Frauendienst Ulrich von Lichtenstein Inhaltsverzeichniß. Erstes Capitel . Einleitung und erste Jugend des Dichters Zweites Capitel . Ulrich wird Ritter. Sein erster Gesang                         1) Eine Tanz-Weise. Drittes Capitel . Ulrich läßt sich um seiner Frauen willen den Mund schneiden Viertes Capitel . Wie Ulrich mit seiner Frauen zuerst sprach                         2) Eine Tanz-Weise. Fünftes Capitel . Ulrich sendet seiner Frauen ein Büchlein                         Das erste Büchlein .                         3) Eine lange Weise. Sechstes Capitel . Von dem Turney zu Frisach Siebentes Capitel . Wie Ulrich seinen Finger verlor                         4) Eine Tanz-Weise.                         5) Eine Tanz-Weise.                         6) Eine Tanz-Weise.                         7) Eine Sing-Weise. Achtes Capitel . Ulrich findet einen andern Boten                         8) Eine Tanz-Weise.                         9) Eine Sing-Weise.                         10) Eine Tanz-Weise. Neuntes Capitel . Wie Ulrich seinen Finger abschlug und sandte ihn seiner Frauen                         Das zweite Büchlein . Zehntes Capitel . Wie Ulrich in Weise einer Königin mit Ritterschaft durch die Land fuhr Elftes Capitel . Das Stechen an der Plat, zu Clemun und zur Cluse. Die achte Tagereise bis Villach Zwölftes Capitel . Reise nach Feldkirchen und Sanct Veit. Die zwölfte Tagereise zu Frisach Dreizehntes Capitel . Reise nach Chnütefelde, Lioben, Chapfenberg bis Murzuslage, die achtzehnte Tagereise Vierzehntes Capitel . Abenteuer in der Neuenstadt. Ulrich kommt nach Dreskirchen am dreiundzwanzigsten Tage seiner Reise Fünfzehntes Capitel . Ulrich empfängt fröhliche Botschaft. Vor Wien zieht ihm der von Lengenbach schon entgegen, sie reiten in Wien ein. Die vierundzwanzigste Tagereise Sechszehntes Capitel . Stechen in Wien und zu Neuenburg, der fünfundzwanzigste und sechsundzwanzigste Tag Siebzehntes Capitel . Ulrich endigt seine Fahrt Achtzehntes Capitel . Von dem Turney zu Neuenburg Neunzehntes Capitel . Ulrich sendet wieder zu seiner Frauen                         11) Eine Sing Weise. Zwanzigstes Capitel . Wie Ulrich in Gestalt eines Aussätzigen zu seiner Frauen kam Einundzwanzigstes Capitel . Wie Ulrich seine Fraue sah Zweiundzwanzigstes Capitel . Ulrich will eine Fahrt über Meer thun                         Das dritte Büchlein .                         12) Eine Tanz-Weise.                         13) Eine Tanz-Weise.                         14) Eine Tanz-Weise.                         15) Eine lange Weise.                         16) Eine Ausreise                         17) Eine Tanz-Weise.                         18) Eine Sang-Weise.                         19) Eine Tanz-Weise. Dreiundzwanzigstes Capitel . Ulrich verläßt seine Fraue                         20) Eine Tanz-Weise.                         21) Eine Tanz-Weise.                         22) Eine Tanz-Weise.                         23) Eine Tanz-Weise.                         24) Eine Tanz-Weise.                         25) Der Leich.                         26) Eine Tanz-Weise.                         27) Eine Tanz-Weise.                         28) Eine Tanz-Weise.                         29) Eine Reye.                         30) Eine Tanz-Weise.                         31) Gedicht. Vierundzwanzigstes Capitel . Wie Ulrich eine andere Fraue nahm                         32) Eine Tanz-Weise.                         33) Eine Tanz-Weise.                         34) Eine Tanz-Weise.                         35) Eine Tanz-Weise.                         36) Eine Tanz-Weise.                         37) Eine Tanz-Weise.                         38) Gedicht.                         39)     – Fünfundzwanzigstes Capitel . Eine neue Fahrt, auf welcher Ulrich als König Artus schöne Ritterschaft treibt                         40) Eine Ausreise. Sechsundzwanzigstes Capitel . Der Turney wird gestört Siebenundzwanzigstes Capitel . Ulrich singt das Lob seiner Frauen                         41) Gedicht.                         42)     –                         43)     –                         44)     –                         45) Gedicht.                         46)     – Achtundzwanzigstes Capitel . Herzog Friederich von Oesterreich fällt in der Schlacht                         47) Gedicht.                         48)     – Neunundzwanzigstes Capitel . Ulrich wird gefangen                         49) Gedicht. Dreißigstes Capitel . Ulrich wird wieder frei, er singt das Lob seiner Frau und endigt sein Buch mit guten Rathschlägen und Wünschen für Frauen und Männer                         50) Gedicht.                         51)     –                         52)     –                         53)     –                         54)     –                         55)     –                         56)     –                         57)     –                         58)     – Beschluß des Herausgebers                         59) Gedicht.                         60)     – Erstes Capitel. Einleitung und erste Jugend des Dichters. Den guten Weiben will ich neigen, wenn sie mir auch oft nach meinem Dienen wenig Lohn erwiesen, denn alle Tugend liegt doch an ihnen, und das Heil der Welt; Gott hat nichts so Gutes, als ein gutes Weib geschaffen. Auch mag Niemand die Güte eines Weibes zu Ende loben; wer sagen kann, wo der Sonnen Schein endet, kennt auch das Ende ihres Lobes. Weib sind rein und gut und schön, sie geben Würdigkeit und machen den Mann werth; wer das verdienen kann, daß sie ihm freundlichen Gruß bieten, dem muß alle Sorge schwinden. Nichts ist so gleich den Engeln, als ihr schöner Leib, auch hat ein reines Weib wohl den Muth eines Engels. Nach diesem Lobe will ich eine Mähre anheben, wie ich es am besten kann; ich wünsche, daß sie Euch allen zu mir so freundlichen Muth gebe, daß Euch alles gut dünke, dann ist meine Arbeit nicht verloren. Sie soll nur Wahrheit und keine Lüge sprechen. – Da ich noch ein kleines Kindel war, hörte ich oft die Weisen sagen, daß Niemand Würdigkeit erwerben möchte, der nicht sonder Wank guten Weiben zu Diensten bereit sei, Niemand sei auch so recht froh und wohlgemuth in der Welt, als der eine reine Fraun so lieb hätte, als seinen eig'nen Leib. Ich war ein Kind, als ich das hörte, und noch so dumm, daß ich auf Gerten ritt, und doch gedachte ich in der Dummheit: da die reinen Weib den Mann so hoch theuer machen, so will ich immer den Frauen dienen mit Leib, Gut, Muth und Leben. In diesen Gedanken wuchs ich bis in das zwölfte Jahr. Da gedachte ich in meines jungen Herzens Sinn hin und her und fragte nach der Sitte, Schönheit, Muth und Tugend aller Frauen im Lande: wer von guten Weiben Lob sagte, dem schlich ich lächelnd nach, denn von ihrem Lobe ward ich freudenvoll. Von einer hörte ich, deren Lob sich die Besten im Lande angenommen hatten, und an der man die meiste Tugend fand; sie war von hoher Art geboren, die war schön und gut, keusch und rein, sie war in allen Tugenden vollkommen. Dieser Frauen Knecht war ich beinahe bis in das fünfte Jahr. Da sprach mein Herze zu mir: guter Freund, Geselle, willst du dich einer Frau zu eigen geben, so muß es diese Fraun sein, denn sie ist alles Wandels frei. – »Ich folge dir, Herze, doch ist es uns beiden zu viel, daß wir ihr um den Sold dienen, den man von Frauen holt, denn sie ist uns zu hoch geboren, drum mögen wir beide wohl unsern Dienst verlieren.« – »Schweig, Leib, kein Weib war je so hoch und reich, daß einem edlen Ritter, der ihr mit Muth, Herz und Leib dient, wie er soll, nicht endlich gelingen mochte.« – »Herze, ich schwöre dir bei aller Seligkeit, daß sie mir lieber ist, als mein eig'ner Leib, auf den minniglichen Wahn, den ich gegen sie habe, will ich ihr immer dienen.« – Da sich so mein Herz und der Leib entschlossen hatten, um die Gute zu werben, ging ich vor sie steh'n und sah sie minniglich an, ich dachte: wohl mir! soll das meine süße Fraue sein? Wie soll ich ihr aber so recht geziemend dienen, besser, als so manche edle Kind in ihren Diensten? Vielleicht dient von denen einer besser, und so haßt mich meine Frau; ich weiß nichts anders, als ihr spät und früh zu dienen: vielleicht dient ihr einer mehr, dem sein Herz doch nicht so zu ihr steht, als das meinige; aber in meiner Liebe zu ihr will ich ihnen allen vorgehn. Eins geschah mir oft. Wenn ich wo des Sommers schöne Blumen brach, so trug ich sie meiner Frauen hin, wenn sie die in ihre weiße Hand nahm, so dachte ich in meiner Freude: wo du sie angreifest, habe ich ihnen eben so gethan. Wenn ich hinkam, wo man meiner herzlieben Frauen Wasser über ihre weißen Händlein goß, so nahm ich das Wasser, das sie angerührt hatte, heimlich mit mir und trank es aus vor Liebe. So diente ich ihr kindlich viel, so viel als ein Kind mag, bis mich mein Vater von ihr nahm, an welchem Tage mir herzliches Trauern und der Minne Kraft bekannt wurde. Mein Leib schied nun wohl von dannen, aber mein Herz blieb dort: das wollte nicht mit mir. Ich hatte wenig Ruhe Tag und Nacht, wo ich ging oder ritt, war mein Herz immer bei ihr, und wie fern ich von ihr war, schien ihr lichter Schein des Nachtes in mein Herz. Man gab mich einem Herren, der hoher Tugenden reich war, der hieß Markgraf Heinrich von Oesterreich . Der diente den Frauen mit rechten Treuen und sprach wohl von ihnen, wie ein Ritter soll; er war milde, kühn und hochgemuth, weise mit den Weisen und dumm mit den Dummen, er litt Ungemach um Ehre, und sein Mund sprach kein böses Wort, allen seinen Freunden war er bieter und getreu, und Gott minnete er von Herzen. Dieser werthe Herr sagte mir, wer würdiglich leben wollte, der müsse sich einer Frau zu eigen geben. Er lehrte mich viel von seiner süßen Tugend, er lehrte mich sprechen über die Weib, auf Rossen reiten und in Briefen süße Worte dichten. Er sagte, dadurch würde ein junger Mann getheuert, wenn er süß über die Weib sprechen könnte; denn nie, sagt er, kann es dir bei guten Weiben gelingen, wenn dein Sinn auf Schmeigeln und Lügen steht. Hätt' ich alles mit Werken erfüllt, was er mir sagte, so wäre ich werther geworden als ich bin. Zweites Capitel. Ulrich wird Ritter. Sein erster Gesang. Indessen lag mein Vater todt. Da mußte ich heim, wie so mancher, dem seine Vordern Gut lassen. Mein Herr gab mir Urlaub, und ich ritt gen Lichtenstein, in das Steierland. Hier fand ich viel Turnirens von Knechten, die dadurch die Ritterschaft lernten. Ich unterwand mich dessen auch um meine liebe Frau und dachte: wenn ich ihr will zu Diensten sein, so muß es durch Ritterschaft geschehen, unter Helm muß ich Preis erjagen. So fuhr ich turniren in Knechtes Weis', um es zu erlernen, drei Jahr. Darauf ward ich Ritter, zu Wien , bei einer Hochgezeit, die ich seitdem nimmer so schön gesehen habe: da war großes Ungemach vom Gedränge. Der Fürst Leupold aus Oesterreich gab seine minnigliche Tochter einem Fürsten von Sachsen zum Gemahl. Der edle Fürst gab dritthalb hundert Knappen Schwert; den Grafen, Freien, Dienstmann, wohl tausend Rittern, gab der edle Fürst Gold, Silber, Roß und Kleid. Fünf tausend Ritter aßen da des werthen Fürsten Brot, da war viel Buhurt und Tanzes, und manches Ritterspiel; da waren die reiche Herzogin und ihre minnigliche Tochter und manche gute Fraue. Meiner Freuden Schein war auch dort, meine reine, süße Fraue, doch sprach ich bei dieser Festlichkeit kein Wort mit der tugendreichen, worüber ich lange traurig war; ich ließ es, um der Merker böses Spähen zu vermeiden. Als sie mich unter Schilde sah, sprach die Gute gegen einen meiner Freunde: ich bin wahrlich froh, daß Herr Ulrich hie ist Ritter geworden, ich weiß noch, wie ich den von Lichtenstein von mir gab, damals war er noch viel klein. Als mir mein Freund sagte, daß ihr meine Ritterschaft lieb sei, freute ich mich von Herzen und dachte: wie, wenn sie mich mit ihrem Willen zu ihrem Ritter haben will? Dieser dumme Wahn war mir süß und machte mich hochgemuth. Die Hochzeit nahm ein Ende, und mancher schied froh von dannen. Man fing dort und hie Turnire an um die Frauen, ich versäumte deren keines, ich wollte um meiner Frauen willen bei allen sein. Zwölfmal turnirte ich in diesem Sommer, mancher Ritter ward von mir Tyostirens gewährt, und daß es mir nicht mißlang, mußte ich meiner Frauen danken. Als der kalte Winter kam, mußte ich Minnesiecher von dem Tyostiren abstehen, darum war ich traurig, und meine Frau war so behütet, daß ich ihr nie kund thun konnte, daß sie mir lieber sei, als mein eigner Leib, ich konnte sie nie sehen, auch konnte ich keinen Boten haben, der ihr recht sagte, wie so herzlich sie mir sei. Darum wußte sie auch nicht, daß ich ihr dienen wollte. Da ritt ich auf eine Burg, wo der Wirth mich freundlich empfing, sein Weib, meine Niftel, kam zu mir und sprach: lieber Neffe, du sollst willkommen sein. Sie ließ mich niedersitzen, wo uns Niemand sah, worauf die Gute zu mir sprach: daß ich dich sehe, daran geschieht mir Liebe; nun sage an, wie gehabst du dich und bist du froh? Sie lächelte und sprach: ich muß dein lachen, und sollte es wohl verschweigen, aber ich war vor einigen Tagen bei meiner Frauen, und wir beide gedachten deiner; sie sprach: mir ist von ihm gesagt, daß er von Frauen wohl spräche, und daß er einer Frau sonderlich zu Dienste bereit sei, das ist ritterlich gethan; da sprach ich: das hab' ich auch vernommen, eine Frau sei ihm lieber als alle Weib, wer sie aber sei, weiß ich nicht; da bat sie mich, daß ich dich bäte, du solltest mir die Fraue nennen, und daß ich es ihr dann anzeigen möchte; darum, lieber Neffe, nenne mir nun den Namen deiner Frauen. – »Dir bleibt meine Frau immer unbekannt, wenn du mir nicht einen Eid schwörst, daß sie von dir verschwiegen bleibt, und wenn du mir nicht dabei versprichst, daß du ihr meinen Dienst kund thun willst.« – – »Nein, ich will nicht dein Bote zu ihr sein, aber ich schwöre dir bei Gott, daß ich von ihr schweigen will, und dienen will ich dir, wo ich irgend kann.« – »Nun will ich dir meine Fraue nennen; du bist kürzlich bei ihr gewesen, dieselbe ist es, die dich fragen hieß, sie ist es selber.« – »Freund, die Rede kann ich nicht glauben, das wäre dir gar zu viel, sie ist dir zu hoch geboren, erfährt sie es, wird sie zornig, und dein Dienst verfängt da nimmer, drum ist mein guter Rath, nimm deinen Muth aus ihrem Dienste.« – »Mag es mir frommen oder schaden, so ist meine sehnende Liebe doch so groß, daß ich ihr immer bis an meinen Tod dienen muß, kommst du mir bei ihr nicht zu statten, so muß mein Leben bald zergehen, willst du mich aber aus dem Tod retten, so sollst du ihr schwören, daß sie mir in meinem Herzen die liebste ist.« – »Neffe, was soll ich sprechen? Gott gebe, daß es dir wohl ergeh, daß es ihr dünket gut, ich will ihr alles sagen, alle deine Noth in kurzen Zeiten.« – »Fraue, ich neige dir auf den Fuß und danke dir immer, daß du meiner Frauen kund thun willst, daß ich ihr eigner Ritter bin und ihr zeitlebens unterthan bleibe; ich habe gute neue Lied von ihr gesungen, bringe ihr die zu Ohren und sage mir dann wieder, ob sie ihr wohlgefallen. Gott segne dich, Niftel.« – »So thu er dich, lieber Freund.« – »Laß mich dir empfohlen sein.« – »Ja, auf meine Treue.« – »Nun will ich fortreiten.« – »Gott müsse dich bewahren.« So schied ich von meiner Niftel und sandte durch sie diese Lied:   1) Eine Tanz-Weise.         Weibes Güte Niemand mag Voll Leben an ein Ende gar, Mein Herze blüh't nun manchen Tag, Sie machet mich den Sorgen bar, Wenn ich sie sehe gekleidet stahn, Und also schöne von mir gahn Als wie ein Engel wohl gethan. Ein Weib mich so bezwungen hat, Daß ich ihr immer dienen muß, Ihr Leib viel wohl zu Wunsche staht, Ihr rother Mund gibt reinen Gruß. Ich hab' den Wunsch an ihr gesehen, Das Beste ist an ihr geschehen, Oder ich kann nicht Frauen spähen. Deiner Reine tröst' ich mich Noch bas, denn ich gedienet han, Du bist eine der will ich Mit Treuen bleiben unterthan, Des Tages, wenn ich dich sehen soll, So ward nie Manne mehr so wohl, Und ist mein Herze freudenvoll. Hohen Muth ich von dir han, Deß weiß ich Niemand mehre Dank, Du bist gut ohne argen Wahn, Ich diene dir immer ohne Wank, Nun sprich, daß es dein Wille sei, So werd' ich nimmermehre frei, Und wohne dir mit Diensten bei. Drittes Capitel. Ulrich läßt sich um seiner Frauen willen den Mund schneiden. So schied ich mit hohem Muthe von dann, weil ich ihr einen Boten gesandt hatte, der ihr meinen Willen kund thun sollte. Fünf Wochen ritt ich umher und sah Frauen; indeß war meine Niftel nach meinem Begehren zu meiner Frauen gefahren, was ich auch sogleich vernahm. Ich freute mich, und ritt sogleich zu meiner Niftel, sie empfing mich freundlich und sprach: ich habe um dich gethan, was ich billig gelassen hätte, und was dir dort auch wenig zu statten kommt. Nun sitze zu mir nieder, so sage ich dir, was meine Frau zu mir von dir geredet hat, und was ich gesprochen: ich habe ihr kund gethan, daß sie dir lieb sei, mehr als alle Weib, daß du Leib und Gut in ihre Gnade ergeben hättest, und daß dein Herze nie vom sehnlichen Band der Minne erlöst würde, wenn sie dir nicht ihre weibliche Güte erzeigte; ich sagte zu ihr: Frau, wenn er auch alle Reich besäße, die gäb' er um Euren Gruß. Dann las ich ihr deine neuen Lied, eh' ich von ihr ging; da sprach die Reine: die Lied sind wahrlich gut, aber ich will mich ihrer annehmen, drum schweige still mit deiner Rede; wenn dein Neffe ein biederer Mann wird, das gönne ich ihm mit Recht, denn er ist sonst mein Knecht gewesen, aber solche Rede soll er lassen, denn ich will sie ihm nimmer gewähren, er soll die Dummheit lassen, denn ich werde seinen Dienst nie annehmen, es wäre ihm, weiß Gott, zu viel. Da sprach ich: zürnt nicht, Frau, es geschieht ja oft, daß ein junger Mann so hoch begehrt, wenn es ihm auch nimmer gelingt, sie werben nur um hohen Muth, so hoch Ihr geboren seid, hat er Euch doch zu seiner Frauen auserwählt. – »Nun schweig, kein Mann hat noch so hohes Lob getragen, der nicht noch dadurch getheuert wurde, wenn ich seine Dienste annehme, wozu ich doch nie keinen Willen getragen, ja, es war noch kein so biederer Mann, der mich verdienen möchte, darum soll er es sich auch versagen; wäre er aber auch in aller Würdigkeit ganz vollkommen, (wie ich von ihm doch noch nicht gehört habe) so müßte einem Weibe doch immer sein ungefüge stehender Mund leid sein, denn der steht ihm übel, erlaub' es mir zu sagen, wie du selbst wohl weißt.« – Nun wollte sie von dir nicht mehr reden, drum ist mein Freundes-Rath, daß du sie Dienstes frei lassest, da ihr Muth so hoch steht. – Niftel, darinn folg' ich dir nicht, daß ich durch jemands Rath meine Frau sollte aufgeben, denn nur der grimme Tod kann mich aus ihrem Dienst vertreiben.« – »So will ich aber nicht mehr dein Bote sein.« – »Nein, liebe Niftel, du sollst nicht verzagen, ich will mir bald meinen Mund schneiden lassen, wie mir auch geschehen mag, da sie meint, daß er mir übel stehe; fürwahr, mein Mund muß ihr besser gefallen oder noch tausendmal schlimmer; denn weil ihn meine Fraue ungern sieht, so schneid' ich in kurzer Zeit ab, was daran misse steht.« – »Ich rathe dir in rechten Treuen, daß du dich nicht so verderbest, lebe, wie dich Gott geschaffen hat und nimm das, was er dir gegeben, für gut, denn das ist kein verständiger Sinn, wenn du anders willst, als er will.« – »Niftel, Gott behüthe dich, ich habe mich drein ergeben, und wie es mir gelinget, will ich dir nicht verschweigen, ich bitte dich, daß du es dann durch deine Treue meiner herzlieben Frauen entbietest.« – »Das versprech ich dir, Neffe, aber es ist mir leid, daß du nicht davon abstehen willst.« – So ritt ich von ihr nach Grätz in Steierland, da thät ich dem besten Meister alsogleich meinen Willen kund. Der sprach: jetzt kann es nicht geschehen, vor dem Maien schneide ich Euch nicht, im Maien aber schwöre ich Euch, Euren Mund also zu machen, daß ihr dessen froh seid, denn ich bin des Dinges ein ganzer Meister. Nun ritt ich im Winter wieder hin, Frauen zu sehen, bis der süße Sommer kam, und ich die Vöglein singen hörte, da dacht' ich: nun mag wohl die Zeit sein, daß ich nach Grätz hin muß. So ritt ich hin in Gottes Pflege, und unterwegs begegnete mir meiner Frauen Knecht, ich erkannte ihn und er mich, und er fragte mich, wo mein Sinn hin stände. – »Gesell, will dir nun fremde Mähre erzählen, wisse, daß ich gesund bin und mich doch selbst verwunden will, man soll mich zu Grätz schneiden.« – Der Knappe segnete sich und sprach: Nun, Herre, wo denn? Ich sprach: Geselle, sieh, von den Lefzen, deren ich dreie habe, will ich eine abschneiden. – »Wenn das wahr ist, so helfe Euch Gott, denn es ist eine wunderliche Geschichte; meiner Frauen, die es wohl nicht weiß, will ich es als ein großes Wunder sagen, Ihr seid wahrlich ohne Sinne, daß Ihr Euch so wagen und wohl gar todt liegen möget.« – »Nun sage es, wenn du willst, denn es muß auf dieser Fahrt geschehen.« – »So will ich es, wenn es mit Euren Hulden sein mag, mit anschauen, und will auch meiner Frauen sagen, daß Ihr mich mit habt haben wollen, anzusehen, wie Euch geschieht.« – Ich ritt hin nach Grätz, wo ich auch meinen Meister fand. Eines Montags Morgens fing der mich zu schneiden an, er wollte mich binden, ich wollte aber nicht, und er sprach: es kann Euch Schaden geschehen, denn rührt ihr Euch nur um ein Haar, so nehmt ihr Schaden. Ich sprach: ich bin willig daher zu Euch geritten, und wenn ich auch todt liegen sollte, wie weh mir auch von Euch geschieht, so soll man mich doch nicht wanken seh'n. Ich fürchtete mich doch sehr und saß vor ihm auf einer Bank er nahm ein Messer und schnitt mir den Mund ob den Zähnen durch, was ich so sänftlich erlitt, daß ich auch davon nicht wankte; er hatte meisterlich geschnitten, und ich hatte es meisterlich ausgehalten. Als es geschehen war, geschwoll mir mein Mund, und er that der Wunden ihr Recht. Der Gesell hatte es alles mit angesehen und sprach: wenn Ihr geneset, so bin ich gerne hier gewesen, als ich neulich von Euch ging, und meine Frau die Botschaft hörte, daß man Euch schneiden sollte, konnte sie es nicht glauben, sie sprach: er thut es gewiß nicht, denn es dünkt mich dummlich gethan: nun habe ich selbst gesehen, welch Wunder an Euch geschah, jetzt will ich fort reiten, der reiche Gott möge Euch bewahren und Euch bald gesund machen, ich will meiner Frauen kund thun, daß man Euch den Mund geschnitten, und wie mannlich Ihr es überstanden habt. – »Du sollst von mir deiner Frauen nichts als meine Dienste sagen, ich darf ihr nicht mehr entbieten; doch wenn du sonst willst, denn sage von mir: was hier mein Leib erlitten hat, das sei um ein Weib geschehen, die gesprochen hat, mein Mund stünde mir nicht wohl, was der an mir nicht behaget, das wird auch von mir gehaßt, und wenn sie sagte, meine rechte Hand gefiele ihr nicht, so schlüge ich sie ab, bei Gott! denn ich will nichts anderes, als was sie will.« – Der Knappe ritt von mir, und ich mußte wohl sechstehalb Wochen als ein siecher Mann darnieder liegen, mir war wohl und weh; weh, denn mein Leib war wund, wohl, denn mein Herz war froh. Von Hunger und von Durst mußt' ich großen Ungemach leiden, ich konnte nichts in mich bringen, Zähne und Mund thaten mir weh, eine grüne stinkende Salbe wurde mir außerdem in den Mund gestrichen, wenn ich nun aus Noth essen oder trinken mußte, so ging die Salbe auch in mich, so daß mir Essen und Trinken widerstund, davor aß ich wenig, und mein Leib wurde sehr geschwächt. Ich blieb so lange in Grätz, bis mein Leib wieder genesen war. Viertes Capitel. Wie Ulrich mit seiner Frauen zuerst sprach. Ich ritt hierauf mit Freuden zu meiner Niftel, sie sah mich schon ans der Ferne und sprach zu mir: Niemand soll dir nun deinen Mund verweisen, denn er steht dir jetzund wohl, auch habe ich alles erfahren, was du so unverzagt erlitten hast, ich habe alles aufgeschrieben und will es dahin senden, wo deine Liebe um Gnade bittet, und daß du es um sie habest wagen wollen, um das eine Wort, das sie damals gesprochen, daß ihr dein Mund nicht gefiele. – »Lohne dir Gott, Niftel, süßes Weib, getreuer Bote, du thust mir so wohl, daß ich es um dich nie verdienen kann; ich habe auch wieder neue Lied gesungen, die sollst du ihr um meinetwillen senden, ich habe sie gedichtet, als ich zu Grätz siech lag.   2) Eine Tanz-Weise.         Alles Singen ich vermeide. Von der Nacht, die gibt mir Freuden nicht, All meine Freude Liegt nur am Tage, denn der ist licht, Auch ist sein Schein Der Frauen mein Viel gleich, drum muß er selig sein. Der mag von Schulden Loben die Nacht, dem selig Lager ist bereit, So muß ich dulden Sehnende Leid, darum trag ich ihr Neid Und lobe den Tag, Wenn ich sie mag Sehen, die mir wohl heilet Sorgen-Schlag. Den Tag ich ehre, Da ich die viel Gute zuerst sach, Denn immermehre Gibt mir die Nacht nur Leid und Ungemach, Sie ist mir gram, Ich ihr alsam, Wohl dir Tag, viel selig sei dein Nam! Wann mich besessen Nachtes haben die Sorgen mit großer Schaar, Das wird vergessen, Wann mir der Tag erscheinet klar, So kommt ein Wahn, Daß ich soll gahn Die viel Schöne heimlich sehen an. Viel gerne ich wollte Loben die Nacht, erginge es jemals so, Daß ich ihr sollte Nahe liegen, die mich nun macht unfroh, Wer wär' ich dann, Ich selig Mann! Weh! daß mir's die Güte nimmer gann! »Lied und Brief sende ich ihr wahrlich hin und will ihr auch alles von dir entbieten, und daß ich dich gesehen habe, und daß dir der Mund recht steht, wie einem andern Mann; den Brief, den sie mir dann herwieder sendet, will ich dir schicken, denn es ist dir gut.« – »Ja, liebe Niftel, und dein Bote findet mich bei der Mur.« – So schied ich von ihr und ritt hohen Muthes nach Lichtenstein. Meine Niftel nahm Lied und Brief und sandte sie meiner Frauen; als sie beides gelesen, schrieb sie gleich einen Brief. Als der Brief zu meiner Niftel kam, mußte sogleich ein Bote auf sein, der ihn mir brachte. Der Brief machte mein Herz freudenvoll, er sprach also: Meine Huld und auch den Dienst mein entbiete ich dir vielwilliglichen und thu dir kund, daß ich mich hebe von dem nächsten Montage von dem Hause, da ich jetzo auf bin und fahre hin zu dem Hause, wo du wohl weist, und bin über Nacht in dem Markt, der bei dir liegt: Nun bitt' ich dich, laß es nicht, und komm zu mir dahin, so will ich dir alles das antworten, was du mir entboten hast, will auch dein Neffe dahin kommen, den sehe ich gerne, um seinen Mund, wie ihm der steh, und um anders nicht. – Ich hub mich auf die Fahrt, als mir der Brief gelesen wurde, ich ritt freudig zu ihr, da war sie aber leider so behütet, daß ich sie den Abend nicht sah. Ich schlief die Nacht nicht vor Kummer, und als nun die Sonne aufging, da stund ich auf und ging hin, wo ich ihr Gesinde fand, Ritter und Knecht, die grüßte ich, und sie dankten mir als Freunde. Darnach sang ihr Caplan eine Messe, wo ich meine Frau sah, furchtsam ging ich zu der Tugendreichen, die mich mit einer Neigung empfing, mir aber mit Worten keinen Gruß sagte. Die Messe war mir gar zu kurz, was man aber sang oder las, davon vernahm ich nichts, ich sah nur immer das reine, süße Weib an. Als die Messe geendet, da hieß man mich und alle andre Mann hinausgehen, meine Frau stieg auf und ritt fort, ich ging hin, wo ich meine Niftel fand, die lachte und sprach freundlich: du bist ein seliger Mann, meine Frau hat dir erlaubt, daß du heut mit ihr reden sollst, was dir gut dünkt, du sollst auf dem Wege heut zu ihr reiten, rede mit ihr was du willst, jedoch nicht zu viel. Da war ich froh. Ich ritt gleich nach der Werthen, wo ich sie vor mir reiten sah, mein Herz sprach in Freuden: Nun hin, nun sollst du mit ihr reden, alles was dir gefällt, unbehütet reitet sie vor dir, nun sprich mit ihr, was dich gut dünkt! So ritt ich kühnlich zu ihr hin; als sie mich bei sich gewahr ward, kehrte sie sich von mir um, da ward mein Sinn so zaghaft, daß mir die Zunge alsbald verstummte, und mir das Haupt niedersank, also war ich jegliches Wortes beraubt. Ein andrer Ritter jagte zu ihr, da sah ich auf und blieb furchtsam und verzagt hinter ihnen, da sprach mein Herz wieder: nun, du verzagter Leib, du fürchtest eine so gute Frau? Weiß Gott, sie hätte dir nichts gethan, wenn du nur hättest sprechen können. Höre, Leib, willst du mit Worten verzagt sein, so kann dir nie Liebe geschehen, und scheidest du so von ihr, so wird sie dir nimmermehr hold, sondern muß dich für einen Zagen halten. Wie mein Herz mich so bestrafte, ermannte ich mich wieder und ritt zu ihr; die reine Süße sah mich an, und von ihrem Ansehen erschrak mein Leib so, daß ich wieder schweigen mußte, die Kraft der Minne band mir meinen Mund zusammen, ich wußte wahrlich nicht, wo ich saß. Leib, sprach nun wieder mein Herz, unselig müssest du sein, denn du bist ein böser Mann, da sie dich so freundlich ansieht, hast du doch nicht mit ihr, recht als wärest du ein Wicht, gesprochen. – »Sieh, mein Herz, wenn ich gegen sie was sprechen soll, so weiß ich nicht, wovon es geschieht, daß ich kein Wort kann sagen, der Mund wird mir so versperrt, daß ich Unseliger kein Wort herfür bringen kann.« – »Leib, du sollst mir glauben, daß du dir selbst groß Unheil schaffst, ich und du erleiden Plagen, und keine Stunde ist uns wohl, aber wenn dein böser Mund nicht mit Worten meinen Willen kund thut, so muß es dein Ende sein; sieh doch, das werthe Weib reitet vor dir, ganz allein und unbehütet, wie bist du so furchtsam, daß du nicht zu ihr reitest und ihr all deinen Sinn sagst? Nur hin, das ist mein Rath, weil du sonst die Gelegenheit verlierst.« – Nun ritt ich wieder zu ihr und fühlte, daß ich vor Furcht bleich war, meine Angst zu sprechen war groß, das Herz sprang mir in meiner Brust, es gelüstete ihm sehr, zu ordnen, es sagte; nun sprich! nun sprich! nun sprich! da dich Niemand hindert. Wohl zehnmal that ich den Mund auf, zu ihr zu sprechen, da lag aber die Zunge nieder und wollte kein Wort sagen. So schied ich von ihr wieder wie erst, daß ich ihr kein Wort sagte, das geschah mir dieses Tages wohl fünfmal. Die Tagereise nahm ein Ende, und die Reine, Süße, Gute kam an, wo sie in der Nacht sein sollte, da war mein Herz sehr traurig. Man hieß die Frauen von den Pferden heben, ich nahm das Hebeeisen und hob manche klare Fraue ab. Die Falschesfreie hielt noch immer auf ihrem Pferde, und viel Ritter und Knappen standen um sie, mit denen sie ihr Scherz und Spiel hatte, da ich mit dem Hebeeisen zu ihr kam, sprach sie: Ihr seid nicht stark genug, daß Ihr mich abheben möget, Ihr seid zu krank und schwach. Des Scherzes ward gelacht, und sie trat auf das Hebeeisen; als sie aus dem Sattel stieg, ergriff sie mich bei meinem Haar, und ohne daß es Jemand sah, brach die Gute mir heimlich eine Locke aus: »daß habt dafür, daß Ihr verzagt seid! Man hat mir von Euch nicht wahr gesprochen.« So ging die Gute zu ihren Frauen, und ich stund in tiefen Gedanken; wie ist dir nun geschehen? Sie hat Recht, daß sie so bösen Mann nicht achtet, ich habe es gegen sie verschuldet. Indem kam ein Ritter zu mir und sagte, man sollte die Frauen nun in ihr Zimmer gehen lassen, und so ritt ich in die Herberge, in meiner Trauer bat ich Gott, daß er mir das Leben nehmen möchte. Ich ging allein in eine Kammer und sagte den Leuten, ich sei krank, so fühlte ich mich auch, denn mein Leib wandte sich nach allen Seiten, und ich klagte laut: O weh! o weh! Wie bin ich doch zum Unheil geboren! Nimmermehr werde ich wieder froh, und alles Unglück, das mir begegnen kann, hab' ich verdient. Wie war es möglich, daß ich zu ihr kein einzig Wort sprechen konnte? Darum muß immer meine Zunge und mein Mund unselig sein, und darum werde ich nie wieder froh, weil ich so durch eigne Bosheit meine Frau verloren habe. So lag ich die Nacht in mancher Klage, bald saß ich, bald lag ich, jetzt ging ich, nun wand ich mich dort, nun wand ich mich hie, oft rang ich meine Hände. Einer meiner Mage kam am Morgen zu mir und fragte mich, was fehlt dir? Ich sprach, mir thut das Herz so weh, als ob es mir brechen wolle, und drum mag ich weder sitzen noch stehen. Er sprach, es ist ein Arzt hier; so bringe mir den, antwortete ich. Er ging sogleich nach dem Meister in die Stadt, ich aber ließ mir alsbald ein Pferd vorführen und rannte recht als ein rasender Mann nach der Stelle, wo ich gestern die Gute gelassen hatte. Als ich mich dem Orte näherte, sah ich, wie sie mir von dort in Frauen-Weise in einem Mantel entgegen ritt: als sie mich sah, neigte sie mir, und nun schwieg ich auch nicht länger: Gnade, sprach ich, meine Fraue, Ihr müßt mir gnädig sein, denn an Euch liegt alle meine Freude, Ihr sollt mir glauben, daß ich Euch seit meinen frühsten Jahren gedient habe, als ich Euch zuerst kennen lernte; laßt mich drum Euer Ritter sein und erlaubet mir um Eure Tugend diesen Dienst, denn nie kann ich jemals etwas so edles gewinnen, als Euren reinen süßen Leib, um Euch will ich mein Leben wagen in ritterlicher Arbeit und will Euch als Euer Ritter bis zu meinem Tode dienen. – »Schweiget, denn Ihr seid ein Kind und so hoher Dinge unverständig, reitet gleich fort von mir, so lieb Euch meine Huld ist.« – »Wohl habt Ihr Recht, meine liebe Fraue, daß ich noch zu dumm bin, um ganz auszusprechen, was mein Sinn meint, sonst bin ich weise genug, um in Eurem Dienst den Preis eines Ritters zu gewinnen.« – »Fahrt jetzt von mir, das ist mein Rath, wenn Ihr noch Sinne habt; laßt Euer Flistern, denn Ihr wißt wohl, daß man mein hütet, hat Jemand Eure Rede gehört, so mag es Euch zu Schaden kommen; laßt mich! wahrlich, Ihr seid ein verdrüßlicher Mann.« – Indem sah die Gute sich um, und sprach zu einem Ritter: reitet doch her zu mir, denn es ziemt sich nicht, daß nur ein einziger Ritter neben mir reite, sehet, daß das nicht wieder geschehe! Ich sprach, sie hat Recht, denn es ist eine Unhübschheit, daß Ihr sie selbander reiten laßt, heißt mehr herkommen. Indem kamen ihrer Sechs herzu, die nach Rittersitten mit ihr ritten. Ich nahm Urlaub und war von Herzen froh, daß ich meiner Frauen nun doch einen Theil meiner Gedanken gesagt hatte. Fünftes Capitel. Ulrich sendet seiner Fraun ein Büchlein. Nun suchte ich im Lande Ritterschaft, und es gelang mir so wohl, daß ich mit rechter Tyoste einen werthen Ritter niederstach, weßhalb mich auch nachher meine Frau rühmte. Mir gelang es den Sommer wohl, recht als einen guten Frauen-Ritter, und ich sage Euch von meinen Thaten nicht mehr, daß Ihr nicht sprechen sollt, ich wolle mich selber rühmen. Als nun der Winter kam, mußte ich die Ritterschaft lassen, da dichtete ich Lied und eine Botschaft und sandte es meiner Niftel, die es ihr bald hinwieder sandte. Die Gute kannte den Boten und hieß ihn willkommen: Gnade, sprach er, meine Fraue, ich habe Euch ein Büchlein gebracht, das sollt Ihr zu Nacht lesen, denn dadrinn steht ein gutes Gebet. Die Süße nahm das Büchlein und wähnte, das ein Gebet drinn stünde, sie schaute es an hie und dort und fand nur süße Rede drinn geschrieben. Nun hört an, wie das Büchlein sprach:   Das erste Büchlein.                                 Deines Glückes wallte Gott Viel kleines Buch, getreuer Bot Daß du seliglich hinfahrst Und deine Zucht wohl bewahrst Mit Rede, wie ein Mann zu Hofe soll, Und kannst du da geberden wohl, Des hab' ich Fromm, du Ehre, Ohne Zweifel immermehre: Zu also seliglicher Arbeit Magst du gerne sein bereit, Schönen Augen dienen sei dein Wille, Der, die heimlich in der Stille Man dich läßt zu Hofe sehen, Und kannst du Frauen recht spähen, So ist sie, der ich dich hab' gesandt, (Der immer dienen muß meine Hand), Die Reine, die Süße, die Gute genannt, Und zur Besten auserkannt, Die ich erkenne über alle Land, Des sei vor Gott meine Selde Pfand. Ach, dürftest du von mir Gnädiglich künden ihr Gruß und all den Dienst mein, Möcht' es wohl mit Fugen sein, (Und wär sein nicht ein Theil zu viel Und über meines Maßes Ziel) Solltest du es der Guten sagen, Wie nahe ich sie hab' getragen Nun lange in meinem Muthe, Gott gebe mir's zu Gute; Und wie ich gar für alle Weib Das Herze mein und all den Leib, Den Muth, die Sinne und all mein Leben, Ihr zu leben habe gegeben, Die mein Herz allererst entschloß, Und darin allererste schoß Die Gedanken der Minne Und sehr sehnende Sinne, Das that sie alleine, Sie Süße, sie Reine, Sie Hohe, sie Werthe, Die wertheste auf der Erde Von rechter Weibes Würdigkeit, Das nehm' ich wohl auf meinen Eid, Daß sie gar ohne arge List Mit mannichen werthen Tugenden ist. – Auch magst du wohl der Guten sagen Und nimmer daran verzagen, Daß ich auf ihre Gnade zwar Hoch in Freuden fliegend fahr, Seit der seliglichen Stund, Daß ich ihr thät ein wenig kund, (Doch minder denn ich wollte Und denn mein Wille wollte) Meinen begehrenden Willen, den ich trage Gegen ihre Gnade manche Tage, Und daß ich auf ihrer Gnade Gewinn Ihr Ritter immer gerne bin, Das mag mir ihre Güte erlauben wohl, So wie sie von rechte soll, Seit ich von Kinde her ihr Knecht Bin gewesen, so hat sie Recht, Daß sie mich lasse ihren Ritter sein, Ich thu ihr den Dienest-Schein, Des sich ihr Preis nimmer darf schamen, Es muß in ihrem viel werthen Namen Immer mehre sein gethan, Was Dienstes ich nur dienen kann, Darzu dien' ihr mein neuer Sang; Dünk' aber ich sie darzu krank Von meinen dummen jungen Tagen, Daß ich die Bürde nicht möge tragen, Wie sie viel Gute zu mir sprach Neulich, da ich sie jüngest sach, Um meinetwillen ihr doch sage, Wie dumm ich sei der Tage, Ich sei doch wohl so sinnegreis, Daß ich behalte wohl Ritters Preis, Und wenn sie's zu Dienste nehmen will, – – Bote, ich darf dir nicht so viel Empfehlen als ich wollte, Wenn ich mit Hulden sollte: So viel vertrau' ich dir, Bringst du liebe Mähre mir, So steht fürwahr meine Freude hoh Und bin auch immermehre froh, Lieber Bote, nun wirb also. – – – »Was ihr gebietet, das sei gethan, Könnte ich, wie ich Willen han Eure Botschaft werben, Ich ließ sie nicht verderben, Möcht' ich sie wohl vollenden, Möcht' ich davon nicht wenden, Weiß Gott, keine Unmuße mein. Nun laßt mit euren Hulden sein, Daß ich euch meine Angest sage, Die ich gegen diesen Dingen trage. Ich weiß wohl, wie es zu Hofe geht, Die Frau Melde spähend geht Und nimmt euch alle Dinge wahr, Da würde ich zu Spotte gar, Denn ich bin unhofebern, Dieß ist meine meiste Schwere: So rechte reine Weibeshand, Die ihr mir ofte vor habt genannt, Wie dürfte ich die doch rühren an? Und wär' ich, wie ihr, ein Mann, (Das ich leider nicht bin) Und hätt' ich tausend Manne Sinn, Ich müßte die Fahrt besorgen wohl, Niemand mir das verweisen soll; Denn, zürnet sie der Botschaft, Sie hat die Gewalt und auch die Kraft, So wohl erkenne ich Frauen-Zorn, Daß ich das Leben habe verlorn, Sie gebietet über mich zuhand In ihrem Zorn, daß ich verbrannt Werde auf einem Roste; Wer kommt mir da zu Troste? Oder mir geschieht zu leiden Von ihr ein solches Schneiden, Das nimmermehr heilet, Bas dann geviertheilet, Klein, wie das in der Sonne fährt, Ist mir vielleicht allda bescheert: Soll aber es mir so wohl ergahn, Daß ich doch noch Hoffnung han, Daß sie sich Zornes maße Und mich zur Rede lasse, – Wie ich ihr meine Rede sage, Gleich von demselben Tage Muß ich die Finstre bauen, (Darauf mag ich wohl trauen) Es heiße Lade, es heiße Schrein, Daß ich da muß verschlossen sein Wie in dem Kerkere, Von so gethaner Schwere Mag ich wohl verderben, Und was ich sollte werben, Das ist davon verdorben gar, Wie ich auch immer wohl da fahr.« – »Deine Angest ist gar ohne alle Noth, Wer sollte auch gerne in den Tod Seinen lieben Boten senden? Mein Haupt wollt' ich verpfänden, Hätt' ich wider sie missethan, (Des ich Willen nie gewann) Daß sie ihre Zucht nicht bräche, Das sie die Arges spräche, Du sollt mir gelauben das, Es wird dir entboten das, Danne ob du wärst des Kaisers Kind, So rechte groß ihre Tugend sind; Was soll die größer Ehre, Was wolltest zu Selden mehre. Denn die heimlich dir Geschehen wird von ihr? Und sollt' ich, gleich dir, nahe sein Der lieben werthen Frauen mein, Dafür nahm' ich nicht den Gral, Den der kühne werthe Parcifal Mit ritterliche Arbeit Also kummerlich erstreit, Ich nähme dieselbe Würde alldo Für kein Königreich anderswo, Und hätte führwahr ihren Minne-Sold Lieber denn all der Heiden-Sold; Was aber du verschweigen sollt. Könnt' ich's auf dein Schweigen wagen, Wollt' ich dir noch ein Geheimniß sagen, Um ein Wünschen, das ich han Nun viel manniche Zeit gethan Mit Herzen und mit Munde Von getreuen Herzens Grunde, Des könnt' ich mich nicht maßen, Es niemals unterlassen: Seit ich zu Boten gedachte dein, Wünschte ich, daß ich du sollte sein, Alsbald als du kommst alldar, Und ihre weißen Hände klar Dich beginnen zu wenden Von Güte in manchen Enden, Und sie an dich kehrt dicke Ihre heimlich spielenden Blicke, Und an dich gewendet ihr rother Mund, So an derselben Stund Wollt' ich darab ein Küßchen stehlen (Das sollt aber du mit Treuen hehlen), Sollt' ich es mit Heil bringen von dann, Wer wäre ich danne, ich selig Mann! Ich wäre freudenreiche, Den Engeln viel geleiche Ohne Zweifel immer weh. O weh des und immer weh! Daß ich die Fahrt nun lassen soll! Das thut mir anders denne wohl! Doch streichen, ohne Lüge, dahin Mein Herz und alle meine Sinn, Und reden meines Willens viel, Doch immer üben rechtes Ziel, Nur wie's ihren Ehren wohl geziemt: Mein Herz sich fürbas nicht nimmt Keinen Wunsch durch Minne-Rath Als der ihren Ehren rechte staht: Hat aber mich mein dummer Gedank An Stehlen oder an anderm Krank Verleitet gegen der Frauen mein, Bote, das soll verschwiegen sein Und nicht zu Mähre werden bracht, Denn ich sein, weiß Gott, nie gedacht, Mir wär' der Gedanke allzuviel, Nimmer ich so dummen will, Noch meine Fuge kränken Mit Wünschen noch mit Denken Mich nimmer vergahen, Ihr heimlich zu nahen Ohne Urlaub freventlich.« – »Herre, ist sie so tugendlich, Wie Ihr mir ofte habt gesagt, So bin ich des viel unverzagt. Ich versuche, wie es mir auch ergeh, Wie es um ihre Gnade steh, Und will die Fahrt nicht länger sparen. Gott muß Euer Gelücke an mir bewahren, Wünscht mir Heil und Glückes nah, Find' ich nicht große Gnade da, So kann ich Nein, so kann ich Ja. Gnade, Fraue gnadenreich, Gnadet mir gnädiglich, Gnade bei Gewalte wohl geziemt. Wenn Eure Gnade gnädiglich vernimmt, Was ich Euren Gnaden sagen soll, So ist Eure Güte gnadenvoll: Mich hat auf Gnade hergesandt, Der Gnade begehrt von Eurer Hand, Und entbeut Euch, here Fraun mein, Gruß und all den Dienest sein, Auf Eure Gnade viel sehr, Euer eigner Mann, mein Herr, Und wählt Euch, Fraue für alle Weib, Daß ihr so recht über seinen Leib Fraue und Gebieterin seid: Dawider hat sein Herze Streit, Und will dem nimmermehr abstahn, Es sei Euch gerne unterthan Mit der reinen Eigenschaft, Die man da heißet Treuen-Kraft; Der Streit ist ungescheiden Immer zwischen ihnen beiden, Dem Herzen und dem Leibe, Daß nie keinem Weibe, So gerne noch so schone Nach minniglichem Lohne Ein Herze und ein Leib Gedient, als Euch, selig Weib, Ich hab den Muth an ihm erkannt (Der mich zu Boten hat gesandt), Und erkenne das in seinem Herzen wohl, Womit ein Ritter immer soll Sein innigliches Meinen Lauterliche bescheinen, Das hat er Willen und Muth Euch zu leisten, Fraue gut, Auch hab ich des seine Sicherheit, Die höchste Würde und Seligkeit, Die er von der Welt begehrt, Daß er der wäre damit gewährt, Wann Ihr geruhen wollt, Daß er Euch dienen sollt; Der Genaden wär doch nicht zu viel, (Mit Hulden ich das sprechen will) Es entrühmt Euch, Fraue reine, Wenig unde kleine, Und mindert Euer Gnaden Hort, Minder viel denne um ein Wort. Nun laßt ihn einen Heiden sein, Den getreuen lieben Herren mein, So nehmt doch seines getreuen Dienstes wahr, Den er ohne Falsch so rechte gar Euch zu Dienste hat gewandt, Hättet Ihr den Recht erkannt, Er deuchte Euch wohl Gnaden werth, In der Maße als er begehrt, Und beliebe doch Euer werther Nam Ohne Schaden und ohne Scham. Was schadet der blumenreiche Haide An ihrer Augenweide Und an ihrem lichten Glanz, Wenn man zu einem Kranz Ein Theil ihrer Blumen brichet, Auch wähn' ich Niemand weiser sprechet, Daß es Schade möge sein, Wenn einem Feuer ein Feuerlein Nur um Leuchten wird genommen, Es schadet nimmer und mag frommen. Nun erscheinet ihm, reine Fraue gut, Wie auch die Sonne dem Monden thut, Den entzündet sie wie ein Licht Und schadet doch ihrem Scheine nicht: Seit es ihm so hohe frommt, Und Euch nicht zu Schaden kommt, Wenn Ihr Euch unterwindet sein, Des getreuen lieben Herren mein, Und soll das Eure Gnade sein, So ist Eure Gnade wohl der Schein, Den er fürwahr wohl heißen mag Freudenschein und Seldentag. Nun laßt mich, selig Fraue gut, Durch Euren reinen süßen Muth Meinem Herren bringen hin Von Euren Gnaden den Gewinn, Daß ich, kömmt er mit Frag' mir nah, Mit Freude müsse sprechen: Ja, Genade ist nun endlich da! – Gnade, Fraue, wenn ich han Gegen Eurer Gnaden was missethan, Das ich Euch durch fremde Hand Und ohne Urlaub hab' gesandt Meinen Muth und meine Botschaft, Das gebot mir der Liebe Kraft Und die Treue, die ich trage Gegen Euren Hulden manche Tage: Hat mein Bot unrecht gebeten, Ich will ihn nimmer des vertreten, Nein, er leide Buße darumme, Wie mit Recht ein Dumme, Hat er irgend was begehet, Des ich Euch nicht dünke werth Beide zu nieden, oder zu krank, Hat er ohne meinen Dank Gemuthet, selige Fraue mein, Daß ihr mich laßt Euch zu Dienste sein, Durfte er je so hohe bitten Ein Weib mit also reinen Sitten, Spräche ich dann: Fraue, das ist mir leid; – Daran beginge ich große Unstätigkeit, Denn sollt' ich es mit Eid beschwören Und die Wahrheit nicht verkehren, So spräch ich: Leib und Gut und Leben Wollt' ich lieber geben, Als daß er vermieden das Bitten, Denn ich will sie selber bitten Immer all' die Weil ich lebe Ich erwerbe an Euch dieselbe Gebe, Es ist mein immerwehrendes Begehr, Soll ich mit Schilde und mit Speer Je Ritters Preis erjagen, Wird je Feuer aus Helmen geschlagen Und verhauen Schildes Rand Mit Schwertes Schwang von meiner Hand, Wird jemals so von mir gestritten, Daß der Boinder wird geritten, Mit rechter Hurt alldar gezielt, – Wird solches nicht vor mir gespielt, Das Ritterschaft geheißen mag, So erleb' ich nimmer lieben Tag, Wenn ich nicht mag erleben, Daß ich den Preis muß geben, Fraue, Euren Hulden, Und will auch gerne dulden Um Eures Preises Ehre Die Wage immer mehre, Wo man nach Peise ringet, Wie mir darin gelinget. Ich erwerbe Würde oder Scham, Des sei geteuert Euer Nam, Wird jemals der Preis dann mein, So muß es Euch zu Preise sein, Denn er wird durch Euch erjagt; Auch bin ich des viel unverzagt, Was Frauengnade sei genannt, Es möge an Euch meine dienende Hand Bei meinen jugendlichen Tagen Viel seligliche noch erjagen, Es liegt an Euch alleine Der Trost den ich da meine Und aller meiner Freuder Erjag, Darzu mein osterlicher Tag, Das weiß der wohl, dem Niemand nimmer nicht lügen mag. Da die tugendreiche Fraue das Büchlein gelesen, sprach sie zum Boten: sag' an, wer hat dich hergesendet, du sollst mir die Wahrheit gestehen, um wen bist du hergeritten? Um meine Fraue, sprach er. Wenn deine Fraue dich hergesandt hat, antwortete sie, so sag' mir auf deine Treue, weißt du, was hier geschrieben steht? – »Viel hochgelobte Fraun, das ist mir, weiß Gott, unbekannt, meine Fraue sagte nicht anders, als es stünde ein Gebet dadrin, auch hat sie einen Brief mitgeschickt, aber es ist mir auch ganz unbekannt, was der sagt, sie hieß mich bloß ihn übergeben, drum nehmt ihn hin; Ihr wißt, ich kann wohl eine Botschaft werden, so jung ich auch noch bin, und auch verschweigen, was ich nicht reden soll. – Ihre weiße Hand empfing den Brief, sie sprach zum Boten: Freund, du sollt hie bleiben. Darauf ging die Wohlgemuthe und las heimlich den Brief, indem stunden diese Lied:   3) Eine lange Weise.         