William Makepeace Thackeray Jahrmarkt der Eitelkeit / Vanity Fair Band 2 35. Kapitel / Chapter 35 Witwe und Mutter / Widow and Mother Die Nachricht von den Schlachten von Quatre-Bras und Waterloo kam zu gleicher Zeit nach England. Die »Gazette« veröffentlichte zuerst das Ergebnis der beiden Schlachten, und ganz England bebte in Triumph und Furcht. Später folgten dann Einzelheiten, und nach der Verkündigung der Siege kam die Liste mit den Verwundeten und Gefallenen. Wer kann die Angst beschreiben, mit der dieses Verzeichnis gelesen wurde! Man stelle sich vor, welche Gefühle von Begeisterung und Dankbarkeit, von Schmerz und Verzweiflung in fast allen Dörfern und Häusern herrschten, als die SiegesbChristoph Friedrich Griebotschaft aus Flandern kam und man die Verlustlisten der Regimenter durchging und erfuhr, ob der teure Freund und Verwandte davongekommen oder gefallen war. Jeder, der sich die Mühe machen will, die damaligen Zeitungen noch einmal durchzugehen, muß selbst jetzt, nach so langer Zeit, dieses atemlose Gefühl der Erwartung haben. Die Verlustliste wird täglich weitergeführt, man unterbricht mittendrin, wie bei einer Erzählung, deren Fortsetzung in der nächsten Nummer erscheint. Man male sich die Gefühle aus, wenn die Zeitungen frisch aus der Druckerpresse einander folgten; und wenn man in England wegen einer Schlacht, in der nur zwanzigtausend unserer Leute kämpften, so außer sich kommen konnte, so halte man sich vor Augen, in welcher Lage sich ganz Europa vor zwanzig Jahren befand, als die Menschen nicht zu Tausenden, sondern zu Millionen kämpften. Jeder, der einen Feind niederstreckte, verwundete ein anderes, unschuldiges Herz in der Ferne furchtbar.   The news of the great fights of Quatre Bras and Waterloo reached England at the same time. The Gazette first published the result of the two battles; at which glorious intelligence all England thrilled with triumph and fear. Particulars then followed; and after the announcement of the victories came the list of the wounded and the slain. Who can tell the dread with which that catalogue was opened and read! Fancy, at every village and homestead almost through the three kingdoms, the great news coming of the battles in Flanders, and the feelings of exultation and gratitude, bereavement and sickening dismay, when the lists of the regimental losses were gone through, and it became known whether the dear friend and relative had escaped or fallen. Anybody who will take the trouble of looking back to a file of the newspapers of the time, must, even now, feel at second-hand this breathless pause of expectation. The lists of casualties are carried on from day to day: you stop in the midst as in a story which is to be continued in our next. Think what the feelings must have been as those papers followed each other fresh from the press; and if such an interest could be felt in our country, and about a battle where but twenty thousand of our people were engaged, think of the condition of Europe for twenty years before, where people were fighting, not by thousands, but by millions; each one of whom as he struck his enemy wounded horribly some other innocent heart far away. Die Nachricht, die jene berühmte »Gazette« den Osbornes brachte, versetzte der ganzen Familie und ihrem Oberhaupt einen schrecklichen Schlag. Die Mädchen gaben sich rückhaltlos ihrem Schmerz hin. Den gramgebeugten alten Vater machten das Schicksal und der Kummer noch niedergeschlagener. Er bemühte sich, zu denken, daß der Junge für seinen Ungehorsam gestraft worden sei. Er wagte es nicht, zu gestehen, daß ihn die Strenge des Urteils erschreckte und daß sich sein Fluch zu schnell erfüllt hatte. Zuweilen schauderte er vor Entsetzen, als ob er der Urheber des Verhängnisses sei, das er auf seinen Sohn herabbeschworen hatte. Früher hatten wenigstens noch Möglichkeiten zur Aussöhnung bestanden. Die Frau des Jungen hätte sterben oder dieser selbst zurückkommen und sagen können: »Vater, ich habe gesündigt.« Jetzt aber gab es keine Hoffnung mehr. Er stand auf der anderen Seite des unüberwindlichen Abgrundes und verfolgte seinen Vater mit trüben Augen. Dieser erinnerte sich des gleichen Blickes, als sein Sohn einmal im Fieber gelegen hatte und jedermann dachte, daß der Junge sterben würde. Er lag damals stumm im Bett und starrte düster vor sich hin. Guter Gott, wie der Vater sich damals an den Arzt klammerte und mit welch verzweifelter Angst er ihm überallhin gefolgt war; was für eine Last war ihm vom Herzen gefallen, als der Junge die Krisis überwunden hatte und seinen Vater mit erkennenden Augen ansah! Jetzt aber gab es weder Hilfe noch Heilung, noch eine Aussicht auf Versöhnung; vor allem aber keine demütigen Worte, um die wütende gekränkte Eitelkeit zu besänftigen und das vergiftete zornige Blut wieder in seinen natürlichen Fluß zu bringen. Es läßt sich schwer sagen, welcher Schmerz das Herz des stolzen Vaters am meisten zerriß – daß sein Sohn sich jetzt außer Reichweite seiner Verzeihung befand oder daß ihm die Entschuldigung, die sein Stolz erwartet hatte, entgangen war.   The news which that famous Gazette brought to the Osbornes gave a dreadful shock to the family and its chief. The girls indulged unrestrained in their grief. The gloom-stricken old father was still more borne down by his fate and sorrow. He strove to think that a judgment was on the boy for his disobedience. He dared not own that the severity of the sentence frightened him, and that its fulfilment had come too soon upon his curses. Sometimes a shuddering terror struck him, as if he had been the author of the doom which he had called down on his son. There was a chance before of reconciliation. The boy’s wife might have died; or he might have come back and said, Father I have sinned. But there was no hope now. He stood on the other side of the gulf impassable, haunting his parent with sad eyes. He remembered them once before so in a fever, when every one thought the lad was dying, and he lay on his bed speechless, and gazing with a dreadful gloom. Good God! how the father clung to the doctor then, and with what a sickening anxiety he followed him: what a weight of grief was off his mind when, after the crisis of the fever, the lad recovered, and looked at his father once more with eyes that recognised him. But now there was no help or cure, or chance of reconcilement: above all, there were no humble words to soothe vanity outraged and furious, or bring to its natural flow the poisoned, angry blood. And it is hard to say which pang it was that tore the proud father’s heart most keenly — that his son should have gone out of the reach of his forgiveness, or that the apology which his own pride expected should have escaped him. Welche Empfindungen der finstere alte Mann auch hegen mochte – er vertraute sich niemandem an. Niemals erwähnte er des Sohnes Namen gegenüber seinen Töchtern; der älteren gab er den Befehl, alle weiblichen Mitglieder des Hauses in Trauer zu kleiden, und den männlichen Dienstboten befahl er, sich ebenfalls in tiefes Schwarz zu kleiden. Alle Gesellschaften und Vergnügungen wurden natürlich abgesagt. Seinem zukünftigen Schwiegersohn, dessen Hochzeitstag schon festgesetzt worden war, machte er keine Mitteilung. Aber in Mr. Osbornes Miene lag etwas, was Mr. Bullock hinderte, Fragen zu stellen oder irgendwie auf die Heirat zu drängen. Er flüsterte zuweilen mit den Damen darüber im Salon, wohin der Vater nie kam. Er hielt sich ständig in seinem Studierzimmer auf, und das Vorderhaus blieb über die normale Trauerzeit hinaus geschlossen.   Whatever his sensations might have been, however, the stem old man would have no confidant. He never mentioned his son’s name to his daughters; but ordered the elder to place all the females of the establishment in mourning; and desired that the male servants should be similarly attired in deep black. All parties and entertainments, of course, were to be put off. No communications were made to his future son-in-law, whose marriage-day had been fixed: but there was enough in Mr. Osborne’s appearance to prevent Mr. Bullock from making any inquiries, or in any way pressing forward that ceremony. He and the ladies whispered about it under their voices in the drawing-room sometimes, whither the father never came. He remained constantly in his own study; the whole front part of the house being closed until some time after the completion of the general mourning. Etwa drei Wochen nach dem 18. Juni erschien ein Bekannter von Mr. Osborne, Sir William Dobbin, mit sehr blassem und verstörtem Gesicht in Osbornes Haus am Russell Square und bestand darauf, den Herrn sprechen zu müssen. Man führte ihn in das Zimmer des Alten, und nach einigen Worten, die weder der Sprecher noch der Hausherr verstanden, holte er einen Brief mit großem rotem Siegel aus einem Umschlag hervor. »Mein Sohn, Major Dobbin«, sagte der Alderman etwas zögernd, »hat mir durch einen Offizier vom ...ten Regiment, der heute in der Stadt ankam, einen Brief geschickt. Meines Sohnes Brief enthält auch einen für Sie, Osborne.« Der Alderman legte den Brief auf den Tisch, und Osborne starrte den alten Herrn ein paar Sekunden schweigend an. Seine Blicke erschreckten den Abgesandten, und nachdem er den gramgebeugten Mann eine Weile schuldbewußt angesehen hatte, eilte er ohne ein weiteres Wort hinaus.   About three weeks after the 18th of June, Mr. Osborne’s acquaintance, Sir William Dobbin, called at Mr. Osborne’s house in Russell Square, with a very pale and agitated face, and insisted upon seeing that gentleman. Ushered into his room, and after a few words, which neither the speaker nor the host understood, the former produced from an inclosure a letter sealed with a large red seal. “My son, Major Dobbin,” the Alderman said, with some hesitation, “despatched me a letter by an officer of the — th, who arrived in town to-day. My son’s letter contains one for you, Osborne.” The Alderman placed the letter on the table, and Osborne stared at him for a moment or two in silence. His looks frightened the ambassador, who after looking guiltily for a little time at the grief-stricken man, hurried away without another word. Der Brief war in Georges wohlbekannter kühner Handschrift verfaßt. Es war der, den er vor Tagesanbruch des 16. Juni kurz vor dem Abschied von Amelia geschrieben hatte. Das große rote Siegel zeigte das angemaßte Wappen mit dem Motto »Pax in bello«, das Osborne aus dem Adelskalender entnommen hatte und das dem Herzoghaus gehörte, dem verwandt zu sein der eitle alte Mann sich vergeblich einzureden suchte. Die Hand, die den Brief unterschrieben hatte, würde niemals wieder Feder oder Schwert führen. Das Petschaft, womit er gesiegelt war, hatte man Georges Leichnam auf dem Schlachtfeld geraubt. Der Vater wußte nichts davon, sondern saß da und starrte mit entsetzlicher Leere darauf. Als er ging, um ihn zu öffnen, fiel er beinahe hin.   The letter was in George’s well-known bold handwriting. It was that one which he had written before daybreak on the 16th of June, and just before he took leave of Amelia. The great red seal was emblazoned with the sham coat of arms which Osborne had assumed from the Peerage, with “Pax in bello” for a motto; that of the ducal house with which the vain old man tried to fancy himself connected. The hand that signed it would never hold pen or sword more. The very seal that sealed it had been robbed from George’s dead body as it lay on the field of battle. The father knew nothing of this, but sat and looked at the letter in terrified vacancy. He almost fell when he went to open it. Hattest du je einen Streit mit einem teuren Freund? Wie dich seine Briefe aus der Zeit der Liebe und des Vertrauens abschrecken und tadeln! Was für eine düstere Trauer rufen dir die feurigen Beteuerungen toter Zuneigung hervor! Was für eine lügnerische Grabinschrift über der Leiche der Liebe sind sie doch! Was für finstere, grausame Kommentare über Leben und Eitelkeit! Die meisten von uns haben Schubladenvoll davon erhalten oder geschrieben. Es sind Gespenster, die wir aufbewahren, aber meiden. Osborne zitterte lange vor dem Brief seines toten Sohnes.   Have you ever had a difference with a dear friend? How his letters, written in the period of love and confidence, sicken and rebuke you! What a dreary mourning it is to dwell upon those vehement protests of dead affection! What lying epitaphs they make over the corpse of love! What dark, cruel comments upon Life and Vanities! Most of us have got or written drawers full of them. They are closet-skeletons which we keep and shun. Osborne trembled long before the letter from his dead son. Der Brief des armen Jungen beinhaltete nicht viel. Er war zu stolz gewesen, die Zärtlichkeit, die er im Herzen fühlte, zu zeigen. Er sagte nur, daß er am Vorabend einer großen Schlacht seinem Vater Lebewohl sagen und feierlich dessen Beistand für die Frau – vielleicht auch das Kind –, die er zurückließ, erbitten wolle. Er gestand zerknirscht, daß er durch sein ausschweifendes, verschwenderisches Leben bereits einen großen Teil seines kleinen mütterlichen Vermögens vergeudet habe. Er dankte seinem Vater für den früher bewiesenen Großmut, und er versprach ihm, daß er sich des Namens George Osborne würdig erweisen werde, mochte er nun im Felde fallen oder überleben.   The poor boy’s letter did not say much. He had been too proud to acknowledge the tenderness which his heart felt. He only said, that on the eve of a great battle, he wished to bid his father farewell, and solemnly to implore his good offices for the wife — it might be for the child — whom he left behind him. He owned with contrition that his irregularities and his extravagance had already wasted a large part of his mother’s little fortune. He thanked his father for his former generous conduct; and he promised him that if he fell on the field or survived it, he would act in a manner worthy of the name of George Osborne. Seine englische Art, sein Stolz, vielleicht auch Verlegenheit, hatten ihn daran gehindert, mehr zu sagen. Sein Vater konnte den Kuß nicht sehen, den George auf die Überschrift seines Briefes gedrückt hatte. Mr. Osborne ließ das Schriftstück mit dem bittersten, tödlichsten Schmerz getäuschter Liebe und Rache fallen. Immer noch liebte er den Sohn und vergab ihm nicht.   His English habit, pride, awkwardness perhaps, had prevented him from saying more. His father could not see the kiss George had placed on the superscription of his letter. Mr. Osborne dropped it with the bitterest, deadliest pang of balked affection and revenge. His son was still beloved and unforgiven. Etwa zwei Monate später jedoch bemerkten die jungen Damen, als sie mit ihrem Vater zur Kirche gingen, daß er sich auf einen anderen Platz setzte als sonst, wenn er zum Gottesdienst kam, und von seinem Kissen aus blickte er auf die Mauer über ihnen. Das veranlaßte die jungen Mädchen, ebenfalls in die Richtung zu schauen, in die der düstere Blick des Vaters deutete, und sie erspähten an der Wand ein kunstvolles Denkmal. Darauf war Britannia weinend über einer Urne dargestellt, und ein zerbrochenes Schwert und ein liegender Löwe deuteten an, daß das Bildwerk zu Ehren eines gefallenen Soldaten errichtet worden war. Die Bildhauer jener Zeit hatten immer einen ganzen Vorrat solcher Trauersymbole auf Lager, und man kann noch jetzt auf den Wänden der Sankt-Pauls-Kathedrale Hunderte solcher prahlerischen heidnischen Allegorien sehen. Während der ersten fünfzehn Jahre unseres Jahrhunderts bestand eine große Nachfrage danach.   About two months afterwards, however, as the young ladies of the family went to church with their father, they remarked how he took a different seat from that which he usually occupied when he chose to attend divine worship; and that from his cushion opposite, he looked up at the wall over their heads. This caused the young women likewise to gaze in the direction towards which their father’s gloomy eyes pointed: and they saw an elaborate monument upon the wall, where Britannia was represented weeping over an urn, and a broken sword and a couchant lion indicated that the piece of sculpture had been erected in honour of a deceased warrior. The sculptors of those days had stocks of such funereal emblems in hand; as you may see still on the walls of St. Paul’s, which are covered with hundreds of these braggart heathen allegories. There was a constant demand for them during the first fifteen years of the present century. Unter dem erwähnten Denkmal war das bereits bekannte prunkvolle Osbornesche Wappen angebracht, und wie die Inschrift besagte, war das Denkmal geweiht »dem Andenken von George Osborne, zuletzt Hauptmann in Seiner Majestät ...tem Infanterieregiment, gefallen im Alter von achtundzwanzig Jahren, am 18. Juni 1815 in der siegreichen Schlacht bei Waterloo für König und Vaterland. Dulce et decorum est pro patria mori.«   Under the memorial in question were emblazoned the well-known and pompous Osborne arms; and the inscription said, that the monument was “Sacred to the memory of George Osborne, Junior, Esq., late a Captain in his Majesty’s — th regiment of foot, who fell on the 18th of June, 1815, aged 28 years, while fighting for his king and country in the glorious victory of Waterloo. Dulce et decorum est pro patria mori.” Der Anblick dieses Gedenksteins erregte die Nerven der Schwestern so sehr, daß Miss Maria die Kirche verlassen mußte. Die Gemeinde machte achtungsvoll den tiefschwarzgekleideten, schluchzenden Mädchen Platz und bemitleidete den finsteren alten Vater, der gegenüber dem Monument des toten Soldaten saß. »Ob er Mrs. George vergibt?« fragten sich die Mädchen, sobald der Schmerzensausbruch vorüber war. Auch in Osbornes Bekanntenkreis, wo man den durch die Heirat verursachten Bruch zwischen Vater und Sohn kannte, sprach man viel über die Aussicht einer Versöhnung mit der jungen Witwe. Die Herren am Russell Square und in der City schlossen sogar Wetten darauf ab.   The sight of that stone agitated the nerves of the sisters so much, that Miss Maria was compelled to leave the church. The congregation made way respectfully for those sobbing girls clothed in deep black, and pitied the stern old father seated opposite the memorial of the dead soldier. “Will he forgive Mrs. George?” the girls said to themselves as soon as their ebullition of grief was over. Much conversation passed too among the acquaintances of the Osborne family, who knew of the rupture between the son and father caused by the former’s marriage, as to the chance of a reconciliation with the young widow. There were bets among the gentlemen both about Russell Square and in the City. Wenn die Mädchen Befürchtungen hegten, Amelia werde möglicherweise als Tochter der Familie anerkannt werden, so wuchsen diese noch gegen Ende des Herbstes, als ihnen ihr Vater mitteilte, er wolle eine Auslandsreise machen. Er sagte nicht, wohin; sie wußten aber sogleich, daß er seine Schritte nach Belgien lenken würde, und sie hatten erfahren, daß sich Georges Witwe noch in Brüssel befand. Durch Lady Dobbin und deren Töchter waren sie stets ganz gut über das Tun und Treiben der armen Amelia unterrichtet. Durch den Tod des zweiten Majors im Regiment auf dem Schlachtfeld war unser ehrlicher Hauptmann befördert worden; und der tapfere O'Dowd, welcher sich hier sehr ausgezeichnet hatte, wie bei allen Gelegenheiten, wo er seine Kaltblütigkeit und Tapferkeit beweisen konnte, war jetzt Oberst und Träger des Bath-Ordens.   If the sisters had any anxiety regarding the possible recognition of Amelia as a daughter of the family, it was increased presently, and towards the end of the autumn, by their father’s announcement that he was going abroad. He did not say whither, but they knew at once that his steps would be turned towards Belgium, and were aware that George’s widow was still in Brussels. They had pretty accurate news indeed of poor Amelia from Lady Dobbin and her daughters. Our honest Captain had been promoted in consequence of the death of the second Major of the regiment on the field; and the brave O’Dowd, who had distinguished himself greatly here as upon all occasions where he had a chance to show his coolness and valour, was a Colonel and Companion of the Bath. Viele der Tapferen des ...ten Regiments, das an beiden Schlachttagen schwere Verluste erlitten hatte, befanden sich im Herbst noch in Brüssel, um von ihren Wunden zu genesen. Die Stadt war noch Monate nach der großen Schlacht ein riesiges Lazarett, und als die Soldaten und Offiziere sich von ihren Verletzungen zu erholen begannen, füllten sich die Parks und öffentlichen Vergnügungsstätten mit alten und jungen verkrüppelten Soldaten, die, kaum dem Tode entrissen, mit Spiel, Scherz und Liebelei begannen, wie es auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit üblich ist. Mr. Osborne machte bald einige vom ...ten Regiment ausfindig. Er kannte ihre Uniform genau und hatte jede Beförderung, jede Versetzung aufmerksam verfolgt und sprach gern vom Regiment und seinen Offizieren, als ob er selbst dazugehörte. Am Tage nach seiner Ankunft in Brüssel sah er beim Verlassen seines Hotels, das direkt am Park lag, einen Soldaten mit den wohlbekannten Aufschlägen, der sich auf einer Steinbank ausruhte. Er ging auf den Verwundeten zu und setzte sich zitternd neben ihn.   Very many of the brave — th, who had suffered severely upon both days of action, were still at Brussels in the autumn, recovering of their wounds. The city was a vast military hospital for months after the great battles; and as men and officers began to rally from their hurts, the gardens and places of public resort swarmed with maimed warriors, old and young, who, just rescued out of death, fell to gambling, and gaiety, and love-making, as people of Vanity Fair will do. Mr. Osborne found out some of the — th easily. He knew their uniform quite well, and had been used to follow all the promotions and exchanges in the regiment, and loved to talk about it and its officers as if he had been one of the number. On the day after his arrival at Brussels, and as he issued from his hotel, which faced the park, he saw a soldier in the well-known facings, reposing on a stone bench in the garden, and went and sate down trembling by the wounded convalescent man. »Waren Sie in Hauptmann Osbornes Kompanie?« fragte er, und nach einer Pause fügte er hinzu: »Er war mein Sohn.«   “Were you in Captain Osborne’s company?” he said, and added, after a pause, “he was my son, sir.” Der Mann gehörte nicht zur Kompanie des Hauptmanns, aber er erhob den gesunden Arm und legte die Hand an die Mütze, traurig und ehrfürchtig vor dem abgezehrten, niedergebeugten Herrn, welcher ihn gefragt hatte. »Es gab keinen besseren und tüchtigeren Offizier im ganzen Heer«, sagte der Soldat. Der Hauptfeldwebel von der Kompanie des Hauptmanns (sie wurde jetzt von Hauptmann Raymond angeführt) sei jedoch in der Stadt und soeben von einem Schulterschuß genesen. Der Herr könne ihn sprechen, wenn er möge, und alles, was er über die Taten des ...ten Regiments wissen wolle, von ihm erfahren. Aber der Herr habe wohl zweifellos schon Major Dobbin gesprochen, den guten Freund des tapferen Hauptmanns, und Mrs. Osborne, die sich auch in Brüssel aufhalte und der es, wie man erzählte, sehr schlecht gehe. Es heißt, sie sei sechs Wochen oder noch länger geradezu nicht bei Sinnen gewesen. Der Herr werde das alles aber wohl schon wissen, und er bitte also um Entschuldigung, fügte der Soldat hinzu.   The man was not of the Captain’s company, but he lifted up his unwounded arm and touched-his cap sadly and respectfully to the haggard broken-spirited gentleman who questioned him. “The whole army didn’t contain a finer or a better officer,” the soldier said. “The Sergeant of the Captain’s company (Captain Raymond had it now), was in town, though, and was just well of a shot in the shoulder. His honour might see him if he liked, who could tell him anything he wanted to know about — about the — th’s actions. But his honour had seen Major Dobbin, no doubt, the brave Captain’s great friend; and Mrs. Osborne, who was here too, and had been very bad, he heard everybody say. They say she was out of her mind like for six weeks or more. But your honour knows all about that — and asking your pardon" — the man added. Osborne drückte dem Soldaten eine Guinee in die Hand und versprach ihm noch eine, wenn er den Hauptfeldwebel ins Hotel du Parc bringen wollte. Dieses Versprechen brachte den Gewünschten sehr bald zu Mr. Osborne. Der erste Soldat entfernte sich wieder, und nachdem er ein paar Soldaten erzählt hatte, daß Hauptmann Osbornes Vater gekommen sei und was für ein freigebiger, großmütiger Herr er sei, tranken und schmausten sie, solange die Guineen reichten, die aus dem üppigen Geldbeutel des trauernden alten Vaters gekommen waren.   Osborne put a guinea into the soldier’s hand, and told him he should have another if he would bring the Sergeant to the Hotel du Parc; a promise which very soon brought the desired officer to Mr. Osborne’s presence. And the first soldier went away; and after telling a comrade or two how Captain Osborne’s father was arrived, and what a free-handed generous gentleman he was, they went and made good cheer with drink and feasting, as long as the guineas lasted which had come from the proud purse of the mourning old father. In Begleitung des Hauptfeldwebels, der vor kurzem genesen war, begab sich Osborne nach Waterloo und Quatre-Bras, eine Reise, die damals Tausende seiner Landsleute machten. Unter der Führung des Hauptfeldwebels, den er in seinem Wagen mitgenommen hatte, besuchte er beide Schlachtfelder. Er sah die Stelle der Straße, von wo aus das Regiment am 16. zum Kampf marschiert war, und den Hügel, von dem sie die französische Kavallerie herabgetrieben hatten, nachdem diese den fliehenden Belgiern gefolgt war. Dort war die Stelle, wo der edle Hauptmann den französischen Offizier niedermachte, der mit dem jungen Fähnrich um die Fahne gekämpft hatte, nachdem die Fahnenträger gefallen waren. Auf dieser Straße hatten sie sich am nächsten Tage zurückgezogen, und hier war der Erdwall, an dem das Regiment in der Nacht zum 17. im Regen biwakierte. Dort drüben war die Stellung, die sie eingenommen und den ganzen Tag gehalten hatten, wobei sie sich immer wieder formierten, um den Angriffen der französischen Kavallerie zu begegnen, und sich zum Schutz gegen das wütende französische Geschützfeuer immer wieder hinter dem Erdwall niederwarfen. Und an diesem Hügel geschah es, als am Abend die gesamte englische Linie den Befehl zum Vordringen erhielt und der Feind nach seinem letzten Angriff zurückwich, daß der Hauptmann, degenschwingend und mit einem Hurra auf den Lippen, den Hügel hinabeilte, einen Schuß erhielt und tot niederfiel. »Major Dobbin hat dann den Leichnam des Hauptmanns nach Brüssel zurückgebracht und ihn begraben lassen, wie der Herr ja weiß«, berichtete der Hauptfeldwebel mit leiser Stimme. Während er seine Geschichte erzählte, schrien die Bauern und Reliquienjäger aus der Gegend um die beiden herum und boten allerlei Andenken an die Schlacht, Kreuze und Epauletten, zerschossene Kürasse und Adler, zum Verkauf an.   In the Sergeant’s company, who was also just convalescent, Osborne made the journey of Waterloo and Quatre Bras, a journey which thousands of his countrymen were then taking. He took the Sergeant with him in his carriage, and went through both fields under his guidance. He saw the point of the road where the regiment marched into action on the 16th, and the slope down which they drove the French cavalry who were pressing on the retreating Belgians. There was the spot where the noble Captain cut down the French officer who was grappling with the young Ensign for the colours, the Colour-Sergeants having been shot down. Along this road they retreated on the next day, and here was the bank at which the regiment bivouacked under the rain of the night of the seventeenth. Further on was the position which they took and held during the day, forming time after time to receive the charge of the enemy’s horsemen and lying down under the shelter of the bank from the furious French cannonade. And it was at this declivity when at evening the whole English line received the order to advance, as the enemy fell back after his last charge, that the Captain, hurraying and rushing down the hill waving his sword, received a shot and fell dead. “It was Major Dobbin who took back the Captain’s body to Brussels,” the Sergeant said, in a low voice, “and had him buried, as your honour knows.” The peasants and relic-hunters about the place were screaming round the pair, as the soldier told his story, offering for sale all sorts of mementoes of the fight, crosses, and epaulets, and shattered cuirasses, and eagles. Osborne gab dem Hauptfeldwebel eine stattliche Belohnung, als er nach dem Besuch der Stätten, die der Schauplatz der letzten Taten seines Sohnes gewesen waren, von ihm schied. Das Grab hatte er bereits gesehen; das hatte er sofort nach seiner Ankunft in Brüssel aufgesucht. George lag auf dem schönen Friedhof von Laeken, nahe bei der Stadt. Bei einem Ausflug dorthin hatte er einmal leichthin den Wunsch geäußert, da begraben zu werden. Hier war nun der junge Offizier von seinem Freund in einem ungeweihten Winkel des Friedhofs bestattet worden, durch eine Hecke von den Tempeln und Türmen, den Blumen und Sträuchern getrennt, unter denen die katholischen Toten ruhen. Der alte Osborne empfand es als eine Demütigung, daß sein Sohn, ein englischer Gentleman, Hauptmann in der berühmten britischen Armee, nicht für würdig befunden worden war, in der Erde zu liegen, in der nichts weiter als Ausländer begraben waren. Wer von uns kann sagen, wieviel Eitelkeit sich in unserer wärmsten Empfindung anderen gegenüber verbirgt und wie selbstsüchtig unsere Liebe ist? Der alte Osborne dachte noch viel über den Zwiespalt seiner Gefühle und den Kampf zwischen seinem Instinkt und seiner Selbstsucht nach. Er glaubte fest daran, daß alles, was er tat, richtig sei und daß es immer nach seinem Willen gehen müsse, und gegen jeden Widerstand erhob sich sein Haß, gewappnet und giftig, wie der Stachel einer Wespe. Er war stolz auf seinen Haß, wie auf alles andere. Stets recht haben, stets vorwärtskommen und nie zweifeln, sind dies nicht die Eigenschaften, mit denen die Dummheit die Welt regiert?   Osborne gave a sumptuous reward to the Sergeant when he parted with him, after having visited the scenes of his son’s last exploits. His burial-place he had already seen. Indeed, he had driven thither immediately after his arrival at Brussels. George’s body lay in the pretty burial-ground of Laeken, near the city; in which place, having once visited it on a party of pleasure, he had lightly expressed a wish to have his grave made. And there the young officer was laid by his friend, in the unconsecrated corner of the garden, separated by a little hedge from the temples and towers and plantations of flowers and shrubs, under which the Roman Catholic dead repose. It seemed a humiliation to old Osborne to think that his son, an English gentleman, a captain in the famous British army, should not be found worthy to lie in ground where mere foreigners were buried. Which of us is there can tell how much vanity lurks in our warmest regard for others, and how selfish our love is? Old Osborne did not speculate much upon the mingled nature of his feelings, and how his instinct and selfishness were combating together. He firmly believed that everything he did was right, that he ought on all occasions to have his own way — and like the sting of a wasp or serpent his hatred rushed out armed and poisonous against anything like opposition. He was proud of his hatred as of everything else. Always to be right, always to trample forward, and never to doubt, are not these the great qualities with which dullness takes the lead in the world? Als sich Mr. Osbornes Wagen nach dem Besuch in Waterloo bei Sonnenuntergang dem Stadttor näherte, begegnete ihm eine andere Kutsche, in der zwei Damen und ein Herr saßen, während ein Offizier nebenherritt. Osborne fuhr zusammen, und der Hauptfeldwebel neben ihm warf seinem Nachbarn einen erstaunten Blick zu, während er den Offizier mit der Hand an der Mütze grüßte, der seinerseits den Gruß mechanisch erwiderte. Es war Amelia mit dem lahmen jungen Fähnrich an der Seite und der treuen Freundin Mrs. O'Dowd ihr gegenüber. Es war Amelia, aber wie verschieden von dem frischen munteren Mädchen, das Osborne kannte! Ihr Gesicht war bleich und abgezehrt, ihr hübsches braunes Haar lag gescheitelt unter einer Witwenhaube! Das arme Kind! Ihre Augen waren starr und blickten ins Leere. Sie sah Osborne ausdruckslos ins Gesicht, als die Wagen aneinander vorbeifuhren, erkannte ihn aber nicht, ebensowenig wie er sie erkannte, bis er aufblickte und Dobbin neben ihr reiten sah. Da wußte er, wen er vor sich hatte. Er haßte sie. Er wußte nicht, wie sehr, bis er sie hier gesehen hatte. Als ihr Wagen vorbei war, wandte er sich dem Hauptfeldwebel zu mit einem trotzigen, aufsässigen Blick, dem sein Begleiter nicht ausweichen konnte, – als wollte er sagen: wie wagst ausgerechnet du es, mich anzusehen? Verdammt sollst du sein! Ich hasse sie. Sie ist es, die alle meine Hoffnungen und meinen Stolz zunichte gemacht hat. »Sag dem Halunken, er soll schneller fahren«, schrie er fluchend dem Lakai auf dem Bock zu. Eine Minute später kam ein Pferd über das Pflaster hinter Osbornes Wagen galoppiert, und Dobbin ritt heran. Seine Gedanken waren woanders gewesen, als die Wagen sich begegneten, und erst als er ein paar Schritt weitergeritten war, entsann er sich, daß der gerade Vorbeigefahrene Osborne gewesen war. Dann hatte er sich umgedreht, um zu sehen, ob der Anblick ihres Schwiegervaters auf Amelia irgendeinen Eindruck gemacht habe, aber das arme Mädchen hatte gar nicht gemerkt, wer vorbeigekommen war. Hierauf hatte William, der sie täglich bei ihren Fahrten begleitete, seine Uhr herausgezogen, sich mit einer Verabredung, die ihm plötzlich eingefallen war, entschuldigt und war fortgeritten. Sie bemerkte auch das nicht, sondern blickte geradeaus über die Ebene hinweg zu den fernen Wäldern, wohin George marschiert war.   As after the drive to Waterloo, Mr. Osborne’s carriage was nearing the gates of the city at sunset, they met another open barouche, in which were a couple of ladies and a gentleman, and by the side of which an officer was riding. Osborne gave a start back, and the Sergeant, seated with him, cast a look of surprise at his neighbour, as he touched his cap to the officer, who mechanically returned his salute. It was Amelia, with the lame young Ensign by her side, and opposite to her her faithful friend Mrs. O’Dowd. It was Amelia, but how changed from the fresh and comely girl Osborne knew. Her face was white and thin. Her pretty brown hair was parted under a widow’s cap — the poor child. Her eyes were fixed, and looking nowhere. They stared blank in the face of Osborne, as the carriages crossed each other, but she did not know him; nor did he recognise her, until looking up, he saw Dobbin riding by her: and then he knew who it was. He hated her. He did not know how much until he saw her there. When her carriage had passed on, he turned and stared at the Sergeant, with a curse and defiance in his eye cast at his companion, who could not help looking at him — as much as to say “How dare you look at me? Damn you! I do hate her. It is she who has tumbled my hopes and all my pride down.” “Tell the scoundrel to drive on quick,” he shouted with an oath, to the lackey on the box. A minute afterwards, a horse came clattering over the pavement behind Osborne’s carriage, and Dobbin rode up. His thoughts had been elsewhere as the carriages passed each other, and it was not until he had ridden some paces forward, that he remembered it was Osborne who had just passed him. Then he turned to examine if the sight of her father-in-law had made any impression on Amelia, but the poor girl did not know who had passed. Then William, who daily used to accompany her in his drives, taking out his watch, made some excuse about an engagement which he suddenly recollected, and so rode off. She did not remark that either: but sate looking before her, over the homely landscape towards the woods in the distance, by which George marched away. »Mr. Osborne, Mr. Osborne!« rief Dobbin, als er herangekommen war, und hielt ihm die Hand hin. Osborne machte keine Anstalten., sie zu ergreifen, sondern schrie noch einmal fluchend seinem Bedienten zu, schneller zu fahren. Dobbin legte seine Hand auf den Kutschenschlag.   “Mr. Osborne, Mr. Osborne!” cried Dobbin, as he rode up and held out his hand. Osborne made no motion to take it, but shouted out once more and with another curse to his servant to drive on. »Ich muß Sie sprechen, Sir«, sagte er, »ich habe eine Botschaft für Sie.«   Dobbin laid his hand on the carriage side. “I will see you, sir,” he said. “I have a message for you.” »Von der Frau da?« fragte Osborne grimmig.   “From that woman?” said Osborne, fiercely. »Nein«, entgegnete der andere, »von Ihrem Sohn«, worauf Osborne in die Wagenecke zurücksank. Dobbin ließ ihn weiterfahren und ritt dicht dahinter durch die ganze Stadt, ohne ein Wort zu sprechen, bis sie Osbornes Hotel erreichten. Dort folgte er Osborne zu seinen Zimmern. George war oft in diesen Räumen gewesen. Es waren die, die die Crawleys während ihres Aufenthalts in Brüssel bewohnt hatten.   “No,” replied the other, “from your son”; at which Osborne fell back into the corner of his carriage, and Dobbin allowing it to pass on, rode close behind it, and so through the town until they reached Mr. Osborne’s hotel, and without a word. There he followed Osborne up to his apartments. George had often been in the rooms; they were the lodgings which the Crawleys had occupied during their stay in Brussels. »Bitte, haben Sie vielleicht irgendwelche Befehle für mich, Hauptmann Dobbin oder, Verzeihung, ich hätte sagen sollen, Major Dobbin, da bessere Männer als Sie tot sind und Sie an deren Platz getreten sind«, sagte Mr. Osborne mit dem sarkastischen Ton, den er zuweilen gern annahm.   “Pray, have you any commands for me, Captain Dobbin, or, I beg your pardon, I should say major Dobbin, since better men than you are dead, and you step into their shoes ?” said Mr. Osborne, in that sarcastic tone which he sometimes was pleased to assume. »Ja, bessere Männer sind tot«, erwiderte Dobbin, »von einem will ich mit Ihnen sprechen.«   “Better men are dead,” Dobbin replied. “I want to speak to you about one.” »Machen Sie es kurz, Sir«, sagte der andere mit einem Fluch und blickte den Besucher finster an.   “Make it short, sir,” said the other with an oath, scowling at his visitor. »Ich bin hier als sein engster Freund«, fuhr der Major fort, »und als der Vollstrecker seines Letzten Willens. Er hat sein Testament aufgesetzt, ehe wir in die Schlacht zogen. Wissen Sie, wie gering seine Mittel sind und in welcher traurigen Lage sich seine Witwe befindet?«   “I am here as his closest friend,” the Major resumed, “and the executor of his will. He made it before he went into action. Are you aware how small his means are, and of the straitened circumstances of his widow?” »Ich kenne seine Witwe nicht«, sagte Osborne. »Soll sie doch zu ihrem Vater zurückkehren.« Aber der Herr, mit dem er sprach, war entschlossen, seinen Gleichmut zu wahren, und fuhr fort, ohne die Unterbrechung zu beachten:   “I don’t know his widow, sir,” Osborne said. “Let her go back to her father.” But the gentleman whom he addressed was determined to remain in good temper, and went on without heeding the interruption. »Kennen Sie Mrs. Osbornes Lage? Ihr Leben und ihr Verstand sind dem Schlag, der sie getroffen hat, beinahe zum Opfer gefallen. Es ist sehr zweifelhaft, ob sie sich je erholen wird. Es besteht noch eine Möglichkeit für sie, und deshalb komme ich zu Ihnen. Sie wird bald Mutter werden. Wollen Sie die Sünde des Vaters an dem Kind heimsuchen? Oder wollen Sie dem Kind um des armen Georges willen verzeihen?«   “Do you know, sir, Mrs. Osborne’s condition? Her life and her reason almost have been shaken by the blow which has fallen on her. It is very doubtful whether she will rally. There is a chance left for her, however, and it is about this I came to speak to you. She will be a mother soon. Will you visit the parent’s offence upon the child’s head? or will you forgive the child for poor George’s sake?” Osborne brach in einen Schwall von Eigenlob und Verwünschungen aus. Ersteres, um seine Haltung vor dem eigenen Gewissen zu entschuldigen, letzteres, um Georges Pflichtvergessenheit zu übertreiben. Kein Vater in ganz England hätte sich großzügiger gegenüber einem Sohn verhalten können, der sich bösartig gegen ihn aufgelehnt hatte. Er war gestorben, ohne auch nur andeutungsweise zu bekennen, daß er unrecht gehabt habe. Mochte er nun die Folgen seines Ungehorsams und seiner Torheit tragen. Er selbst, Mr. Osborne, jedoch war ein Mann von Wort. Er hatte geschworen, niemals mit jener Frau zu sprechen oder sie gar als Gattin seines Sohnes anzuerkennen. »Das können Sie ihr sagen«, schloß er mit einem Fluch, »und dazu werde ich bis zum Ende meiner Tage stehen.«   Osborne broke out into a rhapsody of self-praise and imprecations; — by the first, excusing himself to his own conscience for his conduct; by the second, exaggerating the undutifulness of George. No father in all England could have behaved more generously to a son, who had rebelled against him wickedly. He had died without even so much as confessing he was wrong. Let him take the consequences of his undutifulness and folly. As for himself, Mr. Osborne, he was a man of his word. He had sworn never to speak to that woman, or to recognize her as his son’s wife. “And that’s what you may tell her,” he concluded with an oath; “and that’s what I will stick to to the last day of my life.” Es gab also von dieser Seite her keine Hoffnung mehr. Die Witwe mußte von dem wenigen leben, was sie hatte, oder von dem, womit Joseph sie unterstützen konnte. Wenn ich es ihr auch erzählte, sie würde es doch nicht beachten, dachte Dobbin traurig; denn die Gedanken des armen Mädchens waren seit der Katastrophe überhaupt nicht mehr hier; betäubt von der Last ihres Kummers, war ihr Gutes ebenso gleichgültig wie Böses, und sie hatte auch keine Empfindung für Freundschaft und Güte. Sie nahm alles klaglos hin und versank wieder in ihrem Kummer.   There was no hope from that quarter then. The widow must live on her slender pittance, or on such aid as Jos could give her. “I might tell her, and she would not heed it,” thought Dobbin, sadly: for the poor girl’s thoughts were not here at all since her catastrophe, and, stupefied under the pressure of her sorrow, good and evil were alike indifferent to her. So, indeed, were even friendship and kindness. She received them both uncomplainingly, and having accepted them, relapsed into her grief. Nach der obigen Unterredung wollen wir jetzt ein Jahr im Leben der armen Amelia überspringen. Sie hat die ersten Monate davon in so tiefem und mitleiderregendem Schmerz zugebracht, daß wir, die wir einige Regungen dieses schwachen, zarten Herzens beobachtet und beschrieben haben, uns vor dem entsetzlichen Kummer, unter dem es blutet, zurückziehen müssen. Tretet still an das Schmerzenslager der armen geknickten Seele. Schließt leise die Tür des dunklen Zimmers, in dem sie leidet, wie jene guten Menschen, die sie in den ersten Monaten ihres Schmerzes pflegten und sie nicht verließen, bis ihr der Himmel Trost gesendet hatte. Ein Tag kam – ein Tag fast entsetzlicher Freude und Verwunderung, wo das arme verwitwete Wesen ein Kind an die Brust drückte, ein Kind mit den Augen ihres dahingegangenen Georges, einen kleinen engelschönen Knaben. Welch eine Wonne, seinen ersten Schrei zu hören! Wie sie über ihm lachte und weinte! Wie Liebe und Hoffnung und Gebet wieder in ihrer Brust erwachten, als der Säugling sich an sie schmiegte! Sie war gerettet. Die Ärzte, die sie behandelten und für ihr Leben oder ihren Verstand gefürchtet hatten, hatten ängstlich auf diese Krisis gewartet, ehe sie erklären konnten, beides sei gerettet. Es war die langen Monate der Furcht und des Zweifels wert für die, die sich in ihre Pflege geteilt hatten, ihre Augen noch einmal zärtlich strahlend auf sie gerichtet zu sehen.   Suppose some twelve months after the above conversation took place to have passed in the life of our poor Amelia. She has spent the first portion of that time in a sorrow so profound and pitiable, that we who have been watching and describing some of the emotions of that weak and tender heart, must draw back in the presence of the cruel grief under which it is bleeding. Tread silently round the hapless couch of the poor prostrate soul. Shut gently the door of the dark chamber wherein she suffers, as those kind people did who nursed her through the first months of her pain, and never left her until heaven had sent her consolation. A day came — of almost terrified delight and wonder — when the poor widowed girl pressed a child upon her breast — a child, with the eyes of George who was gone — a little boy, as beautiful as a cherub. What a miracle it was to hear its first cry! How she laughed and wept over it — how love, and hope, and prayer woke again in her bosom as the baby nestled there. She was safe. The doctors who attended her, and had feared for her life or for her brain, had waited anxiously for this crisis before they could pronounce that either was secure. It was worth the long months of doubt and dread which the persons who had constantly been with her had passed, to see her eyes once more beaming tenderly upon them. Unser Freund Dobbin war einer von ihnen. Er war es, der sie nach England in das Haus ihrer Mutter zurückgebracht hatte, als Mrs. O'Dowd auf den entschiedenen Befehl ihres Mannes hin die Patientin verlassen hatte. Es wäre eine Herzensweide für jeden gefühlvollen Menschen gewesen, zu sehen, wie Dobbin das Kind hielt, und zu hören, wie Amelia bei diesem Anblick frohlockend lachte. William hatte das Kind aus der Taufe gehoben und bot seinen ganzen Scharfsinn auf, um Tassen, Löffel, Becher, Schüsselchen und Beißkorallen für seinen kleinen Paten einzukaufen.   Our friend Dobbin was one of them. It was he who brought her back to England and to her mother’s house; when Mrs. O’Dowd, receiving a peremptory summons from her Colonel, had been forced to quit her patient. To see Dobbin holding the infant, and to hear Amelia’s laugh of triumph as she watched him, would have done any man good who had a sense of humour. William was the godfather of the child, and exerted his ingenuity in the purchase of cups, spoons, pap-boats, and corals for this little Christian. Wir brauchen hier nicht zu erzählen, wie ihn seine Mutter pflegte und kleidete und nur für ihn lebte, wie sie alle Kinderwärterinnen fortjagte und kaum jemandem anders gestattete, ihn zu berühren, wie sie glaubte, die größte Gunst, die sie seinem Paten, Major Dobbin, erweisen könne, sei, ihn zuweilen mit dem Kleinen spielen zu lassen. Das Kind war ihr ganzes Leben. Ihr ganzes Dasein war eine einzige mütterliche Liebkosung. Sie umhüllte das schwache und unwissende Geschöpf mit Liebe und Anbetung. Es war ihr Leben, was der Säugling von ihrer Brust trank. Nachts und wenn sie allein war, brach ihre Mutterliebe heimlich und gewaltig in Entzücken aus, wie Gottes wunderbare Güte sie dem weiblichen Instinkt gewährt – Freuden, die höher und tiefer sind als die Vernunft, eine blinde, schöne Hingabe, die nur Frauenherzen kennen. William Dobbins Aufgabe war es, über diese Regungen Amelias nachzudenken und ihr Herz zu beobachten, und wenn er in seiner Liebe fast alle Gefühle ahnen konnte, die Amelias Herz bewegten, so sah er leider auch mit unheilvoller Deutlichkeit, daß darin kein Platz für ihn geblieben war. Und so ertrug er sanft sein Schicksal. Er kannte es und war zufrieden damit.   How his mother nursed him, and dressed him, and lived upon him; how she drove away all nurses, and would scarce allow any hand but her own to touch him; how she considered that the greatest favour she could confer upon his godfather, Major Dobbin, was to allow the Major occasionally to dandle him, need not be told here. This child was her being. Her existence was a maternal caress. She enveloped the feeble and unconscious creature with love and worship. It was her life which the baby drank in from her bosom. Of nights, and when alone, she had stealthy and intense raptures of motherly love, such as God’s marvellous care has awarded to the female instinct — joys how far higher and lower than reason — blind beautiful devotions which only women’s hearts know. It was William Dobbin’s task to muse upon these movements of Amelia’s, and to watch her heart; and if his love made him divine almost all the feelings which agitated it, alas! he could see with a fatal perspicuity that there was no place there for him. And so, gently, he bore his fate, knowing it, and content to bear it. Wahrscheinlich durchschauten Amelias Eltern die Absichten des Majors und waren nicht abgeneigt, ihn zu ermutigen, denn Dobbin kam täglich in ihr Haus und blieb stundenlang bei ihnen, bei Amelia oder dem ehrlichen Mr. Clapp, ihrem Wirt, und seiner Familie. Er brachte unter irgendeinem Vorwand fast täglich Geschenke für jeden mit, und bei dem kleinen Mädchen des Hauswirtes, das Amelias Liebling war, hieß er nur »Major Zuckererbse«. Dies kleine Mädchen spielte gewöhnlich die Zeremonienmeisterin und führte ihn bei Mrs. Osborne ein. Eines Tages mußte sie doch lachen, als Major Zuckererbse im Wagen nach Fulham gefahren kam und mit einem Holzpferd, einer Trommel und Trompete und anderem Kriegsspielzeug für den kleinen George ausstieg, der kaum ein halbes Jahr alt war und für den die besagten Gegenstände wohl doch etwas verfrüht kamen.   I suppose Amelia’s father and mother saw through the intentions of the Major, and were not ill-disposed to encourage him; for Dobbin visited their house daily, and stayed for hours with them, or with Amelia, or with the honest landlord, Mr. Clapp, and his family. He brought, on one pretext or another, presents to everybody, and almost every day; and went, with the landlord’s little girl, who was rather a favourite with Amelia, by the name of Major Sugarplums. It was this little child who commonly acted as mistress of the ceremonies to introduce him to Mrs. Osborne. She laughed one day when Major Sugarplums’ cab drove up to Fulham, and he descended from it, bringing out a wooden horse, a drum, a trumpet, and other warlike toys, for little Georgy, who was scarcely six months old, and for whom the articles in question were entirely premature. Das Kind schlief. »Pst!« machte Amelia, vielleicht etwas ungehalten über die knarrenden Stiefel des Majors. Sie hielt ihm die Hand hin und lächelte, weil er sie erst ergreifen konnte, als er sich seiner Spielwarenlast entledigt hatte. »Geh hinunter, Klein Mary«, sagte er dann zu dem Kind, »ich muß mit Mrs. Osborne etwas besprechen.« Sie blickte erstaunt auf und legte den Kleinen ins Bett.   The child was asleep. “Hush,” said Amelia, annoyed, perhaps, at the creaking of the Major’s boots; and she held out her hand; smiling because William could not take it until he had rid himself of his cargo of toys. “Go downstairs, little Mary,” said he presently to the child, “I want to speak to Mrs. Osborne.” She looked up rather astonished, and laid down the infant on its bed. »Ich bin gekommen, um mich zu verabschieden, Amelia«, sagte er, während er sanft ihr zartes, weißes Händchen ergriff.   “I am come to say good-bye, Amelia,” said he, taking her slender little white hand gently. »Verabschieden? Und wohin soll die Reise gehen?« fragte sie lächelnd.   “Good-bye? and where are you going?” she said, with a smile. »Schicken Sie Ihre Briefe an meine Beauftragten, man wird sie mir nachsenden, denn Sie werden mir doch schreiben, nicht wahr? Ich werde lange Zeit wegbleiben.«   “Send the letters to the agents,” he said; “they will forward them; for you will write to me, won’t you? I shall be away a long time.” »Ich werde Ihnen über Georgy schreiben«, sagte sie. »Lieber William, wie gut Sie zu ihm und mir sind. Sehen Sie ihn nur an! Ist er nicht wie ein Engel?«   “I’ll write to you about Georgy,” she said. “Dear’ William, how good you have been to him and to me. Look at him. Isn’t he like an angel?” Die rosigen Händchen des Kindes schlossen sich mechanisch um den Finger des ehrlichen Soldaten, und Amelia blickte ihm strahlend vor Mutterglück ins Gesicht. Die grausamsten Blicke hätten ihn nicht mehr verwunden können als dieser Ausdruck hoffnungsloser Freundlichkeit. Er beugte sich über Mutter und Kind. Einen Augenblick lang konnte er nicht sprechen, und nur mit äußerster Kraftanstrengung konnte er ein »Gott segne Sie!« hervorbringen. – »Gott segne Sie!« erwiderte Amelia, wandte ihm das Gesicht zu und küßte ihn.   The little pink hands of the child closed mechanically round the honest soldier’s finger, and Amelia looked up in his face with bright maternal pleasure. The cruellest looks could not have wounded him more than that glance of hopeless kindness. He bent over the child and mother. He could not speak for a moment. And it was only with all his strength that he could force himself to say a God bless you. “God bless you,” said Amelia, and held up her face and kissed him. »Pst! Wecken Sie Georgy nicht auf«, fügte sie hinzu, als William Dobbin mit schweren Schritten zur Tür stapfte. Sie hörte nicht das Geräusch des davonrollenden Wagens – sie blickte auf das Kind, das im Schlaf lächelte.   “Hush! Don’t wake Georgy!” she added, as William Dobbin went to the door with heavy steps. She did not hear the noise of his cab-wheels as he drove away: she was looking at the child, who was laughing in his sleep. 36. Kapitel / Chapter 36 Wie man von nichts gut leben kann / How to Live Well on Nothing a Year Ich nehme an, auf unserem Jahrmarkt der Eitelkeit gibt es keinen, der nicht aufmerksam genug ist, sich zuweilen über die weltlichen Angelegenheiten seiner Bekannten den Kopf zu zerbrechen; auch wird wohl keiner so nachsichtig sein und sich nicht zuweilen wundern, wie sein Nachbar Jones oder sein Nachbar Smith bis zum Jahresende mit seinem Geld auskommt. Ich muß zum Beispiel bei aller Achtung für die Jenkins (denn ich speise ein paarmal in jeder Saison bei ihnen) zugeben, daß mich das Auftreten der Familie im Park in der großen Kutsche mit den stattlichen Lakaien bis an mein Lebensende verwundern und täuschen wird; denn obwohl ich weiß, daß die Equipage nur gemietet ist und sämtliche Dienstboten auf Kostgeld stehen, so müssen doch diese drei Menschen und der Wagen wenigstens sechshundert Pfund pro Jahr kosten – und dazu kommen dann noch die glänzenden Diners, die beiden Jungen in Eton, die hervorragende Gouvernante und die Lehrer für die Mädchen, die Reise ins Ausland oder nach Eastbourne oder Worthing im Herbst, der jährliche Ball mit dem Souper aus Günthers Restaurant (aus dem, beiläufig erwähnt, die Speisen meistens dann geliefert werden, wenn Jenkins vornehme Gäste bewirtet. Das weiß ich sehr gut, da ich einmal dazu eingeladen war, um einen leeren Platz zu füllen. Ich sah sogleich, daß diese Mahlzeiten bedeutend besser sind als die gewöhnlichen, zu denen Jenkins seinen weniger vornehmen Bekannten Einladungskarten schickt). Wer wundert sich also nicht, wie Jenkins wohl auskommen mag. Was ist Jenkins eigentlich? Wir wissen es alle, er ist Geheimrat im Schnur- und Siegellackamt mit einem Einkommen von zwölfhundert Pfund pro Jahr. Hatte seine Frau Privatvermögen? Pah! Miss Flint, eins von elf Kindern eines kleinen Gutsbesitzers in Buckinghamshire. Alles, was sie von ihrer Familie erhält, ist ein Truthahn zu Weihnachten, und dafür muß sie ein paar von ihren Schwestern in der toten Saison ernähren und ihre Brüder aufnehmen und verpflegen, wenn sie in die Stadt kommen. Wie reicht also Jenkins mit seinen Einkünften? Ich frage mit jedem seiner Freunde: Warum ist er nicht längst gerichtlich belangt und warum ist er im vergangenen Jahr zu jedermanns Erstaunen von Boulogne wieder zurückgekommen?   I suppose there is no man in this Vanity Fair of ours so little observant as not to think sometimes about the worldly affairs of his acquaintances, or so extremely charitable as not to wonder how his neighbour Jones, or his neighbour Smith, can make both ends meet at the end of the year. With the utmost regard for the family, for instance (for I dine with them twice or thrice in the season), I cannot but own that the appearance of the Jenkinses in the park, in the large barouche with the grenadier-footmen, will surprise and mystify me to my dying day: for though I know the equipage is only jobbed, and all the Jenkins people are on board wages, yet those three men and the carriage must represent an expense of six hundred a year at the very least — and then there are the splendid dinners, the two boys at Eton, the prize governess and masters for the girls, the trip abroad, or to Eastbourne or Worthing, in the autumn, the annual ball with a supper from Gunter’s (who, by the way, supplies most of the first-rate dinners which J. gives, as I know very well, having been invited to one of them to fill a vacant place, when I saw at once that these repasts are very superior to the common run of entertainments for which the humbler sort of J.’s acquaintances get cards) — who, I say, with the most good-natured feelings in the world, can help wondering how the Jenkinses make out matters? What is Jenkins? We all know — Commissioner of the Tape and Sealing Wax Office, with 1200 pounds a year for a salary. Had his wife a private fortune? Pooh! — Miss Flint — one of eleven children of a small squire in Buckinghamshire. All she ever gets from her family is a turkey at Christmas, in exchange for which she has to board two or three of her sisters in the off season, and lodge and feed her brothers when they come to town. How does Jenkins balance his income? I say, as every friend of his must say, How is it that he has not been outlawed long since, and that he ever came back (as he did to the surprise of everybody) last year from Boulogne? »Ich«, das ist hier die Welt im allgemeinen, die Mrs. Grundy aus jedes Lesers Privatkreis, denn jeder von uns kann auf einige Familien seiner Bekanntschaft deuten, bei denen niemand weiß, wovon sie eigentlich leben. Jeder von uns hat schon mit seinem freundlichen Gastgeber angestoßen und sich gewundert, wovon, zum Teufel, dieser das Glas Wein bezahlt hat.   “I” is here introduced to personify the world in general — the Mrs. Grundy of each respected reader’s private circle — every one of whom can point to some families of his acquaintance who live nobody knows how. Many a glass of wine have we all of us drunk, I have very little doubt, hob-and-nobbing with the hospitable giver and wondering how the deuce he paid for it. Als sich Rawdon Crawley drei bis vier Jahre nach seinem Pariser Aufenthalt mit seiner Frau in einem kleinen, aber hübschen Haus in der Curzon Street in Mayfair eingerichtet hatte, gab es kaum einen unter den zahlreichen Freunden, die sie darin bewirteten, der sich nicht die obige Frage vorgelegt hätte. Der Romanschreiber weiß, wie schon gesagt, alles. Und da ich in der Lage bin, dem Publikum erzählen zu können, wie Crawley und seine Frau ohne Einkommen lebten, so bitte ich nur die Zeitschriften, die die Angewohnheit haben, Auszüge aus den verschiedenen, gerade erschienenen Werken zu veröffentlichen, die folgende genaue Darstellung und Berechnung nicht abzudrucken, da mir als dem Entdecker der Sache (noch dazu mit einigen Kosten) auch die alleinige Nutznießung davon gebührt. Mein Sohn  – würde ich sagen, wenn ich mit einem Kind gesegnet wäre  –, du kannst durch eifrige Forschung und beständigen Verkehr mit ihm lernen, wie ein Mensch bequem von nichts leben kann. Am besten ist es aber, dich nicht zu sehr mit Leuten dieses Gewerbes einzulassen, sondern die Berechnungen aus zweiter Hand zu entnehmen, wie etwa Logarithmen, da die eigne Berechnung, das kannst du glauben, dir bedeutende Geldkosten verursachen wird.   Some three or four years after his stay in Paris, when Rawdon Crawley and his wife were established in a very small comfortable house in Curzon Street, May Fair, there was scarcely one of the numerous friends whom they entertained at dinner that did not ask the above question regarding them. The novelist, it has been said before, knows everything, and as I am in a situation to be able to tell the public how Crawley and his wife lived without any income, may I entreat the public newspapers which are in the habit of extracting portions of the various periodical works now published not to reprint the following exact narrative and calculations — of which I ought, as the discoverer (and at some expense, too), to have the benefit? My son, I would say, were I blessed with a child — you may by deep inquiry and constant intercourse with him learn how a man lives comfortably on nothing a year. But it is best not to be intimate with gentlemen of this profession and to take the calculations at second hand, as you do logarithms, for to work them yourself, depend upon it, will cost you something considerable. Crawley und Frau lebten also ein paar Jahre, die wir nur ganz kurz streifen können, von nichts sehr glücklich und bequem in Paris. In dieser Zeit verließ er die Leibgarde und verkaufte sein Offizierspatent. Wenn wir ihn wiedertreffen, sind der Schnurrbart und der Titel Oberst auf seiner Karte die einzigen Überbleibsel seines Militärberufs.   On nothing per annum then, and during a course of some two or three years, of which we can afford to give but a very brief history, Crawley and his wife lived very happily and comfortably at Paris. It was in this period that he quitted the Guards and sold out of the army. When we find him again, his mustachios and the title of Colonel on his card are the only relics of his military profession. Es ist bereits erwähnt worden, daß Rebekka bald nach ihrer Ankunft in Paris eine führende Stellung in der Pariser Gesellschaft einnahm und in den ersten Häusern des restaurierten französischen Adels empfangen wurde. Die Engländer von Welt, die sich in Paris aufhielten, machten ihr ebenfalls den Hof, sehr zum Ärger ihrer Gemahlinnen, die den Emporkömmling nicht ausstehen konnten. Einige Monate lang war Mrs. Crawley von den Salons des Faubourg Saint-Germain, wo sie eine gesicherte Stellung hatte, und dem Glanz des neuen Hofes, wo sie mit großer Auszeichnung empfangen wurde, entzückt und vielleicht auch ein bißchen berauscht. Während dieser Zeit der Triumphe vernachlässigte sie wahrscheinlich die Leute, mit denen ihr Mann hauptsächlich verkehrte – meist ehrliche junge Militärs.   It has been mentioned that Rebecca, soon after her arrival in Paris, took a very smart and leading position in the society of that capital, and was welcomed at some of the most distinguished houses of the restored French nobility. The English men of fashion in Paris courted her, too, to the disgust of the ladies their wives, who could not bear the parvenue. For some months the salons of the Faubourg St. Germain, in which her place was secured, and the splendours of the new Court, where she was received with much distinction, delighted and perhaps a little intoxicated Mrs. Crawley, who may have been disposed during this period of elation to slight the people — honest young military men mostly — who formed her husband’s chief society. Der Oberst gähnte gelangweilt unter den Herzoginnen und vornehmen Damen bei Hofe. Die alten Frauen, die Ecarté spielten, veranstalteten so einen Lärm um ein Fünffrancsstück, daß es sich für Oberst Crawley nicht lohnte, sich an einen Spieltisch zu setzen. Den Witz ihrer Unterhaltung konnte er nicht erfassen, da er die Sprache nicht verstand. Was nützte es seiner Frau, fragte er sich, wenn sie jeden Abend vor einem ganzen Kreis von Prinzessinnen knickste? Er ließ seine Frau bald allein zu diesen Gesellschaften gehen und nahm seine früheren, einfachen Beschäftigungen und Vergnügungen unter den liebenswürdigen Freunden seiner eigenen Wahl wieder auf.   But the Colonel yawned sadly among the Duchesses and great ladies of the Court. The old women who played ecarte made such a noise about a five-franc piece that it was not worth Colonel Crawley’s while to sit down at a card-table. The wit of their conversation he could not appreciate, being ignorant of their language. And what good could his wife get, he urged, by making curtsies every night to a whole circle of Princesses? He left Rebecca presently to frequent these parties alone, resuming his own simple pursuits and amusements amongst the amiable friends of his own choice. Wenn wir sagen, ein Mann lebt elegant von nichts, so gebrauchen wir das Wort »nichts«, um eine unbekannte Größe zu bezeichnen, und meinen damit einfach, daß wir nicht wissen, wie der fragliche Mensch die Kosten seines Haushalts bestreitet. Unser Freund, der Oberst, besaß ein großes Talent für alle Arten von Glücksspiel; und da er sich beständig mit den Karten, dem Würfelbecher und dem Billardqueue übte, so kann man sich natürlich vorstellen, daß er in der Anwendung dieser Gegenstände eine größere Geschicklichkeit erlangte als Menschen, die sie nur gelegentlich gebrauchen. Der Umgang mit einem Billardqueue gleicht dem mit einem Bleistift, einer Flöte und einem Degen – man meistert diese Instrumente nicht auf Anhieb und bringt es nur durch Ausdauer und fortwährendes Studium, verbunden mit einem natürlichen Talent, dahin, sich darin auszuzeichnen. Crawley nun hatte sich von einem glänzenden Dilettanten zu einem unübertrefflichen Meister des Billardspiels entwickelt. Wie bei einem großen General pflegte sein Genie erst in der Gefahr hervorzutreten, und wenn ihm das Glück während des ganzen Spiels nicht hold war und die Wetten gegen ihn standen, so machte er mit nicht zu überbietender Geschicklichkeit und Kühnheit einige wundervolle Vorstöße, die das Gleichgewicht der Schlacht wiederherstellten, und am Ende wurde er Sieger zum Erstaunen aller – das heißt aller, die sein Spiel nicht kannten. Diejenigen, die daran gewöhnt waren, hüteten sich, ihr Geld gegen einen Mann zu setzen, der plötzlich so reich an Fähigkeiten und an so glänzender und überwältigender Geschicklichkeit war.   The truth is, when we say of a gentleman that he lives elegantly on nothing a year, we use the word “nothing” to signify something unknown; meaning, simply, that we don’t know how the gentleman in question defrays the expenses of his establishment. Now, our friend the Colonel had a great aptitude for all games of chance: and exercising himself, as he continually did, with the cards, the dice-box, or the cue, it is natural to suppose that he attained a much greater skill in the use of these articles than men can possess who only occasionally handle them. To use a cue at billiards well is like using a pencil, or a German flute, or a small-sword — you cannot master any one of these implements at first, and it is only by repeated study and perseverance, joined to a natural taste, that a man can excel in the handling of either. Now Crawley, from being only a brilliant amateur, had grown to be a consummate master of billiards. Like a great General, his genius used to rise with the danger, and when the luck had been unfavourable to him for a whole game, and the bets were consequently against him, he would, with consummate skill and boldness, make some prodigious hits which would restore the battle, and come in a victor at the end, to the astonishment of everybody — of everybody, that is, who was a stranger to his play. Those who were accustomed to see it were cautious how they staked their money against a man of such sudden resources and brilliant and overpowering skill. Im Kartenspiel war er ebenso geschickt, denn obgleich er am Anfang des Abends ständig Geld verlor, so gleichgültig und fehlerhaft spielte, daß Neulinge oft geneigt waren, sein Talent gering einzuschätzen, so bemerkte man doch, daß Crawleys Spiel ganz anders wurde, sobald wiederholte kleine Verluste ihn zur Vorsicht gemahnten, und daß er noch vor Ende der Nacht seinen Gegner völlig schlagen würde. Es konnten in der Tat nur sehr wenige Menschen behaupten, ihn besiegt zu haben. Seine Triumphe wiederholten sich so häufig, daß man sich nicht zu wundern braucht, wenn seine Neider und Verlierer zuweilen mit Bitterkeit davon sprachen. Wie die Franzosen meinten, der Herzog von Wellington habe nur deshalb nie eine Schlacht verloren, weil er durch eine erstaunliche Reihe glücklicher Zufälle stets Sieger geblieben sei, und bei Waterloo habe er nur durch Betrug den letzten großen Stich gemacht, so deutete man auch im englischen Hauptquartier an, daß nur Falschspiel die ständigen Erfolge von Oberst Crawley erklären könnte.   At games of cards he was equally skilful; for though he would constantly lose money at the commencement of an evening, playing so carelessly and making such blunders, that newcomers were often inclined to think meanly of his talent; yet when roused to action and awakened to caution by repeated small losses, it was remarked that Crawley’s play became quite different, and that he was pretty sure of beating his enemy thoroughly before the night was over. Indeed, very few men could say that they ever had the better of him. His successes were so repeated that no wonder the envious and the vanquished spoke sometimes with bitterness regarding them. And as the French say of the Duke of Wellington, who never suffered a defeat, that only an astonishing series of lucky accidents enabled him to be an invariable winner; yet even they allow that he cheated at Waterloo, and was enabled to win the last great trick: so it was hinted at headquarters in England that some foul play must have taken place in order to account for the continuous successes of Colonel Crawley. Obwohl zu jener Zeit Frascati und der »Salon« in Paris geöffnet waren, hatte doch die Spielleidenschaft so um sich gegriffen, daß die öffentlichen Spiellokale für das allgemeine Bedürfnis nicht ausreichten. Deshalb wurde in den Privathäusern so eifrig gespielt, als ob es keine öffentlichen Einrichtungen zur Befriedigung dieser Leidenschaft gäbe. Bei Crawleys bezaubernden kleinen abendlichen réunions ging man diesen verhängnisvollen Vergnügungen nach – zum großen Verdruß der gutmütigen kleinen Mrs. Crawley. Tief bekümmert sprach Rebekka über die Leidenschaft ihres Gatten für die Würfel und klagte gegenüber allen, die ihr Haus betraten. Sie beschwor die jungen Leute, nie, niemals einen Würfelbecher anzufassen, und als der junge Green von den Schützen einst eine beträchtliche Summe verloren hatte, hatte Rebekka eine tränenreiche Nacht, wie der Diener dem unglücklichen jungen Herrn erzählte, und sie fiel sogar vor ihrem Gatten auf die Knie und bat ihn, die Schuld zu erlassen und den Schuldschein zu verbrennen. Aber wie konnte er das! Er selbst hatte ebensoviel an Blackstone von den Husaren und Graf Punter von der Hannoverschen Kavallerie verloren. Green konnte sich einigermaßen Zeit lassen ; aber bezahlen? – natürlich, bezahlen mußte er. Es war kindisch, zu verlangen, daß er einen Schuldschein verbrennen sollte.   Though Frascati’s and the Salon were open at that time in Paris, the mania for play was so widely spread that the public gambling-rooms did not suffice for the general ardour, and gambling went on in private houses as much as if there had been no public means for gratifying the passion. At Crawley’s charming little reunions of an evening this fatal amusement commonly was practised — much to good-natured little Mrs. Crawley’s annoyance. She spoke about her husband’s passion for dice with the deepest grief; she bewailed it to everybody who came to her house. She besought the young fellows never, never to touch a box; and when young Green, of the Rifles, lost a very considerable sum of money, Rebecca passed a whole night in tears, as the servant told the unfortunate young gentleman, and actually went on her knees to her husband to beseech him to remit the debt, and burn the acknowledgement. How could he? He had lost just as much himself to Blackstone of the Hussars, and Count Punter of the Hanoverian Cavalry. Green might have any decent time; but pay? — of course he must pay; to talk of burning IOU’s was child’s play. Andere Offiziere, hauptsächlich junge – denn die jungen Leute drängten sich um Mrs. Crawley –, kamen mit langen Gesichtern von ihren Gesellschaften, wo sie stets mehr oder weniger Geld an ihren verhängnisvollen Spieltischen zurückgelassen hatten. Ihr Haus kam langsam in einen schlechten Ruf. Die alten Hasen warnten die weniger Erfahrenen vor der Gefahr. Oberst O'Dowd vom ...ten Regiment, einem von denen, die damals in Paris standen, warnte Leutnant Spooney von seinem Korps. Ein lauter, heftiger Streit entbrannte zwischen dem Infanterieoberst und seiner Gemahlin, die im Café de Paris speisten, und Oberst und Mrs. Crawley, die ebenfalls dort aßen. Die Damen auf beiden Seiten griffen ein. Mrs. O'Dowd schnippte mit den Fingern Mrs. Crawley ins Gesicht und nannte deren Mann »nichts Besseres als einen Schwindler«. Oberst Crawley forderte Oberst O'Dowd; aber als der Oberbefehlshaber von dem Streit hörte, ließ er Oberst Crawley kommen, der gerade die Pistolen, »mit denen er Hauptmann Marker erschossen hatte«, bereitmachte, und seine Unterredung mit ihm bewirkte, daß kein Duell stattfand. Wäre Rebekka nicht vor General Tufto auf die Knie gefallen, hätte man Crawley nach England zurückgeschickt. Von da an spielte Rawdon ein paar Wochen nur mit Zivilisten.   Other officers, chiefly young — for the young fellows gathered round Mrs. Crawley — came from her parties with long faces, having dropped more or less money at her fatal card-tables. Her house began to have an unfortunate reputation. The old hands warned the less experienced of their danger. Colonel O’Dowd, of the — th regiment, one of those occupying in Paris, warned Lieutenant Spooney of that corps. A loud and violent fracas took place between the infantry Colonel and his lady, who were dining at the Cafe de Paris, and Colonel and Mrs. Crawley; who were also taking their meal there. The ladies engaged on both sides. Mrs. O’Dowd snapped her fingers in Mrs. Crawley’s face and called her husband “no betther than a black-leg.” Colonel Crawley challenged Colonel O’Dowd, C.B. The Commander-in-Chief hearing of the dispute sent for Colonel Crawley, who was getting ready the same pistols “which he shot Captain Marker,” and had such a conversation with him that no duel took place. If Rebecca had not gone on her knees to General Tufto, Crawley would have been sent back to England; and he did not play, except with civilians, for some weeks after. Trotz Rawdons zweifelloser Geschicklichkeit und seines steten Erfolges wurde es seiner Frau bei Betrachtung dieser Dinge doch bald klar, daß ihre Lage recht unsicher war, und wenn sie auch selten etwas bezahlten, so würde ihr kleines Kapital doch eines Tages gleich Null werden. »Das Spiel, Liebster«, pflegte sie zu sagen, »ist gut, das Einkommen etwas aufzubessern, aber es taugt nicht als alleinige Einkommensquelle. Eines Tages haben die Menschen es satt zu spielen, und wo bleiben wir dann?« Rawdon meinte, daß ihre Bemerkung berechtigt sei, hatte er doch selbst bemerkt, daß die Leute nach einigen Abendveranstaltungen bei ihm wirklich des Spiels müde waren und sich trotz der Reize Rebekkas selten sehen ließen.   But, in spite of Rawdon’s undoubted skill and constant successes, it became evident to Rebecca, considering these things, that their position was but a precarious one, and that, even although they paid scarcely anybody, their little capital would end one day by dwindling into zero. “Gambling,” she would say, “dear, is good to help your income, but not as an income itself. Some day people may be tired of play, and then where are we?” Rawdon acquiesced in the justice of her opinion; and in truth he had remarked that after a few nights of his little suppers, \&c., gentlemen were tired of play with him, and, in spite of Rebecca’s charms, did not present themselves very eagerly. So angenehm und leicht ihr Leben in Paris auch war, so war es doch letzten Endes nur Zeitvergeudung und liebenswürdige Spielerei, und Rebekka sah ein, daß sie Rawdons Glück im eigenen Lande erreichen müsse. Sie mußte ihm eine Stellung oder ein Amt in England oder in den Kolonien verschaffen, und sie beschloß, nach England zu gehen, sobald der Weg dahin für sie geebnet war. Als ersten Schritt hatte sie Crawley veranlaßt, sein Patent in der Garde zu verkaufen und sich auf halben Sold setzen zu lassen. Sein Dienst als Adjutant bei General Tufto hatte schon früher aufgehört. Rebekka machte sich in allen Gesellschaften über diesen Offizier lustig, lachte über sein Toupet (das er sich hatte machen lassen, als er nach Paris kam), seinen Hosenbund, seine falschen Zähne und vor allem über seine anmaßende Einbildung, als Herzensbrecher zu gelten und eitel zu glauben, jede Dame, mit der er zusammentraf, sei in ihn verliebt. Der General hatte nun seine Aufmerksamkeit Mrs. Brent, der Frau von Kommissar Brent, die so buschige Augenbrauen hatte, zugewendet. Sie kam nun in den Genuß seiner Bukette, seiner Diners im Restaurant, seiner Opernlogen und seiner Nippsachen. Die arme Mrs. Tufto war nicht glücklicher als zuvor und mußte noch immer lange Abende allein mit ihren Töchtern verbringen, während sie wußte, daß ihr General parfümiert und frisiert fortgegangen war, um im Theater hinter Mrs. Brents Stuhl zu stehen. Becky hatte statt seiner zwar ein Dutzend anderer Bewunderer, und sie konnte ihre Rivalin mit ihrem Witz in Stücke reißen, aber wie gesagt, begann sie dieses untätigen geselligen Lebens müde zu werden; Opernlogen und Diners im Restaurant hatten ihren Reiz für sie verloren; die Blumensträuße ließen sich nicht als Reserve für später aufbewahren, und von allerlei Tand, Spitzentüchlein und Glacehandschuhen konnte sie nicht leben. Sie fühlte die Leichtfertigkeit all dieser Vergnügungen und sehnte sich nach inhaltsreicheren Genüssen.   Easy and pleasant as their life at Paris was, it was after all only an idle dalliance and amiable trifling; and Rebecca saw that she must push Rawdon’s fortune in their own country. She must get him a place or appointment at home or in the colonies, and she determined to make a move upon England as soon as the way could be cleared for her. As a first step she had made Crawley sell out of the Guards and go on half-pay. His function as aide-de-camp to General Tufto had ceased previously. Rebecca laughed in all companies at that officer, at his toupee (which he mounted on coming to Paris), at his waistband, at his false teeth, at his pretensions to be a lady-killer above all, and his absurd vanity in fancying every woman whom he came near was in love with him. It was to Mrs. Brent, the beetle-browed wife of Mr. Commissary Brent, to whom the general transferred his attentions now — his bouquets, his dinners at the restaurateurs’, his opera-boxes, and his knick-knacks. Poor Mrs. Tufto was no more happy than before, and had still to pass long evenings alone with her daughters, knowing that her General was gone off scented and curled to stand behind Mrs. Brent’s chair at the play. Becky had a dozen admirers in his place, to be sure, and could cut her rival to pieces with her wit. But, as we have said, she. was growing tired of this idle social life: opera-boxes and restaurateur dinners palled upon her: nosegays could not be laid by as a provision for future years: and she could not live upon knick-knacks, laced handkerchiefs, and kid gloves. She felt the frivolity of pleasure and longed for more substantial benefits. Zu dieser Zeit traf eine Nachricht ein, die sich unter den zahlreichen Gläubigern vom Oberst in Paris schnell herumsprach und sie mit Befriedigung erfüllte. Miss Crawley, die reiche Tante, von der er eine riesige Erbschaft erwartete, lag im Sterben, und der Oberst mußte an ihr Bett eilen. Mrs. Crawley sollte mit dem Kind zurückbleiben, bis er kam, sie zu holen. Er reiste nach Calais ab, und dort sicher angekommen, hätte er eigentlich nach Dover gehen müssen; statt dessen bestieg er jedoch die Postkutsche nach Dünkirchen und reiste von da nach Brüssel, für das er von früher her eine Vorliebe hatte. Er hatte nämlich in London mehr Schulden als in Paris und zog daher die kleine ruhige belgische Stadt den beiden geräuschvolleren Hauptstädten vor.   At this juncture news arrived which was spread among the many creditors of the Colonel at Paris, and which caused them great satisfaction. Miss Crawley, the rich aunt from whom he expected his immense inheritance, was dying; the Colonel must haste to her bedside. Mrs. Crawley and her child would remain behind until he came to reclaim them. He departed for Calais, and having reached that place in safety, it might have been supposed that he went to Dover; but instead he took the diligence to Dunkirk, and thence travelled to Brussels, for which place he had a former predilection. The fact is, he owed more money at London than at Paris; and he preferred the quiet little Belgian city to either of the more noisy capitals. Die Tante war tot. Mrs. Crawley bestellte für sich und den kleinen Rawdon Trauerkleidung. Der Oberst war mit dem Ordnen der Erbschaftsangelegenheiten beschäftigt. Sie konnten nun im Hotel den ersten Stock nehmen statt des kleinen Zwischenstockwerks, das sie bewohnten. Mrs. Crawley hatte mit dem Hauswirt eine Besprechung über neue Vorhänge, einen freundschaftlichen Wortwechsel über die Teppiche, kam aber schließlich zu einer Einigung über alles, mit Ausnahme der Rechnung. Sie fuhr in einem seiner Wagen ab, an ihrer Seite die französische Bonne mit dem Kind, während ihr der freundliche Wirt und seine Frau vom Tore aus zum Abschied nachlächelten. General Tufto war wütend, als er hörte, sie sei fort, und Mrs. Brent war wütend auf ihn, weil er wütend war. Leutnant Spooney war tief ins Herz getroffen, und der Wirt bereitete seine besten Zimmer für die Rückkehr der bezaubernden kleinen Frau und ihres Mannes vor. Er hütete die Koffer, die sie zurückgelassen hatten, wie seinen Augapfel. Madame Crawley hatte sie ihm besonders ans Herz gelegt. Als man sie jedoch nach geraumer Zeit öffnete, erwies sich ihr Inhalt als nicht besonders wertvoll.   Her aunt was dead. Mrs. Crawley ordered the most intense mourning for herself and little Rawdon. The Colonel was busy arranging the affairs of the inheritance. They could take the premier now, instead of the little entresol of the hotel which they occupied. Mrs. Crawley and the landlord had a consultation about the new hangings, an amicable wrangle about the carpets, and a final adjustment of everything except the bill. She went off in one of his carriages; her French bonne with her; the child by her side; the admirable landlord and landlady smiling farewell to her from the gate. General Tufto was furious when he heard she was gone, and Mrs. Brent furious with him for being furious; Lieutenant Spooney was cut to the heart; and the landlord got ready his best apartments previous to the return of the fascinating little woman and her husband. He serréd the trunks which she left in his charge with the greatest care. They had been especially recommended to him by Madame Crawley. They were not, however, found to be particularly valuable when opened some time after. Bevor Mrs. Crawley sich jedoch zu ihrem Mann in die belgische Hauptstadt begab, machte sie einen Abstecher nach England. Ihren kleinen Sohn ließ sie unter der Obhut ihres französischen Mädchens auf dem Kontinent zurück. Der Abschied zwischen Rebekka und dem kleinen Rawdon bereitete keinem von beiden großen Schmerz. Um die Wahrheit zu gestehen, hatte sie von dem jungen Herrn seit seiner Geburt nicht viel zu Gesicht bekommen.   But before she went to join her husband in the Belgic capital, Mrs. Crawley made an expedition into England, leaving behind her her little son upon the continent, under the care of her French maid. The parting between Rebecca and the little Rawdon did not cause either party much pain. She had not, to say truth, seen much of the young gentleman since his birth. Nach der liebreichen Sitte französischer Mütter hatte sie ihn zu einer Amme in einem Dorf nahe Paris gegeben, wo der kleine Rawdon die ersten Monate seines Lebens nicht unglücklich mit einer zahlreichen Familie von Pflegebrüdern in Holzschuhen zugebracht hatte. Der Vater ritt oft hinaus, um ihn zu besuchen, und sein Herz erglühte, wenn er den rosigen, schmutzigen kleinen Kerl lustig kreischen hörte und zusah, wie er unter der Aufsicht der Gärtnersfrau, seiner Pflegemutter, glückstrahlend im Schlamm saß und Kuchen fabrizierte.   After the amiable fashion of French mothers, she had placed him out at nurse in a village in the neighbourhood of Paris, where little Rawdon passed the first months of his life, not unhappily, with a numerous family of foster-brothers in wooden shoes. His father would ride over many a time to see him here, and the elder Rawdon’s paternal heart glowed to see him rosy and dirty, shouting lustily, and happy in the making of mud-pies under the superintendence of the gardener’s wife, his nurse. Rebekka zeigte nie große Lust, ihren Sohn und Erben zu besuchen. Er hatte ihr einmal einen neuen taubenblauen Umhang verdorben. Die Liebkosungen seiner Amme zog er denen seiner Mutter vor, und als er die lustige Wärterin, die beinahe seine Mutter war, schließlich verließ, brüllte er stundenlang. Er ließ sich erst durch das Versprechen seiner Mutter beruhigen, daß er am nächsten Tag zu seiner Amme zurück dürfe. Auch der Amme, die sich sonst wahrscheinlich über sein Scheiden gegrämt hätte, erzählte man, daß ihr das Kind bald zurückgebracht werde, und eine Zeitlang wartete sie ängstlich auf seine Rückkehr.   Rebecca did not care much to go and see the son and heir. Once he spoiled a new dove-coloured pelisse of hers. He preferred his nurse’s caresses to his mamma’s, and when finally he quitted that jolly nurse and almost parent, he cried loudly for hours. He was only consoled by his mother’s promise that he should return to his nurse the next day; indeed the nurse herself, who probably would have been pained at the parting too, was told that the child would immediately be restored to her, and for some time awaited quite anxiously his return. Unsere Freunde gehörten wirklich zu den ersten jenes Geschlechtes kühner englischer Abenteurer, die später den Kontinent überschwemmten und in allen europäischen Hauptstädten ihre Schwindeleien vollbrachten. Die Achtung vor dem Reichtum und der Ehre der Engländer war in jenen glücklichen Tagen von 1817/18 noch sehr groß. Sie hatten, wie man erzählt, damals noch nicht gelernt, mit der Hartnäckigkeit, die sie jetzt auszeichnet, zu feilschen. Europas große Städte waren damals noch nicht dem Unternehmungsgeist englischer Schurken geöffnet; während es jetzt kaum eine Stadt in Frankreich oder Italien gibt, wo nicht einige unserer edlen Landsleute mit ihrem protzigen, anmaßenden Benehmen, das wir überall zur Schau stellen, Gastwirte beschwindeln, leichtgläubige Bankiers mit gefälschten Wechseln betrügen und Wagenbauer um ihre Wagen, Goldschmiede um ihre Juwelen, unvorsichtige Reisende um ihr Geld und sogar öffentliche Bibliotheken um ihre Bücher bringen. Vor dreißig Jahren dagegen brauchte man nur der gnädige Herr aus England zu sein und in einem eigenen Wagen zu reisen, um überall Kredit zu bekommen, wo man ihn suchte. Damals betrogen die Gentlemen nicht, sondern wurden betrogen. Erst ein paar Wochen nach der Abreise der Crawleys bemerkte der Wirt des Hotels, worin sie während ihres Pariser Aufenthalts gewohnt hatten, seinen Verlust, nämlich erst nachdem Madame Marabou, die Putzmacherin, wiederholt mit einer kleinen Rechnung für Sachen, die sie Madame Crawley geliefert hatte, aufgetaucht war und erst als Monsieur Didelot von der Boule d'Or im Palais-Royal ein halbes dutzendmal gefragt hatte, ob cette charmante Milady, die Uhren und Armbänder bei ihm gekauft hatte, de retour sei. Tatsächlich war nicht einmal die arme Gärtnersfrau, die Madames Kind gestillt hatte, nach den ersten sechs Monaten für die Milch der Menschenfreundlichkeit, die sie dem lebhaften und gesunden kleinen Rawdon gespendet hatte, bezahlt worden. Nein, nicht einmal die Amme war bezahlt worden – die Crawleys hatten zu große Eile gehabt, um an diese unbedeutende Schuld zu denken. Der Hotelwirt fluchte bis an sein Ende auf die englische Nation. Er fragte jeden Reisenden, ob er einen gewissen Oberst Lord Crawley kenne – avec sa femme – une petite dame, très spirituelle. »Ah, Monsieur«, setzte er dann stets hinzu, »ils m'ont affreusement vole.« Es war traurig, seine Stimme zu hören, wenn er von dieser Katastrophe sprach.   In fact, our friends may be said to have been among the first of that brood of hardy English adventurers who have subsequently invaded the Continent and swindled in all the capitals of Europe. The respect in those happy days of 1817-18 was very great for the wealth and honour of Britons. They had not then learned, as I am told, to haggle for bargains with the pertinacity which now distinguishes them. The great cities of Europe had not been as yet open to the enterprise of our rascals. And whereas there is now hardly a town of France or Italy in which you shall not see some noble countryman of our own, with that happy swagger and insolence of demeanour which we carry everywhere, swindling inn-landlords, passing fictitious cheques upon credulous bankers, robbing coach-makers of their carriages, goldsmiths of their trinkets, easy travellers of their money at cards, even public libraries of their books — thirty years ago you needed but to be a Milor Anglais, travelling in a private carriage, and credit was at your hand wherever you chose to seek it, and gentlemen, instead of cheating, were cheated. It was not for some weeks after the Crawleys’ departure that the landlord of the hotel which they occupied during their residence at Paris found out the losses which he had sustained: not until Madame Marabou, the milliner, made repeated visits with her little bill for articles supplied to Madame Crawley; not until Monsieur Didelot from Boule d’Or in the Palais Royal had asked half a dozen times whether cette charmante Miladi who had bought watches and bracelets of him was de retour. It is a fact that even the poor gardener’s wife, who had nursed madame’s child, was never paid after the first six months for that supply of the milk of human kindness with which she had furnished the lusty and healthy little Rawdon. No, not even the nurse was paid — the Crawleys were in too great a hurry to remember their trifling debt to her. As for the landlord of the hotel, his curses against the English nation were violent for the rest of his natural life. He asked all travellers whether they knew a certain Colonel Lor Crawley — avec sa femme une petite dame, tres spirituelle. “Ah, Monsieur!” he would add — "ils m’ont affreusement vole.” It was melancholy to hear his accents as he spoke of that catastrophe. Rebekkas Ziel bei ihrer Reise nach London war, eine Art Vergleich mit den zahlreichen Gläubigern ihres Mannes zu treffen, um ihnen einen Anteil von neun Pence bis zu einem Shilling pro Pfund zu bieten und damit ihrem Mann die Rückkehr in sein Vaterland zu sichern. Es ziemt uns nicht, alle ihre Schritte bei diesen schwierigen Verhandlungen zu verfolgen; als sie die Leute jedoch zu ihrer Zufriedenheit darauf aufmerksam machte, daß die Summe, die sie ihnen hier bieten könne, das gesamte verfügbare Kapital ihres Mannes sei, und sie überzeugt hatte, daß Oberst Crawley lieber auf dem Kontinent bleiben als nach England zu seinen unbezahlten Schulden zurückkehren würde, als sie ihnen bewiesen hatte, daß ihm unmöglich von anderer Seite Geld zufallen würde und daß sie auf Erden keine Aussicht mehr hätten, einen größeren Teil zu erhalten, als sie jetzt bieten konnte, brachte sie die Gläubiger des Obersten dahin, ihre Vorschläge einmütig anzunehmen, und sie kaufte mit fünfzehnhundert Pfund bar mehr als den zehnfachen Schuldbetrag.   Rebecca’s object in her journey to London was to effect a kind of compromise with her husband’s numerous creditors, and by offering them a dividend of ninepence or a shilling in the pound, to secure a return for him into his own country. It does not become us to trace the steps which she took in the conduct of this most difficult negotiation; but, having shown them to their satisfaction that the sum which she was empowered to offer was all her husband’s available capital, and having convinced them that Colonel Crawley would prefer a perpetual retirement on the Continent to a residence in this country with his debts unsettled; having proved to them that there was no possibility of money accruing to him from other quarters, and no earthly chance of their getting a larger dividend than that which she was empowered to offer, she brought the Colonel’s creditors unanimously to accept her proposals, and purchased with fifteen hundred pounds of ready money more than ten times that amount of debts. Mrs. Crawley nahm bei diesem Geschäft keinen Rechtsanwalt. Die Sache war so einfach, »tun oder es bleibenlassen«, wie sie ganz treffend bemerkte, daß sie die Gläubiger veranlaßte, durch ihre Anwälte den Handel abzuschließen. Mr. Lewis, der Mr. Davids vom Lion Square vertrat, und Mr. Moss, der für Mr. Manasseh von der Cursitor Street arbeitete (beides waren Hauptgläubiger des Obersten), machten der Dame Komplimente darüber, wie glänzend sie ihr Geschäft betrieb, und beteuerten, daß keiner ihrer Berufskollegen sie übertreffen könnte.   Mrs. Crawley employed no lawyer in the transaction. The matter was so simple, to have or to leave, as she justly observed, that she made the lawyers of the creditors themselves do the business. And Mr. Lewis representing Mr. Davids, of Red Lion Square, and Mr. Moss acting for Mr. Manasseh of Cursitor Street (chief creditors of the Colonel’s), complimented his lady upon the brilliant way in which she did business, and declared that there was no professional man who could beat her. Rebekka nahm die Gratulationen mit der größten Bescheidenheit entgegen. Sie ließ eine Flasche Sherry und ein Kuchenbrot in die schmutzige kleine Wohnung kommen, in der sie während ihrer Geschäfte wohnte, und bewirtete damit die Rechtsanwälte ihrer Gegner. Sie drückte ihnen beim Scheiden gutgelaunt die Hand und kehrte direkt nach dem Kontinent zu Mann und Sohn zurück, um dem älteren Rawdon die frohe Botschaft von seiner völligen Freiheit zu bringen. Der jüngere Rawdon war während der Abwesenheit seiner Mutter von Mademoiselle Geneviève, ihrem französischen Mädchen, stark vernachlässigt worden. Das junge Ding hatte eine Liebschaft mit einem Soldaten der Garnison von Calais angefangen und ihren Schützling in der Gesellschaft dieses Militärs vergessen. Der kleine Rawdon war um ein Haar dem Ertrinken entgangen, als ihn die zerstreute Genevieve am Strand von Calais verlassen und verloren hatte.   Rebecca received their congratulations with perfect modesty; ordered a bottle of sherry and a bread cake to the little dingy lodgings where she dwelt, while conducting the business, to treat the enemy’s lawyers: shook hands with them at parting, in excellent good humour, and returned straightway to the Continent, to rejoin her husband and son and acquaint the former with the glad news of his entire liberation. As for the latter, he had been considerably neglected during his mother’s absence by Mademoiselle Genevieve, her French maid; for that young woman, contracting an attachment for a soldier in the garrison of Calais, forgot her charge in the society of this militaire, and little Rawdon very narrowly escaped drowning on Calais sands at this period, where the absent Genevieve had left and lost him. So kamen also Oberst Crawley und Frau nach London, und in ihrem Haus in der Curzon Street in Mayfair zeigten sie, welche Geschicklichkeit diejenigen besitzen müssen, die von den obenerwähnten Mitteln leben wollen.   And so, Colonel and Mrs. Crawley came to London: and it is at their house in Curzon Street, May Fair, that they really showed the skill which must be possessed by those who would live on the resources above named. 37. Kapitel / Chapter 37 Fortsetzung / The Subject Continued Zuallererst müssen wir unbedingt berichten, wie man ein Haus umsonst mieten kann. Diese Häuser sind entweder unmöbliert zu haben, und dann kann man sie nach eigenem Geschmack prächtig einrichten und ausstatten lassen, wenn man bei Gillow oder Banting Kredit hat. Oder man mietet sie möbliert, was für die meisten nicht so mühsam und kompliziert ist. Crawley und seine Frau zogen es vor, ihr Haus so zu mieten.   In the first place, and as a matter of the greatest necessity, we are bound to describe how a house may be got for nothing a year. These mansions are to be had either unfurnished, where, if you have credit with Messrs. Gillows or Bantings, you can get them splendidly montees and decorated entirely according to your own fancy; or they are to be let furnished, a less troublesome and complicated arrangement to most parties. It was so that Crawley and his wife preferred to hire their house. Ehe Mr. Bowls die Herrschaft über Miss Crawleys Haus und Keller in der Park Lane übernahm, hatte die Dame einen Mr. Raggles als Butler gehabt. Er war auf dem Familiengut in Queen's Crawley geboren und der jüngere Sohn eines dortigen Gärtners. Durch gute Führung, nettes Äußeres und hübsche Waden und eine ernste Haltung hatte sich Raggles vom Messerputzbrett zum Bedientensitz auf der Kutsche und vom Bedientensitz zum Butleramt emporgeschwungen. Nachdem er eine gewisse Anzahl von Jahren Miss Crawleys Haushalt geführt hatte, wo er guten Lohn, fette Nebeneinkünfte und reichlich Gelegenheit zum Sparen gehabt hatte, teilte er mit, daß er mit einer früheren Köchin von Miss Crawley, die sich mit einer Wäschemangel und einem kleinen Gemüseladen in der Nachbarschaft ehrlich ernährte, die Ehe eingehen wolle. In Wirklichkeit hatte die Trauung schon vor mehreren Jahren heimlich stattgefunden, obwohl Miss Crawley die Neuigkeit von Mr. Raggles' Ehe erst durch einen kleinen Jungen und ein Mädchen von sieben und acht Jahren erfahren hatte, deren beständige Anwesenheit in der Küche Miss Briggs' Aufmerksamkeit erregt hatte.   Before Mr. Bowls came to preside over Miss Crawley’s house and cellar in Park Lane, that lady had had for a butler a Mr. Raggles, who was born on the family estate of Queen’s Crawley, and indeed was a younger son of a gardener there. By good conduct, a handsome person and calves, and a grave demeanour, Raggles rose from the knife-board to the footboard of the carriage; from the footboard to the butler’s pantry. When he had been a certain number of years at the head of Miss Crawley’s establishment, where he had had good wages, fat perquisites, and plenty of opportunities of saving, he announced that he was about to contract a matrimonial alliance with a late cook of Miss Crawley’s, who had subsisted in an honourable manner by the exercise of a mangle, and the keeping of a small greengrocer’s shop in the neighbourhood. The truth is, that the ceremony had been clandestinely performed some years back; although the news of Mr. Raggles’ marriage was first brought to Miss Crawley by a little boy and girl of seven and eight years of age, whose continual presence in the kitchen had attracted the attention of Miss Briggs. Mr. Raggles zog sich also zurück und übernahm persönlich die Herrschaft über den kleinen Laden und das Gemüse. Er fügte seinen Vorräten noch Milch und Sahne, Eier und Speck vom Lande zu, und während andere ehemalige Butler in Wirtshäusern Alkoholitäten ausschenkten, war er zufrieden beim Handel mit den einfachen Landerzeugnissen. Da er viele Bekannte unter den Butlern der Nachbarschaft hatte und er und Mrs. Raggles sie in ihrem hübschen Hinterzimmer bewirteten, so fanden Milch, Sahne und Eier bei vielen Kollegen Absatz, und seine Einkünfte wuchsen mit jedem Jahr. Ein Jahr nach dem anderen häufte er ruhig und bescheiden Geld an, und als schließlich die hübsche und vollständig eingerichtete Junggesellenbehausung in der Curzon Street Nr. 201 in Mayfair, zuletzt bewohnt von dem ehrenwerten Mr. Frederick Deuceace, der ins Ausland gegangen war, mit ihren reichen, prächtigen Möbeln bester Fabrikation unter den Hammer kam – wer anders ging hin und kaufte Mietvertrag und Einrichtung des Hauses als Charles Raggles? Zwar mußte er einen Teil des Geldes zu recht hohen Zinsen von einem anderen Butler borgen, den Hauptteil jedoch bezahlte er bar, und Mrs. Raggles schlief nicht wenig stolz zum ersten Male in einem geschnitzten Mahagonibett mit seidenen Vorhängen, einem riesigen Drehspiegel gegenüber und einer Garderobe, die sie und ihren Mann und die ganze Familie aufnehmen konnte.   Mr. Raggles then retired and personally undertook the superintendence of the small shop and the greens. He added milk and cream, eggs and country-fed pork to his stores, contenting himself whilst other retired butlers were vending spirits in public houses, by dealing in the simplest country produce. And having a good connection amongst the butlers in the neighbourhood, and a snug back parlour where he and Mrs. Raggles received them, his milk, cream, and eggs got to be adopted by many of the fraternity, and his profits increased every year. Year after year he quietly and modestly amassed money, and when at length that snug and complete bachelor’s residence at No. 201, Curzon Street, May Fair, lately the residence of the Honourable Frederick Deuceace, gone abroad, with its rich and appropriate furniture by the first makers, was brought to the hammer, who should go in and purchase the lease and furniture of the house but Charles Raggles? A part of the money he borrowed, it is true, and at rather a high interest, from a brother butler, but the chief part he paid down, and it was with no small pride that Mrs. Raggles found herself sleeping in a bed of carved mahogany, with silk curtains, with a prodigious cheval glass opposite to her, and a wardrobe which would contain her, and Raggles, and all the family. Sie hatten natürlich nicht die Absicht, ein so prächtiges Haus auf die Dauer selbst zu bewohnen. Raggles hatte das Haus gekauft, um es wieder zu vermieten. Sobald sich ein Mieter fand, versank er wieder in seinem Gemüseladen; es war aber ein glückliches Gefühl für ihn, aus seiner Behausung herauszukommen und nach der Curzon Street zu wandern; dort konnte er sein Haus – sein eignes Haus – mit Geranien im Fenster und einem verzierten Bronzetürklopfer betrachten. Der Bediente, der mitunter am Vorplatzgitter herumlungerte, behandelte ihn mit Respekt; die Köchin kaufte das Gemüse bei ihm und nannte ihn Herr Wirt. Es gab nichts, was die Mieter taten, und kein Gericht, das auf ihren Tisch kam, worüber Raggles nicht unterrichtet war, wenn er es wollte.   Of course, they did not intend to occupy permanently an apartment so splendid. It was in order to let the house again that Raggles purchased it. As soon as a tenant was found, he subsided into the greengrocer’s shop once more; but a happy thing it was for him to walk out of that tenement and into Curzon Street, and there survey his house — his own house — with geraniums in the window and a carved bronze knocker. The footman occasionally lounging at the area railing, treated him with respect; the cook took her green stuff at his house and called him Mr. Landlord, and there was not one thing the tenants did, or one dish which they had for dinner, that Raggles might not know of, if he liked. Er war ein guter Mann, gut und glücklich. Das Haus brachte ihm ein so hübsches jährliches Einkommen, daß er sich entschloß, seine Kinder in gute Schulen zu schicken, und ungeachtet der Kosten kam Charles zu Doktor Swishtail ins Zuckerrohrstockhaus und die kleine Matilda zu Miss Peckover ins Laurentinumhaus in Clapham. Raggles liebte und betete die Familie Crawley als die Urheber all seines Lebensglücks an. Er hatte in seinem Hinterzimmer eine Silhouette seiner Herrin und eine Sepiazeichnung vom Portierhaus in Queen's Crawley, von der alten Jungfer selbst ausgeführt. Das einzige, was er der Einrichtung des Hauses in der Curzon Street hinzufügte, war ein Druck mit der Ansicht von Queen's Crawley in Hampshire, dem Landsitz von Sir Walpole, Baronet. Dieser fuhr in einer vergoldeten Kutsche mit sechs Schimmeln an einem See vorbei, auf dem Schwäne schwammen und eine Barke voller Damen in Reifröcken und Musikanten mit Perücken und Fähnchen. Raggles glaubte wirklich, es gäbe auf der ganzen Welt nur einen solchen Palast wie diesen und nur eine so erlauchte Familie.   He was a good man; good and happy. The house brought him in so handsome a yearly income that he was determined to send his children to good schools, and accordingly, regardless of expense, Charles was sent to boarding at Dr. Swishtail’s, Sugar-cane Lodge, and little Matilda to Miss Peckover’s, Laurentinum House, Clapham. Raggles loved and adored the Crawley family as the author of all his prosperity in life. He had a silhouette of his mistress in his back shop, and a drawing of the Porter’s Lodge at Queen’s Crawley, done by that spinster herself in India ink — and the only addition he made to the decorations of the Curzon Street House was a print of Queen’s Crawley in Hampshire, the seat of Sir Walpole Crawley, Baronet, who was represented in a gilded car drawn by six white horses, and passing by a lake covered with swans, and barges containing ladies in hoops, and musicians with flags and penwigs. Indeed Raggles thought there was no such palace in all the world, and no such august family. Das Glück wollte es, daß Raggles' Haus in der Curzon Street zu vermieten war, als Rawdon und seine Frau nach London zurückkehrten. Der Oberst kannte das Gebäude und seinen Besitzer recht gut, da Raggles stets mit der Familie Crawley in Verbindung geblieben war. Wenn Miss Crawley Gäste hatte, half er Mr. Bowls. Der alte Mann vermietete dem Oberst nicht nur sein Haus, sondern trat auch als Butler auf, wenn er Gesellschaft hatte, während Mrs. Raggles in der Küche wirtschaftete und Speisen hinaufschickte, mit denen selbst Miss Crawley zufrieden gewesen wäre. Auf diese Weise bekam Crawley also das Haus umsonst. Raggles mußte zwar Steuern und die Hypothekenzinsen an den anderen Butler und die Lebensversicherung und das Schulgeld für seine Kinder und Essen und Trinken für seine eigene Familie und eine Zeitlang auch für Oberst Crawley bezahlen. Zwar wurde der arme Teufel durch das Geschäft völlig ruiniert, seine Kinder warf man auf die Straße und ihn selbst ins Schuldgefängnis, aber schließlich muß doch immer einer für die Herren bezahlen, die von nichts leben, und so kam es, daß der unglückliche Raggles zum Repräsentanten von Oberst Crawleys fehlendem Kapital wurde.   As luck would have it, Raggles’ house in Curzon Street was to let when Rawdon and his wife returned to London. The Colonel knew it and its owner quite well; the latter’s connection with the Crawley family had been kept up constantly, for Raggles helped Mr. Bowls whenever Miss Crawley received friends. And the old man not only let his house to the Colonel but officiated as his butler whenever he had company; Mrs. Raggles operating in the kitchen below and sending up dinners of which old Miss Crawley herself might have approved. This was the way, then, Crawley got his house for nothing; for though Raggles had to pay taxes and rates, and the interest of the mortgage to the brother butler; and the insurance of his life; and the charges for his children at school; and the value of the meat and drink which his own family — and for a time that of Colonel Crawley too — consumed; and though the poor wretch was utterly ruined by the transaction, his children being flung on the streets, and himself driven into the Fleet Prison: yet somebody must pay even for gentlemen who live for nothing a year — and so it was this unlucky Raggles was made the representative of Colonel Crawley’s defective capital. Ich möchte wissen, wie viele Familien durch große Meister von Crawleys Art zum Bankrott und Vagabundenleben getrieben werden – wie viele hohe Adlige ihre kleinen Kaufleute bestehlen, sich herablassen, ihre armen Diener um erbärmlich kleine Summen zu beschwindeln und um ein paar Shilling zu betrügen. Wenn wir lesen, daß ein edler Adliger nach dem Kontinent gegangen ist oder ein anderer edler Adliger in seinem Haus eine Versteigerung hat –und daß der eine oder andere sechs oder sieben Millionen Schulden hat, so erscheint uns selbst die Niederlage noch glorreich, und wir achten das Opfer in der Großartigkeit seines Ruins. Wer aber bemitleidet einen armen Friseur, der das Geld für das Pudern der Köpfe der Diener nicht erhält, oder einen armen Zimmermann, der sich ruiniert hat, als er in dem déjeuner der Lady Verzierungen anbrachte und Pavillons errichtete; oder den armen Teufel von Schneider, den der Verwalter begönnerte und der alles, was er besaß, und vielleicht noch mehr, verpfändet hat, um die Livreen anfertigen zu können, die bei ihm zu bestellen der Lord ihm die Ehre erwies? Wenn das große Haus einstürzt, so fallen alle diese armen Teufel unbemerkt mit. Es heißt ja in den alten Legenden, bevor ein Mensch zum Teufel geht, schickte er diesem erst einmal einen Haufen anderer Seelen.   I wonder how many families are driven to roguery and to ruin by great practitioners in Crawlers way? — how many great noblemen rob their petty tradesmen, condescend to swindle their poor retainers out of wretched little sums and cheat for a few shillings? When we read that a noble nobleman has left for the Continent, or that another noble nobleman has an execution in his house — and that one or other owes six or seven millions, the defeat seems glorious even, and we respect the victim in the vastness of his ruin. But who pities a poor barber who can’t get his money for powdering the footmen’s heads; or a poor carpenter who has ruined himself by fixing up ornaments and pavilions for my lady’s dejeuner; or the poor devil of a tailor whom the steward patronizes, and who has pledged all he is worth, and more, to get the liveries ready, which my lord has done him the honour to bespeak? When the great house tumbles down, these miserable wretches fall under it unnoticed: as they say in the old legends, before a man goes to the devil himself, he sends plenty of other souls thither. Rawdon und seine Frau begünstigten großmütig all die von Miss Crawleys Geschäftsleuten, die ihnen dienen wollten. Einige, besonders die Armen, waren dazu bereit genug. Es war wunderbar, die Ausdauer zu beobachten, mit der die Waschfrau von Tooting Woche für Woche jeden Sonnabend mit dem Wäschekarren und der Rechnung kam. Mr. Raggles selbst hatte das Gemüse zu liefern. Die Rechnung für den Porter der Dienstboten im »Wirtshaus zum Kriegsglück« ist eine Kuriosität in den Annalen der Biergeschichte. Allen Dienstboten war man den größten Teil des Lohnes schuldig und erhielt somit zwangsläufig ein Interesse am Haus wach. Tatsächlich wurde niemand und nichts bezahlt, weder der Schlosser, der das Schloß öffnete, noch der Glaser, der eine neue Scheibe einsetzte, noch der Wagenverleiher, von dem man die Kutsche gemietet hatte, noch der Kutscher, der sie lenkte, noch der Fleischer, der die Hammelkeule lieferte, noch die Kohlen, mit denen sie gebraten wurde, noch die Köchin, die sie mit Fett begoß, noch die Dienstboten, die sie aßen. Das ist, wie man mir erzählte, nicht selten die Art, in der Leute elegant von nichts leben.   Rawdon and his wife generously gave their patronage to all such of Miss Crawley’s tradesmen and purveyors as chose to serve them. Some were willing enough, especially the poor ones. It was wonderful to see the pertinacity with which the washerwoman from Tooting brought the cart every Saturday, and her bills week after week. Mr. Raggles himself had to supply the greengroceries. The bill for servants’ porter at the Fortune of War public house is a curiosity in the chronicles of beer. Every servant also was owed the greater part of his wages, and thus kept up perforce an interest in the house. Nobody in fact was paid. Not the blacksmith who opened the lock; nor the glazier who mended the pane; nor the jobber who let the carriage; nor the groom who drove it; nor the butcher who provided the leg of mutton; nor the coals which roasted it; nor the cook who basted it; nor the servants who ate it: and this I am given to understand is not unfrequently the way in which people live elegantly on nothing a year. In einer kleinen Stadt können derartige Dinge nicht unbemerkt geschehen. Wir wissen dort, wieviel Milch unser Nachbar holt, und erspähen die Keule oder das Geflügel, das für sein Mittagessen ins Haus gebracht wird. So wußten wahrscheinlich die Curzon Street Nr. 200 und 202, was in dem Haus zwischen ihnen vorging, da die Dienstboten durch den Zaun miteinander verkehrten. Aber Crawley und seine Frau und auch seine Freunde wußten nichts von 200 und 202. Wenn man nach 201 kam, so gab es ein herzliches Willkommen, ein freundliches Lächeln, ein gutes Mittagessen und einen munteren Händedruck vom Gastgeber und seiner Frau, und es schien der Welt, als ob sie jährlich drei- bis viertausend hätten. Das hatten sie allerdings auch, zwar nicht an Geld, aber an Waren und Arbeit. Wenn sie den Hammelbraten auch nicht bezahlten, so hatten sie ihn doch – wenn sie kein Gold und Silber für ihren Wein ausgaben, wie sollten wir das wissen? Kein Mensch hatte besseren Rotwein auf der Tafel als der ehrliche Rawdon, keiner gab fröhlichere Diners, und nirgends wurde hübscher serviert. Seine Salons waren die nettesten, kleinsten, bescheidensten, die man sich denken kann. Rebekka hatte sie mit dem feinsten Geschmack und tausend Pariser Kleinigkeiten ausgestattet, und wenn sie am Klavier saß und fröhlichen Herzens ihre Lieder trällerte, so glaubte sich der Fremde in ein kleines Paradies häuslicher Behaglichkeit versetzt und gestand, daß zwar der Mann recht dumm sei, die Frau aber bezaubernd und die Diners die reizendsten von der Welt.   In a little town such things cannot be done without remark. We know there the quantity of milk our neighbour takes and espy the joint or the fowls which are going in for his dinner. So, probably, 200 and 202 in Curzon Street might know what was going on in the house between them, the servants communicating through the area-railings; but Crawley and his wife and his friends did not know 200 and 202. When you came to 201 there was a hearty welcome, a kind smile, a good dinner, and a jolly shake of the hand from the host and hostess there, just for all the world as if they had been undisputed masters of three or four thousand a year — and so they were, not in money, but in produce and labour — if they did not pay for the mutton, they had it: if they did not give bullion in exchange for their wine, how should we know? Never was better claret at any man’s table than at honest Rawdon’s; dinners more gay and neatly served. His drawing-rooms were the prettiest, little, modest salons conceivable: they were decorated with the greatest taste, and a thousand knick-knacks from Paris, by Rebecca: and when she sat at her piano trilling songs with a lightsome heart, the stranger voted himself in a little paradise of domestic comfort and agreed that, if the husband was rather stupid, the wife was charming, and the dinners the pleasantest in the world. Rebekka kam durch ihren Witz, ihre Klugheit und ihre Schlagfertigkeit bei einer gewissen Klasse Londoner bald in Mode. Man sah an ihrer Tür ehrbare Kutschen, denen Menschen vornehmsten Ranges entstiegen. Man sah ihren Wagen im Park von berühmten Stutzern umringt. Ihre kleine Loge im dritten Rang der Oper war von ständig wechselnden Gesichtern bevölkert. Wir müssen allerdings gestehen, daß sich die Damen von ihr fernhielten und ihre Türen unserer kleinen Abenteuerin verschlossen blieben.   Rebecca’s wit, cleverness, and flippancy made her speedily the vogue in London among a certain class. You saw demure chariots at her door, out of which stepped very great people. You beheld her carriage in the park, surrounded by dandies of note. The little box in the third tier of the opera was crowded with heads constantly changing; but it must be confessed that the ladies held aloof from her, and that their doors were shut to our little adventurer. Über die vornehme Welt der Damen und ihre Sitten kann der Verfasser unserer Geschichte natürlich nur vom Hörensagen berichten. Ein Mann kann diese Geheimnisse ebensowenig durchschauen oder verstehen, wie er weiß, worüber sich die Damen unterhaken, wenn sie sich nach dem Essen in die oberen Gemächer zurückziehen. Nur durch mühsame, ausdauernde Nachforschungen kann man zuweilen eine Andeutung über diese Geheimnisse erhalten. Durch ebensolche Emsigkeit weiß jeder, der auf dem Pflaster der Pall Mall wandelt und die Londoner Klubs besucht, entweder aus eigener Erfahrung oder von einem Bekannten, mit dem er Billard spielt oder speist, etwas über die vornehme Londoner Welt. Er merkt, daß es Männer gibt (wie zum Beispiel Rawdon Crawley, dessen Lage wir schon beschrieben haben), die, weil sie mit den berühmtesten Stutzern im Park verkehren, in den Augen der unwissenden Welt und der Lehrlinge dort eine gute Figur machen. Ebenso gibt es aber auch Damen, die man als Typ der Männer bezeichnen könnte, da sie von allen Herren begrüßt und von ihren Ehefrauen geschnitten oder mit Geringschätzung betrachtet werden. Zu dieser Art gehört Mrs. Firebrace, die Dame mit den schönen blonden Locken, die man täglich, umringt von den größten und bekanntesten Stutzern des Königreiches, im Hyde Park sehen kann. Eine andere von ihnen ist Mrs. Rockwood, deren Gesellschaften ausführlich in allen Zeitungen der vornehmen Welt beschrieben werden und bei der eine Menge von Gesandten und hohen Adligen zu speisen pflegen. Die Reihe ließe sich noch beliebig erweitern, wenn es etwas mit unserer Geschichte zu tun hätte. Während nun aber einfache Menschen, die die Welt nicht kennen, oder Leute vom Lande mit einem Hang zum Vornehmen diese Damen an öffentlichen Orten in ihrer scheinbaren Glorie beobachten oder sie aus der Ferne beneiden, so könnten besser Unterrichtete ihnen klarmachen, daß die beneideten Damen ebenso geringe Aussichten auf eine Stellung in der »Gesellschaft« besitzen wie die unwissende kleine Gutsbesitzersfrau in Somersetshire, die in der »Morning Post« von ihrem Leben und Treiben liest. Die in London Lebenden kennen diese schrecklichen Wahrheiten. Man hört, wie unbarmherzig viele Damen von scheinbarem Rang und Reichtum von dieser »Gesellschaft« ausgeschlossen sind. Die verzweifelten Anstrengungen, mit denen sie in diesen Kreis zu gelangen suchen, die Demütigungen, denen sie sich aussetzen, die Beleidigungen, die sie einstecken, sind sehr verwunderlich für diejenigen, die sich das Studium der Menschen oder Frauen zur Aufgabe gemacht haben.   With regard to the world of female fashion and its customs, the present writer of course can only speak at second hand. A man can no more penetrate or under-stand those mysteries than he can know what the ladies talk about when they go upstairs after dinner. It is only by inquiry and perseverance that one sometimes gets hints of those secrets; and by a similar diligence every person who treads the Pall Mall pavement and frequents the clubs of this metropolis knows, either through his own experience or through some acquaintance with whom he plays at billiards or shares the joint, something about the genteel world of London, and how, as there are men (such as Rawdon Crawley, whose position we mentioned before) who cut a good figure to the eyes of the ignorant world and to the apprentices in the park, who behold them consorting with the most notorious dandies there, so there are ladies, who may be called men’s women, being welcomed entirely by all the gentlemen and cut or slighted by all their wives. Mrs. Firebrace is of this sort; the lady with the beautiful fair ringlets whom you see every day in Hyde Park, surrounded by the greatest and most famous dandies of this empire. Mrs. Rockwood is another, whose parties are announced laboriously in the fashionable newspapers and with whom you see that all sorts of ambassadors and great noblemen dine; and many more might be mentioned had they to do with the history at present in hand. But while simple folks who are out of the world, or country people with a taste for the genteel, behold these ladies in their seeming glory in public places, or envy them from afar off, persons who are better instructed could inform them that these envied ladies have no more chance of establishing themselves in “society,” than the benighted squire’s wife in Somersetshire who reads of their doings in the Morning Post. Men living about London are aware of these awful truths. You hear how pitilessly many ladies of seeming rank and wealth are excluded from this “society.” The frantic efforts which they make to enter this circle, the meannesses to which they submit, the insults which they undergo, are matters of wonder to those who take human or womankind for a study; and the pursuit of fashion under difficulties would be a fine theme for any very great person who had the wit, the leisure, and the knowledge of the English language necessary for the compiling of such a history. Die wenigen Freundinnen nun, die Mrs. Crawley auf dem Kontinent gehabt hatte, lehnten es nicht nur ab, sie zu besuchen, als sie den Kanal wieder überquert hatte, sondern schnitten sie völlig, als ob sie sie nie gesehen hätten, wenn sie ihr in der Öffentlichkeit begegneten. Es war merkwürdig, wie die großen Damen sie vergessen hatten, und zweifellos war das für Rebekka keine angenehme Erkenntnis. Wenn Lady Bareacres in der Vorhalle der Oper ihrer ansichtig wurde, so sammelte sie ihre Töchter um sich, als ob diese durch eine Berührung mit Becky angesteckt würden. Dann zog sie sich ein paar Schritte weit zurück, stellte sich vor ihre Töchter und starrte ihre kleine Feindin an. Um Becky durch Anstarren aus der Fassung zu bringen, bedurfte es allerdings eines strengeren Blickes als dessen, den die eisige alte Bareacres aus ihren schrecklichen Augen schießen konnte, Wenn Lady de la Mole, die in Brüssel ein dutzendmal neben Becky geritten war, jetzt Mrs. Crawleys offenen Wagen im Hyde Park traf, dann war sie vollkommen blind und nicht imstande, ihre frühere Freundin wiederzuerkennen. Selbst Mrs. Blenkinsop, die Bankiersfrau, schnitt sie in der Kirche. Becky ging jetzt regelmäßig zur Kirche, und es war höchst erbaulich, zu sehen, wie sie und Rawdon mit großen vergoldeten Gebetbüchern eintraten und dem Gottesdienst mit hingebendem Ernst folgten.   Now the few female acquaintances whom Mrs. Crawley had known abroad not only declined to visit her when she came to this side of the Channel, but cut her severely when they met in public places. It was curious to see how the great ladies forgot her, and no doubt not altogether a pleasant study to Rebecca. When Lady Bareacres met her in the waiting-room at the opera, she gathered her daughters about her as if they would be contaminated by a touch of Becky, and retreating a step or two, placed herself in front of them, and stared at her little enemy. To stare Becky out of countenance required a severer glance than even the frigid old Bareacres could shoot out of her dismal eyes. When Lady de la Mole, who had ridden a score of times by Becky’s side at Brussels, met Mrs. Crawley’s open carriage in Hyde Park, her Ladyship was quite blind, and could not in the least recognize her former friend. Even Mrs. Blenkinsop, the banker’s wife, cut her at church. Becky went regularly to church now; it was edifying to see her enter there with Rawdon by her side, carrying a couple of large gilt prayer-books, and afterwards going through the ceremony with the gravest resignation. Rawdon litt anfangs sehr unter der Mißachtung, die man seiner Frau zollte, und wurde düster und wild. Er sprach davon, die Männer oder Brüder all der unverschämten Weiber, die seiner Frau nicht den gehörigen Respekt erwiesen, zu fordern, und ließ sich nur durch Rebekkas strenge Befehle und Bitten dazu bewegen, sich anständig zu benehmen. »Du kannst mich nicht in die Gesellschaft schießen«, sagte sie gutmütig. »Denke daran, mein Lieber, daß ich nur eine Gouvernante gewesen bin und daß du, armer dummer Alter, hinsichtlich Schuldenmachen, Spielen und allen möglichen anderen Lastern in schlimmem Ruf stehst. Nach und nach werden wir schon so viele Freunde bekommen, wie wir brauchen, und inzwischen mußt du ein braver Junge sein und alles tun, was deine Lehrerin dir sagt. Weißt du noch, wie wütend du warst, als wir hörten, daß deine Tante fast alles Pitt und seiner Frau vermacht hatte? Am liebsten hättest du ganz Paris davon in Kenntnis gesetzt, wenn ich dich nicht zurückgehalten hätte, und wo würdest du jetzt sein? Im Schuldgefängnis von Saint-Pelagie und nicht in London in einem hübschen Haus mit allem Komfort. Du warst so erbost, daß du am liebsten deinen Bruder ermordet hättest, du gottloser Kain, du! Und was hätten wir davon gehabt, wenn wir böse geblieben wären? Aller Zorn der Welt wird uns das Geld deiner Tante nicht verschaffen, und es ist auf alle Fälle besser, mit der Familie deines Bruders in Eintracht zu leben, als daß wir mit ihnen verfeindet sind wie die einfältigen Butes. Wenn dein Vater stirbt, so wird Queen's Crawley für uns beide eine ganz angenehme Winterresidenz sein. Sollte es aussein mit uns, dann werden wir es schon zustande bringen, daß du die Aufsicht über die Ställe übernimmst, und ich kann Gouvernante bei Lady Janes Kindern werden. Aussein? Unsinn! Ehe es dazu kommt, werde ich dir eine gute Stelle verschaffen, oder Pitt und sein kleiner Junge sind gestorben – und wir werden Sir Rawdon und Lady sein. Solange man lebt, solange kann man auch hoffen, mein Lieber, und ich habe vor, aus dir noch einen Mann zu machen. Wer hat deine Pferde verkauft? Wer hat deine Schulden bezahlt?« Rawdon mußte bekennen, daß er all diese Wohltaten seiner Frau zu verdanken habe, und versprach, sich auch in Zukunft ihrer Führung zu unterwerfen.   Rawdon at first felt very acutely the slights which were passed upon his wife, and was inclined to be gloomy and savage. He talked of calling out the husbands or brothers of every one of the insolent women who did not pay a proper respect to his wife; and it was only by the strongest commands and entreaties on her part that he was brought into keeping a decent behaviour. “You can’t shoot me into society,” she said good-naturedly. “Remember, my dear, that I was but a governess, and you, you poor silly old man, have the worst reputation for debt, and dice, and all sorts of wickedness. We shall get quite as many friends as we want by and by, and in the meanwhile you must be a good boy and obey your schoolmistress in everything she tells you to do. When we heard that your aunt had left almost everything to Pitt and his wife, do you remember what a rage you were in? You would have told all Paris, if I had not made you keep your temper, and where would you have been now? — in prison at Ste . Pelagie for debt, and not established in London in a handsome house, with every comfort about you — you were in such a fury you were ready to murder your brother, you wicked Cain you, and what good would have come of remaining angry? All the rage in the world won’t get us your aunt’s money; and it is much better that we should be friends with your brother’s family than enemies, as those foolish Butes are. When your father dies, Queen’s Crawley will be a pleasant house for you and me to pass the winter in. If we are ruined, you can carve and take charge of the stable, and I can be a governess to Lady Jane’s children. Ruined! fiddlede-dee! I will get you a good place before that; or Pitt and his little boy will die, and we will be Sir Rawdon and my lady. While there is life, there is hope, my dear, and I intend to make a man of you yet. Who sold your horses for you? Who paid your debts for you?” Rawdon was obliged to confess that he owed all these benefits to his wife, and to trust himself to her guidance for the future. Als Miss Crawley die Welt verließ und das Geld, um das all ihre Verwandten so hart gekämpft hatten, Pitt zufiel, war Bute Crawley bei der Feststellung, daß er statt der erwarteten zwanzigtausend Pfund nur fünftausend bekam, in seiner Enttäuschung so wütend geworden, daß er sich in wildesten Schmähungen über seinen Neffen Luft machen mußte. Die schon seit jeher zwischen ihnen herrschenden Streitigkeiten endeten mit einem völligen Abbruch der Beziehungen. Rawdon Crawley dagegen, der nur hundert Pfund erhalten hatte, zeigte sich von einer Seite, die seinen Bruder in Erstaunen und seine Schwägerin, die allen Mitgliedern der Familie ihres Gatten freundlich gesinnt war, in Entzücken versetzte. Er schrieb seinem Bruder von Paris aus einen aufrichtigen, männlichen, gutmütigen Brief. Er wisse, sagte er darin, daß er durch seine Heirat die Gunst seiner Tante verscherzt habe, und wenn er auch seine Enttäuschung darüber, daß sie so hart zu ihm gewesen sei, nicht verbergen könne, so sei er doch froh, daß das Geld in ihrem Zweig der Familie geblieben sei, und gratuliere dem Bruder von Herzen zu seinem Glück. Er sandte seiner Schwägerin liebevolle Grüße und hoffte, ihre Zuneigung für Mrs. Crawley zu erwerben. Der Brief schloß mit einem Postskriptum an Pitt in Rebekkas Handschrift. Sie schloß sich den Glückwünschen ihres Mannes an und schrieb, sie werde stets mit Dankbarkeit an Mr. Crawleys Freundlichkeit für sie in jener Zeit denken, als sie eine freundlose Waise und die Lehrerin seiner kleinen Schwestern war, an deren Wohlergehen sie noch immer den zärtlichsten Anteil nehme. Sie wünschte ihm viel Glück zu seiner Ehe, bat um Erlaubnis, sich Lady Jane (von deren Güte alle Welt sprach) empfehlen zu dürfen, hoffte, daß es ihr eines Tages vergönnt sein möge, ihren kleinen Jungen seinem Onkel und seiner Tante vorzustellen, und bat für ihn um Schutz und Freundschaft.   Indeed, when Miss Crawley quitted the world, and that money for which all her relatives had been fighting so eagerly was finally left to Pitt, Bute Crawley, who found that only five thousand pounds had been left to him instead of the twenty upon which he calculated, was in such a fury at his disappointment that he vented it in savage abuse upon his nephew; and the quarrel always rankling between them ended in an utter breach of intercourse. Rawdon Crawley’s conduct, on the other hand, who got but a hundred pounds, was such as to astonish his brother and delight his sister-in-law, who was disposed to look kindly upon all the members of her husband’s family. He wrote to his brother a very frank, manly, good-humoured letter from Paris. He was aware, he said, that by his own marriage he had forfeited his aunt’s favour; and though he did not disguise his disappointment that she should have been so entirely relentless towards him, he was glad that the money was still kept in their branch of the family, and heartily congratulated his brother on his good fortune. He sent his affectionate remembrances to his sister, and hoped to have her good-will for Mrs. Rawdon; and the letter concluded with a postscript to Pitt in the latter lady’s own handwriting. She, too, begged to join in her husband’s congratulations. She should ever remember Mr. Crawley’s kindness to her in early days when she was a friendless orphan, the instructress of his little sisters, in whose welfare she still took the tenderest interest. She wished him every happiness in his married life, and, asking his permission to offer her remembrances to Lady Jane (of whose goodness all the world informed her), she hoped that one day she might be allowed to present her little boy to his uncle and aunt, and begged to bespeak for him their good-will and protection. Pitt Crawley nahm diesen Brief sehr gnädig auf – gnädiger, als Miss Crawley einige frühere Werke Rebekkas in Rawdons Handschrift aufgenommen hatte, und Lady Jane war so bezaubert, daß sie von ihrem Mann erwartete, er werde sofort die Erbschaft seiner Tante in zwei gleiche Teile teilen und eine Hälfte seinem Bruder nach Paris schicken.   Pitt Crawley received this communication very graciously — more graciously than Miss Crawley had received some of Rebecca’s previous compositions in Rawdon’s handwriting; and as for Lady Jane, she was so charmed with the letter that she expected her husband would instantly divide his aunt’s legacy into two equal portions and send off one-half to his brother at Paris. Zur Überraschung der Lady lehnte es Pitt jedoch ab, seinem Bruder einen Scheck auf dreißigtausend Pfund zu überweisen. Er bot ihm jedoch seine Hilfe an, falls er nach England kommen und sie annehmen wolle, dann dankte er Mrs. Crawley für ihre gute Meinung über ihn und Lady Jane und erklärte sich bereit, jede Gelegenheit zu benutzen, um. ihrem kleinen Jungen dienlich zu sein.   To her Ladyship’s surprise, however, Pitt declined to accommodate his brother with a cheque for thirty thousand pounds. But he made Rawdon a handsome offer of his hand whenever the latter should come to England and choose to take it; and, thanking Mrs. Crawley for her good opinion of himself and Lady Jane, he graciously pronounced his willingness to take any opportunity to serve her little boy. So war fast eine völlige Aussöhnung zwischen den Brüdern zustande gebracht worden. Als Rebekka nach London kam, waren Pitt und seine Frau nicht in der Stadt. Sie fuhr oft an der alten Tür in der Park Lane vorüber, um zu sehen, ob sie Miss Crawleys Haus bezogen hätten. Die neue Familie erschien jedoch nicht, und Rebekka erfuhr nur durch Raggles, was los war: Miss Crawleys Dienstboten waren mit anständigen Geschenken entlassen worden, und Mr. Pitt sei nur einmal in London gewesen und einige Tage im Haus geblieben. Er mußte Geschäfte mit seinen Rechtsanwälten abwickeln und hatte alle französischen Romane von Miss Crawley an einen Buchhändler in der Bond Street verkauft. Becky hatte ihre Gründe, weshalb sie so sehnsüchtig auf die Ankunft ihrer neuen Verwandten wartete. Wenn Lady Jane kommt, dachte sie, so muß sie mich in die Londoner Gesellschaft einführen, und was die Frauen betrifft, pah! – die werden mich schon einladen, wenn sie merken, daß die Männer mich sehen wollen.   Thus an almost reconciliation was brought about between the brothers. When Rebecca came to town Pitt and his wife were not in London. Many a time she drove by the old door in Park Lane to see whether they had taken possession of Miss Crawley’s house there. But the new family did not make its appearance; it was only through Raggles that she heard of their movements — how Miss Crawley’s domestics had been dismissed with decent gratuities, and how Mr. Pitt had only once made his appearance in London, when he stopped for a few days at the house, did business with his lawyers there, and sold off all Miss Crawley’s French novels to a bookseller out of Bond Street. Becky had reasons of her own which caused her to long for the arrival of her new relation. “When Lady Jane comes,” thought she, “she shall be my sponsor in London society; and as for the women! bah! the women will ask me when they find the men want to see me.” Ein Gegenstand, den eine Dame in Beckys Stellung ebenso benötigte wie Wagen oder Bukett, ist ihre Gesellschafterin. Ich habe oft bewundernd mit angesehen, wie die sanften Geschöpfe, die nicht ohne Mitgefühl existieren können, eine unbeschreiblich häßliche Freundin mieten, von der sie fast unzertrennlich sind. Der Anblick dieses unvermeidlichen Frauenzimmers im verblichenen Kleid, hinter ihrer teuren Freundin in der Opernloge oder auf dem Rücksitz der Kutsche, ist mir stets eine gesunde moralische Genugtuung gewesen, ein ebenso ausgezeichnetes Erinnerungsmittel wie der Totenkopf bei den Gastmählern der ägyptischen Bonvivants – ein seltsames, hämisches Denkmal auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit. Ja, was denn, selbst die unverschämte, ausschweifende, schöne, gewissenlose – und herzlose Mrs. Firebrace, deren Vater an ihrer Schande starb, selbst die hübsche, kühne Mrs. Mantrap, die mit jedem Reiter in England um die Wette über die Zäune sprengt und ihre Grauschimmel im Park spazierenfährt, während ihre Mutter in Bath noch eine Hökerbude hat – selbst jene, die so dreist sind, daß man denken könnte, sie scheuten vor nichts zurück, wagen es nicht, ohne eine Freundin vor die Welt zu treten. Sie müssen stets jemand haben, an den sie sich hängen können, die gefühlvollen Wesen! Man wird sie kaum je in der Öffentlichkeit sehen, ohne daß eine schäbige Gesellschafterin im verschossenen Seidenkleid in ihrem Schatten dicht hinter ihnen sitzt.   An article as necessary to a lady in this position as her brougham or her bouquet is her companion. I have always admired the way in which the tender creatures, who cannot exist without sympathy, hire an exceedingly plain friend of their own sex from whom they are almost inseparable. The sight of that inevitable woman in her faded gown seated behind her dear friend in the opera-box, or occupying the back seat of the barouche, is always a wholesome and moral one to me, as jolly a reminder as that of the Death’s-head which figured in the repasts of Egyptian bon-vivants, a strange sardonic memorial of Vanity Fair. What? even battered, brazen, beautiful, conscienceless, heartless, Mrs. Firebrace, whose father died of her shame: even lovely, daring Mrs. Mantrap, who will ride at any fence which any man in England will take, and who drives her greys in the park, while her mother keeps a huckster’s stall in Bath still — even those who are so bold, one might fancy they could face anything dare not face the world without a female friend. They must have somebody to cling to, the affectionate creatures! And you will hardly see them in any public place without a shabby companion in a dyed silk, sitting somewhere in the shade close behind them. »Rawdon«, sagte Becky eines Abends sehr spät, als eine Herrengesellschaft um ihr prasselndes Kaminfeuer versammelt war (denn die Männer kamen oft, um den Rest eines Abends bei ihnen zu verbringen, und sie bot ihnen Eis und Kaffee an, den besten, den man in London bekommen konnte). »Ich muß einen Schäferhund haben.«   “Rawdon,” said Becky, very late one night, as a party of gentlemen were seated round her crackling drawing-room fire (for the men came to her house to finish the night; and she had ice and coffee for them, the best in London): “I must have a sheep-dog.” »Einen was?« fragte Rawdon und blickte vom Ekarté auf.   “A what?” said Rawdon, looking up from an ecarte table. »Einen Schäferhund!« sagte der junge Lord Southdown. »Was für ein Einfall, meine liebe Mrs. Crawley! Warum nicht lieber eine Dänische Dogge, ich weiß eine, fast so groß wie eine Giraffe, beim Zeus. Sie könnte fast Ihren Wagen ziehen. Oder einen persischen Windhund, wenn ich etwas vorschlagen darf! Oder einen kleinen Mops, der in eine von Lord Steynes Schnupftabaksdosen passen würde. Ein Mann in Bayswater hat einen mit einer Nase, daß Sie – ich nehme den König und spiele –, daß Sie Ihren Hut daran aufhängen könnten.«   “A sheep-dog!” said young Lord Southdown. “My dear Mrs. Crawley, what a fancy! Why not have a Danish dog? I know of one as big as a camel-leopard, by Jove. It would almost pull your brougham. Or a Persian greyhound, eh? (I propose, if you please); or a little pug that would go into one of Lord Steyne’s snuff-boxes? There’s a man at Bayswater got one with such a nose that you might — I mark the king and play — that you might hang your hat on it.” »Ich nehme Stich«, sagte Rawdon ernsthaft. Er gab gewöhnlich nur auf sein Spiel acht und mischte sich nur dann ins Gespräch, wenn es sich um Pferde und Wetten drehte.   “I mark the trick,” Rawdon gravely said. He attended to his game commonly and didn’t much meddle with the conversation, except when it was about horses and betting. »Wozu brauchen denn Sie einen Schäferhund?« fuhr der lebhafte kleine Southdown fort.   “What can you want with a shepherd’s dog?” the lively little Southdown continued. »Ich meine einen moralischen Schäferhund«, sagte Becky lachend und sah zu Lord Steyne hin.   “I mean a moral shepherd’s dog,” said Becky, laughing and looking up at Lord Steyne. »Was zum Teufel ist das?« fragte Seine Lordschaft.   “What the devil’s that?” said his Lordship. »Einen Hund, um die Wölfe von mir abzuhalten«, fuhr Rebekka fort. »Eine Gesellschafterin.«   “A dog to keep the wolves off me,” Rebecca continued. “A companion.” »Sie gutes, unschuldiges Lämmchen, ja, Sie brauchen eine«, sagte der Marquis. Sein Kiefer fiel herab und verzog sich zu einem häßlichen Grinsen, während seine kleinen Augen Rebekka lüstern anblinzelten.   “Dear little innocent lamb, you want one,” said the marquis; and his jaw thrust out, and he began to grin hideously, his little eyes leering towards Rebecca. Der große Lord Steyne stand am Feuer und schlürfte Kaffee. Das Feuer prasselte und loderte prächtig. Auf dem Kaminsims flackerten mehr als ein Dutzend Lichter in altmodischen Leuchtern, vergoldet, aus Bronze oder Porzellan. Rebekkas Gestalt auf dem großgeblümten Sofa wurde durch dieses Licht wundervoll beleuchtet. Sie trug ein rosa Kleid, das so frisch wie eine Rose aussah; ihre blendendweißen Arme und Schultern waren halb bedeckt von einem dünnen wolkigen Schal, der alles durchschimmern ließ; das Haar hing ihr lockig in den Nacken; ein Füßchen lugte aus den frischen knisternden Seidenfalten hervor – es war das hübscheste kleine Füßchen in der hübschesten kleinen Sandale und den feinsten Seidenstrümpfen der Welt.   The great Lord of Steyne was standing by the fire sipping coffee. The fire crackled and blazed pleasantly There was a score of candles sparkling round the mantel piece, in all sorts of quaint sconces, of gilt and bronze and porcelain. They lighted up Rebecca’s figure to admiration, as she sat on a sofa covered with a pattern of gaudy flowers. She was in a pink dress that looked as fresh as a rose; her dazzling white arms and shoulders were half-covered with a thin hazy scarf through which they sparkled; her hair hung in curls round her neck; one of her little feet peeped out from the fresh crisp folds of the silk: the prettiest little foot in the prettiest little sandal in the finest silk stocking in the world. Die Kerzen beleuchteten Lord Steynes glänzenden, von roten Haaren umrahmten Kahlkopf. Er hatte dicke, buschige Augenbrauen über kleinen, zwinkernden, geröteten Augen, die von tausend Fältchen umgeben waren. Sein Kiefer war weit vorgeschoben, und wenn er lachte, zeigte er zwei große, weiße, vorstehende Zähne, die raubtierhaft durch das Grinsen funkelten. Er hatte mit königlichen Herrschaften gespeist und trug den Hosenbandorden mit dem breiten Band. Seine Lordschaft war von kleiner Statur, mit breiter Brust und Säbelbeinen, war aber stolz auf seine schönen Füße und Fesseln. Er hatte die Gewohnheit, das Knie, an dem er den Orden trug, zu streicheln.   The candles lighted up Lord Steyne’s shining bald head, which was fringed with red hair. He had thick bushy eyebrows, with little twinkling bloodshot eyes, surrounded by a thousand wrinkles. His jaw was underhung, and when he laughed, two white buck-teeth protruded themselves and glistened savagely in the midst of the grin. He had been dining with royal personages, and wore his garter and ribbon. A short man was his Lordship, broad-chested and bow-legged, but proud of the fineness of his foot and ankle, and always caressing his garter-knee. »Der Schäfer genügt also nicht, um sein Lämmchen zu beschützen?« fragte er.   “And so the shepherd is not enough,” said he, “to defend his lambkin?” »Der Schäfer spielt zu gern Karten und geht zu gern in die Klubs«, erwiderte Becky lachend.   “The shepherd is too fond of playing at cards and going to his clubs,” answered Becky, laughing. »Gott, was für ein Wüstling von Corydon«, rief der Lord. »Welcher Mund für eine Hirtenflöte!«     “’Gad, what a debauched Corydon!” said my lord — "what a mouth for a pipe!” »Ich nehme Ihre Wette drei gegen zwei an«, sagte Rawdon am Spieltisch.   “I take your three to two,” here said Rawdon, at the card-table. »Hören Sie nur den Meliböus«, knurrte der Marquis; »er ist ganz schäferlich beschäftigt; er schert einen Southdown. Was für ein unschuldiges Schäfchen, nicht wahr? Verdammt, was für ein schneeiges Vlies!«   “Hark at Meliboeus,” snarled the noble marquis; “he’s pastorally occupied too: he’s shearing a Southdown. What an innocent mutton, hey? Damme, what a snowy fleece!” Aus Rebekkas Augen schossen höhnische Blitze. »Mein Herr«, sagte sie, »auch Sie sind ein Ritter dieses Ordens.« Er trug wirklich das Goldene Vlies um den Hals, das er von dem wieder eingesetzten König von Spanien erhalten hatte.   Rebecca’s eyes shot out gleams of scornful humour. “My lord,” she said, “you are a knight of the Order.” He had the collar round his neck, indeed — a gift of the restored princes of Spain. Lord Steyne war in früheren Jahren wegen seines kühnen und glücklichen Spieles bekannt gewesen. Er hatte mit Mr. Fox zwei Tage und Nächte beim Hasardspiel gesessen. Den erlauchtesten Persönlichkeiten im Reich hatte er Geld abgewonnen und seine Marquiswürde, so hieß es, am Spieltisch gewonnen. Er liebte aber keine Anspielungen auf diese fredaines. Rebekka sah, daß sich ein Unwetter auf seiner Stirn zusammenbraute. Sie stand von ihrem Sofa auf und nahm ihm mit einem kleinen Knicks die Kaffeetasse aus der Hand. »Ja«, sagte sie, »ich muß mir einen Wachhund anschaffen, aber Sie wird er nicht anbellen.«   Lord Steyne in early life had been notorious for his daring and his success at play. He had sat up two days and two nights with Mr. Fox at hazard. He had won money of the most august personages of the realm: he had won his marquisate, it was said, at the gaming-table; but he did not like an allusion to those bygone fredaines. Rebecca saw the scowl gathering over his heavy brow. She rose up from her sofa and went and took his coffee cup out of his hand with a little curtsey. “Yes,” she said, “I must get a watchdog. But he won’t bark at you . Damit ging sie in den anderen Salon, setzte sich ans Klavier und fing an, mit so bezaubernder und ergreifender Stimme französische Liedchen zu singen, daß ihr der besänftigte Edelmann eilig in das Zimmer folgte, und schon konnte man ihn sehen, wie er, über sie geneigt, mit dem Kopf den Takt nickte.   And, going into the other drawing-room, she sat down to the piano and began to sing little French songs in such a charming, thrilling voice that the mollified nobleman speedily followed her into that chamber, and might be seen nodding his head and bowing time over her. Unterdessen spielte Rawdon mit seinem Freund Ekarté, bis sie genug hatten. Der Oberst gewann. Aber wenn er auch noch soviel und häufig gewann, so mußten doch Nächte wie diese, die es mehrmals in der Woche gab, für den ehemaligen Gardisten recht langweilig sein, denn seiner Frau allein galt alle Unterhaltung und Bewunderung, während er schweigend außerhalb des Kreises saß und von den Scherzen, Anspielungen und mystischen Äußerungen nichts verstand.   Rawdon and his friend meanwhile played ecarte until they had enough. The Colonel won; but, say that he won ever so much and often, nights like these, which occurred many times in the week — his wife having all the talk and all the admiration, and he sitting silent without the circle, not comprehending a word of the jokes, the allusions, the mystical language within — must have been rather wearisome to the ex-dragoon. »Wie geht es Mrs. Crawleys Mann?« pflegte Lord Steyne ihn zu fragen, wenn sie sich trafen, und das war jetzt sein Lebensberuf. Er war nicht mehr Oberst Crawley. Er war Mrs. Crawleys Ehemann.   “How is Mrs. Crawley’s husband?” Lord Steyne used to say to him by way of a good day when they met; and indeed that was now his avocation in life. He was Colonel Crawley no more. He was Mrs. Crawley’s husband. Wenn bis jetzt noch nichts über den kleinen Rawdon gesagt worden ist, so nur deshalb, weil er sich irgendwo in einer Bodenkammer verborgen hat oder die Treppe hinab in die Küche gekrochen kam, um Gesellschaft zu suchen. Seine Mutter nahm fast nie Notiz von ihm. Er verbrachte die Tage mit seiner französischen Bonne, solange diese bei Familie Crawley blieb, und als die Französin fortging, erbarmte sich in der Kammer nebenan ein Dienstmädchen des in der Einsamkeit der Nacht weinenden kleinen Burschen, holte ihn aus dem abgeschiedenen Kinderzimmer in ihr Bett und tröstete ihn.   About the little Rawdon, if nothing has been said all this while, it is because he is hidden upstairs in a garret somewhere, or has crawled below into the kitchen for companionship. His mother scarcely ever took notice of him. He passed the days with his French bonne as long as that domestic remained in Mr. Crawley’s family, and when the Frenchwoman went away, the little fellow, howling in the loneliness of the night, had compassion taken on him by a housemaid, who took him out of his solitary nursery into her bed in the garret hard by and comforted him. Rebekka, Lord Steyne und ein paar andere Herren tranken eines Abends nach der Oper im Salon Tee, als sein Weinen sich oben vernehmen ließ. »Es ist mein Cherub, der nach seiner Amme schreit«, sagte sie, machte aber keine Anstalten, nach dem Kinde zu sehen. »Beunruhigen Sie Ihre Gefühle nur nicht und sehen Sie etwa nach ihm!« sagte Lord Steyne höhnisch. »Pah!« erwiderte sie mit einer Spur von Erröten, »er wird sich schon in den Schlaf schreien«, und sie fuhren in ihrem Gespräch über die Oper fort.   Rebecca, my Lord Steyne, and one or two more were in the drawing-room taking tea after the opera, when this shouting was heard overhead. “It’s my cherub crying for his nurse,” she said. She did not offer to move to go and see the child. “Don’t agitate your feelings by going to look for him,” said Lord Steyne sardonically. “Bah!” replied the other, with a sort of blush, “he’ll cry himself to sleep”; and they fell to talking about the opera. Rawdon hatte sich jedoch hinaufgeschlichen, um nach seinem Sohn und Erben zu sehen, und kam zu der Gesellschaft zurück, als er feststellte, daß die gute Dolly das Kind tröstete. Das Ankleidezimmer des Obersten befand sich in diesen oberen Regionen, und dort traf er den Knaben heimlich. Sie unterhielten sich jeden Morgen, wenn er sich rasierte, und Rawdon junior saß dann auf einem Kasten neben seinem Vater und sah der Handlung mit nie enden wollender Freude zu. Sie waren beide gute Freunde. Der Vater brachte ihm oft Konfekt vom Dessert hoch und versteckte es in einem bestimmten alten Epaulettenkasten. Dort suchte das Kind die Süßigkeiten und lachte vor Vergnügen, wenn es den Schatz entdeckte – lachte aber nicht zu laut, denn Mama schlief unten und durfte nicht gestört werden. Sie ging erst sehr spät zu Bett und stand selten vor Mittag auf.   Rawdon had stolen off though, to look after his son and heir; and came back to the company when he found that honest Dolly was consoling the child. The Colonel’s dressing-room was in those upper regions. He used to see the boy there in private. They had interviews together every morning when he shaved; Rawdon minor sitting on a box by his father’s side and watching the operation with never-ceasing pleasure. He and the sire were great friends. The father would bring him sweetmeats from the dessert and hide them in a certain old epaulet box, where the child went to seek them, and laughed with joy on discovering the treasure; laughed, but not too loud: for mamma was below asleep and must not be disturbed. She did not go to rest till very late and seldom rose till after noon. Rawdon kaufte dem Jungen eine Menge Bilderbücher und stopfte das Kinderzimmer mit Spielzeug voll. Die Wände waren mit Bildern bedeckt, die sein Vater mit barem Geld gekauft und eigenhändig aufgeklebt hatte. Wenn er nicht Mrs. Rawdon in den Park begleiten mußte, saß er hier stundenlang bei seinem Sohn, der dann auf seiner Brust ritt und an seinem großen Schnurrbart riß, als wären es Zügel. Ganze Tage brachte er in unermüdlichem Spiel mit ihm zu. Das Zimmer war niedrig, und einmal, als das Kind noch nicht fünf Jahre alt war, warf der Vater es so wild in die Höhe, daß der arme kleine Bursche heftig mit dem Kopf gegen die Decke stieß, worauf ihn der Vater vor Schreck über das Unglück fast fallen ließ.   Rawdon bought the boy plenty of picture-books and crammed his nursery with toys. Its walls were covered with pictures pasted up by the father’s own hand and purchased by him for ready money. When he was off duty with Mrs. Rawdon in the park, he would sit up here, passing hours with the boy; who rode on his chest, who pulled his great mustachios as if they were driving-reins, and spent days with him in indefatigable gambols. The room was a low room, and once, when the child was not five years old, his father, who was tossing him wildly up in his arms, hit the poor little chap’s skull so violently against the ceiling that he almost dropped the child, so terrified was he at the disaster. Rawdon junior hatte das Gesicht schon zu einem entsetzlichen Gebrüll verzogen, und die Heftigkeit des Stoßes berechtigte ihn auch dazu. Als er aber gerade anfangen wollte, unterbrach ihn der Vater:   Rawdon minor had made up his face for a tremendous howl — the severity of the blow indeed authorized that indulgence; but just as he was going to begin, the father interposed. »Um Gottes willen, Rawdy, weck die Mama bloß nicht!« Hierauf blickte das Kind seinen Vater scharf und mitleidig an, biß sich auf die Lippen, ballte die Hände und gab keinen Laut von sich. Rawdon erzählte diese Geschichte jedermann in den Klubs, in der Offiziersmesse und in der ganzen Stadt. »Bei Gott, Sir«, erklärte er allgemein seinem Publikum, »was für ein mutiger Bursche mein Junge ist, was für ein Prachtkerl! Ich habe ihn mit dem Kopfe fast durch die Decke gestoßen, bei Gott, aber er hat nicht geschrien, weil er die Mutter nicht wecken wollte.«   “For God’s sake, Rawdy, don’t wake Mamma,” he cried. And the child, looking in a very hard and piteous way at his father, bit his lips, clenched his hands, and didn’t cry a bit. Rawdon told that story at the clubs, at the mess, to everybody in town. “By Gad, sir,” he explained to the public in general, “what a good plucked one that boy of mine is — what a trump he is! I half-sent his head through the ceiling, by Gad, and he wouldn’t cry for fear of disturbing his mother.” Manchmal, etwa ein- oder zweimal in der Woche, besuchte die Dame die oberen Regionen, wo das Kind wohnte. Sie kam wie eine lebendige Gestalt aus dem »Magazin des Modes«, freundlich lächelnd, in den schönsten neuen Kleidern, Handschuhen und Stiefelchen. Wundervolle Schärpen, Spitzen und Juwelen glänzten an ihr. Stets hatte sie einen neuen Hut auf, auf dem ewig Blumen blühten oder prächtige Straußenfedern, weich und weiß wie Kamelien, schaukelten. Sie nickte dem kleinen Jungen, der von seinem Essen oder den Soldaten aufblickte, die er gerade malte, ein paarmal gnädig zu. Wenn sie das Zimmer verließ, so schwebte darin ein Hauch von Rosen oder irgendein anderer zauberischer Duft. In seinen Augen war sie ein überirdisches Wesen, höher als sein Vater und die ganze Welt, das nur aus der Ferne angebetet und bewundert werden durfte. Es war für ihn ein schauerliches Glück, mit dieser Dame im Wagen auszufahren. Er saß dann auf dem Rücksitz und wagte kein Wort zu sprechen, sondern starrte nur mit großen Augen auf die wundervoll geputzte Prinzessin ihm gegenüber. Herren auf glänzenden stolzen Pferden sprengten heran und lächelten und sprachen mit ihr. Wie ihre Augen sie alle anstrahlten. Mit bebender Hand winkte sie ihnen graziös zu, wenn sie vorüberritten. Wenn er mit ihr ausfuhr, so hatte er seinen neuen roten Anzug an; zu Hause war sein alter brauner Leinenkittel gut genug. Zuweilen, wenn sie fort war und Dolly das Bett machte, ging er in das Zimmer seiner Mutter; dieses erschien ihm wie die Wohnstätte einer Fee, ein geheimnisvoller Ort der Pracht und des Entzückens. Dort, in der Garderobe, hingen jene wundervollen Kleider – blaue, rosa und bunte. Da, auf dem Toilettentisch, standen der Schmuckkasten mit dem silbernen Schloß und die geheimnisvolle Bronzehand, über und über funkelnd von hundert Ringen. Hier war der Drehspiegel, dieses Wunderwerk der Kunst, in dem er gerade sein eigenes erstauntes Gesicht erblicken konnte und Dollys Bild (seltsam verzerrt und als ob es von der Decke käme), wie sie die Kissen aufschüttelte und glattstrich. O du armer, einsamer, unwissender Knabe! Auf den Lippen und im Herzen von kleinen Kindern ist Mutter der Name für Gott, und hier war einer, der einen Stein anbetete!   Sometimes — once or twice in a week — that lady visited the upper regions in which the child lived. She came like a vivified figure out of the Magasin des Modes — blandly smiling in the most beautiful new clothes and little gloves and boots. Wonderful scarfs, laces, and jewels glittered about her. She had always a new bonnet on, and flowers bloomed perpetually in it, or else magnificent curling ostrich feathers, soft and snowy as camellias. She nodded twice or thrice patronizingly to the little boy, who looked up from his dinner or from the pictures of soldiers he was painting. When she left the room, an odour of rose, or some other magical fragrance, lingered about the nursery. She was an unearthly being in his eyes, superior to his father — to all the world: to be worshipped and admired at a distance. To drive with that lady in the carriage was an awful rite: he sat up in the back seat and did not dare to speak: he gazed with all his eyes at the beautifully dressed Princess opposite to him. Gentlemen on splendid prancing horses came up and smiled and talked with her. How her eyes beamed upon all of them! Her hand used to quiver and wave gracefully as they passed. When he went out with her he had his new red dress on. His old brown holland was good enough when he stayed at home. Sometimes, when she was away, and Dolly his maid was making his bed, he came into his mother’s room. It was as the abode of a fairy to him — a mystic chamber of splendour and delights. There in the wardrobe hung those wonderful robes — pink and blue and many-tinted. There was the jewel-case, silver-clasped, and the wondrous bronze hand on the dressing-table, glistening all over with a hundred rings. There was the cheval-glass, that miracle of art, in which he could just see his own wondering head and the reflection of Dolly (queerly distorted, and as if up in the ceiling), plumping and patting the pillows of the bed. Oh, thou poor lonely little benighted boy! Mother is the name for God in the lips and hearts of little children; and here was one who was worshipping a stone! Rawdon Crawley nun war zwar ein lockerer Vogel, trug aber männliche Gefühle der Zuneigung im Herzen und war noch in der Lage, ein Kind und eine Frau zu lieben. Er fühlte für Rawdon junior eine große geheime Zärtlichkeit, was Rebekka nicht entging, obwohl sie es ihm gegenüber nie erwähnte. Sie ärgerte sich nicht darüber, denn dazu war sie zu gutmütig. Aber sie verachtete ihn deswegen noch gründlicher. Er schämte sich irgendwie wegen dieser väterlichen Weichherzigkeit und verbarg sie vor seiner Frau. Nur wenn er mit dem Knaben allein war, überließ er sich dieser Empfindung.   Now Rawdon Crawley, rascal as the Colonel was, had certain manly tendencies of affection in his heart and could love a child and a woman still. For Rawdon minor he had a great secret tenderness then, which did not escape Rebecca, though she did not talk about it to her husband. It did not annoy her: she was too good-natured. It only increased her scorn for him. He felt somehow ashamed of this paternal softness and hid it from his wife — only indulging in it when alone with the boy. Oft ging er morgens mit ihm in die Ställe und in den Park. Der kleine Lord Southdown, ein sehr gutmütiger Mensch, der seinen Hut vom Kopf verschenkt haben würde und dessen Hauptbeschäftigung im Leben darin bestand, Kleinigkeiten zu kaufen und sie später wieder zu verschenken, kaufte dem kleinen Burschen ein Pony, nicht viel größer als eine ausgewachsene Ratte, wie der Geber sagte, und dem großen Vater des jungen Rawdon machte es Spaß, den Knaben auf diesen kleinen schwarzen Shetlandzwerg zu setzen und neben ihm her im Park spazierenzugehen. Es machte ihm auch Spaß, sein altes Quartier und seine alten Kameraden von der Garde in Knightsbridge zu sehen, denn er hatte angefangen, mit etwas wie Bedauern an seine Junggesellenzeit zurückzudenken. Die alten Soldaten freuten sich, ihren früheren Offizier wiederzusehen und den kleinen Oberst hätscheln zu können. Oberst Crawley fand das Speisen in der Offiziersmesse mit seinen Kameraden sehr vergnüglich. »Zum Henker«, pflegte er zu sagen, »ich bin nicht gescheit genug für sie, das weiß ich. Sie wird mich schon nicht vermissen.« Und er hatte recht, seine Frau vermißte ihn nicht.   He used to take him out of mornings when they would go to the stables together and to the park. Little Lord Southdown, the best-natured of men, who would make you a present of the hat from his head, and whose main occupation in life was to buy knick-knacks that he might give them away afterwards, bought the little chap a pony not much bigger than a large rat, the donor said, and on this little black Shetland pygmy young Rawdon’s great father was pleased to mount the boy, and to walk by his side in the park. It pleased him to see his old quarters, and his old fellow-guardsmen at Knightsbridge: he had begun to think of his bachelorhood with something like regret. The old troopers were glad to recognize their ancient officer and dandle the little colonel. Colonel Crawley found dining at mess and with his brother-officers very pleasant. “Hang it, I ain’t clever enough for her — I know it. She won’t miss me,” he used to say: and he was right, his wife did not miss him. Rebekka hatte ihren Mann gern, sie war stets freundlich und gutgelaunt gegen ihn, sie zeigte ihm nicht einmal deutlich ihre Verachtung und hatte ihn wahrscheinlich um so lieber, weil er ein Narr war. Er war ihr erster Diener und maître d'hôtel. Er besorgte ihre Aufträge, gehorchte, ohne zu fragen, ihren Befehlen, fuhr sie ohne Widerrede in den Park, brachte sie in ihre Opernloge, entschädigte sich während der Vorstellung in seinem Klub und holte sie pünktlich wieder ab. Es hätte ihn gefreut, wenn sie den Knaben ein bißchen mehr geliebt hätte, aber selbst damit söhnte er sich aus. »Zum Henker, wissen Sie, sie ist so klug«, sagte er, »und ich bin nicht literarisch beschlagen und all so was.« Wie schon gesagt, gehört nicht große Weisheit dazu, beim Kartenspiel und Billard zu gewinnen, und Rawdon erhob keinen Anspruch auf Fertigkeiten anderer Art.   Rebecca was fond of her husband. She was always perfectly good-humoured and kind to him. She did not even show her scorn much for him; perhaps she liked him the better for being a fool. He was her upper servant and maitre d’hotel. He went on her errands; obeyed her orders without question; drove in the carriage in the ring with her without repining; took her to the opera-box, solaced himself at his club during the performance, and came punctually back to fetch her when due. He would have liked her to be a little fonder of the boy, but even to that he reconciled himself. “Hang it, you know she’s so clever,” he said, “and I’m not literary and that, you know.” For, as we have said before, it requires no great wisdom to be able to win at cards and billiards, and Rawdon made no pretensions to any other sort of skill. Als die Gesellschafterin kam, wurden seine häuslichen Pflichten leichter. Seine Frau ermunterte ihn, auswärts zu speisen, und erließ ihm auch den Operndienst. »Bleibe heute abend nicht zu Hause und langweile dich, mein Lieber«, pflegte sie zu sagen. »Es werden ein paar Männer kommen, die dich bloß anöden werden. Ich würde sie nicht einladen, aber du weißt, es ist nur zu deinem Besten, jetzt, wo ich einen Schäferhund habe, brauche ich mich nicht mehr zu ängstigen, wenn ich allein bin.«   When the companion came, his domestic duties became very light. His wife encouraged him to dine abroad: she would let him off duty at the opera. “Don’t stay and stupefy yourself at home to-night, my dear,” she would say. “Some men are coming who will only bore you. I would not ask them, but you know it’s for your good, and now I have a sheep-dog, I need not be afraid to be alone.” Ein Schäferhund, eine Gesellschafterin! Becky Sharp mit einer Gesellschafterin! Ist das nicht ein guter Witz? dachte Mrs. Crawley im Innern. Der Gedanke kitzelte ihren Sinn für das Komische ungemein.   “A sheep-dog — a companion! Becky Sharp with a companion! Isn’t it good fun?” thought Mrs. Crawley to herself. The notion tickled hugely her sense of humour. An einem Sonntagmorgen, als Rawdon Crawley, sein kleiner Sohn und das Pony ihren üblichen Spaziergang im Park machten, trafen sie einen alten Bekannten des Obersten, Korporal Clink vom Regiment, der sich mit einem Freund, einem alten Herrn, unterhielt. Dieser Herr trug einen Knaben ungefähr im Alter des kleinen Rawdon auf den Armen. Der Knabe hatte die Waterloomedaille, die der Korporal trug, ergriffen und untersuchte sie mit Entzücken.   One Sunday morning, as Rawdon Crawley, his little son, and the pony were taking their accustomed walk in the park, they passed by an old acquaintance of the Colonel’s, Corporal Clink, of the regiment, who was in conversation with a friend, an old gentleman, who held a boy in his arms about the age of little Rawdon. This other youngster had seized hold of the Waterloo medal which the Corporal wore, and was examining it with delight. »Guten Morgen, Euer Gnaden«, antwortete Clink auf die Begrüßung des Obersten. »Dieser junge Herr hier muß wohl im gleichen Alter sein wie der kleine Oberst«, fuhr der Korporal fort.   “Good morning, your Honour,” said Clink, in reply to the “How do, Clink?” of the Colonel. “This ere young gentleman is about the little Colonel’s age, sir,” continued the corporal. »Sein Vater hat ebenfalls bei Waterloo gekämpft«, sagte der alte Herr, der den Knaben trug, »nicht wahr, Georgy?«    “His father was a Waterloo man, too,” said the old gentleman, who carried the boy. “Wasn’t he, Georgy?” »Ja«, bestätigte Georgy. Er und der kleine Bursche auf dem Pony blickten einander mit großen Augen an und schätzten einander ernsthaft ab, wie Kinder es gewöhnlich tun.   “Yes,” said Georgy. He and the little chap on the pony were looking at each other with all their might — solemnly scanning each other as children do. »In einem Linienregiment«, sagte Clink mit Gönnermiene.   “In a line regiment,” Clink said with a patronizing air. »Er war Hauptmann im ...ten Regiment«, verkündete der alte Herr stolz. »Hauptmann George Osborne, vielleicht haben Sie ihn gekannt. Er starb den Heldentod im Kampf gegen den korsischen Tyrannen.« Oberst Crawley errötete bis unter die Haarwurzeln. »Ich kannte ihn sehr gut«, sagte er, »und seine Frau, seine liebe kleine Frau, wie geht es ihr?«   “He was a Captain in the — th regiment,” said the old gentleman rather pompously. “Captain George Osborne, sir — perhaps you knew him. He died the death of a hero, sir, fighting against the Corsican tyrant.” Colonel Crawley blushed quite red. “I knew him very well, sir,” he said, “and his wife, his dear little wife, sir — how is she?” »Sie ist meine Tochter, Sir«, sagte der alte Herr, setzte den Knaben ab und zog feierlich eine Karte heraus, die er dem Oberst übergab. Darauf stand zu lesen: »Mr. Sedley, alleiniger Vertreter für die Schwarze Diamant- und Anti-Aschenkohlen-Gesellschaft, Bunker's Wharf, Thames Street und Anna-Maria Cottages, Fulham Road West.«   “She is my daughter, sir,” said the old gentleman, putting down the boy and taking out a card with great solemnity, which he handed to the Colonel. On it written: “Mr. Sedley, Sole Agent for the Black Diamond and Anti-Cinder Coal Association, Bunker’s Wharf, Thames Street, and Anna-Maria Cottages, Fulham Road West.” Der kleine Georgy trat heran und schaute sich das Shetlandpony an.   Little Georgy went up and looked at the Shetland pony. »Möchtest du mal reiten?« fragte Rawdon junior vom Sattel herunter.   “Should you like to have a ride?” said Rawdon minor from the saddle. »Ja«, antwortete Georgy. Der Oberst, der den Knaben mit Interesse betrachtet hatte, hob ihn hoch und setzte ihn hinter Rawdon junior auf das Pony.   “Yes,” said Georgy. The Colonel, who had been looking at him with some interest, took up the child and put him on the pony behind Rawdon minor. »Halt dich fest, Georgy«, sagte er, »faß meinen kleinen Knaben um, er heißt Rawdon.« Beide Kinder fingen an zu lachen.   “Take hold of him, Georgy,” he said — "take my little boy round the waist — his name is Rawdon.” And both the children began to laugh. »Man kann, glaube ich, an diesem Sommertag kein hübscheres Pärchen zu Gesicht bekommen«, sagte der gutmütige Korporal, und der Oberst, der Korporal und der alte Mr. Sedley mit seinem Regenschirm spazierten neben den Kindern weiter.   “You won’t see a prettier pair I think, this summer’s day, sir,” said the good-natured Corporal; and the Colonel, the Corporal, and old Mr. Sedley with his umbrella, walked by the side of the children. 38. Kapitel / Chapter 38 Eine Familie in bescheidenen Verhältnissen / A Family in a Very Small Way Wir dürfen nun annehmen, daß der kleine George Osborne von Knightsbridge nach Fulham geritten ist, und wollen in diesem Dorf anhalten und uns nach ein paar Freunden, die wir hier zurückgelassen haben, erkundigen. Wie geht es Mrs. Amelia nach dem Sturm von Waterloo? Lebt sie und geht es ihr einigermaßen gut? Was ist aus Major Dobbin geworden, dessen Wagen sich stets in der Nähe ihrer Wohnung herumtrieb? Und gibt es Nachrichten über den Steuereinnehmer von Boggley Wollah? Das, was wir von diesem wissen, ist kurz folgendes:   We must suppose little George Osborne has ridden from Knightsbridge towards Fulham, and will stop and make inquiries at that village regarding some friends whom we have left there. How is Mrs. Amelia after the storm of Waterloo? Is she living and thriving? What has come of Major Dobbin, whose cab was always hankering about her premises? And is there any news of the Collector of Boggley Wollah? The facts concerning the latter are briefly these: Unser würdiger dicker Freund Joseph Sedley kehrte nicht lange nach seiner Flucht von Brüssel nach Indien zurück. Entweder war sein Urlaub abgelaufen, oder er befürchtete, Zeugen seiner Waterlooflucht zu treffen. Wie dem auch sei, er kehrte bald nach Bengalen zu seinen Berufspflichten zurück, nachdem Napoleon seine Residenz auf Sankt Helena aufgeschlagen hatte, wo Joseph den Exkaiser sah. Nach dem, was Mr. Sedley auf dem Schiff verlauten ließ, hätte man glauben können, daß es nicht das erstemal war, daß er und der Korse einander getroffen hatten, und daß der Zivilist dem französischen Kaiser schon am Mont Saint-Jean Trotz geboten habe. Er wußte tausend Anekdoten über die berühmten Schlachten, er kannte die Aufstellung eines jeden Regiments und die Verluste, die sie erlitten hatten. Er leugnete nicht, an den Siegen beteiligt gewesen zu sein, daß er bei der Armee gewesen sei und Depeschen für den Herzog von Wellington überbracht habe. Was der Herzog in jedem erdenklichen Augenblick am Tag von Waterloo getan und gesagt hatte, beschrieb er mit so genauer Kenntnis von den Gefühlen und Handlungen Seiner Hoheit, daß es für alle offensichtlich war: den ganzen Tag über hatte er sich an der Seite des Siegers befunden. Dabei war sein Name als der eines Nichtkämpfers in den öffentlichen Dokumenten über die Schlacht nicht erwähnt worden. Vielleicht glaubte er am Ende selbst, daß er etwas mit der Armee zu tun gehabt hatte; gewiß ist wenigstens, daß er in Kalkutta eine Zeitlang ungeheueres Aufsehen erregte und während seines ganzen Aufenthalts in Bengalen Waterloo-Sedley genannt wurde.   Our worthy fat friend Joseph Sedley returned to India not long after his escape from Brussels. Either his furlough was up, or he dreaded to meet any witnesses of his Waterloo flight. However it might be, he went back to his duties in Bengal very soon after Napoleon had taken up his residence at St. Helena, where Jos saw the ex-Emperor. To hear Mr. Sedley talk on board ship you would have supposed that it was not the first time he and the Corsican had met, and that the civilian had bearded the French General at Mount St. John. He had a thousand anecdotes about the famous battles; he knew the position of every regiment and the loss which each had incurred. He did not deny that he had been concerned in those victories — that he had been with the army and carried despatches for the Duke of Wellington. And he described what the Duke did and said on every conceivable moment of the day of Waterloo, with such an accurate knowledge of his Grace’s sentiments and proceedings that it was clear he must have been by the conqueror’s side throughout the day; though, as a non-combatant, his name was not mentioned in the public documents relative to the battle. Perhaps he actually worked himself up to believe that he had been engaged with the army; certain it is that he made a prodigious sensation for some time at Calcutta, and was called Waterloo Sedley during the whole of his subsequent stay in Bengal. Die Wechsel, die Joseph für jene unglückseligen Pferde ausgestellt hatte, wurden von ihm und seinen Beauftragten ohne Widerrede bezahlt. Niemals hörte man ihn auf den Handel anspielen, und niemand kann mit Gewißheit sagen, was aus den Pferden geworden ist und wie er sie und Isidor, seinen belgischen Diener, los wurde. Man weiß nur, daß dieser einen Grauschimmel, der dem sehr ähnelte, auf dem Joseph geritten war, im Herbst 1815 in Valenciennes verkaufte.   The bills which Jos had given for the purchase of those unlucky horses were paid without question by him and his agents. He never was heard to allude to the bargain, and nobody knows for a certainty what became of the horses, or how he got rid of them, or of Isidor, his Belgian servant, who sold a grey horse, very like the one which Jos rode, at Valenciennes sometime during the autumn of 1815. Josephs Beauftragte in London mußten seinen Eltern in Fulham jährlich hundertundzwanzig Pfund auszahlen. Das waren die Hauptmittel des alten Paares, denn Mr. Sedleys Spekulationen nach seinem Bankrott verhalfen dem alten Herrn auf keinen Fall wieder zu Vermögen. Er versuchte sich im Weinhandel, im Kohlenhandel, als Lotterieeinnehmer auf Kommission und so weiter und so fort. Jedesmal, wenn er ein neues Geschäft anfing, schickte er Prospekte an seine Freunde, bestellte eine neue Messingplatte für seine Tür und versicherte großsprecherisch, daß er doch noch sein Glück machen werde. Aber Fortuna kam nie zu dem schwachen, gebeugten Greis zurück. Seine Freunde waren müde, teure Kohlen und schlechten Wein von ihm zu kaufen, und fielen einer nach dem anderen von ihm ab. Und wenn er morgens mit schwankenden Schritten in die City ging, war seine Frau die einzige auf der Welt, die glaubte, er mache dort Geschäfte. Abends schleppte er sich langsam nach Hause und ging dann in einen kleinen Klub in einem Wirtshaus, wo er die Finanzen des Staates lenkte. Es war wunderbar, ihn über Millionen und Börsengeschäfte und Diskonti und über das, was Rothschild und die Gebrüder Baring unternahmen, reden zu hören. Er sprach von so ungeheuren Summen, daß die Herren im Klub (der Apotheker, der Begräbnisunternehmer, der große Zimmermann und Baumeister, der Gemeindeschreiber, der die Erlaubnis hatte, den Klub zu besuchen, und unser alter Bekannter, Mr. Clapp) Respekt vor dem Alten hatten. »Ich habe einst bessere Verhältnisse gesehen«, erklärte er unweigerlich allen Stammgästen. »Mein Sohn ist jetzt erster Beamter von Ramgunge in der Präsidentschaft Bengalen und bekommt monatlich seine viertausend Rupien. Meine Tochter könnte einen Oberst heiraten, wenn sie nur wollte. Ich könnte morgen auf meinen Sohn, den ersten Beamten, einen Wechsel von zweitausend Pfund ausstellen, und Alexander würde ihn mir auf der Stelle einlösen, auf der Stelle. Aber die Sedleys sind schon immer eine stolze Familie gewesen.« Du und ich, lieber Leser, auch wir können eines Tages in diesen Zustand hinabsinken, denn ist es nicht vielen unserer Freunde so gegangen? Unser Glück kann sich abwenden, unsere Kräfte uns verlassen, unsere Partie auf der Bühne von besseren und jüngeren Schauspielern übernommen werden – das Leben kann uns überrollen und uns zerschmettert und gestrandet zurücklassen. Die Menschen werden dann bei deinem Anblick auf die andere Straßenseite gehen oder, noch schlimmer, dir ein paar Finger hinhalten und dich mitleidig begönnern. Aber du weißt, daß deine Freunde, sobald du den Rücken gewendet hast, sagen: »Der arme Teufel; was für Torheiten er doch begangen hat – welche Vorteile der Mensch sich doch hat entgehen lassen!« – Nun, eine Kutsche und dreitausend pro Jahr sind nicht der höchste Lohn noch das letzte Zeichen von Gottes Urteil über den Menschen. Solange Scharlatane ebensooft Glück haben, wie sie scheitern, solange Spaßmacher Erfolg haben und Schurken zu Vermögen kommen, und umgekehrt, und solange sie ihren Anteil an Glück und Unglück nicht mehr und nicht weniger zugemessen bekommen wie die Besten und Fähigsten unter uns – solange, Bruder, können wir kein großes Gewicht auf die Gaben und Freuden des Jahrmarkts der Eitelkeit legen, und wahrscheinlich... doch wir schweifen von unserer Geschichte ab.   Jos’s London agents had orders to pay one hundred and twenty pounds yearly to his parents at Fulham. It was the chief support of the old couple; for Mr. Sedley’s speculations in life subsequent to his bankruptcy did not by any means retrieve the broken old gentleman’s fortune. He tried to be a wine-merchant, a coal-merchant, a commission lottery agent, \&c., \&c. He sent round prospectuses to his friends whenever he took a new trade, and ordered a new brass plate for the door, and talked pompously about making his fortune still. But Fortune never came back to the feeble and stricken old man. One by one his friends dropped off, and were weary of buying dear coals and bad wine from him; and there was only his wife in all the world who fancied, when he tottered off to the City of a morning, that he was still doing any business there. At evening he crawled slowly back; and he used to go of nights to a little club at a tavern, where he disposed of the finances of the nation. It was wonderful to hear him talk about millions, and agios, and discounts, and what Rothschild was doing, and Baring Brothers. He talked of such vast sums that the gentlemen of the club (the apothecary, the undertaker, the great carpenter and builder, the parish clerk, who was allowed to come stealthily, and Mr. Clapp, our old acquaintance,) respected the old gentleman. “I was better off once, sir,” he did not fail to tell everybody who “used the room.” “My son, sir, is at this minute chief magistrate of Ramgunge in the Presidency of Bengal, and touching his four thousand rupees per mensem. My daughter might be a Colonel’s lady if she liked. I might draw upon my son, the first magistrate, sir, for two thousand pounds to-morrow, and Alexander would cash my bill, down sir, down on the counter, sir. But the Sedleys were always a proud family.” You and I, my dear reader, may drop into this condition one day: for have not many of our friends attained it? Our luck may fail: our powers forsake us: our place on the boards be taken by better and younger mimes — the chance of life roll away and leave us shattered and stranded. Then men will walk across the road when they meet you — or, worse still, hold you out a couple of fingers and patronize you in a pitying way — then you will know, as soon as your back is turned, that your friend begins with a “Poor devil, what imprudences he has committed, what chances that chap has thrown away!” Well, well — a carriage and three thousand a year is not the summit of the reward nor the end of God’s judgment of men. If quacks prosper as often as they go to the wall — if zanies succeed and knaves arrive at fortune, and, vice versa, sharing ill luck and prosperity for all the world like the ablest and most honest amongst us — I say, brother, the gifts and pleasures of Vanity Fair cannot be held of any great account, and that it is probable . . . but we are wandering out of the domain of the story. Wenn Mrs. Sedley eine tatkräftige Frau gewesen wäre, so hätte sie das nach dem Ruin ihres Mannes bewiesen. Sie hätte ein großes Haus gemietet und Kostgänger aufgenommen. Der gebrochene Sedley hätte sich ganz gut als Mann der Pensionsmutter ausgenommen und den Munoz des Privatlebens, dem Titel nach den Herrn und Meister, den Vorschneider, Verwalter und bescheidenen Ehemann der Herrscherin gespielt. Ich kenne kluge Männer mit guter Erziehung, die einstmals gute Aussichten und viele Kräfte besaßen und in ihrer Jugend Lords bewirteten und Jagdpferde hielten und die jetzt zänkischen alten Weibern bescheiden Hammelkeulen vorschneiden und vorgeben, den Vorsitz an ihrem traurigen Tisch zu führen. Aber Mrs. Sedley hatte, wie gesagt, nicht die Energie, sich um »auserlesene Hausgenossen für eine heitere musikalische Familie« zu bemühen, wie man es in der »Times« lesen kann. Sie blieb auf dem Strand, wohin sie das Unglück geworfen hatte, liegen, und es war deutlich, daß die Laufbahn des alten Paares beendet war.   Had Mrs. Sedley been a woman of energy, she would have exerted it after her husband’s ruin and, occupying a large house, would have taken in boarders. The broken Sedley would have acted well as the boarding-house landlady’s husband; the Munoz of private life; the titular lord and master: the carver, house-steward, and humble husband of the occupier of the dingy throne. I have seen men of good brains and breeding, and of good hopes and vigour once, who feasted squires and kept hunters in their youth, meekly cutting up legs of mutton for rancorous old harridans and pretending to preside over their dreary tables — but Mrs. Sedley, we say, had not spirit enough to bustle about for “a few select inmates to join a cheerful musical family,” such as one reads of in the Times. She was content to lie on the shore where fortune had stranded her — and you could see that the career of this old couple was over. Ich glaube nicht, daß sie unglücklich waren. Vielleicht waren sie nach ihrem Sturz etwas stolzer als früher im Glück. Für ihre Hauswirtin, Mrs. Clapp, war Mrs. Sedley immer noch eine große Persönlichkeit, wenn sie zu ihr in die Küche herabkam und dort stundenlang mit ihr plauderte. Die Hüte und Bänder des irischen Dienstmädchens Betty Flanagan, ihr Widerspruchsgeist, ihre Trägheit, ihre ungeheure Verschwendung an Küchenkerzen, ihr Verbrauch an Tee und Zucker und so weiter beschäftigten und unterhielten die alte Dame fast ebensosehr wie das Treiben in ihrer früheren Haushaltung, wo sie Sambo und den Kutscher, einen Reitknecht, einen Lakaien und eine Haushälterin mit einem Regiment weiblicher Dienstboten hielt – in ihrem früheren Haushalt, über den die gute Dame täglich hundertmal sprach. Und außer auf Betty Flanagan hatte Mrs. Sedley auch noch auf alle anderen Hausmädchen der Straße aufzupassen. Sie wußte, ob jeder Mieter seine kleine Miete bezahlte oder schuldig blieb. Sie trat zur Seite, wenn Mrs. Rougemont, die Schauspielerin, mit ihrer zweifelhaften Familie an ihr vorüberkam. Sie warf den Kopf in den Nacken, wenn Mrs. Pestler, die Apothekersfrau, in ihres Mannes Einspänner vorbeifuhr. Sie führte lange Gespräche mit dem Gemüsehändler über die Rüben, die Mr. Sedley gern aß. Sie hatte ein Auge auf den Milchmann und den Bäckerjungen und machte Besuche beim Fleischer, und es wurde dort wahrscheinlich um hundert Ochsen weniger Lärm veranstaltet als um Mrs. Sedley einzelne Hammelkeule. Am Sonntag zählte sie dann die Kartoffeln zum Fleisch nach; an diesem Tag ging sie übrigens in ihrem besten Kleid zweimal in die Kirche und las abends in »Blairs Predigten«.   I don’t think they were unhappy. Perhaps they were a little prouder in their downfall than in their prosperity. Mrs. Sedley was always a great person for her landlady, Mrs. Clapp, when she descended and passed many hours with her in the basement or ornamented kitchen. The Irish maid Betty Flanagan’s bonnets and ribbons, her sauciness, her idleness, her reckless prodigality of kitchen candles, her consumption of tea and sugar, and so forth occupied and amused the old lady almost as much as the doings of her former household, when she had Sambo and the coachman, and a groom, and a footboy, and a housekeeper with a regiment of female domestics — her former household, about which the good lady talked a hundred times a day. And besides Betty Flanagan, Mrs. Sedley had all the maids-of-all-work in the street to superintend. She knew how each tenant of the cottages paid or owed his little rent. She stepped aside when Mrs. Rougemont the actress passed with her dubious family. She flung up her head when Mrs. Pestler, the apothecary’s lady, drove by in her husband’s professional one-horse chaise. She had colloquies with the greengrocer about the pennorth of turnips which Mr. Sedley loved; she kept an eye upon the milkman and the baker’s boy; and made visitations to the butcher, who sold hundreds of oxen very likely with less ado than was made about Mrs. Sedley’s loin of mutton: and she counted the potatoes under the joint on Sundays, on which days, dressed in her best, she went to church twice and read Blair’s Sermons in the evening. An diesem Tag gönnte sich der alte Sedley die Freude – denn an Wochentagen hinderten ihn »die Geschäfte« daran  –, seinen kleinen Enkel Georgy in die benachbarten Parks oder in die Kensington Gardens zu führen, um die Soldaten zu sehen oder die Enten zu füttern. Georgy liebte die Rotröcke, und sein Großvater erzählte ihm, daß auch sein Vater ein berühmter Soldat gewesen sei, und machte ihn mit vielen Sergeanten und anderen Soldaten, die Waterloomedaillen auf der Brust trugen, bekannt. Der alte Großvater stellte ihnen das Kind stolz als Sohn des Hauptmanns Osborne vom ...ten Regiment vor, der am ruhmvollen Achtzehnten ruhmvoll gefallen sei. Es hieß sogar, daß er mitunter einige dieser Unteroffiziere zu einem Glas Porter einlud. Bei ihren ersten Sonntagsspaziergängen wollte er den kleinen George verwöhnen und stopfte den Jungen mit Äpfeln und Kuchen voll, sehr zum Nachteil seiner Gesundheit, bis Amelia erklärte, George dürfe nie wieder mit seinem Großpapa ausgehen, wenn dieser nicht feierlich gelobe, dem Kinde künftig keine Kuchen, Bonbons oder anderes Zeug von den Marktbuden zu geben.   On that day, for “business” prevented him on weekdays from taking such a pleasure, it was old Sedley’s delight to take out his little grandson Georgy to the neighbouring parks or Kensington Gardens, to see the soldiers or to feed the ducks. Georgy loved the redcoats, and his grandpapa told him how his father had been a famous soldier, and introduced him to many sergeants and others with Waterloo medals on their breasts, to whom the old grandfather pompously presented the child as the son of Captain Osborne of the — th, who died gloriously on the glorious eighteenth. He has been known to treat some of these non-commissioned gentlemen to a glass of porter, and, indeed, in their first Sunday walks was disposed to spoil little Georgy, sadly gorging the boy with apples and parliament, to the detriment of his health — until Amelia declared that George should never go out with his grandpapa unless the latter promised solemnly, and on his honour, not to give the child any cakes, lollipops, or stall produce whatever. Zwischen Mrs. Sedley und ihrer Tochter bestand eine gewisse Kälte und geheime Eifersucht wegen des Knaben, denn eines Abends – George war noch ganz klein – saß Amelia in ihrem Wohnzimmer an der Arbeit und bemerkte kaum, daß die alte Dame das Zimmer verlassen hatte. Plötzlich hörte sie den Knaben, der bis dahin geschlafen hatte, schreien, und sie rannte ahnungsvoll ins Kinderzimmer hinauf. Da ertappte sie Mrs. Sedley gerade dabei, wie sie dem Kind heimlich Daffys Elixier eingab. Amelia, sonst die sanfteste und mildeste aller Sterblichen, zitterte und bebte vor Zorn am ganzen Leibe, als sie diese Einmischung in ihre mütterliche Autorität wahrnahm. Ihre gewöhnlich blassen Wangen verfärbten sich, bis sie so rot waren wie damals, als sie zwölf Jahre alt war. Sie riß das Kind aus den Armen ihrer Mutter, griff nach der Flasche und ließ die alte Dame wütend und mit offenem Mund, den verbrecherischen Teelöffel in der Hand, stehen. Dann warf sie die Flasche in den Kamin, daß sie krachend zersprang. »Ich will mein Kind nicht vergiften lassen, Mama«, rief Emmy, wiegte den Säugling heftig in ihren Armen und blickte ihre Mutter mit funkelnden Augen an.   Between Mrs. Sedley and her daughter there was a sort of coolness about this boy, and a secret jealousy — for one evening in George’s very early days, Amelia, who had been seated at work in their little parlour scarcely remarking that the old lady had quitted the room, ran upstairs instinctively to the nursery at the cries of the child, who had been asleep until that moment — and there found Mrs. Sedley in the act of surreptitiously administering Daffy’s Elixir to the infant. Amelia, the gentlest and sweetest of everyday mortals, when she found this meddling with her maternal authority, thrilled and trembled all over with anger. Her cheeks, ordinarily pale, now flushed up, until they were as red as they used to be when she was a child of twelve years old. She seized the baby out of her mother’s arms and then grasped at the bottle, leaving the old lady gaping at her, furious, and holding the guilty tea-spoon. Amelia flung the bottle crashing into the fire-place. “I will not have baby poisoned, Mamma,” cried Emmy, rocking the infant about violently with both her arms round him and turning with flashing eyes at her mother. »Vergiften, Amelia!« sagte die alte Dame. »Diese Worte mir?«   “Poisoned, Amelia!” said the old lady; “this language to me?” »Er soll keine andere Medizin erhalten, als die, welche Doktor Pestler ihm schickt. Er erklärte mir, Daffys Elixier sei Gift.«   “He shall not have any medicine but that which Mr. Pestler sends for hi n. He told me that Daffy’s Elixir was poison.” »Sehr gut, dann glaubst du also, ich sei eine Mörderin«, erwiderte Mrs. Sedley. »So redest du mit deiner Mutter? Ich habe Unglück gehabt, ich bin im Leben tief gesunken, ich hatte meinen eigenen Wagen und gehe jetzt zu Fuß, aber daß ich eine Mörderin bin, wußte ich noch nicht. Ich danke dir für die Mitteilung.«   “Very good: you think I’m a murderess then,” replied Mrs. Sedley. “This is the language you use to your mother. I have met with misfortunes: I have sunk low in life: I have kept my carriage, and now walk on foot: but I did not know I was a murderess before, and thank you for the news .” »Mama«, sagte die arme Frau, die stets bereit war, in Tränen auszubrechen, »du sollst nicht hart gegen mich sein. Ich – habe nicht gemeint... ich meine, ich wollte nicht sagen, daß du meinem lieben Kind Böses antun wolltest, nur...«   “Mamma,” said the poor girl, who was always ready for tears — "you shouldn’t be hard upon me. I — I didn’t mean — I mean, I did not wish to say you would to any wrong to this dear child, only — ” »O nein, meine Liebe – nur daß ich eine Mörderin bin. Deshalb sollte ich wohl am besten ins Gefängnis gehen, obwohl ich dich, als du ein Kind warst, zwar nicht vergiftet, sondern dir die beste Erziehung und die kostspieligsten Lehrer gegeben habe, die man für Geld bekommen kann. Ja, ich habe fünf Kinder gesäugt und drei begraben, und das eine, das ich von allen am meisten geliebt habe und das ich bei der Bräune, beim Zahnen, bei den Masern und beim Keuchhusten gepflegt und ungeachtet der Kosten von ausländischen Lehrern und im Minerva-Haus habe erziehen lassen, sagt, ich sei eine Mörderin. Als ich Mädchen war, habe ich das alles nicht gehabt. Ich war froh, meinen Vater und meine Mutter zu ehren, damit ich lange auf Erden leben und mich nützlich machen könnte – und nicht den ganzen Tag in meinem Zimmer sitzen und die feine Dame spielen würde. Eine Mörderin! Ach, Mrs. Osborne, ich wünsche nur, daß du nie eine Schlange an deinem Busen nähren mögest.«   “Oh, no, my love, — only that I was a murderess; in which case I had better go to the Old Bailey. Though I didn’t poison you , when you were a child, but gave you the best of education and the most expensive masters money could procure. Yes; I’ve nursed five children and buried three; and the one I loved the best of all, and tended through croup, and teething, and measles, and hooping-cough, and brought up with foreign masters, regardless of expense, and with accomplishments at Minerva House — which I never had when I was a girl — when I was too glad to honour my father and mother, that I might live long in the land, and to be useful, and not to mope all day in my room and act the fine lady — says I’m a murderess. Ah, Mrs. Osborne! may you never nourish a viper in your bosom, that’s my prayer.” »Mama! Mama!« rief die entsetzte junge Frau, während das Kind auf ihrem Arm in ein fürchterliches Geschrei ausbrach. »Eine Mörderin, sehr gut! Fall auf die Knie nieder und bitte Gott, daß er dein böses, undankbares Herz reinigt, Amelia; er möge dir vergeben, wie ich es tue!«Hiermit eilte Mrs. Sedley aus dem Zimmer, während sie noch einmal das Wort Gift zischte, und beschloß so ihren liebevollen Segen.   “Mamma, Mamma!” cried the bewildered girl; and the child in her arms set up a frantic chorus of shouts. “A murderess, indeed! Go down on your knees and pray to God to cleanse your wicked ungrateful heart, Amelia, and may He forgive you as I do.” And Mrs. Sedley tossed out of the room, hissing out the word poison once more, and so ending her charitable benediction. Bis zum Ende ihres Lebens wurde dieser Bruch zwischen Mrs. Sedley und ihrer Tochter niemals völlig ausgeglichen. Der Streit bot der alten Dame unzählige Vorteile, die sie mit weiblicher Findigkeit und Ausdauer unfehlbar zu benutzen wußte. Wochenlang sprach sie zum Beispiel kein Wort mit Amelia. Sie warnte die Dienstboten, das Kind anzurühren, da es Mrs. Osborne übelnehmen könne. Sie forderte ihre Tochter auf, selbst nachzusehen und sich zu überzeugen, daß in der täglichen Nahrung, die für den kleinen Georgy zubereitet wurde, kein Gift sei. Wenn die Nachbarn sich nach der Gesundheit des Knaben erkundigten, verwies sie sie spitz an Mrs. Osborne. Sie selbst wagte nie, zu fragen, wie es dem Kind gehe. Sie würde das Kind auch nie anrühren, obgleich es ihr Enkel und ihr Herzensliebling war, denn sie sei ja nicht an Kinder gewöhnt und könnte ihn töten. Und jedesmal, wenn Mr. Pestler einen Hausbesuch machte, empfing sie den Arzt mit so sarkastischer und verächtlicher Miene, daß der Doktor erklärte, daß nicht einmal Lady Thistlewood, die zu behandeln er die Ehre habe, sich großspuriger benehme als die alte Mrs. Sedley, von der er nie eine Bezahlung verlangte. Höchstwahrscheinlich war Emmy auch eifersüchtig – und welche Mutter wäre nicht eifersüchtig auf die, die ihre Kinder pflegen oder die auf den ersten Platz in ihrem Herzen Anspruch erheben wollen. Jedenfalls wurde sie stets unruhig, wenn sich jemand mit dem Kinde beschäftigte, und sie erlaubte weder Mrs. Clapp noch dem Dienstmädchen, es anzukleiden oder zu füttern, wie sie ihnen auch nicht gestattet hätte, das Miniaturbild ihres Gatten abzuwischen, das über ihrem Bettchen hing – demselben Bettchen, das das arme Mädchen mit Georges vertauscht hatte und zu dem sie jetzt für viele lange, stille, tränenreiche, aber glückliche Jahre zurückkehrte.   Till the termination of her natural life, this breach between Mrs. Sedley and her daughter was never thoroughly mended. The quarrel gave the elder lady numberless advantages which she did not fail to turn to account with female ingenuity and perseverance. For instance, she scarcely spoke to Amelia for many weeks afterwards. She warned the domestics not to touch the child, as Mrs. Osborne might be offended. She asked her daughter to see and satisfy herself that there was no poison prepared in the little daily messes that were concocted for Georgy. When neighbours asked after the boy’s health, she referred them pointedly to Mrs. Osborne. She never ventured to ask whether the baby was well or not. She would not touch the child although he was her grandson, and own precious darling, for she was not used to children, and might kill it. And whenever Mr. Pestler came upon his healing inquisition, she received the doctor with such a sarcastic and scornful demeanour, as made the surgeon declare that not Lady Thistlewood herself, whom he had the honour of attending professionally, could give herself greater airs than old Mrs. Sedley, from whom he never took a fee. And very likely Emmy was jealous too, upon her own part, as what mother is not, of those who would manage her children for her, or become candidates for the first place in their affections. It is certain that when anybody nursed the child, she was uneasy, and that she would no more allow Mrs. Clapp or the domestic to dress or tend him than she would have let them wash her husband’s miniature which hung up over her little bed — the same little bed from which the poor girl had gone to his; and to which she retired now for many long, silent, tearful, but happy years. Dieses Zimmer barg Amelias ganzes Herz und alle ihre Schätze. Hier hütete sie ihren Knaben und wachte über ihm während der zahlreichen Kinderkrankheiten mit stets gleichbleibender leidenschaftlicher Liebe. Irgendwie erschien in ihm der ältere George wieder, nur besser und wie vom Himmel zurückgekehrt. In hundert Kleinigkeiten – Tonfall, Blicken und Bewegungen – war der Junge dem Vater so ähnlich, daß das Herz der Witwe erschauerte, wenn sie ihn an sich drückte, und oft fragte er dann nach dem Grund ihrer Tränen. Sie hatte keine Bedenken, ihm zu sagen, das komme, weil er seinem Vater so sehr ähnele; sie erzählte ihm ständig von diesem toten Vater und sprach zu dem unschuldigen und verwunderten Kind über ihre Liebe zu George häufiger, als sie je zu George selbst oder irgendeiner Vertrauten ihrer Jugend gesprochen hatte. Gegenüber ihren Eltern erwähnte sie nichts davon, da sie sich scheute, ihnen ihr Herz zu entdecken. Klein George verstand sie wahrscheinlich nicht besser, aber seinen Ohren vertraute sie rückhaltlos ihre geheimsten Gefühle an, nur seinen. Selbst die Freude dieser Frau war eine Art Schmerz oder wenigstens so zart, daß sie sich in Tränen ausdrückte. Ihre Gefühle waren so schwach und weich, daß man vielleicht in einem Buch gar nicht darüber sprechen sollte. Doktor Pestler (der jetzt ein bekannter Frauenarzt ist, einen teuren dunkelgrünen Wagen fährt, wahrscheinlich bald geadelt wird und ein Haus am Manchester Square bewohnt) erzählte mir, daß ihr Schmerz bei der Entwöhnung des Kindes ein Anblick gewesen sei, der einen Herodes hätte rühren können. Er war vor Jahren sehr weichherzig gewesen, und seine Frau hegte damals und noch lange nachher eine tödliche Eifersucht auf Mrs. Amelia.   In this room was all Amelia’s heart and treasure. Here it was that she tended her boy and watched him through the many ills of childhood, with a constant passion of love. The elder George returned in him somehow, only improved, and as if come back from heaven. In a hundred little tones, looks, and movements, the child was so like his father that the widow’s heart thrilled as she held him to it; and he would often ask the cause of her tears. It was because of his likeness to his father, she did not scruple to tell him. She talked constantly to him about this dead father, and spoke of her love for George to the innocent and wondering child; much more than she ever had done to George himself, or to any confidante of her youth. To her parents she never talked about this matter, shrinking from baring her heart to them. Little George very likely could understand no better than they, but into his ears she poured her sentimental secrets unreservedly, and into his only. The very joy of this woman was a sort of grief, or so tender, at least, that its expression was tears. Her sensibilities were so weak and tremulous that perhaps they ought not to be talked about in a book. I was told by Dr. Pestler (now a most flourishing lady’s physician, with a sumptuous dark green carriage, a prospect of speedy knighthood, and a house in Manchester Square) that her grief at weaning the child was a sight that would have unmanned a Herod. He was very soft-hearted many years ago, and his wife was mortally jealous of Mrs. Amelia, then and long afterwards. Vielleicht war die Eifersucht der Doktorsfrau nicht ganz unbegründet; die meisten Frauen aus Amelias kleinem Bekanntenkreis teilten sie und waren erzürnt über die Begeisterung, mit der das andere Geschlecht sie betrachtete. Fast alle Männer, die ihr nahe kamen, liebten sie, obwohl sie kaum hätten begründen können, warum; sie war weder eine strahlende Erscheinung noch ausgesprochen geistreich oder klug und auch nicht besonders hübsch. Aber wo sie auch erschien, rührte und bezauberte sie stets jedes männliche Wesen, wie sie die Verachtung und den Zweifel ihrer eigenen Geschlechtsgenossinnen erregte. Ich glaube, ihr hauptsächlicher Reiz lag in ihrer Schwäche: eine Art süßer Unterwürfigkeit und Weichheit, die bei jedem Mann, mit dem sie zusammentraf, um Mitgefühl und Schutz zu bitten schien. Wir haben gesehen, wie im Regiment die Degen der jungen Offiziere aus der Scheide gesprungen waren, um für sie zu kämpfen, obwohl sie nur mit wenigen von Georges Kameraden gesprochen hatte. Ebenso war es auch in dem engen kleinen Mietshaus in Fulham und dem Kreise dort – sie gefiel allen. Wenn sie Mrs. Mango aus der großen Firma Mango, Plantain und Co., Crutches Friars, und Besitzerin der Ananastreibhäuser in Fulham, selbst gewesen wäre, zu deren déjeuners im Sommer Herzöge und Grafen kamen und die mit Lakaien in prachtvoller gelber Livree und ein paar Braunen durchs Kirchspiel fuhr, wie sie die königlichen Ställe in Kensington nicht schöner aufweisen konnten, – wenn sie also Mrs. Mango selbst oder die Frau ihres Sohnes, Lady Mary Mango, gewesen wäre (die Tochter des Grafen Castlemouldy, die sich herabgelassen hatte, das Haupt der Firma zu heiraten), so hätten die Geschäftsleute der Nachbarschaft ihr nicht mehr Ehre erweisen können als der sanften jungen Witwe, wenn sie an ihren Türen vorüberging oder ihre bescheidenen Einkäufe in ihren Läden tätigte.   Perhaps the doctor’s lady had good reason for her jealousy: most women shared it, of those who formed the small circle of Amelia’s acquaintance, and were quite angry at the enthusiasm with which the other sex regarded her. For almost all men who came near her loved her; though no doubt they would be at a loss to tell you why. She was not brilliant, nor witty, nor wise over much, nor extraordinarily handsome. But wherever she went she touched and charmed every one of the male sex, as invariably as she awakened the scorn and incredulity of her own sisterhood. I think it was her weakness which was her principal charm — a kind of sweet submission and softness, which seemed to appeal to each man she met for his sympathy and protection. We have seen how in the regiment, though she spoke but to few of George’s comrades there, all the swords of the young fellows at the mess-table would have leapt from their scabbards to fight round her; and so it was in the little narrow lodging-house and circle at Fulham, she interested and pleased everybody. If she had been Mrs. Mango herself, of the great house of Mango, Plantain, and Co., Crutched Friars, and the magnificent proprietress of the Pineries, Fulham, who gave summer dejeuners frequented by Dukes and Earls, and drove about the parish with magnificent yellow liveries and bay horses, such as the royal stables at Kensington themselves could not turn out — I say had she been Mrs. Mango herself, or her son’s wife, Lady Mary Mango (daughter of the Earl of Castlemouldy, who condescended to marry the head of the firm), the tradesmen of the neighbourhood could not pay her more honour than they invariably showed to the gentle young widow, when she passed by their doors, or made her humble purchases at their shops. So kam es, daß nicht nur Mr. Pestler, der Arzt, sondern auch Mr. Linton, sein junger Assistent, der die Dienstmädchen und kleinen Geschäftsleute behandelte und den man täglich, die »Times« lesend, in der Apotheke sehen konnte, sich öffentlich als Mrs. Osbornes Sklaven erklärte. Er war ein ansehnlicher junger Mann, der in Mrs. Sedleys Haus willkommener war als sein Prinzipal. Wenn Georgy nicht ganz wohl war, kam er täglich ein paarmal, um nach ihm zu sehen, ohne auch nur einen Gedanken an Bezahlung. Er zweigte häufig Pastillen, Tamarinden und andere Dinge aus der Apotheke für den kleinen Georgy ab und mischte ihm Tränke und Mixturen von so wundervoller Süße, daß es dem Kinde geradezu ein Vergnügen war, krank zu sein. Als Georgy die Masern hatte, saßen er und sein Prinzipal Pestler in der gefährlichen entsetzlichen Woche zwei Nächte hindurch bei dem Knaben, und nach dem Schrecken der Mutter zu urteilen, hätte man glauben können, daß es Masern noch nie vorher in der Welt gegeben habe. Hätten sie für andere Leute ebensoviel getan? Hielten sie Nachtwachen bei den Leuten mit den Ananastreibhäusern, als Ralph Plantagenet, Gwendoline und Guinever Mango dieselbe Kinderkrankheit hatten? Wachten sie bei der kleinen Mary Clapp, der Tochter des Hauswirtes, die sich doch bei dem kleinen Georgy angesteckt hatte? Die Wahrheit zwingt uns, nein zu antworten! Sie schliefen ganz ruhig, zumindest bei Marys Masern  – bezeichneten ihren Fall als ganz leicht, der fast von selbst heilen würde, schickten ihr ein paar Tränke und taten, als sich das Kind wieder erholte, mit der größten Gleichgültigkeit und nur der Form halber Chinarinde hinein.   Thus it was not only Mr. Pestler, the medical man, but Mr. Linton the young assistant, who doctored the servant maids and small tradesmen, and might be seen any day reading the Times in the surgery, who openly declared himself the slave of Mrs. Osborne. He was a personable young gentleman, more welcome at Mrs. Sedley’s lodgings than his principal; and if anything went wrong with Georgy, he would drop in twice or thrice in the day to see the little chap, and without so much as the thought of a fee. He would abstract lozenges, tamarinds, and other produce from the surgery-drawers for little Georgy’s benefit, and compounded draughts and mixtures for him of miraculous sweetness, so that it was quite a pleasure to the child to be ailing. He and Pestler, his chief, sat up two whole nights by the boy in that momentous and awful week when Georgy had the measles; and when you would have thought, from the mother’s terror, that there had never been measles in the world before. Would they have done as much for other people? Did they sit up for the folks at the Pineries, when Ralph Plantagenet, and Gwendoline, and Guinever Mango had the same juvenile complaint? Did they sit up for little Mary Clapp, the landlord’s daughter, who actually caught the disease of little Georgy? Truth compels one to say, no. They slept quite undisturbed, at least as far as she was concerned — pronounced hers to be a slight case, which would almost cure itself, sent her in a draught or two, and threw in bark when the child rallied, with perfect indifference, and just for form’s sake. Dann war da noch der kleine französische Chevalier von gegenüber, der in mehreren Schulen der Nachbarschaft Unterricht in seiner Muttersprache erteilte und den man nachts in seinem Zimmer auf einer heiseren alten Geige zitternd alte Gavotten und Menuette spielen hörte. Dieser gepuderte, höfliche Greis, der jeden Sonntag in die Kapelle von Hammersmith ging und sich in jeder Hinsicht – in Gedanken, Benehmen und Haltung – von den bärtigen Wilden seiner Nation unterschied, die heutzutage in den Quadrant-Arkaden das perfide Albion beschimpfen und dich über ihre Zigarren hin finster anstarren – dieser alte Chevalier de Talonrouge pflegte, wenn er von Mrs. Osborne sprach, erst einmal eine Prise zu nehmen, die übriggebliebenen Stäubchen mit graziöser Handbewegung wegzuschnippen, die Finger wieder zusammenzulegen, sie an den Mund zu führen, sie mit einem Kuß auseinanderzublasen und auszurufen: »Ah, la divine créature!« Er schwor und beteuerte, daß Blumen in reicher Fülle unter den Füßen Amelias hervorsprössen, wenn sie in den Straßen von Brompton wandele. Er nannte den kleinen Georgy Cupido und fragte ihn nach Venus, seiner Mama. Der erstaunten Betty Flanagan erzählte er, Amelia sei eine der Grazien und die Lieblingsdienerin der Reine des amours.   Again, there was the little French chevalier opposite, who gave lessons in his native tongue at various schools in the neighbourhood, and who might be heard in his apartment of nights playing tremulous old gavottes and minuets on a wheezy old fiddle. Whenever this powdered and courteous old man, who never missed a Sunday at the convent chapel at Hammersmith, and who was in all respects, thoughts, conduct, and bearing utterly unlike the bearded savages of his nation, who curse perfidious Albion, and scowl at you from over their cigars, in the Quadrant arcades at the present day — whenever the old Chevalier de Talonrouge spoke of Mistress Osborne, he would first finish his pinch of snuff, flick away the remaining particles of dust with a graceful wave of his hand, gather up his fingers again into a bunch, and, bringing them up to his mouth, blow them open with a kiss, exclaiming, Ah! la divine creature! He vowed and protested that when Amelia walked in the Brompton Lanes flowers grew in profusion under her feet. He called little Georgy Cupid, and asked him news of Venus, his mamma; and told the astonished Betty Flanagan that she was one of the Graces, and the favourite attendant of the Reine des Amours. Es ließen sich noch viele Beispiele dieser leicht erworbenen und Amelia unbewußten Beliebtheit anführen. Besuchte nicht Mr. Binny, der milde vornehme Pfarrer der Kapelle des Bezirks, in die die Familie ging, die Witwe eifrig? Ließ er nicht den kleinen Knaben auf seinen Knien reiten und erbot sich, ihn Latein zu lehren – zum Ärger der ältlichen Jungfrau, seiner Schwester, die ihm den Haushalt führte? »Es ist nichts an ihr, Beilby«, sagte sie stets. »Wenn sie zu uns zum Tee kommt, spricht sie den ganzen Abend kein Wort, sie ist ein armes, affektiertes Geschöpf und hat meiner Meinung nach überhaupt kein Herz. Es ist bloß das hübsche Gesicht, das ihr Männer so bewundert. Miss Grits, die fünftausend Pfund besitzt und noch mehr bekommen wird, hat doppelt soviel Charakter und ist für meinen Geschmack tausendmal angenehmer, und wenn sie nur etwas besser aussähe, würdest auch du sie gewiß für die Vollkommenheit selbst halten.«   Instances might be multiplied of this easily gained and unconscious popularity. Did not Mr. Binny, the mild and genteel curate of the district chapel, which the family attended, call assiduously upon the widow, dandle the little boy on his knee, and offer to teach him Latin, to the anger of the elderly virgin, his sister, who kept house for him? “There is nothing in her, Beilby,” the latter lady would say. “When she comes to tea here she does not speak a word during the whole evening. She is but a poor lackadaisical creature, and it is my belief has no heart at all. It is only her pretty face which all you gentlemen admire so. Miss Grits, who has five thousand pounds, and expectations besides, has twice as much character, and is a thousand times more agreeable to my taste; and if she were good-looking I know that you would think her perfection.” Höchstwahrscheinlich hatte Miss Binny bis zu einem gewissen Grade recht. Es ist wirklich das hübsche Gesicht, das die Herzen der Männer, dieser bösen Schelme, gewinnt: eine Frau kann die Weisheit und Keuschheit Minervas besitzen, und doch beachtet sie kein Mann, wenn sie häßlich ist. Welche Torheit wird nicht durch ein Paar feurige Augen verziehen? Wieviel Dummheit wird nicht durch rote Lippen und eine süße Stimme bemäntelt? So schließen die Damen mit ihrem gewöhnlichen Gerechtigkeitssinn, daß eine Frau dumm sein muß, wenn sie hübsch ist. Meine Damen, es gibt unter Ihnen manch eine, die weder hübsch noch klug ist.   Very likely Miss Binny was right to a great extent. It is the pretty face which creates sympathy in the hearts of men, those wicked rogues. A woman may possess the wisdom and chastity of Minerva, and we give no heed to her, if she has a plain face. What folly will not a pair of bright eyes make pardonable? What dulness may not red lips and sweet accents render pleasant? And so, with their usual sense of justice, ladies argue that because a woman is handsome, therefore she is a fool. O ladies, ladies! there are some of you who are neither handsome nor wise. Es sind aus dem Leben unserer Heldin nur belanglose Vorfälle zu berichten. Ihre Geschichte handelt nicht von wunderbaren Ereignissen, wie der geneigte Leser zweifellos schon bemerkt haben wird, und hätte Amelia über die sieben Jahre nach der Geburt ihres Sohnes ein Tagebuch geführt, so wäre darin kaum Interessanteres vorgekommen als die gerade berichtete Maserngeschichte. Aber doch, eines Tages bat sie obenerwähnter Ehrwürden Mr. Binny zu ihrer großen Verwunderung, den Namen Osborne mit dem seinigen zu vertauschen. Tief errötend und mit nassen Augen und tränenerstickter Stimme dankte sie ihm für seine Freundschaft zu ihr und die Aufmerksamkeit, die er ihr und ihrem armen kleinen Knaben erwiesen habe. Dann aber teilte sie ihm mit, daß sie nie an einen anderen als – als ihren verlorenen Gatten denken könne.   These are but trivial incidents to recount in the life of our heroine. Her tale does not deal in wonders, as the gentle reader has already no doubt perceived; and if a journal had been kept of her proceedings during the seven years after the birth of her son, there would be found few incidents more remarkable in it than that of the measles, recorded in the foregoing page. Yes, one day, and greatly to her wonder, the Reverend Mr. Binny, just mentioned, asked her to change her name of Osborne for his own; when, with deep blushes and tears in her eyes and voice, she thanked him for his regard for her, expressed gratitude for his attentions to her and to her poor little boy, but said that she never, never could think of any but — but the husband whom she had lost. Den 25. April und den 18. Juni, ihren Hochzeitstag und den Tag, da sie Witwe wurde, verbrachte sie stets auf ihrem Zimmer und weihte sie dem Andenken ihres dahingegangenen Freundes, während ihr kleiner Junge in den unzähligen Stunden ihrer einsamen Nachtgedanken im Kinderbettchen an ihrer Seite schlummerte. Tagsüber war sie aktiver geworden. Sie mußte George Lesen und Schreiben und etwas Zeichnen beibringen. Sie las Bücher, um ihm daraus Geschichten erzählen zu können; als sich seine Augen für die ihn umgebende Natur öffneten und sein Verstand sich zu entwickeln begann, lehrte sie das Kind, so gut es ihre bescheidenen Kräfte erlaubten, den Schöpfer aller Dinge zu erkennen. Jeden Abend und jeden Morgen beteten sie und er, die Mutter und der kleine Knabe, gemeinsam das Vaterunser; die Mutter flehte aus der Tiefe ihres sanften Herzens, das Kind sprach lallend die Worte nach. Jedesmal beteten sie zu Gott, den lieben Papa zu segnen, als ob er noch lebte und bei ihnen im Zimmer sei. Viele Stunden des Tages brachte sie damit zu, den jungen Herrn zu waschen und anzukleiden – mit ihm morgens vor dem Frühstück, ehe der Großpapa seinen »Geschäften« nachging, einen kleinen Spaziergang zu machen – ihm mit viel Geschick die wundervollsten Kleider zu fertigen. Zu diesem Zweck zerschnitt und änderte die sparsame Witwe jedes brauchbare Kleidungsstück, das sie noch aus ihrer Ehezeit in ihrer Garderobe besaß. Mrs. Osborne selbst trug zum großen Ärger ihrer Mutter, die besonders seit ihrem Unglück schöne Kleider liebte, stets ein schwarzes Gewand und einen Strohhut mit schwarzem Band. Die übrigen Stunden widmete sie ihrer Mutter und ihrem alten Vater. Sie hatte sich bemüht, Cribbage zu lernen, und spielte es mit dem alten Herrn an den Abenden, wo er nicht in seinen Klub ging. Sie sang ihm vor, wenn ihm der Sinn danach stand, und das war immer ein gutes Zeichen, denn jedesmal während der Musik fiel er in einen ruhigen Schlaf. Sie schrieb seine zahlreichen Auszüge, Briefe, Prospekte und Projekte ab. In ihrer Handschrift wurden die meisten früheren Bekannten des alten Herrn informiert, daß er Vertreter der Schwarzen Diamant-und-Anti-Aschenkohlen-Gesellschaft geworden sei und seine Freunde und das Publikum mit den besten Kohlen für soundso viel Shilling pro Sack versorgen könnte. Er setzte nur Unterschrift und Schnörkel unter die Schreiben und schrieb mit zitternder Kaufmannshand die Adressen. Eins dieser Schriftstücke schickte er an Major Dobbin vom ...ten Regiment per Adresse Mr. Cox und Mr. Greenwood. Da der Major sich zu dieser Zeit gerade in Madras befand, hatte er keinen besonderen Bedarf an Kohlen; er kannte jedoch die Hand, die den Prospekt geschrieben hatte. Guter Gott! Was hätte er nicht darum gegeben, sie in seiner halten zu dürfen! Ein zweiter Prospekt kam, der den Major unterrichtete, daß J. Sedley \& Co. Agenturen in Oporto, Bordeaux und St. Mary errichtet hatten und damit ihren Freunden und dem Publikum im allgemeinen die besten und berühmtesten Jahrgänge von Portweinen, Sherrys und Claret unter ganz besonderen Vorteilen zu mäßigen Preisen anbieten könnten. Auf diesen Wink hin warb der Major ungestüm bei dem Gouverneur, dem Oberbefehlshaber, den Richtern, Regimentern und bei allen seinen Bekannten in der Präsidentschaft um Aufträge und schickte Bestellungen an Sedley \& Co. nach England, daß Mr. Sedley und Mr. Clapp; der Co. in diesem Geschäft, aufs äußerste erstaunt waren. Nach diesem Glücksanfang kamen jedoch keine weiteren Aufträge mehr; und der arme alte Sedley war schon drauf und dran gewesen, ein Haus in der City zu bauen, ein Regiment von Angestellten aufzunehmen, einen Lagerplatz für sich allein zu mieten und Vertreter in der ganzen Welt anzustellen. Der alte Herr war kein Weinkenner mehr. Man überfiel Major Dobbin in der Offiziersmesse mit Flüchen über das schlechte Gesöff, das durch seine Vermittlung nach Madras gekommen war. Eine große Menge des Weines kaufte er zurück und versteigerte ihn öffentlich mit ungeheurem Verlust. Joseph, der jetzt in die Finanzkammer in Kalkutta befördert worden war, bekam einen Wutanfall, als die Post ihm ein Bündel dieser bacchanalischen Prospekte mit einem Privatbrief von seinem Vater brachte, worin dieser dem Sohn mitteilte, daß er bei dem Unternehmen auf ihn rechne, daß er eine Sendung erlesener Weine an ihn geschickt und, laut Rechnung, für den Betrag Wechsel auf ihn ausgestellt habe. Joseph, der es sich ebensowenig hätte träumen lassen, daß sein Vater, der Vater Joseph Sedleys von der Finanzkammer, ein um Aufträge bettelnder Weinhändler sei, wie er sich hatte träumen lassen, daß er Scharfrichter hätte sein können. Er wies die Wechsel verächtlich zurück und schrieb dem alten Herrn sehr hochmütig, er solle sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. Als die protestierten Wechsel zurückkamen, mußten Sedley und Co. sie mit dem Gewinn aus dem Madrasunternehmen und einem Teil von Emmys Ersparnissen einlösen.   On the twenty-fifth of April, and the eighteenth of June, the days of marriage and widowhood, she kept her room entirely, consecrating them (and we do not know how many hours of solitary night-thought, her little boy sleeping in his crib by her bedside) to the memory of that departed friend. During the day she was more active. She had to teach George to read and to write and a little to draw. She read books, in order that she might tell him stories from them. As his eyes opened and his mind expanded under the influence of the outward nature round about him, she taught the child, to the best of her humble power, to acknowledge the Maker of all, and every night and every morning he and she — (in that awful and touching communion which I think must bring a thrill to the heart of every man who witnesses or who remembers it) — the mother and the little boy — prayed to Our Father together, the mother pleading with all her gentle heart, the child lisping after her as she spoke. And each time they prayed to God to bless dear Papa, as if he were alive and in the room with them. To wash and dress this young gentleman — to take him for a run of the mornings, before breakfast, and the retreat of grandpapa for “business" — to make for him the most wonderful and ingenious dresses, for which end the thrifty widow cut up and altered every available little bit of finery which she possessed out of her wardrobe during her marriage — for Mrs. Osborne herself (greatly to her mother’s vexation, who preferred fine clothes, especially since her misfortunes) always wore a black gown and a straw bonnet with a black ribbon — occupied her many hours of the day. Others she had to spare, at the service of her mother and her old father. She had taken the pains to learn, and used to play cribbage with this gentleman on the nights when he did not go to his club. She sang for him when he was so minded, and it was a good sign, for he invariably fell into a comfortable sleep during the music. She wrote out his numerous memorials, letters, prospectuses, and projects. It was in her handwriting that most of the old gentleman’s former acquaintances were informed that he had become an agent for the Black Diamond and Anti-Cinder Coal Company and could supply his friends and the public with the best coals at — s. per chaldron. All he did was to sign the circulars with his flourish and signature, and direct them in a shaky, clerklike hand. One of these papers was sent to Major Dobbin, — Regt., care of Messrs. Cox and Greenwood; but the Major being in Madras at the time, had no particular call for coals. He knew, though, the hand which had written the prospectus. Good God! what would he not have given to hold it in his own! A second prospectus came out, informing the Major that J. Sedley and Company, having established agencies at Oporto, Bordeaux, and St. Mary’s, were enabled to offer to their friends and the public generally the finest and most celebrated growths of ports, sherries, and claret wines at reasonable prices and under extraordinary advantages. Acting upon this hint, Dobbin furiously canvassed the governor, the commander-in-chief, the judges, the regiments, and everybody whom he knew in the Presidency, and sent home to Sedley and Co. orders for wine which perfectly astonished Mr. Sedley and Mr. Clapp, who was the Co. in the business. But no more orders came after that first burst of good fortune, on which poor old Sedley was about to build a house in the City, a regiment of clerks, a dock to himself, and correspondents all over the world. The old gentleman’s former taste in wine had gone: the curses of the mess-room assailed Major Dobbin for the vile drinks he had been the means of introducing there; and he bought back a great quantity of the wine and sold it at public outcry, at an enormous loss to himself. As for Jos, who was by this time promoted to a seat at the Revenue Board at Calcutta, he was wild with rage when the post brought him out a bundle of these Bacchanalian prospectuses, with a private note from his father, telling Jos that his senior counted upon him in this enterprise, and had consigned a quantity of select wines to him, as per invoice, drawing bills upon him for the amount of the same. Jos, who would no more have it supposed that his father, Jos Sedley’s father, of the Board of Revenue, was a wine merchant asking for orders, than that he was Jack Ketch, refused the bills with scorn, wrote back contumeliously to the old gentleman, bidding him to mind his own affairs; and the protested paper coming back, Sedley and Co. had to take it up, with the profits which they had made out of the Madras venture, and with a little portion of Emmy’s savings. Außer ihrer Pension von jährlich fünfzig Pfund hatte nach Angaben des Testamentsvollstreckers ihres Mannes bei Osbornes Tod sein Beauftragter fünfhundert Pfund in den Händen gehabt. Dobbin als Georges Vormund schlug vor, diese Summe zu acht Prozent in einem ostindischen Geschäftsunternehmen anzulegen. Mr. Sedley, der glaubte, der Major verfolge unredliche Absichten mit dem Geld, widersetzte sich diesem Plan. Er ging persönlich zu dem Beauftragten, um gegen diese Verwendung der fraglichen Summe zu protestieren. Zu seinem Erstaunen erfuhr er jedoch, daß eine solche Summe nie in dessen Händen gewesen war und das Vermögen des verstorbenen Hauptmanns sich auf keine hundert Pfund belaufen habe und daß daher die erwähnten fünfhundert Pfund eine besondere Summe sein müßten, von der nur Major Dobbin Näheres wisse. Mehr als je überzeugt, daß eine Schurkerei im Gange war, verfolgte der alte Sedley den Major. Er verlangte als nächster Anverwandter seiner Tochter entschieden, der Major solle über die Gelder des verstorbenen Hauptmanns Rechenschaft ablegen. Dobbins Stottern, sein Erröten und seine Verlegenheit bestärkten den anderen in seiner Überzeugung, daß er es mit einem Schurken zu tun habe. In majestätischem Ton geigte er dem Offizier seine Meinung, wie er es nannte, und erklärte einfach, er glaube, der Major halte unberechtigterweise das Vermögen seines verstorbenen Schwiegersohnes zurück.   