” cried Miss Crawley, who was always quite ready to be sentimental, “is our passion unrequited, then? Are we pining in secret? Tell me all, and let me console you.” »Ich wollte, Sie könnten das«, sagte Rebekka immer noch unter Tränen. »Wirklich, ich brauche es.« Dabei lehnte sie ihren Kopf an Miss Crawleys Schulter und weinte so echt, daß die alte Dame, unversehens zum Mitleid verführt, Becky mit fast mütterlicher Freundlichkeit umarmte, ihr unendliche Male ihre Achtung und Zuneigung versicherte, ja beteuerte, sie wie eine Tochter zu lieben und alles in ihren Kräften Stehende tun zu wollen, um ihr zu helfen. »Wer ist es denn nun, meine Teure? Ist es der Bruder dieser hübschen Miss Sedley? Sie sagten etwas über eine Liebesaffäre mit ihm. Ich will ihn hierher einladen, meine Liebe. Und Sie sollen ihn bekommen, ganz bestimmt.«   “I wish you could, dear Madam,” Rebecca said in the same tearful tone. “Indeed, indeed, I need it.” And she laid her head upon Miss Crawley’s shoulder and wept there so naturally that the old lady, surprised into sympathy, embraced her with an almost maternal kindness, uttered many soothing protests of regard and affection for her, vowed that she loved her as a daughter, and would do everything in her power to serve her. “And now who is it, my dear? Is it that pretty Miss Sedley’s brother? You said something about an affair with him. I’ll ask him here, my dear. And you shall have him: indeed you shall.” »Fragen Sie mich jetzt nicht«, sagte Rebekka. »Sie werden bald alles erfahren. Ja, wirklich, liebe, gute Miss Crawley – teure Freundin, darf ich so sagen?«   “Don’t ask me now,” Rebecca said. “You shall know all soon. Indeed you shall. Dear kind Miss Crawley — dear friend, may I say so?” »Ja, das dürfen Sie gern, mein Kind«, erwiderte die alte Dame und küßte sie.   “That you may, my child,” the old lady replied, kissing her. »Ich kann es Ihnen jetzt nicht sagen«, schluchzte Rebekka; »ich bin sehr unglücklich. Ach, bitte haben Sie mich doch immer lieb! Versprechen Sie mir, daß Sie mich stets liebhaben werden!« Und unter gemeinsamen Tränen – denn die Erregung der Jüngeren hatte die Sympathien der Älteren geweckt – gab Miss Crawley ihr feierlich dieses Versprechen. Dann verließ sie ihren kleinen Schützling und segnete und bewunderte das gute, arglose, weichherzige, liebevolle und unbegreifliche Geschöpf.   “I can’t tell you now,” sobbed out Rebecca, “I am very miserable. But O! love me always — promise you will love me always.” And in the midst of mutual tears — for the emotions of the younger woman had awakened the sympathies of the elder — this promise was solemnly given by Miss Crawley, who left her little protege, blessing and admiring her as a dear, artless, tender-hearted, affectionate, incomprehensible creature. Und nun war Becky allein und konnte über die plötzlichen und wunderbaren Ereignisse des Tages, über das, was geschehen war, und das, was hätte geschehen können, nachdenken. Wie, glaubst du, lieber Leser, war es um die innersten Gefühle von Miss, ach nein (ich bitte sie um Verzeihung), von Mrs. Rebekka bestellt? Wenn der Verfasser oben das Vorrecht in Anspruch genommen hat, in Miss Amelia Sedleys Schlafzimmer zu blicken und mit der Allwissenheit des Romanschreibers all die zarten Leidenschaften und Schmerzen zu verstehen, die sich auf dem unschuldigen Kopfkissen wälzten, warum sollte er dann nicht ebenfalls der Vertraute Rebekkas sein, Herr ihrer Geheimnisse und Siegelbewahrer zum Gewissen dieses jungen Mädchens?   And now she was left alone to think over the sudden and wonderful events of the day, and of what had been and what might have been. What think you were the private feelings of Miss, no (begging her pardon) of Mrs. Rebecca? If, a few pages back, the present writer claimed the privilege of peeping into Miss Amelia Sedley’s bedroom, and understanding with the omniscience of the novelist all the gentle pains and passions which were tossing upon that innocent pillow, why should he not declare himself to be Rebecca’s confidante too, master of her secrets, and seal-keeper of that young woman’s conscience? Also: vor allem bedauerte Rebekka aufrichtig und rührend, daß ein wunderbares Glück ihr so nahe gewesen war und sie sich gezwungen sah, es von sich zu weisen. So wie sie wird wohl jeder normale Mensch empfinden. Welche gute Mutter würde nicht eine mittellose Jungfrau bemitleiden, die beinahe hätte Lady werden und viertausend Pfund im Jahr bekommen können? Welcher guterzogene junge Mensch auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit fühlt nicht mit einem fleißigen, klugen, verdienstvollen Mädchen, der ein so ehrenvolles, vorteilhaftes, reizvolles Anerbieten gerade in dem Augenblick gemacht wird, da es außer ihrer Macht liegt, es anzunehmen? Die Enttäuschung unserer Freundin Becky verdient das Mitgefühl aller und wird es auch erhalten.   Well, then, in the first place, Rebecca gave way to some very sincere and touching regrets that a piece of marvellous good fortune should have been so near her, and she actually obliged to decline it. In this natural emotion every properly regulated mind will certainly share. What good mother is there that would not commiserate a penniless spinster, who might have been my lady, and have shared four thousand a year? What well-bred young person is there in all Vanity Fair, who will not feel for a hard-working, ingenious, meritorious girl, who gets such an honourable, advantageous, provoking offer, just at the very moment when it is out of her power to accept it? I am sure our friend Becky’s disappointment deserves and will command every sympathy. Ich erinnere mich, selbst einmal an einer Abendgesellschaft auf dem Jahrmarkt teilgenommen zu haben. Ich beobachtete, wie die alte Miss Toady die kleine Mrs. Briefless, die Frau des Anwalts, die gewiß von guter Familie, aber, wie allgemein bekannt, arm wie eine Kirchenmaus ist, mit Aufmerksamkeiten und Schmeicheleien überhäufte.   I remember one night being in the Fair myself, at an evening party. I observed old Miss Toady there also present, single out for her special attentions and flattery little Mrs. Briefless, the barrister’s wife, who is of a good family certainly, but, as we all know, is as poor as poor can be. Was, fragte ich mich, mag wohl der Grund für Miss Toadys Unterwürfigkeit sein? Ist Briefless über ein Provinzialgericht gesetzt worden, oder hat seine Frau ein großes Vermögen geerbt? Miss Toady erklärte es bald selbst mit jener Einfachheit, die ihr ganzes Benehmen auszeichnet. »Wissen Sie«, sagte sie, »Mrs. Briefless ist die Enkelin von Sir John Redhand, der in Cheltenham so krank daniederliegt, daß er kaum noch ein halbes Jahr zu leben hat. Der Vater von Mrs. Briefless ist sein Nachfolger; sie wird also, wie Sie sehen, die Tochter eines Baronets sein.« Und die Toady lud Briefless und Frau für die nächste Woche zum Essen ein.   What, I asked in my own mind, can cause this obsequiousness on the part of Miss Toady; has Briefless got a county court, or has his wife had a fortune left her? Miss Toady explained presently, with that simplicity which distinguishes all her conduct. “You know,” she said, “Mrs Briefless is granddaughter of Sir John Redhand, who is so ill at Cheltenham that he can’t last six months. Mrs. Briefless’s papa succeeds; so you see she will be a baronet’s daughter.” And Toady asked Briefless and his wife to dinner the very next week. Kann die bloße Möglichkeit, Tochter eines Baronets zu werden, einer Dame in der Welt solche Ehrerbietung verschaffen, dann müssen wir ganz gewiß auch die Qualen einer jungen Frau achten, der die Gelegenheit entschlüpft ist, Gattin eines Baronets zu werden. Wer hätte es sich auch träumen lassen, daß Lady Crawley so bald sterben würde? Sie war eine jener kränklichen Frauen und hätte noch zehn Jahre leben können – das dachte Rebekka im Innersten unter Qualen der Reue –, und ich hätte Lady werden können! Ich hätte den alten Mann nach meinem eigenen Willen lenken können. Ich hätte Mrs. Bute für ihre Gönnermiene und Mr. Pitt für seine unausstehliche Herablassung danken können. Ich hätte das Haus in der Stadt neu herrichten lassen. Ich hätte die prächtigste Kutsche in London und eine Loge in der Oper gehabt, und in der nächsten Saison wäre ich bei Hofe vorgestellt worden. Alles dies hätte sein können, aber jetzt – jetzt war alles zweifelhaft und dunkel.   If the mere chance of becoming a baronet’s daughter can procure a lady such homage in the world, surely, surely we may respect the agonies of a young woman who has lost the opportunity of becoming a baronet’s wife. Who would have dreamed of Lady Crawley dying so soon? She was one of those sickly women that might have lasted these ten years — Rebecca thought to herself, in all the woes of repentance — and I might have been my lady! I might have led that old man whither I would. I might have thanked Mrs. Bute for her patronage, and Mr. Pitt for his insufferable condescension. I would have had the town-house newly furnished and decorated. I would have had the handsomest carriage in London, and a box at the opera; and I would have been presented next season. All this might have been; and now — now all was doubt and mystery. Allein Rebekka war eine junge Dame mit zuviel Entschlossenheit und Charakterstärke, um sich nutzlosen und unpassenden Sorgen um die unwiederbringliche Vergangenheit hinzugeben; daher richtete sie, nachdem sie ihrem Mißgeschick ein gewisses Maß an Bedauern gegönnt hatte, ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Zukunft, die jetzt sehr viel wichtiger für sie war. Sie überblickte ihre Lage mit allen Hoffnungen, Zweifeln und Möglichkeiten.   But Rebecca was a young lady of too much resolution and energy of character to permit herself much useless and unseemly sorrow for the irrevocable past; so, having devoted only the proper portion of regret to it, she wisely turned her whole attention towards the future, which was now vastly more important to her. And she surveyed her position, and its hopes, doubts, and chances. Fürs erste war da die unbestreitbare Tatsache, daß sie verheiratet war. Sir Pitt wußte es. Nicht so sehr die Überraschung, als vielmehr eine schnelle Berechnung hatte ihr das Geständnis entlockt. Einmal mußte es gesagt werden, warum also erst später und nicht gleich jetzt? Derjenige, der sie selbst heiraten wollte, mußte wenigstens über ihre Heirat schweigen. Aber wie Miss Crawley die Kunde aufnehmen würde – das war die große Frage. Rebekka hegte Befürchtungen, allein sie rief sich alles ins Gedächtnis zurück, was Miss Crawley gesagt hatte, die unverhohlene Verachtung der alten Dame gegenüber der Geburt, ihre kühnen liberalen Ansichten, ihre romantischen Neigungen ganz allgemein, ihre fast kindische Vorliebe für den Neffen und ihre wiederholt ausgesprochene Zuneigung zu Rebekka selbst. Sie liebt ihn so sehr, dachte Rebekka, daß sie ihm alles verzeihen wird. Sie hat sich so an mich gewöhnt, daß sie ohne mich wohl kaum auskommen wird. Wenn es zum éclaircissement kommt, wird es eine Szene geben, hysterische Anfälle, einen großen Krach und dann eine große Versöhnung. Jedenfalls brachte ein Aufschub wohl nichts ein. Die Würfel waren gefallen, und der Ausgang mußte heute oder morgen der gleiche sein. Nachdem sie nun beschlossen hatte, daß Miss Crawley die Sache erfahren sollte, überlegte sie sich, wie man ihr wohl die Neuigkeit am besten beibringen könnte und ob sie dem unausbleiblichen Sturm begegnen oder ihn vermeiden, also fliehen sollte, bis die erste Wut nachgelassen hätte. Während dieser Überlegungen schrieb sie folgenden Brief:   In the first place, she was married — that was a great fact. Sir Pitt knew it. She was not so much surprised into the avowal, as induced to make it by a sudden calculation. It must have come some day: and why not now as at a later period? He who would have married her himself must at least be silent with regard to her marriage. How Miss Crawley would bear the news — was the great question. Misgivings Rebecca had; but she remembered all Miss Crawley had said; the old lady’s avowed contempt for birth; her daring liberal opinions; her general romantic propensities; her almost doting attachment to her nephew, and her repeatedly expressed fondness for Rebecca herself. She is so fond of him, Rebecca thought, that she will forgive him anything: she is so used to me that I don’t think she could be comfortable without me: when the eclaircissement comes there will be a scene, and hysterics, and a great quarrel, and then a great reconciliation. At all events, what use was there in delaying? the die was thrown, and now or to-morrow the issue must be the same. And so, resolved that Miss Crawley should have the news, the young person debated in her mind as to the best means of conveying it to her; and whether she should face the storm that must come, or fly and avoid it until its first fury was blown over. In this state of meditation she wrote the following letter: Liebster Freund! Die große Krise, von der wir oft gesprochen haben, ist nun da. Mein Geheimnis ist zur Hälfte bekannt, und ich habe lange hin und her überlegt, bis ich endlich die feste Überzeugung gewonnen habe, daß es jetzt an der Zeit ist, das ganze Geheimnis zu enthüllen! Sir Pitt kam heute morgen zu mir und machte mir – kannst Du es glauben? – einen Heiratsantrag in aller Form. Denk bloß mal! Ich arme Kleine hätte Lady Crawley werden können. Wie hätte sich Mrs. Bute doch gefreut – und ma tante erst, wenn ich den Vorrang vor ihr gehabt hätte! Ich wäre jemandes Mama geworden, statt... ach, ich zittere, ich zittere, wenn ich bedenke, wie bald wir alles sagen müssen!   Dearest Friend, The great crisis which we have debated about so often is come . Half of my secret is known, and I have thought and thought, until I am quite sure that now is the time to reveal the whole of the mystery . Sir Pitt came to me this morning, and made — what do you think? — A declaration in form . Think of that! Poor little me. I might have been Lady Crawley. How pleased Mrs. Bute would have been: and ma tante if I had taken precedence of her! I might have been somebody’s mamma, instead of — O, I tremble, I tremble, when I think how soon we must tell all! Sir Pitt weiß, daß ich verheiratet bin, und da er bisher nicht weiß, mit wem, ist er nicht sehr ungehalten darüber. Ma tante ist wirklich ärgerlich, weil ich ihm einen Korb gegeben habe. Aber sie ist sehr freundlich und gnädig. Sie ließ sich herab, zu sagen, daß ich ihm eine gute Frau geworden wäre, und gelobte, Deiner kleinen Rebekka eine Mutter zu sein! Sie wird erschüttert sein, wenn sie die Neuigkeit erfährt. Brauchen wir aber mehr zu fürchten als einen vorübergehenden Ärger? Ich glaube nicht; ja, ich bin überzeugt davon. Sie hat Dich so gern (Dich unartigen Nichtsnutz), daß sie Dir alles verzeihen würde; und ich glaube wirklich, daß ich in ihrem Herzen gleich nach Dir komme und daß sie ohne mich ganz elend wäre. Liebster! Etwas sagt mir, daß wir siegen werden. Du mußt das abscheuliche Regiment verlassen und das Spielen und die Rennen aufgeben – und ein gehorsamer Junge sein, dann werden wir alle in der Park Lane wohnen, und ma tante muß uns ihr ganzes Geld hinterlassen.   Sir Pitt knows I am married, and not knowing to whom, is not very much displeased as yet. Ma tante is actually angry that I should have refused him. But she is all kindness and graciousness. She condescends to say I would have made him a good wife; and vows that she will be a mother to your little Rebecca. She will be shaken when she first hears the news. But need we fear anything beyond a momentary anger? I think not: I am sure not. She dotes upon you so (you naughty, good-for-nothing man), that she would pardon you anything : and, indeed, I believe, the next place in her heart is mine: and that she would be miserable without me. Dearest! something tells me we shall conquer. You shall leave that odious regiment: quit gaming, racing, and be A good boy ; and we shall all live in Park Lane, and ma tante shall leave us all her money. Ich werde versuchen, morgen um drei Uhr am gewohnten Ort einen Spaziergang zu machen. Sollte mich Miss B. begleiten, so mußt Du zum Essen kommen und mir eine Antwort bringen. Leg sie in den dritten Band von »Porteus' Predigten«. Auf jeden Fall aber komm zu Deiner   I shall try and walk to-morrow at 3 in the usual place. If Miss B. accompanies me, you must come to dinner, and bring an answer, and put it in the third volume of Porteus’s Sermons. But, at all events, come to your own R. An Miss Eliza Styles bei Mr. Barnet, Sattlermeister Knightsbridge   R. To Miss Eliza Styles, At Mr. Barnet’s, Saddler, Knightsbridge. Ich glaube, keiner meiner Leser besitzt so wenig Scharfsinn, um nicht zu merken, daß Miss Eliza Styles (eine alte Schulkameradin, erklärte Rebekka, mit der sie neuerdings in lebhaftem Briefwechsel stand und die die Briefe von dem Sattler abholte) Messingsporen und einen großen gekräuselten Schnurrbart trug und in Wirklichkeit niemand anders war als Hauptmann Rawdon Crawley.   And I trust there is no reader of this little story who has not discernment enough to perceive that the Miss Eliza Styles (an old schoolfellow, Rebecca said, with whom she had resumed an active correspondence of late, and who used to fetch these letters from the saddler’s), wore brass spurs, and large curling mustachios, and was indeed no other than Captain Rawdon Crawley. 16. Kapitel / Chapter 16 Der Brief auf dem Nadelkissen / The Letter on the Pincushion Wie ihre Heirat vor sich ging, kann jedermann vollkommen gleichgültig sein. Was kann einen volljährigen Hauptmann und eine mündige junge Dame daran hindern, eine Lizenz zu kaufen und sich in einer Londoner Kirche trauen zu lassen? Wem muß erst gesagt werden, daß eine Frau, die einen Willen hat, ganz gewiß auch einen Weg findet? Ich glaube, man hätte eines Tages, als Miss Sharp weggegangen war, um den Vormittag bei ihrer lieben Freundin Amelia Sedley am Russell Square zu verbringen, beobachten können, daß eine Dame, die ihr sehr ähnlich war, in Begleitung eines Herrn mit gefärbtem Schnurrbart eine Kirche in der City betrat und daß dieser Herr sie nach dem Verlauf von einer Viertelstunde wieder zu der wartenden Mietskutsche brachte. Es war eine stille Hochzeitsgesellschaft.   How they were married is not of the slightest consequence to anybody. What is to hinder a Captain who is a major, and a young lady who is of age, from purchasing a licence, and uniting themselves at any church in this town? Who needs to be told, that if a woman has a will she will assuredly find a way? — My belief is that one day, when Miss Sharp had gone to pass the forenoon with her dear friend Miss Amelia Sedley in Russell Square, a lady very like her might have been seen entering a church in the City, in company with a gentleman with dyed mustachios, who, after a quarter of an hour’s interval, escorted her back to the hackney-coach in waiting, and that this was a quiet bridal party. Und wer in aller Welt kann nach den täglichen Erfahrungen bezweifeln, daß ein Mann irgend jemanden heiratet. Wie viele weise und gelehrte Männer haben nicht ihre Köchin geheiratet? Heiratete nicht Lord Eldon, der Vorsichtigste aller Sterblichen, eine Frau, mit der er durchgebrannt war? Hatten sich nicht Achilles und Ajax beide in ihre Mägde verliebt? Können wir dann von einem schwerfälligen Dragoner mit heftigen Begierden und wenig Verstand, der noch nie im Leben seine Leidenschaften bezwungen hatte, erwarten, daß er plötzlich vorsichtig werden und verschmähen würde, jeden Preis für die Befriedigung einer Leidenschaft zu zahlen, die er sich nun einmal in den Kopf gesetzt hatte? Würden die Leute lediglich Vernunftehen schließen – welch ein Hindernis bedeutete das doch für den Bevölkerungszuwachs!   And who on earth, after the daily experience we have, can question the probability of a gentleman marrying anybody? How many of the wise and learned have married their cooks? Did not Lord Eldon himself, the most prudent of men, make a runaway match? Were not Achilles and Ajax both in love with their servant maids? And are we to expect a heavy dragoon with strong desires and small brains, who had never controlled a passion in his life, to become prudent all of a sudden, and to refuse to pay any price for an indulgence to which he had a mind? If people only made prudent marriages, what a stop to population there would be! Meiner Meinung nach war Mr. Rawdons Heirat eine der ehrlichsten Taten, die wir aus dem Leben dieses Herrn – soweit es diese Geschichte betrifft – berichten können. Es wird wohl niemand behaupten, es sei unmännlich, sich von einer Frau fangen zu lassen und, wenn schon gefangen, sie dann auch zu heiraten. Die Bewunderung, das Entzücken, die Leidenschaft, das Erstaunen, das unbegrenzte Vertrauen und die wahnsinnige Anbetung, womit der große Kriegsmann die kleine Rebekka nach und nach betrachtete, waren Gefühle, die zumindest die Damen ihm nicht zur Unehre rechnen werden. Wenn sie sang, so durchbebte jeder Ton seine stumpfe Seele und seine riesige Gestalt. Wenn sie sprach, so bot er alle Geisteskraft auf, um zuzuhören und zu staunen. Wenn sie scherzte, so wälzte er ihre Witze im Kopf hin und her und brach eine halbe Stunde später auf der Straße darüber in Gelächter aus, sehr zum Erstaunen des Reitknechts, der neben ihm im Tilbury saß, oder des Kameraden, mit dem er auf der Rotten Row ritt. Ihre Worte waren Orakelsprüche für ihn, ihre kleinsten Handlungen von unfehlbarer Grazie und Weisheit gekennzeichnet. Wie sie singt, wie sie malt! dachte er. Wie sie in Queen's Crawley die widersetzliche Stute ritt! Auch in vertraulichen Augenblicken sagte er ihr: »Beim Zeus, Beck, du könntest Oberbefehlshaber oder Erzbischof von Canterbury werden, beim Zeus!« Ist er eine Ausnahme? Sehen wir nicht alle Tage manch einen ehrlichen Herkules an den Schürzenbändern seiner Omphale oder manch einen großen, bärtigen Simson im Schoße von Delila liegen?   It seems to me, for my part, that Mr. Rawdon’s marriage was one of the honestest actions which we shall have to record in any portion of that gentleman’s biography which has to do with the present history. No one will say it is unmanly to be captivated by a woman, or, being captivated, to marry her; and the admiration, the delight, the passion, the wonder, the unbounded confidence, and frantic adoration with which, by degrees, this big warrior got to regard the little Rebecca, were feelings which the ladies at least will pronounce were not altogether discreditable to him. When she sang, every note thrilled in his dull soul, and tingled through his huge frame. When she spoke, he brought all the force of his brains to listen and wonder. If she was jocular, he used to revolve her jokes in his mind, and explode over them half an hour afterwards in the street, to the surprise of the groom in the tilbury by his side, or the comrade riding with him in Rotten Row. Her words were oracles to him, her smallest actions marked by an infallible grace and wisdom. “How she sings, — how she paints,” thought he. “How she rode that kicking mare at Queen’s Crawley!” And he would say to her in confidential moments, “By Jove, Beck, you’re fit to be Commander-in-Chief, or Archbishop of Canterbury, by Jove.” Is his case a rare one? and don’t we see every day in the world many an honest Hercules at the apron-strings of Omphale, and great whiskered Samsons prostrate in Delilah’s lap? Als daher Becky ihm sagte, daß die große Krise nahe und die Zeit zum Handeln gekommen sei, erklärte Rawdon sich ebenso schnell bereit, sich nach ihren Befehlen zu richten, wie er unter dem Befehl seines Obersten seine Truppe zum Kampf geführt hätte. Er brauchte seinen Brief nicht in den dritten Band von Porteus zu legen. Rebekka fand leicht Mittel und Wege, sich ihrer Begleiterin, der Briggs, zu entledigen, und traf ihren treuen Freund tags darauf »am gewohnten Ort«. Sie hatte sich die Sache während der Nacht noch einmal überlegt und teilte Rawdon ihre Entschlüsse mit. Natürlich stimmte er allem zu. Er war völlig überzeugt, daß alles richtig sei, daß ihr Vorschlag sehr gut sei, daß Miss Crawley sich unfehlbar erweichen lassen würde oder, wie er sich ausdrückte, nach einiger Zeit rumgekriegt werden könnte. Hätte Rebekka vollkommen andere Beschlüsse gefaßt – er wäre ebenso blind gefolgt. »Du hast Köpfchen genug für uns beide, Beck«, sagte er. »Es gelingt dir bestimmt, uns aus der Patsche zu ziehen. So was wie dich habe ich noch nicht gesehen, und ich habe seinerzeit doch auch Prachtweiber getroffen.« Und mit diesem einfachen Glaubensbekenntnis überließ ihr der liebestolle Dragoner auch seinen Anteil an dem Plan, den sie für sie beide ausgeheckt hatte.   When, then, Becky told him that the great crisis was near, and the time for action had arrived, Rawdon expressed himself as ready to act under her orders, as he would be to charge with his troop at the command of his colonel. There was no need for him to put his letter into the third volume of Porteus. Rebecca easily found a means to get rid of Briggs, her companion, and met her faithful friend in “the usual place” on the next day. She had thought over matters at night, and communicated to Rawdon the result of her determinations. He agreed, of course, to everything; was quite sure that it was all right: that what she proposed was best; that Miss Crawley would infallibly relent, or “come round,” as he said, after a time. Had Rebecca’s resolutions been entirely different, he would have followed them as implicitly. “You have head enough for both of us, Beck,” said he. “You’re sure to get us out of the scrape. I never saw your equal, and I’ve met with some clippers in my time too.” And with this simple confession of faith, the love-stricken dragoon left her to execute his part of the project which she had formed for the pair. Dieser Plan bestand einfach darin, in Brompton oder in der Nähe der Kaserne für Hauptmann Crawley und Frau eine ruhige Wohnung zu mieten. Denn klugerweise, wie wir glauben, hatte Rebekka beschlossen zu fliehen. Rawdon war darüber hochbeglückt. Er hatte ihr schon wochenlang in den Ohren gelegen, dies zu tun. Mit dem Ungestüm der Liebe stürzte er davon, um die Wohnung zu mieten. Er stimmte so bereitwillig zu, zwei Guineen pro Woche zu zahlen, daß die Hauswirtin bedauerte, nicht mehr gefordert zu haben. Er ließ ein Klavier kommen und ein halbes Gewächshaus voll Blumen und einen Haufen anderer schöner Dinge. Schals, Glacéhandschuhe, seidene Strümpfe, goldene Uhren, Armbänder und Parfüms schickte er mit der Verschwendung blinder Liebe und unbegrenzten Kredits. Und als er mit diesem Freigebigkeitserguß sein Gemüt erleichtert hatte, ging er in seinen Klub essen und wartete voller Ungeduld auf den großen Moment seines Lebens.   It consisted simply in the hiring of quiet lodgings at Brompton, or in the neighbourhood of the barracks, for Captain and Mrs. Crawley. For Rebecca had determined, and very prudently, we think, to fly. Rawdon was only too happy at her resolve; he had been entreating her to take this measure any time for weeks past. He pranced off to engage the lodgings with all the impetuosity of love. He agreed to pay two guineas a week so readily, that the landlady regretted she had asked him so little. He ordered in a piano, and half a nursery-house full of flowers: and a heap of good things. As for shawls, kid gloves, silk stockings, gold French watches, bracelets and perfumery, he sent them in with the profusion of blind love and unbounded credit. And having relieved his mind by this outpouring of generosity, he went and dined nervously at the club, waiting until the great moment of his life should come. Die Ereignisse des vergangenen Tages, die bewundernswerte Haltung Rebekkas, da sie doch ein so vorteilhaftes Anerbieten ausgeschlagen hatte, das geheime Unglück, das auf ihr lag, die Sanftmut und die Stille, womit sie ihren Kummer ertrug, hatten Miss Crawley noch zärtlicher gemacht, als sie gewöhnlich war. Ereignisse wie eine Heirat oder eine Ablehnung oder ein Antrag bringen ein ganzes Haus voller Frauen in Aufregung und setzt ihr ganzes hysterisches Mitgefühl in Tätigkeit. Als Beobachter der menschlichen Natur besuche ich während der Heiratssaison der Oberen regelmäßig die Sankt-Georgs-Kirche am Hanover Square. Dabei habe ich nie die Freunde des Bräutigams weinen sehen oder festgestellt, daß der Küster und der Geistliche auf irgendeine Art ergriffen wären. Es ist aber gar nicht ungewöhnlich, daß man dort Frauen findet, die nichts mit dem zu tun haben, was dort geschieht – alte Damen, die schon längst das Heiratsalter überschritten haben, und dicke Frauen mittleren Alters mit vielen Söhnen und Töchtern, ganz abgesehen von hübschen, jungen Geschöpfen in rosa Hüten, die auf ihren großen Tag warten und deshalb natürlich Interesse an der Zeremonie finden. Obwohl sie also nichts damit zu tun haben, schluchzen sie, schnüffeln, verbergen ihre Gesichter in kleinen, unnützen Taschentüchern, und alt und jung seufzt vor Erregung. Als mein Freund, der vornehme John Pimlico, die liebliche Lady Belgravia Green Parker heiratete, war die Rührung so allgemein, daß selbst die kleine, alte tabakschnupfende Kirchenstuhlschließerin, die mich an meinen Platz führte, in Tränen schwamm. Und warum? fragte ich meine Seele. Sie war es nicht, die heiraten sollte.   The occurrences of the previous day; the admirable conduct of Rebecca in refusing an offer so advantageous to her, the secret unhappiness preying upon her, the sweetness and silence with which she bore her affliction, made Miss Crawley much more tender than usual. An event of this nature, a marriage, or a refusal, or a proposal, thrills through a whole household of women, and sets all their hysterical sympathies at work. As an observer of human nature, I regularly frequent St. George’s, Hanover Square, during the genteel marriage season; and though I have never seen the bridegroom’s male friends give way to tears, or the beadles and officiating clergy any way affected, yet it is not at all uncommon to see women who are not in the least concerned in the operations going on — old ladies who are long past marrying, stout middle-aged females with plenty of sons and daughters, let alone pretty young creatures in pink bonnets, who are on their promotion, and may naturally take an interest in the ceremony — I say it is quite common to see the women present piping, sobbing, sniffling; hiding their little faces in their little useless pocket-handkerchiefs; and heaving, old and young, with emotion. When my friend, the fashionable John Pimlico, married the lovely Lady Belgravia Green Parker, the excitement was so general that even the little snuffy old pew-opener who let me into the seat was in tears. And wherefore? I inquired of my own soul: she was not going to be married. Mit einem Wort, Miss Crawley und Miss Briggs ließen nach der Affäre mit Sir Pitt ihren Gefühlen freien Lauf, und Rebekka wurde für sie zum Gegenstand zärtlichsten Interesses. Während das Mädchen abwesend war, tröstete sich Miss Crawley mit dem sentimentalsten Roman, den ihre Bibliothek aufwies. Die kleine Sharp mit ihrem geheimen Kummer war die Heldin des Tages.   Miss Crawley and Briggs in a word, after the affair of Sir Pitt, indulged in the utmost luxury of sentiment, and Rebecca became an object of the most tender interest to them. In her absence Miss Crawley solaced herself with the most sentimental of the novels in her library. Little Sharp, with her secret griefs, was the heroine of the day. An diesem Abend sang Rebekka lieblicher und erzählte hübscher als je zuvor in der Park Lane. Sie wand sich um Miss Crawleys Herz. Sie lachte geringschätzig über Sir Pitts Antrag und verspottete ihn als den närrischen Einfall eines alten Mannes. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und das Herz der Briggs mit unaussprechlichen Qualen, als sie sagte, sie wünsche sich kein anderes Los, als immer bei ihrer teuren Wohltäterin bleiben zu dürfen. »Mein liebes Kindchen«, sagte die alte Dame, »ich lasse Sie noch viele Jahre nicht von mir, darauf können Sie bauen. Von einer Rückkehr zu meinem scheußlichen Bruder kann nach alldem, was passiert ist, sowieso keine Rede mehr sein. Sie bleiben hier bei mir und der Briggs. Die Briggs möchte gern oft ihre Verwandten besuchen. Briggs, Sie können gehen, wann es Ihnen beliebt. Aber Sie, meine Liebe, müssen hierbleiben und sich um die alte Frau kümmern.«   That night Rebecca sang more sweetly and talked more pleasantly than she had ever been heard to do in Park Lane. She twined herself round the heart of Miss Crawley. She spoke lightly and laughingly of Sir Pitt’s proposal, ridiculed it as the foolish fancy of an old man; and her eyes filled with tears, and Briggs’s heart with unutterable pangs of defeat, as she said she desired no other lot than to remain for ever with her dear benefactress. “My dear little creature,” the old lady said, “I don’t intend to let you stir for years, that you may depend upon it. As for going back to that odious brother of mine after what has passed, it is out of the question. Here you stay with me and Briggs. Briggs wants to go to see her relations very often. Briggs, you may go when you like. But as for you, my dear, you must stay and take care of the old woman.” Wäre in diesem Augenblick Rawdon Crawley dabeigewesen, anstatt in seinem Klub aufgeregt Rotwein zu trinken, so hätte das Paar vor der alten Jungfer nur auf die Knie zu fallen und alles zu gestehen brauchen, um im Nu volle Verzeihung zu erhalten. Aber dieses Glück war dem jungen Paare versagt, zweifellos, um dem Verfasser Gelegenheit zu geben, diese Geschichte zu schreiben, in der eine große Anzahl ihrer wunderbaren Abenteuer erzählt werden – Abenteuer, die ihnen niemals hätten widerfahren können, wenn Miss Crawleys bequeme, aber uninteressante Verzeihung ihnen Zuflucht und Schutz gewährt hätte.   If Rawdon Crawley had been then and there present, instead of being at the club nervously drinking claret, the pair might have gone down on their knees before the old spinster, avowed all, and been forgiven in a twinkling. But that good chance was denied to the young couple, doubtless in order that this story might be written, in which numbers of their wonderful adventures are narrated — adventures which could never have occurred to them if they had been housed and sheltered under the comfortable uninteresting forgiveness of Miss Crawley. Unter Mrs. Firkins Kommando in der Park Lane befand sich auch ein junges Mädchen aus Hampshire, deren Aufgabe es unter anderem war, mit einem Krug heißen Wassers an Miss Sharps Tür zu klopfen, weil Mrs. Firkin selbst lieber gestorben wäre, als ihn dem kleinen Eindringling zu bringen. Dieses Mädchen, das auf dem Familiengut aufgewachsen war, hatte einen Bruder, der in Hauptmann Crawleys Truppe diente, und wüßte man die volle Wahrheit, so würde es sich vielleicht herausstellen, daß sie über gewisse Vereinbarungen Bescheid wußte, die einiges mit dieser Geschichte zu tun haben. Sie kaufte sich jedenfalls einen gelben Schal, ein Paar gelbe Stiefel und einen hellblauen Hut mit roter Feder für drei Guineen, die sie von Rebekka erhalten hatte, und da die kleine Sharp mit ihrem Geld nicht immer so großzügig umging, so war Betty Martin ohne Zweifel für bestimmte Dienstleistungen beschenkt worden.   Under Mrs. Firkin’s orders, in the Park Lane establishment, was a young woman from Hampshire, whose business it was, among other duties, to knock at Miss Sharp’s door with that jug of hot water which Firkin would rather have perished than have presented to the intruder. This girl, bred on the family estate, had a brother in Captain Crawley’s troop, and if the truth were known, I daresay it would come out that she was aware of certain arrangements, which have a great deal to do with this history. At any rate she purchased a yellow shawl, a pair of green boots, and a light blue hat with a red feather with three guineas which Rebecca gave her, and as little Sharp was by no means too liberal with her money, no doubt it was for services rendered that Betty Martin was so bribed. Zwei Tage nach Sir Pitt Crawleys Heiratsantrag ging die Sonne wie gewöhnlich auf, und zur gewöhnlichen Stunde klopfte Betty Martin, das Stubenmädchen, an die Schlafzimmertür der Gouvernante.   On the second day after Sir Pitt Crawley’s offer to Miss Sharp, the sun rose as usual, and at the usual hour Betty Martin, the upstairs maid, knocked at the door of the governess’s bedchamber. Sie erhielt keine Antwort und klopfte daher abermals. Wieder nur Stille. Betty; mit dem heißen Wasser in der Hand, öffnete die Tür und trat in das Zimmer.   No answer was returned, and she knocked again. Silence was still uninterrupted; and Betty, with the hot water, opened the door and entered the chamber. Das kleine, weiße Bett lag so glatt und nett da wie tags zuvor, als Betty mit eigener Hand geholfen hatte, es zu machen. Zwei kleine verschnürte Koffer standen in einer Ecke des Zimmers, und auf dem Tisch am Fenster auf dem Nadelkissen, dem großen, dicken Nadelkissen, das mit rosa Seide gefüttert war und gefältelt wie ein Damennachthäubchen war, lag ein Brief. Wahrscheinlich hatte er dort die ganze Nacht gelegen.   The little white dimity bed was as smooth and trim as on the day previous, when Betty’s own hands had helped to make it. Two little trunks were corded in one end of the room; and on the table before the window — on the pincushion the great fat pincushion lined with pink inside, and twilled like a lady’s nightcap — lay a letter. It had been reposing there probably all night. Betty ging auf Zehenspitzen darauf zu, als fürchtete sie, ihn aufzuwecken, blickte ihn mit einer Miene großer Verwunderung und Zufriedenheit an, sah sich mit der gleichen Miene im Zimmer um, nahm den Brief, und grinste übers ganze Gesicht, als sie ihn um und um drehte, und brachte ihn schließlich in Miss Briggs' Zimmer.   Betty advanced towards it on tiptoe, as if she were afraid to awake it — looked at it, and round the room, with an air of great wonder and satisfaction; took up the letter, and grinned intensely as she turned it round and over, and finally carried it into Miss Briggs’s room below. Wie konnte Betty wissen, daß der Brief für Miss Briggs bestimmt war? Betty hatte in ihrem ganzen Leben nie eine andere Schule besucht als Mrs. Bute Crawleys Sonntagsschule und konnte Englisch sowenig lesen wie Hebräisch.   How could Betty tell that the letter was for Miss Briggs, I should like to know? All the schooling Betty had had was at Mrs. Bute Crawley’s Sunday school, and she could no more read writing than Hebrew. »Ach, Miss Briggs«, rief das Mädchen, »o Miss, es muß etwas passiert sein – in Miss Sharps Zimmer ist niemand, das Bett ist unberührt, und sie ist weggelaufen und hat den Brief hier für Sie dagelassen, Miss!«   “La, Miss Briggs,” the girl exclaimed, “O, Miss, something must have happened — there’s nobody in Miss Sharp’s room; the bed ain’t been slep in, and she’ve run away, and left this letter for you, Miss.” »Was!« rief die Briggs und ließ ihren Kamm fallen, so daß die dünne graue Haarsträhne ihr auf die Schulter fiel. »Eine Entführung! Miss Sharp ist geflohen! Was, was heißt das?« Und sie erbrach eifrig das zierliche Siegel und verschlang den Inhalt des an sie gerichteten Briefes.   “ What !” cries Briggs, dropping her comb, the thin wisp of faded hair falling over her shoulders; “an elopement! Miss Sharp a fugitive! What, what is this?” and she eagerly broke the neat seal, and, as they say, “devoured the contents” of the letter addressed to her. Meine liebe Miss Briggs (so schrieb die Entflohene), Ihr Herz, das gütigste der Welt, wird mich bemitleiden, mit mir fühlen und mich entschuldigen. Weinend, betend und segnend verlasse ich das Haus, wo man der armen Waise stets freundlich und liebevoll begegnete. Ansprüche, berechtigter noch als die meiner Wohltäterin, beordern mich von dannen. Die Pflicht ruft mich zu meinem Gatten. Ja, ich bin verheiratet, mein Gatte befiehlt mir, in das bescheidene Heim zu kommen, das wir unser eigen nennen. Liebe Miss Briggs, bringen Sie diese Nachricht meiner teuren, innig geliebten Freundin und Wohltäterin so schonend bei, wie Ihr zartes Mitgefühl es Ihnen diktiert. Sagen Sie ihr, daß ich vor meinem Weggang ihr teures Kissen mit Tränen benetzt habe – jenes Kissen, das ich in Tagen der Krankheit so oft geglättet habe und an dem abermals wachen zu dürfen ich mich sehne. – Oh, mit welcher Freude werde ich nach der teuren Park Lane zurückkehren! Wie zittere ich um die Antwort, die mein Schicksal besiegeln wird! Als Sir Pitt sich herabließ, mir seine Hand anzubieten – eine Ehre, die ich nach Ansicht meiner vielgeliebten Miss Crawley verdiente (meine heißesten Segenswünsche seien mit ihr, daß sie die arme Waise für würdig erachtete, ihre Schwägerin zu werden!) –, da sagte ich Sir Pitt, daß ich bereits verheiratet sei. Sogar er verzieh mir. Aber es gebrach mir an Mut, ihm alles zu sagen – daß ich nämlich nicht seine Frau werden könnte, da ich seine Tochter sei. Ich bin verheiratet mit dem besten und edelsten aller Männer – Miss Crawleys Rawdon ist mein Rawdon. Auf seinen Befehl tue ich meinen Mund auf und folge ihm in unser bescheidenes Heim, wie ich ihm durch die ganze Welt folgen würde. Oh, meine vortreffliche und gütige Freundin, legen Sie bei meines Rawdons geliebter Tante Fürsprache ein für ihn und das arme Mädchen, dem seine ganze edle Familie solch beispiellose Liebe und Freundschaft erwiesen hat. Bitten Sie Miss Crawley, daß sie ihre Kinder aufnehmen möge. Ich kann nichts mehr sagen, aber um Gottes Segen, um Gottes tausendfachen Segen für alle in dem teuren Hause, das ich verlasse, fleht Ihre Sie liebende und dankbare Rebekka Crawley.   Dear Miss Briggs [the refugee wrote], the kindest heart in the world, as yours is, will pity and sympathise with me and excuse me. With tears, and prayers, and blessings, I leave the home where the poor orphan has ever met with kindness and affection. Claims even superior to those of my benefactress call me hence. I go to my duty — to my husband . Yes, I am married. My husband commands me to seek the humble home which we call ours. Dearest Miss Briggs, break the news as your delicate sympathy will know how to do it — to my dear, my beloved friend and benefactress. Tell her, ere I went, I shed tears on her dear pillow — that pillow that I have so often soothed in sickness — that I long again to watch — Oh, with what joy shall I return to dear Park Lane! How I tremble for the answer which is to seal my fate ! When Sir Pitt deigned to offer me his hand, an honour of which my beloved Miss Crawley said I was deserving (my blessings go with her for judging the poor orphan worthy to be her sister !) I told Sir Pitt that I was already A wife . Even he forgave me. But my courage failed me, when I should have told him all — that I could not be his wife, for I was his daughter ! I am wedded to the best and most generous of men — Miss Crawley’s Rawdon is my Rawdon. At his command I open my lips, and follow him to our humble home, as I would through the world . O, my excellent and kind friend, intercede with my Rawdon’s beloved aunt for him and the poor girl to whom all his noble race have shown such UNPARALLELED affection . Ask Miss Crawley to receive her children . I can say no more, but blessings, blessings on all in the dear house I leave, prays Your affectionate and grateful Rebecca Crawley. Midnight. Gerade als die Briggs dieses rührende und interessante Dokument, das sie wieder in ihre frühere Stellung als erste Vertraute der Miss Crawley einsetzte, fertiggelesen hatte, trat Mrs. Firkin ins Zimmer. »Mrs. Bute Crawley ist eben mit der Postkutsche aus Hampshire angekommen und möchte gern etwas Tee. Kommen Sie runter und machen das Frühstück zurecht, Miss?«   Just as Briggs had finished reading this affecting and interesting document, which reinstated her in her position as first confidante of Miss Crawley, Mrs. Firkin entered the room. “Here’s Mrs. Bute Crawley just arrived by the mail from Hampshire, and wants some tea; will you come down and make breakfast, Miss?” Zu Firkins großer Überraschung segelte die Briggs mit gerafftem Morgenrock, aufgelöster Haarsträhne, die Stirn von kleinen Lockenwickeln umrahmt und in der Hand den Brief mit der wunderbaren Nachricht, zu Mrs. Bute hinab.   And to the surprise of Firkin, clasping her dressing-gown around her, the wisp of hair floating dishevelled behind her, the little curl-papers still sticking in bunches round her forehead, Briggs sailed down to Mrs. Bute with the letter in her hand containing the wonderful news. »Oh, Mrs. Firkin«, keuchte Betty, »so eine Geschichte. Miss Sharp ist mit dem Hauptmann auf und davon, und sie sind nach Gretna Green!« Wir würden Mrs. Firkins Gemütsbewegung ein eigenes Kapitel widmen, beschäftigte nicht unsere vornehmere Muse die Leidenschaften ihrer Gebieterin.   “Oh, Mrs. Firkin,” gasped Betty, “sech a business. Miss Sharp have a gone and run away with the Capting, and they’re off to Gretney Green!” We would devote a chapter to describe the emotions of Mrs. Firkin, did not the passions of her mistresses occupy our genteeler muse. Als Mrs. Bute Crawley, ganz erstarrt von ihrer Nachtreise, sich an dem gerade entfachten prasselnden Kaminfeuer wärmte, erfuhr sie aus Miss Briggs' Mund die Nachricht von der heimlichen Heirat und erklärte es für eine himmlische Vorsehung, daß sie gerade jetzt gekommen sei, um der armen, teuren Miss Crawley den Schlag ertragen zu helfen. Sie setzte hinzu, Rebekka sei ein durchtriebenes Weibstück und ihr stets verdächtig erschienen; auch habe sie nie die törichte Vorliebe von Rawdons Tante für ihn begreifen können, und sie habe ihn schon längst als ein verworfenes, gottvergessenes, ruchloses Subjekt betrachtet. Dieses abscheuliche Benehmen, meinte Mrs. Bute, werde wenigstens das Gute haben, der armen, lieben Miss Crawley über den wirklichen Charakter dieses nichtswürdigen Menschen die Augen zu öffnen. Dann bekam Mrs. Bute köstlichen heißen Toast, und da jetzt im Hause ein Zimmer frei war, brauchte sie nicht im Restaurant »Gloster«, wo die Portsmouther Postkutsche sie abgesetzt hatte, zu wohnen; deshalb beorderte sie Mr. Bowls' Adjutanten, den Lakaien, ihre Koffer von dort zu holen.   When Mrs. Bute Crawley, numbed with midnight travelling, and warming herself at the newly crackling parlour fire, heard from Miss Briggs the intelligence of the clandestine marriage, she declared it was quite providential that she should have arrived at such a time to assist poor dear Miss Crawley in supporting the shock — that Rebecca was an artful little hussy of whom she had always had her suspicions; and that as for Rawdon Crawley, she never could account for his aunt’s infatuation regarding him, and had long considered him a profligate, lost, and abandoned being. And this awful conduct, Mrs. Bute said, will have at least this good effect, it will open poor dear Miss Crawley’s eyes to the real character of this wicked man. Then Mrs. Bute had a comfortable hot toast and tea; and as there was a vacant room in the house now, there was no need for her to remain at the Gloster Coffee House where the Portsmouth mail had set her down, and whence she ordered Mr. Bowls’s aide-de-camp the footman to bring away her trunks. Nun muß man wissen, daß Miss Crawley ihr Zimmer nie vor der Mittagszeit verließ, da sie morgens ihre Schokolade im Bette einnahm, während Becky Sharp ihr die »Morning Post« vorlas, oder sie sich anderweitig die Zeit vertrieb oder faulenzte. Die Verschwörer unten kamen nun überein, die Gefühle der teuren Lady zu schonen, bis sie im Salon auftauchte; inzwischen wurde ihr gemeldet, Mrs. Bute Crawley sei mit der Postkutsche aus Hampshire gekommen, wohne im »Gloster«, lasse Miss Crawley grüßen und wolle gern mit Miss Briggs frühstücken. Mrs. Butes Ankunft, sonst kein besonders freudiges Ereignis, wurde jetzt mit Vergnügen begrüßt. Miss Crawley freute sich, mit ihrer Schwägerin über die verstorbene Lady Crawley, die Vorbereitungen für die Beerdigung und Sir Pitts unerwarteten Heiratsantrag klatschen zu können.   Miss Crawley, be it known, did not leave her room until near noon — taking chocolate in bed in the morning, while Becky Sharp read the Morning Post to her, or otherwise amusing herself or dawdling. The conspirators below agreed that they would spare the dear lady’s feelings until she appeared in her drawing-room: meanwhile it was announced to her that Mrs. Bute Crawley had come up from Hampshire by the mail, was staying at the Gloster, sent her love to Miss Crawley, and asked for breakfast with Miss Briggs. The arrival of Mrs. Bute, which would not have caused any extreme delight at another period, was hailed with pleasure now; Miss Crawley being pleased at the notion of a gossip with her sister-in-law regarding the late Lady Crawley, the funeral arrangements pending, and Sir Pitt’s abrupt proposal to Rebecca. Erst als die alte Dame sich bequem in ihrem gewohnten Lehnsessel im Salon niedergelassen hatte und die einleitenden Umarmungen und Erkundigungen zwischen den Damen beendet waren, hielten die Verschwörerinnen es für richtig, sie der Prozedur zu unterziehen. Wer hat nicht schon die Kunstgriffe und das leise Herantasten bewundern können, womit Frauen ihre Freundinnen auf schlimme Nachrichten »vorbereiten«? Miss Crawleys beide Freundinnen taten so geheimnisvoll, ehe sie mit der Nachricht herausrückten, daß sie die alte Dame in den richtigen Zustand von Zweifel und Unruhe versetzten.   It was not until the old lady was fairly ensconced in her usual arm-chair in the drawing-room, and the preliminary embraces and inquiries had taken place between the ladies, that the conspirators thought it advisable to submit her to the operation. Who has not admired the artifices and delicate approaches with which women “prepare” their friends for bad news? Miss Crawley’s two friends made such an apparatus of mystery before they broke the intelligence to her, that they worked her up to the necessary degree of doubt and alarm. »Und sie schlug Sir Pitt aus, meine liebe, liebe Miss Crawley, machen Sie sich auf etwas gefaßt«, sagte Mrs. Bute, »weil – weil sie nicht anders konnte.«   “And she refused Sir Pitt, my dear, dear Miss Crawley, prepare yourself for it,” Mrs. Bute said, “because — because she couldn’t help herself.” »Natürlich gab es einen Grund«, antwortete Miss Crawley. »Sie liebte einen anderen. Das habe ich der Briggs schon gestern gesagt.«   “Of course there was a reason,” Miss Crawley answered. “She liked somebody else. I told Briggs so yesterday.” »Liebt einen anderen!« keuchte die Briggs. »Oh, meine teure Freundin, sie ist bereits verheiratet.«   “LIKES somebody else!” Briggs gasped. “O my dear friend, she is married already.” »Bereits verheiratet«, stimmte Mrs. Bute ein. Und beide saßen mit gefalteten Händen da und sahen bald sich, bald ihr Opfer an.   “Married already,” Mrs. Bute chimed in; and both sate with clasped hands looking from each other at their victim. »Sie soll zu mir geschickt werden, sobald sie nach Hause kommt. Die kleine schlaue Kröte; wie konnte sie es wagen, mir nichts zu erzählen?« rief Miss Crawley.   “Send her to me, the instant she comes in. The little sly wretch: how dared she not tell me?” cried out Miss Crawley. »Sie wird nicht so bald wiederkommen. Fassen Sie sich, teure Freundin – sie ist für lange Zeit fortgegangen – sie ist  – sie ist – überhaupt fort.«   “She won’t come in soon. Prepare yourself, dear friend — she’s gone out for a long time — she’s — she’s gone altogether.” »Gütiger Himmel! Und wer soll mir meine Schokolade machen? Schicken Sie sogleich zu ihr und holen Sie sie zurück. Ich wünsche, daß sie zurückkommt«, sagte die alte Dame.   “Gracious goodness, and who’s to make my chocolate? Send for her and have her back; I desire that she come back,” the old lady said. »Sie ist letzte Nacht ausgerissen, Madame«, rief Mrs. Bute.   “She decamped last night, Ma’am,” cried Mrs. Bute. »Sie hat einen Brief für mich hinterlassen«, schrie die Briggs. »Sie ist verheiratet mit...«   “She left a letter for me,” Briggs exclaimed. “She’s married to — ” »Bereiten Sie sie doch vor, um Himmels willen. Foltern Sie sie nicht, meine liebe Miss Briggs.«   “Prepare her, for heaven’s sake. Don’t torture her, my dear Miss Briggs.” »Sie ist verheiratet mit wem?« kreischte die alte Jungfer in wütender Aufregung.   “She’s married to whom?” cries the spinster in a nervous fury. »Mit – mit einem Verwandten von ...«   “To — to a relation of — ” »Sie hat Sir Pitt abgewiesen«, rief das Opfer. »Sprechen Sie doch endlich! Machen Sie mich nicht wahnsinnig.«   “She refused Sir Pitt,” cried the victim. “Speak at once. Don’t drive me mad.” »Ach, Madame – bereiten Sie sie vor, Miss Briggs – sie ist verheiratet mit Rawdon Crawley.«   “O Ma’am — prepare her, Miss Briggs — she’s married to Rawdon Crawley.” »Rawdon verheiratet – Rebekka – Gouvernante – niem... Machen Sie, daß Sie aus meinem Hause kommen, Sie Närrin, Sie Idiotin, Sie dumme, alte Briggs – wie können Sie es wagen! Sie stecken mit unter der Decke – Sie haben ihn veranlaßt zu heiraten, weil Sie glaubten, daß ich ihm mein Geld dann nicht hinterlassen würde. Ja, das taten Sie, Martha«, schrie die arme alte Dame hysterisch.   “Rawdon married Rebecca — governess — nobod — Get out of my house, you fool, you idiot — you stupid old Briggs how dare you? You’re in the plot — you made him marry, thinking that I’d leave my money from him — you did, Martha,” the poor old lady screamed in hysteric sentences. »Ich, Madame, ich hätte ein Glied dieser Familie aufgefordert, die Tochter eines Zeichenlehrers zu heiraten?«   “I, Ma’am, ask a member of this family to marry a drawing-master’s daughter?” »Ihre Mutter war eine Montmorency«, schrie die alte Dame und riß aus Leibeskräften an der Klingelschnur.   “Her mother was a Montmorency,” cried out the old lady, pulling at the bell with all her might. »Ihre Mutter war eine Ballettänzerin, und sie selbst ist auf der Bühne oder bei etwas noch Schlimmerem gewesen«, ließ Mrs. Bute sich vernehmen.   “Her mother was an opera girl, and she has been on the stage or worse herself,” said Mrs. Bute. Miss Crawley gab noch einen Schrei von sich und sank ohnmächtig zurück. Man mußte sie in das Zimmer zurückbringen, das sie kaum erst verlassen hatte. Ein hysterischer Anfall folgte dem anderen. Man holte den Doktor. Mrs. Bute nahm den Pflegeposten an ihrem Bett ein. »Es müssen ihre Verwandten um sie sein«, erklärte die liebenswürdige Frau.   Miss Crawley gave a final scream, and fell back in a faint. They were forced to take her back to the room which she had just quitted. One fit of hysterics succeeded another. The doctor was sent for — the apothecary arrived. Mrs. Bute took up the post of nurse by her bedside. “Her relations ought to be round about her,” that amiable woman said. Kaum war sie in ihr Zimmer gebracht worden, als ein neuer Besucher erschien, dem natürlich die Nachricht gleichfalls mitgeteilt werden mußte. Es war Sir Pitt. »Wo ist Becky?« fragte er schon in der Tür. »Wo ist ihr Gepäck? Sie kommt mit mir nach Queen's Crawley.«   She had scarcely been carried up to her room, when a new person arrived to whom it was also necessary to break the news. This was Sir Pitt. “Where’s Becky?” he said, coming in. “Where’s her traps? She’s coming with me to Queen’s Crawley.” »Haben Sie noch nicht die erstaunliche Nachricht von der heimlichen Ehe gehört?« fragte die Briggs.   “Have you not heard the astonishing intelligence regarding her surreptitious union?” Briggs asked. »Was geht das mich an«, erwiderte Sir Pitt. »Ich weiß, daß sie verheiratet ist. Das macht nichts. Sagen Sie ihr, sie soll schnell runterkommen und mich nicht so lange warten lassen.«   “What’s that to me?” Sir Pitt asked. “I know she’s married. That makes no odds. Tell her to come down at once, and not keep me.” »Wissen Sie denn noch nicht, Sir«, fragte Miss Briggs, »daß sie unser Haus verlassen hat und daß Miss Crawley vor Entsetzen über Hauptmann Rawdons Heirat mit ihr beinahe gestorben ist?«   “Are you not aware, sir,” Miss Briggs asked, “that she has left our roof, to the dismay of Miss Crawley, who is nearly killed by the intelligence of Captain Rawdon’s union with her?” Als Sir Pitt hörte, daß Rebekka mit seinem Sohn verheiratet sei, benutzte er vor Wut so schreckliche Worte, daß sie hier lieber nicht wiederholt werden sollen. Miss Briggs jedenfalls trieb es schaudernd aus dem Zimmer. Mit ihr wollen nun auch wir die Türe hinter dem tobenden Alten schließen, der wild vor Haß und toll vor vereitelten Wünschen war.   When Sir Pitt Crawley heard that Rebecca was married to his son, he broke out into a fury of language, which it would do no good to repeat in this place, as indeed it sent poor Briggs shuddering out of the room; and with her we will shut the door upon the figure of the frenzied old man, wild with hatred and insane with baffled desire. Am Tag nach seiner Ankunft in Queen's Crawley brach er wie ein Wahnsinniger in das Zimmer ein, in dem Rebekka während ihres Aufenthaltes dort gewohnt hatte, stieß mit dem Fuß ihre Koffer und Schachteln auf und schleuderte ihre Papiere, Kleider und andere Dinge, die sie dort zurückgelassen hatte, umher. Miss Horrocks, die Tochter des Butlers, eignete sich einiges davon an. Mit dem übrigen putzten sich die Kinder zum Theaterspielen. Das geschah nur wenige Tage, nachdem die arme Mutter zu Grabe getragen und unbeweint und unbeachtet in eine Gruft zu lauter Fremden gelegt worden war.   One day after he went to Queen’s Crawley, he burst like a madman into the room she had used when there — dashed open her boxes with his foot, and flung about her papers, clothes, and other relics. Miss Horrocks, the butler’s daughter, took some of them. The children dressed themselves and acted plays in the others. It was but a few days after the poor mother had gone to her lonely burying-place; and was laid, unwept and disregarded, in a vault full of strangers. »Wenn sich nun aber die Alte doch nicht erweichen läßt«, fragte Rawdon seine kleine Frau, als sie in ihrer hübschen kleinen Wohnung in Brompton beisammensaßen. Rebekka hatte den ganzen Vormittag das neue Klavier ausprobiert. Die neuen Handschuhe paßten ihr wie angegossen, die neuen Schals standen ihr wundervoll, die neuen Ringe glänzten an ihren Händchen, und die neue Uhr tickte an ihrem Gürtel. »Wenn sie sich nun aber doch nicht rumkriegen läßt, hm, Becky?«   “Suppose the old lady doesn’t come to,” Rawdon said to his little wife, as they sate together in the snug little Brompton lodgings. She had been trying the new piano all the morning. The new gloves fitted her to a nicety; the new shawls became her wonderfully; the new rings glittered on her little hands, and the new watch ticked at her waist; “suppose she don’t come round, eh, Becky?” »Ich werde dein Glück schon machen«, sagte sie, und Delila tätschelte Simson die Wange.   “ I’ll make your fortune,” she said; and Delilah patted Samson’s cheek. »Du schaffst alles«, sagte er und küßte die kleine Hand. »Ja, beim Zeus, alles; und nun komm, wir fahren zum ›Stern und Hosenband‹ und essen dort, beim Zeus.«   “You can do anything,” he said, kissing the little hand. “By Jove you can; and we’ll drive down to the Star and Garter, and dine, by Jove.” 17. Kapitel / Chapter 17 Wie Hauptmann Dobbin ein Klavier kaufte / How Captain Dobbin Bought a Piano Wenn es auf dem ganzen Jahrmarkt der Eitelkeit ein Schauspiel gibt, das Satire und Gefühl Arm in Arm besuchen können, wo man auf die seltsamsten Kontraste stößt – lächerlich oder traurig, wo man mit demselben Recht sanft und gefühlvoll oder zornig und zynisch sein kann, so ist das eine jener öffentlichen Versammlungen, die täglich in Massen auf der letzten Seite der »Times« angekündigt werden und deren würdiger Vorsitzender der selige Mr. George Robins war. Es gibt wohl nur sehr wenige Londoner, die nicht an diesen Versammlungen teilgenommen haben. Alle, die eine Neigung zum Moralisieren haben, müssen mit einem etwas unruhigen und seltsamen Gefühl an den Tag gedacht haben, wo sie an die Reihe kommen und Mr. Hammerdown im Auftrag von Diogenes' Bevollmächtigten oder dem Testamentsvollstrecker die Bibliothek, die Möbel, das Silber, die Garderobe und den auserlesenen Wein aus dem Keller des verstorbenen Epikur öffentlich versteigert.   If there is any exhibition in all Vanity Fair which Satire and Sentiment can visit arm in arm together; where you light on the strangest contrasts laughable and tearful: where you may be gentle and pathetic, or savage and cynical with perfect propriety: it is at one of those public assemblies, a crowd of which are advertised every day in the last page of the Times newspaper, and over which the late Mr. George Robins used to preside with so much dignity. There are very few London people, as I fancy, who have not attended at these meetings, and all with a taste for moralizing must have thought, with a sensation and interest not a little startling and queer, of the day when their turn shall come too, and Mr. Hammerdown will sell by the orders of Diogenes’ assignees, or will be instructed by the executors, to offer to public competition, the library, furniture, plate, wardrobe, and choice cellar of wines of Epicurus deceased. Auch der selbstsüchtigste Charakter vom Jahrmarkt der Eitelkeit kann ein gewisses Mitgefühl und Bedauern nicht unterdrücken, wenn er Zeuge dieses schmutzigen Teils der Leichenfeierlichkeiten für einen verstorbenen Freund wird. Die sterbliche Hülle Lord Dives' ruht in der Familiengruft, die Bildhauer hauen eine Inschrift aus, die wahrheitsgetreu die Erinnerung an seine Tugenden und den Kummer seines Erben, der jetzt über sein Vermögen verfügt, wachhält. Welcher von Dives' Tischgästen kann ohne Seufzer an dem vertrauten Hause vorübergehen? An dem vertrauten Haus, dessen Lichter abends so freundlich glänzten, dessen Türen sich so bereitwillig öffneten, dessen gehorsame Diener deinen Namen von Absatz zu Absatz meldeten, während du hinaufstiegst, bis er ins Zimmer des lustigen alten Dives drang, der seine Freunde willkommen hieß! Wie viele Freunde hatte er doch, und wie nobel bewirtete er sie! Wie witzig waren die Leute hier, die draußen sofort wieder mürrisch wurden; wie höflich und freundlich begegneten sich Leute hier, die sich sonst haßten und verleumdeten, wo sie konnten! Er war zwar wichtigtuerisch, aber was konnte man bei einem solchen Gastgeber nicht alles in Kauf nehmen? Vielleicht war er auch ein bißchen dumm, macht denn aber nicht solch ein Wein jede Unterhaltung angenehm? »Wir müssen um jeden Preis etwas von seinem Burgunder bekommen«, rufen die Leidtragenden in seinem Klub. »Diese Dose habe ich bei der Auktion vom alten Dives ersteigert«, sagt Pincher und zeigt sie herum, »eine der Mätressen von Ludwig XV. – hübsches Ding, nicht wahr? Eine süße Miniatur«, und sie unterhalten sich darüber, wie der junge Dives sein Vermögen durchbringt.   Even with the most selfish disposition, the Vanity Fairian, as he witnesses this sordid part of the obsequies of a departed friend, can’t but feel some sympathies and regret. My Lord Dives’s remains are in the family vault: the statuaries are cutting an inscription veraciously commemorating his virtues, and the sorrows of his heir, who is disposing of his goods. What guest at Dives’s table can pass the familiar house without a sigh? . — the familiar house of which the lights used to shine so cheerfully at seven o’clock, of which the hall-doors opened so readily, of which the obsequious servants, as you passed up the comfortable stair, sounded your name from landing to landing, until it reached the apartment where jolly old Dives welcomed his friends! What a number of them he had; and what a noble way of entertaining them. How witty people used to be here who were morose when they got out of the door; and how courteous and friendly men who slandered and hated each other everywhere else! He was pompous, but with such a cook what would one not swallow? he was rather dull, perhaps, but would not such wine make any conversation pleasant? We must get some of his Burgundy at any price, the mourners cry at his club. “I got this box at old Dives’s sale,” Pincher says, handing it round, “one of Louis XV’s mistresses — pretty thing, is it not? — sweet miniature,” and they talk of the way in which young Dives is dissipating his fortune. Wie ganz anders aber sieht nun das Haus aus! Die Fassade ist mit Plakaten bedeckt, auf denen mit grellen Buchstaben Einzelheiten über das Mobiliar zu erfahren sind. Aus einem der oberen Fenster hängt ein Stück Teppich heraus; ein halbes Dutzend Gepäckträger lungert auf den schmutzigen Treppen herum; in der Vorhalle drängen sich dunkelhäutige Gäste mit orientalischen Gesichtszügen, die dir gedruckte Karten in die Hand drücken und für dich bieten wollen. Im oberen Stockwerk treiben sich alte Frauen und andere Liebhaber herum, befühlen die Bettvorhänge, tauchen die Hand in die Federn, kneten die Matratzen und machen Kommoden auf und zu. Unternehmungslustige junge Hausfrauen messen Spiegel und Vorhänge, um zu prüfen, ob sie für den neuen Haushalt passen (Snob prahlt noch nach Jahren, daß er dieses oder jenes in der Divesschen Auktion erstanden hat), und Mr. Hammerdown sitzt auf dem großen Mahagonitisch im Speisezimmer, schwingt den Elfenbeinhammer und bietet alle Künste der Beredsamkeit, Begeisterung, Vernunft, Verzweiflung und des Bittens auf, schreit seine Leute an, verspottet Mr. Davids wegen seiner Langsamkeit, feuert Mr. Moss an, etwas zu tun, fleht, befiehlt und brüllt, bis endlich der Hammer, gewichtig wie das Schicksal, niedersaust und man zur nächsten Nummer übergeht. O Dives! Wer hätte wohl jemals gedacht, als wir um den breiten, von Silber und fleckenlosem Linnen strahlenden Tisch saßen, daß wir je solch ein Gericht auf der Tafel stehen sehen würden wie diesen schreienden Auktionator!   How changed the house is, though! The front is patched over with bills, setting forth the particulars of the furniture in staring capitals. They have hung a shred of carpet out of an upstairs window — a half dozen of porters are lounging on the dirty steps — the hall swarms with dingy guests of oriental countenance, who thrust printed cards into your hand, and offer to bid. Old women and amateurs have invaded the upper apartments, pinching the bed-curtains, poking into the feathers, shampooing the mattresses, and clapping the wardrobe drawers to and fro. Enterprising young housekeepers are measuring the looking-glasses and hangings to see if they will suit the new menage (Snob will brag for years that he has purchased this or that at Dives’s sale), and Mr. Hammerdown is sitting on the great mahogany dining-tables, in the dining-room below, waving the ivory hammer, and employing all the artifices of eloquence, enthusiasm, entreaty, reason, despair; shouting to his people; satirizing Mr. Davids for his sluggishness; inspiriting Mr. Moss into action; imploring, commanding, bellowing, until down comes the hammer like fate, and we pass to the next lot. O Dives, who would ever have thought, as we sat round the broad table sparkling with plate and spotless linen, to have seen such a dish at the head of it as that roaring auctioneer? Die Auktion näherte sich bereits ihrem Ende. Die herrliche Saloneinrichtung, von Meisterhand gefertigt, die seltsamen und berühmten Weine, ehemals vom Kenner ohne Rücksicht auf den Preis erworben, und das reiche und vollständige Familiensilber waren bereits an den Tagen zuvor verkauft worden. Einige der besten Weine (die bei den Liebhabern in der Nachbarschaft alle einen guten Ruf hatten) hatte der Butler unseres Freundes John Osborne vom Russell Square für seinen Herrn, der sie recht gut kannte, ersteigert. Ein kleiner Teil von den nützlichsten Gegenständen des Silbers hatten einige junge Börsenmakler aus der City gekauft. Und jetzt, als das Publikum zum Kauf kleinerer Objekte aufgefordert worden war, geschah es, daß der Redner auf dem Tisch sich über den Wert eines Gemäldes ausließ, das er seinen Zuhörern anzupreisen suchte. Das Publikum war aber keineswegs mehr so erlesen und zahlreich wie an den vorangegangenen Auktionstagen.   It was rather late in the sale. The excellent drawing-room furniture by the best makers; the rare and famous wines selected, regardless of cost, and with the well-known taste of the purchaser; the rich and complete set of family plate had been sold on the previous days. Certain of the best wines (which all had a great character among amateurs in the neighbourhood) had been purchased for his master, who knew them very well, by the butler of our friend John Osborne, Esquire, of Russell Square. A small portion of the most useful articles of the plate had been bought by some young stockbrokers from the City. And now the public being invited to the purchase of minor objects, it happened that the orator on the table was expatiating on the merits of a picture, which he sought to recommend to his audience: it was by no means so select or numerous a company as had attended the previous days of the auction. »Nummer 369«, brüllte Mr. Hammerdown. »Das Porträt eines Herrn auf einem Elefanten. Wer bietet für den Herrn auf dem Elefanten? Halten Sie das Gemälde hoch, Mr. Blowman, damit die Gesellschaft es beurteilen kann.« Ein langer, blasser Herr von militärischem Aussehen, der ernsthaft an dem Mahagonitisch saß, konnte sich eines Lächelns nicht enthalten, als Mr. Blowman dieses wertvolle Stück zeigte. »Drehen Sie den Elefanten doch zum Hauptmann, Blowman. Wieviel bieten Sie für den Elefanten, Sir?« Aber der Hauptmann wandte schnell und verlegen errötend den Kopf ab, und der Auktionator wiederholte sein Angebot.   “No. 369,” roared Mr. Hammerdown. “Portrait of a gentleman on an elephant. Who’ll bid for the gentleman on the elephant? Lift up the picture, Blowman, and let the company examine this lot.” A long, pale, military-looking gentleman, seated demurely at the mahogany table, could not help grinning as this valuable lot was shown by Mr. Blowman. “Turn the elephant to the Captain, Blowman. What shall we say, sir, for the elephant?” but the Captain, blushing in a very hurried and discomfited manner, turned away his head. »Sagen wir zwanzig Guineen für das Kunstwerk? Fünfzehn? Fünf? Bestimmen Sie selbst den Preis! Der Herr ist schon ohne den Elefanten fünf Pfund wert.«   “Shall we say twenty guineas for this work of art? — fifteen, five, name your own price. The gentleman without the elephant is worth five pound.” »Ich wundere mich nur, daß er nicht unter ihm zusammengebrochen ist«, warf ein Spaßvogel ein, »jedenfalls ist er ganz schön gewichtig.« Da der Reiter auf dem Elefanten tatsächlich als wohlbeleibte Gestalt dargestellt war, entstand ein allgemeines Gelächter im Raum.   “I wonder it ain’t come down with him,” said a professional wag, “he’s anyhow a precious big one”; at which (for the elephant-rider was represented as of a very stout figure) there was a general giggle in the room. »Suchen Sie doch nicht den Wert des Kunstwerks herabzusetzen, Mr. Moss«, sagte Mr. Hammerdown, »die Versammlung soll den Gegenstand als Kunstwerk betrachten – die Haltung des stattlichen Tieres durchaus naturgetreu, der Herr in einer Nankingjacke, die Flinte in der Hand, geht auf die Jagd, im Hintergrund bemerkt man einen heiligen Feigenbaum und eine Pagode – höchstwahrscheinlich die Darstellung eines interessanten Ortes in unseren berühmten ostindischen Besitzungen. Wieviel für diesen Gegenstand? Kommen Sie, meine Herren, halten Sie mich nicht den ganzen Tag damit auf.«   “Don’t be trying to deprecate the value of the lot, Mr. Moss,” Mr. Hammerdown said; “let the company examine it as a work of art — the attitude of the gallant animal quite according to natur’; the gentleman in a nankeen jacket, his gun in his hand, is going to the chase; in the distance a banyhann tree and a pagody, most likely resemblances of some interesting spot in our famous Eastern possessions. How much for this lot? Come, gentlemen, don’t keep me here all day.” Jemand bot fünf Shilling, worauf der militärisch aussehende Herr in die Richtung blickte, aus der dieses glänzende Angebot gekommen war, und dort sah er einen anderen Offizier mit einer jungen Dame am Arm. Beide waren offenbar von der Szene höchst belustigt und erhielten den Gegenstand schließlich für eine halbe Guinee zugeschlagen. Der Mann am Tisch schien überraschter und verlegener als zuvor, als er dieses Paar erspähte; er verbarg den Kopf in seinem Uniformkragen und kehrte ihnen den Rücken zu, um den beiden auszuweichen.   Some one bid five shillings, at which the military gentleman looked towards the quarter from which this splendid offer had come, and there saw another officer with a young lady on his arm, who both appeared to be highly amused with the scene, and to whom, finally, this lot was knocked down for half a guinea. He at the table looked more surprised and discomposed than ever when he spied this pair, and his head sank into his military collar, and he turned his back upon them, so as to avoid them altogether. Es ist nicht unsere Absicht, alle Dinge aufzuzählen, die Mr. Hammerdown die Ehre hatte, an jenem Tage zum Kaufe anzupreisen. Wir wollen nur das kleine Tafelklavier aus den oberen Regionen des Hauses erwähnen (der prächtige Flügel war schon vorher verkauft worden). Die junge Dame probierte darauf mit schneller und geübter Hand (wobei der Offizier abermals errötete und zusammenfuhr), und als das Klavier an die Reihe kam, begann ihr Beauftragter zu bieten.   Of all the other articles which Mr. Hammerdown had the honour to offer for public competition that day it is not our purpose to make mention, save of one only, a little square piano, which came down from the upper regions of the house (the state grand piano having been disposed of previously); this the young lady tried with a rapid and skilful hand (making the officer blush and start again), and for it, when its turn came, her agent began to bid. Allein hier zeigte sich eine Konkurrenz. Der jüdische Adjutant im Dienste des Offiziers am Tisch bot gegen den jüdischen Herrn, den die Elefantenkäufer angestellt hatten, und es entspann sich nun ein lebhafter Kampf um das kleine Klavier, zu dem die Kontrahenten von Mr. Hammerdown noch gehörig angefeuert wurden.   But there was an opposition here. The Hebrew aide-de-camp in the service of the officer at the table bid against the Hebrew gentleman employed by the elephant purchasers, and a brisk battle ensued over this little piano, the combatants being greatly encouraged by Mr. Hammerdown. Als der Wettstreit eine Weile gedauert hatte, gaben der Elefantenhauptmann und seine Dame das Rennen schließlich auf. Der Hammer fiel nieder, der Auktionator sagte: »Mr. Lewis, fünfundzwanzig«, und Mr. Lewis' Auftraggeber wurde Eigentümer des kleinen Tafelklaviers. Nachdem der Kauf zustande gekommen war, richtete dieser Herr sich auf, als sei ihm eine Last von den Schultern genommen worden, und in dem Augenblick, da die erfolglosen Konkurrenten ihn erspähten, sagte die Dame zu ihrem Freund: »Sieh mal, Rawdon, es ist ja Hauptmann Dobbin.«   At last, when the competition had been prolonged for some time, the elephant captain and lady desisted from the race; and the hammer coming down, the auctioneer said: — "Mr. Lewis, twenty-five,” and Mr. Lewis’s chief thus became the proprietor of the little square piano. Having effected the purchase, he sate up as if he was greatly relieved, and the unsuccessful competitors catching a glimpse of him at this moment, the lady said to her friend, “Why, Rawdon, it’s Captain Dobbin.” Vielleicht war Becky unzufrieden mit dem neuen Klavier, das ihr Mann für sie gemietet hatte, vielleicht hatte auch der Eigentümer das Instrument wieder weggeholt, weil er nicht weiter Kredit gewähren wollte, vielleicht aber hatte Becky auch eine besondere Vorliebe für das Klavier, das sie hatte kaufen wollen, denn sie erinnerte sich noch der Zeit, als sie im Zimmerchen unserer teuren Amelia Sedley darauf gespielt hatte.   I suppose Becky was discontented with the new piano her husband had hired for her, or perhaps the proprietors of that instrument had fetched it away, declining farther credit, or perhaps she had a particular attachment for the one which she had just tried to purchase, recollecting it in old days, when she used to play upon it, in the little sitting-room of our dear Amelia Sedley. Die Versteigerung fand in dem alten Haus am Russell Square statt, wo wir zu Beginn dieser Geschichte einige Abende miteinander verbracht haben. Der gute alte John Sedley war ruiniert. Er war auf der Börse als zahlungsunfähig erklärt worden, und sein Bankrott sowie seine Geschäftstilgung folgten. Mr. Osbornes Butler kam, um einen Teil des berühmten Portweines zu ersteigern und ihn in den Keller gegenüber zu bringen. Drei junge Börsenmakler (Mr. Dale, Mr. Spiggot und Mr. Dale aus der Threadneedle Street) schickten ein Dutzend schön gearbeiteter silberner Löffel und Gabeln sowie ein Dutzend Dessertbestecke, Splitter von dem Wrack, mit besten Grüßen an die gute Mrs. Sedley. Sie hatten mit dem alten Mann geschäftlich zu tun gehabt und von ihm manche Gefälligkeit erfahren in einer Zeit, wo er gegen alle, mit denen er zu tun hatte, gefällig war. Da das Klavier Amelia gehört hatte und sie es bestimmt vermissen würde und jetzt eins brauchen könnte und da Hauptmann Dobbin ebensowenig darauf spielen konnte, wie er Seiltanzen konnte, hatte er das Instrument wahrscheinlich nicht für sich selbst gekauft.   The sale was at the old house in Russell Square, where we passed some evenings together at the beginning of this story. Good old John Sedley was a ruined man. His name had been proclaimed as a defaulter on the Stock Exchange, and his bankruptcy and commercial extermination had followed. Mr. Osborne’s butler came to buy some of the famous port wine to transfer to the cellars over the way. As for one dozen well-manufactured silver spoons and forks at per oz., and one dozen dessert ditto ditto, there were three young stockbrokers (Messrs. Dale, Spiggot, and Dale, of Threadneedle Street, indeed), who, having had dealings with the old man, and kindnesses from him in days when he was kind to everybody with whom he dealt, sent this little spar out of the wreck with their love to good Mrs. Sedley; and with respect to the piano, as it had been Amelia’s, and as she might miss it and want one now, and as Captain William Dobbin could no more play upon it than he could dance on the tight rope, it is probable that he did not purchase the instrument for his own use. Kurz gesagt, es traf noch am gleichen Abend in einem wunderhübschen Häuschen in einer Querstraße der Fulham Road ein, einer jener Straßen, die die schönsten romantischen Namen tragen (diese hier hieß Sankt-Adelaide-Villen, Anna-Maria Road, West); wo die Häuser wie Puppenhäuser aussehen; wo die Leute, wenn sie aus den Fenstern des ersten Stockwerkes schauen, mit den Füßen offenbar im Erdgeschoß stehen müssen; wo die Sträucher in den Vorgärtchen jahraus, jahrein einen Blütenschmuck von Kinderschürzen, roten Strümpfchen, Mützen und so weiter (polyandria, polygynia) tragen; wo man Spinettklimpern und singende Frauenstimmen vernimmt; wo sich am Geländer kleine Bierkrüge sonnen und wohin abends kleine Angestellte aus der City ihre müden Schritte lenken; hier hatte Mr. Clapp, Mr. Sedleys Buchhalter, sein Zuhause, und zu diesem Ort nahm der gute alte Herr mit Frau und Tochter Zuflucht, als der große Krach kam.   In a word, it arrived that evening at a wonderful small cottage in a street leading from the Fulham Road — one of those streets which have the finest romantic names — (this was called St. Adelaide Villas, Anna-Maria Road West), where the houses look like baby-houses; where the people, looking out of the first-floor windows, must infallibly, as you think, sit with their feet in the parlours; where the shrubs in the little gardens in front bloom with a perennial display of little children’s pinafores, little red socks, caps, \&c. (polyandria polygynia); whence you hear the sound of jingling spinets and women singing; where little porter pots hang on the railings sunning themselves; whither of evenings you see City clerks padding wearily: here it was that Mr. Clapp, the clerk of Mr. Sedley, had his domicile, and in this asylum the good old gentleman hid his head with his wife and daughter when the crash came. Joe Sedley hatte auf die Nachricht von dem Familienunglück hin so gehandelt, wie man es von einem Manne seines Schlages erwarten konnte. Er kam nicht nach London, schrieb aber seiner Mutter, sie könne bei seinem Beauftragten so viel Geld abheben, wie gebraucht werde, so daß seine guten, tiefgebeugten alten Eltern vorläufig keine Armut fürchten mußten. Nachdem er dies getan hatte, lebte Joe in seiner Pension in Cheltenham weiter wie bisher. Er fuhr in seinem Wagen, trank seinen Claret, spielte seine Partie Whist, tischte seine indischen Geschichten auf, und die irische Witwe tröstete ihn und schmeichelte ihm wie bisher. Sein Geldgeschenk, so nützlich es auch war, machte auf seine Eltern nur wenig Eindruck, und ich habe Amelia erzählen hören, daß ihr Vater zum ersten Male nach dem Bankrott das Haupt wieder erhoben habe, als das Paket mit den Bestecken samt den Empfehlungen der jungen Börsenmakler gekommen sei. Er war dabei wie ein Kind in Tränen ausgebrochen und schien noch weit gerührter als seine Frau, für die das Geschenk bestimmt war. Edward Dale, der Junior des Hauses, der die Löffel und Gabeln für die Firma gekauft hatte, war nämlich sehr verliebt in Amelia und machte Ihr, trotz alledem, einen Antrag. Er heiratete Miss Louisa Cutts (Tochter von Higham und Cutts, der bedeutenden Kornhandlung) mit einem schönen Vermögen im Jahre 1820 und lebt jetzt herrlich und in Freuden mit seiner zahlreichen Familie in seiner eleganten Villa, Muswell Hill. Aber die Erinnerung an diesen guten Burschen soll uns nicht verleiten, von der Hauptgeschichte abzuschweifen.   Jos Sedley had acted as a man of his disposition would, when the announcement of the family misfortune reached him. He did not come to London, but he wrote to his mother to draw upon his agents for whatever money was wanted, so that his kind broken-spirited old parents had no present poverty to fear. This done, Jos went on at the boarding-house at Cheltenham pretty much as before. He drove his curricle; he drank his claret; he played his rubber; he told his Indian stories, and the Irish widow consoled and flattered him as usual. His present of money, needful as it was, made little impression on his parents; and I have heard Amelia say that the first day on which she saw her father lift up his head after the failure was on the receipt of the packet of forks and spoons with the young stockbrokers’ love, over which he burst out crying like a child, being greatly more affected than even his wife, to whom the present was addressed. Edward Dale, the junior of the house, who purchased the spoons for the firm, was, in fact, very sweet upon Amelia, and offered for her in spite of all. He married Miss Louisa Cutts (daughter of Higham and Cutts, the eminent cornfactors) with a handsome fortune in 1820; and is now living in splendour, and with a numerous family, at his elegant villa, Muswell Hill. But we must not let the recollections of this good fellow cause us to diverge from the principal history. Hoffentlich hat der Leser eine viel zu gute Meinung von Hauptmann Crawley und seiner Frau, um anzunehmen, daß sie je auf den Gedanken hätten kommen können, einen so entfernten Stadtteil wie Bloomsbury aufzusuchen, wenn sie gewußt hätten, daß die Familie, die sie mit einem Besuch beehren wollten, nicht nur gesellschaftsunfähig, sondern auch völlig mittellos geworden war und ihnen in keiner Weise mehr nützen konnte. Rebekka war ganz überrascht, als sie das gute alte Haus, wo man sie so freundlich aufgenommen hatte, von Maklern .und Trödlern durchwühlt und seine stillen Familienschätze öffentlicher Entweihung und Plünderung ausgesetzt sah. Einen Monat nach ihrer Flucht hatte sie sich an Amelia erinnert, und Rawdon hatte sich mit wieherndem Gelächter bereit erklärt, wieder einmal den jungen George Osborne zu treffen. »Er ist ein angenehmer Bekannter, Beck«, fügte der Spaßvogel hinzu. »Ich würde ihm gern noch ein Pferd verkaufen, Beck. Ich würde gern noch ein paar Partien Billard mit ihm spielen. Er könnte uns gerade jetzt sehr nützlich sein, um es mal so auszudrücken, haha!« Man darf nun aus diesen Reden nicht etwa schließen, daß Rawdon Crawley beabsichtigte, Mr. Osborne zu betrügen, er wollte nur den ehrlichen Vorteil aus ihm ziehen, den fast jeder Spieler auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit von seinem Nächsten gewinnen zu dürfen glaubt.   I hope the reader has much too good an opinion of Captain and Mrs. Crawley to suppose that they ever would have dreamed of paying a visit to so remote a district as Bloomsbury, if they thought the family whom they proposed to honour with a visit were not merely out of fashion, but out of money, and could be serviceable to them in no possible manner. Rebecca was entirely surprised at the sight of the comfortable old house where she had met with no small kindness, ransacked by brokers and bargainers, and its quiet family treasures given up to public desecration and plunder. A month after her flight, she had bethought her of Amelia, and Rawdon, with a horse-laugh, had expressed a perfect willingness to see young George Osborne again. “He’s a very agreeable acquaintance, Beck,” the wag added. “I’d like to sell him another horse, Beck. I’d like to play a few more games at billiards with him. He’d be what I call useful just now, Mrs. C. — ha, ha!” by which sort of speech it is not to be supposed that Rawdon Crawley had a deliberate desire to cheat Mr. Osborne at play, but only wished to take that fair advantage of him which almost every sporting gentleman in Vanity Fair considers to be his due from his neighbour. Die alte Tante ließ sich nicht so schnell »herumkriegen«. Ein Monat war verstrichen. Mr. Bowls verweigerte Rawdon den Zutritt, seine Diener durften nicht mehr im Hause in der Park Lane weilen, seine Briefe wurden ungeöffnet zurückgeschickt. Miss Crawley bewegte sich nicht aus dem Haus  – sie war unpäßlich –, und Mrs. Bute war noch immer da und wich ihr nicht von der Seite. Sowohl Crawley wie seine Frau mutmaßten Schlimmes aus Mrs. Butes ständiger Anwesenheit.   The old aunt was long in “coming-to.” A month had elapsed. Rawdon was denied the door by Mr. Bowls; his servants could not get a lodgment in the house at Park Lane; his letters were sent back unopened. Miss Crawley never stirred out — she was unwell — and Mrs. Bute remained still and never left her. Crawley and his wife both of them augured evil from the continued presence of Mrs. Bute. »Bei Gott, ich fange an zu begreifen, warum sie uns in Queen's Crawley stets zusammenbrachte«, sagte Rawdon.   “Gad, I begin to perceive now why she was always bringing us together at Queen’s Crawley,” Rawdon said. »So ein gerissenes Weibstück«, rief Rebekka aus.   “What an artful little woman!” ejaculated Rebecca. »Nun, wenn du es nicht tust – ich bereue es nicht«, rief der Hauptmann, noch immer im Liebestaumel für seine Frau, die ihn als Antwort mit einem Kuß belohnte und über das großherzige Vertrauen ihres Mannes sehr erfreut war.   “Well, I don’t regret it, if you don’t,” the Captain cried, still in an amorous rapture with his wife, who rewarded him with a kiss by way of reply, and was indeed not a little gratified by the generous confidence of her husband. Wenn er nur ein bißchen mehr Verstand hätte, dachte sie bei sich, so könnte ich noch etwas aus ihm machen, aber sie ließ ihn nie merken, welche Meinung sie von ihm hatte, lauschte mit unermüdlicher Geduld seinen Stall- und Offizierstischgeschichten, lachte über alle seine Witze, interessierte sich sehr für Jack Spatterdash, dessen Pferd gestürzt war, und für Bob Martingale, der in einer Spielhalle aufgegriffen worden war, und für Tom Cinqbars, der an der Steeplechase teilnehmen wollte. Kam er nach Hause, so war sie lustig und glücklich, ging er aus, so redete sie ihm noch zu, blieb er zu Hause, so spielte und sang sie ihm vor, bereitete ihm köstliche Getränke, beaufsichtigte sein Essen, wärmte seine Pantoffeln und badete seine Seele in Behaglichkeit. »Die besten Frauen«, so sagte meine Großmutter immer, »sind Heuchlerinnen.« Wir wissen nicht, wieviel sie vor uns verbergen, wie wachsam sie sind, wenn sie ganz harmlos und vertrauensselig scheinen, wie häufig das offene Lächeln, das sie so gern zur Schau tragen, eine Falle ist, um zu schmeicheln, abzulenken oder zu entwaffnen – dabei meine ich nicht einmal die Koketten, sondern unsere häuslichen Vorbilder und Muster weiblicher Tugend. Wer hat nicht schon gesehen, wie eine Frau die Dummheit ihres Mannes geschickt verbarg oder seinen Zorn besänftigte? Wir lassen uns diese angenehme Sklaverei gefallen, loben die Frauen noch dafür und nennen den hübschen Betrug Wahrheit. Eine gute Hausfrau ist stets eine Lüge, und Cornelias Gemahl wurde ebenso getäuscht wie Potiphar – nur in anderer Weise.   “If he had but a little more brains,” she thought to herself, “I might make something of him”; but she never let him perceive the opinion she had of him; listened with indefatigable complacency to his stories of the stable and the mess; laughed at all his jokes; felt the greatest interest in Jack Spatterdash, whose cab-horse had come down, and Bob Martingale, who had been taken up in a gambling-house, and Tom Cinqbars, who was going to ride the steeplechase. When he came home she was alert and happy: when he went out she pressed him to go: when he stayed at home, she played and sang for him, made him good drinks, superintended his dinner, warmed his slippers, and steeped his soul in comfort. The best of women (I have heard my grandmother say) are hypocrites. We don’t know how much they hide from us: how watchful they are when they seem most artless and confidential: how often those frank smiles which they wear so easily, are traps to cajole or elude or disarm — I don’t mean in your mere coquettes, but your domestic models, and paragons of female virtue. Who has not seen a woman hide the dulness of a stupid husband, or coax the fury of a savage one? We accept this amiable slavishness, and praise a woman for it: we call this pretty treachery truth. A good housewife is of necessity a humbug; and Cornelia’s husband was hoodwinked, as Potiphar was — only in a different way. Durch diese Aufmerksamkeiten wurde der alte Liederjan Rawdon Crawley allmählich in einen glücklichen und gehorsamen Ehemann umgewandelt. Die Spießgesellen seiner früheren Tage bekamen ihn nicht mehr zu sehen. Sie fragten ein paarmal in seinen Klubs nach ihm, vermißten ihn aber nicht sehr. In jenen Buden auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit vermißt man einander kaum. Seine einsame, aber stets lächelnde und lustige Frau, seine behagliche kleine Wohnung, die netten Mahlzeiten und die gemütlichen Abende zu Hause hatten für ihn den Zauber des Neuen und Heimlichen. Die Heirat war bis jetzt noch nicht bekanntgegeben oder in der »Morning Post« veröffentlicht worden. Seine Gläubiger hätten sich wie ein Mann auf ihn gestürzt, wäre ihnen bekannt geworden, daß er eine Frau ohne Vermögen geheiratet hatte. »Meine Verwandten werden nicht pfui über mich schreien«, sagte Becky mit bitterem Lachen; und sie war ganz zufrieden damit, zu warten, bis die alte Tante sich mit ihnen versöhnt hatte, ehe sie ihren Platz in der Gesellschaft beanspruchen würde. So lebte sie in Brompton und sah niemanden  – außer den wenigen Freunden ihres Mannes, die in ihrem kleinen Speisezimmer zugelassen wurden. Die waren alle ganz bezaubert von ihr. Die kleinen Diners, das Lachen und Plaudern und anschließend die Musik entzückten alle, die an diesen Genüssen teilnehmen durften. Major Martingale dachte nie daran, nach der Heiratslizenz zu fragen. Hauptmann Cinqbars war hingerissen von ihrer Geschicklichkeit im Punschbereiten. Und der junge Leutnant Spatterdash (er spielte gern Pikett und wurde von Crawley oft eingeladen) war bald offensichtlich in Mrs. Crawley vernarrt. Aber ihre Umsicht und ihr Anstand verließen sie keinen Augenblick, und Crawleys Ruf als rauflustiger und eifersüchtiger Soldat waren ein weiterer vollkommener Schutz für seine kleine Frau.   By these attentions, that veteran rake, Rawdon Crawley, found himself converted into a very happy and submissive married man. His former haunts knew him not. They asked about him once or twice at his clubs, but did not miss him much: in those booths of Vanity Fair people seldom do miss each other. His secluded wife ever smiling and cheerful, his little comfortable lodgings, snug meals, and homely evenings, had all the charms of novelty and secrecy. The marriage was not yet declared to the world, or published in the Morning Post. All his creditors would have come rushing on him in a body, had they known that he was united to a woman without fortune. “My relations won’t cry fie upon me,” Becky said, with rather a bitter laugh; and she was quite contented to wait until the old aunt should be reconciled, before she claimed her place in society. So she lived at Brompton, and meanwhile saw no one, or only those few of her husband’s male companions who were admitted into her little dining-room. These were all charmed with her. The little dinners, the laughing and chatting, the music afterwards, delighted all who participated in these enjoyments. Major Martingale never thought about asking to see the marriage licence, Captain Cinqbars was perfectly enchanted with her skill in making punch. And young Lieutenant Spatterdash (who was fond of piquet, and whom Crawley would often invite) was evidently and quickly smitten by Mrs. Crawley; but her own circumspection and modesty never forsook her for a moment, and Crawley’s reputation as a fire-eating and jealous warrior was a further and complete defence to his little wife. Es gibt in London vornehme Herren von guter Familie, die noch nie den Salon einer Dame betreten haben, so daß zwar Rawdon Crawleys Heirat in seiner Grafschaft wahrscheinlich besprochen wurde, da Mrs. Bute die Neuigkeit verbreitet hatte; in London dagegen wurde sie angezweifelt oder nicht beachtet oder überhaupt nicht besprochen. Er lebte behaglich auf Kredit, hatte ein großes Schuldenkapital, das, vernünftig angelegt, einen Mann jahrelang erhalten kann und von dem bestimmte Menschen in London hundertmal besser zu leben verstehen als Leute mit Bargeld. Wer, zu Fuß in den Straßen der Stadt unterwegs, kann nicht ein halbes Dutzend Leute herausfinden, die glanzvoll an ihm vorbeireiten, die von der vornehmen Welt hofiert werden, die von Kaufleuten mit Verbeugungen zu ihren Kutschen geleitet werden, die sich nichts versagen und wer weiß wovon leben? Wir sehen, wie Jack Verschwender im Park paradiert oder in seinem Brougham die Pall Mall hinunterrast; wir speisen bei ihm von seinem wundervollen Silbergeschirr und fragen: »Wie hat das angefangen und wo wird es enden?« – »Mein lieber Junge«, hörte ich Jack einmal sagen, »ich habe in jeder Hauptstadt Europas Schulden.« Einmal muß das Ende kommen, aber inzwischen lebt Jack herrlich und in Freuden, die Leute freuen sich, ihm die Hand schütteln zu dürfen, hören nicht auf die dunklen Geschichtchen, die man sich hin und wieder über ihn zuflüstert, und erklären ihn für einen gutmütigen, lustigen, sorglosen Burschen.   There are gentlemen of very good blood and fashion in this city, who never have entered a lady’s drawing-room; so that though Rawdon Crawley’s marriage might be talked about in his county, where, of course, Mrs. Bute had spread the news, in London it was doubted, or not heeded, or not talked about at all. He lived comfortably on credit. He had a large capital of debts, which laid out judiciously, will carry a man along for many years, and on which certain men about town contrive to live a hundred times better than even men with ready money can do. Indeed who is there that walks London streets, but can point out a half-dozen of men riding by him splendidly, while he is on foot, courted by fashion, bowed into their carriages by tradesmen, denying themselves nothing, and living on who knows what? We see Jack Thriftless prancing in the park, or darting in his brougham down Pall Mall: we eat his dinners served on his miraculous plate. “How did this begin,” we say, “or where will it end?” “My dear fellow,” I heard Jack once say, “I owe money in every capital in Europe.” The end must come some day, but in the meantime Jack thrives as much as ever; people are glad enough to shake him by the hand, ignore the little dark stories that are whispered every now and then against him, and pronounce him a good-natured, jovial, reckless fellow. Die Wahrheit zwingt uns, zuzugeben, daß Rebekka einen Mann dieses Schlages geheiratet hat. Im Haus gab es alles in Hülle und Fülle, nur kein Bargeld, und dieser Mangel machte sich in dem jungen Haushalt bald bemerkbar. Als Rawdon eines Morgens die »Gazette« las, stieß er auf die Mitteilung: »Leutnant G. Osborne rückt durch Kauf zum Hauptmann auf, anstelle von Smith, der sich in ein anderes Regiment versetzen läßt.« Da machte er über Amelias Liebhaber jene Bemerkung, die mit dem Besuch am Russell Square endete.   Truth obliges us to confess that Rebecca had married a gentleman of this order. Everything was plentiful in his house but ready money, of which their menage pretty early felt the want; and reading the Gazette one day, and coming upon the announcement of “Lieutenant G. Osborne to be Captain by purchase, vice Smith, who exchanges,” Rawdon uttered that sentiment regarding Amelia’s lover, which ended in the visit to Russell Square. Als Rawdon und seine Frau bei der Auktion mit Hauptmann Dobbin sprechen und Näheres über die Katastrophe wissen wollten, die Rebekkas alte Bekannte betroffen hatte, war der Hauptmann verschwunden. Das bißchen, was sie erfuhren, stammte von den Lastträgern oder den Maklern auf der Auktion.   When Rawdon and his wife wished to communicate with Captain Dobbin at the sale, and to know particulars of the catastrophe which had befallen Rebecca’s old acquaintances, the Captain had vanished; and such information as they got was from a stray porter or broker at the auction. »Sieh doch mal die Leute dort mit den Hakennasen«, sagte Becky vergnügt, als sie, das Gemälde unter dem Arm, in den Buggy stieg. »Sie sehen aus wie Geier nach einer Schlacht.«   “Look at them with their hooked beaks,” Becky said, getting into the buggy, her picture under her arm, in great glee. “They’re like vultures after a battle.” »Weiß ich nicht. War nie in einer Schlacht, meine Liebe. Frag Martingale, der war in Spanien Adjutant von General Blazes.«   “Don’t know. Never was in action, my dear. Ask Martingale; he was in Spain, aide-de-camp to General Blazes.” »Mr. Sedley war ein sehr freundlicher alter Herr«, sagte Rebekka, »es tut mir wirklich leid, daß ihm das passieren mußte.«   “He was a very kind old man, Mr. Sedley,” Rebecca said; “I’m really sorry he’s gone wrong.” »Ach Gott, Börsenmakler ... bankrott... sind daran gewöhnt, weißt du«, erwiderte Rawdon und vertrieb mit der Peitsche eine Fliege vom Ohr seines Pferdes.   “O stockbrokers — bankrupts — used to it, you know,” Rawdon replied, cutting a fly off the horse’s ear. »Schade, daß wir uns nicht etwas von dem Silbergeschirr leisten konnten, Rawdon«, fuhr seine Frau gefühlvoll fort. »Fünfundzwanzig Guineen für das kleine Klavier ist unheimlich teuer. Wir haben es bei Broadwood für Amelia gekauft, als sie aus der Schule kam. Damals hat es nur fünfunddreißig gekostet.«   “I wish we could have afforded some of the plate, Rawdon,” the wife continued sentimentally. “Five-and-twenty guineas was monstrously dear for that little piano. We chose it at Broadwood’s for Amelia, when she came from school. It only cost five-and-thirty then.” »Der Dingsda, dieser – Osborne wird sich jetzt vermutlich von der Kleinen lossagen, wo die Familie doch nun pleite ist. Deine hübsche kleine Freundin wird jetzt ganz schön geklatscht sein, glaubst du, Becky?«   “What-d’-ye-call’em — ’Osborne,’ will cry off now, I suppose, since the family is smashed. How cut up your pretty little friend will be; hey, Becky?” »Ich nehme an, sie wird es überstehen«, sagte Becky lächelnd. Und sie fuhren weiter und sprachen von etwas anderem.   “I daresay she’ll recover it,” Becky said with a smile — and they drove on and talked about something else.   18. Kapitel / Chapter 18 Wer spielt auf dem Klavier, das Hauptmann Dobbin gekauft bat? / Who Played on the Piano Captain Dobbin Bought Zu ihrem Erstaunen sieht sich nun unsere Geschichte einen Augenblick lang in Verbindung mit sehr berühmten Ereignissen und Personen am Rockzipfel der Weltgeschichte hängen. Die Adler Napoleon Bonapartes, des korsischen Emporkömmlings, flogen nach einem kurzen Aufenthalt auf der Insel Elba und in der Provence weiter von Kirchturm zu Kirchturm, bis sie sich auf den Türmen von Notre Dame in Paris niederließen, und ich möchte eigentlich wissen, ob die kaiserlichen Vögel dabei ein Auge hatten für einen kleinen Winkel der Gemeinde Bloomsbury in London, den man für so still halten möchte, daß selbst das Schwirren und Schlagen dieser gewaltigen Flügel dort unbemerkt vorübergehen würde.   Our surprised story now finds itself for a moment among very famous events and personages, and hanging on to the skirts of history. When the eagles of Napoleon Bonaparte, the Corsican upstart, were flying from Provence, where they had perched after a brief sojourn in Elba, and from steeple to steeple until they reached the towers of Notre Dame, I wonder whether the Imperial birds had any eye for a little corner of the parish of Bloomsbury, London, which you might have thought so quiet, that even the whirring and flapping of those mighty wings would pass unobserved there? »Napoleon ist in Cannes gelandet.« Solch eine Nachricht konnte wohl in Wien Panik hervorrufen, Rußland veranlassen, seine Karten hinzuwerfen, Preußen in Verlegenheit setzen und Talleyrand und Metternich zum Kopfschütteln veranlassen, während Fürst Hardenberg und sogar der jetzige Marquis von Londonderry ganz verwirrt waren. Wie konnte diese Nachricht aber eine junge Dame am Russell Square berühren, vor deren Tür der Nachtwächter die Stunden ausrief, während sie schlief, die beim Spazierengehen auf dem Platz nicht ohne Schutz war, die auch nur beim kleinsten Gang zur Southampton Row, um dort ein Band zu kaufen, von dem schwarzen Sambo mit einem ungeheuren Stock begleitet wurde, die stets von vielen bezahlten und unbezahlten Schutzengeln umsorgt, gekleidet, zu Bett gebracht und bewacht wurde? Bon Dieu, sage ich, ist es nicht schlimm, daß das verhängnisvolle Rasen des Kaiserkampfes nicht vor sich gehen kann, ohne eine arme, harmlose Achtzehnjährige am Russell Square zu berühren, die sich nur mit Schnäbeln, Girren und Musselinkragensticken beschäftigt? Auch du, liebliche, schlichte Blume! Soll der brüllende Kriegssturm dich umwerfen, obgleich du unter dem sicheren Dach von Holborn kauerst? Ja, Napoleon setzt das Letzte aufs Spiel, und das Glück der armen kleinen Emmy Sedley spielt irgendwie eine Rolle dabei.   “Napoleon has landed at Cannes.” Such news might create a panic at Vienna, and cause Russia to drop his cards, and take Prussia into a corner, and Talleyrand and Metternich to wag their heads together, while Prince Hardenberg, and even the present Marquis of Londonderry, were puzzled; but how was this intelligence to affect a young lady in Russell Square, before whose door the watchman sang the hours when she was asleep: who, if she strolled in the square, was guarded there by the railings and the beadle: who, if she walked ever so short a distance to buy a ribbon in Southampton Row, was followed by Black Sambo with an enormous cane: who was always cared for, dressed, put to bed, and watched over by ever so many guardian angels, with and without wages? Bon Dieu, I say, is it not hard that the fateful rush of the great Imperial struggle can’t take place without affecting a poor little harmless girl of eighteen, who is occupied in billing and cooing, or working muslin collars in Russell Square? You too, kindly, homely flower! — is the great roaring war tempest coming to sweep you down, here, although cowering under the shelter of Holborn? Yes; Napoleon is flinging his last stake, and poor little Emmy Sedley’s happiness forms, somehow, part of it. Zunächst hatte die verhängnisvolle Nachricht das Vermögen ihres Vaters weggefegt. Dem unglücklichen alten Herrn waren in der letzten Zeit alle Spekulationen fehlgeschlagen. Unternehmungen waren mißlungen, Kaufleute hatten Bankrott gemacht, Staatspapiere waren gestiegen, als er aufs Sinken gerechnet hatte. Was brauchen wir noch auf Einzelheiten einzugehen? Wo Erfolge selten und langsam werden, kommt der Ruin schnell und leicht. Der alte Sedley hatte seine traurige Lage verschwiegen. Alles schien in dem ruhigen, reichen Hause seinen gewöhnlichen Gang zu gehen ; die gutmütige Hausherrin setzte nichtsahnend ihren geschäftigen Müßiggang fort und erfüllte ihre täglichen leichten Pflichten; die Tochter war noch immer ausschließlich mit dem gleichen selbstsüchtigen, zärtlichen Gedanken beschäftigt und kümmerte sich nicht um ihre Umwelt – bis jener Schlag kam, unter dem die würdige Familie fiel.   In the first place, her father’s fortune was swept down with that fatal news. All his speculations had of late gone wrong with the luckless old gentleman. Ventures had failed; merchants had broken; funds had risen when he calculated they would fall. What need to particularize? If success is rare and slow, everybody knows how quick and easy ruin is. Old Sedley had kept his own sad counsel. Everything seemed to go on as usual in the quiet, opulent house; the good-natured mistress pursuing, quite unsuspiciously, her bustling idleness, and daily easy avocations; the daughter absorbed still in one selfish, tender thought, and quite regardless of all the world besides, when that final crash came, under which the worthy family fell. Eines Abends schrieb Mrs. Sedley Einladungskarten für eine Gesellschaft; die Osbornes hatten eine gegeben, und sie durfte nicht zurückstehen. John Sedley, der sehr spät aus der City heimgekommen war, saß schweigend am Kamin, während seine Frau ihm etwas vorschwatzte. Emmy war unpäßlich und hatte sich niedergeschlagen auf ihr Zimmer zurückgezogen. »Sie ist nicht glücklich«, fuhr die Mutter in ihrem Gespräch fort. »George Osborne vernachlässigt sie. Ich kann das Gebaren dieser Leute nicht ausstehen. Die Mädchen sind seit drei Wochen nicht mehr hiergewesen, und George war zweimal in der Stadt, ohne uns zu besuchen. Edward Dale hat ihn in der Oper gesehen. Ich glaube bestimmt, Edward würde sie heiraten; und dann ist da noch Hauptmann Dobbin, der auch – nur, ich kann keinen Soldaten leiden. Was für ein Stutzer der George geworden ist! Und dieses militärische Gehabe; nein, wirklich, wir müssen gewissen Leuten zeigen, daß wir so gut sind wie sie. Gib nur Edward einige Hoffnung, und du wirst sehen. Wir müssen eine Gesellschaft geben, Sedley. Warum sprichst du nicht, John? Soll ich sagen, Dienstag in vierzehn Tagen? Aber warum antwortest du nicht? Guter Gott, John, was ist geschehen?«   One night Mrs. Sedley was writing cards for a party; the Osbornes had given one, and she must not be behindhand; John Sedley, who had come home very late from the City, sate silent at the chimney side, while his wife was prattling to him; Emmy had gone up to her room ailing and low-spirited. “She’s not happy,” the mother went on. “George Osborne neglects her. I’ve no patience with the airs of those people. The girls have not been in the house these three weeks; and George has been twice in town without coming. Edward Dale saw him at the Opera. Edward would marry her I’m sure: and there’s Captain Dobbin who, I think, would — only I hate all army men. Such a dandy as George has become. With his military airs, indeed! We must show some folks that we’re as good as they. Only give Edward Dale any encouragement, and you’ll see. We must have a party, Mr. S. Why don’t you speak, John? Shall I say Tuesday fortnight? Why don’t you answer? Good God, John, what has happened?” John Sedley sprang aus seinem Stuhl auf, seiner Frau entgegen, die auf ihn zustürzte. Er nahm sie in die Arme und sagte hastig: »Wir sind ruiniert, Mary. Wir müssen nun wieder von vorn anfangen, meine Liebe. Es ist das beste, du erfährst sofort alles.« Als er sprach, zitterte er am ganzen Leibe und sank fast zu Boden. Er dachte, die Nachricht würde seine Frau überwältigen, diese Frau, der er nie ein hartes Wort gegeben hatte. Aber nun war er am tiefsten erschüttert, so plötzlich auch der Schlag für sie kam. Als er in seinen Stuhl zurücksank, übernahm seine Frau das Trösteramt. Sie ergriff seine zitternden Hände, küßte sie und legte sie um ihren Hals; sie nannte ihn ihren John... ihren lieben John... ihren alten Mann ... ihren guten alten Mann; sie ergoß hundert unzusammenhängende Worte der Liebe und Zärtlichkeit über ihn, ihre treue Stimme und ihre schlichten Liebkosungen entzückten und quälten dieses betrübte Herz zugleich und erleichterten und trösteten seine beladene Seele.   John Sedley sprang up out of his chair to meet his wife, who ran to him. He seized her in his arms, and said with a hasty voice, “We’re ruined, Mary. We’ve got the world to begin over again, dear. It’s best that you should know all, and at once.” As he spoke, he trembled in every limb, and almost fell. He thought the news would have overpowered his wife — his wife, to whom he had never said a hard word. But it was he that was the most moved, sudden as the shock was to her. When he sank back into his seat, it was the wife that took the office of consoler. She took his trembling hand, and kissed it, and put it round her neck: she called him her John — her dear John — her old man — her kind old man; she poured out a hundred words of incoherent love and tenderness; her faithful voice and simple caresses wrought this sad heart up to an inexpressible delight and anguish, and cheered and solaced his over-burdened soul. Nur einmal im Laufe der langen Nacht, als sie beieinandersaßen und der arme Sedley in einer Generalbeichte seine verschlossene Seele auftat und die Geschichte seiner Verluste und Verlegenheiten erzählte – den Verrat einiger seiner ältesten Freunde, die mannhafte Freundlichkeit anderer, von denen er es nie erwartet hätte –, nur einmal machte die treue Frau ihren Gefühlen Luft. »Mein Gott, mein Gott! Es wird Emmy das Herz brechen«, sagte sie.   Only once in the course of the long night as they sate together, and poor Sedley opened his pent-up soul, and told the story of his losses and embarrassments — the treason of some of his oldest friends, the manly kindness of some, from whom he never could have expected it — in a general confession — only once did the faithful wife give way to emotion. “My God, my God, it will break Emmy’s heart,” she said. Der Vater hatte das arme Mädchen vergessen. Sie lag unglücklich oben in ihrem Zimmer wach. Umgeben von Freunden und gütigen Eltern, war sie in ihrem eigenen Hause einsam. Wie vielen Menschen kann man alles erzählen? Wer ist offen, wo er keinem Mitgefühl begegnet, oder wer kann schon mit denen sprechen, die doch kein Verständnis haben? So war unsere sanfte Amelia einsam. Sie hatte keine Vertraute mehr, seitdem sie etwas anzuvertrauen hatte. Ihrer alten Mutter konnte sie mit ihren Zweifeln und Sorgen nicht kommen, und ihre sogenannten Schwestern schienen ihr jeden Tag fremder. Sie hatte auch Ahnungen und Befürchtungen, die sie sich selbst nicht einzugestehen wagte, obwohl sie insgeheim dauernd darüber brütete.   The father had forgotten the poor girl. She was lying, awake and unhappy, overhead. In the midst of friends, home, and kind parents, she was alone. To how many people can any one tell all? Who will be open where there is no sympathy, or has call to speak to those who never can understand? Our gentle Amelia was thus solitary. She had no confidante, so to speak, ever since she had anything to confide. She could not tell the old mother her doubts and cares; the would-be sisters seemed every day more strange to her. And she had misgivings and fears which she dared not acknowledge to herself, though she was always secretly brooding over them. Ihr Herz suchte ihr fortwährend zu versichern, daß George Osborne ihrer würdig und ihr treu sei, obgleich sie es anders wußte. Wie vieles hatte sie gesagt, ohne ein Echo von ihm zu vernehmen. Wie oft mußte sie dem Verdacht der Selbstsucht und der Gleichgültigkeit begegnen und ihn hartnäckig niederkämpfen. Wem konnte die arme kleine Märtyrerin diese tagtäglichen Kämpfe und Qualen anvertrauen? Ihr Held selbst verstand sie nur halb. Sie wagte es nicht, sich zu gestehen, daß der Mann ihrer Liebe ihr unterlegen war; sie wollte nicht fühlen, daß sie ihr Herz zu schnell verschenkt hatte. Da dies nun aber einmal geschehen war, so war das reine, schamhafte Mädchen zu bescheiden, zu zärtlich, zu vertrauensvoll, zu schwach, zu sehr Frau, um es wieder zurückzunehmen. Wir gehen mit der Liebe unserer Frauen wie die Türken um und haben sie zur Anerkennung unserer Lehre gezwungen. Wir lassen ihren Körper frei umhergehen, sie dürfen lächeln und Locken und rosa Hüte tragen, anstatt sich hinter Schleier und Jaschmak zu verbergen. Aber ihre Seele darf nur von einem einzigen Mann gesehen werden, und sie gehorchen nicht ungern und sind einverstanden, als unsere Sklavinnen zu Hause zu bleiben, uns zu bedienen und sich für uns abzuplagen.   Her heart tried to persist in asserting that George Osborne was worthy and faithful to her, though she knew otherwise. How many a thing had she said, and got no echo from him. How many suspicions of selfishness and indifference had she to encounter and obstinately overcome. To whom could the poor little martyr tell these daily struggles and tortures? Her hero himself only half understood her. She did not dare to own that the man she loved was her inferior; or to feel that she had given her heart away too soon. Given once, the pure bashful maiden was too modest, too tender, too trustful, too weak, too much woman to recall it. We are Turks with the affections of our women; and have made them subscribe to our doctrine too. We let their bodies go abroad liberally enough, with smiles and ringlets and pink bonnets to disguise them instead of veils and yakmaks. But their souls must be seen by only one man, and they obey not unwillingly, and consent to remain at home as our slaves — ministering to us and doing drudgery for us. So gefangen und gequält war dieses sanfte Herzchen, als im März Anno Domini 1815 Napoleon in Cannes landete, Ludwig XVIII. floh, ganz Europa in Unruhe versetzt wurde, die Aktien fielen und der alte John Sedley ruiniert wurde.   So imprisoned and tortured was this gentle little heart, when in the month of March, Anno Domini 1815, Napoleon landed at Cannes, and Louis XVIII fled, and all Europe was in alarm, and the funds fell, and old John Sedley was ruined. Wir wollen dem würdigen alten Börsenmakler nicht durch die letzten Qualen und Kämpfe des Ruins folgen, bis sein geschäftlicher Tod eintrat. Er wurde auf der Börse als zahlungsunfähig ausgehängt, er blieb von seinem Kontor weg, seine Wechsel wurden protestiert, sein Bankrott wurde in aller Form ausgesprochen. Das Haus und die Einrichtung am Russell Square wurden beschlagnahmt und verkauft und er und seine Familie daraus vertrieben, wie wir gesehen haben. Sollten sie sehen, wo sie nun blieben.   We are not going to follow the worthy old stockbroker through those last pangs and agonies of ruin through which he passed before his commercial demise befell. They declared him at the Stock Exchange; he was absent from his house of business: his bills were protested: his act of bankruptcy formal. The house and furniture of Russell Square were seized and sold up, and he and his family were thrust away, as we have seen, to hide their heads where they might. John Sedley brachte es nicht übers Herz, die Dienstboten des Hauses, die dann und wann in unserer Geschichte aufgetreten sind, noch einmal zu sehen, nachdem er sie nun, durch Armut gezwungen, entlassen mußte. Der Lohn wurde diesen guten Leuten mit jener Pünktlichkeit ausgezahlt, die man häufig bei Leuten findet, welche große Summen schulden. Es tat ihnen sehr leid, gute Stellungen aufgeben zu müssen, aber es brach ihnen nicht das Herz, sich von ihren angebeteten Herrschaften zu trennen. Das Kammermädchen unserer Amelia war zwar verschwenderisch mit Beileidsbezeigungen, ging aber ganz gelassen davon, um sich in einem vornehmeren Stadtteil zu verbessern. Der schwarze Sambo beschloß mit der Verblendung seines Standes, ein Wirtshaus zu eröffnen. Nur die ehrliche Mrs. Blenkinsop, die Joes und Amelias Geburt sowie John Sedleys Werben um seine Frau erlebt hatte, wollte auch ohne Lohn bei ihnen bleiben, da sie in ihrem Dienst eine schöne Summe gespart hatte. Sie begleitete die gefallene Familie zu ihrem neuen und bescheidenen Zufluchtsort, wo sie sie eine Zeitlang brummend pflegte.   John Sedley had not the heart to review the domestic establishment who have appeared now and anon in our pages and of whom he was now forced by poverty to take leave. The wages of those worthy people were discharged with that punctuality which men frequently show who only owe in great sums — they were sorry to leave good places — but they did not break their hearts at parting from their adored master and mistress. Amelia’s maid was profuse in condolences, but went off quite resigned to better herself in a genteeler quarter of the town. Black Sambo, with the infatuation of his profession, determined on setting up a public-house. Honest old Mrs. Blenkinsop indeed, who had seen the birth of Jos and Amelia, and the wooing of John Sedley and his wife, was for staying by them without wages, having amassed a considerable sum in their service: and she accompanied the fallen people into their new and humble place of refuge, where she tended them and grumbled against them for a while. Unter allen Gegnern Sedleys bei den nun folgenden Verhandlungen mit seinen Gläubigern – Verhandlungen, die die Gefühle des gedemütigten alten Herrn so sehr quälten, daß er in sechs Wochen mehr alterte als während der verflossenen fünfzehn Jahre – schien der entschlossenste und hartnäckigste sein alter Freund und Nachbar John Osborne zu sein, John Osborne, dem er geholfen hatte, auf eigenen Füßen zu stehen, der ihm hundertmal zu Dank verpflichtet war und dessen Sohn Sedleys Tochter heiraten sollte. Schon einer dieser Gründe würde die Bitterkeit von Osbornes Gegnerschaft hinreichend erklären.   Of all Sedley’s opponents in his debates with his creditors which now ensued, and harassed the feelings of the humiliated old gentleman so severely, that in six weeks he oldened more than he had done for fifteen years before — the most determined and obstinate seemed to be John Osborne, his old friend and neighbour — John Osborne, whom he had set up in life — who was under a hundred obligations to him — and whose son was to marry Sedley’s daughter. Any one of these circumstances would account for the bitterness of Osborne’s opposition. Wenn ein Mensch einem anderen, mit dem er später in Streit gerät, sehr verpflichtet ist, so macht ihn ein allgemeines Anstandsgefühl gleichsam zu einem weit schlimmeren Feind, als er einem bloßen Fremden gegenüber sein würde. Um in diesem Fall deine eigene Hartherzigkeit und Undankbarkeit zu erklären und zu rechtfertigen, mußt du das Verbrechen des anderen Teiles beweisen. Nicht du selbst bist selbstsüchtig, brutal und wütend beim Fehlschlagen einer Spekulation – nein, nein, dein Partner hat dich durch niederträchtige Verräterei und in unehrlicher Absicht dazu verleitet. Ein bloßer Sinn für Konsequenz verpflichtet einen Ankläger, zu zeigen, daß der Gefallene ein Schurke ist – sonst ist er, der Ankläger, nämlich selbst ein Schuft.   When one man has been under very remarkable obligations to another, with whom he subsequently quarrels, a common sense of decency, as it were, makes of the former a much severer enemy than a mere stranger would be. To account for your own hard-heartedness and ingratitude in such a case, you are bound to prove the other party’s crime. It is not that you are selfish, brutal, and angry at the failure of a speculation — no, no — it is that your partner has led you into it by the basest treachery and with the most sinister motives. From a mere sense of consistency, a persecutor is bound to show that the fallen man is a villain — otherwise he, the persecutor, is a wretch himself. Es ist eine allgemeine Regel, beruhigend für alle gestrengen Gläubiger, daß nämlich höchstwahrscheinlich kein Mensch, der sich in Verlegenheit befindet, vollkommen ehrlich ist. Er verhehlt immer etwas, übertreibt Glücksumstände, verheimlicht den wahren Stand der Dinge, sagt, bei ihm sei alles in Ordnung, wenn er gerade alle Hoffnung aufgegeben hat, trägt stets ein lächelndes Gesicht zur Schau (wahrhaftig, ein trauriges Lächeln!), während er am Rande des Bankrotts steht, möchte gern jeden Vorwand für einen Aufschub benutzen oder jede Art von Geld aufnehmen, um den unausbleiblichen Ruin noch einige Tage hinauszuschieben. »Nieder mit solcher Unehrlichkeit!« ruft der Gläubiger triumphierend und schmäht seinen sinkenden Feind noch. »Du Narr, warum klammerst du dich an einen Strohhalm?« fragt der kühle gesunde Menschenverstand den Ertrinkenden. »Du Schuft, warum scheust du dich, in der ›Gazette‹ zu erscheinen, wo du doch sowieso einmal hineinmußt?« schreit der Reichtum den armen Teufel an, der sich in diesem schwarzen Strudel abmüht. Wer hat nicht schon bemerkt, mit welchem Eifer sich die intimsten Freunde und die ehrlichsten Menschen verdächtigen und sich gegenseitig des Betruges beschuldigen, wenn sie sich wegen Geldsachen überwerfen. Alle tun es. Alle haben vermutlich recht, und die Welt ist ein Schurke.   And as a general rule, which may make all creditors who are inclined to be severe pretty comfortable in their minds, no men embarrassed are altogether honest, very likely. They conceal something; they exaggerate chances of good luck; hide away the real state of affairs; say that things are flourishing when they are hopeless, keep a smiling face (a dreary smile it is) upon the verge of bankruptcy — are ready to lay hold of any pretext for delay or of any money, so as to stave off the inevitable ruin a few days longer. “Down with such dishonesty,” says the creditor in triumph, and reviles his sinking enemy. “You fool, why do you catch at a straw?” calm good sense says to the man that is drowning. “You villain, why do you shrink from plunging into the irretrievable Gazette?” says prosperity to the poor devil battling in that black gulf. Who has not remarked the readiness with which the closest of friends and honestest of men suspect and accuse each other of cheating when they fall out on money matters? Everybody does it. Everybody is right, I suppose, and the world is a rogue. Außerdem hatte Osborne noch das unerträgliche Bewußtsein, einst von Sedley Wohltaten empfangen zu haben. Das stachelte und ärgerte ihn, und so etwas vertieft die Feindschaft stets noch. Schließlich mußte er das Verhältnis zwischen Sedleys Tochter und seinem Sohn abbrechen. Und da die Sache schon sehr weit gediehen war und das Glück, ja vielleicht der gute Ruf des armen Mädchens auf dem Spiele standen, so mußten wirklich zwingende Gründe für den Bruch ins Feld geführt werden, und John Osborne hatte zu beweisen, daß John Sedley wirklich ein ganz schlechtes Subjekt sei.   Then Osborne had the intolerable sense of former benefits to goad and irritate him: these are always a cause of hostility aggravated. Finally, he had to break off the match between Sedley’s daughter and his son; and as it had gone very far indeed, and as the poor girl’s happiness and perhaps character were compromised, it was necessary to show the strongest reasons for the rupture, and for John Osborne to prove John Sedley to be a very bad character indeed. Bei den Gläubigerversammlungen trat John Osborne daher mit einer solchen Wut und Verachtung gegen Sedley auf, daß es dem ruinierten alten Manne fast das Herz brach. Von Stund an verbot er George jeglichen Umgang mit Amelia und bedrohte den jungen Mann mit seinem Fluch, falls er seinem Befehl zuwiderhandelte, und sprach von dem armen, unschuldigen Mädchen geringschätzig als von einem gemeinen und gerissenen Weibstück. Eine Hauptvoraussetzung für Haß und Zorn ist, daß man über den Verhaßten Lügen verbreiten und sie auch glauben muß, um, wie gesagt, konsequent zu sein.   At the meetings of creditors, then, he comported himself with a savageness and scorn towards Sedley, which almost succeeded in breaking the heart of that ruined bankrupt man. On George’s intercourse with Amelia he put an instant veto — menacing the youth with maledictions if he broke his commands, and vilipending the poor innocent girl as the basest and most artful of vixens. One of the great conditions of anger and hatred is, that you must tell and believe lies against the hated object, in order, as we said, to be consistent. Als der große Krach kam – die Verkündung des Ruins, der Auszug vom Russell Square und die Erklärung, daß zwischen ihr und George, zwischen ihr und der Liebe, dem Glück und dem Glauben an die Welt alles aus sei – ein brutaler Brief von John Osborne teilte ihr in wenigen Zeilen mit, daß das Verhalten ihres Vaters jede Verbindung zwischen den beiden Familien verbiete –, als die letzte Entscheidung kam, war sie nicht so erschüttert, wie ihre Eltern, oder vielmehr ihre Mutter, erwartet hatten, denn John Sedley selbst war völlig zerschmettert: in den Trümmern seiner eigenen Angelegenheiten und seiner vernichteten Ehre. Amelia nahm die Nachricht bleich und ruhig auf. Es war ja nur die Bestätigung ihrer düsteren Ahnungen. Es war nur die Urteilsverkündung für das Verbrechen, dessen sie sich längst schuldig gemacht hatte, nämlich zu Unrecht, gegen alle Vernunft, leidenschaftlich zu lieben. Sie verriet jetzt ihre Gedanken ebensowenig wie früher. Jetzt, wo sie überzeugt war, daß alle Hoffnung geschwunden sei, schien sie kaum unglücklicher zu sein als früher, als sie fühlte, aber sich nicht einzugestehen wagte, daß alles vorbei sei. So zog sie ohne jede Äußerung aus dem großen Haus in das kleine, blieb meistens in ihrem Zimmerchen, härmte sich im stillen ab und welkte dahin. Ich will nicht sagen, alle Frauen seien so. Ich glaube nicht, daß Ihr Herz, meine liebe Miss Bullock, brechen würde! Sie sind ein vernünftiges junges Mädchen mit gesunden Grundsätzen. Ich will auch nicht sagen, daß meines brechen würde, es hat vieles erduldet und ist trotzdem am Leben geblieben. Aber es gibt solche Seelen, die so zart gebaut, so zerbrechlich, fein und empfindlich sind.   When the great crash came — the announcement of ruin, and the departure from Russell Square, and the declaration that all was over between her and George — all over between her and love, her and happiness, her and faith in the world — a brutal letter from John Osborne told her in a few curt lines that her father’s conduct had been of such a nature that all engagements between the families were at an end — when the final award came, it did not shock her so much as her parents, as her mother rather expected (for John Sedley himself was entirely prostrate in the ruins of his own affairs and shattered honour). Amelia took the news very palely and calmly. It was only the confirmation of the dark presages which had long gone before. It was the mere reading of the sentence — of the crime she had long ago been guilty — the crime of loving wrongly, too violently, against reason. She told no more of her thoughts now than she had before. She seemed scarcely more unhappy now when convinced all hope was over, than before when she felt but dared not confess that it was gone. So she changed from the large house to the small one without any mark or difference; remained in her little room for the most part; pined silently; and died away day by day. I do not mean to say that all females are so. My dear Miss Bullock, I do not think your heart would break in this way. You are a strong-minded young woman with proper principles. I do not venture to say that mine would; it has suffered, and, it must be confessed, survived. But there are some souls thus gently constituted, thus frail, and delicate, and tender. Sooft der alte John Sedley an die Angelegenheit zwischen George und Amelia dachte oder darauf anspielte, geschah es mit einer Bitterkeit, die der Mr. Osbornes kaum nachstand. Er verfluchte Osborne und seine Familie als herzlos, schurkisch und undankbar. Er schwor, keine Macht auf Erden könne ihn bewegen, seine Tochter an den Sohn so eines Halunken zu verheiraten, und er befahl Emmy, sich George aus dem Sinn zu schlagen und alle Geschenke und Briefe zurückzugeben, die sie je von ihm empfangen hatte.   Whenever old John Sedley thought of the affair between George and Amelia, or alluded to it, it was with bitterness almost as great as Mr. Osborne himself had shown. He cursed Osborne and his family as heartless, wicked, and ungrateful. No power on earth, he swore, would induce him to marry his daughter to the son of such a villain, and he ordered Emmy to banish George from her mind, and to return all the presents and letters which she had ever had from him. Sie versprach, sich in ihr Schicksal zu fügen, und versuchte zu gehorchen. Sie packte die wenigen Schmucksachen zusammen und zog die Briefe aus ihrem Versteck und las sie noch einmal – als ob sie sie nicht schon auswendig gewußt hätte. Aber von ihnen konnte sie sich nicht trennen. Das war zuviel verlangt, sie steckte sie wieder in den Busen – so sieht man manchmal eine Frau ihr totes Kind herzen. Die junge Amelia fühlte, daß sie sterben oder den Verstand verlieren würde, wenn man ihr diesen letzten Trost entrisse. Wie sie jedesmal, wenn einer von diesen Briefen gekommen war, errötete und strahlte, wie schnell sie klopfenden Herzens wegtrippelte, um ihn ungestört lesen zu können! Waren sie kühl gehalten, so las sie diese liebevolle kleine Seele in Wärme um, waren sie kurz und egoistisch, fand sie immer wieder Entschuldigungen für den Schreiber!   She promised acquiescence, and tried to obey. She put up the two or three trinkets: and, as for the letters, she drew them out of the place where she kept them; and read them over — as if she did not know them by heart already: but she could not part with them. That effort was too much for her; she placed them back in her bosom again — as you have seen a woman nurse a child that is dead. Young Amelia felt that she would die or lose her senses outright, if torn away from this last consolation. How she used to blush and lighten up when those letters came! How she used to trip away with a beating heart, so that she might read unseen! If they were cold, yet how perversely this fond little soul interpreted them into warmth. If they were short or selfish, what excuses she found for the writer! Über diesen wenigen wertlosen Papieren brütete und brütete sie nun. Sie lebte in der Vergangenheit – jeder Brief schien ihr ein Ereignis daraus zurückzurufen. Wie gut sie sich an alles erinnerte! Sein Blick und sein Ton, seine Kleidung, was er sagte und wie er es sagte – diese Reliquien und Erinnerungsstücke einer toten Neigung waren alles, was ihr auf der Welt verblieben war. Und ihre Lebensaufgabe war nun, den Leichnam der Liebe zu bewachen.   