Fraue selig, Fraue mein, An deinem Dienst ich nie verzage, Wie du willt, so will ich sein, Dabei so merke was ich sage, Fraue, ich weiß wohl, wenn mir deinen Freundes-Gruß Nicht verdienen meine besten jungen Tage, Daß ich in Sorgen alten muß. Mein Herze gibt mir weisen Rath, Wie dumm es von den Jahren sei, Daß ich ihr, die Tugende hat, Sei mit stetem Dienste bei, Da es mir so steten Nath mit Treuen sagt, Des doch mir der Leib, der Muth mir ward frei, So folge ich ihm auch gar unverzagt. Da ich erst Sinn gewann, Da rieth mir das Herze mein, Wenn ich jemals würde ein Mann, So sollte ich ihr zu Diensten sein, Nun ist mir kommen die Zeit, daß ich ihr dienen soll Nun helfe mir Gott, daß ich ihr thu den Dienest-Schein, Davon ich Leides mich erhol. Sie ist über meinen Leib Fraue, und auch des Herzens mein, Sie viel wunder werthes Weib. Nun, wessen sollte ich wohl lieber sein? Wollte sie den Dienest mein und meinen Sang; Wo würde immer mir so großer Gnadeschein? Wo fünde ich so rechte hohen Dank? Wo möchte mir so hohe kommen Mein Dienst und all' mein Arbeit? Denn die ich habe genommen, Die hat Schöne und Würdigkeit. Hoher Muth, du zwingest mir den Leib zu hoch; Doch ist dir das Herze mein darzu bereit, Denn es stets die niedre Minne floch. Niedre Minne, an Freuden todt Ist der, dem sie angesieget, Gibt die hohe sehnende Noth, Doch wohl ihm, der derselben pfliget, Sie gibt Sorge, doch ist die Sorge seliglich; Fraue, daß dich die Sorge mein so geringe wiget, Davon so sorge ich stetiglich. Der Bote blieb zween Tage, darnach sandte nach ihm meine Fraue und sprach: nimm hin das Büchlein und bring' es deiner Frauen wieder, ich hab' es oft gelesen, zwar steht ein gut Gebet drin, aber ich will's doch nicht behalten. Der Bote nahm das Büchlein und bracht es seiner Frauen wieder, die thät es auf und fand mehr drinn geschrieben, als erst drinn stand, da sandte sie es mir sogleich, und als ich das Geschriebene sah, wurde mein Herz froh und ich gedachte: Vielleicht hat sie mir hie etwas entboten, wovon ich immer hohen Muth tragen muß, o sie ist so gut, vielleicht hat sie mir einen Freundes-Gruß entboten, wovon ich immer in Freuden muß leben. Mein Schreiber war nicht bei mir, der mir meine heimlichen Briefe las und mir auch die meinigen schrieb, davon blieb das Büchlein zehn Tage ungelesen, es kam aber diese ganze Zeit nicht aus meinem Busen; wenn ich des Nachts schlief, lag es nahe bei mir, denn ich wähnte, es stünde von meiner Frau etwas drin, das mich froh machen würde. In der Zeit kam mein Schreiber, ich nahm ihn in ein heimliches Zimmer und bat ihn lesen, was da geschrieben stand. Es stand aber dieses geschrieben:         Mancher Mann spricht, daß ihn sein Herz nicht belehrt, Wenn er von einem fremden Dinge Sinne zu gewinnen begehrt: Wer wünscht, was er nicht soll, Der hat sich selbst versaget wohl! Wer wünscht, was er nicht soll. Der hat sich selbst versaget wohl; Wer wünscht, was er nicht soll, Der hat sich selbst versaget wohl. Da mir dies gelesen ward, ward mir weh und nicht wohl, ich sprach: doch muß mir alles gut dünken, was mir die Süße thut, für alles muß ich ihr danken, da ich mich ihr einmal übergeben habe, immer muß ich ihr dienen, sie thue mir wohl oder übel, ihr und keiner andern will ich alle meine Jahr verzinsen; so jung ich auch bin, weiß ich doch, daß ich kein andres Weib finde, von der mein Herz so viel Freude empfangen könnte und drum will ich ihr wieder mit etwas dienen, sobald nur der Winter verendet ist. Sechstes Capitel. Von dem Turney zu Frisach. Gegen die Fasten wurde vernommen, daß der Markgraf Heinrich von Oesterreich den Fürsten von Kärnthen angreifen wollte; als der Fürst Leopold von Oesterreich dies vernahm, sprach er: das gestatte ich nicht, sondern ich will es versühnen und in kurzem einen Tag machen. Es wurde von ihm ein Bote an die beiden Fürsten gesandt, der sie freundlich grüßte und sie bat, sie möchten sich nach Freundes Sitten verrichten lassen, wozu sie beide auch willig waren. So wurde denn ein Tag zu Frisach gemacht, am St. Philippus Tage, zu Anfang des Mai, wenn der Wald schon gelaubt steht, und die Haide ihr wonnigliches Sommerkleid augelegt hat. Da ich den Tag erfahren, ward ich froh, ich kam zu meinem Bruder Dietmar von Lichtenstein und sprach zu ihm: Dietmar von Lichtenstein, wir sollen uns vereinigen, und Ritterschaft üben, denn eine große Kraft von Herren kommt da zusammen. Er sprach: du hast wohl gerathen, wir sollen uns beide mit Rittern in einen Foreis legen und so lange der Tag dauert jedermann Ritterschaft gewähren, der sie von uns begehrt. Wir sollen es in die Land entbieten, erfahren es dann die Ritter, so kommt mancher herbei, es ist überdies die Maienzeit, wo sie ungern zu Hause liegen. Du hast Recht, Bruder, sprach ich, sende du dahin, so sende ich dorthin. Die Boten fuhren nun allenthalben in die Land, und mancher Ritter kam aus ehregierigem Rittersmuth, so kam auch mancher um die Weib herbei. Nun kam der Tag der Fürstensprache, die Boten nahmen Herberge in der Stadt, der Marshalk des Fürsten Leopold von Oesterreich bat, daß man da gezogentlich wäre. In der Stadt wurde jeglich Fürst geherbergt, eben so die Grafen, Freien, Dienstmann. So kam der Fürst aus Oesterreich und von Ysterreich der Markgraf Heinrich , der Fürst Bernhard von Kärnthenland , der Markgraf Diepolt von Voheburg , um seine Tugenden geliebt, Graf Albrecht von Tyrol , der Graf Meinhard von Görz , der ehrenvolle Graf von Liebenau , der milde von Hunenburg und der Graf Hermann von Ortenburg , den niemand um Milde rühmte. Auch kam Graf Ulrich von Pfaunenberg , wie der von Schlüsselberg , Hug von Teufers , die Brüder von Schauenberg , Herr Diete von Lengenbach , der Domvogt zu Regensburg war, Herr Kiutolt von Pettach , Herr Conrad von Schöneneck , der von Auersberg ; auch Herr Dietmar von Potenstein . Diese waren die Fürsten, Grafen und Freien. Von Dienstmannen kamen: der milde Herr Hertnit von Ort , Herr Hertnit von Wildonie , der von Stubenberg , Herr Rinprecht von Murecke , Herr Rudolf von Rase , ein milder und getreuer Mann; der Held von Küngesberg , Herr Herrmann von Chransberg , Herr Otte von Püten und zween Heinrich . Es kam von Truchsen Heinrich und Herr Chol , Herr Otte von Grätz und sein Bruder Herr Ortolf , auch der tapfere Degen von Wolkenstein ; von Stier Herr Gundacker und dessen Bruder Herr Dietmar , Herr Eckehard von Tanne , Herr Gundacker von Starkenberg , Herr Albrecht von Rusberg ; Herr Hadmar von Künringen brachte mehr als dreißig Ritter mit sich, es kam Herr Wolfker von Gors , der Ritter einer Frauen; Herr Otte von Schönkirchen , Herr Rudger von Antschawe , Herr Ulrich von Steuntz und der von Ottenstein , Herr Hadmar von Schönenberg und der karge Mann von Hakenberg und Herr Heinrich von Kyowe . Es kam außer diesen noch mancher biedre Mann, um Ehre zu gewinnen, so kam auch mancher Ritter, der Gut zu gewinnen dachte. Sechshundert Ritter waren unter Schilden versammelt, auch kamen mehr als zehn geistliche Fürsten hin, die den Krieg beseitigen und eine stete Sühne machen wollten. Ich hieß ferne von der Stadt zehn Hütten und ein Zelt aufschlagen, davor stieß man vier Banner und fünfhundert Speer, dabei lagen sechsunddreißig Ritter, die um Frauen Ritterschaft pflegen wollen, von denen viele kaum den Anbeginn des Spiels erwarten konnten; ja wir lagen die Nacht alle in solcher Begier wie die Falken. Als die Sonne am Morgen aufging, zogen sie von allen Seiten zu mir, mit manchem reichen leuchtenden Banner, mancher war so wohl geziemirt, daß er die Blumen und das grüne Gras überglänzte. Da liefen die Kroier hin und her, und riefen: wer nun tyostiren will, der komme herbei! Mancher gute Ritter stapfte herbei, der Ehre und Leben um die reinen Weib wagen wollte. Da wir sie herziehen sahen, sprangen wir auf die Rosse, da hub sich mancher schöne Puneis, denn jeder mühte sich, wie er den andern niederstechen wollte. Die Ritterschaft währte den ganzen Tag, und mancher tyostirte, der es noch niemals gepflogen, mancher fiel zugleich mit seinem Gegner, mancher lag sinnlos auf der Erde, mancher verlor das Roß, daß man ihm fern davon stach. Manche stachen aus hohem Muth, manche um Gut zu erwerben, manche um die Weib, und manche um zu lernen. Als die Nacht gekommen war, zogen sie in die Stadt, wir mußten auch das Feld räumen und fanden im Zelt gut Gemach. Ich hatte an dem Tag wohl dreißig Speer verstochen, und nun richtete ich meinen Gedanken darauf, wie ich eine ritterliche That ausführen möchte. Ich wollte nämlich am Morgen wieder stechen und mich dann vor den Leuten heimlich auf einen Berg begeben; dann will ich grün geziemirt mit zwölf Knechten wieder kommen, jeglicher soll ein grünes Speer mit führen, auch soll ihr Kleid und die Bedeckung der Pferde grün sein. So geschah es am andern Morgen, ich war mit den Hochgemuthen früh bereit. Da wurde Herr Conrad von Sounecke von mir zuerst bestanden, dann Herr Liutolt von Pettach , dann rannte ich den Tapfern von Küngesberg an, dann Herrn Ulrich von Steunze ; auf diese vier verstach ich dreizehn Speer; dann begab ich mich heimlich in mein Gezelt, und von da rannte ich auf den Berg, wo ich mein grünes Wappenkleid bereitet fand, mein Wappenrock und meine Decke waren von grünem Sammt, und mein Schild und Helm waren grün, ebenso meine zwölf Speer, meine Knechte waren grün und ihre Pferde. Ich nahm nun ein grünes Speer in meine Hand und ritt zum Tyostiren hin, wohl hundert Ritter fand ich schon in Arbeit; ich freute mich, daß mich Niemand erkannte, mein Bruder kam zuerst gegen mich und sprach: Ihr guter Ritter sollt mich zuerst vor allen bestehen. Aber ich schwieg und wandte mich von ihm, da bestand mich ein biedrer Mann, Hug von Tiufers , er war reich geziemirt, und sein Speer wonniglich, wir fehlten beide nicht, er traf mich an das Koller; und ich ihn an den Helm, die Splitter flogen hoch, und die Leute kamen zum Schauen herbei; wir beide verstachen wohl zehn Speere aneinander; da kam Herr Hadmar von Kunringe , dessen Ziemir ganz golden war, ich nahm mein Roß zu den Sporen, und unsre beiden Speer zersplitterten, die Schilde zerkloben, und unsre Knie berührten sich, doch geschah die Tyost nicht ohne Schaden, er stach mir in den Arm, und ich empfand mich etwas wund, doch erfuhr er es weder, noch sonst da Jemand, wir riefen beide: Speere, Speere her! Man gab sie uns, und wir verstachen wieder sieben Speer, worauf er seinen Helm abband. Darauf kam gegen mich Herr Wolfger von Gors , der oft den Frauen diente, er verstach zwei Speere auf mich, und ich zwei auf ihn; darnach bestund mich Herr Leupold von Lengenburg , dem stach ich seinen Helm ab. Hierauf baten meine Knappen, die Ritter stille zu halten, und ich trabte vom Felde, aber alles Volk ritt mir nach, da kam der Markgraf Heinrich von Ysterreich , er sprach: laßt diesen Ritter fahren, wohin er will, da es sein Wille ist, unbekannt zu bleiben. Nun ritt ich hin, wo mich Niemand sah, ich entwappnete mich schnell und kam anders geziemirt auf das Feld zurück. Ich verstach noch am Abend sechs Speer, worauf die Nacht unserm Ritterspiel ein Ende machte. Da fragten viele, wer war denn der Ritter, der heute so grasgrün vom Berge zu uns herunter ritt? Darauf am dritten Morgen griffen die Biedern wieder zur ritterlichen Arbeit, und die Ritterschaft währte überhaupt wohl zehn Tage. Der Fürst Leupold aus Oesterreich sprach: endlich verdrießt mich dies; sollen wir hier nichts anders schaffen als Stechen? darum bin ich nicht hergekommen; ich habe einen Tag gemacht, um den von Kärnthen mit dem Markgrafen Heinrich zu versühnen. Der Patriarch von Agley sprach: Die Kost ist hier gar zu theuer. Der Bischof von Babenberg sagte: es ist auch mein Ungemach, sollen wir denn umsonst hier sein? Mein Bruder, der Markgraf Heinrich von Ysterreich bat mich herzukommen. Eben so ungemuth war der reiche Bischof von Salzburg , der Bischof Heinrich von Brixen , der Bischof Rüdiger von Passau und der Fürst von Freisingen , daß sie da ihr Gut um unsre Ueppigkeit verzehren mußten. Alle Bischöfe in der Stadt baten darum sehr theuer den Fürsten von Oesterreich, daß er doch endlich schüfe, warum man gekommen sei, sie sprachen: es ist eine Dummheit, daß wir umsonst hie liegen. Da sprach der Fürst aus Oesterreich: Ihr sollt mir rathen, wie ich dazu thu, ich kann keinen dazu bringen, die ich doch beim Geschäfte brauche, denn ihnen thut die Ritterschaft so wohl, daß ich sie nicht vom Felde bringen kann. Da sprach der Fürst von Kärnthenland, ich will hie einen Rath geben, wodurch es gewiß ein Ende hat, wie sollen sie turniren, ich bin in zehn Jahren zum Schimpf in kein Wappenkleid gekommen, das wird jetzt von mir angelegt. Man folgte dem Fürsten, und Mancher war des Rathes froh, man bat also, das Tyostiren lassen und in der Stadt verkündigen, daß der Turney am Montage sein werde. Ich brach ab Hütten und Gezelt, mit Freuden zogen wir vom Anger in die Stadt, und Sammt, Zobel, Pfelle, Hermin, Zendal schnitt man freudig ohne Maßen viel zum Turney, Silber und Gold wurde auf Zendal gelegt, mancher, der das nicht hatte, schnitt Buckram, jeder ziemirte sich, wie er wollte, auch dachte mau darauf, den Turney mit Witzen zu theilen. Der von Oesterreich hatte da auf seiner Seite zweiundfünfzig guter Ritter, zu denen fiel der Graf Diepolt , der hatte nur zwölf Ritter mit sich gebracht, die auf Gewinn bedacht waren. Auf demselben Theil war Graf Albrecht von Tyrol , dem vierzig Ritter gefolgt waren; auch Hug von Kiufers , der zwanzig Ritter bei sich hatte; der Vogt von Lengenbach mit zweiundzwanzig Rittern; da der Domvogt reich war, ziemirte er sich und sein Gefolge schön und leuchtend; dem reichen Manne von Mureck folgten da vierzig Ritter, Herr Hadmar von Kunringe hatte einunddreißig, dem Herrn Hermann von Chransberg folgten zwanzig, dem milden Wolfger von Gors zwölfe. Auf der andern Seite führte der Markgraf Heinrich von Ysterreich , er hatte sechszig Ritter. Zu ihm fiel der Fürst aus Kärnthenland mit fünfzig Rittern, der von Gorze hatte fünfundfünfzig mit sich gebracht, der milde von Hunenbnrg hatte zweiunddreißig Ritter, der von Liebenau hatte fünfundzwanzig aus Bayern und Franken mitgebracht, er wurde an dem Tage den Besten zugezählt; der Graf Hermann von Ortenburg wollte nur acht löbliche Ritter mit sich führen, der tugendhafte von Orte hatte ihrer sechsunddreißig, und er führte wohl oft noch mehr, der werthe Wolfing von Stubenberg brachte vierunddreißig. Am Montage, als der Tag aufging, diente man Gott, nach der Messe hub sich großes Gedrang von Knechten in allen Gassen, laut wurde der Schall von Posaunen, Flöten, Hörnern und Paukenschlägen. Die Kroyere liefen freudig umher und riefen: Nun zieht aus, Ihr edlen Ritter gut! Nun zieht aus und seid freudenvoll! Nun zieht aus mit hohem Muthe, so sehen es die Boten der Frauen! Nun zieht auf das Feld, da liegt der Lohn der Minnegehrenden! Alle zogen mit Schall aus der Stadt, der Rottmeister einer jeden Rotte bat die Seinigen, Acht zu haben, damit ihnen Preis würde, und daß sie sich nicht dringen ließen. So waren sie auf das Feld gekommen, das von manchem lichten Banner wonniglich glänzte, man sah da viele leuchtende Speer und manchen Helm schön ziemirt. Der Glanz der Helme und Schilde leuchtete manchem so in das Auge, daß er kaum sehen mochte; die Ziemir und Wappenkleider schienen mit der Sonne zu streiten. Da sah man den von Stubenberg über Feld her stapfen, gegen ihn kehrte Herr Hadmar von Kunringe , er führte die Seinigen gegen die Schaar des von Stubenberg und ermahnte sie, ritterlich zu tyostiren; auch Herr Wölfing ermahnte die ihm folgten, er sprach: Herr Hadmar will uns hier mit Speeren bestehen, nun stapfet ihm entgegen, daß ein Puneis hier geschehe, wie ihn Gott selber gern sehen möchte! Sie stapften zu einander, und als sie kaum noch eines Rosselaufes weit getrennt waren, da war Punirens Zeit, man sah sie aneinander kommen und Mann und Roß fallen. Laut krachten Speere und Schilde, mancher ward so gestoßen, daß ihm die Knie schwollen, manche holten Wunden und Beulen; sie wollten umkehren, da wurde manchem der Helm abgebrochen, manch Schwert erklang auf Helmen, viele Schilde zerbrachen. Herr Hadmar von Kunringen mußte mit seiner Schaar entweichen, da kam ihm der reiche von Murecke zu Hülfe und ritt gegen den von Stubenberg, da kam diesem der biedere Mann von Orte zu Hülfe. Herr Hug von Tiufers und Herr Hermann von Chransberg ritten mit der Schaar auf einander, und beide wichen nach dem Puneis eines Ackers Weite. Der Graf von Liebenau rannte da tapfer den von Lengenbach an, sein Roß ward von dem Stoß verbuget, davon kam der Graf auf das Land; Herr Sifrid von Dozenbach und Herr Gottfried , sein Vetter, diese zween biedre Mann brachten das Roß des Grafen fort, dann kamen sie zu ihm zurück, wo er im Klee lag, er hatte vom Treten Schmerzen gelitten. Seine Ritterschaft kam mit künstlichem Reiten, voran Herr Heinrich von Wigan , sie trennten den Thumvogt mit seiner Schaar von ihrem Herrn. Es ritten auf einander der Graf von Hunenburg und der Graf Hermann , und ein lauter Schall ertönte von ihrem Stoß über das Feld. Der Graf von Tyrol rannte den von Kärnthenland an, ihr beider Puneis wurde gut. Nach ihnen beiden kam ihre Schaar, daß das ganze Feld erklang, da wurde gerungen und geschlagen, und von den Stößen saß manches Roß auf die Hechsen nieder. Noch hielt der Fürst Leopold , und bei ihm Diepolt , der Markgraf. Gegen den hielt der Markgraf Heinrich von Ysterreich , und bei ihm der von Görz , beide kehrten mit ihren Schaaren gegen den von Oesterreich. Fast wich der Turney auf den von Oesterreich, darüber wurde der reiche Fürst zornig, da ritt er und die Seinen durch den Turney, und man hörte laut die Speere krachen. Ritterlich punirte der von Ysterreich und Graf Meinhard von Görz , wenige Schilde blieben ganz, und manches Roß ward verbuget. Nun war der Turney von allen Seiten gemengt, man hörte Schallen, man sah Ringen. Der Graf von Görz kam ritterlich an den von Oesterreich , er nahm den Fürsten in den Zaum, der Fürst aber vergaß sich nicht, er nahm dem Grafen seinen Helm, und die Ritterschaft kam dem Fürsten Leopold zu Hülfe, der Markgraf Diepolt führte sie an, da ward der Graf von Görz genommen, der sich aber doch wehrte, als ein ritterlicher Mann. Da der biedre Rudolph von Rase sahe, in welche Noth der Graf Meinhard von Görz gekommen, so sah man ihn mit fünfzig Rittern herbei sprengen, unter denen der biedre Heinrich von Lünz war, sie halfen ihrem Herren von dann, da ward großer Klang von Schwertern, und großes Gedränge vom Stoßen. Da der von Rase so ritterlich den Grafen errettet hatte, wollte er nicht ohne Gewinn von dannen scheiden, er ritt hin und her durch des Fürsten Schaar, bis er Herrn Heinrich von Triwanswinkel gefangen hatte. Der biedre Markgraf Diepolt erwarb Ehre an dem Tage, er ritt vor dem von Oesterreich her, eben so ritterlich that der von Schlüsselberg gegen den Feinden. Herr Dietmar von Lichtenstein brach wonniglich geziert durch die Schaar, er verschwand wohl an dem Tage fünfundzwanzig Speer hie und dort mit seiner Hand; viele Helm er abbrach, hie und dort ritt er, und nach Preis stand sein Begehr, er ritt oft durch den Turney, und keiner hat an dem Tage mit ritterlicher Arbeit besser gethan. Mit dem Schwerte hauend ritt der biedre Mann von Küngesberg hin und her, er verstach auch viele Speere, und führte fünf Ritter gefangen. Wolfger von Gors verstach wohl zwanzig Speer, der warb wohl an diesem Tage nicht um Gut, sondern um Würdigkeit. Herr Ortolf von Grätz errang an diesem Tage viele Ehre, er war getreu, kühn und weise. Herr Ulrich von Murberg zeigte sich ritterlich, wie er schon oft gethan, er war einer der Besten von Steierland. Herr Ottacker von Wolkenstein glänzte geziemirt als ein Engel, das war seine Sitte so, wodurch er sich bei Frauen beliebt machte, man sah ihn wie einen Sturm durch die Haufen brechen; mit Recht war er von den Frauen geliebt, denn er verdiente es sehr theuer, auch sprach sein Mund stets gut von ihnen. Der werthe Otte von dem Wasen zeigte sich mit dem Speer als ein guter Ritter. Der starke Heinrich von Chiow brach ritterlich durch den Haufen, er kam an den Grafen von Tyrol, den er mit großer Kraft von aller seiner Ritterschaft weg zu sich nahm, er wollte ihn gefangen mit sich führen, wogegen sich der Biedre sehr wehrte; Herr Otte von Meizen erbat aber mit großen Bürgen von dem Herrn Heinrich von Chiow, daß er den Grafen frei ließ, denn er brach ihm den Helm vom Haupte, da mußte der starke Mann den Grafen lassen. Der Schenke Hermann von Osterwiß ritt tapfer hin und her, der Herr Reinher von Eichelberg brach wie ein Falke durch die Schaaren, und mancher stolze Ritter mußte vor ihm niederliegen. Herr Kun von Friedberg gewann vier Rosse, der Held arbeitete nach Gut, drum errang er dessen auch viel; wo er es mit Ehren mochte haben, ließ er es ungern. Eben so warben da Herr Otte und Herr Heinrich von Buches um Gut, es kümmerte sie nicht, wer viel Speer verstach, denn sie warben mehr um Gut, als um die werthen Weib. Man verstach an dem Tage wohl tausend Speer, viele Ritter wurden gefangen, wohl hundertundfünfzig verloren ihre Rosse, einer band ermüdet seinen Helm ab, den fand man traurig, manchem däuchte der Tag und der Turney zu kurz. Was ich an dem Tage und wohl sonst wo noch gethan, will ich aus Zucht verschweigen, ich sage nur so viel, ich war da nicht der Beste und auch nicht der Böste. Es wurde Abend, man band die Helme ab, und Alle zogen in die Stadt, wo manches schöne Bad bereitet war. In der Nacht badeten die Ritter, mancher war ohnmächtig vor Müde, dem verband man die Wunden, der ließ sich salben, dem that der Arm weh, dem das Knie, mancher war wie todt vor Schlaf, ein andrer litt von Gedanken Pein und dachte: ei! wie hab' ich heut gefahren, das muß mich wundern! – Am andern Tage mußten die Gefangenen manches köstliche Pfand einsetzen, und die Gut gewonnen hatten, sah man in freudiger Geberde. Der Fürst Leopold sandte nach dem von Ysterreich und auch nach dem von Kärnthenland und versöhnte sie beide; nach dreien Tagen schieden die Fürsten. Siebentes Capitel. Wie Ulrich seinen Finger verlor. Ich ritt auch in hohem Muthe zu meiner Niftel hin, die mir freundlichen Willkommen bot, ich sprach: an deiner Hülfe liegt meine einzige Freude. – »Was ich dir dienen kann, thu ich gerne, ich will drum meinen Boten deinetwegen wieder zu meiner Frau senden und ihr entbieten, daß es zu Frisach Niemand besser als du gethan habe.« – »Niftel, ich danke dir immer dafür, so sende ihr auch diese Lied hier, sie dünken wohl der Guten gut.« – Also sprachen die Lied:   4) Eine Tanz-Weise.         In dem Walde süße Töne Singen kleine Vögelein, Auf der Haide Blumen schöne Blühen gegen des Maien Schein: Also blüht mein hoher Muth Mit Gedanken gegen ihre Güte, Die mir reich macht mein Gemüte, Wie der Traum den Armen thut. Es ist Hoffnung nicht geringe, Die ich zu ihrer Tugend trage, Daß es mir noch an ihr gelinge, Daß ich Selde an ihr erringe, Dieser Hoffnung bin ich froh, Gott gebe, daß ich's wohl verende, Daß sie mir den Wahn nicht wende, Der mich freut so rechte hoh. Sie viel Süße, Wohlthane, Frei vor allem Wandel gar, Lasse mich in liebem Wahne, Bis ein Bess'res mir wird wahr, Daß die Freude lange währe, Daß ich weinend nicht erwache, Daß ich zu dem Troste lache, Den ich von ihrer Huld begehre. Wünschen und Wohl-Gedenken Das ist die meiste Freude mein, Muß sie doch den Trost mir schenken, Daß ich kann der Ihre sein, Mit den beiden nahe bei, Will sie das mit Willen leiden, Gönnt sie mir den Hort der Freuden, Daß sie selig immer sei! Selig Maie, du alleine Tröstest all die Welt nun gar, Du und all die Welt gemeine Freut mich minder dann ein Haar: Die möchtet ihr mir Freude geben Ohne die viel lieben zarten? Von der soll ich Trost erwarten, Ihres Trostes muß ich leben. »Die Lied hat mancher Ritter zu Frisach vernommen, welcher sprach, sie wäre gut, auch ist die Weise neu, die Worte sind süß und dazu wahr.« – »Neffe, gieb sie her, ich sende sie hin.« – »Niftel, thu mir durch deine Güte baldigst kund, was meine Frau dir entboten hat.« – So schied ich von ihr und fuhr allenthalben hin, wo ich Turniren fand, um meiner Frauen damit zu dienen. Meine Niftel nahm Lied und Brief und sandte sie sogleich fort. Als die Hochgelobte den Boten sah, sprach sie, du sollst mir willkommen sein, wie lebt deine Frau? Der Bote sprach, sie gehabt sich wohl, sie entbietet Euch ihre Dienste und hat Euch diesen Brief gesandt, den les't und laßt mich balde wiederkehren, denn meine Frau hat mir schnelle Rückkunft anbefohlen. Sie nahm den Brief in ihre weiße Hand und ging hin, wo sie ihn heimlich las, der Brief sagte also: ich entbiete Euch, meine Frau, meinen Gruß und meine Dienste, merket, was ich Euch sage: zu Frisach ist eine Ritterschaft gewesen, da hat Euer getreuer Dienstmann, mein Neffe, Ulrich von Lichtenstein das Beste gethan, um Euch, Frau, hat er mehr denn hundert Speer verstochen, er hat Euch so gedienet, daß ich dessen bin froh geworden, er dient Euch treu und wird Euch immer mit Ritterschaft dienen, sein Herze hat Euch lieb, das sei meine Selde Pfand. Da die Gute den Brief gelesen hatte, schrieb sie selbst einen andern Brief, dann sprach sie zum Boten: Sage deiner Frauen meinen Dienst und führe ihr hin das Briefelein und sage Ihr von mir offenbar, sie habe mir nicht wahr entboten. Als meine gute Niftel den Brief erhielt, sandte sie ihn mir alsbald, ihr Bote fand mich zu Kibenz , wo ein gut Turney war, drei hundert hochgemuthe Ritter waren da zusammen gekommen. Ich empfing den Boten freundlich und ging mit ihm in ein Zimmer, wo er mir das Brieflein gab, wofür ich meiner Niftel dankte, denn ich wähnte, es stünde etwas drin, wodurch meinem Sehnen bas würde, es enthielt aber etwas, das alle meine Freude brach, es sagte so: du lobest mir sehr deinen Neffen, das mag wohl von wegen der Sippe sein, die Fremden loben ihn aber nicht, darum kann dein Lob nicht gelten, und lobest du ihn gar zu hoch, so muß ich es für Thorheit achten. Da ich den Brief hörte, konnte mir nimmer leider sein, ich schämte mich der Botschaft und dachte: sie muß mir wegen der Ritterthat noch hohes Lob sprechen, oder Leib, Gut, Sinne und Leben wird verloren. Da fuhr ich weit in die Land, wo Jemand nur Ritterschaft übte zu Schimpf oder zu Ernst, ich verzehrte mein Gut und wagte willig meinen Leib. So trieb ich mich den ganzen Sommer in den Landen um, so wie ein Ritter soll, der hohe Minne zum Lohn begehrt. Nun war auch der kalte Winter gekommen, der grüne Wald war verdorben, die Vögelein schwiegen, da ritt ich zu meiner Niftel und klagte ihr mein Leid. Sie sprach zu mir: ich kann meinen Boten ihr nicht mehr hinsenden, denn sie fürchtet, daß man es merke, und darum hat sie es mir untersagt, es wäre auch zu große Dummheit von mir, wenn ich ihn ihr gegen ihren Willen senden wollte. Ich sprach: viel liebe Niftel, so muß auch ich verdorben sein und an allen Freuden todt; wie ist mir so mein Bote genommen? ist es denn durch meine Schuld? – »Neffe, du sollt mir glauben, deine Frau ist dir nicht gehaß, sie hat es nur darum gethan, daß es Niemand merken möchte, mein Bote reitet zu oft zu ihr, und darum ist sie in Angst, auch wohnt sie mir zu ferne und ist so sehr behütet, darum rathe ich dir, Neffe, suche dir einen andern Boten.« – »Niftel, da dein Bote nicht mehr reisen kann, muß ich einen andern haben, sei es zu Schaden oder Frommen; was du mir Gutes gethan hast? danke ich dir.« – So nahm ich Urlaub von ihr, und dichtete, wie mein sehnendes Herze mir gebot, diese neuen Lied.   5) Eine Tanz-Weise.         Sommer ist nun gar zergahn, Geschweiget sind die Vögelein, Drum muß ich viel traurig stahn, Und in dem Herzen jammernd sein, Winter und ein ander Leid Die geben mir ofte sehnenden Muth und führen beide mit mir bittern Streit. Sommers soll man sein erfreut, So mag ein Mann der Frauen sein Wohl mit Dienste sein bereit, Viel selig sei sein lichter Schein, Winter, ich bin dir gehaß, Dabei der Sommer-Wonne hold, da mag man werten Frauen dienen bas. Schnell ginge wohl der Winter hin, Und auch darzu seine lange Nacht, Doch die da ist mein Freudensinn, Die hat das leider nicht gedacht, Daß sich ende so mein Krieg, Wie einem, dem so wohl geschieht, der nahe bei Liebe lieblich liegt. Da mein Leid nach Liebe hat, So soll auch Lieb nach Leide ergahn, Mein Leib noch in Leide staht, Drum ist mir endelos mein Wahn; Fraue, du wendest so mein Leid, Daß mir nach Leide Lieb gescheh, mein Herz hat Jammer bei der Seligkeit. Fraue, liebe Fraue mein, Warum bist du mir gehaß? Ich war stets der Diener dein, Das weiß wohl Gott und Niemand bas, Daß ich von dir meinen Muth Noch niemals wandte seit der Zeit, daß ich verstünd beide Übel und Gut. Den Winter ritt ich nun in die Land, um Frauen zu sehen, treu war zu der Holden mein Herz, und ich sann nur immer, woher ich einen Boten zu ihr nähme. Ich konnte mir aber keinen Boten überall das Land erspähen und erfinden, darum mußte mein sehnendes Herze trauern. Nun kam auch der Sommer mit seiner Schöne wieder und brachte manchen heitern Tag, ich dachte: ich will meiner Frauen heuer wieder dienen, ob ich ihr vielleicht bas gefalle. Ich war bald bereit mit Wappenkleid und Rossen und fuhr nach Kärnthen und Krain , und dann gen Ysterreich , denn in Triest hatte der ehrenreiche von Görz eine Ritterschaft gelegt. Da that der Grafe Meinhard sehr wohl, wie er schon sonst und auch seitdem gethan hat, es wurden wohl fünfhundert Speer da verstochen. Ich verstach da fünfzehn Speer viel ritterlich. Indem that man mir einen andern Turney zu Brixen kund, da fuhr ich gleich ritterlich hin, um meiner lieben Frauen zu dienen. Da ich zu Brixen kam, empfingen mich die Ritter nach Ritters Sitten, ich war ihnen ein lieber Gast, ich dankte ihren Grüßen mit frohem Gemüth. Der Turney war getheilet, und wir zogen des Morgens früh auf ein Feld, die Murre genannt. Wohl hundert Ritter übten sich an dem Tage in ritterlicher Arbeit. Als sich der Turney zerließ, bat mich der Herr Ulschalch von Botzen , um meine Frau ein Speer mit ihm zu verstechen, ich band meinen Helm alsbald auf, und so auch er, und mit zween starken Speeren rannten wir auf einander, es geschah ein schöner Tyost, aber der hochgelobte Ulschalch stach mir einen Finger aus der Hand. Als ich die Wunde fühlte, band ich den Helm ab und mußte das Stechen lassen. Alle Ritter beklagten gar sehr meinen Schaden, ich sprach: Ihr sollt das lassen, denn ich bin dessen froh, weil es mir ist um ein Weib geschehen, die meinen Dienst daran erkennen muß. Wir zogen wieder in die Stadt, und ich ließ mir einen Meister kommen; da er die Wunde besah, und wie der Finger nur noch an der Hand hing, sprach er: er wird wieder heil, wenn man Euch so thut, wie man soll. Des Trostes war ich von Herzen froh und sprach: betrügt mich nicht und seid mir getreu, so geb' ich Euch mit gutem Willen so kräftiges Gut, daß Ihr dessen immer Freude habt. Er unterwand sich mein und verband mir den Finger. Bis an den sechsten Tag lag ich in Banden, und als er nun die Wunde besehen wollte, war sie ganz schwarz, dessen ich und der Meister erschrak. Da sprach ich: wie, Meister, ich mag wohl versäumt sein mit Eurer Meisterschaft, die Wunde ist so häßlich. Er schwieg und sprach kein Wort, nur daß er jämmerlich sah, in großen Sorgen saß er bei mir, ich sprach: nun fahrt durch Gottes Haß als ein Bösewicht von mir, Ihr seid ein Mann gar ohne Sinn, daß Ihr Euch keines biedern Mannes annehmen dürft mit Arznei, denn Ihr könnt es nicht. Mein Herz war ungemuth, da hört' ich, daß ein guter Meister zu Botzen wäre, dahin ritt ich, man tröstete mich, daß, wenn ich bald hin käme, er mir den Finger mit seiner Meisterschaft gesund machte. Ich ritt alsbald hin, und auf dem Wege verschwand mir zum Theil mein Leid, ich dachte: ich mag wohl froh sein, daß ich der Werthen dienen soll. Da rieth mir mein Herz von meiner Frauen diese Lied zu singen.   6) Eine Tanz-Weise.             Weh, daß mir die Gute, So fernet ihre Minne, Des bin ich in dem Muthe     Viel ofte unfroh, Soll mir nicht gelingen An ihr die ich da minne, So muß mein Herze ringen     Mit Trauern so, Daß ich nimmermehre Zu Freuden gesinne, Die hat das wenig Ehre     Steht mein Herze unhoh.     Schöne bei der Güte Steht viel wohl den Weiben, So steht auch hoch Gemüthe     Den Mannen wohl, Hoch Gemüthe wollte Viele gerne beleiben Bei mir, wär' sie mir holde,     Von der ich hol Herzigliche Schwere, Davon muß ich meiden Viel Freude, der mir wäre     Sonst mein Herze voll.     Nun mahne ich viel sehre, Fraue, deine Güte, Daß du mich durch deine Ehre     Bedenkest bas, Laß mich Gnade finden, Daß dich Gott behüte, An dir so muß mir schwinden     Der Minne Haß, Die quält mich zu sehre, Davon mein Gemüte Ist viel freudenleere,     Gut Weib, wende das! Als ich nun zu Botzen gekommen, kam der Meister zu mir, er schaute meine Wunde an und sprach: Ihr sollt ohne Angst sein, ich mache Euch bald gesund. Er verband meine Wunde schön und meisterlich, und als ich sieben Tage da lag, schickte eine Frau ihren Boten zu mir, der mir sagen mußte, daß sie mein Leid beklage, sie habe gehört, ich sei der Frauen Dienstmann, davon müsse jedes werthe Weib um meinen Kummer Sorge haben. Der Bote sprach ferner: meine Frau hat Euch hier vier Büchlein gesandt, da sollt Ihr Eure Weile mit kürzen, sie spricht, es sei gute Rittersitte, gern lesen und Gesang zu hören, was schon zuvor biedre Männer und werthe Frauen gethan haben. Ich sprach: ich neige ihr auf ihren Fuß und muß ihr immer dienen, daß sie so ihre Zucht gegen mich gethan hat, sage deiner Frau, daß ich für ihre Güte bis an meinen Tod dienend sein will. Am andern Tage, als ich mich, um zu ruhen, auf ein Bett gelegt hatte, kam er wieder, recht um Mittentag, er sprach: Ich bin wieder Bote zu Euch, denn meine Fraue hat mich hergesandt, um Euch eine Weise zu bringen, die im deutschen Lande noch unbekannt ist, sie bittet Euch, daß Ihr sie deutsch singen möchtet. Ich lernte gleich die Weise und sang darin: so wie sie mich hieß, die Würdigkeit der Frauen, denen ich immer mit Treue bis zu meinem Tode dienen will. Also sprechen diese Lied.   7) Eine Singweise.     Weh, warum soll'n wir sorgen? Freude ist gut, Von den Weiben soll man borgen Hohen Muth, Wohl ihm, der ihn kann gewinnen Von ihnen, der ist ein selig Mann, Freude soll man durch sie minnen, Denn da liegt viel Ehren an. Wir soll'n tanzen, singen, lachen, Durch die Weib, Damit mag ein Mann wohl machen, Daß sein Leib Würdig wird, wenn er mit Treuen Dienet guter Weibe Gruß, Wem sein Dienen will gereuen, Dem wird selten Kummer Buß. Mit dem Wasser man das Feuer Löschet gar, Finstre ist der Sonnen theuer, Beide wahr Sind die Mähre, ihr höret mehre, Habet fürwahr auf meinen Leib Rechter Mann von Herzens-Schwere Scheidet Niemand als die Weib. O weh, o weh, Fraue Minne, Mir ist weh! Greife her, wie sehr ich brinne; Kalter Schnee Müßte von der Hitze brinnen, Die mir in dem Herzen schneidt, Kannst du, Minne, Treue minnen, So hilfst du mir noch bei Zeit. Als man die Lied aufgeschrieben, blieb der Bote nicht länger, sondern er brachte sie seiner Frauen. Als sie sie las, sprach sie: die Lied sind gut, nun bringe ihm dieß Hündelein von mir, das solle sein Lohn sein. Der Bote gab mir das Hündelein, und ich muß Euch sagen, daß ich niemals schönern Hund sah. Ich neigte Ihr mit Dank für ihr Geschenk. Nun kam mir von Heime ein Bote, der mir fürwahr sagte, daß von dem am zwölften Tage ein Turney zu Frisach gelegt wäre: davon kam mein Herz in große Sorge, daß ich nicht dabei sein sollte, da sprach mein Meister: Herr, nicht wahr, Ihr wolltet gern den Turney sehen? – »Ja, Meister, gerne, wenn es sein möchte.« – »So fahrt hin, wenn Ihr es gern thut.« – »Aber vielleicht taugt es mir nicht.«– »Es soll Euch nicht schaden, denn ich will selber mit Euch fahren.« – Ueber die Rede ward ich von Herzen froh und ritt gleich mit ihm von dannen in das Kärnther-Land, meine Freunde hießen mich willkommen, und mein Finger wurde viel von ihnen beklagt. Wohl dritthalb hundert Ritter waren hingekommen, und der Turney war schon vor meinem Ankommen getheilt worden, ich war traurig, daß ich kein Wappenkleid für meine Frau führen konnte. Ich dachte: da ich hier nicht Ritter sein kann, wie könnte ich doch immer den Turney hindern? Hie ist so mancher biedre Mann, der zu Felde Ritterthaten thun wird, und wenn ich keiner davon sein kann, so muß ich immer traurig stehen. Ich nahm das schöne Hündelein und Gürtel, Fingerl und Heftelein, das wohl gegen dreißig Mark werth war, und bat alle Ritter kommen. Als sie da waren, schwur ich ihnen, ich wäre der Bote einer Frauen; und sie hat durch mich Euch dieß Kleinod gesandt, welcher Ritter hie den Preis erjagt, dem soll es von der Guten werden. Alle Ritter waren froh, und mancher dachte: mir muß das Kleinod beschert sein. Da wurde großer Neid um Ehre, der wollte so, und jener so, wovon die Turney ganz zerging, denn sie konnten ihn nie wieder so vereinen, wie er vor war getheilt gewesen, alle Scharen waren zerrissen, und der Turney zerging. Achtes Capitel. Ulrich findet einen andern Boten. So hatte ich den Turney aus Neid abgewendet und schied nun von dannen in das reine, süße Land, worinne meine Fraue war, ich wollte da einen Boten werben, den ich ihr senden könnte. Ich mochte aber niemals einen finden, wovon ich sehr traurig wurde. Auch thät mir mein Finger weh, den man mir zweimal des Tages verband, so daß meine Hand bluten mußte, am meisten aber klagte ich, daß ich keinen Boten haben konnte. Da war im Lande ein Knecht, deß Zucht und Treue groß waren, der war mein Freund, er ritt zu mir und beklagte sehr meinen Finger. Gott weiß es wohl, sprach er, daß es mir um Eure Schmerzen leid thut, ich hätte es gerne an meinem Leibe für Euch erlitten, wenn es hätte sein mögen. Ich sprach: Freund, ich vertraue es dir wohl, denn du bist mir immer hold gewesen; am meisten aber leidet mein Herz Jammer um ein Weib, der ich nicht kund thun kann, wie ganz ich ihrem Dienst ergeben bin. – »Herre, mein Freund, darf ich es sagen, so kenne ich sie wohl, wie Ihr sie auch nie genennt habt, und weiß, daß sie Euch nicht gehaß ist.« – Nur, wolle Gott nicht, sprach ich, daß sie Jemand bekannt sei; sage an, wer sie ist, wenn du es weißt. – Da nannte er sie mir und sprach: ich weiß wohl, daß Eure Freude an ihr liegt, daß sie Eures Herzens Maienzeit ist. Indem er dieses Wort aussprach, geschahe mir ein Minne-Wunder, mein Haupt sank nieder, mein Herz seufzte, mein Mund schwieg. Er sprach; wie ist Euch? Warum seid Ihr so unfroh worden? Ihr Name hat Euch todt gemacht, wenn das Euer Leid ist, daß ich sie kenne, so ist es ohne Noth, denn es ist Euch wohl eher gut, ich bin Euch so hold und habe auch wohl so gute Sinne, daß ich Euch bei ihr dienen kann. Ich sprach: Geselle, du sollt mir die recht Wahrheit sagen, wer hat dir meiner Frauen Namen kund gethan? Ist es durch meine Schuld geschehen, so muß ich mich des immer schämen, und sie soll mir dann künftig immer fremde sein. »Nein, Herr, Ihr seid ganz unschuldig, es ist jetzt fast dritthalb Jahr, daß mich meine Frau zu Euch sandte, damals wurde es mir bekannt, ich erfuhr es von meiner Niftel, der ich theuer schwur, daß es von mir allen Leuten verschwiegen bliebe.« – »Sage an, wenn dich deine Fraue zu meiner Frauen sendet, läßt man dich dann die Werthe sehen? Magst du heimlich mit ihr sprechen? Ist das, so bin ich noch ein seliger Mann.« – »Wahrlich, man läßt mich mit ihr reden, so viel oder so wenig ich will, und ich bin ihr immer willkommen, wenn meine Frau mich sendet.« – Ich sprach: Wohl mir, daß du mir immer bist hold gewesen, da es so steht, daß du mit ihr reden kannst, so sollst du, mein lieber Freund, mein Bote zu meiner Frauen sein. – »Ich bin Euer treuer Bote und sage ihr alles, was Ihr entbietet, und welche Antwort sie mir gibt, die bringe ich Euch zurücke. – »Freund, Gott müsse dir lohnen, daß du mein Bote sein willst, nun sage meiner lieben Frauen, daß sie mir lieb ist vor allen Dingen, daß meine Treue unwandelbar, und daß ich vor Kurzem um sie einen Finger verloren habe, der ihr zu Dienst geboren war, der ist von einer Tyost hinweg; aber Verlust und Gewinn will ich für sie immer mit Freude und mit Klage tragen; bitte sie, daß sie mich lasse ihren Ritter sein, und bitte sie um ihre große Würdigkeit, daß sie mir durch dich etwas entbiete, wovon mein Herz getröstet werde. Bringe ihr auch diese Lied und gib sie ihr züchtiglich und sage ihr, daß ich ihrer an keinem Tage vergaß, sie liegt allezeit in meinem theuern Herzen gefangen, nimmermehr kommt sie daraus, und Gott gebe, daß es mir wohl ergeh.« – Er nahm Urlaub und ritt hin zur Guten. Meine Frau hieß ihn willkommen, sie sprach: Freund, du sollt mir sagen, wie es deiner Frauen geht; das sage mir, wohlgezogener Knabe. Der Knappe sprach züchtiglich: schöne Frau, da ich die Wahrheit sprechen soll, so muß ich sagen, daß ich sie nicht gesehen habe, ein Ritter hat mich her gesandt, dessen Kummer Ihr wohl kennt, der entbietet Euch mit treuen diensthaften Muth; er ist vor Kurzem in Eurem Dienste wund geworden, ein Finger ist ihm aus der Hand gestochen, der Euch zu Dienste geboren war, er hat Euch zur Frauen auserkoren mit so ganzer Treue, daß er nimmer froh werden kann, Ihr wollet ihm denn gnädig sein. – »Sage an, wer hat dir solche Rede zu mir erlaubet? die finde ich, weiß Gott, nicht gut. Wer ist denn so dummlich, daß er dich her zu mir gesandt hat? Nun nenne mir seinen Namen und wisse, es verdrießt mich gar sehr, daß du dich solcher Dinge unterfangen hast.« –– »Frau, ich nenne Euch seinen Namen, dessen er sich nicht schämen darf, er heißt von Lichtenstein Herr Ulrich, er dient Euch mit ganzer Treue, und sollte er, liebe Fraue, heimlich bei Euch sein, dafür nähme er nicht den Gral, den Parzifal mit so ritterlicher Arbeit erstritten hat, Euer minniglicher Leib ist sein Paradies und Himmelreich.« – »Nun sage ihm von mir, höf'scher Knabe, daß er die Rede gegen mich lasse, denn sie gefällt mir nicht, er soll seinen Muth dahin wenden, wo es ihm geziemt, ich will also alt werden, daß mir das nimmer bekannt wird, was sie heimliche Minne heißen; auch habe ich ihm das schon selbst gesagt, daß mir nicht gefällt, was er so dummlich an mich begehrt, er müht sich umsonst, denn die Dummheit wird nie geschehen, daß ich seinen Dienst annehme und meine Ehre kränke.« – »Nein, Frau, um Eure Tugend und hochgelobte Jugend, um Euren reinen, süßen Muth, seid ihm doch gnädig, lasset es ihn genießen, daß Ihr seines Herzens Maienzeit seid, denn Ihr allein, selige Fraue, seid seine Wonne und sein Heil, Ihr seid seiner Freuden Trost; wenn Ihr wollt, ist er freudenreich, Ihr verschwendet ihm die sehnende Klage, ja wahrlich, Euch wird nie wieder ein Ritter bekannt, der jemals ein Weib so liebte. Er hat Euch Lied durch mich hergesandt, die Ihr gern hören sollt, denn sie sind gut, sie werden Euch fröhlich machen, die Worte sind gut, die Weise ist neue, er bat mich, daß ich sie Euch singen sollte; nun hört nur: ich kann die Lied:   8) Eine Tanz-Weise.               Wohl mir, es ist ergangen, Wie ich lange hab' begehrt, Nun hab' ich sie gefangen, Von der ich soll werden werth, Seit ich sie in Banden han, So ist mein bester Wahn, Sie soll gut an mir begahn. Sie soll mir Freude und Ehre, Dabei währende Selbe geben, Oder ich muß immermehre Sonder Trost in Sorgen leben, Aller meiner Freuden Pfand Und Sorgen Band Das steht alles in ihrer Hand Wie kleine sie's empfinde, Sie muß mir gebunden sein, Band, damit ich sie binde, Das sind alle die Sinne mein, Herze und aller mein Gedank, Treue ohn' allen Krank, Rechte Stete ohn' allen Wank. Mitten in mein sehnendes Herze Ist ein Lager ihr bereit, Da liegt auch all' mein Schmerze, Da liegt auch all' mein klagendes Leid, Den zwei'n, wie leid es mir sei, Muß sie liegen bei, Sie mache mich denn beider frei. Hoffnung mag sie wohl behalten Schön wie ein Gefangner muß, Will sie mir auch hülfreich walten, Geben meinen Schmerzen Buß, Bleib ihr Silber und ihr Gold, Sei sie mir anders hold, Ich will nur ihren Minnesold. Du minnigliche Gute, Und du werthes hoch Gemüth, Was hülfet alle ihre Hute? Sie ist vor mir viel unbehüt; Wie kann sie behüten das, Daß ich sie nie vergaß? Ich denke ihrer bas und bas. Ihre weibliche Güte machet Im Gedanken mich viel froh, Mein Mund von Freuden lachet, Wenne ich mir gedenke so, Daß mir Weib mehr ward so gut, Noch so wohl gemuth, Der Gedanke mir sanfte thut. Da sie die Lied gehört, sprach die reine Süße: die Lied sind wahrlich minniglich, aber ich nehme mich ihrer nicht an, das sage ihm von mir, das sollst ihn bitten, daß er mich alles Gewerbes frei lasse, und thut er es nicht, so füge ich es ihm so, daß er immer Schaden davon hat; sage ihm, er sei ein dummer Mann, daß er mir auf solchen Wahn dient, der einem Könige wohl zu viel wäre, denn es ward nie Mann so hoch geboren, von dem solche Rede mich nicht erzürnte, und ich verwundre mich, daß er den Muth dazu gewann.« – »Ich sage ihm alles, Frau, doch kenne ich ihn so, daß er seinen Dienst gegen Euch nicht läßt, denn daraus kann ihn nur der Tod vertreiben.« – So nahm er Urlaub, und ritt zu mir zurück. Da ich den gefügten Boten sah, rief ich, sei mir willkommen, du höfischer, gefüger Bote! Nun sage mir, wie gehabt sich meine Fraue? – »Sie gehabt sich wohl, sie hat es Euch also entboten: daß Ihr sie Dienstes frei lasset, thut Ihr es nicht, so fügt sie Euch solchen Schaden, den Ihr immer beklagen müßt; es gefällt ihr nicht, daß Ihr die Dinge an sie begehrt, die noch kein Mann an sie begehrt hat.« – »Nun wisse, Freund, wie sie mir auch thut, so will ich Ihr doch immer dienen bis an meinen Tod, auch verzage ich darum nicht, daß sie mir widersagt, ist sie mir heut gehaß, so will ich besser dienen, daß sie mir werde hold. Sollte mich denn ein Wörtlein verjagen von meiner hohen Hoffnung? Das wäre ein unmännlicher Muth. Rathe mir nun, Freund; da der Sommer hin ist, so will ich in wenig Tagen nach Rom fahren, sage mir, ob meine Fahrt dir gefällt. – »Herr, die Fahrt soll Euch Niemand verleiden, sie gefallt mir sehr wohl, denn es ist ein ritterlicher Muth, daß man auch dem etwas diene, von dem man alles hat, Gut, Seele Leib, Weib, Kind und lieben Freund. – »Freund, da es dir wohl gefällt, so sei auch unverzagt, denn du fährst mit mir dahin.« – »Das thu ich gerne, wenn ihr es wollt.« – »Ja ich gebe dir genug dazu.« – So fuhr der kluge Knappe mit mir. Ich war sechszig Tage zu Rom , nach Ostern schied ich von dannen und sang wieder neue Lied von meiner Frauen. Die Lied sprachen so:   9) Eine Sing-Weise.         Nun schauet, wie des Maien Zeit Gezieret hat den grünen Wald, Und schauet wie die Haide breit Mit wonniglichen Blumen staht, Die Vögel singen Widerstreit, Ihre Freude ist worden mannigfalt, Viel gar verschwunden ist ihr Leid, Der Maie sie getröstet hat. Der Maie tröstet, was da lebt, Nur mich nicht minnesiechen Mann, Das Herze mein ist minnewund, Drum muß ich ohne Freude sein, Wenn sich mein Leib zu Freuden hebt, – Das Herze steht mich weinend an Und spricht, es sei viel ungesund, So laß ich denn die Freude mein. Der hohe Minne gehrnde Mann Mit stetem Muthe das bin ich, Meine hohe Minne gehrnde Gier Trägt viel unsanft das Herze mein: Fraue, die nie Falsch gewann, Weibes Krone, bedenke dich Genädiglichen noch zu mir Durch die viel hohe Würde dein. Sie sprechen, ich sollt auf Gottes Wege Dein Lob nicht singen, Fraue mein; Da es ihnen an mir mißhaget, So will ich sprechen mein Gebet; Deine Ehre habe Gott in seiner Pflege, So muß dein Leib empfohlen sein Marien, der viel heren Maget, Die nie an jemand missethat. Die Lied sang ich auf dem Wege, mein Bote aber war so ferne, daß ich sie meiner Frauen nicht senden konnte. Zu dieser Zeit kam ich mit Freuden in das Steyerland, wo damals viel Turnierens war, da band ich um meine liebe Frau den Helm oft zu Haupt. So war der Sommer mit Freuden hingegangen, darauf bat ich fleißig meinen Boten, daß er die Gute sehen möchte, er sprach: ich will gern dahin und Ihr Euren Willen sagen und Eure sehnende Leid. Ich empfahl ihm mit Worten meine Botschaft und sandte ihr wieder Lied. Als er zu meiner Frauen kam, hieß sie ihm willkommen sein. Gnade, sprach er, Fraue, wolle Gott, daß ihr besser gemut seid, als damals, da ich Euch zuletzt sah. Die tugendreiche Süße sprach: sag' an, was thäte ich dir Leides? Ich bin dir immer hold gewesen. – »Frau, Gott mag Euch das lohnen, ich bin wieder ein Bote: der, der Gnade von Euch begehrt, hat mich wieder zu Euch gesandt, er entbietet Euch Gruß und alle Dienste, treue Minne, und was er nur immer entbieten und dienen kann, dazu ist er Euch bereit mit ritterlicher Treue; auch hat er schon so viel für Euch gethan, daß Ihr, wenn ich mit Huld so sprechen darf, es ihm wohl lohnen solltet, denn nie gewann jemals ein Weib einen so treuen Dienstmann, der weder Nacht noch Tag von sehnender Arbeit ruht; und seid Ihr ihm nicht gnädig, so hat sein Leben in kurzer Zeit ein Ende: er hat manche Ritterthat für Euch gethan, auch hat er Euch neue Lied durch mich gesandt, die Ihr gerne hören mögt, sie sprechen so:   10) Eine Tanz-Weise.         Wie kannst du Minne, Mit Sorgen die Sinne, Den Muth betäuben mit sehnender Klage? Im Freuden-Wahne Bin ich Freuden ahne Von dir gar alle meine besten Tage! An eine Statt Rieth mir dein Rath Dienen viel schone Mit Stetigkeit, Wo mir zum Lohne Geschiehet nur Leid. – »Was klagest du, Dummer, So seligen Kummer Den ich durch Gut dir gerathen han? Daß du der guten Der reine gemuten Wärest mit Treuen viel unterthan: Thut dir den Tod So süße Noth, So sanfte Schwere, So lieblich Zwang, – Weh! Zweifelere, So bist du viel krank!« – Will sie's bedenken, So muß mich wohl kränken Sorge ohne Trost, die ich leide von ihr: Ja wollte ihre Hulde Mein Leid, meine Gedulde Bedenken und auch ihre Güte an mir, Da sie mein Leib Für alle Weib Meinet besunder Von Herzen viel gar; Weh, durch welch Wunder Nimmt sie das nicht wahr? – »Du darfst nicht sorgen, Daß ihr verborgen Deine stete Treue die Länge noch sei, All' deinem Geheimen Sind ohne Versäumen Ihre Augen, ihre Ohren stets spähende bei; Wird sie fürwahr An dir gewahr, Daß dich nicht kränket Ein fälschlicher Krank, Viel wohl bedenket Dich ihre Habe-Dank.