Besides her pension of fifty pounds a year, there had been five hundred pounds, as her husband’s executor stated, left in the agent’s hands at the time of Osborne’s demise, which sum, as George’s guardian, Dobbin proposed to put out at 8 per cent in an Indian house of agency. Mr. Sedley, who thought the Major had some roguish intentions of his own about the money, was strongly against this plan; and he went to the agents to protest personally against the employment of the money in question, when he learned, to his surprise, that there had been no such sum in their hands, that all the late Captain’s assets did not amount to a hundred pounds, and that the five hundred pounds in question must be a separate sum, of which Major Dobbin knew the particulars. More than ever convinced that there was some roguery, old Sedley pursued the Major. As his daughter’s nearest friend, he demanded with a high hand a statement of the late Captain’s accounts. Dobbin’s stammering, blushing, and awkwardness added to the other’s convictions that he had a rogue to deal with, and in a majestic tone he told that officer a piece of his mind, as he called it, simply stating his belief that the Major was unlawfully detaining his late son-in-law’s money. Hier verlor Dobbin aber doch alle Geduld, und wäre sein Ankläger nicht so alt und gebrochen gewesen, so hätte bei Slaughters sehr wohl ein Streit zwischen ihnen entstehen können, denn in einer Abteilung dieser Vergnügungsstätte fand die Unterredung der beiden Herren statt. »Kommen Sie mit hinauf, Sir«, flüsterte der Major, »ich bestehe darauf, daß Sie mit mir hinaufkommen, und ich werde Ihnen zeigen, wer der Geschädigte ist, der arme George oder ich.« Damit schleppte er den alten Herrn in sein Schlafzimmer und nahm aus seinem Schreibpult Osbornes Abrechnungen sowie ein Bündel von Schuldscheinen, die George ihm gegeben hatte, denn um die Wahrheit zu sagen, war er stets nur allzu bereit, einen Schuldschein auszustellen. »Seine Schulden in England hat er bezahlt«, fügte Dobbin hinzu, »aber als er fiel, besaß er keine hundert Pfund mehr. Ich und ein paar von seinen Kameraden legten die kleine Summe zusammen. Es war alles, was wir entbehren konnten, und Sie wagen uns zu sagen, wir wollten die Witwe und die Waise betrügen?« Sedley war sehr beschämt und gedemütigt, obwohl William Dobbin dem alten Herrn wirklich eine große Lüge erzählt hatte. Jeder Pfennig des Geldes stammte nämlich von ihm selbst, und er hatte auch seinen Freund begraben und alle Ausgaben, die durch das Unglück und die Heimreise der armen Amelia entstanden waren, beglichen.   Dobbin at this lost all patience, and if his accuser had not been so old and so broken, a quarrel might have ensued between them at the Slaughters’ Coffee-house, in a box of which place of entertainment the gentlemen had their colloquy. “Come upstairs, sir,” lisped out the Major. “I insist on your coming up the stairs, and I will show which is the injured party, poor George or I”; and, dragging the old gentleman up to his bedroom, he produced from his desk Osborne’s accounts, and a bundle of IOU’s which the latter had given, who, to do him justice, was always ready to give an IOU. “He paid his bills in England,” Dobbin added, “but he had not a hundred pounds in the world when he fell. I and one or two of his brother officers made up the little sum, which was all that we could spare, and you dare tell us that we are trying to cheat the widow and the orphan.” Sedley was very contrite and humbled, though the fact is that William Dobbin had told a great falsehood to the old gentleman; having himself given every shilling of the money, having buried his friend, and paid all the fees and charges incident upon the calamity and removal of poor Amelia. Über diese Ausgaben nachzudenken, hatten sich weder der alte Herr noch ein anderer Verwandter Amelias, noch diese selbst sich die Mühe gemacht. Sie verließ sich auf Major Dobbin, ihren Buchhalter, nahm seine etwas konfusen Berechnungen als richtig hin und ahnte niemals, wie tief sie in seiner Schuld stand.   About these expenses old Osborne had never given himself any trouble to think, nor any other relative of Amelia, nor Amelia herself, indeed. She trusted to Major Dobbin as an accountant, took his somewhat confused calculations for granted, and never once suspected how much she was in his debt. Zwei- oder dreimal jährlich schrieb sie ihm ihrem Versprechen gemäß nach Madras, Briefe, die von Anfang bis Ende von dem kleinen Georgy handelten. Wie er sie als seine teuersten Schätze betrachtete! Wenn Amelia schrieb, so antwortete er ihr, allerdings nur dann. Aber er sandte seinem Patenkind und ihr unzählige Andenken. Er schickte eine Schachtel mit Schärpen und einen großartigen Satz elfenbeinerner Schachfiguren, die er in China bestellt hatte. Die Bauern waren kleine, grünweiße Männer mit richtigen Schwertern und Schilden; die Springer saßen zu Pferde, die Türme wurden von Elefanten getragen. Die Figuren von Mrs. Mango von den Ananastreibhäusern seien nicht so schön, bemerkte Mr. Pestler. Dieses Schachspiel war das ganze Entzücken Georgys, der zum Dank dafür seinen ersten Brief an den Patenonkel zusammenbaute. Dobbin schickte auch Eingemachtes und Mixpickles. Das letztere probierte der Knabe heimlich auf der Anrichte und starb beinahe beim Kosten. Er glaubte, sie seien aus Strafe fürs Stehlen so scharf. Emmy schrieb dem Major einen drolligen Bericht über dieses Mißgeschick, und ihn freute es, zu sehen, daß sich ihr Gemüt erholte und sie jetzt zuweilen fröhlich sein konnte. Er schickte zwei Schals herüber, einen weißen für sie und einen schwarzen mit Palmblättern für ihre Mutter, und ein paar rote Schärpen für den alten Mr. Sedley und George zum Winter. Mrs. Sedley wußte, daß die Schals pro Stück mindestens fünfzig Guineen gekostet hatten. Sie trug ihren, wenn sie in vollem Staat nach Brompton zur Kirche ging, und ihre Freundinnen beglückwünschten sie zu der glänzenden Erwerbung. Auch Emmys paßte gut zu ihrem einfachen schwarzen Gewand. »Wie schade, daß sie sich nichts aus ihm macht«, bemerkte Mrs. Sedley gegenüber Mrs. Clapp und allen ihren Freundinnen in Brompton. »Joseph hat uns nie solche Geschenke gemacht und gönnt uns nichts. Offensichtlich ist der Major bis über beide Ohren in sie verliebt; wenn ich es aber nur andeute, dann wird sie rot und fängt an zu weinen und geht hinauf und setzt sich mit ihrer Miniatur hin. Diese Miniatur hängt mir schon zum Hals heraus, ich wollte, wir hätten die abscheulichen geldprotzigen Osbornes nie zu Gesicht bekommen.«   Twice or thrice in the year, according to her promise, she wrote him letters to Madras, letters all about little Georgy. How he treasured these papers! Whenever Amelia wrote he answered, and not until then. But he sent over endless remembrances of himself to his godson and to her. He ordered and sent a box of scarfs and a grand ivory set of chess-men from China. The pawns were little green and white men, with real swords and shields; the knights were on horseback, the castles were on the backs of elephants. “Mrs. Mango’s own set at the Pineries was not so fine,” Mr. Pestler remarked. These chess-men were the delight of Georgy’s life, who printed his first letter in acknowledgement of this gift of his godpapa. He sent over preserves and pickles, which latter the young gentleman tried surreptitiously in the sideboard and half-killed himself with eating. He thought it was a judgement upon him for stealing, they were so hot. Emmy wrote a comical little account of this mishap to the Major: it pleased him to think that her spirits were rallying and that she could be merry sometimes now. He sent over a pair of shawls, a white one for her and a black one with palm-leaves for her mother, and a pair of red scarfs, as winter wrappers, for old Mr. Sedley and George. The shawls were worth fifty guineas apiece at the very least, as Mrs. Sedley knew. She wore hers in state at church at Brompton, and was congratulated by her female friends upon the splendid acquisition. Emmy’s, too, became prettily her modest black gown. “What a pity it is she won’t think of him!” Mrs. Sedley remarked to Mrs. Clapp and to all her friends of Brompton. “Jos never sent us such presents, I am sure, and grudges us everything. It is evident that the Major is over head and ears in love with her; and yet, whenever I so much as hint it, she turns red and begins to cry and goes and sits upstairs with her miniature. I’m sick of that miniature. I wish we had never seen those odious purse-proud Osbornes.” In dieser bescheidenen Umgebung unter so einfachen Gefährten verging Georges frühe Kindheit, und der Knabe wuchs heran – zart, sensibel, tyrannisch, ein richtiges Muttersöhnchen. Er beherrschte seine sanfte Mutter, die er leidenschaftlich liebte, und regierte die ganze kleine ihn umgebende Welt. Als er größer wurde, nahmen die Älteren verwundert wahr, daß er sehr hochmütig war und seinem Vater immer ähnlicher wurde. Er fragte nach allem, wie es die wissensdurstige Jugend stets tut. Seine tiefsinnigen Bemerkungen und Fragen setzten den Großvater in Erstaunen, und der Alte langweilte den Wirtshausklub ständig mit Erzählungen von der Gescheitheit und Begabung seines Enkels. Seine Großmutter litt er mit großmütiger Gleichgültigkeit. Der kleine Kreis um ihn glaubte, daß ihm auf Erden kein Junge gleichkomme. Georgy hatte den väterlichen Stolz geerbt und glaubte wahrscheinlich, sie hätten nicht so ganz unrecht.   Amidst such humble scenes and associates George’s early youth was passed, and the boy grew up delicate, sensitive, imperious, woman-bred — domineering the gentle mother whom he loved with passionate affection. He ruled all the rest of the little world round about him. As he grew, the elders were amazed at his haughty manner and his constant likeness to his father. He asked questions about everything, as inquiring youth will do. The profundity of his remarks and interrogatories astonished his old grandfather, who perfectly bored the club at the tavern with stories about the little lad’s learning and genius. He suffered his grandmother with a good-humoured indifference. The small circle round about him believed that the equal of the boy did not exist upon the earth. Georgy inherited his father’s pride, and perhaps thought they were not wrong. Als er ungefähr sechs Jahre alt war, begann Dobbin ihm häufig zu schreiben. Der Major wollte wissen, ob Georgy eine Schule besuche, und hoffte, daß er dort Ehre einlege – oder wolle er vielleicht einen guten Hauslehrer haben? Es wurde höchste Zeit, daß er anfing, etwas zu lernen, und sein Pate und Vormund deutete an, er hoffe, man werde ihn die Kosten der Erziehung des Knaben bestreiten lassen, da es der Mutter mit ihrem geringen Einkommen sehr schwerfallen würde. Mit einem Wort, der Major dachte stets an Amelia und ihren kleinen Jungen, und durch Vermittlung seines Beauftragten versorgte er ihn ständig mit Bilderbüchern, Tuschkästen, Schreibutensilien und allen möglichen belustigenden und belehrenden Dingen. Drei Tage vor Georges sechstem Geburtstag fuhr ein Herr in einem Einspänner, begleitet von einem Bedienten, an Mr. Sedleys Hause vor und fragte nach Master George Osborne. Er war Woolsey, der Militärschneider aus der Conduit Street, der im Auftrage des Majors dem jungen Herrn zu einem Anzug Maß nehmen sollte. Er hatte früher die Ehre gehabt, für den Hauptmann, den Vater des jungen Herrn, zu arbeiten. Manchmal, und zweifellos auf den Wunsch des Majors, kamen seine Schwestern, die Misses Dobbin, in der Familienkutsche, um Amelia und den Kleinen zu einer Spazierfahrt abzuholen, falls sie Lust dazu hätten. Die Gönnermiene und Freundlichkeit dieser Damen war Amelia sehr unangenehm, aber sie trug sie mit Sanftmut, denn es lag in ihrer Natur nachzugeben, und außerdem machte die prächtige Kutsche dem kleinen Georgy ungeheures Vergnügen. Gelegentlich baten die Damen, daß das Kind einen Tag bei ihnen verbringen dürfe, und George freute sich stets, die schöne Villa in der Straße Denmark Hill zu besuchen, wo sie wohnten und wo es so schöne Trauben in den Gewächshäusern und Pfirsiche an den Mauern gab.   When he grew to be about six years old, Dobbin began to write to him very much. The Major wanted to hear that Georgy was going to a school and hoped he would acquit himself with credit there: or would he have a good tutor at home? It was time that he should begin to learn; and his godfather and guardian hinted that he hoped to be allowed to defray the charges of the boy’s education, which would fall heavily upon his mother’s straitened income. The Major, in a word, was always thinking about Amelia and her little boy, and by orders to his agents kept the latter provided with picture-books, paint-boxes, desks, and all conceivable implements of amusement and instruction. Three days before George’s sixth birthday a gentleman in a gig, accompanied by a servant, drove up to Mr. Sedley’s house and asked to see Master George Osborne: it was Mr. Woolsey, military tailor, of Conduit Street, who came at the Major’s order to measure the young gentleman for a suit of clothes. He had had the honour of making for the Captain, the young gentleman’s father. Sometimes, too, and by the Major’s desire no doubt, his sisters, the Misses Dobbin, would call in the family carriage to take Amelia and the little boy to drive if they were so inclined. The patronage and kindness of these ladies was very uncomfortable to Amelia, but she bore it meekly enough, for her nature was to yield; and, besides, the carriage and its splendours gave little Georgy immense pleasure. The ladies begged occasionally that the child might pass a day with them, and he was always glad to go to that fine garden-house at Denmark Hill, where they lived, and where there were such fine grapes in the hot-houses and peaches on the walls. Eines Tages brachten sie Amelia freundlicherweise eine Nachricht, über die sie sich sicher sehr freuen würde  – etwas ungemein Interessantes über ihren lieben William.   One day they kindly came over to Amelia with news which they were sure would delight her — something very interesting about their dear William. »Was ist es, kommt er nach Hause?« fragte sie, und Freude strahlte aus ihren Augen.   “What was it: was he coming home?” she asked with pleasure beaming in her eyes. O nein, nicht das – aber sie hätten sehr guten Grund, zu glauben, daß der liebe William heiraten würde – und zwar eine Verwandte von einer sehr teuren Freundin Amelias – Miss Glorvina O'Dowd, Michael O'Dowds Schwester, die zu Lady O'Dowd nach Madras gefahren war – ein sehr hübsches, gebildetes Mädchen, wie es hieß.   “Oh, no — not the least — but they had very good reason to believe that dear William was about to be married — and to a relation of a very dear friend of Amelia’s — to Miss Glorvina O’Dowd, Sir Michael O’Dowd’s sister, who had gone out to join Lady O’Dowd at Madras — a very beautiful and accomplished girl, everybody said.” Amelia sagte: »Oh!« Amelia war wirklich sehr glücklich darüber. Sie glaubte, Glorvina könne ihrer alten Bekannten nicht sehr ähneln, die zwar sehr freundlich ... aber ... aber sie war wirklich sehr glücklich. Aus einer gewissen Regung heraus, deren Bedeutung ich nicht erklären kann, schloß sie George in die Arme und küßte ihn außerordentlich zärtlich. Ihre Augen waren feucht, als sie das Kind niedersetzte, und sie sprach während der ganzen Fahrt kein Wort mehr – obwohl sie wirklich sehr glücklich war.   Amelia said “Oh!” Amelia was very very happy indeed. But she supposed Glorvina could not be like her old acquaintance, who was most kind — but — but she was very happy indeed. And by some impulse of which I cannot explain the meaning, she took George in her arms and kissed him with an extraordinary tenderness. Her eyes were quite moist when she put the child down; and she scarcely spoke a word during the whole of the drive — though she was so very happy indeed. 39. Kapitel / Chapter 39 Ein zynisches Kapitel / A Cynical Chapter Die Pflicht führt uns jetzt ein Weilchen zu einigen alten Bekannten zurück, deren Hoffnungen auf das Vermögen ihrer reichen Verwandten so jämmerlich getäuscht worden waren. Für Bute Crawley bedeutete es einen schweren Schlag, nur fünftausend Pfund von seiner Schwester zu erhalten, wo er doch mit dreißigtausend gerechnet hatte. Nachdem er seine Schulden und die seines Sohnes James auf der Universität bezahlt hatte, blieb von dieser Summe nur ein sehr geringer Rest, um seine vier unschönen Töchter auszustatten. Mrs. Bute hatte keine Ahnung oder gab es wenigstens niemals zu, wie sehr ihr tyrannisches Benehmen dazu beigetragen hatte, ihren Mann zu ruinieren. Sie beteuerte und schwor, alles getan zu haben, was eine Frau tun konnte. War es ihre Schuld, wenn sie nicht über die Schmeichelkünste ihres heuchlerischen Neffen Pitt Crawley verfügte? Sie wünschte ihm zu seinem übel erworbenen Vermögen das Glück, das er verdiente. »Wenigstens bleibt das Geld in der Familie«, sagte sie nachsichtig. »Pitt wird es niemals ausgeben, mein Lieber, das steht fest, denn es gibt in England keinen größeren Geizhals, und er ist ebenso abscheulich, wenn auch in einer anderen Art, wie sein verschwenderischer Bruder, der liederliche Rawdon.«   Our duty now takes us back for a brief space to some old Hampshire acquaintances of ours, whose hopes respecting the disposal of their rich kinswoman’s property were so woefully disappointed. After counting upon thirty thousand pounds from his sister, it was a heavy blow. to Bute Crawley to receive but five; out of which sum, when he had paid his own debts and those of Jim, his son at college, a very small fragment remained to portion off his four plain daughters. Mrs. Bute never knew, or at least never acknowledged, how far her own tyrannous behaviour had tended to ruin her husband. All that woman could do, she vowed and protested she had done. Was it her fault if she did not possess those sycophantic arts which her hypocritical nephew, Pitt Crawley, practised? She wished him all the happiness which he merited out of his ill-gotten gains. “At least the money will remain in the family,” she said charitably. “Pitt will never spend it, my dear, that is quite certain; for a greater miser does not exist in England, and he is as odious, though in a different way, as his spendthrift brother, the abandoned Rawdon.” Mrs. Bute begann also, nach dem ersten Anfall von Wut und Enttäuschung, sich, so gut sie konnte, ihrer veränderten Vermögenslage anzupassen und zu sparen und sich einzuschränken, wo es nur immer ging. Sie brachte ihren Töchtern bei, die Armut fröhlich zu ertragen, und erfand tausend bemerkenswerte Methoden, sie zu verbergen oder ihr auszuweichen. Sie schleppte ihre Töchter mit lobenswerter Energie zu allen Bällen und Vergnügungsstätten der Umgegend, ja sie bewirtete ihre Freunde gastfreier und netter im Pfarrhaus und lud sie häufiger ein als zu der Zeit, bevor die Erbschaft der lieben Miss Crawley fällig geworden war. Ihrem äußerlichen Auftreten nach hätte niemand vermuten können, daß die Familie in ihren Erwartungen getäuscht worden war. Ebensowenig hätte man aus ihrem häufigen Erscheinen in der Öffentlichkeit schließen können, wie sie zu Hause darbten und hungerten. Die Mädchen hatten jetzt mehr Putz als je zuvor. Sie erschienen beharrlich bei den Gesellschaften in Winchester und Southampton; sie drangen bis nach Cowes vor, zu den dortigen Rennbällen und Regattavergnügungen, und ihre Kutsche mit den Pferden, die gerade aus dem Pflug kamen, war so viel unterwegs, daß man fast zu glauben begann, die vier Schwestern hätten jede ein Vermögen von ihrer Tante geerbt, deren Namen die Familie in der Öffentlichkeit nur mit der zärtlichsten Dankbarkeit und Achtung erwähnte. Ich kenne auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit keine häufigere Lüge als diese, und man kann feststellen, daß die, die nach ihr leben, sich noch viel auf ihre Heuchelei zugute halten und sich einbilden, sie seien ungeheuer tugendhaft und lobenswert, weil es ihnen gelingt, die Welt über die Größe ihres Vermögens zu täuschen.   So Mrs. Bute, after the first shock of rage and disappointment, began to accommodate herself as best she could to her altered fortunes and to save and retrench with all her might. She instructed her daughters how to bear poverty cheerfully, and invented a thousand notable methods to conceal or evade it. She took them about to balls and public places in the neighbourhood, with praiseworthy energy; nay, she entertained her friends in a hospitable comfortable manner at the Rectory, and much more frequently than before dear Miss Crawley’s legacy had fallen in. From her outward bearing nobody would have supposed that the family had been disappointed in their expectations, or have guessed from her frequent appearance in public how she pinched and starved at home. Her girls had more milliners’ furniture than they had ever enjoyed before. They appeared perseveringly at the Winchester and Southampton assemblies; they penetrated to Cowes for the race-balls and regatta-gaieties there; and their carriage, with the horses taken from the plough, was at work perpetually, until it began almost to be believed that the four sisters had had fortunes left them by their aunt, whose name the family never mentioned in public but with the most tender gratitude and regard. I know no sort of lying which is more frequent in Vanity Fair than this, and it may be remarked how people who practise it take credit to themselves for their hypocrisy, and fancy that they are exceedingly virtuous and praiseworthy, because they are able to deceive the world with regard to the extent of their means. Mrs. Bute hielt sich jedenfalls für eine der tugendhaftesten Frauen in England, und der Anblick ihrer glücklichen Familie war rührend für Fremde. Sie waren alle so fröhlich, so liebevoll, so wohlerzogen, so schlicht! Martha malte ausnehmend schöne Blumen und versah damit die Hälfte aller Wohltätigkeitsbasare in der Grafschaft. Emma war die Nachtigall der Grafschaft, und ihre Gedichte in der Dichterecke des »Hampshire Telegraph« waren die Zierde des Blattes. Fanny und Matilda sangen Duette, wobei sie ihre Mutter auf dem Klavier begleitete, während die beiden anderen einander mit den Armen umschlungen hielten und liebevoll lauschten. Niemand sah, wie die armen Mädchen zu Hause die Duette einpaukten, keiner sah, wie die Mama sie stundenlang unerbittlich drillte. Mit einem Wort, Mrs. Bute hielt dem Schicksal ein lächelndes Gesicht entgegen und wahrte den Schein vorzüglich.   Mrs. Bute certainly thought herself one of the most virtuous women in England, and the sight of her happy family was an edifying one to strangers. They were so cheerful, so loving, so well-educated, so simple! Martha painted flowers exquisitely and furnished half the charity bazaars in the county. Emma was a regular County Bulbul, and her verses in the Hampshire Telegraph were the glory of its Poet’s Corner. Fanny and Matilda sang duets together, Mamma playing the piano, and the other two sisters sitting with their arms round each other’s waists and listening affectionately. Nobody saw the poor girls drumming at the duets in private. No one saw Mamma drilling them rigidly hour after hour. In a word, Mrs. Bute put a good face against fortune and kept up appearances in the most virtuous manner. Mrs. Bute tat alles, was eine gute, ehrbare Mutter tun kann. Sie lud Yachtbesitzer aus Southampton, Geistliche der Kathedrale von Winchester und Offiziere aus den dortigen Kasernen ein. Sie versuchte die jungen Advokaten aus den Schwurgerichten anzulocken und ermunterte James, Freunde mit nach Hause zu bringen, wenn er mit Seiner Hoheit auf die Jagd ritt. Was tut nicht eine Mutter alles für das Wohl ihrer geliebten Kinder?   Everything that a good and respectable mother could do Mrs. Bute did. She got over yachting men from Southampton, parsons from the Cathedral Close at Winchester, and officers from the barracks there. She tried to inveigle the young barristers at assizes and encouraged Jim to bring home friends with whom he went out hunting with the H. H. What will not a mother do for the benefit of her beloved ones? Es ist klar, daß solch eine Frau und ihr Schwager, der abscheuliche Baronet im Schloß, nichts gemein hatten. Der Bruch zwischen Bute und seinem Bruder Sir Pitt war vollständig und auch zwischen Sir Pitt und der ganzen Grafschaft, für die der alte Mann ein Skandal war. Seine Abneigung gegen anständige Gesellschaft nahm mit den Jahren zu, und sein Parktor hatte sich niemals wieder dem Wagen eines Gentleman geöffnet, seit Pitt und Lady Jane nach ihrer Heirat einen Anstandsbesuch gemacht hatten.   Between such a woman and her brother-in-law, the odious Baronet at the Hall, it is manifest that there could be very little in common. The rupture between Bute and his brother Sir Pitt was complete; indeed, between Sir Pitt and the whole county, to which the old man was a scandal. His dislike for respectable society increased with age, and the lodge-gates had not opened to a gentleman’s carriage-wheels since Pitt and Lady Jane came to pay their visit of duty after their marriage. Das war ein entsetzlicher, unglückseliger Besuch gewesen, dessen sich die Familie nie ohne Schrecken erinnerte. Pitt bat seine Frau mit bleichem Gesicht, nie davon zu sprechen; und daß die näheren Umstände davon, wie Sir Pitt seinen Sohn und seine Schwiegertochter empfing, überhaupt bekannt wurden, war nur Mrs. Bute zu verdanken, die noch immer erfuhr, was im Schloß vorging.   That was an awful and unfortunate visit, never to be thought of by the family without horror. Pitt begged his wife, with a ghastly countenance, never to speak of it, and it was only through Mrs. Bute herself, who still knew everything which took place at the Hall, that the circumstances of Sir Pitt’s reception of his son and daughter-in-law were ever known at all. Als sie in ihrem sauberen, gut instand gehaltenen Wagen durch die Parkallee hinauffuhren, bemerkte Pitt mit Wut und Entsetzen große Lücken zwischen den Bäumen – seinen Bäumen –, die der alte Baronet ohne jede Erlaubnis hatte fällen lassen. Der Park bot einen traurigen Anblick des Verfalls. Die Wege waren schlecht gepflegt, und der saubere Wagen arbeitete sich mühsam und spritzend durch die Schlammpfützen auf der Allee vorwärts. Die große Auffahrt vor der Terrasse und der Eingangstreppe war schwarz und moosbewachsen, die einstmals wohlgepflegten Blumenbeete waren verkrautet. Fast an der ganzen Front des Hauses waren die Läden geschlossen; die große Hallentür wurde erst nach langem Läuten geöffnet. Als Horrocks endlich den Erben von Queen's Crawley und seine junge Frau in das Schloß ihrer Vorväter eintreten ließ, sah man ein Geschöpf mit fliegenden Bändern die schwarze Eichentreppe hinaufeilen. Horrocks führte sie in Sir Pitts sogenannte Bibliothek, und je mehr sich Pitt und Lady Jane diesem Raum näherten, desto stärker wurde der Tabaksqualm. »Sir Pitt fühlt sich nicht ganz wohl«, bemerkte Horrocks entschuldigend und deutete an, sein Herr leide an einem Hexenschuß.   As they drove up the avenue of the park in their neat and well-appointed carriage, Pitt remarked with dismay and wrath great gaps among the trees — his trees — which the old Baronet was felling entirely without license. The park wore an aspect of utter dreariness and ruin. The drives were ill kept, and the neat carriage splashed and floundered in muddy pools along the road. The great sweep in front of the terrace and entrance stair was black and covered with mosses; the once trim flower-beds rank and weedy. Shutters were up along almost the whole line of the house; the great hall-door was unbarred after much ringing of the bell; an individual in ribbons was seen flitting up the black oak stair, as Horrocks at length admitted the heir of Queen’s Crawley and his bride into the halls of their fathers. He led the way into Sir Pitt’s “Library,” as it was called, the fumes of tobacco growing stronger as Pitt and Lady Jane approached that apartment, “Sir Pitt ain’t very well,” Horrocks remarked apologetically and hinted that his master was afflicted with lumbago. Die Bibliothek lag zum Hauptweg und Park hin. Sir Pitt hatte ein Fenster geöffnet und brüllte zu dem Postillion und Pitts Diener hinunter, die wohl gerade das Gepäck abladen wollten.   The library looked out on the front walk and park. Sir Pitt had opened one of the windows, and was bawling out thence to the postilion and Pitt’s servant, who seemed to be about to take the baggage down. »Laßt die Koffer da in Ruhe«, schrie er und wies mit der Pfeife, die er in der Hand hielt, darauf hin. »Es ist doch bloß ein Morgenbesuch, Tucker, du Narr. Mein Gott, was für Risse das rechte Pferd an den Fesseln hat! War denn niemand im ›Königskopf‹, der sie ein bißchen einreiben konnte? Tag, Pitt! Tag, meine Liebe! Wollt den alten Mann besuchen, he? Bei Gott – du hast ein hübsches Gesicht. Bist nicht wie deine Mutter, dieser Stecken. Komm, sei ein gutes kleines Mädchen und gib dem alten Pitt einen Kuß.«   “Don’t move none of them trunks,” he cried, pointing with a pipe which he held in his hand. “It’s only a morning visit, Tucker, you fool. Lor, what cracks that off hoss has in his heels! Ain’t there no one at the King’s Head to rub ’em a little? How do, Pitt? How do, my dear? Come to see the old man, hay? ’Gad — you’ve a pretty face, too. You ain’t like that old horse-godmother, your mother. Come and give old Pitt a kiss, like a good little gal.” Die Umarmung brachte die Schwiegertochter etwas aus der Fassung, wie man es bei der Liebkosung eines unrasierten tabakduftenden alten Herrn erwarten konnte; es fiel ihr aber ein, daß auch ihr Bruder Southdown einen Schnurrbart trug und Zigarren rauchte, und sie trug das Ansinnen des Baronets mit leidlicher Anmut.   The embrace disconcerted the daughter-in-law somewhat, as the caresses of the old gentleman, unshorn and perfumed with tobacco, might well do. But she remembered that her brother Southdown had mustachios, and smoked cigars, and submitted to the Baronet with a tolerable grace. »Pitt ist fett geworden«, sagte der Baronet nach diesem Beweis seiner Neigung, »liest er dir lange Predigten vor, meine Liebe? Hundertster Psalm, Abendlied, he, Pitt? Geh und hole ein Glas Malvasier und ein Stück Kuchen für Lady Jane, Horrocks, du großer, dicker Tölpel, und steh da nicht rum und starre wie ein fettes Schwein. – Ich werde dich nicht bitten dazubleiben, meine Liebe, du würdest es zu langweilig finden, und das würde ich auch bei einem Pitt. Ich bin jetzt ein alter Mann und mache gern, was ich will, und rauche abends meine Pfeife und spiele Puff.«   “Pitt has got vat,” said the Baronet, after this mark of affection. “Does he read ee very long zermons, my dear? Hundredth Psalm, Evening Hymn, hay Pitt? Go and get a glass of Malmsey and a cake for my Lady Jane, Horrocks, you great big booby, and don’t stand stearing there like a fat pig. I won’t ask you to stop, my dear; you’ll find it too stoopid, and so should I too along a Pitt. I’m an old man now, and like my own ways, and my pipe and backgammon of a night.” »Ich kann auch Puff spielen«, sagte Lady Jane lachend. »Ich habe oft mit Papa und mit Miss Crawley gespielt  – nicht wahr, Mr. Crawley?«   “I can play at backgammon, sir,” said Lady Jane, laughing. “I used to play with Papa and Miss Crawley, didn’t I, Mr. Crawley?” »Lady Jane kennt das Spiel, das du so gern spielst, wie du erzählst«, sagte Sir Pitt hochmütig.   “Lady Jane can play, sir, at the game to which you state that you are so partial,” Pitt said haughtily. »Trotzdem wird sie aber nicht dableiben wollen. Nein, nein, fahrt wieder nach Mudbury und gebt Mrs. Rincer etwas zu verdienen, oder geht ins Pfarrhaus und bittet Buty um ein Mittagessen. Ihr wißt, er wird entzückt sein, euch zu sehen. Er ist euch so dankbar, weil er das Geld von der Alten gekriegt hat. Haha! Ein Teil davon wird reichen, das Schloß wieder zurechtzuflicken, wenn ich das Zeitliche gesegnet habe.«   But she wawn’t stop for all that. Naw, naw, goo back to Mudbury and give Mrs. Rincer a benefit; or drive down to the Rectory and ask Buty for a dinner. He’ll be charmed to see you, you know; he’s so much obliged to you for gettin’ the old woman’s money. Ha, ha! Some of it will do to patch up the Hall when I’m gone.” »Ich habe festgestellt«, sagte Pitt mit erhobener Stimme, »daß deine Leute das Holz schlagen.«   “I perceive, sir,” said Pitt with a heightened voice, “that your people will cut down the timber.” »Ja, ja, sehr schönes Wetter und gerade richtig für die Jahreszeit«, entgegnete Sir Pitt, der plötzlich taub geworden war. »Aber ich werde jetzt alt, Pitt. Gott segne dich, du bist selbst nicht mehr weit von den Fünfzig. Aber er hat sich gut gehalten, meine hübsche Lady Jane, nicht wahr? Das kommt von der Frömmigkeit, Mäßigkeit und von dem moralischen Lebenswandel. Seht mich an, ich bin bald achtzig, haha!« lachte er, nahm eine Prise und blinzelte sie an und drückte ihr die Hand.   “Yees, yees, very fine weather, and seasonable for the time of year,” Sir Pitt answered, who had suddenly grown deaf. “But I’m gittin’ old, Pitt, now. Law bless you, you ain’t far from fifty yourself. But he wears well, my pretty Lady Jane, don’t he? It’s all godliness, sobriety, and a moral life. Look at me, I’m not very fur from fowr-score — he, he”; and he laughed, and took snuff, and leered at her and pinched her hand. Pitt brachte die Rede noch einmal auf das Holz; der Baronet war aber plötzlich wieder taub geworden:   Pitt once more brought the conversation back to the timber, but the Baronet was deaf again in an instant. »Ich werde jetzt sehr alt und habe in diesem Jahr sehr böse mit dem Hexenschuß zu tun gehabt. Ich werde es nicht mehr lange machen, aber es freut mich, daß du gekommen bist, Schwiegertochter. Dein Gesicht gefällt mir, Lady Jane, es hat nichts von dem verdammten hochnäsigen Binkieschen Ausdruck. Ich will dir etwas Hübsches schenken, meine Liebe, was du bei Hofe tragen kannst.« Hiermit schlurfte er quer durch das Zimmer zu einem Schrank und entnahm ihm ein altes Kästchen mit Juwelen von beträchtlichem Wert. »Nimm das, meine Liebe«, sagte er, »es hat meiner Mutter gehört und später der ersten Lady Binkie. Hübsche Perlen – hab sie nie der Eisenhändlerstochter gegeben. Nein, nein! Nimm sie und steck sie schnell ein«, rief er, drückte seiner Schwiegertochter das Kästchen in die Hand und schlug die Schranktür zu, als Horrocks mit einem Tablett Erfrischungen eintrat.   “I’m gittin’ very old, and have been cruel bad this year with the lumbago. I shan’t be here now for long; but I’m glad ee’ve come, daughter-in-law. I like your face, Lady Jane: it’s got none of the damned high-boned Binkie look in it; and I’ll give ee something pretty, my dear, to go to Court in.” And he shuffled across the room to a cupboard, from which he took a little old case containing jewels of some value. “Take that,” said he, “my dear; it belonged to my mother, and afterwards to the first Lady Binkie. Pretty pearls — never gave ’em the ironmonger’s daughter. No, no. Take ’em and put ’em up quick,” said he, thrusting the case into his daughter’s hand, and clapping the door of the cabinet to, as Horrocks entered with a salver and refreshments. »Was haben Sie denn Pitts Frau gegeben?« fragte das bebänderte Geschöpf, als Pitt und Lady Jane von dem alten Herrn Abschied genommen hatten. Es war Miss Horrocks, die Tochter des Butlers, die Ursache des Ärgernisses der Grafschaft – die Dame, die jetzt fast uneingeschränkt das Zepter in Queen's Crawley führte.   “What have you a been and given Pitt’s wife?” said the individual in ribbons, when Pitt and Lady Jane had taken leave of the old gentleman. It was Miss Horrocks, the butler’s daughter — the cause of the scandal throughout the county — the lady who reigned now almost supreme at Queen’s Crawley. Der kometenhafte Aufstieg dieser Bänder war von der Grafschaft und der Familie mit Bestürzung bemerkt worden. Die Bänder hatten ein Konto bei der Sparkassenzweigstelle in Mudbury eröffnet. Die Bänder belegten die Ponykutsche völlig mit Beschlag, die den Dienern im Schloß zur Verfügung stand, und fuhren zur Kirche. Die Hausangestellten wurden nach ihrem Gutdünken entlassen. Der schottische Gärtner hatte bisher immer noch auf dem Gute ausgehalten, weil er auf seine Spaliere und Gewächshäuser stolz war und weil die Früchte des Gartens, den er bebaute, ihm durch den Verkauf in Southampton ein leidliches Auskommen brachten. An einem sonnigen Morgen überraschte er die Bänder an der Südwand beim Pfirsichessen, und als er gegen diesen Angriff auf sein Eigentum Einspruch erhob, wurde er noch geohrfeigt. Er, seine schottische Frau und seine schottischen Kinder, die einzigen achtbaren Bewohner von Queen's Crawley, sahen sich also gezwungen, mit Hab und Gut abzuziehen. Sie überließen den stattlichen, hübschen Garten dem Verderben und die Blumenbeete dem Unkraut. Der Rosengarten der armen Lady Crawley wurde eine traurige Wüste. Nur ganz wenige Dienstboten blieben schaudernd in der öden alten Bedientenstube zurück. Die Stallungen und Wirtschaftsgebäude waren leer, verschlossen und halb verfallen. Sir Pitt lebte ganz zurückgezogen und trank abends mit Horrocks, dem Butler oder Hausverwalter, wie man ihn jetzt zu nennen anfing, und den lasterhaften Bändern. Die Zeiten hatten sich sehr geändert, seit sie im offenen Wagen nach Mudbury gefahren war und die kleinen Geschäftsleute mit »Sir« tituliert hatte. War es Scham vor seinen Nachbarn oder Abneigung gegen sie – jedenfalls kam der alte Zyniker von Queen's Crawley kaum aus seinem Parktor heraus. Wenn er sich mit seinen Agenten zankte oder seine Pächter plagte, so geschah es schriftlich. Seine Tage waren mit Briefeschreiben angefüllt, die Rechtsanwälte und Gutsverwalter, die mit ihm zu tun hatten, gelangten nur durch die Bänder zu ihm. Die Dame empfing sie an der Tür des Haushälterinnenzimmers, die den Hintereingang beherrschte, durch den sie eingelassen wurden. So wuchsen die Schwierigkeiten des Baronets täglich, und immer neue Verwicklungen traten ein.   The rise and progress of those Ribbons had been marked with dismay by the county and family. The Ribbons opened an account at the Mudbury Branch Savings Bank; the Ribbons drove to church, monopolising the pony-chaise, which was for the use of the servants at the Hall. The domestics were dismissed at her pleasure. The Scotch gardener, who still lingered on the premises, taking a pride in his walls and hot-houses, and indeed making a pretty good livelihood by the garden, which he farmed, and of which he sold the produce at Southampton, found the Ribbons eating peaches on a sunshiny morning at the south-wall, and had his ears boxed when he remonstrated about this attack on his property. He and his Scotch wife and his Scotch children, the only respectable inhabitants of Queen’s Crawley, were forced to migrate, with their goods and their chattels, and left the stately comfortable gardens to go to waste, and the flower-beds to run to seed. Poor Lady Crawley’s rose-garden became the dreariest wilderness. Only two or three domestics shuddered in the bleak old servants’ hall. The stables and offices were vacant, and shut up, and half ruined. Sir Pitt lived in private, and boozed nightly with Horrocks, his butler or house-steward (as he now began to be called), and the abandoned Ribbons. The times were very much changed since the period when she drove to Mudbury in the spring-cart and called the small tradesmen “Sir.” It may have been shame, or it may have been dislike of his neighbours, but the old Cynic of Queen’s Crawley hardly issued from his park-gates at all now. He quarrelled with his agents and screwed his tenants by letter. His days were passed in conducting his own correspondence; the lawyers and farm-bailiffs who had to do business with him could not reach him but through the Ribbons, who received them at the door of the housekeeper’s room, which commanded the back entrance by which they were admitted; and so the Baronet’s daily perplexities increased, and his embarrassments multiplied round him. Man kann sich Pitt Crawleys Entsetzen vorstellen, als dieser musterhafte, korrekte Mann die Gerüchte vom Altersschwachsinn seines Vaters vernahm. Täglich zitterte er vor der Nachricht, daß die Bänder noch seine zweite Stiefmutter würden. Nach diesem ersten und letzten Besuch wurde Sir Pitts Name in dem höflichen, vornehmen Haus seines Sohnes nicht wieder erwähnt. Er war das Familiengespenst, an dem alle erschrocken und stumm vorübergingen. Die Gräfin Southdown reichte weiterhin die aufregendsten Traktate aus ihrer Kutsche in den Pförtnereingang hinein – Traktate, die einem vor Entsetzen die Haare hätten zu Berge treiben müssen. Mrs. Bute im Pfarrhaus blickte allabendlich hinaus, ob der Himmel über den Ulmen, hinter denen das Schloß stand, gerötet sei und das Gutshaus vielleicht brenne. Sir G. Wapshot und Sir H. Fuddleston, alte Freunde des Hauses, wollten bei den Quartalsgerichtstagen nicht mehr auf einer Bank mit Sir Pitt sitzen und schnitten den ruchlosen Alten, als er ihnen in der Hauptstraße von Southampton seine schmutzige Hand hinhielt. Aber nichts beeindruckte ihn; er steckte die Hände wieder in die Taschen und brach in lautes Gelächter aus, als er in seinen Vierspänner kletterte; er lachte auch über Lady Southdowns Traktate, und er lachte über seine Söhne und über die Welt und über die Bänder, wenn sie zornig waren, was nicht selten vorkam.   The horror of Pitt Crawley may be imagined, as these reports of his father’s dotage reached the most exemplary and correct of gentlemen. He trembled daily lest he should hear that the Ribbons was proclaimed his second legal mother-in-law. After that first and last visit, his father’s name was never mentioned in Pitt’s polite and genteel establishment. It was the skeleton in his house, and all the family walked by it in terror and silence. The Countess Southdown kept on dropping per coach at the lodge-gate the most exciting tracts, tracts which ought to frighten the hair off your head. Mrs. Bute at the parsonage nightly looked out to see if the sky was red over the elms behind which the Hall stood, and the mansion was on fire. Sir G. Wapshot and Sir H. Fuddlestone, old friends of the house, wouldn’t sit on the bench with Sir Pitt at Quarter Sessions, and cut him dead in the High Street of Southampton, where the reprobate stood offering his dirty old hands to them. Nothing had any effect upon him; he put his hands into his pockets, and burst out laughing, as he scrambled into his carriage and four; he used to burst out laughing at Lady Southdown’s tracts; and he laughed at his sons, and at the world, and at the Ribbons when she was angry, which was not seldom. Miss Horrocks war als Haushälterin in Queen's Crawley angestellt und regierte alle Dienstboten dort mit Hoheit und Strenge. Alle Diener waren gehalten, sie mit »Madame« anzureden, und ein kleines Mädchen, das sich eine Beförderung erschmeicheln wollte, nannte sie beständig »Lady«, ohne von der Haushälterin zurechtgewiesen zu werden. »Es hat schon bessere Ladys gegeben, aber auch schlechtere, Hester«, war Miss Horrocks' Antwort auf dieses Kompliment ihrer Untergebenen. So herrschte sie über alle mit Ausnahme ihres Vaters, den sie jedoch sehr hochmütig behandelte und warnte, sich nicht zu vertraulich zu geben gegen eine, »die die Frau von einem Baronet werden würde«. Sie übte diese erhabene Rolle zu ihrer großen Genugtuung und zur Belustigung des alten Sir Pitt, der über ihre Mienen und Bewegungen kicherte und über ihre angenommene Würde und die Nachahmung des vornehmen Lebensstils stundenlang lachen konnte. Er beteuerte, es sei ein wahres Schauspiel, sie in der Rolle einer feinen Dame zu sehen, und er ließ sie ein Hofgewand der ersten Lady Crawley anlegen. Dabei schwor er, daß es sie wundervoll kleide (was völlig Miss Horrocks' Meinung entsprach), und kündigte an, sie sofort vierspännig an den Hof zu fahren. Sie plünderte die Garderobe der beiden verstorbenen Ladys, änderte deren nachgelassenen Putz nach ihrem eigenen Geschmack und ihrer Figur und trug sie ab. Gern wäre sie auch in den Besitz der Juwelen und Schmucksachen gelangt, aber der alte Baronet hatte sie in seinen Privatschrank eingeschlossen und ließ sich den Schlüssel nicht abschmeicheln oder abschwatzen. Tatsächlich entdeckte man, einige Zeit nachdem diese Dame Queen's Crawley verlassen hatte, ein Schreibheft von ihr, das zeigte, daß sie sich insgeheim große Mühe gegeben hatte, die Kunst des Schreibens im allgemeinen und speziell das Schreiben ihres Namens als Lady Crawley, Lady Betsy Horrocks, Lady Elizabeth Crawley und so weiter zu lernen.   Miss Horrocks was installed as housekeeper at Queen’s Crawley, and ruled all the domestics there with great majesty and rigour. All the servants were instructed to address her as “Mum,” or “Madam" — and there was one little maid, on her promotion, who persisted in calling her “My Lady,” without any rebuke on the part of the housekeeper. “There has been better ladies, and there has been worser, Hester,” was Miss Horrocks’ reply to this compliment of her inferior; so she ruled, having supreme power over all except her father, whom, however, she treated with considerable haughtiness, warning him not to be too familiar in his behaviour to one “as was to be a Baronet’s lady.” Indeed, she rehearsed that exalted part in life with great satisfaction to herself, and to the amusement of old Sir Pitt, who chuckled at her airs and graces, and would laugh by the hour together at her assumptions of dignity and imitations of genteel life. He swore it was as good as a play to see her in the character of a fine dame, and he made her put on one of the first Lady Crawley’s court-dresses, swearing (entirely to Miss Horrocks’ own concurrence) that the dress became her prodigiously, and threatening to drive her off that very instant to Court in a coach-and-four. She had the ransacking of the wardrobes of the two defunct ladies, and cut and hacked their posthumous finery so as to suit her own tastes and figure. And she would have liked to take possession of their jewels and trinkets too; but the old Baronet had locked them away in his private cabinet; nor could she coax or wheedle him out of the keys. And it is a fact, that some time after she left Queen’s Crawley a copy-book belonging to this lady was discovered, which showed that she had taken great pains in private to learn the art of writing in general, and especially of writing her own name as Lady Crawley, Lady Betsy Horrocks, Lady Elizabeth Crawley, \&c. Obwohl die braven Leute aus dem Pfarrhaus nie ins Schloß kamen und den entsetzlichen kindischen Greis, seinen Besitzer, mieden, hielten sie sich doch beständig über alles, was dort geschah, auf dem laufenden und erwarteten täglich die Katastrophe, auf die Miss Horrocks ebenfalls begierig war. Das Schicksal griff jedoch neidisch ein und raubte ihr den Lohn für so makellose Liebe und Tugend.   Though the good people of the Parsonage never went to the Hall and shunned the horrid old dotard its owner, yet they kept a strict knowledge of all that happened there, and were looking out every day for the catastrophe for which Miss Horrocks was also eager. But Fate intervened enviously and prevented her from receiving the reward due to such immaculate love and virtue. Eines Tages überraschte der Baronet die »Lady«, wie er sie scherzhaft nannte, an dem alten verstimmten Klavier im Salon, das seit der Zeit, als Becky Sharp Quadrillen darauf gespielt hatte, fast unberührt geblieben war. Sie saß mit viel Würde vor dem Klavier und ahmte mit schriller Stimme nach besten Kräften die Lieder nach, die sie zuweilen gehört hatte. Das kleine beförderungsbeflissene Küchenmädchen stand neben ihrer Herrin, nickte entzückt mit dem Kopf und rief: »Gott, Madame, das ist aber sehr schön!« – genau wie ein vornehmer Schmeichler in einem wirklichen Salon.   One day the Baronet surprised “her ladyship,” as he jocularly called her, seated at that old and tuneless piano in the drawing-room, which had scarcely been touched since Becky Sharp played quadrilles upon it — seated at the piano with the utmost gravity and squalling to the best of her power in imitation of the music which she had sometimes heard. The little kitchen-maid on her promotion was standing at her mistress’s side, quite delighted during the operation, and wagging her head up and down and crying, “Lor, Mum, ’tis bittiful" — just like a genteel sycophant in a real drawing-room. Dieser Vorfall veranlaßte den alten Baronet zu seinem üblichen brüllenden Gelächter. Er erzählte es Horrocks im Laufe des Abends ein dutzendmal, zum Verdruß von Miss Horrocks. Er trommelte auf dem Tisch wie auf einem Musikinstrument und imitierte ihren Gesang mit schriller Stimme. Er beteuerte, daß eine so schöne Stimme ausgebildet werden müßte, und erklärte, sie sollte einen Gesanglehrer bekommen. Sie fand an diesem Vorschlag nichts Lächerliches. Er war an diesem Abend in großartiger Laune und trank mit seinem Freund und Butler eine ungewöhnliche Menge Grog. Erst zu sehr später Stunde brachte der treue Freund und Diener seinen Herrn in sein Schlafzimmer.   This incident made the old Baronet roar with laughter, as usual. He narrated the circumstance a dozen times to Horrocks in the course of the evening, and greatly to the discomfiture of Miss Horrocks. He thrummed on the table as if it had been a musical instrument, and squalled in imitation of her manner of singing. He vowed that such a beautiful voice ought to be cultivated and declared she ought to have singing-masters, in which proposals she saw nothing ridiculous. He was in great spirits that night, and drank with his friend and butler an extraordinary quantity of rum-and-water — at a very late hour the faithful friend and domestic conducted his master to his bedroom. Eine halbe Stunde später begann im Haus ein geschäftiges Hin und Her. Lichter wanderten in dem einsamen, öden, alten Schloß von Fenster zu Fenster, wo doch gewöhnlich nur ein paar Räume vom Besitzer bewohnt wurden. Bald darauf galoppierte ein junger Bursche auf einem Pony nach Mudbury zum Doktor. Eine Stunde später wanderte Mrs. Bute Crawley in Holzschuhen und Kapuze mit Ehrwürden Bute Crawley und ihrem Sohn James Crawley vom Pfarrhaus los, durch den Park, und sie betraten das Gutshaus durch den offenen Haupteingang.   Half an hour afterwards there was a great hurry and bustle in the house. Lights went about from window to window in the lonely desolate old Hall, whereof but two or three rooms were ordinarily occupied by its owner. Presently, a boy on a pony went galloping off to Mudbury, to the Doctor’s house there. And in another hour (by which fact we ascertain how carefully the excellent Mrs. Bute Crawley had always kept up an understanding with the great house), that lady in her clogs and calash, the Reverend Bute Crawley, and James Crawley, her son, had walked over from the Rectory through the park, and had entered the mansion by the open hall-door. Sie durchschritten die Halle und das kleine eichengetäfelte Wohnzimmer, wo auf dem Tisch noch die drei Gläser und die leere Rumflasche von Sir Pitts Gelage standen, und gelangten in Sir Pitts Bibliothek. Dort fanden sie Miss Horrocks von den schuldigen Bändern mit einem Schlüsselbund wie wild an den Schränken und Schreibpulten herumhantieren. Sie ließ es mit einem Schreckensschrei fallen, als sie die Augen der kleinen Mrs. Bute unter der schwarzen Kapuze her anfunkelten.   They passed through the hall and the small oak parlour, on the table of which stood the three tumblers and the empty rum-bottle which had served for Sir Pitt’s carouse, and through that apartment into Sir Pitt’s study, where they found Miss Horrocks, of the guilty ribbons, with a wild air, trying at the presses and escritoires with a bunch of keys. She dropped them with a scream of terror, as little Mrs. Bute’s eyes flashed out at her from under her black calash. »Schaut euch das an, James und Mr. Crawley«, rief Mrs. Bute und wies auf das erschrockene Gesicht der schwarzäugigen, schuldbewußten Dirne.   “Look at that, James and Mr. Crawley,” cried Mrs. Bute, pointing at the scared figure of the black-eyed, guilty wench. »Er hat sie mir geschenkt; er hat sie mir geschenkt!« schrie diese.   “He gave ’em me; he gave ’em me!” she cried. »Dir geschenkt, du verworfenes Geschöpf!« kreischte Mrs. Bute. »Du bist Zeuge, Mr. Crawley, daß wir dieses nichtsnutzige Weibstück auf frischer Tat ertappt haben, wie sie deines Bruders Eigentum gestohlen hat, und sie wird an den Galgen kommen, wie ich ihr immer schon prophezeit habe.«   “Gave them you, you abandoned creature!” screamed Mrs. Bute. “Bear witness, Mr. Crawley, we found this good-for-nothing woman in the act of stealing your brother’s property; and she will be hanged, as I always said she would.” Betsy Horrocks, jetzt völlig eingeschüchtert, brach in Tränen aus und warf sich auf die Knie. Wer aber eine wirklich brave Frau kennt, weiß auch, daß sie es mit dem Verzeihen nicht so eilig hat und daß die Demütigung eines Feindes der höchste Triumph für sie ist.   Betsy Horrocks, quite daunted, flung herself down on her knees, bursting into tears. But those who know a really good woman are aware that she is not in a hurry to forgive, and that the humiliation of an enemy is a triumph to her soul. »Läute, James«, sagte Mrs. Bute. »Läute, bis jemand kommt.« Die paar Dienstboten, die sich in dem öden, alten Hause aufhielten, stellten sich auf das fortwährende Klingeln bald ein.   “Ring the bell, James,” Mrs. Bute said. “Go on ringing it till the people come.” The three or four domestics resident in the deserted old house came presently at that jangling and continued summons. »Führt das Weibstück in das vergitterte Zimmer«, sagte sie. »Wir haben sie auf frischer Tat ertappt, als sie Sir Pitt bestahl. Mr. Crawley, du wirst den Haftbefehl ausstellen –und Sie, Beddoes, Sie werden sie morgen früh im Wagen ins Southamptoner Gefängnis bringen.«   “Put that woman in the strong-room,” she said. “We caught her in the act of robbing Sir Pitt. Mr. Crawley, you’ll make out her committal — and, Beddoes, you’ll drive her over in the spring cart, in the morning, to Southampton Gaol.” »Meine Liebe«, wendete der Friedensrichter und Pfarrer ein, »sie hat doch nur...«   “My dear,” interposed the Magistrate and Rector — "she’s only — ” »Sind denn keine Handschellen hier?« fuhr Mrs. Bute fort und stampfte mit den Holzschuhen auf. »Es waren doch sonst immer Handschellen hier. Wo ist der widerwärtige Vater dieser Kreatur?«   “Are there no handcuffs?” Mrs. Bute continued, stamping in her clogs. “There used to be handcuffs. Where’s the creature’s abominable father?” »Er hat sie mir aber doch geschenkt«, rief die arme Betsy wieder, »nicht wahr, Hester? Nicht wahr, du hast es gesehen, wie Sir Pitt sie mir geschenkt hat – lange, lange her, am Tag nach dem Jahrmarkt in Mudbury. – Nicht, daß ich sie brauche. Nehmen Sie sie, wenn Sie nicht glauben, daß sie mir gehören.« Mit diesen Worten zog die Unglückselige ein Paar große, mit falschen Steinen besetzte Schuhschnallen aus der Tasche, die ihr in die Augen gestochen hatten und die sie sich gerade aus einem Bücherschrank in der Bibliothek angeeignet hatte.   “He did give ’em me,” still cried poor Betsy; “didn’t he, Hester? You saw Sir Pitt — you know you did — give ’em me, ever so long ago — the day after Mudbury fair: not that I want ’em. Take ’em if you think they ain’t mine.” And here the unhappy wretch pulled out from her pocket a large pair of paste shoe-buckles which had excited her admiration, and which she had just appropriated out of one of the bookcases in the study, where they had lain. »Gott, Betsy, wie kannst du nur so eine abscheuliche Geschichte erzählen«, sagte Hester, das kleine, ehemals so beförderungsbeflissene Küchenmädchen, »und noch dazu der Madame Crawley, die so gut und freundlich ist, und Ehrwürden« (mit einem Knicks), »und meine Kästen können Sie alle durchsuchen, Madame, und hier sind meine Schlüssel, denn ich bin ein ehrliches Mädchen, wenn auch von armen Eltern und im Armenhaus aufgewachsen – und wenn Sie auch nur ein lumpiges Stückchen Spitze oder einen seidenen Strumpf von all den Sachen finden, wo die sich welche rausgesucht hat, so will ich das letztemal zur Kirche gegangen sein.«   “Law, Betsy, how could you go for to tell such a wicked story!” said Hester, the little kitchen-maid late on her promotion — "and to Madame Crawley, so good and kind, and his Rev’rince (with a curtsey), and you may search all my boxes, Mum, I’m sure, and here’s my keys as I’m an honest girl, though of pore parents and workhouse bred — and if you find so much as a beggarly bit of lace or a silk stocking out of all the gownds as you’ve had the picking of, may I never go to church agin.” »Gib die Schlüssel her, du abgebrühte Hexe«, zischte die tugendsame kleine Dame in der Kapuze.   “Give up your keys, you hardened hussy,” hissed out the virtuous little lady in the calash. »Und hier ist eine Kerze, Madame, und wenn Sie wollen, dann kann ich Ihnen ihr Zimmer zeigen und den Schrank im Haushälterinnenzimmer, wo sie die Sachen haufenweise aufgestapelt hat«, schrie die eifrige kleine Hester unter unzähligen Knicksen.   “And here’s a candle, Mum, and if you please, Mum, I can show you her room, Mum, and the press in the housekeeper’s room, Mum, where she keeps heaps and heaps of things, Mum,” cried out the eager little Hester with a profusion of curtseys. »Halt gefälligst den Mund. Ich kenn das Zimmer, wo die Kreatur wohnt, recht gut. Mrs. Brown, haben Sie die Güte, mit mir zu kommen, und Sie, Beddoes, lassen Sie das Weib nicht aus den Augen«, sagte Mrs. Bute und ergriff die Kerze. »Mr. Crawley, geh du lieber hinauf und paß auf, daß sie deinen unglücklichen Bruder nicht umbringen.« Mit diesen Worten schritt die Kapuze, begleitet von Mrs. Brown, davon, zu dem Zimmer, das sie, wie sie wahrheitsgemäß bemerkt hatte, sehr gut kannte.   “Hold your tongue, if you please. I know the room which the creature occupies perfectly well. Mrs. Brown, have the goodness to come with me, and Beddoes don’t you lose sight of that woman,” said Mrs. Bute, seizing the candle. “Mr. Crawley, you had better go upstairs and see that they are not murdering your unfortunate brother" — and the calash, escorted by Mrs. Brown, walked away to the apartment which, as she said truly, she knew perfectly well. Bute ging hinauf und fand dort den Arzt aus Mudbury und den erschrockenen Horrocks, der sich über seinen Herrn im Stuhl beugte. Sie versuchten, Sir Pitt zur Ader zu lassen.   Bute went upstairs and found the Doctor from Mudbury, with the frightened Horrocks over his master in a chair. They were trying to bleed Sir Pitt Crawley. Früh am nächsten Morgen schickte die Pfarrersfrau, die sofort das Kommando an sich gerissen und die ganze Nacht bei dem alten Baronet gewacht hatte, einen Eilbrief an Mr. Pitt. Der Alte war zu einer Art Leben zurückgebracht worden, er konnte nicht sprechen, schien aber die Menschen zu erkennen. Mrs. Bute behauptete entschlossen ihren Posten an seinem Bett. Die kleine Frau schien keinen Schlaf zu brauchen; sie schloß ihre funkelnden schwarzen Augen nicht ein einziges Mal, obgleich der Doktor in seinem Armsessel schnarchte. Horrocks machte einige verzweifelte Anstrengungen, um seine Autorität zu behaupten und seinem Herrn beizustehen. Mrs. Bute nannte ihn jedoch einen betrunkenen alten Halunken und riet ihm, sein Gesicht in diesem Haus nie wieder blicken zu lassen, wenn er nicht deportiert werden wolle wie seine abscheuliche Tochter.   With the early morning an express was sent off to Mr. Pitt Crawley by the Rector’s lady, who assumed the command of everything, and had watched the old Baronet through the night. He had been brought back to a sort of life; he could not speak, but seemed to recognize people. Mrs. Bute kept resolutely by his bedside. She never seemed to want to sleep, that little woman, and did not close her fiery black eyes once, though the Doctor snored in the arm-chair. Horrocks made some wild efforts to assert his authority and assist his master; but Mrs. Bute called him a tipsy old wretch and bade him never show his face again in that house, or he should be transported like his abominable daughter. Von ihrem Benehmen in großen Schrecken versetzt, schlich er sich in das eichengetäfelte Zimmer hinab, wo er James antraf. Dieser hatte die Flasche, die dort stand, untersucht und sie leer gefunden, er befahl deshalb Mr. Horrocks, eine neue Flasche und saubere Gläser zu holen. Der Pfarrer und sein Sohn setzten sich an den Tisch und befahlen Horrocks, sofort die Schlüssel hinzulegen und sich nicht wieder blicken zu lassen.   Terrified by her manner, he slunk down to the oak parlour where Mr. James was, who, having tried the bottle standing there and found no liquor in it, ordered Mr. Horrocks to get another bottle of rum, which he fetched, with clean glasses, and to which the Rector and his son sat down, ordering Horrocks to put down the keys at that instant and never to show his face again. Horrocks, von diesem Benehmen entmutigt, gab die Schlüssel ab, und er und seine Tochter machten sich noch in derselben Nacht heimlich davon und gaben damit alle Besitzerrechte im Schloß von Queen's Crawley auf.   Cowed by this behaviour, Horrocks gave up the keys, and he and his daughter slunk off silently through the night and gave up possession of the house of Queen’s Crawley. 40. Kapitel / Chapter 40 In dem Becky von der Familie anerkannt wird / In Which Becky Is Recognized by the Family Der Erbe von Crawley kam bald nach dieser Katastrophe nach Hause, und von dieser Zeit an regierte er in Queen's Crawley. Der alte Baronet lebte zwar noch mehrere Monate, gewann aber nie völlig den Gebrauch seines Verstandes oder die Sprache wieder, und die Verwaltung des Besitzes ging auf seinen ältesten Sohn über. Pitt fand ihn in einem merkwürdigen Zustand. Sir Pitt war beständig mit Käufen und Hypotheken beschäftigt gewesen; er hatte zwanzig Anwälte beschäftigt, und mit allen hatte er im Streit gelegen; Streitigkeiten und Prozesse mit seinen Pächtern; Prozesse mit den Advokaten; Prozesse mit den Bergbau- und Hafengesellschaften, deren Mitinhaber er war; Prozesse mit jedermann, der geschäftlich mit ihm zu tun gehabt hatte. Diese verwickelten Verhältnisse aufzuklären und den Besitz in Ordnung zu bringen war eine des genauen und ausdauernden Diplomaten von Pumpernickel würdige Aufgabe, und mit bewundernswertem Fleiß machte er sich an die Arbeit. Natürlich siedelte er seine ganze Familie nach Queen's Crawley um und unter ihnen natürlich Lady Southdown. Sie ging daran, die Gemeinde vor der Nase des Pfarrers zu bekehren, und zum Ärger der wütenden Mrs. Bute brachte sie ihre Pseudogeistlichen mit. Sir Pitt hatte noch keinen Kaufvertrag über die Pfründe von Queen's Crawley abgeschlossen; und Lady Southdown schlug vor, sie wolle selbst das Patronat übernehmen und die Pfarre einem ihrer jugendlichen Schützlinge geben, wenn sie erledigt sein würde. Der diplomatische Pitt erwiderte darauf kein Wort.   The heir of Crawley arrived at home, in due time, after this catastrophe, and henceforth may be said to have reigned in Queen’s Crawley. For though the old Baronet survived many months, he never recovered the use of his intellect or his speech completely, and the government of the estate devolved upon his elder son. In a strange condition Pitt found it. Sir Pitt was always buying and mortgaging; he had twenty men of business, and quarrels with each; quarrels with all his tenants, and lawsuits with them; lawsuits with the lawyers; lawsuits with the Mining and Dock Companies in which he was proprietor; and with every person with whom he had business. To unravel these difficulties and to set the estate clear was a task worthy of the orderly and persevering diplomatist of Pumpernickel, and he set himself to work with prodigious assiduity. His whole family, of course, was transported to Queen’s Crawley, whither Lady Southdown, of course, came too; and she set about converting the parish under the Rector’s nose, and brought down her irregular clergy to the dismay of the angry Mrs Bute. Sir Pitt had concluded no bargain for the sale of the living of Queen’s Crawley; when it should drop, her Ladyship proposed to take the patronage into her own hands and present a young protege to the Rectory, on which subject the diplomatic Pitt said nothing. Mrs. Butes Absichten in bezug auf Betsy Horrocks kamen nicht zur Ausführung. Betsy stattete dem Southamptoner Gefängnis keinen Besuch ab. Sie verließ mit ihrem Vater das Herrenhaus, und er ergriff Besitz vom Gasthaus »Zum Wappen Crawleys« im Dorf, das er von Sir Pitt gepachtet hatte. Der ehemalige Butler hatte außerdem ein kleines Gütchen erworben, wodurch er Stimmrecht im Wahlflecken bekam. Der Pfarrer war ebenfalls stimmberechtigt, und diese beiden und noch vier andere bildeten die Wählerschaft, die die beiden Vertreter für Queen's Crawley im Parlament ernannten.   Mrs. Bute’s intentions with regard to Miss Betsy Horrocks were not carried into effect, and she paid no visit to Southampton Gaol. She and her father left the Hall when the latter took possession of the Crawley Arms in the village, of which he had got a lease from Sir Pitt. The ex-butler had obtained a small freehold there likewise, which gave him a vote for the borough. The Rector had another of these votes, and these and four others formed the representative body which returned the two members for Queen’s Crawley. Zwischen den Damen im Pfarrhaus und im Schloß wurde zum Schein ein höflicher Verkehr aufrechterhalten, wenigstens zwischen den jüngeren, denn Mrs. Bute und Lady Southdown konnten sich bei ihren Begegnungen nie kampflos trennen, und allmählich hörten sie auf, einander zu besuchen. Die Lady blieb auf ihrem Zimmer, wenn die Damen aus dem Pfarrhaus ihre Verwandten besuchten. Wahrscheinlich mißfiel Mr. Pitt diese gelegentliche Abwesenheit seiner Schwiegermama gar nicht sehr. Er hielt die Familie Binkie für die bedeutendste und weiseste und interessanteste der Welt; die Lady und seine Tante hatten ihn lange unter ihrem Joch gehalten. Zuweilen dachte er aber doch, daß sie ihn zu sehr herumkommandiere. Es war zweifellos schmeichelhaft, für jung zu gelten, aber ihn mit sechsundvierzig Jahren wie einen Knaben zu behandeln war manchmal doch kränkend. Lady Jane dagegen gab ihrer Mutter in allen Stücken nach. Sie zeigte ihren Kindern ihre Liebe nur insgeheim und konnte noch von Glück sagen, daß Lady Southdowns vielfältige Aufgaben, ihre Konferenzen mit Geistlichen und ihr Briefwechsel mit allen Missionaren in Afrika, Asien, Australasien und so weiter die würdige Gräfin so stark beschäftigten, daß sie ihrer Enkelin, der kleinen Matilda, und ihrem Enkel, Master Pitt Crawley, nur einen kleinen Teil ihrer Zeit widmen konnte. Er war ein schwächliches Kind, und Lady Southdown hatte ihn nur durch ungeheure Quantitäten von Kalomel überhaupt am Leben halten können.   There was a show of courtesy kept up between the Rectory and the Hall ladies, between the younger ones at least, for Mrs. Bute and Lady Southdown never could meet without battles, and gradually ceased seeing each other. Her Ladyship kept her room when the ladies from the Rectory visited their cousins at the Hall. Perhaps Mr. Pitt was not very much displeased at these occasional absences of his mamma-in-law. He believed the Binkie family to be the greatest and wisest and most interesting in the world, and her Ladyship and his aunt had long held ascendency over him; but sometimes he felt that she commanded him too much. To be considered young was complimentary, doubtless, but at six-and-forty to be treated as a boy was sometimes mortifying. Lady Jane yielded up everything, however, to her mother. She was only fond of her children in private, and it was lucky for her that Lady Southdown’s multifarious business, her conferences with ministers, and her correspondence with all the missionaries of Africa, Asia, aud Australasia, \&c., occupied the venerable Countess a great deal, so that she had but little time to devote to her granddaughter, the little Matilda, and her grandson, Master Pitt Crawley. The latter was a feeble child, and it was only by prodigious quantities of calomel that Lady Southdown was able to keep him in life at all. Sir Pitt zog sich in dieselben Gemächer zurück, wo einst Lady Crawley verlöscht war. Miss Hester, das beförderungsbeflissene Mädchen, pflegte ihn hier mit fleißiger Sorgfalt. Welche Liebe, welche Treue, welche Beständigkeit gleicht der einer gut entlohnten Wärterin. Sie glättet das Kopfkissen und bereitet Stärkungsmittel aus Pfeilwurzeln, steht nachts auf, erträgt Klagen und Nörgeleien, verlangt trotz strahlenden Sonnenscheins nicht, ins Freie hinauszugehen; sie schläft im Armstuhl und ißt ganz allein; sie verbringt lange, lange Abende mit Nichtstun und beobachtet nur die Kohlenglut und die im Topf wallenden Tränke des Kranken; sie liest die ganze Woche hindurch die Wochenzeitung; und »Der ernste Ruf des Gesetzes« oder »Die ganze Pflicht des Menschen« genügen ihr als Lektüre für ein ganzes Jahr – und wir schimpfen auch noch, wenn beim wöchentlichen Verwandtenbesuch bei ihr ein Fläschchen Branntwein in den Waschkorb geschmuggelt wird. Meine Damen, wo ist der Mann, dessen Liebe ein Jahr Krankenpflege bei dem geliebten Gegenstand überdauert? Eine Wärterin dagegen tut dies für zehn Pfund im Vierteljahr, und wir glauben noch, sie sei zu hoch bezahlt. Wenigstens murrte Mr. Crawley häufig, daß er Miss Hester halb soviel für die Pflege des Baronets, seines Vaters, zahlen mußte.   As for Sir Pitt he retired into those very apartments where Lady Crawley had been previously extinguished, and here was tended by Miss Hester, the girl upon her promotion, with constant care and assiduity. What love, what fidelity, what constancy is there equal to that of a nurse with good wages? They smooth pillows; and make arrowroot; they get up at nights; they bear complaints and querulousness; they see the sun shining out of doors and don’t want to go abroad; they sleep on arm-chairs and eat their meals in solitude; they pass long long evenings doing nothing, watching the embers, and the patient’s drink simmering in the jug; they read the weekly paper the whole week through; and Law’s Serious Call or the Whole Duty of Man suffices them for literature for the year — and we quarrel with them because, when their relations come to see them once a week, a little gin is smuggled in in their linen basket. Ladies, what man’s love is there that would stand a year’s nursing of the object of his affection? Whereas a nurse will stand by you for ten pounds a quarter, and we think her too highly paid. At least Mr. Crawley grumbled a good deal about paying half as much to Miss Hester for her constant attendance upon the Baronet his father. An sonnigen Tagen wurde der alte Herr in einem Stuhl auf die Terrasse geschoben – in demselben Stuhl, den Miss Crawley in Brighton gehabt hatte und der mit einem Teil von Lady Southdowns persönlicher Habe nach Queen's Crawley gebracht worden war. Lady Jane ging stets neben dem Alten her, und sie war ganz offensichtlich sein Liebling. Wenn sie hereinkam, nickte er ihr vielmals zu, lächelte, und wenn sie sich wieder entfernte, stieß er unartikulierte, flehende Klagetöne aus. Sobald sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte, weinte und schluchzte er – worauf sich Hesters Gesicht und Verhalten – in Anwesenheit ihrer Herrin stets sanft und gütig – sofort änderte. Sie schnitt ihm Gesichter, ballte die Faust und schrie: »Halt den Mund, du dummer alter Narr«, dann rollte sie seinen Stuhl vom Feuer weg, in das er so gern blickte, worauf er nur noch mehr weinte. Denn das war alles, was; nach mehr als siebzig Jahren List und Kampf, Trinken und Ränkeschmieden, Sünde und Selbstsucht übriggeblieben war – ein weinerlicher idiotischer Alter, der wie ein kleines Kind ins Bett gebracht und herausgenommen und gewaschen und gefüttert werden mußte!   Of sunshiny days this old gentleman was taken out in a chair on the terrace — the very chair which Miss Crawley had had at Brighton, and which had been transported thence with a number of Lady Southdown’s effects to Queen’s Crawley. Lady Jane always walked by the old man, and was an evident favourite with him. He used to nod many times to her and smile when she came in, and utter inarticulate deprecatory moans when she was going away. When the door shut upon her he would cry and sob — whereupon Hester’s face and manner, which was always exceedingly bland and gentle while her lady was present, would change at once, and she would make faces at him and clench her fist and scream out “Hold your tongue, you stoopid old fool,” and twirl away his chair from the fire which he loved to look at — at which he would cry more. For this was all that was left after more than seventy years of cunning, and struggling, and drinking, and scheming, and sin and selfishness — a whimpering old idiot put in and out of bed and cleaned and fed like a baby. Schließlich kam ein Tag, an dem die Geschäfte der Wärterin ihren Abschluß fanden. Eines frühen Morgens, als Pitt Crawley im Studierzimmer über seinen Rechnungsbüchern saß, klopfte es an die Tür, und Hester trat mit einem Knicks herein und sagte:   At last a day came when the nurse’s occupation was over. Early one morning, as Pitt Crawley was at his steward’s and bailiff’s books in the study, a knock came to the door, and Hester presented herself, dropping a curtsey, and said, »Bitte schön, Sir Pitt, Sir Pitt ist heute morgen gestorben, Sir Pitt. Ich war gerade beim Brotrösten, Sir Pitt, zu seinem Haferbrei, Sir Pitt, den er jeden Morgen pünktlich um sechs bekam, Sir Pitt, und – da war es mir, als wenn ich's stöhnen hörte, Sir Pitt – und – und – und ...« Sie knickste von neuem.   “If you please, Sir Pitt, Sir Pitt died this morning, Sir Pitt. I was a-making of his toast, Sir Pitt, for his gruel, Sir Pitt, which he took every morning regular at six, Sir Pitt, and — I thought I heard a moan-like, Sir Pitt — and — and — and — ” She dropped another curtsey. Weshalb wurde Pitts bleiches Gesicht plötzlich so rot? War es, weil er endlich Sir Pitt war mit einem Sitz im Parlament und ihm vielleicht künftige Ehrungen in Aussicht standen? Ich werde jetzt den Besitz mit dem Bargeld entlasten, dachte er und überschlug schnell die Hypotheken und die Verbesserungen, welche er anbringen würde. Er hatte das Geld seiner Tante nicht eher anwenden wollen, damit seine Ausgaben nicht umsonst gewesen wären, falls Sir Pitt sich wieder erholt hätte.   What was it that made Pitt’s pale face flush quite red? Was it because he was Sir Pitt at last, with a seat in Parliament, and perhaps future honours in prospect? “I’ll clear the estate now with the ready money,” he thought and rapidly calculated its incumbrances and the improvements which he would make. He would not use his aunt’s money previously lest Sir Pitt should recover and his outlay be in vain. Im Schloß und im Pfarrhaus wurden alle Vorhänge herabgelassen, die Kirchenglocke läutete, und die Kanzel wurde schwarz verhängt; Bute Crawley ging nicht zu einer Jagdpartie, sondern ritt zu einem ruhigen Essen nach Fuddleston, wo man sich bei Portwein über seinen verstorbenen Bruder und den jungen Sir Pitt unterhielt. Miss Betsy, die sich inzwischen mit einem Sattler in Mudbury verheiratet hatte, weinte von Herzen. Mr. Glauber, der Arzt, kam mit den besten Empfehlungen und erkundigte sich nach der Gesundheit der Damen. Man sprach über den Todesfall in Mudbury und im »Wappen Crawleys«, dessen Wirt sich seit kurzem mit dem Pfarrer ausgesöhnt hatte; es war bekannt geworden, daß dieser gelegentlich die Gaststube betrat und Mr. Horrocks' Süßbier probierte.   All the blinds were pulled down at the Hall and Rectory: the church bell was tolled, and the chancel hung in black; and Bute Crawley didn’t go to a coursing meeting, but went and dined quietly at Fuddleston, where they talked about his deceased brother and young Sir Pitt over their port. Miss Betsy, who was by this time married to a saddler at Mudbury, cried a good deal. The family surgeon rode over and paid his respectful compliments, and inquiries for the health of their ladyships. The death was talked about at Mudbury and at the Crawley Arms, the landlord whereof had become reconciled with the Rector of late, who was occasionally known to step into the parlour and taste Mr. Horrocks’ mild beer. »Soll ich deinem Bruder schreiben – oder tust du es?« fragte Lady Jane ihren Gatten, Sir Pitt.   “Shall I write to your brother — or will you?” asked Lady Jane of her husband, Sir Pitt. »Ich natürlich werde ihm schreiben«, sagte Sir Pitt, »und ihn zur Beerdigung einladen; das gehört sich so.«   “I will write, of course,” Sir Pitt said, “and invite him to the funeral: it will be but becoming.” »Und – und – Mrs. Rawdon«, schlug Lady Jane schüchtern vor.   “And — and — Mrs. Rawdon,” said Lady Jane timidly. »Jane!« sagte Lady Southdown. »Wie kannst du nur daran denken?«   “Jane!” said Lady Southdown, “how can you think of such a thing?” »Mrs. Rawdon muß natürlich auch eingeladen werden«, sagte Sir Pitt entschlossen.   “Mrs. Rawdon must of course be asked,” said Sir Pitt, resolutely. »Nicht, solange ich im Hause bin!« rief Lady Southdown.   “Not whilst I am in the house!” said Lady Southdown. »Ich möchte Sie bitten, daran zu denken, meine Gnädigste, daß ich das Familienoberhaupt bin«, erwiderte Sir Pitt. »Bitte, Lady Jane, sei so gut, einen Brief an Mrs. Rawdon Crawley zu schreiben und um ihr Erscheinen bei diesem traurigen Ereignis zu bitten.«   “Your Ladyship will be pleased to recollect that I am the head of this family,” Sir Pitt replied. “If you please, Lady Jane, you will write a letter to Mrs. Rawdon Crawley, requesting her presence upon this melancholy occasion.” »Jane, ich verbiete dir, die Feder zu ergreifen!« schrie die Gräfin.   “Jane, I forbid you to put pen to paper!” cried the Countess. »Ich glaube, ich bin das Familienoberhaupt«, wiederholte Sir Pitt, »und wie sehr ich auch jeden Umstand bedauern würde, der Sie, meine Gnädige, dazu bringen sollte, dies Haus zu verlassen, so muß ich doch fortfahren, nach meinem Ermessen darin zu herrschen.«   “I believe I am the head of this family,” Sir Pitt repeated; “and however much I may regret any circumstance which may lead to your Ladyship quitting this house, must, if you please, continue to govern it as I see fit.” Lady Southdown erhob sich mit der Würde der Siddons als Lady Macbeth und befahl, ihren Wagen anspannen zu lassen. Wenn ihr Sohn und ihre Tochter sie aus dem Hause jagten, so würde sie ihren Kummer irgendwo in der Einsamkeit verbergen und darum beten, daß die beiden zu besseren Gedanken bekehrt würden.   Lady Southdown rose up as magnificent as Mrs. Siddons in Lady Macbeth and ordered that horses might be put to her carriage. If her son and daughter turned her out of their house, she would hide her sorrows somewhere in loneliness and pray for their conversion to better thoughts. »Wir jagen dich doch nicht aus dem Haus, Mama«, sagte die schüchterne Lady Jane flehend.   “We don’t turn you out of our house, Mamma,” said the timid Lady Jane imploringly. »Ihr ladet eine Gesellschaft ein, der keine christliche Dame begegnen sollte, und ich will morgen früh meine Pferde haben.«   “You invite such company to it as no Christian lady should meet, and I will have my horses to-morrow morning.” »Bitte, Jane, sei so gütig, zu schreiben, was ich diktiere«, sagte Sir Pitt, stand auf und gab sich eine gebieterische Haltung, wie auf dem »Porträt eines Gentleman« in der Ausstellung. »Fang bitte an: Queen's Crawley, 14. September 1822 – Mein lieber Bruder!...«   “Have the goodness to write, Jane, under my dictation,” said Sir Pitt, rising and throwing himself into an attitude of command, like the portrait of a Gentleman in the Exhibition, “and begin. ’Queen’s Crawley, September 14, 1822. — My dear brother — ’” Als Lady Macbeth, die auf ein Zeichen der Schwäche oder des Schwankens bei ihrem Schwiegersohn gewartet hatte, diese entschiedenen und schrecklichen Worte hörte, stand sie auf und verließ mit verstörtem Blick die Bibliothek. Lady Jane sah zu ihrem Mann auf, als wolle sie ihrer Mama gern folgen, um sie zu besänftigen, aber Pitt verbot ihr, sich von der Stelle zu rühren.   Hearing these decisive and terrible words, Lady Macbeth, who had been waiting for a sign of weakness or vacillation on the part of her son-in-law, rose and, with a scared look, left the library. Lady Jane looked up to her husband as if she would fain follow and soothe her mamma, but Pitt forbade his wife to move. »Sie wird nicht gehen«, sagte er. »Sie hat ihr Haus in Brighton vermietet und ihr Einkommen vom letzten Halbjahr schon verbraucht. Eine Gräfin, die im Gasthaus lebt, ist so viel wie entehrt. Ich habe schon lange auf eine Gelegenheit gewartet – um diesen – diesen entscheidenden Schritt zu tun, meine Liebe; denn wie du einsehen mußt, es ist unmöglich, daß in einer Familie zwei Häupter regieren. Und nun, wenn du erlaubst, wollen wir mit dem Diktieren fortfahren. Mein lieber Bruder! Die traurige Nachricht, die ich pflichtgemäß meiner Familie mitteilen muß, ist wohl schon lange erwartet worden« und so weiter.   “She won’t go away,” he said. “She has let her house at Brighton and has spent her last half-year’s dividends. A Countess living at an inn is a ruined woman. I have been waiting long for an opportunity — to take this — this decisive step, my love; for, as you must perceive, it is impossible that there should be two chiefs in a family: and now, if you please, we will resume the dictation. ’My dear brother, the melancholy intelligence which it is my duty to convey to my family must have been long anticipated by,’” \&c. Mit einem Wort, nachdem Pitt zur Regierung gelangt und mit viel Glück oder vielmehr, wie er meinte, durch seine Verdienste fast das gesamte Vermögen erhalten hatte, das seine Verwandten erwartet hatten, entschloß er sich, seine Familie freundlich und achtungsvoll zu behandeln und Queen's Crawley wieder gesellschaftsfähig zu machen. Er gefiel sich in dem Gedanken, Herr des Hauses zu sein. Er nahm sich vor, den großen Einfluß, den ihm seine überragende Fähigkeit und seine Stellung in der Grafschaft schnell erringen mußten, zu benutzen, seinem Bruder eine gute Stelle zu verschaffen und seine Vettern anständig zu versorgen. Vielleicht fühlte er auch leise Gewissensbisse bei dem Gedanken, daß er jetzt der Besitzer all dessen war, worauf sie gehofft hatten. Im Laufe seiner kurzen Regierungszeit hatte sich seine Haltung geändert, und seine Pläne standen fest: er beschloß, gerecht und ehrlich zu herrschen, Lady Southdown abzusetzen und mit all seinen Blutsverwandten auf möglichst gutem Fuß zu stehen.   In a word, Pitt having come to his kingdom, and having by good luck, or desert rather, as he considered, assumed almost all the fortune which his other relatives had expected, was determined to treat his family kindly and respectably and make a house of Queen’s Crawley once more. It pleased him to think that he should be its chief. He proposed to use the vast influence that his commanding talents and position must speedily acquire for him in the county to get his brother placed and his cousins decently provided for, and perhaps had a little sting of repentance as he thought that he was the proprietor of all that they had hoped for. In the course of three or four days’ reign his bearing was changed and his plans quite fixed: he determined to rule justly and honestly, to depose Lady Southdown, and to be on the friendliest possible terms with all the relations of his blood. Er diktierte also einen Brief an seinen Bruder Rawdon – einen feierlichen, kunstvoll abgefaßten Brief mit tiefsinnigen Bemerkungen in verschnörkelter Ausdrucksweise. Die einfache kleine Sekretärin, die ihn auf Befehl ihres Mannes niederschrieb, erfüllte er mit Bewunderung. Was er doch für einen Redner abgeben wird, dachte sie, wenn er erst ins Unterhaus kommt (diesen Punkt wie auch Lady Southdowns Herrschaftsbestrebungen hatte Pitt zuweilen gegenüber seiner Frau im Bett angedeutet); wie weise und gut und was für ein Genie mein Mann ist! Ich bildete mir ein, er sei etwas kühl, aber wie gut er doch ist und was für ein Genie!   So he dictated a letter to his brother Rawdon — a solemn and elaborate letter, containing the profoundest observations, couched in the longest words, and filling with wonder the simple little secretary, who wrote under her husband’s order. “What an orator this will be,” thought she, “when he enters the House of Commons” (on which point, and on the tyranny of Lady Southdown, Pitt had sometimes dropped hints to his wife in bed); “how wise and good, and what a genius my husband is! I fancied him a little cold; but how good, and what a genius!” In Wirklichkeit hatte Pitt Crawley den Brief Wort für Wort auswendig gelernt und hatte ihn sich mit diplomatischer Heimlichkeit lange gründlich durchdacht, ehe er es für angemessen hielt, ihn seiner erstaunten Frau mitzuteilen.   The fact is, Pitt Crawley had got every word of the letter by heart and had studied it, with diplomatic secrecy, deeply and perfectly, long before he thought fit to communicate it to his astonished wife. Diesen Brief, mit breitem Trauerrand und schwarzem Siegel, schickte Pitt an seinen Bruder, den Oberst in London. Rawdon Crawley zeigte sich beim Empfang nicht übermäßig erfreut. Was nützt es, in dieses langweilige Nest zu fahren? dachte er. Ich kann es nicht vertragen, nach dem Essen mit Pitt allein zu sein, und die Pferde hin und zurück kosten uns zwanzig Pfund.   This letter, with a huge black border and seal, was accordingly despatched by Sir Pitt Crawley to his brother the Colonel, in London. Rawdon Crawley was but half-pleased at the receipt of it. “What’s the use of going down to that stupid place?” thought he. “I can’t stand being alone with Pitt after dinner, and horses there and back will cost us twenty pound.” Er trug den Brief, wie alle Schwierigkeiten, in Beckys Schlafzimmer hinauf – mit ihrer Schokolade, die er ihr jeden Morgen zubereitete und hinaufbrachte.   He carried the letter, as he did all difficulties, to Becky, upstairs in her bedroom — with her chocolate, which he always made and took to her of a morning. Er stellte das Tablett mit dem Frühstück und dem Brief auf den Toilettentisch, an dem Becky saß und sich ihr blondes Haar kämmte. Sie nahm das schwarzgeränderte Schreiben, las es und sprang mit einem »Hurra« von ihrem Stuhl auf, wobei sie den Brief über ihrem Kopf schwenkte.   He put the tray with the breakfast and the letter on the dressing-table, before which Becky sat combing her yellow hair. She took up the black-edged missive, and having read it, she jumped up from the chair, crying “Hurray!” and waving the note round her head. »Hurra?« sagte Rawdon fragend und blickte verwundert auf die kleine Gestalt, die im fliegenden Flanellschlafrock, mit aufgelösten goldenen Locken im Zimmer umhersprang. »Er hat uns nichts hinterlassen, Becky. Ich habe doch meinen Teil erhalten, als ich mündig wurde.«   “Hurray?” said Rawdon, wondering at the little figure capering about in a streaming flannel dressing-gown, with tawny locks dishevelled. “He’s not left us anything, Becky. I had my share when I came of age.” »Du wirst nie mündig werden, du einfältiger alter Mann«, entgegnete Becky. »Lauf jetzt zu Madame Brunoy, denn ich muß ein bißchen Trauerkleidung haben; und kaufe du dir einen Trauerflor für den Hut und eine schwarze Weste – ich glaube, du hast keine –, sorge dafür, daß es uns morgen ins Haus gebracht wird, damit wir am Donnerstag abreisen können.«   “You’ll never be of age, you silly old man,” Becky replied. “Run out now to Madam Brunoy’s, for I must have some mourning: and get a crape on your hat, and a black waistcoat — I don’t think you’ve got one; order it to be brought home to-morrow, so that we may be able to start on Thursday.” »Du willst doch nicht etwa hinfahren«, fiel Rawdon ein.   “You don’t mean to go?” Rawdon interposed. »Natürlich will ich. Ich will, daß Lady Jane mich nächstes Jahr bei Hofe vorstellt. Ich will, daß dir dein Bruder einen Parlamentssitz verschafft, du dummer Alter. Ich will, daß Lord Steyne deine und seine Stimme erhält, mein lieber, einfältiger Alter, und daß du Staatssekretär für Irland oder Gouverneur in Westindien oder Schatzmeister oder Konsul oder so etwas Ähnliches wirst.«   “Of course I mean to go. I mean that Lady Jane shall present me at Court next year. I mean that your brother shall give you a seat in Parliament, you stupid old creature. I mean that Lord Steyne shall have your vote and his, my dear, old silly man; and that you shall be an Irish Secretary, or a West Indian Governor: or a Treasurer, or a Consul, or some such thing.” »Die Postkutsche wird verdammt viel Geld kosten«, brummte Rawdon.   “Posting will cost a dooce of a lot of money,” grumbled Rawdon. »Wir könnten in Southdowns Kutsche fahren, die muß zum Begräbnis ja doch hinaus, da er ja mit der Familie verwandt ist; aber nein – ich denke, wir fahren lieber mit der Postkutsche. Das wird ihnen besser gefallen. Es sieht bescheidener aus ...«   “We might take Southdown’s carriage, which ought to be present at the funeral, as he is a relation of the family: but, no — I intend that we shall go by the coach. They’ll like it better. It seems more humble — ” »Rawdon kommt doch natürlich mit?« fragte der Oberst.   “Rawdy goes, of course?” the Colonel asked. »Nichts davon; warum sollten wir noch einen Platz bezahlen? Er ist zu groß, um noch zwischen dir und mir eingezwängt reisen zu können. Er soll ruhig hier im Kinderzimmer bleiben, und die Briggs kann ihm ein schwarzes Kittelchen machen. Geh nun und tu, was ich dir gesagt habe. Am besten erzählst du deinem Diener Sparks, daß der alte Sir Pitt tot ist und daß du ein hübsches Sümmchen bekommen wirst, wenn die Angelegenheit erst geordnet ist. Er wird es Raggles weitererzählen, der ja schon auf Geld gedrängt hat, und das wird den armen Raggles beruhigen.« Nach diesen Worten begann Becky ihre Schokolade zu schlürfen.   “No such thing; why pay an extra place? He’s too big to travel bodkin between you and me. Let him stay here in the nursery, and Briggs can make him a black frock. Go you, and do as I bid you. And you had best tell Sparks, your man, that old Sir Pitt is dead and that you will come in for something considerable when the affairs are arranged. He’ll tell this to Raggles, who has been pressing for money, and it will console poor Raggles.” And so Becky began sipping her chocolate. Als der treue Lord Steyne am Abend kam, fand er Becky und ihre Gesellschafterin, die niemand anders als unsere Freundin Briggs war, beim Zerschnippeln und Zerschneiden aller Arten von schwarzem Stoff, der sich für den traurigen Anlaß fand.   When the faithful Lord Steyne arrived in the evening, he found Becky and her companion, who was no other than our friend Briggs, busy cutting, ripping, snipping, and tearing all sorts of black stuffs available for the melancholy occasion. »Miss Briggs und ich sind in Kummer und Verzweiflung um den Tod unseres Papas versunken«, sagte Rebekka. »Sir Pitt Crawley ist gestorben, Lord. Den ganzen Morgen haben wir uns die Haare ausgerissen, und jetzt zerreißen wir unsere alten Kleider.«   “Miss Briggs and I are plunged in grief and despondency for the death of our Papa,” Rebecca said. “Sir Pitt Crawley is dead, my lord. We have been tearing our hair all the morning, and now we are tearing up our old clothes.” »Oh, Rebekka, wie können Sie nur!« war alles, was die Briggs mit einem Augenaufschlag hervorbringen konnte.   “Oh, Rebecca, how can you — ” was all that Briggs could say as she turned up her eyes. »Oh, Rebekka, wie können Sie nur!« echote Lord Steyne. »So ist der alte Schuft also tot? Er hätte Peer werden können, wenn er seine Karte besser ausgespielt hätte. Mr. Pitt hätte ihn beinahe dazu gemacht, aber er wechselte die Partei immer zur Unzeit. Was für ein alter Silen er doch war.«   “Oh, Rebecca, how can you — ” echoed my Lord. “So that old scoundrel’s dead, is he? He might have been a Peer if he had played his cards better. Mr. Pitt had very nearly made him; but he ratted always at the wrong time. What an old Silenus it was!” »Ich könnte Silens Witwe sein«, sagte Rebekka. »Wissen Sie noch, Miss Briggs, wie Sie durchs Schlüsselloch lugten und den alten Pitt vor mir auf den Knien sahen?« Unsere alte Freundin, Miss Briggs, errötete heftig bei dieser Erinnerung, und sie war froh, als ihr Lord Steyne befahl, hinunterzugehen und ihm eine Tasse Tee zu machen.   “I might have been Silenus’s widow,” said Rebecca. “Don’t you remember, Miss Briggs, how you peeped in at the door and saw old Sir Pitt on his knees to me?” Miss Briggs, our old friend, blushed very much at this reminiscence, and was glad when Lord Steyne ordered her to go downstairs and make him a cup of tea. Die Briggs war der Hofhund, den sich Rebekka zur Bewachung ihrer Unschuld und ihres guten Rufes angeschafft hatte. Miss Crawley hatte ihr eine kleine Jahresrente ausgesetzt. Sie wäre gern in der Familie Crawley bei Lady Jane geblieben, die gegen sie und jedermann gütig war; aber Lady Southdown entließ die arme Briggs, so schnell es die Schicklichkeit nur gestattete; und Mr. Pitt, der sich durch die unangebrachte Großmut sehr geschädigt vorkam, die seine verstorbene Verwandte gegenüber einer Dame zeigte, welche nur zwanzig Jahre Miss Crawley treu gedient hatte, erhob keine Einwendungen gegen die Autoritätsbeweise der verwitweten Gräfin. Auch Bowls und die Firkin erhielten ihre Erbschaft und ihren Abschied, heirateten und eröffneten eine Pension, wie es Leute ihres Schlages meist tun.   Briggs was the house-dog whom Rebecca had provided as guardian of her innocence and reputation. Miss Crawley had left her a little annuity. She would have been content to remain in the Crawley family with Lady Jane, who was good to her and to everybody; but Lady Southdown dismissed poor Briggs as quickly as decency permitted; and Mr. Pitt (who thought himself much injured by the uncalled-for generosity of his deceased relative towards a lady who had only been Miss Crawley’s faithful retainer a score of years) made no objection to that exercise of the dowager’s authority. Bowls and Firkin likewise received their legacies and their dismissals, and married and set up a lodging-house, according to the custom of their kind. Die Briggs versuchte, bei ihren Verwandten auf dem Lande zu leben. Aber bald fand sie das nach der besseren Gesellschaft, die sie gewöhnt war, unmöglich. Diese Menschen, kleine Geschäftsleute in einem Landstädtchen, zankten sich um Miss Briggs' jährliche vierzig Pfund ebenso erbittert und dabei offener wie die Verwandten von Miss Crawley um deren Erbschaft. Der Bruder der Briggs, ein radikaler Hutmacher und Kolonialwarenhändler, nannte seine Schwester eine geldprotzige Aristokratin, weil sie nicht einen Teil ihres Kapitals zur Ausrüstung seines Ladens leihen wollte. Wahrscheinlich hätte sie das auch getan, aber ihre Schwester, eine pietistische Schuhmachersfrau, lag im Streit mit dem Hutmacher und Kolonialwarenhändler, weil dieser eine andere Kirche besuchte, und sie bewies, daß er dem Bankrott nahe sei, und sie belegte Miss Briggs eine Weile mit Beschlag. Der pietistische Schuhmacher wollte gern, daß Miss Briggs seinen Sohn auf die Universität schicken und einen Gentleman aus ihm machen würde. Die beiden Familien zogen ihr einen bedeutenden Teil ihrer Privatersparnisse aus der Tasche. Schließlich floh sie, von den Verwünschungen beider verfolgt, nach London und beschloß, wieder in Dienste zu treten, die ihr unendlich weniger lästig erschienen als die Freiheit. Sie annoncierte daher in den Zeitungen, daß »eine Dame von angenehmen Manieren, an beste Gesellschaft gewöhnt, gern ...« und so weiter. Sie quartierte sich bei Mr. Bowls in der Half Moon Street ein und wartete auf das Ergebnis ihrer Anzeige.   Briggs tried to live with her relations in the country, but found that attempt was vain after the better society to which she had been accustomed. Briggs’s friends, small tradesmen, in a country town, quarrelled over Miss Briggs’s forty pounds a year as eagerly and more openly than Miss Crawley’s kinsfolk had for that lady’s inheritance. Briggs’s brother, a radical hatter and grocer, called his sister a purse-proud aristocrat, because she would not advance a part of her capital to stock his shop; and she would have done so most likely, but that their sister, a dissenting shoemaker’s lady, at variance with the hatter and grocer, who went to another chapel, showed how their brother was on the verge of bankruptcy, and took possession of Briggs for a while. The dissenting shoemaker wanted Miss Briggs to send his son to college and make a gentleman of him. Between them the two families got a great portion of her private savings out of her, and finally she fled to London followed by the anathemas of both, and determined to seek for servitude again as infinitely less onerous than liberty. And advertising in the papers that a “Gentlewoman of agreeable manners, and accustomed to the best society, was anxious to,” \&c., she took up her residence with Mr. Bowls in Half Moon Street, and waited the result of the advertisement. So kam es, daß sie Rebekka wiedertraf. Mrs. Rawdons prächtige kleine Ponykutsche wirbelte eines Tages die Straße hinab, als Miss Briggs eben müde Mr. Bowls' Tür erreichte. Sie hatte einen anstrengenden Marsch in die Innenstadt zum Büro der »Times« hinter sich, wo sie ihre Annonce zum sechstenmal aufgegeben hatte. Rebekka kutschierte selbst und erkannte die Dame von angenehmen Manieren sofort, und da sie, wie wir gesehen haben, eine gutmütige kleine Frau war und die Briggs schätzte, ließ sie die Ponys vor der Tür halten, gab die Zügel dem Knecht, sprang heraus und hatte beide Hände der Briggs ergriffen, ehe die mit den angenehmen Manieren sich von dem Schock über das Wiedersehen mit ihrer alten Freundin erholt hatte.   So it was that she fell in with Rebecca. Mrs. Rawdon’s dashing little carriage and ponies was whirling down the street one day, just as Miss Briggs, fatigued, had reached Mr. Bowls’s door, after a weary walk to the Times Office in the City to insert her advertisement for the sixth time. Rebecca was driving, and at once recognized the gentlewoman with agreeable manners, and being a perfectly good-humoured woman, as we have seen, and having a regard for Briggs, she pulled up the ponies at the doorsteps, gave the reins to the groom, and jumping out, had hold of both Briggs’s hands, before she of the agreeable manners had recovered from the shock of seeing an old friend. Die Briggs weinte, und Becky lachte sehr und küßte die Dame, sobald sie in den Hausflur kamen und von da in Mrs. Bowls' Vorderzimmer mit den roten Moreenvorhängen und dem runden Spiegel mit dem angeketteten Adler darüber, der auf die Rückseite des Zettels im Fenster blickte, worauf man »möblierte Zimmer zu vermieten« lesen konnte.   Briggs cried, and Becky laughed a great deal and kissed the gentlewoman as soon as they got into the passage; and thence into Mrs. Bowls’s front parlour, with the red moreen curtains, and the round looking-glass, with the chained eagle above, gazing upon the back of the ticket in the window which announced “Apartments to Let.” Die Briggs erzählte ihre ganze Geschichte unter völlig unangebrachten Schluchzern und Ausrufen der Verwunderung, womit Frauen ihrer weichen Natur eine alte Bekannte begrüßen oder eine Begegnung auf der Straße beobachten; denn obwohl die Leute einander täglich treffen, so gibt es doch einige, die unbedingt ein Wunder dabei entdecken wollen. Sogar Frauen, die sich früher gehaßt haben, brechen in Tränen aus, wenn sie sich treffen, und gedenken jammernd der Zeit, wo sie sich zuletzt gezankt haben. Mit einem Wort, die Briggs erzählte ihre ganze Geschichte auf diese Weise, und Becky gab mit ihrer gewöhnlichen harmlosen Offenheit einen Bericht über ihr Leben.   Briggs told all her history amidst those perfectly uncalled-for sobs and ejaculations of wonder with which women of her soft nature salute an old acquaintance, or regard a rencontre in the street; for though people meet other people every day, yet some there are who insist upon discovering miracles; and women, even though they have disliked each other, begin to cry when they meet, deploring and remembering the time when they last quarrelled. So, in a word, Briggs told all her history, and Becky gave a narrative of her own life, with her usual artlessness and candour. Mrs. Bowls, die ehemalige Firkin, lauschte im Hausflur finster dem hysterischen Geheule und Gekichere, das man im Vorderzimmer vernehmen konnte. Sie hatte Becky nie leiden können. Seitdem sich das Ehepaar in London niedergelassen hatte, hatten sie häufig ihre früheren Freunde Raggles besucht. Der Bericht Raggles' über die Haushaltsführung des Obersten mißfiel ihnen. »Ich für mein Teil würde ihm nicht trauen, Ragg, mein Junge«, hatte Bowls bemerkt. Als daher Mrs. Rawdon aus dem Zimmer trat und darauf bestand, der ehemaligen Kammerfrau die Hand zu schütteln, begrüßte diese sie nur mit einem mürrischen Knicks, und ihre Finger lagen kalt und leblos wie Würstchen in Mrs. Rawdons Hand. Dann wirbelte Rebekka wieder nach Piccadilly, nachdem sie der nickend am Fenster, direkt unter dem Vermietanzeiger, lehnenden Miss Briggs ebenfalls mit süßem Lächeln zugenickt hatte, und im nächsten Augenblick befand sie sich im Park, mit einem halben Dutzend Stutzern zu Pferde hinter ihrem Wagen.   Mrs. Bowls, late Firkin, came and listened grimly in the passage to the hysterical sniffling and giggling which went on in the front parlour. Becky had never been a favourite of hers. Since the establishment of the married couple in London they had frequented their former friends of the house of Raggles, and did not like the latter’s account of the Colonel’s menage. “I wouldn’t trust him, Ragg, my boy,” Bowls remarked; and his wife, when Mrs. Rawdon issued from the parlour, only saluted the lady with a very sour curtsey; and her fingers were like so many sausages, cold and lifeless, when she held them out in deference to Mrs. Rawdon, who persisted in shaking hands with the retired lady’s maid. She whirled away into Piccadilly, nodding with the sweetest of smiles towards Miss Briggs, who hung nodding at the window close under the advertisement-card, and at the next moment was in the park with a half-dozen of dandies cantering after her carriage. Als Becky entdeckte, wie ihre Freundin gestellt war und daß es ihr bei der hübschen Erbschaft von Miss Crawley nicht auf ein Gehalt ankomme, entwarf sie sofort ein paar menschenfreundliche häusliche Pläne in bezug auf sie. Diese war gerade die Gesellschafterin, die für ihren Haushalt paßte, und sie lud die Briggs noch am gleichen Abend zum Essen ein, wo sie ihr ihren teuren kleinen Liebling Rawdon zeigen wollte.   When she found how her friend was situated, and how having a snug legacy from Miss Crawley, salary was no object to our gentlewoman, Becky instantly formed some benevolent little domestic plans concerning her. This was just such a companion as would suit her establishment, and she invited Briggs to come to dinner with her that very evening, when she should see Becky’s dear little darling Rawdon. Mrs. Bowls warnte ihre Mieterin davor, sich in die Höhle des Löwen zu wagen. »Sie werden es bereuen, Miss Briggs  – denken Sie an meine Worte –, so wahr ich Bowls heiße.« Die Briggs versprach, sehr vorsichtig zu sein. Das Resultat dieser Vorsicht war, daß sie eine Woche darauf zu Mrs. Rawdon zog und noch vor Ende des ersten halben Jahres Rawdon Crawley sechshundert Pfund auf Zinsen geliehen hatte.   Mrs. Bowls cautioned her lodger against venturing into the lion’s den, “wherein you will rue it, Miss B., mark my words, and as sure as my name is Bowls.” And Briggs promised to be very cautious. The upshot of which caution was that she went to live with Mrs. Rawdon the next week, and had lent Rawdon Crawley six hundred pounds upon annuity before six months were over. 41. Kapitel / Chapter 41 In dem Becky die Hallen ihrer Väter wieder besucht / In Which Becky Revisits the Halls of Her Ancestors Sobald die Trauerkleidung fertig war und Sir Pitt Crawley von ihrem Kommen Kenntnis erhalten hatte, belegten Oberst Crawley und seine Frau zwei Plätze in derselben prachtvollen alten Postkutsche, worin Rebekka in Gesellschaft des seligen Baronets vor nunmehr fast neun Jahren ihre erste Reise in die Welt angetreten hatte. Wie deutlich erinnerte sie sich des Gasthofs und des Stallknechts, dem sie kein Trinkgeld gegeben hatte, und des einschmeichelnden Studenten, der sie während der Fahrt in seinen Überrock gehüllt hatte! Rawdon wählte seinen Platz außen und hätte am liebsten selbst kutschiert, aber dies verbot seine Trauer. Er saß neben dem Kutscher und unterhielt sich mit ihm während der ganzen Fahrt über Pferde und die Straße, und wer der Besitzer der einzelnen Gasthäuser war, und wem die Pferde der Postkutsche gehörten, mit der er und Pitt als Jungen so oft nach Eton gefahren waren. In Mudbury erwartete sie ein Wagen mit zwei Pferden und einem schwarzgekleideten Kutscher. »Es ist das alte Vehikel, Rawdon«, sagte Rebekka, als sie einstiegen, »Der Stoff ist ganz wurmzerfressen – und da ist auch der Fleck, um den Sir Pitt – ha! Dawson, der Eisenhändler, hat seine Fenster ja auch verhängt –, um den Sir Pitt solchen Lärm gemacht hat. Er stammt von einer Flasche Kirschbranntwein, die er zerbrochen hat. Wir hatten sie für deine Tante aus Southampton geholt. Wie die Zeit vergeht, das kann doch wohl nicht Polly Talboys sein, das ausgewachsene Mädchen, das dort bei ihrer Mutter vor dem Häuschen steht. Ich habe sie noch als kleine Rotznase gekannt, die im Garten Unkraut jätete.«   So the mourning being ready, and Sir Pitt Crawley warned of their arrival, Colonel Crawley and his wife took a couple of places in the same old High-flyer coach by which Rebecca had travelled in the defunct Baronet’s company, on her first journey into the world some nine years before. How well she remembered the Inn Yard, and the ostler to whom she refused money, and the insinuating Cambridge lad who wrapped her in his coat on the journey! Rawdon took his place outside, and would have liked to drive, but his grief forbade him. He sat by the coachman and talked about horses and the road the whole way; and who kept the inns, and who horsed the coach by which he had travelled so many a time, when he and Pitt were boys going to Eton. At Mudbury a carriage and a pair of horses received them, with a coachman in black. “It’s the old drag, Rawdon,” Rebecca said as they got in. “The worms have eaten the cloth a good deal — there’s the stain which Sir Pitt — ha! I see Dawson the Ironmonger has his shutters up — which Sir Pitt made such a noise about. It was a bottle of cherry brandy he broke which we went to fetch for your aunt from Southampton. How time flies, to be sure! That can’t be Polly Talboys, that bouncing girl standing by her mother at the cottage there. I remember her a mangy little urchin picking weeds in the garden.” »Hübsches Mädchen«, sagte Rawdon und erwiderte den Gruß von dem Häuschen, indem er zwei Finger an den Trauerflor seines Hutes legte. Becky verneigte sich und grüßte die Leute hier und da gnädig. Dieses Grüßen war ihr äußerst angenehm. Es schien ihr, daß sie keine Schwindlerin mehr sei, sondern in die Heimat ihrer Väter zurückkehrte. Rawdon dagegen war ziemlich beschämt und niedergeschlagen. Was für Erinnerungen an Jugend und Unschuld mochten ihm durch den Kopf gehen? Welche Gefühle von Zweifel, unbestimmter Reue und Scham mochte er empfinden?   “Fine gal,” said Rawdon, returning the salute which the cottage gave him, by two fingers applied to his crape hatband. Becky bowed and saluted, and recognized people here and there graciously. These recognitions were inexpressibly pleasant to her. It seemed as if she was not an imposter any more, and was coming to the home of her ancestors. Rawdon was rather abashed and cast down, on the other hand. What recollections of boyhood and innocence might have been flitting across his brain? What pangs of dim remorse and doubt and shame? »Deine Schwestern müssen jetzt erwachsen sein«, sagte Rebekka, die vielleicht zum erstenmal, seit sie die Mädchen verlassen hatte, an sie dachte.   “Your sisters must be young women now,” Rebecca said, thinking of those girls for the first time perhaps since she had left them. »Weiß wirklich nicht«, erwiderte der Oberst. »Hallo, da ist ja die alte Mutter Lock. Wie geht's, Mrs. Lock. Kennen Sie mich nicht mehr? Master Rawdon, he? Verdammt, was die alten Weiber für ein zähes Leben haben; sie war hundert, als ich noch ein Junge war.«   “Don’t know, I’m shaw,” replied the Colonel. “Hullo! here’s old Mother Lock. How-dy-do, Mrs. Lock? Remember me, don’t you? Master Rawdon, hey? Dammy how those old women last; she was a hundred when I was a boy.” Sie fuhren durch das Parktor, das von der alten Mrs. Lock bewacht wurde. Rebekka mußte ihr unbedingt die Hand schütteln, als sie das kreischende alte Eisentor aufriß, und der Wagen fuhr zwischen den beiden moosbewachsenen Eisenpfeilern mit der Taube und der Schlange hindurch.   They were going through the lodge-gates kept by old Mrs. Lock, whose hand Rebecca insisted upon shaking, as she flung open the creaking old iron gate, and the carriage passed between the two moss-grown pillars surmounted by the dove and serpent. »Der Alte hat aber die Bäume gehauen«, sagte Rawdon und sah sich um. Dann verstummte er, und auch Becky schwieg. Beide waren erregt und dachten an alte Zeiten. Er an Eton und seine Mutter, die ihm als kalte, ehrbare Frau in Erinnerung geblieben war, und an eine früh verstorbene Schwester, die er leidenschaftlich geliebt hatte, und daran, wie er Pitt verdroschen hatte, und an den kleinen Rawdy daheim. Und Rebekka an ihre eigene Jugend und die dunklen Geheimnisse jener frühen vergifteten Tage und ihren Eintritt ins Leben durch die Pforte da, und an Miss Pinkerton und Joseph und Amelia.   “The governor has cut into the timber,” Rawdon said, looking about, and then was silent — so was Becky. Both of them were rather agitated, and thinking of old times. He about Eton, and his mother, whom he remembered, a frigid demure woman, and a sister who died, of whom he had been passionately fond; and how he used to thrash Pitt; and about little Rawdy at home. And Rebecca thought about her own youth and the dark secrets of those early tainted days; and of her entrance into life by yonder gates; and of Miss Pinkerton, and Joe, and Amelia. Der Kiesweg und die Terrassen waren gesäubert worden. Über dem Haupteingang hing bereits ein großes gemaltes Trauerwappen, und zwei sehr feierliche, hochgewachsene Gestalten in Schwarz rissen jeder einen Türflügel auf, als der Wagen an der wohlbekannten Treppe vorfuhr. Rawdon wurde rot und Becky etwas bleich, als sie Arm in Arm durch die alte Halle gingen. Sie kniff ihren Mann in den Arm, als sie in das eichengetäfelte Zimmer traten, wo Sir Pitt und seine Frau standen, sie zu empfangen: Sir Pitt in Schwarz, Lady Jane in Schwarz und Lady Southdown mit einem großen schwarzen Kopfputz von Glasperlen und Federn, der auf dem Kopf der Dame wippte wie der Püschel auf einem Leichenwagen.   The gravel walk and terrace had been scraped quite clean. A grand painted hatchment was already over the great entrance, and two very solemn and tall personages in black flung open each a leaf of the door as the carriage pulled up at the familiar steps. Rawdon turned red, and Becky somewhat pale, as they passed through the old hall, arm in arm. She pinched her husband’s arm as they entered the oak parlour, where Sir Pitt and his wife were ready to receive them. Sir Pitt in black, Lady Jane in black, and my Lady Southdown with a large black head-piece of bugles and feathers, which waved on her Ladyship’s head like an undertaker’s tray. Sir Pitt hatte richtig vermutet, daß sie das Haus nicht verlassen würde. Sie begnügte sich in Gegenwart von Pitt und seiner rebellischen Frau mit einem feierlichen, frostigen Schweigen und damit, die Kleinen im Kinderzimmer durch ihre gespenstisch düstere Miene zu erschrecken. Nur ein schwaches Nicken mit dem Federbusch begrüßte Rawdon und seine Frau, als diese ungeratenen Kinder in den Schoß der Familie zurückkehrten.   Sir Pitt had judged correctly, that she would not quit the premises. She contented herself by preserving a solemn and stony silence, when in company of Pitt and his rebellious wife, and by frightening the children in the nursery by the ghastly gloom of her demeanour. Only a very faint bending of the head-dress and plumes welcomed Rawdon and his wife, as those prodigals returned to their family. Um die Wahrheit zu sagen, sie ließen sich von dieser Kälte nicht sehr beeindrucken. Seltsamerweise war Lady Southdown in diesem Augenblick nur von zweitrangiger Bedeutung für sie – ihre Aufmerksamkeit richtete sich mehr auf den Empfang, den ihnen der regierende Bruder und die Schwägerin bereiten würden.   To say the truth, they were not affected very much one way or other by this coolness. Her Ladyship was a person only of secondary consideration in their minds just then — they were intent upon the reception which the reigning brother and sister would afford them. Pitt kam mit etwas gerötetem Gesicht seinem Bruder entgegen und schüttelte ihm die Hand. Rebekka begrüßte er mit einem Händedruck und einer sehr tiefen Verbeugung. Lady Jane ergriff jedoch ihre Schwägerin bei den Händen und küßte sie liebevoll. Die Umarmung trieb der kleinen Abenteuerin irgendwie Tränen in die Augen – einen Schmuck, den sie nur selten trug. Dieses arglose Zeichen von Güte und Vertrauen rührte und erfreute sie; und Rawdon, von dieser Demonstration seiner Schwägerin ermutigt, zwirbelte seinen Schnurrbart und erlaubte sich, Lady Jane mit einem Kuß zu begrüßen, wobei die Lady über und über errötete.   Pitt, with rather a heightened colour, went up and shook his brother by the hand, and saluted Rebecca with a hand-shake and a very low bow. But Lady Jane took both the hands of her sister-in-law and kissed her affectionately. The embrace somehow brought tears into the eyes of the little adventuress — which ornaments, as we know, she wore very seldom. The artless mark of kindness and confidence touched and pleased her; and Rawdon, encouraged by this demonstration on his sister’s part, twirled up his mustachios and took leave to salute Lady Jane with a kiss, which caused her Ladyship to blush exceedingly. »Verteufelt nettes Frauchen, diese Lady Jane«, war sein Urteil, als er mit seiner Frau wieder allein war. »Pitt ist fett geworden und nimmt sich gut aus.« Er kann es sich auch leisten«, sagte Rebekka; sie stimmte aber ihrem Gemahl bei, daß die Schwiegermutter eine schreckliche alte Vogelscheuche sei und die Schwestern ganz hübsch aussähen.   “Dev’lish nice little woman, Lady Jane,” was his verdict, when he and his wife were together again. “Pitt’s got fat, too, and is doing the thing handsomely.” “He can afford it,” said Rebecca and agreed in her husband’s farther opinion “that the mother-in-law was a tremendous old Guy — and that the sisters were rather well-looking young women.” Man hatte auch die beiden aus dem Pensionat kommen lassen, damit sie den Beerdigungsfeierlichkeiten beiwohnen könnten. Es schien, als ob Sir Pitt Crawley es um der Würde des Hauses und der Familie willen für angemessen gehalten hätte, so viele Menschen in Schwarz, wie nur aufzubringen waren, in Queen's Crawley zu versammeln. Alle männlichen und weiblichen Dienstboten des Hauses, die alten Frauen im Armenhaus, die Sir Pitt der Ältere um den größten Teil von ihrem Hab und Gut betrogen hatte, die Familie des Küsters und viele andere, die mit dem Schloß oder dem Pfarrhaus zu tun hatten, waren schwarz gekleidet; dazu kamen noch mindestens zwanzig Leute des Beerdigungsunternehmers mit Trauerflor und schwarzem Hutband, die bei dem großen Begräbnisschauspiel einen guten Hintergrund abgaben; aber sie sind stumme Darsteller in unserem Drama, und da sie nichts zu tun oder zu sagen haben, brauchen sie hier nur einen geringen Platz einzunehmen.   They, too, had been summoned from school to attend the funeral ceremonies. It seemed Sir Pitt Crawley, for the dignity of the house and family, had thought right to have about the place as many persons in black as could possibly be assembled. All the men and maids of the house, the old women of the Alms House, whom the elder Sir Pitt had cheated out of a great portion of their due, the parish clerk’s family, and the special retainers of both Hall and Rectory were habited in sable; added to these, the undertaker’s men, at least a score, with crapes and hatbands, and who made goodly show when the great burying show took place — but these are mute personages in our drama; and having nothing to do or say, need occupy a very little space here. Ihren Schwägerinnen gegenüber machte Rebekka keinen Versuch, ihre frühere Stellung als Gouvernante in Vergessenheit zu bringen, sondern sie sprach offenherzig und freundlich mit ihnen darüber, erkundigte sich ernsthaft nach ihren Studien und erzählte ihnen, daß sie oft und oft an sie gedacht habe und sehr begierig gewesen sei, zu erfahren, wie es ihnen ginge. Man hätte tatsächlich glauben können, sie habe seit ihrer Trennung nie aufgehört, stets und ständig an sie zu denken und den zärtlichsten Anteil an ihrem Wohlergehen zu nehmen. So wenigstens glaubten Lady Crawley und ihre jungen Schwägerinnen.   With regard to her sisters-in-law Rebecca did not attempt to forget her former position of Governess towards them, but recalled it frankly and kindly, and asked them about their studies with great gravity, and told them that she had thought of them many and many a day, and longed to know of their welfare. In fact you would have supposed that ever since she had left them she had not ceased to keep them uppermost in her thoughts and to take the tenderest interest in their welfare. So supposed Lady Crawley herself and her young sisters. »Sie hat sich in den acht Jahren kaum verändert«, bemerkte Miss Rosalind zu Miss Violet, als sie sich fürs Essen umkleideten.   “She’s hardly changed since eight years,” said Miss Rosalind to Miss Violet, as they were preparing for dinner. »Diese rothaarigen Frauen sehen erstaunlich gut aus«, entgegnete die andere.   “Those red-haired women look wonderfully well,” replied the other. »Ihr Haar ist jetzt viel dunkler, als es früher war; ich glaube, sie färbt es; sie ist auch stärker geworden und hat in jeder Hinsicht gewonnen«, fügte Miss Rosalind hinzu, die Anlage hatte, sehr dick zu werden.   “Hers is much darker than it was; I think she must dye it,” Miss Rosalind added. “She is stouter, too, and altogether improved,” continued Miss Rosalind, who was disposed to be very fat. »Wenigstens ist sie nicht eingebildet und hat nicht vergessen, daß sie einmal unsere Gouvernante gewesen ist«, sagte Miss Violet und deutete damit an, daß es für Gouvernanten angemessen sei, sich in Schranken zu halten. Dabei übersah sie ganz, daß sie nicht nur die Enkelin von Sir Walpole Crawley, sondern auch von Mr. Dawson aus Mudbury war und daher eine Kohlenschaufel im Wappen führte. Es gibt viele wohlmeinende Leute, die man täglich auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit trifft und die ebenso vergeßlich sind.   “At least she gives herself no airs and remembers that she was our Governess once,” Miss Violet said, intimating that it befitted all governesses to keep their proper place, and forgetting altogether that she was granddaughter not only of Sir Walpole Crawley, but of Mr. Dawson of Mudbury, and so had a coal-scuttle in her scutcheon. There are other very well-meaning people whom one meets every day in Vanity Fair who are surely equally oblivious. »Es kann doch wohl nicht wahr sein, was die Mädchen im Pfarrhaus gesagt haben, daß ihre Mutter eine Ballettänzerin war...«   “It can’t be true what the girls at the Rectory said, that her mother was an opera-dancer — ” »Kein Mensch kann für seine Geburt«, entgegnete Rosalind sehr freisinnig. »Ich für mein Teil stimme unserem Bruder bei, daß wir sie natürlich auch beachten müssen, da sie nun einmal in der Familie ist. Tante Bute soll ganz still sein; sie will Kate an den jungen Hooper, den Weinhändler, verheiraten und hat ihn sogar aufgefordert, ins Pfarrhaus zu kommen und Bestellungen entgegenzunehmen.«   “A person can’t help their birth,” Rosalind replied with great liberality. “And I agree with our brother, that as she is in the family, of course we are bound to notice her. I am sure Aunt Bute need not talk; she wants to marry Kate to young Hooper, the wine-merchant, and absolutely asked him to come to the Rectory for orders.” »Ich möchte wissen, ob Lady Southdown das Haus verläßt; sie hat Mrs. Rawdon sehr finster angesehen«, sagte die andere.   “I wonder whether Lady Southdown will go away, she looked very glum upon Mrs. Rawdon,” the other said. »Ich wünschte, sie täte es. Ich will die ›Apfelfrau von Finchley‹ nicht lesen«, beteuerte Violet, und mit diesen Worten gingen die beiden Mädchen zum Familienmahl, zu dem die Glocke wie gewöhnlich ertönte. Dabei vermieden sie einen Gang, an dessen Ende ein gewisser Sarg stand, von zwei Wächtern bewacht und beleuchtet von Kerzen, die in dem verschlossenen Zimmer ständig brannten.   “I wish she would. I won’t read the Washerwoman of Finchley Common,” vowed Violet; and so saying, and avoiding a passage at the end of which a certain coffin was placed with a couple of watchers, and lights perpetually burning in the closed room, these young women came down to the family dinner, for which the bell rang as usual. Vor dem Essen jedoch führte Lady Jane Rebekka in die für sie bestimmten Gemächer, die wie das ganze übrige Haus unter Pitts Regierung viel ordentlicher und behaglicher geworden waren. Als sie sah, daß Mrs. Rawdons bescheidene Köfferchen angekommen und ins Schlafzimmer und den angrenzenden Ankleideraum gebracht worden waren, half sie ihr, den netten schwarzen Hut und den Mantel abzulegen, und fragte ihre Schwägerin, womit sie ihr sonst dienen könnte.   But before this, Lady Jane conducted Rebecca to the apartments prepared for her, which, with the rest of the house, had assumed a very much improved appearance of order and comfort during Pitt’s regency, and here beholding that Mrs. Rawdon’s modest little trunks had arrived, and were placed in the bedroom and dressing-room adjoining, helped her to take off her neat black bonnet and cloak, and asked her sister-in-law in what more she could be useful. »Am liebsten«, sagte Rebekka, »möchte ich ins Kinderzimmer gehen und Ihre lieben Kinderchen sehen.« Daraufhin blickten sich beide Damen sehr freundlich an und gingen Hand in Hand dorthin.   “What I should like best,” said Rebecca, “would be to go to the nursery and see your dear little children.” On which the two ladies looked very kindly at each other and went to that apartment hand in hand. Becky bewunderte die kleine Matilda, die noch nicht ganz vier Jahre alt war, als den bezauberndsten kleinen Engel der Welt und den Knaben, einen kleinen bleichen Burschen von zwei Jahren, mit schweren Augenlidern und großem Kopf, als ein wahres Wunder an Größe, Verstand und Schönheit.   Becky admired little Matilda, who was not quite four years old, as the most charming little love in the world; and the boy, a little fellow of two years — pale, heavy-eyed, and large-headed — she pronounced to be a perfect prodigy in point of size, intelligence, and beauty. »Ich wünschte nur, Mama wollte ihm nicht unbedingt immer so viel Medizin geben«, sagte Lady Jane mit einem Seufzer. »Ich denke oft, ohne ginge es uns allen viel besser.« Dann führten Lady Jane und ihre neue Freundin eines jener vertraulichen Gespräche über Medizin und Kinder, an denen alle Mütter und, wie ich höre, die meisten Frauen das größte Vergnügen finden. Der Verfasser dieser Geschichte erinnert sich noch gut der Zeit vor fünfzig Jahren, als er ein interessanter kleiner Knabe war und nach dem Essen mit den Damen das Zimmer verlassen mußte. Dabei drehten sich deren Gespräche hauptsächlich um ihre Krankheiten, und als er später ein paar von ihnen direkt fragte, wurde ihm bestätigt, daß sich die Zeiten nicht geändert hätten. Meine schönen Leserinnen mögen noch heute abend selbst ihre Beobachtungen anstellen, wenn sie nach dem Dessert die Tafel verlassen und sich versammeln, um den Salondienst abzuhalten. Nun, nach einer halben Stunde jedenfalls waren Becky und Lady Jane vertraute Freundinnen – und im Laufe des Abends äußerte die Lady gegenüber Sir Pitt, daß sie ihre neue Schwägerin für eine freundliche, offene, unaffektierte und liebevolle junge Frau halte.   “I wish Mamma would not insist on giving him so much medicine,” Lady Jane said with a sigh. “I often think we should all be better without it.” And then Lady Jane and her new-found friend had one of those confidential medical conversations about the children, which all mothers, and most women, as I am given to understand, delight in. Fifty years ago, and when the present writer, being an interesting little boy, was ordered out of the room with the ladies after dinner, I remember quite well that their talk was chiefly about their ailments; and putting this question directly to two or three since, I have always got from them the acknowledgement that times are not changed. Let my fair readers remark for themselves this very evening when they quit the dessert-table and assemble to celebrate the drawing-room mysteries. Well — in half an hour Becky and Lady Jane were close and intimate friends — and in the course of the evening her Ladyship informed Sir Pitt that she thought her new sister-in-law was a kind, frank, unaffected, and affectionate young woman. Nachdem die unermüdliche kleine Frau leicht Lady Janes Zuneigung erworben hatte, machte sie sich daran, die erlauchte Mutter zu gewinnen. Sobald Rebekka Lady Southdown allein traf, überfiel sie sie sofort mit Fragen des Kinderzimmers und erklärte, daß ihr eigener kleiner Knabe durch den reichlichen Gebrauch von Kalomel gerettet, im wahrsten Sinne gerettet worden sei, als alle Pariser Ärzte das liebe Kind schon aufgegeben hatten. Sodann erwähnte sie, wie oft sie durch Ehrwürden Lawrence Grills von Lady Southdown gehört hatte. Dieser vortreffliche Mann sei doch der Prediger der Kapelle in Mayfair, die sie häufig besuchte. Ihre Ansichten hätten sich durch die Verhältnisse und Unglücksfälle sehr geändert, und sie hoffte, daß ihr früheres Leben in Weltlichkeit und Irren sie nicht unfähig gemacht habe, in Zukunft ernsthaftere Gedanken zu hegen. Sie erzählte, wie sie Sir Pitt Crawley für seine einstmaligen religiösen Unterweisungen zu Dank verpflichtet sei, und erwähnte die »Apfelfrau von Finchley«, die sie mit dem größten Nutzen gelesen habe, und erkundigte sich nach Lady Emily, der genialen Verfasserin, jetzt Lady Emily Hornblower in Kapstadt, wo ihr Gemahl beste Aussichten hatte, Bischof von Kaffraria zu werden.   And so having easily won the daughter’s good-will, the indefatigable little woman bent herself to conciliate the august Lady Southdown. As soon as she found her Ladyship alone, Rebecca attacked her on the nursery question at once and said that her own little boy was saved, actually saved, by calomel, freely administered, when all the physicians in Paris had given the dear child up. And then she mentioned how often she had heard of Lady Southdown from that excellent man the Reverend Lawrence Grills, Minister of the chapel in May Fair, which she frequented; and how her views were very much changed by circumstances and misfortunes; and how she hoped that a past life spent in worldliness and error might not incapacitate her from more serious thought for the future. She described how in former days she had been indebted to Mr. Crawley for religious instruction, touched upon the Washerwoman of Finchley Common, which she had read with the greatest profit, and asked about Lady Emily, its gifted author, now Lady Emily Hornblower, at Cape Town, where her husband had strong hopes of becoming Bishop of Caffraria. Sie krönte jedoch ihre Bemühungen und sicherte sich Lady Southdowns Gunst dadurch, daß sie sich nach der Beerdigung sehr aufgeregt und unwohl fühlte und den medizinischen Rat der Lady erbat. Die verwitwete Gräfin erteilte ihr nicht nur diesen, sondern kam in der Nacht, in ein Schlafgewand gehüllt, mehr denn je Lady Macbeth gleichend, höchstpersönlich in Rebekkas Schlafzimmer mit einem Paket ihrer Lieblingstraktate und einer eigenhändig zusammengebrauten Medizin, die Mrs. Rawdon unbedingt einnehmen müßte.   But she crowned all, and confirmed herself in Lady Southdown’s favour, by feeling very much agitated and unwell after the funeral and requesting her Ladyship’s medical advice, which the Dowager not only gave, but, wrapped up in a bed-gown and looking more like Lady Macbeth than ever, came privately in the night to Becky’s room with a parcel of favourite tracts, and a medicine of her own composition, which she insisted that Mrs. Rawdon should take. Becky nahm zuerst die Traktate, begann sie mit großem Interesse durchzusehen. Dabei verwickelte sie die verwitwete Gräfin in ein Gespräch über die Schriften und ihr eigenes Seelenheil, wodurch sie hoffte, ihren Körper vor der Medizin zu bewahren. Nachdem jedoch das religiöse Thema erschöpft war, wollte Lady Macbeth Beckys Zimmer nicht verlassen, ehe sie nicht auch das Glas mit ihrem Nachttrunk geleert hatte. Die arme Mrs. Rawdon mußte also tatsächlich einen dankbaren Blick zeigen und die Medizin unter der Nase der unerbittlichen alten Gräfin hinunterschlucken, die dann endlich ihr Opfer mit einem Segenswunsch verließ.   Becky first accepted the tracts and began to examine them with great interest, engaging the Dowager in a conversation concerning them and the welfare of her soul, by which means she hoped that her body might escape medication. But after the religious topics were exhausted, Lady Macbeth would not quit Becky’s chamber until her cup of night-drink was emptied too; and poor Mrs. Rawdon was compelled actually to assume a look of gratitude, and to swallow the medicine under the unyielding old Dowager’s nose, who left her victim finally with a benediction. Der Trank hatte Mrs. Rawdon nicht sonderlich erquickt. Sie sah recht unwohl aus, als Rawdon eintrat und hörte, was geschehen war; seine Lachsalve ertönte so laut wie gewöhnlich, als Becky mit dem ihr angeborenen Humor, wenn auch auf ihre eigenen Kosten, davon berichtete, wie sie Lady Southdown zum Opfer gefallen war. Lord Steyne und der Sohn der Lady in London lachten noch oft über die Geschichte, nachdem Rawdon und seine Frau zu ihrer Wohnung in Mayfair zurückgekehrt waren. Becky spielte ihnen die ganze Szene vor, sie setzte eine Nachthaube auf und zog ein Nachthemd an, hielt eine lange Predigt in echt pietistischer Manier und ließ sich über die Vortrefflichkeit der Arznei aus, die sie scheinbar verordnete, mit einem so gut nachgeahmten Ernst, daß man wirklich hätte glauben können, es sei die römische Nase der Gräfin, durch die sie schnüffelte. »Spielen Sie doch bitte Gräfin Southdown und das Abführmittel«, war der ewige Schlachtruf der Gesellschaft in Beckys kleinem Salon in Mayfair, und zum erstenmal in ihrem Leben trug die verwitwete Gräfin Southdown etwas zur Unterhaltung bei.   It did not much comfort Mrs. Rawdon; her countenance was very queer when Rawdon came in and heard what had happened; and. his explosions of laughter were as loud as usual, when Becky, with a fun which she could not disguise, even though it was at her own expense, described the occurrence and how she had been victimized by Lady Southdown. Lord Steyne, and her son in London, had many a laugh over the story when Rawdon and his wife returned to their quarters in May Fair. Becky acted the whole scene for them. She put on a night-cap and gown. She preached a great sermon in the true serious manner; she lectured on the virtue of the medicine which she pretended to administer, with a gravity of imitation so perfect that you would have thought it was the Countess’s own Roman nose through which she snuffled. “Give us Lady Southdown and the black dose,” was a constant cry amongst the folks in Becky’s little drawing-room in May Fair. And for the first time in her life the Dowager Countess of Southdown was made amusing. Sir Pitt, der die Achtung und Ehrerbietung, die ihm Rebekka in früherer Zeit entgegenbrachte, nicht vergessen hatte, war ihr ganz wohlgesinnt. Die Heirat, so unbesonnen sie auch war, hatte auf Rawdon doch einen guten Einfluß ausgeübt. Das merkte man deutlich an dem veränderten Benehmen und der neuen Lebensweise des Obersten – und hatte die Verbindung nicht letzten Endes Pitts Glück bewirkt? Der schlaue Diplomat lächelte in sich hinein, wenn er sich gestand, daß er ihr sein Vermögen verdankte und daß er eigentlich nichts dagegen sagen dürfte. Seine Befriedigung wurde weder durch Rebekkas Bemerkungen noch durch ihr Benehmen oder ihre Unterhaltung beeinträchtigt.   Sir Pitt remembered the testimonies of respect and veneration which Rebecca had paid personally to himself in early days, and was tolerably well disposed towards her. The marriage, ill-advised as it was, had improved Rawdon very much — that was clear from the Colonel’s altered habits and demeanour — and had it not been a lucky union as regarded Pitt himself? The cunning diplomatist smiled inwardly as he owned that he owed his fortune to it, and acknowledged that he at least ought not to cry out against it. His satisfaction was not removed by Rebecca’s own statements, behaviour, and conversation. Sie verdoppelte die Ehrerbietung, die ihn früher bezaubert hatte, und stellte seine Redegabe in ein so günstiges Licht, daß Pitt selbst darüber erstaunt war. Stets geneigt, seine eigenen Talente wertzuschätzen, bewunderte er sie um so mehr, wenn Rebekka ihn darauf aufmerksam machte. Ihrer Schwägerin konnte Rebekka sehr leicht beweisen, daß Mrs. Bute Crawley die Heirat zustande gebracht hatte, die sie später so sehr verleumdete, und daß Mrs. Butes Habsucht alle die gottlosen Gerüchte über Rebekka erfand, weil sie hoffte, damit Miss Crawleys gesamtes Vermögen zu erhalten und Rawdon der Gunst seiner Tante zu berauben. »Es ist ihr gelungen, uns arm zu machen«, sagte Rebekka mit einer Miene engelhafter Ergebung, »wie könnte ich aber einer Frau böse sein, die mir einen der besten Männer der Welt verschafft hat? Und ist nicht ihre Habgier genügend bestraft worden durch das Scheitern ihrer eigenen Hoffnungen und den Verlust des Vermögens, worauf sie so großen Wert legte? Arm!« rief sie. »Teuerste Lady Jane, was kümmert uns die Armut! Ich bin von Kindheit auf daran gewöhnt und bin dankbar, daß Miss Crawleys Geld dazu verwendet wurde, den Glanz der edlen alten Familie wiederherzustellen, zu der zu gehören ich so stolz bin. Ich bin überzeugt, daß Sir Pitt einen viel besseren Gebrauch davon machen wird, als Rawdon es getan hätte.«   She doubled the deference which before had charmed him, calling out his conversational powers in such a manner as quite to surprise Pitt himself, who, always inclined to respect his own talents, admired them the more when Rebecca pointed them out to him. With her sister-in-law, Rebecca was satisfactorily able to prove that it was Mrs. Bute Crawley who brought about the marriage which she afterwards so calumniated; that it was Mrs. Bute’s avarice — who hoped to gain all Miss Crawley’s fortune and deprive Rawdon of his aunt’s favour — which caused and invented all the wicked reports against Rebecca. “She succeeded in making us poor,” Rebecca said with an air of angelical patience; “but how can I be angry with a woman who has given me one of the best husbands in the world? And has not her own avarice been sufficiently punished by the ruin of her own hopes and the loss of the property by which she set so much store? Poor!” she cried. “Dear Lady Jane, what care we for poverty? I am used to it from childhood, and I am often thankful that Miss Crawley’s money has gone to restore the splendour of the noble old family of which I am so proud to be a member. I am sure Sir Pitt will make a much better use of it than Rawdon would.” All diese Reden wurden Pitt von der treuesten aller Gemahlinnen hinterbracht und erhöhten noch den günstigen Eindruck, den Rebekka gemacht hatte. Es ging sogar so gut, daß Sir Pitt drei Tage nach dem Begräbnis, als die Familie beim Essen saß und er als Oberhaupt das Geflügel zerlegte, zu Mrs. Rawdon sagte: »E-hm! Rebekka, darf ich Ihnen einen Flügel geben?« – Worte, die die Augen der kleinen Frau vor Freude funkeln ließen.   All these speeches were reported to Sir Pitt by the most faithful of wives, and increased the favourable impression which Rebecca made; so much so that when, on the third day after the funeral, the family party were at dinner, Sir Pitt Crawley, carving fowls at the head of the table, actually said to Mrs. Rawdon, “Ahem! Rebecca, may I give you a wing?" — a speech which made the little woman’s eyes sparkle with pleasure. Während Rebekka die obenerwähnten Pläne und Hoffnungen verfolgte und Pitt Crawley die Begräbnisfeierlichkeiten, und andere Angelegenheiten seiner künftigen Größe und Würde ordnete, während Lady Jane im Kinderzimmer beschäftigt war, soweit es ihre Mutter zuließ, während die Sonne, auf- und unterging und die Turmglocke des Schlosses wie gewöhnlich zum Essen und Beten rief, lag der Leichnam des ehemaligen Besitzers von Queen's Crawley in dem Zimmer, das er bewohnt hatte, und bei ihm wachten ständig die zu diesem Zweck gemieteten Leute. Ein oder zwei Frauen und ein paar Männer des Beerdigungsunternehmers – die, die man in Southampton auftreiben konnte –, ganz in Schwarz und mit der angemessenen geräuschlosen und tragischen Haltung, versahen diese Pflicht, abwechselnd an den sterblichen Überresten des Baronets zu wachen, und wenn sie abgelöst wurden, versammelten sie sich im Zimmer der Haushälterin, wo sie ungestört Karten spielten und ihr Bier tranken.   While Rebecca was prosecuting the above schemes and hopes, and Pitt Crawley arranging the funeral ceremonial and other matters connected with his future progress and dignity, and Lady Jane busy with her nursery, as far as her mother would let her, and the sun rising and setting, and the clock-tower bell of the Hall ringing to dinner and to prayers as usual, the body of the late owner of Queen’s Crawley lay in the apartment which he had occupied, watched unceasingly by the professional attendants who were engaged for that rite. A woman or two, and three or four undertaker’s men, the best whom Southampton could furnish, dressed in black, and of a proper stealthy and tragical demeanour, had charge of the remains which they watched turn about, having the housekeeper’s room for their place of rendezvous when off duty, where they played at cards in privacy and drank their beer. Die Familienmitglieder und die Dienerschaft des Hauses mieden den düsteren Ort, wo die Gebeine des Abkömmlings einer langen Reihe von Rittern und Edelleuten ihrer endgültigen Übersiedelung in die Familiengruft harrten. Niemand betrauerte den alten Mann außer der armen Frau, die gehofft hatte, Sir Pitts Gemahlin und Witwe zu werden, und die in Schande aus dem Schloß geflohen war, das sie fast schon regiert hatte. Außer ihr und einem alten Jagdhund, dessen Zuneigung er sich in der Zeit seines Schwachsinns erworben hatte, besaß der Alte keinen einzigen Freund, der ihn betrauert hätte. Er hatte sich aber auch in seinem ganzen Leben nie die geringste Mühe gegeben, einen Freund zu erringen. Hätten die Besten und Gütigsten von uns nach ihrem Scheiden von der Erde die Möglichkeit, sie wieder zu besuchen, so würden sie, wenn es in den Sphären, wohin wir reisen, überhaupt noch die Gefühle des Jahrmarkts der Eitelkeit gibt, sicherlich tief betrübt sein, zu sehen, wie bald sich die Überlebenden getröstet haben. So war also Sir Pitt vergessen – wie die Besten und Gütigsten von uns – nur ein paar Wochen früher.   The members of the family and servants of the house kept away from the gloomy spot, where the bones of the descendant of an ancient line of knights and gentlemen lay, awaiting their final consignment to the family crypt. No regrets attended them, save those of the poor woman who had hoped to be Sir Pitt’s wife and widow and who had fled in disgrace from the Hall over which she had so nearly been a ruler. Beyond her and a favourite old pointer he had, and between whom and himself an attachment subsisted during the period of his imbecility, the old man had not a single friend to mourn him, having indeed, during the whole course of his life, never taken the least pains to secure one. Could the best and kindest of us who depart from the earth have an opportunity of revisiting it, I suppose he or she (assuming that any Vanity Fair feelings subsist in the sphere whither we are bound) would have a pang of mortification at finding how soon our survivors were consoled. And so Sir Pitt was forgotten — like the kindest and best of us — only a few weeks sooner. Diejenigen, die Lust dazu verspüren, mögen seinen sterblichen Überresten zum Grabe folgen, wohin sie am festgesetzten Tag in geziemender Weise gebracht wurden. Die Familie begleitete sie in schwarzen Kutschen, mit den Taschentüchern vor der Nase, bereit für die Tränen, die nicht kamen; der Begräbnisunternehmer und seine Leute waren sehr betrübt. Die größeren Pächter trauerten aus Rücksicht auf ihren neuen Herrn. Die Kutschen der benachbarten Gutsbesitzer kamen aus drei Meilen im Umkreis leer in tiefer Trauer. Der Pfarrer sagte seine Formel über »unseren lieben verschiedenen Bruder« her. Solange wir noch im Besitz eines menschlichen Körpers sind, machen wir ihn zum Spielball unserer Eitelkeit, veranstalten um ihn hohle Zeremonien, bahren ihn auf, umgeben ihn mit vergoldeten Nägeln und Samt und beenden unsere Pflichten gegen ihn dadurch, daß wir einen Stein, vollgeschrieben mit Lügen, darüberlegen. Butes Unterpfarrer, ein eleganter Bursche von Oxford, und Sir Pitt Crawley verfaßten gemeinsam eine passende lateinische Grabinschrift für den seligen Baronet, und der Unterpfarrer hielt eine klassische Predigt, in der er die Überlebenden ermahnte, sich nicht vom Kummer überwältigen zu lassen, und sie ehrerbietig darauf hinwies, daß man auch sie eines Tages auffordern würde, durch die düstere und geheimnisvolle Pforte zu gehen, die sich hinter den sterblichen Überresten ihres vielbeweinten Bruders geschlossen habe. Dann stiegen die Pächter wieder aufs Pferd oder blieben und erquickten sich bei einem Trank im »Wappen Crawleys«. Nach einem Frühstück in der Gesindestube von Queen's Crawley rollten die Kutschen der Gutsbesitzer wieder in die verschiedensten Richtungen davon; dann packten die Leute des Begräbnisunternehmers die Seile, die Bahrtücher, Samtbehänge, Straußenfedern und anderen Begräbnisrequisiten wieder ein, kletterten auf das Dach des Leichenwagens und fuhren ab nach Southampton. Ihre Gesichter entspannten sich wieder zu einem natürlichen Ausdruck, als die Pferde das Parktor hinter sich gelassen hatten und auf der offenen Straße in einen lebhaften Trab fielen, und man hätte dann sehen können, wie der ganze Haufen die Wirtshaustüren verdunkelte, und dazwischen Zinnkrüge, die im Sonnenschein blitzten. Sir Pitts Krankenstuhl wurde in einen Geräteschuppen im Garten gerollt; der alte Jagdhund heulte in der ersten Zeit ein paarmal, aber das waren auch die einzigen kummervollen Laute, die man in dem Schloß hörte, dessen Besitzer Sir Pitt Crawley, Baronet, mehr als sechzig Jahre lang gewesen war.   Those who will may follow his remains to the grave, whither they were borne on the appointed day, in the most becoming manner, the family in black coaches, with their handkerchiefs up to their noses, ready for the tears which did not come; the undertaker and his gentlemen in deep tribulation; the select tenantry mourning out of compliment to the new landlord; the neighbouring gentry’s carriages at three miles an hour, empty, and in profound affliction; the parson speaking out the formula about “our dear brother departed.” As long as we have a man’s body, we play our Vanities upon it, surrounding it with humbug and ceremonies, laying it in state, and packing it up in gilt nails and velvet; and we finish our duty by placing over it a stone, written all over with lies. Bute’s curate, a smart young fellow from Oxford, and Sir Pitt Crawley composed between them an appropriate Latin epitaph for the late lamented Baronet, and the former preached a classical sermon, exhorting the survivors not to give way to grief and informing them in the most respectful terms that they also would be one day called upon to pass that gloomy and mysterious portal which had just closed upon the remains of their lamented brother. Then the tenantry mounted on horseback again, or stayed and refreshed themselves at the Crawley Arms. Then, after a lunch in the servants’ hall at Queen’s Crawley, the gentry’s carriages wheeled off to their different destinations: then the undertaker’s men, taking the ropes, palls, velvets, ostrich feathers, and other mortuary properties, clambered up on the roof of the hearse and rode off to Southampton. Their faces relapsed into a natural expression as the horses, clearing the lodge-gates, got into a brisker trot on the open road; and squads of them might have been seen, speckling with black the public-house entrances, with pewter-pots flashing in the sunshine. Sir Pitt’s invalid chair was wheeled away into a tool-house in the garden; the old pointer used to howl sometimes at first, but these were the only accents of grief which were heard in the Hall of which Sir Pitt Crawley, Baronet, had been master for some threescore years. Da es Rebhühner in Massen gab und die Jagd gewissermaßen zu den Pflichten eines englischen Gentlemans gehört, der eine Neigung zum Staatsdienst hat, so nahm Sir Pitt, nachdem die erste schmerzliche Erschütterung vorüber war, in einem weißen Hut mit Trauerflor ein wenig an dieser Zerstreuung teil. Der Anblick dieser Stoppel- und Rübenfelder, die jetzt ihm gehörten, bereitete ihm eine geheime Freude. Zuweilen nahm er mit ausgesuchter Demut keine Flinte, sondern nur einen friedlichen Bambusstock mit, während sein großer Bruder Rawdon und die Wildhüter neben ihm drauflosfeuerten. Pitts Geld und Landbesitz machten auf seinen Bruder einen tiefen Eindruck. Der mittellose Oberst wurde direkt unterwürfig und ehrerbietig gegenüber dem Oberhaupt des Hauses und verachtete den Milchbart Pitt nicht mehr. Rawdon lauschte interessiert den Pflanzungs- und Bewässerungsplänen seines älteren Bruders, gab seine Ratschläge über die Ställe und das Vieh, ritt nach Mudbury, um eine Stute anzusehen, die ihm als Reitpferd für Lady Jane geeignet schien, und erbot sich, sie zuzureiten. Der rebellische Dragoner war jetzt ganz bescheiden und demütig und ein höchst verständiger jüngerer Bruder geworden. Er erhielt laufend Berichte von Miss Briggs aus London über den kleinen Rawdon, der dort zurückgeblieben war. Mitunter schrieb der Junge auch selbst. »Mir geht es gut«, schrieb er. »Ich hoffe, Dir geht es sehr gut. Ich hoffe, der Mama geht es sehr gut. Dem Pony geht es sehr gut. Grey nimmt mich zum Reiten mit in den Park. Ich kann Trab reiten. Ich habe den kleinen Jungen wiedergetroffen, der schon einmal geritten ist. Er hat geweint, als er Trab geritten ist. Ich weine nicht.« Rawdon las diese Briefe seinem Bruder und Lady Jane vor, die davon entzückt war; der Baronet versprach, für die Ausbildung des Knaben zu sorgen, und seine gutherzige Frau gab Rebekka eine Banknote und bat sie, dafür ein Geschenk für ihren kleinen Neffen zu kaufen.   As the birds were pretty plentiful, and partridge shooting is as it were the duty of an English gentleman of statesmanlike propensities, Sir Pitt Crawley, the first shock of grief over, went out a little and partook of that diversion in a white hat with crape round it. The sight of those fields of stubble and turnips, now his own, gave him many secret joys. Sometimes, and with an exquisite humility, he took no gun, but went out with a peaceful bamboo cane; Rawdon, his big brother, and the keepers blazing away at his side. Pitt’s money and acres had a great effect upon his brother. The penniless Colonel became quite obsequious and respectful to the head of his house, and despised the milksop Pitt no longer. Rawdon listened with sympathy to his senior’s prospects of planting and draining, gave his advice about the stables and cattle, rode over to Mudbury to look at a mare, which he thought would carry Lady Jane, and offered to break her, \&c.: the rebellious dragoon was quite humbled and subdued, and became a most creditable younger brother. He had constant bulletins from Miss Briggs in London respecting little Rawdon, who was left behind there, who sent messages of his own. “I am very well,” he wrote. “I hope you are very well. I hope Mamma is very well. The pony is very well. Grey takes me to ride in the park. I can canter. I met the little boy who rode before. He cried when he cantered. I do not cry.” Rawdon read these letters to his brother and Lady Jane, who was delighted with them. The Baronet promised to take charge of the lad at school, and his kind-hearted wife gave Rebecca a bank-note, begging her to buy a present with it for her little nephew. Ein Tag folgte dem anderen, und die Damen des Hauses verbrachten ihre Zeit mit jenen ruhigen Beschäftigungen und Unterhaltungen, mit denen sich die Damen vom Lande zufriedengeben. Die Glocke rief zum Essen und zum Beten. Die jungen Damen übten täglich nach dem Frühstück auf dem Klavier, wobei Rebekka so gütig war, sie zu unterweisen; dann zogen sie derbe Schuhe an und streiften durch den Park oder die Büsche oder gingen jenseits der Parkumfassung in die Dörfer und fielen mit Lady Southdowns Arzneien und Traktaten in die Hütten ein, wo sich Kranke befanden. Lady Southdown fuhr in einem Ponywagen aus und hatte dabei oft Rebekka neben sich, die mit dem größten Interesse den feierlichen Reden der verwitweten Gräfin zuhörte. Abends sang Mrs. Rawdon der Familie Stücke von Händel und Haydn vor und begann mit einer großen Strickarbeit, als ob sie dazu geboren wäre und diese Lebensweise fortsetzen sollte, bis sie in glänzendem hohem Alter ins Grab sinken und Trauer und eine große Menge Staatspapiere hinterlassen würde – als ob keine Sorgen und Gläubiger, keine Pläne, Ausflüchte und Armut außerhalb des Parktores auf sie warteten, um sich auf sie zu stürzen, sobald sie wieder in die Welt hinaustrat.   One day followed another, and the ladies of the house passed their life in those calm pursuits and amusements which satisfy country ladies. Bells rang to meals and to prayers. The young ladies took exercise on the pianoforte every morning after breakfast, Rebecca giving them the benefit of her instruction. Then they put on thick shoes and walked in the park or shrubberies, or beyond the palings into the village, descending upon the cottages, with Lady Southdown’s medicine and tracts for the sick people there. Lady Southdown drove out in a pony-chaise, when Rebecca would take her place by the Dowager’s side and listen to her solemn talk with the utmost interest. She sang Handel and Haydn to the family of evenings, and engaged in a large piece of worsted work, as if she had been born to the business and as if this kind of life was to continue with her until she should sink to the grave in a polite old age, leaving regrets and a great quantity of consols behind her — as if there were not cares and duns, schemes, shifts, and poverty waiting outside the park gates, to pounce upon her when she issued into the world again. Es ist nicht schwer, die Frau eines Landedelmannes zu sein, dachte Rebekka. Ich glaube, ich könnte mit fünftausend Pfund jährlich auch eine gute Frau werden. Ich könnte meine Zeit im Kinderzimmer totschlagen und die Aprikosen am Spalier zählen. Ich könnte die Pflanzen im Gewächshaus begießen und die abgestorbenen Blätter von den Geranien abknipsen. Ich könnte mich bei alten Frauen nach ihrem Rheumatismus erkundigen und den Armen für eine halbe Krone Suppe kochen lassen. Bei fünftausend pro Jahr würde ich das kaum merken. Ich könnte sogar zehn Meilen weit zu einem Nachbarn zum Essen fahren und mich nach der Mode des vorletzten Jahres kleiden. Ich könnte zur Kirche gehen und mich in dem großen Familienstuhl wach halten oder hinter den Vorhängen bei herabgelassenem Schleier schlafen, wenn ich erst ein bißchen Übung hätte. Ich könnte alle bezahlen, wenn ich nur das Geld hätte. Dies ist es, worauf die Taschenspieler hier so stolz sind. Sie blicken mitleidig auf uns arme Sünder herab, die keins haben. Sie halten sich für großzügig, wenn sie unseren Kindern eine Fünfpfundnote schenken, und verachten uns, weil wir nichts haben. Wer weiß, vielleicht hatte Rebekka mit ihren Gedanken recht, und es war bloß eine Geld- und Vermögensfrage, die den Unterschied zwischen ihr und einer ehrbaren Frau ausmachte. Wer kann behaupten, er sei besser als sein Nachbar, wenn er die Versuchung in Betracht zieht? Wenn bequemes Wohlleben den Menschen nicht ehrlich macht, so hält es ihn doch wenigstens auf der Bahn des Rechts. Ein vom Schildkrötenmahl kommender Alderman wird nicht aus der Kutsche steigen, um eine Hammelkeule zu stehlen; aber man lasse ihn hungern und warte ab, ob er nicht einen Laib Brot mitgehen heißt. Becky tröstete sich damit, daß sie auf diese Weise die Glücksfälle gegeneinander abwog und die Verteilung des Guten und Bösen in der Welt ausglich.   “It isn’t difficult to be a country gentleman’s wife,” Rebecca thought. “I think I could be a good woman if I had five thousand a year. I could dawdle about in the nursery and count the apricots on the wall. I could water plants in a green-house and pick off dead leaves from the geraniums. I could ask old women about their rheumatisms and order half-a-crown’s worth of soup for the poor. I shouldn’t miss it much, out of five thousand a year. I could even drive out ten miles to dine at a neighbour’s, and dress in the fashions of the year before last. I could go to church and keep awake in the great family pew, or go to sleep behind the curtains, with my veil down, if I only had practice. I could pay everybody, if I had but the money. This is what the conjurors here pride themselves upon doing. They look down with pity upon us miserable sinners who have none. They think themselves generous if they give our children a five-pound note, and us contemptible if we are without one.” And who knows but Rebecca was right in her speculations — and that it was only a question of money and fortune which made the difference between her and an honest woman? If you take temptations into account, who is to say that he is better than his neighbour? A comfortable career of prosperity, if it does not make people honest, at least keeps them so. An alderman coming from a turtle feast will not step out of his carnage to steal a leg of mutton; but put him to starve, and see if he will not purloin a loaf. Becky consoled herself by so balancing the chances and equalizing the distribution of good and evil in the world. Sie suchte die alten Spazierwege, die alten Felder und Wälder, die Wäldchen, Teiche und Gärten und die Zimmer des alten Hauses, wo sie vor sieben Jahren viele Monate zugebracht hatte, alle wieder auf. Sie war damals jung gewesen oder doch vergleichsweise, denn sie konnte sich keiner Zeit entsinnen, wo sie richtig jung gewesen war – aber sie gedachte ihrer Gefühle und Gedanken vor sieben Jahren und verglich sie mit ihren jetzigen, nun, da sie die Welt gesehen hatte und mit vornehmen Leuten lebte und weit über ihre ursprüngliche bescheidene Stellung hinausgewachsen war.   The old haunts, the old fields and woods, the copses, ponds, and gardens, the rooms of the old house where she had spent a couple of years seven years ago, were all carefully revisited by her. She had been young there, or comparatively so, for she forgot the time when she ever was young — but she remembered her thoughts and feelings seven years back and contrasted them with those which she had at present, now that she had seen the world, and lived with great people, and raised herself far beyond her original humble station. Ich habe mich hochgearbeitet, weil ich Verstand besitze und fast die ganze Welt sonst aus Narren besteht, dachte Rebekka. Jetzt könnte ich gar nicht mehr zurück zu jenen Leuten, die ich in meines Vaters Atelier traf. Jetzt erscheinen Lords mit Orden und Sternen an meiner Tür statt armer Künstler mit Tabakspäckchen in der Tasche. Ich habe einen Gentleman zum Mann und eine Grafentochter zur Schwägerin in demselben Haus, wo ich noch vor ein paar Jahren kaum etwas Höheres als ein Dienstbote war. Stehe ich aber jetzt besser in der Welt als damals, da ich die Tochter des armen Malers war und den Krämer an der Ecke um Zucker und Tee beschwatzte? Angenommen, ich hätte Francis geheiratet, der mich so liebte, wäre ich dann ärmer gewesen als jetzt? Ich wollte, ich könnte meine Stellung in der Welt und alle meine Verwandten gegen eine hübsche Summe in dreiprozentigen Staatspapieren vertauschen. Becky empfand die Eitelkeit aller menschlichen Beziehungen so stark, daß sie ihren Anker lieber in diesen sicheren Gründen ausgeworfen hätte.   “I have passed beyond it, because I have brains,” Becky thought, “and almost all the rest of the world are fools. I could not go back and consort with those people now, whom I used to meet in my father’s studio. Lords come up to my door with stars and garters, instead of poor artists with screws of tobacco in their pockets. I have a gentleman for my husband, and an Earl’s daughter for my sister, in the very house where I was little better than a servant a few years ago. But am I much better to do now in the world than I was when I was the poor painter’s daughter and wheedled the grocer round the corner for sugar and tea? Suppose I had married Francis who was so fond of me — I couldn’t have been much poorer than I am now. Heigho! I wish I could exchange my position in society, and all my relations for a snug sum in the Three Per Cent. Consols”; for so it was that Becky felt the Vanity of human affairs, and it was in those securities that she would have liked to cast anchor. Es mag ihr vielleicht auch einmal durch den Kopf gegangen sein, daß Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Pflichterfüllung auf geradem Wege sie dem Glück wohl ebenso nahe gebracht hätten wie der Pfad, den sie beschritt, um es zu erreichen. Aber es ging ihr wie den Kindern in Queen's Crawley, die einen Bogen um das Zimmer machten, worin der Leichnam ihres Vaters lag. Wenn Becky überhaupt jemals diese Gedanken gekommen waren, so ging sie stets darum herum und blickte nicht hin. Sie wich ihnen aus und verachtete sie – oder wandelte wenigstens schon auf dem anderen Pfad, auf dem es kein Zurück mehr gab. Ich für mein Teil glaube, daß die Reue die untätigste menschliche Moralempfindung ist und daher am leichtesten unterdrückt werden kann, wenn sie schon einmal erwacht, aber in den meisten Fällen erwacht sie gar nicht erst. Uns bekümmert das Entdecktwerden und die Vorstellung von Schande und Strafe, aber das Bewußtsein des Unrechts allein macht sehr wenige Menschen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit unglücklich.   It may, perhaps, have struck her that to have been honest and humble, to have done her duty, and to have marched straightforward on her way, would have brought her as near happiness as that path by which she was striving to attain it. But — just as the children at Queen’s Crawley went round the room where the body of their father lay — if ever Becky had these thoughts, she was accustomed to walk round them and not look in. She eluded them and despised them — or at least she was committed to the other path from which retreat was now impossible. And for my part I believe that remorse is the least active of all a man’s moral senses — the very easiest to be deadened when wakened, and in some never wakened at all. We grieve at being found out and at the idea of shame or punishment, but the mere sense of wrong makes very few people unhappy in Vanity Fair. Rebekka verschaffte sich also während ihres Aufenthaltes in Queen's Crawley so viele Freunde unter den Anhängern des ungerechten Mammons, als sie nur zusammenbringen konnte. Lady Jane und ihr Mann nahmen mit den wärmsten Freundschaftsbeteuerungen von ihr Abschied. Sie freuten sich schon auf die Zeit, wo das Familienhaus in der Gaunt Street überholt und verschönert sein würde und sie sich in London treffen könnten. Lady Southdown machte ihr ein Paket voll Medizin zurecht und gab ihr einen Brief an Ehrwürden Lawrence Grills mit, worin sie diesen beschwor, den »Brand«, der das Schreiben überbrachte, »aus dem Feuer zu reißen«. Pitt brachte sie vierspännig bis Mudbury. Dorthin hatte er schon ihr Gepäck nebst einer wahren Wagenladung von Wildbret vorausgeschickt.   So Rebecca, during her stay at Queen’s Crawley, made as many friends of the Mammon of Unrighteousness as she could possibly bring under control. Lady Jane and her husband bade her farewell with the warmest demonstrations of good-will. They looked forward with pleasure to the time when, the family house in Gaunt Street being repaired and beautified, they were to meet again in London. Lady Southdown made her up a packet of medicine and sent a letter by her to the Rev. Lawrence Grills, exhorting that gentleman to save the brand who “honoured” the letter from the burning. Pitt accompanied them with four horses in the carriage to Mudbury, having sent on their baggage in a cart previously, accompanied with loads of game. »Wie glücklich wirst du sein, wenn du deinen lieben kleinen Jungen wiedersiehst«, sagte Lady Crawley beim Abschied zu ihrer Verwandten.   “How happy you will be to see your darling little boy again!” Lady Crawley said, taking leave of her kinswoman. »Oh, so glücklich!« erwiderte Rebekka und schlug ihre grünen Augen zum Himmel auf. Sie war ungeheuer froh, den Ort zu verlassen, und ging doch ungern. Queen's Crawley war zwar entsetzlich langweilig, aber die Luft war doch etwas reiner als die, die sie sonst atmete. Alle waren zwar fade, aber in ihrer Art doch freundlich gewesen. »Das ist alles nur die Folge eines jahrelangen Besitzes von Dreiprozentigen«, sagte sich Becky und hatte damit wahrscheinlich recht.   “Oh so happy!” said Rebecca, throwing up the green eyes. She was immensely happy to be free of the place, and yet loath to go. Queen’s Crawley was abominably stupid, and yet the air there was somehow purer than that which she had been accustomed to breathe. Everybody had been dull, but had been kind in their way. “It is all the influence of a long course of Three Per Cents,” Becky said to herself, and was right very likely. Die Londoner Lampen strahlten aber doch fröhlich, als die Postkutsche in Piccadilly einfuhr, die Briggs hatte in der Curzon Street ein schönes Feuer angezündet, und der kleine Rawdon war noch wach, um seinen Papa und seine Mama zu begrüßen,   However, the London lamps flashed joyfully as the stage rolled into Piccadilly, and Briggs had made a beautiful fire in Curzon Street, and little Rawdon was up to welcome back his papa and mamma. 42. Kapitel / Chapter 42 Das von der Familie Osborne handelt / Which Treats of the Osborne Family Seit wir unseren ehrenwerten Freund, den alten Mr. Osborne vom Russell Square, zum letztenmal gesehen haben, ist eine geraume Zeit verflossen. Er ist inzwischen nicht eben der glücklichste Mensch gewesen. Ereignisse sind eingetreten, die seine Laune nicht gebessert haben, und in verschiedenem ist es nicht nach seinem Kopf gegangen. Wenn ihm dieses billige Verlangen nicht erfüllt wurde, stand es immer schlimm um den alten Herrn, und Widerstand strengte ihn immer mehr an, je stärker ihn die Gicht, das Alter, die Einsamkeit und das Gewicht mancher Enttäuschung gemeinsam niederdrückten. Sein borstiges schwarzes Haar wurde bald nach seines Sohnes Tod weiß, sein Gesicht wurde röter, und seine Hände zitterten immer heftiger, wenn er sich sein Glas Portwein einschenkte. Seine Angestellten in der City hatten ein schreckliches Leben bei ihm, und seine Familie zu Hause war nicht viel glücklicher. Ich bezweifle, daß Rebekka, die wir beobachteten, als sie so fromm um Staatspapiere betete, ihre Armut und die tollen Aufregungen und Aussichten ihres Lebens gegen Osbornes Geld und die düstere Langeweile, die ihn umgab, vertauscht hätte. Er hatte Miss Swartz einen Heiratsantrag gemacht. Die Freunde der jungen Dame wiesen ihn aber verächtlich ab und verheirateten sie an einen jungen Sproß einer schottischen Adelsfamilie. Osborne war der Mann, eine Frau aus dem niedrigsten Stand zu heiraten und sie später entsetzlich zu quälen; aber er fand keine, die seinem Geschmack entsprochen hätte, und begnügte sich daher damit, seine unverheiratete Tochter zu Hause zu tyrannisieren. Sie hatte einen schönen Wagen und schöne Pferde und führte den Vorsitz an einem mit dem glänzendsten Silbergeschirr beladenen Tisch. Sie hatte ein Scheckbuch, einen kräftigen Lakai, der ihr folgte, wenn sie ausging, unbegrenzten Kredit, Verbeugungen und Komplimente von allen Geschäftsleuten, kurz, es fehlte ihr nichts, was einer reichen Erbin gebührte, und trotzdem führte sie ein erbarmungswürdiges Leben. Die kleinen Gemeindemädchen im Findelhaus, die Straßenfegerinnen an der Kreuzung, das niedrigste Küchenmädchen unter den Dienstboten konnte zufrieden sein im Vergleich mit der unglücklichen, jetzt bereits nicht mehr sehr jungen Dame.   Considerable time has elapsed since we have seen our respectable friend, old Mr. Osborne of Russell Square. He has not been the happiest of mortals since last we met him. Events have occurred which have not improved his temper, and in more in stances than one he has not been allowed to have his own way. To be thwarted in this reasonable desire was always very injurious to the old gentleman; and resistance became doubly exasperating when gout, age, loneliness, and the force of many disappointments combined to weigh him down. His stiff black hair began to grow quite white soon after his son’s death; his-face grew redder; his hands trembled more and more as he poured out his glass of port wine. He led his clerks a dire life in the City: his family at home were not much happier. I doubt if Rebecca, whom we have seen piously praying for Consols, would have exchanged her poverty and the dare-devil excitement and chances of her life for Osborne’s money and the humdrum gloom which enveloped him. He had proposed for Miss Swartz, but had been rejected scornfully by the partisans of that lady, who married her to a young sprig of Scotch nobility. He was a man to have married a woman out of low life and bullied her dreadfully afterwards; but no person presented herself suitable to his taste, and, instead, he tyrannized over his unmarried daughter, at home. She had a fine carriage and fine horses and sat at the head of a table loaded with the grandest plate. She had a cheque-book, a prize footman to follow her when she walked, unlimited credit, and bows and compliments from all the tradesmen, and all the appurtenances of an heiress; but she spent a woeful time. The little charity-girls at the Foundling, the sweeperess at the crossing, the poorest under-kitchen-maid in the servants’ hall, was happy compared to that unfortunate and now middle-aged young lady. Frederick Bullock vom Hause Bullock, Hulker und Bullock hatte Maria Osborne geheiratet, aber nicht ohne Schwierigkeiten und Murren auf Seiten Mr. Bullocks. Da George tot war und sein Vater ihn enterbt hatte, bestand Frederick darauf, daß Mr. Osborne die Hälfte seines Vermögens seiner Maria überschreiben solle, und tatsächlich weigerte er sich »anzubeißen« (das war Mr. Fredericks eigener Ausdruck), wenn nicht unter dieser Bedingung. Osborne sagte dagegen, Fred sei einverstanden gewesen, seine Tochter mit zwanzigtausend zu nehmen, und er werde sich zu nichts weiter bereit erklären. Fred möge sie nehmen und sei willkommen oder es bleibenlassen und zum Henker gehen. Fred, dessen Hoffnungen bei Georges Enterbung beträchtlich gestiegen waren, fühlte sich von dem alten Kaufmann schändlich betrogen und tat eine Weile so, als wollte er die Verbindung ganz abbrechen. Osborne löste sein Konto bei Hulker und Bullock auf, ging mit einer Reitpeitsche auf die Börse, die er einem gewissen Schurken, den er nicht nennen wollte, über den Rücken zu ziehen schwor, und benahm sich so ungebärdig wie stets. Jane Osborne sprach während dieser Familienfehde ihrer Schwester ihr Beileid aus. »Ich habe es dir immer gesagt, Maria, daß er dein Geld liebte und nicht dich«, sagte sie tröstend.   Frederick Bullock, Esq., of the house of Bullock, Hulker, and Bullock, had married Maria Osborne, not without a great deal of difficulty and grumbling on Mr. Bullock’s part. George being dead and cut out of his father’s will, Frederick insisted that the half of the old gentleman’s property should be settled upon his Maria, and indeed, for a long time, refused, “to come to the scratch” (it was Mr. Frederick’s own expression) on any other terms. Osborne said Fred had agreed to take his daughter with twenty thousand, and he should bind himself to no more. “Fred might take it, and welcome, or leave it, and go and be hanged.” Fred, whose hopes had been raised when George had been disinherited, thought himself infamously swindled by the old merchant, and for some time made as if he would break off the match altogether. Osborne withdrew his account from Bullock and Hulker’s, went on ’Change with a horsewhip which he swore he would lay across the back of a certain scoundrel that should be nameless, and demeaned himself in his usual violent manner. Jane Osborne condoled with her sister Maria during this family feud. “I always told you, Maria, that it was your money he loved and not you,” she said, soothingly. »Auf alle Fälle hat er aber mich und mein Geld erwählt und nicht dich und das deine«, entgegnete Maria und warf den Kopf in den Nacken.   “He selected me and my money at any rate; he didn’t choose you and yours,” replied Maria, tossing up her head. Der Bruch war jedoch nur vorübergehend. Freds Vater und die älteren Geschäftsteilhaber rieten ihm, Maria auch mit zwanzigtausend Pfund zu nehmen – die Hälfte sofort, die andere Hälfte beim Tode von Mr. Osborne, da ja Aussichten bestanden, daß das Vermögen noch weiter geteilt würde. Er ließ sich also »breitschlagen«, um wieder seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen, und schickte den alten Hulker mit Friedensvorschlägen zu Osborne. Sein Vater sei es gewesen, der nichts von der Verbindung habe hören wollen und Schwierigkeiten gemacht habe, während er selbst immer bestrebt gewesen sei, sein Versprechen zu halten. Mr. Osborne nahm die Entschuldigung mürrisch an. Hulker und Bullock waren eine bedeutende Familie der Geldaristokratie und mit den Vornehmen von West End verwandt. Es bedeutete etwas für den alten Mann, sagen zu können: »Mein Sohn vom Hause Hulker, Bullock und Co., die Kusine meiner Tochter, Lady Mary Mango, Tochter Seiner Gnaden des Grafen Castlemouldy.« Er sah im Geiste sein Haus bereits von diesen Vornehmen bevölkert. So verzieh er dem jungen Bullock und gab seine Zustimmung zur Hochzeit.   The rapture was, however, only temporary. Fred’s father and senior partners counselled him to take Maria, even with the twenty thousand settled, half down, and half at the death of Mr. Osborne, with the chances of the further division of the property. So he “knuckled down,” again to use his own phrase, and sent old Hulker with peaceable overtures to Osborne. It was his father, he said, who would not hear of the match, and had made the difficulties; he was most anxious to keep the engagement. The excuse was sulkily accepted by Mr. Osborne. Hulker and Bullock were a high family of the City aristocracy, and connected with the “nobs” at the West End. It was something for the old man to be able to say, “My son, sir, of the house of Hulker, Bullock, and Co., sir; my daughter’s cousin, Lady Mary Mango, sir, daughter of the Right Hon. The Earl of Castlemouldy.” In his imagination he saw his house peopled by the “nobs.” So he forgave young Bullock and consented that the marriage should take place. Es war eine großartige Angelegenheit – die Verwandten des Bräutigams gaben das Frühstück, da sie in der Nähe der Sankt-Georgs-Kirche am Hanover Square wohnten, wo das Geschäft abgeschlossen wurde. Die »Vornehmen von West End« waren geladen, und viele von ihnen trugen sich ins Kirchenbuch ein. Mr. Mango und Lady Mary Mango waren zugegen mit ihren lieben jungen Töchtern Gwendoline und Guinever Mango als Brautjungfern, Oberst Bludyer von den Gardedragonern (ältester Sohn des Hauses Gebrüder Bludyer, Mincing Lane), ein anderer Vetter des Bräutigams, und die ehrenwerte Mrs. Bludyer; der ehrenwerte George Boulter, Sohn Lord Levants, mit seiner Gemahlin, der früheren Miss Mango; Lord Viscount Castletoddy; der ehrenwerte James McMull und Mrs. McMull (ehemals Miss Swartz) und noch eine Menge anderer Leute von Welt, die alle in die Lombard Street geheiratet und so zur Veredlung von Cornhill beigetragen hatten.   It was a grand affair — the bridegroom’s relatives giving the breakfast, their habitations being near St. George’s, Hanover Square, where the business took place. The “nobs of the West End” were invited, and many of them signed the book. Mr. Mango and Lady Mary Mango were there, with the dear young Gwendoline and Guinever Mango as bridesmaids; Colonel Bludyer of the Dragoon Guards (eldest son of the house of Bludyer Brothers, Mincing Lane), another cousin of the bridegroom, and the Honourable Mrs. Bludyer; the Honourable George Boulter, Lord Levant’s son, and his lady, Miss Mango that was; Lord Viscount Castletoddy; Honourable James McMull and Mrs. McMull (formerly Miss Swartz); and a host of fashionables, who have all married into Lombard Street and done a great deal to ennoble Cornhill. Das junge Paar hatte ein Haus in der Nähe vom Berkeley Square und eine kleine Villa in Roehampton in der Bankierskolonie dort. Fred hatte eine Mesalliance geschlossen. Das meinten jedenfalls die Damen seiner Familie, deren Großvater die Armenschule besucht hatte, die aber durch ihre Männer mit dem besten Blut Englands verwandt waren; Maria war also genötigt, die Mängel ihrer Geburt durch erhabenen Stolz und äußerste Sorgfalt in der Abfassung ihres Besuchsbuches auszugleichen, und hielt es für ihre Pflicht, Vater und Schwester so selten wie möglich zu sehen.   The young couple had a house near Berkeley Square and a small villa at Roehampton, among the banking colony there. Fred was considered to have made rather a mesalliance by the ladies of his family, whose grandfather had been in a Charity School, and who were allied through the husbands with some of the best blood in England. And Maria was bound, by superior pride and great care in the composition of her visiting-book, to make up for the defects of birth, and felt it her duty to see her father and sister as little as possible. Es wäre absurd gewesen, anzunehmen, sie wollte mit dem alten Manne, der noch so manchen Tausender zu vergeben hatte, völlig brechen. Fred Bullock hätte dies nie gestattet. Sie war aber noch jung und unfähig, ihre Gefühle zu verbergen; wenn sie also ihren Vater und ihre Schwester zu drittrangigen Gesellschaften einlud, wenn sie sich ihnen gegenüber dann kühl benahm, wenn sie den Russell Square mied und ihren Vater unüberlegt bat, doch von diesem häßlichen, gemeinen Platz wegzuziehen, dann richtete sie mehr Schaden an, als alle Diplomatie Fredericks wiedergutmachen konnte, und gedankenlos und unbedacht, wie sie war, gefährdete sie ihre Aussichten auf eine Erbschaft.   That she should utterly break with the old man, who had still so many scores of thousand pounds to give away, is absurd to suppose. Fred Bullock would never allow her to do that. But she was still young and incapable of hiding her feelings; and by inviting her papa and sister to her third-rate parties, and behaving very coldly to them when they came, and by avoiding Russell Square, and indiscreetly begging her father to quit that odious vulgar place, she did more harm than all Frederick’s diplomacy could repair, and perilled her chance of her inheritance like a giddy heedless creature as she was. »Russell Square ist also nicht gut genug für Mrs. Maria, he?« rief der alte Herr und zog krachend die Kutschenfenster herauf, als er und seine Tochter eines Abends vom Essen bei Mrs. Bullock nach Hause fuhren. »Sie ladet also Vater und Schwester zu einem aufgewärmten Essen ein (denn wenn diese Vorspeisen oder Angtrös, wie sie es nennt, nicht schon gestern auf dem Tisch gestanden haben, will ich verdammt sein), mit Cityleuten und Federfuchsern; und die Grafen und Ladys und Lordsöhne behält sie für sich! Lordsöhne? Zum Teufel mit den Lordsöhnen. Ich bin ein einfacher britischer Kaufmann, jawohl, das bin ich, aber ich könnte dieses Bettlerpack auskaufen. Lords, das ist gut! –einen von denen habe ich auf einer Soaröh gesehen, wie er mit einem verdammten Fiedler gesprochen hat – einem Kerl, den ich verachte. Und sie wollen also nicht zum Russell Square kommen? Ich will mich hängen lassen, wenn ich nicht ein besseres Glas Wein habe und eine größere Summe dafür bezahle und schöneres Silbergeschirr besitze und ein besseres Essen auf meinen Mahagonitisch bringe, als die jemals auf ihrem zu sehen kriegen – diese kriechenden, niederträchtigen, aufgedonnerten Narren. Fahr zu, James, ich will zum Russell Square zurück – haha!« Und er sank mit wütendem Lachen in die Wagenecke zurück. Mit solchen Betrachtungen über seine eigenen, größeren Verdienste pflegte sich der alte Herr nicht selten zu trösten.   “So Russell Square is not good enough for Mrs. Maria, hay?” said the old gentleman, rattling up the carriage windows as he and his daughter drove away one night from Mrs. Frederick Bullock’s, after dinner. “So she invites her father and sister to a second day’s dinner (if those sides, or ontrys, as she calls ’em, weren’t served yesterday, I’m d — d), and to meet City folks and littery men, and keeps the Earls and the Ladies, and the Honourables to herself. Honourables? Damn Honourables. I am a plain British merchant I am, and could buy the beggarly hounds over and over. Lords, indeed! — why, at one of her swarreys I saw one of ’em speak to a dam fiddler — a fellar I despise. And they won’t come to Russell Square, won’t they? Why, I’ll lay my life I’ve got a better glass of wine, and pay a better figure for it, and can show a handsomer service of silver, and can lay a better dinner on my mahogany, than ever they see on theirs — the cringing, sneaking, stuck-up fools. Drive on quick, James: I want to get back to Russell Square — ha, ha!” and he sank back into the corner with a furious laugh. With such reflections on his own superior merit, it was the custom of the old gentleman not unfrequently to console himself. Jane Osborne konnte diese Ansichten über das Benehmen ihrer Schwester nur teilen. Als Mrs. Fredericks erster Sohn, Frederick Augustus Howard Stanley Devereux Bullock, geboren wurde, begnügte sich der alte Osborne, der als Pate zur Taufe geladen war, damit, dem Kind einen goldenen Becher mit zwanzig Guineen für die Amme zu schicken. »Das ist mehr, als einer von euern Lords schenken wird, dafür stehe ich«, sagte er und schlug es ab, an den Feierlichkeiten teilzunehmen.   Jane Osborne could not but concur in these opinions respecting her sister’s conduct; and when Mrs. Frederick’s first-born, Frederick Augustus Howard Stanley Devereux Bullock, was born, old Osborne, who was invited to the christening and to be godfather, contented himself with sending the child a gold cup, with twenty guineas inside it for the nurse. “That’s more than any of your Lords will give, I’ll warrant,” he said and refused to attend at the ceremony. Das großartige Geschenk rief jedoch große Zufriedenheit im Hause der Bullocks hervor. Maria glaubte, daß ihr Vater sehr zufrieden mit ihr sei, und Frederick prophezeite das Beste für seinen kleinen Sohn und Erben.   The splendour of the gift, however, caused great satisfaction to the house of Bullock. Maria thought that her father was very much pleased with her, and Frederick augured the best for his little son and heir. Man kann sich die Qualen vorstellen, mit denen Miss Osborne in ihrer Einsamkeit am Russell Square die »Morning Post« las, wo in den Artikeln mit der Überschrift »Vornehme Gesellschaften« mitunter der Name ihrer Schwester erschien und wo sie Gelegenheit hatte, eine Beschreibung von Mrs. F. Bullocks Kleid zu lesen, das die Dame trug, als sie von Lady Frederica Bullock bei Hofe vorgestellt wurde. Janes Leben kannte nichts von dieser Großartigkeit, wie wir schon gesagt haben. Sie führte ein entsetzliches Dasein. Sie mußte an den dunklen Wintertagen zeitig aufstehen, um das Frühstück für ihren finsteren alten Vater zu bereiten, der das ganze Haus hinausgeworfen hätte, wenn sein Tee nicht um halb neun fertig gewesen wäre. Sie saß ihm schweigend gegenüber, lauschte dem Zischen des Teekessels und zitterte, während der Vater die Zeitung las und seine gewohnte Portion Brötchen und Tee zu sich nahm. Um halb zehn Uhr stand er auf und ging in die City. Sie war nun bis zum Essen fast frei und konnte die Küche aufsuchen und die Dienstboten schelten, ausfahren und bei den Kaufleuten vorsprechen, die äußerst respektvoll waren, sie konnte ihre und ihres Papas Karten in den großen, düsteren, angesehenen Häusern ihrer Geschäftsfreunde abgeben oder allein in dem großen Salon auf dem Sofa am Feuer sitzen und auf Besuch warten, während sie an einer großen Wolldecke arbeitete. Dicht neben ihr tickte und schlug die große Iphigenienuhr laut und traurig in dem öden Raum. Der große Spiegel über dem Kamin, gegenüber dem anderen großen Konsolenspiegel, reflektierte und vervielfältigte den braunen Leinensack, in dem der Kronleuchter hing, bis man eine endlose Reihe von braunen Leinensäcken sah und Miss Osbornes Zimmer das Zentrum einer Flucht von Salons zu sein schien. Wenn sie die Saffianlederdecke vom Flügel nahm und ein paar Takte darauf zu spielen wagte, klang es wie eine verzweifelte Klage und schreckte die traurigen Echos im Hause hoch. Georges Bild hatte man entfernt, es lag auf dem Dachboden in einer Rumpelkammer. Obwohl jedoch sein Geist zugegen war und Vater und Tochter häufig instinktiv wußten, daß sie an ihn dachten, so wurde der tapfere, einst geliebte Sohn nie erwähnt.   One can fancy the pangs with which Miss Osborne in her solitude in Russell Square read the Morning Post, where her sister’s name occurred every now and then, in the articles headed “Fashionable Reunions,” and where she had an opportunity of reading a description of Mrs. F. Bullock’s costume, when presented at the drawing room by Lady Frederica Bullock. Jane’s own life, as we have said, admitted of no such grandeur. It was an awful existence. She had to get up of black winter’s mornings to make breakfast for her scowling old father, who would have turned the whole house out of doors if his tea had not been ready at half-past eight. She remained silent opposite to him, listening to the urn hissing, and sitting in tremor while the parent read his paper and consumed his accustomed portion of muffins and tea. At half-past nine he rose and went to the City, and she was almost free till dinner-time, to make visitations in the kitchen and to scold the servants; to drive abroad and descend upon the tradesmen, who were prodigiously respectful; to leave her cards and her papa’s at the great glum respectable houses of their City friends; or to sit alone in the large drawing-room, expecting visitors; and working at a huge piece of worsted by the fire, on the sofa, hard by the great Iphigenia clock, which ticked and tolled with mournful loudness in the dreary room. The great glass over the mantelpiece, faced by the other great console glass at the opposite end of the room, increased and multiplied between them the brown Holland bag in which the chandelier hung, until you saw these brown Holland bags fading away in endless perspectives, and this apartment of Miss Osborne’s seemed the centre of a system of drawing-rooms. When she removed the cordovan leather from the grand piano and ventured to play a few notes on it, it sounded with a mournful sadness, startling the dismal echoes of the house. George’s picture was gone, and laid upstairs in a lumber-room in the garret; and though there was a consciousness of him, and father and daughter often instinctively knew that they were thinking of him, no mention was ever made of the brave and once darling son. Um fünf Uhr kam Mr. Osborne zum Essen zurück, das er und seine Tochter schweigend einnahmen, höchstens unterbrochen von einem wilden Fluchen, wenn ihm ein Gericht nicht zusagte. Zweimal im Monat hatten sie dabei die trübselige Gesellschaft der Freunde von Osbornes Rang und Alter: den alten Dr. Gulp und Frau vom Bloomsbury Square; den alten Mr. Frowser, Rechtsanwalt von der Bedford Row, einen sehr bedeutenden Mann, der geschäftlich mit den Vornehmen von West End auf vertrautem Fuße stand; den alten Oberst Livermore von der Bombay-Armee und Mrs. Livermore vom Upper Bedford Place; den alten Polizeirat Toffy und Mrs. Toffy und manchmal Sir Thomas Coffin und Lady Coffin vom Bedford Square. Sir Thomas war berühmt als Richter, der manchen an den Galgen gebracht hatte, und wenn er bei Mr. Osborne speiste, kam ein besonderer goldbrauner Portwein auf den Tisch.   At five o’clock Mr. Osborne came back to his dinner, which he and his daughter took in silence (seldom broken, except when he swore and was savage, if the cooking was not to his liking), or which they shared twice in a month with a party of dismal friends of Osborne’s rank and age. Old Dr. Gulp and his lady from Bloomsbury Square; old Mr. Frowser, the attorney, from Bedford Row, a very great man, and from his business, hand-in-glove with the “nobs at the West End”; old Colonel Livermore, of the Bombay Army, and Mrs. Livermore, from Upper Bedford Place; old Sergeant Toffy and Mrs. Toffy; and sometimes old Sir Thomas Coffin and Lady Coffin, from Bedford Square. Sir Thomas was celebrated as a hanging judge, and the particular tawny port was produced when he dined with Mr. Osborne. Diese Leute und ihresgleichen gaben dem protzigen Kaufmann vom Russell Square wiederum protzige Diners. Sie spielten feierliche Whistpartien, wenn sie sich nach dem Trinken wieder in den Salon hinaufbegaben, und ihre Kutschen fuhren um halb elf vor. Viele reiche Leute, die wir armen Teufel gewöhnlich so beneiden, führen zufrieden ein Leben wie das oben beschriebene. Jane Osborne sah selten einen Mann unter sechzig, und fast der einzige Junggeselle, der in ihrer Gesellschaft verkehrte, war Mr. Smirk, der berühmte Frauenarzt.   These people and their like gave the pompous Russell Square merchant pompous dinners back again. They had solemn rubbers of whist, when they went upstairs after drinking, and their carriages were called at half past ten. Many rich people, whom we poor devils are in the habit of envying, lead contentedly an existence like that above described. Jane Osborne scarcely ever met a man under sixty, and almost the only bachelor who appeared in their society was Mr. Smirk, the celebrated ladies’ doctor. Ich kann nicht behaupten, daß sich niemals etwas zugetragen hätte, was die Einförmigkeit dieses schrecklichen Daseins unterbrach. Im Leben der armen Jane gab es nämlich ein Geheimnis, das ihren Vater wilder und mürrischer gemacht hatte, als er von Natur aus durch Stolz und übermäßiges Essen sowieso schon war; dieses Geheimnis stand in Zusammenhang mit Miss Wirt, deren Vetter Maler war. Mr. Smee, der inzwischen als Porträtmaler Berühmtheit erlangt hatte und Mitglied der Königlichen Akademie geworden war, war jedoch einst froh, vornehmen jungen Damen Zeichenunterricht geben zu dürfen. Mr. Smee hat jetzt vergessen, wo der Russell Square liegt, aber im Jahre 1818 ging er nur zu gern dahin, um Miss Osborne zu unterweisen.   I can’t say that nothing had occurred to disturb the monotony of this awful existence: the fact is, there had been a secret in poor Jane’s life which had made her father more savage and morose than even nature, pride, and over-feeding had made him. This secret was connected with Miss Wirt, who had a cousin an artist, Mr. Smee, very celebrated since as a portrait-painter and R.A., but who once was glad enough to give drawing lessons to ladies of fashion. Mr. Smee has forgotten where Russell Square is now, but he was glad enough to visit it in the year 1818, when Miss Osborne had instruction from him. Smee war ein ehemaliger Schüler von Sharpe in der Frith Street, einem ausschweifenden, unordentlichen Mann, der zwar keinen Erfolg gehabt hatte, aber große künstlerische Fähigkeiten besaß. Nachdem der Vetter von Miss Wirt bei Miss Osborne, deren Hand und Herz nach verschiedenen erfolglosen Liebesaffären noch frei war, eingeführt worden war, faßte er eine große Zuneigung zu der Dame, und wahrscheinlich hatte er auch in ihrem Busen etwas Derartiges erweckt. Miss Wirt war die Vertraute dieses Liebeshandels. Ich weiß nicht, ob sie das Zimmer verließ, wo der Lehrer und die Schülerin malten, um ihnen Gelegenheit zu geben, die Schwüre und Gefühle auszutauschen, die sich in Gegenwart eines Dritten nicht gut aussprechen lassen. Ich weiß nicht, ob Miss Wirt glaubte, ihr Vetter würde ihr, wenn es ihm gelänge, die reiche Kaufmannstochter heimzuführen, etwas von dem Reichtum abtreten, den zu erlangen sie ihm geholfen hatte. Fest steht nur, daß Mr. Osborne Wind von der Sache bekam und eines Tages unvermutet aus der City zurückkehrte. Er trat mit seinem Bambusstock in den Salon und fand den Lehrer, die Schülerin und die Gesellschafterin mit ungemein bleichen Gesichtern vor. Er warf den Maler mit der Drohung hinaus, er werde ihm alle Knochen im Leibe zerbrechen, und entließ eine halbe Stunde später Miss Wirt ebenfalls. Ihre Koffer stieß er mit dem Fuß die Treppe hinab, trampelte auf ihren Hutschachteln herum, schüttelte der Droschke, die sie davontrug, drohend die Faust hinterher.   Smee (formerly a pupil of Sharpe of Frith Street, a dissolute, irregular, and unsuccessful man, but a man with great knowledge of his art) being the cousin of Miss Wirt, we say, and introduced by her to Miss Osborne, whose hand and heart were still free after various incomplete love affairs, felt a great attachment for this lady, and it is believed inspired one in her bosom. Miss Wirt was the confidante of this intrigue. I know not whether she used to leave the room where the master and his pupil were painting, in order to give them an opportunity for exchanging those vows and sentiments which cannot be uttered advantageously in the presence of a third party; I know not whether she hoped that should her cousin succeed in carrying off the rich merchant’s daughter, he would give Miss Wirt a portion of the wealth which she had enabled him to win — all that is certain is that Mr. Osborne got some hint of the transaction, came back from the City abruptly, and entered the drawing-room with his bamboo cane; found the painter, the pupil, and the companion all looking exceedingly pale there; turned the former out of doors with menaces that he would break every bone in his skin, and half an hour afterwards dismissed Miss Wirt likewise, kicking her trunks down the stairs, trampling on her bandboxes, and shaking his fist at her hackney coach as it bore her away. Jane Osborne blieb tagelang in ihrem Schlafzimmer. Sie durfte niemals wieder eine Gesellschafterin haben. Der Vater schwor ihr, sie werde keinen Shilling von seinem Vermögen erhalten, wenn sie ohne seine Einwilligung eine Ehe eingehe, und da er eine Frau brauchte, die seinen Haushalt führte, so war er dagegen, daß sie heiratete. Sie sah sich also gezwungen, alle Pläne, an denen Cupido beteiligt war, aufzugeben. Solange der Vater lebte, fand sie sich mit dem hier beschriebenen Dasein ab und wurde wohl oder übel eine alte Jungfer. Inzwischen gebar ihre Schwester jährlich ein Kind mit immer feineren Namen, und der Verkehr zwischen beiden wurde immer seltener. »Jane und ich bewegen uns nicht in der gleichen Lebenssphäre«, sagte Mrs. Bullock. »Natürlich betrachte ich sie trotzdem als meine Schwester« – das heißt – ja, was heißt es eigentlich, wenn eine vornehme Dame sagt, sie betrachte Jane als ihre Schwester?   Jane Osborne kept her bedroom for many days. She was not allowed to have a companion afterwards. Her father swore to her that she should not have a shilling of his money if she made any match without his concurrence; and as he wanted a woman to keep his house, he did not choose that she should marry, so that she was obliged to give up all projects with which Cupid had any share. During her papa’s life, then, she resigned herself to the manner of existence here described, and was content to be an old maid. Her sister, meanwhile, was having children with finer names every year and the intercourse between the two grew fainter continually. “Jane and I do not move in the same sphere of life,” Mrs. Bullock said. “I regard her as a sister, of course" — which means — what does it mean when a lady says that she regards Jane as a sister? Wir haben bereits berichtet, wie die Misses Dobbin mit ihrem Vater in einer eleganten Villa an der Straße Denmark Hill lebten, wo es schöne Weinspaliere und Pfirsichbäume gab, die den kleinen George Osborne entzückten. Die Misses Dobbin, die oft nach Brompton zu unserer lieben Amelia fuhren, besuchten zuweilen ihre alte Bekannte Miss Osborne am Russell Square. Ich glaube, ihre Aufmerksamkeit gegenüber Mrs. George entstand aus den Befehlen ihres Bruders, des Majors in Indien (vor dem ihr Papa ungeheueren Respekt hatte), denn der Major, der Pate und Vormund von Amelias kleinem Jungen, hoffte noch immer, daß der Großvater des Kindes sich erweichen lassen könnte, es um seines Sohnes willen anzuerkennen. Die Misses Dobbin hielten Miss Osborne über Amelias Angelegenheiten auf dem laufenden: daß sie bei ihren Eltern lebte; daß sie arm waren; daß sie sich wunderten, was die Männer, und dazu noch solche Männer wie ihr Bruder und der teure Hauptmann Osborne, an einem so nichtssagenden kleinen Ding finden konnten; daß sie noch immer wie früher ein affektiertes sentimentales zimperliches Geschöpf sei. Der Knabe allerdings sei wirklich der schönste Junge, den sie je gesehen hätten. Die Herzen aller Frauen erwärmen sich eben für Kinder, und die versauertste alte Jungfer ist freundlich zu ihnen.   It has been described how the Misses Dobbin lived with their father at a fine villa at Denmark Hill, where there were beautiful graperies and peach-trees which delighted little Georgy Osborne. The Misses Dobbin, who drove often to Brompton to see our dear Amelia, came sometimes to Russell Square too, to pay a visit to their old acquaintance Miss Osborne. I believe it was in consequence of the commands of their brother the Major in India (for whom their papa had a prodigious respect), that they paid attention to Mrs. George; for the Major, the godfather and guardian of Amelia’s little boy, still hoped that the child’s grandfather might be induced to relent towards him and acknowledge him for the sake of his son. The Misses Dobbin kept Miss Osborne acquainted with the state of Amelia’s affairs; how she was living with her father and mother; how poor they were; how they wondered what men, and such men as their brother and dear Captain Osborne, could find in such an insignificant little chit; how she was still, as heretofore, a namby-pamby milk-and-water affected creature — but how the boy was really the noblest little boy ever seen — for the hearts of all women warm towards young children, and the sourest spinster is kind to them. Eines Tages, nachdem die Misses Dobbin lange darum gebeten hatten, erlaubte Amelia dem kleinen George, einen Tag bei ihnen in der Straße Denmark Hill zu verbringen. Sie selbst benutzte einen Teil des Tages, an den Major nach Indien zu schreiben. Sie gratulierte ihm zu der glücklichen Nachricht, die seine Schwestern ihr gerade überbracht hatten. Sie bete für sein Wohlergehen und das der Braut, die er erwählt habe; sie dankte ihm für die tausend und aber tausend Dienste und Beweise seiner festen Freundschaft in ihrem Kummer. Sie berichtete ihm die letzten Neuigkeiten über den kleinen Georgy und daß er diesen Tag mit seinen Schwestern auf dem Lande verbringe. Sie unterstrich viele Worte in ihrem Briefe und unterzeichnete als seine liebevolle Freundin Amelia Osborne. Sie vergaß ihre gewohnten freundlichen Grüße an Lady O'Dowd und erwähnte Glorvina nicht namentlich, sondern sprach nur von seiner Braut (unterstrichen), für die sie Segen erflehe. Aber die Nachricht von seiner Heirat hatte die Zurückhaltung, die sie bisher gegen ihn beobachtete, verdrängt. Sie freute sich, gestehen zu dürfen, welche Wärme und Dankbarkeit sie für ihn empfinde – und den Gedanken, sie könne eifersüchtig auf Glorvina sein (man stelle sich vor, Glorvina!), hätte Amelia verächtlich von sich gewiesen, auch wenn es ihr ein Engel vom Himmel angedeutet hätte. Als an jenem Abend Georgy in der Ponykutsche, die sein ganzes Entzücken war, von Sir Williams altem Kutscher nach Hause gefahren wurde, trug er eine feine goldene Kette mit Uhr um den Hals. Er sagte, eine alte Dame, nicht hübsch, habe sie ihm geschenkt und dabei sehr geweint und ihn geküßt. Aber er möge sie nicht. Trauben möge er sehr, aber seine Mama habe er am liebsten. Amelia fuhr erschrocken hoch; die furchtsame Seele hatte eine schreckliche Ahnung, als sie hörte, die Verwandten seines Vaters hätten ihn gesehen.   One day, after great entreaties on the part of the Misses Dobbin, Amelia allowed little George to go and pass a day with them at Denmark Hill — a part of which day she spent herself in writing to the Major in India. She congratulated him on the happy news which his sisters had just conveyed to her. She prayed for his prosperity and that of the bride he had chosen. She thanked him for a thousand thousand kind offices and proofs of stead fast friendship to her in her affliction. She told him the last news about little Georgy, and how he was gone to spend that very day with his sisters in the country. She underlined the letter a great deal, and she signed herself affectionately his friend, Amelia Osborne. She forgot to send any message of kindness to Lady O’Dowd, as her wont was — and did not mention Glorvina by name, and only in italics, as the Major’s bride , for whom she begged blessings. But the news of the marriage removed the reserve which she had kept up towards him. She was glad to be able to own and feel how warmly and gratefully she regarded him — and as for the idea of being jealous of Glorvina (Glorvina, indeed!), Amelia would have scouted it, if an angel from heaven had hinted it to her. That night, when Georgy came back in the pony-carriage in which he rejoiced, and in which he was driven by Sir Wm. Dobbin’s old coachman, he had round his neck a fine gold chain and watch. He said an old lady, not pretty, had given it him, who cried and kissed him a great deal. But he didn’t like her. He liked grapes very much. And he only liked his mamma. Amelia shrank and started; the timid soul felt a presentiment of terror when she heard that the relations of the child’s father had seen him. Miss Osborne kehrte zurück, um ihrem Vater das Essen zu bereiten. Er hatte in der City ein gutes Geschäft abgeschlossen und war an jenem Tage bei verhältnismäßig guter Laune. Zufällig bemerkte er die Aufregung, die sie bedrängte. »Was ist denn los, Miss Osborne?« geruhte er zu fragen.   Miss Osborne came back to give her father his dinner. He had made a good speculation in the City, and was rather in a good humour that day, and chanced to remark the agitation under which she laboured. “What’s the matter, Miss Osborne?” he deigned to say. Das Mädchen brach in Tränen aus. »Ach, Sir«, antwortete sie, »ich habe den kleinen George gesehen. Er ist schön wie ein Engel – und ihm so ähnlich!« Der alte Mann ihr gegenüber sagte kein Wort, wurde aber knallrot und begann an allen Gliedern zu zittern.   The woman burst into tears. “Oh, sir,” she said, “I’ve seen little George. He is as beautiful as an angel — and so like him!” The old man opposite to her did not say a word, but flushed up and began to tremble in every limb. 43. Kapitel / Chapter 43 In dem der Leser das Kap der Guten Hoffnung umschiffen muß / In Which the Reader Has to Double the Cape Wir müssen den erstaunten Leser auffordern, sich zweitausend Meilen weit nach der Militärstation Bundlegunge in der Präsidentschaft Madras in Indien zu begeben, wo unsere tapferen alten Freunde vom ...ten Regiment unter dem Kommando des braven Obersten Sir Michael O'Dowd einquartiert sind. Die Zeit ist sanft umgegangen mit dem ehrlichen Offizier, wie gewöhnlich mit Menschen, die einen guten Magen und ein gutes Gemüt besitzen und ihr Gehirn nicht übermäßig anstrengen. Der Oberst führt ein gutes Messer und eine gute Gabel beim Frühstück und bedient sich dieser Waffen wiederum mit dem besten Erfolg beim Mittagessen. Nach dem Essen raucht er stets seine Wasserpfeife und pafft unter dem Schimpfen seiner Frau ebenso gelassen wie unter dem Feuer der Franzosen bei Waterloo. Alter und Hitze haben weder der Lebhaftigkeit noch der Beredsamkeit des Abkömmlings der Malonys und Molloys etwas anhaben können. Lady O'Dowd, unsere alte Bekannte, ist in Madras ebenso zu Hause wie in Brüssel, im Winterquartier ebenso wie im Zelt. Auf dem Marsch sah man sie an der Spitze des Regiments auf einem königlichen Elefanten reiten – ein herrlicher Anblick! Auf diesem Tiere sitzend, hat sie im Dschungel mit Tigern gekämpft. Sie ist von eingeborenen Fürsten empfangen worden, die sie und Glorvina in den Tiefen der Frauengemächer begrüßten und ihnen Schals und Juwelen boten, die sie nur mit blutendem Herzen ausschlagen konnte. Die Schildwachen aller Waffengattungen salutieren, wenn sie sich zeigt, und sie legt als Erwiderung ernsthaft die Hand an den Hut. Lady O'Dowd ist eine der bedeutendsten Damen in der Präsidentschaft Madras. Ihr Streit mit Lady Smith, der Frau von Sir Minos Smith, dem Unterrichter, lebt noch im Gedächtnis einiger in Madras. Die Obristin schnippte der Richtersfrau mit dem Finger ins Gesicht und sagte, sie würde nicht einen Fuß vor einem lumpigen Zivilisten weichen. Selbst jetzt noch, nach fünfundzwanzig Jahren, erinnert man sich, wie Lady O'Dowd eine Gigue im Gouverneurspalast tanzte, wobei sie zwei Adjutanten, einen Major von der Madraskavallerie und zwei Herren vom Zivildienst außer Atem tanzte, und nur durch die Überredungskünste Major Dobbins, Trägers des Bath-Ordens und des Zweithöchsten des ...ten Regiments, ließ sie sich überreden, in den Speiseraum zu kommen. Lassate, nondum satiate recessit.   The astonished reader must be called upon to transport himself ten thousand miles to the military station of Bundlegunge, in the Madras division of our Indian empire, where our gallant old friends of the — th regiment are quartered under the command of the brave Colonel, Sir Michael O’Dowd. Time has dealt kindly with that stout officer, as it does ordinarily with men who have good stomachs and good tempers and are not perplexed over much by fatigue of the brain. The Colonel plays a good knife and fork at tiffin and resumes those weapons with great success at dinner. He smokes his hookah after both meals and puffs as quietly while his wife scolds him as he did under the fire of the French at Waterloo. Age and heat have not diminished the activity or the eloquence of the descendant of the Malonys and the Molloys. Her Ladyship, our old acquaintance, is as much at home at Madras as at Brussels in the cantonment as under the tents. On the march you saw her at the head of the regiment seated on a royal elephant, a noble sight. Mounted on that beast, she has been into action with tigers in the jungle, she has been received by native princes, who have welcomed her and Glorvina into the recesses of their zenanas and offered her shawls and jewels which it went to her heart to refuse. The sentries of all arms salute her wherever she makes her appearance, and she touches her hat gravely to their salutation. Lady O’Dowd is one of the greatest ladies in the Presidency of Madras — her quarrel with Lady Smith, wife of Sir Minos Smith the puisne judge, is still remembered by some at Madras, when the Colonel’s lady snapped her fingers in the Judge’s lady’s face and said she’d never walk behind ever a beggarly civilian. Even now, though it is five-and-twenty years ago, people remember Lady O’Dowd performing a jig at Government House, where she danced down two Aides-de-Camp, a Major of Madras cavalry, and two gentlemen of the Civil Service; and, persuaded by Major Dobbin, C.B., second in command of the — th, to retire to the supper-room, lassata nondum satiata recessit. Peggy O'Dowd ist in der Tat noch ganz die alte: gütig in Wort und Tat; hitzig im Temperament, begierig aufs Kommandieren, eine Tyrannin für ihren Michael, ein Drache unter allen Frauen ihres Regiments, eine Mutter für die jungen Offiziere, die sie in Krankheiten pflegt und denen sie aus der Klemme hilft. Und bei ihnen ist Lady Peggy ungemein beliebt. Die Unteroffiziers- und Hauptmannsfrauen (der Major ist unverheiratet) verschwören sich jedoch häufig gegen sie. Sie sagen, Glorvina sei schrecklich eingebildet und Peggy selbst unerträglich befehlshaberisch. Sie mischte sich in eine kleine Gemeinde ein, die Mrs. Kirk zusammengebracht hatte, spottete die jungen Männer von den Predigten der Dame weg und erklärte, einer Soldatenfrau komme es nicht zu, ein Pfaffe zu sein; Mrs. Kirk solle lieber ihrem Mann die Kleider flicken, und wenn das Regiment Predigten brauche, so habe sie selbst die schönsten der Welt – die ihres Onkels, des Dekans. Sie bereitete einer Liebschaft, die Leutnant Stubble vom Regiment mit der Frau eines Arztes angefangen hatte, ein plötzliches Ende, indem sie dem Leutnant drohte, das Geld zurückzufordern, das sie ihm geliehen hatte, wenn er nicht sogleich Schluß mache und auf Krankenurlaub zum Kap ginge (der junge Bursche war nämlich immer noch sehr verschwenderisch). Auf der anderen Seite gewährte sie Mrs. Posky Schutz und Obdach, als diese eines Abends aus ihrem Bungalow floh, verfolgt von ihrem wütenden Ehemann, der seine zweite Flasche Branntwein in der Hand schwang. Sie brachte Posky tatsächlich durch das Delirium tremens und gewöhnte ihm das Trinken ab, das diesen Offizier in seine Macht bekommen hatte wie alle schlimmen Gewohnheiten die Menschen. Mit einem Wort: Im Unglück war sie die beste Trösterin, im Glück die lästigste Freundin, sie hegte stets die beste Meinung von sich und eine unbesiegbare Entschlossenheit, in allem ihren Willen zu bekommen.   Peggy O’Dowd is indeed the same as ever, kind in act and thought; impetuous in temper; eager to command; a tyrant over her Michael; a dragon amongst all the ladies of the regiment; a mother to all the young men, whom she tends in their sickness, defends in all their scrapes, and with whom Lady Peggy is immensely popular. But the Subalterns’ and Captains’ ladies (the Major is unmarried) cabal against her a good deal. They say that Glorvina gives herself airs and that Peggy herself is ill tolerably domineering. She interfered with a little congregation which Mrs. Kirk had got up and laughed the young men away from her sermons, stating that a soldier’s wife had no business to be a parson — that Mrs. Kirk would be much better mending her husband’s clothes; and, if the regiment wanted sermons, that she had the finest in the world, those of her uncle, the Dean. She abruptly put a termination to a flirtation which Lieutenant Stubble of the regiment had commenced with the Surgeon’s wife, threatening to come down upon Stubble for the money which he had borrowed from her (for the young fellow was still of an extravagant turn) unless he broke off at once and went to the Cape on sick leave. On the other hand, she housed and sheltered Mrs. Posky, who fled from her bungalow one night, pursued by her infuriate husband, wielding his second brandy bottle, and actually carried Posky through the delirium tremens and broke him of the habit of drinking, which had grown upon that officer, as all evil habits will grow upon men. In a word, in adversity she was the best of comforters, in good fortune the most troublesome of friends, having a perfectly good opinion of herself always and an indomitable resolution to have her own way. Unter anderem hatte sie beschlossen, daß Glorvina unseren alten Freund Dobbin heiraten sollte. Mrs. O'Dowd kannte die Aussichten des Majors und würdigte seine guten Eigenschaften und die hohe Wertschätzung, deren er sich in seinem Beruf erfreute. Glorvina, eine sehr hübsche, rotwangige, schwarzhaarige, blauäugige junge Dame, die es mit jedem Mädchen der Grafschaft Cork im Reiten und Sonatenspielen aufnehmen konnte, schien ihr gerade die Richtige zu sein, um Dobbin glücklich zu machen – viel mehr als die arme, brave, mutlose kleine Amelia, die ihm so sehr am Herzen lag. »Schauen Sie Glorvina an, wenn sie ins Zimmer tritt«, pflegte Mrs. O'Dowd zu sagen, »und vergleichen Sie sie mit der armen Mrs. Osborne; die keine Gans erschrecken kann. Sie ist Ihrer würdig, Major – Sie selbst sind ein ruhiger Mann und brauchen jemanden, der für Sie spricht. Und wenn sie auch nicht von so gutem Blute ist wie die Malonys oder die Molloys, so kann ich Ihnen doch sagen, daß sie aus einer alten Familie ist, in. die hineinzuheiraten jeder Edelmann stolz sein könnte.«   Among other points, she had made up her mind that Glorvina should marry our old friend Dobbin. Mrs. O’Dowd knew the Major’s expectations and appreciated his good qualities and the high character which he enjoyed in his profession. Glorvina, a very handsome, fresh-coloured, black-haired, blue-eyed young lady, who could ride a horse, or play a sonata with any girl out of the County Cork, seemed to be the very person destined to insure Dobbin’s happiness — much more than that poor good little weak-spur’ted Amelia, about whom he used to take on so. — "Look at Glorvina enter a room,” Mrs. O’Dowd would say, “and compare her with that poor Mrs. Osborne, who couldn’t say boo to a goose. She’d be worthy of you, Major — you’re a quiet man yourself, and want some one to talk for ye. And though she does not come of such good blood as the Malonys or Molloys, let me tell ye, she’s of an ancient family that any nobleman might be proud to marry into.” Ehe jedoch Glorvina zu dem Entschluß gekommen war, Major Dobbin durch ihre Reize zu unterjochen, hatte sie, wie wir gestehen müssen, ihre Künste schon an anderen Orten ausgiebig erprobt. Sie hatte eine Saison in Dublin mitgemacht und wer weiß wie viele in Cork, Killarney und Mallow. Sie hatte mit allen heiratsfähigen Offizieren geflirtet, die die Garnisonen ihres Vaterlandes aufweisen konnten, und mit allen unverheirateten Landedelleuten, die eine gute Partie schienen. Außer mit dem Geistlichen in Bath, der sie so schlecht behandelt hatte, war sie schon in Irland ein dutzendmal verlobt gewesen. Auf der ganzen Überfahrt nach Madras hatte sie mit dem Kapitän und Ersten Offizier des Ostindienfahrers »Ramchunder« geflirtet und eine Saison in der Präsidentschaft mitgemacht, mit ihrem Bruder und Mrs. O'Dowd, während der Major das Regiment kommandierte. Jedermann hatte sie dort bewundert, jedermann hatte mit ihr getanzt, aber es machte ihr niemand, bei dem die Heirat gelohnt hätte, einen Antrag. Ein paar sehr junge Unteroffiziere und einige bartlose Zivilisten himmelten sie an, aber die wies sie zurück, da sie ihren Ansprüchen nicht genügten; und andere jüngere Jungfrauen verheirateten sich vor ihr. Es gibt Frauen, und noch dazu hübsche Frauen, denen ein solches Los im Leben zufällt. Sie verlieben sich mit der größten Bereitwilligkeit, reiten und gehen mit der halben Rangliste der Armee aus, bis sie nahe an die Vierzig kommen, und bringen es doch nicht zu einem Mann. Glorvina behauptete, sie hätte in Madras eine gute Partie machen können, wäre nicht Lady O'Dowds unglückseliger Streit mit der Richtersfrau dazwischengekommen. Der alte Mr. Chutney, das Oberhaupt des Zivildienstes, sei nämlich im Begriff gewesen, ihr einen Antrag zu machen (später heiratete er Miss Dolby, eine junge Dame von dreizehn Jahren, die gerade aus Europa von der Schule gekommen war).   But before she had come to such a resolution and determined to subjugate Major Dobbin by her endearments, it must be owned that Glorvina had practised them a good deal elsewhere. She had had a season in Dublin, and who knows how many in Cork, Killarney, and Mallow? She had flirted with all the marriageable officers whom the depots of her country afforded, and all the bachelor squires who seemed eligible. She had been engaged to be married a half-score times in Ireland, besides the clergyman at Bath who used her so ill. She had flirted all the way to Madras with the Captain and chief mate of the Ramchunder East Indiaman, and had a season at the Presidency with her brother and Mrs. O’Dowd, who was staying there, while the Major of the regiment was in command at the station. Everybody admired her there; everybody danced with her; but no one proposed who was worth the marrying — one or two exceedingly young subalterns sighed after her, and a beardless civilian or two, but she rejected these as beneath her pretensions — and other and younger virgins than Glorvina were married before her. There are women, and handsome women too, who have this fortune in life. They fall in love with the utmost generosity; they ride and walk with half the Army-list, though they draw near to forty, and yet the Misses O’Grady are the Misses O’Grady still: Glorvina persisted that but for Lady O’Dowd’s unlucky quarrel with the Judge’s lady, she would have made a good match at Madras, where old Mr. Chutney, who was at the head of the civil service (and who afterwards married Miss Dolby, a young lady only thirteen years of age who had just arrived from school in Europe), was just at the point of proposing to her. Lady O'Dowd und Glorvina zankten sich täglich unzählige Male und um alle möglichen Angelegenheiten, und hätte Michael O'Dowd nicht eine Engelsgeduld besessen – zwei solche Frauen beständig um sich herum hätten ihn verrückt gemacht. Die beiden Damen waren sich aber in einem einig, nämlich daß Glorvina Major Dobbin heiraten solle, und sie waren entschlossen, ihm nicht eher Ruhe zu lassen, als bis die Sache zustande gebracht sei. Von vierzig bis fünfzig früheren Niederlagen nicht abgeschreckt, eröffnete Glorvina die Belagerung. Unaufhörlich sang sie ihm irische Melodien vor. Sie fragte ihn so häufig und gefühlvoll: »Kommst du in mein Kämmerlein?«, daß es ein Wunder ist, wie ein Mann von Gefühl der Einladung widerstehen konnte. Sie ermüdete nie, zu fragen: »Trübt Kummer deine jungen Tage?«, und war bereit, wie Desdemona den Geschichten seiner Gefahren und Feldzüge zu lauschen und darüber zu weinen. Wir haben erzählt, daß unser ehrlicher lieber alter Freund in seinem Zimmer oft Flöte spielte; Glorvina bestand darauf, Duette mit ihm zu spielen, und Lady O'Dowd stand stets auf und verließ harmlos das Zimmer, wenn das junge Paar so beschäftigt war. Glorvina zwang den Major, morgens mit ihr auszureiten, und die ganze Station sah die beiden aufbrechen und zurückkehren. Sie schrieb ihm täglich Briefchen in sein Quartier, borgte seine Bücher und unterstrich sentimentale oder humoristische Stellen, die ihr gefielen, dick mit Bleistift. Sie borgte seine Pferde, seine Diener, seine Löffel und seine Sänfte. Kein Wunder also, daß das Gerücht sie ihm zuwies und daß des Majors Schwestern in England sich einbildeten, bald eine Schwägerin zu bekommen.   Well, although Lady O’Dowd and Glorvina quarrelled a great number of times every day, and upon almost every conceivable subject — indeed, if Mick O’Dowd had not possessed the temper of an angel two such women constantly about his ears would have driven him out of his senses — yet they agreed between themselves on this point, that Glorvina should marry Major Dobbin, and were determined that the Major should have no rest until the arrangement was brought about. Undismayed by forty or fifty previous defeats, Glorvina laid siege to him. She sang Irish melodies at him unceasingly. She asked him so frequently and pathetically, Will ye come to the bower? that it is a wonder how any man of feeling could have resisted the invitation. She was never tired of inquiring, if Sorrow had his young days faded, and was ready to listen and weep like Desdemona at the stories of his dangers and his campaigns. It has been said that our honest and dear old friend used to perform on the flute in private; Glorvina insisted upon having duets with him, and Lady O’Dowd would rise and artlessly quit the room when the young couple were so engaged. Glorvina forced the Major to ride with her of mornings. The whole cantonment saw them set out and return. She was constantly writing notes over to him at his house, borrowing his books, and scoring with her great pencil-marks such passages of sentiment or humour as awakened her sympathy. She borrowed his horses, his servants, his spoons, and palanquin — no wonder that public rumour assigned her to him, and that the Major’s sisters in England should fancy they were about to have a sister-in-law. Der so tapfer belagerte Dobbin nahm das alles inzwischen abscheulich gelassen hin. Er lachte bloß, wenn die jungen Burschen des Regiments ihn mit Glorvinas augenscheinlicher Aufmerksamkeit ihm gegenüber neckten. »Pah«, sagte er, »sie will nur nicht aus der Übung kommen – sie übt sich bei mir wie auf Mrs. Tozers Klavier, weil es das beste Instrument auf der Station ist. Ich bin viel zu abgenutzt und alt für eine so schöne junge Dame wie Glorvina.« Und so ritt er weiter mit ihr aus und schrieb Noten und Verse für ihr Album ab und spielte unterwürfig Schach mit ihr, denn mit diesen einfachen Vergnügungen füllen viele Offiziere in Ostindien ihre Freizeit aus, während andere von nicht so häuslichem Charakter auf die Wildschweinjagd gehen oder Schnepfen schießen oder spielen und Zigarren rauchen und sich der Branntweinflasche ergeben. Sir Michael O'Dowd wurde zwar von seiner Gemahlin und seiner Schwester täglich gedrängt, den Major aufzufordern, daß er sich erklären und ein armes unschuldiges Mädchen nicht fortwährend so schändlich quälen solle, aber der alte Soldat weigerte sich rundweg. Sir Michael wollte mit dieser Verschwörung nichts zu tun haben und sagte: »Meiner Treu, der Major ist alt genug, für sich selbst zu wählen. Wenn er dich haben will, wird er dich schon fragen.« Oder er versuchte die Sache mit einem Scherz abzutun und meinte: »Dobbin ist noch zu jung zum Heiraten; er hat nach Hause geschrieben, um seine Mutter um Erlaubnis zu fragen.« Ja, er ging noch weiter, und in Gesprächen unter vier Augen mit seinem Major warnte er ihn scherzhaft: »Sehen Sie sich vor, mein Junge, die Weiber haben Unheil im Sinne – meine Frau hat eben eine Kiste voll Kleider aus Europa erhalten, und es ist ein Rosaseidenes für Glorvina dabei, das Ihnen den Rest geben wird, Dob, wenn es in der Macht einer Frau oder eines Seidenkleides steht, Sie zu rühren.«   Dobbin, who was thus vigorously besieged, was in the meanwhile in a state of the most odious tranquillity. He used to laugh when the young fellows of the regiment joked him about Glorvina’s manifest attentions to him. “Bah!” said he, “she is only keeping her hand in — she practises upon me as she does upon Mrs. Tozer’s piano, because it’s the most handy instrument in the station. I am much too battered and old for such a fine young lady as Glorvina.” And so he went on riding with her, and copying music and verses into her albums, and playing at chess with her very submissively; for it is with these simple amusements that some officers in India are accustomed to while away their leisure moments, while others of a less domestic turn hunt hogs, and shoot snipes, or gamble and smoke cheroots, and betake themselves to brandy-and-water. As for Sir Michael O’Dowd, though his lady and her sister both urged him to call upon the Major to explain himself and not keep on torturing a poor innocent girl in that shameful way, the old soldier refused point-blank to have anything to do with the conspiracy. “Faith, the Major’s big enough to choose for himself,” Sir Michael said; “he’ll ask ye when he wants ye”; or else he would turn the matter off jocularly, declaring that “Dobbin was too young to keep house, and had written home to ask lave of his mamma.” Nay, he went farther, and in private communications with his Major would caution and rally him, crying, “Mind your oi, Dob, my boy, them girls is bent on mischief — me Lady has just got a box of gowns from Europe, and there’s a pink satin for Glorvina, which will finish ye, Dob, if it’s in the power of woman or satin to move ye.” In Wirklichkeit konnten Dob weder Schönheit noch Eleganz erobern. Unser ehrlicher Freund hatte nur ein Frauenideal im Kopf, und dem entsprach Miss Glorvina O'Dowd in rosa Seide nicht im geringsten. Eine sanfte kleine Frau in Schwarz mit großen Augen und braunem Haar, die nur dann sprach, wenn man sie anredete, und dann mit einer Stimme, die gar nicht der von Miss Glorvina glich – eine sanfte junge Mutter, die ein Kind wiegte und den Major lächelnd aufforderte, es zu betrachten – ein rotwangiges Mädchen, das singend in das Zimmer am Russell Square kommt oder glücklich und liebevoll an George Osbornes Arm hängt  – nur dieses Bild erfüllte den Sinn unseres ehrlichen Majors bei Tag und bei Nacht und beherrschte ihn ständig. Höchstwahrscheinlich glich Amelia gar nicht dem Bild, das der Major von ihr entworfen hatte; in einem Modejournal seiner Schwestern in England gab es ein Bild, das William heimlich herausgerissen und im Deckel seines Koffers eingeklebt hatte. Er bildete sich ein, in dem Druck eine Ähnlichkeit mit Mrs. Osborne zu erblicken. Ich habe dieses Bild gesehen und kann beschwören, daß es nur die Abbildung eines hochtaillierten Kleides war, über dem ein unmögliches Puppengesicht geziert lächelte – und vielleicht ähnelte Mr. Dobbins sentimentale Amelia sowenig der echten wie der lächerliche kleine Druck, den er wie einen Schatz bewahrte. Aber welcher Verliebte ist da besser unterrichtet? Ist er etwa glücklicher, wenn er seine Verblendung einsieht und zugibt? Dobbin stand unter diesem Zauber. Er belästigte seine Freunde und die Öffentlichkeit nicht groß mit seinen Gefühlen und verlor weder sein Wohlbehagen noch den Appetit deswegen. Sein Kopf ist etwas ergraut, seit wir ihn zuletzt gesehen haben, hin und wieder ziehen sich durch das weiche braune Haar ein paar silberne Fäden. Aber seine Gefühle sind nicht im geringsten verändert oder gealtert, seine Liebe ist so frisch geblieben wie die Erinnerungen eines Mannes an seine Kindheit.   