It was over these few worthless papers that she brooded and brooded. She lived in her past life — every letter seemed to recall some circumstance of it. How well she remembered them all! His looks and tones, his dress, what he said and how — these relics and remembrances of dead affection were all that were left her in the world. And the business of her life, was — to watch the corpse of Love. Dem Tode sah sie mit unaussprechlichem Verlangen entgegen. Dann, dachte sie, werde ich stets bei ihm sein, werde ich ihm stets folgen. – Ich lobe ihr Betragen nicht, und ich will es Miss Bullock keineswegs als nachahmenswertes Beispiel hinstellen. Miss B. versteht besser, ihre Gefühle zu beherrschen, als dieses arme kleine Geschöpf. Miss B. hätte sich nie so kompromittiert wie die unvorsichtige Amelia, hätte nie ihre Liebe verpfändet und ihr Herz offenbart und verschenkt, ohne etwas anderes dafür zu erhalten als ein unsicheres Versprechen, das in einem Augenblick gebrochen und wertlos war. Eine lange Verlobung ist eine Gemeinschaft, bei der ein Partner nach eigenem Willen sein Wort halten oder brechen kann, in der aber das ganze Kapital des anderen steckt.   To death she looked with inexpressible longing. Then, she thought, I shall always be able to follow him. I am not praising her conduct or setting her up as a model for Miss Bullock to imitate. Miss B. knows how to regulate her feelings better than this poor little creature. Miss B. would never have committed herself as that imprudent Amelia had done; pledged her love irretrievably; confessed her heart away, and got back nothing — only a brittle promise which was snapt and worthless in a moment. A long engagement is a partnership which one party is free to keep or to break, but which involves all the capital of the other. Seid daher vorsichtig, ihr jungen Damen! Seid wachsam, wie ihr euch bindet! Hütet euch, aufrichtig zu lieben, verratet nie alle eure Gefühle oder (noch besser) fühlt sehr wenig! Beachtet die Folgen der vorschnellen Ehrlichkeit und des Vertrauens! Mißtraut euch selbst und allen anderen! Verheiratet euch am besten wie in Frankreich, wo Advokaten Brautjungfern und Vertraute sind. Auf jeden Fall hütet euch vor Gefühlen, die euch unbequem werden können, und vor Versprechungen, die ihr nicht ständig in der Gewalt habt und zurückziehen könnt. Das ist der Weg, auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit sein Glück zu machen, sich Achtung zu verschaffen und einen tugendhaften Charakter zu erhalten.   Be cautious then, young ladies; be wary how you engage. Be shy of loving frankly; never tell all you feel, or (a better way still), feel very little. See the consequences of being prematurely honest and confiding, and mistrust yourselves and everybody. Get yourselves married as they do in France, where the lawyers are the bridesmaids and confidantes. At any rate, never have any feelings which may make you uncomfortable, or make any promises which you cannot at any required moment command and withdraw. That is the way to get on, and be respected, and have a virtuous character in Vanity Fair. Hätte Amelia diese Kommentare hören können, die die Kreise, aus denen der Ruin ihres Vaters sie gerade vertrieben hatte, über sie machten, so hätte sie erfahren, welche Verbrechen sie begangen hatte und wie sehr ihr guter Ruf gefährdet war. Von solch einer verbrecherischen Unklugheit hatte Mrs. Smith noch nie gehört, solche abscheulichen Vertraulichkeiten hatte Mrs. Brown stets verdammt, und das Ende sollte nun ihren Töchtern als warnendes Beispiel dienen. »Hauptmann Osborne kann natürlich die Tochter eines Bankrotteurs nicht heiraten«, sagten die beiden Miss Dobbin. »Es ist schon genug, von dem Vater beschwindelt zu werden. Und die kleine Amelia hat in ihrer Torheit alles überschritten, was...«   If Amelia could have heard the comments regarding her which were made in the circle from which her father’s ruin had just driven her, she would have seen what her own crimes were, and how entirely her character was jeopardised. Such criminal imprudence Mrs. Smith never knew of; such horrid familiarities Mrs. Brown had always condemned, and the end might be a warning to her daughters. “Captain Osborne, of course, could not marry a bankrupt’s daughter,” the Misses Dobbin said. “It was quite enough to have been swindled by the father. As for that little Amelia, her folly had really passed all — ” »Alles, was?« brüllte Hauptmann Dobbin. »Waren sie nicht schon von Kindheit an miteinander verlobt? War es nicht so gut wie eine Ehe? Wagt jemand, auch nur ein Wort gegen das lieblichste, reinste, zärtlichste, engelhafteste aller Mädchen zu sagen?«   “All what?” Captain Dobbin roared out. “Haven’t they been engaged ever since they were children? Wasn’t it as good as a marriage? Dare any soul on earth breathe a word against the sweetest, the purest, the tenderest, the most angelical of young women?” »Ach Gott, William, sei doch nicht zu rabiat gegen uns. Wir sind doch keine Männer. Wir können uns nicht mit dir schlagen«, sagte Miss Jane. »Wir haben doch nichts gegen Miss Sedley gesagt, bloß daß sie sich eben sehr unvorsichtig benommen hat, um es mal ganz harmlos auszudrücken, und daß ihre Eltern Leute sind, die ihr Unglück verdient haben.«   “La, William, don’t be so highty-tighty with us . We’re not men. We can’t fight you,” Miss Jane said. “We’ve said nothing against Miss Sedley: but that her conduct throughout was most imprudent , not to call it by any worse name; and that her parents are people who certainly merit their misfortunes.” »Willst du ihr nicht lieber selbst einen Heiratsantrag machen, wo sie doch jetzt frei ist, William?« fragte Miss Ann sarkastisch. »Das wäre doch eine angemessene Familienverbindung. Haha!«   “Hadn’t you better, now that Miss Sedley is free, propose for her yourself, William?” Miss Ann asked sarcastically. “It would be a most eligible family connection. He! he!” »Ich sie heiraten!« sagte Dobbin schnell, wobei er tief errötete. »Wenn ihr, meine jungen Damen, so schnell dabei seid, eure Meinung andauernd zu ändern, glaubt ihr dann, daß sie es auch ist? Lacht und spottet nur über diesen Engel! Sie kann es ja nicht hören, und sie ist elend und unglücklich und verdient, daß man sie auslacht. Mach nur weiter mit deinem Ulk, Ann. Du bist der Witzbold der Familie, und die anderen hören es gern.«   “I marry her!” Dobbin said, blushing very much, and talking quick. “If you are so ready, young ladies, to chop and change, do you suppose that she is? Laugh and sneer at that angel. She can’t hear it; and she’s miserable and unfortunate, and deserves to be laughed at. Go on joking, Ann. You’re the wit of the family, and the others like to hear it.” »Ich muß dir abermals sagen, daß wir hier nicht in der Kaserne sind, William«, bemerkte Miss Ann.   “I must tell you again we’re not in a barrack, William,” Miss Ann remarked. »In der Kaserne, beim Zeus – ich wollte, es würde einer in der Kaserne so reden wie ihr«, brüllte der aufgestörte britische Löwe. »Soll mir bloß einer auch nur ein Wort gegen sie flüstern, beim Zeus. Aber Männer reden nicht so wie du, Ann, nur Weiber stecken die Köpfe zusammen und zischeln und kreischen und schnattern. Ach, macht, daß ihr wegkommt, und fangt nicht an zu heulen. Ich habe doch bloß gesagt, daß ihr ein paar Gänse seid«, sagte Will Dobbin, als er bemerkte, daß Miss Anns gerötete Augen wie üblich feucht wurden. »Ja doch, von mir aus seid ihr eben keine Gänse, sondern Schwäne – alles, was ihr wollt. Nur laßt bitte, bitte Miss Sedley aus dem Spiel!«   “In a barrack, by Jove — I wish anybody in a barrack would say what you do,” cried out this uproused British lion. “I should like to hear a man breathe a word against her, by Jupiter. But men don’t talk in this way, Ann: it’s only women, who get together and hiss, and shriek, and cackle. There, get away — don’t begin to cry. I only said you were a couple of geese,” Will Dobbin said, perceiving Miss Ann’s pink eyes were beginning to moisten as usual. “Well, you’re not geese, you’re swans — anything you like, only do, do leave Miss Sedley alone.” Hatte man schon so etwas wie die Vernarrtheit Williams in das einfältige, kokettierende, himmelnde kleine Ding erlebt? fragten sich die Schwestern und die Mama, und sie zitterten vor Angst, daß Amelia, da die Verlobung mit Osborne ja nun gelöst war, ihren anderen Anbeter und Hauptmann erhören würde. Bei diesen Befürchtungen urteilten die würdigen jungen Damen ohne Zweifel aus eigener Erfahrung oder, richtiger gesprochen (da sie bisher noch keine Gelegenheit zum Heiraten oder Sitzenlassen gehabt hatten), nach ihren eigenen Ansichten über Recht und Unrecht.   Anything like William’s infatuation about that silly little flirting, ogling thing was never known, the mamma and sisters agreed together in thinking: and they trembled lest, her engagement being off with Osborne, she should take up immediately her other admirer and Captain. In which forebodings these worthy young women no doubt judged according to the best of their experience; or rather (for as yet they had had no opportunities of marrying or of jilting) according to their own notions of right and wrong. »Man muß dem Himmel danken, Mama, daß das Regiment ins Ausland versetzt wird«, sagten die Mädchen. »Dann bleibt wenigstens diese Gefahr unserem Bruder erspart.«   “It is a mercy, Mamma, that the regiment is ordered abroad,” the girls said. “ This danger, at any rate, is spared our brother.” So war es auch. Und daher kommt es, daß der französische Kaiser auftritt und eine Rolle in dieser Familienkomödie vom Jahrmarkt der Eitelkeit spielt, die wir jetzt aufführen und die ohne das Eingreifen dieser hohen stummen Figur nie auf die Bühne gekommen wäre. Er war es, der die Bourbonen und Mr. John Sedley ruinierte. Seine Ankunft in seiner Hauptstadt rief ganz Frankreich zu den Waffen, um ihn dort zu verteidigen, und ganz Europa, um ihn seiner Macht zu entheben. Während die französische Nation und Armee auf dem Champ-de-Mai auf den Adler den Treueid leisteten, setzten sich vier gewaltige europäische Heere zur großen chasse à l'aigle in Bewegung. Eines dieser Heere war die britische Armee, zu der auch zwei unserer Helden, Hauptmann Dobbin und Hauptmann Osborne, gehörten.   Such, indeed, was the fact; and so it is that the French Emperor comes in to perform a part in this domestic comedy of Vanity Fair which we are now playing, and which would never have been enacted without the intervention of this august mute personage. It was he that ruined the Bourbons and Mr. John Sedley. It was he whose arrival in his capital called up all France in arms to defend him there; and all Europe to oust him. While the French nation and army were swearing fidelity round the eagles in the Champ de Mars, four mighty European hosts were getting in motion for the great chasse a l’aigle; and one of these was a British army, of which two heroes of ours, Captain Dobbin and Captain Osborne, formed a portion. Die Nachricht von Napoleons Flucht und Landung wurde von dem tapferen ...ten Regiment mit Jubel und Begeisterung begrüßt, was jeder begreift, der das berühmte Korps kennt. Vom Oberst bis zum kleinsten Regimentstrommler herab war alles voller Hoffnung, Ehrgeiz und patriotischer Wut. Sie waren dem französischen Kaiser dankbar wie für eine persönliche Gunstbezeigung, daß er gekommen war, um den Frieden Europas zu stören. Jetzt war endlich die Zeit gekommen, auf die das ...te Regiment lange sehnlichst gewartet hatte, wo sie ihren Waffenbrüdern zeigen konnten, daß sie zu kämpfen verstanden wie die Veteranen des Spanienkrieges und daß aller Mut und alle Tapferkeit des ...ten Regiments nicht von Westindien und dem gelben Fieber getötet worden war. Stubble und Spooney hofften, ihre Kompanie zu bekommen, ohne das Patent zu kaufen. Noch vor dem Ende des Feldzugs (an dem sie teilzunehmen beschloß) hoffte Majorin O'Dowd sich Frau Oberst O'Dowd schreiben zu können. Unsere beiden Freunde, Dobbin und Osborne, waren ebenso aufgeregt wie alle übrigen, und jeder war auf seine Weise entschlossen – Mr. Dobbin sehr ruhig, Mr. Osborne sehr laut und energisch –, seine Pflicht zu tun und seinen Teil an Ehre und Auszeichnung zu erringen.   The news of Napoleon’s escape and landing was received by the gallant — th with a fiery delight and enthusiasm, which everybody can understand who knows that famous corps. From the colonel to the smallest drummer in the regiment, all were filled with hope and ambition and patriotic fury; and thanked the French Emperor as for a personal kindness in coming to disturb the peace of Europe. Now was the time the — th had so long panted for, to show their comrades in arms that they could fight as well as the Peninsular veterans, and that all the pluck and valour of the — th had not been killed by the West Indies and the yellow fever. Stubble and Spooney looked to get their companies without purchase. Before the end of the campaign (which she resolved to share), Mrs. Major O’Dowd hoped to write herself Mrs. Colonel O’Dowd, C.B. Our two friends (Dobbin and Osborne) were quite as much excited as the rest: and each in his way — Mr. Dobbin very quietly, Mr. Osborne very loudly and energetically — was bent upon doing his duty, and gaining his share of honour and distinction. Die Erregung, die nach dieser Nachricht die Armee und das ganze Land durchzitterte, war so groß, daß man Privatsachen kaum noch beachtete. Daher machten Ereignisse, die den gerade zum Hauptmann beförderten George Osborne in ruhigeren Zeiten sehr interessiert hätten, keinen großen Eindruck auf ihn, der mit den Vorbereitungen zum sicheren Marsch und Aussichten auf weitere Beförderung beschäftigt war. Er war, wir müssen es bekennen, über das Mißgeschick des guten alten Mr. Sedley nicht sehr betrübt. An dem Tage, an dem die erste Gläubigerversammlung mit dem unglücklichen Herrn stattfand, probierte er gerade seine neue, kleidsame Uniform an. Sein Vater erzählte ihm von der boshaften, schurkischen, schändlichen Haltung des Bankrotteurs, erinnerte ihn an seine Worte über Amelia und wiederholte ihm, daß ihre Verbindung für immer abgebrochen sei. Am Abend gab er ihm eine beträchtliche Geldsumme, um die neuen Kleider und Epauletten zu bezahlen, in denen er so stattlich aussah. Geld konnte der freigebige junge Mann stets gebrauchen, und so nahm er es denn ohne viele Worte an. Die Aushänge waren am Sedleyschen Hause angebracht worden, wo er so viele, viele glückliche Stunden verlebt hatte. Er konnte sie im Mondschein weiß leuchten sehen, als er an jenem Abend von zu Hause zu Slaughter ging, wo er immer wohnte, wenn er in der Stadt war. Das gute, bequeme Haus war also für Amelia und ihre Eltern verschlossen, wo mochten sie wohl Zuflucht gesucht haben? Der Gedanke an ihren Ruin berührte ihn doch etwas. An diesem Abend war er im Kaffeezimmer von Slaughter sehr melancholisch und trank viel, wie seine Kameraden dort feststellten.   The agitation thrilling through the country and army in consequence of this news was so great, that private matters were little heeded: and hence probably George Osborne, just gazetted to his company, busy with preparations for the march, which must come inevitably, and panting for further promotion — was not so much affected by other incidents which would have interested him at a more quiet period. He was not, it must be confessed, very much cast down by good old Mr. Sedley’s catastrophe. He tried his new uniform, which became him very handsomely, on the day when the first meeting of the creditors of the unfortunate gentleman took place. His father told him of the wicked, rascally, shameful conduct of the bankrupt, reminded him of what he had said about Amelia, and that their connection was broken off for ever; and gave him that evening a good sum of money to pay for the new clothes and epaulets in which he looked so well. Money was always useful to this free-handed young fellow, and he took it without many words. The bills were up in the Sedley house, where he had passed so many, many happy hours. He could see them as he walked from home that night (to the Old Slaughters’, where he put up when in town) shining white in the moon. That comfortable home was shut, then, upon Amelia and her parents: where had they taken refuge? The thought of their ruin affected him not a little. He was very melancholy that night in the coffee-room at the Slaughters’; and drank a good deal, as his comrades remarked there. Bald kam Dobbin und warnte ihn, zuviel zu trinken, aber George meinte, daß er es nur tue, weil er verdammt trüber Stimmung sei. Als nun sein Freund jedoch begann, ungeschickte Fragen zu stellen, und sich bedeutungsvoll nach Neuigkeiten erkundigte, lehnte Osborne ab, sich mit ihm in ein Gespräch einzulassen, gab aber zu, daß er verteufelt unruhig und unglücklich sei.   Dobbin came in presently, cautioned him about the drink, which he only took, he said, because he was deuced low; but when his friend began to put to him clumsy inquiries, and asked him for news in a significant manner, Osborne declined entering into conversation with him, avowing, however, that he was devilish disturbed and unhappy. Drei Tage darauf fand Dobbin den jungen Hauptmann Osborne in seinem Zimmer in der Kaserne – den Kopf auf dem Tisch, um ihn her eine Menge Papiere verstreut, offenbar in äußerst kleinmütiger Stimmung. »Sie hat – sie hat mir ein paar Dinge zurückgeschickt, die ich ihr einmal geschenkt habe – ein bißchen verdammten Flitterkram. Hier, siehst du!« Da war ein Päckchen, in wohlbekannter Handschrift an Hauptmann George Osborne adressiert, und einige Gegenstände rundum verstreut – ein Ring, ein silbernes Messer, das er ihr als Knabe auf einem Jahrmarkt gekauft hatte, eine goldene Kette und ein Medaillon mit einer Haarlocke. »Es ist alles aus«, sagte er mit einem Seufzer bitterer Reue. »Da, sieh, Will, du kannst es lesen, wenn du willst.«   Three days afterwards, Dobbin found Osborne in his room at the barracks — his head on the table, a number of papers about, the young Captain evidently in a state of great despondency. “She — she’s sent me back some things I gave her — some damned trinkets. Look here!” There was a little packet directed in the well-known hand to Captain George Osborne, and some things lying about — a ring, a silver knife he had bought, as a boy, for her at a fair; a gold chain, and a locket with hair in it. “It’s all over,” said he, with a groan of sickening remorse. “Look, Will, you may read it if you like.” Er deutete auf ein Briefchen, in dessen wenigen Zeilen folgendes stand:   There was a little letter of a few lines, to which he pointed, which said: Mein Papa hat mir befohlen, Ihnen diese Geschenke zurückzugeben, die ich in glücklichen Tagen von Ihnen erhalten habe. Dies soll mein letzter Brief an Sie sein. Ich glaube, ja ich weiß, Sie werden den Schlag, der uns getroffen hat, ebenso fühlen wie ich. Ich selbst entbinde Sie von einem Verlöbnis, das in unserem gegenwärtigen Elend nicht aufrechtzuerhalten ist. Ich bin überzeugt, daß Sie weder daran noch an Mr. Osbornes grausamen Verdächtigungen teilhaben, die uns in all unserem Kummer am schwersten bedrücken. Leben Sie wohl. Leben Sie wohl. Ich flehe zu Gott, mir die Kraft zu geben, das und weiteres Elend ertragen zu können, und Sie stets mit seinem Segen zu überhäufen. A.   My papa has ordered me to return to you these presents, which you made in happier days to me; and I am to write to you for the last time. I think, I know you feel as much as I do the blow which has come upon us. It is I that absolve you from an engagement which is impossible in our present misery. I am sure you had no share in it, or in the cruel suspicions of Mr. Osborne, which are the hardest of all our griefs to bear. Farewell. Farewell. I pray God to strengthen me to bear this and other calamities, and to bless you always. A. Ich werde oft auf dem Klavier – Ihrem Klavier – spielen. Es sah Ihnen so ähnlich, es mir zu schicken.   I shall often play upon the piano — your piano. It was like you to send it. Dobbin war sehr weichherzig. Beim Anblick leidender Frauen und Kinder schmolz er stets dahin. Der Gedanke, daß Amelia gramverzehrt und einsam sei, zerriß seine gute Seele vor Pein. Er geriet in eine Gefühlsaufwallung, die jeder, der Lust hat, als unmännlich betrachten mag. Er schwor, Amelia sei ein Engel, wozu Osborne von ganzem Herzen zustimmte. Auch er hatte seine und Amelias Lebensgeschichte an sich vorbeiziehen lassen und sie, von ihrer Kindheit bis jetzt, so süß, so unschuldig, so bezaubernd einfach, liebevoll und zärtlich gesehen.   Dobbin was very soft-hearted. The sight of women and children in pain always used to melt him. The idea of Amelia broken-hearted and lonely tore that good-natured soul with anguish. And he broke out into an emotion, which anybody who likes may consider unmanly. He swore that Amelia was an angel, to which Osborne said aye with all his heart. He, too, had been reviewing the history of their lives — and had seen her from her childhood to her present age, so sweet, so innocent, so charmingly simple, and artlessly fond and tender. Welch ein Schmerz, dies alles nun verlieren zu müssen, es besessen und nicht gehörig geschätzt zu haben! Tausend liebliche Szenen und Erinnerungen drängten sich ihm auf, und stets sah er sie gut und schön vor sich. Er errötete vor Scham und Reue bei der Erinnerung an seine Selbstsucht und Gleichgültigkeit im Gegensatz zu ihrer vollkommenen Reinheit. Für eine Weile war Ruhm, Krieg und alles andere vergessen, und die beiden Freunde sprachen nur von ihr.   What a pang it was to lose all that: to have had it and not prized it! A thousand homely scenes and recollections crowded on him — in which he always saw her good and beautiful. And for himself, he blushed with remorse and shame, as the remembrance of his own selfishness and indifference contrasted with that perfect purity. For a while, glory, war, everything was forgotten, and the pair of friends talked about her only. »Wo sind sie?« fragte Osborne nach einem langen Gespräch und einer langen Pause, und er war wirklich beschämt bei dem Gedanken, daß er keinerlei Schritte unternommen hatte, ihr zu folgen. »Wo sind sie? In dem Briefchen steht keine Adresse.«   “Where are they?” Osborne asked, after a long talk, and a long pause — and, in truth, with no little shame at thinking that he had taken no steps to follow her. “Where are they? There’s no address to the note.” Dobbin wußte es. Er hatte nicht nur das Klavier geschickt, sondern auch an Mrs. Sedley geschrieben und um Erlaubnis gebeten, sie besuchen zu dürfen, und er hatte sie und Amelia tags zuvor gesehen, ehe er wieder nach Chatham ging. Außerdem hatte er den Abschiedsbrief und das Päckchen überbracht, das sie beide so bewegt hatte.   Dobbin knew. He had not merely sent the piano; but had written a note to Mrs. Sedley, and asked permission to come and see her — and he had seen her, and Amelia too, yesterday, before he came down to Chatham; and, what is more, he had brought that farewell letter and packet which had so moved them. Mrs. Sedley hatte den gutmütigen Burschen nur zu bereitwillig empfangen. Er fand sie sehr aufgeregt über das Eintreffen des Klaviers, das, wie sie vermutete, nur von George kommen konnte und ein Zeichen seiner Freundschaft war. Hauptmann Dobbin befreite die würdige Dame nicht von ihrem Irrtum und hörte sich mitfühlend ihre ganze Leidensgeschichte an, bedauerte ihre Verluste und Entbehrungen und tadelte, gleich ihr, Mr. Osbornes verwerfliches Verhalten gegenüber seinem ersten Wohltäter. Als sie ihr überströmendes Herz etwas erleichtert und einen großen Teil ihrer Sorgen vor ihm ausgeschüttet hatte, faßte er wirklich Mut, zu fragen, ob er Amelia sehen dürfte, die, wie gewöhnlich, oben in ihrem Zimmerchen war und zitternd von der Mutter herabgeführt wurde.   The good-natured fellow had found Mrs. Sedley only too willing to receive him, and greatly agitated by the arrival of the piano, which, as she conjectured, must have come from George, and was a signal of amity on his part. Captain Dobbin did not correct this error of the worthy lady, but listened to all her story of complaints and misfortunes with great sympathy — condoled with her losses and privations, and agreed in reprehending the cruel conduct of Mr. Osborne towards his first benefactor. When she had eased her overflowing bosom somewhat, and poured forth many of her sorrows, he had the courage to ask actually to see Amelia, who was above in her room as usual, and whom her mother led trembling downstairs. Sie sah so totenblaß aus und blickte so verzweifelt, daß der ehrliche William Dobbin bei ihrem Anblick erschrak und in dem bleichen, starren Gesicht die schlimmsten Vorzeichen las. Nachdem sie ein paar Minuten mit ihm gesessen hatte, drückte sie ihm das Päckchen in die Hand und bat: »Bringen Sie das bitte Hauptmann Osborne und – und ich hoffe, es geht ihm gut – und es war sehr freundlich von Ihnen, uns zu besuchen – und unser neues Haus gefällt uns sehr. Und ich – ich glaube, ich werde wieder hinaufgehen, Mama, ich fühle mich etwas schwach.« Damit ging das arme Kind knicksend und lächelnd davon. Als die Mutter Amelia hinaufführte, warf sie einen ängstlichen Blick auf Dobbin. Einer solchen Aufforderung bedurfte es bei dem guten Burschen nicht. Dafür liebte er sie selbst viel zu zärtlich. Unaussprechlicher Kummer, Mitleid, Schrecken verfolgten ihn, als er, nachdem er sie gesehen hatte, wie ein Verbrecher davonschlich.   Her appearance was so ghastly, and her look of despair so pathetic, that honest William Dobbin was frightened as he beheld it; and read the most fatal forebodings in that pale fixed face. After sitting in his company a minute or two, she put the packet into his hand, and said, “Take this to Captain Osborne, if you please, and — and I hope he’s quite well — and it was very kind of you to come and see us — and we like our new house very much. And I — I think I’ll go upstairs, Mamma, for I’m not very strong.” And with this, and a curtsey and a smile, the poor child went her way. The mother, as she led her up, cast back looks of anguish towards Dobbin. The good fellow wanted no such appeal. He loved her himself too fondly for that. Inexpressible grief, and pity, and terror pursued him, and he came away as if he was a criminal after seeing her. Als Osborne hörte, daß sein Freund sie gefunden hatte, erkundigte er sich warm und ängstlich nach dem armen Kind. Wie ging es ihr? Wie sah sie aus? Was sagte sie? Der Kamerad ergriff seine Hand und blickte ihm ins Gesicht.   When Osborne heard that his friend had found her, he made hot and anxious inquiries regarding the poor child. How was she? How did she look? What did she say? His comrade took his hand, and looked him in the face. »George, sie stirbt«, sagte William Dobbin. Er konnte nicht weitersprechen.   “George, she’s dying,” William Dobbin said — and could speak no more. In dem Häuschen, wo Familie Sedley Zuflucht gefunden hatte, gab es ein dralles, irisches Dienstmädchen, das alle Hausarbeit tat. Dieses Mädchen hatte sich während der vergangenen Tage vergeblich bemüht, Amelia Hilfe oder Trost zu geben. Emmy aber war viel zu traurig, um auf sie zu hören, und bemerkte nicht einmal die Versuche der anderen, sie aufzuheitern.   There was a buxom Irish servant-girl, who performed all the duties of the little house where the Sedley family had found refuge: and this girl had in vain, on many previous days, striven to give Amelia aid or consolation. Emmy was much too sad to answer, or even to be aware of the attempts the other was making in her favour. Vier Stunden nach dem Gespräch zwischen Dobbin und Osborne kam dieses Dienstmädchen in Amelias Zimmer, wo sie wie gewöhnlich über ihren Briefen, ihren kleinen Schätzen, brütete. Das Mädchen lächelte und machte mit schlauer und glücklicher Miene allerlei Versuche, die Aufmerksamkeit der armen Emmy zu erwecken. Aber diese nahm keinerlei Notiz von ihr.   Four hours after the talk between Dobbin and Osborne, this servant-maid came into Amelia’s room, where she sate as usual, brooding silently over her letters — her little treasures. The girl, smiling, and looking arch and happy, made many trials to attract poor Emmy’s attention, who, however, took no heed of her. »Miss Emmy!« sagte das Mädchen.   “Miss Emmy,” said the girl. »Ich komme gleich«, sagte Emmy, ohne sich umzusehen.   “I’m coming,” Emmy said, not looking round. »Ich habe etwas auszurichten«, fuhr das Dienstmädchen fort. »Da ist etwas – jemand – hier ist ein neuer Brief für Sie – lassen Sie doch die Leserei von den alten sein.« Und sie reichte ihr einen Brief. Emmy nahm ihn und las.   “There’s a message,” the maid went on. “There’s something — somebody — sure, here’s a new letter for you — don’t be reading them old ones any more.” And she gave her a letter, which Emmy took, and read. »Ich muß Dich sehen«, sagte der Brief. »Liebste Emmy –mein Liebling – meine liebe, kleine Frau, komm zu mir.«   “I must see you,” the letter said. “Dearest Emmy — dearest love — dearest wife, come to me.” George und ihre Mutter standen vor der Tür und warteten, bis sie den Brief gelesen hatte.   George and her mother were outside, waiting until she had read the letter. 19. Kapitel / Chapter 19 Miss Crawley in Pflege / Miss Crawley at Nurse Wir haben gesehen, daß Mrs. Firkin, die Kammerfrau, sich verpflichtet fühlte, jedesmal, wenn sie ein für die Familie Crawley wichtiges Ereignis erfuhr, es Mrs. Bute Crawley im Pfarrhaus mitzuteilen. Wir haben weiter oben auch erwähnt, wie freundlich und aufmerksam diese gutmütige Dame gegen Miss Crawleys vertrauenswürdigen Butler war, und auch für Miss Briggs, die Gesellschaftsdame, war sie stets eine gütige Freundin gewesen und hatte sich deren Wohlwollen durch eine Unzahl von Aufmerksamkeiten und Versprechungen erworben, die den Spender so wenig kosten und dem Empfänger doch so angenehm und wertvoll sind. füberhäuft. Jede sparsame Hausfrau sollte wissen, wie wohlfeil und doch gern gesehen solche Erklärungen sind und welchen Wohlgeschmack sie der einfachsten Speise im Leben verleihen. Wer war bloß der Dummkopf, der das Sprichwort »Schöne Worte machen den Kohl nicht fett« erfand? Ich sage dagegen, die Hälfte allen Kohls der Gesellschaft wird mit keiner anderen Zutat angerichtet und serviert. Wie der unsterbliche Alexis Soyer eine köstlichere Suppe für einen halben Penny zubereiten kann als ein schlechter Koch, der Fleisch und Gemüse pfundweise verbraucht, ebenso kann ein geschickter Künstler mit ein paar einfachen, gefälligen Redensarten mehr ausrichten als ein bloßer Stümper mit einem ganzen Vorrat von wirklichen Wohltaten. Ja, wir wissen sogar, daß wirkliche Wohltaten einige Mägen oft zum Erbrechen reizen, während die meisten jede Menge schöner Worte gut verdauen und immer noch mehr von dieser Kost verlangen. Mrs. Bute hatte der Briggs und der Firkin so oft ihre große Zuneigung beteuert und ihnen erzählt, was sie alles für so vortreffliche und ergebene Freundinnen tun würde, besäße sie nur Miss Crawleys Vermögen, daß die fraglichen Damen sie sehr schätzten und ihr ebensoviel Dankbarkeit und Vertrauen entgegenbrachten, als hätte Mrs. Bute sie mit kostspieligen Gunstbezeigungen überhäuft.   We have seen how Mrs. Firkin, the lady’s maid, as soon as any event of importance to the Crawley family came to her knowledge, felt bound to communicate it to Mrs. Bute Crawley, at the Rectory; and have before mentioned how particularly kind and attentive that good-natured lady was to Miss Crawley’s confidential servant. She had been a gracious friend to Miss Briggs, the companion, also; and had secured the latter’s good-will by a number of those attentions and promises, which cost so little in the making, and are yet so valuable and agreeable to the recipient. Indeed every good economist and manager of a household must know how cheap and yet how amiable these professions are, and what a flavour they give to the most homely dish in life. Who was the blundering idiot who said that “fine words butter no parsnips”? Half the parsnips of society are served and rendered palatable with no other sauce. As the immortal Alexis Soyer can make more delicious soup for a half-penny than an ignorant cook can concoct with pounds of vegetables and meat, so a skilful artist will make a few simple and pleasing phrases go farther than ever so much substantial benefit-stock in the hands of a mere bungler. Nay, we know that substantial benefits often sicken some stomachs; whereas, most will digest any amount of fine words, and be always eager for more of the same food. Mrs. Bute had told Briggs and Firkin so often of the depth of her affection for them; and what she would do, if she had Miss Crawley’s fortune, for friends so excellent and attached, that the ladies in question had the deepest regard for her; and felt as much gratitude and confidence as if Mrs. Bute had loaded them with the most expensive favours. Rawdon Crawley allerdings, dieser selbstsüchtige, schwerfällige Dragoner, gab sich nie Mühe, sich bei den Adjutanten seiner Tante angenehm zu machen. Er legte seine Verachtung für die beiden ganz offen an den Tag, ließ sich einmal von der Firkin die Stiefel ausziehen, schickte sie ein andermal im Regen mit entwürdigenden Aufträgen weg, und gab er ihr schon mal eine Guinee, so warf er sie ihr zu wie eine Ohrfeige. Da die Tante die Briggs auch zur Zielscheibe ihres Spottes machte, so folgte der Hauptmann ihrem Beispiel und zielte mit seinen Späßen auf sie – Späßen, so zart wie der Hufschlag seines Pferdes. Mrs. Bute dagegen zog sie in schwierigen Angelegenheiten oder in Fragen des Geschmacks zu Rate, bewunderte ihre Gedichte und bewies durch tausend höfliche und freundliche Taten, wie sehr sie die Briggs schätzte. Und wenn sie der Firkin ein Geschenk von ein paar Pennys machte, so tat sie es mit so vielen Komplimenten, daß sich die wenigen Pennys im Herzen der dankbaren Kammerfrau in pures Gold verwandelten. Außerdem wartete die Firkin geduldig auf einen erstaunlichen Glücksumstand, der sich an dem Tage ereignen mußte, wo Mrs. Bute ihr großes Erbe antreten würde.   Rawdon Crawley, on the other hand, like a selfish heavy dragoon as he was, never took the least trouble to conciliate his aunt’s aides-de-camp, showed his contempt for the pair with entire frankness — made Firkin pull off his boots on one occasion — sent her out in the rain on ignominious messages — and if he gave her a guinea, flung it to her as if it were a box on the ear. As his aunt, too, made a butt of Briggs, the Captain followed the example, and levelled his jokes at her — jokes about as delicate as a kick from his charger. Whereas, Mrs. Bute consulted her in matters of taste or difficulty, admired her poetry, and by a thousand acts of kindness and politeness, showed her appreciation of Briggs; and if she made Firkin a twopenny-halfpenny present, accompanied it with so many compliments, that the twopence-half-penny was transmuted into gold in the heart of the grateful waiting-maid, who, besides, was looking forwards quite contentedly to some prodigious benefit which must happen to her on the day when Mrs. Bute came into her fortune. Ich erlaube mir, Menschen, die in die Welt eintreten, ergebenst auf das unterschiedliche Benehmen dieser beiden Leute aufmerksam zu machen. Ich rate ihnen: Lobt jedermann, seid nie zurückhaltend, sondern sagt einem Menschen eure Komplimente gerade ins Gesicht und hinter seinem Rücken dann, wenn ihr annehmt, es besteht die Möglichkeit, daß sie ihm zu Ohren kommen. Laßt nie eine Gelegenheit vorübergehen, ein freundliches Wort anzubringen. Wie Collingwood auf seinem Gut nie eine leere Stelle sehen konnte, ohne eine Eichel aus der Tasche zu ziehen und sie in die Erde zu stecken, so haltet es auch euer Leben lang mit den Komplimenten. Eine Eichel kostet nichts, kann aber zu einer riesigen Menge Bauholz werden.   The different conduct of these two people is pointed out respectfully to the attention of persons commencing the world. Praise everybody, I say to such: never be squeamish, but speak out your compliment both point-blank in a man’s face, and behind his back, when you know there is a reasonable chance of his hearing it again. Never lose a chance of saying a kind word. As Collingwood never saw a vacant place in his estate but he took an acorn out of his pocket and popped it in; so deal with your compliments through life. An acorn costs nothing; but it may sprout into a prodigious bit of timber. Mit einem Wort, solange es Rawdon Crawley gut ging, gehorchte man ihm nur mürrisch. Als er nun in Ungnade fiel, war niemand da, um ihm zu helfen oder ihn zu bemitleiden. Dagegen als Mrs. Bute in Miss Crawleys Haus das Kommando übernahm, war die Besatzung ganz entzückt, unter solch einem Kommandeur zu stehen, und versprach sich alle erdenklichen Vorteile von ihren Versprechungen, ihrem Edelmut und ihren freundlichen Worten.   In a word, during Rawdon Crawley’s prosperity, he was only obeyed with sulky acquiescence; when his disgrace came, there was nobody to help or pity him. Whereas, when Mrs. Bute took the command at Miss Crawley’s house, the garrison there were charmed to act under such a leader, expecting all sorts of promotion from her promises, her generosity, and her kind words. Mrs. Bute Crawley glaubte nie, daß Rawdon sich nach einer einzigen Niederlage besiegt erklären und keinen weiteren Versuch unternehmen würde, die verlorene Stellung wiederzuerobern. Sie kannte Rebekka als zu klug, zu mutig und zu rücksichtslos, um sich der Hoffnung hinzugeben, daß sich die junge Frau kampflos in ihr Schicksal fügen würde, und sie fühlte, daß sie sich für diesen Kampf vorbereiten und auf der Hut sein müsse gegen jeden Angriff, jede Mine und jeden Überfall.   That he would consider himself beaten, after one defeat, and make no attempt to regain the position he had lost, Mrs. Bute Crawley never allowed herself to suppose. She knew Rebecca to be too clever and spirited and desperate a woman to submit without a struggle; and felt that she must prepare for that combat, and be incessantly watchful against assault; or mine, or surprise. War sie aber, obwohl sie die Stadt besetzt hielt, der Hauptbewohnerin so sicher? Würde Miss Crawley selbst aushalten? Trug sie nicht ein heimliches Verlangen, den vertriebenen Gegner wieder bei sich willkommen zu heißen? Die alte Dame hatte Rawdon gern und auch die unterhaltsame Rebekka. Mrs. Bute mußte zugeben, daß von ihrer Partei keiner imstande war, die Lebedame zu amüsieren. Der Gesang meiner Mädchen, das weiß ich sicher, ist im Vergleich mit dem der abscheulichen kleinen Gouvernante unerträglich, gestand sich die aufrichtige Pfarrersfrau selbst ein. Wenn Martha und Louisa ihre Duette spielten, ist sie immer eingeschlafen. Jims steifes Universitätsbenehmen und die Unterhaltung mit dem armen lieben Bute über seine Pferde und Hunde langweilten sie stets. Nähme ich sie mit ins Pfarrhaus, so würde sie ganz bestimmt auf uns alle böse werden und flüchten, und dann könnte sie wieder in die Klauen des abscheulichen Rawdon fallen und ein Opfer dieser kleinen Schlange werden. Immerhin ist mir klar, daß sie sich sehr schlecht fühlt und sich auf jeden Fall ein paar Wochen nicht rühren wird. Während dieser Zeit müssen wir irgendeinen Plan aushecken, um sie vor den Ränken dieser charakterlosen Leute zu schützen.   In the first place, though she held the town, was she sure of the principal inhabitant? Would Miss Crawley herself hold out; and had she not a secret longing to welcome back the ousted adversary? The old lady liked Rawdon, and Rebecca, who amused her. Mrs. Bute could not disguise from herself the fact that none of her party could so contribute to the pleasures of the town-bred lady. “My girls’ singing, after that little odious governess’s, I know is unbearable,” the candid Rector’s wife owned to herself. “She always used to go to sleep when Martha and Louisa played their duets. Jim’s stiff college manners and poor dear Bute’s talk about his dogs and horses always annoyed her. If I took her to the Rectory, she would grow angry with us all, and fly, I know she would; and might fall into that horrid Rawdon’s clutches again, and be the victim of that little viper of a Sharp. Meanwhile, it is clear to me that she is exceedingly unwell, and cannot move for some weeks, at any rate; during which we must think of some plan to protect her from the arts of those unprincipled people.” Wenn jemand Miss Crawley, sogar in ihren besten Augenblicken, zu verstehen gab, sie sei krank oder sehe so aus, dann schickte die zitternde alte Dame auf der Stelle nach ihrem Doktor. Daß es ihr nach dem plötzlichen Familienereignis, das auch stärkere Nerven als ihre erschüttert hätte, wirklich sehr schlecht ging, kann man wohl sagen. Mrs. Bute hielt es wenigstens für ihre Pflicht, den Arzt, den Apotheker, die dame de compagnie und die Dienstboten wissen zu lassen, daß Miss Crawleys Zustand überaus kritisch sei und daß man sich dementsprechend zu benehmen habe. Sie ließ die Straße kniehoch mit Stroh bestreuen, den Türklopfer abnehmen und ihn mit Mr. Bowls' Silbergeschirr wegpacken. Sie bestand darauf, daß der Doktor täglich zweimal kam, und überschwemmte ihre Patientin alle zwei Stunden mit Arzneien. Trat jemand ins Zimmer, so ließ sie ein so zischendes, unheilverkündendes »schschsch« hören, daß die arme alte Dame vor Schreck im Bett zusammenfuhr. Miss Crawley konnte nicht hochblicken, ohne Mrs. Butes eifrig auf sie gerichteten Perlenaugen zu begegnen, da die gute Frau den Armsessel neben dem Bett auch nicht eine Sekunde verließ. Wenn Mrs. Bute im Zimmer wie auf samtenen Katzenpfoten umherging, schienen die Augen sogar im Dunkeln zu leuchten (die Vorhänge hielt sie nämlich ständig zugezogen). So lag Miss Crawley tagelang, viele, viele Tage, und Mrs. Bute las ihr aus Andachtsbüchern vor. So lag sie nächtelang, viele, viele Nächte, in denen sie den Ruf des Nachtwächters hörte und sah, wie das Nachtlicht sprühte. Um Mitternacht kam als letzter Besuch leise der Apotheker, und dann war sie allein mit Mrs. Butes funkelnden Augen und dem gelben Flackern des Nachtlichtes an der eintönigen düsteren Zimmerdecke. Hygieia selbst wäre unter einer solchen Herrschaft krank geworden, wieviel mehr dann erst dieses arme, alte nervenschwache Opfer! Wir haben festgestellt, daß die würdige Bewohnerin des Jahrmarkts der Eitelkeit, wenn sie gesund und munter war, so freie Ansichten über Religion und Moral hatte, wie Monsieur de Voltaire sie sich selbst hätte wünschen können; sobald sie aber krank wurde, verschlimmerte sich ihr Zustand durch die entsetzlichsten Todesschrecken, und die alte Sünderin wurde ausgesprochen feige.   In the very best-of moments, if anybody told Miss Crawley that she was, or looked ill, the trembling old lady sent off for her doctor; and I daresay she was very unwell after the sudden family event, which might serve to shake stronger nerves than hers. At least, Mrs. Bute thought it was her duty to inform the physician, and the apothecary, and the dame-de-compagnie, and the domestics, that Miss Crawley was in a most critical state, and that they were to act accordingly. She had the street laid knee-deep with straw; and the knocker put by with Mr. Bowls’s plate. She insisted that the Doctor should call twice a day; and deluged her patient with draughts every two hours. When anybody entered the room, she uttered a shshshsh so sibilant and ominous, that it frightened the poor old lady in her bed, from which she could not look without seeing Mrs. Bute’s beady eyes eagerly fixed on her, as the latter sate steadfast in the arm-chair by the bedside. They seemed to lighten in the dark (for she kept the curtains closed) as she moved about the room on velvet paws like a cat. There Miss Crawley lay for days — ever so many days — Mr. Bute reading books of devotion to her: for nights, long nights, during which she had to hear the watchman sing, the night-light sputter; visited at midnight, the last thing, by the stealthy apothecary; and then left to look at Mrs. Bute’s twinkling eyes, or the flicks of yellow that the rushlight threw on the dreary darkened ceiling. Hygeia herself would have fallen sick under such a regimen; and how much more this poor old nervous victim? It has been said that when she was in health and good spirits, this venerable inhabitant of Vanity Fair had as free notions about religion and morals as Monsieur de Voltaire himself could desire, but when illness overtook her, it was aggravated by the most dreadful terrors of death, and an utter cowardice took possession of the prostrate old sinner. Predigten am Krankenbett und fromme Betrachtungen sind in einem reinen Geschichtenbuch bestimmt fehl am Platze, und wir beabsichtigen nicht (wie manche moderne Romanschreiber), den Leser zu beschwatzen, eine Predigt anzuhören, wenn er für eine Komödie bezahlt hat. Aber ohne predigen zu wollen, möchten wir doch bitten, die Wahrheit im Auge zu behalten und zu sehen, daß das Leben und Treiben und der Triumph, das Lachen und die Fröhlichkeit, die der Jahrmarkt der Eitelkeit öffentlich zeigt, dem Schauspieler nicht immer ins Privatleben folgen und daß ihn oftmals traurige Niedergeschlagenheit und verzweifelte Reue packen. Die Erinnerung an die köstlichsten Bankette wird kranke Epikureer wohl schwerlich aufheitern können. Erinnerungen an die hübschesten Kleider und glänzendsten Balltriumphe werden verwelkten Schönheiten stets nur wenig zum Trost dienen. Vielleicht bereitet es Staatsmännern in einer gewissen Periode ihres Lebens wenig Befriedigung, an die erfolgreichsten Abstimmungen zu denken, und der Erfolg und die Freude von gestern schrumpfen gewaltig zusammen, wenn ein gewisses (und trotzdem Ungewisses) Morgen in Aussicht steht, mit dem wir doch alle früher oder später einmal rechnen müssen. O meine Mitbrüder im Narrenkleid! Gibt es nicht Augenblicke, wo einen die Luftsprünge, das Lachen und das Schellengeklingel anekeln? Mein liebenswürdiges Ziel, teure Freunde und Genossen, ist es, mit euch über den Jahrmarkt zu gehen und die Buden und Schaustellungen zu durchforschen; und nach all dem Glanz, all dem Lärmen und all der Lustigkeit werden wir wieder heimkehren und dann im verborgenen höchst unglücklich sein.   Sick-bed homilies and pious reflections are, to be sure, out of place in mere story-books, and we are not going (after the fashion of some novelists of the present day) to cajole the public into a sermon, when it is only a comedy that the reader pays his money to witness. But, without preaching, the truth may surely be borne in mind, that the bustle, and triumph, and laughter, and gaiety which Vanity Fair exhibits in public, do not always pursue the performer into private life, and that the most dreary depression of spirits and dismal repentances sometimes overcome him. Recollection of the best ordained banquets will scarcely cheer sick epicures. Reminiscences of the most becoming dresses and brilliant ball triumphs will go very little way to console faded beauties. Perhaps statesmen, at a particular period of existence, are not much gratified at thinking over the most triumphant divisions; and the success or the pleasure of yesterday becomes of very small account when a certain (albeit uncertain) morrow is in view, about which all of us must some day or other be speculating. O brother wearers of motley! Are there not moments when one grows sick of grinning and tumbling, and the jingling of cap and bells? This, dear friends and companions, is my amiable object — to walk with you through the Fair, to examine the shops and the shows there; and that we should all come home after the flare, and the noise, and the gaiety, and be perfectly miserable in private. Wenn mein armer Mann doch bloß einen Kopf auf den Schultern trüge, dachte Mrs. Bute Crawley bei sich, wie nützlich könnte er sich gerade jetzt der unglücklichen alten Dame machen! Er könnte sie zur Reue über ihre entsetzliche Freidenkerei bringen; er könnte sie bewegen, ihre Pflicht zu tun und diesen abscheulichen Verworfenen, der sich und seiner Familie Schande gemacht hat, zu verstoßen. Auch könnte er sie veranlassen, meinen lieben Mädchen und den beiden Jungen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die ganz sicher jede Hilfe brauchen und verdienen, die ihre Verwandten ihnen geben können.   “If that poor man of mine had a head on his shoulders,” Mrs. Bute Crawley thought to herself, “how useful he might be, under present circumstances, to this unhappy old lady! He might make her repent of her shocking free-thinking ways; he might urge her to do her duty, and cast off that odious reprobate who has disgraced himself and his family; and he might induce her to do justice to my dear girls and the two boys, who require and deserve, I am sure, every assistance which their relatives can give them.” Da Haß gegen das Laster stets ein Schritt zur Tugend ist, versuchte Mrs. Bute Crawley ihrer Schwägerin einen gehörigen Abscheu vor Rawdon Crawleys vielfältigen Sünden einzuflößen. Die Frau seines Onkels verfaßte einen so ausführlichen Katalog davon, daß er ausgereicht hätte, ein ganzes Regiment junger Offiziere zu verdammen. Hat ein Mensch im Leben ein Unrecht begangen, so wüßte ich nicht, wer schneller dabei wäre, seine Fehler der Welt zu verkünden, als die eigenen Verwandten. Mrs. Bute zeigte daher auch ein höchst lebhaftes Familieninteresse und eine genaue Kenntnis von Rawdons Lebensgeschichte. Sie wußte alle Einzelheiten jenes häßlichen Streites mit Hauptmann Firebrace, bei dem Rawdon, der von Anfang an im Unrecht war, den Hauptmann schließlich erschoß. Sie kannte die Geschichte von dem unglücklichen Lord Dovedale, dessen Mutter in Oxford ein Haus gemietet hatte, damit ihr Sohn dort ausgebildet werden konnte. Der Junge hatte vor seiner Ankunft in London noch nie eine Karte in der Hand gehabt, Rawdon aber, dieser abscheuliche Verführer der Jugend, lockte ihn in den »Kakaobaum«, machte ihn total betrunken und jagte ihm viertausend Pfund ab. Lebhaft und genau beschrieb sie den Schmerz der Familien auf dem Lande, die er ruiniert hatte, deren Söhne er in Unehre und Armut gestürzt, deren Töchter er verführt hatte. Sie kannte die armen Kaufleute, die durch seine Verschwendung an den Bettelstab kamen, die niederträchtigen Ränke und Spitzbübereien, mit denen er zu Werke ging, die erstaunlichen Lügen, mit denen er die edelmütigste aller Tanten hinters Licht führte, und die Undankbarkeit und den Spott, womit er deren Opfer vergalt. Alle diese Geschichten teilte sie Miss Crawley nach und nach mit, und zwar so ausführlich wie möglich. Sie hielt das für ihre Pflicht als Christin und Familienmutter und empfand keine Gewissensbisse oder Mitleid mit dem Opfer ihrer Zunge. Ja sie fand ihre Handlungsweise höchstwahrscheinlich ungemein verdienstvoll und tat sich auf die Entschlossenheit, mit der sie zu Werke ging, nicht wenig zugute. Man sage, was man will: Soll ein Mensch um seinen guten Ruf gebracht werden, so ist niemand geeigneter dazu als ein Verwandter. Dabei muß man zugeben, daß bei diesem elenden, unglückseligen Rawdon Crawley die bloße Wahrheit schon völlig ausgereicht hätte und daß alle erfundenen Skandalgeschichten seiner Freunde eine durchaus überflüssige Mühe waren.   And, as the hatred of vice is always a progress towards virtue, Mrs. Bute Crawley endeavoured to instil her sister-in-law a proper abhorrence for all Rawdon Crawley’s manifold sins: of which his uncle’s wife brought forward such a catalogue as indeed would have served to condemn a whole regiment of young officers. If a man has committed wrong in life, I don’t know any moralist more anxious to point his errors out to the world than his own relations; so Mrs. Bute showed a perfect family interest and knowledge of Rawdon’s history. She had all the particulars of that ugly quarrel with Captain Marker, in which Rawdon, wrong from the beginning, ended in shooting the Captain. She knew how the unhappy Lord Dovedale, whose mamma had taken a house at Oxford, so that he might be educated there, and who had never touched a card in his life till he came to London, was perverted by Rawdon at the Cocoa-Tree, made helplessly tipsy by this abominable seducer and perverter of youth, and fleeced of four thousand pounds. She described with the most vivid minuteness the agonies of the country families whom he had ruined — the sons whom he had plunged into dishonour and poverty — the daughters whom he had inveigled into perdition. She knew the poor tradesmen who were bankrupt by his extravagance — the mean shifts and rogueries with which he had ministered to it — the astounding falsehoods by which he had imposed upon the most generous of aunts, and the ingratitude and ridicule by which he had repaid her sacrifices. She imparted these stories gradually to Miss Crawley; gave her the whole benefit of them; felt it to be her bounden duty as a Christian woman and mother of a family to do so; had not the smallest remorse or compunction for the victim whom her tongue was immolating; nay, very likely thought her act was quite meritorious, and plumed herself upon her resolute manner of performing it. Yes, if a man’s character is to be abused, say what you will, there’s nobody like a relation to do the business. And one is bound to own, regarding this unfortunate wretch of a Rawdon Crawley, that the mere truth was enough to condemn him, and that all inventions of scandal were quite superfluous pains on his friends’ parts. Da Rebekka nun auch zur Verwandtschaft gehörte, hatte sie natürlich ebenfalls teil an Mrs. Butes freundlichen Nachforschungen. Diese unermüdliche Wahrheitsverfechterin (sie hatte strengen Befehl gegeben, allen Abgesandten oder Briefen von Rawdon die Tür zu verschließen) nahm Miss Crawleys Kutsche und fuhr zu ihrer alten Freundin, Miss Pinkerton im Minerva-Haus, Chiswick Mall, der sie die schreckliche Nachricht von Hauptmann Rawdons Verführung durch Miss Sharp mitteilte und von der sie alle nur möglichen Einzelheiten über die Geburt und die frühere Geschichte der ehemaligen Gouvernante erfuhr. Die Freundin des großen Lexikographen hatte viel Wissenswertes auf Lager. Miss Jemima mußte die Quittungen und Briefe des Zeichenlehrers herbeiholen. Der eine war entstanden, als er gerade ins Schuldgefängnis geworfen werden sollte, in einem anderen bat er um Vorschuß, ein dritter war voll von Dankbarkeit für Rebekkas Aufnahme im Hause der Damen in Chiswick, und das letzte Dokument aus der Feder des unglücklichen Künstlers war das, worin er auf dem Totenbett sein verwaistes Kind Miss Pinkertons Schutz empfahl. In der Sammlung gab es auch kindliche Briefe und Bittschriften von Rebekka, in denen sie angelegentlich um Unterstützung für ihren Vater bat oder ihre Dankbarkeit ausdrückte. Vielleicht gibt es auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit keine besseren Satiren als eben Briefe. Nimm ein Bündel von denen, die dein lieber Freund dir vor zehn Jahren schrieb – dein lieber Freund, den du jetzt haßt. Schau dir den Stoß von deiner Schwester an; wie hingt ihr aneinander, bis ihr euch wegen der Erbschaft von zwanzig Pfund gestritten habt. Kram die Kinderbriefe deines Sohnes heraus, der dir später mit seinem selbstsüchtigen Ungehorsam fast das Herz gebrochen hat. Oder einen Stoß deiner eigenen, die unendliche Glut und ewige Liebe atmen und die dir deine Geliebte zurückschickte, als sie den Nabob heiratete – deine Geliebte, die dich jetzt nicht mehr kümmert als die Königin Elisabeth. Gelübde, Liebesschwüre, Versprechungen, vertrauliche Mitteilungen, Dankbezeigungen – wie seltsam liest sich das nach einiger Zeit! Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit müßte es ein Gesetz geben, wonach jedes geschriebene Dokument (außer quittierten Rechnungen) nach einem angemessenen Zeitraum vernichtet werden soll. Die Quacksalber und Misanthropen, die ihre unzerstörbare japanische Tinte anpreisen, sollten samt ihren abscheulichen Erfindungen ins Jenseits befördert werden. Die beste Tinte für den Jahrmarkt der Eitelkeit wäre eine, die in wenigen Tagen vollständig verbliche und das Papier rein und weiß hinterließe, so daß man darauf an irgend jemand anderes schreiben könnte.   Rebecca, too, being now a relative, came in for the fullest share of Mrs. Bute’s kind inquiries. This indefatigable pursuer of truth (having given strict orders that the door was to be denied to all emissaries or letters from Rawdon), took Miss Crawley’s carriage, and drove to her old friend Miss Pinkerton, at Minerva House, Chiswick Mall, to whom she announced the dreadful intelligence of Captain Rawdon’s seduction by Miss Sharp, and from whom she got sundry strange particulars regarding the ex-governess’s birth and early history. The friend of the Lexicographer had plenty of information to give. Miss Jemima was made to fetch the drawing-master’s receipts and letters. This one was from a spunging-house: that entreated an advance: another was full of gratitude for Rebecca’s reception by the ladies of Chiswick: and the last document from the unlucky artist’s pen was that in which, from his dying bed, he recommended his orphan child to Miss Pinkerton’s protection. There were juvenile letters and petitions from Rebecca, too, in the collection, imploring aid for her father or declaring her own gratitude. Perhaps in Vanity Fair there are no better satires than letters. Take a bundle of your dear friend’s of ten years back — your dear friend whom you hate now. Look at a file of your sister’s! how you clung to each other till you quarrelled about the twenty-pound legacy! Get down the round-hand scrawls of your son who has half broken your heart with selfish undutifulness since; or a parcel of your own, breathing endless ardour and love eternal, which were sent back by your mistress when she married the Nabob — your mistress for whom you now care no more than for Queen Elizabeth. Vows, love, promises, confidences, gratitude, how queerly they read after a while! There ought to be a law in Vanity Fair ordering the destruction of every written document (except receipted tradesmen’s bills) after a certain brief and proper interval. Those quacks and misanthropes who advertise indelible Japan ink should be made to perish along with their wicked discoveries. The best ink for Vanity Fair use would be one that faded utterly in a couple of days, and left the paper clean and blank, so that you might write on it to somebody else. Von Miss Pinkertons Haus verfolgte die unermüdliche Mrs. Bute die Spur Sharps und seiner Tochter bis in die Wohnung in der Greek Street, die der verstorbene Maler innegehabt hatte und wo das Porträt der Hauswirtin in weißem Atlas und ihres Mannes mit Messingknöpfen, von Sharp als Ersatz für die Vierteljahresmiete gemalt, noch die Wände des Wohnzimmers zierten. Mrs. Stokes war sehr mitteilsam und erzählte ohne Umschweife alles, was sie über Mr. Sharp wußte, wie liederlich und arm er war, wie gutmütig und unterhaltsam, wie er unablässig von Gerichtsdienern und ungeduldigen Gläubigern verfolgt wurde, wie er, zum Entsetzen der Hauswirtin – obgleich sie das Weib nicht ausstehen konnte –, seine Frau erst ganz kurz vor ihrem Tode geheiratet hatte und was für eine komische, wilde kleine Dirne seine Tochter war, wie sie durch ihre Späße und ihre Nachäfferei alle zum Lachen brachte, wie sie den Gin aus dem Wirtshaus holte und wie sie in allen Ateliers des Stadtviertels bekannt war – kurz, Mrs. Bute erhielt einen ausführlichen Bericht über Eltern, Erziehung und Benehmen ihrer neuen Nichte, und Rebekka wäre kaum erfreut gewesen, hätte sie gewußt, daß man solche Nachforschungen über sie anstellte.   From Miss Pinkerton’s the indefatigable Mrs. Bute followed the track of Sharp and his daughter back to the lodgings in Greek Street, which the defunct painter had occupied; and where portraits of the landlady in white satin, and of the husband in brass buttons, done by Sharp in lieu of a quarter’s rent, still decorated the parlour walls. Mrs. Stokes was a communicative person, and quickly told all she knew about Mr. Sharp; how dissolute and poor he was; how good-natured and amusing; how he was always hunted by bailiffs and duns; how, to the landlady’s horror, though she never could abide the woman, he did not marry his wife till a short time before her death; and what a queer little wild vixen his daughter was; how she kept them all laughing with her fun and mimicry; how she used to fetch the gin from the public-house, and was known in all the studios in the quarter — in brief, Mrs. Bute got such a full account of her new niece’s parentage, education, and behaviour as would scarcely have pleased Rebecca, had the latter known that such inquiries were being made concerning her. Die Ergebnisse dieser fleißigen Untersuchungen wurden Miss Crawley natürlich nicht vorenthalten; Mrs. Rawdon Crawley war die Tochter einer Ballettänzerin. Sie hatte selbst getanzt. Sie hatte Malern Modell gestanden. Sie war erzogen worden, wie es der Tochter einer solchen Mutter anstand. Sie trank Gin mit ihrem Vater und so weiter und so fort. Ein verlorenes Frauenzimmer hatte einen verlorenen Mann geheiratet, und die Moral von Mrs. Butes Geschichte war, daß die Schlechtigkeit des Paares unverbesserlich sei und daß kein Mensch, der etwas auf sich hielt, je wieder Notiz von ihnen nehmen dürfe.   Of all these industrious researches Miss Crawley had the full benefit. Mrs. Rawdon Crawley was the daughter of an opera-girl. She had danced herself. She had been a model to the painters. She was brought up as became her mother’s daughter. She drank gin with her father, \&c. \&c. It was a lost woman who was married to a lost man; and the moral to be inferred from Mrs. Bute’s tale was, that the knavery of the pair was irremediable, and that no properly conducted person should ever notice them again. Dies war das Material, das die umsichtige Mrs. Bute in der Park Lane sammelte, sozusagen der Proviant und die Munition, um das Haus gegen die Belagerung zu befestigen, die Rawdon und seine Frau, soviel war ihr klar, gegen Miss Crawley durchführen würden.   These were the materials which prudent Mrs. Bute gathered together in Park Lane, the provisions and ammunition as it were with which she fortified the house against the siege which she knew that Rawdon and his wife would lay to Miss Crawley. Wenn in ihrem System ein Fehler zu finden war, so war es der, daß sie zu eifrig war. Sie tat des Guten zuviel. Zweifellos machte sie Miss Crawley kränker, als es nötig war. Und obgleich die alte Patientin sich ihrer Autorität unterwarf, so war das doch so quälend und streng für das Opfer, daß es bei der ersten besten Gelegenheit nur zu gern entfliehen würde. Geschickte Frauen, die Zierde ihres Geschlechts, Frauen, die alles für alle erledigen und so viel besser als die Betroffenen selbst wissen, was für ihre Nächsten gut ist, ziehen bisweilen nicht die Möglichkeit einer häuslichen Revolte in Betracht oder andere schlimme Folgen, die sich aus ihrer übertriebenen Autorität ergeben.   But if a fault may be found with her arrangements, it is this, that she was too eager: she managed rather too well; undoubtedly she made Miss Crawley more ill than was necessary; and though the old invalid succumbed to her authority, it was so harassing and severe, that the victim would be inclined to escape at the very first chance which fell in her way. Managing women, the ornaments of their sex — women who order everything for everybody, and know so much better than any person concerned what is good for their neighbours, don’t sometimes speculate upon the possibility of a domestic revolt, or upon other extreme consequences resulting from their overstrained authority. Mrs. Bute zum Beispiel ging, zweifellos mit den besten Absichten der Welt, in ihrer Überzeugung von der Krankheit der alten Dame so weit, daß sie sie beinahe in den Sarg brachte. Dabei rieb sie sich selbst auf und versagte sich um ihrer kranken Schwägerin willen Schlaf, Essen und frische Luft. Einmal zählte sie dem unvermeidlichen Apotheker, Mr. Clump, alle ihre Opfer und deren Folgen auf.   Thus, for instance, Mrs. Bute, with the best intentions no doubt in the world, and wearing herself to death as she did by foregoing sleep, dinner, fresh air, for the sake of her invalid sister-in-law, carried her conviction of the old lady’s illness so far that she almost managed her into her coffin. She pointed out her sacrifices and their results one day to the constant apothecary, Mr. Clump. »Ich habe es, mein lieber Mr. Clump«, sagte sie, »gewiß nicht an Anstrengungen fehlen lassen, um unserer lieben Patientin, die durch die Undankbarkeit ihres Neffen auf das Krankenlager geworfen wurde, wieder auf die Beine zu helfen. Vor persönlichen Unannehmlichkeiten weiche ich nie zurück, nie weigere ich mich, mich aufzuopfern.«   “I am sure, my dear Mr. Clump,” she said, “no efforts of mine have been wanting to restore our dear invalid, whom the ingratitude of her nephew has laid on the bed of sickness. I never shrink from personal discomfort: I never refuse to sacrifice myself.” »Ihre Hingabe ist bewundernswert, das muß man gestehen«, sagte Mr. Clump mit einer tiefen Verbeugung, »aber...«   “Your devotion, it must be confessed, is admirable,” Mr. Clump says, with a low bow; “but — ” »Seit meiner Ankunft habe ich kaum ein Auge zugetan. Schlaf, Gesundheit, jede Bequemlichkeit opfere ich meinem Pflichtgefühl. Als mein armer James die Windpocken hatte, durfte ihn da ein anderer pflegen? Nein.«   “I have scarcely closed my eyes since my arrival: I give up sleep, health, every comfort, to my sense of duty. When my poor James was in the smallpox, did I allow any hireling to nurse him? No.” »Sie handelten wie eine vortreffliche Mutter, wie die beste aller Mütter, meine liebe Dame, aber...«   “You did what became an excellent mother, my dear Madam — the best of mothers; but — ” »Als Familienmutter und Frau eines englischen Geistlichen glaube ich in aller Bescheidenheit, daß meine Grundsätze richtig sind«, sagte Mrs. Bute mit der glücklichen Feierlichkeit der Überzeugung, »und solange mir die Natur weiterhilft, werde ich nie, nie, Mr. Clump, den Posten der Pflicht verlassen. Andere mögen dieses graue, kummervolle Haupt aufs Krankenbett bringen« (dabei deutete Mrs. Bute mit einer Handbewegung auf eines von Miss Crawleys kaffeefarbenen Toupets, das auf einem Gestell im Ankleidezimmer ruhte), »ich aber werde es nie verlassen. Ach, Mr. Clump! Ich fürchte, ich weiß, daß dieses Krankenlager des geistlichen wie des ärztlichen Trostes bedarf.«   “As the mother of a family and the wife of an English clergyman, I humbly trust that my principles are good,” Mrs. Bute said, with a happy solemnity of conviction; “and, as long as Nature supports me, never, never, Mr. Clump, will I desert the post of duty. Others may bring that grey head with sorrow to the bed of sickness (here Mrs. Bute, waving her hand, pointed to one of old Miss Crawley’s coffee-coloured fronts, which was perched on a stand in the dressing-room), but I will never quit it. Ah, Mr. Clump! I fear, I know, that the couch needs spiritual as well as medical consolation.” »Was ich gerade sagen wollte, meine liebe Dame«, fiel hier der entschlossene Clump noch einmal mit freundlicher Miene ein. »Was ich gerade sagen wollte, als Sie Gefühle äußerten, die Ihnen alle Ehre machen: Sie beunruhigen sich meiner Meinung nach wegen unserer gütigen Freundin ganz unnötig und opfern Ihre Gesundheit zu verschwenderisch in ihrem Dienste.«   “What I was going to observe, my dear Madam," — here the resolute Clump once more interposed with a bland air — "what I was going to observe when you gave utterance to sentiments which do you so much honour, was that I think you alarm yourself needlessly about our kind friend, and sacrifice your own health too prodigally in her favour.” »Ich würde mein Leben für meine Pflicht oder für einen Angehörigen meines Gatten opfern«, entgegnete Mrs. Bute.   “I would lay down my life for my duty, or for any member of my husband’s family,” Mrs. Bute interposed. »Ja, Madame, wenn es nötig wäre, allein wir wollen nicht, daß Mrs. Bute Crawley zur Märtyrerin wird«, sagte Clump galant. »Sie können glauben, daß Doktor Squills und ich Miss Crawleys Zustand mit ängstlicher Sorgfalt untersucht haben. Wir sehen sie niedergeschlagen und angegriffen. Familienereignisse haben sie erschüttert...«   “Yes, Madam, if need were; but we don’t want Mrs Bute Crawley to be a martyr,” Clump said gallantly. “Dr Squills and myself have both considered Miss Crawley’s case with every anxiety and care, as you may suppose. We see her low-spirited and nervous; family events have agitated her.” »Ihr Neffe wird der Verdammnis anheimfallen«, rief Mrs. Crawley.   “Her nephew will come to perdition,” Mrs. Crawley cried. »... haben sie erschüttert. Und Sie erscheinen wie ein Schutzengel, meine liebe Dame, wie ein wahrer Schutzengel, das können Sie glauben, um sie im Unglück aufzurichten. Aber Doktor Squills und ich waren der Ansicht, daß der Zustand unserer liebenswürdigen Freundin nicht so ernst ist, daß sie unbedingt das Bett hüten muß. Sie ist zwar niedergeschlagen, aber diese Abgeschlossenheit trägt wahrscheinlich noch zu ihrer Niedergeschlagenheit bei. Sie sollte Abwechslung haben, frische Luft, Fröhlichkeit – die köstlichsten Arzneien der Pharmakologie«, sagte Mr. Clump lächelnd und zeigte seine schönen Zähne. »Lassen Sie sie aufstehen, liebe Dame, befreien Sie sie von ihrem Bett und ihrer Niedergeschlagenheit, bestehen Sie darauf, daß sie jeden Tag kurze Ausfahrten unternimmt. Das wird auch auf Ihre Wangen die Rosen zurückbringen, wenn ich das zu Mrs. Bute Crawley sagen darf.«   “Have agitated her: and you arrived like a guardian angel, my dear Madam, a positive guardian angel, I assure you, to soothe her under the pressure of calamity. But Dr. Squills and I were thinking that our amiable friend is not in such a state as renders confinement to her bed necessary. She is depressed, but this confinement perhaps adds to her depression. She should have change, fresh air, gaiety; the most delightful remedies in the pharmacopoeia,” Mr. Clump said, grinning and showing his handsome teeth. “Persuade her to rise, dear Madam; drag her from her couch and her low spirits; insist upon her taking little drives. They will restore the roses too to your cheeks, if I may so speak to Mrs. Bute Crawley.” »Der Anblick ihres schrecklichen Neffen im Park, wo der Entsetzliche mit seiner unverschämten Spießgesellin herumfahren soll«, sagte Mrs. Bute und ließ damit die Katze der Selbstsucht aus dem Sack der Geheimnisse, »würde ihr einen solchen Schock verursachen, daß wir sie sofort ins Bett zurückbringen müssen. Sie darf nicht hinaus, Mr. Clump. Solange ich da bin, um über sie zu wachen, soll sie mir nicht aus dem Hause. Und was meine Gesundheit betrifft – was macht das schon? Freudig gebe ich sie hin, Sir, und opfere sie auf dem Altar der Pflicht.«   “The sight of her horrid nephew casually in the Park, where I am told the wretch drives with the brazen partner of his crimes,” Mrs. Bute said (letting the cat of selfishness out of the bag of secrecy), “would cause her such a shock, that we should have to bring her back to bed again. She must not go out, Mr. Clump. She shall not go out as long as I remain to watch over her; And as for my health, what matters it? I give it cheerfully, sir. I sacrifice it at the altar of my duty.” »Auf mein Wort, Madame«, sagte jetzt Mr. Clump geradeheraus, »ich kann nicht für ihr Leben garantieren, wenn sie in diesem dunklen Zimmer eingesperrt bleibt. Sie ist so angegriffen, daß wir sie jeden Tag verlieren können. Und wenn Sie wollen, daß Hauptmann Crawley ihr Erbe wird, so verkünde ich Ihnen ganz offen, Madame, daß Sie Ihr Bestes tun, um ihm zu helfen.«   “Upon my word, Madam,” Mr. Clump now said bluntly, “I won’t answer for her life if she remains locked up in that dark room. She is so nervous that we may lose her any day; and if you wish Captain Crawley to be her heir, I warn you frankly, Madam, that you are doing your very best to serve him.” »Gütiger Himmel! Ist denn ihr Leben in Gefahr?« rief Mrs. Bute. »Warum, warum, Mr. Clump, haben Sie mir das nicht früher gesagt.«   “Gracious mercy! is her life in danger?” Mrs. Bute cried. “Why, why, Mr. Clump, did you not inform me sooner?” Am Abend vorher hatten Clump und Doktor Squills (bei einer Flasche Wein im Hause von Sir Lapin Warren, dessen Gemahlin ihm eben ein dreizehntes Geschenk bescheren wollte) den Fall Miss Crawley besprochen.   The night before, Mr. Clump and Dr. Squills had had a consultation (over a bottle of wine at the house of Sir Lapin Warren, whose lady was about to present him with a thirteenth blessing), regarding Miss Crawley and her case. »Na, Clump«, bemerkte Squills, »so eine kleine Harpyie, diese Frau aus Hampshire, die die alte Tilly Crawley mit Beschlag belegt hat. Verteufelt guter Madeira!«   “What a little harpy that woman from Hampshire is, Clump,” Squills remarked, “that has seized upon old Tilly Crawley. Devilish good Madeira.” »Was für ein Narr doch dieser Rawdon Crawley ist! Eine Gouvernante zu heiraten!« erwiderte Clump. »Das Mädchen hat aber auch etwas an sich.«   “What a fool Rawdon Crawley has been,” Clump replied, “to go and marry a governess! There was something about the girl, too.” »Grüne Augen, weiße Haut, hübsche Figur, famose Frontalentwicklung«, bemerkte Squills. »Es ist tatsächlich etwas an ihr, aber Crawley ist wirklich ein Narr, Clump.«   “Green eyes, fair skin, pretty figure, famous frontal development,” Squills remarked. “There is something about her; and Crawley was a fool, Squills.” »Ein verdammter Narr; war er schon immer«, erwiderte der Apotheker.   “A d — - fool — always was,” the apothecary replied. »Natürlich wirft ihn die alte Jungfer jetzt über Bord«, sagte der Doktor und setzte nach einer Pause hinzu: »Sie wird ganz schön was hinterlassen.«   “Of course the old girl will fling him over,” said the physician, and after a pause added, “She’ll cut up well, I suppose.” »Hinterlassen?« sagte Clump lachend, »wegen der zweihundert pro Jahr möchte ich eigentlich nicht, daß sie jetzt schon zum Hinterlassen kommt.«   “Cut up,” says Clump with a grin; “I wouldn’t have her cut up for two hundred a year.” »Diese Frau aus Hampshire bringt sie in zwei Monaten unter die Erde, Clump, mein Junge, wenn sie bei ihr bleibt«, sagte Doktor Squills. »Alte Frau, starke Esserin, nervöse Patientin, Herzklopfen, Gehirndruck, Schlaganfall – und aus ist es. Erreiche, daß sie aufsteht, Clump, und ausgeht, sonst bleiben für deine zweihundert pro Jahr bloß noch ein paar Wochen.« Auf diesen Wink hin sprach der würdige Apotheker so offen mit Mrs. Bute Crawley.   “That Hampshire woman will kill her in two months, Clump, my boy, if she stops about her,” Dr. Squills said. “Old woman; full feeder; nervous subject; palpitation of the heart; pressure on the brain; apoplexy; off she goes. Get her up, Clump; get her out: or I wouldn’t give many weeks’ purchase for your two hundred a year.” And it was acting upon this hint that the worthy apothecary spoke with so much candour to Mrs. Bute Crawley. Mrs. Bute hatte, solange die alte Dame unter ihrer Regierung im Bett lag und sonst niemand um sie war, öfter einen Angriff unternommen, um sie zu veranlassen, ihr Testament zu ändern. Aber Miss Crawleys gewöhnliche Todesfurcht vergrößerte sich bedeutend, sobald man ihr solche trübseligen Vorschläge machte. Mrs. Bute sah daher ein, daß sie ihre Patientin erst einmal wieder in fröhliche Stimmung versetzen und gesund werden lassen müsse, ehe sie hoffen könnte, das fromme Ziel, das sie im Auge hatte, zu erreichen. Die nächste Frage war, wohin man mit ihr fahren sollte. Der einzige Ort, an dem sie die abscheulichen Rawdons höchstwahrscheinlich nicht treffen würde, war die Kirche, und die langweilt sie nur, empfand Mrs. Bute ganz richtig. Dann dachte sie weiter: Wir müssen unsere schönen Londoner Vororte besuchen. Es heißt, sie seien die malerischsten der Welt; und so fühlte sie ein plötzliches Interesse für Hampstead und Hornsey und fand, daß Dulwich große Reize für sie habe. Sie verstaute ihr Opfer in der Kutsche und fuhr mit ihr in jene ländlichen Orte; dabei verkürzte sie auf diesen kleinen Reisen die Zeit mit Gesprächen über Rawdon und dessen Frau und erzählte der alten Dame allerlei Geschichten, die ihre Entrüstung gegen das verworfene Paar vergrößern konnten.   Having the old lady under her hand: in bed: with nobody near, Mrs. Bute had made more than one assault upon her, to induce her to alter her will. But Miss Crawley’s usual terrors regarding death increased greatly when such dismal propositions were made to her, and Mrs. Bute saw that she must get her patient into cheerful spirits and health before she could hope to attain the pious object which she had in view. Whither to take her was the next puzzle. The only place where she is not likely to meet those odious Rawdons is at church, and that won’t amuse her, Mrs. Bute justly felt. “We must go and visit our beautiful suburbs of London,” she then thought. “I hear they are the most picturesque in the world”; and so she had a sudden interest for Hampstead, and Hornsey, and found that Dulwich had great charms for her, and getting her victim into her carriage, drove her to those rustic spots, beguiling the little journeys with conversations about Rawdon and his wife, and telling every story to the old lady which could add to her indignation against this pair of reprobates. Vielleicht zog sie die Schlinge unnötig fest, denn obgleich sie Miss Crawley einen gehörigen Widerwillen gegen ihren ungehorsamen Neffen beibrachte, so fühlte die Patientin doch auch großen Haß und geheime Furcht gegenüber ihrer Peinigerin und sehnte sich, ihr zu entkommen. Nach kurzer Zeit empörte sie sich gegen Highgate und Hornsey und wollte in den Park. Mrs. Bute aber wußte, daß sie dort den abscheulichen Rawdon treffen würde, und sie hatte recht. Eines Tages tauchte auf dem Ring Rawdons Stanhope auf, Rebekka saß neben ihrem Mann. In dem feindlichen Wagen saß Miss Crawley auf ihrem gewöhnlichen Platz, Mrs. Bute zu ihrer Linken, der Pudel und Miss Briggs auf dem Rücksitz. Es war ein aufregender Augenblick, und Rebekkas Herz schlug schnell, als sie den Wagen erkannte. Und als die beiden Gefährte dicht aneinander vorbeifuhren, faltete sie die Hände und sah die alte Jungfer mit einer Miene schmerzerfüllter Anhänglichkeit und Hingabe an. Rawdon zitterte, und sein Gesicht hinter dem gefärbten Schnurrbart wurde puterrot. Nur die alte Briggs im anderen Wagen war bewegt und richtete die Augen groß und ängstlich auf ihre alten Freunde. Miss Crawleys Haube blieb beharrlich der Serpentine zugewandt. Mrs. Bute war zufällig ganz entzückt von dem Pudel, nannte ihn ihren kleinen Liebling, ein nettes Zottelchen, ein hübsches Geschöpf und so fort. Die Wagen fuhren weiter, jeder in seiner Reihe.   Perhaps Mrs. Bute pulled the string unnecessarily tight. For though she worked up Miss Crawley to a proper dislike of her disobedient nephew, the invalid had a great hatred and secret terror of her victimizer, and panted to escape from her. After a brief space, she rebelled against Highgate and Hornsey utterly. She would go into the Park. Mrs. Bute knew they would meet the abominable Rawdon there, and she was right. One day in the ring, Rawdon’s stanhope came in sight; Rebecca was seated by him. In the enemy’s equipage Miss Crawley occupied her usual place, with Mrs. Bute on her left, the poodle and Miss Briggs on the back seat. It was a nervous moment, and Rebecca’s heart beat quick as she recognized the carriage; and as the two vehicles crossed each other in a line, she clasped her hands, and looked towards the spinster with a face of agonized attachment and devotion. Rawdon himself trembled, and his face grew purple behind his dyed mustachios. Only old Briggs was moved in the other carriage, and cast her great eyes nervously towards her old friends. Miss Crawley’s bonnet was resolutely turned towards the Serpentine. Mrs. Bute happened to be in ecstasies with the poodle, and was calling him a little darling, and a sweet little zoggy, and a pretty pet. The carriages moved on, each in his line. »Verspielt, beim Zeus«, sagte Rawdon zu seiner Frau.   “Done, by Jove,” Rawdon said to his wife. »Versuch es doch noch einmal, Rawdon«, antwortete Rebekka. »Könntest du nicht mit deinen Rädern in ihre fahren, Liebster?«   “Try once more, Rawdon,” Rebecca answered. “Could not you lock your wheels into theirs, dearest?” Zu diesem Manöver hatte Rawdon jedoch nicht genug Mut. Als die Wagen sich abermals begegneten, erhob er sich in seinem Stanhope, hob die Hand, um den Hut zu ziehen, und blickte angestrengt hinüber. Diesmal aber war Miss Crawleys Gesicht nicht abgewandt, sie und Mrs. Bute sahen ihrem Neffen voll ins Gesicht und schnitten ihn mitleidslos. Mit einem Fluch sank er auf seinen Sitz zurück, schwenkte aus dem Ring und raste verzweifelt nach Hause.   Rawdon had not the heart for that manoeuvre. When the carriages met again, he stood up in his stanhope; he raised his hand ready to doff his hat; he looked with all his eyes. But this time Miss Crawley’s face was not turned away; she and Mrs. Bute looked him full in the face, and cut their nephew pitilessly. He sank back in his seat with an oath, and striking out of the ring, dashed away desperately homewards. Für Mrs. Bute war das ein herrlicher und entscheidender Triumph. Allein sie fühlte doch die Gefahr mehrerer solcher Begegnungen, als sie die Nervosität Miss Crawleys bemerkte. Sie beschloß daher, daß es für die Gesundheit ihrer lieben Freundin durchaus notwendig sei, die Stadt für einige Zeit zu verlassen, und sie empfahl nachdrücklich Brighton.   It was a gallant and decided triumph for Mrs. Bute. But she felt the danger of many such meetings, as she saw the evident nervousness of Miss Crawley; and she determined that it was most necessary for her dear friend’s health, that they should leave town for a while, and recommended Brighton very strongly. 20. Kapitel / Chapter 20 In dem Hauptmann Dobbin als Bote Hymens auftritt / In Which Captain Dobbin Acts as the Messenger of Hymen Ohne zu wissen wie, wurde Hauptmann William Dobbin der große Förderer, Ordner und Dirigent der Heirat George Osbornes mit Amelia. Ohne ihn wäre sie nie zustande gekommen, das mußte er sich selbst mit bitterem Lächeln gestehen. Ausgerechnet er war es, der für die Heirat sorgen mußte. Aber wenn diese Unterhandlung für ihn wirklich eine peinvolle Angelegenheit bedeutete, so war doch Hauptmann Dobbin gewohnt, jede Pflicht ohne viele Worte und langes Zögern zu erfüllen, und da er überzeugt war, daß Miss Sedley vor Kummer sterben würde, wenn sie diesen Mann nicht bekäme, so war er entschlossen, alles in seinen Kräften Stehende zu tun, um sie am Leben zu erhalten.   Without knowing how, Captain William Dobbin found himself the great promoter, arranger, and manager of the match between George Osborne and Amelia. But for him it never would have taken place: he could not but confess as much to himself, and smiled rather bitterly as he thought that he of all men in the world should be the person upon whom the care of this marriage had fallen. But though indeed the conducting of this negotiation was about as painful a task as could be set to him, yet when he had a duty to perform, Captain Dobbin was accustomed to go through it without many words or much hesitation: and, having made up his mind completely, that if Miss Sedley was balked of her husband she would die of the disappointment, he was determined to use all his best endeavours to keep her alive. Ich will auf die Einzelheiten der Unterredung zwischen George und Amelia nicht eingehen, als dieser durch die Vermittlung seines Freundes, des ehrlichen Williams, zu den Füßen (oder dürfen wir sagen: in die Arme?) seiner Geliebten zurückgeführt wurde. Ein weit härteres Herz als Georges wäre geschmolzen beim Anblick des lieblichen Gesichtes, auf dem Schmerz und Verzweiflung ihre Spuren hinterlassen hatten, und bei den einfachen zärtlichen Worten, in denen sie ihre kleine herzzerbrechende Geschichte erzählte. Da sie aber nicht in Ohnmacht fiel, als die zitternde Mutter Osborne zu ihr führte, und da sie ihrem übermäßigen Schmerz erst Luft machen konnte, als sie den Kopf an die Schulter des Geliebten lehnte und dort eine Weile freigebig zärtliche und erfrischende Tränen weinte, dachte die alte Mrs. Sedley ebenfalls sehr erleichtert, es sei wohl das beste, die jungen Leute sich selbst zu überlassen. So ging sie hinaus, während Emmy unter Tränen demütig Georges Hand küßte, als wäre er ihr oberster Herr und Meister, sie aber ein schuldiges und unwürdiges Wesen, das seiner Gunst und Gnade bedürfe.   I forbear to enter into minute particulars of the interview between George and Amelia, when the former was brought back to the feet (or should we venture to say the arms?) of his young mistress by the intervention of his friend honest William. A much harder heart than George’s would have melted at the sight of that sweet face so sadly ravaged by grief and despair, and at the simple tender accents in which she told her little broken-hearted story: but as she did not faint when her mother, trembling, brought Osborne to her; and as she only gave relief to her overcharged grief, by laying her head on her lover’s shoulder and there weeping for a while the most tender, copious, and refreshing tears — old Mrs. Sedley, too greatly relieved, thought it was best to leave the young persons to themselves; and so quitted Emmy crying over George’s hand, and kissing it humbly, as if he were her supreme chief and master, and as if she were quite a guilty and unworthy person needing every favour and grace from him. Diese Demut und süße, widerspruchslose Unterwerfung rührten George Osborne ebenso, wie sie ihm schmeichelten. Er sah in dem einfachen, nachgiebigen, treuen Geschöpf eine Sklavin vor sich, und seine Seele erschauerte insgeheim in der Erkenntnis seiner Macht. Er wollte ein großmütiger Sultan sein und seine knieende Esther aufheben und zur Königin machen. Auch ihre Traurigkeit und Schönheit rührten ihn. Daher tröstete er sie, richtete sie auf und verzieh ihr sozusagen. All ihre Hoffnungen und Gefühle, die dahinwelkten und vergingen, als sie von ihrer Sonne verbannt war, blühten plötzlich wieder, als ihnen das Licht zurückgegeben war. Man hätte an jenem Abend wohl schwerlich das kleine strahlende Gesicht auf Amelias Kissen als das gleiche wiedererkannt, das in der Nacht zuvor so bleich, leblos und gleichgültig für alles um sie her dort gelegen hatte. Das ehrliche irische Dienstmädchen bat, entzückt von der Veränderung, das plötzlich so rosig gewordene Gesicht küssen zu dürfen. Amelia schlang die Arme um den Hals des Mädchens und küßte sie aus tiefstem Herzen wie ein Kind. Sie war auch kaum mehr als ein Kind. In dieser Nacht war ihr Schlaf süß und erquickend wie selten – und welch ein Quell unaussprechlichen Glückes, als sie im Morgensonnenschein erwachte.   This prostration and sweet unrepining obedience exquisitely touched and flattered George Osborne. He saw a slave before him in that simple yielding faithful creature, and his soul within him thrilled secretly somehow at the knowledge of his power. He would be generous-minded, Sultan as he was, and raise up this kneeling Esther and make a queen of her: besides, her sadness and beauty touched him as much as her submission, and so he cheered her, and raised her up and forgave her, so to speak. All her hopes and feelings, which were dying and withering, this her sun having been removed from her, bloomed again and at once, its light being restored. You would scarcely have recognised the beaming little face upon Amelia’s pillow that night as the one that was laid there the night before, so wan, so lifeless, so careless of all round about. The honest Irish maid-servant, delighted with the change, asked leave to kiss the face that had grown all of a sudden so rosy. Amelia put her arms round the girl’s neck and kissed her with all her heart, like a child. She was little more. She had that night a sweet refreshing sleep, like one — and what a spring of inexpressible happiness as she woke in the morning sunshine! Heute kommt er wieder, dachte Amelia. Er ist der größte und beste aller Männer. In Wirklichkeit dachte auch George, er sei eines der edelmütigsten Geschöpfe auf der Welt und er bringe ein ungeheures Opfer, wenn er dieses junge Wesen heirate.   “He will be here again to-day,” Amelia thought. “He is the greatest and best of men.” And the fact is, that George thought he was one of the generousest creatures alive: and that he was making a tremendous sacrifice in marrying this young creature. Während sie und Osborne oben ihr entzückendes Tête-à-tête hatten, sprachen die alte Mrs. Sedley und Hauptmann Dobbin über den Stand der Dinge sowie über die Aussichten und das künftige Leben der jungen Leute. Nachdem Mrs. Sedley nun die beiden Liebenden zusammengeführt und sie in inniger Umarmung zurückgelassen hatte, glaubte sie als echte Frau, daß keine Macht auf der Welt Mr. Sedley bewegen würde, der Heirat zwischen seiner Tochter und dem Sohn eines Mannes zuzustimmen, der ihn so schändlich, böse und scheußlich behandelt hatte. Sie erzählte eine lange Geschichte von glücklicheren Tagen und früherem Glanz, als Osborne noch bescheiden in der New Road gelebt hatte und seine Frau nur zu glücklich gewesen war, ein paar von Joes Kindersachen zu bekommen, die Mrs. Sedley ihr bei der Geburt eines der Osborneschen Kinder geschenkt hatte. Die teuflische Undankbarkeit Osbornes hatte Mr. Sedley das Herz gebrochen, davon war sie überzeugt, und er würde nie, nie, nie, niemals in eine Heirat einwilligen.   While she and Osborne were having their delightful tete-a-tete above stairs, old Mrs. Sedley and Captain Dobbin were conversing below upon the state of the affairs, and the chances and future arrangements of the young people. Mrs. Sedley having brought the two lovers together and left them embracing each other with all their might, like a true woman, was of opinion that no power on earth would induce Mr. Sedley to consent to the match between his daughter and the son of a man who had so shamefully, wickedly, and monstrously treated him. And she told a long story about happier days and their earlier splendours, when Osborne lived in a very humble way in the New Road, and his wife was too glad to receive some of Jos’s little baby things, with which Mrs. Sedley accommodated her at the birth of one of Osborne’s own children. The fiendish ingratitude of that man, she was sure, had broken Mr. S.’s heart: and as for a marriage, he would never, never, never, never consent. »Dann müssen sie eben miteinander fliehen, Madame«, sagte Dobbin lachend, »müssen dem Beispiel von Hauptmann Rawdon Crawley und Miss Emmys Freundin, der kleinen Gouvernante, folgen.« War es möglich? Niemals hätte sie...! Mrs. Sedley war ganz aufgeregt über diese Nachricht. Sie wünschte, die Blenkinsop wäre da, um es ebenfalls zu hören, die Blenkinsop habe dieser Miss Sharp immer mißtraut. Ein Glück, daß Joe noch davongekommen war! Und nun beschrieb sie die bereits bekannten Liebesabenteuer zwischen Rebekka und dem Steuereinnehmer von Boggley Wollah.   “They must run away together, Ma’am,” Dobbin said, laughing, “and follow the example of Captain Rawdon Crawley, and Miss Emmy’s friend the little governess.” Was it possible? Well she never! Mrs. Sedley was all excitement about this news. She wished that Blenkinsop were here to hear it: Blenkinsop always mistrusted that Miss Sharp. — What an escape Jos had had! and she described the already well-known love-passages between Rebecca and the Collector of Boggley Wollah. Dobbin fürchtete allerdings Mr. Sedleys Zorn nicht so sehr wie den des anderen beteiligten Vaters, und er gestand sich, daß er erhebliche Zweifel und Besorgnisse hegte, wie sich der finstere alte Tyrann von einem Kaufmann am Russell Square verhalten werde. Er hat die Heirat entschieden verboten, dachte Dobbin. Er wußte, was für ein wilder, entschlossener Mann Osborne war und wie er zu seinem Wort stand. George darf nur dann auf Versöhnung hoffen, meinte sein Freund, wenn er sich in dem bevorstehenden Feldzug auszeichnet. Fällt er, so gehen beide. Zeichnet er sich nicht aus – was dann? Von seiner Mutter hat er etwas Geld, ich nehme an, genug, um den Majorsrang zu erwerben – oder aber er muß sein Offizierspatent verkaufen und sich in Kanada ansiedeln oder sich in einem Häuschen auf dem Lande durchschlagen. Mit einer solchen Lebensgefährtin würde ihm selbst Sibirien nichts ausmachen, meinte Dobbin. Seltsamerweise dachte dieser weltfremde junge Mann auch nicht einen Augenblick daran, daß das Fehlen der nötigen Mittel, um eine hübsche Equipage zu halten, und das Fehlen eines Einkommens, um die Freunde anständig zu bewirten, eine Schranke zwischen George Osborne und Miss Sedley errichten könnte.   It was not, however, Mr. Sedley’s wrath which Dobbin feared, so much as that of the other parent concerned, and he owned that he had a very considerable doubt and anxiety respecting the behaviour of the black-browed old tyrant of a Russia merchant in Russell Square. He has forbidden the match peremptorily, Dobbin thought. He knew what a savage determined man Osborne was, and how he stuck by his word. “The only chance George has of reconcilement,” argued his friend, “is by distinguishing himself in the coming campaign. If he dies they both go together. If he fails in distinction — what then? He has some money from his mother, I have heard enough to purchase his majority — or he must sell out and go and dig in Canada, or rough it in a cottage in the country.” With such a partner Dobbin thought he would not mind Siberia — and, strange to say, this absurd and utterly imprudent young fellow never for a moment considered that the want of means to keep a nice carriage and horses, and of an income which should enable its possessors to entertain their friends genteelly, ought to operate as bars to the union of George and Miss Sedley. Diese gewichtigen Erwägungen ließen ihn auf eine baldige Heirat drängen. Wollte er etwa selbst, daß die Sache so schnell wie möglich erledigt würde, etwa in der Art von Menschen, die sich bei einem Todesfall mit dem Begräbnis beeilen oder bei einem Abschied auf Eile drängen? Sicher ist, daß Mr. Dobbin, nachdem er die Sache in die Hand genommen hatte, sehr eifrig zu Werke ging. Er stellte George eindringlich vor, wie notwendig es sei, schnell zu handeln. Er wies ihn auf die Aussichten einer Versöhnung mit seinem Vater hin, die durch eine günstige Erwähnung seines Namens in der »Gazette« herbeigeführt werden könnte. Wenn nötig, wollte er selbst hingehen und beiden Vätern mutig gegenübertreten. Auf jeden Fall aber ersuchte er George, die Sache zu erledigen, ehe der allgemein erwartete Marschbefehl käme, der das Regiment ins Ausland riefe.   It was these weighty considerations which made him think too that the marriage should take place as quickly as possible. Was he anxious himself, I wonder, to have it over? — as people, when death has occurred, like to press forward the funeral, or when a parting is resolved upon, hasten it. It is certain that Mr. Dobbin, having taken the matter in hand, was most extraordinarily eager in the conduct of it. He urged on George the necessity of immediate action: he showed the chances of reconciliation with his father, which a favourable mention of his name in the Gazette must bring about. If need were he would go himself and brave both the fathers in the business. At all events, he besought George to go through with it before the orders came, which everybody expected, for the departure of the regiment from England on foreign service. Mit diesen Heiratsprojekten beschäftigt und mit Mrs. Sedleys Zustimmung und Billigung, der es nicht sonderlich darum zu tun war, die Sache ihrem Manne persönlich mitzuteilen, machte Mr. Dobbin sich auf, um John Sedley in seinem Aufenthaltsort in der City, dem Tapioka-Kaffeehaus, aufzusuchen, wohin der arme gebeugte alte Herr täglich ging, seitdem sein Kontor geschlossen war und das Schicksal ihn ereilt hatte. Dort schrieb und empfing er Briefe und bündelte sie zu geheimnisvollen Päckchen, von denen er stets einige in den Rocktaschen herumtrug. Ich kenne nichts Traurigeres als diese Geschäftigkeit und Geheimnistuerei bei einem ruinierten Mann, als diese Briefe von reichen Leuten, die er einem zeigt, als diese abgegriffenen, schmierigen Dokumente voll Hilfeversprechen und Beileidsbezeigungen, die er einem schweigend vorlegt und auf die er seine Hoffnungen vom Wiederaufkommen und künftigen Glück baut. Dem verehrten Leser hat im Laufe seines Lebens zweifellos schon manch einer dieser unglücklichen Gesellen aufgelauert. Er zieht ihn in eine Ecke, holt einen Packen Papiere aus der weit offenstehenden Rocktasche, löst die Schnur, hält sie im Mund, wählt die schönsten Briefe aus und legt sie vor einen hin. Und wer kennt nicht den traurigen, gierigen, halb wahnsinnigen Blick, den seine hoffnungslosen Augen auf einen heften?   Bent upon these hymeneal projects, and with the applause and consent of Mrs. Sedley, who did not care to break the matter personally to her husband, Mr. Dobbin went to seek John Sedley at his house of call in the City, the Tapioca Coffee-house, where, since his own offices were shut up, and fate had overtaken him, the poor broken-down old gentleman used to betake himself daily, and write letters and receive them, and tie them up into mysterious bundles, several of which he carried in the flaps of his coat. I don’t know anything more dismal than that business and bustle and mystery of a ruined man: those letters from the wealthy which he shows you: those worn greasy documents promising support and offering condolence which he places wistfully before you, and on which he builds his hopes of restoration and future fortune. My beloved reader has no doubt in the course of his experience been waylaid by many such a luckless companion. He takes you into the corner; he has his bundle of papers out of his gaping coat pocket; and the tape off, and the string in his mouth, and the favourite letters selected and laid before you; and who does not know the sad eager half-crazy look which he fixes on you with his hopeless eyes? In solch einen Mann verwandelt, fand Dobbin den einst so blühenden, jovialen und reichen John Sedley. Sein Rock, sonst immer elegant und sauber, glänzte jetzt an den Nähten, und an den Knöpfen schimmerte das Kupfer durch. Sein Gesicht war eingefallen und unrasiert. Hemdkrause und Halstuch hingen schlaff unter der ausgebeutelten Weste herab. Wenn er in alten Zeiten die Jungen im Kaffeehaus freigehalten hatte, hatte er lauter als irgendein anderer gelacht und geschrien, und stets hatten alle Kellner bei ihm vollauf zu tun gehabt. Es war jetzt wirklich schmerzlich, zu sehen, wie demütig und höflich er gegenüber John vom Tapioka-Kaffeehaus war, einem triefäugigen alten Diener in dunklen Strümpfen und zerrissenen Tanzschuhen, dessen Geschäft darin bestand, den Gästen dieses trübseligen Gasthauses, wo sonst nichts verzehrt zu werden schien, Gläser voller Oblaten, zinnerne Tintenfässer und Papierbogen zu reichen. Der alte Sedley gab William Dobbin, den er in seinen jungen Jahren wiederholt beschenkt und der dem alten Herrn bei tausend Gelegenheiten zur Zielscheibe seines Witzes gedient hatte, zaghaft und demütig die Hand und nannte ihn »Sir«. Als der gebrochene alte Mann ihn so empfing und ansprach, bemächtigte sich William Dobbins ein Gefühl von Scham und Reue, als hätte er selbst irgendwie Schuld an dem Unglück, das Sedley so tief heruntergebracht hatte.   Changed into a man of this sort, Dobbin found the once florid, jovial, and prosperous John Sedley. His coat, that used to be so glossy and trim, was white at the seams, and the buttons showed the copper. His face had fallen in, and was unshorn; his frill and neckcloth hung limp under his bagging waistcoat. When he used to treat the boys in old days at a coffee-house, he would shout and laugh louder than anybody there, and have all the waiters skipping round him; it was quite painful to see how humble and civil he was to John of the Tapioca, a blear-eyed old attendant in dingy stockings and cracked pumps, whose business it was to serve glasses of wafers, and bumpers of ink in pewter, and slices of paper to the frequenters of this dreary house of entertainment, where nothing else seemed to be consumed. As for William Dobbin, whom he had tipped repeatedly in his youth, and who had been the old gentleman’s butt on a thousand occasions, old Sedley gave his hand to him in a very hesitating humble manner now, and called him “Sir.” A feeling of shame and remorse took possession of William Dobbin as the broken old man so received and addressed him, as if he himself had been somehow guilty of the misfortunes which had brought Sedley so low. »Es freut mich unendlich, Hauptmann Dobbin, Sie zu sehen«, sagte er nach einigen verstohlenen Blicken auf seinen Besuch (dessen schlanke Gestalt und dessen militärisches Aussehen einiges Leben in die Triefaugen des Kellners mit den zerrissenen Tanzschuhen brachte und die alte Dame in Schwarz aufgeweckt hatte, die zwischen alten, angeschlagenen Kaffeetassen an der Theke döste). »Wie geht es dem würdigen Alderman und der Lady, Ihrer vortrefflichen Mutter, Sir?« Beim Worte »Lady« blickte er sich nach dem Kellner um, als wollte er sagen: Hörst du, John, ich habe noch Freunde, und zwar Personen von Rang und Ruf. »Kommen Sie in Geschäftsangelegenheiten zu mir, Sir? Meine jungen Freunde Dale und Spiggot führen jetzt alle Geschäfte für mich, bis mein neues Kontor fertig ist; ich bin nämlich nur vorübergehend hier, wissen Sie, Hauptmann. Was können wir für Sie tun, Sir? Wollen Sie etwas zu sich nehmen?«   “I am very glad to see you, Captain Dobbin, sir,” says he, after a skulking look or two at his visitor (whose lanky figure and military appearance caused some excitement likewise to twinkle in the blear eyes of the waiter in the cracked dancing pumps, and awakened the old lady in black, who dozed among the mouldy old coffee-cups in the bar). “How is the worthy alderman, and my lady, your excellent mother, sir?” He looked round at the waiter as he said, “My lady,” as much as to say, “Hark ye, John, I have friends still, and persons of rank and reputation, too.” “Are you come to do anything in my way, sir? My young friends Dale and Spiggot do all my business for me now, until my new offices are ready; for I’m only here temporarily, you know, Captain. What can we do for you. sir? Will you like to take anything?” Stockend und stotternd beteuerte Dobbin, daß er weder Hunger noch Durst verspüre, daß er nicht geschäftlich gekommen sei, sondern nur, um zu fragen, ob es Mr. Sedley gut gehe, und um einem alten Freund die Hand zu drücken. Und er stellte verzweifelt die Wahrheit auf den Kopf, als er hinzufügte: »Meiner Mutter geht es gut – das heißt, sie war krank und wartet jetzt bloß auf den ersten schönen Tag, um auszugehen und Mrs. Sedley einen Besuch abzustatten. Wie geht es Mrs. Sedley, Sir? Hoffentlich ist sie wohlauf.« Hier hielt er inne und überlegte sich seine vollendete Heuchelei, denn der Tag war so schön, und die Sonne strahlte wie nur je in Coffin Court, wo das Tapioka-Kaffeehaus liegt. Und Mr. Dobbin erinnerte sich, daß er Mrs. Sedley noch vor einer Stunde gesehen hatte, als er Osborne in seiner Gig nach Fulham gefahren und dort tête à tête mit Miss Amelia zurückgelassen hatte.   Dobbin, with a great deal of hesitation and stuttering, protested that he was not in the least hungry or thirsty; that he had no business to transact; that he only came to ask if Mr. Sedley was well, and to shake hands with an old friend; and, he added, with a desperate perversion of truth, “My mother is very well — that is, she’s been very unwell, and is only waiting for the first fine day to go out and call upon Mrs. Sedley. How is Mrs. Sedley, sir? I hope she’s quite well.” And here he paused, reflecting on his own consummate hypocrisy; for the day was as fine, and the sunshine as bright as it ever is in Coffin Court, where the Tapioca Coffee-house is situated: and Mr. Dobbin remembered that he had seen Mrs. Sedley himself only an hour before, having driven Osborne down to Fulham in his gig, and left him there tete-a-tete with Miss Amelia. »Meine Frau wird sich sehr freuen, Lady Dobbin zu sehen«, erwiderte Sedley und zog seine Papiere hervor. »Ich habe hier einen sehr freundlichen Brief von Ihrem Vater, Sir, bitte, richten Sie ihm meine ehrerbietigsten Komplimente aus. Lady Dobbin wird unser Haus jetzt etwas kleiner vorfinden als das, in dem wir sonst unsere Freunde empfingen; aber es ist nett, und die Luftveränderung tut meiner Tochter gut, die in der Stadt etwas leidend – Sie erinnern sich doch der kleinen Emmy, Sir? –, ja sehr leidend war.« Während der alte Herr sprach, irrten seine Augen umher, und wie er so dasaß und auf seine Papiere trommelte und mit der alten roten Schnur spielte, dachte er an etwas ganz anderes.   “My wife will be very happy to see her ladyship,” Sedley replied, pulling out his papers. “I’ve a very kind letter here from your father, sir, and beg my respectful compliments to him. Lady D. will find us in rather a smaller house than we were accustomed to receive our friends in; but it’s snug, and the change of air does good to my daughter, who was suffering in town rather — you remember little Emmy, sir? — yes, suffering a good deal.” The old gentleman’s eyes were wandering as he spoke, and he was thinking of something else, as he sate thrumming on his papers and fumbling at the worn red tape. »Sie sind Militär«, fuhr er fort, »ich frage Sie, Bill Dobbin, hätte jemand ahnen können, daß der korsische Schurke je von Elba zurückkommen würde? Als die alliierten Monarchen im verflossenen Jahre hier waren und wir ihnen in der City ein Essen gaben, Sir, und den Tempel der Eintracht, das Feuerwerk und die chinesische Brücke im Sankt-James-Park sahen – konnte da ein vernünftiger Mensch denken, daß nicht wirklich Friede geschlossen sei, nachdem wir doch deswegen schon ein Tedeum gesungen hatten, Sir? Ich frage Sie, William, konnte ich vermuten, daß der Kaiser von Österreich ein verdammter Verräter sei – ein Verräter und nichts anderes? Ich will es nicht beschönigen – ein scheinheiliger, teuflischer Verräter und Intrigant, der die ganze Zeit über beabsichtigte, seinen Schwiegersohn zurückzuhaben. Und ich sage, Bonys Flucht von Elba war ein verdammter Betrug und ein Komplott, Sir, an dem die Hälfte der europäischen Mächte beteiligt war, um die Staatspapiere zu drücken und unser Land zu ruinieren. Deshalb bin ich hier, William. Deshalb steht mein Name in der ›Gazette‹. Warum, Sir? Weil ich dem Kaiser von Rußland und dem Prinzregenten getraut habe. Sehen Sie her. Sehen Sie meine Papiere an. Sehen Sie, wie sie am ersten März standen, wie die französischen Fünfprozentigen standen, als ich sie erwarb. Und wie stehen sie jetzt? Das war ein abgekartetes Spiel, Sir, sonst wäre der Schurke gewiß nie entkommen. Wo war der englische Kommissar, der ihn fliehen ließ? Man sollte ihn erschießen, Sir, sollte ihn vor ein Kriegsgericht stellen und erschießen, beim Zeus!«   “You’re a military man,” he went on; “I ask you, Bill Dobbin, could any man ever have speculated upon the return of that Corsican scoundrel from Elba? When the allied sovereigns were here last year, and we gave ’em that dinner in the City, sir, and we saw the Temple of Concord, and the fireworks, and the Chinese bridge in St. James’s Park, could any sensible man suppose that peace wasn’t really concluded, after we’d actually sung Te Deum for it, sir? I ask you, William, could I suppose that the Emperor of Austria was a damned traitor — a traitor, and nothing more? I don’t mince words — a double-faced infernal traitor and schemer, who meant to have his son-in-law back all along. And I say that the escape of Boney from Elba was a damned imposition and plot, sir, in which half the powers of Europe were concerned, to bring the funds down, and to ruin this country. That’s why I’m here, William. That’s why my name’s in the Gazette. Why, sir? — because I trusted the Emperor of Russia and the Prince Regent. Look here. Look at my papers. Look what the funds were on the 1st of March — what the French fives were when I bought for the count. And what they’re at now. There was collusion, sir, or that villain never would have escaped. Where was the English Commissioner who allowed him to get away? He ought to be shot, sir — brought to a court-martial, and shot, by Jove.” »Wir werden Bony bald davonjagen, Sir«, sagte Dobbin, etwas beunruhigt von der Wut des alten Mannes, dessen Stirnadern zu schwellen begannen und der mit geballter Faust auf seine Papiere trommelte. »Wir werden ihn bald davonjagen, Sir, der Herzog ist bereits in Belgien, und wir erwarten täglich Marschbefehl.«   “We’re going to hunt Boney out, sir,” Dobbin said, rather alarmed at the fury of the old man, the veins of whose forehead began to swell, and who sate drumming his papers with his clenched fist. “We are going to hunt him out, sir — the Duke’s in Belgium already, and we expect marching orders every day.” »Gebt ihm keinen Pardon. Bringt den Kopf des Halunken mit! Schießt den Feigling nieder!« brüllte Sedley. »Ich würde selbst ins Feld ziehen, beim..., aber ich bin ein gebrochener, alter Mann – ruiniert von diesem verdammten Schurken und einem Haufen Gaunern und Dieben in unserem Lande, die ich zu Männern gemacht habe, Sir, und die jetzt in einer Equipage fahren«, setzte er mit brechender Stimme hinzu.   “Give him no quarter. Bring back the villain’s head, sir. Shoot the coward down, sir,” Sedley roared. “I’d enlist myself, by — ; but I’m a broken old man — ruined by that damned scoundrel — and by a parcel of swindling thieves in this country whom I made, sir, and who are rolling in their carriages now,” he added, with a break in his voice. Der Zustand dieses einst so gütigen und jetzt durch sein Unglück fast wahnsinnigen und in altersschwachem Zorn wütenden alten Freundes ging Dobbin sehr zu Herzen. Habt Mitleid mit dem gefallenen alten Herrn, ihr, denen Geld und guter Ruf das Höchste bedeuten, und das bedeuten sie sicherlich auch auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit.   Dobbin was not a little affected by the sight of this once kind old friend, crazed almost with misfortune and raving with senile anger. Pity the fallen gentleman: you to whom money and fair repute are the chiefest good; and so; surely, are they in Vanity Fair. »Ja«, fuhr er fort, »es gibt Schlangen, die man an seinem Busen nährt und die einen später beißen. Es gibt Bettler, denen man aufs Pferd hilft und die einen als ersten niederreiten. Sie wissen, wen ich meine, William Dobbin, mein Junge. Ich meine einen schurkischen Geldsackprotz am Russell Square, den ich schon kannte, als er noch keinen Shilling besaß, ich bete und hoffe, ihn noch einmal als den Bettler zu sehen, der er war, als ich ihm half.«   “Yes,” he continued, “there are some vipers that you warm, and they sting you afterwards. There are some beggars that you put on horseback, and they’re the first to ride you down. You know whom I mean, William Dobbin, my boy. I mean a purse-proud villain in Russell Square, whom I knew without a shilling, and whom I pray and hope to see a beggar as he was when I befriended him.” »Mein Freund George hat mir etwas davon erzählt, Sir«, sprach Dobbin, bestrebt, nun endlich auf sein Ziel loszusteuern. »Der Streit zwischen Ihnen und seinem Vater hat ihn sehr betrübt, Sir. Ich habe für Sie eine Botschaft von ihm.«   “I have heard something of this, sir, from my friend George,” Dobbin said, anxious to come to his point. “The quarrel between you and his father has cut him up a great deal, sir. Indeed, I’m the bearer of a message from him.” »Ach, deswegen sind Sie also hier!« rief der alte Mann und sprang auf. »Wie? Vielleicht läßt er mir sein Beileid bezeigen, ja? Sehr nett von ihm, dem hochnäsigen Geck mit der Stutzermiene und den West-End-Allüren. Schleicht er immer noch um mein Haus herum? Hätte mein Sohn den Mut eines Mannes, so würde er ihn erschießen. Er ist ein ebenso großer Schurke wie sein Vater. Ich will seinen Namen in meinem Haus nicht hören. Ich verfluche den Tag, wo er es zum erstenmal betrat, und lieber möchte ich meine Tochter tot zu meinen Füßen als mit ihm verheiratet sehen.«   “O, that’s your errand, is it?” cried the old man, jumping up. “What! perhaps he condoles with me, does he? Very kind of him, the stiff-backed prig, with his dandified airs and West End swagger. He’s hankering about my house, is he still? If my son had the courage of a man, he’d shoot him. He’s as big a villain as his father. I won’t have his name mentioned in my house. I curse the day that ever I let him into it; and I’d rather see my daughter dead at my feet than married to him.” »George ist nicht schuld an der Härte seines Vaters, Sir. Daß Ihre Tochter ihn liebt, dazu haben Sie so gut beigetragen wie er. Wer sind Sie, daß Sie mit der Liebe zweier junger Menschen spielen und ihnen nach Ihrem Belieben das Herz brechen können?«   “His father’s harshness is not George’s fault, sir. Your daughter’s love for him is as much your doing as his. Who are you, that you are to play with two young people’s affections and break their hearts at your will?” »Vergessen Sie nicht, daß es nicht sein Vater ist, der die Verbindung abbricht«, rief der alte Sedley aus. »Ich bin es, der sie verbietet. Seine und meine Familie sind für immer und ewig geschieden. Ich bin tief gesunken, aber doch nicht so tief. Nein, nein! Das alles können Sie der ganzen Sippschaft sagen – Sohn, Vater und Schwestern und allen.«   “Recollect it’s not his father that breaks the match off,” old Sedley cried out. “It’s I that forbid it. That family and mine are separated for ever. I’m fallen low, but not so low as that: no, no. And so you may tell the whole race — son, and father and sisters, and all.” »Ich glaube, Sir, daß Sie weder die Macht noch das Recht haben, die beiden zu trennen«, antwortete Dobbin leise, »und wenn Sie Ihrer Tochter nicht die Zustimmung geben wollen, so wird sie ohne heiraten müssen. Es spricht nichts dafür, daß sie wegen Ihrer Starrköpfigkeit ihr Leben lang unglücklich sein sollte. Meiner Ansicht nach ist sie ebensogut verheiratet, als ob sie schon in allen Kirchen Londons aufgeboten worden wäre. Und kann es auf Osbornes Anschuldigungen gegen Sie eine bessere Antwort geben – wenn es nun schon einmal Anschuldigungen gibt –, als daß sein Sohn in Ihre Familie eintreten und Ihre Tochter heiraten will?«   “It’s my belief, sir, that you have not the power or the right to separate those two,” Dobbin answered in a low voice; “and that if you don’t give your daughter your consent it will be her duty to marry without it. There’s no reason she should die or live miserably because you are wrong-headed. To my thinking, she’s just as much married as if the banns had been read in all the churches in London. And what better answer can there be to Osborne’s charges against you, as charges there are, than that his son claims to enter your family and marry your daughter?” So etwas wie ein Leuchten der Befriedigung ging über das Gesicht des alten Sedley, als ihm die Sache so dargestellt wurde. Doch blieb er hartnäckig dabei, daß Amelia und George niemals seine Zustimmung zur Heirat erhalten würden.   A light of something like satisfaction seemed to break over old Sedley as this point was put to him: but he still persisted that with his consent the marriage between Amelia and George should never take place. »Dann müssen wir es eben ohne Sie tun«, sagte Dobbin lächelnd und erzählte nun Mr. Sedley wie vorher seiner Frau die Geschichte von Rebekkas und Hauptmann Crawleys Flucht. Offenbar belustigte die Erzählung des Hauptmanns den alten Herrn. »Ihr seid fürchterliche Burschen, Ihr Hauptleute«, sagte er und band seine Papiere wieder zusammen. Dabei zeigte sich auf seinem Gesicht die Andeutung von einem Lächeln, zum Erstaunen des triefäugigen Kellners, der gerade eintrat und, seit Sedley das trübselige Kaffeehaus besuchte, auf seinem Gesicht noch nie solch einen Ausdruck bemerkt hatte.   “We must do it without,” Dobbin said, smiling, and told Mr. Sedley, as he had told Mrs. Sedley in the day, before, the story of Rebecca’s elopement with Captain Crawley. It evidently amused the old gentleman. “You’re terrible fellows, you Captains,” said he, tying up his papers; and his face wore something like a smile upon it, to the astonishment of the blear-eyed waiter who now entered, and had never seen such an expression upon Sedley’s countenance since he had used the dismal coffee-house. Vielleicht besänftigte den alten Herrn auch der Gedanke, seinem Feinde Osborne solch einen Schlag zu versetzen, denn als ihr Gespräch zum Ende kam, schieden er und Dobbin als gute Freunde voneinander.   The idea of hitting his enemy Osborne such a blow soothed, perhaps, the old gentleman: and, their colloquy presently ending, he and Dobbin parted pretty good friends. »Meine Schwestern behaupten, sie habe Diamanten, so groß wie Taubeneier«, sagte George lachend. »Wie mögen die bloß ihren Teint noch hervorheben! Es muß ja eine wahre Illumination sein, wenn ihr die Juwelen am Hals hängen. Ihr kohlschwarzes Haar ist so kraus wie Sambos. Sie muß einen Nasenring getragen haben, als sie bei Hofe vorgestellt wurde. Und mit einem Federbusch im Knoten sähe sie geradezu wie eine belle sauvage aus.«   “My sisters say she has diamonds as big as pigeons’ eggs,” George said, laughing. “How they must set off her complexion! A perfect illumination it must be when her jewels are on her neck. Her jet-black hair is as curly as Sambo’s. I dare say she wore a nose ring when she went to court; and with a plume of feathers in her top-knot she would look a perfect Belle Sauvage.” George machte sich im Gespräch mit Amelia gerade über das Äußere einer jungen Dame lustig, die sein Vater und seine Schwestern kürzlich kennengelernt hatten und die die Familie am Russell Square sehr verehrte. Es hieß, sie besitze wer weiß wie viele Plantagen in Westindien, habe eine schöne Summe in Staatspapieren und drei Sterne neben ihrem Namen im Verzeichnis der Aktionäre der Ostindischen Kompanie. Sie hatte ein Gutshaus in Surrey und ein Haus am Portland Place. Der Name der reichen westindischen Erbin war beifällig in der »Morning Post« erwähnt worden. Mrs. Haggistoun, Oberst Haggistouns Witwe, eine Verwandte von ihr, spielte Anstandsdame bei ihr und führte ihr den Haushalt. Sie war gerade von der Schule gekommen, wo ihre Erziehung vollendet worden war, und George und seine Schwestern hatten sie auf einer Abendgesellschaft im Hause des alten Hulker auf dem Devonshire Place kennengelernt (Hulker, Bullock und Co. hatten lange mit ihrem Hause in Westindien in Geschäftsverbindung gestanden), die Mädchen hatten ihr ein herzliches Entgegenkommen gezeigt, was die Erbin gutmütig zugelassen hatte. Eine Waise in ihrer Stellung – mit ihrem Gelde – wie interessant! sagten die beiden Miss Osborne. Sie waren von ihrer neuen Freundin ganz erfüllt, als sie vom Ball bei Hulker zu Miss Wirt, ihrer Gesellschafterin, heimkehrten. Sie hatten verabredet, einander recht häufig zu besuchen, und ließen gleich am nächsten Tag anspannen, um zu ihr zu fahren. Mrs. Haggistoun, Oberst Haggistouns Witwe, eine Verwandte von Lord Binkie, von dem sie beständig sprach, kam den lieben, unschuldigen Mädchen etwas hochmütig vor und etwas zu geneigt, ständig von ihren vornehmen Verwandten zu sprechen. Aber Rhoda war ganz, wie sie nur wünschen konnten  – offen, freundlich, angenehm, zwar noch etwas ungeschliffen, aber sehr gutmütig. Die Mädchen nannten einander bald nur noch mit Vornamen.   George, in conversation with Amelia, was rallying the appearance of a young lady of whom his father and sisters had lately made the acquaintance, and who was an object of vast respect to the Russell Square family. She was reported to have I don’t know how many plantations in the West Indies; a deal of money in the funds; and three stars to her name in the East India stockholders’ list. She had a mansion in Surrey, and a house in Portland Place. The name of the rich West India heiress had been mentioned with applause in the Morning Post. Mrs. Haggistoun, Colonel Haggistoun’s widow, her relative, “chaperoned” her, and kept her house. She was just from school, where she had completed her education, and George and his sisters had met her at an evening party at old Hulker’s house, Devonshire Place (Hulker, Bullock, and Co. were long the correspondents of her house in the West Indies), and the girls had made the most cordial advances to her, which the heiress had received with great good humour. An orphan in her position — with her money — so interesting! the Misses Osborne said. They were full of their new friend when they returned from the Hulker ball to Miss Wirt, their companion; they had made arrangements for continually meeting, and had the carriage and drove to see her the very next day. Mrs. Haggistoun, Colonel Haggistoun’s widow, a relation of Lord Binkie, and always talking of him, struck the dear unsophisticated girls as rather haughty, and too much inclined to talk about her great relations: but Rhoda was everything they could wish — the frankest, kindest, most agreeable creature — wanting a little polish, but so good-natured. The girls Christian-named each other at once. »Sie hätten sie in ihrem Kleid für den Empfang bei Hofe sehen sollen, Emmy«, rief Osborne lachend. »Sie kam zu meinen Schwestern, um sich bewundern zu lassen, ehe sie von Lady Binkie, der Verwandten der Haggistoun, vorgestellt wurde. Diese Haggistoun ist mit jedermann verwandt. Ihre Diamanten funkelten wie Vauxhall an dem Abend, als wir dort waren. (Erinnern Sie sich noch an Vauxhall, Emmy, und wie Joe seinem Lirum-larum-Lieb-chen vorsang?) Diamanten und Mahagoni, meine Liebe. Stellen Sie sich diesen vorteilhaften Kontrast vor – und die weißen Federn in ihrem Haar – ich meine, in ihrer Wolle. Sie hatte Ohrringe, so groß wie Kronleuchter. Man hätte sie anzünden können, beim Zeus. Und eine gelbe Atlasschleppe, die sie wie einen Kometenschweif hinter sich herzog.«   “You should have seen her dress for court, Emmy,” Osborne cried, laughing. “She came to my sisters to show it off, before she was presented in state by my Lady Binkie, the Haggistoun’s kinswoman. She’s related to every one, that Haggistoun. Her diamonds blazed out like Vauxhall on the night we were there. (Do you remember Vauxhall, Emmy, and Jos singing to his dearest diddle diddle darling?) Diamonds and mahogany, my dear! think what an advantageous contrast — and the white feathers in her hair — I mean in her wool. She had earrings like chandeliers; you might have lighted ’em up, by Jove — and a yellow satin train that streeled after her like the tail of a cornet.” »Wie alt ist sie denn?« fragte Emmy, der George am Morgen ihrer Wiedervereinigung von diesem schwarzen Musterexemplar vorplauderte – vorplauderte, wie gewiß kein anderer Mensch auf der Welt es konnte.   “How old is she?” asked Emmy, to whom George was rattling away regarding this dark paragon, on the morning of their reunion — rattling away as no other man in the world surely could. »Ach, die schwarze Prinzessin muß zwei- oder dreiundzwanzig sein, obgleich sie eben erst von der Schule gekommen ist. Und Sie sollten ihre Handschrift sehen! Gewöhnlich schreibt Mrs. Haggistoun ihre Briefe, aber in einem vertraulichen Augenblick brachte sie etwas für meine Schwestern zu Papier, und da schrieb sie dann statt Satin ›Satteng‹ und anstatt Saint James ›Sent Jehms‹.«   “Why the Black Princess, though she has only just left school, must be two or three and twenty. And you should see the hand she writes! Mrs. Colonel Haggistoun usually writes her letters, but in a moment of confidence, she put pen to paper for my sisters; she spelt satin satting, and Saint James’s, Saint Jams.” »Ja, das muß Miss Swartz sein, Miss Pinkertons Vorzugsschülerin«, sagte Emmy, der das gutmütige junge Mulattenmädchen einfiel, die sich in ihrer Erregung über Amelias Abschied vom Pensionat so hysterisch aufgeführt hatte.   “Why, surely it must be Miss Swartz, the parlour boarder,” Emmy said, remembering that good-natured young mulatto girl, who had been so hysterically affected when Amelia left Miss Pinkerton’s academy. »Stimmt, so heißt sie«, sagte George. »Ihr Vater war ein deutscher Jude – ein Sklavenbesitzer, erzählt man –, der irgend etwas mit den Kannibaleninseln zu tun hatte. Er ist im vergangenen Jahr gestorben, und Miss Pinkerton hat die Erziehung des Mädchens vollendet. Sie kann zwei Stücke auf dem Klavier spielen, kann drei Lieder singen, kann schreiben, wenn Mrs. Haggistoun dabeisitzt und ihr vorbuchstabiert. Und Jane und Maria haben sie bereits so liebgewonnen wie eine Schwester.«   “The very name,” George said. “Her father was a German Jew — a slave-owner they say — connected with the Cannibal Islands in some way or other. He died last year, and Miss Pinkerton has finished her education. She can play two pieces on the piano; she knows three songs; she can write when Mrs. Haggistoun is by to spell for her; and Jane and Maria already have got to love her as a sister.” »Ich wollte, sie hätten mich geliebt«, sagte Emmy gedankenvoll. »Sie waren immer sehr kühl gegen mich.«   “I wish they would have loved me,” said Emmy, wistfully. “They were always very cold to me.” »Mein liebes Kind, sie hätten Sie geliebt, wenn Sie zweihunderttausend Pfund gehabt hätten«, erwiderte George. »Sie sind nun einmal so erzogen worden. Unsere Gesellschaft kennt eben nichts als das bare Geld. Wir leben unter Bankiers und City-Geldprotzen und hängen uns an sie. Und jeder, der mit einem spricht, klappert mit den Guineen in der Tasche. Da ist dieser Esel Fred Bullock, der Maria heiraten wird, da ist Goldmore, der Direktor der Ostindischen Kompanie, da ist Dipley vom Talghandel – unserem Handel«, sagte George errötend und lachte verlegen. »Zum Teufel mit dem ganzen Pack von protzigen Geldschefflern! Bei ihren langweiligen Festessen schlafe ich immer ein. Ich schäme mich bei den geistlosen großen Gesellschaften meines Vaters. Ich bin gewohnt, mit Gentlemen und vornehmen Leuten zu verkehren, Emmy, nicht mit einem Haufen schildkrötenessender Krämer. Liebes kleines Mädchen, Sie sind die einzige in unseren Kreisen, die wie eine Lady aussieht, denkt und spricht. Und Sie tun es, weil Sie ein Engel sind und nicht anders können. Widersprechen Sie nicht. Sie sind die einzige Lady. Hat es nicht auch Miss Crawley gesagt, die doch in der besten Gesellschaft von Europa gelebt hat? Und der Crawley von der Leibgarde ist, zum Henker, ein feiner Kerl. Es gefällt mir sehr, daß er das Mädchen seiner Wahl geheiratet hat.«   “My dear child, they would have loved you if you had had two hundred thousand pounds,” George replied. “That is the way in which they have been brought up. Ours is a ready-money society. We live among bankers and City big-wigs, and be hanged to them, and every man, as he talks to you, is jingling his guineas in his pocket. There is that jackass Fred Bullock is going to marry Maria — there’s Goldmore, the East India Director, there’s Dipley, in the tallow trade — our trade,” George said, with an uneasy laugh and a blush. “Curse the whole pack of money-grubbing vulgarians! I fall asleep at their great heavy dinners. I feel ashamed in my father’s great stupid parties. I’ve been accustomed to live with gentlemen, and men of the world and fashion, Emmy, not with a parcel of turtle-fed tradesmen. Dear little woman, you are the only person of our set who ever looked, or thought, or spoke like a lady: and you do it because you’re an angel and can’t help it. Don’t remonstrate. You are the only lady. Didn’t Miss Crawley remark it, who has lived in the best company in Europe? And as for Crawley, of the Life Guards, hang it, he’s a fine fellow: and I like him for marrying the girl he had chosen.” Amelia bewunderte Mr. Crawley ebenfalls deswegen und glaubte, daß Rebekka mit ihm glücklich werde, und meinte lachend, sie hoffe, Joe werde sich wohl trösten. Und so plauderte das Paar ganz wie früher. Amelia hatte ihr Vertrauen wiedergewonnen, obgleich sie vorgab – die kleine Heuchlerin –, sie sei eifersüchtig auf Miss Swartz und schwebe in tausend Ängsten, George könne sie wegen der Erbin, ihres Geldes und ihrer Besitzungen auf Saint Kitts vergessen. Dabei war sie viel zu glücklich, um Zweifel, Befürchtungen oder Besorgnisse irgendeiner Art zu hegen. Und da sie George wieder bei sich hatte, fürchtete sie weder Erbin noch Schönheit, noch eine andere Gefahr.   Amelia admired Mr. Crawley very much, too, for this; and trusted Rebecca would be happy with him, and hoped (with a laugh) Jos would be consoled. And so the pair went on prattling, as in quite early days. Amelia’s confidence being perfectly restored to her, though she expressed a great deal of pretty jealousy about Miss Swartz, and professed to be dreadfully frightened — like a hypocrite as she was — lest George should forget her for the heiress and her money and her estates in Saint Kitt’s. But the fact is, she was a great deal too happy to have fears or doubts or misgivings of any sort: and having George at her side again, was not afraid of any heiress or beauty, or indeed of any sort of danger. Als Hauptmann Dobbin am Nachmittag voller Mitgefühl zu ihnen zurückkehrte, tat es ihm im Herzen wohl, zu sehen, wie Amelia wieder jung geworden war, wie sie lachte, zwitscherte und wohlbekannte alte Lieder am Klavier sang, unterbrochen erst von der Haustürklingel, mit der Mr. Sedleys Rückkehr aus der City angekündigt wurde. Das war ein Signal für George, sich zurückzuziehen.   When Captain Dobbin came back in the afternoon to these people — which he did with a great deal of sympathy for them — it did his heart good to see how Amelia had grown young again — how she laughed, and chirped, and sang familiar old songs at the piano, which were only interrupted by the bell from without proclaiming Mr. Sedley’s return from the City, before whom George received a signal to retreat. Abgesehen vom ersten Begrüßungslächeln – und auch das war geheuchelt, denn sie empfand sein Kommen als sehr störend –, nahm Miss Sedley während Dobbins Besuch keine Notiz von ihm. Aber er war zufrieden, sie glücklich zu sehen, und dankbar, daß er ihr dazu verholfen hatte.   