« – Mag sie viel Reine Besonders das eine Mir ausbescheiden was ihr Wille sei, Wollt' ich das brechen Oder dem wiedersprechen Mit Ungedulde, so laß' sie mich frei: Nun tröste mich, Minne, und sprich: Wie ich nach Schwere Trost an ihr erjage, Und ihr bewähre Meine Treue? das sage! – »Mit stetem Muthe, Mit Leibe mit Gute, Mit reiner Fuge ohne alle arge Sitte, Sollt du verschulden Die Gunst ihrer Hulden, Daß sie dir Herze und Leib theile mitte,« – Sie Reine gut, Wie sie mir thut, So ist all' meine Ehre, Mein Leib, mein Leben, Ihr immermehre Für eigen gegeben. – Da sie die Lied vernommen sprach sie: ich bin ihm immer gram, ich will ihm immer feind sein, ich entbot ihm das schon durch dich, daß ich ihm gehaß sei; hast du nun, höf'scher Knabe, ihm das nicht gesagt, so hast du übel daran gethan. – »Viel hochgelobte Fraue, ich habe ihm alles gesagt, da sprach der unverzagte Mann: was sie auch sprechen mag, ich lasse sie darum doch nicht, ich diene ihr bis an meinen Tod, was mir auch darum geschehen mag.« – »Ihr könnt beide viel lose Worte, aber eins will ich dir noch sagen; du sagst mir, und darum bin ich zornig, daß er in meinem Dienst einen Finger verloren hätte, und das ist nicht wahr, er hat ihn noch, wie man mir gesagt hat, darum thut mir dein Lügen leid.« – »Fraue, er hat den Finger wohl, aber er ist ihm ganz erkrummt, so daß er ihn wenig brauchen kann, doch hebt er wohl noch in Eurem Dienst manches große Speer damit. – »Ich gönne ihm wohl seinen Finger, nur soll er nicht vorlügen, und weil du das gethan, will ich mit dir nicht mehr reden: nun fahr zurück und thu dich, höf'scher Knabe meinetwillen der Botschaft ab.« – Neuntes Capitel. Wie Ulrich seinen Finger abschlug, und sandte ihn seiner Frauen. So schied mein Bote von ihr und kam zu mir zurück; da ich ihn kommen sah, sprach ich: nun, lieber Bote, sage mir endlich. was mir die Süße durch dich entbietet, vielleicht werde ich hochgemuth. – Nichts entbietet sie Euch und hat mir sehr verboten, daß ich ihr von Euch nichts mehr sage, sie spricht, daß sie mit Recht drum zürnen müsse, weil Ihr sprecht, Ihr hättet Euren Finger um sie verloren, und es sei doch nicht wahr, sie wisse daß Ihr den Finger noch habt, und daß Ihr nur ein wenig wund geworden; mit losen Worten hätte ich ihr von Euch gelogen, und darum haßt sie mich; zwar gönnt sie Euch den Finger wohl, nur ist sie über die Lüge erzürnt.« Ich dachte: will mir meine Frau um meinen Finger gehaß sein, dann kann wohl Rath werden, da er mir doch etwas gekrümmt ist, ich schlage ihn ab und sendte ihn ihr, so müßt sie es doch wohl glauben, daß er verloren sei, wenn sie ihn selbst sieht. Da ging ich von den Boten weg, wo ich einen biedern Mann fand, der Herr Ulrich von Hasendorf genannt war, der war mir immer zu Diensten bereit, den bat ich um seine Treue, daß er mir meinen Finger abschlüge. Er sprach: Nein, Herr, so wäre ich wohl ohne Sinne, und thäte ich eine große Missethat, übereilt Euch nicht, Euch so zu verderben. Ich sprach: ich lasse es nicht, wie ich auch daran zu Schaden komme, bin ich Euch aber je lieb gewesen, so sollt Ihr es jetzt erzeigen und mir den Finger abschlagen, denn ich habe ihn ungern; thut es darum, denn es ist ein Freundes Dienst. – »Ich thu alles, was Ihr wollt, denn ich habe Euch mir zum Freund erwählt und bin Euch mit Diensten unterthan.« Da nahm ich sein Messer und setzt' es auf meinen Finger und sprach: nun schlage zu, biedrer Mann! Er schlug, und der Finger sprang ab. Die Wunde blutete kräftig, da kam mein züchtereicher Bote zu mir und sprach: was thut Ihr? Ihr habt Euch den Finger abgeschlagen? O weh, so muß ich trauern, daß ich jemals ein Wort zu Euch gesprochen habe. – »Freund, zürne nicht und bringe ihr meinen Finger und sage ihr von mir, daß ich ihr alle meine Jahre mit rechten Treuen diene, und will sie mir es nicht danken, daß ich sie vor allen Frauen zur Liebe habe erkohren, so ist es eine Missethat.« – »Mir ist leid, daß Ihr es gethan habt, da es aber einmal geschehen ist, so richtet eine Botschaft mit süßen Worten und sendet sie ihr, und auch den Finger durch mich, ich gehe gern, und Gott gebe, daß es Euch wohl gerathe.« – Alsbald begann ich zu dichten ein viel gefüges Büchlein, mit diesem sandt' ich den Finger hin, wo die Süße war, man band das Büchel in einen grasgrünen Sammt, dann ließ ich von einem Goldschmied zwei goldene Bretlein wirken, darin band man das Büchel, und was die Sperre sollte sein, das waren zwei kleine Hände gar löblich gemacht, und darein machten wir den Finger. Hierauf bat der Bote Urlaub, er ritt von mir, und als er zu der Guten kam, nahm er heimlich das Büchlein und ging mit großen Sorgen zu ihr hin. Sie sprach: ich will dich doch grüßen, wie du mich auch erzürnt hast, und hast du etwas Neues zu sagen, so erlaube ich es dir. – Ja, Fraue, sprach der Bote, mein Herr hat Euch hier ein kleines Büchlein gesandt, das auch seinen Finger bringt. Der Bote gab ihr das Büchlein, und da sie den Finger ersah, sprach die reine Gute: O weh, das ist eine große Geschicht! die Dummheit hätt' ich ihm nicht zugetraut, daß je ein verständiger Mann so was thun würde. Sie machte das Büchel auf und fand darin geschrieben, wie ich ihr immer mit Treue dienen wollte: Ihr sollt hören wie es sprach.   Das zweite Büchlein.             O weh, Minne, wo ist dein Rath? Wie rechte nahe es mir gaht, Daß du mir so lange Frist Fremde und also ferne bist, Mit tröstlicher Lehre Und doch mit Herzens-Schwere Mir also rechte nahe liegst, Und mir nichts als Kummer gibst: Des mag sich wohl deine Güte schamen, Du kränkest deinen süßen Namen, Da du doch Minne bist genannt, Und doch gegen mir hast gewandt So gar unminnigliche Sitte, Da kränkest du deine Ehre mitte; Du ehrest manchen falschen Mann, Der dir nicht danken kann, Und übersiehst an Ehren die, Die von dir wankten nie: Das ist an mir wohl worden Schein, Ich war stets der Diener dein, Und will halt, wie es mir ergeh, Bei dir beleiben immermeh, Nu bist du Lohnes gegen mir zu las, Du möchtest einen Heiden bas Besorgen und bedenken; Wie lange willst du wenken Deine tröstliche Hülfe an mir? Nu hätt' ich doch empfohlen dir Viel ferne auf die Genade dein Den kleinen gefügen Boten mein, Den ich zu Boten über Land Der werthen Reinen hätte gesandt, Der minniglichen Guten, Der werthen Hochgemuthen, Der Hohen, der Werthen, Der werthesten auf Erden, Ich meine die werthe Fraue mein, Der Ritter ich soll immer sein, Und immerdar viel unterthan, Dieweil ich Leib und Leben han, Demselben armen Boten mein Solltest du Geleit gewesen sein, Und ihn zu Hofe haben bracht, Und daß er selber wär' unverdacht, Des solltest du ihm durch deine Ehre Beweiset haben deine Lehre, Da ließest du ihn unterwegen, Davon ist danieden gelegen Die Botschaft und alle meine Ehre, Verschmähet allzusehre Und verführet in manchen Spott Ward die Botschaft und der Bot, Was aber er verwendet habe Meiner langen Ungehabe Und meiner Herzens-Schwere, O weh, das ist ein' Märe, Das ich wohl sanft entbehre. War aber ihm dort gescheh'n Leides und Schmäh 'n, Das konnte ich erfinden hie Mit keiner Frage nie, Nur daß ich Leid und Ungemach Wohl an seinen Geberden sach, Und daß ich ihn seit nimmermeh Mit keiner Bitte, keiner Fleh, Mit süßem Wort, mit scharfer Droh Weder so noch so Erbitten noch erzwingen kunnte, Daß er noch zu einer Stunde Zu Hofe wäre wieder kommen, Und das hätte allda vernommen Wie man mein da gedächte, Ob mich meine Fraue zu Aechte Oder zu Banne hätte bracht, Oder was ihr wäre gegen mir gedacht; Da bracht' er mir ein' Märe, Daß ein Zweifelere Viel leichte möchte erschrocken sein, Eine Rede die mir die Sinne mein Hätte verirret und all den Muth, Nur daß ihre Güte ist also gut, Was sie gegen mich auch sprechen kann, Da soll ich nimmer nicht an Verdenken noch versinnen, Als nur Gnade und Minnen: Sollt' ich durch fremden Gruß verzagen, Sollt' mich ein Wörtern verjagen Von meiner hohen Hoffnung hin, So hätte ich nicht Herze noch Sinn; Sollt' ich also kehren Von meinen besten Ehren, Die ich zur Welt haben soll, Wie könnte mir danne gelingen wohl, Wie sollt' ich, Armer, dann leben? Wollt' ihr mir solchen Rath geben, Herzens-Meisterinne, Ich meine Euch, Frau Minne. Das vertraue ich Euern Gnaden nicht, Daß ihr der werthen Zuversicht, Die ich gegen meine liebe Fraue han, Mich jemals heißet abe gestahn, Wann das, so folg' ich eurer Lehre Noch Eurem Rathe nicht mehre, Denne einem sehr tobenden Mann Der Rath und Sinne nie gewann, Und bitt' mir also helfen Gott. Daß mir mein selbes Bot In meinem sehnenden Ringen Je durfte bringen Von meiner Frauen Märe So gar untröstebere: Er hätt' es so theuer Gebüsset in dem Feuer, Daß er wäre gar verbrannt, Nur das er meiner Frauen Hand Viel kürzlich hat gerühret, Er wäre also zerführet Recht wie die Läuber thut der Wind Immer wenn sie gewalket sind, Und daß er so wohl vor mir genas (Wie nahe ihm der Tod was) Das danke er nur der Frauen mein, Hiemit soll sie geehret sein. Wenn es mein Feind wäre, Der mir Herzens-Schwere Thät ohne alle Schulde, Dem wollt' ich durch ihre Hulde Erbieten Dienst und Ehre, Geruhte sie's, die Here; Nu geruhet sie aber, die Reine, Leider allzukleine, Treue und Dienste von mir, Selge Minne, das klag' ich dir, Und bitte dich, Fraue here, Rathes und Lehre, Der bedarf ich beider sehre. – »Und könnte ich, wie dein Kummer staht, Freundeslehre und Freundesrath Auf ein so freies Leben Nach meinem Willen wohl geben, So helfe mir Gott, den gebe ich dir, Und wolltest du's vertrauen mir Ich weiß nicht Rath so gut Als Treue und steten Muth Gegen werthes Weibes Hulden, Damit mag man verschulden Ihren Freundesgruß, ihre Herzensgunst; Beßre Lehre und beßre Kunst, Bessern Rath und beßre Sinne Zu werben werthe Minne, Die waren stets unternommen, Wie man soll bas zu Heile kommen, Denne daß man werthen Weiben sei Mit Treuen stetes Dienstes bei, Und alles das viel unverzaget, Damit man ihre Gunst erjaget, Das ist wohl die viel werthe Ritterschaft, Damit man mit der Tugende Kraft Allen Schanden widersteh, Ich weiß nichts so Gutes meh, Dasselbe das war stets mein Rath, Seit der Rath dein Herze hat So komm des Rathes nimmer abe, Und wie ich dir gerathen habe, So habe in stetem Muthe Den Rath in steter Huthe, Daß du dem besten Weibe, Ihrem Herzen und ihrem Leibe Deine Zeit und deine Jahr Lebest sonder Wanken gar, Wird sie, die reine Gute, Die minniglich Gemuthe, Stetes Muthes an dir gewahr, Kannst du's also bringen dar, So kann sie, die Here, Freude, Selde und Ehre Dir fügen immermehre. Nu klagest du aber den Boten dein, Es soll ihm misseboten sein Mit Schmähen also sehre, Daß er seit nimmermehre In keinen Stunden sider Gewagt zu kommen wieder: Das solltest du wohl nur mäßig klagen; Um einen gar verzagten Zagen, Laß dir's nicht wesen schwere, Ich sage dir wohl eine Märe, Daß derselben Boten sind Brüder und Bruderkind Wohl dreißig in dem Lande, Daß man ohne Angest sandte Ihr jeglichen über tausend Land, Du hast ihn doch in deiner Hand, Und mag er's selber hören wohl, Ob ich's von ihm sprechen soll: Der dir zu Boten rechte tog Ist, der kein Wort noch log. Noch auch lüget um ein Haar Und sollt er leben tausend Jahr, Denselben sollt du senden dar, Und sage ihm deinen Willen gar, Und doch nicht anders meh, Denn wie dein Wille steh, Ich meine den Willen in dem Herzen dein, Dabei laß dir verboten sein Lügen und Schmeichen, Das pflegen die Muthes Weichen, Damit sollt du nicht werben, Du mußt fürwahr verderben, Willt du der Guten lügen Und sie mit Worten trügen. Trügen? Warum sprichest du das? Du weißt es wohl, und Niemand bas, Wie sie mein Herze meinet Und nach ihren Hulden weinet, Wie nach Troste kleine Kind Die dürftig und Waisen sind, Wer die tröstet, der thut gut; Nu bin auch ich mit sehnendem Muth Und mit kümmerlicher Schwere, Weiß Gott, viel waisenbere, Und ist auch Niemand der mir sei Mit Troste in meinen Schmerzen bei: Vielleicht wär' es irgend wer, Nur daß ich keinen Trost begehr Von Niemand in der Welt meh (Warum ich nimmer froh besteh) Als nur von ihr, von ihrer einer Güte, Sie eine mag mein Gemüthe Trösten und enttrösten so, Daß ich bin nimmermehre froh, Oder immermehr an Freuden todt, Erkennte aber sie die sehnende Noth, (So recht erkenn' ich sie für gut) Daß sie etwas aus süßem Muth Mich tröstete in meiner Schwere, Und wenn ich ein Heide wäre, Sie müßte mich genießen la'n, Daß ich sie aus all' der Welt han Und auserwählt aus allen Frauen, Daß ich ihr so ganz will vertrauen Das Herze mein und all' den Leib Sie reine Süße, selig Weib Sie Fraue ob all' den Freuden mein, Ließe sie mich ihren Waisen sein Und tröstete mich an Waisen statt! Weil mich aber Glückes Rad Von hohem Muthe zucket Und mich mit Sorgen drücket, So bleibt nur dieses fort mein Los, Es ist mein sehnender Kummer groß, Waisen-Kummers Hausgenoß. Also beraubt ihr, Minne, mich Immerdar und so sorge ich Wie ich ihr bewähre Das rechte wahre Mähre, Daß ich ihr ohne argen Sinn So rechte gar einfältig bin, Daß Wanken und Lügen Schmeichen und Trügen, Und was den Muth von Stete nimmt Und gegen Frauen nicht geziemt, Daß ich das nie gegen sie gewann: Ich bin ihr treuer Dienstmann, Des sende ich ihr ein treues Pfand, Ich sende ihr aus meiner Hand Meiner Finger einen, (Und möcht' ich ihr bescheinen Mein minnigliches Meinen bas, So helfe mir Gott, ich thät das, Der ist in ihrem Dienste verzehrt, Mir ist der Wille viel unerwehrt, Ich wolle ihr, weiß Gott, soll ich leben, Viel mehre noch des Zinses geben, Ich meine Gut, Herze und Leib, Sie reine süße selig Weib, Sie Frau ob all' den Freuden mein, Sie müsse mir gnädig sein. Der Finger, den ich habe gesandt Aus meiner dienenden rechten Hand, Der war zu Dienste ihr geboren, Nu ist er in ihrem Dienste verloren, Drum mag er sie wohl reuen, Denn er hat ihr mit Treuen Gedient bis an sein Ende, Ich hab ihn aus meiner Hände Ihr um anders nicht gesandt, Denn daß er meiner Treue Pfand Gegen sie immer mehr sei, So daß ich alles Falsches frei Gegen ihr sei dieweile ich lebe, Und daß ich ihr die Jahre mein gebe Zu Dienste immer sonder Wank, Das ist mein Muth und mein Gedank Mit Treuen immer sonder Krank. Viel werthe Minne, nu bitt' ich dich Um deine Tugend, daß du mich Dir lassest wohl empfohlen sein Gegen der viel lieben Frauen mein. Nu fahr mit meinem Boten dar, Und hilf ihm, daß er sich bewahr Mit Fuge, mit Rede als er soll, Du magst mir allda helfen wohl. Wenn sie vernimmt den Boten mein, So soll da so deine Hilfe sein, Und soll aufschließen mir das Thor, Da ich bin lange gewesen vor, Und kann auch nimmer kommen drinn, Mir helfe drinn dein gütlich Sinn, Ich meine ihre Herze, das ist versparrt Und vor mir mannichfalt bewahrt, Da sollt du um mich kommen für, Und schließ auf dir und mir die Thür, Und hilfest du mir, Fraue, darinn, Dein eigen ich da immer bin, In dem Himmelreiche Wäre ich gewißliche So gerne nicht, das ist also, Mein Muth müßte steigen immer hoch, Sollte ich darinne Gesinde sein In dem Herzen der Frauen mein, So wär' ich alles des gewährt, Das mir der Muth zu Freuden begehrt, Ich wär' selig, ich wär' reich, So lebte nicht Mannes mir geleich, Ja ich will auf die Treue mein Ihr immer darum dienend sein, Daß sie mich in ihres Herzens Grund Hause, mir ist fürwahr das kund, Daß nie Herze so reines ward Noch vor Wandel das bewahrt, Denn ihr Herze wandelsfrei Ihr ist so hohe Tugende bei, Daß ich ihr Hulde immer begehr. Nu hilf mir, Minne, daß sie mir gewähr Ihre Hulde durch den Willen dein Und auch durch den Dienst mein, Der soll ihr immer stete sein. – »Gut Ritter, Freund, glaube das, Könnte ich dir wohl helfen bas Als ich noch je half Rittersmann, Der seine Dienste mir wandte an, Das thät ich dir mit Treuen gar; Da du mir dienest deine Jahr, So will ich auf die Treue mein Hinfahren mit dem Boten dein, Zu deiner Frauen wandelsfrei, Und will ihr nahe wesen bei, Wenn dein Bot wirbet die Botschaft, So will ich so mit meiner Kraft Schließen auf ihr Herzensthor, Du sollt nicht lange sein davor, Wir wollen da Gesinde sein In dem Herzen der Frauen dein. Da finden wir Gesindes viel, Des ich ein Theil dir nennen will, Zucht und weiblich Güte, Scham und gut Gemüthe, Sanfte Sitt' weiblich Gelasse, In allen Dingen rechte Maße, Würdigkeit und Ehre, Hoher Tugend Lehre, Süße Grüße, göttliche Wort, Liebliche Blicke, Freuden Hort, Ich wäre an guten Witzen blind, Wollte ich die Tugenden, die da sind, Alle nennen sonderlich, So wäre ich nicht wohl sinnenreich Nicht mehr ich davon sprechen soll, Ihr Herze ist aller Tugend voll, Darinn soll'n wir Gesinde sein, Ich und der Geselle mein, Das kann sie nicht verweigern mir, Ich helf uns drin dir und mir.« – Viel süße Minne, nu lohn' dir Gott, Daß du willst selber sein mein Bot, Hin zu der lieben Frauen mein, Das will ich immer dienend sein Mit mannicherhand Ritterspiel, Soll ich Euch beiden dienen viel, Dir und meiner Frauen, Man soll mich ofte schauen In Euerm Dienst den Harnisch an, Mit Treuen soll das sein gethan, Was ich so minnegehrender Mann Mit Leibe mit Gute dienen kann, Den Dienst thu ich allezeit Mit lauterlicher Stetigkeit, Denn ich bin zu Dienste Euch geboren, Und hab' zu Freuden Euch erkoren, Das hat die Treue mein geschworen. Da sie das Büchlein gelesen, sprach sie: Bote, was soll ich dir sagen? Mir thut das Sterben des Fingers weh, doch nicht aus Liebe zu deinem Herrn, sondern nur, weil er so spricht, er habe ihn durch meine Schuld verloren.« – »Als ich neulich von Euch schied, Frau, und ihm sagte, daß Ihr mir darum gehaß wäret, weil ich Euch gelogen, daß er um Euch seinen Finger verloren, da ging er alsbald von mir und bat einen Ritter. daß er ihm den Finger aus der Hand schlug.« – »Nun reite zurück und sage ihm, er möchte den Frauen nur noch das dienen, als da er den Finger noch hatte, den will ich hier in meiner Lade behalten, daß ich ihn alle Tage sehe; und sage ihm, höfischer Knabe, daß ich den Finger hier behalte, das thue ich nicht auf solchen Muth, als wenn ihm sein Dienst gegen mir auch nur um ein Haar helfen sollte, denn wenn er mir tausend Jahr diente, so wäre sein Dienst doch verloren.« Mit dieser Rede kam er zu mir, und da ich diese Botschaft vernahm, hatte ich hohe Freude, daß sie meinen Finger dort behalten. Ich sprach zum Boten: ich muß darum von Herzen froh sein, denn wenn die Gute den Finger sieht, so muß sie doch an mich gedenken. Nun sollst du mir rathen, Bote, wie ich ihr wieder diene, daß es sie gut dünke, und gewiß thut sie mir aus ihrer Güte endlich noch Gnade. Ich sage dir, was ich erdacht habe. In der Weise einer Frauen will ich um sie nach Preis ringen, und so will ich mit Ritterschaft fahren von dem Meere bis nach Böheim, ich will mich aus dem Lande fortstehlen und meine Fahrt vor allen Leuten verbergen, und das soll in diesem Winter sein, als ein demüthiger Pilger will ich fahren, der um Gott nach Rom geht, dann zu Venedig so lange verborgen sein, bis des Maien Schein wieder kommt, und dort will ich mich bereiten, recht wie eine Königin soll, minnigliche Frauenkleid will ich anlegen, und nach St. Georgen Tage will ich mich am andern Morgen auf die Fahrt machen von dem Meer zu Meisters; welcher Ritter dann mit mir ein Speer versticht um seine Frauen, dem will ich ein Fingerlein von Gold geben, auf den Muth, daß er es der gebe, die ihm die Liebste sei. – »Herr, verendet Ihr die Fahrt an Leib und Gut glücklich, so wisset, daß nie Ritters Leib bas fuhr; es wird eine ritterliche Fahrt, nur sollt Ihr das wohl verhüten, daß Euch Niemand unterwegen kenne.« – »Bote, ich will wohl die Fahrt so fahren, daß Niemand wissen soll, wer ich bin, ich will wie ein Weib gekleidet sein, und Niemand soll mich seh'n, denn ich will mich so verbinden, daß nimmer Jemand meinen bloßen Leib beschaut, mein Antlitz und meine Hände sollen ganz verborgen sein. Fahre du aber, Bote, zu meiner Frau und sage ihr, wie ich um sie fahren wolle, bitte sie, daß sie mir erlaube, ihr so zu dienen, wie ich den Willen habe.« Der Bote fuhr zu meiner Frau, er erzählte ihr meine Fahrt und sprach: wenn Euch sein ritterlicher Dienst nicht behagt, so ist das groß Unbilde. Sie sprach: Bote, diese Fahrt ist ihm gut, er wird solchen Lohn d'rum haben, daß ihm die Biedern hold werden, wenn es ihm auch nicht gegen mich frommt, so ist es ihm doch löblich. Der Bote kam mit Freuden zu mir zurück. Da fand er mich bei der Muhr zu Liechtenstein , ich freute mich als ich ihn sah und sprach: wohlgezogner Knabe, sage mir ob meine herzgeliebte Frau wohl ist, so bin ich fröhlich. Er sprach: sie ist schön und wohl und entbietet Euch, die Fahrt sei Euch gut, wenn sie Euch auch nicht gegen ihr zu statten kommt, sie ist Euch sonst löblich und ehrenreich. Ich war über diese Botschaft froh, daß ihr meine Fahrt gefiel. Ich war sehr bald bereitet zu der ritterlichen Fahrt, ich hub mich als ein Pilgrim vom Lande und nahm Tasche und Stab von einem Priester, als wenn ich wollte nach Rom fahren. Zehntes Capitel. Wie Ulrich in Weise einer Königin mit Ritterschaft durch die Lande fuhr. Ich kam bald nach Venedig , wo ich Herberge nahm ferne von den Leuten, daß mich Niemand dort erkennen sollte. Hier lag ich den Winter und ließ mir Frauenkleider schneiden, zwölf Röckel wurden mir bereitet. Und dreißig Frauen-Aermel an leinen Hemden, dazu gewann ich zween Zöpfe, die ich mit Perlen wohl bewand, deren da wunder viele feil waren, man schnitt mir auch drei weiße Mäntel von Sammt, die Sättel waren silberweiß, an die der Meister großen Fleiß mit Arbeit legte, darüber Decken von weißem Tuch, lang und meisterlich, auch waren die Zäume köstlich. Für zwölf Knappen schnitt man von weißem Tuche gutes Gewand, man machte mir auch hundert silberweiße Speere, alles, was die meinen führten, war weiß wie Schnee, mein Helm war weiß und weiß mein Schild, aus fünf Stücken weißen Sammt ließ ich mir drei Decken schneiden zu Wappenkleiden auf meinem Rosse, mein Wappenrock mußte ein wohl gefaltenes Röckelein sein von kleinem weißen Tuche. Mein Roß brachte man mir heimlich durch die Land, alle meine Knechte mußten von fremden Landen sein, die sich auch sehr beflissen, meine Fahrt zu verhehlen. Als ich und die Meinigen bereitet waren, da sandte ich durch einen Boten einen Brief in die Land, durch welche ich fahren wollte, ich ermahnte den Boten, mich gegen Niemand zu nennen. In diesem Briefe war meine ganze Fahrt meisterlich beschrieben und wo ich des Nachts in der Herberge sein wollte. Als der Bote abgereiset war, blieb ich noch dreißig Tage, der Brief aber lautete: Die werthe Königin Venus , Göttin über die Minne, entbietet allen den Rittern, die zu Lamparten und zu Friaul und zu Kärnthen und zu Steyr und zu Oesterreich , zu Böheim gesessen sind, ihre Hulde und ihren Gruß und thut ihnen kund, daß sie um ihre Liebe zu ihnen fahren will, und will sie lehren, mit wie gethanen Dingen sie werther Frauen Minne verdienen, oder erwerben sollen. Sie thut ihnen kund, daß sie sich hebet des nächsten Tages nach St. Georgen Tage aus dem Meer zu Meisters , und will fahren bis hin zu Böheim , mit so gethanen Dingen: welch Ritter gegen sie kommt und ein Speer wider sie entzwei sticht, dem gibt sie zu Lohn ein gulden Fingerlein, das soll er senden dem Weibe, die ihm die liebste ist, das Fingerlein hat die Kraft, welcher man es sendet, die muß immer desto schöner sein und muß sonder Falsch minnen den, der es ihr gesandt, stichet meine Frau Venus einen Ritter nieder, der soll an vier Enden in die Welt neigen, einem Weibe zu Ehren; sticht aber sie ein Ritter nieder, der soll alle die Rosse haben, die sie mit sich führt. Sie fährt des ersten Tages zu Tervis , des andern Tages an den Plat , des dritten Tages zu Schetschin , des vierten Tages zu St. Ulrich , des fünften Tages zu Clemun , des sechsten Tages zur Clause , des siebenten Tages zu dem Thor , des achten Tages zu Villach . Da liegt sie den neunten Tag stille. Des zehnten Tages zu Feldkirchen , des elften Tages zu St. Veit , des zwölften Tages zu Frisach , des dreizehnten Tages zu Scheuflich , des vierzehnten Tages zu Judenburg , des fünfzehnten Tages zu Chnütelfelde , des sechszehnten Tages zu Lioben , des siebenzehnten Tages zu Kapfenberg , des achtzehnten Tages zu Murzuslage , des neunzehnten Tages zu Glockenz . An dem zwanzigsten bleibt sie da den ganzen Tag. An dem einundzwanzigsten Tage ist sie zu Neuenkirchen , an dem zweiundzwanzigsten Tage ist sie zu der Neuenstadt , an dem dreiundzwanzigsten Tage ist sie zu Dreskirchen , an dem vierundzwanzigsten Tag ist sie zu Wien. An dem fünfundzwanzigsten Tage bleibt sie da liegen. An dem sechsundzwanzigsten Tage ist sie zu Neuenburg , an dem siebenundzwanzigsten Tage ist sie zu Mistelbach , an dem achtundzwanzigsten Tage ist sie zu Felsberg , an dem neunundzwanzigsten Tag ist sie an der Tyne zu Böheim . Da hat ihre Fahrt ein Ende. Sie will auf der Fahrt ihr Antlitz noch ihre Hände Niemand sehen lassen, sie will auch wider Niemand ein Wort sprechen. Sie gebietet von dem Tage, wo ihre Fahrt ein Ende hat, am achten Tage ein Turney zu Neuenburg . Welcher Ritter ihre Fahrt vernimmt und gegen sie nicht kommt, den thut sie in der Minnen Achte und in aller guten Weibe Aechtung, sie hat ihre Herbergen darum alle anschrieben, daß ein jeglicher Ritter wisse, wenn oder wo er gegen sie kommen soll, daß es sich ihm zum Besten füge. Wo dieser Brief in die Lande kam, waren die Ritten fröhlich, denn die deutschen Lande stunden so, daß Niemand ehrenreich war, der nicht ritterlich fuhr und durch Frauen hochgemuth wurde, das war damals Sitte, und wäre gut, es wäre noch. Die Ritter bereiteten sich, und so hatte ich mich auch bereitet. Ich erhub mich am nächsten Tage nach St. Georgen eines Morgens sehr früh; die Leute liefen viel herbei, und um mich ward ein großes Gedrang. Mein Marschall und mein Koch ritten selb fünfe vor, von denen ward mein Gemach bereitet, nachdem sah man ein Banner führen, weiß wie ein Schwan, neben welchem zween Mann ritten, die laut in die Posaunen stießen, ein großer Schall ward zu Meisters . Drei Saum-Pferde zog man mir nach, denen drei Garzune beiliefen, nach diesem drei bedeckte Rosse, deren jegliches ein Knappe pflog, auf jedem lag ein Sattel, der war stark und silberweiß, von einem guten Meister bereitet. Bei dem Rosse führte man meinen weißen Schild, der nicht besser gemacht sein konnte, auch meinen lichten Helm, der meisterlich gekrönet war. Dann schlug ein Holiblaser einen Sumber, nach diesem ritten vier gut gekleidete Knechte, deren jeder in seiner Hand drei große zusammengebundene Speere führte. Nach diesen ritten zwei Mägde, alles was diese antrugen war von weißer Farbe, nach ihnen ritten zwei gute Fidelar, die mich hochgemuth machten, denn sie fiedelten eine fröhliche Reisenote. Hierauf folgte ich selbst zu Pferde, in einem gut geschnittenen Kappemantel , der von weißem Sammt war, ich führte einen klaren Hut, mit weißen Perlen bestreut, zween braune, große und lange Zöpfe schwankten mir bis über meinen Gürtel, die waren auch mit Perlen bewunden, dann trug ich ein Röcklein, wie keine Fraue nie ein besseres gewann, ich führte ein blankes Hemde, so lang als das Röcklein, daran zween Frauen-Aermel, auch seidene Handschuh. So hub ich mich von dem Meer, und gar viele Leute folgten mir nach. Da hieß ich fragen, ob jemand Ritter da wäre. Sie sprachen: liebe Fraue, ja, wohl tausend sind hie, die es ungerne lassen, daß sie mit Euch stechen, nur erlaube es ihnen der Podestat nicht, der von Tervis , denn dieser sagt, wer mit Euch ein Speer versticht, der müsse ihm fünftausend Pfund geben, er ist ein so zorniger Mann, daß er auf keine Freude achtet, man ihn auch nur selten lachen sieht. So zog ich von Meisters fort nach Tervis . Dorthin war ein Graf mit fünfzig Rittern gekommen, es war von Görz der Graf Meinhard . Als der Biedre vernahm, daß man mich nicht stechen ließ, sprach er: wie ist das gekommen? Man sagte ihm, der Podestat habe es verboten; das ist eine Missethat, sprach der ehrenbegierige Mann, sollen wir denn keine Freude haben? das wollen wir besser versuchen. – Sogleich setzte er sich auf sein Pferd und ritt mit vielen Rittern hin zum Podestat und sprach: Herre, Ihr sollt uns mit Eurer Huld hie froh sein lassen, darum bitte ich Euch. Der sprach: ich verwehre Euch keine Freude, wo es ohne Schaden geschieht, das gönne ich Euch sehr wohl, nur will ich auf keine Weise, daß Jemand hier in Tervis in ein Wappenkleid komme, es sind zu viele Gäste hergekommen, darum will ich es nicht gestatten, daß Jemand hier Harnisch anlege, ich wäre wahrlich selbst ein dummer Mann, wollte ich die Dummheit hier gestatten, es könnte leicht Schaden geschehen, darum erlaube ich es nicht. So schied er mit Zorne von dem Podestat und ritt in die Stadt, wo viele schöne Frauen waren, denen klagte er: Ihr schönen Frauen, laßt Euch um Euren reinen süßen Muth geklagt sein, daß mir der Podestat versagt hat, daß er uns hier nicht will stechen lassen, das geschah doch sonst wahrlich keinen Ritter zu Tervis, er fürchtet, es komme der Stadt zu Schaden, weil zu viele Leute hergekommen sind. Die Frauen sprachen: dies soll abgewandt werden, wir wollen ihn bitten herzukommen, wir glauben nicht, daß er uns abschlägt, was wir ihn freundlich bitten. Mit höf'schen Sitten ritt schnell ein Ritter zu ihm hin, indeß kam auch ich mit Schalle durch die Stadt gezogen. Um mich war großes Gedränge, und so zog ich in meine Herberge. Der Podestat kam indeß zu den Frauen, da grüßte ihn manch rosenfarbner Mund, er neigte ihnen züchtiglich, die schönen Frauen sprachen: Ihr sollt uns gewähren, was wir allgemein von Euch bitten, Ihr sollt der Königin ihr Spiel hier lassen, damit wir Ritterschaft sehen. Er sprach: ungern versag ich Euch was, ich will dem Grafen um Eure Bitte hie zwei Speer erlauben. Da trat mit züchtiglicher Sitte Herr Leutfrit von Eppenstein herfür und bat um einen Speer, und er sprach: das will ich Euch nicht versagen, mehr aber geschieht wahrlich nicht. Mit Freuden wappnete sich der Graf, er ward ritterlich geziemirt, sein Wappenkleid war köstlich, sein Helm war licht von Gold und hart wie ein Adamas, um den war von Federn ein Kranz, an den Federn hingen viele Silberblätter; der Schild war gehalbirt, das Obertheil war blau, wie ein lichter Sapphir, darauf war von Gold ein gekrönter Löw geschlagen, des Krone von edlen Steinen voll war. Das Hintertheil glänzte von Chelen-Roth, Weiß von Härmlin war zu acht Stücken meisterlich geschnitten, auch war darauf mit Porten Weiß, Roth, Gold, Blau, wohl ausgenommen. Sein Wappenrock und seine Decke waren von grünem Sammt, darauf waren Schilde gestreut, seine Speere waren grün wie Klee; er führte einen glänzenden Gürtel und Heftelein, sein Halsberg und seine Hosen glänzten von blankem Stahl, an den Beinen trug er zwei goldene Sporen. Es saß der Milde auf einem schnellen und guten Rosse, das in Sprüngen durch die Stadt fuhr, alle riefen: weicha! weich! So kam der Freche ritterlich. Ich war auch bereitet in meine weißen Wappenkleid, mein Helm war auch gekrönt mit einer glänzenden Krone, meine langen Zöpfe schwankten auf den Sattel, ein Netz von Perlen war ihr Dach, wodurch sie schienen, ich führte ein weißes Röckel, in welches Frauen mit großem Fleiß die Falten gelegt hatten, mein Gürtel war dreier Finger breit und mit Gold beschlagen, ein köstlich Heftlein von Gold führt' ich vorn an meinem Busen. Ich ritt ein schnelles und starkes Roß, das war mit weißem Sammt verdeckt, die Decke war lang und weit und meisterlich geschnitten, mein Schild war silberfarb, meine Speere waren weiß, leuchtend mein Harnisch. So kam ich durch die Stadt, in allen Gassen war großes Gedränge: in kleinen Sprüngen sprang mein Roß. Der Podestat von Tervis gebot mit Fleiß, daß man uns einen Ring räumte, das war aber nur verloren, denn es waren so viele Leute gekommen, daß man uns auf keine Weise einen Ring in der Stadt machen mochte, wir konnten kaum zu einander kommen, auf einer Brücke sah ich den Hochgemuthen, von der Brücke trieb der Podestat die Leute, daß ihrer nur wenige darauf stehen blieben, auf dieser mußten wir tyostiren, und mancher rosenfarbne Mund sprach uns Segen nach. Da ich ihn so schön kommen sah, nahm ich mein Roß mit Sporen, so that er dem seinigen, und wir kamen zusammen, als wenn wir zu einander flogen, unsre Augen trügten uns nicht, unser beider Tyost gerieth recht da, wo sich Schild und Helm scheiden, die Speere krachten, und die Splittern flogen. Die Schild rührten einander. Der Tugendreiche band den Helm ab, und so auch ich; sandte ihm ein goldnes Fingerlein, das er seiner Frauen geben sollte, die ihm die liebste vor allen Weiben sei, dabei sollte sie seinen treuen Muth erkennen. Herr Leutfrit von Eppenstein kam ritterlich geziemirt gegen mir, der starke Mann war des Gutes reich und wohl bekannt an der Mure, er führte ein großes rothes Speer in seiner Hand. Ich dachte, daß ist ein starker Mann und wohl geübt in Ritterschaft. Da machte ich den Puneis lang, ihm sank sein Speer allzu niedrig, und er stach mein Roß durch den Hals, ich brach den Speer auf seiner Brust, mein Roß sprang vor Schmerzen hoch, und ich mußte absitzen. Der Tag war auch vergangen, und die Ritterschaft mußte ein Ende haben, ich fuhr in meine Herberge; gern wären mir alle die Herren gefolgt, um mich zu sehen, das wurde aber vermieden; denn ich ließ mich auf der ganzen Fahrt von keinem Manne sehen. Am andern Morgen als der Tag erschien, und ich noch in meinem Bette lag, waren wohl zwei hundert Frauen vor meine Herberge gekommen, um zu erfahren, wann ich in die Kirche gehen würde. Einer meiner Knechte sah die Frauen, und sprach zu mir mit Züchten: viel liebe Fraue, ich meine Euch edle Königin, ich weiß nicht, ob Ihr wißt, alle Frauen aus der Stadt sind daher gekommen, Ihr lieget allzulange. Da ich das hörte, legte ich schnell Kleider an meinen Leib, wie sie ein werthes Weib wohl mit Ehren tragen mag, ein blankes kleines Hemde, zu Maßen lang, daran zwei schöne Ärmel waren, darnach ein Röckel, das war klein und weiß wie ein Schwan, und einen weißen Mantel von Sammet, darin von Gold manch schönes Thier gewirkt war, meine Haube war auch gut, aus der meine Zöpfe hingen, die zum Theil mit Perlen bewunden waren, mit einem guten Risen verband ich mich, damit Niemand von mir sehen sollte als nur meine Augen. Ich setzte einen Pfauen-Hut auf, zween Handschuhe trug ich an meinen Händen, und so ging ich in hohem Muthe hin, wo mich mancher rothe Mund mit Gruß empfing, sie sprachen: Gott willkommen, Königin Venus! Da erhub der Graf von Görz einen Buhurt, er ritt vor uns Frauen mit Kunst nach ritterlichen Sitten daher, der Buhurt ging in Quere hierhin und dahin, fünf hundert Ritter waren wohl auf den Buhurt gekommen, da hörte man das Stoßen von Schilden und das Krachen von Speeren, die Rittern waren unmüßig um die reinen süßen Weib. Ich bat sie, den Buhurt zu lassen, das wurde auch schnell gethan. Da ich zur Kirchen ging, nahm eine Gräfin meinen Mantel und hielt ihn über mein Gewand empor, so führte sie mich zur Kirche, ich nahm den Dienst in hohem Muthe an. Eh ich zur Kirche kam, hatte mein Kammerer einen schönen Teppich genommen und einen weichen Polster, das lag über einem Stuhl, worüber ich mich zu neigen pflag. Ich bat Gott, daß er durch seine Güte möge meiner Ehre pflegen. Ein Pfaffe sang eine schöne Messe, groß Gedränge war um mich von Frauen, als ich zum Opfer gehen wollte, man hieß die Leute aufstehen, ich that dreist mein Opfer. Da ich vom Opfer kam und man das Pace hertrug, wurde genug gelacht, denn ich nahm das Pace von einem Buch, so mit verbundnem Antlitz, wie es sich doch nicht ziemte, so bot ich es der Gräfin, die Hochgeborne sprach: Ihr sollt die Risen wegnehmen, denn so geziemt mir das Pace nicht. Im Augenblick nahm ich die Risen vom Munde, worauf die Schöne lachte und sprach: Wie nun? Ihr seid ein Mann, das seh ich wohl; was thut es? der Kuß soll doch geschehen, ich will um alle guten Weib Euch küssen, weil Ihr Frauenkleider angelegt habt, so soll Euch mein Kuß nicht versagt sein. Da sie das Pace von mir empfing, und der süße Kuß geschah, so wurde ich davon sehr hochgemuth. Die Messe war nun gesungen, und ich und manche schöne Fraue gingen von der Kirche, ein großes Gedränge war überall in den Gassen, ein großes Schallen von Posaunen hörte man vor uns, und alles war froh uns zu sehen. Ich kam vor meine Herberge und nahm schön Urlaub von mancher minniglichen Frauen, mit süßem reinen Herzen baten sie, daß Gott mein pflegen möge; und davon habe ich seitdem viel Glück gewonnen, denn Gott kann guten Frauen nicht versagen. Manch hochgemuther Ritter bat den Podestat, daß er mich mehr stechen ließe; das geschieht nicht, antwortete er, wer mit ihm tyostiren will, der ziehe mit ihm, bis an den Plat , das will ich erlauben. Ich speiste und befleißigte mich dann, schön durch die Stadt zu reiten. Mancher werthe Mann begleitete mich zu Pferde. Elftes Capitel. Das Stechen an der Plat, zu Clemun, und zur Clause. Die achte Tagereise bis zu Villach. Mit Freuden zog ich an den Plat , an einer schönen Stelle sah ich Herrn Reinprecht von Murecke halten, er diente vielen genehmen Weiben und lag darum selten allein. Von guter Seide führte er ein Hemde, weiß wie der Schnee, er führte nicht anders Harnisches als Schild, Helm und Speer, so kam er hergestapft, sein Roß war mit Sammt verdecket. Ich bereitete mich schnell in meine weißen Wappenkleid, ich band den Helm auf und nahm ein weißes großes Speer. Er kam her geleisiret, sein Speer war leuchtend von Gold, das schlug er unter seinen Arm, das meine setzte ich auf mein Diech, er stach sein Speer durch meinen Schild, das von der Tyost nur wenig brach, mein Speer neigte sich nicht, und so erging der Tyost beiderthalb ritterlich. Da gab ich dem reichen Mann ein goldnes Fingerlein, er dankte dafür. Nun bestand mich Herr Herman von Plintenberg , und drei Wahlen, die ritterlich ritten und nicht fehlten. Jeglichem gab ich ein Fingerlein, ich verstach die vier Speere. Darauf zog ich schöne nach Schetzin , wo ich die Nacht bleiben wollte. Da ward ich wohl empfangen, die Fenster waren voll Frauen, die mich alle grüßten. Ich blieb die Nacht da, und als der Tag erschien, hub ich mich wieder gewappnet auf meine Fahrt. Vor einem wunniglichen Foreis wartete mein der Graf von Görz mit manchem Manne, zwölfe sah ich unter Helmen, da sprach ich zu den Meinen, ich sehe hie Ritter, die Tyostirens begehren. Gleich saß ich auf mein Roß und vergaß des Schildes nicht, den Helm band ich zu Haupt und nahm ein Speer in die Hand. Sie rannten gegen, der Graf verstach ein Speer auf meinem Helm, das meine zerbrach an seinem Halse. Sieben Speer wurden da auf mich verstochen, eilf Speere wurden von meiner Hand da ritterlich verschwendet, fünf Ritter verfehlten mich, denen gab ich auch keine Fingerlein. Ich band meinen Helm ab. Indeß erhub sich auf dem Felde hier und da mancher Tyost, der Graf von Görz stach einem Ritter seinen Helm ab, ein schönerer Tyost konnte nicht gesehen werden, denn der Ritter blieb kaum sitzen. Wohl hundert Ritter hatten da ritterliche Arbeit, um die Weib und um ihre Ehre. Die Ritterschaft zerließ sich nun, und sie zogen mit mir an dem Tage bis zu Sanct Ulrich , da wollte ich mein Gemach haben. Am andern Morgen wappnete ich mich schnell und zog mit weißen Speeren auf das Feld: einer war unter den Rittern, von dem hatte ich vernommen, daß er Kleinod von Frauen mit sich gebracht habe, der hieß Herr Otto von Spengenberg , der zog mir nach wohl geziemiret, sein Ziemir gab lichten Schein, um seinen Helm führte er ein Risen. Wir führten beide starke Speer, da wurde der Puneis lang gemacht, denn er wollte mich fällen, ich dachte auch: ich will diesen Mann so treffen, ob er kann sitzen bleiben. Er trieb mit Sprüngen eilig gegen mich, sein Speer war gesenkt, ich warf mein Roß etwas von ihm zurücke, weil ich im Sinn hatte, den Mann zu fällen, dann trieb ich wieder auf ihn, und mein Tyost blieb an seinem Halse, wovon der hochgemuthe Mann beinah einen Fall hätte nehmen müssen: er verstach auf mir ein großes Speer, und von unser beider Speere Krachen sah man die Splittern hoch auffliegen, Zaum und Stegereif entwischte ihm, er faßte den Sattelbogen, dabei richtete er sich wieder auf, sonst wäre er nieder gefallen. Mit ihm stach ich selbst sechst, daß nie ein Fehler geschah, ich gab ihnen allen Fingerlein, band meinen Helm ab und zog gegen Clemun . Da hatte sich ein Ritter schön gegen mich auf den Plan in einem wonniglichen Gezelt gelegt, der war Herr Mathie genannt, auf Ehre stund sein Sinn: er hatte eine minnigliche Magd gegen mich geschickt, die führte in ihrer Hand ein Speer, ritt ein schönes Pferd und trug sehr gut Gewand. Die Schöne sprach aus rothem Munde: Gott, willkommen Königinne Venus, Herr Mathie hat Euch durch mich entboten, daß Ihr, Frau, ihm auch ohne Streit willkommen seid, denn er sieht Euch von Herzen gerne, er hat Euch durch mich dieß Speer gesandt, daß Ihr es auf ihn verstechen sollt, das hieß er Euch durch mich viel züchtiglichen bitten, nun nehmt es, so lieb Euch alle Frauen sein. Ich nahm das Speer williglich, dankte der Botschaft und hieß die minnigliche Magd sagen, ich wäre bereit, alles zu thun, was sie mir gesagt. Die Magd dankte und ritt in hohem Muthe von dann. Da wappnete ich mich und band den Helm zu Haupt, ich nahm Speer und Schild, da kam auch der Ehrengehrende über den Anger gestapft, er führte an seinem Speer ein gutes Risen und ein Schapel auf seinem Helm, das von Gold und Perlen lichten Schein gab, er mochte der wohl zu Diensten leben, die ihm das Kleinod geschenkt hatte. Wir waren jetzt so nahe gekommen, daß es Zeit war zum Buneiz, jeder befließ sich, daß er schöne geritten käme und nicht fehlte, wir trieben nun mit den Sporen zusammen, und die Speere blieben nicht ganz; es geschah ein schöner Tyost, ich stach ihm den Helm vom Haupte, und die Risen an seinem Speer vorn blieb in meinem Schilde, sein Tyost bohrte mir weite Lücken oben, wo des Schildes Rand mir deckte das linke Achselbein. Sein Helm war ihm schnell aufgehoben, und ich sah noch sechs Ritter geziemirt gegen mich traben, jeglicher führte ein Speer, die wurden von mir angerannt, ich vermißte keinen, ihrer trafen mich aber nur viere. Die zween, die mein da vermißten, waren traurig, der Wirth selb fünfte holte da die Fingerlein. Ich band den Helm vom Haupte und ritt in meine Herberge, wo ich gut Gemach fand. Am Abend sah man die Ritter mit einem wonniglichen Buhurt kommen; da ward ritterlich geritten vor meiner Herberge, es konnte kein Buhurt schöner sein: da saß ich in einem Fenster und sah die Arbeit der Ritter, ich war wonniglich gekleidet, recht wie eine Königin. Des Buhurts war nun genug, und aus meiner Herberge gab man den Rittern des guten Weines viel, denn nach Arbeit trinkt mancher Mann gern, ich hieß ihnen schenken in Köpfen, in Näpfen und silbernen Schalen, da neigten sie mir alle und fuhren in ihr Gemach. Da hätte mein Kammerer vier meiner Röcklein zur Wäsche gegeben, das ward eine edle Fraue gewahr, und alsbald sandte mir das schöne Weib ein Röckel, sie gebot der Wäscherin auf ihren Leib, daß sie es verbürge unter meine Röckelein, darin war ein Brief, ein Gürtel und ein Schapel gebunden; so empfing es mein Kammerer, und wurde dessen nicht inne, worüber er nachher Verdruß hatte. Als der Tag gekommen war, hörte ich Messe, darnach ließ ich mir mein Wappenkleid anlegen, meine Posauner bliesen mit Schalle eine süße Weise, damit thät man den Rittern kund, daß ich bereitet wäre: mancher hochgemuthe Mann wappnete sich, in den Gassen trug man Schilde, Helme und Speere. Da zog ich für die Stadt. Herr Mathie hatte sein Gezelt mir wieder in dem Weg aufgeschlagen, er hielt da vor dem Gezelt schöne geziemirt auf dem Plan, da stapfte ich zu ihm, und er nahm sein Roß mit beiden Sporen, da ward ein Tyost so ritterlich und so wonniglich geritten, daß ich nie es schöner habe gesehen, die Schild kluben sich von der Tyost, und hoch flogen die Splittern von den Schäften. Da waren auch aus der Stadt wohl dreißig Ritter gekommen, da nahm man die Rosse mit Sporen, und mancher schöne Buneiz ward geritten. Da lag das Feld voll Splittern; mit elf Rittern stach ich, auf welche ich neun Speere verstach, zweie verfehlte ich, darauf band ich meinen Helm ab. Sieben Fingerlein gab ich dahin, die sie wohl verdient hatten, die vier, deren Speer ganz blieben an dem Tage, waren zornig, daß sie mein verfehlt hatten. So zog ich von Clemun, und mancher Ritter nahm Urlaub von mir mit höflichen Sitten, nur drei ritten mit mir, das war von Liunz Herr Heinrich und zwei Wahlen, deren Nahmen ich nicht kenne, es waren aber zwei biedre Mann. Zur Clause hätte ich zu Nacht mein Gemach. Am andern Morgen stach ich mit dem von Liunz ritterlich, er und seine Gesellen verdienten drei Fingerlein, das geschah ohne Fehlen. An dem Tage zog ich bis zum Thor . Dort fand ich keine Ritterschaft, denn der werthe Fürst von Kärnthenland gewann mit seinem Heer in dieser Nacht ein Haus, Golberg , das hieß er ganz zerbrechen. Am andern Morgen hub ich mich früh von dem Thor, da hatte sich auch der Fürst von Kärnthen schon auf einen grünen Anger gelegt, er lag des Imbiß wegen da, was er immer gern auf dem Grase pflog. Bei ihm lagen wohl hundert Ritter. Da ich ihn so vor mir liegen sah, sagte ich aus hohem Muthe: ich sehe dort Ritterschaft gegen mich liegen, deß bin ich von Herzen froh. Da hieß ich meine Posauner blasen, ihr Blasen erscholl laut und süße. Da der Herzog und die Seinen den Schall von den Posaunen erhörten, sprachen sie: wer zieht da zu uns? Man sagte: die Königin fährt daher, wie ihr ihre Briefe habt gehört. Sie sprachen: die sei willkommen, wir sollen sie hie schöne empfangen. Der Fürst und seine Gesellen hießen mich willkommen sein, sie riefen: Buge waz primi gralva venus! Sie hießen mich fragen, ob ich tyostiren wolle, ich sprach Ja. Da wappnete sich mancher biedre Mann, und fünfzig waren bald in ihren Harnischen, die alle tyostiren wollten. Der zuerst gegen mich kam, war ein biedrer Mann, er hieß der schöne Herman von Osterwitz , seine Tapferkeit war weit erkannt. Wir beide ritten einen schönen Tyost; weicha. weich! rief man dort und hie: man sah die Speer auf beiden Helmen brechen, und das Feuer sprang aus den Helmen. Man gab mir ein ander Speer, und mein Herr Chol von Finkenstein kam gegen mich, der konnte wohl tyostiren, denn er verstach einen Speer an meinem Helm, das meine zerbrach an seinem Schild. Fünfzehn Speer wurden da auf mich verstochen, ich verstach achtzehn Speer, worauf ich meinen Helm abband. Ich gab denen funfzehn Fingerlein, die sie verdient hatten, worauf ich mit Freuden nach Villach zog, durch das Rasttal . Der Fürst aus Kärnthenland zog mit mir, und zu Villach ward mancher Speer verstochen. Zwölftes Capitel. Reise nach Feldkirchen und Sanct Veit. Die zwölfte Tagereise zu Frisach. In der Nacht hatte ich zu Villach gut Gemach, am andern Tage hörte ich eine schöne Messe, ich hatte wonnigliche Frauenkleid an mich gelegt, und so ging ich nach der Kirche, worüber mancher Mann lachte. Nachher wollte ich mich gut ziemiren, und so schaute ich alle meine Röcke an und fand einen fremden Rock darunter. Da sprach ich zu meinem Kammerer: Wer hat dir dieß gegeben? Er sprach: Fraue, das weiß ich nicht. – »Das wäre eine wunderlischicht, wenn dir einer dieß Röcklein ohne dein Wissen gegeben hätte. Ich band das Röckel auf und fand einen Gürtel drinn, ein Schapel und ein Heftlein, die alle drei sehr schöne waren, auch lag ein deutscher Brief dabei. Darüber wurde ich sehr zornig, ich sprach: glaube mir, dieß Kleinod bringt dir Unheil! Er sprach: liebe Fraue, laßt Euer Zürnen sein, weiß ich, wer es mir gegeben hat, so laßt es an mein Leben gehen. Ich ließ mir den Brief schnell lesen, welcher so sprach: Venus, viel edle Königein, Gruß und all' den Dienst mein Entbiet' ich Euch, gar sonder Wank, Euch sollen alle Frauen wissen Dank, Daß ihr durch unsre Würdigkeit An Euch gelegt habt Frauenkleid, Und damit ehret alle Weib, Des wird getheuert Euer Leib. Ihr sollt von mir empfahen Mein Kleinod sonder Schmahen Das ich zu Lieb' Euch hab' gesandt, Ich will Euch bleiben unbekannt, Um meine Ehre und um anders nicht, Und wo Euch Ehre und Liebe geschicht Des bin ich inniglichen froh, Mein Muth der steht gegen Euch also, Gott müsse Euch Leibes und Ehren pflegen Auf Euern ritterlichen Wegen, Mit Treuen geb' ich Euch den Segen. Als ich den Brief vernahm, kam ein Bote, der sprach: edle Königin, Ihr sollt jetzt gewappnet sein, die Ritter sind schon bereit und ziehen auf das Feld. Ich wappnete mich alsbald in meine weißen Wappenkleid und zog auf das Feld, wo ich wohl vierzig Ritter fand. Herr Swikker von Frauenstein führte gegen mich ein starkes Speer, das er mir auf der Brust verstach, mein Speer blieb eben so wenig ganz. Da kam gegen mich ein biedrer Mann, Rudolf von Rase , ein edler Ritter, der nie Fußbreit aus der Bahn der Ehren trat, der reine Hochgemuthe stach mir meinen Helm ab, und ich verwundete ihn am Arm, das that mir sehr leid. Nun ward auf dem Felde hie und dort viel tyostiret, das Feld lag der Splittern voll. Ich verstach da funfzehn Speere, dann zog ich in meine Herberge und gab zwölf Fingerlein denen, die sie verdient hatten. Dann entwappnete ich mich und kleidete mich als ein Weib, in einem Fenster saß ich da, und vor mir erhub sich ein Ritterspiel, es wurden da wohl funfzig Speer vor mir verstochen, welches auf dem Markt geschah. Nun ward es Abend, und da sie vom Morgen bis zum Abend Ungemach gehabt hatten, sah mancher die Nacht sehr gern, welcher müde war, mancher wollte den Frauen gern noch mehr dienen, was der Abend da hinderte. Als der dritte Tag erschien, zog ich nach Feldkirchen , und wohl zwanzig Ritter folgten mir. Die Ritter von dem Lande zogen