But the truth is, neither beauty nor fashion could conquer him. Our honest friend had but one idea of a woman in his head, and that one did not in the least resemble Miss Glorvina O’Dowd in pink satin. A gentle little woman in black, with large eyes and brown hair, seldom speaking, save when spoken to, and then in a voice not the least resembling Miss Glorvina’s — a soft young mother tending an infant and beckoning the Major up with a smile to look at him — a rosy-cheeked lass coming singing into the room in Russell Square or hanging on George Osborne’s arm, happy and loving — there was but this image that filled our honest Major’s mind, by day and by night, and reigned over it always. Very likely Amelia was not like the portrait the Major had formed of her: there was a figure in a book of fashions which his sisters had in England, and with which William had made away privately, pasting it into the lid of his desk, and fancying he saw some resemblance to Mrs. Osborne in the print, whereas I have seen it, and can vouch that it is but the picture of a high-waisted gown with an impossible doll’s face simpering over it — and, perhaps, Mr. Dobbin’s sentimental Amelia was no more like the real one than this absurd little print which he cherished. But what man in love, of us, is better informed? — or is he much happier when he sees and owns his delusion? Dobbin was under this spell. He did not bother his friends and the public much about his feelings, or indeed lose his natural rest or appetite on account of them. His head has grizzled since we saw him last, and a line or two of silver may be seen in the soft brown hair likewise. But his feelings are not in the least changed or oldened, and his love remains as fresh as a man’s recollections of boyhood are. Wir haben erzählt, daß die beiden Miss Dobbin und Amelia, die Korrespondentinnen des Majors in Europa, ihm von England schrieben. Mrs. Osborne gratulierte ihm aufrichtig und herzlich zu seiner bevorstehenden Hochzeit mit Miss O'Dowd. Amelia schrieb in ihrem Brief: Ihre Schwester hat mich soeben freundlicherweise besucht und mich von einem interessanten Ereignis unterrichtet, zu dem ich meine aufrichtigsten Glückwünsche darbringe. Ich hoffe, daß sich die junge Dame, mit der Sie sich, wie ich höre, verbinden wollen, in jeder Hinsicht eines Mannes würdig erweist, der selbst nur Güte und Freundlichkeit ist. Die arme Witwe hat nur ihre Gebete und ihre herzlichsten Wünsche für Ihr Wohlergehen zu bieten! Georgy läßt seinen lieben Patenonkel grüßen und hofft, daß Sie ihn nicht vergessen werden. Ich habe ihm erzählt, daß Sie im Begriff stehen, andere Bindungen einzugehen mit jemandem, der nach meiner Überzeugung Ihre ganze Zuneigung verdient. Aber obgleich solche Bande natürlich die stärksten und heiligsten sein müssen und alle anderen verdrängen werden, bin ich doch überzeugt, daß für die Witwe und das Kind, die Sie stets beschützt und geliebt haben, stets ein Plätzchen bleiben wird. Der Brief, den wir schon früher erwähnt haben, ging in dieser Tonart weiter und tat von Anfang bis Ende die vollkommene Zufriedenheit der Schreiberin kund.   We have said how the two Misses Dobbin and Amelia, the Major’s correspondents in Europe, wrote him letters from England, Mrs. Osborne congratulating him with great candour and cordiality upon his approaching nuptials with Miss O’Dowd. “Your sister has just kindly visited me,” Amelia wrote in her letter, “and informed me of an interesting event , upon which I beg to offer my most sincere congratulations . I hope the young lady to whom I hear you are to be united will in every respect prove worthy of one who is himself all kindness and goodness. The poor widow has only her prayers to offer and her cordial cordial wishes for your prosperity ! Georgy sends his love to his dear godpapa and hopes that you will not forget him. I tell him that you are about to form other ties , with one who I am sure merits all your affection , but that, although such ties must of course be the strongest and most sacred, and supersede all others , yet that I am sure the widow and the child whom you have ever protected and loved will always have A corner in your heart ” The letter, which has been before alluded to, went on in this strain, protesting throughout as to the extreme satisfaction of the writer. Dieser Brief, der mit demselben Schiff ankam, das Lady O'Dowds Kleiderkiste mit Putz aus London brachte (man kann überzeugt sein, daß ihn Dobbin vor allen anderen Paketen, die ihm die Post brachte, öffnete), versetzte den Empfänger in einen solchen Seelenzustand, daß ihm Glorvina und ihr Rosaseidenes und alles, was sie betraf, geradezu verhaßt wurde. Der Major verfluchte das Weibergeschwätz und das ganze Geschlecht. An jenem Tage ärgerte ihn alles – die Parade war unerträglich heiß und langweilig. Gütiger Himmel! Sollte ein Mann von Verstand sein Leben Tag für Tag damit verschwenden, daß er Schulterriemen besichtigte und Narren exerzieren ließ? Das sinnlose Gewäsch der jungen Leute in der Offiziersmesse war ihm mehr zuwider als je. Was kümmerte es ihn, einen Mann nahe der Vierzig, wie viele Schnepfen Leutnant Smith geschossen hatte oder was Fähnrich Browns Stute leistete. Die Witze der Tischrunde erfüllten ihn mit Scham. Er war zu alt, um den Scherzen des Assistenzarztes oder den Gemeinheiten der jungen Leute zuzuhören, über die der kahlköpfige, rotgesichtige alte O'Dowd von Herzen lachte. Der alte Mann hatte diesen Spaßen seit dreißig Jahren andauernd gelauscht – Dobbin selbst sie fünfzehn Jahre lang gehört. Und nach der geräuschvollen Langeweile der Offizierstafel die Streitigkeiten und Skandale der Damen des Regiments. Es war unerträglich, schändlich! Oh, Amelia, Amelia, dachte er, du, der ich so lange treu geblieben bin – du machst mir Vorwürfe! Nur, weil du kein Gefühl für mich hast, schleppe ich dieses langweilige Leben hier weiter. Und du belohnst mich nach jahrelanger Ergebenheit mit deinen Segenswünschen zu meiner Heirat mit dem aufgeputzten irischen Frauenzimmer, wahrhaftig! Dem armen William war übel und weh, er fühlte sich elender und einsamer als jemals. Er wünschte, er hätte das Leben mit all seinen Eitelkeiten hinter sich, so nutzlos und ziellos schien ihm der Kampf, so traurig und freudlos die Aussicht auf die Zukunft. Er verbrachte die Nacht schlaflos voller Sehnsucht nach der Heimat. Amelias Brief hatte ihm einen Dämpfer aufgesetzt. Keine Treue, keine wahre, beständige Liebe vermochte sie zu erwärmen. Sie wollte nicht sehen, daß er sie liebte. Er warf sich in seinem Bett hin und her und sprach laut zu ihr: »Guter Gott, Amelia, weißt du nicht, daß ich auf der Welt nur dich liebe? Dich, die wie ein Stein zu mir ist, dich, die ich in monatelanger Krankheit und Sorge pflegte, die mir mit lächelndem Gesicht Lebewohl sagte und mich vergaß, noch ehe sich die Tür zwischen uns geschlossen hatte!« Die eingeborenen Diener, die außerhalb seiner Veranda lagen, sahen verwundert den sonst so kaltblütigen und ruhigen Major jetzt leidenschaftlich erregt und niedergeschlagen. Hätte sie ihn bemitleidet, wenn sie ihn gesehen hätte? Er las wieder und wieder alle Briefe, welche er je von ihr bekommen hatte: Geschäftliche Briefe über das kleine Vermögen, das ihr angeblich ihr Mann hinterlassen hatte, wie er ihr vorspiegelte, kurze Einladungen – jedes Zettelchen mit ihrer Schrift, das sie ihm geschickt hatte, – wie kalt, wie freundlich, wie hoffnungslos, wie selbstsüchtig waren sie!   This letter, which arrived by the very same ship which brought out Lady O’Dowd’s box of millinery from London (and which you may be sure Dobbin opened before any one of the other packets which the mail brought him), put the receiver into such a state of mind that Glorvina, and her pink satin, and everything belonging to her became perfectly odious to him. The Major cursed the talk of women, and the sex in general. Everything annoyed him that day — the parade was insufferably hot and wearisome. Good heavens! was a man of intellect to waste his life, day after day, inspecting cross-belts and putting fools through their manoeuvres? The senseless chatter of the young men at mess was more than ever jarring. What cared he, a man on the high road to forty, to know how many snipes Lieutenant Smith had shot, or what were the performances of Ensign Brown’s mare? The jokes about the table filled him with shame. He was too old to listen to the banter of the assistant surgeon and the slang of the youngsters, at which old O’Dowd, with his bald head and red face, laughed quite easily. The old man had listened to those jokes any time these thirty years — Dobbin himself had been fifteen years hearing them. And after the boisterous dulness of the mess-table, the quarrels and scandal of the ladies of the regiment! It was unbearable, shameful. “O Amelia, Amelia,” he thought, “you to whom I have been so faithful — you reproach me! It is because you cannot feel for me that I drag on this wearisome life. And you reward me after years of devotion by giving me your blessing upon my marriage, forsooth, with this flaunting Irish girl!” Sick and sorry felt poor William; more than ever wretched and lonely. He would like to have done with life and its vanity altogether — so bootless and unsatisfactory the struggle, so cheerless and dreary the prospect seemed to him. He lay all that night sleepless, and yearning to go home. Amelia’s letter had fallen as a blank upon him. No fidelity, no constant truth and passion, could move her into warmth. She would not see that he loved her. Tossing in his bed, he spoke out to her. “Good God, Amelia!” he said, “don’t you know that I only love you in the world — you, who are a stone to me — you, whom I tended through months and months of illness and grief, and who bade me farewell with a smile on your face, and forgot me before the door shut between us!” The native servants lying outside his verandas beheld with wonder the Major, so cold and quiet ordinarily, at present so passionately moved and cast down. Would she have pitied him had she seen him? He read over and over all the letters which he ever had from her — letters of business relative to the little property which he had made her believe her husband had left to her — brief notes of invitation — every scrap of writing that she had ever sent to him — how cold, how kind, how hopeless, how selfish they were! Hätte es eine gütige sanfte Seele in der Nähe gegeben, die dieses schweigsame, großmütige Herz erkannt und gewürdigt hätte – wer weiß, ob nicht das Reich Amelias vorüber gewesen und die Liebe unseres Freundes William sich in einen zärtlicheren Kanal ergossen hätte. Da war aber nur Glorvina mit den Rabenlocken, die er näher kannte, und dieses glänzende junge Mädchen ging nicht darauf aus, den Major zu lieben, sondern vielmehr ihn dahin zu bringen, sie zu bewundern – ein eitles, hoffnungsloses Bestreben, wenigstens wenn man die Mittel betrachtet, mit denen das arme Mädchen zum Ziel kommen wollte. Sie drehte sich Locken und zeigte ihm ihre Schultern, als wollte sie sagen: Hast du jemals solche rabenschwarzen Locken und solchen Teint gesehen? Sie lachte ihn an, damit er sehen sollte, daß sie gesunde Zähne im Munde hatte – aber er achtete überhaupt nicht auf all diese Reize. Bald nachdem die Kleiderkiste angekommen war und vielleicht zu deren Ehren, gaben Lady O'Dowd und die Damen des Königlichen Regiments einen Ball für die Regimenter der Ostindischen Kompanie und die Zivilisten der Station. Glorvina trug das unwiderstehliche rosa Kleid, aber der Major, der auch auf der Gesellschaft war und trübselig die Säle durchwanderte, sah das rosa Gewand nicht einmal. Glorvina tanzte mit allen jungen Leutnants der Station wütend an ihm vorüber, aber der Major war nicht im geringsten eifersüchtig auf sie oder ungehalten, weil Hauptmann Bangles von der Kavallerie sie zum Souper führte. Weder Eifersucht noch Kleider, noch Schultern waren imstande, ihn zu bewegen, und etwas anderes besaß Glorvina nicht.   Had there been some kind gentle soul near at hand who could read and appreciate this silent generous heart, who knows but that the reign of Amelia might have been over, and that friend William’s love might have flowed into a kinder channel? But there was only Glorvina of the jetty ringlets with whom his intercourse was familiar, and this dashing young woman was not bent upon loving the Major, but rather on making the Major admire her — a most vain and hopeless task, too, at least considering the means that the poor girl possessed to carry it out. She curled her hair and showed her shoulders at him, as much as to say, did ye ever see such jet ringlets and such a complexion? She grinned at him so that he might see that every tooth in her head was sound — and he never heeded all these charms. Very soon after the arrival of the box of millinery, and perhaps indeed in honour of it, Lady O’Dowd and the ladies of the King’s Regiment gave a ball to the Company’s Regiments and the civilians at the station. Glorvina sported the killing pink frock, and the Major, who attended the party and walked very ruefully up and down the rooms, never so much as perceived the pink garment. Glorvina danced past him in a fury with all the young subalterns of the station, and the Major was not in the least jealous of her performance, or angry because Captain Bangles of the Cavalry handed her to supper. It was not jealousy, or frocks, or shoulders that could move him, and Glorvina had nothing more. Sie gaben beide ein Beispiel von der Eitelkeit dieses Lebens, da sie sich beide nach dem sehnten, was sie nicht erhalten konnten. Glorvina weinte vor Wut über ihren Mißerfolg. Sie hatte sich den Major in den Kopf gesetzt, »mehr als irgendeinen anderen«, wie sie schluchzend gestand. »Er wird mir noch das Herz brechen, Peggy, ganz bestimmt«, jammerte sie vor ihrer Schwägerin, wenn sie wieder einmal gute Freunde geworden waren, »alle meine Kleider muß ich enger machen lassen. Ich werde noch zu einem richtigen Skelett.« Dick oder mager, lachend oder melancholisch, zu Pferde oder am Klavier – dem Major war alles gleich. Der Oberst, der pfeiferauchend diesen Klagen lauschte, empfahl, Glorvina solle sich mit der nächsten Kiste aus London ein paar schwarze Kleider kommen lassen, und er erzählte eine geheimnisvolle Geschichte von einer Dame in Irland, die vor Kummer über den Verlust ihres Gatten gestorben war, ehe sie überhaupt einen gehabt hatte.   So these two were each exemplifying the Vanity of this life, and each longing for what he or she could not get. Glorvina cried with rage at the failure. She had set her mind on the Major “more than on any of the others,” she owned, sobbing. “He’ll break my heart, he will, Peggy,” she would whimper to her sister-in-law when they were good friends; “sure every one of me frocks must be taken in — it’s such a skeleton I’m growing.” Fat or thin, laughing or melancholy, on horseback or the music-stool, it was all the same to the Major. And the Colonel, puffing his pipe and listening to these complaints, would suggest that Glory should have some black frocks out in the next box from London, and told a mysterious story of a lady in Ireland who died of grief for the loss of her husband before she got ere a one. Während der Major sie weiter quälte und sich weder erklärte noch bereit war, sich zu verlieben, kam wieder ein Schiff aus Europa mit Briefen, worunter sich auch ein paar für den herzlosen Mann befanden. Es waren Briefe von zu Hause mit einem früheren Poststempel als die letzten, und Major Dobbin erkannte darunter die Handschrift seiner Schwester. Sie beschrieb die Briefe an ihren Bruder stets kreuz und quer und sammelte alle möglichen schlimmen Nachrichten, die sie nur zusammenbringen konnte, schalt ihn aus und hielt ihm mit schwesterlicher Freimütigkeit Strafpredigten, die ihn, nachdem der »liebste William« eine ihrer Episteln gelesen hatte, für einen Tag elend machten. Um die Wahrheit zu sagen, beeilte sich der »liebste William« nicht, das Siegel auf Miss Dobbins Brief zu erbrechen, sondern wartete auf eine besonders günstige Stunde und Stimmung dazu. Er hatte ihr überdies vor vierzehn Tagen geschrieben und sie gescholten, daß sie Mrs. Osborne so alberne Geschichten erzähle, und er schickte Amelia einen Antwortbrief, worin er sie über die Gerüchte, die von ihm in Umlauf seien, aufklärte und ihr versicherte, daß er gegenwärtig keinerlei Absichten habe, seinen Stand zu ändern.   While the Major was going on in this tantalizing way, not proposing, and declining to fall in love, there came another ship from Europe bringing letters on board, and amongst them some more for the heartless man. These were home letters bearing an earlier postmark than that of the former packets, and as Major Dobbin recognized among his the handwriting of his sister, who always crossed and recrossed her letters to her brother — gathered together all the possible bad news which she could collect, abused him and read him lectures with sisterly frankness, and always left him miserable for the day after “dearest William” had achieved the perusal of one of her epistles — the truth must be told that dearest William did not hurry himself to break the seal of Miss Dobbin’s letter, but waited for a particularly favourable day and mood for doing so. A fortnight before, moreover, he had written to scold her for telling those absurd stories to Mrs. Osborne, and had despatched a letter in reply to that lady, undeceiving her with respect to the reports concerning him and assuring her that “he had no sort of present intention of altering his condition.” Ein paar Tage nach der Ankunft des zweiten Briefpäckchens hatte der Major den Abend recht heiter bei Lady O'Dowd verbracht, und Glorvina glaubte, daß er mit mehr als gewöhnlicher Aufmerksamkeit dem Lied »Wo sich die Wasser treffen«, dem »Sängerknaben« und einigen anderen Gesängen lauschte, mit denen sie ihn beglückte. In Wirklichkeit hörte er jedoch ebensowenig auf Glorvina wie auf das Heulen der Schakale im Mondschein draußen, und sie täuschte sich wie immer. Nachdem er seine Partie Schach mit ihr gespielt hatte (Lady O'Dowds Abendvergnügen bestand im Cribbage mit dem Regimentsarzt), nahm Major Dobbin zur gewohnten Stunde Abschied von der Familie des Obersten und begab sich nach Hause.   Two or three nights after the arrival of the second package of letters, the Major had passed the evening pretty cheerfully at Lady O’Dowd’s house, where Glorvina thought that he listened with rather more attention than usual to the Meeting of the Wathers, the Minsthrel Boy, and one or two other specimens of song with which she favoured him (the truth is, he was no more listening to Glorvina than to the howling of the jackals in the moonlight outside, and the delusion was hers as usual), and having played his game at chess with her (cribbage with the surgeon was Lady O’Dowd’s favourite evening pastime), Major Dobbin took leave of the Colonel’s family at his usual hour and retired to his own house. Dort lag vorwurfsvoll der Brief seiner Schwester auf dem Tisch. Er ergriff ihn, etwas beschämt über seine Nachlässigkeit, und bereitete sich auf eine unangenehme Stunde in Unterhaltung mit dieser unleserlich kritzelnden abwesenden Verwandten vor... Es mochte etwa eine Stunde vergangen sein, nachdem der Major das Haus des Obersten verlassen hatte. Sir Michael schlief den Schlaf der Gerechten, Glorvina hatte ihre schwarzen Locken in die unzähligen kleinen Papierstückchen gewickelt, mit denen sie sie abends stets zu fesseln pflegte, auch Lady O'Dowd hatte ihr Bett im ehelichen Schlafzimmer im Erdgeschoß aufgesucht: und die Moskitovorhänge um ihre schöne Gestalt gestopft, als die Wache am Tor des Kommandeurgebäudes Major Dobbin im Mondlicht erblickte, wie er mit schnellen Schritten aufgeregt dem Hause zueilte. Er ging an der Schildwache vorüber und trat an die Fenster von O'Dowds Schlafzimmer.   There on his table, his sister’s letter lay reproaching him. He took it up, ashamed rather of his negligence regarding it, and prepared himself for a disagreeable hour’s communing with that crabbed-handed absent relative. . . . It may have been an hour after the Major’s departure from the Colonel’s house — Sir Michael was sleeping the sleep of the just; Glorvina had arranged her black ringlets in the innumerable little bits of paper, in which it was her habit to confine them; Lady O’Dowd, too, had gone to her bed in the nuptial chamber, on the ground-floor, and had tucked her musquito curtains round her fair form, when the guard at the gates of the Commanding-Officer’s compound beheld Major Dobbin, in the moonlight, rushing towards the house with a swift step and a very agitated countenance, and he passed the sentinel and went up to the windows of the Colonel’s bedchamber. »O'Dowd, Oberst!« schrie Dobbin mehrmals.   “O’Dowd — Colonel!” said Dobbin and kept up a great shouting. »Himmel, Major!« rief Glorvina und steckte den lockenwickelgeschmückten Kopf aus dem Fenster.   “Heavens, Meejor!” said Glorvina of the curl-papers, putting out her head too, from her window. »Was ist denn los, Dob, mein Junge?« fragte der Oberst, der erwartete, daß Feuer in der Station ausgebrochen oder Marschbefehl vom Hauptquartier gekommen sei.   “What is it, Dob, me boy?” said the Colonel, expecting there was a fire in the station, or that the route had come from headquarters. »Ich – ich muß Urlaub haben. Ich muß nach England gehen, in den dringendsten Privatangelegenheiten«, sagte Dobbin.   “I — I must have leave of absence. I must go to England — on the most urgent private affairs,” Dobbin said. Gütiger Himmel! Was mag bloß geschehen sein, dachte Glorvina und zitterte mit allen Papierröllchen.   “Good heavens, what has happened!” thought Glorvina, trembling with all the papillotes. »Ich muß abreisen – jetzt – heute nacht noch«, fuhr Dobbin fort. Der Oberst stand auf und kam heraus, um mit ihm zu reden.   “I want to be off — now — to-night,” Dobbin continued; and the Colonel getting up, came out to parley with him. In der Nachschrift zu Miss Dobbins kreuz und quer beschriebenem Brief war der Major eben zu einem Absatz gekommen, der folgendermaßen lautete:   In the postscript of Miss Dobbin’s cross-letter, the Major had just come upon a paragraph, to the following effect: Ich bin gestern zu Deiner alten Bekannten, Mrs. Osborne, gefahren. Du kennst die erbärmliche Gegend, in der sie seit dem Bankrott wohnen. Mr. S. ist nach einem Messingschild an der Tür seiner Hütte (anders kann man sie nicht nennen) Kohlenhändler. Der kleine Junge, Dein Patensohn, ist gewiß ein hübsches Kind, aber vorlaut und oft ungezogen und starrköpfig. Wir haben uns aber, wie Du es wünschtest, um ihn gekümmert und ihn seiner Tante, Miss O., vorgestellt, der er ganz gut gefallen hat. Vielleicht ließe sich sein Großpapa – nicht der bankrotte, der ist fast schwachsinnig, sondern Mr. Osborne vom Russell Square – bewegen, sich gegenüber dem Kind Deines Freundes, seines irrenden, starrköpfigen Sohnes, erweichen zu lassen. Amelia wird nicht abgeneigt sein, ihn aufzugeben. Die Witwe hat sich getröstet und wird einen Geistlichen, Ehrwürden Binny, einen der Unterpfarrer von Brompton, heiraten. Eine armselige Partie. Aber Mrs. O. wird alt, ich habe ziemlich viel Grau in ihrem Haar gesehen. Sie war sehr gut gelaunt, und Dein kleiner Patensohn hat sich bei uns übergessen. Mama schickt Dir viele Grüße mit denen Deiner Dich liebenden Ann Dobbin.   "I drove yesterday to see your old acquaintance , Mrs. Osborne. The wretched place they live at, since they were bankrupts, you know — Mr. S., to judge from a brass plate on the door of his hut (it is little better) is a coal-merchant. The little boy, your godson, is certainly a fine child, though forward, and inclined to be saucy and self-willed. But we have taken notice of him as you wish it, and have introduced him to his aunt, Miss O., who was rather pleased with him. Perhaps his grandpapa, not the bankrupt one, who is almost doting, but Mr. Osborne, of Russell Square, may be induced to relent towards the child of your friend, his ERRING and self - willed son . And Amelia will not be ill-disposed to give him up. The widow is consoled , and is about to marry a reverend gentleman, the Rev. Mr. Binny, one of the curates of Brompton. A poor match. But Mrs. O. is getting old, and I saw a great deal of grey in her hair — she was in very good spirits: and your little godson overate himself at our house. Mamma sends her love with that of your affectionate, Ann Dobbin.” 44. Kapitel / Chapter 44 Ein weitschweifiges Kapitel zwischen London und Hampshire / A Round-about Chapter between London and Hampshire Das Familienhaus unserer alten Freunde, der Crawleys in der Great Gaunt Street, trug noch immer an der Vorderseite das Leichenwappen, das dort zum Zeichen der Trauer über Sir Pitt Crawleys Ableben angebracht worden war; dieses heraldische Sinnbild war jedoch schon in sich selbst ein äußerst prächtiger, strahlender Einrichtungsgegenstand, und das ganze übrige Haus wurde bald eleganter, als es je unter der Regierung des seligen Baronets gewesen war. Der schwarze Bewurf wurde von den Ziegeln entfernt, und sie boten nun einen munteren Anblick, rot mit weißen Streifen; die alten Türklopfer in Gestalt von Bronzelöwen wurden schön vergoldet, der Zaun gestrichen, und das trübselige Haus in der Great Gaunt Street wurde das hübscheste in der ganzen Gegend, ehe noch die gelben Blätter in Hampshire auf den Bäumen der Allee zu Queen's Crawley, unter denen Sir Pitt Crawley zum letztenmal dahinfuhr, von grünen ersetzt wurden.   Our old friends the Crawleys’ family house, in Great Gaunt Street, still bore over its front the hatchment which had been placed there as a token of mourning for Sir Pitt Crawley’s demise, yet this heraldic emblem was in itself a very splendid and gaudy piece of furniture, and all the rest of the mansion became more brilliant than it had ever been during the late baronet’s reign. The black outer-coating of the bricks was removed, and they appeared with a cheerful, blushing face streaked with white: the old bronze lions of the knocker were gilt handsomely, the railings painted, and the dismallest house in Great Gaunt Street became the smartest in the whole quarter, before the green leaves in Hampshire had replaced those yellowing ones which were on the trees in Queen’s Crawley Avenue when old Sir Pitt Crawley passed under them for the last time. Eine kleine Frau mit passendem Wagen wurde ständig in der Nähe dieses Hauses gesehen. Auch eine ältliche Jungfer in Begleitung eines kleinen Knaben konnte man täglich dort bemerken. Es war Miss Briggs mit dem kleinen Rawdon, deren Aufgabe darin bestand, die innere Erneuerung von Sir Pitts Haus zu überwachen, die weibliche Schar zu beaufsichtigen, die mit den Gardinen beschäftigt war, die Schubladen und Schränke zu durchwühlen und zu durchstöbern, die vollgestopft waren mit schmutzigen Reliquien und dem aufgehäuften Flitterkram von zwei Generationen Lady Crawleys, und Verzeichnisse vom Porzellan, dem Glas und anderen Sachen in den Wandschränken und Vorratskammern anzufertigen.   A little woman, with a carriage to correspond, was perpetually seen about this mansion; an elderly spinster, accompanied by a little boy, also might be remarked coming thither daily. It was Miss Briggs and little Rawdon, whose business it was to see to the inward renovation of Sir Pitt’s house, to superintend the female band engaged in stitching the blinds and hangings, to poke and rummage in the drawers and cupboards crammed with the dirty relics and congregated trumperies of a couple of generations of Lady Crawleys, and to take inventories of the china, the glass, and other properties in the closets and store-rooms. Mrs. Rawdon Crawley hatte den Oberbefehl über all diese Tätigkeit mit Generalvollmacht von Sir Pitt, Möbel zu verkaufen, zu vertauschen, zu beschlagnahmen oder zu kaufen. Sie fand kein geringes Vergnügen an dieser Beschäftigung, bei der sie ihrem Geschmack und ihrer Begabung freien Lauf lassen konnte. Die Renovierung des Hauses war beschlossen worden, als Sir Pitt im November in die Stadt kam, um seine Rechtsanwälte aufzusuchen. Bei dieser Gelegenheit hatte er fast eine Woche unter dem Dach seines liebevollen Bruders und seiner Schwägerin in der Curzon Street gewohnt.   Mrs. Rawdon Crawley was general-in-chief over these arrangements, with full orders from Sir Pitt to sell, barter, confiscate, or purchase furniture, and she enjoyed herself not a little in an occupation which gave full scope to her taste and ingenuity. The renovation of the house was determined upon when Sir Pitt came to town in November to see his lawyers, and when he passed nearly a week in Curzon Street, under the roof of his affectionate brother and sister. Er war zuerst im Hotel abgestiegen; sobald aber Becky von der Ankunft des Baronets erfuhr, war sie allein hingefahren, um ihn zu begrüßen, und kehrte nach einer Stunde mit Sir Pitt neben sich im Wagen zur Curzon Street zurück. Es war oft unmöglich, sich der Gastfreundschaft dieses unschuldigen, lieben Geschöpfes zu entziehen, so freundlich bestand sie darauf und so offen und liebenswürdig bot sie sie an. Becky ergriff Pitts Hand begeistert und dankbar, als er zusagte zu kommen. »Ich danke Ihnen«, sagte sie und sah dem Baronet tief in die Augen, der darauf heftig errötete. »Wie das Rawdon glücklich machen wird.« Sie eilte in Pitts Schlafzimmer hinauf und führte die Diener, die seine Koffer brachten, hinein. Dann kam sie lachend herein, mit einer Kohlenschaufel aus ihrem eigenen Zimmer.   He had put up at an hotel at first, but, Becky, as soon as she heard of the Baronet’s arrival, went off alone to greet him, and returned in an hour to Curzon Street with Sir Pitt in the carriage by her side. It was impossible sometimes to resist this artless little creature’s hospitalities, so kindly were they pressed, so frankly and amiably offered. Becky seized Pitt’s hand in a transport of gratitude when he agreed to come. “Thank you,” she said, squeezing it and looking into the Baronet’s eyes, who blushed a good deal; “how happy this will make Rawdon!” She bustled up to Pitt’s bedroom, leading on the servants, who were carrying his trunks thither. She came in herself laughing, with a coal-scuttle out of her own room. In Pitts Zimmer brannte bereits ein munteres Feuer (es war, nebenbei gesagt, Miss Briggs' Zimmer, die oben bei den Mädchen schlafen mußte). »Ich wußte, daß Sie kommen würden«, sagte Rebekka mit freudestrahlendem Blick. Sie war in der Tat wirklich froh, ihn als Gast bei sich zu haben.   A fire was blazing already in Sir Pitt’s apartment (it was Miss Briggs’s room, by the way, who was sent upstairs to sleep with the maid). “I knew I should bring you,” she said with pleasure beaming in her glance. Indeed, she was really sincerely happy at having him for a guest. Solange Pitt bei ihnen wohnte, beorderte Becky Rawdon ein paarmal, dienstlich auswärts zu speisen, während der Baronet den glücklichen Abend allein mit ihr und der Briggs verbrachte. Sie ging in die Küche hinunter und bereitete ihm eigenhändig kleine Delikatessen. »Ist das Ragout nicht vortrefflich?« fragte sie. »Ich habe es für Sie zubereitet. Ich kann Ihnen auch noch bessere Gerichte kochen, und das will ich, wenn Sie mich das nächste Mal besuchen.«   Becky made Rawdon dine out once or twice on business, while Pitt stayed with them, and the Baronet passed the happy evening alone with her and Briggs. She went downstairs to the kitchen and actually cooked little dishes for him. “Isn’t it a good salmi?” she said; “I made it for you. I can make you better dishes than that, and will when you come to see me.” »Alles, was Sie anfassen, gelingt Ihnen«, sagte der Baronet galant. »Das Ragout ist in der Tat ausgezeichnet.«   “Everything you do, you do well,” said the Baronet gallantly. “The salmi is excellent indeed.” »Wissen Sie, als Frau eines armen Mannes muß man sich nützlich machen«, entgegnete Rebekka munter, worauf ihr Schwager beteuerte, daß sie würdig sei, die Gemahlin eines Kaisers zu sein, und daß eine der bezauberndsten Eigenschaften der Frau jedenfalls Geschick bei Erledigung der häuslichen Pflichten sei. Dabei dachte Sir Pitt mit etwas wie Ärger an Lady Jane daheim und an eine bestimmte Pastete, die sie unbedingt selbst hatte zubereiten und ihm zum Mittagessen servieren wollen – eine abscheuliche Pastete.   “A poor man’s wife,” Rebecca replied gaily, “must make herself useful, you know”; on which her brother-in-law vowed that “she was fit to be the wife of an Emperor, and that to be skilful in domestic duties was surely one of the most charming of woman’s qualities.” And Sir Pitt thought, with something like mortification, of Lady Jane at home, and of a certain pie which she had insisted on making, and serving to him at dinner — a most abominable pie. Außer dem Ragout, das aus Lord Steynes Fasanen von seinem Landsitz Stillbrook zubereitet worden war, kredenzte Becky ihrem Schwager eine Flasche Weißwein, die Rawdon aus Frankreich mitgebracht und für nichts bekommen hatte, wie die kleine Schwindlerin erzählte, während das Getränk, das auf den bleichen Wangen des Baronets ein Feuer entfachte und eine Glut in seinem schwachen Körper, in Wirklichkeit ein guter Weißwein aus dem berühmten Keller des Marquis von Steyne war.   Besides the salmi, which was made of Lord Steyne’s pheasants from his lordship’s cottage of Stillbrook, Becky gave her brother-in-law a bottle of white wine, some that Rawdon had brought with him from France, and had picked up for nothing, the little story-teller said; whereas the liquor was, in truth, some White Hermitage from the Marquis of Steyne’s famous cellars, which brought fire into the Baronet’s pallid cheeks and a glow into his feeble frame. Nachdem er die Flasche petit vin blanc ausgetrunken hatte, reichte sie ihm die Hand und führte ihn hinauf in den Salon. Dort machte sie es ihm auf dem Sofa am Kamin bequem und setzte sich zu ihm und lauschte mit zärtlichem Interesse seinem Gespräch. Dabei säumte sie ein Hemd für ihren lieben kleinen Knaben. Immer wenn Mrs. Rawdon besonders demütig und tugendhaft erscheinen wollte, dann kam dieses Hemdchen aus ihrem Handarbeitskasten hervor. Es war für Rawdon jedoch, lange bevor es fertig war, zu klein geworden.   Then when he had drunk up the bottle of petit vin blanc, she gave him her hand, and took him up to the drawing-room, and made him snug on the sofa by the fire, and let him talk as she listened with the tenderest kindly interest, sitting by him, and hemming a shirt for her dear little boy. Whenever Mrs. Rawdon wished to be particularly humble and virtuous, this little shirt used to come out of her work-box. It had got to be too small for Rawdon long before it was finished. Rebekka hörte Pitt also zu, sprach mit ihm, sang ihm vor, schmeichelte ihm und lockte ihn, so daß er täglich lieber von seinen Anwälten in Gray's Inn zu dem lodernden Feuer in der Curzon Street zurückkehrte, eine Freude, an der auch die Männer des Gesetzes teilhatten, denn Pitts bombastische Reden waren schier endlos. Als er abreiste, empfand er direkt Abschiedsschmerz. Wie hübsch sie aussah, als sie ihm von ihrem Wagen aus Kußhändchen zuwarf und ihr Taschentuch schwenkte, als er seinen Platz in der Postkutsche eingenommen hatte! Einmal führte sie das Taschentuch sogar an die Augen. Als die Kutsche abfuhr, zog er die Seehundsmütze über das Gesicht, sank zurück und dachte darüber nach, wie sie ihn achtete und daß er es verdiente und daß Rawdon ein einfältiger, langweiliger Bursche sei, der seine Frau nicht halb zu schätzen wisse, und wie stumm und dumm seine eigene Frau sei, verglichen mit der glänzenden, kleinen Becky. Becky hatte vielleicht selbst all diese Dinge angedeutet, aber so feinfühlig und zart, daß man kaum wußte, wann oder wo. Ehe sie sich trennten, war noch beschlossen worden, daß das Haus in London für die nächste Saison neu instand gesetzt werden sollte und daß sich die Familien der Brüder zu Weihnachten wieder auf dem Lande treffen sollten.   Well, Rebecca listened to Pitt, she talked to him, she sang to him, she coaxed him, and cuddled him, so that he found himself more and more glad every day to get back from the lawyer’s at Gray’s Inn, to the blazing fire in Curzon Street — a gladness in which the men of law likewise participated, for Pitt’s harangues were of the longest — and so that when he went away he felt quite a pang at departing. How pretty she looked kissing her hand to him from the carriage and waving her handkerchief when he had taken his place in the mail! She put the handkerchief to her eyes once. He pulled his sealskin cap over his, as the coach drove away, and, sinking back, he thought to himself how she respected him and how he deserved it, and how Rawdon was a foolish dull fellow who didn’t half-appreciate his wife; and how mum and stupid his own wife was compared to that brilliant little Becky. Becky had hinted every one of these things herself, perhaps, but so delicately and gently that you hardly knew when or where. And, before they parted, it was agreed that the house in London should be redecorated for the next season, and that the brothers’ families should meet again in the country at Christmas. »Ich wünschte, du hättest ihm ein bißchen Geld aus der Tasche gezogen«, sagte Rawdon verstimmt zu seiner Frau, als der Baronet fort war. »Ich würde gern dem armen Raggles etwas geben, zum Henker, wenn es nicht wahr ist. Weißt du, es ist nicht recht, wenn wir dem Alten sein ganzes Geld vorenthalten; es würde vielleicht unangenehm werden, und er könnte sein Haus jemand anders vermieten.«   “I wish you could have got a little money out of him,” Rawdon said to his wife moodily when the Baronet was gone. “I should like to give something to old Raggles, hanged if I shouldn’t. It ain’t right, you know, that the old fellow should be kept out of all his money. It may be inconvenient, and he might let to somebody else besides us, you know.” »Sag ihm«, entgegnete Becky, »daß alle bezahlt werden, sobald Sir Pitts Angelegenheiten geordnet sind, und gib ihm eine Kleinigkeit als Anzahlung. Hier ist ein Scheck, den uns Sir Pitt für den Jungen hiergelassen hat.« Mit diesen Worten nahm sie aus ihrem Beutel ein Papier, das ihr Schwager ihr für den kleinen Sohn und Erben des jüngeren Zweiges der Familie gegeben hatte, und reichte es ihrem Mann.   “Tell him,” said Becky, “that as soon as Sir Pitt’s affairs are settled, everybody will be paid, and give him a little something on account. Here’s a cheque that Pitt left for the boy,” and she took from her bag and gave her husband a paper which his brother had handed over to her, on behalf of the little son and heir of the younger branch of the Crawleys. In Wirklichkeit hatte sie selbst schon sehr vorsichtig das Gelände sondiert, auf das sie sich nach dem Wunsch ihres Mannes wagen sollte, es war ihr aber zu unsicher erschienen. Bei der leisesten Andeutung von Geldschwierigkeiten war Sir Pitt Crawley erschreckt hochgefahren und hatte eine lange Rede gehalten, in der er erklärte, wie bedrängt seine eigene Geldlage sei, daß die Pächter nicht zahlen wollten, daß ihn die Angelegenheiten seines Vaters und die Dinge, die mit dem Ableben des alten Herrn zusammenhingen, sehr viel gekostet hätten und daß er Hypotheken abzahlen wolle und daß die Konten bei seinen Bankiers und Agenten schon überzogen seien. Pitt Crawley endete damit, daß er einen Kompromiß mit seiner Schwägerin schloß und ihr eine sehr geringe Summe für ihren kleinen Jungen gab.   The truth is, she had tried personally the ground on which her husband expressed a wish that she should venture — tried it ever so delicately, and found it unsafe. Even at a hint about embarrassments, Sir Pitt Crawley was off and alarmed. And he began a long speech, explaining how straitened he himself was in money matters; how the tenants would not pay; how his father’s affairs, and the expenses attendant upon the demise of the old gentleman, had involved him; how he wanted to pay off incumbrances; and how the bankers and agents were overdrawn; and Pitt Crawley ended by making a compromise with his sister-in-law and giving her a very small sum for the benefit of her little boy. Pitt wußte, wie arm sein Bruder sein mußte. Es konnte der Beobachtung eines so kühlen und erfahrenen alten Diplomaten nicht entgehen, daß Rawdons Familie nichts besaß, wovon sie leben konnte, und daß man Equipagen und Häuser nicht umsonst halten konnte. Er wußte recht gut, daß er das Geld bekommen oder, besser, sich verschafft hatte, das aller Voraussicht nach seinem jüngeren Bruder hätte zufallen sollen, und er empfand ganz sicher geheime Gewissensbisse, die ihn aufforderten, einen Akt der Gerechtigkeit oder, sagen wir, des Ausgleichs gegenüber seinen enttäuschten Verwandten zu vollziehen. Als gerechter, anständiger Mann, nicht ohne Denkvermögen, der seine Gebete sagte und seinen Katechismus kannte und äußerlich seine Pflicht im Leben tat, mußte er fühlen, daß er seinem Bruder etwas zukommen lassen müsse und daß er, moralisch gesehen, Rawdons Schuldner sei.   Pitt knew how poor his brother and his brother’s family must be. It could not have escaped the notice of such a cool and experienced old diplomatist that Rawdon’s family had nothing to live upon, and that houses and carriages are not to be kept for nothing. He knew very well that he was the proprietor or appropriator of the money, which, according to all proper calculation, ought to have fallen to his younger brother, and he had, we may be sure, some secret pangs of remorse within him, which warned him that he ought to perform some act of justice, or, let us say, compensation, towards these disappointed relations. A just, decent man, not without brains, who said his prayers, and knew his catechism, and did his duty outwardly through life, he could not be otherwise than aware that something was due to his brother at his hands, and that morally he was Rawdon’s debtor. In den Spalten der »Times« kann man hier und da seltsame Anzeigen lesen, in denen der Schatzkanzler den Empfang von fünfzig Pfund von A. B. oder zehn Pfund von W. T. bestätigt, als Abzahlung für Steuern, die der erwähnte A. B. oder W. T. schuldet. Das in der öffentlichen Presse zu tun, haben die reuigen Schuldner den Schatzkanzler aufgefordert. Aber sowohl der Kanzler als auch der Leser sind sich zweifellos im klaren, daß der ebenerwähnte A. B. und W. T. nur einen sehr kleinen Teil ihrer wahren Schuld bezahlen und daß der, der eine Zwanzigpfundnote einschickt, höchstwahrscheinlich Hunderte und sogar Tausende zu zahlen hätte. Dies sind wenigstens meine Gefühle, wenn ich A. B.s oder W. T.s unzulängliche Bußhandlung erblicke. Ich zweifle auch nicht daran, daß Pitt Crawleys Zerknirschung oder, wenn man will, Güte gegenüber seinem jüngeren Bruder, durch den er so viel gewonnen hatte, nur eine sehr geringe Dividende von dem Kapital war, das er Rawdon schuldete. Es gibt viele, die nicht einmal gewillt sind, soviel zu zahlen. Sich vom Gelde zu trennen ist ein Opfer, das über die Kräfte der meisten ordnungsliebenden Menschen hinausgeht. Es gibt kaum einen, der es sich nicht hoch anrechnet, wenn er seinem Nächsten fünf Pfund schenkt. Der Verschwender gibt nicht aus wohlwollender Freude am Geben, sondern aus einem trägen Vergnügen, das er am Ausgeben findet. Er würde sich keinen Genuß versagen, weder seine Opernloge noch sein Pferd, noch seine Diener und nicht einmal das Vergnügen, dem Lazarus die fünf Pfund zu geben. Der Sparsame, welcher gut, weise, gerecht ist und keinem Menschen einen Penny schuldet, wendet sich von einem Bettler ab, feilscht mit dem Droschkenkutscher oder versagt einem armen Verwandten seine Hilfe. Ich weiß nicht, welcher von den beiden egoistischer ist. Das Geld hat in ihren Augen nur verschiedenen Wert.   But, as one reads in the columns of the Times newspaper every now and then, queer announcements from the Chancellor of the Exchequer, acknowledging the receipt of 50 pounds from A. B., or 10 pounds from W. T., as conscience-money, on account of taxes due by the said A. B. or W. T., which payments the penitents beg the Right Honourable gentleman to acknowledge through the medium of the public press — so is the Chancellor no doubt, and the reader likewise, always perfectly sure that the above-named A. B. and W. T. are only paying a very small instalment of what they really owe, and that the man who sends up a twenty-pound note has very likely hundreds or thousands more for which he ought to account. Such, at least, are my feelings, when I see A. B. or W. T.’s insufficient acts of repentance. And I have no doubt that Pitt Crawley’s contrition, or kindness if you will, towards his younger brother, by whom he had so much profited, was only a very small dividend upon the capital sum in which he was indebted to Rawdon. Not everybody is willing to pay even so much. To part with money is a sacrifice beyond almost all men endowed with a sense of order. There is scarcely any man alive who does not think himself meritorious for giving his neighbour five pounds. Thriftless gives, not from a beneficent pleasure in giving, but from a lazy delight in spending. He would not deny himself one enjoyment; not his opera-stall, not his horse, not his dinner, not even the pleasure of giving Lazarus the five pounds. Thrifty, who is good, wise, just, and owes no man a penny, turns from a beggar, haggles with a hackney-coachman, or denies a poor relation, and I doubt which is the most selfish of the two. Money has only a different value in the eyes of each. Mit einem Wort: Pitt Crawley dachte, daß er etwas für seinen Bruder tun wolle, und meinte dann, er wolle ein andermal daran denken.   So, in a word, Pitt Crawley thought he would do something for his brother, and then thought that he would think about it some other time. Becky war keine Frau, die zuviel von der Großmut ihrer Nächsten erwartete. Sie war daher mit dem, was Pitt Crawley für sie getan hatte, vollkommen zufrieden. Das Oberhaupt der Familie hatte sie anerkannt. Wenn Pitt ihr nichts geben wollte, so würde er ihr doch eines Tages etwas verschaffen. Wenn sie von ihrem Schwager auch kein Geld bekam, so bekam sie doch etwas, was ebenso gut war wie Geld – Kredit. Raggles beruhigten der Anblick der Einigkeit zwischen den Brüdern, eine kleine Anzahlung und das Versprechen, daß er bald eine größere Summe erhalten würde. Rebekka zahlte Miss Briggs die Weihnachtszinsen für die kleine Summe, die sie von ihr geliehen hatte, mit einer Miene aufrichtiger Freude aus, als ob ihre Kasse von Gold überströmte, und erzählte ihr dabei im tiefsten Vertrauen, daß sie mit Sir Pitt, der als Finanzmann berühmt sei, über Miss Briggs gesprochen habe, und zwar über die vorteilhafte Anlage des restlichen Kapitals von Miss Briggs. Sir Pitt habe nach reiflichen Überlegungen eine Möglichkeit gefunden, wie die Briggs ihr Geld sicher und vorteilhaft anlegen könnte. Er nehme besonderen Anteil an ihr, als einer alten Freundin der seligen Miss Crawley und der ganzen Familie, und lange bevor er die Stadt verlassen habe, habe er empfohlen, sie solle das Geld zur sofortigen Verfügung halten, um die Aktien, die Sir Pitt im Auge habe, bei günstiger Gelegenheit kaufen zu können. Die arme Miss Briggs war für diesen Beweis von Sir Pitts Aufmerksamkeit sehr dankbar. Es kam so unerwartet, sagte sie, sie habe nie daran gedacht, ihr Geld aus den Staatspapieren zu ziehen. Die Freundlichkeit seines Anerbietens wurde noch durch das Taktgefühl, mit dem es gemacht wurde, erhöht; sie versprach, sofort ihren Anwalt aufzusuchen und ihr kleines Kapital im richtigen Augenblick bereit zu haben.   And with regard to Becky, she was not a woman who expected too much from the generosity of her neighbours, and so was quite content with all that Pitt Crawley had done for her. She was acknowledged by the head of the family. If Pitt would not give her anything, he would get something for her some day. If she got no money from her brother-in-law, she got what was as good as money — credit. Raggles was made rather easy in his mind by the spectacle of the union between the brothers, by a small payment on the spot, and by the promise of a much larger sum speedily to be assigned to him. And Rebecca told Miss Briggs, whose Christmas dividend upon the little sum lent by her Becky paid with an air of candid joy, and as if her exchequer was brimming over with gold — Rebecca, we say, told Miss Briggs, in strict confidence that she had conferred with Sir Pitt, who was famous as a financier, on Briggs’s special behalf, as to the most profitable investment of Miss B.’s remaining capital; that Sir Pitt, after much consideration, had thought of a most safe and advantageous way in which Briggs could lay out her money; that, being especially interested in her as an attached friend of the late Miss Crawley, and of the whole family, and that long before he left town, he had recommended that she should be ready with the money at a moment’s notice, so as to purchase at the most favourable opportunity the shares which Sir Pitt had in his eye. Poor Miss Briggs was very grateful for this mark of Sir Pitt’s attention — it came so unsolicited, she said, for she never should have thought of removing the money from the funds — and the delicacy enhanced the kindness of the office; and she promised to see her man of business immediately and be ready with her little cash at the proper hour. Diese würdige Dame war Rebekka so dankbar für die Freundlichkeit bei der Angelegenheit und auch ihrem großmütigen Wohltäter, dem Oberst, daß sie ausging und einen großen Teil ihrer Halbjahreszinsen beim Kauf eines schwarzen Samtröckchens für den kleinen Rawdon ausgab, der übrigens jetzt für schwarzen Samt fast zu groß geworden war. Er hatte nun eine Größe und ein Alter erreicht, denen Männerkleidung angemessen war.   And this worthy woman was so grateful for the kindness of Rebecca in the matter, and for that of her generous benefactor, the Colonel, that she went out and spent a great part of her half-year’s dividend in the purchase of a black velvet coat for little Rawdon, who, by the way, was grown almost too big for black velvet now, and was of a size and age befitting him for the assumption of the virile jacket and pantaloons. Er war ein hübscher Knabe mit offenem Gesicht, blauen Augen, lockigem Flachshaar und starken Gliedern, aber großmütig und weichherzig, liebevoll ergeben allen, die gut zu ihm waren: dem Pony, Lord Southdown, der ihm das Pony geschenkt hatte (er erglühte immer vor Freude, wenn er den freundlichen jungen Edelmann sah), dem Reitknecht, der das Pony pflegte, Mary, der Köchin, die ihn abends mit Gespenstergeschichten und Leckerbissen vom Abendessen vollstopfte, der Briggs, die er quälte und auslachte, und besonders seinem Vater, dessen Liebe zu dem Knaben auch merkwürdig zu beobachten war. Hier endete aber wohl der Kreis seiner Zuneigungen, als er etwa acht Jahre alt geworden war. Das schöne Bild der Mutter war nach einer Weile verblaßt. Fast zwei Jahre lang hatte sie kaum ein Wort mit dem Jungen gesprochen. Sie konnte ihn nicht leiden. Er hatte die Masern und den Keuchhusten. Er langweilte sie. Eines Tages war er, angelockt von der Stimme seiner Mutter, die Lord Steyne vorsang, herabgeschlichen und stand auf dem Treppenabsatz, als sich plötzlich die Tür des Salons öffnete und sie den kleinen Spion entdeckte, der noch vor einem Augenblick verzückt der Musik gelauscht hatte.   He was a fine open-faced boy, with blue eyes and waving flaxen hair, sturdy in limb, but generous and soft in heart, fondly attaching himself to all who were good to him — to the pony — to Lord Southdown, who gave him the horse (he used to blush and glow all over when he saw that kind young nobleman) — to the groom who had charge of the pony — to Molly, the cook, who crammed him with ghost stories at night, and with good things from the dinner — to Briggs, whom he plagued and laughed at — and to his father especially, whose attachment towards the lad was curious too to witness. Here, as he grew to be about eight years old, his attachments may be said to have ended. The beautiful mother-vision had faded away after a while. During near two years she had scarcely spoken to the child. She disliked him. He had the measles and the hooping-cough. He bored her. One day when he was standing at the landing-place, having crept down from the upper regions, attracted by the sound of his mother’s voice, who was singing to Lord Steyne, the drawing room door opening suddenly, discovered the little spy, who but a moment before had been rapt in delight, and listening to the music. Seine Mutter kam heraus und gab ihm ein paar derbe Ohrfeigen. Er hörte drinnen im Zimmer den Marquis lachen (den die freie und offene Schaustellung von Beckys Temperament belustigte) und floh zu seinen Freunden in die Küche hinab und brach dort in kummervolle Tränen aus.   His mother came out and struck him violently a couple of boxes on the ear. He heard a laugh from the Marquis in the inner room (who was amused by this free and artless exhibition of Becky’s temper) and fled down below to his friends of the kitchen, bursting in an agony of grief. »Es ist ja nicht, weil es weh tut«, schluchzte der kleine Rawdon, »nur – nur « Heftiges Schluchzen und ein Strom von Tränen beendeten den Satz. Das Herz des kleinen Jungen blutete. »Warum darf ich sie nicht singen hören? Warum singt sie nicht auch einmal vor mir wie vor dem kahlköpfigen Mann mit den großen Zähnen?« Diese Äußerungen von Wut und Schmerz stieß er abgerissen hervor. Die Köchin blickte das Hausmädchen an, das Hausmädchen sah schlau den Diener an – die furchtbare Kücheninquisition, die in jedem Hause zu Gericht sitzt und alles weiß, sprach in diesem Augenblick ihr Urteil über Rebekka.   “It is not because it hurts me,” little Rawdon gasped out — "only — only" — sobs and tears wound up the sentence in a storm. It was the little boy’s heart that was bleeding. “Why mayn’t I hear her singing? Why don’t she ever sing to me — as she does to that baldheaded man with the large teeth?” He gasped out at various intervals these exclamations of rage and grief. The cook looked at the housemaid, the housemaid looked knowingly at the footman — the awful kitchen inquisition which sits in judgement in every house and knows everything — sat on Rebecca at that moment. Nach diesem Vorfall wurde die Abneigung der Mutter zum Haß. Der Gedanke, daß das Kind sich im Hause befand, war ihr Vorwurf und Qual zugleich. Sein bloßer Anblick ärgerte sie. Aber auch im Herzen des Knaben erwuchsen Furcht, Zweifel und Widerstand. Vom Tage der Ohrfeigen an waren sie endgültig voneinander getrennt.   After this incident, the mother’s dislike increased to hatred; the consciousness that the child was in the house was a reproach and a pain to her. His very sight annoyed her. Fear, doubt, and resistance sprang up, too, in the boy’s own bosom. They were separated from that day of the boxes on the ear. Lord Steyne war dem Knaben ebenfalls von Herzen abgeneigt. Wenn sie sich unglücklicherweise begegneten, machte er gegenüber dem Kind sarkastische Verbeugungen oder Bemerkungen oder starrte es wild an. Rawdon starrte ihm dann ebenfalls ins Gesicht und ballte die kleinen Fäuste. Er kannte seinen Feind; von allen Herren, die ins Haus kamen, war dieser es, der ihn am meisten ärgerte. Eines Tages traf ihn der Diener, wie er mit den Fäusten auf Lord Steynes Hut im Vorzimmer einhieb. Der Bediente erzählte dies als einen guten Witz Lord Steynes Kutscher, dieser wiederum Lord Steynes Kammerdiener und dem ganzen Gesindezimmer. Als bald darauf Mrs. Rawdon Crawley im Gaunt-Haus erschien, wußten alle über sie Bescheid oder bildeten sich ein, es zu wissen: der Portier, der das Tor öffnete, die Diener aller Ränge in der Halle und die Lakaien in weißer Weste, die von Treppenabsatz zu Treppenabsatz den Namen des Obersten und Mrs. Rawdon Crawleys ausriefen. Der Mann, der ihr Erfrischungen brachte und hinter ihrem Stuhl stand, hatte ihren Charakter mit dem langen Herrn im buntscheckigen Anzug an seiner Seite besprochen. Bon Dieu! Diese Dienstboteninquisition ist etwas Entsetzliches. Du siehst eine Dame auf einer großen Gesellschaft in einem prächtigen Salon, von treuen Bewunderern umgeben, die funkelnde Blicke austeilt, vollendet gekleidet, frisiert und geschminkt ist und glücklich lächelt. Aber die Entdeckung tritt ihr respektvoll entgegen in Gestalt; eines riesigen gepuderten Mannes mit dicken Waden und einem Tablett voll Eis und hinter ihm die Verleumdung (die ebenso verhängnisvoll ist wie die Wahrheit) in Gestalt des unbeholfenen Burschen, der die Waffeln trägt. Madame, Ihr Geheimnis werden diese Männer noch heute abend im Wirtshausklub besprechen. James wird Charles bei einer Pfeife und einem Krug Bier seine Ansichten über Sie mitteilen. Einige Leute auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit sollten Stumme als Diener haben, die nicht schreiben können. Wenn du schuldig bist, so zittere! Der Bursche hinter deinem Stuhl kann ein Janitschar sein, der in der Tasche seiner Plüschhose schon die seidene Schnur zum Erdrosseln für dich trägt. Wenn du nicht schuldig bist, so hüte dich vor dem Schein, der oft ebenso verderblich ist wie die Schuld.   Lord Steyne also heartily disliked the boy. When they met by mischance, he made sarcastic bows or remarks to the child, or glared at him with savage-looking eyes. Rawdon used to stare him in the face and double his little fists in return. He knew his enemy, and this gentleman, of all who came to the house, was the one who angered him most. One day the footman found him squaring his fists at Lord Steyne’s hat in the hall. The footman told the circumstance as a good joke to Lord Steyne’s coachman; that officer imparted it to Lord Steyne’s gentleman, and to the servants’ hall in general. And very soon afterwards, when Mrs. Rawdon Crawley made her appearance at Gaunt House, the porter who unbarred the gates, the servants of all uniforms in the hall, the functionaries in white waistcoats, who bawled out from landing to landing the names of Colonel and Mrs. Rawdon Crawley, knew about her, or fancied they did. The man who brought her refreshment and stood behind her chair, had talked her character over with the large gentleman in motley-coloured clothes at his side. Bon Dieu! it is awful, that servants’ inquisition! You see a woman in a great party in a splendid saloon, surrounded by faithful admirers, distributing sparkling glances, dressed to perfection, curled, rouged, smiling and happy — Discovery walks respectfully up to her, in the shape of a huge powdered man with large calves and a tray of ices — with Calumny (which is as fatal as truth) behind him, in the shape of the hulking fellow carrying the wafer-biscuits. Madam, your secret will be talked over by those men at their club at the public-house to-night. Jeames will tell Chawles his notions about you over their pipes and pewter beer-pots. Some people ought to have mutes for servants in Vanity Fair — mutes who could not write. If you are guilty, tremble. That fellow behind your chair may be a Janissary with a bow-string in his plush breeches pocket. If you are not guilty, have a care of appearances, which are as ruinous as guilt. War Rebekka schuldig oder nicht? Das Femegericht des Bedientenzimmers hatte gegen sie entschieden.   “Was Rebecca guilty or not?” the Vehmgericht of tho servants’ hall had pronounced against her. Und ich schäme mich, es zu sagen: Hätte man sie nicht für schuldig gehalten, hätte sie keinen Kredit mehr gehabt. Der Anblick von Lord Steynes Wagenlaternen, die vor ihrer Tür in finsterer Mitternacht leuchteten, hielt Raggles mehr aufrecht, wie er später sagte, als Rebekkas Künste und Schmeicheleien.   And, I shame to say, she would not have got credit had they not believed her to be guilty. It was the sight of the Marquis of Steyne’s carriage-lamps at her door, contemplated by Raggles, burning in the blackness of midnight, “that kep him up,” as he afterwards said, that even more than Rebecca’s arts and coaxings. So – sehr wahrscheinlich schuldlos – drängte und stieß sie sich vorwärts, hin zu etwas, was man »eine Stellung in der Gesellschaft« nennt; aber schon deuteten die Dienstboten auf sie als verloren und ruiniert. So kann man morgens Molly, das Hausmädchen, sehen, wie sie eine Spinne beobachtet, die ihren Faden am Türpfosten spannt und mühsam daran emporklettert, bis das Mädchen, des Spiels müde, den Besen erhebt und Faden samt Schöpferin hinwegfegt.   And so — guiltless very likely — she was writhing and pushing onward towards what they call “a position in society,” and the servants were pointing at her as lost and ruined. So you see Molly, the housemaid, of a morning, watching a spider in the doorpost lay his thread and laboriously crawl up it, until, tired of the sport, she raises her broom and sweeps away the thread and the artificer. Ein paar Tage vor Weihnachten machten sich Becky, ihr Mann und ihr Sohn auf die Reise, um die Feiertage auf dem Sitz ihrer Ahnen, in Queen's Crawley, zu verbringen. Becky hätte den kleinen Balg gern daheimgelassen und hätte es auch getan, wenn nicht Lady Jane den Knaben dringend eingeladen hätte und nicht Zeichen von Unzufriedenheit und Empörung über die Vernachlässigung ihres Sohnes bei Rawdon spürbar geworden wären. »Er ist der feinste Junge in England«, sagte der Vater in vorwurfsvollem Ton zu ihr, »aber du scheinst dir nicht soviel aus ihm zu machen wie aus deinem Schoßhund, Becky. Er soll dich nicht viel stören. Zu Hause wird er weit weg von dir im Kinderzimmer sein, während der Reise kann er außen mit mir fahren.«   A day or two before Christmas, Becky, her husband and her son made ready and went to pass the holidays at the seat of their ancestors at Queen’s Crawley. Becky would have liked to leave the little brat behind, and would have done so but for Lady Jane’s urgent invitations to the youngster, and the symptoms of revolt and discontent which Rawdon manifested at her neglect of her son. “He’s the finest boy in England,” the father said in a tone of reproach to her, “and you don’t seem to care for him, Becky, as much as you do for your spaniel. He shan’t bother you much; at home he will be away from you in the nursery, and he shall go outside on the coach with me.” »Wo du selbst nur fährst, weil du deine gemeinen Zigarren rauchen willst«, erwiderte Mrs. Rawdon.   “Where you go yourself because you want to smoke those filthy cigars,” replied Mrs. Rawdon. »Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, wo sie dir gefielen«, entgegnete ihr Mann.   “I remember when you liked ’em though,” answered the husband. Becky lachte. Sie war fast immer guter Laune. »Das war damals, als ich noch auf Beförderung diente, du Dummchen«, sagte sie. »Nimm Rawdon mit auf den Außensitz, und gib ihm auch eine Zigarre, wenn du Lust hast.«   Becky laughed; she was almost always good-humoured. “That was when I was on my promotion, Goosey,” she said. “Take Rawdon outside with you and give him a cigar too if you like.” Rawdon wärmte seinen kleinen Sohn nicht auf diese Weise während der Winterreise, sondern er und die Briggs hüllten ihn in Schals und Decken, und er wurde an dem dunklen Morgen unter den Lampen des »Gasthofs zum Weißen Roß« respektvoll auf das Kutschendach gehoben. Mit großem Entzücken sah er den Tag allmählich anbrechen und machte seine erste Reise zu dem Ort, den sein Vater noch immer »zu Hause« nannte. Die Reise bedeutete für den Knaben eine unendliche Freude. Er beobachtete alles mit nimmermüdem Interesse, und sein Vater beantwortete ihm alle Fragen, die damit zusammenhingen. Er erzählte ihm, wer in dem großen weißen Haus rechts wohnte und wem der Park gehörte. Seine Mutter im Wageninneren mit ihrer Kammerjungfer und ihren Pelzen, ihren Schals und Riechfläschchen machte so viel Wesens, daß man hätte meinen können, sie sei noch nie in einer Postkutsche gefahren, geschweige denn, daß sie einstmals vor mehr als zehn Jahren auf einer gewissen Reise aus derselben Kutsche hinausgewiesen worden war, um einem zahlenden Fahrgast Platz zu machen.   Rawdon did not warm his little son for the winter’s journey in this way, but he and Briggs wrapped up the child in shawls and comforters, and he was hoisted respectfully onto the roof of the coach in the dark morning, under the lamps of the White Horse Cellar; and with no small delight he watched the dawn rise and made his first journey to the place which his father still called home. It was a journey of infinite pleasure to the boy, to whom the incidents of the road afforded endless interest, his father answering to him all questions connected with it and telling him who lived in the great white house to the right, and whom the park belonged to. His mother, inside the vehicle, with her maid and her furs, her wrappers, and her scent bottles, made such a to-do that you would have thought she never had been in a stage-coach before — much less, that she had been turned out of this very one to make room for a paying passenger on a certain journey performed some half-score years ago. Es war bereits wieder dunkel, als der kleine Rawdon geweckt wurde, um in den Wagen seines Onkels in Mudbury zu steigen. Verwundert blickte er hinaus, als das große Eichentor aufflog und die weißen Stämme der Lindenbäume vorbeistrichen, bis sie schließlich vor den erleuchteten Fenstern des Schlosses hielten, das von weihnachtlichem Glanz strahlte. Die mächtige Eingangstür wurde aufgerissen, in dem großen alten Kamin brannte ein gewaltiges Feuer – über dem schwarzgewürfelten Steinboden lag ein Teppich ausgebreitet. Das ist der alte türkische, der früher in der Damengalerie lag, dachte Rebekka, und im nächsten Augenblick küßte sie Lady Jane.   It was dark again when little Rawdon was wakened up to enter his uncle’s carriage at Mudbury, and he sat and looked out of it wondering as the great iron gates flew open, and at the white trunks of the limes as they swept by, until they stopped, at length, before the light windows of the Hall, which were blazing and comfortable with Christmas welcome. The hall-door was flung open — a big fire was burning in the great old fire-place — a carpet was down over the chequered black flags — "It’s the old Turkey one that used to be in the Ladies’ Gallery,” thought Rebecca, and the next instant was kissing Lady Jane. Sie und Sir Pitt führten dieselbe Begrüßung mit großem Ernst aus, aber Rawdon hielt sich von seiner Schwägerin zurück, weil er geraucht hatte. Ihre beiden Kinder sprangen dem Vetter entgegen. Während Matilda ihm die Hand hinstreckte und ihn küßte, stand Pitt Binkie Southdown, der Sohn und Erbe, ein wenig beiseite und betrachtete ihn prüfend wie ein kleiner Hund einen großen.   She and Sir Pitt performed the same salute with great gravity; but Rawdon, having been smoking, hung back rather from his sister-in-law, whose two children came up to their cousin; and, while Matilda held out her hand and kissed him, Pitt Binkie Southdown, the son and heir, stood aloof rather and examined him as a little dog does a big dog. Hierauf führte die freundliche Wirtin ihre Gäste in die gemütlichen Zimmer, in denen Kaminfeuer munter prasselten. Später kamen dann die jungen Damen und klopften an Mrs. Rawdons Tür, unter dem Vorwand, sie wollten sich so gern nützlich machen. In Wirklichkeit wollten sie den Inhalt ihrer Bänder- und Hutschachteln begutachten und ihre Kleider besichtigen, die zwar schwarz, aber doch nach der neuesten Londoner Mode waren. Sie erzählten ihr, wie sehr das Schloß sich zu seinem Vorteil verändert habe und daß die alte Lady Southdown fort sei und daß Pitt seine Stellung in der Grafschaft geltend mache, wie es einem Crawley tatsächlich zukam. Dann, als die große Tischglocke ertönte, versammelte sich die Familie zum Essen, wobei der jüngere Rawdon neben seine Tante, die gutherzige Hausherrin, gesetzt wurde. Sir Pitt Crawley erwies der Schwägerin zu seiner Rechten ungewöhnliche Aufmerksamkeit.   Then the kind hostess conducted her guests to the snug apartments blazing with cheerful fires. Then the young ladies came and knocked at Mrs. Rawdon’s door, under the pretence that they were desirous to be useful, but in reality to have the pleasure of inspecting the contents of her band and bonnet-boxes, and her dresses which, though black, were of the newest London fashion. And they told her how much the Hall was changed for the better, and how old Lady Southdown was gone, and how Pitt was taking his station in the county, as became a Crawley in fact. Then the great dinner-bell having rung, the family assembled at dinner, at which meal Rawdon Junior was placed by his aunt, the good-natured lady of the house, Sir Pitt being uncommonly attentive to his sister-in-law at his own right hand. Der kleine Rawdon zeigte einen vortrefflichen Appetit und benahm sich sehr anständig.   Little Rawdon exhibited a fine appetite and showed a gentlemanlike behaviour. »Hier macht es mir Spaß zu essen«, sagte er zu seiner Tante, als er seinen Teller leergegessen hatte. Nach Beendigung des Mahles und einem angemessenen Dankgebet wurde der kleine Sohn und Erbe hereingebracht und auf einen hohen Stuhl neben den Baronet gesetzt, während die Tochter sich auf einen Platz neben der Mutter setzte und das kleine Weinglas ergriff, das dort für sie stand. »Hier macht es mir Spaß zu essen«, sagte Rawdon der Jüngere und sah zu dem freundlichen Gesicht der Tante auf.   “I like to dine here,” he said to his aunt when he had completed his meal, at the conclusion of which, and after a decent grace by Sir Pitt, the younger son and heir was introduced, and was perched on a high chair by the Baronet’s side, while the daughter took possession of the place and the little wine-glass prepared for her near her mother. “I like to dine here,” said Rawdon Minor, looking up at his relation’s kind face. »Warum?« fragte die gute Lady Jane.   “Why?” said the good Lady Jane. »Zu Hause esse ich in der Küche oder sonst mit der Briggs«, entgegnete Rawdon der Jüngere. Becky war jedoch so mit dem Baronet, ihrem Wirt, beschäftigt und ergoß eine solche Flut von Komplimenten und Bewunderungsrufen über den kleinen Pitt Binkie, den sie als ein außerordentlich schönes, intelligentes, edel aussehendes Geschöpfchen bezeichnete, das seinem Vater so ähnlich sei, daß sie das, was ihr eigenes Fleisch und Blut am anderen Ende der langen glänzenden Tafel äußerte, nicht vernahm.   “I dine in the kitchen when I am at home,” replied Rawdon Minor, “or else with Briggs.” But Becky was so engaged with the Baronet, her host, pouring out a flood of compliments and delights and raptures, and admiring young Pitt Binkie, whom she declared to be the most beautiful, intelligent, noble-looking little creature, and so like his father, that she did not hear the remarks of her own flesh and blood at the other end of the broad shining table. Da Rawdon der Zweite hier Gast war und da es der erste Abend nach der Ankunft war, durfte er lange aufbleiben. So erlebte er nach der Teestunde, wie ein großes vergoldetes Buch vor Sir Pitt auf den Tisch gelegt wurde und alle Dienstboten des Hauses hereinströmten und Sir Pitt eine Abendandacht abhielt. Es war das erstemal, daß der arme kleine Knabe solch eine feierliche Handlung hörte und sogar daran teilnahm.   As a guest, and it being the first night of his arrival, Rawdon the Second was allowed to sit up until the hour when tea being over, and a great gilt book being laid on the table before Sir Pitt, all the domestics of the family streamed in, and Sir Pitt read prayers. It was the first time the poor little boy had ever witnessed or heard of such a ceremonial. Das Haus war in der kurzen Zeit der Regierung des neuen Baronets schon bedeutend schöner geworden, und als Rebekka es in seiner Begleitung besichtigte, nannte sie es vollkommen, bezaubernd und entzückend. Dem kleinen Rawdon, der es unter Führung der Kinder erforschte, erschien es als wahres Zauberschloß voller Wunder. Da gab es lange Galerien, altertümliche Prachtschlafzimmer, Gemälde, altes Porzellan und Waffen. Dann waren da die Zimmer, in denen Großpapa gestorben war und an denen die Kinder mit furchtsamen Blicken vorübergingen. »Wer war Großpapa?« fragte er, und sie erzählten ihm, daß er sehr alt gewesen und in einem Rollstuhl umhergefahren worden sei. Eines Tages zeigten sie ihm den Rollstuhl, der in einem Geräteschuppen stand und vermoderte, seitdem man den alten Herrn in die Kirche gefahren hatte, deren Turm sie über den Ulmen im Park schimmern sahen.   The house had been much improved even since the Baronet’s brief reign, and was pronounced by Becky to be perfect, charming, delightful, when she surveyed it in his company. As for little Rawdon, who examined it with the children for his guides, it seemed to him a perfect palace of enchantment and wonder. There were long galleries, and ancient state bedrooms, there were pictures and old China, and armour. There were the rooms in which Grandpapa died, and by which the children walked with terrified looks. “Who was Grandpapa?” he asked; and they told him how he used to be very old, and used to be wheeled about in a garden-chair, and they showed him the garden-chair one day rotting in the out-house in which it had lain since the old gentleman had been wheeled away yonder to the church, of which the spire was glittering over the park elms. Die Brüder waren mehrere Vormittage lang damit beschäftigt, die Verbesserungen zu besichtigen, die Sir Pitts Talent und Sparsamkeit bewirkt hatten. Während sie so gingen oder ritten und sich alles ansahen, konnten sie sich unterhalten, ohne einander zu sehr zu langweilen. Pitt trug stets Sorge, seinem Bruder zu erzählen, wieviel Geld diese Verbesserungen verschlungen hätten und daß ein Mann trotz Grundbesitz und Staatspapieren oft um zwanzig Pfund in Verlegenheit geraten könne. »Da ist zum Beispiel das neue Parktor«, sagte Pitt und deutete bescheiden mit dem Bambusstock darauf. »Ich kann es vor den Januarzinsen ebensowenig bezahlen, wie ich fliegen kann.«   The brothers had good occupation for several mornings in examining the improvements which had been effected by Sir Pitt’s genius and economy. And as they walked or rode, and looked at them, they could talk without too much boring each other. And Pitt took care to tell Rawdon what a heavy outlay of money these improvements had occasioned, and that a man of landed and funded property was often very hard pressed for twenty pounds. “There is that new lodge-gate,” said Pitt, pointing to it humbly with the bamboo cane, “I can no more pay for it before the dividends in January than I can fly.” »Bis dahin kann ich es dir borgen, Pitt«, antwortete Rawdon recht kläglich. Dann gingen sie und sahen sich das wiederhergestellte Pförtnerhäuschen an, wo das Familienwappen gerade neu in Stein gehauen wurde. Zum erstenmal seit langen Jahren hatte die alte Mrs. Lock dicht schließende Türen, ein festes Dach und unzerbrochene Fenster.   “I can lend you, Pitt, till then,” Rawdon answered rather ruefully; and they went in and looked at the restored lodge, where the family arms were just new scraped in stone, and where old Mrs. Lock, for the first time these many long years, had tight doors, sound roofs, and whole windows. 45. Kapitel / Chapter 45 Zwischen Hampshire und London / Between Hampshire and London Sir Pitt Crawley hatte für das Gut Queen's Crawley mehr getan, als Zäune geflickt und verfallene Pförtnerhäuschen wiederhergestellt. Als kluger Mann hatte er sich ans Werk gemacht, um die geschwundene Beliebtheit seines Hauses wieder zu gewinnen und die Löcher und brüchigen Stellen wieder auszubessern, mit denen sein verrufener, verschwenderischer alter Vorgänger den Namen hinterlassen hatte. Er wurde bald nach dem Tode seines Vaters für den Wahlflecken ins Parlament gewählt, und als Friedensrichter, Parlamentsabgeordneter einer vornehmen Grafschaft und Repräsentant einer alten Familie machte er es sich zur Pflicht, sich vor dem Hampshire-Publikum zu zeigen, reichliche Beiträge für die Wohltätigkeitsveranstaltungen der Grafschaft zu zeichnen, fleißig seine Nachbarn zu besuchen und, mit einem Wort, es darauf anzulegen, in Hampshire und später im ganzen Reich die Stellung zu erringen, für die ihn seiner Ansicht nach seine ungewöhnlichen Talente bestimmten. Lady Jane war angehalten, sich freundlich gegen die Fuddlestons, die Wapshots und die anderen bekannten Baronets der Nachbarschaft zu benehmen. Deren Kutschen konnte man jetzt häufig in der Allee von Queen's Crawley erblicken, sie speisten recht oft im Schloß (wo die Küche so gut war, daß Lady Jane offenbar nur selten die Hand im Spiel hatte), und Sir Pitt und seine Frau wiederum ließen sich weder durch Wetter noch Entfernungen abhalten, auswärts zu speisen. Wenn sich Pitt auch selbst nichts aus Gesellschaften machte, da er ein steifer Mensch von schlechter Gesundheit und geringem Appetit war, so meinte er doch, daß es in seiner Stellung unumgänglich nötig sei, gastfreundlich und leutselig aufzutreten, und jedesmal, wenn er vom langen Sitzen nach Tisch Kopfschmerzen bekommen hatte, fühlte er sich als Märtyrer seiner Pflicht. Er unterhielt sich mit den größten Landedelleuten über Ernten, Korngesetze und Politik. Er (der früher in diesen Fragen ein arger Freidenker gewesen war) sprach jetzt mit Feuereifer über Wilddieberei und Wildgehege. Er selbst jagte nicht, er war kein Jäger, sondern ein Mann der Bücher und friedlichen Gewohnheiten, aber er glaubte, daß man sich um die Pferdezucht auf dem Lande kümmern müsse und daß daher auch die Fuchszucht entwickelt werden müsse. Wenn sein Freund, Sir Huddleston Fuddleston, gern auf seinem Grund und Boden Fuchsjagden veranstalten wolle und Queen's Crawley wie in alten Zeiten Sammelplatz von Jägern und Meute sein solle, so schätzte er sich glücklich, ihn und seine Jagdgesellschaft dort zu begrüßen. Zu Lady Southdowns Entsetzen wurde er täglich orthodoxer. Er gab das öffentliche Predigen und den Besuch von religiösen Versammlungen auf, ging fleißig in die Kirche, besuchte den Bischof und die Geistlichkeit in Winchester und erhob keinen Einwand, wenn ihn der ehrwürdige Archidiakon Trumper zu einer Partie Whist einlud. Was für Qualen empfand wohl Lady Southdown und wie mag sie ihren Schwiegersohn als Verworfenen betrachtet haben, da er einer so gottlosen Zerstreuung frönte! Als der Baronet bei der Rückkehr der Familie von einem Oratorium in Winchester den jungen Damen ankündigte, daß er sie wahrscheinlich nächstes Jahr zu den Grafschaftsbällen mitnehmen werde, vergötterten sie ihn wegen seiner Güte. Lady Jane war nur zu gehorsam und vielleicht selbst froh, daß sie gehen durfte. Die verwitwete Gräfin sandte ihrer Tochter im Kapland, der Verfasserin der »Apfelfrau von Finchley«, die entsetzlichsten Schilderungen vom weltlichen Benehmen ihrer Tochter, und da ihr Haus in Brighton zu dieser Zeit leer stand, kehrte sie in den Badeort zurück, ohne daß ihre Kinder ihre Abwesenheit sehr bedauert hätten. Wir dürfen auch annehmen, daß Rebekka bei ihrem zweiten Besuch in Queen's Crawley nicht sonderlich bekümmert war, die Dame mit dem Arzneikasten nicht anzutreffen, obgleich sie der Lady einen Weihnachtsbrief schrieb, in dem sie sich Lady Southdown ehrerbietig ins Gedächtnis zurückrief, dankbar von der Freude sprach, die ihr die Unterhaltung mit der Lady bei ihrem letzten Besuch bereitet habe, sich über die Güte verbreitete, mit der die Lady sie im Krankenbett überschüttet habe, und erklärte, alles in Queen's Crawley erinnere sie an ihre abwesende Freundin.   Sir Pitt Crawley had done more than repair fences and restore dilapidated lodges on the Queen’s Crawley estate. Like a wise man he had set to work to rebuild the injured popularity of his house and stop up the gaps and ruins in which his name had been left by his disreputable and thriftless old predecessor. He was elected for the borough speedily after his father’s demise; a magistrate, a member of parliament, a county magnate and representative of an ancient family, he made it his duty to show himself before the Hampshire public, subscribed handsomely to the county charities, called assiduously upon all the county folk, and laid himself out in a word to take that position in Hampshire, and in the Empire afterwards, to which he thought his prodigious talents justly entitled him. Lady Jane was instructed to be friendly with the Fuddlestones, and the Wapshots, and the other famous baronets, their neighbours. Their carriages might frequently be seen in the Queen’s Crawley avenue now; they dined pretty frequently at the Hall (where the cookery was so good that it was clear Lady Jane very seldom had a hand in it), and in return Pitt and his wife most energetically dined out in all sorts of weather and at all sorts of distances. For though Pitt did not care for joviality, being a frigid man of poor hearth and appetite, yet he considered that to be hospitable and condescending was quite incumbent on-his station, and every time that he got a headache from too long an after-dinner sitting, he felt that he was a martyr to duty. He talked about crops, corn-laws, politics, with the best country gentlemen. He (who had been formerly inclined to be a sad free-thinker on these points) entered into poaching and game preserving with ardour. He didn’t hunt; he wasn’t a hunting man; he was a man of books and peaceful habits; but he thought that the breed of horses must be kept up in the country, and that the breed of foxes must therefore be looked to, and for his part, if his friend, Sir Huddlestone Fuddlestone, liked to draw his country and meet as of old the F. hounds used to do at Queen’s Crawley, he should be happy to see him there, and the gentlemen of the Fuddlestone hunt. And to Lady Southdown’s dismay too he became more orthodox in his tendencies every day; gave up preaching in public and attending meeting-houses; went stoutly to church; called on the Bishop and all the Clergy at Winchester; and made no objection when the Venerable Archdeacon Trumper asked for a game of whist. What pangs must have been those of Lady Southdown, and what an utter castaway she must have thought her son-in-law for permitting such a godless diversion! And when, on the return of the family from an oratorio at Winchester, the Baronet announced to the young ladies that he should next year very probably take them to the “county balls,” they worshipped him for his kindness. Lady Jane was only too obedient, and perhaps glad herself to go. The Dowager wrote off the direst descriptions of her daughter’s worldly behaviour to the authoress of the Washerwoman of Finchley Common at the Cape; and her house in Brighton being about this time unoccupied, returned to that watering-place, her absence being not very much deplored by her children. We may suppose, too, that Rebecca, on paying a second visit to Queen’s Crawley, did not feel particularly grieved at the absence of the lady of the medicine chest; though she wrote a Christmas letter to her Ladyship, in which she respectfully recalled herself to Lady Southdown’s recollection, spoke with gratitude of the delight which her Ladyship’s conversation had given her on the former visit, dilated on the kindness with which her Ladyship had treated her in sickness, and declared that everything at Queen’s Crawley reminded her of her absent friend. Zu einem großen Teil war das veränderte Benehmen und die Beliebtheit Sir Pitt Crawleys auf die Ratschläge der schlauen kleinen Dame von der Curzon Street zurückzuführen. »Sie und Baronet, bloßer Landedelmann bleiben!« hatte sie ihm erklärt, als er in London bei ihr zu Gast war. »Nein, Sir Pitt Crawley, ich kenne Sie besser; ich kenne Ihre Talente und Ihren Ehrgeiz; Sie glauben, daß Sie sie verbergen können, mir gegenüber gelingt Ihnen das aber nicht. Ich habe Lord Steyne Ihre Broschüre über das Malz gezeigt, er kannte sie schon und sagte, sie sei nach Ansicht des ganzen Kabinetts das Beste, was auf diesem Gebiet erschienen sei. Das Ministerium ist auf Sie aufmerksam geworden, und ich kenne Ihr Ziel. Sie wollen sich im Parlament auszeichnen; jeder sagt, Sie seien der fähigste Redner Englands (man erinnert sich nämlich noch Ihrer Reden in Oxford). Sie wollen Parlamentsabgeordneter für die Grafschaft werden, und dann können Sie mit Ihrer eigenen Stimme und Ihrem Wahlflecken hinter sich alles erreichen. Und Sie wollen Baron Crawley von Queen's Crawley werden, und das werden Sie auch, bevor Sie sterben. Ich weiß alles, ich habe es in Ihrem Herzen gelesen, Sir Pitt. Wenn ich einen Mann hätte, der neben Ihrem Namen auch noch Ihren Verstand besäße, dann, denke ich zuweilen, würde ich seiner nicht unwürdig sein – aber – aber jetzt bin ich Ihre Verwandte«, fügte sie lachend hinzu, »und wenn ich auch nur ein kleiner Habenichts bin, so besitze ich doch einigen Einfluß, und wer weiß – vielleicht kann eines Tages die Maus dem Löwen nützlich sein.« Pitt Crawley war über ihre Worte erstaunt und völlig hingerissen. »Wie mich diese Frau versteht«, sagte er, »ich habe Jane niemals dazu bewegen können, auch nur drei Seiten in der Malzbroschüre zu lesen. Sie hat keine Ahnung davon, daß ich außerordentliche Talente und geheimen Ehrgeiz besitze. So erinnern sie sich also meiner Reden in Oxford, diese Schufte? Jetzt, wo ich meinen Wahlflecken vertrete und den Parlamentssitz für die ganze Grafschaft erhalten kann, fangen sie an, sich meiner zu entsinnen. Lord Steyne hat mich voriges Jahr beim Empfang ganz einfach geschnitten. Jetzt kommen sie aber endlich langsam darauf, daß Pitt Crawley doch jemand ist. Der Mann, den diese Leute vernachlässigten, ist niemals anders gewesen. Es fehlte nur die günstige Gelegenheit, aber ich will ihnen zeigen, daß ich ebenso gut reden und handeln wie schreiben kann. Achilles offenbarte erst sein wahres Wesen, als man ihm das Schwert gab. Ich halte es jetzt, und die Welt soll noch von Pitt Crawley hören.«   A great part of the altered demeanour and popularity of Sir Pitt Crawley might have been traced to the counsels of that astute little lady of Curzon Street. “You remain a Baronet — you consent to be a mere country gentleman,” she said to him, while he had been her guest in London. “No, Sir Pitt Crawley, I know you better. I know your talents and your ambition. You fancy you hide them both, but you can conceal neither from me. I showed Lord Steyne your pamphlet on malt. He was familiar with it, and said it was in the opinion of the whole Cabinet the most masterly thing that had appeared on the subject. The Ministry has its eye upon you, and I know what you want. You want to distinguish yourself in Parliament; every one says you are the finest speaker in England (for your speeches at Oxford are still remembered). You want to be Member for the County, where, with your own vote and your borough at your back, you can command anything. And you want to be Baron Crawley of Queen’s Crawley, and will be before you die. I saw it all. I could read your heart, Sir Pitt. If I had a husband who possessed your intellect as he does your name, I sometimes think I should not be unworthy of him — but — but I am your kinswoman now,” she added with a laugh. “Poor little penniless, I have got a little interest — and who knows, perhaps the mouse may be able to aid the lion.” Pitt Crawley was amazed and enraptured with her speech. “How that woman comprehends me!” he said. “I never could get Jane to read three pages of the malt pamphlet. She has no idea that I have commanding talents or secret ambition. So they remember my speaking at Oxford, do they? The rascals! Now that I represent my borough and may sit for the county, they begin to recollect me! Why, Lord Steyne cut me at the levee last year; they are beginning to find out that Pitt Crawley is some one at last. Yes, the man was always the same whom these people neglected: it was only the opportunity that was wanting, and I will show them now that I can speak and act as well as write. Achilles did not declare himself until they gave him the sword. I hold it now, and the world shall yet hear of Pitt Crawley.” Deshalb war also der schlaue Diplomat so gastfreundlich geworden, so freigebig gegen Oratorien und Spitäler, so freundlich gegen Dekane und Geistliche, so großzügig im Geben und Besuchen von Diners, so ungemein gnädig gegen die Landleute an Markttagen und so interessiert an Grafschaftsangelegenheiten, und deshalb war das Weihnachtsfest im Schloß das fröhlichste, das man seit langem dort erlebt hatte.   Therefore it was that this roguish diplomatist has grown so hospitable; that he was so civil to oratorios and hospitals; so kind to Deans and Chapters; so generous in giving and accepting dinners; so uncommonly gracious to farmers on market-days; and so much interested about county business; and that the Christmas at the Hall was the gayest which had been known there for many a long day. Am ersten Feiertag fand ein großes Familientreffen statt. Alle Crawleys aus dem Pfarrhaus kamen zum Essen. Rebekka war gegenüber Mrs. Bute so freundlich und offen, als ob diese nie ihre Feindin gewesen wäre. Sie zeigte liebevolles Interesse für die Mädchen, war überrascht über die Fortschritte in der Musik, die sie inzwischen gemacht hatten, und bestand darauf, daß eins der Duette aus den großen Liederbüchern, die James brummend aus dem Pfarrhaus hatte mitschleppen müssen, wiederholt wurde. Mrs. Bute mußte also wohl oder übel gegenüber der kleinen Abenteuerin Anstand bewahren, was sie nicht davon abhielt, später mit ihren Töchtern über die unangebrachte Achtung zu sprechen, die Sir Pitt seiner Schwägerin erwies. James jedoch, der bei Tisch neben ihr gesessen hatte, erklärte, sie sei ein Prachtweib. Aber die ganze Pfarrersfamilie war sich einig, daß der kleine Rawdon ein netter Junge sei. Sie respektierten in dem Knaben den möglichen Baronet, denn zwischen ihm und dem Titel stand nur der kleine, kränkliche, blasse Pitt Binkie.   On Christmas Day a great family gathering took place. All the Crawleys from the Rectory came to dine. Rebecca was as frank and fond of Mrs. Bute as if the other had never been her enemy; she was affectionately interested in the dear girls, and surprised at the progress which they had made in music since her time, and insisted upon encoring one of the duets out of the great song-books which Jim, grumbling, had been forced to bring under his arm from the Rectory. Mrs. Bute, perforce, was obliged to adopt a decent demeanour towards the little adventuress — of course being free to discourse with her daughters afterwards about the absurd respect with which Sir Pitt treated his sister-in-law. But Jim, who had sat next to her at dinner, declared she was a trump, and one and all of the Rector’s family agreed that the little Rawdon was a fine boy. They respected a possible baronet in the boy, between whom and the title there was only the little sickly pale Pitt Binkie. Die Kinder waren sehr gute Freunde. Pitt Binkie war ein zu kleines Hündchen, als daß ein so großer Hund wie Rawdon mit ihm gespielt hätte, und Matilda, die ja nur ein Mädchen war, gab natürlich keinen passenden Spielgefährten für einen jungen Mann von fast acht Jahren ab, der bald einen Anzug tragen würde. Er übernahm sofort das Kommando über die winzige Abteilung, und der kleine Knabe und das kleine Mädchen folgten ihm ehrerbietig, wenn er sich herabließ, mit ihnen zu spielen. Das Leben auf dem Lande bereitete ihm Glück und Freude. Der Küchengarten gefiel ihm sehr, die Blumen weniger, aber die Tauben und das Geflügel und die Ställe entzückten ihn ungemein, wenn er sie aufsuchen durfte. Von den beiden Miss Crawley ließ er sich nicht küssen, er erlaubte aber Lady Jane zuweilen, ihn zu umarmen. Wenn das Signal für den Salon gegeben war und die Damen die Herren beim Rotwein zurückließen, setzte er sich lieber neben sie als neben seine Mutter. Rebekka, die bemerkt hatte, daß Zärtlichkeit hier Mode war, hatte Rawdon eines Abends zu sich gerufen, sich zu ihm gebeugt und ihn in Gegenwart aller Damen geküßt.   The children were very good friends. Pitt Binkie was too little a dog for such a big dog as Rawdon to play with; and Matilda being only a girl, of course not fit companion for a young gentleman who was near eight years old, and going into jackets very soon. He took the command of this small party at once — the little girl and the little boy following him about with great reverence at such times as he condescended to sport with them. His happiness and pleasure in the country were extreme. The kitchen garden pleased him hugely, the flowers moderately, but the pigeons and the poultry, and the stables when he was allowed to visit them, were delightful objects to him. He resisted being kissed by the Misses Crawley, but he allowed Lady Jane sometimes to embrace him, and it was by her side that he liked to sit when, the signal to retire to the drawing-room being given, the ladies left the gentlemen to their claret — by her side rather than by his mother. For Rebecca, seeing that tenderness was the fashion, called Rawdon to her one evening and stooped down and kissed him in the presence of all the ladies. Nach dieser Tat zitterte er, wurde rot, wie stets, wenn er erregt war, und blickte ihr gerade ins Gesicht. »Zu Hause küßt du mich nie, Mama!« sagte er, worauf ein allgemeines bestürztes Schweigen entstand und Rebekkas Blick einen keineswegs angenehmen Ausdruck bekam.   He looked her full in the face after the operation, trembling and turning very red, as his wont was when moved. “You never kiss me at home, Mamma,” he said, at which there was a general silence and consternation and a by no means pleasant look in Becky’s eyes. Rawdon liebte seine Schwägerin wegen ihrer Zuneigung zu seinem Sohn. Lady Jane und Becky vertrugen sich bei diesem Besuch nicht ganz so gut wie bei dem vorherigen, wo es die Frau des Obersten darauf angelegt hatte zu gefallen. Die Bemerkungen des Kindes hatten sie etwas entfremdet. Vielleicht war Sir Pitt auch etwas zu aufmerksam gegenüber der Schwägerin.   Rawdon was fond of his sister-in-law, for her regard for his son. Lady Jane and Becky did not get on quite so well at this visit as on occasion of the former one, when the Colonel’s wife was bent upon pleasing. Those two speeches of the child struck rather a chill. Perhaps Sir Pitt was rather too attentive to her. Rawdon war entsprechend seinem Alter und seiner Größe lieber in Männergesellschaft als unter Frauen. Er wurde es nie müde, seinen Vater zu den Ställen zu begleiten, wohin sich der Oberst zurückzog, um seine Zigarre zu rauchen. James, der Pfarrerssohn, schloß sich bei diesen und anderen Vergnügungen zuweilen seinem Vetter an. Er und der Wildhüter des Baronets waren dicke Freunde. Ihre gemeinsame Vorliebe für Hunde hatte sie zusammengebracht. An einem Tag gingen Mr. James, der Oberst und Horn, der Wildhüter, auf die Fasanenjagd und nahmen den kleinen Rawdon mit. An einem anderen schönen Morgen vergnügten sich die vier Herren mit einer Rattenjagd in einer Scheune, und das war die herrlichste Belustigung, die Rawdon je gesehen hatte. Sie verstopften die Ausgänge gewisser Abzugslöcher in der Scheune und steckten in die Öffnungen auf der anderen Seite Frettchen. Dann warteten sie etwas abseits schweigend mit erhobenen Stöcken, während ein eifriger kleiner Terrier (Mr. James' berühmter Hund »Zange«), atemlos vor Aufregung, unbeweglich auf drei Beinen auf das schwache Quieken der Ratten unten lauschte. Mit dem Mut der Verzweiflung stürzten endlich die verfolgten Tiere aus ihren Löchern hervor, der Terrier erledigte eine, der Wildhüter eine andere, Rawdon verfehlte in der Aufregung seine Ratte, tötete dafür aber beinahe ein Frettchen.   But Rawdon, as became his age and size, was fonder of the society of the men than of the women, and never wearied of accompanying his sire to the stables, whither the Colonel retired to smoke his cigar — Jim, the Rector’s son, sometimes joining his cousin in that and other amusements. He and the Baronet’s keeper were very close friends, their mutual taste for “dawgs” bringing them much together. On one day, Mr. James, the Colonel, and Horn, the keeper, went and shot pheasants, taking little Rawdon with them. On another most blissful morning, these four gentlemen partook of the amusement of rat-hunting in a barn, than which sport Rawdon as yet had never seen anything more noble. They stopped up the ends of certain drains in the barn, into the other openings of which ferrets were inserted, and then stood silently aloof, with uplifted stakes in their hands, and an anxious little terrier (Mr. James’s celebrated “dawg” Forceps, indeed) scarcely breathing from excitement, listening motionless on three legs, to the faint squeaking of the rats below. Desperately bold at last, the persecuted animals bolted above-ground — the terrier accounted for one, the keeper for another; Rawdon, from flurry and excitement, missed his rat, but on the other hand he half-murdered a ferret. Der größte Tag aber war der, an dem Sir Huddleston Fuddlestons Hunde auf dem Rasen in Queen's Crawley zusammenkamen.   But the greatest day of all was that on which Sir Huddlestone Fuddlestone’s hounds met upon the lawn at Queen’s Crawley. Dies war ein packender Anblick für den kleinen Rawdon. Um halb elf sieht man Tom Moody, Sir Huddleston Fuddlestons Jäger, die Allee heraufgaloppieren, hinter ihm die Meute edler Hunde. Den Nachtrab kommandieren zwei Piköre in gefleckten scharlachroten Röcken – leichte Burschen mit harten Gesichtern auf schlanken rassigen Pferden. Sie besitzen eine Geschicklichkeit, mit den Enden ihrer langen schweren Peitschen die dünnste Stelle der Haut eines Hundes zu erreichen, der es wagt, sich von den anderen zu entfernen oder die geringste Notiz, sei es auch nur mit einem Augenzwinkern, von den Hasen und Kaninchen zu nehmen, die vor seiner Nase aufspringen.   That was a famous sight for little Rawdon. At half-past ten, Tom Moody, Sir Huddlestone Fuddlestone’s huntsman, was seen trotting up the avenue, followed by the noble pack of hounds in a compact body — the rear being brought up by the two whips clad in stained scarlet frocks — light hard-featured lads on well-bred lean horses, possessing marvellous dexterity in casting the points of their long heavy whips at the thinnest part of any dog’s skin who dares to straggle from the main body, or to take the slightest notice, or even so much as wink, at the hares and rabbits starting under their noses. Als nächster folgt der kleine Jack, Tom Moodys Sohn, der fünfundsechzig Pfund wiegt und einen Meter und zwanzig mißt und nie größer werden wird. Er thront auf einem großen, grobknochigen Jagdpferd, das von einem mächtigen Sattel beinahe bedeckt wird. Dieses Tier ist Sir Huddleston Fuddlestons Lieblingspferd »Nobel«. Andere Pferde, von anderen kleinen Jungen geritten, kommen nach und nach an und erwarten ihre Herren, die bald heransprengen werden.   Next comes boy Jack, Tom Moody’s son, who weighs five stone, measures eight-and-forty inches, and will never be any bigger. He is perched on a large raw-boned hunter, half-covered by a capacious saddle. This animal is Sir Huddlestone Fuddlestone’s favourite horse the Nob. Other horses, ridden by other small boys, arrive from time to time, awaiting their masters, who will come cantering on anon. Tom Moody reitet an die Schloßpforte und wird dort vom Butler begrüßt, der ihm einen Trunk anbietet. Er lehnt jedoch ab. Er zieht sich sodann mit der Meute zu einer geschützten Ecke des Rasens zurück, wo sich die Hunde auf dem Grase wälzen, spielen oder einander zornig anknurren. Ab und zu entsteht ein wütender Kampf, den Tom mit seiner beim Schelten unvergleichlichen Stimme oder mit der geschmeidigen Peitsche schnell schlichtet.   Tom Moody rides up to the door of the Hall, where he is welcomed by the butler, who offers him drink, which he declines. He and his pack then draw off into a sheltered corner of the lawn, where the dogs roll on the grass, and play or growl angrily at one another, ever and anon breaking out into furious fight speedily to be quelled by Tom’s voice, unmatched at rating, or the snaky thongs of the whips. Nach und nach erscheinen die Jäger, gefolgt von Jungen der Gattung Jack. Die jungen Herren traben auf reinrassigen Gäulen heran, mit Gamaschen bis zu den Knien. Einige treten ins Haus, um einen Cherry Brandy zu trinken oder den Damen ihre Aufwartung zu machen, andere, bescheidener und sportlicher, entledigen sich ihrer Wasserstiefel, wechseln ihre Gäule gegen ihre Jagdpferde aus und machen sie durch einen kleinen vorläufigen Galopp rund um den Rasen warm. Dann versammeln sie sich um die Meute in der Ecke und unterhalten sich mit Tom Moody über frühere Jagden und die Vorzüge von »Schnüffler« und »Diamant« und die Lage im Lande und die elende Fuchszucht.   Many young gentlemen canter up on thoroughbred hacks, spatter-dashed to the knee, and enter the house to drink cherry-brandy and pay their respects to the ladies, or, more modest and sportsmanlike, divest themselves of their mud-boots, exchange their hacks for their hunters, and warm their blood by a preliminary gallop round the lawn. Then they collect round the pack in the corner and talk with Tom Moody of past sport, and the merits of Sniveller and Diamond, and of the state of the country and of the wretched breed of foxes. Bald kommt auch Sir Huddleston auf einem kleinen, kräftigen beweglichen Pferd zum Schloß geritten, tritt ein und begrüßt die Damen höflich. Dann geht er, ein Mann von wenig Worten, zum Geschäftlichen über. Die Hunde werden vor das Schloßtor gebracht, und der kleine Rawdon mischt sich darunter, aufgeregt und etwas ängstlich wegen der Liebkosungen, die sie ihm erweisen, ihrer um ihn herumwedelnden Schwänze und ihrer Hundestreitereien, die Tom Moody mit Zunge und Peitsche kaum eindämmen kann.   Sir Huddlestone presently appears mounted on a clever cob and rides up to the Hall, where he enters and does the civil thing by the ladies, after which, being a man of few words, he proceeds to business. The hounds are drawn up to the hall-door, and little Rawdon descends amongst them, excited yet half-alarmed by the caresses which they bestow upon him, at the thumps he receives from their waving tails, and at their canine bickerings, scarcely restrained by Tom Moody’s tongue and lash. Mittlerweile ist Sir Huddleston schwerfällig auf den »Nobel« geklettert. »Wir wollen mal in Sowsters Buschwerk probieren, Tom«, sagt der Baronet, »Pächter Mangle hat mir gesagt, daß da zwei Füchse drin sind.« Tom stößt ins Horn und trabt ab, gefolgt von der Meute, den Pikören, den jungen Herren aus Winchester, den Pächtern aus der Nachbarschaft und den Tagelöhnern der Gemeinde zu Fuße, für die es ein großer Festtag ist. Die Nachhut bilden Sir Huddleston und Oberst Crawley, und die ganze cortège verschwindet durch die Allee.   Meanwhile, Sir Huddlestone has hoisted himself unwieldily on the Nob: “Let’s try Sowster’s Spinney, Tom,” says the Baronet, “Farmer Mangle tells me there are two foxes in it.” Tom blows his horn and trots off, followed by the pack, by the whips, by the young gents from Winchester, by the farmers of the neighbourhood, by the labourers of the parish on foot, with whom the day is a great holiday, Sir Huddlestone bringing up the rear with Colonel Crawley, and the whole cortege disappears down the avenue. Ehrwürden Bute Crawley ist zu bescheiden, sich bei dem öffentlichen Treffen unter den Fenstern seines Neffen zu zeigen (Tom Moody erinnert sich noch seiner vor vierzig Jahren, als er ein dünner Theologe war, der die wildesten Pferde ritt, die breitesten Bäche und die neuesten Tore im Lande übersprang). Ehrwürden reitet aber auf seinem mächtigen Rappen zufällig aus dem Weg heraus, der zum Pfarrhaus führt, gerade als Sir Huddleston vorbeikommt, und schließt sich dem würdigen Baronet an. Hunde und Reiter verschwinden, und der kleine Rawdon bleibt staunend und glücklich auf der Türschwelle zurück.   The Reverend Bute Crawley (who has been too modest to appear at the public meet before his nephew’s windows), whom Tom Moody remembers forty years back a slender divine riding the wildest horses, jumping the widest brooks, and larking over the newest gates in the country — his Reverence, we say, happens to trot out from the Rectory Lane on his powerful black horse just as Sir Huddlestone passes; he joins the worthy Baronet. Hounds and horsemen disappear, and little Rawdon remains on the doorsteps, wondering and happy. Im Verlauf dieser denkwürdigen Ferien hat der kleine Rawdon die Zuneigung seiner verheirateten und unverheirateten Tanten, der beiden Kleinen im Schloß und die von James aus dem Pfarrershaus gewonnen, wenn er auch keine besondere Vorliebe für seinen furchterregenden kühlen Onkel gefaßt hat, der sich, in Rechtsgeschäfte vertieft oder von Gerichtsdienern und Pächtern umgeben, in seinem Studierzimmer einschloß. Sir Pitt ermuntert James, um eine der beiden jungen Damen zu werben, zweifellos unter der stillschweigenden Voraussetzung, daß er die Pfründe erhalten solle, sobald sie der alte Fuchsjäger, sein Vater, aufgeben werde. James selbst hat sich von diesem Sport zurückgezogen und begnügt sich während der Weihnachtsfeiertage mit der harmlosen Enten- und Schnepfenjagd oder dieser ruhigen Rattenangelegenheit. Danach will er wieder auf die Universität zurückkehren, um erneut einen Versuch zu machen, nicht durchs Examen zu fallen. Er vermeidet bereits die grünen Röcke und roten Halstücher und anderen weltlichen Schmuck und bereitet sich auf eine Veränderung in seinen Verhältnissen vor. Auf diese billige und sparsame Weise versucht Sir Pitt, seine Schulden an die Familie zu begleichen.   During the progress of this memorable holiday, little Rawdon, if he had got no special liking for his uncle, always awful and cold and locked up in his study, plunged in justice-business and surrounded by bailiffs and farmers — has gained the good graces of his married and maiden aunts, of the two little folks of the Hall, and of Jim of the Rectory, whom Sir Pitt is encouraging to pay his addresses to one of the young ladies, with an understanding doubtless that he shall be presented to the living when it shall be vacated by his fox-hunting old sire. Jim has given up that sport himself and confines himself to a little harmless duck- or snipe-shooting, or a little quiet trifling with the rats during the Christmas holidays, after which he will return to the University and try and not be plucked, once more. He has already eschewed green coats, red neckcloths, and other worldly ornaments, and is preparing himself for a change in his condition. In this cheap and thrifty way Sir Pitt tries to pay off his debt to his family. Ehe noch diese fröhliche Weihnachtszeit vorüber war, hatte der Baronet auch Mut gefaßt, seinem Bruder einen zweiten Scheck zu geben, und zwar auf die nicht geringe Summe von hundert Pfund. Diese Tat bereitete ihm anfangs entsetzliche Qualen, später aber glühte er bei dem Gedanken, daß er sich nun als einen der großmütigsten Menschen betrachten konnte. Rawdon und sein Sohn schieden schweren Herzens. Der Abschied zwischen Becky und den Damen verlief jedoch ganz munter. Unsere Freundin kehrte nach London zurück, um die Beschäftigungen wiederaufzunehmen, bei der wir sie am Anfang dieses Kapitels antrafen. Unter ihrer Aufsicht war das Haus der Crawleys in der Great Gaunt Street direkt wieder jung geworden und zur Aufnahme Sir Pitts und seiner Familie bereit. Dann kam der Baronet nach London, um seinen Parlamentspflichten zu genügen und die Stellung im Vaterlande einzunehmen, für die ihn sein großer Genius befähigte.   Also before this merry Christmas was over, the Baronet had screwed up courage enough to give his brother another draft on his bankers, and for no less a sum than a hundred pounds, an act which caused Sir Pitt cruel pangs at first, but which made him glow afterwards to think himself one of the most generous of men. Rawdon and his son went away with the utmost heaviness of heart. Becky and the ladies parted with some alacrity, however, and our friend returned to London to commence those avocations with which we find her occupied when this chapter begins. Under her care the Crawley House in Great Gaunt Street was quite rejuvenescent and ready for the reception of Sir Pitt and his family, when the Baronet came to London to attend his duties in Parliament and to assume that position in the country for which his vast genius fitted him. Während der ersten Sitzungsperiode verhehlte der alte Heuchler seine Pläne und machte den Mund nur auf, um eine Petition von Mudbury vorzubringen. Aber er besuchte fleißig die Sitzungen und machte sich mit den Sitten und dem Geschäftsgang des Hauses vertraut. Daheim widmete er sich ganz und gar dem Studium der Blaubücher – sehr zum Schrecken und zur Bewunderung von Lady Jane, die befürchtete, er –werde sich durch späte Schlafengehen und seinen ungeheuren Fleiß noch umbringen. Er machte sich mit den Ministern und Häuptern seiner Partei bekannt und war fest entschlossen, ehe ein paar Jahre ins Land gegangen waren, einer von ihnen zu sein.   For the first session, this profound dissembler hid his projects and never opened his lips but to present a petition from Mudbury. But he attended assiduously in his place and learned thoroughly the routine and business of the House. At home he gave himself up to the perusal of Blue Books, to the alarm and wonder of Lady Jane, who thought he was killing himself by late hours and intense application. And he made acquaintance with the ministers, and the chiefs of his party, determining to rank as one of them before many years were over. Lady Janes Freundlichkeit und Milde hatten in Rebekka solche Verachtung gegenüber der Lady erweckt, daß es der kleinen Frau direkt schwer wurde, sie zu verbergen. Die gütige und einfache Art von Lady Jane ärgerte unsere Freundin Becky, und zeitweise war es ihr unmöglich, die andere ihre Verachtung nicht wenigstens ahnen zu lassen. Auch Lady Jane war Rebekkas Gegenwart unbehaglich. Ihr Gatte sprach beständig nur mit Becky, sie schienen Zeichen des Einverständnisses auszutauschen, und Pitt besprach mit ihr Themen, die er gegenüber seiner Frau nie auch nur erwähnte. Sie verstand zwar nichts davon, aber es war kränkend, still sein zu müssen, noch kränkender, zu wissen, daß man nichts sagen konnte, und zuzuhören, wie die kecke kleine Mrs. Rawdon von einem Gegenstand zum anderen flatterte, stets Worte fand und einen Scherz zur Hand hatte, und dabei im eigenen Haus allein am Kamin zu sitzen und mit ansehen zu müssen, wie sich alle Männer um die Rivalin drängten.   Lady Jane’s sweetness and kindness had inspired Rebecca with such a contempt for her ladyship as the little woman found no small difficulty in concealing. That sort of goodness and simplicity which Lady Jane possessed annoyed our friend Becky, and it was impossible for her at times not to show, or to let the other divine, her scorn. Her presence, too, rendered Lady Jane uneasy. Her husband talked constantly with Becky. Signs of intelligence seemed to pass between them, and Pitt spoke with her on subjects on which he never thought of discoursing with Lady Jane. The latter did not understand them, to be sure, but it was mortifying to remain silent; still more mortifying to know that you had nothing to say, and hear that little audacious Mrs. Rawdon dashing on from subject to subject, with a word for every man, and a joke always pat; and to sit in one’s own house alone, by the fireside, and watching all the men round your rival. Wenn Lady Jane in Queen's Crawley den Kindern, die sich um ihre Knie scharten, Märchen erzählte (auch der kleine Rawdon war dabei, der sie sehr liebte) und Becky mit verächtlichem Lächeln und Hohn in den grünen Augen ins Zimmer trat, verstummte die arme Lady Jane sogleich. Ihre einfachen kleinen Phantasiegebilde entwichen zitternd wie die Fee im Märchenbuch vor einem mächtigen bösen Engel. Sie konnte nicht weitererzählen, obwohl Rebekka mit fast unmerklichem Spott in der Stimme bat, doch in der bezaubernden Geschichte fortzufahren. Mrs. Rawdon widerten milde Gedanken und einfache Freuden an, sie stimmten nicht mit ihrem Wesen überein. Sie haßte die Menschen, die Gefallen daran fanden. Kinder und Kinderfreunde wies sie verächtlich von sich. »Ich finde keinen Geschmack an Butterbrot«, pflegte sie zu sagen, wenn sie Lady Jane und ihre Art vor Lord Steyne karikierte.   In the country, when Lady Jane was telling stories to the children, who clustered about her knees (little Rawdon into the bargain, who was very fond of her), and Becky came into the room, sneering with green scornful eyes, poor Lady Jane grew silent under those baleful glances. Her simple little fancies shrank away tremulously, as fairies in the story-books, before a superior bad angel. She could not go on, although Rebecca, with the smallest inflection of sarcasm in her voice, besought her to continue that charming story. And on her side gentle thoughts and simple pleasures were odious to Mrs. Becky; they discorded with her; she hated people for liking them; she spurned children and children-lovers. “I have no taste for bread and butter,” she would say, when caricaturing Lady Jane and her ways to my Lord Steyne. »Ebensowenig wie eine gewisse Person am Weihwasser«, entgegnete der Lord und verbeugte sich grinsend. Dann lachte er mißtönend auf.   “No more has a certain person for holy water,” his lordship replied with a bow and a grin and a great jarring laugh afterwards. Die beiden Damen sahen also einander nicht oft, abgesehen von den Gelegenheiten, wo die Frau des jüngeren Bruders von der anderen etwas wollte und sie deshalb besuchte. Sie nannten sich weiterhin fleißig »meine Liebe« und »meine Teure«, gingen sich aber gewöhnlich aus dem Wege, während Sir Pitt, trotz seiner vielfältigen Beschäftigungen, doch Zeit fand, seine Schwägerin zu sehen.   So these two ladies did not see much of each other except upon those occasions when the younger brother’s wife, having an object to gain from the other, frequented her. They my-loved and my-deared each other assiduously, but kept apart generally, whereas Sir Pitt, in the midst of his multiplied avocations, found daily time to see his sister-in-law. Das erste Diner des Unterhauspräsidenten nahm Sir Pitt zum Anlaß, um sich seiner Schwägerin in Uniform vorzustellen  – in dem alten Diplomatenanzug, den er als Attache bei der Gesandtschaft in Pumpernickel getragen hatte.   On the occasion of his first Speaker’s dinner, Sir Pitt took the opportunity of appearing before his sister-in-law in his uniform — that old diplomatic suit which he had worn when attache to the Pumpernickel legation. Becky machte ihm viele Komplimente über diese Kleidung und bewunderte ihn fast ebenso wie seine Frau und die Kinder, denen er sich vor dem. Weggang gezeigt hatte. Sie erklärte, nur reiner Adel könne das Hofkleid mit Vorteil tragen und nur denen aus altem Geschlecht stehe die culotte court. Pitt blickte selbstgefällig auf seine Beine, die in Wirklichkeit nicht mehr Symmetrie oder Rundungen besaßen als der dünne Hofdegen an seiner Seite; er blickte auf seine Beine und glaubte im Innern, er sei unwiderstehlich.   Becky complimented him upon that dress and admired him almost as much as his own wife and children, to whom he displayed himself before he set out. She said that it was only the thoroughbred gentleman who could wear the Court suit with advantage: it was only your men of ancient race whom the culotte courte became. Pitt looked down with complacency at his legs, which had not, in truth, much more symmetry or swell than the lean Court sword which dangled by his side — looked down at his legs, and thought in his heart that he was killing. Als er fort war, zeichnete Mrs. Becky eine Karikatur von ihm und zeigte sie Lord Steyne, als dieser am Abend kam. Der Lord, begeistert von der Ähnlichkeit, nahm die Skizze mit. Er hatte Sir Pitt Crawley die Ehre erwiesen, ihn bei Mrs. Rawdon zu treffen, und war außerordentlich gnädig gegenüber dem neuen Baronet und Parlamentsmitglied gewesen. Pitt war betroffen, wie unterwürfig dieser hohe Adlige seine Schwägerin behandelte, wie leicht und geistvoll sie die Unterhaltung zu führen wußte und wie entzückt die anderen Männer der Gesellschaft ihrem Geplauder lauschten. Lord Steyne zweifelte nicht daran, daß der Baronet erst am Anfang seiner Laufbahn im öffentlichen Leben stehe, und war ungeduldig, ihn als Redner zu hören. Da sie Nachbarn waren (die Great Gaunt Street mündet doch auf den Gaunt Square, und Gaunt-Haus bildet bekanntlich eine Seite davon), so hoffte der Lord, daß Lady Steyne, sobald sie in London ankäme, die Ehre haben werde, Lady Crawleys Bekanntschaft zu machen. Er gab nach ein paar Tagen sogar eine Karte bei seinem Nachbarn ab, diesem Nachbarn, von dem weder er noch seine Vorgänger je Notiz genommen hatten, obgleich sie schon ein Jahrhundert lang nebeneinander gelebt hatten.   When he was gone, Mrs. Becky made a caricature of his figure, which she showed to Lord Steyne when he arrived. His lordship carried off the sketch, delighted with the accuracy of the resemblance. He had done Sir Pitt Crawley the honour to meet him at Mrs. Becky’s house and had been most gracious to the new Baronet and member. Pitt was struck too by the deference with which the great Peer treated his sister-in-law, by her ease and sprightliness in the conversation, and by the delight with which the other men of the party listened to her talk. Lord Steyne made no doubt but that the Baronet had only commenced his career in public life, and expected rather anxiously to hear him as an orator; as they were neighbours (for Great Gaunt Street leads into Gaunt Square, whereof Gaunt House, as everybody knows, forms one side) my lord hoped that as soon as Lady Steyne arrived in London she would have the honour of making the acquaintance of Lady Crawley. He left a card upon his neighbour in the course of a day or two, having never thought fit to notice his predecessor, though they had lived near each other for near a century past. Inmitten dieser Intrigen und feinen Gesellschaften und klugen und glänzenden Persönlichkeiten fühlte sich Rawdon täglich einsamer. Er durfte öfter in den Klub gehen, mit befreundeten Junggesellen auswärts speisen und kommen und gehen, wann er wollte, ohne daß jemals eine Frage gestellt wurde. Oft ging er mit dem kleinen Rawdon zur Gaunt Street und besuchte die Lady und die Kinder, während Sir Pitt unterwegs zum Parlament oder auf dem Rückweg bei Rebekka vorsprach.   In the midst of these intrigues and fine parties and wise and brilliant personages Rawdon felt himself more and more isolated every day. He was allowed to go to the club more; to dine abroad with bachelor friends; to come and go when he liked, without any questions being asked. And he and Rawdon the younger many a time would walk to Gaunt Street and sit with the lady and the children there while Sir Pitt was closeted with Rebecca, on his way to the House, or on his return from it. Der ehemalige Oberst saß oft stundenlang schweigend im Hause seines Bruders und dachte und tat sowenig wie möglich. Er war froh, wenn man ihm etwas zu erledigen gab, zum Beispiel Erkundigungen über ein Pferd oder einen Dienstboten einzuholen oder beim Essen den Kindern den Hammelbraten vorzuschneiden. Er war zur Trägheit und Unterwürfigkeit verschüchtert worden. Delila hatte ihn gefangen und ihm das Haar abgeschnitten. Das kühne und sorglose junge Blut von vor zehn Jahren war unterjocht und in einen trägen, unterwürfigen, beleibten Herrn mittleren Alters verwandelt worden.   The ex-Colonel would sit for hours in his brother’s house very silent, and thinking and doing as little as possible. He was glad to be employed of an errand; to go and make inquiries about a horse or a servant, or to carve the roast mutton for the dinner of the children. He was beat and cowed into laziness and submission. Delilah had imprisoned him and cut his hair off, too. The bold and reckless young blood of ten-years back was subjugated and was turned into a torpid, submissive, middle-aged, stout gentleman. Die arme Lady Jane wußte, daß Rebekka ihr den Mann weggefangen hatte, obwohl sie und Mrs. Rawdon immer, wenn sie sich trafen, einander mit »meine Liebe« und »meine Teure« anredeten.   And poor Lady Jane was aware that Rebecca had captivated her husband, although she and Mrs. Rawdon my-deared and my-loved each other every day they met. 46. Kapitel / Chapter 46 Kämpfe und Prüfungen / Struggles and Trials Unsere Freunde in Brompton verbrachten inzwischen Weihnachten auf ihre Weise und keineswegs zu fröhlich.   Our friends at Brompton were meanwhile passing their Christmas after their fashion and in a manner by no means too cheerful. Von den hundert Pfund, auf die sich das Einkommen der Witwe Osborne ungefähr belief, gab sie fast drei Viertel ihren Eltern, damit sie die Ausgaben für sich und ihren kleinen Knaben bestreiten konnten. Mit weiteren hundertzwanzig Pfund, die Joseph schickte, konnte die vierköpfige Familie leidlich bequem auskommen und den Kopf über Wasser halten. Sie wurden versorgt von einem irischen Dienstmädchen, das auch für Clapp arbeitete. Sie waren trotz aller Stürme und Enttäuschungen ihres früheren Lebens sogar noch immer in der Lage, einem Freund eine Tasse Tee anzubieten. Sedley bewahrte immer noch eine gewisse Überlegenheit in den Augen der Familie von Mr. Clapp, seinem früheren Angestellten. Clapp erinnerte sich noch der Zeit, da er an der reichbesetzten Tafel des Kaufmanns am Russell Square auf der Kante des Stuhls saß und ein Glas auf die Gesundheit von Mrs. Sedley, Miss Emmy und Mr. Joseph in Indien leerte. Die Zeit erhöhte noch den Glanz dieser Erinnerungen im Herzen des ehrlichen alten Angestellten. Jedesmal, wenn er aus seinem Zimmer neben der Küche in das Wohnzimmer heraufkam, um mit Mr. Sedley Tee oder Grog zu trinken, pflegte er zu sagen: »So etwas waren Sie früher nicht gewohnt, Sir«, und er trank auf die Gesundheit der Damen ebenso ernst und ehrfurchtsvoll wie in den Tagen ihres größten Glückes. Er hielt Miss Amelias Klavierspiel für die himmlischste Musik, die je zu hören war, und sie selbst für die feinste Dame. Er setzte sich sogar im Klub nie vor Sedley hin, und kein Mitglied der Gesellschaft durfte den Herrn schmähen. Er habe gesehen, wie die bedeutendsten Männer Londons Mr. Sedley die Hand geschüttelt hätten, sagte er. Er habe ihn in Zeiten gekannt, wo man Rothschild täglich auf der Börse mit ihm hätte erblicken können, und er selbst verdanke ihm alles.   Out of the hundred pounds a year, which was about the amount of her income, the Widow Osborne had been in the habit of giving up nearly three-fourths to her father and mother, for the expenses of herself and her little boy. With #120 more, supplied by Jos, this family of four people, attended by a single Irish servant who also did for Clapp and his wife, might manage to live in decent comfort through the year, and hold up their heads yet, and be able to give a friend a dish of tea still, after the storms and disappointments of their early life. Sedley still maintained his ascendency over the family of Mr. Clapp, his ex-clerk. Clapp remembered the time when, sitting on the edge of the chair, he tossed off a bumper to the health of “Mrs. S — , Miss Emmy, and Mr. Joseph in India,” at the merchant’s rich table in Russell Square. Time magnified the splendour of those recollections in the honest clerk’s bosom. Whenever he came up from the kitchen-parlour to the drawing-room and partook of tea or gin-and-water with Mr. Sedley, he would say, “This was not what you was accustomed to once, sir,” and as gravely and reverentially drink the health of the ladies as he had done in the days of their utmost prosperity. He thought Miss ’Melia’s playing the divinest music ever performed, and her the finest lady. He never would sit down before Sedley at the club even, nor would he have that gentleman’s character abused by any member of the society. He had seen the first men in London shaking hands with Mr. S — ; he said, “He’d known him in times when Rothschild might be seen on ’Change with him any day, and he owed him personally everythink.” Clapp, mit besten Zeugnissen und einer sehr guten Handschrift, hatte bald nach dem Unglück seines Herrn wieder Beschäftigung gefunden. »So ein kleiner Fisch wie ich kann in jedem Eimer schwimmen«, pflegte er zu sagen, und ein Mitglied der Firma, aus der der alte Sedley ausgeschieden war, nahm Mr. Clapp gern in seine Dienste und entschädigte ihn mit einem anständigen Gehalt. Schließlich waren alle seine reichen Freunde von Sedley abgefallen, und nur der arme ehemalige Untergebene blieb ihm treu.   Clapp, with the best of characters and handwritings, had been able very soon after his master’s disaster to find other employment for himself. “Such a little fish as me can swim in any bucket,” he used to remark, and a member of the house from which old Sedley had seceded was very glad to make use of Mr. Clapp’s services and to reward them with a comfortable salary. In fine, all Sedley’s wealthy friends had dropped off one by one, and this poor ex-dependent still remained faithfully attached to him. Die Witwe mußte sehr sorgfältig und sparsam sein, um von dem kleinen Rest ihres Einkommens, den sie für sich behielt, ihren geliebten Jungen so zu kleiden, wie es George Osbornes Kind zukam, und die Kosten der billigen Schule zu bestreiten, in die den Knaben zu schicken sie sich nach langem Widerstreben und unter mancherlei geheimen Schmerzen und Befürchtungen hatte bewegen lassen. Nächtelang war sie Lektionen durchgegangen und hatte unverständliche Grammatiken und verworrene Geographiebücher studiert, um George darin unterrichten zu können. Sie hatte sich sogar die lateinische Formenlehre vorgenommen, in der einfältigen Hoffnung, selbst so weit zu kommen, daß sie ihn in dieser Sprache unterrichten könnte. Sich von ihm den ganzen Tag zu trennen und ihn der Gnade des Rohrstockes der Lehrer und den rauhen Händen seiner Schulkameraden auszuliefern war für die schwache, empfindsame ängstliche Mutter fast ebenso schmerzlich, als ob sie ihn zum zweiten Male entwöhnen müßte. Er dagegen war glücklich, in die Schule gehen zu dürfen; er sehnte sich nach Veränderung. Diese kindliche Freude verletzte seine Mutter, der es so schwerfiel, sich von ihm zu trennen. Sie hätte ihn lieber etwas betrübter gesehen, bereute aber doch wieder tief, daß sie es wagte, so selbstsüchtig zu sein und sich ihren eigenen Sohn unglücklich zu wünschen.   Out of the small residue of her income which Amelia kept back for herself, the widow had need of all the thrift and care possible in order to enable her to keep her darling boy dressed in such a manner as became George Osborne’s son, and to defray the expenses of the little school to which, after much misgiving and reluctance and many secret pangs and fears on her own part, she had been induced to send the lad. She had sat up of nights conning lessons and spelling over crabbed grammars and geography books in order to teach them to Georgy. She had worked even at the Latin accidence, fondly hoping that she might be capable of instructing him in that language. To part with him all day, to send him out to the mercy of a schoolmaster’s cane and his schoolfellows’ roughness, was almost like weaning him over again to that weak mother, so tremulous and full of sensibility. He, for his part, rushed off to the school with the utmost happiness. He was longing for the change. That childish gladness wounded his mother, who was herself so grieved to part with him. She would rather have had him more sorry, she thought, and then was deeply repentant within herself for daring to be so selfish as to wish her own son to be unhappy. Georgy machte große Fortschritte in der Schule, die ein Freund des treuen Anbeters seiner Mutter, des Ehrwürden Mr. Binny, leitete. Er brachte unzählige Preise und Zeugnisse seines Talents mit nach Hause; jeden Abend erzählte er seiner Mutter viele Geschichten von seinen Schulkameraden: was für ein feiner Kerl Lyons war und was für eine Petze Sniffin und daß Steels Vater doch tatsächlich das Fleisch für die Schule lieferte, während Goldings Mutter ihren Sohn jeden Sonnabend mit einer Kutsche abholte, und daß Neat Riemen an den Hosen hatte – durfte er auch Riemen tragen? – und daß der größere Bull so stark war (obwohl er erst beim Eutropius sei), daß es hieß, er könne sogar den Hilfslehrer, Mr. Ward, besiegen. So kannte Amelia alle Jungen der Schule bald ebenso gut wie Georgy selbst. Abends half sie ihm bei den Übungen, und sie zerbrach sich ihr Köpfchen über den Aufgaben, als ob sie selbst am nächsten Morgen vor den Lehrer treten müßte. Einst, nach einer Prügelei mit Master Smith, kam Georgy mit einem blauen Auge nach Hause und prahlte gegenüber seiner Mutter und seinem entzückten alten Großvater mit seiner Tapferkeit im Kampf. In Wirklichkeit hatte er sich nicht besonders heldenmütig aufgeführt und ganz entschieden den kürzeren gezogen. Amelia aber hat diesem Smith bis heute noch nicht vergeben, obwohl er jetzt ein friedlicher Apotheker in der Nähe vom Leicester Square ist.   Georgy made great progress in the school, which was kept by a friend of his mother’s constant admirer, the Rev. Mr. Binny. He brought home numberless prizes and testimonials of ability. He told his mother countless stories every night about his school-companions: and what a fine fellow Lyons was, and what a sneak Sniffin was, and how Steel’s father actually supplied the meat for the establishment, whereas Golding’s mother came in a carriage to fetch him every Saturday, and how Neat had straps to his trowsers — might he have straps? — and how Bull Major was so strong (though only in Eutropius) that it was believed he could lick the Usher, Mr. Ward, himself. So Amelia learned to know every one of the boys in that school as well as Georgy himself, and of nights she used to help him in his exercises and puzzle her little head over his lessons as eagerly as if she was herself going in the morning into the presence of the master. Once, after a certain combat with Master Smith, George came home to his mother with a black eye, and bragged prodigiously to his parent and his delighted old grandfather about his valour in the fight, in which, if the truth was known he did not behave with particular heroism, and in which he decidedly had the worst. But Amelia has never forgiven that Smith to this day, though he is now a peaceful apothecary near Leicester Square. Unter diesen stillen Bemühungen und harmlosen Sorgen verging das Leben der sanften Witwe. Einige Silberfäden in ihrem Haar zeigten den Flug der Zeit an, und auf ihrer schönen Stirn grub sich eine winzige Linie ein. Sie pflegte über diese Zeichen der Zeit zu lächeln. »Was bedeutet das schon für eine alte Frau wie mich?« meinte sie. Ihre einzige Hoffnung war, zu erleben, daß ihr Sohn groß, berühmt und erhaben würde, wie er es verdiente. Sie hob seine Schreibhefte, Zeichnungen und Aufsätze auf und zeigte sie in ihrem kleinen Kreise herum, als ob sie Wunderwerke eines Genies wären. Sie vertraute einige dieser Arbeiten Miss Dobbin an, damit diese sie Georges Tante, Miss Osborne, zeigen würde, und die wiederum könnte sie dann Mr. Osborne selbst zeigen, damit der alte Mann seine Grausamkeit und Hartherzigkeit dem Verstorbenen gegenüber bereuen sollte. Sie hatte alle Fehler und Schwächen ihres Mannes mit diesem begraben und erinnerte sich nur des Geliebten, der sie unter großen Opfern geheiratet hatte, des tapferen und schönen Ehemannes, in dessen Armen sie an dem Morgen gehangen hatte, an dem er ausgezogen war, um für seinen König zu kämpfen und ruhmvoll zu sterben. Der Held mußte vom Himmel auf dieses Musterbild von einem Knaben herablächeln, den er ihr als Trost und Stütze zurückgelassen hatte.   In these quiet labours and harmless cares the gentle widow’s life was passing away, a silver hair or two marking the progress of time on her head and a line deepening ever so little on her fair forehead. She used to smile at these marks of time. “What matters it,” she asked, “For an old woman like me?” All she hoped for was to live to see her son great, famous, and glorious, as he deserved to be. She kept his copy-books, his drawings, and compositions, and showed them about in her little circle as if they were miracles of genius. She confided some of these specimens to Miss Dobbin, to show them to Miss Osborne, George’s aunt, to show them to Mr. Osborne himself — to make that old man repent of his cruelty and ill feeling towards him who was gone. All her husband’s faults and foibles she had buried in the grave with him: she only remembered the lover, who had married her at all sacrifices, the noble husband, so brave and beautiful, in whose arms she had hung on the morning when he had gone away to fight, and die gloriously for his king. From heaven the hero must be smiling down upon that paragon of a boy whom he had left to comfort and console her. Wir haben gesehen, wie einer von Georges Großvätern (Mr. Osborne) in seinem Lehnstuhl am Russell Square täglich heftiger und düsterer wurde und seine Tochter, trotz ihrer schönen Kutsche und der prächtigen Pferde und ihres Namens auf der Hälfte aller Wohltätigkeitslisten der Stadt, eine einsame, unglückliche, gequälte alte Jungfer war. Sie dachte immer wieder an den schönen kleinen Knaben, den Sohn ihres Bruders, den sie gesehen hatte. Sie sehnte sich danach, in ihrem schönen Wagen zu dem Haus, in dem er wohnte, fahren zu dürfen, und sah sich bei ihren einsamen Spazierfahrten im Park ständig um, in der Hoffnung, ihn sehen zu können. Ihre Schwester, die Bankiersfrau, ließ sich zuweilen herab, ihrem alten Heim und der Gefährtin am Russell Square einen Besuch abzustatten. Sie brachte zwei kränkliche Kinder mit, die von einer geputzten Amme begleitet wurden, und schnatterte mit leiser, vornehmer Stimme zu ihrer Schwester über ihre vornehmen Freunde und kicherte viel. Sie erzählte, daß ihr kleiner Frederick das Ebenbild von Lord Claude Lollypop sei und daß ihre süße Maria von der Baronesse bemerkt worden sei, als sie in Roehampton im Eselwagen gefahren seien. Sie drängte die Schwester, sie solle den Papa dahin bringen, daß er etwas für die lieben Herzchen tue. Frederick, so hatte sie beschlossen, sollte in die Garde eintreten, und wenn sie ihm ein Gut beschafften (Mr. Bullock ruinierte sich schon und würde noch Hungers sterben, um Land kaufen zu können), wie sollten sie dann das liebe Mädchen versorgen?   We have seen how one of George’s grandfathers (Mr. Osborne), in his easy chair in Russell Square, daily grew more violent and moody, and how his daughter, with her fine carriage, and her fine horses, and her name on half the public charity-lists of the town, was a lonely, miserable, persecuted old maid. She thought again and again of the beautiful little boy, her brother’s son, whom she had seen. She longed to be allowed to drive in the fine carriage to the house in which he lived, and she used to look out day after day as she took her solitary drive in the park, in hopes that she might see him. Her sister, the banker’s lady, occasionally condescended to pay her old home and companion a visit in Russell Square. She brought a couple of sickly children attended by a prim nurse, and in a faint genteel giggling tone cackled to her sister about her fine acquaintance, and how her little Frederick was the image of Lord Claud Lollypop and her sweet Maria had been noticed by the Baroness as they were driving in their donkey-chaise at Roehampton. She urged her to make her papa do something for the darlings. Frederick she had determined should go into the Guards; and if they made an elder son of him (and Mr. Bullock was positively ruining and pinching himself to death to buy land), how was the darling girl to be provided for? »Ich erwarte dies von dir, liebe Schwester«, pflegte Mrs. Bullock zu sagen, »denn natürlich geht mein Anteil am Vermögen unseres Papas auf das Haupt des Hauses über, wie du weißt. Die liebe Rhoda McMull will die ganzen Besitzungen von Castletoddy frei machen, sobald der arme liebe Lord Castletoddy stirbt, der schon ganz epileptisch ist, und der kleine Macduff McMull wird dann Viscount Castletoddy. Die beiden Mr. Bludyer aus der Mincing Lane haben ihr Vermögen dem kleinen Sohn von Fanny Bludyer verschrieben. Mein lieber Frederick muß unbedingt ein Gut haben, und – und sei so gut und bitte Papa, daß er wieder sein Konto bei uns in der Lombard Street eröffnet, nicht wahr, Liebste. Es sieht nicht gut aus, wenn er zu Stumpy und Rowdy geht.« Nach derartigen Reden, einem Gemisch aus Klatsch über die vornehme Welt und Geldgier, und nach einem Kuß, der der Berührung einer Auster glich, pflegte dann Mrs. Frederick Bullock ihre gestärkten Treibhauspflänzchen einzusammeln und zu ihrem Wagen zurückzutrippeln.   “I expect you , dear,” Mrs. Bullock would say, “for of course my share of our Papa’s property must go to the head of the house, you know. Dear Rhoda McMull will disengage the whole of the Castletoddy property as soon as poor dear Lord Castletoddy dies, who is quite epileptic; and little Macduff McMull will be Viscount Castletoddy. Both the Mr. Bludyers of Mincing Lane have settled their fortunes on Fanny Bludyer’s little boy. My darling Frederick must positively be an eldest son; and — and do ask Papa to bring us back his account in Lombard Street, will you, dear? It doesn’t look well, his going to Stumpy and Rowdy’s.” After which kind of speeches, in which fashion and the main chance were blended together, and after a kiss, which was like the contact of an oyster — Mrs. Frederick Bullock would gather her starched nurslings and simper back into her carriage. Jeder Besuch, den diese Modedame ihrer Familie abstattete, war unheilvoller für sie. Ihr Vater zahlte mehr und mehr Geld bei Stumpy und Rowdy ein; ihr gönnerhaftes Wesen wurde von Mal zu Mal unerträglicher. Die arme Witwe, die in dem Häuschen in Brompton ihren Schatz bewachte, hatte keine Ahnung, wie eifrig gewisse Leute danach begehrten.   Every visit which this leader of ton paid to her family was more unlucky for her. Her father paid more money into Stumpy and Rowdy’s. Her patronage became more and more insufferable. The poor widow in the little cottage at Brompton, guarding her treasure there, little knew how eagerly some people coveted it. An dem Abend, als Jane Osborne ihrem Vater erzählt hatte, sie habe seinen Enkel gesehen, hatte der alte Mann ihr nichts geantwortet, aber er war auch nicht zornig geworden. Als er sich in sein Zimmer zurückzog, hatte er ihr nicht unfreundlich eine gute Nacht gewünscht. Er mußte über ihre Worte nachgedacht und bei der Familie Dobbin einige Erkundigungen über ihren Besuch eingezogen haben, denn etwa vierzehn Tage danach fragte er sie, wo ihre kleine französische Uhr mit der Kette sei, die sie immer getragen habe.   On that night when Jane Osborne had told her father that she had seen his grandson, the old man had made her no reply, but he had shown no anger — and had bade her good-night on going himself to his room in rather a kindly voice. And he must have meditated on what she said and have made some inquiries of the Dobbin family regarding her visit, for a fortnight after it took place, he asked her where was her little French watch and chain she used to wear? »Ich hatte sie von meinem Geld gekauft«, sagte sie sehr erschrocken.   “I bought it with my money, sir,” she said in a great fright. »Geh und bestelle dir so eine oder eine bessere, wenn du sie bekommen kannst«, sagte der alte Herr und fiel wieder in sein Schweigen zurück.   “Go and order another like it, or a better if you can get it,” said the old gentleman and lapsed again into silence. In der letzten Zeit hatten die Misses Dobbin Amelia häufig gebeten, dem kleinen George zu erlauben, daß er sie besuchen dürfe. Seine Tante habe Gefallen an ihm gefunden, vielleicht werde sich auch sein Großvater bewegen lassen, sich mit ihm auszusöhnen, meinten sie. Amelia konnte so vorteilhafte Aussichten für den Knaben wahrhaftig nicht zurückweisen, nein, das konnte sie nicht; aber sie erfüllte die Bitte nur sehr schweren und mißtrauischen Herzens. Während der Abwesenheit des Kindes war sie unruhig und empfing es bei seiner Rückkehr stets, als ob es irgendeiner Gefahr entronnen wäre. Der Knabe brachte Geld und Spielsachen mit, die die Witwe eifersüchtig und furchtsam betrachtete. Sie fragte ihn ständig, ob er einen Herrn gesehen habe. Nur den alten Sir William, antwortete er, der ihn im Vierspänner herumgefahren habe, und Mr. Dobbin, der am Nachmittag auf dem schönen Braunen angeritten gekommen sei, im grünen Rock mit rosa Halstuch und einer goldknaufigen Peitsche, und der versprochen habe, ihm den Londoner Tower zu zeigen und ihn mit den Surreyhunden mit auf die Jagd zu nehmen. Schließlich erzählte er einmal: »Es war ein alter Herr mit dicken Augenbrauen und einem breitkrempigen Hut und einer großen Kette mit vielen Petschaften da. Er kam, als der Kutscher das graue Pony mit mir auf dem Rasen herumführte. Er hat mich lange angesehen und sehr gezittert. Ich habe dann nach dem Essen ›Mein Nam' ist Norval‹ aufgesagt. Meine Tante hat angefangen zu weinen. Sie weint immer.« So lautete an jenem Abend Georges Bericht.   Of late the Misses Dobbin more than once repeated their entreaties to Amelia, to allow George to visit them. His aunt had shown her inclination; perhaps his grandfather himself, they hinted, might be disposed to be reconciled to him. Surely, Amelia could not refuse such advantageous chances for the boy. Nor could she, but she acceded to their overtures with a very heavy and suspicious heart, was always uneasy during the child’s absence from her, and welcomed him back as if he was rescued out of some danger. He brought back money and toys, at which the widow looked with alarm and jealousy; she asked him always if he had seen any gentleman — "Only old Sir William, who drove him about in the four-wheeled chaise, and Mr. Dobbin, who arrived on the beautiful bay horse in the afternoon — in the green coat and pink neck-cloth, with the gold-headed whip, who promised to show him the Tower of London and take him out with the Surrey hounds.” At last, he said, “There was an old gentleman, with thick eyebrows, and a broad hat, and large chain and seals.” He came one day as the coachman was lunging Georgy round the lawn on the gray pony. “He looked at me very much. He shook very much. I said ‘My name is Norval’ after dinner. My aunt began to cry. She is always crying.” Such was George’s report on that night. Amelia wußte nun, daß der Knabe seinen Großvater gesehen hatte, und erwartete fieberhaft einen Vorschlag, der ganz sicher folgen mußte und der auch wirklich ein paar Tage später kam. Mr. Osborne erbot sich in aller Form, den Knaben bei sich aufzunehmen und ihn zum Erben des Vermögens zu machen, das sein Vater hätte erhalten sollen. Er würde Mrs. George Osborne eine Summe aussetzen, so daß sie ein anständiges Auskommen hätte. Wenn Mrs. George Osborne die Absicht habe, wieder zu heiraten, wie Mr. O. gehört habe, so werde er die Unterstützung nicht rückgängig machen. Es verstehe sich aber von selbst, daß das Kind ausschließlich bei seinem Großvater am Russell Square oder an einem Ort, den Mr. O. bestimmen würde, leben müsse. Gelegentlich solle es ihm gestattet werden, Mrs. George Osborne in ihrer Wohnung zu besuchen. Dieser Antrag wurde ihr eines Tages in einem Brief gebracht und vorgelesen, als ihre Mutter nicht zu Hause und ihr Vater, wie gewöhnlich, in der City war.   Then Amelia knew that the boy had seen his grandfather; and looked out feverishly for a proposal which she was sure would follow, and which came, in fact, in a few days afterwards. Mr. Osborne formally offered to take the boy and make him heir to the fortune which he had intended that his father should inherit. He would make Mrs. George Osborne an allowance, such as to assure her a decent competency. If Mrs. George Osborne proposed to marry again, as Mr. O. heard was her intention, he would not withdraw that allowance. But it must be understood that the child would live entirely with his grandfather in Russell Square, or at whatever other place Mr. O. should select, and that he would be occasionally permitted to see Mrs. George Osborne at her own residence. This message was brought or read to her in a letter one day, when her mother was from home and her father absent as usual in the City. In ihrem ganzen Leben hatte man sie nur zwei- oder dreimal zornig gesehen, und Mr. Osbornes Anwalt hatte das Glück, sie in dieser Stimmung zu erleben. Als Mr. Poe ihr den Brief nach dem Vorlesen überreichte, stand sie zitternd auf, wurde purpurrot, zerriß das Papier in hundert Schnipsel und trat sie mit Füßen. »Ich wieder heiraten! Ich Geld nehmen, damit ich mich von meinem Kind trenne! Wer wagt es, mich durch einen solchen Vorschlag zu beleidigen! Sagen Sie Mr. Osborne, daß es ein gemeiner Brief ist – ein gemeiner Brief, und ich habe nicht die Absicht, darauf zu antworten. Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen, Sir.« – »Und sie entließ mich mit einer Verbeugung, die der Königin in einer Tragödie würdig gewesen wäre«, sagte der Anwalt, als er die Geschichte berichtete.   She was never seen angry but twice or thrice in her life, and it was in one of these moods that Mr. Osborne’s attorney had the fortune to behold her. She rose up trembling and flushing very much as soon as, after reading the letter, Mr. Poe handed it to her, and she tore the paper into a hundred fragments, which she trod on. “I marry again! I take money to part from my child! Who dares insult me by proposing such a thing? Tell Mr. Osborne it is a cowardly letter, sir — a cowardly letter — I will not answer it. I wish you good morning, sir — and she bowed me out of the room like a tragedy Queen,” said the lawyer who told the story. Ihre Eltern bemerkten ihre Aufregung an jenem Tage nicht, und sie erzählte auch nichts von der Unterredung. Sie hatten ihre eigenen Angelegenheiten im Kopf, Angelegenheiten, die auch die unschuldige, nichtsahnende Amelia betrafen. Der alte Herr, ihr Vater, war stets in Spekulationen verwickelt. Wir haben gesehen, wie ihm die Projekte der Weingesellschaft und der Kohlengesellschaft fehlschlugen. Er streifte aber immer noch ratlos in der City herum, und dabei kam ihm eines Tages ein neuer Plan in den Sinn, von dem er sich so viel versprach, daß er sich trotz der Vorstellungen von Mr. Clapp darauf einließ. Er wagte dem ehemaligen Angestellten nie zu sagen, wie tief er sich hatte hineintreiben lassen, und da es stets Mr. Sedleys Grundsatz gewesen war, vor den Frauen nicht von Geldsachen zu reden, so hatten sie keine Ahnung von dem Unheil, das auf sie zukam. Aber schließlich mußte der unglückliche alte Herr doch allmählich das Geständnis machen.   Her parents never remarked her agitation on that day, and she never told them of the interview. They had their own affairs to interest them, affairs which deeply interested this innocent and unconscious lady. The old gentleman, her father, was always dabbling in speculation. We have seen how the wine company and the coal company had failed him. But, prowling about the City always eagerly and restlessly still, he lighted upon some other scheme, of which he thought so well that he embarked in it in spite of the remonstrances of Mr. Clapp, to whom indeed he never dared to tell how far he had engaged himself in it. And as it was always Mr. Sedley’s maxim not to talk about money matters before women, they had no inkling of the misfortunes that were in store for them until the unhappy old gentleman was forced to make gradual confessions. Zuerst geriet man mit den Rechnungen des kleinen Haushalts, die sonst wöchentlich bezahlt worden waren, in Rückstand. Die Wechsel aus Indien seien nicht angekommen, erzählte Mr. Sedley seiner Frau mit verstörtem Gesicht. Da sie bisher ihre Rechnungen sehr regelmäßig bezahlt hatte, so wurden ein paar von den Geschäftsleuten, die die arme Dame um Aufschub bitten mußte, sehr ungehalten, während sie Verzögerungen bei unregelmäßigeren Kunden gewöhnt waren. Emmy lieferte ihren Beitrag heiter, ohne weitere Bemerkung ab, und damit konnte sich die kleine Familie unter großen Einschränkungen über Wasser halten. Die ersten sechs Monate vergingen noch einigermaßen erträglich, und der alte Sedley hoffte noch immer, daß seine Aktien steigen würden und alles gut gehen müsse.   The bills of the little household, which had been settled weekly, first fell into arrear. The remittances had not arrived from India, Mr. Sedley told his wife with a disturbed face. As she had paid her bills very regularly hitherto, one or two of the tradesmen to whom the poor lady was obliged to go round asking for time were very angry at a delay to which they were perfectly used from more irregular customers. Emmy’s contribution, paid over cheerfully without any questions, kept the little company in half-rations however. And the first six months passed away pretty easily, old Sedley still keeping up with the notion that his shares must rise and that all would be well. Am Ende des halben Jahres trafen jedoch keine sechzig Pfund ein, um dem Haushalt aufzuhelfen, und er geriet in immer größere Verlegenheit. Mrs. Sedley, deren Gesundheitszustand immer schlechter wurde, schwieg oder weinte sich bei Mrs. Clapp in der Küche aus. Der Fleischer war ungemein mürrisch, der Kolonialwarenhändler grob; ein paarmal schon hatte sich der kleine Georgy über das Essen beklagt; Amelia wäre beim Essen mit einem Stück Brot ausgekommen, sie konnte aber nicht mit ansehen, daß ihr Sohn vernachlässigt wurde, und kaufte ihm Kleinigkeiten aus ihrer eigenen Tasche, damit der Junge gesund bliebe.   No sixty pounds, however, came to help the household at the end of the half year, and it fell deeper and deeper into trouble — Mrs. Sedley, who was growing infirm and was much shaken, remained silent or wept a great deal with Mrs. Clapp in the kitchen. The butcher was particularly surly, the grocer insolent: once or twice little Georgy had grumbled about the dinners, and Amelia, who still would have been satisfied with a slice of bread for her own dinner, could not but perceive that her son was neglected and purchased little things out of her private purse to keep the boy in health. Endlich erzählten sie es ihr oder erzählten ihr vielmehr eine so verstümmelte Geschichte, wie sie Leute in Geldverlegenheit eben zu erzählen pflegen. Eines Tages, als Amelia ihr Geld empfangen hatte und es abliefern wollte, schlug sie vor, einen gewissen Teil ihres Einkommens zurückzubehalten, da sie für Georgy einen neuen Anzug bestellt hatte.   At last they told her, or told her such a garbled story as people in difficulties tell. One day, her own money having been received, and Amelia about to pay it over, she, who had kept an account of the moneys expended by her, proposed to keep a certain portion back out of her dividend, having contracted engagements for a new suit for Georgy. Da kam es heraus, daß Joseph keine Unterstützung gezahlt hatte und die Familie sich in Schwierigkeiten befand, die Amelia längst schon hätte sehen müssen, wie die Mutter meinte, aber sie kümmerte sich ja um nichts und niemanden außer Georgy. Darauf schob Amelia wortlos der Mutter ihr ganzes Geld über den Tisch zu und ging auf ihr Zimmer, um sich die Augen auszuweinen. An dem Tage hatte sie noch einen Gefühlsausbruch, als sie die Kleider abbestellen mußte, die schönen Kleider, die sie sich für Weihnachten in den Kopf gesetzt hatte. In vielen Unterredungen mit einer kleinen Putzmacherin, ihrer Freundin, hatte sie schon lange Schnitt und Machart abgesprochen.   Then it came out that Jos’s remittances were not paid, that the house was in difficulties, which Amelia ought to have seen before, her mother said, but she cared for nothing or nobody except Georgy. At this she passed all her money across the table, without a word, to her mother, and returned to her room to cry her eyes out. She had a great access of sensibility too that day, when obliged to go and countermand the clothes, the darling clothes on which she had set her heart for Christmas Day, and the cut and fashion of which she had arranged in many conversations with a small milliner, her friend. Das Schlimmste aber war, daß sie die Sache Georgy beibringen mußte, der ein lautes Geschrei erhob. Alle bekämen zu Weihnachten neue Kleider. Die anderen würden ihn auslachen. Er wollte unbedingt neue Kleider haben, sie habe sie ihm versprochen. Die arme Witwe konnte ihm nur Küsse geben. Unter Tränen flickte sie den alten Anzug. Sie durchkramte ihre wenigen Schmucksachen, um zu sehen, ob sie etwas davon verkaufen und damit die gewünschten neuen Sachen anschaffen könnte. Dabei fiel ihr der Kaschmirschal in die Hände, den Dobbin ihr geschickt hatte. Sie erinnerte sich, daß sie früher mit ihrer Mutter einen schönen indischen Laden in Ludgate Hill aufgesucht hatte, wo die Damen dergleichen Artikel zu kaufen pflegten. Ihre Wangen röteten sich, und ihre Augen glänzten vor Freude, als sie an diese Geldquelle dachte, und sie küßte an jenem Morgen ihren George, ehe er in die Schule ging, und lächelte ihm freundlich nach. Der Knabe fühlte, daß in ihren Blicken gute Nachrichten lagen.   Hardest of all, she had to break the matter to Georgy, who made a loud outcry. Everybody had new clothes at Christmas. The others would laugh at him. He would have new clothes. She had promised them to him. The poor widow had only kisses to give him. She darned the old suit in tears. She cast about among her little ornaments to see if she could sell anything to procure the desired novelties. There was her India shawl that Dobbin had sent her. She remembered in former days going with her mother to a fine India shop on Ludgate Hill, where the ladies had all sorts of dealings and bargains in these articles. Her cheeks flushed and her eyes shone with pleasure as she thought of this resource, and she kissed away George to school in the morning, smiling brightly after him. The boy felt that there was good news in her look. Sie packte also ihren Schal in ein seidenes Tuch (auch ein Geschenk des guten Majors), verbarg ihn unter ihrem Mantel und eilte freudegerötet und munter den ganzen Weg zu Fuß nach Ludgate Hill. Sie trippelte an der Parkmauer entlang und lief über die Kreuzungen, so daß sich mancher Mann, an dem sie vorbeieilte, umdrehte und ihrem rosigen hübschen Gesicht nachsah. Sie rechnete sich aus, wie sie den Erlös des Schals verwenden würde. Sie wollte außer den Kleidern auch die Bücher kaufen, die er sich so sehr wünschte, und das Schulgeld für ein halbes Jahr bezahlen und ihrem Vater einen Mantel kaufen an Stelle des alten Überrockes, den er trug. Sie hatte sich über den Wert des Geschenkes, das sie vom Major erhalten, nicht getäuscht. Es war ein sehr feines schönes Gewebe, und der Kaufmann machte ein gutes Geschäft, als er ihr zwanzig Guineen für ihren Schal gab.   Packing up her shawl in a handkerchief (another of the gifts of the good Major), she hid them under her cloak and walked flushed and eager all the way to Ludgate Hill, tripping along by the park wall and running over the crossings, so that many a man turned as she hurried by him and looked after her rosy pretty face. She calculated how she should spend the proceeds of her shawl — how, besides the clothes, she would buy the books that he longed for, and pay his half-year’s schooling; and how she would buy a cloak for her father instead of that old great-coat which he wore. She was not mistaken as to the value of the Major’s gift. It was a very fine and beautiful web, and the merchant made a very good bargain when he gave her twenty guineas for her shawl. Verwirrt und erstaunt über ihren Reichtum, eilte sie sogleich zum nächsten Buchhändler und kaufte dort den »Helfer der Eltern« und »Sandford und Merton«, die sich George so gewünscht hatte. Mit ihrem Päckchen stieg sie dann in einen Wagen und fuhr frohlockend nach Hause. Glücklich schrieb sie in die Bücher mit ihrer schönsten Schrift: »Für George Osborne; zu Weihnachten von seiner lieben Mutter.« Die Bücher mit der schönen zarten Inschrift sind noch jetzt vorhanden.   She ran on amazed and flurried with her riches to Darton’s shop, in St. Paul’s Churchyard, and there purchased the Parents’ Assistant and the Sandford and Merton Georgy longed for, and got into the coach there with her parcel, and went home exulting. And she pleased herself by writing in the fly-leaf in her neatest little hand, “George Osborne, A Christmas gift from his affectionate-mother.” The books are extant to this day, with the fair delicate superscription. Sie ging gerade mit den Büchern in der Hand aus ihrem Zimmer, um sie auf Georges Tisch zu legen, wo er sie bei der Rückkehr von der Schule finden sollte, als sie im Flur ihre Mutter traf. Die vergoldeten Einbände der sieben hübschen kleinen Bände fielen der alten Dame auf.   She was going from her own room with the books in her hand to place them on George’s table, where he might find them on his return from school, when in the passage, she and her mother met. The gilt bindings of the seven handsome little volumes caught the old lady’s eye. »Was hast du denn da?« fragte sie.   “What are those?” she said. »Ein paar Bücher für Georgy«, antwortete Amelia errötend. »Ich – ich habe sie ihm zu Weihnachten versprochen.«   “Some books for Georgy,” Amelia replied — I — I promised them to him at Christmas.” »Bücher!« rief die alte Dame zornig. »Bücher, wenn im ganzen Haus kein Brot ist – Bücher, wo ich alle meine Schmucksachen verkaufe und mir den indischen Schal von den Schultern gerissen habe und sogar die Silberlöffel weggeben mußte – um dir und deinem Sohn ein Wohlleben zu sichern und deinen guten Vater vor dem Gefängnis zu bewahren, damit uns die Kaufleute nicht unverschämt behandelten und Mr. Clapp seine Miete erhalten sollte. Darauf hat er nämlich ein Recht, denn er ist kein harter Wirt, sondern ein höflicher Mann und selbst Familienvater. Oh, Amelia, du brichst mir das Herz mit deinen Büchern und deinem Jungen, den du ins Unglück stürzt, denn du willst dich ja nicht von ihm trennen. Ach, Amelia, möge dir Gott ein gehorsameres Kind schenken, als ich es gehabt habe. Joseph verläßt seinen Vater auf seine alten Tage, und George könnte versorgt sein und reich werden und wie ein Lord mit einer goldenen Uhr an der Kette um den Hals in die Schule gehen, während mein lieber, lieber alter Mann keinen Shi-i-illing hat.« Hysterisches Schluchzen und Weinen beendete Mrs. Sedleys Rede. Es drang durch alle Räume des kleinen Hauses, so daß alle übrigen weiblichen Bewohner jedes Wort der Unterhaltung verstehen konnten.   “Books!” cried the elder lady indignantly, “Books, when the whole house wants bread! Books, when to keep you and your son in luxury, and your dear father out of gaol, I’ve sold every trinket I had, the India shawl from my back even down to the very spoons, that our tradesmen mightn’t insult us, and that Mr. Clapp, which indeed he is justly entitled, being not a hard landlord, and a civil man, and a father, might have his rent. Oh, Amelia! you break my heart with your books and that boy of yours, whom you are ruining, though part with him you will not. Oh, Amelia, may God send you a more dutiful child than I have had! There’s Jos, deserts his father in his old age; and there’s George, who might be provided for, and who might be rich, going to school like a lord, with a gold watch and chain round his neck — while my dear, dear old man is without a sh — shilling.” Hysteric sobs and cries ended Mrs. Sedley’s speech — it echoed through every room in the small house, whereof the other female inmates heard every word of the colloquy. »O Mutter, Mutter!« rief die arme Amelia. »Du hast mir nichts gesagt; ich – ich habe ihm die Bücher versprochen; ich – ich habe auch meinen Schal heute früh verkauft. Nimm das Geld – nimm alles!« Und mit zitternden Händen holte sie ihr Silbergeld und ihr Sovereigns heraus, ihre kostbaren, goldenen Sovereigns, und drückte sie ihrer Mutter in die Hände. Diese konnte gar nicht alles fassen, und die Geldstücke fielen auf den Boden und rollten die Treppe hinunter.   “Oh, Mother, Mother!” cried poor Amelia in reply. “You told me nothing — I — I promised him the books. I — I only sold my shawl this morning. Take the money — take everything" — and with quivering hands she took out her silver, and her sovereigns — her precious golden sovereigns, which she thrust into the hands of her mother, whence they overflowed and tumbled, rolling down the stairs. Dann begab sie sich auf ihr Zimmer und sank verzweifelt und unglücklich nieder. Jetzt sah sie alles deutlich. Mit ihrer Selbstsucht opferte sie den Knaben. Wäre sie nicht, so könnte er Reichtum, Rang, Erziehung und den Platz seines Vaters haben, die der ältere George um ihretwillen aufgegeben hatte. Sie brauchte nur ein Wort zu sagen, und ihr Vater hätte wieder sein Auskommen, und ihr Sohn würde sein Glück machen. Oh, wie zerknirscht dies zarte, gebeugte Herz war!   And then she went into her room, and sank down in despair and utter misery. She saw it all now. Her selfishness was sacrificing the boy. But for her he might have wealth, station, education, and his father’s place, which the elder George had forfeited for her sake. She had but to speak the words, and her father was restored to competency and the boy raised to fortune. Oh, what a conviction it was to that tender and stricken heart! 47. Kapitel / Chapter 47 Gaunt-Haus / Gaunt House Die ganze Welt weiß, daß Steynes Stadtwohnung am Gaunt Square liegt. Dort mündet die Great Gaunt Street, wohin wir Rebekka zur Zeit des seligen Pit Crawley zuerst begleiteten. Wenn man über das eiserne Gitter und durch die geschwärzten Bäume in den Anlagen auf dem Platz blickt, dann sieht man ein paar ärmliche Gouvernanten mit blassen Schutzbefohlenen rund um den trübseligen Grasfleck gehen, in dessen Mitte sich die Statue von Lord Gaunt erhebt, der bei Minden gekämpft hat und eine Perücke mit drei Schwänzchen trägt, sonst aber wie ein römischer Kaiser gekleidet ist. Das Gaunt-Haus nimmt fast eine Seite des Platzes ein, die übrigen drei Seiten werden von Häusern begrenzt, deren Eigentümer meist adlige Witwen sind – hohe, düstere Häuser mit steinernen Fensterkreuzen, hinter denen selten Licht brennt, und Türen, von denen die Gastfreundschaft ebenso geflohen zu sein scheint wie die geschnürten Lakaien und Fackeljungen aus der alten Zeit, die ihre Fackeln in den blanken, eisernen Löschhörnern auszulöschen pflegten, die noch immer neben den Lampen über der Treppe hängen. Firmenschilder sind auf den Platz gedrungen: Ärzte – die Diddlesex-Bank, westliche Filiale – die englisch-europäische Reunionsgesellschaft und so weiter. Das bietet alles einen recht trübseligen Anblick, und Lord Steynes Palast sieht nicht weniger trübselig aus. Alles, was ich davon gesehen habe, ist die große Frontmauer – mit den Säulen am Haupttor, durch die zuweilen ein alter Portier mit fettem, düsterem, rotem Gesicht schaute – und über der Mauer die Fenster der Bodenkammern und Schlafzimmer und die Schornsteine, aus denen jetzt selten Rauch aufsteigt, denn der gegenwärtige Lord Steyne lebt in Neapel und zieht die Aussicht auf den Golf und Capri und den Vesuv dem trübseligen Anblick der Mauer am Gaunt Square vor.   All the world knows that Lord Steyne’s town palace stands in Gaunt Square, out of which Great Gaunt Street leads, whither we first conducted Rebecca, in the time of the departed Sir Pitt Crawley. Peering over the railings and through the black trees into the garden of the Square, you see a few miserable governesses with wan-faced pupils wandering round and round it, and round the dreary grass-plot in the centre of which rises the statue of Lord Gaunt, who fought at Minden, in a three-tailed wig, and otherwise habited like a Roman Emperor. Gaunt House occupies nearly a side of the Square. The remaining three sides are composed of mansions that have passed away into dowagerism — tall, dark houses, with window-frames of stone, or picked out of a lighter red. Little light seems to be behind those lean, comfortless casements now, and hospitality to have passed away from those doors as much as the laced lacqueys and link-boys of old times, who used to put out their torches in the blank iron extinguishers that still flank the lamps over the steps. Brass plates have penetrated into the square — Doctors, the Diddlesex Bank Western Branch — the English and European Reunion, \&c. — it has a dreary look — nor is my Lord Steyne’s palace less dreary. All I have ever seen of it is the vast wall in front, with the rustic columns at the great gate, through which an old porter peers sometimes with a fat and gloomy red face — and over the wall the garret and bedroom windows, and the chimneys, out of which there seldom comes any smoke now. For the present Lord Steyne lives at Naples, preferring the view of the Bay and Capri and Vesuvius to the dreary aspect of the wall in Gaunt Square. Ein paar Dutzend Meter weiter in der New Gaunt Street befindet sich ein kleines, bescheidenes Hinterpförtchen, das in Richtung der Stallgebäude führt und kaum von den übrigen Stalltüren zu unterscheiden ist. Manch ein verschlossener kleiner Wagen hat aber vor dieser Tür gehalten, wie mir mein Berichterstatter, der kleine Tom Eaves, der alles weiß und mir die Stätte gezeigt hat, erzählte. »Der Prinz und Perdita sind durch diese Tür ein und aus gegangen«, hat er mir oft erzählt; »Mary Ann Clarke ist dort mit dem Herzog von ... gewesen. Die Tür führt zu den berühmten petits appartements von Lord Steyne. Eins ist ganz in Elfenbein und weißem Atlas gehalten, ein anderes in Ebenholz und schwarzem Samt. Es gibt darin ein kleines Bankettzimmerchen nach dem Muster des Hauses von Sallust in Pompeji, von Cosway gemalt, und eine kleine Privatküche, in der jede Bratpfanne aus Silber und alle Spieße aus Gold sind. Hier war es, wo Philippe Egalité von Orleans Rebhühner röstete, an jenem Abend, wo er und der Marquis von Steyne von einer großen Persönlichkeit beim L'hombre hunderttausend Francs gewannen. Ein Teil des Geldes ging zur Französischen Revolution, mit einem weiteren wurde Lord Gaunts Marquiswürde und sein Hosenbandorden gekauft und das übrige ...« Es liegt jedoch nicht in unserer Absicht, zu berichten, was aus dem übrigen wurde. Der kleine Tom Eaves, der über anderer Leute Angelegenheiten Bescheid weiß, kann vorrechnen, wo jeder Shilling der Summe geblieben ist.   A few score yards down New Gaunt Street, and leading into Gaunt Mews indeed, is a little modest back door, which you would not remark from that of any of the other stables. But many a little close carriage has stopped at that door, as my informant (little Tom Eaves, who knows everything, and who showed me the place) told me. “The Prince and Perdita have been in and out of that door, sir,” he had often told me; “Marianne Clarke has entered it with the Duke of — . It conducts to the famous petits appartements of Lord Steyne — one, sir, fitted up all in ivory and white satin, another in ebony and black velvet; there is a little banqueting-room taken from Sallust’s house at Pompeii, and painted by Cosway — a little private kitchen, in which every saucepan was silver and all the spits were gold. It was there that Egalite Orleans roasted partridges on the night when he and the Marquis of Steyne won a hundred thousand from a great personage at ombre. Half of the money went to the French Revolution, half to purchase Lord Gaunt’s Marquisate and Garter — and the remainder — ” but it forms no part of our scheme to tell what became of the remainder, for every shilling of which, and a great deal more, little Tom Eaves, who knows everybody’s affairs, is ready to account. Außer seinem Palast in der Stadt besaß der Marquis Schlösser und Paläste in verschiedenen Gegenden der drei Königreiche. In den Reisehandbüchern kann man die Beschreibung finden: Schloß Strongbow mit seinen Wäldern am Ufer des Shannon, Schloß Gaunt in Carmarthenshire, wo Richard II. gefangengenommen wurde, und Gauntly Hall in Yorkshire, wo es angeblich zweihundert silberne Teekannen für das Frühstück der Gäste des Hauses und allerlei entsprechend prächtige Sachen geben soll, und dann noch Stillbrook in Hampshire, der Privatbesitz des Lords, eine bescheidene Residenz, an deren wundervolle Einrichtung wir uns noch gut erinnern und die nach dem Ableben des Lords von einem berühmten Auktionator versteigert wurde.   Besides his town palace, the Marquis had castles and palaces in various quarters of the three kingdoms, whereof the descriptions may be found in the road-books — Castle Strongbow, with its woods, on the Shannon shore; Gaunt Castle, in Carmarthenshire, where Richard II was taken prisoner — Gauntly Hall in Yorkshire, where I have been informed there were two hundred silver teapots for the breakfasts of the guests of the house, with everything to correspond in splendour; and Stillbrook in Hampshire, which was my lord’s farm, an humble place of residence, of which we all remember the wonderful furniture which was sold at my lord’s demise by a late celebrated auctioneer. Die Marquise von Steyne gehörte zu der berühmten alten Familie der Caerlyons, der Marquis von Camelot, die seit der Bekehrung des ehrwürdigen Druiden, ihres ersten Vorfahren, fest an ihrem alten Glauben gehangen haben und deren Stammbaum weit über die Zeit zurückgeht, da König Brutus auf den britischen Inseln landete. Der Titel des ältesten Sohnes des Hauses ist Pendragon. Die Söhne heißen seit undenklichen Zeiten stets Arthur, Uther und Caradoc; ihre Köpfe sind in mancher loyalen Verschwörung gefallen. Elisabeth schlug dem Arthur ihrer Zeit den Kopf ab, der Kammerherr bei Philipp und Maria gewesen war und Briefe zwischen der schottischen Königin und ihren Onkeln, den Guisen, hin- und hergetragen hatte. Ein jüngerer Sohn des Hauses war Offizier des großen Herzogs und zeichnete sich in der berühmten Bartholomäusnacht aus. Während der ganzen Gefangenschaft Maria Stuarts war das Haus Camelot mit ihr verschworen. Sie litten durch ihre Ausgaben für die Rüstung gegen die Spanier zur Zeit der Armada ebensoviel Schaden wie durch die Strafen und Beschlagnahmungen, die Elisabeth über sie verhängte, weil sie katholische Priester verbargen, hartnäckig den Religionseid verweigerten und papistische Vergehen begingen. Ein Renegat zur Zeit Jakobs I. wurde für kurze Zeit durch die Argumente dieses großen Theologen seinem Glauben abtrünnig, und die Vermögenslage der Familie besserte sich durch diese rechtzeitige Schwäche wieder etwas. Aber der Graf von Camelot kehrte unter der Regierung Karls I. wieder zum alten Glauben der Familie zurück, und sie fuhren fort, für diesen Glauben zu kämpfen und sich dafür zugrunde zu richten, solange es noch einen Stuart gab, der eine Rebellion leiten oder anstiften konnte.   The Marchioness of Steyne was of the renowned and ancient family of the Caerlyons, Marquises of Camelot, who have preserved the old faith ever since the conversion of the venerable Druid, their first ancestor, and whose pedigree goes far beyond the date of the arrival of King Brute in these islands. Pendragon is the title of the eldest son of the house. The sons have been called Arthurs, Uthers, and Caradocs, from immemorial time. Their heads have fallen in many a loyal conspiracy. Elizabeth chopped off the head of the Arthur of her day, who had been Chamberlain to Philip and Mary, and carried letters between the Queen of Scots and her uncles the Guises. A cadet of the house was an officer of the great Duke and distinguished in the famous Saint Bartholomew conspiracy. During the whole of Mary’s confinement, the house of Camelot conspired in her behalf. It was as much injured by its charges in fitting out an armament against the Spaniards, during the time of the Armada, as by the fines and confiscations levied on it by Elizabeth for harbouring of priests, obstinate recusancy, and popish misdoings. A recreant of James’s time was momentarily perverted from his religion by the arguments of that great theologian, and the fortunes of the family somewhat restored by his timely weakness. But the Earl of Camelot, of the reign of Charles, returned to the old creed of his family, and they continued to fight for it, and ruin themselves for it, as long as there was a Stuart left to head or to instigate a rebellion. Lady Mary Caerlyon war in einem Pariser Kloster erzogen worden; die Dauphine Marie Antoinette war ihre Patin. In der Glanzzeit ihrer Schönheit war sie an Lord Gaunt verheiratet worden – verkauft, sagten manche –, der damals in Paris war und auf Banketten beim Herzog von Orleans dem Bruder der Dame riesige Summen abgewonnen hatte. Das berühmte Duell des Grafen Gaunt mit dem Grafen de la Marche von den Grauen Musketieren führte das Gerücht darauf zurück, daß sich dieser Offizier (er war Page gewesen und ein Liebling der Königin) um die Hand der schönen Lady Mary Caerlyon bemühte. Sie wurde an Lord Gaunt verheiratet, während der Graf noch an seinen Wunden daniederlag, zog ins Gaunt-Haus ein und spielte für kurze Zeit am glänzenden Hof des Prinzen von Wales eine Rolle. Fox trank auf ihre Gesundheit, Morris und Sheridan schrieben Lieder auf sie, Malmesbury machte ihr seine besten Verbeugungen, Walpole erklärte, sie sei bezaubernd, und Devonshire war fast eifersüchtig auf sie. Sie jedoch wurde durch die wilden Freuden und Vergnügungen, in die man sie hineingerissen hatte, abgeschreckt und zog sich nach der Geburt zweier Söhne in ein Leben frommer Abgeschiedenheit zurück. Kein Wunder, daß Lord Steyne, der Vergnügen und Lustigkeit liebte, nach der Heirat nicht oft an der Seite der ängstlichen, schweigsamen, abergläubischen, unglücklichen Lady zu sehen war.   Lady Mary Caerlyon was brought up at a Parisian convent; the Dauphiness Marie Antoinette was her godmother. In the pride of her beauty she had been married — sold, it was said — to Lord Gaunt, then at Paris, who won vast sums from the lady’s brother at some of Philip of Orleans’s banquets. The Earl of Gaunt’s famous duel with the Count de la Marche, of the Grey Musqueteers, was attributed by common report to the pretensions of that officer (who had been a page, and remained a favourite of the Queen) to the hand of the beautiful Lady Mary Caerlyon. She was married to Lord Gaunt while the Count lay ill of his wound, and came to dwell at Gaunt House, and to figure for a short time in the splendid Court of the Prince of Wales. Fox had toasted her. Morris and Sheridan had written songs about her. Malmesbury had made her his best bow; Walpole had pronounced her charming; Devonshire had been almost jealous of her; but she was scared by the wild pleasures and gaieties of the society into which she was flung, and after she had borne a couple of sons, shrank away into a life of devout seclusion. No wonder that my Lord Steyne, who liked pleasure and cheerfulness, was not often seen after their marriage by the side of this trembling, silent, superstitious, unhappy lady. Der obenerwähnte Tom Eaves (der in unserer Geschichte nur auftaucht, weil er alle hohen Persönlichkeiten Londons und die Geschichte und die Geheimnisse jeder Familie kennt) hatte noch ein paar weitere Aufschlüsse über Lady Steyne zu geben, deren Wahrheit nicht verbürgt ist. »Die Demütigungen«, sagte Tom oftmals, »denen diese Dame in ihrem eigenen Hause ausgesetzt war, sind entsetzlich; Lord Steyne hat sie gezwungen, sich mit Frauen an einen Tisch zu setzen, mit denen ich Mrs. Eaves nicht verkehren ließe, und kostete es mich das Leben: Mit Lady Crackenbury, Mrs. Chippenham, mit Madame de la Cruche-cassée, der Frau des französischen Gesandtschaftssekretärs, kurz – mit seiner jeweiligen Geliebten.« Tom Eaves, der seine Frau ermordet hätte, wenn sie diese Damen auch nur gekannt hätte, war nur zu froh, ein Kopfnicken oder eine Einladung zum Essen von ihnen zu erhalten. »Glauben Sie etwa, daß diese Frau aus dieser Familie, die ebenso stolz ist wie die Bourbonen und gegen die die Steynes nur Lakaien, Emporkömmlinge von gestern sind, denn wenn man es recht betrachtet, so stammen sie nicht von den alten Gaunts, sondern von einer jüngeren, zweifelhaften Linie ab, glauben Sie denn etwa« – der Leser muß sich erinnern, daß immer noch Tom Eaves spricht –, »daß die Marquise von Steyne, die hochmütigste Frau Englands, sich ohne Ursache ihrem Mann unterworfen hätte? Pah! Ich sage Ihnen, sie hat geheime Gründe dazu; ich sage Ihnen, daß der Abbé de la Marche, der während der Emigration hier war und in die Quiberon-Affäre mit Pirisaye und Tinténiac verwickelt wurde, der Oberst der Grauen Musketiere war, mit dem sich Steyne im Jahre sechsundachtzig duelliert hatte. Er war wieder mit der Marquise zusammengetroffen, und erst als der ehrwürdige Oberst in der Bretagne erschossen worden war, begann Lady Steyne mit den strengen Andachtsübungen, denen sie sich jetzt unterwirft. Sie schließt sich täglich mit ihrem Beichtvater ein und geht jeden Morgen zum Gottesdienst am Spanish Place. Ich habe sie dort beobachtet, das heißt, ich bin zufällig dort vorbeigekommen, und Sie können sich darauf verlassen, daß irgendein Geheimnis dahintersteckt. Die Menschen sind niemals so unglücklich, wenn sie nicht etwas zu bereuen haben«, fügte Tom Eaves mit schlauem Kopfnicken hinzu; »und verlassen Sie sich darauf, diese Frau wäre nicht so unterwürfig, wenn der Marquis nicht ein Schwert über ihrem Haupte hielte.«   The before-mentioned Tom Eaves (who has no part in this history, except that he knew all the great folks in London, and the stories and mysteries of each family) had further information regarding my Lady Steyne, which may or may not be true. “The humiliations,” Tom used to say, “which that woman has been made to undergo, in her own house, have been frightful; Lord Steyne has made her sit down to table with women with whom I would rather die than allow Mrs. Eaves to associate — with Lady Crackenbury, with Mrs. Chippenham, with Madame de la Cruchecassee, the French secretary’s wife (from every one of which ladies Tom Eaves — who would have sacrificed his wife for knowing them — was too glad to get a bow or a dinner) with the reigning favourite in a word. And do you suppose that that woman, of that family, who are as proud as the Bourbons, and to whom the Steynes are but lackeys, mushrooms of yesterday (for after all, they are not of the Old Gaunts, but of a minor and doubtful branch of the house); do you suppose, I say (the reader must bear in mind that it is always Tom Eaves who speaks) that the Marchioness of Steyne, the haughtiest woman in England, would bend down to her husband so submissively if there were not some cause? Pooh! I tell you there are secret reasons. I tell you that, in the emigration, the Abbe de la Marche who was here and was employed in the Quiberoon business with Puisaye and Tinteniac, was the same Colonel of Mousquetaires Gris with whom Steyne fought in the year ’86 — that he and the Marchioness met again — that it was after the Reverend Colonel was shot in Brittany that Lady Steyne took to those extreme practices of devotion which she carries on now; for she is closeted with her director every day — she is at service at Spanish Place, every morning, I’ve watched her there — that is, I’ve happened to be passing there — and depend on it, there’s a mystery in her case. People are not so unhappy unless they have something to repent of,” added Tom Eaves with a knowing wag of his head; “and depend on it, that woman would not be so submissive as she is if the Marquis had not some sword to hold over her.” Wenn Mr. Eaves recht berichtete, mußte diese Dame in hoher Stellung viele geheime Kränkungen erdulden und manchen stillen Kummer unter einem ruhigen Gesicht verbergen. Wir aber, meine Brüder, deren Namen nicht im Adelskalender stehen, können uns also mit dem angenehmen Gedanken trösten, wie unglücklich die, die über uns stehen, sein können und daß dem Damokles, der auf Seidenkissen sitzt und von goldenem Geschirr ißt, ein furchtbares Schwert über dem Kopf schwebt, in Gestalt eines Gerichtsdieners, einer Erbkrankheit oder eines Familiengeheimnisses, das von Zeit zu Zeit gespenstisch durch die gestickten Vorhänge blinkt und eines Tages sicher auf die rechte Stelle herabfallen wird.   So, if Mr. Eaves’s information be correct, it is very likely that this lady, in her high station, had to submit to many a private indignity and to hide many secret griefs under a calm face. And let us, my brethren who have not our names in the Red Book, console ourselves by thinking comfortably how miserable our betters may be, and that Damocles, who sits on satin cushions and is served on gold plate, has an awful sword hanging over his head in the shape of a bailiff, or an hereditary disease, or a family secret, which peeps out every now and then from the embroidered arras in a ghastly manner, and will be sure to drop one day or the other in the right place. Wenn der Arme seine Lage mit der des Reichen vergleicht, so findet er (immer nach Mr. Eaves) dabei noch eine andere Trostquelle. Der, der wenig oder kein Vermögen zu hinterlassen oder zu erben hat, kann mit seinem Vater oder Sohn in gutem Einvernehmen leben. Der Erbe eines großen Fürsten wie Lord Steyne dagegen muß ärgerlich sein, wenn er zu lange von seinem Königreich ferngehalten wird, und er wird den derzeitigen Inhaber des Thrones nicht mit ausgesprochen freundlichen Blicken betrachten. »Sie können es als allgemeine Regel ansehen«, sagte der hämische alte Eaves stets, »daß sich in vornehmen Familien Vater und Erstgeborener stets hassen. Der Kronprinz steht immer in Opposition zur Krone oder strebt danach. Shakespeare kannte die Welt, mein guter Herr, wenn er beschreibt, wie Prinz Heinz (von dessen Familie die Gaunts abzustammen vorgeben, obwohl sie mit Johann von Gaunt ebensowenig verwandt sind wie Sie) die Krone seines Vaters aufsetzt, so gibt er damit eine natürliche Beschreibung aller rechtmäßigen Erben. Oder wollen Sie vielleicht behaupten, daß Sie, wenn Sie ein Herzogtum und ein Einkommen von täglich tausend Pfund erben könnten, sich nicht nach dem Besitze sehnen würden? Pah! Es ist ganz natürlich, daß jeder vornehme Mann, der selbst dieses Gefühl gegen seinen Vater gehegt hat, wissen muß, daß sein Sohn ebenso gegen ihn fühlt und deshalb Verdacht und Feindseligkeit gegen ihn unvermeidlich sind. Und dann die Gefühle der älteren Söhne gegen die jüngeren! Sie wissen, mein Lieber, daß jeder älteste Sohn seine jüngeren Brüder als natürliche Feinde betrachtet, die ihn einer Menge baren Geldes berauben, das ihm von Rechts wegen zukommt. Ich habe gehört, wie George MacTurk, Lord Bajazets ältester Sohn, oftmals sagt, wenn es nach ihm ginge, so würde er, sobald er die Regierung anträte, wie die Sultane sein Vermögen dadurch entlasten, daß er allen seinen jüngeren Brüdern die Köpfe abschlagen ließe; und so steht die Sache mehr oder weniger bei allen. Ich sage Ihnen, in ihrem Herzen sind sie alle Türken. Pah, Herr, die kennen die Welt.« Hier kam zufälligerweise ein vornehmer Herr vorüber, und Tom Eaves' Hut flog vom Kopfe. Er stürzte mit einer Verbeugung und einem Lächeln vorwärts, die bewiesen, daß er die Welt auch kannte, und zwar auf Eavessche Weise. Tom, der jeden Shilling seines Vermögens in Renten angelegt hatte, kann sehr gut seine Neffen und Nichten lieben und gegenüber Höherstehenden kein anderes Gefühl hegen als den steten edelmütigen Wunsch, bei ihnen zu speisen.   In comparing, too, the poor man’s situation with that of the great, there is (always according to Mr. Eaves) another source of comfort for the former. You who have little or no patrimony to bequeath or to inherit, may be on good terms with your father or your son, whereas the heir of a great prince, such as my Lord Steyne, must naturally be angry at being kept out of his kingdom, and eye the occupant of it with no very agreeable glances. “Take it as a rule,” this sardonic old Laves would say, “the fathers and elder sons of all great families hate each other. The Crown Prince is always in opposition to the crown or hankering after it. Shakespeare knew the world, my good sir, and when he describes Prince Hal (from whose family the Gaunts pretend to be descended, though they are no more related to John of Gaunt than you are) trying on his father’s coronet, he gives you a natural description of all heirs apparent. If you were heir to a dukedom and a thousand pounds a day, do you mean to say you would not wish for possession? Pooh! And it stands to reason that every great man, having experienced this feeling towards his father, must be aware that his son entertains it towards himself; and so they can’t but be suspicious and hostile. “Then again, as to the feeling of elder towards younger sons. My dear sir, you ought to know that every elder brother looks upon the cadets of the house as his natural enemies, who deprive him of so much ready money which ought to be his by right. I have often heard George Mac Turk, Lord Bajazet’s eldest son, say that if he had his will when he came to the title, he would do what the sultans do, and clear the estate by chopping off all his younger brothers’ heads at once; and so the case is, more or less, with them all. I tell you they are all Turks in their hearts. Pooh! sir, they know the world.” And here, haply, a great man coming up, Tom Eaves’s hat would drop off his head, and he would rush forward with a bow and a grin, which showed that he knew the world too — in the Tomeavesian way, that is. And having laid out every shilling of his fortune on an annuity, Tom could afford to bear no malice to his nephews and nieces, and to have no other feeling with regard to his betters but a constant and generous desire to dine with them. Zwischen der Marquise und der natürlichen Liebe einer Mutter zu ihren Kindern erhob sich die grausame Schranke des Glaubensunterschiedes. Die Liebe, die die fromme Dame gegenüber ihren Söhnen fühlte, machte sie nur noch furchtsamer und unglücklicher. Der Abgrund, der sie von ihnen trennte, war verhängnisvoll und unüberwindlich. Sie konnte weder ihre schwachen Arme hinüberstrecken noch ihre Kinder zu ihrer Seite herüberziehen, wo nach ihrem Glauben das alleinige Heil lag. In der Jugendzeit seiner Söhne kannte Lord Steyne, der ein tüchtiger Gelehrter und sehr spitzfindig war, auf dem Lande abends nach dem Essen beim Wein kein größeres Vergnügen, als den Erzieher der Knaben, den ehrwürdigen Trail (jetzt Lordbischof von Ealing), gegen den Beichtvater seiner Gemahlin, Pater Mole, zu hetzen und Oxford gegen Saint-Acheul auszuspielen. Er rief abwechselnd: »Bravo, Latimer! Gut gesagt, Loyola!« und versprach Mole ein Bistum, wenn er übertreten wolle, und gelobte, allen seinen Einfluß aufzubieten, um Trail einen Kardinalshut zu verschaffen, wenn er abfallen würde. Keiner der Geistlichen gab zu, jemals besiegt worden zu sein, und obwohl die zärtliche Mutter hoffte, daß ihr jüngster und liebster Sohn zu ihrer Kirche – seiner Mutterkirche – übergehen würde, so erwartete die fromme Dame doch eine schreckliche, traurige Enttäuschung – eine Enttäuschung, die die Strafe für die Sünden ihrer Ehe zu sein schien.   Between the Marchioness and the natural and tender regard of mother for children, there was that cruel barrier placed of difference of faith. The very love which she might feel for her sons only served to render the timid and pious lady more fearful and unhappy. The gulf which separated them was fatal and impassable. She could not stretch her weak arms across it, or draw her children over to that side away from which her belief told her there was no safety. During the youth of his sons, Lord Steyne, who was a good scholar and amateur casuist, had no better sport in the evening after dinner in the country than in setting the boys’ tutor, the Reverend Mr. Trail (now my Lord Bishop of Ealing) on her ladyship’s director, Father Mole, over their wine, and in pitting Oxford against St. Acheul. He cried “Bravo, Latimer! Well said, Loyola!” alternately; he promised Mole a bishopric if he would come over, and vowed he would use all his influence to get Trail a cardinal’s hat if he would secede. Neither divine allowed himself to be conquered, and though the fond mother hoped that her youngest and favourite son would be reconciled to her church — his mother church — a sad and awful disappointment awaited the devout lady — a disappointment which seemed to be a judgement upon her for the sin of her marriage. Lord Gaunt heiratete, wie jeder, der häufig im Adelskalender blättert, weiß, Lady Blanche Thistlewood, eine Tochter des edlen Hauses Bareacres, das in dieser wahren Geschichte schon einmal erwähnt wurde. Dem jungen Paar war ein Flügel im Gaunt-Haus angewiesen worden. Das Haupt der Familie wollte es, denn solange er regierte, wollte er unumschränkt regieren. Sein Sohn und Erbe war wenig zu Hause, vertrug sich nicht mit seiner Frau und borgte sich Geld über das geringe Einkommen hinaus, das ihm sein Vater gewährte, auf Wechsel, die nach dem Tode des Vaters fällig waren. Der Marquis kannte jeden Shilling von seines Sohnes Schulden, und als er viel betrauert starb, fanden sich bei ihm selbst viele von seines Sohnes Schuldscheinen, die er den Kindern seines jüngsten Sohnes hinterließ.   My Lord Gaunt married, as every person who frequents the Peerage knows, the Lady Blanche Thistlewood, a daughter of the noble house of Bareacres, before mentioned in this veracious history. A wing of Gaunt House was assigned to this couple; for the head of the family chose to govern it, and while he reigned to reign supreme; his son and heir, however, living little at home, disagreeing with his wife, and borrowing upon post-obits such moneys as he required beyond the very moderate sums which his father was disposed to allow him. The Marquis knew every shilling of his son’s debts. At his lamented demise, he was found himself to be possessor of many of his heir’s bonds, purchased for their benefit, and devised by his Lordship to the children of his younger son. Da Lady Gaunt zum Kummer des Lords und zur großen Freude seines natürlichen Feindes, seines Vaters, keine Kinder hatte, wurde Lord George Gaunt aus Wien zurückgerufen, wo er mit Walzertanzen und Diplomatie beschäftigt war, und erhielt den Auftrag, ein Ehebündnis mit Joan, der einzigen Tochter von John Jones, dem ersten Baron Helvellyn und Chef der Bankiersfirma Jones, Brown und Robinson in der Threadneedle Street, zu schließen. Aus dieser Verbindung entsprangen mehrere Söhne und Töchter, deren Leben und Taten nicht in unsere Geschichte gehören.   As, to my Lord Gaunt’s dismay, and the chuckling delight of his natural enemy and father, the Lady Gaunt had no children — the Lord George Gaunt was desired to return from Vienna, where he was engaged in waltzing and diplomacy, and to contract a matrimonial alliance with the Honourable Joan, only daughter of John Johnes, First Baron Helvellyn, and head of the firm of Jones, Brown, and Robinson, of Threadneedle Street, Bankers; from which union sprang several sons and daughters, whose doings do not appertain to this story. Die Ehe war anfänglich glücklich. Lord George Gaunt konnte nicht nur lesen, sondern auch einigermaßen richtig schreiben. Er sprach geläufig Französisch und war einer der besten Walzertänzer Europas. Bei diesen Talenten und seinem Familieneinfluß in England bestand kein Zweifel, daß der Lord in seinem Beruf zu höchsten Würden aufsteigen würde. Seine Gemahlin fühlte sich an den Höfen zu Hause, und ihr Reichtum ermöglichte es ihr, in den Städten des europäischen Kontinents, wohin sie die diplomatischen Pflichten ihres Mannes brachten, ein glänzendes Haus zu führen. Man sprach schon davon, daß er zum Gesandten ernannt werden würde, und schloß im Klub der Reisenden Wetten ab, daß er in kurzer Zeit Botschafter sein würde, als sich plötzlich dunkle Gerüchte über das außerordentliche Benehmen des Staatsmannes zu verbreiten begannen. Bei einem großen Essen, das sein Vorgesetzter allen Diplomaten gab, war er plötzlich aufgesprungen und hatte erklärt, eine pâté de foie gras sei vergiftet, und einmal war er zu einem Ball im Hotel des bayrischen Gesandten Graf Springbock-Hohenlaufen mit geschorenem Kopfe und als Kapuzinermönch gekleidet erschienen. Es war kein Maskenball, wie manche einem einreden wollten. Es sei etwas Seltsames, flüsterten die Leute. Sein Großvater sei auch so gewesen. Es läge in der Familie.   The marriage at first was a happy and prosperous one. My Lord George Gaunt could not only read, but write pretty correctly. He spoke French with considerable fluency; and was one of the finest waltzers in Europe. With these talents, and his interest at home, there was little doubt that his lordship would rise to the highest dignities in his profession. The lady, his wife, felt that courts were her sphere, and her wealth enabled her to receive splendidly in those continental towns whither her husband’s diplomatic duties led him. There was talk of appointing him minister, and bets were laid at the Travellers’ that he would be ambassador ere long, when of a sudden, rumours arrived of the secretary’s extraordinary behaviour. At a grand diplomatic dinner given by his chief, he had started up and declared that a pate de foie gras was poisoned. He went to a ball at the hotel of the Bavarian envoy, the Count de Springbock-Hohenlaufen, with his head shaved and dressed as a Capuchin friar. It was not a masked ball, as some folks wanted to persuade you. It was something queer, people whispered. His grandfather was so. It was in the family. Seine Frau und seine Kinder kehrten nach England zurück und zogen ins Gaunt-Haus. Lord George gab seinen Posten auf dem Kontinent auf und erhielt, wie die Zeitungen berichteten, einen anderen in Brasilien. Man wußte es aber besser; er kehrte nie von Brasilien zurück, starb nicht dort, lebte nicht dort, war überhaupt niemals dort gewesen. Er war nirgends, er war verschollen. »Brasilien«, sagte ein Klatschmaul grinsend zum anderen, »Brasilien ist St. Johns' Wood, Rio de Janeiro ist ein von vier Mauern umgebenes Haus, und George Gaunt ist bei einem Wärter akkreditiert, der ihm den Zwangsjackenorden verliehen hat.« Das sind die Leichenreden, die die Menschen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit einander halten.   His wife and family returned to this country and took up their abode at Gaunt House. Lord George gave up his post on the European continent, and was gazetted to Brazil. But people knew better; he never returned from that Brazil expedition — never died there — never lived there — never was there at all. He was nowhere; he was gone out altogether. “Brazil,” said one gossip to another, with a grin — “Brazil is St. John’s Wood. Rio de Janeiro is a cottage surrounded by four walls, and George Gaunt is accredited to a keeper, who has invested him with the order of the Strait-Waistcoat.” These are the kinds of epitaphs which men pass over one another in Vanity Fair. Zwei- bis dreimal wöchentlich suchte in den frühesten Morgenstunden die arme Mutter zur Strafe für ihre Sünden den armen Kranken auf. Zuweilen lachte er sie an (und sein Gelächter war schlimmer, als wenn man ihn weinen hörte), zuweilen fand sie den glänzenden eleganten Diplomaten des Wiener Kongresses, wie er ein Kinderspielzeug herumzog oder die Puppe des Kindes seines Wärters wiegte. Zuweilen erkannte er sie und Pater Mole, ihren Beichtvater und Begleiter, öfter aber erinnerte er sich nicht, wie er sich an Frau, Kinder, Liebe, Ehrgeiz und Eitelkeit nicht erinnerte. Aber niemals vergaß er die Essenszeit und pflegte zu weinen, wenn der Wein nicht stark genug war.   Twice or thrice in a week, in the earliest morning, the poor mother went for her sins and saw the poor invalid. Sometimes he laughed at her (and his laughter was more pitiful than to hear him cry); sometimes she found the brilliant dandy diplomatist of the Congress of Vienna dragging about a child’s toy, or nursing the keeper’s baby’s doll. Sometimes he knew her and Father Mole, her director and companion; oftener he forgot her, as he had done wife, children, love, ambition, vanity. But he remembered his dinner-hour, and used to cry if his wine-and-water was not strong enough. Die arme Mutter hatte einen geheimnisvollen Makel im Blut aus ihrem alten Geschlecht mitgebracht. Das Übel war ein paarmal in der Familie ihres Vaters ausgebrochen, aber lange ehe Lady Steyne gesündigt hatte und mit Fasten, Tränen und Bußübungen ihr Sühneopfer gebracht hatte. Der Stolz ihres Geschlechts war geschlagen wie der erste Sohn Pharaos. Das düstere Zeichen von Schicksal und Verdammnis stand an der Tür, an der hohen alten Tür, unter der Krone und dem geschnitzten Wappen.   It was the mysterious taint of the blood; the poor mother had brought it from her own ancient race. The evil had broken out once or twice in the father’s family, long before Lady Steyne’s sins had begun, or her fasts and tears and penances had been offered in their expiation. The pride of the race was struck down as the first-born of Pharaoh. The dark mark of fate and doom was on the threshold — the tall old threshold surmounted by coronets and caned heraldry. Inzwischen wuchsen die Kinder des abwesenden Lords lustig auf, ohne zu ahnen, daß auch auf ihnen der Fluch lag. Anfangs sprachen sie viel von ihrem Vater und machten Pläne für seine Rückkehr. Dann verschwand der Name des lebenden Toten allmählich aus ihrem Munde – endlich erwähnten sie ihn gar nicht mehr. Die alte gebeugte Großmutter zitterte jedoch bei dem Gedanken, daß diese die Erben von ihres Vaters Ehre, aber auch von seiner Schande seien, und wartete furchtsam auf den Tag, wo der entsetzliche Fluch ihrer Ahnen auf die Kinder fallen würde.   The absent lord’s children meanwhile prattled and grew on quite unconscious that the doom was over them too. First they talked of their father and devised plans against his return. Then the name of the living dead man was less frequently in their mouth — then not mentioned at all. But the stricken old grandmother trembled to think that these too were the inheritors of their father’s shame as well as of his honours, and watched sickening for the day when the awful ancestral curse should come down on them. Diese dunkle Vorahnung verfolgte auch Lord Steyne. Er versuchte das schreckliche Gespenst in einem roten Meer von Wein und Vergnügungen zu ertränken, und manchmal verlor er es inmitten lustiger Gesellschaft auch aus den Augen. Aber wenn er allein war, kehrte es stets zu ihm zurück, und mit den Jahren nahm es immer drohendere Gestalt an. »Ich habe deinen Sohn genommen«, sagte es, »warum nicht auch dich? Eines Tages kann ich auch dich in ein Gefängnis sperren wie deinen Sohn George. Ich kann schon morgen deinen Kopf berühren, und aus ist es mit Vergnügungen und Ehrungen, Festen und Schönheit, Freunden, Schmeichlern, französischen Köchen, schönen Pferden und Häusern – dafür gibt es ein Gefängnis, einen Wärter und einen Strohsack wie bei George Gaunt.« Dann aber verhöhnte der Lord das Gespenst, das ihn bedrohte, denn er kannte ein Mittel, durch das er seinen Feind um die Beute betrügen konnte.   This dark presentiment also haunted Lord Steyne. He tried to lay the horrid bedside ghost in Red Seas of wine and jollity, and lost sight of it sometimes in the crowd and rout of his pleasures. But it always came back to him when alone, and seemed to grow more threatening with years. “I have taken your son,” it said, “why not you? I may shut you up in a prison some day like your son George. I may tap you on the head to-morrow, and away go pleasure and honours, feasts and beauty, friends, flatterers, French cooks, fine horses and houses — in exchange for a prison, a keeper, and a straw mattress like George Gaunt’s.” And then my lord would defy the ghost which threatened him, for he knew of a remedy by which he could baulk his enemy. Es herrschte also Glanz und Reichtum hinter den hohen verzierten Portalen vom Gaunt-Haus mit ihren rauchgeschwärzten Grafenkronen und Jahreszahlen, aber wohl kaum großes Glück. Die Feste, die dort gegeben wurden, gehörten zu den großartigsten von ganz London, schufen aber keine übermäßige Befriedigung, außer bei den Gästen, die am Tische des Lords saßen. Wäre er nicht ein so großer Herr gewesen, so hätten ihn wahrscheinlich nur wenige besucht. Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit beurteilt man aber die Sünden sehr hoher Persönlichkeiten mit Nachsicht. »Nous regardons à deux fois«, sagte die französische Dame, »ehe wir einen Menschen von des Lords unzweifelhaften Qualitäten verurteilen.« Ein paar notorische Krittler und ängstliche Moralisten hielten sich zwar über Lord Steyne auf, kamen aber nur zu gern, wenn er sie einlud.   So there was splendour and wealth, but no great happiness perchance, behind the tall caned portals of Gaunt House with its smoky coronets and ciphers. The feasts there were of the grandest in London, but there was not overmuch content therewith, except among the guests who sat at my lord’s table. Had he not been so great a Prince very few possibly would have visited him; but in Vanity Fair the sins of very great personages are looked at indulgently. “Nous regardons a deux fois” (as the French lady said) before we condemn a person of my lord’s undoubted quality. Some notorious carpers and squeamish moralists might be sulky with Lord Steyne, but they were glad enough to come when he asked them. »Lord Steyne treibt es wirklich zu arg«, meinte Lady Slingstone, »es geht aber alle Welt hin. Ich muß bloß aufpassen, daß meine Töchter keinen Schaden nehmen.« »Ich verdanke dem Lord viel, ja alles im Leben«, erklärte Ehrwürden Dr. Trail, und er überlegte, daß der Erzbischof doch schon recht schwächlich sei, und Mrs. Trail und ihre Töchter hätten lieber den Gottesdienst als eine Gesellschaft bei Lord Steyne versäumt. »Seine Moral ist zwar schlecht, aber, zum Henker, er hat den besten Champagner in ganz Europa«, sagte der kleine Lord Southdown zu seiner Schwester, als sie ihm sanfte Vorstellungen machte. Sie hatte nämlich von ihrer Mama entsetzliche Geschichten über die Vorkommnisse im Gaunt-Haus gehört. Und was Sir Pitt Crawley, Baronet, betrifft – Sir Pitt, dieses Muster der Wohlanständigkeit, Sir Pitt, der bei Missionsversammlungen präsidierte –, so dachte er keinen Augenblick daran, nicht hinzugehen. »Wo du Persönlichkeiten wie den Bischof von Ealing und die Gräfin Slingstone siehst, Jane, kannst du sicher sein, daß wir nicht fehl am Platze sind«, pflegte der Baronet zu sagen. »Der hohe Rang und Stand Lord Steynes erlauben ihm, über Leute in unserer Stellung zu herrschen. Der höchste Beamte einer Grafschaft, meine Liebe, ist ein respektabler Mann. Übrigens waren George Gaunt und ich früher sehr vertraut; als wir Attachés in Pumpernickel waren, war ich sein Vorgesetzter.«   “Lord Steyne is really too bad,” Lady Slingstone said, “but everybody goes, and of course I shall see that my girls come to no harm.” “His lordship is a man to whom I owe much, everything in life,” said the Right Reverend Doctor Trail, thinking that the Archbishop was rather shaky, and Mrs. Trail and the young ladies would as soon have missed going to church as to one of his lordship’s parties. “His morals are bad,” said little Lord Southdown to his sister, who meekly expostulated, having heard terrific legends from her mamma with respect to the doings at Gaunt House; “but hang it, he’s got the best dry Sillery in Europe!” And as for Sir Pitt Crawley, Bart. — Sir Pitt that pattern of decorum, Sir Pitt who had led off at missionary meetings — he never for one moment thought of not going too. “Where you see such persons as the Bishop of Ealing and the Countess of Slingstone; you may be pretty sure, Jane,” the Baronet would say, “that we cannot be wrong. The great rank and station of Lord Steyne put him in a position to command people in our station in life. The Lord Lieutenant of a County, my dear, is a respectable man. Besides, George Gaunt and I were intimate in early life; he was my junior when we were attaches at Pumpernickel together.” Kurz, jeder machte diesem bedeutenden Mann seine Aufwartung – jeder, der zu Gast gebeten wurde. Auch du, lieber Leser (leugne es nicht), und ich, der Verfasser der Geschichte, würden gehen, wenn wir eingeladen würden.   In a word everybody went to wait upon this great man — everybody who was asked, as you the reader (do not say nay) or I the writer hereof would go if we had an invitation. 48. Kapitel / Chapter 48 In dem der Leser in die allerbeste Gesellschaft eingeführt wird / In Which the Reader Is Introduced to the Very Best of Company Beckys freundliche Aufmerksamkeit gegenüber dem Haupt der Familie ihres Mannes sollte schließlich großartig belohnt werden. Nach dieser Belohnung, die gar nicht einmal sehr greifbarer Natur war, strebte die kleine Frau begieriger als nach materiellen Vorteilen. Wenn sie schon kein tugendhaftes Leben führen wollte, so wollte sie doch wenigstens im Ruf der Tugend stehen, und wir wissen, daß einer Dame der vornehmen Welt dieser Wunsch erst erfüllt wird, wenn sie in Schleppe und Federn ihrem König bei Hofe vorgestellt worden ist. Von diesem erlauchten Treffen kommen sie, als ehrbare Frauen gestempelt, zurück. Der Oberzeremonienmeister stellt ihnen ein Zeugnis ihrer Tugend aus. Und wie verdächtige Waren und Briefe in der Quarantäne durch einen Ofen geschickt und mit aromatischem Essig besprengt werden, worauf man sie für rein erklärt, so geht auch manche Dame, die in zweifelhaftem Ruf steht und ansteckend wirken könnte, durch die heilsame Feuerprobe der Vorstellung bei Hofe und kommt völlig makellos wieder heraus.   At last Becky’s kindness and attention to the chief of her husband’s family were destined to meet with an exceeding great reward, a reward which, though certainly somewhat unsubstantial, the little woman coveted with greater eagerness than more positive benefits. If she did not wish to lead a virtuous life, at least she desired to enjoy a character for virtue, and we know that no lady in the genteel world can possess this desideratum, until she has put on a train and feathers and has been presented to her Sovereign at Court. From that august interview they come out stamped as honest women. The Lord Chamberlain gives them a certificate of virtue. And as dubious goods or letters are passed through an oven at quarantine, sprinkled with aromatic vinegar, and then pronounced clean, many a lady, whose reputation would be doubtful otherwise and liable to give infection, passes through the wholesome ordeal of the Royal presence and issues from it free from all taint. Lady Bareacres, Lady Tufto, Mrs. Bute Crawley auf dem Lande und andere Damen, die mit Mrs. Rawdon Crawley in Berührung gekommen waren, mochten wohl pfui rufen bei dem Gedanken, daß diese abscheuliche kleine Abenteuerin ihren Knicks vor dem König hatte machen dürfen. Sie mochten beteuern, daß die liebe, gute Königin Charlotte, wenn sie noch gelebt hätte, nie eine so schlecht angesehene Person in ihren keuschen Salon eingelassen hätte. Wenn wir aber bedenken, daß Mrs. Rawdon in der erhabenen Gegenwart des ersten Gentlemans von Europa ihr Examen bestand und gewissermaßen das Diplom eines guten Rufes erhielt, so wäre es einfach Untreue, länger an ihrer Tugend zu zweifeln. Ich für mein Teil blicke mit Liebe und Verehrung auf diese große historische Persönlichkeit zurück. Ach, wie hoch und herrlich muß man auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit dann die Würde eines Gentlemans einschätzen, wenn dieses ehrenwerte und erlauchte Wesen durch den einstimmigen Beifall des vornehmen und gebildeten Teils des englischen Reiches mit dem Titel »Erster Gentilhomme des Königreichs« belegt wurde! Erinnerst du dich noch, lieber M., du Freund meiner Jugend, eines seligen Abends vor fünfundzwanzig Jahren, als unter Ellistons Regie der »Heuchler« mit Dowton und Liston gegeben wurde? Zwei Knaben erhielten damals von ihren königstreuen Lehrern der Slaughter-House-Schule, in der sie erzogen wurden, frei, um auf der Bühne des Drury Lane Theaters zu erscheinen, inmitten einer Menge, die sich dort versammelt hatte, um den König zu begrüßen. Der König! Da war er! Vor der königlichen Loge standen Leibgardisten, hinter dem Stuhl, auf dem er saß, stand der Marquis von Steyne (Lord des Haarpuderkabinetts) und andere hohe Staatsbeamte. Da saß er mit blühendem Gesicht, von stattlicher Gestalt, ordenbedeckt, mit reichem, lockigem Haar. Wie wir »Gott schütz den König!« sangen, wie das Haus von dieser herrlichen Melodie widerhallte und erzitterte! Wie sie Hochrufe ausstießen, schrien und mit Taschentüchern winkten! Damen weinten, Mütter preßten ihre Kinder an sich, einige fielen vor Rührung in Ohnmacht. Im Parkett wurden Menschen fast erstickt; Schreien und Stöhnen stieg auf aus der drängenden und rufenden Menge seines Volkes, das bereit war, das Leben für ihn zu lassen und es in einigen Fällen auch fast schon tat. Ja, wir haben ihn gesehen. Das kann uns kein Schicksal mehr rauben! Andere haben Napoleon gesehen. Einige wenige leben noch, die Friedrich den Großen, Dr. Johnson, Marie Antoinette geschaut haben – sei es also unser gerechter Stolz gegenüber unseren Kindern, daß wir Georg, den Guten, den Herrlichen, den Großen, gesehen haben!   It might be very well for my Lady Bareacres, my Lady Tufto, Mrs. Bute Crawley in the country, and other ladies who had come into contact with Mrs. Rawdon Crawley to cry fie at the idea of the odious little adventuress making her curtsey before the Sovereign, and to declare that, if dear good Queen Charlotte had been alive, she never would have admitted such an extremely ill-regulated personage into her chaste drawing-room. But when we consider that it was the First Gentleman in Europe in whose high presence Mrs. Rawdon passed her examination, and as it were, took her degree in reputation, it surely must be flat disloyalty to doubt any more about her virtue. I, for my part, look back with love and awe to that Great Character in history. Ah, what a high and noble appreciation of Gentlewomanhood there must have been in Vanity Fair, when that revered and august being was invested, by the universal acclaim of the refined and educated portion of this empire, with the title of Premier Gentilhomme of his Kingdom. Do you remember, dear M — , oh friend of my youth, how one blissful night five-and-twenty years since, the “Hypocrite” being acted, Elliston being manager, Dowton and Liston performers, two boys had leave from their loyal masters to go out from Slaughter-House School where they were educated and to appear on Drury Lane stage, amongst a crowd which assembled there to greet the king. The king ? There he was. Beefeaters were before the august box; the Marquis of Steyne (Lord of the Powder Closet) and other great officers of state were behind the chair on which he sat, he sat — florid of face, portly of person, covered with orders, and in a rich curling head of hair — how we sang God save him! How the house rocked and shouted with that magnificent music. How they cheered, and cried, and waved handkerchiefs. Ladies wept; mothers clasped their children; some fainted with emotion. People were suffocated in the pit, shrieks and groans rising up amidst the writhing and shouting mass there of his people who were, and indeed showed themselves almost to be, ready to die for him. Yes, we saw him. Fate cannot deprive us of that . Others have seen Napoleon. Some few still exist who have beheld Frederick the Great, Doctor Johnson, Marie Antoinette, \&c. — be it our reasonable boast to our children, that we saw George the Good, the Magnificent, the Great. Endlich nun kam der glückliche Tag in Mrs. Rawdon Crawleys Leben, an dem dieser Engel in das ersehnte Hofparadies eingelassen wurde. Ihre Schwägerin war dabei Patin. Am festgesetzten Tag fuhren Sir Pitt und seine Frau in der großen Familienkutsche (die gerade neu gebaut worden war für den Amtsantritt des Baronets als Oberrichter seiner Grafschaft) vor dem kleinen Hause in der Curzon Street vor, zur großen Erbauung des armen Raggles. Er beobachtete sie von seinem Gemüseladen aus und erblickte schöne Straußenfedern im Wagen und ungeheure Blumensträuße an den neuen Livreen der Bedienten.   Well, there came a happy day in Mrs. Rawdon Crawley’s existence when this angel was admitted into the paradise of a Court which she coveted, her sister-in-law acting as her godmother. On the appointed day, Sir Pitt and his lady, in their great family carriage (just newly built, and ready for the Baronet’s assumption of the office of High Sheriff of his county), drove up to the little house in Curzon Street, to the edification of Raggles, who was watching from his greengrocer’s shop, and saw fine plumes within, and enormous bunches of flowers in the breasts of the new livery-coats of the footmen. Sir Pitt in schimmernder Uniform stieg aus und betrat das Haus, wobei ihm der Degen ständig zwischen die Beine geriet. Der kleine Rawdon drückte sein lächelndes Gesicht gegen die Fensterscheiben des Wohnzimmers und nickte aus Leibeskräften seiner Tante im Wagen zu. Kurze Zeit darauf kam Sir Pitt wieder aus dem Haus, am Arm eine Dame mit hohem Federbusch. Sie war in einen weißen Schal gehüllt und hielt zierlich eine Schleppe von herrlichem Brokat hoch. Sie stieg in die Kutsche, als wäre sie eine Prinzessin und seit frühester Jugend gewohnt, bei Hofe zu erscheinen. Dem Lakaien am Wagenschlag sowie dem hinter ihr einsteigenden Sir Pitt gewährte sie ein gnädiges Lächeln. Rawdon kam in seiner alten Gardeuniform, die erbärmlich abgetragen und viel zu eng geworden war. Er sollte eigentlich der Prozession in einer Mietsdroschke folgen, um seinem König die Aufwartung zu machen, aber seine gutmütige Schwägerin bestand darauf, daß sie als Familie fahren sollten. Die Kutsche war geräumig, die Damen nicht dick, sie konnten die Schleppe auf den Schoß nehmen – schließlich fuhren die vier in brüderlicher Eintracht los, und ihr Wagen schloß sich der Reihe königstreuer Equipagen an, die sich Piccadilly und St. James' Street hinab ihren Weg bahnten, zu dem alten Backsteinpalast, wo der Stern von Braunschweig seinen Adel und die Vornehmen des Landes empfing.   Sir Pitt, in a glittering uniform, descended and went into Curzon Street, his sword between his legs. Little Rawdon stood with his face against the parlour window-panes, smiling and nodding with all his might to his aunt in the carriage within; and presently Sir Pitt issued forth from the house again, leading forth a lady with grand feathers, covered in a white shawl, and holding up daintily a train of magnificent brocade. She stepped into the vehicle as if she were a princess and accustomed all her life to go to Court, smiling graciously on the footman at the door and on Sir Pitt, who followed her into the carriage. Then Rawdon followed in his old Guards’ uniform, which had grown woefully shabby, and was much too tight. He was to have followed the procession and waited upon his sovereign in a cab, but that his good-natured sister-in-law insisted that they should be a family party. The coach was large, the ladies not very big, they would hold their trains in their laps — finally, the four went fraternally together, and their carriage presently joined the line of royal equipages which was making its way down Piccadilly and St. James’s Street, towards the old brick palace where the Star of Brunswick was in waiting to receive his nobles and gentlefolks. Becky war es zumute, als sollte sie die Leute vom Wagenfenster aus segnen – so gehobener Stimmung war sie, und so stark war das Gefühl der hohen Würde, die sie nun erreicht hatte. Selbst unsere Becky hatte ihre Schwächen. Man sieht oft, daß Menschen auf Eigenschaften stolz sind, die andere an ihnen gar nicht entdecken. So glaubt zum Beispiel Comus fest, daß er der bedeutendste tragische Schauspieler Englands sei, Brown, der berühmte Schriftsteller, strebt danach, nicht als Genie, sondern als Mann von Welt angesehen zu werden, und Robinson, der große Rechtsanwalt, legt nicht den geringsten Wert auf seinen Ruf in der Westminster Hall, sondern hält sich für unvergleichlich im Querfeldeinreiten und Hindernisspringen. Beckys Lebensziel nun war es, eine achtbare Frau zu sein und dafür gehalten zu werden. Sie hatte sich das vornehme Wesen mit erstaunlichem Eifer und schnellem Erfolg angenommen. Zuzeiten hielt sie sich selbst für eine feine Dame und vergaß, daß zu Hause kein Geld in der Kasse war, Gläubiger vor der Tür standen, Kaufleute umschmeichelt und beschwatzt werden mußten – mit einem Wort, daß der Grund, auf dem sie stand, sehr schwankend war. Als sie in der Kutsche – der Familienkutsche – zu Hofe fuhr, nahm sie eine so großartige, selbstzufriedene, entschiedene, achtunggebietende Haltung an, daß sogar Lady Jane lachen mußte. Sie betrat die königlichen Gemächer mit einem Aufwerfen des Kopfes, wie es einer Kaiserin angestanden hätte, und zweifellos hätte sie auch diese Rolle ausgezeichnet gespielt.   Becky felt as if she could bless the people out of the carriage windows, so elated was she in spirit, and so strong a sense had she of the dignified position which she had at last attained in life. Even our Becky had her weaknesses, and as one often sees how men pride themselves upon excellences which others are slow to perceive: how, for instance, Comus firmly believes that he is the greatest tragic actor in England; how Brown, the famous novelist, longs to be considered, not a man of genius, but a man of fashion; while Robinson, the great lawyer, does not in the least care about his reputation in Westminster Hall, but believes himself incomparable across country and at a five-barred gate — so to be, and to be thought, a respectable woman was Becky’s aim in life, and she got up the genteel with amazing assiduity, readiness, and success. We have said, there were times when she believed herself to be a fine lady and forgot that there was no money in the chest at home — duns round the gate, tradesmen to coax and wheedle — no ground to walk upon, in a word. And as she went to Court in the carriage, the family carriage, she adopted a demeanour so grand, self-satisfied, deliberate, and imposing that it made even Lady Jane laugh. She walked into the royal apartments with a toss of the head which would have befitted an empress, and I have no doubt had she been one, she would have become the character perfectly. Wir können bezeugen, daß Mrs. Rawdon Crawleys costume de cour anläßlich ihrer Vorstellung beim König höchst elegant und glänzend war. Wir, die wir Sterne und Ordensbänder tragen und die Gesellschaften im Sankt-James-Palast besuchen, oder wir, die wir mit schmutzigen Stiefeln durch die Pall Mall waten und in die Kutschen blicken, in denen die Vornehmen mit Federschmuck vorbeifahren – wir haben manche Dame von Welt an Empfangstagen gegen zwei Uhr nachmittags gesehen, die zu dieser frühen Tageszeit keinen liebenswürdigen und verlockenden Anblick bietet. Eine beleibte Gräfin von sechzig, dekolletiert, angemalt, runzlig, mit Schminke bis zu den schweren Augenlidern, funkelnde Diamanten in der Perücke, ist ein heilsamer und erbaulicher, aber keineswegs schöner Anblick. Sie sieht aus wie die St. James' Street in früher Morgenbeleuchtung, wenn die eine Hälfte der Lampen verlöscht ist und die andere Hälfte nur noch schwach flackert, als ob sie wie Gespenster vor der Morgendämmerung verschwinden wollten. Reize wie die, die wir erspähen, während die Kutsche der Lady vorüberrollt, sollten sich nur bei Nacht zeigen. Wenn selbst Cynthia an winterlichen Nachmittagen abgezehrt aussieht, wenn Phöbus sie, von der entgegengesetzten Seite des Himmels aus, mit seinen Strahlen entmutigt, wie kann da die alte Lady Castlemouldy ihr Gesicht zeigen, wenn die Sonne durch die Kutschenfenster darauf fällt und alle die Runzeln und Falten enthüllt, die die Zeit auf ihrem Gesicht hinterlassen hat. Nein, die Empfangstage sollten nur im November oder am ersten Nebeltag stattfinden, oder die ältlichen Sultaninnen von unserem Jahrmarkt der Eitelkeit sollten sich nur in verschlossenen Sänften zu Hofe begeben, in einem bedeckten Gang absteigen und ihre Verbeugung vor dem König unter dem Schutz des Lampenlichtes machen.   We are authorized to state that Mrs. Rawdon Crawley’s costume de cour on the occasion of her presentation to the Sovereign was of the most elegant and brilliant description. Some ladies we may have seen — we who wear stars and cordons and attend the St. James’s assemblies, or we, who, in muddy boots, dawdle up and down Pall Mall and peep into the coaches as they drive up with the great folks in their feathers — some ladies of fashion, I say, we may have seen, about two o’clock of the forenoon of a levee day, as the laced-jacketed band of the Life Guards are blowing triumphal marches seated on those prancing music-stools, their cream-coloured chargers — who are by no means lovely and enticing objects at that early period of noon. A stout countess of sixty, decolletee, painted, wrinkled with rouge up to her drooping eyelids, and diamonds twinkling in her wig, is a wholesome and edifying, but not a pleasant sight. She has the faded look of a St. James’s Street illumination, as it may be seen of an early morning, when half the lamps are out, and the others are blinking wanly, as if they were about to vanish like ghosts before the dawn. Such charms as those of which we catch glimpses while her ladyship’s carriage passes should appear abroad at night alone. If even Cynthia looks haggard of an afternoon, as we may see her sometimes in the present winter season, with Phoebus staring her out of countenance from the opposite side of the heavens, how much more can old Lady Castlemouldy keep her head up when the sun is shining full upon it through the chariot windows, and showing all the chinks and crannies with which time has marked her face! No. Drawing-rooms should be announced for November, or the first foggy day, or the elderly sultanas of our Vanity Fair should drive up in closed litters, descend in a covered way, and make their curtsey to the Sovereign under the protection of lamplight. Unsere geliebte Rebekka bedurfte jedoch keines solchen freundlichen Scheines, um ihre Schönheit in das rechte Licht zu setzen. Ihr Teint vertrug noch gut jeden Sonnenstrahl, und ihre Kleidung war in ihren Augen und in denen des Publikums so hübsch wie heute das prächtigste Kostüm der berühmtesten Schönheit der diesjährigen Saison, obwohl heute, nach fünfundzwanzig Jahren, jede Dame auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit es für das närrischste, albernste Gewand der Welt erklären würde. Aber auch das Wunderwerk der Modistin von heute wird in zwanzig Jahren mit allen früheren Eitelkeiten dem Reich des Lächerlichen anheimfallen. Wir entfernen uns aber zu weit von unserem Gegenstand. Mrs. Rawdons Kleid am ereignisreichen Tag der Vorstellung wurde allgemein als bezaubernd bezeichnet. Sogar die gute kleine Lady Jane mußte das anerkennen, als sie ihre Verwandte betrachtete und sich trübselig eingestand, daß sie Mrs. Becky an Geschmack weit nachstehe.   