Beyond the first smile of recognition — and even that was an hypocrisy, for she thought his arrival rather provoking — Miss Sedley did not once notice Dobbin during his visit. But he was content, so that he saw her happy; and thankful to have been the means of making her so. 21. Kapitel / Chapter 21 Streit um eine Erbin / A Quarrel About an Heiress Eine junge Dame mit den Eigenschaften der Miss Swartz mußte wohl geliebt werden, und der alte Mr. Osborne gab sich plötzlich ehrgeizigen Träumen hin, die sie verwirklichen sollte. Er ermutigte die liebenswürdige Anhänglichkeit seiner Töchter für die junge Erbin mit größter Freundlichkeit und Begeisterung und beteuerte, daß er als Vater sehr froh sei, daß seine Mädchen ihre Liebe gerade ihr geschenkt hatten.   Love may be felt for any young lady endowed with such qualities as Miss Swartz possessed; and a great dream of ambition entered into old Mr. Osborne’s soul, which she was to realize. He encouraged, with the utmost enthusiasm and friendliness, his daughters’ amiable attachment to the young heiress, and protested that it gave him the sincerest pleasure as a father to see the love of his girls so well disposed. »Mein liebes Fräulein«, pflegte er zu Miss Rhoda zu sagen, »Sie werden in unserem bescheidenen Hause am Russell Square nicht den Glanz und Rang finden, den Sie von West End her gewohnt sind. Meine Töchter sind einfache, uneigennützige Mädchen, aber das Herz sitzt ihnen auf dem rechten Fleck, und sie haben eine Zuneigung zu Ihnen gefaßt, die ihnen Ehre macht – ich sage, die ihnen alle Ehre macht. Ich bin ein schlichter, einfacher, bescheidener britischer Kaufmann – ein ehrlicher, wie meine verehrten Freunde Hulker und Bullock, die ehemaligen Geschäftsfreunde Ihres viel betrauerten seligen Vaters, bezeugen können. Sie werden in uns eine einfache, glückliche und, ich darf wohl sagen, angesehene Familie finden, die gut zusammenhält, einen einfachen Tisch, schlichte Leute, aber ein warmes Willkommen, meine liebe Miss Rhoda – lassen Sie mich Rhoda sagen, denn mein Herz erwärmt sich für Sie, wirklich. Ich bin ein freimütiger Mann, und ich habe Sie gern. Ein Glas Champagner, Hicks! Champagner für Miss Swartz!«   “You won’t find,” he would say to Miss Rhoda, “that splendour and rank to which you are accustomed at the West End, my dear Miss, at our humble mansion in Russell Square. My daughters are plain, disinterested girls, but their hearts are in the right place, and they’ve conceived an attachment for you which does them honour — I say, which does them honour. I’m a plain, simple, humble British merchant — an honest one, as my respected friends Hulker and Bullock will vouch, who were the correspondents of your late lamented father. You’ll find us a united, simple, happy, and I think I may say respected, family — a plain table, a plain people, but a warm welcome, my dear Miss Rhoda — Rhoda, let me say, for my heart warms to you, it does really. I’m a frank man, and I like you. A glass of Champagne! Hicks, Champagne to Miss Swartz.” Es besteht kaum ein Zweifel, daß der alte Osborne alles glaubte, was er sagte, und daß es den Mädchen mit ihren Freundschaftsbeteuerungen gegenüber Miss Swartz wirklich ernst war. Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit schließt man sich ganz natürlich reichen Leuten an. Die einfachsten Menschen schon blicken nicht unfreundlich auf den großen Reichtum (ich fordere jedes Mitglied der britischen Öffentlichkeit auf, zu sagen, ob die Vorstellung von Reichtum nicht etwas Ehrfurchteinflößendes und Anziehendes in sich birgt. Und wenn du erfährst, daß dein Tischnachbar eine halbe Million besitzt – betrachtest du ihn nicht auch mit einem gewissen Interesse?). Wenn einfache Menschen das Geld so wohlwollend ansehen, wieviel mehr erst so ein alter Weltmann! Ihre Neigung stürzt sich auf das Geld und heißt es herzlich willkommen. Freundliche Gefühle gegenüber den interessanten Besitzern erwachen unvermittelt. Ich kenne achtbare Leute, die es sich nur dann gestatten, Freundschaft für jemanden zu empfinden, wenn dieser ein gewisses Vermögen oder eine Stellung in der Gesellschaft hat. Bei passender Gelegenheit machen sie dann ihren Gefühlen Luft. Als Beweis dafür kann dienen, daß der größte Teil der Familie Osborne, dem es fünfzehn Jahre lang unmöglich gewesen war, eine Zuneigung zu Amelia Sedley zu fassen, im Laufe eines einzigen Abends Miss Swartz so liebgewann, daß es sich selbst der romantischste Verteidiger der Freundschaft auf den ersten Blick nicht besser wünschen konnte.   There is little doubt that old Osborne believed all he said, and that the girls were quite earnest in their protestations of affection for Miss Swartz. People in Vanity Fair fasten on to rich folks quite naturally. If the simplest people are disposed to look not a little kindly on great Prosperity (for I defy any member of the British public to say that the notion of Wealth has not something awful and pleasing to him; and you, if you are told that the man next you at dinner has got half a million, not to look at him with a certain interest) — if the simple look benevolently on money, how much more do your old worldlings regard it! Their affections rush out to meet and welcome money. Their kind sentiments awaken spontaneously towards the interesting possessors of it. I know some respectable people who don’t consider themselves at liberty to indulge in friendship for any individual who has not a certain competency, or place in society. They give a loose to their feelings on proper occasions. And the proof is, that the major part of the Osborne family, who had not, in fifteen years, been able to get up a hearty regard for Amelia Sedley, became as fond of Miss Swartz in the course of a single evening as the most romantic advocate of friendship at first sight could desire. Was für eine vortreffliche Partie wäre das für George (waren sich die Schwestern und Miss Wirt einig), und wie war sie der unbedeutenden kleinen Amelia doch überlegen. So ein schneidiger Bursche wie er, von so gutem Aussehen, Rang und solchen Talenten wäre gerade der rechte Mann für sie. Visionen von Bällen am Portland Place, Vorstellungen bei Hofe und beim halben Adel schwebten den jungen Damen vor, die mit ihrer geliebten neuen Freundin von nichts anderem sprachen als von George und seinen vornehmen Bekannten.   What a match for George she’d be (the sisters and Miss Wirt agreed), and how much better than that insignificant little Amelia! Such a dashing young fellow as he is, with his good looks, rank, and accomplishments, would be the very husband for her. Visions of balls in Portland Place, presentations at Court, and introductions to half the peerage, filled the minds of the young ladies; who talked of nothing but George and his grand acquaintances to their beloved new friend. Auch der alte Osborne dachte, sie gebe eine vortreffliche Partie für seinen Sohn ab. Er müsse dann die Armee verlassen, ins Parlament gehen und in der vornehmen Gesellschaft wie im Staat eine große Rolle spielen. Sein Blut wallte in ehrlicher britischer Begeisterung, als er den Namen Osborne schon in der Person seines Sohnes geadelt sah, und er fühlte sich bereits als Stammvater einer ruhmreichen Reihe von Baronets. Er zog in der City und an der Börse Erkundigungen ein, bis er alles über das Vermögen der Erbin wußte, wie ihr Geld angelegt war und wo ihre Besitzungen lagen. Der junge Fred Bullock, eine seiner Hauptinformationsquellen, hätte zwar selbst gern auf sie geboten (so drückte sich der junge Bankier aus), aber er war ja für Maria Osborne bestimmt. Da er sie nun nicht als Frau gewinnen konnte, so war der uneigennützige Fred völlig einverstanden, sie zur Schwägerin zu bekommen. George müsse bald anfangen zu handeln und sie gewinnen, so lautete sein Rat. »Man muß das Eisen schmieden, solange es heiß ist, wissen Sie, solange sie noch neu in der Stadt ist. In ein paar Wochen kommt dann so ein verdammter Kerl von West End mit einem Titel und einem Paket Schulden und sticht uns Cityleute aus, wie voriges Jahr Lord Fitzrufus bei Miss Grogram, die eigentlich mit Podder von Podder und Brown verlobt war. Je schneller die Sache zustande kommt, um so besser, Mr. Osborne. Das ist meine Meinung«, sagte der Bursche. Als Osborne jedoch die Bank verlassen hatte, fiel Mr. Bullock Amelia ein und was für ein hübsches Mädchen sie sei und wie sehr sie an George Osborne hänge. Und so widmete er mindestens zehn Sekunden seiner wertvollen Zeit dafür, das Unglück des armen jungen Mädchens zu bedauern.   Old Osborne thought she would be a great match, too, for his son. He should leave the army; he should go into Parliament; he should cut a figure in the fashion and in the state. His blood boiled with honest British exultation, as he saw the name of Osborne ennobled in the person of his son, and thought that he might be the progenitor of a glorious line of baronets. He worked in the City and on ’Change, until he knew everything relating to the fortune of the heiress, how her money was placed, and where her estates lay. Young Fred Bullock, one of his chief informants, would have liked to make a bid for her himself (it was so the young banker expressed it), only he was booked to Maria Osborne. But not being able to secure her as a wife, the disinterested Fred quite approved of her as a sister-in-law. “Let George cut in directly and win her,” was his advice. “Strike while the iron’s hot, you know — while she’s fresh to the town: in a few weeks some d — - fellow from the West End will come in with a title and a rotten rent-roll and cut all us City men out, as Lord Fitzrufus did last year with Miss Grogram, who was actually engaged to Podder, of Podder \& Brown’s. The sooner it is done the better, Mr. Osborne; them’s my sentiments,” the wag said; though, when Osborne had left the bank parlour, Mr. Bullock remembered Amelia, and what a pretty girl she was, and how attached to George Osborne; and he gave up at least ten seconds of his valuable time to regretting the misfortune which had befallen that unlucky young woman. Während nun George Osbornes bessere Gefühle und sein treuer Freund und guter Genius Dobbin den Pflichtvergessenen zu Amelias Füßen zurückführten, arrangierten Georges Vater und seine Schwestern diese glänzende Partie für ihn, wobei sie sich nicht einen Augenblick träumen ließen, er könne etwas dagegen haben.   While thus George Osborne’s good feelings, and his good friend and genius, Dobbin, were carrying back the truant to Amelia’s feet, George’s parent and sisters were arranging this splendid match for him, which they never dreamed he would resist. Wenn der alte Osborne jemandem einen »Wink« gab, wie er es nannte, so begriff auch der Dümmste, wo lang der Hase lief. Ein »Wink« für einen Diener, daß er entlassen sei, war es, wenn er ihn die Treppe hinunterwarf. Mit seinem gewohnten Freimut und Takt versprach er Mrs. Haggistoun einen Scheck auf zehntausend Pfund für den Tag, an dem sein Sohn ihr Mündel heiraten würde. Auch diesen Vorschlag nannte er einen Wink und betrachtete ihn als einen geschickten diplomatischen Schachzug. Zuletzt gab er George auch einen »Wink« hinsichtlich der Erbin. Er befahl ihm, sie auf der Stelle zu heiraten, ganz so, wie er dem Butler befohlen hätte, eine Flasche zu entkorken, oder seinem Buchhalter, einen Brief zu schreiben.   When the elder Osborne gave what he called “a hint,” there was no possibility for the most obtuse to mistake his meaning. He called kicking a footman downstairs a hint to the latter to leave his service. With his usual frankness and delicacy he told Mrs. Haggistoun that he would give her a cheque for five thousand pounds on the day his son was married to her ward; and called that proposal a hint, and considered it a very dexterous piece of diplomacy. He gave George finally such another hint regarding the heiress; and ordered him to marry her out of hand, as he would have ordered his butler to draw a cork, or his clerk to write a letter. Dieser gebieterische »Wink« beunruhigte George doch sehr. Er war noch in der ersten Begeisterung und Freude, Amelia zum zweitenmal den Hof zu machen, was ihm unaussprechlich viel Vergnügen bereitete. Der Kontrast zwischen ihrem Benehmen und Äußeren und dem der Erbin machte ihm die Vorstellung einer Verbindung mit dieser doppelt lächerlich und verhaßt. Kutsche und Opernlogen, dachte er, man stelle sich vor, sie sehen einen darin an der Seite einer solchen mahagonifarbenen Zauberin! Zu alledem war Osborne junior ebenso eigensinnig wie Osborne senior; ebenso standhaft in seinem Entschluß, etwas, was er sich in den Kopf gesetzt hatte, zu erreichen; ebenso heftig im Zorn wie sein Vater in den schlimmsten Augenblicken.   This imperative hint disturbed George a good deal. He was in the very first enthusiasm and delight of his second courtship of Amelia, which was inexpressibly sweet to him. The contrast of her manners and appearance with those of the heiress, made the idea of a union with the latter appear doubly ludicrous and odious. Carriages and opera-boxes, thought he; fancy being seen in them by the side of such a mahogany charmer as that! Add to all that the junior Osborne was quite as obstinate as the senior: when he wanted a thing, quite as firm in his resolution to get it; and quite as violent when angered, as his father in his most stern moments. An dem Tage, an dem ihm sein Vater allen Ernstes den Wink gab, seine Liebe Miss Swartz zu Füßen zu legen, versuchte George, bei dem alten Herrn Zeit zu gewinnen. »Du hättest eher daran denken müssen, Vater«, sagte er. »Jetzt, wo wir jeden Tag Marschbefehl erwarten, geht es nicht. Warte bis zu meiner Rückkehr, falls ich zurückkehre.« Er stellte ihm vor, daß die Zeit, wo das Regiment täglich erwartete, England zu verlassen, durchaus schlecht gewählt sei und daß die wenigen Tage in der Woche, an denen sie noch zu Hause sein durften, Geschäften und nicht Liebeleien gewidmet sein müßten. Dafür bliebe immer noch genug Zeit, wenn er als Major zurückkomme, »denn ich verspreche dir«, sagte er mit selbstzufriedener Miene, »du wirst den Namen George Osborne auf die eine oder andere Art in der ›Gazette‹ lesen können.«   On the first day when his father formally gave him the hint that he was to place his affections at Miss Swartz’s feet, George temporised with the old gentleman. “You should have thought of the matter sooner, sir,” he said. “It can’t be done now, when we’re expecting every day to go on foreign service. Wait till my return, if I do return”; and then he represented, that the time when the regiment was daily expecting to quit England, was exceedingly ill-chosen: that the few days or weeks during which they were still to remain at home, must be devoted to business and not to love-making: time enough for that when he came home with his majority; “for, I promise you,” said he, with a satisfied air, “that one way or other you shall read the name of George Osborne in the Gazette.” Die Antwort des Vaters darauf gründete sich auf die Auskunft, die er in der City erhalten hatte, daß nämlich die Erbin unfehlbar einem der faulen Kunden von West End in die Hände fallen würde, wenn man sich nicht beeilte. Wenn er sich schon nicht schnell mit Miss Swartz trauen lassen wolle, so solle er wenigstens die Verlobung schriftlich bestätigen lassen und gleich heiraten, wenn er nach England zurückkehren würde. Ein Mensch, der zehntausend pro Jahr bekommen könne, wenn er zu Hause bliebe, sei ein Narr, sein Leben auswärts aufs Spiel zu setzen.   The father’s reply to this was founded upon the information which he had got in the City: that the West End chaps would infallibly catch hold of the heiress if any delay took place: that if he didn’t marry Miss S., he might at least have an engagement in writing, to come into effect when he returned to England; and that a man who could get ten thousand a year by staying at home, was a fool to risk his life abroad. »Du möchtest also meinen Namen als den eines Feiglings bloßgestellt sehen, bloß um des Geldes von Miss Swartz willen«, fiel George ihm ins Wort.   “So that you would have me shown up as a coward, sir, and our name dishonoured for the sake of Miss Swartz’s money,” George interposed. Diese Bemerkung beunruhigte den alten Herrn etwas. Da er aber darauf zu antworten hatte und sein Entschluß gefaßt war, erwiderte er: »Morgen ißt du mit uns, und sooft Miss Swartz kommt, bist du hier, um ihr deine Aufwartung zu machen. Wenn du Geld brauchst, dann sprich bei Mr. Chopper vor.« Damit stellte sich Georges Plänen mit Amelia ein neues Hindernis in den Weg. Er und Dobbin hielten deshalb manche vertrauliche Beratung ab. Die Ansicht seines Freundes über sein künftiges Verhalten kennen wir bereits. Und wenn sich Osborne etwas in den Kopf gesetzt hatte, machten ihn ein paar Hindernisse um so entschlossener.   This remark staggered the old gentleman; but as he had to reply to it, and as his mind was nevertheless made up, he said, “You will dine here to-morrow, sir, and every day Miss Swartz comes, you will be here to pay your respects to her. If you want for money, call upon Mr. Chopper.” Thus a new obstacle was in George’s way, to interfere with his plans regarding Amelia; and about which he and Dobbin had more than one confidential consultation. His friend’s opinion respecting the line of conduct which he ought to pursue, we know already. And as for Osborne, when he was once bent on a thing, a fresh obstacle or two only rendered him the more resolute. Das dunkle Opfer dieser vom Haupt der Osborneschen Familie angezettelten Verschwörung ahnte von all den Plänen rein gar nichts (seltsamerweise verriet auch ihre Freundin und Anstandsdame nichts davon). Sie erwiderte die ihr entgegengebrachte Liebe mit tropischer Glut, da sie alle Schmeicheleien der jungen Damen für echte Gefühle hielt und, wie bereits gesagt, von Natur aus sehr warmherzig und ungestüm war. Um der Wahrheit willen müssen wir hinzusetzen, daß selbstsüchtige Beweggründe sie zu dem Hause am Russell Square führten, kurz gesagt, daß sie George Osborne für einen sehr netten jungen Mann hielt. Schon am ersten Abend ihrer Bekanntschaft auf dem Ball bei Hulkers hatte sein Backenbart Eindruck auf sie gemacht, und bekanntlich war sie nicht die erste Frau, die davon bezaubert war. George war gleichzeitig arrogant und melancholisch und ungestüm. Er sah aus wie ein Mann voll Leidenschaft und Geheimnis, voll geheimen Kummers und voller Abenteuer. Seine Stimme war wohltönend und tief. Er konnte in so traurigem und vertraulichem Ton seiner Partnerin ein Eis anbieten oder sagen, es sei ein warmer Abend, als ob er ihr den Tod ihrer Mutter mitteilen oder eine Liebeserklärung machen wollte. Er drückte alle jungen Stutzer an die Wand, die sich bei seinem Vater blicken ließen, und war der Held dieser drittrangigen Leute. Einige spöttelten über ihn und haßten ihn, andere wieder, unter ihnen Dobbin, bewunderten ihn fanatisch. Und sein Backenbart hatte angefangen, seine Wirkung zu tun und sich um das Herz von Miss Swartz zu winden.   The dark object of the conspiracy into which the chiefs of the Osborne family had entered, was quite ignorant of all their plans regarding her (which, strange to say, her friend and chaperon did not divulge), and, taking all the young ladies’ flattery for genuine sentiment, and being, as we have before had occasion to show, of a very warm and impetuous nature, responded to their affection with quite a tropical ardour. And if the truth may be told, I dare say that she too had some selfish attraction in the Russell Square house; and in a word, thought George Osborne a very nice young man. His whiskers had made an impression upon her, on the very first night she beheld them at the ball at Messrs. Hulkers; and, as we know, she was not the first woman who had been charmed by them. George had an air at once swaggering and melancholy, languid and fierce. He looked like a man who had passions, secrets, and private harrowing griefs and adventures. His voice was rich and deep. He would say it was a warm evening, or ask his partner to take an ice, with a tone as sad and confidential as if he were breaking her mother’s death to her, or preluding a declaration of love. He trampled over all the young bucks of his father’s circle, and was the hero among those third-rate men. Some few sneered at him and hated him. Some, like Dobbin, fanatically admired him. And his whiskers had begun to do their work, and to curl themselves round the affections of Miss Swartz. Sooft die Aussicht bestand, George am Russell Square zu treffen, war dieses einfache und gutmütige junge Ding ganz aufgeregt, ihre lieben Osborne-Mädchen zu sehen. Sie stürzte sich in gewaltige Ausgaben für neue Kleider, Armbänder, Hüte und riesige Federbüsche. Sie putzte sich mit großer Geschicklichkeit, um dem Eroberer zu gefallen, und zeigte alle ihre bescheidenen Talente, um seine Gunst zu gewinnen. Die Mädchen pflegten sie feierlich zu bitten, ein wenig Musik zu machen, und sie sang dann ihre drei Lieder und spielte ihre zwei Stückchen, sooft man es wünschte, und ihr Vergnügen dabei steigerte sich ständig. Während dieser ergötzlichen Unterhaltung saßen Miss Wirt und die Anstandsdame dabei und studierten den Adelskalender und sprachen von den Vornehmen.   Whenever there was a chance of meeting him in Russell Square, that simple and good-natured young woman was quite in a flurry to see her dear Misses Osborne. She went to great expenses in new gowns, and bracelets, and bonnets, and in prodigious feathers. She adorned her person with her utmost skill to please the Conqueror, and exhibited all her simple accomplishments to win his favour. The girls would ask her, with the greatest gravity, for a little music, and she would sing her three songs and play her two little pieces as often as ever they asked, and with an always increasing pleasure to herself. During these delectable entertainments, Miss Wirt and the chaperon sate by, and conned over the peerage, and talked about the nobility. Am Tage nachdem George von seinem Vater den »Wink« erhalten hatte, lag er kurz vor dem Mittagessen in sehr kleidsamer und vollkommen natürlicher Melancholie auf einem Sofa im Salon hingestreckt. Er war auf Geheiß seines Vaters bei Mr. Chopper in der City gewesen (obwohl der alte Herr seinem Sohne große Summen zukommen ließ, setzte er ihm nie ein festes Taschengeld aus und gab ihm bloß etwas, wenn er in guter Laune war). Darauf hatte er drei Stunden bei Amelia, bei seiner lieben kleinen Amelia, in Fulham verbracht, und als er dann nach Hause kam, fand er seine Schwestern in gestärkten Musselinkleidern im Salon vor, die beiden alten Damen plaudernd im Hintergrund und die ehrliche Swartz in ihrem Lieblingskleid aus bernsteingelbem Atlas, mit Türkisarmbändern, zahllosen Ringen, Blumen, Federn und allen Arten von Besatz und Flitter, fast ebenso elegant herausgeputzt wie ein weiblicher Schornsteinfeger am ersten Mai.   The day after George had his hint from his father, and a short time before the hour of dinner, he was lolling upon a sofa in the drawing-room in a very becoming and perfectly natural attitude of melancholy. He had been, at his father’s request, to Mr. Chopper in the City (the old-gentleman, though he gave great sums to his son, would never specify any fixed allowance for him, and rewarded him only as he was in the humour). He had then been to pass three hours with Amelia, his dear little Amelia, at Fulham; and he came home to find his sisters spread in starched muslin in the drawing-room, the dowagers cackling in the background, and honest Swartz in her favourite amber-coloured satin, with turquoise bracelets, countless rings, flowers, feathers, and all sorts of tags and gimcracks, about as elegantly decorated as a she chimney-sweep on May-day. Nachdem die Mädchen verschiedene vergebliche Versuche gemacht hatten, ihn ins Gespräch zu ziehen, unterhielten sie sich über Moden und die letzte Hofgesellschaft, bis er von ihrem Geschwätz ganz krank war. Er verglich das Benehmen der drei mit dem von Emmy, ihre schrillen, unangenehmen Stimmen mit Emmys zartem, klingendem Tonfall, ihre Haltung, ihre eckige Steifheit mit den bescheidenen, sanften Bewegungen und dem verschämten Liebreiz Amelias. Die arme Swartz saß auf Emmys ehemaligem Platz. Ihre juwelenüberladenen Hände lagen gespreizt in ihrem bernsteingelben Atlasschoß. Ihre Behänge und Ohrringe funkelten, und ihre großen Augen rollten durch den Raum. Völlig mit sich zufrieden, tat sie nichts und hielt sich für bezaubernd. Die Schwestern hatten noch nie etwas so Kleidsames gesehen wie Atlas.   The girls, after vain attempts to engage him in conversation, talked about fashions and the last drawing-room until he was perfectly sick of their chatter. He contrasted their behaviour with little Emmy’s — their shrill voices with her tender ringing tones; their attitudes and their elbows and their starch, with her humble soft movements and modest graces. Poor Swartz was seated in a place where Emmy had been accustomed to sit. Her bejewelled hands lay sprawling in her amber satin lap. Her tags and ear-rings twinkled, and her big eyes rolled about. She was doing nothing with perfect contentment, and thinking herself charming. Anything so becoming as the satin the sisters had never seen. »Verdammt«, sagte George zu seinem vertrauten Freund, »sie sah aus wie eine Porzellanpuppe, die den ganzen Tag nichts zu tun hat, als zu lächeln und mit dem Kopfe zu wackeln. Beim Zeus, Will, ich mußte mich beherrschen, daß ich ihr nicht das Sofakissen an den Kopf warf.« Diesen Gefühlsausbruch hielt er jedoch zurück.   “Dammy,” George said to a confidential friend, “she looked like a China doll, which has nothing to do all day but to grin and wag its head. By Jove, Will, it was all I I could do to prevent myself from throwing the sofa-cushion at her.” He restrained that exhibition of sentiment, however. Die Schwestern fingen an, die »Schlacht von Prag« zu spielen. »Hört auf mit dem verdammten Zeug«, brüllte George wütend vom Sofa. »Es macht mich ganz verrückt. Spielen Sie uns lieber etwas, Miss Swartz. Singen Sie etwas, irgend etwas, bloß nicht die ›Schlacht von Prag‹.«   The sisters began to play the Battle of Prague. “Stop that d — - thing,” George howled out in a fury from the sofa. “It makes me mad. You play us something, Miss Swartz, do. Sing something, anything but the Battle of Prague.” »Soll ich ›Blauäuglein Mary‹ singen oder das Lied von der Gartenlaube?« fragte Miss Swartz.   “Shall I sing ‘Blue Eyed Mary’ or the air from the Cabinet?” Miss Swartz asked. »Die hübsche Gartenlaube«, sagten die Schwestern.   “That sweet thing from the Cabinet,” the sisters said. »Das haben wir schon gehört«, entgegnete der Misanthrop auf dem Sofa.   “We’ve had that,” replied the misanthrope on the sofa »Ich kann auch ›Flefe di Tasche‹ singen«, sagte die Swartz sanftmütig, »wenn ich bloß den Text hätte.« Es war das letzte Stück aus dem Repertoire des netten jungen Mädchens.   “I can sing ‘Fluvy du Tajy,’” Swartz said, in a meek voice, “if I had the words.” It was the last of the worthy young woman’s collection. »Ach, ›Fleuve du Tage‹«, rief Miss Maria, »das Lied haben wir«, und sie ging, das Buch zu holen, in dem es stand.   “O, ‘Fleuve du Tage,’” Miss Maria cried; “we have the song,” and went off to fetch the book in which it was. Dieses damals so außerordentlich beliebte Lied war den Damen von einer jungen Freundin geschenkt worden, deren Namen auf dem Titelblatt stand. Miss Swartz hoffte vielleicht, als sie das Lied zu Georges Beifall gesungen hatte (denn der junge Hauptmann erinnerte sich, daß es ein Lieblingslied Amelias war), auf ein Dakapo. Sie spielte dabei mit den Notenblättern, als ihr Auge auf das Titelblatt fiel und sie in der Ecke »Amelia Sedley« las.   Now it happened that this song, then in the height of the fashion, had been given to the young ladies by a young friend of theirs, whose name was on the title, and Miss Swartz, having concluded the ditty with George’s applause (for he remembered that it was a favourite of Amelia’s), was hoping for an encore perhaps, and fiddling with the leaves of the music, when her eye fell upon the title, and she saw “Amelia Sedley” written in the comer. »Mein Gott!« rief Miss Swartz und drehte sich auf dem Klaviersessel wie ein Kreisel. »Ist es meine Amelia? Die Amelia, die im Pensionat von Miss Pinkerton in Hammersmith war? Ich weiß, sie ist es. Sie ist es, und... Erzählen Sie mir doch von ihr... Wo ist sie?«   “Lor!” cried Miss Swartz, spinning swiftly round on the music-stool, “is it my Amelia? Amelia that was at Miss P.’s at Hammersmith? I know it is. It’s her. and — Tell me about her — where is she?” »Sprechen Sie nicht von ihr!« sagte Miss Maria Osborne hastig. »Ihre Familie hat sich in Unehre gebracht. Ihr Vater hat Papa betrogen. Und ihr Name darf hier nie und nimmermehr erwähnt werden.« Das war Miss Marias Antwort auf Georges Grobheit wegen der »Schlacht von Prag«.   “Don’t mention her,” Miss Maria Osborne said hastily. “Her family has disgraced itself. Her father cheated Papa, and as for her, she is never to be mentioned here .” This was Miss Maria’s return for George’s rudeness about the Battle of Prague. »Sind Sie eine Freundin von Amelia?« fragte George und sprang auf. »Gott segne Sie dafür, Miss Swartz. Glauben Sie nicht, was die Mädchen da sagen. Sie kann auf jeden Fall nichts dafür. Sie ist das beste...«   “Are you a friend of Amelia’s?” George said, bouncing up. “God bless you for it, Miss Swartz. Don’t believe what the girls say. She’s not to blame at any rate. She’s the best — ” »Du weißt, du sollst nicht von ihr sprechen, George«, rief Jane. »Papa hat es verboten.«   “You know you’re not to speak about her, George,” cried Jane. “Papa forbids it.” »Wer will mich daran hindern?« rief George. »Ich will von ihr sprechen. Ich sage, sie ist das beste, freundlichste, sanfteste, süßeste Mädchen in ganz England, und bankrott oder nicht – meine Schwestern können ihr nicht das Wasser reichen. Wenn Sie sie lieben, Miss Swartz, so besuchen Sie sie, sie braucht jetzt Freunde. Und ich sage, Gott segne alle, die freundlich zu ihr sind! Jeder, der Gutes von ihr sagt, ist mein Freund. Und jeder, der gegen sie spricht, ist mein Feind. Ich danke Ihnen, Miss Swartz.« Und er stand auf und schüttelte ihr die Hand.   “Who’s to prevent me?” George cried out. “I will speak of her. I say she’s the best, the kindest, the gentlest, the sweetest girl in England; and that, bankrupt or no, my sisters are not fit to hold candles to her. If you like her, go and see her, Miss Swartz; she wants friends now; and I say, God bless everybody who befriends her. Anybody who speaks kindly of her is my friend; anybody who speaks against her is my enemy. Thank you, Miss Swartz”; and he went up and wrung her hand. »George! George!« rief eine der Schwestern flehend.   “George! George!” one of the sisters cried imploringly. »Ich sage«, sagte George heftig, »ich danke jedem, der Liebe für Amelia Sed ...« Er hielt inne. Der alte Osborne stand im Zimmer, leichenblaß vor Wut und mit Augen wie glühende Kohlen.   “I say,” George said fiercely, “I thank everybody who loves Amelia Sed — ” He stopped. Old Osborne was in the room with a face livid with rage, and eyes like hot coals. Obgleich George mitten im Satz abgebrochen hatte, war sein Blut doch so in Wallung gebracht, daß alle Osborneschen Generationen zusammengenommen ihn nicht einschüchtern konnten. Sofort faßte er sich wieder und erwiderte den drohenden Blick seines Vaters mit seinem eigenen, so voll Entschlossenheit und Trotz, daß der alte Mann nun seinerseits erschrak und wegsah. Er fühlte, daß der Kampf bevorstand. »Mrs. Haggistoun, erlauben Sie mir, daß ich Sie zu Tisch führe«, sagte er. »Reich deinen Arm Miss Swartz, George.« Und sie marschierten ab.   Though George had stopped in his sentence, yet, his blood being up, he was not to be cowed by all the generations of Osborne; rallying instantly, he replied to the bullying look of his father, with another so indicative of resolution and defiance that the elder man quailed in his turn, and looked away. He felt that the tussle was coming. “Mrs. Haggistoun, let me take you down to dinner,” he said. “Give your arm to Miss Swartz, George,” and they marched. »Miss Swartz, ich liebe Amelia, und wir sind fast unser ganzes Leben miteinander verlobt«, sagte Osborne zu seiner Partnerin. Und während des ganzen Essens plauderte George mit einer Geläufigkeit, die ihn selbst überraschte und seinen Vater doppelt furchtsam machte in Erwartung des Kampfes, der stattfinden mußte, sobald die Damen sich entfernt hatten.   “Miss Swartz, I love Amelia, and we’ve been engaged almost all our lives,” Osborne said to his partner; and during all the dinner, George rattled on with a volubility which surprised himself, and made his father doubly nervous for the fight which was to take place as soon as the ladies were gone. Der Unterschied zwischen beiden lag darin, daß der Vater heftig und grob war, der Sohn aber dreimal soviel Mut und Seelenstärke besaß und nicht bloß angreifen, sondern auch einen Angriff parieren konnte. Und da er sah, daß der Augenblick nun gekommen war, wo der Streit zwischen ihm und seinem Vater zur Entscheidung drängte, so aß er in aller Seelenruhe mit dem besten Appetit, ehe der Kampf begann. Der alte Osborne dagegen war erregt und . trank viel. Er stockte in der Unterhaltung mit seinen Tischnachbarinnen, und Georges Kaltblütigkeit machte ihn nur noch zorniger. Er wurde halb wahnsinnig, als er bemerkte, mit welcher Gelassenheit George seine Serviette zusammenfaltete und mit galanter Verbeugung den Damen die Tür öffnete, als sie das Zimmer verlassen wollten. Dann schenkte George sich ein Glas Wein ein, trank es aus und blickte seinem Vater gerade ins Gesicht, als wollte er sagen: Meine Herren von der Garde, feuern Sie zuerst. Der alte Mann versah sich ebenfalls mit Munition, aber die Flasche klirrte gegen das Glas, als er es füllen wollte.   The difference between the pair was, that while the father was violent and a bully, the son had thrice the nerve and courage of the parent, and could not merely make an attack, but resist it; and finding that the moment was now come when the contest between him and his father was to be decided, he took his dinner with perfect coolness and appetite before the engagement began. Old Osborne, on the contrary, was nervous, and drank much. He floundered in his conversation with the ladies, his neighbours: George’s coolness only rendering him more angry. It made him half mad to see the calm way in which George, flapping his napkin, and with a swaggering bow, opened the door for the ladies to leave the room; and filling himself a glass of wine, smacked it, and looked his father full in the face, as if to say, “Gentlemen of the Guard, fire first.” The old man also took a supply of ammunition, but his decanter clinked against the glass as he tried to fill it. Er holte tief Luft und begann dann, purpurrot im Gesicht, als wollte er ersticken: »Wie kannst du dich unterstehen, den Namen dieser Person in meinem Salon vor Miss Swartz zu nennen? Ich frage dich, wie kannst du dich unterstehen?«   After giving a great heave, and with a purple choking face, he then began. “How dare you, sir, mention that person’s name before Miss Swartz to-day, in my drawing-room? I ask you, sir, how dare you do it?” »Moment mal, Vater«, sagte George, »sage nicht ›unterstehen‹. ›Unterstehen‹ ist ein Wort, das man einem Hauptmann der britischen Armee gegenüber nicht in den Mund nehmen sollte.«   “Stop, sir,” says George, “don’t say dare, sir. Dare isn’t a word to be used to a Captain in the British Army.” »Ich sage zu meinem Sohn, was ich will. Ich kann ihn enterben bis auf den letzten Shilling, wenn ich will. Ich kann ihn zum Bettler machen, wenn ich will. Ich werde sagen, was ich will«, sagte der Alte.   “I shall say what I like to my son, sir. I can cut him off with a shilling if I like. I can make him a beggar if I like. I will say what I like,” the elder said. »Ich bin ein Gentleman, obgleich ich dein Sohn bin«, antwortete George hochmütig. »Ich muß darum bitten, daß alle Mitteilungen, die du mir zu machen, oder alle Befehle, die du mir zu geben beabsichtigst, in einer Form gehalten sind, die ich zu hören gewohnt bin.«   “I’m a gentleman though I am your son, sir,” George answered haughtily. “Any communications which you have to make to me, or any orders which you may please to give, I beg may be couched in that kind of language which I am accustomed to hear.” Sooft der junge Osborne diese hochmütige Haltung annahm, erregte er bei dem Vater entweder große Furcht oder einen gewaltigen Zorn. Der alte Osborne hatte eine geheime Angst vor seinem Sohne als dem besseren Gentleman. Und vielleicht haben meine Leser auf unserem Jahrmarkt der Eitelkeit auch schon erfahren, daß Menschen niedriger Gesinnung niemandem so mißtrauen wie einem Gentleman.   Whenever the lad assumed his haughty manner, it always created either great awe or great irritation in the parent. Old Osborne stood in secret terror of his son as a better gentleman than himself; and perhaps my readers may have remarked in their experience of this Vanity Fair of ours, that there is no character which a low-minded man so much mistrusts as that of a gentleman. »Mein Vater ließ mir nicht die Erziehung angedeihen, die du erhalten hast, ich hatte auch nicht die Vorteile, die du gehabt, oder das Geld, das du bekommen hast. Hätte ich in der Gesellschaft verkehrt, wo ich gewissen Leuten mit meinen Mitteln ermöglicht habe, zu verkehren, so hätte mein Sohn wahrscheinlich keinen Grund, mit seiner Überlegenheit und seiner West-End-Miene zu prahlen.« (Diese Worte sprach der alte Osborne in seinem sarkastischsten Ton.) »Aber zu meiner Zeit glaubte man noch nicht, daß es einem Gentleman zieme, seinen Vater zu beleidigen. Hätte ich so etwas getan, so hätte mich meiner die Treppe hinuntergeworfen.«   “My father didn’t give me the education you have had, nor the advantages you have had, nor the money you have had. If I had kept the company some folks have had through my means , perhaps my son wouldn’t have any reason to brag, sir, of his superiority and West end airs (these words were uttered in the elder Osborne’s most sarcastic tones). But it wasn’t considered the part of a gentleman, in my time, for a man to insult his father. If I’d done any such thing, mine would have kicked me downstairs, sir.” »Ich habe dich niemals beleidigt, Vater. Ich habe gesagt, du möchtest nicht vergessen, daß dein Sohn ebenso Gentleman ist wie du selbst. Ich weiß sehr gut, daß du mir viel Geld gibst«, sagte George (dabei befühlte er ein Bündel Banknoten, das er am Morgen von Mr. Chopper erhalten hatte). »Das sagst du mir oft genug, Vater. Du brauchst keine Angst zu haben, daß ich es vergesse.«   “I never insulted you, sir. I said I begged you to remember your son was a gentleman as well as yourself. I know very well that you give me plenty of money,” said George (fingering a bundle of notes which he had got in the morning from Mr. Chopper). “You tell it me often enough, sir. There’s no fear of my forgetting it.” »Ich wollte, du erinnertest dich anderer Dinge ebensogut«, antwortete der Vater. »Ich wollte, du erinnertest dich – solange du dieses Haus mit deiner Gegenwart beehrst, Herr Hauptmann –, daß ich darin der Herr bin, und dieser Name – und daß der – daß du – daß ich sage...«   “I wish you’d remember other things as well, sir,” the sire answered. “I wish you’d remember that in this house — so long as you choose to honour it with your company , Captain — I’m the master, and that name, and that that — that you — that I say — ” »Daß was, Sir?« fragte George mit einem Anflug von Hohn, während er sich noch ein Glas Rotwein einschenkte.   “That what, sir?” George asked, with scarcely a sneer, filling another glass of claret. Dem Vater entfuhr ein gräßlicher Fluch. »Daß der Name dieser Sedleys hier nicht genannt werden darf, nicht einer von der ganzen verdammten Brut!«   “ — — !” burst out his father with a screaming oath — "that the name of those Sedleys never be mentioned here, sir — not one of the whole damned lot of ’em, sir.” »Nicht ich war es, Vater, der Miss Sedleys Namen zuerst erwähnte. Meine Schwestern sprachen vor Miss Swartz schlecht über sie. Und, beim Zeus, ich werde sie verteidigen, wo es auch sein mag. Niemand soll diesen Namen in meiner Gegenwart geringschätzig aussprechen. Unsere Familie hat ihr Schaden genug zugefügt, denke ich, und jetzt, wo sie am Boden liegt, sollte man mit den Schmähungen aufhören. Ich schieße jeden, außer dir, nieder, der nur ein Wort gegen sie sagt.«   “It wasn’t I, sir, that introduced Miss Sedley’s name. It was my sisters who spoke ill of her to Miss Swartz; and by Jove I’ll defend her wherever I go. Nobody shall speak lightly of that name in my presence. Our family has done her quite enough injury already, I think, and may leave off reviling her now she’s down. I’ll shoot any man but you who says a word against her.” »Weiter, nur weiter so«, sagte der alte Herr mit hervorquellenden Augen.   “Go on, sir, go on,” the old gentleman said, his eyes starting out of his head. »Weiter? Worüber, Vater? Über die Art und Weise, wie wir diesen Engel von einem Mädchen behandelt haben? Wer hieß mich, sie zu lieben? Das war dein Werk. Ich hätte eine andere Wahl treffen und dabei aus deinen Kreisen herauskommen können. Aber ich habe dir gehorcht. Und jetzt, wo mir ihr Herz gehört, befiehlst du mir, es wegzuwerfen und sie zu strafen, vielleicht gar zu töten – wegen anderer Leute Fehler. Es ist eine Schande, beim Himmel«, schrie George, der sich immer mehr in Zorn und Begeisterung steigerte, »mit der Liebe eines jungen Mädchens ein leichtfertiges Spiel zu treiben – und noch dazu eines Engels wie sie – eines Wesens, so hoch über den Menschen, unter denen sie lebt, daß sie Neid hätte erregen können, wäre sie nicht so gut und so sanft, daß es ein Wunder ist, wie jemand sie überhaupt hassen kann. Glaubst du denn, Vater, sie würde mich vergessen, wenn ich sie verließe?«   “Go on about what, sir? about the way in which we’ve treated that angel of a girl? Who told me to love her? It was your doing. I might have chosen elsewhere, and looked higher, perhaps, than your society: but I obeyed you. And now that her heart’s mine you give me orders to fling it away, and punish her, kill her perhaps — for the faults of other people. It’s a shame, by Heavens,” said George, working himself up into passion and enthusiasm as he proceeded, “to play at fast and loose with a young girl’s affections — and with such an angel as that — one so superior to the people amongst whom she lived, that she might have excited envy, only she was so good and gentle, that it’s a wonder anybody dared to hate her. If I desert her, sir, do you suppose she forgets me?” »Ich will von solchem verdammten sentimentalen Quatsch und Unsinn nichts wissen«, schrie der Vater. »In meiner Familie dulde ich keine Bettelheiraten. Wenn du achttausend pro Jahr, die du im Handumdrehen bekommen könntest, aus dem Fenster werfen willst, so tue es nur. Aber beim Zeus, dann pack deine Siebensachen und verschwinde mir aus dem Haus. Willst du tun, was ich dir sage, ein für allemal, oder willst du es nicht?«   “I ain’t going to have any of this dam sentimental nonsense and humbug here, sir,” the father cried out. “There shall be no beggar-marriages in my family. If you choose to fling away eight thousand a year, which you may have for the asking, you may do it: but by Jove you take your pack and walk out of this house, sir. Will you do as I tell you, once for all, sir, or will you not?” »Die Mulattin da heiraten?« fragte George und zog den Hemdkragen hoch. »Ich mag die Farbe nicht. Frag den Schwarzen, der am Fleet Market drüben die Straße fegt! Ich jedenfalls heirate keine Hottentottenvenus.«   “Marry that mulatto woman?” George said, pulling up his shirt-collars. “I don’t like the colour, sir. Ask the black that sweeps opposite Fleet Market, sir. I’m not going to marry a Hottentot Venus.” Mr. Osborne riß wie ein Rasender an der Klingelschnur, mit der er sonst den Butler herbeirief, wenn er Wein haben wollte, und befahl diesem dienstbaren Geist, fast schwarz im Gesicht, für Hauptmann Osborne einen Wagen zu holen.   Mr. Osborne pulled frantically at the cord by which he was accustomed to summon the butler when he wanted wine — and almost black in the face, ordered that functionary to call a coach for Captain Osborne. »Ich habe es getan«, sagte George, als er eine Stunde später mit bleichem Gesicht zu Slaughters kam.   “I’ve done it,” said George, coming into the Slaughters’ an hour afterwards, looking very pale. »Was, mein Junge?« sagte Dobbin.   “What, my boy?” says Dobbin. George erzählte, was zwischen seinem Vater und ihm vorgefallen war.   George told what had passed between his father and himself. »Morgen werde ich sie heiraten«, sagte er mit einem Fluch. »Ich liebe sie jeden Tag mehr, Dobbin!«   “I’ll marry her to-morrow,” he said with an oath. “I love her more every day, Dobbin.” 22. Kapitel / Chapter 22 Eine Heirat und ein Teil der Flitterwochen / A Marriage and Part of a Honeymoon Die hartnäckigsten und mutigsten Feinde vermögen dem Hunger nicht auf lange Zeit standzuhalten, und so war denn der alte Osborne unbesorgt um seinen Gegner in dem Kampf, den wir gerade beschrieben haben. Er erwartete zuversichtlich, daß George sich auf Gnade und Ungnade ergeben würde, sobald ihm das Geld ausgehen würde. Zwar war der Junge unglücklicherweise gerade am Tage des ersten Gefechts mit Proviant versehen worden, allein der alte Osborne dachte, er würde nicht lange reichen und Georges Unterwerfung höchstens etwas verzögern. Einige Tage lang hörten Vater und Sohn nichts voneinander. Der Alte war über das Schweigen aufgebracht, aber nicht unruhig, denn er wußte, wo er George die Daumenschrauben anzusetzen hatte, und wollte daher bloß das Resultat dieser Operation abwarten. Er teilte den Schwestern den Ausgang des Streites mit, befahl ihnen aber gleichzeitig, von der Sache keine Notiz zu nehmen und George bei seiner Rückkehr zu begrüßen, als ob nichts vorgefallen wäre. Wie üblich wurde für ihn jeden Tag gedeckt, und der alte Herr erwartete ihn wahrscheinlich sehnsüchtig. Aber George ließ sich nicht blicken. Man erkundigte sich nach ihm bei Slaughters und erfuhr, daß er und sein Freund, Hauptmann Dobbin, die Stadt verlassen hätten.   Enemies the most obstinate and courageous can’t hold out against starvation; so the elder Osborne felt himself pretty easy about his adversary in the encounter we have just described; and as soon as George’s supplies fell short, confidently expected his unconditional submission. It was unlucky, to be sure, that the lad should have secured a stock of provisions on the very day when the first encounter took place; but this relief was only temporary, old Osborne thought, and would but delay George’s surrender. No communication passed between father and son for some days. The former was sulky at this silence, but not disquieted; for, as he said, he knew where he could put the screw upon George, and only waited the result of that operation. He told the sisters the upshot of the dispute between them, but ordered them to take no notice of the matter, and welcome George on his return as if nothing had happened. His cover was laid as usual every day, and perhaps the old gentleman rather anxiously expected him; but he never came. Some one inquired at the Slaughters’ regarding him, where it was said that he and his friend Captain Dobbin had left town. Es war an einem stürmischen, unfreundlichen Tag Ende April, der Regen peitschte das Pflaster der alten Straße, in der einst Slaughters' Kaffeehaus lag – da betrat George Osborne das Kaffeezimmer. Er war ungemein verstört und bleich, obgleich er einen eleganten blauen Frack mit Messingknöpfen und eine nette bräunliche Weste trug, wie es damals gerade Mode war. Sein Freund, Hauptmann Dobbin, war schon anwesend, gleichfalls in Blau und Messing. Diese Kleidung ersetzte den Militärrock und die grauen Beinkleider, mit denen er seinen schmalen Körper sonst bedeckte.   One gusty, raw day at the end of April — the rain whipping the pavement of that ancient street where the old Slaughters’ Coffee-house was once situated — George Osborne came into the coffee-room, looking very haggard and pale; although dressed rather smartly in a blue coat and brass buttons, and a neat buff waistcoat of the fashion of those days. Here was his friend Captain Dobbin, in blue and brass too, having abandoned the military frock and French-grey trousers, which were the usual coverings of his lanky person. Dobbin war schon über eine Stunde im Kaffeezimmer. Er hatte alle Zeitungen zur Hand genommen, konnte aber nicht lesen. Er hatte unzählige Male auf die Uhr gesehen und auf die Straße geblickt, wo der Regen niederprasselte und wo die Leute in Holzschuhen vorbeiklapperten und sich in den glänzenden Steinen widerspiegelten. Er trommelte auf dem Tisch, kaute gründlich an den Nägeln und biß sie fast bis zum Fleisch ab (er war gewohnt, seine großen Hände auf diese Weise zu zieren), er balancierte den Teelöffel geschickt auf dem Milchkännchen, stieß es um und so weiter und so weiter. Kurz gesagt, er zeigte alle Symptome von Unruhe und machte all die verzweifelten Versuche, die Zeit totzuschlagen, die die Menschen gewöhnlich unternehmen, wenn sie sehr ängstlich, erwartungsvoll und unruhig sind.   Dobbin had been in the coffee-room for an hour or more. He had tried all the papers, but could not read them. He had looked at the clock many scores of times; and at the street, where the rain was pattering down, and the people as they clinked by in pattens, left long reflections on the shining stone: he tattooed at the table: he bit his nails most completely, and nearly to the quick (he was accustomed to ornament his great big hands in this way): he balanced the tea-spoon dexterously on the milk jug: upset it, \&c., \&c.; and in fact showed those signs of disquietude, and practised those desperate attempts at amusement, which men are accustomed to employ when very anxious, and expectant, and perturbed in mind. Einige seiner gerade anwesenden Kameraden zogen ihn wegen seines glänzenden Aufzuges und seines aufgeregten Benehmens auf. Einer fragte ihn, ob er wohl heiraten wolle. Dobbin lachte und erwiderte, er würde seinem Kameraden (Major Wagstaff von den Genietruppen) ein Stück Kuchen schicken, wenn es soweit wäre. Endlich erschien Hauptmann Osborne, wie gesagt sehr elegant, aber ungemein blaß und aufgeregt. Er wischte sich das bleiche Gesicht mit einem großen gelben, stark parfümierten Taschentuch ab, schüttelte Dobbin die Hand, blickte auf die Wanduhr und bestellte bei John, dem Kellner, Curaçao. Er schüttete ein paar Gläser von diesem Likör mit nervöser Hast hinunter. Sein Freund fragte mit einiger Teilnahme nach seinem Befinden.   Some of his comrades, gentlemen who used the room, joked him about the splendour of his costume and his agitation of manner. One asked him if he was going to be married? Dobbin laughed, and said he would send his acquaintance (Major Wagstaff of the Engineers) a piece of cake when that event took place. At length Captain Osborne made his appearance, very smartly dressed, but very pale and agitated as we have said. He wiped his pale face with a large yellow bandanna pocket-handkerchief that was prodigiously scented. He shook hands with Dobbin, looked at the clock, and told John, the waiter, to bring him some curacao. Of this cordial he swallowed off a couple of glasses with nervous eagerness. His friend asked with some interest about his health. »Habe bis Tagesanbruch nicht ein Auge zugetan, Dob«, sagte er. »Höllisches Kopfweh und Fieber. Stand um neun auf und ging ins Bad. Ich sage dir, Dob, es ist mir gerade so zumute wie an dem Morgen in Quebec, als ich mich mit Rocket schlug.«   “Couldn’t get a wink of sleep till daylight, Dob,” said he. “Infernal headache and fever. Got up at nine, and went down to the Hummums for a bath. I say, Dob, I feel just as I did on the morning I went out with Rocket at Quebec.” »Mir geht es ebenso«, antwortete William. »Ich war aber an dem Morgen verteufelt nervöser als du. Du hast damals noch tüchtig gefrühstückt, wie ich mich entsinnen kann. Iß jetzt auch etwas.«   “So do I,” William responded. “I was a deuced deal more nervous than you were that morning. You made a famous breakfast, I remember. Eat something now.” »Du bist ein guter, alter Kerl, Will. Ich trinke auf dein Wohl, alter Junge, und dann adieu dem...«   “You’re a good old fellow, Will. I’ll drink your health, old boy, and farewell to — ” »Nein, nein. Zwei Gläser sind genug«, unterbrach ihn Dobbin. »Hier, John, bringen Sie den Likör weg. Nimm ein bißchen Cayennepfeffer zu deinem Huhn. Aber beeil dich ein wenig, denn es wird Zeit, daß wir hinkommen.«   “No, no; two glasses are enough,” Dobbin interrupted him. “Here, take away the liqueurs, John. Have some cayenne-pepper with your fowl. Make haste though, for it is time we were there.” Es war ungefähr halb zwölf, als dieses kurze Gespräch zwischen den beiden Hauptleuten stattfand. Eine Kutsche, in der Hauptmann Osbornes Diener das kleine tragbare Briefpult und den Toilettenkasten seines Herrn verstaut hatte, wartete schon einige Zeit. Und nun eilten die beiden Herren unter einem Regenschirm eilig auf die Kutsche zu und stiegen ein, während der Diener den Bock bestieg und den Regen sowie die dampfende Feuchtigkeit des Kutschers neben ihm verwünschte. »Wir werden an der Kirchtüre eine bessere Kalesche finden als die hier«, sagte er, »das ist ein Trost.« Und nun ging es weiter, Piccadilly entlang, wo das Apsley-Haus und das Sankt-Georgs-Hospital noch rote Jacken trugen, wo es noch Öllaternen gab, wo der Achilles noch nicht geboren war und man den Pimlico-Bogen noch nicht gebaut hatte und auch nicht das abscheuliche Monstrum von Reiterstandbild, das die ganze Umgebung jetzt überragt. Und so fuhren sie durch Brompton auf eine bestimmte Kapelle in der Nähe der Fulham Road zu.   It was about half an hour from twelve when this brief meeting and colloquy took place between the two captains. A coach, into which Captain Osborne’s servant put his master’s desk and dressing-case, had been in waiting for some time; and into this the two gentlemen hurried under an umbrella, and the valet mounted on the box, cursing the rain and the dampness of the coachman who was steaming beside him. “We shall find a better trap than this at the church-door,” says he; “that’s a comfort.” And the carriage drove on, taking the road down Piccadilly, where Apsley House and St. George’s Hospital wore red jackets still; where there were oil-lamps; where Achilles was not yet born; nor the Pimlico arch raised; nor the hideous equestrian monster which pervades it and the neighbourhood; and so they drove down by Brompton to a certain chapel near the Fulham Road there. Dort wartete eine vierspännige Kutsche und noch eine vornehme, die man damals Glaskutsche nannte. Nur sehr wenige Müßiggänger waren in Anbetracht des abscheulichen Regenwetters dort versammelt.   A chariot was in waiting with four horses; likewise a coach of the kind called glass coaches. Only a very few idlers were collected on account of the dismal rain. »Zum Henker!« rief George. »Ich habe doch gesagt, zwei sind genug.«   “Hang it!” said George, “I said only a pair.” »Mein Herr wollte vier haben«, sagte Mr. Joseph Sedleys Diener, der dort wartete. Er und auch Mr. Osbornes Diener waren der Ansicht, während sie George und William in die Kirche folgten, daß es »wirklich eine schäbige Veranstaltung sei, wo es kaum ein Frühstück oder eine Hochzeitsschleife gebe«.   “My master would have four,” said Mr. Joseph Sedley’s servant, who was in waiting; and he and Mr. Osborne’s man agreed as they followed George and William into the church, that it was a “reg’lar shabby turn hout; and with scarce so much as a breakfast or a wedding faviour.” »Da seid ihr ja«, sagte unser alter Freund Joe Sedley und trat hinzu. »Du kommst fünf Minuten zu spät, George, mein Junge. Was für ein Tag, nicht? Verdammt noch mal, es ist wie beim Beginn der Regenzeit in Bengalen. Ihr werdet aber merken, daß mein Wagen wasserdicht ist. Kommt, kommt, meine Mutter und Emmy warten in der Sakristei.«   “Here you are,” said our old friend, Jos Sedley, coming forward. “You’re five minutes late, George, my boy. What a day, eh? Demmy, it’s like the commencement of the rainy season in Bengal. But you’ll find my carriage is watertight. Come along, my mother and Emmy are in the vestry.” Joe Sedley sah prachtvoll aus. Er war dicker denn je. Sein Hemdkragen war noch höher, sein Gesicht noch röter, seine Hemdkrause prangte in vollem Glanze auf seiner bunten Weste. Lackstiefel waren damals noch nicht erfunden, aber die Reitstiefel an seinen schönen Beinen glänzten so, daß es das gleiche Paar sein mußte, vor dem der Herr auf dem alten Bild sich zu rasieren pflegte. Und auf seinem hellgrünen Frack prangte eine schöne Hochzeitsschleife wie eine große vollerblühte weiße Magnolie.   Jos Sedley was splendid. He was fatter than ever. His shirt collars were higher; his face was redder; his shirt-frill flaunted gorgeously out of his variegated waistcoat. Varnished boots were not invented as yet; but the Hessians on his beautiful legs shone so, that they must have been the identical pair in which the gentleman in the old picture used to shave himself; and on his light green coat there bloomed a fine wedding favour, like a great white spreading magnolia. Mit einem Wort, George hatte den großen Wurf getan. Er war auf dem Wege zur Hochzeit. Daher seine Blässe und Nervosität, die schlaflose Nacht und die Aufregung am Morgen. Ich habe Leute, die dasselbe durchgemacht haben, bekennen hören, daß ihnen ebenso zumute gewesen sei. Nach drei oder vier dieser heiligen Handlungen gewöhnt man sich zweifellos daran, aber jedermann gesteht, daß es beim ersten Mal schrecklich ist.   In a word, George had thrown the great cast. He was going to be married. Hence his pallor and nervousness — his sleepless night and agitation in the morning. I have heard people who have gone through the same thing own to the same emotion. After three or four ceremonies, you get accustomed to it, no doubt; but the first dip, everybody allows, is awful. Die Braut trug einen braunseidenen Umhang (wie Hauptmann Dobbin mir später berichtet hat) und einen Strohhut mit rosa Band. Um den Hut hatte sie einen Schleier aus weißen Chantillyspitzen geschlungen – ein Geschenk von ihrem Bruder, Mr. Joseph Sedley. Hauptmann Dobbin hatte gebeten, ihr eine goldene Kette mit einer Uhr schenken zu dürfen, womit sie sich bei dieser Gelegenheit geschmückt hatte. Ihre Mutter hatte ihr ihre Diamantbrosche geschenkt – fast das einzige Schmuckstück, das der alten Dame geblieben war. Während der Trauung saß Mrs. Sedley heftig weinend in einem Kirchenstuhl, während das irische Dienstmädchen und Mrs. Clapp, eine Hausbewohnerin, sie trösteten. Der alte Sedley wollte nicht kommen. Joe vertrat seinen Vater und gab die Braut zur Ehe, während Hauptmann Dobbin Georges Brautführer war.   The bride was dressed in a brown silk pelisse (as Captain Dobbin has since informed me), and wore a straw bonnet with a pink ribbon; over the bonnet she had a veil of white Chantilly lace, a gift from Mr. Joseph Sedley, her brother. Captain Dobbin himself had asked leave to present her with a gold chain and watch, which she sported on this occasion; and her mother gave her her diamond brooch — almost the only trinket which was left to the old lady. As the service went on, Mrs. Sedley sat and whimpered a great deal in a pew, consoled by the Irish maid-servant and Mrs. Clapp from the lodgings. Old Sedley would not be present. Jos acted for his father, giving away the bride, whilst Captain Dobbin stepped up as groomsman to his friend George. Außer dem Pfarrer und seinen Helfern, dem Brautpaar und ihren Begleitern war niemand in der Kirche. Die beiden Bedienten hatten sich hochmütig in den Hintergrund verzogen. Der Regen trommelte gegen die Fenster. In den Pausen beim Gottesdienst konnte man ihn und das Schluchzen der alten Mrs. Sedley im Kirchenstuhl deutlich hören. Die kahlen Wände gaben die Stimme des Pfarrers traurig zurück. Osbornes »Ja« ertönte in tiefem Baß. Emmys Antwort schwebte zitternd vom Herzen zu den Lippen, wurde aber von kaum jemandem außer Hauptmann Dobbin vernommen.   There was nobody in the church besides the officiating persons and the small marriage party and their attendants. The two valets sat aloof superciliously. The rain came rattling down on the windows. In the intervals of the service you heard it, and the sobbing of old Mrs. Sedley in the pew. The parson’s tones echoed sadly through the empty walls. Osborne’s “I will” was sounded in very deep bass. Emmy’s response came fluttering up to her lips from her heart, but was scarcely heard by anybody except Captain Dobbin. Als die Trauung vorüber war, trat Joe Sedley vor und küßte seine bräutliche Schwester nach vielen Monaten zum erstenmal. Georges düstere Miene war verschwunden, und er sah stolz und strahlend aus. »Nun bist du dran, William«, sagte er und legte die Hand liebevoll auf Dobbins Schulter. Und Dobbin trat hinzu und berührte Amelias Wange.   When the service was completed, Jos Sedley came forward and kissed his sister, the bride, for the first time for many months — George’s look of gloom had gone, and he seemed quite proud and radiant. “It’s your turn, William,” says he, putting his hand fondly upon Dobbin’s shoulder; and Dobbin went up and touched Amelia on the cheek. Dann gingen sie in die Sakristei, wo sie sich in das Register einschrieben. »Gott segne dich, alter Dobbin«, sagte George und ergriff seine Hand, während etwas Feuchtes in seinen Augen schimmerte. William antwortete nur mit einem Kopfnicken. Sein Herz war ihm zu voll zum Sprechen.   Then they went into the vestry and signed the register. “God bless you, Old Dobbin,” George said, grasping him by the hand, with something very like moisture glistening in his eyes. William replied only by nodding his head. His heart was too full to say much. »Schreib gleich und komm, sobald du kannst, ja?« sagte Osborne. Nachdem Mrs. Sedley bewegt von ihrer Tochter Abschied genommen hatte, ging das Paar zur Kutsche. »Aus dem Wege, ihr kleinen Teufel«, rief George einigen durchweichten Gassenjungen zu, die sich an der Kirchentür herumtrieben. Der Regen schlug dem Brautpaar ins Gesicht, als sie zum Wagen schritten. Die Hochzeitsschleifen der Postillione baumelten an ihren triefenden Jacken. Die wenigen Kinder riefen ein trauriges Hurra, als der Wagen schmutzspritzend davonfuhr.   “Write directly, and come down as soon as you can, you know,” Osborne said. After Mrs. Sedley had taken an hysterical adieu of her daughter, the pair went off to the carriage. “Get out of the way, you little devils,” George cried to a small crowd of damp urchins, that were hanging about the chapel-door. The rain drove into the bride and bridegroom’s faces as they passed to the chariot. The postilions’ favours draggled on their dripping jackets. The few children made a dismal cheer, as the carriage, splashing mud, drove away. William Dobbin stand in der Kirchentür und sah ihnen nach – eine seltsame Figur. Das kleine Zuschauerhäuflein lachte über ihn, aber er beachtete weder sie noch ihr Gelächter.   William Dobbin stood in the church-porch, looking at it, a queer figure. The small crew of spectators jeered him. He was not thinking about them or their laughter. »Kommen Sie mit, wir wollen einen kleinen Imbiß einnehmen, Dobbin«, rief eine Stimme hinter ihm, und eine fette Hand legte sich auf seine Schulter. Die Träumerei des ehrlichen Burschen war unterbrochen. Aber dem Hauptmann stand der Sinn jetzt nicht nach einem Festessen mit Joe Sedley. Er half der weinenden alten Dame und ihren Begleitern in Joes Kutsche und verließ sie ohne ein weiteres Wort. Auch diese Kutsche entfernte sich, und die kleinen Gassenjungen riefen noch ein Hurra, sehr sarkastisch.   “Come home and have some tiffin, Dobbin,” a voice cried behind him; as a pudgy hand was laid on his shoulder, and the honest fellow’s reverie was interrupted. But the Captain had no heart to go a-feasting with Jos Sedley. He put the weeping old lady and her attendants into the carriage along with Jos, and left them without any farther words passing. This carriage, too, drove away, and the urchins gave another sarcastical cheer. »Hier, ihr kleinen Bettler«, sagte Dobbin und verteilte ein paar Münzen unter ihnen. Dann ging er allein durch den Regen davon. Alles war vorbei. Sie waren verheiratet und glücklich, darum betete er zu Gott. Seit seiner Kindheit hatte er sich noch nie so elend und so einsam gefühlt. Mit schmerzhaftem Sehnen wünschte er, daß die ersten Tage vorüber wären, damit er sie wiedersehen könnte.   “Here, you little beggars,” Dobbin said, giving some sixpences amongst them, and then went off by himself through the rain. It was all over. They were married, and happy, he prayed God. Never since he was a boy had he felt so miserable and so lonely. He longed with a heart-sick yearning for the first few days to be over, that he might see her again. Etwa zehn Tage nach der beschriebenen Feier genossen drei junge Männer aus unserer Bekanntschaft den herrlichen Anblick von Erkerfenstern auf der einen Seite und blauer See auf der anderen, den Brighton dem Reisenden bietet. Bisweilen schaut der Londoner entzückt zum Meer, wenn es mit zahllosen Grübchen lächelt, mit weißen Segeln gesprenkelt ist und Hunderte von Badekarren den Saum seines blauen Gewandes küssen. Manchmal dagegen, wenn er lieber die menschliche Natur als irgendwelche Aussichten studieren will, dann wendet er sich den Erkerfenstern und dem Menschengewimmel zu, das sich dort zeigt. Aus einem Fenster dringen die Töne eines Klaviers, auf dem eine lockige junge Dame zum großen Entzücken der Hausgenossen sechs Stunden täglich übt. An einem anderen steht das Kindermädchen, die hübsche Polly, die den kleinen Master Omnium auf den Armen wiegt, während man ein Fenster tiefer Jakob, seinen Papa, zum Frühstück Garnelen essen und die »Times« verschlingen sieht. Drüben halten die Misses Leery Ausschau nach den jungen Kürassieroffizieren, die höchstwahrscheinlich an den Klippen Spazierengehen. Oder dort hält ein Londoner Kaufmann, wie ein Matrose ausstaffiert, ein Teleskop von der Größe einer Sechspfünderkanone auf das Meer gerichtet, um jedes Vergnügungsboot, jedes Fischerboot und jeden Badekarren, die ans Ufer kommen oder hinausfahren, auszumachen. Aber haben wir Zeit für eine Beschreibung von Brighton? Von Brighton, dem sauberen Neapel mit eleganten Lazzaronis, von Brighton, das immer lebhaft, heiter und bunt wirkt wie eine Harlekinsjacke, von Brighton, das zur Zeit unserer Geschichte sieben Stunden von London entfernt ist, jetzt nur noch hundert Minuten, und uns noch wer weiß wieviel näher rücken mag, wenn nicht Joinville kommt und es zur Unzeit bombardiert.   Some ten days after the above ceremony, three young men of our acquaintance were enjoying that beautiful prospect of bow windows on the one side and blue sea on the other, which Brighton affords to the traveller. Sometimes it is towards the ocean — smiling with countless dimples, speckled with white sails, with a hundred bathing-machines kissing the skirt of his blue garment — that the Londoner looks enraptured: sometimes, on the contrary, a lover of human nature rather than of prospects of any kind, it is towards the bow windows that he turns, and that swarm of human life which they exhibit. From one issue the notes of a piano, which a young lady in ringlets practises six hours daily, to the delight of the fellow-lodgers: at another, lovely Polly, the nurse-maid, may be seen dandling Master Omnium in her arms: whilst Jacob, his papa, is beheld eating prawns, and devouring the Times for breakfast, at the window below. Yonder are the Misses Leery, who are looking out for the young officers of the Heavies, who are pretty sure to be pacing the cliff; or again it is a City man, with a nautical turn, and a telescope, the size of a six-pounder, who has his instrument pointed seawards, so as to command every pleasure-boat, herring-boat, or bathing-machine that comes to, or quits, the shore, \&c., \&c. But have we any leisure for a description of Brighton? — for Brighton, a clean Naples with genteel lazzaroni — for Brighton, that always looks brisk, gay, and gaudy, like a harlequin’s jacket — for Brighton, which used to be seven hours distant from London at the time of our story; which is now only a hundred minutes off; and which may approach who knows how much nearer, unless Joinville comes and untimely bombards it? »Was für ein unheimlich hübsches Mädchen, das dort in der Wohnung über der Putzmacherin ist«, meinte einer der drei Spaziergänger zu den anderen. »Bei Gott, Crawley, haben Sie das Zeichen gesehen, das sie mir gab, als ich vorüberging?«   “What a monstrous fine girl that is in the lodgings over the milliner’s,” one of these three promenaders remarked to the other; “Gad, Crawley, did you see what a wink she gave me as I passed?” »Brechen Sie ihr nicht das Herz, Joe, Sie Schurke«, sagte ein anderer. »Spielen Sie nicht mit ihrem Gefühl, Sie Don Juan!«   “Don’t break her heart, Jos, you rascal,” said another. “Don’t trifle with her affections, you Don Juan!” »Kommt, weiter!« sagte Joe Sedley hocherfreut und warf dem betreffenden Dienstmädchen einen unwiderstehlichen Blick hinauf. Joe war in Brighton noch großartiger ausgeputzt als bei der Trauung seiner Schwester. Er hatte prächtige Westen an, von denen schon eine ausgereicht hätte, einen gewöhnlichen Stutzer aus jemandem zu machen. Er trug einen militärischen Überrock mit Säbelösen, Quasten, schwarzen Knöpfen und reichen Stickereien verziert. Er hatte in der letzten Zeit militärische Gewohnheiten und ein militärisches Äußeres angenommen; und er schritt sporenklirrend neben seinen beiden Freunden, die diesem Stande angehörten, gab ungeheuer an und schoß tödliche Blicke auf alle Dienstmädchen ab, die es wert waren, erjagt zu werden.   “Get away,” said Jos Sedley, quite pleased, and leering up at the maid-servant in question with a most killing ogle. Jos was even more splendid at Brighton than he had been at his sister’s marriage. He had brilliant under-waistcoats, any one of which would have set up a moderate buck. He sported a military frock-coat, ornamented with frogs, knobs, black buttons, and meandering embroidery. He had affected a military appearance and habits of late; and he walked with his two friends, who were of that profession, clinking his boot-spurs, swaggering prodigiously, and shooting death-glances at all the servant girls who were worthy to be slain. »Was fangen wir an, Jungs, bis die Damen zurückkommen?« fragte der Stutzer. Die Damen hatten in seinem Wagen eine Spazierfahrt nach Rottingdean gemacht.   “What shall we do, boys, till the ladies return?” the buck asked. The ladies were out to Rottingdean in his carriage on a drive. »Wir wollen eine Partie Billard spielen«, sagte einer seiner beiden Freunde, der große mit dem gefärbten Schnurrbart.   “Let’s have a game at billiards,” one of his friends said — the tall one, with lacquered mustachios. »Nein, verdammt, nein, Hauptmann«, antwortete Joe etwas beunruhigt. »Kein Billard heute, Crawley, mein Junge. Gestern hat es gereicht.«   “No, dammy; no, Captain,” Jos replied, rather alarmed. “No billiards to-day, Crawley, my boy; yesterday was enough.” »Sie spielen sehr gut«, sagte Crawley lachend. »Nicht wahr, Osborne? Hat er nicht die fünf Punkte großartig gemacht, wie?«   “You play very well,” said Crawley, laughing. “Don’t he, Osborne? How well he made that-five stroke, eh?” »Prachtvoll«, sagte Osborne. »Joe ist ein Teufelskerl beim Billard und überhaupt bei allem. Ich wünschte, es gäbe hier Tigerjagden. Dann könnten wir vor Tisch noch einige erlegen. (Dort geht ein hübsches Mädchen! Was für Fesseln, was, Joe?) Erzähl uns doch die Geschichte von der Tigerjagd und wie du die Bestie im Dschungel erledigt hast – eine wundervolle Geschichte, Crawley.« Hier gähnte Osborne. »Es ist doch verdammt langweilig hier«, sagte er. »Was können wir bloß anfangen?«   “Famous,” Osborne said. “Jos is a devil of a fellow at billiards, and at everything else, too. I wish there were any tiger-hunting about here! we might go and kill a few before dinner. (There goes a fine girl! what an ankle, eh, Jos?) Tell us that story about the tiger-hunt, and the way you did for him in the jungle — it’s a wonderful story that, Crawley.” Here George Osborne gave a yawn. “It’s rather slow work,” said he, “down here; what shall we do?” »Wollen wir ein paar Pferde ansehen, die Snaffler gerade vom Markt in Lewes mitgebracht hat?« fragte Crawley.   “Shall we go and look at some horses that Snaffler’s just brought from Lewes fair?” Crawley said. »Wie wäre es, wenn wir zu Dutton Gelee essen gehen würden«, fragte der Schalk Joe, der zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte. »Ein verteufelt hübsches Mädchen haben sie bei Dutton.«   “Suppose we go and have some jellies at Dutton’s,” and the rogue Jos, willing to kill two birds with one stone. “Devilish fine gal at Dutton’s.” »Wie wäre es, wenn wir uns ansehen, wie der ›Blitz‹ kommt? Es ist gerade die rechte Zeit«, sagte George. Dieser Vorschlag trug den Sieg über Stall und Gelee davon, und sie gingen zum Postkutschenbüro, um die Ankunft des »Blitzes« zu sehen.   “Suppose we go and see the Lightning come in, it’s just about time?” George said. This advice prevailing over the stables and the jelly, they turned towards the coach-office to witness the Lightning’s arrival. Unterwegs trafen sie den Wagen – Joseph Sedleys offenen Wagen mit seinem prachtvollen Wappenschmuck –, das glänzende Gefährt, in dem er majestätisch einsam mit Dreispitz und verschränkten Armen oder, glücklicher, in Damengesellschaft herumzukutschieren pflegte.   As they passed, they met the carriage — Jos Sedley’s open carriage, with its magnificent armorial bearings — that splendid conveyance in which he used to drive, about at Cheltonham, majestic and solitary, with his arms folded, and his hat cocked; or, more happy, with ladies by his side. Im Augenblick saßen zwei Personen in dem Wagen: die eine war klein, mit hellem Haar und in modischer Kleidung, die andere in einem braunseidenen Umhang und einem Strohhut mit rosa Bändern, mit rosigem, rundem, glücklichem Gesicht, dessen Anblick einem guttat. Sie ließ den Wagen anhalten, als er sich den drei Herren näherte. Nach diesem Autoritätsbeweis schien sie ziemlich nervös und errötete seltsamerweise. »Die Spazierfahrt war wunderschön, George«, sagte sie, »und – und wir sind so froh, daß wir wieder da sind. Und Joseph, sorg dafür, daß er nicht zu spät zurückkommt.«   Two were in the carriage now: one a little person, with light hair, and dressed in the height of the fashion; the other in a brown silk pelisse, and a straw bonnet with pink ribbons, with a rosy, round, happy face, that did you good to behold. She checked the carriage as it neared the three gentlemen, after which exercise of authority she looked rather nervous, and then began to blush most absurdly. “We have had a delightful drive, George,” she said, “and — and we’re so glad to come back; and, Joseph, don’t let him be late.” »Verführen Sie unsere Männer nicht, Mr. Sedley, Sie schlimmer, schlimmer Mann, Sie«, sagte Rebekka und drohte Joseph mit einem hübschen kleinen Finger in den zierlichsten französischen Wildlederhandschuhen. »Kein Billard, kein Rauchen, keine Dummheiten!«   “Don’t be leading our husbands into mischief, Mr. Sedley, you wicked, wicked man you,” Rebecca said, shaking at Jos a pretty little finger covered with the neatest French kid glove. “No billiards, no smoking, no naughtiness!” »Meine liebe Mrs. Crawley – ach, oh, bei meiner Ehre!« war alles, was Joe als Antwort hervorbringen konnte, aber er bewahrte doch leidlich Haltung; mit schiefem Kopf lächelte er zu seinem Opfer hinauf, die eine Hand hielt er auf dem Rücken, den er auf den Spazierstock stützte, mit der anderen (der Hand mit dem Diamantring) fingerte er an seiner Hemdkrause und an seinen Westen herum. Als der Wagen sich entfernte, warf er den schönen Insassinnen Diamantenhandküsse zu. Er wünschte, ganz Cheltenham, ganz Chowringhee, ganz Kalkutta würde ihn in dieser Stellung sehen, da er in Gesellschaft eines so berühmten Stutzers wie Rawdon Crawley von der Leibgarde solch einer Schönheit nachwinkte.   “My dear Mrs. Crawley — Ah now! upon my honour!” was all Jos could ejaculate by way of reply; but he managed to fall into a tolerable attitude, with his head lying on his shoulder, grinning upwards at his victim, with one hand at his back, which he supported on his cane, and the other hand (the one with the diamond ring) fumbling in his shirt-frill and among his under-waistcoats. As the carriage drove off he kissed the diamond hand to the fair ladies within. He wished all Cheltenham, all Chowringhee, all Calcutta, could see him in that position, waving his hand to such a beauty, and in company with such a famous buck as Rawdon Crawley of the Guards. Unser junges Brautpaar hatte Brighton als Aufenthaltsort für die ersten paar Tage nach der Hochzeit ausersehen und lebte nun dort sehr behaglich und ruhig im »Schiffshof«, bis Joe zu ihnen kam. Er war aber nicht der einzige Gesellschafter, den sie dort fanden. Wen sollten sie eines Nachmittags, als sie von einem Strandspaziergang zum Hotel zurückkamen, treffen als Rebekka und ihren Mann? Sie erkannten sich augenblicklich. Rebekka flog ihrer lieben Freundin in die Arme. Crawley und Osborne schüttelten sich herzlich die Hand. Becky fand im Laufe weniger Stunden den Weg, um George den kleinen unerfreulichen Wortwechsel zwischen ihnen vergessen zu machen. »Erinnern Sie sich noch an damals, als wir uns bei Miss Crawley sahen? Ich war damals sehr grob zu Ihnen, mein lieber Hauptmann Osborne. Ich glaubte, Sie vernachlässigten die liebe Amelia, und deshalb war ich so böse, so schnippisch, unfreundlich und undankbar. Vergeben Sie mir doch!« sagte Rebekka und streckte ihm ihre Hand mit so freimütiger, gewinnender Anmut hin, daß Osborne sie einfach ergreifen mußte. Du hast keine Ahnung, mein Sohn, wieviel Gutes du erreichen kannst, wenn du offen und bescheiden dein Unrecht zugibst. Ich kannte einmal einen Herrn, einen recht würdigen Kenner des Jahrmarkts der Eitelkeit, der seinen Nächsten absichtlich ein kleines Unrecht zufügte, um sich später offenherzig und mannhaft dafür zu entschuldigen – und was geschah? Mein Freund Crocky Doyle war überall beliebt. Man hielt ihn zwar für etwas heftig, aber doch für einen sehr ehrlichen Kerl. So nahm auch George Osborne Beckys Demut ernst.   Our young bride and bridegroom had chosen Brighton as the place where they would pass the first few days after their marriage; and having engaged apartments at the Ship Inn, enjoyed themselves there in great comfort and quietude, until Jos presently joined them. Nor was he the only companion they found there. As they were coming into the hotel from a sea-side walk one afternoon, on whom should they light but Rebecca and her husband. The recognition was immediate. Rebecca flew into the arms of her dearest friend. Crawley and Osborne shook hands together cordially enough: and Becky, in the course of a very few hours, found means to make the latter forget that little unpleasant passage of words which had happened between them. “Do you remember the last time we met at Miss Crawley’s, when I was so rude to you, dear Captain Osborne? I thought you seemed careless about dear Amelia. It was that made me angry: and so pert: and so unkind: and so ungrateful. Do forgive me!” Rebecca said, and she held out her hand with so frank and winning a grace, that Osborne could not but take it. By humbly and frankly acknowledging yourself to be in the wrong, there is no knowing, my son, what good you may do. I knew once a gentleman and very worthy practitioner in Vanity Fair, who used to do little wrongs to his neighbours on purpose, and in order to apologise for them in an open and manly way afterwards — and what ensued? My friend Crocky Doyle was liked everywhere, and deemed to be rather impetuous — but the honestest fellow. Becky’s humility passed for sincerity with George Osborne. Die beiden jungen Paare hatten einander viel zu erzählen. Sie besprachen ihre Heiraten und die Aussichten für das Leben mit großer Offenheit und lebhaftem Interesse. Georges Heirat sollte sein Freund Hauptmann Dobbin dem alten Osborne mitteilen, und der junge Osborne wartete ängstlich auf das Ergebnis dieser Eröffnung. Miss Crawley, auf der alle Hoffnungen Rawdons ruhten, hatte sich immer noch nicht erweichen lassen. Da es ihrem lieben Neffen und seiner Frau nicht gelungen war, sich zu ihrem Haus in der Park Lane Zutritt zu verschaffen, waren sie ihr nach Brighton gefolgt. Nun belagerten ständig Kundschafter die Tür der alten Dame.   These two young couples had plenty of tales to relate to each other. The marriages of either were discussed; and their prospects in life canvassed with the greatest frankness and interest on both sides. George’s marriage was to be made known to his father by his friend Captain Dobbin; and young Osborne trembled rather for the result of that communication. Miss Crawley, on whom all Rawdon’s hopes depended, still held out. Unable to make an entry into her house in Park Lane, her affectionate nephew and niece had followed her to Brighton, where they had emissaries continually planted at her door. »Ich wollte, du könntest einige von Rawdons Freunden sehen, die unsere Tür ständig belagern«, sagte Rebekka lachend. »Hast du schon einmal einen ungeduldigen Gläubiger gesehen, meine Liebe, oder einen Gerichtsdiener mit seinem Gehilfen? Zwei von diesen abscheulichen Kerlen haben die ganze Woche gegenüber beim Gemüsehändler Wachposten bezogen, und wir konnten daher erst am Sonntag raus. Was sollen wir bloß tun, wenn Tantchen unerbittlich bleibt?«   “I wish you could see some of Rawdon’s friends who are always about our door,” Rebecca said, laughing. “Did you ever see a dun, my dear; or a bailiff and his man? Two of the abominable wretches watched all last week at the greengrocer’s opposite, and we could not get away until Sunday. If Aunty does not relent, what shall we do?” Rawdon erzählte unter schallendem Gelächter ein Dutzend lustige Anekdoten von seinen Gläubigern und wie geschickt Rebekka sie behandelte. Mit einem kräftigen Eid beteuerte er, daß es in ganz Europa keine Frau gebe, die es so gut wie sie verstehe, einen Gläubiger einzuwickeln. Gleich nach der Hochzeit hatte ihre Praxis begonnen, und ihr Mann hatte festgestellt, wie wertvoll doch so eine Frau war. Es mangelte ihnen nicht an Kredit, aber ebensowenig mangelte es ihnen an unbezahlten Rechnungen, und es fehlte ihnen an Bargeld. Hatten diese Geldschwierigkeiten einen Einfluß auf Rawdons gute Laune? Nein. Jedermann auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit wird schon bemerkt haben, wie gut diejenigen leben, die bis über die Ohren in Schulden stecken, wie sie sich nichts versagen und wie lustig und unbekümmert sie sind. Rawdon und seine Frau hatten in Brighton die besten Zimmer im Gasthof, der Wirt verbeugte sich vor ihnen wie vor seinen reichsten und vornehmsten Gästen, wenn er ihnen das erste Gericht hereinbrachte, und Rawdon schimpfte über Essen und Wein mit einer Unverschämtheit, die kein reicher Mann hätte übertreffen können. Lange Übung, eine männliche Erscheinung, tadellose Stiefel und Kleider und ein glückliches Temperament sind oft einem Menschen ebenso nützlich wie ein großes Bankkonto.   Rawdon, with roars of laughter, related a dozen amusing anecdotes of his duns, and Rebecca’s adroit treatment of them. He vowed with a great oath that there was no woman in Europe who could talk a creditor over as she could. Almost immediately after their marriage, her practice had begun, and her husband found the immense value of such a wife. They had credit in plenty, but they had bills also in abundance, and laboured under a scarcity of ready money. Did these debt-difficulties affect Rawdon’s good spirits? No. Everybody in Vanity Fair must have remarked how well those live who are comfortably and thoroughly in debt: how they deny themselves nothing; how jolly and easy they are in their minds. Rawdon and his wife had the very best apartments at the inn at Brighton; the landlord, as he brought in the first dish, bowed before them as to his greatest customers: and Rawdon abused the dinners and wine with an audacity which no grandee in the land could surpass. Long custom, a manly appearance, faultless boots and clothes, and a happy fierceness of manner, will often help a man as much as a great balance at the banker’s. Die beiden jungen Ehepaare besuchten sich häufig auf ihren Zimmern. Nach zwei oder drei Abenden spielten die Herren ein bißchen Pikett, während ihre Frauen sich zum Plaudern zurückgezogen hatten. Dieser Zeitvertreib sowie die Ankunft Joseph Sedleys, der in seinem prächtigen offenen Wagen erschien und einige Partien Billard mit Hauptmann Crawley spielte, füllten Rawdons Börse wieder einigermaßen und verhalfen ihm zu dem flüssigen Geld, ohne das oft auch die größten Geister nicht mehr weiterwissen.   The two wedding parties met constantly in each other’s apartments. After two or three nights the gentlemen of an evening had a little piquet, as their wives sate and chatted apart. This pastime, and the arrival of Jos Sedley, who made his appearance in his grand open carriage, and who played a few games at billiards with Captain Crawley, replenished Rawdon’s purse somewhat, and gave him the benefit of that ready money for which the greatest spirits are sometimes at a stand-still. Die drei Herren gingen also hinab, um die Ankunft des »Blitzes« zu beobachten. Pünktlich auf die Minute kam die Postkutsche, innen und außen vollbesetzt, die Straße herabgerattert; der Postillion blies seine gewöhnliche Melodie, und der »Blitz« hielt vor dem Büro.   So the three gentlemen walked down to see the Lightning coach come in. Punctual to the minute, the coach crowded inside and out, the guard blowing his accustomed tune on the horn — the Lightning came tearing down the street, and pulled up at the coach-office. »Hallo! Da ist ja der alte Dobbin«, rief George erfreut, als er seinen alten Freund auf dem Dach thronen sah. Dieser hatte seinen versprochenen Besuch in Brighton bis jetzt hinausgezögert. »Wie geht's dir, alter Bursche? Schön, daß du endlich gekommen bist. Emmy wird sich freuen, dich zu sehen«, sagte Osborne und schüttelte die Hand seines Kameraden, sobald er herabgestiegen war. Dann setzte er leiser und erregter hinzu: »Was gibt's Neues? Bist du am Russell Square gewesen? Was sagt der Alte? Erzähl mir alles.«   “Hullo! there’s old Dobbin,” George cried, quite delighted to see his old friend perched on the roof; and whose promised visit to Brighton had been delayed until now. “How are you, old fellow? Glad you’re come down. Emmy’ll be delighted to see you,” Osborne said, shaking his comrade warmly by the hand as soon as his descent from the vehicle was effected — and then he added, in a lower and agitated voice, “What’s the news? Have you been in Russell Square? What does the governor say? Tell me everything.” Dobbin war sehr bleich und ernst. »Ich war bei deinem Vater«, sagte er. »Wie geht es Amelia – Mrs. Osborne? Ich werde dir gleich alles erzählen. Aber vorher habe ich noch eine viel wichtigere Nachricht, und zwar...«   Dobbin looked very pale and grave. “I’ve seen your father,” said he. “How’s Amelia — Mrs. George? I’ll tell you all the news presently: but I’ve brought the great news of all: and that is — ” »Heraus damit, alter Bursche«, sagte George.   “Out with it, old fellow,” George said. »Wir haben Marschbefehl nach Belgien erhalten. Die ganze Armee geht dahin – die Garde und alle. Heavytop hat die Gicht und tobt, weil er sich nicht bewegen kann. O'Dowd hat das Kommando übernommen. Nächste Woche schiffen wir uns in Chatham ein.« Diese Kriegsnachricht war für unsere Liebenden ein schwerer Schlag, und alle Herren sahen mit einemmal sehr ernst aus.   “We’re ordered to Belgium. All the army goes — guards and all. Heavytop’s got the gout, and is mad at not being able to move. O’Dowd goes in command, and we embark from Chatham next week.” This news of war could not but come with a shock upon our lovers, and caused all these gentlemen to look very serious. 23. Kapitel / Chapter 23 Hauptmann Dobbin als Vermittler / Captain Dobbin Proceeds on His Canvass Welchen geheimen Mesmerismus besitzt doch die Freundschaft, wenn unter ihrem Einfluß ein sonst träger, kalter oder furchtsamer Mensch für einen Freund klug, tätig und entschlossen wird? Wie Alexis nach einigen Strichen von Doktor Elliotson keinen Schmerz mehr verspürt, mit dem Hinterkopf liest, meilenweit und in die nächste Woche sieht und andere Wunder vollbringt, zu denen er im normalen Zustand niemals fähig wäre, so wird auch draußen in der Welt unter dem Magnetismus der Freundschaft der Bescheidene kühn, der Scheue zutraulich, der Träge fleißig und der Ungestüme vorsichtig und friedlich. Was veranlaßt den Advokaten, seinen eigenen Rechtsfall nicht selbst zu führen und seinen gelehrten Kollegen als Ratgeber heranzuziehen? Was veranlaßt den kranken Arzt, nach seinem Rivalen zu schicken, anstatt sich hinzusetzen, um seine Zunge im Spiegel zu betrachten oder sich am eigenen Schreibtisch etwas zu verschreiben? Ich stelle diese Fragen, damit intelligente Leser sie beantworten können, die wissen, wie leichtgläubig und skeptisch, wie nachgiebig und eigensinnig, wie standhaft und schüchtern wir gleichzeitig sind – in den Angelegenheiten anderer und in unseren eigenen. Es ist jedenfalls sicher, daß unser Freund William Dobbin persönlich so nachgiebig war, daß er wahrscheinlich in die Küche hinuntergestiegen wäre, um die Köchin zu heiraten, wenn seine Eltern ihn gedrängt hätten; und wenn es seinen eigenen Interessen gegolten hätte, wäre er deshalb wohl kaum über die Straße gegangen, so aber entwickelte er in George Osbornes Angelegenheiten eine so große Geschäftigkeit und einen Eifer, wie der selbstsüchtigste Taktiker nur in seinen eigenen Sachen an den Tag legen könnte.   What is the secret mesmerism which friendship possesses, and under the operation of which a person ordinarily sluggish, or cold, or timid, becomes wise, active, and resolute, in another’s behalf? As Alexis, after a few passes from Dr. Elliotson, despises pain, reads with the back of his head, sees miles off, looks into next week, and performs other wonders, of which, in his own private normal condition, he is quite incapable; so you see, in the affairs of the world and under the magnetism of friendships, the modest man becomes bold, the shy confident, the lazy active, or the impetuous prudent and peaceful. What is it, on the other hand, that makes the lawyer eschew his own cause, and call in his learned brother as an adviser? And what causes the doctor, when ailing, to send for his rival, and not sit down and examine his own tongue in the chimney Bass, or write his own prescription at his study-table? I throw out these queries for intelligent readers to answer, who know, at once, how credulous we are, and how sceptical, how soft and how obstinate, how firm for others and how diffident about ourselves: meanwhile, it is certain that our friend William Dobbin, who was personally of so complying a disposition that if his parents had pressed him much, it is probable he would have stepped down into the kitchen and married the cook, and who, to further his own interests, would have found the most insuperable difficulty in walking across the street, found himself as busy and eager in the conduct of George Osborne’s affairs, as the most selfish tactician could be in the pursuit of his own. Während unser Freund George und seine junge Frau die ersten rosigen Tage der Flitterwochen in Brighton genossen, mußte der ehrliche William als Georges Bevollmächtigter in London zurückbleiben, um den geschäftlichen Teil der Heirat zu erledigen. Seine Aufgabe war es, Mr. Sedley und seine Frau zu besuchen und den Alten bei guter Laune zu erhalten; er mußte Joseph seinem Schwager näherbringen, damit Joes Rang und Würde als Steuereinnehmer von Boggley Wollah als Ersatz für den Sturz seines Vaters dienen und den alten Osborne geneigter machen konnte, sich in die Verbindung zu fügen. Schließlich mußte er ihm die Heirat so mitteilen, daß der Zorn des guten Herrn sowenig wie möglich erregt würde.   Whilst our friend George and his young wife were enjoying the first blushing days of the honeymoon at Brighton, honest William was left as George’s plenipotentiary in London, to transact all the business part of the marriage. His duty it was to call upon old Sedley and his wife, and to keep the former in good humour: to draw Jos and his brother-in-law nearer together, so that Jos’s position and dignity, as collector of Boggley Wollah, might compensate for his father’s loss of station, and tend to reconcile old Osborne to the alliance: and finally, to communicate it to the latter in such a way as should least irritate the old gentleman. Dobbin war der Ansicht, daß es diplomatisch wäre, die übrigen Familienmitglieder zu gewinnen, ehe er dem Haupt des Hauses mit seiner Mitteilung kommen wollte. Er wollte möglichst die Damen auf seine Seite ziehen, weil er dachte, sie könnten im Herzen nicht böse sein. Noch nie war eine Frau wegen einer romantischen Heirat böse gewesen. Es würde ein bißchen Geschrei geben, aber dann mußten sie auf die Seite ihres Bruders treten, und später könnten sie alle drei den alten Mr. Osborne belagern. So überlegte sich also dieser ränkevolle Infanteriehauptmann ein paar geeignete Mittel oder eine Kriegslist, um die beiden Miss Osborne leise und allmählich in das Geheimnis ihres Bruders einzuweihen.   Now, before he faced the head of the Osborne house with the news which it was his duty to tell, Dobbin bethought him that it would be politic to make friends of the rest of the family, and, if possible, have the ladies on his side. They can’t be angry in their hearts, thought he. No woman ever was really angry at a romantic marriage. A little crying out, and they must come round to their brother; when the three of us will lay siege to old Mr. Osborne. So this Machiavellian captain of infantry cast about him for some happy means or stratagem by which he could gently and gradually bring the Misses Osborne to a knowledge of their brother’s secret. Durch ein paar Fragen über Einladungen, die seine Mutter erhalten hatte, machte er bald ausfindig, welche ihrer Freundinnen bald Gesellschaften geben würden und wo er Osbornes Schwestern eventuell treffen konnte. Und obgleich er vor Bällen und Abendgesellschaften wie viele verständige Männer einen Abscheu hatte, so fand er doch bald ein Vergnügen, zu dem die Schwestern erscheinen mußten. Er kam also auf den Ball und tanzte mit beiden ein paarmal und war ausgesprochen höflich, bis er endlich den Mut fand, Miss Osborne um eine kurze Unterredung für den nächsten Morgen zu bitten, da er ihr, wie er sagte, Neuigkeiten von höchstem Interesse mitzuteilen habe.   By a little inquiry regarding his mother’s engagements, he was pretty soon able to find out by whom of her ladyship’s friends parties were given at that season; where he would be likely to meet Osborne’s sisters; and, though he had that abhorrence of routs and evening parties which many sensible men, alas! entertain, he soon found one where the Misses Osborne were to be present. Making his appearance at the ball, where he danced a couple of sets with both of them, and was prodigiously polite, he actually had the courage to ask Miss Osborne for a few minutes’ conversation at an early hour the next day, when he had, he said, to communicate to her news of the very greatest interest. Warum fuhr sie wohl zusammen und starrte einen Augenblick auf ihn und dann auf den Boden zu ihren Füßen? Sie tat, als ob sie in seinen Armen in Ohnmacht sinken müßte, er trat ihr aber noch rechtzeitig auf die Zehen und brachte so die junge Dame wieder zu sich selbst. Warum war sie so heftig erregt, als Dobbin seine Bitte vortrug? Das wird ewig ein Geheimnis bleiben. Als er aber am darauffolgenden Tage erschien, war Maria nicht bei ihrer Schwester im Salon, und Miss Wirt entfernte sich, um sie zu holen. So blieb der Hauptmann allein mit Miss Osborne. Sie waren beide so still, daß das Ticktack der Uhr mit dem Opfer der Iphigenie auf dem Kaminsims unbarmherzig laut ertönte.   What was it that made her start back, and gaze upon him for a moment, and then on the ground at her feet, and make as if she would faint on his arm, had he not by opportunely treading on her toes, brought the young lady back to self-control? Why was she so violently agitated at Dobbin’s request? This can never be known. But when he came the next day, Maria was not in the drawing-room with her sister, and Miss Wirt went off for the purpose of fetching the latter, and the Captain and Miss Osborne were left together. They were both so silent that the ticktock of the Sacrifice of Iphigenia clock on the mantelpiece became quite rudely audible. »Was war das doch für ein netter Ball gestern abend«, fing Miss Osborne endlich an, um den Hauptmann zu ermutigen, »und – und welche Fortschritte Sie im Tanzen gemacht haben, Hauptmann Dobbin! Gewiß hat es Ihnen jemand beigebracht«, setzte sie mit liebenswürdigem Schalk hinzu.   “What a nice party it was last night,” Miss Osborne at length began, encouragingly; “and — and how you’re improved in your dancing, Captain Dobbin. Surely somebody has taught you,” she added, with amiable archness. »Sie sollten einmal sehen, wie ich einen Schottischen mit Frau Major O'Dowd von unserem Regiment tanze oder eine Gigue – haben Sie schon mal eine Gigue gesehen? Aber ich glaube, mit Ihnen, Miss Osborne, könnte jeder tanzen, wo Sie doch eine so gute Tänzerin sind.«   “You should see me dance a reel with Mrs. Major O’Dowd of ours; and a jig — did you ever see a jig? But I think anybody could dance with you, Miss Osborne, who dance so well.” »Ist die Majorin jung und schön, Hauptmann?« fuhr die hübsche Fragerin fort. »Ach, es ist doch gewiß schrecklich, die Frau eines Soldaten zu sein! Ich möchte wissen, ob sie überhaupt noch Lust zum Tanzen haben, und noch dazu in diesen furchtbaren Kriegszeiten! Ach, Hauptmann Dobbin, ich zittere bisweilen, wenn ich an unseren lieben George und an die Gefahren des Soldatenlebens denke. Sind beim ...ten Regiment viele Offiziere verheiratet, Hauptmann Dobbin?«   “Is the Major’s lady young and beautiful, Captain?” the fair questioner continued. “Ah, what a terrible thing it must be to be a soldier’s wife! I wonder they have any spirits to dance, and in these dreadful times of war, too! O Captain Dobbin, I tremble sometimes when I think of our dearest George, and the dangers of the poor soldier. Are there many married officers of the — th, Captain Dobbin?” Ehrlich gesagt, spielt sie wohl doch etwas zu sehr mit offenen Karten, dachte Miss Wirt. Allein diese Bemerkung steht nur in Klammern und war durch die Türspalte, an der die Gouvernante sie machte, nicht zu hören.   “Upon my word, she’s playing her hand rather too openly,” Miss Wirt thought; but this observation is merely parenthetic, and was not heard through the crevice of the door at which the governess uttered it. »Einer unserer jungen Leute hat gerade geheiratet«, sagte Dobbin und steuerte damit auf den Kern zu. »Es war eine sehr alte Liebe, und das junge Ehepaar ist so arm wie eine Kirchenmaus.« »Oh, wie entzückend! Oh, wie romantisch!« rief Miss Osborne, als der Hauptmann die Worte »alte Liebe« und »arm« aussprach. Ihr Mitgefühl gab ihm Mut.   “One of our young men is just married,” Dobbin said, now coming to the point. “It was a very old attachment, and the young couple are as poor as church mice.” “O, how delightful! O, how romantic!” Miss Osborne cried, as the Captain said “old attachment” and “poor.” Her sympathy encouraged him. »Der beste junge Bursche im ganzen Regiment«, fuhr er fort. »Es gibt in der ganzen Armee keinen tapfereren oder hübscheren Offizier und solch eine bezaubernde Frau! Wie würden Sie sie lieben, wie werden Sie sie lieben, wenn Sie sie kennenlernen, Miss Osborne.« Die junge Dame glaubte, nun sei der große Augenblick gekommen, denn Dobbins nervöse Gesichtszuckungen, seine Art und Weise, mit den großen Füßen den Boden zu stampfen, das rasche Auf- und Zuknöpfen seines Rockes und so weiter schienen Miss Osborne anzudeuten, daß er, sobald er sich etwas gefaßt hätte, sein ganzes Herz ausschütten würde. Sie bereitete sich schon vor, ihm mit gespannter Aufmerksamkeit zuzuhören. Als die Uhr mit ihrem Altar darauf, auf dem Iphigenie sich befand, nach einem einleitenden Röcheln anfing, die zwölfte Stunde zu schlagen, schien es, als ob die Schläge bis ein Uhr dauern würden – so ewig kam es der ängstlich harrenden Jungfrau vor.   “The finest young fellow in the regiment,” he continued. “Not a braver or handsomer officer in the army; and such a charming wife! How you would like her! how you will like her when you know her, Miss Osborne.” The young lady thought the actual moment had arrived, and that Dobbin’s nervousness which now came on and was visible in many twitchings of his face, in his manner of beating the ground with his great feet, in the rapid buttoning and unbuttoning of his frock-coat, \&c. — Miss Osborne, I say, thought that when he had given himself a little air, he would unbosom himself entirely, and prepared eagerly to listen. And the clock, in the altar on which Iphigenia was situated, beginning, after a preparatory convulsion, to toll twelve, the mere tolling seemed as if it would last until one — so prolonged was the knell to the anxious spinster. »Aber ich wollte nicht vom Heiraten sprechen – das heißt von dieser Heirat – das heißt – nein, ich meine – meine liebe Miss Osborne, es dreht sich um unseren lieben Freund George«, sagte Dobbin.   “But it’s not about marriage that I came to speak — that is that marriage — that is — no, I mean — my dear Miss Osborne, it’s about our dear friend George,” Dobbin said. »George?« sagte sie so verwirrt, daß Maria und Miss Wirt hinter der Tür lachen mußten und daß selbst der arme Schelm von einem Dobbin ein Lächeln bekämpfen mußte. Er kannte nämlich den Stand der Dinge ganz gut, denn George hatte ihn oft geneckt und zu ihm gesagt: »Zum Henker, Will, warum heiratest du nicht die gute Jane? Sie nimmt dich, wenn du sie fragst. Ich wette fünf gegen zwei, daß sie's tut.«   “About George?” she said in a tone so discomfited that Maria and Miss Wirt laughed at the other side of the door, and even that abandoned wretch of a Dobbin felt inclined to smile himself; for he was not altogether unconscious of the state of affairs: George having often bantered him gracefully and said, “Hang it, Will, why don’t you take old Jane? She’ll have you if you ask her. I’ll bet you five to two she will.” »Ja, George«, fuhr er fort. »Es hat doch zwischen ihm und Mr. Osborne eine Auseinandersetzung gegeben. Ich schätze ihn so sehr – Sie wissen ja, daß wir stets wie Brüder gewesen sind –, und ich hoffe und bete, der Streit möge beigelegt werden. Wir müssen fort von England, Miss Osborne. Jeden Tag kann der Marschbefehl kommen. Wer weiß, was während des Feldzuges geschieht? Regen Sie sic nicht auf, liebe Miss Osborne; die beiden sollten wenigstens als Freunde scheiden.«   “Yes, about George, then,” he continued. “There has been a difference between him and Mr. Osborne. And I regard him so much — for you know we have been like brothers — that I hope and pray the quarrel may be settled. We must go abroad, Miss Osborne. We may be ordered off at a day’s warning. Who knows what may happen in the campaign? Don’t be agitated, dear Miss Osborne; and those two at least should part friends.” »Es hat keinen Streit gegeben, Hauptmann Dobbin, nur eine seiner üblichen Szenen mit Papa«, sagte die Dame. »Wir erwarten George täglich zurück. Papa wollte nur sein Bestes. Er braucht bloß zurückzukommen, und dann ist alles wieder gut, da bin ich sicher. Und die liebe Rhoda, die sehr, sehr böse und traurig von hier fortgegangen ist, wird ihm ganz gewiß verzeihen. Eine Frau verzeiht nur zu leicht, Hauptmann.«   “There has been no quarrel, Captain Dobbin, except a little usual scene with Papa,” the lady said. “We are expecting George back daily. What Papa wanted was only for his good. He has but to come back, and I’m sure all will be well; and dear Rhoda, who went away from here in sad sad anger, I know will forgive him. Woman forgives but too readily, Captain.” »Ein Engel wie Sie bestimmt«, sagte Mr. Dobbin mit abscheulicher List. »Und kein rechter Mann kann es sich verzeihen, einer Frau Schmerz zugefügt zu haben. Was würden Sie fühlen, wenn ein Mann Ihnen untreu würde?«   “Such an angel as you I am sure would,” Mr. Dobbin said, with atrocious astuteness. “And no man can pardon himself for giving a woman pain. What would you feel, if a man were faithless to you?” »Ich würde sterben – ich würde mich aus dem Fenster stürzen – ich würde Gift nehmen – ich würde mich zu Tode grämen. Ja, bestimmt«, rief Miss Osborne, die allerdings schon einige Herzensangelegenheiten durchgemacht hatte, ohne an Selbstmord zu denken.   “I should perish — I should throw myself out of window — I should take poison — I should pine and die. I know I should,” Miss cried, who had nevertheless gone through one or two affairs of the heart without any idea of suicide. »Es gibt aber auch andere«, fuhr Dobbin fort, »die ebenso aufrichtig, so gutherzig sind wie Sie. Ich spreche nicht von der westindischen Erbin, Miss Osborne, sondern von einem armen Mädchen, das George einst liebte und das von ihrer frühesten Kindheit in Gedanken an ihn erzogen wurde. Ich habe sie klaglos, mit gebrochenem Herzen, aber ohne Falsch in ihrer Armut gesehen. Ich spreche von Miss Sedley. Liebe Miss Osborne, kann Ihr edelmütiges Herz Ihrem Bruder deswegen zürnen, weil er ihr treu blieb? Könnte er seinem eigenen Gewissen je verzeihen, wenn er sie verließe? Seien Sie ihre Freundin – sie hat Sie immer liebgehabt – und – und ich stehe hier, von George beauftragt, und soll Ihnen sagen, daß er seine Verpflichtungen gegenüber Miss Sedley als seine heiligsten betrachtet, und wenigstens Sie bitten, zu ihm zu halten.«   “And there are others,” Dobbin continued, “as true and as kind-hearted as yourself. I’m not speaking about the West Indian heiress, Miss Osborne, but about a poor girl whom George once loved, and who was bred from her childhood to think of nobody but him. I’ve seen her in her poverty uncomplaining, broken-hearted, without a fault. It is of Miss Sedley I speak. Dear Miss Osborne, can your generous heart quarrel with your brother for being faithful to her? Could his own conscience ever forgive him if he deserted her? Be her friend — she always loved you — and — and I am come here charged by George to tell you that he holds his engagement to her as the most sacred duty he has; and to entreat you, at least, to be on his side.” Wenn Mr. Dobbin von einer starken Gemütsbewegung ergriffen wurde, so konnte er nach anfänglichem Stocken sehr geläufig sprechen, und es war offensichtlich, daß seine Beredsamkeit auf seine Gesprächspartnerin doch einigen Eindruck machte.   When any strong emotion took possession of Mr. Dobbin, and after the first word or two of hesitation, he could speak with perfect fluency, and it was evident that his eloquence on this occasion made some impression upon the lady whom he addressed. »Nun«, sagte sie, »das ist – sehr überraschend – sehr schmerzlich – ganz außerordentlich. Was wird Papa dazu sagen – daß George eine so großartige Partie ablehnt – aber auf jeden Fall hat er einen tüchtigen Fürsprecher an Ihnen gefunden, Hauptmann Dobbin. Es hilft aber nichts«, fuhr sie nach einer Pause fort, »die Lage der armen Miss Sedley geht mir ganz gewiß zu Herzen, ja, sehr zu Herzen, wissen Sie. Wir hielten die Partie nie für gut, obgleich wir hier stets freundlich, ja, sehr freundlich zu ihr waren. Aber Papa wird nie seine Einwilligung geben, da bin ich sicher. Und ein wohlerzogenes junges Mädchen, wissen Sie – ein Mädchen mit Verstand – muß ... George muß sie aufgeben, lieber Hauptmann Dobbin, ja, das muß er.«   “Well,” said she, “this is — most surprising — most painful — most extraordinary — what will Papa say? — that George should fling away such a superb establishment as was offered to him but at any rate he has found a very brave champion in you, Captain Dobbin. It is of no use, however,” she continued, after a pause; “I feel for poor Miss Sedley, most certainly — most sincerely, you know. We never thought the match a good one, though we were always very kind to her here — very. But Papa will never consent, I am sure. And a well brought up young woman, you know — with a well-regulated mind, must — George must give her up, dear Captain Dobbin, indeed he must.” »Darf ein Mann die Frau aufgeben, die er liebt, gerade wenn sie ins Unglück gerät?« fragte Dobbin und streckte die Hand aus. »Liebe Miss Osborne! Ist das der Rat, den ich von Ihnen höre? Mein liebes gnädiges Fräulein, Sie müssen ihre Freundin sein. Er kann sie nicht aufgeben. Er darf sie nicht aufgeben. Würde ein Mann Sie aufgeben, wenn Sie arm wären?«   “Ought a man to give up the woman he loved, just when misfortune befell her?” Dobbin said, holding out his hand. “Dear Miss Osborne, is this the counsel I hear from you? My dear young lady! you must befriend her. He can’t give her up. He must not give her up. Would a man, think you, give you up if you were poor?” Diese geschickte Frage rührte Miss Jane Osbornes Herz. »Ich weiß nicht, ob wir armen Mädchen euch Männern glauben dürfen, Hauptmann«, sagte sie. »Die Liebe macht die Frauen allzu leichtgläubig. Ich befürchte, ihr seid grausame, grausame Betrüger.« Dobbin vermeinte sicher einen Druck der Hand zu spüren, die Miss Osborne ihm hingehalten hatte.   This adroit question touched the heart of Miss Jane Osborne not a little. “I don’t know whether we poor girls ought to believe what you men say, Captain,” she said. “There is that in woman’s tenderness which induces her to believe too easily. I’m afraid you are cruel, cruel deceivers," — and Dobbin certainly thought he felt a pressure of the hand which Miss Osborne had extended to him. Er ließ sie etwas bestürzt los. »Betrüger!« sagte er. »Nein, liebe Miss Osborne, nicht alle Männer sind Betrüger. Ihr Bruder ist jedenfalls keiner. George hat Amelia Sedley schon geliebt, als sie noch Kinder waren; kein Reichtum könnte ihn bewegen, eine andere zu heiraten als sie. Soll er sie verlassen? Würden Sie ihm raten, das zu tun?«   He dropped it in some alarm. “Deceivers!” said he. “No, dear Miss Osborne, all men are not; your brother is not; George has loved Amelia Sedley ever since they were children; no wealth would make him marry any but her. Ought he to forsake her? Would you counsel him to do so?” Was konnte Miss Jane auf solch eine Frage antworten, zumal sie ihre eigenen besonderen Absichten hegte? Sie konnte nicht antworten, also wich sie aus und sagte: »Nun schön, wenn Sie kein Betrüger sind, so sind Sie jedenfalls sehr romantisch.« Diese Bemerkung ließ Hauptmann William unangefochten.   What could Miss Jane say to such a question, and with her own peculiar views? She could not answer it, so she parried it by saying, “Well, if you are not a deceiver, at least you are very romantic”; and Captain William let this observation pass without challenge. Als er schließlich durch noch einige höfliche Redensarten Miss Osborne genügend vorbereitet glaubte, die Neuigkeit zu hören, schenkte er ihr die Wahrheit ein. »George könnte Amelia gar nicht aufgeben – George hat sie geheiratet«, und dann erzählte er ihr die näheren Umstände der Heirat und alles, was wir bereits wissen: daß das arme Mädchen gestorben wäre, hätte ihr nicht ihr Liebhaber die Treue gehalten, daß der alte Sedley von der Heirat nichts habe wissen wollen und daß man sich eine Lizenz verschaffen mußte, daß Joseph Sedley von Cheltenham gekommen sei, um die Braut zur Ehe zu geben, daß sie in Joes Vierspänner nach Brighton gefahren seien, um dort die Flitterwochen zu verleben, und daß George auf seine lieben, guten Schwestern rechne, die ihn mit ihrem Vater wieder aussöhnen müßten, denn sie seien doch so treue und zärtliche Mädchen und würden es gewiß tun. Damit verbeugte sich Hauptmann Dobbin und nahm Abschied, nachdem er noch um die (bereitwillig gegebene) Erlaubnis gebeten hatte, sie wieder besuchen zu dürfen. Er vermutete ganz richtig, daß es kaum fünf Minuten dauern würde, bis die anderen Damen die Neuigkeit, die er gebracht hatte, erfahren würden.   At length when, by the help of farther polite speeches, he deemed that Miss Osborne was sufficiently prepared to receive the whole news, he poured it into her ear. “George could not give up Amelia — George was married to her" — and then he related the circumstances of the marriage as we know them already: how the poor girl would have died had not her lover kept his faith: how Old Sedley had refused all consent to the match, and a licence had been got: and Jos Sedley had come from Cheltenham to give away the bride: how they had gone to Brighton in Jos’s chariot-and-four to pass the honeymoon: and how George counted on his dear kind sisters to befriend him with their father, as women — so true and tender as they were — assuredly would do. And so, asking permission (readily granted) to see her again, and rightly conjecturing that the news he had brought would be told in the next five minutes to the other ladies, Captain Dobbin made his bow and took his leave. Kaum war er aus dem Hause, so stürzten Miss Maria und Miss Wirt zu Miss Osborne herein, und die junge Dame teilte ihnen nun das ganze wunderbare Geheimnis mit. Dabei muß ich jedoch den beiden Schwestern die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß keine sehr böse war. Eine Entführung hat etwas an sich, daß nur wenige Damen ernstlich böse darüber sein können, und wegen des Mutes, den Amelia gezeigt hatte, indem sie ihre Zustimmung zu der Verbindung gab, stieg sie sogar in ihrer Achtung. Während sie die Geschichte besprachen und schwatzten und überlegten, was Papa wohl tun und sagen würde, dröhnte an der Tür ein lautes Klopfen, ähnlich einem rächenden Donnerschlag, und ließ die Verschwörerinnen zusammenfahren. Das muß Papa sein, dachten sie. Aber er war es nicht. Es war nur Mr. Frederick Bullock, der versprochen hatte, die Damen in eine Blumenausstellung zu begleiten, und deshalb aus der City kam.   He was scarcely out of the house, when Miss Maria and Miss Wirt rushed in to Miss Osborne, and the whole wonderful secret was imparted to them by that lady. To do them justice, neither of the sisters was very much displeased. There is something about a runaway match with which few ladies can be seriously angry, and Amelia rather rose in their estimation, from the spirit which she had displayed in consenting to the union. As they debated the story, and prattled about it, and wondered what Papa would do and say, came a loud knock, as of an avenging thunder-clap, at the door, which made these conspirators start. It must be Papa, they thought. But it was not he. It was only Mr. Frederick Bullock, who had come from the City according to appointment, to conduct the ladies to a flower-show. Wie man sich wohl denken kann, wurde diesem Herrn das Geheimnis nicht lange vorenthalten. Als er es dann erfuhr, zeigte sein Gesicht jedoch eine Verwunderung, die ganz und gar verschieden war von dem sentimentalen Staunen in der Miene der Schwestern. Mr. Bullock war ein Mann von Welt und der jüngere Teilhaber einer reichen Firma. Er wußte, was das Geld bedeutet, und kannte dessen Wert. In seinen kleinen Augen blitzte ein schöner Strahl der Erwartung auf, und er lächelte seiner Maria zu bei dem Gedanken, daß sie durch diesen Narrenstreich von Mr. George dreißigtausend Pfund mehr wert werden könnte, als er je mit ihr zu bekommen gehofft hatte.   This gentleman, as may be imagined, was not kept long in ignorance of the secret. But his face, when he heard it, showed an amazement which was very different to that look of sentimental wonder which the countenances of the sisters wore. Mr. Bullock was a man of the world, and a junior partner of a wealthy firm. He knew what money was, and the value of it: and a delightful throb of expectation lighted up his little eyes, and caused him to smile on his Maria, as he thought that by this piece of folly of Mr. George’s she might be worth thirty thousand pounds more than he had ever hoped to get with her. »Bei Gott, Jane«, sagte er und musterte selbst die ältere Schwester mit einigem Interesse, »Eels wird es nun leid tun, daß er sich von Ihnen losgesagt hat. Sie können noch einmal ein Fünfzigtausendpfünder werden.«   “Gad! Jane,” said he, surveying even the elder sister with some interest, “Eels will be sorry he cried off. You may be a fifty thousand pounder yet.” Bis jetzt hatten die Schwestern noch nie an die Geldfrage gedacht, aber Fred Bullock neckte sie deswegen bei ihrem Vormittagsausflug mit anmutiger Lustigkeit, und als sie nach diesem morgendlichen Vergnügen zum Essen zurückfuhren, waren sie in ihrer eigenen Achtung nicht wenig gestiegen. Der verehrte Leser soll nun diese Selbstsucht nicht etwa als unnatürlich betrachten. Erst heute morgen bemerkte der Verfasser dieser Geschichte, während er auf dem Omnibus aus Richmond saß, beim Pferdewechsel, wie drei schmutzige kleine Kinder in einer Pfütze freundschaftlich und glücklich miteinander spielten. Zu diesen dreien gesellte sich noch ein kleines Mädchen. »Polly«, sagte es, »deine Schwester hat einen Penny bekommen.« Sofort sprangen die Kinder von ihrer Pfütze auf und rannten davon, um Peggy den Hof zu machen. Und als der Omnibus davonfuhr, sah ich Peggy mit dem Kindergefolge würdevoll auf den Stand einer Süßwarenhändlerin in der Nähe zuschreiten.   The sisters had never thought of the money question up to that moment, but Fred Bullock bantered them with graceful gaiety about it during their forenoon’s excursion; and they had risen not a little in their own esteem by the time when, the morning amusement over, they drove back to dinner. And do not let my respected reader exclaim against this selfishness as unnatural. It was but this present morning, as he rode on the omnibus from Richmond; while it changed horses, this present chronicler, being on the roof, marked three little children playing in a puddle below, very dirty, and friendly, and happy. To these three presently came another little one. “ Polly ,” says she, “ Your sister’s got A penny .” At which the children got up from the puddle instantly, and ran off to pay their court to Peggy. And as the omnibus drove off I saw Peggy with the infantine procession at her tail, marching with great dignity towards the stall of a neighbouring lollipop-woman. 24. Kapitel / Chapter 24 In dem Osborne die Familienbibel herunterlangt / In Which Mr. Osborne Takes Down the Family Bible Nachdem Dobbin die Schwestern vorbereitet hatte, eilte er nach der City, um den letzten und schwierigsten Teil seiner Aufgabe zu erfüllen. Der Gedanke, dem alten Osborne gegenüberzustehen, machte ihn nicht wenig unruhig, und mehr als einmal dachte er, er wolle es den jungen Damen überlassen, ihm das Geheimnis mitzuteilen, das sie – wie er wohl wußte – nicht lange für sich behalten konnten. Aber er hatte George versprochen, ihm zu berichten, wie der alte Osborne die Nachricht aufgenommen habe, und deshalb ging er in die City zum Kontor Osbornes in der Thames Street und gab dort ein Billett für Mr. Osborne ab, in dem er ihn um eine halbstündige Unterredung betreffs seines Sohnes George bat. Dobbins Bote kam aus dem Büro zurück mit Empfehlungen Mr. Osbornes, der sich glücklich schätzen würde, den Hauptmann gleich zu sprechen. Dobbin machte sich daher auf, ihm gegenüberzutreten.   So having prepared the sisters, Dobbin hastened away to the City to perform the rest and more difficult part of the task which he had undertaken. The idea of facing old Osborne rendered him not a little nervous, and more than once he thought of leaving the young ladies to communicate the secret, which, as he was aware, they could not long retain. But he had promised to report to George upon the manner in which the elder Osborne bore the intelligence; so going into the City to the paternal counting-house in Thames Street, he despatched thence a note to Mr. Osborne begging for a half-hour’s conversation relative to the affairs of his son George. Dobbin’s messenger returned from Mr. Osborne’s house of business, with the compliments of the latter, who would be very happy to see the Captain immediately, and away accordingly Dobbin went to confront him. Der Hauptmann, mit der Aussicht, ein Geheimnis zu enthüllen, an dem er nicht schuldlos war, und eine stürmische und höchst unangenehme Unterredung vor sich zu haben, betrat das Kontor von Mr. Osborne mit trüber Miene und unsicherem Schritt. Als er durch das Vorzimmer ging, wo Mr. Chopper herrschte, grüßte ihn dieser Angestellte vom Schreibtisch aus mit schalkhafter Miene, und das brachte ihn noch mehr aus der Fassung. Mr. Chopper zwinkerte und nickte ihm zu, deutete mit dem Federhalter auf die Tür des Prinzipals und sagte aufreizend humorvoll: »Sie werden den Alten in guter Stimmung finden.«   The Captain, with a half-guilty secret to confess, and with the prospect of a painful and stormy interview before him, entered Mr. Osborne’s offices with a most dismal countenance and abashed gait, and, passing through the outer room where Mr. Chopper presided, was greeted by that functionary from his desk with a waggish air which farther discomfited him. Mr. Chopper winked and nodded and pointed his pen towards his patron’s door, and said, “You’ll find the governor all right,” with the most provoking good humour. Osborne erhob sich ebenfalls, schüttelte ihm freundschaftlich die Hand und sagte: »Na wie geht's, mein lieber Junge?« mit einer Herzlichkeit, daß der Abgesandte des armen George sich doppelt schuldig fühlte. Seine Hand lag wie tot in der des alten Mannes. Er fühlte, daß er, Dobbin, mehr oder weniger schuld an allem Geschehenen sei. Er war es, der George zu Amelia zurückgeführt hatte, er hatte die Heirat gebilligt, gefördert, ja fast zustande gebracht, die er nun Georges Vater mitzuteilen gekommen war, und der Alte empfing ihn noch mit freundlichem Lächeln, klopfte ihm auf die Schulter und nannte ihn »Dobbin, mein lieber Junge«. Der Abgesandte hatte wohl Ursache, den Kopf hängenzulassen.   Osborne rose too, and shook him heartily by the hand, and said, “How do, my dear boy?” with a cordiality that made poor George’s ambassador feel doubly guilty. His hand lay as if dead in the old gentleman’s grasp. He felt that he, Dobbin, was more or less the cause of all that had happened. It was he had brought back George to Amelia: it was he had applauded, encouraged, transacted almost the marriage which he was come to reveal to George’s father: and the latter was receiving him with smiles of welcome; patting him on the shoulder, and calling him “Dobbin, my dear boy.” The envoy had indeed good reason to hang his head. Osborne glaubte nicht anders, als daß Dobbin gekommen sei, um ihm die Unterwerfung seines Sohnes zu melden. Mr. Chopper hatte mit seinem Prinzipal gerade von der Angelegenheit gesprochen, als Dobbins Bote erschien. Beide waren sich einig, daß George seine Unterwerfung mitteilen lasse. Beide hatten schon seit einigen Tagen damit gerechnet. »Mein Gott! Chopper, was für eine Hochzeit werden wir haben!« sagte Mr. Osborne zu seinem Angestellten, dabei knackte er mit den dicken Fingern und klapperte mit den Guineen und Shillings in seinen großen Taschen, als er seinen Untergebenen mit triumphierender Miene ansah.   Osborne fully believed that Dobbin had come to announce his son’s surrender. Mr. Chopper and his principal were talking over the matter between George and his father, at the very moment when Dobbin’s messenger arrived. Both agreed that George was sending in his submission. Both had been expecting it for some days — and “Lord! Chopper, what a marriage we’ll have!” Mr. Osborne said to his clerk, snapping his big fingers, and jingling all the guineas and shillings in his great pockets as he eyed his subordinate with a look of triumph. Mit ähnlichen Geräuschen in beiden Taschen und einer schlauen, fröhlichen Miene betrachtete Osborne von seinem Stuhle aus Dobbin, der ihm wortlos verlegen gegenübersaß. Für einen Hauptmann ist er doch ein rechter Tolpatsch, dachte der alte Osborne. Es will mir nicht in den Kopf, daß George ihm noch keine besseren Manieren beigebracht hat.   With similar operations conducted in both pockets, and a knowing jolly air, Osborne from his chair regarded Dobbin seated blank and silent opposite to him. “What a bumpkin he is for a Captain in the army,” old Osborne thought. “I wonder George hasn’t taught him better manners.” Endlich faßte sich Dobbin ein Herz zu beginnen. »Sir«, sagte er, »ich bringe Ihnen sehr ernste Nachrichten. Ich bin an diesem Morgen im Kriegsministerium gewesen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß unser Regiment noch vor Ende dieser Woche Marschbefehl erhält und nach Belgien geht. Und Sie wissen, Sir, daß wir erst zurückkommen werden, wenn wir eine Schlacht geschlagen haben, die manchem von uns verhängnisvoll werden wird.«   At last Dobbin summoned courage to begin. “Sir,” said he, “I’ve brought you some very grave news. I have been at the Horse Guards this morning, and there’s no doubt that our regiment will be ordered abroad, and on its way to Belgium before the week is over. And you know, sir, that we shan’t be home again before a tussle which may be fatal to many of us.” Osborne looked grave. “My s — , the regiment will do its duty, sir, I daresay,” he said. Osborne sah sehr ernst aus. »Mein S ... das Regiment wird seine Pflicht tun, Sir, das wage ich zu behaupten«, sagte er. »Die Franzosen sind sehr stark, Sir«, fuhr Dobbin fort. »Es wird lange dauern, bis die Russen und Österreicher ihre Truppen heranbringen. Wir werden die ersten im Kampf sein, Sir, und verlassen Sie sich darauf, Bony wird schon dafür sorgen, daß der Kampf hart wird.«   “The French are very strong, sir,” Dobbin went on. “The Russians and Austrians will be a long time before they can bring their troops down. We shall have the first of the fight, sir; and depend on it Boney will take care that it shall be a hard one.” »Worauf wollen Sie hinaus, Dobbin?« fragte sein Gegenüber unruhig und finster. »Ich nehme doch an, kein Brite fürchtet sich vor einem verdammten Franzosen, wie?«   “What are you driving at, Dobbin?” his interlocutor said, uneasy and with a scowl. “I suppose no Briton’s afraid of any d — - Frenchman, hey?” »Ich meine nur, bevor wir losrücken und wenn wir die große und sichere Gefahr, die über uns allen schwebt, betrachten, so wäre es gut – falls Differenzen zwischen Ihnen und George bestehen – wenn – wenn Sie sich die Hände reichen würden, nicht wahr? Sollte ihm etwas zustoßen, so würden Sie es sich wohl nie verzeihen können, nicht in Güte von ihm geschieden zu sein.«   “I only mean, that before we go, and considering the great and certain risk that hangs over every one of us — if there are any differences between you and George — it would be as well, sir, that — that you should shake hands: wouldn’t it? Should anything happen to him, I think you would never forgive yourself if you hadn’t parted in charity.” Bei diesen Worten wurde der arme William Dobbin scharlachrot, er fühlte und mußte sich selbst eingestehen, daß er ein Verräter sei. Wäre er nicht gewesen, so wäre es wahrscheinlich nie zu dieser Trennung gekommen. Warum war Georges Heirat nicht aufgeschoben worden? Welchen Grund gab es, so übereifrig darauf zu drängen? Er fühlte, daß George sich jedenfalls ohne tödlichen Schmerz von Amelia getrennt hätte. Auch Amelia hätte sich von dem Schlag vielleicht wieder erholt. Sein Rat war es gewesen, der diese Heirat und alle ihre Folgen zuwege gebracht hatte. Und warum bloß? Weil er sie so sehr liebte, daß er es nicht ertragen konnte, sie unglücklich zu sehen, oder vielleicht weil ihm die schmerzliche Ungewißheit so unerträglich war, daß er die Gelegenheit ergriff, sie mit einem Male ersticken zu können – wie wir nach einem Todesfall das Begräbnis beschleunigen oder wie wir, wenn eine Trennung von unseren Lieben bevorsteht, keine Ruhe finden, ehe der Abschied vorüber ist,   As he said this, poor William Dobbin blushed crimson, and felt and owned that he himself was a traitor. But for him, perhaps, this severance need never have taken place. Why had not George’s marriage been delayed? What call was there to press it on so eagerly? He felt that George would have parted from Amelia at any rate without a mortal pang. Amelia, too, might have recovered the shock of losing him. It was his counsel had brought about this marriage, and all that was to ensue from it. And why was it? Because he loved her so much that he could not bear to see her unhappy: or because his own sufferings of suspense were so unendurable that he was glad to crush them at once — as we hasten a funeral after a death, or, when a separation from those we love is imminent, cannot rest until the parting be over. »Sie sind ein guter Junge, William«, sagte Mr. Osborne in sanftem Ton, »und ich und George sollten nicht im Zorne voneinander scheiden, das ist wahr. Sehen Sie, ich habe für ihn getan, was nur je ein Vater tun kann. Er hat bestimmt dreimal soviel Geld von mir bekommen wie Sie von Ihrem Vater. Aber ich brüste mich nicht damit. Ich will nicht davon sprechen, wie ich mich für ihn abgeplagt, wie ich gearbeitet und meine Fähigkeit und Energie aufgewandt habe. Fragen Sie Chopper. Fragen Sie ihn selbst. Fragen Sie die City von London. Nun schlage ich ihm eine Heirat vor, auf die jeder britische Edelmann stolz sein würde – das einzige, was ich jemals von ihm erbeten habe -, und er will nicht. Habe ich unrecht? Ist der Streit mein Werk? Was will ich anderes als sein Wohlergehen, für das ich seit seiner Geburt wie ein Sträfling geschuftet habe? Niemand kann sagen, daß ich selbstsüchtig bin. Lassen Sie ihn zurückkommen. Ich sage, hier ist meine Hand, ich will vergessen und vergeben. Heiraten kann er jetzt sowieso nicht. Er soll sich mit Miss Swartz einigen und später heiraten, wenn er als Oberst zurückkommt; denn er soll Oberst werden, bei Gott, ja, das soll er, wenn Geld es tun kann. Ich bin froh, daß Sie ihn herumgebracht haben. Ich weiß, es ist Ihr Werk, Dobbin. Sie haben ihm schon aus mancher Patsche geholfen. Lassen Sie ihn zurückkommen, ich werde nicht hart sein. Kommen Sie beide heute zum Essen am Russell Square. Im alten Haus, zur alten Zeit. Sie werden einen Rehrücken bekommen, und es wird nichts gefragt.