mir entgegen, geziemirt und gewappnet, unter ihnen mein Herr Gotfrid von Havenenburg und auch sein Bruder Herr Arnold , von den beiden wurden zwei Fingerlein geholt. Dann kam von Treven mein Herr Chol , Herr Bernhard und auch Herr Ulrich , auch Herr Zacheus von Himelberg , weit von seinem Gesang bekannt, der hatte ein Mönchskleid über seinen Harnisch gelegt, eine schwarze Kappe, und hatte auf seinem Helm ein Haar, dem war eine breite Platte geschoren. Er hatte einen theuern Eid gethan, daß er die Königin niederstechen wollte. Elf Ritter kamen da gegen mich, auf die ich zehn Speer verstach, ihrer jeglichen brach auch seinen Speer auf mich. Da das der Mönch gewahr wurde, kam er gegen mich auf den Ring. das war aber umsonst, mir ward der Helm abgenommen, und ich ließ ihm sagen, da er Mönchskleid an habe und auch Mönch statt Ritter wollte sein, so wollte mit ihm die Königin nicht Ritterschaft pflegen. Da ritt ich in meine Herberge, wo mir ein gutes Gemach bereitet war. Als der andere Tag erschien, schied ich von dannen und zog bis St. Veit . Als man dort meine Ankunft erfuhr, warteten die Ritter nicht lange, sie ritten mir entgegen, und ich ward als ein Freund von ihnen empfangen. Ich ritt in die Stadt und ließ den Rittern sagen, wer mit mir tyostiren wolle, der solle sich wappnen. Alle wappneten sich freudig, wohl fünfundzwanzig werthe Ritter. Auch ich ward mit Fleiß gewappnet, eine neue silberweiße Decke ward auf mein Roß gelegt, ein weißes Röckel war mein Wappenkleid, und so saß ich zu Rosse. Ich zog auf das Feld, da kam ein biedrer Mann gegen mich, mein Herr Rinher von Eichelsberg , wir fehlten nicht und ritten eine schöne Tyost, die Splittern flogen hoch. Dann bestand Herr Conrad von Lebnach , darnach Herr Chune von Bridberg , der immer mit dem Leibe Ritterswerk that, niemals aber mit dem Gute, wie mancher Landsmann von ihm sagt; dann von dem Berge Herr Jakob , und auch Herr Conrad von Teinach , mein Herr Rudelin von Musberg , Herr Gundacker von Frauenstein und auch Herr Heinrich von Greifenfels . Es kam auch gegen mich Wulfing von Gurnetz und Herr Heinrich von Grauenstein , mit denen ich zwei Speere verstach; indem war auch der Mönch mit einem neuen Speer wieder gekommen, da ich ihn gegen mich halten sah, sprach ich in Ungemüthe: wahrlich, ich steche gegen Euch nicht! Sogleich band ich den Helm ab und fuhr in meine Herberge, wo ich die Nacht gut Gemach hatte. Am andern Tage bereitete ich mich wieder auf die Fahrt und hieß die Ritter fragen, ob einer tyostiren wolle. Da waren am Morgen sechs bereit, sogleich nahm ich ein Speer, und gegen mich ritt Herr Ortolf von Osterwitz , die Splitter sah man fliegen, und die Speere brachen an beiden Hälsen. Herr Wichard von Carlsberg kam nur mäßlich gegen mich, wovon sein Speer auch ganz blieb, Engelram von Strasburg fuhr ritterlich gegen mich, und unser Tyost ging recht; da kam ein werther Ritter, Herr Engelbrecht von Strasburg , da kam auch Herr Sigfrid , den man den Sachsen nannte, und der zu Kärnthen wohl bekannt war, ein höf'scher Mann. Der Mönch kam in Mönches Weise wieder und wollte an mir Preis erjagen, da sagte ihm mein Bote von mir, so lange er Möncheskleid führte, würde ich mit ihm nicht stechen. Der Mönch sprach aus hohem Muthe: so fahr ich ihr doch immer nach, wohin sie immer fährt, sie muß mit mir tyostiren, das kann nichts anders, als der Tod hindern. Da ritten die Ritter alle zu mir und sprachen mit Züchten: Fraue, Ihr sollt uns das gewähren, was wir Euch bitten, daß Ihr mit diesem Mönche hier ein Speer verstecht, welche Kleider er auch trägt, da sein Muth auf Ehre steht. Ich sprach: da Ihr es so züchtig begehrt, will ich es Euch gewähren. Ich ließ mir ein Speer geben und machte den Puneiz lang, denn ich war ihm von Herzen gehaß, ich hatte recht den Willen, ihm seinen Helm zu treffen. Er verstach sein Speer ritterlich, auch traf ihn meine Hand so, daß er hinter das Roß fiel und sinnlos da lag, der Fall that mir wenig leid, und der Biedre mußte noch Spott dulden. Ich hatte ihm durch den Helm gestochen und gab ihm und den andern vierzehn Fingerlein. Damit ritt ich mit Freuden von dannen und kam an dem Tage nach Frisach . Dort war mancher gute Ritter, der meiner wartete; ich ward von ihnen minniglich empfangen, und schon vor der Stadt ritten sie mir entgegen. Sie fragten züchtiglich, ob ich des Tages da stechen wollte, ich sprach Ja, da baten sie mich allgemeine, daß ich bis zum Morgen früh warten möchte. Was ihr geliebet, soll geschehen, sprach ich, und fuhr in meine Herberge, vor der großes Gedränge von einem Buhurt wurde, es wurde künstlich und ritterlich geritten, man sah viel Schilde brechen, das Spiel wurde bis auf den Abend getrieben, daß die Rosse schäumten. Als der Abend kam, mußten sie ihren Buhurt lassen. Dreizehntes Capitel. Reise nach Chnütelfelde, Lioben, Chapfenberg, bis Murzuslage, die achtzehnte Tagereise. Die Nacht nahm ein Ende, da wappnete ich mich, so thaten die Hochgemuthen, ich zog aus das Feld, sehr fröhlich, daß ich meiner lieben Frauen wieder dienen sollte. Auf dem Felde hielt Herr Conrad von Medekke , der rannte mich ritterlich an, sein Puneis war schöne und lang, er trieb sein Roß mit den Sporen und dachte auf Frauenlohn, er verstach ritterlich sein Speer, daß ich es an meinem Halse empfand, ich machte ihm in seiner rechten Hand eine Wunde, was mir inniglich leid that, denn er war ein mannlicher Ritter. Herr Otto und Herr Dietrich von Buches fehlten beide meiner, worüber sie zornig wurden, daß sie die Fingerlein verloren hatten, denn sie warben mehr um Gut als um den Sold der Minne. Mit sieben Rittern stach ich und zog von dannen, fünf Fingerlein gab ich ihnen. Man sah mich gegen Scheuflich reiten in das werthe Steyerland , neunzehn Ritter ritten mit mir und nur fünfe warteten meiner, die ritten mir mit freundlichem Gruß entgegen. Gott willkommen, Venus, edle Königin, zu Freuden in dies Land! Da neigte ich züchtiglich. Ich blieb die Nacht in Scheuflich, und am andern Morgen wappnete ich mich, so thaten auch die Ritter, die tyostiren wollten. Da kam aus dem Felde wohl geziemirt gegen mich ein biedrer Mann, Herr Ilsung von Scheuflich , der immer nach Ehren und Rittersnamen rang, er führte wohl fünfhundert Schellen an sich, sein Roß sprang in kleinen Sprüngen, laut erklang sein Ziemir, Silber und Gold war aus rothen und grünen Zendal geschlagen und glänzte so licht, daß um den Rhein kein Ritter schöner geziemiret ward, als mein Landsmann. Er führte in seiner Hand ein Speer, daran viel kleiner Schellen hingen, er nahm sein Roß mit den Sporen und stach mir meinen Schild vom Arm, daß alle Riemen wie von einem Donnerschlag brachen, der Tyost erklang, mein Schild fiel hin, auf seiner Achsel zerbrach mein Speer, wie man einen großen dürren Ast von einem Baum abreißt. Nie hab' ich jemals von einem Tyost einen so großen Krach gehört, weit weg stoben seine Schellen, die Schilde zerkluben sich. Nach diesem schönen Tyost stach ich noch mit vier Rittern und gab ihnen fünf Fingerlein, sie sprachen; wahrlich, diese Königin fährt eine schöne Fahrt, Gott hat sie bisher geschützt, der müsse ihrer ferner pflegen. So zog ich im hohen Muthe nach Judenburg . Ich wünschte, daß meine werthe Fraue meinen Muth zu ihr erkennen möchte, und daß sie mir dann gnädig wäre. Zu Judenburg empfing man mich freundlich, ich hatte die Nacht gut Gemach, und als der Tag kam, wappnete ich mich und fuhr geziemirt auf das Feld, da hatten sich auch neun Ritter schön gegen mich geziemirt, auf die ich neun Speer ohne Fehler verstach, drei verfehlten da meiner, und ich gab sechs Fingerlein. Freudig hob ich mich dann gen Chnütelfelde zu Thal an der Mur hin. Am andern Tage verstach ich zwei Speer und gab zwei Fingerlein. Nach Lioben ritt ich und fand da wohl zwanzig Ritter, ich ward von ihnen minniglich empfangen und dankte ihnen freundlich. Ich ritt in meine Herberge und als am Morgen die Sonne aufging, hörte ich in der Gassen den Ton von Floyten, die Ritter zogen schön geziemirt auf das Feld, in leuchtenden Wappenkleidern. Ich wappnete mich in ein Wappenkleid weiß wie ein Schwan und fuhr mit zehn Speeren auf das Feld. Da kam gegen mich mein Herr Dietmar von Steyer , wir trieben eilig die Rosse auf einander, und die Speere fielen als kleine Stücke in das Gras. Ritterlich kam dann gegen mich Herr Sifrit von Torsiol , unsre beiden Speere krachten und die Splittern flogen. Dreizehn Speere wurden da auf mich verstochen, und ich verfehlte dreier Tyoste, dreizehn Fingerlein gab ich hin. Von Lioben zog ich zu Thal hinab, wo die Murz ihren Fall hat in die Muhre , das ist ein fischreiches Wasser, bei dem ritt ich zu Berge unter eine Burg, die sehr hoch liegt, welche Chapfenberg heißt und im Steyerlande wohl bekannt ist. Auf der saß ein Wirth, der immer den Muth hatte, alles Lob zu erwerben, das einem Ritter geziemt, er war milde, kühn und wohlgezogen, der hieß Wulfnig von Stubenberg , er war reich au Leuten und an Gut und lebte löblich. Als der ehrbegierige Mann meine Ankunft hörte, sprach er: die edle Königin soll mir willkommen sein. Der Hochgemuthe ließ meinen Boten verkünden, daß sie ihr kaufen sein ließen, er sprach: die edle Königin soll es von mir hier nehmen. Da man sie nicht wollte kaufen lassen, wollten die Boten fortgehen, er sprach: nein, Ihr sollt hier bleiben, da Eure Fraue auf ihrer Fahrt so gemuthet ist, daß sie nichts umsonst nehmen will, so kauft nur so viel Ihr immer wollt, sie sollte aber lieber bei mir hie sein, denn ich gebe ihr gerne. Mein Schaffer sprach: das lohne Euch Gott, denn ihr Muth steht so hoch, daß sie uns auf das Leben verboten hat, etwas anzunehmen, das man ihr umsonst geben wolle. Da hieß der Hochgemuthe alsbald meinem Wirthe kund thun, so lieb ihm das Leben sei, sollte er mir den Kauf so geben, daß er für das, was drei Mark werth war, nur einen Pfennig forderte. Da meinem Schaffer dieser Kauf bekannt ward, ritt er eilig von dannen, der Biedre sandte ihm wieder nach und sagte: wo willst du hin? – »Von hier, denn der Kauf ist hier allzugut.« – Da lächelte der edle Mann und sprach: ich sehe wohl, ich muß durch Zucht Euch ganz Euren Willen lassen, oder Ihr bleibt nicht hier, schafft es nun, wie Ihr wollt. Damit ritt er fort und empfing mich ritterlich. Mit ihm kamen wohl dreißig Ritter zu Rosse, gekleidet nach Ritters Sitten, niemals ward ich besser empfangen, als wie mich der Tugendreiche empfing. Nach dem schönen Gruße ritt ich in meine Herberge, wo ich die Nacht Gemaches pflog. Am andern Tage ward ich wohl geziemirt, und mein minnebegehrendes Herze war hohes Muthes; auf dem Felde hielt köstlich geziemirt der von Stubenberg gegen mich, sein reiches Wappenkleid glänzte wie die Sonne, er ritt mir seinen Tyost so nahe, daß der Stoß kaum vermieden wurde, beide Speere bohrten ein Loch durch die Schilde, laut erklang der Tyost, und die Splittern fielen nieder, und zum Theil die Schilde, beide Arm hatte Male, und einige Ring vom Harnisch waren verschnitten. Alle, die die Tyost mit angesehen hatten, sagten, sie wäre ritterlich geritten. Da band der von Stubenberg seinen Helm ab und forderte ein Fingerlein von mir, das gab ich ihm mit Freuden. Darnach verstach ich noch zwölf Speere, und es geschah nach meinem Willen, daß ich keines Tyostes verfehlte, auch fehlte von den zwölfen meiner keiner, und ich gab ihnen zwölf Fingerlein. Dann ritt ich mit Urlaub gegen Chinnenberg , da saß ein biederer Mann, Otto von Buchawe , weit durch Zucht und Mannheit bekannt. Sein Bote ritt mir eine Meile entgegen und sprach: viel edle Königin, Euch heißt in diesem Lande ein wendisch Weib willkommen, die will sich mit Ritterschaft auf dem Plan gegen Euch versuchen, wenn Ihr es ihr vergönnt, denn ich sage Euch fürwahr, in diesem Thal ist kein Ritter gesessen, der der Tyost pflege, darum will sie mit Speeren gegen Euch kommen, und durch Eure hohe Würdigkeit sollt Ihr ihr Tyost gewähren. Ich lächelte und hieß den Boten sagen, daß ich wohl schon gegen Weib getyostirt hätte, daß ich aber dann keinen Harnisch angetragen und wäre von ihrem Tyost doch wohl gewesen; ihr Tyost thut so wohl, daß sich Niemand gegen sie wappnen darf. Der Bote sprach: Ihr habt Euch als ein Weib gekleidet und tragt doch Harnisch darunter, so besteht Ihr manchen Mann, darum will meine Frau gegen Euch nicht ohne Harnisch sein, sondern mit Harnisch Euch ritterlich als einen Mann bestehen. Ich sprach: Herr Bote, ich will Euch sagen, vor allen Männern bin ich Magd und bin den Weiben mit großen Freuden beigelegen, ist Euere Frau wirklich ein Weib, so kann ich ohne Harnisch wohl ihre Huld verdienen. Da sprach der Bote, so sei es Euch denn bekannt, meine Frau ist ein hochgemuther Ritter und hat sich als ein Weib gekleidet, er ist ein minnebegehrender Mann und hat oft sein Leben um die minniglichen Weib gewagt. Ich sprach: wenn Eure Frauen ein Mann ist und er mich durch seine Würdigkeit bestehen will und Weibskleid angelegt hat, so bin ich das inniglich froh, und ein Tyost wird ihm gewährt, da er ihn auf so schöne Weise bittet. Damit ritt der Bote von mir und sagte seinem Herrn, daß ich ihn mit Tyost bestehen wollte. Da wappnete sich der biedre Mann in einen leuchtenden Harnisch, sein Helm glänzte, auf dem war ein weiter Ring gemacht und köstliche Ohrenringe hingen vom Helme herab, er führte zween blanke Zöpfe, deren Länge auf dem Sattel schwankte, er hatte eine Godehsen an, das ist ein windisches Weiberkleid, sein Schild war köstlich blau, und Schapel waren hie und da wonniglich darauf gestreut, sein Roß war schön verdeckt mit blauem Zendal, die Decke war voll Schapel gestreut, die leuchteten von allen Blumen, die nur des Maien Zeit gibt, er führte ein großes Speer, ganz mit Blumen umwunden. So kam der Biedre gegen mich; ich hatte indessen auch ein großes Speer genommen, auf zweien schnellen Rossen kamen wir aneinander, so daß die Splittern hoch flogen, die Tyost brach durch die Schilde, daß man es auf beiden Armen sah. Nach diesem kam ein wohlbekannter Ritter gegen mich, Ottaker Träge war er genannt, der rannte mich mit einem Speer an, das unmäßig groß war, was ihm aber wenig frommte, denn ich stach ihm nach meinem Willen das Speer durch seinen Helm ab den Fenstern, daß der Helm an meinem Speer schwebte, und beide Speere blieben ganz; der Helm hatte ihm Nase und Mund bestraufet, daß er nicht mehr stechen mochte. Da kam gegen mich der wohlbekannte Herr Sibot von Reichenfels , sein Tyost und der meine konnten nicht schöner sein. Weiter fand ich da keinen Tyost. Von Puchenowe der Degen forderte da von mir sein Gold und so auch Herr Sibot , ich gab ihnen zwei Fingerlein. Des Trägen ungefüges Speer wurde mir da, das legte ich auf meinen Wagen und gab ihm kein Fingerlein, weil er mein gefehlt hatte. Desselben Tages zog ich nach Murzeslage . Vierzehntes Capitel. Abenteuer in der Neuenstadt; Ulrich kommt nach Dreskirchen am dreiundzwanzigsten Tage seiner Reise. Hier hatte ich die Nacht Gemach, und am andern Tage zog ich über den Semernik gegen Glokeniz , wo ich sechs Ritter fand. Der von Ringenberg verstach da ein Speer gegen mich, darnach stieß ich Herrn Ulrich von Torsewel nieder, als ich von ihm ritterlich angerannt wurde. Darnach verstach ich noch vier Speer, und mehr Ritter fand ich hier nicht. Da ward mir mein Helm abgenommen, ich gab sechs Fingerlein und fuhr in meine Herberge. Da ich entwappnet war, wurde meine Herberge zugesperrt, und mit einem Knechte stahl ich mich von dannen, wo ich mein liebes Gemahl fand, die mich freundlich empfing, sie freute sich, daß ich zu ihr gekommen war. Hier hatte ich mit Freuden gutes Gemach bis an den dritten Tag; als der dritte Tag kam, hörte ich eine Messe und bat Gott, daß er meine Ehre hüten möcht. Minniglich nahm ich Urlaub und ritt mit hehrem Muhe dahin, wo ich mein Gesinde fand. Sogleich ritt ich weiter nach Neuenkirchen . Da empfingen mich die Ritter gar schöne, neune warteten meiner; zuerst kam gegen mich der biedre Ortolf von Grätz , mit einem schönen Tyost verwundete er mich durch mein Schild und Harnisch in die Brust, als ich die Wunde bluten sah, deckte ich das Blut und die Wunde mit meinem Röckelein. Die beiden Brüder, Herr Otto und Herr Heinrich von Püten ritten ritterlich gegen mich, sie vermißten mich nicht, und ich verstach auf sie zwei Speer. Da kamen sechs Ritter gegen mich und ihrer aller Tyost gerieth so, daß die Splittern hoch flogen. Als ich neun Speer verstochen hatte, fuhr ich in meine Herberge, um zu ruhen, dazu machte mir die Wunde Noth; neun goldne Fingerlein sandte ich den Rittern, die es verdient hatten, und ein guter Meister verband mir meine Wunde. Da wurde die Märe kund, daß die Königin von einem Tyoste verwundet sei, so, daß sie nicht mehr stechen möchte; das that den Biedern allen leid. Da ich das hörte, sagte ich: ich will in die Kirche gehen und morgen hie bleiben, um den Leuten zu zeigen, daß mein Leib gesund ist, denn ich bin nur ein wenig verwundet, das will ich den Leuten verbergen und mich so ritterlich stellen, daß es Niemand gewahr wird. Am andern Morgen kleidete ich mich wonniglich als ein Weib und ging so zur Kirchen. Wer mich so hochgemuth zur Kirchen gehen sah, sprach: die Königin ist ja wahrlich gesund. Um mich wurde so großes Gedränge, daß sie die Kirchthür niederdrangen, als ich wieder aus der Kirche ging. Ich hätte gern noch da gestochen, aber ich fand Niemand mehr, und so zog ich mit Freuden hin zu der Neuenstadt . Ich ritt an den Charbach und sah gegen mich herführen ein Banner und wohl zehn Speer, das Banner war silberweiß und darin ein blauer Ember geschnitten, hinter diesem kam ein Ritter, der hieß Herr Berthold ; ich wappnete mich alsbald, band den Helm zu Haupt und nahm ein Speer, da kam er gegen mich als ein ritterlicher Mann, schön und lang war der Buneiz, das Feuer sprang aus beiden Helmen, und beide Speere zerbrachen, er stach mir mit seinem Tyost den Helm am Kinne, daß mir das Kinn vom Blute naß wurde. Ich band meinen Helm fester und das war Noth, denn seine Riemen waren abgerissen. Da kam gegen mich der Herr Wulfing von Horschendorf , auf den ich drei Speer verstach, er verfehlte aber die Tyoste. Darnach bestunden mich fünf gute Ritter, denen der Tyost gerieth. Damit schied ich vom Felde und gab sechs Fingerlein hin, Herr Wulfing erhielt keins, weil er mein gefehlt hatte. Ich zog in die Stadt und hieß meinem Kammerer mir ein Bad außerhalb der Stadt zu bereiten, so daß es Niemand gewahr würde; heimlich begab ich mich dahin und setzte mich in das Bad, wovon ich meine Müde vergaß. Die Bader badeten mich, von denen mich keiner kannte; da geschahe mir im Bade eine wunderliche Geschichte, da wurde mir liebes Leid und freudiges Ungemach von Weiben kund, davon mein Herz verwundet wurde. Mein Kammerer ging von mir nach der Herberge, um mir ein Gewand zu holen; da saß ich allein, gar ohne Gesinde, und ich glaube, was geschehen soll, das füget sich, wie es auch immer mag, denn indem ich so alleine saß, kam ein fremder Knecht zu mir, gut gekleidet, höfisch und klug; der Knappe trug einen guten Teppich, den nahm er und legte ihn vor das Bad, darauf legte er Frauenkleid, ein Risen und ein schönes Nöckelein, dazu ein wonniglich Haftel, ein Schapel und ein Fingerlein, der Stein im Fingerlein war ein Rubin, so roth wie ein süßer Frauenmund, darzu legte er einen Brief, der mit süßen Worten sagte, wer mir die Kleinod sandte. Da ich die Kleinod sah, sprach ich mit großem Zorn: sagt an, wem habt Ihr dies hergebracht? Denn Ihr sollt mir wahrlich glauben, daß ich es nicht annehme, tragt es wieder fort, das ist Euch gut. Der Knappe schwieg und ging, kam aber gleich mit zween andern Knechten wieder, die trugen ihm Rosen nach, von schöner Röthe und frisch geblättert, davon streute er so viele auf mich, daß mich in dem Bade Niemand sah, wobei der Knappe kein Wort redete. Was ich auch zürnte und was ich auch bat, er streute immerdar die Rosen über mich, so viel, daß der Fußboden wonniglich von Rosen gefärbt war. Darnach neigte er mir mit Züchten und schwieg still, was ich auch reden mochte, er war mir ganz unbekannt, und so ging er von mir. Im großen Zorn verließ er mich, da kam mein Kammerer und brachte mir mein Badegewand; da er die Kleinod sah, sprach er: viel edle Königin, was ist dies? Ihr seid mit Rosen bestreut, alles ist hier mit Rosen gefärbt. Ich sprach: Du hast missethan, daß du mich allein gelassen hast, dies alles hat ein Knappe hergetragen, den ich nicht kenne, Rosen, Kleinod und Gewand, er hat es gegen meinen Willen alles zu mir hergelegt; nun reiche mir mein Badegewand, denn ich will ungebadet fortgehen und alles hie lassen. Da sprach mein Kammerer: nein, Fraue, das soll nicht sein, das wäre übel gethan, wenn Ihr die Kleinod hie lassen wolltet, die Bader würden es nehmen und dabei würde es bekannt, wer es Euch aus Liebe hergesendet hat, es ist vielleicht ein so befreundet Weib, daß es Euch an den Leib gehen möchte, drum lasset mich die Kleinod bewahren, und folget meinem Rath, denn er ist Euch gut, bis Ihr endlich erfahrt, wer die Gute sei, die es Euch aus Liebe hergesendet hat, so sendet es ihr dann zurücke, sie ist Euch hold, wie Ihr seht, darum soll man ihre Ehre auch behüten. – »So bewahre es denn so lange, bis mir die Frau bekannt wird, daß ich es ihr dann wieder senden kann, denn ich nehme es wahrlich nicht, um meine Treue nicht zu kränken, denn ich weiß doch, daß Niemand dem andern etwas gegen seinen Willen schenken kann, und meine Sinne wären krank, wenn ich von anders Jemand etwas nähme, als von der, der ich Zeit meines Lebens dienen will. So trat ich aus dem Bade und fuhr heimlich in die Stadt in meine Herberge, ich lachte des Tages nicht viel, denn ich war zornig, mir war leid, daß man mir die Kleinod ohne meinen Willen gegeben hatte; ich dachte hin und her, wer mir die Kleinod gesandt haben könnte, da fiel mir ein: ich will mir den Brief lesen lassen, vielleicht steht es darin geschrieben. Ich ließ mir den Brief lesen, der also sprach: Könnt' ich mit Worten süßen Euch, Fraue, wohl begrüßen, Das thät ich auf die Treue mein, Venus, viel edle Königein, Ich will um Eure Würdigkeit Euch immer Dienstes sein bereit, Das hat verdient wohl Euer Leib, Daß Euch sollen alle werthen Weib Grüßen und auch ehren, Eure Ehre mehren, Ihr habt den Muth an Ehre gewandt: Ich hab' Euch meine Kleinod gesandt Um unser beider Ehre, Und bitte Euch, Fraue here, Daß Ihr es nehmt von mir für gut Durch Euren tugendreichen Muth, Ich hab's Euch nur um Ehre gesandt Und will Euch bleiben unbekannt, Um nichts als um Eure Würdigkeit, Das laßt Euch, Fraue, nicht werden leid, Wann die Selde mir geschieht, Daß Euch mein Auge balde sieht, So thu' ich Euch selber das bekannt, Warum ich Euch habe gesandt Meine Kleinod, liebe Fraue mein. Darnach müßt Ihr befohlen sein Dem, der aller Welt pfliget Und dem Teufel angesieget Hat gewaltigliche, Der nehm' Euch in seine Reiche Und gebe Euch hie Ehren viel, Mit Treuen ich das wünschen will, Mit Herzen und mit Munde, Aus getreuen Herzens Grunde Wünsch' ich, daß ihr wohl hinfahrt Auf Eurer ehrenreichen Fahrt. Als mir der Brief gelesen war, war ich wieder zornig und traurig wie erst, daß die Frau sich in dem Briefe nicht genannt hatte. Die Nacht war mein Gemach, wegen meiner Sorgen, nicht gut, am andern Tage vernahm ich eine Messe und zog von dannen. So fuhr ich gegen Oesterreich. Da ich an die Bistnic kam, sah ich lichte Schilde, geziemirte Helme und weiße Speere scheinen, Ritter kamen mir entgegen, die mich freundlich empfingen, es waren dreißig oder mehr, ihr einer hieß Herr Wolfker von Gors , ein vollkommener Ritter, der sprach zu mir: Frau Königin, ich will eine Bitte an Euch begehren, laßt mich Euer Gesinde sein, Ihr sollt mir Euer Kammer-Amt anbefehlen. Als er noch sprach, ritt der tapfre Gotfrid von Dotzenbach zu mir, der sagte: hört meine Bitte, mich hat mein Herr hieher gesandt, der Euch willkommen heißt, es ist der Dumvogt von Regensburg, der ist Euch zu allen Diensten bereit und bittet Euch, daß ihr ihn, edle Königin, laßt Euern Marschalk sein, um Eure hohe Würdigkeit will er Euch dienen. Ich hieß ihnen beiden sagen, daß ich ihrer zu Amtleuten froh wäre, wer aber mein Amt haben wollte, der müßte es mit Speeren empfangen; auch muß er die Tyost recht thun, denn meine Amt sind ritterlich und geben viel Mühe, mein Amtmann kann leicht die Ehre verlieren, auch kann er wohl hohen Preis erringen, darum darf kein Zager an meinen Hof kommen, denn da gibt es viel Speereskrachen. Da sprach Herr Wolfker von Gors: »Frau, an Eurem Hof wird man ehrenreich, wenn mir Euer Kammeramt wird, will ich ihm, will's Gott, keine Schande machen und es auch mit Speeren von Euch empfangen.« – Ja, das soll zu Dreskirchen geschehen, denn Ihr seid ein so gefüger Mann, daß ich Euch gerne zu Gesinde haben will, auch könnt Ihr Frauen wohl dienen, darum soll man Euch ehren. Darum dankte mir der biedre Mann und ritt hinweg nach Dreskirchen, wo er sein Harnisch und Wappenkleid fand, das legte er schnell an und ward als ein Engel geziemirt. Als er wegritt, sprach der höf'sche von Dotzenbach: hochgelobte Königin, was soll ich meinem Herren sagen, daß Ihr ihm kund thut, denn mein Herr kommt gern früh zu Euch. – »Sagt dem Dumvogt, wenn er um Weib will Preis erjagen, so soll er mein Gesinde sein, will er mein Marschalk sein, so muß er Speer mit mir brechen. Der Höf'sche ritt von mir nach Wien, wo er meine Botschaft mit Züchten seinem Herrn sagte. Der war der Botschaft erfreut und bereitete in der Nacht sich und seine Gesellen mit glänzenden Ziemiren. Indeß kam ich nach Dreskirchen geritten, wo der biedre Mann Wolfker von Gors meiner wartete, er kam gegen mich geritten, und wie die Sonne schien mir sein Ziemir in die Augen. Als ich ihn kommen sah, sprach ich: hier kommt mein Kammerer, der auf Ritterweise mein Amt empfangen will. Da band ich meinen Helm zu Haupte, wir stapften gegen einander, und als wir nahe genug gekommen, nahm ich mein Roß mit den Sporen, und so that er dem seinen, da ward mit Kunst der Tyost so nahe geritten, daß sich die Schilde beide kluben, und daß die Splittern hoch flogen, auf beiden Helmen brachen die Speer. So hatte mein Kammerer von mir sein Amt empfangen. Darnach bestunden mich zehn Ritter, die sieben Speer zerbrachen, denn drei verfehlten mein, diese schämten sich sehr, ich verstach eilf Speere und gab den sieben und auch meinem Kammerer Fingerlein, dem waren alle Biedern hold, ihn liebten die Frauen und alle Welt. Mein Kammerer hatte sich und seine Gesellen sehr wohl gekleidet, selb acht kam er zu Fuß in ritterlichen Kleidern zu mir, er empfing meinen Harnisch, den er säubern ließ; zu Fuße führte er mich am Zaum in meine Herberge, gütlich sprach der Höf'sche zu mir: Fraue, Euch thut gutes Gemach noth. Da gebot er, daß man meine Herberge zusperrte bis zum Morgen früh. Fünfzehntes Capitel. Ulrich empfängt fröhliche Botschaft. Vor Wien zieht ihm der von Lengenbach schön entgegen, sie reiten in Wien ein, die vier und zwanzigste Tagereise. Als der Tag erschien, ward ich wonniglich gekleidet in weiße Frauenkleid; niemals trug ich schöner Gewand, denn ich wußte wohl, daß ich an dem Tage manches süße Weib sehen würde. Als mein Gesinde bereitet war, hub ich mich von dann, der biedere Mann von Gors, mein Kammerer führte mich am Zaum und ging zu Fuß, er hatte sich schön gekleidet. Ich ritt auf die Straße für Malansdorf , da begegnete mir ein Knecht, den ich wohl kannte, mein Bote; ich freute mich, als ich ihn gegen mich reiten sah. Der Höf'sche neigte mir züchtiglich, ich verschwieg aber mein Danken gegen ihn, ich ritt ihm vorüber, er ritt mir nach und sang ein Lied, womit er kund that, daß er mir gute Botschaft brachte. Das Lied klang mir in mein Herze und that mir inniglichen wohl. Ihr sollt sprechen: willkommen! Der Euch Mähre bringet, das bin ich, Alles das Ihr habt vernommen Das ist gar ein Wind, Ihr fraget mich, Ich will den Lohn, ist meine Mähre gut, Ich sage Euch wohl, was Euch sanfte thut. Ich dachte her und hin, wie ich ihn sprechen möchte, ohne daß es Jemand merke; da nahe bei der Straße lag eine schöne Aue, dahin ritt ich, mein Kammerer sagte, daß mir Niemand folgen möchte; sogleich kam mein kluger und höfischer Bote zu mir, ohne daß es Jemand gewahr wurde. In die Aue ritt ich selb fünfe; und stieg nieder auf das Gras, ich ging allein in die Aue, wo ich meinen Boten empfing, ich sprach, du sollt mir willkommen sein. Er sagte: der Gruß ist mir für solche Botschaft zu geringe, kniet Ihr nicht vor mir nieder, so kehre ich mit meiner Botschaft gleich wieder zurück. So wie er die Rede sprach, sah er mich vor seinen Füßen knien, als ob ich mein Gebet spräche. Er sprach: nun steht auf, es hat noch Niemand so hohen Preis getragen, der nicht froh werden müßte, wenn man ihm solche Mähre brächte. Euch gibt Willkommen Eures Herzens Maienschein, die hieß Euch minniglich grüßen, und spricht, sie sei herzlich froh, wenn Ihr freudenreich seid, sie entbietet Euch, daß sie hohes Gemüthe durch Eure Würdigkeit trage, sie nehme Theil an Eurer Ehre und rechne es sich zum eignen Heil, was Euch Ehre geschieht, denn Ihr habt um sie diese Fahrt gethan. Sie hat dieß Fingerlein Euch zu Liebe hergesandt, das hat sie mehr als zehn Jahr an ihrer weißen Hand getragen. Da ich das Fingerlein empfing, kniete ich auf meine Knie nieder und küßte es wohl hundert mal, womit ich ihm meine Liebe kund that, ich sprach: o wohl mir! dieß kleine Fingerlein soll mir immer hohen Muth geben, und gegen alles Trauern gut sein, so lange ich lebe: o wohl mir der wonnevollen Gabe! meinem Herzen muß dieß kleine Fingerlein lieb sein, ich liebe es mehr als alles, was ich habe oder nur gewinnen kann: o wohl mir, daß ich je geboren ward, und daß ich sie zur Fraue erkohren habe, das reine, süße, selige Weib, sie ist meines Herzens Freudenschein, was ich ihr nur immer dienen kann, das hat sie mir so wohl belohnt! Kein Mann trägt so hohes Lob, ihm wäre die Würdigkeit genug, die mir heute geschehen ist. Da sprach mein Bote: Ihr sollt nicht länger bei mir sein, sondern schnell nach Wien fahren, Gott schütze Euch dort, denn die sind sehr muthesreich, die Euer dort mit den Speren warten. Ich sprach: lieber Bote, du sollst ohne Angst sein, wie könnte mir jetzt Leides geschehen, da ich weiß, daß mir meine Frau gnädig ist? Wären ihrer auch jeglicher Drei, so getraue ich sie jetzt mit den Speeren zu bestehen. So schied ich als ein hochgemuther Mann von meinem Boten, ich dachte, ich will denen Ungemach fügen, die sich hie gegen mich wappnen. Ich ging zu meinen Pferden; einer von meinen Knechten sprach: wo seid Ihr denn gewesen, Fraue? Ihr könnt lange Blumen lesen. Ich sprach: Ich habe ein Blümelein gebrochen, daß mein Herz immer froh sein muß; nun reite hin und sage den Rittern, daß sie sich schnell wappnen, ich will meiner Frauen wieder mit Speereskrach dienen, sprich zu ihnen, daß mir der Muth zu Freuden steht. Als der Bote zu den Rittern kam, riefen sie alle: Harnisch her! Sie ziemirten sich, so wie auch ich mich schöne ziemirte; ich nahm ein starkes Speer, da sah ich den biedern Mann von Horschendorf gegen mich kommen, der gern mit seiner Tyost ein Fingerlein von mir verdient hätte, zehn Speere verstach ich auf ihn, er aber verfehlte jeden Tyost, worüber er sehr zornig war, mit seinem zehnten Tyoste stach er meinem Rosse durch das Haupt, daß es kaum davon genas, das that dem Biedern leid. Ich saß auf ein ander Roß, um mehr zu stechen, als Herr Wolfker von Gors, mein Kammerer, zu mir kam und sprach: es soll nicht sein, ich lasse Euch hie nicht mehr stechen. Um seine Bitte ließ ich es. Ich entwappnete mich und legte weiblich Gewand an mich, und so ritt ich gegen Wien mit achtzig Rittern. Ich war hochgemuth, ich freute mich meiner Frauen und des kleinen Fingerleins, das sie mir gesandt hatte. Da ritt mir auf der Straße der ritterliche Thumvogt entgegen, man führte vor ihm ein Banner, weiß und roth gehalbirt, darnach zogen fünfzig Armbrust-Schützen hinter ihm, die trugen alle ihre Armbrüste empor, vor ihnen gingen fünfzig Laufpferde, alle schön und schnell, mit türkischen Sätteln; denen folgten fünfzig wohlgekleidete Knappen, je zween und zween, jeglicher von ihnen führte ein Speer; nach diesen folgte wieder ein Banner, so gefärbt wie das erste, diesem nach zog man fünfzig Rosse und eben so viel Schilde, neu und leuchtend, der obere Theil war Weiß und Blau, der niedre Gold, unter diesem Wappen holte ihr Herr oft den Dank der Frauen. Darnach führte man drei hundert starker Speer, alle Knechte neigten mir und zogen schöne vor mir über: darnach sah man fünfzig Ritter in schönen grünen Mänteln reiten, von denen ich wohl empfangen wurde und denen ich höflichen Dank sagte, ihr Geschmeide klang laut, in dem sie zogen. Nach ihnen ritt der biedre Thumvogt, er trug einen Mantel von Scharlach, darüber einen Hut von Pfaufedern, köstlich mit Perlen geziert, sein Rock war von einem grünen Pfelle, manches Thier von Gold darein gestickt, welches glänzte, an seinen Beinen hatte er zwei schwarze Hosen, ein starkes Pferd trug ihn, das sanft ging, ich habe weder eh noch nachher so schönes Pferd gesehn. Als er zu mir kam, sprach der Hochgemuthe höflich: Venus, viel edle Königin, seid mir willkommen, was ich Euch dienen kann, thu ich mit rechten Treuen gerne. Ich neigte ihm und hieß ihm sagen, daß ich ihm mit Treuen ein holdes Herze trüge, da er durch seine Würdigkeit mir dienen wolle, so stiege dadurch sein Preis so höher. Er sprach: ich will Euch immer dienen, leihet mir Euer Marschalk-Amt, dessen ich mich gern heut unterwinden möchte; ich wollte in der Stadt herbergen, und ich rathe Euch, laßt jeden Ritter von Euch hie Herberge nehmen. Ich sprach: was Ihr gebietet, lieber Marschalk, das soll sein, denn jeder Dienst, den Ihr mir thut, behagt mir wohl, und was Ihr mir Ehren entbietet, damit bereichert Ihr Euch selbst. Damit rannte der Thumvogt gegen Wien, und seine Schützen und Knappen folgten ihm eilig, seine Ritter blieben bei mir, und mit Freuden und Schimpf ward die Zeit vertrieben. Der Thumvogt beherbergte sich in der Stadt gewaltiglich, da war kein Bürger so reich, er mußte ihm die Herberge lassen; da das gethan war, bat er seine Leute, daß sie in der Stadt mit Züchten leben möchten. Als meine Ankunft den Frauen gesagt war, da wurde manches köstliche Kleid angelegt, jegliche hatte den Neid, daß sie sich besser als die andre kleiden wollte, denn Frauen mögen jung oder alt sein, so haben sie gern viel Gewandes, will es auch manche nicht gern tragen, so freut sie doch der Besitz, daß sie nur sagen kann: wenn ich wollte, ich könnte mich wohl viel besser kleiden, als diese und jene. Die Frauen waren zu Wiene gut gekleidet, als ich zu ihnen ritt, alle Gassen waren voll von Frauen, davon ward ich hochgemuth, von mancher ward ich freundlich empfangen. Vor meiner Herberge hatte ein biedrer Mann, Herr Hadmar von Chunringe meiner mit einer ritterlichen Schar gewartet, vor meiner Herberge war groß Gedränge von einem Buhurt, mit dem mich Herr Hadmar von Chunringe empfing. So ritt ich in meine Herberge. Da saß ich in einem Fenster, als ein Weib gekleidet, darum litten die Biedern Ungemach, denn die Rotten ritten hin und her und stießen einander in dem Buhurt. Da hieß ich meinem Marschalk sagen, daß er sie bäte, es zu lassen. Da ließ man den Buhurt alsbald, und alle ritten in die Herberge. Es war Abend geworden, und ich sandte nach meinem Boten, er kam alsbald, und ich entfernte mich mit ihm von den Leuten; als ich ihn zum zweiten Male empfing, sprach ich: du sollst mir abermals willkommen sein, sage mir die Wahrheit, wie sich meine Fraue gehabt; ist sie traurig oder froh? Mein Bote sprach: sie gehabt sich wohl und ist froh, sie sprach: was Euch Heiles geschähe, des freute sie sich, wahrlich, sie ist Euch hold, das hat sie Euch wohl erzeiget, daß sie von ihrer linden weißen Hand Euch das Fingerlein gesendet hat, das soll das Wahrzeichen ihrer Liebe sein. Ich sprach: das thut mir wohl, daß die Süße meine Dienste annimmt; rathe mir nun, Bote; wenn die Fahrt zu Ende ist, habe ich nach dem achten Tage zum Dienste meiner Frauen wieder turniren wollen, die Kost kümmert mich wenig, fünfzig Ritter sollen da im Turney meinen Schild tragen, sie sollen alle schöne nach meinem Schilde geziemirt sein, das soll zu Neuenburg geschehen: wahrlich, Bote, ich bin von dem Fingerlein so hohes Muthes, es muß mein Ende sein, oder ich diene ihr etwas, das ihr gefalle. Nun sprich, was ist dein Rath? »Herre, ich rathe Euch, womit ein Ritter dienen soll, dessen sollt ihr alles bereit sein, sie mag nachher wohl Euren Dienst belohnen, daß sie Euch Gnade thut; ich sage Euch, der Turney behagt mir sehr wohl, davon werdet ihr ehrenreich, er muß aller Welt gefallen, und Niemand soll ihn Euch verleiden.« – »Viel lieber Bote, ich bitte dich, wenn es sich fügen möge, so reite wieder zu meiner Frauen und bitte sie um ihre Würdigkeit, daß sie mir zu diesem Turney ihr Kleinod sende, wobei ich erkenne, daß sie meinen Dienst für gut hat.« – »Herr und Freund, ich reite dahin und werbe es, wie ich am besten kann.« – »Nun fahre hin, Gott müsse dein auf allen Wegen hüten.« – Sechszehntes Capitel. Stechen in Wien und zu Neuenburg, der fünf und zwanzigste und sechs und zwanzigste Tag. So schied der Bote von mir, ich ging in mein Bett, bis der Tag erschien, da vernahm ich eine Messe und empfahl mich Gott, wie es sich geziemet, denn ohne ihn mag Niemand einen halben Tag seine Ehre behalten. Dann ging ich in meine Kammer zurück und ward wohl gewappnet, über den Harnisch legte ich ein weißes gefaltenes Röckelein, darüber gürtete ich einen Gürtel, dreier Finger breit, vor den Busen steckt ich ein spannbreites Heftelein, einen Schleier legte ich auf das Haupt. Da hieß ich meine Posaune laut blasen, damit thät man den Rittern kund, daß ich bereit wäre. Ich ging zu meinem Rosse, das mit einer silberweißen Decke verdecket war, die hatte man künstlich geschnitten und bereitet, auf dem starken schnellen Rosse saß ich. Man brachte mir dreißig Speer, alle silberfarb, mein Schleier verdeckte mein Antlitz ganz, doch konnte ich sehr gut dadurch sehn. Da hatte sich mein Kammerer von Gors selb achte gekleidet, daß es nicht schöner sein konnte, er ging zu Fuß und nahm mein Roß am Zaum, und mancher biedre Mann folgte mir nach. Das Gedränge war sehr groß, die Fenster waren voll Frauen, deren Glanz meinem Herzen wohl that. Sanft ritt ich durch die Straßen, und hundert schön gekleidete Ritter ritten mit mir auf schönen Pferden, sie sangen und waren froh, dabei ritten sechszig gewappnete Ritter, deren Wappenkleider wonniglich waren. So kam ich auf das Feld, wo meiner der hochgemuthe Thumvogt gewartet hatte, als er mich sah, band er seinen Helm zu Haupt und nahm ein Speer in seine Hand. Er führte einen Busch von Pfauenfedern auf seinem Helm ellenhoch, sein Wappenrock war von einem rothen Sammt geschnitten, mit schönen Eichenblättern durchwirkt, so gefärbt war auch seine Decke. Sein Schild war niederthalben Gold, das Obertheil war von Pelz mannigfach, sein Roß war schnell, stark und gut. Von Gors mein Kämmerer sprach: Frau, viel edle Königin, hie kommt der Thumvogt gegen Euch, nehmt in Eure Hand ein Speer und sitzet fest, denn er ist ein starker Mann. Man gab mir ein Speer in die Hand, ein andrer Ritter Gundacker von Steyr war indeß herfür gekommen, der mit dem Thumvogt zugleich gegen mich rannte, ich kam ihnen entgegen, den vordern fehlte ich, aber den zweiten traf mein Tyost an den Hals, wo Schild und Helm zusammengeht, so daß das Koller aufgetrennt wurde und daß der starke Mann sich etwas neigte, beide aber verstachen auf mich ihre Speer, und der von Steyr war froh, daß er ein Fingerlein von mir verdient hatte. Auf dem Felde drungen sie nun so sehr hin und her, daß ich mir keinen Ring gewinnen mochte, das war mir verdrüßlich, oft rannten ihrer drei zugleich gegen mich, so groß war zu tyostiren ihre Gier, dann saß ich mit Kunst desto fester und bat Gott meiner zu bewahren. So ritt ich an dem Tage so künstlich, daß ich Zusammenstoßen vermied, da ward mancher Speer verstochen und mancher Harnischring aufgetrennt. Da ich wohl zwanzig Speer verstochen hatte, kam ein Ritter gegen mich, Herr Conrad von Streitwisen , der schon viele hohe Dinge um Frauen gethan hatte, er führte ein starkes Speer, das er mir auf der Brust verstach, so daß es mir durch die Platte drang, ich traf ihn oberhalb des Schildes am Halse so stark, daß er auf das Land fallen mußte. Davon ward auf dem Felde ein großer Schall, mancher sprach im Spotte so: ei, wie die Königin Venus die Ritter hie niedersticht! ich habe bei meinen Zeiten nie gesehen, daß Frauen also die Männer fällen können. Da gab man mir ein ander Speer, und mein Herr Sifrit von Dotzenbach kam gegen mich, der kam mir, als er sein Speer ritterlich verstach, so nahe, daß er mir mit seinem Schilde den hängenden Aermel vom Röcklein zerrte, ich traf ihn da, wo der Helm den Augen ihren Schein gibt, so daß die Bande des Helmes zerbrachen und der Helm auf das Land fiel, der Biedre aber blieb sitzen. Darnach verschwand ich noch neun Speere, mein Schild war gar zerstochen, daß er nur noch an den Riemen hing, da kam der Thumvogt und nahm mir den Schild von der Hand und band mir den Helm ab, er sprach: viel edle Königin, ich lasse Euch hie nicht mehr stechen, Ihr habt hie dreißig Speer verstochen, das ist Euch allzuviel, und ich gestatte es Euch nicht mehr. Da nahm mich der Hochgemuthe bei dem Zaum und ritt mit mir von den Leuten hinweg, wo ein Teppich niedergelegt war, darauf entwappnete ich mich und kleidete mich als eine Frau in köstliche Kleider, dann saß ich auf ein schönes Pferd und ritt hin, wo ich tyostiren sah; da war ein großer Krach von Speeren auf dem Felde, und es war ein schönes Ritterspiel. Endlich bat ich es die Ritter lassen, und wir zogen [in] die Stadt. Da ritt ein Ritter zu mir und sprach: viel edle Königin, mein Herr, Herr Hadmar von Ehunringe hat Euch entboten, daß er Euer Diener sein wolle, wenn Ihr hie seiner wartet, bis er gewappnet ist, damit er ein Speer noch heut gegen Euch versteche. Ich sprach: sagt dem Herrn Hadmar, daß ich heut zu müde bin und daß er sich durch seine Fuge bis morgen enthalten möge, dann bin ich ihm bereit, und wenn er zehn Speer gegen mich verstechen will. Der Bote sprach: edle Königin, er soll es heute gerne lassen, da ihr ihm morgen bereit seid. Der Bote ritt von mir und sagte dem Herrn Hadmar, was ich ihm mit Züchten entboten hatte, der sprach: ich bin es zufrieden, wenn sie es morgen gerne thut. So ritt ich in mein Gemach, woraus die Rede ging, die mir sehr leid that, die Königin hat dem Herrn Hadmar ihren Tyost versagt, was sie noch keinem Ritter gethan hat, vielleicht thut sie es darum, weil man spricht, er minne die Mann. Als Herr Hadmar diese Rede vernahm, ward er mir von Herzen gehaß und sprach: um diese Rede muß die Königin nieder liegen. Ich hatte gutes Gemach in meiner Herberge, da kam ein Ritter zu mir, der biedre Herr Engelschalk von Königes-Brunne und that mir durch seine Zucht heimlich kund, daß mir Herr Hadmar gehaß wäre und warnte mich, weil er sich vermessen, mir ein Leid zu fügen. Ich sprach: dem mag wohl Rath werden, wer mich mit Stoß darnieder reiten will, gegen den treibe ich mein Roß so, daß es ihm wohl mag leid werden und er zusammt mir zu Haufen liegen. Ich dankte dem biedern Mann für seine Warnung und ging zur Ruhe in mein Bette. Am andern Morgen kleidete ich mich und ritt mit manchem biedern Manne von dannen gegen Neuenburg , ich fuhr da über die Donau und ritt jenseits nach Neuenburg, wo wohl hundert Ritter meiner warteten, die mich schön empfingen. Wir griffen sogleich zur Ritterschaft, und es ward ein schönes Ritterspiel schon früh am Morgen getrieben, zuerst stach mit mir Herr Gottfried von Dotzenbach , der um Umfang der Frauen warb und viele gute Lied von ihnen sang. Darnach tyostirte mit mir Herr Ulrich von Steuntz , nach ihm verstach Herr Otte von Otterstein ein großes Speer auf mich, dann rannte mich der starke Mann von Chiow an und stach einen Speer durch meinen Schild, daß man es weithin krachen hörte. Der arge Heinrich von Hakenberg stach löblich mit mir, der sehr karg und eben so tapfer war. Noch mancher Tyost geschah mit mir, und dreimal wurde mir der Helm vom Haupt gestochen, den ich doch mit seidnen Schnüren festgebunden hatte; doch neigte ich mich nie, was die Ritter wunderte. Den ganzen Tag währte die Ritterschaft, so daß mein Leib endlich müde war, denn ich hatte im Dienst meiner Frauen bis auf den Abend tyostirt. Da nun Herr Hadmar sah, daß ich wohl vierzig Speer verstochen hatte und daß ich müde und schwach war, wie ein Weib, da that er ein unhöfisch Ding, denn er brachte gegen mich einen Ritter, der mich nieder reiten sollte. Da sprach der biedre Herr Engelschalk von Königesbrunne: Frau Königin, seht, dies ist der Ritter, der Euch nieder reiten soll, ich sah bei meinen Zeiten wahrlich nie so groß Unfuge, als Herr Hadmar sie begeht. Ich sprach: das mag wohl Rath werden, wenn er mich des Stoßes nicht erläßt, so mag ihm Schaden geschehen, denn ich kenn den Buneiz besser. Ich war ihm gehaß und machte den Buneiz lang, da kam er auch gegen mich, ich suchte ihm in die Quere anzukommen, und es gelang mir, daß ich ihn mit meinem Rosse traf, daß das seine strauchen mußte und ich ihm den Sattel-Bausch und Stegereif abritt und hätte ihn nicht ein Freund gegriffen, so wäre er in das Gras gefallen. Da brachte Herr Hadmar einen andern Sattel, den man auf das Roß legte, man gab uns zwei andere Speer, da dachte ich; es kann nicht anders sein, wir müssen beide hie liegen, oder einer muß die Ehre des Sieges haben. Ich trieb mein Roß an, und da er es gewahr ward, daß ich ihn mit Stoß bestehen wollte, furchte sich der Mann so, daß er mir auswich, worüber sein genug gespottet wurde, doch stach ihm mit Tyost den Helm vom Haupte. Dieser Ritter war Herr Bope von Busenberg genannt und diente den Frauen sonder Wank. Der Tag war schon zergangen, da kam ein höf'scher Mann zu mir, Herr Rüdger von Antschowe , sein Wappenrock, seine Decke, sein Speer war alles von heller Farbe roth, er hatte oft in fremden Landen um Ehre große Noth erlitten. Da es finster geworden, sandte ich nach großen Lichtern, deren kamen viele auf das Feld. So stachen wir beim Schein des Lichtes, und im Dienst meiner Frauen verstach ich noch auf den Herrn Rüdiger sechs Speer. Dann zog ich in meine Herberge und gab den Löblichen fünfunddreißig Fingerlein; dreiundvierzig Speere hatte ich an diesem Tage verstochen. Siebzehntes Capitel. Ulrich endigt seine Fahrt. Am andern Tage zog ich gegen Mistelbach , da wurde auch viel tyostiret, ich verstach zehn Speer, und elf wurden auf mir zerbrochen. Da gab ich den elf guten Rittern elf Fingerlein und fuhr in mein Gemach. Des andern Tages ritt ich von dannen und mir folgte mancher biedre Mann, wohl zweihundert Ritter. Ich zog die Straße gegen Jelsberg , wo mich der Wirth sehr wohl empfing, das war der Herr Cadolt von Felsberg , er ritt mir mit vierzig Rittern entgegen, ich wurde von ihnen schön und freundlich empfangen, der Wirth hieß mich züchtig bitten, daß ich mit ihm sein möchte, er spracht es soll die Königin durch Zucht hie mein Brot essen, denn so gern ist es Ihr noch nie geboten. Ich hieß ihm sagen, daß er die Bitte lassen möchte, möchte ich von jemand die Herberge nehmen, so würde ich sie am liebsten von ihm nehmen, er solle es aber nicht übel haben, daß ich auf der Fahrt von Niemand etwas umsonst nehme. Er sprach: Fraue, das soll geschehen, aber ich will Euch hohe und klare Frauen sehen lassen, die Euch gerne schauen, und um sie, edle Königin, geruhet bei mir sein. Ich sprach: die Frauen will ich gerne sehen, wenn Ihr mich der Herberge erlaßt. Da ward der biedre Mann unfroh, daß ich es ihm sogar versagte, und ich ritt in meine Herberge. Da fand ich gutes Gemach, und alsbald kam für meine Herberge Herr Dietmar von Lichtenstein in schönem Wappenkleid von leuchtender Farbe geziemirt, er hielt da mit aufgehobnem Speer; da kam mein Kammerer, Herr Wolfker von Gors zu ihm, schön geziemirt, und Herr Dietmar von Lichtenstein ritt gegen ihn, die Splittern flogen von ihrer beider Tyoste hoch, und manche schöne Fraue sah ihr Ritterspiel an. Da sie noch tyostirten, sprach ich: bringt mir meinen Harnisch, ich kann es nicht mehr mit ansehen, ich muß hier auch tyostiren. Da hieß ich den Rittern kund thun, wer um Frauen tyostiren wolle, daß ich dem bereit sei. Sogleich wappnete sich mancher biedre Mann gegen mich, auch ich ward geziemirt, überall war großer Schall in der Stadt, und wir zogen auf das Feld. Da kam gegen mich ein Ritter, der schon manche ritterliche That gethan hatte und immer den Frauen wohl gedient und den Umfang von mancher genommen, Herr Sifrid Waise hieß der biedre Mann, der immer mit ritterlicher Arbeit nach hohem Preise gerungen hatte, der führte ein großes Speer in seiner Hand, und schnell rannten wir gegen einander, der Puneis war lang, Herr Sifrid hatte den Gedanken, daß er mich niederstechen wollte, eben so dachte auch ich, wir trafen beide so, daß Schild und Speere brachen, Schild und beide Knie rührten da einander, die Schild zerkluben sich, durch beide Koller ward gebohrt. Alle, die