Our beloved Rebecca had no need, however, of any such a friendly halo to set off her beauty. Her complexion could bear any sunshine as yet, and her dress, though if you were to see it now, any present lady of Vanity Fair would pronounce it to be the most foolish and preposterous attire ever worn, was as handsome in her eyes and those of the public, some five-and-twenty years since, as the most brilliant costume of the most famous beauty of the present season. A score of years hence that too, that milliner’s wonder, will have passed into the domain of the absurd, along with all previous vanities. But we are wandering too much. Mrs. Rawdon’s dress was pronounced to be charmante on the eventful day of her presentation. Even good little Lady Jane was forced to acknowledge this effect, as she looked at her kinswoman, and owned sorrowfully to herself that she was quite inferior in taste to Mrs. Becky. Sie wußte nicht, wieviel Sorgfalt, Nachdenken und Können Mrs. Rawdon auf dieses Kleid verwendet hatte. Rebekka besaß Geschmack wie die beste Modistin in Europa und konnte die Sache so geschickt anfassen, wie es Lady Jane nicht verstand. Dieser fielen bald der kostbare Brokat von Beckys Schleppe und die herrlichen Spitzen am Kleid auf.   She did not know how much care, thought, and genius Mrs. Rawdon had bestowed upon that garment. Rebecca had as good taste as any milliner in Europe, and such a clever way of doing things as Lady Jane little understood. The latter quickly spied out the magnificence of the brocade of Becky’s train, and the splendour of the lace on her dress. Der Brokat sei ein alter Rest, erklärte Becky, und die Spitzen seien ein Gelegenheitskauf gewesen und sie besitze sie schon ewig.   The brocade was an old remnant, Becky said; and as for the lace, it was a great bargain. She had had it these hundred years. »Das muß ein kleines Vermögen gekostet haben, meine liebe Mrs. Crawley«, meinte Lady Jane und betrachtete ihre eigenen Spitzen, die lange nicht so schön waren. Als sie dann die Qualität des alten Brokats, aus dem Mrs. Rawdons Hofkleid gemacht war, untersuchte, hätte sie beinahe gesagt, so feine Kleider könne sie sich nicht leisten, aber sie bezwang sich mühsam, weil die Bemerkung lieblos gegen ihre Verwandte gewesen wäre.   “My dear Mrs. Crawley, it must have cost a little fortune,” Lady Jane said, looking down at her own lace, which was not nearly so good; and then examining the quality of the ancient brocade which formed the material of Mrs. Rawdon’s Court dress, she felt inclined to say that she could not afford such fine clothing, but checked that speech, with an effort, as one uncharitable to her kinswoman. Wenn aber Lady Jane alles gewußt hätte, so wäre das wahrscheinlich selbst für ihr freundliches Gemüt zuviel gewesen. Als nämlich Mrs. Rawdon Sir Pitts Haus in Ordnung brachte, hatte sie die Spitzen und den Brokat in den alten Kleiderschränken der früheren Hausherrinnen gefunden. Sie nahm die Sachen mit und paßte sie ihrer eigenen kleinen Person an. Die Briggs sah, wie sie sie mitnahm, fragte nicht und sagte kein Wort. Wahrscheinlich gab sie ihr in diesen Stücken recht, und manche andere ehrliche Frau hätte das auch getan.   And yet, if Lady Jane had known all, I think even her kindly temper would have failed her. The fact is, when she was putting Sir Pitt’s house in order, Mrs. Rawdon had found the lace and the brocade in old wardrobes, the property of the former ladies of the house, and had quietly carried the goods home, and had suited them to her own little person. Briggs saw her take them, asked no questions, told no stories; but I believe quite sympathised with her on this matter, and so would many another honest woman. Und die Diamanten! »Wo zum Teufel hast du die Diamanten her, Becky?« fragte ihr Mann und bewunderte ein paar Juwelen, die er nie an ihr gesehen hatte, die ihr aber jetzt verschwenderisch an Ohren und Hals funkelten.   And the diamonds — "Where the doose did you get the diamonds, Becky?” said her husband, admiring some jewels which he had never seen before and which sparkled in her ears and on her neck with brilliance and profusion. Becky errötete ein wenig und blickte ihn einen Augenblick fest an. Pitt Crawley errötete auch ein wenig und sah aus dem Fenster. Einen sehr kleinen Teil der Brillanten hatte er ihr nämlich geschenkt – ein hübsches Diamantschlößchen, das ihre Perlenkette zusammenhielt. Der Baronet hatte unterlassen, diesen Umstand gegenüber seiner Gemahlin zu erwähnen.   Becky blushed a little and looked at him hard for a moment. Pitt Crawley blushed a little too, and looked out of window. The fact is, he had given her a very small portion of the brilliants; a pretty diamond clasp, which confined a pearl necklace which she wore — and the Baronet had omitted to mention the circumstance to his lady. Becky sah ihren Mann und dann Sir Pitt mit schalkhaft triumphierender Miene an, als wollte sie sagen: Soll ich es erzählen?   Becky looked at her husband, and then at Sir Pitt, with an air of saucy triumph — as much as to say, “Shall I betray you?” »Rate einmal«, forderte sie ihren Mann auf. »Ach, du Dummer, wo, denkst du denn, habe ich sie her? Alles, außer dem kleinen Schlößchen, das mir ein lieber Freund vor langer Zeit geschenkt hat, habe ich geliehen! Von Mr. Polonius in der Coventry Street! Du glaubst doch nicht etwa, daß alle Diamanten, die man bei Hofe sieht, den Leuten gehören, die sie tragen, wie die schönen Steine, die Lady Jane hat und die ganz sicher viel hübscher sind als meine.«   “Guess!” she said to her husband. “Why, you silly man,” she continued, “where do you suppose I got them? — all except the little clasp, which a dear friend of mine gave me long ago. I hired them, to be sure. I hired them at Mr. Polonius’s, in Coventry Street. You don’t suppose that all the diamonds which go to Court belong to the wearers; like those beautiful stones which Lady Jane has, and which are much handsomer than any which I have, I am certain.” »Es ist ein Familienschmuck«, sagte Sir Pitt wieder mit verlegener Miene. Unter derlei Familiengesprächen rollte der Wagen die Straße hinab, bis seine Last schließlich an den Toren des Palastes abgesetzt wurde, wo der Herrscher seinen Empfang hielt.   “They are family jewels,” said Sir Pitt, again looking uneasy. And in this family conversation the carriage rolled down the street, until its cargo was finally discharged at the gates of the palace where the Sovereign was sitting in state. Die Diamanten, die Rawdons Bewunderung erregt hatten, gingen nie zu Mr. Polonius in der Coventry Street zurück, und dieser Herr forderte auch niemals ihre Rückgabe. Sie wanderten in ein kleines Geheimfach in einem alten Schreibtisch, den ihr Amelia Sedley vor Jahren geschenkt hatte und in dem Rebekka eine Menge nützlicher und wohl auch wertvoller Dinge aufbewahrte, von denen ihr Mann nichts wußte. Nichts oder wenig zu wissen liegt in der Natur manches Ehemannes; zu verbergen in der Natur wie vieler Frauen? Oh, meine Damen, wie viele von Ihnen haben heimliche Modistinnenrechnungen, wie viele von Ihnen besitzen Kleider und Armbänder, die sie nicht zu zeigen wagen oder nur zitternd tragen? Zitternd, mit einem Lächeln umschmeicheln Sie den Mann an Ihrer Seite, der das neue Samtkleid nicht von dem alten oder das neue Armband nicht von dem vorjährigen unterscheiden kann und keine Ahnung hat, daß der zerlumpt aussehende gelbe Spitzenschal vierzig Guineen kostet und Madame Bobinot wöchentlich Mahnbriefe wegen des Geldes schickt.   The diamonds, which had created Rawdon’s admiration, never went back to Mr. Polonius, of Coventry Street, and that gentleman never applied for their restoration, but they retired into a little private repository, in an old desk, which Amelia Sedley had given her years and years ago, and in which Becky kept a number of useful and, perhaps, valuable things, about which her husband knew nothing. To know nothing, or little, is in the nature of some husbands. To hide, in the nature of how many women? Oh, ladies! how many of you have surreptitious milliners’ bills? How many of you have gowns and bracelets which you daren’t show, or which you wear trembling? — trembling, and coaxing with smiles the husband by your side, who does not know the new velvet gown from the old one, or the new bracelet from last year’s, or has any notion that the ragged-looking yellow lace scarf cost forty guineas and that Madame Bobinot is writing dunning letters every week for the money! Rawdon also wußte nichts über die Brillantohrringe und den prächtigen Brillantschmuck, der den schönen Busen seiner Herrin schmückte. Aber Lord Steyne, der seinen Platz bei Hofe als Lord des Haarpuderkabinetts und als einer der Großwürdenträger und Stützen des englischen Thrones hatte und mit allen seinen Sternen, Bändern und Schnüren herbeikam, um der kleinen Frau seine besondere Aufmerksamkeit zu erweisen, wußte, woher die Juwelen stammten und wer sie bezahlt hatte.   Thus Rawdon knew nothing about the brilliant diamond ear-rings, or the superb brilliant ornament which decorated the fair bosom of his lady; but Lord Steyne, who was in his place at Court, as Lord of the Powder Closet, and one of the great dignitaries and illustrious defences of the throne of England, and came up with all his stars, garters, collars, and cordons, and paid particular attention to the little woman, knew whence the jewels came and who paid for them. Als er sich vor ihr verbeugte, lächelte er und zitierte die abgedroschenen, aber schönen Zeilen über Belindas Diamanten aus dem »Lockenraub«, »die Juden küssen und Heiden anbeten könnten«.   As he bowed over her he smiled, and quoted the hackneyed and beautiful lines from The Rape of the Lock about Belinda’s diamonds, “which Jews might kiss and infidels adore.” »Nun, dann hoffe ich, Euer Gnaden ist orthodox«, meinte die kleine Dame und warf den Kopf zurück, und viele Damen rundumher wisperten und redeten, und viele Herren nickten und flüsterten, als sie sahen, welche deutliche Aufmerksamkeit der vornehme Adlige der kleinen Abenteuerin erwies.   “But I hope your lordship is orthodox,” said the little lady with a toss of her head. And many ladies round about whispered and talked, and many gentlemen nodded and whispered, as they saw what marked attention the great nobleman was paying to the little adventuress. Die näheren Umstände der Unterhaltung zwischen Rebekka Crawley, geborene Sharp, und ihrem königlichen Herrn zu berichten geziemt einer so schwachen und unerfahrenen Feder wie der meinigen nicht. Die geblendeten Augen schließen sich vor einer so überwältigenden Vorstellung. Untertänigster Respekt und Takt gebieten sogar der Phantasie, sich nicht zu scharf und kühn in dem geheiligten Audienzzimmer umzublicken, sondern sich eiligst, schweigend und achtungsvoll unter tiefen Verbeugungen aus der erlauchten Nähe zurückzuziehen.   What were the circumstances of the interview between Rebecca Crawley, nee Sharp, and her Imperial Master, it does not become such a feeble and inexperienced pen as mine to attempt to relate. The dazzled eyes close before that Magnificent Idea. Loyal respect and decency tell even the imagination not to look too keenly and audaciously about the sacred audience-chamber, but to back away rapidly, silently, and respectfully, making profound bows out of the August Presence. Wir können sagen, daß nach dieser Vorstellung in ganz London kein königstreueres Herz als Beckys zu finden war. Sie führte den Namen ihres Königs ständig auf den Lippen und erklärte ihn zum bezauberndsten aller Männer. Sie ging zu Colnaghi und bestellte das schönste Porträt von ihm, das die Kunst hervorgebracht hatte und das auf Kredit zu haben war. Sie wählte das berühmte, auf dem der beste der Monarchen dargestellt ist, wie er im Pelzrock mit Kniehosen und seidenen Strümpfen auf einem Sofa sitzt und geziert unter seiner braunen Lockenperücke hervorlächelt. Sie ließ ihn auf eine Brosche malen, die sie ständig trug, und amüsierte ihre Bekannten und fiel ihnen auch etwas auf die Nerven mit ihrem dauernden Gerede über seine Höflichkeit und Schönheit. Wer weiß, vielleicht glaubte die kleine Frau, sie könne eines Tages die Rolle einer Maintenon oder Pompadour spielen.   This may be said, that in all London there was no more loyal heart than Becky’s after this interview. The name of her king was always on her lips, and he was proclaimed by her to be the most charming of men. She went to Colnaghi’s and ordered the finest portrait of him that art had produced, and credit could supply. She chose that famous one in which the best of monarchs is represented in a frock-coat with a fur collar, and breeches and silk stockings, simpering on a sofa from under his curly brown wig. She had him painted in a brooch and wore it — indeed she amused and somewhat pestered her acquaintance with her perpetual talk about his urbanity and beauty. Who knows! Perhaps the little woman thought she might play the part of a Maintenon or a Pompadour. Den größten Spaß nach ihrer Vorstellung bei Hofe machte es jedoch, sie tugendhaft sprechen zu hören. Sie besaß ein paar weibliche Bekannte, die auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit nicht im besten Ruf standen. Als sie nun aber sozusagen zu einer ehrbaren Frau gemacht worden war, wollte Becky nicht mehr mit diesen zweifelhaften Wesen verkehren. Sie schnitt Lady Crackenbury, wenn diese ihr aus ihrer Opernloge zunickte, und ignorierte Mrs. Washington White, wenn sie im Park an ihr vorüberfuhr. »Man muß zeigen, daß man jemand ist, mein Lieber«, sagte sie, »man darf sich nicht mit zweifelhaften Leuten sehen lassen. Ich bemitleide Lady Crackenbury von Herzen, und Mrs. Washington White mag ein sehr netter Mensch sein; du kannst ja mit ihnen speisen, da du so gern deinen Robber spielst, aber ich darf und will nicht. Du wirst also die Güte haben, Smith mitzuteilen, er solle sagen, ich sei nicht zu Hause, wenn eine von ihnen zu Besuch kommt.«   But the finest sport of all after her presentation was to hear her talk virtuously. She had a few female acquaintances, not, it must be owned, of the very highest reputation in Vanity Fair. But being made an honest woman of, so to speak, Becky would not consort any longer with these dubious ones, and cut Lady Crackenbury when the latter nodded to her from her opera-box, and gave Mrs. Washington White the go-by in the Ring. “One must, my dear, show one is somebody,” she said. “One mustn’t be seen with doubtful people. I pity Lady Crackenbury from my heart, and Mrs. Washington White may be a very good-natured person. You may go and dine with them, as you like your rubber. But I mustn’t, and won’t; and you will have the goodness to tell Smith to say I am not at home when either of them calls.” Einzelheiten von Beckys Hofkleid wurden in den Zeitungen berichtet: Federn, Spitzen, prächtige Diamanten und alles andere. Mrs. Crackenbury las den Absatz in bitterer Laune und besprach mit ihren Verehrern das vornehme Getue, das diese Frau sich angewöhnt hatte. Mrs. Bute Crawley und ihre Töchter auf dem Lande erhielten ein Exemplar der »Morning Post« aus London und machten ihrer gerechten Entrüstung Luft. »Wenn du rotblond, grünäugig und die Tochter einer französischen Seiltänzerin wärst«, bemerkte Mrs. Bute zu ihrer ältesten Tochter (die das ganze Gegenteil, nämlich dunkel, klein und stumpfnasig war), »so könntest du auch prächtige Diamanten haben und von deiner Cousine, Lady Jane, bei Hofe vorgestellt werden. Du bist aber nur von guter Herkunft, mein armes, liebes Kind. Du hast nur bestes englisches Blut in den Adern und gute Grundsätze und Frömmigkeit als Aussteuer. Ich selbst, die Schwägerin eines Baronets, habe nie daran gedacht, bei Hofe vorgestellt zu werden, ebensowenig wie andere Leute, wenn die gute Königin Charlotte noch lebte.« Auf diese Weise tröstete sich die ehrwürdige Pfarrersfrau, und ihre Töchter seufzten und saßen den ganzen Abend über dem Adelskalender.   The particulars of Becky’s costume were in the newspapers — feathers, lappets, superb diamonds, and all the rest. Lady Crackenbury read the paragraph in bitterness of spirit and discoursed to her followers about the airs which that woman was giving herself. Mrs. Bute Crawley and her young ladies in the country had a copy of the Morning Post from town, and gave a vent to their honest indignation. “If you had been sandy-haired, green-eyed, and a French rope-dancer’s daughter,” Mrs. Bute said to her eldest girl (who, on the contrary, was a very swarthy, short, and snub-nosed young lady), “You might have had superb diamonds forsooth, and have been presented at Court by your cousin, the Lady Jane. But you’re only a gentlewoman, my poor dear child. You have only some of the best blood in England in your veins, and good principles and piety for your portion. I, myself, the wife of a Baronet’s younger brother, too, never thought of such a thing as going to Court — nor would other people, if good Queen Charlotte had been alive.” In this way the worthy Rectoress consoled herself, and her daughters sighed and sat over the Peerage all night. Ein paar Tage nach der ruhmvollen Vorstellung wurde der tugendhaften Becky noch eine Ehre zuteil. Lady Steynes Wagen fuhr an Mrs. Rawdon Crawleys Tür vor, und der Lakai schlug nicht die Vorderfront des Hauses ein, wie man nach seinem entsetzlichen Klopfen hätte annehmen können, sondern er erbarmte sich und gab nur zwei Karten mit dem Namen der Marquise von Steyne und der Gräfin Gaunt ab. Wenn diese Stückchen Pappe schöne Gemälde gewesen wären oder es wären hundert Meter Brüsseler Spitzen darum gewickelt gewesen, die doppelt soviel Guineen gekostet hätten – Rebekka hätte sie nicht freudiger betrachtet. Man darf sicher sein, daß sie einen auffallenden Platz in der Porzellanschale auf dem Tisch des Salons einnahmen, in der Becky die Visitenkarten aufbewahrte. Du lieber Gott! Wie schnell sanken die kleinen, vernachlässigten Karten der armen Mrs. Washington White und der Lady Crackenbury, die unsere kleine Freundin erst vor wenigen Monaten noch mit so großem Vergnügen erhalten hatte und auf die das einfältige Geschöpf einst so stolz gewesen war, auf den Grund des ganzen Bündels, als diese großartigen Hofkarten dazukamen. Steyne! Bareacres! Jones von Helvellyn und Caerlyon von Camelot! Wir können sicher sein, daß Becky und die Briggs diese erlauchten Namen im Adelskalender nachschlugen und die edlen Geschlechter durch alle Zweige ihrer Stammbäume verfolgten.   A few days after the famous presentation, another great and exceeding honour was vouchsafed to the virtuous Becky. Lady Steyne’s carriage drove up to Mr. Rawdon Crawley’s door, and the footman, instead of driving down the front of the house, as by his tremendous knocking he appeared to be inclined to do, relented and only delivered in a couple of cards, on which were engraven the names of the Marchioness of Steyne and the Countess of Gaunt. If these bits of pasteboard had been beautiful pictures, or had had a hundred yards of Malines lace rolled round them, worth twice the number of guineas, Becky could not have regarded them with more pleasure. You may be sure they occupied a conspicuous place in the china bowl on the drawing-room table, where Becky kept the cards of her visitors. Lord! lord! how poor Mrs. Washington White’s card and Lady Crackenbury’s card — which our little friend had been glad enough to get a few months back, and of which the silly little creature was rather proud once — Lord! lord! I say, how soon at the appearance of these grand court cards, did those poor little neglected deuces sink down to the bottom of the pack. Steyne! Bareacres, Johnes of Helvellyn! and Caerylon of Camelot! we may be sure that Becky and Briggs looked out those august names in the Peerage, and followed the noble races up through all the ramifications of the family tree. Lord Steyne, der ein paar Stunden später kam und sich umsah und wie gewöhnlich alles bemerkte, fand die Karten seiner Damen bereits als Trümpfe offen in Beckys Hand. Er lächelte, wie es der alte Zyniker stets bei der naiven Enthüllung menschlicher Schwächen tat. Becky kam bald zu ihm herunter. Wenn das liebe Kind den Lord erwartete, so war ihre Toilette stets vollkommen, das Haar geordnet, ihre Tüchlein, Schürzen, Schärpen, Pantöffelchen und anderer weiblicher Flitter arrangiert und sie in ungekünstelter und hübscher Haltung zu seinem Empfang bereit. Wenn sie überrascht wurde, so mußte sie natürlich in ihr Zimmer hinauffliegen und eine eilige Heerschau ihrer Reize im Spiegel halten und sodann herabtrippeln, um dem großen Herrn ihre Aufwartung zu machen.   My Lord Steyne coming to call a couple of hours afterwards, and looking about him, and observing everything as was his wont, found his ladies’ cards already ranged as the trumps of Becky’s hand, and grinned, as this old cynic always did at any naive display of human weakness. Becky came down to him presently; whenever the dear girl expected his lordship, her toilette was prepared, her hair in perfect order, her mouchoirs, aprons, scarfs, little morocco slippers, and other female gimcracks arranged, and she seated in some artless and agreeable posture ready to receive him — whenever she was surprised, of course, she had to fly to her apartment to take a rapid survey of matters in the glass, and to trip down again to wait upon the great peer. Sie fand ihn lächelnd bei der Porzellanschale. Sie war durchschaut und errötete ein wenig. »Ich danke Ihnen, Monseigneur«, sagte sie; »Sie sehen, Ihre Damen sind schon hiergewesen. Wie nett von Ihnen! Ich konnte nicht eher kommen, ich war in der Küche und habe einen Pudding zubereitet.«   She found him grinning over the bowl. She was discovered, and she blushed a little. “Thank you, Monseigneur,” she said. “You see your ladies have been here. How good of you! I couldn’t come before — I was in the kitchen making a pudding.” »Ich weiß es, ich sah Sie durch das Hofgitter, als ich kam«, erwiderte der alte Herr.   “I know you were, I saw you through the area-railings as I drove up,” replied the old gentleman. »Sie sehen aber auch alles«, erwiderte sie.   “You see everything,” she replied. »Vieles, aber nicht alles, meine hübsche Dame«, sagte er gutmütig; »Sie törichte kleine Lügnerin! Ich hörte Sie in dem Zimmer über uns, wo Sie wahrscheinlich etwas Rouge aufgelegt haben; Sie müssen etwas davon Lady Gaunt geben, sie hat einen ganz entsetzlichen Teint. Dann habe ich gehört, wie die Schlafzimmertür aufging, und Sie kamen herunter.«   “A few things, but not that, my pretty lady,” he said good-naturedly. “You silly little fibster! I heard you in the room overhead, where I have no doubt you were putting a little rouge on — you must give some of yours to my Lady Gaunt, whose complexion is quite preposterous — and I heard the bedroom door open, and then you came downstairs.” »Ist es ein Verbrechen, wenn ich mir Mühe gebe, so gut wie möglich auszusehen, wenn Sie kommen?« antwortete Mrs. Rawdon klagend und rieb sich die Wange mit dem Taschentuch, um zu zeigen, daß es kein Rouge, sondern echtes Erröten der Bescheidenheit war. Wer kann die Wahrheit finden? Ich weiß, daß es Rouge gibt, das nicht auf dem Taschentuch abfärbt, und sogar so gutes, das nicht von Tränen verwischt wird.   “Is it a crime to try and look my best when you come here?” answered Mrs. Rawdon plaintively, and she rubbed her cheek with her handkerchief as if to show there was no rouge at all, only genuine blushes and modesty in her case. About this who can tell? I know there is some rouge that won’t come off on a pocket-handkerchief, and some so good that even tears will not disturb it. »Nun«, sagte der alte Herr und drehte die Visitenkarte seiner Frau zwischen den Fingern, »Sie wollen also unbedingt eine feine Dame werden, Sie quälen mich bis aufs Blut, daß ich Sie in die Welt einführen soll. Sie werden sich da ja gar nicht halten können, Sie Närrchen, Sie, Sie haben doch kein Geld.«   “Well,” said the old gentleman, twiddling round his wife’s card, “you are bent on becoming a fine lady. You pester my poor old life out to get you into the world. You won’t be able to hold your own there, you silly little fool. You’ve got no money.” »Sie werden uns eine Stelle verschaffen«, warf Becky mit Blitzesschnelle ein.   “You will get us a place,” interposed Becky, “as quick as possible.” »Sie haben kein Geld und wollen es mit denen aufnehmen, die welches haben; Sie armes Tontöpfchen, Sie wollen mit den großen Kupferkesseln den Strom hinabschwimmen. Die Frauen sind doch alle gleich. Alle streben nach dem, was sich des Besitzes gar nicht lohnt. Gott, gestern habe ich beim König gespeist, und es gab Hammelfleisch mit Rüben; ein Mahl von Kräutern ist oftmals besser als ein gemästeter Ochse. Sie wollen also ins Gaunt-Haus. Sie geben einem alten Burschen nicht eher Ruhe, bis Sie dort sind. Dort ist es nicht halb so hübsch wie hier. Sie werden sich dort langweilen. Ich tue es jedenfalls. Meine Frau ist lustig wie Lady Macbeth, meine Schwiegertöchter fröhlich wie Regan und Goneril. Ich wage es nicht, in dem, was man mein Schlafzimmer nennt, zu schlafen. Das Bett ist wie der Baldachin von Sankt Peter, und die Bilder setzen mich in Schrecken. Ich habe in einem Ankleidezimmer ein kleines Messingbett und eine kleine Roßhaarmatratze wie ein Anachoret. Ich bin ja auch ein Anachoret, hoho! Sie werden nächste Woche zum Essen eingeladen werden. Aber gare aux femmes! Sehen Sie sich vor und behaupten Sie sich. Die Weiber werden Sie ganz schön tyrannisieren!« Dies war eine sehr lange Rede für einen Mann von wenig Worten wie Lord Steyne und nicht die erste, die er an diesem Tag zu Rebekkas Gunsten gehalten hatte.   “You’ve got no money, and you want to compete with those who have. You poor little earthenware pipkin, you want to swim down the stream along with the great copper kettles. All women are alike. Everybody is striving for what is not worth the having! Gad! I dined with the King yesterday, and we had neck of mutton and turnips. A dinner of herbs is better than a stalled ox very often. You will go to Gaunt House. You give an old fellow no rest until you get there. It’s not half so nice as here. You’ll be bored there. I am. My wife is as gay as Lady Macbeth, and my daughters as cheerful as Regan and Goneril. I daren’t sleep in what they call my bedroom. The bed is like the baldaquin of St. Peter’s, and the pictures frighten me. I have a little brass bed in a dressing-room, and a little hair mattress like an anchorite. I am an anchorite. Ho! ho! You’ll be asked to dinner next week. And gare aux femmes, look out and hold your own! How the women will bully you!” This was a very long speech for a man of few words like my Lord Steyne; nor was it the first which he uttered for Becky’s benefit on that day. Die Briggs blickte von ihrem Arbeitstisch im Hintergrund des Zimmer auf und seufzte tief, als sie den großen Marquis so leichtfertig über ihr Geschlecht sprechen hörte.   Briggs looked up from the work-table at which she was seated in the farther room and gave a deep sigh as she heard the great Marquis speak so lightly of her sex. »Wenn Sie den abscheulichen Schäferhund nicht fortjagen«, sagte Lord Steyne mit einem wütenden Blick über die Schulter, »so lasse ich ihn vergiften.«   “If you don’t turn off that abominable sheep-dog,” said Lord Steyne, with a savage look over his shoulder at her, “I will have her poisoned.” »Mein Hund bekommt sein Fressen stets von meinem eigenen Teller«, sagte Rebekka mit mutwilligem Lachen. Sie amüsierte sich eine Zeitlang über den Ärger des Lords, der die arme Briggs haßte, weil sie sein Tête-à-tête mit der schönen Frau des Obersten störte. Dann erbarmte sich Mrs. Rawdon jedoch endlich ihres Anbeters. Sie rief die Briggs, pries das schöne Wetter und bat sie, mit dem Jungen ein wenig spazierenzugehen.   “I always give my dog dinner from my own plate,” said Rebecca, laughing mischievously; and having enjoyed for some time the discomfiture of my lord, who hated poor Briggs for interrupting his tete-a-tete with the fair Colonel’s wife, Mrs. Rawdon at length had pity upon her admirer, and calling to Briggs, praised the fineness of the weather to her and bade her to take out the child for a walk. »Ich kann sie nicht fortschicken«, sagte Becky dann nach einer Pause mit trauriger Stimme. Ihre Augen füllten sich bei diesen Worten mit Tränen, und sie wandte das Gesicht ab.   “I can’t send her away,” Becky said presently, after a pause, and in a very sad voice. Her eyes filled with tears as she spoke, and she turned away her head. »Bestimmt sind Sie ihr eine ganze Menge Lohn schuldig«, meinte der hohe Herr.   “You owe her her wages, I suppose?” said the Peer. »Noch viel schlimmer als das«, erwiderte Rebekka mit niedergeschlagenen Augen; »ich habe sie ruiniert.«   “Worse than that,” said Becky, still casting down her eyes; “I have ruined her.” »Ruiniert? Warum jagen Sie sie dann nicht fort?« fragte der Herr.   “Ruined her? Then why don’t you turn her out?” the gentleman asked. »Das tun nur Männer«, entgegnete Rebekka bitter, »die Frauen sind nicht so schlecht. Als wir im vergangenen Jahr bei unserer letzten Guinee angelangt waren, hat sie uns alles gegeben; sie soll mich nicht eher verlassen, als bis wir selbst völlig ruiniert sind – und das scheint nicht sehr weit entfernt zu sein – oder bis ich sie auf Heller und Pfennig bezahlen kann.«   “Men do that,” Becky answered bitterly. “Women are not so bad as you. Last year, when we were reduced to our last guinea, she gave us everything. She shall never leave me, until we are ruined utterly ourselves, which does not seem far off, or until I can pay her the utmost farthing.” »Verdammt, wieviel ist es?« sagte der Lord fluchend. Darauf nannte Becky mit Rücksicht auf seinen Reichtum nicht nur die Summe, die sie von Miss Briggs geliehen hatte, sondern eine fast doppelt so hohe.   “ — it, how much is it?” said the Peer with an oath. And Becky, reflecting on the largeness of his means, mentioned not only the sum which she had borrowed from Miss Briggs, but one of nearly double the amount. Dies löste einen neuen kurzen, aber kräftigen Wutanfall bei Lord Steyne aus. Rebekka ließ den Kopf noch tiefer hängen und weinte bitterlich. »Ich konnte nicht anders, es war meine einzige Rettung. Ich wage nicht, es meinem Mann zu sagen, er würde mich töten, wenn ich ihm erzählte, was ich getan habe. Ich habe es vor jedem außer Ihnen geheimgehalten – und Sie haben mir das Geständnis abgenötigt. Ach, Lord Steyne, was soll ich tun? Ich bin sehr, sehr unglücklich!«   This caused the Lord Steyne to break out in another brief and energetic expression of anger, at which Rebecca held down her head the more and cried bitterly. “I could not help it. It was my only chance. I dare not tell my husband. He would kill me if I told him what I have done. I have kept it a secret from everybody but you — and you forced it from me. Ah, what shall I do, Lord Steyne? for I am very, very unhappy!” Lord Steyne erwiderte hierauf nichts. Er trommelte nur mit den Fingern auf dem Tisch und kaute an den Nägeln. Endlich drückte er sich den Hut auf den Kopf und stürzte aus dem Zimmer. Rebekka erhob sich erst aus ihrer trübseligen Haltung, als die Tür hinter ihm zuschlug und sein Wagen davonrollte. Dann stand sie auf, und ein seltsamer Ausdruck boshaften Triumphes glitzerte in ihren grünen Augen. Sie lachte ein paarmal bei ihrer Arbeit laut auf. Dann setzte sie sich ans Klavier und rasselte einen Siegesmarsch herunter, daß die Leute unter den Fenstern stehenblieben und ihrem brillanten Spiel lauschten.   Lord Steyne made no reply except by beating the devil’s tattoo and biting his nails. At last he clapped his hat on his head and flung out of the room. Rebecca did not rise from her attitude of misery until the door slammed upon him and his carriage whirled away. Then she rose up with the queerest expression of victorious mischief glittering in her green eyes. She burst out laughing once or twice to herself, as she sat at work, and sitting down to the piano, she rattled away a triumphant voluntary on the keys, which made the people pause under her window to listen to her brilliant music. An diesem Abend kamen zwei Briefchen vom Gaunt-Haus für die kleine Frau. Das eine enthielt eine Einladung von Lord und Lady Steyne zum Diner am nächsten Freitag, das andere einen grauen Papierstreifen mit Lord Steynes Unterschrift und der Adresse von Jones, Brown und Robinson in der Lombard Street.   That night, there came two notes from Gaunt House for the little woman, the one containing a card of invitation from Lord and Lady Steyne to a dinner at Gaunt House next Friday, while the other enclosed a slip of gray paper bearing Lord Steyne’s signature and the address of Messrs. Jones, Brown, and Robinson, Lombard Street. In dieser Nacht hörte Rawdon Becky ein paarmal lachen. Sie freue und amüsiere sich nur, daß sie ins Gaunt-Haus gehen und den Damen gegenübertreten solle, erklärte sie. In Wirklichkeit war sie mit einer Menge anderer Gedanken beschäftigt. Sollte sie die alte Briggs auszahlen und ihr den Abschied geben? Sollte sie Raggles in Erstaunen setzen und seine Rechnung begleichen? Sie wälzte diese Gedanken auf ihrem Kopfkissen hin und her. Am nächsten Tag, als Rawdon dem Klub seinen Morgenbesuch abstattete, ließ sich Mrs. Crawley in einem bescheidenen Kleid mit Schleier von einer Mietskutsche in die City fahren. Sie ließ sich an Jones' und Robinsons Bank absetzen und reichte dort einem Herrn einen Schein, der sie nur fragte, wie sie es denn gern hätte.   Rawdon heard Becky laughing in the night once or twice. It was only her delight at going to Gaunt House and facing the ladies there, she said, which amused her so. But the truth was that she was occupied with a great number of other thoughts. Should she pay off old Briggs and give her her conge? Should she astonish Raggles by settling his account? She turned over all these thoughts on her pillow, and on the next day, when Rawdon went out to pay his morning visit to the Club, Mrs. Crawley (in a modest dress with a veil on) whipped off in a hackney-coach to the City: and being landed at Messrs. Jones and Robinson’s bank, presented a document there to the authority at the desk, who, in reply, asked her “How she would take it?” Sie erwiderte, sie wolle einhundertfünfzig Pfund in kleinen Noten und den Rest in einer Note nehmen. Auf dem Rückweg ließ sie halten und kaufte für die Briggs das schönste schwarzseidene Kleid, das für Geld zu haben war, und mit einem Kuß und sehr freundlichen Worten überreichte sie es der einfältigen alten Jungfer zu Hause.   She gently said “she would take a hundred and fifty pounds in small notes and the remainder in one note”: and passing through St. Paul’s Churchyard stopped there and bought the handsomest black silk gown for Briggs which money could buy; and which, with a kiss and the kindest speeches, she presented to the simple old spinster. Dann ging sie zu Mr. Raggles, erkundigte sich liebevoll nach seinen Kindern und gab ihm fünfzig Pfund als Abschlagszahlung, dann ging sie zu dem Pferdeverleiher, von dem sie ihren Wagen gemietet hatte, und erfreute ihn mit einer ähnlichen Summe. »Ich hoffe, das wird eine Lehre für Sie sein, Spavin«, sagte sie, »daß am nächsten Empfangstag mein Schwager, Sir Pitt, nicht wieder damit belästigt wird, uns zu viert in seinem Wagen zu Seiner Majestät zu fahren, weil mein eigener nicht zur Stelle ist.« Anscheinend hatte es am letzten Empfangstag eine Meinungsverschiedenheit gegeben, und daher kam es, daß der Oberst sich schändlicherweise beinahe in einer Mietskutsche zur Begegnung mit seinem Herrscher hätte begeben müssen.   Then she walked to Mr. Raggles, inquired about his children affectionately, and gave him fifty pounds on account. Then she went to the livery-man from whom she jobbed her carriages and gratified him with a similar sum. “And I hope this will be a lesson to you, Spavin,” she said, “and that on the next drawing-room day my brother, Sir Pitt, will not be inconvenienced by being obliged to take four of us in his carriage to wait upon His Majesty, because my own carriage is not forthcoming.” It appears there had been a difference on the last drawing-room day. Hence the degradation which the Colonel had almost suffered, of being obliged to enter the presence of his Sovereign in a hack cab. Nachdem Becky diese Angelegenheit erledigt hatte, suchte sie den erwähnten Schreibtisch im ersten Stock auf, den Amelia Sedley ihr vor langen Jahren geschenkt hatte und der eine Menge nützlicher und wertvoller Kleinigkeiten enthielt, und in diesem heimlichen Museum verstaute sie die eine Banknote, die ihr der Kassierer von Jones und Robinson gegeben hatte.   These arrangements concluded, Becky paid a visit upstairs to the before-mentioned desk, which Amelia Sedley had given her years and years ago, and which contained a number of useful and valuable little things — in which private museum she placed the one note which Messrs. Jones and Robinson’s cashier had given her. 49. Kapitel / Chapter 49 In dem wir drei Gänge und ein Dessert genießen / In Which We Enjoy Three Courses and a Dessert Als die Damen und Kinder vom Gaunt-Haus sich an jenem Morgen bei Tee und Toast zum Frühstück versammelt hatten, erschien Lord Steyne. Er nahm seine Schokolade sonst allein ein und störte die Damen seines Hauses selten, ja sah sie überhaupt nur an den Tagen, an denen sie sich öffentlich zusammen zeigen mußten, oder wenn sie sich in der Vorhalle trafen oder wenn er sie in ihrer Opernloge im ersten Rang von seiner im Parkett aus musterte. Der Lord erschien also beim Frühstück, und es kam zu einer Hauptschlacht um Rebekka.   When the ladies of Gaunt House were at breakfast that morning, Lord Steyne (who took his chocolate in private and seldom disturbed the females of his household, or saw them except upon public days, or when they crossed each other in the hall, or when from his pit-box at the opera he surveyed them in their box on the grand tier) his lordship, we say, appeared among the ladies and the children who were assembled over the tea and toast, and a battle royal ensued apropos of Rebecca. »Lady Steyne«, sagte er, »ich möchte gern die Liste für Ihr Diner am nächsten Freitag sehen und möchte, daß Sie bitte eine Einladung für Oberst und Mrs. Crawley schreiben.«   “My Lady Steyne,” he said, “I want to see the list for your dinner on Friday; and I want you, if you please, to write a card for Colonel and Mrs. Crawley.” »Blanche schreibt sie«, sagte Lady Steyne ängstlich, »Lady Gaunt schreibt sie.«   “Blanche writes them,” Lady Steyne said in a flutter. “Lady Gaunt writes them.” »Ich werde an diese Person nicht schreiben«, sagte Lady Gaunt, eine große stattliche Dame. Sie sah einen Moment auf und senkte die Augen schnell wieder, nachdem sie gesprochen hatte. Für jemanden, der Lord Steyne beleidigt hatte, war es nicht ratsam, seinen Blicken zu begegnen.   “I will not write to that person,” Lady Gaunt said, a tall and stately lady, who looked up for an instant and then down again after she had spoken. It was not good to meet Lord Steyne’s eyes for those who had offended him. »Schicken Sie die Kinder aus dem Zimmer. – Geht«, sagte er und zog an der Klingelschnur. Die kleinen Schelme, die sich vor ihm stets fürchteten, entfernten sich, und ihre Mutter wollte ihnen folgen. »Sie nicht«, sprach er, »Sie bleiben!   “Send the children out of the room. Go!” said he pulling at the bell-rope. The urchins, always frightened before him, retired: their mother would have followed too. “Not you,” he said. “You stop.” Lady Steyne«, fuhr er fort, »ich frage Sie noch einmal, wollen Sie die Güte haben, an den Schreibtisch zu gehen und diese Einladung für Ihr Diner am Freitag zu schreiben?«   “My Lady Steyne,” he said, “once more will you have the goodness to go to the desk and write that card for your dinner on Friday?” »Mein Herr, ich werde dabei nicht zugegen sein«, erwiderte Lady Gaunt, »ich werde nach Hause gehen.«   “My Lord, I will not be present at it,” Lady Gaunt said; “I will go home.” »Ich wünschte, Sie täten es und blieben dort. Sie werden an den Gerichtsvollziehern in Bareacres eine sehr angenehme Gesellschaft finden, und ich brauche Ihren Verwandten kein Geld mehr zu leihen und werde von Ihrer verdammten traurigen Miene befreit sein. Wer sind Sie überhaupt, daß Sie hier Befehle geben? Sie haben kein Geld, und Sie haben keinen Verstand. Sie sind hergekommen, um Kinder zu gebären, und haben keine bekommen. Gaunt ist Ihrer überdrüssig, und Georges Frau ist die einzige in der Familie, die Sie nicht tot wünscht. Gaunt würde wieder heiraten, wenn Sie tot wären.«   “I wish you would, and stay there. You will find the bailiffs at Bareacres very pleasant company, and I shall be freed from lending money to your relations and from your own damned tragedy airs. Who are you to give orders here? You have no money. You’ve got no brains. You were here to have children, and you have not had any. Gaunt’s tired of you, and George’s wife is the only person in the family who doesn’t wish you were dead. Gaunt would marry again if you were.” »Ich wünschte auch, ich wäre es!« antwortete die Lady mit Tränen der Wut in den Augen.   “I wish I were,” her Ladyship answered with tears and rage in her eyes. »Sie haben es wahrhaftig nötig, sich tugendhaft zu gebärden, während meine Frau, die bekanntlich eine fleckenlose Heilige ist und in ihrem Leben nie Unrecht getan hat, nichts dagegen hat, meine junge Freundin, Mrs. Crawley, zu empfangen. Lady Steyne weiß, daß der Schein zuweilen gegen die besten Frauen sprechen kann und daß über die Unschuldigsten oft Lügen verbreitet werden. Bitte sehr, Madame, soll ich Ihnen ein paar Anekdötchen über Lady Bareacres, Ihre Mama, erzählen?«   “You, forsooth, must give yourself airs of virtue, while my wife, who is an immaculate saint, as everybody knows, and never did wrong in her life, has no objection to meet my young friend Mrs. Crawley. My Lady Steyne knows that appearances are sometimes against the best of women; that lies are often told about the most innocent of them. Pray, madam, shall I tell you some little anecdotes about my Lady Bareacres, your mamma?” »Sie können mich schlagen, wenn Sie wollen, oder jede Grausamkeit an mir auslassen«, sagte Lady Gaunt. Der Lord geriet stets in gute Laune, wenn er seine Frau und seine Schwiegertochter leiden sah.   “You may strike me if you like, sir, or hit any cruel blow,” Lady Gaunt said. To see his wife and daughter suffering always put his Lordship into a good humour. »Meine süße Blanche«, sagte er, »ich bin ein Gentleman und berühre nie eine Frau, außer in Güte. Ich möchte nur Ihre kleinen Charakterfehler korrigieren. Ihr Frauen seid zu stolz, und es mangelt euch an Demut, wie Pater Mole Lady Steyne sicher sagen würde, wenn er hier wäre. Sie müssen sich nicht so aufblasen, Sie müssen sanft und demütig sein, meine Herzchen. Trotz allem, was Lady Steyne weiß, ist diese verleumdete, einfache, gutherzige Mrs. Crawley vollkommen unschuldig, sogar unschuldiger als Sie selbst. Ihr Mann hat keinen besonders guten Charakter, aber trotzdem doch einen so guten wie Bareacres, der ein wenig gespielt und noch weniger bezahlt hat. Er hat Sie doch um die einzige Erbschaft gebracht, die Sie je zu erwarten hatten, und Sie mir bettelarm in die Hand gegeben. Mrs. Crawley ist nicht von sehr guter Herkunft, aber sie ist nicht schlechter als Fannys großer Ahne, der erste de la Jones.«   “My sweet Blanche,” he said, “I am a gentleman, and never lay my hand upon a woman, save in the way of kindness. I only wish to correct little faults in your character. You women are too proud, and sadly lack humility, as Father Mole, I’m sure, would tell my Lady Steyne if he were here. You mustn’t give yourselves airs; you must be meek and humble, my blessings. For all Lady Steyne knows, this calumniated, simple, good-humoured Mrs. Crawley is quite innocent — even more innocent than herself. Her husband’s character is not good, but it is as good as Bareacres’, who has played a little and not paid a great deal, who cheated you out of the only legacy you ever had and left you a pauper on my hands. And Mrs. Crawley is not very well-born, but she is not worse than Fanny’s illustrious ancestor, the first de la Jones.” »Aber das Geld, das ich in die Familie gebracht habe...«, rief Lady George aus.   “The money which I brought into the family, sir,” Lady George cried out — »Sie haben damit eine eventuelle Erbschaft erkauft«, sagte der Marquis düster. »Wenn Gaunt stirbt, so kann Ihr Mann seinen Titel und seinen Besitz bekommen; Ihre kleinen Knaben können das dann einmal erben und wer weiß, was noch alles. Inzwischen, meine Damen, seien Sie anderswo so stolz und tugendhaft, wie Sie wollen, aber haben Sie sich nicht so mir gegenüber. Was Mrs. Crawleys Ruf betrifft, so werde ich weder mich noch diese makellose und vorwurfsfreie Dame so weit erniedrigen, auch nur anzudeuten, er müsse verteidigt werden. Sie werden sie bitte mit der größten Herzlichkeit hier empfangen, wie alle, die ich in dieses Haus einführe. Dieses Haus?« Er brach in ein Gelächter aus. »Wer ist der Herr darin und was ist es? Dieser Tugendtempel gehört mir. Und wenn ich ganz Newgate oder Bedlam einlade, zum Teufel, sie sollen willkommen sein.«   “You purchased a contingent reversion with it,” the Marquis said darkly. “If Gaunt dies, your husband may come to his honours; your little boys may inherit them, and who knows what besides? In the meanwhile, ladies, be as proud and virtuous as you like abroad, but don’t give me any airs. As for Mrs. Crawley’s character, I shan’t demean myself or that most spotless and perfectly irreproachable lady by even hinting that it requires a defence. You will be pleased to receive her with the utmost cordiality, as you will receive all persons whom I present in this house. This house?” He broke out with a laugh. “Who is the master of it? and what is it? This Temple of Virtue belongs to me. And if I invite all Newgate or all Bedlam here, by — they shall be welcome.” Auf diese nachdrückliche Ansprache, wie sie Lord Steyne gewöhnlich seinem »Harem« hielt, wenn sich Zeichen von Widerspenstigkeit in seinem Hause zeigten, blieb den gedemütigten Frauen nichts weiter übrig, als zu gehorchen. Lady Gaunt schrieb die Einladung, wie es der Lord verlangt hatte, und sie fuhr mit ihrer Schwiegermutter bitteren Herzens höchstpersönlich an Mrs. Rawdons Haus vor, um die Karten abzugeben, deren Empfang dieser unschuldigen Frau so viel Freude bereitete.   After this vigorous allocution, to one of which sort Lord Steyne treated his “Hareem” whenever symptoms of insubordination appeared in his household, the crestfallen women had nothing for it but to obey. Lady Gaunt wrote the invitation which his Lordship required, and she and her mother-in-law drove in person, and with bitter and humiliated hearts, to leave the cards on Mrs. Rawdon, the reception of which caused that innocent woman so much pleasure. Es gab Familien in London, die ein Jahreseinkommen geopfert hätten, um einer solchen Ehre aus den Händen dieser hohen Damen teilhaftig zu werden. Mrs. Frederick Bullock zum Beispiel wäre auf den Knien von Mayfair bis zur Lombard Street gerutscht, hätten Lady Steyne und Lady Gaunt in der City gestanden und sie mit den Worten aufgehoben: »Kommen Sie nächsten Freitag zu uns« – nicht zu einem der großen Allerweltsbälle im Gaunt-Haus, wohin jedermann ging, sondern zu den geheiligten, unzugänglichen, geheimnisvollen, köstlichen Gesellschaften, zu denen zugelassen zu werden ein Privilegium, eine Ehre und eine wahre Seligkeit war.   There were families in London who would have sacrificed a year’s income to receive such an honour at the hands of those great ladies. Mrs. Frederick Bullock, for instance, would have gone on her knees from May Fair to Lombard Street, if Lady Steyne and Lady Gaunt had been waiting in the City to raise her up and say, “Come to us next Friday" — not to one of the great crushes and grand balls of Gaunt House, whither everybody went, but to the sacred, unapproachable, mysterious, delicious entertainments, to be admitted to one of which was a privilege, and an honour, and a blessing indeed. Streng, makellos und schön, nahm Lady Gaunt auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit den höchsten Rang ein. Die ausgesuchte Höflichkeit, mit der Lord Steyne sie behandelte, bezauberte alle, die Zeuge seines Verhaltens waren, und zwang die strengsten Kritiker zu dem Bekenntnis, daß er ein vollkommener Gentleman sei und daß der Lord zumindest das Herz auf dem rechten Fleck trüge.   Severe, spotless, and beautiful, Lady Gaunt held the very highest rank in Vanity Fair. The distinguished courtesy with which Lord Steyne treated her charmed everybody who witnessed his behaviour, caused the severest critics to admit how perfect a gentleman he was, and to own that his Lordship’s heart at least was in the right place. Die Damen vom Gaunt-Haus riefen Lady Bareacres zu Hilfe, um den gemeinsamen Feind zurückzuschlagen. Eine von Lady Gaunts Kutschen fuhr nach der Hill Street, um die Mutter abzuholen, denn ihre sämtlichen Equipagen befanden sich in den Händen der Gerichtsvollzieher. Man erzählte, daß die unerbittlichen Israeliten sogar ihre Juwelen und Kleider mit Beschlag belegt hätten. Auch Schloß Bareacres gehörte jetzt ihnen mit allen seinen kostbaren Gemälden, Möbeln und Wertgegenständen – den herrlichen van Dycks, den edlen Bildern von Reynolds, den schönen bunten Porträts von Lawrence, die man vor dreißig Jahren für ebenso kostbar hielt wie die Werke echten Genies, die unvergleichliche »Tanzende Nymphe« von Canova, für die Lady Bareacres in ihrer Jugend Modell gestanden – Lady Bareacres, damals glänzend und strahlend in Reichtum, Rang und Schönheit, jetzt eine kahlköpfige Alte, der bloße Fetzen eines früheren Prachtgewandes. Ihr Mann, der zur selben Zeit von Lawrence gemalt worden war, wie er in der Uniform eines Oberst der Thistlewood-Miliz vor Schloß Bareacres den Säbel schwenkte, war ein verwitterter magerer Alter mit Überrock und Brutusperücke, der morgens meistens um Gray's Inn herumschlich und in den Klubs allein speiste. Er aß jetzt nicht mehr gern mit Steyne. Sie hatten während ihrer Jugend in Vergnügungen gewetteifert, und Bareacres war Sieger gewesen. Steyne stand aber auf festerem Grund und Boden als er und hatte ihn deshalb überdauert. Der Marquis war jetzt zehnmal bedeutender als der junge Lord Gaunt vom Jahre fünfundachtzig, aber Bareacres war nicht mehr im Rennen, er war alt, geschlagen, bankrott und zusammengebrochen. Er hatte zuviel Geld von Steyne geborgt, um seinem alten Kameraden gern zu oft zu begegnen. Wenn der Lord sich einen Spaß machen wollte, so pflegte er Lady Gaunt höhnisch zu fragen, warum ihr Vater sie so lange nicht besucht habe. »Er ist seit vier Monaten nicht mehr hiergewesen«, erklärte Lord Steyne stets. »Ich kann es immer an meinem Scheckbuch ablesen, wann Bareacres mich aufgesucht hat. Wie bequem ich es doch habe, meine Damen, der Schwiegervater von einem meiner Söhne ist mein Bankier, und ich bin der Bankier des anderen.«     The ladies of Gaunt House called Lady Bareacres in to their aid, in order to repulse the common enemy. One of Lady Gaunt’s carriages went to Hill Street for her Ladyship’s mother, all whose equipages were in the hands of the bailiffs, whose very jewels and wardrobe, it was said, had been seized by those inexorable Israelites. Bareacres Castle was theirs, too, with all its costly pictures, furniture, and articles of vertu — the magnificent Vandykes; the noble Reynolds pictures; the Lawrence portraits, tawdry and beautiful, and, thirty years ago, deemed as precious as works of real genius; the matchless Dancing Nymph of Canova, for which Lady Bareacres had sat in her youth — Lady Bareacres splendid then, and radiant in wealth, rank, and beauty — a toothless, bald, old woman now — a mere rag of a former robe of state. Her lord, painted at the same time by Lawrence, as waving his sabre in front of Bareacres Castle, and clothed in his uniform as Colonel of the Thistlewood Yeomanry, was a withered, old, lean man in a greatcoat and a Brutus wig, slinking about Gray’s Inn of mornings chiefly and dining alone at clubs. He did not like to dine with Steyne now. They had run races of pleasure together in youth when Bareacres was the winner. But Steyne had more bottom than he and had lasted him out. The Marquis was ten times a greater man now than the young Lord Gaunt of ’85, and Bareacres nowhere in the race — old, beaten, bankrupt, and broken down. He had borrowed too much money of Steyne to find it pleasant to meet his old comrade often. The latter, whenever he wished to be merry, used jeeringly to ask Lady Gaunt why her father had not come to see her. “He has not been here for four months,” Lord Steyne would say. “I can always tell by my cheque-book afterwards, when I get a visit from Bareacres. What a comfort it is, my ladies, I bank with one of my sons’ fathers-in-law, and the other banks with me!” Von den übrigen Vornehmen, die Becky bei dieser ersten Einführung in die große Welt zu treffen die Ehre hatte, viel zu berichten steht dem Verfasser dieser Geschichte nicht zu. Da war erstens Seine Exzellenz der Fürst von Peterwardein mit seiner Gemahlin, ein geschnürter Herr mit breiter militärischer Brust, auf der sein Ordensstern prachtvoll glänzte, und mit dem roten Band des Goldenen Vlieses um den Hals. Er besaß zahllose Schafherden. »Sehen Sie sich nur mal sein Gesicht an, ich glaube, er stammt von einem Schaf ab«, flüsterte Becky Lord Steyne zu. In der Tat hatte das lange, feierliche, weiße Gesicht Seiner Exzellenz mit dem Ordensbande am Hals einige Ähnlichkeit mit dem eines ehrwürdigen Leithammels.   Of the other illustrious persons whom Becky had the honour to encounter on this her first presentation to the grand world, it does not become the present historian to say much. There was his Excellency the Prince of Peterwaradin, with his Princess — a nobleman tightly girthed, with a large military chest, on which the plaque of his order shone magnificently, and wearing the red collar of the Golden Fleece round his neck. He was the owner of countless flocks. “Look at his face. I think he must be descended from a sheep,” Becky whispered to Lord Steyne. Indeed, his Excellency’s countenance, long, solemn, and white, with the ornament round his neck, bore some resemblance to that of a venerable bell-wether. Dann war da Mr. John Paul Jefferson Jones, Titularattaché der amerikanischen Gesandtschaft und Korrespondent des »New York Demagogue«. Um sich der Gesellschaft angenehm zu machen, fragte er Lady Steyne während einer Gesprächspause, wie seinem teuern Freund George Gaunt Brasilien gefalle. Er und George waren in Neapel sehr befreundet gewesen und hatten zusammen den Vesuv bestiegen. Mr. Jones schrieb einen ausführlichen und genauen Bericht über das Diner, der prompt im »Demagogue« erschien. Er erwähnte die Namen und Titel aller Gäste und gab biographische Abrisse der Vornehmsten, beschrieb wortreich die Erscheinungen der Damen, das Tafelservice, die Anzahl und Kleidung der Diener, zählte die dargebotenen Gerichte und Weine auf und überschlug den Wert des Zierats auf den Seitentischen und den des Silbergeschirrs. Ein solches Diner, berechnete er, könne nicht unter fünfzehn bis achtzehn Dollar pro Kopf arrangiert werden. Bis vor kurzem habe er seine Schützlinge mit Empfehlungsschreiben zu dem jetzigen Marquis von Steyne geschickt, wozu ihn die vertraute Freundschaft, in der er mit dem seligen Lord gestanden hatte, veranlaßt habe. Er sei sehr entrüstet gewesen, daß ein junger unbedeutender Aristokrat, der Graf von Southdown, auf dem Wege zum Speisesaal ihm den Vortritt genommen habe. »Gerade als ich herantrat, um meinen Arm einer sehr sympathischen und geistreichen eleganten Dame, der glänzenden und exklusiven Mrs. Rawdon Crawley, zu reichen«, schrieb er, »drängte sich der junge Patrizier zwischen mich und die Dame und entführte meine Helena ohne ein Wort der Entschuldigung. Ich mußte also mit dem Gemahl der Dame, einem Obersten, die Nachhut bilden, einem untersetzten Krieger mit rotem Gesicht, der sich bei Waterloo auszeichnete und dort größeres Glück hatte als einige seiner rotröckigen Kameraden bei New Orleans.«   There was Mr. John Paul Jefferson Jones, titularly attached to the American Embassy and correspondent of the New York Demagogue, who, by way of making himself agreeable to the company, asked Lady Steyne, during a pause in the conversation at dinner, how his dear friend, George Gaunt, liked the Brazils? He and George had been most intimate at Naples and had gone up Vesuvius together. Mr. Jones wrote a full and particular account of the dinner, which appeared duly in the Demagogue. He mentioned the names and titles of all the guests, giving biographical sketches of the principal people. He described the persons of the ladies with great eloquence; the service of the table; the size and costume of the servants; enumerated the dishes and wines served; the ornaments of the sideboard; and the probable value of the plate. Such a dinner he calculated could not be dished up under fifteen or eighteen dollars per head. And he was in the habit, until very lately, of sending over proteges, with letters of recommendation to the present Marquis of Steyne, encouraged to do so by the intimate terms on which he had lived with his dear friend, the late lord. He was most indignant that a young and insignificant aristocrat, the Earl of Southdown, should have taken the pas of him in their procession to the dining-room. “Just as I was stepping up to offer my hand to a very pleasing and witty fashionable, the brilliant and exclusive Mrs. Rawdon Crawley," — he wrote — "the young patrician interposed between me and the lady and whisked my Helen off without a word of apology. I was fain to bring up the rear with the Colonel, the lady’s husband, a stout red-faced warrior who distinguished himself at Waterloo, where he had better luck than befell some of his brother redcoats at New Orleans.” Als der Oberst in diese vornehme Gesellschaft kam, errötete er wie ein sechzehnjähriger Knabe, der den Schulkameradinnen seiner Schwester gegenübertritt. Wir erwähnten schon früher, daß der ehrliche Rawdon niemals im Leben viel in Damengesellschaft gewesen war. Mit den Männern im Klub oder in der Offiziersmesse stand er sich gut genug, und mit den Kühnsten unter ihnen maß er sich im Reiten, Wetten, Rauchen und Billardspiel. Er hatte früher auch freundschaftliche Beziehungen zu Frauen gehabt, aber das war vor zwanzig Jahren, und die Damen waren vom Schlage derjenigen, mit denen in der Komödie der junge Marlow verkehrt, ehe er vor Miss Hardcastle in Verlegenheit gerät. Die Zeiten sind jetzt so, daß man kaum wagt, die Gesellschaft zu erwähnen, in der Tausende unserer jungen Männer auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit täglich verkehren. Nachts füllt diese Gesellschaft die Kasinos und Tanzsäle, und sie existiert ebenso wie der Ring im Hyde Park oder die Gemeinde in St. James, aber unsere schamhafte, wenn auch nicht so moralische Gesellschaft ist entschlossen, sie zu ignorieren. Mit einem Wort, obgleich Oberst Crawley jetzt fünfundvierzig Jahre alt war, hatte er in seinem Leben neben seinem Musterexemplar von Frau noch nicht ein halbes Dutzend richtiger Damen getroffen. Alle, außer ihr und seiner gütigen Schwägerin, Lady Jane, deren freundliches Wesen ihn gezähmt und gewonnen hatte, schüchterten den ehrenwerten Oberst ein, und bei seinem ersten Diner im Gaunt-Haus vernahm man von ihm keinen Ton außer der Feststellung, das Wetter sei sehr heiß. Becky hätte ihn lieber zu Hause gelassen, aber die Tugend gebot, daß ihr der Gatte zur Seite stand, um das schüchterne, ängstliche Geschöpfchen bei seinem ersten Auftreten in der vornehmen Gesellschaft zu beschützen.   The Colonel’s countenance on coming into this polite society wore as many blushes as the face of a boy of sixteen assumes when he is confronted with his sister’s schoolfellows. It has been told before that honest Rawdon had not been much used at any period of his life to ladies’ company. With the men at the Club or the mess room, he was well enough; and could ride, bet, smoke, or play at billiards with the boldest of them. He had had his time for female friendships too, but that was twenty years ago, and the ladies were of the rank of those with whom Young Marlow in the comedy is represented as having been familiar before he became abashed in the presence of Miss Hardcastle. The times are such that one scarcely dares to allude to that kind of company which thousands of our young men in Vanity Fair are frequenting every day, which nightly fills casinos and dancing-rooms, which is known to exist as well as the Ring in Hyde Park or the Congregation at St. James’s — but which the most squeamish if not the most moral of societies is determined to ignore. In a word, although Colonel Crawley was now five-and-forty years of age, it had not been his lot in life to meet with a half dozen good women, besides his paragon of a wife. All except her and his kind sister Lady Jane, whose gentle nature had tamed and won him, scared the worthy Colonel, and on occasion of his first dinner at Gaunt House he was not heard to make a single remark except to state that the weather was very hot. Indeed Becky would have left him at home, but that virtue ordained that her husband should be by her side to protect the timid and fluttering little creature on her first appearance in polite society. Als sie eintrat, kam ihr Lord Steyne entgegen, ergriff ihre Hand, begrüßte sie mit ausgesuchter Höflichkeit und stellte sie Lady Steyne und seinen Schwiegertöchtern vor. Die Damen machten vornehme Knickse, und die ältere gab dem Neuankömmling sogar die Hand, die jedoch kalt und leblos wie Marmor war.   On her first appearance Lord Steyne stepped forward, taking her hand, and greeting her with great courtesy, and presenting her to Lady Steyne, and their ladyships, her daughters. Their ladyships made three stately curtsies, and the elder lady to be sure gave her hand to the newcomer, but it was as cold and lifeless as marble. Becky ergriff sie mit dankbarer Demut und einem Knicks, der dem besten Tanzmeister zur Ehre gereicht hätte, und tat sozusagen einen Kniefall vor Lady Steyne, als sie sagte, der Lord sei der älteste Freund und Gönner ihres Vaters gewesen, und sie, Rebekka, habe von Kindheit auf gelernt, die Steynesche Familie zu ehren und zu achten. In der Tat hatte Lord Steyne dem seligen Sharp einmal ein paar Gemälde abgekauft, und die liebevolle Waise konnte ihre Dankbarkeit für diese Gunst nie vergessen.   Becky took it, however, with grateful humility, and performing a reverence which would have done credit to the best dancer-master, put herself at Lady Steyne’s feet, as it were, by saying that his Lordship had been her father’s earliest friend and patron, and that she, Becky, had learned to honour and respect the Steyne family from the days of her childhood. The fact is that Lord Steyne had once purchased a couple of pictures of the late Sharp, and the affectionate orphan could never forget her gratitude for that favour. Dann erkannte Becky Lady Bareacres. Die Frau des Obersten machte ihr ebenfalls eine respektvolle Verbeugung, die die große Dame mit würdevoller Strenge erwiderte.   The Lady Bareacres then came under Becky’s cognizance — to whom the Colonel’s lady made also a most respectful obeisance: it was returned with severe dignity by the exalted person in question. »Ich hatte das Vergnügen, die Bekanntschaft der Lady bereits vor zehn Jahren in Brüssel zu machen«, sagte Becky mit gewinnender Freundlichkeit, »ich hatte das Glück, Lady Bareacres auf dem Ball der Herzogin von Richmond am Vorabend der Schlacht von Waterloo zu treffen, und ich entsinne mich noch, wie Sie und Ihre Tochter, Lady Blanche, im Torweg des Hotels im Wagen saßen und auf Pferde warteten. Ich hoffe, daß Sie Ihre Diamanten gerettet haben.«   “I had the pleasure of making your Ladyship’s acquaintance at Brussels, ten years ago,” Becky said in the most winning manner. “I had the good fortune to meet Lady Bareacres at the Duchess of Richmond’s ball, the night before the Battle of Waterloo. And I recollect your Ladyship, and my Lady Blanche, your daughter, sitting in the carriage in the porte-cochere at the Inn, waiting for horses. I hope your Ladyship’s diamonds are safe.” Jedermann blickte seinen Nachbar an. Die berühmten Diamanten waren einer ebenso berühmten Beschlagnahme zum Opfer gefallen, wovon Becky natürlich keine Ahnung hatte. Rawdon Crawley zog sich mit Lord Southdown zu einem Fenster zurück, und dort konnte man den Lord unmäßig lachen hören, als ihm Rawdon die Geschichte von Lady Bareacres erzählte, die auf Pferde gewartet und vor Mrs. Crawley »beim Zeus, zu Kreuze gekrochen sei«. Ich glaube, vor der Frau brauche ich keine Angst zu haben, dachte Becky. Lady Bareacres wechselte wirklich erschrockene und zornige Blicke mit ihrer Tochter und zog sich an einen Tisch zurück, wo sie energisch begann, sich Bilder anzusehen.   Everybody’s eyes looked into their neighbour’s. The famous diamonds had undergone a famous seizure, it appears, about which Becky, of course, knew nothing. Rawdon Crawley retreated with Lord Southdown into a window, where the latter was heard to laugh immoderately, as Rawdon told him the story of Lady Bareacres wanting horses and “knuckling down by Jove,” to Mrs. Crawley. “I think I needn’t be afraid of that woman,” Becky thought. Indeed, Lady Bareacres exchanged terrified and angry looks with her daughter and retreated to a table, where she began to look at pictures with great energy. Als der Monarch von der Donau erschien, ging die Konversation in französischer Sprache weiter, und Lady Bareacres und die jüngeren Damen stellten zu ihrem Ärger fest, daß Mrs. Crawley diese Sprache viel besser beherrschte und sie viel akzentfreier sprach als sie selbst. Becky hatte 1816/17 in Frankreich bei der Armee andere ungarische Magnaten kennengelernt, und interessiert erkundigte sie sich nach ihren Bekannten. Die Ausländer hielten sie für eine Dame von hohem Rang, und der Fürst und die Fürstin fragten unabhängig voneinander Lord Steyne und die Marquise, mit denen sie zu Tisch gingen, wer denn jene petite dame sei, die so gut spreche.   When the Potentate from the Danube made his appearance, the conversation was carried on in the French language, and the Lady Bareacres and the younger ladies found, to their farther mortification, that Mrs. Crawley was much better acquainted with that tongue, and spoke it with a much better accent than they. Becky had met other Hungarian magnates with the army in France in 1816-17. She asked after her friends with great interest The foreign personages thought that she was a lady of great distinction, and the Prince and the Princess asked severally of Lord Steyne and the Marchioness, whom they conducted to dinner, who was that petite dame who spoke so well? Als sich schließlich die Prozession gebildet hatte, wie sie von dem amerikanischen Diplomaten beschrieben wurde, bewegten sie sich in den Saal, wo das Festmahl aufgetragen wurde. Da ich dem Leser versprochen habe, daß er es genießen soll, so möge er die Freiheit haben, sich geben zu lassen, was ihm seine Phantasie vorgaukelt.   Finally, the procession being formed in the order described by the American diplomatist, they marched into the apartment where the banquet was served, and which, as I have promised the reader he shall enjoy it, he shall have the liberty of ordering himself so as to suit his fancy. Erst als die Damen allein waren, fing, wie Rebekka bereits gewußt hatte, der Krieg richtig an. Und nun geriet die kleine Frau in eine Lage, daß sie sich eingestehen mußte, Lord Steyne habe recht gehabt, als er sie vor der Gesellschaft von Damen über ihrer eigenen Sphäre warnte. Es heißt, daß die größten Irenhasser die Iren selbst sind, und so sind sicherlich auch Frauen die größten Tyrannen gegenüber ihrem eigenen Geschlecht. Als die arme kleine Becky, mit den Frauen allein gelassen, zum Kamin ging, wohin sich die vornehmen Damen zurückgezogen hatten, marschierten die vornehmen Damen davon und nahmen Besitz von einem Tisch mit Zeichnungen. Als Becky ihnen dorthin folgte, zogen sie sich nacheinander wieder zum Kamin zurück. Sie versuchte es, mit einem der Kinder zu sprechen, die sie in der Öffentlichkeit immer sehr gern hatte; aber Master George Gaunt wurde von seiner Mama abgerufen. Man behandelte die Fremde schließlich mit solcher Grausamkeit, daß sogar Lady Steyne Mitleid mit ihr empfand. Sie trat zu der freundlosen kleinen Frau heran, um ein paar Worte mit ihr zu wechseln.   But it was when the ladies were alone that Becky knew the tug of war would come. And then indeed the little woman found herself in such a situation as made her acknowledge the correctness of Lord Steyne’s caution to her to beware of the society of ladies above her own sphere. As they say, the persons who hate Irishmen most are Irishmen; so, assuredly, the greatest tyrants over women are women. When poor little Becky, alone with the ladies, went up to the fire-place whither the great ladies had repaired, the great ladies marched away and took possession of a table of drawings. When Becky followed them to the table of drawings, they dropped off one by one to the fire again. She tried to speak to one of the children (of whom she was commonly fond in public places), but Master George Gaunt was called away by his mamma; and the stranger was treated with such cruelty finally, that even Lady Steyne herself pitied her and went up to speak to the friendless little woman. »Lord Steyne hat mir erzählt«, begann die Lady, und ihre bleichen Wangen röteten sich, »daß Sie so schön singen und spielen, Mrs. Crawley – es wäre sehr nett von Ihnen, wenn Sie mir etwas vorsingen würden.«   “Lord Steyne,” said her Ladyship, as her wan cheeks glowed with a blush, “says you sing and play very beautifully, Mrs. Crawley — I wish you would do me the kindness to sing to me.” »Ich will alles tun, was Lord Steyne oder Ihnen Freude macht«, sagte Rebekka aufrichtig dankbar. Dann setzte sie sich ans Klavier und begann zu singen.   “I will do anything that may give pleasure to my Lord Steyne or to you,” said Rebecca, sincerely grateful, and seating herself at the piano, began to sing. Sie sang religiöse Lieder von Mozart, die Lady Steyne in ihrer Jugend sehr geliebt hatte, so süß und zart, daß die Lady, die am Klavier stehen geblieben war, sich neben sie setzte und lauschte, bis ihr die Tränen über die Wangen liefen. Zwar unterhielten sich die opponierenden Damen am entgegengesetzten Ende des Zimmers unaufhörlich und laut, aber Lady Steyne vernahm diese Geräusche nicht; sie war wieder Kind und durch eine Wildnis von vierzig Jahren in ihren Klostergarten zurückgewandert. Von der Orgel in der Kapelle waren dieselben Töne erklungen, die Organistin, die Schwester, die sie von der ganzen Gemeinschaft am meisten liebte, hatte sie diese Melodien in jenen glücklichen Tagen gelehrt. Sie war wieder ein junges Mädchen, und die kurze Zeit ihres Glückes erblühte ihr für eine Stunde aufs neue. Sie fuhr zusammen, als die Türen aufflogen und die Männer der Gesellschaft, angeführt von Lord Steyne, lachend und scherzend hereintraten.   She sang religious songs of Mozart, which had been early favourites of Lady Steyne, and with such sweetness and tenderness that the lady, lingering round the piano, sat down by its side and listened until the tears rolled down her eyes. It is true that the opposition ladies at the other end of the room kept up a loud and ceaseless buzzing and talking, but the Lady Steyne did not hear those rumours. She was a child again — and had wandered back through a forty years’ wilderness to her convent garden. The chapel organ had pealed the same tones, the organist, the sister whom she loved best of the community, had taught them to her in those early happy days. She was a girl once more, and the brief period of her happiness bloomed out again for an hour — she started when the jarring doors were flung open, and with a loud laugh from Lord Steyne, the men of the party entered full of gaiety. Auf den ersten Blick wurde ihm klar, was sich in seiner Abwesenheit zugetragen hatte, und er war seiner Frau dieses eine Mal dankbar. Er sprach zu ihr und nannte sie beim Vornamen, so daß die Röte erneut in ihr bleiches Gesicht schoß. »Meine Frau sagt, Sie haben gesungen wie ein Engel«, sagte er zu Becky. Nun gibt es allerdings zweierlei Engel, und beide sollen in ihrer Art bezaubernd sein.   He saw at a glance what had happened in his absence, and was grateful to his wife for once. He went and spoke to her, and called her by her Christian name, so as again to bring blushes to her pale face — "My wife says you have been singing like an angel,” he said to Becky. Now there are angels of two kinds, and both sorts, it is said, are charming in their way. Wie auch der erste Teil des Abends verlaufen sein mochte, der Rest jedenfalls war ein großer Triumph für Becky. Sie sang, so schön sie nur konnte, und es gelang ihr so gut, daß alle Männer kamen und sich um das Klavier drängten. Die Frauen, ihre Feindinnen, blieben ganz allein, und Mr. Paul Jefferson Jones glaubte, er habe eine Eroberung an Lady Gaunt gemacht, als er zu ihr trat und den erstklassigen Gesang ihrer reizenden Freundin lobte.   Whatever the previous portion of the evening had been, the rest of that night was a great triumph for Becky. She sang her very best, and it was so good that every one of the men came and crowded round the piano. The women, her enemies, were left quite alone. And Mr. Paul Jefferson Jones thought he had made a conquest of Lady Gaunt by going up to her Ladyship and praising her delightful friend’s first-rate singing. 50. Kapitel / Chapter 50 Enthält einen gewöhnlichen Vorfall / Contains a Vulgar Incident Welche Muse es auch sein mag, die die Oberaufsicht über unsere Komödie hat, so muß sie doch jetzt von den vornehmen Höhen, zu denen sie sich aufgeschwungen hatte, herabsteigen und sich gütigst auf dem bescheidenen Dach von John Sedley in Brompton niederlassen und beschreiben, was sich dort ereignet. Auch hier, in dieser niedrigen Wohnung, gibt es Sorgen, Mißtrauen und Kummer. Mrs. Clapp in der Küche brummt insgeheim ihrem Mann etwas vor wegen der Miete und drängt: den braven Burschen, sich gegen seinen alten Freund und Gönner und gegenwärtigen Mieter aufzulehnen. Mrs. Sedley hat jetzt aufgehört, ihre Hauswirtin in den unteren Regionen zu besuchen, und ist nun allerdings auch nicht mehr in der Lage, Mrs. Clapp mit Gönnermiene gegenüberzutreten. Wie kann man eine Dame herablassend behandeln, der man vierzig Pfund schuldet und die beständig auf das Geld anspielt? Das irische Dienstmädchen hat ihr freundliches, achtungsvolles Benehmen nicht im geringsten geändert, aber Mrs. Sedley bildet sich ein, sie sei unverschämt und undankbar geworden, und wie der schuldbewußte Dieb hinter jedem Gebüsch einen Schutzmann argwöhnt, so sieht sie in allen Reden und Antworten des jungen Mädchens drohende Andeutungen. Miss Clapp, die nun bereits eine junge Dame geworden ist, erklärt die versauerte alte Dame für eine unerträgliche, unverschämte kleine Dirne. Mrs. Sedley kann nicht begreifen, wieso Amelia sie gern hat, sie oft auf ihr Zimmer kommen läßt und häufig mit ihr ausgeht. Die bittere Armut hat das Leben der einst so fröhlichen, gütigen Frau vergiftet. Sie ist undankbar gegen Amelias stets gleichbleibende Güte ihr gegenüber, sie bemängelt ihre Bemühungen, freundlich und dienstbar zu sein, verhöhnt sie wegen ihres einfältigen Stolzes auf ihr Kind und jammert darüber, wie sie die Eltern vernachlässigt. In Georgys Heim geht es nicht sehr lebhaft zu, seit Onkel Joseph die Jahresrente zurückgezogen hat, und die kleine Familie lebt fast von Hungerrationen.   The Muse, whoever she be, who presides over this Comic History must now descend from the genteel heights in which she has been soaring and have the goodness to drop down upon the lowly roof of John Sedley at Brompton, and describe what events are taking place there. Here, too, in this humble tenement, live care, and distrust, and dismay. Mrs. Clapp in the kitchen is grumbling in secret to her husband about the rent, and urging the good fellow to rebel against his old friend and patron and his present lodger. Mrs. Sedley has ceased to visit her landlady in the lower regions now, and indeed is in a position to patronize Mrs. Clapp no longer. How can one be condescending to a lady to whom one owes a matter of forty pounds, and who is perpetually throwing out hints for the money? The Irish maidservant has not altered in the least in her kind and respectful behaviour; but Mrs. Sedley fancies that she is growing insolent and ungrateful, and, as the guilty thief who fears each bush an officer, sees threatening innuendoes and hints of capture in all the girl’s speeches and answers. Miss Clapp, grown quite a young woman now, is declared by the soured old lady to be an unbearable and impudent little minx. Why Amelia can be so fond of her, or have her in her room so much, or walk out with her so constantly, Mrs. Sedley cannot conceive. The bitterness of poverty has poisoned the life of the once cheerful and kindly woman. She is thankless for Amelia’s constant and gentle bearing towards her; carps at her for her efforts at kindness or service; rails at her for her silly pride in her child and her neglect of her parents. Georgy’s house is not a very lively one since Uncle Jos’s annuity has been withdrawn and the little family are almost upon famine diet. Amelia denkt und denkt und zerbricht sich den Kopf, um einen Weg zu finden, wie sie die geringen Mittel, bei denen die Familie langsam verhungert, aufbessern kann. Soll sie irgend etwas unterrichten, Briefständer bemalen, feine Handarbeiten machen? Sie merkt, daß Frauen schwer und besser als sie für zwei Pence pro Tag arbeiten müssen. Sie kauft zwei vergoldete Pappen beim Schreibwarenhändler und bemalt sie, so gut sie kann. Auf der einen entsteht inmitten einer Bleistiftlandschaft ein lächelnder Schäfer mit roter Weste und rosa Gesicht, auf der anderen eine Schäferin, die mit einem Hündchen neben sich eine kleine Brücke überschreitet. Der Mann vom Schreibwarenladen und Bromptoner Magazin der schönen Künste, von dem sie die Pappen gekauft hat, in der eitlen Hoffnung, er würde sie zurückkaufen, wenn sie von ihrer Hand verziert worden wären, kann kaum ein Hohnlächeln verbergen, als er diese schwachen Kunstwerke besichtigt. Er blickt die Dame, die im Laden wartet, von der Seite an, packt die Bilder wieder in den braunweißen Papierumschlag und gibt sie der armen Witwe und Miss Clapp zurück. Diese junge Dame hat in ihrem ganzen Leben noch nichts so Schönes gesehen und hatte gehofft, daß der Mann mindestens zwei Guineen dafür zahlen würde. Sie versuchten ihr Heil in anderen Läden in der Stadt, aber ihre Hoffnungen sanken immer mehr. »Ich brauche sie nicht«, sagte einer. »Hinaus!« sagte ein anderer böse. Drei Shilling und sechs Pence sind umsonst ausgegeben. Die Bilder kommen in Miss Clapps Schlafzimmer, und sie findet sie immer noch sehr schön.   Amelia thinks, and thinks, and racks her brain, to find some means of increasing the small pittance upon which the household is starving. Can she give lessons in anything? paint card-racks? do fine work? She finds that women are working hard, and better than she can, for twopence a day. She buys a couple of begilt Bristol boards at the Fancy Stationer’s and paints her very best upon them — a shepherd with a red waistcoat on one, and a pink face smiling in the midst of a pencil landscape — a shepherdess on the other, crossing a little bridge, with a little dog, nicely shaded. The man of the Fancy Repository and Brompton Emporium of Fine Arts (of whom she bought the screens, vainly hoping that he would repurchase them when ornamented by her hand) can hardly hide the sneer with which he examines these feeble works of art. He looks askance at the lady who waits in the shop, and ties up the cards again in their envelope of whitey-brown paper, and hands them to the poor widow and Miss Clapp, who had never seen such beautiful things in her life, and had been quite confident that the man must give at least two guineas for the screens. They try at other shops in the interior of London, with faint sickening hopes. “Don’t want ’em,” says one. “Be off,” says another fiercely. Three-and-sixpence has been spent in vain — the screens retire to Miss Clapp’s bedroom, who persists in thinking them lovely. Amelia schreibt in ihrer schönsten Handschrift nach langem Nachdenken und vielen stilistischen Bemühungen eine kleine Karte, auf der dem Publikum kundgetan wird, daß »eine Dame, die über einige Freizeit verfügt, die Erziehung kleiner Mädchen zu übernehmen wünscht, wobei sie in der englischen und französischen Sprache, in Geographie, Geschichte und Musik unterrichten könnte. Zuschriften unter A. O. an Mr. Brown.« Die Karte vertraut sie dem Herrn in dem Magazin der schönen Künste an, der sich bereit erklärt, sie auf den Ladentisch zu legen. Dort vergilbt sie, und Fliegen beschmutzen sie. Amelia geht oft sehnsüchtig an der Tür vorüber, in der Hoffnung, daß Mr. Brown Nachrichten für sie hat, aber er winkt sie nie herein. Wenn sie hingeht, um kleine Einkäufe zu machen, so ist niemals eine Nachricht für sie da. Arme, einfache, kleine Frau – wie kannst du, so zart und schwach du bist, den Kampf mit der kämpfenden rohen Welt wagen?   She writes out a little card in her neatest hand, and after long thought and labour of composition, in which the public is informed that “A Lady who has some time at her disposal, wishes to undertake the education of some little girls, whom she would instruct in English, in French, in Geography, in History, and in Music — address A. O., at Mr. Brown’s”; and she confides the card to the gentleman of the Fine Art Repository, who consents to allow it to lie upon the counter, where it grows dingy and fly-blown. Amelia passes the door wistfully many a time, in hopes that Mr. Brown will have some news to give her, but he never beckons her in. When she goes to make little purchases, there is no news for her. Poor simple lady, tender and weak — how are you to battle with the struggling violent world? Sie wird täglich zermürbter und trauriger und richtet ängstliche Blicke auf ihr Kind, deren Bedeutung der kleine Knabe nicht zu enträtseln vermag. Nachts schreckt sie auf und blickt heimlich in sein Zimmer, um zu sehen, ob er schläft und nicht etwa geraubt ist. Sie schläft jetzt nur wenig. Ein schrecklicher Gedanke verfolgt sie ununterbrochen. Wie sie in den langen stillen Nächten weint und betet! Wie sie den ständig wiederkehrenden Gedanken vor sich selbst zu verbergen sucht, den Gedanken, daß es besser wäre, sich von dem Knaben zu trennen, da sie die einzige Schranke zwischen ihm und dem Glück ist! Sie kann nicht, wenigstens nicht jetzt. Ein anderes Mal. Oh, es ist zu schwer, diesen Gedanken zu ertragen.   She grows daily more care-worn and sad, fixing upon her child alarmed eyes, whereof the little boy cannot interpret the expression. She starts up of a night and peeps into his room stealthily, to see that he is sleeping and not stolen away. She sleeps but little now. A constant thought and terror is haunting her. How she weeps and prays in the long silent nights — how she tries to hide from herself the thought which will return to her, that she ought to part with the boy, that she is the only barrier between him and prosperity. She can’t, she can’t. Not now, at least. Some other day. Oh! it is too hard to think of and to bear. Eine Idee kommt ihr, die sie erröten macht und von der sie sich abwendet. Ihre Eltern könnten die Rente behalten, wenn der Vikar sie heiraten und ihr und dem Knaben ein Heim geben würde. Aber Georges Bild und das teure Andenken an ihn machen ihr Vorwürfe. Scham und Liebe sagen nein zu diesem Opfer. Sie weicht zurück wie vor etwas Unheiligem, und solche Gedanken finden in dem reinen, sanften Herzen keine Heimstatt.   A thought comes over her which makes her blush and turn from herself — her parents might keep the annuity — the curate would marry her and give a home to her and the boy. But George’s picture and dearest memory are there to rebuke her. Shame and love say no to the sacrifice. She shrinks from it as from something unholy, and such thoughts never found a resting-place in that pure and gentle bosom. Der Kampf in Amelias Innern, den wir hier mit so wenigen Worten geschildert haben, dauerte mehrere Wochen. Während dieser Zeit hatte sie keine Vertraute und konnte auch keine haben, da sie sich selbst die Möglichkeit des Nachgebens nicht eingestehen wollte, obgleich sie täglich weiter vor ihrem Feinde zurückwich. Eine Wahrheit nach der anderen zog schweigend gegen sie auf und hielt ihre Stellung. Armut und Elend aller, Bedürfnisse und Erniedrigung der Eltern, Ungerechtigkeit gegenüber dem Knaben, eins nach dem anderen fielen die Außenwerke der kleinen Zitadelle, in der die arme Seele leidenschaftlich ihre Liebe und ihren einzigen Schatz hütete.   The combat, which we describe in a sentence or two, lasted for many weeks in poor Amelia’s heart, during which she had no confidante; indeed, she could never have one, as she would not allow to herself the possibility of yielding, though she was giving way daily before the enemy with whom she had to battle. One truth after another was marshalling itself silently against her and keeping its ground. Poverty and misery for all, want and degradation for her parents, injustice to the boy — one by one the outworks of the little citadel were taken, in which the poor soul passionately guarded her only love and treasure. Zu Anfang des Kampfes hatte sie einen Brief voll zärtlicher Bitten an ihren Bruder nach Kalkutta geschrieben und ihn angefleht, den Eltern nicht die letzte Stütze zu entziehen. In schlichten Worten schilderte sie ihre einsame, unglückliche Lage. Sie wußte ja nicht, wie sich die Sache wirklich verhielt. Joseph zahlte die jährliche Unterstützung nach wie vor regelmäßig, aber ein Geldverleiher in der City erhielt sie. An ihn hatte der alte Sedley sie für eine Summe Geldes verkauft, damit er seine unsinnigen Pläne weiterverfolgen konnte. Emmy rechnete sich eifrig die Zeit aus, die vergehen würde, bis der Brief ankäme und Antwort erfolgen könnte. Sie hatte sich den Tag, an dem sie ihn abgeschickt hatte, in ihrem Notizbuch vermerkt. Dem Vormund ihres Sohnes, dem guten Major in Madras, hatte sie von ihren Kümmernissen und Verlegenheiten nichts mitgeteilt. Seitdem sie ihm zu seiner bevorstehenden Heirat gratuliert hatte, hatte sie ihm nicht wieder geschrieben, und niedergeschlagen dachte sie daran, daß auch dieser Freund, der einzige, der sie je geschätzt hatte, von ihr abgefallen war.   At the beginning of the struggle, she had written off a letter of tender supplication to her brother at Calcutta, imploring him not to withdraw the support which he had granted to their parents and painting in terms of artless pathos their lonely and hapless condition. She did not know the truth of the matter. The payment of Jos’s annuity was still regular, but it was a money-lender in the City who was receiving it: old Sedley had sold it for a sum of money wherewith to prosecute his bootless schemes. Emmy was calculating eagerly the time that would elapse before the letter would arrive and be answered. She had written down the date in her pocket-book of the day when she dispatched it. To her son’s guardian, the good Major at Madras, she had not communicated any of her griefs and perplexities. She had not written to him since she wrote to congratulate him on his approaching marriage. She thought with sickening despondency, that that friend — the only one, the one who had felt such a regard for her — was fallen away. Eines Tages, als die Sachen wieder einmal sehr schlecht standen  – die Gläubiger drängten, die Mutter wurde hysterisch vor Kummer, der Vater war düsterer als gewöhnlich, die Familienmitglieder mieden einander, und jeder war insgeheim von seinem eigenen Unglück bedrückt und meinte, daß ihm Unrecht geschehen sei –, trafen sich Vater und Tochter zufällig einmal allein, und Amelia dachte, sie könne ihren Vater trösten, wenn sie ihm erzählte, was sie getan hatte. Sie habe an Joseph geschrieben – in drei bis vier Monaten müßte die Antwort dasein. Er sei doch stets großmütig gewesen, wenn auch ein wenig unbekümmert, er könne nicht abschlagen, wenn er wüßte, in welchen bedrängten Umständen seine Eltern lebten.   One day, when things had come to a very bad pass — when the creditors were pressing, the mother in hysteric grief, the father in more than usual gloom, the inmates of the family avoiding each other, each secretly oppressed with his private unhappiness and notion of wrong — the father and daughter happened to be left alone together, and Amelia thought to comfort her father by telling him what she had done. She had written to Joseph — an answer must come in three or four months. He was always generous, though careless. He could not refuse, when he knew how straitened were the circumstances of his parents. Da enthüllte ihr der arme alte Herr die volle Wahrheit: daß sein Sohn die Rente immer noch zahle, daß aber seine eigne Unklugheit sie verschleudert habe. Er habe nicht gewagt, es ihr früher zu sagen. Als er mit zitternder, leiser Stimme dieses Bekenntnis ablegte, glaubte er in Amelias verstörtem, entsetztem Blick Vorwürfe darüber zu lesen, daß er es so lange geheimgehalten hatte. »Ach«, sagte er und wandte sich mit zitternden Lippen ab, »jetzt verachtest du deinen alten Vater.«   Then the poor old gentleman revealed the whole truth to her — that his son was still paying the annuity, which his own imprudence had flung away. He had not dared to tell it sooner. He thought Amelia’s ghastly and terrified look, when, with a trembling, miserable voice he made the confession, conveyed reproaches to him for his concealment. “Ah!” said he with quivering lips and turning away, “you despise your old father now!” »O Papa, das ist es nicht«, rief Amelia, fiel ihm um den Hals und küßte ihn viele Male, »du bist stets gut und freundlich gewesen. Du wolltest ja nur das Beste. Es ist nicht wegen des Geldes – es ist... O mein Gott, mein Gott! Erbarme dich meiner und gib mir Kraft, diese Prüfung zu ertragen!« Sie küßte ihn nochmals heftig und eilte fort.   “Oh, papa! it is not that,” Amelia cried out, falling on his neck and kissing him many times. “You are always good and kind. You did it for the best. It is not for the money — it is — my God! my God! have mercy upon me, and give me strength to bear this trial”; and she kissed him again wildly and went away. Der Vater wußte nicht, was diese Erklärung und der Schmerzensausbruch, mit dem die arme Frau ihn verlassen hatte, bedeuten sollte. Nun war sie besiegt. Das Urteil war gesprochen. Das Kind mußte von ihr fort – zu anderen – und sie vergessen. Ihr größter Schatz, ihre Freude, Hoffnung, Liebe, Anbetung, fast ihr Gott – sie mußte ihn aufgeben, und dann – dann würde sie zu George gehen, und sie beide würden über dem Kinde wachen und darauf warten, daß es zu ihnen in den Himmel käme.   Still the father did not know what that explanation meant, and the burst of anguish with which the poor girl left him. It was that she was conquered. The sentence was passed. The child must go from her — to others — to forget her. Her heart and her treasure — her joy, hope, love, worship — her God, almost! She must give him up, and then — and then she would go to George, and they would watch over the child and wait for him until he came to them in Heaven. Ohne zu wissen, was sie tat, setzte sie den Hut auf und schritt den Weg entlang, auf dem George gewöhnlich aus der Schule kam und wo sie dem Knaben meist entgegenging. Es war im Mai, an einem halben Feiertag. Die Bäume entfalteten ihre Blätter, das Wetter war herrlich. Rotbackig und gesund, lief ihr der Knabe singend, das Bücherbündel an einem Riemen über dem Rücken, entgegen. Da war er. Mit beiden Armen umschlang sie ihn. Nein, es war unmöglich. Sie konnte sich nicht von ihm trennen. »Was ist los, Mutter?« fragte er. »Du siehst so blaß aus.«   She put on her bonnet, scarcely knowing what she did, and went out to walk in the lanes by which George used to come back from school, and where she was in the habit of going on his return to meet the boy. It was May, a half-holiday. The leaves were all coming out, the weather was brilliant; the boy came running to her flushed with health, singing, his bundle of school-books hanging by a thong. There he was. Both her arms were round him. No, it was impossible. They could not be going to part. “What is the matter, Mother?” said he; “you look very pale.” »Nichts, mein Kind«, entgegnete sie. Sie beugte sich herab und küßte ihn.   “Nothing, my child,” she said and stooped down and kissed him. An diesem Abend ließ sich Amelia von dem Knaben die Geschichte Samuels vorlesen, wie ihn seine Mutter Hanna, nachdem sie ihn entwöhnt hatte, zu dem Hohenpriester Eli brachte, damit er dort dem Herrn diene. Und er las Hannas Lobgesang, worin es heißt: »Der Herr machet arm und machet reich; er erniedriget und erhöhet; er hebet auf den Dürftigen aus dem Staube.« Dann las er, wie Samuels Mutter ihm einen kleinen Rock machte und »ihn ihm hinaufbrachte, zu seiner Zeit, wenn sie hinaufging zu opfern die Opfer seiner Zeit«. Und dann erklärte Georges Mutter in ihrer lieblichen, einfachen Art dem Knaben diese rührende Geschichte. Wie Hanna, obgleich sie ihren Sohn sehr liebte, sich wegen ihres Gelübdes doch von ihm getrennt habe und wie sie stets an ihn gedacht haben müsse, wenn sie weit von ihm entfernt zu Hause saß und an dem kleinen Rock nähte, und wie Samuel seine Mutter sicherlich nie vergessen habe, und wie glücklich sie gewesen sein müsse, als die Zeit herankam (und die Jahre vergehen sehr geschwind), da sie ihn wiedergesehen habe und feststellen konnte, wie gut und weise er geworden war. Diese kleine Predigt hielt sie mit sanfter, feierlicher Stimme und trockenen Augen, bis sie zu der Stelle der Wiederbegegnung kam. Da brach sie plötzlich ab, ihr zärtliches Herz strömte über, sie drückte den Knaben an sich, wiegte ihn hin und her und weinte schweigend ihren heiligen Schmerz über ihm aus.   That night Amelia made the boy read the story of Samuel to her, and how Hannah, his mother, having weaned him, brought him to Eli the High Priest to minister before the Lord. And he read the song of gratitude which Hannah sang, and which says, who it is who maketh poor and maketh rich, and bringeth low and exalteth — how the poor shall be raised up out of the dust, and how, in his own might, no man shall be strong. Then he read how Samuel’s mother made him a little coat and brought it to him from year to year when she came up to offer the yearly sacrifice. And then, in her sweet simple way, George’s mother made commentaries to the boy upon this affecting story. How Hannah, though she loved her son so much, yet gave him up because of her vow. And how she must always have thought of him as she sat at home, far away, making the little coat; and Samuel, she was sure, never forgot his mother; and how happy she must have been as the time came (and the years pass away very quick) when she should see her boy and how good and wise he had grown. This little sermon she spoke with a gentle solemn voice, and dry eyes, until she came to the account of their meeting — then the discourse broke off suddenly, the tender heart overflowed, and taking the boy to her breast, she rocked him in her arms and wept silently over him in a sainted agony of tears. Sobald die Witwe ihren Beschluß gefaßt hatte, begann sie Maßnahmen zu ergreifen, die ihr für den beabsichtigten Zweck am erfolgversprechendsten schienen. Eines Tages erhielt Miss Osborne am Russell Square (Amelia hatte zehn Jahre lang weder den Namen noch die Nummer des Hauses niedergeschrieben, und als sie jetzt die Adresse malte, stieg ihre Jugend, ihre eigene Geschichte wieder in ihr auf) – eines Tages also erhielt Miss Osborne einen Brief von Amelia, der sie heftig erröten ließ. Sie blickte ihren Vater an, der düster auf seinem Platz am anderen Ende des Tisches saß.   Her mind being made up, the widow began to take such measures as seemed right to her for advancing the end which she proposed. One day, Miss Osborne, in Russell Square (Amelia had not written the name or number of the house for ten years — her youth, her early story came back to her as she wrote the superscription) one day Miss Osborne got a letter from Amelia which made her blush very much and look towards her father, sitting glooming in his place at the other end of the table. Amelia schilderte in einfachen Worten die Gründe, die sie bewogen hatten, bezüglich ihres Sohnes ihren Sinn zu ändern. Ihr Vater habe erneut Unglück gehabt und sei nun völlig ruiniert. Ihr eigenes kleines Einkommen sei so gering, daß es ihr kaum ermögliche, ihre Eltern zu unterhalten, und es würde nicht ausreichen, George die Vorteile zu bieten, die ihm gebührten. So groß auch ihr Schmerz bei der Trennung sein würde, so wolle sie ihn doch mit Gottes Hilfe um des Knaben willen ertragen. Sie wüßte, daß die, zu denen er ging, alles in ihren Kräften Stehende tun würden, um ihn glücklich zu machen. Sie beschrieb seinen Charakter, wie sie ihn sah: ungeduldig und ungehorsam gegen Zwang und Härte, aber leicht zu lenken mit Liebe und Freundlichkeit. In einer Nachschrift erbat sie sich eine schriftliche Zusage, das Kind, sooft sie es wünsche, sehen zu dürfen – sie könne sich unter keiner anderen Bedingung von ihm trennen.   In simple terms, Amelia told her the reasons which had induced her to change her mind respecting her boy. Her father had met with fresh misfortunes which had entirely ruined him. Her own pittance was so small that it would barely enable her to support her parents and would not suffice to give George the advantages which were his due. Great as her sufferings would be at parting with him she would, by God’s help, endure them for the boy’s sake. She knew that those to whom he was going would do all in their power to make him happy. She described his disposition, such as she fancied it — quick and impatient of control or harshness, easily to be moved by love and kindness. In a postscript, she stipulated that she should have a written agreement, that she should see the child as often as she wished — she could not part with him under any other terms. »Wie? Ist Mrs. Hochnäsig endlich zur Vernunft gekommen?« meinte der alte Osborne, als ihm seine Tochter mit zitternder Stimme hastig den Brief vorlas. – »Regelrecht ausgehungert, haha! Ich wußte, daß sie es tun würde.« Er versuchte, Haltung zu bewahren und seine Zeitungen wie gewöhnlich zu lesen, aber er war nicht bei der Sache. Hinter dem Blatt lachte und fluchte er in sich hinein.   “What? Mrs. Pride has come down, has she?” old Osborne said, when with a tremulous eager voice Miss Osborne read him the letter. “Reg’lar starved out, hey? Ha, ha! I knew she would.” He tried to keep his dignity and to read his paper as usual — but he could not follow it. He chuckled and swore to himself behind the sheet. Endlich warf er die Zeitung hin, blickte seine Tochter wie gewöhnlich finster an und ging in sein anstoßendes Studierzimmer. Bald kehrte er mit einem Schlüssel zurück und warf ihn Miss Osborne zu.   At last he flung it down and, scowling at his daughter, as his wont was, went out of the room into his study adjoining, from whence he presently returned with a key. He flung it to Miss Osborne. »Richte das Zimmer über meinem – sein ehemaliges – her«, befahl er. »Ja«, erwiderte die Tochter zitternd. Es war Georges Zimmer. Seit mehr als zehn Jahren war es nicht geöffnet worden: Ein Teil seiner Kleider, Papiere, Taschentücher, Peitschen und Mützen, Angelruten und Sportgeräte befanden sich noch darin. Eine Armeeliste von 1814 mit seinem Namen auf dem Umschlag, ein kleines Wörterbuch, das er beim Schreiben benutzt hatte, und die Bibel, die ihm seine Mutter geschenkt hatte, standen auf dem Kaminsims neben einem Paar Sporen und einem ausgetrockneten Tintenfaß, bedeckt mit dem Staub von zehn Jahren. Oh, wie viele Tage und Leute sind dahingegangen, seit der Zeit, da diese Tinte noch naß war! Der Schreibblock auf dem Tisch trug noch seine Handschrift.   “Get the room over mine — his room that was — ready,” he said. “Yes, sir,” his daughter replied in a tremble. It was George’s room. It had not been opened for more than ten years. Some of his clothes, papers, handkerchiefs, whips and caps, fishing-rods and sporting gear, were still there. An Army list of 1814, with his name written on the cover; a little dictionary he was wont to use in writing; and the Bible his mother had given him, were on the mantelpiece, with a pair of spurs and a dried inkstand covered with the dust of ten years. Ah! since that ink was wet, what days and people had passed away! The writing-book, still on the table, was blotted with his hand. Miss Osborne war sehr bewegt, als sie zum ersten Male mit den Dienstboten dieses Zimmer betrat. Blaß sank sie auf das kleine Bett nieder. »Dies ist eine gute Nachricht, Fräulein – wirklich, Fräulein«, sagte die Haushälterin, »und die gute alte Zeit kehrt zurück, Fräulein. Der liebe kleine Bursche – ach, Fräulein, wie glücklich er sein wird. Gewisse Leute in Mayfair, Fräulein, werden aber einen Groll gegen ihn haben, Fräulein.« Und hiermit stieß sie den Riegel zurück, der das Schiebefenster hielt, und ließ frische Luft in das Zimmer.   Miss Osborne was much affected when she first entered this room with the servants under her. She sank quite pale on the little bed. “This is blessed news, m’am — indeed, m’am,” the housekeeper said; “and the good old times is returning, m’am. The dear little feller, to be sure, m’am; how happy he will be! But some folks in May Fair, m’am, will owe him a grudge, m’am”; and she clicked back the bolt which held the window-sash and let the air into the chamber. »Du solltest am besten der Frau etwas Geld schicken«, sagte Mr. Osborne, ehe er ausging. »Sie soll keinen Mangel leiden. Schicke ihr hundert Pfund.«   “You had better send that woman some money,” Mr. Osborne said, before he went out. “She shan’t want for nothing. Send her a hundred pound.” »Und morgen besuche ich sie, ja?« fragte Miss Osborne.   “And I’ll go and see her to-morrow?” Miss Osborne asked. »Das ist deine Sache. Aber denk daran, hierher kommt sie mir nicht. Nein, Zum Teufel, nicht um alles Geld in London. Aber Mangel soll sie nicht leiden. Mach also, und bring die Sache in Ordnung.« Mit diesen kurzen Worten nahm Mr. Osborne von seiner Tochter Abschied und trat den gewohnten Weg in die City an.   “That’s your look out. She don’t come in here, mind. No, by — , not for all the money in London. But she mustn’t want now. So look out, and get things right.” With which brief speeches Mr. Osborne took leave of his daughter and went on his accustomed way into the City. »Hier, Papa, ist etwas Geld«, sagte Amelia an jenem Abend zu ihrem Vater, küßte den alten Mann und drückte ihm einen Wechsel über hundert Pfund in seine Hand. »Und – und Mama, sei nicht hart gegen Georgy. Er – er wird nicht mehr lange bei uns bleiben.« Sie konnte nichts weiter sagen und ging schweigend in ihr Zimmer. Schließen wir die Tür hinter ihren Gebeten und ihrem Kummer. Ich glaube, wir tun gut daran, von soviel Liebe und Schmerz wenig zu sagen.   “Here, Papa, is some money,” Amelia said that night, kissing the old man, her father, and putting a bill for a hundred pounds into his hands. “And — and, Mamma, don’t be harsh with Georgy. He — he is not going to stop with us long.” She could say nothing more, and walked away silently to her room. Let us close it upon her prayers and her sorrow. I think we had best speak little about so much love and grief. Am nächsten Tag besuchte Miss Osborne Amelia, wie sie es in ihrem Brief versprochen hatte. Die Begegnung verlief freundlich. Ein Blick und ein paar Worte von Miss Osborne zeigten der armen Witwe, daß sie zumindest wegen dieser Frau nicht um den ersten Platz im Herzen ihres Sohnes zu fürchten brauchte. Sie war kühl, vernünftig und nicht unfreundlich. Vielleicht wäre der Mutter weniger lieb gewesen, hätte sie ihre Rivalin hübscher, jünger, liebevoller und warmherziger gefunden. Miss Osborne dagegen dachte an alte Zeiten und war gerührt über die traurige Lage der armen Mutter. Sie war besiegt, streckte gewissermaßen die Waffen und ergab sich. An diesem Tag legten sie gemeinsam die Präliminarien des Kapitulationsvertrages fest.   Miss Osborne came the next day, according to the promise contained in her note, and saw Amelia. The meeting between them was friendly. A look and a few words from Miss Osborne showed the poor widow that, with regard to this woman at least, there need be no fear lest she should take the first place in her son’s affection. She was cold, sensible, not unkind. The mother had not been so well pleased, perhaps, had the rival been better looking, younger, more affectionate, warmer-hearted. Miss Osborne, on the other hand, thought of old times and memories and could not but be touched with the poor mother’s pitiful situation. She was conquered, and laying down her arms, as it were, she humbly submitted. That day they arranged together the preliminaries of the treaty of capitulation. George durfte am nächsten Tag nicht zur Schule gehen und sah seine Tante. Amelia ließ die beiden allein und begab sich auf ihr Zimmer. Sie erprobte die Trennung – wie die arme sanfte Lady Jane Grey, die die Schneide des Beiles befühlte, das herabfallen und ihr zartes Leben beenden sollte. Mehrere Tage vergingen unter Besprechungen, Besuchen und Vorbereitungen. Die Witwe brachte Georgy die Sache äußerst vorsichtig bei; sie hatte erwartet, daß ihn die Nachricht sehr betrüben würde, er war jedoch eher erfreut darüber, und die arme Frau wandte sich traurig ab. Er prahlte an jenem Tage gegenüber den Schulkameraden mit der Nachricht, erzählte ihnen, daß er jetzt bei .seinem Großvater leben sollte. Nicht bei dem, der zuweilen herkam, sondern beim Vater seines Vaters, und daß er sehr reich sein und einen Ponywagen halten und in eine viel feinere Schule kommen werde, und wenn er erst reich wäre, dann könne er Leaders Federkästchen kaufen und bei der Kuchenfrau bezahlen. Der Knabe war das Ebenbild des Vaters, wie seine zärtliche Mutter dachte.   George was kept from school the next day, and saw his aunt. Amelia left them alone together and went to her room. She was trying the separation — as that poor gentle Lady Jane Grey felt the edge of the axe that was to come down and sever her slender life. Days were passed in parleys, visits, preparations. The widow broke the matter to Georgy with great caution; she looked to see him very much affected by the intelligence. He was rather elated than otherwise, and the poor woman turned sadly away. He bragged about the news that day to the boys at school; told them how he was going to live with his grandpapa his father’s father, not the one who comes here sometimes; and that he would be very rich, and have a carriage, and a pony, and go to a much finer school, and when he was rich he would buy Leader’s pencil-case and pay the tart-woman. The boy was the image of his father, as his fond mother thought. Um unserer lieben Amelia willen habe ich wirklich nicht das Herz, Georges letzte Tage zu Hause zu beschreiben.   Indeed I have no heart, on account of our dear Amelia’s sake, to go through the story of George’s last days at home. Endlich kam der Tag, der Wagen fuhr vor, die kleinen bescheidenen Päckchen mit Zeichen der Liebe und Andenken lagen schon im Hausflur bereit. George trug seinen neuen Anzug, zu dem ihm der Schneider vorher noch Maß genommen hatte. Bei Sonnenaufgang war er aus dem Bett gesprungen und hatte die neuen Kleider angezogen. Das alles hörte seine Mutter im Nebenzimmer, wo sie in stummem Schmerz die Nacht durchwacht hatte. Tage zuvor schon hatte sie Vorbereitungen getroffen, nützliche Kleinigkeiten für den Knaben gekauft, seine Bücher und Wäsche mit seinem Namen versehen, mit ihm gesprochen und ihn auf die Veränderung vorbereitet – in dem zärtlichen Wahn, daß er der Vorbereitung bedürfe.   At last the day came, the carriage drove up, the little humble packets containing tokens of love and remembrance were ready and disposed in the hall long since — George was in his new suit, for which the tailor had come previously to measure him. He had sprung up with the sun and put on the new clothes, his mother hearing him from the room close by, in which she had been lying, in speechless grief and watching. Days before she had been making preparations for the end, purchasing little stores for the boy’s use, marking his books and linen, talking with him and preparing him for the change — fondly fancying that he needed preparation. Was machte er sich schon daraus, wenn es nur eine Veränderung gab! Er konnte es kaum erwarten. Mit tausend eifrigen Plänen, was er alles tun würde, wenn er erst bei seinem Großvater wohnte, hatte er der armen Witwe gezeigt, wie wenig ihn die Trennung bedrückte. Er wolle oft mit dem Pony kommen, um seine Mama zu besuchen, sagte er; er würde sie mit dem Wagen abholen, und dann könnten sie im Park spazierenfahren, und sie solle alles haben, was sie brauche. Die arme Mutter mußte sich mit diesen selbstsüchtigen Zeichen der Zuneigung zufriedengeben und versuchte sich einzureden, daß ihr Sohn sie aufrichtig liebe. Er mußte sie doch lieben. Alle Kinder waren so: ein wenig begierig auf Neues und – nein, nicht selbstsüchtig, nur eigenwillig. Ihr Kind sollte seinen Spaß und seinen Ehrgeiz in der Welt haben. Sie selbst mit ihrer selbstsüchtigen, törichten Liebe hatte ihm bisher sein Recht auf Freude verwehrt.   So that he had change, what cared he? He was longing for it. By a thousand eager declarations as to what he would do, when he went to live with his grandfather, he had shown the poor widow how little the idea of parting had cast him down. “He would come and see his mamma often on the pony,” he said. “He would come and fetch her in the carriage; they would drive in the park, and she should have everything she wanted.” The poor mother was fain to content herself with these selfish demonstrations of attachment, and tried to convince herself how sincerely her son loved her. He must love her. All children were so: a little anxious for novelty, and — no, not selfish, but self-willed. Her child must have his enjoyments and ambition in the world. She herself, by her own selfishness and imprudent love for him had denied him his just rights and pleasures hitherto. Ich kenne kaum etwas Rührenderes als die ängstliche Erniedrigung und Demütigung einer Frau, wenn sie gesteht, daß sie und nicht der Mann die Schuld trägt, wenn sie alle Fehler auf sich nimmt, wenn sie gewissermaßen Bestrafung fordert für ein Unrecht, das sie nicht begangen hat, und wenn sie darauf besteht, den wahren Schuldigen zu schützen! Frauen lieben die, die ihnen Unrecht zufügen, am meisten. Sie sind von Natur aus furchtsam, aber tyrannisch und mißhandeln die, die sich vor ihnen demütigen.   I know few things more affecting than that timorous debasement and self-humiliation of a woman. How she owns that it is she and not the man who is guilty; how she takes all the faults on her side; how she courts in a manner punishment for the wrongs which she has not committed and persists in shielding the real culprit! It is those who injure women who get the most kindness from them — they are born timid and tyrants and maltreat those who are humblest before them. Die arme Amelia hatte sich also in stillem Kummer für das Scheiden ihres Sohnes gewappnet und manche lange einsame Stunde damit zugebracht. George stand neben seiner Mutter und beobachtete ihre Vorbereitungen ohne die mindeste Anteilnahme. Tränen waren in seine Schachteln gefallen. In seinen Lieblingsbüchern hatte sie Stellen angestrichen. Alte Spielsachen, Andenken und Schätze hatte sie für ihn zusammengelegt und außerordentlich nett und sorgfältig zusammengepackt, aber von alledem nahm der Knabe keine Notiz. Das Kind geht lächelnd fort, während das Herz der Mutter bricht. Beim Himmel, wie bemitleidenswert ist auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit die sinnlose Liebe der Frauen zu den Kindern.   So poor Amelia had been getting ready in silent misery for her son’s departure, and had passed many and many a long solitary hour in making preparations for the end. George stood by his mother, watching her arrangements without the least concern. Tears had fallen into his boxes; passages had been scored in his favourite books; old toys, relics, treasures had been hoarded away for him, and packed with strange neatness and care — and of all these things the boy took no note. The child goes away smiling as the mother breaks her heart. By heavens it is pitiful, the bootless love of women for children in Vanity Fair. Einige Tage sind vergangen, und das große Ereignis in Amelias Leben ist vorüber. Kein Engel hat eingegriffen. Das Kind ist dem Schicksal geopfert worden, und die Witwe ist ganz allein.   A few days are past, and the great event of Amelia’s life is consummated. No angel has intervened. The child is sacrificed and offered up to fate, and the widow is quite alone. Gewiß, der Knabe besucht sie oft. In Begleitung des Kutschers reitet er auf einem Pony, zum Entzücken seines alten Großvaters Sedley, der stolz an seiner Seite die Gasse hinabgeht. Sie sieht ihn, aber er ist nicht mehr ihr kleiner Junge. Ja, er reitet auch in die kleine Schule, um die Knaben dort zu besuchen und vor ihnen mit seinem neuen Reichtum und Glanz zu prahlen. Innerhalb von zwei Tagen hat er eine Herrschermiene und ein gönnerhaftes Wesen angenommen. Er ist zum Befehlen geboren, denkt seine Mutter, wie sein Vater.   The boy comes to see her often, to be sure. He rides on a pony with a coachman behind him, to the delight of his old grandfather, Sedley, who walks proudly down the lane by his side. She sees him, but he is not her boy any more. Why, he rides to see the boys at the little school, too, and to show off before them his new wealth and splendour. In two days he has adopted a slightly imperious air and patronizing manner. He was born to command, his mother thinks, as his father was before him. Das Wetter ist jetzt sehr schön. An den Abenden, wenn er nicht kommt, unternimmt sie lange Spaziergänge nach London – ja, bis zum Russell Square sogar. Dort ruht sie sich auf der Steineinfassung am Gartenzaun gegenüber von Mr. Osbornes Haus aus. Es ist angenehm und kühl hier. Sie kann die erleuchteten Salonfenster sehen und gegen neun Uhr das Zimmer im oberen Stock, wo Georgy schläft. Das weiß sie – er hat es ihr erzählt. Sie betet, wenn das Licht verlöscht, betet mit demütigem, ergebenem Herzen und geht gebeugt und stumm wieder nach Hause. Sie ist sehr müde, wenn sie heimkommt. Vielleicht schläft sie nach diesem langen, anstrengenden Gang um so besser, und vielleicht träumt sie von Georgy.   It is fine weather now. Of evenings on the days when he does not come, she takes a long walk into London — yes, as far as Russell Square, and rests on the stone by the railing of the garden opposite Mr. Osborne’s house. It is so pleasant and cool. She can look up and see the drawing-room windows illuminated, and, at about nine o’clock, the chamber in the upper story where Georgy sleeps. She knows — he has told her. She prays there as the light goes out, prays with an humble heart, and walks home shrinking and silent. She is very tired when she comes home. Perhaps she will sleep the better for that long weary walk, and she may dream about Georgy. Eines Sonntags spazierte sie am Russell Square in einiger Entfernung von Mr. Osbornes Hause (sie konnte es ja auch aus der Ferne beobachten). Gerade begannen die Sonntagsglocken zu läuten, und George und seine Tante kamen heraus, um in die Kirche zu gehen. Da bat ein kleiner Straßenkehrerjunge um ein Almosen, und der Bediente, der die Gebetbücher trug, versuchte ihn wegzutreiben, aber Georgy blieb stehen und gab ihm Geld. Gottes Segen über den Knaben! Emmy lief rund um den Platz, und als sie den Straßenfeger erreicht hatte, gab sie ihm auch ihr Scherflein. Alle Sonntagsglocken läuteten, und sie folgte ihnen, bis sie zur Findelhauskirche kam. Sie ging hinein und setzte sich so, daß sie den Kopf des Knaben unter der Gedenktafel seines Vaters erblicken konnte. Viele hundert frische Kinderstimmen erhoben sich und sangen dem allgütigen Vater Dankeshymnen, und die Seele des kleinen George zitterte vor Entzücken über den herrlichen Psalm. Seine Mutter konnte ihn eine Weile durch den Schleier, der ihren Blick trübte, nicht sehen.   One Sunday she happened to be walking in Russell Square, at some distance from Mr. Osborne’s house (she could see it from a distance though) when all the bells of Sabbath were ringing, and George and his aunt came out to go to church; a little sweep asked for charity, and the footman, who carried the books, tried to drive him away; but Georgy stopped and gave him money. May God’s blessing be on the boy! Emmy ran round the square and, coming up to the sweep, gave him her mite too. All the bells of Sabbath were ringing, and she followed them until she came to the Foundling Church, into which she went. There she sat in a place whence she could see the head of the boy under his father’s tombstone. Many hundred fresh children’s voices rose up there and sang hymns to the Father Beneficent, and little George’s soul thrilled with delight at the burst of glorious psalmody. His mother could not see him for awhile, through the mist that dimmed her eyes. 51. Kapitel / Chapter 51 In dem eine Scharade aufgeführt wird, die dem Leser Rätsel aufgibt – oder auch nicht / In Which a Charade Is Acted Which May or May Not Puzzle the Reader Nach Beckys Auftritt bei den privaten und auserlesenen Empfängen Lord Steynes erkannte man die Ansprüche der schätzenswerten Frau auf die vornehme Gesellschaft an, und einige der bedeutendsten und größten Türen der Hauptstadt öffneten sich ihr schnell – Türen, so bedeutend und groß, daß der geneigte Leser und der Verfasser vergeblich hoffen dürften, sie jemals zu durchschreiten. Teure Brüder, laßt uns vor diesen erlauchten Portalen erzittern. Ich stelle sie mir vor, bewacht von Kammerdienern mit feurigen silbernen Gabeln, mit denen sie alle die aufspießen, die unberechtigt eintreten wollen. Es heißt, der ehrliche Zeitungsberichterstatter, der in der Halle sitzt und die Namen der vornehmen Gäste niederschreibt, sterbe nach kurzer Zeit. Er kann den Glanz der großen Welt nicht lange ertragen. Dieser Glanz verbrennt ihn, wie die Erscheinung Jupiters in vollem Staat die arme, törichte Semele verzehrte – ein vorwitziger Falter, der zugrunde geht, weil er sich aus seiner natürlichen Umgebung herauswagte. Diese Sage sollten sich die Tyburnier und die Belgravier zu Herzen nehmen – ihre Geschichte und vielleicht auch die Beckys. Ach, meine Damen, fragen Sie Ehrwürden Mr. Thurifer, ob Belgravia nicht ein tönendes Erz und Tyburnia eine klingende Schelle ist! Es sind alles eitle Dinge. Auch sie werden vergehen. Und eines Tages (aber Gott sei Dank erst nach unserer Zeit) wird der Hyde Park ebenso unbekannt sein wie die berühmten Gartenvorstädte von Babylon und der Belgrave Square ebenso einsam und öde wie die Baker Street und Tadmor in der Wüste.   After Becky’s appearance at my Lord Steyne’s private and select parties, the claims of that estimable woman as regards fashion were settled, and some of the very greatest and tallest doors in the metropolis were speedily opened to her — doors so great and tall that the beloved reader and writer hereof may hope in vain to enter at them. Dear brethren, let us tremble before those august portals. I fancy them guarded by grooms of the chamber with flaming silver forks with which they prong all those who have not the right of the entree. They say the honest newspaper-fellow who sits in the hall and takes down the names of the great ones who are admitted to the feasts dies after a little time. He can’t survive the glare of fashion long. It scorches him up, as the presence of Jupiter in full dress wasted that poor imprudent Semele — a giddy moth of a creature who ruined herself by venturing out of her natural atmosphere. Her myth ought to be taken to heart amongst the Tyburnians, the Belgravians — her story, and perhaps Becky’s too. Ah, ladies! — ask the Reverend Mr. Thurifer if Belgravia is not a sounding brass and Tyburnia a tinkling cymbal. These are vanities. Even these will pass away. And some day or other (but it will be after our time, thank goodness) Hyde Park Gardens will be no better known than the celebrated horticultural outskirts of Babylon, and Belgrave Square will be as desolate as Baker Street, or Tadmor in the wilderness. Wissen Sie, meine Damen, daß der große Pitt in der Baker Street gewohnt hat? Was hätten nicht Ihre Großmütter darum gegeben, zu Lady Hesters Gesellschaften in dem jetzt verfallenen Haus geladen zu werden! Ich habe darin gespeist – moi, qui vous parle. Ich bevölkerte das Zimmer mit den Geistern der mächtigen Toten. Als wir mit Männern von heute ernsthaft beim Rotwein dort saßen, kamen die Geister der Verstorbenen und nahmen ihre Plätze an der düsteren Tafel ein. Der Steuermann, der dem Sturm trotzte, stürzte große Becher gespenstischen Portweins hinab, der Schatten von Lord Dundas ließ nicht die Spur einer Nagelprobe im Glas. Addington saß da und verbeugte sich mit unheimlichem Lächeln und hielt nicht zurück, als die geräuschlose Flasche kreiste. Scott zwinkerte unter seinen buschigen Augenbrauen, als ein uralter Portwein kam; Wilberforces Augen waren zur Decke gerichtet (und so schien er nicht zu wissen, wie er sein Glas voll zum Munde hob und leer wieder absetzte), zu jener Decke, die gestern noch über uns war und zu der die Großen der vergangenen Tage alle emporgeblickt haben. Das Haus wird jetzt möbliert vermietet; ja, Lady Hester wohnte einst in der Baker Street und schläft jetzt in der Wüste. Eothen hat sie dort gesehen – nicht in der Baker Street, sondern in der anderen Einsamkeit.   Ladies, are you aware that the great Pitt lived in Baker Street? What would not your grandmothers have given to be asked to Lady Hester’s parties in that now decayed mansion? I have dined in it — moi qui vous parle, I peopled the chamber with ghosts of the mighty dead. As we sat soberly drinking claret there with men of to-day, the spirits of the departed came in and took their places round the darksome board. The pilot who weathered the storm tossed off great bumpers of spiritual port; the shade of Dundas did not leave the ghost of a heeltap. Addington sat bowing and smirking in a ghastly manner, and would not be behindhand when the noiseless bottle went round; Scott, from under bushy eyebrows, winked at the apparition of a beeswing; Wilberforce’s eyes went up to the ceiling, so that he did not seem to know how his glass went up full to his mouth and came down empty; up to the ceiling which was above us only yesterday, and which the great of the past days have all looked at. They let the house as a furnished lodging now. Yes, Lady Hester once lived in Baker Street, and lies asleep in the wilderness. Eothen saw her there — not in Baker Street, but in the other solitude. Sicher, es ist alles Eitelkeit, aber wer wird nicht zugeben müssen, daß er ein wenig davon ganz gern hat? Ich möchte wohl wissen, welcher entschlossene Geist Roastbeef verabscheut, bloß weil es vergänglich ist? Das ist eine Eitelkeit. Möge aber doch jeder, der dies liest, sein ganzes Leben lang eine anständige Portion davon haben, ja, auch dann, wenn ich fünfhunderttausend Leser hätte. Setzen Sie sich, meine Herren, und langen Sie mit gutem Appetit zu. Schonen Sie weder das Fette noch das Magere, weder die Soße noch den Meerrettich. Noch ein Glas Wein, Jones, mein Junge – ein bißchen von der Sonntagsseite. Ja, wir wollen uns an dem eitlen Ding satt essen und dankbar dafür sein. Und ebenso wollen wir das Beste aus Beckys aristokratischen Freuden herausholen – denn wie alle übrigen irdischen Vergnügungen waren sie vergänglich.   It is all vanity to be sure, but who will not own to liking a little of it? I should like to know what well-constituted mind, merely because it is transitory, dislikes roast beef? That is a vanity, but may every man who reads this have a wholesome portion of it through life, I beg: aye, though my readers were five hundred thousand. Sit down, gentlemen, and fall to, with a good hearty appetite; the fat, the lean, the gravy, the horse-radish as you like it — don’t spare it. Another glass of wine, Jones, my boy — a little bit of the Sunday side. Yes, let us eat our fill of the vain thing and be thankful therefor. And let us make the best of Becky’s aristocratic pleasures likewise — for these too, like all other mortal delights, were but transitory. Das Ergebnis ihres Besuches bei Lord Steyne war, daß Seine Hoheit der Fürst von Peterwardein seine Bekanntschaft mit Oberst Crawley erneuerte, als sie am nächsten Tage im Klub zusammentrafen, und Mrs. Crawley auf dem Ring im Hyde Park sehr achtungsvoll grüßte. Sie und ihr Mann wurden sofort zu einem der kleinen Vergnügen des Fürsten ins Levante-Haus geladen, das Seine Hoheit während der zeitweiligen Abwesenheit seines edlen Besitzers von England bewohnte; nach dem Essen sang sie vor einer sehr kleinen Gesellschaft. Der Marquis von Steyne war zugegen und überwachte väterlich die Fortschritte seiner Schülerin.   The upshot of her visit to Lord Steyne was that His Highness the Prince of Peterwaradin took occasion to renew his acquaintance with Colonel Crawley, when they met on the next day at the Club, and to compliment Mrs. Crawley in the Ring of Hyde Park with a profound salute of the hat. She and her husband were invited immediately to one of the Prince’s small parties at Levant House, then occupied by His Highness during the temporary absence from England of its noble proprietor. She sang after dinner to a very little comite. The Marquis of Steyne was present, paternally superintending the progress of his pupil. Im Levante-Haus traf Becky einen der vornehmsten Herren und größten Minister, die Europa hervorgebracht hat – den Herzog von La Jabotière, damals Gesandter des Allerchristlichsten Königs und später Minister dieses Monarchen. Ich gestehe, daß meine Brust sich vor Stolz schwellt, da meine Feder diese erlauchten Namen niederschreibt und wenn ich bedenke, in welcher glänzenden Gesellschaft sich meine liebe Becky bewegt. Sie wurde bald ein ständiger Gast in der französischen Gesandtschaft, wo keine Gesellschaft für vollständig angesehen wurde, wenn nicht die bezaubernde Madame Ravdonn Cravley zugegen war. De Truffigny (von der Familie Périgord) und Champignac, beide Attachés bei der Gesandtschaft, verliebten sich sofort sterblich in die Reize der hübschen Frau des Obersten und erklärten beide, nach der Sitte ihrer Nation (denn wer hat je einen Franzosen aus England kommen sehen, der nicht ein halbes Dutzend Familien im Unglück zurückgelassen und ebenso viele Herzen in seiner Brieftasche mitgebracht hat?), sie stünden mit der bezaubernden Madame Rawdon au mieux.   At Levant House Becky met one of the finest gentlemen and greatest ministers that Europe has produced — the Duc de la Jabotiere, then Ambassador from the Most Christian King, and subsequently Minister to that monarch. I declare I swell with pride as these august names are transcribed by my pen, and I think in what brilliant company my dear Becky is moving. She became a constant guest at the French Embassy, where no party was considered to be complete without the presence of the charming Madame Ravdonn Cravley. Messieurs de Truffigny (of the Perigord family) and Champignac, both attaches of the Embassy, were straightway smitten by the charms of the fair Colonel’s wife, and both declared, according to the wont of their nation (for who ever yet met a Frenchman, come out of England, that has not left half a dozen families miserable, and brought away as many hearts in his pocket-book?), both, I say, declared that they were au mieux with the charming Madame Ravdonn. Ich bezweifle jedoch die Richtigkeit dieser Behauptung. Champignac spielte sehr gern Ekarté und machte abends häufig seine Partie mit dem Oberst, während Becky im anderen Zimmer Lord Steyne vorsang, und es ist eine bekannte Tatsache, daß Truffigny nicht wagte, in den Klub der Reisenden zu gehen, wo er den Kellnern Geld schuldig war, und hätte er nicht in der Gesandtschaft essen können, dann wäre der würdige junge Mann verhungert. Wie gesagt, bezweifle ich, daß Becky einen der beiden jungen Männer zu ihrem Günstling erkoren hätte. Sie erledigten Aufträge für sie, kauften ihr Handschuhe und Blumen, stürzten sich in Schulden, um ihr Billetts für die Oper zu besorgen, und machten sich auf tausenderlei Art um sie verdient. Sie sprachen Englisch mit liebenswürdiger Einfachheit, zur steten Belustigung Beckys und Lord Steynes. Sie ahmte diese Sprechweise dem einen oder dem anderen ins Gesicht hinein nach und machte ihnen Komplimente über ihre Fortschritte in der englischen Sprache mit einem Ernst, der nie verfehlte, ihren sardonischen alten Gönner, den Marquis, zum Lachen zu reizen. Truffigny schenkte der Briggs einen Schal, um Beckys Vertraute zu gewinnen, und bat sie, ihr einen Brief zuzustecken, den die einfältige alte Jungfer der Empfängerin öffentlich überreichte. Jeder, der ihn las, war höchlich amüsiert. Lord Steyne las ihn, jedermann las ihn, nur nicht der ehrliche Rawdon. Es war nicht nötig, daß er alles wußte, was in dem kleinen Haus in Mayfair vorging.   But I doubt the correctness of the assertion. Champignac was very fond of ecarte, and made many parties with the Colonel of evenings, while Becky was singing to Lord Steyne in the other room; and as for Truffigny, it is a well-known fact that he dared not go to the Travellers’, where he owed money to the waiters, and if he had not had the Embassy as a dining-place, the worthy young gentleman must have starved. I doubt, I say, that Becky would have selected either of these young men as a person on whom she would bestow her special regard. They ran of her messages, purchased her gloves and flowers, went in debt for opera-boxes for her, and made themselves amiable in a thousand ways. And they talked English with adorable simplicity, and to the constant amusement of Becky and my Lord Steyne, she would mimic one or other to his face, and compliment him on his advance in the English language with a gravity which never failed to tickle the Marquis, her sardonic old patron. Truffigny gave Briggs a shawl by way of winning over Becky’s confidante, and asked her to take charge of a letter which the simple spinster handed over in public to the person to whom it was addressed, and the composition of which amused everybody who read it greatly. Lord Steyne read it, everybody but honest Rawdon, to whom it was not necessary to tell everything that passed in the little house in May Fair. Hier empfing Becky binnen kurzem nicht nur die »besten« Ausländer (wie es in der edlen und bewundernswürdigen Ausdrucksweise unserer guten Gesellschaft heißt), sondern auch einige der »besten« Engländer. Ich meine damit weder die Tugendhaftesten noch die Verworfensten, weder die Klügsten noch die Dümmsten, nicht die Reichsten und auch nicht die Vornehmsten, sondern die »Besten« – mit einem Wort, Leute, die über alles erhaben sind, wie die große Lady Fitz-Willis, die Schutzheilige der Subskriptionsbälle, die große Lady Grizzel Macbeth (die ehemalige Lady G. Glowry, Tochter von Lord Grey von Glowry) und andere mehr. Wenn die Gräfin Fitz-Willis (sie stammt aus der Familie der Kingstreet, wie man im »Debrett« und im »Burke« nachlesen kann) jemanden unter ihren Schutz nimmt, so ist diese Person gesichert. Niemand zweifelt dann mehr an ihrer Stellung. Ich will damit nicht etwa sagen, daß Lady Fitz-Willis um ein Haar besser ist als irgendeine andere. Im Gegenteil, sie ist eine verblühte Frau von siebenundfünfzig, weder hübsch noch reich, noch unterhaltsam. Man ist sich jedoch einig, daß sie zu den »Besten« gehört. Diejenigen, die sie empfängt, sind die Besten, und wahrscheinlich aus einem alten Groll gegen Lady Steyne (sie hatte, als sie noch die jugendliche Georgina Fredericka, Tochter vom Günstling des Prinzen von Wales, dem Graf von Portansherry, war, nach deren Krone gestrebt) beschloß diese große, berühmte Dame, die in der vornehmen Welt den Ton angab, Mrs. Rawdon Crawley anzuerkennen. Sie machte ihr auf dem Subskriptionsball, bei dem sie den Vorsitz führte, einen allgemein beachteten Knicks und ermunterte nicht nur ihren Sohn, Saint-Kitts (der seine Stellung durch Lord Steynes Vermittlung erhalten hatte), Mrs. Crawley zu besuchen, sondern lud sie sogar zu sich ein. Während des Essens richtete sie zweimal sehr herablassend das Wort an Becky. Noch am selben Abend wurde dieses wichtige Ereignis in ganz London bekannt. Leute, die sich bisher abfällig über Mrs. Crawley geäußert hatten, verstummten. Wenham, der geistreiche Rechtsanwalt und Lord Steynes rechte Hand, verbreitete ihr Lob überall; einige, die bisher noch gezaudert hatten, kamen ihr sofort entgegen, um sie willkommen zu heißen. Der kleine Tom Toady, der Southdown gewarnt hatte, eine so verworfene Frau zu besuchen, flehte jetzt, bei ihr vorgestellt zu werden. Mit einem Wort – sie war anerkannt und gehörte nun zu den »Besten«. Ach, meine geliebten Leser und Mitmenschen, beneidet die arme Becky nicht zu früh – so ein Ruhm soll nur zu schnell verfliegen. Man erzählt sich, daß sie selbst in den innersten Kreisen nicht glücklicher sind als die armen Wanderer außerhalb der Schranken, und Becky, die bis in den Mittelpunkt der vornehmen Welt vorgedrungen ist und den großen Georg IV. von Angesicht zu Angesicht gesehen hat, bekannte später, daß auch dort alles eitel sei.   Here, before long, Becky received not only “the best” foreigners (as the phrase is in our noble and admirable society slang), but some of the best English people too. I don’t mean the most virtuous, or indeed the least virtuous, or the cleverest, or the stupidest, or the richest, or the best born, but “the best," — in a word, people about whom there is no question — such as the great Lady Fitz-Willis, that Patron Saint of Almack’s, the great Lady Slowbore, the great Lady Grizzel Macbeth (she was Lady G. Glowry, daughter of Lord Grey of Glowry), and the like. When the Countess of Fitz-Willis (her Ladyship is of the Kingstreet family, see Debrett and Burke) takes up a person, he or she is safe. There is no question about them any more. Not that my Lady Fitz-Willis is any better than anybody else, being, on the contrary, a faded person, fifty-seven years of age, and neither handsome, nor wealthy, nor entertaining; but it is agreed on all sides that she is of the “best people.” Those who go to her are of the best: and from an old grudge probably to Lady Steyne (for whose coronet her ladyship, then the youthful Georgina Frederica, daughter of the Prince of Wales’s favourite, the Earl of Portansherry, had once tried), this great and famous leader of the fashion chose to acknowledge Mrs. Rawdon Crawley; made her a most marked curtsey at the assembly over which she presided; and not only encouraged her son, St. Kitts (his lordship got his place through Lord Steyne’s interest), to frequent Mrs. Crawley’s house, but asked her to her own mansion and spoke to her twice in the most public and condescending manner during dinner. The important fact was known all over London that night. People who had been crying fie about Mrs. Crawley were silent. Wenham, the wit and lawyer, Lord Steyne’s right-hand man, went about everywhere praising her: some who had hesitated, came forward at once and welcomed her; little Tom Toady, who had warned Southdown about visiting such an abandoned woman, now besought to be introduced to her. In a word, she was admitted to be among the “best” people. Ah, my beloved readers and brethren, do not envy poor Becky prematurely — glory like this is said to be fugitive. It is currently reported that even in the very inmost circles, they are no happier than the poor wanderers outside the zone; and Becky, who penetrated into the very centre of fashion and saw the great George IV face to face, has owned since that there too was Vanity. Wir müssen uns mit der Beschreibung dieses Teiles ihrer Laufbahn kurz fassen. Wie ich die Geheimnisse der Freimaurerei nicht beschreiben kann, obgleich ich eine schlimme Ahnung habe, daß das alles Unsinn ist, so kann auch ein Uneingeweihter es nicht auf sich nehmen, die vornehme Welt genau zu porträtieren, und es wird das beste sein, daß er seine Ansichten, wie sie auch sein mögen, für sich behält.   We must be brief in descanting upon this part of her career. As I cannot describe the mysteries of freemasonry, although I have a shrewd idea that it is a humbug, so an uninitiated man cannot take upon himself to portray the great world accurately, and had best keep his opinions to himself, whatever they are. Becky hat in späteren Jahren oft von diesem Lebensabschnitt gesprochen, als sie sich in den höchsten Kreisen der Londoner vornehmen Welt bewegte. Ihre Erfolge erregten sie, machten sie stolz und langweilten sie schließlich. Anfangs kannte sie keine angenehmere Beschäftigung, als sich die hübschesten neuen Kleider und Schmucksachen auszudenken und sie sich zu verschaffen (letzteres, nebenbei erwähnt, eine Angelegenheit, die einen Menschen mit Mrs. Rawdon Crawleys beschränkten Mitteln viel Mühe und Kopfzerbrechen kostete). Sie fand es schön, zu feinen Diners zu fahren, wo vornehme Leute sie begrüßten, und von den feinen Diners zu feinen Bällen, die dieselben Leute besuchten, mit denen sie gespeist hatte, die sie am Abend zuvor schon getroffen hatte und mit denen sie auch den nächsten Abend verbringen würde. Junge Männer waren da, untadelhaft gekleidet, mit hübschen Krawatten, den schönsten Lackschuhen und weißen Handschuhen, ältere, stattliche mit Messingknöpfen, von noblem Aussehen, höflich und langweilig, blonde junge Damen, furchtsam, in Rosa gekleidet, und Mütter, großartig, schön, prächtig, feierlich und mit Diamanten übersät. Sie unterhielten sich auf englisch, nicht in schlechtem Französisch wie in den Romanen. Sobald jemand den Rücken gekehrt hatte, sprach man über sein Haus, seinen Charakter und seine Familie, genauso wie die Johns über die Smiths sprechen. Beckys ehemalige Bekannten haßten und beneideten sie, aber die arme Frau selbst gähnte insgeheim. Ich wünschte, ich wäre nicht hier, sagte sie zu sich, ich wäre lieber eine Pfarrersfrau und unterrichtete in einer Sonntagsschule oder die Frau eines Unteroffiziers und müßte im Regimentswagen fahren, oder ach, wieviel lustiger wäre es noch, Flitter und Hosen zu tragen und vor einer Jahrmarktsbude zu tanzen.   Becky has often spoken in subsequent years of this season of her life, when she moved among the very greatest circles of the London fashion. Her success excited, elated, and then bored her. At first no occupation was more pleasant than to invent and procure (the latter a work of no small trouble and ingenuity, by the way, in a person of Mrs. Rawdon Crawley’s very narrow means) — to procure, we say, the prettiest new dresses and ornaments; to drive to fine dinner parties, where she was welcomed by great people; and from the fine dinner parties to fine assemblies, whither the same people came with whom she had been dining, whom she had met the night before, and would see on the morrow — the young men faultlessly appointed, handsomely cravatted, with the neatest glossy boots and white gloves — the elders portly, brass-buttoned, noble-looking, polite, and prosy — the young ladies blonde, timid, and in pink — the mothers grand, beautiful, sumptuous, solemn, and in diamonds. They talked in English, not in bad French, as they do in the novels. They talked about each others’ houses, and characters, and families — just as the Joneses do about the Smiths. Becky’s former acquaintances hated and envied her; the poor woman herself was yawning in spirit. “I wish I were out of it,” she said to herself. “I would rather be a parson’s wife and teach a Sunday school than this; or a sergeant’s lady and ride in the regimental waggon; or, oh, how much gayer it would be to wear spangles and trousers and dance before a booth at a fair.” »Sie würden das sehr hübsch machen«, meinte Lord Steyne lachend; sie pflegte dem bedeutenden Mann in ihrer unschuldigen Art ihre Langeweile und Not zu klagen, und er amüsierte sich darüber.   “You would do it very well,” said Lord Steyne, laughing. She used to tell the great man her ennuis and perplexities in her artless way — they amused him. »Rawdon würde einen sehr guten Zureiter – Zeremonienmeister – wie nennt man ihn doch gleich – diesen Mann mit den hohen Stiefeln und der Uniform, der in der Manege herumgeht und mit der Peitsche knallt, abgeben. Er ist groß, schwer und sieht militärisch aus. Ich erinnere mich«, fuhr Becky nachdenklich fort, »wie mich mein Vater zu einer Vorstellung auf dem Brookgreen-Jahrmarkt mitnahm, als ich noch ein kleines Mädchen war. Und als wir dann nach Hause kamen, habe ich mir ein paar Stelzen gemacht und zur Verwunderung aller Schüler im Atelier getanzt.«   “Rawdon would make a very good Ecuyer — Master of the Ceremonies — what do you call him — the man in the large boots and the uniform, who goes round the ring cracking the whip? He is large, heavy, and of a military figure. I recollect,” Becky continued pensively, “my father took me to see a show at Brookgreen Fair when I was a child, and when we came home, I made myself a pair of stilts and danced in the studio to the wonder of all the pupils.” »Das hätte ich sehen mögen«, sagte Lord Steyne.   “I should have liked to see it,” said Lord Steyne. »Ich möchte es jetzt gern noch einmal tun«, fuhr Becky fort; »wie würde Lady Blinkey da die Augen aufreißen, und Lady Grizzel Macbeth würde starren! Pst! Ruhe! Pasta fängt an zu singen.« Becky zeigte sich gegenüber den Künstlern und Künstlerinnen, die zu diesen aristokratischen Gesellschaften hinzugezogen wurden, von bemerkenswerter Höflichkeit. Sie folgte ihnen in die Winkel, wo sie stumm herumsaßen, schüttelte ihnen die Hand und lächelte sie, allen anderen sichtbar, an. Sie war selbst Künstlerin, wie sie aufrichtig bekannte. Sie hatte eine offene und bescheidene Art, von ihrer Herkunft zu sprechen, die ihre Zuhörer je nachdem ärgerte, entwaffnete oder belustigte. »Wie unverschämt diese Frau doch ist«, sagte der eine. »Wie selbstherrlich sie sich benimmt, wo sie doch eigentlich stillsitzen und dankbar sein sollte, wenn jemand mit ihr spricht.« – »Was für eine ehrliche, gutmütige Seele sie ist«, sagte ein anderer. »Was für eine schlaue kleine Hexe«, ein dritter. Sie hatten höchstwahrscheinlich alle recht. Becky aber ging ihren eigenen Weg und bezauberte die Künstler so, daß sie niemals heiser waren, wenn sie bat, bei ihren Gesellschaften zu singen und ihr umsonst Unterricht zu geben.   “I should like to do it now,” Becky continued. “How Lady Blinkey would open her eyes, and Lady Grizzel Macbeth would stare! Hush! silence! there is Pasta beginning to sing.” Becky always made a point of being conspicuously polite to the professional ladies and gentlemen who attended at these aristocratic parties — of following them into the corners where they sat in silence, and shaking hands with them, and smiling in the view of all persons. She was an artist herself, as she said very truly; there was a frankness and humility in the manner in which she acknowledged her origin, which provoked, or disarmed, or amused lookers-on, as the case might be. “How cool that woman is,” said one; “what airs of independence she assumes, where she ought to sit still and be thankful if anybody speaks to her!” “What an honest and good-natured soul she is!” said another. “What an artful little minx” said a third. They were all right very likely, but Becky went her own way, and so fascinated the professional personages that they would leave off their sore throats in order to sing at her parties and give her lessons for nothing. Ja, sie gab Gesellschaften in dem kleinen Haus in der Curzon Street. Viele Dutzend Wagen mit strahlenden Lampen versperrten die Straße, zum Ärger der Bewohner von Nr. 200, die vor dem Gedonner des Türklopfers nicht schlafen konnten, und von Nr. 202, die vor Neid keine Ruhe fanden. Die gigantischen Lakaien, die die Gefährte begleiteten, waren zu groß für Beckys kleines Bedientenzimmer und wurden in die benachbarten Wirtshäuser ausquartiert. Wenn man sie brauchte, holten Laufjungen sie von ihrem Bier weg. Viele der vornehmen Londoner Stutzer drängten sich auf den schmalen Treppen, traten einander auf die Füße und lachten, wenn sie sich hier trafen. Viele vornehme, makellose und sittenstrenge Damen saßen in dem kleinen Salon und lauschten den Sängern, welche nach ihrer Gewohnheit so laut sangen, als wollten sie die Fenster zerschmettern. Am nächsten Tag erschien dann unter der Rubrik »Vornehme Gesellschaften« in der »Morning Post« ein Artikel folgenden Inhalts:   Yes, she gave parties in the little house in Curzon Street. Many scores of carriages, with blazing lamps, blocked up the street, to the disgust of No. 100, who could not rest for the thunder of the knocking, and of 102, who could not sleep for envy. The gigantic footmen who accompanied the vehicles were too big to be contained in Becky’s little hall, and were billeted off in the neighbouring public-houses, whence, when they were wanted, call-boys summoned them from their beer. Scores of the great dandies of London squeezed and trod on each other on the little stairs, laughing to find themselves there; and many spotless and severe ladies of ton were seated in the little drawing-room, listening to the professional singers, who were singing according to their wont, and as if they wished to blow the windows down. And the day after, there appeared among the fashionable reunions in the Morning Post a paragraph to the following effect: »Gestern bewirteten Oberst und Mrs. Crawley eine erlesene Gesellschaft in ihrem Hause in Mayfair. Es waren anwesend: Ihre Exzellenzen der Fürst und die Fürstin von Peterwardein, Seine Exzellenz Papusch-Pascha, der türkische Gesandte (in Begleitung von Kibob Bey, Dragoman der Gesandtschaft), der Marquis von Steyne, Graf Southdown, Sir Pitt und Lady Jane Crawley, Mr. Wagg und so weiter. Nach dem Diner gab Mrs. Crawley einen Subskriptionsball, den folgende Persönlichkeiten besuchten: die Herzoginwitwe von Stilton, der Herzog von La Gruyere, die Marquise von Cheshire, der Marchese Alessandro Stracchino, der Graf de Brie, Baron Schapzuger, der Chevalier Tosti, die Gräfin von Slingstone und Lady F. Macadam, Generalmajor und Lady G. Macbeth mit zwei Töchtern, Viscount Paddington, Sir Horace Fegny, Ehrwürden Bedwin Sands, Bobbachy Bahawder« und dann ein »etc.«, das der Leser nach Belieben durch ein Dutzend enggedruckter Zeilen in kleinen Typen ausfüllen kann.   “Yesterday, Colonel and Mrs. Crawley entertained a select party at dinner at their house in May Fair. Their Excellencies the Prince and Princess of Peterwaradin, H. E. Papoosh Pasha, the Turkish Ambassador (attended by Kibob Bey, dragoman of the mission), the Marquess of Steyne, Earl of Southdown, Sir Pitt and Lady Jane Crawley, Mr. Wagg, \&c. After dinner Mrs. Crawley had an assembly which was attended by the Duchess (Dowager) of Stilton, Duc de la Gruyere, Marchioness of Cheshire, Marchese Alessandro Strachino, Comte de Brie, Baron Schapzuger, Chevalier Tosti, Countess of Slingstone, and Lady F. Macadam, Major-General and Lady G. Macbeth, and (2) Miss Macbeths; Viscount Paddington, Sir Horace Fogey, Hon. Sands Bedwin, Bobachy Bahawder,” and an \&c., which the reader may fill at his pleasure through a dozen close lines of small type. Im Verkehr mit den Großen zeigte unsere teure Freundin dieselbe Offenherzigkeit, die sie auch gegenüber Niedrigerstehenden bewies. Einmal unterhielt sich Rebekka in einem sehr feinen Haus (vielleicht etwas zu auffällig) mit einem berühmten französischen Tenor in seiner Muttersprache, während Lady Grizzel Macbeth dem Paar über die Schulter finstere Blicke zuwarf.   And in her commerce with the great our dear friend showed the same frankness which distinguished her transactions with the lowly in station. On one occasion, when out at a very fine house, Rebecca was (perhaps rather ostentatiously) holding a conversation in the French language with a celebrated tenor singer of that nation, while the Lady Grizzel Macbeth looked over her shoulder scowling at the pair. »Wie gut Sie Französisch können«, sagte Lady Grizzel, die diese Sprache mit einem höchst merkwürdigen Edinburgher Akzent sprach.   “How very well you speak French,” Lady Grizzel said, who herself spoke the tongue in an Edinburgh accent most remarkable to hear. »Ich muß es doch können«, sagte Becky und schlug bescheiden die Augen nieder. »Ich habe an einer Schule darin unterrichtet, und meine Mutter war Französin.«   “I ought to know it,” Becky modestly said, casting down her eyes. “I taught it in a school, and my mother was a Frenchwoman.” Lady Grizzel war von dieser Demut besiegt und der kleinen Frau nun freundlicher gesinnt. Sie beklagte die verhängnisvollen Tendenzen der Gleichmacherei unseres Zeitalters, die Personen aller Klassen den Zutritt in die Gesellschaft Höherstehender gestattete, gab jedoch zu, daß sich diese hier wenigstens anständig benahm und niemals ihre Stellung im Leben vergaß. Sie war eine sehr gute Frau, gütig gegen die Armen, dumm, untadelig und arglos. Die Lady kann nichts dafür, daß sie sich für etwas Besseres hält als dich und mich. Die Kleidersäume ihrer Vorfahren hat man schon vor Jahrhunderten geküßt; und vor tausend Jahren soll das Gewand des Familienoberhauptes von den Lords und Räten des verstorbenen Duncan umfaßt worden sein, als der große Ahnherr des Hauses König von Schottland wurde.   Lady Grizzel was won by her humility and was mollified towards the little woman. She deplored the fatal levelling tendencies of the age, which admitted persons of all classes into the society of their superiors, but her ladyship owned that this one at least was well behaved and never forgot her place in life. She was a very good woman: good to the poor; stupid, blameless, unsuspicious. It is not her ladyship’s fault that she fancies herself better than you and me. The skirts of her ancestors’ garments have been kissed for centuries; it is a thousand years, they say, since the tartans of the head of the family were embraced by the defunct Duncan’s lords and councillors, when the great ancestor of the House became King of Scotland. Nach der Szene am Klavier war Lady Steyne von Becky besiegt, und vielleicht war sie ihr gar nicht abgeneigt, und auch die jüngeren Damen des Hauses Gaunt wurden zur Unterwerfung gezwungen. Sie hetzten ein paarmal andere Leute gegen sie auf, aber ohne Erfolg. Die glänzende Lady Stunnington versuchte, mit ihr die Waffen zu kreuzen, wurde aber von der unerschrockenen kleinen Becky schmachvoll in die Flucht geschlagen. Wenn Becky zuweilen angegriffen wurde, setzte sie eine demütige, unschuldige Miene auf, und dabei war sie dann am gefährlichsten. In dieser Laune sagte sie die bösartigsten Dinge mit dem einfachsten, harmlosesten Gesichtsausdruck und beeilte sich dann, für ihre Fehler um Entschuldigung zu bitten, damit alle Welt ja auch erfuhr, daß sie sie begangen hatte.   Lady Steyne, after the music scene, succumbed before Becky, and perhaps was not disinclined to her. The younger ladies of the house of Gaunt were also compelled into submission. Once or twice they set people at her, but they failed. The brilliant Lady Stunnington tried a passage of arms with her, but was routed with great slaughter by the intrepid little Becky. When attacked sometimes, Becky had a knack of adopting a demure ingenue air, under which she was most dangerous. She said the wickedest things with the most simple unaffected air when in this mood, and would take care artlessly to apologize for her blunders, so that all the world should know that she had made them. Mr. Wagg, der berühmte Schöngeist und Schmarotzer von Lord Steyne, war ebenfalls von den Damen aufgehetzt worden. Eines Abends blinzelte der ehrenwerte Bursche seinen Gönnerinnen zu, als wollte er sagen: Achtung, jetzt gibt es einen Hauptspaß – und dann leitete er einen Angriff auf Becky ein, die ahnungslos ihr Diner verzehrte. Die kleine Frau, die so plötzlich überfallen wurde, hielt ihre Waffen jedoch immer bereit. Sie lohte sofort auf, parierte und gab den Stoß zurück, daß Waggs Gesicht vor Scham erglühte. Dann kehrte sie ruhig lächelnd zu ihrer Suppe zurück. Waggs großer Gönner, der ihn zum Essen einlud und ihm zuweilen etwas Geld lieh und dessen Wahlgeschäfte und Zeitungsangelegenheiten Wagg besorgte, schoß einen so wütenden Blick auf den unglückseligen Burschen ab, daß er fast geweint hätte und unter den Tisch gesunken wäre. Er sah den Marquis, der während des ganzen Diners kein Wort mit ihm sprach, und die Damen, die ihn verleugneten, mitleidheischend an; endlich erbarmte sich Becky selbst seiner und versuchte ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Er wurde sechs Wochen lang nicht zum Essen eingeladen, und durch Fiche, den Vertrauten des Lords, um den Wagg natürlich eifrig herumschlich, ließ man ihm sagen, daß Lord Steyne alle seine Schuldscheine dem Rechtsanwalt übergeben und ihn erbarmungslos pfänden lassen würde, sollte er noch einmal wagen, gegen Mrs. Crawley ungezogen zu sein oder sie zur Zielscheibe seiner dummen Witze zu machen. Wagg flehte seinen teuren Freund Fiche unter Tränen an, sich für ihn ins Mittel zu legen. Er schrieb ein Gedicht zum Lobe von Mrs. R. C, das in der nächsten Nummer des von ihm herausgegebenen »Harumscarum-Magazine« erschien. Traf er sie auf Gesellschaften, so flehte er um ihre Gunst. Er umschmeichelte Rawdon und kroch vor ihm im Staube. Nach einer Weile durfte er wieder ins Gaunt-Haus kommen. Becky war nett zu ihm, stets lustig, niemals böse.   Mr. Wagg, the celebrated wit, and a led captain and trencher-man of my Lord Steyne, was caused by the ladies to charge her; and the worthy fellow, leering at his patronesses and giving them a wink, as much as to say, “Now look out for sport,” one evening began an assault upon Becky, who was unsuspiciously eating her dinner. The little woman, attacked on a sudden, but never without arms, lighted up in an instant, parried and riposted with a home-thrust, which made Wagg’s face tingle with shame; then she returned to her soup with the most perfect calm and a quiet smile on her face. Wagg’s great patron, who gave him dinners and lent him a little money sometimes, and whose election, newspaper, and other jobs Wagg did, gave the luckless fellow such a savage glance with the eyes as almost made him sink under the table and burst into tears. He looked piteously at my lord, who never spoke to him during dinner, and at the ladies, who disowned him. At last Becky herself took compassion upon him and tried to engage him in talk. He was not asked to dinner again for six weeks; and Fiche, my lord’s confidential man, to whom Wagg naturally paid a good deal of court, was instructed to tell him that if he ever dared to say a rude thing to Mrs. Crawley again, or make her the butt of his stupid jokes, Milor would put every one of his notes of hand into his lawyer’s hands and sell him up without mercy. Wagg wept before Fiche and implored his dear friend to intercede for him. He wrote a poem in favour of Mrs. R. C., which appeared in the very next number of the Harum-scarum Magazine, which he conducted. He implored her good-will at parties where he met her. He cringed and coaxed Rawdon at the club. He was allowed to come back to Gaunt House after a while. Becky was always good to him, always amused, never angry. Mr. Wenham, der Wesir und erste Vertraute des Lords (mit einem Sitz im Parlament und an der Mittagstafel), war in seinem Verhalten und seinen Ansichten viel vorsichtiger als Mr. Wagg. Wenn er auch alle Emporkömmlinge haßte (Mrs. Wenham selbst war ein eifriger alter eingefleischter Tory, sein Vater jedoch ein kleiner Kohlenhändler in Nordengland), so nahm dieser Adjutant des Marquis doch niemals eine feindselige Haltung gegenüber dem neuen Günstling ein, sondern verfolgte Rebekka mit heimlichen Freundschaftsbeweisen und einer schlauen, unterwürfigen Höflichkeit, die sie oft mehr beunruhigten als die offene Feindschaft anderer.   His lordship’s vizier and chief confidential servant (with a seat in parliament and at the dinner table), Mr. Wenham, was much more prudent in his behaviour and opinions than Mr. Wagg. However much he might be disposed to hate all parvenus (Mr. Wenham himself was a staunch old True Blue Tory, and his father a small coal-merchant in the north of England), this aide-de-camp of the Marquis never showed any sort of hostility to the new favourite, but pursued her with stealthy kindnesses and a sly and deferential politeness which somehow made Becky more uneasy than other people’s overt hostilities. Woher die Crawleys das Geld für die Empfänge nahmen, zu denen sie die vornehme Welt einluden, war ein Geheimnis, über das damals viel geredet wurde und das diesen kleinen Festlichkeiten wahrscheinlich erst den Reiz verlieh. Einige behaupteten, daß Sir Pitt Crawley seinem Bruder eine hübsche Rente zahle; wenn das stimmte, so mußte Becky eine außerordentliche Macht über den Baronet ausüben und sein Charakter sich mit zunehmendem Alter sehr verändert haben. Andere deuteten an, daß Becky die Gewohnheit habe, alle Freunde ihres Mannes zu erpressen. Sie berichte dem einen unter Tränen, es werde eine Pfändung bei ihr zu Hause vorgenommen, falle vor dem anderen auf die Knie und erkläre, die ganze Familie komme ins Gefängnis oder müsse Selbstmord begehen, wenn nicht die oder die Rechnung bezahlt werde. Lord Southdown soll durch diese pathetischen Vorstellungen veranlaßt worden sein, viele hundert Pfund zu geben. Der junge Feltham vom ...ten Dragonerregiment (Sohn der Firma Tiler und Feltham, Hüte und Armeeausrüstung), den die Crawleys in die vornehme Welt eingeführt hatten, wurde ebenfalls als Beckys Opfer in geldlicher Hinsicht angeführt. Man behauptete sogar, sie habe von verschiedenen einfältigen Personen Geld erhalten unter dem Vorwand, ihnen Vertrauensposten in der Regierung zu verschaffen. Es wurden wer weiß was für Geschichten von unserer lieben, unschuldigen Freundin erzählt. Eins ist sicher: Hätte sie all das Geld besessen, das sie erbettelt, geborgt oder gestohlen haben sollte, dann wäre sie reich gewesen und hätte ihr Leben lang ehrlich bleiben können, so jedoch ... aber wir greifen der Geschichte vor.   How the Crawleys got the money which was spent upon the entertainments with which they treated the polite world was a mystery which gave rise to some conversation at the time, and probably added zest to these little festivities. Some persons averred that Sir Pitt Crawley gave his brother a handsome allowance; if he did, Becky’s power over the Baronet must have been extraordinary indeed, and his character greatly changed in his advanced age. Other parties hinted that it was Becky’s habit to levy contributions on all her husband’s friends: going to this one in tears with an account that there was an execution in the house; falling on her knees to that one and declaring that the whole family must go to gaol or commit suicide unless such and such a bill could be paid. Lord Southdown, it was said, had been induced to give many hundreds through these pathetic representations. Young Feltham, of the — th Dragoons (and son of the firm of Tiler and Feltham, hatters and army accoutrement makers), and whom the Crawleys introduced into fashionable life, was also cited as one of Becky’s victims in the pecuniary way. People declared that she got money from various simply disposed persons, under pretence of getting them confidential appointments under Government. Who knows what stories were or were not told of our dear and innocent friend? Certain it is that if she had had all the money which she was said to have begged or borrowed or stolen, she might have capitalized and been honest for life, whereas, — but this is advancing matters. In Wirklichkeit kann man durch Sparsamkeit und gutes Haushalten  – also bei wenig Verbrauch von Bargeld und indem man bei fast niemandem Schulden bezahlt – zumindest eine Zeitlang mit geringen Mitteln ein glänzendes Leben führen. Wir glauben, daß die vielbesprochenen Gesellschaften, die trotz allem, was erzählt wurde, nicht so häufig stattfanden, Becky kaum mehr kosteten als die Wachskerzen, die die Räume erhellten. Stillbrook und Queen's Crawley lieferten ihr Obst und Wild in Hülle und Fülle. Lord Steynes Weinkeller stand ihr zur Verfügung, und die berühmten Köche dieses vortrefflichen Herrn wirkten in ihrer kleinen Küche oder schickten auf Befehl des Marquis die seltensten Delikatessen aus ihrer eigenen. Ich erkläre, daß es eine Schande für die Welt ist, ein einfaches Geschöpf zu beschimpfen, wie die Menschen es damals mit Becky taten, und ich warne das Publikum, auch nur den zehnten Teil der Geschichten, die über sie erzählt wurden, zu glauben. Wenn jeder, der Schulden macht und sie nicht bezahlen kann, aus der Gesellschaft verbannt würde – wenn wir in jedermanns Privatleben blicken, sein Einkommen berechnen und ihn verwerfen würden, sobald wir seine Ausgaben nicht billigen – was für eine heulende Wildnis und unerträgliche Bleibe wäre dann der Jahrmarkt der Eitelkeit. Dann würde jeder die Hand gegen seinen Nächsten erheben, mein lieber Herr, und mit den Wohltaten der Zivilisation wäre es aus und vorbei. Wir würden uns nur noch zanken, beschimpfen und meiden. Unsere Häuser würden zu Höhlen werden, und wir würden in Lumpen umhergehen, weil wir uns um niemand kümmerten. Die Mieten würden heruntergehen, die Gesellschaften aufhören, alle Geschäftsleute in der Stadt Bankrott machen; Wein, Kerzen, Lebensmittel, Schminke, Krinolinen, Diamanten, Perücken, Nippsachen und altes Porzellan, Reitpferde und prächtige hochtrabende Gespanne, kurz, alle Freuden des Lebens würden zum Teufel gehen, wenn die Menschen nach ihren einfältigen Grundsätzen handelten und diejenigen, die sie hassen und schmähen, mieden. Mit einem bißchen Nächstenliebe und gegenseitiger Nachsicht kann alles ganz angenehm verlaufen. Wir mögen einen Menschen beschimpfen, soviel wir Lust haben, und ihn den größten Schuft nennen, der es verdiente, gehängt zu werden – wünschen wir aber deshalb wirklich, daß er gehängt wird? Nein. Wir reichen uns die Hand, wenn wir uns treffen. Wenn er einen guten Koch hat, verzeihen wir ihm, gehen zu ihm zum Diner und erwarten, daß er es ebenso macht. Auf diese Weise gedeihen die Gewerbe, die Zivilisation schreitet voran, der Friede wird erhalten, man braucht jede Woche ein neues Kleid für einen neuen Ball, und der letzte Jahrgang des Weines von Lafitte wird dem ehrlichen Besitzer, der ihn gezogen hat, gut bezahlt werden.   The truth is, that by economy and good management — by a sparing use of ready money and by paying scarcely anybody — people can manage, for a time at least, to make a great show with very little means: and it is our belief that Becky’s much-talked-of parties, which were not, after all was said, very numerous, cost this lady very little more than the wax candles which lighted the walls. Stillbrook and Queen’s Crawley supplied her with game and fruit in abundance. Lord Steyne’s cellars were at her disposal, and that excellent nobleman’s famous cooks presided over her little kitchen, or sent by my lord’s order the rarest delicacies from their own. I protest it is quite shameful in the world to abuse a simple creature, as people of her time abuse Becky, and I warn the public against believing one-tenth of the stories against her. If every person is to be banished from society who runs into debt and cannot pay — if we are to be peering into everybody’s private life, speculating upon their income, and cutting them if we don’t approve of their expenditure — why, what a howling wilderness and intolerable dwelling Vanity Fair would be! Every man’s hand would be against his neighbour in this case, my dear sir, and the benefits of civilization would be done away with. We should be quarrelling, abusing, avoiding one another. Our houses would become caverns, and we should go in rags because we cared for nobody. Rents would go down. Parties wouldn’t be given any more. All the tradesmen of the town would be bankrupt. Wine, wax-lights, comestibles, rouge, crinoline-petticoats, diamonds, wigs, Louis-Quatorze gimcracks, and old china, park hacks, and splendid high-stepping carriage horses — all the delights of life, I say, — would go to the deuce, if people did but act upon their silly principles and avoid those whom they dislike and abuse. Whereas, by a little charity and mutual forbearance, things are made to go on pleasantly enough: we may abuse a man as much as we like, and call him the greatest rascal unhanged — but do we wish to hang him therefore? No. We shake hands when we meet. If his cook is good we forgive him and go and dine with him, and we expect he will do the same by us. Thus trade flourishes — civilization advances; peace is kept; new dresses are wanted for new assemblies every week; and the last year’s vintage of Lafitte will remunerate the honest proprietor who reared it. Obwohl zu der Zeit, die wir schildern, noch der große Georg auf dem Thron saß und die Damen Puffärmel und schaufelgroße Schildpattkämme im Haar trugen statt der einfachen Ärmel und hübschen Kränze, die jetzt Mode sind, so waren doch wohl die Manieren der Allervornehmsten nicht sehr verschieden von denen unserer Zeit, und ihre Vergnügungen ähnelten sich sehr. Wir sehen nur als Außenstehende über die Schultern der Polizisten die bezaubernden Schönheiten, die zu Hofe oder zum Ball gehen, und uns mögen sie wie Wesen von überirdischem Glanz erscheinen, die sich eines für uns unerreichbaren, großen Glücks erfreuen ; aber gerade diesen Unzufriedenen zum Trost berichten wir von den Triumphen und Enttäuschungen unserer lieben Becky, die, wie alle verdienstvollen Menschen, daran ihren Anteil hatte.   At the time whereof we are writing, though the Great George was on the throne and ladies wore gigots and large combs like tortoise-shell shovels in their hair, instead of the simple sleeves and lovely wreaths which are actually in fashion, the manners of the very polite world were not, I take it, essentially different from those of the present day: and their amusements pretty similar. To us, from the outside, gazing over the policeman’s shoulders at the bewildering beauties as they pass into Court or ball, they may seem beings of unearthly splendour and in the enjoyment of an exquisite happiness by us unattainable. It is to console some of these dissatisfied beings that we are narrating our dear Becky’s struggles, and triumphs, and disappointments, of all of which, indeed, as is the case with all persons of merit, she had her share. Zu jener Zeit war das nette Unterhaltungsspiel, Scharaden aufzuführen, von Frankreich nach England gekommen. Es wurde sehr beliebt, da es den vielen Schönheiten unter den Damen Gelegenheit bot, ihre Reize zu zeigen, und den wenigen klugen, mit ihrem Witz zu glänzen. Becky, die wahrscheinlich beide Eigenschaften in sich vereint glaubte, veranlaßte Lord Steyne, im Gaunt-Haus ein Fest zu geben, bei dem auch einige dieser kleinen Dramen aufgeführt werden sollten. Wir müssen den Leser um Erlaubnis bitten, ihn in diese glänzende Gesellschaft einführen zu dürfen, aber wir tun es mit wehmütiger Freude, denn es wird eines der letzten vornehmen Feste sein, zu denen wir ihn führen können.   At this time the amiable amusement of acting charades had come among us from France, and was considerably in vogue in this country, enabling the many ladies amongst us who had beauty to display their charms, and the fewer number who had cleverness to exhibit their wit. My Lord Steyne was incited by Becky, who perhaps believed herself endowed with both the above qualifications, to give an entertainment at Gaunt House, which should include some of these little dramas — and we must take leave to introduce the reader to this brilliant reunion, and, with a melancholy welcome too, for it will be among the very last of the fashionable entertainments to which it will be our fortune to conduct him. Ein Teil der herrlichen Gemäldegalerie vom Gaunt-Haus war als Scharadentheater eingerichtet worden; man hatte es schon zur Zeit Georgs III. für diesen Zweck benutzt, und es existiert noch ein Porträt des Marquis von Gaunt mit gepudertem Haar und rosa Band in sogenannter römischer Aufmachung, in der Rolle des Cato in Addisons gleichnamigem Trauerspiel. Es wurde vor Ihren Königlichen Hoheiten, dem Prinzen von Wales, dem Bischof von Osnabrück und dem Prinzen William Henry, die damals gleich dem Schauspieler noch Kinder waren, aufgeführt. Ein paar Kulissen und Dekorationen holte man aus der Dachkammer, wo sie seither gelegen hatten, und putzte sie für das gegenwärtige Fest neu auf.   A portion of that splendid room, the picture gallery of Gaunt House, was arranged as the charade theatre. It had been so used when George III was king; and a picture of the Marquis of Gaunt is still extant, with his hair in powder and a pink ribbon, in a Roman shape, as it was called, enacting the part of Cato in Mr. Addison’s tragedy of that name, performed before their Royal Highnesses the Prince of Wales, the Bishop of Osnaburgh, and Prince William Henry, then children like the actor. One or two of the old properties were drawn out of the garrets, where they had lain ever since, and furbished up anew for the present festivities. Der junge Bedwin Sands, damals ein eleganter Stutzer und Orientreisender, war Spielmeister. Ein Orientreisender galt in jener Zeit noch etwas, und der abenteuerliche Bedwin, der seine Reiseerlebnisse veröffentlicht hatte und monatelang in der Wüste im Zelt gelebt hatte, war eine nicht unbedeutende Persönlichkeit. In seinem Buch war Sands in verschiedenen orientalischen Kostümen abgebildet. Er reiste stets mit einem schwarzen Diener von sehr wenig anziehendem Äußeren, ganz wie ein zweiter Brian de Bois-Guilbert. Bedwin, seine Kleidung und sein schwarzer Diener wurden im Gaunt-Haus als höchst wertvolle Erwerbung betrachtet.   Young Bedwin Sands, then an elegant dandy and Eastern traveller, was manager of the revels. An Eastern traveller was somebody in those days, and the adventurous Bedwin, who had published his quarto and passed some months under the tents in the desert, was a personage of no small importance. In his volume there were several pictures of Sands in various oriental costumes; and he travelled about with a black attendant of most unprepossessing appearance, just like another Brian de Bois Guilbert. Bedwin, his costumes, and black man, were hailed at Gaunt House as very valuable acquisitions. Er führte die erste Scharade vor. Ein türkischer Offizier mit ungeheurem Federbusch (man nahm an, daß die Janitscharen noch existierten und der Tarbusch die alte majestätische Kopfbedeckung der wahren Gläubigen noch nicht verdrängt habe) lag auf einem Diwan und tat, als ob er eine türkische Wasserpfeife rauchte. Wegen der Damen durfte darin jedoch nur eine wohlriechende Pastille brennen. Der türkische Würdenträger gähnt und gibt Zeichen der Langeweile und Trägheit von sich; er klatscht in die Hände, und der Nubier Mesrour erscheint mit nackten Armen, Armringen, Jataganen und allerlei anderem orientalischem Zierat – mager, lang und häßlich. Er begrüßt seinen Herrn mit »Salem aleikum«.   He led off the first charade. A Turkish officer with an immense plume of feathers (the Janizaries were supposed to be still in existence, and the tarboosh had not as yet displaced the ancient and majestic head-dress of the true believers) was seen couched on a divan, and making believe to puff at a narghile, in which, however, for the sake of the ladies, only a fragrant pastille was allowed to smoke. The Turkish dignitary yawns and expresses signs of weariness and idleness. He claps his hands and Mesrour the Nubian appears, with bare arms, bangles, yataghans, and every Eastern ornament — gaunt, tall, and hideous. He makes a salaam before my lord the Aga. Ein Schauer des Erschreckens und Entzückens durchläuft die Versammlung. Die Damen flüstern miteinander. Bedwin Sands hat den schwarzen Sklaven von einem ägyptischen Pascha für drei Dutzend Flaschen Maraschino erhalten. Er hat schon Gott weiß wie viele Odalisken in Säcke genäht und in den Nil geworfen.   A thrill of terror and delight runs through the assembly. The ladies whisper to one another. The black slave was given to Bedwin Sands by an Egyptian pasha in exchange for three dozen of Maraschino. He has sewn up ever so many odalisques in sacks and tilted them into the Nile. »Laß den Sklavenhändler eintreten«, sagt der türkische Lüstling mit einer Handbewegung. Mesrour führt den Sklavenhändler herein, und dieser bringt ein verschleiertes Mädchen mit; er lüftet ihren Schleier. Das Haus hallt vom Beifall wider: Es ist Mrs. Winkworth (die ehemalige Miss Absolom) mit den schönen Augen und Haaren. Sie trägt ein schimmerndes orientalisches Kostüm. Die schwarzen Zöpfe sind mit unzähligen Juwelen durchflochten, das Gewand mit goldenen Piastern übersät. Der abscheuliche Mohammedaner ist von ihrer Schönheit bezaubert; sie fällt auf die Knie nieder und fleht ihn an, sie wieder in ihre heimatlichen Berge zurückziehen zu lassen, wo ihr tscherkessischer Geliebter noch immer die Abwesenheit seiner Suleika beklagt. Aber kein Flehen rührt den hartherzigen Hassan. Er lacht bei dem Gedanken an den tscherkessischen Bräutigam. Suleika bedeckt das Gesicht mit den Händen und sinkt in malerischer Verzweiflung nieder. Es scheint jede Hoffnung für sie verloren – als der Kislar Aga erscheint.   “Bid the slave-merchant enter,” says the Turkish voluptuary with a wave of his hand. Mesrour conducts the slave-merchant into my lord’s presence; he brings a veiled female with him. He removes the veil. A thrill of applause bursts through the house. It is Mrs. Winkworth (she was a Miss Absolom) with the beautiful eyes and hair. She is in a gorgeous oriental costume; the black braided locks are twined with innumerable jewels; her dress is covered over with gold piastres. The odious Mahometan expresses himself charmed by her beauty. She falls down on her knees and entreats him to restore her to the mountains where she was born, and where her Circassian lover is still deploring the absence of his Zuleikah. No entreaties will move the obdurate Hassan. He laughs at the notion of the Circassian bridegroom. Zuleikah covers her face with her hands and drops down in an attitude of the most beautiful despair. There seems to be no hope for her, when — when the Kislar Aga appears. Der Kislar Aga bringt ein Schreiben vom Sultan. Hassan empfängt den furchtbaren Erlaß und legt ihn auf sein Haupt. Entsetzlicher Schrecken ergreift ihn, aber auf dem Antlitz des Negers (es ist wiederum Mesrour in einem anderen Kostüm) spiegelt sich eine grauenhafte Freude. »Gnade, Gnade!« ruft der Pascha, während der Kislar Aga mit schrecklichem Grinsen – eine seidene Schnur hervorzieht.   The Kislar Aga brings a letter from the Sultan. Hassan receives and places on his head the dread firman. A ghastly terror seizes him, while on the Negro’s face (it is Mesrour again in another costume) appears a ghastly joy. “Mercy! mercy!” cries the Pasha: while the Kislar Aga, grinning horribly, pulls out — a bow-string. Der Vorhang fällt in dem Augenblick, als er die furchtbare Waffe anwenden will. Hassan ruft von innen: »Die ersten beiden Silben«, und Mrs. Rawdon Crawley, die ebenfalls in der Scharade auftreten wird, tritt vor und gratuliert Mrs. Winkworth zu ihrem geschmackvollen, schönen Kostüm.   The curtain draws just as he is going to use that awful weapon. Hassan from within bawls out, “First two syllables" — and Mrs. Rawdon Crawley, who is going to act in the charade, comes forward and compliments Mrs. Winkworth on the admirable taste and beauty of her costume. Der zweite Teil der Scharade beginnt. Immer noch ist der Schauplatz im Orient. Hassan, in anderer Kleidung, sitzt in zärtlicher Haltung bei Suleika, die sich vollkommen mit ihm ausgesöhnt hat. Der Kislar Aga ist ein friedlicher schwarzer Sklave geworden. Es ist Sonnenaufgang in der Wüste, die Türken wenden das Gesicht gen Osten und verbeugen sich bis zum Sand. Da keine Dromedare bei der Hand sind, spielt die Kapelle witzigerweise: »Die Kamele kommen.« Ein ungeheurer ägyptischer Kopf befindet sich ebenfalls auf der Bühne, er ist musikalisch und singt, zum Erstaunen der Orientreisenden, ein von Mr. Wagg komponiertes komisches Lied. Die Orientreisenden tanzen ab wie Papageno und der Mohr in der »Zauberflöte«. »Die beiden letzten Silben«, brüllt der Kopf.   The second part of the charade takes place. It is still an Eastern scene. Hassan, in another dress, is in an attitude by Zuleikah, who is perfectly reconciled to him. The Kislar Aga has become a peaceful black slave. It is sunrise on the desert, and the Turks turn their heads eastwards and bow to the sand. As there are no dromedaries at hand, the band facetiously plays “The Camels are coming.” An enormous Egyptian head figures in the scene. It is a musical one — and, to the surprise of the oriental travellers, sings a comic song, composed by Mr. Wagg. The Eastern voyagers go off dancing, like Papageno and the Moorish King in The Magic Flute. “Last two syllables,” roars the head. Der letzte Akt beginnt. Diesmal ist es ein griechisches Zelt. Auf einem Lager ruht ein großer, kräftiger Mann; über ihm hängen sein Helm und sein Schild; er braucht sie nicht mehr. Troja ist gefallen, Iphigenie ist geopfert, Kassandra steht als Gefangene in seiner Vorhalle. Der König der Menschen (es ist Oberst Crawley, der keine Ahnung von der Eroberung Trojas oder der Gefangennahme Kassandras hat), der anax andrõn schläft in seinem Zimmer auf Argos; eine Lampe wirft flackernd den breiten Schatten des schlafenden Kriegers auf die Wand. Schwert und Schild von Troja gleißen im Licht. Die Musik spielt die furchtbare Musik aus »Don Giovanni«, ehe die Statue auftritt.   The last act opens. It is a Grecian tent this time. A tall and stalwart man reposes on a couch there. Above him hang his helmet and shield. There is no need for them now. Ilium is down. Iphigenia is slain. Cassandra is a prisoner in his outer halls. The king of men (it is Colonel Crawley, who, indeed, has no notion about the sack of Ilium or the conquest of Cassandra), the anax andron is asleep in his chamber at Argos. A lamp casts the broad shadow of the sleeping warrior flickering on the wall — the sword and shield of Troy glitter in its light. The band plays the awful music of Don Juan, before the statue enters. Bleich schleicht Ägisthos auf Zehenspitzen herein. Wem gehört das entsetzliche Gesicht, das ihm hinter dem Gobelin hervor unheilvoll nachschaut? Er erhebt den Dolch, um den Schläfer zu erstechen, der sich in seinem Bett wälzt und seine breite Brust entblößt, als ob er sie dem Stoß darbiete. Er kann den edlen schlummernden Feldherrn nicht töten. Schnell wie eine Erscheinung gleitet Klytämnestra in den Raum. Ihre nackten Arme schimmern weiß, das rötliche Haar fließt ihr über die Schultern, ihr Gesicht ist totenbleich – und in den Augen glänzt ein so entsetzliches Lächeln, daß die Zuschauer bei ihrem Anblick zittern.   Aegisthus steals in pale and on tiptoe. What is that ghastly face looking out balefully after him from behind the arras? He raises his dagger to strike the sleeper, who turns in his bed, and opens his broad chest as if for the blow. He cannot strike the noble slumbering chieftain. Clytemnestra glides swiftly into the room like an apparition — her arms are bare and white — her tawny hair floats down her shoulders — her face is deadly pale — and her eyes are lighted up with a smile so ghastly that people quake as they look at her. Ein Schauder durchlief den Raum. »Guter Gott!« sagte jemand. »Es ist Mrs. Rawdon Crawley.«   A tremor ran through the room. “Good God!” somebody said, “it’s Mrs. Rawdon Crawley.” Verächtlich entreißt sie Ägisthos den Dolch. Man sieht ihn im Schimmer der Lampe über ihrem Haupt blitzen. Da geht die Lampe aus, man hört ein Ächzen, und alles ist dunkel.   Scornfully she snatches the dagger out of Aegisthus’s hand and advances to the bed. You see it shining over her head in the glimmer of the lamp, and — and the lamp goes out, with a groan, and all is dark. Die Dunkelheit und die Handlung versetzten die Menschen in Schrecken. Rebekka hatte ihre Rolle so gut und so entsetzlich echt gespielt, daß die Zuschauer verstummten, bis plötzlich alle Lichter wieder aufflammten und jedermann Beifall zu rufen begann. »Bravo, bravo«, hörte man die durchdringende Stimme des alten Steyne über allen anderen rufen, und »bei Gott, sie wäre imstande, es zu tun«, murmelte er zwischen den Zähnen. Die Schauspieler wurden herausgerufen, und das Haus hallte wider von dem Geschrei nach dem Spielmeister und nach Klytämnestra. Agamemnon war nicht zu bewegen, in seiner klassischen Tunika hervorzutreten. Er stand mit Ägisthos und den übrigen Schauspielern des kleinen Dramas im Hintergrund. Mr. Bedwin Sands führte Suleika und Klytämnestra vor. Eine hohe Persönlichkeit wollte unbedingt der bezaubernden Klytämnestra vorgestellt werden. »Ihn erstechen und einen anderen heiraten, wie?« lautete die angemessene Bemerkung Seiner Königlichen Hoheit.   The darkness and the scene frightened people. Rebecca performed her part so well, and with such ghastly truth, that the spectators were all dumb, until, with a burst, all the lamps of the hall blazed out again, when everybody began to shout applause. “Brava! brava!” old Steyne’s strident voice was heard roaring over all the rest. “By — , she’d do it too,” he said between his teeth. The performers were called by the whole house, which sounded with cries of “Manager! Clytemnestra!” Agamemnon could not be got to show in his classical tunic, but stood in the background with Aegisthus and others of the performers of the little play. Mr. Bedwin Sands led on Zuleikah and Clytemnestra. A great personage insisted on being presented to the charming Clytemnestra. “Heigh ha? Run him through the body. Marry somebody else, hay?” was the apposite remark made by His Royal Highness. »Mrs. Rawdon Crawley war unwiderstehlich in ihrer Rolle«, meinte Lord Steyne. Becky lachte lustig und blickte schelmisch drein. Dann machte sie ein allerliebstes Knickschen.   “Mrs. Rawdon Crawley was quite killing in the part,” said Lord Steyne. Becky laughed, gay and saucy looking, and swept the prettiest little curtsey ever seen. Die Diener brachten jetzt Tabletts mit Erfrischungen herein, und die Schauspieler entfernten sich, um sich für die zweite Scharade vorzubereiten.   Servants brought in salvers covered with numerous cool dainties, and the performers disappeared to get ready for the second charade-tableau. Die drei Silben dieser Scharade sollten pantomimisch dargestellt werden, und das geschah folgendermaßen:   The three syllables of this charade were to be depicted in pantomime, and the performance took place in the following wise: Erste Silbe: Oberst Rawdon Crawley, Träger des Bath-Ordens, mit Schlapphut und Stab, langem Überrock und einer aus dem Stall geliehenen Laterne, geht rufend über die Bühne, als ob er den Bewohnern die Stunde verkünde. In einem Fenster unten erblickt man zwei Handlungsreisende, die offenbar Karten spielen und dabei gähnen. Zu ihnen tritt ein anderer, der wie ein Hausknecht aussieht (Ehrwürden G. Ringwood, der seine Rolle sehr natürlich spielt). Er zieht ihnen die Schuhe aus. Bald darauf erscheint ein Kammermädchen (Lord Southdown) mit zwei Leuchtern und einer Wärmflasche. Sie steigt in das obere Zimmer hinauf und wärmt das Bett. Sie benutzt die Wärmflasche als Waffe, um sich den Aufmerksamkeiten der beiden Handlungsreisenden zu entziehen. Sie geht ab. Die beiden setzen ihre Schlafmützen auf und lassen die Jalousien herab. Der Hausknecht kommt heraus und schließt die Läden des Zimmers im Erdgeschoß. Man hört ihn von innen die Tür verriegeln und zuketten. Die Lichter verlöschen. Die Musik spielt: »Dormez, dormez, chers amours.« Eine Stimme hinter dem Vorhang sagt: »Erste Silbe.«   First syllable. Colonel Rawdon Crawley, C.B., with a slouched hat and a staff, a great-coat, and a lantern borrowed from the stables, passed across the stage bawling out, as if warning the inhabitants of the hour. In the lower window are seen two bagmen playing apparently at the game of cribbage, over which they yawn much. To them enters one looking like Boots (the Honourable G. Ringwood), which character the young gentleman performed to perfection, and divests them of their lower coverings; and presently Chambermaid (the Right Honourable Lord Southdown) with two candlesticks, and a warming-pan. She ascends to the upper apartment and warms the bed. She uses the warming-pan as a weapon wherewith she wards off the attention of the bagmen. She exits. They put on their night-caps and pull down the blinds. Boots comes out and closes the shutters of the ground-floor chamber. You hear him bolting and chaining the door within. All the lights go out. The music plays Dormez, dormez, chers Amours. A voice from behind the curtain says, “First syllable.” Zweite Silbe: Die Lampen brennen plötzlich wieder. Die Musik spielt die alte Arie aus »Johann von Paris«: »Ah, quel plaisir d'etre en voyage«. Es ist dasselbe Bühnenbild. Zwischen dem ersten und dem zweiten Stock des dargestellten Hauses erblickt man ein Schild mit dem Steyneschen Wappen. Überall im Haus klingelt es. Im unteren Zimmer sieht man, wie ein Mann einem anderen einen langen Zettel gibt, worauf dieser drohend die Faust schüttelt und entsetzlich schimpft. »Stallknecht, meinen Wagen!« ruft ein anderer an der Tür. Er faßt dem Kammermädchen (Lord Southdown) unter das Kinn; sie scheint seine Abreise zu beklagen wie Kalypso die des anderen großen Reisenden Odysseus. Der Hausknecht (Ehrwürden G. Ringwood) geht mit einem Holzkasten herum, in dem silberne Kannen sind, und ruft so humorvoll und echt: »Bier!«, daß das Haus von Beifall dröhnt und man ihm einen Blumenstrauß zuwirft. Klatsch, klatsch, klatsch! knallen die Peitschen, Wirt, Kammermädchen und Kellner stürzen zur Tür, aber gerade, als ein vornehmer Gast ankommt, fällt der Vorhang, und der unsichtbare Regisseur ruft: »Zweite Silbe.«   Second syllable. The lamps are lighted up all of a sudden. The music plays the old air from John of Paris, Ah quel plaisir d’etre en voyage. It is the same scene. Between the first and second floors of the house represented, you behold a sign on which the Steyne arms are painted. All the bells are ringing all over the house. In the lower apartment you see a man with a long slip of paper presenting it to another, who shakes his fists, threatens and vows that it is monstrous. “Ostler, bring round my gig,” cries another at the door. He chucks Chambermaid (the Right Honourable Lord Southdown) under the chin; she seems to deplore his absence, as Calypso did that of that other eminent traveller Ulysses. Boots (the Honourable G. Ringwood) passes with a wooden box, containing silver flagons, and cries “Pots” with such exquisite humour and naturalness that the whole house rings with applause, and a bouquet is thrown to him. Crack, crack, crack, go the whips. Landlord, chambermaid, waiter rush to the door, but just as some distinguished guest is arriving, the curtains close, and the invisible theatrical manager cries out “Second syllable.” »Ich glaube, die Lösung soll ›Hotel‹ sein«, meint Hauptmann Grigg von der Leibgarde. Alles lacht über die kluge Bemerkung des Hauptmanns. Er hat nicht sehr weit am Ziel vorbeigeschossen.   “I think it must be ‘Hotel,’” says Captain Grigg of the Life Guards; there is a general laugh at the Captain’s cleverness. He is not very far from the mark. Während der Vorbereitungen für die dritte Silbe spielt die Kapelle ein Seemannspotpourri: »An der Küste von Kent«, »Blas, sanfter Südwind«, »Herrsche, Britannien« und »In der Bucht von Biskaya«. Es soll also ein Ereignis auf See dargestellt werden. Als der Vorhang aufgeht, hört man eine Glocke. »Auf, auf, Herrschaften, ans Land!« ruft eine Stimme. Die Leute nehmen Abschied voneinander. Sie deuten ängstlich auf die Wolken, die durch einen dunklen Vorhang dargestellt sind, und nicken furchtsam mit den Köpfen. Lady Squeams (Lord Southdown) mit ihrem Schoßhund, ihrem Gepäck, ihrem Strickbeutel und ihrem Ehemann setzt sich nieder und hält sich an einem Seil fest. Man befindet sich offenbar auf einem Schiff.   While the third syllable is in preparation, the band begins a nautical medley — "All in the Downs,” “Cease Rude Boreas,” “Rule Britannia,” “In the Bay of Biscay O!" — some maritime event is about to take place. A ben is heard ringing as the curtain draws aside. “Now, gents, for the shore!” a voice exclaims. People take leave of each other. They point anxiously as if towards the clouds, which are represented by a dark curtain, and they nod their heads in fear. Lady Squeams (the Right Honourable Lord Southdown), her lap-dog, her bags, reticules, and husband sit down, and cling hold of some ropes. It is evidently a ship. Der Kapitän (Oberst Crawley) kommt mit einem Dreispitz auf dem Kopf und einem Fernrohr in der Hand. Er hält den Hut fest und sieht sich um. Seine Rockschöße flattern wie vom Winde gezaust. Als er seinen Hut losläßt, um durchs Fernrohr zu blicken, fliegt er ihm unter ungeheurem Applaus vom Kopf. Es weht eine recht frische Brise. Auch die Musik wird lauter und lauter. Die Matrosen schwanken über die Bühne, als ob das Schiff sich hin und her würfe. Der Steward (Ehrwürden G. Ringwood) kommt schaukelnd mit sechs Schüsseln in der Hand vorbei. Eine davon setzt er vor Lord Squeams nieder. Lady Squeams, die ihren Hund kneift; woraufhin dieser erbärmlich zu heulen anfängt, hält sich das Taschentuch vors Gesicht und stürzt davon, als ob sie ihre Kajüte aufsuchen müßte. Die Musik steigert sich zu stürmischer, erregter Wildheit, und die dritte Silbe ist beendet.   The Captain (Colonel Crawley, C.B.), with a cocked hat and a telescope, comes in, holding his hat on his head, and looks out; his coat tails fly about as if in the wind. When he leaves go of his hat to use his telescope, his hat flies off, with immense applause. It is blowing fresh. The music rises and whistles louder and louder; the mariners go across the stage staggering, as if the ship was in severe motion. The Steward (the Honourable G. Ringwood) passes reeling by, holding six basins. He puts one rapidly by Lord Squeams — Lady Squeams, giving a pinch to her dog, which begins to howl piteously, puts her pocket-handkerchief to her face, and rushes away as for the cabin. The music rises up to the wildest pitch of stormy excitement, and the third syllable is concluded. Es gab damals ein kleines Ballett, »Le Rossignol«, in dem Montessu und Noblet großen Beifall ernteten. Mr. Wagg brachte es als Oper auf die englische Bühne, indem er Verse – er war ein geschickter Reimschmied – zu den hübschen Melodien des Balletts verfaßte. Es wurde in altfranzösischen Kostümen aufgeführt, und der kleine Lord Southdown erscheint jetzt, wunderbar verkleidet, als altes Weib, das an einem tadellosen Schäferstab über die Bühne humpelt.   There was a little ballet, “Le Rossignol,” in which Montessu and Noblet used to be famous in those days, and which Mr. Wagg transferred to the English stage as an opera, putting his verse, of which he was a skilful writer, to the pretty airs of the ballet. It was dressed in old French costume, and little Lord Southdown now appeared admirably attired in the disguise of an old woman hobbling about the stage with a faultless crooked stick. Aus dem Hintergrund der Bühne, wo eine hübsche Papphütte mit Rosenspalieren steht, hört man jemanden trällern. »Philomele, Philomele!« ruft das alte Weib, und Philomele kommt heraus.   Trills of melody were heard behind the scenes, and gurgling from a sweet pasteboard cottage covered with roses and trellis work. “Philomele, Philomele,” cries the old woman, and Philomele comes out. Wieder Beifall: Es ist Mrs. Rawdon Crawley, gepudert und mit Schönheitspflästerchen, die bezauberndste kleine Marquise der Welt.   More applause — it is Mrs. Rawdon Crawley in powder and patches, the most ravissante little Marquise in the world. Sie kommt lachend und summend herein und hüpft mit der Unschuld der Jugend über die Bühne. Dann macht sie einen Knicks. Die Mama sagt: »Aber Kind, immer lachst du und singst!«, und sie beginnt:   She comes in laughing, humming, and frisks about the stage with all the innocence of theatrical youth — she makes a curtsey. Mamma says “Why, child, you are always laughing and singing,” and away she goes, with —       Die Ros' an meinem Fensterlein   The Rose Upon My Balcony Die Ros' an meinem Fensterlein, sie würzt die Morgenlüfte, Den ganzen Winter stand sie kahl in stillem Lenzessehnen: Du fragst, warum sie blühend lacht und süß sind ihre Düfte; Eis kommt vom hellen Sonnenschein und Vogelliedertönen.   The rose upon my balcony the morning air perfuming Was leafless all the winter time and pining for the spring; You ask me why her breath is sweet and why her cheek is blooming, It is because the sun is out and birds begin to sing. Die Nachtigall, sie läßt ihr Lied im Walde mir erschallen; Sie schwieg, solang die Büsche tot und frostig war der Wind; Und fragst du, Mutter, mich, warum wohl ihre Tön' erschallen, So sag ich, weil die Sonne strahlt und grün die Blätter sind.   The nightingale, whose melody is through the greenwood ringing, Was silent when the boughs were bare and winds were blowing keen: And if, Mamma, you ask of me the reason of his singing, It is because the sun is out and all the leaves are green. So tut ein jedes, was es muß: die Vöglein munter singen; Die Rose färbt ihr Angesicht in dunkler Purpurglut. Die Sonne scheint in meine Brust, drum meine Lieder klingen, Und von der Glut, die sie erweckt, wallt feurig auf mein Blut.   Thus each performs his part, Mamma, the birds have found their voices, The blowing rose a flush, Mamma, her bonny cheek to dye; And there’s sunshine in my heart, Mamma, which wakens and rejoices, And so I sing and blush, Mamma, and that’s the reason why.       Zwischen den einzelnen Strophen dieses Liedchens bemühte sich die von der Sängerin mit Mutter angeredete, gutmütige Person, der ein großer Backenbart unter der Haube hervorquoll, ihre Mutterliebe zu beweisen, und umarmte das unschuldige Geschöpf, das die Rolle der Tochter spielte. Jede Liebkosung wird von den anteilnehmenden Zuhörern mit lautem Gelächter quittiert. Nach dem Schluß des Liedes spielte die Kapelle eine Symphonie, daß es klang, als ob unzählige Vögel jubilierten, und das ganze Haus verlangte einstimmig eine Wiederholung. Die NACHTIGALL des Abends erhielt rauschenden Beifall und wurde mit Blumen überschüttet. Am lautesten erklang Lord Steynes Stimme, und Becky, die Nachtigall, nahm die Blumen, die er ihr zugeworfen hatte, und drückte sie mit der Miene einer vollendeten Schauspielerin an die Brust. Lord Steyne war ganz außer sich vor Entzücken, und seine Gäste waren ebenso begeistert. Wo war die schöne, schwarzäugige Huri, die in der ersten Scharade so gefeiert worden war? Sie war zweimal so schön wie Rebekka, aber deren Glanz hatte sie völlig verdunkelt. Alles jubelte allein Becky zu. Man verglich sie mit der Stephens, der Caradori und der Ronzi de Begnis und war sich höchstwahrscheinlich mit gutem Grund einig, daß sie, wäre sie Schauspielerin geworden, auf der Bühne keine andere übertroffen hätte. Sie hatte den Höhepunkt ihres Triumphes erreicht. Klar und hell erhob sich ihre Stimme über den Beifallssturm und stieg zu so hohem Jubel empor wie ihr Erfolg. An die dramatischen Vorführungen schloß sich ein Ball an, und alles drängte sich um Becky, die der Hauptanziehungspunkt des Abends war. Die Königliche Hoheit schwor, sie sei großartig, und zog sie zu wiederholten Malen ins Gespräch. Das Herz schwoll Becky vor Stolz und Freude über diese Ehrungen. Sie sah schon Reichtum, Ruhm und Ansehen vor sich. Lord Steyne war ihr Sklave, er folgte ihr überallhin, sprach fast nur mit ihr. Er überhäufte sie mit Komplimenten und erwies ihr große Aufmerksamkeit. Sie trug noch ihr Kostüm als Marquise und tanzte ein Menuett mit Monsieur de Truffigny, dem Attaché des Herzogs von La Jabotière, und der Herzog, der noch ganz in den Traditionen des Ancien régime lebte, erklärte, Madame Crawley sei würdig, eine Schülerin von Vestris gewesen zu sein oder in Versailles eine Rolle gespielt zu haben. Nur ein Gefühl der Würde, die Gicht und sein strenger Sinn für Pflicht und sein Opfergeist hinderten Seine Exzellenz, selbst mit ihr zu tanzen. Er behauptete aber öffentlich, daß eine Dame, die so tanzen und sich so unterhalten konnte wie Mrs. Rawdon, würdig sei, die Frau eines Gesandten an jedem Hof in Europa zu sein. Er tröstete sich erst, als er hörte, sie sei Halbfranzösin von Geburt. »Nur eine Landsmännin von mir«, erklärte Seine Exzellenz, »konnte diesen majestätischen Tanz so vollkommen ausführen.«   During the intervals of the stanzas of this ditty, the good-natured personage addressed as Mamma by the singer, and whose large whiskers appeared under her cap, seemed very anxious to exhibit her maternal affection by embracing the innocent creature who performed the daughter’s part. Every caress was received with loud acclamations of laughter by the sympathizing audience. At its conclusion (while the music was performing a symphony as if ever so many birds were warbling) the whole house was unanimous for an encore: and applause and bouquets without end were showered upon the Nightingale of the evening. Lord Steyne’s voice of applause was loudest of all. Becky, the nightingale, took the flowers which he threw to her and pressed them to her heart with the air of a consummate comedian. Lord Steyne was frantic with delight. His guests’ enthusiasm harmonized with his own. Where was the beautiful black-eyed Houri whose appearance in the first charade had caused such delight? She was twice as handsome as Becky, but the brilliancy of the latter had quite eclipsed her. All voices were for her. Stephens, Caradori, Ronzi de Begnis, people compared her to one or the other, and agreed with good reason, very likely, that had she been an actress none on the stage could have surpassed her. She had reached her culmination: her voice rose trilling and bright over the storm of applause, and soared as high and joyful as her triumph. There was a ball after the dramatic entertainments, and everybody pressed round Becky as the great point of attraction of the evening. The Royal Personage declared with an oath that she was perfection, and engaged her again and again in conversation. Little Becky’s soul swelled with pride and delight at these honours; she saw fortune, fame, fashion before her. Lord Steyne was her slave, followed her everywhere, and scarcely spoke to any one in the room beside, and paid her the most marked compliments and attention. She still appeared in her Marquise costume and danced a minuet with Monsieur de Truffigny, Monsieur Le Duc de la Jabotiere’s attache; and the Duke, who had all the traditions of the ancient court, pronounced that Madame Crawley was worthy to have been a pupil of Vestris, or to have figured at Versailles. Only a feeling of dignity, the gout, and the strongest sense of duty and personal sacrifice prevented his Excellency from dancing with her himself, and he declared in public that a lady who could talk and dance like Mrs. Rawdon was fit to be ambassadress at any court in Europe. He was only consoled when he heard that she was half a Frenchwoman by birth. “None but a compatriot,” his Excellency declared, “could have performed that majestic dance in such a way.” Dann tanzte sie einen Walzer mit Monsieur de Klingenspohr, dem Vetter und Attaché des Fürsten von Peterwardein. Der begeisterte Fürst, der weniger Zurückhaltung besaß als sein französischer diplomatischer Kollege, mußte unbedingt einmal mit dem bezaubernden Geschöpf tanzen. Seine Exzellenz wirbelte mit ihr durch den Ballsaal, daß ihm die Diamanten von den Stiefelquasten und der Husarenjacke sprangen, bis er völlig außer Atem war. Auch Papusch-Pascha hätte gern mit ihr getanzt, wenn die Sitten seines Landes ihm dieses Vergnügen gestattet hätten. Die Gesellschaft bildete einen Kreis um sie und klatschte so rasend Beifall, als wäre sie eine Noblet oder Taglioni. Alles war in einem Taumel der Begeisterung und Becky selbst nicht weniger. Mit verächtlichem Blick tanzte sie an Lady Stunnington vorüber. Sie sprach Lady Gaunt und ihre erstaunte und empörte Schwägerin mit Gönnermiene an -kurz, sie vernichtete ihre bezaubernden Rivalinnen. Wo war nur die arme Mrs. Winkworth mit den langen Haaren und den großen Augen geblieben, die zu Beginn des Abends einen so großen Triumph gefeiert hatte? Sie war aus dem Rennen ausgeschieden. Mochte sie sich das lange Haar ausreißen und sich die großen Augen ausweinen – es gab niemanden, der sie beachtet oder ihre Niederlage bedauert hätte.   Then she figured in a waltz with Monsieur de Klingenspohr, the Prince of Peterwaradin’s cousin and attache. The delighted Prince, having less retenue than his French diplomatic colleague, insisted upon taking a turn with the charming creature, and twirled round the ball-room with her, scattering the diamonds out of his boot-tassels and hussar jacket until his Highness was fairly out of breath. Papoosh Pasha himself would have liked to dance with her if that amusement had been the custom of his country. The company made a circle round her and applauded as wildly as if she had been a Noblet or a Taglioni. Everybody was in ecstacy; and Becky too, you may be sure. She passed by Lady Stunnington with a look of scorn. She patronized Lady Gaunt and her astonished and mortified sister-in-law — she ecrased all rival charmers. As for poor Mrs. Winkworth, and her long hair and great eyes, which had made such an effect at the commencement of the evening — where was she now? Nowhere in the race. She might tear her long hair and cry her great eyes out, but there was not a person to heed or to deplore the discomfiture. Ihren größten Triumph aber feierte Rebekka beim Souper. Sie saß an der großartigen exklusiven Tafel neben Seiner Königlichen Hoheit, der bereits erwähnten erlauchten Persönlichkeit, und den übrigen hohen Gästen. Man servierte ihr auf goldenem Geschirr. Hätte sie gewollt – man hätte ihr wie Kleopatra im Champagner Perlen aufgelöst, und für einen freundlichen Blick aus diesen verwirrenden Augen hätte der Fürst von Peterwardein gern die Hälfte der Brillanten an seiner Jacke hingegeben. Jabotière berichtete über sie an seine Regierung. Die Damen an den übrigen Tischen, die nur von Silbergeschirr speisten und Lord Steynes beständige Aufmerksamkeit für sie beobachteten, schworen, es sei eine ungeheure Verblendung, eine grobe Beleidigung aller Damen von Rang. Wenn Spott töten könnte – Lady Stunnington hätte sie auf der Stelle ermordet.   The greatest triumph of all was at supper time. She was placed at the grand exclusive table with his Royal Highness the exalted personage before mentioned, and the rest of the great guests. She was served on gold plate. She might have had pearls melted into her champagne if she liked — another Cleopatra — and the potentate of Peterwaradin would have given half the brilliants off his jacket for a kind glance from those dazzling eyes. Jabotiere wrote home about her to his government. The ladies at the other tables, who supped off mere silver and marked Lord Steyne’s constant attention to her, vowed it was a monstrous infatuation, a gross insult to ladies of rank. If sarcasm could have killed, Lady Stunnington would have slain her on the spot. Rawdon Crawley ärgerte sich über diese Triumphe. Sie schienen seine Frau weiter als je von ihm zu entfernen. Mit einem fast schmerzlichen Gefühl dachte er daran, wie unendlich überlegen sie ihm doch war.   Rawdon Crawley was scared at these triumphs. They seemed to separate his wife farther than ever from him somehow. He thought with a feeling very like pain how immeasurably she was his superior. Als die Zeit zur Abfahrt herankam, folgte ihr eine Schar junger Männer zum Wagen. Die Leute draußen riefen nach ihm, der Ruf wurde von den Fackelträgern aufgenommen, die vor den hohen Türen vom Gaunt-Haus aufgestellt waren und jeden Herauskommenden beglückwünschten und hofften, daß Seine Lordschaft sich bei diesem herrlichen Fest gut unterhalten habe.   When the hour of departure came, a crowd of young men followed her to her carriage, for which the people without bawled, the cry being caught up by the link-men who were stationed outside the tall gates of Gaunt House, congratulating each person who issued from the gate and hoping his Lordship had enjoyed this noble party. Mrs. Rawdon Crawleys Wagen fuhr nach gehörigem Geschrei vor, rasselte in den erleuchteten Hof und kam bis an den bedeckten Gang heran. Rawdon setzte seine Frau in den Wagen, und sie fuhr ab. Mr. Wenham hatte dem Oberst vorgeschlagen, zusammen zu Fuß nach Hause zu gehen, und bot ihm eine Zigarre an.   Mrs. Rawdon Crawley’s carriage, coming up to the gate after due shouting, rattled into the illuminated court-yard and drove up to the covered way. Rawdon put his wife into the carriage, which drove off. Mr. Wenham had proposed to him to walk home, and offered the Colonel the refreshment of a cigar. Sie zündeten sie draußen am Feuer eines Fackeljungen an, und Rawdon schritt mit seinem Freund Wenham davon. Zwei Menschen trennten sich von der Menge und folgten den beiden Herren; und als diese ein paar Dutzend Schritte auf dem Gaunt Square zurückgelegt hatten, kam einer von den Männern heran und berührte den Oberst an der Schulter. Dabei sagte er: »Verzeihung, Oberst, ich muß mit Ihnen unter vier Augen sprechen.« Der Begleiter des Sprechenden, ließ bei diesen Worten einen lauten Pfiff ertönen, worauf sich aus der Reihe der Wagen vor dem Gaunt-Haus eine Droschke löste und herbeigerattert kam. Der Adjutant lief um Oberst Crawley herum und stellte sich vor ihm auf.   They lighted their cigars by the lamp of one of the many link-boys outside, and Rawdon walked on with his friend Wenham. Two persons separated from the crowd and followed the two gentlemen; and when they had walked down Gaunt Square a few score of paces, one of the men came up and, touching Rawdon on the shoulder, said, “Beg your pardon, Colonel, I vish to speak to you most particular.” This gentleman’s acquaintance gave a loud whistle as the latter spoke, at which signal a cab came clattering up from those stationed at the gate of Gaunt House — and the aide-de-camp ran round and placed himself in front of Colonel Crawley. Der tapfere Offizier wußte sogleich, was ihm zugestoßen war. Er war den Gerichtsdienern in die Hände gefallen. Er fuhr zurück und stieß gegen den Mann, der ihn zuerst berührt hatte.   That gallant officer at once knew what had befallen him. He was in the hands of the bailiffs. He started back, falling against the man who had first touched him. »Wir sind drei – Ausreißen nützt nichts«, meinte der Mann hinter ihm.   “We’re three on us — it’s no use bolting,” the man behind said. »Sie sind's, Moss, nicht wahr?« fragte der Oberst, der sein Gegenüber zu kennen schien. »Wieviel ist es?«   “It’s you, Moss, is it?” said the Colonel, who appeared to know his interlocutor. “How much is it?” »Nur eine Kleinigkeit«, flüsterte Mr. Moss aus der Cursitor Street, Chancery Lane, Assistent des Sheriffs von Middlesex, »hundertsechsundsechzig Pfund sechs Shilling und acht Pence auf Antrag von Mr. Nathan.«   “Only a small thing,” whispered Mr. Moss, of Cursitor Street, Chancery Lane, and assistant officer to the Sheriff of Middlesex — “One hundred and sixty-six, six and eight-pence, at the suit of Mr. Nathan.” »Leihen Sie mir hundert Pfund, Wenham, um Gottes willen«, bat der arme Rawdon. »Siebzig habe ich zu Hause.«   “Lend me a hundred, Wenham, for God’s sake,” poor Rawdon said — "I’ve got seventy at home.” »Auf der ganzen Welt besitze ich nicht zehn Pfund«, sagte der arme Mr. Wenham. »Gute Nacht, mein lieber Junge.«   “I’ve not got ten pounds in the world,” said poor Mr. Wenham — "Good night, my dear fellow.” »Gute Nacht«, sagte Rawdon betrübt. Wenham entfernte sich – und Rawdon rauchte seine Zigarre zu Ende, während die Droschke auf Temple Bar zufuhr.   “Good night,” said Rawdon ruefully. And Wenham walked away — and Rawdon Crawley finished his cigar as the cab drove under Temple Bar. 52. Kapitel / Chapter 52 In dem sich Lord Steyne in einem sehr liebenswürdigen Licht zeigt / In Which Lord Steyne Shows Himself in a Most Amiable Light Wenn Lord Steyne jemandem Gutes tun wollte, so tat er es nicht halb, und seine Güte gegen die Familie Crawley machte seinem Charakterisierungsvermögen alle Ehre. Der Lord dehnte sein Wohlwollen auf den kleinen Rawdon aus. Er machte die Eltern des Knaben aufmerksam, wie nötig es sei, ihn in eine gute Schule zu schicken, und meinte, der Junge befinde sich in einem Alter, wo ihm der Wetteifer, die Anfangsgründe der lateinischen Sprache, Boxübungen und die Gesellschaft von Schulkameraden von großem Nutzen seien. Sein Vater wandte ein, er sei nicht reich genug, den Knaben auf eine solche Schule zu schicken, und seine Mutter meinte, die Briggs sei eine ausgezeichnete Lehrerin für ihn, denn sie habe ihn (und das war auch wirklich der Fall) im Englischen, in den Anfangsgründen des Lateinischen und in allgemeinen Kenntnissen sehr weit gebracht, aber alle diese Einwendungen schmolzen vor der großmütigen Ausdauer von Lord Steyne. Der Marquis gehörte zum Vorstand der berühmten alten Schule, die unter dem Namen Whitefriars bekannt ist. In alten Tagen, als das benachbarte Smithfield noch Turnierplatz war, hatte dort ein Zisterzienserkloster gestanden. Man brachte hartnäckige Ketzer zum Verbrennen hierher. Heinrich VIII., der Verteidiger des Glaubens, beschlagnahmte das Kloster und dessen Besitzungen und ließ einige von den Mönchen, die sich seinen Reformen nicht anpassen konnten, foltern und hängen. Schließlich kaufte ein großer Kaufmann das Haus und das umliegende Land und errichtete dort mit Hilfe anderer reicher Spenden an Geld und Land ein berühmtes Stift für Alte und Kinder. Eine Schule entstand neben der alten, fast klösterlichen Stiftung, die mit ihren mittelalterlichen Kostümen und Gebräuchen noch immer besteht, und alle Zisterzienser beten, daß sie noch lange blühen möge.   When Lord Steyne was benevolently disposed, he did nothing by halves, and his kindness towards the Crawley family did the greatest honour to his benevolent discrimination. His lordship extended his good-will to little Rawdon: he pointed out to the boy’s parents the necessity of sending him to a public school, that he was of an age now when emulation, the first principles of the Latin language, pugilistic exercises, and the society of his fellow-boys would be of the greatest benefit to the boy. His father objected that he was not rich enough to send the child to a good public school; his mother that Briggs was a capital mistress for him, and had brought him on (as indeed was the fact) famously in English, the Latin rudiments, and in general learning: but all these objections disappeared before the generous perseverance of the Marquis of Steyne. His lordship was one of the governors of that famous old collegiate institution called the Whitefriars. It had been a Cistercian Convent in old days, when the Smithfield, which is contiguous to it, was a tournament ground. Obstinate heretics used to be brought thither convenient for burning hard by. Henry VIII, the Defender of the Faith, seized upon the monastery and its possessions and hanged and tortured some of the monks who could not accommodate themselves to the pace of his reform. Finally, a great merchant bought the house and land adjoining, in which, and with the help of other wealthy endowments of land and money, he established a famous foundation hospital for old men and children. An extern school grew round the old almost monastic foundation, which subsists still with its middle-age costume and usages — and all Cistercians pray that it may long flourish. Zum Vorstand dieses berühmten Hauses gehörten einige der höchsten Adligen, Prälaten und Würdenträger Englands, und da die Knaben sehr gut untergebracht, ernährt und erzogen werden und später reichliche Stipendien an der Universität und gute Einkünfte in der Kirche bekommen, so weiht man manchen jungen Herrn von zartester Kindheit an dem Dienst in der Theologie und bewirbt sich mit großem Eifer um Stellen in der Schule. Sie war ursprünglich für die Söhne armer verdienter Geistlicher und Laien bestimmt gewesen. Aber viele der adligen Schulvorsteher wählten mit launenhaftem und übertriebenem Wohlwollen alle möglichen Gegenstände für ihre Großherzigkeit. Es war ein ausgezeichnetes Mittel, eine gute Erziehung und ein späteres reichliches Auskommen umsonst zu erhalten, daß einige der Reichsten es nicht verschmähten. Nicht nur die Verwandten der Vornehmen, sondern auch die Vornehmen selbst schickten ihre Söhne dahin, um aus dieser Gelegenheit ihren Vorteil zu ziehen. Hohe Kirchenfürsten schickten ihre eigenen Verwandten oder die Söhne ihrer Geistlichen, während es auf der anderen Seite auch vornehme Adlige gab, die sich nicht zu fein vorkamen, die Kinder treuer Diener unter ihre Fittiche zu nehmen. Wenn ein Knabe also in das Institut eintrat, so geriet er in eine sehr vielschichtige jugendliche Gesellschaft.   Of this famous house, some of the greatest noblemen, prelates, and dignitaries in England are governors: and as the boys are very comfortably lodged, fed, and educated, and subsequently inducted to good scholarships at the University and livings in the Church, many little gentlemen are devoted to the ecclesiastical profession from their tenderest years, and there is considerable emulation to procure nominations for the foundation. It was originally intended for the sons of poor and deserving clerics and laics, but many of the noble governors of the Institution, with an enlarged and rather capricious benevolence, selected all sorts of objects for their bounty. To get an education for nothing, and a future livelihood and profession assured, was so excellent a scheme that some of the richest people did not disdain it; and not only great men’s relations, but great men themselves, sent their sons to profit by the chance — Right Rev. prelates sent their own kinsmen or the sons of their clergy, while, on the other hand, some great noblemen did not disdain to patronize the children of their confidential servants — so that a lad entering this establishment had every variety of youthful society wherewith to mingle. Obwohl Rawdon Crawley außer dem Rennkalender kein Buch studiert hatte und seine Erinnerungen an die Wissenschaft hauptsächlich um die Prügel kreisten, die er in seiner Jugendzeit in Eton erhalten hatte, so besaß er doch vor der klassischen Gelehrsamkeit die anständige und ehrliche Achtung eines englischen Gentlemans, und er freute sich bei dem Gedanken, daß sein Sohn dann vielleicht lebenslänglich versorgt war und Gelegenheit hatte, ein Gelehrter zu werden. Zwar war der Knabe sein großer Trost und liebster Gefährte, und tausend kleine Fäden verbanden beide (mit seiner Frau konnte er darüber nicht sprechen, sie hatte bisher nur Gleichgültigkeit gegen ihren Sohn bewiesen), doch fand er sich sogleich zu einer Trennung bereit. Für des kleinen Burschen zukünftiges Wohl gab er seinen einzigen Trost auf. Erst als er den Jungen gehen lassen mußte, wußte er, wie lieb er ihn hatte. Als er Abschied genommen hatte, war er trauriger und niedergeschlagener, als er zugeben mochte – viel trauriger als der Knabe, der sich freute, einen neuen Lebensabschnitt anzufangen und gleichaltrige Gefährten zu finden. Becky lachte ein paarmal laut auf, als der Oberst in seiner ungeschickten und stockenden Weise seinen sentimentalen Kummer über den Weggang des Jungen auszudrücken versuchte. Der arme Kerl fühlte, daß ihm seine reinste Freude und der beste Freund entrissen war. Oft blickte er sehnsüchtig auf das leere Bettchen in seinem Ankleidezimmer, wo das Kind geschlafen hatte. Besonders schmerzlich vermißte er ihn morgens, wenn er lustlos ohne ihn im Park spazierenging. Erst als der kleine Rawdon fort war, merkte er, wie einsam er eigentlich war. Die, die den Kleinen liebten, hatte er auch gern, und stundenlang konnte er bei seiner gutherzigen Schwägerin Lady Jane sitzen und mit ihr über die Tugenden, das gute Aussehen und hundert andere hervorragende Eigenschaften des Kindes plaudern.   Rawdon Crawley, though the only book which he studied was the Racing Calendar, and though his chief recollections of polite learning were connected with the floggings which he received at Eton in his early youth, had that decent and honest reverence for classical learning which all English gentlemen feel, and was glad to think that his son was to have a provision for life, perhaps, and a certain opportunity of becoming a scholar. And although his boy was his chief solace and companion, and endeared to him by a thousand small ties, about which he did not care to speak to his wife, who had all along shown the utmost indifference to their son, yet Rawdon agreed at once to part with him and to give up his own greatest comfort and benefit for the sake of the welfare of the little lad. He did not know how fond he was of the child until it became necessary to let him go away. When he was gone, he felt more sad and downcast than he cared to own — far sadder than the boy himself, who was happy enough to enter a new career and find companions of his own age. Becky burst out laughing once or twice when the Colonel, in his clumsy, incoherent way, tried to express his sentimental sorrows at the boy’s departure. The poor fellow felt that his dearest pleasure and closest friend was taken from him. He looked often and wistfully at the little vacant bed in his dressing-room, where the child used to sleep. He missed him sadly of mornings and tried in vain to walk in the park without him. He did not know how solitary he was until little Rawdon was gone. He liked the people who were fond of him, and would go and sit for long hours with his good-natured sister Lady Jane, and talk to her about the virtues, and good looks, and hundred good qualities of the child. Die Tante liebte, wie gesagt, den kleinen Rawdon sehr, und auch ihr kleines Mädchen vergoß reichliche Tränen, als die Abschiedsstunde schlug. Rawdon der Ältere war Mutter und Tochter für ihre Liebe dankbar. Seine besten und ehrlichsten Gefühle kamen zum Vorschein, wenn er, von ihrem Mitgefühl ermuntert, diesen offenherzigen Ergüssen seiner Vaterliebe freien Lauf ließ. Er erwarb sich mit diesen Gefühlen nicht nur Lady Janes Wohlwollen, sondern auch ihre aufrichtige Achtung, während er sie seiner Frau gegenüber verbergen mußte. Die beiden Schwägerinnen mieden sich, wo sie nur konnten. Becky lachte höhnisch über Lady Janes weiches Gemüt, und deren liebevolle sanfte Natur wiederum konnte nicht umhin, sich gegen die Gefühllosigkeit ihrer Schwägerin zu empören.   Young Rawdon’s aunt, we have said, was very fond of him, as was her little girl, who wept copiously when the time for her cousin’s departure came. The elder Rawdon was thankful for the fondness of mother and daughter. The very best and honestest feelings of the man came out in these artless outpourings of paternal feeling in which he indulged in their presence, and encouraged by their sympathy. He secured not only Lady Jane’s kindness, but her sincere regard, by the feelings which he manifested, and which he could not show to his own wife. The two kinswomen met as seldom as possible. Becky laughed bitterly at Jane’s feelings and softness; the other’s kindly and gentle nature could not but revolt at her sister’s callous behaviour. Das alles entfremdete Rawdon seiner Frau mehr, als er wußte oder sich eingestand. Sie dagegen kümmerte sich um diese Entfremdung nicht. Ja sie vermißte weder ihn noch sonst jemanden. Sie betrachtete ihn als ihren Boten und demütigen Sklaven. Er mochte noch so bedrückt oder mürrisch sein – sie bemerkte entweder nichts oder lächelte nur höhnisch. Sie dachte nur an ihre Stellung, ihre Vergnügungen und ihr Fortkommen in der Gesellschaft. Ganz sicher hätte sie einen bedeutenden Platz darin einnehmen sollen.   It estranged Rawdon from his wife more than he knew or acknowledged to himself. She did not care for the estrangement. Indeed, she did not miss him or anybody. She looked upon him as her errand-man and humble slave. He might be ever so depressed or sulky, and she did not mark his demeanour, or only treated it with a sneer. She was busy thinking about her position, or her pleasures, or her advancement in society; she ought to have held a great place in it, that is certain. Nicht sie, sondern die gute Briggs hatte dem Knaben die Sachen gepackt, die er zur Schule mitnehmen sollte. Molly, das Hausmädchen, schluchzte im Hausflur, als er fortging – Molly, freundlich und ergeben, obwohl man ihr seit langem den Lohn schuldete. Rawdon wollte den Jungen zur Schule bringen, aber Mrs. Becky konnte ihm den Wagen nicht zur Verfügung stellen. Mit den Pferden in die Stadt fahren – das war ja unerhört! Soll er doch eine Droschke kommen lassen. Sie bot dem Jungen keinen Kuß, als er ging, und das Kind machte auch keine Anstalten, sie zu umarmen. Der alten Briggs gab er einen Kuß, obwohl er ihr gegenüber im allgemeinen mit Liebkosungen zurückhaltend war, und tröstete sie mit dem Hinweis, daß er an den Sonnabenden immer nach Hause kommen würde und sie ihn dann sehen könnte. Als die Droschke nach der Stadt rollte, ratterte Beckys Wagen zum Park. Sie lachte und scherzte mit einem Dutzend junger Stutzer an der Serpentine, als Vater und Sohn durch die alten Pforten die Schule betraten. Rawdon ließ das Kind dort zurück und fuhr mit einem traurigeren, reineren Gefühl im Herzen ab, als es der arme gebeugte Bursche je gekannt hatte, seit er selbst das Kinderzimmer verlassen hatte.   It was honest Briggs who made up the little kit for the boy which he was to take to school. Molly, the housemaid, blubbered in the passage when he went away — Molly kind and faithful in spite of a long arrear of unpaid wages. Mrs. Becky could not let her husband have the carriage to take the boy to school. Take the horses into the City! — such a thing was never heard of. Let a cab be brought. She did not offer to kiss him when he went, nor did the child propose to embrace her; but gave a kiss to old Briggs (whom, in general, he was very shy of caressing), and consoled her by pointing out that he was to come home on Saturdays, when she would have the benefit of seeing him. As the cab rolled towards the City, Becky’s carriage rattled off to the park. She was chattering and laughing with a score of young dandies by the Serpentine as the father and son entered at the old gates of the school — where Rawdon left the child and came away with a sadder purer feeling in his heart than perhaps that poor battered fellow had ever known since he himself came out of the nursery. Trübselig wanderte er den ganzen Weg zurück und aß mit der Briggs allein Abendbrot. Er war sehr freundlich zu ihr und dankbar für die Liebe und Obhut, die der Knabe bei ihr gefunden hatte. Ihn plagte das Gewissen, daß er von der Briggs Geld geborgt und geholfen hatte, sie zu betrügen. Sie sprachen lange über den kleinen Rawdon, denn Becky kam nur nach Hause, um sich umzuziehen und zum Diner zu fahren. Dann ging er voller Unruhe zu Lady Jane zum Tee, um ihr zu erzählen, was geschehen war und daß sich der kleine Rawdon sehr tapfer gehalten habe, und er werde einen langen Umhang und kleine Kniehosen tragen, und der junge Blackball, der Sohn Jack Blackballs vom alten Regiment, habe sich seiner angenommen und versprochen, freundlich zu ihm zu sein.   