«   “You are a good fellow, William,” said Mr. Osborne in a softened voice; “and me and George shouldn’t part in anger, that is true. Look here. I’ve done for him as much as any father ever did. He’s had three times as much money from me, as I warrant your father ever gave you. But I don’t brag about that. How I’ve toiled for him, and worked and employed my talents and energy, I won’t say. Ask Chopper. Ask himself. Ask the City of London. Well, I propose to him such a marriage as any nobleman in the land might be proud of — the only thing in life I ever asked him — and he refuses me. Am I wrong? Is the quarrel of my making? What do I seek but his good, for which I’ve been toiling like a convict ever since he was born? Nobody can say there’s anything selfish in me. Let him come back. I say, here’s my hand. I say, forget and forgive. As for marrying now, it’s out of the question. Let him and Miss S. make it up, and make out the marriage afterwards, when he comes back a Colonel; for he shall be a Colonel, by G — - he shall, if money can do it. I’m glad you’ve brought him round. I know it’s you, Dobbin. You’ve took him out of many a scrape before. Let him come. I shan’t be hard. Come along, and dine in Russell Square to-day: both of you. The old shop, the old hour. You’ll find a neck of venison, and no questions asked.” Dieses Lob und. Vertrauen trafen Dobbins Herz tief. Jeder Augenblick des Gesprächs in diesem Ton länger verstärkte sein Schuldgefühl. »Sir«, sagte er, »ich fürchte, Sie täuschen sich. Bestimmt! George ist viel zu hochherzig, um wegen Geldes zu heiraten. Eine Drohung von Ihnen, ihn zu enterben, falls er sich ungehorsam erweisen sollte, würde nur Widerstand bei ihm hervorrufen.«   This praise and confidence smote Dobbin’s heart very keenly. Every moment the colloquy continued in this tone, he felt more and more guilty. “Sir,” said he, “I fear you deceive yourself. I am sure you do. George is much too high-minded a man ever to marry for money. A threat on your part that you would disinherit him in case of disobedience would only be followed by resistance on his.” »Na, zum Henker, Mann, ein Angebot von acht- bis zehntausend pro Jahr nennen Sie doch wohl nicht Drohung?« sagte Mr. Osborne, immer noch aufreizend gut gelaunt. »Mein Gott, wenn Miss Swartz mich haben will, dann bin ich ihr Mann. Ein bißchen mehr oder weniger schwarz macht mir nichts aus.« Dabei grinste der alte Herr bedeutsam und brach in ein rauhes Gelächter aus.   “Why, hang it, man, you don’t call offering him eight or ten thousand a year threatening him?” Mr. Osborne said, with still provoking good humour. “’Gad, if Miss S. will have me, I’m her man. I ain’t particular about a shade or so of tawny.” And the old gentleman gave his knowing grin and coarse laugh. »Sie vergessen frühere Verbindungen von Hauptmann Osborne«, sagte der Gesandte ernst.   “You forget, sir, previous engagements into which Captain Osborne had entered,” the ambassador said, gravely. »Welche Bindungen? Was zum Teufel meinen Sie? Sie meinen doch wohl nicht«, fuhr Mr. Osborne fort, dem mit diesem Gedanken Zorn und Verwunderung aufstiegen, »Sie meinen doch wohl nicht, daß er ein so verdammter Narr ist und immer noch der Tochter von dem alten Schwindler und Bankrotteur nachläuft? Sie sind doch wohl nicht hierhergekommen, um mich glauben zu machen, daß er diese heiraten will? Die heiraten – das wäre ein guter Witz. Mein Sohn und Erbe eine Bettlerstochter aus der Gosse heiraten! Gott verdamm ihn, wenn er das tut, dann mag er sich einen Besen kaufen und die Straße fegen. Andauernd ist sie ihm nachgelaufen und hat ihm schöne Augen gemacht, jetzt fällt es mir wieder ein. Und ich bin sicher, ihr alter Gauner von einem Vater hat sie angestiftet.«   “What engagements? What the devil do you mean? You don’t mean,” Mr. Osborne continued, gathering wrath and astonishment as the thought now first came upon him; “you don’t mean that he’s such a d — - fool as to be still hankering after that swindling old bankrupt’s daughter? You’ve not come here for to make me suppose that he wants to marry her ? Marry her , that is a good one. My son and heir marry a beggar’s girl out of a gutter. D — - him, if he does, let him buy a broom and sweep a crossing. She was always dangling and ogling after him, I recollect now; and I’ve no doubt she was put on by her old sharper of a father.” »Mr. Sedley war einst ein sehr guter Freund von Ihnen, Sir«, fiel Dobbin ein, beinahe froh, daß er selbst wütend wurde. »Es gab einmal eine Zeit, wo Sie ihm bessere Namen gönnten als Spitzbube und Schwindler. Die Verbindung ist ja Ihr Werk. George hatte kein Recht, ein leichtfertiges Spiel zu treiben ...«   “Mr. Sedley was your very good friend, sir,” Dobbin interposed, almost pleased at finding himself growing angry. “Time was you called him better names than rogue and swindler. The match was of your making. George had no right to play fast and loose — ” »Ein leichtfertiges Spiel treiben«, brüllte der alte Osborne. »Ein leichtfertiges Spiel treiben! Hach, verdammt, das sind ja dieselben Worte, die mein Gentleman benutzte, als er sich am Donnerstag vor vierzehn Tagen so aufspielte und seinem Vater, der erst etwas aus ihm gemacht hat, was von der britischen Armee erzählte. Wie, sind Sie es, der ihm das eingeredet hat? Meinen besten Dank dafür, Herr Hauptmann. Sind Sie es, der Bettler in meine Familie bringen will? Danke ergebenst, Herr Hauptmann. Er und die heiraten! Warum bloß? Ich garantiere Ihnen, sie würde auch ohne das schnell genug zu ihm laufen.«   “Fast and loose!” howled out old Osborne. “Fast and loose! Why, hang me, those are the very words my gentleman used himself when he gave himself airs, last Thursday was a fortnight, and talked about the British army to his father who made him. What, it’s you who have been a setting of him up — is it? and my service to you, captain . It’s you who want to introduce beggars into my family. Thank you for nothing, Captain. Marry her indeed — he, he! why should he? I warrant you she’d go to him fast enough without.” »Sir«, fuhr Dobbin in unverhohlenem Zorne auf, »niemand darf in meiner Gegenwart die Dame beschimpfen, und Sie am allerwenigsten.«   “Sir,” said Dobbin, starting up in undisguised anger; “no man shall abuse that lady in my hearing, and you least of all.” »Ach, Sie wollen mich herausfordern, ja? Warten Sie, ich will nach zwei Pistolen klingeln. Mr. George hat Sie hergeschickt, um seinen Vater zu beleidigen, nicht wahr?« sagte Osborne und riß an der Klingelschnur.   “O, you’re a-going to call me out, are you? Stop, let me ring the bell for pistols for two. Mr. George sent you here to insult his father, did he?” Osborne said, pulling at the bell-cord. »Mr. Osborne«, sagte Dobbin mit versagender Stimme, »Sie sind es, der das beste Wesen der Welt beleidigt. Sie sollten sie lieber schonen, Sir, denn sie ist Ihres Sohnes Frau.«   “Mr. Osborne,” said Dobbin, with a faltering voice, “it’s you who are insulting the best creature in the world. You had best spare her, sir, for she’s your son’s wife.” Und mit diesen Worten entfernte sich Dobbin, da er fühlte, daß er nichts weiter sagen könnte. Osborne sank in seinen Stuhl und sah ihm wild nach. Auf das Klingeln hin betrat ein Angestellter den Raum; und kaum hatte der Hauptmann den Hof verlassen, in dem Mr. Osbornes Büro lag, als Mr. Chopper, der Buchhalter, ihm ohne Hut nachgerannt kam.   And with this, feeling that he could say no more, Dobbin went away, Osborne sinking back in his chair, and looking wildly after him. A clerk came in, obedient to the bell; and the Captain was scarcely out of the court where Mr. Osborne’s offices were, when Mr. Chopper the chief clerk came rushing hatless after him. »Um Gottes willen, was ist passiert?« rief Mr. Chopper und ergriff den Hauptmann an den Rockschößen. »Der Alte ist in Ohnmacht gefallen. Was hat Mr. George bloß angestellt?«   “For God’s sake, what is it?” Mr. Chopper said, catching the Captain by the skirt. “The governor’s in a fit. What has Mr. George been doing?” »Er hat vor fünf Tagen Miss Sedley geheiratet«, erwiderte Dobbin. »Ich war sein Brautführer, Mr. Chopper, und Sie müssen sein Freund bleiben.«   “He married Miss Sedley five days ago,” Dobbin replied. “I was his groomsman, Mr. Chopper, and you must stand his friend.” Der alte Buchhalter schüttelte den Kopf. »Wenn das Ihre Neuigkeit ist. Hauptmann, dann steht es schlimm. Das wird ihm der Alte nie verzeihen.«   The old clerk shook his head. “If that’s your news, Captain, it’s bad. The governor will never forgive him.” Dobbin bat Chopper, er möchte ihn in dem Hotel, in dem er abgestiegen sei, die weitere Entwicklung wissen lassen, und ging gedankenvoll und wegen der Vergangenheit und Zukunft beunruhigt westwärts.   Dobbin begged Chopper to report progress to him at the hotel where he was stopping, and walked off moodily westwards, greatly perturbed as to the past and the future. Als die Familie am Russell Square sich diesen Abend zum Essen versammelte, fand sie den Hausherrn zwar an seinem gewöhnlichen Platze sitzend, aber mit dem düsteren Gesicht, die dem ganzen Kreis stets den Mund verschloß. Die Damen und Mr. Bullock, der mit ihnen speiste, fühlten, daß die Nachricht Mr. Osborne bereits zu Ohren gekommen war. Sein finsterer Blick veranlaßte Mr. Bullock, sich still und ruhig zu verhalten, dabei war er aber außerordentlich freundlich und aufmerksam gegen Miss Maria, die neben ihm saß, und gegen ihre Schwester, die ihren Platz oben am Tisch hatte.   When the Russell Square family came to dinner that evening, they found the father of the house seated in his usual place, but with that air of gloom on his face, which, whenever it appeared there, kept the whole circle silent. The ladies, and Mr. Bullock who dined with them, felt that the news had been communicated to Mr. Osborne. His dark looks affected Mr. Bullock so far as to render him still and quiet: but he was unusually bland and attentive to Miss Maria, by whom he sat, and to her sister presiding at the head of the table. Deshalb saß Miss Wirt allein an ihrer Tischseite, und ein Stuhl zwischen ihr und Miss Jane Osborne blieb unbesetzt. Das war Georges Platz, wenn er zu Hause aß; sein Gedeck lag, wie gesagt, immer dort, da man ihn ständig zurückerwartete. Nichts geschah während des Essens, was die Stille hätte unterbrechen können, nur das schwache vertrauliche Geflüster des lächelnden Mr. Frederick und das Geklapper des Tafelsilbers und Porzellans war zu vernehmen. Die Dienstboten gingen auf leisen Sohlen hin und her und erfüllten ihre Aufgaben. Begräbniswärter konnten kaum düsterer dreinblicken als die Osborneschen Bedienten. Den Rehrücken, zu dem der alte Herr Dobbin eingeladen hatte, zerlegte er in tiefstem Schweigen, aber seine eigene Portion wurde fast unberührt wieder abgetragen, obgleich er viel trank und der Butler unermüdlich sein Glas füllte.   Miss Wirt, by consequence, was alone on her side of the board, a gap being left between her and Miss Jane Osborne. Now this was George’s place when he dined at home; and his cover, as we said, was laid for him in expectation of that truant’s return. Nothing occurred during dinner-time except smiling Mr. Frederick’s flagging confidential whispers, and the clinking of plate and china, to interrupt the silence of the repast. The servants went about stealthily doing their duty. Mutes at funerals could not look more glum than the domestics of Mr. Osborne The neck of venison of which he had invited Dobbin to partake, was carved by him in perfect silence; but his own share went away almost untasted, though he drank much, and the butler assiduously filled his glass. Schließlich – gegen Ende des Essens – heftete er seine Augen, nachdem er der Reihe nach alle angestarrt hatte, eine Weile auf Georges Gedeck. Dann deutete er mit der linken Hand darauf. Seine Töchter sahen ihn an und verstanden entweder die Geste nicht oder wollten sie nicht verstehen, und auch die Diener wußten zunächst nicht, was sie bedeuten sollte.   At last, just at the end of the dinner, his eyes, which had been staring at everybody in turn, fixed themselves for a while upon the plate laid for George. He pointed to it presently with his left hand. His daughters looked at him and did not comprehend, or choose to comprehend, the signal; nor did the servants at first understand it. »Nehmt das Gedeck weg«, sagte er schließlich und erhob sich mit einem Fluch. Dann stieß er seinen Stuhl zurück und begab sich in sein Zimmer.   “Take that plate away,” at last he said, getting up with an oath — and with this pushing his chair back, he walked into his own room. Hinter Mr. Osbornes Speisezimmer befand sich wie üblich noch ein Raum., den man hier im Hause Studierzimmer nannte und der das Heiligtum des Hausherrn war. Hierhin pflegte sich Mr. Osborne an Sonntagvormittagen zurückzuziehen, wenn er keine Lust hatte, zur Kirche zu gehen, und hier verbrachte er dann den Morgen in seinem karmesinroten Ledersessel mit Zeitunglesen. Einige verglaste Bücherschränke standen dort mit den klassischen Werken, wie zum Beispiel dem »Jahresregister«, dem »Herrenmagazin«, »Blairs Predigten« sowie Hume und Smollett. Vom Jahresanfang bis zum Ende nahm er nie einen dieser Bände vom Regal herab. Aber keiner in der Familie hätte je gewagt, eines der Bücher zu berühren, ausgenommen an jenen seltenen Sonntagabenden, an denen man keine Gesellschaft gab und an denen die große scharlachrote Bibel und das Gebetbuch aus der Ecke genommen wurden, wo sie neben einem Exemplar des Adelskalenders standen. Jedesmal rief dann die Klingel die Dienstboten ins Speisezimmer, und Osborne las seiner Familie mit lauter, schriller, hochtrabender Stimme die Abendandacht vor. Kein Mitglied des Hauses, weder seine Kinder noch die Dienstboten, betrat diesen Raum ohne ein gewisses Entsetzen. Hier prüfte er die Rechnungen der Haushälterin und das Kellerbuch des Butlers. Von hier konnte er jenseits des sauberen kiesbestreuten Hofes die Hintertür des Stalles sehen, mit dem eine Klingel ihn verband; und in diesen Hof trat der Kutscher aus seinen Hintergebäuden wie in eine Anklagebank, wenn Osborne ihn vom Fenster des Studierzimmers ausschalt. Viermal im Jahre betrat Miss Wirt dieses Zimmer, um ihr Gehalt zu holen, und seine Töchter kamen, um ihr vierteljährliches Taschengeld in Empfang zu nehmen. Als Knabe war George in diesem Zimmer sehr oft durchgepeitscht worden, und seine Mutter saß dann kraftlos auf der Treppe und lauschte den Peitschenhieben. Man hatte den Jungen bei dieser Strafe kaum weinen sehen – die arme Frau pflegte ihn insgeheim zu herzen und zu küssen und ihm, wenn er herauskam, Geld zu geben, um ihn zu beschwichtigen.   Behind Mr. Osborne’s dining-room was the usual apartment which went in his house by the name of the study; and was sacred to the master of the house. Hither Mr. Osborne would retire of a Sunday forenoon when not minded to go to church; and here pass the morning in his crimson leather chair, reading the paper. A couple of glazed book-cases were here, containing standard works in stout gilt bindings. The “Annual Register,” the “Gentleman’s Magazine,” “Blair’s Sermons,” and “Hume and Smollett.” From year’s end to year’s end he never took one of these volumes from the shelf; but there was no member of the family that would dare for his life to touch one of the books, except upon those rare Sunday evenings when there was no dinner-party, and when the great scarlet Bible and Prayer-book were taken out from the corner where they stood beside his copy of the Peerage, and the servants being rung up to the dining parlour, Osborne read the evening service to his family in a loud grating pompous voice. No member of the household, child, or domestic, ever entered that room without a certain terror. Here he checked the housekeeper’s accounts, and overhauled the butler’s cellar-book. Hence he could command, across the clean gravel court-yard, the back entrance of the stables with which one of his bells communicated, and into this yard the coachman issued from his premises as into a dock, and Osborne swore at him from the study window. Four times a year Miss Wirt entered this apartment to get her salary; and his daughters to receive their quarterly allowance. George as a boy had been horsewhipped in this room many times; his mother sitting sick on the stair listening to the cuts of the whip. The boy was scarcely ever known to cry under the punishment; the poor woman used to fondle and kiss him secretly, and give him money to soothe him when he came out. Über dem Kaminsims hing ein Familiengemälde, das nach Mrs. Osbornes Tod aus dem Vorderzimmer hierhin gebracht worden war: George saß auf einem Pony, die ältere Schwester reichte ihm einen Blumenstrauß hinauf, die jüngere war an der Hand der Mutter. Alle hatten rote Wangen und einen roten Mund und lächelten einander in bewährter Familienbilderweise an. Die Mutter lag jetzt unter der Erde und war von allen schon längst vergessen, die Schwestern und der Bruder hatten hundert verschiedene eigene Interessen und waren sich völlig fremd, obwohl sie nach außen hin auf einem vertrauten Fuße standen. Welch bittere Ironie liegt nicht ein paar Dutzend Jahre später, wenn alle dargestellten Personen alt geworden sind, in diesen kindischen Familienprunkgemälden mit ihren erheuchelten Gefühlen und ihren lächelnden Lügen und ihrer selbstbewußten und selbstzufriedenen Unschuld. Osbornes eigenes Staatsporträt im Lehnsessel mit dem großen silbernen Schreibzeug hatte im Speisezimmer den Ehrenplatz eingenommen, den das Familienstück frei gemacht hatte.   There was a picture of the family over the mantelpiece, removed thither from the front room after Mrs. Osborne’s death — George was on a pony, the elder sister holding him up a bunch of flowers; the younger led by her mother’s hand; all with red cheeks and large red mouths, simpering on each other in the approved family-portrait manner. The mother lay underground now, long since forgotten — the sisters and brother had a hundred different interests of their own, and, familiar still, were utterly estranged from each other. Some few score of years afterwards, when all the parties represented are grown old, what bitter satire there is in those flaunting childish family-portraits, with their farce of sentiment and smiling lies, and innocence so self-conscious and self-satisfied. Osborne’s own state portrait, with that of his great silver inkstand and arm-chair, had taken the place of honour in the dining-room, vacated by the family-piece. In dieses Studierzimmer zog sich nun der alte Osborne zur Erleichterung der kleinen Gesellschaft, die er verließ, zurück. Als die Dienstboten sich entfernt hatten, sprachen sie eine Weile lebhaft, aber sehr leise; dann gingen sie still die Treppe hinauf, und Mr. Bullock begleitete sie behutsam auf knarrenden Sohlen. Er hatte nicht den Mut, allein und dem fürchterlichen alten Herrn im anstoßenden Studierzimmer so nahe, seinen Wein zu trinken.   To this study old Osborne retired then, greatly to the relief of the small party whom he left. When the servants had withdrawn, they began to talk for a while volubly but very low; then they went upstairs quietly, Mr. Bullock accompanying them stealthily on his creaking shoes. He had no heart to sit alone drinking wine, and so close to the terrible old gentleman in the study hard at hand. Mindestens eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit wagte schließlich der Butler, ohne Aufforderung an die Tür zu klopfen und ihm Kerzen und Tee zu bringen. Der Herr des Hauses saß im Sessel und gab vor, die Zeitung zu lesen. Als der Diener die Lichter und Erfrischung auf den Tisch neben ihm gestellt und sich zurückgezogen hatte, erhob sich Mr. Osborne und verschloß hinter ihm die Tür. Diesmal konnte man sich nicht täuschen; das ganze Haus wußte, daß eine große Katastrophe im Anzug sei, die wahrscheinlich für Master George schreckliche Folgen haben würde.   An hour at least after dark, the butler, not having received any summons, ventured to tap at his door and take him in wax candles and tea. The master of the house sate in his chair, pretending to read the paper, and when the servant, placing the lights and refreshment on the table by him, retired, Mr. Osborne got up and locked the door after him. This time there was no mistaking the matter; all the household knew that some great catastrophe was going to happen which was likely direly to affect Master George. In dem großen glänzenden Mahagonischreibtisch hatte Mr. Osborne eine Schublade ausschließlich für die Sachen und Papiere seines Sohnes. Hier bewahrte er seit dessen Geburt alle seine Dokumente auf. Hier waren seine Hefte und Zeichenblocks, für die er einen Preis bekommen hatte, alle trugen Georges und des Lehrers Schriftzüge. Da waren seine ersten Briefe, in großer Kinderschrift geschrieben, worin er Papa und Mama herzlich grüßte und sie um einen Kuchen bat. Sein lieber Pate Sedley war mehr als einmal darin genannt. Flüche bebten auf den bleichen Lippen des alten Osborne, und ein schrecklicher Haß und gräßliche Enttäuschung wüteten in seinem Herzen, als er beim Durchsehen der Papiere auf diesen Namen stieß. Sie waren alle bezeichnet, mit kurzer Zusammenfassung versehen und mit einer roten Schnur zusammengebunden. Da war einer: »Von Georgy mit der Bitte um fünf Shilling, 23. April 18..; beantwortet am 25. April« oder »Georgy wegen eines Ponys, 13. Oktober« und so fort. In einem anderen Päckchen waren »Dr. S.'s Rechnungen«, »G.'s Schneiderrechnungen und Ausstattung, Anweisung auf mich von G. Osborne junior« und so weiter, seine Briefe aus Westindien – die Briefe seines Beauftragten sowie Zeitungen, die seine Beförderung brachten. Hier befanden sich auch eine Exitpeitsche, die ihm als Knabe gehörte, und, in Papier eingewickelt, ein Medaillon mit einer Haarlocke, das seine Mutter gewöhnlich getragen hatte.   In the large shining mahogany escritoire Mr. Osborne had a drawer especially devoted to his son’s affairs and papers. Here he kept all the documents relating to him ever since he had been a boy: here were his prize copy-books and drawing-books, all bearing George’s hand, and that of the master: here were his first letters in large round-hand sending his love to papa and mamma, and conveying his petitions for a cake. His dear godpapa Sedley was more than once mentioned in them. Curses quivered on old Osborne’s livid lips, and horrid hatred and disappointment writhed in his heart, as looking through some of these papers he came on that name. They were all marked and docketed, and tied with red tape. It was — "From Georgy, requesting 5s., April 23, 18 — ; answered, April 25" — or “Georgy about a pony, October 13" — and so forth. In another packet were “Dr. S.’s accounts" — "G.’s tailor’s bills and outfits, drafts on me by G. Osborne, jun.,” \&c. — his letters from the West Indies — his agent’s letters, and the newspapers containing his commissions: here was a whip he had when a boy, and in a paper a locket containing his hair, which his mother used to wear. Der unglückliche Mann verbrachte viele Stunden damit, eines dieser Erinnerungsstücke nach dem anderen zu betrachten und zu grübeln. Seine teuerste Eitelkeit, sein brennender Ehrgeiz, seine schönsten Hoffnungen lagen hier. Wie stolz war er auf seinen Jungen gewesen! Er war das schönste Kind, das man je gesehen hatte. Alle sagten, er sehe wie der Sohn eines Edelmannes aus. Eine königliche Prinzessin hatte ihn einmal in den Kew Gardens bemerkt, ihn geküßt und nach seinem Namen gefragt. Welcher Mann in der City konnte so einen Sohn aufweisen? Hätte der Prinz mehr umsorgt werden können? Sein Sohn hatte alles, was für Geld zu bekommen war. Bei Schulschlußfeiern pflegte er vierspännig und mit neuen Livreen zur Schule zu fahren und neue Shillings unter Georges Mitschülern zu verteilen. Als er George zum Regimentshauptquartier begleitete, ehe der Junge sich nach Kanada einschiffte, gab er den Offizieren ein Essen, an dem auch der Herzog von York hätte teilnehmen können. War je ein Wechsel, von George ausgestellt, unbezahlt geblieben? Da lagen sie  – bezahlt, ohne daß er je ein Wort verloren hätte. Mancher General in der Armee hatte nicht solche Pferde, wie George sie ritt. Er hatte das Kind noch vor Augen in hundert verschiedenen Situationen: nach dem Essen, wenn er stolz wie ein Lord hereinkam und an der Seite seines Vaters oben am Tisch sein Glas austrank; auf einem Pony in Brighton, wo er die Hecke nahm und mit dem Jäger Schritt hielt; am Tage, als er dem Prinzregenten beim Lever vorgestellt wurde, wobei der ganze Sankt-James-Palast keinen hübscheren Burschen aufweisen konnte. Und das war nun das Ende vom Lied! Die Tochter eines Bankrotteurs zu heiraten und angesichts Pflicht und Glück zu flüchten. Unter welcher Demütigung und Wut, welchen Qualen schmerzlichen Zorns, vereitelten Ehrgeizes und getäuschter Liebe, welchen Wunden beleidigter Eitelkeit, ja sogar Zärtlichkeit hatte dieser alte Weltmann nun zu leiden!   Turning one over after another, and musing over these memorials, the unhappy man passed many hours. His dearest vanities, ambitious hopes, had all been here. What pride he had in his boy! He was the handsomest child ever seen. Everybody said he was like a nobleman’s son. A royal princess had remarked him, and kissed him, and asked his name in Kew Gardens. What City man could show such another? Could a prince have been better cared for? Anything that money could buy had been his son’s. He used to go down on speech-days with four horses and new liveries, and scatter new shillings among the boys at the school where George was: when he went with George to the depot of his regiment, before the boy embarked for Canada, he gave the officers such a dinner as the Duke of York might have sat down to. Had he ever refused a bill when George drew one? There they were — paid without a word. Many a general in the army couldn’t ride the horses he had! He had the child before his eyes, on a hundred different days when he remembered George after dinner, when he used to come in as bold as a lord and drink off his glass by his father’s side, at the head of the table — on the pony at Brighton, when he cleared the hedge and kept up with the huntsman — on the day when he was presented to the Prince Regent at the levee, when all Saint James’s couldn’t produce a finer young fellow. And this, this was the end of all! — to marry a bankrupt and fly in the face of duty and fortune! What humiliation and fury: what pangs of sickening rage, balked ambition and love; what wounds of outraged vanity, tenderness even, had this old worldling now to suffer under! Nachdem Georges unglücklicher Vater diese Papiere durchgeblättert hatte und im bittersten allen hilflosen Wehs an vergangene glückliche Zeiten zurückgedacht und diesem und jenem nachgesonnen hatte, nahm er sämtliche Dokumente aus der Schublade, in der er sie so lange aufbewahrt hatte, und verschloß sie in einem Schreibkästchen, das er verschnürte und siegelte. Dann öffnete er den Bücherschrank und langte die große, bereits erwähnte rote Bibel herunter – ein prachtvoll ausgestattetes Buch, selten gebraucht, und über und über von Gold glänzend. Das Titelbild stellte die Opferung Isaaks durch Abraham dar. Hier hatte Osborne, wie es Brauch war, auf dem Vorsatzblatt mit seiner großen Kaufmannshandschrift die Daten seiner Heirat, des Todes seiner Frau und die Geburtstage und Taufnamen seiner Kinder eingetragen. Zuerst kam Jane, dann George Sedley Osborne und schließlich Maria Frances und die Taufdaten von allen. Er ergriff eine Feder und strich Georges Namen auf der Seite sorgfältig aus. Als das Blatt ganz trocken war, stellte er das Buch wieder an seinen Platz zurück. Aus einer anderen Schublade, worin seine eigenen Privatpapiere lagen, nahm er ein Dokument und las es durch. Dann zerknüllte er es, zündete es an einer Kerze an und sah zu, wie es auf dem Kaminrost gänzlich verbrannte. Es war sein Testament. Als es in Asche zerfallen war, setzte er sich nieder, schrieb einen Brief und klingelte nach seinem Diener. Er beauftragte ihn, das Schriftstück am Morgen zu bestellen. Es war bereits Morgen. Als er ins Bett ging, erhellte die Sonne schon das ganze Haus, und die Vögel sangen in den frischen grünen Bäumen am Russell Square.   Having examined these papers, and pondered over this one and the other, in that bitterest of all helpless woe, with which miserable men think of happy past times — George’s father took the whole of the documents out of the drawer in which he had kept them so long, and locked them into a writing-box, which he tied, and sealed with his seal. Then he opened the book-case, and took down the great red Bible we have spoken of a pompous book, seldom looked at, and shining all over with gold. There was a frontispiece to the volume, representing Abraham sacrificing Isaac. Here, according to custom, Osborne had recorded on the fly-leaf, and in his large clerk-like hand, the dates of his marriage and his wife’s death, and the births and Christian names of his children. Jane came first, then George Sedley Osborne, then Maria Frances, and the days of the christening of each. Taking a pen, he carefully obliterated George’s names from the page; and when the leaf was quite dry, restored the volume to the place from which he had moved it. Then he took a document out of another drawer, where his own private papers were kept; and having read it, crumpled it up and lighted it at one of the candles, and saw it burn entirely away in the grate. It was his will; which being burned, he sate down and wrote off a letter, and rang for his servant, whom he charged to deliver it in the morning. It was morning already: as he went up to bed, the whole house was alight with the sunshine; and the birds were singing among the fresh green leaves in Russell Square. Von dem Wunsche beseelt, Mr. Osbornes Familie und Untergebene in guter Laune zu erhalten und George im Augenblick der Not so viele Freunde wie möglich zu gewinnen, ließ William Dobbin, der die Wirkung eines guten Essens und guten Weines auf die Menschenseele kannte, in sein Hotel zurückgekehrt, sofort dem gnädigen Herrn Thomas Chopper eine gastfreundliche Einladung zugehen. Darin bat er diesen Gentleman, am folgenden Tage mit ihm bei Slaughters zu speisen. Mr. Chopper erhielt die Einladung, noch ehe er die City verließ, und die umgehende Antwort lautete, daß »Mr. Chopper Hauptmann Dobbin seine respektvollsten Empfehlungen sende und sich die Ehre und das Vergnügen geben werde, Hauptmann Dobbin seine Aufwartung zu machen.« Die Einladung sowie der Entwurf der Antwort wurden nach seiner Heimkunft am Abend Mrs. Chopper und ihren Töchtern vorgelegt, und man sprach nun während des Tees triumphierend über höhere Militärs und West-End-Leute. Als die Mädchen sich zur Ruhe begeben hatten, besprachen Mr. und Mrs. Chopper die seltsamen Ereignisse, die in der Familie des Alten vor sich gingen. Noch nie hatte der Buchhalter seinen Prinzipal so erregt gesehen. Als Mr. Chopper nach Hauptmann Dobbins Weggang Mr. Osbornes Zimmer betrat, fand er seinen Prinzipal ganz schwarz im Gesicht und einer Ohnmacht nahe. Er glaubte bestimmt, ein furchtbarer Streit mußte zwischen Mr. Osborne und dem jungen Hauptmann stattgefunden haben. Chopper hatte den Auftrag erhalten, eine Aufstellung aller während der letzten drei Jahre an Hauptmann Osborne gezahlten Summen anzufertigen. »Wahrhaftig, das war ein schöner Haufen Geld, den er bekommen hat«, sagte der erste Buchhalter und achtete seinen alten und jungen Herrn um so mehr wegen der verschwenderischen Freigebigkeit, mit der die Guineen hinausgeworfen worden waren. Der Streit mußte wegen Miss Sedley entstanden sein. Mrs. Chopper beteuerte, daß ihr die arme junge Dame, die einen so hübschen jungen Mann wie den Hauptmann verloren habe, leid tue. Mr. Chopper dagegen empfand für Miss Sedley als der Tochter eines unglücklichen Spekulanten, der nur eine schäbige Dividende gezahlt hatte, keine sonderliche Achtung. Er schätzte das Haus Osborne vor allen anderen in der City, und er hoffte und wünschte, daß Hauptmann George die Tochter eines Edelmannes heiraten möchte. Der Buchhalter schlief in dieser Nacht viel besser als sein Prinzipal. Nachdem er sein Frühstück mit bestem Appetit verzehrt (obgleich sein bescheidenes Lebenselixier nur mit braunem Zucker gesüßt wurde) und seine Kinder geherzt hatte, machte er sich im besten Sonntagsanzug und im schönsten Hemd auf den Weg zum Büro. Seiner Frau, die ihn voller Bewunderung ansah, versprach er, Hauptmann Dobbins Portwein am Abend nicht allzusehr zuzusprechen.   Anxious to keep all Mr. Osborne’s family and dependants in good humour, and to make as many friends as possible for George in his hour of adversity, William Dobbin, who knew the effect which good dinners and good wines have upon the soul of man, wrote off immediately on his return to his inn the most hospitable of invitations to Thomas Chopper, Esquire, begging that gentleman to dine with him at the Slaughters’ next day. The note reached Mr. Chopper before he left the City, and the instant reply was, that “Mr. Chopper presents his respectful compliments, and will have the honour and pleasure of waiting on Captain D.” The invitation and the rough draft of the answer were shown to Mrs. Chopper and her daughters on his return to Somers’ Town that evening, and they talked about military gents and West End men with great exultation as the family sate and partook of tea. When the girls had gone to rest, Mr. and Mrs. C. discoursed upon the strange events which were occurring in the governor’s family. Never had the clerk seen his principal so moved. When he went in to Mr. Osborne, after Captain Dobbin’s departure, Mr. Chopper found his chief black in the face, and all but in a fit: some dreadful quarrel, he was certain, had occurred between Mr. O. and the young Captain. Chopper had been instructed to make out an account of all sums paid to Captain Osborne within the last three years. “And a precious lot of money he has had too,” the chief clerk said, and respected his old and young master the more, for the liberal way in which the guineas had been flung about. The dispute was something about Miss Sedley. Mrs. Chopper vowed and declared she pitied that poor young lady to lose such a handsome young fellow as the Capting. As the daughter of an unlucky speculator, who had paid a very shabby dividend, Mr. Chopper had no great regard for Miss Sedley. He respected the house of Osborne before all others in the City of London: and his hope and wish was that Captain George should marry a nobleman’s daughter. The clerk slept a great deal sounder than his principal that night; and, cuddling his children after breakfast (of which he partook with a very hearty appetite, though his modest cup of life was only sweetened with brown sugar), he set off in his best Sunday suit and frilled shirt for business, promising his admiring wife not to punish Captain D.’s port too severely that evening. Als Mr. Osborne zur gewöhnlichen Zeit in der City erschien, fiel seinen Untergebenen, die aus guten Gründen auf seinen Gesichtsausdruck zu achten pflegten, auf, daß er besonders bleich und angegriffen aussah. Um zwölf Uhr kam, wie verabredet, Mr. Higgs (von der Firma Higgs und Blatherwick, Rechtsanwälte, Bedford Row) und wurde in das Privatzimmer des Alten geführt, wo er länger als eine Stunde blieb. Ungefähr um ein Uhr erhielt Mr. Chopper ein Billett von Hauptmann Dobbins Diener gebracht. Es enthielt eine Einlage für Mr. Osborne, die der Buchhalter sogleich abgab. Kurze Zeit darauf wurden Mr. Chopper und Mr. Birch, der zweite Buchhalter, gerufen und ersucht, ein Dokument als Zeugen zu unterschreiben. »Ich habe ein neues Testament gemacht«, sagte Mr. Osborne, worauf die Herren es unterschrieben. Eine weitere Unterhaltung fand nicht statt. Mr. Higgs sah sehr ernst aus, als er in das Vorzimmer trat, und blickte Mr. Chopper scharf ins Gesicht. Erklärungen wurden aber nicht gegeben. Zum großen Erstaunen derjenigen, denen Mr. Osbornes finsteres Gesicht unheilverkündend erschienen war, war der alte Herr den ganzen Tag über besonders ruhig und sanft. Er schimpfte mit niemandem, und man hörte ihn überhaupt nicht fluchen. Er verließ das Kontor ziemlich früh. Ehe er wegging, bestellte er seinen ersten Buchhalter noch einmal zu sich und fragte ihn, nach einigen allgemeinen Anweisungen, zögernd, ob er wisse, ob Hauptmann Dobbin in der Stadt sei.   Mr. Osborne’s countenance, when he arrived in the City at his usual time, struck those dependants who were accustomed, for good reasons, to watch its expression, as peculiarly ghastly and worn. At twelve o’clock Mr. Higgs (of the firm of Higgs \& Blatherwick, solicitors, Bedford Row) called by appointment, and was ushered into the governor’s private room, and closeted there for more than an hour. At about one Mr. Chopper received a note brought by Captain Dobbin’s man, and containing an inclosure for Mr. Osborne, which the clerk went in and delivered. A short time afterwards Mr. Chopper and Mr. Birch, the next clerk, were summoned, and requested to witness a paper. “I’ve been making a new will,” Mr. Osborne said, to which these gentlemen appended their names accordingly. No conversation passed. Mr. Higgs looked exceedingly grave as he came into the outer rooms, and very hard in Mr. Chopper’s face; but there were not any explanations. It was remarked that Mr. Osborne was particularly quiet and gentle all day, to the surprise of those who had augured ill from his darkling demeanour. He called no man names that day, and was not heard to swear once. He left business early; and before going away, summoned his chief clerk once more, and having given him general instructions, asked him, after some seeming hesitation and reluctance to speak, if he knew whether Captain Dobbin was in town? Chopper sagte, er glaube, ja. In Wirklichkeit aber wußten es beide ganz genau.   Chopper said he believed he was. Indeed both of them knew the fact perfectly. Osborne gab dem Buchhalter nun einen an den Offizier gerichteten Brief und bat ihn, das Schriftstück sofort Dobbin persönlich auszuhändigen.   Osborne took a letter directed to that officer, and giving it to the clerk, requested the latter to deliver it into Dobbin’s own hands immediately. »Und nun, Chopper«, sagte er mit sonderbarem Blick und griff nach seinem Hut, »hat meine Seele Ruhe.« Schlag zwei (zweifellos waren die beiden verabredet) kam Mr. Frederick Bullock, und er und Mr. Osborne gingen davon.   “And now, Chopper,” says he, taking his hat, and with a strange look, “my mind will be easy.” Exactly as the clock struck two (there was no doubt an appointment between the pair) Mr. Frederick Bullock called, and he and Mr. Osborne walked away together. Der Oberst des ...ten Regiments, in dem die Herren Dobbin und Osborne ihre Kompanien hatten, war ein alter General, der seinen ersten Feldzug unter Wolfe in Quebec mitgemacht hatte und schon längst viel zu alt und schwach für das Kommando war. Aber er zeigte einiges Interesse an dem Regiment, dessen notarielles Haupt er war, und hielt offene Tafel für einige unter seinen jungen Offizieren – eine Art Gastfreundschaft, die heute, wie ich glaube, bei seinen Kameraden nicht allzu häufig vorkommt. Hauptmann Dobbin stand bei diesem alten General in besonderer Gunst. Dobbin war mit der Militärliteratur vertraut und konnte vom Großen Friedrich, von Maria Theresia und deren Kriegen fast ebenso gut sprechen wie der General selbst, der gegen die Triumphe der neuesten Zeit gleichgültig war und dessen Herz für die Strategen vor fünfzig Jahren schlug. Dieser Offizier lud Dobbin an dem Morgen, als Mr. Osborne sein neues Testament machte und Mr. Chopper sein schönstes Hemd anzog, ein, mit ihm zu frühstücken. Dabei setzte er seinen jungen Günstling einige Tage vor den anderen in Kenntnis, daß der lang erwartete Marschbefehl nach Belgien bald ergehen würde und daß in wenigen Tagen das Kriegsministerium das Kommando ausgeben würde, das Regiment möge sich bereit halten. Da genügend Transportschiffe vorhanden waren, war damit zu rechnen, daß man noch vor Ende der Woche aufbrechen würde. Während das Regiment in Chatham lag, waren Rekruten dazugekommen, und der alte General hoffte, daß das Regiment, das geholfen hatte, Montcalm in Kanada zu besiegen und Washington auf Long Island in die Flucht zu schlagen, sich auf den vielumstrittenen Schlachtfeldern der Niederlande seines historischen Rufes würdig erweisen würde. »Wenn Sie nun, mein guter Freund, noch etwas zu erledigen haben«, sagte der alte General, nahm mit seiner zitternden weißen Hand eine Prise Schnupftabak und deutete auf die Stelle seiner robe de chambre, unter der sein Herz noch schwach schlug, »wenn Sie eine Phyllis zu trösten haben oder sich von Vater und Mutter verabschieden oder ein Testament machen müssen, so rate ich Ihnen, die Sache nicht länger hinauszuzögern.« Bei diesen Worten reichte der General seinem jungen Freund einen Finger und nickte ihm mit seinem gepuderten und bezopften Kopf gutmütig zu; dann, als Dobbin sich entfernt hatte, setzte er sich nieder, um ein poulet (er war außerordentlich eitel auf sein Französisch) an Mademoiselle Amenaide vom Königlichen Theater zu schreiben.   The Colonel of the — th regiment, in which Messieurs Dobbin and Osborne had companies, was an old General who had made his first campaign under Wolfe at Quebec, and was long since quite too old and feeble for command; but he took some interest in the regiment of which he was the nominal head, and made certain of his young officers welcome at his table, a kind of hospitality which I believe is not now common amongst his brethren. Captain Dobbin was an especial favourite of this old General. Dobbin was versed in the literature of his profession, and could talk about the great Frederick, and the Empress Queen, and their wars, almost as well as the General himself, who was indifferent to the triumphs of the present day, and whose heart was with the tacticians of fifty years back. This officer sent a summons to Dobbin to come and breakfast with him, on the morning when Mr. Osborne altered his will and Mr. Chopper put on his best shirt frill, and then informed his young favourite, a couple of days in advance, of that which they were all expecting — a marching order to go to Belgium. The order for the regiment to hold itself in readiness would leave the Horse Guards in a day or two; and as transports were in plenty, they would get their route before the week was over. Recruits had come in during the stay of the regiment at Chatham; and the old General hoped that the regiment which had helped to beat Montcalm in Canada, and to rout Mr. Washington on Long Island, would prove itself worthy of its historical reputation on the oft-trodden battle-grounds of the Low Countries. “And so, my good friend, if you have any affaire la, said the old General, taking a pinch of snuff with his trembling white old hand, and then pointing to the spot of his robe de chambre under which his heart was still feebly beating, “if you have any Phillis to console, or to bid farewell to papa and mamma, or any will to make, I recommend you to set about your business without delay.” With which the General gave his young friend a finger to shake, and a good-natured nod of his powdered and pigtailed head; and the door being closed upon Dobbin, sate down to pen a poulet (he was exceedingly vain of his French) to Mademoiselle Amenaide of His Majesty’s Theatre. Diese Nachricht stimmte Dobbin sehr ernst, und er dachte an unsere Freunde in Brighton und schämte sich, daß Amelia stets zuerst in seinen Gedanken auftauchte (vor allen anderen, vor Vater und Mutter, vor Schwestern und Pflicht, ja immer, wachend und schlafend, den ganzen Tag). Und als er wieder in seinem Hotel anlangte, sandte er einen kurzen Brief an Mr. Osborne, worin er ihm die eben erhaltene Nachricht mitteilte, in der Hoffnung, es würde dadurch zu einer baldigen Aussöhnung mit George kommen.   This news made Dobbin grave, and he thought of our friends at Brighton, and then he was ashamed of himself that Amelia was always the first thing in his thoughts (always before anybody — before father and mother, sisters and duty — always at waking and sleeping indeed, and all day long); and returning to his hotel, he sent off a brief note to Mr. Osborne acquainting him with the information which he had received, and which might tend farther, he hoped, to bring about a reconciliation with George. Dieser Brief, von demselben Boten gebracht wie tags zuvor die Einladung an Chopper, beunruhigte den würdigen Buchhalter nicht wenig. Er war an ihn adressiert, und als er den Brief öffnete, zitterte er vor Angst, das Essen, mit dem er schon so sehr gerechnet hatte, sei abgesagt worden. Er fühlte sich unendlich erleichtert, als er merkte, das Kuvert solle ihn nur noch einmal erinnern. »Ich erwarte Sie um halb sechs«, schrieb Hauptmann Dobbin. Er nahm großen Anteil an der Familie seines Prinzipals, aber, que voulez-vous?, ein gutes Essen war ihm wichtiger als die Angelegenheiten eines anderen Sterblichen.   This note, despatched by the same messenger who had carried the invitation to Chopper on the previous day, alarmed the worthy clerk not a little. It was inclosed to him, and as he opened the letter he trembled lest the dinner should be put off on which he was calculating. His mind was inexpressibly relieved when he found that the envelope was only a reminder for himself. ("I shall expect you at half-past five,” Captain Dobbin wrote.) He was very much interested about his employer’s family; but, que voulez-vous? a grand dinner was of more concern to him than the affairs of any other mortal. Dobbin durfte die vom General erhaltene Nachricht allen Offizieren des Regiments mitteilen, denen er bei seinen Streifzügen begegnete. Er berichtete Fähnrich Stubble davon, den er zufällig traf und der – so groß war sein militärischer Eifer – sich sofort in ein Ausrüstungsgeschäft begab, um einen neuen Degen zu kaufen. Hier zeigte der junge Bursche, obgleich er erst siebzehn Jahre alt und nur etwa 65 Zoll groß und von Natur aus schwächlich war – noch verschlimmert durch allzu zeitigen Alkoholgenuß – Löwenmut. Er wog, probierte, bog und balancierte die Waffe, die unter den Franzosen Verheerung anrichten würde, schrie »ha, ha!«, stampfte mit seinen kleinen Füßen aus Leibeskräften den Boden und machte ein paar Ausfälle auf Hauptmann Dobbin, der die Stöße aber lachend mit dem Spazierstock parierte.   Dobbin was quite justified in repeating the General’s information to any officers of the regiment whom he should see in the course of his peregrinations; accordingly he imparted it to Ensign Stubble, whom he met at the agent’s, and who — such was his military ardour — went off instantly to purchase a new sword at the accoutrement-maker’s. Here this young fellow, who, though only seventeen years of age, and about sixty-five inches high, with a constitution naturally rickety and much impaired by premature brandy and water, had an undoubted courage and a lion’s heart, poised, tried, bent, and balanced a weapon such as he thought would do execution amongst Frenchmen. Shouting “Ha, ha!” and stamping his little feet with tremendous energy, he delivered the point twice or thrice at Captain Dobbin, who parried the thrust laughingly with his bamboo walking-stick. Mr. Stubble gehörte zur leichten Infanterie, wie man aus seiner Größe und Schmächtigkeit schon schließen konnte. Fähnrich Spooney dagegen war ein großer Jüngling aus Hauptmann Dobbins Grenadierkompanie. Er probierte eine neue Bärenfellmütze, unter der er für seine Jahre sehr wild aussah. Dann gingen die beiden Burschen zu Slaughters, bestellten ein gutes Essen und schrieben an ihre teuren, ängstlichen Eltern zu Hause Briefe, voll von Liebe, Herzlichkeit, Mut und schlechter Orthographie. Ach! Damals klopfte in England manches bange Herz, in vielen Häusern vergossen Mütter Tränen, und viele beteten.   Mr. Stubble, as may be supposed from his size and slenderness, was of the Light Bobs. Ensign Spooney, on the contrary, was a tall youth, and belonged to (Captain Dobbin’s) the Grenadier Company, and he tried on a new bearskin cap, under which he looked savage beyond his years. Then these two lads went off to the Slaughters’, and having ordered a famous dinner, sate down and wrote off letters to the kind anxious parents at home — letters full of love and heartiness, and pluck and bad spelling. Ah! there were many anxious hearts beating through England at that time; and mothers’ prayers and tears flowing in many homesteads. Als Dobbin den jungen Stubble an einem Tisch bei Slaughters über einen Brief gebeugt sah und beobachtete, wie ihm die Tränen über die Nase aufs Papier tropften (denn der junge Mensch dachte an seine Mutter, die er vielleicht nie wiedersehen würde), überkam ihn die Rührung. Er unterbrach seinen Brief an George Osborne und schloß sein Schreibpult ab. »Warum sollte ich auch jetzt schreiben?« sagte er. »Mag sie diese Nacht noch glücklich sein. Morgen früh werde ich meine Eltern besuchen und dann selbst nach Brighton fahren.«   Seeing young Stubble engaged in composition at one of the coffee-room tables at the Slaughters’, and the tears trickling down his nose on to the paper (for the youngster was thinking of his mamma, and that he might never see her again), Dobbin, who was going to write off a letter to George Osborne, relented, and locked up his desk. “Why should I?” said he. “Let her have this night happy. I’ll go and see my parents early in the morning, and go down to Brighton myself to-morrow.” So stand er auf und legte dem jungen Stubble seine große Hand auf die Schulter und richtete den jungen Krieger auf. Er sagte ihm, es könne noch ein guter Soldat aus ihm werden, da er stets ein ehrlicher, gutherziger Kerl gewesen sei, wenn er nur den Alkohol meiden würde. Die Augen des jungen Stubble hellten sich bei diesen Worten auf, denn Dobbin war beim Regiment als der beste Offizier und klügste Mensch angesehen.   So he went up and laid his big hand on young Stubble’s shoulder; and backed up that young champion, and told him if he would leave off brandy and water he would be a good soldier, as he always was a gentlemanly good-hearted fellow. Young Stubble’s eyes brightened up at this, for Dobbin was greatly respected in the regiment, as the best officer and the cleverest man in it. »Ich danke Ihnen, Dobbin«, sagte er und rieb sich die Augen mit den Knöcheln. »Ich schrieb ihr eben – eben, daß ich es wollte. Ach, Sir, sie ist so verdammt freundlich zu mir.« Die Wasserwerke begannen ihre Tätigkeit von neuem, und ich bin nicht sicher, ob die Augen des weichherzigen Hauptmanns nicht ebenfalls zwinkerten.   “Thank you, Dobbin,” he said, rubbing his eyes with his knuckles, “I was just — just telling her I would. And, O Sir, she’s so dam kind to me.” The water pumps were at work again, and I am not sure that the soft-hearted Captain’s eyes did not also twinkle. Die zwei Fähnriche, der Hauptmann und Mr. Chopper speisten in derselben Abteilung. Chopper übergab den Brief von Mr. Osborne, worin dieser Hauptmann Dobbin kurz seine Empfehlung machte und ihn bat, Inliegendes Hauptmann George Osborne zukommen zu lassen. Chopper wußte nichts Näheres, er beschrieb nur Mr. Osbornes Aussehen und erzählte, daß sein Rechtsanwalt bei ihm gewesen sei. Er drückte auch seine Verwunderung aus, daß der Alte auf niemanden geflucht hatte. Als die Weinflasche die Runde machte, erging er sich in einer Menge von Spekulationen und Vermutungen, mit jedem Glas aber wurden sie vager, bis sie schließlich ganz und gar unverständlich waren. Spät in der Nacht brachte Hauptmann Dobbin seinen Gast, der unter einem Schluckauf schwor, daß er immer und ewig der Freund vom Hau-Hau-Hauptmann bleiben werde, zu einer Droschke.   The two ensigns, the Captain, and Mr. Chopper, dined together in the same box. Chopper brought the letter from Mr. Osborne, in which the latter briefly presented his compliments to Captain Dobbin, and requested him to forward the inclosed to Captain George Osborne. Chopper knew nothing further; he described Mr. Osborne’s appearance, it is true, and his interview with his lawyer, wondered how the governor had sworn at nobody, and — especially as the wine circled round — abounded in speculations and conjectures. But these grew more vague with every glass, and at length became perfectly unintelligible. At a late hour Captain Dobbin put his guest into a hackney coach, in a hiccupping state, and swearing that he would be the kick — the kick — Captain’s friend for ever and ever. Wir haben erzählt, daß Hauptmann Dobbin beim Abschied von Miss Osborne um Erlaubnis bat, sie noch einmal besuchen zu dürfen. So wartete das ältliche Mädchen am nächsten Tage mehrere Stunden auf ihn, und wäre er gekommen und hätte er ihr die Frage gestellt, die sie so gern beantwortet hätte, dann hätte sie sich wahrscheinlich auf die Seite ihres Bruders geschlagen, und zwischen George und seinem grimmigen Vater wäre es zu einer Aussöhnung gekommen. Aber obgleich sie zu Hause wartete, ließ sich der Hauptmann nicht blicken. Er mußte seinen eigenen Geschäften nachgehen, seine Eltern besuchen und trösten, und sehr früh nahm er seinen Platz auf dem »Blitz« ein, um zu seinen Freunden nach Brighton zu eilen. Im Laufe des Tages hörte Miss Osborne, wie ihr Vater den Befehl gab, dem intrigierenden Schuft, Hauptmann Dobbin, den Eintritt in sein Haus zu verweigern, und so waren alle Hoffnungen, die sie insgeheim gehegt haben mochte, zunichte gemacht. Mr. Frederick Bullock kam und war besonders liebevoll zu Maria und besonders aufmerksam gegen den gramerfüllten alten Herrn. Denn wenn Mr. Osborne auch sagte, seine Seele sei nun ruhig, so schienen doch die Mittel, mit denen er diese Ruhe hatte finden wollen, noch nicht gewirkt zu haben. Die Ereignisse der letzten zwei Tage hatten ihn sichtlich erschüttert.   When Captain Dobbin took leave of Miss Osborne we have said that he asked leave to come and pay her another visit, and the spinster expected him for some hours the next day, when, perhaps, had he come, and had he asked her that question which she was prepared to answer, she would have declared herself as her brother’s friend, and a reconciliation might have been effected between George and his angry father. But though she waited at home the Captain never came. He had his own affairs to pursue; his own parents to visit and console; and at an early hour of the day to take his place on the Lightning coach, and go down to his friends at Brighton. In the course of the day Miss Osborne heard her father give orders that that meddling scoundrel, Captain Dobbin, should never be admitted within his doors again, and any hopes in which she may have indulged privately were thus abruptly brought to an end. Mr. Frederick Bullock came, and was particularly affectionate to Maria, and attentive to the broken-spirited old gentleman. For though he said his mind would be easy, the means which he had taken to secure quiet did not seem to have succeeded as yet, and the events of the past two days had visibly shattered him. 25. Kapitel / Chapter 25 In dem es sämtlichen Hauptpersonen geraten erscheint, Brighton zu verlassen / In Which All the Principal Personages Think Fit to Leave Brighton Als Dobbin im »Schiffshof« zu den Damen geführt wurde, wurde er sehr heiter und gesprächig, was bewies, daß der junge Offizier mit jedem Tage besser zu heucheln verstand. Einmal versuchte er damit seine Gefühle zu verbergen, als er Mrs. George Osborne in ihrem neuen Stande sah, und zum anderen wollte er damit seine Befürchtungen maskieren, wie die schlimme Nachricht, die er brachte, auf sie wirken würde.   Conducted to the ladies, at the Ship Inn, Dobbin assumed a jovial and rattling manner, which proved that this young officer was becoming a more consummate hypocrite every day of his life. He was trying to hide his own private feelings, first upon seeing Mrs. George Osborne in her new condition, and secondly to mask the apprehensions he entertained as to the effect which the dismal news brought down by him would certainly have upon her. »Meiner Meinung nach, George«, sagte er, »wird der französische Kaiser uns mit Kavallerie und Infanterie angreifen, bevor drei Wochen vergangen sind, und dem Herzog einen Tanz liefern, gegen den der Krieg in Spanien ein bloßes Kinderspiel war. Aber weißt du, das brauchst du Mrs. Osborne nicht zu erzählen. Vielleicht kommen wir am Ende gar nicht zum Kampf, und unser ganzes Unternehmen in Belgien erweist sich als bloße militärische Okkupation. Viele teilen diese Ansicht, und Brüssel ist voll von feinen Leuten und vornehmen Damen.« Man beschloß also, Amelia die Aufgabe der britischen Armee in Belgien in diesem harmlosen Licht darzustellen.   “It is my opinion, George,” he said, “that the French Emperor will be upon us, horse and foot, before three weeks are over, and will give the Duke such a dance as shall make the Peninsula appear mere child’s play. But you need not say that to Mrs. Osborne, you know. There mayn’t be any fighting on our side after all, and our business in Belgium may turn out to be a mere military occupation. Many persons think so; and Brussels is full of fine people and ladies of fashion.” So it was agreed to represent the duty of the British army in Belgium in this harmless light to Amelia. Nachdem dieses Abkommen getroffen war, begrüßte der heuchlerische Dobbin Mrs. George Osborne ganz heiter, versuchte, ihr einige Komplimente über ihren jungen Ehestand zu machen (die, wie wir bekennen müssen, außerordentlich ungeschickt waren und jämmerlich verpufften), und fing dann an, von Brighton und der Seeluft und den Vergnügungen des Ortes, den Schönheiten der Reise und den Vorzügen des »Blitzes« und der Pferde zu sprechen – alles das in einer Art, die für Amelia völlig unverständlich schien, für Rebekka aber sehr belustigend war, denn sie beobachtete den Hauptmann, wie jeden anderen, der in ihre Nähe kam, sehr genau.   This plot being arranged, the hypocritical Dobbin saluted Mrs. George Osborne quite gaily, tried to pay her one or two compliments relative to her new position as a bride (which compliments, it must be confessed, were exceedingly clumsy and hung fire woefully), and then fell to talking about Brighton, and the sea-air, and the gaieties of the place, and the beauties of the road and the merits of the Lightning coach and horses — all in a manner quite incomprehensible to Amelia, and very amusing to Rebecca, who was watching the Captain, as indeed she watched every one near whom she came. Die kleine Amelia hatte, wie wir gestehen müssen, keine sehr hohe Meinung von dem Freunde ihres Mannes, Hauptmann Dobbin. Er lispelte, hatte unschöne, grobe Gesichtszüge und war dazu noch sehr linkisch und schwerfällig. Sie konnte ihn wegen der Anhänglichkeit gegenüber ihrem Mann ganz gut leiden (darin lag nur ein geringes Verdienst) und hielt George für ungemein großmütig und gütig, weil er seinem Offizierskollegen Freundschaft schenkte. George hatte vor ihr oft Dobbins Gelispel und seine wunderlichen Manieren nachgeahmt, obgleich er, um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, stets hochachtungsvoll von den guten Eigenschaften seines Freundes sprach. In den wenigen Tagen ihres Glückes, wo sie den ehrlichen William noch nicht so genau kannte, machte sie sich nichts aus ihm – und er wußte sehr gut, wie sie über ihn dachte, und ließ es sich demütig gefallen. Es sollte eine Zeit kommen, wo sie ihn besser kennenlernen und ihre Ansicht von ihm ändern würde, aber diese Zeit lag noch fern.   Little Amelia, it must be owned, had rather a mean opinion of her husband’s friend, Captain Dobbin. He lisped — he was very plain and homely-looking: and exceedingly awkward and ungainly. She liked him for his attachment to her husband (to be sure there was very little merit in that), and she thought George was most generous and kind in extending his friendship to his brother officer. George had mimicked Dobbin’s lisp and queer manners many times to her, though to do him justice, he always spoke most highly of his friend’s good qualities. In her little day of triumph, and not knowing him intimately as yet, she made light of honest William — and he knew her opinions of him quite well, and acquiesced in them very humbly. A time came when she knew him better, and changed her notions regarding him; but that was distant as yet. Rebekka kannte Hauptmann Dobbins Geheimnis, noch ehe er zwei Stunden in Gesellschaft der Damen verbracht hatte. Sie konnte ihn nicht leiden und fürchtete ihn insgeheim, aber auch er mochte sie nicht besonders. Er war so ehrlich, daß ihre Künste und Schmeicheleien bei ihm nicht wirkten, und in instinktivem Widerwillen scheute er vor ihr zurück. Und da sie keineswegs so hoch über ihr Geschlecht erhaben war, daß sie keine Eifersucht gekannt hätte, haßte sie ihn wegen seiner Verehrung für Amelia noch mehr. Trotzdem benahm sie sich sehr respektvoll und herzlich gegen ihn. Ein Freund der Osbornes! Ein Freund ihrer teuersten Wohltäter! Sie beteuerte, daß sie ihn stets aufrichtig lieben würde; sie hatte ihn von dem Vauxhall-Abend noch gut im Gedächtnis, wie sie Amelia schelmisch erzählte, und sie machte sich ein wenig über ihn lustig, als die beiden Damen sich entfernten, um sich zum Essen umzukleiden. Rawdon Crawley beachtete Dobbin fast gar nicht. Er betrachtete ihn als einen gutmütigen Einfaltspinsel und als einen unerzogenen Krämerssohn. Joseph begönnerte ihn würdevoll.   As for Rebecca, Captain Dobbin had not been two hours in the ladies’ company before she understood his secret perfectly. She did not like him, and feared him privately; nor was he very much prepossessed in her favour. He was so honest, that her arts and cajoleries did not affect him, and he shrank from her with instinctive repulsion. And, as she was by no means so far superior to her sex as to be above jealousy, she disliked him the more for his adoration of Amelia. Nevertheless, she was very respectful and cordial in her manner towards him. A friend to the Osbornes! a friend to her dearest benefactors! She vowed she should always love him sincerely: she remembered him quite well on the Vauxhall night, as she told Amelia archly, and she made a little fun of him when the two ladies went to dress for dinner. Rawdon Crawley paid scarcely any attention to Dobbin, looking upon him as a good-natured nincompoop and under-bred City man. Jos patronised him with much dignity. Als George Dobbin in dessen Zimmer gefolgt war, nahm Dobbin aus seinem Pult den Brief, den er im Auftrag von Mr. Osborne dem Freund übergeben sollte. »Es ist nicht die Handschrift meines Vaters«, sagte George bestürzt, und das war es auch nicht. Der Brief stammte von Mr. Osbornes Rechtsanwalt und lautete:   When George and Dobbin were alone in the latter’s room, to which George had followed him, Dobbin took from his desk the letter which he had been charged by Mr. Osborne to deliver to his son. “It’s not in my father’s handwriting,” said George, looking rather alarmed; nor was it: the letter was from Mr. Osborne’s lawyer, and to the following effect: Bedford Row, 7. Mai, 1815 Sir, Ich bin von Mr. Osborne beauftragt, Ihnen mitzuteilen, daß er auf dem Entschluß beharrt, den er früher schon einmal gegen Sie ausgesprochen hat, und daß er Sie infolge der Heirat, die Sie einzugehen beliebten, in Zukunft nicht mehr als Mitglied seiner Familie betrachtet. Dieser Entschluß ist endgültig und unwiderruflich.   “Bedford Row, May 7, 1815. “ Sir , “I am commissioned by Mr. Osborne to inform you, that he abides by the determination which he before expressed to you, and that in consequence of the marriage which you have been pleased to contract, he ceases to consider you henceforth as a member of his family. This determination is final and irrevocable. Obwohl die während Ihrer Minderjährigkeit auf Sie verwendeten Gelder und die Wechsel, die Sie während der letzten Jahre so reichlich auf Mr. Osborne gezogen haben, bei weitem die Summe übersteigen, auf die Sie rechtmäßig Anspruch erheben können (das heißt den dritten Teil vom Vermögen Ihrer Mutter, der verstorbenen Mrs. Osborne, das bei ihrem Tode auf Sie, Miss Jane Osborne und Miss Maria Frances Osborne fiel), so soll ich Ihnen doch mit teilen, daß Mr. Osborne auf alle Ansprüche auf Ihr Vermögen verzichtet und daß die Summe von zweitausend Pfund mit vierprozentigen Jahreszinsen zum. Tageskurs (das ist das Ihnen zustehende Drittel der sechstausend Pfund) entweder an Sie selbst oder Ihren Beauftragten gegen Quittung ausgezahlt werden kann von Ihrem gehorsamen Diener S. Higgs.   “Although the monies expended upon you in your minority, and the bills which you have drawn upon him so unsparingly of late years, far exceed in amount the sum to which you are entitled in your own right (being the third part of the fortune of your mother, the late Mrs. Osborne and which reverted to you at her decease, and to Miss Jane Osborne and Miss Maria Frances Osborne); yet I am instructed by Mr. Osborne to say, that he waives all claim upon your estate, and that the sum of £2000, 4 per cent. annuities, at the value of the day (being your one-third share of the sum of £6000), shall be paid over to yourself or your agents upon your receipt for the same, by “Your obedient Servt., “S. Higgs . PS: Mr. Osborne ersucht mich, Ihnen ein für allemal zu sagen, daß er keinerlei Botschaften, Briefe oder Mitteilungen von Ihnen über diese oder eine andere Frage entgegennehmen wird.   “P.S. — Mr. Osborne desires me to say, once for all, that he declines to receive any messages, letters, or communications from you on this or any other subject. »Das hast du ja hübsch arrangiert«, rief George mit einem wilden Blick auf William Dobbin. »Da, siehst du, Dobbin«, und er warf ihm das väterliche Schreiben zu. »Ein Bettler, beim Zeus, und alles wegen meiner verdammten Rührseligkeit. Warum konnten wir nicht warten? Eine Kugel hätte mich im Laufe des Krieges erledigen können und kann es noch – und wie ist Emmy gebessert, wenn sie als Witwe eines Bettlers zurückbleibt? Das ist alles dein Werk. Du hattest weder Rast: noch Ruhe, bis du mich verheiratet und ruiniert hattest. Was, zum Henker, soll ich mit zweitausend Pfund anfangen? So eine Summe reicht keine zwei Jahre. Seitdem ich hier bin, habe ich allein hundertundvierzig Pfund bei Karten und Billard an Crawley verloren. Du verstehst es wirklich, anderer Leute Angelegenheiten in Ordnung zu bringen.«   “A pretty way you have managed the affair,” said George, looking savagely at William Dobbin. “Look there, Dobbin,” and he flung over to the latter his parent’s letter. “A beggar, by Jove, and all in consequence of my d — d sentimentality. Why couldn’t we have waited? A ball might have done for me in the course of the war, and may still, and how will Emmy be bettered by being left a beggar’s widow? It was all your doing. You were never easy until you had got me married and ruined. What the deuce am I to do with two thousand pounds? Such a sum won’t last two years. I’ve lost a hundred and forty to Crawley at cards and billiards since I’ve been down here. A pretty manager of a man’s matters you are, forsooth.” »Es läßt sich nicht leugnen, daß die Lage schwierig ist«, erwiderte Dobbin, nachdem er den Brief mit blassem Gesicht gelesen hatte, »und wie du schon sagst, ist es teilweise mein Werk. Es gibt aber doch noch Leute, die gern mit dir tauschen würden«, setzte er bitter lächelnd hinzu. »Wieviel Hauptleute im Regiment, glaubst du wohl, haben zweitausend Pfund zur Verfügung? Du mußt von deinem Sold leben, bis dein Vater nachgibt, und wenn du stirbst, so hinterläßt du deiner Frau hundert pro Jahr.«   “There’s no denying that the position is a hard one,” Dobbin replied, after reading over the letter with a blank countenance; “and as you say, it is partly of my making. There are some men who wouldn’t mind changing with you,” he added, with a bitter smile. “How many captains in the regiment have two thousand pounds to the fore, think you? You must live on your pay till your father relents, and if you die, you leave your wife a hundred a year.” »Du glaubst doch wohl nicht, daß ein Mann von meinen Lebensgewohnheiten von seinem Sold und jährlich hundert leben kann«, rief George zornig. »Du mußt ein Narr sein, daß du so reden kannst, Dobbin. Wie, zum Teufel, kann ich meine Stellung in der Welt mit einem so erbärmlichen bißchen halten? Ich kann meine Gewohnheiten nicht ändern. Ich muß meine Bequemlichkeiten haben. Ich bin nicht mit Haferbrei aufgezogen worden wie MacWhirter oder mit Kartoffeln wie der alte O'Dowd. Denkst du etwa, meine Frau soll den Soldaten die Wäsche waschen oder dem Regiment in einem Gepäckwagen nachfahren?«   “Do you suppose a man of my habits call live on his pay and a hundred a year?” George cried out in great anger. “You must be a fool to talk so, Dobbin. How the deuce am I to keep up my position in the world upon such a pitiful pittance? I can’t change my habits. I must have my comforts. I wasn’t brought up on porridge, like MacWhirter, or on potatoes, like old O’Dowd. Do you expect my wife to take in soldiers’ washing, or ride after the regiment in a baggage waggon?” »Nun, nun«, sagte Dobbin immer noch gutmütig, »es wird uns schon ein besseres Fahrzeug einfallen. Aber versuch daran zu denken, daß du jetzt bloß ein entthronter Prinz bist, George, mein Junge, und verhalte dich ruhig, solange der Sturm dauert. Lange kann er nicht anhalten. Laß erst mal deinen Namen in der ›Gazette‹ stehen, und ich verspreche dir, daß der alte Vater dann nachgibt.«   “Well, well,” said Dobbin, still good-naturedly, “we’ll get her a better conveyance. But try and remember that you are only a dethroned prince now, George, my boy; and be quiet whilst the tempest lasts. It won’t be for long. Let your name be mentioned in the Gazette, and I’ll engage the old father relents towards you:” »Mein Name in der ›Gazette‹ !« höhnte George. »Und in welchem Teil? Unter den Toten und Verwundeten, und höchstwahrscheinlich an der Spitze der Liste.«   “Mentioned in the Gazette!” George answered. “And in what part of it? Among the killed and wounded returns, and at the top of the list, very likely.” »Pah! Wenn wir verwundet werden, ist Zeit genug zu schreien«, sagte Dobbin. »Und wenn etwas passiert, so weißt du, George, daß ich etwas besitze. Ich gedenke nicht zu heiraten und werde in meinem Testament meinen Patensohn nicht vergessen«, setzte er lächelnd hinzu. Damit endete der Streit – wie schon Hunderte von Unterredungen zwischen den beiden Freunden früher geendet hatten: Osborne erklärte, es sei unmöglich, mit Dobbin lange böse zu sein, und verzieh ihm großmütig, nachdem er ihn ohne allen Grund beschimpft hatte.   “Psha! It will be time enough to cry out when we are hurt,” Dobbin said. “And if anything happens, you know, George, I have got a little, and I am not a marrying man, and I shall not forget my godson in my will,” he added, with a smile. Whereupon the dispute ended — as many scores of such conversations between Osborne and his friend had concluded previously — by the former declaring there was no possibility of being angry with Dobbin long, and forgiving him very generously after abusing him without cause. »Du, Becky«, rief Rawdon Crawley aus seinem Ankleideraum seiner Frau zu, die sich in ihrem Zimmer zum Essen anzog.   “I say, Becky,” cried Rawdon Crawley out of his dressing-room, to his lady, who was attiring herself for dinner in her own chamber. »Was ist?« antwortete Beckys schrille Stimme. Sie blickte über die Schulter in den Spiegel. Sie hatte das hübscheste, frischeste weiße Kleid an, das man sich nur denken kann, und sah mit den bloßen Schultern, einer kleinen Halskette und einer hellblauen Schärpe wie ein Bild jugendlicher Unschuld und mädchenhaften Glücks aus.   “What?” said Becky’s shrill voice. She was looking over her shoulder in the glass. She had put on the neatest and freshest white frock imaginable, and with bare shoulders and a little necklace, and a light blue sash, she looked the image of youthful innocence and girlish happiness. »Du, was wird Mrs. Osborne tun, wenn George mit dem Regiment auszieht?« fragte Crawley und trat ins Zimmer, wobei er mit zwei riesigen Haarbürsten auf seinem Kopfe ein Duett spielte und unter seinem Haar hervor sein hübsches Weibchen bewundernd anblickte.   “I say, what’ll Mrs. O. do, when O. goes out with the regiment?” Crawley said coming into the room, performing a duet on his head with two huge hair-brushes, and looking out from under his hair with admiration on his pretty little wife. »Ich denke, sie wird sich die Augen ausweinen«, antwortete Becky. »Schon bei dem bloßen Gedanken hat sie bereits ein halbes dutzendmal gewinselt, als ich dabei war.«   “I suppose she’ll cry her eyes out,” Becky answered. “She has been whimpering half a dozen times, at the very notion of it, already to me.” »Dir macht es wahrscheinlich nichts aus«, sagte Rawdon, halb ärgerlich über die Gefühllosigkeit seiner Frau.   “ You don’t care, I suppose?” Rawdon said, half angry at his wife’s want of feeling. »Du armer Tropf! Weißt du denn nicht, daß ich mitkommen werde?« erwiderte Becky. »Zudem ist es mit dir ganz anders. Du gehst als General Tuftos Adjutant. Wir gehören nicht zur Linie«, sagte Mrs. Crawley und warf ihren Kopf mit einer Miene in den Nacken, die ihren bezauberten Gatten veranlaßte, sich niederzubeugen und sie zu küssen.   “You wretch! don’t you know that I intend to go with you,” Becky replied. “Besides, you’re different. You go as General Tufto’s aide-de-camp. We don’t belong to the line,” Mrs. Crawley said, throwing up her head with an air that so enchanted her husband that he stooped down and kissed it. »Rawdon, Lieber – meinst du nicht auch, daß es ganz gut wäre, wenn du das – Geld von Cupido bekämst, ehe er weggeht?« fuhr Becky fort, während sie eine reizende Schleife befestigte. Sie nannte George Osborne Cupido. Sie hatte ihm bereits einige Dutzend Male mit seinem guten Aussehen geschmeichelt. Sie schenkte ihm ihre Aufmerksamkeit, wenn er abends für eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen in Rawdons Zimmer kam, um noch ein bißchen Ekarté zu spielen.   “Rawdon dear — don’t you think — you’d better get that — money from Cupid, before he goes?” Becky continued, fixing on a killing bow. She called George Osborne, Cupid. She had flattered him about his good looks a score of times already. She watched over him kindly at ecarte of a night when he would drop in to Rawdon’s quarters for a half-hour before bed-time. Oft hatte sie ihn einen schrecklichen, ausschweifenden Schurken genannt und ihm gedroht, Emmy von seinem nichtsnutzigen Lebenswandel und seinen unartigen, verschwenderischen Gewohnheiten zu erzählen. Sie brachte seine Zigarre und zündete sie ihm an; sie kannte die Wirkung dieses Manövers, hatte sie es doch schon früher an Rawdon Crawley erprobt. Sie schien ihm lustig, lebhaft, schelmisch, vornehm, entzückend. Bei ihren kleinen Spazierfahrten und Mahlzeiten stellte Becky natürlich die arme Emmy ganz in den Schatten. Amelia war stumm und schüchtern, während ihr Mann und Mrs. Crawley drauflosschwatzten und Hauptmann Crawley und Joseph (nachdem er sich zu dem neuvermählten Paar gesellt hatte) schweigend aßen.   She had often called him a horrid dissipated wretch, and threatened to tell Emmy of his wicked ways and naughty extravagant habits. She brought his cigar and lighted it for him; she knew the effect of that manoeuvre, having practised it in former days upon Rawdon Crawley. He thought her gay, brisk, arch, distinguee, delightful. In their little drives and dinners, Becky, of course, quite outshone poor Emmy, who remained very mute and timid while Mrs. Crawley and her husband rattled away together, and Captain Crawley (and Jos after he joined the young married people) gobbled in silence. Emmy ahnte nichts Gutes; Rebekkas Witz, ihr Temperament und ihre Talente versetzten sie in schmerzvolle Unruhe. Sie waren erst eine Woche verheiratet, und schon langweilte sich George und suchte eifrig die Gesellschaft anderer! Sie zitterte für die Zukunft. Wie kann ich ihm eine Gefährtin sein, dachte sie, da er so klug und glänzend ist und ich ein so unbedeutendes törichtes Geschöpf bin? Wie edel war es von ihm, mich zu heiraten, alles aufzugeben und sich zu mir herabzulassen! Ich hätte ihn zurückweisen sollen, aber ich konnte es nicht übers Herz bringen. Ich hätte daheim bleiben und mich um den armen Papa kümmern sollen. Zum erstenmal fielen ihr ihre vernachlässigten Eltern ein (tatsächlich war die Anklage des schlechten Gewissens gegen das arme Kind ja nicht ganz unbegründet), und sie wurde schamrot. Oh! dachte sie, wie bin ich doch böse und selbstsüchtig gewesen! Selbstsüchtig, weil ich sie in ihrem Kummer vergaß, selbstsüchtig, weil ich George zwang, mich zu heiraten. Ich weiß, daß ich seiner nicht würdig bin; ich weiß, er wäre ohne mich glücklich – aber ich habe doch immer wieder versucht, ihn aufzugeben.   Emmy’s mind somehow misgave her about her friend. Rebecca’s wit, spirits, and accomplishments troubled her with a rueful disquiet. They were only a week married, and here was George already suffering ennui, and eager for others’ society! She trembled for the future. How shall I be a companion for him, she thought — so clever and so brilliant, and I such a humble foolish creature? How noble it was of him to marry me — to give up everything and stoop down to me! I ought to have refused him, only I had not the heart. I ought to have stopped at home and taken care of poor Papa. And her neglect of her parents (and indeed there was some foundation for this charge which the poor child’s uneasy conscience brought against her) was now remembered for the first time, and caused her to blush with humiliation. Oh! thought she, I have been very wicked and selfish — selfish in forgetting them in their sorrows — selfish in forcing George to marry me. I know I’m not worthy of him — I know he would have been happy without me — and yet — I tried, I tried to give him up. Es ist hart, wenn solche Gedanken und Geständnisse sich einer jungen Frau aufdrängen, noch ehe sieben Tage der Ehe vergangen sind. Aber so war es nun eben. Am Abend vor Dobbins Ankunft, einem schönen prachtvollen mondbeschienenen Maiabend, so warm und balsamisch, daß die Fenster zum Balkon aufgemacht wurden, standen George und Mrs. Crawley draußen und blickten auf das ruhige Meer hinaus, das vor ihnen glänzte, während drinnen Rawdon und Joseph Puff spielten. Amelia aber hockte völlig verlassen in einem großen Sessel und beobachtete die beiden Gruppen, und es bemächtigte sich ihrer Verzweiflung und Reue, die gewiß bittere Gesellschafter für diese zarte, einsame Seele waren. Kaum eine Woche war vergangen, und so weit war es schon gekommen! Hätte sie die Zukunft ins Auge gefaßt, so hätten sich ihr trübe Aussichten geboten. Aber Emmy war irgendwie viel zu scheu, dahin zu blicken und sich allein auf das weite Meer zu wagen, das sie ohne Führer und Beschützer doch nicht befahren konnte. Ich weiß, daß Miss Smith keine sehr hohe Meinung von ihr hat. Aber wie viele, mein teures Fräulein, besitzen Ihre ungeheure Geistesstärke?   It is hard when, before seven days of marriage are over, such thoughts and confessions as these force themselves on a little bride’s mind. But so it was, and the night before Dobbin came to join these young people — on a fine brilliant moonlight night of May — so warm and balmy that the windows were flung open to the balcony, from which George and Mrs. Crawley were gazing upon the calm ocean spread shining before them, while Rawdon and Jos were engaged at backgammon within — Amelia couched in a great chair quite neglected, and watching both these parties, felt a despair and remorse such as were bitter companions for that tender lonely soul. Scarce a week was past, and it was come to this! The future, had she regarded it, offered a dismal prospect; but Emmy was too shy, so to speak, to look to that, and embark alone on that wide sea, and unfit to navigate it without a guide and protector. I know Miss Smith has a mean opinion of her. But how many, my dear Madam, are endowed with your prodigious strength of mind? »Gott, was für ein schöner Abend, und wie hell der Mond scheint!« sagte George und paffte ein Zigarrenrauchwölkchen zum Himmel empor.   “Gad, what a fine night, and how bright the moon is!” George said, with a puff of his cigar, which went soaring up skywards. »Wie köstlich riecht das doch im Freien! Ich liebe es! Soll man glauben, daß der Mond zweihundertsechsunddreißig-tausendachthundertsiebenundvierzig Meilen von uns entfernt ist?« setzte sie hinzu und lächelte dem Himmelskörper zu. »Bin ich nicht gut, daß ich mich noch daran erinnere? Solchen Quatsch haben wir bei Miss Pinkerton gelernt! Wie ruhig doch das Meer ist und wie klar alles! Ich möchte sagen, ich kann fast die Küste von Frankreich sehen.« Ihre hellen grünen Augen funkelten und schossen einen Blick in die Nacht hinaus, als ob sie wirklich hindurchschauen könnten.   “How delicious they smell in the open air! I adore them. Who’d think the moon was two hundred and thirty-six thousand eight hundred and forty-seven miles off?” Becky added, gazing at that orb with a smile. “Isn’t it clever of me to remember that? Pooh! we learned it all at Miss Pinkerton’s! How calm the sea is, and how clear everything. I declare I can almost see the coast of France!” and her bright green eyes streamed out, and shot into the night as if they could see through it. »Wissen Sie, was ich eines Morgens tun will?« fragte sie. »Ich kann nämlich sehr gut schwimmen, und eines Tages, wenn Tante Crawleys Gesellschafterin, die alte Briggs, wissen Sie – können Sie sich entsinnen, die Frau mit der krummen Nase und den langen Haarbüscheln? –, wenn die Briggs baden geht, dann will ich unter ihr Badezelt tauchen und im Wasser auf eine Versöhnung drängen. Ist das nicht eine Kriegslist?«   “Do you know what I intend to do one morning?” she said; “I find I can swim beautifully, and some day, when my Aunt Crawley’s companion — old Briggs, you know — you remember her — that hook-nosed woman, with the long wisps of hair — when Briggs goes out to bathe, I intend to dive under her awning, and insist on a reconciliation in the water. Isn’t that a stratagem?” Beim Gedanken an die wäßrige Zusammenkunft mußte George laut lachen. »Was treibt ihr denn da draußen, ihr zwei?« schrie Rawdon und schüttelte den Würfelbecher. Amelia reagierte sehr töricht: sie benahm sich ganz unsinnig und hysterisch und zog sich auf ihr Zimmer zurück, um dort im stillen zu schluchzen.   George burst out laughing at the idea of this aquatic meeting. “What’s the row there, you two?” Rawdon shouted out, rattling the box. Amelia was making a fool of herself in an absurd hysterical manner, and retired to her own room to whimper in private. Unsere Erzählung muß in diesem Kapitel scheinbar unentschlossen vorwärts und rückwärts gehen, und wenn wir mit unserer Geschichte bald bei morgen angelangt sind, so werden wir sofort wieder Gelegenheit haben, auf gestern zurückzukommen, damit die ganze Geschichte berichtet wird. Wie beim Empfang Ihrer Majestät die Wagen der Gesandten und hohen Würdenträger von einem Privatausgang davonfahren, während Hauptmann Jones' Damen auf ihre Droschke warten – wie im Vorzimmer des Sekretärs der Schatzkammer ein halbes Dutzend Bittsteller geduldig auf ihre Audienz warten und der Reihe nach hereingerufen werden, während plötzlich ein irischer Abgeordneter oder eine hochgestellte Persönlichkeit hereinkommt und sozusagen über die Köpfe aller Anwesenden hinweg zum Herrn Untersekretär hineingeht, so muß auch im Laufe einer Erzählung der Autor diese höchst parteiische Gerechtigkeit walten lassen. Wenn auch keiner der kleineren Vorfälle unerwähnt bleiben soll, so müssen sie doch vor großen Ereignissen zurückstehen. Ganz gewiß war ein Umstand wie der, der Dobbin nach Brighton führte, das heißt der Marschbefehl für Garde und Linie nach Belgien und die Vereinigung der alliierten Heere in diesem Land unter dem Kommando Seiner Gnaden, des Herzogs von Wellington, so sehr wichtig. Er berechtigte uns, allen unwichtigeren Vorfällen, woraus unsere Geschichte hauptsächlich besteht, vorauszueilen, und deshalb war eine kleine Unordnung entschuldbar und dienlich. Wir sind jetzt wieder im 22. Kapitel und nur so weit fortgeschritten, daß wir unsere verschiedenen Darsteller in ihre Ankleidezimmer befördert haben. Es ist kurz vor dem Essen am Tage von Dobbins Ankunft, das wie üblich stattfand.   Our history is destined in this chapter to go backwards and forwards in a very irresolute manner seemingly, and having conducted our story to to-morrow presently, we shall immediately again have occasion to step back to yesterday, so that the whole of the tale may get a hearing. As you behold at her Majesty’s drawing-room, the ambassadors’ and high dignitaries’ carriages whisk off from a private door, while Captain Jones’s ladies are waiting for their fly: as you see in the Secretary of the Treasury’s antechamber, a half-dozen of petitioners waiting patiently for their audience, and called out one by one, when suddenly an Irish member or some eminent personage enters the apartment, and instantly walks into Mr. Under-Secretary over the heads of all the people present: so in the conduct of a tale, the romancer is obliged to exercise this most partial sort of justice. Although all the little incidents must be heard, yet they must be put off when the great events make their appearance; and surely such a circumstance as that which brought Dobbin to Brighton, viz ., the ordering out of the Guards and the line to Belgium, and the mustering of the allied armies in that country under the command of his Grace the Duke of Wellington — such a dignified circumstance as that, I say, was entitled to the pas over all minor occurrences whereof this history is composed mainly, and hence a little trifling disarrangement and disorder was excusable and becoming. We have only now advanced in time so far beyond Chapter XXII as to have got our various characters up into their dressing-rooms before the dinner, which took place as usual on the day of Dobbin’s arrival. George war zu menschenfreundlich oder zu sehr mit dem Binden seines Halstuches beschäftigt, um Amelia sofort alle Nachrichten mitzuteilen, die sein Kamerad aus London gebracht hatte. Aber er betrat ihr Zimmer mit so ernster und wichtiger Miene, den Brief des Rechtsanwaltes in der Hand, daß sie, stets in Erwartung eines Unheils, glaubte, das Schlimmste sei im Anzug. Sie eilte auf ihren Mann zu und bat ihren geliebten George inständig, er möge ihr doch alles sagen: Gewiß müsse er weg von England, es werde nächste Woche eine Schlacht stattfinden, sie wisse es wohl.   George was too humane or too much occupied with the tie of his neckcloth to convey at once all the news to Amelia which his comrade had brought with him from London. He came into her room, however, holding the attorney’s letter in his hand, and with so solemn and important an air that his wife, always ingeniously on the watch for calamity, thought the worst was about to befall, and running up to her husband, besought her dearest George to tell her everything — he was ordered abroad; there would be a battle next week — she knew there would. Der geliebte George parierte die Frage nach dem Feldzug und sagte mit melancholischem Kopf schütteln: »Nein, Emmy, das ist es nicht, nicht um mich mache ich mir Gedanken, sondern um dich. Ich habe schlimme Nachrichten von meinem Vater bekommen. Er lehnt jede Verbindung mit mir ab, er schickt uns weg und überläßt uns der Armut. Ich kann schon irgendwie durchkommen, aber du, meine Liebe, wie wirst du es ertragen? Da, lies!« Und er reichte ihr den Brief.   Dearest George parried the question about foreign service, and with a melancholy shake of the head said, “No, Emmy; it isn’t that: it’s not myself I care about: it’s you. I have had bad news from my father. He refuses any communication with me; he has flung us off; and leaves us to poverty. I can rough it well enough; but you, my dear, how will you bear it? read here.” And he handed her over the letter. Amelia lauschte mit zärtlicher Unruhe im Blick ihrem edlen Helden, als er diese großmütigen Gefühle äußerte. Dann setzte sie sich aufs Bett und las den Brief, den George ihr mit hochtrabender Märtyrermiene überreicht hatte. Während sie las, erhellte sich ihr Gesicht zusehends. Der Gedanke, Armut und Entbehrung mit dem Geliebten zu teilen, hat, wie bereits gesagt, für eine warmherzige Frau nichts Abschreckendes an sich. Ja, die Aussicht war der kleinen Amelia sogar angenehm. Dann schämte sie sich, wie gewöhnlich, daß sie sich in einem so unpassenden Augenblick glücklich fühlte, bezähmte ihre Freude und sagte demütig: »O George, wie dir doch das Herz bluten muß bei dem Gedanken, daß du von deinem Papa getrennt bist.«   Amelia, with a look of tender alarm in her eyes, listened to her noble hero as he uttered the above generous sentiments, and sitting down on the bed, read the letter which George gave her with such a pompous martyr-like air. Her face cleared up as she read the document, however. The idea of sharing poverty and privation in company with the beloved object is, as we have before said, far from being disagreeable to a warm-hearted woman. The notion was actually pleasant to little Amelia. Then, as usual, she was ashamed of herself for feeling happy at such an indecorous moment, and checked her pleasure, saying demurely, “O, George, how your poor heart must bleed at the idea of being separated from your papa!” »Ja, das tut es auch«, sagte George mit gequältem Gesichtsausdruck.   “It does,” said George, with an agonised countenance. »Aber er kann dir nicht lange böse sein«, fuhr sie fort. »Niemand könnte das, davon bin ich überzeugt. Er muß dir verzeihen, mein liebster, bester Mann. Oh, ich werde mir nie verzeihen, wenn er es nicht tut.«   “But he can’t be angry with you long,” she continued. “Nobody could, I’m sure. He must forgive you, my dearest, kindest husband. O, I shall never forgive myself if he does not.” »Was mich quält, meine arme Emmy, ist nicht mein Unglück, sondern deines«, sagte George. »Ein bißchen Armut stört mich nicht, und ich glaube ohne Eitelkeit sagen zu können, daß ich genug Talente besitze, um meinen Weg selbst zu machen.«   “What vexes me, my poor Emmy, is not my misfortune, but yours,” George said. “I don’t care for a little poverty; and I think, without vanity, I’ve talents enough to make my own way.” »Das stimmt«, fiel seine Frau ein, die glaubte, der Krieg werde sofort beendet werden und ihr Mann zum General befördert.   “That you have,” interposed his wife, who thought that war should cease, and her husband should be made a general instantly. »Ja, ich werde meinen Weg machen, so gut wie jeder andere«, fuhr Osborne fort, »aber du, mein liebes Mädchen, wie kann ich es ertragen, daß dir die Bequemlichkeit entgeht und du nicht die Stellung in der Gesellschaft einnehmen kannst, die dir als meiner Frau gebührt? Mein liebstes Mädchen in einer Kaserne! Soldatenfrau beim Regiment, allen Arten von Belästigungen und Entbehrungen ausgesetzt! Es macht mich ganz elend!«   “Yes, I shall make my way as well as another,” Osborne went on; “but you, my dear girl, how can I bear your being deprived of the comforts and station in society which my wife had a right to expect? My dearest girl in barracks; the wife of a soldier in a marching regiment; subject to all sorts of annoyance and privation! It makes me miserable.” Erleichtert, daß dies ihres Mannes einziger Grund zur Beunruhigung war, ergriff sie seine Hand und begann mit freudestrahlendem Gesicht aus dem bekannten Lied »An der alten Treppe von Wapping« die Strophe zu singen, wo die Heldin, nachdem sie ihren Tom wegen seiner Unaufmerksamkeit gescholten hat, verspricht, »seine Hosen zu flicken und Grog ihm zu machen«, wenn er treu und freundlich sein und sie nicht verlassen würde. »Und außerdem«, sagte sie nach einer Pause, wobei sie so hübsch und glücklich aussah, wie eine junge Frau es sein sollte, »sind nicht zweitausend Pfund ungeheuer viel Geld, George?«   Emmy, quite at ease, as this was her husband’s only cause of disquiet, took his hand, and with a radiant face and smile began to warble that stanza from the favourite song of “Wapping Old Stairs,” in which the heroine, after rebuking her Tom for inattention, promises “his trousers to mend, and his grog too to make,” if he will be constant and kind, and not forsake her. “Besides,” she said, after a pause, during which she looked as pretty and happy as any young woman need, “isn’t two thousand pounds an immense deal of money, George?” George lachte über ihre Naivität, und schließlich gingen sie zum Essen hinab. Amelia hing an Georges Arm und trällerte noch immer die Melodie von der »Alten Treppe von Wapping«. Sie war so vergnügt und lustig wie schon einige Tage nicht mehr.   George laughed at her naivete; and finally they went down to dinner, Amelia clinging to George’s arm, still warbling the tune of “Wapping Old Stairs,” and more pleased and light of mind than she had been for some days past. So war denn das Mittagsmahl, das endlich zustande kam, gar nicht traurig, sondern im Gegenteil ungemein lebhaft und lustig. Die Aufregung beim Gedanken an den bevorstehenden Feldzug wirkte bei George der Niedergeschlagenheit, die durch den Enterbungsbrief verursacht worden war, entgegen. Dobbin bewährte sich als unermüdlicher Plauderer. Er belustigte die Gesellschaft mit Berichten über die Armee in Belgien, wo es nichts anderes gab als Festlichkeiten, Vergnügungen und vornehme Leute. Sodann ging der geschickte Hauptmann zur Beschreibung der Majorin O'Dowd über, wobei er ein besonderes Ziel verfolgte. Er erzählte, wie sie ihre und ihres Majors Garderobe eingepackt hatte und wie sie seine besten Epauletten in einer Teebüchse verstaut hatte. Ihr berühmter gelber Turban, mit dem Paradiesvogel, in Packpapier gewickelt, war in die blecherne Hutschachtel des Majors gewandert. Dobbin hätte gern wissen mögen, welche Wirkung der Turban wohl am Hofe des französischen Königs in Gent oder auf den großen Offiziersbällen in Brüssel haben würde.   Thus the repast, which at length came off, instead of being dismal, was an exceedingly brisk and merry one. The excitement of the campaign counteracted in George’s mind the depression occasioned by the disinheriting letter. Dobbin still kept up his character of rattle. He amused the company with accounts of the army in Belgium; where nothing but fetes and gaiety and fashion were going on. Then, having a particular end in view, this dexterous captain proceeded to describe Mrs. Major O’Dowd packing her own and her Major’s wardrobe, and how his best epaulets had been stowed into a tea canister, whilst her own famous yellow turban, with the bird of paradise wrapped in brown paper, was locked up in the Major’s tin cocked-hat case, and wondered what effect it would have at the French king’s court at Ghent, or the great military balls at Brussels. »Gent! Brüssel!« rief Amelia und fuhr vor Schreck hoch. »Hat das Regiment Marschbefehl bekommen, George, hat es Marschbefehl bekommen?« Schrecken malte sich in dem lieblichen, lächelnden Gesicht, und sie klammerte sich instinktiv an George an.   “Ghent! Brussels!” cried out Amelia with a sudden shock and start. “Is the regiment ordered away, George — is it ordered away?” A look of terror came over the sweet smiling face, and she clung to George as by an instinct. »Hab keine Angst, Liebste«, sagte er gutmütig, »die Überfahrt dauert nur zwölf Stunden. Es wird dir nichts passieren. Du sollst auch mitkommen, Emmy.«   “Don’t be afraid, dear,” he said good-naturedly; “it is but a twelve hours’ passage. It won’t hurt you. You shall go, too, Emmy.” »Ich gehe jedenfalls mit«, sagte Becky, »ich bin beim Generalstab, General Tufto gehört zu meinen eifrigsten Anbetern, nicht wahr, Rawdon?« Rawdon brach in sein übliches schallendes Gelächter aus. William Dobbin wurde rot. »Sie kann nicht mitkommen«, sagte er, »denk doch an die...«, die Gefahr wollte er hinzufügen; sollte aber denn nicht sein ganzes Tischgespräch beweisen, daß es keine Gefahr gab? Er wurde sehr verlegen und schweigsam.   “I intend to go,” said Becky. “I’m on the staff. General Tufto is a great flirt of mine. Isn’t he, Rawdon?” Rawdon laughed out with his usual roar. William Dobbin flushed up quite red. “She can’t go,” he said; “think of the — of the danger,” he was going to add; but had not all his conversation during dinner-time tended to prove there was none? He became very confused and silent. »Ich muß und will gehen«, rief Amelia mit größter Lebhaftigkeit. George lobte ihren Entschluß, tätschelte sie unterm Kinn und fragte alle Anwesenden, ob sie je eine so ungestüme Frau gesehen hätten. Er war einverstanden, daß sie ihm Gesellschaft leisten würde. »Wir haben Mrs. O'Dowd als Anstandsdame für dich«, sagte er. Was kümmerte sie sich darum, solange ihr Mann in der Nähe war? Und so wurde denn die Bitterkeit des Abschieds sozusagen hinweggegaukelt. Wenn es auch Krieg und Gefahr gab, so konnte es doch noch Monate dauern, bis Krieg und Gefahr sich bemerkbar machten. Auf jeden Fall war es ein Aufschub, der die schüchterne kleine Amelia fast ebenso glücklich machte, wie die aufgehobene Gefahr es getan hätte. Selbst Dobbin mußte im Innern zugeben, daß es so ganz günstig sei. Amelia sehen zu dürfen war nämlich jetzt das größte Glück und die Hoffnung seines Lebens, und insgeheim überlegte er, wie er sie bewachen und beschützen wollte. Ich hätte sie nicht mitgehen lassen, wenn sie meine Frau wäre, dachte er. Aber George war nun einmal der Herr, und sein Freund hielt es nicht für angemessen, ihm Vorstellungen zu machen.   “I must and will go,” Amelia cried with the greatest spirit; and George, applauding her resolution, patted her under the chin, and asked all the persons present if they ever saw such a termagant of a wife, and agreed that the lady should bear him company. “We’ll have Mrs. O’Dowd to chaperon you,” he said. What cared she so long as her husband was near her? Thus somehow the bitterness of a parting was juggled away. Though war and danger were in store, war and danger might not befall for months to come. There was a respite at any rate, which made the timid little Amelia almost as happy as a full reprieve would have done, and which even Dobbin owned in his heart was very welcome. For, to be permitted to see her was now the greatest privilege and hope of his life, and he thought with himself secretly how he would watch and protect her. I wouldn’t have let her go if I had been married to her, he thought. But George was the master, and his friend did not think fit to remonstrate. Den Arm um Amelias Taille geschlungen, führte Rebekka ihre Freundin schließlich vom Tisch fort, wo so viele wichtige Dinge besprochen worden waren. Sie ließen die Herren in der heitersten Stimmung der Welt, trinkend und plaudernd, zurück.   Putting her arm round her friend’s waist, Rebecca at length carried Amelia off from the dinner-table where so much business of importance had been discussed, and left the gentlemen in a highly exhilarated state, drinking and talking very gaily. Im Laufe des Abends erhielt Rawdon von seiner Frau ein kleines Familienbriefchen. Obgleich er es zerknüllte und sofort an der Kerze verbrannte, glückte es uns doch, über Rebekkas Schulter zu lesen. »Wichtige Neuigkeiten«, schrieb sie. »Mrs. Bute ist fort. Verschaff dir noch heute abend das Geld von Cupido, da er morgen höchstwahrscheinlich abfährt. Denk daran. R.« Als daher die kleine Gesellschaft unterwegs war, um im Zimmer der Damen Kaffee zu trinken, berührte Rawdon Hauptmann Osborne am Ellbogen und sagte freundlich: »Hören Sie, Osborne, mein Junge, wenn es Ihnen recht ist, so möchte ich Sie um die Kleinigkeit bemühen.« Es war George nicht recht, aber trotzdem leistete er eine bedeutende Abschlagszahlung in Banknoten aus der Brieftasche und gab ihm für den Rest einen in acht Tagen bei seinem Beauftragten zahlbaren Wechsel.   In the course of the evening Rawdon got a little family-note from his wife, which, although he crumpled it up and burnt it instantly in the candle, we had the good luck to read over Rebecca’s shoulder. “Great news,” she wrote. “Mrs. Bute is gone. Get the money from Cupid tonight, as he’ll be off to-morrow most likely. Mind this. — R.” So when the little company was about adjourning to coffee in the women’s apartment, Rawdon touched Osborne on the elbow, and said gracefully, “I say, Osborne, my boy, if quite convenient, I’ll trouble you for that ’ere small trifle.” It was not quite convenient, but nevertheless George gave him a considerable present instalment in bank-notes from his pocket-book, and a bill on his agents at a week’s date, for the remaining sum. Nachdem die Sache erledigt war, hielten George, Joseph und Dobbin bei einer Zigarre Kriegsrat und beschlossen, am folgenden Tage alle in Joes offenem Wagen nach London aufzubrechen. Joseph hätte es ganz gern gesehen, wenn man bis zu Rawdon Crawleys Abreise in Brighton geblieben wäre, aber Dobbin und George überstimmten ihn, und so ließ er sich denn herbei, die Gesellschaft in die Stadt zu bringen, und bestellte, wie es seiner Würde angemessen war, vier Pferde. Damit fuhren sie am folgenden Tage nach dem Frühstück mit Gepränge ab. Amelia war sehr zeitig aufgestanden und hatte mit großem Eifer ihre Köfferchen gepackt, während Osborne im Bett lag und bedauerte, daß sie kein Mädchen hatte, das ihr helfen könnte. Amelia war aber nur zu froh, diese Arbeit selbst tun zu können. Ein vages, unheimliches Gefühl beschlich sie, wenn sie an Rebekka dachte, und obgleich sie sich beim Abschied recht zärtlich küßten, so wissen wir doch, was Eifersucht ist; und die besaß Mrs. Amelia neben den anderen Tugenden ihres Geschlechtes.   This matter arranged, George, and Jos, and Dobbin, held a council of war over their cigars, and agreed that a general move should be made for London in Jos’s open carriage the next day. Jos, I think, would have preferred staying until Rawdon Crawley quitted Brighton, but Dobbin and George overruled him, and he agreed to carry the party to town, and ordered four horses, as became his dignity. With these they set off in state, after breakfast, the next day. Amelia had risen very early in the morning, and packed her little trunks with the greatest alacrity, while Osborne lay in bed deploring that she had not a maid to help her. She was only too glad, however, to perform this office for herself. A dim uneasy sentiment about Rebecca filled her mind already; and although they kissed each other most tenderly at parting, yet we know what jealousy is; and Mrs. Amelia possessed that among other virtues of her sex. Wir dürfen nicht vergessen, daß neben diesen ankommenden und abfahrenden Personen sich noch einige andere alte Bekannte von uns in Brighton befanden: Miss Crawley nämlich und ihr Gefolge. Obgleich Rebekka mit ihrem Mann nur ein paar Steinwürfe von der kranken Miss Crawley entfernt wohnte, so blieb doch für beide die Tür zu der alten Dame ebenso unbarmherzig verschlossen wie zuvor in London. Solange Mrs. Bute Crawley bei ihrer Schwägerin war, sorgte sie dafür, daß ihre geliebte Matilda nicht durch ein Zusammentreffen mit ihrem Neffen aufgeregt wurde. Fuhr die alte Jungfer aus, so saß die treue Mrs. Bute neben ihr im Wagen. Schöpfte Miss Crawley in einem Rollstuhl Luft, so ging Mrs. Bute auf einer Seite des Gefährts, während die ehrliche Briggs die andere einnahm. Trafen sie zufällig einmal Rawdon und dessen Frau, so ging die Gesellschaft um Miss Crawley so kalt und niederschmetternd gleichgültig vorbei, obwohl Rawdon stets unterwürfig den Hut zog, daß er anfing zu verzweifeln.   Besides these characters who are coming and going away, we must remember that there were some other old friends of ours at Brighton; Miss Crawley, namely, and the suite in attendance upon her. Now, although Rebecca and her husband were but at a few stones’ throw of the lodgings which the invalid Miss Crawley occupied, the old lady’s door remained as pitilessly closed to them as it had been heretofore in London. As long as she remained by the side of her sister-in-law, Mrs. Bute Crawley took care that her beloved Matilda should not be agitated by a meeting with her nephew. When the spinster took her drive, the faithful Mrs. Bute sate beside her in the carriage. When Miss Crawley took the air in a chair, Mrs. Bute marched on one side of the vehicle, whilst honest Briggs occupied the other wing. And if they met Rawdon and his wife by chance — although the former constantly and obsequiously took off his hat, the Miss-Crawley party passed him by with such a frigid and killing indifference, that Rawdon began to despair. »Wir könnten ebensogut in London sein wie hier«, sagte Rawdon oft mit niedergeschlagener Miene.   “We might as well be in London as here,” Captain Rawdon often said, with a downcast air. »Ein komfortabler Gasthof in Brighton ist besser als das Schuldgefängnis in der Chancery Lane«, antwortete seine Frau, die ein fröhliches Temperament besaß. »Denk nur an die beiden Adjutanten von Mr. Moses, dem Gerichtsvollzieher, die unsere Wohnung eine ganze Woche lang bewacht haben. Unsere Freunde hier sind zwar sehr geistlos, aber Mr. Joe und Hauptmann Cupido sind immerhin bessere Gesellschafter als Mr. Moses' Leute, mein lieber Rawdon.«   “A comfortable inn in Brighton is better than a spunging-house in Chancery Lane,” his wife answered, who was of a more cheerful temperament. “Think of those two aides-de-camp of Mr. Moses, the sheriff’s-officer, who watched our lodging for a week. Our friends here are very stupid, but Mr. Jos and Captain Cupid are better companions than Mr. Moses’s men, Rawdon, my love.” »Ich wundere mich, daß mir die Haftbefehle nicht hierher gefolgt sind«, fuhr Rawdon immer noch verzagt fort.   “I wonder the writs haven’t followed me down here,” Rawdon continued, still desponding. »Wenn sie noch kommen, dann werden wir ihnen schon entwischen«, sagte die unerschrockene kleine Becky und setzte ihrem Mann den Vorteil und Nutzen, daß sie Joe und Osborne getroffen hatten, auseinander. Hatte doch diese Bekanntschaft Rawdon einen willkommenen kleinen Vorrat an Bargeld eingebracht.   “When they do, we’ll find means to give them the slip,” said dauntless little Becky, and further pointed out to her husband the great comfort and advantage of meeting Jos and Osborne, whose acquaintance had brought to Rawdon Crawley a most timely little supply of ready money. »Es wird kaum reichen, die Gasthofrechnung zu bezahlen«, brummte der Leibgardist.   “It will hardly be enough to pay the inn bill,” grumbled the Guardsman. »Warum sollen wir sie denn bezahlen?« fragte die Dame, die auf alles eine Antwort wußte.   “Why need we pay it?” said the lady, who had an answer for everything. Durch Rawdons Diener, der mit den männlichen Dienstboten von Miss Crawley immer noch gelegentlich Umgang pflegte und angewiesen worden war, den Kutscher, sooft sie zusammenkamen, zum Trinken einzuladen, erfuhr unser junges Paar so beinahe alle Schritte der alten Miss Crawley; Rebekka kam auch noch auf den glücklichen Gedanken, unwohl zu sein und denselben Arzt zu rufen, der die alte Jungfer behandelte, so daß sie, im großen ganzen, einigermaßen unterrichtet waren. Übrigens war Miss Briggs, die zwar gezwungen war, äußerlich eine feindliche Haltung einzunehmen, im Innern Rawdon und seiner Frau nicht unfreundlich gesinnt. Sie hatte von Natur aus ein gutmütiges, versöhnliches Wesen, und jetzt, wo kein Grund mehr zur Eifersucht vorhanden war, verschwand auch ihre Abneigung gegen Rebekka, und sie erinnerte sich nur noch an ihre freundlichen Worte und ihre gute Laune. Tatsächlich stöhnten sie und Mrs. Firkin, die Kammerfrau, und das ganze Dienstpersonal von Miss Crawley insgeheim unter der Tyrannei der glorreichen Mrs. Bute.   Through Rawdon’s valet, who still kept up a trifling acquaintance with the male inhabitants of Miss Crawley’s servants’ hall, and was instructed to treat the coachman to drink whenever they met, old Miss Crawley’s movements were pretty well known by our young couple; and Rebecca luckily bethought herself of being unwell, and of calling in the same apothecary who was in attendance upon the spinster, so that their information was on the whole tolerably complete. Nor was Miss Briggs, although forced to adopt a hostile attitude, secretly inimical to Rawdon and his wife. She was naturally of a kindly and forgiving disposition. Now that the cause of jealousy was removed, her dislike for Rebecca disappeared also, and she remembered the latter’s invariable good words and good humour. And, indeed, she and Mrs. Firkin, the lady’s-maid, and the whole of Miss Crawley’s household, groaned under the tyranny of the triumphant Mrs. Bute. Wie es oft vorkommt, verfolgte diese gute, aber herrschsüchtige Frau ihren Vorteil zu weit und ihr Glück zu unbarmherzig. Im Laufe weniger Wochen war es ihr gelungen, die Kranke in einen solchen Zustand hilfloser Fügsamkeit zu versetzen, daß die arme Seele sich völlig den Befehlen ihrer Schwägerin unterwarf und sich nicht einmal bei der Briggs oder der Firkin über ihre Sklaverei zu beklagen wagte. Mit unwiderstehlicher Genauigkeit maß Mrs. Bute die Gläser Wein ab, die Miss Crawley täglich trinken durfte – zum großen Ärger der Firkin und des Butlers, die sich nun sogar der Herrschaft über die Sherryflasche beraubt sahen. Sie teilte die Kalbsmilch, Gelees und Hühnchen nach Menge und Reihenfolge aus. Abends, mittags und morgens brachte sie die vom Arzt verordneten abscheulichen Tränke, die die Kranke mit einem so rührenden Gehorsam schluckte, daß die Firkin sagte: »Meine arme Herrin nimmt ihre Arznei wie ein Lamm ein.« Sie bestimmte, wann sie in der Kutsche oder im Rollstuhl ausgefahren werden sollte; mit einem Wort: sie zermürbte die alte Dame während ihrer Genesung, wie es nur einer so rechtschaffenen, mütterlichen, moralischen Frau gelingt. Leistete die Patientin einmal einen schwachen Widerstand und bat um ein wenig mehr Essen oder einen Tropfen weniger Arznei, dann drohte ihre Wärterin ihr mit augenblicklichem Tode, und Miss Crawley gab sofort nach. »Es ist gar kein Leben mehr in ihr«, bemerkte die Firkin gegenüber der Briggs, »schon seit drei Wochen hat sie mich nicht mehr Dummkopf genannt.« Schließlich nahm sich Mrs. Bute vor, die eben erwähnte ehrliche Kammerfrau, den dicken, vertrauenerweckenden Mr. Bowls und die Briggs wegzuschicken und dafür ihre Töchter aus dem Pfarrhaus kommen zu lassen, bevor man die teure Patientin nach Queen's Crawley bringen konnte. Es ereignete sich aber ein böser Unfall, der sie von ihren angenehmen Pflichten wegrief. Ehrwürden Bute Crawley, ihr Mann, war nämlich eines Abends beim Heimritt vom Pferd gestürzt und hatte sich das Schlüsselbein gebrochen. Fieber und eine Entzündung stellten sich ein, und Mrs. Bute mußte Sussex verlassen und nach Hampshire fahren. Sie versprach, zu ihrer teuersten Freundin zurückzukehren, sobald Bute wiederhergestellt wäre, und hinterließ bei ihrer Abreise für die Dienerschaft strengste Vorschriften, wie ihre Herrin zu behandeln war. Kaum aber hatte sie den Southamptoner Postwagen bestiegen, als sich im ganzen Haus von Miss Crawley ein Jubel verbreitete und alle so erleichtert aufatmeten, wie es die Gesellschaft dort seit vielen Wochen nicht erlebt hatte. Noch am gleichen Tage ließ Miss Crawley ihre Nachmittagsdosis an Medizin aus, noch am gleichen Nachmittag öffnete Bowls nur für sich und Mrs. Firkin eine Flasche Sherry, noch am gleichen Abend frönten Miss Crawley und Miss Briggs einem Spiel Pikett, anstatt einer Predigt von Porteus. Es war ganz wie in dem alten Ammenmärchen, wo der Prügel vergaß, den Pudel zu schlagen, und der ganze Lauf der Ereignisse eine friedliche und glückliche Veränderung erfuhr.   As often will be the case, that good but imperious woman pushed her advantages too far, and her successes quite unmercifully. She had in the course of a few weeks brought the invalid to such a state of helpless docility, that the poor soul yielded herself entirely to her sister’s orders, and did not even dare to complain of her slavery to Briggs or Firkin. Mrs. Bute measured out the glasses of wine which Miss Crawley was daily allowed to take, with irresistible accuracy, greatly to the annoyance of Firkin and the butler, who found themselves deprived of control over even the sherry-bottle. She apportioned the sweetbreads, jellies, chickens; their quantity and order. Night and noon and morning she brought the abominable drinks ordained by the Doctor, and made her patient swallow them with so affecting an obedience that Firkin said “my poor Missus du take her physic like a lamb.” She prescribed the drive in the carriage or the ride in the chair, and, in a word, ground down the old lady in her convalescence in such a way as only belongs to your proper-managing, motherly moral woman. If ever the patient faintly resisted, and pleaded for a little bit more dinner or a little drop less medicine, the nurse threatened her with instantaneous death, when Miss Crawley instantly gave in. “She’s no spirit left in her,” Firkin remarked to Briggs; “she ain’t ave called me a fool these three weeks.” Finally, Mrs. Bute had made up her mind to dismiss the aforesaid honest lady’s-maid, Mr. Bowls the large confidential man, and Briggs herself, and to send for her daughters from the Rectory, previous to removing the dear invalid bodily to Queen’s Crawley, when an odious accident happened which called her away from duties so pleasing. The Reverend Bute Crawley, her husband, riding home one night, fell with his horse and broke his collar-bone. Fever and inflammatory symptoms set in, and Mrs. Bute was forced to leave Sussex for Hampshire. As soon as ever Bute was restored, she promised to return to her dearest friend, and departed, leaving the strongest injunctions with the household regarding their behaviour to their mistress; and as soon as she got into the Southampton coach, there was such a jubilee and sense of relief in all Miss Crawley’s house, as the company of persons assembled there had not experienced for many a week before. That very day Miss Crawley left off her afternoon dose of medicine: that afternoon Bowls opened an independent bottle of sherry for himself and Mrs. Firkin: that night Miss Crawley and Miss Briggs indulged in a game of piquet instead of one of Porteus’s sermons. It was as in the old nursery-story, when the stick forgot to beat the dog, and the whole course of events underwent a peaceful and happy revolution. Zwei- oder dreimal in der Woche pflegte Miss Briggs morgens in aller Frühe einen Badekarren aufzusuchen und sich in einem Flanellgewand und einer Öltuchhaube im Wasser zu vergnügen. Wie wir gesehen haben, war Rebekka dieser Umstand nicht unbekannt, und obgleich sie nicht versuchte, die Briggs zu stürmen, wie sie angedroht hatte, nämlich plötzlich vor der Dame aufzutauchen und sie unter ihrem geheiligten Zelt zu überraschen, so beschloß Mrs. Rawdon doch, die Briggs anzugreifen, wenn sie erfrischt und gestärkt und wahrscheinlich in guter Laune vom Bade käme.   At a very early hour in the morning, twice or thrice a week, Miss Briggs used to betake herself to a bathing-machine, and disport in the water in a flannel gown and an oilskin cap. Rebecca, as we have seen, was aware of this circumstance, and though she did not attempt to storm Briggs as she had threatened, and actually dive into that lady’s presence and surprise her under the sacredness of the awning, Mrs. Rawdon determined to attack Briggs as she came away from her bath, refreshed and invigorated by her dip, and likely to be in good humour. Becky stand also am nächsten Morgen sehr zeitig auf, holte sich das Fernrohr in ihr Wohnzimmer, das aufs Meer hinausging, und richtete es auf die Badekarren am Strand. Bald sah sie die Briggs herbeikommen, in ihren Kasten steigen und auf das Meer hinausfahren. Rebekka war am Strande, gerade als die ersehnte Nymphe aus dem kleinen Fahrzeug kletterte und auf die Steine trat. Es war ein hübsches Bild: der Strand, die Gesichter der Badefrauen, die langen Reihen von Felsen und Häusern leuchteten rot im Sonnenlicht. Rebekka trug ein freundliches, zärtliches Lächeln zur Schau und streckte in dem Augenblick, als die Briggs aus dem Kasten auftauchte, ihre hübsche weiße Hand aus. Was konnte die Briggs anderes tun, als den Gruß zu erwidern?   So getting up very early the next morning, Becky brought the telescope in their sitting-room, which faced the sea, to bear upon the bathing-machines on the beach; saw Briggs arrive, enter her box; and put out to sea; and was on the shore just as the nymph of whom she came in quest stepped out of the little caravan on to the shingles. It was a pretty picture: the beach; the bathing-women’s faces; the long line of rocks and building were blushing and bright in the sunshine. Rebecca wore a kind, tender smile on her face, and was holding out her pretty white hand as Briggs emerged from the box. What could Briggs do but accept the salutation? »Miss Sh..., Mrs. Crawley«, sagte sie.   “Miss Sh — Mrs. Crawley,” she said. Mrs. Crawley ergriff ihre Hand, drückte sie an ihr Herz und umarmte und küßte die Briggs in einer plötzlichen Eingebung herzlich. »Liebe, liebe Freundin!« sagte sie mit so echtem Gefühl, daß Miss Briggs natürlich sofort zerschmolz und sogar die Badefrau weich wurde.   Mrs. Crawley seized her hand, pressed it to her heart, and with a sudden impulse, flinging her arms round Briggs, kissed her affectionately. “Dear, dear friend!” she said, with a touch of such natural feeling, that Miss Briggs of course at once began to melt, and even the bathing-woman was mollified. Es fiel Rebekka nicht schwer, die Briggs in ein langes, vertrautes und reizendes Gespräch zu verwickeln. Die Briggs beschrieb alles, was sich seit Beckys plötzlichem Verschwinden an jenem Morgen aus Miss Crawleys Haus in der Park Lane bis zu diesem Tage mit Mrs. Butes glücklichem Rückzug ereignet hatte. Ausführlich und genau, wie Frauen es gern tun, schilderte die Vertraute alle Einzelheiten von Miss Crawleys Krankheit und der ärztlichen Behandlung. Werden Frauen jemals müde, sich über ihre Krankheiten und Ärzte zu unterhalten? Die Briggs wurde es jedenfalls nicht, und Rebekka hörte unermüdlich zu. Sie war dankbar, wirklich dankbar, daß die liebe gute Briggs und die treue, unschätzbare Firkin bei ihrer kranken Wohltäterin hatten bleiben dürfen. Der Himmel segne Miss Crawley! Obgleich sie, Rebekka, sich scheinbar ungehorsam gegen die alte Dame betragen habe. Aber sei ihr Vergehen nicht natürlich und entschuldbar? Konnte sie anders, als dem Mann, der ihr Herz gewonnen hatte, ihre Hand zu geben? Die sentimentale Briggs konnte bei diesem Geständnis nur ihre Augen zum Himmel erheben und einen mitfühlenden Seufzer ausstoßen. Sie dachte daran, daß auch sie einst, vor vielen Jahren, ihr Herz verschenkt hatte, und mußte zugeben, daß Rebekkas Verbrechen nicht groß war.   Rebecca found no difficulty in engaging Briggs in a long, intimate, and delightful conversation. Everything that had passed since the morning of Becky’s sudden departure from Miss Crawley’s house in Park Lane up to the present day, and Mrs. Bute’s happy retreat, was discussed and described by Briggs. All Miss Crawley’s symptoms, and the particulars of her illness and medical treatment, were narrated by the confidante with that fulness and accuracy which women delight in. About their complaints and their doctors do ladies ever tire of talking to each other? Briggs did not on this occasion; nor did Rebecca weary of listening. She was thankful, truly thankful, that the dear kind Briggs, that the faithful, the invaluable Firkin, had been permitted to remain with their benefactress through her illness. Heaven bless her! though she, Rebecca, had seemed to act undutifully towards Miss Crawley; yet was not her fault a natural and excusable one? Could she help giving her hand to the man who had won her heart? Briggs, the sentimental, could only turn up her eyes to heaven at this appeal, and heave a sympathetic sigh, and think that she, too, had given away her affections long years ago, and own that Rebecca was no very great criminal. »Kann ich jemals die vergessen, die der freundlosen Waise eine Freundin wurde? Nein, obwohl sie mich verstoßen hat, werde ich doch nie aufhören, sie zu lieben, und würde gern mein Leben ihrem Dienste weihen«, versicherte Rebekka. »Als meine Wohltäterin, als die angebetete Verwandte meines geliebten Rawdon liebe und bewundere ich Miss Crawley, meine teure Miss Briggs, mehr als jede andere Frau in der Welt, und danach liebe ich alle die, die ihr treu sind. Nie hätte ich Miss Crawleys treue Freundinnen so behandelt, wie die gemeine, ränkevolle Mrs. Bute es getan hat. Rawdon, der ganz Herz ist«, fuhr Becky fort, »obgleich seine Manieren rauh und unbedacht erscheinen mögen, hat wohl hundertmal mit Tränen in den Augen gesagt, er danke dem Himmel dafür, daß er seinem lieben Tantchen zwei so wunderbare Wärterinnen gesandt hat wie ihre ergebene Firkin und ihre bewundernswerte Miss Briggs.« Sollten die Anschläge der abscheulichen Mrs. Bute damit enden – und sie, Rebekka, befürchte das nur zu sehr –, daß sie jeden, der Miss Crawley liebte, von ihrer Seite verbannte und die arme Dame so ein Opfer der Harpyien im Pfarrhaus würde, so bitte sie (Rebekka) ihre Freundin (Miss Briggs), stets daran zu denken, daß ihr Haus, so bescheiden es auch sei, immer für Miss Briggs offenstünde. »Liebe Freundin«, rief sie in einem Ausbruch von Begeisterung, »es gibt Herzen, die Wohltaten niemals vergessen! Nicht alle Frauen sind Bute Crawleys! Aber weshalb sollte ich mich über sie beklagen«, setzte Rebekka hinzu, »wenn ich auch ihr Werkzeug und das Opfer ihrer Künste wurde – verdanke ich ihr nicht meinen liebsten Rawdon?« Und nun enthüllte Rebekka der Briggs das ganze Verhalten von Mrs. Bute in Queen's Crawley, ein Verhalten, das ihr damals unverständlich gewesen sei, jetzt aber durch die Ereignisse deutlich genug erklärt werde – jetzt, da die Verbindung entstanden war, die Mrs. Bute durch tausend Kunstgriffe begünstigt hatte, jetzt, da zwei Unschuldige in die Schlinge gegangen waren, die sie gelegt hatte, sich liebten, heirateten und dem Ruin entgegengingen – alles durch ihre Schliche.   “Can I ever forget her who so befriended the friendless orphan? No, though she has cast me off,” the latter said, “I shall never cease to love her, and I would devote my life to her service. As my own benefactress, as my beloved Rawdon’s adored relative, I love and admire Miss Crawley, dear Miss Briggs, beyond any woman in the world, and next to her I love all those who are faithful to her. I would never have treated Miss Crawley’s faithful friends as that odious designing Mrs. Bute has done. Rawdon, who was all heart,” Rebecca continued, “although his outward manners might seem rough and careless, had said a hundred times, with tears in his eyes, that he blessed Heaven for sending his dearest Aunty two such admirable nurses as her attached Firkin and her admirable Miss Briggs. Should the machinations of the horrible Mrs. Bute end, as she too much feared they would, in banishing everybody that Miss Crawley loved from her side, and leaving that poor lady a victim to those harpies at the Rectory, Rebecca besought her (Miss Briggs) to remember that her own home, humble as it was, was always open to receive Briggs. Dear friend,” she exclaimed, in a transport of enthusiasm, “some hearts can never forget benefits; all women are not Bute Crawleys! Though why should I complain of her,” Rebecca added; “though I have been her tool and the victim to her arts, do I not owe my dearest Rawdon to her?” And Rebecca unfolded to Briggs all Mrs. Bute’s conduct at Queen’s Crawley, which, though unintelligible to her then, was clearly enough explained by the events now — now that the attachment had sprung up which Mrs. Bute had encouraged by a thousand artifices — now that two innocent people had fallen into the snares which she had laid for them, and loved and married and been ruined through her schemes. Das entsprach alles der Wahrheit. Die Briggs durchschaute die Kriegslist völlig. Mrs. Bute hatte die Ehe zwischen Rawdon und Rebekka gestiftet. Obgleich die junge Frau durchaus ein unschuldiges Opfer war, so konnte doch Miss Briggs ihrer Freundin nicht ihre Furcht verhehlen, daß Miss Crawley ihre Liebe von Rebekka abgewandt habe und daß die alte Dame es ihrem Neffen nie verzeihen werde, eine so unkluge Heirat eingegangen zu sein.   It was all very true. Briggs saw the stratagems as clearly as possible. Mrs. Bute had made the match between Rawdon and Rebecca. Yet, though the latter was a perfectly innocent victim, Miss Briggs could not disguise from her friend her fear that Miss Crawley’s affections were hopelessly estranged from Rebecca, and that the old lady would never forgive her nephew for making so imprudent a marriage. In diesem Punkte hatte Rebekka ihre eigenen Ansichten und war noch immer guten Mutes. Wenn Miss Crawley ihnen auch nicht jetzt verzieh, so konnte sie sich doch später erweichen lassen. Es stand jetzt nur noch der plärrende, kränkliche Pitt Crawley zwischen Rawdon und der Baronetswürde, und sollte diesem etwas zustoßen, wäre alles gut. Jedenfalls war es eine Genugtuung, Mrs. Butes Ränke enthüllt und sich selbst ins rechte Licht gerückt zu haben – was auch Rawdons Interessen dienen konnte. Nach einem einstündigen Schwatz verließ Rebekka ihre wiedergewonnene Freundin unter den zärtlichsten Freundschaftsbezeigungen, vollkommen überzeugt, daß die Unterhaltung Miss Crawley noch vor Ablauf einiger Stunden berichtet werden würde.   On this point Rebecca had her own opinion, and still kept up a good heart. If Miss Crawley did not forgive them at present, she might at least relent on a future day. Even now, there was only that puling, sickly Pitt Crawley between Rawdon and a baronetcy; and should anything happen to the former, all would be well. At all events, to have Mrs. Bute’s designs exposed, and herself well abused, was a satisfaction, and might be advantageous to Rawdon’s interest; and Rebecca, after an hour’s chat with her recovered friend, left her with the most tender demonstrations of regard, and quite assured that the conversation they had had together would be reported to Miss Crawley before many hours were over. Als die Unterredung zu Ende war, wurde es für Rebekka höchste Zeit, in ihr Gasthaus zurückzukehren, wo sich die ganze Gesellschaft vom vergangenen Tage zu einem Abschiedsfrühstück zusammengefunden hatte. Rebekka nahm von Amelia so zärtlich Abschied, wie es zwei Frauen, die sich wie Schwestern lieben, zukommt. Sie benutzte ausgiebig ihr Taschentuch, hängte sich der Freundin an den Hals, als ob sie sich für immer trennten, und winkte mit dem (nebenbei gesagt ganz trockenen) Taschentuch aus dem Fenster dem abfahrenden Wagen nach. Dann begab sie sich an den Frühstückstisch zurück und aß – wenn man ihre Rührung in Betracht zieht, mit gutem Appetit – ein paar Garnelen. Während sie diese Delikatessen kaute, erzählte sie Rawdon, was auf ihrem Morgenspaziergang zwischen ihr und der Briggs vorgefallen war. Ihre Hoffnungen waren hochgespannt, und sie brachte ihren Mann dazu, sie zu teilen. Es gelang ihr stets, ihren Mann für ihre Ansichten zu gewinnen, ganz gleich, ob sie traurig oder lustig waren.   This interview ended, it became full time for Rebecca to return to her inn, where all the party of the previous day were assembled at a farewell breakfast. Rebecca took such a tender leave of Amelia as became two women who loved each other as sisters; and having used her handkerchief plentifully, and hung on her friend’s neck as if they were parting for ever, and waved the handkerchief (which was quite dry, by the way) out of window, as the carriage drove off, she came back to the breakfast table, and ate some prawns with a good deal of appetite, considering her emotion; and while she was munching these delicacies, explained to Rawdon what had occurred in her morning walk between herself and Briggs. Her hopes were very high: she made her husband share them. She generally succeeded in making her husband share all her opinions, whether melancholy or cheerful. »Mein Lieber, du wirst dich nun gefälligst an den Schreibtisch setzen und mir ein hübsches Briefchen an Miss Crawley schreiben und ihr darin sagen, daß du ein guter Junge bist und so weiter.« Er setzte sich also hin und schrieb schnell los: »Brighton, Donnerstag« und »Meine liebe Tante!« Aber hier verließ den tapferen Offizier die Phantasie. Er kaute an der Feder und sah seine kleine Frau an. Sie mußte über seine jämmerliche Miene lachen und begann nun selbst einen Brief zu diktieren, wobei sie, die Hände auf dem Rücken, im Zimmer auf und ab ging:   “You will now, if you please, my dear, sit down at the writing-table and pen me a pretty little letter to Miss Crawley, in which you’ll say that you are a good boy, and that sort of thing.” So Rawdon sate down, and wrote off, “Brighton, Thursday,” and “My dear Aunt,” with great rapidity: but there the gallant officer’s imagination failed him. He mumbled the end of his pen, and looked up in his wife’s face. She could not help laughing at his rueful countenance, and marching up and down the room with her hands behind her, the little woman began to dictate a letter, which he took down. »Bevor ich England verlasse und in eine Schlacht ziehe, die sehr wahrscheinlich verhängnisvoll...«   “Before quitting the country and commencing a campaign, which very possibly may be fatal.” »Was?« rief Rawdon ziemlich überrascht, begriff aber doch den Humor des Satzes und schrieb ihn grinsend nieder.   “What?” said Rawdon, rather surprised, but took the humour of the phrase, and presently wrote it down with a grin. »... die sehr wahrscheinlich verhängnisvoll werden kann, bin ich hierhergekommen ...«   “Which very possibly may be fatal, I have come hither — ” »Warum nicht: ›hergekommen‹, Becky? ›hergekommen‹ ist doch auch grammatisch«, fiel der Dragoner ein.   “Why not say come here, Becky? Come here’s grammar,” the dragoon interposed. »... bin ich hierhergekommen«, wiederholte Rebekka und stampfte mit dem. Fuß auf, »um meiner liebsten und ältesten Freundin Lebewohl zu sagen. Ich flehe Sie an, ehe ich scheide, um vielleicht nie zurückzukommen, mich noch einmal die Hand drücken zu lassen, aus der ich mein Leben lang nichts als Güte empfangen habe.«   “I have come hither,” Rebecca insisted, with a stamp of her foot, “to say farewell to my dearest and earliest friend. I beseech you before I go, not perhaps to return, once more to let me press the hand from which I have received nothing but kindnesses all my life.” »... Güte empfangen habe«, wiederholte Rawdon, und als er die Worte hinkritzelte, war er ganz erstaunt über seinen flüssigen Stil.   “Kindnesses all my life,” echoed Rawdon, scratching down the words, and quite amazed at his own facility of composition. »Ich erbitte von Ihnen nur, daß wir nicht in Unfrieden voneinander scheiden. In einigen Punkten, wenn auch nicht in allen, besitze ich den Stolz meiner Familie. Ich habe die Tochter eines Malers geheiratet und schäme mich dieser Verbindung nicht.