die Tyost sahen, priesen sie als ganz ritterlich. Nun rannte mich an Herr Berthold der Rebestock , sein Wappenrock, Schild und Decke war geschachet Blau und Gold, sein Speer zerbrach auf meinem Helm, daß er laut erklang, er führte meinen Speer in seinem Schilde von dannen, der hing, wo Schild und Helm zusammen gehen. Darnach verstach ich noch einundzwanzig Speer; das letzte that in seiner schönen Tyost noch Schaden; ich hatte ein starkes Speer in meine Hand genommen, da kam Herr Ruprecht von Purstendorf gegen mich, ich stach ihm meine Lanze durch seinen Harnisch und Hals, daß er davon hinter das Roß fallen mußte, das Blut drang aus seiner Wunde, daß das Gras naß wurde; man wähnte, er wäre todt, und mit herzlichem Leide ritt ich deshalb vom Felde in meine Herberge. Doch genas der biedre Mann. Am andern Morgen wollte ich gern fortgeritten sein, da bat ich züchtiglich den Wirth, mein Herr Cadolt von Felsberg , daß ich sein Weib und manche gute Fraue sehen möchte. Ich sprach: um ihn will ich die Frauen gerne sehen, ich will heute Messe bei ihm vernehmen. Da wurde der Bote von Herzen froh, er verkündigte es sogleich dem Wirthe, und die Frauen freuten sich. Ich legte schöne Kleid an und ritt im hohen Muthe auf die Burg, wo man mich willig empfing; der Wirth und seine Hausfrau gingen mir entgegen, und viele Frauen folgten ihnen eine Stiege herab, deren Kleider fielen manchen Fall ab der Stiege nach dem Tritt, ihre gute Geberde, ihre sanften Sitten, ihr minniglicher Schein thaten meinem Herzen wohl. Da sie gegen mich kamen, wollte ich durch Zucht auch nicht länger stehen, ich ging ihnen entgegen, dessen lächelten alle Frauen, daß ich es so frei anfing und Weibeskleider trug und so schöne Zöpfe, darüber ward da viel gelacht. Der Hauswirth sprach: Frau Königin, seid mir willkommen. Ich neigte ihm mit Züchten; die Frauen grüßten mich auch, und ihrer einer bot ich meinen Kuß, darüber wurde sie rosenroth, dann ging ich zu einer andern, die auch vor Scham roth wurde. Die Hausfrau nahm mich bei der Hand und führte mich in eine schöne Kirche, eine Messe sang man Gott zu Ehren, und bei mir standen viele Frauen; ich muß gestehen, daß Gott da nicht viel gedient ward. Fast hätte mich da das Netz der Minne und mancher süße Blick gefangen, der von lichten Augen ging, und nur meine Treue wandte es ab, daß ich da nicht von der Minne gefangen wurde, fast hätte es eine von den Frauen gethan, ihre gute Geberde und ihr lichter Schein brach durch meine Augen bis in den Grund meines Herzens und ihr rosenfarbner rother Mund, den ich gegen mich lachen sah und der so süß zu mir sprach: – ei, wäre mir da nicht meine Treue zu Hülfe gekommen, so hätte sie meine Sinne bezwungen. Da ich sie aber so von Herzen ansah, sprach meine Treue zu mir: Wie nun? Wie nun? Was soll denn das sein? Wem willst du denn deine Fraue lassen an der doch nach Gott dein Leben steht? Aendre deinen Muth, denn ich gestatte dir solche Dinge nicht! Da mich meine Treue so bestrafte, wurde mein Herz gar unfroh, daß mir dieser Wank geschehen war, ich dachte: ich will dieses wonnigliche Weib nicht mehr ansehen, sie ist so minnigliche, daß ich wohl Schaden leiden möchte, wenn ich sie länger betrachtete. So warf ich die Augen von ihr und gedachte herzlich: Hätte mich nun der lichte Schein, dieser Frauen in Zweifel gebracht gegen meine liebe Fraue so wäre mir die größte Unbilde widerfahren: nein! ich will sie nicht mehr ansehen! denn meine Augen sind Schuld als sie mich so gütlich ansah und ich ihren rothen Mund erblickte, da ließen meine Augen ihren lichten Schein gleich mitten in mein Herze, das laß ich nun nicht mehr geschehen, denn ich verstatte meinen Augen diese Freiheit nicht mehr; ich sehe, wenn mein Herze meinen Augen folgen wollte so riethen sie ihm wohl, wovon ich immer müßte Haß meinen beiden Augen tragen. So stand ich in Gedanken, wie die wohl thun, die sich an Weib verdenken, ich wußte nicht mehr, wo ich war, bis man das Evangelium las, da das ein andrer Pfaffe anhub, da besann ich mich zuerst wieder. Da man zum Opfer gehen wollte, bat ich die Hausfrau voran zu gehen, die sprach: dessen sollt Ihr mich erlassen, wie litte doch meine Zucht, daß ich vor einer Königin ginge? Da ging ich zum Opfer und nach mir manche schöne Fraue, man lachte sehr darüber, daß ich so ganz in Frauen-Sitte ging und mich bewegte, mein Tritt war kaum händebreit: wie langsam und sanfte ich ging, so kam ich doch wieder an die Stelle, wo ich erst gestanden hatte, da trug man das Pace her in einem Buche, das nahm ich so wie die Frauen thun; da ich das Pace empfangen, bot ich es dort und hie, aber keine Fraue wollte es empfangen ich bot es der Schönen, aber die Tugendreiche sprach: Ihr sollt des Pace's mich erlassen, da man Euch für einen Mann hält. Da endete sich die Messe, und ich nahm Urlaub. Der Wirth und seine Hausfrau baten mich, da zu imbissen, ich sprach: ich thäte es gern, nur habe ich es verlobt, und darum kann es nicht sein; ich habe diese Fahrt so gethan, ohne das mir Jemand etwas gegeben hat, außer der Eine, der ich zu Diensten bin, die hat mir hohen Muth gegeben. Mich segnete da mancher süße Mund, sie sprachen: Frau Königin, wohin ihr fahrt, lasse Euch Gott selig sein! So schied ich als ein hochgemuther Mann von den Frauen und ritt in meine Herberge und sandte den Rittern Fingerlein, deren waren dreiundzwanzig, zweiundzwanzig Speer hatte ich da verstochen. Darnach ritt ich schöne von dann, mit einem neuen Mantel und einem neuen Röcklein; ich zog über die Thye in das Böheimland , da stand eine wunnigliche Aue, da wappnete ich mich bald, und mich bestund ein stolzer Ritter, Herr Otte von Schönenkirchen ; die Splitter steckten in den Schilden, und der Tyost war ritterlich ergangen. Wohl hundert Ritter waren zu Felde gekommen, die ehrbegierig hin und her sprengten, da wurde viel Tyost getrieben, daß oft ihrer drei gegen mich ritten. Als ich fünfzehn Speer verstochen hatte, kam der Vogt von Lengenbach , der Thurmvogt genannt, und verstach ein Speer gegen mich, auch verfehlte ich sein nicht, dann band er den Helm ab und ritt zu mir und sprach: nun gestatte ich es Euch nicht mehr, wenn Ihr auch noch so stark seid, so habt Ihr doch genug gestochen. Er nahm mein Roß beim Zaum, so sehr ich es ihn auch zu lassen bat. Nein, sprach er, ich lasse es nicht (und nahm mir das Speer aus der Hand), viel edle Königin, Ihr sollt jetzt mit Tyostiren aufhören, das bitte ich Euch um Eurer Frauen willen. Da ließ ich es mit sanfter Sitte. Ich gab ihm den Schild und band den Helm vom Haupte, den fliegenden Aermel von dem Röcklein warf ich über mein Antlitz, wodurch ich doch sehr gut sah. Auf dem Felde ward noch mancher schöne Tyost geritten, Speer, Schilde und Helme lagen da verstreut, auch etliche Tyostirer waren auf das grüne Gras gefallen. Da sprach der Thumvogt zu mir: Fraue, viel edle Königin, Ihr sollt nicht länger bei uns sein, denn Eure Fahrt ist wohl vollbracht, nun laßt Euer Gesinde mit mir fahren. Ich that nach seinem Rath, und eh' ich schied gab ich noch neunzehn Fingerlein hin. Im Holze entwappnete ich mich und nahm minniglich von meinem Gesinde Urlaub, heimlich ritt ich mit einem einzigen Mann hinweg, der mir hold war, das war des Thumvogts Knecht, der hieß Chol von Brounhoven , der kannte alle Straßen gegen Wien durch das Land gar wohl. Ich kam bald nach Wien und nahm heimlich eine Herberge, worinnen ich drei Tage war. In dieser Zeit wurden mir Wappenkleid für fünfzig Ritter bereitet und künstlich geschnitten. Als ich von meinem Gesinde fortgeritten war, nahm mein Kammerer meine drei Pferde, die Mäntel und die Röckelein, er legte alles, und was noch zu den Frauenskleidern gehörte, auf die Pferde, so führte er es aus der Aue, wo er die Ritter fand; da diese mich nicht mehr sahen, und wie mein Gewand auf den Pferden lag, sprachen sie: wo ist die Königin? Mein Kammerer sprach: meine Frau die Königin hat wahrlich übel an mir gethan, sie hat mich hie verlassen, daß ich nicht weiß, wohin sie gekommen ist, diese Pferde und diese Kleider sind zurück geblieben, rathet mir, was ich damit thu? Da sprach der Thumvogt: kluger Knappe, es dünkt mich gut, daß Ihr es hie den Fahrenden gebt, Euere Fraue ist wohl anders Gutes reich, daß ihr diese Gabe nicht schadet. Da sprach mein Kammerer: Herre, ich will Euch folgen. Da gab er alles den Fahrenden, und der Thumvogt unterwand sich meines Gesindes und führte es mit sich. Da ritten die Ritter wieder über die Tye nach Oesterreich, gen Felsberg , zu dem hochgelobten Wirth, Herrn Chadolt von Felsberg . Er empfing die Ritter alle wohl, sie mußten die Nacht bei ihm bleiben, und gute Speisen, Meth und Wein gab er ihnen völliglich. Am andern Tage ritten sie davon. Da sprach der Thumvogt auf der Straße zu meinem Kammerer: Freund du sollt mir sagen, wie viel Speer hat deine Frau auf dieser Fahrt verstochen? Der sprach: ich will es Euch sagen, drei hundert und sieben hat sie auf dieser Fahrt verstochen, und Gott hat sie sonderbar bewahrt, daß es ihr nie mißlang, ich wähnte nicht, daß das geschehen könnte, als sie die Fahrt begann; sie hat zwei hundert ein und siebzig Fingerlein hingegeben, und so viele Speere sind auf ihr verstochen, und kein einziges Mahl hat sie sich nur geneigt, sie aber hat vier Ritter mit rechter Tyost auf das Land gestochen, Gott lasse sie immer selig sein. Da sprach der Thumvogt: Gott weiß, mir ward nie eine so rechte ritterliche Fahrt bekannt, sie hat mit Recht hohe Ehre davon gewonnen. Die Ritter, die dabei ritten, sprachen: wer sie nicht preiset, der müsse immer unselig sein, was sie gethan hat, muß man immerdar, auch in künftigen Zeiten, rühmen. Da wurde viel von mir gesprochen, diese redeten so, die andern so, manche freuten sich meines Glückes, manchen war es ein Herzeleid. Wohl dem, der so beneidet wird! Achtzehntes Capitel. Von dem Turney zu Neuenburg. Die Ritter waren nun nach Wien gekommen, auch mein liebes Gesinde, worüber ich von Herzen froh war. Da forderte ich die Pferde, um in der Stadt den Thumvogt zu sehen, aber ehe die Pferde mir bereit waren, ritt der biedre höf'sche Mann schon in meine Herberge und sprach: Gott grüße Euch, Königin, Gott hat Wunder gethan, daß Ihr nun seid ein Mann geworden, da Ihr doch vor vier Tagen ein Weib ward; daß Ihr Euch so verwandeln könnt, ist zu verwundern. Da lachten viele Ritter, sie kamen alle in meine Herberge, mancher Schimpf ward gesprochen, auch trug man ihnen Wein zum Trinken her. Den Thumvogt bat ich da heimlich und züchtiglich und sprach; viel lieber Herre, ich will es immer um Euch dienen, wenn Ihr es mir nicht versagt, daß Ihr zu diesem Turney meinen Schild tragt. Da sprach der Hochgeborne, wie ich Euch dienen kann, das wird Euch nie versagt, Euren Schild will ich zu diesem Turney tragen. Da dankte ich ihm freudig. Nun war keiner da, da der Thumvogt es mir gewährt hatte, der es mir versagte, wenn ich ihn darum bat, so gewann ich fünfzig Ritter, von Grafen, Freien, Dienstmann. Sie nahmen Urlaub und ritten in die Stadt, wo jeder Herberge fand. Wir blieben vier Tage in Wien und sahen da manches schöne Weib. Als der Sonntag kam, zogen wir mit großem Schalle aus der Stadt nach Neuenburg , ich hatte ein Banner angebunden, das war von einem weißen Zendal, dadurch zwo Bar spannenbreit von schwarzem Zendal geschnitten waren, schief nach dem Schwert zu Thal, großen Schall machte man davor, meine Posauner bliesen eine hohe Reise-Note. Nach dem Banner führte man meinen Helm, so licht als ein Schwert, darauf war eine Wele von Gold mit guten seidenen Schnüren gebunden, die Wele war wohl gefalten, und jegliche Falte blättervoll, und jedes Blatt von Golde. Dabei führte man meinen Schild, der war weiß von Härmin, dadurch zwo Bar von schwarzem Zobel geschnitten, darauf ein köstlicher Buckel, dessen Riemen waren gute seidene Borten. Mein Roß ging mit Scharlach verdeckt, die Decke war lang und weit und mit reichen goldenen Borten gegattert, von Silber waren viele Rosen darauf geschlagen, die Decke war mit gelbem Zendal gefurret. Dann zog man das Roß des Thumvogtes nach, seine Decke war von rothem Zendal, meiner Schilde war viel darauf gestreut, und mein Herz freute sich, daß er meinen Schild tragen sollte; sein Helm war schön geziemirt. Aller, deren Rosse, die meinen Schild trugen, zog man nach meinem Banner; alle so verdeckt, wie das Roß des Thumvogtes, jeder Ritter trug aber seinen sonderlichen Helm, doch Wappenkleid, Schild und Decke waren gleich. So ritten wir nach Neuenburg. Die Chungringen warteten meiner da, sie ritten mir mit vielen Rittern entgegen und grüßten mich minniglich. Ich ritt in meine Herberge, so thaten alle die Ritter, da wurde mit züchtigen Sitten des Gutes viel verschwendet und auch des Wachses viel verbrannt, denn man sah da viel manche große Licht, sie gingen her und hin durch die Stadt mit Lichten, und wer auch selbst kein Licht in Händen hatte, sah doch hell genug. Manch Ritter kam auch in meine Herberge, und ich sah die Hochgemuthen wieder in ihren Herbergen, da gewann in dieser Nacht mancher Mann einen biedern Mann zum Freunde. Die andere halbe Nacht hatten wir Ruhe, und als der Tag anbrach, fuhren wir in die Kirche, wo Gott mancher bat, daß er es ihm gelingen ließe; und man soll mit Recht Gott bitten, denn ohne ihn hat Niemand Heil. Da wir die Messe vernommen hatten, hieß man den Turney theilen, der wurde ganz gleich getheilt, denn dritt halb hundert Ritter waren' durch hohen Muth und um die reinen Weib dahin gekommen. Darauf schrie mancher Kroyer: nun wappnet Euch, ihr guten Ritter, und zieht mit Freuden auf das Feld, da soll man die Kraft der Ritter schauen! Da wappnete sich mancher Mann, und auch ich legte Waffen an, ein Spaldenier und auch zwei eiserne Hosen: da kam mein Bote, den ich von Herzen gerne sah, ich bat alle Leute fortgehen, und darauf sprach ich: sei willkommen, herzelieber Bote! sag' an, welche Mähr bringst du? Er seufzte von Herzen und schwieg, das Haupt sank ihm nieder, ich sprach: Was soll das sein? Sag' an, was meine Fraue mir entboten hat? Warum thust du also? So unfroh hab' ich dich niemahls noch gesehen, dein Schweigen behagt mir nicht. Er sprach: ich muß Euch solche Rede sagen, die ich lieber verschweigen möchte, Euch ist durch mich etwas entboten, daß Ihr immer klagen werdet, und solltet Ihr tausend Jahr alt werden: Eure Frau hat Euch entboten, daß sie Euch immer Haß trüge und nimmer hold würde, wegen Eurer Untreu, sie will Euch in kurzem ein Herzeleid zufügen, ihr Fingerlein will sie immer beklagen, das sie Euch gesandt hat, sie zürnt, daß Ihr es an Eurer Hand tragt, sie hat mir fleißig anbefohlen, daß ich es ihr zurückbringen soll; sie Euch deß wegen gehaß, weil sie für wahr vernommen habe, daß Ihr einer andern Frauen mit Dienste bereit seid; sie ist so ungemuth, wie ich es an Frauen niemals sah, sie sprach so heftig gegen mich, daß ich lieber das Land räumen wollte, ehe ich noch einmal zu ihr ritte. Ich sprach: o weh der großen Noth, die ich nun endlos in meinen Herzen trage. die ich mir mit treuem Herzen zur Frauen erkohren habe, die thut so übel an mir! O, wollte Gott, ich wäre todt! Oder ich wäre nie geboren! O, ich unseliger Mann! Gott weiß, daß ich nie falschen Muth gegen sie trug, und wäre ich schuldig, so wollte ich es so an mir rächen, daß ich davon todt liegen müßte. O weh, o weh der großen Noth! Wozu soll mir Gut, wozu soll mir Leben? Wozu soll mir deine Tapferkeit, wozu noch mein Leib? O was soll ich nun thun? dazu bedürfte ich gutes Rathes; ich will zu Fuß vom Lande gehen, wie ein armer Mann, daß Niemand wissen soll, wo ich geblieben bin. Ich saß und weinte wie ein Kind, meine Augen wurden mir von den Thränen geblendet, ich rang meine Hände, und mein Herz that mir weh, vor Jammer erkrachten meine Glieder so, als wenn man Spachen zerbricht. Da kam der Thumvogt zur Thür herein und sprach: was ist das? Er sagte zu meinem Boten: Geselle, geh hinaus. Er machte die Thür hinter ihm zu, darauf fragte mich der Hochgemuthe: sagt, wer hat Euch was gethan, daß ich Euch in solcher Klage finde? Wer Euch Leides gethan hat, der muß es Euch büßen, oder er duldet immer meinen Haß. Da er so gütlich zu mir sprach, brach der Jammer wieder so durch, daß ich laut wie erst weinte, ich rief; o weh, o weh! ich kann mein Leid Niemand sagen, mein Leid ist so, daß ich es vor Jedermann verschweigen muß. Da der getreue Mann mein Ungemach sah und hörte, so stimmte er so in meine Klage ein, daß er meine Noth mit mir beweinte, als wenn ihm sein Vater gestorben wäre, es war wunderlich, daß er gar nicht wußte, warum ich weinte. Da ich ihn weinen sah, that der Jammer meinem Herzen so herzlich weh, daß ich laut schrie und rief: O weh, daß ich lebe! O möge Gott mich tödten! So saßen wir beide jämmerlich da, indem ging Herr Heinrich von Wasserberg zur Thür herein, der hatte zum Gemahl meine Schwester! er sprach: was soll denn das sein, (so sprach im Zorne der biedre Mann,) sagt, wer hat Euch beiden was gethan? Das ist schwach, daß Ritter klagen; Ihr weint ja, wie die armen und verwaisten Kinder und wie kranke, blöde Weiber! Sollen Ritter also weinen? Nein, Ihr mögt Euch beide dessen schämen! Da sprach der Thumvogt: Herr Heinrich, so jammervoll klagt Herr Ulrich, wie ich es nie gesehen habe, ich weiß nicht, was ihm geschehen ist, er will es mir nicht sagen. Der biedre Mann von Wasserberg sprach: Herr Thumvogt, ich rathe Euch, geht von uns, dann soll er mir gewiß sagen, welch Herzeleid er hat. Da ging der Thumvogt fort, und Herr Heinrich sperrte die Thür zu und ging zornig zu mir und sprach: Wie nun, Ihr böser Mann? Pfui, pfui, nun sollten wir froh sein von rechter Würde, deren Euer Leib viel erjagt hat; nun sagt mir, wer hat Euch was gethan, daß ihr solche Klagen führt? Wahrlich, ich sage Euch, erfahren das von Euch die Weib, so hassen sie Euch um solchen schwachen Muth. Ich sah ihn an und sprach: Nein, ich werde nie froh, und sollte ich tausend Jahr leben, aber was es ist, sage ich Euch nicht. – »Wenn Ihr es mir nicht sagen wollt, so weiß ich es doch; und wollt Ihr es mir sagen, wenn ich es rathe?« Ich schwieg, da sprach der biedre Mann: ich weiß wohl, was Euch geschehen ist, die Frau, der Ihr Eure Tage gedient habt aus minniglichen Dank, die hat Euch jetzt ihre Huld versagt. Indem er die Rede sprach, brach mir das Blut aus dem Munde und der Nase, da sprach der höf'sche Mann: Viel süßer Gott, sei gedankt, daß du mich noch vor meinem Tode den Mann hast sehen lassen, von dem ich mit Wahrheit sprechen mag, daß er ein Weib so recht ohne Wanken liebt. Da kniete er auf seine beiden Knie und hob seine beiden Hände in die Höhe und sprach recht aus dem Herzen: O, wohl mir, daß ich das ersah! Wohl mir, daß ich das wissen soll! Deß will ich immer froh sein, so lange ich lebe! Er stund auf und umpfing mich mit Armen und sprach: gehabe dich wohl, ich will dein reines Herze laben, denn bei meinen Treuen, in kürzlichen Tagen legt dich deine Fraue in ihre Arme, des sei meine Selde dein Pfand; mir sind ja die Sitten der Frauen wohl tausend Mal mehr kund, als dir, höre mich an, mein lieber Freund: sie will dich damit versuchen, ob du wohl auch treu sein könnest, hüte das nur, wie deine Augen, daß sie keine Untreue von dir erfahre, und wankest du ihr nicht, so wisse, daß dir in kurzem Liebe von ihr geschieht: darum sei froh und laß dein Trauern sein, dieß frommt dir am besten, sei hochgemuth, damit dienst du deiner Frauen, Trauern nehmen sie nie für einen Dienst; es wäre auch ja für ein schönes Weib eine Missethat, wenn sie es für Dienst annähme, daß ihr Dienstmann traurig wäre, nein, hoher Muth hilft dir besser; das ist ein schwacher Muth, wer es von ertrauern will, daß sie ihn minnen, froh muß man in ihrem Dienste sein, denn rechte Freude behagt ihnen. Wappne dich also, das ist mein Rath, denn es ziemt sich nicht, daß so mancher biedre Mann wartet, die um dich hergekommen sind, du weißt es wohl kaum, daß sie vor deiner Herberge halten. Da brach mein Weinen abermals hervor, ich sprach jämmerlich: ich mag nicht geturniren, denn ich habe keinen hohen Muth, und die Ritterschaft geräth nicht, die man mit Trauern anhebt; was soll mir Leib und Gut, da hoher Muth mir fehlt? Traurig muß ich immer leben. Da lachte der biedre Mann meiner Rede, er sprach: du mußt deinen Harnisch an dich legen, es sei dir lieb oder leid. Ohne meinen Dank wappnete mich da der biedre Mann, er band mir mit seinen Händen den Helm fest auf und führte mich dahin, wo ich mein verdecket Roß fand, traurig saß ich darauf, er gab mir den Schild, und so kam ich traurig hinausgeritten, wo meiner die Hochgemuthen warteten. Sie hielten vor meiner Herberge, ihre Ziemir und ihre Wappenkleider glänzten. Ich ritt mit ihnen zu Felde, da hielt mit seiner schönen Schar Herr Hadmar von Chunringen und sein Bruder Herr Heinrich . Da scharten wir uns auch, und ich nahm ein starkes Speer in meine Hand, ich trieb den Puneis gegen Hadmars Schar, ich ritt in die Schar hinein und verstach meinen Speer, Speer und Schild ritt ich entzwei: da schrie aus Zucht Herr Hadmar , daß mich Niemand sollte angreifen, sondern mich reiten lassen. So geschah es, daß mich Niemand fing, denn durch seine Zucht wollte der ehrenbegierige Mann, daß mich keiner fangen sollte. Da gab man mir ein ander Speer, und ich sprengte auf die Schar, wo Herr Heinrich von Chunringen hielt, der war ein weiser, junger Mann und hatte bei seiner Zeit schon viele ritterliche Thaten gethan; da ich auf seiner Schar meinen Speer verstach, sprach der junge Weise: lasset diesen guten Ritter reiten, wer ihm von den Meinigen hier etwas thut, das geschieht ohne meinen Willen, laßt ihn seiner Frauen dienen, und wenn wir dasselbe thun, so ist es ritterlich. So ritt ich dann zu meiner Schar und sprach: wir sollen den Turney anheben, ich wähne, sie geben mir Friede, wann ich auch dreißig Speer auf sie versteche, ich glaube, daß sie es durch ihre Zucht thun, daß sie mich nicht anrühren. Da nahm ich wieder ein Speer in meine Hand; nun stapfte gegen uns die Schar des Herrn Hadmar , da kamen wir zusammen, wie gegen Feinde; ich nahm mein Roß mit den Sporen und trieb es auf Herrn Hadmars Schar, so, daß ich mein Speer wohl verstach, mit Hurt brach ich durch die Schar hindurch, und die Meinen ritten schöne nach mir, als wir die Schar durchritten hatten, er holte sich mannlich Herr Hadmar , beim Umschwung fing er mir ab drei gute Ritter, das war ritterlich gethan, doch umringten wir ihn, da sprengte ihm zu Hülfe sein Bruder Herr Heinrich herbei, sie ritten schöne in uns herein, da hörte man der Speere Krachen, und als wir wichen und von den Feinden Noth litten, kam uns zu Hülfe Herr Wolfker von Gors mit den Seinen, der Hochgemuthe befließ sich, daß sein Buneiz schön würde, er durchbrach mit Hurt den Turney, was Herrn Hadmar Ungemach gab. Nun war der ganze Turney zusammen gekommen, zwei Scharen von jedweder Seite: nun thaten die Minnegehrenden an dem Tage so, daß man sie billig rühmen soll, denn mit großer Arbeit erwarben sie Preis. Der Thumvogt von Lengenbach und Herr Wolfker von Gors verstachen an dem Tage viele Speer, Herr Dietmar von Lichtenstein that ritterlich, der höfische Heinrich von Wasserberg that als ein tapfrer Mann, der starke Mann von Chiowe gewann viel Lob, Herr Ulrich von Steutz that es so, daß man ihn rühmen mußte, der biedre von Ottenstein that den Feinden vielen Schaden, Herr Engelschalk von Königesbrunne ritt so hurtiglich, daß man ihn preisen mußte, auch warb der Rebestock ritterlich um Preis. Ich kann nicht jeden nennen, der ritterlich durch den Haufen brach; ich verstach neun Speer. Der Turney mußte ein Ende haben, wir zogen vom Felde, und jedermann in seine Herberge, so that auch ich. Die gefangenen Ritter wurden da durch Zucht und durch meinen Willen ledig gegeben, dafür mußte ich danken. Neunzehntes Capitel. Ulrich sendet wieder zu seiner Frauen. Am andern Morgen zog im hohen Muthe mancher heim, ich ritt trauriglich von dannen. Da mein Bote mich so trauern sah, sprach der kluge, höf'sche, getreue: mich schmerzt es, daß ich Euch muß so trauern sehn. Ich sprach: viel lieber Freund, was soll sich mein Herze freuen? Meine Fraue hat mir durch dich so entboten, daß mein hoher Muth für immer nieder gelegen ist. Da sprach der Bote: Ihr sollt Euer Trauern sein lassen und an Freuden nicht verzagen, ich weiß nicht, ob Eure Fraue wahrlich auf Euch zürnt, oder ob sie Euch nur versuchen will, darum will ich Euch rathen, Ihr sollt es mich noch besser erforschen lassen, ob sie Euch haßt, oder ob es nur eine Verstellung sei, ich will es wiederum für Euch wagen. – »Bote, dir muß ich immer danken, du hast mir gerathen, um was ich dich nicht bitten dürfte; daß du dich über mich erbarmst, das lohne dir Gott. Du sollst der Guten sagen, daß, wenn sie mir gehaß ist, es ganz ohne meine Schuld sei, denn ich sei ohne Falsch gegen sie; wer Ihr anders gesagt hat, der hat mir Unrecht gethan, sage ihr recht meinen Muth, und wenn es dir gefiele so wollte ich wieder Lied von ihr singen.« – »Herr, es dünkt mich gut, wie Ihr ihr Eure Treue erzeigen könnt'« Da hub ich von Herzen an, Lied von meiner Frauen zu dichten, daß ich ihr immer wollte mit Treue zugethan bleiben. Als ich die Lied gedichtet, schied mein Bote von mir und nahm die Lied geschrieben mit. Ich ritt traurig von ihm nach einem Ort, wo mir viel Gemaches geschah, zu meinem lieben Gemahl, die mir nicht lieber sein konnte, wenn ich mir auch ein ander Weib zu meiner Frauen erwählt hatte. Zehn Tage blieb ich da und ritt dann nach Lichtenstein in sehnenden Kummer. Als der Bote zu meiner Frauen kam, grüßte sie ihn und lachte ihn an und sprach: sage, wo ist dein Herr, hat er mich noch zu seiner Frauen erwählt? – »Ja, Frau, wie Ihr ihm auch thun mögt, er ist gegen Euch so treu und liebt Euch mehr als seinen eignen Leib, er ist ohne Falsch gegen Euch; als ich ihm Euern Zorn sagte, hat er so herzlich geklagt, wie ich es nimmermehr gesehen habe, er wollte zu Fuße als ein armer Mann aus dem Lande gehen und nimmermehr wieder froh werden, so sprach er mit Weinen, das Blut brach ihm von seiner Klage aus Mund und Nase, er wäre nie genesen, wenn ihm nicht Herr Heinrich von Wasserberg , der biedre Mann, mit seinem Troste geholfen hätte, sonst wäre er wahrlich todt.« – »Bote, du magst mir von seinem Sehnen und seiner Noth nichts sagen, denn mein Bote hat alles angesehen, was er that und was er sprach, den hatt' ich heimlich hingesendet, der stand draußen an der Wand und sah durch eine Luchen, was man that, auch des Thumvogtes Weinen und Klagen, und was der höf'sche Heinrich that, alles das weiß ich.« – »Da Ihr es, Fraue, alles wißt, so muß ich auch glauben, daß er Eure Huld hat, denn kein Mann hat niemals eine Frau so mit treuen Herzen geliebt, als er Euch thut.« Sie sprach: er hat meine Huld, und ich bin ihm nicht gehaß, was er aber von mir zum Lohne haben will, dessen bleibt er ungewährt, das soll er nicht für übel haben, denn ich gewähre es nie einem Mann. – »Viel liebe Fraue, ich weiß, wenn ein Ritter von Euch Minnesold verdienen könnte, daß Herr Ulrich den mit ritterlicher Arbeit holte; er hat Euch Lied gesendet, die seinen Willen sagen, der Euch wohl bekannt ist, leset sie, Fraue, denn sie sind gut.« Sie nahm den Brief, worin sie geschrieben waren, sie las ihn hier und dort, mit spielenden Augen, minniglich lächelte die Reine und war froh. So sprachen die Lied:   11) Eine Sing-Weise.         Viel sel'ge Minne hab' ich nur gethan, Den Dienst, den deine Gewalt mir gebot, So wende für mich deine Hülfe nun an, Hülf, wenn du was könnest für sehnende Noth, Daß die viel Süße noch tröste meinen Muth, Die mich trauern thut, Nun freut mich beide, ihr seid doch beide gut. Ihr edeln Frauen, ihr viel reinen Weib, Ich hab' geworben in meinen und Euren Dingen, Daß Niemand meine mit Falsche Euren Leib Das wünsche ich, und dabei ist mein Ringen, Daß der viel Guten, der viel Werthen werde Schein All' die Treue mein, Das will ich immer besorgende sein. Ich wünsche Euch Frauen, daß Ihr schöne lebt Bei sehnender Liebe sonder schweren Muth, Und mir zum Lohne den Wunsch wieder gebt, Daß meine Hoffnung noch werde so gut, Daß sie viel Liebe, die ich in dem Herzen trage, Nach leichterlicher Klage Mir fügen müsse viel fröhliche Tage. Der Welt würde ich unwerthe, recht als ein Mann, Der nie nach Ehren, noch Freuden rang, Wenn ich jemalen wanke daran, Daß ich ihr nicht bin schlicht und ohne Wank. Mein Trost, meine Wonne, meiner Selden Kaiserein Soll sie immer sein, Das begehrt meine Treue und all das Herze mein. Mich läßt nicht scheiden Ihr werth süßer Leib Von meiner Treue, noch das Herze mein, Mich kann untreue kein ander Weib Ihr nimmer machen, drum muß sie mir sein Vor allen Weiben, denn ihre Güte ist so gut, Daß ich hohen Muth Habe von ihrer Güte, wie sie mir auch thut. Da sie die Lied gelesen, sprach die reine Süße: Geselle, du und dein Herr, ihr kennt beide der losen Worte viel; die Lied sind wahrlich gut, ich will sie behalten, nun reite zu deinem Herrn hin und sage ihm, daß ich ihn gerne sehe und wenn es sein möchte, so soll er sich und mich so bewahren, daß er auf der Hin- und Herreise nicht vermeldet werde; sage ihm meinen Rath, daß er als Aussätzer kann kommen Sonntags Morgens früh mit den Aussätzen; thut mir mit Klopfen Eure Ankunft kund, so sende ich Euch meinen Boten, und was der sagt, das thut heimlich. Er soll darauf nicht zu mir her kommen, daß ich ihn wolle zu mir legen; daß ich ihn gerne sehe, soll er nicht so deuten, daß ich ihn hie minnen wolle, ich erlaube es ihm nur darum, weil du sprichst, er habe mir so lange gedient, ich will ihn hier freundlich bitten, daß er mich Dienstes frei lasse. – »Fraue, ich sage ihm Euren Muth, gewiß kommt er zu Euch, er wird sich der Botschaft freuen, auch ist er wohl so gefüge, daß er kommt, wie er soll, in dem armen Kleid eines Aussätzigen, wie Ihr ihm befohlen habt.« Damit schied der Bote und ritt hin, wo er mich gelassen hatte, da fand er mich leider nicht, da strich er nach mir umher Nacht und Tag, ohne daß er ruhte, so tugendlich war er, bis er mich endlich fand zu Lichtenstein. Am Freitag Abend ritt ich zu Felde, mir war leid, daß mein Bote nicht gekommen war, indem ritt er daher, da sprach mein Mund aus großen Freuden: da kommt mein Bote! der mag mir wohl gute Nachricht bringen. Ich ritt ihm entgegen und sprach: lieber Bote, du sollst mir willkommen sein, so gern hab' ich dich nie gesehen und ich vertraue, daß du mir gute Mähre bringst. Mein Bote sah mich lächelnd an und sprach: ich nehme hie Euern Gruß nicht, ihr müßt zur Erden steigen und vor mir niederknien, ich habe eine Botschaft bei mir, die Eurem Herzen sanfte thut. Alsbald stieg ich vom Rosse und kniete willig vor ihm nieder auf die Knie, der höf'sche Bote ließ mich nicht lange, sondern sprach: steht auf, Herre, ihr mögt hohes Muthes sein, ich habe Euch gute Mähre gebracht. Da wurde mein Herz froh, ich stieg auf mein Roß und sprach: lieber Bote, sag' mir die Mähre, ist mir meine Frau noch gehaß, oder will sie mir gnädig sein? – »Die Tugendreiche will Euch in kurzen Tagen gerne heimlich sehen, am Sonntage Morgens früh vor Essens Zeit, ein Steinhaufe liegt vor ihrer Burg, dahin sollt ihr heimlich kommen. Ihr sollt in schwacher Kleidung an eines bösen Aussätzigen statt zu ihr kommen und Euch wohl bewahren, daß ihr hin und zurücke nicht vermeldet werdet, darum sollt ihr Euch gut verhehlen; ihr sollt aber nicht auf den Wahn hinkommen, daß sie Euch wolle bei ihr liegen lassen, sie will Euch nur gerne sehen und minniglich mit Euch reden. – »Soll ich hinkommen am Sonntage früh, so fürcht' ich, das kann kaum geschehen, denn sie wohnt wohl vierzig Meilen von hier, wie sehr ich auch eile, mag ich schwerlich hinkommen, darum rathe mir.« – »Herre, es ist böse, daß ich Euch da nicht gefunden habe, wo ich Euch ließ, ich wähne, sie wird Euch wieder gehaß, denn die Frauen sind wunderlich, sie wollen, daß man immer ihren Willen thut; ihr mögt die Reise so schnell nicht machen, so wird sie Euch wieder gehaß und deutet es Euch als Trägheit, ich weiß Euch nicht zu rathen.« – »Gott gebe mir Glück: ich will mich auf die Reise heben, ich will versuchen, ob ich hinkommen mag, die Tage sind jetzt lang, man reitet an einem Tage viel, wir sollen nur einen Knecht mitnehmen, der verschwiegen ist, so sind unser nur drei, sechs Pferde nehmen wir mit und wir reiten sie alle zu Tode, oder wir kommen Sonntags noch hin.« – »Freund, Geselle, ihr mögt es versuchen, ich glaube aber nicht, daß es geschehen könne, daß ihr Sonntags früh hinkommt, uns wolle denn Gott beistehn.« – »Ich muß hinkommen, da sie es mir entboten hat, große Missethat wäre es, wollte ich nicht meine Selde versuchen, es muß Ende sein, oder ich sehe das werthe Weib.« Zwanzigstes Capitel. Wie Ulrich in Gestalt eines Aussätzigen zu seiner Frauen kam. Samstages früh hub ich mich auf meine Fahrt selb dritte, Niemand wußte, wohin ich fuhr; am Samstage ritt ich sechsunddreißig Meilen und von meiner großen Tageweite und Eile ward ich sehr müde, zwei meiner Pferde lagen mir auf der Straße todt. Die Nacht war ich in einer Stadt, wo ich mir Näpfe bereiten ließ, wie sie die Aussätzigen haben und schwache Kleid, die legte ich am Morgen an und dergleichen auch mein Bote, lange Messer nahmen wir zu uns, wenn unser Leib in Gefahr kommen sollte. Sonntags Morgens ritt ich von dannen, zwei Meilen, so schwachlich gekleidet, dann ließ ich wo die Pferde verborgen stehn und ich und mein Bote gingen zwei Meilen für eine wunnigliche Burg, worauf die Tugendreiche mit Hause saß. Vor der Burg fand ich viel arme Leute, es saßen da wohl dreißig Aussätzige, denen ihr Siechthum weh that. Ich mußte zu ihnen sitzen, was ich lieber nicht gethan hätte, aber mein Bote wies mich hin, als wenn ich auch unkräftig wäre. Die Siechen grüßten uns und ich saß im Grase zu ihnen nieder. Da fragten sie alle, von wannen wir hergekommen wären, die Frage that mir leid, ich sprach: wir sind zween Gäste und sind noch nie hie gewesen, unsre Armuth rieth uns hieher, ob uns Jemand wohl hie Gutes thäte. Sie sprachen: Ihr seid recht hieher gekommen, wir wissen nicht, ob Ihr gehört habt, daß die Hausfrau jetzt siech hier liegt, davon gibt man uns hie oft Pfennige und Speise genug, eine Jungfrau bringt uns immer Brot und Wein und wüßte man, daß Ihr hie wärt, man gäbe Euch etwas. Ihr mögt wohl anklopfen und nach armer Leute Art bitten, so bringt man Euch Wein und Brot und wenn man Euch heut keine Pfennige gibt, so geschieht es morgen. Da ging ich von den Siechen gegen ein Fenster, wofür ein guter Teppich gehängt war, wie man wohl oft vor ein Fenster thut, wenn man den Wind abhalten will oder das Licht; da nahm ich meinen Napf und klopfte sehr laut an, zugleich bat ich viel jämmerlich, daß man mir Brot geben möchte, weil mir der Hunger weh thäte. Da sah eine Jungfrau aus dem Fenster her und da sie uns zween abgesondert von den andern stehen sah, that sie das Fenster wieder zu und ging zu ihrer Frauen hin und sagte, daß wir da wären. Da ging die Jungfrau aus dem Thor, sie gab den Siechen allen jeglichem einen Pfennig, als sie zu uns kam, sprach die Süße: sagt an, wenn seid Ihr hergekommen, ich sah doch Euch hier noch nicht. Ich sprach mit verkehrter Stimme, daß wir von Ungemach, Siechthum und Armuth Kummer litten; wer uns und Gott Gutes thut, wirkt sein ewiges Heil. Sie ging uns näher und sprach: Ihr sollt mich wissen lassen, wer Ihr seid, ich darf bei Euch nicht länger sein, seid Ihr um meine Frau gekommen, so sagt es mir schnell. Da sprach ich: wahrlich, Eure Frau hieß mich her kommen, ich bin der, der ihr immer bis an seinen Tod dienen will. Da sprach die Magd: ihr seht aber einem solchen sehr ungleich, der um Frauengunst im Tyostiren Speere verschwendet hat; ich will meiner Frauen sagen, daß Ihr um sie hergekommen seid, ich komme dann wieder und sage Euch, wie Ihr hie gebaren sollt. Damit ging die Magd von mir, wo sie die Gute fand, der sagte sie, daß ich da sei, da sprach die reine Süße; des bin ich froh, sag' ihm, daß er mir willkommen sei, gehe wieder zu ihm und bringe ihm etwas und sage ihm, daß er von dem Berge gehe und sich vor dem Vermelden wohl bewahre, damit er meiner Ehre hüte. Am Abend soll er dann wieder herauf kommen, so will ich ihn dann wissen lassen, was er thun soll, trage ihm jetzt nur Speise hin, Hühner, Brot und Wein. Die Magd kam wieder, wo ich noch wartend stand, sie und eine andre Jungfrau brachten mir Speise und des Weins genug, da ich sie selbander kommen sah, setzte ich den Napf sehr ferne hin und sprach: da legt es hinein, denn ich bin leider sehr siech. So stund die eine Jungfrau still und die andre kam mir näher und sprach: ich scheue mich vor dem Siechthum nicht; Euch heißt meine Frau willkommen sein, sie will Euch gerne sehen, wenn es sich fügen möge, Ihr sollt schnell vom Berge gehn und Euch vor dem Vermelden hüten und dann zu Abend wieder herauf kommen, so will ich Euch meiner Frauen Muth wissen lassen, der ist gewiß gegen Euch gut, denn so hold war sie noch keinem Ritter. Damit ging die Jungfrau von mir. Da nahm ich die Speise und das Trinken und trug es zu den Aussätzigen, ich sprach: meine Fraue hat uns heute genug gegeben, nie empfing ich so große Almosen und will es mit Euch theilen, was wir empfangen, sollen wir gemeine haben und so thut Ihr uns dasselbe, wenn man Euch gute Speise gibt. Sie sprachen: ja, das soll sein, wir theilen alles mit einander und leben geselliglich. So saßen wir alle zu Ringe und setzten die Speise in die Mitte, aber mir grausete vor den Siechen und meine Zucht erlaubt mir nicht zu sagen, welch Unflath und Krankheit ich da sah und ich hätte nicht mit ihnen gegessen, wenn ich die Ehre meiner Frauen nicht hätte hüten müssen. Damit die Siechen mich nicht erkennen sollten, hatte ich mir mit Wurzen auch ein krankes Ansehn gegeben, denn ich weiß eine Wurz, nimmt man die in den Mund, so schwillt man und bekommt bleiche Farbe, diese brauchte ich damals, auch hatte ich mein Haar grau gefärbet, was ich jetzt nicht mehr dürfte, weil ich jetzt fast grau bin von meinen Sorgen, denn vor Alter sollte ich es noch nicht sein, so hatte Minne und ander Leid mein Haar zum zweiten Mal bekleidet. Minne und ungetreuer Rath haben mein Haupt grau gefärbt: welcher Mann viel der Minne dient und die Minne ihm dann nicht lohnt, der muß viel Ungemuthe haben, wenn er Niemand, als seiner Frauen, sein Leid klagen darf: so hat mir auch ungetreuer Rath vielen Schaden gefügt, das will ich aber jetzt hier verschweigen und nur das Mähr weiter sagen. Da wir Siechen gegessen, ging ich bald von dem Berge in das Dorf und bat als ein Siecher um Almosen, man gab mir viel Stücklein, die ich um meine Fraue nahm, ich trug es fort und legte es in einer Zeile nieder, ich weiß nicht, wer es von da weggenommen hat. So ging ich durch Kurzeweile betteln, bis die Sonne unterging und als es bald Abend werden wollte, ging ich wieder für die Burg und saß an meiner Stelle unter den Siechen nieder. Ich fragte sie, ob man schon gegessen habe, sie sagten: jetzt ist die Zeit, daß man uns Abends das Almosen gibt und jeglicher dann in die Herberge geht. Nach einer guten Weile kam die Magd wieder zu uns und brachte uns Wein und Speise, sie sprach zu mir: Ihr sollt hinabgehn und früh zur Essenszeit wieder kommen. Ich sprach: was frommt es meiner Frauen, daß ich auf so wunderliche Art hier bin, daß ich sie nicht heimlich sehen soll? Die Magd sprach: das kann bis morgen Nacht nicht geschehen, sie sieht Euch, ehe Ihr von hinnen fahrt, hütet Euch nur vor dem Vermelden. Als die Jungfrau fort war, aß ich sehr ungern in Gesellschaft der Siechen, hernach bat mich jeder von ihnen zu sich nach Hause, da sprach ich: einer meiner Gesellen liegt sehr unkräftig, dahin will ich gehen und die Nacht um Gottes Willen bei ihm sein. Da ging ich von der Burg ferne in ein Feld, wo das Korn dick und hoch gewachsen war, darein floh ich vor den Leuten, ich und mein Geselle, das Korn mußte unsre Herberge sein. Da gewann ich eine sehr böse Nacht, denn als es finster wurde, erhub sich ein großer Wind und ungefüge goß der Regen, da mußt' ich großes Ungemach leiden, ein elender Rock und schlechtes Mäntelein waren mein Dach gegen den Regen, ich starb fast vor Frost. Herzlich froh war ich, als ich den Schein des Tages ersah, da lief ich so lange herum, bis ich warm wurde. Als Ereck in Enitens Armen lag, da war ihm baß, als mir in dieser Nacht. Hätte ich nicht auf lieben Wahn da gelebt, ich wäre nicht genesen, die süße Hoffnung erhielt mich. Als die Sonne hoch stand, ging ich wieder vor die Burg und bat mit Klopfen, daß man mir etwas gäbe; was ich an hatte, war alles naß. Da kam die Jungfrau und brachte wieder viele Speise mit sich: ich dachte, meine Fraue will mich wohl gerne siech machen, die Magd sprach zu mir, wo seid Ihr heut gewesen? Ihr habt gewiß vom Wetter Noth gelitten, wenn Ihr ohne Dach gewesen seid. Ich sprach: viel Ungemach hab' ich erlitten und fast wäre ich todt gewesen vor Frost, aber alles dulde ich gern, wenn die Gute mir Gnade thut. Sie sprach: esset und geht dann wieder vom Berge, kommt aber zu Abend wieder her, denn meine Fraue will Euch in dieser Nacht sehen. Damit schied sie von mir und ging zu den Siechen, mit denen mußte ich wieder essen. Nachher ging ich in einen Wald, wo viele Vögel sangen, da setzte ich mich in die Sonne und vergaß des Frostes, mein Geselle klubte hier und dort und brachte mit dieser Kunst den Tag hin, aber kein Tag ist mir so lang geworden. Als der Abend anging, stand ich auf und ging im hohen Muthe von dannen, ich saß wieder vor der Burg, war aber zu früh gekommen, ich freute mich, daß ich hier meine Fraue sehen sollte. Da kam die züchtige Magd wieder zu mir und sprach: Ihr habt klug gethan, daß Ihr seid so früh gekommen, einer von den Siechen spricht, Ihr währt kein Aussätziger, Ihr trüget so gute linnene Unterkleid, daß sie wohl ein Edelmann führen dürfte, ich weiß nicht, wie er sie gesehen hat, er hat aber so zu mir gesprochen, nur fürchte ich, daß er es andern auch noch sage. Ich sprach: wenn ich vermeldet werde, so ist es nur meiner Frauen Schuld, warum wollte sie, daß ich hier saß und alle Tage herging? Rathet nun, Frau, was ich thue. Sie sprach: Ihr sollt nicht lange hie bleiben und wieder hinab gehen und wenn sich Tag und Nacht scheidet, so kommt wieder und verbergt Euch dort gut in dem Graben und merkt wohl: seht Ihr dort jenes hohe Fenster? Wenn man dort heraus ein Licht hält, so säumt Euch nicht länger, Ihr kommt schnell daher und findet Leilachen hangen, zusammen gebunden, womit man Euch dann hinauf ziehen soll. Einundzwanzigstes Capitel. Wie Ulrich seine Frau sah. Ich that, wie die Magd rieth, und ging schnell wieder in den Wald, mein Muth war in hohen Freuden. Im Walde blieb ich, bis der Tag ein Ende nahm. Als es finster war, eilte ich in den Graben und vermauerte mich da mit Steinen, daß mich Niemand sehen konnte, also that auch mein Geselle, und wir lagen beide sehr still. Als wir so verborgen waren, ging der Hausschaffer selb siebent um die Burg hin und her, er nahm fleißig wahr, ob Jemand irgend wo verborgen sei. Dann ging er in die Burg, und ich sah das Licht aus dem Fenster, sogleich zog ich mein Obergewand ab, das ich als ein Siecher trug, und verbarg es, ich schlich unter das Fenster, wo ich die Leilachen hängend fand, darein trat ich willig, mein gefüger Geselle schob nach, und zarte Händelein zogen mich etwas empor. Da ich so hoch war, daß mein treuer Geselle mir nicht mehr helfen konnte, da mochten sie mich nicht weiter bringen, und sie ließen mich schnell wieder nieder; von neuem versuchten sie es, aber sie mußten mich immer wieder nieder lassen, und das geschah drei Mal. Da ich zum dritten Mal auf die Erde kam, trat ich vor Ungemuthe aus den Leilachen, ich sprach: guter Geselle, du bist wohl leichter als ich, tritt du hinein, so ziehen sie dich hinauf. Das geschah alsbald; ich schob willig nach, sie zogen ihn schnell hinauf, und ich freute mich des. Als er in die Kemenat kam, ward er mit einem Kusse empfangen, denn eine meiner Nifteln küßte ihn für mich, deß sie sich nachher oft geschämt hat. Als der fremde Kuß ergangen war, ließ mein Geselle die Leilachen schnell zu mir nieder, ich trat mit gutem Willen hinein, und alsbald wurde ich hinaufgezogen. Ich stieg in das Fenster, und meine Niftel drückte gleich ihren rothen Mund auf den meinen, dann wies sie mich in einen Winkel, und legte mir eine Suckenie an, die von Seide und Gold war, darin ging ich zu meiner Frauen. Die Reine saß auf einem Bette, und empfing mich züchtiglich, sie sagte mir willkommen. Die Gute hatte ein kleines Hemde an, eine Suckenie darüber von Scharlach, die war härmin gefurret, ihr Mantel war grün, darunter war eine schöne Chürsen, die Chürsen hatte einen mäßig breiten Ueberfall. Acht Frauen stunden bei ihr, die auch gut gekleidet waren; auf dem Bette lag von Sammt eine Matraz, darüber zwei seidene Leilachen, darauf lag ein herrliches Deckelachen, auch lag da ein köstliches Polster und zwei wunnigliche Kissen, das Bettgerüst sah man nirgend hervor scheinen und manch guter Teppich war sein Dach; zu den Füßen am Bett brannten zwei große Licht auf zweien Kerzstaln und an den Wänden hingen wohl hundert Licht. Die acht Frauen waren klar und minniglich, sie hatten köstliches Gewand, aber mir däuchte doch, es wären da der Frauen zu viel; ich sah sie von Herzen ungern. Als meine werthe Frau so schön da saß, kniete ich vor sie nieder und sprach: Fraue, um Eure hochgelobte Tugend, um Euren reinen Muth, seid mir gnädig, gedenket der Begier meines Herzens, die ich zu Eurer Minne habe, gedenket, daß Ihr mir lieber seid, als alle Weib: soll ich Euch hie beiliegen, so ist mir alles gewährt, was ich nur je gewünscht, Ihr mögt mir hie hohen Muth und werthes Leben schenken. Da sprach die Reine Gute: dazu sollt Ihr keinen Muth haben, daß ich Euch hie zu mir lege, denn dessen bleibt Ihr immer ungewährt, ich will Euch zu wissen thun, warum ich Euch habe herkommen lassen: daß ich Euch heimlich hie gern gesehen habe, ist nur Euch zu Ehren geschehn, denn Ihr habt so gefahren, daß Euch jegliches Weib darum immer ehren soll, und könnte ich Euch Ehre geben, die solltet Ihr von mir haben, nehmt es für Ehre, daß ich Euch in mein Gemach habe kommen lassen, was noch keinem Ritter geschah; mein Mann und mein Herr kann deß immer ohne Angst sein, daß ich je einen Mann minnen möge, denn wollte ich es auch nicht um Gott und um meine Ehre lassen, so würde er mich doch wohl behüten, doch ist meine Ehre eine noch stärkere Wacht, mein reiner Muth frommt ihm hie mehr als alles; daß ich so meine Ehre wage, ist nur Euch zu Ehren geschehen und würde Jemand hie Euer innen, so wäre meine Ehre verloren; drum sollt Ihr diese Wage mir danken. – »Immer will ich Euch danken, liebe Fraue, was Ihr mir auch thut, denn ich weiß, daß Ihr mich vom Trauern scheidet, ich zweifle nicht, daß mir hier Lieb' von Euch geschieht.« Sie sprach: die Rede sollt Ihr lassen, wenn Ihr meine Huld behalten wollt, daß Ihr nicht meiner Ehre begehrt, begehrt Ihr es, so verliert Ihr ganz meine Huld. Von dieser Drohung erschrak ich und stand auf, ich ging zu meiner Niftel und sprach: Was soll das sein? soll ich umsonst hergekommen sein, so verliere ich allen hohen Muth, das will ich ihrer Güte nicht zutrauen, denn es wäre eine große Missethat, nein, Niftel, ich komme wahrlich nicht von hinnen, mir geschehe denn Lieb von meiner Frauen, sie wird sich besser bedenken, und mich nicht hie verderben lassen. Da sprach meine Niftel: Neffe, ich weiß fürwahr, daß sie dich nur um das hat herkommen lassen, was sie spricht, drum hat sie unser hie innen so viel, daß du nicht etwa mit ihr ringest, wie es mancher Männer Sitte ist, und rührst du sie nur wider ihren Willen an, so wird sie dir nie wieder hold, und dein Wille würde doch nicht geschehen: das aber habe ich von ihr gehört, daß dir noch Liebe von ihr geschieht, wenn du in ihrem Dienste nicht wankest. Ich sprach: ich greife sie nicht wider ihren Willen an, denn ich weiß wohl, daß Ihr es mir nicht gestattet, wären aber euer hie innen nicht so viel, so wollte ich mit Ihr ringen, bis sie mir den Sieg geben müßte. – »Neffe, folge mir, das ist dir gut, denn ich kenne ihren Sinn, thue jetzt ganz ihren Willen, so magst du ihr in kurzen Zeiten doch beiliegen, denn sie ist so gut, daß sie dir noch gnädig wird. Geh wieder zu ihr, und kniee vor ihr nieder, bitte, daß sie dir Gnade thut, denn deine löbliche Rede ist ihr nicht leid, wenn Ritters Mund gütlich spricht, das taugt ihm bei werthen Weiben, denn wir Frauen sind gütlich gemuth.