He walked all the way home very dismally, and dined alone with Briggs. He was very kind to her and grateful for her love and watchfulness over the boy. His conscience smote him that he had borrowed Briggs’s money and aided in deceiving her. They talked about little Rawdon a long time, for Becky only came home to dress and go out to dinner — and then he went off uneasily to drink tea with Lady Jane, and tell her of what had happened, and how little Rawdon went off like a trump, and how he was to wear a gown and little knee-breeches, and how young Blackball, Jack Blackball’s son, of the old regiment, had taken him in charge and promised to be kind to him. Im Laufe einer Woche hatte der junge Blackball Rawdon zu seinem Fuchs, Schuhputzer und Frühstücksbrotröster ernannt, ihn in die Geheimnisse der lateinischen Grammatik eingeweiht und drei- oder viermal geprügelt, wenn auch nicht sehr. Das gutmütige, ehrliche Gesicht des kleinen Burschen gewann ihm die Herzen aller. Er erhielt nur so viel Schläge, wie zweifellos gut für ihn waren, und galten das Schuhputzen, Brotrösten und die Dienste als Fuchs nicht im allgemeinen als notwendige Erfordernisse der Erziehung eines englischen Gentlemans?   In the course of a week, young Blackball had constituted little Rawdon his fag, shoe-black, and breakfast toaster; initiated him into the mysteries of the Latin Grammar; and thrashed him three or four times, but not severely. The little chap’s good-natured honest face won his way for him. He only got that degree of beating which was, no doubt, good for him; and as for blacking shoes, toasting bread, and fagging in general, were these offices not deemed to be necessary parts of every young English gentleman’s education? Es ist jedoch nicht unsere Aufgabe, uns mit der zweiten Generation und Master Rawdons Schulerlebnissen zu befassen, denn dann würde unsere Erzählung unendlich lang werden. Kurze Zeit darauf besuchte der Oberst seinen Sohn. Er fand ihn gesund und munter vor, und der kleine Bursche lachte ihn in seinem kleinen schwarzen Umhang und den Kniehosen glücklich an.   Our business does not lie with the second generation and Master Rawdon’s life at school, otherwise the present tale might be carried to any indefinite length. The Colonel went to see his son a short time afterwards and found the lad sufficiently well and happy, grinning and laughing in his little black gown and little breeches. Klugerweise schenkte der Vater dem jungen Blackball, dem Herrn seines Sohnes, einen Sovereign und sicherte damit das Wohlwollen dieses Gentlemans gegen seinen Fuchs. Da er der Schützling des großen Lord Steyne, der Neffe eines Parlamentsmitgliedes und der Sohn eines mit dem Bath-Orden ausgezeichneten Obersten war, dessen Name in der »Morning Post« erwähnt wurde, zusammen mit anderen, die bei den vornehmsten Gesellschaften anwesend waren, zeigte sich die Schulleitung dem Knaben gegenüber nicht abgeneigt. Er verfügte über ein reichliches Taschengeld, das er dazu verwendete, seinen Kameraden Himbeertörtchen zu spendieren, und an den Sonnabenden durfte er oft heim zu seinem Vater, der aus diesem Tag dann stets ein Fest machte. Wenn Rawdon Zeit hatte, nahm er ihn mit ins Theater, oder er schickte ihn mit dem Diener hin, und sonntags ging er mit der Briggs, Lady Jane und ihren Kindern zur Kirche. Rawdon bewunderte seine Schulgeschichten, seine Prügeleien und seine Dienste als Fuchs. Nach kurzer Zeit kannte er die Namen aller Lehrer und wichtigsten Schüler ebenso gut wie Rawdon selbst. Er lud seinen Schulfreund ein und verdarb den beiden Kindern nach dem Theater den Magen mit Süßigkeiten, Austern und Porter. Er versuchte ein weises Gesicht zu machen, als ihm der kleine Rawdon zeigte, wo in der lateinischen Grammatik er gerade »war«. »Bleib dabei, mein Junge«, sagte er sehr ernsthaft zu ihm. »Es geht nichts über eine gute klassische Bildung, nichts!«   His father sagaciously tipped Blackball, his master, a sovereign, and secured that young gentleman’s good-will towards his fag. As a protege of the great Lord Steyne, the nephew of a County member, and son of a Colonel and C.B., whose name appeared in some of the most fashionable parties in the Morning Post, perhaps the school authorities were disposed not to look unkindly on the child. He had plenty of pocket-money, which he spent in treating his comrades royally to raspberry tarts, and he was often allowed to come home on Saturdays to his father, who always made a jubilee of that day. When free, Rawdon would take him to the play, or send him thither with the footman; and on Sundays he went to church with Briggs and Lady Jane and his cousins. Rawdon marvelled over his stories about school, and fights, and fagging. Before long, he knew the names of all the masters and the principal boys as well as little Rawdon himself. He invited little Rawdon’s crony from school, and made both the children sick with pastry, and oysters, and porter after the play. He tried to look knowing over the Latin grammar when little Rawdon showed him what part of that work he was “in.” “Stick to it, my boy,” he said to him with much gravity, “there’s nothing like a good classical education! Nothing!” Beckys Verachtung gegen ihren Mann wuchs täglich. »Tu, was du willst – iß, wo es dir gefällt – trink Ingwerbier und amüsier dich bei Astley oder sing Psalmen mit Lady Jane, nur verlang nicht von mir, daß ich mich mit dem Jungen beschäftigen soll. Ich muß deine Interessen vertreten, da du selbst das ja nicht kannst. Ich möchte wissen, wo du jetzt wärst und welche gesellschaftliche Stellung du jetzt einnehmen würdest, wenn ich mich nicht um dich gekümmert hätte!« Tatsächlich fragte in den Gesellschaften, die Becky besuchte, niemand nach dem armen alten Rawdon. Oft wurde sie sogar ohne ihn eingeladen. Sie sprach über die Vornehmen, als ob Mayfair ihr allein gehörte, und wenn Hoftrauer angesetzt war, ging sie in Schwarz.   Becky’s contempt for her husband grew greater every day. “Do what you like — dine where you please — go and have ginger-beer and sawdust at Astley’s, or psalm-singing with Lady Jane — only don’t expect me to busy myself with the boy. I have your interests to attend to, as you can’t attend to them yourself. I should like to know where you would have been now, and in what sort of a position in society, if I had not looked after you.” Indeed, nobody wanted poor old Rawdon at the parties whither Becky used to go. She was often asked without him now. She talked about great people as if she had the fee-simple of May Fair, and when the Court went into mourning, she always wore black. Nachdem der kleine Rawdon versorgt war, dachte Lord Steyne, der so väterlichen Anteil an den Angelegenheiten dieser liebenswürdigen, aber armen Familie nahm, daß sich ihre Ausgaben vorteilhaft vermindern würden, wenn Miss Briggs ginge, und Becky sei doch wohl klug genug, ihren Haushalt selbst zu führen. In einem früheren Kapitel haben wir berichtet, daß dieser wohltätige Edelmann seinem Schützling Geld gegeben hatte, damit sie ihre kleine Schuld an Miss Briggs bezahlen könnte. Da die alte Jungfer jedoch bei ihren Freunden blieb, gewann der Marquis die schmerzliche Überzeugung, daß Mrs. Crawley das Geld des großmütigen Beschützers zu einem anderen Zweck als dem angegebenen verbraucht hatte. Lord Steyne war jedoch nicht so taktlos, Mrs. Rawdon seinen Verdacht auf den Kopf zuzusagen. Ihre Gefühle hätten durch eine Auseinandersetzung über das Geld verletzt werden können, und außerdem hätte sie tausend andere schmerzliche Gründe haben können, das edelmütige Darlehen Seiner Lordschaft anderweitig zu verwenden. Er beschloß jedoch, den wahren Sachverhalt herauszubekommen, und holte die nötigen Erkundigungen höchst vorsichtig und taktvoll ein.   Little Rawdon being disposed of, Lord Steyne, who took such a parental interest in the affairs of this amiable poor family, thought that their expenses might be very advantageously curtailed by the departure of Miss Briggs, and that Becky was quite clever enough to take the management of her own house. It has been narrated in a former chapter how the benevolent nobleman had given his protegee money to pay off her little debt to Miss Briggs, who however still remained behind with her friends; whence my lord came to the painful conclusion that Mrs. Crawley had made some other use of the money confided to her than that for which her generous patron had given the loan. However, Lord Steyne was not so rude as to impart his suspicions upon this head to Mrs. Becky, whose feelings might be hurt by any controversy on the money-question, and who might have a thousand painful reasons for disposing otherwise of his lordship’s generous loan. But he determined to satisfy himself of the real state of the case, and instituted the necessary inquiries in a most cautious and delicate manner. Zunächst benutzte er die erste beste Gelegenheit, Miss Briggs auszufragen. Das war kein schwieriges Unterfangen. Schon ein kleiner Anstoß genügte, daß die ehrliche Frau geschwätzig ihr Herz ausschüttete. Eines Tages war Mrs. Rawdon ausgefahren, wie Mr. Fiche, der vertraute Diener des Lords, in den Pferdeställen erfuhr, wo Mr. und Mrs. Crawley ihre Equipage hielten oder vielmehr wo der Pferdeverleiher eine Equipage für Mr. und Mrs. Crawley hielt. Der Marquis sprach in der Curzon Street vor, bat die Briggs um eine Tasse Kaffee, erzählte ihr, daß er gute Nachrichten von dem kleinen Jungen in der Schule habe, und hatte binnen fünf Minuten erfahren, daß Mrs. Rawdon ihr nichts gegeben hatte als ein schwarzes Seidenkleid, wofür ihr Miss Briggs ungeheuer dankbar war.   In the first place he took an early opportunity of pumping Miss Briggs. That was not a difficult operation. A very little encouragement would set that worthy woman to talk volubly and pour out all within her. And one day when Mrs. Rawdon had gone out to drive (as Mr. Fiche, his lordship’s confidential servant, easily learned at the livery stables where the Crawleys kept their carriage and horses, or rather, where the livery-man kept a carriage and horses for Mr. and Mrs. Crawley) — my lord dropped in upon the Curzon Street house — asked Briggs for a cup of coffee — told her that he had good accounts of the little boy at school — and in five minutes found out from her that Mrs. Rawdon had given her nothing except a black silk gown, for which Miss Briggs was immensely grateful. Er lachte innerlich über diese harmlose Geschichte. Unsere liebe Freundin Rebekka hatte ihm nämlich ausführlich dargestellt, wie entzückt: die Briggs beim Empfang ihres Geldes – elfhundertundfünfundzwanzig Pfund – gewesen sei und wie sie es angelegt habe. Dabei hatte sie ihm auch erzählt, wie schmerzlich es für sie gewesen sei, eine so schöne Summe auszahlen zu müssen. Vielleicht hatte die liebe Frau auch im Innern gedacht: Wer weiß, ob er mir nicht noch etwas gibt. Der Marquis hatte jedoch der kleinen Ränkeschmiedin kein derartiges Angebot gemacht. Höchstwahrscheinlich meinte er, er sei bereits großmütig genug gewesen.   He laughed within himself at this artless story. For the truth is, our dear friend Rebecca had given him a most circumstantial narration of Briggs’s delight at receiving her money — eleven hundred and twenty-five pounds — and in what securities she had invested it; and what a pang Becky herself felt in being obliged to pay away such a delightful sum of money. “Who knows,” the dear woman may have thought within herself, “perhaps he may give me a little more?” My lord, however, made no such proposal to the little schemer — very likely thinking that he had been sufficiently generous already. Neugierig fragte er dann Miss Briggs über ihre Privatangelegenheiten aus, und sie erzählte dem Lord freimütig, in welcher Lage sie war – daß Miss Crawley ihr eine kleine Erbschaft hinterlassen habe, daß ihre Verwandten einen Teil davon erhalten hätten, daß Oberst Crawley einen anderen Teil zu besten Bedingungen für sie angelegt habe und daß Mr. und Mrs. Crawley sich freundlicherweise bei Sir Pitt für sie verwendet hätten und dieser, wenn er Zeit habe, den Rest höchst vorteilhaft für sie anlegen werde. Lord Steyne fragte, wieviel der Oberst bereits für sie angelegt habe, und Miss Briggs erzählte sofort aufrichtig, daß es sich um etwas mehr als sechshundert Pfund handele.   He had the curiosity, then, to ask Miss Briggs about the state of her private affairs — and she told his lordship candidly what her position was — how Miss Crawley had left her a legacy — how her relatives had had part of it — how Colonel Crawley had put out another portion, for which she had the best security and interest — and how Mr. and Mrs. Rawdon had kindly busied themselves with Sir Pitt, who was to dispose of the remainder most advantageously for her, when he had time. My lord asked how much the Colonel had already invested for her, and Miss Briggs at once and truly told him that the sum was six hundred and odd pounds. Sobald sie jedoch ihren Bericht beendet hatte, bereute die geschwätzige Briggs ihre Offenherzigkeit und flehte den Marquis an, Mr. Crawley von ihrem Geständnis nichts zu erzählen. Der Oberst sei so freundlich, und er könnte beleidigt sein und das Geld zurückzahlen, und es sei ihr unmöglich, anderswo so hohe Zinsen dafür zu erhalten. Lord Steyne versprach ihr lachend, von ihrer Unterhaltung nichts verraten zu wollen, und als er sich von der Briggs getrennt hatte, lachte er noch mehr.   But as soon as she had told her story, the voluble Briggs repented of her frankness and besought my lord not to tell Mr. Crawley of the confessions which she had made. “The Colonel was so kind — Mr. Crawley might be offended and pay back the money, for which she could get no such good interest anywhere else.” Lord Steyne, laughing, promised he never would divulge their conversation, and when he and Miss Briggs parted he laughed still more. So ein ausgewachsener kleiner Teufel, dachte er. So eine großartige Schauspielerin und Regisseurin! Mit ihren Schmeicheleien neulich hätte sie mir fast noch einmal Geld aus der Tasche gezogen. Sie schlägt alle Frauen, die mir im Laufe meines gut genutzten Lebens je begegneten. Die sind alle kleine Kinder gegen sie. Ich selbst bin in ihren Händen ein Grünschnabel und ein Narr – ein alter Narr. Im Lügen ist sie unübertrefflich. Die Bewunderung des Lords für Becky stieg nach diesem Beweis ihrer Schlauheit ins unermeßliche. Das Geld zu bekommen war nichts – aber das Zweifache dessen, was sie brauchte, zu bekommen und niemanden zu bezahlen – das war ein toller Streich. Und Crawley, dachte der Marquis, Crawley ist nicht so dumm, wie er aussieht. Er hat die Sache von seinem Standpunkt aus schlau genug angefangen. Seinem Aussehen und Benehmen nach hätte nie jemand von ihm geglaubt, daß er von dieser Geldgeschichte etwas ahnte; dabei hat er sie doch wohl erst dazu gebracht und das Geld dann ausgegeben. Diese Ansicht des Marquis war, wie wir wissen, unrichtig; sie hatte aber seine Haltung gegenüber Oberst Crawley beeinflußt, und er behandelte ihn jetzt nicht einmal mehr mit dem Schein von Achtung, den er diesem Herrn früher erwiesen hatte. Mrs. Crawleys Gönner kam es nie in den Sinn, daß die kleine Dame ein Privatvermögen anhäufen könnte. Er beurteilte – wenn die Wahrheit gesagt werden muß – Oberst Crawley nach der Erfahrung, die er im Laufe seines langen, gut genutzten Lebens bei anderen Ehemännern gemacht hatte, und dieses Leben hatte ihn mit den menschlichen Schwächen bekannt gemacht. Der Marquis hatte in seinem Leben so viele Männer gekauft, daß wir ihm gewiß verzeihen müssen, wenn er glaubte, den Preis auch dieses einen gefunden zu haben.   “What an accomplished little devil it is!” thought he. “What a splendid actress and manager! She had almost got a second supply out of me the other day; with her coaxing ways. She beats all the women I have ever seen in the course of all my well-spent life. They are babies compared to her. I am a greenhorn myself, and a fool in her hands — an old fool. She is unsurpassable in lies.” His lordship’s admiration for Becky rose immeasurably at this proof of her cleverness. Getting the money was nothing — but getting double the sum she wanted, and paying nobody — it was a magnificent stroke. And Crawley, my lord thought — Crawley is not such a fool as he looks and seems. He has managed the matter cleverly enough on his side. Nobody would ever have supposed from his face and demeanour that he knew anything about this money business; and yet he put her up to it, and has spent the money, no doubt. In this opinion my lord, we know, was mistaken, but it influenced a good deal his behaviour towards Colonel Crawley, whom he began to treat with even less than that semblance of respect which he had formerly shown towards that gentleman. It never entered into the head of Mrs. Crawley’s patron that the little lady might be making a purse for herself; and, perhaps, if the truth must be told, he judged of Colonel Crawley by his experience of other husbands, whom he had known in the course of the long and well-spent life which had made him acquainted with a great deal of the weakness of mankind. My lord had bought so many men during his life that he was surely to be pardoned for supposing that he had found the price of this one. Bei der nächsten Gelegenheit, als er Becky allein traf, hielt er ihr die Sache vor und machte ihr gutgelaunte Komplimente darüber, wie schlau sie es angestellt hatte, mehr herauszuschlagen, als sie brauchte. Becky war nicht sehr bestürzt. Das liebe Geschöpfchen blieb im allgemeinen bei der Wahrheit, aber wenn es nötig wurde, konnte sie ganz geläufig lügen. So hatte sie sofort eine andere nette, plausible, ausführliche Geschichte bereit, die sie ihrem Gönner auftischte. Ihre frühere Erklärung sei eine Lüge gewesen – eine gottlose Lüge; sie gebe es zu. Wer hätte sie aber dazu veranlaßt? »Ach, Mylord«, sagte sie, »Sie wissen nicht, was ich zu leiden habe und stillschweigend ertrage. Sie sehen mich lustig und glücklich – Sie wissen nicht, was ich erdulden muß, wenn kein Beschützer in der Nähe ist. Mein Mann war es, der mich durch Drohungen und die entsetzlichste Behandlung zwang, Sie um die Summe zu bitten und eine Lüge zu erzählen. Da er voraussah, daß wir nach der Verwendung des Geldes gefragt würden, zwang er mich, so darüber Rechenschaft zu geben, wie ich es tat. Er nahm das Geld, und er erzählte mir, er habe es Miss Briggs zurückgezahlt. Ich wollte nicht an seinen Worten zweifeln und wagte auch nicht, es zu tun. Verzeihen Sie einem Unglücklichen das Unrecht, das zu begehen er gezwungen ist, und haben Sie Mitleid mit einer armen, geplagten Frau.« Bei diesen Worten brach sie in Tränen aus. Nie hat verfolgte Tugend bezaubernder und unglücklicher ausgesehen!   He taxed Becky upon the point on the very first occasion when he met her alone, and he complimented her, good-humouredly, on her cleverness in getting more than the money which she required. Becky was only a little taken aback. It was not the habit of this dear creature to tell falsehoods, except when necessity compelled, but in these great emergencies it was her practice to lie very freely; and in an instant she was ready with another neat plausible circumstantial story which she administered to her patron. The previous statement which she had made to him was a falsehood — a wicked falsehood — she owned it. But who had made her tell it? “Ah, my Lord,” she said, “you don’t know all I have to suffer and bear in silence; you see me gay and happy before you — you little know what I have to endure when there is no protector near me. It was my husband, by threats and the most savage treatment, forced me to ask for that sum about which I deceived you. It was he who, foreseeing that questions might be asked regarding the disposal of the money, forced me to account for it as I did. He took the money. He told me he had paid Miss Briggs; I did not want, I did not dare to doubt him. Pardon the wrong which a desperate man is forced to commit, and pity a miserable, miserable woman.” She burst into tears as she spoke. Persecuted virtue never looked more bewitchingly wretched. Als sie in Mrs. Crawleys Wagen kreuz und quer durch den Regent's Park fuhren, hatten sie eine lange Unterredung, die nicht im einzelnen wiedergegeben werden muß. Ihr Ergebnis aber war, daß Becky, nach Hause gekommen, lächelnden Gesichts auf ihre liebe Briggs zueilte und ihr verkündete, sie habe vortreffliche Nachrichten für sie. Lord Steyne habe sich sehr edel und großmütig gezeigt. Er denke stets darüber nach, wie und wann er Gutes tun könne. Jetzt, da der kleine Rawdon zur Schule gehe, habe sie eine liebe Gefährtin und Freundin nicht mehr so nötig. Sie sei sehr, sehr bekümmert, daß sie sich von der Briggs trennen müsse. Ihre Mittel erforderten, daß sie sich sehr einschränken müßten, aber ihr Kummer würde durch den Gedanken gemildert, daß ihre liebe Briggs bei ihrem großmütigen Gönner weit besser versorgt sei als in ihrem bescheidenen Heim. Mrs. Pilkington, die Haushälterin von Gauntly Hall, sei sehr alt, schwach und rheumatisch geworden. Sie sei der Aufgabe, dieses riesige Haus zu leiten, nicht mehr gewachsen und müsse sich nun nach einer Nachfolgerin umsehen. Es sei eine glänzende Stellung. Die Familie komme in zwei Jahren kaum einmal nach Gauntly Hall; die übrige Zeit hindurch sei die Haushälterin die Herrin des herrlichen Schlosses. Sie habe täglich vier Gerichte auf dem Tisch, sie werde von der Geistlichkeit und den achtbarsten Leuten der Grafschaft besucht – sei also in Wirklichkeit die Herrin von Gauntly Hall. Die beiden letzten Haushälterinnen vor Mrs. Pilkington hätten Pfarrer von Gauntly geheiratet, nur Mrs. Pilkington habe das nicht gekonnt, da sie die Tante des jetzigen Pfarrers sei. Sie solle die Stelle noch nicht gleich antreten, aber sie könne ja Mrs. Pilkington besuchen und sehen, ob sie Lust habe, ihre Nachfolgerin zu werden.   They had a long conversation, driving round and round the Regent’s Park in Mrs. Crawley’s carriage together, a conversation of which it is not necessary to repeat the details, but the upshot of it was that, when Becky came home, she flew to her dear Briggs with a smiling face and announced that she had some very good news for her. Lord Steyne had acted in the noblest and most generous manner. He was always thinking how and when he could do good. Now that little Rawdon was gone to school, a dear companion and friend was no longer necessary to her. She was grieved beyond measure to part with Briggs, but her means required that she should practise every retrenchment, and her sorrow was mitigated by the idea that her dear Briggs would be far better provided for by her generous patron than in her humble home. Mrs. Pilkington, the housekeeper at Gauntly Hall, was growing exceedingly old, feeble, and rheumatic: she was not equal to the work of superintending that vast mansion, and must be on the look out for a successor. It was a splendid position. The family did not go to Gauntly once in two years. At other times the housekeeper was the mistress of the magnificent mansion — had four covers daily for her table; was visited by the clergy and the most respectable people of the county — was the lady of Gauntly, in fact; and the two last housekeepers before Mrs. Pilkington had married rectors of Gauntly — but Mrs. P. could not, being the aunt of the present Rector. The place was not to be hers yet, but she might go down on a visit to Mrs. Pilkington and see whether she would like to succeed her. Worte sind nicht imstande, die überschwengliche Dankbarkeit der Briggs zu beschreiben. Sie bedang sich nur aus, daß man dem kleinen Rawdon gestatten sollte, sie in Gauntly Hall zu besuchen. Becky versprach es – versprach alles. Als ihr Mann nach Hause kam, eilte sie ihm entgegen und teilte ihm die freudige Nachricht mit. Rawdon war froh, verteufelt froh. Hinsichtlich des Geldes der armen Briggs war ihm eine Last vom Gewissen genommen. Sie war nun jedenfalls versorgt, aber – aber sein Herz war unruhig. Irgendwie war ihm die Sache nicht geheuer. Er erzählte dem kleinen Southdown, was Lord Steyne getan hatte. Darauf sah ihn dieser mit einer Miene an, die den Oberst in Erstaunen versetzte.   What words can paint the ecstatic gratitude of Briggs! All she stipulated for was that little Rawdon should be allowed to come down and see her at the Hall. Becky promised this — anything. She ran up to her husband when he came home and told him the joyful news. Rawdon was glad, deuced glad; the weight was off his conscience about poor Briggs’s money. She was provided for, at any rate, but — but his mind was disquiet. He did not seem to be all right, somehow. He told little Southdown what Lord Steyne had done, and the young man eyed Crawley with an air which surprised the latter. Er erzählte auch Lady Jane von diesem zweiten Beweis der Güte Lord Steynes. Auch sie blickte dabei so seltsam und unruhig wie Sir Pitt. »Sie ist zu klug und – und lustig, um ohne Begleitung von Gesellschaft zu Gesellschaft gehen zu dürfen«, sagten beide. »Du mußt immer bei ihr sein, Rawdon, wohin sie auch geht, und du mußt jemanden für sie finden – vielleicht eines von den Mädchen von Queen's Crawley, obwohl das etwas leichtfertige Hüterinnen für sie wären.«   He told Lady Jane of this second proof of Steyne’s bounty, and she, too, looked odd and alarmed; so did Sir Pitt. “She is too clever and — and gay to be allowed to go from party to party without a companion,” both said. “You must go with her, Rawdon, wherever she goes, and you must have somebody with her — one of the girls from Queen’s Crawley, perhaps, though they were rather giddy guardians for her.” Becky mußte jemanden haben, aber es war auch klar, daß die ehrliche Briggs nicht um ihre Lebensstellung gebracht werden durfte. So schickte man sie und ihre Koffer auf die Reise, und nun waren schon zwei von Rawdons Vorposten in der Hand des Feindes.   Somebody Becky should have. But in the meantime it was clear that honest Briggs must not lose her chance of settlement for life, and so she and her bags were packed, and she set off on her journey. And so two of Rawdon’s out-sentinels were in the hands of the enemy. Sir Pitt besuchte seine Schwägerin und machte ihr Vorstellungen wegen der Entlassung der Briggs und anderer heikler Familienangelegenheiten. Umsonst deutete sie an, wie notwendig Lord Steynes Protektion für ihren armen Mann sei und wie grausam es von ihnen sein würde, die Briggs um die angebotene Stelle zu bringen. Schmeicheleien, Lächeln, Tränen – nichts war imstande, Sir Pitt zu beruhigen, und er hatte mit seiner einst so bewunderten Becky eine Auseinandersetzung, die einem Streit sehr nahekam. Er sprach von der Familienehre und dem unbefleckten Ruf der Crawleys, ereiferte sich darüber, daß sie diese jungen Franzosen – ungezügelte junge Lebemänner – und sogar Lord Steyne selbst empfing. Sein Wagen stehe stets vor ihrer Tür, er verbringe täglich Stunden in ihrer Gesellschaft, und seine beständigen Besuche bei ihr veranlaßten die Welt, über sie zu reden. Als Oberhaupt der Familie flehte er sie an, vorsichtiger zu sein. Die Gesellschaft spreche bereits geringschätzig von ihr. Lord Steyne sei zwar ein Edelmann von höchstem Stande und größten Talenten, aber doch ein Mensch, dessen Aufmerksamkeit jede Frau kompromittiere – er bat seine Schwägerin, flehte sie an, ja befahl ihr, im Verkehr mit dem Marquis auf der Hut zu sein.   Sir Pitt went and expostulated with his sister-in-law upon the subject of the dismissal of Briggs and other matters of delicate family interest. In vain she pointed out to him how necessary was the protection of Lord Steyne for her poor husband; how cruel it would be on their part to deprive Briggs of the position offered to her. Cajolements, coaxings, smiles, tears could not satisfy Sir Pitt, and he had something very like a quarrel with his once admired Becky. He spoke of the honour of the family, the unsullied reputation of the Crawleys; expressed himself in indignant tones about her receiving those young Frenchmen — those wild young men of fashion, my Lord Steyne himself, whose carriage was always at her door, who passed hours daily in her company, and whose constant presence made the world talk about her. As the head of the house he implored her to be more prudent. Society was already speaking lightly of her. Lord Steyne, though a nobleman of the greatest station and talents, was a man whose attentions would compromise any woman; he besought, he implored, he commanded his sister-in-law to be watchful in her intercourse with that nobleman. Becky versprach alles, was Pitt verlangte, aber Lord Steyne kam ebensooft zu ihr wie vorher, und Sir Pitts Zorn wuchs. Ob Lady Jane wohl erzürnt war, oder freute sie sich, daß ihr Mann endlich an seinem Liebling Rebekka etwas auszusetzen hatte? Da Lord Steyne seine Besuche fortsetzte, hörten die seinigen auf, und seine Frau schlug vor, jeden weiteren Verkehr mit dem Marquis abzubrechen und die Einladung zu dem Scharadenabend, die ihr die Marquise geschickt hatte, auszuschlagen; Sir Pitt hielt es jedoch für notwendig, sie anzunehmen, da Seine Königliche Hoheit zugegen sein würde.   Becky promised anything and everything Pitt wanted; but Lord Steyne came to her house as often as ever, and Sir Pitt’s anger increased. I wonder was Lady Jane angry or pleased that her husband at last found fault with his favourite Rebecca? Lord Steyne’s visits continuing, his own ceased, and his wife was for refusing all further intercourse with that nobleman and declining the invitation to the charade-night which the marchioness sent to her; but Sir Pitt thought it was necessary to accept it, as his Royal Highness would be there. Obwohl Sir Pitt zu der fraglichen Gesellschaft erschien, verließ er sie doch sehr bald wieder, und auch seine Frau war froh, als sie gehen konnte. Becky sprach wenig mit ihm und nahm kaum Notiz von ihrer Schwägerin. Pitt Crawley erklärte, ihr Benehmen sei ungeheuerlich und unpassend, und er tadelte in starken Ausdrücken das Theaterspiel und Sichverkleiden als für eine englische Frau unschicklich. Nachdem die Scharaden vorüber waren, machte er seinem Bruder Rawdon ernste Vorhaltungen darüber, daß er selbst aufgetreten sei und seiner Frau erlaubt habe, an so unziemlichen Schaustellungen teilzunehmen.   Although he went to the party in question, Sir Pitt quitted it very early, and his wife, too, was very glad to come away. Becky hardly so much as spoke to him or noticed her sister-in-law. Pitt Crawley declared her behaviour was monstrously indecorous, reprobated in strong terms the habit of play-acting and fancy dressing as highly unbecoming a British female, and after the charades were over, took his brother Rawdon severely to task for appearing himself and allowing his wife to join in such improper exhibitions. Rawdon versprach, derartige Vergnügungen nicht wieder zu besuchen. Wahrscheinlich infolge der Andeutungen seines älteren Bruders und seiner Schwägerin war er bereits ein wachsamer und beispielhafter Ehemann geworden. Er gab Klub und Billardspiel auf. Er verließ das Haus nicht allein. Er nahm Becky bei seinen Ausfahrten mit und begleitete sie zu allen Gesellschaften. Immer, wenn Lord Steyne kam, traf er mit Sicherheit den Oberst an, und wenn Becky ohne ihren Mann ausgehen wollte oder Einladungen für sich allein empfing, so verlangte er entschieden, sie solle absagen, und zwar in einer Art, die Gehorsam erzwang. Um Becky Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so war sie von der Galanterie ihres Mannes bezaubert. Wenn er mürrisch war – sie war es nie. Mochten Freunde anwesend sein oder nicht – sie hatte stets ein freundliches Lächeln für ihn und war auf sein Vergnügen und seine Bequemlichkeit bedacht. Es war noch einmal wie in den ersten Tagen ihrer Ehe: dieselbe gute Laune, Zuvorkommenheit, Fröhlichkeit, dieselbe arglose Liebe und das Vertrauen. »Wieviel angenehmer ist es doch, wenn du im Wagen neben mir sitzt, als wenn die einfältige alte Briggs mitfährt. Wir wollen immer so leben, lieber Rawdon. Wie schön wäre das doch und wie glücklich wären wir, hätten wir nur das Geld dazu.« Nach dem Essen schlief er immer in seinem Sessel ein; er sah dann nicht das Gesicht vor ihm – müde, abgespannt und furchtbar. Es hellte sich auf in einem frischen, offenen Lächeln, sobald er erwachte. Sie küßte ihn fröhlich. Er wunderte sich, daß er jemals Verdacht gehegt hatte. Nein, er hatte ja nie Verdacht gehegt. Alle unbestimmten Zweifel und düsteren Befürchtungen, die sich in seinem Kopf gesammelt hatten, waren unbegründete Eifersüchteleien gewesen. Sie hatte ihn gern und hatte ihn immer gern gehabt. Was konnte sie dafür, daß sie in der Gesellschaft so glänzte? Sie war eben dafür geboren. Gab es je eine Frau, die wie sie plaudern oder singen konnte? Wenn sie doch nur den Jungen ein bißchen gern hätte, dachte Rawdon; aber Mutter und Sohn waren wohl nie zusammenzubringen.   Rawdon said she should not join in any more such amusements — but indeed, and perhaps from hints from his elder brother and sister, he had already become a very watchful and exemplary domestic character. He left off his clubs and billiards. He never left home. He took Becky out to drive; he went laboriously with her to all her parties. Whenever my Lord Steyne called, he was sure to find the Colonel. And when Becky proposed to go out without her husband, or received invitations for herself, he peremptorily ordered her to refuse them: and there was that in the gentleman’s manner which enforced obedience. Little Becky, to do her justice, was charmed with Rawdon’s gallantry. If he was surly, she never was. Whether friends were present or absent, she had always a kind smile for him and was attentive to his pleasure and comfort. It was the early days of their marriage over again: the same good humour, prevenances, merriment, and artless confidence and regard. “How much pleasanter it is,” she would say, “to have you by my side in the carriage than that foolish old Briggs! Let us always go on so, dear Rawdon. How nice it would be, and how happy we should always be, if we had but the money!” He fell asleep after dinner in his chair; he did not see the face opposite to him, haggard, weary, and terrible; it lighted up with fresh candid smiles when he woke. It kissed him gaily. He wondered that he had ever had suspicions. No, he never had suspicions; all those dumb doubts and surly misgivings which had been gathering on his mind were mere idle jealousies. She was fond of him; she always had been. As for her shining in society, it was no fault of hers; she was formed to shine there. Was there any woman who could talk, or sing, or do anything like her? If she would but like the boy! Rawdon thought. But the mother and son never could be brought together. Während Rawdon noch von diesen Zweifeln und Unruhen gequält wurde, ereignete sich der Vorfall, den wir im letzten Kapitel erwähnt haben, und der unglückliche Oberst sah sich als Gefangener fern von seinem Haus.   And it was while Rawdon’s mind was agitated with these doubts and perplexities that the incident occurred which was mentioned in the last chapter, and the unfortunate Colonel found himself a prisoner away from home. 53. Kapitel / Chapter 53 Rettung und Katastrophe / A Rescue and a Catastrophe Freund Rawdon fuhr also zum Hause von Mr. Moss in der Cursitor Street und wurde in diese traurige Stätte der Gastfreundschaft gebührend eingeführt. Der Morgen zog über den freundlichen Giebeln der Chancery Lane herauf, als die ratternde Droschke die Echos dort weckte. Ein kleiner blinzelnder Judenjunge, mit einem Kopf so rot wie der erwachende Morgen, ließ die Gesellschaft ins Haus ein. Mr. Moss, Rawdons Reisegefährte und Wirt, hieß seinen Gast willkommen und fragte heiter, ob er nach der Fahrt wohl etwas Warmes trinken wolle.   Friend Rawdon drove on then to Mr. Moss’s mansion in Cursitor Street, and was duly inducted into that dismal place of hospitality. Morning was breaking over the cheerful house-tops of Chancery Lane as the rattling cab woke up the echoes there. A little pink-eyed Jew-boy, with a head as ruddy as the rising morn, let the party into the house, and Rawdon was welcomed to the ground-floor apartments by Mr. Moss, his travelling companion and host, who cheerfully asked him if he would like a glass of something warm after his drive. Der Oberst war nicht so gedrückt, wie man von einem Sterblichen erwartet hätte, der einen Palast und eine placens uxor verließ, um sich in einem Schuldgefängnis wiederzufinden, denn er hatte, um bei der Wahrheit zu bleiben, schon früher ein paarmal in Mr. Moss' Anstalt gewohnt. Wir hielten es im früheren Verlauf dieser Erzählung nicht für nötig, diese unerheblichen häuslichen Vorfälle zu erwähnen. Der Leser kann jedoch versichert sein, daß das im Leben eines Mannes, der von nichts lebt, häufig vorkommt.   The Colonel was not so depressed as some mortals would be, who, quitting a palace and a placens uxor, find themselves barred into a spunging-house; for, if the truth must be told, he had been a lodger at Mr. Moss’s establishment once or twice before. We have not thought it necessary in the previous course of this narrative to mention these trivial little domestic incidents: but the reader may be assured that they can’t unfrequently occur in the life of a man who lives on nothing a year. Von seinem ersten Besuch bei Mr. Moss war der Oberst, damals noch Junggeselle, durch die Großmut seiner Tante befreit worden. Bei dem zweiten Unfall hatte die kleine Becky in aller Freundlichkeit eine Geldsumme von Lord Southdown geborgt und dem Gläubiger ihres Mannes (der in Wirklichkeit ihr Lieferant für Schals, Samtkleider, Spitzentaschentücher, Juwelen und Flitter war) so lange geschmeichelt, bis er sich mit einem Teil der verlangten Summe und für den Rest mit einem Schuldschein von Rawdon zufriedengab. Beide Male waren also Gefangennahme und Befreiung auf allen Seiten sehr höflich vor sich gegangen, und Moss befand sich daher mit dem Oberst im besten Einvernehmen.   Upon his first visit to Mr. Moss, the Colonel, then a bachelor, had been liberated by the generosity of his aunt; on the second mishap, little Becky, with the greatest spirit and kindness, had borrowed a sum of money from Lord Southdown and had coaxed her husband’s creditor (who was her shawl, velvet-gown, lace pocket-handkerchief, trinket, and gim-crack purveyor, indeed) to take a portion of the sum claimed and Rawdon’s promissory note for the remainder: so on both these occasions the capture and release had been conducted with the utmost gallantry on all sides, and Moss and the Colonel were therefore on the very best of terms. »Sie werden Ihr altes Bett wieder vorfinden und jede Bequemlichkeit haben, Oberst, das kann ich ehrlich behaupten. Sie können sich darauf verlassen, daß es gut gelüftet ist, und noch dazu von der besten Gesellschaft. Vorgestern nacht schlief darin der ehrenwerte Hauptmann Famish vom 50. Dragonerregiment. Seine Mama holte ihn erst nach vierzehn Tagen hier heraus, um ihn zu bestrafen, wie sie sagte. Aber, du lieber Gott, ich sage Ihnen, er strafte meinen Champagner und gab jeden Abend hier eine Gesellschaft – die nobelsten Stutzer aus den Klubs und von West End: Hauptmann Ragg, der ehrenwerte Deuceace, der im Temple wohnt, und einige andere junge Kerls, die ein gutes Glas Wein kennen, das kann ich Ihnen sagen. Oben habe ich einen Doktor der Theologie, und im Kaffeezimmer sind fünf große Herren. Mrs. Moss hat um halb sechs eine Tabbel de hotte, und dann gibt es Kartenspielen oder Musik. Wir werden uns glücklich schätzen, Sie zu sehen.«   “You’ll find your old bed, Colonel, and everything comfortable,” that gentleman said, “as I may honestly say. You may be pretty sure its kep aired, and by the best of company, too. It was slep in the night afore last by the Honorable Capting Famish, of the Fiftieth Dragoons, whose Mar took him out, after a fortnight, jest to punish him, she said. But, Law bless you, I promise you, he punished my champagne, and had a party ere every night — reglar tip-top swells, down from the clubs and the West End — Capting Ragg, the Honorable Deuceace, who lives in the Temple, and some fellers as knows a good glass of wine, I warrant you. I’ve got a Doctor of Diwinity upstairs, five gents in the coffee-room, and Mrs. Moss has a tably-dy-hoty at half-past five, and a little cards or music afterwards, when we shall be most happy to see you.” »Ich läute, wenn ich etwas brauche«, sagte Rawdon und ging ruhig in sein Schlafzimmer. Er war, wie gesagt, ein alter Soldat und von kleinen Schicksalsschlägen nicht so schnell zu erschüttern. Ein Schwächerer hätte seiner Frau im Augenblick seiner Gefangennahme geschrieben. Was nützt es denn aber, ihre Nachtruhe zu stören, dachte Rawdon, sie wird es nicht einmal wissen, ob ich in meinem Zimmer bin oder nicht. Es bleibt noch Zeit genug, ihr zu schreiben, wenn sie ausgeschlafen hat und ich auch. Es sind nur hundertsiebzig, und es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht soviel aufbringen könnten. Damit legte sich der Oberst in das Bett, das zuletzt Hauptmann Famish benutzt hatte, und dachte an den kleinen Rawdon (der nicht erfahren sollte, an was für einem seltsamen Ort er sich befand). Dann schlief er ein. Es war zehn Uhr, als er aufwachte, und der rotköpfige Jüngling brachte ihm mit selbstbewußtem Stolz einen feinen, silbernen Toilettenkasten, damit er sich rasieren könnte. In der Tat war Mr. Moss' Haus zwar etwas schmutzig, aber doch durch und durch großartig. Auf den Seitentischen standen ewig Tabletts und Weinkühler herum, in den vergitterten Fenstern, die auf die Cursitor Street hinausgingen, hingen an mächtigen, vergoldeten, schmutzigen Gardinenstangen schmierige gelbe Atlasvorhänge. Breite, schmutzige Goldrahmen umgaben Jagd- und Heiligenbilder von den größten Meistern. Sie erzielten bei den Schuldgeschäften, bei denen sie fortwährend gekauft und verkauft wurden, höchste Preise. Dem Oberst wurde das Frühstück auf ebenso schmierigem wie prachtvollem Geschirr serviert. Miss Moss, ein schwarzäugiges Mädchen mit Lockenwickeln, erschien mit der Teekanne und fragte den Oberst lächelnd, wie er geschlafen habe. Sie brachte ihm die »Morning Post« mit den Namen aller Vornehmen, die an Lord Steynes Fest am vergangenen Abend teilgenommen hatten. Sie enthielt auch einen glänzenden Bericht über den Ball und das bewundernswerte Auftreten der schönen und talentierten Mrs. Rawdon Crawley.   “I’ll ring when I want anything,” said Rawdon and went quietly to his bedroom. He was an old soldier, we have said, and not to be disturbed by any little shocks of fate. A weaker man would have sent off a letter to his wife on the instant of his capture. “But what is the use of disturbing her night’s rest?” thought Rawdon. “She won’t know whether I am in my room or not. It will be time enough to write to her when she has had her sleep out, and I have had mine. It’s only a hundred-and-seventy, and the deuce is in it if we can’t raise that.” And so, thinking about little Rawdon (whom he would not have know that he was in such a queer place), the Colonel turned into the bed lately occupied by Captain Famish and fell asleep. It was ten o’clock when he woke up, and the ruddy-headed youth brought him, with conscious pride, a fine silver dressing-case, wherewith he might perform the operation of shaving. Indeed Mr. Moss’s house, though somewhat dirty, was splendid throughout. There were dirty trays, and wine-coolers en permanence on the sideboard, huge dirty gilt cornices, with dingy yellow satin hangings to the barred windows which looked into Cursitor Street — vast and dirty gilt picture frames surrounding pieces sporting and sacred, all of which works were by the greatest masters — and fetched the greatest prices, too, in the bill transactions, in the course of which they were sold and bought over and over again. The Colonel’s breakfast was served to him in the same dingy and gorgeous plated ware. Miss Moss, a dark-eyed maid in curl-papers, appeared with the teapot, and, smiling, asked the Colonel how he had slep? And she brought him in the Morning Post, with the names of all the great people who had figured at Lord Steyne’s entertainment the night before. It contained a brilliant account of the festivities and of the beautiful and accomplished Mrs. Rawdon Crawley’s admirable personifications. Nach einem munteren Schwätzchen mit der Dame, die in bequemer Haltung auf der Kante des Frühstückstisches saß und ihren Strumpf und einen früher einmal weiß gewesenen, abgelaufenen Atlasschuh zeigte, verlangte Oberst Crawley Tinte, Feder und Papier und nahm auf die Frage, wie viele Bogen er brauche, einen, den ihm Miss Moss zwischen Zeigefinger und Daumen reichte. Manchen Bogen hatte das schwarzäugige junge Fräulein hereingebracht, manch armer Bursche hatte unter Klecksen eiligst seitenlange Bitten hingekritzelt und war in diesem furchtbaren Zimmer auf und ab gegangen, bis sein Bote die Antwort zurückbrachte. Arme Leute benutzten immer einen Boten statt der Post. Wer hat nicht schon solche Briefe mit noch feuchter Siegelmarke und der Mitteilung erhalten, daß jemand im Hausflur auf Antwort warte.   After a lively chat with this lady (who sat on the edge of the breakfast table in an easy attitude displaying the drapery of her stocking and an ex-white satin shoe, which was down at heel), Colonel Crawley called for pens and ink, and paper, and being asked how many sheets, chose one which was brought to him between Miss Moss’s own finger and thumb. Many a sheet had that dark-eyed damsel brought in; many a poor fellow had scrawled and blotted hurried lines of entreaty and paced up and down that awful room until his messenger brought back the reply. Poor men always use messengers instead of the post. Who has not had their letters, with the wafers wet, and the announcement that a person is waiting in the hall? Wegen seines Anliegens hegte Rawdon eigentlich kaum Befürchtungen.   Now on the score of his application, Rawdon had not many misgivings. »Liebe Becky!« schrieb er. »Ich hoffe, das Du gut geschlafen hast. Kriek keinen Schreck, wenn ich Dir nicht Deinen Kaffee bringe. Als ich gestern nacht rauchend nachhause ging, hatte ich einen kleinen Unfall. Moss von der Cursitor Street hat mich geschnappt und schreibe Dir dies aus seinem vergoldeten Prachtzimmer – dasselbe, wo ich schon vor zwei Jahren gewesen bin. Miss Moss hat mir den Tee gebracht, und sie ist sehr fett geworden und ihre Strümpfe zogen wie immer Wasser.   Dear Becky , (Rawdon wrote) I hope you slept well . Don’t be frightened if I don’t bring you in your COFFY. Last night as I was coming home smoaking, I met with an ACCADENT. I was NABBED by Moss of Cursitor Street — from whose gilt and splendid PARLER I write this — the same that had me this time two years. Miss Moss brought in my tea — she is grown very fat , and, as usual, had her STOCKENS down at heal . Es ist die Sache mit Nathan – hundertfünfzig – mit Unkosten hundertsiebzig. Sei so gut, schick mir mein Schreibzeug und ein paar Kleider – ich bin noch in Tanzschuhen und weißer Krawatte (fast wie Miss Moss' Strümpfe). Siebzig habe ich bei mir. Sobald Du dies erhältst, fahre zu Nathan und biete ihm fünfundsiebzig in bar und bitte ihn, den Wechsel zu verlängern. Sag ihm, daß ich Wein nehmen werde – wir können sowieso etwas Sherry gebrauchen –, aber keine Geschmeide, die sind zu teuer.   It’s Nathan’s business — a hundred-and-fifty — with costs, hundred-and-seventy. Please send me my desk and some CLOTHS — I’m in pumps and a white tye (something like Miss M’s stockings) — I’ve seventy in it. And as soon as you get this, Drive to Nathan’s — offer him seventy-five down, and ask him to renew — say I’ll take wine — we may as well have some dinner sherry; but not PICTURS, they’re too dear. Wenn er nicht darauf eingeht, so nimm meine Uhr und was Du von Deinen Sachen entbehren kannst und verpfände sie – heute abend müssen wir natürlich die Summe haben. Ich möchte nicht, daß es sich verzögert, weil Morgen ist Sonntag. Die Betten hier sind nicht sehr reinlich, und es könnten auch andere Sachen gegen mich vorliegen. Ich bin froh, daß es nicht der Sonnabend ist, wo Rawdon nach Hause kommt. Gott behüte Dich. In aller Eile Dein R. C.   If he won’t stand it. Take my ticker and such of your things as you can spare , and send them to Balls — we must, of coarse, have the sum to-night. It won’t do to let it stand over, as to-morrow’s Sunday; the beds here are not very clean , and there may be other things out against me — I’m glad it an’t Rawdon’s Saturday for coming home. God bless you. Yours in haste, R. C. PS: Mach schnell und komm.«     P.S. Make haste and come. Diesen Brief versiegelte Rawdon mit einer Siegelmarke und schickte ihn durch einen der Boten, die stets in der Nähe des Hauses Moss herumlungerten, ab. Nachdem er ihn hatte weggehen sehen, begab er sich in den Hof hinaus und rauchte dort trotz der Eisenstangen über seinem Kopf seine Zigarre mit leidlicher Ruhe. Mr. Moss hat nämlich seinen Hof wie einen Käfig vergittern lassen, damit die Herren, die bei ihm wohnen, nicht etwa den Einfall bekommen, seiner Gastfreundschaft zu entfliehen.   This letter, sealed with a wafer, was dispatched by one of the messengers who are always hanging about Mr. Moss’s establishment, and Rawdon, having seen him depart, went out in the court-yard and smoked his cigar with a tolerably easy mind — in spite of the bars overhead — for Mr. Moss’s court-yard is railed in like a cage, lest the gentlemen who are boarding with him should take a fancy to escape from his hospitality. Er rechnete sich aus, daß Becky spätestens in drei Stunden kommen und ihm die Gefängnistür öffnen würde, und er verbrachte diese Zeit ziemlich munter mit Rauchen, Zeitunglesen und Plaudern im Kaffeezimmer. Mit einem Bekannten, Hauptmann Walker, der zufällig auch da war, spielte er dann einige Stunden mit ungefähr gleichem Glück auf beiden Seiten um Sixpencestücke.   Three hours, he calculated, would be the utmost time required, before Becky should arrive and open his prison doors, and he passed these pretty cheerfully in smoking, in reading the paper, and in the coffee-room with an acquaintance, Captain Walker, who happened to be there, and with whom he cut for sixpences for some hours, with pretty equal luck on either side. Aber der Tag verging, und kein Bote kam zurück, keine Becky. Mr. Moss rief zur festgesetzten Zeit, um halb sechs Uhr, zur »Tabbel de hotte«, bei der sich die Bewohner des Hauses, die sich das Bankett leisten konnten, in dem vorhin erwähnten prächtigen Vorderzimmer trafen, das neben Mr. Crawleys zeitweiliger Unterkunft lag. Miss Moss erschien ohne die Lockenwickel des Morgens, und Mrs. Moss bewirtete ihre Gäste mit einer erstklassigen gekochten Hammelkeule und Rüben. Der Oberst aß jedoch mit sehr wenig Appetit. Der Bitte, eine Flasche Champagner für die Gesellschaft zu spendieren, kam er nach. Die Damen tranken auf sein Wohl, und Mr. Moss prostete ihm zu, so höflich er konnte.   But the day passed away and no messenger returned — no Becky. Mr. Moss’s tably-dy-hoty was served at the appointed hour of half-past five, when such of the gentlemen lodging in the house as could afford to pay for the banquet came and partook of it in the splendid front parlour before described, and with which Mr. Crawley’s temporary lodging communicated, when Miss M. (Miss Hem, as her papa called her) appeared without the curl-papers of the morning, and Mrs. Hem did the honours of a prime boiled leg of mutton and turnips, of which the Colonel ate with a very faint appetite. Asked whether he would “stand” a bottle of champagne for the company, he consented, and the ladies drank to his ’ealth, and Mr. Moss, in the most polite manner, “looked towards him.” Mitten in diesem Mahl ertönte jedoch die Türglocke. Der junge Moss mit den roten Haaren erhob sich mit den Schlüsseln und öffnete. Als er zurückkam, berichtete er dem Oberst, daß der Bote mit einem Beutel, einem Schreibpult und einem Brief zurückgekommen sei, und übergab alles. »Keine Umstände, Oberst, ich bitte«, sagte Mrs. Moss mit einer Handbewegung, und er öffnete zitternd den Brief. Es war ein schöner Brief, stark parfümiert, auf rosa Papier, mit hellgrünem Siegel.   In the midst of this repast, however, the doorbell was heard — young Moss of the ruddy hair rose up with the keys and answered the summons, and coming back, told the Colonel that the messenger had returned with a bag, a desk and a letter, which he gave him. “No ceramony, Colonel, I beg,” said Mrs. Moss with a wave of her hand, and he opened the letter rather tremulously. It was a beautiful letter, highly scented, on a pink paper, and with a light green seal. »Mon pauvre eher petit«, schrieb Mrs. Crawley. »Ich habe vor Sorge um mein häßliches altes Ungeheuer die ganze Nacht kein Auge zugetan und kam erst am Morgen zur Ruhe, als mir Doktor Blench (zu dem ich geschickt hatte, denn ich war fiebrig) einen Beruhigungstrank gegeben hatte. Er befahl Fifine, daß sie unter keinen Umständen zulassen dürfe, daß ich gestört würde. So kam es, daß der Bote meines armen alten Mannes, der eine bien mauvaise mine hatte, wie Fifine sagte, und sentait le geniévre, in der Halle mehrere Stunden auf mein Klingeln warten mußte. Du kannst Dir meinen Zustand vorstellen, als ich Deinen armen lieben alten Brief las, der von Fehlern nur so wimmelte.   Mon pauvre cher petit , (Mrs. Crawley wrote) I could not sleep one wink for thinking of what had become of my odious old monstre, and only got to rest in the morning after sending for Mr. Blench (for I was in a fever), who gave me a composing draught and left orders with Finette that I should be disturbed on no account . So that my poor old man’s messenger, who had bien mauvaise mine Finette says, and sentoit le Genievre, remained in the hall for some hours waiting my bell. You may fancy my state when I read your poor dear old ill-spelt letter. Obwohl ich so krank war, ließ ich doch augenblicklich den Wagen kommen, und sobald ich angekleidet war (von der Schokolade konnte ich keinen Tropfen trinken, das versichere ich Dir, ich konnte einfach nicht, weil mein Ungeheuer sie mir nicht gebracht hatte), fuhr ich ventre à terre zu Nathan. Ich traf ihn auch an und weinte und schrie – ich warf mich dem Abscheulichen sogar zu Füßen. Aber nichts konnte den entsetzlichen Menschen erweichen. Er wolle die ganze Summe, sagte er, oder mein armes Ungeheuer im Gefängnis festhalten. Ich fuhr mit der Absicht nach Hause, dem Onkel einen traurigen Besuch abzustatten. Jedes Schmuckstück, das ich besitze, sollte Dir zur Verfügung stehen, wenn auch alle zusammen kaum hundert Pfund einbringen würden, denn Du weißt ja, daß schon einige bei dem lieben Onkel sind. Dort traf ich Mylord mit dem alten bulgarischen Schafsgesicht an. Sie waren gekommen, um mir wegen der gestrigen Aufführung Komplimente zu machen. Auch Paddington kam und dehnte die Worte und lispelte und drehte sein Haar, ebenso wie Champignac und sein Chef – alle mit einer Unmenge von Komplimenten und hübschen Redensarten. Sie quälten mich Arme, die darauf brannte, sie loszuwerden, und jeden Augenblick an ihren armen Gefangenen dachte.   Ill as I was, I instantly called for the carriage, and as soon as I was dressed (though I couldn’t drink a drop of chocolate — I assure you I couldn’t without my monstre to bring it to me), I drove ventre a terre to Nathan’s. I saw him — I wept — I cried — I fell at his odious knees. Nothing would mollify the horrid man. He would have all the money, he said, or keep my poor monstre in prison. I drove home with the intention of paying that triste visite chez mon oncle (when every trinket I have should be at your disposal though they would not fetch a hundred pounds, for some, you know, are with ce cher oncle already), and found Milor there with the Bulgarian old sheep-faced monster, who had come to compliment me upon last night’s performances. Paddington came in, too, drawling and lisping and twiddling his hair; so did Champignac, and his chef — everybody with foison of compliments and pretty speeches — plaguing poor me, who longed to be rid of them, and was thinking every moment of the time of mon pauvre prisonnier. Als sie fort waren, fiel ich vor Mylord auf die Knie, erzählte ihm, daß wir alles versetzen müßten, und bat und flehte, mir zweihundert Pfund zu geben. Er polterte und tobte, sagte, ich solle nicht so dumm sein, etwas zu versetzen, und versprach, er wolle sehen, ob er mir das Geld borgen könne. Endlich ging er fort und versprach, es mir morgen früh zu schicken. Dann werde ich es sofort meinem armen Ungeheuer bringen mit einem Kuß von seiner ihn liebenden Rebekka.   When they were gone, I went down on my knees to Milor; told him we were going to pawn everything, and begged and prayed him to give me two hundred pounds. He pish’d and psha’d in a fury — told me not to be such a fool as to pawn — and said he would see whether he could lend me the money. At last he went away, promising that he would send it me in the morning: when I will bring it to my poor old monster with a kiss fro his affectionate Becky PS: Ich schreibe im Bett – oh, ich habe schlimme Kopfschmerzen und solch ein Herzweh.«   I am writing in bed. Oh I have such a headache and such a heartache! Als Rawdon diesen Brief las, wurde er so rot und sah so wild aus, daß die Gesellschaft an der Table d'hôte schnell begriff, daß er schlimme Nachrichten erhalten habe. Aller Argwohn, den er zu verscheuchen versucht hatte, kehrte mit doppelter Gewalt wieder. Sie schaffte es nicht einmal, wegzugehen und ihre Schmucksachen zu verkaufen, um ihn zu befreien; sie konnte lachen und von Komplimenten sprechen, die man ihr machte, während er im Gefängnis saß. Wer hatte ihn dahin gebracht? Wenham war mit ihm gegangen, sollte da vielleicht... ? Er wagte kaum, an das zu denken, was er argwöhnte. Eiligst verließ er das Zimmer und lief in sein eigenes. Er öffnete sein Schreibpult und warf zwei Zeilen aufs Papier, die er an Sir Pitt oder Lady Crawley richtete. Er bat den Boten, sie sogleich zur Gaunt Street zu bringen. Er ließ ihn eine Droschke nehmen und versprach ihm eine Guinee, wenn er in einer Stunde wieder zurück sein würde.   When Rawdon read over this letter, he turned so red and looked so savage that the company at the table d’hote easily perceived that bad news had reached him. All his suspicions, which he had been trying to banish, returned upon him. She could not even go out and sell her trinkets to free him. She could laugh and talk about compliments paid to her, whilst he was in prison. Who had put him there? Wenham had walked with him. Was there.... He could hardly bear to think of what he suspected. Leaving the room hurriedly, he ran into his own — opened his desk, wrote two hurried lines, which he directed to Sir Pitt or Lady Crawley, and bade the messenger carry them at once to Gaunt Street, bidding him to take a cab, and promising him a guinea if he was back in an hour. In dem Billett ersuchte er seinen lieben Bruder und seine Schwägerin um Gottes, seines lieben Kindes und seiner Ehre willen, zu ihm zu kommen und ihm in seinen Schwierigkeiten zu helfen. Er sei im Gefängnis. Er brauche hundert Pfund, um frei zu werden. Er flehte sie an, zu ihm zu kommen.   In the note he besought his dear brother and sister, for the sake of God, for the sake of his dear child and his honour, to come to him and relieve him from his difficulty. He was in prison, he wanted a hundred pounds to set him free — he entreated them to come to him. Nachdem er den Boten weggeschickt hatte, begab er sich wieder ins Speisezimmer und rief nach mehr Wein. Den anderen fiel auf, daß er mit seltsamer Lebhaftigkeit redete und lachte. Zuweilen lachte er wie wahnsinnig über seine eigenen Befürchtungen und trank dann weiter, aber während der ganzen Stunde lauschte er auf den Wagen, der sein Schicksal besiegeln sollte.   He went back to the dining-room after dispatching his messenger and called for more wine. He laughed and talked with a strange boisterousness, as the people thought. Sometimes he laughed madly at his own fears and went on drinking for an hour, listening all the while for the carriage which was to bring his fate back. Als die Zeit verflossen war, hörte man Wagenräder zum Tor heranrollen, und der junge Pförtner eilte mit den Schlüsseln hinaus. Er ließ eine Dame durch die Tür des Gerichtsdieners eintreten.   At the expiration of that time, wheels were heard whirling up to the gate — the young janitor went out with his gate-keys. It was a lady whom he let in at the bailiff’s door. »Oberst Crawley«, sagte sie, heftig zitternd. Er schloß mit schlauem Blick die äußere Tür hinter ihr, öffnete dann die innere und rief: »Oberst, Sie werden gewünscht!« Dann führte er sie in das Hinterzimmer, das Rawdon bewohnte.   “Colonel Crawley,” she said, trembling very much. He, with a knowing look, locked the outer door upon her — then unlocked and opened the inner one, and calling out, “Colonel, you’re wanted,” led her into the back parlour, which he occupied. Der Oberst trat aus dem Speisezimmer, wo sie alle zechten, in sein Hinterzimmer. Ein breiter Streifen grellen Lichtes folgte ihm in den Raum, wo die Dame, sichtlich nervös, noch stand.   Rawdon came in from the dining-parlour where all those people were carousing, into his back room; a flare of coarse light following him into the apartment where the lady stood, still very nervous. »Ich bin es, Rawdon«, sagte sie furchtsam, wobei sie versuchte, ihrer Stimme einen munteren Klang zu verleihen. »Ich – Jane.« Rawdon war von diesen gütigen Lauten und der Erscheinung ganz überwältigt. Er lief ihr entgegen, schloß sie in die Arme, stammelte einige unzusammenhängende Dankesworte und schluchzte heftig an ihrer Schulter. Sie verstand die Ursache seiner Erregung nicht.   “It is I, Rawdon,” she said in a timid voice, which she strove to render cheerful. “It is Jane.” Rawdon was quite overcome by that kind voice and presence. He ran up to her — caught her in his arms — gasped out some inarticulate words of thanks and fairly sobbed on her shoulder. She did not know the cause of his emotion. Mr. Moss' Rechnung war bald berichtigt, vielleicht sogar zum Ärger dieses Herrn, der darauf gerechnet hatte, den Oberst wenigstens über Sonntag als Gast zu behalten. Mit strahlendem Lächeln und Glück in den Augen führte Jane Rawdon aus dem Haus des Gerichtsvollziehers fort und fuhr mit ihm in der Droschke heim, in der sie zu seiner Erlösung herbeigeeilt war. Pitt sei bei einem Parlamentsessen gewesen, erzählte sie, als sein Billett gekommen sei, »und deshalb, lieber Rawdon, bin ich – ich selbst gekommen«. Mit diesen Worten legte sie ihre gütige Hand in seine. Vielleicht war es für Rawdon Crawley nur gut gewesen, daß Pitt zum Essen ausgegangen war. Er bedankte sich bei seiner Schwägerin hundertmal und so glühend, daß die weichherzige Frau gerührt und fast beunruhigt war. »Oh!« sagte er in seiner rauhen, schlichten Art, »Du – du weißt nicht, wie sehr ich mich verändert habe, seit ich dich, und – und den kleinen Rawdon habe. Ich – ich möchte gern anders werden. Weißt du, ich möchte – ich möchte –ein...« Er beendete den Satz nicht, aber sie wußte, was er meinte, und als er sie an diesem Abend verlassen hatte und sie am Bett ihres eigenen kleinen Knaben saß, betete sie demütig für den armen müden Sünder.   The bills of Mr. Moss were quickly settled, perhaps to the disappointment of that gentleman, who had counted on having the Colonel as his guest over Sunday at least; and Jane, with beaming smiles and happiness in her eyes, carried away Rawdon from the bailiff’s house, and they went homewards in the cab in which she had hastened to his release. “Pitt was gone to a parliamentary dinner,” she said, “when Rawdon’s note came, and so, dear Rawdon, I — I came myself”; and she put her kind hand in his. Perhaps it was well for Rawdon Crawley that Pitt was away at that dinner. Rawdon thanked his sister a hundred times, and with an ardour of gratitude which touched and almost alarmed that soft-hearted woman. “Oh,” said he, in his rude, artless way, “you — you don’t know how I’m changed since I’ve known you, and — and little Rawdy. I — I’d like to change somehow. You see I want — I want — to be — ” He did not finish the sentence, but she could interpret it. And that night after he left her, and as she sat by her own little boy’s bed, she prayed humbly for that poor way-worn sinner. Rawdon verließ sie und ging eiligst nach Hause. Es war neun Uhr abends. Er rannte durch die Straßen und überquerte die großen Plätze des Jahrmarkts der Eitelkeit, und endlich stand er atemlos vor seinem Haus. Nach dem ersten Blick fuhr er zurück und sank zitternd gegen das eiserne Gitter. Die Salonfenster waren strahlendhell erleuchtet, und dabei hatte sie gesagt, sie läge krank im Bett. Eine Zeitlang stand er da, und das Licht aus den Zimmern schien auf sein bleiches Gesicht   Rawdon left her and walked home rapidly. It was nine o’clock at night. He ran across the streets and the great squares of Vanity Fair, and at length came up breathless opposite his own house. He started back and fell against the railings, trembling as he looked up. The drawing-room windows were blazing with light. She had said that she was in bed and ill. He stood there for some time, the light from the rooms on his pale face. Er zog seinen Hausschlüssel hervor und öffnete die Tür. Aus den oberen Zimmern konnte er Gelächter hören. Er trug noch den Ballanzug, in dem er in der letzten Nacht gefangengenommen worden war. Schweigend stieg er die Treppe hinauf und lehnte sich oben gegen das Geländer. Im ganzen Haus rührte sich sonst nichts – alle Diener hatten Ausgang. Rawdon hörte drinnen Lachen – Lachen und Gesang. Becky sang eine Stelle aus dem Lied vom Abend vorher, eine heisere Stimme rief: »Bravo! Bravo!« Es war die von Lord Steyne.   He took out his door-key and let himself into the house. He could hear laughter in the upper rooms. He was in the ball-dress in which he had been captured the night before. He went silently up the stairs, leaning against the banisters at the stair-head. Nobody was stirring in the house besides — all the servants had been sent away. Rawdon heard laughter within — laughter and singing. Becky was singing a snatch of the song of the night before; a hoarse voice shouted “Brava! Brava!" — it was Lord Steyne’s. Da öffnete Rawdon die Tür und trat ein. Auf einem kleinen Tisch war für ein Diner gedeckt, Wein und Silber standen bereit. Steyne lehnte über dem Sofa, auf dem Becky saß. Die nichtswürdige Frau war in glänzender Garderobe; ihre Arme und Finger schimmerten von Reifen und Ringen, und auf ihrer Brust funkelten Brillanten – das Geschenk Steynes. Er hielt ihre Hand in seiner und beugte sich zum Kuß darüber, als Rebekka Rawdons weißes Gesicht bemerkte und mit einem schwachen Schrei hochfuhr. Im nächsten Augenblick versuchte sie ein Lächeln, ein schreckliches Lächeln, als ob sie ihren Mann willkommen heißen wollte. Steyne erhob sich zähneknirschend, bleich und wütend.   Rawdon opened the door and went in. A little table with a dinner was laid out — and wine and plate. Steyne was hanging over the sofa on which Becky sat. The wretched woman was in a brilliant full toilette, her arms and all her fingers sparkling with bracelets and rings, and the brilliants on her breast which Steyne had given her. He had her hand in his, and was bowing over it to kiss it, when Becky started up with a faint scream as she caught sight of Rawdon’s white face. At the next instant she tried a smile, a horrid smile, as if to welcome her husband; and Steyne rose up, grinding his teeth, pale, and with fury in his looks. Auch er versuchte zu lachen und trat ihm mit ausgestreckter Hand entgegen. »Nun, zurückgekommen? Wie geht es Ihnen, Crawley?« fragte er, und seine Lippen zuckten, als er dem Eindringling zuzulächeln suchte.   He, too, attempted a laugh — and came forward holding out his hand. “What, come back! How d’ye do, Crawley?” he said, the nerves of his mouth twitching as he tried to grin at the intruder. In Rawdons Gesicht lag etwas, was Becky veranlaßte, sich vor ihm niederzuwerfen. »Ich bin unschuldig, Rawdon«, sagte sie, »bei Gott, ich bin unschuldig.« Sie klammerte sich an seinen Rock, an seine Hände; ihre eigenen waren mit Schlangen, Ringen und anderem Schmuck völlig bedeckt. »Ich bin unschuldig! Sagen Sie ihm, daß ich unschuldig bin«, sagte sie zu Lord Steyne.   There was that in Rawdon’s face which caused Becky to fling herself before him. “I am innocent, Rawdon,” she said; “before God, I am innocent.” She clung hold of his coat, of his hands; her own were all covered with serpents, and rings, and baubles. “I am innocent. Say I am innocent,” she said to Lord Steyne. Der Marquis glaubte, man habe ihm eine Falle gestellt, und war ebenso wütend auf die Frau wie auf den Mann. »Sie unschuldig! Verdammt noch mal!« schrie er; »Sie unschuldig! Jedes Schmuckstück, das Sie am Leibe tragen, habe ich bezahlt. Ich habe Ihnen Tausende von Pfund gegeben, und dieser Kerl hat sie ausgegeben und Sie dafür verkauft. Unschuldig! Zum Teufel! Sie sind ebenso unschuldig wie Ihre Mutter, das Ballettmädchen, und Ihr Mann, der Zuhälter. Glaubt nicht, daß ihr mich einschüchtern könnt, wie es euch bei anderen geglückt ist. Machen Sie Platz, mein Herr, und lassen Sie mich vorbei.« Lord Steyne ergriff seinen Hut und trat mit flammenden Augen, den wilden Blick auf seinen Feind gerichtet, auf den anderen zu. Er zweifelte keinen Augenblick daran, daß dieser ausweichen würde.   He thought a trap had been laid for him, and was as furious with the wife as with the husband. “You innocent! Damn you,” he screamed out. “You innocent! Why every trinket you have on your body is paid for by me. I have given you thousands of pounds, which this fellow has spent and for which he has sold you. Innocent, by — ! You’re as innocent as your mother, the ballet-girl, and your husband the bully. Don’t think to frighten me as you have done others. Make way, sir, and let me pass”; and Lord Steyne seized up his hat, and, with flame in his eyes, and looking his enemy fiercely in the face, marched upon him, never for a moment doubting that the other would give way. Aber Rawdon Crawley sprang auf ihn los und packte ihn am Halstuch, bis sich Steyne fast erstickt unter seinem Arm krümmte und wand. »Du lügst, du Hund!« rief Rawdon. »Du lügst, du Feigling, du Schurke.« Und er schlug dem Peer zweimal mit der offenen Hand ins Gesicht und warf ihn blutend zu Boden. Das alles war geschehen, noch ehe Rebekka sich ins Mittel legen konnte. Zitternd stand sie vor Rawdon und bewunderte ihren starken mutigen und siegreichen Gatten.   But Rawdon Crawley springing out, seized him by the neckcloth, until Steyne, almost strangled, writhed and bent under his arm. “You lie, you dog!” said Rawdon. “You lie, you coward and villain!” And he struck the Peer twice over the face with his open hand and flung him bleeding to the ground. It was all done before Rebecca could interpose. She stood there trembling before him. She admired her husband, strong, brave, and victorious. »Komm her«, sagte er. Sofort trat sie zu ihm.   “Come here,” he said. She came up at once. »Leg das Zeug da ab.« Sie begann zitternd die Juwelen von den Armen zu streifen und die Ringe abzusetzen und hielt ihm den ganzen Haufen bebend hin. »Wirf sie weg!« sagte er, und sie ließ alles fallen. Er riß ihr den Diamantschmuck von der Brust und warf ihn Lord Steyne ins Gesicht. Er zerschnitt ihm die kahle Stirn. Steyne behielt die Narbe, bis er starb.   “Take off those things.” She began, trembling, pulling the jewels from her arms, and the rings from her shaking fingers, and held them all in a heap, quivering and looking up at him. “Throw them down,” he said, and she dropped them. He tore the diamond ornament out of her breast and flung it at Lord Steyne. It cut him on his bald forehead. Steyne wore the scar to his dying day. »Komm mit hinauf!« sagte Rawdon zu seiner Frau. »Töte mich nicht, Rawdon«, sagte sie. Er lachte wild.   “Come upstairs,” Rawdon said to his wife. “Don’t kill me, Rawdon,” she said. He laughed savagely. “ »Ich will nur sehen, ob der Mann in bezug auf das Geld ebenso gelogen hat wie über mich. Hat er dir welches gegeben?«   I want to see if that man lies about the money as he has about me. Has he given you any?” »Nein«, sagte Rebekka, »das heißt...«   “No,” said Rebecca, “that is — ” »Gib mir deine Schlüssel«, antwortete Rawdon, und sie gingen zusammen hinaus.   “Give me your keys,” Rawdon answered, and they went out together. Rebekka gab ihm alle Schlüssel außer einem, und sie hoffte, daß er nicht bemerken würde, daß dieser fehlte. Er gehörte zu dem kleinen Schreibpult, das ihr Amelia früher einmal geschenkt hatte und das sie an einem geheimen Platz versteckt hielt. Rawdon riß alle Kästen und Schränke auf und verstreute den Tand, der sich darin befand, im ganzen Zimmer. Schließlich fand er das kleine Pult. Er zwang die Frau, es zu öffnen. Es enthielt Papiere, viele Jahre alte Liebesbriefe, allerlei Kleinigkeiten und weiblichen Flitterkram. Außerdem enthielt es eine Brieftasche mit Banknoten. Einige waren von vor zehn Jahren datiert, eine aber war ganz neu – eine Tausendpfundnote, die Lord Steyne ihr gegeben hatte.   Rebecca gave him all the keys but one, and she was in hopes that he would not have remarked the absence of that. It belonged to the little desk which Amelia had given her in early days, and which she kept in a secret place. But Rawdon flung open boxes and wardrobes, throwing the multifarious trumpery of their contents here and there, and at last he found the desk. The woman was forced to open it. It contained papers, love-letters many years old — all sorts of small trinkets and woman’s memoranda. And it contained a pocket-book with bank-notes. Some of these were dated ten years back, too, and one was quite a fresh one — a note for a thousand pounds which Lord Steyne had given her. »Hast du die von ihm?« fragte Rawdon.   “Did he give you this?” Rawdon said. »Ja«, antwortete Rebekka.   “Yes,” Rebecca answered. »Ich werde sie ihm heute zurückschicken«, fuhr er fort (denn der Tag dämmerte bereits herauf, und viele Stunden waren über dem Suchen vergangen). »Ich will der Briggs, die freundlich gegen den Jungen gewesen ist, ihres zurückgeben und einige von den Schulden bezahlen. Du wirst mich wissen lassen, wohin ich dir das übrige senden kann. Von alldem da hättest du wohl hundert Pfund für mich erübrigen können, Becky – ich habe stets mit dir geteilt.«   “I’ll send it to him to-day,” Rawdon said (for day had dawned again, and many hours had passed in this search), “and I will pay Briggs, who was kind to the boy, and some of the debts. You will let me know where I shall send the rest to you. You might have spared me a hundred pounds, Becky, out of all this — I have always shared with you.” »Ich bin unschuldig!« sagte Becky. Er verließ sie, ohne ein weiteres Wort.   “I am innocent,” said Becky. And he left her without another word. Was dachte Rebekka, als er sie verlassen hatte? Stundenlang blieb sie nach seinem Weggang allein. Die Sonne schien hell ins Zimmer, und sie saß immer noch auf der Bettkante. Alle Schubfächer waren herausgezogen, und ihr Inhalt lag verstreut umher – Kleider und Federn, Schärpen und Schmucksachen, ein Haufen zerschellter Eitelkeit. Das Haar fiel ihr über die Schultern herab; wo Rawdon ihr die Brillanten abgerissen hatte, war ihr Kleid zerfetzt. Einige Minuten nachdem er sie verlassen hatte, hörte sie ihn die Treppe hinabgehen und die Tür hinter sich zuschlagen. Sie wußte, daß er nie zurückkehren würde. Er war für immer fort. Wird er sich umbringen? fragte sie sich. Wahrscheinlich nicht, ehe er nicht noch einmal mit Lord Steyne zusammengetroffen war. Sie dachte an ihr langes, vergangenes Leben und all die traurigen Begebenheiten darin. Ach, wie trostlos erschien es ihr, wie elend, einsam und nutzlos! Sollte sie Opium nehmen und Schluß machen mit allen Hoffnungen, Plänen, Schulden und Triumphen? So fand sie die französische Zofe: mit gefalteten Händen und trockenen Augen saß sie inmitten ihrer elenden Trümmer. Das Mädchen war ihre Komplizin und stand in Steynes Sold. »Mon Dieu, Madame, was ist geschehen?« fragte sie.   What were her thoughts when he left her? She remained for hours after he was gone, the sunshine pouring into the room, and Rebecca sitting alone on the bed’s edge. The drawers were all opened and their contents scattered about — dresses and feathers, scarfs and trinkets, a heap of tumbled vanities lying in a wreck. Her hair was falling over her shoulders; her gown was torn where Rawdon had wrenched the brilliants out of it. She heard him go downstairs a few minutes after he left her, and the door slamming and closing on him. She knew he would never come back. He was gone forever. Would he kill himself? — she thought — not until after he had met Lord Steyne. She thought of her long past life, and all the dismal incidents of it. Ah, how dreary it seemed, how miserable, lonely and profitless! Should she take laudanum, and end it, to have done with all hopes, schemes, debts, and triumphs? The French maid found her in this position — sitting in the midst of her miserable ruins with clasped hands and dry eyes. The woman was her accomplice and in Steyne’s pay. “Mon Dieu, madame, what has happened?” she asked. Was war eigentlich geschehen? War sie schuldig oder nicht? Sie sagte nein. Aber wer war imstande, zu beurteilen, ob diese Lippen die Wahrheit sprachen und das verdorbene Herz in diesem Falle rein war?   What had happened? Was she guilty or not? She said not, but who could tell what was truth which came from those lips, or if that corrupt heart was in this case pure? All ihre Lügen und Pläne, all ihre Selbstsucht und Ränke, all ihr Witz und Talent waren an einer Stelle gescheitert. Das Mädchen zog die Vorhänge zu, und mit einigem Bitten und wenigstens dem Anschein von Freundlichkeit überredete sie ihre Herrin, sich ins Bett zu legen. Dann ging sie hinunter und sammelte die Schmucksachen auf, die noch immer auf dem Boden umherlagen, seit Rebekka sie auf Befehl ihres Mannes hatte fallen lassen. Lord Steyne hatte sich entfernt.   All her lies and her schemes, an her selfishness and her wiles, all her wit and genius had come to this bankruptcy. The woman closed the curtains and, with some entreaty and show of kindness, persuaded her mistress to lie down on the bed. Then she went below and gathered up the trinkets which had been lying on the floor since Rebecca dropped them there at her husband’s orders, and Lord Steyne went away. 54. Kapitel / Chapter 54 Der Sonntag nach der Schlacht / Sunday After the Battle Das Haus Sir Pitt Crawleys in der Great Gaunt Street hatte gerade begonnen, sich für den Tag zu rüsten, als Rawdon in seinem Abendanzug, den er jetzt schon zwei Tage lang trug, an der erschrockenen Frau, die die Treppe scheuerte, vorübereilte und seines Bruders Studierzimmer betrat. Lady Jane war noch im Morgenrock oben in der Kinderstube und überwachte die Toilette ihrer Kinder und lauschte den Morgengebeten, die die kleinen Geschöpfe an ihrem Knie aufsagten. Jeden Morgen tat sie das mit ihnen allein noch vor der allgemeinen Andacht, die Sir Pitt leitete und zu der sich alle Bewohner des Hauses versammeln mußten. Rawdon setzte sich im Studierzimmer an den Tisch des Baronets, der mit schön geordneten Parlamentsberichten und Briefen, sauber beschrifteten Rechnungen, symmetrisch gestapelten Broschüren, verschlossenen Rechnungsbüchern und Depeschenkästen bedeckt war. Die Bibel, die »Quarterly Review« und der Adelskalender standen alle wie zur Parade, als ob sie die Besichtigung durch ihren Herrn erwarteten.   The mansion of Sir Pitt Crawley, in Great Gaunt Street, was just beginning to dress itself for the day, as Rawdon, in his evening costume, which he had now worn two days, passed by the scared female who was scouring the steps and entered into his brother’s study. Lady Jane, in her morning-gown, was up and above stairs in the nursery superintending the toilettes of her children and listening to the morning prayers which the little creatures performed at her knee. Every morning she and they performed this duty privately, and before the public ceremonial at which Sir Pitt presided and at which all the people of the household were expected to assemble. Rawdon sat down in the study before the Baronet’s table, set out with the orderly blue books and the letters, the neatly docketed bills and symmetrical pamphlets, the locked account-books, desks, and dispatch boxes, the Bible, the Quarterly Review, and the Court Guide, which all stood as if on parade awaiting the inspection of their chief. Ein Buch mit Familienpredigten, von denen Sir Pitt am Sonntagmorgen jeweils eine seiner Familie vorzulesen pflegte, lag auf dem Schreibtisch bereit und erwartete seine fachkundige Wahl. Neben dem Predigtbuch lag der »Observer«, noch feucht und sauber gefaltet, zu Sir Pitts Privatgebrauch. Sein Kammerdiener ergriff als einziger die Gelegenheit, die Zeitung durchzusehen, bevor er sie seinem Herrn auf den Tisch legte. Ehe er sie an diesem Morgen in das Studierzimmer gebracht hatte, hatte er darin einen glühenden Bericht unter dem Titel »Festlichkeiten im Gaunt-Haus« gelesen mit den Namen aller von Marquis Steyne geladenen hervorragenden Persönlichkeiten, die Seine Königliche Hoheit getroffen hatten. Nachdem er im Zimmer der Haushälterin mit ihr und ihrer Nichte seinen Frühstückstee und Röstbrot mit Butter eingenommen und dabei die Kommentare zu dem Fest vorgelesen hatte (er gab auch seiner Verwunderung Ausdruck, wovon die Crawleys denn bloß leben mochten), befeuchtete und faltete er die Zeitung von neuem, so daß sie dem Herrn des Hauses ganz frisch und unschuldig erscheinen mußte.   A book of family sermons, one of which Sir Pitt was in the habit of administering to his family on Sunday mornings, lay ready on the study table, and awaiting his judicious selection. And by the sermon-book was the Observer newspaper, damp and neatly folded, and for Sir Pitt’s own private use. His gentleman alone took the opportunity of perusing the newspaper before he laid it by his master’s desk. Before he had brought it into the study that morning, he had read in the journal a flaming account of “Festivities at Gaunt House,” with the names of all the distinguished personages invited by tho Marquis of Steyne to meet his Royal Highness. Having made comments upon this entertainment to the housekeeper and her niece as they were taking early tea and hot buttered toast in the former lady’s apartment, and wondered how the Rawding Crawleys could git on, the valet had damped and folded the paper once more, so that it looked quite fresh and innocent against the arrival of the master of the house. Der arme Rawdon nahm das Blatt und versuchte zu lesen, bis sein Bruder kommen würde. Aber die Buchstaben ergaben ihm keinen Sinn, und er hatte keine Ahnung von dem, was er las. Die Regierungsnachrichten und Ernennungen (die mußte Sir Pitt als Mann des öffentlichen Lebens lesen, denn sonst hätte er keine Sonntagszeitung in seinem Hause geduldet), die Theaterkritiken, der Boxkampf um hundert Pfund zwischen dem »Kläffenden Schlächter« und dem »Liebling von Tutbury«, sogar die Berichte vom Gaunt-Haus, die eine sehr schmeichelhafte, wenn auch vorsichtige Beschreibung der berühmten Scharaden und ihrer Heldin Mrs. Becky brachten – all das zog wie im Nebel an ihm vorüber, als er saß und das Familienoberhaupt erwartete.   Poor Rawdon took up the paper and began to try and read it until his brother should arrive. But the print fell blank upon his eyes, and he did not know in the least what he was reading. The Government news and appointments (which Sir Pitt as a public man was bound to peruse, otherwise he would by no means permit the introduction of Sunday papers into his household), the theatrical criticisms, the fight for a hundred pounds a side between the Barking Butcher and the Tutbury Pet, the Gaunt House chronicle itself, which contained a most complimentary though guarded account of the famous charades of which Mrs. Becky had been the heroine — all these passed as in a haze before Rawdon, as he sat waiting the arrival of the chief of the family. Pünktlich mit dem schrillen Klang der schwarzen Marmoruhr auf dem Kaminsims, die gerade neun schlug, erschien Sir Pitt, frisch, sauber, glattrasiert, mit wächsernem Gesicht und steifem Hemdkragen, das spärliche Haar sorgfältig gekämmt und pomadisiert. Er kam majestätisch mit gestärkter Krawatte und im grauen Flanellschlafrock die Treppe herab und schnitt sich die Nägel – ein echter englischer Gentleman, das Musterbeispiel von Sauberkeit und Korrektheit. Als er in seinem Studierzimmer den armen Rawdon in unordentlichen Kleidern, mit blutunterlaufenen Augen und in das Gesicht hängenden Haaren erblickte, fuhr er zurück. Er glaubte, sein Bruder sei nicht nüchtern und habe die ganze Nacht bei irgendeiner Orgie verbracht. »Guter Gott, Rawdon«, rief er bestürzt. »Was führt dich in dieser Morgenstunde hierher? Warum bist du nicht zu Hause?«   Punctually, as the shrill-toned bell of the black marble study clock began to chime nine, Sir Pitt made his appearance, fresh, neat, smugly shaved, with a waxy clean face, and stiff shirt collar, his scanty hair combed and oiled, trimming his nails as he descended the stairs majestically, in a starched cravat and a grey flannel dressing-gown — a real old English gentleman, in a word — a model of neatness and every propriety. He started when he saw poor Rawdon in his study in tumbled clothes, with blood-shot eyes, and his hair over his face. He thought his brother was not sober, and had been out all night on some orgy. “Good gracious, Rawdon,” he said, with a blank face, “what brings you here at this time of the morning? Why ain’t you at home?” »Zu Hause!« entgegnete Rawdon mit wildem Lachen. »Keine Angst, Pitt. Ich bin nicht betrunken. Mach die Tür zu, ich muß mit dir sprechen.«   “Home,” said Rawdon with a wild laugh. “Don’t be frightened, Pitt. I’m not drunk. Shut the door; I want to speak to you.” Pitt schloß die Tür und trat an den Tisch. Er ließ sich in dem zweiten Armstuhl nieder, der dort für seinen Verwalter, seinen Beauftragten oder sonstige Besucher bereitstand, die mit dem Baronet vertrauliche Geschäfte abzuschließen hatten. Heftiger als je schnitt er an seinen Nägeln herum.   Pitt closed the door and came up to the table, where he sat down in the other arm-chair — that one placed for the reception of the steward, agent, or confidential visitor who came to transact business with the Baronet — and trimmed his nails more vehemently than ever. »Pitt, es ist alles aus!« sagte der Oberst nach einer Pause. »Ich bin erledigt.«   “Pitt, it’s all over with me,” the Colonel said after a pause. “I’m done.” »Ich habe es immer gesagt, daß es noch dazu kommen würde«, rief der Baronet ärgerlich und trommelte mit seinen säuberlich geschnittenen Nägeln auf dem Tisch herum. »Ich habe dich tausendmal gewarnt. Ich kann dir nicht mehr helfen. Die Verwendung von jedem Shilling meines Geldes ist festgelegt. Selbst die hundert Pfund, die Jane dir gestern gebracht hat, waren meinem Rechtsanwalt für morgen früh versprochen, und daß sie mir jetzt fehlen, bringt mich in große Verlegenheit. Ich meine damit nicht, daß ich dir schließlich nicht doch helfen will. Aber wenn ich alle deine Gläubiger befriedigen sollte, so könnte ich ebensogut wünschen, die Staatsschuld bezahlen zu können. Es ist Wahnsinn, reiner Wahnsinn, daran auch nur zu denken. Du mußt zu einem Vergleich kommen, es ist schmerzlich für die Familie, aber alle tun es. George Kitely, Lord Raglands Sohn, hat vorige Woche vor Gericht gestanden und sich, glaube ich, mit seinen Gläubigern verglichen. Lord Ragland wollte keinen Shilling für ihn bezahlen, und ...«   “I always said it would come to this,” the Baronet cried peevishly, and beating a tune with his clean-trimmed nails. “I warned you a thousand times. I can’t help you any more. Every shilling of my money is tied up. Even the hundred pounds that Jane took you last night were promised to my lawyer to-morrow morning, and the want of it will put me to great inconvenience. I don’t mean to say that I won’t assist you ultimately. But as for paying your creditors in full, I might as well hope to pay the National Debt. It is madness, sheer madness, to think of such a thing. You must come to a compromise. It’s a painful thing for the family, but everybody does it. There was George Kitely, Lord Ragland’s son, went through the Court last week, and was what they call whitewashed, I believe. Lord Ragland would not pay a shilling for him, and — ” »Ich brauche kein Geld«, unterbrach ihn Rawdon. »Ich komme nicht meinetwegen. Kümmere dich nicht darum, was aus mir wird «   “It’s not money I want,” Rawdon broke in. “I’m not come to you about myself. Never mind what happens to me " »Worum handelt es sich denn?« fragte Pitt, etwas erleichtert.   “What is the matter, then?” said Pitt, somewhat relieved. »Es geht um den Jungen«, antwortete Rawdon mit heiserer Stimme. »Ich möchte gern, daß du mir versprichst, dich seiner anzunehmen, wenn ich nicht mehr da bin. Deine liebe, gute Frau ist immer gut zu ihm gewesen, und er liebt sie mehr als seine ... Verdammt! Sieh mal, Pitt, du weißt, daß ich Miss Crawleys Geld haben sollte. Ich bin nicht wie ein jüngerer Bruder erzogen worden, und man hat mich stets zu Verschwendung und Müßiggang ermuntert. Ohne das hätte ich ein ganz anderer Mensch werden können. Ich habe meine Pflichten beim Regiment nicht schlecht erfüllt. Du weißt, wie ich in bezug auf das Geld ausgebootet worden bin und wer es dann erhalten hat.«   “It’s the boy,” said Rawdon in a husky voice. “I want you to promise me that you will take charge of him when I’m gone. That dear good wife of yours has always been good to him; and he’s fonder of her than he is of his . . . — Damn it. Look here, Pitt — you know that I was to have had Miss Crawley’s money. I wasn’t brought up like a younger brother, but was always encouraged to be extravagant and kep idle. But for this I might have been quite a different man. I didn’t do my duty with the regiment so bad. You know how I was thrown over about the money, and who got it.” »Nach den Opfern, die ich dir brachte, und der Art, wie ich dir beigestanden habe, halte ich diese Art von Vorwürfen für sinnlos«, sagte Sir Pitt. »Deine Heirat war dein Werk, nicht meins.«   “After the sacrifices I have made, and the manner in which I have stood by you, I think this sort of reproach is useless,” Sir Pitt said. “Your marriage was your own doing, not mine.” »Das ist jetzt vorbei«, sagte Rawdon. »Das ist jetzt vorbei!« Die Worte entrangen sich ihm mit einem Stöhnen, und sein Bruder erschrak.   “That’s over now,” said Rawdon. “That’s over now.” And the words were wrenched from him with a groan, which made his brother start. »Guter Gott, ist sie tot?« fragte Sir Pitt mit einem Ton wirklicher Unruhe und echten Mitleids.   “Good God! is she dead?” Sir Pitt said with a voice of genuine alarm and commiseration. »Ich wünschte, ich wäre es«, entgegnete Rawdon. »Wenn es nicht um den kleinen Rawdon ginge, so hätte ich mir heute früh die Kehle durchgeschnitten – und dem verdammten Schurken dazu.«   “I wish I was,” Rawdon replied. “If it wasn’t for little Rawdon I’d have cut my throat this morning — and that damned villain’s too.” Sir Pitt erriet augenblicklich die Wahrheit und mutmaßte, daß Lord Steyne derjenige sei, dem Rawdon das Leben zu nehmen wünschte. Der Oberst erzählte seinem älteren Bruder kurz und in abgerissenen Sätzen die näheren Umstände. »Es war ein regelrechter Plan zwischen dem Schuft und ihr«, sagte er, »sie haben die Gerichtsdiener auf mich gehetzt: und mich festnehmen lassen, als ich Steynes Haus verließ. Als ich sie im Brief um Geld bat, schrieb sie, sie liege krank im Bett, und vertröstete mich auf den nächsten Tag. Als ich dann nach Hause kam, fand ich sie, von Diamanten strahlend, allein mit dem Schurken.« Er beschrieb darauf kurz den persönlichen Streit mit Lord Steyne. »Wie die Sache nun liegt«, meinte er, »gibt es natürlich nur einen Ausweg.« Nach der Unterredung mit seinem Bruder wolle er weggehen und die nötigen Anordnungen für die unvermeidliche Begegnung treffen. »Und da es verhängnisvoll für mich ausgehen kann«, sagte Rawdon mit gebrochener Stimme, »und da der Junge keine Mutter hat, so muß ich ihn bei dir und Jane lassen, Pitt. Es wäre mir ein großer Trost, wenn du mir versprechen wolltest, sein Freund zu sein.«   Sir Pitt instantly guessed the truth and surmised that Lord Steyne was the person whose life Rawdon wished to take. The Colonel told his senior briefly, and in broken accents, the circumstances of the case. “It was a regular plan between that scoundrel and her,” he said. “The bailiffs were put upon me; I was taken as I was going out of his house; when I wrote to her for money, she said she was ill in bed and put me off to another day. And when I got home I found her in diamonds and sitting with that villain alone.” He then went on to describe hurriedly the personal conflict with Lord Steyne. To an affair of that nature, of course, he said, there was but one issue, and after his conference with his brother, he was going away to make the necessary arrangements for the meeting which must ensue. “And as it may end fatally with me,” Rawdon said with a broken voice, “and as the boy has no mother, I must leave him to you and Jane, Pitt — only it will be a comfort to me if you will promise me to be his friend.” Der ältere Bruder war sehr bewegt und schüttelte Rawdon die Hand mit einer Herzlichkeit, die man bei ihm nur selten bemerkte. Rawdon fuhr sich mit der Hand über die buschigen Augenbrauen. »Danke, Bruder«, sagte er, »ich weiß, daß ich mich auf dich verlassen kann.«   The elder brother was much affected, and shook Rawdon’s hand with a cordiality seldom exhibited by him. Rawdon passed his hand over his shaggy eyebrows. “Thank you, brother,” said he. “I know I can trust your word.” »Ich verspreche es, auf meine Ehre«, erwiderte der Baronet. So war mit wenigen Worten der Handel zwischen ihnen abgeschlossen.   “I will, upon my honour,” the Baronet said. And thus, and almost mutely, this bargain was struck between them. Rawdon zog nun die kleine Brieftasche hervor, die er in Beckys Schreibpult entdeckt hatte, und entnahm ihr ein Bündel Banknoten. »Hier sind sechshundert«, sagte er. »Du hast nicht gewußt, daß ich so reich bin. Ich möchte, daß du das Geld der Briggs gibst, die es uns geliehen hat. Sie ist so freundlich zu dem Jungen gewesen, und ich habe mich immer geschämt, daß ich das Geld von der armen alten Frau genommen habe; und hier ist noch etwas – ich habe nur ein paar Pfund zurückbehalten –, das kann Rebekka bekommen, damit sie für den Anfang etwas hat.« Während er sprach, ergriff er die übrigen Banknoten, um sie seinem Bruder zu geben, aber seine Hände zitterten, und er war so erregt, daß ihm die Brieftasche entglitt und die Tausendpfundnote, der letzte Gewinn der unglücklichen Rebekka, herausfiel.   Then Rawdon took out of his pocket the little pocket-book which he had discovered in Becky’s desk, and from which he drew a bundle of the notes which it contained. “Here’s six hundred,” he said — "you didn’t know I was so rich. I want you to give the money to Briggs, who lent it to us — and who was kind to the boy — and I’ve always felt ashamed of having taken the poor old woman’s money. And here’s some more — I’ve only kept back a few pounds — which Becky may as well have, to get on with.” As he spoke he took hold of the other notes to give to his brother, but his hands shook, and he was so agitated that the pocket-book fell from him, and out of it the thousand-pound note which had been the last of the unlucky Becky’s winnings. Pitt bückte sich und hob sie auf, erstaunt über solchen Reichtum. »Die nicht«, sagte Rawdon. »Ich hoffe, daß ich dem Mann, dem sie gehört, eine Kugel in den Leib jagen kann.« Er hatte sich gedacht, es wäre eine feine Rache, eine Kugel in die Banknote zu wickeln und Steyne damit zu töten.   Pitt stooped and picked them up, amazed at so much wealth. “Not that,” Rawdon said. “I hope to put a bullet into the man whom that belongs to.” He had thought to himself, it would be a fine revenge to wrap a ball in the note and kill Steyne with it. Nach diesem Gespräch schüttelten sich die Brüder noch einmal die Hände und schieden. Lady Jane hatte von der Anwesenheit des Obersten vernommen und erwartete ihren Mann im anstoßenden Speisezimmer. Ihr weiblicher Instinkt ließ sie nichts Gutes ahnen. Die Tür stand zufällig offen, und als die beiden Brüder das Studierzimmer verließen, trat sie natürlich aus dem Speisezimmer heraus. Sie streckte Rawdon die Hand entgegen und sagte, sie freue sich, daß er zum Frühstück gekommen sei, obwohl sie aus seinem verstörten, unrasierten Gesicht und dem finsteren Blick ihres Mannes ersah, daß beiden wenig am Frühstück gelegen war. Rawdon murmelte ein paar Entschuldigungen wegen einer Verabredung und preßte die furchtsame kleine Hand, die ihm seine Schwägerin hinhielt. Ihr fragender Blick konnte nichts als Unheil in seinem Gesicht lesen, aber er ging weg, ohne ein Wort zu sagen. Sir Pitt gab ihr ebenfalls keine Erklärung. Die Kinder kamen, um ihn zu begrüßen, und er küßte sie in seiner gewohnten kalten Art. Die Mutter hielt beide eng an sich gepreßt und nahm sie bei der Hand, als sie zum Gebet niederknieten, das Sir Pitt ihnen und den Dienstboten vorlas, die im Sonntagsstaat auf den Stühlen neben der zischenden Teemaschine saßen. Infolge der erwähnten Verzögerung fand das Frühstück an jenem Tag so spät statt, daß die Kirchenglocken schon zu läuten anfingen, als sie noch aßen. Lady Jane erklärte, es gehe ihr zu schlecht, um in die Kirche gehen zu können. Ihre Gedanken waren schon während der Familienandacht in weite Ferne gewandert.   After this colloquy the brothers once more shook hands and parted. Lady Jane had heard of the Colonel’s arrival, and was waiting for her husband in the adjoining dining-room, with female instinct, auguring evil. The door of the dining-room happened to be left open, and the lady of course was issuing from it as the two brothers passed out of the study. She held out her hand to Rawdon and said she was glad he was come to breakfast, though she could perceive, by his haggard unshorn face and the dark looks of her husband, that there was very little question of breakfast between them. Rawdon muttered some excuses about an engagement, squeezing hard the timid little hand which his sister-in-law reached out to him. Her imploring eyes could read nothing but calamity in his face, but he went away without another word. Nor did Sir Pitt vouchsafe her any explanation. The children came up to salute him, and he kissed them in his usual frigid manner. The mother took both of them close to herself, and held a hand of each of them as they knelt down to prayers, which Sir Pitt read to them, and to the servants in their Sunday suits or liveries, ranged upon chairs on the other side of the hissing tea-urn. Breakfast was so late that day, in consequence of the delays which had occurred, that the church-bells began to ring whilst they were sitting over their meal; and Lady Jane was too ill, she said, to go to church, though her thoughts had been entirely astray during the period of family devotion. Mittlerweile war Rawdon Crawley aus der Great Gaunt Street geeilt. Er klopfte an das große bronzene Medusenhaupt, das am Portal vom Gaunt-Haus steht, und der purpurne Silen in rotsilberner Weste erschien, der im Palast die Rolle des Portiers spielt. Der Mann war über das unordentliche Aussehen des Obersten ebenfalls erschrocken und vertrat ihm den Weg, als ob er befürchtete, daß der andere ihn erzwingen wollte. Oberst Crawley zog jedoch nur eine Karte hervor und legte dem Diener ans Herz, sie Lord Steyne zu bringen, die darauf geschriebene Adresse zu beachten und zu sagen, daß Oberst Crawley nach ein Uhr den ganzen Tag im Regent-Klub in der St. James' Street anzutreffen sei - also nicht zu Hause. Der dicke Mann mit dem roten Gesicht blickte dem Davonschreitenden erstaunt nach, ebenso die Leute in Sonntagskleidern, die so früh schon auf der Straße waren, die Waisenknaben mit glänzenden Gesichtern, der Gemüsehändler, der an seiner Tür lehnte, und der Wirt, der im Sonnenschein seine Fensterläden schloß, da der Gottesdienst begann. Am Droschkenstand machten die Leute sich über sein Aussehen lustig, als er einen Wagen nahm und dem Kutscher zurief, er solle ihn zu den Knightsbridge-Kasernen fahren.   Rawdon Crawley meanwhile hurried on from Great Gaunt Street, and knocking at the great bronze Medusa’s head which stands on the portal of Gaunt House, brought out the purple Silenus in a red and silver waistcoat who acts as porter of that palace. The man was scared also by the Colonel’s dishevelled appearance, and barred the way as if afraid that the other was going to force it. But Colonel Crawley only took out a card and enjoined him particularly to send it in to Lord Steyne, and to mark the address written on it, and say that Colonel Crawley would be all day after one o’clock at the Regent Club in St. James’s Street — not at home. The fat red-faced man looked after him with astonishment as he strode away; so did the people in their Sunday clothes who were out so early; the charity-boys with shining faces, the greengrocer lolling at his door, and the publican shutting his shutters in the sunshine, against service commenced. The people joked at the cab-stand about his appearance, as he took a carriage there, and told the driver to drive him to Knightsbridge Barracks. Alle Glocken läuteten, als er sein Ziel erreichte. Wenn er hinausgeblickt hätte, hätte er seine alte Bekannte, Amelia, auf ihrem Weg von Brompton zum Russell Square sehen können. Trupps von Schulkindern marschierten zur Kirche. Das glänzende Pflaster und die Kutschendächer in den Vorstädten waren voll von Leuten, die sich ein Sonntagsvergnügen machen wollten. Der Oberst hatte es aber viel zu eilig, um von alldem Notiz zu nehmen, und als er in der Kaserne ankam, begab er sich schleunigst in das Zimmer seines alten Freundes und Kameraden Macmurdo, den er glücklicherweise in der Kaserne antraf.   All the bells were jangling and tolling as he reached that place. He might have seen his old acquaintance Amelia on her way from Brompton to Russell Square, had he been looking out. Troops of schools were on their march to church, the shiny pavement and outsides of coaches in the suburbs were thronged with people out upon their Sunday pleasure; but the Colonel was much too busy to take any heed of these phenomena, and, arriving at Knightsbridge, speedily made his way up to the room of his old friend and comrade Captain Macmurdo, who Crawley found, to his satisfaction, was in barracks. Hauptmann Macmurdo, ein alter Offizier und Waterlookämpfer, der beim Regiment sehr beliebt war (nur der Mangel an Geld hinderte ihn, zu hohen Würden aufzusteigen), genoß den ruhigen Vormittag im Bett. Er hatte den Abend bei einer lustigen Gesellschaft verbracht, die der ehrenwerte Hauptmann George Cinqbars in seinem Haus am Brompton Square mehreren jungen Offizieren des Regiments und einer Anzahl Damen von einer Balletttruppe gegeben hatte. Der alte Mac, der mit Leuten jeden Alters und Standes vertraut war und mit Generalen, Hundezüchtern, Ballettänzerinnen, Boxern, kurz, allen Arten von Menschen verkehrte, ruhte sich, da er dienstfrei hatte, von den Anstrengungen der Nacht im Bett aus.   Captain Macmurdo, a veteran officer and Waterloo man, greatly liked by his regiment, in which want of money alone prevented him from attaining the highest ranks, was enjoying the forenoon calmly in bed. He had been at a fast supper-party, given the night before by Captain the Honourable George Cinqbars, at his house in Brompton Square, to several young men of the regiment, and a number of ladies of the corps de ballet, and old Mac, who was at home with people of all ages and ranks, and consorted with generals, dog-fanciers, opera-dancers, bruisers, and every kind of person, in a word, was resting himself after the night’s labours, and, not being on duty, was in bed. An den Wänden seines Zimmers hingen Box-, Jagd- und Tanzbilder, die ihm seine Kameraden geschenkt hatten, wenn sie aus dem Regiment ausschieden, sich verheirateten oder sich in ein ruhiges Leben zurückzogen. Da er nun beinahe fünfzig war und vierundzwanzig Jahre seines Lebens beim Korps zugebracht hatte, so besaß er ein einzigartiges Museum. Er war einer der besten Schützen Englands und für einen Mann von seiner Körperfülle ein guter Reiter. Tatsächlich waren er und Crawley Rivalen, als dieser noch bei der Armee war. Kurz und gut, Mr. Macmurdo – ein ehrwürdiger, borstiger Krieger mit einem kleinen Kopf und kurzgeschnittenem grauem Haar, einer seidenen Nachtmütze, rotem Gesicht und ebensolcher Nase und einem mächtigen, gefärbten Schnurrbart, lag im Bett und las in »Bell's Life« den Bericht über den schon erwähnten Kampf zwischen dem »Liebling von Tutbury« und dem »Kläffenden Schlächter«.   His room was hung round with boxing, sporting, and dancing pictures, presented to him by comrades as they retired from the regiment, and married and settled into quiet life. And as he was now nearly fifty years of age, twenty-four of which he had passed in the corps, he had a singular museum. He was one of the best shots in England, and, for a heavy man, one of the best riders; indeed, he and Crawley had been rivals when the latter was in the Army. To be brief, Mr. Macmurdo was lying in bed, reading in Bell’s Life an account of that very fight between the Tutbury Pet and the Barking Butcher, which has been before mentioned — a venerable bristly warrior, with a little close-shaved grey head, with a silk nightcap, a red face and nose, and a great dyed moustache. Als Rawdon dem Hauptmann sagte, er brauche einen Freund, da wußte dieser sofort, welcher Freundschaftsdienst von ihm erwartet wurde, denn er hatte schon Dutzende solcher Affären mit größter Klugheit und Geschicklichkeit für seine Freunde erledigt. Seine Königliche Hoheit, der verstorbene, allgemein betrauerte Oberbefehlshaber der Armee, hatte in dieser Hinsicht die größte Achtung für Macmurdo gehegt, und Herren, die sich in Schwierigkeiten befanden, suchten bei ihm Rat und Hilfe.   When Rawdon told the Captain he wanted a friend, the latter knew perfectly well on what duty of friendship he was called to act, and indeed had conducted scores of affairs for his acquaintances with the greatest prudence and skill. His Royal Highness the late lamented Commander-in-Chief had had the greatest regard for Macmurdo on this account, and he was the common refuge of gentlemen in trouble. »Worum dreht sich denn der Streit eigentlich, Crawley, mein Junge?« fragte der alte Krieger. »Etwa Spielgeschichten, wie damals, als wir Hauptmann Marker erschossen?«   “What’s the row about, Crawley, my boy?” said the old warrior. “No more gambling business, hay, like that when we shot Captain Marker?” »Es geht um – um meine Frau«, entgegnete Crawley, schlug die Augen nieder und wurde rot.   “It’s about — about my wife,” Crawley answered, casting down his eyes and turning very red. Der andere gab einen Pfiff von sich. »Ich habe ja schon immer gesagt, sie wird dir noch einmal davonlaufen«, begann er. Tatsächlich hatten die Welt und Rawdons Kameraden Mrs. Crawleys Charakter so geringgeschätzt, daß man im Regiment und in den Klubs bereits Wetten über Oberst Crawleys mutmaßliches Schicksal abschloß. Als Macmurdo jedoch den wütenden Blick bemerkte, mit dem Rawdon diese Meinungsäußerung beantwortete, hielt der Alte es für besser, sich nicht weiter darüber auszulassen.   The other gave a whistle. “I always said she’d throw you over,” he began — indeed there were bets in the regiment and at the clubs regarding the probable fate of Colonel Crawley, so lightly was his wife’s character esteemed by his comrades and the world; but seeing the savage look with which Rawdon answered the expression of this opinion, Macmurdo did not think fit to enlarge upon it further. »Gibt es keinen anderen Ausweg, alter Junge?« fuhr der Hauptmann in ernstem Ton fort. »Ist es nur ein Verdacht? Oder – oder was ist es? Hast du Briefe? Kannst du es nicht in aller Stille abmachen? Man schlägt doch wegen so einer Angelegenheit keinen Lärm, wenn es sich vermeiden läßt.« Merkwürdig, daß er erst jetzt dahintergekommen ist, dachte der Hauptmann bei sich, und ihm fielen hundert ausführliche Unterhaltungen in der Offiziersmesse ein, bei denen Mrs. Crawleys Ruf in Fetzen gerissen worden war.   “Is there no way out of it, old boy?” the Captain continued in a grave tone. “Is it only suspicion, you know, or — or what is it? Any letters? Can’t you keep it quiet? Best not make any noise about a thing of that sort if you can help it.” “Think of his only finding her out now,” the Captain thought to himself, and remembered a hundred particular conversations at the mess-table, in which Mrs. Crawley’s reputation had been torn to shreds. »Es gibt nur einen Ausweg«, entgegnete Rawdon, »und einer von uns muß auf der Strecke bleiben, Mac – verstehst du das? Mich hat man aus dem Weg geräumt, festgenommen, ich überraschte die beiden, als sie allein zusammen waren. Ich sagte ihm, er sei ein Lügner und Feigling, und dann schlug ich ihn zu Boden und verprügelte ihn.«   “There’s no way but one out of it,” Rawdon replied — "and there’s only a way out of it for one of us, Mac — do you understand? I was put out of the way — arrested — I found ’em alone together. I told him he was a liar and a coward, and knocked him down and thrashed him.” »Geschah ihm recht«, erwiderte Macmurdo. »Wer ist es denn?«   “Serve him right,” Macmurdo said. “Who is it?” Rawdon antwortete, daß es Lord Steyne sei.   Rawdon answered it was Lord Steyne. »Zum Henker! Ein Marquis! Man erzählte doch, er ... das heißt, man erzählte, du ...«   “The deuce! a Marquis! they said he — that is, they said you — ” »Was, zum Teufel, meinst du eigentlich!« brüllte Rawdon. »Willst du etwa damit sagen, daß du jemals gehört hast, wie ein Kerl die Tugend meiner Frau bezweifelte, und du hast mir nichts davon erzählt, Mac?«   “What the devil do you mean?” roared out Rawdon; “do you mean that you ever heard a fellow doubt about my wife and didn’t tell me, Mac?” »Die Welt ist äußerst kritisch, alter Junge«, erwiderte der andere. »Was, zum Henker, hätte es genützt, wenn ich dir erzählt hätte, was ein paar Narren schwatzen?«   “The world’s very censorious, old boy,” the other replied. “What the deuce was the good of my telling you what any tom-fools talked about?” »Das war verdammt unkameradschaftlich, Mac«, sagte Rawdon, ganz überwältigt. Er bedeckte das Gesicht mit beiden Händen, und nun übermannte ihn die Erregung. Bei diesem Anblick konnte selbst der alte Haudegen sein Mitgefühl ihm gegenüber nicht verbergen. »Kopf hoch, alter Junge«, sagte er. »Vornehm oder nicht – wir werden ihm doch eine Kugel in den Leib jagen, dem verdammten Kerl. Und was die Weiber angeht – die sind alle so.«   “It was damned unfriendly, Mac,” said Rawdon, quite overcome; and, covering his face with his hands, he gave way to an emotion, the sight of which caused the tough old campaigner opposite him to wince with sympathy. “Hold up, old boy,” he said; “great man or not, we’ll put a bullet in him, damn him. As for women, they’re all so.” »Du weißt nicht, wie lieb ich diese eine hatte«, sagte Rawdon kaum vernehmlich. »Verdammt, ich bin ihr nachgelaufen wie ein Lakai. Ihretwegen habe ich alles aufgegeben. Ich bin ein Bettler, bloß weil ich sie unbedingt heiraten mußte. Beim Zeus, ich habe meine eigene Uhr versetzt, um ihre Launen zu befriedigen, und sie – sie hat die ganze Zeit in ihren eigenen Beutel gewirtschaftet, und für mich hat sie nicht einmal hundert Pfund gehabt, um mich aus dem Loch zu befreien.« Hierauf erzählte er wutschnaubend und unzusammenhängend in einer Erregung, die sein Ratgeber bei ihm nicht kannte, die ganze Geschichte. Macmurdo fiel ihm ab und zu ins Wort. »Trotz alledem kann sie doch unschuldig sein«, meinte er. »Sie sagt es jedenfalls. Steyne ist vorher hundertmal allein mit ihr im Hause gewesen.«   “You don’t know how fond I was of that one,” Rawdon said, half-inarticulately. “Damme, I followed her like a footman. I gave up everything I had to her. I’m a beggar because I would marry her. By Jove, sir, I’ve pawned my own watch in order to get her anything she fancied; and she she’s been making a purse for herself all the time, and grudged me a hundred pound to get me out of quod.” He then fiercely and incoherently, and with an agitation under which his counsellor had never before seen him labour, told Macmurdo the circumstances of the story. His adviser caught at some stray hints in it. “She may be innocent, after all,” he said. “She says so. Steyne has been a hundred times alone with her in the house before.” »Schon möglich«, entgegnete Rawdon traurig, »aber das sieht nicht sehr nach Unschuld aus.« Und damit zeigte er dem Hauptmann die Tausendpfundnote, die er in Beckys Brieftasche gefunden hatte. »Das hat er ihr gegeben, Mac, und sie hat sie vor mir versteckt; und mit diesem Geld im Haus hat sie mir ihre Hilfe versagt, als ich eingesperrt war.« Der Hauptmann mußte zugeben, daß das Verheimlichen des Geldes sehr häßlich wirkte.   “It may be so,” Rawdon answered sadly, “but this don’t look very innocent”: and he showed the Captain the thousand-pound note which he had found in Becky’s pocket-book. “This is what he gave her, Mac, and she kep it unknown to me; and with this money in the house, she refused to stand by me when I was locked up.” The Captain could not but own that the secreting of the money had a very ugly look. Während sie sich noch berieten, schickte Rawdon Hauptmann Macmurdos Diener in die Curzon Street mit dem Auftrag an die Dienstboten, ihm einen Beutel mit Kleidungsstücken zu schicken, welche der Oberst notwendig brauchte. Als der Diener fort war, verfaßten Rawdon und sein Sekundant mit großer Mühe und unter Zuhilfenahme von Johnsons Wörterbuch, das ihnen sehr gute Dienste leistete, einen Brief, den der Hauptmann an Lord Steyne abschicken sollte. Hauptmann Macmurdo habe die Ehre, dem Marquis von Steyne in bezug auf Oberst Rawdon Crawley seine Aufwartung zu machen, und erlaube sich anzudeuten, daß er von dem Oberst bevollmächtigt sei, alle Vorkehrungen für die Begegnung zu treffen, auf die der Marquis zweifellos bestehen würde und die durch die Ereignisse des Morgens unvermeidlich geworden sei. Hauptmann Macmurdo bitte Lord Steyne höflich, einen Freund zu nennen, mit dem er (Hauptmann M.) sich ins Einvernehmen setzen könne, und er wünsche, daß das Treffen so bald wie möglich stattfinden möge.   Whilst they were engaged in their conference, Rawdon dispatched Captain Macmurdo’s servant to Curzon Street, with an order to the domestic there to give up a bag of clothes of which the Colonel had great need. And during the man’s absence, and with great labour and a Johnson’s Dictionary, which stood them in much stead, Rawdon and his second composed a letter, which the latter was to send to Lord Steyne. Captain Macmurdo had the honour of waiting upon the Marquis of Steyne, on the part of Colonel Rawdon Crawley, and begged to intimate that he was empowered by the Colonel to make any arrangements for the meeting which, he had no doubt, it was his Lordship’s intention to demand, and which the circumstances of the morning had rendered inevitable. Captain Macmurdo begged Lord Steyne, in the most polite manner, to appoint a friend, with whom he (Captain M.M.) might communicate, and desired that the meeting might take place with as little delay as possible. In einer Nachschrift stellte der Hauptmann fest, daß sich in seinem Besitz eine Banknote von sehr hohem Wert befinde, die, wie Oberst Crawley wohl mit Recht vermute, Eigentum von Lord Steyne sei, und im Auftrag des Obersten wünsche er sehr, dem Eigentümer die Note zurückzugeben.   In a postscript the Captain stated that he had in his possession a bank-note for a large amount, which Colonel Crawley had reason to suppose was the property of the Marquis of Steyne. And he was anxious, on the Colonel’s behalf, to give up the note to its owner. Als der Brief abgefaßt war, kehrte der Diener des Hauptmanns von seinem Botengang zum Hause von Oberst Crawley in der Curzon Street zurück, aber ohne Reisetasche und Beutel, die er doch hatte holen sollen, und mit sehr verdutztem Gesicht.   By the time this note was composed, the Captain’s servant returned from his mission to Colonel Crawley’s house in Curzon Street, but without the carpet-bag and portmanteau, for which he had been sent, and with a very puzzled and odd face. »Die wollen nichts rausgeben«, sagte der Mann. »Es ist ein ordentlicher Spektakel im Haus, und alles geht drunter und drüber. Der Hauswirt ist gekommen und hat alles beschlagnahmt. Die Bedienten saßen im Salon und tranken. Sie sagten – sie sagten, Sie wären mit dem Silber auf und davon, Oberst.« Nach einer Pause fuhr der Mann fort: »Einer von den Dienern ist schon weg, und Trotter, der Kammerdiener, der wirklich ziemlich laut und betrunken war, sagte, es soll ihm nichts aus dem Haus, bis er seinen Lohn hat.«   “They won’t give ’em up,” said the man; “there’s a regular shinty in the house, and everything at sixes and sevens. The landlord’s come in and took possession. The servants was a drinkin’ up in the drawingroom. They said — they said you had gone off with the plate, Colonel" — the man added after a pause — "One of the servants is off already. And Simpson, the man as was very noisy and drunk indeed, says nothing shall go out of the house until his wages is paid up.” Dieser Bericht von der kleinen Revolution in Mayfair verwunderte die beiden Offiziere höchlich und brachte etwas Heiterkeit in ihre sonst so traurige Unterhaltung. Sie lachten über Rawdons Mißerfolg.   The account of this little revolution in May Fair astonished and gave a little gaiety to an otherwise very triste conversation. The two officers laughed at Rawdon’s discomfiture. »Ich bin froh, daß der Kleine nicht zu Hause ist«, sagte Rawdon und kaute an den Nägeln. »Erinnerst du dich an ihn, in der Reitschule, Mac? Wie er sich auf dem ausschlagenden Pferd festhielt, weißt du noch?«   “I’m glad the little ’un isn’t at home,” Rawdon said, biting his nails. “You remember him, Mac, don’t you, in the Riding School? How he sat the kicker to be sure! didn’t he?” »Ja, ganz genau, alter Junge«, sagte der gutmütige Hauptmann.   “That he did, old boy,” said the good-natured Captain. Der kleine Rawdon saß gerade zu dieser Zeit unter fünfzig anderen Stiftsschülern in der Kapelle der Whitefriars-Schule; aber er dachte nicht an die Predigt, sondern daran, daß er nächsten Sonnabend nach Hause fahren dürfe und daß sein Vater ihm sicher Geld geben und ihn vielleicht auch mit ins Theater nehmen würde.   Little Rawdon was then sitting, one of fifty gown boys, in the Chapel of Whitefriars School, thinking, not about the sermon, but about going home next Saturday, when his father would certainly tip him and perhaps would take him to the play. »Er ist wirklich ein Prachtkerl, der Junge«, fuhr der Vater fort, der in Gedanken noch immer bei seinem Sohn war. »Hör mal, Mac, wenn es schiefgehen sollte – wenn ich nicht zurückkomme – möchte ich dich bitten – zu ihm zu gehen, weißt du, und ihm zu sagen, daß ich ihn sehr liebgehabt habe und so weiter. Und – zum Henker – alter Junge, gib ihm diese goldenen Manschettenknöpfe, es ist alles, was ich habe.« Er bedeckte das Gesicht mit den schwarzen Händen, und als die Tränen darüberrollten, zogen sie weiße Furchen. Mr. Macmurdo sah sich ebenfalls genötigt, seine seidene Nachtmütze abzunehmen und sich damit über die Augen zu fahren.   “He’s a regular trump, that boy,” the father went on, still musing about his son. “I say, Mac, if anything goes wrong — if I drop — I should like you to — to go and see him, you know, and say that I was very fond of him, and that. And — dash it — old chap, give him these gold sleeve-buttons: it’s all I’ve got.” He covered his face with his black hands, over which the tears rolled and made furrows of white. Mr. Macmurdo had also occasion to take off his silk night-cap and rub it across his eyes. »Geh hinunter und bestelle ein Frühstück«, befahl er seinem Bedienten mit lauter, munterer Stimme. »Was möchtest du, Crawley? Sagen wir, geröstete Nieren und einen Hering! Und, Clay, suche etwas zum Anziehen für den Oberst heraus. Wir sind immer ungefähr gleich groß gewesen, Rawdon, mein Junge, und keiner von uns beiden ist mehr so leicht zu Pferde wie damals, als wir in das Korps kamen.« Mit diesen Worten kehrte sich Macmurdo zur Wand, damit sich der Oberst umkleiden könne. Er setzte seine Lektüre in »Bell's Life« fort, bis sein Freund fertig war und er selbst sich umziehen konnte.   “Go down and order some breakfast,” he said to his man in a loud cheerful voice. “What’ll you have, Crawley? Some devilled kidneys and a herring — let’s say. And, Clay, lay out some dressing things for the Colonel: we were always pretty much of a size, Rawdon, my boy, and neither of us ride so light as we did when we first entered the corps.” With which, and leaving the Colonel to dress himself, Macmurdo turned round towards the wall, and resumed the perusal of Bell’s Life, until such time as his friend’s toilette was complete and he was at liberty to commence his own. Da der Hauptmann einem Lord begegnen sollte, machte er besonders sorgfältig Toilette, wichste seinen Schnurrbart, daß er glänzte, und legte eine enge Krawatte und eine hübsche Weste an. In der Messe, wohin ihm Crawley schon vorangegangen war, machten ihm alle jungen Offiziere wegen seines Aussehens beim Frühstück Komplimente und fragten, ob er an diesem Sonntag heiraten wolle.   This, as he was about to meet a lord, Captain Macmurdo performed with particular care. He waxed his mustachios into a state of brilliant polish and put on a tight cravat and a trim buff waistcoat, so that all the young officers in the mess-room, whither Crawley had preceded his friend, complimented Mac on his appearance at breakfast and asked if he was going to be married that Sunday. 55. Kapitel / Chapter 55 In dem dasselbe Thema fortgesetzt wird / In Which the Same Subject is Pursued Becky erholte sich von der dumpfen Verwirrung, in die die Ereignisse des vorigen Abends ihren sonst so unerschrockenen Geist gestürzt hatten, erst, als die Glocken der Kapelle in der Curzon Street zum Nachmittagsgottesdienst läuteten. Sie erhob sich von ihrem Bett und läutete ebenfalls – nach dem französischen Kammermädchen, das sie vor einigen Stunden verlassen hatte.   Becky did not rally from the state of stupor and confusion in which the events of the previous night had plunged her intrepid spirit until the bells of the Curzon Street Chapels were ringing for afternoon service, and rising from her bed she began to ply her own bell, in order to summon the French maid who had left her some hours before. Mrs. Rawdon Crawley klingelte viele Male, jedoch umsonst, und obgleich sie zuletzt mit solcher Gewalt an der Klingelschnur riß, daß sie sie in der Hand behielt, zeigte sich Mademoiselle Fifine nicht – auch nicht, als ihre Herrin im größten Zorn, die Klingelschnur in der Hand, mit wirrem Haar auf den Treppenabsatz herauskam und wiederholt nach ihrer Dienerin schrie.   Mrs. Rawdon Crawley rang many times in vain; and though, on the last occasion, she rang with such vehemence as to pull down the bell-rope, Mademoiselle Fifine did not make her appearance — no, not though her mistress, in a great pet, and with the bell-rope in her hand, came out to the landing-place with her hair over her shoulders and screamed out repeatedly for her attendant. Diese hatte nämlich das Haus schon vor mehreren Stunden verlassen und sich, wie man so sagt, französisch empfohlen. Nachdem Mademoiselle die Schmucksachen im Salon aufgelesen hatte, war sie in ihr eigenes Zimmer hinaufgestiegen und hatte ihre Koffer gepackt und verschnürt. Dann war sie hinausgetrippelt, hatte eine Droschke gerufen und ihr Gepäck eigenhändig hinuntergebracht, ohne jemanden von den anderen Dienstboten um Hilfe zu bitten. Die hätten sie ihr wahrscheinlich auch versagt, denn man haßte sie von Herzen. Ohne Abschiedsgruß hatte sie dann die Curzon Street verlassen.   The truth is, she had quitted the premises for many hours, and upon that permission which is called French leave among us After picking up the trinkets in the drawing-room, Mademoiselle had ascended to her own apartments, packed and corded her own boxes there, tripped out and called a cab for herself, brought down her trunks with her own hand, and without ever so much as asking the aid of any of the other servants, who would probably have refused it, as they hated her cordially, and without wishing any one of them good-bye, had made her exit from Curzon Street. Ihrer Ansicht nach war das Spiel in diesem kleinen Haushalt aus. Fifine fuhr in einer Droschke ab, wie das bekanntlich bedeutendere Persönlichkeiten ihrer Nation unter ähnlichen Umständen getan haben. Aber weitsichtiger oder glücklicher als diese, sicherte sie sich nicht nur ihr Eigentum, sondern auch einen Teil von dem ihrer Herrin (wenn man bei dieser Dame überhaupt davon sprechen konnte, daß ihr etwas gehörte). Sie nahm nicht nur die obenerwähnten Schmucksachen und ein paar Kleider mit, die ihr schon lange in die Augen gestochen hatten, sondern auch vier reichvergoldete Rokokoleuchter, sechs vergoldete Alben, Taschenbücher und andere illustrierte Werke; eine emaillierte Schnupftabakdose, die einst der Madame Dubarry gehört hatte, und das niedlichste kleine Schreibzeug mit einem Tintenlöscher aus Perlmutt, das Becky immer benutzt hatte, wenn sie ihre bezaubernden rosa Briefchen verfaßte, waren mit Mademoiselle Fifine aus dem Haus in der Curzon Street verschwunden. Auch das Silber, das den Tisch bei dem von Rawdon gestörten kleinen Festmahl geschmückt hatte, hatte sie mitgehen heißen. Das Geschirr war Mademoiselle wahrscheinlich zu platzraubend erschienen, und aus dem gleichen Grunde hatte sie zweifellos auch die Schüreisen, die Kaminspiegel und das Rosenholzklavier zurückgelassen.   The game, in her opinion, was over in that little domestic establishment. Fifine went off in a cab, as we have known more exalted persons of her nation to do under similar circumstances: but, more provident or lucky than these, she secured not only her own property, but some of her mistress’s (if indeed that lady could be said to have any property at all) — and not only carried off the trinkets before alluded to, and some favourite dresses on which she had long kept her eye, but four richly gilt Louis Quatorze candlesticks, six gilt albums, keepsakes, and Books of Beauty, a gold enamelled snuff-box which had once belonged to Madame du Barri, and the sweetest little inkstand and mother-of-pearl blotting book, which Becky used when she composed her charming little pink notes, had vanished from the premises in Curzon Street together with Mademoiselle Fifine, and all the silver laid on the table for the little festin which Rawdon interrupted. The plated ware Mademoiselle left behind her was too cumbrous, probably for which reason, no doubt, she also left the fire irons, the chimney-glasses, and the rosewood cottage piano. Eine Dame, die ihr sehr ähnelte, eröffnete später ein Modegeschäft in der Rue du Helder in Paris, wo sie sich größter Achtung erfreute und die Gönnerschaft von Lord Steyne genoß. Diese Person sprach von England stets als vom verräterischsten Land der Welt und erklärte ihren Lehrmädchen, die Bewohner dieser Insel hätten sie »affreusement volé«. Zweifellos veranlaßte nur das Mitleid mit ihrem Unglück den Marquis von Steyne, so gütig gegen Madame de Saint Amaranthe zu sein. Möge sie so glücklich werden, wie sie es verdient – auf unserem Teil des Jahrmarkts der Eitelkeit tritt sie nicht wieder auf.   A lady very like her subsequently kept a milliner’s shop in the Rue du Helder at Paris, where she lived with great credit and enjoyed the patronage of my Lord Steyne. This person always spoke of England as of the most treacherous country in the world, and stated to her young pupils that she had been affreusement vole by natives of that island. It was no doubt compassion for her misfortunes which induced the Marquis of Steyne to be so very kind to Madame de Saint-Amaranthe. May she flourish as she deserves — she appears no more in our quarter of Vanity Fair. Da Mrs. Crawley in den unteren Räumen Gewirr von Stimmen und Bewegung vernahm und empört war über die Unverschämtheit der Dienstboten, die ihrem Rufe nicht Folge leisteten, warf sie sich den Morgenrock über und stieg majestätisch in den Salon hinab, aus dem das Geräusch kam.   Hearing a buzz and a stir below, and indignant at the impudence of those servants who would not answer her summons, Mrs. Crawley flung her morning robe round her and descended majestically to the drawing-room, whence the noise proceeded. Da saß die Köchin mit geschwärztem Gesicht auf dem schönen Kattunsofa neben Mrs. Raggles und schenkte ihr Maraschino ein. Der Page mit den kegelförmigen Knöpfen, der immer Beckys rosa Briefchen ausgetragen hatte und so lebhaft um ihren kleinen Wagen herumgesprungen war, beschäftigte sich jetzt damit, seine Finger in eine Sahneschüssel zu stecken; der Lakai unterhielt sich mit Raggles, der bestürzt und kummervoll dastand. Aber obgleich die Tür offenstand und Rebekka in ein paar Meter Entfernung ein halbes dutzendmal geschrien hatte, war doch keiner der Dienstboten ihrem Ruf gefolgt. »Trinken Sie noch einen Tropfen, bitte, Mrs. Raggles«, sagte die Köchin gerade, als Becky im wehenden weißen Kaschmirmorgenrock eintrat.   The cook was there with blackened face, seated on the beautiful chintz sofa by the side of Mrs. Raggles, to whom she was administering Maraschino. The page with the sugar-loaf buttons, who carried about Becky’s pink notes, and jumped about her little carriage with such alacrity, was now engaged putting his fingers into a cream dish; the footman was talking to Raggles, who had a face full of perplexity and woe — and yet, though the door was open, and Becky had been screaming a half-dozen of times a few feet off, not one of her attendants had obeyed her call. “Have a little drop, do’ee now, Mrs. Raggles,” the cook was saying as Becky entered, the white cashmere dressing-gown flouncing around her. »Simpson, Trotter!« rief die Herrin des Hauses zornig. »Ihr wagt hierzubleiben, wenn ihr mich rufen hört! Ihr wagt es, in meiner Gegenwart zu sitzen! Wo ist mein Mädchen?« Der Page zog im ersten Schreck die Finger aus dem Mund, aber die Köchin nahm ein Glas Maraschino, da Mrs. Raggles nicht mehr wollte, und starrte Becky über das vergoldete Glas hinweg an, als sie es leerte. Der Likör schien der abscheulichen Rebellin Mut zu verleihen.   “Simpson! Trotter!” the mistress of the house cried in great wrath. “How dare you stay here when you heard me call? How dare you sit down in my presence? Where’s my maid?” The page withdrew his fingers from his mouth with a momentary terror, but the cook took off a glass of Maraschino, of which Mrs. Raggles had had enough, staring at Becky over the little gilt glass as she drained its contents. The liquor appeared to give the odious rebel courage. »Ihr Sofa! Das ist stark«, sagte die Köchin. »Ich sitze auf Mrs. Raggles' Sofa. Bleiben Sie ruhig, Mrs. Raggles. Ich sitze auf dem Sofa von Mr. und Mrs. Raggles, die es mit ehrlichem Geld gekauft und teuer bezahlt haben. Und ich glaube, wenn ich hier sitzen bleibe, bis ich meinen Lohn habe, so muß ich ganz schön lange warten, Mrs. Raggles. Ich bleibe aber sitzen, haha!« Mit diesen Worten goß sie sich noch ein Glas von dem Likör ein und trank es mit einer noch häßlicheren, höhnischeren Miene aus.   “ Your sofy, indeed!” Mrs. Cook said. “I’m a settin’ on Mrs. Raggles’s sofy. Don’t you stir, Mrs. Raggles, Mum. I’m a settin’ on Mr. and Mrs. Raggles’s sofy, which they bought with honest money, and very dear it cost ‘em, too. And I’m thinkin’ if I set here until I’m paid my wages, I shall set a precious long time, Mrs. Raggles; and set I will, too — ha! ha!” and with this she filled herself another glass of the liquor and drank it with a more hideously satirical air. »Trotter, Simpson! Werft die betrunkene Dirne hinaus«, kreischte Mrs. Crawley.   “Trotter! Simpson! turn that drunken wretch out,” screamed Mrs. Crawley. »Ich tue es nicht«, sagte Trotter, der Lakai. »Machen Sie selbst, daß Sie wegkommen. Bezahlen Sie uns den Lohn, und dann können Sie mich auch hinauswerfen. Wir werden schnell genug gehen.«   “I shawn’t,” said Trotter the footman; “turn out yourself. Pay our selleries, and turn me out too. We’ll go fast enough.” »Seid ihr alle hier, um mich zu beleidigen?« rief Becky wütend. »Wenn Oberst Crawley nach Hause kommt, werde ich...«   “Are you all here to insult me?” cried Becky in a fury; “when Colonel Crawley comes home I’ll — ” Bei diesen Worten brachen die Dienstboten in ein rauhes Gelächter aus, in das jedoch Mr. Raggles, der noch immer ein sehr trauriges Gesicht machte, nicht einstimmte. »Er kommt nicht zurück«, fuhr Mr. Trotter fort, »er hat nach seinen Sachen geschickt, aber ich wollte sie nicht rausrücken, wenn auch Mr. Raggles wollte. Ich glaube, der ist ebensowenig ein Oberst wie ich. Er ist weg, und ich denke, Sie werden ihm schon hinterhergehen. Sie sind nichts anderes als Schwindler, alle beide. Sie können mich nicht einschüchtern. Ich lasse es mir nicht gefallen. Zahlen Sie uns unseren Lohn, hören Sie! Zahlen Sie uns den Lohn!« Nach Mr. Trotters rotem Gesicht und seiner undeutlichen Redeweise zu urteilen, hatte auch er Zuflucht zu alkoholischen Reizmitteln genommen.   At this the servants burst into a horse haw-haw, in which, however, Raggles, who still kept a most melancholy countenance, did not join. “He ain’t a coming back,” Mr. Trotter resumed. “He sent for his things, and I wouldn’t let ’em go, although Mr. Raggles would; and I don’t b’lieve he’s no more a Colonel than I am. He’s hoff, and I suppose you’re a goin’ after him. You’re no better than swindlers, both on you. Don’t be a bullyin’ me . I won’t stand it. Pay us our selleries, I say. Pay us our selleries.” It was evident, from Mr. Trotter’s flushed countenance and defective intonation, that he, too, had had recourse to vinous stimulus. »Mr. Raggles«, sagte Becky etwas beunruhigt, »Sie werden doch hoffentlich nicht zulassen, daß mich dieser betrunkene Mensch beleidigt?« »Halt 's Maul jetzt, Trotter«, sagte Simpson, der Page. Die bedauernswerte Lage seiner Herrin hatte ihn gerührt, und es gelang ihm, zu verhindern, daß der Lakai die Bezeichnung »betrunken« mit Gewalttätigkeiten von sich abwies.   “Mr. Raggles,” said Becky in a passion of vexation, “you will not surely let me be insulted by that drunken man?” “Hold your noise, Trotter; do now,” said Simpson the page. He was affected by his mistress’s deplorable situation, and succeeded in preventing an outrageous denial of the epithet “drunken” on the footman’s part. »O Madame«, sagte Raggles, »ich hätte nie geglaubt, daß ich diesen Tag erleben würde. Ich kenne die Familie Crawley, seit ich auf der Welt bin. Dreißig Jahre lang war ich Butler bei Miss Crawley und hätte nie gedacht, daß mich einer aus dieser Familie einmal ruinieren würde  – ja, ruinieren«, sagte der arme Mann mit Tränen in den Augen. »Werden Sie Ihre Schulden bei mir bezahlen? Sie haben vier Jahre lang in diesem Haus gewohnt; meine ganze Habe, mein Silber und meine Wäsche haben Sie benutzt. Für Milch und Butter sind Sie mir zweihundert Pfund schuldig; Sie mußten ja unbedingt frische Eier für Ihre Omeletts und Sahne für Ihren Schoßhund haben.«   “Oh, M’am,” said Raggles, “I never thought to live to see this year day: I’ve known the Crawley family ever since I was born. I lived butler with Miss Crawley for thirty years; and I little thought one of that family was a goin’ to ruing me — yes, ruing me" — said the poor fellow with tears in his eyes. “Har you a goin’ to pay me? You’ve lived in this ’ouse four year. You’ve ’ad my substance: my plate and linning. You ho me a milk and butter bill of two ’undred pound, you must ’ave noo laid heggs for your homlets, and cream for your spanil dog.” »Was ihr eigenes Fleisch und Blut bekam – darum hat sie sich nicht gekümmert«, fiel die Köchin ein. »Oft wäre er beinahe verhungert, wenn ich nicht gewesen wäre.«   “She didn’t care what her own flesh and blood had,” interposed the cook. “Many’s the time, he’d have starved but for me.” »Er ist jetzt in einer Waisenschule, Köchin«, sagte Mr. Trotter mit einem trunkenen Lachen. Der ehrliche Raggles fuhr mit kläglichem Ton fort, seine Kümmernisse aufzuzählen. Alles, was er sagte, entsprach den Tatsachen. Becky und ihr Mann hatten ihn ruiniert. Er sollte nächste Woche Rechnungen bezahlen und wußte nicht, womit. Er würde völlig gepfändet und aus Laden und Haus gejagt werden, weil er der Familie Crawley vertraut hatte. Seine Tränen und Klagen verdrossen Becky nur noch mehr.   “He’s a charaty-boy now, Cooky,” said Mr. Trotter, with a drunken “ha! ha!" — and honest Raggles continued, in a lamentable tone, an enumeration of his griefs. All he said was true. Becky and her husband had ruined him. He had bills coming due next week and no means to meet them. He would be sold up and turned out of his shop and his house, because he had trusted to the Crawley family. His tears and lamentations made Becky more peevish than ever. »Ihr scheint alle gegen mich zu sein«, sagte sie bitter. »Was wollt ihr. An einem Sonntag kann ich euch sowieso nicht bezahlen. Kommt morgen, und ihr werdet euer Geld bekommen. Ich dachte, Oberst Crawley hätte mit euch abgerechnet. Morgen wird er es tun. Ich erkläre euch bei meiner Ehre, daß er heute morgen mit fünfzehnhundert Pfund in der Brieftasche aus dem Haus gegangen ist. Er hat mir nichts zurückgelassen. Wendet euch an ihn. Reicht mir Hut und Schal und laßt mich hinaus. Ich will zu ihm. Wir hatten heute früh einen kleinen Streit. Anscheinend wißt ihr es schon. Ich verspreche euch auf mein Wort, daß ihr alle euer Geld bekommen sollt. Er hat eine gute Stellung erhalten. Laßt mich gehen, damit ich ihn aufsuchen kann.«   “You all seem to be against me,” she said bitterly. “What do you want? I can’t pay you on Sunday. Come back to-morrow and I’ll pay you everything. I thought Colonel Crawley had settled with you. He will to-morrow. I declare to you upon my honour that he left home this morning with fifteen hundred pounds in his pocket-book. He has left me nothing. Apply to him. Give me a bonnet and shawl and let me go out and find him. There was a difference between us this morning. You all seem to know it. I promise you upon my word that you shall all be paid. He has got a good appointment. Let me go out and find him.” Bei diesen kühnen Worten blickten Raggles und die übrigen Anwesenden sich in wildem Erstaunen an, und so verließ sie Rebekka; sie ging hinauf und kleidete sich an, diesmal ohne die Hilfe ihrer französischen Zofe. Sie ging in Rawdons Zimmer und sah, daß sein Koffer und seine Tasche fertig gepackt zum Abholen bereitstanden. Auf der Adresse war mit Bleistift vermerkt, daß sie auf Anforderung ausgeliefert werden sollten. Dann begab sie sich in die Dachkammer der Französin, dort aber war alles leergefegt und die Schubladen ausgeräumt. Sie dachte an die Schmucksachen, die auf dem Fußboden herumgelegen hatten, und sie war sicher, daß das Frauenzimmer geflohen war. Gütiger Himmel, hat man je so ein Unglück erlebt wie meins? sagte sie sich. So nahe am Ziel zu sein und alles zu verlieren? Ist es nun zu spät? Nein! Es gab noch eine Möglichkeit.   This audacious statement caused Raggles and the other personages present to look at one another with a wild surprise, and with it Rebecca left them. She went upstairs and dressed herself this time without the aid of her French maid. She went into Rawdon’s room, and there saw that a trunk and bag were packed ready for removal, with a pencil direction that they should be given when called for; then she went into the Frenchwoman’s garret; everything was clean, and all the drawers emptied there. She bethought herself of the trinkets which had been left on the ground and felt certain that the woman had fled. “Good Heavens! was ever such ill luck as mine?” she said; “to be so near, and to lose all. Is it all too late?” No; there was one chance more. Sie kleidete sich an und ging aus, diesmal unbelästigt, aber allein. Es war vier Uhr. Sie eilte durch die Straßen (Geld für einen Wagen hatte sie ja nicht) und blieb erst stehen, als sie die Tür von Sir Pitt Crawley in der Great Gaunt Street erreicht hatte. Wo war Lady Jane Crawley? Sie war in der Kirche. Becky war darüber nicht traurig. Sir Pitt saß in seinem Studierzimmer und hatte Befehl gegeben, ihn nicht zu stören. Sie mußte ihn aber sprechen. Sie schlüpfte an dem Wachtposten in Livree vorbei und war schon in Sir Pitts Zimmer, noch ehe der erstaunte Baronet auch nur die Zeitung niedergelegt hatte.   She dressed herself and went away unmolested this time, but alone. It was four o’clock. She went swiftly down the streets (she had no money to pay for a carriage), and never stopped until she came to Sir Pitt Crawley’s door, in Great Gaunt Street. Where was Lady Jane Crawley? She was at church. Becky was not sorry. Sir Pitt was in his study, and had given orders not to be disturbed — she must see him — she slipped by the sentinel in livery at once, and was in Sir Pitt’s room before the astonished Baronet had even laid down the paper. Er wurde rot und fuhr mit erschrockenem und entsetztem Blick vor ihr zurück.   He turned red and started back from her with a look of great alarm and horror. »Sehen Sie mich nicht so an«, sagte sie, »ich bin unschuldig, Pitt, lieber Pitt. Sie sind einst mein Freund gewesen. Bei Gott, ich bin unschuldig. Der Schein und alle Umstände sprechen gegen mich! Ach, gerade in dem Augenblick, als alle meine Hoffnungen sich erfüllen sollten, als uns das Glück winkte.«   “Do not look so,” she said. “I am not guilty, Pitt, dear Pitt; you were my friend once. Before God, I am not guilty. I seem so. Everything is against me. And oh! at such a moment! just when all my hopes were about to be realized: just when happiness was in store for us.” »So ist es wahr, was in der Zeitung steht?« fragte Sir Pitt. Ein Absatz darin hatte ihn sehr überrascht.   “Is this true, what I see in the paper then?” Sir Pitt said — a paragraph in which had greatly surprised him. »Es ist wahr. Lord Steyne hat es mir am Freitagabend, dem Abend des verhängnisvollen Balles, erzählt. Seit einem halben Jahr hat man ihm eine Anstellung versprochen. Mr. Martyr, der Kolonialminister, erzählte ihm nun gestern, die Sache gehe jetzt in Ordnung. Es folgten dann die unglückselige Verhaftung und die entsetzliche Begegnung. Meine einzige Schuld ist, daß ich mich zu sehr für Rawdons Interessen eingesetzt habe. Ich hatte Lord Steyne aber schon hundertmal vorher allein empfangen. Daß ich Geld hatte, von dem Rawdon nichts wußte, gebe ich zu. Sie wissen ja selbst, wie sorglos er damit umgeht. Konnte ich es ihm also anvertrauen?« In dieser Art fuhr sie fort, ihrem verblüfften Verwandten eine schön zusammenhängende Geschichte zu erzählen.   “It is true. Lord Steyne told me on Friday night, the night of that fatal ball. He has been promised an appointment any time these six months. Mr. Martyr, the Colonial Secretary, told him yesterday that it was made out. That unlucky arrest ensued; that horrible meeting. I was only guilty of too much devotedness to Rawdon’s service. I have received Lord Steyne alone a hundred times before. I confess I had money of which Rawdon knew nothing. Don’t you know how careless he is of it, and could I dare to confide it to him?” And so she went on with a perfectly connected story, which she poured into the ears of her perplexed kinsman. Folgendes kam dabei heraus: Becky gestand freimütig, wenn auch sehr zerknirscht, sie habe Lord Steynes Zuneigung für sie bemerkt (bei diesen Worten errötete Pitt), und da sie ihrer Tugend sicher gewesen sei, so hätte sie beschlossen, die Ergebenheit des hohen Herrn zu ihrem und ihrer Familie Vorteil zu nutzen. »Ich hoffte auf die Peerswürde für Sie, Pitt«, sagte sie (der Schwager errötete wieder). »Wir haben schon davon gesprochen. Ihre Talente und Lord Steynes Einfluß machten es mehr als wahrscheinlich, hätte nicht dieses entsetzliche Unglück allen unseren Hoffnungen ein Ende bereitet. Ich gestehe aber, daß es in erster Linie meine Absicht war, meinen teuren Gatten zu befreien – ihn, den ich immer noch liebe, obwohl er mir mißtraut und mich schlecht behandelt hat. Ich wollte ihn vor der Armut und dem drohenden Untergang retten. Ich bemerkte Lord Steynes Zuneigung für mich«, sagte sie und schlug die Augen nieder. »Ich gestehe, daß ich alles in meinen Kräften Stehende tat, ihm zu gefallen und mir, soweit das eine ehrliche Frau vermag, seine – seine Achtung zu erhalten. Erst am Freitag früh kam die Nachricht vom Tode des Gouverneurs von Coventry Island, und der Marquis sicherte die Stelle sofort meinem lieben Mann. Er wollte ihm damit eine Überraschung bereiten; er sollte es nämlich heute in der Zeitung lesen. Selbst nach dieser entsetzlichen Verhaftung – Lord Steyne wollte großzügigerweise alle Kosten tragen, so daß ich gewissermaßen verhindert war, meinem Mann zu Hilfe zu eilen – lachte der Marquis mit mir darüber und sagte, mein liebster Rawdon würde sich schon trösten, wenn er in diesem schrecklichen Schuldgef..., im Hause des Gerichtsdieners von seiner Ernennung lesen würde. Und dann – dann ging er heim. Sein Verdacht war geweckt – es kam zu der grauenhaften Szene zwischen dem Marquis und meinem bösen, bösen Rawdon – o mein Gott! Was wird bloß geschehen? Pitt, lieber Pitt, haben Sie Mitleid mit mir und helfen Sie, daß wir uns wieder versöhnen!« Mit diesen Worten warf sie sich auf die Knie, ergriff Pitts Hand unter Tränen und küßte sie leidenschaftlich.   It was to the following effect. Becky owned, and with prefect frankness, but deep contrition, that having remarked Lord Steyne’s partiality for her (at the mention of which Pitt blushed), and being secure of her own virtue, she had determined to turn the great peer’s attachment to the advantage of herself and her family. “I looked for a peerage for you, Pitt,” she said (the brother-in-law again turned red). “We have talked about it. Your genius and Lord Steyne’s interest made it more than probable, had not this dreadful calamity come to put an end to all our hopes. But, first, I own that it was my object to rescue my dear husband — him whom I love in spite of all his ill usage and suspicions of me — to remove him from the poverty and ruin which was impending over us. I saw Lord Steyne’s partiality for me,” she said, casting down her eyes. “I own that I did everything in my power to make myself pleasing to him, and as far as an honest woman may, to secure his — his esteem. It was only on Friday morning that the news arrived of the death of the Governor of Coventry Island, and my Lord instantly secured the appointment for my dear husband. It was intended as a surprise for him — he was to see it in the papers to-day. Even after that horrid arrest took place (the expenses of which Lord Steyne generously said he would settle, so that I was in a manner prevented from coming to my husband’s assistance), my Lord was laughing with me, and saying that my dearest Rawdon would be consoled when he read of his appointment in the paper, in that shocking spun — bailiff’s house. And then — then he came home. His suspicions were excited, — the dreadful scene took place between my Lord and my cruel, cruel Rawdon — and, O my God, what will happen next? Pitt, dear Pitt! pity me, and reconcile us!” And as she spoke she flung herself down on her knees, and bursting into tears, seized hold of Pitt’s hand, which she kissed passionately. In dieser Stellung fand Lady Jane den Baronet und die Schwägerin. Nach der Rückkehr aus der Kirche hatte sie erfahren, daß Mrs. Rawdon Crawley im Zimmer ihres Mannes sei, und sie war unverzüglich hineingeeilt.   It was in this very attitude that Lady Jane, who, returning from church, ran to her husband’s room directly she heard Mrs. Rawdon Crawley was closeted there, found the Baronet and his sister-in-law. »Ich bin überrascht, daß das Weib noch die Frechheit besitzt, dieses Haus zu betreten«, sagte Lady Jane, blaß und an allen Gliedern zitternd. Sie hatte sogleich nach dem Frühstück ihre Zofe geschickt, um Erkundigungen einzuziehen, und das Mädchen hatte sich mit Raggles und Rawdon Crawleys Dienerschaft in Verbindung gesetzt und von ihnen alles und noch bedeutend mehr über diese und viele andere Geschichten erfahren. »Wie kann Mrs. Crawley es wagen, das Haus einer – einer ehrbaren Familie zu betreten?«   “I am surprised that woman has the audacity to enter this house,” Lady Jane said, trembling in every limb and turning quite pale. (Her Ladyship had sent out her maid directly after breakfast, who had communicated with Raggles and Rawdon Crawley’s household, who had told her all, and a great deal more than they knew, of that story, and many others besides). “How dare Mrs. Crawley to enter the house of — of an honest family?” Sir Pitt fuhr zurück, erstaunt darüber, mit welchem Nachdruck seine Frau diese Worte hervorstieß. Becky lag noch immer auf den Knien und klammerte sich an Sir Pitts Hand.   Sir Pitt started back, amazed at his wife’s display of vigour. Becky still kept her kneeling posture and clung to Sir Pitt’s hand. »Sagen Sie ihr, daß sie nicht alles weiß. Sagen Sie ihr, daß ich unschuldig bin, lieber Pitt«, wimmerte sie.   “Tell her that she does not know all: Tell her that I am innocent, dear Pitt,” she whimpered out. »Auf mein Wort, Liebes, ich glaube, du tust Mrs. Crawley unrecht«, meinte Sir Pitt, und Rebekka atmete erleichtert auf. »Ich glaube wirklich, sie ist...«   “Upon-my word, my love, I think you do Mrs. Crawley injustice,” Sir Pitt said; at which speech Rebecca was vastly relieved. “Indeed I believe her to be — ” »Ist was?« rief Lady Jane mit klarer, durchdringender Stimme, und sie verspürte, wie ihr Herz klopfte. »Sie ist ein schlechtes Weib, eine herzlose Mutter, eine treulose Ehefrau. Sie hat ihren kleinen Jungen nie geliebt. Wie oft ist er zu mir geflohen und hat mir erzählt, wie grausam sie ihn behandelt hat. Niemals ist sie in eine Familie gekommen, ohne zu versuchen, Unglück hineinzubringen und mit ihren bösartigen Schmeicheleien und Lügen die heiligsten Gefühle zu zerstören. Sie hat ihren Mann getäuscht und alle anderen auch. Ihre Seele ist schwarz von Eitelkeit, Weltlichkeit und Verbrechen aller Art. Ich zittere, wenn ich sie anrühre. Meine Kinder halte ich ihren Blicken fern...«   “To be what?” cried out Lady Jane, her clear voice thrilling and, her heart beating violently as she spoke. “To be a wicked woman — a heartless mother, a false wife? She never loved her dear little boy, who used to fly here and tell me of her cruelty to him. She never came into a family but she strove to bring misery with her and to weaken the most sacred affections with her wicked flattery and falsehoods. She has deceived her husband, as she has deceived everybody; her soul is black with vanity, worldliness, and all sorts of crime. I tremble when I touch her. I keep my children out of her sight. »Lady Jane«, rief Sir Pitt aufspringend, »was sind das für Reden ...« »Ich bin dir stets eine aufrichtige, treue Frau gewesen, Sir Pitt«, fuhr Lady Jane unerschrocken fort. »Ich habe mein Ehegelübde, das ich vor Gott ablegte, gehalten und bin gehorsam und sanft gewesen, wie es der Frau zukommt. Aber dieser Gehorsam hat seine Grenzen, und ich erkläre, daß ich diese – diese Frau nicht unter meinem Dach dulden will. Wenn sie dies Haus noch einmal betritt, werde ich es mit meinen Kindern verlassen. Sie ist nicht wert, mit Christen an einem Tisch zu sitzen. Du – du mußt wählen zwischen ihr und mir.« Mit diesen Worten rauschte Lady Jane, überwältigt von ihrer eigenen Kühnheit, aus dem Zimmer und ließ Rebekka und Sir Pitt nicht wenig erstaunt zurück.   “Lady Jane!” cried Sir Pitt, starting up, “this is really language — " “I have been a true and faithful wife to you, Sir Pitt,” Lady Jane continued, intrepidly; “I have kept my marriage vow as I made it to God and have been obedient and gentle as a wife should. But righteous obedience has its limits, and I declare that I will not bear that — that woman again under my roof; if she enters it, I and my children will leave it. She is not worthy to sit down with Christian people. You — you must choose, sir, between her and me”; and with this my Lady swept out of the room, fluttering with her own audacity, and leaving Rebecca and Sir Pitt not a little astonished at it. Becky war nicht verletzt, im Gegenteil, sie freute sich. »Es war das Diamantschloß, das Sie mir geschenkt haben«, sagte sie zu Sir Pitt, als sie ihm die Hand reichte. Noch ehe sie ihn verließ (Lady Jane erwartete den Augenblick am Fenster ihres Ankleidezimmers im oberen Stock), hatte ihr der Baronet versprochen, seinen Bruder aufzusuchen und eine Versöhnung zu bewirken.   As for Becky, she was not hurt; nay, she was pleased. “It was the diamond-clasp you gave me,” she said to Sir Pitt, reaching him out her hand; and before she left him (for which event you may be sure my Lady Jane was looking out from her dressing-room window in the upper story) the Baronet had promised to go and seek out his brother, and endeavour to bring about a reconciliation. Rawdon fand einige der jungen Regimentsoffiziere beim Frühstück und ließ sich schnell überreden, daran Anteil zu nehmen und sich, wie die jungen Herren, mit gebratener Geflügelkeule und Sodawasser zu stärken. Dann unterhielten sie sich der Zeit und ihrem Alter entsprechend: über das nächste Taubenschießen in Battersea; über Mademoiselle Ariane von der Französischen Oper und wer sie gerade verlassen hatte und daß sie sich mit Panther Carr getröstet habe; und über den Kampf zwischen dem Schlächter und dem Liebling und daß es wahrscheinlich ein abgekartetes Spiel gewesen sei, und man wettete für und gegen Ross und Osbaldiston. Der junge Tandyman, ein Held von siebzehn Jahren, der sich eifrig bemühte, einen Schnurrbart wachsen zu lassen, hatte das Treffen gesehen und äußerte sich sehr sachverständig über den Kampf und die Kondition der beiden Kämpfer. Er hatte den Schlächter in seiner eigenen Kutsche zum Austragungsort gefahren und die ganze Nacht vorher mit ihm verbracht. Wenn der Kampf fair verlaufen wäre, hätte er gewinnen müssen. Alle alten Gauner vom Ring hingen mit drin, und er werde nicht zahlen. Nein, zum Henker, er werde nicht zahlen. – Noch vor einem Jahr hatte der junge Fähnrich, der jetzt im Gastzimmer von »Cribbs Wappen« ein so erfahrener Bursche schien, an Zuckerstangen gelutscht und in Eton die Rute erhalten.   Rawdon found some of the young fellows of the regiment seated in the mess-room at breakfast, and was induced without much difficulty to partake of that meal, and of the devilled legs of fowls and soda-water with which these young gentlemen fortified themselves. Then they had a conversation befitting the day and their time of life: about the next pigeon-match at Battersea, with relative bets upon Ross and Osbaldiston; about Mademoiselle Ariane of the French Opera, and who had left her, and how she was consoled by Panther Carr; and about the fight between the Butcher and the Pet, and the probabilities that it was a cross. Young Tandyman, a hero of seventeen, laboriously endeavouring to get up a pair of mustachios, had seen the fight, and spoke in the most scientific manner about the battle and the condition of the men. It was he who had driven the Butcher on to the ground in his drag and passed the whole of the previous night with him. Had there not been foul play he must have won it. All the old files of the Ring were in it; and Tandyman wouldn’t pay; no, dammy, he wouldn’t pay. It was but a year since the young Cornet, now so knowing a hand in Cribb’s parlour, had a still lingering liking for toffy, and used to be birched at Eton. So plauderten sie weiter über Tänzerinnen, Boxkämpfe, Trinkgelage und leichte Mädchen, bis Macmurdo herunterkam und sich der Unterhaltung der jungen Leute anschloß. Er schien nicht zu glauben, daß man besondere Rücksicht auf ihre Jugend nehmen müsse. Der alte Bursche erzählte ebenso erlesene Geschichten, wie es die anwesenden jungen Wüstlinge taten, und weder seine eigenen grauen Haare noch ihre bartlosen Gesichter hielten ihn davon ab. Der alte Mac war berühmt wegen seiner guten Geschichten. Er war kein ausgesprochener Typ für Damengesellschaft, das heißt, die Männer luden ihn lieber zum Essen bei ihren Geliebten als bei ihren Müttern ein. Bescheidener zu leben als er war wohl kaum möglich, er war jedoch ganz und gar zufrieden und lebte guten Mutes einfach und anspruchslos dahin.   So they went on talking about dancers, fights, drinking, demireps, until Macmurdo came down and joined the boys and the conversation. He did not appear to think that any especial reverence was due to their boyhood; the old fellow cut in with stories, to the full as choice as any the youngest rake present had to tell — nor did his own grey hairs nor their smooth faces detain him. Old Mac was famous for his good stories. He was not exactly a lady’s man; that is, men asked him to dine rather at the houses of their mistresses than of their mothers. There can scarcely be a life lower, perhaps, than his, but he was quite contented with it, such as it was, and led it in perfect good nature, simplicity, and modesty of demeanour. Als Mac sein reichliches Frühstück verzehrt hatte, waren auch die meisten anderen fertig. Der junge Lord Varinas rauchte eine riesige Meerschaumpfeife, während Hauptmann Hugues sich mit einer Zigarre abgab. Der verteufelte kleine Tandyman, seinen Terrier zwischen den Beinen, warf mit Hauptmann Deuceace »Kopf oder Zahl« um Shillings (der Bursche war stets mit irgendeinem Spiel beschäftigt). Mac und Rawdon begaben sich zum Klub, natürlich ohne anzudeuten, was sie im Herzen bewegte. Im Gegenteil – beide hatten sich lebhaft an der Unterhaltung beteiligt, denn warum hätten sie das Gespräch auch unterbrechen sollen? Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit vertragen sich Essen, Trinken, Zoten reißen und Lachen mit allen anderen Dingen prächtig. Die Menge strömte gerade aus den Kirchen, als Rawdon und sein Freund durch die St. James Street gingen und ihren Klub betraten.   By the time Mac had finished a copious breakfast, most of the others had concluded their meal. Young Lord Varinas was smoking an immense Meerschaum pipe, while Captain Hugues was employed with a cigar: that violent little devil Tandyman, with his little bull-terrier between his legs, was tossing for shillings with all his might (that fellow was always at some game or other) against Captain Deuceace; and Mac and Rawdon walked off to the Club, neither, of course, having given any hint of the business which was occupying their minds. Both, on the other hand, had joined pretty gaily in the conversation, for why should they interrupt it? Feasting, drinking, ribaldry, laughter, go on alongside of all sorts of other occupations in Vanity Fair — the crowds were pouring out of church as Rawdon and his friend passed down St. James’s Street and entered into their Club. Die alten Stutzer und Stammgäste, die gewöhnlich an dem großen Straßenfenster des Klubs standen und Maulaffen feilhielten, waren noch nicht auf ihrem Posten erschienen. Das Zeitungszimmer war fast leer. Ein Mann, den Rawdon nicht kannte, war da, dann ein anderer, dem er eine Kleinigkeit vom Whist her schuldig war und dem er folglich nicht gern begegnen wollte, und ein dritter, der am Tisch saß und im »Royalist« las (ein wegen seiner Skandalsucht und Anhänglichkeit an Kirche und König berühmtes Wochenblatt). Er blickte sichtlich interessiert zu Crawley auf und sagte: »Crawley, ich gratuliere Ihnen.«   The old bucks and habitues, who ordinarily stand gaping and grinning out of the great front window of the Club, had not arrived at their posts as yet — the newspaper-room was almost empty. One man was present whom Rawdon did not know; another to whom he owed a little score for whist, and whom, in consequence, he did not care to meet; a third was reading the Royalist (a periodical famous for its scandal and its attachment to Church and King) Sunday paper at the table, and looking up at Crawley with some interest, said, “Crawley, I congratulate you.” »Was meinen Sie?« fragte der Oberst.   “What do you mean?” said the Colonel. »Es steht im ›Observer‹ und auch im ›Royalist‹«, erklärte Mr. Smith.   “It’s in the Observer and the Royalist too,” said Mr. Smith. »Was?« rief Rawdon und wurde sehr rot. Er glaubte, daß die Affäre mit Lord Steyne bereits in der Zeitung stünde. Smith lächelte verwundert, als der Oberst, vor Aufregung zitternd, nach dem Blatt griff und zu lesen begann.   “What?” Rawdon cried, turning very red. He thought that the affair with Lord Steyne was already in the public prints. Smith looked up wondering and smiling at the agitation which the Colonel exhibited as he took up the paper and, trembling, began to read. Mr. Smith und Mr. Brown (der Herr, bei dem Rawdon noch die Whistschulden begleichen mußte) hatten vor Rawdons Eintritt gerade über den Oberst gesprochen.   Mr. Smith and Mr. Brown (the gentleman with .whom Rawdon had the outstanding whist account) had been talking about the Colonel just before he came in. »Das kam wie gerufen«, bemerkte Smith. »Ich glaube, Crawley hatte keinen Shilling mehr.«   “It is come just in the nick of time,” said Smith. “I suppose Crawley had not a shilling in the world.” »Das ist ein Wind, der jedem etwas Gutes zuweht«, meinte Mr. Brown. »Er kann nicht fortgehen, ohne mir die fünfundzwanzig Pfund zu zahlen, die er mir schuldig ist.«   “It’s a wind that blows everybody good,” Mr. Brown said. “He can’t go away without paying me a pony he owes me.” »Wie hoch ist das Gehalt?« fragte Mr. Smith.   “What’s the salary?” asked Smith. »Zwei- bis dreitausend!« erwiderte der andere. »Das Klima ist aber so höllisch, daß sie sich nicht lange an dem Geld erfreuen. Liverseege ist nach anderthalb Jahren gestorben und sein Vorgänger, wie es heißt, schon nach sechs Wochen.«   “Two or three thousand,” answered the other. “But the climate’s so infernal, they don’t enjoy it long. Liverseege died after eighteen months of it, and the man before went off in six weeks, I hear.” »Sein Bruder soll ein sehr gescheiter Kerl sein.« »Ich fand ihn immer verdammt langweilig«, rief Brown. »Aber er muß doch immerhin Einfluß haben, er hat doch wohl dem Oberst die Stelle verschafft.«   “Some people say his brother is a very clever man. I always found him a d — - bore,” Smith ejaculated. “He must have good interest, though. He must have got the Colonel the place.” »Der!« sagte Brown höhnisch. »Pah! Von Lord Steyne hat er sie.«   “He!” said Brown. with a sneer. “Pooh. It was Lord Steyne got it. »Wie meinen Sie das?«   “How do you mean?” »Eine tugendhafte Frau ist die Krone des Mannes«, antwortete der andere rätselhaft und wandte sich wieder seiner Zeitung zu.   “A virtuous woman is a crown to her husband,” answered the other enigmatically, and went to read his papers. Rawdon las nun selbst im »Royalist« den folgenden erstaunlichen Abschnitt:   Rawdon, for his part, read in the Royalist the following astonishing paragraph: Gouverneursstelle auf Coventry Island. – I. M. Schiff »Gelbfieber«, Kapitän Jounders, ist mit Briefen und Zeitungen von Coventry Island eingelaufen. Seine Exzellenz Sir Thomas Liverseege ist dem in Sumpfstadt herrschenden Fieber zum Opfer gefallen. Er hinterläßt in der blühenden Kolonie eine fühlbare Lücke. Die Gouverneursstelle soll Oberst Rawdon Crawley, Träger des Bath-Ordens, einem hervorragenden Waterlookämpfer, angeboten worden sein. Wir brauchen nicht nur Männer von anerkannter Tapferkeit, sondern auch Leute, die fähig sind, unsere Kolonien zu verwalten. Zweifellos ist der vom Kolonialministerium erwählte Gentleman, der die bedauernswerte Vakanz auf Coventry Island ausfüllen soll, für diesen Posten vortrefflich geeignet.«   Governorship of Coventry island . — H.M.S. Yellowjack, Commander Jaunders, has brought letters and papers from Coventry Island. H. E. Sir Thomas Liverseege had fallen a victim to the prevailing fever at Swampton. His loss is deeply felt in the flourishing colony. We hear that the Governorship has been offered to Colonel Rawdon Crawley, C.B., a distinguished Waterloo officer. We need not only men of acknowledged bravery, but men of administrative talents to superintend the affairs of our colonies, and we have no doubt that the gentleman selected by the Colonial Office to fill the lamented vacancy which has occurred at Coventry Island is admirably calculated for the post which he is about to occupy.” »Coventry Island! Wo liegt denn das? Wer hat dich bloß zum Gouverneur ernannt? Du mußt mich als Sekretär mitnehmen, alter Junge«, sagte Hauptmann Macmurdo lachend. Während Crawley und sein Freund noch staunend und verwirrt vor der Ankündigung saßen, brachte der Klubkellner dem Oberst eine Karte mit dem Namen Wenham. Dieser bat, Oberst Crawley sprechen zu können.   “Coventry Island! Where was it? Who had appointed him to the government? You must take me out as your secretary, old boy,” Captain Macmurdo said laughing; and as Crawley and his friend sat wondering and perplexed over the announcement, the Club waiter brought in to the Colonel a card on which the name of Mr. Wenham was engraved, who begged to see Colonel Crawley. Der Oberst und sein Adjutant gingen zu dem Herrn hinaus in der berechtigten Annahme, daß er ein Abgesandter Lord Steynes sei. »Wie geht's, Crawley? Freut mich, Sie zu sehen«, sagte Mr. Wenham mit freundlichem Lächeln und schüttelte Crawley herzlich die Hand.   The Colonel and his aide-de-camp went out to meet the gentleman, rightly conjecturing that he was an emissary of Lord Steyne. “How d’ye do, Crawley? I am glad to see you,” said Mr. Wenham with a bland smile, and grasping Crawley’s hand with great cordiality. »Wahrscheinlich kommen Sie von ...«   “You come, I suppose, from — ” »Jawohl«, erwiderte Mr. Wenham.   “Exactly,” said Mr. Wenham. »So, das hier ist mein Freund, Hauptmann Macmurdo von der Grünen Leibgarde.«   “Then this is my friend Captain Macmurdo, of the Life Guards Green.” »Freut mich sehr, Hauptmann Macmurdos Bekanntschaft zu machen«, sagte Mr. Wenham und bot dem Sekundanten dasselbe Lächeln und den Händedruck wie vorher dem Oberst. Mac reichte ihm einen mit dem Lederhandschuh bewehrten Finger und machte Mr. Wenham über seine enge Krawatte hin eine sehr kühle Verbeugung. Vielleicht war er unzufrieden darüber, daß er mit einem Zivilisten verhandeln sollte, und meinte, Lord Steyne hätte ihm doch wohl zumindest einen Oberst schicken können.   “Delighted to know Captain Macmurdo, I’m sure,” Mr. Wenham said and tendered another smile and shake of the hand to the second, as he had done to the principal. Mac put out one finger, armed with a buckskin glove, and made a very frigid bow to Mr. Wenham over his tight cravat. He was, perhaps, discontented at being put in communication with a pekin, and thought that Lord Steyne should have sent him a Colonel at the very least. »Da Macmurdo meine Angelegenheiten regelt und meine Absichten kennt«, meinte Crawley, »so werde ich mich am besten zurückziehen und Sie allein lassen.«   “As Macmurdo acts for me, and knows what I mean,” Crawley said, “I had better retire and leave you together.” »Natürlich!« sagte Macmurdo.   “Of course,” said Macmurdo. »Keineswegs, mein lieber Oberst«, antwortete Mr. Wenham, »die Unterredung, um die ich Sie zu bitten die Ehre hatte, sollte mit Ihnen persönlich vonstatten gehen, obwohl die Gegenwart Hauptmann Macmurdos wirklich sehr angenehm ist. Ich hoffe nämlich, Hauptmann, daß unser Gespräch zu einem guten Ergebnis führen wird, und zwar zu einem anderen, als es mein Freund Oberst Crawley zu erwarten scheint.«   “By no means, my dear Colonel,” Mr. Wenham said; “the interview which I had the honour of requesting was with you personally, though the company of Captain Macmurdo cannot fail to be also most pleasing. In fact, Captain, I hope that our conversation will lead to none but the most agreeable results, very different from those which my friend Colonel Crawley appears to anticipate.” »Hm«, sagte Hauptmann Macmurdo. Zum Henker mit diesen Zivilisten, dachte er im stillen, sie wollen immer beilegen und reden bloß. Mr. Wenham nahm einen Stuhl, den man ihm nicht angeboten hatte, zog eine Zeitung aus der Tasche und begann erneut:   “Humph!” said Captain Macmurdo. Be hanged to these civilians, he thought to himself, they are always for arranging and speechifying. Mr. Wenham took a chair which was not offered to him — took a paper from his pocket, and resumed — »Sie haben hoffentlich diese angenehme Nachricht in den heutigen Zeitungen gelesen, Oberst. Die Regierung hat sich einen sehr wertvollen Diener gesichert und Sie sich, da Sie ja wahrscheinlich das Amt annehmen, eine vortreffliche Stellung. Dreitausend pro Jahr, herrliches Klima, ausgezeichnete Gouverneursgebäude, in der Kolonie alles so, wie Sie es haben wollen, und eine sichere Beförderung. Ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen. Ich nehme an, Sie wissen, meine Herren, wem mein Freund dieses großzügige Angebot verdankt.«   “You have seen this gratifying announcement in the papers this morning, Colonel? Government has secured a most valuable servant, and you, if you accept office, as I presume you will, an excellent appointment. Three thousand a year, delightful climate, excellent government-house, all your own way in the Colony, and a certain promotion. I congratulate you with all my heart. I presume you know, gentlemen, to whom my friend is indebted for this piece of patronage?” »Zum Henker, wenn ich es weiß«, sagte der Hauptmann, während der Oberst tief errötete.   “Hanged if I know,” the Captain said; his principal turned very red. »Einem der großmütigsten und gütigsten Männer in der Welt, einem der größten ... meinem ausgezeichneten Freund, dem Marquis von Steyne.«   “To one of the most generous and kindest men in the world, as he is one of the greatest — to my excellent friend, the Marquis of Steyne.” »Er mag zum Teufel gehen, ehe ich seine Stelle annehme«, grollte Rawdon.   “I’ll see him d — - before I take his place,” growled out Rawdon. »Sie sind gegen meinen edlen Freund erzürnt«, fuhr Mr. Wenham ruhig fort. »Erklären Sie mir nur im Namen des gesunden Menschenverstandes und der Gerechtigkeit, warum?«   “You are irritated against my noble friend,” Mr. Wenham calmly resumed; “and now, in the name of common sense and justice, tell me why?” »Warum?!« rief Rawdon erstaunt.   “ Why ?” cried Rawdon in surprise. »Warum?! Verdammt noch mal«, fluchte der Hauptmann und stieß mit dem Stock auf den Boden.   “Why? Dammy!” said the Captain, ringing his stick on the ground. »Ja, wirklich, verdammt noch mal«, meinte Mr. Wenham mit dem gefälligsten Lächeln. »Betrachten Sie die Sache einmal als Mann von Welt, als ehrlicher Mensch, und fragen Sie sich, ob Sie nicht unrecht haben. Sie kehren von einer Reise zurück und finden – was? – Lord Steyne, in Ihrem Haus in der Curzon Street mit Mrs. Crawley beim Souper. Ist das so merkwürdig oder neu? Ist er nicht schon hundertmal vorher unter denselben Umständen dort gewesen? Auf meine Ehre und mein Wort als Gentleman« (hier legte Mr. Wenham mit parlamentarischer Miene die Hand auf die Weste) »erkläre ich, daß ich Ihren Verdacht für ungeheuerlich und gänzlich unbegründet halte und daß Sie damit einen ehrenwerten Mann beleidigen, der Ihnen sein Wohlwollen auf tausendfache Art bewiesen hat – Ihnen und einer makellosen und unschuldigen Dame.«   “Dammy, indeed,” said Mr. Wenham with the most agreeable smile; “still, look at the matter as a man of the world — as an honest man — and see if you have not been in the wrong. You come home from a journey, and find — what? — my Lord Steyne supping at your house in Curzon Street with Mrs. Crawley. Is the circumstance strange or novel? Has he not been a hundred times before in the same position? Upon my honour and word as a gentleman" — Mr. Wenham here put his hand on his waistcoat with a parliamentary air — "I declare I think that your suspicions are monstrous and utterly unfounded, and that they injure an honourable gentleman who has proved his good-will towards you by a thousand benefactions — and a most spotless and innocent lady.” »Sie wollen doch nicht etwa sagen, daß – daß Crawley sich geirrt hat«, warf Mr. Macmurdo ein.   “You don’t mean to say that — that Crawley’s mistaken?” said Mr. Macmurdo. »Ich halte Mrs. Crawley für ebenso unschuldig wie meine eigene Frau, Mrs. Wenham«, erwiderte Mr. Wenham mit großem Nachdruck. »Ich glaube, mein Freund hier wird von teuflischer Eifersucht veranlaßt, einen Schlag nicht nur gegen einen kränklichen alten Mann von hohem Rang, seinen steten Freund und Wohltäter, zu führen, sondern auch gegen seine Frau, seine kostbare Ehre, den künftigen Ruf seines Sohnes und seine eigenen Lebensaussichten.    “I believe that Mrs. Crawley is as innocent as my wife, Mrs. Wenham,” Mr. Wenham said with great energy. “I believe that, misled by an infernal jealousy, my friend here strikes a blow against not only an infirm and old man of high station, his constant friend and benefactor, but against his wife, his own dearest honour, his son’s future reputation, and his own prospects in life.” Ich will Ihnen sagen, was geschehen ist«, fuhr Mr. Wenham feierlich fort. »Lord Steyne ließ mich heute morgen zu sich rufen, und ich fand ihn in einem bemitleidenswerten Zustand vor. Ich brauche Ihnen, Oberst Crawley, wohl kaum zu erklären, wie es einem kränklichen alten Mann nach einer persönlichen Auseinandersetzung mit einem Menschen von Ihrer körperlichen Konstitution geht. Ich sage es Ihnen ins Gesicht, Oberst Crawley, Sie haben sehr roh von Ihrer Kraft Gebrauch gemacht. Nicht nur der Körper meines edlen, vortrefflichen Freundes war verwundet, nein, auch sein Herz blutete. Ein Mann, dem er seine Zuneigung geschenkt und den er mit Wohltaten überhäuft hat, behandelt ihn schimpflich. Was war denn diese Ernennung, die die Zeitungen von heute veröffentlichten, anderes als ein Beweis seiner Güte gegen Sie? Als ich den Lord heute morgen sah, fand ich ihn in einem wirklich bemitleidenswerten Zustand, und er war ebenso begierig wie Sie, die erlittene Schmach mit Blut zu sühnen. Sie wissen wahrscheinlich, daß er seine Proben schon bestanden hat, Oberst Crawley.«   “I will tell you what happened,” Mr. Wenham continued with great solemnity; “I was sent for this morning by my Lord Steyne, and found him in a pitiable state, as, I need hardly inform Colonel Crawley, any man of age and infirmity would be after a personal conflict with a man of your strength. I say to your face; it was a cruel advantage you took of that strength, Colonel Crawley. It was not only the body of my noble and excellent friend which was wounded — his heart, sir, was bleeding. A man whom he had loaded with benefits and regarded with affection had subjected him to the foulest indignity. What was this very appointment, which appears in the journals of to-day, but a proof of his kindness to you? When I saw his Lordship this morning I found him in a state pitiable indeed to see, and as anxious as you are to revenge the outrage committed upon him, by blood. You know he has given his proofs, I presume, Colonel Crawley?” »Er hat genug Mut«, pflichtete der Oberst bei. »Das bezweifelt niemand.«   “He has plenty of pluck,” said the Colonel. “Nobody ever said he hadn’t.” »Zuallererst befahl er mir, eine Forderung zu schreiben und sie Oberst Crawley zu überbringen.›Einer von uns beiden‹, sagte er,›darf die Schande von gestern abend nicht überleben.‹«   “His first order to me was to write a letter of challenge, and to carry it to Colonel Crawley. One or other of us,” he said, “must not survive the outrage of last night.” Crawley nickte. »Jetzt kommen Sie endlich zur Sache, Wenham«, meinte er.   Crawley nodded. “You’re coming to the point, Wenham,” he said. »Ich versuchte alles, um Lord Steyne zu beruhigen.›Guter Gott‹, sagte ich.›Wie leid tut es mir nun, daß Mrs. Wenham und ich Mrs. Crawleys Einladung zum Abendessen nicht gefolgt sind.‹«   “I tried my utmost to calm Lord Steyne. Good God! sir,” I said, “how I regret that Mrs. Wenham and myself had not accepted Mrs. Crawley’s invitation to sup with her!” »Sie hat Sie eingeladen, mit ihr zu speisen?« fragte Hauptmann Macmurdo.   “She asked you to sup with her?” Captain Macmurdo said. »Nach der Oper. Hier ist die Einladung – halt, nein, dies ist ein anderer Zettel – ich dachte, ich hätte sie mit, aber es macht ja nichts, ich gebe Ihnen mein Ehrenwort als Gentleman darauf. Wenn wir hingegangen wären – nur Mrs. Wenhams übliche Kopfschmerzen haben uns daran gehindert, sie leidet nämlich sehr darunter, besonders im Frühjahr –, wenn wir also hingegangen wären, so hätte es bei Ihrer Rückkehr keinen Streit, keine Beleidigung und keinen Verdacht gegeben. Und schlechterdings nur, weil meine arme Frau Kopfschmerzen hatte, wollen Sie zwei Ehrenmänner dem Tod ausliefern und zwei der angesehensten und ältesten Familien des Königreiches in Schande und Kummer stürzen.«   “After the opera. Here’s the note of invitation — stop — no, this is another paper — I thought I had h, but it’s of no consequence, and I pledge you my word to the fact. If we had come — and it was only one of Mrs. Wenham’s headaches which prevented us — she suffers under them a good deal, especially in the spring — if we had come, and you had returned home, there would have been no quarrel; no insult, no suspicion — and so it is positively because my poor wife has a headache that you are to bring death down upon two men of honour and plunge two of the most excellent and ancient families in the kingdom into disgrace and sorrow.” Mr. Macmurdo blickte seinen Freund verwirrt an, und Rawdon fühlte voller Wut, daß ihm seine Beute entglitt. Er glaubte von der ganzen Geschichte kein Wort, aber wie sollte er das Gegenteil beweisen?   Mr. Macmurdo looked at his principal with the air of a man profoundly puzzled, and Rawdon felt with a kind of rage that his prey was escaping him. He did not believe a word of the story, and yet, how discredit or disprove it? Mr. Wenham fuhr mit der Beredsamkeit, die er im Parlament so oft geübt hatte, fort: »Ich saß eine Stunde oder noch länger an Lord Steynes Bett und bat und flehte, er solle seine Absicht, ein Treffen zu fordern, aufgeben. Ich machte ihm klar, daß die Begleitumstände, bei Licht besehen, doch verdächtig, recht verdächtig seien – ich gestehe, in Ihrer Lage hätte sich jeder täuschen lassen. Ich erklärte ihm, daß ein Eifersüchtiger, in Wut gebracht, durchaus einem Wahnsinnigen gleicht und als solcher betrachtet werden müsse, daß ein Duell zwischen Ihnen alle Beteiligten der Schande ausliefern würde, daß ein Mann vom Range des Lords in dieser Zeit, da dem Pöbel entsetzliche revolutionäre Grundsätze und gefährliche Gleichheitslehren gepredigt würden, kein Recht habe, einen öffentlichen Skandal heraufzubeschwören, und daß das gemeine Volk trotz seiner Unschuld behaupten werde, er sei schuldig. Kurz, ich flehte ihn an, die Forderung nicht abzusenden.«   Mr. Wenham continued with the same fluent oratory, which in his place in Parliament he had so often practised — "I sat for an hour or more by Lord Steyne’s bedside, beseeching, imploring Lord Steyne to forego his intention of demanding a meeting. I pointed out to him that the circumstances were after all suspicious — they were suspicious. I acknowledge it — any man in your position might have been taken in — I said that a man furious with jealousy is to all intents and purposes a madman, and should be as such regarded — that a duel between you must lead to the disgrace of all parties concerned — that a man of his Lordship’s exalted station had no right in these days, when the most atrocious revolutionary principles, and the most dangerous levelling doctrines are preached among the vulgar, to create a public scandal; and that, however innocent, the common people would insist that he was guilty. In fine, I implored him not to send the challenge.” »Ich glaube von der ganzen Geschichte kein Wort«, sagte Rawdon zähneknirschend, »ich halte es für eine verdammte Lüge und glaube, daß Sie mit unter der Decke stecken, Mr. Wenham. Wenn die Forderung nicht von ihm kommt, beim Zeus, dann soll sie von mir kommen.«   “I don’t believe one word of the whole story,” said Rawdon, grinding his teeth. “I believe it a d — - lie, and that you’re in it, Mr. Wenham. If the challenge don’t come from him, by Jove it shall come from me.” Mr. Wenham wurde bei dieser wütenden Unterbrechung des Obersten leichenblaß und sah sich nach der Tür um.   Mr. Wenham turned deadly pale at this savage interruption of the Colonel and looked towards the door. Aber er fand einen Helfer in Hauptmann Macmurdo. Dieser Herr erhob sich mit einem Fluch und wies Rawdon wegen seiner Ausdrucksweise zurecht. »Du hast mir die Angelegenheit in die Hand gegeben und wirst das tun, was ich für angebracht halte, beim Zeus, und nicht, was dir paßt. Du hast kein Recht, Mr. Wenham mit solchen Reden zu beleidigen, und verdammt noch mal, Mr. Wenham, Sie verdienen eine Entschuldigung. Was die Forderung an Lord Steyne betrifft, so mußt du dir jemand anderes suchen, der sie überbringt, ich tue es nicht. Wenn der Marquis nichts unternimmt, nachdem er verprügelt worden ist, dann soll er das ruhig, verdammt noch mal. Und bei der Affäre mit – mit Mrs. Crawley kann ich nur feststellen: Es ist nicht der geringste Beweis erbracht, und ich glaube, deine Frau ist unschuldig, so unschuldig, wie Mr. Wenham sagt, und du wärst auf jeden Fall ein verdammter Narr, wenn du die Stelle nicht nehmen und den Mund halten würdest.«   But he found a champion in Captain Macmurdo. That gentleman rose up with an oath and rebuked Rawdon for his language. “You put the affair into my hands, and you shall act as I think fit, by Jove, and not as you do. You have no right to insult Mr. Wenham with this sort of language; and dammy, Mr. Wenham, you deserve an apology. And as for a challenge to Lord Steyne, you may get somebody else to carry it, I won’t. If my lord, after being thrashed, chooses to sit still, dammy let him. And as for the affair with — with Mrs. Crawley, my belief is, there’s nothing proved at all: that your wife’s innocent, as innocent as Mr. Wenham says she is; and at any rate that you would be a d — fool not to take the place and hold your tongue.” »Hauptmann Macmurdo, Sie sprechen wie ein Mann von Verstand«, rief Mr. Wenham, ungemein erleichtert, aus. »Ich werde alles vergessen, was Oberst Crawley in der Erregung des Augenblicks gesagt hat.«   “Captain Macmurdo, you speak like a man of sense,” Mr. Wenham cried out, immensely relieved — "I forget any words that Colonel Crawley has used in the irritation of the moment.” »Daran habe ich auch nicht gezweifelt«, warf Rawdon höhnisch ein.   “I thought you would,” Rawdon said with a sneer. »Halt 's Maul, du alter Dummkopf«, wies ihn der Hauptmann zurecht. »Mr. Wenham schlägt sich nicht und tut ganz recht daran.«   “Shut your mouth, you old stoopid,” the Captain said good-naturedly. “Mr. Wenham ain’t a fighting man; and quite right, too.” »Meiner Meinung nach sollte man die ganze Angelegenheit begraben«, rief der Abgesandte Steynes. »Kein Wort davon sollte je über diese Schwelle kommen. Ich spreche im Interesse meines Freundes, aber auch in dem Oberst Crawleys, der immer noch darauf besteht, mich für seinen Feind zu halten.«   “This matter, in my belief,” the Steyne emissary cried, “ought to be buried in the most profound oblivion. A word concerning it should never pass these doors. I speak in the interest of my friend, as well as of Colonel Crawley, who persists in considering me his enemy.” »Lord Steyne wird wohl kaum darüber sprechen wollen«, sagte Hauptmann Macmurdo, »und ich sehe nicht ein, warum wir es sollten. Sehr hübsch ist die Sache nicht, wie man sie auch betrachtet, und je weniger man davon spricht, desto besser. Schließlich sind Sie verprügelt worden, nicht wir, und wenn Sie sich damit zufriedengeben, so sollten wir es auch tun.«   “I suppose Lord Steyne won’t talk about it very much,” said Captain Macmurdo; “and I don’t see why our side should. The affair ain’t a very pretty one, any way you take it, and the less said about it the better. It’s you are thrashed, and not us; and if you are satisfied, why, I think, we should be.” Darauf ergriff Wenham seinen Hut. Hauptmann Macmurdo begleitete ihn zur Tür, schloß sie hinter sich und Lord Steynes Abgesandten und ließ Rawdon erbost zurück. Als die beiden draußen waren, blickte Macmurdo den anderen scharf an. Sein rundes, lustiges Gesicht nahm einen Ausdruck an, der mit Achtung nichts zu tun hatte.   Mr. Wenham took his hat, upon this, and Captain Macmurdo following him to the door, shut it upon himself and Lord Steyne’s agent, leaving Rawdon chafing within. When the two were on the other side, Macmurdo looked hard at the other ambassador and with an expression of anything but respect on his round jolly face. »In Kleinigkeiten sind Sie groß, Mr. Wenham«, sagte er.   “You don’t stick at a trifle, Mr. Wenham,” he said. »Sie schmeicheln mir, Hauptmann Macmurdo«, entgegnete der Angeredete lächelnd. »Auf Ehre und Gewissen, Mrs. Crawley hat uns eingeladen, nach der Oper bei ihr zu soupieren.«   “You flatter me, Captain Macmurdo,” answered the other with a smile. “Upon my honour and conscience now, Mrs. Crawley did ask us to sup after the opera.” »Natürlich, und Mrs. Wenham hatte gerade wieder Kopfschmerzen. Hören Sie, ich habe hier eine Tausendpfundnote, die ich Ihnen geben will. Bitte, stellen Sie mir eine Quittung darüber aus. Ich will die Banknote in einen Umschlag stecken, den ich an Lord Steyne adressiert habe. Mein Freund soll sich nicht mit ihm schlagen, aber sein Geld wollen wir lieber nicht nehmen.«   “Of course; and Mrs. Wenham had one of her head-aches. I say, I’ve got a thousand-pound note here, which I will give you if you will give me a receipt, please; and I will put the note up in an envelope for Lord Steyne. My man shan’t fight him. But we had rather not take his money.” »Es war alles ein Irrtum – ein großer Irrtum, mein lieber Herr«, sagte der andere mit der schönsten Unschuldsmiene. Hauptmann Macmurdo begleitete ihn unter Verbeugungen die Treppe hinab und begegnete dabei Sir Pitt Crawley. Die beiden Herren kannten sich flüchtig, und auf dem Wege zu Rawdons Zimmer erzählte der Hauptmann dem Baronet im Vertrauen, daß er die Angelegenheit zwischen Lord Steyne und dem Oberst geregelt habe.   “It was all a mistake — all a mistake, my dear sir,” the other said with the utmost innocence of manner; and was bowed down the Club steps by Captain Macmurdo, just as Sir Pitt Crawley ascended them. There was a slight acquaintance between these two gentlemen, and the Captain, going back with the Baronet to the room where the latter’s brother was, told Sir Pitt, in confidence, that he had made the affair all right between Lord Steyne and the Colonel. Sir Pitt war natürlich über diese Nachricht sehr erfreut und gratulierte seinem Bruder herzlich zu dem friedlichen Ausgang der Sache, wobei er gleich ein paar passende moralische Bemerkungen über die Schändlichkeit des Duellierens machte und sich darüber ausließ, wie unzulänglich es doch sei, einen Streit auf diese Weise beilegen zu wollen.   Sir Pitt was well pleased, of course, at this intelligence, and congratulated his brother warmly upon the peaceful issue of the affair, making appropriate moral remarks upon the evils of duelling and the unsatisfactory nature of that sort of settlement of disputes. Nach dieser Vorrede versuchte er mit aller ihm zu Gebote stehenden Beredsamkeit, eine Aussöhnung zwischen Rawdon und seiner Frau herbeizuführen, er wiederholte Beckys Angaben, wies darauf hin, daß sie wahrscheinlich wahr seien, und beteuerte seinen festen Glauben an ihre Unschuld.   And after this preface, he tried with all his eloquence to effect a reconciliation between Rawdon and his wife. He recapitulated the statements which Becky had made, pointed out the probabilities of their truth, and asserted his own firm belief in her innocence. Rawdon wollte jedoch nichts davon hören. »Sie hat zehn Jahre lang Geld vor mir versteckt«, sagte er. »Erst letzte Nacht hat sie mir noch geschworen, sie hätte von Lord Steyne keins bekommen. Sie wußte genau, daß alles aussein würde, wenn ich es erst gefunden hätte; wenn sie nicht schuldig ist, Pitt, so ist sie doch so gut wie schuldig. Ich will sie niemals wiedersehen, niemals!« Das Haupt sank ihm auf die Brust, als er diese Worte sprach. Er sah ganz gebrochen und traurig aus.   But Rawdon would not hear of it. “She has kep money concealed from me these ten years,” he said “She swore, last night only, she had none from Steyne. She knew it was all up, directly I found it. If she’s not guilty, Pitt, she’s as bad as guilty, and I’ll never see her again — never.” His head sank down on his chest as he spoke the words, and he looked quite broken and sad. »Armer Junge«, sagte Macmurdo und schüttelte den Kopf.   “Poor old boy,” Macmurdo said, shaking his head. Eine Zeitlang widerstand Rawdon Crawley der Idee, eine Stelle anzunehmen, die ihm ein so verhaßter Gönner verschafft hatte; er wollte auch den Knaben von der Schule nehmen, wo er durch Lord Steynes Einfluß untergebracht worden war. Von den Vorstellungen seines Bruders und Macmurdos ließ er sich jedoch bewegen, diese Wohltaten nicht abzuweisen, vor allem aber, weil ihm der Hauptmann erklärt hatte, wie wütend Steyne bei dem Gedanken sein müsse, daß sein Feind mit seiner Hilfe sein Glück gemacht habe.   Rawdon Crawley resisted for some time the idea of taking the place which had been procured for him by so odious a patron, and was also for removing the boy from the school where Lord Steyne’s interest had placed him. He was induced, however, to acquiesce in these benefits by the entreaties of his brother and Macmurdo, but mainly by the latter, pointing out to him what a fury Steyne would be in to think that his enemy’s fortune was made through his means. Als der Marquis von Steyne nach seinem Unfall wieder ausging, kam der Kolonialminister mit vielen Verbeugungen auf ihn zu und gratulierte sich und der Regierung zu der vortrefflichen Ernennung. Wie dankbar Lord Steyne diese Glückwünsche entgegennahm, kann man sich vorstellen.   When the Marquis of Steyne came abroad after his accident, the Colonial Secretary bowed up to him and congratulated himself and the Service upon having made so excellent an appointment. These congratulations were received with a degree of gratitude which may be imagined on the part of Lord Steyne. Das Geheimnis des Rencontres zwischen ihm und Oberst Crawley wurde, wie Wenham sich ausdrückte, tief begraben, das heißt von den Sekundanten und den beiden Duellanten. Aber noch vor Ende des Tages besprach man die Angelegenheit an fünfzig Abendtafeln auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit. Der kleine Cackleby besuchte sieben Abendgesellschaften und erzählte die Geschichte jedesmal mit Kommentaren und Verbesserungen. Wie entzückt war Mrs. Washington White darüber! Die Frau des Bischofs von Ealing war über alle Maßen empört; der Bischof aber schrieb seinen Namen noch am gleichen Tag im Gaunt-Haus in die Besucherliste ein. Der kleine Southdown war traurig, und traurig war ebenfalls seine Schwester, Lady Jane, sehr traurig. Lady Southdown berichtete alles ihrer zweiten Tochter am Kap der Guten Hoffnung. Mindestens drei Tage lang war es Stadtgespräch, und in den Zeitungen erschien es nur nicht wegen der Bemühungen von Mr. Wagg, dem Mr. Wenham einen Wink gegeben hatte.   The secret of the rencontre between him and Colonel Crawley was buried in the profoundest oblivion, as Wenham said; that is, by the seconds and the principals. But before that evening was over it was talked of at fifty dinner-tables in Vanity Fair. Little Cackleby himself went to seven evening parties and told the story with comments and emendations at each place. How Mrs. Washington White revelled in it! The Bishopess of Ealing was shocked beyond expression; the Bishop went and wrote his name down in the visiting-book at Gaunt House that very day. Little Southdown was sorry; so you may be sure was his sister Lady Jane, very sorry. Lady Southdown wrote it off to her other daughter at the Cape of Good Hope. It was town-talk for at least three days, and was only kept out of the newspapers by the exertions of Mr. Wagg, acting upon a hint from Mr. Wenham. Über den armen Raggles in der Curzon Street fielen die Gerichtsvollzieher und Makler her, aber die bisherige schöne Bewohnerin des armen kleinen Hauses – wo war sie inzwischen? Wer kümmerte sich darum? Wer fragte nach ein paar Tagen noch danach? War sie schuldig oder nicht? Wir alle wissen, wie barmherzig die Welt ist und wie das Urteil auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit ausfällt, sobald ein Zweifel besteht. Einige sagten, sie sei Lord Steyne nach Neapel gefolgt, während andere behaupteten, der Lord habe jene Stadt verlassen und sei nach Palermo geflohen, als er von Beckys Ankunft gehört habe. Dritte wiederum meinten, sie wohne in Bierstadt und sei Hofdame bei der Königin von Bulgarien geworden. Ein paar berichteten, sie halte sich in Boulogne auf, und wieder andere, sie lebe in einer Pension in Cheltenham.   The bailiffs and brokers seized upon poor Raggles in Curzon Street, and the late fair tenant of that poor little mansion was in the meanwhile — where? Who cared! Who asked after a day or two? Was she guilty or not? We all know how charitable the world is, and how the verdict of Vanity Fair goes when there is a doubt. Some people said she had gone to Naples in pursuit of Lord Steyne, whilst others averred that his Lordship quitted that city and fled to Palermo on hearing of Becky’s arrival; some said she was living in Bierstadt, and had become a dame d’honneur to the Queen of Bulgaria; some that she was at Boulogne; and others, at a boarding-house at Cheltenham. Rawdon setzte ihr eine leidliche Jahresrente aus; und wir können sicher sein, daß sie es verstand, mit wenig Geld weit zu kommen, wie man so sagt. Er hätte bei seiner Abreise von England seine Schulden bezahlt, wäre es ihm nur gelungen, eine Versicherungsgesellschaft ausfindig zu machen, mit der er eine Lebensversicherung hätte abschließen können. Das Klima von Coventry Island war jedoch so schlecht, daß er auf sein Jahresgehalt hin kein Geld borgen konnte. Er schickte jedoch seinem Bruder pünktlich Geld und schrieb seinem kleinen Jungen regelmäßig mit jeder Post. Macmurdo versorgte er mit Zigarren, und Lady Jane sandte er Mengen von Muscheln, Cayennepfeffer, scharfem Eingemachten, Guajavagelee und anderen Kolonialprodukten. Seinem Bruder schickte er die »Sumpfstadt Gazette«, in der der neue Gouverneur mit ungeheurer Begeisterung gefeiert wurde; während der »Sumpfstadtwächter«, dessen Frau man nicht in den Gouverneurspalast geladen hatte, erklärte, Seine Exzellenz sei ein Tyrann, im Vergleich zu dem Nero ein aufgeklärter Philantrop sei. Der kleine Rawdon griff gern nach den Zeitungen und las, was von Seiner Exzellenz berichtet wurde.   Rawdon made her a tolerable annuity, and we may be sure that she was a woman who could make a little money go a great way, as the saying is. He would have paid his debts on leaving England, could he have got any Insurance Office to take his life, but the climate of Coventry Island was so bad that he could borrow no money on the strength of his salary. He remitted, however, to his brother punctually, and wrote to his little boy regularly every mail. He kept Macmurdo in cigars and sent over quantities of shells, cayenne pepper, hot pickles, guava jelly, and colonial produce to Lady Jane. He sent his brother home the Swamp Town Gazette, in which the new Governor was praised with immense enthusiasm; whereas the Swamp Town Sentinel, whose wife was not asked to Government House, declared that his Excellency was a tyrant, compared to whom Nero was an enlightened philanthropist. Little Rawdon used to like to get the papers and read about his Excellency. Die Mutter machte keine Anstalten, das Kind zu sehen. An den Sonntagen und während der Ferien fuhr der Junge zu seiner Tante; bald kannte er jedes Vogelnest in Queen's Crawley und ritt mit Sir Huddlestons Hunden aus, die er bei seinem ersten unvergeßlichen Besuch in Hampshire so sehr bewundert hatte.   His mother never made any movement to see the child. He went home to his aunt for Sundays and holidays; he soon knew every bird’s nest about Queen’s Crawley, and rode out with Sir Huddlestone’s hounds, which he admired so on his first well-remembered visit to Hampshire. 56. Kapitel / Chapter 56 Aus Georgy wird ein Gentleman gemacht / Georgy is Made a Gentleman Georgy Osborne hatte sich jetzt im Hause seines Großvaters; am Russell Square gut eingelebt. Er bewohnte seines Vaters Zimmer und war rechtmäßiger Erbe aller Herrlichkeiten darin. Sein hübsches Aussehen, sein höfliches Betragen und seine Eleganz gewannen ihm das Herz des Großvaters. Mr. Osborne war auf ihn so stolz wie nur je auf den älteren George.   Georgy Osborne was now fairly established in his grandfather’s mansion in Russell Square, occupant of his father’s room in the house and heir apparent of all the splendours there. The good looks, gallant bearing, and gentlemanlike appearance of the boy won the grandsire’s heart for him. Mr. Osborne was as proud of him as ever he had been of the elder George. Das Kind wurde viel mehr verwöhnt und nachsichtiger behandelt als sein Vater. Osbornes Geschäfte waren in den letzten Jahren sehr gediehen, sein Reichtum und sein Einfluß in der City hatten zugenommen. In früheren Zeiten war er schon froh gewesen, den älteren George in eine gute Privatschule schicken zu können, und das Offizierspatent seines Sohnes hatte für ihn eine Quelle nicht geringen Stolzes bedeutet. In bezug auf den kleinen George und dessen künftige Aussichten hatte der alte Herr viel hochtrabendere Pläne. Seine ständige Redeweise war, er wolle einen Gentleman aus dem kleinen Kerl machen. Im Geiste sah er ihn schon als Studenten, Parlamentsmitglied oder sogar als Baronet. Der alte Mann dachte, er könne zufrieden sterben, wenn er seinen Enkel erst auf dem Wege zu solchen Ehren sähe. Für seine Erziehung wollte er nur einen erstklassig ausgebildeten Lehrer haben – keinen von diesen Scharlatanen und Pseudogelehrten, nein, nein. Noch vor ein paar Jahren hatte er wütend gegen alle Pfaffen, Schulfüchse und Leute dieses Schlages gewettert und erklärt, sie seien ein Pack von Gaunern und Pfuschern, die ihren Lebensunterhalt nur verdienen könnten indem sie Latein und Griechisch einpaukten. Dabei seien sie noch hochmütige Hunde, die sich anmaßten, auf britische Kaufleute und Gentlemen herabzublicken, die doch ein paar Dutzend von ihnen aufkaufen konnten. Jetzt dagegen beklagte er sich in feierlicher Weise, daß seine eigene Erziehung sehr vernachlässigt worden sei, und erklärte dem kleinen George wiederholt in pompösen Worten, wie wichtig und vortrefflich klassische Bildung sei.   The child had many more luxuries and indulgences than had been awarded his father. Osborne’s commerce had prospered greatly of late years. His wealth and importance in the City had very much increased. He had been glad enough in former days to put the elder George to a good private school; and a commission in the army for his son had been a source of no small pride to him; for little George and his future prospects the old man looked much higher. He would make a gentleman of the little chap, was Mr. Osborne’s constant saying regarding little Georgy. He saw him in his mind’s eye, a collegian, a Parliament man, a Baronet, perhaps. The old man thought he would die contented if he could see his grandson in a fair way to such honours. He would have none but a tip-top college man to educate him — none of your quacks and pretenders — no, no. A few years before, he used to be savage, and inveigh against all parsons, scholars, and the like declaring that they were a pack of humbugs, and quacks that weren’t fit to get their living but by grinding Latin and Greek, and a set of supercilious dogs that pretended to look down upon British merchants and gentlemen, who could buy up half a hundred of ’em. He would mourn now, in a very solemn manner, that his own education had been neglected, and repeatedly point out, in pompous orations to Georgy, the necessity and excellence of classical acquirements. Wenn sie sich beim Essen trafen, fragte der Großvater den Knaben, was er tagsüber gelesen habe, und zeigte großes Interesse an dem, was der Junge von seinen Studien berichtete. Er gab sich den Anschein, als verstehe er alles, was der kleine George sagte, und machte dabei hundert Fehler und zeigte so manches Mal seine Unwissenheit. Das erhöhte natürlich nicht den Respekt des Knaben vor dem Älteren. Sein flinker Verstand und die bessere Erziehung überzeugten den Jungen sehr bald, daß sein Großvater ein Dummkopf sei, und er begann nun, herumzukommandieren und auf ihn herabzusehen. Denn seine frühere Erziehung, so bescheiden und beschränkt sie auch gewesen war, hatte aus Georgy einen viel besseren Gentleman gemacht, als alle Pläne seines Großvaters es vermochten. Er war von einer gütigen, schwachen, zärtlichen Frau aufgezogen worden, die keinen Stolz hatte als ihn, deren Herz so rein und deren Benehmen so demütig und bescheiden war, daß sie gar nichts anderes als eine wahre Lady sein konnte. Sie befaßte sich mit edlen Aufgaben und stillen Pflichten. Wenn sie auch niemals brillante Dinge äußerte, so sagte oder dachte sie dagegen auch nie etwas Unfreundliches. Arglos und schlicht, liebevoll und rein – was konnte unsere arme kleine Amelia bei diesen Eigenschaften anderes sein als eine echte Dame?   When they met at dinner the grandsire used to ask the lad what he had been reading during the day, and was greatly interested at the report the boy gave of his own studies, pretending to understand little George when he spoke regarding them. He made a hundred blunders and showed his ignorance many a time. It did not increase the respect which the child had for his senior. A quick brain and a better education elsewhere showed the boy very soon that his grandsire was a dullard, and he began accordingly to command him and to look down upon him; for his previous education, humble and contracted as it had been, had made a much better gentleman of Georgy than any plans of his grandfather could make him. He had been brought up by a kind, weak, and tender woman, who had no pride about anything but about him, and whose heart was so pure and whose bearing was so meek and humble that she could not but needs be a true lady. She busied herself in gentle offices and quiet duties; if she never said brilliant things, she never spoke or thought unkind ones; guileless and artless, loving and pure, indeed how could our poor little Amelia be other than a real gentlewoman! Der junge Georgy hatte diese weiche, nachgiebige Natur beherrscht, und der Kontrast zwischen dieser Einfachheit und Feinfühligkeit und der plumpen Prahlsucht des einfältigen Alten, mit dem er dann in Berührung kam, brachte ihn dazu, auch diesen zu beherrschen. Wäre er ein Kronprinz gewesen – er hätte nicht besser in der Achtung seiner selbst erzogen werden können.   Young Georgy lorded over this soft and yielding nature; and the contrast of its simplicity and delicacy with the coarse pomposity of the dull old man with whom he next came in contact made him lord over the latter too. If he had been a Prince Royal he could not have been better brought up to think well of himself. Während sich seine Mutter zu Hause nach ihm sehnte und wohl jede Stunde des Tages und auch die meisten Stunden der traurigen, einsamen Nacht an ihn dachte, genoß der junge Herr eine Unmenge Freuden und Tröstungen, die ihn die Trennung von Amelia leicht ertragen ließen. Kleine Jungen, die weinen, wenn sie zur Schule gehen sollen, weinen, weil es ein unfreundlicher Ort ist. Nur die wenigsten weinen aus reiner Liebe. Wenn du bedenkst, daß sich die Augen deiner Kindheit beim Anblick eines Pfefferkuchens trockneten und daß dich ein Rosinenkuchen für den Schmerz bei der Trennung von deiner lieben Mama und deinen Schwestern entschädigte, dann, mein Freund und Bruder, brauchst du auch jetzt nicht zu sehr deinem Feingefühl zu vertrauen.   Whilst his mother was yearning after him at home, and I do believe every hour of the day, and during most hours of the sad lonely nights, thinking of him, this young gentleman had a number of pleasures and consolations administered to him, which made him for his part bear the separation from Amelia very easily. Little boys who cry when they are going to school cry because they are going to a very uncomfortable place. It is only a few who weep from sheer affection. When you think that the eyes of your childhood dried at the sight of a piece of gingerbread, and that a plum cake was a compensation for the agony of parting with your mamma and sisters, oh my friend and brother, you need not be too confident of your own fine feelings. Nun, George Osborne genoß also jeden Luxus und jede Bequemlichkeit, die einem reichen, verschwenderischen Großvater angemessen für ihn erschien. Der Kutscher wurde beauftragt, ihm das hübscheste Pony zu kaufen, das für Geld zu haben war, und George lernte auf ihm in einer Reitschule reiten. Nachdem er dann ohne Steigbügel zu aller Zufriedenheit die Hürden genommen hatte, führte man ihn durch die New Road zum Regent's Park und dann in den Hyde Park, wo er mit viel Gepränge, Martin den Kutscher hinter sich, umherritt. Der alte Osborne, der seine Citygeschäfte jetzt etwas leichter nahm und sie mehr seinen jüngeren Teilhabern überließ, fuhr öfter mit Miss Osborne die gleiche Richtung zum Treffpunkt der Modewelt. Wenn dann der kleine Georgy mit seiner Stutzermiene in stolzer Haltung herangesprengt kam, pflegte der Großvater die Tante des Jungen anzustoßen und zu sagen: »Sieh mal, Miss Osborne.« Er lachte dann jedesmal, und sein Gesicht wurde vor Vergnügen rot, wenn er dem Knaben aus dem Fenster zunickte, wenn der Reitknecht die Kutsche grüßte und der Lakai Master George. Auch seine Tante, Mrs. Frederick Bullock, ließ sich täglich auf dem Ring sehen. Der Schlag und das Geschirr ihres Wagens waren mit goldenen Bullen geschmückt, und aus den Fenstern starrten drei teiggesichtige kleine Bullocks, mit Schmuck und Federn überladen. Mrs. Frederick Bullock warf dem kleinen Emporkömmling Blicke bittersten Hasses zu, wenn er, die Hand in die Seite gestemmt, den Hut auf einem Ohr, stolz wie ein Lord vorüberritt.   Well, then, Master George Osborne had every comfort and luxury that a wealthy and lavish old grandfather thought fit to provide. The coachman was instructed to purchase for him the handsomest pony which could be bought for money, and on this George was taught to ride, first at a riding-school, whence, after having performed satisfactorily without stirrups, and over the leaping-bar, he was conducted through the New Road to Regent’s Park, and then to Hyde Park, where he rode in state with Martin the coachman behind him. Old Osborne, who took matters more easily in the City now, where he left his affairs to his junior partners, would often ride out with Miss O. in the same fashionable direction. As little Georgy came cantering up with his dandified air and his heels down, his grandfather would nudge the lad’s aunt and say, “Look, Miss O.” And he would laugh, and his face would grow red with pleasure, as he nodded out of the window to the boy, as the groom saluted the carriage, and the footman saluted Master George. Here too his aunt, Mrs. Frederick Bullock (whose chariot might daily be seen in the Ring, with bullocks or emblazoned on the panels and harness, and three pasty-faced little Bullocks, covered with cockades and feathers, staring from the windows) Mrs. Frederick Bullock, I say, flung glances of the bitterest hatred at the little upstart as he rode by with his hand on his side and his hat on one ear, as proud as a lord. Obwohl Master George kaum elf Jahre alt war, trug er doch schon einen Riemen und schöne Stiefelchen wie ein Mann. Er hatte vergoldete Sporen und eine Reitpeitsche mit vergoldetem Knauf und eine elegante Nadel im Halstuch und die hübschesten kleinen Glacéhandschuhe, die Lamb in der Conduit Street liefern konnte. Seine Mutter hatte ihm zwei Halsbinden geschenkt und ihm mit aller Sorgfalt ein paar kleine Hemden genäht und gesäumt; als aber ihr Eli die Witwe besuchen kam, waren sie schon durch viel feinere ersetzt. Er trug kleine juwelenbesetzte Knöpfe auf der batistenen Hemdbrust. Ihre bescheidenen Geschenke waren beiseite gelegt worden; ich glaube, Miss Osborne hatte sie dem Sohn des Kutschers gegeben. Amelia versuchte zu glauben, daß sie sich über die Veränderung freue. Sie war auch wirklich glücklich und entzückt, daß der Knabe jetzt so schön aussah.   Though he was scarcely eleven years of age, Master George wore straps and the most beautiful little boots like a man. He had gilt spurs, and a gold-headed whip, and a fine pin in his handkerchief, and the neatest little kid gloves which Lamb’s Conduit Street could furnish. His mother had given him a couple of neckcloths, and carefully hemmed and made some little shirts for him; but when her Eli came to see the widow, they were replaced by much finer linen. He had little jewelled buttons in the lawn shirt fronts. Her humble presents had been put aside — I believe Miss Osborne had given them to the coachman’s boy. Amelia tried to think she was pleased at the change. Indeed, she was happy and charmed to see the boy looking so beautiful. Sie hatte sich für einen Shilling eine kleine Silhouette von ihm anfertigen lassen und sie neben ein anderes Porträt über ihrem Bett aufgehängt. Eines Tages kam der Knabe zu seinem üblichen Besuch wie gewöhnlich die kleine Bromptoner Straße herabgaloppiert, und wie gewöhnlich lockte er alle Bewohner zur Bewunderung seiner Herrlichkeit ans Fenster. Mit großem Eifer und einem Blick des Triumphes zog er ein Etui aus dem Mantel (der einen netten weißen Umhang und einen Samtkragen hatte) – ein rotes Saffianetui –, und gab es ihr.   She had had a little black profile of him done for a shilling, and this was hung up by the side of another portrait over her bed. One day the boy came on his accustomed visit, galloping down the little street at Brompton, and bringing, as usual, all the inhabitants to the windows to admire his splendour, and with great eagerness and a look of triumph in his face, he pulled a case out of his great-coat — it was a natty white great-coat, with a cape and a velvet collar — pulled out a red morocco case, which he gave her. »Ich habe es für mein eigenes Geld gekauft, Mama«, sagte er. »Ich dachte, es würde dir gefallen.«   “I bought it with my own money, Mamma,” he said. “I thought you’d like it.” Amelia öffnete das Etui und stieß einen kleinen freudigen Schrei aus. Liebevoll umarmte sie den Knaben hundertmal. Es war ein hübsch gearbeitetes Miniaturbild von ihm selbst (obwohl wahrscheinlich für die Witwe lange nicht hübsch genug). Sein Großvater hatte ein Porträt von ihm bei einem Künstler machen lassen, dessen Arbeiten, in einem Schaufenster in der Southampton Row ausgestellt, ihm ins Auge gefallen waren. George, der immer reichlich mit Geld versehen war, fiel ein, den Maler zu fragen, wieviel eine Kopie des kleinen Porträts kosten würde; er sagte, er wolle sie mit seinem eigenen Geld bezahlen und seiner Mutter schenken. Der Maler, den das freute, fertigte die Kopie für einen geringen Preis an, und als der alte Osborne davon hörte, brummte er seine Zufriedenheit und gab dem Knaben doppelt soviel Sovereigns, wie er für die Miniatur bezahlt hatte.   Amelia opened the case, and giving a little cry of delighted affection, seized the boy and embraced him a hundred times. It was a miniature-of himself, very prettily done (though not half handsome enough, we may be sure, the widow thought). His grandfather had wished to have a picture of him by an artist whose works, exhibited in a shop-window, in Southampton Row, had caught the old gentleman’s eye; and George, who had plenty of money, bethought him of asking the painter how much a copy of the little portrait would cost, saying that he would pay for it out of his own money and that he wanted to give it to his mother. The pleased painter executed it for a small price, and old Osborne himself, when he heard of the incident, growled out his satisfaction and gave the boy twice as many sovereigns as he paid for the miniature. Was war aber schon des Großvaters Wohlgefallen, verglichen mit Amelias Entzücken? Dieser Beweis der Liebe ihres Sohnes bezauberte sie so, daß sie dachte, kein Kind dieser Welt käme ihm an Güte gleich. Noch viele Wochen nachher machte sie der Gedanke an seine Liebe glücklich. Sie schlief besser mit dem Bildchen unter dem Kopfkissen, und wieviele, viele Male küßte sie es und weinte und betete über ihm! Schon eine kleine Freundlichkeit von denen, die sie liebte, erweckte in diesem furchtsamen Herzen Dankbarkeit. Seit der Trennung von George hatte sie noch keine derartige Freude und solchen Trost erfahren.   But what was the grandfather’s pleasure compared to Amelia’s ecstacy? That proof of the boy’s affection charmed her so that she thought no child in the world was like hers for goodness. For long weeks after, the thought of his love made her happy. She slept better with the picture under her pillow, and how many many times did she kiss it and weep and pray over it! A small kindness from those she loved made that timid heart grateful. Since her parting with George she had had no such joy and consolation. In seinem neuen Heim regierte Master George wie ein Lord: Beim Essen forderte er mit der größten Kaltblütigkeit die Damen zum Weintrinken auf und goß seinen Champagner in einer Weise hinunter, die seinen alten Großvater bezauberte. »Sehen Sie ihn nur an«, sagte der alte Mann dann oft mit vor Freude gerötetem Gesicht und stieß seinen Nachbarn an. »Haben Sie schon jemals solch einen Burschen gesehen? Herrgott noch mal! Er wird sich bald einen Toilettenkasten und ein Rasiermesser kommen lassen. Ich will verdammt sein, wenn er es nicht tut.«   At his new home Master George ruled like a lord; at dinner he invited the ladies to drink wine with the utmost coolness, and took off his champagne in a way which charmed his old grandfather. “Look at him,” the old man would say, nudging his neighbour with a delighted purple face, “did you ever see such a chap? Lord, Lord! he’ll be ordering a dressing-case next, and razors to shave with; I’m blessed if he won’t.” Die Possen des Knaben erfreuten jedoch Mr. Osbornes Freunde nicht so sehr wie den alten Herrn selbst. Richter Coffin fand kein Vergnügen daran, wenn Georgy sich in die Unterhaltung mischte und seine Anekdoten verdarb. Oberst Fogey entdeckte wenig Interessantes daran, den kleinen Jungen halb betrunken zu sehen. Polizeirat Toffys Frau war nicht besonders dankbar, als er ihr mit einem Stoß des Ellbogens ein Glas Portwein über das gelbe Atlaskleid schüttete und dann noch über das Unglück lachte; und es gefiel ihr ebensowenig, wenn es auch den alten Osborne ergötzte, daß George ihren dritten Sohn (einen jungen Herrn, ein Jähr älter als George, der Doktor Tickleus' Schule in Ealing besuchte und zufällig in den Ferien zu Hause war) am Russell Square verprügelte. Georges Großvater gab dem Knaben für diese Heldentat zwei Sovereigns und versprach, ihn für das Verprügeln eines jeden Knaben, der älter und größer war als er, zu belohnen. Es ist schwer zu sagen, welche guten Seiten der alte Herr bei diesen Kämpfen entdeckte. Er hatte eine unbestimmte Vorstellung, daß Streitereien einen Jungen abhärteten und daß es ihm nur nützen könnte, den Tyrannen spielen zu lernen. Die englische Jugend ist seit undenklichen Zeiten so erzogen worden, und es gibt Hunderttausende, die die Ungerechtigkeit und die Brutalität bei Kindern entschuldigen und bewundern. Angestachelt von dem Lob und dem Sieg über Master Toffy, wollte George natürlich seine Triumphe fortsetzen. Als er eines Tages in der Gegend von St. Pancras in auffallend eleganten neuen Kleidern stolzierte und ein Bäckerjunge spöttische Bemerkungen über sein Äußeres machte, zog der junge Patrizier sofort mutig seine Stutzerjacke aus, gab sie dem Freund, der ihn begleitete (es war Master Todd von der Great Coram Street am Russell Square, Sohn des jüngeren Teilhabers der Firma Osborne und Co.), zum Halten und versuchte den kleinen Bäcker durchzuprügeln. Diesmal aber war ihm das Kriegsglück nicht hold, und der kleine Bäcker verprügelte George. Der kam mit einem jämmerlich blauen Auge nach Hause, und seine neue Hemdkrause war befleckt von dem Blut aus seiner Nase. Er erzählte seinem Großvater, daß er mit einem Riesen gekämpft habe, und seine arme Mutter in Brompton erschreckte er mit langen und keineswegs authentischen Berichten von der Schlacht.   The antics of the lad did not, however, delight Mr. Osborne’s friends so much as they pleased the old gentleman. It gave Mr. Justice Coffin no pleasure to hear Georgy cut into the conversation and spoil his stories. Colonel Fogey was not interested in seeing the little boy half tipsy. Mr. Sergeant Toffy’s lady felt no particular gratitude, when, with a twist of his elbow, he tilted a glass of port-wine over her yellow satin and laughed at the disaster; nor was she better pleased, although old Osborne was highly delighted, when Georgy “whopped” her third boy (a young gentleman a year older than Georgy, and by chance home for the holidays from Dr. Tickleus’s at Ealing School) in Russell Square. George’s grandfather gave the boy a couple of sovereigns for that feat and promised to reward him further for every boy above his own size and age whom he whopped in a similar manner. It is difficult to say what good the old man saw in these combats; he had a vague notion that quarrelling made boys hardy, and that tyranny was a useful accomplishment for them to learn. English youth have been so educated time out of mind, and we have hundreds of thousands of apologists and admirers of injustice, misery, and brutality, as perpetrated among children. Flushed with praise and victory over Master Toffy, George wished naturally to pursue his conquests further, and one day as he was strutting about in prodigiously dandified new clothes, near St. Pancras, and a young baker’s boy made sarcastic comments upon his appearance, the youthful patrician pulled off his dandy jacket with great spirit, and giving it in charge to the friend who accompanied him (Master Todd, of Great Coram Street, Russell Square, son of the junior partner of the house of Osborne and Co.), George tried to whop the little baker. But the chances of war were unfavourable this time, and the little baker whopped Georgy, who came home with a rueful black eye and all his fine shirt frill dabbled with the claret drawn from his own little nose. He told his grandfather that he had been in combat with a giant, and frightened his poor mother at Brompton with long, and by no means authentic, accounts of the battle. Dieser junge Todd aus der Coram Street, Russell Square, war Master Georges großer Freund und Bewunderer. Beide malten gern Theaterbilder, liebten Mandelkaramel und Himbeertörtchen, Schlittern und Schlittschuhlaufen im Regent's Park und auf der Serpentine und Theaterbesuche, wohin Rawson, Master Georges Leibdiener, sie oft auf Mr. Osbornes Geheiß führte. Mit ihm zusammen saßen sie dann ganz gemütlich im Parkett.   This young Todd, of Coram Street, Russell Square, was Master George’s great friend and admirer. They both had a taste for painting theatrical characters; for hardbake and raspberry tarts; for sliding and skating in the Regent’s Park and the Serpentine, when the weather permitted; for going to the play, whither they were often conducted, by Mr. Osborne’s orders, by Rowson, Master George’s appointed body-servant, with whom they sat in great comfort in the pit. In Begleitung dieses Herrn besuchten sie alle größeren Theater Londons. Sie kannten die Namen sämtlicher Schauspieler von Drury Lane bis Sadler's Wells und führten vor der Familie Todd und ihren jungen Freunden viele der Dramen mit Wests berühmten Darstellern in ihrem Papptheater auf. Der Diener Rawson, recht freigebig veranlagt, lud nicht selten, wenn er Geld hatte, seinen jungen Herrn nach dem Theater zu Austern und einem Glas Rumpunsch als Schlaftrunk ein. Dabei kann man sicher sein, daß Mr. Rawson seinerseits große Vorteile hatte, wenn ihm sein junger Herr großzügigen Dank abstattete für die Freuden, in die ihn der Bediente eingeführt hatte.   In the company of this gentleman they visited all the principal theatres of the metropolis; knew the names of all the actors from Drury Lane to Sadler’s Wells; and performed, indeed, many of the plays to the Todd family and their youthful friends, with West’s famous characters, on their pasteboard theatre. Rowson, the footman, who was of a generous disposition, would not unfrequently, when in cash, treat his young master to oysters after the play, and to a glass of rum-shrub for a night-cap. We may be pretty certain that Mr. Rowson profited in his turn by his young master’s liberality and gratitude for the pleasures to which the footman inducted him. Ein bekannter Schneidermeister von West End – Mr. Osborne wollte nämlich für den Knaben keinen von den Pfuschern aus der City oder von Holborn haben (obwohl für ihn selbst ein Cityschneider gut genug war) – wurde gerufen, um Georges kleine Person zu schmücken. Dabei sollten keine Kosten gespart werden. So ließ Mr. Woolsey von der Conduit Street seiner Phantasie freien Lauf und schickte dem Jungen Phantasiebeinkleider, Phantasiewesten und Phantasiejacken, genug, um eine ganze Schule voller kleiner Stutzer damit auszustatten. George hatte kleine weiße Westen für Abendgesellschaften und kleine Samtwesten zum Diner und einen hübschen kleinen Schlafrock mit Schal, wie ein echter kleiner Mann. Er kleidete sich täglich zum Diner um, »wie ein richtiger Dandy von West End«, sagte sein Großvater stets; ein Diener war ihm zur besonderen Aufwartung zuerteilt; er half ihm bei der Toilette, kam, wenn er klingelte, und brachte ihm seine Briefe stets auf einem silbernen Tablett.   A famous tailor from the West End of the town — Mr. Osborne would have none of your City or Holborn bunglers, he said, for the boy (though a City tailor was good enough for him ) — was summoned to ornament little George’s person, and was told to spare no expense in so doing. So, Mr. Woolsey, of Conduit Street, gave a loose to his imagination and sent the child home fancy trousers, fancy waistcoats, and fancy jackets enough to furnish a school of little dandies. Georgy had little white waistcoats for evening parties, and little cut velvet waistcoats for dinners, and a dear little darling shawl dressing-gown, for all the world like a little man. He dressed for dinner every day, “like a regular West End swell,” as his grandfather remarked; one of the domestics was affected to his special service, attended him at his toilette, answered his bell, and brought him his letters always on a silver tray. Nach dem Frühstück saß Georgy gewöhnlich in dem Lehnstuhl im Speisezimmer und las die »Morning Post«, gerade wie ein Erwachsener. »Wie er schon fluchen kann«, riefen die Dienstboten oft, entzückt von seiner Frühreife. Diejenigen, die sich noch an den Hauptmann, seinen Vater, erinnern konnten, waren sich einig über Master George: »Jeder Zoll der Papa!« Durch seine Munterkeit, Herrschsucht, sein Schelten und seine Gutmütigkeit brachte er Leben ins Haus.   