«   “I ask nothing from you but that we should part not in anger. I have the pride of my family on some points, though not on all. I married a painter’s daughter, and am not ashamed of the union.” »Nein, du kannst mich durchbohren, wenn ich das tue!« rief Rawdon.   “No, run me through the body if I am!” Rawdon ejaculated. »Du alter Einfaltspinsel«, sagte Rebekka und kniff ihn ins Ohr. Sie sah ihm über die Schulter, um zu verhüten, daß er Schreibfehler machte. »›Güte‹ schreibt man ohne h, ›Lebewohl‹ mit.« Er beugte sich der überlegenen Kenntnis seiner kleinen Herrin und verbesserte die Worte.   “You old booby,” Rebecca said, pinching his ear and looking over to see that he made no mistakes in spelling — "beseech is not spelt with an a, and earliest is.” So he altered these words, bowing to the superior knowledge of his little Missis. »Ich dachte, Sie kannten meine Liebe«, fuhr Rebekka fort, »ich wußte, daß Mrs. Bute Crawley sie guthieß und unterstützte. Aber ich mache niemandem Vorwürfe. Ich habe ein armes Mädchen geheiratet und will zu dem, was ich getan habe, stehen. Hinterlassen Sie Ihr Vermögen, liebe Tante, wem Sie wollen. Ich werde mich nie beklagen, wie Sie auch darüber verfügen mögen. Ich möchte Sie nur davon überzeugen, daß ich Sie nicht um Ihres Geldes, sondern um Ihrer selbst willen liebe. Ich möchte mich gern mit Ihnen versöhnen, ehe ich England verlasse. Bitte, bitte, darf ich Sie sehen, ehe ich gehe? In ein paar Wochen oder Monaten könnte es zu spät sein, und ich kann den Gedanken nicht ertragen, mein Vaterland ohne ein freundliches Abschiedswort von Ihnen zu verlassen.«   “I thought that you were aware of the progress of my attachment,” Rebecca continued: “I knew that Mrs. Bute Crawley confirmed and encouraged it. But I make no reproaches. I married a poor woman, and am content to abide by what I have done. Leave your property, dear Aunt, as you will. I shall never complain of the way in which you dispose of it. I would have you believe that I love you for yourself, and not for money’s sake. I want to be reconciled to you ere I leave England. Let me, let me see you before I go. A few weeks or months hence it may be too late, and I cannot bear the notion of quitting the country without a kind word of farewell from you.” »Sie wird hier meinen Stil wohl kaum erkennen«, sagte Becky. »Ich habe die Sätze absichtlich so kurz und bündig gemacht.« Und nun wurde dieses authentische Schreiben an Miss Briggs' Adresse abgeschickt.   “She won’t recognise my style in that,” said Becky. “I made the sentences short and brisk on purpose.” And this authentic missive was despatched under cover to Miss Briggs. Die alte Miss Crawley lachte, als die Briggs mit äußerst geheimnisvoller Miene ihr dieses aufrichtige und ungekünstelte Schreiben überreichte. »Wir können es jetzt wohl lesen, da Mrs. Bute fort ist«, sagte sie. »Lesen Sie mir den Brief vor, Briggs.«   Old Miss Crawley laughed when Briggs, with great mystery, handed her over this candid and simple statement. “We may read it now Mrs. Bute is away,” she said. “Read it to me, Briggs.” Als die Briggs gelesen hatte, lachte ihre Gebieterin noch mehr. »Sehen Sie nicht, Sie Gans«, sagte sie zu der Briggs, die sich den Anschein gab, als sei sie von der uneigennützigen Liebe, die aus dem ganzen Schreiben sprach, sehr gerührt, »merken Sie nicht, daß Rawdon auch nicht eine Silbe davon geschrieben hat? Sein ganzes Leben hat er mir noch nie geschrieben, ohne Geld zu verlangen, und alle seine Briefe wimmelten von Schreibfehlern, von falscher Grammatik und Strichen. Diese kleine Schlange von einer Gouvernante hat ihn an der Strippe.« Sie sind sich alle gleich, dachte Miss Crawley in ihrem Herzen. Alle möchten, daß ich tot wäre, und trachten nach meinem Geld.   When Briggs had read the epistle out, her patroness laughed more. “Don’t you see, you goose,” she said to Briggs, who professed to be much touched by the honest affection which pervaded the composition, “don’t you see that Rawdon never wrote a word of it. He never wrote to me without asking for money in his life, and all his letters are full of bad spelling, and dashes, and bad grammar. It is that little serpent of a governess who rules him.” They are all alike, Miss Crawley thought in her heart. They all want me dead, and are hankering for my money. »Ich habe nichts dagegen, Rawdon zu sehen«, setzte sie nach einer Pause in vollkommen gleichgültigem Ton hinzu. »Es macht nichts aus, ob ich ihm nun die Hand drücke oder nicht. Vorausgesetzt, es gibt keine Szene – warum sollten wir uns nicht sehen? Von mir aus! Aber die menschliche Geduld hat ihre Grenzen, und vergessen Sie nicht, meine Liebe, ich lehne es höflich ab, Mrs. Rawdon zu empfangen, das kann ich denn doch nicht ertragen.« Miss Briggs mußte sich nun wohl oder übel mit dieser halben Versöhnungsbotschaft zufriedengeben. Sie dachte, die beste Weise, die alte Dame und den Neffen zusammenzubringen, wäre, Rawdon zu empfehlen, auf den Klippen zu warten, wenn Miss Crawley sich im Rollstuhl dorthin bringen ließ, um Luft zu schöpfen. Dort trafen sie sich. Ich weiß nicht, ob Miss Crawley noch ein geheimes Gefühl der Zuneigung oder Rührung empfand, als sie ihren einstigen Liebling erblickte, jedenfalls hielt sie ihm lächelnd und mit gutgelaunter Miene ein paar Finger hin, als ob sie sich tags zuvor erst getroffen hätten. Rawdon wurde scharlachrot und zerdrückte der armen Briggs beinahe die Hand, so groß waren seine Begeisterung und Verwirrung bei dem Zusammentreffen. Vielleicht waren es seine Interessen, die ihn bewegten, vielleicht war es Liebe, vielleicht war es auch die Veränderung im Äußeren seiner Tante, durch die Krankheit der letzten Wochen, die ihn ergriff.   “I don’t mind seeing Rawdon,” she added, after a pause, and in a tone of perfect indifference. “I had just as soon shake hands with him as not. Provided there is no scene, why shouldn’t we meet? I don’t mind. But human patience has its limits; and mind, my dear, I respectfully decline to receive Mrs. Rawdon — I can’t support that quite" — and Miss Briggs was fain to be content with this half-message of conciliation; and thought that the best method of bringing the old lady and her nephew together, was to warn Rawdon to be in waiting on the Cliff, when Miss Crawley went out for her air in her chair. There they met. I don’t know whether Miss Crawley had any private feeling of regard or emotion upon seeing her old favourite; but she held out a couple of fingers to him with as smiling and good-humoured an air, as if they had met only the day before. And as for Rawdon, he turned as red as scarlet, and wrung off Briggs’s hand, so great was his rapture and his confusion at the meeting. Perhaps it was interest that moved him: or perhaps affection: perhaps he was touched by the change which the illness of the last weeks had wrought in his aunt. »Das alte Mädchen war immer eine treue Seele für mich«, sagte er zu seiner Frau, als er ihr von der Unterredung berichtete, »und weißt du, mir war ganz komisch zumute, na ja, und so weiter. Ich bin neben dem Dingsda – du weißt schon – hergegangen, bis vor ihre Tür, und dann kam Bowls und brachte sie hinein. Ich wollte ja auch ganz gern mit reingehen, bloß ...«   “The old girl has always acted like a trump to me,” he said to his wife, as he narrated the interview, “and I felt, you know, rather queer, and that sort of thing. I walked by the side of the what-dy’e-call-’em, you know, and to her own door, where Bowls came to help her in. And I wanted to go in very much, only — ” »Bist du etwa nicht mit hineingegangen, Rawdon!« schrie seine Frau.   “ You didn’t go in , Rawdon!” screamed his wife. »Nein, meine Liebe, der Teufel hole mich, aber ich hatte Angst, als es soweit war.«   “No, my dear; I’m hanged if I wasn’t afraid when it came to the point.” »Du Narr! Du hättest hineingehen und nicht mehr herauskommen sollen«, sagte Rebekka.   “You fool! you ought to have gone in, and never come out again,” Rebecca said. »Beschimpf mich nicht!« sagte der große Leibgardist verdrießlich. »Vielleicht war ich ein Narr, Becky, aber du solltest das nicht sagen.« Und er warf seiner Frau den Blick zu, den er im Zorn haben konnte und dem man lieber nicht trotzen sollte.   “Don’t call me names,” said the big Guardsman, sulkily. “Perhaps I was a fool, Becky, but you shouldn’t say so”; and he gave his wife a look, such as his countenance could wear when angered, and such as was not pleasant to face. »Schön, Liebster, du mußt eben morgen wieder auf der Lauer liegen und sie besuchen, ob sie dich nun einlädt oder nicht!« sagte Rebekka und versuchte, ihren zornigen Eheliebsten zu besänftigen. Dieser erwiderte darauf, daß er tun würde, was ihm beliebte, und daß er ihr raten wollte, in Zukunft ihre Zunge im Zaum zu halten. Damit entfernte sich der gekränkte Ehemann und verbrachte den Vormittag mürrisch, schweigsam und argwöhnisch im Billardzimmer.   “Well, dearest, to-morrow you must be on the look-out, and go and see her, mind, whether she asks you or no,” Rebecca said, trying to soothe her angry yoke-mate. On which he replied, that he would do exactly as he liked, and would just thank her to keep a civil tongue in her head — and the wounded husband went away, and passed the forenoon at the billiard-room, sulky, silent, and suspicious. Noch vor Ende der Nacht aber sah er sich genötigt, nachzugeben und wie gewöhnlich abermals die größere Klugheit und Vorsicht seiner Frau anzuerkennen. Ihre Ahnungen wegen der Folgen seines Fehlers bestätigten sich auf traurige Weise. Miss Crawley mußte wirklich etwas bewegt worden sein, als sie ihn nach einem so langen Bruch wiedersah und ihm die Hand drückte. Sie dachte lange Zeit über die Zusammenkunft nach. »Rawdon wird sehr dick und alt, Briggs«, bemerkte sie zu ihrer Gesellschafterin. »Seine Nase ist entsetzlich rot, und er sieht außerordentlich heruntergekommen aus. Seine Heirat mit diesem Frauenzimmer hat ihn hoffnungslos ordinär gemacht. Mrs. Bute sagte mir immer, daß sie beide trinken, und ich zweifle nicht daran, daß sie es wirklich tun. Ja, er hat ganz entsetzlich nach Gin gerochen. Ich habe es gemerkt. Sie nicht auch?«   But before the night was over he was compelled to give in, and own, as usual, to his wife’s superior prudence and foresight, by the most melancholy confirmation of the presentiments which she had regarding the consequences of the mistake which he had made. Miss Crawley must have had some emotion upon seeing him and shaking hands with him after so long a rupture. She mused upon the meeting a considerable time. “Rawdon is getting very fat and old, Briggs,” she said to her companion. “His nose has become red, and he is exceedingly coarse in appearance. His marriage to that woman has hopelessly vulgarised him. Mrs. Bute always said they drank together; and I have no doubt they do. Yes: he smelt of gin abominably. I remarked it. Didn’t you?” Vergeblich wandte die Briggs ein, daß Mrs. Bute von jedermann schlecht sprach, und soweit ein Mensch in ihrer bescheidenen Stellung urteilen könne, so sei sie ein ...   In vain Briggs interposed that Mrs. Bute spoke ill of everybody: and, as far as a person in her humble position could judge, was an — »Ein gerissenes, ränkevolles Frauenzimmer, nicht wahr? Ja, das stimmt, und es stimmt auch, daß sie von jedermann schlecht spricht. Aber ich bin doch überzeugt, daß dieses Weib Rawdon zum Trinken verleitet hat. Alle diese gewöhnlichen Leute ...«   “An artful designing woman? Yes, so she is, and she does speak ill of every one — but I am certain that woman has made Rawdon drink. All those low people do — ” »Er war sehr ergriffen, als er Sie sah, Madame«, sagte die Gesellschafterin, »und ich bin überzeugt, wenn Sie bedenken, daß er sich nun in Gefahr begibt...«   “He was very much affected at seeing you, ma’am,” the companion said; “and I am sure, when you remember that he is going to the field of danger — ” »Wieviel Geld hat er Ihnen versprochen, Briggs?« schrie die alte Jungfer, die sich in eine nervöse Wut hineinarbeitete, »da haben wir's wieder, natürlich fangen Sie jetzt an zu heulen. Ich hasse Szenen. Warum muß ich immer gequält werden? Gehen Sie in Ihr Zimmer und weinen Sie sich dort aus und schicken Sie mir die Firkin – oder nein, bleiben Sie da, setzen Sie sich und putzen Sie sich die Nase. Hören Sie auf zu heulen und schreiben Sie einen Brief an Hauptmann Crawley.« Die arme Briggs setzte sich gehorsam an den Schreibblock. Die Blätter trugen noch Spuren der festen, energischen, schnellen Handschrift von dem letzten Amanuensis der alten Jungfer, von Mrs. Bute Crawley.   “How much money has he promised you, Briggs?” the old spinster cried out, working herself into a nervous rage — "there now, of course you begin to cry. I hate scenes. Why am I always to be worried? Go and cry up in your own room, and send Firkin to me — no, stop, sit down and blow your nose, and leave off crying, and write a letter to Captain Crawley.” Poor Briggs went and placed herself obediently at the writing-book. Its leaves were blotted all over with relics of the firm, strong, rapid handwriting of the spinster’s late amanuensis, Mrs. Bute Crawley. »Fangen Sie an: ›Mein sehr verehrter Herr‹ oder besser ›Verehrter Herr‹, und sagen Sie, Sie seien beauftragt von Mrs. Crawley – nein, von Miss Crawleys Arzt, Mr. Creamer, mitzuteilen, daß in meinem jetzigen Gesundheitszustand alle starken Gemütsbewegungen gefährlich seien – und daß ich deshalb jede Besprechung von Familienangelegenheiten und überhaupt jede Unterredung ablehnen müsse. Und danken Sie ihm, daß er nach Brighton gekommen ist und so weiter und bitten Sie ihn, meinetwegen nicht länger hier zu verweilen. Und, Miss Briggs, Sie können noch hinzufügen, daß ich ihm bon voyage wünsche und daß er bei meinem Rechtsanwalt am Gray's Inn Square vorsprechen kann, wenn er sich die Mühe machen will, und dort eine Mitteilung von mir finden wird. Ja, ja, das wird reichen und bewirken, daß er Brighton verläßt.« Den letzten Satz schrieb die wohlwollende Briggs mit großer Befriedigung nieder.   “Begin ‘My dear sir,’ or ‘Dear sir,’ that will be better, and say you are desired by Miss Crawley — no, by Miss Crawley’s medical man, by Mr. Creamer, to state that my health is such that all strong emotions would be dangerous in my present delicate condition — and that I must decline any family discussions or interviews whatever. And thank him for coming to Brighton, and so forth, and beg him not to stay any longer on my account. And, Miss Briggs, you may add that I wish him a bon voyage, and that if he will take the trouble to call upon my lawyer’s in Gray’s Inn Square, he will find there a communication for him. Yes, that will do; and that will make him leave Brighton.” The benevolent Briggs penned this sentence with the utmost satisfaction. »Mich schon am Tag nach Mrs. Butes Abreise zu überfallen«, schwatzte die alte Dame weiter, »das war doch etwas taktlos. Briggs, meine Liebe, schreiben Sie an Mrs. Crawley und sagen Sie ihr, sie brauche nicht wiederzukommen. Nein, sie braucht nicht, und sie soll auch nicht, ich will nicht Sklavin in meinem eigenen Hause sein – und ich will nicht verhungern und vergiftet werden. Sie wollen mich alle umbringen – alle – ja, alle.« Und bei diesen Worten brach die einsame alte Frau in einen hysterischen Tränenstrom aus.   “To seize upon me the very day after Mrs. Bute was gone,” the old lady prattled on; “it was too indecent. Briggs, my dear, write to Mrs. Crawley, and say she needn’t come back. No — she needn’t — and she shan’t — and I won’t be a slave in my own house — and I won’t be starved and choked with poison. They all want to kill me — all — all" — and with this the lonely old woman burst into a scream of hysterical tears. Der letzte Aufzug ihrer traurigen Komödie auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit näherte sich schnell dem Ende, die flimmernden Lampen erloschen eine nach der anderen, und der dunkle Vorhang sollte sich bald herabsenken.   The last scene of her dismal Vanity Fair comedy was fast approaching; the tawdry lamps were going out one by one; and the dark curtain was almost ready to descend. Der letzte Absatz, der Rawdon an Miss Crawleys Advokaten in London verwies und den die Briggs so befriedigt geschrieben hatte, tröstete den Dragoner und seine Frau etwas nach der ersten schweren Enttäuschung über die ablehnende Antwort der alten Jungfer hinsichtlich der Versöhnung. Aber er erfüllte den Zweck, den die alte Dame beim Schreiben im Auge gehabt hatte, denn Rawdon war jetzt sehr erpicht darauf, nach London zu kommen.   That final paragraph, which referred Rawdon to Miss Crawley’s solicitor in London, and which Briggs had written so good-naturedly, consoled the dragoon and his wife somewhat, after their first blank disappointment, on reading the spinster’s refusal of a reconciliation. And it effected the purpose for which the old lady had caused it to be written, by making Rawdon very eager to get to London. Mit Josephs Geldverlusten und mit George Osbornes Banknoten bezahlte er die Gasthofrechnung, und der Wirt hat wahrscheinlich bis heute nicht erfahren, wie unsicher die Aussicht auf Bezahlung seiner Rechnung einmal war. Denn wie ein General vor dem Treffen sein Gepäck bei der Nachhut in Sicherheit bringt, so hatte auch Rebekka wohlweislich ihr wertvollstes Eigentum in Koffer gepackt und sie unter der Aufsicht von Georges Diener mit der Postkutsche nach London geschickt. Rawdon fuhr mit seiner Frau am nächsten Tag mit demselben Fahrzeug zurück.   Out of Jos’s losings and George Osborne’s bank-notes, he paid his bill at the inn, the landlord whereof does not probably know to this day how doubtfully his account once stood. For, as a general sends his baggage to the rear before an action, Rebecca had wisely packed up all their chief valuables and sent them off under care of George’s servant, who went in charge of the trunks on the coach back to London. Rawdon and his wife returned by the same conveyance next day. »Ich hätte das alte Mädchen vor unserer Abreise gern noch einmal gesehen«, sagte Rawdon. »Sie sieht so krank und verändert aus, daß sie es gewiß nicht mehr lange treiben kann. Möchte wohl wissen, wie hoch der Scheck bei Waxy ist. Zweihundert – es kann doch nicht weniger als zweihundert sein, meinst du nicht auch, Becky?«   “I should have liked to see the old girl before we went,” Rawdon said. “She looks so cut up and altered that I’m sure she can’t last long. I wonder what sort of a cheque I shall have at Waxy’s. Two hundred — it can’t be less than two hundred — hey, Becky?” Infolge der wiederholten Besuche der beiden Herren, die wir bereits beschrieben haben, kehrten Rawdon und seine Frau nicht zu ihrer Wohnung in Brompton zurück, sondern stiegen in einem Gasthaus ab. Früh am nächsten Morgen hatte Rebekka Gelegenheit, sie zu sehen. Sie war unterwegs zu der alten Mrs. Sedley in Fulham, um ihre liebe Amelia und ihre Freunde von Brighton zu besuchen, und dabei kam sie an der Vorstadt vorbei. Sie waren alle nach Chatham und von dort nach Harwich gegangen, um sich mit dem Regiment nach Belgien einzuschiffen. Rebekka traf die gute alte Mrs. Sedley sehr gedrückt und in ihrer Einsamkeit weinend an. Als sie von dem Besuch zurückkam, fand sie ihren Mann, der in Gray's Inn gewesen war und dort sein Schicksal erfahren hatte. Wütend war er zurückgekommen.   In consequence of the repeated visits of the aides-de-camp of the Sheriff of Middlesex, Rawdon and his wife did not go back to their lodgings at Brompton, but put up at an inn. Early the next morning, Rebecca had an opportunity of seeing them as she skirted that suburb on her road to old Mrs. Sedley’s house at Fulham, whither she went to look for her dear Amelia and her Brighton friends. They were all off to Chatham, thence to Harwich, to take shipping for Belgium with the regiment — kind old Mrs. Sedley very much depressed and tearful, solitary. Returning from this visit, Rebecca found her husband, who had been off to Gray’s Inn, and learnt his fate. He came back furious. »Beim Zeus, Becky«, sagte er, »sie hat mir nur zwanzig Pfund gegeben!«   “By Jove, Becky,” says he, “she’s only given me twenty pound!” Obgleich es sie beide betraf, war der Spaß doch zu gelungen, und Becky brach über Rawdons langes Gesicht in schallendes Gelächter aus.   Though it told against themselves, the joke was too good, and Becky burst out laughing at Rawdon’s discomfiture. 26. Kapitel / Chapter 26 Zwischen London und Chatham / Between London and Chatham Als unser Freund George Brighton verließ, fuhr er, wie es sich für einen Mann von Rang und Welt, der vierspännig reist, gehört, mit Pomp an einem vornehmen Hotel am Cavendish Square vor, wo eine Flucht prächtiger Zimmer und eine Tafel, verschwenderisch mit Silber gedeckt und umgeben von einem halben Dutzend schweigsamer Kellner in Schwarz, für die beiden Neuvermählten bereit waren. George machte mit fürstlicher Miene Joseph und Dobbin die Honneurs, und Amelia führte zum erstenmal schüchtern und ängstlich den Vorsitz am »eigenen Tisch«, wie George es nannte.   On quitting Brighton, our friend George, as became a person of rank and fashion travelling in a barouche with four horses, drove in state to a fine hotel in Cavendish Square, where a suite of splendid rooms, and a table magnificently furnished with plate and surrounded by a half-dozen of black and silent waiters, was ready to receive the young gentleman and his bride. George did the honours of the place with a princely air to Jos and Dobbin; and Amelia, for the first time, and with exceeding shyness and timidity, presided at what George called her own table. George schimpfte über den Wein und kommandierte die Kellner herum wie ein König, und Joe schlürfte mit Behagen die Schildkrötensuppe. Dobbin tat ihm auf, denn die Dame des Hauses, vor der die Terrine stand, kannte den Inhalt so wenig, daß sie Mr. Sedley auftun wollte, ohne ihm Schildkrötenfleisch zu geben.   George pooh-poohed the wine and bullied the waiters royally, and Jos gobbled the turtle with immense satisfaction. Dobbin helped him to it; for the lady of the house, before whom the tureen was placed, was so ignorant of the contents, that she was going to help Mr. Sedley without bestowing upon him either calipash or calipee. Die Pracht des Essens und des Zimmers, in dem es gereicht wurde, beunruhigte Mr. Dobbin, und als die Mahlzeit vorüber war und Joe in dem großen Lehnsessel eingeschlafen war, machte er seinem Freund Vorhaltungen. Aber vergebens protestierte er gegen die Verschwendung von Schildkrötensuppe und Champagner, die einem Erzbischof Ehre gemacht hätten. »Ich bin stets gewohnt gewesen, wie ein Gentleman zu reisen«, sagte George, »und verdammt noch mal, meine Frau soll reisen wie eine Lady. Solange ich noch Pulver auf der Pfanne habe, soll sie keinen Mangel leiden«, sagte der hochherzige Bursche, sehr zufrieden mit seiner Großartigkeit. Dobbin machte nun keinen Versuch, ihn zu überzeugen, daß Amelias Glück nicht von Schildkrötensuppe abhing.   The splendour of the entertainment, and the apartments in which it was given, alarmed Mr. Dobbin, who remonstrated after dinner, when Jos was asleep in the great chair. But in vain he cried out against the enormity of turtle and champagne that was fit for an archbishop. “I’ve always been accustomed to travel like a gentleman,” George said, “and, damme, my wife shall travel like a lady. As long as there’s a shot in the locker, she shall want for nothing,” said the generous fellow, quite pleased with himself for his magnificence of spirit. Nor did Dobbin try and convince him that Amelia’s happiness was not centred in turtle-soup. Kurz nach dem Essen fragte Amelia schüchtern, ob sie ihre Mutter in Fulham besuchen dürfe. Etwas unwillig erlaubte es George. Sofort trippelte sie in ihr riesiges Schlafzimmer mit dem riesigen Paradebett in der Mitte, worin »dem Zar Alexander seine Schwester geschlafen hat, als die alliierten Herrscher hier waren«. Eilig und vergnügt setzte sie den Hut auf und legte sich den Schal um. George saß noch bei seinem Rotwein, als sie in den Speisesaal zurückkam, und machte keine Anstalten aufzubrechen. »Willst du mich nicht begleiten, Liebster?« fragte sie. Nein, der »Liebste« hatte an jenem Abend »dienstlich« zu tun. Sein Diener sollte ihr einen Wagen holen und sie begleiten. Als der Wagen vor der Hoteltür stand, machte Amelia George einen kleinen enttäuschten Knicks, nachdem sie ein paarmal vergeblich versucht hatte, ihm ins Gesicht zu blicken. Sie ging mit Hauptmann Dobbin traurig die große Treppe hinab. Er half ihr beim Einsteigen und blickte dem Fahrzeug nach, als es losfuhr. Sogar der Diener schämte sich, dem Droschkenkutscher vor den Ohren der Hotelkellner die Adresse zu sagen. Er erklärte deshalb, er wolle ihm Bescheid sagen, wenn sie ein Stück gefahren wären.   A while after dinner, Amelia timidly expressed a wish to go and see her mamma, at Fulham: which permission George granted her with some grumbling. And she tripped away to her enormous bedroom, in the centre of which stood the enormous funereal bed, “that the Emperor Halixander’s sister slep in when the allied sufferings was here,” and put on her little bonnet and shawl with the utmost eagerness and pleasure. George was still drinking claret when she returned to the dining-room, and made no signs of moving. “Ar’n’t you coming with me, dearest?” she asked him. No; the “dearest” had “business” that night. His man should get her a coach and go with her. And the coach being at the door of the hotel, Amelia made George a little disappointed curtsey after looking vainly into his face once or twice, and went sadly down the great staircase, Captain Dobbin after, who handed her into the vehicle, and saw it drive away to its destination. The very valet was ashamed of mentioning the address to the hackney-coachman before the hotel waiters, and promised to instruct him when they got further on. Dobbin ging in sein altes Quartier zu Slaughters und dachte wahrscheinlich daran, wie schön es wäre, mit Mrs. Osborne in der Droschke zu sitzen. Georges Geschmack war offensichtlich anderer Art, denn als er genug Wein getrunken hatte, ging er zum halben Preis ins Theater, um Mr. Kean den Shylock spielen zu sehen. Hauptmann Osborne war ein großer Theaterfreund und war selbst bei verschiedenen Theatervorstellungen in der Garnison in komischen Rollen erfolgreich aufgetreten. Joseph schlief bis in die dunkle Nacht hinein und fuhr erst hoch, als sein Diener die Weinkaraffen auf dem Tisch leerte und abräumte. Der Droschkenstand wurde erneut alarmiert, und es kam ein Wagen, der den dicken Helden nach Hause und ins Bett brachte.   Dobbin walked home to his old quarters and the Slaughters’, thinking very likely that it would be delightful to be in that hackney-coach, along with Mrs. Osborne. George was evidently of quite a different taste; for when he had taken wine enough, he went off to half-price at the play, to see Mr. Kean perform in Shylock. Captain Osborne was a great lover of the drama, and had himself performed high-comedy characters with great distinction in several garrison theatrical entertainments. Jos slept on until long after dark, when he woke up with a start at the motions of his servant, who was removing and emptying the decanters on the table; and the hackney-coach stand was again put into requisition for a carriage to convey this stout hero to his lodgings and bed. Als die Kutsche vor dem kleinen Gartentor anhielt, rannte Mrs. Sedley aus dem Hause, drückte ihre Tochter in mütterlicher Liebe ans Herz und begrüßte die weinende, zitternde junge Frau so stürmisch, daß der alte Mr. Clapp, der in Hemdsärmeln in seinem Gärtchen arbeitete, erschrocken zusammenfuhr. Das irische Dienstmädchen eilte aus der Küche und lächelte ihr ein »Gott segne Sie« zu. Amelia war kaum imstande, über die Steinplatten und die Treppe ins Wohnzimmer zu gehen.   Mrs. Sedley, you may be sure, clasped her daughter to her heart with all maternal eagerness and affection, running out of the door as the carriage drew up before the little garden-gate, to welcome the weeping, trembling, young bride. Old Mr. Clapp, who was in his shirt-sleeves, trimming the garden-plot, shrank back alarmed. The Irish servant-lass rushed up from the kitchen and smiled a “God bless you.” Amelia could hardly walk along the flags and up the steps into the parlour. Jeder Leser mit einem bißchen Gefühl kann sich ausmalen, wie die Tränenschleusen geöffnet wurden und Mutter und Tochter sich weinend umarmten, als sie in dem Heiligtum waren. Wann weinen Frauen nicht? Bei welcher freudigen oder traurigen oder anderen Gelegenheit im Leben? Nach einem solchen Ereignis wie einer Hochzeit durften Mutter und Tochter sicher ihrem Gefühl Luft machen, was ebenso zärtlich wie erquickend war. Ich habe schon Frauen gesehen, die sich sonst haßten und die sich doch küßten und zusammen weinten, wenn es um eine Hochzeit ging. Wie stark sind ihre Gefühle erst, wenn sie sich lieben! Gute Mütter heiraten bei der Hochzeit ihrer Töchter noch einmal, und wer weiß nicht, daß bei späteren Ereignissen Großmütter doppelt mütterlich sind? In der Tat weiß eine Frau oft erst dann, was es heißt, Mutter zu sein, wenn sie Großmutter geworden ist. Wir wollen daher Amelia und ihre Mama bei ihrem Flüstern, Weinen, Lachen und Schluchzen im Dämmerlicht des Wohnzimmers allein lassen. Der alte Mr. Sedley tat es. Er hatte nicht erraten, wer in der Kutsche saß, die vor dem Hause hielt. Er war seiner Tochter nicht entgegengeeilt, obgleich er sie bei ihrem Eintreten in das Zimmer (wo er wie immer mit seinen Papierbündeln, Schnüren und Rechnungen beschäftigt war) herzlich küßte. Nachdem er aber eine Weile bei Mutter und Tochter sitzen geblieben war, überließ er ihnen das Stübchen weise allein.   How the floodgates were opened, and mother and daughter wept, when they were together embracing each other in this sanctuary, may readily be imagined by every reader who possesses the least sentimental turn. When don’t ladies weep? At what occasion of joy, sorrow, or other business of life, and, after such an event as a marriage, mother and daughter were surely at liberty to give way to a sensibility which is as tender as it is refreshing. About a question of marriage I have seen women who hate each other kiss and cry together quite fondly. How much more do they feel when they love! Good mothers are married over again at their daughters’ weddings: and as for subsequent events, who does not know how ultra-maternal grandmothers are? — in fact a woman, until she is a grandmother, does not often really know what to be a mother is. Let us respect Amelia and her mamma whispering and whimpering and laughing and crying in the parlour and the twilight. Old Mr. Sedley did. He had not divined who was in the carriage when it drove up. He had not flown out to meet his daughter, though he kissed her very warmly when she entered the room (where he was occupied, as usual, with his papers and tapes and statements of accounts), and after sitting with the mother and daughter for a short time, he very wisely left the little apartment in their possession. Georges Kammerdiener sah hochmütig Mr. Clapp zu, der in Hemdsärmeln seine Rosensträucher begoß. Er nahm jedoch sehr herablassend den Hut vor Mr. Sedley ab, der ihn nach seinem Schwiegersohn fragte und nach Josephs Wagen und ob seine Pferde auch in Brighton gewesen seien und wie es um den höllischen Verräter Bonaparte und den Krieg stünde – bis das irische Dienstmädchen mit einer Flasche Wein auf einem Tablett erschien, aus der der alte Herr dem Diener unbedingt einschenken wollte. Er gab ihm auch eine halbe Guinee, die der Diener mit einer Mischung von Verwunderung und Verachtung einsteckte. »Auf das Wohl Ihrer Herrschaft, Trotter«, sagte Mr. Sedley, »und hier ist etwas, damit Sie zu Hause auf Ihre Gesundheit trinken können, Trotter.«   George’s valet was looking on in a very supercilious manner at Mr. Clapp in his shirt-sleeves, watering his rose-bushes. He took off his hat, however, with much condescension to Mr. Sedley, who asked news about his son-in-law, and about Jos’s carriage, and whether his horses had been down to Brighton, and about that infernal traitor Bonaparty, and the war; until the Irish maid-servant came with a plate and a bottle of wine, from which the old gentleman insisted upon helping the valet. He gave him a half-guinea too, which the servant pocketed with a mixture of wonder and contempt. “To the health of your master and mistress, Trotter,” Mr. Sedley said, “and here’s something to drink your health when you get home, Trotter.” Es waren erst neun Tage vergangen, seit Amelia ihr Heim in dem kleinen Häuschen verlassen hatte, wie lange schien ihr aber der Abschied schon zurückzuliegen. Was für ein Abgrund lag zwischen ihr und ihrem früheren Leben. Wenn sie von ihrem jetzigen Standpunkt fast wie ein fremdes Wesen darauf zurückblickte, sah sie das junge unverheiratete Mädchen, in ihre Liebe versunken, das für nichts anderes Augen hatte. Sie hatte die elterliche Liebe nicht undankbar, aber doch gleichgültig und als selbstverständlich hingenommen, und ihr ganzes Herz und Denken waren nur auf die Erfüllung eines Wunsches gerichtet. Der Rückblick auf diese kaum erst entschwundenen und doch schon so fernen Tage erweckte in ihr ein Schamgefühl, und der Anblick der guten Eltern erfüllte sie mit zärtlicher Reue. War der Preis – der Himmel auf Erden  – errungen und die Gewinnerin noch zweifelnd und unbefriedigt? Gewöhnlich läßt der Romanschreiber, wenn Held und Heldin im Hafen der Ehe gelandet sind, den Vorhang fallen, als ob das Drama nun vorüber wäre, die Zweifel und Kämpfe des Lebens zu Ende, im Laufe der Ehe alles grün und schön und Mann und Frau nun nichts anderes zu tun hätten, als Arm in Arm im Genuß vollkommensten Glückes langsam dem Alter zuzusteuern. Aber unsere kleine Amelia war eben erst am Ufer ihrer neuen Heimat angekommen, und schon blickte sie ängstlich zu den traurigen, freundlichen Gestalten zurück, die jenseits des Stromes standen und ihr Lebewohl winkten.   There were but nine days past since Amelia had left that little cottage and home — and yet how far off the time seemed since she had bidden it farewell. What a gulf lay between her and that past life. She could look back to it from her present standing-place, and contemplate, almost as another being, the young unmarried girl absorbed in her love, having no eyes but for one special object, receiving parental affection if not ungratefully, at least indifferently, and as if it were her due — her whole heart and thoughts bent on the accomplishment of one desire. The review of those days, so lately gone yet so far away, touched her with shame; and the aspect of the kind parents filled her with tender remorse. Was the prize gained — the heaven of life — and the winner still doubtful and unsatisfied? As his hero and heroine pass the matrimonial barrier, the novelist generally drops the curtain, as if the drama were over then: the doubts and struggles of life ended: as if, once landed in the marriage country, all were green and pleasant there: and wife and husband had nothing to do but to link each other’s arms together, and wander gently downwards towards old age in happy and perfect fruition. But our little Amelia was just on the bank of her new country, and was already looking anxiously back towards the sad friendly figures waving farewell to her across the stream, from the other distant shore. Die Mutter hielt es für notwendig, zu Ehren der jungen Frau was weiß ich für Empfangsvorbereitungen zu treffen. Nach den ersten überschäumenden Worten zog sie sich auf eine Weile von Mrs. George Osborne zurück und tauchte in die unteren Regionen des Hauses, in eine Art Wohnküche, hinab, wo Mr. und Mrs. Clapp sich aufhielten und abends, wenn sie das Geschirr gespült und die Lockenwickel entfernt hatte, Miss Flannigan, das irische Dienstmädchen, sich zu ihnen gesellte. Dort traf sie die nötigen Vorbereitungen für einen großartigen Festtee. Jeder Mensch drückt seine Liebe anders aus, und Mrs. Sedley schienen ein Brötchen und eine Menge Orangenmarmelade in einer kleinen Kristallschale für Amelia in ihrer interessanten Lage ganz besonders willkommene Erfrischungen zu sein.   In honour of the young bride’s arrival, her mother thought it necessary to prepare I don’t know what festive entertainment, and after the first ebullition of talk, took leave of Mrs. George Osborne for a while, and dived down to the lower regions of the house to a sort of kitchen-parlour (occupied by Mr. and Mrs. Clapp, and in the evening, when her dishes were washed and her curl-papers removed, by Miss Flannigan, the Irish servant), there to take measures for the preparing of a magnificent ornamented tea. All people have their ways of expressing kindness, and it seemed to Mrs. Sedley that a muffin and a quantity of orange marmalade spread out in a little cut-glass saucer would be peculiarly agreeable refreshments to Amelia in her most interesting situation. Während unten alle diese Delikatessen zubereitet wurden, verließ Amelia den Salon und befand sich bald, fast ohne zu wissen wie, oben in dem Zimmerchen, das sie vor ihrer Heirat bewohnt hatte, und auf dem Sessel, auf dem sie so manche bittere Stunde zugebracht hatte. Sie schmiegte sich hinein, als ob er ein alter Freund wäre, und dachte über die vergangene Woche und das Leben vorher nach. Jetzt schon traurig und unsicher zurückzublicken, sich stets nach etwas zu sehnen, das, wenn es erreicht war, mehr Zweifel und Traurigkeit brachte als Freude – das war das Los unseres armen kleinen Geschöpfs, dieses harmlosen einsamen Wanderers in dem tosenden Menschengewühl auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit.   While these delicacies were being transacted below, Amelia, leaving the drawing-room, walked upstairs and found herself, she scarce knew how, in the little room which she had occupied before her marriage, and in that very chair in which she had passed so many bitter hours. She sank back in its arms as if it were an old friend; and fell to thinking over the past week, and the life beyond it. Already to be looking sadly and vaguely back: always to be pining for something which, when obtained, brought doubt and sadness rather than pleasure; here was the lot of our poor little creature and harmless lost wanderer in the great struggling crowds of Vanity Fair. Da saß sie nun und rief sich zärtlich das Bild von George zurück, vor dem sie vor ihrer Heirat gekniet hatte. Gestand sie sich ein, wie verschieden der wirkliche Mensch von dem herrlichen jungen Helden war, den sie angebetet hatte? Es braucht viele, viele Jahre – und der Mann muß wirklich sehr schlecht sein –, bis der Stolz und die Eitelkeit einer Frau solch ein Geständnis zulassen. Dann stiegen vor ihr Rebekkas funkelnde grüne Augen und ihr unheilvolles Lächeln auf und peinigten sie. So saß sie eine ganze Weile, in ihr übliches selbstsüchtiges Brüten versunken und in derselben teilnahmslosen und melancholischen Haltung, in der das ehrliche Dienstmädchen sie an dem Tag gefunden hatte, als sie ihr den Brief mit Georges erneutem Heiratsantrag hinaufbrachte.   Here she sate, and recalled to herself fondly that image of George to which she had knelt before marriage. Did she own to herself how different the real man was from that superb young hero whom she had worshipped? It requires many, many years — and a man must be very bad indeed — before a woman’s pride and vanity will let her own to such a confession. Then Rebecca’s twinkling green eyes and baleful smile lighted upon her, and filled her with dismay. And so she sate for awhile indulging in her usual mood of selfish brooding, in that very listless melancholy attitude in which the honest maid-servant had found her, on the day when she brought up the letter in which George renewed his offer of marriage. Sie sah zu dem weißen Bettchen hin, das noch vor wenigen Tagen ihres gewesen war, und dachte, wie gern sie diese Nacht darin schlafen würde, um am Morgen, wie früher, unter dem Lächeln der Mutter zu erwachen. Dann dachte sie mit Schrecken an das große feierliche Damasthimmelbett in dem riesigen und düsteren Prachtschlafzimmer, das sie in dem vornehmen Hotel am Cavendish Square erwartete. Liebes weißes Bettchen! Wie manche lange Nacht hatte sie in die Kissen geweint! Wie oft war sie verzweifelt und hatte darin zu sterben gehofft! Und waren nicht jetzt alle ihre Wünsche erfüllt, und der Geliebte, den sie schon aufgegeben hatte, gehörte ihr für immer? Gute Mutter! Wie geduldig und zärtlich hatte sie an diesem Bett gewacht. Sie kniete daran nieder, und die verwundete, schüchterne, sanfte und liebende Seele suchte da Trost, wo unser kleines Mädchen, wie wir zugeben müssen, ihn bis dahin selten gefunden hatte. Bisher war die Liebe ihr Glaube gewesen, und das traurige, blutende, enttäuschte Herz begann nun zu fühlen, daß es einen anderen Tröster brauche.   She looked at the little white bed, which had been hers a few days before, and thought she would like to sleep in it that night, and wake, as formerly, with her mother smiling over her in the morning: Then she thought with terror of the great funereal damask pavilion in the vast and dingy state bedroom, which was awaiting her at the grand hotel in Cavendish Square. Dear little white bed! how many a long night had she wept on its pillow! How she had despaired and hoped to die there; and now were not all her wishes accomplished, and the lover of whom she had despaired her own for ever? Kind mother! how patiently and tenderly she had watched round that bed! She went and knelt down by the bedside; and there this wounded and timorous, but gentle and loving soul, sought for consolation, where as yet, it must be owned, our little girl had but seldom looked for it. Love had been her faith hitherto; and the sad, bleeding disappointed heart began to feel the want of another consoler. Haben wie das Recht, ihr Gebet zu belauschen oder zu wiederholen? Das, mein Bruder, sind Geheimnisse und liegt außerhalb der Sphäre des Jahrmarkts der Eitelkeit, auf dem unsere Erzählung spielt.   Have we a right to repeat or to overhear her prayers? These, brother, are secrets, and out of the domain of Vanity Fair, in which our story lies. Soviel sei gesagt: Als endlich zum Tee gebeten wurde, stieg unsere junge Dame weit froher die Treppe hinunter. Sie verzagte nicht und beklagte nicht ihr Schicksal. Sie dachte nicht an Georges Kälte oder an Rebekkas Augen, wie sie es in der letzten Zeit oft getan hatte. Sie ging hinunter, küßte den Vater und die Mutter, plauderte mit dem alten Herrn und machte ihn heiterer, als er seit langem gewesen war. Sie setzte sich an das Klavier, das Dobbin ihr gekauft hatte, und sang alle alten Lieblingslieder ihres Vaters. Sie erklärte, der Tee sei ausgezeichnet, und lobte den erlesenen Geschmack, mit dem die Marmelade in den Schalen serviert war. Da sie nun entschlossen war, alle anderen glücklich zu machen, wurde sie selbst glücklich. Sie schlief in dem großen düsteren Himmelbett ruhig ein und wachte mit einem Lächeln auf, als George aus dem Theater zurückkam.   But this may be said, that when the tea was finally announced, our young lady came downstairs a great deal more cheerful; that she did not despond, or deplore her fate, or think about George’s coldness, or Rebecca’s eyes, as she had been wont to do of late. She went downstairs, and kissed her father and mother, and talked to the old gentleman, and made him more merry than he had been for many a day. She sate down at the piano which Dobbin had bought for her, and sang over all her father’s favourite old songs. She pronounced the tea to be excellent, and praised the exquisite taste in which the marmalade was arranged in the saucers. And in determining to make everybody else happy, she found herself so; and was sound asleep in the great funereal pavilion, and only woke up with a smile when George arrived from the theatre. Am folgenden Tage hatte George wichtigere »Geschäfte« zu erledigen, als Mr. Kean in der Rolle des Shylock zu sehen. Unmittelbar nach seiner Ankunft in London hatte er an die Rechtsanwälte seines Vaters geschrieben und ihnen königlich mitgeteilt, er werde sich das Vergnügen geben, sie am nächsten Tag zu einer Unterredung aufzusuchen. Seine Verluste beim Billard- und Kartenspiel im Gasthof mit Hauptmann Crawley hatten die Börse des jungen Mannes fast geleert. Vor seinem Weggang mußte er sie daher wieder füllen, und es blieb ihm nichts übrig, als die zweitausend Pfund anzugreifen, die auszuzahlen die Rechtsanwälte bevollmächtigt worden waren. Er war innerlich vollkommen überzeugt, daß der Alte bald nachgeben würde. Wie konnte auch ein Vater auf die Dauer gegen solch ein Musterbeispiel von Vollkommenheit wie ihn hart bleiben. Wenn seine Persönlichkeit und seine Verdienste nicht ausreichen sollten, den Vater zu erweichen, so beschloß George, sich in dem bevorstehenden Feldzug so ungeheuer auszuzeichnen, daß der alte Herr nachgeben mußte. Und wenn nicht? Pah! Die ganze Welt lag vor ihm. Vielleicht würde das Glück beim Spiel ihm wieder einmal lächeln, und dann waren zweitausend Pfund ja auch eine ganze Menge Geld.   For the next day, George had more important “business” to transact than that which took him to see Mr. Kean in Shylock. Immediately on his arrival in London he had written off to his father’s solicitors, signifying his royal pleasure that an interview should take place between them on the morrow. His hotel bill, losses at billiards and cards to Captain Crawley had almost drained the young man’s purse, which wanted replenishing before he set out on his travels, and he had no resource but to infringe upon the two thousand pounds which the attorneys were commissioned to pay over to him. He had a perfect belief in his own mind that his father would relent before very long. How could any parent be obdurate for a length of time against such a paragon as he was? If his mere past and personal merits did not succeed in mollifying his father, George determined that he would distinguish himself so prodigiously in the ensuing campaign that the old gentleman must give in to him. And if not? Bah! the world was before him. His luck might change at cards, and there was a deal of spending in two thousand pounds. Er schickte also Amelia noch einmal im Wagen zu ihrer Mutter mit einer carte blanche und der strengen Weisung für die beiden Damen, alles einzukaufen, was eine Dame von Mrs. George Osbornes Stellung für eine Reise ins Ausland benötigte. Sie hatten nur einen Tag, um die Ausstattung zu vervollständigen, und es läßt sich daher leicht denken, daß dieses Geschäft sie völlig in Anspruch nahm. Wieder einmal in einer Kutsche, auf dem Weg von der Putzmacherin zum Wäschegeschäft, von dienstfertigen Ladendienern oder höflichen Besitzern an den Wagen zurückgeleitet, war Mrs. Sedley beinahe wieder die alte und zum ersten Male seit ihrem Unglück wahrhaft glücklich. Aber auch Mrs. Amelia war nicht erhaben über die Freuden des Einkaufens, Handelns und Aussuchens von hübschen Sachen. (Würde der philosophischste Mann auch nur einen Groschen für eine Frau geben, die darüber erhaben wäre?) Sie machte sich daher ein Vergnügen daraus, der Anweisung ihres Mannes zu folgen, und kaufte einen Haufen Damenartikel, wobei sie, nach der Ansicht aller Verkäufer, sehr viel Geschmack und Schönheitssinn bewies.   So he sent off Amelia once more in a carriage to her mamma, with strict orders and carte blanche to the two ladies to purchase everything requisite for a lady of Mrs. George Osborne’s fashion, who was going on a foreign tour. They had but one day to complete the outfit, and it may be imagined that their business therefore occupied them pretty fully. In a carriage once more, bustling about from milliner to linen-draper, escorted back to the carriage by obsequious shopmen or polite owners, Mrs. Sedley was herself again almost, and sincerely happy for the first time since their misfortunes. Nor was Mrs. Amelia at all above the pleasure of shopping, and bargaining, and seeing and buying pretty things. (Would any man, the most philosophic, give twopence for a woman who was?) She gave herself a little treat, obedient to her husband’s orders, and purchased a quantity of lady’s gear, showing a great deal of taste and elegant discernment, as all the shopfolks said. Über den bevorstehenden Krieg beunruhigte sich Mrs. Osborne nicht allzusehr. Bonaparte würde schon kampflos zerschmettert werden. Von Margate segelten fast täglich Schiffe vornehmer Herren und Damen ab, die nach Brüssel und Gent gingen. Man begab sich nicht so sehr in einen Krieg als auf eine elegante Reise. Die Zeitungen verhöhnten den elenden Emporkömmling und Schwindler. Wie sollte auch so ein korsischer Tropf den vereinigten Armeen von Europa und dem Genie des unsterblichen Wellington widerstehen! Amelia verachtete ihn auch, denn es braucht wohl kaum erst hier gesagt zu werden, daß dieses sanfte und liebe Geschöpf sich nach der Meinung der Leute um sie herum richtete und in ihrer Aufrichtigkeit viel zu bescheiden war, um sich eigene Ansichten zu bilden. Mit einem Wort: Sie und ihre Mutter kauften den lieben langen Tag ein, und Amelia erledigte diese Geschäfte bei ihrem ersten Auftreten in der vornehmen Londoner Welt mit großer Lebhaftigkeit und legte Ehre ein.   And about the war that was ensuing, Mrs. Osborne was not much alarmed; Bonaparty was to be crushed almost without a struggle. Margate packets were sailing every day, filled with men of fashion and ladies of note, on their way to Brussels and Ghent. People were going not so much to a war as to a fashionable tour. The newspapers laughed the wretched upstart and swindler to scorn. Such a Corsican wretch as that withstand the armies of Europe and the genius of the immortal Wellington! Amelia held him in utter contempt; for it needs not to be said that this soft and gentle creature took her opinions from those people who surrounded her, such fidelity being much too humble-minded to think for itself. Well, in a word, she and her mother performed a great day’s shopping, and she acquitted herself with considerable liveliness and credit on this her first appearance in the genteel world of London. Unterdessen ging George, den Hut schief auf dem Kopf, die Ellbogen angewinkelt, mit überaus forscher martialischer Miene zur Bedford Row und stolzierte in das Anwaltsbüro hinein, als ob er der Herr und Gebieter jedes bleichwangigen, kritzelnden Schreibers dort wäre. Stolz und herablassend schickte er jemanden, um Mr. Higgs zu melden, daß Hauptmann Osborne warte, als ob dieser pékin von einem Anwalt, der doch dreimal soviel Verstand, fünfzigmal soviel Geld und tausendmal soviel Erfahrung wie er besaß, ein Nichts wäre, das augenblicklich alle seine Geschäfte liegenlassen müsse, um dem Hauptmann zu Diensten zu sein. Er bemerkte nicht das verächtliche Lächeln, das durch das ganze Zimmer lief, vom ersten Buchhalter bis zu den Gehilfen, von den Gehilfen bis zu den zerlumpten Schreibern und bleichwangigen Botenjungen in ihren zu engen Kleidern, während er dasaß, mit seinem Spazierstock auf den Stiefel schlug und dachte, was für ein Pack von elenden armen Teufeln alle diese Leute doch seien. Die elenden armen Teufel kannten seine Lage jedoch genau, sie besprachen das alles abends beim Bier an ihrem Stammtisch mit anderen Angestellten. Ihr Götter, was wissen nicht die Londoner Rechtsanwälte und ihre Angestellten alles! Nichts bleibt ihren Nachforschungen verborgen, und ihre Leute herrschen stumm über unsere Stadt.   George meanwhile, with his hat on one side, his elbows squared, and his swaggering martial air, made for Bedford Row, and stalked into the attorney’s offices as if he was lord of every pale-faced clerk who was scribbling there. He ordered somebody to inform Mr. Higgs that Captain Osborne was waiting, in a fierce and patronizing way, as if the pekin of an attorney, who had thrice his brains, fifty times his money, and a thousand times his experience, was a wretched underling who should instantly leave all his business in life to attend on the Captain’s pleasure. He did not see the sneer of contempt which passed all round the room, from the first clerk to the articled gents, from the articled gents to the ragged writers and white-faced runners, in clothes too tight for them, as he sate there tapping his boot with his cane, and thinking what a parcel of miserable poor devils these were. The miserable poor devils knew all about his affairs. They talked about them over their pints of beer at their public-house clubs to other clerks of a night. Ye gods, what do not attorneys and attorneys’ clerks know in London! Nothing is hidden from their inquisition, and their families mutely rule our city. Vielleicht erwartete George beim Eintritt in Mr. Higgs' Büro, daß der Herr beauftragt sei, ihm eine Botschaft seines Vaters über Kompromiß oder Versöhnung mitzuteilen. Vielleicht sollte sein hochmütiges und kühles Auftreten seinen Mut und seine Entschlossenheit bekunden. Wenn es so war, dann traf sein hochfahrendes Wesen bei dem Rechtsanwalt auf eisige Kälte und Gleichgültigkeit, die seine Großtuerei völlig sinnlos machten. Als der Hauptmann eintrat, gab er sich den Anschein, mit Schreiben beschäftigt zu sein. »Nehmen Sie bitte Platz, Sir«, sagte er, »einen Augenblick noch, dann werde ich mich Ihrer kleinen Angelegenheit zuwenden. Mr. Poe, bringen Sie mir bitte die Quittungsformulare!« Und dann schrieb er weiter.   Perhaps George expected, when he entered Mr. Higgs’s apartment, to find that gentleman commissioned to give him some message of compromise or conciliation from his father; perhaps his haughty and cold demeanour was adopted as a sign of his spirit and resolution: but if so, his fierceness was met by a chilling coolness and indifference on the attorney’s part, that rendered swaggering absurd. He pretended to be writing at a paper, when the Captain entered. “Pray, sit down, sir,” said he, “and I will attend to your little affair in a moment. Mr. Poe, get the release papers, if you please”; and then he fell to writing again. Als Poe die Formulare gebracht hatte, berechnete sein Prinzipal den Betrag von zweitausend Pfund Aktien nach dem Tageskurs und fragte Hauptmann Osborne, ob er für die Summe einen Scheck auf die Bank haben wolle oder ob er lieber die Bank beauftragen solle, für die Summe Aktien für ihn zu kaufen. »Einer der Vermögensverwalter der verstorbenen Mrs. Osborne ist nicht in der Stadt«, sagte er gleichgültig, »aber mein Klient will Ihren Wünschen entgegenkommen und das Geschäft so rasch wie möglich erledigen.«   Poe having produced those papers, his chief calculated the amount of two thousand pounds stock at the rate of the day; and asked Captain Osborne whether he would take the sum in a cheque upon the bankers, or whether he should direct the latter to purchase stock to that amount. “One of the late Mrs. Osborne’s trustees is out of town,” he said indifferently, “but my client wishes to meet your wishes, and have done with the business as quick as possible.” »Geben Sie mir einen Bankscheck, Sir«, sagte der Hauptmann verdrießlich. »Lassen Sie nur das verdammte einzelne Geld, Sir«, setzte er hinzu, als der Rechtsanwalt die Anweisung ausschrieb, und in dem schmeichelhaften Glauben, daß er durch diesen Großmutsbeweis die alte Schreiberseele beschämt habe, stolzierte er mit dem Scheck in der Tasche aus dem Büro.   “Give me a cheque, sir,” said the Captain very surlily. “Damn the shillings and halfpence, sir,” he added, as the lawyer was making out the amount of the draft; and, flattering himself that by this stroke of magnanimity he had put the old quiz to the blush, he stalked out of the office with the paper in his pocket. »Der Bursche sitzt in zwei Jahren im Gefängnis«, sagte Mr. Higgs zu Mr. Poe.   “That chap will be in gaol in two years,” Mr. Higgs said to Mr. Poe. »Ob Osborne sich nicht herumbringen läßt, Sir?«   “Won’t O. come round, sir, don’t you think?” »Läßt eine Statue sich herumbringen?« antwortete Mr. Higgs.   “Won’t the monument come round,” Mr. Higgs replied. »Er treibt's ganz schön«, sagte der Buchhalter. »Seit einer Woche ist er erst verheiratet, und schon habe ich gesehen, wie er und einige andere Kerle in Uniform Mrs. Highflyer nach der Vorstellung zum Wagen begleiteten.« Dann kam ein anderer Fall zur Sprache, und Mr. Osborne verschwand aus dem Gedächtnis dieser würdigen Herren.   “He’s going it pretty fast,” said the clerk. “He’s only married a week, and I saw him and some other military chaps handing Mrs. Highflyer to her carriage after the play.” And then another case was called, and Mr. George Osborne thenceforth dismissed from these worthy gentlemen’s memory. Die Anweisung lautete auf unsere Freunde Hulker und Bullock aus der Lombard Street. Zu deren Haus lenkte George nun seine Schritte, immer noch im Glauben, daß er ein Geschäft mache, und erhielt sein Geld. Als George eintrat, war Frederick Bullock zufällig im Kassenraum, das gelbe Gesicht über ein Hauptbuch gebeugt, an dem ein ernst aussehender Angestellter saß. Als er den Hauptmann erblickte, wurde sein gelbes Gesicht leichenfahl, und er schlich sich schuldbewußt in den hinteren Büroraum zurück. George war zu sehr damit beschäftigt, sich an seinem Geld zu weiden (er hatte noch nie eine so große Summe besessen), um den Gesichtsausdruck oder die Flucht des totenblassen Liebhabers seiner Schwester zu bemerken.   The draft was upon our friends Hulker and Bullock of Lombard Street, to whose house, still thinking he was doing business, George bent his way, and from whom he received his money. Frederick Bullock, Esq., whose yellow face was over a ledger, at which sate a demure clerk, happened to be in the banking-room when George entered. His yellow face turned to a more deadly colour when he saw the Captain, and he slunk back guiltily into the inmost parlour. George was too busy gloating over the money (for he had never had such a sum before), to mark the countenance or flight of the cadaverous suitor of his sister. Frederick Bullock berichtete dem alten Osborne von dem Erscheinen und Benehmen seines Sohnes. »Er kam mit unverschämter Miene und hat sich bis auf den letzten Shilling alles geben lassen«, sagte Frederick. Wie lange wird einer wie der mit ein paar hundert Pfund reichen? Osborne schwor, daß es ihm völlig gleichgültig wäre, wann oder wie bald er es ausgeben würde. Frederick aß jetzt täglich am Russell Square. George war im großen ganzen höchst zufrieden mit den Geschäften. Sein Gepäck und seine ganze Ausstattung wurden schnell zusammengebracht, und er bezahlte Amelias Einkäufe mit einem Scheck und der Großartigkeit eines Lords.   Fred Bullock told old Osborne of his son’s appearance and conduct. “He came in as bold as brass,” said Frederick. “He has drawn out every shilling. How long will a few hundred pounds last such a chap as that?” Osborne swore with a great oath that he little cared when or how soon he spent it. Fred dined every day in Russell Square now. But altogether, George was highly pleased with his day’s business. All his own baggage and outfit was put into a state of speedy preparation, and he paid Amelia’s purchases with cheques on his agents, and with the splendour of a lord. 27. Kapitel / Chapter 27 In dem Amelia zu ihrem Regiment stößt / In Which Amelia Joins Her Regiment Das erste Gesicht, das Amelia erkannte, als Josephs vornehmer Wagen vor dem Gasthaus in Chatham hielt, war das freundliche Antlitz Hauptmann Dobbins, der schon über eine Stunde in Erwartung seiner Freunde die Straße auf und ab gegangen war. Der Hauptmann, Militärknöpfe am Rock, mit Degen und roter Schärpe, bot einen so militärischen Anblick, daß Joe ganz stolz war, einen solchen Bekannten zu haben, und der dicke Zivilist begrüßte ihn mit einer Herzlichkeit, die sehr von dem Empfang abstach, den Joe seinem Freunde in Brighton und in der Bond Street zuteil werden ließ.   When Jos’s fine carriage drove up to the inn door at Chatham, the first face which Amelia recognized was the friendly countenance of Captain Dobbin, who had been pacing the street for an hour past in expectation of his friends’ arrival. The Captain, with shells on his frockcoat, and a crimson sash and sabre, presented a military appearance, which made Jos quite proud to be able to claim such an acquaintance, and the stout civilian hailed him with a cordiality very different from the reception which Jos vouchsafed to his friend in Brighton and Bond Street. An der Seite des Hauptmanns ging Fähnrich Stubble, der, als die Kutsche sich dem Gasthof näherte, in den Ausruf: »Beim Zeus! Was für ein hübsches Mädel!« ausbrach und damit Osbornes Wahl billigte. In der Tat sah Amelia mit den rosa Bändern und dem Hochzeitsumhang, das Gesicht gerötet von der schnellen Fahrt in der frischen Luft, so frisch und hübsch aus, daß das Kompliment des Fähnrichs vollkommen am Platze war. Dobbin schloß ihn ins Herz dafür. Als er vortrat, um der Dame beim Aussteigen zu helfen, sah Stubble, was für ein hübsches Händchen sie ihm gab und was für ein reizendes zierliches Füßchen sie auf den Tritt setzte. Er wurde scharlachrot im Gesicht und machte seine allerschönste Verbeugung, worauf Amelia, als sie die Nummer des ...ten Regiments auf seiner Mütze eingestickt sah, errötend lächelte und mit einem Knicks dankte – da war es um den jungen Fähnrich auf der Stelle geschehen. Dobbin war von Stund an sehr freundlich gegenüber Stubble und ermunterte ihn, bei ihren Spaziergängen oder im Quartier von Amelia zu sprechen. Bald wurde es bei allen ehrlichen jungen Burschen des ...ten Regiments Mode, Mrs. Osborne zu bewundern und anzubeten. Ihr schlichtes, ungekünsteltes Wesen und die ihr eigene bescheidene Freundlichkeit gewann alle diese natürlichen Herzen. Diese Einfachheit und Lieblichkeit lassen sich nicht in Worte fassen. Wer hat das aber noch nicht bei Frauen gefunden und alle möglichen Vorzüge bei ihnen bemerkt, wenn sie einem auch nichts weiter gesagt haben, als daß sie die nächste Quadrille bereits vergeben haben oder daß es sehr heiß ist? George, schon immer der Liebling seines Regiments, stieg noch mehr in der Achtung der jungen Leute, weil er dieses vermögenslose junge Geschöpf so edelmütig geheiratet und sich eine so hübsche, freundliche Lebensgefährtin auserkoren hatte.   Along with the Captain was Ensign Stubble; who, as the barouche neared the inn, burst out with an exclamation of “By Jove! what a pretty girl”; highly applauding Osborne’s choice. Indeed, Amelia dressed in her wedding-pelisse and pink ribbons, with a flush in her face, occasioned by rapid travel through the open air, looked so fresh and pretty, as fully to justify the Ensign’s compliment. Dobbin liked him for making it. As he stepped forward to help the lady out of the carriage, Stubble saw what a pretty little hand she gave him, and what a sweet pretty little foot came tripping down the step. He blushed profusely, and made the very best bow of which he was capable; to which Amelia, seeing the number of the the regiment embroidered on the Ensign’s cap, replied with a blushing smile, and a curtsey on her part; which finished the young Ensign on the spot. Dobbin took most kindly to Mr. Stubble from that day, and encouraged him to talk about Amelia in their private walks, and at each other’s quarters. It became the fashion, indeed, among all the honest young fellows of the — th to adore and admire Mrs. Osborne. Her simple artless behaviour, and modest kindness of demeanour, won all their unsophisticated hearts; all which simplicity and sweetness are quite impossible to describe in print. But who has not beheld these among women, and recognised the presence of all sorts of qualities in them, even though they say no more to you than that they are engaged to dance the next quadrille, or that it is very hot weather? George, always the champion of his regiment, rose immensely in the opinion of the youth of the corps, by his gallantry in marrying this portionless young creature, and by his choice of such a pretty kind partner. In dem Wohnzimmer, das die Reisenden erwartete, fand Amelia zu ihrem großen Erstaunen einen an Frau Hauptmann Osborne adressierten Brief vor. Es war ein dreieckiges Billett auf rosa Papier, mit einer Taube und einem Olivenzweig und einer Unmenge hellblauen Siegellacks verschlossen und mit einer großen undeutlichen weiblichen Handschrift beschrieben.   In the sitting-room which was awaiting the travellers, Amelia, to her surprise, found a letter addressed to Mrs. Captain Osborne. It was a triangular billet, on pink paper, and sealed with a dove and an olive branch, and a profusion of light blue sealing wax, and it was written in a very large, though undecided female hand. »Das ist Peggy O'Dowds Klaue«, sagte George lachend, »ich sehe es am verklecksten Siegellack.« Und in der Tat war es ein Billett von der Majorin O'Dowd, worin sie Mrs. Osborne bat, ihr noch am gleichen Abend das Vergnügen zu machen, an einer kleinen Gesellschaft im engsten Freundeskreis teilzunehmen. »Du mußt gehen«, sagte George. »Du wirst dort mit dem ganzen Regiment bekannt werden. O'Dowd kommandiert das Regiment, und Peggy kommandiert O'Dowd.«   “It’s Peggy O’Dowd’s fist,” said George, laughing. “I know it by the kisses on the seal.” And in fact, it was a note from Mrs. Major O’Dowd, requesting the pleasure of Mrs. Osborne’s company that very evening to a small friendly party. “You must go,” George said. “You will make acquaintance with the regiment there. O’Dowd goes in command of the regiment, and Peggy goes in command.” Ihre Freude über Mrs. O'Dowds Brief hatte aber noch nicht lange gedauert, als die Tür aufflog und eine stattliche, muntere Dame im Reitkleid, gefolgt von ein paar Offizieren des Regiments, das Zimmer betrat.   But they had not been for many minutes in the enjoyment of Mrs. O’Dowd’s letter, when the door was flung open, and a stout jolly lady, in a riding-habit, followed by a couple of officers of Ours, entered the room. »Wirklich, ich konnte nicht bis zum Tee warten. George, mein lieber Junge, stellen Sie mich Ihrer Gemahlin vor. Madame, es freut mich unendlich, Sie zu sehen und Ihnen meinen Mann, Major O'Dowd, vorstellen zu können.« Bei diesen Worten drückte die muntere Dame im Reitkleid herzlich Amelias Hand, und diese wußte sofort, daß die Dame vor ihr stand, über die ihr Mann so oft gelacht hatte. »Ihr Mann da hat Ihnen gewiß oft genug von mir erzählt«, sagte die Dame sehr lebhaft.   “Sure, I couldn’t stop till tay-time. Present me, Garge, my dear fellow, to your lady. Madam, I’m deloighted to see ye; and to present to you me husband, Meejor O’Dowd”; and with this, the jolly lady in the riding-habit grasped Amelia’s hand very warmly, and the latter knew at once that the lady was before her whom her husband had so often laughed at. “You’ve often heard of me from that husband of yours,” said the lady, with great vivacity. »Gewiß oft genug von ihr erzählt«, echote ihr Mann, der Major.   “You’ve often heard of her,” echoed her husband, the Major. Amelia antwortete lächelnd, daß das stimme.   Amelia answered, smiling, “that she had.” »Und bestimmt hat er Ihnen nicht viel Gutes von mir erzählt«, erwiderte Mrs. O'Dowd und fügte noch hinzu, George sei ein böser Teufel.   “And small good he’s told you of me,” Mrs. O’Dowd replied; adding that “George was a wicked divvle.” »Dafür kann ich mich verbürgen«, sagte der Major und versuchte eine schlaue Miene anzunehmen, worüber George lachen mußte. Aber Mrs. O'Dowd bedeutete dem Major mit einem leichten Schlag ihrer Reitpeitsche, still zu sein, und bat nun, der Frau Hauptmann Osborne in aller Form vorgestellt zu werden.   “That I’ll go bail for,” said the Major, trying to look knowing, at which George laughed; and Mrs. O’Dowd, with a tap of her whip, told the Major to be quiet; and then requested to be presented in form to Mrs. Captain Osborne. »Dies, meine Liebe«, sagte George gravitätisch, »ist meine gute, liebe und vortreffliche Freundin Aurelia Margareta, sonst Peggy genannt.«   “This, my dear,” said George with great gravity, “is my very good, kind, and excellent friend, Auralia Margaretta, otherwise called Peggy.” »Meiner Treu, da haben Sie recht«, fiel der Major ein.   “Faith, you’re right,” interposed the Major. »Sonst Peggy genannt, Gemahlin von Major Michael O'Dowd aus unserem Regiment und Tochter von Fitzjurld Bersford de Burgo Malony von Glenmalony, Grafschaft Kildare.«   “Otherwise called Peggy, lady of Major Michael O’Dowd, of our regiment, and daughter of Fitzjurld Ber’sford de Burgo Malony of Glenmalony, County Kildare.” »Und vom Muryan Square, Dublin«, sagte die Dame ruhig und überlegen.   “And Muryan Squeer, Doblin,” said the lady with calm superiority. »Ja natürlich, auch Muryan Square«, flüsterte der Major.   “And Muryan Square, sure enough,” the Major whispered. »Dort war es, wo du mir den Hof gemacht hast, mein lieber Major«, sagte die Dame. Und der Major stimmte zu, wie er jeder in Gesellschaft gemachten Behauptung zustimmte.   “’Twas there ye coorted me, Meejor dear,” the lady said; and the Major assented to this as to every other proposition which was made generally in company. Major O'Dowd, der seinem König in allen Teilen der Welt gedient und jede Beförderung durch mindestens eine kühne und ritterliche Tat erkauft hatte, war der bescheidenste, schweigsamste, harmloseste und sanfteste kleine Mann und seiner Frau so gehorsam, als wäre er ihr Laufbursche. Am Offizierstisch war er stets schweigsam und trank viel. Hatte er genug Alkohol zu sich genommen, schwankte er schweigend nach Hause. Wenn er sprach, dann nur, um jedermann in jedem Punkt recht zu geben. So ging er in vollkommener Ruhe und Zufriedenheit durchs Leben. Die heißeste Sonne Indiens hatte ihn nie hitzig gemacht und das Tropenfieber ihn nicht erschüttert. Er näherte sich einer Batterie ebenso gleichgültig wie einem Mittagstisch. Mit gleichem Appetit aß er Pferdefleisch und Schildkrötensuppe, und er hatte eine alte Mutter, Mrs. O'Dowd von O'Dowdstown, der er nur zweimal im Leben ungehorsam gewesen war, nämlich, als er davonlief und zu den Soldaten ging und als er darauf bestand, diese schreckliche Peggy Malony zu heiraten.   Major O’Dowd, who had served his sovereign in every quarter of the world, and had paid for every step in his profession by some more than equivalent act of daring and gallantry, was the most modest, silent, sheep-faced and meek of little men, and as obedient to his wife as if he had been her tay-boy. At the mess-table he sat silently, and drank a great deal. When full of liquor, he reeled silently home. When he spoke, it was to agree with everybody on every conceivable point; and he passed through life in perfect ease and good-humour. The hottest suns of India never heated his temper; and the Walcheren ague never shook it. He walked up to a battery with just as much indifference as to a dinner-table; had dined on horse-flesh and turtle with equal relish and appetite; and had an old mother, Mrs. O’Dowd of O’Dowdstown indeed, whom he had never disobeyed but when he ran away and enlisted, and when he persisted in marrying that odious Peggy Malony. Peggy war eins von fünf Mädchen und elf Kindern des edlen Hauses von Glenmalony. Ihr Gatte war ihr leiblicher Vetter mütterlicherseits und hatte demnach nicht den unschätzbaren Vorteil, mit den Malonys verwandt zu sein, die sie für die vornehmste Familie der Welt hielt. Nachdem Miss Malony neun Saisons in Dublin und zwei in Bath und Cheltenham einen Lebensgefährten gesucht und nicht gefunden hatte, befahl sie mit ungefähr dreiunddreißig ihrem Vetter Mick, sie zu heiraten. Der ehrliche Bursche gehorchte und nahm sie mit nach Westindien, wo sie den Vorsitz der Damen des ...ten Regiments übernahm, in das er soeben versetzt worden war.   Peggy was one of five sisters, and eleven children of the noble house of Glenmalony; but her husband, though her own cousin, was of the mother’s side, and so had not the inestimable advantage of being allied to the Malonys, whom she believed to be the most famous family in the world. Having tried nine seasons at Dublin and two at Bath and Cheltenham, and not finding a partner for life, Miss Malony ordered her cousin Mick to marry her when she was about thirty-three years of age; and the honest fellow obeying, carried her off to the West Indies, to preside over the ladies of the — th regiment, into which he had just exchanged. Mrs. O'Dowd war noch keine halbe Stunde in Amelias Gesellschaft (wie überhaupt in jedermanns Gesellschaft), als die liebenswürdige Dame ihrer neuen Freundin auch schon alles mitgeteilt hatte, was mit ihrer Herkunft und ihrem Stammbaum zusammenhing. »Meine Liebe«, sagte sie gutmütig, »es war eigentlich meine Absicht, daß George mein Schwager würde, und meine Schwägerin Glorvina hätte auch gut zu ihm gepaßt. Na ja, vorbei ist vorbei, und da er schon mit Ihnen verlobt war, so habe ich mich entschlossen, Sie statt dessen als Schwester zu betrachten und Sie wie ein Glied meiner Familie zu lieben. Meiner Treu, Sie haben so ein hübsches, gutmütiges Gesicht und Wesen, daß wir uns gewiß gut vertragen werden, und Sie werden ein netter Familienzuwachs sein.«   Before Mrs. O’Dowd was half an hour in Amelia’s (or indeed in anybody else’s) company, this amiable lady told all her birth and pedigree to her new friend. “My dear,” said she, good-naturedly, “it was my intention that Garge should be a brother of my own, and my sister Glorvina would have suited him entirely. But as bygones are bygones, and he was engaged to yourself, why, I’m determined to take you as a sister instead, and to look upon you as such, and to love you as one of the family. Faith, you’ve got such a nice good-natured face and way widg you, that I’m sure we’ll agree; and that you’ll be an addition to our family anyway.” »Das wird sie sicher«, sagte O'Dowd mit beistimmender Miene, und Amelia fühlte sich nicht wenig belustigt und dankbar, plötzlich in eine so große Verwandtschaft aufgenommen zu sein.   “’Deed and she will,” said O’Dowd, with an approving air, and Amelia felt herself not a little amused and grateful to be thus suddenly introduced to so large a party of relations. »Wir hier sind alles gute Kerle«, fuhr die Majorsfrau fort. »Es gibt kein Regiment, wo Sie eine einträchtigere Gesellschaft und eine angenehmere Offiziersmesse finden werden. Bei uns gibt es keinen Zank und Streit, keine Verleumdungen und keinen Klatsch. Wir lieben uns alle.«   “We’re all good fellows here,” the Major’s lady continued. “There’s not a regiment in the service where you’ll find a more united society nor a more agreeable mess-room. There’s no quarrelling, bickering, slandthering, nor small talk amongst us. We all love each other.” »Ganz besonders Mrs. Magenis«, sagte George lachend.   “Especially Mrs. Magenis,” said George, laughing. »Frau Hauptmann Magenis und ich haben uns wieder ausgesöhnt, obgleich sie mich so behandelt hat, daß sie mich beinahe mit grauen Haaren ins Grab gebracht hätte.«   “Mrs. Captain Magenis and me has made up, though her treatment of me would bring me gray hairs with sorrow to the grave.” »Wo du doch so schönes schwarzes hast, meine liebe Peggy«, rief der Major.   “And you with such a beautiful front of black, Peggy, my dear,” the Major cried. »Halt 'n Mund, Mick, du Dummkopf. Die Ehemänner stehen einem immer im Wege, meine liebe Mrs. Osborne. Und wie oft habe ich meinem Mick schon gesagt, daß er den Mund nur zum Kommandieren und Essen und Trinken aufmachen soll. Ich werde Ihnen alles über das Regiment erzählen und Sie warnen, wenn wir einmal allein sind. Stellen Sie mich nun Ihrem Bruder vor. Das ist ja fürwahr ein gewaltig hübscher Mann und erinnert mich an meinen Vetter, Dekan Malony (Malony von Ballymalony, meine Liebe, wissen Sie, der Ophelia Scully von Oystherstown, eine leibliche Cousine von Lord Poldoody, geheiratet hat). Mr. Sedley, es freut mich unendlich, Ihre Bekanntschaft zu machen. Vermutlich speisen Sie heute in der Offiziersmesse. (Denk an den verflixten Doktor, Mick, und vor allem, bleib nüchtern für meine Gesellschaft heute abend.)«   “Hould your tongue, Mick, you booby. Them husbands are always in the way, Mrs. Osborne, my dear; and as for my Mick, I often tell him he should never open his mouth but to give the word of command, or to put meat and drink into it. I’ll tell you about the regiment, and warn you when we’re alone. Introduce me to your brother now; sure he’s a mighty fine man, and reminds me of me cousin, Dan Malony (Malony of Ballymalony, my dear, you know who mar’ied Ophalia Scully, of Oystherstown, own cousin to Lord Poldoody). Mr. Sedley, sir, I’m deloighted to be made known te ye. I suppose you’ll dine at the mess to-day. (Mind that divvle of a docther, Mick, and whatever ye du, keep yourself sober for me party this evening.)” »Das Hundertfünfzigste gibt uns heute ein Abschiedsessen, meine Liebe«, fiel der Major ein, »aber wir werden für Mr. Sedley leicht eine Karte bekommen.«   “It’s the 150th gives us a farewell dinner, my love,” interposed the Major, “but we’ll easy get a card for Mr. Sedley.” »Laufen Sie, Simple (Fähnrich Simple, von unserem Regiment, meine liebe Amelia, ich habe vergessen, ihn vorzustellen), rennen Sie zu Oberst Tavish, grüßen Sie ihn von Majorin O'Dowd, und Hauptmann Osborne hätte seinen Schwager mitgebracht und würde ihn Punkt fünf zur Messe des Hundertfünfzigsten mitbringen. Sie, meine Liebe, und ich werden hier etwas essen, wenn es Ihnen recht ist.« Mrs. O'Dowd hatte noch nicht ausgeredet, da trabte der junge Fähnrich bereits die Treppe hinab, um seinen Auftrag auszuführen.   “Run Simple (Ensign Simple, of Ours, my dear Amelia. I forgot to introjuice him to ye). Run in a hurry, with Mrs. Major O’Dowd’s compliments to Colonel Tavish, and Captain Osborne has brought his brothernlaw down, and will bring him to the 150th mess at five o’clock sharp — when you and I, my dear, will take a snack here, if you like.” Before Mrs. O’Dowd’s speech was concluded, the young Ensign was trotting downstairs on his commission. »Gehorsam ist die Seele der Armee. Wir wollen unserem Dienst nachgehen, während Mrs. O'Dowd bei dir bleibt, um dich aufzuklären, Emmy«, sagte Hauptmann Osborne, worauf die beiden Hauptleute jeder einen Arm des Majors ergriffen und mit ihm abmarschierten, wobei sie sich über seinen Kopf zugrinsten.   “Obedience is the soul of the army. We will go to our duty while Mrs. O’Dowd will stay and enlighten you, Emmy,” Captain Osborne said; and the two gentlemen, taking each a wing of the Major, walked out with that officer, grinning at each other over his head. Und nun, da die temperamentvolle Mrs. O'Dowd mit ihrer neuen Freundin allein war, fing sie an, eine Unmenge von Geschichten herauszusprudeln, die der Kopf einer armen kleinen Frau niemals behalten konnte. Sie erzählte Amelia tausend Einzelheiten über die zahlreiche Familie, deren Mitglied die verwirrte junge Dame nun war. »Mrs. Heavytop, die Frau des Obersten, starb in Jamaika am gelben Fieber und an gebrochenem Herzen, denn der schreckliche alte Oberst, kahlköpfig wie eine Kanonenkugel, machte einem Eingeborenenmädchen schöne Augen. Mrs. Magenis, obwohl ungebildet, ist eine gute Frau. Sie hat aber eine Teufelszunge und würde ihre eigene Mutter beim Whist betrügen. Die Frau des Hauptmanns Kirk schlägt schon beim Gedanken an ein ehrliches Spiel ihre Hummeraugen zum Himmel auf (dabei spielten mein Vater, ein so frommer Mann, wie nur je zur Kirche ging, mein Onkel, Dekan Malony, und unser Cousin, der Bischof, jeden Abend in ihrem Leben Whist oder Loo). Keine von ihnen geht diesmal mit dem Regiment mit«, setzte Mrs. O'Dowd hinzu. »Fanny Magenis bleibt bei ihrer Mutter, die, wie man erzählt, in Islington-Town, ganz in der Nähe von London, Kohlen und Kartoffeln verkauft, obwohl sie ständig mit den Schiffen ihres Vaters prahlt und sie uns zeigt, wenn sie den Fluß hinauffahren. Und Mrs. Kirk wird mit ihren Kindern hier am Bethesda Place bleiben, um in der Nähe ihres Lieblingspredigers, Doktor Ramshorns, zu sein. Mrs. Bunny ist in interessanten Umständen (das ist sie immer), sie hat dem Leutnant schon sieben geschenkt. Und Fähnrich Poskys Frau, die zwei Monate vor Ihnen zu uns kam, meine Liebe, hat mit Tom Posky schon ein paar dutzendmal Streit gehabt, daß man es durch die ganze Kaserne hört (man sagt, es hätte schon zerbrochene Teller gegeben, und Tom hat nie erzählt, wo er sein blaues Auge herhatte). Sie geht zu ihrer Mutter, die in Richmond eine höhere Töchterschule hat – schadet ihr nichts, warum ist sie von dort weggelaufen? Wo sind Sie zur Schule gegangen, meine Liebe? Ich muß sagen, bei mir haben sie keine Kosten gescheut, ich bin im Pensionat von Madame Flanahan, Booterstown bei Dublin, Ulysses Grove, erzogen worden, wo wir eine Marquise hatten, die uns den echten Pariser Akzent beibringen sollte, und einen pensionierten französischen Generalmajor, um uns bei den Aufgaben zu helfen.«   And, now having her new friend to herself, the impetuous Mrs: O’Dowd proceeded to pour out such a quantity of information as no poor little woman’s memory could ever tax itself to bear. She told Amelia a thousand particulars relative to the very numerous family of which the amazed young lady found herself a member. “Mrs. Heavytop, the Colonel’s wife, died in Jamaica of the yellow faver and a broken heart comboined, for the horrud old Colonel, with a head as bald as a cannon-ball, was making sheep’s eyes at a half-caste girl there. Mrs. Magenis, though without education, was a good woman, but she had the divvle’s tongue, and would cheat her own mother at whist. Mrs. Captain Kirk must turn up her lobster eyes forsooth at the idea of an honest round game (wherein me fawther, as pious a man as ever went to church, me uncle Dane Malony, and our cousin the Bishop, took a hand at loo, or whist, every night of their lives). Nayther of ‘em’s goin’ with the regiment this time,” Mrs. O’Dowd added. “Fanny Magenis stops with her mother, who sells small coal and potatoes, most likely, in Islington-town, hard by London, though she’s always bragging of her father’s ships, and pointing them out to us as they go up the river: and Mrs. Kirk and her children will stop here in Bethesda Place, to be nigh to her favourite preacher, Dr. Ramshorn. Mrs. Bunny’s in an interesting situation — faith, and she always is, then — and has given the Lieutenant seven already. And Ensign Posky’s wife, who joined two months before you, my dear, has quarl’d with Tom Posky a score of times, till you can hear’m all over the bar’ck (they say they’re come to broken pleets, and Tom never accounted for his black oi), and she’ll go back to her mother, who keeps a ladies’ siminary at Richmond — bad luck to her for running away from it! Where did ye get your finishing, my dear? I had moin, and no expince spared, at Madame Flanahan’s, at Ilyssus Grove, Booterstown, near Dublin, wid a Marchioness to teach us the true Parisian pronunciation, and a retired Mejor-General of the French service to put us through the exercise.” Unsere erstaunte Amelia war also plötzlich Mitglied dieser bunten Familie, und Mrs. O'Dowd war ihre ältere Schwester. Ihren übrigen weiblichen Verwandten, auf die sie einen angenehmen Eindruck machte, weil sie ruhig, gutmütig und nicht zu hübsch war, wurde sie beim Tee vorgestellt. Als aber die Herren von der Offiziersmesse des Hundertfünfzigsten kamen und sie alle bewunderten, fanden ihre Schwestern natürlich bald etwas an ihr auszusetzen.   Of this incongruous family our astonished Amelia found herself all of a sudden a member: with Mrs. O’Dowd as an elder sister. She was presented to her other female relations at tea-time, on whom, as she was quiet, good-natured, and not too handsome, she made rather an agreeable impression until the arrival of the gentlemen from the mess of the 150th, who all admired her so, that her sisters began, of course, to find fault with her. »Hoffentlich hat Osborne sich nun die Hörner abgelaufen«, meinte Mrs. Magenis zu Mrs. Bunny. »Wenn ein gebesserter Wüstling ein guter Ehemann wird, so hat sie fürwahr mit George die besten Aussichten«, bemerkte Mrs. O'Dowd zur Posky, die nun ihre Stellung als Jüngste im Regiment eingebüßt hatte und natürlich über die Verdrängung böse war. Und Mrs. Kirk, die Schülerin von Doktor Ramshorn, stellte Amelia wichtige religiöse Fragen, um zu sehen, ob sie erweckt sei, ob sie eine gute Christin sei und so weiter, und als sie aus Mrs. Osbornes einfältigen Antworten schloß, daß diese noch in tiefster Finsternis wandle, so steckte sie ihr drei bebilderte kleine Traktätchen zu, und zwar »Die heulende Wildnis«, »Die Waschfrau von Wandsworth« und »Das beste Bajonett des britischen Soldaten«. Da Mrs. Kirk sich in den Kopf gesetzt hatte, Amelia noch vor dem Einschlafen zu erwecken, bat sie die junge Frau, sie vor dem Schlafengehen zu lesen.   “I hope Osborne has sown his wild oats,” said Mrs. Magenis to Mrs. Bunny. “If a reformed rake makes a good husband, sure it’s she will have the fine chance with Garge,” Mrs. O’Dowd remarked to Posky, who had lost her position as bride in the regiment, and was quite angry with the usurper. And as for Mrs. Kirk: that disciple of Dr. Ramshorn put one or two leading professional questions to Amelia, to see whether she was awakened, whether she was a professing Christian and so forth, and finding from the simplicity of Mrs. Osborne’s replies that she was yet in utter darkness, put into her hands three little penny books with pictures, viz ., the “Howling Wilderness,” the “Washerwoman of Wandsworth Common,” and the “British Soldier’s best Bayonet,” which, bent upon awakening her before she slept, Mrs. Kirk begged Amelia to read that night ere she went to bed. Alle Männer aber, gute Burschen, die sie waren, sammelten sich um die hübsche kleine Frau ihres Kameraden und machten ihr mit militärischer Galanterie den Hof. Sie feierte einen kleinen Triumph, der ihre Stimmung belebte und ihre Augen leuchten ließ. George war ganz stolz auf ihre Beliebtheit und freute sich darüber, wie munter und graziös und trotzdem naiv und etwas schüchtern sie die Aufmerksamkeiten der Herren entgegennahm und ihren Komplimenten antwortete. Und er in seiner Uniform – wieviel hübscher war er als alle im Zimmer Anwesenden! Sie fühlte, daß er sie liebevoll beobachtete, und strahlte vor Freude über seine Güte. Ich will zu allen seinen Freunden nett sein, beschloß sie in ihrem Herzen. Ich will alle lieben, die ihn lieben. Ich will mir Mühe geben, immer munter und gut gelaunt zu sein, um ihm ein glückliches Heim zu schaffen.   But all the men, like good fellows as they were, rallied round their comrade’s pretty wife, and paid her their court with soldierly gallantry. She had a little triumph, which flushed her spirits and made her eyes sparkle. George was proud of her popularity, and pleased with the manner (which was very gay and graceful, though naive and a little timid) with which she received the gentlemen’s attentions, and answered their compliments. And he in his uniform — how much handsomer he was than any man in the room! She felt that he was affectionately watching her, and glowed with pleasure at his kindness. “I will make all his friends welcome,” she resolved in her heart. “I will love all as I love him. I will always try and be gay and good-humoured and make his home happy.” Das Regiment nahm sie wirklich mit Jubel auf. Die Hauptleute freundeten sich mit ihr an, die Leutnants spendeten Beifall, die Fähnriche bewunderten sie. Der alte Cutler, der Arzt, machte ein paar Witze, die wir nicht wiederholen wollen, weil sie in sein Fach schlagen, und Cackle, der assistierende Doktor der Medizin aus Edinburgh, ließ sich herab, sie in Literatur zu prüfen, und stellte sie mit seinen drei besten französischen Zitaten auf die Probe. Der junge Stubble ging von einem zum anderen und flüsterte: »Beim Zeus, ist sie nicht ein nettes Mädel?« und wandte seine Augen nur von ihr ab, wenn der Glühwein serviert wurde.   The regiment indeed adopted her with acclamation. The Captains approved, the Lieutenants applauded, the Ensigns admired. Old Cutler, the Doctor, made one or two jokes, which, being professional, need not be repeated; and Cackle, the Assistant M.D. of Edinburgh, condescended to examine her upon leeterature, and tried her with his three best French quotations. Young Stubble went about from man to man whispering, “Jove, isn’t she a pretty gal?” and never took his eyes off her except when the negus came in. Hauptmann Dobbin sprach den ganzen Abend fast kein Wort mit ihr. Er brachte jedoch mit Hauptmann Porter vom Hundertfünfzigsten den bezechten Joe ins Hotel. Dieser hatte mit großem Erfolg sowohl in der Offiziersmesse als auch bei der Soiree Mrs. O'Dowd in ihrem Turban mit dem Paradiesvogel seine Tigerjagdgeschichte zum besten gegeben. Nachdem Dobbin den Steuereinnehmer den Händen seines Bedienten überantwortet hatte, ging er die Straßen auf und ab und rauchte vor der Gasthaustür noch seine Zigarre. Mittlerweile hatte George seine Frau sorgfältig in den Schal gehüllt und sie nach allgemeinem Händedrücken von Mrs. O'Dowd weggeführt. Die jungen Offiziere begleiteten sie an den Wagen und ließen sie hochleben, während die Kutsche sich entfernte. Beim Aussteigen reichte Amelia ihm ihr kleines Händchen und machte ihm lächelnd Vorwürfe, weil er sie den ganzen Abend nicht beachtet habe.   As for Captain Dobbin, he never so much as spoke to her during the whole evening. But he and Captain Porter of the l50th took home Jos to the hotel, who was in a very maudlin state, and had told his tiger-hunt story with great effect, both at the mess-table and at the soiree, to Mrs. O’Dowd in her turban and bird of paradise. Having put the Collector into the hands of his servant, Dobbin loitered about, smoking his cigar before the inn door. George had meanwhile very carefully shawled his wife, and brought her away from Mrs. O’Dowd’s after a general handshaking from the young officers, who accompanied her to the fly, and cheered that vehicle as it drove off. So Amelia gave Dobbin her little hand as she got out of the carriage, and rebuked him smilingly for not having taken any notice of her all night. Der Hauptmann überließ sich noch lange, nachdem das Gasthaus und die Straße zur Ruhe gegangen waren, dem köstlichen Vergnügen des Rauchens. Er beobachtete, wie die Lichter in den Fenstern von Georges Wohnzimmer verschwanden und im daranstoßenden Schlafzimmer wieder auftauchten. Es war fast Morgen, als er in sein eigenes Quartier zurückkehrte. Er konnte die hellen Zurufe von den Schiffen im Fluß hören, wo sie ihre Ladung aufnahmen, ehe sie die Themse hinabglitten.   The Captain continued that deleterious amusement of smoking, long after the inn and the street were gone to bed. He watched the lights vanish from George’s sitting-room windows, and shine out in the bedroom close at hand. It was almost morning when he returned to his own quarters. He could hear the cheering from the ships in the river, where the transports were already taking in their cargoes preparatory to dropping down the Thames. 28. Kapitel / Chapter 28 In dem Amelia in die Niederlande einrückt / In Which Amelia Invades the Low Countries Das Regiment samt seinen Offizieren sollte in Schiffen transportiert werden, die die Regierung Seiner Majestät eigens dafür beschaffte. Zwei Tage nach der Gesellschaft bei Mrs. O'Dowd fuhren die Schiffe unter dem Geschrei der Seeleute von sämtlichen Ostindienfahrern auf dem Fluß, des Militärs am Ufer und unter den Klängen von: »Gott schütz den König« mit Konvoi flußabwärts. Die Offiziere schwenkten die Mützen, und die Mannschaften schrien wacker hurra. Unterdessen hatte der ritterliche Joseph sich entschlossen, seine Schwester und die Majorin zu begleiten. Der größte Teil des Gepäcks, einschließlich des berühmten Paradiesvogels und des Turbans, befand sich bei der Regimentsbagage, und so reisten unsere beiden Heldinnen bequem bis nach Ramsgate, von wo sie in einem der vielen Schiffe schnell nach Ostende kamen.   The regiment with its officers was to be transported in ships provided by His Majesty’s government for the occasion: and in two days after the festive assembly at Mrs. O’Dowd’s apartments, in the midst of cheering from all the East India ships in the river, and the military on shore, the band playing “God Save the King,” the officers waving their hats, and the crews hurrahing gallantly, the transports went down the river and proceeded under convoy to Ostend. Meanwhile the gallant Jos had agreed to escort his sister and the Major’s wife, the bulk of whose goods and chattels, including the famous bird of paradise and turban, were with the regimental baggage: so that our two heroines drove pretty much unencumbered to Ramsgate, where there were plenty of packets plying, in one of which they had a speedy passage to Ostend. Der nun folgende Abschnitt in Josephs Leben war so ereignisreich, daß es ihm noch jahrelang Unterhaltungsstoff bot, und selbst die Tigerjagdgeschichte geriet ins Hintertreffen zugunsten aufregenderer Berichte, die er von der großen Schlacht bei Waterloo zu geben hatte. Sobald er sich dazu entschlossen hatte, seine Schwester ins Ausland zu begleiten, konnte man bemerken, daß er aufhörte, sich die Oberlippe zu rasieren. In Chatham verfolgte er mit großer Beharrlichkeit alle Paraden und Exerzierübungen. Aufmerksam lauschte er den Gesprächen seiner Offizierskameraden, (wie er sie später bisweilen nannte) und lernte so viele militärische Namen wie möglich. Dabei war ihm die treffliche Mrs. O'Dowd eine große Hilfe. Und an dem Tage, als sie sich schließlich auf der »Lieblichen Rose« einschifften, die sie an ihren Bestimmungsort bringen sollte, erschien er in einem bordierten Rock, weißen Beinkleidern und einer Feldmütze mit prächtigem Goldband. Da er seinen Wagen bei sich hatte und jedem an Bord vertraulich mitteilte, daß er zur Armee des Herzogs von Wellington wolle, hielt man ihn für eine große Persönlichkeit, für einen Generalproviantmeister oder wenigstens für einen Regierungskurier.   That period of Jos’s life which now ensued was so full of incident, that it served him for conversation for many years after, and even the tiger-hunt story was put aside for more stirring narratives which he had to tell about the great campaign of Waterloo. As soon as he had agreed to escort his sister abroad, it was remarked that he ceased shaving his upper lip. At Chatham he followed the parades and drills with great assiduity. He listened with the utmost attention to the conversation of his brother officers (as he called them in after days sometimes), and learned as many military names as he could. In these studies the excellent Mrs. O’Dowd was of great assistance to him; and on the day finally when they embarked on board the Lovely Rose, which was to carry them to their destination, he made his appearance in a braided frock-coat and duck trousers, with a foraging cap ornamented with a smart gold band. Having his carriage with him, and informing everybody on board confidentially that he was going to join the Duke of Wellington’s army, folks mistook him for a great personage, a commissary-general, or a government courier at the very least. Er litt sehr während der Überfahrt, und auch die Damen waren krank. Amelia aber wurde ins Leben zurückgebracht, als sie bei ihrer Ankunft in Ostende die Transportschiffe mit ihrem Regiment erblickte, die fast zur gleichen Zeit wie die »Liebliche Rose« in den Hafen einliefen. Joseph begab sich, mehr tot als lebendig, in ein Gasthaus, während Hauptmann Dobbin die Damen begleitete und sich dann damit beschäftigte, Josephs Wagen und Gepäck vom Schiff und dem Zollhaus zu holen. Mr. Joe war nämlich im Augenblick ohne Diener, da Osbornes und sein eigener verzärtelter dienstbarer Geist sich in Chatham verschworen hatten und sich rundweg weigerten, übers Wasser zu gehen. Diese Revolte, die unerwartet am letzten Tage ausbrach, beunruhigte Mr. Sedley junior derartig, daß er schon drauf und dran war, das Unternehmen aufzugeben. Aber Hauptmann Dobbin (der sich, wie Joe sagte, in dieser Angelegenheit fast übertrieben diensteifrig zeigte) schalt ihn und lachte ihn tüchtig aus; der Schnurrbart war schon so schön gewachsen, und schließlich ließ sich Joe überreden, sich einzuschiffen. Anstelle der wohlerzogenen und wohlgenährten Londoner Bedienten, die nur Englisch sprechen konnten, trieb Dobbin für Joe einen kleinen, dunklen, belgischen Diener auf, der überhaupt keine Sprache sprach, sich aber durch sein äußerst rühriges Wesen und dadurch, daß er Mr. Sedley stets mit »gnädiger Herr« ansprach, in kurzer Zeit dessen Gunst erwarb. Die Zeiten haben sich jetzt in Ostende geändert. Von den Briten, die nun dahin fahren, sehen nur sehr wenige wie Lords aus oder handeln wie Mitglieder unserer erblichen Aristokratie. Sie haben größtenteils ein schäbiges Äußeres, tragen schmutzige Wäsche und lieben Billard, Branntwein, Zigarren und schmierige Wirtshäuser.   He suffered hugely on the voyage, during which the ladies were likewise prostrate; but Amelia was brought to life again as the packet made Ostend, by the sight of the transports conveying her regiment, which entered the harbour almost at the same time with the Lovely Rose. Jos went in a collapsed state to an inn, while Captain Dobbin escorted the ladies, and then busied himself in freeing Jos’s carriage and luggage from the ship and the custom-house, for Mr. Jos was at present without a servant, Osborne’s man and his own pampered menial having conspired together at Chatham, and refused point-blank to cross the water. This revolt, which came very suddenly, and on the last day, so alarmed Mr. Sedley, junior, that he was on the point of giving up the expedition, but Captain Dobbin (who made himself immensely officious in the business, Jos said), rated him and laughed at him soundly: the mustachios were grown in advance, and Jos finally was persuaded to embark. In place of the well-bred and well-fed London domestics, who could only speak English, Dobbin procured for Jos’s party a swarthy little Belgian servant who could speak no language at all; but who, by his bustling behaviour, and by invariably addressing Mr. Sedley as “My lord,” speedily acquired that gentleman’s favour. Times are altered at Ostend now; of the Britons who go thither, very few look like lords, or act like those members of our hereditary aristocracy. They seem for the most part shabby in attire, dingy of linen, lovers of billiards and brandy, and cigars and greasy ordinaries. Es muß gesagt werden, daß in der Regel jeder Engländer bei der Armee des Herzogs von Wellington sofort bar bezahlte, und die Erinnerung daran ziemt einer Nation von Kaufleuten gar wohl. Es war ein Segen für ein handelsfreudiges Land, von einem solchen Heer von Kunden überschwemmt zu werden und so zuverlässige Soldaten zu ernähren. Und das Land, das zu schützen sie kamen, ist nicht kriegerisch gesinnt. Eine lange Zeit in der Geschichte haben sie andere Länder dort kämpfen lassen. Als der Verfasser dieser Geschichte sich nach Waterloo begab, um das Schlachtfeld mit Adlerblicken zu überschauen, fragte er den Postillion der Postkutsche, einen stattlichen, kriegerisch aussehenden Veteranen, ob er an der Schlacht teilgenommen habe. »Pas si bête« lautete seine Antwort, und gewiß hätte ein Franzose nie so etwas gedacht oder gesagt. Auf der anderen Seite war unser Postillion ein Vicomte, der Sohn irgendeines bankrotten kaiserlichen Generals, der unterwegs Geld für ein Glas Bier annahm. Man kann daraus sicherlich eine gute Lehre ziehen.   But it may be said as a rule, that every Englishman in the Duke of Wellington’s army paid his way. The remembrance of such a fact surely becomes a nation of shopkeepers. It was a blessing for a commerce-loving country to be overrun by such an army of customers: and to have such creditable warriors to feed. And the country which they came to protect is not military. For a long period of history they have let other people fight there. When the present writer went to survey with eagle glance the field of Waterloo, we asked the conductor of the diligence, a portly warlike-looking veteran, whether he had been at the battle. “Pas si bete" — such an answer and sentiment as no Frenchman would own to — was his reply. But, on the other hand, the postilion who drove us was a Viscount, a son of some bankrupt Imperial General, who accepted a pennyworth of beer on the road. The moral is surely a good one. Dieses flache, blühende, zufriedene Land hatte wohl niemals reicher und glänzender ausgesehen als im Frühsommer 1815, als Tausende von Rotröcken seine grünen Felder und ruhigen Städte belebten, als seine breiten Chausseen prächtige englische Equipagen bedeckten, als englische Reisende seine großen Kanalschiffe füllten, die an fetten Weiden und schönen sauberen alten Dörfern und alten Schlössern, von alten Bäumen umgeben, vorbeiglitten, als der Soldat, der in der Dorfkneipe trank, nicht nur trank, sondern auch seine Zeche bezahlte, und Donald, der Hochländer, der in dem flämischen Bauernhaus einquartiert worden war, das Kind wiegte, während Jean und Jeanette das Heu einfuhren. Da unsere Maler sich jetzt gerade viel mit militärischen Themen befassen, empfehle ich das als einen guten Gegenstand für ihren Pinsel, um die Prinzipien eines ehrlichen englischen Krieges zu illustrieren. Alles wirkte so glänzend und harmlos wie bei einer Truppenbesichtigung im. Hyde Park. Unterdessen bereitete sich Napoleon, geschützt hinter seiner Kette von Grenzfestungen, auf den Krieg vor, der alle diese ordentlichen Leute in Wut und Blut stürzen und manchen von ihnen ins Grab bringen sollte.   This flat, flourishing, easy country never could have looked more rich and prosperous than in that opening summer of 1815, when its green fields and quiet cities were enlivened by multiplied red-coats: when its wide chaussees swarmed with brilliant English equipages: when its great canal-boats, gliding by rich pastures and pleasant quaint old villages, by old chateaux lying amongst old trees, were all crowded with well-to-do English travellers: when the soldier who drank at the village inn, not only drank, but paid his score; and Donald, the Highlander, billeted in the Flemish farm-house, rocked the baby’s cradle, while Jean and Jeannette were out getting in the hay. As our painters are bent on military subjects just now, I throw out this as a good subject for the pencil, to illustrate the principle of an honest English war. All looked as brilliant and harmless as a Hyde Park review. Meanwhile, Napoleon screened behind his curtain of frontier-fortresses, was preparing for the outbreak which was to drive all these orderly people into fury and blood; and lay so many of them low. Jeder hatte ein so vollkommenes Zutrauen zu dem Heerführer (denn das entschlossene Vertrauen, das der Herzog von Wellington der ganzen englischen Nation eingeflößt hatte, war ebenso stark wie die noch wildere Begeisterung, mit der einst die Franzosen Napoleon angesehen hatten), das Land schien in so gutem Verteidigungszustand und im Notfall die Hilfe so nahe und wirksam zu sein, daß Furcht unbekannt war und unsere Reisenden, von denen doch zwei von Natur aus sehr ängstlich waren, ebenso beruhigt waren wie alle anderen der zahlreichen englischen Touristen. Das berühmte Regiment, von dem wir so viele Offiziere kennengelernt haben, wurde auf Kanalschiffen nach Brügge und Gent gebracht, um von dort nach Brüssel zu marschieren. Joseph begleitete die Damen in einem Passagierboot. Alle, die einst in Flandern reisten, werden sich der prächtigen und bequemen Einrichtung erinnern. Essen und Trinken waren an Bord dieser zwar langsamen, aber außerordentlich komfortablen Schiffe so gut, daß man sich dort von einem englischen Reisenden erzählt, der auf eine Woche nach Belgien gekommen und in einem dieser Schiffe gefahren sei. Er sei von der Kost so begeistert gewesen, daß er ständig von Gent nach Brügge und wieder zurück gefahren sei, bis die Eisenbahn erfunden wurde. Auf der letzten Fahrt des Schiffes stürzte er sich ins Wasser. Josephs Tod sollte nicht so aussehen, aber er fühlte sich doch ungemein behaglich, und Mrs. O'Dowd behauptete, daß ihm zum vollständigen Glück nur noch ihre Schwägerin Glorvina fehle. Er saß den ganzen Tag auf dem Deck, trank flämisches Bier, schrie nach seinem Diener Isidor und unterhielt sich galant mit den Damen.   Everybody had such a perfect feeling of confidence in the leader (for the resolute faith which the Duke of Wellington had inspired in the whole English nation was as intense as that more frantic enthusiasm with which at one time the French regarded Napoleon), the country seemed in so perfect a state of orderly defence, and the help at hand in case of need so near and overwhelming, that alarm was unknown, and our travellers, among whom two were naturally of a very timid sort, were, like all the other multiplied English tourists, entirely at ease. The famous regiment, with so many of whose officers we have made acquaintance, was drafted in canal boats to Bruges and Ghent, thence to march to Brussels. Jos accompanied the ladies in the public boats; the which all old travellers in Flanders must remember for the luxury and accommodation they afforded. So prodigiously good was the eating and drinking on board these sluggish but most comfortable vessels, that there are legends extant of an English traveller, who, coming to Belgium for a week, and travelling in one of these boats, was so delighted with the fare there that he went backwards and forwards from Ghent to Bruges perpetually until the railroads were invented, when he drowned himself on the last trip of the passage-boat. Jos’s death was not to be of this sort, but his comfort was exceeding, and Mrs. O’Dowd insisted that he only wanted her sister Glorvina to make his happiness complete. He sate on the roof of the cabin all day drinking Flemish beer, shouting for Isidor, his servant, and talking gallantly to the ladies. Sein Mut war grenzenlos. »Bony uns angreifen!« rief er. »Mein liebes Kleines, meine arme Emmy, fürchte dich nicht. Es besteht keine Gefahr. Ich sage dir, in zwei Monaten sind die Alliierten in Paris, und dann gehe ich mit dir ins Palais Royal essen. Ich sage dir, dreihunderttausend Russen marschieren jetzt bei Mainz über den Rhein nach Frankreich ein, dreihunderttausend unter Wittgenstein und Barclay de Tolly, mein armes Kleines. Du verstehst nichts von militärischen Dingen, meine Liebe. Aber ich, und ich sage dir, keine französische Infanterie kann sich mit der russischen messen, und keiner von Bonys Generalen kann Wittgenstein das Wasser reichen. Dann sind da noch die Österreicher, wenigstens fünfhunderttausend, unter Schwarzenberg und Prinz Karl, und sie sind in diesem Augenblick nur noch zehn Tagesmärsche von der Grenze entfernt. Dann haben wir die Preußen unter dem tapferen Marschall. Nennt mir einen Kavalleriegeneral wie ihn, jetzt, wo Murat tot ist. Mrs. O'Dowd, glauben Sie denn, daß unser kleines Mädchen Angst zu haben braucht? Besteht ein Grund zur Furcht, Isidor? He, Mann! Bringen Sie noch Bier!«   His courage was prodigious. “Boney attack us!” he cried. “My dear creature, my poor Emmy, don’t be frightened. There’s no danger. The allies will be in Paris in two months, I tell you; when I’ll take you to dine in the Palais Royal, by Jove! There are three hundred thousand Rooshians, I tell you, now entering France by Mayence and the Rhine — three hundred thousand under Wittgenstein and Barclay de Tolly, my poor love. You don’t know military affairs, my dear. I do, and I tell you there’s no infantry in France can stand against Rooshian infantry, and no general of Boney’s that’s fit to hold a candle to Wittgenstein. Then there are the Austrians, they are five hundred thousand if a man, and they are within ten marches of the frontier by this time, under Schwartzenberg and Prince Charles. Then there are the Prooshians under the gallant Prince Marshal. Show me a cavalry chief like him now that Murat is gone. Hey, Mrs. O’Dowd? Do you think our little girl here need be afraid? Is there any cause for fear, Isidor? Hey, sir? Get some more beer.” Mrs. O'Dowd meinte, ihre Glorvina fürchte sich vor keinem Mann auf der Welt, am allerwenigsten aber vor einem Franzosen. Dann stürzte sie ein Glas Bier hinunter und zwinkerte mit den Augen, was ihre Vorliebe für das Getränk ausdrückte.   Mrs. O’Dowd said that her “Glorvina was not afraid of any man alive, let alone a Frenchman,” and tossed off a glass of beer with a wink which expressed her liking for the beverage. Unser Freund, der Steuereinnehmer, hatte nun oft genug dem Feinde oder, besser gesagt, den Damen in Cheltenham und Bath gegenübergestanden und ein Großteil seiner früheren Schüchternheit verloren und war jetzt, besonders wenn Alkohol ihn ermutigt hatte, so gesprächig wie nur möglich. Beim Regiment stand er sehr in Gunst, weil er die jungen Offiziere großzügig freihielt und sie durch sein militärisches Getue belustigte. Und wie es in der englischen Armee ein Regiment gibt, dem beim Marsch stets eine Ziege vorangeht, und ein anderes, das von einem Hirsch angeführt wird, so sagte George im Hinblick auf seinen Schwager, sein Regiment marschiere mit einem Elefanten.   Having frequently been in presence of the enemy, or, in other words, faced the ladies at Cheltenham and Bath, our friend, the Collector, had lost a great deal of his pristine timidity, and was now, especially when fortified with liquor, as talkative as might be. He was rather a favourite with the regiment, treating the young officers with sumptuosity, and amusing them by his military airs. And as there is one well-known regiment of the army which travels with a goat heading the column, whilst another is led by a deer, George said with respect to his brother-in-law, that his regiment marched with an elephant. Seit Amelia in das Regiment eingeführt worden war, fing George an, sich einiger, denen er sie hatte vorstellen müssen, zu schämen. Er hatte daher beschlossen, wie er Dobbin erzählte (und wir brauchen wohl nicht zu sagen, welche Befriedigung es diesem bereitete), sich bald in ein besseres Regiment versetzen zu lassen und seine Frau von der Gesellschaft dieser verdammt ordinären Weiber zu befreien. Diese häßliche Eigenschaft, sich anderer zu schämen, ist bei Männern weit häufiger als bei Frauen (natürlich mit Ausnahme der Damen von Welt, die auch dieser Unart frönen). Mrs. Amelia, eine natürliche und schlichte Frau, kannte diese künstliche Scham nicht, die ihr Mann in seinem Innern für Zartgefühl hielt. Mrs. O'Dowd trug zum Beispiel eine Hahnenfeder auf dem Hut und eine riesige Repetieruhr am Gürtel, die sie bei jeder Gelegenheit schlagen ließ. Dabei erzählte sie, wie ihr Vater ihr die Uhr geschenkt habe, als sie nach der Trauung in den Wagen gestiegen sei. Diese Schmuckstücke nun und noch andere äußerliche Eigentümlichkeiten der Majorin bereiteten Hauptmann Osborne Höllenqualen, sooft seine Frau mit der Majorin zusammentraf. Amelia dagegen fand die Eigenheiten der ehrlichen Dame nur belustigend und schämte sich ihrer Gesellschaft nicht im geringsten.   Since Amelia’s introduction to the regiment, George began to be rather ashamed of some of the company to which he had been forced to present her; and determined, as he told Dobbin (with what satisfaction to the latter it need not be said), to exchange into some better regiment soon, and to get his wife away from those damned vulgar women. But this vulgarity of being ashamed of one’s society is much more common among men than women (except very great ladies of fashion, who, to be sure, indulge in it); and Mrs. Amelia, a natural and unaffected person, had none of that artificial shamefacedness which her husband mistook for delicacy on his own part. Thus Mrs. O’Dowd had a cock’s plume in her hat, and a very large “repayther” on her stomach, which she used to ring on all occasions, narrating how it had been presented to her by her fawther, as she stipt into the car’ge after her mar’ge; and these ornaments, with other outward peculiarities of the Major’s wife, gave excruciating agonies to Captain Osborne, when his wife and the Major’s came in contact; whereas Amelia was only amused by the honest lady’s eccentricities, and not in the least ashamed of her company. Auf dieser wohlbekannten Reise, die seitdem fast jeder Engländer aus der Mittelklasse gemacht hat, hätte es vielleicht eine belehrendere, aber schwerlich eine unterhaltendere Gesellschaft als die der Majorin O'Dowd geben können. »Wo wir gerade von Kanalschiffen sprechen, meine Liebe. Sie sollten einmal die zwischen Dublin und Ballinsaloe sehen. Da reist man schnell, und da bekommt man schönes Vieh zu sehen. Mein Vater hat einmal eine goldene Medaille gekriegt für eine vierjährige Kuh, wie sie hierzulande gewiß nie einer zu Gesicht bekommen hat (und Seine Exzellenz hat selbst ein Stück davon gegessen und erklärt, daß er noch nie in seinem Leben besseres Fleisch gegessen habe).« Und Joe gab seufzend zu, daß kein Land auf der Welt so gutes, durchwachsenes Rindfleisch, nicht zu fett und nicht zu mager, aufweisen könne wie England.   As they made that well-known journey, which almost every Englishman of middle rank has travelled since, there might have been more instructive, but few more entertaining, companions than Mrs. Major O’Dowd. “Talk about kenal boats; my dear! Ye should see the kenal boats between Dublin and Ballinasloe. It’s there the rapid travelling is; and the beautiful cattle. Sure me fawther got a goold medal (and his Excellency himself eat a slice of it, and said never was finer mate in his loif) for a four-year-old heifer, the like of which ye never saw in this country any day.” And Jos owned with a sigh, “that for good streaky beef, really mingled with fat and lean, there was no country like England.” »Irland ausgenommen, wo euer bestes Fleisch herkommt«, sagte die Majorin und fuhr fort, wie man es bei Patrioten ihres Volkes nicht selten findet, Vergleiche anzustellen, die sehr vorteilhaft für ihre Heimat ausfielen. Der Gedanke, den Markt von Brügge mit dem von Dublin zu vergleichen, erregte bei ihr Hohn und Spott, obwohl sie selbst den Vergleich gezogen hatte. »Ich wäre froh, wenn mir einer erklären würde, was die alte Baracke dort auf dem Marktplatz bedeuten soll«, sagte sie in einem Lachanfall, der den alten Turm beinahe umgeworfen hätte. Die Stadt war, als sie hinkamen, voll von englischem Militär. Englische Hörner weckten sie am Morgen, am Abend gingen sie unter dem Klang britischer Pfeifen und Trommeln ins Bett, das ganze Land, ganz Europa stand unter Waffen, und das größte Ereignis der Geschichte bereitete sich vor. Das hinderte jedoch die ehrliche Peggy O'Dowd, die es ebenso anging wie alle anderen, nicht, von Ballinafad und den Pferden in den Ställen von Glenmalony und dem Rotwein, der dort getrunken werde, zu sprechen. Joe Sedley wiederum warf Bemerkungen vom Curry und dem Reis in Dumdum ein, während Amelia an ihren Mann dachte und überlegte, wie sie ihm am besten ihre Liebe beweisen könne – als ob das jetzt die weltbewegenden Themen gewesen wären.   “Except Ireland, where all your best mate comes from,” said the Major’s lady; proceeding, as is not unusual with patriots of her nation, to make comparisons greatly in favour of her own country. The idea of comparing the market at Bruges with those of Dublin, although she had suggested it herself, caused immense scorn and derision on her part. “I’ll thank ye tell me what they mean by that old gazabo on the top of the market-place,” said she, in a burst of ridicule fit to have brought the old tower down. The place was full of English soldiery as they passed. English bugles woke them in the morning; at nightfall they went to bed to the note of the British fife and drum: all the country and Europe was in arms, and the greatest event of history pending: and honest Peggy O’Dowd, whom it concerned as well as another, went on prattling about Ballinafad, and the horses in the stables at Glenmalony, and the clar’t drunk there; and Jos Sedley interposed about curry and rice at Dumdum; and Amelia thought about her husband, and how best she should show her love for him; as if these were the great topics of the world. Diejenigen, die das Geschichtsbuch gern weglegen, um Spekulationen darüber anzustellen, was in der Welt hätte geschehen können, wenn unglücklicherweise nicht gerade das geschehen wäre, was geschah (eine ungemein verwirrende, ergötzliche, sinnreiche und nützliche Art, nachzudenken), haben sich ohne Zweifel oft überlegt; wie unglücklich Napoleon den Zeitpunkt gewählt habe, um von Elba zurückzukommen und seinen Adler vom Golfe Juan nach Notre Dame fliegen zu lassen. Die Geschichtsschreiber auf unserer Seite berichten, daß die Armeen der alliierten Mächte alle vorsorglich für den Krieg gerüstet und bereit gewesen seien, sich sofort auf den Kaiser von Elba zu stürzen. Die erlauchten Spekulanten, die sich in Wien versammelt hatten und nach ihrem Verstand die Königreiche Europas zurechtschnitten, hatten so viele Ursachen zum Streit unter sich selbst, daß die Armeen, die Napoleon besiegt hatten, sich gegenseitig bekämpft hätten, wäre nicht der Gegenstand des allgemeinen Hasses und der Furcht zurückgekehrt. Ein Monarch hatte eine vollkommen gerüstete Armee, weil er sich Polen angeeignet hatte und entschlossen war, es zu halten; ein anderer hatte halb Sachsen geraubt und wollte seine Beute um keinen Preis verlieren; ein dritter hatte sich Italien zum Gegenstand seiner Fürsorge erkoren. Jeder protestierte gegen die Raubgier des anderen, und hätte der Korse nun in seinem Gefängnis gewartet, bis sich all diese Parteien in den Haaren lagen, dann hätte er zurückkommen und unbelästigt regieren können. Aber was wäre dann aus unserer Geschichte und allen unseren Freunden geworden? Was würde aus dem Meer werden, wenn jeder Wassertropfen darin vertrocknen würde?   Those who like to lay down the History-book, and to speculate upon what might have happened in the world, but for the fatal occurrence of what actually did take place (a most puzzling, amusing, ingenious, and profitable kind of meditation), have no doubt often thought to themselves what a specially bad time Napoleon took to come back from Elba, and to let loose his eagle from Gulf San Juan to Notre Dame. The historians on our side tell us that the armies of the allied powers were all providentially on a war-footing, and ready to bear down at a moment’s notice upon the Elban Emperor. The august jobbers assembled at Vienna, and carving out the kingdoms of Europe according to their wisdom, had such causes of quarrel among themselves as might have set the armies which had overcome Napoleon to fight against each other, but for the return of the object of unanimous hatred and fear. This monarch had an army in full force because he had jobbed to himself Poland, and was determined to keep it: another had robbed half Saxony, and was bent upon maintaining his acquisition: Italy was the object of a third’s solicitude. Each was protesting against the rapacity of the other; and could the Corsican but have waited in prison until all these parties were by the ears, he might have returned and reigned unmolested. But what would have become of our story and all our friends, then? If all the drops in it were dried up, what would become of the sea? Unterdessen gingen die Geschäfte des Lebens und insbesondere die Vergnügungen weiter, als ob kein Ende zu erwarten stünde und kein Feind sich nähern könnte. Als unsere Reisenden in Brüssel ankamen, wo das Regiment einquartiert war – ein wahres Glück, wie alle sagten –, fanden sie sich in einer der lustigsten und glänzendsten kleinen Hauptstädte Europas. Alle Buden auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit waren hier besonders prachtvoll und verlockend ausgestattet. Spiel und Tanz wurden groß geschrieben; man speiste so gut, daß selbst der große Gourmand Joseph entzückt war; es gab ein Theater, wo eine wundervolle Catalani alle Zuhörer hinriß; prächtige Reitwege waren von soldatischem Glanz belebt, eine merkwürdige alte Stadt mit seltsamen Trachten und wundervollen Gebäuden erfreute das Auge der kleinen Amelia, die noch nie ein fremdes Land gesehen hatte, und bereitete ihr zauberhafte Überraschungen. In einer schönen Wohnung, deren Kosten Joe und Osborne trugen – George hatte reichlich Geld und war voll zarter Aufmerksamkeit gegen seine Frau –, war Mrs. Amelia in den letzten vierzehn Tagen ihrer Flitterwochen so froh und glücklich wie nur irgendeine junge Frau außerhalb Englands.   In the meanwhile the business of life and living, and the pursuits of pleasure, especially, went on as if no end were to be expected to them, and no enemy in front. When our travellers arrived at Brussels, in which their regiment was quartered, a great piece of good fortune, as all said, they found themselves in one of the gayest and most brilliant little capitals in Europe, and where all the Vanity Fair booths were laid out with the most tempting liveliness and splendour. Gambling was here in profusion, and dancing in plenty: feasting was there to fill with delight that great gourmand of a Jos: there was a theatre where a miraculous Catalani was delighting all hearers: beautiful rides, all enlivened with martial splendour; a rare old city, with strange costumes and wonderful architecture, to delight the eyes of little Amelia, who had never before seen a foreign country, and fill her with charming surprises: so that now and for a few weeks’ space in a fine handsome lodging, whereof the expenses were borne by Jos and Osborne, who was flush of money and full of kind attentions to his wife — for about a fortnight, I say, during which her honeymoon ended, Mrs. Amelia was as pleased and happy as any little bride out of England. In dieser glücklichen Zeit brachte jeder Tag etwas Neues und Vergnügliches für alle. Man besichtigte eine Kirche oder eine Gemäldegalerie, unternahm eine Spazierfahrt oder besuchte eine Oper. Ständig spielten die Regimentskapellen. Die vornehmsten Leute von England spazierten im Park – es war ein einziges militärisches Fest. George führte seine Frau jeden Abend zu einem anderen Vergnügen und war, wie gewöhnlich, außerordentlich zufrieden mit sich selbst. Er beteuerte, daß er direkt Familiensinn entwickelte. Und ein Vergnügen in seiner Gesellschaft! Reichte das nicht aus, um das kleine Herzchen vor Freude hüpfen zu lassen? Die Briefe an ihre Mutter waren in dieser Zeit voll von Entzücken und Dankbarkeit. Ihr Mann beauftragte sie, Spitzen, Juwelen und allerlei Flitterkram zu kaufen. Oh, er war der freundlichste, beste und großmütigste aller Männer!   Every day during this happy time there was novelty and amusement for all parties. There was a church to see, or a picture-gallery — there was a ride, or an opera. The bands of the regiments were making music at all hours. The greatest folks of England walked in the Park — there was a perpetual military festival. George, taking out his wife to a new jaunt or junket every night, was quite pleased with himself as usual, and swore he was becoming quite a domestic character. And a jaunt or a junket with him ! Was it not enough to set this little heart beating with joy? Her letters home to her mother were filled with delight and gratitude at this season. Her husband bade her buy laces, millinery, jewels, and gimcracks of all sorts. Oh, he was the kindest, best, and most generous of men! Der Anblick der vielen Lords und Ladys und vornehmen Leute, von denen die Stadt wimmelte und die sich alle in der Öffentlichkeit zeigten, erfüllte Georges echt britische Seele mit hohem Entzücken. Sie hatten das kühle und anmaßende Wesen abgelegt, das die vornehmen Engländer häufig zu Hause charakterisiert. Sie erschienen auf zahllosen öffentlichen Veranstaltungen und ließen sich herab, sich unter die übrige Gesellschaft, die sie dort trafen, zu mischen. Eines Abends auf einer Party beim General der Division, dem Georges Regiment angehörte, hatte er die Ehre, mit Lady Blanche Thistlewood, der Tochter von Lord Bareacres, zu tanzen.. Er eilte geschäftig nach Eis und Erfrischungen für die beiden vornehmen Damen, er drängte und zwängte sich durch, um Lady Bareacres' Wagen zu holen. Zu Hause prahlte er mit der Gräfin, daß nicht einmal sein Vater ihn darin hätte übertreffen können. Am nächsten Tage machte er den Damen seine Aufwartung, ritt im Park an ihrer Seite, lud sie zu einem großen Diner in ein Restaurant ein und wußte sich vor Frohlocken kaum zu fassen, als sie die Einladung annahmen. Der alte Bareacres, der nicht viel Stolz, aber einen großen Appetit besaß, wäre für ein Mittagessen sonstwohin gegangen.   The sight of the very great company of lords and ladies and fashionable persons who thronged the town, and appeared in every public place, filled George’s truly British soul with intense delight. They flung off that happy frigidity and insolence of demeanour which occasionally characterises the great at home, and appearing in numberless public places, condescended to mingle with the rest of the company whom they met there. One night at a party given by the general of the division to which George’s regiment belonged, he had the honour of dancing with Lady Blanche Thistlewood, Lord Bareacres’ daughter; he bustled for ices and refreshments for the two noble ladies; he pushed and squeezed for Lady Bareacres’ carriage; he bragged about the Countess when he got home, in a way which his own father could not have surpassed. He called upon the ladies the next day; he rode by their side in the Park; he asked their party to a great dinner at a restaurateur’s, and was quite wild with exultation when they agreed to come. Old Bareacres, who had not much pride and a large appetite, would go for a dinner anywhere. »Hoffentlich werden außer uns keine anderen Damen dasein«, meinte Lady Bareacres, nachdem sie über die allzu bereitwillig ausgesprochene und angenommene Einladung nachgedacht hatte.   “I hope there will be no women besides our own party,” Lady Bareacres said, after reflecting upon the invitation which had been made, and accepted with too much precipitancy. »Gütiger Himmel; Mama! Du wirst doch nicht glauben, daß der Mann seine Frau mitbringt«, schrie Lady Blanche, die am vorhergehenden Abend, beim neuimportierten Walzer, stundenlang in Georges Armen geschmachtet hatte. »Die Männer sind ja erträglich, aber ihre Weiber...«   “Gracious Heaven, Mamma — you don’t suppose the man would bring his wife,” shrieked Lady Blanche, who had been languishing in George’s arms in the newly imported waltz for hours the night before. “The men are bearable, but their women — ” »Seine Frau, erst ganz kurz verheiratet, verteufelt hübsch, wie ich höre«, sagte der alte Graf.   “Wife, just married, dev’lish pretty woman, I hear,” the old Earl said. »Nun, meine liebe Blanche«, sagte die Mutter, »ich denke, wenn Papa gehen will, dann müssen wir eben gehen. Aber weißt du, wir brauchen sie in England ja nicht zu kennen.« Und so gingen diese vornehmen Leute, um in Brüssel beim Diner ihrer neuen Bekannten zu speisen, aber fest entschlossen, sie in der Bond Street zu schneiden. Und während sie sich herabließen, sich ihr Vergnügen von George bezahlen zu lassen, bewiesen sie ihre Würde, indem sie seine Frau in eine unbehagliche Stimmung versetzten und sie sorgfältig von der Unterhaltung ausschlossen. Das ist so eine Art von Würde, in der eine hochgeborene britische Dame unübertroffen dasteht. Das Benehmen einer vornehmen Dame gegenüber einer einfacheren zu beobachten ist für einen philosophisch veranlagten Besucher des Jahrmarkts der Eitelkeit eine besonders gute Unterhaltung.   “Well, my dear Blanche,” said the mother, “I suppose, as Papa wants to go, we must go; but we needn’t know them in England, you know.” And so, determined to cut their new acquaintance in Bond Street, these great folks went to eat his dinner at Brussels, and condescending to make him pay for their pleasure, showed their dignity by making his wife uncomfortable, and carefully excluding her from the conversation. This is a species of dignity in which the high-bred British female reigns supreme. To watch the behaviour of a fine lady to other and humbler women, is a very good sport for a philosophical frequenter of Vanity Fair. Dieses Festmahl, das den ehrlichen George einen großen Teil seines Geldes kostete, war das trübseligste Vergnügen, das Amelia während ihrer Flitterwochen hatte. Sie schrieb den kläglichsten Bericht darüber an ihre Mama nach Hause – daß die Gräfin Bareacres nicht geantwortet hatte, wenn man mit ihr sprach, daß Lady Blanche sie durch ihr Lorgnon angestarrt habe, wie wütend Hauptmann Dobbin über das Benehmen der beiden vornehmen Damen gewesen sei und daß der Lord hinterher die Rechnung hatte sehen wollen und das Essen als verdammt schlecht und verdammt teuer bezeichnet habe. Aber obgleich Amelia alle diese Geschichten berichtete und die Ungezogenheit ihrer Gäste sowie ihre eigene Niederlage schilderte, war doch die alte Mrs. Sedley trotzdem höchst erfreut und erzählte überall von Emmys Freundin, der Gräfin von Bareacres, daß die Nachricht, sein Sohn bewirte Grafen und Gräfinnen, schließlich auch dem alten Osborne in der City zu Ohren kam.   This festival, on which honest George spent a great deal of money, was the very dismallest of all the entertainments which Amelia had in her honeymoon. She wrote the most piteous accounts of the feast home to her mamma: how the Countess of Bareacres would not answer when spoken to; how Lady Blanche stared at her with her eye-glass; and what a rage Captain Dobbin was in at their behaviour; and how my lord, as they came away from the feast, asked to see the bill, and pronounced it a d — - bad dinner, and d — - dear. But though Amelia told all these stories, and wrote home regarding her guests’ rudeness, and her own discomfiture, old Mrs. Sedley was mightily pleased nevertheless, and talked about Emmy’s friend, the Countess of Bareacres, with such assiduity that the news how his son was entertaining peers and peeresses actually came to Osborne’s ears in the City. Wer den jetzigen Generalleutnant Sir George Tufto, Komtur des Bathordens, kennt und ihn gesehen hat – was man während der Saison fast täglich kann –, wie er auswattiert und geschnürt, sich gebrechlich in den Hüften wiegend, mit hochhackigen lackierten Stiefeln die Pall Mall hinabstolziert, vorübergehenden Damen unter den Hut schaut oder in den Parks einen prächtigen Kastanienbraunen reitet und in die Kutschen äugelt, der würde wohl schwerlich in ihm den kühnen Offizier von Spanien und Waterloo wiedererkennen. Er hat jetzt dichte, braune Locken und schwarze Augenbrauen, und sein Backenbart ist von tiefstem Purpur. Im Jahre 1815 war er hell und fast kahl und dabei dicker. Seine Glieder vor allem sind in letzter Zeit bedeutend zusammengeschrumpft. Als er etwa siebzig Jahre alt war (er ist jetzt bald achtzig), wurde sein spärliches, ganz weißes Haar auf einmal dicht und braun und lockig, und Augenbrauen und Backenbart nahmen ihre jetzige Farbe an. Mißgünstige behaupten, seine Brust sei nur Watte und sein Haar sei eine Perücke, da es nie wachse. Tom Tufto, mit dessen Vater er sich vor langen Jahren gestritten hatte, erklärte, daß Mademoiselle de Jaisey vom französischen Theater seinem Großpapa in der Garderobe das Haar ausgerissen habe, aber Tom ist notorisch boshaft und eifersüchtig, und die Perücke des Generals hat nichts mit unserer Geschichte zu tun.   