« Da ging ich wieder zu meiner Frauen und sprach: Ihr sollt mir gnädig sein, um Eure Würdigkeit, die Gott an Euch gelegt hat, laßt mich nicht so von Euch scheiden, erzeigt mir hie die Güte, die man Euch rühmt, und macht mich durch Eure Minne froh, bedenkt, daß Ihr mich durch Gnade habt herkommen lassen, soll mir nun mein Herkommen nichts helfen, so bin ich immer aller Freuden frei, und werde nie wieder froh; hörte das Jemand, daß ich so von Euch gekommen sei, so kränkte das Eure Würdigkeit und das ist mir Noth über alle Noth, wenn ich je etwas vernehmen müßte, das Eurer Ehre nicht geziemt. Frau, meiner Freuden Schein, Frau über Herz und über Muth, Fraue über alles was ich habe oder gewinnen kann, Ihr seid die, der ich zu Diensten lebe, und wenn ich tausend Jahr sollte alt werden, mein Dienst bleibt immer mit lauterlicher Treue an Euch gelegt, aber das sollt Ihr mich auch durch Eure Güte genießen lassen; laßt es mich genießen, daß ihr meiner Freuden Hochgezeit seid, o wie müßte sich Eure Würdigkeit schämen, wenn ich heute wieder so von Euch ginge, durch Eure Schuld müßte ich immer unfroh sein, nein, Eure Minne muß mir hohen Muth und werthes Leben schenken. Da sprach die Reine: diese Bitte ist Euch nicht gut, wollte Ich Euch minnen, so wär' ich wohl so witzig, daß ich Euch anders empfangen hätte; bittet Ihr aber länger so, so werde ich Euch sehr ungemuth. Da trat ich von dem Bett zurück, und ihr rother Mund sprach: wollt Ihr nun mit mir gehen, so will ich Euch mehr Zimmer schauen lassen. Da ging die Reine in ein schönes Speisegemach, wo sie wieder nieder saß, sie sprach: ich habe meine Ehre sehr gewagt, daß ich Euch also heimlich habe kommen lassen, daß ich Euch also Ehre thue, darum könnt Ihr wohl hochgemuth sein. – »Fraue, wenn Ihr mich ehrt, so will ich das immer dienen, denn Ihr seid, an der alle meine Freude liegt, daß Ihr mich aber habt so herkommen lassen, damit wird mir alle Freude und hoher Muth genommen, wenn Ihr mir nicht die Gnade thut, daß ich Euch hie beiliege: habe ich denn gegen Euch etwas gethan, wodurch ich Eure Minne entbehre? Wenn das ist, will ich mich selbst um die schuld immer hassen; habe ich Euch hie mit irgend was beschweret, so thut es mir leid, denn ich will Euch immer und ohne Wank mit rechten Treuen dienen; Ihr seid gewiß so gut, daß Ihr mich aus Minne habt herkommen lassen; wie habe ich dies nun verwirkt?« Die Gute sprach, ich war Euch nie gehaß, Ihr könnt es aber wohl hie so verdienen, daß Ihr meine Huld verliert, wenn Ihr die dumme Bitte nicht laßt, die Ihr so frevelich thut, sprecht Ihr aber noch davon, so will ich Euch gar nicht mehr antworten. Da stund ich auf und war traurig, ich ging wieder zu meiner Niftel und sprach: Niftel, rathe mir, ich wäre sanfter todt, denn daß meine Fraue soll frei von meiner Minne sein. – »Neffe, ich rathe dir, aber du mußt auch folgen, thue so, wie deine Frau dir gebietet, denn sie ist dir hold, und lohnt dir dann wohl deinen treuen Muth.« – »Niftel, ich sage dir bei meiner Treue, ich komme nicht von hinnen, wenn mir nicht Liebe von Ihr geschieht, ich will eher hie todt liegen: sollte ich so von hinnen fahren, so müßte ich immerdar trauern, darum will ich lieber hie sterben, ich weiß, daß ich verloren bin, wenn ich bis morgen hie bleibe, aber sie hat auch dann mit mir ihre Ehre verloren, das sollte sie bedenken, denn ich gehe nicht so von hinnen.« Da sprach meine Niftel: ich will es meiner Frauen sagen, daß du nicht von hinnen willst, welch Leid dir auch darum geschieht. Sie ging zu meiner Frauen und sprach: seht Fraue, was Ihr thut, mein Neffe Ulrich will nicht von hinnen, wenn ihm nicht Lieb von Euch geschieht. Da sprach die Tugendreiche: das wäre mir und ihm schädlich, fürchtete er auch nicht für sich, sollte er doch durch seine Treue meiner Ehre hüten: du sollst ihm sagen, daß er solch Gemüthe lasse, denn wenn er meinen Willen thut, so will ich wahrlich auch den seinen thun, gewährt er mir meine Bitte, so will ich auch thun, was er begehrt; will er aber ohne meinen Willen meine Minne erkriegen, so ist das ein dummer Gedanke, thut er aber gütlich, was ich ihm heiße, so will ich ihn minniglich grüßen, wie ein gutes Weib ihren lieben Mann. Da kam meine Niftel zu mir Sehnenden, und sprach: gehabe dich wohl, keine Fraue erbot es je einem Ritter baß, als die deine, wenn du Ihr in Güte folgst, so sollst du ihre Minne nicht erkriegen wollen, thust du ihren Willen nicht, so mußt du immer ihre Huld entbehren, willst du aber gütlich um ihre Minne werben, so mag dir noch Lieb geschehen. Indeß kam meine Frau zu uns, und sprach: Gott weiß, daß ich noch keinen Mann so sinnlos gesehen habe, bleibt Ihr hier, bis die Nacht vergeht, so verliert Ihr das Leben; wollt Ihr nicht züchtig gegen mich sein, so begehrt mein nicht zum Freunde, so ist auch Eure Treue nichts gegen mich: man sagt mir, Ihr wollt mir zum Dienst bereit sein, daran hat man aber gelogen, das sehe ich an Eurer Sitte, denn um was ich Euch flehe, das versaget Ihr mir. Da sprach ich: liebe Fraue, ich will Euch immer dienen mit Treue bis an meinen Tod, von Eurer Liebe werde ich nimmer frei, drum laßt mich in Euren Hulden sein, daß ich Euch hie beiliege, denn scheide ich so von Euch, so that nie eine Frau an keinem Ritter schlimmer als Ihr an mir; wie habe ich verschuldet, daß Ihr mich so verderben wollt? Da sprach die Reine: folget mir, das ist Euch gut. Tretet wieder in das Leilachen, so lasse ich Euch ein wenig nieder, und ziehe Euch dann wieder her, und grüße Euch minniglich, wenn ich Euch so empfangen habe, so bin ich Euch ganz unterthan, was Ihr mit mir beginnen wollt, denn ich habe mir zu Freuden Euch vor allen Rittern erwählt. – »Fraue, wüßt' ich das, so thät' ich Euren Willen, nur muß ich aber fürchten, daß Ihr mich nieder laßt und mich nicht wieder herauf ziehet.« Sie sprach: ich will Euch ein Pfand setzen, Ihr sollt mich fest bei der Hand halten, das erlaube ich Euch; Ihr mögt wohl nicht gar getreu sein, da Ihr mir nicht vertrauen wollt. – »Liebe Fraue, ich will mich in Eure Gnade empfohlen sein lassen.« Sie sprach: es soll Euch gut werden, wenn Ihr hie meinen Willen thut, seid ohne Angst, ich thue dann Euren Willen. Die Gute nahm mich bei der Hand, und führte mich zu den Leilachen zu dem Fenster, da hieß sie mich eintreten, und sprach: seid nur ohne Angst, ich lasse Euch nicht so von mir kommen. Mit Sorgen trat ich in die Leilachen, da ließ man mich so weit hinab, daß man mich wieder hinaufziehen sollte, da sprach die Gute mit Listen zu mir, Gott weiß, daß ich nie so lieben Ritter sah, als der mich hie bei der Hand hat, darum sei mir willkommen! Sie fing mich bei dem Kinne, und sprach: Freund, nun küsse mich, davon ward ich so froh, daß ich ihre Hand fahren ließ, in demselben Augenblick fuhr ich so schnell hinab, daß ich mich wohl zu todt gefallen hätte, wenn Gott mich nicht beschützte. Als ich unten weg war, zog man die Leilachen wieder zurück. Da saß ich traurig in herzlichen Sorgen, vor Leid verlor ich fast die Sinne, laut schrie ich: O weh! o weh! o weh! Weh, daß ich geboren ward. Nach dem Schreien sprang ich auf, und lief ohne Sinnen einen steilen Weg zu Thal einem tiefen Wasser zu, worein ich mich ertränken wollte. Ich wäre da gestorben, wäre mein Geselle nicht zu mir gekommen, den ließ man mir schnelle nach. Da der Getreue hörte, daß ich also schrie, lief er mir nach und ergriff mich, als ich den Fall in das Wasser thun wollte, und sprach: o weh, was soll das sein? Lieber Freund und Herre! Wollt Ihr Euch selber den Tod thun, so hättet Ihr Leib und Seele verloren. Auf und seid ein Mann! Ich sprach: wahrlich, es muß hie ein Ende sein, da ich vor Bosheit das süße Weib verloren habe, darum will ich nun nicht länger leben. Er sprach: Ihr mögt noch gerne leben, denn meine Frau schickt Euch Ihr Wangen-Kissen, darauf sie manche Nacht gelegen ist. Da ich das Wangen-Kissen sah, kam ich zum Theil zu meinen Witzen wieder, traurig saß ich auf dem Boden und sah den Getreuen mit weinenden Augen an und sprach. o weh! mir ist übel geschehen, das reine süße Weib hat mich betrogen. Da sprach mein Geselle: Herre, Ihr sollt mit Freuden sein, denn bald will sie Euch minniglich grüßen, um Euch zu ergötzen: aber wir dürfen nicht länger hie bleiben, der Tag will schon aufgehen, Ihr sollt um Euren dummen jungen Knecht sorgen, ob er auch noch bei den Rossen sei, oder ob man ihn vermeldet habe, denn meine Sorge ist, daß wir zu lange von ihm bleiben, er weiß nicht, wohin wir gekommen sind und wähnt wohl gar, wir seien todt, darum ist mein Rath, daß wir zu ihm gehen. Ich sprach: Ich will dir gerne folgen, es dünkt mir selbst wohlgethan, und sind uns die Pferde nicht genommen, so kommen wir schnell wieder her, ob mir meine Frau nun gnädig sein wolle. Wir gingen schnell fort, und fanden die Pferde, wo wir sie verborgen hatten, der Knecht rief freudig: willkommen mein lieber Herr! ich fürchte schon, Ihr wäret todt. Ich sprach: das lohne dir Gott, du hättest viel an mir verloren, denn du bist mein Freund, kein anderer Knecht weiß mein Geheimniß, als nur du. Da sprach mein Geselle: Herr, nun seid bei Witzen, ich darf Euch länger nicht verschweigen, was Eure Frau Euch entboten hat, erführe man, was Ihr heut Morgen habt thun wollen, so hättet Ihr gar Eure Würdigkeit verloren, das war ein unmannlicher Muth, ich freue mich, daß es Niemand gesehen hat. Ich sprach: Freund, du sollst mir nun mit rechter Wahrheit sagen, was du mir sagen willst, sei ohne Angst, daß ich die That noch einmal begehe. – »Sie hat Euch entboten, daß Ihr von heut über zwanzig Tage zu Ihr kommen sollt, so will sie Euch so empfangen, daß Ihr immer froh sein mögt, sie hat Euch jetzt sehr ungern von sich gelassen, nur daß eine Fraue bei ihr war, um die sie es thun mußte, die fährt nun von dannen, dessen sie herzlich froh ist, dann sollt Ihr wieder kommen, dann will sie Euch zehn Tage da behalten, und es Euch so entbieten, wie ein gutes Weib ihrem Freunde soll.« – O wollte Gott, du sprächest wahr, und rathe mir, wo ich die Zeit bleibe. Er sprach: Ihr sollt heim reiten nach Lichtenstein , dort weiß Niemand, wo Ihr geblieben seid. Zweiundzwanzigstes Capitel. Ulrich will eine Fahrt über Meer thun. Ich ritt schnell nach Lichtenstein , wo ich mein Gesinde gelassen hatte, sie grüßten mich alle freudig, weil sie nicht wußten, wohin ich gekommen war, ich dankte ihnen, und blieb drei Tage da, dann ritt ich nach Oesterreich, denn zu Sanct Pölten war eine Turnei, dahin ritt ich mit sechs Gesellen, mein Bote folgte mir auch. Auf der Straße zwang mich wieder mein sehnend Leid, und ich sprach zu meinem Boten: Möchte es mit deinen Hulden sein, so wäre mir lieb, wenn du zu Ihr rittest, daß du erführst, ob sie mir feind oder noch hold sei, und auf welche Weise ich heimlich zu ihr kommen soll. – »Ich fahre gern um Euretwillen hin, seid nur bei dem Turnei hochgemuth.« Er schied von mir, und kam zu der Werthen, sie sprach zu ihm: Freund: ich bin deiner Kunst froh, du sollst mir nach der Wahrheit sagen, wie dein Herr sich gehabt. –– Da sprach der Bote: Fraue, wollt Ihr ihm gnädig sein, so wird er noch froh, Gott weiß, daß Ihr übel an ihm thut, denn ich habe noch keinen Ritter gesehen, der ein Weib so liebte; seine Witze brachen ihm, da er von Euch hier so scheiden mußte, ich hörte ihn laut das üble Wort: O weh! schreien. da lief ich ihm nach, und fand ihn, wie sich sein Sinn verkehrt hatte, er wollte sich selber den Tod in dem Wasser hie gethan haben, er hätte sich ertränket, hätte ich es nicht mit Witzen gehindert, und ihm gute Botschaft gesagt, die ihm wieder Kräfte gab: ich sagte ihm von Euch, daß er des Nachts wieder herkommen sollte, so wollet Ihr ihn minnen, davon kam sein Sinn wieder, ich gab ihm Euer Wangen-Kissen in die Hand, da wähnte er, alles sei wahr, was ich ihm gesagt hatte, darauf rieth ich ihm, zu seinen Pferden zu gehen, und als wir den Knecht fanden, sagt' ich ihm wieder, Ihr wolltet ihn über zwanzig Tage sehen und daß es Euch weh thäte, daß Ihr ihn von hinnen gelassen es sei nur um eine Frau geschehen, vor der Ihr Euch bewähren müßtet, diese würde aber bald fortreisen, so habe ich ihm von Euch gelogen, aus Furcht, der biedre Mann möchte sich sonst das böse Leid selbst thun; aber seid Ihr ihm nun nicht gnädig, so verwandelt er gar seinen Sinn; nun hat er mich auf den minniglichen Wahn wieder hergesandt, daß Ihr weibliche Güte an ihm begehen sollt, zu Sanct Pölten soll ich ihm Euern Willen sagen, da ist ein Turnei, wohin er Euch zu dienen gegangen ist. Die Gute sprach: er wäre wohl lieber froh als traurig, wenn er Sinne hätte, denn ein trauriger Ritter erwirbt nie ein werthes Weib, welch Weib sich ertrauern läßt, das ist missethan; als er hier seine Zucht so brach, daß er so jämmerlich schrie, so hörte es der Wächter und ging von der Zinne und sagte in der Burg, er höre den Valand; man fragte ihn, wie und wo, er sagte. da bei der Mauer hört ich ihn laut: O weh! schreien, so fuhr er den steilen Weg zu Thal, daß ich dessen erschrak, die Steine rollten ihm nach, ich segnete mich in der Angst: wie behagt dir nun, mein Geselle, daß dein Herr so gebart; soll ein Ritter klagen wie ein krankes Weib? Da sprach der Bote: wohl hat er übel daran gethan, aber er hatte seinen Sinn so verkehrt, daß er sein Leben geringe schätzte, hätte ich ihn nicht mit süßen Worten getröstet, so wäre er hie todt gelegen, und thut Ihr ihm nicht Gnade, so hat auch in kurzen Zeiten sein Leben ein Ende. – »Bote, sage deinem Herrn, wenn er meine Minne verdienen will, so muß er um mich eine Fahrt über Meer fahren, und behütet ihn Gott, daß er glücklich wiederkommt, so will ich ihn bei meinen Treuen so minniglich lohnen, daß er immer freudenreich bleibt, denn du weißt, daß ich seinen Dienst noch nie wollte angenommen haben, diese Fahrt aber soll er mir zu Dienste thun, dann lohne ich ihm, daß ich ihm all sein sehnendes Leid verschwende.« – »Fraue, ich sage ihm Euern Willen, und gewiß thut er die Fahrt, denn ich weiß, ihm kann nichts Lieberes geschehen, als wenn Ihr Dienste von ihm begehrt.« So schied der Bote von ihr. Er fand mich zu Wasserberg , dahin war ich vor dem Turnei geritten. Ich ging mit ihm allein und sprach: du sollst mich wissen lassen, was meine Fraue mir entboten hat. Da sprach der Bote: sie sagt, Ihr habt mit Dienst noch keinen hohen Minnesold geholt, Ihr müßt noch eine Fahrt fahren, und wenn Euch Gott behütet, daß Ihr glücklich wiederkehrt, dann will sie Euch lohnen; die Fahrt soll über Meer sein. Ich sprach: der Fahrt wird sie gewährt, ich will um sie todt liegen, oder ich hole ihren Minnesold. Er sprach: mir gefällt die Fahr nicht, denn Ihr mögt wohl todt liegen, wann Ihr über See fahrt und verliert Ihr so um ein Weib den Leib, so habt Ihr auch die Seele verloren, darum sollt Ihr hier bleiben. Da sprach ich: Freund, Gott ist so gut und erbarmend und so tugendreich, daß es ihm nicht leid ist, wenn ein Mann einem Weibe herzlich dient, es ist sein Wille, daß man den Frauen mit Dienst bereit sein soll, und Gott wird mich beschützen, denn ich will wahrlich die Fahrt thun, da meine Frau es mir entboten hat; ich wäre an Ehren verzagt, wenn ich ihr nicht dazu bereit wäre, ich bin froh, daß sie diese Fahrt von mir zu Dienste fodert, ohne ihren Dank habe ich ihr alle meine Jahr gedienet, wankte ich nun in meinem Dienste, den meine Fraue mir gebietet, so müßte ich gar verzagt sein. – »Da Ihr der Fahrt nicht abstehen wollt, so entbietet es ihr bald, denn sie ist dessen froh, ich will die Botschaft gern werben, ich weiß, ich werde gut von ihr empfangen, denn die Botschaft thut ihr sanft.« – »Da du mich tröstest, Geselle, daß sie es gerne hört, so will ich ihr wieder eine Botschaft dichten und ihr ein klein Büchlein senden, das ihr meinen Willen sagt, daß ich die Fahrt um sie gerne thue.« Damit schied ich von den Boten und dichtete neue Lied und auch ein kleines Büchlein, kein Büchlein ward je so minniglich gedichtet. Dann ritt mein Bote zu meiner lieben Frauen, die sprach: Geselle, willkommen, du sollst mir sagen, ob dein Herr auf der werthen Fahrt Lohn erjagen will. – »Er hat mich gesandt, daß er alles gerne thut, womit er Euch dienen kann, er ist der Fahrt bereit und von Herzen froh, er sendet Euch ein Büchlein und gute neue Lied. Sie nahm Lied und Büchlein und ging, wo sie beides las. Das Büchlein sprach so:   Das dritte Büchlein.               Wohl her, Freund, an meinen Rath, An dem mein Rath besonder staht, Gebt mir Lehre und gebt mir Rath Darnach als es mir staht, Freund, Rath und Lehre Bedurft ich nicht so sehre. Nach Herzenliebe für Herzenschwere Suche ich, Freund, Rath und Lehre, Nu rathet und lehret wohl Wie Freunde Freunden rathen soll, Ich meine Euch beide, Herze und Sinn, In Eurem Geleit ich gerne bin, Nun laßt sehen mich dabei Wie gut Euer Geleite sei, Nehmt alle meine Gedanken gar An Eure Rede, ich sende Euch dar Meinen sehre sehnenden Muth, Ich weiß viel wohl, der ist nur gut, Dabei die währende Stete mein Soll auch in diesem Rathe sein, Und ihr Gespiel meine Treue Schlicht und immer neue, Nu rathet alle sonder Krank, So hülfet Euch Gott ohne argen Wank: Wie ich Dummer, ich Sinnes-Kranke Ohne kranke so danke Der lieben werthen Frauen mein, Daß ihr Leib und sie viel selig müsse sein Für die Würde und die Würdigkeit Der sie viel hat überstreut Und gelegt an meinen Leib, Aller Selden ein selig Weib, Aller meiner Freuden Fraue, Die viel freudenreiche Schaue Die sie zu Freuden meinem Leben Hat gefüget und gegeben: O daß ich so viel töchte, Daß ich ihr danken möchte Um ihr viel werthes Angesicht So wie ich sollte! – Nein, ich nicht! Ich habe dazu nicht Sinne noch Gedank. Denn dem Danken wäre zu krank Salomon der weise, Denn gleichet dem Paradeise Ein Ding hie auf der Erde, In gleicher Wunne in gleichem Werthe, Hat das Jemands Auge gesehen, Soll ich bei Gott Wahrheit gestehen, So helfe mir Gott, ich muß gestehen, Daß ich es habe an ihr gesehen, Ich meine, als ich die Reine falsches frei Mir so rechte nahe bei Vertraut und heimelich (Da ich sie nicht als Gast beschlich) Mit ihrem viel guten Willen sach, Das spreche ich noch, als ich da sprach, Mit Herzen und mit Mund, Daß wir die liebe Stund Und die Schlaue thät so wohl, Daß ich die Freude von Rechte soll Beide muß und immer will Für aller andern Freuden Ziel Preisen und krönen, Und wünsche der viel Schönen, Daß ihr Leib, ihr Lob, ihre Ehre Sei selig immermehre, Sie Liebe, sie Reine, sie Selig, sie Hehre. Was Selden ich von Kinde her Noch über meines Herzens Begehr Habe gesehn und hören nennen, Kann ich für Selde nicht erkennen, Bei der viel hohen Seligkeit Die mir war allda bereit, Viel seldenreiche Fraue mein, Daß ich den wonniglichen Schein Und das freudeschwang're Sommerjahr Das in Eurer Schöne blühet gar So rechte seliglichen sah, Davon so Liebe mir geschah. Daß ich der Freuden' immer will Mich freuen bis an meines Endes Ziel, Und all mein Wünschen, das ich han Hie viel manniche Zeit gethan Das war viel nah ergangen gar, Sich hätte mein Wille mein Wunsch alldar In Gelegenheit wonniglich Gefüget und geleget sich, Wie ich ihn legen wollte, Wenn ich wünschen sollte: Was sollte mir fürbas mehre Bess're Freude, großre Ehre, Größre Selde, besser Trost, Wie würde ich immer das erlost Von Herzensschwere, von Herzensleide, Denn von solcher Augenweide Und solcher Wunder-Schaue? Meine viel herzensliebe Fraue, Ich war zu Wunsche gar gewährt Was mein Wunsch je hatte begehrt, Daß keines Wunsches ist gebrast, Denn daß ich eines war ein Gast Das da heißet Krone Ob aller Freuden Lohne, Aus meiner Selden Fingerlein War meiner Freuden Rubein Recht da mitten ausgenommen; Da ich zu Lande sollte kommen Wie der Kiel auf wilder See, Da fernte ich dem Lande je meh, Also hätt' ich beide Herzenliebe und Herzenleide, Höllensitz und Himmelreiche, Dem Marterer viel gleiche, Den man da nennet Tantalus, Des Noth ist auch gestalt alsus, Er schwebet auf einem breiten See, Und ist ihm doch von Durste weh, Auch hat er viel große Quale Von Hunger zu allem mahle Wie nahe seinem Munde sei Der Zweig von edlem Obste bei: Wie denn? Es fliehet je von dann So wie er reichen will daran, Und so kommt ihm zu aller Stund Speise und Trank an den Mund Und wieder so von danne; Geleich dem armen Manne Hätte ich Freude und dabei Noth, Hie das Leben, da den Tod, Von der Stunde und von der Zeit Ließ ich doch nimmer seit (Wie ich auch fluchte der Huthe) Das Wort aus meinem Muthe: Sie Liebe, sie Reine, sie Gute. Möcht' ich, als mein Wille staht Und als mir gibt mein Herze Rath, Euch sagen hohen Dank, Das thät ich, weiß Gott, sonder Wank, Viel selig Fraue hehre Ihr habt mir also sehre Gehöhet meinen sehnenden Sinn, Und alle meine Sinne hin Von mir geführet so, Beide ferne und so hoh, Als ob ich in dem Himmel sei Oder aber viel nahe dabei, Alexander der hehre Der edel Wunderere, Dem geschah nie Freuden halb so viel, Da er über der Sterne Ziel Von Greifenklau geführet ward? Wohl mich meiner seldiglichen Fahrt, Da ich gewann so hohen Gewinn Daß ich so hoch getheuert bin; Ob ich Euch das alles wohl So danke, wie ich von Rechte soll? Das kann nimmermehr geschehn, Will ich die Wahrheit recht gestehn Muß ich's angreifen anders viel, Wenn mir's die Selde gönnen will. Muß ich bei allen meinen Tagen Euch immer Dank und Gnade sagen, Daß ihr, viel selig Fraue mein, Mich heißet Euern Ritter sein, Und nehmet mein so große wahr, Daß Ihr geruhet, daß ich fahr Für Euch die hehre Gottesfahrt, Ich wäre, weiß Gott, viel unbewahrt Ehren und Seligkeit, Sollte ich das nicht sein bereit Womit ich Eure Huld erjagen mag, Und dabei den viel hohen Bejag Gottes Lohnes und Gottes Minne Erwerbe und gewinne, Wenn ich mich an die Reise Und die selig Freise Mit begehrendem Willen hebe; Ja gerner, weiß Gott, denne ich lebe. Nu hat aber meine Gewohnheit Wieder mich zu mannicher Zeit In ihrem angewöhnten Wahn Viel dumme Frage gethan: Was meinet sie, die Gute, Mit also fremden Muthe, Mit so wunderlichen Sitten, Daß sie dich mag bitten, Daß dein Leib eine Fahrt besteh Um ihretwillen über See? Sollt du für sie, viel Süssen, Eine ihrer Schulden büssen, Die vor aller Missewande gar Ist beide lauter und baar? Das wundert mich viel sehre. – Nun schwieg der Rede mehre, Viel sinneloses Herze mein, So dummes Wähnen das laß sein! Meine selge Fraue hat sonder Wahn Ihre große Selde an mir gethan, Als mein Wille je hat begehrt, Das hat sie mich damit gewährt, Es ist mein Wille und auch mein Begehr Gegen sie gewesen alles her, Daß ich erfünde die Mähre, Was an ihr mein Wille wäre, Nun sehe ich wohl, ihr Wille, ihr Muth Sind beide süße und beide gut, Sie will fürwahr ohn' allen Spott Was ich gegen ihr und wider Gott An Dienste mich versäumet habe, Daß ich komme der Sünde abe Und sie ihnen beiden büße: Des neige ich auf ihre Füße, Sie Liebe, sie Reine, sie Süße. Meine Hände falt' ich Euch, Fraue mein, Ich Euer armer Pilgerein, Und bitte und mahne Euch sehre Durch Weibes Güte und Ehre Und durch Euch selber auch, daß Ihr Euer selber Gnade an mir Gnädiglichen bedenket, Und mir davon nicht wenket Ihr laßt mich Euren Pilgerein Auf dieser Gottes-Fahrte sein, Und recht als selig Ihr seid So bescheidet mir die Zeit, Wenn Ihr gebietet, daß ich fahr, Daß ich mich daran bewahr, Daß ich möge kehren Meine Fahrt nach Euren Ehren Zurechte und also wohl Als Euer getreuer Ritter soll. Bescheidet mir die Maße Was ich thu' oder was ich lasse, Das soll nicht länger sein gespart, Wie Ihr wollt, daß ich meine Fahrt Soll schicken und stellen, Mit was Gezoges, mit was Gesellen, In welcher Masse, in welcher Weise, Nach ritterlichem Preise Oder nach göttlicher Achte, Was daran in Euer Trachte Und Euren Gnaden wesen müge, Darnach als es Euch Fraue tüge, Das wahrlich, edles Weib, Nimmermehr unterbleib So groß als um ein Haar, Wann ich immer wohl gefahr, So will ich, viel liebe Fraue mein, Mit Treuen Euer Waller sein, Und befehlen auf diesem langen Wege All mein Heil in Eure Pflege, Daß ich vor Kummer sei bewahrt, Und wisset bei Gott, daß ich die Fahrt Sonderlich alleine Euch zu Dienste meine, Und nur durch Eure Ehre Auf diese Reise kehre Und durch keinen andern Muth, Sie ist nicht so sanfte noch so gut. Daß ich sie auf keine Weis Durch hohe Güte durch hohen Preis Bestehn noch leisten wollte, Wann ich Euch nicht sollte Getreuen Dienst erzeigen mit, Wohl ihn ich nicht so loser Sitt, Auch bin ich des viel unbetrogen, (Mir haben denn die Weisen gelogen,) Daß Gott unser Herre Christ, Des eigen all die Welt ist, Will haben die Fahrt alleine Und mit Niemand gemeine, Wollt ich sie ihm dann allein weihn, So müßtet Ihr, Fraue, übersehen sein, Ihm genüget auch die halbe Fährte nicht, So weiß ich wohl, was mir geschicht, Beide ich muß und ich soll Begierig zu Muth, begierig zu dulden wohl Euch dienen und Dienst zugestehn, Mag aber meine Fahrt also geschehn, Daß Ihr sie mögt als Dienst annehmen, Und sie dabei mag Gott geziemen, So wohl mich dann noch immer meh, Da weiß ich dann nur, wies ergeh, Daß ich wohl alle Stunde Spreche von Herzens Grunde: Süßer Gott, viel reicher Gott, Durch deine Hulde, durch dein Gebot Diene ich deinem Namen hie Und befehle deinen Tugenden die Hat meinen Dienst gemeine, Sie Liebe, sie Gute, sie Reine, Sie Liebe, sie Gute, sie Reine. Ich bitt' Euch, hehre Fraue gut, Wieder durch Euern süßen Muth Und durch Eure seligliche Sitt, Denen nicht als Selde folget mit, Und durch viel manniche Eure Tugend, Bedenket meine dumme Jugend, Die tröstet mir mit einem Sitt, Als ich Euch meine und als ich bitt, Daß Ihr auf diese Gottesfahrt Mich seliget und also bewahrt In dieses ferne Elende, Daß ich von Euere Hände Das hehre Zeichen müsse nehmen, Das mag Euch, Fraue, wohl geziemen, Seit ich durch Euch fahren soll So füget sich die Fuge wohl, Daß ich Euch Euer Kreutze trage, Glaubet, Fraue, was ich Euch sage, Ich nähm' es nicht von seiner Hand So gerne, der da Pabst ist genannt, Als von Euch, viel sel'ge Fraue mein, Ich wollte eh sonder Kreutze sein Und auch ohne Kreutze fahren. Drum sollt Ihr, Fraue, mich bewahren: Auch vertraue ich Euren Tugenden wohl Wann der Tag nun wesen soll, Daß sich meine Fahrt soll enden, Daß Ihr von Euren Händen Mich viel gern empfahen laßt Zugeräthe das dazu gestat, Ich meine Tasche und Stab, Ich denke nimmer Gottes Grab Anders zu beschauen, noch zu sehen, Mir möge denn dieß Heil von Euch geschehen; Auch gehe ich an der Stunde, Daß ich von Eurem Munde Müsse empfangen Euren Segen, Der mein dort unterwegen Auf meiner Straße auf meinem Wege Schöne hüte und schöne pflege, Mir kann auch nimmer missegahn, Wenn ich Euern Segen han. Was Segens ich nu meine, Viel selig Fraue reine, Soll ich Euch das zeigen an? So wisset, Fraue, sonder Wahn, Es ist ein tugendlicher Gruß, Der mit spielenden Blicken muß Viel schöne sein gesüßet, Was der an mir büßet Leiden von Herzens Grunde? Und in derselben Stunde Soll Euer rosenrother Mund Mir viel schiere machen kund Euer Küssen eines, Und auch anders keines Als das beste, das er hat, Wohl mich danne, wenn es vergaht, Gott gebe, daß da Niemand bei Durch Spähen noch durch Melden sei Als alleine wir beide, So lieber Augenweide Wenn mir die von Euch geschicht, Die gönnte ich meinem Bruder nicht Zu wissen noch zu sehen, Soll ich Wahrheit gestehen, Als ich wahrlich von Rechte muß, Umme das Küssen und um den Gruß, Gewinne ich die beide in meine Pflege, Wie stark sie sein die Donnerschläge, Wie groß und auch wie schwinde Sein Fluthen und auch die Winde, Ich bedarf keiner ander Wehr Für die Winde und für das Meer, Und will doch bei den beiden wesen, Und traue vor ihnen beiden zu genesen Und darzu vor den Heiden, In allen meinen Leiden Traue ich's darzu zu bringen Daß mir helfen singen Freunde und Feinde offenbare: Das ist ihre Schaue Sie weibliche Fraue! Mich soll ihr lachen Froh machen, Sie Schöne, sie Klare. Der Reinen gefiel wohl, was sie in dem kleinen Büchel geschrieben fand, mit ihren lichten Augen las sie dann den Brief, worin sie die Lied fand.   12) Eine Tanz-Weise.         Wohl mich der Sinne, die mir je riethen die Lehre, Daß ich sie minne von Herzen je länger je mehre, Daß ich ihre Ehre Recht als ein Wunder besunder so sehre Minne und meine, sie Reine, sie Selige, Hehre. Selden ich wäre viel reich und an Freuden der Frute, Wollte meine Schwere bedenken die viel Hochgemuthe, Die wohl Behuthe, Vor falschen Dingen, mit Singen ich muthe, Daß sie mein hüte mit Güte, sie Liebe, sie Gute. Meine Hände ich falte mit Treuen begehrende auf ihre Füße, Daß sie wie Isalde Tristanden mich trösten müsse, Und also grüße, Daß ihre Gebere meine Schwere mir büße, Daß sie mich scheide von Leide, sie Liebe, sie Süße. Mein sehnendes Denken dabei meine Sinne allgemeine, Gar ohne Wenken besorgen besonders das eine, Wie ich ihr bescheine, Daß ich nu lange mit Sange sie meine, In stetem Muthe, sie Gute, sie Liebe, sie Reine. Ich wünsche, ich ringe nach einem noch vor grauem Haare, Daß mir gelinge mehr als ihre Gnade gebare, Trost meiner Jahre Daß ist ihre Schaue, sie Fraue, zuwahre, Mich soll ihr Lachen froh machen, sie Süße, sie Klare. Als sie die Lied gelesen, ging die Reine zu dem Boten und sprach: ich will deinem Herrn immer danken, daß er gegen mich so gemuth ist, bitte ihn, daß er sich schöne zu der Fahrt bereite, damit er gerüstet sei, wenn ich ihm entbiete, daß er fahren soll: ich will ihn aber selber sehen, wenn es mit Fuge geschehen mag, er soll auch nicht mehr so viel Botschaft zu mir hersenden, ich fürchte, daß man es merkt, daß ich so viel mit dir rede: wenn es Zeit wird, daß ich ihn mit Fuge sehen kann, so will ich es ihm entbieten. So schied der Bote von ihr und fand mich nicht, wo er mich gelassen hatte, denn er fand mich zu Wien , wohin ich aus Kurzweil gekommen war, ich sah da manches schüne Weib. Mein Geselle sagte mir, was meine Frau gebot, ich freute mich, daß ich sie noch einmal sehen sollte und ritt mit Freuden von Wien in die Land, um manche schöne Fraue zu sehen. Der Sommer kam auch wieder, und ich sang diese neuen Lied.   13) Eine Tanz-Weise.         Des Maien Hochzeit ist hie Reich an Freuden, reich an aller Seligkeit, Den Freudelosen gibt wohl dir Trost für Trauern, Trost und Rath für sehnende Leid, Herze liebe Fraue, sprich, Du alleine bist mein Maie, sage, wie willt du trösten mich? Schaue, sel'ge Fraue mein, Wie der Maie sein Gesinde trösten kann, Soll ich dabei traurig sein? Nein, o Fraue, freue mit freudesiechen Mann, Thu mir wie der Maie thut, Der giebt Trostes viel den seinen dabei freudereichen Muth. Sel'ge Fraue, selig Weib, Freuden- und Wonnen-Trost und Selde meiner Tage, Deines Trostes hat mein Leib Lange her gewartet mit mannicher sehnenden Klage, Wenne kommt mir Freudenschein? Wenne willt du selig Fraue, trösten das sehnende Herze mein? Wann ich nicht genießen kann Deiner Güte nach der langen Treue mein, So laß mich viel sehnenden Mann Derer genießen, denen ich durch den Willen dein Soll und muß gedienen viel, Das sind alle gute Weib, deren Leib ich immer ehren will. Guter Weibe milder Sinn Und ihre Güte, die Genaden Wunder thut, Lege ich zum Bilde hin Deinem Muthe, daß er mir noch werde gut, Weibes-Güte erzeige an mir, Daß ihr aller Güte, ihr aller Wünschen müsse danken dir. In diesem Sommer blieb ich selten drei Tage an einer Statt, man sah mich dort und hie und allenthalben fahren, denn es ward den Sommer viel geturniret, ich diente willig meiner Frau mit Tyoste, bis der Winter wieder kam. Da gedachte ich: ach! wann wird es denn sein, das meine Frau mir etwas Gutes entbietet? Wollte Gott, ihre Botschaft käme mir bald; auch muß ich traurig sein, daß ich meinen Boten nicht zu ihr senden darf; wie weh mir aber mein Sehnen thut, will ich doch ihr Lob singen, das rathe mir mein Herz. Da sang ich die Lied:   14) Eine Tanz-Weise.   O weh! daß ich bei den Wohlgemuthen also lange muß beleiben ungemuth, Und ich doch der großen Trauer bin zu krank! Soll aber ich sie minnen, die mich hasset, soll mir lieben, die mir also leide thut? Ja, so will das Herze und aller mein Gedank; Sie nimmt mir Freude, die mich Sorgen sollte machen frei: Nu laßt sie also rauben, sie mag Freuden mich viel wohl versehren! Aber eines kann sie nicht erwehren, Mir sei noch Freuden Hoffnungen bei. Sie viel ungenädig Weib, die mich so raubet Sinne Selde und all der Freude mein! Was mag ihre Gewalt mir Liebes mehr benehmen? Ich will einer Freuden immer all die Weile ich lebe, von ihr unberaubet sein, Die mir ohne ihren Dank muß rechte wohl geziemen, So reiche Freuden wünsche ich, daß mir thut das Wünschen froh, Ach, was lieber Dinge bringen mir von ihr die Wünsche mein! Soll jemand froh vom Wunsche sein, So steht auch von dem Wunsche mein Gemüthe hoh. O weh, sollte ich ihr viel Lieben, ihr viel Guten, Hochgemuthen, also nahe sein, Daß ich ihr von meinem Wunsche müßte sagen, Was ich mir von ihr zu Gute, was ich mir von ihr zu Dienste in dem Herzen mein Hab gewünschet her in meinen sehnenden Tagen! Vielleicht, daß sie dieß Wünschen mir ließe sonder Haß! – Zürnte aber sie, die Gute, das versöhnte ein Küssen an ihren Mund: Es wünschet darin wohl tausend Stund Näher und näher, bas und aber bas. Von ihren lichten Augen spielende Blicke, von ihrem Munde ein minniglicher Freundes-Gruß. Süße in Treuen, wohl geläutert als ein Guld, Wenn ich das nicht minniglichen wünsche, werde mir der Sorgen nimmer Buß; Ich habe nach ihnen beiden Jammers viel geduldt: Viel ofte ich eines dabei wünsche das ich sagen will, Daß sie, Liebe, Gute, mochte mitten in mein Herze sehen, Darinne mein Gemüthe spähen Was ich mir Gedanken gegen ihren Hulden spiel. Gute Weib, Ihr helfet wünschen, daß ich werde der viel Lieben also werth, Daß sie mein zum Herzensfreunde wünschte sich Würde ich immer von Ihr meines Wunsches so Wunsche und also wonniglich gewährt, Ja so möchte man hochgemuther sehen mich, Denn so Freudenreichen all' die Welt nie gewann Als ich dannen wäre, wenn ich ihr viel minnigliches Ja Vernehme von ihrem Munde da, So begünnte ich Freude der ich nie begann. Sie viel minnigliche Gut, gut von rechter Güter, gut vor allen guten Weib, Wo hat mir ihre Güte denn verborgen sich? Ich hab' bei ihrer Güte sehnende Schwere, ein sehnendes Herze und ohne Trost viel sehnende Leib, Davon sollte die Gute wohl behüten mich: Ja, wahrlich, fünde ich irgend Trost für Trauern anders wo, Eh daß ich verdürbe meiner Freuden meiner besten Zeit – An ihr allein liegt Trost und Freud, Ja, da soll er sein und ist ohne Ende do. Als die Reine die Lied hörte, kam eine Güte in ihr Herz, sie dachte: wenn es mit Fuge geschehen kann, muß ich ihn sehn, ich will ihm Hochgemüthe geben, denn er hat mir so viel gedient. Da ließ sie meinen Boten rufen und sandte ihn zu mir, der mir allen ihren Willen kund that. Mehr will ich nicht sagen und aus Zucht viel verschweigen. – Darnach erließ mich die Gute der Fahrt, denn sie sah mich gern im Lande, davon nahm all mein Trauern ein Ende. Der Sommer kam wieder, mein Gedanke stand hoch; zwo Weisen sang ich gegen den Sommer, eine lange Weise und eine Ausreise.   15) Eine lange Weise.         Ihr Trost der Welt, und alle ihre Würdigkeit, Ihr guten reinen Weib, Ich suche nun wieder bei Euch Hülfe und Freundes Rath, Ich habe geklaget so sehre mein Leid, Daß mancher dummer Leib Die lange Klage mir zu Gute nicht gar verfaht, Davon zwiefaltet sich meine sehnende Noth, Meine Fraue thut an Freuden mir den Tod Viel ungemuth, Dabei viel schameroth Thun mich die, die sprechen, ich sei nicht wie sonst hochgemuth. Wenn mich meine Klage nicht anders kann verfahn, Bis an meines Endes Ziel, Und daß ich immer mich ihres Trostes finde bloß Die ich zum Troste nur aus all der Welt han Und immer haben will, So muß ich suchen aus Noth mir ein ander Loos; Mein Leib sei froh, den laßt in Freuden fahren, Der Freuden Schein soll Spottes mich bewahren, Das Herze mein Kann Sehnen nimmer sparen, Auf ihre Gnade soll das nun mein Leben sein. Ihr guten Weib, wenn Euch der Rath behage Den ich mir selber han Für klagende Leid und auch sehnende Noth gegeben, Das Euch mein Lob ist alle meine Tage Mit Treuen unterthan; So verderbet auch an mir nicht dasselbe Leben, Ich meine dort, wo ich Trostes begehr Und habe begehrt mit Treuen wohl lange her, Würde ich gewährt Ich würde wohl leichte den, Der all der Weet sich däuchte vor Freuden werth.   16) Eine Ausreise.         Will Jemand nach Ehren die Zeit wohl vertreiben, Zu Selde sich kehren, bei Freunden beleiben, Der diene zu Fleiße mit Treuen viel schone, Nach der Minne Lohne, Der ist süße und reine, Viel gut und alleine Den guten gemeine. Wer folget dem Schilde der führ' es ohn' Schanden Mit Leibe mit Gute, mit Herzen mit Handen. Das lohnet viel hohe mit hohem Gewinne Die viel werthe Minne, Die giebt Freude und Ehre, Wohl ihrer süßen Lehre, Sie kann trösten sehre. Der Schild will mit Züchten, Kraft, kühnes Gemüth. Schand' und ihr Gefolge er hasset und flieht, Gott gebe nicht, daß man je bei ihm finde So schwächlich Gesinde, Er will, daß die Seinen Auf Ehre sich peinen, In Tugenden erscheinen. Arge und Unfuge, und Unsitt, die wilde, Geziemt nicht dem Helme und taugt nicht dem Schilde, Der Schild ist ein Dach das nicht Schande kann decken, Sein Glanz muß erschrecken An Ehren die Weichen, Vor Furcht sie erbleichen, Die Farbe ist ihr Zeichen. Hochgemuthe Frauen, ihr sollt wohl bedenken Getreuen Gesellen viel stete ohne Wenken, Den minnet, den meinet mit Herzen mit Muthe, Daß ihn Eure Huthe Behalte, behüte Mit Liebe mit Güte Frei vor Ungemüte. Sie will ohne Schulde mit Haß mich bezwingen, Der ich zu Dienste den Schild noch will schwingen, Nu hab' ich für ihr Zürnen noch für Herzensschwere Nicht anders Schildes mehre Als den Trost alleine, Daß ich sie baß meine, Danne je Weib keine. Gegen ihrem langen Kriege setzte ich meine Gedulde, So steh gegen ihrem Hasse zu wehe meine Unschulde, Mein Wehr gegen den Falschen das soll sein meine Treue. Viel süße ohne Reue, Mein kampflich Gewete Für ihre neidigen Räthe Das soll sein meine Stete. Mit der Ausreise fuhr den Sommer mancher Ritter turniren. Viel ward in dem Sommer geturniret hie und dort in dem Lande, und ich versäumte keines der Ritterspiele. Ich war froh und den Sommer und Winter vor allem Trauern behütet, ich fuhr hiehin und dahin und war zu allen Zeiten hochgemuth. Da sang ich wieder diese Lied:   17) Eine Tanz-Weise.         Freut Euch minnegehrende Mann Der viel Wonne bringenden Sommerszeit. Freut Euch, das ist wohl gethan, Wisset, Freude gibt Würdigkeit, Hochgemuthes Mannes Jugend Minnet werthes Weibes Tugend. Weib sind reine, Weib sind gut, Weib sind lieber denn irgend Dinges sei, Weib sind schöne, wohlgemuth, Weib sind aller Misse wende frei, Weib sind gut für sehnende Leid, Weib die fügen Würdigkeit. Immer müsse selig sein Ihr viel ehrenreich werther Leib, Ja meine ich die Fraue mein, Sie viel reine süße selig Weib, Sie ist noch besser danne gut, Schöne, dabei wohlgemuth. Wohl mich, daß ich sie je ersach, Wohl mir das, daß ich ihr dienen soll, Wohl mir, das mir nie gebrach Meine Stete an ihr, das thut mir wohl, Wohl thut ihre Würde mir zumeist, Die man von ihrer Güte preißt. Gott sei mir als ich ihr sei, Gott der müsse ihr manniche Freude geben, Gott der mache sie Leides frei, Gott lasse mich die Zeit erleben, Daß mir also wohl geschicht, Daß sie von mir als Freunde spricht. Die Lied sang ich zur Sommerzeit, wenn die Vögel singen und der saftreiche Wald grüne Farbe trägt und die Haide ihr Sommerkleid von lichten Blumen angelegt, die vom Thaue naß werden. Der Sommer verging wieder, daß man mich dort und hie sah Ritterschaft und Ritterspiel treiben, es wurde wieder viel um die süßen Weib geturniret. Gegen den Winter sang ich ein Singweise, die von ihrer Würdigkeit sagte, also:   18) Eine Sangweise.         Er Thore viel dummer, des Leib sei gehaß Den Merkeren durch ihr arges Spähen, Ihr Merken, ihr Hüten das tröstet noch das Denne an dem Dummen das taube Uebersehen, Wer guten Weiben ihren gütlichen Muth Wohl kann gemerken, des Merken ist gut, Wer das nicht merket der ist taub und unfrut. Unfälschliches Merken, seht, das ist ein Preis Mannen und Weiben, der viel hohe staht, Von gütlichem Merken wird man ehrenweis: Unwerthes Merken in Neide ergaht, Und Huth in Neide, den zweien trag' ich Haß, Von rechtem Hüthen will ich sprechen das, Daß all der Welt geziemt nicht Dinges bas. Die Huthe an den Weiben die thut mich so froh, Daß ich ihnen wünsche, daß sie recht sein behuth, Mit Huthe beschlossen viel sehre, und also, Daß ihnen die Huthe behüte den Muth Mit rechter Güte vor sachlicher Sitt, Daß sie nirgend wanken von Güte einen Tritt, Die Huthe ihnen allen ich wünsche und bitt. Meine Fraue kann hüthen ihrer Ehren sowohl, Daß sie in ihrer Huthe so wehrlichen staht, Sie wehrt sich Unpreises so recht als sie soll, Als nur nicht des einen, das sie an mir begaht, Sie will nicht merken, daß ich von ihr trage Leidende Schwere nu viel manniche Tage, Und daß ich ringe mit wehthuender Klage. Und könnte sie merken, sie müßte mir gestehen, Daß Ihr mein Dienest ist stete ohne Wank, Nu mag sie heimlich in mein Herze spähen, Wie gegen ihren Hulden spielt all mein Gedank, Sie mag da schauen, wenn sie's merken will, Ein süßes Hoffen, dabei Jammers viel, Der zweien Schanze ich gegen ihren Hulden spiel. Die Lied mußten allen gefallen, die durch die Frauen fröhlich gemuth waren. Wie ich den Winter meiner Frauen diente, und wie ich auch bei trüben Tagen froh war, alles das zu sagen wäre zu viel. Als der Winter verschwunden, sang ich diese Lied:   19) Eine Tanz-Weise.         Bei so großem Ungelingen Daß die Welt ist so unfroh, Will ich lachen und auch singen, Mein Gemüthe steht also, Was sie heißen klagende Noth, Sollte ich damit immer ringen, so wäre ich noch sanfter todt. Ich weiß wohl, daß Weibes Güte Friuden-Fund uns jetzt kann geben, Dabei Trost für Ungemüthe, Dieser Hoffnung will ich leben, Daß sie, die mein Herze hat. Vor Unfreuden mich behüte, die Weile es so übel staht. Will die minnigliche Gute Minnigliche hüten mein, Vor Unfreuden, vor Unmuthe, So muß ich viel selig sein, Hüten ist den Sehnenden leid, So wonnigliche Huthe wäre mir eine Seligkeit. Will sie Gute, will sie Reine, Will sie Süße minniglich Hüten mein, vor Leid sie eine, So bin ich viel freudenreich, Was mir Leides kann geschehen, Darauf achte ich sehr keine, will sie mir zum Freunde stehen. Wann ich mich ihrer werthen Minne Von ihren Schulden muß bewegen, So bringe ich die Welt wohl inne, Daß ich Freude will verpflegen, Wovon sollte ich wesen froh, Wenn von ihr meine Sinne noch mein Muth nicht stünde hoh? Die Weise ward viel getanzt. Der Sommer war wieder reich an sommerlichen Freuden, er wurde wieder um die werthen Weib mit Ritterschaft vertrieben. Dreiundzwanzigstes Capitel. Ulrich verläßt seine Frau. In diesem Sommer that mir meine Frau ein Ding, dürfte ich aus Zucht das melden, so würden mir die Biedern beklagen helfen, daß ein so werthes Weib ihren Freund so beschweren konnte; ein so schwaches Leid geschah mir von ihr, daß ich es noch immer klage. Als uns der Herbst mit Reifen den grünen Wald verdarb, da sang ich diese Klage-Lied.   20) Eine Tanz-Weise.             Ihr edeln Frauen, ihr viel reinen minniglichen Weib, Ich klage Euch allen über meiner hehren Frauen Leib, Die hat mich so beraubet der Freuden in meinen Tagen, Daß ich von ihren Schulden muß immer mehre klagen. Ich klage Euch, daß sie meinen Dienst noch nicht wissen will, Und ich ihr doch habe mit Treuen gedienet viel, Daß ihr Leib also hohen Lob von mannichen Zungen hat. Da war stets mein Dienst bei, wie sie es nicht verstaht. Mord und Raub die beide klage ich von der Frauen mein, Es ist ein Mord und ist Raub, was möchte es anders sein. Daß sie mich ohne Widersagen hohen Muthes hat versehrt, Und dabei dem Herzen mein alle Freude verwehrt. Sie Räuberinne, hat mir so hohen Raub genommen, Der mir nicht leichte kann ganz zurücke kommen, Gilt sie mir auch meine Freude, die sie wohl vergelten mag, Doch hab' ich dabei verloren viel mannichen schönen Tag. Noch leide ich von ihr Leides, mehre danne ich jemand sage, Manchen sehnenden Schmerzen, den ich heimliche trage, O weh des! soll sie mir nicht als zu Schaden sein geboren? Die ich doch für alle Weib habe zu Liebe erkohren. Nur daß ich noch durch Zucht will schweigen und auf lieben Wahn, Ihr sollt fürwahr gelauben, sie hat mir also gethan, Wenn ich Euch klagete von ihr meines sehnenden Herzens Noth, Daß vielleicht ihre Farbe licht darumme würde roth. Und will es Jemand noch mit Minne scheiden, das vergönne ich, Eh' daß ein böser Zorn gegen sie beschwere mich, So daß ich nichts ungütlich spreche in meinen Wehen, Was sie mir dann auch nachher thut, so ist das doch geschehen. Da meine Frau diese Lied hörte, kam sie des doch nicht ab, sie thät, was ich immer klagen muß, und was ich Niemand sagen will. O weh, daß es je geschah! O weh, daß ich in meinem Zorne je was von ihr sprach, was mir nachher in diesem Buche mancher verweiset, der doch nicht gewußt, mit welcher Missethat sie es von mir verdiente. Da sie ihre Unthat nicht ließ, so schied ich aus ihrem Dienste, denn der ist ein unweiser Mann, der auf die Länge dient, wo man seinen Dienst nicht belohnen kann. Da sang ich vor Zorn diese Lied:   21) Eine Tanz-Weise.       O weh! daß ich hab' verlor'n Was von mir ist unverkor'n Immer weh! Freude und meine besten Tage Die sind hin mit sehnender Klage, Ach, o weh! Soll mein Leben Klagenden Sorgen sein gegeben? Solche Noth Ist der Tod. Wo mein Dienest war bereit Mit viel reiner Stetigkeit Meine Tage, Da ist leider Lohnes nicht, Noch ist Lohnes Zuversicht, Weh der Klage! Und o weh! Hätt' ich doch Wahn als eh, So möcht' ich Freuen mich: Da sie ihre Güte mir verhieß, Daß sie mich ihr dienen ließ Meine Zeit, Da mußt' ich mit Recht gesteh'n, Daß mir wäre wohl geschehen Ohne Streit: Nun ist so krank Ihr Lohn und ihr Habe Dank, Daß es ihr Schadet und mir. Mich reut, daß ich meine Jahr Habe verdummet also gar Um ein Weib, Die mir nimmer einen Tag Völliglich vergelten mag, Da ihr Leib Und ihr Muth Nun nicht ist wie erst so gut, Da sie mich Bracht' an sich. Damals war sie wahrlich gut, Bei der Schöne wohlgemuth, Da ich mir Nahm zu Trost ihren werthen Leib, Dem dient' ich für alle Weib Mit der Gier, Daß ihr Nam War gehöhet ohne Scham; Nun ist Dank All zu krank, Das ist meine Klage Alle Tage. Mit diesen Lieden thät ich ihr kund, daß ich ihr nicht mehr dienen wollte. O weh! daß sie die Unthat je beging, um die ich ihren Dienst verließ, und daß die Unzucht von mir geschah, so übel von ihr zu sprechen. Sollte mein Herz nicht traurig sein, daß ich die der Untugend zeihen mußte, der ich seit manchem Tag sonder Wanken diente? Mir that die klagende Noth so weh, daß ich sanfter todt gewesen wäre. Ich weiß, daß kein gutes Weib mich darum hassen wird, daß ich hie von meiner Frauen Wandel sage, denn möchte ich es verschwiegen haben, so hätte ich es gern gethan, und Niemand soll es mir verweisen, denn sie hat es mit viel Unthat gegen mich verschuldet, die mir so weh that, daß ich nicht schweigen konnte: ich sang davon und ward vor Zorn sehr ungemuth, und so sang ich auch im Zorn diese geschwinden Lied.   22) Eine Tanz-Weise.             Wohl her, danket allen guten Weiben, Daß ihre Güte ist also rechte gut, Daß zur Welt Niemand kann beleiben Selig, froh, noch rechte wohl gemuth Ohne ihren Trost, der es alles kann, Freude bringen und Unfreude scheiden dann, Des freut euch freudegehrende Mann. Wer nach gutes Weibes Weibes Hulden ringet Dem kann selten jemals missegahn, Ha! was ihm sein Dienest Selden bringet, Wie fröhlichen endet sich sein Wahn, Augen-Wonne, Herzensspiel, Was ein Herze erdenken und erwünschen will, Des hat guter Weibe Güte viel. Dieß Lob ist der guten Weibe alleine, Da ist der Falschen wenig mit gedacht, Denen soll mein Lob sein viel ungemeine, Dazu hat mich eine viel Falsche bracht, Die ist Weibes Ehren gram, Mich muß an ihr immer reuen Weibes Nam, Da sie von sich scheidet Weibes Scham. Ich hätte mich Unselden unterwunden, Da ich mich der Falschen unterwand, Ich war ihr mit Treuen viel gebunden, Dabei war sie ledig ohne Band, Ihre Untreue hat die Kraft Und an sich behalten solche Meisterschaft, Daß sie nie binden mochte der Treue Haft. Wie Aberillen-Wetter fährt ihr Wille, Daß nie Windesbraut so geschwinde ward, Unterweilen süße in sanfter Stille, Schnelle wieder an ihre Irrefahrt, Darnach scheinet Maienschein, Alsobald so will es wieder Winter sein, Also wittert mir die Fraue mein. Guter Weiber Güte gar unehret Weib der Herze falsch Gemüthe treibt, Dabei falscher Weiber Wandel mehret Guten Weiben hohe Würdigkeit, Wo die Falsche missethut, Da wird schiere bei bekannt der Reinen Muth, Davon ist ihr Falsch den Guten gut. Ich will gute Weib von bösen scheiden, All die Weile ich von ihnen singen will, Wer geleiche spricht wohl ihnen beiden, Der hat gegen den Guten Falsches viel, Gute Weib, gelaubet das, Wer Euch mit den Falschen lobt der trägt Euch Haß, Euch ehret ein besonders Lob viel bas. Die Lied wurden viel gesungen. Da sie die Wandelbare vernahm, zürnte sie und war sehr unfroh. Gegen den Winter sang ich eine Tanz-Weise zu Maßen lang und auch zu rechter Maße kurz, darinn sprach ich von der Treue und ihrer Würde. So sind die Lied.   23) Eine Tanz-Weise.     Treue ist all der Welt eine Ehre, Wohl ihm, der sie recht erzeigt, Sie ist aus alle Tugend eine Lehre, Schloß ab aller Würdigkeit, Wo ihre Stete beigestaht, Was bedarf der Tugenden mehre, Der die Tugenden beide hat? Daß jemand die Tugenden scheide, Das will rechte Minne nicht, Minne will sie haben beide, Sie hat mit ihnen stete Pflicht, Das sei Fromm oder Ungewinn, Es sei Lieb oder es sei Leide, Sie kommt nimmer drum von ihn'n. Minne nirgend sich erhaltet Ohne Treue und steten Muth, Wer die nicht zusammen waltet, Wie so mancher Falsche thut, Da ist nirgend Minne bei, Der unfuget und gewaltet Wer spricht, daß da Minne sei. Dabei merk' ich, daß die hehre, Der ich lang gedienet han, Doch nun diene nimmermehre, Treue an mir nicht kann begahn, Hätte sie Treue erzeiget mir, Das wär Wunder immermehre, Da nicht Treue liegt an ihr. Minne hatte mich ihr gebunden Und ließ sie der Banden frei, Das hab' ich mit Schaden empfunden; Wer wie ich in Banden sei Der rette aus den Banden sich, Ich hab mich dem Strick entwunden Allzuspäte, das klage ich. Die Lied hielt man billig für gut, die aber, die ich sonst meine Fraue hieß, zürnte darüber: ich ließ es aber darum nicht, zum Winter sang ich wieder Lied, also:   24) Eine Tanz-Weise.         