Georgy, after breakfast, would sit in the arm-chair in the dining-room and read the Morning Post, just like a grown-up man. “How he du dam and swear,” the servants would cry, delighted at his precocity. Those who remembered the Captain his father, declared Master George was his Pa, every inch of him. He made the house lively by his activity, his imperiousness, his scolding, and his good-nature. Georges Erziehung war einem Gelehrten und Privatlehrer aus der Nachbarschaft anvertraut worden, der »junge Edelleute und Gentlemen für die Universität, den Senat und gelehrte Berufe« vorbereitete, dessen »System nicht die entwürdigenden körperlichen Züchtigungen« umfaßte, »die noch in den alten Erziehungsstätten ausgeübt werden, und in dessen Familie die Schüler eine vornehme, gebildete Gesellschaft und das Vertrauen und die Liebe eines Heims« finden würden. Auf diese Weise bemühte sich Ehrwürden Lawrence Veal, Hart Street, Bloomsbury, Hauskaplan des Grafen Bareacres, zusammen mit Mrs. Veal, Schüler anzulocken.   George’s education was confided to a neighbouring scholar and private pedagogue who “prepared young noblemen and gentlemen for the Universities, the senate, and the learned professions: whose system did not embrace the degrading corporal severities still practised at the ancient places of education, and in whose family the pupils would find the elegances of refined society and the confidence and affection of a home.” It was in this way that the Reverend Lawrence Veal of Hart Street, Bloomsbury, and domestic Chaplain to the Earl of Bareacres, strove with Mrs. Veal his wife to entice pupils. Durch diese Anzeige und sonstige unverdrossene Bemühungen gelang es dem Kaplan und seiner Frau gewöhnlich, ein paar Schüler zu bekommen, die eine hohe Summe zahlten und von denen man glaubte, sie seien außerordentlich angenehm untergebracht. Sie hatten einen großen Westindier, der niemals Besuch bekam, mit dunkler Gesichtsfarbe, wolligem Haar und einem ungemein stutzerhaften Äußeren; ferner war da ein anderer unbeholfener Junge von dreiundzwanzig, dessen Erziehung vernachlässigt worden war und den Mr. und Mrs. Veal in die feine Welt einführen sollten; und endlich waren da noch die beiden Söhne des Obersten Bangles vom Militärdienst der Ostindischen Kompanie. Diese vier saßen an Mr. Veals eleganter Tafel, als Georgy in ihr Institut eingeführt wurde.   By thus advertising and pushing sedulously, the domestic Chaplain and his Lady generally succeeded in having one or two scholars by them — who paid a high figure and were thought to be in uncommonly comfortable quarters. There was a large West Indian, whom nobody came to see, with a mahogany complexion, a woolly head, and an exceedingly dandyfied appearance; there was another hulking boy of three-and-twenty whose education had been neglected and whom Mr. and Mrs. Veal were to introduce into the polite world; there were two sons of Colonel Bangles of the East India Company’s Service: these four sat down to dinner at Mrs. Veal’s genteel board, when Georgy was introduced to her establishment. George war, wie einige Dutzend anderer Schüler, nur Tagesschüler. Er kam morgens unter der Obhut seines Freundes Mr. Rawson, und wenn nachmittags schönes Wetter war, ritt er, gefolgt von dem Reitknecht, auf seinem Pony davon. Man erzählte in der Schule, daß sein Großvater steinreich sei. Ehrwürden Mr. Veal machte Georgy ständig Komplimente deshalb und weissagte ihm, daß er für eine hohe Stellung bestimmt sei, daß er sich durch Fleiß und Gelehrigkeit in der Jugend auf die erhabenen Pflichten, die ihn im reifen Alter erwarteten, vorbereiten müsse. Der Gehorsam des Kindes sei die beste Vorbereitung für die Befehlsgewalt des Mannes, und er bitte George daher, keine Süßigkeiten mit in die Schule zu bringen und damit die Gesundheit der beiden Bangles zu ruinieren, die an der eleganten Tafel von Mrs. Veal alles, was sie brauchten, im Überfluß bekämen.   Georgy was, like some dozen other pupils, only a day boy; he arrived in the morning under the guardianship of his friend Mr. Rowson, and if it was fine, would ride away in the afternoon on his pony, followed by the groom. The wealth of his grandfather was reported in the school to be prodigious. The Rev. Mr. Veal used to compliment Georgy upon it personally, warning him that he was destined for a high station; that it became him to prepare, by sedulity and docility in youth, for the lofty duties to which he would be called in mature age; that obedience in the child was the best preparation for command in the man; and that he therefore begged George would not bring toffee into the school and ruin the health of the Masters Bangles, who had everything they wanted at the elegant and abundant table of Mrs. Veal. Was den Unterricht betraf, so war das »Curriculum«, wie es Mr. Veal gern nannte, sehr umfangreich, und die jungen Herren in der Hart Street konnten von jeder bekannten Wissenschaft etwas lernen. Ehrwürden Mr. Veal besaß ein Orrery, eine Elektrisiermaschine, eine Drehbank, ein Theater (im Waschhaus), einen chemischen Apparat und, wie er es nannte, eine auserlesene Bibliothek aller Werke der besten Schriftsteller alter und moderner Zeiten und Sprachen. Er führte die Knaben in das Britische Museum und ließ sich dort des längeren und breiteren über die dort gezeigten Altertümer und Exemplare aus der Naturgeschichte aus. Wenn er sprach, sammelte sich stets ein Zuhörerkreis um ihn, und ganz Bloomsbury bewunderte ihn als einen außerordentlich gelehrten Mann. Wenn er sprach (und das tat er fast immer), bemühte er sich, die schönsten und längsten Wörter zu benutzen, die der Wortschatz ihm bot, da er mit Recht der Ansicht war, es sei ebenso billig, einen hübschen langen und wohlklingenden Ausdruck zu verwenden wie einen kurzen, knappen.   With respect to learning, “the Curriculum,” as Mr. Veal loved to call it, was of prodigious extent, and the young gentlemen in Hart Street might learn a something of every known science. The Rev. Mr. Veal had an orrery, an electrifying machine, a turning lathe, a theatre (in the wash-house), a chemical apparatus, and what he called a select library of all the works of the best authors of ancient and modern times and languages. He took the boys to the British Museum and descanted upon the antiquities and the specimens of natural history there, so that audiences would gather round him as he spoke, and all Bloomsbury highly admired him as a prodigiously well-informed man. And whenever he spoke (which he did almost always), he took care to produce the very finest and longest words of which the vocabulary gave him the use, rightly judging that it was as cheap to employ a handsome, large, and sonorous epithet, as to use a little stingy one. So sagte er etwa zu George in der Schule: »Ich bemerkte bei meiner Heimkehr von einer genußreichen wissenschaftlichen Abendkonversation mit meinem vortrefflichen Freunde Doktor Bulders, einem echten Archäologen, meine Herren – einem echten Archäologen –, daß die Fenster im fast fürstlichen Hause Ihres verehrungswürdigen Großvaters am Russell Square illuminiert waren, wie aus Anlaß einer Festlichkeit daselbst. Bin ich richtig in der Annahme, daß Mr. Osborne gestern abend eine Gesellschaft distinguierter Geister an seiner glänzenden Tafel bewirtete?«   Thus he would say to George in school, “I observed on my return home from taking the indulgence of an evening’s scientific conversation with my excellent friend Doctor Bulders — a true archaeologian, gentlemen, a true archaeologian — that the windows of your venerated grandfather’s almost princely mansion in Russell Square were illuminated as if for the purposes of festivity. Am I right in my conjecture that Mr. Osborne entertained a society of chosen spirits round his sumptuous board last night?” Der kleine George, der viel Humor besaß und Mr. Veal mit viel Witz und Geschicklichkeit ins Gesicht hinein nachzuahmen pflegte, erwiderte, Mr. Veal sei vollkommen korrekt in seiner Mutmaßung.   Little Georgy, who had considerable humour, and used to mimic Mr. Veal to his face with great spirit and dexterity, would reply that Mr. V. was quite correct in his surmise. »Dann will ich jede Wette eingehen, daß die Freunde, welche die Ehre hatten, Mr. Osbornes Gastfreundschaft zu genießen, keinen Grund gefunden haben werden, sich über ihr Mahl zu beklagen. Ich selbst bin zu verschiedenen Malen mit einer Einladung begünstigt worden. (Beiläufig erwähnt, Master Osborne, Sie sind heute früh etwas zu spät gekommen und sind darin schon mehr als einmal pflichtvergessen gewesen.) Ich sage, ich selbst, meine Herren, ein so bescheidenes Individuum ich auch sein mag, so bin ich doch für würdig erachtet worden, Mr. Osbornes elegante Gastfreundschaft zu genießen. Und obgleich ich mit den Großen und Edlen dieser Welt gespeist habe – denn ich wage auch meinen vortrefflichen Freund und Gönner, den sehr ehrenwerten George Graf Bareacres, dieser Zahl zuzurechnen –, so versichere ich Sie, daß der Tisch des britischen Kaufmanns im Überfluß besetzt und der Empfang ebenso ergötzlich und edel war, wie er nur sein konnte. Mr. Bluck, wenn Sie belieben, so wollen wir an der Stelle im Eutropius beginnen, an der wir durch das Zuspätkommen Master Osbornes unterbrochen wurden.«   “Then those friends who had the honour of partaking of Mr. Osborne’s hospitality, gentlemen, had no reason, I will lay any wager, to complain of their repast. I myself have been more than once so favoured. (By the way, Master Osborne, you came a little late this morning, and have been a defaulter in this respect more than once.) I myself, I say, gentlemen, humble as I am, have been found not unworthy to share Mr. Osborne’s elegant hospitality. And though I have feasted with the great and noble of the world — for I presume that I may call my excellent friend and patron, the Right Honourable George Earl of Bareacres, one of the number — yet I assure you that the board of the British merchant was to the full as richly served, and his reception as gratifying and noble. Mr. Bluck, sir, we will resume, if you please, that passage of Eutropis, which was interrupted by the late arrival of Master Osborne.” Diesem bedeutenden Mann wurde Georges Erziehung auf einige Zeit anvertraut. Amelia wurde verwirrt von seinen Sätzen, sie hielt ihn jedoch für ein Wunder an Gelehrsamkeit. Die arme Witwe hatte ihre eigenen Gründe, sich mit Mrs. Veal zu befreunden. Es freute sie, im Hause zu sein, wenn George zur Schule kam; es freute sie ebenfalls, zu Mrs. Veals conversazioni geladen zu werden, die einmal monatlich stattfanden (man erfuhr das durch rosa Karten, auf denen ΑΘΗΝΗ gedruckt war), wo der Professor auch seine Schüler und ihre Freunde mit dünnem Tee und wissenschaftlicher Unterhaltung bewirtete. Die arme kleine Amelia versäumte keine dieser Gesellschaften und fand sie köstlich, solange sie Georgy neben sich hatte. In jedem Wetter wanderte sie von Brompton herüber, und sie umarmte Mrs. Veal unter Tränen des Dankes für den herrlichen Abend, den sie verbracht hatte. Wenn sich dann die Gesellschaft zurückgezogen hatte und Georgy mit seinem Begleiter, Mr. Rawson, gegangen war, zog sich die arme Mrs. Osborne den Mantel an, legte den Schal um und begab sich nach Hause.   To this great man George’s education was for some time entrusted. Amelia was bewildered by his phrases, but thought him a prodigy of learning. That poor widow made friends of Mrs. Veal, for reasons of her own. She liked to be in the house and see Georgy coming to school there. She liked to be asked to Mrs. Veal’s conversazioni, which took place once a month (as you were informed on pink cards, with AOHNH engraved on them), and where the professor welcomed his pupils and their friends to weak tea and scientific conversation. Poor little Amelia never missed one of these entertainments and thought them delicious so long as she might have Georgy sitting by her. And she would walk from Brompton in any weather, and embrace Mrs. Veal with tearful gratitude for the delightful evening she had passed, when, the company having retired and Georgy gone off with Mr. Rowson, his attendant, poor Mrs. Osborne put on her cloaks and her shawls preparatory to walking home. In der Gelehrsamkeit, die sich George unter diesem wortreichen Lehrer der hundert Wissenschaften aneignete, machte er große Fortschritte, zumindest nach den wöchentlichen Zensuren zu urteilen, die er seinem Großvater mit nach Hause brachte. Zwanzig oder mehr erstrebenswerte Wissenszweige waren auf einer Tabelle zusammengestellt, und der Professor vermerkte darauf die Fortschritte des Schülers in jedem Fach. Im Griechischen war Georgy aristos, im Lateinischen optimus, im Französischen tres bien und so weiter. Am Ende des Jahres erhielten dann alle für alles Preise. Selbst Mr. Swartz, der wollhaarige junge Herr und Halbbruder der ehrenwerten Mrs. McMull, und Mr. Bluck, der vernachlässigte junge Schüler von dreiundzwanzig aus den Ackerbaugegenden, und der bereits erwähnte faule junge Taugenichts, Master Todd, erhielten billige Heftchen, in die »Athene« gedruckt war und in denen eine pompöse lateinische Widmung des Professors an seine jungen Freunde prangte.   As for the learning which Georgy imbibed under this valuable master of a hundred sciences, to judge from the weekly reports which the lad took home to his grandfather, his progress was remarkable. The names of a score or more of desirable branches of knowledge were printed in a table, and the pupil’s progress in each was marked by the professor. In Greek Georgy was pronounced aristos, in Latin optimus, in French tres bien, and so forth; and everybody had prizes for everything at the end of the year. Even Mr. Swartz, the wooly-headed young gentleman, and half-brother to the Honourable Mrs. Mac Mull, and Mr. Bluck, the neglected young pupil of three-and-twenty from the agricultural district, and that idle young scapegrace of a Master Todd before mentioned, received little eighteen-penny books, with “Athene” engraved on them, and a pompous Latin inscription from the professor to his young friends. Die Familie von Master Todd war ein Anhängsel des Hauses Osborne. Der alte Herr hatte Todd vom Angestellten zum jüngeren Teilhaber seiner Firma befördert.   The family of this Master Todd were hangers-on of the house of Osborne. The old gentleman had advanced Todd from being a clerk to be a junior partner in his establishment. Mr. Osborne war Pate des jungen Master Todd (der im späteren Leben auf seine Karte »Mr. Osborne-Todd« schrieb und ein wahrer Weltmann wurde), während Miss Osborne Miss Maria Todd über die Taufe gehalten hatte und ihrem Schützling jährlich ein Gebetbuch, eine Sammlung von Traktaten, einen Band mit geistlichen Liedern oder ein ähnliches Andenken ihrer Güte geschenkt hatte. Miss Osborne nahm zuweilen die Todds zu einer Spazierfahrt in ihrem Wagen mit, und wenn sie krank waren, brachte ihr Lakai in weiten Kniehosen und Weste aus Plüsch Gelee und Delikatessen vom Russell Square zur Great Coram Street. Die Coram Street zitterte und blickte zum Russell Square auf, und Mrs. Todd, die sehr geschickt war im Ausschneiden von Papierschmuck für Hammelkeulen und die es verstand, aus Rüben und Möhren sehr naturgetreu Blumen und Enten zu fertigen, ging oft zum »Square«, wie sie es nannten, und half bei der Vorbereitung von großen Diners, ohne auch nur den leisesten Gedanken, ebenfalls an der Tafel teilzunehmen. Wenn in der letzten Minute ein Gast noch absagte, dann wurde Todd zum Essen eingeladen. Mrs. Todd und Maria kamen dann am Abend herüber, schlüpften nach leisem Klopfen ins Haus und saßen schon im Salon, wenn Miss Osborne und die Damen ihres Gefolges in dem Zimmer erschienen. Sie waren bereit, Duette und Lieder abzufeuern, bis die Herren nachkommen würden. Arme Maria Todd, arme junge Dame! Wie lange sie doch diese Duette und Sonaten in der »Street« üben und klimpern mußte, ehe sie in der Öffentlichkeit am »Square« vorgetragen werden konnten.   Mr. Osborne was the godfather of young Master Todd (who in subsequent life wrote Mr. Osborne Todd on his cards and became a man of decided fashion), while Miss Osborne had accompanied Miss Maria Todd to the font, and gave her protegee a prayer-book, a collection of tracts, a volume of very low church poetry, or some such memento of her goodness every year. Miss O. drove the Todds out in her carriage now and then; when they were ill, her footman, in large plush smalls and waistcoat, brought jellies and delicacies from Russell Square to Coram Street. Coram Street trembled and looked up to Russell Square indeed, and Mrs. Todd, who had a pretty hand at cutting out paper trimmings for haunches of mutton, and could make flowers, ducks, \&c., out of turnips and carrots in a very creditable manner, would go to “the Square,” as it was called, and assist in the preparations incident to a great dinner, without even so much as thinking of sitting down to the banquet. If any guest failed at the eleventh hour, Todd was asked to dine. Mrs. Todd and Maria came across in the evening, slipped in with a muffled knock, and were in the drawing-room by the time Miss Osborne and the ladies under her convoy reached that apartment — and ready to fire off duets and sing until the gentlemen came up. Poor Maria Todd; poor young lady! How she had to work and thrum at these duets and sonatas in the Street, before they appeared in public in the Square! Es schien also vom Schicksal bestimmt zu sein, daß George alle, mit denen er in Berührung kam, beherrschen sollte und daß Freunde, Verwandte und Dienstboten die Knie vor dem kleinen Burschen beugen mußten. Zugegebenermaßen fand er sich sehr bereitwillig in diese Einrichtung der Dinge. Das tun ja die meisten Menschen. Georgy spielte gern die Herrenrolle und besaß wohl auch eine natürliche Anlage dafür.   Thus it seemed to be decreed by fate that Georgy was to domineer over everybody with whom he came in contact, and that friends, relatives, and domestics were all to bow the knee before the little fellow. It must be owned that he accommodated himself very willingly to this arrangement. Most people do so. And Georgy liked to play the part of master and perhaps had a natural aptitude for it. Am Russell Square fürchteten sich alle vor Mr. Osborne, und Mr. Osborne fürchtete sich vor Georgy. Die elegante Art des Knaben und sein vorschnelles Geschwätz über Bücher und Gelehrsamkeit, die Ähnlichkeit mit seinem Vater (der unversöhnt drüben in Brüssel lag) schüchterten den alten Herrn ein und gaben dem Knaben die Oberhand. Der Alte fuhr oft zusammen, wenn der kleine Bursche unbewußt einen von früher bekannten Zug zeigte oder einen ererbten Ton anschlug. Es schien ihm dann, daß Georges Vater wieder vor ihm stehe. Die Härte gegen den älteren George versuchte er durch Nachsicht gegen den Enkel auszugleichen. Die Leute waren über diese Sanftmut erstaunt. Gegenüber seiner Tochter brummte und fluchte er zwar wie gewöhnlich, aber er lächelte, wenn George zu spät zum Frühstück herunterkam.   In Russell Square everybody was afraid of Mr. Osborne, and Mr. Osborne was afraid of Georgy. The boy’s dashing manners, and offhand rattle about books and learning, his likeness to his father (dead unreconciled in Brussels yonder) awed the old gentleman and gave the young boy the mastery. The old man would start at some hereditary feature or tone unconsciously used by the little lad, and fancy that George’s father was again before him. He tried by indulgence to the grandson to make up for harshness to the elder George. People were surprised at his gentleness to the boy. He growled and swore at Miss Osborne as usual, and would smile when George came down late for breakfast. Miss Osborne, Georges Tante, war eine unglückliche alte Jungfer, gebrochen von mehr als vierzig Jahren Langerweile und schlechter Behandlung. Es war für einen lebhaften Knaben nicht schwer, sie zu beherrschen. Wenn George irgend etwas von ihr wollte, angefangen von den Marmeladentöpfen in ihren Wandschränken bis zu den rissigen, vertrockneten alten Farben in ihrem Tuschkasten (dem alten Tuschkasten, den sie als Schülerin von Mr. Smee gehabt hatte, als sie noch ein junges blühendes Mädchen gewesen war), dann ergriff er Besitz von dem Gegenstand seiner Wünsche und kümmerte sich danach nicht mehr um seine Tante.   Miss Osborne, George’s aunt, was a faded old spinster, broken down by more than forty years of dulness and coarse usage. It was easy for a lad of spirit to master her. And whenever George wanted anything from her, from the jam-pots in her cupboards to the cracked and dry old colours in her paint-box (the old paint-box which she had had when she was a pupil of Mr. Smee and was still almost young and blooming), Georgy took possession of the object of his desire, which obtained, he took no further notice of his aunt. Seine Freunde und Kumpane waren ein prahlerischer alter Schulmeister, der ihm schmeichelte, und ein Speichellecker, älter als er, den er verprügeln konnte. Es war Mrs. Todds größtes Entzücken, wenn er mit ihrer jüngsten Tochter, Rosa Jemima, einem lieblichen Mädchen von acht Jahren, zusammen war. »Das Pärchen paßt so hübsch zusammen«, sagte sie ständig (aber natürlich nicht zu den Leuten vom »Square«). Wer weiß, was noch geschehen kann! Sind sie nicht ein schönes Pärchen? dachte die zärtliche Mutter.   For his friends and cronies, he had a pompous old schoolmaster, who flattered him, and a toady, his senior, whom he could thrash. It was dear Mrs. Todd’s delight to leave him with her youngest daughter, Rosa Jemima, a darling child of eight years old. The little pair looked so well together, she would say (but not to the folks in “the Square,” we may be sure) “who knows what might happen? Don’t they make a pretty little couple?” the fond mother thought. Der gebrochene alte Großvater mütterlicherseits war dem kleinen Tyrannen ebenfalls Untertan. Er mußte einfach einen Burschen respektieren, der so feine Kleider trug und mit einem Reitknecht ausritt. Georgy dagegen hörte beständig, wie Mr. Sedley von seinem unbarmherzigen alten Feind, Mr. Osborne, roh beschimpft und gemein verhöhnt wurde. Osborne nannte ihn den alten Almosenempfänger, den alten Kohlenmann, den alten Bankrotteur und gab ihm noch viele ähnliche bösartige gemeine Schimpfnamen. Wie konnte George dann einen so heruntergekommenen Mann achten? Einige Monate nach seiner Übersiedlung zum Großvater väterlicherseits starb Mrs. Sedley. Zwischen ihr und dem Kind hatte es wenig Liebe gegeben, und der Junge bemühte sich nicht, traurig zu scheinen. Er besuchte seine Mutter in einem schönen neuen Traueranzug und war sehr ärgerlich, nicht zu einem Theaterstück gehen zu können, das er sehr gern gesehen hätte.   The broken-spirited, old, maternal grandfather was likewise subject to the little tyrant. He could not help respecting a lad who had such fine clothes and rode with a groom behind him. Georgy, on his side, was in the constant habit of hearing coarse abuse and vulgar satire levelled at John Sedley by his pitiless old enemy, Mr. Osborne. Osborne used to call the other the old pauper, the old coal-man, the old bankrupt, and by many other such names of brutal contumely. How was little George to respect a man so prostrate? A few months after he was with his paternal grandfather, Mrs. Sedley died. There had been little love between her and the child. He did not care to show much grief. He came down to visit his mother in a fine new suit of mourning, and was very angry that he could not go to a play upon which he had set his heart. Die Krankheit der alten Dame war Amelias Beschäftigung und vielleicht auch Rettung gewesen. Was wissen schon die Männer von den Leiden der Frauen. Wir würden wahnsinnig werden, hätten wir nur den hundertsten Teil der Qualen zu erdulden, die viele Frauen täglich bescheiden ertragen. Unablässige Sklaverei, die keinen Lohn findet, stete Sanftmut und Freundlichkeit, die mit Grausamkeit beantwortet wird; Liebe, Armut, Geduld, Wachsamkeit und dabei nicht die kleinste Anerkennung durch ein gutes Wort. Wie viele von ihnen müssen das alles in der Stille ertragen und erscheinen dann noch in der Öffentlichkeit, als ob sie nichts fühlten! Diese zärtlichen Sklavinnen müssen notwendigerweise heuchlerisch und schwach werden.   The illness of that old lady had been the occupation and perhaps the safeguard of Amelia. What do men know about women’s martyrdoms? We should go mad had we to endure the hundredth part of those daily pains which are meekly borne by many women. Ceaseless slavery meeting with no reward; constant gentleness and kindness met by cruelty as constant; love, labour, patience, watchfulness, without even so much as the acknowledgement of a good word; all this, how many of them have to bear in quiet, and appear abroad with cheerful faces as if they felt nothing. Tender slaves that they are, they must needs be hypocrites and weak. Amelias Mutter hatte anfangs immer im Stuhl gesessen und war dann bettlägerig geworden. Mrs. Osborne verließ das Bett der Kranken nie, es sei denn, sie lief, um George zu sehen. Aber selbst diese seltenen Besuche verübelte ihr die alte Frau, sie, die einst in besseren Tagen eine freundliche, lächelnde, gütige Mutter gewesen war, die aber Armut und Krankheit jetzt gebrochen hatten. Krankheit und Entfremdung berührten Amelia nicht so sehr, im Gegenteil, sie ermöglichten ihr, das andere Unglück, unter dem sie litt, zu ertragen, und die unablässigen Forderungen der Patientin brachten sie auf andere Gedanken. Amelia ertrug das mürrische Wesen der Mutter mit Sanftmut, glättete ihr das zerwühlte Kissen, hatte für ihre zänkischen Fragen stets eine milde Antwort, beruhigte die Leidende mit Worten der Hoffnung, die ihr frommes, einfaches Herz am besten fühlen und äußern konnte, und drückte die Augen zu, die einst so zärtlich auf sie geblickt hatten.   From her chair Amelia’s mother had taken to her bed, which she had never left, and from which Mrs. Osborne herself was never absent except when she ran to see George. The old lady grudged her even those rare visits; she, who had been a kind, smiling, good-natured mother once, in the days of her prosperity, but whom poverty and infirmities had broken down. Her illness or estrangement did not affect Amelia. They rather enabled her to support the other calamity under which she was suffering, and from the thoughts of which she was kept by the ceaseless calls of the invalid. Amelia bore her harshness quite gently; smoothed the uneasy pillow; was always ready with a soft answer to the watchful, querulous voice; soothed the sufferer with words of hope, such as her pious simple heart could best feel and utter, and closed the eyes that had once looked so tenderly upon her. Dann verwendete sie all ihre Zeit und Zärtlichkeit für den Trost und die Pflege des alten verlassenen Vaters, der von dem Schlag, welcher ihn betroffen hatte, ganz betäubt war und jetzt allein in der Welt stand. Seine Frau, seine Ehre, sein Vermögen, alles, was er am meisten geliebt hatte, war ihm genommen worden, und nur Amelia stand ihm noch bei und stützte mit ihren sanften Armen den wankenden, gebrochenen alten Mann. Wir wollen die Geschichte nicht fortsetzen, sie wäre zu traurig und langweilig. Ich sehe den Jahrmarkt der Eitelkeit schon weinend vor mir.   Then all her time and tenderness were devoted to the consolation and comfort of the bereaved old father, who was stunned by the blow which had befallen him, and stood utterly alone in the world. His wife, his honour, his fortune, everything he loved best had fallen away from him. There was only Amelia to stand by and support with her gentle arms the tottering, heart-broken old man. We are not going to write the history: it would be too dreary and stupid. I can see Vanity Fair yawning over it d’avance. Eines Tages, als die jungen Herren im Studierzimmer bei Ehrwürden Mr. Veal versammelt waren und der Hauskaplan des ehrenwerten Grafen Bareacres wie gewöhnlich deklamierte, fuhr ein hübscher Wagen an der Tür vor, die mit einer Statue der Athene geschmückt war, und zwei Herren stiegen aus. Die jungen Bangles stürzten ans Fenster, in der unbestimmten Annahme, ihr Vater sei aus Bombay gekommen. Der große unbeholfene Schüler von dreiundzwanzig, der insgeheim über einer Stelle des Eutropius weinte, preßte seine vernachlässigte Nase an die Fensterscheiben und sah zu dem Wagen hinab, als der Lakai vom Bock sprang und die Insassen aussteigen ließ.   One day as the young gentlemen were assembled in the study at the Rev. Mr. Veal’s, and the domestic chaplain to the Right Honourable the Earl of Bareacres was spouting away as usual, a smart carriage drove up to the door decorated with the statue of Athene, and two gentlemen stepped out. The young Masters Bangles rushed to the window with a vague notion that their father might have arrived from Bombay. The great hulking scholar of three-and-twenty, who was crying secretly over a passage of Eutropius, flattened his neglected nose against the panes and looked at the drag, as the laquais de place sprang from the box and let out the persons in the carriage. »Es ist ein Dicker und ein Dünner«, sagte Mr. Bluck, als donnernd an die Tür geklopft wurde.   “It’s a fat one and a thin one,” Mr. Bluck said as a thundering knock came to the door. Alle waren interessiert, angefangen von dem Hauskaplan selbst, der die Väter künftiger Schüler zu sehen hoffte, bis hinab zu Master Georgy, der froh war, einen Vorwand zu haben, das Buch niederlegen zu dürfen.   Everybody was interested, from the domestic chaplain himself, who hoped he saw the fathers of some future pupils, down to Master Georgy, glad of any pretext for laying his book down. Der Junge in der schäbigen Livree mit den blinden Kupferknöpfen, der sich stets in den zu engen Rock zwängte, wenn er öffnen sollte, kam in das Studierzimmer und sagte: »Zwei Herren wünschen Master Osborne zu sprechen.« Der Professor hatte an jenem Morgen einen geringfügigen Wortwechsel mit dem jungen Herrn gehabt, und zwar waren sie verschiedener Ansicht über das Mitbringen von Knallbonbons in die Schule. Sein Gesicht nahm aber den gewohnten Ausdruck milder Höflichkeit an, als er sagte: »Master Osborne, ich gebe Ihnen volle Erlaubnis, Ihre Freunde in der Kutsche zu sprechen, und bitte Sie, ihnen die respektvollsten Komplimente von mir und Mrs. Veal zu überbringen.«   The boy in the shabby livery with the faded copper buttons, who always thrust himself into the tight coat to open the door, came into the study and said, “Two gentlemen want to see Master Osborne.” The professor had had a trifling altercation in the morning with that young gentleman, owing to a difference about the introduction of crackers in school-time; but his face resumed its habitual expression of bland courtesy as he said, “Master Osborne, I give you full permission to go and see your carriage friends — to whom I beg you to convey the respectful compliments of myself and Mrs. Veal.” Georgy ging in das Empfangszimmer und sah zwei Fremde, die er in seiner gewohnten hochmütigen Art mit zurückgeworfenem Kopf betrachtete. Der eine war dick, mit Schnurrbart, der andere mager und lang und trug einen blauen Rock. Er hatte ein braunes Gesicht und graumelierte Haare.   Georgy went into the reception-room and saw two strangers, whom he looked at with his head up, in his usual haughty manner. One was fat, with mustachios, and the other was lean and long, in a blue frock-coat, with a brown face and a grizzled head. »Mein Gott, welche Ähnlichkeit!« sagte der lange Herr und fuhr zurück. »Kannst du erraten, wer wir sind, George?«   “My God, how like he is!” said the long gentleman with a start. “Can you guess who we are, George?” Der Knabe wurde rot wie gewöhnlich, wenn er erregt war, und seine Augen strahlten. »Den anderen kenne ich nicht«, sagte er, »aber ich sollte annehmen, daß Sie Major Dobbin sind.«   The boy’s face flushed up, as it did usually when he was moved, and his eyes brightened. “I don’t know the other,” he said, “but I should think you must be Major Dobbin.” Es war tatsächlich unser alter Freund. Seine Stimme zitterte vor Freude, als er den Knaben begrüßte. Er nahm beide Hände des Burschen in die seinigen und zog ihn an sich.   Indeed it was our old friend. His voice trembled with pleasure as he greeted the boy, and taking both the other’s hands in his own, drew the lad to him. »Deine Mutter hat dir gewiß von mir erzählt, nicht wahr?« fragte er.   “Your mother has talked to you about me — has she?” he said. »Natürlich!« erwiderte Georgy. »Viele, viele hundert Male.«   “That she has,” Georgy answered, “hundreds and hundreds of times.” 57. Kapitel / Chapter 57 Eothen / Eothen Einer der vielen Gründe für den Stolz des alten Osborne war, daß Sedley, sein alter Rivale, Feind und Wohltäter, in seinen letzten Tagen so völlig besiegt und erniedrigt war, daß er finanzielle Unterstützung aus den Händen des Mannes annehmen mußte, der ihn am schwersten verwundet und beleidigt hatte. Der erfolgreiche Weltmann beschimpfte den alten Almosenempfänger und half ihm von Zeit zu Zeit. Wenn er George Geld für seine Mutter gab, so gab er dem Knaben in seiner gewöhnlichen brutalen, rohen Weise zu verstehen, daß Georges Großvater mütterlicherseits nur ein erbärmlicher alter Bankrotteur und Abhängiger sei und daß John Sedley dem Mann, dem er bereits so viel Geld schuldete, dankbar sein müsse für die Hilfe, die sein, Osbornes, Edelmut ihm gewährte. George brachte diese prahlerische Summe seiner Mutter und dem gebeugten alten Witwer, dessen Pflege und Tröstung jetzt Amelias Hauptbeschäftigung war. Der kleine Bursche behandelte den schwachen, unglücklichen alten Mann sehr gönnerhaft.   It was one of the many causes for personal pride with which old Osborne chose to recreate himself that Sedley, his ancient rival, enemy, and benefactor, was in his last days so utterly defeated and humiliated as to be forced to accept pecuniary obligations at the hands of the man who had most injured and insulted him. The successful man of the world cursed the old pauper and relieved him from time to time. As he furnished George with money for his mother, he gave the boy to understand by hints, delivered in his brutal, coarse way, that George’s maternal grandfather was but a wretched old bankrupt and dependant, and that John Sedley might thank the man to whom he already owed ever so much money for the aid which his generosity now chose to administer. George carried the pompous supplies to his mother and the shattered old widower whom it was now the main business of her life to tend and comfort. The little fellow patronized the feeble and disappointed old man. Es war vielleicht Mangel an »schicklichem Stolz« bei Amelia, daß sie die finanziellen Wohltaten aus der Hand des Feindes ihres Vaters annahm. Schicklicher Stolz und diese arme Dame hatten einander jedoch nie gut gekannt. Sie war ein von Natur aus einfaches, schutzbedürftiges Wesen; lange Jahre in Armut und Demütigung unter täglichen Entbehrungen und bösen Worten und guten Taten ohne Belohnung waren ihr Los gewesen, seit sie erwachsen war oder seit ihrer unglücklichen Heirat mit George Osborne. Du, der du täglich siehst, daß bessere Menschen als du diese Schande erdulden, die still die Schicksalsschläge ertragen, sanft und unbemitleidet, arm und noch verachtet wegen ihrer Armut sind – steigst du je von der Höhe deines Glücks herab und wäschst diesen armen müden Bettlern die Füße? Schon der Gedanke an sie erscheint verhaßt und gemein. »Es muß Klassen geben – es muß Reiche und Arme geben«, sagt der Reiche und schlürft seinen Rotwein (es ist schon viel, wenn er Lazarus, der unter seinem Fenster sitzt, Fleischbröckchen hinausschickt). Das stimmt schon, aber bedenke auch, wie geheimnisvoll und oft unberechenbar sie ist, die Lebenslotterie, die diesem Purpur und köstliche Leinwand gibt und dem anderen Lumpen als Kleider und Hunde zur Tröstung schickt.   It may have shown a want of “proper pride” in Amelia that she chose to accept these money benefits at the hands of her father’s enemy. But proper pride and this poor lady had never had much acquaintance together. A disposition naturally simple and demanding protection; a long course of poverty and humility, of daily privations, and hard words, of kind offices and no returns, had been her lot ever since womanhood almost, or since her luckless marriage with George Osborne. You who see your betters bearing up under this shame every day, meekly suffering under the slights of fortune, gentle and unpitied, poor, and rather despised for their poverty, do you ever step down from your prosperity and wash the feet of these poor wearied beggars? The very thought of them is odious and low. “There must be classes — there must be rich and poor,” Dives says, smacking his claret (it is well if he even sends the broken meat out to Lazarus sitting under the window). Very true; but think how mysterious and often unaccountable it is — that lottery of life which gives to this man the purple and fine linen and sends to the other rags for garments and dogs for comforters. So muß ich gestehen, daß Amelia ohne viel Kummer – im Gegenteil, mit etwas wie Dankbarkeit – die Krumen auflas, die ihr Schwiegervater hin und wieder fallen ließ, und damit ihren Vater ernährte. Sobald sie bemerkte, daß es ihre Pflicht war, opferte sich diese junge Frau ganz selbstverständlich (meine Damen, sie ist erst dreißig, und wir nennen sie in diesem Alter noch eine junge Frau), opferte sie sich, wie gesagt, und legte alles, was sie hatte, dem geliebten Gegenstand zu Füßen. Wieviel lange Nächte hindurch hatte sie sich ohne Dank die Finger für den kleinen George wund gearbeitet, als er noch bei ihr war! Wieviel Leid, Verachtung, Entbehrungen, Armut hatte sie für Vater und Mutter ertragen! Und bei all dieser einsamen Entsagung und dieser unbeachteten Hingabe schätzte sie sich nicht höher, als die Welt sie schätzte. Wahrscheinlich dachte sie in ihrem Herzen, sie sei ein armseliges, erbärmliches kleines Geschöpf, das mehr Glück hatte, als es verdiente. Oh, ihr armen Frauen! Ihr armen geheimen Märtyrerinnen und Opfer, deren Leben eine Tortur ist, die ihr in eurem Schlafzimmer auf der Folter ausgestreckt liegt und täglich im Salon den Kopf auf den Block legt. Jeder Mann, der eure Schmerzen beobachtet oder in den dunklen Ort späht, wo eure Tortur vollzogen wird, muß euch bemitleiden – und – Gott danken, daß er einen Bart hat. Ich erinnere mich, vor vielen Jahren in dem Irrenhaus in Bicêtre bei Paris einen armen, von Kerker und Krankheit gebeugten Schelm gesehen zu haben, dem einer von uns für ein paar Pfennige Schnupftabak in einer Papiertüte gab. Diese Freundlichkeit war zuviel für das arme epileptische Geschöpf. Er weinte vor Freude und Dankbarkeit. Wenn irgend jemand dir oder mir jährlich tausend Pfund geben oder das Leben retten würde – wir könnten nicht so gerührt sein. Genauso ist es, wenn man eine Frau gehörig tyrannisiert hat. Für ein paar Pfennige Freundlichkeit werden dann ebenso auf sie wirken und ihr Tränen in die Augen locken, als ob du ein wohltätiger Engel wärst.   So I must own that, without much repining, on the contrary with something akin to gratitude, Amelia took the crumbs that her father-in-law let drop now and then, and with them fed her own parent. Directly she understood it to be her duty, it was this young woman’s nature (ladies, she is but thirty still, and we choose to call her a young woman even at that age) it was, I say, her nature to sacrifice herself and to fling all that she had at the feet of the beloved object. During what long thankless nights had she worked out her fingers for little Georgy whilst at home with her; what buffets, scorns, privations, poverties had she endured for father and mother! And in the midst of all these solitary resignations and unseen sacrifices, she did not respect herself any more than the world respected her, but I believe thought in her heart that she was a poor-spirited, despicable little creature, whose luck in life was only too good for her merits. O you poor women! O you poor secret martyrs and victims, whose life is a torture, who are stretched on racks in your bedrooms, and who lay your heads down on the block daily at the drawing-room table; every man who watches your pains, or peers into those dark places where the torture is administered to you, must pity you — and — and thank God that he has a beard. I recollect seeing, years ago, at the prisons for idiots and madmen at Bicetre, near Paris, a poor wretch bent down under the bondage of his imprisonment and his personal infirmity, to whom one of our party gave a halfpenny worth of snuff in a cornet or “screw” of paper. The kindness was too much for the poor epileptic creature. He cried in an anguish of delight and gratitude: if anybody gave you and me a thousand a year, or saved our lives, we could not be so affected. And so, if you properly tyrannize over a woman, you will find a h’p’orth of kindness act upon her and bring tears into her eyes, as though you were an angel benefiting her. Gaben dieser Art waren die besten, die das Glück der armen kleinen Amelia gewährte. Ihr Leben, gar nicht unglücklich begonnen, war dazu herabgesunken – zu einer gemeinen Kerkerhaft und einer langen, erniedrigenden Sklaverei. Der kleine George besuchte sie zuweilen in ihrer Gefangenschaft und brachte ihr einen Schimmer schwachen Trostes. Der Russell Square war die Grenze ihres Gefängnisses. Sie konnte gelegentlich dorthin gehen, kam aber stets des Abends wieder in ihre Zelle zurück: um darin zu schlafen, um freudlose Pflichten zu erfüllen, um an danklosen, trüben Krankenbetten zu wachen und um die Quälereien und die Herrschsucht zänkischer, enttäuschter alter Leute zu ertragen. Wie viele Tausende von Menschen gibt es – meistens Frauen –, die zu dieser langen Sklaverei verurteilt sind, Krankenwärterinnen ohne Lohn – Barmherzige Schwestern, wenn man so will, ohne die Romantik des Aufopferungsgefühls. Sie mühen sich ab, fasten, wachen, leiden, ohne Mitleid zu finden, und welken erniedrigt dahin.   Some such boons as these were the best which Fortune allotted to poor little Amelia. Her life, begun not unprosperously, had come down to this — to a mean prison and a long, ignoble bondage. Little George visited her captivity sometimes and consoled it with feeble gleams of encouragement. Russell Square was the boundary of her prison: she might walk thither occasionally, but was always back to sleep in her cell at night; to perform cheerless duties; to watch by thankless sick-beds; to suffer the harassment and tyranny of querulous disappointed old age. How many thousands of people are there, women for the most part, who are doomed to endure this long slavery? — who are hospital nurses without wages — sisters of Charity, if you like, without the romance and the sentiment of sacrifice — who strive, fast, watch, and suffer, unpitied, and fade away ignobly and unknown. Es gefällt der schrecklichen verborgenen Weisheit, die die Geschicke der Menschen lenkt, die Sanften, Guten und Weisen zu demütigen und niederzuwerfen und die Selbstsüchtigen, Törichten und Bösen zu erhöhen. Oh, mein Bruder! Sei demütig in deinem Glück! Sei sanft gegen die, welche weniger glücklich, aber doch sehr wahrscheinlich verdienstvoller sind. Überlege dir, welches Recht du hast, jemanden zu verachten, du, dessen Tugend nur auf dem Mangel an Versuchung beruht, dessen Erfolge zufällig sein können, dessen Stellung vielleicht nur dem Glück eines Ahnen zu verdanken ist, dessen eigenes Gedeihen höchstwahrscheinlich eine Satire ist!   The hidden and awful Wisdom which apportions the destinies of mankind is pleased so to humiliate and cast down the tender, good, and wise, and to set up the selfish, the foolish, or the wicked. Oh, be humble, my brother, in your prosperity! Be gentle with those who are less lucky, if not more deserving. Think, what right have you to be scornful, whose virtue is a deficiency of temptation, whose success may be a chance, whose rank may be an ancestor’s accident, whose prosperity is very likely a satire. Man begrub Amelias Mutter auf dem Kirchhof in Brompton, an einem genauso dunklen regnerischen Tag wie dem, an dem Amelia dorthin gekommen war, um mit George getraut zu werden. Ihr kleiner Knabe saß in prächtigen neuen Trauerkleidern neben ihr. Sie erinnerte sich der alten Schließerin und des Küsters. Während der Pfarrer die Predigt hielt, schweiften ihre Gedanken in die Vergangenheit. Wenn sie nicht Georges Hand gehalten hätte, wie gern hätte sie dann den Platz getauscht mit... Doch wie gewöhnlich schämte sie sich bald ihrer selbstsüchtigen Gedanken und betete still um Stärke zur Erfüllung ihrer Pflicht.   They buried Amelia’s mother in the churchyard at Brompton, upon just such a rainy, dark day as Amelia recollected when first she had been there to marry George. Her little boy sat by her side in pompous new sables. She remembered the old pew-woman and clerk. Her thoughts were away in other times as the parson read. But that she held George’s hand in her own, perhaps she would have liked to change places with.... Then, as usual, she felt ashamed of her selfish thoughts and prayed inwardly to be strengthened to do her duty. Sie beschloß, mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft ihren alten Vater glücklich zu machen. Sie plackte und mühte sich ab, flickte und stopfte, sang und spielte Puff, las aus der Zeitung vor, kochte für den alten Sedley, ging mit ihm in den Kensington Gardens oder auf den Bromptoner Straßen spazieren, lauschte seinen Geschichten mit nimmermüdem Lächeln und liebevoller Heuchelei oder saß sinnend und in ihre eigenen Gedanken und Erinnerungen versunken neben ihm, wenn sich der schwache, zänkische Alte auf den Gartenbänken sonnte und von seinen Sorgen und dem ihm angetanen Unrecht brabbelte. Wie traurig und unbefriedigend waren die Gedanken der Witwe! Die Kinder, die auf den breiten Wegen und Böschungen des Gartens herumtollten, erinnerten sie an George, den man ihr entrissen hatte; auch der erste George war ihr genommen worden. In beiden Fällen war ihre egoistische, schuldige Liebe zurechtgewiesen und bitter bestraft worden. Sie bemühte sich, zu glauben, daß sie mit Recht auf diese Weise gestraft worden sei. Sie war ja eine so elende, böse Sünderin. Sie stand ja ganz allein auf der Welt.   So she determined with all her might and strength to try and make her old father happy. She slaved, toiled, patched, and mended, sang and played backgammon, read out the newspaper, cooked dishes, for old Sedley, walked him out sedulously into Kensington Gardens or the Brompton Lanes, listened to his stories with untiring smiles and affectionate hypocrisy, or sat musing by his side and communing with her own thoughts and reminiscences, as the old man, feeble and querulous, sunned himself on the garden benches and prattled about his wrongs or his sorrows. What sad, unsatisfactory thoughts those of the widow were! The children running up and down the slopes and broad paths in the gardens reminded her of George, who was taken from her; the first George was taken from her; her selfish, guilty love, in both instances, had been rebuked and bitterly chastised. She strove to think it was right that she should be so punished. She was such a miserable wicked sinner. She was quite alone in the world. Ich weiß, daß der Bericht von solch einer einsamen Gefangenschaft unerträglich langweilig ist, wenn er nicht durch heitere oder humoristische Vorfälle belebt wird – zum Beispiel einen zärtlichen Kerkermeister oder einen lustigen Festungskommandanten; oder eine Maus, die herauskommt und in Latudes Bart herumspielt; oder einen unterirdischen Gang unter der Burg, den Trenck mit den Fingernägeln und einem Zahnstocher gräbt. Solche belebenden Vorfälle hat der Verfasser in der Erzählung von Amelias Gefangenschaft nicht zu berichten. Stell sie dir in dieser Zeit bitte sehr traurig vor, aber wenn man sie anspricht, stets zu einem Lächeln bereit, in einer sehr niedrigen, armen, um nicht zu sagen, gemeinen Stellung. Sie singt für ihren alten Vater Lieder, bereitet Puddings, spielt Karten, stopft Strümpfe. Es ist nicht so wichtig, ob sie eine Heldin ist oder nicht. Mögen nur du und ich – wenn wir alt, zänkisch und bankrott sind – in unseren letzten Tagen eine gütige weiche Schulter haben, an die wir uns lehnen können, eine zarte Hand, die uns die gichtigen Kissen glättet.   I know that the account of this kind of solitary imprisonment is insufferably tedious, unless there is some cheerful or humorous incident to enliven it — a tender gaoler, for instance, or a waggish commandant of the fortress, or a mouse to come out and play about Latude’s beard and whiskers, or a subterranean passage under the castle, dug by Trenck with his nails and a toothpick: the historian has no such enlivening incident to relate in the narrative of Amelia’s captivity. Fancy her, if you please, during this period, very sad, but always ready to smile when spoken to; in a very mean, poor, not to say vulgar position of life; singing songs, making puddings, playing cards, mending stockings, for her old father’s benefit. So, never mind, whether she be a heroine or no; or you and I, however old, scolding, and bankrupt — may we have in our last days a kind soft shoulder on which to lean and a gentle hand to soothe our gouty old pillows. Nach dem Tode seiner Frau schloß der alte Sedley seine Tochter sehr ins Herz, und Amelia fand ihren Trost darin, gegenüber dem Alten ihre Pflicht zu tun.   Old Sedley grew very fond of his daughter after his wife’s death, and Amelia had her consolation in doing her duty by the old man. Wir werden diese beiden Menschen jedoch nicht lange auf einer so niedrigen, armseligen Stufe des Lebens lassen; es waren ihnen noch bessere Tage, zumindest im Hinblick auf weltliches Glück, bestimmt. Wahrscheinlich hat der scharfsinnige Leser schon erraten, wer der dicke Herr war, der in Begleitung unseres alten Freundes Major Dobbin Georgy in der Schule aufsuchte. Es war ein anderer alter Bekannter, der nach England zurückgekehrt war, und zwar zu einem Zeitpunkt, da seinen Verwandten dort seine Gegenwart sehr angenehm sein mußte.   But we are not going to leave these two people long in such a low and ungenteel station of life. Better days, as far as worldly prosperity went, were in store for both. Perhaps the ingenious reader has guessed who was the stout gentleman who called upon Georgy at his school in company with our old friend Major Dobbin. It was another old acquaintance returned to England, and at a time when his presence was likely to be of great comfort to his relatives there. Major Dobbin, dem es schnell gelungen war, von seinem gutmütigen Kommandeur wegen dringender Privatangelegenheiten die Erlaubnis zur Reise nach Madras und von da wahrscheinlich nach Europa zu erhalten, war Tag und Nacht unterwegs gewesen, bis er sein Ziel erreicht hatte, und war mit solcher Geschwindigkeit nach Madras marschiert, daß er mit sehr hohem Fieber dort ankam. Die ihn begleitenden Diener brachten ihn, der schon im Delirium lag, in das Haus des Freundes, bei dem er bis zu seiner Abreise nach Europa hatte wohnen wollen. Man glaubte viele, viele Tage, daß er nie weiter reisen würde als bis zum Friedhof der Sankt-Georgs-Kirche, wo manch tapferer Offizier fern von der Heimat ruht und wo die Truppe eine Salve über sein Grab feuern würde.   Major Dobbin having easily succeeded in getting leave from his good-natured commandant to proceed to Madras, and thence probably to Europe, on urgent private affairs, never ceased travelling night and day until he reached his journey’s end, and had directed his march with such celerity that he arrived at Madras in a high fever. His servants who accompanied him brought him to the house of the friend with whom he had resolved to stay until his departure for Europe in a state of delirium; and it was thought for many, many days that he would never travel farther than the burying-ground of the church of St. George’s, where the troops should fire a salvo over his grave, and where many a gallant officer lies far away from his home. Als der arme Junge sich hier im Fieber herumwarf, konnten ihn die Krankenwärter von Amelia phantasieren hören. Der Gedanke, sie nie wiederzusehen, verdüsterte seine lichten Stunden. Er glaubte, sein letzter Tag sei gekommen, und traf feierliche Vorbereitungen für das Scheiden. Er brachte seine Angelegenheiten in dieser Welt in Ordnung und hinterließ sein kleines Vermögen denjenigen, denen er am meisten wohlzutun wünschte. Der Freund, in dessen Haus er wohnte, beglaubigte das Testament. Er wollte mit einer kleinen Kette aus braunem Haar, die er um den Hals trug, begraben werden. Er hatte sie, um die Wahrheit zu sagen, von Amelias Zofe in Brüssel erhalten, als man der Witwe während des Fiebers, das sie nach George Osbornes Tod auf dem Plateau von Mont Saint-Jean niederstreckte, das Haar abgeschnitten hatte.   Here, as the poor fellow lay tossing in his fever, the people who watched him might have heard him raving about Amelia. The idea that he should never see her again depressed him in his lucid hours. He thought his last day was come, and he made his solemn preparations for departure, setting his affairs in this world in order and leaving the little property of which he was possessed to those whom he most desired to benefit. The friend in whose house he was located witnessed his testament. He desired to be buried with a little brown hair-chain which he wore round his neck and which, if the truth must be known, he had got from Amelia’s maid at Brussels, when the young widow’s hair was cut off, during the fever which prostrated her after the death of George Osborne on the plateau at Mount St. John. Er genas, erholte sich und hatte wieder einen Rückfall, nachdem er sich einer Prozedur von Aderlässen und Kalomel ausgeliefert hatte, die er nur wegen seiner starken Konstitution durchhalten konnte. Er war zum Skelett abgemagert, als man ihn an Bord des Ostindienfahrers »Ramchunder« brachte. Er stand unter dem Kommando von Kapitän Bragg, kam aus Kalkutta und legte in Madras an. Dobbin war so schwach, daß sein Freund, der ihn während der Krankheit gepflegt hatte, prophezeite, der ehrliche Major werde die Reise niemals überleben, sondern eines Morgens, in Fahne und Hängematte gehüllt, über Bord gehen und die Reliquie, die er auf dem Herren trug, mit in den Ozean hinabnehmen. Mochte es nun jedoch die Seeluft sein oder die neu erwachende Hoffnung – von dem Tage an, da das Schiff mit geblähten Segeln von der Reede abfuhr und gen Heimat steuerte, fing unser Freund an, sich zu erholen, und war vollkommen wiederhergestellt, wenn auch so mager wie ein Windhund, noch bevor sie das Kap der Guten Hoffnung erreichten. »Kirk wird diesmal noch um den Majorsrang gebracht werden«, sagte er lächelnd. »Er wird erwarten, seine Beförderung in der Zeitung zu lesen, wenn das Regiment nach Hause kommt.« Wir müssen nämlich vorausschicken, daß das tapfere ...te Regiment, das so viele Jahre im Ausland gewesen war, nach seiner Rückkehr von Westindien durch den Feldzug von Waterloo um seinen Englandaufenthalt gebracht worden war. Es war dann gleich von Flandern nach Indien beordert worden. Nun hatte es den Befehl zur Heimkehr bekommen, gerade als der Major krank in Madras lag, weil er sich so beeilt hatte, dorthin zu kommen. Er hätte also seine Kameraden begleiten können, hätte er ihre Ankunft in Madras abgewartet.   He recovered, rallied, relapsed again, having undergone such a process of blood-letting and calomel as showed the strength of his original constitution. He was almost a skeleton when they put him on board the Ramchunder East Indiaman, Captain Bragg, from Calcutta, touching at Madras, and so weak and prostrate that his friend who had tended him through his illness prophesied that the honest Major would never survive the voyage, and that he would pass some morning, shrouded in flag and hammock, over the ship’s side, and carrying down to the sea with him the relic that he wore at his heart. But whether it was the sea air, or the hope which sprung up in him afresh, from the day that the ship spread her canvas and stood out of the roads towards home, our friend began to amend, and he was quite well (though as gaunt as a greyhound) before they reached the Cape. “Kirk will be disappointed of his majority this time,” he said with a smile; “he will expect to find himself gazetted by the time the regiment reaches home.” For it must be premised that while the Major was lying ill at Madras, having made such prodigious haste to go thither, the gallant — th, which had passed many years abroad, which after its return from the West Indies had been baulked of its stay at home by the Waterloo campaign, and had been ordered from Flanders to India, had received orders home; and the Major might have accompanied his comrades, had he chosen to wait for their arrival at Madras. Vielleicht wollte er sich in seinem erschöpften Zustand nicht wieder unter die Obhut Glorvinas begeben. »Ich glaube, Miss O'Dowd hätte mich zur Strecke gebracht, wenn wir sie an Bord gehabt hätten«, sagte er lachend zu einem anderen Passagier. »Und sobald sie mich den Wellen übergeben hätte, hätte sie dich überfallen und als Beute nach Southampton gebracht, darauf kannst du dich verlassen, Joseph, mein Junge.«   Perhaps he was not inclined to put himself in his exhausted state again under the guardianship of Glorvina. “I think Miss O’Dowd would have done for me,” he said laughingly to a fellow-passenger, “if we had had her on board, and when she had sunk me, she would have fallen upon you, depend upon it, and carried you in as a prize to Southampton, Jos, my boy.” Es war in der Tat kein anderer als unser dicker Freund, der sich ebenfalls als Passagier an Bord der »Ramchunder« befand. Er hatte zehn Jahre in Bengalen zugebracht. Die häufigen Diners, Gabelfrühstücke, das Bier und der Rotwein, die ungeheuren Arbeiten im Büro und der erfrischende Branntwein, zu dem man ihn dort gezwungen hatte, waren nicht spurlos an Waterloo-Sedley vorübergegangen. Eine Reise nach Europa wurde ihm jetzt dringend empfohlen, und da er seine Dienstzeit in Indien abgeleistet hatte und sein gutes Gehalt es ihm ermöglicht hatte, eine beträchtliche Summe beiseite zu legen, so konnte er jetzt nach eigenem Ermessen heimkehren und mit einer guten Pension in England leben oder zurückkehren und den Dienstrang einnehmen, der ihm seinem Dienstalter und seinen ungeheuren Talenten nach zukam.   For indeed it was no other than our stout friend who was also a passenger on board the Ramchunder. He had passed ten years in Bengal. Constant dinners, tiffins, pale ale and claret, the prodigious labour of cutcherry, and the refreshment of brandy-pawnee which he was forced to take there, had their effect upon Waterloo Sedley. A voyage to Europe was pronounced necessary for him — and having served his full time in India and had fine appointments which had enabled him to lay by a considerable sum of money, he was free to come home and stay with a good pension, or to return and resume that rank in the service to which his seniority and his vast talents entitled him. Er war etwas magerer geworden, seit wir ihn zuletzt sahen, hatte dafür aber an Majestät und feierlicher Haltung gewonnen. Er hatte sich den Schnurrbart wieder wachsen lassen, zu dem ihn sein Dienst bei Waterloo berechtigte, und stolzierte, mit einer prächtigen goldbebänderten Samtmütze und vielen Nadeln und Juwelen geziert, auf Deck umher. Er nahm das Frühstück in seiner Kajüte ein und kleidete sich zu seinem Erscheinen auf dem Achterdeck so sorgfältig an, als ob er sich auf der Bond Street oder auf dem Corso in Kalkutta zeigen wollte. Er hatte einen Eingeborenen mit, der sein Kammerdiener und Pfeifenträger war und den Wappenhelm der Sedleys in Silber auf dem Turban trug. Dieser orientalische Bediente hatte unter Joseph Sedleys Tyrannei sehr zu leiden. Joseph war in bezug auf sein Äußeres eitel wie eine Frau und brauchte für seine Toilette ebensoviel Zeit wie eine verblühte Schönheit. Die jüngeren Passagiere, wie der junge Chaffers vom 150. Regiment und der arme kleine Ricketts, der nach seinem dritten Fieber nach Hause zurückkehrte, fragten Sedley bei Tisch aus und brachten ihn dazu, wunderbare Geschichten über sich selbst und seine Heldentaten im Kampf gegen Tiger und Napoleon zu erzählen. Er war großartig, als er das Kaisergrab in Longwood besuchte und diesen Herren und den jungen Schiffsoffizieren (Major Dobbin war nicht dabei) die ganze Schlacht bei Waterloo beschrieb und nicht undeutlich zu verstehen gab, daß Napoleon ohne ihn, Joseph Sedley, nie nach Sankt Helena gekommen wäre.   He was rather thinner than when we last saw him, but had gained in majesty and solemnity of demeanour. He had resumed the mustachios to which his services at Waterloo entitled him, and swaggered about on deck in a magnificent velvet cap with a gold band and a profuse ornamentation of pins and jewellery about his person. He took breakfast in his cabin and dressed as solemnly to appear on the quarter-deck as if he were going to turn out for Bond Street, or the Course at Calcutta. He brought a native servant with him, who was his valet and pipe-bearer and who wore the Sedley crest in silver on his turban. That oriental menial had a wretched life under the tyranny of Jos Sedley. Jos was as vain of his person as a woman, and took as long a time at his toilette as any fading beauty. The youngsters among the passengers, Young Chaffers of the 150th, and poor little Ricketts, coming home after his third fever, used to draw out Sedley at the cuddy-table and make him tell prodigious stories about himself and his exploits against tigers and Napoleon. He was great when he visited the Emperor’s tomb at Longwood, when to these gentlemen and the young officers of the ship, Major Dobbin not being by, he described the whole battle of Waterloo and all but announced that Napoleon never would have gone to Saint Helena at all but for him, Jos Sedley. Nachdem sie Sankt Helena verlassen hatten, wurde er äußerst freigebig und verschenkte eine große Menge von seinen Schiffsvorräten, Rotwein, Fleischkonserven und großen Kisten mit Sodawasser, die er zu seinem Privatgenuß mitgenommen hatte. Es waren keine Damen an Bord, und der Major überließ dem Zivilisten den Vortritt, so daß er der würdigste Mann bei Tisch war und von Kapitän Bragg und den Offizieren der »Ramchunder« mit dem Respekt, der seinem Rang gebührte, behandelt wurde. Während eines zweitägigen Sturmes verschwand er in panischer Angst und ließ die Luken seiner Kajüte schließen. Er blieb in der Koje und las die »Apfelfrau von Finchley«, die Lady Emily Hornblower, Frau von Ehrwürden Silas Hornblower, auf der Reise nach dem Kap, wo ihr Mann Missionar war, im Schiff zurückgelassen hatte. Als alltägliche Lektüre hatte er sich jedoch einen Stapel von Romanen und Theaterstücken mitgenommen, die er den übrigen Passagieren lieh. Mit seiner Güte und Herablassung machte er sich bei allen angenehm.   After leaving St. Helena he became very generous, disposing of a great quantity of ship stores, claret, preserved meats, and great casks packed with soda-water, brought out for his private delectation. There were no ladies on board; the Major gave the pas of precedency to the civilian, so that he was the first dignitary at table, and treated by Captain Bragg and the officers of the Ramchunder with the respect which his rank warranted. He disappeared rather in a panic during a two-days’ gale, in which he had the portholes of his cabin battened down, and remained in his cot reading the Washerwoman of Finchley Common, left on board the Ramchunder by the Right Honourable the Lady Emily Hornblower, wife of the Rev. Silas Hornblower, when on their passage out to the Cape, where the Reverend gentleman was a missionary; but, for common reading, he had brought a stock of novels and plays which he lent to the rest of the ship, and rendered himself agreeable to all by his kindness and condescension. So manche Nacht, während das Schiff den finsteren, brüllenden Ozean durchschnitt, wenn über ihnen Mond und Sterne leuchteten und die Glocke die Wache aussang, saß Mr. Sedley mit dem Major auf dem Achterdeck des Schiffes und plauderte von der Heimat. Der Major rauchte dabei seine Zigarre, und der Zivilist paffte die Wasserpfeife, die ihm sein Diener gestopft hatte.   Many and many a night as the ship was cutting through the roaring dark sea, the moon and stars shining overhead and the bell singing out the watch, Mr. Sedley and the Major would sit on the quarter-deck of the vessel talking about home, as the Major smoked his cheroot and the civilian puffed at the hookah which his servant prepared for him. Es war erstaunlich, mit welcher Ausdauer und Findigkeit Major Dobbin bei diesen Unterhaltungen das Gespräch immer wieder auf Amelia und ihren kleinen Jungen zu bringen wußte. Er besänftigte Joseph, der etwas mürrisch war wegen des Unglücks, das seinen Vater betroffen hatte, und wegen der Bittbriefe, die dieser geradewegs an ihn gerichtet hatte, und wies ihn auf das hohe Alter und das Unglück des älteren Sedley hin. Er würde vielleicht keine Lust haben, mit dem alten Paar zusammen zu wohnen, dessen Sitten und Lebensweise nicht zu der eines jungen Mannes passen würden, der an andere Gesellschaft gewöhnt sei (Joseph verbeugte sich bei diesem Kompliment). Der Major erklärte ihm jedoch, wie vorteilhaft es für ihn sein würde, ein eigenes Haus in London zu haben und nicht eine bloße Junggesellenwohnung wie früher. Seine Schwester Amelia sei doch die Richtige, dieses Haus zu leiten, sie sei elegant und sanft, sei gebildet und habe gute Manieren. Er erzählte Anekdoten von den Triumphen, die Mrs. George Osborne in früherer Zeit in Brüssel und in London gefeiert hatte, wo die Vornehmsten sie bewundert hatten. Er deutete sodann an, wie angemessen es für Joseph wäre, Georgy in eine gute Schule zu schicken und einen Mann aus ihm zu machen, denn seine Mutter und die Großeltern verwöhnten ihn sicherlich. Kurz, der schlaue Major nahm dem Zivilisten das Versprechen ab, sich um Amelia und ihr schutzloses Kind zu kümmern. Er wußte noch nicht, was sich alles in der kleinen Familie Sedley zugetragen hatte, daß der Tod die Mutter abberufen hatte und George der Mutter durch den Reichtum entrissen worden war. Sonst aber dachte der verliebte Major, der nicht mehr ganz jung war, täglich und stündlich an Mrs. Osborne, und er war von ganzem Herzen nur bestrebt, ihr Gutes zu erweisen. Er umschwärmte und umschmeichelte und lobte Joseph Sedley mit einer Ausdauer und Herzlichkeit, von der er wahrscheinlich selbst nichts ahnte. Männer, die unverheiratete Schwestern oder sogar Töchter haben, werden sich erinnern, wie ungewöhnlich nett die Herren zu den männlichen Verwandten sind, wenn sie den Frauen den Hof machen, und vielleicht heuchelte dieser Schurke Dobbin ähnlich.   In these conversations it was wonderful with what perseverance and ingenuity Major Dobbin would manage to bring the talk round to the subject of Amelia and her little boy. Jos, a little testy about his father’s misfortunes and unceremonious applications to him, was soothed down by the Major, who pointed out the elder’s ill fortunes and old age. He would not perhaps like to live with the old couple, whose ways and hours might not agree with those of a younger man, accustomed to different society (Jos bowed at this compliment); but, the Major pointed out, how advantageous it would be for Jos Sedley to have a house of his own in London, and not a mere bachelor’s establishment as before; how his sister Amelia would be the very person to preside over it; how elegant, how gentle she was, and of what refined good manners. He recounted stories of the success which Mrs. George Osborne had had in former days at Brussels, and in London, where she was much admired by people of very great fashion; and he then hinted how becoming it would be for Jos to send Georgy to a good school and make a man of him, for his mother and her parents would be sure to spoil him. In a word, this artful Major made the civilian promise to take charge of Amelia and her unprotected child. He did not know as yet what events had happened in the little Sedley family, and how death had removed the mother, and riches had carried off George from Amelia. But the fact is that every day and always, this love-smitten and middle-aged gentleman was thinking about Mrs. Osborne, and his whole heart was bent upon doing her good. He coaxed, wheedled, cajoled, and complimented Jos Sedley with a perseverance and cordiality of which he was not aware himself, very likely; but some men who have unmarried sisters or daughters even, may remember how uncommonly agreeable gentlemen are to the male relations when they are courting the females; and perhaps this rogue of a Dobbin was urged by a similar hypocrisy. Die Wahrheit sieht nämlich folgendermaßen aus: Major Dobbin wurde sehr krank an Bord der »Ramchunder« gebracht und konnte sich auch während der drei Tage, die das Schiff auf der Reede von Madras lag, nicht erholen. Auch das Erscheinen und Wiedererkennen seines alten Bekannten, Mr. Sedley, ermunterte ihn nicht sehr, bis die beiden eines Tages ein Gespräch hatten. Der Major lag matt auf dem Deck und sagte, er glaube, sterben zu müssen. Er habe seinem Patenjungen im Testament eine Kleinigkeit vermacht und hoffe, Mrs. Osborne werde ihn in freundlicher Erinnerung behalten und in der Ehe, die sie eingehen wolle, glücklich sein. »Heiraten? Gewiß nicht!« entgegnete Joseph. Sie habe ihm geschrieben, aber von einer Heirat habe sie nichts erwähnt. Übrigens sei es ganz drollig, daß sie von Major Dobbins Heirat geschrieben habe und hoffe, er werde glücklich werden. Welches Datum trugen Sedleys Briefe aus Europa? Der Zivilist holte sie herbei. Sie waren zwei Monate später abgeschickt als die des Majors. Der Schiffsarzt gratulierte sich zu der Behandlung, die er bei seinem neuen Patienten angewendet hatte. Der Mediziner in Madras hatte ihn nämlich mit sehr schwachen Hoffnungen auf das Schiff geliefert, und von dem Tag an, gerade dem Tag, als er die Arznei gewechselt hatte, genas Major Dobbin. So kam es, daß der verdienstvolle Offizier Hauptmann Kirk um den Majorsrang gebracht wurde.   The truth is, when Major Dobbin came on board the Ramchumder, very sick, and for the three days she lay in the Madras Roads, he did not begin to rally, nor did even the appearance and recognition of his old acquaintance, Mr. Sedley, on board much cheer him, until after a conversation which they had one day, as the Major was laid languidly on the deck. He said then he thought he was doomed; he had left a little something to his godson in his will, and he trusted Mrs. Osborne would remember him kindly and be happy in the marriage she was about to make. “Married? not the least,” Jos answered; “he had heard from her: she made no mention of the marriage, and by the way, it was curious, she wrote to say that Major Dobbin was going to be married, and hoped that he would be happy.” What were the dates of Sedley’s letters from Europe? The civilian fetched them. They were two months later than the Major’s; and the ship’s surgeon congratulated himself upon the treatment adopted by him towards his new patient, who had been consigned to shipboard by the Madras practitioner with very small hopes indeed; for, from that day, the very day that he changed the draught, Major Dobbin began to mend. And thus it was that deserving officer, Captain Kirk, was disappointed of his majority. Nachdem sie Sankt Helena passiert hatten, war Major Dobbin so munter und kräftig geworden, daß er alle seine Mitpassagiere in Erstaunen setzte. Er tollte mit den Seekadetten herum, veranstaltete Stockfechten mit den Offizieren, kletterte auf die Masten wie ein Schiffsjunge, sang eines Abends ein komisches Lied zur Belustigung der ganzen Gesellschaft, die nach dem Abendessen beim Grog zusammensaß, und war so munter, lebhaft und liebenswürdig, daß selbst Kapitän Bragg, der anfangs geglaubt hatte, es sei nichts los mit seinem Passagier, und ihn für einen geistesarmen Kerl hielt, gestehen mußte, daß der Major ein zurückhaltender, aber kluger und verdienstvoller Offizier sei. »Er hat keine sehr vornehmen Manieren, verdammt!« bemerkte Bragg zu seinem Ersten Offizier. »In das Haus des Gouverneurs würde er nicht hineinpassen, wo doch der Lord und Lady William so freundlich gegen mich waren und mir vor der ganzen Gesellschaft die Hand schüttelten und wo er mich bei Tisch noch vor dem Oberbefehlshaber zum Biertrinken aufforderte. Ja, gute Manieren hat er nicht, aber es ist so etwas Gewisses an ihm...« Mit dieser Meinung bewies Kapitän Bragg, daß er Einsicht als Mensch und auch Fähigkeiten als Kommandeur besaß.   After they passed St. Helena, Major Dobbin’s gaiety and strength was such as to astonish all his fellow passengers. He larked with the midshipmen, played single-stick with the mates, ran up the shrouds like a boy, sang a comic song one night to the amusement of the whole party assembled over their grog after supper, and rendered himself so gay, lively, and amiable that even Captain Bragg, who thought there was nothing in his passenger, and considered he was a poor-spirited feller at first, was constrained to own that the Major was a reserved but well-informed and meritorious officer. “He ain’t got distangy manners, dammy,” Bragg observed to his first mate; “he wouldn’t do at Government House, Roper, where his Lordship and Lady William was as kind to me, and shook hands with me before the whole company, and asking me at dinner to take beer with him, before the Commander-in-Chief himself; he ain’t got manners, but there’s something about him — ” And thus Captain Bragg showed that he possessed discrimination as a man, as well as ability as a commander. Als aber die »Ramchunder« zehn Tagereisen von England entfernt war, trat Windstille ein, und nun wurde Major Dobbin ungeduldig und übellaunig, zur Überraschung derer, die früher seine Lebhaftigkeit und Gutmütigkeit bewundert hatten. Das änderte sich erst, als sich der Wind wieder erhob; und als der Lotse an Bord kam, war er sehr erregt. Guter Gott! Wie klopfte ihm das Herz, als sich die beiden freundlichen Türme von Southampton am Horizont zeigten!   But a calm taking place when the Ramchunder was within ten days’ sail of England, Dobbin became so impatient and ill-humoured as to surprise those comrades who had before admired his vivacity and good temper. He did not recover until the breeze sprang up again, and was in a highly excited state when the pilot came on board. Good God, how his heart beat as the two friendly spires of Southampton came in sight. 58. Kapitel / Chapter 58 Unser Freund der Major / Our Friend the Major Unser Major hatte sich an Bord der »Ramchunder« sehr beliebt gemacht. Als er nämlich mit Mr. Sedley in das ersehnte Landungsboot stieg, ließ die gesamte Schiffsbesatzung, Mannschaften und Offiziere, allen voran der Kapitän, drei Hurras für Major Dobbin erschallen, der tief errötete und zum Zeichen des Dankes den Kopf einzog. Joseph, der höchstwahrscheinlich die Hochrufe auf sich bezog, nahm seine goldbebänderte Mütze ab und schwenkte sie majestätisch gegen seine Freunde. So wurden sie ans Ufer gerudert und landeten würdevoll am Kai; von dort begaben sie sich ins »Royal George Hotel«.   Our Major had rendered himself so popular on board the Ramchunder that when he and Mr. Sedley descended into the welcome shore-boat which was to take them from the ship, the whole crew, men and officers, the great Captain Bragg himself leading off, gave three cheers for Major Dobbin, who blushed very much and ducked his head in token of thanks. Jos, who very likely thought the cheers were for himself, took off his gold-laced cap and waved it majestically to his friends, and they were pulled to shore and landed with great dignity at the pier, whence they proceeded to the Royal George Hotel. In der Kaffeestube des Hotels erwartete sie eine herrliche Rinderkeule und eine silberne Kanne, die echtes britisches Bier vermuten ließ. Dieser Anblick erfreut und stärkt das Auge des aus dem Ausland zurückkehrenden Reisenden so, daß jeder, der ein so bequemes, hübsches, anheimelndes englisches Gasthaus betritt, gern einige Tage darin verweilen möchte. Aber Dobbin fing augenblicklich an, von einer Postkutsche zu sprechen, und kaum war er in Southampton angekommen, als er schon wünschte, sich auf den Weg nach London zu machen. Joe dagegen wollte nichts von der Weiterreise noch an diesem Abend hören. Warum sollte er die Nacht in einer Postkutsche zubringen, statt in dem breiten, wogenden Daunenbett, das es hier anstelle des entsetzlichen schmalen Käfigs gab, in dem der stattliche Herr aus Bengalen während der Reise eingesperrt gewesen war. Er konnte erst fort, wenn sein Gepäck an Land war, und es war ihm erst möglich, zu reisen, wenn er seinen indischen Tabak hatte; der Major mußte also bis zum nächsten Morgen warten. Er schickte einen Brief mit der Nachricht von seiner Ankunft an seine Familie und nahm Joseph das Versprechen ab, seinen Verwandten ebenfalls zu schreiben. Joseph hielt aber sein Versprechen nicht. Der Kapitän, der Schiffsarzt und ein paar Passagiere kamen und dinierten mit den beiden Herren im Gasthaus, und Joseph bestellte das Beste, was zu haben war, und versprach dem Major, am nächsten Tag mit ihm nach London zu reisen. Der Wirt erklärte, es habe seinen Augen gutgetan, zu sehen, wie Mr. Sedley sein erstes Glas Porter trank. Wenn ich Zeit hätte und es wagte abzuschweifen, so würde ich ein Kapitel über dieses erste auf englischem Boden getrunkene Glas Porter schreiben. Oh, wie köstlich es doch ist! Es lohnt, die Heimat auf ein Jahr zu verlassen, nur um diesen einen Zug zu genießen.   Although the sight of that magnificent round of beef, and the silver tankard suggestive of real British home-brewed ale and porter, which perennially greet the eyes of the traveller returning from foreign parts who enters the coffee-room of the George, are so invigorating and delightful that a man entering such a comfortable snug homely English inn might well like to stop some days there, yet Dobbin began to talk about a post-chaise instantly, and was no sooner at Southampton than he wished to be on the road to London. Jos, however, would not hear of moving that evening. Why was he to pass a night in a post-chaise instead of a great large undulating downy feather-bed which was there ready to replace the horrid little narrow crib in which the portly Bengal gentleman had been confined during the voyage? He could not think of moving till his baggage was cleared, or of travelling until he could do so with his chillum. So the Major was forced to wait over that night, and dispatched a letter to his family announcing his arrival, entreating from Jos a promise to write to his own friends. Jos promised, but didn’t keep his promise. The Captain, the surgeon, and one or two passengers came and dined with our two gentlemen at the inn, Jos exerting himself in a sumptuous way in ordering the dinner and promising to go to town the next day with the Major. The landlord said it did his eyes good to see Mr. Sedley take off his first pint of porter. If I had time and dared to enter into digressions, I would write a chapter about that first pint of porter drunk upon English ground. Ah, how good it is! It is worth-while to leave home for a year, just to enjoy that one draught. Major Dobbin erschien am nächsten Morgen wie immer nett rasiert und gekleidet. Es war noch so früh, daß niemand im Hause wach war, mit Ausnahme eines dieser wunderbaren Hausknechte, die anscheinend nie Schlaf brauchen. Als sich der Major auf knarrenden Dielen durch die dunklen Korridore stahl, konnte er hören, wie das Schnarchen der verschiedenen Gäste durch die Gänge hallte. Dann schlich der schlaflose Hausknecht von Tür zu Tür und sammelte die Stiefelpaare ein, die davorstanden. Kurz darauf erhob sich Josephs Eingeborenendiener und begann, die umständliche Toilette seines Herrn vorzubereiten und ihm die Wasserpfeife zu stopfen. Nun standen die weiblichen Dienstboten auf, und als sie den dunkelhäutigen Mann erblickten, kreischten sie und hielten ihn für den Teufel. Er und Dobbin stolperten in den Gängen über die Wassereimer, mit denen die Mädchen die Dielen scheuerten. Als der erste unrasierte Kellner erschien und die Tür des Gasthauses öffnete, hielt der Major die Zeit zur Abreise für gekommen und ließ sofort eine Extrapostkutsche bestellen, damit sie abfahren könnten.   Major Dobbin made his appearance the next morning very neatly shaved and dressed, according to his wont. Indeed, it was so early in the morning that nobody was up in the house except that wonderful Boots of an inn who never seems to want sleep; and the Major could hear the snores of the various inmates of the house roaring through the corridors as he creaked about in those dim passages. Then the sleepless Boots went shirking round from door to door, gathering up at each the Bluchers, Wellingtons, Oxonians, which stood outside. Then Jos’s native servant arose and began to get ready his master’s ponderous dressing apparatus and prepare his hookah; then the maidservants got up, and meeting the dark man in the passages, shrieked, and mistook him for the devil. He and Dobbin stumbled over their pails in the passages as they were scouring the decks of the Royal George. When the first unshorn waiter appeared and unbarred the door of the inn, the Major thought that the time for departure was arrived, and ordered a post-chaise to be fetched instantly, that they might set off. Hierauf richtete er seine Schritte zu Mr. Sedleys Zimmer und zog die Vorhänge des großen Familienbettes zurück, in dem Mr. Joseph schnarchte. »Stehen Sie auf, Sedley«, rief der Major, »es ist Zeit aufzubrechen. Die Postkutsche wird in einer halben Stunde vor der Tür stehen.«   He then directed his steps to Mr. Sedley’s room and opened the curtains of the great large family bed wherein Mr. Jos was snoring. “Come, up! Sedley,” the Major said, “it’s time to be off; the chaise will be at the door in half an hour.” Unter dem Deckbett hervor fragte ihn Joseph knurrend, wie spät es denn sei. Als er aber schließlich von dem errötenden Major die Zeit erfuhr – Dobbin konnte nie eine Unwahrheit aussprechen, mochte sie auch noch so sehr zu seinem Vorteil gereichen –, brach er in eine Schimpfkanonade aus, die wir hier nicht wiederholen wollen. Jedenfalls gab er Dobbin zu verstehen, daß er seine Seele in Gefahr brächte, würde er in diesem Augenblick aufstehen, daß der Major zum Henker gehen sollte, daß er nicht mit Dobbin reisen wolle und daß es sehr unfreundlich und unhöflich sei, einen Menschen so im Schlaf zu stören. Darauf mußte sich der besiegte Major zurückziehen und Joseph seinen unterbrochenen Schlummer fortsetzen lassen.   Jos growled from under the counterpane to know what the time was; but when he at last extorted from the blushing Major (who never told fibs, however they might be to his advantage) what was the real hour of the morning, he broke out into a volley of bad language, which we will not repeat here, but by which he gave Dobbin to understand that he would jeopardy his soul if he got up at that moment, that the Major might go and be hanged, that he would not travel with Dobbin, and that it was most unkind and ungentlemanlike to disturb a man out of his sleep in that way; on which the discomfited Major was obliged to retreat, leaving Jos to resume his interrupted slumbers. Die Postkutsche kam bald darauf, und der Major wollte nicht länger warten.   The chaise came up presently, and the Major would wait no longer. Wäre er ein englischer adliger Vergnügungsreisender gewesen oder ein Zeitungskurier mit Depeschen (die Regierungsbotschaften werden gewöhnlich viel langsamer befördert), so hätte er nicht schneller reisen können. Die Postillione wunderten sich über die Trinkgelder, die er unter ihnen verteilte. Wie glücklich und frisch das Land aussah, als die Postkutsche von einem Meilenstein zum anderen dahineilte, durch nette Landstädte, wo die Wirte auf die Straße herausgetreten waren und lächelnd und mit Verbeugungen grüßten, vorbei an hübschen Gasthäusern am Wege, wo die Schilder an den Ulmen hingen und Pferde und Fuhrleute im gesprenkelten Schatten der Bäume tranken, vorbei an alten Schlössern und Parks, ländlichen Weilern, die sich um alte graue Kirchen scharten, durch die bezaubernde freundliche Landschaft Englands. Gibt es etwas auf der Welt, was dem gleichkommt? Für den aus der Fremde Heimkehrenden ein schönes Bild – ihm scheint im Vorbeifahren, alles wolle ihm die Hand schütteln. Nun ja, Major Dobbin reiste von Southampton nach London daran vorüber und bemerkte außer den Meilensteinen am Wege kaum etwas. Er hatte es ja so eilig, seine Eltern in Camberwell wiederzusehen.   If he had been an English nobleman travelling on a pleasure tour, or a newspaper courier bearing dispatches (government messages are generally carried much more quietly), he could not have travelled more quickly. The post-boys wondered at the fees he flung amongst them. How happy and green the country looked as the chaise whirled rapidly from mile-stone to mile-stone, through neat country towns where landlords came out to welcome him with smiles and bows; by pretty roadside inns, where the signs hung on the elms, and horses and waggoners were drinking under the chequered shadow of the trees; by old halls and parks; rustic hamlets clustered round ancient grey churches — and through the charming friendly English landscape. Is there any in the world like it? To a traveller returning home it looks so kind — it seems to shake hands with you as you pass through it. Well, Major Dobbin passed through all this from Southampton to London, and without noting much beyond the milestones along the road. You see he was so eager to see his parents at Camberwell. Die Zeit, die er verlor, als er von Piccadilly getreulich wieder zu seiner alten Herberge in Slaughters Kaffeehaus fuhr, tat ihm schon leid. Zehn Jahre waren vergangen, seit er zum letztenmal hiergewesen war, seit er und George als junge Männer hier manches Festmahl und manches Trinkgelage gehalten hatten. Er gehörte jetzt zu den Alten. Sein Haar war ergraut und mit ihm viele Leidenschaften und Gefühle seiner Jugend. An der Tür jedoch stand der alte Kellner in demselben fettigen schwarzen Anzug, mit demselben Doppelkinn und schlaffen Gesicht, mit demselben riesigen Bündel von Petschaften an der Uhrkette. Er klimperte wie früher mit dem Geld in der Tasche und empfing den Major, als ob er erst vor einer Woche weggegangen wäre. »Bring die Sachen des Majors auf Nummer dreiundzwanzig, das ist sein Zimmer«, sagte John ohne das geringste Zeichen von Überraschung. »Gebratenes Huhn zum Diner, nehme ich an. Sie sind nicht verheiratet? Es hieß, Sie hätten geheiratet – der schottische Arzt von Ihrem Regiment war hier. Nein, es war Hauptmann Humby vom Dreiunddreißigsten, das in Indien mit dem ...ten im Quartier lag. Wollen Sie warmes Wasser? Warum kommen Sie mit der Extrapost? Genügt die Postkutsche nicht?« Mit diesen Worten ging der treue Kellner, der sich an jeden Offizier, der das Haus besuchte, erinnerte und dem zehn Jahre wie ein Tag waren, Dobbin voran in dessen altes Zimmer, wo noch das breite Moreenbett war und der abgenutzte Teppich noch eine Spur schmutziger und die alten schwarzen, mit verschossenem Kattun bezogenen Möbel, gerade wie sie der Major noch von der Jugend her in Erinnerung hatte.   He grudged the time lost between Piccadilly and his old haunt at the Slaughters’, whither he drove faithfully. Long years had passed since he saw it last, since he and George, as young men, had enjoyed many a feast, and held many a revel there. He had now passed into the stage of old-fellow-hood. His hair was grizzled, and many a passion and feeling of his youth had grown grey in that interval. There, however, stood the old waiter at the door, in the same greasy black suit, with the same double chin and flaccid face, with the same huge bunch of seals at his fob, rattling his money in his pockets as before, and receiving the Major as if he had gone away only a week ago. “Put the Major’s things in twenty-three, that’s his room,” John said, exhibiting not the least surprise. “Roast fowl for your dinner, I suppose. You ain’t got married? They said you was married — the Scotch surgeon of yours was here. No, it was Captain Humby of the thirty-third, as was quartered with the — th in Injee. Like any warm water? What do you come in a chay for — ain’t the coach good enough?” And with this, the faithful waiter, who knew and remembered every officer who used the house, and with whom ten years were but as yesterday, led the way up to Dobbin’s old room, where stood the great moreen bed, and the shabby carpet, a thought more dingy, and all the old black furniture covered with faded chintz, just as the Major recollected them in his youth. Er dachte an George, wie er am Tage vor seiner Hochzeit nägelkauend im Zimmer auf und ab gegangen war und geschworen hatte, daß der Alte weich werden müsse, wenn er es aber nicht tue, dann schere er sich keinen Pfifferling darum. Er hörte ihn noch Dobbins Tür und seine eigene nebenan zuknallen.   He remembered George pacing up and down the room, and biting his nails, and swearing that the Governor must come round, and that if he didn’t, he didn’t care a straw, on the day before he was married. He could fancy him walking in, banging the door of Dobbin’s room, and his own hard by — »Sie sind nicht jünger geworden«, sagte John und betrachtete den Freund aus früheren Zeiten ruhig.   “You ain’t got young,” John said, calmly surveying his friend of former days. Dobbin lachte. »Zehn Jahre und das Fieber machen den Menschen nicht jünger, John«, sagte er; »Sie bleiben immer jung – nein, Sie bleiben immer alt.«   Dobbin laughed. “Ten years and a fever don’t make a man young, John,” he said. “It is you that are always young — no, you are always old.” »Was ist aus Hauptmann Osbornes Witwe geworden?« fragte John. »Feiner junger Kerl war es. Gott, wie er das Geld zum Fenster hinauswarf. Seit dem Tage, an dem er von hier aus zur Trauung ging, ist er nicht wieder hiergewesen. Er schuldet mir noch drei Pfund. Sehen Sie hier, ich habe es in meinem Buch:›10. April 1815, Hauptmann Osborn – drei Pfund.‹ Ich möchte wissen, ob sein Vater mir das mal bezahlen würde.« Mit diesen Worten zog John das alte Saffiannotizbuch hervor, in das er auf ein noch vorhandenes, fettiges, verblichenes Blatt die Schulden des Hauptmanns neben vielen anderen Geldforderungen an ehemalige Besucher des Hauses gekritzelt hatte.   “What became of Captain Osborne’s widow?” John said. “Fine young fellow that. Lord, how he used to spend his money. He never came back after that day he was marched from here. He owes me three pound at this minute. Look here, I have it in my book. ’April 10, 1815, Captain Osborne: ‘3 pounds.’ I wonder whether his father would pay me,” and so saying, John of the Slaughters’ pulled out the very morocco pocket-book in which he had noted his loan to the Captain, upon a greasy faded page still extant, with many other scrawled memoranda regarding the bygone frequenters of the house. Nachdem John seinen Gast auf sein Zimmer gebracht hatte, zog er sich mit der größten Ruhe zurück. Major Dobbin kramte aus seinem Gepäck, nicht ohne über sein unvernünftiges Handeln zu erröten und zu lächeln, den schönsten und kleidsamsten Zivilanzug hervor, den er besaß. Er mußte über sein gebräuntes Gesicht und sein graues Haar lachen, als er sich in dem trüben kleinen Spiegel über dem Toilettentisch betrachtete.   Having inducted his customer into the room, John retired with perfect calmness; and Major Dobbin, not without a blush and a grin at his own absurdity, chose out of his kit the very smartest and most becoming civil costume he possessed, and laughed at his own tanned face and grey hair, as he surveyed them in the dreary little toilet-glass on the dressing-table. Ich freute mich, daß mich der alte John nicht vergessen hat, dachte er. Hoffentlich erkennt sie mich auch, und er trat aus dem Gasthaus und lenkte seine Schritte wieder in Richtung Brompton.   “I’m glad old John didn’t forget me,” he thought. “She’ll know me, too, I hope.” And he sallied out of the inn, bending his steps once more in the direction of Brompton. Jeder kleinste Umstand seines letzten Zusammenseins mit Amelia stand dem treuen Menschen wieder vor Augen, als er ihrem Hause zuging. Der Triumphbogen und die Achillesstatue waren errichtet worden, seit er Piccadilly zum letztenmal gesehen hatte. Hunderterlei hatte sich verändert, aber er nahm es mit Auge und Geist kaum auf. Er zitterte, als er die Bromptoner Gasse durchschritt, die wohlbekannte Gasse, die zu der Straße führte, wo sie wohnte. Ob sie denn nun heiraten wollte oder nicht? Wenn er ihr und dem kleinen Knaben begegnete – guter Gott! Was sollte er dann tun? Er sah eine Frau mit einem fünfjährigen Kind auf sich zukommen. War sie es? Schon bei dem bloßen Gedanken daran bebte er. Als er endlich die Häuserreihe, in der sie wohnte, und ihre Tür erreichte, griff er zur Klinke und blieb stehen. Er hätte hören können, wie sein Herz klopfte. Möge sie der Allmächtige segnen, was auch immer geschehen ist, dachte er bei sich. »Pah, sie wohnt vielleicht gar nicht mehr hier«, sagte er und schritt durch das Tor.   Every minute incident of his last meeting with Amelia was present to the constant man’s mind as he walked towards her house. The arch and the Achilles statue were up since he had last been in Piccadilly; a hundred changes had occurred which his eye and mind vaguely noted. He began to tremble as he walked up the lane from Brompton, that well-remembered lane leading to the street where she lived. Was she going to be married or not? If he were to meet her with the little boy — Good God, what should he do? He saw a woman coming to him with a child of five years old — was that she? He began to shake at the mere possibility. When he came up to the row of houses, at last, where she lived, and to the gate, he caught hold of it and paused. He might have heard the thumping of his own heart. “May God Almighty bless her, whatever has happened,” he thought to himself. “Psha! she may be gone from here,” he said and went in through the gate. Das Fenster des Zimmers, das sie sonst bewohnt hatte, stand offen, und es war niemand darin zu sehen. Der Major glaubte das Klavier mit dem Porträt darüber zu erkennen wie in früheren Zeiten, und seine Unruhe kam wieder. Mr. Clapps Messingschild war noch an der Tür. Dobbin klopfte.   The window of the parlour which she used to occupy was open, and there were no inmates in the room. The Major thought he recognized the piano, though, with the picture over it, as it used to be in former days, and his perturbations were renewed. Mr. Clapp’s brass plate was still on the door, at the knocker of which Dobbin performed a summons. Ein dralles Mädchen von sechzehn mit klaren Augen und roten Wangen kam auf das Klopfen herbei und betrachtete den Major, der sich an die Wand des Häuschens lehnte, aufmerksam.   A buxom-looking lass of sixteen, with bright eyes and purple cheeks, came to answer the knock and looked hard at the Major as he leant back against the little porch. Er war bleich wie ein Gespenst und vermochte kaum hervorzustammeln: »Wohnt Mrs. Osborne hier?«   He was as pale as a ghost and could hardly falter out the words — “Does Mrs. Osborne live here?” Sie blickte ihn einen Augenblick scharf an, wurde ebenfalls blaß und antwortete: »Gott behüte mich – das ist ja Major Dobbin.« Sie hielt ihm zitternd beide Hände hin. »Kennen Sie mich nicht mehr?« fragte sie. »Ich habe Sie immer Major Zuckererbse genannt.« Hierauf (und ich glaube, es war das erstemal in seinem Leben, daß er sich so benahm) schloß der Major das Mädchen in die Arme und küßte es. Sie weinte und lachte vor Aufregung durcheinander. Mit dem lauten Ruf »Mama! Papa!« brachte sie die braven Leute herbei, die den Major bereits vom Küchenfenster aus beobachtet hatten und erstaunt waren, ihre Tochter in dem kleinen Gang in den Armen eines großen schlanken Mannes mit blauem Rock und weißen Leinenhosen zu erblicken.   She looked him hard in the face for a moment — and then turning white too — said, “Lord bless me — it’s Major Dobbin.” She held out both her hands shaking — "Don’t you remember me?” she said. “I used to call you Major Sugarplums.” On which, and I believe it was for the first time that he ever so conducted himself in his life, the Major took the girl in his arms and kissed her. She began to laugh and cry hysterically, and calling out “Ma, Pa!” with all her voice, brought up those worthy people, who had already been surveying the Major from the casement of the ornamental kitchen, and were astonished to find their daughter in the little passage in the embrace of a great tall man in a blue frock-coat and white duck trousers. »Ich bin ein alter Freund«, sagte er, nicht ohne zu erröten. »Erinnern Sie sich nicht mehr an mich, Mrs. Clapp, und an den guten Kuchen, den Sie immer zum Tee gemacht haben? Kennen Sie mich nicht wieder, Clapp? Ich bin Georges Patenonkel und komme gerade aus Indien.« Nun gab es ein allgemeines Händeschütteln. Mrs. Clapp war sehr gerührt und entzückt und rief den Himmel wohl hundertmal an einzugreifen.   “I’m an old friend,” he said — not without blushing though. “Don’t you remember me, Mrs. Clapp, and those good cakes you used to make for tea? Don’t you recollect me, Clapp? I’m George’s godfather, and just come back from India.” A great shaking of hands ensued — Mrs. Clapp was greatly affected and delighted; she called upon heaven to interpose a vast many times in that passage. Die Wirtsleute führten den würdigen Major in Sedleys Zimmer, und er erkannte jedes Möbelstück, angefangen von dem alten Klavier mit den Messingornamenten, einst ein hübsches kleines Instrument, gebaut von Stothard, bis zu dem Ofenschirm und dem Miniaturgrabstein aus Alabaster, in dessen Mitte Mr. Sedleys goldene Uhr tickte. Als er sich dort in dem leeren Armsessel des Mieters niedergelassen hatte, berichteten ihm Vater, Mutter und Tochter, unterbrochen von tausend Ausrufen, das, was wir bereits wissen, was ihm von Amelias Geschichte aber noch unbekannt war, nämlich Mrs. Sedleys Tod und Georges Aussöhnung mit seinem Großvater Osborne. Sie erzählten, wie die Witwe den Abschied von ihm ertrug und vieles mehr aus ihrem Leben. Ein paarmal hatte er schon die Frage nach der Heirat auf den Lippen, aber es gebrach ihm an Mut. Er wollte diesen Leuten sein Herz nicht auftun. Schließlich erfuhr er, daß Mrs. Osborne mit ihrem Vater in die Kensington Gardens gegangen sei, wohin sie an schönen Nachmittagen nach dem Essen den alten Herrn stets führte. Er sei schon sehr schwach und verdrießlich geworden und mache ihr das Leben schwer, obwohl sie zu ihm ganz sicher wie ein Engel sei.   The landlord and landlady of the house led the worthy Major into the Sedleys’ room (whereof he remembered every single article of furniture, from the old brass ornamented piano, once a natty little instrument, Stothard maker, to the screens and the alabaster miniature tombstone, in the midst of which ticked Mr. Sedley’s gold watch), and there, as he sat down in the lodger’s vacant arm-chair, the father, the mother, and the daughter, with a thousand ejaculatory breaks in the narrative, informed Major Dobbin of what we know already, but of particulars in Amelia’s history of which he was not aware — namely of Mrs. Sedley’s death, of George’s reconcilement with his grandfather Osborne, of the way in which the widow took on at leaving him, and of other particulars of her life. Twice or thrice he was going to ask about the marriage question, but his heart failed him. He did not care to lay it bare to these people. Finally, he was informed that Mrs. O. was gone to walk with her pa in Kensington Gardens, whither she always went with the old gentleman (who was very weak and peevish now, and led her a sad life, though she behaved to him like an angel, to be sure), of a fine afternoon, after dinner. »Meine Zeit ist sehr knapp, und heute abend habe ich wichtige Geschäfte«, sagte der Major. »Ich möchte Mrs. Osborne jedoch gern sprechen. Ob Miss Polly wohl mitkommen und mir den Weg zeigen könnte?«   “I’m very much pressed for time,” the Major said, “and have business to-night of importance. I should like to see Mrs. Osborne tho’. Suppose Miss Polly would come with me and show me the way?” Miss Polly war von diesem Vorschlag bezaubert und überrascht. Sie kannte den Weg. Sie würde ihn dem Major zeigen. Sie war oft mit Mr. Sedley dorthin gegangen, wenn Mrs. Osborne zum Russell Square geeilt war. Sie kannte auch die Bank, auf der er am liebsten saß. Sie stürzte in ihr Zimmer und kehrte bald zurück, geschmückt mit ihrem besten Hut, dem gelben Schal ihrer Mama und deren großer Achatbrosche. Sie hatte sich die Sachen geliehen, um eine würdige Begleiterin des Majors zu sein.   Miss Polly was charmed and astonished at this proposal. She knew the way. She would show Major Dobbin. She had often been with Mr. Sedley when Mrs. O. was gone — was gone Russell Square way — and knew the bench where he liked to sit. She bounced away to her apartment and appeared presently in her best bonnet and her mamma’s yellow shawl and large pebble brooch, of which she assumed the loan in order to make herself a worthy companion for the Major. Dobbin, im blauen Rock mit Lederhandschuhen, reichte der jungen Dame den Arm, und sie marschierten munter davon. Er war froh, daß bei der Begrüßungsszene, vor der er doch irgendwie Angst hatte, eine gute Bekannte anwesend sein würde. Er stellte seiner Begleiterin tausend Fragen über Amelia, und sein gütiges Herz schmerzte, wenn er daran dachte, daß sie sich von ihrem Sohn hatte trennen müssen. Wie ertrug sie es? Sah sie ihn oft? Ging es Mr. Sedley in bezug auf weltliche Güter besser? Polly beantwortete alle Fragen des Majors Zuckererbse, so gut sie konnte.   That officer, then, in his blue frock-coat and buckskin gloves, gave the young lady his arm, and they walked away very gaily. He was glad to have a friend at hand for the scene which he dreaded somehow. He asked a thousand more questions from his companion about Amelia: his kind heart grieved to think that she should have had to part with her son. How did she bear it? Did she see him often? Was Mr. Sedley pretty comfortable now in a worldly point of view? Polly answered all these questions of Major Sugarplums to the very best of her power. Etwas geschah während des Spazierganges, was, von Natur aus unbedeutend, bei dem Major doch große Freude auslöste. Ein bleicher junger Mann mit spärlichem Bartwuchs und steifer weißer Krawatte kam wie ein belegtes Brot, das heißt zwischen zwei Damen, die Straße herab. Die eine war eine große, gebieterisch aussehende Dame von mittlerem Alter, und ihre Züge und Gesichtsfarbe ähnelten denen des Geistlichen der Kirche Englands an ihrer Seite. Die andere dagegen war eine verkümmerte kleine Frau mit braunem Gesicht, geschmückt mit einem schönen neigen weißbebänderten Hut, einem eleganten Umhang und einer kostbaren goldenen Uhr. Wie sehr die Damen den Herrn auch behinderten, so trug er außerdem doch noch einen Sonnenschirm, einen Schal und einen Korb, so daß er nicht den Hut berühren konnte, um Miss Mary Clapps Knicks zu erwidern.   And in the midst of their walk an incident occurred which, though very simple in its nature, was productive of the greatest delight to Major Dobbin. A pale young man with feeble whiskers and a stiff white neckcloth came walking down the lane, en sandwich — having a lady, that is, on each arm. One was a tall and commanding middle-aged female, with features and a complexion similar to those of the clergyman of the Church of England by whose side she marched, and the other a stunted little woman with a dark face, ornamented by a fine new bonnet and white ribbons, and in a smart pelisse, with a rich gold watch in the midst of her person. The gentleman, pinioned as he was by these two ladies, carried further a parasol, shawl, and basket, so that his arms were entirely engaged, and of course he was unable to touch his hat in acknowledgement of the curtsey with which Miss Mary Clapp greeted him. Er antwortete also mit einem milden Kopfnicken, während die beiden Damen mit Gönnermiene zurückgrüßten und gleichzeitig dem Menschen im blauen Rock mit dem Bambusstock, der Miss Polly begleitete, gestrenge Blicke zuwarfen.   He merely bowed his head in reply to her salutation, which the two ladies returned with a patronizing air, and at the same time looking severely at the individual in the blue coat and bamboo cane who accompanied Miss Polly. »Wer ist das?« fragte der Major belustigt, nachdem er beiseite getreten war, um die drei an sich vorübergehen zu lassen. Mary blickte ihn spitzbübisch an.   “Who’s that?” asked the Major, amused by the group, and after he had made way for the three to pass up the lane. Mary looked at him rather roguishly. »Das ist unser Pfarrer, Ehrwürden Mr. Binny« (Major Dobbin zuckte zusammen), »und seine Schwester Miss B. Gott behüte, wie hat sie uns doch in der Sonntagsschule geplagt. Und die andere Dame, die kleine Schielende mit der schönen Uhr, ist Mrs. Binny, eine geborene Miss Grits. Ihr Papa war Kaufmann und hatte das ›Goldene Teekännchen‹ in der Kensingtoner Sandgrube. Sie haben vor einem Monat geheiratet und sind eben von Margate zurückgekehrt. Sie hat fünftausend Pfund Mitgift; aber sie und Miss Binny, die die Heirat vermittelt hat, haben sich schon gezankt.«   “That is our curate, the Reverend Mr. Binny (a twitch from Major Dobbin), and his sister Miss B. Lord bless us, how she did use to worret us at Sunday-school; and the other lady, the little one with a cast in her eye and the handsome watch, is Mrs. Binny — Miss Grits that was; her pa was a grocer, and kept the Little Original Gold Tea Pot in Kensington Gravel Pits. They were married last month, and are just come back from Margate. She’s five thousand pound to her fortune; but her and Miss B., who made the match, have quarrelled already.” Wenn der Major schon früher zusammengezuckt war, so fuhr er jetzt derart zusammen und stieß den Bambusstock so kräftig auf den Boden, daß Miss Clapp lachend »Großer Gott!« schrie. Er blieb stehen und blickte einen Augenblick mit offenem Mund dem sich entfernenden jungen Paar nach, während Miss Mary ihre Geschichte erzählte. Außer der Nachricht von der Heirat des ehrwürdigen Herrn vernahm er jedoch nichts, denn es schwindelte ihm vor Glückseligkeit. Nach dieser Begegnung lief er im Eiltempo auf sein Ziel zu, und doch ging es ihm wieder zu schnell, denn er hatte Angst vor der Begegnung, die er seit zehn Jahren ersehnt hatte. Sehr bald hatten sie die Bromptoner Straßen hinter sich gelassen und traten durch das kleine alte Portal in der Mauer, die die Kensington Gardens umgab.   If the Major had twitched before, he started now, and slapped the bamboo on the ground with an emphasis which made Miss Clapp cry, “Law,” and laugh too. He stood for a moment, silent, with open mouth, looking after the retreating young couple, while Miss Mary told their history; but he did not hear beyond the announcement of the reverend gentleman’s marriage; his head was swimming with felicity. After this rencontre he began to walk double quick towards the place of his destination — and yet they were too soon (for he was in a great tremor at the idea of a meeting for which he had been longing any time these ten years) — through the Brompton lanes, and entering at the little old portal in Kensington Garden wall. »Dort sind sie«, sagte Miss Polly und fühlte erneut, wie er an ihrem Arm zusammenfuhr. Sie war sofort über die ganze Angelegenheit im Bilde und kannte die Geschichte so gut, als hätte sie sie in einem ihrer Lieblingsromane gelesen – in »Fanny die Waise« oder in »Schottische Häuptlinge«.   “There they are,” said Miss Polly, and she felt him again start back on her arm. She was a confidante at once of the whole business. She knew the story as well as if she had read it in one of her favourite novel-books — Fatherless Fanny, or the Scottish Chiefs. »Ob Sie nicht hingehen und es ihr sagen?« fragte der Major. Polly stürzte los, daß ihr gelber Schal im Wind flatterte.   “Suppose you were to run on and tell her,” the Major said. Polly ran forward, her yellow shawl streaming in the breeze. Der alte Sedley saß auf einer Bank, hatte sein Taschentuch über die Knie gebreitet und brabbelte wie üblich irgendeine alte Geschichte aus alter Zeit, der Amelia schon manches Mal geduldig lächelnd gelauscht hatte. Seit einiger Zeit konnte sie an ihre eigenen Angelegenheiten denken und dabei lächeln oder anderswie ihre Aufmerksamkeit für die Geschichten ihres Vaters bekunden, ohne ein Wort davon aufzunehmen. Beim Anblick der herbeispringenden Mary fuhr Amelia von der Bank hoch. Ihr erster Gedanke war, daß Georgy etwas zugestoßen sei, aber das eifrige und glückliche Gesicht der Botin verbannte die Furcht aus dem Herzen der ängstlichen Mutter.   Old Sedley was seated on a bench, his handkerchief placed over his knees, prattling away, according to his wont, with some old story about old times to which Amelia had listened and awarded a patient smile many a time before. She could of late think of her own affairs, and smile or make other marks of recognition of her father’s stories, scarcely hearing a word of the old man’s tales. As Mary came bouncing along, and Amelia caught sight of her, she started up from her bench. Her first thought was that something had happened to Georgy, but the sight of the messenger’s eager and happy face dissipated that fear in the timorous mother’s bosom. »Neuigkeiten! Gute Nachrichten!« rief die Abgesandte. »Er ist da, er ist da!«   “News! News!” cried the emissary of Major Dobbin. “He’s come! He’s come!” »Wer ist da?« fragte Emmy, die immer noch an ihren Sohn dachte.   “Who is come?” said Emmy, still thinking of her son. »Sehen Sie dorthin«, erwiderte Miss Clapp, drehte sich um und deutete in eine bestimmte Richtung, aus der Amelia Dobbins magere Gestalt und seinen langen Schatten über das Gras heranstolzieren sah. Nun fuhr Amelia zusammen, errötete und begann natürlich zu weinen. Bei allen Festen dieses einfältigen Geschöpfchens spielten stets die Wasserkünste. Er sah sie an – o wie zärtlich! –, als sie ihm mit ausgestreckten Händen entgegenlief. Sie hatte sich nicht verändert. Sie war nur etwas blasser geworden, und ihre Gestalt war voller. Ihre Augen waren dieselben, die gütigen treuen Augen. In ihrem weichen, braunen Haar zeigten sich ein paar silberne Fäden. Sie gab ihm beide Hände und blickte errötend und unter Tränen lächelnd in sein ehrliches, schlichtes Gesicht. Er nahm die beiden kleinen Hände zwischen die seinigen und hielt sie fest. Einen Augenblick lang konnte er nicht sprechen. Warum schloß er sie nicht in die Arme und schwor, sie nicht verlassen zu wollen? Sie hätte nachgeben, ihm gehorchen müssen.   “Look there,” answered Miss Clapp, turning round and pointing; in which direction Amelia looking, saw Dobbin’s lean figure and long shadow stalking across the grass. Amelia started in her turn, blushed up, and, of course, began to cry. At all this simple little creature’s fetes, the grandes eaux were accustomed to play. He looked at her — oh, how fondly — as she came running towards him, her hands before her, ready to give them to him. She wasn’t changed. She was a little pale, a little stouter in figure. Her eyes were the same, the kind trustful eyes. There were scarce three lines of silver in her soft brown hair. She gave him both her hands as she looked up flushing and smiling through her tears into his honest homely face. He took the two little hands between his two and held them there. He was speechless for a moment. Why did he not take her in his arms and swear that he would never leave her? She must have yielded: she could not but have obeyed him. »Ich – ich habe noch jemanden anzukündigen«, sagte er nach einer Pause.   “I — I’ve another arrival to announce,” he said after a pause. »Mrs. Dobbin?« fragte Amelia und wich zurück. Warum sprach er nicht?   “Mrs. Dobbin?” Amelia said, making a movement back — why didn’t he speak? »Nein«, sagte er und ließ ihre Hand los. »Wer hat Ihnen denn den Bären aufgebunden? Ich meine Ihren Bruder Joseph, der im selben Schiff ankam wie ich und Sie alle glücklich machen will.«   “No,” he said, letting her hands go: “Who has told you those lies? I mean, your brother Jos came in the same ship with me, and is come home to make you all happy.” »Papa, Papa!« rief Emmy. »Es gibt gute Nachrichten! Mein Bruder ist in England, er ist gekommen, um für dich zu sorgen. Hier ist Major Dobbin.«   “Papa, Papa!” Emmy cried out, “here are news! My brother is in England. He is come to take care of you. Here is Major Dobbin.” Mr. Sedley fuhr heftig zitternd hoch und versuchte, seine Gedanken zu sammeln. Dann trat er vor und machte dem Major eine altmodische Verbeugung, nannte ihn Mr. Dobbin und sprach die Hoffnung aus, seinem würdigen Vater, Sir William, gehe es gut. Er beabsichtigte, Sir William seine Aufwartung zu machen, denn dieser habe ihm vor kurzer Zeit die Ehre eines Besuches erwiesen. Sir William war zum letztenmal vor acht Jahren bei dem alten Herrn gewesen – das war der Besuch, den er erwidern wollte.   Mr. Sedley started up, shaking a great deal and gathering up his thoughts. Then he stepped forward and made an old-fashioned bow to the Major, whom he called Mr. Dobbin, and hoped his worthy father, Sir William, was quite well. He proposed to call upon Sir William, who had done him the honour of a visit a short time ago. Sir William had not called upon the old gentleman for eight years — it was that visit he was thinking of returning. »Seine Gesundheit ist sehr erschüttert«, flüsterte Amelia, als Dobbin herantrat und dem alten Herrn herzlich die Hand schüttelte.   “He is very much shaken,” Emmy whispered as Dobbin went up and cordially shook hands with the old man. Obwohl der Major am Abend so dringende Geschäfte in London zu erledigen hatte, war er doch bereit, sie zu verschieben, als ihn Mr. Sedley nach Hause zu einer Tasse Tee einlud. Amelia nahm den Arm ihrer jungen Freundin mit dem gelben Schal und ging auf dem Heimweg voran, so daß Dobbin Mr. Sedley zufiel. Der alte Mann ging sehr langsam und erzählte eine Menge alter Geschichten über sich und seine arme Bessy, über seinen früheren Reichtum und seinen Bankrott. Seine Gedanken waren, wie stets bei Greisen, in die Vergangenheit gerichtet; von der Gegenwart wußte er mit Ausnahme des eigenen Unglücks wenig. Der Major ließ ihn gern schwatzen. Seine Augen waren auf die Gestalt vor ihm gerichtet – die liebe kleine Gestalt, die in seiner Phantasie und in seinen Gebeten stets zugegen war und seine Träume im Wachen und im Schlafen besucht hatte.   Although he had such particular business in London that evening, the Major consented to forego it upon Mr. Sedley’s invitation to him to come home and partake of tea. Amelia put her arm under that of her young friend with the yellow shawl and headed the party on their return homewards, so that Mr. Sedley fell to Dobbin’s share. The old man walked very slowly and told a number of ancient histories about himself and his poor Bessy, his former prosperity, and his bankruptcy. His thoughts, as is usual with failing old men, were quite in former times. The present, with the exception of the one catastrophe which he felt, he knew little about. The Major was glad to let him talk on. His eyes were fixed upon the figure in front of him — the dear little figure always present to his imagination and in his prayers, and visiting his dreams wakeful or slumbering. Amelia war den ganzen Abend über sehr lebhaft und strahlte vor Glück. Mit Anmut und Würde, wie es Dobbin schien, übte sie ihre Pflichten als Gastgeberin aus. Seine Augen folgten ihr überallhin, während sie in der Dämmerung saßen. Wie oft hatte er sich nach diesem Augenblick gesehnt und in der Ferne unter heißen Winden und auf beschwerlichen Märschen an sie gedacht – sie so vor sich gesehen wie jetzt: sanft und glücklich, gütig für die Bedürfnisse des Alters sorgend und die Armut mit süßer Ergebenheit schmückend. Ich will nicht etwa sagen, daß sein Geschmack erlesen war oder daß es die Pflicht eines großen Geistes wäre, sich mit einem Butterbrotparadies zu begnügen, wie es unser einfacher alter Freund tat. Ob gut oder schlecht – seine Wünsche gingen nun einmal in diese Richtung, und wenn ihm Amelia einschenkte, dann war er bereit, ebensoviel Tassen Tee zu trinken wie Doktor Johnson.   Amelia was very happy, smiling, and active all that evening, performing her duties as hostess of the little entertainment with the utmost grace and propriety, as Dobbin thought. His eyes followed her about as they sat in the twilight. How many a time had he longed for that moment and thought of her far away under hot winds and in weary marches, gentle and happy, kindly ministering to the wants of old age, and decorating poverty with sweet submission — as he saw her now. I do not say that his taste was the highest, or that it is the duty of great intellects to be content with a bread-and-butter paradise, such as sufficed our simple old friend; but his desires were of this sort, whether for good or bad, and, with Amelia to help him, he was as ready to drink as many cups of tea as Doctor Johnson. Amelia bemerkte diesen Hang und unterstützte ihn lachend. Sie sah ungemein spitzbübisch aus, als sie ihm eine Tasse nach der anderen reichte. Allerdings wußte sie nicht, daß der Major noch nichts gegessen hatte und daß bei Slaughters schon der Tisch für ihn gedeckt war und ein Teller andeutete, daß er besetzt sei – in derselben Nische, in der der Major und George so manches Mal gezecht hatten, als Amelia noch ein Kind war und soeben erst von Miss Pinkertons Schule zurückgekehrt war.   Amelia seeing this propensity, laughingly encouraged it and looked exceedingly roguish as she administered to him cup after cup. It is true she did not know that the Major had had no dinner and that the cloth was laid for him at the Slaughters’, and a plate laid thereon to mark that the table was retained, in that very box in which the Major and George had sat many a time carousing, when she was a child just come home from Miss Pinkerton’s school. Das erste, was Mrs. Osborne dem Major zeigte, war Georgys Miniaturbild, das sie sofort nach ihrer Heimkehr herunterholte. Es war natürlich nicht halb so hübsch, wie der Junge in Wirklichkeit aussah; war es aber nicht schön von ihm, daß er daran gedacht hatte, es seiner Mutter zu bringen? Solange ihr Vater wach war, sprach sie nicht viel von Georgy; der alte Mann hörte es nicht gern, wenn man von Mr. Osborne und dem Russell Square sprach; höchstwahrscheinlich wußte er nicht, daß er in den letzten Monaten hauptsächlich von der Gnade seines reichen Rivalen gelebt hatte, und geriet in Wut, wenn der andere nur erwähnt wurde.   The first thing Mrs. Osborne showed the Major was Georgy’s miniature, for which she ran upstairs on her arrival at home. It was not half handsome enough of course for the boy, but wasn’t it noble of him to think of bringing it to his mother? Whilst her papa was awake she did not talk much about Georgy. To hear about Mr. Osborne and Russell Square was not agreeable to the old man, who very likely was unconscious that he had been living for some months past mainly on the bounty of his richer rival, and lost his temper if allusion was made to the other. Dobbin erzählte ihm alles, was sich an Bord der »Ramchunder« zugetragen hatte, und vielleicht noch etwas mehr. Er übertrieb Josephs Wohlwollen gegen seinen Vater und seine Entschlossenheit, ihm seine alten Tage zu verschönen. In Wirklichkeit hatte der Major während der Reise seinem Mitpassagier diese Pflicht aufs strengste eingeschärft und ihm das Versprechen abgenommen, daß er sich um seine Schwester und das Kind kümmern wolle. Er beruhigte Josephs Zorn wegen der Wechsel, die der alte Herr auf ihn gezogen hatte, und berichtete ihm lachend, was er selbst in dieser Hinsicht erdulden mußte und wie ihn der Alte mit dieser berühmten Weinsendung beglückt hatte. Er brachte Mr. Joseph, der ein ganz gutmütiger Mensch war, wenn man ihn zufriedenstellte und ihm ein wenig schmeichelte, dazu, daß er gegen seine Verwandten in Europa freundliche Gefühle hegte.   Dobbin told him all, and a little more perhaps than all, that had happened on board the Ramchunder, and exaggerated Jos’s benevolent dispositions towards his father and resolution to make him comfortable in his old days. The truth is that during the voyage the Major had impressed this duty most strongly upon his fellow-passenger and extorted promises from him that he would take charge of his sister and her child. He soothed Jos’s irritation with regard to the bills which the old gentleman had drawn upon him, gave a laughing account of his own sufferings on the same score and of the famous consignment of wine with which the old man had favoured him, and brought Mr. Jos, who was by no means an ill-natured person when well-pleased and moderately flattered, to a very good state of feeling regarding his relatives in Europe. Aber schließlich muß ich leider gestehen, daß der Major die Wahrheit so weit entstellte, dem alten Mr. Sedley zu erzählen, nur der Wunsch, seinen Vater wiederzusehen, habe Joseph nach Europa getrieben.   And in fine I am ashamed to say that the Major stretched the truth so far as to tell old Mr. Sedley that it was mainly a desire to see his parent which brought Jos once more to Europe. Zur gewohnten Stunde nickte Mr. Sedley auf seinem Stuhl ein, und jetzt hatte Amelia Gelegenheit, die Unterhaltung zu führen. Sie sprach eifrig, aber ausschließlich über Georgy. Ihren eigenen Trennungsschmerz erwähnte sie mit keinem Wort, denn obwohl der Abschied sie beinahe ins Grab gebracht hatte, so glaubte die gute Frau doch, es sei sehr schlecht von ihr, sich über den Verlust so zu grämen. Aber alles, was ihn betraf, seine Tugenden, Talente und Aussichten, schüttete sie vor ihrem Zuhörer aus. Sie beschrieb seine engelhafte Schönheit und gab hundert Beispiele von seiner Großmut und Tüchtigkeit aus der Zeit, als er noch bei ihr gewohnt hatte. Sie erzählte, daß eine Herzogin in den Kensington Gardens angehalten und ihn bewundert habe, daß jetzt ganz ausgezeichnet für ihn gesorgt werde, daß er einen Reitknecht und ein Pony habe, wie schnell er alles auffasse und wie klug er sei und was für ein außerordentlich belesener und reizender Mensch Ehrwürden Lawrence Veal, Georges Lehrer, sei. »Er weiß aber auch alles«, sagte Amelia. »Er gibt die schönsten Gesellschaften. Sie, der Sie selbst so gelehrt sind und so viel gelesen haben und so klug sind und so vieles können – schütteln Sie nicht den Kopf und leugnen es! Er meinte das immer, wenn er von Ihnen sprach –, Sie werden von Mr. Veals Gesellschaften bezaubert sein. Jeden letzten Dienstag im Monat. Er sagte, es gebe keine Stelle im Gericht oder im Senat, die Georgy nicht einst einnehmen könnte. Sehen Sie mal«, damit zog sie den Schubkasten im Klavier auf und holte einen Aufsatz von Georgy hervor. Dieses großartige Produkt geistiger Anstrengung, das immer noch im Besitz von Georges Mutter ist, lautete wie folgt:   At his accustomed hour Mr. Sedley began to doze in his chair, and then it was Amelia’s opportunity to commence her conversation, which she did with great eagerness — it related exclusively to Georgy. She did not talk at all about her own sufferings at breaking from him, for indeed, this worthy woman, though she was half-killed by the separation from the child, yet thought it was very wicked in her to repine at losing him; but everything concerning him, his virtues, talents, and prospects, she poured out. She described his angelic beauty; narrated a hundred instances of his generosity and greatness of mind whilst living with her; how a Royal Duchess had stopped and admired him in Kensington Gardens; how splendidly he was cared for now, and how he had a groom and a pony; what quickness and cleverness he had, and what a prodigiously well-read and delightful person the Reverend Lawrence Veal was, George’s master. “He knows everything ,” Amelia said. “He has the most delightful parties. You who are so learned yourself, and have read so much, and are so clever and accomplished — don’t shake your head and say no — he always used to say you were — you will be charmed with Mr. Veal’s parties. The last Tuesday in every month. He says there is no place in the bar or the senate that Georgy may not aspire to. Look here,” and she went to the piano-drawer and drew out a theme of Georgy’s composition. This great effort of genius, which is still in the possession of George’s mother, is as follows: Über die Selbstsucht Von allen Lastern, die den menschlichen Charakter erniedrigen, ist die Selbstsucht am abscheulichsten und unwürdigsten. Übermäßige Liebe zu sich selbst führt zu den gräßlichsten Verbrechen und bewirkt das größte Unglück, sowohl im Staat als auch in der Familie. Wie ein selbstsüchtiger Mann seine Familie in Armut und oftmals ins Verderben stürzt, so bringt ein selbstsüchtiger König auch das Verderben für sein Volk und stürzt es oft in den Krieg.   On Selfishness — Of all the vices which degrade the human character, Selfishness is the most odious and contemptible. An undue love of Self leads to the most monstrous crimes and occasions the greatest misfortunes both in States and Families. As a selfish man will impoverish his family and often bring them to ruin, so a selfish king brings ruin on his people and often plunges them into war. Beispiel: Die Selbstsucht des Achilles, wie sie der Dichter Homer beschreibt, brachte tausendfaches Leid über die Griechen μυςι Αχαιοις αλγε εϑηχεν (Homer, Ilias I, 2). Die Selbstsucht Napoleon Bonapartes verursachte unzählige Kriege in Europa und brachte ihn selbst zum schmählichen Untergang auf einer elenden Insel – der Insel Sankt Helena im Atlantischen Ozean.   Example: The selfishness of Achilles, as remarked by the poet Homer, occasioned a thousand woes to the Greeks — muri Achaiois alge etheke — (Hom. Il. A. 2). The selfishness of the late Napoleon Bonaparte occasioned innumerable wars in Europe and caused him to perish, himself, in a miserable island — that of Saint Helena in the Atlantic Ocean. Wir sehen aus diesen Beispielen, daß wir nicht nur unsere eigenen Interessen und unseren Ehrgeiz berücksichtigen dürfen, sondern daß wir auch die Interessen anderer berücksichtigen müssen.   We see by these examples that we are not to consult our own interest and ambition, but that we are to consider the interests of others as well as our own. George S. Osborne Athene-Haus, den 24. April 1827   George S. Osborne Athene House, 24 April, 1827 »Stellen Sie sich vor, er hat in dem Alter schon eine so gute Handschrift und zitiert sogar schon Griechisch«, sagte die entzückte Mutter. »Oh, William«, fügte sie hinzu und streckte dem Major die Hand hin, »was der Himmel mir doch für einen Schatz in diesem Knaben gegeben hat! Er ist der Trost meines Lebens – und er ist das Bild des –des Toten!«   “Think of him writing such a hand, and quoting Greek too, at his age,” the delighted mother said. “Oh, William,” she added, holding out her hand to the Major, “what a treasure Heaven has given me in that boy! He is the comfort of my life — and he is the image of — of him that’s gone!” Sollte ich ihr zürnen, weil sie ihm treu ist? dachte William. Sollte ich auf meinen Freund im Grabe eifersüchtig sein? Oder sollte ich verletzt sein, weil ein Herz wie das Amelias in Ewigkeit nur einmal lieben kann? Oh, George, George, wie wenig kanntest du doch den Schatz, den du besessen hast. Diese Gedanken schossen William durch den Sinn, als er Amelias Hand hielt, während sie die Augen mit dem Taschentuch bedeckte.   “Ought I to be angry with her for being faithful to him?” William thought. “Ought I to be jealous of my friend in the grave, or hurt that such a heart as Amelia’s can love only once and for ever? Oh, George, George, how little you knew the prize you had, though.” This sentiment passed rapidly through William’s mind as he was holding Amelia’s hand, whilst the handkerchief was veiling her eyes. »Lieber Freund«, sagte sie und drückte die Hand, in der ihre lag. »Wie gut, wie freundlich sind Sie immer gegen mich gewesen! Sehen Sie, Papa regt sich. Sie besuchen Georgy morgen, nicht wahr?«   “Dear friend,” she said, pressing the hand which held hers, “how good, how kind you always have been to me! See! Papa is stirring. You will go and see Georgy tomorrow, won’t you?” »Morgen nicht«, sagte der arme alte Dobbin. »Ich habe Geschäfte zu erledigen.« Er wollte nicht gern zugeben, daß er noch nicht einmal bei seinen Eltern und seiner teuren Schwester Ann gewesen war – eine Nachlässigkeit, derentwegen wahrscheinlich jeder guterzogene Mensch den Major tadeln wird. Bald darauf nahm er Abschied und hinterließ für Joseph seine Adresse für den Fall, daß dieser bald ankommen würde. So war der erste Tag vorüber, und er hatte sie gesehen.   “Not to-morrow,” said poor old Dobbin. “I have business.” He did not like to own that he had not as yet been to his parents’ and his dear sister Anne — a remissness for which I am sure every well-regulated person will blame the Major. And presently he took his leave, leaving his address behind him for Jos, against the latter’s arrival. And so the first day was over, and he had seen her. Als er zu Slaughters zurückkam, war das Brathuhn natürlich kalt geworden, aber er aß es auch so zum Abendbrot. Da er wußte, wie zeitig seine Familie zu Bett ging und daß es unnütz wäre, sie zu so später Stunde aus dem Schlaf zu holen, so erzählt man, daß Major Dobbin an jenem Abend den letzten Teil der Vorstellung im Haymarket Theater zum halben Preis besuchte, wo er sich hoffentlich gut unterhalten hat.   When he got back to the Slaughters’, the roast fowl was of course cold, in which condition he ate it for supper. And knowing what early hours his family kept, and that it would be needless to disturb their slumbers at so late an hour, it is on record, that Major Dobbin treated himself to half-price at the Haymarket Theatre that evening, where let us hope he enjoyed himself. 59. Kapitel / Chapter 59 Das alte Klavier / The Old Piano Der Besuch von Major Dobbin versetzte den alten John Sedley in heftige Aufregung. Seine Tochter konnte ihn an jenem Abend nicht dazu veranlassen, sich seinen gewöhnlichen Beschäftigungen und Unterhaltungen zuzuwenden. Er verbrachte die Stunden, indem er in seinen Schubkästen und Schreibpulten kramte, mit zitternder Hand Papierbündel aufknotete und alles sortierte und für Josephs Ankunft zurechtlegte. Sie waren in bester Ordnung – seine Schnüre und Papiere, die Quittungen, der Briefwechsel mit Rechtsanwälten und Geschäftsfreunden, die Dokumente über das Weinprojekt (das durch einen unvorhergesehenen Zufall fehlschlug, nachdem es mit glänzenden Aussichten begonnen hatte), das Kohlenprojekt (das nur aus Kapitalmangel nicht zum erfolgreichsten Plan wurde, den man je der Öffentlichkeit vorgelegt hatte), das Patentsägemühlen- und –sägemehlverdichtungsprojekt und so weiter und so fort. Bis in die Nacht hinein beschäftigte er sich mit dem Ordnen dieser Papiere und wankte mit einer zitternden Kerze in der bebenden Hand von einem Zimmer zum anderen. »Hier sind die Weinpapiere, hier das Sägemehl, hier die Kohlen, hier meine Briefe nach Kalkutta und Madras und die Antworten darauf von Major Dobbin, Träger des Bath-Ordens, und Mr. Joseph Sedley. Er soll bei mir keine Unregelmäßigkeiten finden, Emmy«, sagte der alte Herr.   The Major’s visit left old John Sedley in a great state of agitation and excitement. His daughter could not induce him to settle down to his customary occupations or amusements that night. He passed the evening fumbling amongst his boxes and desks, untying his papers with trembling hands, and sorting and arranging them against Jos’s arrival. He had them in the greatest order — his tapes and his files, his receipts, and his letters with lawyers and correspondents; the documents relative to the wine project (which failed from a most unaccountable accident, after commencing with the most splendid prospects), the coal project (which only a want of capital prevented from becoming the most successful scheme ever put before the public), the patent saw-mills and sawdust consolidation project, \&c., \&c. All night, until a very late hour, he passed in the preparation of these documents, trembling about from one room to another, with a quivering candle and shaky hands. Here’s the wine papers, here’s the sawdust, here’s the coals; here’s my letters to Calcutta and Madras, and replies from Major Dobbin, C.B., and Mr. Joseph Sedley to the same. “He shall find no irregularity about me , Emmy,” the old gentleman said. Emmy lächelte. »Ich glaube nicht, daß es Joseph interessiert, deine Papiere zu sehen«, sagte sie.   Emmy smiled. “I don’t think Jos will care about seeing those papers, Papa,” she said. »Du verstehst eben nichts von Geschäften, meine Liebe«, erwiderte der Alte und schüttelte wichtig den Kopf. Allerdings war Emmy auf diesem Gebiet wirklich sehr unwissend, aber es ist ein Jammer, daß manche so beschlagen sind. Nachdem der alte Sedley alle diese unbedeutenden Dokumente auf einem Seitentisch ausgebreitet hatte, bedeckte er sie sorgfältig mit einem sauberen bunten Taschentuch (einem Geschenk Major Dobbins) und schärfte dem Dienstmädchen und der Hauswirtin feierlich ein, die Papiere nicht durcheinanderzubringen, die für die Ankunft Mr. Joseph Sedleys am nächsten Morgen bereitgelegt waren, »Mr. Joseph Sedleys vom Zivildienst Bengalen der Ostindischen Kompanie«.     “You don’t know anything about business, my dear,” answered the sire, shaking his head with an important air. And it must be confessed that on this point Emmy was very ignorant, and that is a pity some people are so knowing. All these twopenny documents arranged on a side table, old Sedley covered them carefully over with a clean bandanna handkerchief (one out of Major Dobbin’s lot) and enjoined the maid and landlady of the house, in the most solemn way, not to disturb those papers, which were arranged for the arrival of Mr. Joseph Sedley the next morning, “Mr. Joseph Sedley of the Honourable East India Company’s Bengal Civil Service.” Amelia fand ihn am nächsten Morgen zeitig auf, eifriger, hektischer und zittriger als je. »Ich habe nicht viel geschlafen, liebe Emmy«‹, sagte er. »Ich dachte an meine arme Bessy. Ich wünschte, sie lebte noch, damit sie noch einmal in Josephs Wagen hätte fahren können. Sie hatte ja einen eigenen und nahm sich sehr gut darin aus.« Tränen stiegen ihm in die Augen und liefen über sein runzliges altes Gesicht. Emmy wischte sie ab und küßte ihn lächelnd. Dann schlang sie das Halstuch des Alten zu einem eleganten Knoten und steckte ihm eine Brosche in seine beste Hemdkrause. In seinem schwarzen Sonntagsanzug saß er nun von sechs Uhr morgens und erwartete die Ankunft seines Sohnes.   Amelia found him up very early the next morning, more eager, more hectic, and more shaky than ever. “I didn’t sleep much, Emmy, my dear,” he said. “I was thinking of my poor Bessy. I wish she was alive, to ride in Jos’s carriage once again. She kept her own and became it very well.” And his eyes filled with tears, which trickled down his furrowed old face. Amelia wiped them away, and smilingly kissed him, and tied the old man’s neckcloth in a smart bow, and put his brooch into his best shirt frill, in which, in his Sunday suit of mourning, he sat from six o’clock in the morning awaiting the arrival of his son. [Dieser Absatz folgt in der Übersetzung weiter unten]   However, when the postman made his appearance, the little party were put out of suspense by the receipt of a letter from Jos to his sister, who announced that he felt a little fatigued after his voyage, and should not be able to move on that day, but that he would leave Southampton early the next morning and be with his father and mother at evening. Amelia, as she read out the letter to her father, paused over the latter word; her brother, it was clear, did not know what had happened in the family. Nor could he, for the fact is that, though the Major rightly suspected that his travelling companion never would be got into motion in so short a space as twenty-four hours, and would find some excuse for delaying, yet Dobbin had not written to Jos to inform him of the calamity which had befallen the Sedley family, being occupied in talking with Amelia until long after post-hour. In der Hauptstraße von Southampton gibt es einige glänzende Schneidergeschäfte. In den schönen Glasschaufenstern hängen prächtige Westen aller Art aus Samt und Seide, rot und goldfarben, daneben Bilder von der neuesten Mode, auf denen wundervolle Herren mit Monokel kleine Knaben mit ungeheuer großen Augen und lockigem Haar an der Hand halten und Damen zärtliche Blicke zuwerfen, die im Reitkostüm an der Achillesstatue beim Apsley-Haus vorbeigaloppieren. Obwohl Joseph schon eine ganze Anzahl der glänzendsten Westen besaß, die in Kalkutta aufzutreiben waren, so meinte er doch, erst in London erscheinen zu können, wenn er sich mit einigen dieser Kleidungsstücke versehen hätte, und er wählte eine hochrote Atlasweste, mit goldenen Schmetterlingen bestickt, und eine schwarzrotkarierte aus Samt mit weißen Streifen und Rollkragen. Damit, mit einer prächtigen, blauen Atlashalsbinde und einer goldenen Anstecknadel, auf der ein rosa Emaillereiter über ein Gittertor mit fünf Querbalken sprang, glaubte er, würdig genug seinen Einzug in London halten zu können. Josephs frühere Schüchternheit und täppische, errötende Furchtsamkeit waren einer offenen und mutigen Erkenntnis seines eigenen Wertes gewichen. »Ich scheue mich nicht, zuzugeben«, pflegte Waterloo-Sedley zu seinen Freunden zu sagen, »daß ich ein geschniegelter Mann bin.« Wenn er sich unter den Blicken der Damen im Gouverneurspalast immer noch unbehaglich fühlte und vor ihren strahlenden Augen errötete, sich erschreckt abwandte und sie mied, so geschah das doch hauptsächlich aus Furcht, sie könnten sich in ihn verlieben, denn einer Heirat war er gänzlich abgeneigt. Ich habe gehört, daß es in ganz Kalkutta keinen größeren Stutzer als Waterloo-Sedley gab. Er hatte die schönste Equipage, gab die besten Junggesellenessen und besaß das feinste Silber am Platze.   There are some splendid tailors’ shops in the High Street of Southampton, in the fine plate-glass windows of which hang gorgeous waistcoats of all sorts, of silk and velvet, and gold and crimson, and pictures of the last new fashions, in which those wonderful gentlemen with quizzing glasses, and holding on to little boys with the exceeding large eyes and curly hair, ogle ladies in riding habits prancing by the Statue of Achilles at Apsley House. Jos, although provided with some of the most splendid vests that Calcutta could furnish, thought he could not go to town until he was supplied with one or two of these garments, and selected a crimson satin, embroidered with gold butterflies, and a black and red velvet tartan with white stripes and a rolling collar, with which, and a rich blue satin stock and a gold pin, consisting of a five-barred gate with a horseman in pink enamel jumping over it, he thought he might make his entry into London with some dignity. For Jos’s former shyness and blundering blushing timidity had given way to a more candid and courageous self-assertion of his worth. “I don’t care about owning it,” Waterloo Sedley would say to his friends, “I am a dressy man”; and though rather uneasy if the ladies looked at him at the Government House balls, and though he blushed and turned away alarmed under their glances, it was chiefly from a dread lest they should make love to him that he avoided them, being averse to marriage altogether. But there was no such swell in Calcutta as Waterloo Sedley, I have heard say, and he had the handsomest turn-out, gave the best bachelor dinners, and had the finest plate in the whole place. Die Anfertigung dieser Westen für einen Mann von seiner Größe und Würde erforderte mindestens einen Tag. Ein paar Stunden davon verbrachte er damit, für sich und seinen Eingeborenen einen Diener zu suchen und seinen Beauftragten zu instruieren, der sich um sein Gepäck, seine Koffer, seine Bücher, die er nie las, seine Kisten mit Mangofrüchten, Chutney und Curry, seine Schals, die er Leuten schenken wollte, deren Bekanntschaft er noch nicht gemacht hatte, und seine übrigen Persicos apparatus kümmern sollte.   To make these waistcoats for a man of his size and dignity took at least a day, part of which he employed in hiring a servant to wait upon him and his native and in instructing the agent who cleared his baggage, his boxes, his books, which he never read, his chests of mangoes, chutney, and curry-powders, his shawls for presents to people whom he didn’t know as yet, and the rest of his Persicos apparatus. Endlich, am dritten Tage, fuhr er in der neuen Weste gemächlich nach London. Der Eingeborene saß frierend und zähneklappernd, in einen Schal gehüllt, auf dem Bock neben dem neuen europäischen Diener; Joseph schmauchte hin und wieder im Wageninnern seine Pfeife und wirkte so majestätisch, daß kleine Jungen hurra schrien und viele Leute dachten, er müsse wenigstens Generalgouverneur sein. Er lehnte die demütigen Aufforderungen der Wirte, abzusteigen und sich in den netten Landstädtchen zu erfrischen, ganz gewiß nicht ab. Nachdem er in Southampton ein reichliches Frühstück von Fischen, Reis und harten Eiern genossen hatte, hatte er sich in Winchester bereits wieder so weit erholt, daß er ein Glas Sherry für notwendig hielt. In Alton stieg er auf Bitten seines Bedienten aus und trank ein wenig von dem Ale, das den Ort berühmt gemacht hat. In Farnham hielt er an, um den Bischofspalast zu besichtigen und ein leichtes Diner, bestehend aus gedämpftem Aal, Kalbskoteletts und grünen Bohnen nebst einer Flasche Rotwein, zu sich zu nehmen. Als er über die Bagshot-Heide fuhr, wurde es ihm kalt, und auch der Eingeborene klapperte immer heftiger mit den Zähnen. Also trank Joseph Sahib einen Branntwein, und als er nach London kam, war er so voll Wein, Bier, Fleisch, Eingemachtem, Sherry und Tabak wie die Kajüte des Stewards auf einem Dampfer. Es war Abend, als sein Wagen donnernd an der kleinen Tür in Brompton vorfuhr. Hierher war der liebevolle Mensch nämlich zuerst gefahren, ehe er in das Quartier eilte, das Mr. Dobbin ihm bei Slaughter bestellt hatte.   At length, he drove leisurely to London on the third day and in the new waistcoat, the native, with chattering teeth, shuddering in a shawl on the box by the side of the new European servant; Jos puffing his pipe at intervals within and looking so majestic that the little boys cried Hooray, and many people thought he must be a Governor-General. He , I promise, did not decline the obsequious invitation of the landlords to alight and refresh himself in the neat country towns. Having partaken of a copious breakfast, with fish, and rice, and hard eggs, at Southampton, he had so far rallied at Winchester as to think a glass of sherry necessary. At Alton he stepped out of the carriage at his servant’s request and imbibed some of the ale for which the place is famous. At Farnham he stopped to view the Bishop’s Castle and to partake of a light dinner of stewed eels, veal cutlets, and French beans, with a bottle of claret. He was cold over Bagshot Heath, where the native chattered more and more, and Jos Sahib took some brandy-and-water; in fact, when he drove into town he was as full of wine, beer, meat, pickles, cherry-brandy, and tobacco as the steward’s cabin of a steam-packet. It was evening when his carriage thundered up to the little door in Brompton, whither the affectionate fellow drove first, and before hieing to the apartments secured for him by Mr. Dobbin at the Slaughters’. In allen Fenstern der Straße sah man neugierige Gesichter; das kleine Dienstmädchen flog an die Gartentür, die Damen Clapp blickten aus dem Küchenfenster, Emmy stand aufgeregt im Hausflur inmitten von Hüten und Mänteln, und der alte Sedley im Wohnzimmer zitterte an allen Gliedern. Joseph stieg die krachenden, schwankenden Stufen der Postkutsche in einem entsetzlichen Zustand herab. Er wurde von dem neuen Kammerdiener aus Southampton und dem zähneklappernden Eingeborenen unterstützt, dessen braunes Gesicht jetzt vor Kälte blaugrau wie ein Truthahnmagen war. Kurz darauf erregte der Eingeborene ungeheures Aufsehen im Hausflur, als Mrs. und Miss Clapp, die höchstwahrscheinlich heraufgekommen waren, um an der Wohnzimmertür zu lauschen, Loll Jewab auf der Bank im Flur unter den Mänteln fanden. Er zitterte vor Kälte, stöhnte in seltsamer, mitleiderregender Weise und zeigte seine gelben Augäpfel und weißen Zähne.   All the faces in the street were in the windows; the little maidservant flew to the wicket-gate; the Mesdames Clapp looked out from the casement of the ornamented kitchen; Emmy, in a great flutter, was in the passage among the hats and coats; and old Sedley in the parlour inside, shaking all over. Jos descended from the post-chaise and down the creaking swaying steps in awful state, supported by the new valet from Southampton and the shuddering native, whose brown face was now livid with cold and of the colour of a turkey’s gizzard. He created an immense sensation in the passage presently, where Mrs. and Miss Clapp, coming perhaps to listen at the parlour door, found Loll Jewab shaking upon the hall-bench under the coats, moaning in a strange piteous way, and showing his yellow eyeballs and white teeth. Sehen Sie, nun haben wir geschickt die Tür hinter dem Wiedersehen Josephs mit seinem Vater und dem armen sanften Schwesterchen geschlossen. Der alte Mann war sehr bewegt und seine Tochter natürlich ebenfalls. Aber auch Joseph blieb nicht ungerührt. Während einer Abwesenheit von zehn langen Jahren denkt sogar der Selbstsüchtigste an die Heimat und an alte Bande. Die Entfernung heiligt beide. Langes Nachdenken über diese verlorenen Freuden macht sie reizvoller und teurer. Joseph war ehrlich froh, seinen Vater, zu dem er sonst ein kühles Verhältnis gehabt hatte, wiederzusehen und ihm die Hand zu schütteln; er war auch froh, sein Schwesterchen zu sehen, die er so hübsch und munter im Gedächtnis hatte, und es tat ihm weh, festzustellen, wie Zeit, Kummer und Unglück den alten Mann zerrüttet hatten. Emmy war ihm in ihren schwarzen Kleidern bis an die Tür entgegengegangen, hatte ihm die Nachricht vom Tode der Mutter zugeflüstert und ihn gebeten, dem Vater gegenüber nichts davon zu erwähnen. Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich jedoch als unnötig, da der alte Sedley sofort darüber zu jammern begann und reichlich Tränen vergoß. Der Inder war doch recht ergriffen, und der arme Bursche dachte an diesem Abend weniger an sich als gewöhnlich.   For, you see, we have adroitly shut the door upon the meeting between Jos and the old father and the poor little gentle sister inside. The old man was very much affected; so, of course, was his daughter; nor was Jos without feeling. In that long absence of ten years, the most selfish will think about home and early ties. Distance sanctifies both. Long brooding over those lost pleasures exaggerates their charm and sweetness. Jos was unaffectedly glad to see and shake the hand of his father, between whom and himself there had been a coolness — glad to see his little sister, whom he remembered so pretty and smiling, and pained at the alteration which time, grief, and misfortune had made in the shattered old man. Emmy had come out to the door in her black clothes and whispered to him of her mother’s death, and not to speak of it to their father. There was no need of this caution, for the elder Sedley himself began immediately to speak of the event, and prattled about it, and wept over it plenteously. It shocked the Indian not a little and made him think of himself less than the poor fellow was accustomed to do. Das Ergebnis der Unterredung muß befriedigend gewesen sein, denn als Joseph wieder in seine Postkutsche geklettert war und zum Hotel fuhr, umarmte Emmy den Vater zärtlich und fragte den Alten triumphierend, ob sie nicht stets gesagt habe, ihr Bruder besitze ein gutes Herz.   The result of the interview must have been very satisfactory, for when Jos had reascended his post-chaise and had driven away to his hotel, Emmy embraced her father tenderly, appealing to him with an air of triumph, and asking the old man whether she did not always say that her brother had a good heart? Joseph Sedley hatte nämlich, von dem ärmlichen Leben seiner Verwandten gerührt, im überströmenden Gefühl der ersten Zusammenkunft erklärt, daß sie von nun an nie wieder Mangel oder Verdruß leiden sollten, daß er auf jeden Fall einige Zeit in England bleiben werde und solange Haus und Habe mit ihnen teilen werde. Er meinte, Amelia werde sich als Herrin an seiner Tafel sehr hübsch ausnehmen – bis sie einen eigenen Hausstand haben würde.   Indeed, Joseph Sedley, affected by the humble position in which he found his relations, and in the expansiveness and overflowing of heart occasioned by the first meeting, declared that they should never suffer want or discomfort any more, that he was at home for some time at any rate, during which his house and everything he had should be theirs: and that Amelia would look very pretty at the head of his table — until she would accept one of her own. Sie schüttelte traurig den Kopf und nahm wie gewöhnlich Zuflucht zu den Wasserspielen. Sie wußte, was er meinte. Mit ihrer jungen Vertrauten, Miss Mary, hatte sie die Sache am Abend der Ankunft des Majors ausführlich besprochen. Länger konnte die ungestüme Polly mit der Entdeckung, die sie gemacht hatte, nicht zurückhalten. Sie mußte unbedingt schildern, wie der Major sich verraten hatte, als Mr. Binny und seine junge Frau vorübergingen, und wie er zusammenzuckte und freudig erbebte bei der Gewißheit, keinen Nebenbuhler mehr fürchten zu müssen. »Haben Sie nicht gesehen, wie er an allen Gliedern zitterte, als Sie ihn fragten, ob er verheiratet sei, und er antwortete:›Wer hat Ihnen denn den Bären aufgebunden?‹ Oh, Madame«, sagte Polly, »er hat keine Sekunde den Blick von Ihnen gewandt, und ich glaube bestimmt, er hat graue Haare bekommen, weil er soviel an Sie gedacht hat.«   She shook her head sadly and had, as usual, recourse to the waterworks. She knew what he meant. She and her young confidante, Miss Mary, had talked over the matter most fully, the very night of the Major’s visit, beyond which time the impetuous Polly could not refrain from talking of the discovery which she had made, and describing the start and tremor of joy by which Major Dobbin betrayed himself when Mr. Binny passed with his bride and the Major learned that he had no longer a rival to fear. “Didn’t you see how he shook all over when you asked if he was married and he said, ’Who told you those lies?’ Oh, M’am,” Polly said, “he never kept his eyes off you, and I’m sure he’s grown grey athinking of you.” Amelia blickte jedoch auf die Porträts ihres Mannes und ihres Sohnes über dem Bett und schärfte ihrem jungen Schützling ein, nie, nie wieder dieses Thema zu berühren. Sie erklärte, Major Dobbin sei ihres Mannes bester Freund gewesen und ihr und George ein gütiger und liebevoller Beschützer; sie liebte ihn wie einen Bruder – aber eine Frau, die mit solch einem Engel verheiratet gewesen sei (dabei deutete sie auf die Wand), könne nie wieder an eine andere Verbindung denken. Die arme Polly seufzte; sie überlegte, was sie wohl tun sollte, wenn der junge Mr. Tomkins aus der Apotheke, der sie in der Kirche immer so anstarrte und mit seinen feurigen Blicken ihr furchtsames Herzchen laut pochen machte – was sie also tun sollte, wenn er sterben müßte. Sie wußte, daß er die Schwindsucht hatte, denn seine Wangen waren so rot, und er hatte eine so ungewöhnlich schlanke Taille.   But Amelia, looking up at her bed, over which hung the portraits of her husband and son, told her young protegee never, never, to speak on that subject again; that Major Dobbin had been her husband’s dearest friend and her own and George’s most kind and affectionate guardian; that she loved him as a brother — but that a woman who had been married to such an angel as that, and she pointed to the wall, could never think of any other union. Poor Polly sighed: she thought what she should do if young Mr. Tomkins, at the surgery, who always looked at her so at church, and who, by those mere aggressive glances had put her timorous little heart into such a flutter that she was ready to surrender at once, — what she should do if he were to die? She knew he was consumptive, his cheeks were so red and he was so uncommon thin in the waist. Es war nicht so, daß Emmy den ehrlichen Major irgendwie zurückstieß oder ihm zürnte, als man sie auf seine Leidenschaft aufmerksam machte. Die Liebe eines so ehrlichen, treuen Mannes konnte nicht das Mißfallen einer Frau erregen. Desdemona war nicht böse auf Cassio, obwohl sie die Neigung des Leutnants für sie zweifellos wahrnahm (ich für mein Teil glaube, daß in dieser traurigen Angelegenheit viel mehr geschah, als der gute Mohrenoffizier je erfuhr). Miranda war sogar freundlich gegen Caliban, und ganz sicher aus dem gleichen Grund, und dabei wollte sie ihn nicht etwa ermutigen – das arme häßliche Ungeheuer! –, nein, ganz und gar nicht. Und ebenso wollte Emmy auf keinen Fall ihren Anbeter, den Major, ermutigen. Sie wollte ihm nur die freundschaftliche Achtung gewähren, die soviel Vortrefflichkeit und Treue verdienten. Sie wollte ihm herzlich und offen begegnen, bis er sich erklären würde, und dann wäre noch genug Zeit für sie, zu sprechen und unerfüllbaren Hoffnungen ein Ende zu bereiten.   Not that Emmy, being made aware of the honest Major’s passion, rebuffed him in any way, or felt displeased with him. Such an attachment from so true and loyal a gentleman could make no woman angry. Desdemona was not angry with Cassio, though there is very little doubt she saw the Lieutenant’s partiality for her (and I for my part believe that many more things took place in that sad affair than the worthy Moorish officer ever knew of); why, Miranda was even very kind to Caliban, and we may be pretty sure for the same reason. Not that she would encourage him in the least — the poor uncouth monster — of course not. No more would Emmy by any means encourage her admirer, the Major. She would give him that friendly regard, which so much excellence and fidelity merited; she would treat him with perfect cordiality and frankness until he made his proposals, and then it would be time enough for her to speak and to put an end to hopes which never could be realized. Sie schlief daher an jenem Abend nach der Unterredung mit Miss Polly ruhig und tief und war glücklicher als gewöhnlich, obwohl sich ihr Bruder Joseph nicht hatte sehen lassen. Ich bin froh, daß er nicht diese Miss O'Dowd heiraten will, dachte sie, Oberst O'Dowd ist nicht zuzutrauen, daß er eine Schwester hat, die zu einem so vortrefflichen Mann wie Major William passen würde. Wer in ihrem kleinen Bekanntenkreis könnte ihm wohl eine gute Frau werden? Nicht Miss Binny, die war zu alt und bösartig; Miss Osborne? Ebenfalls zu alt. Die kleine Polly war zu jung. Mrs. Osborne konnte vor dem Einschlafen keine Passende für den Major finden.   She slept, therefore, very soundly that evening, after the conversation with Miss Polly, and was more than ordinarily happy, in spite of Jos’s delaying. “I am glad he is not going to marry that Miss O’Dowd,” she thought. “Colonel O’Dowd never could have a sister fit for such an accomplished man as Major William.” Who was there amongst her little circle who would make him a good wife? Not Miss Binny, she was too old and ill-tempered; Miss Osborne? too old too. Little Polly was too young. Mrs. Osborne could not find anybody to suit the Major before she went to sleep. Am nächsten Morgen erschien der Postbote, und ein Brief von Joseph an seine Schwester beendete die bange Erwartung der kleinen Gesellschaft. Er teilte mit, daß er sich von der Reise noch etwas angegriffen fühle und an diesem Tage nicht an Weiterfahrt denken könne. Am nächsten Morgen in aller Frühe werde er jedoch Southampton verlassen und am Abend bei Vater und Mutter sein. Als Amelia ihrem Vater den Brief vorlas, stockte sie bei dem letzten Wort. Ihr Bruder wußte offenbar noch nicht, was sich in der Familie zugetragen hatte – das konnte er auch nicht, denn der Major hatte zwar mit Recht angenommen, daß sein Reisegefährte in dem kurzen Zeitraum von vierundzwanzig Stunden nicht in Bewegung zu bringen wäre und genug Entschuldigungen für sein Zögern finden werde, trotzdem aber nicht an Joseph geschrieben und ihm das Unglück, das die Familie Sedley betroffen hatte, mitgeteilt, da er noch lange nach der Poststunde mit Amelia in ein Gespräch vertieft gewesen war. Derselbe Morgen brachte Major Dobbin in Slaughters Kaffeehaus einen Brief von seinem Freund in Southampton, worin Joseph seinen lieben Dobbin bat, die Grobheit zu entschuldigen, mit der er Dobbin tags zuvor begegnet war, als dieser ihn wecken wollte. Er habe entsetzliche Kopfschmerzen gehabt und gerade im ersten Schlummer gelegen. Joseph ersuchte Dobbin, bei Slaughter bequeme Zimmer für Mr. Sedley und seine Diener zu bestellen. Der Major war dem armen Joseph während der Reise unentbehrlich geworden. Er hatte Zuneigung zu ihm gefaßt und klammerte sich an ihn. Die anderen Passagiere waren nach London weitergereist. Der junge Ricketts und der kleine Chaffers fuhren noch am gleichen Tage mit der Postkutsche ab – Ricketts auf dem Bock, wo er Botley die Zügel abgenommen hatte, der Doktor war zu seiner Familie nach Portsea gegangen, Bragg nach London zu seinen Kompagnons, und der Erste Offizier überwachte das Entladen der »Ramchunder«. Mr. Joseph fühlte sich daher in Southampton an diesem Tage sehr einsam und lud den Hotelwirt vom »George« zu einem Glas Wein ein. Zur gleichen Stunde setzte sich Major Dobbin an der Tafel seines Vaters, Sir William, nieder, und seine Schwester hatte bereits herausbekommen (denn der Major brachte es nicht fertig, die Unwahrheit zu sagen), daß er Mrs. Osborne schon besucht hatte.   The same morning brought Major Dobbin a letter to the Slaughters’ Coffee-house from his friend at Southampton, begging dear Dob to excuse Jos for being in a rage when awakened the day before (he had a confounded headache, and was just in his first sleep), and entreating Dob to engage comfortable rooms at the Slaughters’ for Mr. Sedley and his servants. The Major had become necessary to Jos during the voyage. He was attached to him, and hung upon him. The other passengers were away to London. Young Ricketts and little Chaffers went away on the coach that day — Ricketts on the box, and taking the reins from Botley; the Doctor was off to his family at Portsea; Bragg gone to town to his co-partners; and the first mate busy in the unloading of the Ramchunder. Mr. Joe was very lonely at Southampton, and got the landlord of the George to take a glass of wine with him that day, at the very hour at which Major Dobbin was seated at the table of his father, Sir William, where his sister found out (for it was impossible for the Major to tell fibs) that he had been to see Mrs. George Osborne. Joseph fühlte sich sehr wohl in der St. Martin's Lane. Er konnte gemütlich seine Wasserpfeife rauchen, zum Theater stolzieren, wenn es ihn danach gelüstete, und das war so bequem, daß er wahrscheinlich für immer bei Slaughter wohnen geblieben wäre, hätte sein Freund, der Major, ihm nicht zugesetzt. Dieser Herr ließ dem Bengalen nicht eher Ruhe, bis er sein Versprechen, ein Heim für Amelia und seinen Vater zu schaffen, erfüllt hatte. Joseph war in den Händen anderer butterweich und Dobbin in den Angelegenheiten anderer sehr energisch. Der Zivilist war daher für die unschuldigen Ränke des gutmütigen Diplomaten eine leichte Beute und erklärte sich bereit, alles zu tun, zu lassen, zu kaufen, zu mieten oder aufzugeben, was sein Freund für angemessen hielt. Loll Jewab, den die Gassenjungen in der St. Martin's Lane immer grausam neckten, wenn er sein dunkles Gesicht auf der Straße sehen ließ, schickte man mit dem Ostindienfahrer »Lady Kicklebury«, von dem Sir William Dobbin Aktien besaß, nach Kalkutta zurück, nachdem er vorher Josephs Europäer die Kunst der Bereitung von Currys und Pilaus und das Pfeifenstopfen beigebracht hatte. Für Joseph war es eine herrliche Beschäftigung, den Bau einer eleganten Kutsche zu beaufsichtigen, die er und der Major im benachbarten Long Acre bestellt hatten; er mietete ein Paar schöne Pferde, mit denen er in vollem Gepränge im Park umherfuhr oder seine Freunde aus Indien besuchte. Bei diesen Ausflügen saß Amelia nicht selten neben ihm, und auch Major Dobbin konnte man auf dem Rücksitz des Wagens erblicken. Andere Male benutzten der alte Sedley und seine Tochter den Wagen, und auch Miss Clapp begleitete ihre Freundin häufig. Wenn sie ihr dann, in den berühmten gelben Schal gehüllt, gegenübersaß, fand sie großes Vergnügen daran, daß das Gesicht des jungen Mannes aus der Apotheke gewöhnlich über den Fenstervorhängen auftauchte und er sie erkannte.   Jos was so comfortably situated in St. Martin’s Lane, he could enjoy his hookah there with such perfect ease, and could swagger down to the theatres, when minded, so agreeably, that, perhaps, he would have remained altogether at the Slaughters’ had not his friend, the Major, been at his elbow. That gentleman would not let the Bengalee rest until he had executed his promise of having a home for Amelia and his father. Jos was a soft fellow in anybody’s hands, Dobbin most active in anybody’s concerns but his own; the civilian was, therefore, an easy victim to the guileless arts of this good-natured diplomatist and was ready to do, to purchase, hire, or relinquish whatever his friend thought fit. Loll Jewab, of whom the boys about St. Martin’s Lane used to make cruel fun whenever he showed his dusky countenance in the street, was sent back to Calcutta in the Lady Kicklebury East Indiaman, in which Sir William Dobbin had a share, having previously taught Jos’s European the art of preparing curries, pilaus, and pipes. It was a matter of great delight and occupation to Jos to superintend the building of a smart chariot which he and the Major ordered in the neighbouring Long Acre: and a pair of handsome horses were jobbed, with which Jos drove about in state in the park, or to call upon his Indian friends. Amelia was not seldom by his side on these excursions, when also Major Dobbin would be seen in the back seat of the carriage. At other times old Sedley and his daughter took advantage of it, and Miss Clapp, who frequently accompanied her friend, had great pleasure in being recognized as she sat in the carriage, dressed in the famous yellow shawl, by the young gentleman at the surgery, whose face might commonly be seen over the window-blinds as she passed. Kurz nachdem Joseph zum erstenmal in Brompton erschienen war, gab es in dem bescheidenen Häuschen, worin die Sedleys die letzten zehn Jahre ihres Lebens verbracht hatten, eine traurige Szene. Josephs Wagen (der gemietete, nicht der, der gebaut wurde) kam eines Tages und holte den alten Sedley und seine Tochter ab – für immer. Die Tränen der Wirtin und ihrer Tochter bei dieser Gelegenheit waren so kummervoll und echt, wie sie nur je im Laufe dieser Geschichte vergossen wurden. Sie konnten sich nicht entsinnen, daß Amelia während ihrer langen vertrauten Bekanntschaft auch nur ein einziges böses Wort geäußert hätte. Stets war sie gütig und freundlich gewesen, stets dankbar und sanft. Sogar dann, wenn Mrs. Clapp die Geduld verlor und wegen der Mietzahlung drängte. Als das liebe Geschöpf sie für immer verließ, machte sich die Wirtin bittere Vorwürfe, daß sie je ein rauhes Wort gegen sie gebraucht hatte. Sie vergoß heiße Tränen, als sie mit einem Klebstreifen einen Zettel am Fenster befestigte, auf dem zu lesen stand, daß die so lange bewohnten kleinen Zimmer wieder zu vermieten seien. Nie wieder würden sie solche Mieter bekommen, das stand fest. Die Zukunft bewies die Richtigkeit dieser melancholischen Prophezeiung, und Mrs. Clapp rächte sich für die Verschlechterung der Menschheit, indem sie bei ihren Mietern für Teebüchsen und Hammelkeulen ungeheure Kontributionen erhob. Die meisten von ihnen schalten und brummten. Einige bezahlten nicht, keiner blieb. Die Wirtin bedauerte also mit Recht, daß diese alten, alten Freunde sie verließen.   Shortly after Jos’s first appearance at Brompton, a dismal scene, indeed, took place at that humble cottage at which the Sedleys had passed the last ten years of their life. Jos’s carriage (the temporary one, not the chariot under construction) arrived one day and carried off old Sedley and his daughter — to return no more. The tears that were shed by the landlady and the landlady’s daughter at that event were as genuine tears of sorrow as any that have been outpoured in the course of this history. In their long acquaintanceship and intimacy they could not recall a harsh word that had been uttered by Amelia She had been all sweetness and kindness, always thankful, always gentle, even when Mrs. Clapp lost her own temper and pressed for the rent. When the kind creature was going away for good and all, the landlady reproached herself bitterly for ever having used a rough expression to her — how she wept, as they stuck up with wafers on the window, a paper notifying that the little rooms so long occupied were to let! They never would have such lodgers again, that was quite clear. After-life proved the truth of this melancholy prophecy, and Mrs. Clapp revenged herself for the deterioration of mankind by levying the most savage contributions upon the tea-caddies and legs of mutton of her locataires. Most of them scolded and grumbled; some of them did not pay; none of them stayed. The landlady might well regret those old, old friends, who had left her. Miss Marys Betrübnis bei der Trennung von Amelia war derart, daß ich nicht versuchen werde, sie zu schildern. Sie war von Kindheit an täglich bei ihr gewesen und hatte eine leidenschaftliche Zuneigung für die liebe, gute Dame gefaßt. Als die stattliche Kutsche kam, um Amelia zu neuen Herrlichkeiten zu entführen, sank sie ohnmächtig in die Arme ihrer Freundin, die fast ebenso gerührt war wie das gutmütige Mädchen selbst. Amelia liebte sie wie eine Tochter. Elf Jahre lang war das Mädchen ihre treue Freundin und Gefährtin gewesen. Die Trennung ging ihr wirklich sehr nahe. Man kam natürlich überein, daß Mary Mrs. Osborne oft in dem großen neuen Haus besuchen sollte, aber Mary war überzeugt, daß sie dort nie so glücklich sein könnte wie in ihrem bescheidenen Hüttchen, wie es Miss Clapp in der Sprache ihrer Lieblingsromane ausdrückte.   As for Miss Mary, her sorrow at Amelia’s departure was such as I shall not attempt to depict. From childhood upwards she had been with her daily and had attached herself so passionately to that dear good lady that when the grand barouche came to carry her off into splendour, she fainted in the arms of her friend, who was indeed scarcely less affected than the good-natured girl. Amelia loved her like a daughter. During eleven years the girl had been her constant friend and associate. The separation was a very painful one indeed to her. But it was of course arranged that Mary was to come and stay often at the grand new house whither Mrs. Osborne was going, and where Mary was sure she would never be so happy as she had been in their humble cot, as Miss Clapp called it, in the language of the novels which she loved. Wir wollen hoffen, daß sie damit unrecht hatte. Es hatte für die arme Amelia in dem bescheidenen Hüttchen nur sehr wenige glückliche Tage gegeben. Ein düsteres Schicksal hatte sie dort bedrückt. Nachdem sie das Haus verlassen hatte, wollte sie nie dorthin zurückkehren, und sie wollte auch die Wirtin nicht wiedersehen, die sie tyrannisiert hatte, wenn sie schlechter Laune war oder Geld haben wollte, und sie mit einer kaum erträglicheren plumpen Vertraulichkeit behandelt hatte, wenn sie guter Laune war. Mrs. Clapps Liebedienerei und die widerlichen Komplimente, die sie Emmy machte, als es ihr wieder besser ging, liebte die junge Frau ebensowenig. Die ehemalige Wirtin brach in Bewunderungsrufe über das neue Haus aus und pries jedes einzelne Möbelstück. Sie befühlte Mrs. Osbornes Kleider und schätzte deren Preis. Sie beteuerte, daß für die süße Dame nichts gut genug sei. Über der gemeinen Schmeichlerin, die ihr jetzt den Hof machte, konnte Emmy jedoch nie die üble Tyrannin vergessen, die sie so manches Mal unglücklich gemacht hatte. Wie oft hatte sie um Aufschub betteln müssen, wenn die Miete fällig war, wie oft hatte die Frau Emmys Verschwendungssucht mißbilligt, wenn sie ein paar Leckerbissen für die kränkelnden Eltern gekauft hatte. Sie hatte Amelia in Armut gekannt und hatte sie mit Füßen getreten.   Let us hope she was wrong in her judgement. Poor Emmy’s days of happiness had been very few in that humble cot. A gloomy Fate had oppressed her there. She never liked to come back to the house after she had left it, or to face the landlady who had tyrannized over her when ill-humoured and unpaid, or when pleased had treated her with a coarse familiarity scarcely less odious. Her servility and fulsome compliments when Emmy was in prosperity were not more to that lady’s liking. She cast about notes of admiration all over the new house, extolling every article of furniture or ornament; she fingered Mrs. Osborne’s dresses and calculated their price. Nothing could be too good for that sweet lady, she vowed and protested. But in the vulgar sycophant who now paid court to her, Emmy always remembered the coarse tyrant who had made her miserable many a time, to whom she had been forced to put up petitions for time, when the rent was overdue; who cried out at her extravagance if she bought delicacies for her ailing mother or father; who had seen her humble and trampled upon her. Niemand hatte jemals von diesen Kümmernissen erfahren, die das Los unserer armen kleinen Frau im Leben waren. Sie hielt sie selbst vor ihrem Vater geheim, dessen Unvorsichtigkeit einen großen Teil ihres Elends verschuldet hatte. Sie mußte die Folgen seiner Fehler tragen, und sie war wirklich so ungemein sanft und demütig, daß sie von Natur aus zum Opfer gemacht schien.   Nobody ever heard of these griefs, which had been part of our poor little woman’s lot in life. She kept them secret from her father, whose improvidence was the cause of much of her misery. She had to bear all the blame of his misdoings, and indeed was so utterly gentle and humble as to be made by nature for a victim. Hoffentlich ist die rauhe Behandlung nun vorbei für sie. Aber da in jedem Kummer ein gewisser Trost liegen soll, so möchte ich erwähnen, daß die arme Mary, als sie nach der Trennung von ihrer Freundin in einem hysterischen Zustand zurückblieb, dem jungen Mann aus der Apotheke zur medizinischen Behandlung anvertraut wurde, unter dessen Fürsorge sie sich bald erholte. Bei ihrem Weggang von Brompton vermachte Amelia Mary alle Einrichtungsgegenstände aus ihrer Wohnung und nahm nur ihre Bilder mit (die beiden Bilder über dem Bett) und ihr Klavier, das kleine alte Piano, das jetzt in ein klägliches, klirrendes Greisenalter gekommen war, das sie aber immer noch liebte, aus Gründen, die nur sie kannte. Sie war noch ein Kind gewesen, als ihre Eltern es ihr geschenkt hatten und sie zum erstenmal darauf spielte. Später war es ihr noch einmal geschenkt worden, wie sich der Leser erinnern wird, als nämlich das Unternehmen ihres Vaters zusammenbrach und das Instrument aus dem Wrack gerettet wurde.   I hope she is not to suffer much more of that hard usage. And, as in all griefs there is said to be some consolation, I may mention that poor Mary, when left at her friend’s departure in a hysterical condition, was placed under the medical treatment of the young fellow from the surgery; under whose care she rallied after a short period. Emmy, when she went away from Brompton, endowed Mary with every article of furniture that the house contained, only taking away her pictures (the two pictures over the bed) and her piano — that little old piano which had now passed into a plaintive jingling old age, but which she loved for reasons of her own. She was a child when first she played on it, and her parents gave it her. It had been given to her again since, as the reader may remember, when her father’s house was gone to ruin and the instrument was recovered out of the wreck. Als Major Dobbin das Einrichten von Josephs neuem Haus beaufsichtigte – es sollte nach dem Willen des Majors sehr hübsch und bequem werden –, sah er den Wagen aus Brompton mit den Koffern und Schachteln der Auswanderer vom Dorf ankommen. Er freute sich sehr, als er das alte Klavier erblickte, Amelia wollte es in ihrem Wohnzimmer haben – einem netten, kleinen Raum im ersten Stock. Daneben befand sich dann das Zimmer ihres Vaters, wo der alte Herr abends sitzen konnte.   Major Dobbin was exceedingly pleased when, as he was superintending the arrangements of Jos’s new house — which the Major insisted should be very handsome and comfortable — the cart arrived from Brompton, bringing the trunks and bandboxes of the emigrants from that village, and with them the old piano. Amelia would have it up in her sitting-room, a neat little apartment on the second floor, adjoining her father’s chamber, and where the old gentleman sat commonly of evenings. Als die Träger mit dem alten Musikgerät erschienen und Amelia anordnete, es solle in das erwähnte Zimmer gestellt werden, fühlte sich Dobbin wie im siebenten Himmel. »Ich freue mich, daß Sie es behalten haben«, sagte er sehr gefühlvoll. »Ich fürchtete schon, Sie machten sich nichts daraus.«   When the men appeared then bearing this old music-box, and Amelia gave orders that it should be placed in the chamber aforesaid, Dobbin was quite elated. “I’m glad you’ve kept it,” he said in a very sentimental manner. “I was afraid you didn’t care about it.” »Ich schätze es mehr als alles auf der Welt«, erwiderte Amelia.   “I value it more than anything I have in the world,” said Amelia. »Wirklich, Amelia?« rief der Major. Zwar hatte er niemals etwas davon erwähnt, aber da er es selbst gekauft hatte, hatte er auch nicht daran gedacht, daß Emmy einen anderen für den Käufer halten könnte. Er glaubte natürlich, sie wisse, daß das Geschenk von ihm gekommen sei. »Wirklich, Amelia?« rief er, und die Frage, die große Frage, zitterte ihm auf den Lippen, als Amelia erwiderte:   “Do you, Amelia?” cried the Major. The fact was, as he had bought it himself, though he never said anything about it, it never entered into his head to suppose that Emmy should think anybody else was the purchaser, and as a matter of course he fancied that she knew the gift came from him. “Do you, Amelia?” he said; and the question, the great question of all, was trembling on his lips, when Emmy replied — »Wie könnte ich anders – hat er es mir nicht geschenkt?«   “Can I do otherwise? — did not he give it me?” »Das wußte ich nicht«, sagte der arme alte Dobbin mit langem Gesicht.   “I did not know,” said poor old Dob, and his countenance fell. Emmy fiel zu diesem Zeitpunkt nichts auf, und sie beachtete auch nicht den plötzlich so trübseligen Gesichtsausdruck des ehrlichen Dobbin. Später jedoch dachte sie daran, und nun kam ihr der unaussprechlich schmerzliche und traurige Gedanke, daß William ihr das Klavier geschenkt hatte und nicht George, wie sie sich eingebildet hatte. Es war nicht Georges Geschenk, das einzige von ihrem Geliebten, wie sie geglaubt hatte – das Stück, das sie mehr als alles andere geschätzt hatte, ihre teuerste Reliquie und ihr größter Schatz. Sie hatte ihm von George erzählt, seine Lieblingslieder darauf gespielt, lange Abende davor gesessen und ihm, so gut es ihr geringes Können gestattete, melancholische Weisen entlockt und stumm über den Tasten geweint. Es war keine Reliquie von George, es war jetzt wertlos. Als der alte Sedley sie das nächste Mal zum Spielen aufforderte, erwiderte sie, es sei schrecklich verstimmt, sie habe Kopfschmerzen, sie könne nicht spielen.   Emmy did not note the circumstance at the time, nor take immediate heed of the very dismal expression which honest Dobbin’s countenance assumed, but she thought of it afterwards. And then it struck her, with inexpressible pain and mortification too, that it was William who was the giver of the piano, and not George, as she had fancied. It was not George’s gift; the only one which she had received from her lover, as she thought — the thing she had cherished beyond all others — her dearest relic and prize. She had spoken to it about George; played his favourite airs upon it; sat for long evening hours, touching, to the best of her simple art, melancholy harmonies on the keys, and weeping over them in silence. It was not George’s relic. It was valueless now. The next time that old Sedley asked her to play, she said it was shockingly out of tune, that she had a headache, that she couldn’t play. Dann machte sie sich aber nach ihrer Gewohnheit Vorwürfe über ihre Gereiztheit und Undankbarkeit und entschloß sich, dem ehrlichen William die Geringschätzung, die sie zwar nicht ihm gegenüber geäußert, aber gegenüber dem Klavier gefühlt hatte, abzubitten. Als sie ein paar Tage später zusammen im Salon saßen und Joseph nach dem Essen behaglich eingeschlafen war, sagte Amelia mit versagender Stimme zu Major Dobbin:   Then, according to her custom, she rebuked herself for her pettishness and ingratitude and determined to make a reparation to honest William for the slight she had not expressed to him, but had felt for his piano. A few days afterwards, as they were seated in the drawing-room, where Jos had fallen asleep with great comfort after dinner, Amelia said with rather a faltering voice to Major Dobbin — »Ich muß Sie wegen einer Sache um Verzeihung bitten.«   “I have to beg your pardon for something.” »Weswegen?« fragte er.   “About what?” said he. »Wegen – wegen des kleinen Tafelklaviers. Ich habe Ihnen nie dafür gedankt, als Sie es mir vor vielen, vielen Jahren noch vor meiner Heirat schenkten. Ich dachte, es käme von jemand anderem. Ich danke Ihnen, William.« Sie reichte ihm die Hand hin, aber das Herz der armen kleinen Frau blutete, und ihre Augen waren natürlich wieder bei der Arbeit.   “About — about that little square piano. I never thanked you for it when you gave it me, many, many years ago, before I was married. I thought somebody else had given it. Thank you, William.” She held out her hand, but the poor little woman’s heart was bleeding; and as for her eyes, of course they were at their work. William konnte jetzt nicht länger an sich halten. »Amelia, Amelia«, begann er. »Es stimmt, ich habe es für Sie gekauft. Ich liebte Sie damals, wie ich Sie noch heute liebe. Ich muß es Ihnen einmal sagen. Ich glaube, von der ersten Minute an, da ich Sie gesehen hatte, habe ich Sie geliebt. Es war, als George mich in Ihr Haus mitnahm, um mir die Amelia zu zeigen, mit der er verlobt war. Sie waren noch ein junges Mädchen, weiß gekleidet, mit langen Locken. Sie kamen singend herab – wissen Sie es noch? –, und wir gingen nach Vauxhall. Seit jener Zeit habe ich nur eine Frau auf der Welt im Sinn gehabt, und das waren Sie. Ich glaube, es ist seit zwölf Jahren keine Stunde vergangen, in der ich nicht an Sie gedacht hätte. Ich kam, ehe ich nach Indien ging, um Ihnen dies zu sagen, aber Ihnen war es gleichgültig, und ich konnte mir kein Herz fassen zu sprechen. Es war Ihnen ja gleich, ob ich ging oder blieb.«   But William could hold no more. “Amelia, Amelia,” he said, “I did buy it for you. I loved you then as I do now. I must tell you. I think I loved you from the first minute that I saw you, when George brought me to your house, to show me the Amelia whom he was engaged to. You were but a girl, in white, with large ringlets; you came down singing — do you remember? — and we went to Vauxhall. Since then I have thought of but one woman in the world, and that was you. I think there is no hour in the day has passed for twelve years that I haven’t thought of you. I came to tell you this before I went to India, but you did not care, and I hadn’t the heart to speak. You did not care whether I stayed or went.” »Ich war sehr undankbar«, erwiderte Amelia.   “I was very ungrateful,” Amelia said. »Nein, nur gleichgültig«, fuhr Dobbin «verzweifelt fort. »Ich besitze nichts, um einer Frau andere Gefühle einzuflößen. Ich weiß, was Sie jetzt fühlen. Ihr Herz ist über die Entdeckung, daß das Klavier von mir kam und nicht von George, verletzt. Ich vergaß das, sonst hätte ich nie davon gesprochen. Es ist an mir, Sie um Verzeihung zu bitten, daß ich für Augenblicke ein Narr war und glaubte, jahrelange ergebene Treue hätte Sie umgestimmt.«   “No, only indifferent,” Dobbin continued desperately. “I have nothing to make a woman to be otherwise. I know what you are feeling now. You are hurt in your heart at the discovery about the piano, and that it came from me and not from George. I forgot, or I should never have spoken of it so. It is for me to ask your pardon for being a fool for a moment, and thinking that years of constancy and devotion might have pleaded with you.” »Jetzt sind Sie grausam«, sagte Amelia kühn. »George ist mein Mann, hier und im Himmel. Wie könnte ich einen anderen lieben? Ich bin jetzt sein eigen wie damals, als Sie mich zum erstenmal sahen, lieber William. Er war es, der mir erzählte, wie gut und großmütig Sie seien, und der mich lehrte, Sie wie einen Bruder zu lieben. Sind Sie mir und meinem Knaben nicht alles gewesen? Unser liebster, treuester und gütigster Freund und Beschützer? Wären Sie ein paar Monate früher gekommen, so hätten Sie mir wahrscheinlich jene – jene entsetzliche Trennung ersparen können. Oh, sie hat mich fast ins Grab gebracht, William –aber Sie kamen nicht, obgleich ich es so wünschte und darum betete. Und sie haben mir auch ihn genommen. Ist er nicht ein prächtiger Junge, William? Bleiben Sie weiterhin sein und mein Freund...« Hier brach ihr die Stimme, und sie verbarg ihr Gesicht an seiner Schulter.   “It is you who are cruel now,” Amelia said with some spirit. “George is my husband, here and in heaven. How could I love any other but him? I am his now as when you first saw me, dear William. It was he who told me how good and generous you were, and who taught me to love you as a brother. Have you not been everything to me and my boy? Our dearest, truest, kindest friend and protector? Had you come a few months sooner perhaps you might have spared me that — that dreadful parting. Oh, it nearly killed me, William — but you didn’t come, though I wished and prayed for you to come, and they took him too away from me. Isn’t he a noble boy, William? Be his friend still and mine" — and here her voice broke, and she hid her face on his shoulder. Der Major schloß sie in die Arme und drückte sie an sich, als ob sie ein Kind wäre; dann küßte er sie aufs Haar. »Es soll ja alles so bleiben, liebe Amelia«, sagte er. »Ich bitte um nichts als Ihre Liebe. Ich glaube, ich möchte es gar nicht anders haben. Lassen Sie mich nur in Ihrer Nähe sein und Sie häufig sehen.«   The Major folded his arms round her, holding her to him as if she was a child, and kissed her head. “I will not change, dear Amelia,” he said. “I ask for no more than your love. I think I would not have it otherwise. Only let me stay near you and see you often.” »Ja, oft«, entgegnete Amelia. So hatte Dobbin die Erlaubnis erhalten, zu schauen und sich zu sehnen – wie der arme Schulknabe, der kein Geld hat, den schönen Dingen im Korb der Kuchenfrau nachseufzen darf.   “Yes, often,” Amelia said. And so William was at liberty to look and long — as the poor boy at school who has no money may sigh after the contents of the tart-woman’s tray. 60. Kapitel / Chapter 60 Führt wieder in die vornehme Welt zurück / Returns to the Genteel World Das Glück fängt jetzt an, Amelia zu lächeln. Wir freuen uns, sie aus ihrer bisherigen ärmlichen Umgebung zu feineren Leuten geleiten zu können, zwar nicht in so großartige und elegante Kreise wie die, in denen sich unsere andere Freundin, Mrs. Becky, bewegt, aber doch welche, die keine geringeren Ansprüche auf Eleganz und Vornehmheit erheben. Josephs Freunde kamen alle aus den drei indischen Präsidentschaften, und sein neues Haus lag in der hübschen angloindischen Gegend, deren Mittelpunkt der Moira Place ist. Wer kennt nicht die ansehnlichen Wohnstätten der aus Indien heimgekehrten Aristokratie, die sich von den Geschäften zurückgezogen hat – den Minto Square, die Great Clive Street, Warren Street, Hastings Street, den Ochterlony Place, den Plassy Square und die Assaye Terrace. (1827 gebrauchte man noch nicht für Stuckhäuser mit Asphaltterrassen davor die Bezeichnung »Gardens« – eine sehr passende Benennung für etwas, was so ganz und gar nicht an Gärten erinnert.) Mr. Wenham nannte die ganze Gegend »das schwarze Loch«. Josephs Stellung im Leben war nicht großartig genug, um ihn zu einem Haus am Moira Place zu berechtigen. Dort können nur ehemalige Mitglieder des Gouvernementsrates von Indien und Teilhaber indischer Firmen wohnen (die Bankrott machen, nachdem sie ihren Ehefrauen hunderttausend Pfund verschrieben haben, und sich in beträchtlicher Armut bei einem Jahreseinkommen von viertausend Pfund aufs Land zurückziehen). Joe mietete ein bequemes Haus zweiten oder dritten Ranges in der Gillespie Street und kaufte Teppiche, kostbare Spiegel und schöne Möbel von Seddons, den Konkursverwaltern von Mr. Scape. Der arme Scape war zuletzt Teilhaber der großen Firma Fogle, Fake und Cracksman in Kalkutta gewesen und hatte darin siebzigtausend Pfund, die Ersparnisse eines langen ehrlichen Lebens, angelegt. Er war an Fakes Stelle getreten, der sich in einen fürstlichen Park in Sussex zurückzog (die Fogles sind schon lange nicht mehr in der Firma, und Sir Horace Fogle wird bald als Baron Bandana geadelt werden). Er war also Teilhaber des großen Agenturhauses Fogle und Fake geworden, und zwar zwei Jahre bevor die Firma mit einer Million Defizit Bankrott machte und die halbe Öffentlichkeit Indiens in Armut und Elend stürzte.   Good fortune now begins to smile upon Amelia. We are glad to get her out of that low sphere in which she has been creeping hitherto and introduce her into a polite circle — not so grand and refined as that in which our other female friend, Mrs. Becky, has appeared, but still having no small pretensions to gentility and fashion. Jos’s friends were all from the three presidencies, and his new house was in the comfortable Anglo-Indian district of which Moira Place is the centre. Minto Square, Great Clive Street, Warren Street, Hastings Street, Ochterlony Place, Plassy Square, Assaye Terrace ("gardens” was a felicitous word not applied to stucco houses with asphalt terraces in front, so early as 1827) — who does not know these respectable abodes of the retired Indian aristocracy, and the quarter which Mr. Wenham calls the Black Hole, in a word? Jos’s position in life was not grand enough to entitle him to a house in Moira Place, where none can live but retired Members of Council, and partners of Indian firms (who break, after having settled a hundred thousand pounds on their wives, and retire into comparative penury to a country place and four thousand a year); he engaged a comfortable house of a second- or third-rate order in Gillespie Street, purchasing the carpets, costly mirrors, and handsome and appropriate planned furniture by Seddons from the assignees of Mr. Scape, lately admitted partner into the great Calcutta House of Fogle, Fake, and Cracksman, in which poor Scape had embarked seventy thousand pounds, the earnings of a long and honourable life, taking Fake’s place, who retired to a princely park in Sussex (the Fogles have been long out of the firm, and Sir Horace Fogle is about to be raised to the peerage as Baron Bandanna) — admitted, I say, partner into the great agency house of Fogle and Fake two years before it failed for a million and plunged half the Indian public into misery and ruin. Der ehrliche Scape, mit fünfundsechzig Jahren ein gebrochener und ruinierter Mann, ging nach Kalkutta, um die Geschäfte der Firma noch vollends abzuwickeln. Walter Scape mußte Eton verlassen und wurde einem Kaufmann ins Haus gegeben. Florence Scape, Fanny Scape und ihre Mutter verschwanden nach Boulogne und werden nicht wieder erwähnt werden. Kurz und gut – Joseph kaufte ihre Teppiche und Tische und bewunderte sich in den Spiegeln, die ihre freundlichen hübschen Gesichter zurückgeworfen hatten. Die Kaufleute der Scapes, die alle redlich bezahlt worden waren, gaben ihre Karten ab und bemühten sich eifrig um die Kundschaft des neues Haushalts. Die großen Männer in weißen Westen, die bei Scapes Diners bedient hatten – im Privatleben Gemüsehändler, Bankboten und Milchverkäufer –, gaben ihre Adressen ab und schmeichelten sich bei dem Butler ein. Mr. Chummy, der Schornsteinfeger, der die letzten drei Familien befegt hatte, versuchte den Butler und den Jungen, der ihm unterstellt war, zu beschwatzen. Die Pflicht dieses Untergebenen war es, bedeckt mit Knöpfen und mit Streifen an den Hosen, Mrs. Amelia zu beschützen, wenn sie ausgehen wollte.   Scape, ruined, honest, and broken-hearted at sixty-five years of age, went out to Calcutta to wind up the affairs of the house. Walter Scape was withdrawn from Eton and put into a merchant’s house. Florence Scape, Fanny Scape, and their mother faded away to Boulogne, and will be heard of no more. To be brief, Jos stepped in and bought their carpets and sideboards and admired himself in the mirrors which had reflected their kind handsome faces. The Scape tradesmen, all honourably paid, left their cards, and were eager to supply the new household. The large men in white waistcoats who waited at Scape’s dinners, greengrocers, bank-porters, and milkmen in their private capacity, left their addresses and ingratiated themselves with the butler. Mr. Chummy, the chimney-purifier, who had swept the last three families, tried to coax the butler and the boy under him, whose duty it was to go out covered with buttons and with stripes down his trousers, for the protection of Mrs. Amelia whenever she chose to walk abroad. Es war ein bescheidener Haushalt. Der Butler war zugleich auch Josephs Kammerdiener und niemals betrunkener, als es sich für den Butler einer kleinen Familie geziemte, der eine besondere Vorliebe für den Wein seines Herrn hatte. Emmy erhielt eine Zofe, die in Sir William Dobbins Vorstadtbesitzung aufgewachsen war, ein gutes Kind, dessen freundliches und bescheidenes Wesen Mrs. Osborne entwaffnete. Anfangs war ihr der Gedanke schrecklich, einen Dienstboten für sich allein zu haben. Sie verstand nicht im geringsten, wie man die Diener gebrauchen konnte, und sprach sie stets mit ehrerbietiger Höflichkeit an. Diese Zofe war der Familie jedoch sehr nützlich, denn sie pflegte umsichtig den alten Mr. Sedley, der sich fast ausschließlich in seinem Teil des Hauses aufhielt und nie an den fröhlichen Gesellschaften teilnahm, die oft stattfanden.   It was a modest establishment. The butler was Jos’s valet also, and never was more drunk than a butler in a small family should be who has a proper regard for his master’s wine. Emmy was supplied with a maid, grown on Sir William Dobbin’s suburban estate; a good girl, whose kindness and humility disarmed Mrs. Osborne, who was at first terrified at the idea of having a servant to wait upon herself, who did not in the least know how to use one, and who always spoke to domestics with the most reverential politeness. But this maid was very useful in the family, in dexterously tending old Mr. Sedley, who kept almost entirely to his own quarter of the house and never mixed in any of the gay doings which took place there. Eine Menge Leute besuchten Mrs. Osborne nun. Lady Dobbin nebst Töchtern war über den Glückswechsel hoch erfreut und machte ihre Aufwartung. Miss Osborne von Russell Square kam in ihrer prächtigen Kutsche mit der roten Kutscherdecke und dem Wappen der Herzöge von Leeds auf dem Schlag. Joseph wurde nämlich für unermeßlich reich gehalten, und der alte Osborne hatte nichts dagegen einzuwenden, daß Georgy außer seinem Vermögen auch noch das seines Onkels erbte. »Verdammt, wir wollen einen Mann aus dem Burschen machen«, sagte er, »und ich will ihn im Parlament sehen, ehe ich sterbe. Du kannst meinetwegen hingehen und seine Mutter besuchen, Miss Osborne, wenn ich auch nichts von ihr wissen will.« Und Miss Osborne kam. Emmy freute sich sehr, sie zu sehen und so George näherzukommen. Der junge Bursche durfte jetzt seine Mutter viel häufiger besuchen als früher. Er speiste mehrmals in der Woche in der Gillespie Street und tyrannisierte die Dienstboten und seine Verwandten dort ebenso wie die am Russell Square.   Numbers of people came to see Mrs. Osborne. Lady Dobbin and daughters were delighted at her change of fortune, and waited upon her. Miss Osborne from Russell Square came in her grand chariot with the flaming hammer-cloth emblazoned with the Leeds arms. Jos was reported to be immensely rich. Old Osborne had no objection that Georgy should inherit his uncle’s property as well as his own. “Damn it, we will make a man of the feller,” he said; “and I’ll see him in Parliament before I die. You may go and see his mother, Miss O., though I’ll never set eyes on her”: and Miss Osborne came. Emmy, you may be sure, was very glad to see her, and so be brought nearer to George. That young fellow was allowed to come much more frequently than before to visit his mother. He dined once or twice a week in Gillespie Street and bullied the servants and his relations there, just as he did in Russell Square. Vor Major Dobbin hatte er allerdings Respekt, und er trat bescheidener auf, wenn dieser dabei war. Der Bursche war nicht dumm und fürchtete den Major. George mußte einfach die Schlichtheit seines Freundes bewundern, seine gute Laune, seine vielen Kenntnisse, die er so ruhig mitteilte, seine Wahrheitsliebe und seinen Gerechtigkeitssinn. Bis jetzt hatte er noch nie solch einen Mann gesehen und fühlte sich zu einem Gentleman instinktiv hingezogen. Er hing mit zärtlicher Liebe an seinem Patenonkel, und es war seine größte Freude, mit Dobbin im Park spazierenzugehen und ihm zuzuhören. William erzählte dem Knaben von seinem Vater, von Indien, von Waterloo und von allem möglichen, außer von sich selbst. Wenn George noch vorlauter und selbstgefälliger war als gewöhnlich, dann machte sich der Major über ihn lustig, und Mrs. Osborne fand das sehr grausam. Als der Major eines Tages mit ihm ins Theater gegangen war und der Knabe sich geweigert hatte, sich ins Parkett zu setzen, weil das ordinär sei, führte ihn der Major in eine Loge, ließ ihn dort und ging allein wieder zum Parkett. Er hatte noch nicht lange gesessen, als er einen Arm unter seinem fühlte und eine elegante kleine Hand in Glacéhandschuhen seinen Arm drückte. George hatte eingesehen, wie albern er sich benommen hatte, und war aus den höheren Sphären herabgekommen. Ein zärtliches, wohlwollendes Lächeln erhellte Gesicht und Augen des alten Dobbin, als er den reuigen kleinen Verschwender ansah. Er liebte den Knaben, wie alles, was zu Amelia gehörte. Wie bezaubert war sie, als sie dieses Beispiel von Georges Gutherzigkeit hörte! Ihre Augen blickten freundlicher auf Dobbin als je; er glaubte sogar, sie sei rot geworden, nachdem sie ihn so angesehen hatte.   He was always respectful to Major Dobbin, however, and more modest in his demeanour when that gentleman was present. He was a clever lad and afraid of the Major. George could not help admiring his friend’s simplicity, his good humour, his various learning quietly imparted, his general love of truth and justice. He had met no such man as yet in the course of his experience, and he had an instinctive liking for a gentleman. He hung fondly by his godfather’s side, and it was his delight to walk in the parks and hear Dobbin talk. William told George about his father, about India and Waterloo, about everything but himself. When George was more than usually pert and conceited, the Major made jokes at him, which Mrs. Osborne thought very cruel. One day, taking him to the play, and the boy declining to go into the pit because it was vulgar, the Major took him to the boxes, left him there, and went down himself to the pit. He had not been seated there very long before he felt an arm thrust under his and a dandy little hand in a kid glove squeezing his arm. George had seen the absurdity of his ways and come down from the upper region. A tender laugh of benevolence lighted up old Dobbin’s face and eyes as he looked at the repentant little prodigal. He loved the boy, as he did everything that belonged to Amelia. How charmed she was when she heard of this instance of George’s goodness! Her eyes looked more kindly on Dobbin than they ever had done. She blushed, he thought, after looking at him so. Georgy wurde nicht müde, den Major gegenüber seiner Mutter zu loben: »Ich habe ihn gern, Mama, weil er so viele Dinge weiß, und er ist nicht wie der alte Veal, der immer prahlt und so lange Wörter gebraucht, weißt du? Die Jungs in der Schule nennen ihn ›Langschwanz'. Ich habe ihm den Namen gegeben. Ist das nicht ein guter Witz? Aber Dobbin liest Lateinisch so gut wie Englisch und Französisch und all das; und wenn wir zusammen Spazierengehen, so erzählt er mir Geschichten von meinem Papa, aber nie von sich selber, und doch habe ich gehört, wie Oberst Buckler bei Großpapa erzählt hat, daß er einer der tapfersten Offiziere im Heer war und sich ungeheuer ausgezeichnet hat. Der Großpapa war ganz erstaunt und sagte:›Der Kerl! Na, ich hätte nicht gedacht, daß er eine Gans erschrecken könnte.‹ Aber ich weiß, daß er das kann, nicht wahr, Mama?«   Georgy never tired of his praises of the Major to his mother. “I like him, Mamma, because he knows such lots of things; and he ain’t like old Veal, who is always bragging and using such long words, don’t you know? The chaps call him ‘Longtail’ at school. I gave him the name; ain’t it capital? But Dob reads Latin like English, and French and that; and when we go out together he tells me stories about my Papa, and never about himself; though I heard Colonel Buckler, at Grandpapa’s, say that he was one of the bravest officers in the army, and had distinguished himself ever so much. Grandpapa was quite surprised, and said, ’ that feller! Why, I didn’t think he could say Bo to a goose’ — but I know he could, couldn’t he, Mamma?” Emmy lachte, sie hielt es für sehr wahrscheinlich, daß der Major so etwas fertigbrächte.   Emmy laughed: she thought it was very likely the Major could do thus much. George und der Major verstanden sich zwar sehr gut, aber zwischen dem Knaben und seinem Onkel herrschte keine große Liebe. George konnte in einer Weise die Backen aufblasen und die Hände in die Westentasche stecken und ganz wie Joseph sagen: »Gott behüte mich, nein so was«, daß man sich das Lachen nicht verbeißen konnte. Die Diener platzten beim Essen vor Lachen, wenn der Knabe etwas auf dem Tisch Fehlendes verlangte und dabei dieses Gesicht schnitt und Josephs Lieblingsphrase gebrauchte. Selbst Dobbin mußte mitunter über das Nachahmungstalent des Knaben lachen. Wenn George den Onkel nicht ins Gesicht hinein nachäffte, so waren es nur Dobbins Vorwürfe und Amelias entsetzte Bitten, die den kleinen Taugenichts davon abhielten. Da der ehrenwerte Zivilist das unbestimmte Gefühl hatte, daß der Junge ihn für einen Esel hielt und gern lächerlich machte, so war er in Master Georgys Gegenwart ungemein ängstlich und natürlich doppelt prahlerisch und würdevoll. Sobald daher angekündigt wurde, daß der junge Herr in der Gillespie Street zum Essen bei seiner Mutter erwartet werde, fiel Mr. Joseph gewöhnlich ein, daß er eine Verabredung im Klub habe. Wahrscheinlich war niemand besonders betrübt über seine Abwesenheit. An diesen Tagen gelang es oft, Mr. Sedley zu überreden, aus seinem Zufluchtsort in den oberen Stockwerken herabzukommen. Dann gab es eine kleine Familiengesellschaft, an der Major Dobbin fast stets teilnahm. Er war der ami de la maison, der Freund des alten Sedley, Emmys Freund, Georgys Freund und Josephs Helfer und Berater. »Nach dem zu urteilen, was wir von ihm zu sehen bekommen, könnte er ebensogut in Madras sein«, bemerkte Miss Ann Dobbin in Camberwell. Oh, Miss Ann, ist es Ihnen noch nicht aufgefallen, daß nicht Sie es sind, die der Major heiraten will?   If there was a sincere liking between George and the Major, it must be confessed that between the boy and his uncle no great love existed. George had got a way of blowing out his cheeks, and putting his hands in his waistcoat pockets, and saying, “God bless my soul, you don’t say so,” so exactly after the fashion of old Jos that it was impossible to refrain from laughter. The servants would explode at dinner if the lad, asking for something which wasn’t at table, put on that countenance and used that favourite phrase. Even Dobbin would shoot out a sudden peal at the boy’s mimicry. If George did not mimic his uncle to his face, it was only by Dobbin’s rebukes and Amelia’s terrified entreaties that the little scapegrace was induced to desist. And the worthy civilian being haunted by a dim consciousness that the lad thought him an ass, and was inclined to turn him into ridicule, used to be extremely timorous and, of course, doubly pompous and dignified in the presence of Master Georgy. When it was announced that the young gentleman was expected in Gillespie Street to dine with his mother, Mr. Jos commonly found that he had an engagement at the Club. Perhaps nobody was much grieved at his absence. On those days Mr. Sedley would commonly be induced to come out from his place of refuge in the upper stories, and there would be a small family party, whereof Major Dobbin pretty generally formed one. He was the ami de la maison — old Sedley’s friend, Emmy’s friend, Georgy’s friend, Jos’s counsel and adviser. “He might almost as well be at Madras for anything we see of him,” Miss Ann Dobbin remarked at Camberwell. Ah! Miss Ann, did it not strike you that it was not you whom the Major wanted to marry? Joseph Sedley führte also ein Leben würdevollen Müßiggangs, wie es einem Menschen seiner Bedeutung zukam. Sein erstes Ziel war selbstverständlich, Mitglied des Orientklubs zu werden. Dort verbrachte er den Morgen in Gesellschaft seiner Freunde aus Indien, dort spielte er oder brachte Bekannte von dort mit zum Essen nach Hause.   Joseph Sedley then led a life of dignified otiosity such as became a person of his eminence. His very first point, of course, was to become a member of the Oriental Club, where he spent his mornings in the company of his brother Indians, where he dined, or whence he brought home men to dine. Amelia mußte diese Herren und ihre Damen empfangen und bewirten. Sie hörte von ihnen, daß Smith bald in den Gouvernementsrat kommen werde, wieviel Rupien Jones mit nach Hause gebracht habe, daß die Firma Thomson in London die Wechsel der Bombayer Firma Thomson, Kibobjee und Co. nicht anerkannt habe und daß man glaube, die Firma in Kalkutta mache ebenfalls Bankrott; wie unvorsichtig, um es milde auszudrücken, sich Mrs. Brown (die Frau Browns von den Achmednuggar Irregulären Truppen) mit dem jungen Swankey von der Leibgarde benommen habe, als sie mit ihm bis tief in die Nacht hinein auf Deck gesessen und sie sich beim Reiten auf dem Kap von der übrigen Gesellschaft abgesondert habe; daß Mrs. Hardyman ihre dreizehn Schwestern, Töchter des Landpfarrers Ehrwürden Felix Rabbits, in Indien gehabt und elf davon verheiratet habe, sieben sogar an hohe Beamte; wie wütend Hornby sei, weil seine Frau in Europa bleiben wolle, und daß Trotter zum Steuereinnehmer von Ummerapoora ernannt sei. Diese und ähnliche Gespräche wurden bei allen großen Diners ringsum geführt. Überall die gleiche Unterhaltung, die gleichen silbernen Schüsseln, die gleichen Hammelrücken, gekochten Truthühner und Vorspeisen. Kurz nach dem Dessert kam die Politik an die Reihe. Dann zogen sich die Damen nach oben zurück und schwatzten von ihren Leiden und ihren Kindern.   Amelia had to receive and entertain these gentlemen and their ladies. From these she heard how soon Smith would be in Council; how many lacs Jones had brought home with him, how Thomson’s House in London had refused the bills drawn by Thomson, Kibobjee, and Co., the Bombay House, and how it was thought the Calcutta House must go too; how very imprudent, to say the least of it, Mrs. Brown’s conduct (wife of Brown of the Ahmednuggur Irregulars) had been with young Swankey of the Body Guard, sitting up with him on deck until all hours, and losing themselves as they were riding out at the Cape; how Mrs. Hardyman had had out her thirteen sisters, daughters of a country curate, the Rev: Felix Rabbits, and married eleven of them, seven high up in the service; how Hornby was wild because his wife would stay in Europe, and Trotter was appointed Collector at Ummerapoora. This and similar talk took place at the grand dinners all round. They had the same conversation; the same silver dishes; the same saddles of mutton, boiled turkeys, and entrees. Politics set in a short time after dessert, when the ladies retired upstairs and talked about their complaints and their children. Mutato nomine ist die Sache überall dieselbe. Sprechen nicht die Advokatenfrauen von Gerichtsverhandlungen, die Soldatenfrauen vom Regiment, die Pastorenfrauen von Sonntagsschulen und darüber, wer wen vertritt? Sprechen denn nicht die vornehmsten Damen über die Personen der kleinen Schicht, zu der sie gehören? Warum sollten also unsere indischen Freunde nicht auch ihren eigenen Gesprächsstoff haben? Ich muß nur gestehen, daß es für die Figuren, deren Schicksal es manchmal ist, dabeizusitzen und zuzuhören, langweilig ist.   Mutato nomine, it is all the same. Don’t the barristers’ wives talk about Circuit? Don’t the soldiers’ ladies gossip about the Regiment? Don’t the clergymen’s ladies discourse about Sunday-schools and who takes whose duty? Don’t the very greatest ladies of all talk about that small clique of persons to whom they belong? And why should our Indian friends not have their own conversation? — only I admit it is slow for the laymen whose fate it sometimes is to sit by and listen. Schon nach kurzer Zeit hatte Emmy eine Besuchsliste und fuhr regelmäßig aus. Sie besuchte Lady Bludyer, Frau des Generalmajors Sir Roger Bludyer, Komtur des Bath-Ordens von der bengalischen Armee, Lady Huff, Frau von Sir G. Huff von der Armee in Bombay, Mrs. Pice, Frau von Direktor Pice, und so weiter. Es dauert nicht lange, sich an Veränderungen im Leben zu gewöhnen. Der Wagen fuhr in der Gillespie Street täglich vor, der Page mit den Knöpfen sprang viele Male vom Bock herunter und wieder hinauf, um Emmys und Josephs Karten abzugeben. Zu bestimmten Stunden fuhr Emmy zum Klub, um Joseph zum Spazierenfahren in der frischen Luft abzuholen, oder der alte Sedley wurde hineingesetzt, und sie fuhr mit ihm im Regent's Park umher. Die Zofe und der Wagen, die Besuchsliste und der Page mit den Knöpfen wurden Amelia bald ebenso vertraut wie die bescheidene Lebensweise in Brompton. Sie hatte sich an das eine gewöhnt wie an das andere. Hätte das Schicksal sie zu einer Herzogin gemacht, so hätte sie wohl auch deren Pflichten erfüllt. Josephs weibliche Bekannten erklärten sie für recht nett. Es war ja nicht viel mit ihr los, aber sie war doch recht nett und so weiter.   Before long Emmy had a visiting-book, and was driving about regularly in a carriage, calling upon Lady Bludyer (wife of Major-General Sir Roger Bludyer, K.C.B., Bengal Army); Lady Huff, wife of Sir G. Huff, Bombay ditto; Mrs. Pice, the Lady of Pice the Director, \&c. We are not long in using ourselves to changes in life. That carriage came round to Gillespie Street every day; that buttony boy sprang up and down from the box with Emmy’s and Jos’s visiting-cards; at stated hours Emmy and the carriage went for Jos to the Club and took him an airing; or, putting old Sedley into the vehicle, she drove the old man round the Regent’s Park. The lady’s maid and the chariot, the visiting-book and the buttony page, became soon as familiar to Amelia as the humble routine of Brompton. She accommodated herself to one as to the other. If Fate had ordained that she should be a Duchess, she would even have done that duty too. She was voted, in Jos’s female society, rather a pleasing young person — not much in her, but pleasing, and that sort of thing. Den Männern gefielen wie gewöhnlich ihre arglose Freundlichkeit und ihr ungeziertes feines Benehmen. Die ritterlichen jungen indischen Stutzer, die auf Urlaub in England waren – tolle Stutzer das, mit Ketten und Schnurrbärten, die in ihren Kutschen herumrasten, ständig im Theater waren und in Hotels in West End wohnten –, bewunderten Mrs. Osborne, verneigten sich im Park gern vor ihrem Wagen und freuten sich über die Ehre, ihr einen Morgenbesuch abstatten zu dürfen. Selbst Swankey von der Leibgarde, diesen gefährlichen Jüngling und größten Geck der ganzen indischen Armee, der Urlaub hatte, überraschte Major Dobbin eines Tages tête à tête mit Amelia, wie er ihr gerade humorvoll und wortreich eine Wildschweinjagd beschrieb; anschließend sprach dieser von einem verdammten königlichen Offizier, der sich stets im Hause herumtreibe – einem langen, mageren, schnurrig aussehenden ältlichen Burschen – einem trockenen Burschen, der einen mit seinen klugen Reden stets an die Wand drückte.   The men, as usual, liked her artless kindness and simple refined demeanour. The gallant young Indian dandies at home on furlough — immense dandies these — chained and moustached — driving in tearing cabs, the pillars of the theatres, living at West End hotels — nevertheless admired Mrs. Osborne, liked to bow to her carriage in the park, and to be admitted to have the honour of paying her a morning visit. Swankey of the Body Guard himself, that dangerous youth, and the greatest buck of all the Indian army now on leave, was one day discovered by Major Dobbin tete-a-tete with Amelia, and describing the sport of pig-sticking to her with great humour and eloquence; and he spoke afterwards of a d — d king’s officer that’s always hanging about the house — a long, thin, queer-looking, oldish fellow — a dry fellow though, that took the shine out of a man in the talking line. Hätte der Major etwas mehr persönliche Eitelkeit besessen, so wäre er auf einen so gefährlichen jungen Stutzer wie den bezaubernden bengalischen Hauptmann eifersüchtig geworden. Dobbin war jedoch viel zu einfach und zu großmütig, um an Amelia zu zweifeln. Er freute sich, daß ihr die jungen Leute Achtung erwiesen und andere sie bewunderten. War sie nicht, seit sie erwachsen war, fast ständig verfolgt und unterschätzt worden? Er freute sich, zu sehen, wie Freundlichkeit ihre guten Eigenschaften ans Licht brachte und ihr Mut mit dem Glück wuchs. Alle, die sie schätzten, machten dem gesunden Urteil des Majors ein Kompliment – das heißt, wenn ein Mann, beeinflußt von dem Wahn der Liebe, überhaupt urteilen kann.   Had the Major possessed a little more personal vanity he would have been jealous of so dangerous a young buck as that fascinating Bengal Captain. But Dobbin was of too simple and generous a nature to have any doubts about Amelia. He was glad that the young men should pay her respect, and that others should admire her. Ever since her womanhood almost, had she not been persecuted and undervalued? It pleased him to see how kindness bought out her good qualities and how her spirits gently rose with her prosperity. Any person who appreciated her paid a compliment to the Major’s good judgement — that is, if a man may be said to have good judgement who is under the influence of Love’s delusion. Nachdem Joseph bei Hofe gewesen war, was er natürlich als treuer Untertan seines Regenten nicht verabsäumt hatte (er hatte sich vorher in voller Gala im Klub gezeigt, wo ihn Dobbin in einer sehr schäbigen, alten Uniform abholte), wurde er, schon immer ein unerschütterlicher Loyalist und Bewunderer Georgs IV., ein so fürchterlicher Tory und Pfeiler des Staates, daß er auch wünschte, Amelia solle zum Empfang bei Hofe gehen. Er hatte sich nämlich irgendwie in den Glauben hineingesteigert, daß er unentbehrlich sei für die Erhaltung des Staatswohls und daß der König erst glücklich sein könne, wenn sich Joseph Sedley und seine Familie im Sankt-James-Palast um ihn scharten.   After Jos went to Court, which we may be sure he did as a loyal subject of his Sovereign (showing himself in his full court suit at the Club, whither Dobbin came to fetch him in a very shabby old uniform) he who had always been a staunch Loyalist and admirer of George IV, became such a tremendous Tory and pillar of the State that he was for having Amelia to go to a Drawing-room, too. He somehow had worked himself up to believe that he was implicated in the maintenance of the public welfare and that the Sovereign would not be happy unless Jos Sedley and his family appeared to rally round him at St. James’s. Emmy lachte. »Soll ich dann den Familienschmuck tragen, Joseph?« fragte sie.   Emmy laughed. “Shall I wear the family diamonds, Jos?” she said. Ich wollte, du ließest dir von mir welchen kaufen, dachte der Major; ich möchte die Diamanten sehen, die für dich zu gut wären.   “I wish you would let me buy you some,” thought the Major. “I should like to see any that were too good for you.” 61. Kapitel / Chapter 61 In dem zwei Lichter ausgelöscht werden / In Which Two Lights are Put Out Es kam ein Tag, an dem die Reihe züchtiger Vergnügungen und feierlicher Lustbarkeiten in Mr. Joseph Sedleys Familie durch ein Ereignis unterbrochen wurde, das sich in den meisten Häusern zuträgt. Wenn du in deinem Hause vom Salon in das Stockwerk hinaufsteigst, wo sich die Schlafzimmer befinden, so hast du vielleicht schon gerade vor dir in der Mauer ein kleines Bogenfenster erblickt, das einmal die Treppe zum zweiten Stock erhellt (wo die Kinderzimmer und Dienerräume sind), aber noch einen anderen Zweck erfüllt, den dir die Leute des Leichenbestatters erklären können. Sie setzen nämlich den Sarg in diesem Bogenfenster ab oder schieben ihn durch, damit sie den in dem schwarzen Behältnis schlummernden kalten Bewohner nicht auf unziemliche Weise stören.   There came a day when the round of decorous pleasures and solemn gaieties in which Mr. Jos Sedley’s family indulged was interrupted by an event which happens in most houses. As you ascend the staircase of your house from the drawing towards the bedroom floors, you may have remarked a little arch in the wall right before you, which at once gives light to the stair which leads from the second story to the third (where the nursery and servants’ chambers commonly are) and serves for another purpose of utility, of which the undertaker’s men can give you a notion. They rest the coffins upon that arch, or pass them through it so as not to disturb in any unseemly manner the cold tenant slumbering within the black ark. Dieses Bogenfenster im ersten Stock eines Londoner Hauses beherrscht das Treppenhaus, die Hauptverkehrsader, auf der die Hausbewohner sich bewegen. Vor Tagesanbruch schleicht die Köchin hinab, um ihre Töpfe und Pfannen in der Küche zu scheuern. Der junge Herr steigt leise hinauf, nachdem er die Stiefel in der Halle gelassen hat, wenn er nach einer fröhlichen Nacht im Klub nach Tagesanbruch heimgekommen ist. Das junge Mädchen rauscht hinunter, glänzend und schön, mit frischen Atlasbändern und gestärktem Musselin, bereit, auf dem Ball Eroberungen zu machen, oder Master Tommy rutscht das Geländer hinunter, voller Verachtung für Stufen und Gefahr. Auf seinen starken Armen trägt der Ehemann liebevoll die lächelnde junge Mutter hinab, Stufe für Stufe, gefolgt von der Pflegerin, wenn der Tag gekommen ist, an dem der Arzt der bezaubernden Patientin erlaubt hat, wieder unten zu sein. John schlurft gähnend, das tropfende Talglicht in der Hand, hinauf, um zu Bett zu gehen, und bereits vor Sonnenaufgang wieder sammelt er die Stiefel ein, die ihn im Flur erwarten. Das ist die Treppe, über die man Säuglinge trägt, alte Leute führt, Gäste zum Ball geleitet, über die der Pfarrer zur Taufe, der Doktor ins Krankenzimmer und die Leute des Leichenbestatters ins obere Stockwerk gehen – was für ein Mahnzeichen des Lebens, des Todes und der Eitelkeit ist dieses Bogenfenster und die Treppe –, wenn du dich entschließt, sie zu betrachten, auf dem Podest sitzt und deine Blicke auf und nieder durch das Treppenhaus schweifen läßt. Auch uns wird der Arzt dort zum letzten Male besuchen, mein Freund im Narrenkleid, und die Pflegerin wird durch die Bettvorhänge blicken, und du wirst nichts bemerken. Dann wird sie ein wenig die Fenster öffnen, um frische Luft hereinzulassen. Nun wird man alle Fenstervorhänge auf der Straßenseite herablassen und in den hinteren Räumen wohnen, schließlich wird man die Rechtsanwälte und andere Leute in Schwarz herbeiholen und so weiter. Deine und meine Komödie ist dann ausgespielt, wir werden weit, weit weggetragen werden von den Trompetenstößen und dem Geschrei und den akrobatischen Kunststücken des Lebens. Sind wir vornehm, so wird man Leichenwappen über unserer letzten Wohnung aufhängen mit vergoldetem Cherubim und Mottos, die besagen, daß »Friede im Himmel« sei. Dein Sohn wird das Haus neu einrichten oder es vielleicht vermieten und in ein moderneres Viertel ziehen; dein Name wird im nächsten Jahr in der Klubliste unter »Todesfälle« aufgeführt sein. Wie sehr man dich auch beklagen mag, so wird doch deine Witwe darauf achten, daß ihre Trauerkleider hübsch aussehen. Die Köchin wird heraufschicken oder selbst kommen, um wegen des Essens zu fragen. Die Überlebenden werden den Anblick deines Bildes über dem Kaminsims bald ertragen können, und nach kurzer Zeit verschwindet dieses von seinem Ehrenplatz, und an seine Stelle tritt das des regierenden Sohnes.   That second-floor arch in a London house, looking up and down the well of the staircase and commanding the main thoroughfare by which the inhabitants are passing; by which cook lurks down before daylight to scour her pots and pans in the kitchen; by which young master stealthily ascends, having left his boots in the hall, and let himself in after dawn from a jolly night at the Club; down which miss comes rustling in fresh ribbons and spreading muslins, brilliant and beautiful, and prepared for conquest and the ball; or Master Tommy slides, preferring the banisters for a mode of conveyance, and disdaining danger and the stair; down which the mother is fondly carried smiling in her strong husband’s arms, as he steps steadily step by step, and followed by the monthly nurse, on the day when the medical man has pronounced that the charming patient may go downstairs; up which John lurks to bed, yawning, with a sputtering tallow candle, and to gather up before sunrise the boots which are awaiting him in the passages — that stair, up or down which babies are carried, old people are helped, guests are marshalled to the ball, the parson walks to the christening, the doctor to the sick-room, and the undertaker’s men to the upper floor — what a memento of Life, Death, and Vanity it is — that arch and stair — if you choose to consider it, and sit on the landing, looking up and down the well! The doctor will come up to us too for the last time there, my friend in motley. The nurse will look in at the curtains, and you take no notice — and then she will fling open the windows for a little and let in the air. Then they will pull down all the front blinds of the house and live in the back rooms — then they will send for the lawyer and other men in black, \&c. Your comedy and mine will have been played then, and we shall be removed, oh, how far, from the trumpets, and the shouting, and the posture-making. If we are gentlefolks they will put hatchments over our late domicile, with gilt cherubim, and mottoes stating that there is “Quiet in Heaven.” Your son will new furnish the house, or perhaps let it, and go into a more modern quarter; your name will be among the “Members Deceased” in the lists of your clubs next year. However much you may be mourned, your widow will like to have her weeds neatly made — the cook will send or come up to ask about dinner — the survivor will soon bear to look at your picture over the mantelpiece, which will presently be deposed from the place of honour, to make way for the portrait of the son who reigns. Welche Toten werden am zärtlichsten und leidenschaftlichsten betrauert? Ich glaube, diejenigen, von denen die Überlebenden am wenigsten geliebt wurden. Der Tod eines Kindes verursacht großen Kummer und Tränenfluten, wie sie dein Ende, lieber Leser, nie hervorrufen wird. Der Tod eines Kindes, das dich kaum gekannt hat, das dich nach einer achttägigen Abwesenheit vergessen haben würde, wirft dich mehr nieder als der Verlust deines besten Freundes oder deines ältesten Sohnes – eines Erwachsenen wie du, mit eigenen Kindern. Wir können rauh und streng gegen Juda und Simeon sein  – unsere Liebe und unser Mitleid wird stets dem kleinen Benjamin gelten. Und wenn du alt bist, wie mancher Leser es sein mag oder werden wird – alt und reich oder alt und arm –, so wirst du wohl eines Tages bei dir denken: Alle um mich her sind gute Menschen, sie werden sich aber nicht zu sehr grämen, wenn ich nicht mehr da bin. Ich bin sehr reich, und sie möchten mich gern beerben  – oder sehr arm, und sie sind es müde, mich zu ernähren.   Which of the dead are most tenderly and passionately deplored? Those who love the survivors the least, I believe. The death of a child occasions a passion of grief and frantic tears, such as your end, brother reader, will never inspire. The death of an infant which scarce knew you, which a week’s absence from you would have caused to forget you, will strike you down more than the loss of your closest friend, or your first-born son — a man grown like yourself, with children of his own. We may be harsh and stern with Judah and Simeon — our love and pity gush out for Benjamin, the little one. And if you are old, as some reader of this may be or shall be old and rich, or old and poor — you may one day be thinking for yourself — "These people are very good round about me, but they won’t grieve too much when I am gone. I am very rich, and they want my inheritance — or very poor, and they are tired of supporting me.” Die Trauerzeit für Mrs. Sedley war kaum vorüber, und Joseph hatte kaum Gelegenheit gefunden, seine schwarze Kleidung abzulegen und in den glänzenden Westen zu erscheinen, die er so liebte, als es Mr. Sedleys Umgebung klar wurde, daß ein anderes Ereignis bevorstand und der alte Mann im Begriff stand, seine Frau in dem finsteren Land, wohin sie vorausgegangen war, aufzusuchen. »Der Gesundheitszustand meines Vaters«, bemerkte Joseph Sedley feierlich im Klub, »hindert mich daran, in dieser Saison meine großen Gesellschaften zu geben; wenn Sie aber um halb sieben ganz still kommen wollen, Chutney, mein Junge, zu einem einfachen Mahl mit einigen von der alten Garde – so werde ich mich stets freuen, Sie zu begrüßen.« So aßen Joseph und seine Bekannten und tranken ihren Rotwein in aller Stille, während im oberen Stockwerk der Sand des Lebens im Stundenglas des alten Mannes verrann. Der Butler in Samtschuhen brachte ihnen leise den Wein, und sie setzten sich nach dem Essen zu einer Partie Whist nieder, an der auch Major Dobbin zuweilen teilnahm. Hin und wieder kam auch Mrs. Osborne herab, wenn ihr Patient für den Abend versorgt war und in den leichten, unruhigen Schlummer des Alters gesunken war.   