Those who know the present Lieutenant-General Sir George Tufto, K.C.B., and have seen him, as they may on most days in the season, padded and in stays, strutting down Pall Mall with a rickety swagger on his high-heeled lacquered boots, leering under the bonnets of passers-by, or riding a showy chestnut, and ogling broughams in the Parks — those who know the present Sir George Tufto would hardly recognise the daring Peninsular and Waterloo officer. He has thick curling brown hair and black eyebrows now, and his whiskers are of the deepest purple. He was light-haired and bald in 1815, and stouter in the person and in the limbs, which especially have shrunk very much of late. When he was about seventy years of age (he is now nearly eighty), his hair, which was very scarce and quite white, suddenly grew thick, and brown, and curly, and his whiskers and eyebrows took their present colour. Ill-natured people say that his chest is all wool, and that his hair, because it never grows, is a wig. Tom Tufto, with whose father he quarrelled ever so many years ago, declares that Mademoiselle de Jaisey, of the French theatre, pulled his grandpapa’s hair off in the green-room; but Tom is notoriously spiteful and jealous; and the General’s wig has nothing to do with our story. Eines Tages schlenderten einige unserer Freunde vom ...ten Regiment auf dem Blumenmarkt von Brüssel umher. Sie hatten das Hôtel de ville besichtigt, und die Majorin O'Dowd behauptete, daß es lange nicht so groß und schön sei wie ihres Vaters Haus in Glenmalony. Da kam ein höherer Offizier, gefolgt von einer Ordonnanz, auf den Markt geritten, stieg ab, ging auf die Blumen zu und wählte das allerschönste Bukett, das für Geld zu haben war. Als der schöne Strauß in Papier gewickelt war, stieg der Offizier wieder auf, übergab das Bukett seinem Burschen, der es grinsend seinem stattlich und selbstzufrieden davonreitenden Herrn nachtrug.   One day, as some of our friends of the — th were sauntering in the flower-market of Brussels, having been to see the Hotel de Ville, which Mrs. Major O’Dowd declared was not near so large or handsome as her fawther’s mansion of Glenmalony, an officer of rank, with an orderly behind him, rode up to the market, and descending from his horse, came amongst the flowers, and selected the very finest bouquet which money could buy. The beautiful bundle being tied up in a paper, the officer remounted, giving the nosegay into the charge of his military groom, who carried it with a grin, following his chief, who rode away in great state and self-satisfaction. »Sie sollten einmal die Blumen in Glenmalony sehen«, bemerkte Mrs. O'Dowd. »Mein Vater hat drei schottische Gärtner und neun Gehilfen. Wir haben einen Morgen voll von Gewächshäusern und in der Saison ebensoviel Ananas wie Erbsen. Jede Weintraube wiegt mindestens sechs Pfund, und auf Ehre und Gewissen – unsere Magnolien sind wohl ebenso groß wie Teekessel.«   “You should see the flowers at Glenmalony,” Mrs. O’Dowd was remarking. “Me fawther has three Scotch garners with nine helpers. We have an acre of hot-houses, and pines as common as pays in the sayson. Our greeps weighs six pounds every bunch of ’em, and upon me honour and conscience I think our magnolias is as big as taykettles.” Dobbin, der Mrs. O'Dowd niemals zum Reden veranlaßte, wie der boshafte Osborne es so gern tat (zum Schrecken Amelias, die ihn bat, sie doch zu verschonen), suchte sich unter fortwährendem Prusten in der Menge zu verlieren, bis er in sicherer Entfernung inmitten der erstaunten Marktleute in ein schallendes Gelächter ausbrach.   Dobbin, who never used to “draw out” Mrs. O’Dowd as that wicked Osborne delighted in doing (much to Amelia’s terror, who implored him to spare her), fell back in the crowd, crowing and sputtering until he reached a safe distance, when he exploded amongst the astonished market-people with shrieks of yelling laughter. »Was hat der Tölpel da zu kichern?« fragte Mrs. O'Dowd. »Hat er denn wieder Nasenbluten? Er sagt immer, er hat Nasenbluten, und jetzt muß er ja bald sein ganzes Blut aus sich rausgepumpt haben. Sind die Magnolien in Glenmalony nicht so groß wie Teekessel, O'Dowd?«   “Hwhat’s that gawky guggling about?” said Mrs. O’Dowd. “Is it his nose bleedn? He always used to say ’twas his nose bleedn, till he must have pomped all the blood out of ’um. An’t the magnolias at Glenmalony as big as taykettles, O’Dowd?” »Natürlich und noch größer, Peggy«, sagte der Major. Und hier wurde das Gespräch, wie schon berichtet, durch die Ankunft des Offiziers unterbrochen, der das Bukett kaufte.   “’Deed then they are, and bigger, Peggy,” the Major said. When the conversation was interrupted in the manner stated by the arrival of the officer who purchased the bouquet. »Verteufelt schönes Pferd – wer ist es?« fragte George.   “Devlish fine horse — who is it?” George asked. »Sie sollten meines Bruders Mallay Malonys Pferd Melasse sehen, das den Curragh-Pokal gewonnen hat«, rief die Majorin und wollte die Familiengeschichte fortsetzen, als ihr Mann sie unterbrach und sagte:   “You should see me brother Molloy Malony’s horse, Molasses, that won the cop at the Curragh,” the Major’s wife was exclaiming, and was continuing the family history, when her husband interrupted her by saying — »Es ist General Tufto, der die ...te Kavalleriedivision kommandiert.« Und ganz ruhig setzte er hinzu: »Er und ich wurden in Talavera am gleichen Bein verwundet.«   “It’s General Tufto, who commands the — — cavalry division”; adding quietly, “he and I were both shot in the same leg at Talavera.” »Wo Sie befördert wurden«, sagte George lachend. »General Tufto! Dann, meine Liebe, sind auch die Crawleys da.«   “Where you got your step,” said George with a laugh. “General Tufto! Then, my dear, the Crawleys are come.” Amelia sank das Herz – sie wußte nicht warum. Es war, als ob die Sonne nicht mehr so hell schiene. Die hohen alten Dächer und Giebel sahen plötzlich nicht mehr so malerisch aus, obwohl es ein prächtiger Sonnenuntergang und einer der hellsten und schönsten letzten Maitage war.   Amelia’s heart fell — she knew not why. The sun did not seem to shine so bright. The tall old roofs and gables looked less picturesque all of a sudden, though it was a brilliant sunset, and one of the brightest and most beautiful days at the end of May. 29. Kapitel / Chapter 29 Brüssel / Brussels Mr. Joseph hatte für seinen offenen Wagen ein paar Pferde gemietet. Mit diesen Tieren und seinem eleganten Londoner Wagen gab er bei den Spazierfahrten in Brüssel gar keine schlechte Figur ab. George kaufte sich ein Pferd zu eigenem Gebrauch und begleitete mit Hauptmann Dobbin oft den Wagen, in dem Joseph und seine Schwester täglich Ausflüge machten. Sie fuhren wie gewöhnlich auch an diesem Tag zu ihrer Zerstreuung im Park spazieren, und dort erwies es sich, daß Georges Bemerkung über die Ankunft Rawdon Crawleys und seiner Frau stimmte. Inmitten eines kleinen Reitertrupps, einigen der bedeutendsten Personen in Brüssel, war Rebekka zu sehen. Sie trug ein sehr hübsches, eng anliegendes Reitkostüm und saß auf einem prachtvollen kleinen Araber, den sie vortrefflich ritt (sie hatte in Queen's Crawley vom Baronet, Mr. Pitt und Rawdon selbst das Reiten gelernt). Neben ihr der tapfere General Tufto.   Mr. Jos had hired a pair of horses for his open carriage, with which cattle, and the smart London vehicle, he made a very tolerable figure in the drives about Brussels. George purchased a horse for his private riding, and he and Captain Dobbin would often accompany the carriage in which Jos and his sister took daily excursions of pleasure. They went out that day in the park for their accustomed diversion, and there, sure enough, George’s remark with regard to the arrival of Rawdon Crawley and his wife proved to be correct. In the midst of a little troop of horsemen, consisting of some of the very greatest persons in Brussels, Rebecca was seen in the prettiest and tightest of riding-habits, mounted on a beautiful little Arab, which she rode to perfection (having acquired the art at Queen’s Crawley, where the Baronet, Mr. Pitt, and Rawdon himself had given her many lessons), and by the side of the gallant General Tufto. »Ha, da ist ja der Herzog selbst«, rief die Majorin O'Dowd Joseph zu, der heftig errötete, »und dort, auf dem Braunen, das ist Lord Uxbridge. Wie elegant er aussieht! Mein Bruder Mallay Malony gleicht ihm wie eine Erbse der anderen.«   “Sure it’s the Juke himself,” cried Mrs. Major O’Dowd to Jos, who began to blush violently; “and that’s Lord Uxbridge on the bay. How elegant he looks! Me brother, Molloy Malony, is as like him as two pays.” Rebekka ritt nicht auf den Wagen zu. Als sie aber ihre alte Freundin Amelia darin sitzen sah, grüßte sie mit einem gnädigen Wort und Lächeln und warf spielerisch eine Kußhand in Richtung des Wagens. Sodann setzte sie ihre Unterhaltung mit General Tufto fort und antwortete auf die Frage, wer denn der dicke Offizier mit der goldbebänderten Mütze sei, es sei ein Offizier in Diensten der Ostindischen Kompanie. Rawdon Crawley jedoch kam herbeigeritten, drückte Amelia herzlich die Hand, fragte Joe: »Nun, alter Knabe, wie geht's?« und starrte Mrs. O'Dowd ins Gesicht und auf die schwarzen Hahnenfedern, bis die Majorin zu glauben anfing, sie habe an ihm eine Eroberung gemacht.   Rebecca did not make for the carriage; but as soon as she perceived her old acquaintance Amelia seated in it, acknowledged her presence by a gracious nod and smile, and by kissing and shaking her fingers playfully in the direction of the vehicle. Then she resumed her conversation with General Tufto, who asked “who the fat officer was in the gold-laced cap?” on which Becky replied, “that he was an officer in the East Indian service.” But Rawdon Crawley rode out of the ranks of his company, and came up and shook hands heartily with Amelia, and said to Jos, “Well, old boy, how are you?” and stared in Mrs. O’Dowd’s face and at the black cock’s feathers until she began to think she had made a conquest of him. George, der ein wenig zurückgeblieben war, kam sofort mit Dobbin herbeigeritten, und sie grüßten, die Hand an der Mütze, die erlauchten Persönlichkeiten, unter denen Osborne sogleich Mrs. Crawley bemerkte. Er freute sich, zu sehen, wie Rawdon sich vertraulich über seinen Wagen lehnte und mit Amelia sprach, und begegnete dem herzlichen Gruß des Adjutanten mit mehr als angemessener Wärme. Das Kopfnicken zwischen Rawdon und Dobbin gehörte zu den schwächsten Beweisstücken der Höflichkeit.   George, who had been delayed behind, rode up almost immediately with Dobbin, and they touched their caps to the august personages, among whom Osborne at once perceived Mrs. Crawley. He was delighted to see Rawdon leaning over his carriage familiarly and talking to Amelia, and met the aide-de-camp’s cordial greeting with more than corresponding warmth. The nods between Rawdon and Dobbin were of the very faintest specimens of politeness. Crawley erzählte George, daß sie mit General Tufto im Hotel du Parc wohnten, und George ließ sich von seinem Freunde versprechen, die Osbornes recht bald zu besuchen. »Schade, daß ich Sie nicht schon vor drei Tagen sah«, sagte George. »Hatten ein Diner im Restaurant – ganz hübsch. Lord Bareacres und die Gräfin sowie Lady Blanche waren so gütig, mit uns zu speisen – wollte, Sie wären auch dabeigewesen.« Nachdem Osborne so seinem Freund beigebracht hatte, daß er als Mann von Welt angesehen werden wollte, trennte er sich von Rawdon, der der davongaloppierenden vornehmen Gesellschaft in eine Allee hinein folgte, während George und Dobbin wieder ihre Plätze neben dem Wagen Amelias einnahmen.   Crawley told George where they were stopping with General Tufto at the Hotel du Parc, and George made his friend promise to come speedily to Osborne’s own residence. “Sorry I hadn’t seen you three days ago,” George said. “Had a dinner at the Restaurateur’s — rather a nice thing. Lord Bareacres, and the Countess, and Lady Blanche, were good enough to dine with us — wish we’d had you.” Having thus let his friend know his claims to be a man of fashion, Osborne parted from Rawdon, who followed the august squadron down an alley into which they cantered, while George and Dobbin resumed their places, one on each side of Amelia’s carriage. »Wie gut der Herzog aussah«, bemerkte Mrs. O'Dowd. »Die Wellesleys und Malonys sind doch miteinander verwandt; natürlich würde ich armes Wesen nicht im Traume daran denken, mich vorzustellen, wenn nicht Seine Gnaden es für angemessen hielte, sich unserer Familienbande zu erinnern.«   “How well the Juke looked,” Mrs. O’Dowd remarked. “The Wellesleys and Malonys are related; but, of course, poor I would never dream of introjuicing myself unless his Grace thought proper to remember our family-tie.” »Er ist ein großer Soldat«, sagte Joe, der sich jetzt weit behaglicher fühlte, nachdem der bedeutende Herr fort war. »Gab es je eine Schlacht wie die bei Salamanca? Was meinen Sie, Dobbin? Aber wo hat er seine Kunst gelernt? In Indien, mein Junge! Der Dschungel ist die rechte Schule für einen General, merken Sie sich das. Ich habe ihn auch persönlich kennengelernt, Mrs. O'Dowd. Wir beide tanzten in Dumdum am selben Abend mit Miss Cutler, der Tochter Cutlers von der Artillerie, ein verteufelt hübsches Mädchen.«   “He’s a great soldier,” Jos said, much more at ease now the great man was gone. “Was there ever a battle won like Salamanca? Hey, Dobbin? But where was it he learnt his art? In India, my boy! The jungle’s the school for a general, mark me that. I knew him myself, too, Mrs. O’Dowd: we both of us danced the same evening with Miss Cutler, daughter of Cutler of the Artillery, and a devilish fine girl, at Dumdum.” Die Erscheinung der hohen Herrschaften bot ihnen während der Spazierfahrt, beim Essen und bis zur Stunde, wo sie alle miteinander in die Oper gehen wollten, genug Unterhaltungsstoff.   The apparition of the great personages held them all in talk during the drive; and at dinner; and until the hour came when they were all to go to the Opera. Es war beinahe wie im alten England. Das Haus war voll von bekannten englischen Gesichtern und den Toiletten, die die Britin schon seit langer Zeit berühmt gemacht hatte. Mrs. O'Dowds gehörte zu den prächtigsten, sie trug auf der Stirn eine Locke und einen Schmuck von irischen Diamanten und Rauchtopasen, der nach ihrer Meinung alles im Hause überstrahlte. Ihre Gegenwart war qualvoll für Osborne. Aber sie hatte nun einmal beschlossen, um jeden Preis alle Vergnügungen mitzumachen, wenn sie hörte, daß ihre Freunde teilnahmen. Es kam ihr nie anders in den Sinn, als daß sie von ihrer Gesellschaft bezaubert sein müßten.   It was almost like Old England. The house was filled with familiar British faces, and those toilettes for which the British female has long been celebrated. Mrs. O’Dowd’s was not the least splendid amongst these, and she had a curl on her forehead, and a set of Irish diamonds and Cairngorms, which outshone all the decorations in the house, in her notion. Her presence used to excruciate Osborne; but go she would upon all parties of pleasure on which she heard her young friends were bent. It never entered into her thought but that they must be charmed with her company. »Sie ist dir nützlich gewesen, meine Liebe«, sagte George zu seiner Frau, die er in ihrer Gesellschaft mit weniger Bedenken allein lassen konnte. »Wie gut ist es aber, daß Rebekka gekommen ist. Sie wird dir eine Freundin sein, und wir können nun diese verdammte Irin loswerden.« Amelia antwortete hierauf weder mit Ja noch mit Nein, und wie können wir wissen, was sie dachte?   “She’s been useful to you, my dear,” George said to his wife, whom he could leave alone with less scruple when she had this society. “But what a comfort it is that Rebecca’s come: you will have her for a friend, and we may get rid now of this damn’d Irishwoman.” To this Amelia did not answer, yes or no: and how do we know what her thoughts were? Der coup d' œil des Brüsseler Opernhauses war für Mrs. O'Dowd lange nicht so schön wie der des Theaters in der Fishamble Street in Dublin. Auch die französische Musik kam ihrer Meinung nach den Melodien ihres Heimatlandes bei weitem nicht gleich. Mit diesen und anderen sehr laut ausgesprochenen Bemerkungen erfreute sie ihre Freunde, wobei sie mit vornehmer Selbstgefälligkeit einen großen klappernden Fächer hin und her schwenkte.   The coup d’oeil of the Brussels opera-house did not strike Mrs. O’Dowd as being so fine as the theatre in Fishamble Street, Dublin, nor was French music at all equal, in her opinion, to the melodies of her native country. She favoured her friends with these and other opinions in a very loud tone of voice, and tossed about a great clattering fan she sported, with the most splendid complacency. »Wer ist die wundervolle Frau dort bei Amelia, liebster Rawdon?« fragte in einer gegenüberliegenden Loge eine Dame (die, schon zu Hause fast immer höflich gegenüber ihrem Mann, in der Öffentlichkeit liebevoller denn je zu ihm war).   “Who is that wonderful woman with Amelia, Rawdon, love?” said a lady in an opposite box (who, almost always civil to her husband in private, was more fond than ever of him in company). »Siehst du nicht dieses Wesen dort, mit dem gelben Ding auf dem Turban und einem roten Atlaskleid und einer großen Uhr?«   “Don’t you see that creature with a yellow thing in her turban, and a red satin gown, and a great watch?” »Neben der hübschen kleinen Frau in Weiß?« fragte ein Mann mittleren Alters, der neben der Fragerin saß. Er trug Orden im Knopfloch und verschiedene Unterwesten und eine große, weiße Halsbinde, die ihn fast erwürgte.   “Near the pretty little woman in white?” asked a middle-aged gentleman seated by the querist’s side, with orders in his button, and several under-waistcoats, and a great, choky, white stock. »Die hübsche Frau in Weiß ist Amelia, General. Sie bemerken doch gleich alle hübschen Frauen, Sie ungezogener Mann!«   “That pretty woman in white is Amelia, General: you are remarking all the pretty women, you naughty man.” »Bei Gott, nur eine in der Welt!« sagte der General ganz entzückt, und die Dame versetzte ihm einen sanften Schlag mit dem großen Bukett, das sie in der Hand hielt.   “Only one, begad, in the world!” said the General, delighted, and the lady gave him a tap with a large bouquet which she had. »Bei Gott, er ist es«, sagte Mrs. O'Dowd, »und es ist dasselbe Bukett, das er auf dem Blumenmarkt gekauft hat!« Als Rebekka dem Blick ihrer Freundin begegnet war und noch einmal die kleine Handkußszene spielte, bezog die Majorin O'Dowd das Kompliment auf sich selbst und erwiderte den Gruß mit einem graziösen Lächeln, was den unglücklichen Dobbin wieder prustend aus der Loge trieb.   “Bedad it’s him,” said Mrs. O’Dowd; “and that’s the very bokay he bought in the Marshy aux Flures!” and when Rebecca, having caught her friend’s eye, performed the little hand-kissing operation once more, Mrs. Major O’D., taking the compliment to herself, returned the salute with a gracious smile, which sent that unfortunate Dobbin shrieking out of the box again. Nach dem ersten Akt war George sofort aus der Loge verschwunden, um Rebekka seine Aufwartung zu machen. Im Foyer traf er Crawley, und sie wechselten einige Worte über die Vorfälle der letzten vierzehn Tage.   At the end of the act, George was out of the box in a moment, and he was even going to pay his respects to Rebecca in her loge. He met Crawley in the lobby, however, where they exchanged a few sentences upon the occurrences of the last fortnight. »War der Scheck auf meinen Agenten in Ordnung?« fragte George mit schlauer Miene.   “You found my cheque all right at the agent’s? George said, with a knowing air. »Jawohl, mein Junge«, antwortete Rawdon. »Soll mir ein Vergnügen sein, Ihnen Revanche zu geben. Der Alte herumgebracht?«   “All right, my boy,” Rawdon answered. “Happy to give you your revenge. Governor come round?” »Noch nicht«, sagte George, »wird aber bald sein. Und wissen Sie, ich habe etwas Vermögen von meiner Mutter. Ist Tantchen weich geworden?«   “Not yet,” said George, “but he will; and you know I’ve some private fortune through my mother. Has Aunty relented?” »Hat mir zwanzig Pfund geschickt, der verdammte alte Geizkragen. Wann treffen wir uns wieder einmal? Dienstag speist der General auswärts. Können Sie nicht Dienstag kommen? Und dann noch, veranlassen Sie doch Sedley bloß, sich den Schnurrbart abzurasieren. Was, zum Henker, braucht ein Zivilist einen Schnurrbart und die verdammten Borten am Rock. Adieu! Sehen Sie zu, daß Sie Dienstag kommen können.« Und Rawdon entfernte sich mit zwei eleganten jungen Herren, die wie er dem Generalstab angehörten.   “Sent me twenty pound, damned old screw. When shall we have a meet? The General dines out on Tuesday. Can’t you come Tuesday? I say, make Sedley cut off his moustache. What the devil does a civilian mean with a moustache and those infernal frogs to his coat! By-bye. Try and come on Tuesday”; and Rawdon was going-off with two brilliant young gentlemen of fashion, who were, like himself, on the staff of a general officer. George war nur halb erfreut, gerade für den Tag eine Einladung zu erhalten, an dem der General nicht dabei war. »Ich will hineingehen und Ihrer Frau meine Aufwartung machen«, sagte er, und Rawdon antwortete mit finsterem Blick: »Hm, wenn es Ihnen beliebt.« Die beiden jungen Offiziere tauschten verständnisinnige Blicke. George trennte sich von ihnen und stolzierte durch das Foyer zur Loge des Generals, deren Nummer er sich gut ausgerechnet hatte.   George was only half pleased to be asked to dinner on that particular day when the General was not to dine. “I will go in and pay my respects to your wife,” said he; at which Rawdon said, “Hm, as you please,” looking very glum, and at which the two young officers exchanged knowing glances. George parted from them and strutted down the lobby to the General’s box, the number of which he had carefully counted. »Entrez!« rief ein helles Stimmchen, und unser Freund fand sich Rebekka gegenüber. Vor Freude, ihn zu sehen, sprang sie auf, klatschte in die Hände und streckte sie George entgegen. Der General, die Orden im Knopfloch, starrte den Neuankömmling finster an, als wollte er sagen: Wer, zum Teufel, sind Sie?   “Entrez,” said a clear little voice, and our friend found himself in Rebecca’s presence; who jumped up, clapped her hands together, and held out both of them to George, so charmed was she to see him. The General, with the orders in his button, stared at the newcomer with a sulky scowl, as much as to say, who the devil are you? »Mein lieber Hauptmann George!« rief die kleine Rebekka ganz entzückt. »Wie nett von Ihnen, mich aufzusuchen. Der General und ich, wir langweilen uns so bei unserem Tête-à-tête. General, das ist mein Hauptmann George, von dem ich Ihnen schon erzählt habe.«   “My dear Captain George!” cried little Rebecca in an ecstasy. “How good of you to come. The General and I were moping together tete-a-tete. General, this is my Captain George of whom you heard me talk.” »Soso«, sagte der General mit einer ganz leichten Verbeugung, »zu welchem Regiment gehört Hauptmann George?«   “Indeed,” said the General, with a very small bow; “of what regiment is Captain George?” George nannte das ...te Regiment. Wie gern hätte er von einem glänzenden Kavalleriekorps gesprochen!   George mentioned the — th: how he wished he could have said it was a crack cavalry corps. »Wie ich glaube, erst kürzlich aus Westindien zurückgekommen, wie? Vom letzten Krieg nicht viel erlebt. Hier einquartiert, Hauptmann George?« fuhr der General mit eisigem Hochmut fort.   “Come home lately from the West Indies, I believe. Not seen much service in the late war. Quartered here, Captain George?" — the General went on with killing haughtiness. »Nicht Hauptmann George, Sie Dummerchen, Hauptmann Osborne«, sagte Rebekka. Der General blickte während der ganzen Zeit wütend von einem zum anderen.   “Not Captain George, you stupid man; Captain Osborne,” Rebecca said. The General all the while was looking savagely from one to the other. »Hauptmann Osborne, soso, mit den Osbornes von L. verwandt?«   “Captain Osborne, indeed! Any relation to the L — Osbornes?” »Wir führen das gleiche Wappen«, sagte George wahrheitsgemäß, da Mr. Osborne vor fünfzehn Jahren bei der Anschaffung seines Wagens einen Heraldiker in Long Acre zu Rate gezogen hatte und sich aus dem Adelskalender das Wappen der Osbornes von L. herausgesucht hatte. Darauf erwiderte der General nichts, sondern nahm sein Theaterfernrohr – das doppelläufige Opernglas war in jenen Tagen noch nicht erfunden – und stellte sich, als betrachte er das Haus; aber Rebekka sah wohl, daß sein freies Auge nach ihr schielte und blutdürstige Blicke auf sie und George schoß.   “We bear the same arms,” George said, as indeed was the fact; Mr. Osborne having consulted with a herald in Long Acre, and picked the L — arms out of the peerage, when he set up his carriage fifteen years before. The General made no reply to this announcement; but took up his opera-glass — the double-barrelled lorgnon was not invented in those days — and pretended to examine the house; but Rebecca saw that his disengaged eye was working round in her direction, and shooting out bloodshot glances at her and George. Sie verdoppelte ihre Herzlichkeit. »Wie geht es der lieben Amelia? Aber ich brauche ja gar nicht zu fragen – wie hübsch sie aussieht! Und wer ist das nette, gutmütig aussehende Geschöpf neben ihr – wohl eine Flamme von Ihnen? Oh, ihr bösen Männer! Und dort ißt Mr. Sedley Eis, nein, wie es ihm schmeckt! General, warum haben wir kein Eis bekommen?«   She redoubled in cordiality. “How is dearest Amelia? But I needn’t ask: how pretty she looks! And who is that nice good-natured looking creature with her — a flame of yours? O, you wicked men! And there is Mr. Sedley eating ice, I declare: how he seems to enjoy it! General, why have we not had any ices?” »Soll ich Ihnen welches holen?« sagte der General wutschnaubend.   “Shall I go and fetch you some?” said the General, bursting with wrath. »Lassen Sie mich gehen, ich bitte Sie darum«, sagte George.   “Let me go, I entreat you,” George said. »Nein, ich will Amelia in ihrer Loge aufsuchen. Liebes, süßes Mädchen! Geben Sie mir bitte den Arm, Hauptmann George.« Nach diesen Worten nickte sie dem General leicht zu und trippelte in das Foyer hinaus. Kaum waren sie draußen, so warf sie George einen sehr seltsam schlauen Blick zu, einen Blick, der in Worten ausgedrückt hätte bedeuten können: Sehen Sie nicht, wie die Dinge stehen und wie ich ihn zum Narren halte? Aber er bemerkte den Blick nicht. Er dachte an seine eigenen Pläne und war in prahlerische Bewunderung seiner eigenen Unwiderstehlichkeit versunken.   “No, I will go to Amelia’s box. Dear, sweet girl! Give me your arm, Captain George”; and so saying, and with a nod to the General, she tripped into the lobby. She gave George the queerest, knowingest look, when they were together, a look which might have been interpreted, “Don’t you see the state of affairs, and what a fool I’m making of him?” But he did not perceive it. He was thinking of his own plans, and lost in pompous admiration of his own irresistible powers of pleasing. Die Flüche, die der General vor sich hin murmelte, sobald Rebekka und ihr Eroberer ihn verlassen hatten, waren so schrecklich, daß sicherlich kein Setzer in der Firma von Bradbury und Evans es wagen würde, sie zu setzen, wenn ich sie aufgeschrieben hätte. Sie kamen dem General aus der Tiefe des Herzens, und es ist doch wunderlich, wenn man sich überlegt, daß das menschliche Herz solche Produkte erzeugt, daß es, wie es die Gelegenheit erfordert, eine solche Menge von Begierde und Zorn, Wut und Haß zutage bringen kann.   The curses to which the General gave a low utterance, as soon as Rebecca and her conqueror had quitted him, were so deep, that I am sure no compositor would venture to print them were they written down. They came from the General’s heart; and a wonderful thing it is to think that the human heart is capable of generating such produce, and can throw out, as occasion demands, such a supply of lust and fury, rage and hatred. Auch Amelias sanfte Augen hatten sich ängstlich auf das Paar geheftet, dessen Benehmen den eifersüchtigen General so erhitzt hatte. Als aber Rebekka die Loge betrat, flog sie der Freundin mit einem liebevollen Entzücken entgegen, obwohl das Publikum sie sehr gut beobachten konnte, denn sie umarmte ihre liebste Freundin vor dem ganzen Haus oder doch zumindest unter dem Fernglas des Generals, das jetzt gerade auf die Osbornesche Gesellschaft gerichtet war. Mrs. Rawdon begrüßte auch Joseph sehr freundlich. Sie bewunderte Mrs. O'Dowds große Rauchtopasbrosche und ihre prachtvollen irischen Diamanten und wollte gar nicht glauben, daß sie nicht direkt von Golkonda kämen. Sie plauderte, drehte und wendete sich und lächelte bald diesem, bald jenem zu, alles unter dem eifersüchtigen Fernglas gegenüber. Als das Ballett anfangen sollte (in dem keine Tänzerin echter spielte und sich besser verstellte), hüpfte sie wieder in ihre eigene Loge zurück, diesmal an Hauptmann Dobbins Arm. Nein, sie wollte Georges Arm nicht nehmen, er sollte bei seiner allerliebsten, besten, kleinen Amelia bleiben und mit ihr plaudern.   Amelia’s gentle eyes, too, had been fixed anxiously on the pair, whose conduct had so chafed the jealous General; but when Rebecca entered her box, she flew to her friend with an affectionate rapture which showed itself, in spite of the publicity of the place; for she embraced her dearest friend in the presence of the whole house, at least in full view of the General’s glass, now brought to bear upon the Osborne party. Mrs. Rawdon saluted Jos, too, with the kindliest greeting: she admired Mrs. O’Dowd’s large Cairngorm brooch and superb Irish diamonds, and wouldn’t believe that they were not from Golconda direct. She bustled, she chattered, she turned and twisted, and smiled upon one, and smirked on another, all in full view of the jealous opera-glass opposite. And when the time for the ballet came (in which there was no dancer that went through her grimaces or performed her comedy of action better), she skipped back to her own box, leaning on Captain Dobbin’s arm this time. No, she would not have George’s: he must stay and talk to his dearest, best, little Amelia. »Was für eine Schwindlerin doch diese Frau ist«, murmelte der alte ehrliche Dobbin George zu, als er aus Rebekkas Loge, wohin er sie schweigend und mit Leichenbittermiene begleitet hatte, zurückkam. »Sie dreht und wendet sich wie eine Schlange. Hast du nicht gemerkt, George, daß sie die ganze Zeit, wo sie hier war, für den General da drüben gespielt hat?«   “What a humbug that woman is!” honest old Dobbin mumbled to George, when he came back from Rebecca’s box, whither he had conducted her in perfect silence, and with a countenance as glum as an undertaker’s. “She writhes and twists about like a snake. All the time she was here, didn’t you see, George, how she was acting at the General over the way?” »Schwindlerin – gespielt? Zum Henker, sie ist die netteste kleine Frau in ganz England«, erwiderte George. Er zeigte seine weißen Zähne und zwirbelte seinen ambrosiaduftenden Backenbart. »Du bist kein Mann von Welt, Dobbin, verdammt, sieh mal hinüber, in der kurzen Zeit hat sie Tufto beschwatzt! Sieh nur, wie er lacht! Bei Gott, was für Schultern sie hat! Emmy, warum hast du kein Bukett? Jeder hat doch ein Bukett.«   “Humbug — acting! Hang it, she’s the nicest little woman in England,” George replied, showing his white teeth, and giving his ambrosial whiskers a twirl. “You ain’t a man of the world, Dobbin. Dammy, look at her now, she’s talked over Tufto in no time. Look how he’s laughing! Gad, what a shoulder she has! Emmy, why didn’t you have a bouquet? Everybody has a bouquet.” »Na ja, warum haben Sie ihr denn eigentlich keins gekauft?« fragte Mrs. O'Dowd, und sowohl Amelia als auch William Dobbin waren ihr für diese treffende Bemerkung dankbar. Trotzdem fand keine der beiden Damen ihre gute Laune wieder. Amelia war ganz überwältigt von dem verwirrenden Glanz und dem eleganten Geplauder ihrer gewandten Rivalin. Selbst die O'Dowd war schweigsam und unterworfen von Beckys brillanter Erscheinung und sagte den ganzen Abend über kaum noch ein Wort von Glenmalony.   “Faith, then, why didn’t you boy one?” Mrs. O’Dowd said; and both Amelia and William Dobbin thanked her for this timely observation. But beyond this neither of the ladies rallied. Amelia was overpowered by the flash and the dazzle and the fashionable talk of her worldly rival. Even the O’Dowd was silent and subdued after Becky’s brilliant apparition, and scarcely said a word more about Glenmalony all the evening. »Wann wirst du endlich das Spielen aufgeben, George, wie du es mir in den letzten hundert Jahren andauernd versprochen hast?« fragte Dobbin seinen Freund ein paar Tage nach dem Opernbesuch. »Und wann wirst du endlich das Predigen aufgeben?« lautete die Antwort des anderen. »Weshalb, zum Henker, Mann, regst du dich so auf? Wir spielen niedrig; ich habe gestern abend gewonnen. Du glaubst doch nicht etwa, daß Crawley betrügt? Wenn man ehrlich spielt, gleicht es sich bis zum Ende des Jahres wieder aus.«   “When do you intend to give up play, George, as you have promised me, any time these hundred years?” Dobbin said to his friend a few days after the night at the Opera. “When do you intend to give up sermonising?” was the other’s reply. “What the deuce, man, are you alarmed about? We play low; I won last night. You don’t suppose Crawley cheats? With fair play it comes to pretty much the same thing at the year’s end.” »Aber ich glaube nicht, daß er bezahlen könnte, wenn er verlöre«, sagte Dobbin. Der Rat des guten William hatte den Erfolg, den ein guter Rat gewöhnlich hat. Osborne und Crawley waren jetzt häufig zusammen. General Tufto speiste fast immer auswärts. George war stets willkommen in den Räumen, die der Adjutant und seine Frau, wirklich sehr dicht neben denen des Generals, im Hotel bewohnten.   “But I don’t think he could pay if he lost,” Dobbin said; and his advice met with the success which advice usually commands. Osborne and Crawley were repeatedly together now. General Tufto dined abroad almost constantly. George was always welcome in the apartments (very close indeed to those of the General) which the aide-de-camp and his wife occupied in the hotel. Als George mit Amelia Crawley und dessen Frau in dieser Wohnung besucht hatte, führte sich Amelia so auf, daß es fast zu ihrem ersten Streit gekommen wäre. George schalt seine Frau heftig, weil sie erst zu verstehen gab, daß sie nicht mitgehen wollte, und sich dann so hochmütig gegenüber ihrer alten Freundin, Mrs. Crawley, benahm. Amelia antwortete keinen Ton darauf. Aber beim zweiten Besuch, unter den Augen ihres Mannes und Rebekkas prüfendem Blick, war sie womöglich noch scheuer und unbeholfener als beim ersten.   Amelia’s manners were such when she and George visited Crawley and his wife at these quarters, that they had very nearly come to their first quarrel; that is, George scolded his wife violently for her evident unwillingness to go, and the high and mighty manner in which she comported herself towards Mrs. Crawley, her old friend; and Amelia did not say one single word in reply; but with her husband’s eye upon her, and Rebecca scanning her as she felt, was, if possible, more bashful and awkward on the second visit which she paid to Mrs. Rawdon, than on her first call. Rebekka war natürlich doppelt liebevoll und wollte von der Kälte ihrer Freundin nicht die mindeste Notiz nehmen. »Ich glaube, Emmy ist stolzer geworden, seitdem der Name ihres Vaters in der ... seit Mr. Sedleys Unglück«, sagte Rebekka, wobei sie den Satz für Georges Ohr barmherzig milderte.   Rebecca was doubly affectionate, of course, and would not take notice, in the least, of her friend’s coolness. “I think Emmy has become prouder since her father’s name was in the — since Mr. Sedley’s misfortunes ,” Rebecca said, softening the phrase charitably for George’s ear. »Auf mein Wort, als wir in Brighton waren, glaubte ich, daß sie mir die Ehre erwiese, eifersüchtig auf mich zu sein, und jetzt stößt sie sich wahrscheinlich daran, daß Rawdon, ich und der General zusammen wohnen. Aber, Kindchen, wie könnten wir mit unseren geringen Mitteln überhaupt leben, wenn wir nicht einen Freund hätten, der die Kosten mit uns teilt? Und glauben Sie denn, Rawdon sei nicht groß genug, um über meiner Ehre zu wachen? Aber ich bin Emmy sehr verbunden, sehr«, sagte Mrs. Rawdon.   “Upon my word, I thought when we were at Brighton she was doing me the honour to be jealous of me; and now I suppose she is scandalised because Rawdon, and I, and the General live together. Why, my dear creature, how could we, with our means, live at all, but for a friend to share expenses? And do you suppose that Rawdon is not big enough to take care of my honour? But I’m very much obliged to Emmy, very,” Mrs. Rawdon said. »Pah, Eifersucht!« antwortete George. »Alle Frauen sind eifersüchtig.«   “Pooh, jealousy!” answered George, “all women are jealous.” »Und alle Männer auch. Waren Sie an dem Abend in der Oper nicht eifersüchtig auf General Tufto und der General auf Sie? Hach, er hätte mich am liebsten gefressen, als ich mit Ihnen ging, um Ihre närrische kleine Frau zu besuchen. Als ob ich mir auch nur einen Pfifferling aus einem von euch machte«, sagte Crawleys Frau und warf keck den Kopf in den Nacken. »Wollen Sie hier speisen? Der Dragoner speist bei dem Oberbefehlshaber. Wichtige Nachrichten soll es geben. Man sagt, die Franzosen hätten die Grenze überschritten. Wir können ganz ruhig essen.«   “And all men too. Weren’t you jealous of General Tufto, and the General of you, on the night of the Opera? Why, he was ready to eat me for going with you to visit that foolish little wife of yours; as if I care a pin for either of you,” Crawley’s wife said, with a pert toss of her head. “Will you dine here? The dragon dines with the Commander-in-Chief. Great news is stirring. They say the French have crossed the frontier. We shall have a quiet dinner.” George nahm die Einladung an, obwohl seine Frau sich nicht ganz wohl fühlte. Sie waren jetzt noch nicht sechs Wochen verheiratet. Eine andere Frau verlachte und verhöhnte sie, und er ließ es ruhig geschehen. Er war nicht einmal mit sich selbst böse, der gutmütige Bursche. Es ist eine Schande, gestand er sich; allein, zum Henker! was kann ein junger Kerl tun, wenn sich ihm eine hübsche Frau an den Hals wirft? »Ich springe mit Frauen eben ziemlich frei um«, hatte er oft lächelnd und verständnisinnig nickend zu Stubble, Spooney und anderen Kameraden am Offizierstisch gesagt, und sie achteten ihn wegen dieser Tapferkeit nur um so mehr. Nächst Kriegseroberungen sind seit undenklichen Zeiten Liebeseroberungen bei Männern auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit stets eine Quelle des Stolzes gewesen; denn warum sollten sonst Schulbuben mit ihren Liebschaften prahlen und Don Juan so beliebt sein?   George accepted the invitation, although his wife was a little ailing. They were now not quite six weeks married. Another woman was laughing or sneering at her expense, and he not angry. He was not even angry with himself, this good-natured fellow. It is a shame, he owned to himself; but hang it, if a pretty woman will throw herself in your way, why, what can a fellow do, you know? I am rather free about women, he had often said, smiling and nodding knowingly to Stubble and Spooney, and other comrades of the mess-table; and they rather respected him than otherwise for this prowess. Next to conquering in war, conquering in love has been a source of pride, time out of mind, amongst men in Vanity Fair, or how should schoolboys brag of their amours, or Don Juan be popular? So versuchte denn Mr. Osborne in der Überzeugung, er sei ein Herzensbrecher und seine Bestimmung sei es, Frauen zu erobern, nicht, gegen sein Schicksal anzukämpfen, sondern ergab sich selbstzufrieden darein. Und da Emmy nicht viel sagte und ihn nicht mit ihrer Eifersucht plagte, sondern bloß unglücklich wurde und sich im stillen grämte, so bildete er sich ein, daß sie gar keine Ahnung von dem hätte, was doch keinem seiner Bekannten verborgen war – dem verzweifelten Flirt, der sich zwischen ihm und Mrs. Crawley angesponnen hatte. Sooft sie frei war, ritt er mit ihr aus. Bei Amelia schützte er Regimentsgeschäfte vor (eine Lüge, die sie nicht zu täuschen vermochte). Er überließ seine Frau der Einsamkeit oder der Gesellschaft ihres Bruders und verbrachte seine Abende bei den Crawleys. Er verlor sein Geld an den Mann und schmeichelte sich, daß die Frau sterblich in ihn verliebt sei. Höchstwahrscheinlich hatte sich das würdige Paar nie direkt gegen ihn verschworen und ausgesprochen, daß der eine dem jungen Mann um den Bart gehen sollte, während der andere ihm beim Kartenspiel sein Geld abzugewinnen habe; aber sie verstanden sich völlig, und Rawdon ließ Osborne stets gutgelaunt kommen und gehen.   So Mr. Osborne, having a firm conviction in his own mind that he was a woman-killer and destined to conquer, did not run counter to his fate, but yielded himself up to it quite complacently. And as Emmy did not say much or plague him with her jealousy, but merely became unhappy and pined over it miserably in secret, he chose to fancy that she was not suspicious of what all his acquaintance were perfectly aware — namely, that he was carrying on a desperate flirtation with Mrs. Crawley. He rode with her whenever she was free. He pretended regimental business to Amelia (by which falsehood she was not in the least deceived), and consigning his wife to solitude or her brother’s society, passed his evenings in the Crawleys’ company; losing money to the husband and flattering himself that the wife was dying of love for him. It is very likely that this worthy couple never absolutely conspired and agreed together in so many words: the one to cajole the young gentleman, whilst the other won his money at cards: but they understood each other perfectly well, and Rawdon let Osborne come and go with entire good humour. George war mit seinen neuen Bekannten so beschäftigt, daß er mit William Dobbin weit weniger zusammen war als früher. George mied ihn in der Öffentlichkeit und beim Regiment und liebte, wie wir wissen, die Predigten nicht, mit denen sein älterer Freund ihn so gern heimsuchte. Georges Benehmen stimmte Hauptmann Dobbin oftmals außerordentlich ernst und kühl; doch was nützte es, George zu sagen, daß er trotz seines mächtigen Backenbartes und seines großen Selbstgefühls so grün wie ein Schuljunge war, daß er Rawdons Opfer werden würde, wie schon viele zuvor, und daß dieser ihn verächtlich abschütteln werde, wenn er ihn ausgenützt habe? Er würde ja doch nicht zuhören; und da Dobbin an den Tagen, an denen er Osbornes Haus aufsuchte, seinen alten Freund selten traf, wurden ihnen viele schmerzliche nutzlose Gespräche erspart. Unser Freund George genoß mit vollen Zügen die Freuden des Jahrmarkts der Eitelkeit.   George was so occupied with his new acquaintances that he and William Dobbin were by no means so much together as formerly. George avoided him in public and in the regiment, and, as we see, did not like those sermons which his senior was disposed to inflict upon him. If some parts of his conduct made Captain Dobbin exceedingly grave and cool; of what use was it to tell George that, though his whiskers were large, and his own opinion of his knowingness great, he was as green as a schoolboy? that Rawdon was making a victim of him as he had done of many before, and as soon as he had used him would fling him off with scorn? He would not listen: and so, as Dobbin, upon those days when he visited the Osborne house, seldom had the advantage of meeting his old friend, much painful and unavailing talk between them was spared. Our friend George was in the full career of the pleasures of Vanity Fair. Seit den Tagen des Königs Darius hat sich wohl kaum einem Heer ein so glänzendes Gefolge angeschlossen wie im Jahre 1815 dem des Herzogs von Wellington in den Niederlanden. Dieses Gefolge führte die Armee des Herzogs sozusagen tanzend und feiernd der Schlacht entgegen. Ein Ball, den eine edle Herzogin am 15. Juni dieses Jahres in Brüssel gab, ist historisch geworden. Ganz Brüssel war in Aufruhr deshalb, und ich habe von Damen, die sich zu jener Zeit in dieser Stadt aufhielten, gehört, daß sich ihre Geschlechtsgenossinnen weit mehr für den Ball interessierten und erhitzten als für den Feind an der Front. Die Kämpfe, Intrigen und Bitten um Karten waren so, wie nur englische Damen sie anstrengen können, die in die Gesellschaft der Großen ihrer Nation zugelassen werden wollen.   There never was, since the days of Darius, such a brilliant train of camp-followers as hung round the Duke of Wellington’s army in the Low Countries, in 1815; and led it dancing and feasting, as it were, up to the very brink of battle. A certain ball which a noble Duchess gave at Brussels on the 15th of June in the above-named year is historical. All Brussels had been in a state of excitement about it, and I have heard from ladies who were in that town at the period, that the talk and interest of persons of their own sex regarding the ball was much greater even than in respect of the enemy in their front. The struggles, intrigues, and prayers to get tickets were such as only English ladies will employ, in order to gain admission to the society of the great of their own nation. Joseph und Mr. O'Dowd, die darauf brannten, eingeladen zu werden, bemühten sich vergeblich, Karten zu erhalten; aber andere unserer Freunde waren glücklicher. So erhielt zum Beispiel George durch Vermittlung von Lord Bareacres als Ausgleich für das Diner in dem Restaurant eine Karte für Hauptmann und Mrs. Osborne. Er war nicht wenig stolz darauf. Dobbin, der ein Freund des kommandierenden Generals der Division, zu der ihr Regiment gehörte, war, kam eines Tages lachend zu Mrs. Osborne und zeigte eine gleiche Einladungskarte vor, was den guten Joseph neidisch machte und George verwunderte, wie zum Teufel denn der sich Zutritt zu so vornehmer Gesellschaft verschaffen konnte. Mr. und Mrs. Rawdon waren natürlich auch eingeladen, wie es Freunden des Generals einer Kavalleriebrigade zukam.   Jos and Mrs. O’Dowd, who were panting to be asked, strove in vain to procure tickets; but others of our friends were more lucky. For instance, through the interest of my Lord Bareacres, and as a set-off for the dinner at the restaurateur’s, George got a card for Captain and Mrs. Osborne; which circumstance greatly elated him. Dobbin, who was a friend of the General commanding the division in which their regiment was, came laughing one day to Mrs. Osborne, and displayed a similar invitation, which made Jos envious, and George wonder how the deuce he should be getting into society. Mr. and Mrs. Rawdon, finally, were of course invited; as became the friends of a General commanding a cavalry brigade. An dem festgesetzten Abend fuhren George und Amelia, der er neue Kleider und Schmuck aller Art hatte kommen lassen, auf den berühmten Ball, wo seine Frau auch nicht eine Seele kannte. Nachdem er sich nach Lady Bareacres umgesehen hatte, die ihn aber schnitt, weil sie dachte, die Einladung sei genug, setzte er Amelia auf eine Bank und überließ sie ihren eigenen Gedanken. Er war der Ansicht, daß er sich doch recht anständig benommen hatte, ihr neue Kleider zu kaufen und sie auf den Ball mitzunehmen, nun stand es ihr doch frei, sich zu amüsieren, wenn sie Lust hatte. Ihre Gedanken waren nicht sehr heiter, und außer dem ehrlichen Dobbin kam niemand, um sie darin zu stören.   On the appointed night, George, having commanded new dresses and ornaments of all sorts for Amelia, drove to the famous ball, where his wife did not know a single soul. After looking about for Lady Bareacres, who cut him, thinking the card was quite enough — and after placing Amelia on a bench, he left her to her own cogitations there, thinking, on his own part, that he had behaved very handsomely in getting her new clothes, and bringing her to the ball, where she was free to amuse herself as she liked. Her thoughts were not of the pleasantest, and nobody except honest Dobbin came to disturb them. Während ihr Erscheinen gar kein Aufsehen erregte (wie ihr Gatte mit einiger Wut feststellte), war Mrs. Rawdon Crawleys Debüt dagegen sehr glänzend. Sie kam spät. Ihr Gesicht strahlte, ihre Kleidung war vollkommen. Inmitten der anwesenden hohen Persönlichkeiten und der auf sie gerichteten Augengläser schien Rebekka so kaltblütig und gefaßt zu sein wie damals, als sie die kleinen Mädchen bei Miss Pinkerton zur Kirche geführt hatte. Viele der Herren kannte sie bereits, und sämtliche Stutzer umdrängten sie. Die Damen flüsterten untereinander, Rawdon habe sie aus einem Kloster entführt und sie sei eine Verwandte der Montmorencys. Sie sprach so vollendet Französisch, daß an dem Gerücht wohl etwas Wahres sein konnte. Man war sich einig, daß sie sehr gute Manieren habe und sehr vornehm auftrete. Fünfzig Tänzer umringten sie auf einmal und drängten auf die Ehre, mit ihr tanzen zu dürfen. Aber sie sagte, sie sei bereits engagiert und wolle nur sehr wenig tanzen. Dann eilte sie zu dem Platz, wo Emmy völlig unbeachtet und tief unglücklich saß. Und um das arme Kind unmöglich zu machen, begrüßte Mrs. Rawdon ihre liebste Amelia herzlich und fing sofort an, sie zu begönnern. Sie hatte am Kleid und an der Frisur ihrer Freundin etwas auszusetzen und wunderte sich, wie sie nur so chaussée sein könne, und sie bestand darauf, ihr gleich am nächsten Morgen ihre corsetière zu schicken. Sie beteuerte, daß es ein herrlicher Ball sei, daß alle da seien, die jedermann kenne, und daß nur ganz wenige gesellschaftliche Nullen im Saal seien. Tatsächlich hatte diese junge Frau schon nach vierzehn Tagen und drei Diners in der Gesellschaft sich so den vornehmen Jargon angeeignet, daß ein Angehöriger dieser Klasse ihn nicht besser hätte sprechen können. Und nur daraus, daß ihr Französisch so gut war, konnte man ersehen, daß sie von Geburt keine Dame war.   Whilst her appearance was an utter failure (as her husband felt with a sort of rage), Mrs. Rawdon Crawley’s debut was, on the contrary, very brilliant. She arrived very late. Her face was radiant; her dress perfection. In the midst of the great persons assembled, and the eye-glasses directed to her, Rebecca seemed to be as cool and collected as when she used to marshal Miss Pinkerton’s little girls to church. Numbers of the men she knew already, and the dandies thronged round her. As for the ladies, it was whispered among them that Rawdon had run away with her from out of a convent, and that she was a relation of the Montmorency family. She spoke French so perfectly that there might be some truth in this report, and it was agreed that her manners were fine, and her air distingue. Fifty would-be partners thronged round her at once, and pressed to have the honour to dance with her. But she said she was engaged, and only going to dance very little; and made her way at once to the place where Emmy sate quite unnoticed, and dismally unhappy. And so, to finish the poor child at once, Mrs. Rawdon ran and greeted affectionately her dearest Amelia, and began forthwith to patronise her. She found fault with her friend’s dress, and her hairdresser, and wondered how she could be so chaussee, and vowed that she must send her corsetiere the next morning. She vowed that it was a delightful ball; that there was everybody that every one knew, and only a very few nobodies in the whole room. It is a fact, that in a fortnight, and after three dinners in general society, this young woman had got up the genteel jargon so well, that a native could not speak it better; and it was only from her French being so good, that you could know she was not a born woman of fashion. George, der Amelia beim Eintritt in den Ballsaal auf ihrer Bank gelassen hatte, fand bald seinen Weg zu ihr zurück, als Rebekka bei ihrer lieben Freundin war. Becky belehrte eben Mrs. Osborne über die Torheiten, die ihr Mann beging. »Um Himmels willen, meine Liebe, halt ihn vom Spielen zurück, sonst ruiniert er sich noch«, sagte sie. »Er und Rawdon spielen jeden Abend Karten, und du weißt, wie arm er ist, und Rawdon gewinnt ihm jeden Shilling ab, wenn er sich nicht vorsieht. Warum verhinderst du es nicht, du sorgloses Geschöpfchen? Warum kommst du nicht abends zu uns, anstatt dich mit diesem Hauptmann Dobbin daheim zu langweilen? Er ist gewiß très aimable, aber wie kann man einen Mann mit so großen Füßen lieben? Die Füße deines Mannes dagegen sind süß – ah, da kommt er ja. Wo sind Sie gewesen, Sie Böser? Emmy weint sich inzwischen Ihretwegen die Augen aus. Wollen Sie mich zur Quadrille holen?« Und sie ließ ihr Bukett und ihren Schal bei Amelia und trippelte mit George davon zum Tanzen. Nur Frauen können so verletzen. Sie haben an den Spitzen ihrer kleinen Pfeile ein Gift, das tausendmal mehr schmerzt als die stumpfere Waffe eines Mannes. Unsere arme Emmy, die in ihrem ganzen Leben noch nie gehaßt, noch nie gehöhnt hatte, war machtlos in den Händen ihrer unbarmherzigen kleinen Feindin.   George, who had left Emmy on her bench on entering the ball-room, very soon found his way back when Rebecca was by her dear friend’s side. Becky was just lecturing Mrs. Osborne upon the follies which her husband was committing. “For God’s sake, stop him from gambling, my dear,” she said, “or he will ruin himself. He and Rawdon are playing at cards every night, and you know he is very poor, and Rawdon will win every shilling from him if he does not take care. Why don’t you prevent him, you little careless creature? Why don’t you come to us of an evening, instead of moping at home with that Captain Dobbin? I dare say he is tres aimable; but how could one love a man with feet of such size? Your husband’s feet are darlings — Here he comes. Where have you been, wretch? Here is Emmy crying her eyes out for you. Are you coming to fetch me for the quadrille?” And she left her bouquet and shawl by Amelia’s side, and tripped off with George to dance. Women only know how to wound so. There is a poison on the tips of their little shafts, which stings a thousand times more than a man’s blunter weapon. Our poor Emmy, who had never hated, never sneered all her life, was powerless in the hands of her remorseless little enemy. George tanzte zwei- oder dreimal mit Rebekka, wie oft, wußte Amelia kaum. Sie saß völlig unbeachtet in ihrer Ecke, und nur Rawdon kam einmal und versuchte ungeschickt, sich ein wenig mit ihr zu unterhalten, und spät am Abend war Hauptmann Dobbin so kühn, ihr ein paar Erfrischungen zu bringen und sich zu ihr zu setzen. Er mochte sie nicht fragen, warum sie so traurig sei, aber als Erklärung für die Tränen in ihren Augen sagte sie, Mrs. Crawley habe sie erschreckt, als sie ihr erzählte, daß George immer noch spiele.   George danced with Rebecca twice or thrice — how many times Amelia scarcely knew. She sat quite unnoticed in her corner, except when Rawdon came up with some words of clumsy conversation: and later in the evening, when Captain Dobbin made so bold as to bring her refreshments and sit beside her. He did not like to ask her why she was so sad; but as a pretext for the tears which were filling in her eyes, she told him that Mrs. Crawley had alarmed her by telling her that George would go on playing. »Es ist doch komisch, von welchen plumpen Schuften sich ein Mann betrügen läßt, wenn er hinter dem Spiel her ist«, sagte Dobbin, und Emmy antwortete: »Ja, wirklich.« Sie dachte an etwas anderes. Es war nicht der Verlust des Geldes, der ihr Kummer machte.   “It is curious, when a man is bent upon play, by what clumsy rogues he will allow himself to be cheated,” Dobbin said; and Emmy said, “Indeed.” She was thinking of something else. It was not the loss of the money that grieved her. Schließlich kam George zurück, um Rebekkas Schal und ihre Blumen zu holen. Sie ging und ließ sich nicht einmal herab, zurückzukommen, um sich von Amelia zu verabschieden. Das arme Mädchen ließ ihren Mann kommen und gehen, ohne auch nur eine Silbe zu sagen, und ließ traurig den Kopf hängen. Dobbin war weggerufen worden und flüsterte angelegentlich mit dem Divisionsgeneral, seinem Freund. Er hatte diesen Abschied nicht beobachtet. George entfernte sich mit dem Bukett. Als er es aber der Eigentümerin übergab, lag ein Briefchen, zusammengerollt wie eine Schlange, in den Blumen. Rebekka fiel es sofort ins Auge. Schon in frühester Jugend war sie es gewohnt, mit Briefchen umzugehen. Sie streckte ihre Hand aus und nahm den Strauß. Ihre Augen trafen sich, und er sah, daß sie wußte, was sie darin finden würde. Ihr Mann führte sie eiligst davon, scheinbar viel zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, um die Zeichen der Verständigung zwischen seinem Freund und seiner Frau zu bemerken. Sie waren auch nicht sehr auffällig. Rebekka reichte George die Hand mit einem ihrer raschen schlauen Blicke, knickste und entfernte sich. George beugte sich über ihre Hand, erwiderte nichts auf eine Bemerkung Crawleys, ja hörte sie nicht einmal. Sein Gehirn fieberte vor Triumph und Aufregung, und er ließ sie wortlos gehen.   At last George came back for Rebecca’s shawl and flowers. She was going away. She did not even condescend to come back and say good-bye to Amelia. The poor girl let her husband come and go without saying a word, and her head fell on her breast. Dobbin had been called away, and was whispering deep in conversation with the General of the division, his friend, and had not seen this last parting. George went away then with the bouquet; but when he gave it to the owner, there lay a note, coiled like a snake among the flowers. Rebecca’s eye caught it at once. She had been used to deal with notes in early life. She put out her hand and took the nosegay. He saw by her eyes as they met, that she was aware what she should find there. Her husband hurried her away, still too intent upon his own thoughts, seemingly, to take note of any marks of recognition which might pass between his friend and his wife. These were, however, but trifling. Rebecca gave George her hand with one of her usual quick knowing glances, and made a curtsey and walked away. George bowed over the hand, said nothing in reply to a remark of Crawley’s, did not hear it even, his brain was so throbbing with triumph and excitement, and allowed them to go away without a word. Seine Frau sah zumindest einen Teil der Bukettszene. Daß George auf Rebekkas Bitte ihren Schal und die Blumen holte, war ganz in Ordnung, das hatte er im Laufe der letzten Tage zwanzigmal getan, aber jetzt wurde es ihr doch zuviel. »William«, sagte sie und klammerte sich plötzlich an Dobbin, der ganz in der Nähe stand, »Sie sind immer sehr freundlich zu mir gewesen – mir ist – mir ist nicht gut. Bringen Sie mich nach Hause.« Sie wußte nicht, daß sie ihn mit dem Vornamen ansprach, wie es George sonst tat. Rasch ging er mit ihr davon. Ihre Wohnung war ganz in der Nähe, und sie schlängelten sich durch die Menge draußen, die in noch größerer Bewegung war als im Ballsaal.   His wife saw the one part at least of the bouquet-scene. It was quite natural that George should come at Rebecca’s request to get her her scarf and flowers: it was no more than he had done twenty times before in the course of the last few days; but now it was too much for her. “William,” she said, suddenly clinging to Dobbin, who was near her, “you’ve always been very kind to me — I’m — I’m not well. Take me home.” She did not know she called him by his Christian name, as George was accustomed to do. He went away with her quickly. Her lodgings were hard by; and they threaded through the crowd without, where everything seemed to be more astir than even in the ball-room within. George war schon ein paarmal ärgerlich gewesen, als er, von einer Gesellschaft nach Hause gekommen, seine Frau noch auf fand. Sie legte sich daher bald ins Bett, aber obgleich sie nicht schlief und der Lärm und das Getöse und das Pferdegetrappel kein Ende nahm, so hörte sie doch nichts von alldem, da ganz andere Aufregungen sie wach hielten.   George had been angry twice or thrice at finding his wife up on his return from the parties which he frequented: so she went straight to bed now; but although she did not sleep, and although the din and clatter, and the galloping of horsemen were incessant, she never heard any of these noises, having quite other disturbances to keep her awake. Unterdessen ging Osborne, ganz berauscht in seinem Hochmut, an einen Spieltisch und fing an, wie wild zu setzen. Er gewann wiederholt. »Heute abend gelingt mir alles«, sagte er. Aber nicht einmal das Glück im Spiel heilte ihn von seiner Ratlosigkeit.   Osborne meanwhile, wild with elation, went off to a play-table, and began to bet frantically. He won repeatedly. “Everything succeeds with me to-night,” he said. But his luck at play even did not cure him of his restlessness, and he started up after awhile, pocketing his winnings, and went to a buffet, where he drank off many bumpers of wine. Er sprang daher nach einer Weile auf, steckte seinen Gewinn ein und ging an ein Büfett, wo er mehrere Gläser Wein hinunterstürzte. Hier fand ihn Dobbin, als er mit den Umstehenden überschäumend vor Lebhaftigkeit schwatzte und laut lachte. Er hatte seinen Freund schon an den Spieltischen gesucht. Dobbin war so blaß und ernst, wie sein Kamerad rot und lustig war.   Here, as he was rattling away to the people around, laughing loudly and wild with spirits, Dobbin found him. He had been to the card-tables to look there for his friend. Dobbin looked as pale and grave as his comrade was flushed and jovial. »Hallo, Dob! Komm und trink, alter Dob! Der Wein des Herzogs ist famos. Geben Sie mir noch etwas, mein Herr«, und er streckte sein zitterndes Glas aus.   “Hullo, Dob! Come and drink, old Dob! The Duke’s wine is famous. Give me some more, you sir”; and he held out a trembling glass for the liquor. »Komm mit raus, George«, sagte Dobbin, immer noch ernst. »Laß das Trinken!«   “Come out, George,” said Dobbin, still gravely; “don’t drink.” »Das Trinken! Es gibt nichts Besseres auf der Welt. Trink selbst, damit deine Wangen ein bißchen Farbe bekommen, alter Junge. Auf dein Wohl!«   “Drink! there’s nothing like it. Drink yourself, and light up your lantern jaws, old boy. Here’s to you.” Dobbin trat ganz nahe an ihn heran und flüsterte ihm etwas zu, worauf George hochfuhr, ein wildes Hurra ausstieß, sein Glas austrank, es klirrend auf den Tisch stellte und sich am Arme seines Freundes eiligst entfernte. »Der Feind hat die Sambre überschritten«, sagte William, »und unser linker Flügel kämpft bereits. Komm fort. In drei Stunden müssen wir marschieren.«   Dobbin went up and whispered something to him, at which George, giving a start and a wild hurray, tossed off his glass, clapped it on the table, and walked away speedily on his friend’s arm. “The enemy has passed the Sambre,” William said, “and our left is already engaged. Come away. We are to march in three hours.” George ging mit Dobbin davon, und seine Nerven zitterten vor Aufregung über die so lange erwartete Nachricht, die doch so plötzlich kam. Was bedeuteten jetzt Liebe und Intrigen? Er dachte, während er mit eiligen Schritten seinem Quartier zustrebte, an tausend andere Dinge – an sein vergangenes Leben und seine Aussichten für die Zukunft, an das Schicksal, das ihn erwarten konnte, an die Frau, vielleicht an das Kind, von dem er, ohne es gesehen zu haben, scheiden mußte. Ach, könnte er doch die Ereignisse des Abends ungeschehen machen und dem zarten und reinen Wesen mit ruhigem Gewissen Lebewohl sagen, dessen Liebe er so geringgeachtet hatte!   Away went George, his nerves quivering with excitement at the news so long looked for, so sudden when it came. What were love and intrigue now? He thought about a thousand things but these in his rapid walk to his quarters — his past life and future chances — the fate which might be before him — the wife, the child perhaps, from whom unseen he might be about to part. Oh, how he wished that night’s work undone! and that with a clear conscience at least he might say farewell to the tender and guileless being by whose love he had set such little store! Er dachte über sein kurzes Eheleben nach. In diesen wenigen Wochen hatte er sein kleines Kapital furchtbar verschwendet. Wie wild und rücksichtslos war er doch gewesen! Was blieb ihr, wenn ihm ein Unglück zustieße? Wie unwürdig war er ihrer. Warum hatte er sie geheiratet? Er war nicht für die Ehe geboren. Warum hatte er seinem Vater nicht gehorcht, der doch stets so großmütig gegen ihn gewesen war? Hoffnung, Reue, Ehrgeiz, Zärtlichkeit und egoistisches Bedauern erfüllten sein Herz. Er setzte sich nieder und schrieb an seinen Vater, dabei fiel ihm ein, was er schon einmal gesagt hatte, als er vor einem Duell stand. Die Morgendämmerung warf bereits ihre zarten Streifen über den Himmel, als er den Abschiedsbrief beendete. Er versiegelte ihn und küßte die Aufschrift. Er dachte daran, wie er diesen großzügigen Vater verlassen hatte, und an das viele Gute, das ihm der strenge alte Mann erwiesen hatte.   He thought over his brief married life. In those few weeks he had frightfully dissipated his little capital. How wild and reckless he had been! Should any mischance befall him: what was then left for her? How unworthy he was of her. Why had he married her? He was not fit for marriage. Why had he disobeyed his father, who had been always so generous to him? Hope, remorse, ambition, tenderness, and selfish regret filled his heart. He sate down and wrote to his father, remembering what he had said once before, when he was engaged to fight a duel. Dawn faintly streaked the sky as he closed this farewell letter. He sealed it, and kissed the superscription. He thought how he had deserted that generous father, and of the thousand kindnesses which the stern old man had done him. Er hatte einen Blick in Amelias Schlafzimmer geworfen, als er nach Hause kam. Sie lag ruhig, ihre Augen schienen geschlossen, und er war froh, daß sie schlief. Vom Balle zurückgekehrt, hatte er seinen Burschen schon inmitten der Vorbereitungen für den Abmarsch angetroffen. Der Diener hatte sein Signal, kein Geräusch zu machen, verstanden und tat seine Arbeit schnell und ruhig. Sollte er nun hineingehen und Amelia wecken, überlegte er, oder sollte er ihrem Bruder ein Briefchen zurücklassen, daß der ihr die Nachricht von dem Abmarsch mitteilte? Er ging hinein, um sie noch einmal zu sehen.   He had looked into Amelia’s bedroom when he entered; she lay quiet, and her eyes seemed closed, and he was glad that she was asleep. On arriving at his quarters from the ball, he had found his regimental servant already making preparations for his departure: the man had understood his signal to be still, and these arrangements were very quickly and silently made. Should he go in and wake Amelia, he thought, or leave a note for her brother to break the news of departure to her? He went in to look at her once again. Sie war wach gewesen, als er zum ersten Male in ihr Zimmer trat, hatte aber die Augen geschlossen gehalten, damit er ihr Wachsein nicht als Vorwurf betrachten sollte. Als er aber so kurz nach ihr selbst zurückkam, fühlte sich das furchtsame Herzchen etwas erleichtert. Sie drehte sich ihm zu, als er leise aus ihrem Zimmer ging, und fiel in einen leichten Schlummer. George trat nun noch leiser ein und betrachtete sie wieder. Bei dem bleichen Nachtlicht konnte er ihr liebliches, blasses Gesicht sehen – die rosigen Augenlider mit den langen Wimpern waren geschlossen, und ein runder Arm, glatt und weiß, lag auf der Decke. Guter Gott! Wie rein war sie, wie anmutig, wie zart und wie einsam! Und er, wie egoistisch, wie brutal und wie verbrecherisch! Schuldbewußt und tief beschämt stand er am Fußende des Bettes und sah auf das schlafende Mädchen. Wie konnte er es wagen – wer war er, für eine so Reine zu beten! Gott segne sie! Gott segne sie! Er trat neben das Bett und blickte auf die Hand, die kleine, weiche Hand, die schlafend dalag. Dann beugte er sich lautlos über das Kissen mit dem sanften blassen Gesicht.   She had been awake when he first entered her room, but had kept her eyes closed, so that even her wakefulness should not seem to reproach him. But when he had returned, so soon after herself, too, this timid little heart had felt more at ease, and turning towards him as he stept softly out of the room, she had fallen into a light sleep. George came in and looked at her again, entering still more softly. By the pale night-lamp he could see her sweet, pale face — the purple eyelids were fringed and closed, and one round arm, smooth and white, lay outside of the coverlet. Good God! how pure she was; how gentle, how tender, and how friendless! and he, how selfish, brutal, and black with crime! Heart-stained, and shame-stricken, he stood at the bed’s foot, and looked at the sleeping girl. How dared he — who was he, to pray for one so spotless! God bless her! God bless her! He came to the bedside, and looked at the hand, the little soft hand, lying asleep; and he bent over the pillow noiselessly towards the gentle pale face. Zwei schöne Arme schlangen sich zärtlich um seinen Hals. »Ich bin wach, George«, sagte das arme Kind mit einem tiefen Seufzer, der beinahe das kleine Herz gebrochen hätte, das sich so fest an das seine anschmiegte. Sie war wach, die arme Seele, und warum? In diesem Augenblick ertönte vom Waffenplatz der helle Ton eines Horns und wurde überall aufgenommen. Und von den Trommeln der Infanterie und den schrillen Pfeifen der Schotten erwachte die ganze Stadt.   Two fair arms closed tenderly round his neck as he stooped down. “I am awake, George,” the poor child said, with a sob fit to break the little heart that nestled so closely by his own. She was awake, poor soul, and to what? At that moment a bugle from the Place of Arms began sounding clearly, and was taken up through the town; and amidst the drums of the infantry, and the shrill pipes of the Scotch, the whole city awoke. 30. Kapitel / Chapter 30 »Ein Mädchen ließ zurück ich« / “The Girl I Left Behind Me” Wir erheben keinen Anspruch, zu den Kriegsschriftstellern gerechnet zu werden. Unser Platz ist bei den Nichtkämpfern. Wenn das Verdeck für den Kampf geräumt wird, dann gehen wir hinab und warten bescheiden ab. Wir würden nur die Manöver behindern, die die tapferen Burschen oben durchführen. Wir wollen daher auch mit dem ... ten Regiment nur bis zum Stadttor mitgehen und kehren, während wir den Major O'Dowd seinen Pflichten überlassen, zu der Majorin, den Damen und der Bagage zurück.   We do not claim to rank among the military novelists. Our place is with the non-combatants. When the decks are cleared for action we go below and wait meekly. We should only be in the way of the manoeuvres that the gallant fellows are performing overhead. We shall go no farther with the — th than to the city gate: and leaving Major O’Dowd to his duty, come back to the Major’s wife, and the ladies and the baggage. Der Major und seine Frau, die man nicht zu dem Ball eingeladen hatte, auf dem in unserem letzten Kapitel andere unserer Freunde erschienen waren, hatten weit mehr Zeit gehabt, die gesunde natürliche Ruhe im Bette zu pflegen, als Leute, die neben den Pflichten noch Vergnügungen nachgehen wollen. »Ich glaube, meine liebe Peggy«, sagte der Major, als er sich gelassen die Nachtmütze über die Ohren zog, »es wird in ein paar Tagen auf einem Ball getanzt werden, dessen Musik einige von denen noch nie gehört haben.« Er fühlte sich weit glücklicher, nach einem stillen Gläschen zur Ruhe gehen zu können als bei irgendeinem anderen Vergnügen zu erscheinen. Peggy ihrerseits hätte zwar gern ihren Turban und den Paradiesvogel auf dem Ball gezeigt, wenn nicht ihr Mann ihr etwas mitgeteilt hätte, was sie sehr ernst stimmte.   Now the Major and his lady, who had not been invited to the ball at which in our last chapter other of our friends figured, had much more time to take their wholesome natural rest in bed, than was accorded to people who wished to enjoy pleasure as well as to do duty. “It’s my belief, Peggy, my dear,” said he, as he placidly pulled his nightcap over his ears, “that there will be such a ball danced in a day or two as some of ’em has never heard the chune of”; and he was much more happy to retire to rest after partaking of a quiet tumbler, than to figure at any other sort of amusement. Peggy, for her part, would have liked to have shown her turban and bird of paradise at the ball, but for the information which her husband had given her, and which made her very grave. »Ich möchte gern, daß du mich, eine halbe Stunde bevor das Signal zum Sammeln gegeben wird, weckst«, sagte der Major zu seiner Frau. »Ruf mich um halb zwei Uhr, liebe Peggy, und bring bitte meine Sachen in Ordnung. Es kann sein, daß ich nicht zum Frühstück zurückkomme, Mrs. O'Dowd.« Mit diesen Worten, mit denen er ausdrückte, daß das Regiment am nächsten Morgen marschieren würde, beendete der Major das Gespräch und schlief ein.   “I’d like ye wake me about half an hour before the assembly beats,” the Major said to his lady. “Call me at half-past one, Peggy dear, and see me things is ready. May be I’ll not come back to breakfast, Mrs. O’D.” With which words, which signified his opinion that the regiment would march the next morning, the Major ceased talking, and fell asleep. Mrs. O'Dowd, die gute Hausfrau, geschmückt mit Lockenwickeln und Kamisol, fühlte, daß es in diesem Moment ihre Pflicht sei, zu handeln und nicht zu schlafen. »Dafür ist noch Zeit genug, wenn Mick fort ist«, sagte sie, und so packte sie seinen Reisesack für den Marsch, bürstete seinen Mantel, seine Mütze und andere Uniformstücke, legte sie ihm zurecht und steckte ihm in die Manteltaschen ein Päckchen mit allerlei Erfrischungen und eine Korbflasche, eine sogenannte Taschenpistole, mit fast einem halben Liter guten Kognaks, den sie und der Major sehr schätzten. Sobald dann die Zeiger der Repetieruhr auf halb zwei Uhr wiesen und das Schlagwerk (es stand dem Klang von Kirchenglocken nicht nach, wie seine schöne Eigentümerin meinte) die verhängnisvolle Stunde einläutete, weckte Mrs. O'Dowd ihren Major und hatte für ihn eine so gemütliche Tasse Kaffee bereit, wie nur eine an jenem Morgen in Brüssel gemacht wurde. Wer kann leugnen, daß die Vorbereitungen dieser würdigen Dame ebensoviel Zuneigung bewiesen wie die hysterischen Tränenausbrüche, mit denen gefühlvollere Frauen ihre Liebe zur Schau stellten? War nicht das gemeinsame Kaffeetrinken unter dem Sammelruf der Hörner und dem Trommelklang in den verschiedenen Stadtteilen nützlicher und zweckmäßiger, als ein bloßer Gefühlserguß sein konnte? Die Folge war, daß der Major bei der Parade nett, frisch und munter erschien, und sein rosiges, gut-rasiertes Gesicht hoch zu Pferde erfüllte das ganze Korps mit Zuversicht und Vertrauen. Alle Offiziere grüßten beim Vorbeimarsch die wackere Frau auf dem Balkon, die ihnen einen Abschiedsgruß zuwinkte. Ich glaube, ich darf sagen, daß es nicht Mangel an Mut war, sondern eher das Gefühl weiblichen Taktes und Anstands, was die Majorin davon abhielt, das tapfere ...te Regiment persönlich in die Schlacht zu führen.   Mrs. O’Dowd, the good housewife, arrayed in curl papers and a camisole, felt that her duty was to act, and not to sleep, at this juncture. “Time enough for that,” she said, “when Mick’s gone”; and so she packed his travelling valise ready for the march, brushed his cloak, his cap, and other warlike habiliments, set them out in order for him; and stowed away in the cloak pockets a light package of portable refreshments, and a wicker-covered flask or pocket-pistol, containing near a pint of a remarkably sound Cognac brandy, of which she and the Major approved very much; and as soon as the hands of the “repayther” pointed to half-past one, and its interior arrangements (it had a tone quite equal to a cathaydral, its fair owner considered) knelled forth that fatal hour, Mrs. O’Dowd woke up her Major, and had as comfortable a cup of coffee prepared for him as any made that morning in Brussels. And who is there will deny that this worthy lady’s preparations betokened affection as much as the fits of tears and hysterics by which more sensitive females exhibited their love, and that their partaking of this coffee, which they drank together while the bugles were sounding the turn-out and the drums beating in the various quarters of the town, was not more useful and to the purpose than the outpouring of any mere sentiment could be? The consequence was, that the Major appeared on parade quite trim, fresh, and alert, his well-shaved rosy countenance, as he sate on horseback, giving cheerfulness and confidence to the whole corps. All the officers saluted her when the regiment marched by the balcony on which this brave woman stood, and waved them a cheer as they passed; and I daresay it was not from want of courage, but from a sense of female delicacy and propriety, that she refrained from leading the gallant — th personally into action. An Sonntagen und bei feierlichen Anlässen las Mrs. O'Dowd sehr ernsthaft in einem dicken Band mit Predigten ihres Onkels, des Dekans. Sie hatte Trost darin gefunden, als sie auf der Rückreise von Westindien nach England mit ihrem Transportschiff beinahe untergegangen wären. Nach dem Abmarsch des Regiments nahm sie sich wieder den Band vor, um ihre Betrachtungen anzustellen. Wahrscheinlich verstand sie nicht viel von dem, was sie las, und ihre Gedanken waren woanders. Aber jetzt zu schlafen, mit der Nachtmütze des armen Mick dort auf dem Kopfkissen, war ein vergebliches Unterfangen. So ist der Lauf der Welt. Jack und Donald marschieren, mit dem Tornister auf dem Rücken, dem Ruhm entgegen und setzen ihre Füße munter nach der Melodie »Ein Mädchen ließ zurück ich«. Und sie ist es, die zurückbleibt und leidet – denn sie hat Zeit zum Denken und Brüten und dazu, Erinnerungen nachzuhängen.   On Sundays, and at periods of a solemn nature, Mrs. O’Dowd used to read with great gravity out of a large volume of her uncle the Dean’s sermons. It had been of great comfort to her on board the transport as they were coming home, and were very nearly wrecked, on their return from the West Indies. After the regiment’s departure she betook herself to this volume for meditation; perhaps she did not understand much of what she was reading, and her thoughts were elsewhere: but the sleep project, with poor Mick’s nightcap there on the pillow, was quite a vain one. So it is in the world. Jack or Donald marches away to glory with his knapsack on his shoulder, stepping out briskly to the tune of “The Girl I Left Behind Me.” It is she who remains and suffers — and has the leisure to think, and brood, and remember. Da sie wußte, wie unnütz Kummer ist und daß man sich nur noch unglücklicher macht, wenn man seinen Gefühlen nachgibt, beschloß Mrs. Rebekka weislich, keine sinnlose Trauer aufkommen zu lassen, und ertrug die Trennung von ihrem Gatten mit wahrhaft spartanischem Gleichmut. Tatsächlich war Hauptmann Rawdon vom Abschied weit mehr ergriffen als die entschlossene kleine Frau, der er Lebewohl sagte. Sie hatte diesen rohen, ungehobelten Charakter bezwungen, und er liebte und verehrte sie mit allen Kräften von Achtung und Bewunderung. Während seines ganzen Lebens war er noch nie so glücklich gewesen wie in den wenigen letzten Monaten durch seine Frau. Alle früheren Freuden beim Pferderennen, am Offizierstisch, bei der Jagd und beim Spiel, alle früheren Liebschaften mit Modistinnen und Ballettänzerinnen und ähnliche leichte Triumphe des ungeschlachten Adonis in Uniform waren fade im Vergleich zu den rechtmäßigen Ehefreuden, die er zuletzt genossen hatte. Seine Frau wußte ihn stets zu zerstreuen, und er hatte sein Haus und ihre Gesellschaft tausendmal angenehmer empfunden als alle Orte oder Gesellschaften seit seiner Kindheit. Er verwünschte seine früheren Torheiten und Ausschweifungen und bedauerte vor allem seine keineswegs unbedeutenden Schulden, die das Fortkommen seiner Frau in der Welt stets behindern würden. Oft hatte er in mitternächtlichen Unterredungen mit Rebekka darüber gestöhnt, obgleich sie ihm während seiner Junggesellenzeit niemals Unruhe verursacht hatten. Das setzte ihn selbst in Erstaunen. »Zum Henker«, pflegte er zu sagen (vielleicht benutzte er auch einen stärkeren Ausdruck aus seinem einfachen Wortschatz), »bevor ich geheiratet hatte, war es mir gleich, unter welche Wechsel ich meinen Namen setzte, und solange Moses Aufschub gab oder Levy auf weitere drei Monate verlängern wollte, kümmerte ich mich nicht darum. Aber seit ich verheiratet bin, habe ich auf Ehrenwort keinen Fetzen Stempelpapier angerührt, außer natürlich der verlängerten Wechsel.«   Knowing how useless regrets are, and how the indulgence of sentiment only serves to make people more miserable, Mrs. Rebecca wisely determined to give way to no vain feelings of sorrow, and bore the parting from her husband with quite a Spartan equanimity. Indeed Captain Rawdon himself was much more affected at the leave-taking than the resolute little woman to whom he bade farewell. She had mastered this rude coarse nature; and he loved and worshipped her with all his faculties of regard and admiration. In all his life he had never been so happy, as, during the past few months, his wife had made him. All former delights of turf, mess, hunting-field, and gambling-table; all previous loves and courtships of milliners, opera-dancers, and the like easy triumphs of the clumsy military Adonis, were quite insipid when compared to the lawful matrimonial pleasures which of late he had enjoyed. She had known perpetually how to divert him; and he had found his house and her society a thousand times more pleasant than any place or company which he had ever frequented from his childhood until now. And he cursed his past follies and extravagances, and bemoaned his vast outlying debts above all, which must remain for ever as obstacles to prevent his wife’s advancement in the world. He had often groaned over these in midnight conversations with Rebecca, although as a bachelor they had never given him any disquiet. He himself was struck with this phenomenon. “Hang it,” he would say (or perhaps use a still stronger expression out of his simple vocabulary), “before I was married I didn’t care what bills I put my name to, and so long as Moses would wait or Levy would renew for three months, I kept on never minding. But since I’m married, except renewing, of course, I give you my honour I’ve not touched a bit of stamped paper.” Rebekka wußte diese melancholische Stimmung stets zu verscheuchen. »Ach, du dummes Schätzchen«, pflegte sie zu sagen, »mit deiner Tante sind wir noch nicht fertig. Wenn sie uns im Stich läßt, so kann man immer noch öffentlich Bankrott erklären, oder halt! Ich habe noch einen anderen Plan für den Fall, daß dein Onkel Bute stirbt. Die Pfründe hat stets dem jüngeren Bruder gehört, und warum solltest du nicht dein Offizierspatent verkaufen und der Kirche beitreten?« Der Gedanke an diese Bekehrung ließ Rawdon in ein brüllendes Gelächter ausbrechen; man hätte die Explosion und das »Haha« der gewaltigen Dragonerstimme durch das mitternächtliche Hotel hören können. General Tufto vernahm es in seinem Quartier im ersten Stock über ihnen. Rebekka führte mit viel Witz zur großen Freude des Generals die ganze Szene beim Frühstück noch einmal auf und hielt dabei Rawdons Antrittspredigt.   Rebecca always knew how to conjure away these moods of melancholy. “Why, my stupid love,” she would say, “we have not done with your aunt yet. If she fails us, isn’t there what you call the Gazette? or, stop, when your uncle Bute’s life drops, I have another scheme. The living has always belonged to the younger brother, and why shouldn’t you sell out and go into the Church?” The idea of this conversion set Rawdon into roars of laughter: you might have heard the explosion through the hotel at midnight, and the haw-haws of the great dragoon’s voice. General Tufto heard him from his quarters on the first floor above them; and Rebecca acted the scene with great spirit, and preached Rawdon’s first sermon, to the immense delight of the General at breakfast. Aber alle diese Tage und Unterhaltungen gehörten der Vergangenheit an. Als die Nachricht kam, daß der Feldzug eröffnet sei und die Truppen marschieren sollten, wurde Rawdon so ernst, daß Becky ihn neckte, und das verletzte die Gefühle des Leibgardisten tief. »Hoffentlich glaubst du nicht, daß ich Furcht habe«, sagte er mit etwas zitternder Stimme. »Aber ich bin ein gutes Ziel für eine Kugel, und siehst du, wenn es mich trifft, so lasse ich einen oder vielleicht zwei Menschen zurück, die ich gern versorgt wissen möchte, da ich sie doch in die Patsche gebracht habe. Dabei gibt es wirklich nichts zu lachen, Mrs. Crawley.«   But these were mere by-gone days and talk. When the final news arrived that the campaign was opened, and the troops were to march, Rawdon’s gravity became such that Becky rallied him about it in a manner which rather hurt the feelings of the Guardsman. “You don’t suppose I’m afraid, Becky, I should think,” he said, with a tremor in his voice. “But I’m a pretty good mark for a shot, and you see if it brings me down, why I leave one and perhaps two behind me whom I should wish to provide for, as I brought ’em into the scrape. It is no laughing matter that, Mrs. C., anyways.” Rebekka suchte durch hundert Liebkosungen und freundliche Worte die Gefühle des verwundeten Liebhabers wieder zu besänftigen. Wenn das Temperament und der Humor in diesem munteren Geschöpf die Oberhand gewannen (und das geschah in fast allen Lebenslagen), brach der Spott mit ihr durch, sie konnte aber bald auch wieder ein ernsthaftes Gesicht aufsetzen. »Liebster Schatz«, sagte sie, »glaubst du, ich fühle nichts?« Sie wischte hastig etwas aus ihren Augen und sah ihren Mann lächelnd an.   Rebecca by a hundred caresses and kind words tried to soothe the feelings of the wounded lover. It was only when her vivacity and sense of humour got the better of this sprightly creature (as they would do under most circumstances of life indeed) that she would break out with her satire, but she could soon put on a demure face. “Dearest love,” she said, “do you suppose I feel nothing?” and hastily dashing something from her eyes, she looked up in her husband’s face with a smile. »Schau mal«, sagte er. »Wir wollen sehen, was für dich bleibt, wenn ich fallen sollte. Ich habe jetzt ziemlich viel Glück gehabt, da, hier sind zweihundert Pfund. In meiner Tasche habe ich zehn Napoleons. Mehr brauche ich nicht, denn der General zahlt wie ein Fürst alles. Und wenn ich getroffen werde, nun, so weißt du ja, daß ich nichts mehr koste. Weine nicht, kleine Frau, ich kann noch lange leben, um dich zu ärgern. Von meinen Pferden nehme ich keins mit, ich werde den Grauen des Generals reiten, das ist billiger. Ich habe ihm gesagt, meins sei lahm. Komm ich nicht wieder, dann könnten dir die beiden was einbringen. Gestern, ehe diese vermaledeite Nachricht kam, hat Grigg mir neunzig für die Stute geboten. Dumm wie ich war, wollte ich sie nicht unter zwei Nullen weggeben. Für Dompfaff erhältst du überall einen schönen Preis, nur wird es besser sein, wenn du ihn hierzulande verkaufst. Die Händler drüben haben zu viele Wechsel von mir in Händen, und deshalb wäre mir lieber, er ginge nicht nach England zurück. Die kleine Stute, die der General dir geschenkt hat, wird auch etwas bringen, und hier gibt es nicht die verdammten Stallrechnungen wie in London«, setzte Rawdon lachend hinzu. »Da das Necessaire hat mich zweihundert gekostet – das heißt, ich bin zweihundert dafür schuldig. Und die Golddeckel und Flaschen werden dreißig bis vierzig wert sein. Das mußt du alles versetzen mitsamt meinen Nadeln und Ringen, meiner Uhr, Kette und dem ganzen Kram. Es hat alles eine hübsche Summe gekostet. Soviel ich weiß, hat Miss Crawley für die Kette samt der Ticktack hundert bare bezahlt. Ja, ja, Golddeckel und Flaschen! Verdammt, ich ärgere mich jetzt, daß ich nicht mehr genommen habe. Edwards wollte mir durchaus einen silbernen vergoldeten Stiefelknecht aufdrängen, und ich hätte ein Necessaire bekommen können mit einer silbernen Wärmflasche und ein Silberservice. Aber weißt du, Becky, wir müssen eben aus dem, was wir haben, das Beste machen.«   “Look here,” said he. “If I drop, let us see what there is for you. I have had a pretty good run of luck here, and here’s two hundred and thirty pounds. I have got ten Napoleons in my pocket. That is as much as I shall want; for the General pays everything like a prince; and if I’m hit, why you know I cost nothing. Don’t cry, little woman; I may live to vex you yet. Well, I shan’t take either of my horses, but shall ride the General’s grey charger: it’s cheaper, and I told him mine was lame. If I’m done, those two ought to fetch you something. Grigg offered ninety for the mare yesterday, before this confounded news came, and like a fool I wouldn’t let her go under the two o’s. Bullfinch will fetch his price any day, only you’d better sell him in this country, because the dealers have so many bills of mine, and so I’d rather he shouldn’t go back to England. Your little mare the General gave you will fetch something, and there’s no d — d livery stable bills here as there are in London,” Rawdon added, with a laugh. “There’s that dressing-case cost me two hundred — that is, I owe two for it; and the gold tops and bottles must be worth thirty or forty. Please to put that up the spout, ma’am, with my pins, and rings, and watch and chain, and things. They cost a precious lot of money. Miss Crawley, I know, paid a hundred down for the chain and ticker. Gold tops and bottles, indeed! dammy, I’m sorry I didn’t take more now. Edwards pressed on me a silver-gilt boot-jack, and I might have had a dressing-case fitted up with a silver warming-pan, and a service of plate. But we must make the best of what we’ve got, Becky, you know.” So traf Hauptmann Crawley, der bis auf die letzten Monate seines Lebens, als die Liebe ihn bezwungen hatte, selten an etwas anderes gedacht hatte als an sich selbst, seine letzten Verfügungen und ging die verschiedenen Posten seines kleinen Eigentumsverzeichnisses durch, um zu sehen, wie sie sich zum Wohle seiner Frau in Geld umsetzen ließen, falls ihm ein Unglück zustoßen würde. Er gefiel sich darin, mit einem Bleistift in seiner Schuljungenhandschrift die verschiedenen Posten seines beweglichen Eigentums, das zugunsten seiner Witwe verkauft werden konnte, aufzuschreiben. Es hieß zum Beispiel darin: »Meine doppelläufige Mantonflinte, sagen wir 40 Guineen; mein Ausgehmantel mit Zobel gefüttert 50 Pfund; meine Duellpistolen im Rosenholzkasten (mit denen ich Hauptmann Marker erschoß) 20 Pfund; meine regulären Sattelhalter und Satteldecke; dito von Laurie« und so weiter. Er machte Rebekka zur Herrin über alle diese Gegenstände.   And so, making his last dispositions, Captain Crawley, who had seldom thought about anything but himself, until the last few months of his life, when Love had obtained the mastery over the dragoon, went through the various items of his little catalogue of effects, striving to see how they might be turned into money for his wife’s benefit, in case any accident should befall him. He pleased himself by noting down with a pencil, in his big schoolboy handwriting, the various items of his portable property which might be sold for his widow’s advantage as, for example, “My double-barril by Manton, say 40 guineas; my driving cloak, lined with sable fur, 50 pounds; my duelling pistols in rosewood case (same which I shot Captain Marker), 20 pounds; my regulation saddle-holsters and housings; my Laurie ditto,” and so forth, over all of which articles he made Rebecca the mistress. Getreu seinem Sparsamkeitsplan zog der Hauptmann seine älteste und schäbigste Uniform an und nahm die schlechtesten Epauletten, alles Neue ließ er unter der Obhut seiner Frau (oder vielleicht seiner Witwe) zurück. So zog also dieser berühmte Stutzer von Windsor und dem Hyde Park bescheiden ausgerüstet wie ein Sergeant in den Kampf und mit einer Art von Gebet für die Frau, von der er schied, auf den Lippen. Er hob sie hoch und hielt sie eine Minute, fest an sein heftig klopfendes Herz gedrückt, in den Armen. Sein Gesicht war purpurrot, und seine Augen verschleiert, als er sie niedersetzte und sich entfernte. Schweigend ritt er neben seinem General und rauchte seine Zigarre, als sie den Truppen, die zur Brigade des Generals gehörten und schon voraus waren, nacheilten. Erst als sie ein paar Meilen zurückgelegt hatten, hörte er auf, seinen Schnurrbart zu zwirbeln, und brach das Schweigen.   Faithful to his plan of economy, the Captain dressed himself in his oldest and shabbiest uniform and epaulets, leaving the newest behind, under his wife’s (or it might be his widow’s) guardianship. And this famous dandy of Windsor and Hyde Park went off on his campaign with a kit as modest as that of a sergeant, and with something like a prayer on his lips for the woman he was leaving. He took her up from the ground, and held her in his arms for a minute, tight pressed against his strong-beating heart. His face was purple and his eyes dim, as he put her down and left her. He rode by his General’s side, and smoked his cigar in silence as they hastened after the troops of the General’s brigade, which preceded them; and it was not until they were some miles on their way that he left off twirling his moustache and broke silence. Rebekka hatte ja weislich beschlossen, wie wir bereits berichtet haben, beim Abschied ihres Mannes sich keinen nutzlosen Sentimentalitäten hinzugeben. Sie winkte ihm vom Fenster aus ein Adieu zu, und nachdem er verschwunden war, blieb sie noch einen Augenblick stehen, um hinauszusehen. Die Türme der Kathedrale und die hohen Giebel der altertümlichen Häuser begannen gerade, in der aufgehenden Sonne rosig zu leuchten. Sie hatte in dieser Nacht keinen Schlaf gehabt. Immer noch war sie in ihrem hübschen Ballkleid, ihr blondes Haar hing ihr in leichter Unordnung im Nacken, und sie hatte dunkle Augenränder vom Wachen. Wie abscheulich sehe ich aus, sagte sie sich, als sie einen prüfenden Blick in den Spiegel warf, und wie blaß mich dieses Rosa macht! Sie legte das rosa Gewand ab, dabei fiel aus dem Mieder ein Billett. Sie hob es lächelnd auf und verschloß es in ihrem Toilettenkästchen. Dann stellte sie ihr Bukett vom Ball in ein Glas Wasser, ging zu Bett und schlief sehr behaglich.   And Rebecca, as we have said, wisely determined not to give way to unavailing sentimentality on her husband’s departure. She waved him an adieu from the window, and stood there for a moment looking out after he was gone. The cathedral towers and the full gables of the quaint old houses were just beginning to blush in the sunrise. There had been no rest for her that night. She was still in her pretty ball-dress, her fair hair hanging somewhat out of curl on her neck, and the circles round her eyes dark with watching. “What a fright I seem,” she said, examining herself in the glass, “and how pale this pink makes one look!” So she divested herself of this pink raiment; in doing which a note fell out from her corsage, which she picked up with a smile, and locked into her dressing-box. And then she put her bouquet of the ball into a glass of water, and went to bed, and slept very comfortably. Die Stadt war ganz ruhig, als sie um zehn Uhr aufwachte und ihren Kaffee trank. Nach der Anstrengung und dem Kummer des Morgens war er sehr notwendig und angenehm.   The town was quite quiet when she woke up at ten o’clock, and partook of coffee, very requisite and comforting after the exhaustion and grief of the morning’s occurrences. Nachdem sie ihr Frühstück eingenommen hatte, ging sie die Berechnungen des ehrlichen Rawdon von der vergangenen Nacht durch und überdachte ihre Lage. Sollte das Schlimmste eintreten, war sie, alles in allem betrachtet, gar nicht so schlecht gestellt. Neben dem, was ihr Mann ihr zurückgelassen hatte, hatte sie noch ihre eigenen Juwelen und ihre ganze Ausstattung. Rawdons Großmut nach der Heirat wurde schon beschrieben und gelobt. Außerdem hatte ihr der General, ihr Sklave und Anbeter, neben der kleinen Stute noch manches hübsche Geschenk gemacht in der Gestalt von Kaschmirschals, gekauft auf der Auktion einer bankrotten französischen Generalin, und zahlreichen Kostbarkeiten aus Juwelierläden, die alle den Geschmack und Reichtum ihres Bewunderers bekundeten. Ihre Wohnung war voll von dem Geräusch der »Ticktacks«, wie der arme Rawdon Uhren nannte. Eines Abends hatte sie zufällig erwähnt, daß ihre Uhr, ein Geschenk Rawdons, englisches Fabrikat sei und schlecht gehe. Schon am nächsten Morgen kam ein kleines Juwel Marke Leroy mit einer Kette und einem reizenden türkisbesetzten Deckel und eine andere, Marke Breguet, perlenbesetzt und kaum größer als ein Goldstück. General Tufto hatte die eine gekauft, und der galante Hauptmann Osborne die andere geschickt. Mrs. Osborne hatte keine Uhr, obgleich sie, um George Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, nur hätte darum bitten müssen, und die ehrenwerte Mrs. Tufto in England hatte ein altes Monstrum von ihrer Mutter geerbt, das als die silberne Wärmflasche hätte dienen können, von der Rawdon gesprochen hatte. Sollte es der Firma Howell und James einmal einfallen, eine Liste aller ihrer Käufer von Schmucksachen zu veröffentlichen, dann wäre das Erstaunen vieler Familien groß; und würden alle diese Schmuckgegenstände zu den rechtmäßigen Frauen und Töchtern der Männer gelangen, welche Unmasse von Juwelen würde da in den vornehmsten Häusern auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit zu finden sein.   This meal over, she resumed honest Rawdon’s calculations of the night previous, and surveyed her position. Should the worst befall, all things considered, she was pretty well to do. There were her own trinkets and trousseau, in addition to those which her husband had left behind. Rawdon’s generosity, when they were first married, has already been described and lauded. Besides these, and the little mare, the General, her slave and worshipper, had made her many very handsome presents, in the shape of cashmere shawls bought at the auction of a bankrupt French general’s lady, and numerous tributes from the jewellers’ shops, all of which betokened her admirer’s taste and wealth. As for “tickers,” as poor Rawdon called watches, her apartments were alive with their clicking. For, happening to mention one night that hers, which Rawdon had given to her, was of English workmanship, and went ill, on the very next morning there came to her a little bijou marked Leroy, with a chain and cover charmingly set with turquoises, and another signed Brequet, which was covered with pearls, and yet scarcely bigger than a half-crown. General Tufto had bought one, and Captain Osborne had gallantly presented the other. Mrs. Osborne had no watch, though, to do George justice, she might have had one for the asking, and the Honourable Mrs. Tufto in England had an old instrument of her mother’s that might have served for the plate-warming pan which Rawdon talked about. If Messrs. Howell and James were to publish a list of the purchasers of all the trinkets which they sell, how surprised would some families be: and if all these ornaments went to gentlemen’s lawful wives and daughters, what a profusion of jewellery there would be exhibited in the genteelest homes of Vanity Fair! Nachdem Mrs. Rebekka den Wert aller dieser Gegenstände so ziemlich genau berechnet hatte, stellte sie fest, nicht ohne ein prickelndes Gefühl von Triumph und Selbstzufriedenheit, daß sie, wenn es die Umstände erforderten, mindestens auf sechs- bis siebenhundert Pfund rechnen könne, um ihre Laufbahn in der Welt zu beginnen. So verbrachte sie den Morgen in der angenehmsten Weise mit dem Ordnen, Betrachten und Wegpacken ihres Besitzes. Unter den Papieren in Rawdons Brieftasche befand sich auch eine Anweisung von zwanzig Pfund auf Osbornes Bank. Das brachte ihr Osborne in Erinnerung. »Ich will gehen und den Wechsel einlösen«, sagte sie, »und nachher die arme kleine Emmy besuchen.« Wenn dies ein Roman ohne Helden ist, so wollen wir wenigstens Anspruch auf eine Heldin erheben. Kein Mann in der ausmarschierenden britischen Armee, ja nicht einmal der große Herzog selbst, hätte Zweifeln oder Schwierigkeiten kaltblütiger oder gefaßter begegnen können als die unbezwingbare kleine Frau des Adjutanten.   Every calculation made of these valuables Mrs. Rebecca found, not without a pungent feeling of triumph and self-satisfaction, that should circumstances occur, she might reckon on six or seven hundred pounds at the very least, to begin the world with; and she passed the morning disposing, ordering, looking out, and locking up her properties in the most agreeable manner. Among the notes in Rawdon’s pocket-book was a draft for twenty pounds on Osborne’s banker. This made her think about Mrs. Osborne. “I will go and get the draft cashed,” she said, “and pay a visit afterwards to poor little Emmy.” If this is a novel without a hero, at least let us lay claim to a heroine. No man in the British army which has marched away, not the great Duke himself, could be more cool or collected in the presence of doubts and difficulties, than the indomitable little aide-de-camp’s wife. Von unseren Bekannten war noch einer zurückgeblieben, ein Nichtkämpfer, dessen Gefühle und Benehmen kennenzulernen wir deshalb ein Recht haben. Es war unser Freund, der ehemalige Steuereinnehmer von Boggley Wollah, dessen Nachtruhe, wie die anderer Leute, in aller Frühe durch den Klang der Hörner gestört worden war. Da er ein großer Schläfer war und sein Bett liebte, so hätte er wahrscheinlich, allen Trommeln, Hörnern und Dudelsäcken der britischen Armee zum Trotz, bis zu seiner üblichen Zeit am Vormittag durchgeschnarcht, wenn es nicht eine Störung gegeben hätte, die nicht George Osborne verursachte, der mit Joseph das Quartier teilte. Der Hauptmann war nämlich wie gewöhnlich viel zu sehr mit seinen eigenen Angelegenheiten oder mit dem Abschiedskummer seiner Frau beschäftigt, um auf den Gedanken zu kommen, von seinem schlummernden Schwager Abschied zu nehmen. Es war also, wie gesagt, nicht George, der sich zwischen Joseph Sedley und den Schlaf drängte, sondern Hauptmann Dobbin, der kam und ihn aufrüttelte und ihm vor seinem Weggehen unbedingt noch die Hand schütteln wollte.   And there was another of our acquaintances who was also to be left behind, a non-combatant, and whose emotions and behaviour we have therefore a right to know. This was our friend the ex-collector of Boggley Wollah, whose rest was broken, like other people’s, by the sounding of the bugles in the early morning. Being a great sleeper, and fond of his bed, it is possible he would have snoozed on until his usual hour of rising in the forenoon, in spite of all the drums, bugles, and bagpipes in the British army, but for an interruption, which did not come from George Osborne, who shared Jos’s quarters with him, and was as usual occupied too much with his own affairs or with grief at parting with his wife, to think of taking leave of his slumbering brother-in-law — it was not George, we say, who interposed between Jos Sedley and sleep, but Captain Dobbin, who came and roused him up, insisting on shaking hands with him before his departure. »Sehr freundlich von Ihnen«, sagte Joe gähnend und wünschte den Hauptmann zum Teufel.   “Very kind of you,” said Jos, yawning, and wishing the Captain at the deuce. »Ich – ich wollte nicht gehen, ohne Ihnen Lebewohl zu sagen, wissen Sie«, sagte Dobbin etwas unzusammenhängend, »weil, wissen Sie, einige von uns kommen vielleicht nicht zurück, und ich möchte, daß es Ihnen allen gut geht, und – und allerlei so was, wissen Sie.«   “I — I didn’t like to go off without saying good-bye, you know,” Dobbin said in a very incoherent manner; “because you know some of us mayn’t come back again, and I like to see you all well, and — and that sort of thing, you know.” »Was meinen Sie eigentlich?« fragte Joe und rieb sich die Augen. Der Hauptmann hörte weder, noch sah er den dicken Herrn in der Nachtmütze, für den er so ein zärtliches Interesse zu hegen vorgab. Der Heuchler blickte und lauschte, so scharf er konnte, in die Richtung von Georges Zimmer, ging im Zimmer auf und ab, warf Stühle um, trommelte gegen die Scheiben, kaute an den Nägeln und gab allerlei Anzeichen einer großen inneren Erregung von sich.   “What do you mean?” Jos asked, rubbing his eyes. The Captain did not in the least hear him or look at the stout gentleman in the nightcap, about whom he professed to have such a tender interest. The hypocrite was looking and listening with all his might in the direction of George’s apartments, striding about the room, upsetting the chairs, beating the tattoo, biting his nails, and showing other signs of great inward emotion. Joseph hatte schon immer eine geringe Meinung von dem Hauptmann gehabt, und nun begann er an seinem Mut zu zweifeln. »Was kann ich für Sie tun, Dobbin?« fragte er sarkastisch.   Jos had always had rather a mean opinion of the Captain, and now began to think his courage was somewhat equivocal. “What is it I can do for you, Dobbin?” he said, in a sarcastic tone. »Ich will Ihnen sagen, was Sie tun können«, erwiderte der Hauptmann und trat an das Bett heran, »in einer Viertelstunde marschieren wir, Sedley, und vielleicht kommen weder George noch ich zurück. Vergessen Sie nicht, daß Sie diese Stadt nicht verlassen dürfen, bis Sie ganz sicher sind, wie die Dinge stehen. Sie müssen hierbleiben und Ihre Schwester schützen und sie trösten und dafür sorgen, daß ihr nichts zustößt. Denken Sie daran, wenn George etwas passiert, hat sie außer Ihnen niemanden auf der Welt. Erleidet die Armee eine Niederlage, dann müssen Sie dafür sorgen, daß sie sicher nach England zurückkommt, und Sie müssen mir auf Ihr Ehrenwort versprechen, daß Sie sie niemals verlassen werden. Ich weiß, daß Sie das nicht tun, in Geldangelegenheiten waren Sie immer großzügig genug. Brauchen Sie welches? Ich meine, haben Sie genug, um im Falle eines Unglücks nach England zurückkehren zu können?«   “I tell you what you can do,” the Captain replied, coming up to the bed; “we march in a quarter of an hour, Sedley, and neither George nor I may ever come back. Mind you, you are not to stir from this town until you ascertain how things go. You are to stay here and watch over your sister, and comfort her, and see that no harm comes to her. If anything happens to George, remember she has no one but you in the world to look to. If it goes wrong with the army, you’ll see her safe back to England; and you will promise me on your word that you will never desert her. I know you won’t: as far as money goes, you were always free enough with that. Do you want any? I mean, have you enough gold to take you back to England in case of a misfortune?” »Sir«, sagte Joseph majestätisch, »wenn ich Geld brauche, so weiß ich, wo ich darum anzuklopfen habe. Und was meine Schwester betrifft, so brauchen Sie mir nicht zu erzählen, wie ich mich ihr gegenüber benehmen muß.«   “Sir,” said Jos, majestically, “when I want money, I know where to ask for it. And as for my sister, you needn’t tell me how I ought to behave to her.” »Sie sprechen wie ein Mann von Charakter, Joseph«, versetzte der andere gutmütig, »und ich freue mich, daß George sie in so guten Händen zurücklassen kann. So darf ich ihm also Ihr Ehrenwort geben, nicht wahr, daß Sie ihr im schlimmsten Fall beistehen werden?«   “You speak like a man of spirit, Jos,” the other answered good-naturedly, “and I am glad that George can leave her in such good hands. So I may give him your word of honour, may I, that in case of extremity you will stand by her?” »Natürlich, natürlich«, erwiderte Joseph, dessen Großzügigkeit in Geldangelegenheiten Dobbin ganz richtig beurteilt hatte.   “Of course, of course,” answered Mr. Jos, whose generosity in money matters Dobbin estimated quite correctly. »Und Sie werden sie im Falle einer Niederlage sicher von Brüssel wegbringen?«   “And you’ll see her safe out of Brussels in the event of a defeat?” »Eine Niederlage! Verdammt, Sir, das ist unmöglich. Versuchen Sie doch nicht, mir Furcht einzuflößen«, rief der Held aus seinem Bett, und Dobbin war nun vollkommen beruhigt, als Joe sich so entschieden geäußert hatte, wie er sich seiner Schwester gegenüber verhalten wollte. So ist ihr Rückzug wenigstens gesichert, wenn das Schlimmste sich ereignen sollte, dachte der Hauptmann.   “A defeat! D — - it, sir, it’s impossible. Don’t try and frighten me ,” the hero cried from his bed; and Dobbin’s mind was thus perfectly set at ease now that Jos had spoken out so resolutely respecting his conduct to his sister. “At least,” thought the Captain, “there will be a retreat secured for her in case the worst should ensue.” Wenn Hauptmann Dobbin erwartet hatte, vor dem Abmarsch des Regiments noch einmal Trost und Befriedigung in ihrem Anblick zu finden, so erhielt sein Egoismus die verdiente Strafe. Die Tür von Josephs Schlafzimmer führte in das gemeinsame Wohnzimmer, und gegenüber befand sich Amelias Tür. Die Hörner hatten alle aufgeweckt, es war also nutzlos, noch etwas zu verheimlichen. Georges Diener packte in diesem Raum, und Osborne kam öfter aus dem anstoßenden Schlafzimmer, um dem Diener die Sachen zuzuwerfen, die er mit ins Feld nehmen wollte. Bald erhielt auch Dobbin die so heiß ersehnte Gelegenheit, Amelias Gesicht noch einmal zu sehen. Aber welch ein Gesicht! So weiß, so wild und so verzweifelt, daß ihn die Erinnerung daran später wie ein Verbrechen verfolgte, und der Anblick erfüllte ihn mit unaussprechlichen Qualen von Sehnsucht und Mitleid.   If Captain Dobbin expected to get any personal comfort and satisfaction from having one more view of Amelia before the regiment marched away, his selfishness was punished just as such odious egotism deserved to be. The door of Jos’s bedroom opened into the sitting-room which was common to the family party, and opposite this door was that of Amelia’s chamber. The bugles had wakened everybody: there was no use in concealment now. George’s servant was packing in this room: Osborne coming in and out of the contiguous bedroom, flinging to the man such articles as he thought fit to carry on the campaign. And presently Dobbin had the opportunity which his heart coveted, and he got sight of Amelia’s face once more. But what a face it was! So white, so wild and despair-stricken, that the remembrance of it haunted him afterwards like a crime, and the sight smote him with inexpressible pangs of longing and pity. Sie war in ein weißes Morgenkleid gehüllt, ihr Haar fiel auf die Schultern herab, und ihre großen Augen waren starr und glanzlos. Um bei den Vorbereitungen zum Abmarsch nicht müßig zu sein und um zu zeigen, daß auch sie in einem so kritischen Augenblick sich nützlich machen könne, hatte die arme Seele eine von Georges Schärpen von der Kommode genommen. Mit dieser Schärpe in der Hand folgte sie ihm bald hierhin, bald dahin und sah stumm dem Packen zu. Sie kam heraus und lehnte sich an die Wand. Die Schärpe drückte sie an ihren Busen, so daß das schwere karmesinrote Netz wie ein riesiger Blutfleck herabhing. Ein Schuldgefühl durchschoß unseren sanftmütigen Hauptmann, als er sie so stehen sah. Guter Gott, dachte er, diesen Schmerz habe ich zu belauschen gewagt? Aber es gab keine Hilfe, kein Mittel, diesen hilflosen, stummen Kummer zu lindern. Er stand einen Augenblick da und sah sie an, ohnmächtig und mitleidzerrissen, wie ein Vater ein leidendes Kind ansieht.   She was wrapped in a white morning dress, her hair falling on her shoulders, and her large eyes fixed and without light. By way of helping on the preparations for the departure, and showing that she too could be useful at a moment so critical, this poor soul had taken up a sash of George’s from the drawers whereon it lay, and followed him to and fro with the sash in her hand, looking on mutely as his packing proceeded. She came out and stood, leaning at the wall, holding this sash against her bosom, from which the heavy net of crimson dropped like a large stain of blood. Our gentle-hearted Captain felt a guilty shock as he looked at her. “Good God,” thought he, “and is it grief like this I dared to pry into?” And there was no help: no means to soothe and comfort this helpless, speechless misery. He stood for a moment and looked at her, powerless and torn with pity, as a parent regards an infant in pain. Schließlich ergriff George Emmys Hand und führte sie in das Schlafzimmer zurück, aus dem er allein wieder heraustrat. In diesem kurzen Augenblick hatten sie Abschied genommen, und er hatte sich entfernt.   At last, George took Emmy’s hand, and led her back into the bedroom, from whence he came out alone. The parting had taken place in that moment, and he was gone. Dem Himmel sei Dank, daß es vorüber ist, dachte George, als er mit dem Degen unter dem Arm die Treppe hinunterstieg. Und während er zum Sammelplatz lief, wo das Regiment gemustert wurde und wohin Soldaten und Offiziere aus ihren Quartieren eilten, schlug sein Puls heftig, und seine Wangen röteten sich: das große Kriegsspiel sollte nun beginnen, und er war einer der Mitspielenden! Welch fieberhafte Aufregung, bestehend aus Zweifeln, Hoffnungen und Freuden! Was für ein Wagnis um Verlust oder Gewinn! Was waren alle Glücksspiele seines Lebens im Vergleich mit diesem? An jedem Wettkampf, der Körpergewandtheit und Mut erforderte, hatte sich der junge Mann seit seinen Knabenjahren mit allen Kräften beteiligt. Er war der Champion der Schule und des Regiments, und überall folgten ihm die Hochrufe seiner Schulkameraden. Von dem Kricketspiel der Knaben bis zu den Garnisonswettrennen hatte er hundert Triumphe gefeiert. Wo er ging und stand, hatten Frauen und Männer ihn bewundert und beneidet. Welche menschlichen Eigenschaften werden so häufig mit Beifall belohnt wie körperliche Überlegenheit, Tatkraft und Mut? Seit undenklichen Zeiten sind Körperstärke und Mut Themen von Barden und Liedern gewesen. Und seit der Sage von Troja bis auf diesen Tag hat die Poesie stets einen Krieger zum Helden erkoren. Ich möchte wohl wissen, ob die Menschen auf Grund einer heimlichen Feigheit die Tapferkeit so sehr bewundern und kriegerische Großtaten so viel höher einschätzen und besser lohnen als jede andere Eigenschaft.   “Thank Heaven that is over,” George thought, bounding down the stair, his sword under his arm, as he ran swiftly to the alarm ground, where the regiment was mustered, and whither trooped men and officers hurrying from their billets; his pulse was throbbing and his cheeks flushed: the great game of war was going to be played, and he one of the players. What a fierce excitement of doubt, hope, and pleasure! What tremendous hazards of loss or gain! What were all the games of chance he had ever played compared to this one? Into all contests requiring athletic skill and courage, the young man, from his boyhood upwards, had flung himself with all his might. The champion of his school and his regiment, the bravos of his companions had followed him everywhere; from the boys’ cricket-match to the garrison-races, he had won a hundred of triumphs; and wherever he went women and men had admired and envied him. What qualities are there for which a man gets so speedy a return of applause, as those of bodily superiority, activity, and valour? Time out of mind strength and courage have been the theme of bards and romances; and from the story of Troy down to to-day, poetry has always chosen a soldier for a hero. I wonder is it because men are cowards in heart that they admire bravery so much, and place military valour so far beyond every other quality for reward and worship? George riß sich also bei den Tönen des erregenden Schlachtrufes aus den zarten Armen, in denen er getändelt hatte, nicht ohne ein Schamgefühl (obgleich seine Frau ihn nicht sehr stark gefesselt hatte), daß er sich so lange hatte darin zurückhalten lassen. Dasselbe Gefühl von Eifer und Aufregung hatten alle seine Freunde, die wir gelegentlich kennengelernt haben, angefangen von dem untersetzten Major, der das Regiment in den Kampf führte, bis zu dem kleinen Stubble, der als Fähnrich an diesem Tage die Regimentsfahne zu tragen hatte.   So, at the sound of that stirring call to battle, George jumped away from the gentle arms in which he had been dallying; not without a feeling of shame (although his wife’s hold on him had been but feeble), that he should have been detained there so long. The same feeling of eagerness and excitement was amongst all those friends of his of whom we have had occasional glimpses, from the stout senior Major, who led the regiment into action, to little Stubble, the Ensign, who was to bear its colours on that day. Die Sonne ging eben auf, als sie losmarschierten – es war ein prachtvoller Anblick: voran die Musikkapellen mit dem Regimentsmarsch, dann der kommandierende Major auf seinem kräftigen Schlachtroß Pyramus, dann folgten die Grenadiere, mit ihrem Hauptmann an der Spitze. In der Mitte die Fahnen, getragen von den älteren und jüngeren Fähnrichen, George marschierte an der Spitze seiner Kompanie und blickte lächelnd zu Amelia auf. Dann war er vorüber, und auch die Musikklänge erstarben.   The sun was just rising as the march began — it was a gallant sight — the band led the column, playing the regimental march — then came the Major in command, riding upon Pyramus, his stout charger — then marched the grenadiers, their Captain at their head; in the centre were the colours, borne by the senior and junior Ensigns — then George came marching at the head of his company. He looked up, and smiled at Amelia, and passed on; and even the sound of the music died away. 31. Kapitel / Chapter 31 In dem Joseph Sedley die Schwester in seine Obhut nimmt / In Which Jos Sedley Takes Care of His Sister Da nun alle höheren Offiziere anderswo ihrer Dienstpflicht nachgingen, blieb Joseph Sedley als Oberbefehlshaber der kleinen Kolonie in Brüssel zurück. Seine Garnison bestand aus der leidenden Amelia, seinem belgischen Diener Isidor und der Zofe, die Mädchen für alles im Haushalt war. Obgleich Josephs Geist beunruhigt war und Dobbins Eindringen und die morgendlichen Vorfälle seine Nachtruhe gestört hatten, blieb er, sich schlaflos hin und her wälzend, doch noch ein paar Stunden bis zu seiner üblichen Aufstehzeit im Bett. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, und unsere tapferen Freunde vom ...ten Regiment hatten auf ihrem Marsch bereits einige Meilen zurückgelegt, ehe der Zivilist in seinem geblümten Schlafrock beim Frühstück erschien.   Thus all the superior officers being summoned on duty elsewhere, Jos Sedley was left in command of the little colony at Brussels, with Amelia invalided, Isidor, his Belgian servant, and the bonne, who was maid-of-all-work for the establishment, as a garrison under him. Though he was disturbed in spirit, and his rest destroyed by Dobbin’s interruption and the occurrences of the morning, Jos nevertheless remained for many hours in bed, wakeful and rolling about there until his usual hour of rising had arrived. The sun was high in the heavens, and our gallant friends of the — th miles on their march, before the civilian appeared in his flowered dressing-gown at breakfast. Georges Abwesenheit bereitete seinem Schwager keinen Kummer. Vielleicht war Joe innerlich sogar froh darüber, daß Osborne fort war; denn solange George da war, hatte sein Schwager im Haus nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Osborne hatte nie mit seiner Verachtung gegenüber dem dicken Zivilisten hinter dem Berg gehalten. Emmy dagegen war stets nett und aufmerksam zu ihm. Sie war es, die sich um seine Bequemlichkeit kümmerte, die die Zubereitung seiner Lieblingsgerichte überwachte, die mit ihm spazierenging oder –fuhr (wozu sie oft, allzuoft Gelegenheit hatte, denn wo war George?) und sich mit ihrem süßen, freundlichen Gesicht zwischen Josephs Zorn und ihres Mannes Verachtung stellte. Sie war bei George oft für ihren Bruder eingetreten. Ihr Mann aber fertigte diese Bitten immer schneidend kurz ab. »Ich bin ein ehrlicher Mann«, sagte er, »und nehme wie jeder ehrliche Mann nie ein Blatt vor den Mund. Wie, zum Teufel, kannst du von mir verlangen, meine Liebe, daß ich mich gegen einen Narren wie deinen Bruder achtungsvoll benehme?« Joe war also über Georges Abwesenheit wirklich erfreut. Der Anblick von Georges Hut und Handschuhen auf einem Seitentisch und der Gedanke, daß ihr Besitzer nicht mehr da war, bereiteten Joseph weiß der Himmel was für ein geheimes Vergnügen. Der mit seiner Stutzermiene und seiner Unverschämtheit wird mich jedenfalls heute morgen nicht ärgern, dachte Joseph.   About George’s absence, his brother-in-law was very easy in mind. Perhaps Jos was rather pleased in his heart that Osborne was gone, for during George’s presence, the other had played but a very secondary part in the household, and Osborne did not scruple to show his contempt for the stout civilian. But Emmy had always been good and attentive to him. It was she who ministered to his comforts, who superintended the dishes that he liked, who walked or rode with him (as she had many, too many, opportunities of doing, for where was George?) and who interposed her sweet face between his anger and her husband’s scorn. Many timid remonstrances had she uttered to George in behalf of her brother, but the former in his trenchant way cut these entreaties short. “I’m an honest man,” he said, “and if I have a feeling I show it, as an honest man will. How the deuce, my dear, would you have me behave respectfully to such a fool as your brother?” So Jos was pleased with George’s absence. His plain hat, and gloves on a sideboard, and the idea that the owner was away, caused Jos I don’t know what secret thrill of pleasure. “ He won’t be troubling me this morning,” Jos thought, “with his dandified airs and his impudence.” »Bringen Sie den Hut des Hauptmanns ins Vorzimmer«, befahl er dem Diener Isidor.   “Put the Captain’s hat into the ante-room,” he said to Isidor, the servant. »Vielleicht braucht er ihn nicht mehr«, erwiderte der Lakai und warf seinem Herrn einen schlauen Blick zu. Er konnte George auch nicht leiden, da dieser ihn stets mit echt englischer Anmaßung behandelt hatte.   “Perhaps he won’t want it again,” replied the lackey, looking knowingly at his master. He hated George too, whose insolence towards him was quite of the English sort. »Und fragen Sie bitte, ob Madame zum Frühstück kommt«, sagte Mr. Sedley majestätisch, da er etwas beschämt war, sich mit einem Diener über das Thema seiner Abneigung gegen George unterhalten zu haben. Dabei hatte er aber schon einige dutzendmal vorher in Gegenwart des Bedienten auf seinen Schwager geschimpft.   “And ask if Madame is coming to breakfast,” Mr. Sedley said with great majesty, ashamed to enter with a servant upon the subject of his dislike for George. The truth is, he had abused his brother to the valet a score of times before. Ach! Madame konnte nicht zum Frühstück kommen und die tartines zurechtmachen, die Joseph so sehr liebte. Madame war viel zu krank und befand sich seit dem Abschied von ihrem Mann in einem entsetzlichen Zustand, berichtete ihre Zofe. Joe bewies seine Sympathie, indem er eine große Tasse Tee für sie einschenkte. Das war so seine Art, seine Zuneigung zum Ausdruck zu bringen. Er ging sogar noch weiter, denn er schickte ihr nicht nur das Frühstück hinein, sondern zerbrach sich auch noch den Kopf darüber, welche Delikatessen sie wohl am liebsten zu Mittag essen würde.   Alas! Madame could not come to breakfast, and cut the tartines that Mr. Jos liked. Madame was a great deal too ill, and had been in a frightful state ever since her husband’s departure, so her bonne said. Jos showed his sympathy by pouring her out a large cup of tea It was his way of exhibiting kindness: and he improved on this; he not only sent her breakfast, but he bethought him what delicacies she would most like for dinner. Isidor, der Diener, hatte äußerst verdrießlich ausgesehen, als Osbornes Bursche das Gepäck seines Herrn vor dem Abmarsch in Ordnung brachte, denn einmal haßte er Mr. Osborne, der sich gegen ihn und alle Untergebenen in der Regel sehr hochfahrend benahm (denn auf dem Kontinent lassen sich die Dienstboten nicht so unverschämt behandeln wie unsere geduldigeren englischen Bedienten), und zum anderen ärgerte es ihn, daß so viele wertvolle Sachen aus seiner Reichweite gebracht wurden und anderen Leuten in die Hände fallen würden, wenn die Engländer besiegt wären. An dieser Niederlage zweifelten weder er noch viele andere Leute in Brüssel und Belgien auch nur im geringsten. Man glaubte allgemein, der Kaiser würde die preußische und die englische Armee trennen und beide nebeneinander vernichten und binnen drei Tagen in Brüssel einmarschieren. Dann würden seine jetzigen Herren getötet oder gefangengenommen werden oder flüchten, und ihre ganze bewegliche Habe würde von Rechts wegen Monsieur Isidor zufallen.   Isidor, the valet, had looked on very sulkily, while Osborne’s servant was disposing of his master’s baggage previous to the Captain’s departure: for in the first place he hated Mr. Osborne, whose conduct to him, and to all inferiors, was generally overbearing (nor does the continental domestic like to be treated with insolence as our own better-tempered servants do), and secondly, he was angry that so many valuables should be removed from under his hands, to fall into other people’s possession when the English discomfiture should arrive. Of this defeat he and a vast number of other persons in Brussels and Belgium did not make the slightest doubt. The almost universal belief was, that the Emperor would divide the Prussian and English armies, annihilate one after the other, and march into Brussels before three days were over: when all the movables of his present masters, who would be killed, or fugitives, or prisoners, would lawfully become the property of Monsieur Isidor. Während der treue Diener Joseph bei seiner mühsamen und komplizierten täglichen Toilette half, überlegte er, was er mit den Gegenständen anfangen würde, mit denen er im Augenblick die Person seines Herrn schmückte. Die silbernen Essenzfläschchen und den anderen Toilettentand würde er einer jungen Dame, die er liebte, schenken. Die englischen Messer dagegen und die große Rubinnadel wollte er selbst behalten. Die Nadel mußte sich auf einem der feinen Hemden mit Krause wunderschön ausnehmen. Zusammen mit der goldbebänderten Mütze und dem bordierten Rock, den er leicht für sich ändern lassen könnte, des Hauptmanns Spazierstock mit dem goldenen Knauf und dem großen doppelten Rubinring, aus dem sich zwei prachtvolle Ohrringe fertigen ließen, würde das seiner Meinung nach aus ihm einen vollkommenen Adonis machen und Mademoiselle Reine eine leichte Beute werden. Wie gut mir diese Manschettenknöpfe stehen werden, dachte er, als er ein Paar an den dicken, schwammigen Handgelenken von Mr. Sedley befestigte. Ich sehne mich nach Manschettenknöpfen. Und corbleu, welches Aufsehen werden des Hauptmanns Stiefel nebenan mit den Messingsporen in der Allée-verte erregen! Während Monsieur Isidor mit seinen leibhaftigen Fingern die Nase seines Herrn hielt und Josephs untere Gesichtspartie rasierte, flog die Phantasie des Dieners der grünen Allee zu. Er sah sich schon im bordierten Rock mit Manschetten und Spitzen in Gesellschaft von Mademoiselle Reine. Im Geist schlenderte er am Kanal entlang und musterte die Barken, die im kühlen Schatten der Uferbäume langsam dahinfuhren, oder er erfrischte sich mit einem Krug Bier auf der Bank eines Gasthauses, unterwegs nach Laeken.   As he helped Jos through his toilsome and complicated daily toilette, this faithful servant would calculate what he should do with the very articles with which he was decorating his master’s person. He would make a present of the silver essence-bottles and toilet knicknacks to a young lady of whom he was fond; and keep the English cutlery and the large ruby pin for himself. It would look very smart upon one of the fine frilled shirts, which, with the gold-laced cap and the frogged frock coat, that might easily be cut down to suit his shape, and the Captain’s gold-headed cane, and the great double ring with the rubies, which he would have made into a pair of beautiful earrings, he calculated would make a perfect Adonis of himself, and render Mademoiselle Reine an easy prey. “How those sleeve-buttons will suit me!” thought he, as he fixed a pair on the fat pudgy wrists of Mr. Sedley. “I long for sleeve-buttons; and the Captain’s boots with brass spurs, in the next room, corbleu! what an effect they will make in the Allee Verte!” So while Monsieur Isidor with bodily fingers was holding on to his master’s nose, and shaving the lower part of Jos’s face, his imagination was rambling along the Green Avenue, dressed out in a frogged coat and lace, and in company with Mademoiselle Reine; he was loitering in spirit on the banks, and examining the barges sailing slowly under the cool shadows of the trees by the canal, or refreshing himself with a mug of Faro at the bench of a beer-house on the road to Laeken. Aber zum Glück für Mr. Joseph Sedleys eigenen Frieden wußte er ebensowenig, was im Kopf seines Dieners vorging, wie der verehrte Leser und ich erraten können, was John oder Mary, die bei uns in Lohn und Brot stehen, von uns denken. Was unsere Dienstboten von uns denken! Wüßten wir, was unsere engsten Freunde und unsere lieben Verwandten von uns denken, so würden wir die Welt, in der wir leben, sehr gerne verlassen und befänden uns in einem Zustand ewigen Schreckens, der unerträglich wäre. Josephs Bedienter zeichnete also schon sein Opfer, wie man in der Leadenhall Street beobachten kann, wie ein Angestellter von Mr. Paynter eine ahnungslose Schildkröte mit einem Zettel ziert, worauf geschrieben steht: »Morgen zur Suppe«.   