O weh, der so selig wäre, Der uns könnte geben Rath, Für die mannigfalte Schwere Wo die Welt mit umme gaht, O weh, so gemeiner Sorgen! Wo hat Freude sich verborgen? Die find' ich nicht hier noch da. Möchte ich wo Freude finden, Da fänd' ich auch Ehre bei, Darum soll ich ich nicht erwinden Bis ich finde, wo sie sei Und erwürb' ich Freud' und Ehre, Was bedarf ich Selden mehre? Wie kann mir gelingen bas? Rechter Freude wer der waltet Der hat immer neue Jugend, So macht Sorge, daß man altet Und verderbet manche Tugend, Freude ist süße, Sorge ist saure, Ich war Sorgen Nachgebaure, Die hat nie verleidet sich. Drum soll ich sie auch verleiden, Guten Leuten wo ich kann, Mag ich, ich will von ihr scheiden, Von ihr sein ein freier Mann, Gott vor Sorgen mich behüte, Darum bitt' ich Weibes Güte, Daß ihre Huthe mich bewahr. Wollten Weib in steten Muth Steten Freunden stete sein Das käm' ihnen so zu gut, Daß ihnen Treue würde Schein, Der sie an Freunden irre fahren, Wenn sie gegen Freund' nicht bewahren Sich mit treuer Huthe gar. Wollten auch die viel Unsteten Sich gesellen, das lobte ich, Daß sie mit ihren falschen Räthen Beide einander pfänden sich, Lieben Wahn und leiden Wank, Das hätte ihre Unstete Dank Was sie des einander thäten. Gute Weib süße und reine Der ist noch Wunder, wo sie sein, Ach, fünde ich der Guten eine, Der gäbe ich das Herze mein, Ich wollte ihr zu Hulden singen, Ihr Lob also hohe bringen, Daß sie müßte danken mir. Gott gebe, daß ich sie noch finde, Der Gemüthe sei so gut. Daß sie sich mein unterwinde Mir zu höhen meinen Muth, Finde ich die, so finde ich Ehre, Und so traur' ich nimmermehre, Nimmer würde ich mehr unfroh. Nach diesen Lieden sang ich einen Leich mit Noten: hoch, und auch mit schnellen Noten, mancher Fideler sagte mir Dank, daß ich die Noten so hoch gemacht. Der Leich sprach so:   25) Der Leich.                 Gott füge mir's zu gute, Ich bin noch in dem Muthe, Daß ich will guten Weiben Mit Dienst ohne falschen Muth immer bei beleiben; Davon rath' ich einen Rath Der allen wohlgemuthen Mannen tugendlichen staht: Ich rathe euch, ehrengehrende Mann Mit Treuen, wie ich am besten kann, Wenn ihr wollt währende Freude han, So seid den Weiben unterthan Mit Treuen ohne falschen Muth, Ihr Güte ist also rechte gut, Wer ihnen mit Treuen Dienste thut, Den können sie wohl machen froh, Der Welt Heil gar an ihnen litt, Ihre Güte ist Freuden Hochgezit, Ihre Schöne so viel Freuden gi't, Davon die Herzen steigen hoh, Würdigkeit Sonder Leid Können sie wohl Freuden geben, Wem so sei Witze bei, Der soll nach ihren Hulden streben Und zinsen ihnen sein Leben, Das rathe ich auf die Treue mein, Wer ehrnselig wolle sein Und reiche an hohem Muthe, Der soll mit Treuen gute Weib Recht minnen als sein selbes Leib. Viel gut vor allem Gute Ist der Weibe Güte und ihre Schöne, Schöne ob aller Schöne, Ihre Schöne, ihre Güte, ihre Würdigkeit ich immer gerne kröne, An ihrer Schöne und an ihrer Güte steht mein Heil und auch meine Wunne, War guter Weibe Schöne nicht, viel selten ich gewunne Einen ehregehrenden Muth, Wohl mich, daß sie sind also gut, Daß man hat von ihrer Güte So hohen Trost für sehnende Leid, Ihre Schöne, ihre Güte, ihre Würdigkeit Gibt mir viel Hochgemüthe, Mein Muth von Weiben hohe staht, Was danne, ob mir ihrer eine hat Erzeiget solche Missethat? Das ist wahr, das mag noch werden Rath. Was sie gegen mir hat gethan Das will ich gerne wissen la'n Mit Züchten als ich beste kann, Ich hab' ihr drei und zehen Jahr Gedienet sonder Wanken gar, In Minnen-Treuen, das ist wahr, Daß in der Zeit mein sehnender Leib Nie gewann Solchen Wahn Des meine Stete wurde krank, All meine Gier War gegen ihr Schlicht mit Treuen ohne Dank, Nu fährt in quer ihr Habe Dank, Recht als ein Rad das ummegaht, Und als ein Marder den man hat An eine Schnur gebunden, Könnt ich wie sie unstätig sein, So hätt' ich nach dem Willen mein Ohne sie eine Fraue funden: Eh' daß ich meine ritterlich Stete brech' an guten Weiben, Ich wollt' eh' immer falscher Weibe Huld frei beleiben Ich muß in der steten Weibe Dienest sonder Lohn verderben, Oder ich muß ihres steten Herzens Lieb' also erwerben, Daß ich gewanke nimmer Wank Von ihnen, ihren hohen Habe Dank; Und mag ich den erringen, So hab' ich alles das ich will, Süße Augenwonne, Herzensspiel, Viel Wonne in allen Dingen, Nun was bedarf mein sehnender Leib Gnaden mehr, wenn ich ein Weib Zur Frauen finde also gemuth, Die sich vor Wandel hat behuth, Und nichts als das Beste thut, Der soll mein Dienest sein bereit Immer, wie es ergeh, Sonder Falsch mit Stetigkeit, Davon gewinne ich Würdigkeit, Und also freudereichen Sinn, Daß ich getheuert immer bin In allerhande Dingen, Finde ich sie, ich soll so ritterlichen nach ihren Hulden ringen, Daß sie mir von ihrer Stetigkeit muß hoch an ihr gelingen, Sie muß aber auf die Treue mein Gar frei vor allem Wandel sein, Die ich mich wieder lasse zwingen, Und auch in Kummer bringen, Denn wohl höret man mich nimmermeh Keines falschen Weibes Lob je sprechen noch auch singen. Der Leich wurde viel gesungen und manche schöne Fraue las ihn gern. Auch sang ich eine Tanzweise damals, darin ich Weibesgüte rühmte, also:   26) Eine Tanz-Weise.               Alle die in hohem Muthe wollen sein, Denen will ich das rathen auf die Treue mein, Daß sie minnen gute Weib Sonder Falsch mit Treuen als ihr selbes Leib. Gute Weib sind gut für allerhande Leid, Von ihrer Güte hat man manche Würdigkeit In der Welt Niemand mag Ohne ihre Hülfe froh beleiben einen Tag. Zucht und Ehre, Treue, Milde, hoher Muth Kommt von werthen Weiben, dazu mannicher hande Gut, Ihr Leib Engels Schöne hat. All der Welt Heil gar an ihren Gnaden staht. Ich will immer hohen Muth von Weiben han, Wie ein Weib unweiblich habe an mir gethan, Was ich davon Leid dulden soll, Des mag mich ein gut Weib noch ergetzen wohl. Finde ich die, die Dienst kann für Dienst nehmen, Ich thu ihr den Dienst, der ihr muß geziemen Und der mich gemachet werth, Solches Weibes hab' ich zur Frauen begehrt. Sie muß Tugende, Güte bei der Schöne han, Der mein Leib mit Dienst wieder wird unterthan, Dazu weiblich sein gemuth, Ehrenreich, vor allem Wandel gar behuth. Ich will gerne sein ein Frauen-freier Mann, All die Weile ich eine Gute nicht finden kann, Eh' daß ich den Dienest mein Mehr verlöre, ich wollt' eh' ohne Fraue sein. Nach den Lieden sah ich ein Weib, von der man viele Tugende rühmte, die bat mich, daß ich um alle guten Weib mein Zürnen gegen die sein ließe, die ich sonst meine Frau nannte, denn es stünde mir übel an. Um die Gute mußte ich es nur lassen, ich schalt sie nicht mehr, diente ihr aber auch nicht mehr. So war ich in meinem Herzen ein frauenfreier Mann, doch schied ich von Weibes Lob nicht, ich sang ihnen die Lied.   27) Eine Tanz-Weise.               Nu freut Euch, minnegehrende Mann, Wisset, daß Euch rechte Freude machet werth, Und daß Niemand werden kann ährenreich, als der Freuden Ehre begehrt, Mit Züchten froh das ist ein Leben Dem Gott viel Ehre hat gegeben. Wer werther Weibe Minne will Und Gruß verdienen, der sei hochgemuth, Wie selten ich ihre Minne stiehl, Doch weiß ich wohl, daß guten Weiben sanfte thut, Der durch sie Zucht bei Freuden hat, Der Dienst ihnen zu Herzen gaht. Wie soll ein ungemuther Mann Erwerben hochgemuthes Weibes Habe Dank? Will er ihr das ertrauern an, Daß sie ihn minne, so ist ein dummer Wahn viel krank, Ihres hochgemuthes Herzens Rath Sein Trauern hält für Missethat. Mit Sorgen Niemand kann erjagen Werthes Weibes Minne und auch ihren Freundes-Gruß. Trauern mag wohl missehagen Guten Weiben, denn davon wird Ehren Buß, Ich rats' euch Mannen hohen Muth, Da Weiben Freude sanfte thut. Ich will hohen Muthes sein, Und will um gute Weib von Zorn gegen sie abstahn, Die ich sonst hieß die Fraue mein, Sie weiß wohl selber wie sie hat an mir gethan, Das sei verschwiegen um gute Weib, Denen immer dienen muß mein Leib. Wo ich mich versäumet han An rechten Freuden, das soll man mir vergeben, Denn ich will nun erst heben an Mit hohem Muthe und auch mit ritterlichem Leben, Wer von mir hohen Muths begehrt, Der wird des völliglich gewährt.     Von Weiben hoch steht mein Gemüthe,     Mich läßt nicht zürnen ihre Güte.   28) Eine Tanz-Weise.       In dem Lufte-süssen Maien, Wann der Wald gekleidet staht, So sieht man sich schöne zweien Alles das, was Liebes hat, Und ist mit einander froh, Das ist recht, die Zeit will so. Wo sich Lieb zu Liebe zweiet, Liebe hohen Muth verleiht, In der beider Herze maiet Es mit Freuden alle Zeit, Trauerns will die Liebe nicht, Wo man Lieb bei Liebe sicht. Wo zwei Lieb einander meinen Herziglichen ahne Wank, Und sich beide so vereinen, Daß ihr Lieb ist ohne Krank, Die hat Gott zusammen geben Auf ein wunnigliches Leben. Stete Liebe heißet Minne, Liebe, Minne, ist all ein, Die kann ich in meinem Sinne Nimmer machen wohl zu zwein, Liebe muß mir Minne sein Immer in dem Herzen mein. Wo ein stetes Herze findet Stete Liebe, steten Muth, Davon all sein Trauern schwindet, Stete Lieb' ist also gut, Daß sie stete Freude leiht Stetem Herzen allezeit. Möchte ich stete Liebe finden, Der wollte ich so stete sein, Daß ich damit überwinden Wollte gar die Sorge mein, Steter Lieb will ich begehr'n Und Unstete gar entbehr'n. Ich war des Sehnens los und hatte ein freies Gemüthe, ich sang aber doch den Frauen einen minniglichen Reyen mit süßen Worten, gegen die Sommerszeit, wenn Berg und Thal gezieret ist und der Wald grünes Dach hat. So sprach der Reye.   29) Eine Reye.         Sommer-klar Ist nun gar Haide, Feld, Anger, Wald, Auf der Au Weiß, Roth, Blau, Gelb, Braun, Grüne, wohlgestalt Wunniglich, Freudiglich Ist gar was die Erde bringt; Selig Mann Wer so kann Dienen, daß ihn, was er ringt, In Liebe bringt. Wem Gott fügt, Daß er liegt Bei Liebe, der mag wohl sein Sonder Leid, Ihm ist bereit Zu aller Zeit Maienschein, Ihm ist wohl Wonne, er soll Spielen der Minne Freudenspiel, Freuden-Leben Kann wohl geben Werthe Minne wem sie will, Sie hat des viel. Wem ein Weib Seinen Leib Minnigliche ummefaht, Wann der nicht Heil mir! spricht, Das ist große Missethat, Ihm will sich fügen, Ohne Lügen, Davon ihm wird Trauern krank, Sonder Meil Ist sein Heil Wem von linden Armen blank Wird Ummefang. Selden-Hort Ist ein Wort Das in Küssen dann geschicht, Wann ihr Spiel Minne will Spielen, und Liebe Liebe sicht, Wenn Gesicht, Augenlicht Liebend sehen einander an, Ja fürwahr Da wird gar Minniglichen wohlgethan, Was jemand kann. Minnen-Sold Wird geholt Völlichliche, wo ein Mann Und ein Weib Um ihren Leib Lassen viere Arme gahn, Decke-bloß Freude groß Wird da beidenhalben kund; Ob da nicht Mehr geschicht? Der klein heiße rothe Mund Wird Minnen-wund, Darnach gesund. Als der Sommer ein Ende nahm, da kam ich wieder hin, wo das werthe Weib war, der ich in ihre Hand gelobt hatte, daß ich meine alte Frau nicht mehr schelten wollte. Ich saß in Züchten bei ihr und war von Herzen froh, ich redete mit ihr dieß und das, und die Tugendreiche antwortete mir mit minniglichen Worten, davon sang ich diese Lied.   30) Eine Tanz-Weise.         Fraue schöne, Fraue reine, Fraue selig, Fraue gut, Ich wähne Euch die Minne kleine Müht, drum seid ihr hochgemuth, Wird Euch Minne-Zwingen kund, Euer kleiner rother Mund Lernet seufzen in der Stund. – »Herre, sagt mir, was ist Minne, Ist es Weib, oder ist es Mann? Dessen ward ich noch nie inne, Sagt mir, wie ist es gethan? Das sollt ihr mir künden gar, Wie es sei und wie es fahr, Daß ich mich vor ihm bewahr« – Fraue, Minne ist so gewaltig, Daß Ihr dienen alle Land, Ihre Gewalt ist mannigfaltig, Ich thu Euch ihre Sitte bekannt, Sie ist übel, sie ist gut, Wohl und Weh sie beide thut, Seht, also ist sie gemuth. – »Herre, kann die Minne schwenden, Trauern und auch sehnende Leid, Hoch Gemüthe im Herzen senden, Fügen Zucht und Würdigkeit? Hat sie alles des Gewalt Als ich Euch hab vorgezahlt, So ist ihre Selde mannigfalt.« – Fraue, ich will Euch von ihr mehre Sagen, ihr Lohn ist wonniglich, Sie gibt Freude, sie gibt Ehre, Sie ist hoher Tugenden reich, Augenwonne, Herzensspiel Gibt sie, wenn sie lohnen will, Dazu hoher Selden viel. – »Herre, wie soll ich verschulden Ihren Lohn und Habe Dank, Soll ich Kummer davon dulden, Dazu ist mein Leib zu krank, Leides mag ich nicht ertragen; Wie soll ich ihren Lohn erjagen? Herre, das sollt ihr mir sagen.« – Fraue, da sollt du mich meiner Herziglichen, als ich dich, Unser Zweien so vereinen, Daß wir beide sind ein Ich, Bis du mein so bin ich dein. – »Herre, nein, das mag nicht sein, Seid ihr Eurer, so bin ich mein.« – Sinnenreich waren die Lied, und sie dünkten manchem erfreulich. Da kam der Sommer, und man hörte spat und früh kleine Vöglein singen, da zwang die Weibesgüte noch mein Herz zu singen:   31)   Wohl dir Sommer, deiner süßen Wonniglichen schönen Zeit, Du kannst wohl das Trauern büßen, Deine Kunst hoch Gemüth verleiht, Du bist süße, Davon ich süße grüße. Haide, Feld, Wald, Anger, Aue, Sah ich nie bekleidet bas, Von der Luste süßem Thaue Sind die Blumen alle naß, Vögelleine Singen Lob des Maien Scheine. So singe ich von guten Weiben Als ich allerbeste kann, Mit ihrem Lob will ich vertreiben Was ich Ungemüthes han, Weibes-Güte Gibt mir freudenreich Gemüthe. Weibes-Schöne, Weibes-Ehre, Weibes-Güte, Weibes-Zucht, Ist fürwahr eine Ehren-Lehre, Minnegehrendes Herzens Sucht, So ist ihre Hulde Alles Gutes Uebergulde. Wo ein werthes Weib anlachet Eine minnegehrnden Mann Und ihren Mund zu Küssen machet, Des Muth muß geleiche stahn Hoch der Sonne, Seine Wonne ist ob aller Wonne. Vierundzwanzigstes Capitel. Wie Ulrich eine andere Frau nahm. Nach den Lieben geschah mir ein Ding, des ich mich immer im Herzen freuen muß, so lange ich mein Leben habe. Ich will auch gerne sagen, was mich so freute. Ich dachte: wie lange soll es denn sein, daß mein Herze ohne Fraue ist? das ist mir nicht gut: denn wer seine Jahre so verschwendet, daß er nicht mit Treuen gute Weib minnt, dem wird die rechte Würdigkeit versagt: schadenreich wird, wer die Weib nicht herzlich minnt, das weiß ich an mir selber. Da ich mich erst befließ, meiner Frau schön zu dienen, da sah man mich freudig und ritterlich gemuth, meine Zeit ging mit Freuden hin, nun diene ich weder dort noch hie, das ist kein ritterlicher Muth, ich sollte wieder eine Fraue haben, der ich mit Dienst unterthan wäre, die muß mir Gott bald geben; ich habe viele Frauen gesehen, die schöne und gut sind, deren will ich mir eine zur Frauen nehmen und ihr dienen, wie ich kann. Da dachte ich sehr darüber, wo die Fraue sein möchte, der ich meinen Dienst schenken wollte; ich dachte über alle Land, was ich von Frauen kannte. Ihrer einer Tugend war mir kund, daß ich nie ein so weiblich Weib kannte, sie war schön und gut, hatte gute Geberde und sanfte Sitte, sie war keusch und lieblich. Ich gedachte dorthin und hiehin an diese und an die, aber an keiner fand ich mehr Tugenden als an ihr. Da ich das wohl bedachte, nahm ich das werthe Weib in mein Herz zu meiner Frauen: alsbald ritt ich hin, wo ich sie fand und thät Ihr meinen Willen kund. Ich sage nicht, was sie da sprach, aber hochgemuth kam ich von ihr zurück, sie hatte recht, daß sie mir gut war, denn sie war mir vor allen Weib. Da sang ich ihr zum Dienste diese Lied.   32) Eine Tanz-Weise.         Hoher Muth, nu bis empfangen In meinem Herzen tausend Stund, Laß es dir nicht bei mir bangen, Du bist mir ein hoher Fund, All meine Freude war zergangen, Die hätt' Trauern mir benommen, Die ist mir nun wieder kommen. Hoher Muth, wo ich dich funden Hab', da neig ich immer meh, Mit dir hab' ich überwunden Trauern das mir lang thät weh, Das ist mir gar von dir verschwunden; Wohl mich, wohl mich das Gelingen, In mein minnend Herz zu dringen. Hoher Muth, dich hat gesendet Mir ein Weib, das Ehre hat, An die hab' ich gar gewendet Mich, das ist der Minne Rath, Unter Schilden Speer verschwendet Wird um sie von meiner Hand, Die dich zu mir hat gesandt. Hoher Muth, du und die Minne Sollt mir helfen dienen ihr, Sonder Falsch mit schlichtem Sinne. So mag wohl gelingen mir, Wird sie meiner Treue inne, So thut mir viel Freuden kund Ihr klein heißer rother Mund. Hoher Muth, nach deiner Lehre Will ich werben um ihren Leib, Sie hat Schöne, sie hat Ehre, Sie ist ein reines süßes Weib, Hoch geboren, gar sanft und hehre, Gut und frei in rechter Maße, Sanft ist ihr weiblich Gelaße. Hoher Muth, sollt nicht alleine Vogt in meinem Herren sein, Mit dir hat die Statt gemeine Die viel liebe Fraue mein, Sie viel Gute, Süße, Reine, Hart die Minne mit sich bracht, Sie haben zu hausen da gedacht. Hoher Muth, mein Herze schwinget Und ist worden freudenjung, An die Brust es sehre dringet, Hoch es springet manchen Sprung, Werthe Liebe drinne ringet, Die mich selten ruhen lat, Wie hoch mein Gemuth auch staht. Die Lied däuchten ihr mit Recht gut, und daß jeglich Lied sprach hoher Muth, darüber lächelte sie, denn sie hatte es vor noch nie gehört. Sie sprach: die Lied sind minniglich und meisterlich gedichtet, sie sind zum Tanzen gut. Was ich ihr gedient habe, und was sie mir Gutes gethan, will ich verschweigen, nur das will ich sagen, daß ich ihr Lob zu allen Zeiten sang. Einmal saß ich ihr nahe und redete so und so, ich freute mich, sie anzusehen, als ich von ihr kam, sang ich diese Lied.   33) Eine Tanz-Weise.         Wisset, Fraue wohlgethan, Daß ich auf Genade han Herze und Leib an Euch verla'n, Das rieth mir ein lieber Wahn, Durch des Rath hab' ich's gethan, Und will dem nicht abe stahn, Das laßt mir zu Gute ergahn. – »Seit Ihr Dienstes mir bereit Und thut das auf Lohnes Recht, So laßt mich erkennen das Wie der Dienst sei gestalt, Den ich mich soll nehmen an, Wie der Lohn geheißen sei, Der Euch von mir soll geschehen.« – Fraue, ich will in meinen Tagen So nach Euern Hulden jagen, Daß es Euch muß wohl behagen, Den Muth durch Euch hohe tragen Und an Freuden nicht verzagen, Euer Lob der Welt all sagen Und erst spät nach Lohne fragen. – »Seit Ihr froh dazu gemeit Mir zu dienen, als Ihr sprecht, So frommt Euch das selber bas Denne mich wohl tausendfalt, Wenn die Scham thut Lob hintan, Mir ist der Spiegel schwerlich bei, Darinne ich mein Leid soll sehen.« Eure Lob die Würde hat, Daß es wohl zu Hofe gaht, Bas dann aller Könige Staat, Ohne Scham allda bestaht, – »Lieber Herre, selig Mann, Ihr seid Spottes allzufrei, Das ist Unpreis, darf ich's gestehen.« – Durnach sang ich zum Dienst meiner Frauen vier Weisen, die Weisen und die Wort konnten nicht besser sein.   34) Eine Tanz-Weise.                   Weichet umme balde Sorge und Angest von der Straße, Laßt die Wonne bringende Freude für! Es geziemt Euch beiden auf meine Treue nicht zu Maße, Wenn ihr mir dringet an der Thür, Streichet von dem Lande wie der Winter von uns hin, Laßt die Freude mit dem Sommer in. Hoher Muth ist wohl gewesen lange von uns elende, Wohl uns des, er ist nu wieder kommen, Nu soll unser schwaches Trauern haben gar ein Ende, Das uns Sorgen und Angest ist benommen, Wer nu trauert, der ist verzaget an guten Dingen gar Wünschet, daß der nimmer wohl gefahr. Niemand kann mit Trauern seine Noth nicht überwinden, Darum will ich hohen Muthes sein, Man muß mich in hohem Muthe und auch bei Freuden finden, Also will das spielende Herze mein, Mir gestund der Muth nie so hoch bei meiner Zeit, Wohl ihr, die mir hoch Gemüth verleiht! Das ist ein Weib, die wohl mit Tugenden kann ihre Weibheit krönen, Ihr weiblicher Muth ist Wandels frei, Ich ersah nie Weibes Leib so guten noch so schönen, Ihr ist reine Weibes-Sitte bei, Sie ist eine Fraue von Geburt, so ist ihr süßer Leib Von ihren Tugenden ein viel weiblich Weib. Wer ihren reinen süßen Leib mit meinen Augen sähe, Den ließe ich sie so lieblich schöne sehen, Daß er ihr vor allen Weiben hohe Tugend zugestehe, Könnte er wie ich Weibes Tugenden spähen, So muß er von Wahrheit sprechen: seht das ist ein Weib Der von Rechte dienet Ritters Leib!   35) Eine Tanz-Weise.         Warnet euch gar, Junge und Alte Gegen den Winter, das ist Zeit, Niemand bloß da vor ihm halte, Er schlägt tiefe Wunden weit, Laßt die Schilde Stille liegen, Schneidt euch selber Kleider milde, So mögt ihr ihm angesiegen. Ich will euch das Beste weisen. Wollt ihr vor ihm sein behuth, So sollt ihr die Häuser speisen Gegen ihn, euch ist nichts so gut, Wer mit Witzen Nu nicht fährt, Da er will die Haus besitzen, Der ist von ihm unernährt. Für sein Stürmen, für sein Schleichen, Für sein ungefüge Droh, Sollen wir in die Stuben weichen, Da mit Weiben wesen froh, Weibes-Güte Das ist ein Dach, Daß man nie für Ungemüthe Also gutes nicht ersach. Aller guten Weibe Güte Müsse meine Fraue pflegen, Vor ihrem Zürnen mich behüte Gott, das ist mein Morgensegen, Gutes Weibes Würdigkeit Ist fürwahr gar meines Leibes Höchster Trost für sehnende Leid. Meines Herzens Freuden-Lehre Ist ein süßer Weibes-Leib, Die ist mein Trost für Herzens-Schwere, Sie ist fürwahr ein weiblich Weib, Und eine Fraue Mannicher Tugende, Wenn ich in ihre Augen schaue Mich, so blüht mir Freuden Jugende.   36) Eine Tanz-Weise.                   Gott willkommen, Herre, Freund, Geselle, lieber Mann, Mein Trauern das ist ferre Seit ich dich ummefangen han, Du bist mir vor allen Dingen süße, Davon ich dich herzigliche grüße, Nun küsse tausend Mahle mich, So küß' ich zwier so ofte dich. Dein weiblich Freundes-Grüßen, Dein Küssen und dein Ummefang, Kann sich so lieblich süßen, Daß mir die Weile nimmer lang Bei dir wird, viel liebe Herzens-Fraue, All meine Freude ich an dir alleine schaue, Dein lieber Mann, mein liebes Weib, Das sind wir beide und ein Leib. Nach diesem Freundes-Gruße Mit Trauten ward geküsset viel, Dieselbe süße Unmuße Ihnen beiden rieth ein Minnespiel, In dem Spiel ihrer beider Herzen sprachen, Da sie in den Augen recht Ursachen, Ihren lieblich minnefarbnen Schein, Daß er wär ihr und sie wär sein. Nach diesem Spiel sie lagen Geschlossen wohl nach Freundessitte, Ihr beider Münde pflagen, Womit sich die Liebe erzeiget mitte. Ihre viel lautre Liebe schloß die Minne Mit der Treue feste zu einem Sinne Innerhalb ihres Herzens Thür, Da riegelte sich die Stete für. In Minnen-Paradeise Ihr beiden Leib mit Freuden lag: Daher schlich eine Maget leise, Die sprach: nu wohl auf, es ist Tag. Von dem Wort ihre Augen übergossen, Daß ihnen die Thränen auf die Wangen flossen, Da ward geküsset tausend stund. Ihr Augenscheinen, Wängel, Mund. So wollte der Tag sie scheiden, Das that ihnen herzigliche weh, Da rieth die Minne ihnen beiden Ein süßes Spiel verenden eh, Einander sie's nicht bas erbieten mochten, Mit Armen und mit Beinen lag geflochten Ihr beider Leib; da sprach die Maget: Euch beiden es zu Leide taget. Mit linden weißen Armen Beschlossen lag des Ritters Leib, Sie sprach: laß dich erbarmen, Gut Freund, mich Freudenarmes Weib, Führe mich in deinem Herzen von hinnen. Fraue, ich minne dich mit Freundes-Sinnen, Du bist Vogt in dem Herzen mein, So bin ich dem Herzen dein, Gott müsse deine Ehre pflegen, Deine weibliche Güte sei mein Segen.   37) Eine Tanz-Weise.             Wohl mich immer mein Gemüthe Hat ein gut Weib mit ihrer Güte Hoch in spielende Freude bracht, Die ist meine Wonne, die ist meine Fraue, All meine Freude ich an ihr schaue, Gott der hat ich wohl bedacht Mit so reinem süßen Weibe, Ich vertreibe Trauern mit ihrem Minne-Leibe, Hohen Muth ich da zu ihr hol. Wohl mich, wohl mich immermehre, Des, daß sie hat Tugend und Ehre, Güte, Schöne, völliglich, Drum leb' ich in hohem Muthe, Gott der füge mir's zu Gute, Niemand ward so freudenreich, Als ich bin von der viel Süssen, Trauern büssen Kann sie, mit ihren Züchten süssen, Ihr Gruß thut mich freudenvoll. Wohl, wohl, wohl mich, daß die Weisen Müssen sie von Rechte preisen, Daß sie das verdienet hat, Davon muß mir oft im Stillen Freudenthau aus Augen quillen Der aus Herzens-Grunde gaht, Ihr Leib ist meine Freuden-Lehre, Wohin ich kehre Bin ich froh des, daß ihre Ehre Hat behütet sich wie sie soll.   38)         Mein Muth der muß steigen immer Davon, daß mir Wünschen thut so wohl, Darum will ich trauern nimmer, Mich macht Wünschen oft freudenvoll, Davon will ich gerne wünschen viel, Denn ich habe von süßen Wünschen ofte Wonne bringende Freuden-Spiel. Mein Leib lag neulich alleine Und wünschte nach der Frauen mein, Daß sie die viel Süße, Reine, Mit ihrem Willen sollte bei mir sein, Von dem Wunsche ein Wunder mir geschah, Daß ich die viel Minnigliche mit des Herzens Augen bei mir sah. Da ich sie mit Wünschen brachte Zu mir also nache, ward ich froh, Alsobald mein Leib gedachte Mit ihr viel Freuden so und so, Mir ward fürwahr nie also wohl, Als mir da war mit der Süssen, davon ich viel gerne wünschen soll. Zu uns kam die werthe Minne Und schloß uns beide fest in ein Ich und sie wir wurden inne Wie Minne flechtet Arme und Bein, Und wie sie machet, daß ein Weib Und ein Mann durch herzigliche Liebe werden nur ein einz'ger Leib. Wo die Minne zu Einem Leibe Machet einen Mann und ein gut Weib, Wohl dem Manne, wohl dem Weibe, Das muß sein ein minnesüßer Leib, Und ein Leib der manche Wonne hat, Es ist gar ein Himmelreiche, wo ein Lieb mit Liebe ummegaht. Ich bin also minneweise Und ist mir so rechte lieb ein Weib, Daß ich in dem Paradeise Nicht so gerne wüßte meinen Leib, Als wo ich der Guten sollte sehen In ihre Augen minnigliche, da möchte lieblich Wunder mir geschehen. Sieht ein Weib in Mannes Blicke, So erläßt sie Liebe nicht, Wenn er heimlich dann zurücke In ihre spielenden Augen sicht, Da muß von der Liebe mehr entbrennen, Gütlich Trauten und Küssen, dennoch viel, das ich nicht darf nennen.   39)                             Ich bin wohl bei meinen Stunden Ofte worden minnewund, Dafür hab' ich Hülfe funden, Drum sieht man mich noch gesund, Was die Minne mir mit Zwingen thut, Dafür hab' ich Arzeneie, die ist gut. Wo die Minne mir verwundet Mit ihrem Strahle das Herze mein, Das hat schiere mir gesundet Meiner Frauen lichter Schein, Wenne ich sehe ihre lichte Farbe klar, So sind mir geheilet meine Wunden gar. Ich salbe mit viel süßen Salben Meine Wunden hie und dort In dem Herzen allenthalben, Die Salbe ist mannich süßes Wort. Die aus meiner Frauen Munde gahn, Davon meines Herzens Wunde Ende han. Wenn ich will die Augen salben Herze, Sinne und den Leib. So geh' ich gleich ihrethalben Und sehe an das werthe Weib, Davon wird mein Leib gleich freudenjung, Und muß mir das Herze springen mannichen Sprung. Aus ihrem kleinen rothen Munde Süße, Süße süße gaht, Sie nimmt sie von Herzens Grunde, Der sie da groß Wunder hat, Sie ist schöne, reine, gütlich gut, Es ist lieblich süße gut was sie mir thut. Ich wollte, daß sie ohne Säumniß In mein Herze könnte schauen, Da sähe sie der Liebe Geheimniß, So daß sie mir müßte trauen, Daß sie mir ist lieb für alle Weib, Und fürwahr lieber denn mein eigner Leib. Gott weiß wohl, mir ist ihre Ehre Lieber dann die Ehre mein, Ihr Leib ist meine Ehren-Lehre, Ich will ihr zu Diensten sein Sonder Wanken all die Weile ich lebe, Sie ist mein Trost für Trauern und meine Freudengebe. Fünfundzwanzigstes Capitel. Eine neue Fahrt, auf welcher Ulrich als König Artus schöne Ritterschaft treibt. Einleitung des Herausgebers. (»Es findet sich hier im Manuskript eine Lücke von wenigstens sechs oder acht Blättern, das eine Blatt bricht mit dem ersten Verse des 37. Gedichtes ab, es ist zu vermuthen, daß die Gedichte 38 und 39, die sich unter Ulrichs letztern in der Sammlung des Manesse finden, bald nachher von ihm gesungen sind, weil sie nicht im Pergament-Codex erscheinen. Aus dem Zusammenhange sieht man, daß der Ritter, um seiner Frau zu dienen, wieder eine Fahrt ausgeschrieben hat; wie er das erste Mal als Königin der Minne erscheint, so tritt er jetzt als König Artus auf, der vom Paradiese kommt, um die Tafel-Runde wieder herzustellen: jeglicher Ritter, der Mitglied dieser Gesellschaft werden will, muß, ohne zu fehlen, drei Speer auf den König verstechen, dann erhält er Zutritt und wird nach einem der Tafel-Runder genannt. Wir finden ihn auf dem nächsten Blatt des Manuskriptes schon mitten auf seinem Zuge.«) Auch legte ich einen Halsberg an, von festem leuchtendem Stahl, scharlachroth war mein Wappenrock, mit einem gelben Zendal gefurret, seine Länge schwang bis auf die Erde, über den Knien war er mit Borten gezegelt und meisterlich gegattert: über dem Wappenrock führte ich einen Gürtel, des Borten war grün, und mit Gold beschlagen, an meinem Busen sah man ein köstlich Heftlein von Gold. Da zog man mir mein Roß her, das war wohl verdecket mit Scharlach, die Decke reichte bis auf den Huf, sie war dem Wappenrock gleich gesurret und mit Borten reich gegattert. Ich saß auf das Roß und band den Helm zu Haupt, der war mit einer goldnen Welle geziemirt, um die ging ein Kranz von Scharlach, die Zegel schwankten bis auf die Fenster. Dann nahm ich den Schild zu Halse, er war dem Wappenrocke gleich von Scharlach und reich mit Borten gegattert, er hing voll Schellen, die lauten Klang von sich gaben. Darnach reichte man mir ein großes Speer, und gegen mich kam Herr Conrad von Stretwich , der nie Rittesthat beging, denn er warb immer um Gut, das Lob der Frauen kümmerte ihn nicht, sein Tyost war aber doch gut genug, sein Roß brachte ihn mir so nahe, daß er mit seinem Tyost meinen Helm an das Kinn stach, von beiden Speeren fielen die Splitter. Dann kam gegen mich ein rechter biedrer Mann, der war so leuchtend geziemirt, daß Ferasis Anschewin es nicht schöner sein konnte, noch Adroffel von Persia, er war zu Maßen dumm und zu Maßen klug, zu Maßen arg und zu Maßen milde, zu Maßen traurig und froh, darum pries ihn alle Welt, in Engels Weise kam er gegen mich, sein Name war Conrad von Surowe : da nahm ich auch mein Roß mit Sporen, der Tyost fehlte nicht, sondern wurde ritterlich geritten, die Choller an beiden Halmen wurden zerstoben, ich sah nie einen schönern Tyost, die Speere kluben sich bis auf die Hände, und die Splitter flogen hoch. Nun kam ein junger Mann, Herr Christan von Puks , so schnell gegen mich, daß ich kaum ein Speer fassen konnte, von seiner Eil verfehlte er mich, ich stach ihm durch seinen Schild. Dann band ich meinen Helm ab. Ich ritt gegen Eppenstein , wo Herr Leutfrid auf dem Plan hielt, als ein reicher Mann geziemirt, ich hatte ihn Kalokreiant genannt, da rief der Reiche: hier kommt der werthe König Artus und will mich zu Hause heimsuchen, reicht mir ein starkes Speer, denn ich will ihn so empfangen, daß die Spritzeln hoch fliegen, er will an mir seiner Frauen dienen, drum soll unser Tyost gut werden. Ich sprach: Ich freue mich, daß Herr Leutfrid der Tyoste begehrt! Da band ich meinen Helm auf, zwei Speere wurden sehr gut verschwandt; dann ritten wir mit Freuden nach Chrabak auf den breiten Anger, wo meine Herberge bereit war. Auf einem blumigen Felde waren zwei Gezelte und vier Hütten aufgeschlagen, da waren wir die Nacht freudenreich, und als der andere Tag kam, zogen dort und hie geziemirte Ritter zu uns. Wir hatten eine Messe vernommen, darauf wappnete ich mich und wollte reinen Frau dienen, ich band den Helm auf und nahm ein Speer in die Hand. Da ward ritterlich getyostiret, und mancher Puneis ward künstlich geritten. Ich habe in diesem Buche schon viel von Tyost gesagt, darum will ich es kürzen, wo ich nur kann, und will die nicht nennen, die ihren Frauen da schöne dienten. Ehe ich sieben Speer verstach, waren schon dreizehn Speer auf mir verstochen. Darnach ritt ich von dannen, und dichtete diese ritterlichen Lied.   40) Eine Ausreise.         Ehrengehrende Ritter, laßt euch schauen, Unter Helmen dienen werthen Frauen, Wollt ihr die Zeit vertreiben Ritterlich, Ehrenreich Werdet ihr von guten Weiben. Ihr sollt hochgemuth sein unter Schilde, Wohl gezogen, kühne frech und milde, Thut Ritterschaft mit Sinnen, Und seid froh, Minnet hoh, So mögt ihr Lob gewinnen. Denket an der werthen Weibe Grüßen, Wie sie das kann guter Frauen süßen, Wen Frauen-Mund wohl grüßet, Der ist gewährt Was er begehrt, Seine Freude ist ihm gesüßet. Wer mit Schild vor Schanden sich will decken, Muß den Leib zu schwerer Arbeit strecken, Des Schildes Amt gibt Ehre, Ihm ist bereit Würdigkeit, Sie muß aber kosten sehre. Mannlich Herze findet man bei Schilde, Zaglich Muth muß sein dem Schilde wilde, Nackt ist wer falsch gegen Weibe Wer ihr hat An der Statt Wo man Schild hält vor dem Leibe. Nu her, Schilde, man soll mich heute schauen, Dienen meiner herzelieben Frauen, Ich muß ihre Minne erwerben, Und ihren Gruß, Oder ich muß Gar in ihrem Dienste sterben. Ich will sie mit Dienste bringen inne, Daß ich sie mehr denne mich selber minne, Auf mir muß Speer erkrachen, Nu gebt her, Mir das Speer; So zwinget mich ihr Lachen,     Das kann sie süße machen. Die Lied wurden viel gesungen, und dabei mancher Tyost ritterlich geritten. Wir zogen nun gegen Prucke , wir sungen und waren froh. In der Nacht blieben wir zu Prucke, und als der lichte Tag kam, wappnete ich mich. Da kam auf mich geritten mein Herr Herman von Chrotendorf und rannte mich ritterlich an, also that auch Herr Diermar von Mure , die beiden verstachen vier Speer und ich ihrer fünf. Hernach bestunden mich noch acht. Noch schied ich ohne Gesellen, daß keiner der Tafelrunde Statt gewann; denn nur wer sonder Fehlen drei Speer mit mir verstach, der sollte das Recht haben, zur Tafelrunde zu sitzen. So ritt ich gewappnet gegen Chapfenberg , da hatte sich durch Frauenbitte Herr Lanzelot von Spiegelberg geziemirt, Herr Heinrich war sein rechter Name, der hielt mit aufgehobnem Speer, ich band auch meinen Helm auf und nahm das Roß mit Sporen, aus beiden Helmen sprang das Feuer, die Speere zersplitterten, und man gab uns zwei neue, wir fehlten wieder nicht, und hierauf geschah der dritte Tyost, daß ich ritterlich an seinem Helm ein Speer verstach, er aber fehlte mein, das that dem Hochgemuthen leid, und er band seinen Helm ab. Ich nahm das vierte Speer in die Hand, da kam gegen mich Herr Ortolf von Chapfenberg , er verstach ritterlich sein Speer, und das meinige fehlte auch nicht, den zweiten Tyost verfehlten wir beide, und die Speere blieben ganz. Ich ward schnell entwappnet und ritterlich gekleidet. Dann ritt ich mit hohem Muthe nach Chrugelach , wo ich die Nacht blieb. Am andern Morgen sang ein Pfaffe eine schöne Messe, hierauf bestund mich Herr Iwein , sein rechter Name war Erchenger , und sein Haus hieß Landesere , ich und Herr Iwein verstachen, ohne zu fehlen, sechs Speer. Herr Erchenger und mancher gute Ritter ritten nun mit mir über den Semernick mit frohem Muthe, wir blieben die Nacht zu Glogentz , und am andern Morgen zog uns Herr Segremors zu, sein rechter Name war Herr Alber von Arnstein , ein tadelsfreier Ritter, er ward als ein Freund von mir empfangen, da sprach er: König Artus , ich bin zu Euch gefahren und will, daß Ihr mich mit den Speeren grüßen sollt, drei Speer will ich mit Euch verstechen. Ich sprach: das seid Ihr von mir gewährt. Ich wappnete mich sogleich, und wir zogen auf das Feld und nahmen zwei starke Speer, die vom Tyost nicht ganz blieben; da riefen wir beide: Speere her! die wir auch schnell empfingen. Da wurde künstlich geritten, wir verschnitten beide Koller und beide Halsen ward ein Mahl, die Tyost thät uns beiden weh. Die dritte Tyost wurde so geritten, daß wir fast auf einander stießen, so nahe kamen wir, wir verstachen so, ohne zu fehlen, sechs Speer. Dadurch wurde er mein Geselle und gewann eine Statt an der Tafel-Runde. Da kam Herr Heinrich von Buseke , den bestand auf meine Bitte Herr Lanzelot von Spiegelberg , beide Speere zerkrachten und fehlten nicht. Da wurde noch viel getyostiret, was ich hier alles verschweigen will, dann zogen wir gegen Neuenkirchen , wo viele Ritter waren und wo sich ein schönes Ritterspiel erhub. Das Tyostiren währte bis auf den Abend; als es finster wurde, räumten die Ritter das Feld. In meinem Gezelte hatte ich gutes Gemach, und als es wieder Tag wurde, (es war Sonntag) hörte ich eine Messe, darnach band ich ein neues Banner an, so gefärbt wie mein Schild: dem Banner führte man unsre Säumer nach, bei ihnen hörte man Paukenschlag und Flötenton, darnach zog man hinter einem anderen Banner unsre Roß, viel Knechte ritten hinter den Rossen, die führten starke Schäfte, nach den Knechten folgte das dritte Banner, hinter welchem mehr als hundert schön gekleidete Ritter ritten, je zween und zween, darnach ritt ich und bei mir Herr Nikola von Lebenberg , den hatte ich Tristan genannt. Viele Fiedelere ritten mit uns, deren Saiten hoch gezogen waren. So zogen wir nach der Neustadt über das Steinfeld . Da kam ein Bote mir entgegen, der sprach: viel lieber Herr, Euch heißet Gott willkommen der werthe Fürst aus Oesterreich , er entbietet Euch, daß er sich Eurer Ankunft freut und Euch immer zu Dienste bereit ist, er danket Euch, daß ihr aus dem Paradies in sein Land gefahren seid und wollte gern mit Euch hie drei Speer verstechen, damit er eine Statt zur Tafelrunde erwerbe und Euer Gesinde sei. Ich sprach: sage deinem Herrn, wenn er mein Gesinde sein will, so wird ihm jede Gabe gewährt, die er von mir fodert, ich gebe ihm, was er will, Burgen, Leute und Land, nichts will ich ihm versagen, und was er auch von mir empfangen mag, so habe ich drum nicht desto minder. Der Rede wurde da viel gelacht. Der Bote ritt gegen Lichtenwerde zum Fürsten, der ging ihm vor das Thor entgegen und fragte: hast du den König Artus gesehen? – »Ja, Herr, er leiht und gibt Euch, was Ihr nur wollt und spricht, er sei so reich, daß er doch nicht minder habe, was Ihr auch von ihm empfangt, man führt wohl tausend Speer mit ihm, er und die Seinen sind köstlich gekleidet, und wollt Ihr sein Gesinde sein, so will er, wie er spricht, Euch reich an Gut machen. Da sprach der Fürst Friederich: wir mögen wohl beide reich werden, wie arm ich auch gegen den König bin, theilt er mit mir und ich mit ihm. Indem sah man uns schön zu der Neueustadt ziehen, freudig und hochgemuth, mancher Ritter kam ritterlich gegen uns und grüßte uns freundlich. Der Schenk Heinrich von Habechsbach kam mir mit vierzig Rittern entgegen, und mit ihm sein theurer Bruder, Herr Ulrich ; als mich Herr Heinrich ersah, sprach der Biedre: Gott will kommen, König Artus , ich sehe wohl, daß die Minne in Eurem Herzen Haus hält, denn sie läßt Euch selten ruhen, sie gibt Euch viel Unmuße, drum müßt ihr Ziel der Tyoste sein, als ich zu jüngest von Euch kam, sanget ihr gute neue Lied, davon sprach eins, das Euer Herz hoch sprünge und an Eure Brust stieße, das ist die Lust zur Ritterschaft, das kann ich nun wohl verstehn. Der Rede ward da gelacht. Zwei gute Ritter ritten da gegen mich, die man weithin lobte, Herr Wernhart und Herr Heinrich , die Brüzel wurden sie genannt, um ihre Mannheit hatte sie der werthe Fürst Friederich von Oesterreich , mein Herr, des Gutes reich gemacht; Herr Wernhart und Herr Heinrich grüßten uns da züchtiglich, sie sprachen: Gott weiß wohl, König Artus , daß wir uns freuen, daß man Euch in dieses Land hergesendet hat, davon ist uns alles Trauern benommen. Ihnen folgten mehr als zwanzig Ritter, wovon uns jeder gern sah. Als ihr Gruß ein Ende hatte, kam uns entgegen der mannliche Herr Heinrich von Lichtenstein , ein tapfrer Degen, den man aber nicht um seine Milde loben konnte, denn er war ein karger Mann; er kam selb zwölfte uns entgegen, die elf folgten ihm um seine Mannheit, und hätte er sich der Milde angenommen, so wäre sein Lob in allen Landen breit geworden, das versäumte er aber durch seine Kargheit. Von Missowe der biedre Mann ritt uns auch entgegen, er führte vierundzwanzig Ritter in schönen Kleidern mit sich, die uns alle freundlich grüßten. Nach dem Gruße ritt eine Schaar gegen uns, die der werthe Fürst aus Oesterreich als Gesinde zu sich genommen hatte, das eine war mein Herr Trostelin , das andre der tugendreiche Herr Ulrich von Hutensdorf , der dritte Herr Ebran , ein übermüthiger zorniger Mann, der vierte war von Schwarzersee der höf'sche Ulrich von Sahssendorf , die grüßten uns alle ritterlich, so that auch der werthe Stier von Lhassendorf , darnach der kühne Prunrich von Toblich , Herr Wichand von Spitze , Herr Eckehard Bosche , der Schenke Dietrich von Dobrach , Herr Friedrich von Witiginsdorf , Herr Leupold und auch Herr Sifrid von Medlich , Herr Drusliep und Herr Leupold von Heimenburg , Herr Zlawat von Falkenstein , der Pfaffe von der Frienstadt , und ein höf'scher Ritter der der Span hieß, Herr Sifrit Rebestock , Herr Dietmar von Schönenkirchen , Herr Leutolt von Tobel , mein Herr Patschmann von Patscha . Nach diesen grüßte uns ein ungefügiger mannlicher Mann, Herr Leidegast von Sahssen , der hieß wohl mit Recht Leidegast, da ihm alle Zucht sogar fehlte. Alle diese Ritter hatte der hochgemuthe Fürst Friederich von Oesterreich als Gesinde zu sich genommen. Da kam auch der, der allenthalben rechten Preis hat, Herr Ott von Hirslaue , der ritt selb achte gegen uns und grüßte uns höflich, sein Mund sprach immer in Züchten süße Wort. Da kam Herr Rapot von Falkenberg , der oft Gott an den Armen übersah, von ihm sprach man selten Gutes, denn er war ein übler zorniger Mann, er hatte viel geraubt und war seinem Herren unhold, selten war er unterthan den Herren des Landes, er trug ihnen keinen getreuen Muth, drum mußte er auch oft Ungemach leiden, man brach ihm oft seine Burgen, deshalb that er den Armen weh: als uns der üble Mann grüßte, lachte mancher darüber, daß sein Mund nie lächelte, damit thät uns sein Herz kund, daß er unbescheidene Sitte hätte. Dem Ueblen folgten neun Ritter, die ihm um sein Gut dienten. Welch Edelmann den Armen Leid thut, des Ehre und Seele ist verloren, der Edle soll sich über die Armen erbarmen, so erbarmt sich auch Gott über ihn. Darnach grüßte uns mit Züchten der Herr Chol von Vrounhofen , der hatte so hochgemuth dem werthen Fürsten Friederich seinem Herren gedient, daß er ihn hatte reich gemacht, sechsundzwanzig gute Ritter führte er darum mit sich. Nun will ich Euch einen Mann nennen, der mit Züchten hochgemuth war, kühne und milde, und den man immer als einen der besten nannte, drum war er mit Ehren alt geworden, er war auch den süßen Weiben hold, das war der biedre Waise Chadolt , der kam selb sechzehend uns entgegen, mit ihm ritt eine schöne Magd, die Frau Ehre in Oesterreich gesandt hatte. Die Magd warb eine hohe Botschaft, denn sie sagte uns, Frau Ehre habe sie hingesandt, zu Chrumbenaue in Böheim sollte eine Ritterschaft sein, wohin wir alle kommen sollten: der Dienstman der Frau Ehre, sprach sie, ist hie der Waise Chadolt , der will da seiner Frauen und der meinen dienen, von heute an dem vierzehenden Tage soll da ein gut Turnei sein, Herr Chadolt will sich in ein Foreis legen, und welcher Ritter da den Preis erjagt, dem will meine Fraue sich selber zum Lohne geben; nun wüßte ich gern, wer zu der Ritterschaft nach Chrumbenowe hinkommen will. Da sprach der Schenk von Habechsbach: Jungfrau, ich komme dahin; wie sollte ich es versagen, da Ihr ein Bote der Ehre seid? Nun ward ein großer Schall, alle Ritter sprachen: Jungfrau, wir wollen dahin! da dankte ihnen die Magd. Indem sah man uns schön durch die Neuenstadt reiten gegen Chezelinsdorf , da waren mir auf den Anger acht Hütten und vier Gezelt geschlagen, vor das Gezelt der Tafelrunde waren vier Banner gestoßen, daß keins die andern drang, denn sie waren Rosselaufes weit von einander, da herum war eine schöne Schnur gezogen, gelb und blau geflochten von Seide, zween hundert Speer waren dort und hie gestoßen, an jeglich Speer ein Fähnelein, nach meinem Schilde gefärbt, in den Ring ging da Niemand, aber zwei Thore gingen in den Ring, und nur wer tyostiren wollte, ritt herein, so konnte Niemand den andern dringen. Wir stiegen ab und gingen in das Gezelt der Tafelrunde, um es zu beschauen, doch nur die, die Ritters Namen hatten. Die Ritter nahmen dann Urlaub von mir, ich sprach: nun fahret hin, und wer heut Ritterschaft pflegen will, der komme bald, denn der Abend nahet schon, auch heute noch wollen wir gern um die guten Weib tyostiren. Als sie fortgeritten, sagte ich: Gawan von Lichtenstein , Lanzelot von Spiegelberg und Herr Iwein von Landesere , Ihr sollt Euch schnell wappnen und den Ring ritterlich beschützen gegen alle, die zu Euch kommen. Sie wappneten sich schnell. Da kam Herr Otte von Missowe , dem führte man wohl dreißig Speer, er war so geziemirt, daß ein Kaiser daran wohl genug gehabt hätte, auf dem Helme trug er einen großen Kranz von Federn, sein Schild war ganz roth von Gold, darauf war ein Einhorn zobelfarb, sein Wappenrock und seine Decke waren gut Seiden und Gold, darauf zobelfarbne Einhorn gestreut, sein Banner war wie sein Schild gefärbt. Da kam gegen ihn Herr Gawan von Lichtenstein , der führte auf seinem Helme eine Welle von Golde, jegliches Ort mit Pfauenfedern umwunden, der Biedre war mein Bruder, und ein Schild war dem meinen gleich, weiß, und zwo schwarze Bar schief nach dem Schwert zu Thal, darauf ein Buckel von Gold, sein Wappenrock und seine Decke waren grüner Sammt, darauf viel der Schilde gestreut, er führte ein starkes Speer, und sein Puneis war völlig lang, ihm kam Herr Otte von Missowe entgegen, und zwei Speere wurden da künstlich auf beiden Hälsen entzwei geritten. Darnach kamen schöne geziemirt achtzehn Ritter in den Ring gerannt, da stachen an dem Abend schöne Tyoste Herr Lanzelot von Spiegelberg , Herr Iwein von Landesere und Gawan , bis die Nacht den Tag vertrieb. Wir zogen in die Gezelt, und die andern in die Stadt, sie versprachen aber am Morgen wiederzukommen. Heimlich sprach zu mir Herr Chadolt Waise: König Artus, Ihr sollt mir gewähren, was ich bitte: daß Ihr mit mir Euer erstes Speer morgen verstecht. Ich sprach: Herr Waise, die Bitte ist Euch gewährt, Ihr habt um Ehre so viel erlitten, daß ich Euch gern morgen mit den Speeren zuerst bestehen will, nur meine Bitte, daß Ihr dann auch früh kommt. So schied er von mir. Sechsundzwanzigstes Capitel. Der Turney wird gestört. Als der andre Tag kam, sang man eine schöne Messe Gott zu Ehren, darnach sah man den Waisen herzogen: er führte ein starkes Speer, sein Helm leuchtete, um den war ein weiter Kranz von dreizehn Federn, daran viel Silberblätter hingen, sein Schild war schwarz, darauf ein silberner Leo, des Krone von Gold war, und mit edlem Gesteine geziert, sein Wappenrock war ein kohlenschwarzer Sammt, darauf waren viele silberne Löwen gestreut, eben so gefärbt war die Decke, an seinem Speer hing ein Banner, das war wie sein Schild. Mit ihm ritt da der Bote der Ehre, die schöne Magd, sie hatte ihm die guten Banner in die Hand gegeben, er diente sein Leben lang um den Dank der Frauen. Wohl siebenzig Ritter kamen geziemirt mit ihm. Ich und Herr Chadolt kamen mit der Tyost zusammen, daß man die Splitter fliegen sah, ich stach ihm von seinem Halse das Choller, von seiner Tyost erklang laut mein Helm. Ich nahm ein ander Speer, und gegen mich kam die schöne Magd, der Bote der Ehre, sie sprach: ich sage Euch, der Waise mag nicht mehr stechen, denn ihn schmerzt die rechte Hand, sein Daumen ist aus dem Gliede. Ich sprach: schöne Magd, es ist mir herzlich leid. Damit ritt ich weiter in den Ring, wo mich mancher biedre Mann bestand; da kamen Herr Parcifal , Herr Gawan , Herr Iwein und Herr Tristan zu mir, jeglicher sprach: wie nun, Herr, soll Niemand hie stechen, als Ihr? So sagt uns, warum wir mit Euch hergekommen sind; Ihr sollt uns auch stechen lassen. Da nahmen sie mir zornig den Schild aus der Hand und banden mir den Helm ab, und sprachen: König, es sei Euch lieb oder leid, Ihr verstecht heute kein Speer mehr. Ich sprach: ich will es gerne lassen, so bindet Ihr den Helm auf, Herr Tristan , Herr Parcifal und Herr Ruther , nehmt aber Herrn Lanzelot und Herrn Ereck , auch Herrn Segremors mit Euch. Sie freuten sich des Urlaubes und banden gleich ihre Helme auf. Ha! was man nun schöner Tyoste fand! Man hörte nichts als Speerkrachen. Mein Herr Ereck von Talbingen war an dem Tage kühn, er verstach fünfzehn Speer, Herr Segremors von Arnstein verstach da viel großen Speer, Herr Lanzelot von Spiegelberg that da ritterlich, mein Herr Tristan von Lebenberg gewann an dem Tage vieles Lob, denn keiner that es besser als er, der werthe Ruther von Lindeniz zeigte sich wacker, einen Ritter, Herrn Rimbat von Metters stach er nieder: mein Herr Parcifal von Lüenz verschwendete viele Speer, mehr als ein andrer Ritter, er stach da den Herrn Dieterich von Smida nieder, daß er bis auf den Abend sinnlos lag. Wohl siebenzig Rittern stachen mit den sechsen. Da ich sah, daß um die sechs ein Gedrang anfing, ließ ich Herrn Gawan von Lichtenstein und Herrn Iwein von Landesere sagen, daß sie auf den Ring kommen sollten, da hörte man Speere krachen und Schilde tönen, Flöten, Pauken, Posaunen und Schallmeien klangen laut, daß Niemand hören mochte, oft rannten zweie einen an. So wahrte die Freude bis die finstre Nacht kam, da fuhren sie in ihr Gemach, viele waren müde, vielen waren von Tyosten die Arme wund und geschwollen oder schwarz und blau. Am andern Morgen kamen sie wieder wonniglich geziemiret, es wurde wieder von manchem minnegehrenden Manne gut gethan, auch war meine Hand nicht müßig. In diesem Buche ist aber schon so viel von Tyostiren gesagt, daß ich es hie abkürzen will. Dieses Ritterspiel währte bis zum fünften Tage. Am Abend des fünften Tages kam ein Bote zu mir geritten, der mich höflich grüßte und sprach: König Artus, wenn es sein möchte, sollte ich heimlich mit Euch von meinem Herren sprechen. Ich ritt von den Leuten, da sagte er: König Artus, der Fürste Friederich hat Euch durch mich entboten, daß er drei Speer mit Euch hie in dem Turney verstechen will, er bittet Euch, daß Ihr um ihn das Tyostiren laßt, denn er hat viel Unmuße, Ihr sollt den Turney theilen lassen und mit dem Tyostiren endigen. Ich sprach: was er gebietet, dazu bin ich bereit, du sollst alle Ritter züchtig bitten, daß sie um ihn das Tyostiren lassen. Da ritt der Bote in den Ring, wo viele Ritter hielten, er sprach: ich will Euch allen hie eine Botschaft von meinem Herren sagen, dem werthen Fürsten Friederich, er bittet Euch, daß Ihr das Tyostiren lasset und turnieren mögt, denn er hat große Unmuße, er muß von hinnen, und so verdürbe der Turney gar, das wäre ihm leid, denn er mochte in gern sehen. Da sprach der Schenke von Habechsbach: will Euer Herr denn hie selber Wappen tragen, so theilen wir den Turney auf ihn und auf den König, denn kämen beide in eine Schar, so hätten die andern gar verloren. Der Bote sprach: das weiß ich nicht, nur hörte ich ihn sagen, daß er den Turnei gerne sehen wollte, kann ich Euch darin dienen, so will ich es erfahren, ob er selbst will Wappen tragen und Euch noch heut die Botschaft bringen. Da sprachen alle Ritter: wir sollen morgen früh zur Kirche kommen und du den Turney theilen. So schieden wir uns mit Freuden. Als der andere Tag aufbrach, ritt des Fürsten aus Oesterreich Bote schnell zu mir, der grüßte mich von seinem Herren und sprach: Mein Herr entbietet Euch seine Dienste und läßt Euch heimlich melden, er wolle selber Wappen tragen, und mit Euch drei Speer um die reinen Weib verstechen, er will unter dem Banner der Brüzel hier sein, mit denen will er Euch bestehen, Ihr müßt gute Hülfe haben, oder er besiegt Euch all, denn ich habe ihn noch nie so hochgemuth gesehen, einer Frauen wegen ist sein Muth erhaben. Ich sprach: wenn mir Gott gnädig ist, mag ich wohl vor ihm genesen. Es war am Morgen früh, und wir fuhren alle zur Kirchen, nach der Messe versammelten wir uns alle in einem schönen Garten, da theilte man den Turney. Ich war selb zehnde gekommen, da mehrte sich meine Schar von denen die an der Tafelrunde Statt gewonnen hatten, deren waren dreizehn, zu meiner Schar fiel auch der Schenke von Habechsbach und Herr Chadolt der biedre Waise , wie auch Herr Heinrich von Lichtenstein und Herr Otte von Haselowe . Gegen mich ward geschaffen Herr Heinrich und Herr Wernhart , zu ihnen fiel des Fürsten Gesinde aus Oesterreich mit ihrer Schar, der Herr Otte von Missowe und Herr Chol von Vrounhöven , auch Herr Rapot von Falkenberg , ein zorniger Mann. Als der Turney getheilet war, zogen wir auf das Feld, man scharte sich dort und hie, da wurden vier Scharen gemacht. Der Fürsten Gesinde aus Oesterreich scharte sich, und zu denen der biedre Mann von Missowe , sie sollten den Turney anheben. Ihnen ritt eine schöne Schar nach, darin war der Herr Chol von Vrounhoven , die Brüzel ritten auch mit, auch der unfröhliche Herr Rapot von Falkenberg . Zu meiner Schar kam Herr Chadolt , Waise genannt, nach meiner Schar stapfte die des von Habechsbach , in der auch Herr Heinrich von Lichtenstein ritt und Herr Otte von Haselowe . Da gewann, als wir zusammen stapften, Herr Chadolt Waise zwei Roß, die Roß verloren Herr Pilgerin von Capellen und Herr Reimbot von Newalin . Da kam schnell herzugeritten der Bote des Fürsten aus Oesterreich, es war noch am Morgen früh, schnell ritt er zu den Brüzeln und ihrer Schar; als er die beiden Brüder sah, sprach er mit blöder Weise: Ihr sollt Euer Turniren lassen, so gebietet mein Herr, er kann Euch nicht helfen, ich habe ihn noch nie so ungemuth gesehen, er klagt aus der Maßen, ich darf aber nicht sagen warum, es ist eine so gar schwache Geschichte. Die Brüzel sprachen: es ist uns leid, habt Ihr's den Rittern gesagt, die vor uns in der Schar reiten? Sagt ihnen, was unser Herr uns entboten hat und laßt sie die Helm abbinden, da er ungemuth ist. Da ritt der Bote zu dem Gesinde seines Herrn und sagte ihnen, was er jenen gesagt hatte, es war ihnen herzlich leid, und sie banden die Helme ab. Da ich sie die Helme abbinden sah, sprach ich zu meinen Gefährten: sie binden dort gar die Helme ab, mich wundert, was ihnen geschehen sei, laßt uns das bald erfahren. Da sandte ich einen Knecht hin, durch den wir erfuhren, daß es ihnen der Fürst entboten habe. Da zogen sie in die Stadt, und der Turney endete sich so. Ich war von Herzen unfroh und begehrte nun nach Chrumbenowe . Als ich am Morgen nach Wien ritt, kam mir ein Knappe entgegen, der sprach: mein Herr hat Euch seinen Dienst entboten, der hochgeborne Fürst Friederich aus Oesterreich, Ihr möchtet nach Hintberg zu ihm reiten, und miedet die Reise nach Wien, er will Euch gerne sehen. Ich sprach: ich reite mit Euch, denn ich thue, was er will. So ritt ich gegen Hintberg , und Herr Tristan von Lebenberg ritt mit mir. Zu Hintberg kam mir mancher edle Ritter entgegen und grüßte mich freundlich, auch der reiche Fürst aus Oesterreich , welcher sprach: König Artus, seid mir in meinem Hause willkommen, ich sehe Euch hie gerne. Er nahm mich freundlich bei der Hand und führte mich in ein Fenster, wo er sitzen ging, der biedre Fürst ließ es nicht, ich mußte zu ihm sitzen, dann sprach der Hochgeborne: Sagt an, Ihr wollt nach Böheim fahren? Das dünket mich nicht gut, glaubt, der König von Böheim trägt zu mir Haß, und wolltet Ihr nun zu ihm fahren, so finge er Euch, aus Haß zu mir, deßhalb sollt Ihr hie bleiben, das gebiete ich Euch bei meinen Hulden. – »Herr, ich bin Euch unterthan und muß um Euch thun und lassen, was Ihr wollt, nur, herzelieber Herre, seht, wie ich meine Ehre bewahre, wenn ich zu dem Turney nicht komme.