The period of mourning for Mrs. Sedley’s death was only just concluded, and Jos scarcely had had time to cast off his black and appear in the splendid waistcoats which he loved, when it became evident to those about Mr. Sedley that another event was at hand, and that the old man was about to go seek for his wife in the dark land whither she had preceded him. “The state of my father’s health,” Jos Sedley solemnly remarked at the Club, “prevents me from giving any large parties this season: but if you will come in quietly at half-past six, Chutney, my boy, and fake a homely dinner with one or two of the old set — I shall be always glad to see you.” So Jos and his acquaintances dined and drank their claret among themselves in silence, whilst the sands of life were running out in the old man’s glass upstairs. The velvet-footed butler brought them their wine, and they composed themselves to a rubber after dinner, at which Major Dobbin would sometimes come and take a hand; and Mrs. Osborne would occasionally descend, when her patient above was settled for the night, and had commenced one of those lightly troubled slumbers which visit the pillow of old age. Der alte Mann klammerte sich während dieser Krankheit fest an seine Tochter. Aus keiner anderen Hand wollte er seine Brühe und Medizin nehmen. Seine Pflege war fast ihre einzige Beschäftigung; ihr Bett wurde dicht an die Tür zu seinem Zimmer gestellt, und das geringste Geräusch oder die leiseste Unruhe des launischen Kranken machten sie wach. Aber um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen – oft lag er manche Stunde schweigend und bewegungslos da, um seine gütige, sorgsame Wärterin nicht aufzuwecken.   The old man clung to his daughter during this sickness. He would take his broths and medicines from scarcely any other hand. To tend him became almost the sole business of her life. Her bed was placed close by the door which opened into his chamber, and she was alive at the slightest noise or disturbance from the couch of the querulous invalid. Though, to do him justice, he lay awake many an hour, silent and without stirring, unwilling to awaken his kind and vigilant nurse. Er liebte seine Tochter jetzt vielleicht zärtlicher als je seit ihrer Kindheit. Bei der Ausübung ihrer freundlichen Dienste und ihrer Kindespflichten strömte dieses einfache Geschöpf einen hellen Glanz aus. Sie kommt so geräuschlos ins Zimmer wie ein Sonnenstrahl, dachte Mr. Dobbin, wenn er sie ins Zimmer ihres Vaters hineingehen und wieder erscheinen sah. Eine heitere Freundlichkeit erhellte ihr Gesicht, wenn sie sanft und leise hin und her wandelte. Wer hat nicht schon diesen süßen engelhaften Ausdruck der Liebe und des Mitleids auf den Gesichtern von Frauen gesehen, die bei ihren Kindern wachen oder im Krankenzimmer zu tun haben?   He loved his daughter with more fondness now, perhaps, than ever he had done since the days of her childhood. In the discharge of gentle offices and kind filial duties, this simple creature shone most especially. “She walks into the room as silently as a sunbeam,” Mr. Dobbin thought as he saw her passing in and out from her father’s room, a cheerful sweetness lighting up her face as she moved to and fro, graceful and noiseless. When women are brooding over their children, or busied in a sick-room, who has not seen in their faces those sweet angelic beams of love and pity? So wurde eine jahrelange, geheime Fehde stillschweigend beigelegt. In diesen letzten Stunden vergaß der alte Mann, gerührt von ihrer Liebe und Güte, all seinen Ärger gegen sie und all das Unrecht, das er manche lange Nacht hindurch mit seiner Frau besprochen hatte: daß sie alles für den Jungen geopfert habe, daß sie sich nicht um ihre alten unglücklichen Eltern kümmere und nur an das Kind denke. Wie albern und unvernünftig, ja eigentlich sündhaft sie sich benommen habe, als man ihr George weggenommen habe. Der alte Sedley vergaß diese Anschuldigungen, als er seine letzte Rechnung machte, und ließ der sanften, klaglosen kleinen Märtyrerin Gerechtigkeit widerfahren. Als sie sich eines Nachts in sein Zimmer stahl und ihn wach fand, legte der alte gebeugte Mann seine Beichte ab. »Ach, Emmy, ich habe eben daran gedacht, daß wir sehr böse und ungerecht gegen dich gewesen sind«, sagte er und hielt ihr seine kalte, kraftlose Hand hin. Sie kniete sich am Bett nieder und betete, und er betete ebenfalls, ohne ihre Hand loszulassen. Mögen wir, lieber Freund, auch solche Gesellschaft bei unseren Gebeten haben, wenn wir an der Reihe sind.   A secret feud of some years’ standing was thus healed, and with a tacit reconciliation. In these last hours, and touched by her love and goodness, the old man forgot all his grief against her, and wrongs which he and his wife had many a long night debated: how she had given up everything for her boy; how she was careless of her parents in their old age and misfortune, and only thought of the child; how absurdly and foolishly, impiously indeed, she took on when George was removed from her. Old Sedley forgot these charges as he was making up his last account, and did justice to the gentle and uncomplaining little martyr. One night when she stole into his room, she found him awake, when the broken old man made his confession. “Oh, Emmy, I’ve been thinking we were very unkind and unjust to you,” he said and put out his cold and feeble hand to her. She knelt down and prayed by his bedside, as he did too, having still hold of her hand. When our turn comes, friend, may we have such company in our prayers! Als er wach im Bett lag, zog wahrscheinlich sein früheres Leben an ihm vorüber – seine frühen, hoffnungsvollen Anstrengungen, seine Erfolge und sein Reichtum im Mannesalter, der spätere Niedergang und sein gegenwärtiger hilfloser Zustand – keine Hoffnung, sich am Schicksal zu rächen, das ihn betrogen hatte – weder einen Namen noch Geld zu hinterlassen – ein vergeudetes, nutzloses Leben voller Niederlagen und Enttäuschungen – und nun das Ende! Welches Los ist wohl das bessere, lieber Leser, reich und berühmt oder arm und enttäuscht zu sterben? Etwas zu besitzen und sich davon trennen zu müssen, oder aus dem Leben zu scheiden, nachdem man das Spiel gespielt und verloren hat? Es muß ein seltsames Gefühl sein, wenn ein Tag in unserem Leben kommt, an dem wir sagen: Morgen werden Erfolg oder Mißerfolg gleichgültig sein. Die Sonne wird aufgehen, und die Myriaden von Menschen eilen ihrer Arbeit oder dem Vergnügen nach, ich aber werde der Plackerei entronnen sein.   Perhaps as he was lying awake then, his life may have passed before him — his early hopeful struggles, his manly successes and prosperity, his downfall in his declining years, and his present helpless condition — no chance of revenge against Fortune, which had had the better of him — neither name nor money to bequeath — a spent-out, bootless life of defeat and disappointment, and the end here! Which, I wonder, brother reader, is the better lot, to die prosperous and famous, or poor and disappointed? To have, and to be forced to yield; or to sink out of life, having played and lost the game? That must be a strange feeling, when a day of our life comes and we say, “To-morrow, success or failure won’t matter much, and the sun will rise, and all the myriads of mankind go to their work or their pleasure as usual, but I shall be out of the turmoil.” So kam dann ein Morgen, an dem die Sonne sich erhob und alle Welt aufstand und an die verschiedenen Arbeiten und Vergnügungen ging, mit Ausnahme des alten John Sedley. Der sollte nicht mehr mit dem Schicksal hadern und nicht mehr hoffen und Pläne schmieden, sondern nur noch einen stillen und unbekannten Aufenthaltsort auf einem Friedhof in Brompton an der Seite seiner alten Frau aufsuchen.   So there came one morning and sunrise when all the world got up and set about its various works and pleasures, with the exception of old John Sedley, who was not to fight with fortune, or to hope or scheme any more, but to go and take up a quiet and utterly unknown residence in a churchyard at Brompton by the side of his old wife. Major Dobbin, Joseph und Georgy folgten in einem schwarz ausgeschlagenen Wagen seiner sterblichen Hülle zum Grabe. Joseph kam extra vom »Stern und Hosenbandorden« in Richmond, wohin er sich nach dem traurigen Ereignis zurückgezogen hatte. Er wollte nicht gern mit dem ... unter diesen Umständen ... im Hause bleiben, Sie verstehen. Emmy dagegen blieb und tat ihre Pflicht wie gewöhnlich. Sie war nicht besonders gramgebeugt und eher ernst als traurig. Sie betete um ein ebenso ruhiges und schmerzloses Ende und dachte voll ehrfurchtsvollen Vertrauens an die Worte, die ihr Vater während seiner Krankheit über seinen Glauben, seine Ergebung und seine Hoffnungen auf das Jenseits geäußert hatte.   Major Dobbin, Jos, and Georgy followed his remains to the grave, in a black cloth coach. Jos came on purpose from the Star and Garter at Richmond, whither he retreated after the deplorable event. He did not care to remain in the house, with the — under the circumstances, you understand. But Emmy stayed and did her duty as usual. She was bowed down by no especial grief, and rather solemn than sorrowful. She prayed that her own end might be as calm and painless, and thought with trust and reverence of the words which she had heard from her father during his illness, indicative of his faith, his resignation, and his future hope. Ja, nach alledem meine ich, daß dieses Ende das bessere ist. Nehmen wir an, du bist sehr reich und wohlhabend und sagst an diesem letzten Tag: »Ich bin sehr reich, ich bin einigermaßen bekannt, ich habe mein ganzes Leben in der besten Gesellschaft verbracht und komme, dem Himmel sei Dank, aus einer höchst achtbaren Familie. Ich habe meinem König und Vaterland in Ehren gedient. Ich war mehrere Jahre im Parlament, und ich kann wohl sagen, meine Reden fanden aufmerksames Gehör und wurden recht gut aufgenommen. Ich schulde niemandem etwas, im Gegenteil, ich habe meinem alten Universitätsfreund Jack Lazarus fünfzig Pfund geliehen, um die ihn meine Testamentsvollstrecker nicht drängen werden. Ich hinterlasse meinen Töchtern je zehntausend Pfund – eine sehr gute Aussteuer für Mädchen. Ich vererbe mein Silber, mein Mobiliar, mein Haus in der Baker Street und eine hübsche Jahresrente meiner Witwe auf Lebzeit und meinem Sohn meine Landgüter, mein Geld in Staatspapieren und meinen erlesenen Weinkeller in der Baker Street. Ich hinterlasse meinem Kammerdiener zwanzig Pfund jährlich, und ich behaupte, niemand wird nach meinem Tod etwas gegen meinen Charakter sagen können.« Oder nehmen wir an, dein Schwanengesang klingt ganz anders, und du sagst: »Ich bin ein armer, gebeugter, enttäuschter, alter Bursche, und mein ganzes Leben war ein Fehlschlag. Ich war weder mit viel Verstand noch mit großem Vermögen begabt und bekenne, daß ich hundert größere und kleinere Fehler begangen habe. Ich gestehe, daß ich oft pflichtvergessen war. Ich kann meine Schulden nicht bezahlen. Hier liege ich hilflos und demütig auf meinem letzten Lager, bete um Verzeihung für meine Schwächen und werfe mich mit reuigem Herzen der göttlichen Gnade zu Füßen.« Welche von diesen beiden Reden, glaubst du wohl, mag die beste Leichenrede für dich sein? Der alte Sedley hielt die letztere, und in dieser demütigen Stimmung, an die Hand seiner Tochter geklammert, sah er das Leben und seine Eitelkeit unter sich hinwegsinken.   Yes, I think that will be the better ending of the two, after all. Suppose you are particularly rich and well-to-do and say on that last day, “I am very rich; I am tolerably well known; I have lived all my life in the best society, and thank Heaven, come of a most respectable family. I have served my King and country with honour. I was in Parliament for several years, where, I may say, my speeches were listened to and pretty well received. I don’t owe any man a shilling: on the contrary, I lent my old college friend, Jack Lazarus, fifty pounds, for which my executors will not press him. I leave my daughters with ten thousand pounds apiece — very good portions for girls; I bequeath my plate and furniture, my house in Baker Street, with a handsome jointure, to my widow for her life; and my landed property, besides money in the funds, and my cellar of well-selected wine in Baker Street, to my son. I leave twenty pound a year to my valet; and I defy any man after I have gone to find anything against my character.” Or suppose, on the other hand, your swan sings quite a different sort of dirge and you say, “I am a poor blighted, disappointed old fellow, and have made an utter failure through life. I was not endowed either with brains or with good fortune, and confess that I have committed a hundred mistakes and blunders. I own to having forgotten my duty many a time. I can’t pay what I owe. On my last bed I lie utterly helpless and humble, and I pray forgiveness for my weakness and throw myself, with a contrite heart, at the feet of the Divine Mercy.” Which of these two speeches, think you, would be the best oration for your own funeral? Old Sedley made the last; and in that humble frame of mind, and holding by the hand of his daughter, life and disappointment and vanity sank away from under him. »Da siehst du«, sagte der alte Osborne zu George, »was von Verdienst, Fleiß und klugen Spekulationen und so weiter kommt. Sieh mich und mein Bankkonto an! Sieh dann deinen armen Großvater Sedley und sein Versagen an! Und doch war er vor zwanzig Jahren ein besserer Mann als ich – besser, würde ich sagen, um zehntausend Pfund.«   “You see,” said old Osborne to George, “what comes of merit, and industry, and judicious speculations, and that. Look at me and my banker’s account. Look at your poor Grandfather Sedley and his failure. And yet he was a better man than I was, this day twenty years — a better man, I should say, by ten thousand pound.” Außer diesen Menschen und Familie Clapp, die von Brompton zu einem Beileidsbesuch hereinkam, kümmerte sich keine Menschenseele auch nur einen Pfifferling um den alten John Sedley oder erinnerte sich der Existenz eines solchen Mannes.   Beyond these people and Mr. Clapp’s family, who came over from Brompton to pay a visit of condolence, not a single soul alive ever cared a penny piece about old John Sedley, or remembered the existence of such a person. Als der alte Osborne zum erstenmal von seinem Freund Oberst Buckler hörte (wie der kleine Georgy bereits berichtete), was für ein ausgezeichneter Offizier Major Dobbin sei, bezeigte er sehr verächtlich seinen Unglauben und drückte sein Erstaunen aus, daß solch ein Kerl überhaupt Verstand oder Ruf besitzen könnte. Er hörte aber das Lob des Majors von verschiedenen Bekannten. Sir William Dobbin hegte eine hohe Meinung von seinem Sohn und erzählte viele Anekdoten, aus denen man entnehmen konnte, wie gelehrt, tapfer und angesehen der Major war. Schließlich erschien sein Name in der Besucherliste von ein paar großen Gesellschaften des Adels, und dieser Umstand machte einen ungeheuren Eindruck auf den alten Aristokraten vom Russell Square.   When old Osborne first heard from his friend Colonel Buckler (as little Georgy had already informed us) how distinguished an officer Major Dobbin was, he exhibited a great deal of scornful incredulity and expressed his surprise how ever such a feller as that should possess either brains or reputation. But he heard of the Major’s fame from various members of his society. Sir William Dobbin had a great opinion of his son and narrated many stories illustrative of the Major’s learning, valour, and estimation in the world’s opinion. Finally, his name appeared in the lists of one or two great parties of the nobility, and this circumstance had a prodigious effect upon the old aristocrat of Russell Square. Die Stellung des Majors als Vormund von George, dessen Besitz an seinen Großvater übergegangen war, machte einige Zusammenkünfte zwischen den beiden Männern notwendig. Dabei fiel dem alten Osborne, der ein scharfsichtiger Geschäftsmann war, einmal etwas auf, was ihn sehr stutzig machte und ihn zugleich peinigte und erfreute. Als er nämlich die Rechnungsbücher des Majors für sein Mündel und die Mutter des Knaben durchsah, bemerkte er, daß ein Teil des Geldes, von dem die arme Witwe mit ihrem Kind gelebt hatte, aus Dobbins eigener Tasche gekommen war.   The Major’s position, as guardian to Georgy, whose possession had been ceded to his grandfather, rendered some meetings between the two gentlemen inevitable; and it was in one of these that old Osborne, a keen man of business, looking into the Major’s accounts with his ward and the boy’s mother, got a hint, which staggered him very much, and at once pained and pleased him, that it was out of William Dobbin’s own pocket that a part of the fund had been supplied upon which the poor widow and the child had subsisted. Er drängte Dobbin um Aufschluß, und der Major errötete und stotterte sehr, aber legte endlich doch ein volles Bekenntnis ab, denn er konnte ja nicht lügen. »Die Heirat«, sagte er (dabei verfinsterte sich das Gesicht seines Gegenübers), »war hauptsächlich mein Werk. Ich glaubte, mein armer Freund sei so weit gegangen, daß ein Lösen der Verlobung Ehrlosigkeit für ihn bedeutet hatte und für Mrs. Osborne den Tod. Und ich konnte, als sie ganz mittellos zurückblieb, nichts anderes tun, als ihr soviel Geld, wie mir entbehrlich war, zur Unterstützung zu geben.«   When pressed upon the point, Dobbin, who could not tell lies, blushed and stammered a good deal and finally confessed. “The marriage,” he said (at which his interlocutor’s face grew dark) “was very much my doing. I thought my poor friend had gone so far that retreat from his engagement would have been dishonour to him and death to Mrs. Osborne, and I could do no less, when she was left without resources, than give what money I could spare to maintain her.” »Major Dobbin«, sagte Mr. Osborne, blickte ihn fest an und wurde ebenfalls rot, »Sie haben mich tief verletzt, aber erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen, daß Sie ein ehrlicher Kerl sind. Hier ist meine Hand; es wäre mir wirklich nie in den Sinn gekommen, daß mein eigen Fleisch und Blut auf Ihre Kosten gelebt hat.« Die beiden schüttelten sich die Hände, und Major Dobbin war sehr verwirrt, daß auf diese Art seine barmherzige Heuchelei entdeckt worden war.   “Major D.,” Mr. Osborne said, looking hard at him and turning very red too — "you did me a great injury; but give me leave to tell you, sir, you are an honest feller. There’s my hand, sir, though I little thought that my flesh and blood was living on you — ” and the pair shook hands, with great confusion on Major Dobbin’s part, thus found out in his act of charitable hypocrisy. Er bemühte sich, den alten Mann zu erweichen und ihn mit dem Andenken seines Sohnes auszusöhnen. »Er war so ein feiner Kerl«, sagte er, »daß wir ihn alle liebten und alles für ihn getan hätten. Ich war damals noch ein junger Mann und war ungeheuer geschmeichelt, daß er mich so vorzog. Ich fand mehr Vergnügen daran, in seiner Gesellschaft gesehen zu werden als in der des Oberkommandierenden. Ich kenne niemanden, der ihm an Mut, Tollkühnheit und anderen guten Soldateneigenschaften gleichkommt.« Und Dobbin erzählte nun dem alten Vater alle Geschichten, an die er sich noch entsinnen konnte, von der Tapferkeit und den Talenten seines Sohnes. »Georgy ist ihm so ähnlich«, fügte der Major hinzu.   He strove to soften the old man and reconcile him towards his son’s memory. “He was such a noble fellow,” he said, “that all of us loved him, and would have done anything for him. I, as a young man in those days, was flattered beyond measure by his preference for me, and was more pleased to be seen in his company than in that of the Commander-in-Chief. I never saw his equal for pluck and daring and all the qualities of a soldier”; and Dobbin told the old father as many stories as he could remember regarding the gallantry and achievements of his son. “And Georgy is so like him,” the Major added. »Er ist ihm so ähnlich, daß ich manchmal zittere«, sagte der Großvater.   “He’s so like him that he makes me tremble sometimes,” the grandfather said. Ein paarmal kam der Major zu Mr. Osborne zum Diner (es war während Mr. Sedleys Krankheit), und als die beiden nach dem Essen beisammensaßen, unterhielten sie sich nur von dem dahingegangenen Helden. Der Vater prahlte nach seiner Gewohnheit mit ihm und verherrlichte sich selbst durch die Erzählung von den Ruhmestaten und der Tapferkeit seines Sohnes. Seine Stimmung in bezug auf den armen Kerl war jetzt jedenfalls besser und liebevoller als bisher, und das christliche Herz des guten Majors freute sich über diese Anzeichen zurückkehrenden Friedens und Wohlwollens. Am zweiten Abend nannte ihn der alte Osborne »William«, gerade wie zu jener Zeit, als Dobbin und George noch als Knaben zusammen gewesen waren, und der ehrliche Major war von diesem Zeichen der Aussöhnung ergriffen.   On one or two evenings the Major came to dine with Mr. Osborne (it was during the time of the sickness of Mr. Sedley), and as the two sat together in the evening after dinner, all their talk was about the departed hero. The father boasted about him according to his wont, glorifying himself in recounting his son’s feats and gallantry, but his mood was at any rate better and more charitable than that in which he had been disposed until now to regard the poor fellow; and the Christian heart of the kind Major was pleased at these symptoms of returning peace and good-will. On the second evening old Osborne called Dobbin William, just as he used to do at the time when Dobbin and George were boys together, and the honest gentleman was pleased by that mark of reconciliation. Als am nächsten Morgen beim Frühstück Miss Osborne mit der Verbissenheit ihres Alters und Charakters sich geringschätzig über Aussehen und Benehmen des Majors zu äußern versuchte, unterbrach sie der Herr des Hauses: »Du wärst recht froh gewesen, wenn du ihn für dich bekommen hättest, Miss O.; aber diese Trauben sind zu sauer. Haha! Major William ist ein feiner Kerl.«   On the next day at breakfast, when Miss Osborne, with the asperity of her age and character, ventured to make some remark reflecting slightingly upon the Major’s appearance or behaviour — the master of the house interrupted her. “You’d have been glad enough to git him for yourself, Miss O. But them grapes are sour. Ha! ha! Major William is a fine feller.” »Das stimmt, Großpapa«, sagte Georgy beifällig, trat dicht an den alten Herrn heran, faßte ihn, gutmütig lachend, an seinem langen, grauen Backenbart und küßte ihn. Am Abend erzählte er die Geschichte seiner Mutter, die mit dem Jungen völlig einer Meinung war. »Das ist er wirklich«, sagte sie. »Dein lieber Vater hat es auch immer gesagt. Er ist ein sehr guter und rechtschaffener Mensch.« Dobbin kam zufälligerweise kurz nach diesem Gespräch herein, und das war wahrscheinlich der Grund, weshalb Amelia errötete, und der junge Taugenichts erhöhte ihre Verwirrung noch, indem er Dobbin den zweiten Teil der Geschichte erzählte. »Hör mal, Dobbin«, sagte er, »ich kenne ein ungewöhnlich nettes Mädchen, das dich gern heiraten möchte. Sie hat eine Unmenge Geld, trägt falsche Haare und schimpft von früh bis spät mit den Dienstboten herum.« »Wer ist es denn?« fragte Dobbin. »Tante Osborne«, entgegnete der Knabe, »der Großpapa hat es gesagt. Und stell dir mal vor, Dobbin, wie prima es wäre, wenn du mein Onkel würdest.« Die zitternde Stimme des alten Sedley im Nebenzimmer rief in diesem Augenblick nach Amelia, und das Lachen hörte auf.   “That he is, Grandpapa,” said Georgy approvingly; and going up close to the old gentleman, he took a hold of his large grey whiskers, and laughed in his face good-humouredly, and kissed him. And he told the story at night to his mother, who fully agreed with the boy. “Indeed he is,” she said. “Your dear father always said so. He is one of the best and most upright of men.” Dobbin happened to drop in very soon after this conversation, which made Amelia blush perhaps, and the young scapegrace increased the confusion by telling Dobbin the other part of the story. “I say, Dob,” he said, “there’s such an uncommon nice girl wants to marry you. She’s plenty of tin; she wears a front; and she scolds the servants from morning till night.” “Who is it?” asked Dobbin. “It’s Aunt O.,” the boy answered. “Grandpapa said so. And I say, Dob, how prime it would be to have you for my uncle.” Old Sedley’s quavering voice from the next room at this moment weakly called for Amelia, and the laughing ended. Daß sich die Einstellung des alten Osborne änderte, war deutlich zu merken. Er fragte George zuweilen nach seinem Onkel und lachte über den Knaben, wenn dieser nachahmte, wie Joseph »Gott behüte mich!« sagte und seine Suppe verschlang. Dann erklärte er: »Es ist respektlos, wenn ihr jungen Burschen eure Verwandten verspottet. Miss Osborne, wenn du heute ausfährst, so gib meine Karte bei Mr. Sedley ab, hörst du? Mit ihm habe ich ja keinen Streit.«   That old Osborne’s mind was changing was pretty clear. He asked George about his uncle sometimes, and laughed at the boy’s imitation of the way in which Jos said “God-bless-my-soul” and gobbled his soup. Then he said, “It’s not respectful, sir, of you younkers to be imitating of your relations. Miss O., when you go out adriving to-day, leave my card upon Mr. Sedley, do you hear? There’s no quarrel betwigst me and him anyhow.” Die Karte wurde erwidert, und Joseph und der Major wurden zum Diner geladen – wohl dem glänzendsten und langweiligsten, das Mr. Osborne je gegeben hatte. Jedes Stück des Familiensilbers wurde ausgestellt, und die beste Gesellschaft war geladen. Mr. Sedley führte Miss Osborne zu Tisch, und sie war sehr gnädig gegen ihn, während sie kaum ein Wort an den Major richtete, der furchtsam fern von ihr neben Mr. Osborne saß. Joseph sagte feierlich, es sei die beste klare Schildkrötensuppe, die er im Leben gegessen habe, und fragte Mr. Osborne, wo er seinen Madeira herhabe.   The card was returned, and Jos and the Major were asked to dinner — to a dinner the most splendid and stupid that perhaps ever Mr. Osborne gave; every inch of the family plate was exhibited, and the best company was asked. Mr. Sedley took down Miss O. to dinner, and she was very gracious to him; whereas she hardly spoke to the Major, who sat apart from her, and by the side of Mr. Osborne, very timid. Jos said, with great solemnity, it was the best turtle soup he had ever tasted in his life, and asked Mr. Osborne where he got his Madeira. »Er ist von Sedley«, flüsterte der Butler seinem Herrn zu. »Ich habe ihn schon lange und mußte eine Stange Geld dafür bezahlen«, sagte Mr Osborne laut zu seinem Gast, und seinem Nachbar zur Rechten flüsterte er zu, er habe ihn »auf der Auktion des Alten« gekauft.   “It is some of Sedley’s wine,” whispered the butler to his master. “I’ve had it a long time, and paid a good figure for it, too,” Mr. Osborne said aloud to his guest, and then whispered to his right-hand neighbour how he had got it “at the old chap’s sale.” Mehr als einmal fragte er den Major nach – nach Mrs. George Osborne – ein Thema, bei dem der Major sehr beredt sein konnte, wenn er wollte. Er erzählte dem alten Osborne, was sie alles erdulden mußte und von ihrer leidenschaftlichen Liebe zu ihrem Mann, dessen Andenken sie noch in Ehren halte, wie zärtlich und pflichtgetreu sie ihre Eltern unterstützt und wie sie ihren Knaben hingegeben habe, da sie dies für ihre Pflicht hielt. »Sie wissen nicht, was sie durchgemacht hat«, sagte der ehrliche Dobbin mit zitternder Stimme, »und ich hoffe und glaube, Sie werden sich mit ihr aussöhnen. Wenn sie Ihnen den Sohn genommen hat, so hat sie Ihnen dafür ihren eigenen gegeben. Wie sehr Sie auch Ihren George geliebt haben mögen, Sie können sich doch darauf verlassen, daß sie den ihrigen noch zehnmal mehr liebte.«   More than once he asked the Major about — about Mrs. George Osborne — a theme on which the Major could be very eloquent when he chose. He told Mr. Osborne of her sufferings — of her passionate attachment to her husband, whose memory she worshipped still — of the tender and dutiful manner in which she had supported her parents, and given up her boy, when it seemed to her her duty to do so. “You don’t know what she endured, sir,” said honest Dobbin with a tremor in his voice, “and I hope and trust you will be reconciled to her. If she took your son away from you, she gave hers to you; and however much you loved your George, depend on it, she loved hers ten times more.” »Bei Gott, Sie sind ein guter Bursche«, war alles, was Mr. Osborne sagte. Es war ihm nie in den Sinn gekommen, daß der Witwe die Trennung von ihrem Sohn schmerzlich sein könnte oder daß es ihr Kummer bereiten könnte, zu sehen, wie er reich wurde. Man sprach schon von einer bevorstehenden und unvermeidlichen Versöhnung, und Amelias Herz begann bei dem Gedanken an die furchtbare Zusammenkunft mit Georges Vater bereits zu klopfen.   “By God, you are a good feller, sir,” was all Mr. Osborne said. It had never struck him that the widow would feel any pain at parting from the boy, or that his having a fine fortune could grieve her. A reconciliation was announced as speedy and inevitable, and Amelia’s heart already began to beat at the notion of the awful meeting with George’s father. Zu dieser Versöhnung sollte es jedoch nicht kommen. Die langwierige Krankheit und der Tod des alten Sedley kamen dazwischen, und danach war eine Zusammenkunft eine Zeitlang unmöglich. Jene Katastrophe und andere Ereignisse mögen ihre Spuren in Mr. Osborne zurückgelassen haben. Er war in der letzten Zeit sehr hinfällig, stark gealtert, und seine Gedanken beschäftigten sich mit vielem. Er ließ seine Rechtsanwälte kommen und änderte offensichtlich etwas an seinem Testament. Der behandelnde Arzt erklärte ihn für sehr schwach und erregt und sprach von einem kleinen Aderlaß und Seeluft; er benutzte aber keines dieser Heilmittel.   It was never, however, destined to take place. Old Sedley’s lingering illness and death supervened, after which a meeting was for some time impossible. That catastrophe and other events may have worked upon Mr. Osborne. He was much shaken of late, and aged, and his mind was working inwardly. He had sent for his lawyers, and probably changed something in his will. The medical man who looked in pronounced him shaky, agitated, and talked of a little blood and the seaside; but he took neither of these remedies. Eines Tages vermißte ihn sein Diener beim Frühstück und ging in sein Ankleidezimmer hinauf. Dort fand er ihn, auf dem Boden vor seinem Toilettentisch, vom Schlag getroffen. Miss Osborne wurde benachrichtigt, die Ärzte geholt, Georgy blieb der Schule fern, die Aderlasser und Schröpfer kamen. Osborne gewann zeitweise das Bewußtsein zurück, konnte aber nicht mehr sprechen, obwohl er sich ein paarmal krampfhaft bemühte. Vier Tage später starb er. Die Ärzte gingen, die Leute des Leichenbestatters kamen; die Fensterläden zum Russell Square wurden geschlossen. Bullock erschien in rasender Eile aus der City. »Wieviel hat er dem Jungen hinterlassen? Doch sicherlich nicht die Hälfte? Sicherlich doch gleiche Teile für alle drei?« Es war ein aufregender Augenblick.   One day when he should have come down to breakfast, his servant missing him, went into his dressing-room and found him lying at the foot of the dressing-table in a fit. Miss Osborne was apprised; the doctors were sent for; Georgy stopped away from school; the bleeders and cuppers came. Osborne partially regained cognizance, but never could speak again, though he tried dreadfully once or twice, and in four days he died. The doctors went down, and the undertaker’s men went up the stairs, and all the shutters were shut towards the garden in Russell Square. Bullock rushed from the City in a hurry. “How much money had he left to that boy? Not half, surely? Surely share and share alike between the three?” It was an agitating moment. Was war es, was der arme alte Mann ein paarmal vergeblich auszudrücken versucht hatte? Hoffentlich der Wunsch, Amelia zu sehen, um sich, ehe er die Welt verließ, mit der lieben, treuen Frau seines Sohnes zu versöhnen. Das wird es höchstwahrscheinlich gewesen sein, denn sein Testament bewies, daß der Haß, den er so lange genährt, aus seinem Herzen verschwunden war.   What was it that poor old man tried once or twice in vain to say? I hope it was that he wanted to see Amelia and be reconciled before he left the world to one dear and faithful wife of his son: it was most likely that, for his will showed that the hatred which he had so long cherished had gone out of his heart. In der Tasche seines Schlafrockes fand man den Brief mit dem großen roten Siegel, den ihm George von Waterloo geschrieben hatte. Er hatte auch die anderen Papiere seines Sohnes durchgesehen, denn der Schlüssel zu dem Kasten, in dem er sie aufbewahrte, war ebenfalls in seiner Tasche, und die Siegel und Umschläge waren erbrochen. Das war höchstwahrscheinlich in der Nacht vor dem Schlaganfall geschehen; der Butler hatte ihm noch den Tee in sein Studierzimmer gebracht und ihn dabei vorgefunden, wie er in der großen roten Familienbibel las.   They found in the pocket of his dressing-gown the letter with the great red seal which George had written him from Waterloo. He had looked at the other papers too, relative to his son, for the key of the box in which he kept them was also in his pocket, and it was found the seals and envelopes had been broken — very likely on the night before the seizure — when the butler had taken him tea into his study, and found him reading in the great red family Bible. Als das Testament geöffnet wurde, stellte es sich heraus, daß die eine Hälfte des Vermögens George und die andere Hälfte zu gleichen Teilen den beiden Schwestern vermacht war. Mr. Bullock sollte zum gemeinsamen Vorteil aller die Geschäfte des Handelshauses weiterhin leiten oder die Firma löschen, wie er es für richtig hielt. Eine Jahresrente von fünfhundert Pfund auf Kosten des Vermögens von George sollte seine Mutter bekommen, »die Witwe meines geliebten Sohnes George Osborne«, die die Vormundschaft über den Knaben wieder übernehmen sollte.   When the will was opened, it was found that half the property was left to George, and the remainder between the two sisters. Mr. Bullock to continue, for their joint benefit, the affairs of the commercial house, or to go out, as he thought fit. An annuity of five hundred pounds, chargeable on George’s property, was left to his mother, “the widow of my beloved son, George Osborne,” who was to resume the guardianship of the boy. »Major Dobbin, der Freund meines geliebten Sohnes«, war zum Testamentsvollstrecker ernannt, »und da er aus eigener Güte und Freigebigkeit aus seinem Privatvermögen meinen Enkel und die Witwe meines Sohnes unterhielt, als sie ohne andere Unterstützung waren« (fuhr der Testator fort), »danke ich ihm hiermit herzlich für seine Liebe und Achtung ihnen gegenüber und bitte ihn, eine Summe anzunehmen, die zum Kauf eines Oberstleutnantspatentes ausreichen wird, oder sie nach seinem Ermessen anders zu verwenden.«   “Major William Dobbin, my beloved son’s friend,” was appointed executor; “and as out of his kindness and bounty, and with his own private funds, he maintained my grandson and my son’s widow, when they were otherwise without means of support” (the testator went on to say) “I hereby thank him heartily for his love and regard for them, and beseech him to accept such a sum as may be sufficient to purchase his commission as a Lieutenant-Colonel, or to be disposed of in any way he may think fit.” Als Amelia hörte, daß ihr Schwiegervater sich mit ihr ausgesöhnt hatte, schmolz ihr Herz, und sie war dankbar für das ihr hinterlassene Geld. Als sie aber vernahm, daß Georgy ihr wiedergegeben sei und wie und von wem und daß Williams Güte sie in ihrer Armut unterstützt habe und daß ihr der Mann und der Sohn von William gegeben worden seien – oh, da sank sie auf die Knie und flehte Segen auf das treue, gütige Herz herab. Sie beugte sich demütig nieder und küßte gleichsam die Füße dieser schönen, großmütigen Liebe.   When Amelia heard that her father-in-law was reconciled to her, her heart melted, and she was grateful for the fortune left to her. But when she heard how Georgy was restored to her, and knew how and by whom, and how it was William’s bounty that supported her in poverty, how it was William who gave her her husband and her son — oh, then she sank on her knees, and prayed for blessings on that constant and kind heart; she bowed down and humbled herself, and kissed the feet, as it were, of that beautiful and generous affection. Dankbarkeit war alles, womit sie diese bewundernswürdige Hingabe und die Wohltaten lohnen konnte – nur Dankbarkeit! Wenn sie an eine andere Vergeltung dachte, so erhob sich das Bild Georges aus dem Grab und sagte: »Du bist mein, nur mein – jetzt und für immer.«   And gratitude was all that she had to pay back for such admirable devotion and benefits — only gratitude! If she thought of any other return, the image of George stood up out of the grave and said, “You are mine, and mine only, now and forever.” William kannte ihre Gefühle, hatte er nicht sein ganzes Leben damit zugebracht, sie zu erraten?   William knew her feelings: had he not passed his whole life in divining them? Als der Inhalt von Mr. Osbornes Testament der Welt bekannt wurde, war es sehr aufschlußreich, zu beobachten, wie Mrs. George Osborne in der Achtung ihres Bekanntenkreises stieg. Die Dienstboten in Josephs Haus, die ihre bescheidenen Aufträge in Frage stellten und meinten, sie wollten »den Herrn fragen«, ob sie gehorchen sollten oder nicht, dachten jetzt nicht mehr daran. Die Köchin vergaß, über die schäbigen alten Kleider zu lächeln (die durch den Putz der Küchendame am Sonntagabend zum Kirchgang wirklich in den Schatten gestellt wurden). Die anderen brummten nicht mehr, wenn ihre Klingel ertönte, oder vergaßen gar eine Zeitlang, dem Ruf zu folgen. Der Kutscher, der sonst knurrte, daß seine Pferde schon wieder heraus müßten und sein Wagen in ein Krankenhaus für den alten Kerl und Mrs. Osborne verwandelt würde, fuhr sie jetzt mit größter Bereitwilligkeit und zitterte, daß er durch Osbornes Kutscher ersetzt werden könnte. Er fragte, was diese Kutscher da vom Russell Square denn schon von der Stadt verstünden und ob sie es überhaupt fertigbrächten, vor einer Dame auf dem Bock zu sitzen. Josephs Freunde und Freundinnen interessierten sich plötzlich für Emmy, und die Beileidskarten häuften sich auf dem Tisch in der Halle. Joseph selbst, der sie als gutmütige, harmlose Bettlerin betrachtet hatte, der er aus Pflichtbewußtsein Nahrung und Obdach gab, behandelte nun sie und den reichen kleinen Jungen, seinen Neffen, mit der größten Achtung. Er war eifrig darauf bedacht, daß sie Abwechslung und Unterhaltung bekam nach all ihren Sorgen und Prüfungen – »das arme liebe Mädchen«. Er erschien jetzt sogar am Frühstückstisch und erkundigte sich angelegentlich, wie sie den Tag zu verbringen wünsche.   When the nature of Mr. Osborne’s will became known to the world, it was edifying to remark how Mrs. George Osborne rose in the estimation of the people forming her circle of acquaintance. The servants of Jos’s establishment, who used to question her humble orders and say they would “ask Master” whether or not they could obey, never thought now of that sort of appeal. The cook forgot to sneer at her shabby old gowns (which, indeed, were quite eclipsed by that lady’s finery when she was dressed to go to church of a Sunday evening), the others no longer grumbled at the sound of her bell, or delayed to answer that summons. The coachman, who grumbled that his ’osses should be brought out and his carriage made into an hospital for that old feller and Mrs. O., drove her with the utmost alacrity now, and trembling lest he should be superseded by Mr. Osborne’s coachman, asked “what them there Russell Square coachmen knew about town, and whether they was fit to sit on a box before a lady?” Jos’s friends, male and female, suddenly became interested about Emmy, and cards of condolence multiplied on her hall table. Jos himself, who had looked on her as a good-natured harmless pauper, to whom it was his duty to give victuals and shelter, paid her and the rich little boy, his nephew, the greatest respect — was anxious that she should have change and amusement after her troubles and trials, “poor dear girl" — and began to appear at the breakfast-table, and most particularly to ask how she would like to dispose of the day. In ihrer Eigenschaft als Georges Vormund bot sie mit Zustimmung des Majors, ihres Mitbevollmächtigten, Miss Osborne an, in dem Haus am Russell Square wohnen zu bleiben, solange es ihr beliebe. Die Dame erklärte aber mit Dank, daß sie nicht daran denke, allein in dem traurigen Haus zu bleiben, und begleitet von zwei alten Dienern, reiste sie in tiefer Trauer nach Cheltenham. Die übrigen Dienstboten wurden großzügig entlohnt und entlassen. Der treue, alte Butler, den Mrs. Osborne zu behalten vorschlug, lehnte ab und zog es vor, seine Ersparnisse in einem Gasthaus anzulegen, wo es ihm hoffentlich nicht schlecht erging. Da Miss Osborne nicht am Russell Square wohnen wollte, lehnte es Mrs. Osborne nach einigen Besprechungen ebenfalls ab, das düstere alte Haus zu beziehen. Es wurde also ausgeräumt, die prächtigen Möbel und Einrichtungsgegenstände, die schrecklichen Kronleuchter und die trostlosen Spiegel verpackt und verstaut, die prachtvollen Rosenholzmöbel vom Salon wurden in Stroh gehüllt, die Teppiche zusammengerollt und verschnürt, die kleine auserlesene Bibliothek gutgebundener Bücher wurde in zwei Weinkisten gepackt, und all diese Kostbarkeiten wurden auf mehreren riesigen Möbelwagen in die Gewerbehalle gebracht, wo sie bis zu Georgys Volljährigkeit liegen sollten. Die großen, schweren, dunklen Silberkästen wanderten in die Keller der bedeutenden Bank von Stumpy und Rowdy, um dort denselben Zeitpunkt zu erwarten.   In her capacity of guardian to Georgy, she, with the consent of the Major, her fellow-trustee, begged Miss Osborne to live in the Russell Square house as long as ever she chose to dwell there; but that lady, with thanks, declared that she never could think of remaining alone in that melancholy mansion, and departed in deep mourning to Cheltenham, with a couple of her old domestics. The rest were liberally paid and dismissed, the faithful old butler, whom Mrs. Osborne proposed to retain, resigning and preferring to invest his savings in a public-house, where, let us hope, he was not unprosperous. Miss Osborne not choosing to live in Russell Square, Mrs. Osborne also, after consultation, declined to occupy the gloomy old mansion there. The house was dismantled; the rich furniture and effects, the awful chandeliers and dreary blank mirrors packed away and hidden, the rich rosewood drawing-room suite was muffled in straw, the carpets were rolled up and corded, the small select library of well-bound books was stowed into two wine-chests, and the whole paraphernalia rolled away in several enormous vans to the Pantechnicon, where they were to lie until Georgy’s majority. And the great heavy dark plate-chests went off to Messrs. Stumpy and Rowdy, to lie in the cellars of those eminent bankers until the same period should arrive. Eines Tages besuchte Emmy mit George an der Hand, in tiefe Trauer gekleidet, das verlassene Haus, das sie seit ihren Mädchenjahren nicht mehr betreten hatte. Der Platz davor, wo die Möbelwagen beladen worden und weggerollt waren, war strohbedeckt. Sie begaben sich in die großen, leeren Räume. An den Wänden sah man noch die Spuren der Gemälde und Spiegel, dann gingen sie die große, glatte Steintreppe hinauf zu den oberen Räumen, in den, wo der Großpapa gestorben war, wie George flüsternd bemerkte, und dann noch höher in Georges eigenes Zimmer. Der Knabe hielt sich noch immer an ihrer Hand fest, aber sie dachte an einen anderen. Sie wußte, daß das Zimmer seinem Vater gehört hatte, wie es später ihm gehörte.   One day Emmy, with George in her hand and clad in deep sables, went to visit the deserted mansion which she had not entered since she was a girl. The place in front was littered with straw where the vans had been laden and rolled off. They went into the great blank rooms, the walls of which bore the marks where the pictures and mirrors had hung. Then they went up the great blank stone staircases into the upper rooms, into that where grandpapa died, as George said in a whisper, and then higher still into George’s own room. The boy was still clinging by her side, but she thought of another besides him. She knew that it had been his father’s room as well as his own. Sie trat an eins der offenen Fenster (zu denen sie kranken Herzens emporgestarrt hatte, nachdem ihr das Kind weggenommen worden war) und konnte von dort aus über die Bäume vom Russell Square hinweg das alte Haus erblicken, in dem sie geboren war und wo sie in ihrer Jugend so viele glückliche Tage verlebt hatte. Alles tauchte wieder vor ihr auf: die schönen Ferien, die freundlichen Gesichter, die sorglose, fröhliche Vergangenheit und die langen Schmerzen und Prüfungen, die sie später zu Boden geworfen hatten. Sie dachte daran und an den Mann, der ihr treuer Beschützer, ihr guter Genius, ihr einziger Wohltäter, ihr zärtlicher, großmütiger Freund gewesen war.   She went up to one of the open windows (one of those at which she used to gaze with a sick heart when the child was first taken from her), and thence as she looked out she could see, over the trees of Russell Square, the old house in which she herself was born, and where she had passed so many happy days of sacred youth. They all came back to her, the pleasant holidays, the kind faces, the careless, joyful past times, and the long pains and trials that had since cast her down. She thought of these and of the man who had been her constant protector, her good genius, her sole benefactor, her tender and generous friend. »Sieh mal, Mutter«, rief George, »hier ist ein G. O. mit einem Diamanten in das Glas geritzt. Ich habe es noch nie gesehen. Ich war es aber nicht.«   “Look here, Mother,” said Georgy, “here’s a G.O. scratched on the glass with a diamond, I never saw it before, I never did it.” »Es war deines Vaters Zimmer, lange, lange vor deiner Geburt, George«, sagte sie und küßte den Knaben errötend.   “It was your father’s room long before you were born, George,” she said, and she blushed as she kissed the boy. Als sie nach Richmond zurückfuhren, war sie sehr schweigsam. Dort hatten sie vorläufig ein Haus gemietet, und dort statteten ihr lächelnde Rechtsanwälte diensteifrige Besuche ab (die sie sicher auf die Rechnung setzten), und dort gab es natürlich auch ein Zimmer für Major Dobbin, der häufig herübergeritten kam, da er für sein kleines Mündel sehr viel Geschäftliches zu erledigen hatte.   She was very silent as they drove back to Richmond, where they had taken a temporary house: where the smiling lawyers used to come bustling over to see her (and we may be sure noted the visit in the bill): and where of course there was a room for Major Dobbin too, who rode over frequently, having much business to transact on behalf of his little ward. Nun wurde auch Georgy auf unbegrenzten Urlaub aus Mr. Veals Schule genommen, und dieser erhielt den Auftrag, eine Inschrift für eine schöne Marmorplatte anzufertigen, die in der Findelhauskirche unter dem Monument Hauptmann George Osbornes angebracht werden sollte.   Georgy at this time was removed from Mr. Veal’s on an unlimited holiday, and that gentleman was engaged to prepare an inscription for a fine marble slab, to be placed up in the Foundling under the monument of Captain George Osborne. Obwohl die Dame Bullock, Georges Tante, durch dieses kleine Ungeheuer um die Hälfte der Summe gebracht worden war, die sie von ihrem Vater erwartet hatte, bewies sie ihre christliche Gesinnung doch dadurch, daß sie sich mit der Mutter und dem Knaben aussöhnte. Roehampton ist nicht weit von Richmond entfernt. Eines Tages fuhr daher die Kutsche mit dem goldenen Bullenwappen am Wagenschlag und den schwammigen Kindern im Innern an Amelias Haus in Richmond vor, und die Familie Bullock fiel in den Garten ein, wo Amelia ein Buch las, Joseph in einer Laube gelassen Erdbeeren in Wein tauchte und der Major in einer indischen Jacke gebückt stand und Georgy seinen Rücken zum Bockspringen lieh. Der Junge sprang über Dobbins Kopf hinweg geradewegs in die kleine Vorhut der Bullocks hinein, die mit ungeheuren schwarzen Schleifen an den Hüten und breiten schwarzen Schärpen ihre trauernde Mama bei diesem Besuch begleiteten.   The female Bullock, aunt of Georgy, although despoiled by that little monster of one-half of the sum which she expected from her father, nevertheless showed her charitableness of spirit by being reconciled to the mother and the boy. Roehampton is not far from Richmond, and one day the chariot, with the golden bullocks emblazoned on the panels, and the flaccid children within, drove to Amelia’s house at Richmond; and the Bullock family made an irruption into the garden, where Amelia was reading a book, Jos was in an arbour placidly dipping strawberries into wine, and the Major in one of his Indian jackets was giving a back to Georgy, who chose to jump over him. He went over his head and bounded into the little advance of Bullocks, with immense black bows in their hats, and huge black sashes, accompanying their mourning mamma. Er hat gerade das richtige Alter für Rosa, dachte die zärtliche Mutter und blickte auf ihr liebes Kind, ein ungesund aussehendes kleines Fräulein von sieben.   “He is just of the age for Rosa,” the fond parent thought, and glanced towards that dear child, an unwholesome little miss of seven years of age. »Rosa, geh und gib deinem lieben Cousin einen Kuß«, sagte Mrs. Frederick. »Kennst du mich nicht, George? Ich bin deine Tante.«   “Rosa, go and kiss your dear cousin,” Mrs. Frederick said. “Don’t you know me, George? I am your aunt.” »Ich kenne dich sehr gut, aber ich will nicht gern geküßt werden«, sagte George und wich vor der gehorsamen Liebkosung seiner Cousine zurück.   “I know you well enough,” George said; “but I don’t like kissing, please”; and he retreated from the obedient caresses of his cousin. »Führe mich zu deiner lieben Mama, du drolliges Kind«, sagte Mrs. Frederick, und die beiden Damen sahen sich nun nach fünfzehn Jahren zum ersten Male wieder. In der Zeit, als Emmy mit Armut und Sorgen zu kämpfen hatte, war es der anderen nie eingefallen, sie zu besuchen; da es ihr aber jetzt leidlich gut ging, verstand es sich von selbst, daß die Schwägerin kam.   “Take me to your dear mamma, you droll child,” Mrs. Frederick said, and those ladies accordingly met, after an absence of more than fifteen years. During Emmy’s cares and poverty the other had never once thought about coming to see her, but now that she was decently prosperous in the world, her sister-in-law came to her as a matter of course. So kamen auch viele andere. Unsere alte Freundin, Miss Swartz, kam mit ihrem Mann von Hampton Court herbeigedonnert, begleitet von Lakaien in quittegelber Livree, und sie liebte Amelia so ungestüm wie eh und je. Die Swartz hätte Amelia stets gern gehabt, wenn sie sie nur gesehen hätte, die Gerechtigkeit muß man ihr widerfahren lassen. Aber que voulez-vous? In dieser Riesenstadt hat man nicht die Zeit, seine Freunde zu suchen. Wenn sie aus Reih und Glied fallen, dann verschwinden sie, und wir marschieren ohne sie weiter. Wer wird denn schon vermißt auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit?   So did numbers more. Our old friend, Miss Swartz, and her husband came thundering over from Hampton Court, with flaming yellow liveries, and was as impetuously fond of Amelia as ever. Miss Swartz would have liked her always if she could have seen her. One must do her that justice. But, que voulez vous? — in this vast town one has not the time to go and seek one’s friends; if they drop out of the rank they disappear, and we march on without them. Who is ever missed in Vanity Fair? Kurz gesagt, sah sich Emmy noch vor Ende der Trauerzeit um Mr. Osborne im Mittelpunkt eines wirklich sehr vornehmen Kreises, dessen Mitglieder sich nicht vorstellen konnten, daß jemand, der dazugehörte, nicht sehr glücklich sein könnte. Es gab unter den Damen kaum eine, die nicht einen Peer in der Verwandtschaft gehabt hätte, wenn auch ihr Gemahl selbst nur Ladenbesitzer in der City war. Einige der Damen waren sehr gut unterrichtet und blaustrümpfig, sie lasen Mrs. Somerville und besuchten das Königliche Institut. Andere waren streng evangelisch und hielten sich an die Exeter Hall. Emmy kam sich in ihrem Geschwätz recht verloren vor, und bei ein paar Gelegenheiten, wo sie Mrs. Bullocks Gastfreundschaft annehmen mußte, litt sie entsetzlich. Diese Dame mußte sie unbedingt begönnern und hatte großzügigerweise beschlossen, sie umzuformen. Sie verschaffte Amelia Modistinnen und brachte ihren Haushalt und ihre Manieren in Ordnung. Sie fuhr sehr oft von Roehampton herüber und unterhielt ihre Freundin mit fadem Modeklatsch und lauem Hoftratsch. Joseph hörte ihr gern zu, aber der Major entfernte sich stets brummend, wenn diese Frau mit ihrer Pseudovornehmheit erschien. Bei einer der besten Gesellschaften von Frederick Bullock schlief er nach dem Essen direkt unter dem kahlen Schädel des Bankiers ein. Fred war immer noch darauf bedacht, daß das Osbornesche Vermögen von Stumpy und Rowdy in seine Firma überführt werden sollte, während Amelia, die weder Latein verstand noch wußte, wer den letzten Bombenartikel in der »Edinburgh Review« geschrieben hatte, die auch Mr. Peels neuerliches ungewöhnliches Schwanken bei dem verhängnisvollen Gesetz zur Unterstützung der Katholiken weder bedauerte noch lobte, stumm unter den Damen in dem großartigen Salon saß, der auf samtigen Rasen, wohlgepflegte Gartenwege und glänzende Gewächshäuser hinausging.   But so, in a word, and before the period of grief for Mr. Osborne’s death had subsided, Emmy found herself in the centre of a very genteel circle indeed, the members of which could not conceive that anybody belonging to it was not very lucky. There was scarce one of the ladies that hadn’t a relation a Peer, though the husband might be a drysalter in the City. Some of the ladies were very blue and well informed, reading Mrs. Somerville and frequenting the Royal Institution; others were severe and Evangelical, and held by Exeter Hall. Emmy, it must be owned, found herself entirely at a loss in the midst of their clavers, and suffered woefully on the one or two occasions on which she was compelled to accept Mrs. Frederick Bullock’s hospitalities. That lady persisted in patronizing her and determined most graciously to form her. She found Amelia’s milliners for her and regulated her household and her manners. She drove over constantly from Roehampton and entertained her friend with faint fashionable fiddle-faddle and feeble Court slip-slop. Jos liked to hear it, but the Major used to go off growling at the appearance of this woman, with her twopenny gentility. He went to sleep under Frederick Bullock’s bald head, after dinner, at one of the banker’s best parties (Fred was still anxious that the balance of the Osborne property should be transferred from Stumpy and Rowdy’s to them), and whilst Amelia, who did not know Latin, or who wrote the last crack article in the Edinburgh, and did not in the least deplore, or otherwise, Mr. Peel’s late extraordinary tergiversation on the fatal Catholic Relief Bill, sat dumb amongst the ladies in the grand drawing-room, looking out upon velvet lawns, trim gravel walks, and glistening hot-houses. »Sie scheint gutmütig, aber fade zu sein«, sagte Mrs. Rowdy, »der Major scheint ungemein verliebt zu sein.«   “She seems good-natured but insipid,” said Mrs. Rowdy; “that Major seems to be particularly epris.” »Es fehlt ihr bedauerlicherweise an Lebensart«, meinte Mrs. Hollycock. »Mein liebes Herz, es wird Ihnen niemals gelingen, sie umzuformen.«   “She wants ton sadly,” said Mrs. Hollyock. “My dear creature, you never will be able to form her.” »Sie ist entsetzlich unwissend oder gleichgültig«, erklärte Mrs. Glowry mit Grabesstimme und einem traurigen Schütteln ihres Kopfes und Turbans. »Ich fragte sie, ob sie glaubte, daß der Papst im Jahre 1836, wie Mr. Jowls, oder 1839, wie Mr. Wapshot meint, fallen werde, und sie antwortete:›Der arme Papst, ich will's nicht hoffen. Was hat er denn getan?‹«   “She is dreadfully ignorant or indifferent,” said Mrs. Glowry with a voice as if from the grave, and a sad shake of the head and turban. “I asked her if she thought that it was in 1836, according to Mr. Jowls, or in 1839, according to Mr. Wapshot, that the Pope was to fall: and she said — ’Poor Pope! I hope not — What has he done?’” »Sie ist die Witwe meines Bruders, meine teuren Freundinnen«, entgegnete Mrs. Frederick. »Und als solche, meine ich, sind wir verpflichtet, ihr bei ihrem Eintritt in die Welt alle nur mögliche Aufmerksamkeit und Belehrung angedeihen zu lassen. Sie können sich wohl vorstellen, daß bei jemandem, dessen Mißgeschick bekannt ist, keine eigennützigen Motive obwalten.«   “She is my brother’s widow, my dear friends,” Mrs. Frederick replied, “and as such I think we’re all bound to give her every attention and instruction on entering into the world. You may fancy there can be no mercenary motives in those whose disappointments are well known.” »Die arme, liebe Mrs. Bullock«, sagte Mrs. Rowdy zu Mrs. Hollycock, als sie zusammen abfuhren. »Sie schmiedet stets Pläne und Ränke. Sie möchte gern, daß Mrs. Osborne ihr Bankkonto bei uns löscht und in ihrer Firma anlegt – und die Art und Weise, wie sie dem Jungen schmeichelt und es so einrichtet, daß er bei ihrer triefäugigen kleinen Rosa sitzt, ist wahrhaftig lächerlich.«   “That poor dear Mrs. Bullock,” said Rowdy to Hollyock, as they drove away together — "she is always scheming and managing. She wants Mrs. Osborne’s account to be taken from our house to hers — and the way in which she coaxes that boy and makes him sit by that blear-eyed little Rosa is perfectly ridiculous.” »Ich wollte, die Glowry erstickte an ihrem ›Mann der Sünde‹ und ihrer ›Schlacht von Armageddon‹«, rief die andere, und der Wagen rollte über die Putney Bridge davon.   “I wish Glowry was choked with her Man of Sin and her Battle of Armageddon,” cried the other, and the carriage rolled away over Putney Bridge. Diese Gesellschaft war für Eramy zu gräulich vornehm, und alle machten Freudensprünge, als eine Reise ins Ausland vorgeschlagen wurde.   But this sort of society was too cruelly genteel for Emmy, and all jumped for joy when a foreign tour was proposed. 62. Kapitel / Chapter 62 Am Rhein / Am Rhein Nach den obenerwähnten Alltagsbegebenheiten waren ein paar Wochen vergangen. Das Parlament hatte Ferien, der Sommer war schon vorgerückt, und die bessere Gesellschaft Londons stand im Begriff, die Stadt zu verlassen und ihre jährliche Reise zum Vergnügen oder zur Erholung anzutreten. Eines schönen Morgens verließ der Dampfer »Batavier« mit einer zahlreichen Gesellschaft von Englandflüchtigen die Anlegestelle bei den Tower Stairs. Das Zelt über dem Achterdeck war gespannt, und auf den Bänken und in den Gangways tummelten sich Dutzende rosiger Kinder, geschäftige Kindermädchen, Damen in den hübschesten rosa Hauben und Sommerkleidern, Herren in Reisemützen und Leinenjacken und mit Schnurrbärten, die für die bevorstehende Tour gerade zu keimen anfingen, und mit gestärkten Halstüchern und säuberlich gebürsteten Hüten, dicke, nette, alte Veteranen, wie sie Europa seit Ende des letzten Krieges überschwemmten, um ihren Nationalpatriotismus in jede Stadt des Kontinents zu tragen. Die Ansammlung von Hutschachteln, verschließbaren Schreibpulten und Toilettenkästen war ungeheuer. Da waren elegante junge Studenten von Cambridge, die mit ihrem Tutor eine Studienreise nach Nonnenwerth oder Königswinter antraten. Da waren irische Herren mit prächtigen Backenbärten und Juwelen, die ununterbrochen von Pferden sprachen und ungeheuer höflich gegenüber den jungen Damen an Bord waren, die wiederum mit mädchenhafter Scham die Cambridger und ihren bleichgesichtigen Tutor mieden. Da waren Müßiggänger von der Pall Mall, die nach Ems oder Wiesbaden zu einer Brunnenkur fuhren, um die Diners der Saison hinwegzuspülen, und zu einem Spielchen Roulette oder Rot und Schwarz, um den Kreislauf zu beleben. Da war der alte Methusalem, der eine junge Frau geheiratet hatte, und Hauptmann Papillon von der Garde, der ihren Sonnenschirm und ihre Reiseführer trug. Da war der junge May, der mit seiner jungen Frau eine Vergnügungsreise machte (sie war eine ehemalige Mrs. Winter und mit Mays Großmutter zur Schule gegangen). Da waren Sir John und seine Lady mit einem Dutzend Kindern und den entsprechenden Kindermädchen, und da war die zahlreiche adlige Familie Bareacres, die ganz für sich in der Nähe des Steuerrades saß, alle anstarrte und mit niemandem sprach. Ihre Wagen mit den Grafenkronen, auf denen sich glänzende Gepäckkästen häuften, standen eingezwängt zwischen einem Dutzend anderer derartiger Fahrzeuge, so daß es schwer war, an sie heranzukommen, und die armen Insassen der Vorderdeckkabinen sich kaum rühren konnten. Dort wohnten einige prächtig gekleidete Herren aus Houndsditch, die ihren eigenen Proviant mitbrachten, doch die Hälfte der lustigen Menschen im großen Salon hätten auskaufen können; dann ein paar ehrliche Burschen mit Schnurrbärten und Mappen, die sich ans Skizzieren machten, noch ehe sie eine halbe Stunde an Bord waren. Es wohnten dort auch einige französische Zofen, die schon schrecklich seekrank waren, ehe der Dampfer Greenwich passiert hatte, und weiterhin zwei, drei Reitknechte, die sich in der Nähe der ihnen anvertrauten Pferde umhertrieben oder neben den Schaufelrädern über die Reling lehnten und besprachen, wer wohl beim Sankt-Leger-Pferderennen starten dürfe und was man beim Goodwood-Pokal gewinnen oder verlieren könnte.   The above everyday events had occurred, and a few weeks had passed, when on one fine morning, Parliament being over, the summer advanced, and all the good company in London about to quit that city for their annual tour in search of pleasure or health, the Batavier steamboat left the Tower-stairs laden with a goodly company of English fugitives. The quarter-deck awnings were up, and the benches and gangways crowded with scores of rosy children, bustling nursemaids; ladies in the prettiest pink bonnets and summer dresses; gentlemen in travelling caps and linen-jackets, whose mustachios had just begun to sprout for the ensuing tour; and stout trim old veterans with starched neckcloths and neat-brushed hats, such as have invaded Europe any time since the conclusion of the war, and carry the national Goddem into every city of the Continent. The congregation of hat-boxes, and Bramah desks, and dressing-cases was prodigious. There were jaunty young Cambridge-men travelling with their tutor, and going for a reading excursion to Nonnenwerth or Konigswinter; there were Irish gentlemen, with the most dashing whiskers and jewellery, talking about horses incessantly, and prodigiously polite to the young ladies on board, whom, on the contrary, the Cambridge lads and their pale-faced tutor avoided with maiden coyness; there were old Pall Mall loungers bound for Ems and Wiesbaden and a course of waters to clear off the dinners of the season, and a little roulette and trente-et-quarante to keep the excitement going; there was old Methuselah, who had married his young wife, with Captain Papillon of the Guards holding her parasol and guide-books; there was young May who was carrying off his bride on a pleasure tour (Mrs. Winter that was, and who had been at school with May’s grandmother); there was Sir John and my Lady with a dozen children, and corresponding nursemaids; and the great grandee Bareacres family that sat by themselves near the wheel, stared at everybody, and spoke to no one. Their carriages, emblazoned with coronets and heaped with shining imperials, were on the foredeck, locked in with a dozen more such vehicles: it was difficult to pass in and out amongst them; and the poor inmates of the fore-cabin had scarcely any space for locomotion. These consisted of a few magnificently attired gentlemen from Houndsditch, who brought their own provisions, and could have bought half the gay people in the grand saloon; a few honest fellows with mustachios and portfolios, who set to sketching before they had been half an hour on board; one or two French femmes de chambre who began to be dreadfully ill by the time the boat had passed Greenwich; a groom or two who lounged in the neighbourhood of the horse-boxes under their charge, or leaned over the side by the paddle-wheels, and talked about who was good for the Leger, and what they stood to win or lose for the Goodwood cup. Nachdem die Reisediener auf dem Schiff herumgeklettert waren und ihre verschiedenen Herren in den Kajüten oder auf dem Deck untergebracht hatten, versammelten sie sich und begannen zu schwatzen und zu rauchen. Die hebräischen Herren gesellten sich zu ihnen und sahen sich die Wagen an. Darunter befand sich Sir Johns große Kutsche, die dreizehn Personen aufnehmen konnte, Lord Methusalems Kutsche, drei verschiedene Wagen von Lord Bareacres, die bezahlen mochte, wer Lust hatte. Es war nur ein Wunder, wo Mylord das Bargeld hernahm, um seine Reisekosten zu bestreiten. Die hebräischen Herren wußten, wie er dazu gekommen war. Sie wußten, wieviel Geld der Lord in diesem Augenblick in der Tasche hatte und wieviel Zinsen er dafür bezahlte und wer es ihm gegeben hatte. Schließlich befand sich unter den Kutschen auch ein sehr hübscher Reisewagen, über den die Herren ihre Vermutungen austauschten.   All the couriers, when they had done plunging about the ship and had settled their various masters in the cabins or on the deck, congregated together and began to chatter and smoke; the Hebrew gentlemen joining them and looking at the carriages. There was Sir John’s great carriage that would hold thirteen people; my Lord Methuselah’s carriage, my Lord Bareacres’ chariot, britzska, and fourgon, that anybody might pay for who liked. It was a wonder how my Lord got the ready money to pay for the expenses of the journey. The Hebrew gentlemen knew how he got it. They knew what money his Lordship had in his pocket at that instant, and what interest he paid for it, and who gave it him. Finally there was a very neat, handsome travelling carriage, about which the gentlemen speculated. »A qui cette voiture là?« fragte ein herrschaftlicher Diener mit einer großen Saffiangeldtasche und Ohrringen einen anderen, ebenfalls mit Ohrringen und einer großen Saffiangeldtasche.   “A qui cette voiture la?” said one gentleman-courier with a large morocco money-bag and ear-rings to another with ear-rings and a large morocco money-bag. »C'est à Kirsch je bense – je l'ai vu tout à l'heure – qui brenalt des sangviches dans la voiture«, erwiderte dieser im schönsten Sächsisch-Französisch.   “C’est a Kirsch je bense — je l’ai vu toute a l’heure — qui brenoit des sangviches dans la voiture,” said the courier in a fine German French. Kirsch tauchte kurz darauf aus dem Schiffsraum auf, wo er den Matrosen, die das Reisegepäck verstauten, mit vielsprachigen Flüchen gewürzte Instruktionen gegeben hatte. Er gab nun seinen Dolmetscherkollegen selbst einen Bericht. Er sagte ihnen, der Wagen gehöre einem ungeheuer reichen Nabob aus Kalkutta und Jamaika, der ihn für die Reise angestellt habe. In diesem Augenblick erweckte ein junger Herr ihre Aufmerksamkeit. Er war von der Brücke zwischen den Schaufelrädern vertrieben worden und hatte sich von dort auf das Verdeck von Lord Methusalems Wagen herabgelassen. Von da aus kletterte er über die anderen Wagen und Gepäckkästen, bis er sich auf seine eigene Kutsche geschwungen hatte, und nun stieg er unter dem Beifall der zuschauenden Diener durch das Fenster in das Wageninnere.   Kirsch emerging presently from the neighbourhood of the hold, where he had been bellowing instructions intermingled with polyglot oaths to the ship’s men engaged in secreting the passengers’ luggage, came to give an account of himself to his brother interpreters. He informed them that the carriage belonged to a Nabob from Calcutta and Jamaica enormously rich, and with whom he was engaged to travel; and at this moment a young gentleman who had been warned off the bridge between the paddle-boxes, and who had dropped thence on to the roof of Lord Methuselah’s carriage, from which he made his way over other carriages and imperials until he had clambered on to his own, descended thence and through the window into the body of the carriage, to the applause of the couriers looking on. »Nous allons avoir une belle traversée, Monsieur George«, sagte der Kurier mit einem Grinsen und lüftete seine goldbetreßte Mütze.   “Nous allons avoir une belle traversee, Monsieur George,” said the courier with a grin, as he lifted his gold-laced cap. »Zum Teufel mit Ihrem Französisch«, erwiderte der junge Herr. »Wo ist denn der Zwieback, he?«, worauf ihm Kirsch auf englisch, oder jedenfalls in einer Nachahmung dieser Sprache, wie er gerade dazu fähig war, antwortete. Denn wenn Herr Kirsch auch mit allen Sprachen vertraut war, so beherrschte er doch keine einzige und sprach alle gleich geläufig und fehlerhaft.   “D — - your French,” said the young gentleman, “where’s the biscuits, ay?” Whereupon Kirsch answered him in the English language or in such an imitation of it as he could command — for though he was familiar with all languages, Mr. Kirsch was not acquainted with a single one, and spoke all with indifferent volubility and incorrectness. Der herrschsüchtige junge Gentleman, der an seinen Zwiebäcken kaute (es war tatsächlich höchste Zeit, daß er sich etwas erquickte, denn er hatte vor nunmehr drei langen Stunden in Richmond gefrühstückt), war unser junger Freund George Osborne. Onkel Joseph und seine Mama saßen auf dem Achterdeck zusammen mit einem Herrn, den sie sehr häufig um sich hatten, und die vier hatten gerade eine Sommerreise angetreten.   The imperious young gentleman who gobbled the biscuits (and indeed it was time to refresh himself, for he had breakfasted at Richmond full three hours before) was our young friend George Osborne. Uncle Jos and his mamma were on the quarter-deck with a gentleman of whom they used to see a good deal, and the four were about to make a summer tour. Joseph saß in diesem Augenblick an Deck unter dem Zelt und ganz nahe dem Grafen Bareacres und seiner Familie, deren Tun und Treiben die Aufmerksamkeit des Bengalen fast völlig in Anspruch nahm. Das edle Paar sah bedeutend jünger aus als in dem ereignisreichen Jahre 1815, als Joseph sie in Brüssel gesehen hatte. (In Indien hatte er stets erzählt, er sei eng mit der Familie befreundet.) Lady Bareacres' Haar, damals dunkel, hatte jetzt eine schöne goldbraune Farbe, und Lord Bareacres' Backenbart, früher rot, war gegenwärtig schön schwarz und schimmerte purpurn und grün im Licht. Aber bei allen Veränderungen beschäftigte Joseph das Tun und Treiben des edlen Paares stark. Die Gegenwart eines Lords hielt ihn gefangen, und er konnte seine Blicke nicht abwenden.   Jos was seated at that moment on deck under the awning, and pretty nearly opposite to the Earl of Bareacres and his family, whose proceedings absorbed the Bengalee almost entirely. Both the noble couple looked rather younger than in the eventful year ’15, when Jos remembered to have seen them at Brussels (indeed, he always gave out in India that he was intimately acquainted with them). Lady Bareacres’ hair, which was then dark, was now a beautiful golden auburn, whereas Lord Bareacres’ whiskers, formerly red, were at present of a rich black with purple and green reflections in the light. But changed as they were, the movements of the noble pair occupied Jos’s mind entirely. The presence of a Lord fascinated him, and he could look at nothing else. »Die Leute dort scheinen dich sehr zu interessieren«, meinte Dobbin, der ihn beobachtet hatte, lachend. Amelia lachte ebenfalls. Sie trug einen Strohhut mit schwarzen Bändern und war auch sonst in Trauer, aber die harmlose Geschäftigkeit und die Ferienstimmung während der Reise gefielen ihr und regten sie an, und sie sah sehr glücklich aus.   “Those people seem to interest you a good deal,” said Dobbin, laughing and watching him. Amelia too laughed. She was in a straw bonnet with black ribbons, and otherwise dressed in mourning, but the little bustle and holiday of the journey pleased and excited her, and she looked particularly happy. »Was für ein himmlischer Tag!« sagte Emmy und fügte etwas naiv hinzu: »Ich hoffe, wir werden eine ruhige Überfahrt haben.«   “What a heavenly day!” Emmy said and added, with great originality, “I hope we shall have a calm passage.” Joseph winkte verächtlich ab und warf einen verstohlenen Blick auf die vornehmen Leute ihm gegenüber. »Wenn du solche Seereisen mitgemacht hättest wie wir«, antwortete er, »dann würdest du dich nicht um das Wetter sorgen.« Aber trotz seiner großen Erfahrungen als Seereisender verbrachte er die Nacht, entsetzlich krank, in seinem Wagen, und sein Diener mußte ihn mit Kognak, Grog und anderen Delikatessen pflegen.   Jos waved his hand, scornfully glancing at the same time under his eyelids at the great folks opposite. “If you had made the voyages we have,” he said, “you wouldn’t much care about the weather.” But nevertheless, traveller as he was, he passed the night direfully sick in his carriage, where his courier tended him with brandy-and-water and every luxury. Zur festgesetzten Zeit landete die glückliche Gesellschaft im Hafen von Rotterdam, und von dort brachte sie ein anderer Dampfer nach Köln. Hier wurden Wagen und Familie an Land gebracht, und Joseph fühlte sich nicht wenig geschmeichelt, seine Ankunft in den Kölner Zeitungen als »Herr Graf Lord von Sedley nebst Begleitung aus London« angezeigt zu sehen. Er hatte seinen Galaanzug mitgebracht und darauf bestanden, daß auch Dobbin seine Offiziersutensilien mitnehmen sollte. Er erklärte, er habe die Absicht, sich an einigen ausländischen Höfen vorstellen zu lassen und den Herrschern der Länder, die er mit seinem Besuch beehrte, seine Aufwartung zu machen.   In due time this happy party landed at the quays of Rotterdam, whence they were transported by another steamer to the city of Cologne. Here the carriage and the family took to the shore, and Jos was not a little gratified to see his arrival announced in the Cologne newspapers as “Herr Graf Lord von Sedley nebst Begleitung aus London.” He had his court dress with him; he had insisted that Dobbin should bring his regimental paraphernalia; he announced that it was his intention to be presented at some foreign courts, and pay his respects to the Sovereigns of the countries which he honoured with a visit. Wo immer die Gesellschaft Aufenthalt hatte und sich eine Gelegenheit bot, gab Joseph seine und des Majors Visitenkarte bei »unserem Gesandten« ab. Es gelang nur mit großer Mühe, ihn davon abzubringen, dem englischen Botschafter in der Freien Stadt Judenstadt in Dreispitz und engen Beinkleidern seine Aufwartung zu machen, als dieser gastfreundliche Beamte unsere Reisenden zum Diner lud. Er schrieb ein Reisetagebuch, in dem er die Mängel oder Vorzüge der verschiedenen Gasthäuser, in denen er abstieg, und der Weine und Gerichte, die er genoß, sorgfältig aufzeichnete.   Wherever the party stopped, and an opportunity was offered, Mr. Jos left his own card and the Major’s upon “Our Minister.” It was with great difficulty that he could be restrained from putting on his cocked hat and tights to wait upon the English consul at the Free City of Judenstadt, when that hospitable functionary asked our travellers to dinner. He kept a journal of his voyage and noted elaborately the defects or excellences of the various inns at which he put up, and of the wines and dishes of which he partook. Emmy war sehr glücklich und vergnügt. Dobbin trug stets ihren Malerstuhl und ihr Skizzenbuch und bewunderte die Zeichnungen der gutmütigen kleinen Künstlerin, wie sie noch niemals bewundert worden waren. Sie saß auf Dampferdecks und zeichnete Felsen und Schlösser, oder sie bestieg Esel und ritt zu alten Raubritterburgen hinauf, und stets wurde sie von ihren beiden Adjutanten, Georgy und Dobbin, begleitet. Sie lachte über die drollige Figur, die der Major auf dem Esel abgab, wenn seine langen Beine die Erde berührten, und er stimmte ein. Er spielte den Dolmetscher für die Gesellschaft, da er vom Militär her gut Deutsch konnte, und kämpfte mit dem begeisterten George noch einmal die Feldzüge am Rhein und in der Pfalz. Im Laufe weniger Wochen machte Georgy durch beharrliche Unterhaltung mit Herrn Kirsch auf dem Kutschbock große Fortschritte im Deutschen, und er sprach mit den Kellnern und Postillionen in einer Weise, die seine Mutter entzückte und seinen Vormund amüsierte.   As for Emmy, she was very happy and pleased. Dobbin used to carry about for her her stool and sketch-book, and admired the drawings of the good-natured little artist as they never had been admired before. She sat upon steamers’ decks and drew crags and castles, or she mounted upon donkeys and ascended to ancient robber-towers, attended by her two aides-de-camp, Georgy and Dobbin. She laughed, and the Major did too, at his droll figure on donkey-back, with his long legs touching the ground. He was the interpreter for the party; having a good military knowledge of the German language, and he and the delighted George fought the campaigns of the Rhine and the Palatinate. In the course of a few weeks, and by assiduously conversing with Herr Kirsch on the box of the carriage, Georgy made prodigious advance in the knowledge of High Dutch, and could talk to hotel waiters and postilions in a way that charmed his mother and amused his guardian. Joseph nahm an den Nachmittagsausflügen seiner Reisegefährten kaum teil. Nach dem Essen schlief er viel oder sonnte sich in den schönen Wirtshausgärten. Oh, die herrlichen Rheingärten. Liebliche Bilder des Friedens und Sonnenscheins! Ihr majestätischen rotglühenden Berge, deren Gipfel sich in dem prächtigen Strom spiegeln – wer hat euch je gesehen und bewahrte nicht ein dankbares Andenken an diese Szenen freundlicher Ruhe und Harmonie? Die Feder niederzulegen und nur an das schöne Rheinland zu denken macht schon glücklich. An diesen Sommerabenden kommen die Kühe in Scharen mit Gebrüll und Glockengeschepper von den Bergen in die alte Stadt mit ihren alten Gräben und Toren und Türmen und den Kastanienbäumen, die lange blaue Schatten über das Gras werfen. Der Himmel und der Fluß zu unseren Füßen flammen goldrot, und der Mond steht bereits am Himmel und blickt blaß auf den Sonnenuntergang. Die Sonne versinkt hinter den hohen burggekrönten Bergen, und plötzlich bricht die Nacht herein; der Fluß wird dunkler und dunkler, Lichterschein aus den Fenstern in den alten Wällen fällt zitternd aufs Wasser, und friedliches Licht schimmert auch in den Dörfern am Fuße des Berges am anderen Ufer.   Mr. Jos did not much engage in the afternoon excursions of his fellow-travellers. He slept a good deal after dinner, or basked in the arbours of the pleasant inn-gardens. Pleasant Rhine gardens! Fair scenes of peace and sunshine — noble purple mountains, whose crests are reflected in the magnificent stream — who has ever seen you that has not a grateful memory of those scenes of friendly repose and beauty? To lay down the pen and even to think of that beautiful Rhineland makes one happy. At this time of summer evening, the cows are trooping down from the hills, lowing and with their bells tinkling, to the old town, with its old moats, and gates, and spires, and chestnut-trees, with long blue shadows stretching over the grass; the sky and the river below flame in-crimson and gold; and the moon is already out, looking pale towards the sunset. The sun sinks behind the great castle-crested mountains, the night falls suddenly, the river grows darker and darker, lights quiver in it from the windows in the old ramparts, and twinkle peacefully in the villages under the hills on the opposite shore. Joseph schlief also viel, sein indisches Taschentuch über das Gesicht gebreitet, und ließ es sich gut gehen. Er las alle Neuigkeiten aus England und jedes Wort in Galignanis bewundernswerter Zeitschrift (möge der Segen aller Engländer, die je im Ausland gewesen sind, mit den Gründern und Eigentümern dieses Raubdrucks sein!). Er wurde weder wach noch schlafend von seinen Freunden sehr vermißt. Ja, sie waren sehr glücklich. Abends gingen sie oft in die Oper – in die schmucken, anspruchslosen lieben alten Opernhäuser in den deutschen Städten, wo auf der einen Seite der Adel weinend und strümpfestrickend sitzt und die Bürgerschaft auf der anderen und wo Seine Durchlaucht der Herzog und die durchlauchtige Familie, alle sehr dick und gutmütig, die große Loge in der Mitte einnehmen und wo das Parkett voll ist von den elegantesten Offizieren mit schlanker Taille und strohgelben Schnurrbärten und einer Tagesgage von siebzehn Pfennig bei vollem Sold. Die Oper bereitete Emmy besonderes Entzücken, und hier wurde sie zum erstenmal in die Wunderwelt Mozarts und Cimarosas eingeweiht. Wir haben schon früher die Vorliebe des Majors für die Musik erwähnt und sein Flötenspiel gerühmt. Sein größtes Vergnügen in der Oper bestand jedoch darin, zu beobachten, wie Emmy von den Klängen hingerissen wurde. Eine neue Welt der Liebe und Schönheit brach über sie herein, als sie diesen göttlichen Kompositionen lauschte. Sie besaß ein feines, empfindliches Gefühl, wie konnte sie daher gleichgültig bleiben, wenn sie Mozart hörte? Die zärtlichen Stellen im »Don Giovanni« riefen eine so heftige Begeisterung in ihr hervor, daß sie sich beim Abendgebet fragte, ob es nicht gottlos sei, so viel Freude zu spüren, wie sie »Vedrai carino« und »Batti, batti« in ihrem sanften kleinen Herzen erweckten. Der Major, den sie als ihren theologischen Ratgeber darüber befragte und der selbst eine fromme und ergebene Seele besaß, erklärte ihr jedoch, daß ihn selbst alles Schöne in der Kunst und in der Natur dankbar und glücklich mache und daß das Vergnügen, das wir empfinden, wenn wir gute Musik hören, die Sterne am Himmel betrachten oder eine schöne Landschaft oder ein wertvolles Bild, eine Gnade sei, für die wir dem Himmel ebenso dankbar sein müßten wie für jede andere weltliche Segnung. Mrs. Amelia erhob einige schwache Einwände, die aus gewissen theologischen Werken wie die »Apfelfrau von Finchley« und anderen dieser Geistesrichtung stammten, mit denen sie während ihres Lebens in Brompton versorgt worden war. Als Antwort erzählte ihr der Major die orientalische Fabel von der Eule, die glaubte, der Sonnenschein sei unerträglich für die Augen und die Nachtigall werde von allen überschätzt. »Es liegt eben in der Natur des einen, zu singen, und in der des anderen, zu heulen«, sagte er lachend. »Bei der süßen Stimme, die Sie selbst haben, müssen Sie ja zur Partei der Nachtigallen gehören.«   So Jos used to go to sleep a good deal with his bandanna over his face and be very comfortable, and read all the English news, and every word of Galignani’s admirable newspaper (may the blessings of all Englishmen who have ever been abroad rest on the founders and proprietors of that piratical print! ) and whether he woke or slept, his friends did not very much miss him. Yes, they were very happy. They went to the opera often of evenings — to those snug, unassuming, dear old operas in the German towns, where the noblesse sits and cries, and knits stockings on the one side, over against the bourgeoisie on the other; and His Transparency the Duke and his Transparent family, all very fat and good-natured, come and occupy the great box in the middle; and the pit is full of the most elegant slim-waisted officers with straw-coloured mustachios, and twopence a day on full pay. Here it was that Emmy found her delight, and was introduced for the first time to the wonders of Mozart and Cimarosa. The Major’s musical taste has been before alluded to, and his performances on the flute commended. But perhaps the chief pleasure he had in these operas was in watching Emmy’s rapture while listening to them. A new world of love and beauty broke upon her when she was introduced to those divine compositions; this lady had the keenest and finest sensibility, and how could she be indifferent when she heard Mozart? The tender parts of “Don Juan” awakened in her raptures so exquisite that she would ask herself when she went to say her prayers of a night whether it was not wicked to feel so much delight as that with which “Vedrai Carino” and “Batti Batti” filled her gentle little bosom? But the Major, whom she consulted upon this head, as her theological adviser (and who himself had a pious and reverent soul), said that for his part, every beauty of art or nature made him thankful as well as happy, and that the pleasure to be had in listening to fine music, as in looking at the stars in the sky, or at a beautiful landscape or picture, was a benefit for which we might thank Heaven as sincerely as for any other worldly blessing. And in reply to some faint objections of Mrs. Amelia’s (taken from certain theological works like the Washerwoman of Finchley Common and others of that school, with which Mrs. Osborne had been furnished during her life at Brompton) he told her an Eastern fable of the Owl who thought that the sunshine was unbearable for the eyes and that the Nightingale was a most overrated bird. “It is one’s nature to sing and the other’s to hoot,” he said, laughing, “and with such a sweet voice as you have yourself, you must belong to the Bulbul faction.” Ich verweile gern bei diesem Lebensabschnitt Amelias und freue mich, daß sie heiter und glücklich war. Bekanntlich hatte sie bisher noch nicht viel von diesem Leben gespürt und noch keine Mittel und Wege gefunden, ihren Geschmack oder Verstand zu bilden. Bis jetzt wurde sie von kleinen Geistern beherrscht. Das ist das Los mancher Frau, und da jede vom schönen Geschlecht die Rivalin ihrer Artgenossinnen ist, so gilt Schüchternheit als Torheit in ihrem barmherzigen Urteil und Sanftmut als Dummheit, und besonders Schweigsamkeit findet keine Gnade in den Augen der weiblichen Inquisition, denn diese Eigenschaft ist doch die schüchterne Absage an die lästige Anmaßung der Herrschenden und ein stummer Protest. Wenn also, mein lieber gesitteter Leser, du und ich heute abend in eine Gesellschaft von Grünkramhändlern gerieten, so würde unsere Unterhaltung wahrscheinlich kaum brillant werden. Wenn sich andererseits ein Gemüsehändler in deiner gebildeten, eleganten Teetischrunde einfinden würde, wo jedermann geistreich redet und alle die angesehenen Leute von Welt ihre Freunde auf reizende Art in Stücke zerreißen, so wäre der Fremde möglicherweise auch nicht sehr gesprächig und würde weder interessiert noch interessant scheinen.   I like to dwell upon this period of her life and to think that she was cheerful and happy. You see, she has not had too much of that sort of existence as yet, and has not fallen in the way of means to educate her tastes or her intelligence. She has been domineered over hitherto by vulgar intellects. It is the lot of many a woman. And as every one of the dear sex is the rival of the rest of her kind, timidity passes for folly in their charitable judgments; and gentleness for dulness; and silence — which is but timid denial of the unwelcome assertion of ruling folks, and tacit protestantism — above all, finds no mercy at the hands of the female Inquisition. Thus, my dear and civilized reader, if you and I were to find ourselves this evening in a society of greengrocers, let us say, it is probable that our conversation would not be brilliant; if, on the other hand, a greengrocer should find himself at your refined and polite tea-table, where everybody was saying witty things, and everybody of fashion and repute tearing her friends to pieces in the most delightful manner, it is possible that the stranger would not be very talkative and by no means interesting or interested. Wir müssen auch bedenken, daß die arme Dame bis zum Augenblick noch keinem wahren Gentleman begegnet war. Wahrscheinlich findet man die seltener, als mancher von uns annimmt. Wer von uns kann in seinem Kreis viele davon aufweisen? Männer, die nur edle Ziele verfolgen, Männer, die standhaft, aufrichtig und treu sind, Männer, die schlicht und einfach sind, weil ihnen alles Gemeine fremd ist, und die der Welt ehrlich ins Angesicht blicken, mit gleicher männlicher Sympathie für das Große wie für das Kleine. Wir alle kennen hundert, die gutgearbeitete Kleider tragen, und ein Dutzend mit ausgezeichneten Manieren und ein paar Glückliche, die sich in den sogenannten innersten Kreisen bewegen und in der vornehmen Welt das Zentrum der Scheibe getroffen, ins Schwarze geschossen haben. Aber wie viele wahre Gentlemen sind darunter? Nehmen wir jeder ein Stückchen Papier und schreiben wir eine Liste.   And it must be remembered that this poor lady had never met a gentleman in her life until this present moment. Perhaps these are rarer personages than some of us think for. Which of us can point out many such in his circle — men whose aims are generous, whose truth is constant, and not only constant in its kind but elevated in its degree; whose want of meanness makes them simple; who can look the world honestly in the face with an equal manly sympathy for the great and the small? We all know a hundred whose coats are very well made, and a score who have excellent manners, and one or two happy beings who are what they call in the inner circles, and have shot into the very centre and bull’s-eye of the fashion; but of gentlemen how many? Let us take a little scrap of paper and each make out his list. Meinen Freund, den Major, setze ich ohne Zögern auf meine. Er hatte sehr lange Beine, ein gelbes Gesicht und lispelte ein wenig, was ihn auf den ersten Blick etwas lächerlich erscheinen ließ. Seine Gedanken aber waren rechtschaffen, sein Verstand klar, sein Leben ehrlich und lauter und sein Herz warm und bescheiden. Sicher, er hatte sehr große Hände und Füße, die die beiden George Osbornes verspottet und belacht hatten, und vielleicht lenkten auch ihre Neckereien und ihr Lachen die kleine Emmy von seinen wahren Werten ab. Sind wir aber nicht schon alle hinsichtlich unserer Helden irregeführt worden, und haben wir nicht unsere Ansichten hundertmal geändert? Emmy stellte in dieser glücklichen Zeit fest, daß ihre Meinung über die Verdienste des Majors eine gründliche Änderung erfuhr.   My friend the Major I write, without any doubt, in mine. He had very long legs, a yellow face, and a slight lisp, which at first was rather ridiculous. But his thoughts were just, his brains were fairly good, his life was honest and pure, and his heart warm and humble. He certainly had very large hands and feet, which the two George Osbornes used to caricature and laugh at; and their jeers and laughter perhaps led poor little Emmy astray as to his worth. But have we not all been misled about our heroes and changed our opinions a hundred times? Emmy, in this happy time, found that hers underwent a very great change in respect of the merits of the Major. Vielleicht war es die glücklichste Zeit im Leben beider, wenn sie es nur gewußt hätten – aber wer weiß das schon? Wer von uns kann mit dem Finger darauf deuten und sagen: Dies war der Höhepunkt, der Gipfel menschlicher Freude? Auf jeden Fall war aber das Paar ganz zufrieden und genoß eine so angenehme Sommerreise wie nur irgendein Paar, das England in diesem Jahre verließ. George war immer mit im Theater, aber es war der Major, der Emmy hinterher den Schal umlegte, und bei den Spaziergängen und Ausflügen eilte der kleine Bursche stets voraus und kletterte auf einer Turmtreppe herum oder saß auf einem Baum, während das gesetztere Paar unten blieb, der Major beharrlich und seelenruhig seine Zigarre rauchte und Amelia die Landschaft oder die Ruine zeichnete. Es geschah auf dieser Reise, daß ich, der Verfasser dieser wortwörtlich wahren Geschichte, das Vergnügen hatte, sie zum erstenmal zu sehen und ihre Bekanntschaft zu machen.   Perhaps it was the happiest time of both their lives, indeed, if they did but know it — and who does? Which of us can point out and say that was the culmination — that was the summit of human joy? But at all events, this couple were very decently contented, and enjoyed as pleasant a summer tour as any pair that left England that year. Georgy was always present at the play, but it was the Major who put Emmy’s shawl on after the entertainment; and in the walks and excursions the young lad would be on ahead, and up a tower-stair or a tree, whilst the soberer couple were below, the Major smoking his cigar with great placidity and constancy, whilst Emmy sketched the site or the ruin. It was on this very tour that I, the present writer of a history of which every word is true, had the pleasure to see them first and to make their acquaintance. In der kleinen gemütlichen großherzoglichen Stadt Pumpernickel (derselben, in der sich Sir Pitt Crawley als Attache ausgezeichnet hatte; das war aber lange, lange vorher, noch ehe die Nachricht von der Schlacht bei Austerlitz eintraf und als alle englischen Diplomaten in Deutschland rechtsum kehrtmachen mußten) sah ich Oberst Dobbin und seine Gesellschaft zum erstenmal. Sie waren mit dem Wagen und dem Reisediener angekommen und im »Erbprinz«, dem besten Hotel der Stadt, abgestiegen, und die ganze Gesellschaft speiste an der Table d'hôte. Alle bemerkten sofort das majestätische Wesen Josephs und die Kennermiene, mit der er den Johannisberger, den er zum Diner bestellt hatte, schlürfte oder vielmehr einsaugte. Auch der kleine Knabe bezeigte einen guten Appetit und verspeiste Schinken und Braten und Kartoffeln und Preiselbeermarmelade und Salat und Pudding und gebratenes Huhn und Zuckerwerk mit einer Tapferkeit, die seiner Nation alle Ehre machte. Nach etwa fünfzehn Gängen beendigte er das Mahl mit dem Dessert, von dem er sogar noch etwas mit hinausnahm. Einige junge Herren am Tisch hatten ihn nämlich veranlaßt, von seiner Kaltblütigkeit und seinem unbekümmerten Wesen amüsiert, eine Handvoll Makronen in die Tasche zu stecken, die er dann auf dem Wege zum Theater verspeiste. Dahin gingen alle in dem heiteren, geselligen deutschen Städtchen. Die Dame in Schwarz, die Mama des Knaben, lachte und errötete und blickte abwechselnd erfreut und betreten drein, als das Diner immer weiterging und ihr Sohn seine verschiedenen Heldenstückchen und Eulenspiegeleien verübte. Ich erinnere mich noch, wie der Oberst – denn das wurde er bald darauf – den Knaben mit ernsthaftem Gesicht aufzog, ihm Gerichte zeigte, die er noch nicht gekostet hatte, und ihn bat, seinem Appetit keine Zügel anzulegen, sondern von diesem oder jenem noch einmal zu nehmen.   It was at the little comfortable Ducal town of Pumpernickel (that very place where Sir Pitt Crawley had been so distinguished as an attache; but that was in early early days, and before the news of the Battle of Austerlitz sent all the English diplomatists in Germany to the right about) that I first saw Colonel Dobbin and his party. They had arrived with the carriage and courier at the Erbprinz Hotel, the best of the town, and the whole party dined at the table d’hote. Everybody remarked the majesty of Jos and the knowing way in which he sipped, or rather sucked, the Johannisberger, which he ordered for dinner. The little boy, too, we observed, had a famous appetite, and consumed schinken, and braten, and kartoffeln, and cranberry jam, and salad, and pudding, and roast fowls, and sweetmeats, with a gallantry that did honour to his nation. After about fifteen dishes, he concluded the repast with dessert, some of which he even carried out of doors, for some young gentlemen at table, amused with his coolness and gallant free-and-easy manner, induced him to pocket a handful of macaroons, which he discussed on his way to the theatre, whither everybody went in the cheery social little German place. The lady in black, the boy’s mamma, laughed and blushed, and looked exceedingly pleased and shy as the dinner went on, and at the various feats and instances of espieglerie on the part of her son. The Colonel — for so he became very soon afterwards — I remember joked the boy with a great deal of grave fun, pointing out dishes which he hadn’t tried, and entreating him not to baulk his appetite, but to have a second supply of this or that. Es gab einen sogenannten Gastrollenabend im Königlich-Großherzoglichen Hoftheater zu Pumpernickel, und Madame Schröder-Devrient, damals in der Blüte ihrer Schönheit und Kunst, spielte die Heldin in der wundervollen Oper »Fidelio«. Von unseren Sperrsitzplätzen aus konnten wir unsere vier Freunde von der Table d'hôte in der Loge sehen, die Schwendler, der Wirt vom »Erbprinz«, für seine besten Gäste gemietet hatte, und mir fiel sofort ins Auge, wie die herrliche Sängerin und die Musik auf Mrs. Osborne wirkten (so hatten wir den korpulenten Herrn mit Schnurrbart die Dame nennen hören). Während des wunderbaren Gefangenenchores, über den sich die prachtvolle Stimme der Sängerin in hinreißenden Harmonien erhob, nahm ihr Gesicht solch einen Ausdruck staunenden Entzückens an, daß es selbst dem kleinen Fipps, dem blasierten Attaché, auffiel und er, sein Theaterglas auf sie gerichtet, näselte: »Boi Gott, ös tut oinem wörklich wohl, oin Woib zu sehen, das oiner solchen Begoisterung fähig öst.« In der Gefängnisszene, wo Fidelio auf ihren Gatten zustürzt und ruft: »Nichts, nichts, mein Florestan!«, verlor sie die Beherrschung und bedeckte ihr Gesicht mit dem Taschentuch. Sämtliche Damen im Hause schnüffelten bei dieser Szene, und ich nehme an, daß sie mir nur deshalb besonders auffiel, weil es mir bestimmt war, ihre Memoiren zu schreiben.   It was what they call a gast-rolle night at the Royal Grand Ducal Pumpernickelisch Hof — or Court theatre — and Madame Schroeder Devrient, then in the bloom of her beauty and genius, performed the part of the heroine in the wonderful opera of Fidelio. From our places in the stalls we could see our four friends of the table d’hote in the loge which Schwendler of the Erbprinz kept for his best guests, and I could not help remarking the effect which the magnificent actress and music produced upon Mrs. Osborne, for so we heard the stout gentleman in the mustachios call her. During the astonishing Chorus of the Prisoners, over which the delightful voice of the actress rose and soared in the most ravishing harmony, the English lady’s face wore such an expression of wonder and delight that it struck even little Fipps, the blase attache, who drawled out, as he fixed his glass upon her, “Gayd, it really does one good to see a woman caypable of that stayt of excaytement.” And in the Prison Scene, where Fidelio, rushing to her husband, cries, “Nichts, nichts, mein Florestan,” she fairly lost herself and covered her face with her handkerchief. Every woman in the house was snivelling at the time, but I suppose it was because it was predestined that I was to write this particular lady’s memoirs that I remarked her. Am nächsten Tage führte man ein anderes Werk von Beethoven, »Die Schlacht bei Vitoria«, auf. Es fängt mit dem Spottlied auf Marlborough an, um das schnelle Vorrücken des französischen Heeres anzudeuten. Dann kommen Trommeln, Trompeten, Kanonendonner und das Ächzen der Sterbenden und schließlich in einem großartigen anschwellenden Schluß die englische Nationalhymne »Gott schütz den König«.   The next day they gave another piece of Beethoven, Die Schlacht bei Vittoria. Malbrook is introduced at the beginning of the performance, as indicative of the brisk advance of the French army. Then come drums, trumpets, thunders of artillery, and groans of the dying, and at last, in a grand triumphal swell, “God Save the King” is performed. Es mochte ein reichliches Dutzend Engländer im Theater sein, und beim Erklingen dieser geliebten und bekannten Musik erhoben sich alle Briten, wir jungen Burschen im Parkett, Sir John und Lady Bullminster (die in Pumpernickel ein Haus gemietet hatten, um ihre neun Kinder zu erziehen), der dicke Herr mit dem Schnurrbart, der lange Major in den weißen Leinenhosen und die Dame mit dem kleinen Knaben, denen er soviel Aufmerksamkeit bewies, ja selbst der Diener Kirsch auf der Galerie, von ihren Plätzen und bekannten sich als Angehörige der guten alten britischen Nation. Tapeworm, der Legationssekretär, stand ebenfalls in seiner Loge auf und verbeugte sich und lächelte geziert, als ob er das ganze Königreich repräsentieren wollte. Tapeworm war der Neffe und Erbe des alten Marschalls Tiptoff, der in dieser Geschichte als General Tiptoff kurz vor Waterloo erwähnt worden ist. Er war Oberst des ...ten Regiments, in dem Major Dobbin diente, und starb in diesem Jahr ehrenvoll an einem Gericht von Kiebitzeiern in Aspik. Daraufhin übergab Seine Majestät das Regiment gnädig dem Befehl von Oberst Sir Michael O'Dowd, Komtur des Bath-Ordens, der es durch viele ruhmvolle Schlachten geführt hatte.   There may have been a score of Englishmen in the house, but at the burst of that beloved and well-known music, every one of them, we young fellows in the stalls, Sir John and Lady Bullminster (who had taken a house at Pumpernickel for the education of their nine children), the fat gentleman with the mustachios, the long Major in white duck trousers, and the lady with the little boy upon whom he was so sweet, even Kirsch, the courier in the gallery, stood bolt upright in their places and proclaimed themselves to be members of the dear old British nation. As for Tapeworm, the Charge d’Affaires, he rose up in his box and bowed and simpered, as if he would represent the whole empire. Tapeworm was nephew and heir of old Marshal Tiptoff, who has been introduced in this story as General Tiptoff, just before Waterloo, who was Colonel of the — th regiment in which Major Dobbin served, and who died in this year full of honours, and of an aspic of plovers’ eggs; when the regiment was graciously given by his Majesty to Colonel Sir Michael O’Dowd, K.C.B. who had commanded it in many glorious fields. Tapeworm mußte Major Dobbin im Hause des Vorgesetzten des Obersten, des Marschalls, getroffen haben, denn er erkannte ihn an diesem Abend im Theater, und der Gesandte Seiner Majestät kam mit der größten Herablassung aus seiner Loge und drückte dem neuen Freund öffentlich die Hand.   Tapeworm must have met with Colonel Dobbin at the house of the Colonel’s Colonel, the Marshal, for he recognized him on this night at the theatre, and with the utmost condescension, his Majesty’s minister came over from his own box and publicly shook hands with his new-found friend. »Seht nur den verteufelten Schlauberger von Tapeworm an«, flüsterte Fipps, als er seinen Vorgesetzten vom Parkett aus beobachtete. »Wo sich eine hübsche Frau zeigt, da schleicht er sich sofort ein.« Nun, ich möchte wissen, wozu denn Diplomaten da sind, wenn nicht dafür.   “Look at that infernal sly-boots of a Tapeworm,” Fipps whispered, examining his chief from the stalls. “Wherever there’s a pretty woman he always twists himself in.” And I wonder what were diplomatists made for but for that? »Habe ich die Ehre, mit Mrs. Dobbin zu sprechen?« fragte der Sekretär mit schmeichlerischem Grinsen.   “Have I the honour of addressing myself to Mrs. Dobbin?” asked the Secretary with a most insinuating grin. George brach in lautes Gelächter aus und sagte: »Beim Zeus, das ist ein guter Witz.« Emmy und der Major erröteten; wir beobachteten sie von unseren Plätzen aus.   Georgy burst out laughing and said, “By Jove, that was a good ’un.” Emmy and the Major blushed: we saw them from the stalls. »Diese Dame ist Mrs. George Osborne«, sagte der Major, »und dies ist ihr Bruder, Mr. Sedley, ein hervorragender Beamter im bengalischen Zivildienst. Erlauben Sie mir, ihn Eurer Lordschaft vorzustellen.«   “This lady is Mrs. George Osborne,” said the Major, “and this is her brother, Mr. Sedley, a distinguished officer of the Bengal Civil Service: permit me to introduce him to your lordship.” Bei dem bezaubernden Lächeln des Lords verlor Joseph beinahe das Gleichgewicht. »Wollen Sie sich längere Zeit in Pumpernickel aufhalten?« fragte der Lord. »Es ist ein langweiliges Nest, und wir brauchen nette Leute. Wir werden versuchen, es Ihnen so angenehm wie möglich zu machen. Mr. – ehem – Mrs. – oho – ich werde die Ehre haben, Ihnen morgen in Ihrem Hotel meine Aufwartung zu machen.« Er ging weg mit einem sieghaften Lächeln und einem Blick, der Mrs. Osborne seiner Meinung nach völlig erledigen mußte.   My lord nearly sent Jos off his legs with the most fascinating smile. “Are you going to stop in Pumpernickel?” he said. “It is a dull place, but we want some nice people, and we would try and make it so agreeable to you. Mr. — Ahum — Mrs. — Oho. I shall do myself the honour of calling upon you to-morrow at your inn.” And he went away with a Parthian grin and glance which he thought must finish Mrs. Osborne completely. Nach Schluß der Vorstellung trieben sich die jungen Leute im Foyer herum, und wir sahen die höheren Gesellschaften aufbrechen. Die Herzoginwitwe fuhr in ihrer klappernden alten Kutsche ab, begleitet von zwei treuen, verwelkten alten Hofdamen und einem kleinen, verdrießlichen, dürrbeinigen Kammerherrn in einer braunen Perücke und einem grünen, ordenbedeckten Rock, auf dem der Stern und das gelbe Band des Sankt-Michaels-Ordens von Pumpernickel besonders ins Auge fielen. Die Trommeln wirbelten, die Wache präsentierte, und die alte Kutsche fuhr ab.   The performance over, the young fellows lounged about the lobbies, and we saw the society take its departure. The Duchess Dowager went off in her jingling old coach, attended by two faithful and withered old maids of honour, and a little snuffy spindle-shanked gentleman in waiting, in a brown jasey and a green coat covered with orders — of which the star and the grand yellow cordon of the order of St. Michael of Pumpernickel were most conspicuous. The drums rolled, the guards saluted, and the old carriage drove away. Dann kam Seine Durchlaucht der Herzog mit der durchlauchtigen Familie nebst seinen hohen Staats- und Hofbeamten. Er verbeugte sich gelassen gegen jedermann, und inmitten der salutierenden Wachen und der flackernden Fackeln, die von purpurgekleideten Lakaien getragen wurden, fuhren die durchlauchtigen Kutschen nach dem alten Herzogschloß mit seinen Türmen und Zinnen auf dem Schloßberg. In Pumpernickel kannte jeder jeden. Kaum war ein Fremder aufgetaucht, so begab sich auch schon der Minister des Auswärtigen oder auch irgendein hoher oder niedriger Staatsbeamter zum »Erbprinzen« und erkundigte sich nach dem Namen des Neuankömmlings.   Then came his Transparency the Duke and Transparent family, with his great officers of state and household. He bowed serenely to everybody. And amid the saluting of the guards and the flaring of the torches of the running footmen, clad in scarlet, the Transparent carriages drove away to the old Ducal schloss, with its towers and pinacles standing on the schlossberg. Everybody in Pumpernickel knew everybody. No sooner was a foreigner seen there than the Minister of Foreign Affairs, or some other great or small officer of state, went round to the Erbprinz and found out the name of the new arrival. Wir sahen auch sie das Theater verlassen. Tapeworm war gerade fortgegangen. Er war in seinen Mantel gehüllt, mit dem ihn sein riesiger Diener stets erwartete, und glich, soweit es ihm möglich war, Don Juan. Die Gemahlin des Ministerpräsidenten hatte sich soeben in ihre Sänfte gequetscht, und ihre Tochter, die bezaubernde Ida, hatte Kapuze und Galoschen angelegt, als die Engländer herauskamen. Der Knabe gähnte entsetzlich, der Major gab sich die größte Mühe, den Schal über Mrs. Osbornes Kopf am Rutschen zu hindern, und Mr. Sedley sah großartig aus mit dem Klapphut auf einem Ohr und der Hand in der Tasche seiner umfangreichen weißen Weste. Wir zogen den Hut vor unseren Bekannten von der Table d'hôte, und die Dame dankte uns mit einem Lächeln und einem kleinen Knicks. Jeder von uns konnte froh darüber sein. Die Kutsche des Gasthofs, unter der Aufsicht des geschäftigen Herrn Kirsch, stand bereit, um die Gesellschaft fortzubringen. Der dicke Herr erklärte jedoch, er wolle zu Fuß gehen und auf dem Heimweg seine Zigarre rauchen; so fuhren die anderen drei mit einem Kopfnicken und Lächeln für uns ohne Mr. Sedley ab, und Kirsch folgte mit dem Zigarrenetui der Spur seines Herrn.   We watched them, too, out of the theatre. Tapeworm had just walked off, enveloped in his cloak, with which his gigantic chasseur was always in attendance, and looking as much as possible like Don Juan. The Prime Minister’s lady had just squeezed herself into her sedan, and her daughter, the charming Ida, had put on her calash and clogs; when the English party came out, the boy yawning drearily, the Major taking great pains in keeping the shawl over Mrs. Osborne’s head, and Mr. Sedley looking grand, with a crush opera-hat on one side of his head and his hand in the stomach of a voluminous white waistcoat. We took off our hats to our acquaintances of the table d’hote, and the lady, in return, presented us with a little smile and a curtsey, for which everybody might be thankful. The carriage from the inn, under the superintendence of the bustling Mr. Kirsch, was in waiting to convey the party; but the fat man said he would walk and smoke his cigar on his way homewards, so the other three, with nods and smiles to us, went without Mr. Sedley, Kirsch, with the cigar case, following in his master’s wake. Wir gingen miteinander und erzählten dem dicken Herrn von den Vergnügungen des Ortes. Das Leben war sehr angenehm für Engländer. Es gab Jagden und ganz speziell Treibjagden und eine Menge von Bällen und Unterhaltungen an dem gastfreien Hof. Die Gesellschaft war im allgemeinen gut, das Theater vortrefflich und das Leben nicht teuer.   We all walked together and talked to the stout gentleman about the agremens of the place. It was very agreeable for the English. There were shooting-parties and battues; there was a plenty of balls and entertainments at the hospitable Court; the society was generally good; the theatre excellent; and the living cheap. »Und unser Gesandter scheint ein sehr angenehmer und leutseliger Mensch zu sein«, meinte unser neuer Freund. »Bei so einem Repräsentanten und – und einem tüchtigen Arzt stelle ich mir vor, daß es sich in dieser Stadt gut leben läßt. Gute Nacht, meine Herren.« Und damit stieg Joseph die knarrende Treppe hinauf, in Richtung auf sein Bett, gefolgt von Kirsch mit dem Leuchter. Wir hofften, daß sich die hübsche Frau bewegen lassen würde, einige Zeit in der Stadt zu verweilen.   “And our Minister seems a most delightful and affable person,” our new friend said. “With such a representative, and — and a good medical man, I can fancy the place to be most eligible. Good-night, gentlemen.” And Jos creaked up the stairs to bedward, followed by Kirsch with a flambeau. We rather hoped that nice-looking woman would be induced to stay some time in the town. 63. Kapitel / Chapter 63 In dem wir eine alte Bekannte treffen / In Which We Meet an Old Acquaintance So ein höfliches Benehmen, wie es Lord Tapeworm an den Tag legte, verfehlte nicht seine günstige Wirkung auf Mr. Sedley, und am nächsten Morgen beim Frühstück gab Joseph seiner Ansicht Ausdruck, daß Pumpernickel doch das angenehmste Städtchen sei, das sie auf ihrer Reise gefunden hätten. Josephs Motive und Listen waren leicht zu durchschauen, und Dobbin lachte sich als echter Heuchler ins Fäustchen, als er aus der Kennermiene des Zivilisten und aus der Gesprächigkeit, womit er sich über Schloß Tapeworm und die übrigen Glieder der Familie ausließ, entnahm, daß Joseph an diesem Morgen schon seinen Adelskalender durchforscht hatte. Ja, er hatte sogar bereits den ehrenwerten Grafen von Bagwig, den Vater Seiner Lordschaft, gesehen. Er war überzeugt davon, daß er ihn schon getroffen hatte – beim – beim Empfang bei Hofe. Ob sich Dobbin nicht daran erinnern könne. Als dann der Diplomat, getreu seinem Versprechen, die Gesellschaft besuchte, empfing ihn Joseph mit einer Begrüßung und Ehrenbezeigungen, wie sie dem kleinen Gesandten selten zuteil wurden. Als Seine Exzellenz kam, gab er Kirsch einen Wink, worauf der Diener, vorher gut instruiert, hinausging und für ein Frühstück sorgte, bestehend aus kaltem Fleisch, Gelees und anderen Delikatessen. Als er es auf Tabletts hineingebracht hatte, bestand Mr. Joseph darauf, daß sein edler Gast unbedingt daran teilnehmen müsse. Such polite behaviour as that of Lord Tapeworm did not fail to have the most favourable effect upon Mr. Sedley’s mind, and the very next morning, at breakfast, he pronounced his opinion that Pumpernickel was the pleasantest little place of any which he had visited on their tour. Jos’s motives and artifices were not very difficult of comprehension, and Dobbin laughed in his sleeve, like a hypocrite as he was, when he found, by the knowing air of the civilian and the offhand manner in which the latter talked about Tapeworm Castle and the other members of the family, that Jos had been up already in the morning, consulting his travelling Peerage. Yes, he had seen the Right Honourable the Earl of Bagwig, his lordship’s father; he was sure he had, he had met him at — at the Levee — didn’t Dob remember? and when the Diplomatist called on the party, faithful to his promise, Jos received him with such a salute and honours as were seldom accorded to the little Envoy. He winked at Kirsch on his Excellency’s arrival, and that emissary, instructed before-hand, went out and superintended an entertainment of cold meats, jellies, and other delicacies, brought in upon trays, and of which Mr. Jos absolutely insisted that his noble guest should partake. Solange Tapeworm die leuchtenden Augen von Mrs. Osborne bewundern konnte (ihre frische Gesichtsfarbe ertrug das Tageslicht vortrefflich), hatte er nichts gegen eine Einladung zum längeren Bleiben in Mr. Sedleys Wohnung einzuwenden. Er stellte ihm ein paar scharfsinnige Fragen über Indien und die Tempeltänzerinnen dort, erkundigte sich bei Amelia nach dem Knaben, der bei ihr gewesen sei, und machte der erstaunten kleinen Frau Komplimente über das ungeheure Aufsehen, das sie im Theater erregt hatte. Dobbin versuchte er durch Gespräche über den letzten Krieg und die Heldentaten des Pumpernickelschen Truppenkontingents unter dem Befehl des Erbprinzen, des jetzigen Herzogs von Pumpernickel, zu fesseln.   Tapeworm, so long as he could have an opportunity of admiring the bright eyes of Mrs. Osborne (whose freshness of complexion bore daylight remarkably well) was not ill pleased to accept any invitation to stay in Mr. Sedley’s lodgings; he put one or two dexterous questions to him about India and the dancing-girls there; asked Amelia about that beautiful boy who had been with her; and complimented the astonished little woman upon the prodigious sensation which she had made in the house; and tried to fascinate Dobbin by talking of the late war and the exploits of the Pumpernickel contingent under the command of the Hereditary Prince, now Duke of Pumpernickel. Lord Tapeworm hatte ein gut Teil der Familiengalanterie geerbt, er befand sich in dem glücklichen Glauben, daß jede Dame, der er freundliche Blicke zuwarf, sich in ihn verlieben müsse. Er verließ Emmy in der Überzeugung, daß sie von seinem Witz und seinen Reizen völlig geschlagen sei, und begab sich nach Hause, um ihr ein hübsches kleines Billett zu schreiben. Sie war ganz und gar nicht hingerissen, sondern nur verblüfft über sein Grinsen, sein geziertes Lächeln, sein parfümiertes Batisttaschentuch und seine hochhackigen Lackstiefel. Sie verstand kaum die Hälfte der Komplimente, die er ihr machte, hatte sie doch in ihrer geringen Erfahrung mit der Menschheit noch nie einen professionellen Galan kennengelernt. Sie betrachtete den Lord eher als komisch denn als angenehm, und wenn sie ihn auch nicht bewunderte, so wunderte sie sich doch über ihn. Joseph dagegen war entzückt. »Wie leutselig der Lord doch ist«, sagte er. »Wie gütig es doch von dem Lord ist, daß er mir seinen Arzt schicken will. Kirsch, Sie werden sofort unsere Karten bei Graf von Schlüsselback abgeben. Es wird dem Major und mir höchst angenehm sein, so bald wie möglich unsere Aufwartung bei Hofe zu machen. Legen Sie meine Uniform zurecht, Kirsch – auch die Uniform des Majors. Als Zeichen der Höflichkeit sollte jeder englische Gentleman in den Ländern, die er besucht, den dortigen Herrschern und den Repräsentanten seines eigenen Landes seine Aufwartung machen.«   Lord Tapeworm inherited no little portion of the family gallantry, and it was his happy belief that almost every woman upon whom he himself cast friendly eyes was in love with him. He left Emmy under the persuasion that she was slain by his wit and attractions and went home to his lodgings to write a pretty little note to her. She was not fascinated, only puzzled, by his grinning, his simpering, his scented cambric handkerchief, and his high-heeled lacquered boots. She did not understand one-half the compliments which he paid; she had never, in her small experience of mankind, met a professional ladies’ man as yet, and looked upon my lord as something curious rather than pleasant; and if she did not admire, certainly wondered at him. Jos, on the contrary, was delighted. “How very affable his Lordship is,” he said; “How very kind of his Lordship to say he would send his medical man! Kirsch, you will carry our cards to the Count de Schlusselback directly; the Major and I will have the greatest pleasure in paying our respects at Court as soon as possible. Put out my uniform, Kirsch — both our uniforms. It is a mark of politeness which every English gentleman ought to show to the countries which he visits to pay his respects to the sovereigns of those countries as to the representatives of his own.” Tapeworms Arzt, Doktor von Glauber, Leibarzt Seiner Durchlaucht des Herzogs, überzeugte Joseph schnell, daß die Pumpernickeischen Mineralquellen und seine ärztliche Spezialbehandlung dem Bengalen unfehlbar wieder zur Jugend und Schlankheit verhelfen würden. »Im vergangenen Jahr«, sagte er in nicht ganz englischem Englisch, »kam General Bulkeley, ein englischer General, hierher, der doppelt so dick war wie Sie, mein Herr. Nach drei Monaten habe ich ihn ganz gertenschlank wieder entlassen, und bereits nach zwei Monaten hatte er mit der Baronin Glauber getanzt.«   When Tapeworm’s doctor came, Doctor von Glauber, Body Physician to H.S.H. the Duke, he speedily convinced Jos that the Pumpernickel mineral springs and the Doctor’s particular treatment would infallibly restore the Bengalee to youth and slimness. “Dere came here last year,” he said, “Sheneral Bulkeley, an English Sheneral, tvice so pic as you, sir. I sent him back qvite tin after tree months, and he danced vid Baroness Glauber at the end of two.” Josephs Entschluß stand fest. Die Mineralquellen, der Doktor, der Hof und der Gesandte überzeugten ihn, und er nahm sich vor, den Herbst in dieser herrlichen Gegend zu verbringen. Seinem Versprechen getreu, stellte der Gesandte am nächsten Tage Joseph und den Major Viktor Aurelius XVII. vor. Zur Audienz geleitete sie Hofmarschall Graf von Schlüsselback.   Jos’s mind was made up; the springs, the Doctor, the Court, and the Charge d’Affaires convinced him, and he proposed to spend the autumn in these delightful quarters. And punctual to his word, on the next day the Charge d’Affaires presented Jos and the Major to Victor Aurelius XVII, being conducted to their audience with that sovereign by the Count de Schlusselback, Marshal of the Court. Sie wurden sofort zum Diner bei Hofe eingeladen, und als ihre Absicht, in der Stadt zu verweilen, bekannt wurde, machten die vornehmsten Damen des Ortes Mrs. Osborne sehr bald ihre Aufwartung. Da keine von ihnen, wie arm sie auch sein mochte, unter dem Rang einer Baronin war, kannte Josephs Begeisterung keine Grenzen. Er schrieb seinem Klubkameraden Chutney, daß die indischen Beamten in Deutschland hoch im Kurs ständen, daß er seinem Freund, dem Grafen von Schlüsselback, zeigen werde, wie man Wildschweine auf indische Art mit dem Speer jage, und daß seine erlauchten Freunde, der Herzog und die Herzogin, die Güte selbst seien.   They were straightway invited to dinner at Court, and their intention of staying in the town being announced, the politest ladies of the whole town instantly called upon Mrs. Osborne; and as not one of these, however poor they might be, was under the rank of a Baroness, Jos’s delight was beyond expression. He wrote off to Chutney at the Club to say that the Service was highly appreciated in Germany, that he was going to show his friend, the Count de Schlusselback, how to stick a pig in the Indian fashion, and that his august friends, the Duke and Duchess, were everything that was kind and civil. Auch Emmy wurde der hohen Familie vorgestellt, und da an gewissen Tagen Trauerkleidung bei Hofe nicht zulässig ist, erschien sie in einem rosa Kreppkleid mit einer Diamantbrosche, die ihr Bruder ihr geschenkt hatte. Sie sah in dieser Aufmachung so hübsch aus, daß der Herzog und der ganze Hof (der Major, der sie fast noch nie im Ballkleid gesehen hatte und schwor, sie sehe wie kaum fünfundzwanzig aus, gar nicht mitgerechnet) sie über alle Maßen bewunderten.   Emmy, too, was presented to the august family, and as mourning is not admitted in Court on certain days, she appeared in a pink crape dress with a diamond ornament in the corsage, presented to her by her brother, and she looked so pretty in this costume that the Duke and Court (putting out of the question the Major, who had scarcely ever seen her before in an evening dress, and vowed that she did not look five-and-twenty) all admired her excessively. In dieser Kleidung tanzte sie mit Major Dobbin bei einem Hofball die Polonaise, und Mr. Joseph hatte bei diesem einfachen Tanz die Ehre, die Gräfin von Schlüsselback zu führen, eine alte Dame, die zwar einen Buckel, dafür aber sechzehn adlige Vorfahren hatte und mit der Hälfte aller Fürstenhäuser in Deutschland verwandt war.   In this dress she walked a Polonaise with Major Dobbin at a Court ball, in which easy dance Mr. Jos had the honour of leading out the Countess of Schlusselback, an old lady with a hump back, but with sixteen good quarters of nobility and related to half the royal houses of Germany. Pumpernickel liegt inmitten eines schönen Tales, durch das sich ein glitzerndes fruchtbarkeitspendendes Flüßchen, die Pump, schlängelt. Irgendwo – ich habe leider keine Karte zur Hand und kann den genauen Ort nicht bezeichnen, vereinigt sie sich mit dem Rhein. An einigen Stellen ist sie breit genug für eine Fähre, an anderen kann sie eine Mühle treiben. In Pumpernickel selbst hatte die vorvorletzte Durchlaucht, der große und berühmte Viktor Aurelius XIV., eine prachtvolle Brücke erbaut, auf der sich seine eigene Statue erhebt, umgeben von Wassernymphen und Symbolen des Sieges, des Friedens und des Überflusses. Sein Fuß ruht auf dem Nacken eines niedergeworfenen Türken. Die Historie berichtet, daß er bei der Entsetzung Wiens durch Sobieski im Gefecht mit einem Janitscharen diesen durchbohrt habe. Gänzlich unbewegt jedoch von dem Todeskampf des geschlagenen Mohammedaners, der sich unter seinen Füßen in gräßlicher Weise krümmt, lächelt der Fürst milde und deutet mit seinem Feldherrnstab zum Aureliusplatz, wo er angefangen hatte, einen neuen Palast zu erbauen. Hätte der hochherzige Fürst nur die Mittel gehabt, das Gebäude zu vollenden – es wäre ein Wunder seines Zeitalters geworden. Aus Mangel an Bargeld wurde der Bau von Monplaisir (Montblaisir sprechen es die braven Deutschen aus) nicht vollendet. Das Schloß mit Park und Garten befindet sich jetzt in einem ziemlich verfallenen Zustand, und es ist kaum mehr als zehnmal so groß, wie es für den Hofstaat des regierenden Fürsten nötig wäre.   Pumpernickel stands in the midst of a happy valley through which sparkles — to mingle with the Rhine somewhere, but I have not the map at hand to say exactly at what point — the fertilizing stream of the Pump. In some places the river is big enough to support a ferry-boat, in others to turn a mill; in Pumpernickel itself, the last Transparency but three, the great and renowned Victor Aurelius XIV built a magnificent bridge, on which his own statue rises, surrounded by water-nymphs and emblems of victory, peace, and plenty; he has his foot on the neck of a prostrate Turk — history says he engaged and ran a Janissary through the body at the relief of Vienna by Sobieski — but, quite undisturbed by the agonies of that prostrate Mahometan, who writhes at his feet in the most ghastly manner, the Prince smiles blandly and points with his truncheon in the direction of the Aurelius Platz, where he began to erect a new palace that would have been the wonder of his age had the great-souled Prince but had funds to complete it. But the completion of Monplaisir (Monblaisir the honest German folks call it) was stopped for lack of ready money, and it and its park and garden are now in rather a faded condition, and not more than ten times big enough to accommodate the Court of the reigning Sovereign. Die Gärten hätten die von Versailles in den Schatten stellen sollen, und inmitten der Terrassen und Wäldchen stehen noch ein paar große allegorische Wasserkünste, die an Festtagen erstaunlich sprühen und spritzen und einen mit ihrem gewaltigen wäßrigen Aufruhr erschrecken. Es gibt dort auch eine Trophonioshöhle, in der vermittels einer künstlichen Vorrichtung die bleiernen Tritonen nicht nur Wasser speien, sondern auch aus ihren bleiernen Muscheltrompeten ein entsetzliches Stöhnen ertönen lassen. Weiterhin gibt es dort ein Nymphenbad und den Niagarafall, den die Leute aus der Umgebung unaussprechlich bewundern, wenn sie zum Jahrmarkt anläßlich der Eröffnung der Kammer in die Stadt kommen oder zu den Festen, die das glückliche Ländchen immer noch an dem Geburts- oder Hochzeitstage seiner fürstlichen Herrscher feiert.   The gardens were arranged to emulate those of Versailles, and amidst the terraces and groves there are some huge allegorical waterworks still, which spout and froth stupendously upon fete-days, and frighten one with their enormous aquatic insurrections. There is the Trophonius’ cave in which, by some artifice, the leaden Tritons are made not only to spout water, but to play the most dreadful groans out of their lead conchs — there is the nymphbath and the Niagara cataract, which the people of the neighbourhood admire beyond expression, when they come to the yearly fair at the opening of the Chamber, or to the fetes with which the happy little nation still celebrates the birthdays and marriage-days of its princely governors. Dann kommen sie aus allen Städten des Herzogtums, das sich fast zehn Meilen weit erstreckt – aus Bolkum, das an der Westgrenze Preußen Trotz bietet, aus Grogwitz, wo das Jagdschloß des Fürsten liegt und wo die Pump seine Besitzungen von denen seines Nachbarn, des Fürsten von Potzental, trennt, aus all den kleinen Dörfern, die neben diesen drei großen Städten das glückliche Fürstentum übersäen, und aus den Bauernhöfen und Mühlen entlang der Pump. Sie kommen truppweise in rotem Rock und Samtmütze oder mit Dreispitz und der Pfeife im Mund und strömen in die Residenz und genießen die Freuden des Jahrmarkts und der Festlichkeiten dort. Dann ist das Theater umsonst geöffnet, dann beginnen die Wasserkünste von »Montblaisir« zu spielen (zum Glück sind genug Zuschauer da, denn einer allein würde sich fürchten). Dann kommen Marktschreier und englische Reitkünstler (es ist bekannt, wie Seine Durchlaucht einst von einer Reiterin gefesselt worden war, und man glaubte sogar, la petite vivandiere, wie sie genannt wurde, sei eine Spionin in französischen Diensten gewesen). Dem entzückten Volk wird gestattet, alle Zimmer des großherzoglichen Palastes zu durchwandern und die glatten Fußböden, prächtigen Tapeten und die Spucknäpfe an den Türen all der unzähligen Gemächer zu bewundern. Es gibt in »Montblaisir« einen Pavillon, den Aurelius Viktor XV. – ein bedeutender Fürst, aber zu vergnügungssüchtig – errichten ließ. Er soll ein wahres Wunderwerk ausschweifender Eleganz sein. Er ist mit Darstellungen aus der Sage von Bacchus und Ariadne geschmückt, und der Tisch im Zimmer verschwindet oder erscheint mittels einer Winde, so daß der Gesellschaft ohne anwesende Diener aufgewartet wird. Die Herzogin Barbara, Witwe Aurelius' XV., eine strenge und fromme Fürstin aus dem Hause Bolkum, verschloß den Pavillon. Sie war während der glorreichen Minderjährigkeit ihres Sohnes Regentin des Großherzogtums, nachdem ihr Gemahl auf dem Höhepunkt seiner Vergnügungen dahingegangen war.   Then from all the towns of the Duchy, which stretches for nearly ten mile — from Bolkum, which lies on its western frontier bidding defiance to Prussia, from Grogwitz, where the Prince has a hunting-lodge, and where his dominions are separated by the Pump River from those of the neighbouring Prince of Potzenthal; from all the little villages, which besides these three great cities, dot over the happy principality — from the farms and the mills along the Pump come troops of people in red petticoats and velvet head-dresses, or with three-cornered hats and pipes in their mouths, who flock to the Residenz and share in the pleasures of the fair and the festivities there. Then the theatre is open for nothing, then the waters of Monblaisir begin to play (it is lucky that there is company to behold them, for one would be afraid to see them alone) — then there come mountebanks and riding troops (the way in which his Transparency was fascinated by one of the horse-riders is well known, and it is believed that La Petite Vivandiere, as she was called, was a spy in the French interest), and the delighted people are permitted to march through room after room of the Grand Ducal palace and admire the slippery floor, the rich hangings, and the spittoons at the doors of all the innumerable chambers. There is one Pavilion at Monblaisir which Aurelius Victor XV had arranged — a great Prince but too fond of pleasure — and which I am told is a perfect wonder of licentious elegance. It is painted with the story of Bacchus and Ariadne, and the table works in and out of the room by means of a windlass, so that the company was served without any intervention of domestics. But the place was shut up by Barbara, Aurelius XV’s widow, a severe and devout Princess of the House of Bolkum and Regent of the Duchy during her son’s glorious minority, and after the death of her husband, cut off in the pride of his pleasures. Das Theater von Pumpernickel ist in jenem Teil Deutschlands bekannt und berühmt. Es verlor ein wenig, als der gegenwärtige Herzog in seiner Jugend darauf bestand, seine eigenen Opern dort aufführen zu lassen, und eines Tages, als er an einer Probe teilnahm, soll er wütend über das zu langsame Dirigieren des Kapellmeisters aus seinem Orchestersitz aufgesprungen sein und ihm ein Fagott auf dem Kopf zerschlagen haben. Das Niveau sank auch, als die Herzogin Sophia Komödien schrieb, die sehr langweilig gewesen sein müssen. Jetzt führt der Herzog seine Musik jedoch in privatem Kreise auf, und die Herzogin bietet ihre Schauspiele nur den vornehmen Fremden dar, die ihren netten kleinen Hof besuchen.   The theatre of Pumpernickel is known and famous in that quarter of Germany. It languished a little when the present Duke in his youth insisted upon having his own operas played there, and it is said one day, in a fury, from his place in the orchestra, when he attended a rehearsal, broke a bassoon on the head of the Chapel Master, who was conducting, and led too slow; and during which time the Duchess Sophia wrote domestic comedies, which must have been very dreary to witness. But the Prince executes his music in private now, and the Duchess only gives away her plays to the foreigners of distinction who visit her kind little Court. Man lebt dort sehr gemütlich und glanzvoll. Wenn Bälle gegeben werden, so bedient ein scharlachgekleideter Diener in Spitzen jeweils vier Gäste, und seien auch vierhundert zum Essen geladen. Alles Tafelgeschirr ist von Silber. Feste und Vergnügungen finden ununterbrochen statt, und der Herzog hat seine Kammerherren und seine Stallmeister und die Herzogin ihre Kammerfrau und ihre Hofdamen, genau wie alle anderen viel fürstlicheren Fürsten.   It is conducted with no small comfort and splendour. When there are balls, though there may be four hundred people at supper, there is a servant in scarlet and lace to attend upon every four, and every one is served on silver. There are festivals and entertainments going continually on, and the Duke has his chamberlains and equerries, and the Duchess her mistress of the wardrobe and ladies of honour, just like any other and more potent potentates. Die Verfassung ist oder war ein gemäßigter Despotismus, eingeschränkt durch eine Kammer, die gewählt werden konnte oder nicht. Ich habe jedenfalls während meines Aufenthalts in Pumpernickel nie etwas Bestimmtes von einer Sitzung gehört. Der Ministerpräsident wohnte irgendwo im zweiten Stock, und der Minister des Auswärtigen hatte die behagliche Wohnung über Zwiebacks Konditorei. Die Armee bestand aus einem großartigen Musikkorps, das gleichzeitig auf der Bühne Dienst tun mußte. Es war köstlich, abends die würdigen Burschen geschminkt, in türkischen Kostümen und mit hölzernen Säbeln oder als römische Krieger mit Ophikleiden und Posaunen zu sehen, nachdem man ihnen früh auf dem Aureliusplatz gelauscht hatte, wo sie gegenüber dem Cafe auftraten, in dem wir frühstückten. Außer dem Musikkorps gab es noch einen prächtigen, umfangreichen Generalstab und, ich glaube, auch ein paar Mannschaften. Neben den regulären Schildwachen taten drei oder vier Mann in Husarenuniform am Palast Dienst. Ich habe sie aber nie zu Pferde gesehen. Aber au fait – was soll man auch im tiefsten Frieden mit Kavallerie? Und wohin, zum Teufel, sollten die Husaren auch reiten?   The Constitution is or was a moderate despotism, tempered by a Chamber that might or might not be elected. I never certainly could hear of its sitting in my time at Pumpernickel. The Prime Minister had lodgings in a second floor, and the Foreign Secretary occupied the comfortable lodgings over Zwieback’s Conditorey. The army consisted of a magnificent band that also did duty on the stage, where it was quite pleasant to see the worthy fellows marching in Turkish dresses with rouge on and wooden scimitars, or as Roman warriors with ophicleides and trombones — to see them again, I say, at night, after one had listened to them all the morning in the Aurelius Platz, where they performed opposite the cafe where we breakfasted. Besides the band, there was a rich and numerous staff of officers, and, I believe, a few men. Besides the regular sentries, three or four men, habited as hussars, used to do duty at the Palace, but I never saw them on horseback, and au fait, what was the use of cavalry in a time of profound peace? — and whither the deuce should the hussars ride? Jeder – jeder Adlige natürlich, denn man kann doch wohl kaum von uns verlangen, daß wir von den Bürgerlichen Notiz nehmen – machte Besuche in der Nachbarschaft. Ihre Exzellenz Frau von Wurst empfing einmal wöchentlich. Ihre Exzellenz Frau von Schnurrbart hatte ihren Abend, das Theater war zweimal in der Woche geöffnet, der Hof geruhte einmal zu empfangen, und so konnte das Leben dort wirklich eine ununterbrochene Kette von Vergnügungen in der bescheidenen Pumpernickelschen Weise sein.   Everybody — everybody that was noble of course, for as for the bourgeois we could not quite be expected to take notice of them — visited his neighbour. H. E. Madame de Burst received once a week, H. E. Madame de Schnurrbart had her night — the theatre was open twice a week, the Court graciously received once, so that a man’s life might in fact be a perfect round of pleasure in the unpretending Pumpernickel way. Es läßt sich allerdings nicht leugnen, daß es in der Stadt auch Fehden gab. Die Politik schlug hohe Wellen, und die Parteien kämpften erbittert. Es gab die Strumpffpartei und die Lederlungpartei, die eine unterstützte unser Gesandter, die andere der französische Geschäftsträger Monsieur de Macabau. Madame Strumpff war zweifellos die größte Sängerin der beiden und kam um drei Töne höher als ihre Rivalin Madame Lederlung. Die Parteinahme unseres Gesandten für die Strumpff bewirkte jedoch, daß er bei jeglicher Meinungsäußerung sofort den Widerspruch des französischen Diplomaten erntete.   That there were feuds in the place, no one can deny. Politics ran very high at Pumpernickel, and parties were very bitter. There was the Strumpff faction and the Lederlung party, the one supported by our envoy and the other by the French Charge d’Affaires, M. de Macabau. Indeed it sufficed for our Minister to stand up for Madame Strumpff, who was clearly the greater singer of the two, and had three more notes in her voice than Madame Lederlung her rival — it sufficed, I say, for our Minister to advance any opinion to have it instantly contradicted by the French diplomatist. Jedermann in der Stadt gehörte der einen oder der anderen Partei an. Die Lederlung war sicherlich ein hübsches Geschöpfchen, und ihre Stimme (das heißt, was sie davon besaß) war sehr süß. Zweifellos war auch die Strumpff nicht mehr in ihrer ersten Jugend und Schönheit und bestimmt etwas zu dick; wenn sie zum Beispiel in der letzten Szene der »Nachtwandlerin« im Nachthemd mit der Lampe in der Hand aus dem Fenster klettern und die Planken des Mühlbachs überschreiten mußte, dann konnte sie sich kaum durch das Fenster zwängen, und die Planken krachten und bogen sich unter ihrer Last. Aber wie sie das Finale der Oper schmetterte und mit welchem Gefühlsausbruch sie sich in Elvinos Arme stürzte  – fast erstickte sie ihn! Die kleine Lederlung dagegen – doch Schluß mit diesen Klatschgeschichten! Die Sache war die, daß diese beiden Sängerinnen die jeweilige Flagge der französischen und der englischen Partei in Pumpernickel waren, und die Gesellschaft teilte sich in die Anhänger dieser beiden großen Nationen.   Everybody in the town was ranged in one or other of these factions. The Lederlung was a prettyish little creature certainly, and her voice (what there was of it) was very sweet, and there is no doubt that the Strumpff was not in her first youth and beauty, and certainly too stout; when she came on in the last scene of the Sonnambula, for instance, in her night-chemise with a lamp in her hand, and had to go out of the window, and pass over the plank of the mill, it was all she could do to squeeze out of the window, and the plank used to bend and creak again under her weight — but how she poured out the finale of the opera! and with what a burst of feeling she rushed into Elvino’s arms — almost fit to smother him! Whereas the little Lederlung — but a truce to this gossip — the fact is that these two women were the two flags of the French and the English party at Pumpernickel, and the society was divided in its allegiance to those two great nations. Wir hatten auf unserer Seite den Minister des Innern, den Oberstallmeister, den Privatsekretär des Herzogs und den Hofmeister des Prinzen, während zur französischen Partei der Minister des Auswärtigen gehörte und die Gemahlin des Generalfeldmarschalls, der schon unter Napoleon gedient hatte, und der Hofmarschall und seine Frau, die glücklich war, die neuesten Pariser Modelle zu erhalten. Sie bezog sie nebst ihren Hüten stets durch Monsieur de Macabaus Kurier. Sein Kanzleisekretär war der kleine Grignac, ein junger Bursche von satanischer Bosheit, der in alle Alben der Stadt Karikaturen von Tapeworm zeichnete.   We had on our side the Home Minister, the Master of the Horse, the Duke’s Private Secretary, and the Prince’s Tutor; whereas of the French party were the Foreign Minister, the Commander-in-Chief’s Lady, who had served under Napoleon, and the Hof-Marschall and his wife, who was glad enough to get the fashions from Pans, and always had them and her caps by M. de Macabau’s courier. The Secretary of his Chancery was little Grignac, a young fellow, as malicious as Satan, and who made caricatures of Tapeworm in all the-albums of the place. Ihr Hauptquartier und ihre Table d'hôte befanden sich im »Pariser Hof«, dem zweiten Gasthof der Stadt, und obwohl natürlich die Herren im öffentlichen Leben höflich zueinander sein mußten, so hieben sie doch mit rasiermesserscharfen Epigrammen aufeinander ein, etwa so, wie ich in Devonshire zwei Ringer gesehen habe, die sich gegenseitig die Schienbeine zerschlugen und doch mit keiner Miene ihren Schmerz verrieten. Weder Tapeworm noch Macabau schickten je eine Depesche an ihre Regierung ohne eine wütende Attacke gegen den Rivalen. Auf englischer Seite hieß es dann etwa: »Die Interessen Großbritanniens an diesem Ort und in ganz Deutschland sind gefährdet, wenn der gegenwärtige französische Gesandte weiter im Amt bleibt. Dieser Mensch besitzt einen schändlichen Charakter und scheut keine Lüge und kein Verbrechen, um seine Ziele zu erreichen. Er vergiftet die Stimmung des Hofes gegen den englischen Gesandten und stellt das Verhalten Großbritanniens im abscheulichsten und schändlichsten Licht dar. Unglücklicherweise beschützt ihn ein Minister, dessen Unwissenheit und Mängel ebenso notorisch sind, wie sein Einfluß verhängnisvoll ist.« Auf französischer Seite dagegen hieß es: »Monsieur de Tapeworm fährt in seiner dummen arroganten Inselpolitik und in den gemeinen Lügen gegen die größte Nation der Welt fort. Gestern soll er verächtlich von Ihrer Königlichen Hoheit der Herzogin von Berri gesprochen haben. Bei früherer Gelegenheit beleidigte er den tapferen Herzog von Angoulême und wagte anzudeuten, daß Seine Königliche Hoheit der Herzog von Orleans sich gegen den erlauchten Thron der Französischen Lilien verschworen habe. Überall dort, wo seine dummen Drohungen keine Furcht erregen, verstreut er sein Gold. Durch beides hat er gewisse Kreaturen am hiesigen Hof gewonnen. Mit: einem Wort, in Pumpernickel wird erst Ruhe herrschen, Deutschland erst dann still, Frankreich geachtet und Europa zufrieden sein, wenn diese giftige Viper zertreten ist« und so weiter. Hatte die eine oder die andere Seite eine besonders scharfe Depesche losgelassen, so konnte man sicher sein, daß die Einzelheiten bald durchsickerten.   Their headquarters and table d’hote were established at the Pariser Hof, the other inn of the town; and though, of course, these gentlemen were obliged to be civil in public, yet they cut at each other with epigrams that were as sharp as razors, as I have seen a couple of wrestlers in Devonshire, lashing at each other’s shins and never showing their agony upon a muscle of their faces. Neither Tapeworm nor Macabau ever sent home a dispatch to his government without a most savage series of attacks upon his rival. For instance, on our side we would write, “The interests of Great Britain in this place, and throughout the whole of Germany, are perilled by the continuance in office of the present French envoy; this man is of a character so infamous that he will stick at no falsehood, or hesitate at no crime, to attain his ends. He poisons the mind of the Court against the English minister, represents the conduct of Great Britain in the most odious and atrocious light, and is unhappily backed by a minister whose ignorance and necessities are as notorious as his influence is fatal.” On their side they would say, “M. de Tapeworm continues his system of stupid insular arrogance and vulgar falsehood against the greatest nation in the world. Yesterday he was heard to speak lightly of Her Royal Highness Madame the Duchess of Berri; on a former occasion he insulted the heroic Duke of Angouleme and dared to insinuate that H.R.H. the Duke of Orleans was conspiring against the august throne of the lilies. His gold is prodigated in every direction which his stupid menaces fail to frighten. By one and the other, he has won over creatures of the Court here — and, in fine, Pumpernickel will not be quiet, Germany tranquil, France respected, or Europe content until this poisonous viper be crushed under heel”: and so on. When one side or the other had written any particularly spicy dispatch, news of it was sure to slip out. Ehe der Winter weit vorgerückt war, wußte man doch tatsächlich zu berichten, daß Amelia einen Abend vorsah, an dem sie in allem Anstand und in größter Bescheidenheit Gesellschaft empfing. Sie hatte einen Französischlehrer, der ihr wegen der Reinheit ihres Akzents und ihrer leichten Auffassungsgabe Komplimente machte. Sie hatte schon vor langer Zeit einmal Französisch gelernt und sich später die Anfangsgründe der Grammatik beigebracht, damit sie George darin unterrichten konnte. Madame Strumpff gab ihr Gesangsunterricht, und sie sang so gut und sicher, daß die Fenster des Majors, der gegenüber unter dem Ministerpräsidenten wohnte, stets offenstanden, damit er dem Unterricht lauschen konnte. Einige deutsche Damen – sie sind sehr sentimental und wenig anspruchsvoll im Geschmack – verliebten sich sofort in sie und duzten sie. Dies sind unwichtige Einzelheiten, aber sie melden von glücklichen Zeiten. Der Major machte sich zu Georges Tutor und übte mit ihm Cäsar und Mathematik. Sie hatten auch einen Deutschlehrer, und abends ritten sie neben Emmys Kutsche her. Sie selbst war zu ängstlich zum Reiten und schrie jedesmal entsetzt auf, wenn sie zu Pferde saß und die geringste Unregelmäßigkeit vorkam. So fuhr sie im Wagen und nahm gewöhnlich eine ihrer lieben deutschen Freundinnen mit, während Joseph auf dem Rücksitz schlief.   Before the winter was far advanced, it is actually on record that Emmy took a night and received company with great propriety and modesty. She had a French master, who complimented her upon the purity of her accent and her facility of learning; the fact is she had learned long ago and grounded herself subsequently in the grammar so as to be able to teach it to George; and Madam Strumpff came to give her lessons in singing, which she performed so well and with such a true voice that the Major’s windows, who had lodgings opposite under the Prime Minister, were always open to hear the lesson. Some of the German ladies, who are very sentimental and simple in their tastes, fell in love with her and began to call her du at once. These are trivial details, but they relate to happy times. The Major made himself George’s tutor and read Caesar and mathematics with him, and they had a German master and rode out of evenings by the side of Emmy’s carriage — she was always too timid, and made a dreadful outcry at the slightest disturbance on horse-back. So she drove about with one of her dear German friends, and Jos asleep on the back-seat of the barouche. Er verliebte sich in die Gräfin Fanny von Butterbrod, ein sanftes, zärtliches, bescheidenes junges Geschöpf. Sie war zwar Gräfin und Stiftsdame, hatte aber ein Vermögen von kaum zehn Pfund pro Jahr. Fanny ihrerseits erklärte, daß der Himmel ihr keine größere Freude gewähren könne, als Amelias Schwester zu werden, und Joseph hätte eine Grafenkrone und ein gräfliches Wappen neben seines auf den Kutschenschlag und seine Gabeln setzen können. Aber – aber andere Ereignisse traten ein, als die großen Festlichkeiten anläßlich der Vermählung des Erbprinzen von Pumpernickel mit der lieblichen Prinzessin Amalie von Homburg-Schlippenschloppen veranstaltet wurden.   He was becoming very sweet upon the Grafinn Fanny de Butterbrod, a very gentle tender-hearted and unassuming young creature, a Canoness and Countess in her own right, but with scarcely ten pounds per year to her fortune, and Fanny for her part declared that to be Amelia’s sister was the greatest delight that Heaven could bestow on her, and Jos might have put a Countess’s shield and coronet by the side of his own arms on his carriage and forks; when — when events occurred, and those grand fetes given upon the marriage of the Hereditary Prince of Pumpernickel with the lovely Princess Amelia of Humbourg-Schlippenschloppen took place. Bei dieser Gelegenheit entwickelte man eine Pracht, wie die kleine deutsche Stadt sie seit den Tagen des verschwenderischen Viktor XIV. nicht erblickt hatte. Alle benachbarten Fürsten, Fürstinnen und Großen wurden zu dem Fest eingeladen. Der Bettenpreis in Pumpernickel stieg ins ungeheuerliche, und die Armee war völlig überfordert, die Ehrenwachen all der Hoheiten, Durchlauchten und Exzellenzen zu stellen, die aus allen Richtungen ankamen. Die Prinzessin wurde in der Residenz ihres Vaters dem stellvertretenden Grafen von Schlüsselback angetraut. Es wurden Haufen Schnupftabakdosen verschenkt (wie wir vom Hofjuwelier erfuhren, der sie verkaufte und später wieder kaufte), und der Pumpernickelsche Sankt-Michaels-Orden wurde scheffelweise an den Hofadel verteilt, während Körbe voll Bänder und Sterne des Sankt-Katharinenrad-Ordens von Schlippenschloppen an unseren Hof kamen. Der französische Gesandte erhielt beide. »Er ist mit Bändern bedeckt wie ein Pfingstochse«, sagte Tapeworm, dem seine Dienstvorschriften nicht gestatteten, Auszeichnungen anzunehmen. »Meinetwegen soll er die Orden haben, auf wessen Seite ist der Sieg?« Tatsächlich war es ein Triumph der britischen Diplomatie, denn die französische Partei hatte mit allen Mitteln versucht, die Heirat mit einer Prinzessin des Hauses Potztausend-Donnerwetter durchzusetzen, wogegen wir natürlich opponierten.   At this festival the magnificence displayed was such as had not been known in the little German place since the days of the prodigal Victor XIV. All the neighbouring Princes, Princesses, and Grandees were invited to the feast. Beds rose to half a crown per night in Pumpernickel, and the Army was exhausted in providing guards of honour for the Highnesses, Serenities, and Excellencies who arrived from all quarters. The Princess was married by proxy, at her father’s residence, by the Count de Schlusselback. Snuff-boxes were given away in profusion (as we learned from the Court jeweller, who sold and afterwards bought them again), and bushels of the Order of Saint Michael of Pumpernickel were sent to the nobles of the Court, while hampers of the cordons and decorations of the Wheel of St. Catherine of Schlippenschloppen were brought to ours. The French envoy got both. “He is covered with ribbons like a prize cart-horse,” Tapeworm said, who was not allowed by the rules of his service to take any decorations: “Let him have the cordons; but with whom is the victory?” The fact is, it was a triumph of British diplomacy, the French party having proposed and tried their utmost to carry a marriage with a Princess of the House of Potztausend-Donnerwetter, whom, as a matter of course, we opposed. Alles war zu den Hochzeitsfeierlichkeiten geladen. Man hatte Girlanden und Triumphbogen über die Straße gespannt, um die junge Braut zu begrüßen. Der große Sankt-Michaels-Brunnen spie Wein, der allerdings ungewöhnlich sauer war, während der auf dem Artillerieplatz von Bier schäumte. Die großen Wasserkünste spielten, und im Park und in den Gärten hatte man Kletterstangen für das glückliche Landvolk errichtet, von denen sie nach Belieben Uhren, silberne Gabeln und Preiswürste an roten Bändern herabholen konnten. Georgy erklomm zum Jubel der Zuschauer eine Stange, erwischte eine Wurst, riß sie ab und glitt mit der Schnelligkeit eines Wasserfalls wieder herab. Er hatte es aber nur um des Ruhmes willen getan. Der Knabe gab die Wurst einem Bauernburschen, der sie beinahe bekommen hätte und jetzt heulend am Fuße der Stange stand, weil er keinen Erfolg gehabt hatte.   Everybody was asked to the fetes of the marriage. Garlands and triumphal arches were hung across the road to welcome the young bride. The great Saint Michael’s Fountain ran with uncommonly sour wine, while that in the Artillery Place frothed with beer. The great waters played; and poles were put up in the park and gardens for the happy peasantry, which they might climb at their leisure, carrying off watches, silver forks, prize sausages hung with pink ribbon, \&c., at the top. Georgy got one, wrenching it off, having swarmed up the pole to the delight of the spectators, and sliding down with the rapidity of a fall of water. But it was for the glory’s sake merely. The boy gave the sausage to a peasant, who had very nearly seized it, and stood at the foot of the mast, blubbering, because he was unsuccessful. In der französischen Gesandtschaft hatten sie sechs Lampions mehr zur Illumination als wir, aber unser Transparent, auf dem dargestellt war, wie das junge Paar ankam und die Zwietracht flüchtete (deren Gesicht eine drollige Ähnlichkeit mit dem französischen Gesandten besaß), lief dem französischen Bild den Rang ab und verschaffte Tapeworm zweifellos die Beförderung und den Bath-Orden, die ihm danach zuteil wurden.   At the French Chancellerie they had six more lampions in their illumination than ours had; but our transparency, which represented the young Couple advancing and Discord flying away, with the most ludicrous likeness to the French Ambassador, beat the French picture hollow; and I have no doubt got Tapeworm the advancement and the Cross of the Bath which he subsequently attained. Es kamen eine Menge Fremde zu den Feierlichkeiten und natürlich auch Engländer. Außer den Hofbällen wurden auch noch öffentliche Bälle im Rathaus und in der Redoute gegeben. Im Rathaus hatte man für die Zeit der Festwoche einer der großen deutschen Gesellschaften von Ems oder Aachen Erlaubnis gegeben, ein Zimmer für Trente-et-quarante und Roulette einzurichten. Den Beamten und Bewohnern der Stadt waren diese Spiele verboten, aber Fremde, Bauern, Damen und auch sonst alle, die Geld verlieren oder gewinnen wollten, waren zugelassen.   Crowds of foreigners arrived for the fetes, and of English, of course. Besides the Court balls, public balls were given at the Town Hall and the Redoute, and in the former place there was a room for trente-et-quarante and roulette established, for the week of the festivities only, and by one of the great German companies from Ems or Aix-la-Chapelle. The officers or inhabitants of the town were not allowed to play at these games, but strangers, peasants, ladies were admitted, and any one who chose to lose or win money. Unter den vielen kam auch der kleine Taugenichts Georgy Osborne zum Ball ins Stadthaus. Seine Verwandten waren zum großen Hoffest gegangen, und er befand sich in Begleitung von seines Onkels Diener, Herrn Kirsch. George hatte ja stets die Taschen voll Taler. Er hatte früher einmal in einen Spielsaal geblickt – in Baden-Baden; er war damals an der Hand Dobbins und hatte natürlich nicht spielen dürfen. Deshalb drängte er sich eifrig zu diesem Teil der Unterhaltung und lungerte an den Tischen umher, wo Croupiers und Pointeurs bei der Arbeit waren. Auch Frauen spielten. Einige von ihnen waren maskiert; die Ausschweifung war ihnen in dieser wilden Karnevalszeit gestattet.   That little scapegrace Georgy Osborne amongst others, whose pockets were always full of dollars and whose relations were away at the grand festival of the Court, came to the Stadthaus Ball in company of his uncle’s courier, Mr. Kirsch, and having only peeped into a play-room at Baden-Baden when he hung on Dobbin’s arm, and where, of course, he was not permitted to gamble, came eagerly to this part of the entertainment and hankered round the tables where the croupiers and the punters were at work. Women were playing; they were masked, some of them; this license was allowed in these wild times of carnival. Eine Frau mit hellem Haar und tief ausgeschnittenem, keineswegs neuem Kleid, mit einer schwarzen Maske, durch deren Augenschlitze ihr Blick seltsam funkelte, saß mit einer Karte und einer Nadel und ein paar Gulden vor sich an einem Roulettetisch. Wenn der Croupier Farbe und Zahl ausrief, stach sie regelmäßig sorgfältig ein Loch in die Karte und setzte nur dann, wenn Rot oder Schwarz ein paarmal herausgekommen waren. Sie bot einen merkwürdigen Anblick.   A woman with light hair, in a low dress by no means so fresh as it had been, and with a black mask on, through the eyelets of which her eyes twinkled strangely, was seated at one of the roulette-tables with a card and a pin and a couple of florins before her. As the croupier called out the colour and number, she pricked on the card with great care and regularity, and only ventured her money on the colours after the red or black had come up a certain number of times. It was strange to look at her. Trotz aller Sorgfalt und Mühe mutmaßte sie jedoch falsch, und die letzten beiden. Gulden folgten einander unter dem Rechen des Croupiers, als er mit unerbittlicher Stimme Farbe und Zahl ausrief. Sie seufzte, zuckte die Schultern, die bereits etwas zu weit aus dem Kleid hervorblickten, stieß die Nadel durch die Karte in den Tisch und trommelte eine Weile darauf herum. Dann sah sie sich um und erblickte Georges ehrliches Gesicht, das auf die Szene starrte. Der kleine Bengel! Was hatte er hier zu suchen?   But in spite of her care and assiduity she guessed wrong and the last two florins followed each other under the croupier’s rake, as he cried out with his inexorable voice the winning colour and number. She gave a sigh, a shrug with her shoulders, which were already too much out of her gown, and dashing the pin through the card on to the table, sat thrumming it for a while. Then she looked round her and saw Georgy’s honest face staring at the scene. The little scamp! What business had he to be there? Sie sah den Knaben unter der Maske hervor mit funkelnden Augen durchdringend an und fragte: »Monsieur n'est pas joueur?«   When she saw the boy, at whose face she looked hard through her shining eyes and mask, she said, “Monsieur n’est pas joueur?” »Non, Madame«, entgegnete der Knabe. Aus seinem Tonfall mußte sie erkannt haben, wo er herkam, denn sie fuhr mit leichtem Akzent auf englisch fort: »Sie haben wohl noch nie gespielt – wollen Sie mir einen kleinen Gefallen tun?«   “Non, Madame,” said the boy; but she must have known, from his accent, of what country he was, for she answered him with a slight foreign tone. “You have nevare played — will you do me a littl’ favor?” »Welchen bitte?« fragte Georgy und wurde erneut rot. Herr Kirsch war beim Rouge et noir beschäftigt und sah seinen jungen Herrn nicht.   “What is it?” said Georgy, blushing again. Mr. Kirsch was at work for his part at the rouge et noir and did not see his young master. »Spielen Sie dies für mich, bitte – setzen Sie es auf irgendeine Nummer, auf irgendeine.« Während dieser Worte zog sie aus ihrem Busen eine Börse und entnahm ihr ein Goldstück – die einzige Münze darin. Sie drückte sie George in die Hand, und der Knabe tat lachend, was ihm aufgetragen war.   “Play this for me, if you please; put it on any number, any number.” And she took from her bosom a purse, and out of it a gold piece, the only coin there, and she put it into George’s hand. The boy laughed and did as he was bid. Die Zahl kam natürlich heraus. Es heißt ja, daß es eine Macht gibt, die das für Anfänger so einrichtet.   The number came up sure enough. There is a power that arranges that, they say, for beginners. »Ich danke Ihnen«, sagte sie und zog das Geld zu sich heran. »Ich danke Ihnen. Wie heißen Sie?«   “Thank you,” said she, pulling the money towards her, “thank you. What is your name?” »Osborne«, sagte Georgy. Dabei wühlte er in seinen Taschen nach Talern und wollte eben einen Versuch machen, als der Major in Uniform und Joseph in der Aufmachung eines Marquis vom Hofball kamen. Andere Leute, die diesen Ball langweilig gefunden und den Spaß im Stadthaus vorgezogen hatten, hatten den Palast schon eher verlassen; aber vielleicht waren der Major und Joseph auch schon zu Hause gewesen und hatten die Abwesenheit des Knaben bemerkt, denn Dobbin ging unverzüglich auf ihn zu, ergriff ihn bei der Schulter und zog ihn energisch weg von der Stätte der Versuchung. Dann sah er sich im Raum um und erblickte Kirsch bei der bereits erwähnten Beschäftigung. Er ging zu ihm und fragte ihn, wie er es wagen könne, Mr. George an so einen Ort zu führen.   “My name’s Osborne,” said Georgy, and was fingering in his own pockets for dollars, and just about to make a trial, when the Major, in his uniform, and Jos, en Marquis, from the Court ball, made their appearance. Other people, finding the entertainment stupid and preferring the fun at the Stadthaus, had quitted the Palace ball earlier; but it is probable the Major and Jos had gone home and found the boy’s absence, for the former instantly went up to him and, taking him by the shoulder, pulled him briskly back from the place of temptation. Then, looking round the room, he saw Kirsch employed as we have said, and going up to him, asked how he dared to bring Mr. George to such a place. »Laissez-moi tranquille«, sagte Herr Kirsch, sehr erregt von Spiel und Wein. »II faut s'amuser, parbleu. Je ne suis pas au service de Monsieur.«   “Laissez-moi tranquille,” said Mr. Kirsch, very much excited by play and wine. “ll faut s’amuser, parbleu. Je ne suis pas au service de Monsieur.” Da der Major den Zustand des Mannes erkannte, wollte er sich nicht weiter mit ihm einlassen, und er begnügte sich damit, George wegzuziehen und Joseph zu fragen, ob er mitkomme. Dieser stand dicht bei der maskierten Dame, die jetzt mit einigem Glück spielte, und sah interessiert zu.   Seeing his condition the Major did not choose to argue with the man, but contented himself with drawing away George and asking Jos if he would come away. He was standing close by the lady in the mask, who was playing with pretty good luck now, and looking on much interested at the game. »Willst du nicht lieber mit George und mir mitkommen, Joseph?« fragte der Major.   “Hadn’t you better come, Jos,” the Major said, “with George and me?” »Ich werde noch etwas bleiben und mit dem Halunken Kirsch nach Hause gehen«, antwortete Joseph, und aus denselben Gründen der Zurückhaltung, die er glaubte vor dem Jungen haben zu müssen, wollte Dobbin Joseph keine Vorstellungen machen. Er verließ ihn also und ging mit Georgy heim.   “I’ll stop and go home with that rascal, Kirsch,” Jos said; and for the same reason of modesty, which he thought ought to be preserved before the boy, Dobbin did not care to remonstrate with Jos, but left him and walked home with Georgy. »Hast du gespielt?« fragte der Major draußen, als sie auf dem Heimweg waren.   “Did you play?” asked the Major when they were out and on their way home. »Nein«, antwortete der Knabe.   The boy said “No.” »Gib mir dein Ehrenwort als Gentleman, daß du es nie tun wirst.«   “Give me your word of honour as a gentleman that you never will.” »Warum?« fragte der Junge. »Es scheint doch Spaß zu machen.« Nun erklärte ihm der Major beredsam und eindringlich, warum er es nicht sollte, und er hätte ganz gern seine Lehren durch das Beispiel von Georgys eigenem Vater bekräftigt, aber er wollte nichts sagen, was das Andenken des anderen hätte verdunkeln können. Nachdem er ihn heimgebracht hatte, ging er ins Bett, und bald darauf sah er Georgys Licht in dem kleinen Zimmer neben Amelias verlöschen. Eine halbe Stunde später folgte Emmys Licht. Ich weiß nicht, weshalb es der Major so genau bemerkte.   “Why?” said the boy; “it seems very good fun.” And, in a very eloquent and impressive manner, the Major showed him why he shouldn’t, and would have enforced his precepts by the example of Georgy’s own father, had he liked to say anything that should reflect on the other’s memory. When he had housed him, he went to bed and saw his light, in the little room outside of Amelia’s, presently disappear. Amelia’s followed half an hour afterwards. I don’t know what made the Major note it so accurately. Joseph war am Spieltisch zurückgeblieben; er war zwar kein Spieler, aber der kleinen Aufregung dieses Vergnügens von Zeit zu Zeit nicht abgeneigt, und in den gestickten Taschen seiner Hofweste klimperten ein paar Napoleons. Er setzte einen über die schöne Schulter der kleinen Spielerin vor ihm hinweg, und sie gewannen. Sie rückte ein wenig, um ihm an ihrer Seite Platz zu machen, und nahm den Saum ihres Kleides von einem leeren Stuhl herunter.   Jos, however, remained behind over the play-table; he was no gambler, but not averse to the little excitement of the sport now and then, and he had some Napoleons chinking in the embroidered pockets of his court waistcoat. He put down one over the fair shoulder of the little gambler before him, and they won. She made a little movement to make room for him by her side, and just took the skirt of her gown from a vacant chair there. »Kommen Sie und bringen Sie mir Glück«, sagte sie, wieder mit ausländischem Akzent, ganz anders als das reine englische »Dankeschön«, mit dem sie Georges Coup für sie begrüßt hatte. Der dicke Herr sah sich um, ob ihn auch niemand von Rang beobachtete, setzte sich nieder und murmelte: »Ach, wirklich, nun ja; Gott behüte mich. Ich habe immer Glück. Ich werde Ihnen sicher auch Glück bringen« – und andere schmeichelhafte und verwirrte Aussprüche. »Spielen Sie oft?« fragte die fremde Maske.   “Come and give me good luck,” she said, still in a foreign accent, quite different from that frank and perfectly English “Thank you,” with which she had saluted Georgy’s coup in her favour. The portly gentleman, looking round to see that nobody of rank observed him, sat down; he muttered — "Ah, really, well now, God bless my soul. I’m very fortunate; I’m sure to give you good fortune,” and other words of compliment and confusion. “Do you play much?” the foreign mask said. »Mal ein paar Napoleons«, erwiderte Joseph mit überlegener Miene und warf ein Goldstück hin.   “I put a Nap or two down,” said Jos with a superb air, flinging down a gold piece. »Sie spielen nicht, um zu gewinnen«, meinte die Maske mit ihrem hübschen französischen Akzent. »Ich auch nicht. Ich spiele, um zu vergessen, aber ich kann es nicht. Ich kann die alten Zeiten nicht vergessen, Monsieur. Ihr kleiner Neffe ist das Ebenbild seines Vaters, und Sie – Sie haben sich nicht verändert –, ja, doch, auch Sie sind anders geworden. Alle verändern sich, alle vergessen, keiner hat ein Herz.«   “Yes; ay nap after dinner,” said the mask archly. But Jos looking frightened, she continued, in her pretty French accent, “You do not play to win. No more do I. I play to forget, but I cannot. I cannot forget old times, monsieur. Your little nephew is the image of his father; and you — you are not changed — but yes, you are. Everybody changes, everybody forgets; nobody has any heart.” »Guter Gott, wer sind Sie nur?« fragte Joseph verwirrt.   “Good God, who is it?” asked Jos in a flutter. »Können Sie es nicht erraten, Joseph Sedley?« sprach die kleine Frau mit trauriger Stimme, nahm ihre Maske ab und blickte ihn an. »Sie haben mich vergessen.«   “Can’t you guess, Joseph Sedley?” said the little woman in a sad voice, and undoing her mask, she looked at him. “You have forgotten me.” »Gütiger Himmel! Mrs. Crawley!« stieß Joseph hervor.   “Good heavens! Mrs. Crawley!” gasped out Jos. »Rebekka!« sagte die andere und legte ihre Hand auf seine; aber obwohl sie ihn ansah, verfolgte sie doch aufmerksam das Spiel.   “Rebecca,” said the other, putting her hand on his; but she followed the game still, all the time she was looking at him. »Ich wohne im ›Elefanten‹«, fuhr sie fort. »Fragen Sie nach Madame von Raudon. Ich habe heute meine liebe Amelia gesehen. Wie hübsch sie aussieht und wie glücklich, und Sie auch! Alle, nur ich nicht, ich bin elend und unglücklich, Joseph Sedley!« Und während sie sich mit einem zerrissenen Spitzentüchelchen über die Augen fuhr, schob sie wie zufällig mit einer Armbewegung ihr Geld von Rot auf Schwarz. Rot kam von neuem heraus, und sie verlor ihren ganzen Einsatz.   “I am stopping at the Elephant,” she continued. “Ask for Madame de Raudon. I saw my dear Amelia to-day; how pretty she looked, and how happy! So do you! Everybody but me, who am wretched, Joseph Sedley.” And she put her money over from the red to the black, as if by a chance movement of her hand, and while she was wiping her eyes with a pocket-handkerchief fringed with torn lace. »Kommen Sie«, sagte sie, »kommen Sie ein wenig mit mir hinaus; wir sind doch alte Freunde, nicht wahr, lieber Mr. Sedley?«   The red came up again, and she lost the whole of that stake. “Come away,” she said. “Come with me a little — we are old friends, are we not, dear Mr. Sedley?” Herr Kirsch, der inzwischen seine ganze Barschaft verloren hatte, folgte seinem Herrn hinaus in den Mondschein; die Illumination verlöschte langsam, und das Transparent über der englischen Gesandtschaft war kaum noch zu erkennen.   And Mr. Kirsch having lost all his money by this time, followed his master out into the moonlight, where the illuminations were winking out and the transparency over our mission was scarcely visible. 64. Kapitel / Chapter 64 Ein Vagabundenkapitel / A Vagabond Chapter Wir müssen über einen Teil von Mrs. Rebekka Crawleys Biographie mit der Leichtigkeit und dem Takt hinweggehen, die die Welt fordert – die moralische Welt, die zwar keinen besonderen Abscheu gegen das Laster hat, jedoch eine unüberwindliche Abneigung dagegen, das Laster beim rechten Namen genannt zu hören. Es gibt Dinge, die wir auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit tun und kennen, aber nie aussprechen. Wie die Teufelsanbeter den Teufel niemals erwähnen, so kann das gebildete Publikum es ebensowenig ertragen, eine wahrhafte Beschreibung des Lasters zu lesen, wie eine wirklich vornehme Engländerin oder Amerikanerin nicht gestatten wird, daß in Gegenwart ihrer keuschen Ohren das Wort »Hosen« ausgesprochen wird. Und doch, Madame, läuft beides täglich vor unseren Augen in der Welt herum, ohne uns sehr zu entsetzen. Was für einen Teint würden Sie bekommen, wenn Sie jedesmal erröten sollten, wenn eins davon an Ihnen vorübergeht! Nur wenn ihr leichtfertiger Name genannt wird, findet Ihre Sittsamkeit Gelegenheit, Bestürzung oder Empörung zu zeigen. Es ist daher auch in unserer Geschichte der Wunsch des Verfassers gewesen, sich dieser gegenwärtig herrschenden Mode ehrfurchtsvoll zu unterwerfen und die Existenz des Schlechten nur leicht und leise und gefällig anzudeuten, um niemandes Feingefühl zu verletzen. Ich behaupte, daß niemand sagen kann, unsere sicher nicht lasterfreie Becky sei dem Publikum auf unanständige und beleidigende Weise vorgestellt worden. Der Verfasser fragt mit bescheidenem Stolz alle seine Leser, ob er bei der Beschreibung dieser verführerischen, singenden und lächelnden Schmeichlerin auch nur einmal die Gesetze der Sittlichkeit vergessen und den gräßlichen Schweif des Ungeheuers über Wasser gezeigt hat? Nein! Diejenigen, die Lust haben, mögen in die recht durchsichtigen Wellen hinabblicken und können dann sehen, wie er in seiner teuflischen Häßlichkeit und Schlüpfrigkeit sich dreht und windet, gegen Gebeine anschlägt oder sich um Leichen schlingt; aber ich frage nochmals, ob über der Wasseroberfläche nicht alles anständig, angenehm und geziemend zugegangen ist oder ob der bedenklichste Moralist auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit das Recht hat, pfui zu schreien? Wenn allerdings die Sirene verschwindet und hinabtaucht, hinab zu den Toten, dann wird natürlich das Wasser über ihr trübe, und es ist verlorene Mühe, neugierig hinabzuschauen. Hübsch genug sehen sie ja aus, wenn sie auf einer Klippe sitzen, auf der Harfe klimpern, sich das Haar kämmen, singen und euch bedeuten, hinzukommen und ihnen die Spiegel zu halten. Versinken sie aber in ihrem heimischen Element, so verlaßt euch darauf, daß die Meermädchen nichts Gutes im Schilde führen, und wir täten am besten daran, diese teuflischen Meerkannibalen beim Verschmausen ihrer elenden, eingesalzenen Opfer nicht zu belauschen. Wenn wir also Becky aus den Augen gelassen haben, so könnt ihr euch darauf verlassen, daß sie nicht zum besten beschäftigt war und wir gut daran tun, sowenig wie möglich von ihren Taten zu berichten.   We must pass over a part of Mrs. Rebecca Crawley’s biography with that lightness and delicacy which the world demands — the moral world, that has, perhaps, no particular objection to vice, but an insuperable repugnance to hearing vice called by its proper name. There are things we do and know perfectly well in Vanity Fair, though we never speak of them: as the Ahrimanians worship the devil, but don’t mention him: and a polite public will no more bear to read an authentic description of vice than a truly refined English or American female will permit the word breeches to be pronounced in her chaste hearing. And yet, madam, both are walking the world before our faces every day, without much shocking us. If you were to blush every time they went by, what complexions you would have! It is only when their naughty names are called out that your modesty has any occasion to show alarm or sense of outrage, and it has been the wish of the present writer, all through this story, deferentially to submit to the fashion at present prevailing, and only to hint at the existence of wickedness in a light, easy, and agreeable manner, so that nobody’s fine feelings may be offended. I defy any one to say that our Becky, who has certainly some vices, has not been presented to the public in a perfectly genteel and inoffensive manner. In describing this Siren, singing and smiling, coaxing and cajoling, the author, with modest pride, asks his readers all round, has he once forgotten the laws of politeness, and showed the monster’s hideous tail above water? No! Those who like may peep down under waves that are pretty transparent and see it writhing and twirling, diabolically hideous and slimy, flapping amongst bones, or curling round corpses; but above the waterline, I ask, has not everything been proper, agreeable, and decorous, and has any the most squeamish immoralist in Vanity Fair a right to cry fie? When, however, the Siren disappears and dives below, down among the dead men, the water of course grows turbid over her, and it is labour lost to look into it ever so curiously. They look pretty enough when they sit upon a rock, twanging their harps and combing their hair, and sing, and beckon to you to come and hold the looking-glass; but when they sink into their native element, depend on it, those mermaids are about no good, and we had best not examine the fiendish marine cannibals, revelling and feasting on their wretched pickled victims. And so, when Becky is out of the way, be sure that she is not particularly well employed, and that the less that is said about her doings is in fact the better. Wenn wir einen ausführlichen Bericht ihres Schicksals in den wenigen Jahren nach der Katastrophe in der Curzon Street geben wollten, so könnte das Publikum wohl mit einigem Recht dieses Buch taktlos nennen. Die Handlungen eitler, herzloser und vergnügungssüchtiger Menschen sind oft sehr taktlos (wie manche von dir, mein Freund mit dem ernsten Gesicht und dem makellosen Ruf – aber das nur nebenbei), und wie sollen dann die Taten einer Frau ohne Redlichkeit, Liebe und Charakter aussehen? Ich bin zu der Ansicht geneigt, daß es eine Zeitspanne in Mrs. Beckys Leben gab, wo nicht Reue, aber eine Art Verzweiflung sie ergriff und sie ihre eigene Person völlig vernachlässigte und sich nicht einmal um ihren Ruf kümmerte.   If we were to give a full account of her proceedings during a couple of years that followed after the Curzon Street catastrophe, there might be some reason for people to say this book was improper. The actions of very vain, heartless, pleasure-seeking people are very often improper (as are many of yours, my friend with the grave face and spotless reputation — but that is merely by the way); and what are those of a woman without faith — or love — or character? And I am inclined to think that there was a period in Mrs Becky’s life when she was seized, not by remorse, but by a kind of despair, and absolutely neglected her person and did not even care for her reputation. Diese Niedergeschlagenheit und Erniedrigung setzte jedoch nicht mit einemmal ein. Es kam allmählich nach dem Unglücksfall und nach vielen Kämpfen, Oberwasser zu behalten. Einer, der über Bord gefallen ist, klammert sich ja auch an einen Balken, solange er noch Hoffnung hat, aber wenn er merkt, daß der Kampf vergeblich ist, wirft er ihn weg und geht unter.   This abattement and degradation did not take place all at once; it was brought about by degrees, after her calamity, and after many struggles to keep up — as a man who goes overboard hangs on to a spar whilst any hope is left, and then flings it away and goes down, when he finds that struggling is in vain. Sie trieb sich in London herum, solange ihr Mann noch Vorbereitungen für die Abreise zu seinem Gouverneursposten traf. Wahrscheinlich versuchte sie immer wieder, ihren Schwager Sir Pitt Crawley zu sehen, um seine Gefühle zu bearbeiten, die sie ja schon fast für sich gewonnen hatte. Als Sir Pitt und Mr. Wenham zum Unterhaus gingen, erblickte Pitts Begleiter Mrs. Rebekka, in einen schwarzen Schleier gehüllt, wie sie in der Nähe des Parlamentsgebäudes umherschlich. Als ihre Augen denen Wenhams begegneten, machte sie sich davon, und ihr Anschlag auf den Baronet gelang niemals.   She lingered about London whilst her husband was making preparations for his departure to his seat of government, and it is believed made more than one attempt to see her brother-in-law, Sir Pitt Crawley, and to work upon his feelings, which she had almost enlisted in her favour. As Sir Pitt and Mr. Wenham were walking down to the House of Commons, the latter spied Mrs. Rawdon in a black veil, and lurking near the palace of the legislature. She sneaked away when her eyes met those of Wenham, and indeed never succeeded in her designs upon the Baronet. Wahrscheinlich legte sich Lady Jane ins Mittel. Ich habe gehört, daß sie ihren Gemahl durch den Mut, den sie in diesem Streit entwickelte, und ihre Entschlossenheit, sich von Mrs. Rawdon loszusagen, in Erstaunen setzte. Sie lud Rawdon aus eigenem Antrieb ein, bis zu seiner Abreise nach Coventry Island in der Gaunt Street zu wohnen, denn sie wußte, daß Mrs. Becky es nicht versuchen würde, sich Eingang zu verschaffen, wenn er als Wächter da war. Sie sah auch neugierig die Aufschriften aller an Sir Pitt gerichteten Briefe durch, damit er nicht etwa mit seiner Schwägerin korrespondierte. Nicht, daß Rebekka nicht hätte schreiben können, wenn sie die Absicht gehabt hätte, aber sie wollte Pitt nicht in seinem eigenen Haus sprechen oder dorthin schreiben, und nach ein paar Versuchen gab sie seiner Forderung nach, daß die Korrespondenz hinsichtlich ihrer Eheangelegenheiten nur von den Rechtsanwälten geführt werden solle.   Probably Lady Jane interposed. I have heard that she quite astonished her husband by the spirit which she exhibited in this quarrel, and her determination to disown Mrs. Becky. Of her own movement, she invited Rawdon to come and stop in Gaunt Street until his departure for Coventry Island, knowing that with him for a guard Mrs. Becky would not try to force her door; and she looked curiously at the superscriptions of all the letters which arrived for Sir Pitt, lest he and his sister-in-law should be corresponding. Not but that Rebecca could have written had she a mind, but she did not try to see or to write to Pitt at his own house, and after one or two attempts consented to his demand that the correspondence regarding her conjugal differences should be carried on by lawyers only. Sir Pitts Ansicht über sie war nämlich tatsächlich vergiftet worden. Kurze Zeit nach Lord Steynes Unfall war Wenham beim Baronet gewesen und hatte ihm ein derartiges Lebensbild von Mrs. Becky gegeben, daß der Parlamentsabgeordnete für Queen's Crawley aus dem Staunen nicht herauskam. Er wußte alles über sie: wer ihr Vater war, in welchem Jahr ihre Mutter beim Ballett war, wie ihre Jugend verlief und wie sie sich im Eheleben benahm. Da aber unzweifelhaft der größte Teil der Geschichte erlogen und von Böswilligkeit diktiert war, so will ich sie hier nicht wiederholen. Becky geriet aber dadurch in schlechtes, sehr schlechtes Licht in den Augen des Landedelmannes und Verwandten, der ihr einst sehr zugetan war.   The fact was that Pitt’s mind had been poisoned against her. A short time after Lord Steyne’s accident Wenham had been with the Baronet and given him such a biography of Mrs. Becky as had astonished the member for Queen’s Crawley. He knew everything regarding her: who her father was; in what year her mother danced at the opera; what had been her previous history; and what her conduct during her married life — as I have no doubt that the greater part of the story was false and dictated by interested malevolence, it shall not be repeated here. But Becky was left with a sad sad reputation in the esteem of a country gentleman and relative who had been once rather partial to her. Die Einnahmen eines Gouverneurs von Coventry Island sind nicht hoch. Einen Teil davon legte Seine Exzellenz zur Bezahlung gewisser Schulden und Verbindlichkeiten beiseite; die Spesen seiner hohen Stellung verschluckten beträchtliche Summen, und schließlich stellte es sich heraus, daß er für seine Frau nicht mehr als hundert Pfund jährlich erübrigen konnte, die er ihr unter der Bedingung zahlen wollte, daß sie sich verpflichtete, ihn nicht weiter zu behelligen. Sonst würden Skandal, Scheidung und das Gericht folgen. Es war aber Wenhams Anliegen, Lord Steynes Anliegen, Rawdons Anliegen, jedermanns Anliegen, sie aus dem Lande zu schaffen und diese höchst unangenehme Affäre zu vertuschen.   The revenues of the Governor of Coventry Island are not large. A part of them were set aside by his Excellency for the payment of certain outstanding debts and liabilities, the charges incident on his high situation required considerable expense; finally, it was found that he could not spare to his wife more than three hundred pounds a year, which he proposed to pay to her on an undertaking that she would never trouble him. Otherwise, scandal, separation, Doctors’ Commons would ensue. But it was Mr. Wenham’s business, Lord Steyne’s business, Rawdon’s, everybody’s — to get her out of the country, and hush up a most disagreeable affair. Wahrscheinlich war sie vom Ordnen dieser Geschäftsangelegenheiten mit den Anwälten ihres Mannes so sehr in Anspruch genommen, daß sie vergaß, auch nur das geringste in bezug auf ihren Sohn, den kleinen Rawdon, zu unternehmen, und es kam ihr nicht ein einziges Mal in den Sinn, ihn zu besuchen. Der junge Herr wurde nun völlig der Obhut von Tante und Onkel übergeben; Lady Jane hatte ja stets einen großen Teil seiner kindlichen Liebe besessen. Als seine Mama England verlassen hatte, schrieb sie ihm einen netten Brief aus Boulogne, worin sie ihn aufforderte, hübsch zu lernen, und erklärte, sie wolle eine Reise auf dem Kontinent unternehmen und sie werde das Vergnügen haben, ihm wieder zu schreiben. Ein ganzes Jahr lang jedoch ließ sie nichts von sich hören und schrieb erst wieder, als Sir Pitts einziger Junge, der schon immer kränklich war, an Keuchhusten und Masern starb. Nun schickte Rawdons Mama ihrem geliebten Sohn ein sehr zärtliches Schreiben. Rawdon war nämlich durch dieses Ereignis Erbe von Queen's Crawley geworden und kam der gütigen Dame, deren zärtliches Herz ihn bereits an Kindes Statt angenommen hatte, näher denn je. Rawdon Crawley, nun schon ein hübscher schlanker Bursche, errötete, als er den Brief erhielt. »Oh, Tante Jane«, sagte er, »du bist meine Mutter und nicht – nicht die da.« Trotzdem schrieb er einen freundlichen respektvollen Antwortbrief an Mrs. Rebekka, die damals in einer Pension in Florenz lebte. Aber wir greifen unserer Geschichte vor.   She was probably so much occupied in arranging these affairs of business with her husband’s lawyers that she forgot to take any step whatever about her son, the little Rawdon, and did not even once propose to go and see him. That young gentleman was consigned to the entire guardianship of his aunt and uncle, the former of whom had always possessed a great share of the child’s affection. His mamma wrote him a neat letter from Boulogne, when she quitted England, in which she requested him to mind his book, and said she was going to take a Continental tour, during which she would have the pleasure of writing to him again. But she never did for a year afterwards, and not, indeed, until Sir Pitt’s only boy, always sickly, died of hooping-cough and measles — then Rawdon’s mamma wrote the most affectionate composition to her darling son, who was made heir of Queen’s Crawley by this accident, and drawn more closely than ever to the kind lady, whose tender heart had already adopted him. Rawdon Crawley, then grown a tall, fine lad, blushed when he got the letter. “Oh, Aunt Jane, you are my mother!” he said; “and not — and not that one.” But he wrote back a kind and respectful letter to Mrs. Rebecca, then living at a boarding-house at Florence. But we are advancing matters. Der erste Flug trug unsere geliebte Becky nicht sehr weit. Sie ließ sich an der französischen Küste in Boulogne, diesem Zufluchtsort so mancher verbannten englischen Unschuld, nieder. Dort bewohnte sie mit einer Zofe ein paar Zimmer in einem Hotel und trat wie eine vornehme Witwe auf. Sie speiste an der Table d'hôte, und man fand sie sehr angenehm. Sie unterhielt ihre Tischnachbarn mit Geschichten von ihrem Schwager Sir Pitt und ihrem großen Londoner Bekanntenkreis. Dieses seichte Geschwätz über die feine Welt findet bei einer gewissen Schicht ungebildeter Leute stets ein Ohr. Viele hielten sie für eine bedeutende Persönlichkeit. Sie gab kleine Teegesellschaften in ihren Privaträumen und nahm teil an den unschuldigen Belustigungen des Ortes: sie badete im Meer, unternahm Ausflüge im offenen Wagen, ging am Strand spazieren und besuchte das Theater. Mrs. Burjoice, die Buchdruckersfrau, die mit ihrer Familie den Sommer im Hotel verlebte und die jedes Wochenende von ihrem Burjoice besucht wurde, nannte sie bezaubernd, bis dieser kleine Schurke von einem Burjoice begann, ihr zuviel Aufmerksamkeit zu bezeigen. Es war aber wirklich nichts an der Sache. Becky war nun eben stets umgänglich, munter und gutherzig – besonders Männern gegenüber.   Our darling Becky’s first flight was not very far. She perched upon the French coast at Boulogne, that refuge of so much exiled English innocence, and there lived in rather a genteel, widowed manner, with a femme de chambre and a couple of rooms, at an hotel. She dined at the table d’hote, where people thought her very pleasant, and where she entertained her neighbours by stories of her brother, Sir Pitt, and her great London acquaintance, talking that easy, fashionable slip-slop which has so much effect upon certain folks of small breeding. She passed with many of them for a person of importance; she gave little tea-parties in her private room and shared in the innocent amusements of the place in sea-bathing, and in jaunts in open carriages, in strolls on the sands, and in visits to the play. Mrs. Burjoice, the printer’s lady, who was boarding with her family at the hotel for the summer, and to whom her Burjoice came of a Saturday and Sunday, voted her charming, until that little rogue of a Burjoice began to pay her too much attention. But there was nothing in the story, only that Becky was always affable, easy, and good-natured — and with men especially. Am Ende der Saison gingen viele wie gewöhnlich ins Ausland, und Becky fand reichlich Gelegenheit, im Benehmen ihrer Bekannten aus der vornehmen Welt Londons abzulesen, wie die »Gesellschaft« über sie urteilte. Eines Tages ging sie sittsam an der Mole von Boulogne spazieren, und die Klippen Albions leuchteten aus der Ferne über das tiefblaue Meer herüber, Da stand sie plötzlich Lady Partlet und ihren Töchtern gegenüber. Mit einem Schwenk ihres Sonnenschirms versammelte die Lady alle ihre Töchter um sich und zog sich mit wütenden Blicken auf die arme Becky, die allein dort stand, von der Mole zurück.   Numbers of people were going abroad as usual at the end of the season, and Becky had plenty of opportunities of finding out by the behaviour of her acquaintances of the great London world the opinion of “society” as regarded her conduct. One day it was Lady Partlet and her daughters whom Becky confronted as she was walking modestly on Boulogne pier, the cliffs of Albion shining in the distance across the deep blue sea. Lady Partlet marshalled all her daughters round her with a sweep of her parasol and retreated from the pier, darting savage glances at poor little Becky who stood alone there. An einem anderen Tage kam das Paketboot an. Es hatte ein frischer Wind geweht, und Becky fand immer besonderen Spaß daran, die drolligen leidenden Gesichter der Leute zu beobachten, wenn sie das Schiff verließen. Zufälligerweise war an diesem Tage Lady Slingstone an Bord. Der Dame war es in ihrem Wagen sehr schlecht ergangen, sie war sehr erschöpft und kaum imstande, auf dem Schiffssteg zum Land hinüberzugehen. Aber in dem Augenblick, als sie Becky unter einem rosa Hut schalkhaft hervorlächeln sah, kehrte all ihre Energie zurück; sie warf ihr einen verächtlichen Blick zu, der jede andere Frau vernichtet hätte, und ging ohne alle Unterstützung in das Zollhaus. Rebekka lachte nur, ich glaube aber nicht, daß es ihr sehr wohl dabei war. Sie fühlte, daß sie allein, mutterseelenallein war, und die in der Ferne leuchtenden Klippen Englands waren für sie unüberwindlich.   On another day the packet came in. It had been blowing fresh, and it always suited Becky’s humour to see the droll woe-begone faces of the people as they emerged from the boat. Lady Slingstone happened to be on board this day. Her ladyship had been exceedingly ill in her carriage, and was greatly exhausted and scarcely fit to walk up the plank from the ship to the pier. But all her energies rallied the instant she saw Becky smiling roguishly under a pink bonnet, and giving her a glance of scorn such as would have shrivelled up most women, she walked into the Custom House quite unsupported. Becky only laughed: but I don’t think she liked it. She felt she was alone, quite alone, and the far-off shining cliffs of England were impassable to her. Auch das Benehmen der Männer hatte sich Gott weiß wie verändert. Grinstone entblößte die Zähne und lachte ihr unangenehm vertraulich ins Gesicht. Der kleine Bob Suckling, der ihr vor drei Monaten noch so ergeben war und der eine Meile weit im Regen gelaufen wäre, um ihre Kutsche vor dem Gaunt-Haus zu sehen, unterhielt sich eines Tages auf dem Landungsplatz mit Fitzoof von der Garde (Lord Heehaws Sohn), als Becky dort ihren gewohnten Spaziergang machte. Der kleine Bob nickte ihr über die Schulter zu, ohne den Hut zu berühren, und fuhr in seiner Unterredung mit dem Erben von Heehaw fort. Tom Raikes versuchte, ihr Wohnzimmer im Gasthof mit der Zigarre im Mund zu betreten, aber sie machte ihm die Tür vor der Nase zu und hätte sie verschlossen, wenn er nicht seine Finger dazwischen gehabt hätte. Sie begann zu fühlen, daß sie wirklich sehr allein war. »Wenn er hiergewesen wäre«, sagte sie, »dann hätten es diese Feiglinge nie gewagt, mich zu beleidigen.« Sie dachte traurig und vielleicht auch sehnsüchtig an »ihn« – an seine ehrliche, dumme, beständige Güte und Treue, seinen unendlichen Gehorsam, seine gute Laune, seine Tapferkeit und seinen Mut. Wahrscheinlich weinte sie sogar, denn als sie zum Essen herabkam, war sie besonders lebhaft und hatte etwas mehr Rouge aufgelegt als sonst. Sie schminkte sich jetzt regelmäßig, und – und sie ließ sich von ihrem Mädchen Kognak besorgen, außer dem noch, der auf die Hotelrechnung gesetzt wurde.   The behaviour of the men had undergone too I don’t know what change. Grinstone showed his teeth and laughed in her face with a familiarity that was not pleasant. Little Bob Suckling, who was cap in hand to her three months before, and would walk a mile in the rain to see for her carriage in the line at Gaunt House, was talking to Fitzoof of the Guards (Lord Heehaw’s son) one day upon the jetty, as Becky took her walk there. Little Bobby nodded to her over his shoulder, without moving his hat, and continued his conversation with the heir of Heehaw. Tom Raikes tried to walk into her sitting-room at the inn with a cigar in his mouth, but she closed the door upon him, and would have locked it, only that his fingers were inside. She began to feel that she was very lonely indeed. “If he’d been here,” she said, “those cowards would never have dared to insult me.” She thought about “him” with great sadness and perhaps longing — about his honest, stupid, constant kindness and fidelity; his never-ceasing obedience; his good humour; his bravery and courage. Very likely she cried, for she was particularly lively, and had put on a little extra rouge, when she came down to dinner. She rouged regularly now; and — and her maid got Cognac for her besides that which was charged in the hotel bill. Vielleicht waren ihr die Beleidigungen der Männer nicht so unerträglich wie die Sympathie gewisser Frauen. Lady Crackenbury und Mrs. Washington White kamen auf ihrem Wege zur Schweiz durch Boulogne. Die Gesellschaft stand unter dem Schutz von Oberst Horner, dem jungen Beaumoris und natürlich dem alten Crackenbury und Mrs. Whites kleinem Mädchen. Die mieden sie nicht. Sie lachten, schnatterten und plapperten, bedauerten und trösteten sie und behandelten sie so gönnerhaft, daß sie vor Wut bald platzte. Von denen ausgerechnet so von oben herab behandelt zu werden! dachte sie, als sie nach vielen Küssen geziert lächelnd fortgegangen waren. Sie hörte Beaumoris auf der Treppe laut lachen und wußte seine Heiterkeit recht gut zu deuten.   Perhaps the insults of the men were not, however, so intolerable to her as the sympathy of certain women. Mrs. Crackenbury and Mrs. Washington White passed through Boulogne on their way to Switzerland. The party were protected by Colonel Horner, young Beaumoris, and of course old Crackenbury, and Mrs. White’s little girl. They did not avoid her. They giggled, cackled, tattled, condoled, consoled, and patronized her until they drove her almost wild with rage. To be patronized by them ! she thought, as they went away simpering after kissing her. And she heard Beaumoris’s laugh ringing on the stair and knew quite well how to interpret his hilarity. Becky bezahlte die Wochenrechnungen pünktlich, sie machte sich jedermann im Hause angenehm, lächelte der Wirtin zu, nannte die Kellner »Monsieur« und entschädigte die Zimmermädchen für eine gewisse Knickrigkeit (von der Becky nie frei war) mit höflichen und entschuldigenden Worten. Aber nach diesem Besuch erhielt Becky von dem Wirt eine Aufforderung, das Hotel zu verlassen. Jemand hatte ihm beigebracht, sie sei nicht tragbar für sein Hotel und englische Ladys würden sich nicht neben ihr niederlassen. Sie war also gezwungen, ein Privatquartier zu nehmen, und dessen Einsamkeit und Langeweile gefielen ihr gar nicht.   It was after this visit that Becky, who had paid her weekly bills, Becky who had made herself agreeable to everybody in the house, who smiled at the landlady, called the waiters “monsieur,” and paid the chambermaids in politeness and apologies, what far more than compensated for a little niggardliness in point of money (of which Becky never was free), that Becky, we say, received a notice to quit from the landlord, who had been told by some one that she was quite an unfit person to have at his hotel, where English ladies would not sit down with her. And she was forced to fly into lodgings of which the dulness and solitude were most wearisome to her. Trotz all dieser Rückschläge hielt sie sich aufrecht und versuchte, sich einen neuen Ruf zu schaffen und den Skandal zum Schweigen zu bringen. Sie ging regelmäßig zur Kirche und sang lauter als alle anderen. Sie nahm sich der Witwen ertrunkener Fischer an und stiftete Handarbeiten und Zeichnungen für die Quashibu-Mission. Sie zeichnete für die Subskriptionsbälle und wollte auf keinen Fall Walzer tanzen. Mit einem Wort, sie tat alles, was anständig war, und aus diesem Grunde verweilen wir auch länger bei diesem Lebensabschnitt als bei den späteren, nicht so angenehmen Teilen ihrer Geschichte. Sie sah, daß die Leute sie mieden, und bewahrte doch mühsam ihr Lächeln. Man konnte ihr am Gesicht nicht ablesen, unter welchen Qualen der Demütigung sie innerlich litt.   Still she held up, in spite of these rebuffs, and tried to make a character for herself and conquer scandal. She went to church very regularly and sang louder than anybody there. She took up the cause of the widows of the shipwrecked fishermen, and gave work and drawings for the Quashyboo Mission; she subscribed to the Assembly and wouldn’t waltz. In a word, she did everything that was respectable, and that is why we dwell upon this part of her career with more fondness than upon subsequent parts of her history, which are not so pleasant. She saw people avoiding her, and still laboriously smiled upon them; you never could suppose from her countenance what pangs of humiliation she might be enduring inwardly. Nach allem blieb ihre Geschichte doch ein Geheimnis. Die Meinungen über sie waren geteilt. Einige, die sich die Mühe machten, sich mit der Sache zu beschäftigen, erklärten, sie sei die Schuldige, während andere beteuerten, sie sei so unschuldig wie ein Lamm und ihr abscheulicher Mann sei im Unrecht. Eine ganze Anzahl gewann sie dadurch, daß sie über ihren Sohn in Tränen ausbrach und leidenschaftlichen Schmerz zeigte, wenn sein Name erwähnt wurde oder sie jemanden sah, der ihm ähnlich war. Auf diese Weise gewann sie das Herz der guten Mrs. Alderney, die so ungefähr die Königin der Engländer in Boulogne war und die meisten Diners und Bälle gab. Master Alderney kam nämlich in den Ferien aus Doktor Swishtails Lehranstalt nach Boulogne zu seiner Mutter, und Becky sagte mit schmerzerstickter Stimme, er sei im selben Alter wie Rawdon und sehe ihm so ähnlich. In Wirklichkeit waren die beiden Knaben fünf Jahre auseinander, und sie ähnelten sich nicht mehr als mein verehrter Leser und sein gehorsamer Diener. Als Wenham auf dem Wege nach Kissingen, wo er Lord Steyne treffen wollte, durch Boulogne kam, klärte er Mrs. Alderney über diesen Punkt auf und meinte, daß er den kleinen Rawdon besser beschreiben könne als seine Mama, denn es sei ja stadtbekannt, daß sie ihn hasse und nie besuche. Er sei dreizehn, der kleine Alderney dagegen bloß neun, und er sei blond, während der andere liebe Junge doch dunkel sei. Mit einem Wort, er brachte die betreffende Dame dahin, ihre Gutmütigkeit zu bereuen.   Her history was after all a mystery. Parties were divided about her. Some people who took the trouble to busy themselves in the matter said that she was the criminal, whilst others vowed that she was as innocent as a lamb and that her odious husband was in fault. She won over a good many by bursting into tears about her boy and exhibiting the most frantic grief when his name was mentioned, or she saw anybody like him. She gained good Mrs. Alderney’s heart in that way, who was rather the Queen of British Boulogne and gave the most dinners and balls of all the residents there, by weeping when Master Alderney came from Dr. Swishtail’s academy to pass his holidays with his mother. “He and her Rawdon were of the same age, and so like,” Becky said in a voice choking with agony; whereas there was five years’ difference between the boys’ ages, and no more likeness between them than between my respected reader and his humble servant. Wenham, when he was going abroad, on his way to Kissingen to join Lord Steyne, enlightened Mrs. Alderney on this point and told her how he was much more able to describe little Rawdon than his mamma, who notoriously hated him and never saw him; how he was thirteen years old, while little Alderney was but nine, fair, while the other darling was dark — in a word, caused the lady in question to repent of her good humour. Sooft sich Becky mit unglaublicher Mühe einen kleinen Bekanntenkreis geschaffen hatte, kam stets jemand und zerstörte mit roher Hand alles wieder, und sie mußte mit der ganzen Arbeit von neuem beginnen. Es war hart, sehr hart, einsam und entmutigend.   Whenever Becky made a little circle for herself with incredible toils and labour, somebody came and swept it down rudely, and she had all her work to begin over again. It was very hard; very hard; lonely and disheartening. Mrs. Newbright nahm sie eine Zeitlang auf. Sie war gefesselt von ihrem lieblichen Gesang in der Kirche und ihren richtigen Ansichten über gewisse ernsthafte Themen, von denen Mrs. Becky in früheren Tagen in Queen's Crawley sehr viele hatte hören müssen. Sie nahm nicht nur Traktate mit, sondern sie las sie auch. Sie fertigte Flanellunterröcke für die Quashibus, baumwollene Nachtmützen für die Kokosnußindianer, malte Schirme für die Bekehrung des Papstes und der Juden, ging mittwochs zu den Predigtversammlungen bei Mrs. Rowls, donnerstags zu denen von Mrs. Huggleton, besuchte sonntags zweimal die Kirche und abends außerdem noch Mr. Bawler von der Brüdergemeinde der Darbysten – aber alles umsonst. Mrs. Newbright hatte Gelegenheit, mit der Gräfin Southdown über den Wärmflaschenfonds für die Bewohner der Fidschiinseln zu korrespondieren. Beide Damen gehörten zu einem weiblichen Komitee, das dieses barmherzige Werk leitete. In einem Brief erwähnte sie ihre »süße Freundin«, Mrs. Rawdon Crawley, worauf ihr die verwitwete Gräfin mit einem Brief antwortete, der von Andeutungen, Tatsachen, Lügen und Androhungen himmlischer Strafen ganz allgemein nur so strotzte. Jeglicher vertraulicher Umgang zwischen Mrs. Newbright und Mrs. Crawley hörte augenblicklich auf, und die ganze fromme Welt von Tours, wo dieses Unglück passierte, brach sofort den Verkehr mit der Ruchlosen ab. Wer die englischen Kolonien im Ausland kennt, weiß, daß wir unseren Stolz, unsere Pillen, unsere Vorurteile, unsere Harveysoße, unseren Cayennepfeffer und andere Hausgötter mitnehmen und überall, wo wir uns niederlassen, ein kleines Britannien gründen.   There was Mrs. Newbright, who took her up for some time, attracted by the sweetness of her singing at church and by her proper views upon serious subjects, concerning which in former days, at Queen’s Crawley, Mrs. Becky had had a good deal of instruction. Well, she not only took tracts, but she read them. She worked flannel petticoats for the Quashyboos — cotton night-caps for the Cocoanut Indians — painted handscreens for the conversion of the Pope and the Jews — sat under Mr. Rowls on Wednesdays, Mr. Huggleton on Thursdays, attended two Sunday services at church, besides Mr. Bawler, the Darbyite, in the evening, and all in vain. Mrs. Newbright had occasion to correspond with the Countess of Southdown about the Warmingpan Fund for the Fiji Islanders (for the management of which admirable charity both these ladies formed part of a female committee), and having mentioned her “sweet friend,” Mrs. Rawdon Crawley, the Dowager Countess wrote back such a letter regarding Becky, with such particulars, hints, facts, falsehoods, and general comminations, that intimacy between Mrs. Newbright and Mrs. Crawley ceased forthwith, and all the serious world of Tours, where this misfortune took place, immediately parted company with the reprobate. Those who know the English Colonies abroad know that we carry with us us our pride, pills, prejudices, Harvey-sauces, cayenne-peppers, and other Lares, making a little Britain wherever we settle down. Becky nun floh ratlos von einer Kolonie zur anderen, von Boulogne nach Dieppe, von Dieppe nach Caen, von Caen nach Tours – versuchte überall mit aller Kraft, ein anständiges Leben zu führen, aber o weh – eines Tages wurde sie doch stets entlarvt, und die echten Krähen hackten sie aus dem Nest.   From one colony to another Becky fled uneasily. From Boulogne to Dieppe, from Dieppe to Caen, from Caen to Tours — trying with all her might to be respectable, and alas! always found out some day or other and pecked out of the cage by the real daws. An einem Ort nahm sie Mrs. Hook Eagles auf, eine Frau mit einem makellosen Charakter und einem Haus am Portman Square. Sie wohnte in dem Hotel in Dieppe, wohin Becky geflohen war, und sie lernten sich beim Schwimmen im Meer kennen und sahen sich an der Table d'hôte des Hotels wieder. Mrs. Eagles hatte einiges über die Steyne-Affäre gehört – wer hatte denn das nicht? Nach einer Unterredung mit Becky verkündete sie jedoch, Mrs. Crawley sei ein Engel, ihr Mann ein Schuft, Lord Steyne ein charakterloser Bösewicht, wie es ja auch bekannt sei, und die ganze Anschuldigung gegen Mrs. Crawley sei eine infame, gottlose Lüge dieses Schurken Wenham. »Wenn du nur ein bißchen Mut hättest, Mr. Eagles, so würdest du den Kerl ohrfeigen, wenn du ihn das nächste Mal im Klub triffst«, sagte sie zu ihrem Mann. Eagles war jedoch ein ruhiger alter Herr und der Mann von Mrs. Eagles, mit einer Neigung zur Geologie, und außerdem zu klein, um die Ohren anderer Leute überhaupt erreichen zu können.   Mrs. Hook Eagles took her up at one of these places — a woman without a blemish in her character and a house in Portman Square. She was staying at the hotel at Dieppe, whither Becky fled, and they made each other’s acquaintance first at sea, where they were swimming together, and subsequently at the table d’hote of the hotel. Mrs Eagles had heard — who indeed had not? — some of the scandal of the Steyne affair; but after a conversation with Becky, she pronounced that Mrs. Crawley was an angel, her husband a ruffian, Lord Steyne an unprincipled wretch, as everybody knew, and the whole case against Mrs. Crawley an infamous and wicked conspiracy of that rascal Wenham. “If you were a man of any spirit, Mr. Eagles, you would box the wretch’s ears the next time you see him at the Club,” she said to her husband. But Eagles was only a quiet old gentleman, husband to Mrs. Eagles, with a taste for geology, and not tall enough to reach anybody’s ears. Nun begönnerte die Eagles Mrs. Rawdon, nahm sie mit in ihr Haus nach Paris, zankte sich mit der Frau des Gesandten, weil sie ihren Schützling nicht empfangen wollte, und tat alles, was in der Macht der Frauen steht, um Becky auf dem Pfade der Tugend und des guten Rufes zu halten.   The Eagles then patronized Mrs. Rawdon, took her to live with her at her own house at Paris, quarrelled with the ambassador’s wife because she would not receive her protegee, and did all that lay in woman’s power to keep Becky straight in the paths of virtue and good repute. Becky war anfänglich sehr sittsam und bescheiden, das Einerlei der Tugend wurde ihr jedoch in kurzer Zeit sehr lästig; jeden Tag war es dasselbe, dieselbe Langeweile und Gemächlichkeit, dieselbe Spazierfahrt in demselben eintönigen Bois de Boulogne, dieselbe Abendgesellschaft, dieselbe Predigt von Blair am Sonntagabend, dieselbe Oper, die immer und immer wieder aufgeführt wurde. Becky starb fast vor Langeweile, als glücklicherweise der junge Mr. Eagles von Cambridge kam, und sobald seine Mutter bemerkte, welchen Eindruck ihre kleine Freundin auf ihn machte, entließ sie Becky sofort.   Becky was very respectable and orderly at first, but the life of humdrum virtue grew utterly tedious to her before long. It was the same routine every day, the same dulness and comfort, the same drive over the same stupid Bois de Boulogne, the same company of an evening, the same Blair’s Sermon of a Sunday night — the same opera always being acted over and over again; Becky was dying of weariness, when, luckily for her, young Mr. Eagles came from Cambridge, and his mother, seeing the impression which her little friend made upon him, straightway gave Becky warning. Nun versuchte sie zusammen mit einer Freundin zu wirtschaften. Aber dieser gemeinsame Haushalt zankte sich bald und geriet in Schulden. Dann entschloß sie sich, in einer Pension zu leben, und blieb eine Weile in dem berühmtem Haus der Madame de Saint-Amour in der Rue Royal in Paris, wo sie ihre Reize auf schäbige Stutzer und schlampige Schönheiten verschwendete, die die Salons ihrer Wirtin besuchten. Becky liebte Gesellschaft und konnte ohne sie ebensowenig existieren wie ein Opiumesser ohne seinen Stoff. Während ihres Pensionslebens war sie einigermaßen glücklich. »Die Frauen hier sind ebenso unterhaltend wie die in Mayfair«, erzählte sie einer alten Londoner Freundin, die sie besuchte, »nur ihre Kleider sind nicht ganz so neu. Die Männer tragen gereinigte Handschuhe und sind traurige Schelme, aber sie sind nicht schlechter als Jack Dings und Tom Bums. Die Wirtin ist zwar etwas ordinär, aber ich glaube, nicht so ordinär wie Lady ...« Hier nannte sie den Namen einer großen Dame der feinen Welt, den ich für mich behalten werde, und sollte es mir das Leben kosten. Wenn abends Madame de Saint-Amours Salon erleuchtet war und man die Männer mit Orden und Bändern an den Ecartétischen sitzen sah und die Damen in gewisser Entfernung bemerkte, konnte man sich wirklich für kurze Zeit einbilden, in guter Gesellschaft zu sein, und meinen, Madame sei eine echte Gräfin. Viele Leute glaubten das, und Becky war für eine geraume Zeit eine der elegantesten Damen in den Salons der Gräfin.   Then she tried keeping house with a female friend; then the double menage began to quarrel and get into debt. Then she determined upon a boarding-house existence and lived for some time at that famous mansion kept by Madame de Saint Amour, in the Rue Royale, at Paris, where she began exercising her graces and fascinations upon the shabby dandies and fly-blown beauties who frequented her landlady’s salons. Becky loved society and, indeed, could no more exist without it than an opium-eater without his dram, and she was happy enough at the period of her boarding-house life. “The women here are as amusing as those in May Fair,” she told an old London friend who met her, “only, their dresses are not quite so fresh. The men wear cleaned gloves, and are sad rogues, certainly, but they are not worse than Jack This and Tom That. The mistress of the house is a little vulgar, but I don’t think she is so vulgar as Lady — ” and here she named the name of a great leader of fashion that I would die rather than reveal. In fact, when you saw Madame de Saint Amour’s rooms lighted up of a night, men with plaques and cordons at the ecarte tables, and the women at a little distance, you might fancy yourself for a while in good society, and that Madame was a real Countess. Many people did so fancy, and Becky was for a while one of the most dashing ladies of the Countess’s salons. Wahrscheinlich machten sie aber hier ihre alten Gläubiger von 1815 ausfindig und bewirkten, daß sie Paris verließ, denn die arme kleine Frau mußte plötzlich aus der Stadt fliehen und ging nun nach Brüssel.   But it is probable that her old creditors of 1815 found her out and caused her to leave Paris, for the poor little woman was forced to fly from the city rather suddenly, and went thence to Brussels. Wie gut sie sich doch an diesen Ort erinnerte! Sie lächelte, als sie zu dem kleinen Zwischengeschoß hinaufblickte, das sie einst bewohnt hatte, und an die Familie Bareacres dachte, die nach Pferden und Flucht schrie, als ihr Wagen schon in der Einfahrt des Hotels stand. Sie fuhr nach Waterloo und Laeken, wo George Osbornes Grabdenkmal sie sehr beeindruckte. Sie machte eine kleine Skizze davon. »Der arme Cupido!« sagte sie. »Wie schrecklich verliebt war er doch in mich, und was für ein Narr war er! Ich möchte wissen, ob die kleine Emmy noch lebt. Sie war ein gutes Geschöpfchen; und ihr dicker Bruder! Ich habe das ulkige Bild von dem Dicken noch unter meinen Papieren. Es waren gute, einfache Leute!«   How well she remembered the place! She grinned as she looked up at the little entresol which she had occupied, and thought of the Bareacres family, bawling for horses and flight, as their carriage stood in the porte-cochere of the hotel. She went to Waterloo and to Laeken, where George Osborne’s monument much struck her. She made a little sketch of it. “That poor Cupid!” she said; “how dreadfully he was in love with me, and what a fool he was! I wonder whether little Emmy is alive. It was a good little creature; and that fat brother of hers. I have his funny fat picture still among my papers. They were kind simple people.” In Brüssel empfahl Madame de Saint-Amour Becky ihrer Freundin, der Gräfin Borodino, Witwe von Napoleons berühmtem General Graf Borodino, die der dahingeschiedene Held bis auf eine Table d'hôte und einen Ekartétisch mittellos zurückgelassen hatte. Zweitrangige Stutzer und Müßiggänger, ewig prozessierende vornehme Witwen und sehr einfältige Engländer, die sich einbilden, in solchen Häusern die »Gesellschaft des Kontinents« zu finden, setzten ihr Geld auf Madame de Borodinos Tischen oder speisten daran. An der Table d'hôte bewirteten die galanten jungen Burschen die ganze Gesellschaft mit Champagner, ritten mit den Frauen aus oder mieteten Pferde für ländliche Ausflüge, legten Geld zusammen, um Logen fürs Theater oder für die Oper zu nehmen, wetteten über die schönen Schultern der Damen hinweg am Ekartétisch und schrieben an ihre Eltern in Devonshire über ihre glückliche Einführung in die ausländische Gesellschaft.   At Brussels Becky arrived, recommended by Madame de Saint Amour to her friend, Madame la Comtesse de Borodino, widow of Napoleon’s General, the famous Count de Borodino, who was left with no resource by the deceased hero but that of a table d’hote and an ecarte table. Second-rate dandies and roues, widow-ladies who always have a lawsuit, and very simple English folks, who fancy they see “Continental society” at these houses, put down their money, or ate their meals, at Madame de Borodino’s tables. The gallant young fellows treated the company round to champagne at the table d’hote, rode out with the women, or hired horses on country excursions, clubbed money to take boxes at the play or the opera, betted over the fair shoulders of the ladies at the ecarte tables, and wrote home to their parents in Devonshire about their felicitous introduction to foreign society. Hier wie in Paris war Becky die Königin, und sie regierte in den auserlesenen Pensionen. Sie lehnte weder Champagner ab noch Blumen, weder Ausflüge aufs Land noch Privatlogen, aber am liebsten war sie abends beim Ekarté – und sie spielte kühn. Anfangs setzte sie nur wenig, dann Fünffrancsstücke, dann Napoleons, dann Banknoten, dann konnte sie die Pension für den Monat nicht mehr bezahlen, dann borgte sie bei den jungen Herren, dann hatte sie wieder Geld und tyrannisierte Madame de Borodino, die sie vorher umschmeichelt und beschwatzt hatte, dann spielte sie um bloße zehn Sous und war wieder in entsetzliche Armut geraten, dann kam ihre vierteljährliche Rente, und sie bezahlte Madame de Borodinos Rechnung, und dann griff sie wieder zu den Karten und spielte gegen Monsieur de Rossignol oder den Chevalier de Raff.   Here, as at Paris, Becky was a boarding-house queen, and ruled in select pensions. She never refused the champagne, or the bouquets, or the drives into the country, or the private boxes; but what she preferred was the ecarte at night, — and she played audaciously. First she played only for a little, then for five-franc pieces, then for Napoleons, then for notes: then she would not be able to pay her month’s pension: then she borrowed from the young gentlemen: then she got into cash again and bullied Madame de Borodino, whom she had coaxed and wheedled before: then she was playing for ten sous at a time, and in a dire state of poverty: then her quarter’s allowance would come in, and she would pay off Madame de Borodino’s score and would once more take the cards against Monsieur de Rossignol, or the Chevalier de Raff. Als Becky Brüssel verließ, schuldete sie – das ist die traurige Wahrheit – Madame de Borodino die Pension für drei Monate. Dies und das Spielen und Trinken und den Kniefall vor Ehrwürden Mr. Muff, dem anglikanischen Geistlichen, um Geld von ihm zu borgen, und ihr Schmeicheln und Kokettieren mit Mylord Noodle, Sohn Sir Noodles und Zögling von Ehrwürden Mr. Muff, den sie oft in ihre Privaträume mitnahm und dem sie dann im Ekarté große Summen abgewann, – all das und hundert andere Schurkenstücke berichtet die Gräfin Borodino jedem Engländer, der in ihre Pension kommt, und erklärt, Madame Rawdon sei nicht besser als eine Viper.   When Becky left Brussels, the sad truth is that she owed three months’ pension to Madame de Borodino, of which fact, and of the gambling, and of the drinking, and of the going down on her knees to the Reverend Mr. Muff, Ministre Anglican, and borrowing money of him, and of her coaxing and flirting with Milor Noodle, son of Sir Noodle, pupil of the Rev. Mr. Muff, whom she used to take into her private room, and of whom she won large sums at ecarte — of which fact, I say, and of a hundred of her other knaveries, the Countess de Borodino informs every English person who stops at her establishment, and announces that Madame Rawdon was no better than a vipere. So schlug unsere kleine Wanderin ihre Zelte in vielen Städten Europas auf, und rastlos wie Odysseus oder Bamfylde Moore Carew reiste sie umher. Ihr Hang zur Unsolidität wurde täglich auffallender. Es dauerte nicht lange, und sie wurde ein echter Bohemien und gesellte sich zu Leuten, bei deren Anblick uns schon die Haare zu Berge stehen würden.   So our little wanderer went about setting up her tent in various cities of Europe, as restless as Ulysses or Bampfylde Moore Carew. Her taste for disrespectability grew more and more remarkable. She became a perfect Bohemian ere long, herding with people whom it would make your hair stand on end to meet. Jede europäische Stadt von einiger Bedeutung hat ihre kleine Kolonie von englischen Taugenichtsen – Männer, deren Namen Mr. Hemp, der Gerichtsbeamte, in bestimmten Abständen im Gerichtshof verliest. Oft sind es junge Leute aus sehr guter Familie, nur daß die sie verstoßen hat. Sie besuchen Billardzimmer und Kneipen und sind bei ausländischen Rennen und an Spieltischen zu finden. Sie bevölkern die Schuldgefängnisse – trinken und prahlen –prügeln sich und lärmen – prellen die Zeche – duellieren sich mit französischen und deutschen Offizieren – betrügen Mr. Spooney beim Ekarté – verschaffen sich Geld und fahren in einer prächtigen offenen Kutsche nach Baden – versuchen ihre unfehlbaren Kartentricks und lungern mit leeren Taschen um die Spieltische herum, schäbige Prahler, bettelarme Stutzer, bis es ihnen gelingt, einen jüdischen Bankier mit einem falschen Wechsel zu betrügen oder noch einen Mr. Spooney zu finden, den sie ausnehmen können. Der Wechsel von Glanz und Elend bei diesen Leuten bietet einen seltsamen Anblick. Ihr Leben muß stets sehr aufregend sein. Becky – sollen wir es gestehen? – verfiel dieser Lebensweise, und nicht mit Widerwillen. Sie zog mit diesen Bohemiens von Stadt zu Stadt. Die glückliche Mrs. Rawdon war an jedem Spieltisch in Deutschland bekannt. Sie führte einen gemeinsamen Haushalt mit Madame de Cruchecassee in Florenz. Aus München soll sie ausgewiesen worden sein, und mein Freund, Mr. Frederick Pidgeon, behauptet, man habe ihn in ihrem Haus in Lausanne betrunken gemacht und darauf habe er achthundert Pfund an Major Loder und den ehrenwerten Mr. Deuceace verloren. Sie sehen, wir fühlen uns verpflichtet, einiges von Beckys Lebenslauf mitzuteilen; von diesem Abschnitt jedoch ist es am besten, sowenig wie möglich zu berichten.   There is no town of any mark in Europe but it has its little colony of English raffs — men whose names Mr. Hemp the officer reads out periodically at the Sheriffs’ Court — young gentlemen of very good family often, only that the latter disowns them; frequenters of billiard-rooms and estaminets, patrons of foreign races and gaming-tables. They people the debtors’ prisons — they drink and swagger — they fight and brawl — they run away without paying — they have duels with French and German officers — they cheat Mr. Spooney at ecarte — they get the money and drive off to Baden in magnificent britzkas — they try their infallible martingale and lurk about the tables with empty pockets, shabby bullies, penniless bucks, until they can swindle a Jew banker with a sham bill of exchange, or find another Mr. Spooney to rob. The alternations of splendour and misery which these people undergo are very queer to view. Their life must be one of great excitement. Becky — must it be owned? — took to this life, and took to it not unkindly. She went about from town to town among these Bohemians. The lucky Mrs. Rawdon was known at every play-table in Germany. She and Madame de Cruchecassee kept house at Florence together. It is said she was ordered out of Munich, and my friend Mr. Frederick Pigeon avers that it was at her house at Lausanne that he was hocussed at supper and lost eight hundred pounds to Major Loder and the Honourable Mr. Deuceace. We are bound, you see, to give some account of Becky’s biography, but of this part, the less, perhaps, that is said the better. Wenn Mrs. Crawley in besonders mißlicher Lage war, soll sie hier und da Konzerte und Musikunterricht gegeben haben. Auf jeden Fall hat eine Madame de Raudon in Wildbad, begleitet von Herrn Spoff, dem ersten Pianisten des Hospodars von der Walachei, eine musikalische Matinee gegeben; und mein kleiner Freund Mr. Eaves, der jedermann kannte und überall gewesen war, erzählte immer wieder, daß 1830, als er in Straßburg war, eine gewisse Madame Rebecque in der Oper »Die weiße Dame« auftrat und einen ungeheuren Theaterskandal verursachte. Das Publikum zischte sie von der Bühne, teilweise wegen ihrer Unfähigkeit, hauptsächlich aber wegen der unbesonnenen Sympathiekundgebungen einiger Personen im Parkett (wo die Offiziere der Garnison saßen), und Eaves meinte ganz sicher, die unglückliche Debütantin sei niemand anders als Mrs. Rawdon Crawley gewesen.   They say that, when Mrs. Crawley was particularly down on her luck, she gave concerts and lessons in music here and there. There was a Madame de Raudon, who certainly had a matinee musicale at Wildbad, accompanied by Herr Spoff, premier pianist to the Hospodar of Wallachia, and my little friend Mr. Eaves, who knew everybody and had travelled everywhere, always used to declare that he was at Strasburg in the year 1830, when a certain Madame Rebecque made her appearance in the opera of the Dame Blanche, giving occasion to a furious row in the theatre there. She was hissed off the stage by the audience, partly from her own incompetency, but chiefly from the ill-advised sympathy of some persons in the parquet, (where the officers of the garrison had their admissions); and Eaves was certain that the unfortunate debutante in question was no other than Mrs. Rawdon Crawley. Sie war auf dieser Erde wirklich nichts Besseres als eine Vagabundin. Wenn sie ihr Geld erhielt, so spielte sie; wenn sie es verspielt hatte, so mußte sie zu Kunstgriffen Zuflucht nehmen, um zu leben. Wer weiß, wie und mit welchen Mitteln ihr das gelang? Man will sie sogar einmal in Sankt Petersburg gesehen haben, von der Polizei soll sie aber kurz entschlossen aus dieser Hauptstadt ausgewiesen worden sein. Daher kann das Gerücht, sie sei in Teplitz und später in Wien russische Spionin gewesen, unmöglich wahr sein. Ich habe sogar erfahren, sie habe in Paris eine Verwandte entdeckt, und zwar niemand Geringeres als ihre Großmutter mütterlicherseits, die keineswegs eine Montmorency war, sondern eine abscheuliche alte Logenschließerin in einem Boulevardtheater. Das Treffen der beiden – von dem wie gesagt auch andere zu wissen scheinen, muß rührend verlaufen sein. Der Verfasser kann aber keine sicheren Einzelheiten davon berichten.   