But Mr. Joseph Sedley, luckily for his own peace, no more knew what was passing in his domestic’s mind than the respected reader, and I suspect what John or Mary, whose wages we pay, think of ourselves. What our servants think of us! — Did we know what our intimates and dear relations thought of us, we should live in a world that we should be glad to quit, and in a frame of mind and a constant terror, that would be perfectly unbearable. So Jos’s man was marking his victim down, as you see one of Mr. Paynter’s assistants in Leadenhall Street ornament an unconscious turtle with a placard on which is written, “Soup to-morrow.” Amelias Zofe war viel weniger selbstsüchtig gesinnt. Diesem freundlichen, sanften Geschöpf konnten nur wenige Untergebene nahekommen, ohne ihr einen Tribut an Ergebenheit und Anhänglichkeit für ihr nettes und liebevolles Wesen zu zahlen. Und tatsächlich tröstete Pauline, die Köchin, ihre Gebieterin mehr als sonst jemand, den sie an diesem unglückseligen Morgen sah, denn als das ehrliche Mädchen bemerkte, daß Amelia noch stundenlang, nachdem die Bajonette der abmarschierenden Truppen verschwunden waren, starr und stumm und verstört am Fenster saß, von dem sie ihnen nachgeblickt hatte, ergriff sie die Hand der Dame und sagte: »Tenez, Madame, est-ce qu'il n'est pas aussi à l'armée, mon homme à moi?« Sie brach in Tränen aus, und Amelia fiel ihr, ebenfalls weinend, in die Arme, und sie bemitleideten und trösteten sich gegenseitig.   Amelia’s attendant was much less selfishly disposed. Few dependents could come near that kind and gentle creature without paying their usual tribute of loyalty and affection to her sweet and affectionate nature. And it is a fact that Pauline, the cook, consoled her mistress more than anybody whom she saw on this wretched morning; for when she found how Amelia remained for hours, silent, motionless, and haggard, by the windows in which she had placed herself to watch the last bayonets of the column as it marched away, the honest girl took the lady’s hand, and said, Tenez, Madame, est-ce qu’il n’est pas aussi a l’armee, mon homme a moi? with which she burst into tears, and Amelia falling into her arms, did likewise, and so each pitied and soothed the other. Mehrmals im Laufe des Vormittags ging Mr. Josephs Isidor in die Stadt zu den Türen der Hotels und Pensionen rund um den Park, wo die Engländer zusammengekommen waren. Dort mischte er sich unter die anderen Kammerdiener, Kuriere und Lakaien, sammelte alle Neuigkeiten, die in Umlauf waren, und hinterbrachte die Berichte seinem Herrn. Fast alle diese Ehrenmänner standen innerlich auf der Seite des Kaisers und hatten ihre eigenen Ansichten über die baldige Beendigung des Feldzuges. Die Proklamation des Kaisers aus Avesnes war in Brüssel überall in großen Mengen verbreitet worden. »Soldaten«, hieß es darin, »es ist der Jahrestag von Marengo und Friedland, an dem das Geschick Europas zweimal entschieden wurde. Damals, wie auch nach Austerlitz und Wagram, waren wir zu großmütig. Wir glaubten an die Schwüre und Versprechungen von Fürsten, die wir auf ihrem Thron beließen. Laßt uns noch einmal gegen sie marschieren. Wir und sie – sind es nicht immer noch dieselben? Soldaten! Dieselben Preußen, die jetzt so anmaßend sind, standen uns bei Jena in dreifacher Überzahl und in Montmirail sogar in sechsfacher gegenüber. Diejenigen unter euch, die Gefangene in England waren, können ihren Kameraden erzählen, welchen fürchterlichen Quälereien sie auf den englischen Schiffen ausgesetzt waren. Die Wahnsinnigen! Ein Augenblick des Glücks hat sie verblendet, und wenn sie jemals in Frankreich einmarschieren, dann nur, um dort ihr Grab zu finden!« Die Anhänger der Franzosen prophezeiten jedoch den Feinden des Kaisers ein noch schnelleres Ende, und man war sich einig, daß die Preußen und Briten nie zurückkommen würden, es sei denn als Gefangene im Gefolge der siegreichen Armee.   Several times during the forenoon Mr. Jos’s Isidor went from his lodgings into the town, and to the gates of the hotels and lodging-houses round about the Parc, where the English were congregated, and there mingled with other valets, couriers, and lackeys, gathered such news as was abroad, and brought back bulletins for his master’s information. Almost all these gentlemen were in heart partisans of the Emperor, and had their opinions about the speedy end of the campaign. The Emperor’s proclamation from Avesnes had been distributed everywhere plentifully in Brussels. “Soldiers!” it said, “this is the anniversary of Marengo and Friedland, by which the destinies of Europe were twice decided. Then, as after Austerlitz, as after Wagram, we were too generous. We believed in the oaths and promises of princes whom we suffered to remain upon their thrones. Let us march once more to meet them. We and they, are we not still the same men? Soldiers! these same Prussians who are so arrogant to-day, were three to one against you at Jena, and six to one at Montmirail. Those among you who were prisoners in England can tell their comrades what frightful torments they suffered on board the English hulks. Madmen! a moment of prosperity has blinded them, and if they enter into France it will be to find a grave there!” But the partisans of the French prophesied a more speedy extermination of the Emperor’s enemies than this; and it was agreed on all hands that Prussians and British would never return except as prisoners in the rear of the conquering army. Diese Meinungen wurden im Laufe des Tages Mr. Sedley mitgeteilt, damit sie bei ihm ihre Wirkung tun könnten. Man erzählte ihm, der Herzog von Wellington hätte versucht, seine Armee wieder zu sammeln, da der Vormarsch in der vergangenen Nacht vereitelt worden sei.   These opinions in the course of the day were brought to operate upon Mr. Sedley. He was told that the Duke of Wellington had gone to try and rally his army, the advance of which had been utterly crushed the night before. »Vereitelt, pah!« sagte Joseph, der während des Frühstücks sehr mutig war. »Der Herzog wird den Kaiser schlagen, wie er zuvor alle seine Generale geschlagen hat.«   “Crushed, psha!” said Jos, whose heart was pretty stout at breakfast-time. “The Duke has gone to beat the Emperor as he has beaten all his generals before.” »Seine Papiere sind verbrannt, seine Sachen fortgeschafft, und sein Quartier wird für den Herzog von Dalmatien hergerichtet«, erwiderte Josephs Berichterstatter. »Ich habe es von seinem eigenen maitre d'hôtel. Die Leute vom Herzog von Richmond packen schon alles ein. Seine Gnaden sind bereits geflohen, und die Herzogin wartet nur noch, bis das Silber verpackt ist, und geht dann nach Ostende zum König von Frankreich.«   “His papers are burned, his effects are removed, and his quarters are being got ready for the Duke of Dalmatia,” Jos’s informant replied. “I had it from his own maitre d’hotel. Milor Duc de Richemont’s people are packing up everything. His Grace has fled already, and the Duchess is only waiting to see the plate packed to join the King of France at Ostend.” »Der König von Frankreich ist in Gent, Kerl«, entgegnete Joseph mit einem Versuch, sich ungläubig zu stellen.   “The King of France is at Ghent, fellow,” replied Jos, affecting incredulity. »Er ist in der letzten Nacht nach Brügge geflohen und schifft sich heute in Ostende ein. Der Herzog von Berry ist gefangen. Wer sich in Sicherheit bringen will, sollte lieber bald gehen, denn morgen sollen die Deiche geöffnet werden – und wer kann dann noch fliehen, wenn das ganze Land überschwemmt ist?«   “He fled last night to Bruges, and embarks today from Ostend. The Duc de Berri is taken prisoner. Those who wish to be safe had better go soon, for the dykes will be opened to-morrow, and who can fly when the whole country is under water?” »Unsinn, wir sind in dreifacher Überzahl gegen jede Macht, die Bony aufbringen kann«, wandte Mr. Sedley ein, »die Österreicher und Russen sind schon auf dem Marsch. Er muß, er wird besiegt werden«, sagte Joseph und schlug mit der Hand auf den Tisch.   “Nonsense, sir, we are three to one, sir, against any force Boney can bring into the field,” Mr. Sedley objected; “the Austrians and the Russians are on their march. He must, he shall be crushed,” Jos said, slapping his hand on the table. »Die Preußen waren auch in dreifacher Überzahl bei Jena, und doch vernichtete er ihre Armee und eroberte das Reich in einer Woche. Sie waren sechsmal soviel in Montmirail, und doch trieb er sie wie Schafe auseinander. Es stimmt schon, daß die österreichische Armee im Anzug ist, aber mit der Kaiserin und dem König von Rom an der Spitze. Und die Russen, pah! Die Russen werden sich zurückziehen. Den Engländern wird man kein Pardon geben, weil sie sich so grausam gegen unsere Tapferen auf den abscheulichen Schiffen aufgeführt haben. Schauen Sie her, hier steht es schwarz auf weiß. Das ist die Proklamation Seiner Majestät des Kaisers und Königs«, sagte Isidor, der sich jetzt offen als Anhänger Napoleons erklärte. Er zog das Dokument aus der Tasche und hielt es mit strenger Miene seinem Herrn vors Gesicht. Dabei blickte er auf den bordierten Rock und die Wertsachen als auf seine Kriegsbeute.   “The Prussians were three to one at Jena, and he took their army and kingdom in a week. They were six to one at Montmirail, and he scattered them like sheep. The Austrian army is coming, but with the Empress and the King of Rome at its head; and the Russians, bah! the Russians will withdraw. No quarter is to be given to the English, on account of their cruelty to our braves on board the infamous pontoons. Look here, here it is in black and white. Here’s the proclamation of his Majesty the Emperor and King,” said the now declared partisan of Napoleon, and taking the document from his pocket, Isidor sternly thrust it into his master’s face, and already looked upon the frogged coat and valuables as his own spoil. Joseph verspürte zwar noch keine ernste Furcht, war aber doch beträchtlich beunruhigt. »Geben Sie mir Rock und Mütze und folgen Sie mir«, sagte er. »Ich will selbst gehen und mich überzeugen, ob etwas Wahres an diesen Gerüchten ist.« Isidor war wütend, als Joseph den bordierten Rock anzog. »Der gnädige Herr sollte den Soldatenrock lieber nicht tragen«, sagte er, »die Franzosen haben geschworen, keinem einzigen britischen Soldaten Pardon zu geben.«   Jos was, if not seriously alarmed as yet, at least considerably disturbed in mind. “Give me my coat and cap, sir, said he, “and follow me. I will go myself and learn the truth of these reports.” Isidor was furious as Jos put on the braided frock. “Milor had better not wear that military coat,” said he; “the Frenchmen have sworn not to give quarter to a single British soldier.” »Halten Sie 's Maul, Kerl!« sagte Joe, immer noch mit entschlossener Miene, und stieß mit unbezwingbarem Mut einen Arm in den Rockärmel. Bei dieser heroischen Tat wurde er von Mrs. Rawdon Crawley überrascht, die gerade in dem Augenblick, ohne an der Vorzimmertür zu läuten, eingetreten war, um Amelia zu besuchen.   “Silence, sirrah!” said Jos, with a resolute countenance still, and thrust his arm into the sleeve with indomitable resolution, in the performance of which heroic act he was found by Mrs. Rawdon Crawley, who at this juncture came up to visit Amelia, and entered without ringing at the antechamber door. Rebekka war wie gewöhnlich ungemein nett und elegant gekleidet. Der ruhige Schlummer nach Rawdons Weggang hatte sie erfrischt, und der Anblick ihrer lächelnden rosigen Wangen in einer Stadt und an einem Tage, wo sich auf allen Gesichtern die größte Angst und Unruhe spiegelte, tat wohl. Sie lachte über die Stellung, in der sie Joe antraf, und über seine krampfhaften Bemühungen, sich in den bordierten Rock zu zwängen.   Rebecca was dressed very neatly and smartly, as usual: her quiet sleep after Rawdon’s departure had refreshed her, and her pink smiling cheeks were quite pleasant to look at, in a town and on a day when everybody else’s countenance wore the appearance of the deepest anxiety and gloom. She laughed at the attitude in which Jos was discovered, and the struggles and convulsions with which the stout gentleman thrust himself into the braided coat. »Treffen Sie Anstalten, sich der Armee anzuschließen, Mr. Joseph?« fragte sie. »Bleibt denn niemand in Brüssel zurück, um uns arme Frauen zu schützen?« Unterdessen war es Joe gelungen, sich in seinen Rock zu klemmen. Er trat auf seine hübsche Besucherin zu und stotterte tief errötend ein paar Entschuldigungen hervor. Wie sie sich denn nach den Ereignissen des Morgens und den Anstrengungen des Balls abends zuvor fühle? Monsieur Isidor verschwand mit dem geblümten Schlafrock im anstoßenden Schlafzimmer seines Herrn.   “Are you preparing to join the army, Mr. Joseph?” she said. “Is there to be nobody left in Brussels to protect us poor women?” Jos succeeded in plunging into the coat, and came forward blushing and stuttering out excuses to his fair visitor. “How was she after the events of the morning — after the fatigues of the ball the night before?” Monsieur Isidor disappeared into his master’s adjacent bedroom, bearing off the flowered dressing-gown. »Wie nett von Ihnen, sich danach zu erkundigen«, sagte sie und drückte seine Hand zwischen ihren beiden. »Wie kaltblütig und gefaßt sehen Sie doch aus, während alle anderen vor Angst umkommen! Wie geht es unserer lieben kleinen Emmy? Es muß ein schrecklicher, schrecklicher Abschied gewesen sein.«   “How good of you to ask,” said she, pressing one of his hands in both her own. “How cool and collected you look when everybody else is frightened! How is our dear little Emmy? It must have been an awful, awful parting.” »Ja, furchtbar«, sagte Joseph.   “Tremendous,” Jos said. »Ihr Männer könnt doch alles ertragen«, erwiderte die Dame. »Trennung und Gefahren bedeuten euch nichts. Geben Sie nur zu, daß Sie beabsichtigt haben, sich der Armee anzuschließen und uns unserem Schicksal zu überlassen. Ich weiß, daß Sie das tun wollten, irgend etwas sagt es mir. Ich war so erschrocken, als mir der Gedanke kam (denn manchmal, wenn ich allein bin, denke ich an Sie, Mr. Joseph!). Ich bin gleich losgelaufen, um Sie zu bitten und anzuflehen, uns doch hier nicht im Stich zu lassen.«   “You men can bear anything,” replied the lady. “Parting or danger are nothing to you. Own now that you were going to join the army and leave us to our fate. I know you were — something tells me you were. I was so frightened, when the thought came into my head (for I do sometimes think of you when I am alone, Mr. Joseph), that I ran off immediately to beg and entreat you not to fly from us.” Diese Worte muß man folgendermaßen auslegen: Mein lieber Herr, Sie haben einen bequemen Wagen, und sollte der Armee etwas zustoßen und ein Rückzug würde notwendig, so beabsichtige ich, darin einen Platz zu belegen. Ich weiß zwar nicht, ob Joe die Worte so verstand. Er war nämlich tief gekränkt wegen der geringen Aufmerksamkeit, die die Dame ihm während ihres Aufenthalts in Brüssel gezollt hatte. Man hatte ihn keinem von Rawdon Crawleys bedeutenden Bekannten vorgestellt, und zu Rebekkas Gesellschaften war er kaum eingeladen worden, denn er war zu ängstlich, um hoch zu spielen, und seine Anwesenheit langweilte George und Rawdon. Keiner der beiden hatte gern einen Zeugen bei den Vergnügungen, denen sie frönten. Aha! dachte Joe, jetzt, wo sie mich braucht, kommt sie zu mir. Wenn sie niemanden weiter hat, dann fällt ihr der alte Joseph Sedley ein! Aber abgesehen von diesen Zweifeln fühlte er sich geschmeichelt durch Rebekkas Ansichten über seinen Mut.   This speech might be interpreted, “My dear sir, should an accident befall the army, and a retreat be necessary, you have a very comfortable carriage, in which I propose to take a seat.” I don’t know whether Jos understood the words in this sense. But he was profoundly mortified by the lady’s inattention to him during their stay at Brussels. He had never been presented to any of Rawdon Crawley’s great acquaintances: he had scarcely been invited to Rebecca’s parties; for he was too timid to play much, and his presence bored George and Rawdon equally, who neither of them, perhaps, liked to have a witness of the amusements in which the pair chose to indulge. “Ah!” thought Jos, “now she wants me she comes to me. When there is nobody else in the way she can think about old Joseph Sedley!” But besides these doubts he felt flattered at the idea Rebecca expressed of his courage. Er errötete, setzte eine ungemein wichtige Miene auf. »Ich möchte das Gefecht gern sehen«, sagte er. »Jeder mutige Mann möchte das, wissen Sie. In Indien habe ich ein bißchen Krieg, aber keineswegs in solchem großen Ausmaß, kennengelernt.«   He blushed a good deal, and put on an air of importance. “I should like to see the action,” he said. “Every man of any spirit would, you know. I’ve seen a little service in India, but nothing on this grand scale.” »Für ein Vergnügen opfert ihr alles«, erwiderte Rebekka. »Hauptmann Crawley hat mich heute morgen so fröhlich verlassen, als ob er zu einer Jagdpartie gehen würde. Was kümmert er sich schon darum! Was kümmert sich überhaupt einer von euch Männern um die Qualen und den Kummer einer armen verlassenen Frau!« (Ich möchte wirklich wissen, ob er sich aufraffen würde, sich den Truppen anzuschließen, dieser große träge Schlemmer.) »Oh, lieber Mr. Sedley, ich komme, um bei Ihnen Trost zu suchen und Beistand. Den ganzen Morgen habe ich auf den Knien gelegen. Ich zittere, wenn ich an die furchtbare Gefahr denke, in die unsere Ehemänner, Freunde, unsere tapferen Truppen und Alliierten sich stürzen. Und ich komme hierher, um Schutz zu suchen, und finde einen meiner Freunde – den letzten, der mir geblieben ist – entschlossen, sich zu dem furchtbaren Kriegsschauplatz zu begeben!«   “You men would sacrifice anything for a pleasure,” Rebecca answered. “Captain Crawley left me this morning as gay as if he were going to a hunting party. What does he care? What do any of you care for the agonies and tortures of a poor forsaken woman? (I wonder whether he could really have been going to the troops, this great lazy gourmand?) Oh! dear Mr. Sedley, I have come to you for comfort — for consolation. I have been on my knees all the morning. I tremble at the frightful danger into which our husbands, our friends, our brave troops and allies, are rushing. And I come here for shelter, and find another of my friends — the last remaining to me — bent upon plunging into the dreadful scene!” »Meine liebe gnädige Frau«, erwiderte Joe, der allmählich besänftigt wurde. »Haben Sie keine Angst. Ich sagte nur, daß ich gern dabeisein würde – und welcher Brite möchte das wohl nicht? Aber meine Pflicht hält mich hier zurück. Ich kann das arme Geschöpf nebenan nicht allein lassen.« Dabei deutete er mit dem Finger auf die Tür von Amelias Zimmer.   “My dear madam,” Jos replied, now beginning to be quite soothed, “don’t be alarmed. I only said I should like to go — what Briton would not? But my duty keeps me here: I can’t leave that poor creature in the next room.” And he pointed with his finger to the door of the chamber in which Amelia was. »Guter, edler Bruder!« sagte Rebekka und führte ihr Taschentuch an die Augen. Sie roch das Eau de Cologne, womit es parfümiert war. »Ich habe Ihnen unrecht getan: Sie haben ein Herz. Ich glaubte, Sie hätten keins.«   “Good noble brother!” Rebecca said, putting her handkerchief to her eyes, and smelling the eau-de-cologne with which it was scented. “I have done you injustice: you have got a heart. I thought you had not.” »Oh, bei meiner Ehre!« sagte Joseph und machte eine Bewegung, als wollte er die Hand auf die erwähnte Körperstelle legen. »Sie tun mir unrecht, ja, gewiß, das tun Sie – meine liebe Mrs. Crawley.«   “O, upon my honour!” Jos said, making a motion as if he would lay his hand upon the spot in question. “You do me injustice, indeed you do — my dear Mrs. Crawley.” »Ja, das stimmt, jetzt, wo Ihr Herz Ihrer Schwester so treu ist. Aber ich erinnere mich, vor zwei Jahren – als es so treulos mir gegenüber war!« sagte Rebekka, heftete ihre Augen eine Sekunde auf ihn und wandte sich dann zum Fenster.   “I do, now your heart is true to your sister. But I remember two years ago — when it was false to me!” Rebecca said, fixing her eyes upon him for an instant, and then turning away into the window. Joe errötete heftig. Das Organ, das er nach Rebekkas Beschuldigung nicht hatte, fing an, heftig zu klopfen. Er rief sich die Tage ins Gedächtnis zurück, wo er ihr entflohen war, und die Leidenschaft, die ihn einst verzehrt hatte, die Tage, wo er sie in seinem Wagen spazierenfuhr und sie ihm die grüne Börse arbeitete – wo er entzückt dasaß und ihre weißen Arme und leuchtenden Augen angestarrt hatte.   Jos blushed violently. That organ which he was accused by Rebecca of not possessing began to thump tumultuously. He recalled the days when he had fled from her, and the passion which had once inflamed him — the days when he had driven her in his curricle: when she had knit the green purse for him: when he had sate enraptured gazing at her white arms and bright eyes. »Ich weiß, Sie halten mich für undankbar«, fuhr Rebekka fort, nachdem sie vom Fenster zurückgekehrt war und ihn abermals ansah. Sie sprach leise und mit zitternder Stimme. »Ihre Kälte, Ihre abgewandten Blicke, Ihr Verhalten, wenn wir uns in der letzten Zeit trafen und auch eben, als ich eintrat, das alles bewies es mir. Aber hatte ich keine Gründe, Sie zu meiden? Lassen Sie Ihr eigenes Herz diese Frage beantworten. Glauben Sie, mein Mann war sehr geneigt, Sie bei uns zu empfangen? Die einzigen unfreundlichen Worte, die ich je von ihm gehört habe (diese Gerechtigkeit muß ich Hauptmann Crawley widerfahren lassen), fielen Ihretwegen – und das waren sehr, sehr grausame Worte.«   “I know you think me ungrateful,” Rebecca continued, coming out of the window, and once more looking at him and addressing him in a low tremulous voice. “Your coldness, your averted looks, your manner when we have met of late — when I came in just now, all proved it to me. But were there no reasons why I should avoid you? Let your own heart answer that question. Do you think my husband was too much inclined to welcome you? The only unkind words I have ever had from him (I will do Captain Crawley that justice) have been about you — and most cruel, cruel words they were.” »Gütiger Himmel! Was habe ich denn getan?« fragte Joe in einer Mischung von Freude und Verwirrung. »Was habe ich getan ... um ... um ...?«   “Good gracious! what have I done?” asked Jos in a flurry of pleasure and perplexity; “what have I done — to — to — ?” »Ist Eifersucht nichts?« fragte Rebekka. »Er macht mir Ihretwegen die Hölle heiß. Aber was auch je geschehen sein mag – mein Herz gehört nur ihm. Ich bin doch unschuldig. Nicht wahr, Mr. Sedley?«   “Is jealousy nothing?” said Rebecca. “He makes me miserable about you. And whatever it might have been once — my heart is all his. I am innocent now. Am I not, Mr. Sedley?” Josephs Blut geriet in freudige Wallung, als er dieses Opfer seiner Reize betrachtete. Ein paar geschickte Worte, einige verständnisinnige, zärtliche Blicke – und sein Herz stand wieder in Flammen, und seine Zweifel und sein Verdacht waren vergessen. Sind nicht seit Salomos Tagen schon weisere Männer als er von Frauen beschwatzt und betört worden? Kommt es zum Schlimmsten, dachte Becky, mein Rückzug ist jedenfalls gesichert, und der beste Platz im Wagen gehört mir.   All Jos’s blood tingled with delight, as he surveyed this victim to his attractions. A few adroit words, one or two knowing tender glances of the eyes, and his heart was inflamed again and his doubts and suspicions forgotten. From Solomon downwards, have not wiser men than he been cajoled and befooled by women? “If the worst comes to the worst,” Becky thought, “my retreat is secure; and I have a right-hand seat in the barouche.” Man kann nicht wissen, zu welchen Liebeserklärungen Mr. Joseph sich durch seine gewaltige Leidenschaft hätte hinreißen lassen, wäre nicht der Diener Isidor in diesem Augenblick wieder erschienen und hätte sich im Zimmer zu schaffen gemacht. Joe, der gerade im Begriff war, ein Geständnis hervorzukeuchen, erstickte fast an den Gefühlen, die er jetzt zurückdrängen mußte. Rebekka dachte nun auch, daß es an der Zeit sei, zu ihrer teuersten Amelia zu gehen und sie zu trösten. »Au revoir«, sagte sie und warf Mr. Joseph eine Kußhand zu. Dann klopfte sie leise an die Tür seiner Schwester. Als sie hineinging und die Tür hinter sich schloß, sank er in einen Stuhl und starrte, seufzte und keuchte furchtbar. »Dieser Rock ist dem gnädigen Herrn aber sehr eng«, sagte Isidor, der die Augen nicht von den Borten wenden konnte. Aber sein Herr hörte ihn nicht, seine Gedanken waren anderswo. Bald erglühte er in wahnsinniger Raserei beim Gedanken an die bezaubernde Rebekka, bald schreckte er schuldbewußt zurück vor der Erscheinung des eifersüchtigen Rawdon Crawley mit dem gekräuselten grimmigen Schnurrbart und den furchtbaren, geladenen und gespannten Duellpistolen.   There is no knowing into what declarations of love and ardour the tumultuous passions of Mr. Joseph might have led him, if Isidor the valet had not made his reappearance at this minute, and begun to busy himself about the domestic affairs. Jos, who was just going to gasp out an avowal, choked almost with the emotion that he was obliged to restrain. Rebecca too bethought her that it was time she should go in and comfort her dearest Amelia. “Au revoir,” she said, kissing her hand to Mr. Joseph, and tapped gently at the door of his sister’s apartment. As she entered and closed the door on herself, he sank down in a chair, and gazed and sighed and puffed portentously. “That coat is very tight for Milor,” Isidor said, still having his eye on the frogs; but his master heard him not: his thoughts were elsewhere: now glowing, maddening, upon the contemplation of the enchanting Rebecca: anon shrinking guiltily before the vision of the jealous Rawdon Crawley, with his curling, fierce mustachios, and his terrible duelling pistols loaded and cocked. Beim Anblick Rebekkas fuhr Amelia erschrocken zurück. Das rief sie in die Welt zurück, und ihr kam wieder die Erinnerung an den vergangenen Abend. In der alles überschattenden Furcht vor dem Morgen hatte sie Rebekka, die Eifersucht, alles vergessen und dachte nur noch daran, daß ihr Mann fort war und in Gefahr schwebt. Wir haben dieses traurige Zimmer nicht betreten wollen, bis das unerschrockene Weltkind kam und mit dem Druck auf die Klinke den Zauber brach. Wie lange hatte die arme junge Frau auf den Knien gelegen! Welche Stunden stummen Gebets und bitterer Niedergeschlagenheit hatte sie da durchlebt! Kriegschronisten, die glänzende Geschichten vom Kampf und Triumph schreiben, berichten davon kaum. Dies sind zu unbedeutende Szenen in dem Schauspiel, und die Schreie der Witwen und das Schluchzen der Mütter gehen unter im Jubelruf des großen Siegeschores. Und doch, wann hat es diese Schreie nicht gegeben, wann haben nicht Frauen, gebrochenen Herzens, demütige Proteste ausgestoßen, die ungehört im Siegeslärm verhallten!   Rebecca’s appearance struck Amelia with terror, and made her shrink back. It recalled her to the world and the remembrance of yesterday. In the overpowering fears about to-morrow she had forgotten Rebecca — jealousy — everything except that her husband was gone and was in danger. Until this dauntless worldling came in and broke the spell, and lifted the latch, we too have forborne to enter into that sad chamber. How long had that poor girl been on her knees! what hours of speechless prayer and bitter prostration had she passed there! The war-chroniclers who write brilliant stories of fight and triumph scarcely tell us of these. These are too mean parts of the pageant: and you don’t hear widows’ cries or mothers’ sobs in the midst of the shouts and jubilation in the great Chorus of Victory. And yet when was the time that such have not cried out: heart-broken, humble protestants, unheard in the uproar of the triumph! Nach Amelias erstem Schrecken, als Rebekka ihre grünen Augen auf sie richtete und in ihrem neuen rauschenden Seidenkleid und glänzenden Schmuck mit ausgebreiteten Armen auf sie zutrippelte, um sie zu umarmen, gewann ein Zorngefühl die Oberhand. Ihr Gesicht, vorher totenblaß, überzog sich purpurrot, und im nächsten Moment erwiderte sie Rebekkas Blick mit einer Festigkeit, die ihre Rivalin überraschte und irgendwie beschämte.   After the first movement of terror in Amelia’s mind — when Rebecca’s green eyes lighted upon her, and rustling in her fresh silks and brilliant ornaments, the latter tripped up with extended arms to embrace her — a feeling of anger succeeded, and from being deadly pale before, her face flushed up red, and she returned Rebecca’s look after a moment with a steadiness which surprised and somewhat abashed her rival. »Liebste Amelia, dir geht es ganz und gar nicht gut«, sagte die Besucherin und streckte die Hand aus, um Amelias zu ergreifen. »Was ist mit dir? Ich fand keine Ruhe, bis ich wußte, wie es dir geht.«   “Dearest Amelia, you are very unwell,” the visitor said, putting forth her hand to take Amelia’s. “What is it? I could not rest until I knew how you were.” Amelia zog ihre Hand zurück – noch nie in ihrem Leben hatte die sanfte Seele sich geweigert, eine nette oder liebevolle Geste zu glauben oder zu erwidern. Aber jetzt zog sie, am ganzen Körper bebend, ihre Hand zurück. »Warum bist ausgerechnet du hierhergekommen, Rebekka?« fragte sie und sah Rebekka noch immer mit großen, ernsten Augen an. Dieser Blick brachte ihre Besucherin etwas aus der Fassung.   Amelia drew back her hand — never since her life began had that gentle soul refused to believe or to answer any demonstration of good-will or affection. But she drew back her hand, and trembled all over. “Why are you here, Rebecca?” she said, still looking at her solemnly with her large eyes. These glances troubled her visitor. Sie muß gesehen haben, wie er mir auf dem Ball den Brief zusteckte, dachte Rebekka. »Rege dich nicht auf, liebe Amelia«, sagte sie und blickte zu Boden. »Ich bin nur gekommen, um zu sehen, ob ich dir irgendwie... ob du wohlauf bist.«   “She must have seen him give me the letter at the ball,” Rebecca thought. “Don’t be agitated, dear Amelia,” she said, looking down. “I came but to see if I could — if you were well.” »Bist du es denn?« fragte Amelia. »Ich glaube schon, daß du es bist. Du liebst deinen Mann nicht. Du wärst nicht hier, wenn du ihn liebtest. Sag mir doch, Rebekka, hast du von mir je etwas anderes als Freundlichkeiten erfahren?«   “Are you well?” said Amelia. “I dare say you are. You don’t love your husband. You would not be here if you did. Tell me, Rebecca, did I ever do you anything but kindness?” »Nein, bestimmt nicht, Amelia«, erwiderte die andere, immer noch mit gesenktem Kopf.   “Indeed, Amelia, no,” the other said, still hanging down her head. »Wer war dir eine Freundin, als du noch ganz arm warst? War ich nicht wie eine Schwester zu dir? Du hast uns alle in glücklicheren Tagen gesehen, ehe er mich heiratete. Damals bedeutete ich alles für ihn, denn hätte er sonst sein Vermögen, seine Familie so edelmütig aufgegeben, um mich glücklich zu machen? Warum bist du zwischen meine Liebe und mich getreten? Wer hat dich geschickt, zu trennen, was Gott zusammengefügt hat, und mir das Herz meines Geliebten – meinen Mann zu stehlen? Glaubst du, du könntest ihn lieben wie ich? Seine Liebe bedeutet mir alles. Du hast es gewußt und wolltest sie mir stehlen. Pfui, Rebekka, du schlechtes, böses Geschöpf – falsche Freundin und falsche Ehefrau.«   “When you were quite poor, who was it that befriended you? Was I not a sister to you? You saw us all in happier days before he married me. I was all in all then to him; or would he have given up his fortune, his family, as he nobly did to make me happy? Why did you come between my love and me? Who sent you to separate those whom God joined, and take my darling’s heart from me — my own husband? Do you think you could I love him as I did? His love was everything to me. You knew it, and wanted to rob me of it. For shame, Rebecca; bad and wicked woman — false friend and false wife.” »Amelia, ich schwöre vor Gott, ich habe meinem Mann kein Unrecht getan«, sagte Rebekka und wandte sich ab.   “Amelia, I protest before God, I have done my husband no wrong,” Rebecca said, turning from her. »Hast du mir kein Unrecht getan, Rebekka? Es gelang dir nicht, aber du hast es versucht. Frage dein Herz, ob es stimmt.«   “Have you done me no wrong, Rebecca? You did not succeed, but you tried. Ask your heart if you did not.” Sie weiß nichts, dachte Rebekka.   She knows nothing, Rebecca thought. »Er ist zu mir zurückgekommen. Ich wußte, daß er das tun würde. Ich wußte, daß keine Lüge, keine Schmeichelei ihn mir lange entziehen konnte. Ich wußte, er würde zurückkommen. Gott hat mein Gebet erhört.«   “He came back to me. I knew he would. I knew that no falsehood, no flattery, could keep him from me long. I knew he would come. I prayed so that he should.” Das arme Mädchen sprach diese Worte ohne Stocken, mit einem Mut, den Rebekka bei ihr nicht kannte. Sie war völlig sprachlos. »Was habe ich dir denn getan«, fuhr Amelia in wehmütigerem Ton fort, »daß du versucht hast, ihn mir zu entreißen? Ich hatte ihn nur sechs Wochen. Die hättest du mir gönnen sollen, Rebekka. Und doch bist du vom ersten Tage unserer Ehe an gekommen, um sie zu zerstören. Bist du jetzt, wo er fort ist, gekommen, um zu sehen, wie unglücklich ich bin?« Sie fuhr fort: »Du hast mich in den letzten vierzehn Tagen elend genug gemacht. Heute wenigstens hättest du mich verschonen können.«   The poor girl spoke these words with a spirit and volubility which Rebecca had never before seen in her, and before which the latter was quite dumb. “But what have I done to you,” she continued in a more pitiful tone, “that you should try and take him from me? I had him but for six weeks. You might have spared me those, Rebecca. And yet, from the very first day of our wedding, you came and blighted it. Now he is gone, are you come to see how unhappy I am?” she continued. “You made me wretched enough for the past fortnight: you might have spared me to-day.” »Ich – ich bin nie hierhergekommen«, fiel Rebekka ein, was unglücklicherweise stimmte.   “I — I never came here,” interposed Rebecca, with unlucky truth. »Nein, du bist nicht hierhergekommen. Du hast ihn weggenommen. Bist du gekommen, um ihn von mir wegzuholen?« fuhr sie in wilderem Tone fort. »Er ist hiergewesen, aber jetzt ist er fort! Auf dem Sofa dort hat er gesessen. Berühre es nicht! Dort haben wir miteinander gesprochen. Ich saß auf seinen Knien, und meine Arme umschlangen seinen Hals, und wir beteten ein Vaterunser. Ja, er ist hiergewesen, und sie sind gekommen und haben ihn weggeholt, aber er hat mir versprochen, zurückzukommen.«   “No. You didn’t come. You took him away. Are you come to fetch him from me?” she continued in a wilder tone. “He was here, but he is gone now. There on that very sofa he sate. Don’t touch it. We sate and talked there. I was on his knee, and my arms were round his neck, and we said ‘Our Father.’ Yes, he was here: and they came and took him away, but he promised me to come back.” »Er wird zurückkommen, meine Liebe«, sagte Rebekka, wider Willen gerührt.   “He will come back, my dear,” said Rebecca, touched in spite of herself. »Sieh her«, fuhr Amelia fort, »das ist seine Schärpe – hat sie nicht eine hübsche Farbe?« Und sie nahm die Fransen und küßte sie. Sie hatte sich irgendwann am Vormittag die Schärpe um die Taille gebunden. Anscheinend hatte sie ihren Zorn, ihre Eifersucht, ja sogar die Gegenwart ihrer Rivalin vergessen; denn sie ging schweigend und mit der Andeutung eines Lächelns auf das Bett zu und begann Georges Kissen zu glätten.   “Look,” said Amelia, “this is his sash — isn’t it a pretty colour?” and she took up the fringe and kissed it. She had tied it round her waist at some part of the day. She had forgotten her anger, her jealousy, the very presence of her rival seemingly. For she walked silently and almost with a smile on her face, towards the bed, and began to smooth down George’s pillow. Rebekka ging, ebenfalls schweigend, davon. »Wie geht es Amelia?« fragte Joe, der immer noch in derselben Stellung auf dem Stuhl saß.   Rebecca walked, too, silently away. “How is Amelia?” asked Jos, who still held his position in the chair. »Es sollte jemand bei ihr sein«, sagte Rebekka. »Ich glaube, es geht ihr nicht gut.« Und Mrs. Crawley entfernte sich ernsten Gesichtes, ohne auf Mr. Sedleys dringende Bitten, sie solle dableiben und an dem frühen Essen, das er bestellt hatte, teilnehmen, einzugehen.   “There should be somebody with her,” said Rebecca. “I think she is very unwell”: and she went away with a very grave face, refusing Mr. Sedley’s entreaties that she would stay and partake of the early dinner which he had ordered. Rebekka war von Natur aus gutmütig und gefällig, und sie mochte Amelia ganz gern. Sogar deren harte Worte waren trotz aller Vorwürfe Komplimente für sie – es war das Stöhnen eines Menschen, der verwundet und besiegt war. Im Park traf Rebekka Mrs. O'Dowd, die durch die Predigten des Dekans keineswegs getröstet worden war und nun verzweifelt umherlief. Sie redete die Majorin vertraulich an, und diese war ziemlich überrascht, da sie an Höflichkeitsbezeigungen von Mrs. Rawdon Crawley nicht gewöhnt war. Nachdem sie der gutmütigen Irin gesagt hatte, daß sich die arme kleine Mrs. Osborne in einem verzweifelten Zustand befände und fast wahnsinnig vor Schmerz sei, veranlaßte sie die Majorin, geradewegs hinzugehen und zu versuchen, ob sie ihre junge Freundin nicht trösten könne.   Rebecca was of a good-natured and obliging disposition; and she liked Amelia rather than otherwise. Even her hard words, reproachful as they were, were complimentary — the groans of a person stinging under defeat. Meeting Mrs. O’Dowd, whom the Dean’s sermons had by no means comforted, and who was walking very disconsolately in the Parc, Rebecca accosted the latter, rather to the surprise of the Major’s wife, who was not accustomed to such marks of politeness from Mrs. Rawdon Crawley, and informing her that poor little Mrs. Osborne was in a desperate condition, and almost mad with grief, sent off the good-natured Irishwoman straight to see if she could console her young favourite. »Ich habe selbst Sorgen genug«, sagte Mrs. O'Dowd ernst, »und ich dachte, die arme Amelia hätte heute kein großes Verlangen nach Gesellschaft. Wenn es aber so schlimm mit ihr steht, wie Sie sagen, und Sie nicht bei ihr bleiben können, wo Sie sie doch so gern hatten, nun, so will ich sehen, ob ich nicht von Nutzen sein kann. Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen, Madame.« Damit warf die Dame mit der Repetieruhr den Kopf in den Nacken und verabschiedete sich von Mrs. Crawley, um deren Gesellschaft sie sich keineswegs bemühte.   “I’ve cares of my own enough,” Mrs. O’Dowd said, gravely, “and I thought poor Amelia would be little wanting for company this day. But if she’s so bad as you say, and you can’t attend to her, who used to be so fond of her, faith I’ll see if I can be of service. And so good marning to ye, Madam”; with which speech and a toss of her head, the lady of the repayther took a farewell of Mrs. Crawley, whose company she by no means courted. Becky verfolgte ihren Abgang mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie hatte viel Sinn für Humor, und der vernichtende Blick, den die abziehende Mrs. O'Dowd ihr über die Schulter zuwarf, stellte Mrs. Crawleys Ernst auf eine harte Probe. Ganz zu Ihren Diensten, meine feine gnädige Frau. Es freut mich, Sie so lustig zu sehen, dachte Peggy. Auf jeden Fall sind nicht Sie es, die sich vor Kummer die Augen ausweint. Und damit marschierte sie los und fand schnell ihren Weg zu Mrs. Osbornes Wohnung.   Becky watched her marching off, with a smile on her lip. She had the keenest sense of humour, and the Parthian look which the retreating Mrs. O’Dowd flung over her shoulder almost upset Mrs. Crawley’s gravity. “My service to ye, me fine Madam, and I’m glad to see ye so cheerful,” thought Peggy. “It’s not you that will cry your eyes out with grief, anyway.” And with this she passed on, and speedily found her way to Mrs. Osborne’s lodgings. Die arme Seele stand, fast wahnsinnig vor Schmerz, immer noch an dem Bett, wo Rebekka sie verlassen hatte. Die Majorin, eine weniger zartbesaitete Frau, versuchte nach besten Kräften, ihre junge Freundin zu trösten. »Sie müssen standhaft sein, liebe Amelia«, sagte sie freundlich, »denn er darf Sie nicht krank finden, wenn er Sie nach dem Siege holen läßt. Sie sind nicht die einzige Frau, deren Schicksal jetzt in Gottes Händen liegt.«   The poor soul was still at the bedside, where Rebecca had left her, and stood almost crazy with grief. The Major’s wife, a stronger-minded woman, endeavoured her best to comfort her young friend. “You must bear up, Amelia, dear,” she said kindly, “for he mustn’t find you ill when he sends for you after the victory. It’s not you are the only woman that are in the hands of God this day.” »Ich weiß das. Ich bin sehr gottlos, sehr schwach«, sagte Amelia. Sie kannte ihre eigene Schwäche gut genug. Die Anwesenheit der resoluteren Freundin hielt sie jedoch etwas zurück, und dieser Zwang und diese Gesellschaft taten ihr wohl. Bis zwei Uhr saßen sie so zusammen, und ihre Herzen waren bei der Truppe, die sich immer weiter entfernte. Schreckliche Zweifel und Ängste, Gebete, Befürchtungen und unaussprechlicher Kummer folgten dem Regiment. Das war der Tribut der Frauen an den Krieg. Der fordert seine Abgaben von Männern und Frauen gleichermaßen: von diesen das Blut, von jenen die Tränen.   “I know that. I am very wicked, very weak,” Amelia said. She knew her own weakness well enough. The presence of the more resolute friend checked it, however; and she was the better of this control and company. They went on till two o’clock; their hearts were with the column as it marched farther and farther away. Dreadful doubt and anguish — prayers and fears and griefs unspeakable — followed the regiment. It was the women’s tribute to the war. It taxes both alike, and takes the blood of the men, and the tears of the women. Um halb drei Uhr geschah täglich ein Ereignis von Wichtigkeit für Mr. Joseph: die Essenszeit nahte. Krieger mochten kämpfen und fallen – er mußte zu Mittag speisen. Er trat in Amelias Zimmer, um sie vielleicht überreden zu können, daran teilzunehmen. »Versuche es doch einmal«, sagte er, »die Suppe ist sehr gut, Bitte, versuche es, Emmy«, und er küßte ihre Hand. Außer an ihrem Hochzeitstag hatte er sich seit Jahren nicht so um sie bemüht. »Du bist sehr gut und freundlich, Joseph«, sagte sie, »alle sind es, aber wenn du nichts dagegen hast, möchte ich heute in meinem Zimmer bleiben.«   At half-past two, an event occurred of daily importance to Mr. Joseph: the dinner-hour arrived. Warriors may fight and perish, but he must dine. He came into Amelia’s room to see if he could coax her to share that meal. “Try,” said he; “the soup is very good. Do try, Emmy,” and he kissed her hand. Except when she was married, he had not done so much for years before. “You are very good and kind, Joseph,” she said. “Everybody is, but, if you please, I will stay in my room to-day.” Der Duft der Suppe war indessen Mrs. O'Dowd angenehm in die Nase gestiegen, und sie glaubte daher, sie würde Mr. Josephs Gesellschaft wohl aushalten können. So setzten sich die beiden zum Essen nieder. »Der Herr segne die Mahlzeit«, sagte die Majorin feierlich. Sie dachte an ihren ehrlichen Mick, der an der Spitze seines Regiments ritt. »Die armen Burschen bekommen heute ein schlechtes Mittagessen«, sagte sie mit einem Seufzer und ließ es sich dann als echter Lebensphilosoph schmecken.   The savour of the soup, however, was agreeable to Mrs. O’Dowd’s nostrils: and she thought she would bear Mr. Jos company. So the two sate down to their meal. “God bless the meat,” said the Major’s wife, solemnly: she was thinking of her honest Mick, riding at the head of his regiment: “’Tis but a bad dinner those poor boys will get to-day,” she said, with a sigh, and then, like a philosopher, fell to. Mit dem Essen belebte sich Josephs Geist. Er brachte die Gesundheit des Regiments aus oder benutzte auch jeden anderen Vorwand, ein Glas Champagner hinunterstürzen zu können. »Wir wollen auf das Wohl O'Dowds und des tapferen ...ten Regiments trinken«, sagte er mit galanter Verbeugung zu seinem Gast. »Ja, Mrs. O'Dowd! Füllen Sie bitte Mrs. O'Dowds Glas, Isidor.«   Jos’s spirits rose with his meal. He would drink the regiment’s health; or, indeed, take any other excuse to indulge in a glass of champagne. “We’ll drink to O’Dowd and the brave — th,” said he, bowing gallantly to his guest. “Hey, Mrs. O’Dowd? Fill Mrs. O’Dowd’s glass, Isidor.” Aber plötzlich fuhr Isidor zusammen, und die Majorin legte Messer und Gabel hin. Die Fenster standen offen. Sie gingen nach Süden, und aus dieser Richtung über die sonnenbeschienenen Dächer erscholl ein dumpfes, fernes Dröhnen. »Was ist los?« fragte Joseph. »Warum schenken Sie nicht ein, Sie Schurke?«   But all of a sudden, Isidor started, and the Major’s wife laid down her knife and fork. The windows of the room were open, and looked southward, and a dull distant sound came over the sun-lighted roofs from that direction. “What is it?” said Jos. “Why don’t you pour, you rascal?” »C'est le feu«, erwiderte Isidor und stürzte auf den Balkon.   “Cest le feu!” said Isidor, running to the balcony. »Gott schütze uns. Es sind die Kanonen!« rief Mts. O'Dowd erschrocken und eilte ebenfalls zum Fenster. Tausend blasse und ängstliche Gesichter hätte man an anderen Fenstern erblicken können, und bald schien es, als ob die gesamte Bevölkerung der Stadt auf die Straße stürzte.   “God defend us; it’s cannon!” Mrs. O’Dowd cried, starting up, and followed too to the window. A thousand pale and anxious faces might have been seen looking from other casements. And presently it seemed as if the whole population of the city rushed into the streets. 32. Kapitel / Chapter 32 In dem Joseph die Flucht ergreift und der Krieg zu Ende geht / In Which Jos Takes Flight, and the War Is Brought to a Close Wir friedlichen Bewohner Londons haben nie solch eine Szene von Hast und Verwirrung erblickt wie die, die sich in Brüssel abspielte, und werden es, will's Gott, auch nie erleben. Die Menge eilte zum Namure-Tor, denn aus dieser Richtung kam der Schall, und viele fuhren auf die ebene Chaussee hinaus, um noch schneller Nachrichten von der Armee zu bekommen. Jeder fragte seinen Nachbarn nach Neuigkeiten, und selbst vornehme englische Lords und Ladys ließen sich herab, mit Leuten zu sprechen, die sie gar nicht kannten. Die Franzosenfreunde liefen in wilder Aufregung umher und prophezeiten den Triumph ihres Kaisers. Die Kaufleute schlossen ihre Läden und traten auf die Straße, um den allgemeinen Chor von Aufregung und Lärm zu verstärken. Frauen stürzten zu den Kirchen, füllten die Kapellen und knieten betend auf Fußböden und Stufen. Das dumpfe Donnern der Kanonen dröhnte und dröhnte; bald begannen Wagen mit Reisenden die Stadt durch den Genter Schlagbaum zu verlassen. Die Prophezeiungen der Parteigänger Frankreichs nahm man als Tatsachen auf. »Er hat einen Keil in die Armee getrieben«, hieß es. »Er marschiert geradewegs auf Brüssel los. Er wird die Engländer überwältigen und heute abend hiersein.« – »Er wird die Engländer überwältigen«, schrie Isidor seinem Herrn zu, »und heute abend hiersein.« Der Kammerdiener sprang zwischen Haus und Straße hin und her und brachte jedesmal neue Einzelheiten des Unheils mit. Josephs Gesicht wurde bleicher und bleicher. Der Schrecken begann von dem dicken Zivilisten Besitz zu ergreifen. All der Champagner, den er trank, war nicht imstande, ihm Mut einzuflößen. Ehe die Sonne unterging, hatte er sich in eine schreckliche Angst hineingesteigert, und sein Freund Isidor beobachtete ihn entzückt, da er jetzt sicher auf Beute aus den Besitztümern des Herrn mit dem bordierten Rock rechnete.   We of peaceful London City have never beheld — and please God never shall witness — such a scene of hurry and alarm, as that which Brussels presented. Crowds rushed to the Namur gate, from which direction the noise proceeded, and many rode along the level chaussee, to be in advance of any intelligence from the army. Each man asked his neighbour for news; and even great English lords and ladies condescended to speak to persons whom they did not know. The friends of the French went abroad, wild with excitement, and prophesying the triumph of their Emperor. The merchants closed their shops, and came out to swell the general chorus of alarm and clamour. Women rushed to the churches, and crowded the chapels, and knelt and prayed on the flags and steps. The dull sound of the cannon went on rolling, rolling. Presently carriages with travellers began to leave the town, galloping away by the Ghent barrier. The prophecies of the French partisans began to pass for facts. “He has cut the armies in two,” it was said. “He is marching straight on Brussels. He will overpower the English, and be here to-night.” “He will overpower the English,” shrieked Isidor to his master, “and will be here to-night.” The man bounded in and out from the lodgings to the street, always returning with some fresh particulars of disaster. Jos’s face grew paler and paler. Alarm began to take entire possession of the stout civilian. All the champagne he drank brought no courage to him. Before sunset he was worked up to such a pitch of nervousness as gratified his friend Isidor to behold, who now counted surely upon the spoils of the owner of the laced coat. Die Frauen waren die ganze Zeit über unsichtbar gewesen. Nachdem die wackere Majorin einen Augenblick dem Schießen gelauscht hatte, dachte sie an ihre Freundin nebenan, und sie eilte hinüber, um auf Amelia aufzupassen und sie, wenn möglich, zu trösten. Der Gedanke, daß sie das hilflose, sanfte Geschöpf beschützen mußte, erhöhte noch die Kraft der von Natur aus mutigen Irin. Sie blieb fünf Stunden lang an der Seite ihrer Freundin, ermahnte sie hin und wieder, plauderte zuweilen munter, aber den größten Teil der Zeit über schwiegen sie und beteten stumm. »Ich habe ihre Hand erst losgelassen«, erzählte die wackere Dame später, »als nach Sonnenuntergang das Schießen vorüber war.« Pauline, die Zofe, lag in einer nahen Kirche auf den Knien und betete für son homme à elle.   The women were away all this time. After hearing the firing for a moment, the stout Major’s wife bethought her of her friend in the next chamber, and ran in to watch, and if possible to console, Amelia. The idea that she had that helpless and gentle creature to protect, gave additional strength to the natural courage of the honest Irishwoman. She passed five hours by her friend’s side, sometimes in remonstrance, sometimes talking cheerfully, oftener in silence and terrified mental supplication. “I never let go her hand once,” said the stout lady afterwards, “until after sunset, when the firing was over.” Pauline, the bonne, was on her knees at church hard by, praying for son homme a elle. Als das Geräusch der Kanonen verstummt war, ging Mrs. O'Dowd aus Amelias Raum nach nebenan ins Wohnzimmer, wo Joseph völlig mutlos bei zwei leeren Flaschen saß. Ein paarmal war er in Amelias Zimmer aufgetaucht, in großer Unruhe, als wollte er etwas sagen. Aber die Majorin war nicht von ihrem Platz gewichen, und er ging wieder hinaus, ohne sein Herz erleichtert zu haben. Er schämte sich, ihr zu erklären, daß er fliehen wolle.   When the noise of the cannonading was over, Mrs. O’Dowd issued out of Amelia’s room into the parlour adjoining, where Jos sate with two emptied flasks, and courage entirely gone. Once or twice he had ventured into his sister’s bedroom, looking very much alarmed, and as if he would say something. But the Major’s wife kept her place, and he went away without disburthening himself of his speech. He was ashamed to tell her that he wanted to fly. Als sie aber in der Dämmerung im Speisezimmer erschien, wo er in der trostlosen Gesellschaft seiner leeren Champagnerflaschen saß, begann er ihr sein Herz auszuschütten.   But when she made her appearance in the dining-room, where he sate in the twilight in the cheerless company of his empty champagne bottles, he began to open his mind to her. »Mrs. O'Dowd«, sagte er, »wäre es nicht besser, Sie forderten Amelia auf, sich fertigzumachen?«   “Mrs. O’Dowd,” he said, “hadn’t you better get Amelia ready?” »Wollen Sie mit ihr Spazierengehen?« entgegnete die Majorin. »Dafür ist sie wahrscheinlich zu schwach.«   “Are you going to take her out for a walk?” said the Major’s lady; “sure she’s too weak to stir.” »Ich – ich habe den Wagen bestellt«, sagte er, »und – und Postpferde; Isidor holt sie«, fuhr er fort.   “I — I’ve ordered the carriage,” he said, “and — and post-horses; Isidor is gone for them,” Jos continued. »Wozu wollen Sie denn heute abend noch ausfahren?« fragte die Dame. »Meinen Sie nicht, daß Amelia sich im Bett wohler fühlt? Ich habe sie eben dazu gebracht, sich hinzulegen.«   “What do you want with driving to-night?” answered the lady. “Isn’t she better on her bed? I’ve just got her to lie down.” »Sagen Sie ihr, sie soll aufstehen«, forderte Joseph, »sie muß aufstehen«, und er stampfte energisch mit dem Fuß. »Ich sagte bereits, die Pferde sind schon bestellt, ja, die Pferde sind bestellt. Es ist alles aus, und...«   “Get her up,” said Jos; “she must get up, I say”: and he stamped his foot energetically. “I say the horses are ordered — yes, the horses are ordered. It’s all over, and — ” »Und was?« fragte Mrs. O'Dowd.   “And what?” asked Mrs. O’Dowd. »Ich gehe nach Gent«, antwortete Joseph, »alle machen, daß sie fortkommen. Ich habe auch einen Platz für Sie; in einer halben Stunde fahren wir los.«   “I’m off for Ghent,” Jos answered. “Everybody is going; there’s a place for you! We shall start in half-an-hour.” Die Majorin sah ihn mit unendlicher Verachtung an. »Ich rühre mich erst, wenn mir O'Dowd den Marschbefehl gibt«, sagte sie. »Sie können ja gehen, wenn Sie wollen, Mr. Sedley, aber bei meiner Ehre, Amelia und ich bleiben hier.«   The Major’s wife looked at him with infinite scorn. “I don’t move till O’Dowd gives me the route,” said she. “You may go if you like, Mr. Sedley; but, faith, Amelia and I stop here.” »Sie muß weg«, sagte Joseph und stampfte wieder mit dem Fuß. Mrs. O'Dowd stemmte die Arme in die Hüfte und stellte sich vor die Schlafzimmertür.   “She shall go,” said Jos, with another stamp of his foot. Mrs. O’Dowd put herself with arms akimbo before the bedroom door. »Ist es, weil Sie sie zu ihrer Mutter bringen wollen?« fragte sie. »Oder wollen Sie selbst zur Mama, Mr. Sedley? Guten Morgen, angenehme Reise, mein Herr; bon voyage, wie man hier sagt, und folgen Sie meinem Rat und rasieren Sie sich den Schnurrbart da ab, der könnte Sie noch ins Unglück stürzen.«   “Is it her mother you’re going to take her to?” she said; “or do you want to go to Mamma yourself, Mr. Sedley? Good marning — a pleasant journey to ye, sir. Bon voyage, as they say, and take my counsel, and shave off them mustachios, or they’ll bring you into mischief.” »Verdammt!« brüllte Joseph, halb wahnsinnig vor Furcht, Wut und Demütigung, und in diesem Augenblick kam Isidor herein, und nun war er mit Fluchen an der Reihe. »Pas de chevaux, sacrebleu!« zischte der wütende Diener. Alle Pferde waren weg. Joseph war an jenem Tag in Brüssel nicht der einzige, der von Panik ergriffen war.   “D — n!” yelled out Jos; wild with fear, rage, and mortification; and Isidor came in at this juncture, swearing in his turn. “Pas de chevaux, sacre bleu!” hissed out the furious domestic. All the horses were gone. Jos was not the only man in Brussels seized with panic that day. Aber noch vor Ende der Nacht sollte Josephs ohnehin schon große und grausame Angst sich fast zur Raserei steigern. Wir haben erwähnt, daß Pauline, die Zofe, ihren homme à elle ebenfalls in den Reihen der Armee hatte, die ausgezogen war, um Kaiser Napoleon entgegenzutreten. Dieser Geliebte war Brüsseler und belgischer Husar. Die Truppen seiner Nation zeichneten sich in diesem Kriege durch alles andere als Mut aus, und der junge Van Cutsum, Paulines Liebhaber, war ein zu guter Soldat, um dem Befehl seines Obersten, davonzulaufen, nicht zu gehorchen. Solange der junge Regulus (er war in der Revolutionszeit geboren) in Brüssel in Garnison lag, hatte er in Paulines Küche Trost gefunden und dort fast alle seine Freizeit zugebracht. Als er vor wenigen Tagen ins Feld rücken mußte und von seiner weinenden Geliebten Abschied nahm, hatte sie ihm Taschen und Halfter mit allerlei guten Sachen aus ihrer Speisekammer vollgepackt.   But Jos’s fears, great and cruel as they were already, were destined to increase to an almost frantic pitch before the night was over. It has been mentioned how Pauline, the bonne, had son homme a elle also in the ranks of the army that had gone out to meet the Emperor Napoleon. This lover was a native of Brussels, and a Belgian hussar. The troops of his nation signalised themselves in this war for anything but courage, and young Van Cutsum, Pauline’s admirer, was too good a soldier to disobey his Colonel’s orders to run away. Whilst in garrison at Brussels young Regulus (he had been born in the revolutionary times) found his great comfort, and passed almost all his leisure moments, in Pauline’s kitchen; and it was with pockets and holsters crammed full of good things from her larder, that he had take leave of his weeping sweetheart, to proceed upon the campaign a few days before. Soweit es sein Regiment betraf, war der Feldzug nun vorüber. Es gehörte zu der Division, die der rechtmäßige Herrscher, der Prinz von Oranien, kommandierte. Nach der Länge der Säbel und Schnurrbarte und der Pracht der Uniformen und Ausrüstung zu urteilen, waren Regulus und seine Kameraden eine so tapfere Truppe, wie nur je eine von der Trompete zum Angriff gerufen wurde.   As far as his regiment was concerned, this campaign was over now. They had formed a part of the division under the command of his Sovereign apparent, the Prince of Orange, and as respected length of swords and mustachios, and the richness of uniform and equipments, Regulus and his comrades looked to be as gallant a body of men as ever trumpet sounded for. Als Ney sich auf die Vorhut der alliierten Truppen stürzte und diesen eine Stellung nach der anderen entriß, bis die Ankunft des Hauptkörpers der britischen Armee aus Brüssel die Aussichten des Kampfes bei Quatre-Bras änderte, hatten die Schwadronen, zu denen Regulus gehörte, die größte Tapferkeit im Rückzug vor den Franzosen bewiesen und sich bereitwillig von einer Stellung zur anderen zurücktreiben lassen. Ihre Bewegungen waren erst von dem Anmarsch der Engländer hinter ihnen aufgehalten worden. Da sie nun auf diese Weise zum Stillstand gezwungen waren, hatte endlich die feindliche Kavallerie (deren blutdürstige Hartnäckigkeit nicht scharf genug getadelt werden kann) Gelegenheit, mit den braven Belgiern vor ihnen zusammenzutreffen. Die zogen jedoch ein Treffen mit den Engländern einem mit den Franzosen vor, machten kehrt, ritten durch die hinter ihnen kommenden englischen Regimenter und zerstreuten sich in alle Richtungen. Das Regiment hatte zu existieren aufgehört. Es war nirgends. Es hatte kein Hauptquartier. Regulus fand sich plötzlich vollkommen allein, meilenweit vom Schlachtfeld entfernt, und wo konnte er anders Zuflucht suchen, als in der Küche und den treuen Armen, wo ihn Pauline so oft willkommen geheißen hatte!   When Ney dashed upon the advance of the allied troops, carrying one position after the other, until the arrival of the great body of the British army from Brussels changed the aspect of the combat of Quatre Bras, the squadrons among which Regulus rode showed the greatest activity in retreating before the French, and were dislodged from one post and another which they occupied with perfect alacrity on their part. Their movements were only checked by the advance of the British in their rear. Thus forced to halt, the enemy’s cavalry (whose bloodthirsty obstinacy cannot be too severely reprehended) had at length an opportunity of coming to close quarters with the brave Belgians before them; who preferred to encounter the British rather than the French, and at once turning tail rode through the English regiments that were behind them, and scattered in all directions. The regiment in fact did not exist any more. It was nowhere. It had no head-quarters. Regulus found himself galloping many miles from the field of action, entirely alone; and whither should he fly for refuge so naturally as to that kitchen and those faithful arms in which Pauline had so often welcomed him? Gegen zehn Uhr konnte man das Klappern eines Säbels auf der Treppe des Hauses, in dem die Osbornes nach kontinentaler Sitte ein Stockwerk bewohnten, hören. Man konnte ein Klopfen an der Küchentür vernehmen, und die arme Pauline, die gerade erst aus der Kirche zurückgekehrt war, fiel vor Schreck fast in Ohnmacht, als sie beim Öffnen ihren erschöpften Husaren erblickte. Er sah so totenbleich aus, wie jener mitternächtliche Reiter, der Lenore aufstörte. Pauline hätte geschrien, wenn sie damit nicht ihre Herrschaft herbeigerufen und ihren Geliebten verraten hätte. Sie erstickte daher ihren Aufschrei, führte ihren Helden in die Küche und gab ihm Bier und die erlesenen Bissen vom Mittagessen, die Joseph aus Angst nicht hatte anrühren können. Der Husar bewies durch die ungeheuren Mengen von Fleisch und Bier, die er verschlang, daß er kein Geist war. Zwischendurch erzählte er seine Unglücksgeschichte.   At some ten o’clock the clinking of a sabre might have been heard up the stair of the house where the Osbornes occupied a story in the continental fashion. A knock might have been heard at the kitchen door; and poor Pauline, come back from church, fainted almost with terror as she opened it and saw before her her haggard hussar. He looked as pale as the midnight dragoon who came to disturb Leonora. Pauline would have screamed, but that her cry would have called her masters, and discovered her friend. She stifled her scream, then, and leading her hero into the kitchen, gave him beer, and the choice bits from the dinner, which Jos had not had the heart to taste. The hussar showed he was no ghost by the prodigious quantity of flesh and beer which he devoured — and during the mouthfuls he told his tale of disaster. Sein Regiment hatte Wunder an Tapferkeit vollbracht und eine Zeitlang dem Angriff des gesamten französischen Heeres standgehalten. Es war aber endlich überwältigt worden, wie inzwischen die ganze britische Armee. Ney hatte jedes Regiment, wie es ankam, vernichtet. Umsonst hatten sich die Belgier bemüht, die Engländer vor dem Abschlachten zu bewahren. Die Braunschweiger waren besiegt und geflohen, ihr Herzog getötet. Es war ein allgemeines débâcle; er versuchte, seinen Kummer über die Niederlage in Strömen von Bier zu ertränken.   His regiment had performed prodigies of courage, and had withstood for a while the onset of the whole French army. But they were overwhelmed at last, as was the whole British army by this time. Ney destroyed each regiment as it came up. The Belgians in vain interposed to prevent the butchery of the English. The Brunswickers were routed and had fled — their Duke was killed. It was a general debacle. He sought to drown his sorrow for the defeat in floods of beer. Isidor, der in die Küche gekommen war, hörte das Gespräch und eilte hinaus, um es seinem Herrn mitzuteilen. »Es ist alles aus!« schrie er Joseph zu, Mylord der Herzog ist gefangen, der Herzog von Braunschweig getötet, die britische Armee in wilder Flucht, nur ein Mann ist davongekommen, und der sitzt jetzt in der Küche – kommen Sie und hören Sie ihn an.« Joseph schwankte also in die Küche, wo Regulus auf dem Tisch saß und seine Bierflasche festhielt. In seinem besten Französisch, das aber leider doch ziemlich ungrammatisch war, beschwor Joseph den Husaren, seine Geschichte zu erzählen. Je mehr Regulus berichtete, desto schlimmer wurde das Unglück. Er war der einzige Mann aus seinem Regiment, der nicht auf dem Schlachtfeld erschlagen worden war. Er hatte gesehen, wie der Herzog von Braunschweig fiel, die schwarzen Husaren flohen und die Schotten von den Kanonen niedergemäht wurden. »Und das ...te Regiment?« keuchte Joseph.   Isidor, who had come into the kitchen, heard the conversation and rushed out to inform his master. “It is all over,” he shrieked to Jos. “Milor Duke is a prisoner; the Duke of Brunswick is killed; the British army is in full flight; there is only one man escaped, and he is in the kitchen now — come and hear him.” So Jos tottered into that apartment where Regulus still sate on the kitchen table, and clung fast to his flagon of beer. In the best French which he could muster, and which was in sooth of a very ungrammatical sort, Jos besought the hussar to tell his tale. The disasters deepened as Regulus spoke. He was the only man of his regiment not slain on the field. He had seen the Duke of Brunswick fall, the black hussars fly, the Ecossais pounded down by the cannon. “And the — th?” gasped Jos. »In Stücke gehauen«, antwortete der Husar – worauf Pauline rief: »Oh, meine Herrin, ma bonne petite dame!« und das Haus mit ihrem hysterischen Geschrei erfüllte.   “Cut in pieces,” said the hussar — upon which Pauline cried out, “O my mistress, ma bonne petite dame,” went off fairly into hysterics, and filled the house with her screams. Mr. Sedley wußte in wildem Entsetzen nicht, wie oder wo er Sicherheit finden konnte. Er stürzte von der Küche ins Wohnzimmer und warf einen flehenden Blick auf Amelias Tür, die Mrs. O'Dowd ihm vor der Nase zugemacht und verschlossen hatte. Er verweilte einen Augenblick lauschend an der Tür, da ihm aber einfiel, wie verächtlich ihn die Majorin behandelt hatte, trat er zurück und beschloß, zum erstenmal an jenem Tag auf die Straße zu gehen. Er ergriff eine Kerze und sah sich nach seiner goldbebänderten Mütze um. Er fand sie auf ihrem gewöhnlichen Platz auf einer Spiegelkonsole im Vorzimmer liegen. Dort pflegte Joseph sonst sich zu drehen und zu wenden, seine Schläfenlocken zurechtzulegen und seine Mütze schief aufzusetzen, ehe er sich in der Öffentlichkeit zeigte. So stark ist die Macht der Gewohnheit, daß er sogar jetzt in seiner entsetzlichen Angst mechanisch an seinem Haar zupfte und seine Mütze schief aufsetzte; dann blickte er bestürzt auf das blasse Gesicht im Spiegel und besonders auf seinen Schnurrbart, der in den sieben Wochen, die er auf der Welt war, ein stattliches Wachstum entwickelt hatte. Sie werden mich ganz bestimmt für einen Militär halten, überlegte er und dachte an Isidors Warnung bezüglich des Gemetzels, das die besiegte britische Armee erwartete. Er schwankte in sein Schlafzimmer zurück und fing an, wie toll an der Klingel zu reißen, um seinen Diener zu rufen.   Wild with terror, Mr. Sedley knew not how or where to seek for safety. He rushed from the kitchen back to the sitting-room, and cast an appealing look at Amelia’s door, which Mrs. O’Dowd had closed and locked in his face; but he remembered how scornfully the latter had received him, and after pausing and listening for a brief space at the door, he left it, and resolved to go into the street, for the first time that day. So, seizing a candle, he looked about for his gold-laced cap, and found it lying in its usual place, on a console-table, in the anteroom, placed before a mirror at which Jos used to coquet, always giving his side-locks a twirl, and his cap the proper cock over his eye, before he went forth to make appearance in public. Such is the force of habit, that even in the midst of his terror he began mechanically to twiddle with his hair, and arrange the cock of his hat. Then he looked amazed at the pale face in the glass before him, and especially at his mustachios, which had attained a rich growth in the course of near seven weeks, since they had come into the world. They will mistake me for a military man, thought he, remembering Isidor’s warning as to the massacre with which all the defeated British army was threatened; and staggering back to his bedchamber, he began wildly pulling the bell which summoned his valet. Isidor erschien. Joseph war in einen Stuhl gesunken, hatte sein Halstuch abgerissen, den Kragen heruntergeklappt und saß da, mit beiden Händen an der Kehle. »Coupez-moi, Isidor«, schrie er, »vite! Coupez-moi!« Isidor glaubte einen Augenblick, er sei wahnsinnig geworden und fordere ihn auf, ihm den Hals abzuschneiden.   Isidor answered that summons. Jos had sunk in a chair — he had torn off his neckcloths, and turned down his collars, and was sitting with both his hands lifted to his throat. “Coupez-moi, Isidor,” shouted he; “vite! Coupez-moi!” Isidor thought for a moment he had gone mad, and that he wished his valet to cut his throat. »Les moustaches«, ächzte Joseph, »les moustaches, couper, raser, vite!« So war sein Französisch: fließend, wie wir gesagt haben, aber grammatisch nicht besonders korrekt.   “Les moustaches,” gasped Joe; “les moustaches — coupy, rasy, vite!" — his French was of this sort — voluble, as we have said, but not remarkable for grammar. Isidor fegte den Schnurrbart im Nu mit dem Rasiermesser hinweg und vernahm mit unaussprechlichem Entzücken den Befehl seines Herrn, einen Hut und einen Zivilrock zu bringen. »Ne porter plus – habit militaire – bonnet – donner à vous, prenez dehors«, waren Josephs Worte; Rock und Mütze waren endlich sein Eigentum.   Isidor swept off the mustachios in no time with the razor, and heard with inexpressible delight his master’s orders that he should fetch a hat and a plain coat. “Ne porty ploo — habit militair — bonn — bonny a voo, prenny dehors" — were Jos’s words — the coat and cap were at last his property. Nachdem Joseph dies Geschenk gemacht hatte, suchte er aus seinem Vorrat einen einfachen schwarzen Rock mit Weste, ein großes weißes Halstuch und einen einfachen Filzhut heraus. Wenn er einen breitkrempigen Hut hätte auftreiben können, er hätte sogar diesen getragen. Aber auch so schon hätte man ihn für einen stattlichen Geistlichen der englischen Kirche halten können.   This gift being made, Jos selected a plain black coat and waistcoat from his stock, and put on a large white neckcloth, and a plain beaver. If he could have got a shovel hat he would have worn it. As it was, you would have fancied he was a flourishing, large parson of the Church of England. »Venez maintenant«, fuhr er fort, »suivez – allez – partez – dans la rue.« Hiermit stürzte er schnell die Treppe hinab und eilte auf die Straße.   “Venny maintenong,” he continued, “sweevy — ally — party — dong la roo.” And so having said, he plunged swiftly down the stairs of the house, and passed into the street. Obwohl Regulus behauptet hatte, er sei fast der einzige Mann seines Regimentes oder gar des alliierten Heeres, den Ney nicht in Stücke gehauen hatte, so erwies sich seine Angabe doch als ungenau, und es stellte sich heraus, daß eine ganze Anzahl von den angeblichen Schlachtopfern das Gemetzel überlebt hatte. Viele Dutzende von Regulus' Kameraden hatten nach Brüssel zurückgefunden und durch ihr einmütiges Geständnis, sie seien davongelaufen, die ganze Stadt zum Glauben an die Niederlage der Alliierten gebracht. Man erwartete stündlich die Ankunft der Franzosen; die Panik wurde immer größer, und überall traf man Vorbereitungen zur Flucht. Keine Pferde! dachte Joseph entsetzt. Er schickte Isidor zu unzähligen Leuten, um zu erfahren, ob sie welche zu verleihen oder zu verkaufen hätten, und sein Herz sank immer tiefer, je mehr verneinende Antworten er erhielt. Sollte er die Reise zu Fuß machen? Nicht einmal die Angst vermochte es, diesen schwerfälligen Körper in Bewegung zu setzen.   Although Regulus had vowed that he was the only man of his regiment or of the allied army, almost, who had escaped being cut to pieces by Ney, it appeared that his statement was incorrect, and that a good number more of the supposed victims had survived the massacre. Many scores of Regulus’s comrades had found their way back to Brussels, and all agreeing that they had run away — filled the whole town with an idea of the defeat of the allies. The arrival of the French was expected hourly; the panic continued, and preparations for flight went on everywhere. No horses! thought Jos, in terror. He made Isidor inquire of scores of persons, whether they had any to lend or sell, and his heart sank within him, at the negative answers returned everywhere. Should he take the journey on foot? Even fear could not render that ponderous body so active. Fast alle von Engländern in Brüssel bewohnten Hotels lagen gegenüber dem Park, und Joseph wanderte zusammen mit vielen anderen, die ebenso von Furcht und Neugier befallen waren, in dieser Gegend umher. Er sah, daß einige Familien glücklicher gewesen waren als er, Pferde aufgetrieben hatten und nun in wilder Flucht durch die Straßen davonrasselten; andere dagegen befanden sich in gleicher Verlegenheit wie er und konnten weder durch Geld noch gute Worte die notwendigen Fluchtmittel auftreiben. Unter diesen, die gern fliehen wollten, bemerkte Joseph Lady Bareacres und ihre Tochter im porte cochère ihres Hotels in ihrem Wagen. Alle Koffer waren gepackt, und der einzige Hinderungsgrund für ihre Flucht war wie bei Joseph das Fehlen der bewegenden Kraft.   Almost all the hotels occupied by the English in Brussels face the Parc, and Jos wandered irresolutely about in this quarter, with crowds of other people, oppressed as he was by fear and curiosity. Some families he saw more happy than himself, having discovered a team of horses, and rattling through the streets in retreat; others again there were whose case was like his own, and who could not for any bribes or entreaties procure the necessary means of flight. Amongst these would-be fugitives, Jos remarked the Lady Bareacres and her daughter, who sate in their carriage in the porte-cochere of their hotel, all their imperials packed, and the only drawback to whose flight was the same want of motive power which kept Jos stationary. In diesem Hotel wohnte auch Rebekka Crawley. In der jüngsten Vergangenheit hatte sie mehrmals feindliche Begegnungen mit den Damen der Familie Bareacres gehabt. Lady Bareacres grüßte Mrs. Crawley nicht, wenn sie sich zufällig auf der Treppe trafen, und sie erzählte überall, wo der Name ihrer Nachbarin erwähnt wurde, beharrlich nur Schlechtes von ihr. Die Gräfin war entsetzt über die Vertraulichkeit zwischen General Tufto und der Frau seines Adjutanten. Lady Blanche mied sie wie eine ansteckende Krankheit. Nur Lord Bareacres selbst pflegte heimlich Umgang mit ihr, wenn er sich nicht unter der Aufsicht seiner Damen befand.   Rebecca Crawley occupied apartments in this hotel; and had before this period had sundry hostile meetings with the ladies of the Bareacres family. My Lady Bareacres cut Mrs. Crawley on the stairs when they met by chance; and in all places where the latter’s name was mentioned, spoke perseveringly ill of her neighbour. The Countess was shocked at the familiarity of General Tufto with the aide-de-camp’s wife. The Lady Blanche avoided her as if she had been an infectious disease. Only the Earl himself kept up a sly occasional acquaintance with her, when out of the jurisdiction of his ladies. Rebekka konnte sich jetzt an ihren unverschämten Feindinnen rächen. Es wurde im Hotel bekannt, daß Hauptmann Crawley seine Pferde zurückgelassen hatte. Als daher die Panik begann, ließ sich Lady Bareacres herab, ihr Kammermädchen mit Empfehlungen zu Mrs. Crawley zu schicken und sie nach dem Preis ihrer Pferde zu fragen. Mrs. Crawley schickte ein Billett zurück, worin sie sich empfahl und zu verstehen gab, daß sie nicht gewohnt sei, mit Kammerjungfern Geschäfte abzuschließen.   Rebecca had her revenge now upon these insolent enemies. If became known in the hotel that Captain Crawley’s horses had been left behind, and when the panic began, Lady Bareacres condescended to send her maid to the Captain’s wife with her Ladyship’s compliments, and a desire to know the price of Mrs. Crawley’s horses. Mrs. Crawley returned a note with her compliments, and an intimation that it was not her custom to transact bargains with ladies’ maids. Diese kurze Antwort brachte den Grafen höchstpersönlich in Rebekkas Zimmer; er hatte jedoch nicht mehr Erfolg als die erste Abgesandte. »Mir eine Kammerjungfer zu schicken!« rief Mrs. Crawley sehr erzürnt, »warum verlangte Lady Bareacres nicht auch, daß ich ihr die Pferde satteln sollte? Ist sie es, die fliehen will, oder ihre Kammerjungfer?« Das war die ganze Antwort, die der Graf seiner Gemahlin brachte.   This curt reply brought the Earl in person to Becky’s apartment; but he could get no more success than the first ambassador. “Send a lady’s maid to me !” Mrs. Crawley cried in great anger; “why didn’t my Lady Bareacres tell me to go and saddle the horses! Is it her Ladyship that wants to escape, or her Ladyship’s femme de chambre?” And this was all the answer that the Earl bore back to his Countess. Was lehrt die Not aber nicht alles! Nach dem Mißerfolg ihres zweiten Abgesandten machte die Gräfin tatsächlich selbst ihre Aufwartung bei Mrs. Crawley. Sie bat sie, irgendeinen Preis zu nennen, und erbot sich sogar, Becky nach Haus Bareacres einzuladen, wenn die junge Frau ihr nur ermöglichte, dorthin zurückzukehren. Mrs. Crawleys Antwort war ganz Hohn.   What will not necessity do? The Countess herself actually came to wait upon Mrs. Crawley on the failure of her second envoy. She entreated her to name her own price; she even offered to invite Becky to Bareacres House, if the latter would but give her the means of returning to that residence. Mrs. Crawley sneered at her. »Ich will mir nicht von Gerichtsdienern in Livree aufwarten lassen, obgleich Sie höchstwahrscheinlich nicht zurückgelangen werden, wenigstens nicht Sie zusammen mit Ihren Diamanten. Die werden die Franzosen schon bekommen. In zwei Stunden sind sie hier, und ich habe dann schon die halbe Strecke nach Gent hinter mir. Ich werde Ihnen meine Pferde um keinen Preis verkaufen, nein, nicht einmal für die zwei größten Diamanten, die Euer Gnaden auf dem Ball getragen haben.« Lady Bareacres zitterte vor Wut und Schrecken. Die Diamanten waren in ihr Kleid eingenäht und in der Wattierung und den Stiefeln des gnädigen Herrn versteckt. »Weib, die Diamanten sind in der Bank, und ich will und will die Pferde haben«, rief sie. Rebekka lachte ihr ins Gesicht. Die wütende Gräfin ging hinunter und setzte sich in die Kutsche. Das Kammermädchen, den Diener und ihren Gatten schickte sie noch einmal in die Stadt nach Pferden, und wehe dem, der zuletzt zurückkam! Die Lady war entschlossen, sofort abzureisen, wenn die Pferde von irgendwoher ankommen würden, mit ihrem Mann oder ohne ihn.   “I don’t want to be waited on by bailiffs in livery,” she said; “you will never get back though most probably — at least not you and your diamonds together. The French will have those They will be here in two hours, and I shall be half way to Ghent by that time. I would not sell you my horses, no, not for the two largest diamonds that your Ladyship wore at the ball.” Lady Bareacres trembled with rage and terror. The diamonds were sewed into her habit, and secreted in my Lord’s padding and boots. “Woman, the diamonds are at the banker’s, and I will have the horses,” she said. Rebecca laughed in her face. The infuriate Countess went below, and sate in her carriage; her maid, her courier, and her husband were sent once more through the town, each to look for cattle; and woe betide those who came last! Her Ladyship was resolved on departing the very instant the horses arrived from any quarter — with her husband or without him. Rebekka hatte das Vergnügen, Lady Bareacres in dem unbespannten Wagen sitzen zu sehen. Sie behielt sie ständig im Auge und bejammerte so laut sie konnte die Verlegenheit der Gräfin. »Keine Pferde zu bekommen!« rief sie, »und alle Diamanten in den Wagenkissen eingenäht! Was für eine Beute für die Franzosen, wenn sie kommen! Ich meine die Kutsche und die Diamanten, nicht die Dame!« Sie erzählte das dem Wirt, den Dienern, den Gästen und den zahllosen Müßiggängern im Hof. Lady Bareacres hätte sie am liebsten vom Wagenfenster aus abgeschossen.   Rebecca had the pleasure of seeing her Ladyship in the horseless carriage, and keeping her eyes fixed upon her, and bewailing, in the loudest tone of voice, the Countess’s perplexities. “Not to be able to get horses!” she said, “and to have all those diamonds sewed into the carriage cushions! What a prize it will be for the French when they come! — the carriage and the diamonds, I mean; not the lady!” She gave this information to the landlord, to the servants, to the guests, and the innumerable stragglers about the courtyard. Lady Bareacres could have shot her from the carriage window. Während sie sich noch an der Demütigung ihrer Feindin labte, erblickte Rebekka Joseph, der geradewegs auf sie zueilte.   It was while enjoying the humiliation of her enemy that Rebecca caught sight of Jos, who made towards her directly he perceived her. Sein verändertes, schreckensbleiches, dickes Gesicht verriet sein Geheimnis deutlich. Auch er wollte fliehen und sah sich nach den Fluchtmitteln um. Der soll meine Pferde kaufen, dachte Rebekka, und ich werde die Stute reiten.   That altered, frightened, fat face, told his secret well enough. He too wanted to fly, and was on the look-out for the means of escape. “ He shall buy my horses,” thought Rebecca, “and I’ll ride the mare.” Joseph trat zu seiner Freundin und stellte die in der letzten Stunde wohl hundertmal wiederholte Frage, ob sie wisse, wo man Pferde bekommen könne.   Jos walked up to his friend, and put the question for the hundredth time during the past hour, “Did she know where horses were to be had?” »Was, Sie fliehen?« lachte Rebekka. »Ich dachte, Sie seien der Beschützer aller Damen, Mr. Sedley.«   “What, you fly?” said Rebecca, with a laugh. “I thought you were the champion of all the ladies, Mr. Sedley.” »Ich – ich bin kein Soldat«, keuchte er.   “I — I’m not a military man,” gasped he. »Und Amelia? Wer soll Ihr armes Schwesterchen beschützen?« fragte Rebekka. »Sie wollen sie doch nicht etwa verlassen?«   “And Amelia? — Who is to protect that poor little sister of yours?” asked Rebecca. “You surely would not desert her?” »Was kann ich ihr nützen, wenn – wenn der Feind kommt«, erwiderte Joseph. »Die Frauen werden sie verschonen, aber mein Diener hat mir erzählt, sie hätten geschworen, keinem Mann Pardon zu geben – die elenden Feiglinge.«   “What good can I do her, suppose — suppose the enemy arrive?” Jos answered. “They’ll spare the women; but my man tells me that they have taken an oath to give no quarter to the men — the dastardly cowards.” »Entsetzlich!« rief Rebekka und weidete sich an seiner Verlegenheit.   “Horrid!” cried Rebecca, enjoying his perplexity. »Übrigens will ich sie ja gar nicht verlassen«, schrie der Bruder, »sie soll nicht zurückbleiben. Ich habe einen Platz für Amelia in meinem Wagen, und auch einen für Sie, liebe Mrs. Crawley, wenn Sie mitkommen wollen – und falls wir Pferde auftreiben«, setzte er seufzend hinzu.   “Besides, I don’t want to desert her,” cried the brother. “She shan’t be deserted. There is a seat for her in my carriage, and one for you, dear Mrs. Crawley, if you will come; and if we can get horses — ” sighed he — »Ich habe zwei zu verkaufen«, sagte die Dame. Joseph hätte sie bei dieser Nachricht umarmen mögen. »Hol den Wagen, Isidor«, rief er. »Wir haben welche – wir haben welche.«   “I have two to sell,” the lady said. Jos could have flung himself into her arms at the news. “Get the carriage, Isidor,” he cried; “we’ve found them — we have found them.” »Meine Pferde sind noch nie im Geschirr gegangen«, fügte Mrs. Crawley hinzu, »Dompfaff würde den Wagen in Stücke schlagen, wenn Sie ihn einspannen wollten.«   My horses never were in harness,” added the lady. “Bullfinch would kick the carriage to pieces, if you put him in the traces.” »Er läßt sich aber ruhig reiten?« fragte der Zivilist.   “But he is quiet to ride?” asked the civilian. »Ruhig wie ein Lamm und schnell wie ein Hase«, antwortete die Dame.   “As quiet as a lamb, and as fast as a hare,” answered Rebecca. »Glauben Sie, daß er mein Gewicht aushält?« fragte Joseph. Er saß in Gedanken schon auf dem Pferde, ohne auch nur einen Augenblick an die arme Amelia zu denken. Welcher Mensch, der Pferdegeschäfte liebt, könnte auch einer solchen Versuchung widerstehen?   “Do you think he is up to my weight?” Jos said. He was already on his back, in imagination, without ever so much as a thought for poor Amelia. What person who loved a horse-speculation could resist such a temptation? Rebekka antwortete nicht, sondern bat ihn, auf ihr Zimmer zu kommen. Er folgte ihr in atemloser Hast, um den Handel abzuschließen. Joseph hatte selten eine halbe Stunde erlebt, die ihn so viel Geld kostete. Rebekka, die den Wert ihrer Ware nach Josephs Kaufeifer und nach der Seltenheit des Artikels maß, verlangte einen so ungeheuren Preis für die Pferde, daß sogar der Zivilist zurückschreckte. Sie wolle beide verkaufen oder keins sagte sie entschlossen. Rawdon habe ihr befohlen, sich nicht unter dem angegebenen Preis von ihnen zu trennen. Lord Bareacres unten würde ihr die gleiche Summe geben, und bei all ihrer Liebe und Achtung für die Familie Sedley müsse ihr lieber Mr. Joseph doch einsehen, daß arme Leute leben müßten – kurz, es gab niemanden, der freundschaftlicher, aber zugleich auch entschlossener in Geschäftsangelegenheiten gehandelt hätte.   In reply, Rebecca asked him to come into her room, whither he followed her quite breathless to conclude the bargain. Jos seldom spent a half-hour in his life which cost him so much money. Rebecca, measuring the value of the goods which she had for sale by Jos’s eagerness to purchase, as well as by the scarcity of the article, put upon her horses a price so prodigious as to make even the civilian draw back. “She would sell both or neither,” she said, resolutely. Rawdon had ordered her not to part with them for a price less than that which she specified. Lord Bareacres below would give her the same money — and with all her love and regard for the Sedley family, her dear Mr. Joseph must conceive that poor people must live — nobody, in a word, could be more affectionate, but more firm about the matter of business. Joseph willigte schließlich, wie zu erwarten gewesen war, in den Preis ein. Die Summe, die er ihr zu zahlen hatte, war so groß, daß er um Zeit bitten mußte; so groß, daß sie ein kleines Vermögen für Rebekka bedeutete. Sie hatte schnell überschlagen, daß sie mit dieser Summe und dem, was beim Verkauf von Rawdons übrigen Sachen herausspringen würde, und ihrer Witwenpension, falls er fiel, absolut unabhängig von der Welt sein würde und dem Witwenstand mit Ruhe entgegensehen könne.   Jos ended by agreeing, as might be supposed of him. The sum he had to give her was so large that he was obliged to ask for time; so large as to be a little fortune to Rebecca, who rapidly calculated that with this sum, and the sale of the residue of Rawdon’s effects, and her pension as a widow should he fall, she would now be absolutely independent of the world, and might look her weeds steadily in the face. Ein paarmal im Laufe des Tages hatte sie allerdings auch an Flucht gedacht. Ihr Verstand gab ihr aber besseren Rat. Angenommen, die Franzosen kommen, dachte sie, was können sie dann schon einer armen Offizierswitwe tun! Pah, die Zeiten der Belagerungen und Plünderungen sind vorüber, man wird uns ruhig nach Hause gehen lassen, oder ich kann auch mit meinem hübschen kleinen Einkommen angenehm im Ausland leben.   Once or twice in the day she certainly had herself thought about flying. But her reason gave her better counsel. “Suppose the French do come,” thought Becky, “what can they do to a poor officer’s widow? Bah! the times of sacks and sieges are over. We shall be let to go home quietly, or I may live pleasantly abroad with a snug little income.” Inzwischen waren Joseph und Isidor zum Stall gegangen, um die neugekauften Pferde zu besichtigen. Joseph befahl seinem Diener, sofort zu satteln, denn er wollte noch in derselben Nacht, noch zur selben Stunde fortreiten. Er ließ daher den Diener zurück, damit der die Pferde fertigmache, während er selbst nach Hause ging, um sich für die Abreise vorzubereiten. Sie mußte geheim bleiben. Er wollte durch die Hintertür auf sein Zimmer gehen. Es lag ihm nichts daran, der Majorin und Amelia zu begegnen und gestehen zu müssen, daß er davonlaufen wollte.   Meanwhile Jos and Isidor went off to the stables to inspect the newly purchased cattle. Jos bade his man saddle the horses at once. He would ride away that very night, that very hour. And he left the valet busy in getting the horses ready, and went homewards himself to prepare for his departure. It must be secret. He would go to his chamber by the back entrance. He did not care to face Mrs. O’Dowd and Amelia, and own to them that he was about to run. Josephs Handel mit Rebekka war nun abgeschlossen, er hatte die Pferde besichtigt, und der neue Tag war angebrochen; obwohl jedoch Mitternacht schon lange vorüber war, hatte die Stadt noch keine Ruhe gefunden. Die Leute waren wach, in den Häusern brannten Lichter, vor den Türen standen noch immer Menschengruppen, und auf den Straßen herrschte ein reges Leben. Noch immer wanderten die verschiedensten Gerüchte von Mund zu Mund; das eine behauptete, die Preußen hätten eine vollständige Niederlage erlitten; ein anderes, es seien die Engländer gewesen, die angegriffen und besiegt wurden; ein drittes, daß die Engländer das Feld behauptet hätten. Dieses letzte Gerücht gewann allmählich die Oberhand; noch kein Franzose hatte sich blicken lassen. Einzelne Zurückkehrende brachten immer günstigere Nachrichten; endlich kam sogar ein Adjutant nach Brüssel mit Depeschen für den Kommandanten der Stadt, und dieser ließ bald darauf ein Plakat mit der offiziellen Mitteilung vom Triumph der Alliierten bei Quatre-Bras und dem Rückzug der Franzosen unter Ney nach sechsstündiger Schlacht in der Stadt anschlagen. Der Adjutant mußte in der Zeit, als Joseph und Rebekka ihren Handel abgeschlossen oder beim Besichtigen der Pferde waren, angekommen sein. Als Joseph sein Hotel erreichte, fand er mehr als ein Dutzend der zahlreichen Bewohner vor der Tür im Gespräch über die Neuigkeit, an deren Wahrheit nicht zu rütteln war. Er ging also hinauf, um sie den unter seiner Obhut befindlichen Damen mitzuteilen. Er hielt es nicht für nötig, ihnen zu erklären, daß er beabsichtigt hatte, sie zu verlassen, daß er bereits Pferde gekauft hatte und welchen Preis er dafür hatte zahlen müssen.   By the time Jos’s bargain with Rebecca was completed, and his horses had been visited and examined, it was almost morning once more. But though midnight was long passed, there was no rest for the city; the people were up, the lights in the houses flamed, crowds were still about the doors, and the streets were busy. Rumours of various natures went still from mouth to mouth: one report averred that the Prussians had been utterly defeated; another that it was the English who had been attacked and conquered: a third that the latter had held their ground. This last rumour gradually got strength. No Frenchmen had made their appearance. Stragglers had come in from the army bringing reports more and more favourable: at last an aide-de-camp actually reached Brussels with despatches for the Commandant of the place, who placarded presently through the town an official announcement of the success of the allies at Quatre Bras, and the entire repulse of the French under Ney after a six hours’ battle. The aide-de-camp must have arrived sometime while Jos and Rebecca were making their bargain together, or the latter was inspecting his purchase. When he reached his own hotel, he found a score of its numerous inhabitants on the threshold discoursing of the news; there was no doubt as to its truth. And he went up to communicate it to the ladies under his charge. He did not think it was necessary to tell them how he had intended to take leave of them, how he had bought horses, and what a price he had paid for them. Sieg oder Niederlage war jedoch für diejenigen, die nur um die Sicherheit ihrer geliebten Männer bangten, von geringerer Bedeutung. Amelia wurde bei der Siegesnachricht sogar noch aufgeregter als vorher. Sie wollte unverzüglich zur Armee gehen und flehte ihren Bruder unter Tränen an, sie dorthin zu begleiten. Zweifel und Schrecken erreichten bei ihr den Höhepunkt, und das arme Mädchen, das viele Stunden lang in dumpfem Brüten verbracht hatte, lief in wahnsinniger Hysterie hin und her – ein erbarmungswürdiger Anblick! Kein Mann, der sich fünfzehn Meilen entfernt auf dem schwerumkämpften Schlachtfeld vor Schmerzen krümmte – und es lagen viele Tapfere dort –, litt mehr als dieses arme, unschuldige Opfer des Krieges. Joseph konnte den Anblick ihrer Qual nicht ertragen. Er ließ seine Schwester unter der Obhut ihrer härteren Gefährtin zurück und stieg von neuem zur Hoteltür hinunter, wo noch alles schwatzend herumlungerte und auf weitere Nachrichten wartete.   But success or defeat was a minor matter to them, who had only thought for the safety of those they loved. Amelia, at the news of the victory, became still more agitated even than before. She was for going that moment to the army. She besought her brother with tears to conduct her thither. Her doubts and terrors reached their paroxysm; and the poor girl, who for many hours had been plunged into stupor, raved and ran hither and thither in hysteric insanity — a piteous sight. No man writhing in pain on the hard-fought field fifteen miles off, where lay, after their struggles, so many of the brave — no man suffered more keenly than this poor harmless victim of the war. Jos could not bear the sight of her pain. He left his sister in the charge of her stouter female companion, and descended once more to the threshold of the hotel, where everybody still lingered, and talked, and waited for more news. Während sie dort standen, wurde es völlig hell, und Männer, die auf dem Kriegsschauplatz mitgewirkt hatten, brachten neue Nachrichten. Leiterwagen und lange Bauernkarren, mit Verwundeten beladen, rollten in die Stadt; schauriges Ächzen erscholl daraus, und abgekämpfte Gesichter schauten traurig aus dem Stroh. Joseph Sedley blickte mit schmerzlicher Neugier auf einen dieser Wagen – das Stöhnen der darin Liegenden war entsetzlich. Die müden Pferde konnten ihn kaum noch ziehen. »Halt, halt!« rief eine schwache Stimme aus dem Stroh, und das Fuhrwerk hielt gegenüber von Mr. Sedleys Hotel an.   It grew to be broad daylight as they stood here, and fresh news began to arrive from the war, brought by men who had been actors in the scene. Wagons and long country carts laden with wounded came rolling into the town; ghastly groans came from within them, and haggard faces looked up sadly from out of the straw. Jos Sedley was looking at one of these carriages with a painful curiosity — the moans of the people within were frightful — the wearied horses could hardly pull the cart. “Stop! stop!” a feeble voice cried from the straw, and the carriage stopped opposite Mr. Sedley’s hotel. »Es ist George, ich weiß es ganz genau«, schrie Amelia und stürzte augenblicklich mit bleichem Gesicht und wirrem Haar auf den Balkon. Es war jedoch nicht George, aber das Nächstbeste, was kommen konnte: Nachricht von ihm.   “It is George, I know it is!” cried Amelia, rushing in a moment to the balcony, with a pallid face and loose flowing hair. It was not George, however, but it was the next best thing: it was news of him. Es war der arme Tom Stubble, der vierundzwanzig Stunden vorher so mutig von Brüssel losmarschiert war, mit der Regimentsfahne in der Hand, die er auf dem Schlachtfeld so tapfer verteidigt hatte. Ein französischer Ulan hatte den jungen Fähnrich am Bein verwundet, und der fiel hin, hielt aber tapfer die Fahne fest. Nach Beendigung des Gefechts hatte man in einem Karren für den armen Burschen Platz gefunden und ihn nach Brüssel zurückgebracht.   It was poor Tom Stubble, who had marched out of Brussels so gallantly twenty-four hours before, bearing the colours of the regiment, which he had defended very gallantly upon the field. A French lancer had speared the young ensign in the leg, who fell, still bravely holding to his flag. At the conclusion of the engagement, a place had been found for the poor boy in a cart, and he had been brought back to Brussels. »Mr. Sedley, Mr. Sedley!« rief der Junge mit schwacher Stimme, und Joseph trat erschrocken zu ihm heran. Er hatte anfangs nicht unterscheiden können, wer ihn gerufen hatte.   “Mr. Sedley, Mr. Sedley!” cried the boy, faintly, and Jos came up almost frightened at the appeal. He had not at first distinguished who it was that called him. Der kleine Tom Stubble hielt ihm seine heiße, kraftlose Hand hin. »Ich soll hierhergebracht werden«, flüsterte er, »Osborne – und – und Dobbin haben es gesagt; und Sie sollen dem Mann zwei Napoleons geben; meine Mutter wird sie Ihnen zurückzahlen.« Die Gedanken des jungen Burschen waren während der langen Stunden im Wagen zum väterlichen Pfarrhaus, das er erst vor ein paar Monaten verlassen hatte, zurückgewandert, und zuweilen hatte er in diesem Fiebertraum sogar seine Schmerzen vergessen.   Little Tom Stubble held out his hot and feeble hand. “I’m to be taken in here,” he said. “Osborne — and — and Dobbin said I was; and you are to give the man two napoleons: my mother will pay you.” This young fellow’s thoughts, during the long feverish hours passed in the cart, had been wandering to his father’s parsonage which he had quitted only a few months before, and he had sometimes forgotten his pain in that delirium. Das Hotel war groß und die Bewohner freundlich. Alle vom Karren wurden hineingebracht und auf die verschiedensten Lager gebettet. Der junge Fähnrich kam in Osbornes Räume hinauf. Sobald die Majorin ihn vom Balkon aus erkannt hatte, waren sie und Amelia hinuntergestürzt. Man kann sich die Gefühle der beiden Frauen vorstellen, als sie hörten, die Schlacht sei vorüber und beide Gatten seien unverletzt. In stummem Entzücken fiel Amelia ihrer teuren Freundin um den Hals und umarmte sie; und in leidenschaftlicher Dankbarkeit sank sie auf die Knie und pries die Macht, die ihren Mann gerettet hatte.   The hotel was large, and the people kind, and all the inmates of the cart were taken in and placed on various couches. The young ensign was conveyed upstairs to Osborne’s quarters. Amelia and the Major’s wife had rushed down to him, when the latter had recognised him from the balcony. You may fancy the feelings of these women when they were told that the day was over, and both their husbands were safe; in what mute rapture Amelia fell on her good friend’s neck, and embraced her; in what a grateful passion of prayer she fell on her knees, and thanked the Power which had saved her husband. Kein Arzt hätte unserer jungen Frau in ihrem fieberhaften und nervösen Zustand eine heilsamere Arznei verschreiben können als die, welche ihr der Zufall bot. Sie wachte mit Mrs. O'Dowd unablässig bei dem verwundeten Jüngling, der große Schmerzen litt. Diese ihr auferlegte Pflicht ließ keine Zeit mehr, über ihren persönlichen Sorgen zu brüten oder sich ihren gewohnten Befürchtungen und Ahnungen hinzugeben. Der junge Patient schilderte mit einfachen Worten die Ereignisse des Tages und die Taten unserer Freunde vom tapferen ...ten Regiment. Sie hatten schwer gelitten und sehr viele Offiziere und Soldaten verloren. Als sie angriffen, war das Pferd unter dem Major erschossen worden, und sie hatten alle geglaubt, O'Dowd sei tot und Dobbin würde nun Major. Aber bei ihrer Rückkehr nach dem. Angriff zu ihrer alten Stellung hatten sie entdeckt, daß der Major auf Pyramus' Leichnam saß und sich aus seiner Feldflasche erfrischte. Hauptmann Osborne hatte den französischen Ulan, der den Fähnrich verwundet hatte, niedergehauen. Amelia wurde bei dem bloßen Gedanken daran so bleich, daß Mrs. O'Dowd den jungen Fähnrich in seiner Erzählung innehalten ließ. Und Hauptmann Dobbin war es gewesen, der nach Beendigung der Schlacht, obwohl selbst verwundet, den Jüngling auf die Arme genommen und zum Wundarzt und von da zu dem Karren geschleppt hatte, der ihn nach Brüssel zurückbringen sollte, und er war es auch, der dem Fuhrmann zwei Louisdor versprochen hatte, wenn er zu Mr. Sedleys Hotel in Brüssel fahren würde und Mrs. Osborne sagen wolle, daß die Schlacht vorbei und ihr Mann unverletzt und wohlauf sei.   Our young lady, in her fevered and nervous condition, could have had no more salutary medicine prescribed for her by any physician than that which chance put in her way. She and Mrs. O’Dowd watched incessantly by the wounded lad, whose pains were very severe, and in the duty thus forced upon her, Amelia had not time to brood over her personal anxieties, or to give herself up to her own fears and forebodings after her wont. The young patient told in his simple fashion the events of the day, and the actions of our friends of the gallant — th. They had suffered severely. They had lost very many officers and men. The Major’s horse had been shot under him as the regiment charged, and they all thought that O’Dowd was gone, and that Dobbin had got his majority, until on their return from the charge to their old ground, the Major was discovered seated on Pyramus’s carcase, refreshing him-self from a case-bottle. It was Captain Osborne that cut down the French lancer who had speared the ensign. Amelia turned so pale at the notion, that Mrs. O’Dowd stopped the young ensign in this story. And it was Captain Dobbin who at the end of the day, though wounded himself, took up the lad in his arms and carried him to the surgeon, and thence to the cart which was to bring him back to Brussels. And it was he who promised the driver two louis if he would make his way to Mr. Sedley’s hotel in the city; and tell Mrs. Captain Osborne that the action was over, and that her husband was unhurt and well. »Er hat wirklich ein gutes Herz, dieser William Dobbin, wenn er auch immer über mich lacht«, sagte Mrs. O'Dowd.   “Indeed, but he has a good heart that William Dobbin,” Mrs. O’Dowd said, “though he is always laughing at me.” Der junge Stubble beteuerte, daß es keinen zweiten Offizier wie ihn im ganzen Heer gebe, und konnte kein Ende finden, seine Bescheidenheit, Güte und bewundernswerte Kaltblütigkeit im Felde zu preisen. Diesem Teil des Gesprächs widmete Amelia indes nur schwache Aufmerksamkeit; sie hörte nur dann zu, wenn von George gesprochen wurde, und auch solange man seinen Namen nicht erwähnte, dachte sie an ihn.   Young Stubble vowed there was not such another officer in the army, and never ceased his praises of the senior captain, his modesty, his kindness, and his admirable coolness in the field. To these parts of the conversation, Amelia lent a very distracted attention: it was only when George was spoken of that she listened, and when he was not mentioned, she thought about him. Bei der Pflege ihres Patienten und dem Nachdenken über die wunderbaren Ereignisse des gestrigen Tages verging Amelia der zweite Tag ziemlich schnell. Für sie gab es nur einen Mann in der Armee, und solange er wohlauf war, interessierten sie die Truppenbewegungen nur wenig, wie wir zugeben müssen. Alle Gerüchte, die Joseph von der Straße mitbrachte, hörte sie nur verschwommen, obwohl sie ausreichten, um diesen furchtsamen Herrn, und mit ihm viele andere Leute in Brüssel, tief zu beunruhigen. Die Franzosen waren zwar zurückgeschlagen worden, aber erst nach hartem, zweifelhaftem Kampf, und es war nur ein Teil der französischen Armee. Der Kaiser war mit der Hauptmasse in Ligny, wo er die Preußen gänzlich vernichtet hatte, und nun hatte er freie Hand, seine ganze Kraft auf die Alliierten zu richten. Der Herzog von Wellington zog sich zur Hauptstadt zurück, und höchstwahrscheinlich würde es unter ihren Mauern eine große Schlacht geben, deren Ausgang mehr als zweifelhaft war. Der Herzog von Wellington hatte nur zwanzigtausend Mann englische Truppen, auf die er bauen konnte, denn die Deutschen waren rohe Miliz, die Belgier unzuverlässig; und mit dieser Handvoll hatte Seine Hoheit hundertundfünfzigtausend Mann Widerstand zu leisten, die unter Napoleon in Belgien eingedrungen waren. Unter Napoleon! Welcher Heerführer, mochte er noch so berühmt und geschickt sein, konnte mit einer ungleichen Macht gegen ihn kämpfen?   In tending her patient, and in thinking of the wonderful escapes of the day before, her second day passed away not too slowly with Amelia. There was only one man in the army for her: and as long as he was well, it must be owned that its movements interested her little. All the reports which Jos brought from the streets fell very vaguely on her ears; though they were sufficient to give that timorous gentleman, and many other people then in Brussels, every disquiet. The French had been repulsed certainly, but it was after a severe and doubtful struggle, and with only a division of the French army. The Emperor, with the main body, was away at Ligny, where he had utterly annihilated the Prussians, and was now free to bring his whole force to bear upon the allies. The Duke of Wellington was retreating upon the capital, and a great battle must be fought under its walls probably, of which the chances were more than doubtful. The Duke of Wellington had but twenty thousand British troops on whom he could rely, for the Germans were raw militia, the Belgians disaffected, and with this handful his Grace had to resist a hundred and fifty thousand men that had broken into Belgium under Napoleon. Under Napoleon! What warrior was there, however famous and skilful, that could fight at odds with him? All das überlegte sich Joseph und zitterte. So ging es auch den meisten anderen Bewohnern Brüssels, denn die Leute spürten, daß das gestrige Gefecht nur das Vorspiel zu dem drohenden größeren Kampf gewesen war. Eine der Armeen, die sich dem Kaiser entgegengestellt hatte, war bereits in alle Winde zerstreut. Die wenigen Engländer, die zum Widerstand gegen ihn aufgebracht werden konnten, würden auf ihren Posten fallen, und der Eroberer würde über ihre Leichen in die Stadt ziehen. Wehe denen, die er dort fand! Ansprachen wurden bereits ausgearbeitet, Beamte versammelten sich und berieten im geheimen, Zimmer wurden vorbereitet und Trikoloren und Siegesembleme verfertigt, um die Ankunft Seiner Majestät des Kaisers und Königs zu begrüßen.   Jos thought of all these things, and trembled. So did all the rest of Brussels — where people felt that the fight of the day before was but the prelude to the greater combat which was imminent. One of the armies opposed to the Emperor was scattered to the winds already. The few English that could be brought to resist him would perish at their posts, and the conqueror would pass over their bodies into the city. Woe be to those whom he found there! Addresses were prepared, public functionaries assembled and debated secretly, apartments were got ready, and tricoloured banners and triumphal emblems manufactured, to welcome the arrival of His Majesty the Emperor and King. Die Fluchtbewegung dauerte noch immer an, und alle Familien, die Mittel und Wege finden konnten, flohen. Als Joseph am Nachmittag des siebzehnten Juni in Rebekkas Hotel ging, entdeckte er, daß die große Bareacressche Kutsche schließlich doch aus dem porte cochère verschwunden war. Der Graf hatte Mrs. Crawley zum Trotz irgendwie ein Paar Pferde verschaffen können und rollte nun auf dem Wege nach Gent. Ludwig der Ersehnte packte in dieser Stadt auch schon seine Reisetasche. Es schien, als ob das Unglück nie müde würde, diesen schwerfälligen Verbannten weiterzutreiben.   The emigration still continued, and wherever families could find means of departure, they fled. When Jos, on the afternoon of the 17th of June, went to Rebecca’s hotel, he found that the great Bareacres’ carriage had at length rolled away from the porte-cochere. The Earl had procured a pair of horses somehow, in spite of Mrs. Crawley, and was rolling on the road to Ghent. Louis the Desired was getting ready his portmanteau in that city, too. It seemed as if Misfortune was never tired of worrying into motion that unwieldy exile. Joseph fühlte, daß der gestrige Sieg nur eine Gnadenfrist gewesen war und daß er seine teuer gekauften Pferde doch noch brauchen würde. Seine Angst war den ganzen Tag über entsetzlich. Solange noch eine englische Armee zwischen Brüssel und Napoleon stand, war sofortige Flucht nicht notwendig; er ließ jedoch seine Pferde aus ihrem entfernten Stall in den seines Hotels bringen, damit er sie stets unter Augen hatte und sie ihm nicht gewaltsam entführt werden konnten. Isidor beobachtete die Stalltür ständig. Die Pferde hatte er gesattelt und alles für die Abreise vorbereitet. Er wartete sehnsüchtig auf dieses Ereignis.   Jos felt that the delay of yesterday had been only a respite, and that his dearly bought horses must of a surety be put into requisition. His agonies were very severe all this day. As long as there was an English army between Brussels and Napoleon, there was no need of immediate flight; but he had his horses brought from their distant stables, to the stables in the court-yard of the hotel where he lived; so that they might be under his own eyes, and beyond the risk of violent abduction. Isidor watched the stable-door constantly, and had the horses saddled, to be ready for the start. He longed intensely for that event. Nach dem gestrigen Empfang hatte Rebekka keine Lust, sich wieder ihrer lieben Amelia zu nähern. Sie beschnitt den Blumenstrauß, den sie von George bekommen hatte, gab ihm frisches Wasser und las noch einmal das Billett durch, das er ihr zugesteckt hatte. »Das arme Geschöpf«, sagte sie und drehte das Stückchen Papier zwischen den Fingern, »wie ich sie damit zerschmettern könnte! Und um so ein Wesen muß sie sich nun das Herz brechen – um so einen Dummkopf, einen Hanswurst, der sich nichts aus ihr macht. Mein armer guter Rawdon ist zehnmal mehr wert als so einer.« Und dann dachte sie darüber nach, was sie tun sollte, wenn – wenn dem armen guten Rawdon etwas zustieße, und was für ein Glück es gewesen sei, daß er seine Pferde zurückgelassen hatte.   After the reception of the previous day, Rebecca did not care to come near her dear Amelia. She clipped the bouquet which George had brought her, and gave fresh water to the flowers, and read over the letter which he had sent her. “Poor wretch,” she said, twirling round the little bit of paper in her fingers, “how I could crush her with this! — and it is for a thing like this that she must break her heart, forsooth — for a man who is stupid — a coxcomb — and who does not care for her. My poor good Rawdon is worth ten of this creature.” And then she fell to thinking what she should do if — if anything happened to poor good Rawdon, and what a great piece of luck it was that he had left his horses behind. Mrs. Crawley, die nicht ohne Ärger die Familie Bareacres hatte wegfahren sehen, dachte im Laufe des Tages auch an die Vorsichtsmaßregeln, die die Gräfin getroffen hatte, und machte ein paar Handarbeiten für sich. Sie nähte den größten Teil ihrer Schmucksachen, Wechsel und Banknoten in ihre Kleider ein, und so vorbereitet, war sie für alle Fälle gerüstet – entweder zu fliehen, wenn sie es für angemessen hielt, oder zu bleiben und den Sieger zu begrüßen, mochte er nun Engländer oder Franzose sein. Ich bin nicht sicher, ob sie nicht in jener Nacht davon träumte, Herzogin oder Madame la maréchale zu werden, während Rawdon in seinen Mantel gehüllt am Mont Saint-Jean im strömenden Regen biwakierte und mit aller Kraft seines Herzens an die kleine Frau dachte, die er in Brüssel zurückgelassen hatte.   In the course of this day too, Mrs. Crawley, who saw not without anger the Bareacres party drive off, bethought her of the precaution which the Countess had taken, and did a little needlework for her own advantage; she stitched away the major part of her trinkets, bills, and bank-notes about her person, and so prepared, was ready for any event — to fly if she thought fit, or to stay and welcome the conqueror, were he Englishman or Frenchman. And I am not sure that she did not dream that night of becoming a duchess and Madame la Marechale, while Rawdon wrapped in his cloak, and making his bivouac under the rain at Mount Saint John, was thinking, with all the force of his heart, about the little wife whom he had left behind him. Der nächste Tag war ein Sonntag, und Mrs. O'Dowd sah mit Befriedigung, daß die Nachtruhe ihre beiden Patienten körperlich und geistig gestärkt hatte. Sie selbst hatte in einem Lehnstuhl in Amelias Zimmer geschlafen, bereit, ihrer armen Freundin oder dem Fähnrich zu Diensten zu stehen, wenn einer von ihnen ihre Fürsorge brauchte. Bei Anbruch des Tages ging die tapfere Frau in das Haus, wo sie und der Major einquartiert waren, und machte dort sorgfältig Toilette, wie es sich für den Tag gehörte. Und während sie allein in dem Zimmer war, das ihr Mann bewohnt hatte, wo seine Nachtmütze noch auf dem Kissen lag und sein Stock in der Ecke stand, wurde höchstwahrscheinlich ein Gebet für das Wohlergehen des tapferen Soldaten Michael O'Dowd gen Himmel geschickt.   The next day was a Sunday. And Mrs. Major O’Dowd had the satisfaction of seeing both her patients refreshed in health and spirits by some rest which they had taken during the night. She herself had slept on a great chair in Amelia’s room, ready to wait upon her poor friend or the ensign, should either need her nursing. When morning came, this robust woman went back to the house where she and her Major had their billet; and here performed an elaborate and splendid toilette, befitting the day. And it is very possible that whilst alone in that chamber, which her husband had inhabited, and where his cap still lay on the pillow, and his cane stood in the corner, one prayer at least was sent up to Heaven for the welfare of the brave soldier, Michael O’Dowd. Als sie zurückkehrte, brachte sie ihr Gebetbuch und die berühmten Predigten ihres Onkels, des Dekans, mit, aus denen sie regelmäßig am Sonntag zu lesen pflegte; wenn sie auch nicht alles verstand und vielleicht manche der langen und komplizierten Wörter nicht richtig aussprach – denn der Dekan war ein gelehrter Mann und liebte lange lateinische Wörter –, so las sie doch mit großem Ernst, viel Gefühl und im allgemeinen leidlich richtig. Wie oft hat Mick diesen Predigten gelauscht, dachte sie, wenn ich sie bei Windstille in der Kajüte las. Auch heute beabsichtigte sie, diese geistliche Übung vorzunehmen, und Amelia und der verwundete Fähnrich sollten die Gemeinde sein. Der gleiche Gottesdienst wurde an jenem Tag zur gleichen Stunde in zwanzigtausend Kirchen abgehalten, und Millionen britischer Männer und Frauen flehten auf den Knien den Vater aller Dinge um Schutz an.   When she returned she brought her prayer-book with her, and her uncle the Dean’s famous book of sermons, out of which she never failed to read every Sabbath; not understanding all, haply, not pronouncing many of the words aright, which were long and abstruse — for the Dean was a learned man, and loved long Latin words — but with great gravity, vast emphasis, and with tolerable correctness in the main. How often has my Mick listened to these sermons, she thought, and me reading in the cabin of a calm! She proposed to resume this exercise on the present day, with Amelia and the wounded ensign for a congregation. The same service was read on that day in twenty thousand churches at the same hour; and millions of British men and women, on their knees, implored protection of the Father of all. Sie alle hörten den Lärm nicht, der unsere kleine Gemeinde in Brüssel störte. Als Mrs. O'Dowd mit ihrer schönsten Stimme die Predigt las, begannen die Kanonen von Waterloo aufs neue zu dröhnen – lauter als zwei Tage zuvor.   They did not hear the noise which disturbed our little congregation at Brussels. Much louder than that which had interrupted them two days previously, as Mrs. O’Dowd was reading the service in her best voice, the cannon of Waterloo began to roar. Als Joseph dieses entsetzliche Geräusch vernahm, faßte er den Entschluß, diese unaufhörliche Wiederkehr des Schreckens nicht länger zu ertragen und sofort zu fliehen. Er stürzte in das Krankenzimmer, wo unsere drei Freunde im Gebet innegehalten hatten, und störte sie auf, indem er sich heftig an Amelia wandte:   When Jos heard that dreadful sound, he made up his mind that he would bear this perpetual recurrence of terrors no longer, and would fly at once. He rushed into the sick man’s room, where our three friends had paused in their prayers, and further interrupted them by a passionate appeal to Amelia. »Ich kann es nicht länger aushalten, Emmy«, sagte er, »ich will es nicht mehr aushalten, und du mußt mit mir mitkommen. Ich habe ein Pferd für dich gekauft – zu welchem Preis ist ganz gleichgültig –, und du mußt dich anziehen und mit mir mitkommen und dich hinter Isidor setzen.«   “I can’t stand it any more, Emmy,” he said; ’I won’t stand it; and you must come with me. I have bought a horse for you — never mind at what price — and you must dress and come with me, and ride behind Isidor.” »Gott verzeih mir, Mr. Sedley, aber Sie sind nichts anderes als ein Feigling«, sagte Mrs. O'Dowd und legte das Buch hin.   “God forgive me, Mr. Sedley, but you are no better than a coward,” Mrs. O’Dowd said, laying down the book. »Ich sage dir, komm, Amelia«, fuhr der Zivilist fort, »kümmere dich nicht darum, was sie sagt; warum sollen wir hierbleiben und uns von den Franzosen abschlachten lassen?«   “I say come, Amelia,” the civilian went on; “never mind what she says; why are we to stop here and be butchered by the Frenchmen?” »Sie vergessen das ...te Regiment, mein Junge«, rief der kleine Stubble, der verwundete Held, von seinem Bett, »und – und Sie werden mich doch nicht verlassen, nicht wahr, Mrs. O'Dowd?«   “You forget the — th, my boy,” said the little Stubble, the wounded hero, from his bed — "and and you won’t leave me, will you, Mrs. O’Dowd?” »Nein, mein liebes Kerlchen«, sagte sie, ging zu dem Jungen und gab ihm einen Kuß. »Niemand soll Ihnen etwas tun, solange ich bei Ihnen bin. Ich weiche nicht, bis Mick mir den Befehl dazu erteilt. Würde ich nicht eine hübsche Figur abgeben auf einem Reitkissen hinter dem Kerl da?«   “No, my dear fellow,” said she, going up and kissing the boy. “No harm shall come to you while I stand by. I don’t budge till I get the word from Mick. A pretty figure I’d be, wouldn’t I, stuck behind that chap on a pillion?” Über dieses Bild brach der junge Patient in seinem Bett in Gelächter aus, und selbst Amelia mußte lächeln. »Ich frage ja nicht sie, ob sie mitkommt«, schrie Joseph. »Ich frage ja nicht die – die Irin da, sondern dich, Amelia; ein für allemal, kommst du mit?«   This image caused the young patient to burst out laughing in his bed, and even made Amelia smile. “I don’t ask her,” Jos shouted out — "I don’t ask that — that Irishwoman, but you Amelia; once for all, will you come?” »Ohne meinen Mann, Joseph?« fragte Amelia mit verwundertem Blick und ergriff die Hand der Majorin. Josephs Geduld war jetzt erschöpft.   “Without my husband, Joseph?” Amelia said, with a look of wonder, and gave her hand to the Major’s wife. Jos’s patience was exhausted. »Also dann, auf Wiedersehen«, sagte er, schüttelte wütend die Faust und warf die Tür beim Hinausgehen hinter sich zu. Dieses Mal gab er wirklich den Marschbefehl und bestieg auf dem Hof das Pferd. Mrs. O'Dowd hörte das Klappern der Hufe, als die Pferde aus dem Tor sprengten; sie machte allerlei höhnische Bemerkungen über den armen Joseph, als sie ihn die Straße hinabreiten sah, gefolgt von Isidor mit der goldbebänderten Mütze. Die Pferde, die ein paar Tage lang keine Bewegung gehabt hatten, waren lebhaft und machten frohe Sprünge auf der Straße. Joseph war ein ungeschickter, ängstlicher Reiter und wirkte im Sattel sehr unvorteilhaft. »Sehen Sie nur, liebe Amelia, er reitet geradezu in das Fenster dort hinein. So einen Elefanten im Porzellanladen habe ich noch nie gesehen.« Sie verfolgte die beiden Reiter mit einer Kanonade von sarkastischen Bemerkungen, bis sie um die Ecke in Richtung der Straße nach Gent verschwanden.   “Good-bye, then,” he said, shaking his fist in a rage, and slamming the door by which he retreated. And this time he really gave his order for march: and mounted in the court-yard. Mrs. O’Dowd heard the clattering hoofs of the horses as they issued from the gate; and looking on, made many scornful remarks on poor Joseph as he rode down the street with Isidor after him in the laced cap. The horses, which had not been exercised for some days, were lively, and sprang about the street. Jos, a clumsy and timid horseman, did not look to advantage in the saddle. “Look at him, Amelia dear, driving into the parlour window. Such a bull in a china-shop I never saw.” And presently the pair of riders disappeared at a canter down the street leading in the direction of the Ghent road, Mrs. O’Dowd pursuing them with a fire of sarcasm so long as they were in sight. Den ganzen Tag lang, vom Morgen bis nach Sonnenuntergang, hörte das Dröhnen der Geschütze nicht auf. Es war schon dunkel, als das Feuer plötzlich abbrach.   All that day from morning until past sunset, the cannon never ceased to roar. It was dark when the cannonading stopped all of a sudden. Wir alle haben gelesen, was sich während dieser Zeitspanne zutrug. Diese Geschichte ist im Munde eines jeden Engländers; und du und ich, die wir noch Kinder waren, als die große Schlacht gewonnen und verloren wurde, können nicht müde werden, von diesem berühmten Kampf zu hören und zu erzählen. Die Erinnerung daran nagt noch immer am Herzen von Millionen Landsleuten jener tapferen Männer, die diese Schlacht verloren.. Sie brennen darauf, die Demütigung bei Gelegenheit zu rächen. Wenn nun ein Kampf siegreich für sie enden sollte, so würden die anderen ihrerseits sich erheben und uns ein verfluchtes Erbe von Haß und Rachsucht hinterlassen, und so wäre kein Ende dieser sogenannten Ehre und Schande und des jeweiligen erfolgreichen und erfolglosen Mordens abzusehen, in das die beiden stolzen Nationen verwickelt würden. Noch nach Jahrhunderten würden Engländer und Franzosen voreinander prahlen und sich gegenseitig umbringen, um den Ehrenkodex des Teufels tapfer zu befolgen.   All of us have read of what occurred during that interval. The tale is in every Englishman’s mouth; and you and I, who were children when the great battle was won and lost, are never tired of hearing and recounting the history of that famous action. Its remembrance rankles still in the bosoms of millions of the countrymen of those brave men who lost the day. They pant for an opportunity of revenging that humiliation; and if a contest, ending in a victory on their part, should ensue, elating them in their turn, and leaving its cursed legacy of hatred and rage behind to us, there is no end to the so-called glory and shame, and to the alternations of successful and unsuccessful murder, in which two high-spirited nations might engage. Centuries hence, we Frenchmen and Englishmen might be boasting and killing each other still, carrying out bravely the Devil’s code of honour. Alle unsere Freunde nahmen an der Schlacht teil und standen ihren Mann. Den ganzen Tag lang hielt die unerschrockene englische Infanterie den wütenden Angriffen der französischen Kavallerie stand und erwiderte sie, während die Frauen, zehn Meilen entfernt, beteten. Die Geschütze, die man bis nach Brüssel hörte, zerrissen ihre Reihen. Kameraden fielen, und die beherzten Überlebenden schlossen die Reihen wieder. Gegen Abend ließ die Heftigkeit der vielen so tapfer zurückgeschlagenen französischen Angriffe nach. Die Franzosen hatten wohl außer mit den Briten noch mit anderen Feinden zu tun, oder sie rüsteten sich auf einen letzten Ansturm. Der kam schließlich auch. Die Kolonnen der kaiserlichen Garde marschierten den Mont Saint-Jean hinauf, um mit einem Male die Engländer von der Höhe zu fegen, die sie den ganzen Tag behauptet hatten; ungeachtet des Geschützfeuers der Engländer, das den Tod in ihre Reihen schleuderte, drängten die dunklen, wogenden Kolonnen näher den Hügel hinauf. Sie schienen den Gipfel fast erreicht zu haben, als sie zu wanken begannen. Dann blieben sie stehen, immer noch das Gesicht zum Feind gerichtet. Nun endlich stürzten die englischen Truppen aus ihren Stellungen, aus denen sie kein Feind hatte verdrängen können, und die Garde wandte sich und floh.   All our friends took their share and fought like men in the great field. All day long, whilst the women were praying ten miles away, the lines of the dauntless English infantry were receiving and repelling the furious charges of the French horsemen. Guns which were heard at Brussels were ploughing up their ranks, and comrades falling, and the resolute survivors closing in. Towards evening, the attack of the French, repeated and resisted so bravely, slackened in its fury. They had other foes besides the British to engage, or were preparing for a final onset. It came at last: the columns of the Imperial Guard marched up the hill of Saint Jean, at length and at once to sweep the English from the height which they had maintained all day, and spite of all: unscared by the thunder of the artillery, which hurled death from the English line — the dark rolling column pressed on and up the hill. It seemed almost to crest the eminence, when it began to wave and falter. Then it stopped, still facing the shot. Then at last the English troops rushed from the post from which no enemy had been able to dislodge them, and the Guard turned and fled. Man hörte in Brüssel kein Schießen mehr – die Verfolger entfernten sich meilenweit. Dunkelheit senkte sich über Schlachtfeld und Stadt herab, und Amelia betete für George, der auf dem Gesicht lag, tot, von einer Kugel ins Herz getroffen.   No more firing was heard at Brussels — the pursuit rolled miles away. Darkness came down on the field and city: and Amelia was praying for George, who was lying on his face, dead, with a bullet through his heart. 33. Kapitel / Chapter 33 In dem Miss Crawleys Verwandte sehr besorgt um sie sind / In Which Miss Crawley’s Relations Are Very Anxious About Her Während die Armee aus Flandern abmarschiert, um nach den dort vollbrachten Heldentaten die französischen Grenzfestungen zu erobern und dann das ganze Land zu besetzen, wird sich der geneigte Leser erinnern, daß eine Anzahl von Personen friedlich in England leben, die etwas mit unserer Geschichte zu tun haben und denen wir einen Anteil an unserer Chronik zugestehen müssen. Die alte Miss Crawley war in der Zeit dieser Kämpfe und Gefahren in Brighton geblieben und war von den großen Ereignissen nur wenig berührt worden. Die großen Ereignisse machten allerdings die Zeitungen ausgesprochen interessant. Eines Tages las ihr die Briggs aus der »Gazette« vor, wo Rawdon Crawleys Tapferkeit ehrenvolle Erwähnung fand und seine Beförderung zum Oberstleutnant berichtet wurde.   The kind reader must please to remember — while the army is marching from Flanders, and, after its heroic actions there, is advancing to take the fortifications on the frontiers of France, previous to an occupation of that country — that there are a number of persons living peaceably in England who have to do with the history at present in hand, and must come in for their share of the chronicle. During the time of these battles and dangers, old Miss Crawley was living at Brighton, very moderately moved by the great events that were going on. The great events rendered the newspapers rather interesting, to be sure, and Briggs read out the Gazette, in which Rawdon Crawley’s gallantry was mentioned with honour, and his promotion was presently recorded. »Wie schade, daß der junge Mann einen so unwiderruflichen Schritt in die Welt getan hat«, sagte die Tante. »Bei seinem Rang und diesen Auszeichnungen hätte er eine Brauerstochter mit einer Viertelmillion heiraten können – zum Beispiel Miss Grains, oder er hätte zusehen können, sich mit den besten Familien Englands zu verbinden. Irgendwann hätte er mein Geld bekommen oder seine Kinder – denn ich habe es nicht so eilig, zu sterben, Miss Briggs, wenn Sie es wahrscheinlich auch eilig haben, mich loszuwerden; aber statt dessen ist er nun zur Armut verdammt mit einem Ballettmädchen als Frau.«   “What a pity that young man has taken such an irretrievable step in the world!” his aunt said; “with his rank and distinction he might have married a brewer’s daughter with a quarter of a million — like Miss Grains; or have looked to ally himself with the best families in England. He would have had my money some day or other; or his children would — for I’m not in a hurry to go, Miss Briggs, although you may be in a hurry to be rid of me; and instead of that, he is a doomed pauper, with a dancing-girl for a wife.” »Will meine liebe Miss Crawley nicht ein mitleidiges Auge auf den heldenmütigen Krieger werfen, dessen Name in den Ruhmesannalen seines Vaterlandes verzeichnet ist?« fragte Miss Briggs, die durch die Ereignisse bei Waterloo sehr erregt war und die jede Gelegenheit ergriff, sich romantisch auszudrücken. »Hat nicht der Hauptmann – oder der Oberst, wie ich ihn jetzt nennen darf, Taten vollbracht, die dem Namen Crawley zu Glanz und Ruhm verhelfen?«   “Will my dear Miss Crawley not cast an eye of compassion upon the heroic soldier, whose name is inscribed in the annals of his country’s glory?” said Miss Briggs, who was greatly excited by the Waterloo proceedings, and loved speaking romantically when there was an occasion. “Has not the Captain — or the Colonel as I may now style him — done deeds which make the name of Crawley illustrious?” »Briggs, Sie sind eine Närrin«, sagte Miss Crawley. »Oberst Crawley hat den Namen Crawley in den Schmutz gezerrt, Miss Briggs. Eine Zeichenlehrerstochter zu heiraten, nein, wirklich! Eine Gesellschafterin zu heiraten – denn etwas Besseres war sie nicht, Briggs – ja, sie war dasselbe wie Sie, nur jünger und bedeutend hübscher und klüger. Ich möchte wissen, ob Sie mit der abscheulichen Kreatur, deren niederträchtigen Winkelzügen er zum Opfer fiel, unter einer Decke gesteckt haben, da Sie sie doch so bewunderten. Ja, ich möchte behaupten, Sie haben mit ihr unter einer Decke gesteckt. Aber von meinem Testament werden Sie enttäuscht sein. Sie sind bitte so gut und schreiben Mr. Waxy, daß ich ihn sofort zu sprechen wünsche.« Miss Crawley hatte es sich jetzt angewöhnt, fast täglich ihrem Rechtsanwalt, Mr. Waxy, zu schreiben, denn sie hatte alle ihre Anordnungen hinsichtlich ihres Eigentums widerrufen, und sie war in großer Verlegenheit, was mit ihrem Geld später einmal werden sollte.   “Briggs, you are a fool,” said Miss Crawley: “Colonel Crawley has dragged the name of Crawley through the mud, Miss Briggs. Marry a drawing-master’s daughter, indeed! — marry a dame de compagnie — for she was no better, Briggs; no, she was just what you are — only younger, and a great deal prettier and cleverer. Were you an accomplice of that abandoned wretch, I wonder, of whose vile arts he became a victim, and of whom you used to be such an admirer? Yes, I daresay you were an accomplice. But you will find yourself disappointed in my will, I can tell you: and you will have the goodness to write to Mr. Waxy, and say that I desire to see him immediately.” Miss Crawley was now in the habit of writing to Mr. Waxy her solicitor almost every day in the week, for her arrangements respecting her property were all revoked, and her perplexity was great as to the future disposition of her money. Wie die zunehmende Schärfe und Häufigkeit ihres Spottes gegenüber Miss Briggs bewies, hatte sich der Gesundheitszustand der alten Jungfer beträchtlich gebessert. Die arme Gesellschafterin trug all diese Angriffe demütig und feige, mit einer halb großmütigen, halb heuchlerischen Resignation, mit einem Wort, mit der sklavischen Unterwürfigkeit, die Frauen ihrer Bestimmung und ihres Charakters zeigen müssen. Wer hat noch nicht erlebt, wie eine Frau eine andere tyrannisieren kann? Was sind schon die Qualen, die Männer zu erdulden haben, im Vergleich zu den täglich abgeschossenen Pfeilen von Hohn und Grausamkeit, mit denen arme Frauen von den Tyrannen ihres eigenen Geschlechts durchbohrt werden? Arme Opfer! Aber wir schweifen vom Thema ab, und dazu gehört nur, daß Miss Crawley stets besonders unerträglich und wild war, wenn sie sich von einer Krankheit erholte – etwa wie man sagt, daß heilende Wunden am meisten schmerzen.   The spinster had, however, rallied considerably; as was proved by the increased vigour and frequency of her sarcasms upon Miss Briggs, all which attacks the poor companion bore with meekness, with cowardice, with a resignation that was half generous and half hypocritical — with the slavish submission, in a word, that women of her disposition and station are compelled to show. Who has not seen how women bully women? What tortures have men to endure, comparable to those daily repeated shafts of scorn and cruelty with which poor women are riddled by the tyrants of their sex? Poor victims! But we are starting from our proposition, which is, that Miss Crawley was always particularly annoying and savage when she was rallying from illness — as they say wounds tingle most when they are about to heal. Während sie nun, wie alle hofften, der Genesung zuging, war Miss Briggs das einzige Opfer, das die Kranke vorließ. Miss Crawleys Verwandte in der Ferne vergaßen jedoch ihr geliebtes Familienmitglied nicht und versuchten, sich durch eine Menge von Liebesgaben, Geschenken und liebevollen Briefen in ihrem Gedächtnis lebendig zu erhalten.   While thus approaching, as all hoped, to convalescence, Miss Briggs was the only victim admitted into the presence of the invalid; yet Miss Crawley’s relatives afar off did not forget their beloved kinswoman, and by a number of tokens, presents, and kind affectionate messages, strove to keep themselves alive in her recollection. Als ersten wollen wir ihren Neffen Rawdon Crawley erwähnen. Einige Wochen nach der berühmten Schlacht bei Waterloo, als Miss Crawley in der »Gazette« von der Beförderung und der Tapferkeit des hervorragenden Offiziers gelesen hatte, brachte ihr das Paketboot von Dieppe ein Kästchen voller Geschenke und einen ehrerbietigen Brief von ihrem Neffen, dem Oberst, nach Brighton. In dem Kästchen befanden sich ein Paar französische Epauletten – ein Kreuz der Ehrenlegion und der Griff eines Degens – Reliquien vom Schlachtfeld. Der Brief berichtete humorvoll, daß der Degengriff einem hohen Offizier der Garde gehört habe. Als er gerade geschworen hatte, »die Garde kann zwar fallen, wird sich aber niemals ergeben«, wurde er von einem einfachen Soldaten gefangengenommen, der den Degen des Franzosen mit seinem Musketenkolben zerbrochen hatte. Rawdon hatte sich darauf der zertrümmerten Waffe bemächtigt. Das Kreuz und die Epauletten stammten von einem französischen Kavallerieoberst, der in der Schlacht unter den Streichen des Adjutanten gefallen war. Rawdon Crawley nun wußte nichts Besseres mit der Beute anzufangen, als sie seiner gütigsten und liebevollsten alten Freundin zu schicken. Sollte er ihr auch von Paris aus schreiben, wohin die Armee jetzt marschierte? Es wäre ihm vielleicht möglich, ihr Interessantes aus der Hauptstadt und von ein paar ihrer alten Freunde aus der Zeit der Emigration zu berichten, denen sie in ihrer Not so viel Güte bewiesen hatte.   In the first place, let us mention her nephew, Rawdon Crawley. A few weeks after the famous fight of Waterloo, and after the Gazette had made known to her the promotion and gallantry of that distinguished officer, the Dieppe packet brought over to Miss Crawley at Brighton, a box containing presents, and a dutiful letter, from the Colonel her nephew. In the box were a pair of French epaulets, a Cross of the Legion of Honour, and the hilt of a sword — relics from the field of battle: and the letter described with a good deal of humour how the latter belonged to a commanding officer of the Guard, who having sworn that “the Guard died, but never surrendered,” was taken prisoner the next minute by a private soldier, who broke the Frenchman’s sword with the butt of his musket, when Rawdon made himself master of the shattered weapon. As for the cross and epaulets, they came from a Colonel of French cavalry, who had fallen under the aide-de-camp’s arm in the battle: and Rawdon Crawley did not know what better to do with the spoils than to send them to his kindest and most affectionate old friend. Should he continue to write to her from Paris, whither the army was marching? He might be able to give her interesting news from that capital, and of some of Miss Crawley’s old friends of the emigration, to whom she had shown so much kindness during their distress. Die alte Jungfer veranlaßte die Briggs, dem Oberst einen gnädigen Brief voller Komplimente zu schreiben und ihn aufzufordern, seine Korrespondenz fortzusetzen. Sein erster Brief sei so ausnehmend lebhaft und amüsant gewesen, daß sie den nachfolgenden mit Vergnügen entgegensehe. – »Ich weiß natürlich«, erklärte sie der Briggs, »daß Rawdon ebensowenig imstande ist, einen derartigen Brief zu schreiben, wie Sie, meine arme Briggs, und daß ihm dieses schlaue Teufelchen Rebekka jedes Wort diktiert; das ist aber noch lange kein Grund, daß mein Neffe mich nicht unterhalten sollte, und deshalb will ich ihm zu verstehen geben, daß ich in der besten Laune bin.«   The spinster caused Briggs to write back to the Colonel a gracious and complimentary letter, encouraging him to continue his correspondence. His first letter was so excessively lively and amusing that she should look with pleasure for its successors. — "Of course, I know,” she explained to Miss Briggs, “that Rawdon could not write such a good letter any more than you could, my poor Briggs, and that it is that clever little wretch of a Rebecca, who dictates every word to him; but that is no reason why my nephew should not amuse me; and so I wish to let him understand that I am in high good humour.” Ich möchte gern erfahren, ob sie auch wußte, daß Becky nicht nur die Briefe schrieb, sondern daß Mrs. Rawdon sich auch die Trophäen verschafft und sie nach England geschickt hatte. Sie hatte sie für ein paar Francs von einem der unzähligen Hausierer gekauft, die sofort mit Kriegsandenken zu handeln begannen. Der Verfasser, der alles weiß, weiß auch das. Wie dem aber auch sei, Miss Crawleys gnädige Antwort ermutigte unsere jungen Freunde, Rawdon und seine Gemahlin, sehr. Sie erhofften das Beste von der offenbar besänftigten Laune ihrer Tante und gaben sich alle Mühe, sie durch viele höchst köstliche Briefe aus Paris zu unterhalten, wohin sie das Glück, wie Rawdon sagte, auf den Spuren der siegreichen Armee führte.   I wonder whether she knew that it was not only Becky who wrote the letters, but that Mrs. Rawdon actually took and sent home the trophies which she bought for a few francs, from one of the innumerable pedlars who immediately began to deal in relics of the war. The novelist, who knows everything, knows this also. Be this, however, as it may, Miss Crawley’s gracious reply greatly encouraged our young friends, Rawdon and his lady, who hoped for the best from their aunt’s evidently pacified humour: and they took care to entertain her with many delightful letters from Paris, whither, as Rawdon said, they had the good luck to go in the track of the conquering army. Die Briefe der alten Jungfer an die Pfarrersfrau, die abgereist war, um das gebrochene Schlüsselbein ihres Gatten im Pfarrhaus in Queen's Crawley zu pflegen, waren bei weitem nicht so gnädig. Die energische, ränkevolle, lebhafte, tyrannische Mrs. Bute hatte gegenüber ihrer Schwägerin einen großen Fehler begangen. Sie hatte die Alte und deren Hausstand nicht nur unterdrückt – sie hatte Miss Crawley auch gelangweilt, und wenn die arme Miss Briggs auch nur ein bißchen Temperament und Charakter besessen hätte, so hätte der Auftrag, den ihr ihre Herrin gab, sie glücklich gemacht. Sie sollte nämlich an Mrs. Bute schreiben, Miss Crawleys Zustand habe sich seit der Abreise von Mrs. Bute Crawley bedeutend gebessert, und Miss Crawley bittet sie, sich unter keinen Umständen zu beunruhigen oder ihre Familie um Miss Crawleys willen allein zu lassen. Dieser Triumph über eine Dame, die sich gegenüber Miss Briggs so hochmütig und grausam benommen hatte, hätte die meisten Frauen entzückt; aber um die Wahrheit zu gestehen, war die Briggs eine Frau ohne jegliche Charakterstärke, und in dem Augenblick, wo ihre Feindin besiegt war, begann sie Mitkid für sie zu empfinden.   To the rector’s lady, who went off to tend her husband’s broken collar-bone at the Rectory at Queen’s Crawley, the spinster’s communications were by no means so gracious. Mrs. Bute, that brisk, managing, lively, imperious woman, had committed the most fatal of all errors with regard to her sister-in-law. She had not merely oppressed her and her household — she had bored Miss Crawley; and if poor Miss Briggs had been a woman of any spirit, she might have been made happy by the commission which her principal gave her to write a letter to Mrs. Bute Crawley, saying that Miss Crawley’s health was greatly improved since Mrs. Bute had left her, and begging the latter on no account to put herself to trouble, or quit her family for Miss Crawley’s sake. This triumph over a lady who had been very haughty and cruel in her behaviour to Miss Briggs, would have rejoiced most women; but the truth is, Briggs was a woman of no spirit at all, and the moment her enemy was discomfited, she began to feel compassion in her favour. Wie töricht ich doch war, dachte Mrs. Bute, und damit hatte sie recht, Miss Crawley in dem dummen Brief, den wir ihr mit den Truthühnern schickten, anzudeuten, daß ich kommen würde; ich hätte ohne ein Wort zu der armen geistesschwachen Alten fahren und sie aus den Händen der närrischen Briggs und dieser Harpyie von einer Kammerfrau reißen müssen. O Bute, Bute! Warum hast du dir bloß das Schlüsselbein gebrochen!   “How silly I was,” Mrs. Bute thought, and with reason, “ever to hint that I was coming, as I did, in that foolish letter when we sent Miss Crawley the guinea-fowls. I ought to have gone without a word to the poor dear doting old creature, and taken her out of the hands of that ninny Briggs, and that harpy of a femme de chambre. Oh! Bute, Bute, why did you break your collar-bone?” Ja, warum! Wir haben gesehen, daß Mrs. Bute, als sie das Spiel noch in der Hand hatte, ihre Karten zu gut ausgespielt hatte. Sie hatte in Miss Crawleys Haus völlig geherrscht und wurde völlig geschlagen, als sich eine günstige Gelegenheit zur Rebellion bot. Sie und ihre Familie glaubten jedoch, daß sie das Opfer schrecklicher Selbstsucht und gemeinen Verrates sei und daß man ihre Aufopferung für Miss Crawley mit dem schändlichsten Undank belohnt habe. Rawdons Beförderung und die ehrenvolle Erwähnung seines Namens in der »Gazette« beunruhigten die gute christliche Dame ebenfalls. Würde seine Tante sich jetzt erweichen lassen, da er nun Oberst und Träger des Bathordens geworden war, und diese verhaßte Rebekka wieder in Gnaden aufgenommen werden? Die Pfarrersfrau verfaßte für ihren Mann eine Predigt über die Eitelkeit des militärischen Ruhmes und das Glück der Gottlosen, die der würdige Pfarrer mit seiner salbungsvollsten Stimme ablas, ohne auch nur ein Wort zu verstehen. Einer seiner Zuhörer war Pitt Crawley – Pitt, der mit seinen beiden Halbschwestern zum Gottesdienst gekommen war. Der alte Baronet ließ sich durch nichts mehr bewegen, zur Kirche zu gehen.   Why, indeed? We have seen how Mrs. Bute, having the game in her hands, had really played her cards too well. She had ruled over Miss Crawley’s household utterly and completely, to be utterly and completely routed when a favourable opportunity for rebellion came. She and her household, however, considered that she had been the victim of horrible selfishness and treason, and that her sacrifices in Miss Crawley’s behalf had met with the most savage ingratitude. Rawdon’s promotion, and the honourable mention made of his name in the Gazette, filled this good Christian lady also with alarm. Would his aunt relent towards him now that he was a Lieutenant-Colonel and a C.B.? and would that odious Rebecca once more get into favour? The Rector’s wife wrote a sermon for her husband about the vanity of military glory and the prosperity of the wicked, which the worthy parson read in his best voice and without understanding one syllable of it. He had Pitt Crawley for one of his auditors — Pitt, who had come with his two half-sisters to church, which the old Baronet could now by no means be brought to frequent. Seit Rebekka Sharps Abreise hatte sich der alte Bösewicht zum großen Ärgernis der Grafschaft und zum stummen Abscheu des Sohnes ganz und gar seinem schlechten Lebenswandel ergeben. Die Bänder an Miss Horrocks' Haube wurden immer prächtiger. Die anständigen Familien flohen das Schloß und seinen Besitzer entsetzt. Sir Pitt ging in die Häuser seiner Pächter zum Saufen, und an Markttagen trank er mit den Bauern in Mudbury oder anderen Nachbarorten Grog. Er fuhr mit Miss Horrocks vierspännig in der Familienkutsche nach Southampton, und die Leute aus der Grafschaft erwarteten jede Woche, daß seine Trauung mit ihr in der Provinzzeitung angezeigt würde, und auch sein Sohn erwartete das in sprachloser Angst. Für Mr. Crawley war es in der Tat eine schwere Last; seine Beredsamkeit bei Missionstreffen und anderen religiösen Versammlungen in der Nachbarschaft, wo er immer den Vorsitz geführt und stundenlang gesprochen hatte, war gelähmt; denn sobald er aufstand, fühlte er, daß die Versammlung sagte: »Dies ist der Sohn von dem verworfenen Sir Pitt, der höchstwahrscheinlich jetzt gerade im Wirtshaus sitzt und trinkt.« Einmal, als er von dem unerleuchteten König von Timbuktu und seinen vielen Frauen, die ebenfalls in Finsternis wandelten, sprach, fragte ein angetrunkener Schurke aus der Menge: »Wie viele von der Sorte gibt's denn in Queen's Crawley, Sie junger Pedant Sie?« – zur Bestürzung des Vorstandes und zum Ruin von Mr. Pitts Rede. Die beiden Töchter des Hauses wären vollkommen verwildert (denn Sir Pitt schwor, daß nie wieder eine Gouvernante seine Schwelle betreten dürfe), wenn nicht Mr. Crawley den alten Herrn durch Drohungen gezwungen hätte, sie zur Schule zu schicken.   Since the departure of Becky Sharp, that old wretch had given himself up entirely to his bad courses, to the great scandal of the county and the mute horror of his son. The ribbons in Miss Horrocks’s cap became more splendid than ever. The polite families fled the hall and its owner in terror. Sir Pitt went about tippling at his tenants’ houses; and drank rum-and-water with the farmers at Mudbury and the neighbouring places on market-days. He drove the family coach-and-four to Southampton with Miss Horrocks inside: and the county people expected, every week, as his son did in speechless agony, that his marriage with her would be announced in the provincial paper. It was indeed a rude burthen for Mr. Crawley to bear. His eloquence was palsied at the missionary meetings, and other religious assemblies in the neighbourhood, where he had been in the habit of presiding, and of speaking for hours; for he felt, when he rose, that the audience said, “That is the son of the old reprobate Sir Pitt, who is very likely drinking at the public house at this very moment.” And once when he was speaking of the benighted condition of the king of Timbuctoo, and the number of his wives who were likewise in darkness, some gipsy miscreant from the crowd asked, “How many is there at Queen’s Crawley, Young Squaretoes?” to the surprise of the platform, and the ruin of Mr. Pitt’s speech. And the two daughters of the house of Queen’s Crawley would have been allowed to run utterly wild (for Sir Pitt swore that no governess should ever enter into his doors again), had not Mr. Crawley, by threatening the old gentleman, forced the latter to send them to school. Welche persönlichen Differenzen aber auch zwischen allen bestanden – Miss Crawleys liebe Neffen und Nichten waren sich einig in der Liebe zu ihrer Tante, wie wir bereit erwähnten, und sandten ihr viele Beweise ihrer Zuneigung. Mrs. Bute zum Beispiel schickte ihr Truthühner und besonders schönen Blumenkohl und eine hübsche Börse oder ein Nadelkissen, von ihren lieben Töchtern gearbeitet, die um ein kleines Plätzchen im Herzen ihrer teuren Tante baten, während Mr. Pitt Pfirsiche, Trauben und Wildbret aus dem Schloß schickte. Die Southamptoner Postkutsche pflegte diese Liebeszeichen zu Miss Crawley nach Brighton zu bringen ; zuweilen beförderte sie auch Mr. Pitt dorthin, denn seine Zwistigkeiten mit Sir Pitt veranlaßten Mr. Crawley, sich jetzt häufig von zu Hause fernzuhalten. Außerdem besaß Brighton eine Anziehungskraft für ihn in der Person der Lady Jane Sheepshanks, deren Verlobung mit Mr. Crawley in dieser Geschichte schon erwähnt wurde. Lady Jane und ihre Schwestern wohnten in Brighton bei der Mama, der Gräfin Southdown, einer strengen Dame, die in religiösen Kreisen sehr geschätzt war.   Meanwhile, as we have said, whatever individual differences there might be between them all, Miss Crawley’s dear nephews and nieces were unanimous in loving her and sending her tokens of affection. Thus Mrs. Bute sent guinea-fowls, and some remarkably fine cauliflowers, and a pretty purse or pincushion worked by her darling girls, who begged to keep a little place in the recollection of their dear aunt, while Mr. Pitt sent peaches and grapes and venison from the Hall. The Southampton coach used to carry these tokens of affection to Miss Crawley at Brighton: it used sometimes to convey Mr. Pitt thither too: for his differences with Sir Pitt caused Mr. Crawley to absent himself a good deal from home now: and besides, he had an attraction at Brighton in the person of the Lady Jane Sheepshanks, whose engagement to Mr. Crawley has been formerly mentioned in this history. Her Ladyship and her sisters lived at Brighton with their mamma, the Countess Southdown, that strong-minded woman so favourably known in the serious world. Wir müssen einige Worte über Lady Southdown und ihre adlige Familie sagen, die jetzt und in Zukunft durch verwandtschaftliche Bande mit dem Hause Crawley verknüpft ist. Vom Haupt der Familie Southdown, Clemens William, dem vierten Grafen Southdown, ist wenig zu sagen, höchstens daß Seine Lordschaft (als Lord Wolsey) durch den Beistand von Mr. Wilberforce ins Parlament kam, dort eine Zeitlang seinem politischen Paten alle Ehre machte und zweifellos ein ernsthafter junger Mann war. Worte aber können nicht die Gefühle seiner trefflichen Mutter beschreiben, als diese kurz nach dem Ableben ihres edlen Gatten erfuhr, daß ihr Sohn Mitglied mehrerer weltlicher Klubs sei, große Summen bei Wattiers und im »Kakaobaum« verloren, Geld auf ihren Tod aufgenommen und den Familienbesitz schwer belastet habe, daß er vierspännig fahre, Preisboxer fördere und sogar eine Loge in der Oper habe, wo er sich mit einer sehr gefährlichen Gruppe von Junggesellen eingelassen habe. Sein Name wurde im Kreise der verwitweten Gräfin nur noch unter Stöhnen erwähnt.   A few words ought to be said regarding her Ladyship and her noble family, who are bound by ties of present and future relationship to the house of Crawley. Respecting the chief of the Southdown family, Clement William, fourth Earl of Southdown, little need be told, except that his Lordship came into Parliament (as Lord Wolsey) under the auspices of Mr. Wilberforce, and for a time was a credit to his political sponsor, and decidedly a serious young man. But words cannot describe the feelings of his admirable mother, when she learned, very shortly after her noble husband’s demise, that her son was a member of several worldly clubs, had lost largely at play at Wattier’s and the Cocoa Tree; that he had raised money on post-obits, and encumbered the family estate; that he drove four-in-hand, and patronised the ring; and that he actually had an opera-box, where he entertained the most dangerous bachelor company. His name was only mentioned with groans in the dowager’s circle. Lady Emily war um viele Jahre älter als ihr Bruder. In der frommen Welt nahm sie als Verfasserin einiger der schon früher erwähnten anmutigen Traktate und vieler Hymnen und geistlichen Lieder eine bedeutende Stellung ein. Eine reife Jungfrau, die alle Gedanken an eine Ehe aufgegeben hatte, konzentrierte sie fast alle ihre Gefühle auf die Liebe zu den Negern. Wenn ich mich nicht täusche, so verdanken wir ihr, soviel ich weiß, auch das schöne Gedicht:   The Lady Emily was her brother’s senior by many years; and took considerable rank in the serious world as author of some of the delightful tracts before mentioned, and of many hymns and spiritual pieces. A mature spinster, and having but faint ideas of marriage, her love for the blacks occupied almost all her feelings. It is to her, I believe, we owe that beautiful poem. Führ uns im atlant'schen Meere zu den sonnenumglänzten Inseln, wo der Himmel ewig lächelt und die Schwarzen ewig winseln etc.    Lead us to some sunny isle,     Yonder in the western deep;     Where the skies for ever smile,     And the blacks for ever weep, \&c. Sie stand in Briefwechsel mit vielen geistlichen Herren in fast allen englischen Besitzungen in Ost- und Westindien, und das Gerücht geht, sie habe einst eine Neigung zu Ehrwürden Silas Hornblower gehegt, der auf einer Südseeinsel tätowiert worden war.   She had correspondences with clerical gentlemen in most of our East and West India possessions; and was secretly attached to the Reverend Silas Hornblower, who was tattooed in the South Sea Islands. Lady Jane, der, wie bereits erwähnt, Mr. Crawleys Liebe galt, war ein sanftes, stilles, scheues Mädchen, das leicht errötete. Trotz seiner Abtrünnigkeit weinte sie um ihren Bruder und schämte sich, daß sie ihn noch liebte. Selbst jetzt noch schmuggelte sie ihm kleine eilige Briefchen zu, die sie verstohlen zur Post brachte. Ein einziges entsetzliches Geheimnis lastete auf ihrem Gewissen: Zusammen mit der alten Haushälterin hatte sie ihrem Bruder einen heimlichen Besuch in seiner Wohnung im Albany abgestattet und ihn – den unartigen, verworfenen, lieben Tunichtgut – bei einer Zigarre und einer Flasche Curaçao gefunden. Sie bewunderte ihre Schwester, vergötterte ihre Mutter, hielt Mr. Crawley nächst dem gefallenen Engel Southdown für den besten und fähigsten aller Männer. Mutter und Schwester, sehr überlegene Damen, erledigten alles für sie und betrachteten sie mit dem liebenswürdigen Mitleid, das wahrhaft überlegene Frauen stets aus einem großen Vorrat zu verschenken haben. Ihre Mama schrieb ihr die Kleider, Bücher, Hüte und Gedanken vor. Sie mußte auf dem Pony reiten, Klavierstunden nehmen und alle möglichen anderen Mittel zur körperlichen Ertüchtigung anwenden, wie es Lady Southdown für angemessen hielt. Die Gräfin hätte ihre Tochter wohl bis zu ihrem gegenwärtigen sechsundzwanzigsten Lebensjahr mit einem Kinderschürzchen herumlaufen lassen, wenn Lady Jane das nicht hätte ablegen müssen, als sie der Königin Charlotte vorgestellt wurde.   As for the Lady Jane, on whom, as it has been said, Mr. Pitt Crawley’s affection had been placed, she was gentle, blushing, silent, and timid. In spite of his falling away, she wept for her brother, and was quite ashamed of loving him still. Even yet she used to send him little hurried smuggled notes, and pop them into the post in private. The one dreadful secret which weighed upon her life was, that she and the old housekeeper had been to pay Southdown a furtive visit at his chambers in the Albany; and found him — O the naughty dear abandoned wretch! — smoking a cigar with a bottle of Curacao before him. She admired her sister, she adored her mother, she thought Mr. Crawley the most delightful and accomplished of men, after Southdown, that fallen angel: and her mamma and sister, who were ladies of the most superior sort, managed everything for her, and regarded her with that amiable pity, of which your really superior woman always has such a share to give away. Her mamma ordered her dresses, her books, her bonnets, and her ideas for her. She was made to take pony-riding, or piano-exercise, or any other sort of bodily medicament, according as my Lady Southdown saw meet; and her ladyship would have kept her daughter in pinafores up to her present age of six-and-twenty, but that they were thrown off when Lady Jane was presented to Queen Charlotte. In der ersten Zeit ihres Aufenthalts in Brighton stattete Mr. Crawley nur ihnen seine persönlichen Besuche ab, während er sich damit begnügte, im Hause seiner Tante nur seine Karte abzugeben und sich bei Mr. Bowls oder dessen Gehilfen nach der Gesundheit der Patientin zu erkundigen. Wenn Mr. Crawley Miss Briggs auf ihrem Heimweg von der Bibliothek mit einer Ladung Romane unter dem Arm traf und der Gesellschafterin von Miss Crawley die Hand schüttelte, so errötete er, was bei ihm sonst gar nicht üblich war. Er stellte Miss Briggs der Dame, mit der er spazierenging (es war Lady Jane Sheepshanks), vor mit den Worten: »Lady Jane, erlauben Sie mir, Ihnen die beste Freundin und liebevollste Gefährtin meiner Tante, Miss Briggs, vorzustellen, die Sie unter einem anderen Namen bereits kennen, nämlich als Verfasserin der entzückenden ›Lyrik des Herzens‹, die Sie doch so sehr lieben.« Lady Jane errötete ebenfalls, als sie Miss Briggs freundlich das Händchen reichte. Dabei sagte sie höflich und unzusammenhängend etwas über die Mama und ihre Absicht, Miss Crawley ihre Aufwartung zu machen, und wie froh sie sei, die Freunde und Verwandten von Mr. Crawley kennenzulernen. Mit sanften Taubenaugen verabschiedete sie sich von Miss Briggs, während Pitt Crawley sie mit einer tiefen höflichen Verbeugung beehrte, wie er sie der Großherzogin von Pumpernickel gemacht hatte, als er noch Attaché am Hofe dort war.   When these ladies first came to their house at Brighton, it was to them alone that Mr. Crawley paid his personal visits, contenting himself by leaving a card at his aunt’s house, and making a modest inquiry of Mr. Bowls or his assistant footman, with respect to the health of the invalid. When he met Miss Briggs coming home from the library with a cargo of novels under her arm, Mr. Crawley blushed in a manner quite unusual to him, as he stepped forward and shook Miss Crawley’s companion by the hand. He introduced Miss Briggs to the lady with whom he happened to be walking, the Lady Jane Sheepshanks, saying, “Lady Jane, permit me to introduce to you my aunt’s kindest friend and most affectionate companion, Miss Briggs, whom you know under another title, as authoress of the delightful ’Lyrics of the Heart,’ of which you are so fond.” Lady Jane blushed too as she held out a kind little hand to Miss Briggs, and said something very civil and incoherent about mamma, and proposing to call on Miss Crawley, and being glad to be made known to the friends and relatives of Mr. Crawley; and with soft dove-like eyes saluted Miss Briggs as they separated, while Pitt Crawley treated her to a profound courtly bow, such as he had used to H.H. the Duchess of Pumpernickel, when he was attache at that court. Dieser gerissene Diplomat und echte Schüler des machiavellistischen Binkie! Er war es, der Lady Jane das Exemplar von Miss Briggs' frühen Gedichten gegeben hatte, da er sich erinnerte, es mit einer Widmung der Dichterin an die verstorbene Frau seines Vaters in Queen's Crawley gesehen zu haben; und er hatte den Band nach Brighton mitgebracht. Ehe er ihn der sanften Lady Jane überreichte, hatte er ihn in der Southamptoner Postkutsche gelesen und mit Bleistift verschiedene Stellen angestrichen.   The artful diplomatist and disciple of the Machiavellian Binkie! It was he who had given Lady Jane that copy of poor Briggs’s early poems, which he remembered to have seen at Queen’s Crawley, with a dedication from the poetess to his father’s late wife; and he brought the volume with him to Brighton, reading it in the Southampton coach and marking it with his own pencil, before he presented it to the gentle Lady Jane. Er war es auch, der Lady Southdown die großen Vorteile auseinandergesetzt hatte, die sich aus der Freundschaft zwischen ihrer Familie und Miss Crawley ergeben könnten – Vorteile weltlicher als auch geistlicher Art, wie er sagte; denn Miss Crawley sei jetzt ganz allein; die gräßliche Verschwendungssucht und die Heirat seines Bruders Rawdon hätte diesem verworfenen jungen Mann ihre Zuneigung völlig verscherzt, und die habgierige Tyrannei und der Geiz von Mrs. Bute Crawley hätten die alte Dame dazu gebracht, sich gegen die unverschämten Ansprüche dieses Familienzweiges aufzulehnen. Obwohl er sich sein ganzes Leben hindurch, vielleicht in ungebührlichem Stolz, zurückgehalten habe, ihre Freundschaft zu erwerben, so glaube er jetzt doch, daß man alle schicklichen Mittel ergreifen müsse, um ihre Seele vor dem Verderben zu retten und ihr Vermögen ihm, als dem Haupt des Hauses Crawley, zu sichern.   It was he, too, who laid before Lady Southdown the great advantages which might occur from an intimacy between her family and Miss Crawley — advantages both worldly and spiritual, he said: for Miss Crawley was now quite alone; the monstrous dissipation and alliance of his brother Rawdon had estranged her affections from that reprobate young man; the greedy tyranny and avarice of Mrs. Bute Crawley had caused the old lady to revolt against the exorbitant pretensions of that part of the family; and though he himself had held off all his life from cultivating Miss Crawley’s friendship, with perhaps an improper pride, he thought now that every becoming means should be taken, both to save her soul from perdition, and to secure her fortune to himself as the head of the house of Crawley. Die gestrenge Lady Southdown zollte den beiden Vorschlägen ihres Schwiegersohns Beifall und war dafür, Miss Crawley unverzüglich zu bekehren. Dort, wo sie zu Hause war, in Southdown und in Schloß Trottermore, fuhr diese große und furchtbare Missionarin der Wahrheit in ihrer Kutsche mit Vorreitern auf dem Lande umher und verteilte Pakete von Traktaten unter die Dorfbewohner und Pächter. Sie befahl dem Gevatter Jones, sich bekehren zu lassen, wie sie der Muhme Hicks anordnete, eine Dosis Bittersalz zu nehmen, und sie beachtete weder Bitten noch Widerstand und kannte keine Gnade. Lord Southdown, ihr seliger Gemahl, ein epileptischer und einfältiger Edelmann, hatte gewöhnlich allem, was seine Matilda tat oder dachte, zugestimmt. Sie empfand bei allen Wandlungen in ihrem Glauben (und der hatte sich schon einer ganzen Anzahl verschiedener Meinungen von allen möglichen Geistlichen unter den Dissenters angepaßt) keine Skrupel, ihren Pächtern und Untergebenen zu befehlen, ihr im Glauben zu folgen. Ob sie nun Ehrwürden Saunders McNitre, den schottischen Geistlichen, empfing oder Ehrwürden Luke Waters, den milden Wesleyaner, oder Ehrwürden Giles Jowls, den erleuchteten Schuhflicker, der sich selbst zum Geistlichen ernannt hatte, wie Napoleon sich zum Kaiser krönte – Lady Southdown verlangte von ihrem Dienstpersonal, ihren Kindern und Pächtern, mit ihr auf die Knie zu fallen und amen zu den jeweiligen Gebeten eines jeden dieser Geistlichen zu sagen. Während dieser geistlichen Übungen durfte der alte Southdown, mit Rücksicht auf seine Krankheit, in seinem Zimmer bleiben, Glühwein trinken und sich die Zeitung vorlesen lassen. Lady Jane war die Lieblingstochter des alten Grafen. Sie liebte ihn herzlich und behütete ihn. Lady Emily dagegen, die Verfasserin der »Apfelfrau von Finchley«, stellte die künftigen Strafen so entsetzlich dar (zu jener Zeit zumindest, denn ihre Ansichten milderten sich später), daß sie den furchtsamen alten Herrn in großen Schrecken versetzte. Die Ärzte erklärten, daß seine Anfälle stets nach den Predigten der Lady aufträten.   The strong-minded Lady Southdown quite agreed in both proposals of her son-in-law, and was for converting Miss Crawley off-hand. At her own home, both at Southdown and at Trottermore Castle, this tall and awful missionary of the truth rode about the country in her barouche with outriders, launched packets of tracts among the cottagers and tenants, and would order Gaffer Jones to be converted, as she would order Goody Hicks to take a James’s powder, without appeal, resistance, or benefit of clergy. My Lord Southdown, her late husband, an epileptic and simple-minded nobleman, was in the habit of approving of everything which his Matilda did and thought. So that whatever changes her own belief might undergo (and it accommodated itself to a prodigious variety of opinion, taken from all sorts of doctors among the Dissenters) she had not the least scruple in ordering all her tenants and inferiors to follow and believe after her. Thus whether she received the Reverend Saunders McNitre, the Scotch divine; or the Reverend Luke Waters, the mild Wesleyan; or the Reverend Giles Jowls, the illuminated Cobbler, who dubbed himself Reverend as Napoleon crowned himself Emperor — the household, children, tenantry of my Lady Southdown were expected to go down on their knees with her Ladyship, and say Amen to the prayers of either Doctor. During these exercises old Southdown, on account of his invalid condition, was allowed to sit in his own room, and have negus and the paper read to him. Lady Jane was the old Earl’s favourite daughter, and tended him and loved him sincerely: as for Lady Emily, the authoress of the “Washerwoman of Finchley Common,” her denunciations of future punishment (at this period, for her opinions modified afterwards) were so awful that they used to frighten the timid old gentleman her father, and the physicians declared his fits always occurred after one of her Ladyship’s sermons. »Ich werde ihr auf jeden Fall einen Besuch abstatten«, erwiderte Lady Southdown auf das Zureden von ihrer Tochter pretendu, Mr. Pitt Crawley. »Wer ist Miss Crawleys Arzt?«   “I will certainly call,” said Lady Southdown then, in reply to the exhortation of her daughter’s pretendu, Mr. Pitt Crawley — "Who is Miss Crawley’s medical man?” Mr. Crawley nannte Mr. Creamer.   Mr. Crawley mentioned the name of Mr. Creamer. »Ein höchst gefährlicher und unwissender Mensch, mein lieber Pitt. Die Vorsehung hat mich ein paarmal zum Werkzeug gemacht, ihn aus verschiedenen Häusern zu vertreiben; in ein oder zwei Fällen kam ich allerdings zu spät. Ich konnte den armen lieben General Glanders nicht retten, der diesem unwissenden Menschen unter den Händen starb – ja, starb. Er erholte sich ein wenig infolge von Podgers' Pillen, die ich ihm verordnete, aber leider, es war zu spät. Er hatte jedoch einen schönen Tod, und der Wechsel war nur zu seinem Besten. Creamer, mein teurer Pitt, muß von Ihrer Tante weg.«   “A most dangerous and ignorant practitioner, my dear Pitt. I have providentially been the means of removing him from several houses: though in one or two instances I did not arrive in time. I could not save poor dear General Glanders, who was dying under the hands of that ignorant man — dying. He rallied a little under the Podgers’ pills which I administered to him; but alas! it was too late. His death was delightful, however; and his change was only for the better; Creamer, my dear Pitt, must leave your aunt.” Pitt stimmte durchaus zu; er war von der Energie seiner künftigen Schwiegermutter und edlen Verwandten beeinflußt und hatte Saunders McNitre, Luke Waters, Giles Jowls, Podgers' Pillen, Rodgers' Pillen, Pokeys Elixier, kurz, alle geistlichen und weltlichen Heilmittel der Lady akzeptieren müssen. Er verließ ihr Haus nie ohne ganze Ladungen von Quacksalbertheologie und –medizin. Oh, meine teuren Brüder und Genossen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit! Wer von euch hat nicht auch unter solchen wohlwollenden Despoten zu leiden? Umsonst sagt man ihnen: »Liebe gnädige Frau, auf Ihre Empfehlung hin habe ich im vergangenen Jahr Podgers' Arznei eingenommen und glaube daran. Warum, warum soll ich jetzt widerrufen und Rodgers' Artikel nehmen?« Man kann nichts dagegen tun. Wenn die treue Proselytenmacherin einen nicht mehr mit Argumenten überzeugen kann, dann beginnt sie zu weinen, bis der Widerspenstige am Ende des Streites die Pille schluckt und sagt: »Nun gut, dann also Rodgers' Pillen.«   Pitt expressed his perfect acquiescence. He, too, had been carried along by the energy of his noble kinswoman, and future mother-in-law. He had been made to accept Saunders McNitre, Luke Waters, Giles Jowls, Podgers’ Pills, Rodgers’ Pills, Pokey’s Elixir, every one of her Ladyship’s remedies spiritual or temporal. He never left her house without carrying respectfully away with him piles of her quack theology and medicine. O, my dear brethren and fellow-sojourners in Vanity Fair, which among you does not know and suffer under such benevolent despots? It is in vain you say to them, “Dear Madam, I took Podgers’ specific at your orders last year, and believe in it. Why, why am I to recant and accept the Rodgers’ articles now?” There is no help for it; the faithful proselytizer, if she cannot convince by argument, bursts into tears, and the refusant finds himself, at the end of the contest, taking down the bolus, and saying, “Well, well, Rodgers’ be it.” »Auch um ihren Seelenzustand«, fuhr die Dame fort, »müssen wir uns sofort kümmern; wenn Creamer um sie ist, kann sie jeden Tag sterben, und in welcher Verfassung, mein lieber Pitt, in welcher entsetzlichen Verfassung! Ich werde ihr sofort Ehrwürden Irans schicken. Jane, schreib eine Zeile an Ehrwürden Bartholomew Irons, in der dritten Person, und sage ihm, daß ich mir das Vergnügen seiner Gesellschaft heute abend halb sieben Uhr zum Tee erbitte. Er kann andere sehr gut erwecken, und er muß sich Miss Crawley ansehen, ehe sie heute abend zur Ruhe geht. Und Emily, mein Herz, mach ein Paket Bücher für Miss Crawley fertig. Nimm ›Eine Stimme aus den Flammen‹, ›Ein warnender Trompetenstoß für Jericho‹ und ›Die zerbrochenen Fleischtöpfe oder Der bekehrte Kannibale‹.«   “And as for her spiritual state,” continued the Lady, “that of course must be looked to immediately: with Creamer about her, she may go off any day: and in what a condition, my dear Pitt, in what a dreadful condition! I will send the Reverend Mr. Irons to her instantly. Jane, write a line to the Reverend Bartholomew Irons, in the third person, and say that I desire the pleasure of his company this evening at tea at half-past six. He is an awakening man; he ought to see Miss Crawley before she rests this night. And Emily, my love, get ready a packet of books for Miss Crawley. Put up ’A Voice from the Flames,’ ‘A Trumpet-warning to Jericho,’ and the ‘Fleshpots Broken; or, the Converted Cannibal.’” »Und ›Die Apfelfrau von Finchley‹, Mama«, fügte sie hinzu. »Es wird das beste sein, sanft anzufangen.«   “And the ‘Washerwoman of Finchley Common,’ Mamma,” said Lady Emily. “It is as well to begin soothingly at first.” »Halt, meine lieben Damen«, fiel Pitt, der Diplomat, ein. »Bei aller Achtung für die Ansicht meiner geliebten und hochverehrten Lady Southdown halte ich es nicht für ratsam, Miss Crawley so früh mit religiösen Themen zu kommen. Denken Sie an ihre zarte Gesundheit und wie wenig, wie äußerst wenig sie bisher gewohnt war, Betrachtungen über ihr ewiges Seelenheil anzustellen.«   “Stop, my dear ladies,” said Pitt, the diplomatist. “With every deference to the opinion of my beloved and respected Lady Southdown, I think it would be quite unadvisable to commence so early upon serious topics with Miss Crawley. Remember her delicate condition, and how little, how very little accustomed she has hitherto been to considerations connected with her immortal welfare.” »Können wir denn zu zeitig anfangen?« fragte Lady Emily, die schon mit sechs Broschüren in der Hand aufstand.   “Can we then begin too early, Pitt?” said Lady Emily, rising with six little books already in her hand. »Wenn Sie zu plötzlich damit anfangen, werden Sie sie nur erschrecken. Ich kenne die weltliche Natur meiner Tante sehr gut und bin überzeugt, jeder plötzliche Bekehrungsversuch würde ein sehr schlechtes Mittel sein, das Seelenheil dieser unglücklichen Dame zu gewinnen. Man kann sie damit nur ängstigen und ärgern. Sie wird höchstwahrscheinlich die Bücher fortwerfen und die Bekanntschaft mit den Gebern ablehnen.«   “If you begin abruptly, you will frighten her altogether. I know my aunt’s worldly nature so well as to be sure that any abrupt attempt at conversion will be the very worst means that can be employed for the welfare of that unfortunate lady. You will only frighten and annoy her. She will very likely fling the books away, and refuse all acquaintance with the givers.” »Pitt, Sie sind ebenso weltlich wie Miss Crawley«, sagte Emily und stolzierte mit ihren Büchern aus dem Zimmer.   “You are as worldly as Miss Crawley, Pitt,” said Lady Emily, tossing out of the room, her books in her hand. »Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu erklären, meine liebe Lady Southdown«, fuhr Pitt, ohne die Unterbrechung zu beachten, mit leiser Stimme fort, »wie verhängnisvoll sich auch nur ein kleiner Mangel an Sanftmut und Vorsicht für alle Hoffnungen auf die weltlichen Güter meiner Tante erweisen könnte. Denken Sie daran, daß sie siebzigtausend Pfund besitzt; denken Sie an ihr Alter, ihre Nervosität und ihre zarte Gesundheit überhaupt. Ich weiß, daß sie das Testament, das zugunsten meines Bruders (Oberst Crawley) lautete, vernichtet hat. Nur durch besänftigende Mittel können wir diese verwundete Seele auf den rechten Pfad bringen, nicht aber, indem wir sie erschrecken, und deshalb glaube ich, Sie werden mit mir übereinstimmen, daß .. daß ...«   “And I need not tell you, my dear Lady Southdown,” Pitt continued, in a low voice, and without heeding the interruption, “how fatal a little want of gentleness and caution may be to any hopes which we may entertain with regard to the worldly possessions of my aunt. Remember she has seventy thousand pounds; think of her age, and her highly nervous and delicate condition; I know that she has destroyed the will which was made in my brother’s (Colonel Crawley’s) favour: it is by soothing that wounded spirit that we must lead it into the right path, and not by frightening it; and so I think you will agree with me that — that — ’ »Natürlich, natürlich«, bemerkte Lady Southdown. »Jane, mein Liebling, du brauchst Mr. Irons das Billett nicht zu schicken. Wenn ihre Gesundheit so schwach ist, daß Diskussionen sie erschöpfen, dann wollen wir warten, bis es ihr besser geht. Ich will Miss Crawley morgen besuchen.«   “Of course, of course,” Lady Southdown remarked. “Jane, my love, you need not send that note to Mr. Irons. If her health is such that discussions fatigue her, we will wait her amendment. I will call upon Miss Crawley tomorrow.” »Und wenn ich mir einen Vorschlag erlauben dürfte, meine Gnädigste«, fuhr Pitt in einschmeichelndem Ton fort, »so wäre es wohl gut, unsere vortreffliche Emily nicht mitzunehmen, sie ist zu enthusiastisch. Lassen Sie sich lieber von unserer sanften lieben Lady Jane begleiten.«   “And if I might suggest, my sweet lady,” Pitt said in a bland tone, “it would be as well not to take our precious Emily, who is too enthusiastic; but rather that you should be accompanied by our sweet and dear Lady Jane.” »Gewiß, Emily würde alles verderben«, sagte Lady Southdown und ließ sich für dieses Mal überreden, von ihrer gewöhnlichen Methode abzugehen. Die bestand, wie wir gesagt haben, darin, daß sie eine Anzahl Traktate auf den abfeuerte, den sie unterwerfen wollte, ehe sie sich persönlich mit dem Bedrohten befaßte (wie die Franzosen ihren Angriff stets mit einer wütenden Kanonade einleiten). Lady Southdown ließ sich herbei, aus Rücksicht auf die Gesundheit der Patientin oder auf ihr ewiges Seelenheil oder auf ihr Geld, sich nicht zu überstürzen.   “Most certainly, Emily would ruin everything,” Lady Southdown said; and this time agreed to forego her usual practice, which was, as we have said, before she bore down personally upon any individual whom she proposed to subjugate, to fire in a quantity of tracts upon the menaced party (as a charge of the French was always preceded by a furious cannonade). Lady Southdown, we say, for the sake of the invalid’s health, or for the sake of her soul’s ultimate welfare, or for the sake of her money, agreed to temporise. Am nächsten Tage fuhr die große Familienkutsche der Damen Southdown bei Miss Crawley vor. Am Schlag konnte man die Grafenkrone und das Wappen bewundern, auf dem sich im grünen Feld die drei silbernen springenden Lämmer der Southdowns mit dem schwarzgoldenen Schrägbalken und den roten Schnupftabakdosen der Binkies befand. Und der große, ernsthafte Lakai überreichte Mr. Bowls die Karten der Ladys für Miss Crawley und eine für Miss Briggs. Als Ausgleich schickte Lady Emily am Abend ein Paket für Miss Briggs, das ein Exemplar der »Apfelfrau« und andere milde und beliebte Traktate zu Miss Briggs' eigenem Gebrauch und ein paar viel kräftigere für die Dienstboten enthielt, nämlich »Brosamen aus der Speisekammer«, »Bratpfanne und Feuer« und »Die Livree der Sünde«.   The next day, the great Southdown female family carriage, with the Earl’s coronet and the lozenge (upon which the three lambs trottant argent upon the field vert of the Southdowns, were quartered with sable on a bend or, three snuff-mulls gules, the cognizance of the house of Binkie), drove up in state to Miss Crawley’s door, and the tall serious footman handed in to Mr. Bowls her Ladyship’s cards for Miss Crawley, and one likewise for Miss Briggs. By way of compromise, Lady Emily sent in a packet in the evening for the latter lady, containing copies of the “Washerwoman,” and other mild and favourite tracts for Miss B.’s own perusal; and a few for the servants’ hall, viz .: “Crumbs from the Pantry,” “The Frying Pan and the Fire,” and “The Livery of Sin,” of a much stronger kind. 34. Kapitel / Chapter 34 James Crawleys Pfeife wird ausgelöscht / James Crawley’s Pipe Is Put Out Das liebenswürdige Benehmen Mr. Crawleys und Lady Janes freundliche Begrüßung schmeichelten Miss Briggs sehr, und als die Karten der Familie Southdown Miss Crawley überbracht worden waren, legte sie ein gutes Wort für Lady Jane ein. Daß die Karte einer Gräfin persönlich für sie abgegeben wurde, freute die arme freundlose Gesellschafterin nicht wenig. »Ich möchte wissen, was Lady Southdown damit bezweckte, als sie für Sie auch eine Karte abgab, Miss Briggs«, meinte die republikanische Miss Crawley, worauf ihre Gefährtin bescheiden erwiderte, »sie hoffe, es erwecke keinen Anstoß, daß eine vornehme Lady von einer armen Dame Notiz nähme«. Die Karte legte sie in ihr Arbeitskästchen zu ihren teuersten privaten Schätzen. So erzählte Miss Briggs auch, daß sie tags zuvor Mr. Crawley mit seiner Cousine und langjährigen Braut getroffen habe, und wie freundlich und sanft die Dame ausgesehen habe, und wie schlicht, um nicht zu sagen einfach, ihre Kleidung gewesen sei, deren Bestandteile sie vom Hut bis zu den Stiefelchen mit weiblicher Genauigkeit beschrieb und beurteilte.   The amiable behaviour of Mr. Crawley, and Lady Jane’s kind reception of her, highly flattered Miss Briggs, who was enabled to speak a good word for the latter, after the cards of the Southdown family had been presented to Miss Crawley. A Countess’s card left personally too for her, Briggs, was not a little pleasing to the poor friendless companion. “What could Lady Southdown mean by leaving a card upon you, I wonder, Miss Briggs?” said the republican Miss Crawley; upon which the companion meekly said “that she hoped there could be no harm in a lady of rank taking notice of a poor gentlewoman,” and she put away this card in her work-box amongst her most cherished personal treasures. Furthermore, Miss Briggs explained how she had met Mr. Crawley walking with his cousin and long affianced bride the day before: and she told how kind and gentle-looking the lady was, and what a plain, not to say common, dress she had, all the articles of which, from the bonnet down to the boots, she described and estimated with female accuracy. Miss Crawley ließ die Briggs ohne große Unterbrechung weiterschwätzen. Sobald ihre Gesundheit sich besserte, sehnte sie sich nach Gesellschaft. Ihr Arzt, Mr. Creamer, wollte nichts davon hören, daß sie zu ihren alten Vergnügungen und Zerstreuungen in London zurückkehrte. Die alte Jungfer war nur zu froh, in Brighton überhaupt Gesellschaft zu finden, und erwiderte nicht nur die Karten schon am nächsten Tag, sondern lud sogar Pitt Crawley sehr gnädig ein, seine Tante zu besuchen. Er kam und brachte Lady Southdown und ihre Tochter mit. Die verwitwete Gräfin verlor kein Wort über Miss Crawleys Seelenheil, sondern sprach mit viel Taktgefühl vom Wetter, dem Krieg und dem Sturz des Ungeheuers Bonaparte, vor allem aber von den Ärzten, Quacksalbern und den besonderen Verdiensten Dr. Podgers', dessen Gönnerin sie gerade war.   Miss Crawley allowed Briggs to prattle on without interrupting her too much. As she got well, she was pining for society. Mr. Creamer, her medical man, would not hear of her returning to her old haunts and dissipation in London. The old spinster was too glad to find any companionship at Brighton, and not only were the cards acknowledged the very next day, but Pitt Crawley was graciously invited to come and see his aunt. He came, bringing with him Lady Southdown and her daughter. The dowager did not say a word about the state of Miss Crawley’s soul; but talked with much discretion about the weather: about the war and the downfall of the monster Bonaparte: and above all, about doctors, quacks, and the particular merits of Dr. Podgers, whom she then patronised. Während der Unterhaltung führte Pitt Crawley einen Hauptstreich und bewies damit, daß er ein großer Diplomat hätte werden können, wäre nicht seine Karriere durch anfängliche Nachlässigkeit verhindert worden. Als die verwitwete Gräfin Southdown nach der damaligen Mode über den korsischen Emporkömmling herzog und erklärte, er sei ein Ungeheuer und mit allen möglichen Verbrechen befleckt, ein lebensuntauglicher Feigling und Tyrann, dessen Sturz schon längst prophezeit sei, ergriff Pitt Crawley plötzlich Partei für den Mann des Schicksals. Er beschrieb den Ersten Konsul, wie er ihn nach dem Frieden von Amiens in Paris gesehen hatte, als er, Pitt Crawley, das Vergnügen gehabt, die Bekanntschaft des großen und guten Mr. Fox zu machen, eines Staatsmannes, den er trotz verschiedener abweichender Ansichten unbedingt glühend bewundern müsse, eines Staatsmannes, der stets die höchste Meinung vom Kaiser Napoleon gehegt hatte. Er ereiferte sich gegen die treulose Behandlung des entthronten Monarchen durch die Alliierten. Nachdem er sich nämlich edelmütig ihrer Gnade ausgeliefert hätte, sei er in eine unwürdige und grausame Verbannung geschleppt worden, während an seiner Statt ein bigotter päpstlicher Pöbel Frankreich tyrannisierte.   During their interview Pitt Crawley made a great stroke, and one which showed that, had his diplomatic career not been blighted by early neglect, he might have risen to a high rank in his profession. When the Countess Dowager of Southdown fell foul of the Corsican upstart, as the fashion was in those days, and showed that he was a monster stained with every conceivable crime, a coward and a tyrant not fit to live, one whose fall was predicted, \&c., Pitt Crawley suddenly took up the cudgels in favour of the man of Destiny. He described the First Consul as he saw him at Paris at the peace of Amiens; when he, Pitt Crawley, had the gratification of making the acquaintance of the great and good Mr. Fox, a statesman whom, however much he might differ with him, it was impossible not to admire fervently — a statesman who had always had the highest opinion of the Emperor Napoleon. And he spoke in terms of the strongest indignation of the faithless conduct of the allies towards this dethroned monarch, who, after giving himself generously up to their mercy, was consigned to an ignoble and cruel banishment, while a bigoted Popish rabble was tyrannising over France in his stead. Dieser orthodoxe Abscheu gegen den römischen Aberglauben rettete Pitt Crawley in Lady Southdowns Augen, während seine Bewunderung für Fox und Napoleon ihn unermeßlich in Miss Crawleys Meinung steigen ließ. Ihre Freundschaft mit dem verstorbenen britischen Staatsmann ist bereits erwähnt worden, als wir sie in unserer Geschichte vorstellten. Als ein echter Whig war Miss Crawley während des ganzen Krieges in der Opposition gewesen, und wenn auch der Sturz des Kaisers die alte Dame kaum erregte, noch seine schlechte Behandlung ihr das Leben verkürzte oder den Schlaf raubte, so sprach ihr Pitt doch aus dem Herzen, als er ihre beiden Idole lobte, und machte durch diese Bemerkungen allein schon ungeheure Fortschritte in ihrer Gunst.   This orthodox horror of Romish superstition saved Pitt Crawley in Lady Southdown’s opinion, whilst his admiration for Fox and Napoleon raised him immeasurably in Miss Crawley’s eyes. Her friendship with that defunct British statesman was mentioned when we first introduced her in this history. A true Whig, Miss Crawley had been in opposition all through the war, and though, to be sure, the downfall of the Emperor did not very much agitate the old lady, or his ill-treatment tend to shorten her life or natural rest, yet Pitt spoke to her heart when he lauded both her idols; and by that single speech made immense progress in her favour. »Und was denken Sie, meine Liebe?« fragte Miss Crawley die junge Dame, zu der sie beim ersten Anblick, wie stets für hübsche und bescheidene junge Leute, Zuneigung gefaßt hatte, obgleich man zugeben muß, daß ihre Neigungen stets ebenso schnell abkühlten, wie sie entstanden waren.   “And what do you think, my dear?” Miss Crawley said to the young lady, for whom she had taken a liking at first sight, as she always did for pretty and modest young people; though it must be owned her affections cooled as rapidly as they rose. Lady Jane errötete tief und meinte, daß sie nichts von Politik, verstünde und das lieber klügeren Köpfen überließe. Wenn nun auch zweifellos die Mama im Recht sei, so habe doch Mr. Crawley jedenfalls schön gesprochen. Als sich die Damen entfernten, äußerte Miss Crawley die Hoffnung, Lady Southdown möge die Güte haben, ihr zuweilen Lady Jane zu schicken, wenn sie abkömmlich sei, um eine arme, kranke, einsame alte Frau zu trösten. Dieses Versprechen wurde gnädigst gegeben, und sie schieden in bestem Einvernehmen.   Lady Jane blushed very much, and said “that she did not understand politics, which she left to wiser heads than hers; but though Mamma was, no doubt, correct, Mr. Crawley had spoken beautifully.” And when the ladies were retiring at the conclusion of their visit, Miss Crawley hoped “Lady Southdown would be so kind as to send her Lady Jane sometimes, if she could be spared to come down and console a poor sick lonely old woman.” This promise was graciously accorded, and they separated upon great terms of amity. »Lady Southdown soll nicht wieder herkommen, Pitt«, sagte die alte Dame. »Sie ist dumm und aufgeblasen wie die ganze Familie deiner Mutter, die ich nie leiden konnte. Aber bring die kleine, nette, gutmütige Lady Jane mit, sooft du Lust hast.« Pitt versprach es. Er sagte der Gräfin Southdown nicht, welche Meinung Miss Crawley von ihr hatte, sondern ließ sie im Gegenteil in dem Glauben, sie habe einen vortrefflichen und ungemein majestätischen Eindruck auf seine Tante gemacht.   “Don’t let Lady Southdown come again, Pitt,” said the old lady. “She is stupid and pompous, like all your mother’s family, whom I never could endure. But bring that nice good-natured little Jane as often as ever you please.” Pitt promised that he would do so. He did not tell the Countess of Southdown what opinion his aunt had formed of her Ladyship, who, on the contrary, thought that she had made a most delightful and majestic impression on Miss Crawley. So besuchte Lady Jane Miss Crawley recht häufig, begleitete sie auf ihren Spazierfahrten und vertrieb ihr des Abends oftmals die Zeit, denn sie hatte nichts dagegen, einer Kranken beizustehen, und war vielleicht im Innern froh, ab und zu dem langweiligen Gesäusel von Ehrwürden Bartholomew Irons und den frommen Speichelleckern, die sich um die Fußbank der pompösen Gräfin, ihrer Mama scharten, zu entrinnen. Sie war von Natur aus so gut und weich, daß selbst die Firkin nicht eifersüchtig auf sie war, und die sanfte Briggs glaubte, ihre Freundin sei in Gegenwart der guten Lady Jane weniger grausam zu ihr. Miss Crawley benahm sich gegenüber der Lady reizend. Die alte Jungfer erzählte ihr tausend Anekdoten aus ihrer Jugendzeit und sprach mit ihr ganz anders als früher mit der gottlosen kleinen Rebekka. Lady Janes Unschuld stempelte nämlich lose Reden zu einer Unverschämtheit, und Miss Crawley hatte zu gute Manieren, um eine solche Reinheit zu beleidigen. Die junge Dame selbst hatte von keiner Seite als von dieser alten Jungfer, von ihrem Bruder und ihrem Vater Güte empfangen, und sie vergalt Miss Crawleys engoûment mit schlichter, anmutiger Freundschaft.   And so, nothing loth to comfort a sick lady, and perhaps not sorry in her heart to be freed now and again from the dreary spouting of the Reverend Bartholomew Irons, and the serious toadies who gathered round the footstool of the pompous Countess, her mamma, Lady Jane became a pretty constant visitor to Miss Crawley, accompanied her in her drives, and solaced many of her evenings. She was so naturally good and soft, that even Firkin was not jealous of her; and the gentle Briggs thought her friend was less cruel to her when kind Lady Jane was by. Towards her Ladyship Miss Crawley’s manners were charming. The old spinster told her a thousand anecdotes about her youth, talking to her in a very different strain from that in which she had been accustomed to converse with the godless little Rebecca; for there was that in Lady Jane’s innocence which rendered light talking impertinence before her, and Miss Crawley was too much of a gentlewoman to offend such purity. The young lady herself had never received kindness except from this old spinster, and her brother and father: and she repaid Miss Crawley’s engoument by artless sweetness and friendship. An den Herbstabenden (an denen Rebekka als die fröhlichste unter den fröhlichen Siegern in Paris umherflatterte, und unsere Amelia, unsere liebe, verwundete Amelia, ach! wo war sie?) saß Lady Jane gewöhnlich in Miss Crawleys Wohnzimmer und sang ihr in der Dämmerung mit süßer Stimme ihre einfachen Liedchen vor, während die Sonne unterging und die Meereswogen an die Küste donnerten. Die alte Jungfer erwachte stets, wenn das Singen aufhörte, und verlangte nach mehr. Die Briggs vergoß Freudentränen, wenn sie auf das glänzende Meer hinausblickte, das langsam dunkel wurde, und auf die Himmelslichter, die immer heller strahlten. Wer kann das Glück und die Gefühle der Briggs beschreiben, die dasaß und vorgab zu stricken?   In the autumn evenings (when Rebecca was flaunting at Paris, the gayest among the gay conquerors there, and our Amelia, our dear wounded Amelia, ah! where was she?) Lady Jane would be sitting in Miss Crawley’s drawing-room singing sweetly to her, in the twilight, her little simple songs and hymns, while the sun was setting and the sea was roaring on the beach. The old spinster used to wake up when these ditties ceased, and ask for more. As for Briggs, and the quantity of tears of happiness which she now shed as she pretended to knit, and looked out at the splendid ocean darkling before the windows, and the lamps of heaven beginning more brightly to shine — who, I say can measure the happiness and sensibility of Briggs? Inzwischen fand Pitt im Speisezimmer bei einer Broschüre über die Korngesetze oder einem Missionarregister die Erholung, die romantischen und unromantischen Männern nach dem Essen ansteht. Er schlürfte Madeira, baute Luftschlösser, hielt sich für einen prächtigen Kerl, fühlte sich verliebter in Jane als je zuvor in den sieben Jahren, die ihre Verbindung jetzt schon ohne das geringste Zeichen von Ungeduld auf seiner Seite dauerte, und schlief viel. Wenn es Zeit für den Kaffee war, kam Mr. Bowls lärmend herein und rief Squire Pitt, der im Dunkeln sehr stark mit seiner Broschüre beschäftigt war.   Pitt meanwhile in the dining-room, with a pamphlet on the Corn Laws or a Missionary Register by his side, took that kind of recreation which suits romantic and unromantic men after dinner. He sipped Madeira: built castles in the air: thought himself a fine fellow: felt himself much more in love with Jane than he had been any time these seven years, during which their liaison had lasted without the slightest impatience on Pitt’s part — and slept a good deal. When the time for coffee came, Mr. Bowls used to enter in a noisy manner, and summon Squire Pitt, who would be found in the dark very busy with his pamphlet. »Es wäre schön, meine Liebe, wenn ich jemanden auftreiben könnte, der mit mir Pikett spielt«, sagte Miss Crawley eines Abends, als der Butler mit den Kerzen und dem Kaffee erschien. »Die arme Briggs spielt nicht besser als eine Eule. Sie ist so dumm« (die alte Jungfer ergriff jede Gelegenheit, die Briggs vor den Dienstboten schlechtzumachen) ; »und ich glaube, ich würde besser schlafen, wenn ich mein Spielchen hätte.«   “I wish, my love, I could get somebody to play piquet with me,” Miss Crawley said one night when this functionary made his appearance with the candles and the coffee. “Poor Briggs can no more play than an owl, she is so stupid” (the spinster always took an opportunity of abusing Briggs before the servants); “and I think I should sleep better if I had my game.” Bei diesen Worten errötete Lady Jane bis hinter die Ohren und bis in ihre hübschen Fingerspitzen. Sobald Mr. Bowls das Zimmer verlassen hatte und die Tür fest hinter sich zugemacht hatte, sagte sie:   At this Lady Jane blushed to the tips of her little ears, and down to the ends of her pretty fingers; and when Mr. Bowls had quitted the room, and the door was quite shut, she said: »Miss Crawley, ich spiele ein bißchen. Ich habe – habe manchmal mit meinem armen lieben Papa gespielt.«   “Miss Crawley, I can play a little. I used to — to play a little with poor dear papa.” »Kommen Sie her und geben Sie mir einen Kuß, und zwar augenblicklich, Sie liebes gutes Seelchen«, rief Miss Crawley begeistert, und als Mr. Pitt mit der Broschüre in der Hand heraufkam, fand er die alte und die junge Dame bei dieser malerischen und schönen Beschäftigung. Wie sie an diesem Abend andauernd errötete – die arme Lady Jane!   “Come and kiss me. Come and kiss me this instant, you dear good little soul,” cried Miss Crawley in an ecstasy: and in this picturesque and friendly occupation Mr. Pitt found the old lady and the young one, when he came upstairs with him pamphlet in his hand. How she did blush all the evening, that poor Lady Jane! Man braucht sich nicht einzubilden, daß Mr. Pitts Schliche der Aufmerksamkeit seiner lieben Verwandten im Pfarrhaus von Queen's Crawley entgangen wären. Hampshire und Sussex liegen sehr nahe beieinander, und Mrs. Bute besaß in Sussex Freunde, die dafür sorgten, daß sie alles und noch viel mehr als alles, was in Miss Crawleys Haus in Brighton vorging, erfuhr. Pitt ging immer mehr bei ihr aus und ein. Er kam oft monatelang nicht ins Schloß, wo sich sein abscheulicher Vater vollständig dem Alkohol und der Gesellschaft dieser widerlichen Familie Horrocks ergeben hatte. Pitts Erfolge wurmten die Pfarrersleute, und Mrs. Bute bereute mehr als je (obwohl sie es weniger denn je zugab), daß sie einen großen Fehler begangen hatte. Wie hatte sie nur Miss Briggs so beleidigen und so hochmütig und knauserig gegen Bowls und die Firkin sein können, daß ihr keine Menschenseele in Miss Crawleys Haus geblieben war, die sie von den Vorgängen dort unterrichten könnte. »Butes Schlüsselbein ist an allem schuld«, beharrte sie, »wenn er sich das nicht gebrochen hätte, so hätte ich sie nie verlassen. Ich bin eine Märtyrerin der Pflicht und deiner widerwärtigen Jagdleidenschaft, die sich für einen Pfarrer gar nicht schickt.«   It must not be imagined that Mr. Pitt Crawley’s artifices escaped the attention of his dear relations at the Rectory at Queen’s Crawley. Hampshire and Sussex lie very close together, and Mrs. Bute had friends in the latter county who took care to inform her of all, and a great deal more than all, that passed at Miss Crawley’s house at Brighton. Pitt was there more and more. He did not come for months together to the Hall, where his abominable old father abandoned himself completely to rum-and-water, and the odious society of the Horrocks family. Pitt’s success rendered the Rector’s family furious, and Mrs. Bute regretted more (though she confessed less) than ever her monstrous fault in so insulting Miss Briggs, and in being so haughty and parsimonious to Bowls and Firkin, that she had not a single person left in Miss Crawley’s household to give her information of what took place there. “It was all Bute’s collar-bone,” she persisted in saying; “if that had not broke, I never would have left her. I am a martyr to duty and to your odious unclerical habit of hunting, Bute.” »Jagdleidenschaft? Unsinn! Du bist es, die sie in Furcht versetzt hat, Martha«, unterbrach sie der Geistliche. »Du bist eine gescheite Frau, aber du hast ein teuflisches Temperament und bist ein alter Geizkragen, Martha.«   “Hunting; nonsense! It was you that frightened her, Barbara,” the divine interposed. “You’re a clever woman, but you’ve got a devil of a temper; and you’re a screw with your money, Barbara.” »Du würdest schon lange im Gefängnis sitzen, Bute, wenn ich dein Geld nicht zusammengehalten hätte.«   “You’d have been screwed in gaol, Bute, if I had not kept your money.” »Das weiß ich, meine Liebe«, sagte der Pfarrer gutmütig. »Du bist eben eine gescheite Frau, aber, weißt du, du organisierst alles zu gut«, und der fromme Mann tröstete sich mit einem großen Glase Porter.   “I know I would, my dear,” said the Rector, good-naturedly. “You are a clever woman, but you manage too well, you know”: and the pious man consoled himself with a big glass of port. »Was zum Teufel kann sie bloß an dem albernen Pitt Crawley finden«, fuhr er fort. »Der Bursche kann doch keine Gans erschrecken. Ich entsinne mich noch, wie Rawdon, der wenigstens ein Mann ist, wenn er auch zum Henker gehen sollte, ihn im Stall umherzuprügeln pflegte, wie einen Kreisel, und wie Pitt heulend zu seiner Mama lief, haha! Jeder von meinen Jungen würde ihn mit einer Hand umwerfen. James sagt, daß man sich in Oxford noch immer seiner als ›Miss Crawley‹ erinnert – der Narr!«   “What the deuce can she find in that spooney of a Pitt Crawley?” he continued. “The fellow has not pluck enough to say Bo to a goose. I remember when Rawdon, who is a man, and be hanged to him, used to flog him round the stables as if he was a whipping-top: and Pitt would go howling home to his ma — ha, ha! Why, either of my boys would whop him with one hand. Jim says he’s remembered at Oxford as Miss Crawley still — the spooney. »Du, Martha«, fuhr der Pfarrer nach einer Pause fort.   “I say, Barbara,” his reverence continued, after a pause. »Was?« fragte Martha, die an den Nägeln kaute und auf dem Tisch trommelte.   “What?” said Barbara, who was biting her nails, and drumming the table. »Du, sollten wir nicht James nach Brighton schicken, um zu sehen, ob er mit der Alten etwas anfangen kann? Du weißt, daß er kurz vor dem Examen steht. Er ist erst zweimal durchgefallen – das bin ich ja auch –, aber er ist doch wenigstens in Oxford gewesen und hat eine Universitätsausbildung bekommen. Er kennt einige von den besten Burschen dort. Er ist Schlagmann im Bonifatiusboot. Er ist ein hübscher Kerl, verdammt noch mal, wir wollen ihn auf die Alte hetzen und ihm sagen, er soll Pitt verdreschen, wenn er sich muckst. Hahaha!«   “I say, why not send Jim over to Brighton to see if he can do anything with the old lady. He’s very near getting his degree, you know. He’s only been plucked twice — so was I — but he’s had the advantages of Oxford and a university education. He knows some of the best chaps there. He pulls stroke in the Boniface boat. He’s a handsome feller. D — - it, ma’am, let’s put him on the old woman, hey, and tell him to thrash Pitt if he says anything. Ha, ha, ha! »Na schön, James könnte sie mal besuchen«, meinte die Hausfrau und fügte seufzend hinzu: »Wenn wir ihr nur eins von den Mädchen schicken könnten, aber sie hat sie nie leiden können, weil sie nicht hübsch sind!« Die unglücklichen und wohlerzogenen Mädchen ließen sich bei den Worten ihrer Mutter aus dem Nebenzimmer vernehmen, wo sie mit harten Fingern ein sorgfältig einstudiertes Musikstück auf dem Klavier hämmerten. Sie waren tatsächlich den ganzen Tag lang entweder mit Musik oder dem Rückenbrett oder Geographie oder Geschichte beschäftigt. Aber was nützen Mädchen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit alle diese Talente, wenn sie klein gewachsen, arm und unansehnlich sind und einen schlechten Teint haben? Außer dem Hilfsgeistlichen kannte Mrs. Bute keinen Menschen, der ihr eine hätte abnehmen können. In diesem Augenblick kam James aus dem Stall, mit einer kurzen Pfeife und einer Wachstuchmütze auf dem Kopf, und begann mit seinem Vater ein Gespräch über die Wetten beim Sankt-Leger-Rennen, und die Unterredung zwischen dem Pfarrer und seiner Frau war damit beendet.   “Jim might go down and see her, certainly,” the housewife said; adding with a sigh, “If we could but get one of the girls into the house; but she could never endure them, because they are not pretty!” Those unfortunate and well-educated women made themselves heard from the neighbouring drawing-room, where they were thrumming away, with hard fingers, an elaborate music-piece on the piano-forte, as their mother spoke; and indeed, they were at music, or at backboard, or at geography, or at history, the whole day long. But what avail all these accomplishments, in Vanity Fair, to girls who are short, poor, plain, and have a bad complexion? Mrs. Bute could think of nobody but the Curate to take one of them off her hands; and Jim coming in from the stable at this minute, through the parlour window, with a short pipe stuck in his oilskin cap, he and his father fell to talking about odds on the St. Leger, and the colloquy between the Rector and his wife ended. Mrs. Bute erhoffte sich nicht viel Gutes für ihre Sache, wenn sie ihren Sohn James als Gesandten hinschickte, und hoffnungslos sah sie ihn abfahren. Der junge Bursche versprach sich ebenfalls wenig Freude oder Gewinn, als er erfuhr, wohin die Reise gehen solle. Er tröstete sich aber mit dem Gedanken, daß ihm die alte Dame vielleicht ein hübsches Andenken schenken würde, damit er zu Anfang des nächsten Semesters in Oxford einige seiner drückendsten Schulden bezahlen könne. Er nahm daher seinen Platz in der Southamptoner Postkutsche ein und landete am selben Abend sicher in Brighton mit seiner Reisetasche, seiner Lieblingsbulldogge Towzer und einem riesigen Korb voller Feld- und Gartenfrüchte von den lieben Pfarrersleuten für die liebe Miss Crawley. Da es ihm zu spät schien, die kränkliche Dame gleich am Abend seiner Ankunft zu stören, stieg er in einem Gasthaus ab und machte seine Aufwartung bei Miss Crawley erst am späten Vormittag des nächsten Tages.   Mrs. Bute did not augur much good to the cause from the sending of her son James as an ambassador, and saw him depart in rather a despairing mood. Nor did the young fellow himself, when told what his mission was to be, expect much pleasure or benefit from it; but he was consoled by the thought that possibly the old lady would give him some handsome remembrance of her, which would pay a few of his most pressing bills at the commencement of the ensuing Oxford term, and so took his place by the coach from Southampton, and was safely landed at Brighton on the same evening? with his portmanteau, his favourite bull-dog Towzer, and an immense basket of farm and garden produce, from the dear Rectory folks to the dear Miss Crawley. Considering it was too late to disturb the invalid lady on the first night of his arrival, he put up at an inn, and did not wait upon Miss Crawley until a late hour in the noon of next day. Als die Tante James Crawley zuletzt gesehen hatte, war er ein schlaksiger Bursche in dem unglücklichen Alter gewesen, wo die Stimme zwischen einem gräßlichen Diskant und einem unnatürlichen Baß schwankt, wo das Gesicht nicht selten Blüten treibt, für die Rowlands Kalidor ein gutes Heilmittel sein soll, wo man die Jungen ertappt, wie sie sich heimlich mit der Schere ihrer Schwester rasieren, und wo ihnen der Anblick eines anderen jungen Mädchens unerträgliche Schrecken bereitet. Die großen Hände und Handgelenke ragen weit aus den zu eng gewordenen Kleidern, und nach dem Essen ist ihre Gegenwart furchtbar sowohl für die Damen, die in der Dämmerung zusammen im Wohnzimmer flüstern, als auch für die Herren beim Wein, die sich in ihrer freien Unterhaltung und dem Austausch guter Witze durch die Anwesenheit der tapsigen Unschuld behindert fühlen. Der Papa sagt dann nach dem zweiten Glas: »Jack, mein Junge, geh hinaus und sieh zu, ob sich das Wetter heute hält«, und der Jüngling, froh, seine Freiheit zu bekommen, aber doch traurig, noch kein Mann zu sein, verläßt das unvollständige Mahl. James, damals noch ein linkischer Bursche, war jetzt ein junger Mann geworden, der die Vorteile einer Universitätsbildung genossen und jene unschätzbare Politur erworben hatte, die man erhält, wenn man in flotter Gesellschaft in einem kleinen College lebt, Schulden macht, zeitweise von der Universität ausgeschlossen wird und durch das Examen fällt.   James Crawley, when his aunt had last beheld him, was a gawky lad, at that uncomfortable age when the voice varies between an unearthly treble and a preternatural bass; when the face not uncommonly blooms out with appearances for which Rowland’s Kalydor is said to act as a cure; when boys are seen to shave furtively with their sister’s scissors, and the sight of other young women produces intolerable sensations of terror in them; when the great hands and ankles protrude a long way from garments which have grown too tight for them; when their presence after dinner is at once frightful to the ladies, who are whispering in the twilight in the drawing-room, and inexpressibly odious to the gentlemen over the mahogany, who are restrained from freedom of intercourse and delightful interchange of wit by the presence of that gawky innocence; when, at the conclusion of the second glass, papa says, “Jack, my boy, go out and see if the evening holds up,” and the youth, willing to be free, yet hurt at not being yet a man, quits the incomplete banquet. James, then a hobbadehoy, was now become a young man, having had the benefits of a university education, and acquired the inestimable polish which is gained by living in a fast set at a small college, and contracting debts, and being rusticated, and being plucked. Als er sich seiner Tante in Brighton vorstellte, war er jedoch ein hübscher Bursche, und gutes Aussehen galt bei der wankelmütigen alten Dame stets als Empfehlung. Sein Erröten und seine Verlegenheit schadeten dabei nichts, ihr gefielen diese Anzeichen für die gesunde Unschuld des jungen Mannes.   He was a handsome lad, however, when he came to present himself to his aunt at Brighton, and good looks were always a title to the fickle old lady’s favour. Nor did his blushes and awkwardness take away from it: she was pleased with these healthy tokens of the young gentleman’s ingenuousness. Er sagte, er sei auf ein paar Tage hergekommen, um einen Studienfreund zu besuchen, und – »und um Ihnen meine Aufwartung zu machen, Madame, und viele Grüße von meinen Eltern auszurichten, die hoffen, daß es Ihnen gut geht.«   He said “he had come down for a couple of days to see a man of his college, and — and to pay my respects to you, Ma’am, and my father’s and mother’s, who hope you are well.” Pitt war gerade bei Miss Crawley, als der junge Bursche angemeldet wurde, und blickte sehr bestürzt, als er den Namen hörte. Die alte Dame besaß viel Humor und weidete sich an der Überraschung ihres korrekten Neffen. Sie erkundigte sich interessiert nach der Familie im Pfarrhaus und verkündete, sie besuchen zu wollen. Sie lobte den Jüngling ins Gesicht, erklärte, er sei gutgewachsen und habe sich zu seinem Vorteil verändert, und es sei schade, daß seine Schwestern nichts von seinem hübschen Aussehen besäßen. Als sie auf ihre Frage erfahren hatte, daß er sein Quartier im Gasthaus aufgeschlagen hatte, wollte sie nichts davon wissen, daß er dort wohnen bliebe, sondern befahl Mr. Bowls, augenblicklich Mr. James Crawleys Sachen holen zu lassen; »und hören Sie, Bowls«, fügte sie gnädig hinzu, »Sie werden so freundlich sein und Mr. James' Rechnung bezahlen.«   Pitt was in the room with Miss Crawley when the lad was announced, and looked very blank when his name was mentioned. The old lady had plenty of humour, and enjoyed her correct nephew’s perplexity. She asked after all the people at the Rectory with great interest; and said she was thinking of paying them a visit. She praised the lad to his face, and said he was well-grown and very much improved, and that it was a pity his sisters had not some of his good looks; and finding, on inquiry, that he had taken up his quarters at an hotel, would not hear of his stopping there, but bade Mr. Bowls send for Mr. James Crawley’s things instantly; “and hark ye, Bowls,” she added, with great graciousness, “you will have the goodness to pay Mr. James’s bill.” Sie warf Pitt einen schlauen Triumphblick zu, daß der Diplomat vor Neid fast erstickte. So hoch er es auch in der Gunst seiner Tante gebracht hatte, hatte sie ihn doch noch nicht eingeladen, in ihrem Hause zu wohnen, und da kam nun so ein Grünschnabel, der auf den ersten Blick aufgenommen wurde.   She flung Pitt a look of arch triumph, which caused that diplomatist almost to choke with envy. Much as he had ingratiated himself with his aunt, she had never yet invited him to stay under her roof, and here was a young whipper-snapper, who at first sight was made welcome there. »Ich bitte um Verzeihung, mein Herr«, sagte Bowls und trat mit einer tiefen Verbeugung vor, »aus welchem Hotel soll Thomas das Gepäck holen?«   “I beg your pardon, sir,” says Bowls, advancing with a profound bow; “what otel, sir, shall Thomas fetch the luggage from?” »Oh, verdammt«, rief der junge James und sprang auf, als ob ihn etwas beunruhigte, »ich gehe selbst.«   “O, dam,” said young James, starting up, as if in some alarm, “I’ll go.” »Wie!« fragte Miss Crawley.   “What!” said Miss Crawley. »In ›Tom Cribbs Wappen‹«, erwiderte James und wurde knallrot.   “The Tom Cribb’s Arms,” said James, blushing deeply. Als er den Namen nannte, brach Miss Crawley in lautes Gelächter aus. Mr. Bowls als vertrauter Diener der Familie erlaubte sich ein wieherndes Lachen, verschluckte aber den Rest der Salve. Der Diplomat lächelte nur.   Miss Crawley burst out laughing at this title. Mr. Bowls gave one abrupt guffaw, as a confidential servant of the family, but choked the rest of the volley; the diplomatist only smiled. »Ich – ich wußte kein besseres«, sagte James mit niedergeschlagenen Augen. »Ich bin noch nie hiergewesen, der Kutscher hat davon gesprochen.« Der junge Lügner! In Wirklichkeit hatte James Crawley tags zuvor in der Southamptoner Postkutsche den Tutbury-Liebling getroffen, der nach Brighton fuhr, um mit dem Rottingdean-Schläger einen Kampf auszutragen. Er war von der Unterhaltung mit dem »Liebling« so entzückt gewesen, daß er den Abend mit diesem technisch begabten Mann und dessen Freunden in dem fraglichen Wirtshaus verbracht hatte.   “I — I didn’t know any better,” said James, looking down. “I’ve never been here before; it was the coachman told me.” The young story-teller! The fact is, that on the Southampton coach, the day previous, James Crawley had met the Tutbury Pet, who was coming to Brighton to make a match with the Rottingdean Fibber; and enchanted by the Pet’s conversation, had passed the evening in company with that scientific man and his friends, at the inn in question. »Ich – ich gehe am besten selbst und bezahle die Rechnung«, fuhr James fort. »Ich kann das nicht von Ihnen verlangen, Madam«, fügte er großmütig hinzu.   “I — I’d best go and settle the score,” James continued. “Couldn’t think of asking you, Ma’am,” he added, generously. Dieses Taktgefühl versetzte seine Tante in noch größere Heiterkeit.   This delicacy made his aunt laugh the more. »Gehen Sie und bezahlen Sie die Rechnung, Bowls«, sagte sie mit einer Handbewegung, »und bringen Sie sie mir.«   “Go and settle the bill, Bowls,” she said, with a wave of her hand, “and bring it to me.” Die arme Dame! Sie wußte nicht, was sie getan hatte. »Da ist auch noch – ich habe noch einen kleinen Hund«, sagte James und sah schrecklich schuldbewußt drein. »Ich hole ihn am besten selbst. Er beißt Diener in die Waden.«   Poor lady, she did not know what she had done! “There — there’s a little dawg,” said James, looking frightfully guilty. “I’d best go for him. He bites footmen’s calves.” Die ganze Gesellschaft schrie vor Lachen bei dieser Beschreibung, sogar die Briggs und Lady Jane, die während des Gesprächs zwischen Miss Crawley und ihrem Neffen stumm dabeigesessen hatten, und Bowls verließ das Zimmer, ohne ein weiteres Wort zu sagen.   All the party cried out with laughing at this description; even Briggs and Lady Jane, who was sitting mute during the interview between Miss Crawley and her nephew: and Bowls, without a word, quitted the room. Immer noch war Miss Crawley gnädig zu dem jungen Oxforder Studenten, um ihrem älteren Neffen eine Lektion zu erteilen. Wenn sie einmal angefangen hatte, kannten ihre Freundlichkeit und ihre Höflichkeitsbezeigungen keine Grenzen. Sie sagte Pitt, er könne zum Essen kommen, und bestand darauf, daß James sie bei ihrer Spazierfahrt begleite. Er saß auf dem Rücksitz in ihrer Kutsche, und feierlich fuhr sie mit ihm an den Felsenklippen auf und ab. Während des ganzen Weges ließ sie sich herab, ihn mit Höflichkeiten zu überschütten, zitierte dem armen verwirrten Burschen italienische und französische Dichtungen und bestand darauf, daß er ein ausgezeichneter Student sei und sicherlich eine Goldmedaille gewinnen und Erster Disputant werden würde.   Still, by way of punishing her elder nephew, Miss Crawley persisted in being gracious to the young Oxonian. There were no limits to her kindness or her compliments when they once began. She told Pitt he might come to dinner, and insisted that James should accompany her in her drive, and paraded him solemnly up and down the cliff, on the back seat of the barouche. During all this excursion, she condescended to say civil things to him: she quoted Italian and French poetry to the poor bewildered lad, and persisted that he was a fine scholar, and was perfectly sure he would gain a gold medal, and be a Senior Wrangler. »Haha!« lachte James, den diese Komplimente sehr ermutigt hatten. »Erster Disputant, ach wo! Das gibt's bloß in der anderen Bude.«   “Haw, haw,” laughed James, encouraged by these compliments; “Senior Wrangler, indeed; that’s at the other shop.” »Was heißt andere Bude, mein liebes Kind?« fragte die Dame.   “What is the other shop, my dear child?” said the lady. »Erste Disputanten gibt es bloß in Cambridge, nicht in Oxford«, sagte der Student mit schlauer Miene und wäre wahrscheinlich noch vertraulicher geworden, wären nicht plötzlich in einem leichten Wagen, der von einem geputzten Pony gezogen wurde, seine Freunde, der Tutbury-Liebling und der Rottingdean-Schläger, in weißen Flanelljacken mit Perlmuttknöpfen und drei von ihren Bekannten aufgetaucht, die alle den armen James in seiner Kutsche grüßten. Dieser Vorfall dämpfte den Mut des aufrichtigen Jünglings, und während der ganzen übrigen Fahrt sagte er weder ja noch nein.   “Senior Wranglers at Cambridge, not Oxford,” said the scholar, with a knowing air; and would probably have been more confidential, but that suddenly there appeared on the cliff in a tax-cart, drawn by a bang-up pony, dressed in white flannel coats, with mother-of-pearl buttons, his friends the Tutbury Pet and the Rottingdean Fibber, with three other gentlemen of their acquaintance, who all saluted poor James there in the carriage as he sate. This incident damped the ingenuous youth’s spirits, and no word of yea or nay could he be induced to utter during the rest of the drive. Bei seiner Rückkehr war sein Zimmer für ihn bereit, und seine Reisetasche stand da. Als Mr. Bowls ihn hinaufführte, hätte James auf dessen Gesicht einen Ausdruck von Würde, Verwunderung und Mitleid erblicken können, er dachte jedoch nicht an Mr. Bowls. Er beklagte nur die mißliche Lage, in der er war, in einem Hause voll alter Weiber, die französisch und italienisch plapperten und ihm Verse aufsagten. »Ganz schön in der Patsche, beim Satan«, rief der bescheidene Junge, der der Sanftesten des weiblichen Geschlechts – selbst einer Briggs – nicht ins Auge blicken konnte, wenn sie ihn anredete, während er es in Iffley Lock mit dem Mundwerk des kühnsten Schiffers hätte aufnehmen können.   On his return he found his room prepared, and his portmanteau ready, and might have remarked that Mr. Bowls’s countenance, when the latter conducted him to his apartments, wore a look of gravity, wonder, and compassion. But the thought of Mr. Bowls did not enter his head. He was deploring the dreadful predicament in which he found himself, in a house full of old women, jabbering French and Italian, and talking poetry to him. “Reglarly up a tree, by jingo!” exclaimed the modest boy, who could not face the gentlest of her sex — not even Briggs — when she began to talk to him; whereas, put him at Iffley Lock, and he could out-slang the boldest bargeman. Beim Essen erschien James in einer hohen weißen Halsbinde, die ihn fast erstickte, und er hatte die Ehre, Lady Jane in das Speisezimmer zu führen, während die Briggs und Mr. Crawley ihnen mit der alten Dame und ihrem Apparat von Bündeln, Schals und Kissen folgten. Die Hälfte der Essenszeit verbrachte die Briggs damit, daß sie es der Kranken bequem machte und für ihren fetten Schoßhund Hühnerfleisch zerkleinerte. James sprach nicht viel, bestand jedoch darauf, mit allen Damen Wein zu trinken, nahm Mr. Crawleys Herausforderung an und trank den größten Teil einer Flasche Champagner, die Mr. Bowls ihm zu Ehren hatte heraufholen müssen. Nachdem sich die Damen zurückgezogen hatten und die beiden Cousins allein geblieben waren, wurde Pitt, der ehemalige Diplomat, äußerst redselig und freundlich. Er erkundigte sich nach James' Laufbahn auf der Universität, nach seinen Zukunftsaussichten, hoffte von Herzen, daß er es zu etwas bringen würde, und war, mit einem Wort, offen und liebenswürdig. Der Portwein löste auch James' Zunge, und er erzählte seinem Vetter von seinem Leben, seinen Aussichten, seinen Schulden, seinen Sorgen um das Vorexamen und seinen Prügeleien mit den Pedellen, während er sich eifrig aus den Flaschen vor ihm einschenkte und fröhlich vom Portwein zum Madeira überging.   At dinner, James appeared choking in a white neckcloth, and had the honour of handing my Lady Jane downstairs, while Briggs and Mr. Crawley followed afterwards, conducting the old lady, with her apparatus of bundles, and shawls, and cushions. Half of Briggs’s time at dinner was spent in superintending the invalid’s comfort, and in cutting up chicken for her fat spaniel. James did not talk much, but he made a point of asking all the ladies to drink wine, and accepted Mr. Crawley’s challenge, and consumed the greater part of a bottle of champagne which Mr. Bowls was ordered to produce in his honour. The ladies having withdrawn, and the two cousins being left together, Pitt, the ex-diplomatist, be came very communicative and friendly. He asked after James’s career at college — what his prospects in life were — hoped heartily he would get on; and, in a word, was frank and amiable. James’s tongue unloosed with the port, and he told his cousin his life, his prospects, his debts, his troubles at the little-go, and his rows with the proctors, filling rapidly from the bottles before him, and flying from Port to Madeira with joyous activity. »Das größte Vergnügen, das meine Tante kennt«, sagte Mr. Crawley, »ist, daß ein jeder in ihrem Hause sich bewegt, wie es ihm gerade paßt. Das hier ist Schloß Freiheit, James, und du kannst Miss Crawley keinen größeren Gefallen erweisen, als zu tun, was du möchtest, und zu verlangen, was du willst. Ich weiß, ihr auf dem Lande habt mich alle verhöhnt, weil ich Tory bin. Miss Crawley ist tolerant genug, jedermann zu genügen. Sie ist Republikanerin durch und durch und verachtet solche Sachen wie Rang und Titel.«   “The chief pleasure which my aunt has,” said Mr. Crawley, filling his glass, “is that people should do as they like in her house. This is Liberty Hall, James, and you can’t do Miss Crawley a greater kindness than to do as you please, and ask for what you will. I know you have all sneered at me in the country for being a Tory. Miss Crawley is liberal enough to suit any fancy. She is a Republican in principle, and despises everything like rank or title.” »Warum heiratest du denn eine Grafentochter?« fragte James.   “Why are you going to marry an Earl’s daughter?” said James. »Mein lieber Freund, die arme Lady Jane ist ja nicht schuld daran, daß sie hochgeboren ist«, entgegnete Pitt mit höflicher Miene. »Sie kann nichts dafür, daß sie Lady ist. Außerdem weißt du, daß ich Tory bin.«   “My dear friend, remember it is not poor Lady Jane’s fault that she is well born,” Pitt replied, with a courtly air. “She cannot help being a lady. Besides, I am a Tory, you know.” »Na klar«, sagte James, »es geht nichts über altes Blut, verdamm mich, nichts. Ich bin keiner von diesen Radikalen, ich weiß, was es heißt, ein Gentleman zu sein, verdamm mich. Guck dir bloß die Kerls beim Wettrudern an oder bei einer Prügelei, oder guck dir einen Hund an, wenn er Ratten totbeißt. Wer gewinnt? Die mit edlem Blut. Bringen Sie noch ein bißchen Portwein, Bowls, alter Junge, während ich die Flasche hier alle mache. Wo war ich stehengeblieben?«   “Oh, as for that,” said Jim, “there’s nothing like old blood; no, dammy, nothing like it. I’m none of your radicals. I know what it is to be a gentleman, dammy. See the chaps in a boat-race; look at the fellers in a fight; aye, look at a dawg killing rats — which is it wins? the good-blooded ones. Get some more port, Bowls, old boy, whilst I buzz this bottle-here. What was I asaying?” »Ich glaube, du sprachst von Hunden, die Ratten totbeißen«, bemerkte Pitt mit sanfter Stimme und reichte seinem Cousin die Flasche zum »Allemachen«.   “I think you were speaking of dogs killing rats,” Pitt remarked mildly, handing his cousin the decanter to “buzz.” »Wirklich? Ratten totbeißen? Ach so! Bist du ein Sportsmann, Pitt? Willst du einen Hund sehen, der bombensicher Ratten totbeißen kann? Dann komm mit mir zu Tom Corduroy in die Castle-Street-Ställe, und ich will dir so einen Terrier zeigen, der... Pah, Quatsch!« rief James und lachte über den Unsinn, den er da verzapfte. »Du interessierst dich doch weder für Hunde noch für Ratten, das ist alles Blödsinn, ich will verdammt sein, wenn ich glaube, daß du den Unterschied zwischen einem Hund und einer Ente kennst.«   “Killing rats was I? Well, Pitt, are you a sporting man? Do you want to see a dawg as can kill a rat? If you do, come down with me to Tom Corduroy’s, in Castle Street Mews, and I’ll show you such a bull-terrier as — Pooh! gammon,” cried James, bursting out laughing at his own absurdity — " You don’t care about a dawg or rat; it’s all nonsense. I’m blest if I think you know the difference between a dog and a duck.” »Nein; übrigens sprachst du vom Blut und den persönlichen Vorzügen, die eine edle Geburt mit sich bringen«, fuhr Pitt, immer freundlicher werdend, fort. »Hier ist die neue Flasche.«   “No; by the way,” Pitt continued with increased blandness, “it was about blood you were talking, and the personal advantages which people derive from patrician birth. Here’s the fresh bottle.” »Blut ist das Stichwort«, sagte James und stürzte die rubinrote Flüssigkeit hinunter. »Es geht nichts über das Blut, weder bei Pferden noch Hunden, noch bei Menschen. Erst im letzten Semester, kurz bevor ich rausgeschmissen wurde, das heißt, kurz bevor ich die Masern hatte, haha!, waren ich und Ringwood vom Christchurch College, Bob Ringwood, Lord Sinqbars Sohn, in der ›Glocke‹ in Blenheim und tranken Bier, als der Schiffer von Banbury sich erbot, mit einem von uns um eine Bowle Punsch zu boxen. Ich konnte nicht. Ich trug den Arm in der Schlinge, so daß ich überhaupt nichts machen konnte – das Biest von meiner Stute war gerade zwei Tage zuvor beim Abingdon-Rennen mit mir gestürzt, und ich dachte, ich hätte mir den Arm gebrochen. Na ja, ich konnte ihn also nicht abfertigen. Bob hatte aber seinen Rock im Nu aus. Er boxte drei Minuten mit dem Kerl von Banbury und hatte ihn in vier Runden erledigt. Gott, wie der umfiel, und woran lag es? Nur am Blut, mein Lieber, an weiter nichts als am guten Blut.«   “Blood’s the word,” said James, gulping the ruby fluid down. “Nothing like blood, sir, in hosses, dawgs, and men. Why, only last term, just before I was rusticated, that is, I mean just before I had the measles, ha, ha — there was me and Ringwood of Christchurch, Bob Ringwood, Lord Cinqbars’ son, having our beer at the Bell at Blenheim, when the Banbury bargeman offered to fight either of us for a bowl of punch. I couldn’t. My arm was in a sling; couldn’t even take the drag down — a brute of a mare of mine had fell with me only two days before, out with the Abingdon, and I thought my arm was broke. Well, sir, I couldn’t finish him, but Bob had his coat off at once — he stood up to the Banbury man for three minutes, and polished him off in four rounds easy. Gad, how he did drop, sir, and what was it? Blood, sir, all blood.” »Du trinkst ja gar nicht, James«, bemerkte der ehemalige Attaché. »Zu meiner Zeit ließ man in Oxford die Flasche ein bißchen schneller kreisen, als es bei euch jungen Burschen üblich zu sein scheint.«   “You don’t drink, James,” the ex-attache continued. “In my time at Oxford, the men passed round the bottle a little quicker than you young fellows seem to do.” »Na, na«, sagte James, legte den Finger an die Nase und zwinkerte seinem Cousin mit weinseligen Augen zu. »Mach keine Witze, alter Junge, versuch's nicht mit mir. Du willst mich wohl für dumm verkaufen, aber das wird dir nicht gelingen. In vino veritas, alter Junge. Mars, Bacchus, Apollo vivorum, wie? Ich wollte, meine Tante würde dem Alten so was schicken. Das ist ein famoser Stoff.«   “Come, come,” said James, putting his hand to his nose and winking at his cousin with a pair of vinous eyes, “no jokes, old boy; no trying it on on me. You want to trot me out, but it’s no go. In vino veritas, old boy. Mars, Bacchus, Apollo virorum, hey? I wish my aunt would send down some of this to the governor; it’s a precious good tap.” »Das beste wäre doch, du bittest sie darum«, meinte der Machiavelli, »und nutzt deine Zeit jetzt gut aus. Wie sagt doch gleich der Dichter? ›Nunc vino pellite curas, cras ingens iterabimus aequor.‹« Und der Bacchant, der den Ausspruch mit der Miene eines Unterhausabgeordneten zitiert hatte, stürzte mit einem ungeheuren Schwung seines Glases fast einen Fingerhutvoll Wein hinunter.   “You had better ask her,” Machiavel continued, “or make the best of your time now. What says the bard? ’Nunc vino pellite curas, Cras ingens iterabimus aequor,’” and the Bacchanalian, quoting the above with a House of Commons air, tossed off nearly a thimbleful of wine with an immense flourish of his glass. Wenn im Pfarrhaus nach Tisch die Portweinflasche geöffnet wurde, erhielten die jungen Damen jede ein Glas Johannisbeerwein, Mrs. Bute trank ein Glas Portwein, und der ehrliche James nahm gewöhnlich zwei; da aber sein Vater sehr verdrießlich wurde, wenn er weitere Angriffe auf die Flasche unternahm, so stand der gute Bursche im allgemeinen von weiteren Versuchen ab und begnügte sich entweder mit Johannisbeerwein oder einem heimlichen Glas Schnaps im Stall, das er sich in Gesellschaft des Kutschers und seiner Pferde zu Gemüte zog. In Oxford war die Quantität des Weines unbegrenzt, die Qualität aber sehr schlecht. Wenn sich jedoch Quantität und Qualität vereinigten, wie im Haus seiner Tante, so bewies James, daß er das zu schätzen verstand, und bedurfte kaum der Aufmunterung seines Cousins, um die zweite Flasche, die Mr. Bowls heraufgebracht hatte, zu leeren.   At the Rectory, when the bottle of port wine was opened after dinner, the young ladies had each a glass from a bottle of currant wine. Mrs. Bute took one glass of port, honest James had a couple commonly, but as his father grew very sulky if he made further inroads on the bottle, the good lad generally refrained from trying for more, and subsided either into the currant wine, or to some private gin-and-water in the stables, which he enjoyed in the company of the coachman and his pipe. At Oxford, the quantity of wine was unlimited, but the quality was inferior: but when quantity and quality united as at his aunt’s house, James showed that he could appreciate them indeed; and hardly needed any of his cousin’s encouragement in draining off the second bottle supplied by Mr. Bowls. Als jedoch die Kaffeestunde kam und man sich zu den Damen begeben mußte, vor denen der junge Mann große Scheu empfand, verließ ihn seine angenehme Offenheit, und er verfiel wieder in seine gewöhnliche mürrische Schüchternheit. Er begnügte sich den ganzen Abend damit, ja oder nein zu antworten, Lady Jane finster anzublicken und eine einzige Tasse Kaffee umzuwerfen. Wenn er schon nicht sprach, so gähnte er doch mitleiderregend, und seine Gegenwart wirkte sich lähmend auf die sittsamen Vergnügungen des Abends aus, denn Miss Crawley und Lady Jane beim Pikett und Miss Briggs über ihrer Arbeit fühlten, daß er wilde Blicke auf sie warf, und wurden unter seinen weinseligen Augen unruhig.   When the time for coffee came, however, and for a return to the ladies, of whom he stood in awe, the young gentleman’s agreeable frankness left him, and he relapsed into his usual surly timidity; contenting himself by saying yes and no, by scowling at Lady Jane, and by upsetting one cup of coffee during the evening. If he did not speak he yawned in a pitiable manner, and his presence threw a damp upon the modest proceedings of the evening, for Miss Crawley and Lady Jane at their piquet, and Miss Briggs at her work, felt that his eyes were wildly fixed on them, and were uneasy under that maudlin look. »Er scheint ein sehr schweigsamer, unbeholfener, scheuer Bursche zu sein«, bemerkte Miss Crawley zu Mr. Pitt.   “He seems a very silent, awkward, bashful lad,” said Miss Crawley to Mr. Pitt. »Er ist in Männergesellschaft mitteilsamer als bei Damen«, erwiderte Machiavelli trocken, wohl etwas ärgerlich, daß der Portwein James nicht gesprächiger gemacht hatte.   “He is more communicative in men’s society than with ladies,” Machiavel dryly replied: perhaps rather disappointed that the port wine had not made Jim speak more. Die frühen Morgenstunden des nächsten Tages verbrachte er damit, seiner Mutter einen schriftlichen Bericht über seine glänzende Aufnahme bei Miss Crawley zu geben. Aber ach, er wußte nicht, welches Unheil ihm der Tag bringen sollte und wie kurz die Zeit der Gnade sein würde. Ein Vorfall, den James vergessen hatte – ein geringfügiger, aber verhängnisvoller Vorfall –, hatte sich am Abend vor dem Besuch bei seiner Tante in »Tom Cribbs Wappen« ereignet. Es war nichts geschehen als dies: James, der stets großzügig und, wenn er etwas getrunken hatte, besonders gastfrei war, hatte im Laufe des Abends dem Preiskämpfer von Tutbury und dem Mann von Rottingdean sowie deren Freunden zwei oder drei Runden Schnaps spendiert, so daß auf Mr. James Crawleys Rechnung nicht weniger als achtzehn Gläser dieses Getränks, jedes zu acht Pence, standen. Es war nicht die Anzahl von acht Pence, sondern die Menge des Schnapses, die verhängnisvoll gegen den Charakter des armen James sprachen, als Mr. Bowls, der Butler der Tante, auf Betreiben seiner Herrin hinunterging, um die Rechnung des jungen Mannes zu begleichen. Der Wirt fürchtete, die Zahlung könnte ganz und gar verweigert werden, und schwor deshalb Stein und Bein, daß der junge Herr den Schnaps bis auf den letzten Tropfen selbst getrunken habe. Schließlich bezahlte Bowls die Rechnung und zeigte sie bei seiner Rückkehr Mrs. Firkin, die über die schreckliche Verschwendung von Schnaps entsetzt war und die Rechnung Miss Briggs, dem Oberbuchhalter, überbrachte. Diese hielt es für ihre Pflicht, den Umstand gegenüber ihrer Prinzipalin, Miss Crawley, zu erwähnen.   He had spent the early part of the next morning in writing home to his mother a most flourishing account of his reception by Miss Crawley. But ah! he little knew what evils the day was bringing for him, and how short his reign of favour was destined to be. A circumstance which Jim had forgotten — a trivial but fatal circumstance — had taken place at the Cribb’s Arms on the night before he had come to his aunt’s house. It was no other than this — Jim, who was always of a generous disposition, and when in his cups especially hospitable, had in the course of the night treated the Tutbury champion and the Rottingdean man, and their friends, twice or thrice to the refreshment of gin-and-water — so that no less than eighteen glasses of that fluid at eightpence per glass were charged in Mr. James Crawley’s bill. It was not the amount of eightpences, but the quantity of gin which told fatally against poor James’s character, when his aunt’s butler, Mr. Bowls, went down at his mistress’s request to pay the young gentleman’s bill. The landlord, fearing lest the account should be refused altogether, swore solemnly that the young gent had consumed personally every farthing’s worth of the liquor: and Bowls paid the bill finally, and showed it on his return home to Mrs. Firkin, who was shocked at the frightful prodigality of gin; and took the bill to Miss Briggs as accountant-general; who thought it her duty to mention the circumstance to her principal, Miss Crawley. Hätte er ein Dutzend Flaschen Rotwein getrunken – die alte Jungfer hätte ihm das verziehen. Mr. Fox und Mr. Sheridan hatten Rotwein getrunken. Gentlemen tranken Rotwein. Aber sich in einer gemeinen Kneipe unter Boxern achtzehn Gläser Schnaps zu Gemüte zu führen – das war ein abscheuliches Verbrechen, das nicht so schnell vergeben werden konnte. Alles verschwor sich heute gegen den jungen Burschen. Nach Stall duftend, kam er von einem Besuch bei seinem Hund Towzer zurück, und als er seinen Freund ein wenig an die frische Luft geführt hatte, hatte er Miss Crawley mit ihrem asthmatischen Wachtelhund getroffen. Towzer hätte das Hündchen aufgefressen, wäre es nicht winselnd unter den Schutz von Miss Briggs geflüchtet, und der abscheuliche Herr der Bulldogge sah dieser entsetzlichen Verfolgung lachend zu.   Had he drunk a dozen bottles of claret, the old spinster could have pardoned him. Mr. Fox and Mr. Sheridan drank claret. Gentlemen drank claret. But eighteen glasses of gin consumed among boxers in an ignoble pot-house — it was an odious crime and not to be pardoned readily. Everything went against the lad: he came home perfumed from the stables, whither he had been to pay his dog Towzer a visit — and whence he was going to take his friend out for an airing, when he met Miss Crawley and her wheezy Blenheim spaniel, which Towzer would have eaten up had not the Blenheim fled squealing to the protection of Miss Briggs, while the atrocious master of the bull-dog stood laughing at the horrible persecution. An diesem Tage hatte den unglücklichen Burschen auch seine gewöhnliche Scheu verlassen. Er war bei Tisch lebhaft und lustig; während des Essens machte er ein paar Witze gegenüber Pitt Crawley; er trank ebensoviel Wein wie tags zuvor und begab sich völlig ahnungslos in den Salon, wo er die Damen mit einigen ausgewählten Oxforder Geschichtchen unterhielt. Er beschrieb die unterschiedlichen boxerischen Fähigkeiten von Molyneux und Dutch Sam. Er bot Lady Jane eine Wette über den Ausgang des Kampfes zwischen dem Tutbury-Liebling und dem Mann von Rottingdean an und überließ es ihr, die Wette zu bestimmen, und krönte den Scherz, indem er seinem Cousin Pitt Crawley anbot, sich mit oder ohne Boxhandschuhe mit ihm zu messen und gleich eine Wette abzuschließen. »Und das ist ein ehrliches Angebot, mein lieber Mann«, sagte er und klopfte Pitt lachend auf die Schulter. »Mein Vater hat mir auch empfohlen, das zu tun, und er will die Hälfte vom Einsatz tragen, haha!« Bei diesen. Worten nickte der nette Jüngling der armen Miss Briggs schlau zu und deutete mit dem Daumen scherzhaft und triumphierend über die Schulter auf Pitt Crawley.   This day too the unlucky boy’s modesty had likewise forsaken him. He was lively and facetious at dinner. During the repast he levelled one or two jokes against Pitt Crawley: he drank as much wine as upon the previous day; and going quite unsuspiciously to the drawing-room, began to entertain the ladies there with some choice Oxford stories. He described the different pugilistic qualities of Molyneux and Dutch Sam, offered playfully to give Lady Jane the odds upon the Tutbury Pet against the Rottingdean man, or take them, as her Ladyship chose: and crowned the pleasantry by proposing to back himself against his cousin Pitt Crawley, either with or without the gloves. “And that’s a fair offer, my buck,” he said, with a loud laugh, slapping Pitt on the shoulder, “and my father told me to make it too, and he’ll go halves in the bet, ha, ha!” So saying, the engaging youth nodded knowingly at poor Miss Briggs, and pointed his thumb over his shoulder at Pitt Crawley in a jocular and exulting manner. Pitt war wahrscheinlich nicht allzu erfreut darüber, aber dennoch im großen ganzen nicht unglücklich. Der arme Jim lachte noch viel, und als die alte Dame aufstand, um sich zurückzuziehen, schwankte er mit der Kerze seiner Tante durch den Raum und bot ihr mit schmeichelndem, angeheitertem Lächeln den Gutenachtgruß. Dann verabschiedete er sich und ging in sein Schlafzimmer hinauf, völlig mit sich zufrieden und mit dem angenehmen Gedanken, daß er das Geld seiner Tante vor seinem Vater und allen anderen Familienmitgliedern erben würde.   Pitt was not pleased altogether perhaps, but still not unhappy in the main. Poor Jim had his laugh out: and staggered across the room with his aunt’s candle, when the old lady moved to retire, and offered to salute her with the blandest tipsy smile: and he took his own leave and went upstairs to his bedroom perfectly satisfied with himself, and with a pleased notion that his aunt’s money would be left to him in preference to his father and all the rest of the family. Da er nun einmal in seinem Schlafzimmer war, hätte man eigentlich glauben sollen, er könne die Lage nicht noch verschlimmern; und doch gelang das dem unglückseligen Jungen. Der Mond schien sehr schön über das Meer, und James, den der romantische Anblick des Ozeans und des Himmels ans Fenster gelockt hatte, meinte, sein Vergnügen an der herrlichen Aussicht durch den Genuß eines Pfeifchens noch erhöhen zu können. Er glaubte, niemand würde den Tabakgeruch wahrnehmen, wenn er pfiffigerweise das Fenster öffnete und Kopf und Pfeife in die frische Luft hinaushielte. Und so geschah es. Da aber der arme James ziemlich erregt war, hatte er vergessen, daß die ganze Zeit über seine Tür offenstand; der Wind blies ins Zimmer, es entstand ordentlicher Durchzug, so daß die Tabakwolken die Treppe hinabgetrieben wurden und mit unvermindertem Duft bis zu Miss Crawley und Miss Briggs drangen.   Once up in the bedroom, one would have thought he could not make matters worse; and yet this unlucky boy did. The moon was shining very pleasantly out on the sea, and Jim, attracted to the window by the romantic appearance of the ocean and the heavens, thought he would further enjoy them while smoking. Nobody would smell the tobacco, he thought, if he cunningly opened the window and kept his head and pipe in the fresh air. This he did: but being in an excited state, poor Jim had forgotten that his door was open all this time, so that the breeze blowing inwards and a fine thorough draught being established, the clouds of tobacco were carried downstairs, and arrived with quite undiminished fragrance to Miss Crawley and Miss Briggs. Diese Tabakpfeife machte das Maß voll, und die Bute Crawleys erfuhren nie, wie viele tausend Pfund sie das kostete. Die Firkin rannte zu Bowls hinab, der seinem Adjutanten gerade mit lauter und geisterhafter Stimme aus »Bratpfanne und Feuer« vorlas. Die Firkin erzählte ihm das furchtbare Geheimnis mit so entsetzter Miene, daß Mr. Bowls und sein Gehilfe im ersten Augenblick glaubten, es seien Räuber im Hause, deren Beine die Frau wahrscheinlich unter Miss Crawleys Bett entdeckt hatte. Als er jedoch die wahre Sachlage begriff, war es das Werk einer Minute, die Treppe hinaufzulaufen, wobei er immer drei Stufen auf einmal nahm, in das Zimmer des ahnungslosen James zu stürzen, mit vor Bestürzung halb erstickter Stimme »Mr. James« zu schreien und fortzufahren: »Um Gottes willen, Sir, machen Sie bloß die Pfeife aus!« »Oh, Mr. James, was haben Sie nur getan«, rief er mit pathetischer Stimme, während er das Gerät aus dem Fenster warf. »Was haben Sie nur getan, Sir; die Gnädigste kann das nicht ausstehen.«   The pipe of tobacco finished the business: and the Bute-Crawleys never knew how many thousand pounds it cost them. Firkin rushed downstairs to Bowls who was reading out the “Fire and the Frying Pan” to his aide-de-camp in a loud and ghostly voice. The dreadful secret was told to him by Firkin with so frightened a look, that for the first moment Mr. Bowls and his young man thought that robbers were in the house, the legs of whom had probably been discovered by the woman under Miss Crawley’s bed. When made aware of the fact, however — to rush upstairs at three steps at a time to enter the unconscious James’s apartment, calling out, “Mr. James,” in a voice stifled with alarm, and to cry, “For Gawd’s sake, sir, stop that ’ere pipe,” was the work of a minute with Mr. Bowls. “O, Mr. James, what ’ ave you done!” he said in a voice of the deepest pathos, as he threw the implement out of the window. “What ’ave you done, sir! Missis can’t abide ’em.” »Die Gnädigste braucht ja nicht zu rauchen«, sagte James mit tollem, unangebrachtem Lachen, da er das Ganze für einen Hauptspaß hielt. Allein am anderen Morgen waren seine Gefühle doch ganz anderer Art, als nämlich Mr. Bowls' Gehilfe kam, um Mr. James' Stiefel zu putzen und ihm warmes Wasser zum Rasieren des Bartes zu bringen, den er so sehnlichst erwartete, und Mr. James dabei ein Billett von Miss Briggs' Hand ins Bett reichte.   “Missis needn’t smoke,” said James with a frantic misplaced laugh, and thought the whole matter an excellent joke. But his feelings were very different in the morning, when Mr. Bowls’s young man, who operated upon Mr. James’s boots, and brought him his hot water to shave that beard which he was so anxiously expecting, handed a note in to Mr. James in bed, in the handwriting of Miss Briggs. »Sehr geehrter Herr«, lautete es, »Miss Crawley hat eine äußerst unruhige Nacht verbracht infolge der abscheulichen Verunreinigung des Hauses mit Tabakqualm. Miss Crawley bittet mich, Ihnen zu sagen, wie sehr sie bedauert, daß es ihr zu schlecht geht, Sie vor Ihrer Abreise noch einmal zu sprechen – und vor allem, daß sie Sie veranlaßt habe, von der Kneipe wegzuziehen, wo Sie sich, nach ihrer festen Überzeugung, während Ihres weiteren Aufenthaltes in Brighton weitaus wohler fühlen werden.«   “Dear sir,” it said, “Miss Crawley has passed an exceedingly disturbed night, owing to the shocking manner in which the house has been polluted by tobacco; Miss Crawley bids me say she regrets that she is too unwell to see you before you go — and above all that she ever induced you to remove from the ale-house, where she is sure you will be much more comfortable during the rest of your stay at Brighton.” So endete die Laufbahn des guten James als Bewerber um die Gunst seiner Tante. Er hatte wirklich ohne sein Wissen getan, was er angedroht hatte; er hatte gegen seinen Cousin Pitt mit Boxhandschuhen gekämpft.   And herewith honest James’s career as a candidate for his aunt’s favour ended. He had in fact, and without knowing it, done what he menaced to do. He had fought his cousin Pitt with the gloves. Wo war aber inzwischen der, der bei diesem Wettrennen ums Geld einmal die meisten Aussichten gehabt hatte? Becky und Rawdon hatten sich, wie wir gesehen haben, nach der Schlacht von Waterloo wieder vereinigt und verbrachten den Winter 1815 in Glanz und Fröhlichkeit in Paris. Rebekka konnte gut haushalten, und die Summe, die der arme Joseph Sedley für ihre zwei Pferde gezahlt hatte, reichte allein hin, um ihr kleines Hauswesen mindestens für ein Jahr über Wasser zu halten; es war nicht nötig, »meine Pistolen, dieselben, mit denen ich Hauptmann Marker erschoß«, oder das goldene Toilettennecessaire oder den zobelgefütterten Mantel zu Geld zu machen. Becky ließ sich aus diesem Mantel einen Umhang fertigen, worin sie zur Bewunderung aller im Bois de Boulogne spazierenfuhr: und du, verehrter Leser, hättest die Szene zwischen ihr und ihrem erfreuten Mann erleben sollen, den sie beim Einmarsch der Armee in Cambray wiedertraf, als sie ihre Kleider auftrennte und all diese Uhren, Schmucksachen, Banknoten, Schecks und Wertgegenstände ans Tageslicht beförderte, die sie in Brüssel, vor ihrer beabsichtigten Flucht, im Futter verborgen hatte! Tufto war ganz bezaubert und Rawdon so erfreut, daß er vor Lachen brüllte und schwor, sie sei besser als jedes Theaterstück, das er je gesehen hatte, beim Zeus! Sie beschrieb ihm mit drolligen Worten, wie sie Joseph geprellt hatte, und das steigerte sein Entzücken zu einer wahnsinnigen Begeisterung. Er glaubte so fest an seine Frau wie die französischen Soldaten an Napoleon.   Where meanwhile was he who had been once first favourite for this race for money? Becky and Rawdon, as we have seen, were come together after Waterloo, and were passing the winter of 1815 at Paris in great splendour and gaiety. Rebecca was a good economist, and the price poor Jos Sedley had paid for her two horses was in itself sufficient to keep their little establishment afloat for a year, at the least; there was no occasion to turn into money “my pistols, the same which I shot Captain Marker,” or the gold dressing-case, or the cloak lined with sable. Becky had it made into a pelisse for herself, in which she rode in the Bois de Boulogne to the admiration of all: and you should have seen the scene between her and her delighted husband, whom she rejoined after the army had entered Cambray, and when she unsewed herself, and let out of her dress all those watches, knick-knacks, bank-notes, cheques, and valuables, which she had secreted in the wadding, previous to her meditated flight from Brussels! Tufto was charmed, and Rawdon roared with delighted laughter, and swore that she was better than any play he ever saw, by Jove. And the way in which she jockeyed Jos, and which she described with infinite fun, carried up his delight to a pitch of quite insane enthusiasm. He believed in his wife as much as the French soldiers in Napoleon. Sie hatte in Paris große Erfolge. Alle französischen Damen fanden sie reizend. Sie sprach deren Sprache ausgezeichnet und hatte im Nu deren Grazie, Lebhaftigkeit und Manieren angenommen. Ihr Mann war offensichtlich dumm – alle Engländer sind dumm –, aber in Paris ist ein einfältiger Ehemann stets ein Attribut zugunsten einer Dame. Er war der Erbe der reichen und geistvollen Miss Crawley, deren Haus während der Emigration für so viele Angehörige des französischen Adels offengestanden hatte. Sie empfingen die Frau des Obersten in ihren Hotels. »Warum«, schrieb eine vornehme Dame an Miss Crawley, die die Spitzen und Schmucksachen der Herzogin zu deren eigenem Preis abgekauft und sie während der schweren Zeit nach der Revolution oft zum Essen eingeladen hatte – »warum kommt nicht unsere teure Miss zu ihrem Neffen und ihrer Nichte und ihren geneigten Freunden nach Paris? Jedermann ist ganz vernarrt in die bezaubernde junge Frau und ihren Schalk und ihre Schönheit. Ja, wir erkennen in ihr die Grazie, den Charme und den Witz unserer lieben Freundin Miss Crawley! Der König nahm gestern in den Tuilerien Notiz von ihr, und wir sind alle ungemein eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die Monsieur ihr erweist. Hätten Sie nur den Ärger einer gewissen dummen Lady Bareacres sehen können (deren Habichtnase und Federbarett die Köpfe aller Anwesenden überragen), als die Herzogin von Angoulême, die erhabene Tochter und Gefährtin von Königen, ausdrücklich wünschte, Mrs. Crawley, da sie Ihre liebe Tochter und Ihr protégée ist, vorgestellt zu werden, und ihr im Namen Frankreichs für alle Wohltaten dankte, die Sie unseren Unglücklichen während ihres Exils erwiesen haben. Sie ist auf allen Gesellschaften, auf allen Bällen – ja, sie kommt zu allen Bällen, aber sie tanzt nicht; und doch, wie interessant und hübsch sieht dieses holde Wesen aus, umgeben von der Huldigung der Männer, sie, die so bald Mutter werden wird! Sie von Ihnen, ihrer Beschützerin und Mutter, sprechen zu hören, könnte Menschenfressern Tränen entlocken. Wie sie Sie liebt! Wie sehr wir alle unsere bewundernswerte, verehrungswürdige Miss Crawley lieben!«   Her success in Paris was remarkable. All the French ladies voted her charming. She spoke their language admirably. She adopted at once their grace, their liveliness, their manner. Her husband was stupid certainly — all English are stupid — and, besides, a dull husband at Paris is always a point in a lady’s favour. He was the heir of the rich and spirituelle Miss Crawley, whose house had been open to so many of the French noblesse during the emigration. They received the colonel’s wife in their own hotels — "Why,” wrote a great lady to Miss Crawley, who had bought her lace and trinkets at the Duchess’s own price, and given her many a dinner during the pinching times after the Revolution — "Why does not our dear Miss come to her nephew and niece, and her attached friends in Paris? All the world raffoles of the charming Mistress and her espiegle beauty. Yes, we see in her the grace, the charm, the wit of our dear friend Miss Crawley! The King took notice of her yesterday at the Tuileries, and we are all jealous of the attention which Monsieur pays her. If you could have seen the spite of a certain stupid Miladi Bareacres (whose eagle-beak and toque and feat hers may be seen peering over the heads of all assemblies) when Madame, the Duchess of Angouleme, the august daughter and companion of kings, desired especially to be presented to Mrs. Crawley, as your dear daughter and protegee, and thanked her in the name of France, for all your benevolence towards our unfortunates during their exile! She is of all the societies, of all the balls — of the balls — yes — of the dances, no; and yet how interesting and pretty this fair creature looks surrounded by the homage of the men, and so soon to be a mother! To hear her speak of you, her protectress, her mother, would bring tears to the eyes of ogres. How she loves you! how we all love our admirable, our respectable Miss Crawley!” Es steht zu befürchten, daß dieser Brief von der großen Pariser Dame Mrs. Beckys Belange bei ihrer bewundernswerten, verehrungswürdigen Verwandten keineswegs günstig beeinflußten. Im Gegenteil, die Wut der alten Jungfer kannte keine Grenzen, als sie vernahm, in welchen Umständen sich Rebekka befand und wie frech sie sich des Namens von Miss Crawley bedient hatte, um in der Pariser Gesellschaft Zutritt zu erlangen. Zu sehr erschüttert an Körper und Geist, um einen Antwortbrief auf französisch abzufassen, diktierte sie der Briggs eine wütende Entgegnung in ihrer Muttersprache, worin sie Mrs. Rawdon Crawley ganz und gar verleugnete und die Öffentlichkeit vor ihr warnte, da sie eine ungemein gerissene und gefährliche Person sei. Da aber die Herzogin von X nur zwanzig Jahre in England gelebt hatte, so verstand sie auch nicht ein Wort von der Sprache und begnügte sich damit, Mrs. Rawdon Crawley bei ihrer nächsten Zusammenkunft mitzuteilen, daß sie einen bezaubernden Brief von der »chere Mies« bekommen habe und daß er nur Liebes und Gutes über Mrs. Crawley enthalte. Diese begann nun ernstlich zu hoffen, daß die alte Jungfer sich doch noch erweichen lassen würde.   It is to be feared that this letter of the Parisian great lady did not by any means advance Mrs. Becky’s interest with her admirable, her respectable, relative. On the contrary, the fury of the old spinster was beyond bounds, when she found what was Rebecca’s situation, and how audaciously she had made use of Miss Crawley’s name, to get an entree into Parisian society. Too much shaken in mind and body to compose a letter in the French language in reply to that of her correspondent, she dictated to Briggs a furious answer in her own native tongue, repudiating Mrs. Rawdon Crawley altogether, and warning the public to beware of her as a most artful and dangerous person. But as Madame the Duchess of X — had only been twenty years in England, she did not understand a single word of the language, and contented herself by informing Mrs. Rawdon Crawley at their next meeting, that she had received a charming letter from that chere Mees, and that it was full of benevolent things for Mrs. Crawley, who began seriously to have hopes that the spinster would relent. Inzwischen war sie die lustigste und am meisten bewunderte aller Engländerinnen und hatte an ihren Empfangsabenden immer einen kleinen europäischen Kongreß bei sich – Preußen und Kosaken, Spanier und Engländer –, die ganze Welt gab sich während dieses berühmten Winters ein Stelldichein in Paris. Beim Anblick der Sterne und Ordensbänder in Rebekkas bescheidenem Salon wäre wohl die ganze Baker Street vor Neid erblaßt. Berühmte Krieger ritten im Bois neben ihrem Wagen oder drängten sich in ihrer bescheidenen kleinen Loge in der Oper. Rawdon war in der besten Laune. Bis jetzt gab es in Paris noch keine ungestümen Gläubiger; täglich fanden bei Vèry oder Beauvilliers Gesellschaften statt; es wurde viel gespielt, und er hatte Glück. Tufto hatte wahrscheinlich schlechte Laune. Mrs. Tufto war nämlich auf ihre eigene Einladung hin nach Paris gekommen, und abgesehen von diesem contretemps, umdrängten nun zwanzig Generale Beckys Platz, und sie hatte die Wahl zwischen zwölf Buketts, wenn sie ins Theater ging. Lady Bareacres und die Spitzen der englischen Gesellschaft, dumme, untadelige Frauenzimmer, wanden sich vor Wut über den Erfolg dieses kleinen Emporkömmlings Becky, deren giftige Witze in ihren keuschen Busen nagten und zuckten. Sie hatte aber alle Männer auf ihrer Seite und bekämpfte die Frauen mit unerschütterlichem Mut. Und die konnten nur in ihrer eigenen Sprache über sie herziehen.   Meanwhile, she was the gayest and most admired of Englishwomen: and had a little European congress on her reception-night. Prussians and Cossacks, Spanish and English — all the world was at Paris during this famous winter: to have seen the stars and cordons in Rebecca’s humble saloon would have made all Baker Street pale with envy. Famous warriors rode by her carriage in the Bois, or crowded her modest little box at the Opera. Rawdon was in the highest spirits. There were no duns in Paris as yet: there were parties every day at Very’s or Beauvilliers’; play was plentiful and his luck good. Tufto perhaps was sulky. Mrs. Tufto had come over to Paris at her own invitation, and besides this contretemps, there were a score of generals now round Becky’s chair, and she might take her choice of a dozen bouquets when she went to the play. Lady Bareacres and the chiefs of the English society, stupid and irreproachable females, writhed with anguish at the success of the little upstart Becky, whose poisoned jokes quivered and rankled in their chaste breasts. But she had all the men on her side. She fought the women with indomitable courage, and they could not talk scandal in any tongue but their own. So verging Mrs. Rawdon Crawley der Winter 1815/16 mit Festen, Vergnügungen und gutem Leben. Sie paßte sich in die feine Welt so gut ein, als ob ihre Vorfahren seit Jahrhunderten vornehme Leute gewesen wären, und wegen ihres Witzes, ihres Talents und ihrer Energie verdiente sie wirklich einen Ehrenplatz auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit.   So in fetes, pleasures, and prosperity, the winter of 1815-16 passed away with Mrs. Rawdon Crawley, who accommodated herself to polite life as if her ancestors had been people of fashion for centuries past — and who from her wit, talent, and energy, indeed merited a place of honour in Vanity Fair. Im zeitigen Frühjahr 1816 enthielt »Galignanis Bote« in einer interessanten Ecke folgende Anzeige: »Am 26. März – die Gemahlin Oberstleutnant Crawleys von der Grünen Leibgarde – von einem Sohn und Erben entbunden.«   In the early spring of 1816, Galignani’s Journal contained the following announcement in an interesting corner of the paper: “On the 26th of March — the Lady of Lieutenant-Colonel Crawley, of the Life Guards Green — of a son and heir.” Diese Anzeige übernahmen die Londoner Zeitungen, und Miss Briggs las Miss Crawley in Brighton beim Frühstück die Erklärung vor. Wenn solch ein Ereignis auch zu erwarten gewesen war, so rief die Nachricht doch eine Krise in den Familienangelegenheiten der Crawleys hervor. Die Wut der alten Jungfer erreichte ihren Höhepunkt, und sie schickte sofort nach Pitt, ihrem Neffen, und nach Lady Southdown vom Brunswick Square und drang auf eine baldige Heirat, die in beiden Familien schon so lange geplant war. Zugleich verkündete sie ihre Absicht, dem jungen Paar noch zu ihren Lebzeiten jährlich tausend Pfund auszusetzen. Nach ihrem Tod sollte dann die Hauptmasse ihres Vermögens ihrem Neffen und ihrer lieben Nichte, Lady Jane Crawley, zufallen. Waxy kam von London, um die Dokumente auszufertigen – Lord Southdown gab seine Schwester zur Ehe. Sie wurde von einem Bischof und nicht von Ehrwürden Bartholomew Irons getraut – zum Ärger dieses irregulären Prälaten.   This event was copied into the London papers, out of which Miss Briggs read the statement to Miss Crawley, at breakfast, at Brighton. The intelligence, expected as it might have been, caused a crisis in the affairs of the Crawley family. The spinster’s rage rose to its height, and sending instantly for Pitt, her nephew, and for the Lady Southdown, from Brunswick Square, she requested an immediate celebration of the marriage which had been so long pending between the two families. And she announced that it was her intention to allow the young couple a thousand a year during her lifetime, at the expiration of which the bulk of her property would be settled upon her nephew and her dear niece, Lady Jane Crawley. Waxy came down to ratify the deeds — Lord Southdown gave away his sister — she was married by a Bishop, and not by the Rev. Bartholomew Irons — to the disappointment of the irregular prelate. Nach der Hochzeit hätte Pitt gern eine Hochzeitsreise unternommen, wie es sich für Leute seines Standes schickte. Die alte Dame hatte aber eine so starke Neigung für Lady Jane gefaßt, daß sie rundheraus erklärte, sich von ihrem Liebling nicht trennen zu können. Pitt und seine Frau zogen daher zu Miss Crawley, und Lady Southdown herrschte von ihrem benachbarten Haus aus über die ganze Familie Pitt, Lady Jane, Miss Crawley, die Briggs, die Firkin, Bowls und alle anderen, sehr zum Ärger des armen Pitt, der auf der einen Seite den Launen seiner Tante, auf der anderen denen seiner Schwiegermutter ausgeliefert war und sich sehr unglücklich vorkam. Die Lady verabfolgte ihnen unbarmherzig ihre Traktate und Arzneien; sie entließ Creamer und stellte für ihn Rodgers ein; sie ließ Miss Crawley auch nicht den leisesten Schimmer von Autorität. Die arme Seele wurde so eingeschüchtert, daß sie sogar aufhörte, die Briggs zu tyrannisieren, und sich täglich furchtsamer und liebevoller an ihre Nichte klammerte. Friede über dich, du gütige, egoistische, eitle, großmütige alte Heidin! Wir werden dich nicht wiedersehen. Hoffen wir, daß Lady Jane sie gütig unterstützte und mit sanfter Hand aus dem geschäftigen Treiben des Jahrmarkts der Eitelkeit hinausführte.   When they were married, Pitt would have liked to take a hymeneal tour with his bride, as became people of their condition. But the affection of the old lady towards Lady Jane had grown so strong, that she fairly owned she could not part with her favourite. Pitt and his wife came therefore and lived with Miss Crawley: and (greatly to the annoyance of poor Pitt, who conceived himself a most injured character — being subject to the humours of his aunt on one side, and of his mother-in-law on the other) Lady Southdown, from her neighbouring house, reigned over the whole family — Pitt, Lady Jane, Miss Crawley, Briggs, Bowls, Firkin, and all. She pitilessly dosed them with her tracts and her medicine, she dismissed Creamer, she installed Rodgers, and soon stripped Miss Crawley of even the semblance of authority. The poor soul grew so timid that she actually left off bullying Briggs any more, and clung to her niece, more fond and terrified every day. Peace to thee, kind and selfish, vain and generous old heathen! — We shall see thee no more. Let us hope that Lady Jane supported her kindly, and led her with gentle hand out of the busy struggle of Vanity Fair.