She was, in fact, no better than a vagabond upon this earth. When she got her money she gambled; when she had gambled it she was put to shifts to live; who knows how or by what means she succeeded? It is said that she was once seen at St. Petersburg, but was summarily dismissed from that capital by the police, so that there cannot be any possibility of truth in the report that she was a Russian spy at Toplitz and Vienna afterwards. I have even been informed that at Paris she discovered a relation of her own, no less a person than her maternal grandmother, who was not by any means a Montmorenci, but a hideous old box-opener at a theatre on the Boulevards. The meeting between them, of which other persons, as it is hinted elsewhere, seem to have been acquainted, must have been a very affecting interview. The present historian can give no certain details regarding the event. Einmal geschah es in Rom, daß Mrs. Rawdons halbjährliche Rente gerade beim größten Bankier am Platze eingezahlt worden war, und da alle, die ein Konto von mehr als fünfhundert Scudi hatten, zu den Winterbällen eingeladen wurden, die dieser Fürst der Handelsleute gab, so wurde auch Becky mit einer Karte beehrt und erschien bei einer der glänzenden Abendunterhaltungen des Fürsten und der Fürstin Polonia. Die Fürstin kam aus der Familie Pompili und stammte in gerader Linie von dem zweiten König in Rom und seiner Gemahlin Egeria aus dem Hause Olympus ab. Der Großvater des Prinzen dagegen, Alessandro Polonia, verkaufte noch Seifenkugeln, Essenzen, Tabak und Taschentücher, erledigte Aufträge für vornehme Herren und betrieb den Geldverleih im kleinen. Die große Gesellschaft Roms drängte sich in seinen Salons – Fürsten, Herzöge, Gesandte, Künstler, Geigenvirtuosen, geistliche Würdenträger und Adlige auf Reisen mit ihren Begleitern – Männer jeden Ranges und Standes. Seine Gemächer funkelten von Licht und Pracht, strahlten von Goldrahmen (es waren auch Bilder darin) und zweifelhaften Antiken. Die ungeheuren vergoldeten Kronen und Wappen des fürstlichen Besitzers, ein goldener Pilz auf rotem Felde (die Farbe der Taschentücher, die er verkaufte), und die silberne Fontäne der Familie Pompili glänzten überall auf dem Dach, an den Türen und auf der Täfelung des Hauses und über den großartigen Samtbaldachinen für den Empfang von Päpsten und Kaisern.   It happened at Rome once that Mrs. de Rawdon’s half-year’s salary had just been paid into the principal banker’s there, and, as everybody who had a balance of above five hundred scudi was invited to the balls which this prince of merchants gave during the winter, Becky had the honour of a card, and appeared at one of the Prince and Princess Polonia’s splendid evening entertainments. The Princess was of the family of Pompili, lineally descended from the second king of Rome, and Egeria of the house of Olympus, while the Prince’s grandfather, Alessandro Polonia, sold wash-balls, essences, tobacco, and pocket-handkerchiefs, ran errands for gentlemen, and lent money in a small way. All the great company in Rome thronged to his saloons — Princes, Dukes, Ambassadors, artists, fiddlers, monsignori, young bears with their leaders — every rank and condition of man. His halls blazed with light and magnificence; were resplendent with gilt frames (containing pictures), and dubious antiques; and the enormous gilt crown and arms of the princely owner, a gold mushroom on a crimson field (the colour of the pocket-handkerchiefs which he sold), and the silver fountain of the Pompili family shone all over the roof, doors, and panels of the house, and over the grand velvet baldaquins prepared to receive Popes and Emperors. Becky, die in der Postkutsche von Florenz gekommen war und sehr bescheiden in einem Wirtshaus wohnte, erhielt also eine Einladung zum Fest des Fürsten Polonia. Ihr Mädchen kleidete sie mit ungewöhnlicher Sorgfalt an, und sie ging zu diesem feinen Ball, auf den Arm von Major Loder gelehnt, mit dem sie damals zufällig reiste. Es war derselbe Loder, der im Jahr darauf in Neapel den Fürsten Ravioli erschoß und den Sir John Buckskin durchprügelte, weil er außer den vier Königen im Ekarté noch weitere vier im Hut mit herumtrug. Das Paar wandelte durch die Räume, und Becky erblickte viele bekannte Gesichter aus glücklicheren Tagen, da sie zwar nicht unschuldig, aber noch nicht entlarvt war. Major Loder kannte eine Menge Ausländer, bärtige Männer mit scharfem Blick, schmutzigen Ordensbändern im Knopfloch und sehr wenig Aufwand an Wäsche. Seine eigenen Landsleute jedoch mieden den Major. Auch Becky kannte hie und da einige Damen – französische Witwen, zweifelhafte italienische Gräfinnen, die von ihren Ehemännern schlecht behandelt worden waren. Aber pfui, was sollen wir, die wir uns doch auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit in der besten Gesellschaft bewegt haben, von diesem Abschaum von Schurken noch sagen? Wenn wir spielen, so spielen wir mit sauberen Karten und nicht mit diesem schmutzigen Pack. Jeder aus dem zahllosen Heer von Reisenden hat jedoch schon diese irregulären Marodeure gesehen, die wie Nym und Pistol mit der Hauptmacht herumziehen, die Farben des Königs tragen und mit dem königlichen Offizierspatent prahlen, aber auf eigene Faust plündern und zuweilen am Wege aufgehängt werden.   So Becky, who had arrived in the diligence from Florence, and was lodged at an inn in a very modest way, got a card for Prince Polonia’s entertainment, and her maid dressed her with unusual care, and she went to this fine ball leaning on the arm of Major Loder, with whom she happened to be travelling at the time — (the same man who shot Prince Ravoli at Naples the next year, and was caned by Sir John Buckskin for carrying four kings in his hat besides those which he used in playing at ecarte ) — and this pair went into the rooms together, and Becky saw a number of old faces which she remembered in happier days, when she was not innocent, but not found out. Major Loder knew a great number of foreigners, keen-looking whiskered men with dirty striped ribbons in their buttonholes, and a very small display of linen; but his own countrymen, it might be remarked, eschewed the Major. Becky, too, knew some ladies here and there — French widows, dubious Italian countesses, whose husbands had treated them ill — faugh — what shall we say, we who have moved among some of the finest company of Vanity Fair, of this refuse and sediment of rascals? If we play, let it be with clean cards, and not with this dirty pack. But every man who has formed one of the innumerable army of travellers has seen these marauding irregulars hanging on, like Nym and Pistol, to the main force, wearing the king’s colours and boasting of his commission, but pillaging for themselves, and occasionally gibbeted by the roadside. Major Loder und sie wandelten also Arm in Arm durch die Gemächer, tranken eine große Menge Champagner an dem Büfett, wo die Gäste und besonders die irregulären Truppen des Majors wütend um Erfrischungen kämpften. Als das Paar genug davon hatte, gingen sie weiter, bis sie den rosa Plüschsalon der Herzogin am Ende der Zimmerflucht erreicht hatten, wo die Venusstatue steht und die großen venezianischen silbergerahmten Spiegel hängen. Dort bewirtete die fürstliche Familie ihre vornehmsten Gäste an einem runden Tisch. Es war genauso ein kleines erlesenes Bankett wie das, an dem Becky bei Lord Steyne teilgenommen hatte, wie sie sich entsann, und da – da erblickte sie ihn an Polonias Tafel. Die Narbe von dem Schnitt des Diamanten auf seiner weißen, kahlen, glänzenden Stirn war feuerrot. Sein roter Backenbart hatte eine purpurne Tönung, die das bleiche Gesicht noch bleicher machte. Er trug das Blaue Band und seinen Hosenbandorden und noch ein paar Auszeichnungen. Er war ein bedeutenderer Fürst als alle anderen dort, obwohl ein regierender Herzog und eine Königliche Hoheit mit ihren Prinzessinnen anwesend waren. Neben dem Lord saß die schöne Gräfin Belladonna geborene Glandier. Ihr Gemahl, Graf Paolo della Belladonna, sehr bekannt durch seine herrliche Insektensammlung, war schon seit langer Zeit abwesend: als Gesandter beim Kaiser von Marokko.   Well, she was hanging on the arm of Major Loder, and they went through the rooms together, and drank a great quantity of champagne at the buffet, where the people, and especially the Major’s irregular corps, struggled furiously for refreshments, of which when the pair had had enough, they pushed on until they reached the Duchess’s own pink velvet saloon, at the end of the suite of apartments (where the statue of the Venus is, and the great Venice looking-glasses, framed in silver), and where the princely family were entertaining their most distinguished guests at a round table at supper. It was just such a little select banquet as that of which Becky recollected that she had partaken at Lord Steyne’s — and there he sat at Polonia’s table, and she saw him. The scar cut by the diamond on his white, bald, shining forehead made a burning red mark; his red whiskers were dyed of a purple hue, which made his pale face look still paler. He wore his collar and orders, his blue ribbon and garter. He was a greater Prince than any there, though there was a reigning Duke and a Royal Highness, with their princesses, and near his Lordship was seated the beautiful Countess of Belladonna, nee de Glandier, whose husband (the Count Paolo della Belladonna), so well known for his brilliant entomological collections, had been long absent on a mission to the Emperor of Morocco. Als Becky dieses vertraute, erlauchte Gesicht erblickte, wie ordinär kam ihr plötzlich Major Loder vor und wie abscheulich der ewig nach Tabak riechende Hauptmann Rook. Augenblicklich gewann sie die Haltung einer Dame zurück und versuchte auszusehen und sich zu fühlen, als ob sie von neuem in Mayfair wäre. Dieses Weib scheint geistlos und schlechtgelaunt zu sein, dachte sie. Ich glaube bestimmt, daß sie ihn nicht unterhalten kann. Nein, er muß sich bei ihr langweilen – das hat er bei mir nie getan. Hundert rührende Hoffnungen, Befürchtungen und Erinnerungen klopften in ihrem kleinen Herzen, als sie mit strahlenden Augen (das Rouge, das sie bis zu den Augenlidern auftrug, ließ sie funkeln) den hohen Adligen ansah. An Abenden, wo er mit dem Hosenbandorden auftrat, legte Lord Steyne auch sein großartigstes Benehmen an und sah aus und sprach wie der Fürst, der er war. Becky bewunderte ihn, wie er leicht, stolz und majestätisch lächelte. Ah, bon Dieu, was für ein angenehmer Gesellschafter war er doch, was für einen brillanten Witz, welch köstliche Unterhaltungsgabe, welch großartiges Benehmen er doch hatte! Und das hatte sie eingetauscht gegen Major Loder, der nach Zigarren und Schnaps duftete, und Hauptmann Rook mit seinen Pferdestallwitzen und seiner Boxersprache. Mal sehen, ob er mich erkennt, dachte sie. Lord Steyne scherzte gerade mit einer sehr vornehmen Dame an seiner Seite, als er aufsah und Becky erblickte.   When Becky beheld that familiar and illustrious face, how vulgar all of a sudden did Major Loder appear to her, and how that odious Captain Rook did smell of tobacco! In one instant she reassumed her fine-ladyship and tried to look and feel as if she were in May Fair once more. “That woman looks stupid and ill-humoured,” she thought; “I am sure she can’t amuse him. No, he must be bored by her — he never was by me.” A hundred such touching hopes, fears, and memories palpitated in her little heart, as she looked with her brightest eyes (the rouge which she wore up to her eyelids made them twinkle) towards the great nobleman. Of a Star and Garter night Lord Steyne used also to put on his grandest manner and to look and speak like a great prince, as he was. Becky admired him smiling sumptuously, easy, lofty, and stately. Ah, bon Dieu, what a pleasant companion he was, what a brilliant wit, what a rich fund of talk, what a grand manner! — and she had exchanged this for Major Loder, reeking of cigars and brandy-and-water, and Captain Rook with his horsejockey jokes and prize-ring slang, and their like. “I wonder whether he will know me,” she thought. Lord Steyne was talking and laughing with a great and illustrious lady at his side, when he looked up and saw Becky. Sie zitterte am ganzen Körper, als sich ihre Augen trafen; dabei setzte sie ihr schönstes Lächeln auf und machte ihm einen kleinen, schüchternen, flehenden Knicks. Er starrte sie offenen Mundes eine Minute lang entsetzt an, wie Macbeth, als er Banquos Geist an seiner Tafel erblickt, bis sie der schreckliche Major Loder hinwegzog.   She was all over in a flutter as their eyes met, and she put on the very best smile she could muster, and dropped him a little, timid, imploring curtsey. He stared aghast at her for a minute, as Macbeth might on beholding Banquo’s sudden appearance at his ball-supper, and remained looking at her with open mouth, when that horrid Major Loder pulled her away. »Kommen Sie ins Speisezimmer, Mrs. Rawdon«, sagte dieser Herr. »Wenn ich die Pomadenhengste da drin einhauen sehe, bekomme ich auch Appetit. Kommen Sie, wir wollen den Champagner des Alten noch einmal versuchen.« Becky glaubte allerdings, der Major habe schon etwas zuviel davon.   “Come away into the supper-room, Mrs. R.,” was that gentleman’s remark: “seeing these nobs grubbing away has made me peckish too. Let’s go and try the old governor’s champagne.” Becky thought the Major had had a great deal too much already. Am nächsten Tage ging sie auf dem Pinciushügel, dem Hyde Park der römischen Müßiggänger, spazieren, vielleicht in der Hoffnung, Lord Steyne wiederzusehen. Sie traf dort jedoch einen anderen Bekannten, Monsieur Fiche, den treuen Diener des Lords, der mit einem vertraulichen Nicken auf sie zukam und mit einem Finger an den Hut tippte. »Ich wußte, daß Madame hier ist«, sagte er. »Ich bin ihr vom Hotel aus gefolgt. Ich habe Madame einen Rat zu geben.«   The day after she went to walk on the Pincian Hill — the Hyde Park of the Roman idlers — possibly in hopes to have another sight of Lord Steyne. But she met another acquaintance there: it was Mr. Fiche, his lordship’s confidential man, who came up nodding to her rather familiarly and putting a finger to his hat. “I knew that Madame was here,” he said; “I followed her from her hotel. I have some advice to give Madame.” »Von Marquis von Steyne?« fragte Becky unter Aufbietung aller ihrer Würde, von Hoffnungen und Erwartungen erregt.   “From the Marquis of Steyne?” Becky asked, resuming as much of her dignity as she could muster, and not a little agitated by hope and expectation. »Nein«, erwiderte der Diener. »Er kommt von mir. Rom ist sehr ungesund.«   “No,” said the valet; “it is from me. Rome is very unwholesome.” »Nicht zu dieser Jahreszeit, Monsieur Fiche. Erst nach Ostern.«   “Not at this season, Monsieur Fiche — not till after Easter.” »Ich erkläre, Madame, es ist auch jetzt ungesund. Ein paar Leute können immer Malaria bekommen. Der verfluchte Sumpfwind fordert zu jeder Jahreszeit seine Opfer. Sehen Sie, Madame Crawley, Sie sind stets ein bon enfant gewesen, und ich nehme Anteil an Ihnen, parole d'honneur! Lassen Sie sich warnen! Ich sage Ihnen, verlassen Sie Rom, oder Sie werden krank werden und sterben.«   “I tell Madame it is unwholesome now. There is always malaria for some people. That cursed marsh wind kills many at all seasons. Look, Madame Crawley, you were always bon enfant, and I have an interest in you, parole d’honneur. Be warned. Go away from Rome, I tell you — or you will be ill and die.” Becky lachte, allerdings vor Zorn und Wut. »Was, mich armes Wesen ermorden?« rief sie. »Wie romantisch! Hat der Lord Meuchelmörder als Reisediener und Dolche in seinem Packwagen? Pah! Ich werde bleiben, und wenn auch nur, um ihn zu quälen. Ich habe auch Leute, die mich verteidigen werden, solange ich hier bin.«   Becky laughed, though in rage and fury. “What! assassinate poor little me?” she said. “How romantic! Does my lord carry bravos for couriers, and stilettos in the fourgons? Bah! I will stay, if but to plague him. I have those who will defend me whilst I am here.” Nun war es an Monsieur Fiche, zu lachen. »Sie verteidigen!« rief er. »Aber wer? Der Major, der Hauptmann? Jeder von diesen Spielern, mit denen Madame Bekanntschaft pflegt, würde Sie für hundert Louisdor umbringen. Wir wissen Dinge von Major Loder (der ebensowenig Major ist, wie ich Marquis bin), die ihn auf die Galeeren bringen würden oder noch Schlimmeres. Wir wissen alles und haben Freunde überall. Wir wissen, mit wem Sie in Paris zusammen waren und was für Verwandte Sie dort gefunden haben. Ja, Madame, Sie mögen große Augen machen, aber es stimmt. Wie kommt es, daß kein Gesandter auf dem Kontinent Madame empfangen hat? Madame hat jemanden beleidigt, der niemals vergibt – dessen Wut sich verdoppelte, als er Sie sah. Gestern abend, als er nach Hause kam, benahm er sich wie ein Wahnsinniger. Madame de Belladonna hat ihm Ihretwegen eine Szene gemacht und einen ihrer Wutanfälle gehabt.«   It was Monsieur Fiche’s turn to laugh now. “Defend you,” he said, “and who? The Major, the Captain, any one of those gambling men whom Madame sees would take her life for a hundred louis. We know things about Major Loder (he is no more a Major than I am my Lord the Marquis) which would send him to the galleys or worse. We know everything and have friends everywhere. We know whom you saw at Paris, and what relations you found there. Yes, Madame may stare, but we do. How was it that no minister on the Continent would receive Madame? She has offended somebody: who never forgives — whose rage redoubled when he saw you. He was like a madman last night when he came home. Madame de Belladonna made him a scene about you and fired off in one of her furies.” »Ach so, Madame de Belladonna!« meinte Becky ein wenig erleichtert, denn die Mitteilung von eben hatte sie doch erschreckt.   “Oh, it was Madame de Belladonna, was it?” Becky said, relieved a little, for the information she had just got had scared her. »Nein – sie spielt keine Rolle – sie ist immer eifersüchtig. Ich sage Ihnen, es war der gnädige Herr. Sie taten nicht gut daran, sich ihm zu zeigen, und wenn Sie hierbleiben, dann werden Sie es bereuen. Denken Sie an meine Worte. Gehen Sie. Da ist Mylords Wagen« – und er ergriff Becky am Arm und zog sie in eine Allee des Gartens hinein, als Lord Steynes wappenschimmernde Kutsche, gezogen von unschätzbar teuren Pferden, herangedonnert kam. Neben Madame de Belladonna, der dunklen verdrossenen Schönheit mit einem Wachtelhündchen im Schoß und einem weissen Schirm über dem Kopf, lehnte totenblaß mit gespenstischem Blick der alte Lord Steyne. Haß, Zorn und Begierde vermochten seine Augen ab und zu noch zu beleben. Gewöhnlich aber waren sie tot und schienen es müde zu sein, in eine Welt zu blicken, deren Freuden und Schönheiten für den zerrütteten lasterhaften Alten ihren Reiz verloren hatten.   “No — she does not matter — she is always jealous. I tell you it was Monseigneur. You did wrong to show yourself to him. And if you stay here you will repent it. Mark my words. Go. Here is my lord’s carriage" — and seizing Becky’s arm, he rushed down an alley of the garden as Lord Steyne’s barouche, blazing with heraldic devices, came whirling along the avenue, borne by the almost priceless horses, and bearing Madame de Belladonna lolling on the cushions, dark, sulky, and blooming, a King Charles in her lap, a white parasol swaying over her head, and old Steyne stretched at her side with a livid face and ghastly eyes. Hate, or anger, or desire caused them to brighten now and then still, but ordinarily, they gave no light, and seemed tired of looking out on a world of which almost all the pleasure and all the best beauty had palled upon the worn-out wicked old man. »Der gnädige Herr hat sich von der Erschütterung jener Nacht nie mehr erholt, nie«, flüsterte Monsieur Fiche Mrs. Crawley zu, als der Wagen vorüberschoß und sie ihm aus dem schützenden Gebüsch nachblickte. Das ist auf jeden Fall noch ein Trost, dachte Becky.   “Monseigneur has never recovered the shock of that night, never,” Monsieur Fiche whispered to Mrs. Crawley as the carriage flashed by, and she peeped out at it from behind the shrubs that hid her. “That was a consolation at any rate,” Becky thought. Ob nun der Marquis wirklich Mordabsichten gegen Mrs. Becky hegte, wie Monsieur Fiche erklärt hatte (nach den Tod seines Herrn kehrte er übrigens in sein Vaterland zurück und lebt dort sehr geachtet, nachdem er von seinem Fürsten den Titel eines Baron Ficci gekauft hat), und ob bloß das Faktotum sich weigerte, etwas mit dem Mord zu tun zu haben, oder ob er einfach den Auftrag hatte, Mrs. Crawley aus der Stadt zu verscheuchen, wo der Lord den Winter zubringen wollte, da ihr Anblick dem hoher Adligen sehr unangenehm sein würde – dies ist eine Frage die niemals geklärt worden ist. Die Drohung wirkte jedoch bei der kleinen Frau, und sie machte keine Versuche mehr sich ihrem alten Gönner aufzudrängen.   Whether my lord really had murderous intentions towards Mrs. Becky as Monsieur Fiche said (since Monseigneur’s death he has returned to his native country, where he lives much respected, and has purchased from his Prince the title of Baron Ficci), and the factotum objected to have to do with assassination; or whether he simply had a commission to frighten Mrs. Crawley out of a city where his Lordship proposed to pass the winter, and the sight of her would be eminently disagreeable to the great nobleman, is a point which has never been ascertained: but the threat had its effect upon the little woman, and she sought no more to intrude herself upon the presence of her old patron. Jeder kennt das traurige Ende dieses Edelmannes, das ihn zwei Monate nach der französischen Revolution vor 1830 in Neapel ereilte. Der sehr ehrenwerte George Gustavus Marquis von Steyne, Graf von Gaunt und Schloß Gaunt, Peer im irischen Adel, Viscount Hellborough, Baron Pitchley und Grillsby, Ritter des Hosenbandordens des Goldenen Vlieses von Spanien, des russischen Sankt Nikolaus-Ordens erster Klasse, des türkischen Halbmondordens, erster Lord des Haarpuderkabinetts und Kammerherr der Hintertreppe, Oberst der Gauntschen Miliztruppen des Königs, Vorstandsmitglied des Britischen Museums, Prior des Trinity-Hauses, Vorsteher der Weißen Mönche und Dr. jur. civ., starb nach einer Reihe von Schlaganfällen, die, nach Ansicht der Zeitungen, der Kummer über den Sturz des französischen Thrones bewirkt hatte.   Everybody knows the melancholy end of that nobleman, which befell at Naples two months after the French Revolution of 1830; when the Most Honourable George Gustavus, Marquis of Steyne, Earl of Gaunt and of Gaunt Castle, in the Peerage of Ireland, Viscount Hellborough, Baron Pitchley and Grillsby, a Knight of the Most Noble Order of the Garter, of the Golden Fleece of Spain, of the Russian Order of Saint Nicholas of the First Class, of the Turkish Order of the Crescent, First Lord of the Powder Closet and Groom of the Back Stairs, Colonel of the Gaunt or Regent’s Own Regiment of Militia, a Trustee of the British Museum, an Elder Brother of the Trinity House, a Governor of the White Friars, and D.C.L. — died after a series of fits brought on, as the papers said, by the shock occasioned to his lordship’s sensibilities by the downfall of the ancient French monarchy. In einer Wochenschrift erschien eine beredte Aufstellung seiner Tugenden, seiner Großmut, seiner Talente und seiner guten Taten. Seine Gefühle für das erlauchte Haus der Bourbonen und seine Liebe zu ihnen, mit denen er verwandt zu sein angab, ließen ihn das Unglück seiner hohen Vettern nicht überleben. Seinen Körper begrub man in Neapel, aber sein Herz – das Herz, das stets nur in edlem und großmütigem Bestreben schlug, wurde in einer silbernen Urne nach Schloß Gaunt gebracht. »Mit ihm«, erklärte Mr. Wagg, »haben die Armen und die schönen Künste einen wohltätigen Gönner, die Gesellschaft eine ihrer glänzendsten Zierden und England einen seiner erhabensten Patrioten und Staatsmänner verloren« und so weiter und so fort.   An eloquent catalogue appeared in a weekly print, describing his virtues, his magnificence, his talents, and his good actions. His sensibility, his attachment to the illustrious House of Bourbon, with which he claimed an alliance, were such that he could not survive the misfortunes of his august kinsmen. His body was buried at Naples, and his heart — that heart which always beat with every generous and noble emotion was brought back to Castle Gaunt in a silver urn. “In him,” Mr. Wagg said, “the poor and the Fine Arts have lost a beneficent patron, society one of its most brilliant ornaments, and England one of her loftiest patriots and statesmen,” \&c., \&c. Sein Testament brachte viel Streit mit sich. Es wurde versucht, Madame de Belladonna das unter dem Namen Judenaugen-Diamant berühmte Juwel zu entreißen, das der Lord stets am Zeigefinger getragen hatte und das sie ihm nach seinem beklagenswerten Hinscheiden abgezogen haben sollte. Sein vertrauter Freund und Diener Monsieur Fiche bewies jedoch, daß der Marquis der besagten Madame de Belladonna den Ring zwei Tage vor seinem Tod geschenkt hatte, ebenso wie die Banknoten und Juwelen, die neapolitanischen und französischen Staatspapiere und andere Dinge, die sich in dem Sekretär des Lords fanden und die seine Erben von der beleidigten Frau zurückforderten.   His will was a good deal disputed, and an attempt was made to force from Madame de Belladonna the celebrated jewel called the “Jew’s-eye” diamond, which his lordship always wore on his forefinger, and which it was said that she removed from it after his lamented demise. But his confidential friend and attendant, Monsieur Fiche proved that the ring had been presented to the said Madame de Belladonna two days before the Marquis’s death, as were the bank-notes, jewels, Neapolitan and French bonds, \&c., found in his lordship’s secretaire and claimed by his heirs from that injured woman. 65. Kapitel / Chapter 65 Voller Geschäfte und Vergnügungen / Full of Business and Pleasure Am Tage nach der Begegnung am Spieltisch ließ sich Joseph mit ungewöhnlicher Sorgfalt und Eleganz ankleiden und machte sich frühzeitig auf den Weg, ohne es für notwendig zu halten, einem Mitglied seiner Familie ein Wort über die Geschehnisse des vergangenen Abends zu sagen, oder jemanden zu bitten, ihn bei seinem Spaziergang zu begleiten. Bald darauf konnte man ihn am Eingang zum »Elefanten« sehen, wo er sich nach etwas erkundigte. Wegen der Festlichkeit war das Haus voll besetzt, die Tische an der Straße waren bereits von Personen umringt, die rauchten und das nationale Dünnbier tranken. Die Gastzimmer waren von dicken Rauchwolken erfüllt, und man wies Mr. Joseph auf seine unbeholfen auf deutsch, aber wie gewöhnlich majestätisch gestellte Frage nach der Person, die er suchte, fast unter das Dach des Hauses. Er mußte durch den ersten Stock, wo ein paar reisende Händler wohnten, die ihre Schmuckgegenstände und Stoffe ausgestellt hatten, vorbei an den Zimmern im zweiten Stock, die der Stab der Spielbank eingenommen hatte, an den Zimmern im dritten Stock, wo die berühmten fahrenden Leute, die Kunstreiter und Gaukler, hausten, und weiter bis zu den kleinen Mansardenkämmerchen, wo Becky inmitten von Studenten, Handwerksburschen, kleinen Handwerkern und Landleuten, die zum Fest hereingekommen waren, ein kleines Nest gefunden hatte – ein so schmutziger kleiner Zufluchtsort, wie er nur je der Schönheit als Versteck gedient hat.   The day after the meeting at the play-table, Jos had himself arrayed with unusual care and splendour, and without thinking it necessary to say a word to any member of his family regarding the occurrences of the previous night, or asking for their company in his walk, he sallied forth at an early hour, and was presently seen making inquiries at the door of the Elephant Hotel. In consequence of the fetes the house was full of company, the tables in the street were already surrounded by persons smoking and drinking the national small-beer, the public rooms were in a cloud of smoke, and Mr. Jos having, in his pompous way, and with his clumsy German, made inquiries for the person of whom he was in search, was directed to the very top of the house, above the first-floor rooms where some travelling pedlars had lived, and were exhibiting their jewellery and brocades; above the second-floor apartments occupied by the etat major of the gambling firm; above the third-floor rooms, tenanted by the band of renowned Bohemian vaulters and tumblers; and so on to the little cabins of the roof, where, among students, bagmen, small tradesmen, and country-folks come in for the festival, Becky had found a little nest — as dirty a little refuge as ever beauty lay hid in. Becky liebte dieses Leben; sie stand mit den Händlern, Spielbankleuten, Gauklern, Studenten, kurz, mit allen, auf gutem Fuß. Von ihren Eltern, die beide aus Neigung und Notwendigkeit ein Zigeunerleben geführt hatten, hatte sie die wilde, rastlose Natur geerbt. Wenn nicht gerade ein Lord zugegen war, so sprach sie auch mit dem größten Vergnügen mit seinem Diener. Der Lärm, das Getümmel, das Trinken und Rauchen, das Geschwätz der jüdischen Händler, das feierliche, prahlerische Benehmen der armen Gaukler, das geheimnisvolle Gerede der Spielbankleute, die Lieder und die Aufschneidereien der Studenten und das allgemeine geräuschvolle Treiben des Ortes sagten der kleinen Frau zu und reizten sie, selbst wenn sie gerade tief im Unglück steckte und nichts besaß, um ihre Rechnung zu begleichen. Wie angenehm war dieser Betrieb ihr jetzt erst, da ihre Börse voll von dem Geld war, das der kleine Georgy am Abend zuvor für sie gewonnen hatte.   Becky liked the life. She was at home with everybody in the place, pedlars, punters, tumblers, students and all. She was of a wild, roving nature, inherited from father and mother, who were both Bohemians, by taste and circumstance; if a lord was not by, she would talk to his courier with the greatest pleasure; the din, the stir, the drink, the smoke, the tattle of the Hebrew pedlars, the solemn, braggart ways of the poor tumblers, the sournois talk of the gambling-table officials, the songs and swagger of the students, and the general buzz and hum of the place had pleased and tickled the little woman, even when her luck was down and she had not wherewithal to pay her bill. How pleasant was all the bustle to her now that her purse was full of the money which little Georgy had won for her the night before! Als Joseph ächzend die letzten Stufen heraufgekeucht kam, blieb er atemlos auf dem Treppenabsatz stehen und wischte sich das Gesicht. Dann blickte er sich nach Nummer 92 um, wo er die gesuchte Person finden sollte, und sah gegenüber die Tür von Zimmer Nummer 90 offen. Ein Student in Reitstiefeln und schmutzigem Schlafrock lag auf dem Bett und rauchte eine lange Pfeife, während ein anderer Student mit langem, blondem Haar und einem bortenbesetzten Rock, ebenfalls außerordentlich elegant und schmutzig, doch tatsächlich vor Nummer 92 auf den Knien lag und durch das Schlüsselloch der Person drin flehentlich etwas zuschrie.   As Jos came creaking and puffing up the final stairs, and was speechless when he got to the landing, and began to wipe his face and then to look for No. 92, the room where he was directed to seek for the person he wanted, the door of the opposite chamber, No. 90, was open, and a student, in jack-boots and a dirty schlafrock, was lying on the bed smoking a long pipe; whilst another student in long yellow hair and a braided coat, exceeding smart and dirty too, was actually on his knees at No. 92, bawling through the keyhole supplications to the person within. »Gehen Sie«, sagte eine wohlbekannte Stimme, bei deren Ton Joseph erbebte. »Ich erwarte jemanden; ich erwarte meinen Großpapa. Er darf Sie hier nicht sehen.«   “Go away,” said a well-known voice, which made Jos thrill, “I expect somebody; I expect my grandpapa. He mustn’t see you there.” »Engelhafte Engländerin!« brüllte der knieende Student mit den fahlen Locken und dem großen Fingerring. »Haben Sie Mitleid mit uns, kommen Sie zum Stelldichein, essen Sie mit mir und Fritz im Parkgasthaus. Wir werden gebratenen Fasan und Porter, Plumpudding und französischen Wein bestellen. Wir werden sterben, wenn Sie nicht kommen.«   “Angel Englanderinn!” bellowed the kneeling student with the whity-brown ringlets and the large finger-ring, “do take compassion upon us. Make an appointment. Dine with me and Fritz at the inn in the park. We will have roast pheasants and porter, plum-pudding and French wine. We shall die if you don’t.” »Ja, das werden wir«, sagte der junge Edelmann auf dem Bett. Joseph hörte diese Unterredung, obgleich er nichts davon verstand, aus dem einfachen Grunde, weil er die Sprache, in der sie geführt wurde, nie gelernt hatte.   “That we will,” said the young nobleman on the bed; and this colloquy Jos overheard, though he did not comprehend it, for the reason that he had never studied the language in which it was carried on. »Njumero kattervang duse, si vous plaît«, sagte Joseph würdevoll, als er wieder sprechen konnte.   “Newmero kattervang dooze, si vous plait,” Jos said in his grandest manner, when he was able to speak. »Gatterfang tus!« rief der Student aufspringend. Dann eilte er in sein Zimmer, verschloß die Tür, und Joseph hörte, wie er mit seinem Kameraden auf dem Bett lachte.   “Quater fang tooce!” said the student, starting up, and he bounced into his own room, where he locked the door, and where Jos heard him laughing with his comrade on the bed. Der bengalische Gentleman stand noch, mißvergnügt von dieser Szene, da, als sich die Tür von Nummer 92 von selbst öffnete und Beckys Köpfchen kokett und mutwillig herauslugte. Sie strahlte Joseph an. »Sie sind es«, sagte sie und trat heraus. »Wie habe ich auf Sie gewartet! Halt! Noch nicht. In einer Minute können Sie hereinkommen.« In der Zwischenzeit steckte sie ein Schminktöpfchen, eine Schnapsflasche und einen Teller mit Fleischresten ins Bett, strich sich glättend übers Haar und ließ endlich den Besucher ein.   The gentleman from Bengal was standing, disconcerted by this incident, when the door of the 92 opened of itself and Becky’s little head peeped out full of archness and mischief. She lighted on Jos. “It’s you,” she said, coming out. “How I have been waiting for you! Stop! not yet — in one minute you shall come in.” In that instant she put a rouge-pot, a brandy bottle, and a plate of broken meat into the bed, gave one smooth to her hair, and finally let in her visitor. Als Morgenrock trug sie einen ausgeblaßten und fleckigen rosa Domino, der verschiedentlich Spuren von Pomade zeigte, aber ihre Arme leuchteten aus den weiten Ärmeln des Gewandes weiß und schön. Sie hatte es um die schmale Taille gegürtet, damit die hübsche Figur der Trägerin zur Geltung gebracht würde. Sie führte Joseph an der Hand in ihre Dachkammer hinein. »Treten Sie ein«, sagte sie. »Kommen Sie, und erzählen Sie mir etwas. Nehmen Sie Platz in dem Stuhl dort.« Damit preßte sie die Hand des Zivilisten und drückte ihn lachend hinein. Sie selbst ließ sich auf dem Bett nieder – ganz gewiß nicht auf Flasche und Teller, auf die sich Joseph sicher gesetzt hätte, hätte er diesen Platz gewählt. So saß sie nun und unterhielt sich mit ihrem alten Bewunderer. »Wie wenig die Jahre Sie verändert haben«, sagte sie mit einem Blick zärtlichen Interesses. »Ich hätte Sie überall erkannt. Welch ein Trost, unter Fremden wieder einmal das offene, ehrliche Gesicht eines alten Freundes zu sehen.«   She had, by way of morning robe, a pink domino, a trifle faded and soiled, and marked here and there with pomaturn; but her arms shone out from the loose sleeves of the dress very white and fair, and it was tied round her little waist so as not ill to set off the trim little figure of the wearer. She led Jos by the hand into her garret. “Come in,” she said. “Come and talk to me. Sit yonder on the chair”; and she gave the civilian’s hand a little squeeze and laughingly placed him upon it. As for herself, she placed herself on the bed — not on the bottle and plate, you may be sure — on which Jos might have reposed, had he chosen that seat; and so there she sat and talked with her old admirer. “How little years have changed you,” she said with a look of tender interest. “I should have known you anywhere. What a comfort it is amongst strangers to see once more the frank honest face of an old friend!” Das offene, ehrliche Gesicht trug allerdings in diesem Augenblick keineswegs einen Ausdruck von Offenheit und Ehrlichkeit, es war im Gegenteil unruhig und verwirrt. Joseph sah sich in dem seltsamen kleinen Zimmer um, in dem er seine alte Flamme fand. Eins ihrer Kleider hing über dem Bett, ein anderes an einem Haken an der Tür, ihr Hut verdeckte den Spiegel halb, davor lag ein hübsches Paar bronzebrauner Stiefelchen; auf dem Nachttisch neben dem Bett befanden sich ein französischer Roman und eine Kerze, aber nicht aus Wachs. Becky hatte daran gedacht, auch das ins Bett zu stecken, aber sie hatte nur die kleine Papiernachthaube weggepackt, mit der sie beim Schlafengehen das Licht gelöscht hatte.   The frank honest face, to tell the truth, at this moment bore any expression but one of openness and honesty: it was, on the contrary, much perturbed and puzzled in look. Jos was surveying the queer little apartment in which he found his old flame. One of her gowns hung over the bed, another depending from a hook of the door; her bonnet obscured half the looking-glass, on which, too, lay the prettiest little pair of bronze boots; a French novel was on the table by the bedside, with a candle, not of wax. Becky thought of popping that into the bed too, but she only put in the little paper night-cap with which she had put the candle out on going to sleep. »Ich hätte Sie überall erkannt«, fuhr sie fort. »Eine Frau vergißt gewisse Dinge nie, und Sie waren der erste Mann, den ich je – je sah.«   “I should have known you anywhere,” she continued; “a woman never forgets some things. And you were the first man I ever — I ever saw.” »Wirklich?« sagte Joseph. »Gott behüte mich, nein so was!«   “Was I really?” said Jos. “God bless my soul, you — you don’t say so.” »Als ich mit Ihrer Schwester von Chiswick kam, war ich fast noch ein Kind«, meinte Becky. »Wie geht es dem lieben Mädchen? Oh, ihr Mann war ein arger Bösewicht, und die Ärmste war natürlich auf mich eifersüchtig; hach, als ob ich mir etwas aus ihm gemacht hätte, da es doch jemanden gab – aber nein – wir wollen nicht von alten Zeiten sprechen.« Und sie fuhr sich mit dem zerrissenen Spitzentüchelchen über die Augen.   “When I came with your sister from Chiswick, I was scarcely more than a child,” Becky said. “How is that, dear love? Oh, her husband was a sad wicked man, and of course it was of me that the poor dear was jealous. As if I cared about him, heigho! when there was somebody — but no — don’t let us talk of old times”; and she passed her handkerchief with the tattered lace across her eyelids. »Ist das nicht ein seltsamer Ort«, fuhr sie fort, »eine Frau wiederzusehen, die in einer ganz anderen Welt gelebt hat? Ich habe sehr viel Unrecht und Kummer erdulden müssen, Joseph Sedley, ich habe so entsetzlich leiden müssen, daß ich zuweilen fast wahnsinnig bin. Nirgends kann ich Ruhe finden, stets wandere ich rastlos und unglücklich umher. Alle meine Freunde sind mir untreu geworden  – alle. Es gibt keinen ehrlichen Menschen mehr auf der Welt. Ich war die treueste Ehefrau, die je gelebt hat, obwohl ich meinen Mann nur aus gekränkter Eitelkeit heiratete, weil ein anderer – doch lassen wir das. Ich war ihm treu, doch er trat mich mit Füßen und verließ mich. Ich war die zärtlichste Mutter. Ich hatte nur ein Kind, eine Herzenswonne, eine Hoffnung, eine Freude, das ich mit wahrer Mutterliebe ans Herz drückte, das mein Leben war, mein Gebet, meine Seligkeit, und sie – sie entrissen es mir – entrissen es mir.« Bei diesen Worten preßte sie die Hand mit leidenschaftlicher Verzweiflung ans Herz und vergrub ihr Gesicht einen Augenblick im Bett.   “Is not this a strange place,” she continued, “for a woman, who has lived in a very different world too, to be found in? I have had so many griefs and wrongs, Joseph Sedley; I have been made to suffer so cruelly that I am almost made mad sometimes. I can’t stay still in any place, but wander about always restless and unhappy. All my friends have been false to me — all. There is no such thing as an honest man in the world. I was the truest wife that ever lived, though I married my husband out of pique, because somebody else — but never mind that. I was true, and he trampled upon me and deserted me. I was the fondest mother. I had but one child, one darling, one hope, one joy, which I held to my heart with a mother’s affection, which was my life, my prayer, my — my blessing; and they — they tore it from me — tore it from me”; and she put her hand to her heart with a passionate gesture of despair, burying her face for a moment on the bed. Die Schnapsflasche unter der Bettdecke klirrte gegen den Teller mit dem kalten Fleisch. Beide waren zweifellos gerührt von diesem traurigen Schauspiel. Max und Fritz lauschten an der Tür und hörten mit Verwunderung Mrs. Beckys Weinen und Schluchzen. Auch Mr. Joseph war recht erschrocken und bewegt, als er seine alte Flamme in diesem Zustand sah. Nun erzählte sie ihm ihre Geschichte – eine Geschichte, so nett, einfach und harmlos, daß eins ganz klar wurde: Hätte es je einen weißgekleideten Engel gegeben, der dem Himmel entflohen war, um sich hier auf Erden den teuflischen Ränken und Schurkereien böser Menschen zu unterwerfen, dann säße diese unglückliche lautere Märtyrerin auf dem Bett vor Joseph – auf dem Bett, und fast auf der Schnapsflasche.   The brandy-bottle inside clinked up against the plate which held the cold sausage. Both were moved, no doubt, by the exhibition of so much grief. Max and Fritz were at the door, listening with wonder to Mrs. Becky’s sobs and cries. Jos, too, was a good deal frightened and affected at seeing his old flame in this condition. And she began, forthwith, to tell her story — a tale so neat, simple, and artless that it was quite evident from hearing her that if ever there was a white-robed angel escaped from heaven to be subject to the infernal machinations and villainy of fiends here below, that spotless being — that miserable unsullied martyr, was present on the bed before Jos — on the bed, sitting on the brandy-bottle. Sie hatten ein sehr langes, freundschaftliches und vertrautes Gespräch, in dessen Verlauf Joseph erfuhr (und zwar auf eine Weise, die ihn nicht im mindesten verletzte oder beleidigte), daß Beckys Herz erst in seiner bezaubernden Gegenwart zu klopfen gelernt hatte, da George Osborne ihr zwar ungerechtfertigterweise den Hof gemacht habe, was Amelias Eifersucht und ihren kleinen Bruch erklärte, daß aber Becky den unglücklichen Offizier nie auch nur im geringsten ermutigt habe, und von dem Tag an, da sie Joseph zum erstenmal erblickt habe, habe sie niemals aufgehört, an ihn zu denken, obwohl sie natürlich zuallererst ihre Pflichten als verheiratete Frau erfüllen mußte – Pflichten, denen sie stets nachgegangen sei und bis zum Tode nachgehen werde, beziehungsweise bis das sprichwörtlich schlechte Klima, in dem Oberst Crawley lebte, sie von einem Joch befreien würde, das seine Grausamkeit ihr verhaßt gemacht habe.   They had a very long, amicable, and confidential talk there, in the course of which Jos Sedley was somehow made aware (but in a manner that did not in the least scare or offend him) that Becky’s heart had first learned to beat at his enchanting presence; that George Osborne had certainly paid an unjustifiable court to her , which might account for Amelia’s jealousy and their little rupture; but that Becky never gave the least encouragement to the unfortunate officer, and that she had never ceased to think about Jos from the very first day she had seen him, though, of course, her duties as a married woman were paramount — duties which she had always preserved, and would, to her dying day, or until the proverbially bad climate in which Colonel Crawley was living should release her from a yoke which his cruelty had rendered odious to her. Joseph verließ sie in der Überzeugung, daß sie die tugendhafteste aller bezaubernden Frauen sei, und wälzte eine Menge wohlwollender Pläne für ihr Glück im Kopf. Ihre Verfolgungen mußten aufhören, sie sollte in die Gesellschaft zurückkehren, deren Zierde sie war; er wollte sehen, was sich tun ließe. Sie mußte dieses Haus verlassen und in eine ruhige Wohnung ziehen. Amelia sollte sie besuchen und sich ihrer annehmen. Er wollte die Sache in Ordnung bringen und sich mit dem Major beraten. Sie weinte beim Abschied Tränen inniger Dankbarkeit und preßte seine Hand, als sich der galante dicke Herr bückte, um ihre zu küssen.   Jos went away, convinced that she was the most virtuous, as she was one of the most fascinating of women, and revolving in his mind all sorts of benevolent schemes for her welfare. Her persecutions ought to be ended: she ought to return to the society of which she was an ornament. He would see what ought to be done. She must quit that place and take a quiet lodging. Amelia must come and see her and befriend her. He would go and settle about it, and consult with the Major. She wept tears of heart-felt gratitude as she parted from him, and pressed his hand as the gallant stout gentleman stooped down to kiss hers. Becky entließ Joseph aus ihrer Dachkammer mit einer Grazie, als ob sie die Herrin eines Palastes wäre. Als der gewichtige Gentleman auf der Treppe verschwunden war, kamen Max und Fritz mit der Pfeife aus ihrem Loch hervor, und Becky belustigte sich damit, Joseph nachzuahmen. Dabei kaute sie ihr kaltes Fleisch und Brot und nahm ab und zu einen Zug aus ihrer geliebten Schnapsflasche.   So Becky bowed Jos out of her little garret with as much grace as if it was a palace of which she did the honours; and that heavy gentleman having disappeared down the stairs, Max and Fritz came out of their hole, pipe in mouth, and she amused herself by mimicking Jos to them as she munched her cold bread and sausage and took draughts of her favourite brandy-and-water. Joseph begab sich feierlich in Dobbins Wohnung hinüber und machte ihn mit der rührenden Geschichte bekannt, die er soeben gehört hatte, ohne jedoch die Spielgeschichte vom Abend zuvor zu erwähnen. Die beiden Herren steckten die Köpfe zusammen und berieten darüber, wie man Mrs. Becky am besten nützlich sein könne, während sie ihr unterbrochenes Gabelfrühstück beendete.   Jos walked over to Dobbin’s lodgings with great solemnity and there imparted to him the affecting history with which he had just been made acquainted, without, however, mentioning the play business of the night before. And the two gentlemen were laying their heads together and consulting as to the best means of being useful to Mrs. Becky, while she was finishing her interrupted dejeuner a la fourchette. Wie war sie in dieses Städtchen gekommen? Wie kam es, daß sie freundlos und allein umherwanderte? Die kleinen Schulknaben lernen in ihrem ersten Lateinbuch, daß der Pfad zum Avernus hinab leicht gangbar ist. Wir wollen den Abschnitt in der Geschichte, der ihre Abwärtsbewegung beinhaltet, überspringen. Sie war jetzt nicht schlechter als in den Tagen ihres Wohllebens – nur das Glück hatte sie verlassen.   How was it that she had come to that little town? How was it that she had no friends and was wandering about alone? Little boys at school are taught in their earliest Latin book that the path of Avernus is very easy of descent. Let us skip over the interval in the history of her downward progress. She was not worse now than she had been in the days of her prosperity — only a little down on her luck. Mrs. Amelia nun war eine Frau von so weichem, törichtem Gemüt, daß ihr Herz sofort dahinschmolz, wenn sie von jemandem hörte, der unglücklich war. Da sie nie etwas Sündhaftes gedacht oder getan hatte, verabscheute sie das Laster nicht so, wie es eingeweihtere Moralisten tun. Jeden, der in ihre Nähe kam, verwöhnte sie mit freundlichen Worten und Komplimenten; ihre Dienstboten bat sie um Verzeihung, sie mit ihrem Klingeln bemüht zu haben; bei einem Verkäufer, der ihr ein Stück Seide zeigte, entschuldigte sie sich, und vor einem Straßenfeger würde sie einen Knicks machen und ihn wegen des vornehmen Aussehens seiner Kreuzung loben – ja, all dieser Torheiten war sie fähig. So mußte allein schon die Vorstellung, daß es einer alten Bekannten schlecht gehe, ihr Herz besänftigen, und sie wollte auch nie etwas davon hören, daß jemand sein Unglück verdient habe. Eine Welt unter einer Gesetzgebung wie der ihren wäre nicht gerade ein geordneter Aufenthaltsort. Es gibt aber nicht viele Frauen, wenigstens unter den herrschenden, von ihrer Art. Diese Dame würde wahrscheinlich Gefängnisse, Strafen, Handschellen, Auspeitschen, Armut, Krankheit und Hunger auf der Welt abschaffen und wäre ein so verzagtes Geschöpf, daß sie – wir müssen es bekennen – sogar eine tödliche Beleidigung vergessen könnte.   As for Mrs. Amelia, she was a woman of such a soft and foolish disposition that when she heard of anybody unhappy, her heart straightway melted towards the sufferer; and as she had never thought or done anything mortally guilty herself, she had not that abhorrence for wickedness which distinguishes moralists much more knowing. If she spoiled everybody who came near her with kindness and compliments — if she begged pardon of all her servants for troubling them to answer the bell — if she apologized to a shopboy who showed her a piece of silk, or made a curtsey to a street-sweeper with a complimentary remark upon the elegant state of his crossing — and she was almost capable of every one of these follies — the notion that an old acquaintance was miserable was sure to soften her heart; nor would she hear of anybody’s being deservedly unhappy. A world under such legislation as hers would not be a very orderly place of abode; but there are not many women, at least not of the rulers, who are of her sort. This lady, I believe, would have abolished all gaols, punishments, handcuffs, whippings, poverty, sickness, hunger, in the world, and was such a mean-spirited creature that — we are obliged to confess it — she could even forget a mortal injury. Als der Major von dem sentimentalen Abenteuer erfuhr, das Joseph soeben zugestoßen war, nahm er daran, wie wir bekennen müssen, nicht halb so großen Anteil wie der Gentleman aus Bengalen. Im Gegenteil, er war alles andere als freudig erregt, und unziemlich drückte er sich über die arme unglückliche Frau aus und sagte tatsächlich: »Na, ist das kleine Weibstück wieder aufgetaucht?« Er hatte sie nie leiden können. Nein, im Gegenteil, vom ersten Moment an, da sie ihn mit ihren grünen Augen angesehen und sich abgewendet hatte, empfand, er ein tiefes Mißtrauen ihr gegenüber.   When the Major heard from Jos of the sentimental adventure which had just befallen the latter, he was not, it must be owned, nearly as much interested as the gentleman from Bengal. On the contrary, his excitement was quite the reverse from a pleasurable one; he made use of a brief but improper expression regarding a poor woman in distress, saying, in fact, “The little minx, has she come to light again?” He never had had the slightest liking for her, but had heartily mistrusted her from the very first moment when her green eyes had looked at, and turned away from, his own. »Diese kleine Teufelin bringt Unheil, wohin sie auch kommt«, sagte der Major respektlos. »Wer weiß, was für ein Leben sie geführt hat und was sie hier allein im Ausland sucht. Erzähl mir nichts von Verfolgern und Feinden! Eine anständige Frau hat immer Freunde und wird sich nie von ihrer Familie trennen. Warum hat sie ihren Mann verlassen? Vielleicht ist er verrufen und schlecht gewesen, wie du sagst. Ja, er war es. Ich kann mich noch an diesen verdammten Gauner entsinnen, wie er den armen George betrogen und hintergangen hat. Gab es nicht einen Skandal bei ihrer Trennung? Ich glaube, ich habe so etwas gehört«, rief Major Dobbin, der sich nicht viel um Gerüchte kümmerte. Joseph versuchte umsonst, ihn zu überzeugen, daß Mrs. Rebekka in jeder Hinsicht eine mißhandelte tugendhafte Frau sei.   “That little devil brings mischief wherever she goes,” the Major said disrespectfully. “Who knows what sort of life she has been leading? And what business has she here abroad and alone? Don’t tell me about persecutors and enemies; an honest woman always has friends and never is separated from her family. Why has she left her husband? He may have been disreputable and wicked, as you say. He always was. I remember the confounded blackleg and the way in which he used to cheat and hoodwink poor George. Wasn’t there a scandal about their separation? I think I heard something,” cried out Major Dobbin, who did not care much about gossip, and whom Jos tried in vain to convince that Mrs. Becky was in all respects a most injured and virtuous female. »Na ja, wir wollen Mrs. George fragen«, sagte der durchtriebene Diplomat von Major. »Wir wollen sie zu Rate ziehen. Du wirst wohl zugeben müssen, daß sie auf jeden Fall ein guter Richter ist und weiß, was sich in solchen Dingen gehört.«   “Well, well; let’s ask Mrs. George,” said that arch-diplomatist of a Major. “Only let us go and consult her. I suppose you will allow that she is a good judge at any rate, and knows what is right in such matters.” »Hm, Emmy ist ganz in Ordnung«, erwiderte Joseph, der zufällig nicht in seine Schwester verliebt war.   “Hm! Emmy is very well,” said Jos, who did not happen to be in love with his sister. »In Ordnung? Bei Gott, sie ist die feinste Dame, die ich je in meinem Leben gesehen habe«, platzte der Major heraus. »Ich sage noch einmal, wir wollen sie fragen, ob wir dieses Weib besuchen sollen oder nicht. Ihrer Entscheidung will ich mich beugen.« Nun dachte dieser abscheuliche, gerissene Schurke von einem Major, daß er seiner Sache sicher sei. Emmy war, wie er sich erinnerte, einst nicht ohne Grund schrecklich eifersüchtig auf Rebekka gewesen und hatte ihren Namen stets nur schaudernd und mit Entsetzen genannt. Eine eifersüchtige Frau vergißt nie, dachte Dobbin, und so begaben sich die beiden über die Straße in Amelias Haus, wo sie gerade in einer Singstunde bei Madame Strumpff zu deren Zufriedenheit zwitscherte.   “Very well? By Gad, sir, she’s the finest lady I ever met in my life,” bounced out the Major. “I say at once, let us go and ask her if this woman ought to be visited or not — I will be content with her verdict.” Now this odious, artful rogue of a Major was thinking in his own mind that he was sure of his case. Emmy, he remembered, was at one time cruelly and deservedly jealous of Rebecca, never mentioned her name but with a shrinking and terror — a jealous woman never forgives, thought Dobbin: and so the pair went across the street to Mrs. George’s house, where she was contentedly warbling at a music lesson with Madame Strumpff. Sobald diese Dame sich verabschiedet hatte, trug Joseph mit seinem üblichen Aufwand an Worten sein Anliegen vor. »Meine liebe Amelia«, sagte er, »mir ist soeben ein außerordentliches – ja – Gott behüte mich – ein außerordentliches Abenteuer widerfahren – eine alte Freundin  – ja – eine sehr interessante, alte Freundin von dir, und noch dazu aus alten Zeiten, ist soeben hier angekommen, und ich möchte gern, daß du sie besuchst.«   When that lady took her leave, Jos opened the business with his usual pomp of words. “Amelia, my dear,” said he, “I have just had the most extraordinary — yes — God bless my soul! the most extraordinary adventure — an old friend — yes, a most interesting old friend of yours, and I may say in old times, has just arrived here, and I should like you to see her.” »Eine Freundin?« fragte Amelia. »Wer ist es denn? Major Dobbin, bitte, machen Sie meine Schere nicht kaputt.« Der Major wirbelte sie nämlich an der kleinen Kette herum, an der sie zuweilen vom Gürtel ihrer Herrin herabhing, und gefährdete damit seine eigenen Augen.   “Her!” said Amelia, “who is it? Major Dobbin, if you please not to break my scissors.” The Major was twirling them round by the little chain from which they sometimes hung to their lady’s waist, and was thereby endangering his own eye. »Es ist eine Frau, die ich ganz und gar nicht leiden kann«, sagte der Major störrisch, »und auch Sie haben keinen Grund, sie zu lieben.«   It is a woman whom I dislike very much,” said the Major, doggedly, “and whom you have no cause to love.” »Es ist Rebekka, ganz bestimmt ist es Rebekka«, rief Amelia sehr erregt und wurde rot.   “It is Rebecca, I’m sure it is Rebecca,” Amelia said, blushing and being very much agitated. »Sie haben recht, wie immer«, entgegnete Dobbin. Brüssel, Waterloo, alte vergangene Zeiten, kummervolle und schmerzliche Erinnerungen stürzten sich in Amelias sanftes Herz und verursachten darin eine grausame Erregung.   “You are right; you always are,” Dobbin answered. Brussels, Waterloo, old, old times, griefs, pangs, remembrances, rushed back into Amelia’s gentle heart and caused a cruel agitation there. »Ich will sie nicht sehen«, fuhr Emmy fort. »Ich kann sie nicht sehen.«   “Don’t let me see her,” Emmy continued. “I couldn’t see her.” »Habe ich es nicht gesagt?« meinte Dobbin zu Joseph.   “I told you so,” Dobbin said to Jos. »Sie ist sehr unglücklich und – und so weiter«, bemerkte Joseph nachdrücklich. »Sie ist sehr arm und schutzlos und ist krank gewesen – schwerkrank – und ihr Mann, der Schuft, hat sie verlassen.«   “She is very unhappy, and — and that sort of thing,” Jos urged. “She is very poor and unprotected, and has been ill — exceedingly ill — and that scoundrel of a husband has deserted her.” »Ach«, sagte Amelia.   “Ah!” said Amelia »Sie besitzt keinen Freund auf der Welt«, fuhr Joseph nicht ungeschickt fort. »Und sie sagte, sie hoffe dir vertrauen zu können. Sie ist so unglücklich, Emmy. Vor Kummer ist sie fast wahnsinnig geworden. Ihre Geschichte hat mich gerührt – wirklich, auf Ehrenwort. Noch niemand hat eine grausame Verfolgung engelhafter ertragen. Ihre Familie ist sehr schlecht gegen sie gewesen.«   “She hasn’t a friend in the world,” Jos went on, not undexterously, “and she said she thought she might trust in you. She’s so miserable, Emmy. She has been almost mad with grief. Her story quite affected me — ’pon my word and honour, it did — never was such a cruel persecution borne so angelically, I may say. Her family has been most cruel to her.” »Armes Geschöpf!« sagte Amelia.   “Poor creature!” Amelia said. »Und wenn sie keine Freundin findet, dann wird sie wohl sterben, meint sie«, fuhr Joseph mit leiser, zitternder Stimme fort. »Gott behüte mich, weißt du, daß sie schon versucht hat, Selbstmord zu begehen? Sie hat Opium bei sich, ich habe die Flasche in ihrem Zimmer gesehen – so ein erbärmliches Zimmerchen in einem Gasthaus dritten Ranges, im .Elefanten, ganz oben unterm Dach. Ich bin dort gewesen.«   “And if she can get no friend, she says she thinks she’ll die,” Jos proceeded in a low tremulous voice. “God bless my soul! do you know that she tried to kill herself? She carries laudanum with her — I saw the bottle in her room — such a miserable little room — at a third-rate house, the Elephant, up in the roof at the top of all. I went there.” Dies schien Emmy nicht besonders zu berühren. Sie lächelte sogar ein wenig; vielleicht stellte sie sich Joseph vor, wie er die Treppen hinaufkeuchte.   This did not seem to affect Emmy. She even smiled a little. Perhaps she figured Jos to herself panting up the stair. »Sie ist außer sich vor Kummer«, fuhr er fort. »Es ist entsetzlich anzuhören, was diese Frau durchgemacht hat. Sie hat einen kleinen Knaben im gleichen Alter wie Georgy.«   “She’s beside herself with grief,” he resumed. “The agonies that woman has endured are quite frightful to hear of. She had a little boy, of the same age as Georgy.” »Ja, ja, ich glaube, ich kann mich entsinnen«, bemerkte Emmy, »na und?«   “Yes, yes, I think I remember,” Emmy remarked. “Well?” »Das schönste Kind, das man je gesehen hat«, sagte Joseph, der wie alle Dicken leicht zu rühren und von Beckys Geschichte sehr ergriffen war. »Ein wahrer Engel, der seine Mutter anbetete. Die Schurken haben ihr das schreiende Kind aus den Armen gerissen und ihm nicht erlaubt, sie jemals wiederzusehen.«   “The most beautiful child ever seen,” Jos said, who was very fat, and easily moved, and had been touched by the story Becky told; “a perfect angel, who adored his mother. The ruffians tore him shrieking out of her arms, and have never allowed him to see her.” »Lieber Joseph«, rief Emmy und sprang plötzlich auf. »Wir wollen unverzüglich zu ihr.« Sie lief in ihr Schlafzimmer, setzte hastig den Hut auf, kam mit dem Schal über dem Arm wieder heraus und befahl Dobbin, ihr zu folgen.   “Dear Joseph,” Emmy cried out, starting up at once, “let us go and see her this minute.” And she ran into her adjoining bedchamber, tied on her bonnet in a flutter, came out with her shawl on her arm, and ordered Dobbin to follow. Er kam und legte ihr den Schal über die Schultern. Es war ein weißer Kaschmirschal, den der Major aus Indien für sie hatte kommen lassen. Er sah ein, daß ihm nichts übrigblieb, als zu gehorchen. Sie schob ihre Hand in seinen Arm, und sie gingen los.   He went and put her shawl — it was a white cashmere, consigned to her by the Major himself from India — over her shoulders. He saw there was nothing for it but to obey, and she put her hand into his arm, and they went away. »Es ist Nummer 92, vier Treppen hoch«, sagte Joseph, der offenbar keine große Lust hatte, noch einmal hinaufzusteigen. Er stellte sich jedoch ans Fenster seines Wohnzimmers, wo er den Platz überblicken konnte, an dem der »Elefant« liegt, und sah die beiden über den Markt gehen.   “It is number 92, up four pair of stairs,” Jos said, perhaps not very willing to ascend the steps again; but he placed himself in the window of his drawing-room, which commands the place on which the Elephant stands, and saw the pair marching through the market. Auch Becky sah sie von ihrer Dachkammer aus. Sie saß darin mit den beiden Studenten, und sie plauderten und lachten und machten sich lustig über Beckys Großpapa, dessen Ankunft und Abmarsch sie beobachtet hatten. Sie hatte gerade noch genug Zeit, sie wegzuschicken und ihr Zimmerchen in Ordnung zu bringen, ehe der Wirt vom »Elefanten«, der Mrs. Osbornes Beliebtheit am durchlauchtigsten Hof kannte und sie entsprechend achtungsvoll behandelte, ihnen voran die Treppe hinauf bis zum Dachgeschoß ging und der Lady und dem Herrn Major beim Aufstieg gut zuredete.   It was as well that Becky saw them too from her garret, for she and the two students were chattering and laughing there; they had been joking about the appearance of Becky’s grandpapa — whose arrival and departure they had witnessed — but she had time to dismiss them, and have her little room clear before the landlord of the Elephant, who knew that Mrs. Osborne was a great favourite at the Serene Court, and respected her accordingly, led the way up the stairs to the roof story, encouraging Miladi and the Herr Major as they achieved the ascent. »Gnädige Frau, gnädige Frau!« rief der Wirt und klopfte an Beckys Tür. Er hatte sie tags zuvor bloß »Frau« genannt und war keineswegs höflich gegen sie gewesen.   “Gracious lady, gracious lady!” said the landlord, knocking at Becky’s door; he had called her Madame the day before, and was by no means courteous to her. »Wer ist da?« sagte Becky und steckte den Kopf heraus. Dann stieß sie einen schwachen Schrei aus. Vor ihr standen die zitternde Emmy und Dobbin, der lange Major, mit seinem Stock.   “Who is it?” Becky said, putting out her head, and she gave a little scream. There stood Emmy in a tremble, and Dobbin, the tall Major, with his cane. Er blieb stehen und beobachtete das Schauspiel mit großem Interesse. Emmy jedoch sprang mit offenen Armen auf Rebekka zu, vergab ihr in einem Augenblick und umarmte und küßte sie herzlich. Ach, du arme Unglückliche. Wann hast du je so reine Küsse auf deinen Lippen gespürt?   He stood still watching, and very much interested at the scene; but Emmy sprang forward with open arms towards Rebecca, and forgave her at that moment, and embraced her and kissed her with all her heart. Ah, poor wretch, when was your lip pressed before by such pure kisses? 66. Kapitel / Chapter 66 Amantium irae / Amantium Irae Die Offenheit und die Güte Amelias mußten selbst eine so verstockte kleine Sünderin wie Becky rühren. Sie erwiderte Emmys Liebkosungen und freundliche Worte mit so etwas wie Dankbarkeit und einem Gefühl, das zwar nicht dauernd, aber doch einen Augenblick echt zu nennen war. Sie hatte mit dem »schreienden Kind, das man ihr aus den Armen gerissen hatte« eine glückliche Idee gehabt. Durch dieses herzzerreißende Unglück hatte Becky die Freundin wiedergewonnen, und ganz sicher war das auch eins der ersten Themen, über die unsere arme einfältige kleine Emmy mit ihrer wiedergefundenen Freundin sprach.   Frankness and kindness like Amelia’s were likely to touch even such a hardened little reprobate as Becky. She returned Emmy’s caresses and kind speeches with something very like gratitude, and an emotion which, if it was not lasting, for a moment was almost genuine. That was a lucky stroke of hers about the child “torn from her arms shrieking.” It was by that harrowing misfortune that Becky had won her friend back, and it was one of the very first points, we may be certain, upon which our poor simple little Emmy began to talk to her new-found acquaintance. »Man hat dir also dein geliebtes Kind entrissen?« rief unser kleiner Einfaltspinsel aus. »O Rebekka, meine arme, liebe, gequälte Freundin. Ich weiß, was es heißt, einen Knaben zu verlieren, und ich fühle mit denen, die einen verloren haben. So der Himmel will, wird dir dein Sohn zurückgegeben werden, wie eine allzu gütige Vorsehung mir auch meinen zurückgegeben hat.«   “And so they took your darling child from you?” our simpleton cried out. “Oh, Rebecca, my poor dear suffering friend, I know what it is to lose a boy, and to feel for those who have lost one. But please Heaven yours will be restored to you, as a merciful merciful Providence has brought me back mine.” »Das Kind, mein Kind? Ach ja, meine Qualen waren entsetzlich!« gestand Becky, vielleicht nicht ohne einen kleinen Gewissensbiß. Es beunruhigte sie, diesem schlichten Vertrauen sofort wieder mit Lügen begegnen zu müssen. Das ist eben das Unglück, wenn man erst einmal mit derartigen Unwahrheiten anfängt. Wenn eine Lüge gleichermaßen fällig wird, so muß man eine andere aussprechen, um die alte zu honorieren. Dadurch erhöht sich die Summe der zirkulierenden Lügen unvermeidlich, und die Gefahr der Entdeckung wächst täglich.   “The child, my child? Oh, yes, my agonies were frightful,” Becky owned, not perhaps without a twinge of conscience. It jarred upon her to be obliged to commence instantly to tell lies in reply to so much confidence and simplicity. But that is the misfortune of beginning with this kind of forgery. When one fib becomes due as it were, you must forge another to take up the old acceptance; and so the stock of your lies in circulation inevitably multiplies, and the danger of detection increases every day. »Meine Qualen«, fuhr Becky fort, »waren schrecklich« (hoffentlich setzt sie sich nicht auf die Flasche), »als sie ihn mir entrissen; ich dachte, ich müsse sterben. Glücklicherweise bekam ich aber eine Gehirnhautentzündung, und die Ärzte gaben mich schon auf. Aber – aber ich genas, und –und hier bin ich, arm und verlassen.«   “My agonies,” Becky continued, “were terrible (I hope she won’t sit down on the bottle) when they took him away from me; I thought I should die; but I fortunately had a brain fever, during which my doctor gave me up, and — and I recovered, and — and here I am, poor and friendless.” »Wie alt ist er?« fragte Emmy.   “How old is he?” Emmy asked. »Elf«, sagte Becky.   “Eleven,” said Becky. »Elf?« rief die andere. »Aber er ist doch im selben Jahr geboren wie Georgy, und der ist...«   “Eleven!” cried the other. “Why, he was born the same year with Georgy, who is — ” »Ich weiß, ich weiß«, erwiderte Becky, die das Alter des kleinen Rawdon tatsächlich ganz vergessen hatte. »Durch den Kummer habe ich so manches vergessen, liebste Amelia. Ich bin sehr verändert, zuweilen halb wild. Er war elf, als sie ihn mir wegnahmen. Gott segne sein liebes Gesicht, ich habe es seitdem nicht wieder gesehen.«   “I know, I know,” Becky cried out, who had in fact quite forgotten all about little Rawdon’s age. “Grief has made me forget so many things, dearest Amelia. I am very much changed: half-wild sometimes. He was eleven when they took him away from me. Bless his sweet face; I have never seen it again.” »War er blond oder dunkel?« fragte die alberne kleine Amelia weiter. »Zeig mir doch sein Haar!«   “Was he fair or dark?” went on that absurd little Emmy. “Show me his hair.” Becky mußte über diese Einfalt fast lachen. »Heute nicht, Liebste – ein andermal, wenn meine Koffer von Leipzig ankommen, von wo ich hierhergereist bin. Auch eine kleine Zeichnung von ihm, die ich in glücklichen Tagen angefertigt habe.«   Becky almost laughed at her simplicity. “Not to-day, love — some other time, when my trunks arrive from Leipzig, whence I came to this place — and a little drawing of him, which I made in happy days.” »Arme Becky, arme Becky!« sagte Amelia. »Wie dankbar, wie dankbar sollte ich sein.« (Ich bezweifle allerdings, daß die Dankbarkeit, die uns die Frauen in frühester Jugend einschärfen, nämlich dankbar zu sein, daß es uns besser geht als unseren Nächsten, ein sehr vernünftiges und religiöses Gefühl ist.) Hierauf verfiel Emmy wie üblich in den Gedanken, daß ihr Sohn der schönste, beste und klügste Knabe auf der ganzen Welt sei.   “Poor Becky, poor Becky!” said Emmy. “How thankful, how thankful I ought to be”; (though I doubt whether that practice of piety inculcated upon us by our womankind in early youth, namely, to be thankful because we are better off than somebody else, be a very rational religious exercise) and then she began to think, as usual, how her son was the handsomest, the best, and the cleverest boy in the whole world. »Du wirst meinen Georgy sehen«, war der einzige Trost für Rebekka, der Emmy einfiel. Wenn irgend etwas ihr helfen konnte, dann das!   “You will see my Georgy,” was the best thing Emmy could think of to console Becky. If anything could make her comfortable that would. Die beiden Frauen unterhielten sich eine Stunde oder noch länger miteinander, und das gab Becky Gelegenheit, ihrer wiedergewonnenen Freundin eine vollständige Fassung ihrer Geschichte zu geben. Sie zeigte, daß ihre Heirat mit Rawdon Crawley von der Familie stets feindselig betrachtet worden sei und daß ihre Schwägerin – eine gerissene Frau – die Gefühle ihres Mannes gegen sie vergiftet habe. Außerdem habe er schlechte Bekanntschaften geschlossen, die seine Liebe zu ihr erkalten ließen. Sie habe Armut, Vernachlässigung, Kälte, alles von dem Wesen ertragen, das sie am meisten liebte, und alles nur um ihres Kindes willen. Schließlich sei sie durch die schändlichste Schmach dazu getrieben worden, die Trennung von ihrem Mann zu fordern. Der Elende sei darauf nicht zurückgeschreckt, von ihr zu fordern, ihren guten Ruf zu opfern, damit er durch Vermittlung eines sehr hochgestellten und mächtigen, aber charakterlosen Mannes – des Marquis von Steyne  – eine gute Stellung erlangen könne. Das grausame Ungeheuer!   And so the two women continued talking for an hour or more, during which Becky had the opportunity of giving her new friend a full and complete version of her private history. She showed how her marriage with Rawdon Crawley had always been viewed by the family with feelings of the utmost hostility; how her sister-in-law (an artful woman) had poisoned her husband’s mind against her; how he had formed odious connections, which had estranged his affections from her: how she had borne everything — poverty, neglect, coldness from the being whom she most loved — and all for the sake of her child; how, finally, and by the most flagrant outrage, she had been driven into demanding a separation from her husband, when the wretch did not scruple to ask that she should sacrifice her own fair fame so that he might procure advancement through the means of a very great and powerful but unprincipled man — the Marquis of Steyne, indeed. The atrocious monster! Diesen Teil ihrer ereignisreichen Geschichte schilderte Becky mit sehr großem weiblichem Taktgefühl und der Miene entrüsteter Tugend. Durch diese Beleidigung sei sie gezwungen gewesen, das Haus ihres Mannes zu fliehen, und der Feigling hatte seine Rache weiterverfolgt, indem er ihr das Kind nahm. Und so sei sie ein armer, schutzloser, einsamer und unglücklicher Wanderer geworden, erklärte sie.   This part of her eventful history Becky gave with the utmost feminine delicacy and the most indignant virtue. Forced to fly her husband’s roof by this insult, the coward had pursued his revenge by taking her child from her. And thus Becky said she was a wanderer, poor, unprotected, friendless, and wretched. Emmy nahm diese lange Geschichte auf, wie es bei ihrem Charakter zu erwarten war. Sie bebte vor Entrüstung über das Benehmen des erbärmlichen Rawdon und des lasterhaften Steyne; ihre Augen setzten das Ausrufezeichen hinter jeden Satz, in dem Rebekka ihre Verfolgung durch die aristokratischen Verwandten und den Abfall ihres Mannes beschrieb. (Becky beschimpfte ihn nicht, sie sprach von ihm mehr traurig als zornig. Sie hatte ihn nur zu zärtlich geliebt, und war er nicht der Vater ihres Sohnes?) Während Becky die Trennungsszene von dem Kind zitierte, zog sich Emmy ganz hinter ihr Taschentuch zurück, so daß die vollendete kleine Tragödienspielerin von der Wirkung ihrer Vorstellung auf das Publikum bezaubert gewesen sein muß.   Emmy received this story, which was told at some length, as those persons who are acquainted with her character may imagine that she would. She quivered with indignation at the account of the conduct of the miserable Rawdon and the unprincipled Steyne. Her eyes made notes of admiration for every one of the sentences in which Becky described the persecutions of her aristocratic relatives and the falling away of her husband. (Becky did not abuse him. She spoke rather in sorrow than in anger. She had loved him only too fondly: and was he not the father of her boy?) And as for the separation scene from the child, while Becky was reciting it, Emmy retired altogether behind her pocket-handkerchief, so that the consummate little tragedian must have been charmed to see the effect which her performance produced on her audience. Während die Damen ihr Gespräch fortsetzten, stieg Amelias ständige Begleitung, der Major, in das Erdgeschoß des Hauses hinab und begab sich in das große Gastzimmer. Er hatte die Unterredung nicht unterbrechen wollen, war es aber überdrüssig, auf dem engen Treppengang hin und her zu gehen und sich von den Dachsparren den Flor vom Hut fegen zu lassen. Dieser Raum steht allen Besuchern vom »Elefanten« zur Verfügung und ist stets in Rauchwolken gehüllt. Bier ist allenthalben verschüttet, und auf einem schmutzigen Tisch stehen Dutzende von ebenfalls schmutzigen Messingleuchtern mit Talgkerzen für die Bewohner des Hauses, deren Schlüssel in Reih und Glied über den Kerzen hängen. Emmy war errötend durch das Zimmer geeilt (von diesem Raum geht nämlich die Treppe aus), wo sich alle möglichen Leute zusammengefunden hatten: Tiroler Handschuhverkäufer und rumänische Leinwandkrämer mit ihren Packen; Studenten, die sich mit Butterbrot und Fleisch versahen; Müßiggänger, die an den schlüpfrigen biernassen Tischen Karten oder Domino spielten; Gaukler, die sich während ihrer Auftrittspausen erfrischten – kurz, der ganze Schall und Rauch eines deutschen Gasthauses zur Jahrmarktszeit. Der Kellner brachte dem Major wie selbstverständlich einen Krug Bier, und Dobbin zog eine Zigarre heraus und beschäftigte sich mit diesem schädlichen Gewächs und einer Zeitung, bis sein Schützling herabkommen und ihn wieder mit Beschlag belegen würde.   Whilst the ladies were carrying on their conversation, Amelia’s constant escort, the Major (who, of course, did not wish to interrupt their conference, and found himself rather tired of creaking about the narrow stair passage of which the roof brushed the nap from his hat) descended to the ground-floor of the house and into the great room common to all the frequenters of the Elephant, out of which the stair led. This apartment is always in a fume of smoke and liberally sprinkled with beer. On a dirty table stand scores of corresponding brass candlesticks with tallow candles for the lodgers, whose keys hang up in rows over the candles. Emmy had passed blushing through the room anon, where all sorts of people were collected; Tyrolese glove-sellers and Danubian linen-merchants, with their packs; students recruiting themselves with butterbrods and meat; idlers, playing cards or dominoes on the sloppy, beery tables; tumblers refreshing during the cessation of their performances — in a word, all the fumum and strepitus of a German inn in fair time. The waiter brought the Major a mug of beer, as a matter of course, and he took out a cigar and amused himself with that pernicious vegetable and a newspaper until his charge should come down to claim him. Bald darauf kamen auch Max und Fritz sporenklirrend die Treppe herab, die Mütze schief auf dem Kopf, mit ihren prächtig mit Wappen und Quasten verzierten Pfeifen. Sie hingen den Schlüssel von Nummer 90 ans Brett und riefen nach einer Portion Butterbrot und Bier. Sie ließen sich neben dem Major nieder und begannen ein Gespräch, das er gezwungenermaßen zum großen Teil mit anhören mußte. Es fielen hauptsächlich Worte wie »Fuchs« und »Philister«, und es drehte sich um Schlägereien und Trinkgelage in der benachbarten Universität von Schoppenhausen. Von diesem berühmten Sitz der Gelehrsamkeit waren sie gerade im Eilwagen gekommen, anscheinend in Gesellschaft Beckys, um den Vermählungsfeierlichkeiten von Pumpernickel beizuwohnen.   Max and Fritz came presently downstairs, their caps on one side, their spurs jingling, their pipes splendid with coats of arms and full-blown tassels, and they hung up the key of No. 90 on the board and called for the ration of butterbrod and beer. The pair sat down by the Major and fell into a conversation of which he could not help hearing somewhat. It was mainly about “Fuchs” and “Philister,” and duels and drinking-bouts at the neighbouring University of Schoppenhausen, from which renowned seat of learning they had just come in the Eilwagen, with Becky, as it appeared, by their side, and in order to be present at the bridal fetes at Pumpernickel. »Die kleine Engländerin scheint en bays de gonnaissance zu sein«, sagte Max, der Französisch konnte, zu seinem Kameraden Fritz. »Nachdem der fette Großvater fort war, kam eine hübsche kleine Landsmännin. Ich habe gehört, wie sie zusammen im Zimmer der kleinen Frau geschnattert und geheult haben.«   “The title Englanderinn seems to be en bays de gonnoisance,” said Max, who knew the French language, to Fritz, his comrade. “After the fat grandfather went away, there came a pretty little compatriot. I heard them chattering and whimpering together in the little woman’s chamber.” »Wir müssen noch Karten zu ihrem Konzert kaufen«, meinte Fritz. »Hast du Geld, Max?«   “We must take the tickets for her concert,” Fritz said. “Hast thou any money, Max?” »Pah!« erwiderte der andere »Das Konzert ist ein Konzert in nubibus. Hans hat erzählt, sie habe schon einmal eins in Leipzig angekündigt, und die Burschen hätten viele Karten gekauft; aber sie ist abgereist ohne zu singen. Gestern im Wagen hat sie gesagt, ihr Pianist sei in Dresden krank geworden. Ich glaube nicht, daß sie überhaupt singen kann. Sie hat genauso eine krächzende Stimme wie du, du prahlerischer Säufer.«   “Bah,” said the other, “the concert is a concert in nubibus. Hans said that she advertised one at Leipzig, and the Burschen took many tickets. But she went off without singing. She said in the coach yesterday that her pianist had fallen ill at Dresden. She cannot sing, it is my belief: her voice is as cracked as thine, O thou beer-soaking Renowner!” »Sie ist krächzend, das stimmt; ich habe sie gehört, wie sie eine schreckliche englische Ballade aus dem Fenster gesungen hat, die ›Die Ros' an meinem Fensterlein‹ hieß.«   “It is cracked; I hear her trying out of her window a schrecklich. English ballad, called ‘De Rose upon de Balgony.’” »Saufen und Singen verträgt sich nicht«, bemerkte Fritz mit der roten Nase, der offensichtlich den erstgenannten Zeitvertreib vorzog. »Nein, du sollst keine Karte von ihr kaufen, sie hat gestern abend Geld beim Trente-et-quarante gewonnen. Ich habe sie beobachtet. Sie hat einen kleinen englischen Jungen für sich spielen lassen. Wir wollen dein Geld lieber verspielen oder fürs Theater ausgeben oder ihr französischen Wein und Kognak im Aureliusgarten spendieren. Aber Karten wollen wir nicht kaufen. Was meinst du? – Noch einen Krug Bier!« Und nachdem sie nacheinander ihren blonden Schnurrbart in die schale Flüssigkeit getaucht hatten, zwirbelten sie ihn und stolzierten hinaus auf den Jahrmarkt.   “Saufen and singen go not together,” observed Fritz with the red nose, who evidently preferred the former amusement. “No, thou shalt take none of her tickets. She won money at the trente and quarante last night. I saw her: she made a little English boy play for her. We will spend thy money there or at the theatre, or we will treat her to French wine or Cognac in the Aurelius Garden, but the tickets we will not buy. What sayest thou? Yet, another mug of beer?” and one and another successively having buried their blond whiskers in the mawkish draught, curled them and swaggered off into the fair. Dem Major, der sah, wie der Schlüssel von Nummer 90 an den Nagel gehängt wurde, und der die Unterredung der beiden jungen Universitätsburschen gehört hatte, fiel es nicht schwer, zu begreifen, daß sich ihr Gespräch um Becky drehte. Der kleine Satan arbeitet wieder mit den alten Tricks, dachte er lächelnd. Er rief sich die vergangenen Zeiten ins Gedächtnis zurück, wo er ihren verzweifelten Flirt mit Joseph und das komische Ende dieses Abenteuers miterlebt hatte. Er hatte später mit George oft darüber gelacht, bis wenige Wochen nach seiner Heirat, als der junge Osborne sich ebenfalls in den Netzen der kleinen Circe verfangen zu haben schien und sich in einer Weise mit ihr einließ, die der andere zwar argwöhnte, aber lieber übersehen wollte. Es war am Morgen von Waterloo, als die jungen Männer im Regen in vorderster Linie beisammenstanden und auf die dunkle Masse der Franzosen blickten, die auf den gegenüberliegenden Höhen lagen. »Ich bin in eine dumme Geschichte mit einer Frau geraten«, sagte George. »Ich bin froh, daß wir abmarschiert sind. Wenn ich falle, hoffe ich, daß Emmy nie etwas von der Sache erfährt. Bei Gott, ich wünschte, ich hätte niemals damit angefangen.« William freute sich darüber und besänftigte auch die Witwe des armen George häufig damit, daß Osborne am Tage, nachdem er seine Frau zurückgelassen hatte, gleich nach dem Gefecht von Quatre-Bras mit seinem Kameraden ernst und liebevoll von seinem Vater und seiner Frau gesprochen habe. Das hatte William auch immer wieder in seinen Gesprächen mit dem älteren Osborne betont, und deshalb war es ihm wohl auch gelungen, den Alten noch kurz vor seinem Ende mit dem Andenken seines Sohnes zu versöhnen.   The Major, who had seen the key of No. 90 put up on its hook and had heard the conversation of the two young University bloods, was not at a loss to understand that their talk related to Becky. “The little devil is at her old tricks,” he thought, and he smiled as he recalled old days, when he had witnessed the desperate flirtation with Jos and the ludicrous end of that adventure. He and George had often laughed over it subsequently, and until a few weeks after George’s marriage, when he also was caught in the little Circe’s toils, and had an understanding with her which his comrade certainly suspected, but preferred to ignore. William was too much hurt or ashamed to ask to fathom that disgraceful mystery, although once, and evidently with remorse on his mind, George had alluded to it. It was on the morning of Waterloo, as the young men stood together in front of their line, surveying the black masses of Frenchmen who crowned the opposite heights, and as the rain was coming down, “I have been mixing in a foolish intrigue with a woman,” George said. “I am glad we were marched away. If I drop, I hope Emmy will never know of that business. I wish to God it had never been begun!” And William was pleased to think, and had more than once soothed poor George’s widow with the narrative, that Osborne, after quitting his wife, and after the action of Quatre Bras, on the first day, spoke gravely and affectionately to his comrade of his father and his wife. On these facts, too, William had insisted very strongly in his conversations with the elder Osborne, and had thus been the means of reconciling the old gentleman to his son’s memory, just at the close of the elder man’s life. So betreibt diese Teufelin also immer noch ihre Machenschaften, dachte William, wäre sie doch nur hundert Meilen weit weg. Wohin sie auch kommt – sie bringt nur Unheil mit. Er brütete noch weiter über diesen Ahnungen und unangenehmen Gedanken, den Kopf zwischen den Händen und die »Pumpernickeler Zeitung« von der vergangenen Woche ungelesen vor der Nase, als jemand ihm mit dem Sonnenschirm an die Schulter tippte. Er sah auf und erblickte Mrs. Amelia.   “And so this devil is still going on with her intrigues,” thought William. “I wish she were a hundred miles from here. She brings mischief wherever she goes.” And he was pursuing these forebodings and this uncomfortable train of thought, with his head between his hands, and the Pumpernickel Gazette of last week unread under his nose, when somebody tapped his shoulder with a parasol, and he looked up and saw Mrs. Amelia. Mrs. Osborne tyrannisierte Dobbin auf ihre Weise, denn auch die Schwächsten beherrschen gern andere. Sie kommandierte ihn herum, gab ihm einen Klaps und ließ ihn apportieren, gerade als ob er ein großer Neufundländer wäre. Wenn sie nach ihm rief, so sprang er sozusagen gern ins Wasser und trottete mit ihrem Strickbeutel im Maul hinter ihr her. Diese Geschichte hat ihren Zweck fast verfehlt, wenn der Leser noch nicht gemerkt hat, daß der Major ein verliebter Tropf war.   This woman had a way of tyrannizing over Major Dobbin (for the weakest of all people will domineer over somebody), and she ordered him about, and patted him, and made him fetch and carry just as if he was a great Newfoundland dog. He liked, so to speak, to jump into the water if she said “High, Dobbin!” and to trot behind her with her reticule in his mouth. This history has been written to very little purpose if the reader has not perceived that the Major was a spooney. »Warum haben Sie nicht auf mich gewartet und mich die Treppe hinabbegleitet?« fragte sie, warf das Köpfchen in den Nacken und machte einen höchst spöttischen Knicks.   “Why did you not wait for me, sir, to escort me downstairs?” she said, giving a little toss of her head and a most sarcastic curtsey. »Ich konnte in dem Gang nicht aufrecht stehen«, erwiderte er mit komisch-bittendem Blick, und erfreut, ihr den Arm reichen und sie aus dem dumpfen, verqualmten Raum fortführen zu können, wäre er ohne einen Gedanken an den Kellner davongegangen, aber der junge Bursche lief ihm nach und hielt ihn auf der Schwelle vom »Elefanten« zurück, um ihn zur Bezahlung des Biers aufzufordern, das er gar nicht getrunken hatte. Emmy lachte. Sie nannte ihn einen bösen Mann und machte noch ein paar Witze, die zu der Gelegenheit und zu dem Dünnbier paßten. Sie war bester Laune und trippelte eiligst über den Marktplatz. Sie sagte, sie müsse Joseph augenblicklich sehen. Der Major lachte über die ungestüme Liebe von Mrs. Amelia, da es sonst nicht oft vorkam, daß sie ihren Bruder »augenblicklich« sehen mußte. Sie fanden den Zivilisten in seinem Salon im ersten Stock. Während der letzten Stunde war er mindestens hundertmal in seinem Zimmer auf und ab gegangen, hatte an den Nägeln gekaut und über den Marktplatz zum »Elefanten« geblickt, zur gleichen Zeit, als Emmy mit ihrer Freundin in der Dachkammer die Unterredung hatte und der Major unten im Gastzimmer auf dem schmutzigen Tisch herumtrommelte. Auch er war sehr begierig, Mrs. Osborne zu sehen.   “I couldn’t stand up in the passage,” he answered with a comical deprecatory look; and, delighted to give her his arm and to take her out of the horrid smoky place, he would have walked off without even so much as remembering the waiter, had not the young fellow run after him and stopped him on the threshold of the Elephant to make him pay for the beer which he had not consumed. Emmy laughed: she called him a naughty man, who wanted to run away in debt, and, in fact, made some jokes suitable to the occasion and the small-beer. She was in high spirits and good humour, and tripped across the market-place very briskly. She wanted to see Jos that instant. The Major laughed at the impetuous affection Mrs. Amelia exhibited; for, in truth, it was not very often that she wanted her brother “that instant.” They found the civilian in his saloon on the first-floor; he had been pacing the room, and biting his nails, and looking over the market-place towards the Elephant a hundred times at least during the past hour whilst Emmy was closeted with her friend in the garret and the Major was beating the tattoo on the sloppy tables of the public room below, and he was, on his side too, very anxious to see Mrs. Osborne. »Nun?« meinte er.   “Well?” said he. »Das arme gute Geschöpf! Wie hat sie gelitten!« sagte Emmy.   “The poor dear creature, how she has suffered!” Emmy said. »Gott behüte mich, jawohl«, sagte Joseph und wackelte mit dem Kopf, daß seine Wangen wie Gelee zitterten.   “God bless my soul, yes,” Jos said, wagging his head, so that his cheeks quivered like jellies. »Sie kann das Zimmer der Payne haben, die muß dann höher hinaufziehen«, fuhr Emmy fort. Die Payne war eine gesetzte englische Zofe und Mrs. Osbornes persönliche Dienerin. Der Reisediener machte ihr den Hof, wie es seine Stellung verlangte, und Georgy trieb seinen Schabernack mit ihr und erzählte ihr von deutschen Räubern und Gespenstern. Sie verbrachte ihre Zeit hauptsächlich damit, zu murren, ihre Herrin herumzukommandieren und ihre Absicht kundzutun, am nächsten Morgen in ihr Heimatdorf, nach Clapham, zurückzukehren. »Sie kann das Zimmer der Payne haben«, sagte Emmy.   “She may have Payne’s room, who can go upstairs,” Emmy continued. Payne was a staid English maid and personal attendant upon Mrs. Osborne, to whom the courier, as in duty bound, paid court, and whom Georgy used to “lark” dreadfully with accounts of German robbers and ghosts. She passed her time chiefly in grumbling, in ordering about her mistress, and in stating her intention to return the next morning to her native village of Clapham. “She may have Payne’s room,” Emmy said. »Wie, Sie wollen doch damit nicht etwa sagen, daß Sie das Weib im Hause haben wollen?« platzte der Major heraus und sprang auf.   “Why, you don’t mean to say you are going to have that woman into the house?” bounced out the Major, jumping up. »Natürlich, das wollen wir«, entgegnete Amelia mit der unschuldigsten Miene der Welt. »Bitte, regen Sie sich nicht auf und machen die Möbel kaputt, Major Dobbin. Natürlich soll sie hierherkommen.«   “Of course we are,” said Amelia in the most innocent way in the world. “Don’t be angry and break the furniture, Major Dobbin. Of course we are going to have her here.” »Natürlich, meine Liebe!« bestätigte Joseph.   “Of course, my dear,” Jos said. »Das arme Geschöpf! Nach allem, was sie durchgemacht hat«, fuhr Emmy fort. »Ihr schurkischer Bankier hat Bankrott gemacht und ist durchgegangen, ihr Mann – der gottlose Bösewicht – hat sie verlassen und ihr das Kind entrissen.« (Bei diesen Worten ballte sie die kleinen Fäuste und hielt sie drohend vor sich hin, so daß der Major bezaubert war, eine so kühne Amazone zu sehen.) »Das arme liebe Ding! Ganz allein und gezwungen, Gesangunterricht zu geben, um sich ihr Brot zu verdienen – und nun sollen wir sie nicht ins Haus nehmen.«   “The poor creature, after all her sufferings,” Emmy continued; “her horrid banker broken and run away; her husband — wicked wretch — having deserted her and taken her child away from her” (here she doubled her two little fists and held them in a most menacing attitude before her, so that the Major was charmed to see such a dauntless virago) “the poor dear thing! quite alone and absolutely forced to give lessons in singing to get her bread — and not have her here!” »Lassen Sie sich Gesangstunden geben, meine liebe Mrs. Osborne«, rief der Major, »aber nehmen Sie sie nicht ins Haus; ich flehe Sie an, tun Sie es nicht.«   “Take lessons, my dear Mrs. George,” cried the Major, “but don’t have her in the house. I implore you don’t.” »Pah!« sagte Joseph.   “Pooh,” said Jos. »Sie, der Sie immer gut und freundlich sind, zumindest waren – ich bin erstaunt über Sie, Major William«, rief Amelia. »Wann, wenn nicht jetzt, wo es ihr so schlecht geht, soll man ihr denn helfen? Jetzt ist die Zeit, um ihr nützlich zu sein. Meine älteste Freundin, und nicht...«   “You who are always good and kind — always used to be at any rate — I’m astonished at you, Major William,” Amelia cried. “Why, what is the moment to help her but when she is so miserable? Now is the time to be of service to her. The oldest friend I ever had, and not — ” »Sie ist nicht immer Ihre Freundin gewesen, Amelia«, sagte der Major, der jetzt wirklich ärgerlich wurde. Diese Andeutung war zuviel für Emmy. Beinahe wütend blickte sie dem Major ins Gesicht und sagte: »Schämen Sie sich, Major Dobbin!« Nachdem sie diesen Schuß abgefeuert hatte, schritt sie majestätisch aus dem Zimmer und schlug die Tür heftig hinter sich und ihrer beleidigten Würde zu.   “She was not always your friend, Amelia,” the Major said, for he was quite angry. This allusion was too much for Emmy, who, looking the Major almost fiercely in the face, said, “For shame, Major Dobbin!” and after having fired this shot, she walked out of the room with a most majestic air and shut her own door briskly on herself and her outraged dignity. »Darauf anzuspielen«, sagte sie, nachdem die Tür zu war. »Oh, es war grausam von ihm, mich daran zu erinnern.« Und sie sah auf Georges Bild, das zusammen mit dem Porträt des Knaben an seinem gewöhnlichen Platz hing. »Das war grausam von ihm; durfte er davon sprechen, da ich doch verziehen habe? – Nein! Und von seinen eigenen Lippen weiß ich, wie schlecht und grundlos meine Eifersucht war und daß du rein warst. Ja, du warst rein, mein Heiliger im Himmel!«   “To allude to that !” she said, when the door was closed. “Oh, it was cruel of him to remind me of it,” and she looked up at George’s picture, which hung there as usual, with the portrait of the boy underneath. “It was cruel of him. If I had forgiven it, ought he to have spoken? No. And it is from his own lips that I know how wicked and groundless my jealousy was; and that you were pure — oh, yes, you were pure, my saint in heaven!” Zitternd und entrüstet durchschritt sie das Zimmer. Sie lehnte sich auf die Kommode, über der das Bild hing, und sah es lange an. Seine Augen schienen sie mit einem Vorwurf anzublicken, der immer deutlicher wurde, je länger sie hinaufschaute. Die teure, teure Erinnerung an die frühe kurze Liebe drängte sich ihr wieder auf. Die Wunde, die durch lange Jahre hindurch kaum vernarbt war, blutete von neuem, und – ach, wie schmerzlich! Sie konnte die Vorwürfe ihres Mannes da vor ihr nicht ertragen. Es konnte nicht sein. Nie, niemals!   She paced the room, trembling and indignant. She went and leaned on the chest of drawers over which the picture hung, and gazed and gazed at it. Its eyes seemed to look down on her with a reproach that deepened as she looked. The early dear, dear memories of that brief prime of love rushed back upon her. The wound which years had scarcely cicatrized bled afresh, and oh, how bitterly! She could not bear the reproaches of the husband there before her. It couldn’t be. Never, never. Armer Dobbin, armer alter William. Dieses unglückselige Wort hat das Werk vieler Jahre vernichtet – das lange mühsame Gebäude eines Lebens voller Liebe und Treue, errichtet auf geheimem verborgenem Grund, in dem Leidenschaften, ungezählte Kämpfe, unbekannte Opfer begraben lagen. Ein kleines Wort war gesprochen worden, und der schöne Hoffnungspalast stürzte zusammen – ein Wort, und der Vogel, den er sein ganzes Leben hindurch anzulocken versucht hatte, flog davon.   Poor Dobbin; poor old William! That unlucky word had undone the work of many a year — the long laborious edifice of a life of love and constancy — raised too upon what secret and hidden foundations, wherein lay buried passions, uncounted struggles, unknown sacrifices — a little word was spoken, and down fell the fair palace of hope — one word, and away flew the bird which he had been trying all his life to lure! Obwohl William aus Amelias Blick ersehen hatte, daß eine große Krisis eingetreten war, fuhr er doch fort, Sedley mit energischen Worten zu bitten, sich vor Rebekka zu hüten. Er beschwor ihn eifrig, ja fast leidenschaftlich, sie nicht aufzunehmen. Er bat Joseph, doch wenigstens erst Erkundigungen über sie einzuziehen. Er erzählte, er habe gehört, sie befinde sich in Gesellschaft von Spielern und Leuten von schlechtem Ruf. Er machte ihn auf das Unheil aufmerksam, das sie in früheren Tagen gestiftet habe, daß sie und Crawley den armen George ruiniert hätten und daß sie, wie sie selbst zugab, jetzt von ihrem Mann geschieden sei, und vielleicht aus gutem Grund. Er erklärte, was für eine gefährliche Gesellschaft sie für seine Schwester sein werde, die doch die Welt nicht kenne! William flehte Joseph mit aller Beredsamkeit an, die ihm zu Gebote stand, und mit bedeutend mehr Energie, als der ruhige Herr sonst zeigte, Rebekka von seinem Haus fernzuhalten.   William, though he saw by Amelia’s looks that a great crisis had come, nevertheless continued to implore Sedley, in the most energetic terms, to beware of Rebecca; and he eagerly, almost frantically, adjured Jos not to receive her. He besought Mr. Sedley to inquire at least regarding her; told him how he had heard that she was in the company of gamblers and people of ill repute; pointed out what evil she had done in former days, how she and Crawley had misled poor George into ruin, how she was now parted from her husband, by her own confession, and, perhaps, for good reason. What a dangerous companion she would be for his sister, who knew nothing of the affairs of the world! William implored Jos, with all the eloquence which he could bring to bear, and a great deal more energy than this quiet gentleman was ordinarily in the habit of showing, to keep Rebecca out of his household. Wäre er weniger heftig oder etwas geschickter gewesen, so hätten seine Bitten bei Joseph vielleicht Gehör gefunden; der Zivilist war jedoch nicht wenig eifersüchtig auf die überlegene Miene, die der Major seiner Ansicht nach gegen ihn aufsetzte. Er hatte seine Meinung schon dem Reisediener, Herrn Kirsch, mitgeteilt, und da Major Dobbin auf dieser Reise Kirschs Rechnungen kontrollierte, schlug er sich völlig auf die Seite seines Herrn. So begann Joseph jedoch mit einer schwülstigen Rede, des Inhalts, daß er imstande sei, seine Ehre selbst zu verteidigen, daß er keine Einmischung in seine Angelegenheiten wünsche, kurz, daß er beabsichtige, sich gegen den Major aufzulehnen – als der langen und stürmischen Unterredung in der einfachsten Weise ein Ende bereitet wurde – nämlich durch die Ankunft von Mrs. Becky in Begleitung eines Hausknechts vom »Elefanten«, der ihr mageres Gepäck trug.   Had he been less violent, or more dexterous, he might have succeeded in his supplications to Jos; but the civilian was not a little jealous of the airs of superiority which the Major constantly exhibited towards him, as he fancied (indeed, he had imparted his opinions to Mr. Kirsch, the courier, whose bills Major Dobbin checked on this journey, and who sided with his master), and he began a blustering speech about his competency to defend his own honour, his desire not to have his affairs meddled with, his intention, in fine, to rebel against the Major, when the colloquy — rather a long and stormy one — was put an end to in the simplest way possible, namely, by the arrival of Mrs. Becky, with a porter from the Elephant Hotel in charge of her very meagre baggage. Sie begrüßte ihren Gastgeber mit wohlwollender Höflichkeit und begrüßte Major Dobbin freundschaftlich, aber zurückhaltend. Ihr Instinkt sagte ihr sofort, daß er ihr Feind sei und gegen sie gesprochen habe. Die mit ihrer Ankunft verbundene lärmende Geschäftigkeit rief Amelia aus ihrem Zimmer hervor. Sie kam herbei und umarmte ihren Gast mit großer Wärme. Von dem Major nahm sie weiter keine Notiz. Sie warf ihm nur einen zornigen Blick zu – wahrscheinlich den ungerechtesten und verächtlichsten Blick, der seit ihrer Geburt auf dem Gesicht der armen kleinen Frau erschienen war. Sie hatte dazu jedoch ihre geheimen Gründe und hatte sich vorgenommen, auf ihn zornig zu sein. Dobbin dagegen, aufgebracht nicht über seine Niederlage, sondern über ihre Ungerechtigkeit, entfernte sich mit einer Verbeugung, die ebenso hochmütig war wie der Knicks, mit dem die kleine Frau ihn verabschiedete.   She greeted her host with affectionate respect and made a shrinking, but amicable salutation to Major Dobbin, who, as her instinct assured her at once, was her enemy, and had been speaking against her; and the bustle and clatter consequent upon her arrival brought Amelia out of her room. Emmy went up and embraced her guest with the greatest warmth, and took no notice of the Major, except to fling him an angry look — the most unjust and scornful glance that had perhaps ever appeared in that poor little woman’s face since she was born. But she had private reasons of her own, and was bent upon being angry with him. And Dobbin, indignant at the injustice, not at the defeat, went off, making her a bow quite as haughty as the killing curtsey with which the little woman chose to bid him farewell. Nachdem er fort war, war Emmy besonders munter und liebevoll zu Rebekka. Sie machte sich in der Wohnung zu schaffen und richtete das Zimmer für ihren Gast mit einer Geschäftigkeit, die man bei unserer ruhigen kleinen Freundin sonst selten bemerkte. Wenn aber schon eine Ungerechtigkeit verübt werden soll, besonders von schwachen Menschen, dann sollte sie am besten schnell getan werden, und Emmy glaubte, ihr gegenwärtiges Benehmen beweise große Standhaftigkeit, schöne Gefühle und Verehrung für das Andenken des seligen Hauptmanns Osborne.   He being gone, Emmy was particularly lively and affectionate to Rebecca, and bustled about the apartments and installed her guest in her room with an eagerness and activity seldom exhibited by our placid little friend. But when an act of injustice is to be done, especially by weak people, it is best that it should be done quickly, and Emmy thought she was displaying a great deal of firmness and proper feeling and veneration for the late Captain Osborne in her present behaviour. Georgy kam zum Essen von den Festlichkeiten nach Hause und fand vier Gedecke wie gewöhnlich, aber den einen Platz nahm eine Dame ein statt Major Dobbin. »Holla, wo ist Dob?« fragte der junge Herr in seiner gewöhnlichen schlichten Sprechweise. »Ich nehme an, Major Dobbin speist auswärts«, sagte seine Mutter. Sie zog den Knaben an sich, bedeckte ihn mit Küssen, strich ihm das Haar aus der Stirn und stellte ihn Mrs. Crawley vor. »Dies ist mein Junge, Rebekka«, sagte Mrs. Osborne. Was soviel heißen sollte wie: Gibt es auf der ganzen Welt noch einen wie diesen? Becky blickte ihn entzückt an und drückte ihm zärtlich die Hand. »Der liebe Junge«, sagte sie. »Er ist gerade wie mein...« Ihre Erregung erstickte jedes weitere Wort, aber Amelia verstand so gut, als ob sie selbst gesprochen hätte, daß Becky an ihr eigenes teures Kind dachte. Die Gesellschaft ihrer Freundin tröstete Mrs. Crawley jedoch, und sie aß mit gutem Appetit.   Georgy came in from the fetes for dinner-time and found four covers laid as usual; but one of the places was occupied by a lady, instead of by Major Dobbin. “Hullo! where’s Dob?” the young gentleman asked with his usual simplicity of language. “Major Dobbin is dining out, I suppose,” his mother said, and, drawing the boy to her, kissed him a great deal, and put his hair off his forehead, and introduced him to Mrs. Crawley. “This is my boy, Rebecca,” Mrs. Osborne said — as much as to say — can the world produce anything like that? Becky looked at him with rapture and pressed his hand fondly. “Dear boy!” she said — "he is just like my — ” Emotion choked her further utterance, but Amelia understood, as well as if she had spoken, that Becky was thinking of her own blessed child. However, the company of her friend consoled Mrs. Crawley, and she ate a very good dinner. Während des Mahles sprach sie verschiedentlich, und jedesmal blickte Georgy sie scharf an und lauschte ihrer Stimme. Beim Dessert ging Emmy einmal hinaus, um weitere Haushaltsanordnungen zu treffen. Joseph saß in seinem Lehnstuhl und döste über dem »Galignani«, und Georgy und der Neuankömmling saßen nebeneinander. Er hatte sie mehrere Male mit wissender Miene angesehen, und schließlich legte er den Nußknacker nieder.   During the repast, she had occasion to speak several times, when Georgy eyed her and listened to her. At the desert Emmy was gone out to superintend further domestic arrangements; Jos was in his great chair dozing over Galignani; Georgy and the new arrival sat close to each other — he had continued to look at her knowingly more than once, and at last he laid down the nutcrackers. »Hören Sie mal!« sagte Georgy.   “I say,” said Georgy. »Was willst du sagen?« fragte Becky lachend.   “What do you say?” Becky said, laughing. »Sie sind die Dame mit der Maske, die ich beim Rouge et noir gesehen habe.«   “You’re the lady I saw in the mask at the Rouge et Noir.” »Pst, du kleiner Schlauberger«, sagte Becky, ergriff seine Hand und küßte sie. »Dein Onkel ist ja auch dort gewesen, aber Mama braucht es nicht zu wissen.«   “Hush! you little sly creature,” Becky said, taking up his hand and kissing it. “Your uncle was there too, and Mamma mustn’t know.” »O nein, auf keinen Fall!« erwiderte der kleine Bursche.   “Oh, no — not by no means,” answered the little fellow. »Du siehst, wir sind bereits gute Freunde«, sagte Rebekka zu Emmy, die gerade wieder hereinkam. Wir müssen schon sagen, daß Mrs. Osborne eine verständige und reizende Genossin in ihrem Haus aufgenommen hatte.   “You see we are quite good friends already,” Becky said to Emmy, who now re-entered; and it must be owned that Mrs. Osborne had introduced a most judicious and amiable companion into her house. William durchstreifte die Stadt in wilder Aufregung kreuz und quer, obwohl ihm der bevorstehende Verrat noch unbekannt war, bis er auf den Gesandtschaftssekretär Tapeworm stieß, der ihn zum Essen einlud. Während des Essens benutzte er die Gelegenheit, den Sekretär zu fragen, ob er etwas über eine gewisse Mrs. Rawdon Crawley wisse, die seines Erachtens in London einigen Staub aufgewirbelt habe. Tapeworm, der natürlich allen Londoner Klatsch kannte und außerdem ein Verwandter von Lady Gaunt war, erzählte nun dem erstaunten Major eine Geschichte von Becky und ihrem Mann, daß dem Frager der Mund vor Erstaunen offenblieb und der gegenwärtige Geschichtenschreiber alle Einzelheiten für seine Erzählung erfuhr, denn an dieser Tafel hatte der Verfasser vor vielen Jahren die Freude, die Geschichte zu hören. Tufto, Steyne, die Crawleys und ihre Geschichte – alles, was Becky und ihr früheres Leben betraf, tischte der unfreundliche Diplomat auf. Er wußte alles und noch viel mehr von der Welt – mit einem Wort, er machte dem guten Major die überraschendsten Enthüllungen. Als Dobbin erzählte, daß Mrs. Osborne und Mr. Sedley sie ins Haus genommen hätten, brach er in ein Gelächter aus, das den Major sehr erschreckte, und fragte, ob sie nicht lieber nach dem Gefängnis schicken und ein paar von den Herren mit den geschorenen Köpfen und gelben Jacken, die paarweise zusammengekettet die Straßen von Pumpernickel kehrten, in Kost und Logis aufnehmen und als Hauslehrer für den kleinen Taugenichts Georgy anstellen wollten.   William, in a state of great indignation, though still unaware of all the treason that was in store for him, walked about the town wildly until he fell upon the Secretary of Legation, Tapeworm, who invited him to dinner. As they were discussing that meal, he took occasion to ask the Secretary whether he knew anything about a certain Mrs. Rawdon Crawley, who had, he believed, made some noise in London; and then Tapeworm, who of course knew all the London gossip, and was besides a relative of Lady Gaunt, poured out into the astonished Major’s ears such a history about Becky and her husband as astonished the querist, and supplied all the points of this narrative, for it was at that very table years ago that the present writer had the pleasure of hearing the tale. Tufto, Steyne, the Crawleys, and their history — everything connected with Becky and her previous life passed under the record of the bitter diplomatist. He knew everything and a great deal besides, about all the world — in a word, he made the most astounding revelations to the simple-hearted Major. When Dobbin said that Mrs. Osborne and Mr. Sedley had taken her into their house, Tapeworm burst into a peal of laughter which shocked the Major, and asked if they had not better send into the prison and take in one or two of the gentlemen in shaved heads and yellow jackets who swept the streets of Pumpernickel, chained in pairs, to board and lodge, and act as tutor to that little scapegrace Georgy. Diese Nachricht nahm der Major mit staunendem Entsetzen auf. Am Morgen (vor dem Zusammentreffen mit Rebekka) war beschlossen worden, daß Amelia an diesem Abend zum Hofball gehen sollte. Dobbin glaubte, das werde der geeignete Ort sein, um ihr alles zu sagen. Er ging also nach Hause, legte seine Uniform an und begab sich, in der Hoffnung, Mrs. Osborne zu sehen, zum Hof. Sie erschien nicht. Als er in seine Wohnung zurückkehrte, war schon alles Licht im Sedleyschen Haus verlöscht. Er konnte sie also erst am nächsten Morgen sprechen. Ich weiß nicht, wie seine Nachtruhe mit diesem furchtbaren Geheimnis als Bettgenossen war.   This information astonished and horrified the Major not a little. It had been agreed in the morning (before meeting with Rebecca) that Amelia should go to the Court ball that night. There would be the place where he should tell her. The Major went home, and dressed himself in his uniform, and repaired to Court, in hopes to see Mrs. Osborne. She never came. When he returned to his lodgings all the lights in the Sedley tenement were put out. He could not see her till the morning. I don’t know what sort of a night’s rest he had with this frightful secret in bed with him. So früh es der Anstand erlaubte, schickte er am nächsten Morgen seinen Diener mit einem Billett hinüber, in dem er ihr schrieb, daß er Wichtiges mit ihr zu besprechen habe. Als Antwort erhielt er die Botschaft, daß Mrs. Osborne sich nicht wohl fühle und ihr Zimmer hüte.   At the earliest convenient hour in the morning he sent his servant across the way with a note, saying that he wished very particularly to speak with her. A message came back to say that Mrs. Osborne was exceedingly unwell and was keeping her room. Auch sie hatte die ganze Nacht über wach gelegen. Sie hatte sich mit einem Gedanken beschäftigt, der ihr Gemüt schon hundertmal erregt hatte. Schon hundertmal auf dem Punkt, nachzugeben, war sie doch stets wieder vor einem Opfer zurückgewichen, das nach ihrem Gefühl zu groß für sie war. Sie konnte einfach nicht, trotz seiner Liebe und Treue und ihrer eigenen anerkannten Neigung, Achtung und Dankbarkeit. Was sind schon Wohltaten, Treue und Verdienste? Eine einzige Locke vom Haar eines Mädchens, ein einziges Barthaar gibt sofort den Ausschlag gegen sie. Bei Emmy wogen die drei Dinge ebensoviel wie bei anderen Frauen. Sie hatte sie ausprobiert, hatte versucht, sie gelten zu lassen. Es ging nicht, und nun hatte die unbarmherzige kleine Frau einen Vorwand gefunden und beschlossen, frei zu bleiben.   She, too, had been awake all that night. She had been thinking of a thing which had agitated her mind a hundred times before. A hundred times on the point of yielding, she had shrunk back from a sacrifice which she felt was too much for her. She couldn’t, in spite of his love and constancy and her own acknowledged regard, respect, and gratitude. What are benefits, what is constancy, or merit? One curl of a girl’s ringlet, one hair of a whisker, will turn the scale against them all in a minute. They did not weigh with Emmy more than with other women. She had tried them; wanted to make them pass; could not; and the pitiless little woman had found a pretext, and determined to be free. Als am Nachmittag der Major endlich Zutritt zu Amelia erhielt, empfing er statt des herzlichen, liebevollen Grußes, an den er jetzt seit langem gewöhnt war, einen Knicks und eine kleine behandschuhte Hand, die sich nach der Begrüßung augenblicklich wieder zurückzog.   When at length, in the afternoon, the Major gained admission to Amelia, instead of the cordial and affectionate greeting, to which he had been accustomed now for many a long day, he received the salutation of a curtsey, and of a little gloved hand, retracted the moment after it was accorded to him. Rebekka befand sich ebenfalls im Zimmer und ging ihm lächelnd mit ausgestreckter Hand entgegen. Dobbin trat etwas verwirrt zurück. »Ich – ich bitte um Verzeihung, Madame«, sagte er. »Aber ich muß Ihnen leider sagen, daß ich nicht als Ihr Freund hierhergekommen bin.«   Rebecca, too, was in the room, and advanced to meet him with a smile and an extended hand. Dobbin drew back rather confusedly, “I — I beg your pardon, m’am,” he said; “but I am bound to tell you that it is not as your friend that I am come here now.” »Dummes Zeug, verdammt noch mal, komm doch jetzt nicht mit so was!« rief Joseph unruhig, in dem Verlangen, eine Szene zu vermeiden.   “Pooh! damn; don’t let us have this sort of thing!” Jos cried out, alarmed, and anxious to get rid of a scene. »Ich möchte wissen, was Major Dobbin gegen Rebekka vorzubringen hat«, sprach Amelia mit leiser, deutlicher, etwas zitternder Stimme und entschlossenem Blick.   “I wonder what Major Dobbin has to say against Rebecca?” Amelia said in a low, clear voice with a slight quiver in it, and a very determined look about the eyes. »Ich will in meinem Haus nichts davon hören«, sagte Joseph. »Ich wiederhole, ich will nichts davon hören, und Dobbin – ich bitte dich, hör auf damit.« Er blickte sich zitternd um, wurde sehr rot und ging schnaufend zur Tür.   “I will not have this sort of thing in my house,” Jos again interposed. “I say I will not have it; and Dobbin, I beg, sir, you’ll stop it.” And he looked round, trembling and turning very red, and gave a great puff, and made for his door. »Lieber Freund«, sagte Rebekka mit engelhafter Milde, »hören Sie doch, was Major Dobbin gegen mich vorzubringen hat.«   “Dear friend!” Rebecca said with angelic sweetness, “do hear what Major Dobbin has to say against me.” »Ich will es nicht hören!« kreischte Joseph in den höchsten Tönen, raffte seinen Schlafrock und verließ das Zimmer.   “I will not hear it, I say,” squeaked out Jos at the top of his voice, and, gathering up his dressing-gown, he was gone. »Wir sind nur zwei Frauen«, meinte Amelia. »Sie können jetzt sprechen, Sir!«   “We are only two women,” Amelia said. “You can speak now, sir.” »Dieses Benehmen gegen mich kommt Ihnen kaum zu, Amelia«, antwortete der Major hochmütig. »Ich glaube auch nicht, mich je einer Unhöflichkeit gegenüber Frauen schuldig gemacht zu haben. Es ist nicht angenehm für mich, mich der Pflicht zu entledigen, derentwegen ich hierherkam.«   “This manner towards me is one which scarcely becomes you, Amelia,” the Major answered haughtily; “nor I believe am I guilty of habitual harshness to women. It is not a pleasure to me to do the duty which I am come to do.” »Ich bitte Sie, schnell damit fertig zu werden, Major Dobbin«, sagte Amelia, die immer ärgerlicher wurde. Wenn sie so herrisch sprach, war Dobbins Gesichtsausdruck nicht sehr angenehm.   “Pray proceed with it quickly, if you please, Major Dobbin,” said Amelia, who was more and more in a pet. The expression of Dobbin’s face, as she spoke in this imperious manner, was not pleasant. »Ich komme, um zu sagen – und da Sie bleiben, Mrs. Crawley, muß ich es in Ihrer Gegenwart sagen –, daß Sie meiner Ansicht nach sich nicht in die Familie meiner Freunde drängen sollten. Eine Dame, die von ihrem Mann geschieden ist, die unter falschem Namen reist, die öffentliche Spiellokale besucht...«   “I came to say — and as you stay, Mrs. Crawley, I must say it in your presence — that I think you — you ought not to form a member of the family of my friends. A lady who is separated from her husband, who travels not under her own name, who frequents public gaming-tables — " »Ich war doch beim Ball!« rief Becky.   “It was to the ball I went,” cried out Becky. »...ist keine passende Gesellschaft für Mrs. Osborne und ihren Sohn«, fuhr Dobbin fort. »Und ich kann hinzufügen, daß es hier Leute gibt, die Sie kennen und über Sie Sachen wissen, die ich vor – vor Mrs. Osborne nicht einmal erwähnen möchte.«   “ — is not a fit companion for Mrs. Osborne and her son,” Dobbin went on: “and I may add that there are people here who know you, and who profess to know that regarding your conduct about which I don’t even wish to speak before — before Mrs. Osborne.” »Ihre Anschuldigungen, Major Dobbin, sind sehr bescheiden und schicklich«, sagte Rebekka. »Sie lassen mich unter der Wucht einer Anklage, die nach alledem nicht einmal ausgesprochen wird. Was ist es? – Ist es Untreue gegenüber meinem Mann? Ich verachte es und möchte den sehen, der etwas beweisen kann, ja, das möchte ich. Meine Ehre ist makellos wie die des bittersten Feindes, der mich je verleumdet hat. Klagen Sie mich der Armut, Verlassenheit und des Elends an? – Ja, dieser Vergehen bin ich schuldig und werde täglich dafür bestraft. Laß mich gehen, Emmy. Ich brauche bloß anzunehmen, daß ich dich nicht getroffen hätte, dann geht es mir heute nicht schlimmer als gestern. Ich muß mir nur vorstellen, daß die Nacht vorüber und der arme Wanderer wieder unterwegs ist. Erinnerst du dich noch an das Lied, das wir in der alten, in der guten alten Zeit gesungen haben? Ich bin seitdem stets auf der Wanderschaft gewesen – eine arme Ausgestoßene, verachtet wegen ihres Elends, beleidigt wegen ihrer Einsamkeit. Laß mich gehen; mein Aufenthalt in diesem Haus stört die Pläne dieses Herrn.«   “Yours is a very modest and convenient sort of calumny, Major Dobbin,” Rebecca said. “You leave me under the weight of an accusation which, after all, is unsaid. What is it? Is it unfaithfulness to my husband? I scorn it and defy anybody to prove it — I defy you, I say. My honour is as untouched as that of the bitterest enemy who ever maligned me. Is it of being poor, forsaken, wretched, that you accuse me? Yes, I am guilty of those faults, and punished for them every day. Let me go, Emmy. It is only to suppose that I have not met you, and I am no worse to-day than I was yesterday. It is only to suppose that the night is over and the poor wanderer is on her way. Don’t you remember the song we used to sing in old, dear old days? I have been wandering ever since then — a poor castaway, scorned for being miserable, and insulted because I am alone. Let me go: my stay here interferes with the plans of this gentleman.” »Jawohl, das stimmt, Madame«, sagte der Major. »Wenn ich in diesem Haus auch nur etwas zu sagen habe...«   “Indeed it does, madam,” said the Major. “If I have any authority in this house — ” »Zu sagen habe? Nichts!« stieß Amelia hervor. »Rebekka, du bleibst. Ich werde dich nicht allein lassen, weil du verfolgt bist, und dich nicht verletzen, weil – weil Major Dobbin es tut. Komm, meine Liebe!« Und die beiden Frauen wandten sich zur Tür.   “Authority, none!” broke out Amelia “Rebecca, you stay with me. I won’t desert you because you have been persecuted, or insult you because — because Major Dobbin chooses to do so. Come away, dear.” And the two women made towards the door. William öffnete ihnen. Als sie hinausgingen, ergriff er jedoch Amelias Hand und sagte: »Wollen Sie noch einen Augenblick bleiben und mich anhören?«   William opened it. As they were going out, however, he took Amelia’s hand and said — "Will you stay a moment and speak to me?” »Er will allein mit dir sprechen«, sagte Becky mit Märtyrermiene. Amelia drückte ihr zur Antwort die Hand.   “He wishes to speak to you away from me,” said Becky, looking like a martyr. Amelia gripped her hand in reply. »Auf meine Ehre, ich will nicht über Sie sprechen«, sagte Dobbin. »Kommen Sie zurück, Amelia.« Und sie kam. Dobbin verbeugte sich gegen Mrs. Crawley, als er die Tür hinter ihr schloß. Amelia lehnte am Spiegel und blickte ihn an; Gesicht und Lippen waren sehr blaß.   “Upon my honour it is not about you that I am going to speak,” Dobbin said. “Come back, Amelia,” and she came. Dobbin bowed to Mrs. Crawley, as he shut the door upon her. Amelia looked at him, leaning against the glass: her face and her lips were quite white. »Ich war etwas durcheinander, als ich eben sprach«, sagte der Major nach einer Pause. »Ich habe es falsch ausgedrückt, als ich eben davon sprach, wer in diesem Haus etwas zu sagen hat.«   “I was confused when I spoke just now,” the Major said after a pause, “and I misused the word authority.” »Ja, das haben Sie«, sagte Amelia zähneklappernd.   “You did,” said Amelia with her teeth chattering. »Zumindest habe ich Anspruch darauf, daß man mich anhört«, fuhr Dobbin fort.   “At least I have claims to be heard,” Dobbin continued. »Es ist sehr großzügig, mich daran zu erinnern, wie wir Ihnen verpflichtet sind«, erwiderte die Frau.   “It is generous to remind me of our obligations to you,” the woman answered. »Der Anspruch, den ich meine, wurde mir von Georges Vater hinterlassen«, sagte William.   “The claims I mean are those left me by George’s father,” William said. »Ja, und Sie haben sein Andenken beleidigt. Gestern haben Sie es getan. Das wissen Sie. Und ich werde Ihnen nie verzeihen. Niemals!« rief Amelia. Jedes Wort schoß sie bebend vor Zorn und Erregung hervor.   “Yes, and you insulted his memory. You did yesterday. You know you did. And I will never forgive you. Never!” said Amelia. She shot out each little sentence in a tremor of anger and emotion. »Das meinen Sie doch nicht im Ernst, Amelia?« fragte William trübe. »Sie meinen doch nicht, daß diese in Übereilung geäußerten Worte ein ganzes Leben voller Hingabe aufwiegen können? Ich glaube, ich habe Georges Andenken so, wie ich gesprochen habe, nicht beleidigt, und wenn wir Vorwürfe miteinander austauschen wollen, so verdiene ich zumindest keine von seiner Witwe und der Mutter seines Sohnes. Denken Sie darüber nach, später, wenn – wenn Sie Zeit haben, und Ihr Gewissen wird diese Anklage zurückziehen. Das tut es übrigens schon jetzt.« Amelia senkte den Kopf.   “You don’t mean that, Amelia?” William said sadly. “You don’t mean that these words, uttered in a hurried moment, are to weigh against a whole life’s devotion? I think that George’s memory has not been injured by the way in which I have dealt with it, and if we are come to bandying reproaches, I at least merit none from his widow and the mother of his son. Reflect, afterwards when — when you are at leisure, and your conscience will withdraw this accusation. It does even now.” Amelia held down her head. »Es sind nicht die gestrigen Worte«, fuhr er fort, »die Sie dazu veranlassen. Das ist bloß ein Vorwand, Amelia, oder ich habe Sie fünfzehn Jahre lang umsonst geliebt und beobachtet. Habe ich nicht in dieser Zeit gelernt, in Ihren Gefühlen und Gedanken zu lesen? Ich weiß, wozu Ihr Herz fähig ist; es kann sich treu an eine Erinnerung hängen und ein Phantasiegebilde hegen, kann aber nicht die Neigung fühlen, mit der meine erwidert zu werden verdient und die ich von einer großherzigen Frau auch erlangt hätte. Nein, Sie verdienen die Liebe nicht, die ich Ihnen geweiht habe. Ich weiß schon lange, daß der Preis, auf den ich mein Leben gesetzt habe, des Gewinnes nicht wert war, daß ich ein Tor war, als ich mit liebevoller Einbildung meine ganze Treue und glühende Leidenschaft gegen Ihr schwaches Restchen Liebe eintauschte. Mein Handel ist beendet, ich ziehe mich zurück. Ich tadle Sie nicht, Sie sind sehr gutmütig und haben Ihr Bestes getan, aber Sie konnten – Sie konnten sich nicht zu den Höhen der Liebe aufschwingen, die ich Ihnen entgegengebracht und die eine erhabenere Seele als Ihre zu erwidern wohl stolz gewesen wäre. Leben Sie wohl, Amelia! Ich habe Ihren Kampf beobachtet. Beenden Sie ihn. Wir sind beide seiner müde.«   “It is not that speech of yesterday,” he continued, “which moves you. That is but the pretext, Amelia, or I have loved you and watched you for fifteen years in vain. Have I not learned in that time to read all your feelings and look into your thoughts? I know what your heart is capable of: it can cling faithfully to a recollection and cherish a fancy, but it can’t feel such an attachment as mine deserves to mate with, and such as I would have won from a woman more generous than you. No, you are not worthy of the love which I have devoted to you. I knew all along that the prize I had set my life on was not worth the winning; that I was a fool, with fond fancies, too, bartering away my all of truth and ardour against your little feeble remnant of love. I will bargain no more: I withdraw. I find no fault with you. You are very good-natured, and have done your best, but you couldn’t — you couldn’t reach up to the height of the attachment which I bore you, and which a loftier soul than yours might have been proud to share. Good-bye, Amelia! I have watched your struggle. Let it end. We are both weary of it.” Amelia stand niedergeschlagen und schweigend da, als William so plötzlich die Kette zerriß, an der sie ihn festhielt, und seine Unabhängigkeit und Überlegenheit erklärte. Er hatte so lange zu ihren Füßen gelegen, daß sich die arme kleine Frau daran gewöhnt hatte, auf ihm herumzutreten. Sie wollte ihn zwar nicht heiraten, aber festhalten wollte sie ihn. Sie wollte ihm nichts geben, aber sie wollte, daß er ihr alles gab. Dies ist ein Handel, wie er in der Liebe nicht selten vorkommt.   Amelia stood scared and silent as William thus suddenly broke the chain by which she held him and declared his independence and superiority. He had placed himself at her feet so long that the poor little woman had been accustomed to trample upon him. She didn’t wish to marry him, but she wished to keep him. She wished to give him nothing, but that he should give her all. It is a bargain not unfrequently levied in love. Williams Ausbruch hatte sie völlig geschlagen und zerschmettert. Ihr Angriff war schon längst vorüber und zurückgeschlagen.   William’s sally had quite broken and cast her down. Her assault was long since over and beaten back. »Muß ich aus Ihren Worten entnehmen – daß Sie weg – gehen – William?« fragte sie.   “Am I to understand then, that you are going — away, William?” she said. Er lachte traurig auf. »Ich bin schon einmal fortgegangen«, sagte er, »und nach zwölf Jahren zurückgekommen. Wir waren damals jung, Amelia. Leben Sie wohl! Ich habe genug von meinem Leben für dieses Spiel geopfert.«   He gave a sad laugh. “I went once before,” he said, “and came back after twelve years. We were young then, Amelia. Good-bye. I have spent enough of my life at this play.” Während sie sprachen, hatte sich die Tür von Mrs. Osbornes Zimmer ein wenig geöffnet, denn Rebekka hatte die Klinke in der Hand behalten und in dem Augenblick, als Dobbin sie losließ, herumgedreht. Nun hörte sie jedes Wort von der Unterhaltung zwischen den beiden. Was für ein edles Herz hat doch dieser Mann, dachte sie, und wie schändlich die Frau damit spielt. Sie bewunderte Dobbin, sie hegte keinen Groll gegen ihn wegen der Rolle, die er gegen sie gespielt hatte. Er hatte offen und ehrlich gespielt. Ach! dachte sie, wenn ich doch auch solch einen Mann gehabt hätte – einen Mann mit Herz und Verstand. Dann hätte ich auch nichts gegen seine großen Füße gesagt. Sie eilte auf ihr Zimmer, überlegte etwas und schrieb ihm ein Billett, worin sie ihn ersuchte, noch ein paar Tage zu bleiben und noch nicht ans Weggehen zu denken. Sie könne ihm in bezug auf Amelia behilflich sein.   Whilst they had been talking, the door into Mrs. Osborne’s room had opened ever so little; indeed, Becky had kept a hold of the handle and had turned it on the instant when Dobbin quitted it, and she heard every word of the conversation that had passed between these two. “What a noble heart that man has,” she thought, “and how shamefully that woman plays with it!” She admired Dobbin; she bore him no rancour for the part he had taken against her. It was an open move in the game, and played fairly. “Ah!” she thought, “if I could have had such a husband as that — a man with a heart and brains too! I would not have minded his large feet”; and running into her room, she absolutely bethought herself of something, and wrote him a note, beseeching him to stop for a few days — not to think of going — and that she could serve him with A. Der Abschied war vorüber. Wieder ging der arme William zur Tür und war fort. Die kleine Witwe, die Urheberin des Ganzen, hatte ihren Willen durchgesetzt, den Sieg errungen und konnte sich nun nach Herzenslust daran freuen. Mögen die Damen sie um ihren Triumph beneiden.   The parting was over. Once more poor William walked to the door and was gone; and the little widow, the author of all this work, had her will, and had won her victory, and was left to enjoy it as she best might. Let the ladies envy her triumph. Zur romantischen Essensstunde erschien Mr. Georgy und bemerkte wiederum die Abwesenheit des »alten Dob«. Die Gesellschaft nahm das Mahl schweigend ein, Josephs Appetit hatte nicht gelitten, aber Emmy rührte nichts an.   At the romantic hour of dinner, Mr. Georgy made his appearance and again remarked the absence of “Old Dob.” The meal was eaten in silence by the party. Jos’s appetite not being diminished, but Emmy taking nothing at all. Nach dem Essen lehnte sich George auf einem Kissen in das alte Fenster, ein großes Erkerfenster, das auf einer Seite den Marktplatz mit dem »Elefanten« überschaute und gegenüber »die andere Seite der Goswell Street«, wie das unsterbliche Fenster des Mr. Pickwick. Georgy sah also hinaus, während sich seine Mutter dicht neben ihm zu schaffen machte, und plötzlich bemerkte er Zeichen einer Bewegung im Hause des Majors.   After the meal, Georgy was lolling in the cushions of the old window, a large window, with three sides of glass abutting from the gable, and commanding on one side the market-place, where the Elephant is, his mother being busy hard by, when he remarked symptoms of movement at the Major’s house on the other side of the street. »Holla!« rief er. »Das ist ja Dobbins Mausefalle – sie holen sie aus dem Hof heraus.« Die besagte »Mausefalle« war ein Wagen, den der Major für sechs Pfund gekauft hatte und dessentwegen man ihn allenthalben aufzog.   “Hullo!” said he, “there’s Dob’s trap — they are bringing it out of the court-yard.” The “trap” in question was a carriage which the Major had bought for six pounds sterling, and about which they used to rally him a good deal. Emmy fuhr ein wenig zusammen, sagte aber nichts.   Emmy gave a little start, but said nothing. »Holla!« fuhr George fort. »Da kommt ja Francis mit den Reisetaschen heraus, und Kunz, der einäugige Postillion, kommt mit drei Schimmeln über den Markt. Seht nur mal seine Stiefel und die gelbe Jacke; ist er nicht ein komischer Kauz? – Aber was denn – die spannen die Pferde ja vor Dobs Wagen. Verreist er denn?«   “Hullo!” Georgy continued, “there’s Francis coming out with the portmanteaus, and Kunz, the one-eyed postilion, coming down the market with three schimmels. Look at his boots and yellow jacket — ain’t he a rum one? Why — they’re putting the horses to Dob’s carriage. Is he going anywhere?” »Ja«, antwortete Emmy. »Er fährt weg.«   “Yes,” said Emmy, “he is going on a journey.” »Aha, und wann kommt er zurück?«   “Going on a journey; and when is he coming back?” »Er kommt – nicht zurück!« antwortete Emmy.   “He is — not coming back,” answered Emmy. »Kommt nicht zurück?« schrie Georgy und sprang auf. »Bleib hier!« rief Joseph. »Bleib, Georgy!« sagte seine Mutter mit sehr traurigem Gesicht. Der Knabe blieb, lief im Zimmer umher, kniete sich auf das Fensterbrett, sprang wieder herunter und zeigte alle Symptome von Unruhe und Neugier.   “Not coming back!” cried out Georgy, jumping up. “Stay here, sir,” roared out Jos. “Stay, Georgy,” said his mother with a very sad face. The boy stopped, kicked about the room, jumped up and down from the window-seat with his knees, and showed every symptom of uneasiness and curiosity. Die Pferde waren angespannt, das Gepäck festgeschnallt. Francis kam mit dem Degen seines Herrn und dem zusammengebundenen Stock und Schirm und steckte sie in das Flaschenfutter und mit seinem Schreibpult und der alten zinnernen Dreispitzschachtel, die er unter den Sitz stellte. Francis brachte auch den mit rotem Wollstoff gefütterten, fleckigen blauen Mantel heraus, der den Besitzer seit fünfzehn Jahren stets umhüllt und »so manchen Sturm erlebt« hatte, wie es in einem bekannten Lied jener Tage heißt. Er war vor der Schlacht bei Waterloo neu gewesen und hatte ihn und George in der Nacht nach Quatre-Bras zugedeckt.   The horses were put to. The baggage was strapped on. Francis came out with his master’s sword, cane, and umbrella tied up together, and laid them in the well, and his desk and old tin cocked-hat case, which he placed under the seat. Francis brought out the stained old blue cloak lined with red camlet, which had wrapped the owner up any time these fifteen years, and had manchen Sturm erlebt, as a favourite song of those days said. It had been new for the campaign of Waterloo and had covered George and William after the night of Quatre Bras. Der alte Burcke, der Hauswirt, kam heraus, dann Francis mit mehr Gepäck – dem letzten –, dann Major William selbst. Burcke wollte ihn küssen. Alle Leute, mit denen der Major zu tun hatte, vergötterten ihn, und er konnte sich nur schwer diesen Liebesbeweisen entziehen.   Old Burcke, the landlord of the lodgings, came out, then Francis, with more packages — final packages — then Major William — Burcke wanted to kiss him. The Major was adored by all people with whom he had to do. It was with difficulty he could escape from this demonstration of attachment. »Beim Zeus, ich will gehen!« schrie George. »Bring ihm das«, sagte Becky teilnahmsvoll und gab dem Knaben einen Zettel in die Hand. Binnen einer Minute war er die Treppe hinabgestürzt und über die Straße geeilt. Der gelbe Postillion knallte leise mit der Peitsche.   “By Jove, I will go!” screamed out George. “Give him this,” said Becky, quite interested, and put a paper into the boy’s hand. He had rushed down the stairs and flung across the street in a minute — the yellow postilion was cracking his whip gently. William war von den Umarmungen seines Wirtes losgekommen und in den Wagen gestiegen. George sprang nach und schlang die Arme um den Hals des Majors (das konnten sie vom Fenster aus beobachten) und stellte ihm Fragen über Fragen. Dann faßte er in die Westentasche und gab ihm das Billett. William griff begierig danach und öffnete es zitternd. Aber sofort veränderte sich sein Gesichtsausdruck, er zerriß das Papier und ließ es aus dem Wagen flattern. Er küßte Georgy auf das Haar, und der Knabe stieg mit Francis' Hilfe aus, beide Fäuste vor die Augen gepreßt. Zögernd hielt er sich noch mit einer Hand am Schlag fest. »Fort, Schwager!« Der gelbe Postillion knallte ungestüm mit der Peitsche, Francis sprang auf den Bock, die Schimmel zogen an, und Dobbin ließ den Kopf auf die Brust sinken. Er blickte nicht auf, als sie unter Amelias Fenster vorbeikamen, und Georgy, allein auf der Straße zurückgeblieben, brach vor der versammelten Menge in Tränen aus.   William had got into the carriage, released from the embraces of his landlord. George bounded in afterwards, and flung his arms round the Major’s neck (as they saw from the window), and began asking him multiplied questions. Then he felt in his waistcoat pocket and gave him a note. William seized at it rather eagerly, he opened it trembling, but instantly his countenance changed, and he tore the paper in two and dropped it out of the carriage. He kissed Georgy on the head, and the boy got out, doubling his fists into his eyes, and with the aid of Francis. He lingered with his hand on the panel. Fort, Schwager! The yellow postilion cracked his whip prodigiously, up sprang Francis to the box, away went the schimmels, and Dobbin with his head on his breast. He never looked up as they passed under Amelia’s window, and Georgy, left alone in the street, burst out crying in the face of all the crowd. Emmys Zofe hörte ihn in der Nacht erneut schluchzen und brachte ihm eingemachte Aprikosen, um ihn zu trösten. Sie vermischte ihre Klagen mit seinen. Alle armen, alle niedrigen, alle ehrlichen Leute, alle guten Menschen, die ihn kannten, liebten den freundlichen, schlichten Herrn.   Emmy’s maid heard him howling again during the night and brought him some preserved apricots to console him. She mingled her lamentations with his. All the poor, all the humble, all honest folks, all good men who knew him, loved that kind-hearted and simple gentleman. Und Emmy? Hatte sie nicht ihre Pflicht getan? Sie konnte sich ja mit ihrem Bild von George trösten.   As for Emmy, had she not done her duty? She had her picture of George for a consolation. 67. Kapitel / Chapter 67 Enthält Geburten, Hochzeiten und Todesfälle / Which Contains Births, Marriages, and Deaths Wie auch Beckys geheime Pläne sein mochten, mit denen sie Dobbins treuer Liebe zum Erfolg verhelfen wollte, so glaubte die kleine Frau doch, daß sie das Geheimnis noch für sich behalten könnte. Da ihr das eigene Wohlergehen über alles ging, hatte sie noch eine ganze Menge zu bedenken, was sie selbst betraf und ihr weit wichtiger schien als Major Dobbins irdisches Glück ...   Whatever Becky’s private plan might be by which Dobbin’s true love was to be crowned with success, the little woman thought that the secret might keep, and indeed, being by no means so much interested about anybody’s welfare as about her own, she had a great number of things pertaining to herself to consider, and which concerned her a great deal more than Major Dobbin’s happiness in this life. Sie fand sich plötzlich und unerwartet in einer bequemen, hübschen Wohnung, umgeben von Freunden, Güte und gutmütigen, einfachen Menschen, wie sie sie seit langem nicht getroffen hatte. Wenn sie auch aus Zwang und Neigung eine Wanderin war, so gab es doch Augenblicke, wo sie sich nach Ruhe sehnte. Auch der stärkste Araber, der je auf dem Rücken eines Dromedars die Wüste durchquerte, ruht zuweilen gern unter den Dattelpalmen am Wasser aus oder sucht gern Städte auf und wandert in den Basaren umher, erfrischt sich im Bade und sagt sein Gebet in der Moschee, ehe er wieder auf Raubzüge ausgeht. Josephs Zelte und Pilau gefielen der kleinen Ausgestoßenen. Sie band ihr Roß an, hängte ihre Waffen auf und wärmte sich an seinem Feuer. Der Halt in ihrem rastlosen Vagabundenleben war ihr unaussprechlich beruhigend und angenehm.   She found herself suddenly and unexpectedly in snug comfortable quarters, surrounded by friends, kindness, and good-natured simple people such as she had not met with for many a long day; and, wanderer as she was by force and inclination, there were moments when rest was pleasant to her. As the most hardened Arab that ever careered across the desert over the hump of a dromedary likes to repose sometimes under the date-trees by the water, or to come into the cities, walk into the bazaars, refresh himself in the baths, and say his prayers in the mosques, before he goes out again marauding, so Jos’s tents and pilau were pleasant to this little Ishmaelite. She picketed her steed, hung up her weapons, and warmed herself comfortably by his fire. The halt in that roving, restless life was inexpressibly soothing and pleasant to her. So mit sich selbst zufrieden, tat sie ihr möglichstes, auch alle anderen zufriedenzustellen. Wir wissen ja, daß sie in der Kunst des Freudespendens geschickt und erfolgreich war. Ein gut Teil des Wohlwollens von Joseph hatte sie schon während der kurzen Unterredung in der Dachkammer des »Elefanten« zurückzuerobern gewußt. Im Laufe einer Woche war der Zivilist ihr ergebener Sklave und rasender Bewunderer geworden. Er schlief nach dem Essen nicht mehr wie sonst in der weit weniger lebhaften Gesellschaft Amelias. Er fuhr im offenen Wagen mit Becky aus. Ihr zu Ehren lud er zu kleinen Gesellschaften ein und gab Feste.   So, pleased herself, she tried with all her might to please everybody; and we know that she was eminent and successful as a practitioner in the art of giving pleasure. As for Jos, even in that little interview in the garret at the Elephant Inn, she had found means to win back a great deal of his good-will. In the course of a week, the civilian was her sworn slave and frantic admirer. He didn’t go to sleep after dinner, as his custom was in the much less lively society of Amelia. He drove out with Becky in his open carriage. He asked little parties and invented festivities to do her honour. Tapeworm, der Gesandtschaftssekretär, der sie so entsetzlich beschimpft hatte, kam zu Joseph zum Essen und dann täglich; um Becky seine Aufwartung zu machen. Die arme Emmy, die nie sehr redselig gewesen war, aber nun nach Dobbins Abreise ernster und schweigsamer war als je, geriet ganz in Vergessenheit, als dieser überragende Geist auftauchte. Der französische Gesandte war ebenso entzückt von ihr wie sein englischer Rivale. Die deutschen Damen, die in bezug auf Moral nie sehr bedenklich sind, vor allem nicht bei Engländern, waren von der Klugheit und dem Witz der bezaubernden Freundin von Mrs. Osborne entzückt, und obwohl sie nicht bei Hofe vorgestellt zu werden verlangte, so hörten doch sogar die erlauchten Persönlichkeiten dort von ihren Reizen und waren wirklich neugierig, sie kennenzulernen. Bald sprach es sich herum, sie sei von Adel, stamme aus einer alten englischen Familie, ihr Mann sei Oberst bei der Garde und Gouverneur einer Insel und lebe von seiner Frau getrennt wegen geringer Differenzen, die in einem Lande, wo man noch den »Werther« liest und wo man Goethes »Wahlverwandtschaften« für ein erbauliches und moralisches Buch hält, keine Rolle spielen. Es weigerte sich nun kein Mensch mehr, sie selbst in den höchsten Kreisen des kleinen Herzogtums zu empfangen, und die Damen waren sogar noch schneller bereit, sie zu duzen und ihr ewige Freundschaft zu schwören, als sie es früher bei Amelia gewesen waren, der sie die gleichen unschätzbaren Wohltaten erwiesen hatten. Die einfachen Deutschen legen Liebe und Freiheit in einer Weise aus, die die braven Leute in Yorkshire oder Somersetshire kaum verstehen würden, und in einigen philosophischen und zivilisierten Städten könnte eine Dame wer weiß wie oft von ihrem jeweiligen Mann geschieden sein und doch ihre Stellung in der Gesellschaft behaupten. Seit Joseph ein eigenes Haus hatte, war es nie so unterhaltsam gewesen, wie es jetzt durch Rebekka wurde; sie sang, sie spielte, sie lachte, sie unterhielt sich in mehreren Sprachen, sie schleppte allerlei Leute ins Haus und brachte Joseph zu dem Glauben, daß seine gesellschaftlichen Talente und sein Witz die große Gesellschaft des Ortes um ihn versammelte.   Tapeworm, the Charge d’Affaires, who had abused her so cruelly, came to dine with Jos, and then came every day to pay his respects to Becky. Poor Emmy, who was never very talkative, and more glum and silent than ever after Dobbin’s departure, was quite forgotten when this superior genius made her appearance. The French Minister was as much charmed with her as his English rival. The German ladies, never particularly squeamish as regards morals, especially in English people, were delighted with the cleverness and wit of Mrs. Osborne’s charming friend, and though she did not ask to go to Court, yet the most august and Transparent Personages there heard of her fascinations and were quite curious to know her. When it became known that she was noble, of an ancient English family, that her husband was a Colonel of the Guard, Excellenz and Governor of an island, only separated from his lady by one of those trifling differences which are of little account in a country where Werther is still read and the Wahlverwandtschaften of Goethe is considered an edifying moral book, nobody thought of refusing to receive her in the very highest society of the little Duchy; and the ladies were even more ready to call her du and to swear eternal friendship for her than they had been to bestow the same inestimable benefits upon Amelia. Love and Liberty are interpreted by those simple Germans in a way which honest folks in Yorkshire and Somersetshire little understand, and a lady might, in some philosophic and civilized towns, be divorced ever so many times from her respective husbands and keep her character in society. Jos’s house never was so pleasant since he had a house of his own as Rebecca caused it to be. She sang, she played, she laughed, she talked in two or three languages, she brought everybody to the house, and she made Jos believe that it was his own great social talents and wit which gathered the society of the place round about him. Emmy war überhaupt nicht mehr die Herrin ihres eigenen Hauses, außer wenn es Rechnungen zu bezahlen galt, aber Becky entdeckte bald, wie man sie besänftigen und sich ihr angenehm machen konnte. Sie plauderte ihr beständig etwas von Major Dobbin vor, den sie fortgeschickt hatte, und war skrupellos genug, ihre Bewunderung für diesen vortrefflichen hochherzigen Mann auszudrücken und Amelia zu zeigen, wie grausam sie ihn behandelt habe. Emmy verteidigte ihr Verhalten und erklärte, daß nur rein religiöse Grundsätze es ihr diktiert hatten, daß eine Frau nur einmal und so weiter und so fort, und wenn sie dann noch mit solch einem verheiratet gewesen sei, wie der, den das Glück ihr gegeben habe, dann sei sie verheiratet für ewig. Sie hatte aber nichts dagegen, daß Becky den Major pries, soviel sie Lust hatte, und brachte selbst das Gespräch täglich wohl zwanzigmal auf Dobbin.   As for Emmy, who found herself not in the least mistress of her own house, except when the bills were to be paid, Becky soon discovered the way to soothe and please her. She talked to her perpetually about Major Dobbin sent about his business, and made no scruple of declaring her admiration for that excellent, high-minded gentleman, and of telling Emmy that she had behaved most cruelly regarding him. Emmy defended her conduct and showed that it was dictated only by the purest religious principles; that a woman once, \&c., and to such an angel as him whom she had had the good fortune to marry, was married forever; but she had no objection to hear the Major praised as much as ever Becky chose to praise him, and indeed, brought the conversation round to the Dobbin subject a score of times every day. Es gelang Becky leicht, die Gunst Georges und der Dienstboten zu gewinnen. Amelias Zofe war, wie schon erwähnt, dem großmütigen Major von ganzem Herzen zugetan; obgleich sie anfänglich Becky, als der Ursache seiner Trennung von ihrer Herrin, abgeneigt gewesen war, söhnte sie sich doch später wieder mit Mrs. Crawley aus, weil diese Dame Williams eifrigste Bewunderin und Verteidigerin wurde. In den wichtigen geheimen Beratungen, die die beiden Damen nach den Gesellschaftsabenden hielten, während Miss Payne ihnen die Haare bürstete, die gelben Locken der einen und die weichen braunen Flechten der anderen, legte das Mädchen stets ein Wort für den guten lieben Herrn, Major Dobbin, ein. Ihre Fürsprache machte Amelia ebensowenig zornig wie Rebekkas Bewunderung für ihn. Sie veranlaßte George, regelmäßig an ihn zu schreiben, und ließ in einer Nachschrift stets die freundlichen Grüße der Mama mitschicken. Und wenn sie abends das Bild ihres Mannes betrachtete, dann machte es ihr keine Vorwürfe mehr – vielleicht machte sie ihm nur Vorwürfe, da William fort war.   Means were easily found to win the favour of Georgy and the servants. Amelia’s maid, it has been said, was heart and soul in favour of the generous Major. Having at first disliked Becky for being the means of dismissing him from the presence of her mistress, she was reconciled to Mrs. Crawley subsequently, because the latter became William’s most ardent admirer and champion. And in those nightly conclaves in which the two ladies indulged after their parties, and while Miss Payne was “brushing their ’airs,” as she called the yellow locks of the one and the soft brown tresses of the other, this girl always put in her word for that dear good gentleman Major Dobbin. Her advocacy did not make Amelia angry any more than Rebecca’s admiration of him. She made George write to him constantly and persisted in sending Mamma’s kind love in a postscript. And as she looked at her husband’s portrait of nights, it no longer reproached her — perhaps she reproached it, now William was gone. Emmy war nach ihrem heroischen Opfer nicht sonderlich glücklich. Sie war sehr zerstreut, nervös, still und unduldsam. Die Familie hatte sie nie so launisch gesehen, sie wurde blaß und kränklich. Sie sang ab und zu ganz bestimmte Lieder, zum Beispiel »Einsam bin ich, nicht allein«, jenes sanfte Liebeslied von Weber, das in der alten Zeit, als Sie, meine jungen Damen, kaum geboren waren, bewies, daß diejenigen, die vor Ihnen lebten, ebenfalls lieben und singen konnten, ganz bestimmte Lieder also, die der Major besonders gern gehabt. Wenn sie sie in der Dämmerung im Gesellschaftszimmer trillerte, brach sie häufig in der Mitte ab, begab sich in ihr angrenzendes Zimmer und nahm dort zweifellos Zuflucht zu dem Miniaturbild ihres Mannes.   Emmy was not very happy after her heroic sacrifice. She was very distraite, nervous, silent, and ill to please. The family had never known her so peevish. She grew pale and ill. She used to try to sing certain songs ("Einsam bin ich nicht alleine,” was one of them, that tender love-song of Weber’s which in old-fashioned days, young ladies, and when you were scarcely born, showed that those who lived before you knew too how to love and to sing) certain songs, I say, to which the Major was partial; and as she warbled them in the twilight in the drawing-room, she would break off in the midst of the song, and walk into her neighbouring apartment, and there, no doubt, take refuge in the miniature of her husband. Dobbin hatte bei seiner Abreise einige Bücher mit seinem Namen darin zurückgelassen, zum Beispiel ein deutsches Wörterbuch mit »William Dobbin ...tes Reg.« auf dem Vorsatzblatt, einen Reiseführer mit seinen Initialen und ein paar andere Bände, die dem Major gehörten. Emmy räumte sie weg und legte sie auf die Kommode, wo sie ihr Arbeitskästchen, ihr Schreibpult, ihre Bibel und ihr Gebetbuch hatte, unter die Bilder der beiden Georges. Der Major hatte beim Fortgehen auch seine Handschuhe dagelassen, und es ist tatsächlich geschehen, daß Georgy einige Zeit später beim Kramen im Pult seiner Mutter die Handschuhe, nett zusammengefaltet, im sogenannten Geheimfach fand.   Some books still subsisted, after Dobbin’s departure, with his name written in them; a German dictionary, for instance, with “William Dobbin, — th Reg.,” in the fly-leaf; a guide-book with his initials; and one or two other volumes which belonged to the Major. Emmy cleared these away and put them on the drawers, where she placed her work-box, her desk, her Bible, and prayer-book, under the pictures of the two Georges. And the Major, on going away, having left his gloves behind him, it is a fact that Georgy, rummaging his mother’s desk some time afterwards, found the gloves neatly folded up and put away in what they call the secret-drawers of the desk. Da sie an Gesellschaften kein Vergnügen fand und sich dort langweilte, war Emmys Hauptvergnügen, an Sommerabenden lange Spaziergänge mit Georgy zu machen. Rebekka –wurde in Mr. Josephs Gesellschaft zurückgelassen, und Mutter und Sohn sprachen dann von dem Major in einer Weise, daß selbst der Knabe lächeln mußte. Sie erzählte ihm, daß sie den Major für den besten, sanftesten und gütigsten, tapfersten und bescheidensten Menschen auf der Welt hielt; sie betonte immer wieder, daß sie alles, was sie auf der Welt besaß, der wohlwollenden Sorge dieses lieben Freundes verdanke, daß er sich ihrer in Armut und Unglück angenommen habe, über sie gewacht habe, als sich niemand um sie kümmerte, daß ihn all seine Kameraden bewunderten, obgleich er nie von seinen mutigen Taten sprach, daß Georges Vater ihm von allen am meisten vertraut habe und daß der gute William sich stets seiner angenommen habe. »Dein Papa hat mir oft erzählt«, sagte sie, »daß er als kleiner Junge in der Schule, in die sie beide gingen, von William gegen einen Tyrannen verteidigt wurde, und von diesem Tage an bis zu dem letzten, an dem dein lieber Vater fiel, hat ihre Freundschaft nie aufgehört.«   Not caring for society, and moping there a great deal, Emmy’s chief pleasure in the summer evenings was to take long walks with Georgy (during which Rebecca was left to the society of Mr. Joseph), and then the mother and son used to talk about the Major in a way which even made the boy smile. She told him that she thought Major William was the best man in all the world — the gentlest and the kindest, the bravest and the humblest. Over and over again she told him how they owed everything which they possessed in the world to that kind friend’s benevolent care of them; how he had befriended them all through their poverty and misfortunes; watched over them when nobody cared for them; how all his comrades admired him though he never spoke of his own gallant actions; how Georgy’s father trusted him beyond all other men, and had been constantly befriended by the good William. “Why, when your papa was a little boy,” she said, “he often told me that it was William who defended him against a tyrant at the school where they were; and their friendship never ceased from that day until the last, when your dear father fell.” »Hat Dobbin den Mann getötet, der Papa getötet hat?« fragte Georgy. »Bestimmt hat er es, oder er hätte es getan, wenn er ihn erwischt hätte, nicht wahr, Mutter? Wenn ich erst bei den Soldaten bin, dann werde ich die Franzosen auch hassen, nicht wahr?«   “Did Dobbin kill the man who killed Papa?” Georgy said. “I’m sure he did, or he would if he could have caught him, wouldn’t he, Mother? When I’m in the Army, won’t I hate the French? — that’s all.” Mit solchen Unterhaltungen verbrachten Mutter und Kind einen großen Teil ihrer Zeit gemeinsam. Die schlichte Frau hatte ihren Sohn zum Vertrauten gemacht. Er war Williams Freund, wie überhaupt alle, die ihn kannten.   In such colloquies the mother and the child passed a great deal of their time together. The artless woman had made a confidant of the boy. He was as much William’s friend as everybody else who knew him well. Übrigens hatte Mrs. Becky, um Amelia an Sentimentalität nicht nachzustehen, ebenfalls ein Miniaturbild in ihrem Zimmer hängen, zur Überraschung und Belustigung der meisten und dem Entzücken des Originals, das kein anderer war als unser Freund Joseph. Als die kleine Frau Familie Sedley mit ihrem Besuch beehrte, schämte sie sich wahrscheinlich, daß sie weder mit großen Koffern noch Hutschachteln erschienen war, sondern nur mit einem auffallend schäbigen Holzköfferchen, und sprach achtungsvoll von ihrem in Leipzig zurückgebliebenem Gepäck, das sie sich kommen lassen müsse. Wenn dir ein Reisender ständig von seinem großartigen Gepäck erzählt, das er zufällig nur nicht bei sich hat, so hüte dich vor diesem Reisenden, mein Sohn! Er ist zehn gegen eins ein Betrüger.   By the way, Mrs. Becky, not to be behind hand in sentiment, had got a miniature too hanging up in her room, to the surprise and amusement of most people, and the delight of the original, who was no other than our friend Jos. On her first coming to favour the Sedleys with a visit, the little woman, who had arrived with a remarkably small shabby kit, was perhaps ashamed of the meanness of her trunks and bandboxes, and often spoke with great respect about her baggage left behind at Leipzig, which she must have from that city. When a traveller talks to you perpetually about the splendour of his luggage, which he does not happen to have with him, my son, beware of that traveller! He is, ten to one, an impostor. Weder Joseph noch Emmy kannten diesen wichtigen Grundsatz. Es spielte für sie keine Rolle, ob Becky eine ganze Anzahl feiner Kleider in unsichtbaren Koffern besitze; da aber ihre gegenwärtige geringe Ausstattung sehr schäbig war, versorgte Emmy sie aus ihren eigenen Vorräten oder brachte sie zur besten Modistin in der Stadt und verschaffte ihr, was sie brauchte. Von nun an, das können Sie glauben, gab es keine zerrissenen Kragen und keine verblichene Seide mehr, die ihr von den Schultern herabhing. Mit ihrer Lebensstellung änderte Becky auch ihre Gewohnheiten. Der Schminktopf wurde beiseite gestellt – und auch ein anderes Reizmittel, an das sie sich gewöhnt hatte, oder sie frönte ihm jedenfalls nur insgeheim, zum Beispiel an Sommerabenden, wenn Emmy und ihr Knabe spazierengingen und Joseph sie bewog, einen kleinen Schnaps zu sich zu nehmen. Wenn sie auch nichts trank, der Reisediener trank jedenfalls. Der bübische Kirsch war nicht von der Flasche wegzubringen, und er konnte auch nie sagen, wieviel er getrunken hatte. Er war oft selbst darüber erstaunt, wie schnell Mr. Sedleys Kognak zur Neige ging. Nun, das ist ein peinliches Thema, aber Becky trank wahrscheinlich nicht mehr so viel wie früher, ehe sie in eine anständige Familie eintrat.   Neither Jos nor Emmy knew this important maxim. It seemed to them of no consequence whether Becky had a quantity of very fine clothes in invisible trunks; but as her present supply was exceedingly shabby, Emmy supplied her out of her own stores, or took her to the best milliner in the town and there fitted her out. It was no more torn collars now, I promise you, and faded silks trailing off at the shoulder. Becky changed her habits with her situation in life — the rouge-pot was suspended — another excitement to which she had accustomed herself was also put aside, or at least only indulged in in privacy, as when she was prevailed on by Jos of a summer evening, Emmy and the boy being absent on their walks, to take a little spirit-and-water. But if she did not indulge — the courier did: that rascal Kirsch could not be kept from the bottle, nor could he tell how much he took when he applied to it. He was sometimes surprised himself at the way in which Mr. Sedley’s Cognac diminished. Well, well, this is a painful subject. Becky did not very likely indulge so much as she used before she entered a decorous family. Endlich trafen die vielgerühmten Koffer aus Leipzig ein – es waren drei, und sie waren weder groß noch prächtig. Becky schien auch weder Kleider noch Schmuck herauszunehmen, als sie endlich angekommen waren. Aus dem einen, der ihre ganzen Papiere enthielt (es war derselbe, den Rawdon Crawley auf seiner wütenden Jagd nach Rebekkas verstecktem Geld geplündert hatte), holte sie strahlend ein Bild, das sie in ihrem Zimmer aufhängte und Joseph zeigte. Es war eine Bleistiftzeichnung von einem Herrn, und sein Gesicht war sehr vorteilhaft rosa getönt. Er ritt auf einem Elefanten vor ein paar Kokospalmen und einer Pagode im Hintergrund. Der Schauplatz war eine orientalische Landschaft.   At last the much-bragged-about boxes arrived from Leipzig; three of them not by any means large or splendid; nor did Becky appear to take out any sort of dresses or ornaments from the boxes when they did arrive. But out of one, which contained a mass of her papers (it was that very box which Rawdon Crawley had ransacked in his furious hunt for Becky’s concealed money), she took a picture with great glee, which she pinned up in her room, and to which she introduced Jos. It was the portrait of a gentleman in pencil, his face having the advantage of being painted up in pink. He was riding on an elephant away from some cocoa-nut trees and a pagoda: it was an Eastern scene. »Gott behüte mich! Das ist ja mein Porträt!« rief Joseph. Er war es tatsächlich in der Blüte seiner Jugend und Schönheit und in einer Nankingjacke nach der Mode von 1804. Es war das alte Bild, das am Russell Square gehangen hatte.   “God bless my soul, it is my portrait,” Jos cried out. It was he indeed, blooming in youth and beauty, in a nankeen jacket of the cut of 1804. It was the old picture that used to hang up in Russell Square. »Ich habe es gekauft«, sagte Becky mit vor Bewegung zitternder Stimme. »Ich ging damals hin und wollte sehen, ob ich meinen gütigen Freunden irgendwie behilflich sein könnte. Ich habe mich von dem Bild nie getrennt und werde es auch niemals tun.«   “I bought it,” said Becky in a voice trembling with emotion; “I went to see if I could be of any use to my kind friends. I have never parted with that picture — I never will.” »Tatsache?« rief Joseph mit einem Blick der Genugtuung und des unaussprechlichen Entzückens. »Schätzen Sie es wirklich um – um – um meinetwillen?«   “Won’t you?” Jos cried with a look of unutterable rapture and satisfaction. “Did you really now value it for my sake?” »Das wissen Sie ja«, antwortete Becky. »Warum aber jetzt davon reden – warum daran denken – warum zurückblicken? Nun ist es zu spät!«   “You know I did, well enough,” said Becky; “but why speak — why think — why look back! It is too late now!” Die Unterhaltung dieses Abends war für Joseph köstlich. Emmy kam nur herein, um zu sagen, daß sie müde sei und sich nicht wohl fühle und zu Bett gehe. Joseph und sein schöner Gast hatten ein bezauberndes Tête-à-tête, und seine Schwester, die im angrenzenden Zimmer wach lag, konnte hören, wie Rebekka Joseph die alten Lieder von 1815 vorsang. In dieser Nacht konnte er merkwürdigerweise ebensowenig schlafen wie Amelia.   That evening’s conversation was delicious for Jos. Emmy only came in to go to bed very tired and unwell. Jos and his fair guest had a charming tete-a-tete, and his sister could hear, as she lay awake in her adjoining chamber, Rebecca singing over to Jos the old songs of 1815. He did not sleep, for a wonder, that night, any more than Amelia. Es war Juni und demnach Hochsaison in London. Joseph, der täglich den unvergleichlichen »Galignani«, den besten Freund im Exil, las, erfreute die Damen beim Frühstück mit Auszügen aus seiner Zeitung. Einmal wöchentlich bringt dieses Blatt einen vollständigen Bericht über Truppenbewegungen, für den Joseph als Mann, der auch Pulver gerochen hatte, sich besonders interessierte. Eines Tages las er vor: »Ankunft des ...ten Regiments. – Gravesend, den 20. Juni. Der Ostindienfahrer ›Ramchunder' lief heute früh mit vierzehn Offizieren und 132 Soldaten dieses tapferen Regiments an Bord in die Themse ein. Sie waren vierzehn Jahre von England abwesend. Sie spielten eine aktive Rolle in der glorreichen Schlacht bei Waterloo und wurden im darauffolgenden Jahr nach Indien eingeschifft. Später haben sie sich im burmesischen Krieg ausgezeichnet. Gestern landeten hier der altgediente Oberst Sir Michael O'Dowd, Träger des Bath-Ordens, mit seiner Gemahlin und seiner Schwester sowie die Hauptleute Posky, Stubble, Macraw, Malony, die Leutnants Smith, Jones, Thompson, F. Thomson und die Fähnriche Hicks und Grady. Das Musikkorps auf der Mole spielte die Nationalhymne, und die Menge ließ die tapferen Veteranen hochleben, als sie zu Waytes Hotel gingen, wo ein prächtiges Bankett die Verteidiger des guten alten Englands erwartete. Während des Festmahls, das selbstverständlich im besten Wayteschen Stil vor sich ging, dauerten die begeisterten Hochrufe immer noch an, so daß Lady O'Dowd und der Oberst auf den Balkon heraustraten und die Gesundheit ihrer Landsleute mit einem Glas von Waytes bestem Rotwein ausbrachten.   It was June, and, by consequence, high season in London; Jos, who read the incomparable Galignani (the exile’s best friend) through every day, used to favour the ladies with extracts from his paper during their breakfast. Every week in this paper there is a full account of military movements, in which Jos, as a man who had seen service, was especially interested. On one occasion he read out — “Arrival of the — th regiment. Gravesend, June 20. — The Ramchunder, East Indiaman, came into the river this morning, having on board 14 officers, and 132 rank and file of this gallant corps. They have been absent from England fourteen years, having been embarked the year after Waterloo, in which glorious conflict they took an active part, and having subsequently distinguished themselves in the Burmese war. The veteran colonel, Sir Michael O’Dowd, K.C.B., with his lady and sister, landed here yesterday, with Captains Posky, Stubble, Macraw, Malony; Lieutenants Smith, Jones, Thompson, F. Thomson; Ensigns Hicks and Grady; the band on the pier playing the national anthem, and the crowd loudly cheering the gallant veterans as they went into Wayte’s hotel, where a sumptuous banquet was provided for the defenders of Old England. During the repast, which we need not say was served up in Wayte’s best style, the cheering continued so enthusiastically that Lady O’Dowd and the Colonel came forward to the balcony and drank the healths of their fellow-countrymen in a bumper of Wayte’s best claret.” Bei anderer Gelegenheit las Joseph eine kurze Mitteilung: »Major Dobbin hat sich dem ...ten Regiment in Chatham angeschlossen.« Und etwas später verlas er die Berichte über die Vorstellung bei Hofe, und zwar von Oberst Sir Michael O'Dowd, Lady O'Dowd (durch Mrs. Molloy Malony von Ballymalony) und Miss Glorvina O'Dowd (durch Lady O'Dowd). Kurze Zeit danach erschien Dobbins Name unter den Oberstleutnants. Der alte Marschall Tiptoff war während der Überfahrt des ...ten Regiments von Madras gestorben, und der König hatte geruht, Oberst Sir Michael O'Dowd bei seiner Rückkehr nach England zum Generalmajor zu befördern. Er sollte aber weiterhin das Kommando seines tapferen Regiments, das er so lange geführt hatte, behalten.   On a second occasion Jos read a brief announcement — Major Dobbin had joined the — th regiment at Chatham; and subsequently he promulgated accounts of the presentations at the Drawing-room of Colonel Sir Michael O’Dowd, K.C.B., Lady O’Dowd (by Mrs. Malloy Malony of Ballymalony), and Miss Glorvina O’Dowd (by Lady O’Dowd). Almost directly after this, Dobbin’s name appeared among the Lieutenant-Colonels: for old Marshal Tiptoff had died during the passage of the — th from Madras, and the Sovereign was pleased to advance Colonel Sir Michael O’Dowd to the rank of Major-General on his return to England, with an intimation that he should be Colonel of the distinguished regiment which he had so long commanded. Amelia hatte einige dieser Ereignisse schon gewußt. Die Korrespondenz zwischen George und seinem Vormund war keineswegs eingeschlafen, und William hatte auch seit seiner Abreise ein paarmal ihr selbst geschrieben, aber in einem so ungezwungenen kühlen Ton, daß die arme Frau nun fühlte, wie sie die Herrschaft über ihn verloren hatte, und daß er, wie er selbst gesagt hatte, frei war. Er hatte sie verlassen, und sie war unglücklich. Seine unzähligen Dienste und seine liebevolle Verehrung standen ihr vor Augen und machten ihr Tag und Nacht Vorwürfe. Sie brütete nach ihrer Gewohnheit über diesen Erinnerungen, erkannte die Reinheit und Schönheit seiner Liebe, mit der sie gespielt hatte, und tadelte sich, einen solchen Schatz weggeworfen zu haben.   Amelia had been made aware of some of these movements. The correspondence between George and his guardian had not ceased by any means: William had even written once or twice to her since his departure, but in a manner so unconstrainedly cold that the poor woman felt now in her turn that she had lost her power over him and that, as he had said, he was free. He had left her, and she was wretched. The memory of his almost countless services, and lofty and affectionate regard, now presented itself to her and rebuked her day and night. She brooded over those recollections according to her wont, saw the purity and beauty of the affection with which she had trifled, and reproached herself for having flung away such a treasure. Diese Liebe war tatsächlich verschwunden. William hatte sie gänzlich aufgebraucht. Er glaubte sie nicht mehr so zu lieben, wie er sie geliebt hatte. Er würde sie auch nie wieder so lieben können. Eine Zuneigung dieser Art, die er ihr so viele Jahre hindurch treu entgegengebracht hatte, kann nicht weggeworfen und zerbrochen und dann wieder ausgebessert werden, ohne daß man die Spuren bemerkt. Die kleine unbekümmerte Tyrannin hatte sie auf diese Weise zerstört. William dachte immer wieder: Ich habe mich selbst betrügerischen Illusionen hingegeben. Wäre sie meiner Liebe würdig gewesen, sie hätte sie schon längst erwidert. Es war ein teurer Irrtum. Besteht aber nicht das ganze Leben aus solchen Irrtümern, und angenommen, ich hätte sie errungen – wäre ich nicht am Tage nach meinem Sieg entzaubert worden? Warum sollte ich mich meiner Niederlage schämen oder über sie bekümmert sein? Je mehr er diese lange Periode seines Lebens überdachte, desto klarer wurde ihm, daß er sich getäuscht hatte. »Ich will die Uniform wieder anziehen«, sagte er, »und meine Pflicht dort tun, wo der Himmel mich hingestellt hat. Ich werde aufpassen, daß die Knöpfe der Rekruten gehörig geputzt sind und die Unteroffiziere in ihren Berichten keine Fehler machen. Ich werde in der Offiziersmesse speisen und mir die Geschichten des schottischen Regimentsarztes anhören. Wenn ich alt und gebrechlich bin, werde ich mich auf Halbsold setzen lassen, und meine alten Schwestern werden mich ausschelten. ›Ich habe gelebt und geliebet‹, wie das Mädchen im›Wallenstein‹ sagt. Ich bin fertig. – Bezahl die Rechnung und bringe mir eine Zigarre, Francis, und sieh nach, was heute im Theater gespielt: wird. Morgen fahren wir mit der›Batavier‹ rüber.« Diese Rede, von der Francis nur die beiden letzten Zeilen hörte, hielt er, während er die Boompjes in Rotterdam auf und ab ging. Die »Batavier« lag im Hafen. Er konnte die Stelle auf dem Achterdeck sehen, wo er und Emmy auf der glücklichen Hinfahrt gesessen hatten. Was hatte ihm die kleine Mrs. Crawley nur zu sagen? – Pah, morgen stechen wir in See und kehren nach England zurück – zur Heimat und zur Pflicht!   It was gone indeed. William had spent it all out. He loved her no more, he thought, as he had loved her. He never could again. That sort of regard, which he had proffered to her for so many faithful years, can’t be flung down and shattered and mended so as to show no scars. The little heedless tyrant had so destroyed it. No, William thought again and again, “It was myself I deluded and persisted in cajoling; had she been worthy of the love I gave her, she would have returned it long ago. It was a fond mistake. Isn’t the whole course of life made up of such? And suppose I had won her, should I not have been disenchanted the day after my victory? Why pine, or be ashamed of my defeat?” The more he thought of this long passage of his life, the more clearly he saw his deception. “I’ll go into harness again,” he said, “and do my duty in that state of life in which it has pleased Heaven to place me. I will see that the buttons of the recruits are properly bright and that the sergeants make no mistakes in their accounts. I will dine at mess and listen to the Scotch surgeon telling his stories. When I am old and broken, I will go on half-pay, and my old sisters shall scold me. I have geliebt und gelebet, as the girl in ‘Wallenstein’ says. I am done. Pay the bills and get me a cigar: find out what there is at the play to-night, Francis; to-morrow we cross by the Batavier.” He made the above speech, whereof Francis only heard the last two lines, pacing up and down the Boompjes at Rotterdam. The Batavier was lying in the basin. He could see the place on the quarter-deck where he and Emmy had sat on the happy voyage out. What had that little Mrs. Crawley to say to him? Psha; to-morrow we will put to sea, and return to England, home, and duty! Anfang Juli zerstreute sich die ganze kleine Hofgesellschaft von Pumpernickel nach deutscher Sitte in hundert verschiedene Badeorte, wo sie tranken, auf Eseln ritten, in den Kursälen spielten, wenn sie Geld und Lust hatten, mit Hunderten ihres Standes zu ihren Schlemmermahlen an die Table d'hôte eilten und den Sommer im Müßiggang verbrachten. Die englischen Diplomaten gingen nach Teplitz und Kissingen, ihre französischen Nebenbuhler schlossen ihre Kanzlei und eilten zu ihrem geliebten Boulevard de Gand. Die regierende durchlauchtige Familie fuhr ebenfalls in die Bäder oder zog sich auf ihre Jagdschlösser zurück. Jeder, der Ansprüche erhob, zur großen Welt gerechnet zu werden, verreiste, und unter ihnen natürlich auch der Hofarzt Doktor von Glauber und seine Baronin. Die Badesaison war stets die einträglichste Periode in des Doktors Praxis – er vereinigte das Geschäftliche mit dem Vergnügen und ging gewöhnlich nach Ostende, das sehr viel von Deutschen besucht wird, und dort behandelte der Doktor sich und sein Ehegespons mit »Seewasserspülungen«, wie er es nannte.   After June all the little Court Society of Pumpernickel used to separate, according to the German plan, and make for a hundred watering-places, where they drank at the wells, rode upon donkeys, gambled at the redoutes if they had money and a mind, rushed with hundreds of their kind to gourmandise at the tables d’hote, and idled away the summer. The English diplomatists went off to Teoplitz and Kissingen, their French rivals shut up their chancellerie and whisked away to their darling Boulevard de Gand. The Transparent reigning family took too to the waters, or retired to their hunting lodges. Everybody went away having any pretensions to politeness, and of course, with them, Doctor von Glauber, the Court Doctor, and his Baroness. The seasons for the baths were the most productive periods of the Doctor’s practice — he united business with pleasure, and his chief place of resort was Ostend, which is much frequented by Germans, and where the Doctor treated himself and his spouse to what he called a “dib” in the sea. Sein interessanter Patient Joseph war eine regelrechte Milchkuh für den Doktor, und es fiel ihm nicht schwer, den Zivilisten zu überreden, um seiner selbst willen und wegen der erschütterten Gesundheit seiner reizenden Schwester den Sommer in dieser häßlichen Hafenstadt zu verbringen. Emmy war es gleichgültig, wohin sie ging. Georgy machte Freudensprünge bei dem Gedanken an eine Veränderung. Für Becky verstand es sich von selbst, daß sie den vierten Platz in der schönen Reisekutsche einnahm, die Mr. Joseph gekauft hatte, während die beiden Diener vorn auf dem Bock saßen. Vielleicht hegte sie einige Befürchtungen, daß sie dort Freunde treffen würde, die möglicherweise häßliche Geschichten erzählen könnten, – doch pah! sie war stark genug, sich zu behaupten. Sie war jetzt so fest bei Joseph verankert, daß schon ein schwerer Sturm kommen mußte, um sie zu erschüttern. Der Vorfall mit dem Bild hatte ihm den Rest gegeben. Becky nahm ihren Elefanten von der Wand und legte ihn in die kleine Kiste, die sie vor langen Jahren von Amelia bekommen hatte. Auch Emmy nahm ihre Hausgötter – die beiden Gemälde – mit, und schließlich quartierte sich die Gesellschaft in einem außerordentlich teuren und unbequemen Haus in Ostende ein.   His interesting patient, Jos, was a regular milch-cow to the Doctor, and he easily persuaded the civilian, both for his own health’s sake and that of his charming sister, which was really very much shattered, to pass the summer at that hideous seaport town. Emmy did not care where she went much. Georgy jumped at the idea of a move. As for Becky, she came as a matter of course in the fourth place inside of the fine barouche Mr. Jos had bought, the two domestics being on the box in front. She might have some misgivings about the friends whom she should meet at Ostend, and who might be likely to tell ugly stories — but bah! she was strong enough to hold her own. She had cast such an anchor in Jos now as would require a strong storm to shake. That incident of the picture had finished him. Becky took down her elephant and put it into the little box which she had had from Amelia ever so many years ago. Emmy also came off with her Lares — her two pictures — and the party, finally, were, lodged in an exceedingly dear and uncomfortable house at Ostend. Hier nun begann Amelia Bäder zu nehmen und das Beste daraus zu machen. Obwohl Dutzende Bekannte an Rebekka vorübergingen und sie schnitten, erfuhr Mrs. Osborne, die mit ihr ging, aber keinen Menschen kannte, nichts davon, wie die Freundin, die sie sich so verständig zur Gefährtin erwählt hatte, behandelt wurde. Becky hielt es auch für angemessen, ihr nicht mitzuteilen, was unter ihren unschuldigen Augen vorging.   There Amelia began to take baths and get what good she could from them, and though scores of people of Becky’s acquaintance passed her and cut her, yet Mrs. Osborne, who walked about with her, and who knew nobody, was not aware of the treatment experienced by the friend whom she had chosen so judiciously as a companion; indeed, Becky never thought fit to tell her what was passing under her innocent eyes. Einige Bekannte schlossen sich Mrs. Rawdon Crawley jedoch bereitwillig an – bereitwilliger vielleicht, als es ihr wünschenswert erschien. Zu diesen gehörte Major Loder (ohne Anstellung) und Hauptmann Rook (früher bei den Schützen), die täglich auf dem Seedamm zu sehen waren, wo sie rauchten und den Frauen nachstarrten. Sie fanden schnell Zutritt zu der gastfreien Tafel und dem auserlesenen Kreis von Mr. Joseph Sedley und ließen sich in keiner Weise abschütteln. Sie brachen ins Haus ein, ganz gleich, ob Becky daheim war oder nicht, gingen in Mrs. Osbornes Salon, den sie mit dem Duft ihrer Röcke und Schnurrbarte parfümierten, nannten Joseph »alter Bursche«, stürzten sich auf seine Mittagstafel und lachten und tranken dort stundenlang.   Some of Mrs. Rawdon Crawley’s acquaintances, however, acknowledged her readily enough, — perhaps more readily than she would have desired. Among those were Major Loder (unattached), and Captain Rook (late of the Rifles), who might be seen any day on the Dike, smoking and staring at the women, and who speedily got an introduction to the hospitable board and select circle of Mr. Joseph Sedley. In fact they would take no denial; they burst into the house whether Becky was at home or not, walked into Mrs. Osborne’s drawing-room, which they perfumed with their coats and mustachios, called Jos “Old buck,” and invaded his dinner-table, and laughed and drank for long hours there. »Was meinen sie nur?« fragte Georgy, der diese Herren nicht leiden mochte. »Ich hörte gestern, wie der Major zu Mrs. Crawley sagte: Nein, nein, Becky, den alten Burschen sollen Sie nicht für sich allein bekommen. Wir wollen da auch ein bißchen mitmischen, oder, verdammt noch mal, ich beichte. Was meinte der Major bloß damit, Mama?«   “What can they mean?” asked Georgy, who did not like these gentlemen. “I heard the Major say to Mrs. Crawley yesterday, ’No, no, Becky, you shan’t keep the old buck to yourself. We must have the bones in, or, dammy, I’ll split.’ What could the Major mean, Mamma?” »Major! Nenn den bitte nicht Major!« sagte Emmy. »Ich weiß wirklich nicht, was er meinte.« Seine und seines Freundes Gegenwart flößten der kleinen Frau Abneigung und unerträgliches Entsetzen ein. Sie machten ihr trunkene Komplimente und beäugelten sie bei Tisch lüstern. Der Hauptmann machte ihr Anträge, die sie mit gräßlichem Schrecken erfüllten, und sie ging ihm aus dem Wege, wenn sie nicht gerade George bei sich hatte.   “Major! don’t call him Major!” Emmy said. “I’m sure I can’t tell what he meant.” His presence and that of his friend inspired the little lady with intolerable terror and aversion. They paid her tipsy compliments; they leered at her over the dinner-table. And the Captain made her advances that filled her with sickening dismay, nor would she ever see him unless she had George by her side. Auch Rebekka wollte nicht, um ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, daß einer von diesen Männern allein bei Amelia blieb. Der Major hatte ebenfalls Absichten und schwor, er werde sie gewinnen. Zwei Wüstlinge kämpften um dieses unschuldige Geschöpf und spielten an ihrem eigenen Tisch um sie. Wenn sie auch nicht wußte, was für Absichten die Schurken auf sie hatten, so fühlte sie doch in ihrer Gegenwart Unruhe und Schrecken und wäre gern geflüchtet.   Rebecca, to do her justice, never would let either of these men remain alone with Amelia; the Major was disengaged too, and swore he would be the winner of her. A couple of ruffians were fighting for this innocent creature, gambling for her at her own table, and though she was not aware of the rascals’ designs upon her, yet she felt a horror and uneasiness in their presence and longed to fly. Sie bat, sie flehte Joseph an, nach Hause zurückzukehren. Er wollte aber nicht. Er war langsam in Gang zu bringen und an seinen Arzt gekettet, und dann war er wohl auch an einem anderen Gängelband. Becky wenigstens war nicht darauf erpicht, nach England zu gehen.   She besought, she entreated Jos to go. Not he. He was slow of movement, tied to his Doctor, and perhaps to some other leading-strings. At least Becky was not anxious to go to England. Endlich faßte Amelia einen großen Entschluß und tat den entscheidenden Schritt. Sie schrieb einem Freund auf der anderen Seite des Wassers einen Brief. Keinem Menschen sagte sie ein Sterbenswörtchen davon und trug ihn selbst unter ihrem Schal zur Post. Niemand bemerkte etwas davon, nur sah sie sehr rot und aufgeregt aus, als Georgy sie sah, und küßte ihn an jenem Abend viele Male. Nach der Rückkehr von ihrem Spaziergang kam sie nicht wieder aus ihrem Zimmer hervor, und Becky glaubte, sie fürchte sich vor Major Loder und dem Hauptmann.   At last she took a great resolution — made the great plunge. She wrote off a letter to a friend whom she had on the other side of the water, a letter about which she did not speak a word to anybody, which she carried herself to the post under her shawl; nor was any remark made about it, only that she looked very much flushed and agitated when Georgy met her, and she kissed him, and hung over him a great deal that night. She did not come out of her room after her return from her walk. Becky thought it was Major Loder and the Captain who frightened her. Hier darf sie nicht bleiben, sagte sich Becky; sie muß fort, das dumme Närrchen, sie weint immer noch um ihren Einfaltspinsel von Mann, der nun schon fünfzehn Jahre tot ist. Geschah ihm ganz recht. Sie soll keinen von diesen Männern heiraten. Es ist gemein von Loder; nein, sie soll den Bambusstock heiraten. Das werde ich noch heute abend in Ordnung bringen!   “She mustn’t stop here,” Becky reasoned with herself. “She must go away, the silly little fool. She is still whimpering after that gaby of a husband — dead (and served right!) these fifteen years. She shan’t marry either of these men. It’s too bad of Loder. No; she shall marry the bamboo cane, I’ll settle it this very night.” Becky brachte also Amelia eine Tasse Tee in ihr Zimmer, wo sie die Dame melancholisch und nervös in Gesellschaft ihrer Miniaturbilder vorfand. Sie setzte die Teetasse vor sie hin.   So Becky took a cup of tea to Amelia in her private apartment and found that lady in the company of her miniatures, and in a most melancholy and nervous condition. She laid down the cup of tea. »Danke schön!« sagte Amelia.   “Thank you,” said Amelia. »Hör mal, Amelia«, sagte Becky und ging vor Emmy im Zimmer auf und ab, dabei betrachtete sie die andere mit einer gewissen verächtlichen Freundlichkeit. »Ich muß mit dir sprechen, du mußt weg von hier, weg von der Unverschämtheit dieser Männer. Ich will nicht, daß sie dich belästigen, und wenn du hierbleibst, dann werden sie dich beleidigen. Ich sage dir, es sind Schurken, Männer, die man eigentlich ins Gefängnis stecken sollte. Kümmere dich nicht darum, woher ich sie kenne. Ich kenne alle Welt. Joseph kann dich nicht beschützen, er ist zu dick und schwach und braucht selbst einen Beschützer. Du bist ebenso untauglich für das Leben in dieser Welt wie ein Säugling. Du mußt heiraten, oder du und dein Prachtjunge werden zugrunde gehen. Du mußt einen Mann haben, du Närrchen, und einer der besten Männer, die ich je sah, hat schon hundertmal um dich geworben, und du hast ihn abgewiesen, du einfältiges, herzloses, undankbares kleines Geschöpf.«   “Listen to me, Amelia,” said Becky, marching up and down the room before the other and surveying her with a sort of contemptuous kindness. “I want to talk to you. You must go away from here and from the impertinences of these men. I won’t have you harassed by them: and they will insult you if you stay. I tell you they are rascals: men fit to send to the hulks. Never mind how I know them. I know everybody. Jos can’t protect you; he is too weak and wants a protector himself. You are no more fit to live in the world than a baby in arms. You must marry, or you and your precious boy will go to ruin. You must have a husband, you fool; and one of the best gentlemen I ever saw has offered you a hundred times, and you have rejected him, you silly, heartless, ungrateful little creature!” »Ich habe – ich habe mein möglichstes versucht, wirklich, Rebekka«, erwiderte Amelia eindringlich. »Aber ich konnte nicht vergessen, daß...«, und sie beendete den Satz mit einem Augenaufschlag zu dem Porträt.   “I tried — I tried my best, indeed I did, Rebecca,” said Amelia deprecatingly, “but I couldn’t forget — ”; and she finished the sentence by looking up at the portrait. »Konntest den da nicht vergessen?« rief Becky. »Diesen egoistischen Aufschneider, diesen ungebildeten, ordinären Stutzer, diesen auswattierten Tölpel, der weder Witz noch Benehmen, noch Herz besaß und der mit deinem Freund mit dem Rohrstock ebensowenig zu vergleichen ist wie du mit der Königin Elisabeth. Hach, der Mann hatte dich längst satt und hätte dich sitzenlassen, wenn Dobbin ihn nicht gezwungen hätte, sein Wort zu halten. Er hat es mir selbst gestanden. Er hat sich nie etwas aus dir gemacht. Er hat sich soundso oft bei mir über dich lustig gemacht, und schon eine Woche nachdem er dich geheiratet hatte, hat er mit mir geflirtet.«   “Couldn’t forget him !” cried out Becky, “that selfish humbug, that low-bred cockney dandy, that padded booby, who had neither wit, nor manners, nor heart, and was no more to be compared to your friend with the bamboo cane than you are to Queen Elizabeth. Why, the man was weary of you, and would have jilted you, but that Dobbin forced him to keep his word. He owned it to me. He never cared for you. He used to sneer about you to me, time after time, and made love to me the week after he married you.” »Das ist Lüge, das ist Lüge, Rebekka!« rief Amelia und sprang auf.   “It’s false! It’s false! Rebecca,” cried out Amelia, starting up. »Sieh dir doch das einmal an, du Närrin«, sagte Becky, noch immer aufreizend gut gelaunt, und holte ein Zettelchen aus ihrem Gürtel. Sie öffnete es und warf es Emmy in den Schoß. »Du kennst seine Handschrift. Das hat er mir geschrieben, er hat gewollt, daß ich mit ihm durchbrennen sollte. Vor deinen Augen hat er es mir gegeben, einen Tag bevor er fiel – das geschah ihm ganz recht«, wiederholte Becky.   “Look there, you fool,” Becky said, still with provoking good humour, and taking a little paper out of her belt, she opened it and flung it into Emmy’s lap. “You know his handwriting. He wrote that to me — wanted me to run away with him — gave it me under your nose, the day before he was shot — and served him right!” Becky repeated. Emmy hörte sie nicht. Sie sah den Brief an. Es war derjenige, den George in das Bukett gesteckt und Becky in der Ballnacht beim Herzog von Richmond gegeben hatte. Es war, wie sie sagte. Der törichte junge Mann hatte sie aufgefordert, mit ihm zu fliehen.   Emmy did not hear her; she was looking at the letter. It was that which George had put into the bouquet and given to Becky on the night of the Duchess of Richmond’s ball. It was as she said: the foolish young man had asked her to fly. Emmy ließ den Kopf sinken, und zum letzten Male in dieser Geschichte soll sie mit dem Weinen beschäftigt werden. Der Kopf sank ihr auf die Brust, die Hände fuhren an die Augen, und so gab sie sich eine Zeitlang ihrer Bewegung hin, während Becky dabeistand und sie anblickte. Wer könnte sagen, ob diese Tränen süß oder bitter waren? War sie sehr betrübt, weil das Götzenbild ihres Lebens gestürzt und zerschmettert vor ihren Füßen lag, oder entrüstet, daß ihre Liebe so geringgeschätzt worden war, oder froh, weil die Schranke der Schamhaftigkeit zwischen ihr und einer neuen, einer wahren Liebe gefallen war? Nichts kann mich jetzt mehr hindern, dachte sie, nun darf ich ihn von ganzem Herzen lieben. Oh, ich will, ich will, wenn er es mir nur erlaubt und mir vergibt. Ich glaube, dieses Gefühl stürzte sich vor allen anderen in die sanfte kleine Brust.   Emmy’s head sank down, and for almost the last time in which she shall be called upon to weep in this history, she commenced that work. Her head fell to her bosom, and her hands went up to her eyes; and there for a while, she gave way to her emotions, as Becky stood on and regarded her. Who shall analyse those tears and say whether they were sweet or bitter? Was she most grieved because the idol of her life was tumbled down and shivered at her feet, or indignant that her love had been so despised, or glad because the barrier was removed which modesty had placed between her and a new, a real affection? “There is nothing to forbid me now,” she thought. “I may love him with all my heart now. Oh, I will, I will, if he will but let me and forgive me.” I believe it was this feeling rushed over all the others which agitated that gentle little bosom. Sie weinte nicht so sehr, wie Becky erwartete. Rebekka beruhigte und küßte sie – ein seltsames Zeichen der Sympathie bei Mrs. Rebekka. Sie behandelte Emmy wie ein Kind und streichelte ihr das Haar. »Und nun wollen wir Feder und Tinte nehmen und ihm schreiben, daß er sofort kommen soll«, sagte sie.   Indeed, she did not cry so much as Becky expected — the other soothed and kissed her — a rare mark of sympathy with Mrs. Becky. She treated Emmy like a child and patted her head. “And now let us get pen and ink and write to him to come this minute,” she said. »Ich – ich habe heute morgen schon an ihn geschrieben«, sagte Emmy und wurde sehr rot. Becky schrie vor Lachen. – »Un biglietto!« sang sie mit Rosina, »eccolo quà!« Ihr schriller Gesang schallte durch das ganze Haus.   “I — I wrote to him this morning,” Emmy said, blushing exceedingly. Becky screamed with laughter — "Un biglietto,” she sang out with Rosina, “eccolo qua!" — the whole house echoed with her shrill singing. Zwei Tage nach dieser kleinen Szene stand Amelia zeitig auf. Obwohl es regnerisch und windig war und obwohl sie eine unruhige Nacht verbracht hatte, dem Brausen des Windes gelauscht und alle Reisenden zu Lande und zu Wasser bemitleidet hatte, bestand sie darauf, mit Georgy einen Spaziergang auf dem Seedamm zu machen. Dort ging sie auf und ab, während ihr der Regen ins Gesicht schlug, und sie blickte westwärts über die hohen Wogen, die schäumend auf die Küste zustürzten, zu dem dunklen Horizont. Keiner der beiden sprach viel, nur ab und zu richtete der Knabe einige teilnehmende und ermutigende Worte an seine ängstliche Begleiterin.   Two mornings after this little scene, although the day was rainy and gusty, and Amelia had had an exceedingly wakeful night, listening to the wind roaring, and pitying all travellers by land and by water, yet she got up early and insisted upon taking a walk on the Dike with Georgy; and there she paced as the rain beat into her face, and she looked out westward across the dark sea line and over the swollen billows which came tumbling and frothing to the shore. Neither spoke much, except now and then, when the boy said a few words to his timid companion, indicative of sympathy and protection. »Ich hoffe, er wird bei diesem Wetter die Überfahrt nicht wagen«, meinte Emmy.   “I hope he won’t cross in such weather,” Emmy said. »Ich wette zehn gegen eins, daß er es doch tut«, antwortete der Knabe. »Sieh mal, Mutter, dort ist der Rauch vom Dampfer.« Ganz sicher, es war das erste Anzeichen.   “I bet ten to one he does,” the boy answered. “Look, Mother, there’s the smoke of the steamer.” It was that signal, sure enough. Zwar war der Dampfer unterwegs, aber er brauchte deshalb doch nicht an Bord zu sein. Vielleicht hatte er den Brief nicht erhalten, vielleicht wollte er nicht kommen. Hundert Befürchtungen stürzten sich auf das kleine Herz ebenso schnell wie die Wellen auf den Seedamm.   But though the steamer was under way, he might not be on board; he might not have got the letter; he might not choose to come. A hundred fears poured one over the other into the little heart, as fast as the waves on to the Dike. Nach dem Rauch kam bald der Dampfer in Sicht. Georgy besaß ein hübsches Fernrohr, und geschickt bekam er das Schiff ins Blickfeld und gab nun passende seemännische Kommentare darüber, in welcher Weise sich der Dampfer näherte, der sich im Wasser hob und senkte. Das Signal »Englischer Dampfer in Sicht« stieg flatternd an dem Mast auf der Mole hoch. Ich glaube, Mrs. Amelias Herz flatterte ähnlich.   The boat followed the smoke into sight. Georgy had a dandy telescope and got the vessel under view in the most skilful manner. And he made appropriate nautical comments upon the manner of the approach of the steamer as she came nearer and nearer, dipping and rising in the water. The signal of an English steamer in sight went fluttering up to the mast on the pier. I daresay Mrs. Amelia’s heart was in a similar flutter. Emmy versuchte über Georges Schulter durch das Fernrohr zu blicken, konnte aber nichts erkennen. Sie sah nur etwas Dunkles vor ihren Augen auf und nieder tanzen.   Emmy tried to look through the telescope over George’s shoulder, but she could make nothing of it. She only saw a black eclipse bobbing up and down before her eyes. George ergriff das Glas von neuem und bestrich damit das Schiff. »Wie es stampft«, sagte er. »Da, gerade klatscht wieder eine Welle über den Bug. Außer dem Steuermann sind nur zwei Leute auf Deck. Ein Mann liegt auf den Planken, und der andere – ein Kerl in einem – Mantel, mit einem... Hurra! Es ist Dobbin! Tatsache.« Er schob das Fernrohr zusammen und schlang die Arme um seine Mutter. Was sie tat, können wir mit den Worten eines beliebten Dichters sagen: δαχσυοεν γελασασα. Sie war sicher, daß es William war. Ein anderer konnte es nicht sein. Als sie ihre Hoffnung ausdrückte, er werde nicht kommen, hatte sie geheuchelt. Natürlich würde er kommen, konnte er denn anders? Sie wußte, daß er kommen würde.   George took the glass again and raked the vessel. “How she does pitch!” he said. “There goes a wave slap over her bows. There’s only two people on deck besides the steersman. There’s a man lying down, and a — chap in a — cloak with a — Hooray! — it’s Dob, by Jingo!” He clapped to the telescope and flung his arms round his mother. As for that lady, let us say what she did in the words of a favourite poet — "Dakruoen gelasasa.” She was sure it was William. It could be no other. What she had said about hoping that he would not come was all hypocrisy. Of course he would come; what could he do else but come? She knew he would come. Das Schiff näherte sich schnell. Als sie zum Ländeplatz am Kai hinübergingen, zitterten Emmy die Knie, und sie konnte kaum gehen. Sie hätte sich gern niedergekniet und ein Dankgebet gesprochen. Oh, dachte sie, mein ganzes Leben soll ein Dankgebet sein.   The ship came swiftly nearer and nearer. As they went in to meet her at the landing-place at the quay, Emmy’s knees trembled so that she scarcely could run. She would have liked to kneel down and say her prayers of thanks there. Oh, she thought, she would be all her life saying them! Als das Schiff einlief, hatten sich wegen des schlechten Wetters keine müßigen Zuschauer eingefunden, und kaum ein Zollbeamter kümmerte sich um die wenigen Schiffspassagiere. Der kleine Taugenichts George hatte sich ebenfalls aus dem Staube gemacht, und als der Herr in dem alten, rotgefütterten Mantel das Ufer betrat, war dort kaum ein Mensch, der Zeuge des folgenden geworden wäre:   It was such a bad day that as the vessel came alongside of the quay there were no idlers abroad, scarcely even a commissioner on the look out for the few passengers in the steamer. That young scapegrace George had fled too, and as the gentleman in the old cloak lined with red stuff stepped on to the shore, there was scarcely any one present to see what took place, which was briefly this: Eine Dame mit triefendem weißem Hut und Schal lief ihm mit ausgestreckten Händchen entgegen und war im nächsten Augenblick gänzlich unter den Falten des alten Mantels verschwunden. Sie küßte aus Leibeskräften seine eine Hand, während die andere wahrscheinlich damit beschäftigt war, sie ans Herz zu drücken (ihr Kopf reichte gerade bis da hinauf) und sie am Fallen zu hindern. Sie murmelte allerlei, etwa: vergib ... lieber William ... lieber, lieber, liebster Freund ... küß ... küß ... küß ... und so weiter, und redete noch viel mehr solche albernen Dinge unter dem Mantel.   A lady in a dripping white bonnet and shawl, with her two little hands out before her, went up to him, and in the next minute she had altogether disappeared under the folds of the old cloak, and was kissing one of his hands with all her might; whilst the other, I suppose, was engaged in holding her to his heart (which her head just about reached) and in preventing her from tumbling down. She was murmuring something about — forgive — dear William — dear, dear, dearest friend — kiss, kiss, kiss, and so forth — and in fact went on under the cloak in an absurd manner. Als Emmy wieder auftauchte, hielt sie noch immer eine Hand von William fest und blickte ihm ins Gesicht. Es war voller Traurigkeit, zärtlicher Liebe und Mitleid. Sie verstand seinen Vorwurf und ließ den Kopf hängen.   When Emmy emerged from it, she still kept tight hold of one of William’s hands, and looked up in his face. It was full of sadness and tender love and pity. She understood its reproach and hung down her head. »Es war höchste Zeit, daß du mich geholt hast, liebe Amelia«, sagte er.   “It was time you sent for me, dear Amelia,” he said. »Und du wirst nie wieder fortgehen, William?«   “You will never go again, William?” »Nein, niemals!« erwiderte er und drückte das liebe Seelchen noch einmal ans Herz.   “No, never,” he answered, and pressed the dear little soul once more to his heart. Als sie aus dem Zollhaus traten, stürzte ihnen Georgy, das Fernrohr vor dem Auge, entgegen. Er tanzte um das Paar herum und schnitt allerlei possierliche Grimassen, während er sie nach Hause geleitete. Joseph war noch nicht aufgestanden, Becky nicht sichtbar (obwohl sie die drei durch die Fenstervorhänge beobachtete). Georgy lief fort, um nach dem Frühstück zu sehen, Emmy, der Miss Payne im Hausflur schon Schal und Hut abgenommen hatte, nestelte jetzt die Schnallen an Dobbins Mantel auf und ... gehen wir, wenn es recht ist, mit George mit und sehen nach dem Frühstück für den Oberst. Das Schiff liegt im Hafen. Er hat den Preis errungen, den er sein ganzes Leben lang erstrebt hat. Endlich ist der Vogel gefangen. Da ist er, hat den Kopf an Dobbins Schulter gelehnt und schnäbelt und girrt dicht an seinem Herzen mit ausgestreckten, weichen, flatternden Schwingen. Das hat er achtzehn Jahre lang täglich und stündlich erhofft. Das ist es, wonach er sich sehnte. Das ist es nun, das Ende, der Höhepunkt – die letzte Seite des zweiten Bandes. Leb wohl, Oberst – Gott behüte dich, ehrlicher William  – auf Wiedersehen, liebe Amelia. Grüne von neuem, zarte kleine Schlingpflanze, rund um die rauhe alte Eiche, an welche du dich schmiegst!   As they issued out of the custom-house precincts, Georgy broke out on them, with his telescope up to his eye, and a loud laugh of welcome; he danced round the couple and performed many facetious antics as he led them up to the house. Jos wasn’t up yet; Becky not visible (though she looked at them through the blinds). Georgy ran off to see about breakfast. Emmy, whose shawl and bonnet were off in the passage in the hands of Mrs. Payne, now went to undo the clasp of William’s cloak, and — we will, if you please, go with George, and look after breakfast for the Colonel. The vessel is in port. He has got the prize he has been trying for all his life. The bird has come in at last. There it is with its head on his shoulder, billing and cooing close up to his heart, with soft outstretched fluttering wings. This is what he has asked for every day and hour for eighteen years. This is what he pined after. Here it is — the summit, the end — the last page of the third volume. Good-bye, Colonel — God bless you, honest William! — Farewell, dear Amelia — Grow green again, tender little parasite, round the rugged old oak to which you cling! Vielleicht war es Zerknirschung gegenüber dem gütigen, einfachen Geschöpf, das das erste in ihrem Leben gewesen war, das sie beschützt hatte, oder auch Abneigung gegen sentimentale Szenen – jedenfalls begnügte sich Rebekka mit ihrem Anteil an dem Geschehenen und zeigte sich nicht wieder vor Oberst Dobbin und der Dame, die er heiratete. »Spezielle Geschäfte« riefen sie nach Brügge, erklärte sie. Dorthin ging sie auch, und bei den Hochzeitsfeierlichkeiten waren nur Georgy und sein Onkel anwesend. Als das vorüber war und Georgy mit seinen Eltern abgefahren war, kehrte Rebekka (nur auf ein paar Tage) zurück, um den einsamen Junggesellen, Joseph Sedley, zu trösten. Er zog vor, wie er sagte, auf dem Kontinent zu leben, und lehnte es ab, mit seiner Schwester und ihrem Mann zusammen zu wohnen.   Perhaps it was compunction towards the kind and simple creature, who had been the first in life to defend her, perhaps it was a dislike to all such sentimental scenes — but Rebecca, satisfied with her part in the transaction, never presented herself before Colonel Dobbin and the lady whom he married. “Particular business,” she said, took her to Bruges, whither she went, and only Georgy and his uncle were present at the marriage ceremony. When it was over, and Georgy had rejoined his parents, Mrs. Becky returned (just for a few days) to comfort the solitary bachelor, Joseph Sedley. He preferred a continental life, he said, and declined to join in housekeeping with his sister and her husband. Emmy war von Herzen froh bei dem Gedanken, daß sie an ihren Mann geschrieben hatte, bevor sie den Brief von George gelesen oder etwas davon erfahren hatte. »Ich wußte es die ganze Zeit über«, sagte William, »aber konnte ich denn diese Waffe gegen das Andenken des armen Burschen gebrauchen? Das ist der Grund, weshalb es mir so weh tat, als du ...«   Emmy was very glad in her heart to think that she had written to her husband before she read or knew of that letter of George’s. “I knew it all along,” William said; “but could I use that weapon against the poor fellow’s memory? It was that which made me suffer so when you — ” »Sprich nie wieder von diesem Tag«, rief Emmy so demütig und reuevoll, daß William das Gespräch auf ein anderes Thema brachte und von Glorvina und der lieben alten Peggy O'Dowd erzählte, bei denen er gerade saß, als der Brief eintraf, mit dem sie ihn rief. »Wenn du mich nicht geholt hättest«, fügte er lachend hinzu, »wer weiß, wie Glorvina dann jetzt heißen würde.«   “Never speak of that day again,” Emmy cried out, so contrite and humble that William turned off the conversation by his account of Glorvina and dear old Peggy O’Dowd, with whom he was sitting when the letter of recall reached him. “If you hadn’t sent for me,” he added with a laugh, “who knows what Glorvina’s name might be now?” Gegenwärtig heißt sie Glorvina Posky (jetzt Frau Majorin Posky). Sie nahm ihn nach dem Tode seiner ersten Frau, da sie beschlossen hatte, nie jemanden zu heiraten, der nicht zum Regiment gehörte. Lady O'Dowd liebt es ebenfalls so sehr, daß sie sagt, wenn ihrem Michael etwas zustoßen sollte, dann würde sie ganz bestimmt zum Regiment zurückkehren und einen von dort heiraten. Dem Generalmajor geht es jedoch blendend, er lebt glanzvoll in O'Dowdstown, hält ein Rudel Jagdhunde und ist (vielleicht nur mit Ausnahme seines Nachbars Hoggarty von Schloß Hoggarty) der erste Mann der Grafschaft. Seine Lady tanzt noch immer Gigue, und sie bestand beim letzten Ball des Gouverneurs darauf, es mit dem Stallmeister aufzunehmen. Sie und Glorvina erklärten, daß sich Dobbin schändlich benommen habe; als aber Posky frei wurde, tröstete sich Glorvina bald, und ein schöner Turban von Paris besänftigte Lady O'Dowds Zorn.   At present it is Glorvina Posky (now Mrs. Major Posky); she took him on the death of his first wife, having resolved never to marry out of the regiment. Lady O’Dowd is also so attached to it that, she says, if anything were to happen to Mick, bedad she’d come back and marry some of ’em. But the Major-General is quite well and lives in great splendour at O’Dowdstown, with a pack of beagles, and (with the exception of perhaps their neighbour, Hoggarty of Castle Hoggarty) he is the first man of his county. Her Ladyship still dances jigs, and insisted on standing up with the Master of the Horse at the Lord Lieutenant’s last ball. Both she and Glorvina declared that Dobbin had used the latter SHEAMFULLY, but Posky falling in, Glorvina was consoled, and a beautiful turban from Paris appeased the wrath of Lady O’Dowd. Oberst Dobbin hängte unmittelbar nach der Hochzeit den Dienst an den Nagel und mietete sich einen hübschen kleinen Landsitz in Hampshire, nicht weit von Queen's Crawley, wo Sir Pitt und seine Familie nach der Annahme des Reformgesetzes ständig lebten. Von einem Aufstieg in den höheren Adel konnte jetzt keine Rede mehr sein, nachdem der Baronet seine beiden Parlamentssitze eingebüßt hatte. Durch diese Katastrophe hatte sein Geldbeutel wie auch sein Lebensmut gelitten. Er kränkelte und prophezeite den baldigen Untergang des Königreiches.   When Colonel Dobbin quitted the service, which he did immediately after his marriage, he rented a pretty little country place in Hampshire, not far from Queen’s Crawley, where, after the passing of the Reform Bill, Sir Pitt and his family constantly resided now. All idea of a Peerage was out of the question, the Baronet’s two seats in Parliament being lost. He was both out of pocket and out of spirits by that catastrophe, failed in his health, and prophesied the speedy ruin of the Empire. Lady Jane und Mrs. Dobbin wurden gute Freundinnen. Es gab ein ständiges Hin und Her in der Ponykutsche zwischen dem Schloß und »Haus Immergrün«, dem Landsitz des Obersten (er hatte ihn von seinem Freund Major Ponto gemietet, der sich mit seiner Familie im Ausland befand). Die Lady stand bei Mrs. Dobbins Kind Pate, das ihren Namen erhielt. Getauft wurde es von Ehrwürden James Crawley, der die Pfründe von seinem Vater übernahm. Zwischen den beiden jungen Burschen George und Rawdon bestand eine enge Freundschaft. Sie jagten und schossen in den Ferien zusammen, besuchten beide dasselbe College in Cambridge und stritten sich um Lady Janes Tochter, in die natürlich beide verliebt waren. Eine Verbindung zwischen George und der jungen Dame war lange der Lieblingsplan der beiden Mütter, obgleich ich gehört habe, daß Miss Crawley mehr ihrem Cousin gewogen war.   Lady Jane and Mrs. Dobbin became great friends — there was a perpetual crossing of pony-chaises between the Hall and the Evergreens, the Colonel’s place (rented of his friend Major Ponto, who was abroad with his family). Her Ladyship was godmother to Mrs. Dobbin’s child, which bore her name, and was christened by the Rev. James Crawley, who succeeded his father in the living: and a pretty close friendship subsisted between the two lads, George and Rawdon, who hunted and shot together in the vacations, were both entered of the same college at Cambridge, and quarrelled with each other about Lady Jane’s daughter, with whom they were both, of course, in love. A match between George and that young lady was long a favourite scheme of both the matrons, though I have heard that Miss Crawley herself inclined towards her cousin. Keine der beiden Familien erwähnte jemals Mrs. Rawdon Crawleys Namen. Es gab Gründe genug, weshalb man lieber über sie schwieg, denn wohin auch Mr. Joseph Sedley reiste, sie ging stets mit, und der betörte Mann schien völlig ihr Sklave geworden zu sein. Dem Oberst wurde von seinem Rechtsanwalt mitgeteilt, daß sein Schwager eine sehr hohe Lebensversicherung abgeschlossen habe. Das deutete darauf hin, daß er Geld aufgenommen hatte, um Schulden zu bezahlen. Er ließ seinen Urlaub von der Ostindischen Kompanie verlängern, und tatsächlich verschlechterte sich seine Gesundheit täglich.   Mrs. Rawdon Crawley’s name was never mentioned by either family. There were reasons why all should be silent regarding her. For wherever Mr. Joseph Sedley went, she travelled likewise, and that infatuated man seemed to be entirely her slave. The Colonel’s lawyers informed him that his brother-in-law had effected a heavy insurance upon his life, whence it was probable that he had been raising money to discharge debts. He procured prolonged leave of absence from the East India House, and indeed, his infirmities were daily increasing. Als Amelia von der Lebensversicherung erfuhr, flehte sie in großer Bestürzung ihren Mann an, nach Brüssel zu gehen, wo sich Joseph gerade aufhielt, und Nachforschungen über seine Lage anzustellen. Der Oberst verließ sein Haus nur widerwillig (er war nämlich eifrig in eine »Geschichte des Pandschab« vertieft, mit der er noch heute beschäftigt ist, und außerdem war er sehr in Sorge um sein Töchterchen, das eben die Windpocken überstanden hatte und das er sehr vergötterte). Er fuhr also nach Brüssel und fand Joseph in einem der riesigen Hotels dieser Stadt. Mrs. Crawley, die einen Wagen hielt, Gesellschaften gab und sehr vornehm auftrat, bewohnte eine andere Zimmerflucht in demselben Hotel.   On hearing the news about the insurance, Amelia, in a good deal of alarm, entreated her husband to go to Brussels, where Jos then was, and inquire into the state of his affairs. The Colonel quitted home with reluctance (for he was deeply immersed in his History of the Punjaub which still occupies him, and much alarmed about his little daughter, whom he idolizes, and who was just recovering from the chicken-pox) and went to Brussels and found Jos living at one of the enormous hotels in that city. Mrs. Crawley, who had her carriage, gave entertainments, and lived in a very genteel manner, occupied another suite of apartments in the same hotel. Der Oberst hatte natürlich kein Bedürfnis, diese Dame zu sehen, und hielt es auch nicht für angemessen, seine Ankunft in Brüssel anzumelden. Er ließ Joseph nur ganz heimlich durch seinen Diener melden, daß er kommen werde. Joseph bat den Oberst, ihn am Abend zu besuchen, da Mrs. Crawley bei einer Gesellschaft sein würde und sie sich allein sprechen könnten. Er fand seinen Schwager wirklich in einem bemitleidenswerten Zustand vor. Joseph hatte entsetzliche Angst vor Rebekka, obwohl er ihres Lobes voll war. Sie hatte ihn während einiger unerhörter Krankheiten mit bewunderungswürdiger Ausdauer gepflegt. Sie war ihm wie eine Tochter gewesen. »Aber – aber – oh, um Gottes willen, kommt und wohnt in meiner Nähe, und – und – besucht mich ab und zu«, wimmerte der Unglückliche.   The Colonel, of course, did not desire to see that lady, or even think proper to notify his arrival at Brussels, except privately to Jos by a message through his valet. Jos begged the Colonel to come and see him that night, when Mrs. Crawley would be at a soiree, and when they could meet alone. He found his brother-in-law in a condition of pitiable infirmity — and dreadfully afraid of Rebecca, though eager in his praises of her. She tended him through a series of unheard-of illnesses with a fidelity most admirable. She had been a daughter to him. “But — but — oh, for God’s sake, do come and live near me, and — and — see me sometimes,” whimpered out the unfortunate man. Die Stirn des Obersten verdüsterte sich bei diesen Worten. »Wir können nicht, Joseph«, sagte er. »Wenn man die Umstände berücksichtigt, kann Amelia dich nicht besuchen.«   The Colonel’s brow darkened at this. “We can’t, Jos,” he said. “Considering the circumstances, Amelia can’t visit you.” »Ich schwöre dir – ich schwöre dir auf die Bibel«, keuchte Joseph und versuchte das Buch zu küssen, »daß sie so unschuldig ist wie ein Kind, so makellos wie deine eigene Frau.«   “I swear to you — I swear to you on the Bible,” gasped out Joseph, wanting to kiss the book, “that she is as innocent as a child, as spotless as your own wife.” »Das mag sein«, sagte der Oberst düster. »Aber Emmy kann nicht zu dir kommen. Sei ein Mann, Joseph, brich diese schimpfliche Verbindung ab. Komm zu deiner Familie nach Hause. Wir haben gehört, daß du in Geldverlegenheiten bist.«   “It may be so,” said the Colonel gloomily, “but Emmy can’t come to you. Be a man, Jos: break off this disreputable connection. Come home to your family. We hear your affairs are involved.” »Ich?« rief Joseph. »Wer hat dir solche Lügen erzählt? Mein ganzes Vermögen ist äußerst vorteilhaft angelegt. Mrs. Crawley ... das heißt... ich meine ... es ist zu den besten Zinsen angelegt.«   “Involved!” cried Jos. “Who has told such calumnies? All my money is placed out most advantageously. Mrs. Crawley — that is — I mean — it is laid out to the best interest.” »So hast du also keine Schulden? Warum hast du dann eine Lebensversicherung abgeschlossen?«   “You are not in debt, then? Why did you insure your life?” »Ich dachte – ein kleines Geschenk für sie – falls mir etwas zustößt, weißt du, meine Gesundheit ist so angegriffen – bloße Dankbarkeit, weißt du! Ich beabsichtige, euch mein ganzes Vermögen zu hinterlassen – und ich kann es von meinem Einkommen ersparen, wirklich, das kann ich!« rief Williams schwacher Schwager.   “I thought — a little present to her — in case anything happened; and you know my health is so delicate — common gratitude you know — and I intend to leave all my money to you — and I can spare it out of my income, indeed I can,” cried out William’s weak brother-in-law. Der Oberst bat Joseph, sofort zu fliehen – nach Indien zurückzugehen, wohin ihm Mrs. Crawley nicht folgen könnte, alles zu tun, um ein Verhältnis abzubrechen, das verhängnisvolle Folgen für ihn haben könne.   The Colonel besought Jos to fly at once — to go back to India, whither Mrs. Crawley could not follow him; to do anything to break off a connection which might have the most fatal consequences to him. Joseph faltete die Hände und rief, er wolle nach Indien zurückkehren, er wolle alles tun, er müsse nur Zeit haben. »Du darfst bloß Mrs. Crawley nichts sagen – sie  – sie würde mich umbringen, wenn sie es wüßte. Du hast keine Ahnung, was für eine schreckliche Frau sie ist«, sagte der arme Kerl.   Jos clasped his hands and cried, “He would go back to India. He would do anything, only he must have time: they mustn’t say anything to Mrs. Crawley — she’d — she’d kill me if she knew it. You don’t know what a terrible woman she is,” the poor wretch said. »Warum willst du dann nicht mit mir gehen?« entgegnete Dobbin, aber Joseph hatte nicht den Mut dazu. Dobbin solle am nächsten Morgen noch einmal wiederkommen, er dürfe aber auf keinen Fall erzählen, daß er dagewesen sei; er müsse nun gehen. Becky könne jeden Augenblick zurückkommen. Dobbin verließ ihn mit trüben Ahnungen.   “Then, why not come away with me?” said Dobbin in reply; but Jos had not the courage. “He would see Dobbin again in the morning; he must on no account say that he had been there. He must go now. Becky might come in.” And Dobbin quitted him, full of forebodings. Er sah Joe nie wieder. Joseph Sedley starb drei Monate später in Aachen. Es stellte sich heraus, daß sein ganzes Vermögen in Spekulationen vertan worden war und in unzähligen wertlosen Aktien verschiedener Schwindelgesellschaften vorlag. Sein ganzer Nachlaß bestand in den zweitausend Pfund aus seiner Lebensversicherung, die er zu gleichen Teilen seiner »geliebten Schwester Amelia, Frau des... und so weiter, und seiner Freundin und unschätzbaren Krankenpflegerin Rebekka, Frau von Oberstleutnant Rawdon Crawley« hinterlassen hatte. Becky war zur Testamentsvollstreckerin ernannt.   He never saw Jos more. Three months afterwards Joseph Sedley died at Aix-la-Chapelle. It was found that all his property had been muddled away in speculations, and was represented by valueless shares in different bubble companies. All his available assets were the two thousand pounds for which his life was insured, and which were left equally between his beloved “sister Amelia, wife of, \&c., and his friend and invaluable attendant during sickness, Rebecca, wife of Lieutenant-Colonel Rawdon Crawley, C.B.,” who was appointed administratrix. Der Rechtsanwalt der Versicherungsgesellschaft schwor, es sei der dunkelste Fall, der je vor ihn gekommen sei. Er sprach davon, eine Kommission nach Aachen zu schicken, um den Todesfall genau zu untersuchen, und die Gesellschaft weigerte sich, die Police zu bezahlen. Mrs. oder Lady Crawley, wie sie sich nannte, kam jedoch sofort nach London, begleitet von ihren Anwälten, den Herren Burke, Thurtell und Hayes von Thavies Inn, und drohte der Gesellschaft, sie solle nur wagen, ihr die Zahlung zu verweigern. Sie forderte sie auf, Untersuchungen anzustellen, erklärte, daß sie das Opfer einer infamen Verschwörung, die sie ihr ganzes Leben lang verfolgt habe, sei, und trug schließlich den Sieg davon. Das Geld wurde ausgezahlt und ihr guter Ruf wiederhergestellt. Oberst Dobbin schickte aber seinen Anteil der Versicherungsgesellschaft zurück und lehnte es entschieden ab, irgendwelche Verbindung mit Rebekka aufrechtzuerhalten.   The solicitor of the insurance company swore it was the blackest case that ever had come before him, talked of sending a commission to Aix to examine into the death, and the Company refused payment of the policy. But Mrs., or Lady Crawley, as she styled herself, came to town at once (attended with her solicitors, Messrs. Burke, Thurtell, and Hayes, of Thavies Inn) and dared the Company to refuse the payment. They invited examination, they declared that she was the object of an infamous conspiracy, which had been pursuing her all through life, and triumphed finally. The money was paid, and her character established, but Colonel Dobbin sent back his share of the legacy to the insurance office and rigidly declined to hold any communication with Rebecca. Sie wurde nie Lady Crawley, obwohl sie sich weiterhin so nannte. Seine Exzellenz Oberst Rawdon Crawley starb am gelben Fieber auf Coventry Island, allgemein beliebt und betrauert, sechs Wochen vor dem Tode seines Bruders Pitt. Das Vermögen ging daher auf den gegenwärtigen Sir Rawdon Crawley, Baronet, über.   She never was Lady Crawley, though she continued so to call herself. His Excellency Colonel Rawdon Crawley died of yellow fever at Coventry Island, most deeply beloved and deplored, and six weeks before the demise of his brother, Sir Pitt. The estate consequently devolved upon the present Sir Rawdon Crawley, Bart. Auch er hat es abgelehnt, seine Mutter zu sehen. Er hat ihr jedoch eine auskömmliche Jahresrente ausgesetzt, aber sie schien auch so ganz wohlhabend zu sein. Der Baronet lebt ständig mit Lady Jane und ihrer Tochter in Queen's Crawley, während sich Rebekka, Lady Crawley, hauptsächlich in Bath oder Cheltenham aufhält; eine einflußreiche Partei vortrefflicher Leute hält sie für eine Frau, der man Unrecht getan hat. Sie hat auch ihre Feinde. Wer hätte die nicht? Mit ihrem Leben gibt sie denen eine Antwort. Sie beschäftigt sich mit frommen Werken. Sie geht in die Kirche, aber nie ohne Lakaien. Ihr Name ist auf allen Wohltätigkeitslisten zu finden. Das notleidende Apfelsinenmädchen, die vernachlässigte Waschfrau, der arme Brezelmann finden in ihr eine treue, großzügige Freundin. Auf Wohltätigkeitsbasaren hat sie stets einen Stand, um diesen unglücklichen Wesen zu helfen. Emmy, ihre Kinder und der Oberst waren vor einiger Zeit in London und sahen sich ihr auf einem dieser Basare plötzlich gegenüber. Sie schlug bescheiden die Augen nieder und lächelte, als sie zurückfuhren. Emmy eilte am Arm Georges (er ist jetzt ein eleganter junger Herr geworden) davon, und der Oberst hob seine kleine Jane auf, die er mehr liebt als alles auf der Welt, mehr sogar als seine »Geschichte des Pandschab«.   He, too, has declined to see his mother, to whom he makes a liberal allowance, and who, besides, appears to be very wealthy. The Baronet lives entirely at Queen’s Crawley, with Lady Jane and her daughter, whilst Rebecca, Lady Crawley, chiefly hangs about Bath and Cheltenham, where a very strong party of excellent people consider her to be a most injured woman. She has her enemies. Who has not? Her life is her answer to them. She busies herself in works of piety. She goes to church, and never without a footman. Her name is in all the Charity Lists. The destitute orange-girl, the neglected washerwoman, the distressed muffin-man find in her a fast and generous friend. She is always having stalls at Fancy Fairs for the benefit of these hapless beings. Emmy, her children, and the Colonel, coming to London some time back, found themselves suddenly before her at one of these fairs. She cast down her eyes demurely and smiled as they started away from her; Emmy scurrying off on the arm of George (now grown a dashing young gentleman) and the Colonel seizing up his little Janey, of whom he is fonder than of anything in the world — fonder even than of his History of the Punjaub. Mehr sogar als mich! denkt Emmy seufzend, aber er hat nur freundliche und sanfte Worte für sie und versucht, ihr alle Wünsche zu erfüllen.   “Fonder than he is of me,” Emmy thinks with a sigh But he never said a word to Amelia that was not kind and gentle, or thought of a want of hers that he did not try to gratify. Ach, vanitas vanitatum! Wer von uns ist glücklich auf dieser Welt? Wer von uns hat alles, was er wünscht, oder ist zufrieden, wenn er es hat? Kommt, Kinder, wir wollen die Puppen wegpacken und die Kiste schließen, denn unser Spiel ist zu Ende.   Ah! Vanitas Vanitatum! which of us is happy in this world? Which of us has his desire? or, having it, is satisfied? — come, children, let us shut up the box and the puppets, for our play is played out.