« – Er sprach: daran will ich Euch bewahren, denn ich lasse von meinem Lande Keinen dahin reiten, denn ich will nicht, daß der König da mit Pfand sich gegen mich vergehe, darum turniret anderswo. So schied ich von meinem Herren und mußte das Turniren zu Chrumbenowe sein lassen, dessen ich herzlich unfroh war: doch war da die Ritterschaft gut; denn Herr Chadolt Waise verwendete sie nach Ehren. Siebenundzwanzigstes Capitel. Ulrich singt das Lob seiner Frauen. Der Sommer nahm ein Ende, und es kam der kalte Winter, drum sah man manchen Mann traurig, das ist aber wunderlich, wer immer zur Winterzeit trauert, und wem nur der Sommer Freude gibt, der lebt wie die Vögelein, wenn mit dem Sommer sein hoher Muth vergeht, ein solcher heißet wohl mit Recht Wettersorger; von denen bin ich Keiner, denn meine Freude liegt an einem Weibe, die mir für alles Trauern gut ist, ihr zu Dienste sang ich diese Lied:   41)           Er ist wieder kommen mit Gewalte Den der Maie erst vertrieben, Sommer-Wonne ist ihm entronnen balde, Die ist vor ihm nicht belieben. Doch sollen wir das nur mäßig klagen, Da die Sonne Uns des Maien Wonne Wieder bringt in kurzen Tagen. Wenn der Winter hoch Gemüthe schwendet, Der muß ofte traurig sein, Mir hat hohen Muth ein Weib gesendet, Davon ist stets das Herze mein, Wie es wittert froh, froh, froh, Von ihrer Güte Steiget mein Gemüthe Vor der lichten Sonne hoh. Schöne von ihrer Güte ist meine Fraue, Sie ist von ihrer Schöne gut, Wenn ich in ihre spielenden Augen schaue Mich, so blüht mein hoher Muth, Rechte als in des Maien Zeit Thun die Rosen, Ihr gütliches Kosen Mir viel hohe Freude leiht. Ihr viel lieblich, gütlich, löblich Grüßen Thut mir hohe Freude kund, Süsse Wort die können süßlich süßen Ihren viel süßen rothen Mund, Was sich Munde mir mochten weisen Meine Stunde, Gebührt doch ihrem Munde Vor allen um Röthe Preisen. Sie hat ihre Weibheit viel wohl behütet Vor unfraulicher That, Wohl ihr, daß sie mir so gütlich gütet, Davon mein Muth hohe staht, Sie ist mir süßer denne was seie In dem Muthe, Lieb vor allem Gute, So ist ihr mein Herze bei. Wie sie sei gefärbt die Wohlgemuthe, Das sei Euch nun kund gethan, Braun und roth ist die viel reine Gute, Von den Farben so gethan, Daß nie Engel schöner ward Anzuschauen, Man muß sie eine Frauen Nennen von ihrer hohen Art. Lieblicher Bräune, Rosenröthe roth, Schnees Weiße hat ihr Leib, Ihre Gebehrde ist meines Trauerns Tod, Sie ist von Tugenden ein gut Weib, Ihr Leib ist des Herzens mein Höchste Wonne, Meiner Freuden Sonne Ist ihr roth weiß brauner Schein. Mein Sinn rieth mir mehr zu singen. Da dachte ich an der Minnen Klage, wie sie der Tag von ihrem Herzenlieb scheidet, davon sang ich neue Lied. Ich gedachte aber: meine Meister haben gesungen, daß ihnen die Wächter mit dem Wecken weh gethan haben, was ich doch nicht glauben kann, denn ein hochgeboren witzig Weib wird wohl keinen Bauern um ihr Geheimniß wissen lassen, man hat keine edlen Wächter, Bauern kann man nichts vertrauen, denn sie verschweigen nicht, edle Art kann schweigen, drum soll sie Geheimnisse wissen; das muß eine arme Frau sein, die den Morgen fürchtet und nicht eine Magd gewinnen kann, die es hindert, daß ihr Freund gesehen werde: auch ist es wohl geschehen, daß ein edles Weib bei ihrem Freunde betagt ist, und er ist doch verborgen worden. Von diesen Dingen sang ich Lied in einer süßen Tageweise hoch:   42)           Eine schöne Maget Sprach: viel liebe Fraue mein, Wohl auf, es taget, Schauet gegen dem Fensterlein, Wie der Tag aufgeht, der Wächter von der Zinnen Ist gegangen, euer Freund soll von hinnen, Ich fürchte er sei zu lange hie. Die Fraue gut Seufzte und küßte ihren lieben Mann, Der Hochgemuth Sprach: gut Fraue wohlgethan, Der Tag ist hoch auf, ich kann nicht kommen hinnen, Magst du mich verbergen irgend hie innen, Das ist mein Rath und auch mein Begehr. Und möchte ich dich Verbergen in den Augen mein, Freund, das thäte ich, Das kann leider nicht sein, Willt du hie in dieser Kemenat beleiben, Diesen Tag mit Freuden wohl vertreiben? Darinne ich dich wohl verhehl. Nu birge mich Wie du willt, viel schönes Weib, Doch daß ich Sonder Wehr nicht verliere den Leib, Wird mein jemand hie inne, so sollt du's mir melden, Komm' ich zu Wehr, es muß sein Leib entgelten, Der mich mit Streite nicht vermeidt. So ward versparrt Wer viel mannlich Hochgemuth, Und wohl bewahrt Von der reinen Süßen gut, Wie pflag sie sein den Tag die süße Minnigliche, So daß er ward hohes Muthes reiche, So kurzen Tag gewann er nie. Die Nacht kam do, So hub sich der Minne Spiel, So und so Ward von ihnen getrautet viel, Ich wähne nie Weibe wurde bas mit liebem Manne Denne ihr war: o weh, da mußt er von danne, Davon hub großer Jammer sich. Urlaub genommen Ward mit Küssen an der Stund; Schier wieder kommen! Bat ihn ihr süßer rother Mund. Er sprach: ich thu's, du bist meiner Augen Wonne, Meines Herzens spielende Maien-Sonne, Meine Freuden-Gebe, meine Selden Wehr. Die Tagelied sang mancher, die ich bei der Winterszeit sang. Der Sommer kam wieder und brachte manchen schönen Tag mit sich, da dachte ich an meine Fraue, ob ich ihr Gesinde sollte sein, in ihres reinen Herzens Grunde, davon sang ich die Lied:   43)           Gut Weib, meiner Freuden Lehre Tugendreiche Fraue mein, Wisse, das mich jammerte sehre Nach dem reinen Herzen dein, Da sollt du mich hausen in, In dem süßen Paradies ich gerne bin. Darin hätt' ich gut Gemüthe, Mit der Weibheit Freuden viel, Deine viel hochgelobte Güte Spielt da ehrenvolle Spiel, Mit den Tugenden alle Zeit, Wohl mir, wohl mir, wenn mir deine Güte Haus da leiht. Thu auf, ich klopfe an mit Worten, Laß mich ein, so bist du gut, Schließ auf schier mir die Pforten, Bei mir hie ist so hoher Muth, Der auch gerne dienet dir, Er ist dir hold mit Treuen, das glaube mir. Er hat das viel wohl genossen, Daß er dir ist also huld, Ich hab' ihn zu dir geschlossen In mein Herze, wo er duld't Wonnevoller Freude viel; Er thut dir da, liebe Fraue, was er will. Hoher Muth gewann mit Weibe Nie so manche Freude groß, Ich hab ihn bei deinem Leibe Ofte funden decke-bloß, Da küßt er wohl tausend Stund Deinen kleinen heißen rothen süßen Mund. Gütlich Trauten, Küßen süße, Drucken Brust an Brüstelein, Diese liebe süße Unmüße Treibet in dem Herzen mein Mit dir, reine Fraue gut, Dein guter Freund, mein minnegehrende Muth. Wenn er sich eine Freude dichtet In dem Herzen mein mit dir, Arme und Bein er danne flichtet Ihm und dir, dir und mir, Hin und her, und so und so, Das thut herziglichen wohl und machet froh. Nach diesen Lieden dacht ich an das süße Weib, die ich nie vergaß, und ich sang ihr wieder diese Lied:   44)           Fraue mein, Gott gebe dir guten Morgen, Guten Tag, viel freudenreiche Nacht, Gott behüte dich vor all den Sorgen, Davon dein Leib werde in Trauern bracht, Bist du froh, so bin ich hohes Muthes, Mir ist zu hohem Muthe nichts so Gutes, Als daß du seist herzlichen froh. Du hast ein liebes Lieb vor allen Dingen, Das ist mir so herzenslieb als dir, Nach des Hulden will ich immer ringen, Nie nichts ward so rechte Liebes mir Als dein Leib, das bring' ich dich wohl inne, Fraue, meine Herzens Königinne, Thut mir dein Leib wohl, so bist du gut. Liebe Fraue, liebeste aller Weibe, Dein Leib ist mir in dem Herzen mein, So ist dein reines Herze in seinem Leibe, Welchem soll es danne näher sein? Das kann ich vor Liebe nicht bescheiden; Es ist uns so rechte nahe beiden, Daß sein unser keiner nie vergaß. Lieb vor allem Liebe so dir, Fraue, Dein viel süßer minniglicher Leib, An demselben Liebe ich mein Lieb schaue, Das bist du, viel reines sel'ges Weib, Mein Leib trägt dein Herze, das ihn lehret Tugenden viel, des seid ihr beide geehret, Wohl mich des, daß ich Euch da dienen soll. Gut Weib, ich will dienen ritterleiche Dir auf den viel herzelieben Wahn, Daß ich noch komme in das Himmelreiche Zu dir, wo nie Mannes Leib ward eingethan, Das ist dein Herze, wo deiner Tugenden Fraue, Wachsen drinne aus der Güte Thaue, Laß mich ein, ich thu dir sanfte da,     Dahin will ich und nirgend anders wo, komm     Ich darein, es ist uns beiden Fromm. Die Lied däuchten den Weisen gut. Wenn sie mich verlacht, meine liebe Fraue, so bin ich froh, ihr kußlich Mund kann so lachen, daß mir mein Muth aufsteigt, recht wie die lichte Sonne thut, wenn sie auf von den Bergen geht; ihre Augen haben die Sitte, daß sie ihrem Munde mit lachen, und ihr Lachen steht ihnen so schöne, daß ein Mann alles Trauern lassen müßte, wenn ihre Augen ihn anlachten; davon sang ich ihr die Lied:   45)                 Wonniglichen hohe mein Gemüthe Steht, des habe meine Fraue Dank, Die mir mit ihrer mannigfaltigen Güte Meinen Muth stets hohe zwang, Die viel Reine, Süße thut mir so, Daß ich bin in aller Zeit von Herzen froh, Die viel Gute zweierhande Lachen Lachet, die ich nennen will, Die kann sie so minnigliche machen, Daß sie sind mein Herzensspiel Wenn ich ihr süsses Lachen eines soll Sehen, so ist mir in dem Herzen wohl. Eines sie mit rosenfarbnem Munde Kann, das ist so minniglich, Daß ein Mann darinne Freude funde, Der sonst nie ward freudenreich, Sie ist der minnegehrenden Maien-Mond, In ihrem Lachen Freuden-Hort, der süße, wohnt. Lachen kann meine tugendreiche Fraue Mit ihren spielenden Augen so, Wenne ich mich darinne rechte schaue, Daß ich bin von Herzen froh, Wen ihre Augen gütlich lachen an, Der muß immer sein ein freudenreicher Mann. Mit ihren spielenden Augen lachen schone Kann die reine Süße wohl, Drum trag' ich der hohen Freuden Krone, Wie ihre Augen Thaues voll Werden aus ihres reinen Herzens Grund, Von ihrem Lachen gleich so werde ich minnewund. Ihr viel klein weißer Hals, ihr Kinne, Mund, Braun, Wängel, Augenlicht, Ist der Minne Spiegel, da man inne Mancher hande Wonne sicht, Sollt' ich den süßen Spiegel sehen Zu aller Zeit, mir könnte nimmer bas geschehen. Wollte Gott; daß ich ihren Hals, ihre Brüste, Augen, Kinne, Wängel, Mund, Mit ihrem Willen heimlich küssen müßte Hundert tausend tausend Stund! Mancher spricht, das wäre mir allzu viel, Der mit Weiben nicht kann spiel'n der Minne Spiel. Nach diesen Lieden wurde ich froh, ich dachte: ein biedrer Ritter mag ein edles Weib erwerben, das haben alle Weisen gesagt, und so möchte mir auch geschehen, alles Trauern vergäße ich, wenn sich ihr beiläge. Da geschah mir ein lieblich Lied, daß ich meiner Frau einmal in ihre Augen sah, da sprach ihr rosenfarbner Mund gegen mich ein süßes Wort, das ist meine Selde, dieweil ich lebe, das Wort that mir so wohl, daß ich mich des heut noch freue, dieß Wort läßt mich nicht trauern. So wie sie es aus ihrem Munde ließ, so ging es süßlich zu Thal in meines Herzens Grund, da vertrieb es all mein Weh, und sprach: sei froh, da meine Fraue mich aus ihrem Munde hergesandt hat! Ich sprach: nun sei mir willkommen, du minnigliches Wort bist meiner Freuden Trost! Es rieth die Liebe meinem Herzen, davon diese Lied zu singen:   46)           Ich bin hohes Muthes Hoher Muth mir sanfte thut, Nie nicht ward so gutes Als mit Züchten hoher Muth, Hochgeborne schöne Weib Mag viel wohl erwerben hochgemuthen Ritters Leib Ein Weib mich behütet Hat vor Trauern meine Zeit, Gütlich sie mir gütet, An ihr liegt alle meine Freud Ich bin durch sie hochgemuth, So ist die viel Schöne von ihren hohen Tugenden gut. Mit rothem süßen Munde Sprach die Gute wider mich Ein Wort zu einer Stunde, Des muß mein Leib freuen sich, Lächelnd ihr Mund das Wort sprach, Als ich in ihre lichten spielenden süßen Augen sach. Ihre gut weibliche Güte Nahm es aus ihres Herzens Grund, Freude, hoch Gemüthe Blüht mir an derselben Stund, Da sie sprach das süße Wort, Das mir immer ist für meiner hohen Freuden Hort. Mit ihren Worten süßen Machet sie mich hochgemuth, Ihr Urlaub, ihr Grüßen, Mir vor Schulden sanfte thut, Ich bin alles des gewährt Mit der Tugendreichen, das mein Leib zu Freuden beehrt. Ich hab' von ihr Ehre, Ich hab' von ihr hohen Muth, Dannoch hab' ich mehre Von ihr, das mir sanfte thut, Freude, Wonne, Rittersleben, Das hat sie zum Lohne mir umme meinen Dienst gegeben. Ich hab' von der Guten Leib, Gut, Ehre gehrenden Sinn, Der viel Wohlgemuthen Ritter ich mit Treuen bin, Was sie will, das will auch ich, Sie ist gewaltig Königinne immer über mich. Achtundzwanzigstes Capitel. Herzog Friederich von Oesterreich fällt in der Schlacht. Nach diesen Lieden kam ein Tag, den ich immer hassen muß, denn eine geschwinde Sommerzeit erschien, in der der hochgeborne Fürst Friederich von Oesterreich jämmerlich erschlagen ward, er war mein rechter Herr, und ich sein rechter Dienstmann, darum kann ich ihn nie genug klagen. Es geschah recht an Sankt Veit's Tage; der Fürst lag mit einem schönen Heere, sein Land zu beschützen, gegen den König von Ungerland, am Morgen früh zog der König mit seinen Scharen zu einem Streit, das ihn nachher wohl gereute; er kam zu uns an die Leitta , da scharte sich auch der Fürst aus Oesterreich . Ich würde Euch gern sagen, wie da Schar die Schar bestand, und wie man über die Leitta kam, und wer da ward erschlagen, ich verschweige es nur darum, weil es schon vor mir gedichtet ist, deßhalb will ich seinen Tod nur kurz erzählen. Der Ruzzen Schar hub den Streit an, gegen die kam Herr Heinrich von Lichtenstein mit einer Schar, er führte den Fahnen in seiner Hand, zwischen beide Scharen rannte der werthe Fürst Friederich , er ermahnte ritterlich die Seinen: streitet heute wohl, sprach er, so will ich Euch alle reich machen. Da übersah der Fürst leider, daß der Ruzzen Schar dort sprengte: indeß er die Seinen ermahnte, kamen die hinten auf den Fürsten gerannt, wovon er jämmerlich todt lag. Als der Streit zusammen gekommen war, wußte Niemand, daß der Fürst auf derselben Stelle todt da lag, den fand nachher liegen Herr Heinrich , sein Schreiber. Den Sieg gewann doch der biedere Heinrich von Lichtenstein , die Ruzzen mußten weichen. Da fand der Schreiber Heinrich den Fürsten todt, der reiche Fürst hatte nichts als ein Spaldenier und einen Schuh und sein Leinen, er hatte nur eine Wunde in seiner Wange: das war wohl Unglück, daß davon ein so vollkommener Mann den Tod gewinnen mußte. Der Schreiber legte ihn quer über ein Pferd und warf einen Mantel über ihn, so führte er ihn in die Stadt: heimlich trug man ihn zur Kirche, wo er wie ein armer Mann lag, indessen aus dem Felde noch zu seinem Dienst gestritten wurde. Viele Ungarn wurden nieder geritten und mußten fliehen, auf dem Nachjagen ward da das Leid bekannt, daß der Fürst erschlagen sei, darüber wurden alle so traurig, daß sie nicht mehr stritten und mancher Unger darüber mit der Flucht entrinnen konnte. Manches Ritters Auge wurde naß, als sie den todten Fürsten sahen, mancher raufte sein Haar aus, und mit Recht ward er von allen sehr beklagt. Zum heiligen Kreutz ward er bestattet nach Fürstensitte. Nach ihm erhub sich große Noth in Steier und Oesterreich, mancher ward arm, der vor reich war, es geschah viel Unbildes, man beraubte die Land Tag und Nacht, wovon viele Dörfer wüste lagen. Die Reichen nahmen den Armen ihr Gut, womit sie ihre Würdigkeit verloren, ja, wenn sich der reiche Mann so großer Untugend annimmt, daß er ein Räuber wird, so verliert er Gottes Huld und der Frauen Gunst: wenn die Edele das thut, was schon an Unedlen Laster ist, so wäre besser, er wäre nie geboren, wenn sich ein Hochgeborner vor Hauptschaden nicht bewahrt, soll man den tugendhaften unedlen Mann weit vor ihm schätzen. Der edle Reiche soll den Armen geben, wer aber zwanzigen nimmt und einem gibt, das ist große Sünde, auch sind die Räuber immer unfroh, ein edler Junger soll aber froh sein und um ein gutes Weib hoch Gemüthe tragen. Mich hat eine reine Fraue immer vor Trauern behütet, ihr zum Dienst sang ich die Lied:   47)         Wehe über die gar Unguten, Die da selten werden froh, Die heiß' ich die Ungemuthen, Das ist ihr Name mit Recht also, Wehe über sie immermehre! Sie verlieren mit ihrem Trauern Selden und Ehre. Wo ein Weib nicht froh gemachen Kann ihren herzelieben Mann Mit ihrem Trauten, mit ihrem Lachen, Dem ist Freude gar zergahn, Freut ihn nicht ihr süßes Kosen, So machen ihn nimmer froh des Maien Rosen. Ich bin froh von einer Rosen, Die kann sprechen süße Wort, Ihr viel lieblich gütlich Kosen Gibt mir hoher Freuden Hort, Mit ihrem kleinen rothen Munde Zieht sie mir Trauern gar aus Herzens Grunde. Schauet, wie die Bien' ihre Süße Aus den Blumen ziehen kann, Also ziehen mir ihre Grüße Trauern von dem Herzen dann, Ihr Urlaub und auch ihr Grüßen Kann sie mir mit süßen Worten süße süßen. Sie hat hohes Muthes Krone Mit ihrer Güte mir gegeben, Die hab' ich von ihr zum Lohne, Drum muß mein Muth hohe schweben, Wohl ihr, daß sie mich so krönet, Und ihre Weibheit mit viel hohen Tugenden schönet. Nach diesen Lieden dacht' ich: wer recht von Herzen unfroh ist, um was anders, als um Gott, daß solcher Unrecht thut, denn nur der trauert recht, der um seine Sünde trauert: ich bin froh, mich läßt die Süße nicht trauern; und so sang ich ihr zum Dienst diese Lied:   48)         Diese Lied die heißen Frauen-Tanz, Die soll niemand singen, er sei denn froh, Wer mit Züchten trägt der Freuden Kranz Und dem sein Muth steht von Weiben hoch, Dem erlaube ich sie zu singen wohl, Lustiglichen man sie tanzen soll. Trauern ist wahrlich Niemand gut, Als dem einen der seine Sünden klaget, Hohes Lob erwirbet hoher Muth, Guten Weiben hoher Muth wohl behaget, Davon will ich immer fröhlich sein, Hochgemuth durch die gute Fraue mein. Freude gibt mir dein wohl redender Mund, Hohen Muth deine reine Sanfte frommt, Freuden-Thau aus meines Herzens Grund Mir von dir in alle meine Glieder kommt, Gott hat seinen Fleiß an dich gelegt, Davon dein Leib der Ehren Krone trägt. Lichte Augen, dabei Brauen braun Hast du und zwei rothe Wängelein, Schöne bist du hie und da zu schau'n Braun, Roth, Weiß, der dreien Farben Schein Trägt dein hoch geborner schöner Leib, Tugenden hast du viel gut weiblich Weib. Daß du also manche Tugende hast, Davon bin ich alles Trauerns frei, Wenn du also schöne von mir gahst, So ist mir, als ob ich in dem Himmel sei, Gott so schönen Engel nie gewann, Den ich für dich wollte sehen an. Neunundzwanzigstes Capitel. Ulrich wird gefangen. Nach den Lieden geschah mir ein unbilliges Ungemach, denn ich ward gefangen. Einer von denen, die mich fingen, war der Pilgerin von Charsse , dem ich nie Leids gethan hatte, sondern ich war ihm hold, er diente mir so und so, und ich sah ihn oft bei mir: der andere war Weinolt genannt, dem ich auch freundlich war; der war ein sehr großer und ungestalter Mann, mit ihm beging ich viel Scherz, er konnte künstlich sprechen, aber heimlich trug er in seinem Herzen Untreue. Die beiden haben ihre Ehre an mir verloren. Am dritten Tage nach Sanct Bartholomäus geschah es, als ich nach einem Bade in meiner Kammer lag, daß die zween nach Frauenburg geritten kamen: man ließ sie in mein Thor ein, und alles mein Gesinde sagte ihnen Willkommen, da sprach Pilgerin: was macht Euer Herr? Einer von den Meinen sprach: er hat sich schlafen gelegt. Ei, sprach jener, daß ist große Trägheit, Ihr sollt ihn von mir bitten, daß er aufsteht und mit mir spricht. Es that es mir mein Kammerer bekannt, daß Weinolt und Pilgerin mich gern sehen wollen, ich stand auf und ging freundlich zu ihnen. Zwei Hosen hatte ich angelegt, linnene Kleid und Chürsen und Mantel; ich umarmte beide und sagte ihnen Willkommen, nahm jeden bei der Hand und führte sie in ein Fenster auf eine Bank, dann hieß ich Trinken bringen und fragte, ob sie essen wollten. Wer fragt, der will nicht geben, sprach Pilgerin . Ich ließ Meth, Speise und Wein bringen, wir aßen und waren froh. Nach dem Essen sprach Pilgerin: wollt ihr nicht paitzen? Nein, sagte ich, heute nicht, weil ich gebadet habe. Da sprach der Ungetreue: ei, paitzet um meinetwillen, wir hatten es uns vorgenommen und haben zwei Sperber mitgebracht. Da sprach ich: Freund, Herr Pilgerin, ich bin Euch gern mit dem Paitzen zu Dienste, ich reite gleich mit Euch. Da befahl ich den Meinen, daß sie Vogelhunde und Federspiel zu Felde brachten. Wenige von den Meinen blieben, denn ich sandte sie mit der Botschaft fort, und diejenigen, die noch da blieben, sandte er dahin und dorthin. Als ich nun allein bei ihnen saß, da winkte er seinen Knappen, die traten vor die Thür, und zugleich sprangen Weinolt und Pilgerin auf und zuckten zwei Messer, sie fielen auf mich und gaben mir gleich drei Wunden. Da wand mir der Pilgerin Chürsen und Mantel um den Hals und zog mich nach der Thür, ich schrie laut und bat um mein Leben. An meinem Thor hatten die beiden Männer ihre Knechte gelassen, die unterwanden es sich und trieben alle die Meinigen ans dem Hause, da lief meine Hausfrau zu mir und rief: Was soll dieß sein? Die Ungetreuen sprachen: Frau, geht sogleich vor das Thor, da findet ihr die Eurigen, gleich geht fort! Wir wollen ihn und alles haben, was er nur gewinnen mag, oder es ist sein Ende. Da sah mich die Gute weinend an, ich sprach: geht nur, so lieb Euch Eure Ehre ist, bleibt nicht länger hier bei mir. Da ging sie mit meinen Kindern gegen das Thor. Frau! Euren Sohn müßt ihr uns auch hier lassen! rief Pilgerin . Da nahm er ihr das Kind von der Hand; auch alle Kleider, die er bei der Frauen finden mochte, nahm er, und alle Kleinod, dann trieb er sie aus dem Thor und mein Sohn blieb bei mir. Jämmerlich gingen mein Weib und mein Gesinde nach Lichtenstein . Da wurde schnell die Mähre bekannt, und wohl dritthalb hundert meiner Freunde kamen schnell nach Frauenburg , die mir aber fast den Tod gegeben hätten. Denn da sie für die Burg gerannt kamen, führte mich Herr Pilgerin zu einem Fenster und sprach: wenn Ihr noch wollt leben bleiben, so heißt sie alle zurück gehen! Er band mir ein Seil um den Hals und sprach: ich henke Euch sogleich über das Fenster hin, nach ihnen zu, wenn sie stürmen wollen. Da schrie ich jämmerlich meinen Freunden zu: was wollt Ihr thun? Wollt Ihr mich tödten? Wie haben ich das um Euch verdient? Ihr mögt mich so leicht nicht erlösen, denn wenn Ihr näher kommt, so bin ich todt, und Ihr könnt ihnen doch nicht schaden. Bald dräute ich, bald bat ich, und das so lange, bis sie von dannen fuhren und mich gefangen da ließen. In der Nacht litt ich viel Noth, man drohte mir oft, daß ich mit dem Tage sterben müsse, davor konnte ich nicht ruhen. Als es Tag wurde, wurde ich des einig, daß, da ich doch sterben müsse, nachzusuchen, ob nicht irgend wo Brot läge, da wo ich gefangen lag. Ich suchte lange, endlich fand ich ein Brosamen, das ich weinend aufhub, damit kniete ich nieder und klagte meine Sünden dem, dem man nichts verhehlen mag, und der in alle Herzen sieht, dann nahm ich weinend seinen Leichnam und empfahl ihm meine Seele. Da kam Herr Pilgerin zu mir, um mich zu tödten, er sprach: was gebt Ihr uns, wenn ihr länger leben wollt? – »Alles, was ich habe und nur gewinnen kann.« – So feind er mir war, so half doch dieser Lohn, er dachte: er gibt mir so viel, und nachher kann ich doch meinen Muth an ihm kühlen und ihn nicht genesen lassen. Er ließ mich in eine Kette verschmieden, darin ich viel Qual litt, so gefesselt wurde mir mancher Tag sehr lang. In dieser Noth rieth mir mein Herz, diese Lied zu singen:   49)         Nu hülf mir, Weibesgüte, Mir ist noth die Hülfe dein, Mir will hoch Gemüthe, Sterben in dem Herzen mein, Weibesgüte, du bist gut, Hülf, daß nicht verderbe jämmerlich mein hoher Muth. Wo man sagt das Mähre, Daß ich Gefängniß dulde, Das ist denn der Frau schwere, Denn ich diene lang' um ihre Hulde, Welche weibliche Güte hat, Ich weiß wohl, mein Kummer der nahe zu Herzen gaht. Und wann mich erlösen Gute Weib, so glaube man fürwahr, Die Schuld sie vergässen Meinen Feinden endelichen gar, Das ist Recht, es ist also, Da ich bin ihres Leides traurig und ihrer Ehren froh. Nur meiner Frauen Güte Und ihr lieblich schöner Leib Erhält mir hoch Gemüthe, Um sie ehre ich alle Weib, Das hat sie verschuldet wohl, Daß ich um ihre Ehre allen Frauen dienen soll. An dem viel werthen Weibe Kann man hohe Tugenden spähen, An ihrem süßen Leibe Ward Unweibheit nie gesehen, Sie ist schöne, sie ist gut, Keusche, fröhlich, stete, züchtereich, weiblich gemuth. Röther danne eine Rose Ist ihr Mund, süße und heiß, Sie ist mit Züchten lose, Schöner Weib ich nirgend weiß, Braun ihre Brauen, weiß ihr Leib, Von Geburte eine Fraue ist sie und von Tugenden Weib. Keuschlich lächeln, lachen, Kann ihr kleiner rother Mund, Sie kann süße machen Ihre Geberde zu aller Stund, Ihr Mund und ihrer Augen Licht Wenn mich die anlachen hohes Muthes man mich sicht. Es däuchte manchem wunderlich, daß ich mit solchen Nöthen rang und doch so minnigliche Lied dichtete, doch konnte ich die nicht vergessen, der ich immer als meiner Frauen dienen will. Ich lag ein ganzes Jahr und drei Wochen gefangen, mir ward oft der Tod nahe, daß ich erschlagen werden sollte, den der geschwinde Mann lief oft mit Messern und Schwerten auf mich ein, und nur Gott im Himmel half mir in dieser starken Noth. Dreißigstes Capitel. Ulrich wird wieder frei, er singt das Lob seiner Frau und endigt sein Buch mit guten Rathschlägen für Frauen und Männer. Nun war Graf Meinhard von Görtz vom Kaiser als Herr in das Steierland gesendet. Da der edle Mann mein Gefängniß erfuhr, war es ihm von Herzen leid; er kam mit vielen Herren nach Frauenburg und machte mich ledig, und mußte aber meine beiden Söhne zum Pfande lassen und auch zwei Kind und meine Burg. Alle die habe ich nachher ausgelöst, ich will verschweigen wie, und will nur von Frauen sagen. Ich genaß von meinen Nöthen, hatte aber starkes Gut verloren: nun, was drum? habe ich doch meinen hohen Muth behalten.   50)             Fraue, meiner Freuden Fraue, Fraue mein über alles das ich han, Wenn ich Schöne schaue Und mich eure Augen lachen an, So werde ich so herziglichen froh, Daß mein Muth steht für die Sonne hoh. Weiblich Weib, von eurer Güte Bin ich werden hochgemuth, Nu ist mein Leib in Ungemüthe Kommen, dafür sollt ihr mir wesen gut, Lachet mich mit spielenden Augen an, So muß all mein Trauern gar zergahn. Lachen eurem rothen Munde Schöne steht und euren Augen licht, Da freut es mich von Herzens Grunde, So daß man aus meinen Augen sicht Freuden-Thau vor Herzenliebe gahn, Wenn mich Mund und Augen lachen an. In dem Herzen mein versiegelt Hab' ich euern reinen süßen Leib, Mit der Stete also verriegelt, Daß daraus ihn nimmer Maget noch Weib Mag verdringen weder Nacht noch Tag, Ihr seid die an der meine Freude immer lag. Mich freut die viel süße Unmüße, Daß ich euch soll immer dienend sein, Euer Mund, der kann so süße Sprechen, daß er freut das Herze mein, Eure minniglichen süßen Wort Sind gar meiner hohen Freuden Hort. Die Lied sang ich, da mancher vor Raube in Steier und Oestereich unfroh ward. Meine herzeliebe Fraue bezwang mich so, daß man mich sah in Freuden sein, wie es auch im Lande zuging. Ihr zu Dienst sang ich wieder die Lied.   51)         Ein Mann bedarf wohl Sinne, Der eines werthen Weibes Hulde will Verdienen und ihre Minne, Wohl muß er haben Tugende und Fuge viel, Ungefüges Mannes Werben Muß fürwahr gar verderben, Wenn dem Gefügen wird gelohnet hoch. Wenn so von dummen Weibe Gar ungefügen Manne Lieb geschicht, Das gebiert ihrer beider Leibe Doch in die Länge Herzens-Wonne nicht, Seine Unsitt muß sich ihr verleiden, So geht es an ein Scheiden, Ihr beider Liebe hat ein Ende schier. Und soll ich nicht erwerben Mit Dienste die viel liebe Fraue mein, So muß mein Leib verderben Gar sonder Wank, so stete will ich sein, Wohl kann nimmer Lieb von Weibe Geschehen meinem Leibe, Als von der Guten, die ich zur Frauen han. Die mag mich fröhlich machen, Sie ist meines Herzens Freude-Lehre also, Das ihr viel süßes Lachen Mir ofte brachte mein Gemüthe hoh, Ihre Geberde, ihre Schöne, ihre Güte, Ihr weiblich gut Gemüthe Hat Tugenden viel ohn' alle Missethat. Und wenn ich wünschen sollte Ein Weib mir selber nach dem Willen mein, Wie ich sie haben wollte, Die mußte geleich gar meiner Frauen sein An dem Leibe, an dem Muthe, Die Reine, Süße, Gute, Thut mir also, daß ich bin hochgemuth. Damals lebten alle in Steier und in Oesterreich traurig. Die Reichen thaten einander Leid, sie pflegten nur des Raubes, der Frauendienst lag darnieder, die Jungen waren ungemuth. Was aber alle auch thaten, ich war froh und sang meiner Frauen diese Lied:   52)         Was darumme? Ist verschwunden Uns der Sommer: des mag werden Rath, Seine Zeit wird wohl wieder funden; Ich klage, daß die Welt so übel staht, Daß nu trauert manniches Leib, Der froh sollte sein durch gute Weib. Freude und Zucht hat fast ein Ende, Junge und Alte sind nicht wohlgemuth, Gott den großen Kummer wende, So das noch die Reichen werden gut, Die sieht man ungutlich leben, Trauer hat ihnen ihr groß Uebel gegeben. Mich nimmt Wunder, daß die Jungen Und die Reichen trauern bei ihrer Zeit: Was hat sie dazu bezwungen, Daß ihnen Weib noch Jugend Freude leiht? Nu seid traurig und unfroh! Mir steht durch ein Weib mein Muth hoh. Die hat sich wohl behütet Und bewahrt vor aller Missethat, Ihr Leib nur so gütlich gütet, Daß mein Muth von Schulden hohe staht, Sie ist so recht gütlichen gut, Daß ihre Güte mir gibt hohen Muth. Durch die Reinen, Süssen, Guten, Herzelieben werthen Frauen mein, Will ich mit den Wohlgemuthen Immer gerne hohes Muthes sein, Ihr ist lieb, daß ich bin froh, Davon steht mir mein Gemüthe hoh. Als ich diese Lied gesungen, dacht ich: da die Welt so unfroh ist, wie sollen denn Frauen leben? Gern möchte ich ihnen rathen. Um ihnen Rath zu geben, sang ich diese Lied:   53)         Ich will um die Fraue mein Guten Weiben rathen einen Rath, Daß sie froh bei Zuchten sein, Zucht bei Freuden Fraue schöne staht, Welch Weib ist mit Züchten hochgemuth, Die hat Ehren viel und ist ihr gut. Gütlich soll ein jeglich Weib Gerne thun, das ist wahr, das weibet wohl, Die wohl bekleiden will ihren Leib, Die soll thun ihr Herze der Güte voll, Güte ist wohl das beste Frauengewand Das an Weibes Leib je ward gewandt. Welch Weib gütlich lachen kann Schöne mit Züchten, hat die rothen Mund, Die mag einem werthen Mann Seufzen bringen aus des Herzens Grund, Gut Geberde Frauen schöne staht, Wohl ihr die bei Güte Schöne hat. Wenn ein gut Weib minnen will, Die soll minnen, daß ihr recht gezieme, Falscher Minne der ist nu viel, Davon soll sie bedenken wen sie nehme, Der ihrer Ehren hüte und stete sei, So daß er gegen sie sei Wankes frei: Welch Mann sich vor Missethat Hat behütet und behüten will, Wenn ein Weib zu dem Liebe hat, Der Leib darf sorgen nimmer viel, Er ist ihrer Ehren froh, das weiß ich wohl, Biedre Mann gut Weib bedenken soll. Ein gut Weib die sollte die Haben lieb, die mannlich sind gemuth, Wer große Unthat begangen nie, Der ist werthen Weibe zum Freunde gut, Welch Mann seiner Ehre hüten kann, Dem soll ein Weib ihre Ehre trauen an. Welch Vertraun meine Fraue zu mir hat, Das leiste ich ihr, wie ich am besten kann, Ich beging nie Missethat, Gegen sie ich nie falschen Muth gewann, Sie ist mir lieber danne mein eigner Leib. Das ist mein Recht, sie ist ein weiblich Weib. Dann sang ich die Lied meiner Frauen:   54)         Wohl her alle, helfet singen Weibes Lob, das ich stets gerne sang, Thut ihr das, Euch mag gelingen, Wie mir noch nie wohl an ihnen gelang, Doch gelaubet, daß ihr Zwingen Biedren Mann auf hohen Muth stets zwang. Man soll Frauen wohl gedenken, Wer das thut das ist ein gut Gedank, Und ihnen dienen sonder Wanken, Das wird wohl gelohnet sonder Wank, Niemand soll sie mit Worten kränken, Denn ihr Lob kann nimmer werden krank. Mau sieht mich in hohem Muthe, Durch ein Weib bin ich viel hochgemuth. Die viel Reine, Süße, Gute Ist vollkommen schön und dazu gut, Ihre gute weiblich Ehren-Hüte Hat ihren Leib vor Wandel behüt. Wohl ihrem kleinen rothen Munde, Immer selig sei ihr süßer Mund, Sollte ich den in kurzer Stunde Küssen hundert tausend Stund, Wenn ich sie in dem Willen funde Das wär' meiner hohen Freuden Fund. Tugenden hab' ich an ihr funden Mehr als ich ihrer je an Weibe fand, Davon bin ich ihr gebunden, Minne mich ihr mit der Stete band, Drum ist Trauern mir verschwunden, Von ihrer großen Güte mir das schwand. Die Lied waren meisterlich und sinnreich ihre Reime, darum sang sie mancher gern, die Weise war nicht lang, sie waren gut zu tanzen und wurden auch viel getanzt. Nun dachte ich, wenn eine Fraue sich klar machen wollte, daß sie immer schön wäre, so konnte ich keine Farbe erdenken, die ihr so gut ansteht, als die Güte, darüber und zum Lobe des schönen Leibes meiner Frauen sang ich die Lied:   55)         Fleuch, fleuch Trauern von uns ferre Aus dem Lande balde, Hoher Muth, dein rechter Herre, Der kommt mit Gewalte, Junge und Alte Hebst du unhoch, wohin du kehrest, Da du Niemand ehrest. Hoher Muth der bringet Ehre Uns von Weibes Güte, Er ist aller Tugenden Lehre, Gott ihn uns behüte, Hoch Gemüthe Lehret Frauen dienen schone Nach ihrem süßen Lohne. Will eine Fraue schöne bleiben Gerne stetiglichen Die soll sich mit Güte reiben, Stete feste unterstreichen, Ehren reichen Muß sie von den Farben immer, Sie verderben nimmer. Weib und Frauen in einer Wete Soll man gerne schauen, Wo eine Frau unweiblich thäte, Wer möchte der vertrauen? Werthen Frauen Steh't wohl, daß sie gütlich güten Und ihrer Ehren hüten. Guten Weiben will ich immer Dienen sonder Wenken, Von dem Muthe komm' ich nimmer, Wie möcht' ich gedenken Sie zu kränken? Da an ihnen steht all' meine Ehre Und an Niemand mehre? Mein Muth muß von einem Weibe Hoher Freuden reichen, Ihrem viel reinen süßen Leibe Kann ich nichts verglichen In den Reichen, Sie ist die beste in meinem Muthe Und fürwahr die Gute. In des Herzens Grunde schone Blüht mir hoch Gemüthe, Das gibt mir ihr Leib zu Lohne Mit ihrer süßen Güte, Gott behüte Mit ihren Leib, ihre Schöne, ihre Ehre, Sie ist meiner Freuden Lehre. Nach diesen Lieden gedachte ich, wie man wohl den Weiben könnte in ihre Herzen sehen, und zum schwachen Lob der Weiber und meiner Frauen sang ich die Lied:   56)         Wisset alle, daß ich kann Guten Weiben in das Herze sehen, Was Ihr Leib hat Kleider an, Dadurch kann ich alle ihre Tugende spähen, Hat eine Fraue Missethat irgend in ihres Herzens Schrein, Die thun mir bekannt die Augen mein. Mancher schöne Frauen sicht, Der doch nimmt ihrer Güte wenig wahr, Deren bin ich einer nicht, Ich kann all' ihre Tugenden merken gar, Soll den Frauen jemand wohl sprechen, das soll thun mein Mund, Denn mir sind ihrer Güte Wunder kund. Mir sind alle ihre Tugenden gar Und ihre Güte völliglich bekannt, Davon hab' ich dreißig Jahr In ihrem Dienst ritterlich verschwandt, Hab' ich irgend missethan gegen den guten Dienst, das ist mir leid. Des bin ich zur Buße ihnen viel bereit. Wie ich in ihres Herzens Grund Alle ihre Tugenden sonders möge spähen, Das will ich Euch machen kund, So daß ihr die Wahrheit müsset sehen, Mit Gedanken ihre Sitte und ihren Muth betrachte gar, Damit ich ihr Heimliches alles erfahr, Was eine Fraue Tugenden hat, Die muß aus ihres Herzens Grunde gahn, Wie der Saft aus Wurzen gaht, In viel manche Blumen wohlgethan, Die Weibheit muß sein getreue, davon ehret Frauen Leib Da wo man sie nennet weiblich Weib. Ich hab' meiner Frauen Leib Und ihr Herze funden Wandels frei, Ich ersah nie weiblich Weib Der so hohe Tugenden wären bei, In ihrem Herzen kann mein Sinn nichts erfinden noch erkennen, Was man ihr nicht muß Tugenden nennen. Da ich erst ihre Rede vernahm Und ich in ihr reines Herze sach, Da fand ich Zucht, weiblich Scham, Davon spreche ich noch was ich da sprach, Das mir nie Weib gefiele bas, sie ist keusche, stete gut, Schöne hochgeborne, weiblich gemuth. Die Lied gefielen manchen; daran dachte ich, wie das reine Herz eines guten Weibes dem Himmelreich zu vergleichen ist, in keins der beiden soll ein sündhafter Mann kommen, davon und ihr zu Dienst und Ruhm sang ich die Lied.   57)       Wohl mich, wohl mich des, daß ich da hab' funden Auf der Erden ein Himmelreich! Davon ist mir all mein Trauern gar verschwunden, Nie nichts ward so wunniglich, Da ist Genaden also viel, Daß ich dahin mit Dienste immer werben will. Meiner Frauen Tugende-reiches Herz ich meine, Das ist so gar Wandels frei, Und fürwahr so rechte lauterlichen reine, Daß ihm nichts wohnt als Tugende bei, Darinn lieget Selden-Hort, Mancher Freuden Hochgezeit ist dort. Weiblich Zucht und weiblich Güte sind darinne, Keusche, Treue, Stetigkeit, Dazu wohl gemuthen werthen Weibes Sinne, Um das Herze hat als Kleid Gott gethan, so minniglichen Leib, Das man sie von Wahrheit nennet weiblich Weib. Wohl muß immer mich mit Rechte verlangen In das reine Himmelreich, Da dasselbe Himmelreich befangen Hat ein Leib so minnigleich, Der nie Wandel-Mahl gewann, Er ist keusche, schöne, gut, lieblich gethan. Nie nicht ward so lieblich Schönes auf Erden gar Als ihr minniglicher Leib, Sie ist mir in dem Herzen immer, ich spreche wahr, Lieber viel dann alle Weib, Sie mag mir gelauben wohl, Davon dien' ich ihr mit Treuen als ich soll. Sie ist des Herzens und des Leibes mein gewaltig. Dazu alles das ich han, So ist meine Treue gegen ihr so mannigfaltig, Daß ich ihr das Gutes gann Danne mir selber, das ist also, Mich thut ihre Gebehrde ofte froh. Schauet wie der Hausen an der Donaue Grunde Lebet von des Rohres Süße gar, Also lebe ich wohl von der Luft aus ihrem Munde, Endlichen meine Jahr, An ihr steht meiner Freude Leben, Des hat sie mir mit ihrer Güte Wunder gegeben. Immer war mein Herz unruhig und begierig wie ein Federspiel, es wollte bei meiner Frauen sein; davon sang ich die Lied:   58)         Weicht zurücke, laßt der Guten Neigen mich, die Tugende hat, Der viel reiniglich Gemuthen Leib beging nie Missethat, Sie ist ein Weib gar Wandels frei, Davon ist sie mir viel lieber denne was sei. Zu dem reinen süßen Weibe War das sehnende Herze mein, Ofte gerne aus meinem Leibe, Bei der Guten wollte es sein, Es fährt gegen sie spielende so, Sam es hin zu der Guten wolle springen hoh. Wann die Gute mich anlachet Minnefarben ich dann bin, Gleich mein Herze sich ausmachet Und will zu ihr springen hin. Durch die Brust ist seine Begier Von der großen Herzenliebe gegen ihr. Sollte ich der Minniglichen Ein Wort küssen in den Mund, So sähe man mich freudenreichen Heute und immer zu aller Stund, Ich wollte es so küssen ihr, Daß sie minnefarb vom Kusse würde schier. Ich wollte aus ihrem rothen Munde Küssen, was mir thäte wohl Immer in des Herzens Grunde, Ihr Mund ist der Süsse voll, Die für Trauern Freude gibt, Wisset, daß der in ihrem Munde Wunder liegt. Küssen ist der Minne Rose, Da sie reitzet Wonne mit, Wann sie mit der Liebe kose Ist nach ihrer viel süßern Sitt, So that nimmer nichts so wohl Als das eine, das man nennen nimmer soll. Gerne ich von demselben spreche, Was es Wonnen und Freude leiht, Wenn ich meine Zucht nicht bräche, Ich nannt' es Freuden Hochgezeit Und der Minnen Lohn, also, Daß es viel manches reines Herze machet froh. Ich rathe Euch, Frauen, daß Ihr Euch jetzt mehr vor den Mannen hütet, als sonst, ihre Zucht ist fast todt, die Füge haben sie vergessen, und wenige wollen der Treue pflegen: wenn ihr auch wem getreue Liebe geben wollt, so sollt Ihr Euch erst bedenken, daß es Euch nachher nicht gereut, denn übereilte Liebe bringt Reue. Bedenkt, daß mancher Mann die Weiber zu betrügen weiß und es für Kunst hält, einen solchen solle alle Weiber hassen. Ein sinnig Weib wird mir folgen und der jähen Begier widerstreben, die Weib sollen nicht jähe gewähren, jähe Liebe ehrt weder Weib noch Mann, und weder Weiben noch Mannen ziemt ungetreuer Muth. Ich will Euch fünf Dinge bekannt thun, die höchsten und besten, die je ein Mann gewinnen kann, und die ihm sanft thun. Das erste sind die reinen Weib: das zweite gute Leibnahrung; die zwei sind zu Freuden sehr gut; so freut sich auch der Mann an schönen Rossen und gutem Gewande, auch schön Geziemire thut ihm wohl. Wer alle diese fünf Dinge hat, der trägt mit Recht hohen Muth und ist ein reicher Mann. Noch weiß ich vier Dinge, wonach alle Leute werben: welch weiser Mann ihrer nur eins werben will, der mag viel davon gewinnen; alle vier hat noch keiner gehabt, drum ist es Unsinn, um alle vier zu werben, denn jedes thut dem andern Schaden. Das eine ist: wer des Huld hat, in dessen Gewalt alles steht, was je wurde oder wird; wer seiner Huld ganz entbehrt, der ist ewiglich verloren. Das andre ist die Ehre. Das dritte Gemach. Das vierte, Gut. Nach diesen Vieren steht der Muth aller Lebendigen. Man findet manchen, der Gemach, Ehre und Gut läßt, um die Huld Gottes, dieser hat das beste Theil erkohren. Mancher läßt Gottes Huld, daß er hie Ehre habe, darum verschwendet er sein Gut und pfliget selten des Gemaches, ihm altert der Leib in Sorgen, und Mann und Weib loben ihn, es kommt ihm aber theuer, denn das muß mit Leid ein Ende haben. Mancher versäumt auch Gottes Huld und achtet auch die Ehre nicht, sucht auch kein Gemach, sondern vor allen diesen dreien liebt er das Gut und vermehrt es immer; dem ist hie und dort weh. Der vierten findet man auch viele, die wie die Schwein gemuthet sind, die Gottes Huld, Ehre und Gut um Gemach lassen: o pfui! wie verschwenden die ihre Zeit! Außer diesen ist noch ein fünftes, das gibt uns Unheil und heißet das versäumte Leben; wer die viere alle haben will, der muß sie alle viere lassen, er versäumt sich hier und dort, er hat weder Mittel noch Anfang noch Ende. Derselben bin ich einer, ich verlebte meine Jahre so, daß ich um keines von ihnen die andern dreie nie verließ, ich wähnte, sie alle viere zu haben, und derselbe Wahn trüget und affet mich noch. An dem einen Tage will ich dem dienen der mir Seele, Leib und Sinn gegeben hat und alles, was ich nur habe, am andern Tage will ich als ein Mann Ehre erwerben, dann wieder Gut, am vierten will ich Gemach haben. Doch bin ich nicht so ganz thöricht, denn ich nehme das Beste daraus, daß ich einem Weibe diene, in deren Dienst ich noch ferner meine Seele wagen will, denn ohne Scherz habe ich den Glauben, daß der reine süße Gott um seine Tugend mir die Treue gedenkt, die ich gegen die Gute ohne Falsch trage. Wollte Gott ihr süßen Weib, daß ich Euch doch das erwünschen könnte, daß, wenn eine von Euch einen Mann haben wollte, dessen Wille dann gegen diese so sein möchte, wie der meinige zu der, der ich diene und immer dienen will. Ich wünsche Euch ihr Frauen, daß Euer Leib mit Freuden lange lebe, und daß Euch Gott dort sein Reich verleihe. dagegen sollt Ihr mir mit lauterlichem Herzen wünschen, daß mir meine Fraue gnädig sei, Ihr sollt auch nicht vergessen, daß ich Euch mit süßen Worten stets gedient habe und Euer Lob singe, wie ich am besten kann. Wollte Gott, alle Mann wären Euch mit Treuen hold, wie ich, so wäre Freude in der Welt. Auch bitte ich Euch um Eure Würdigkeit, daß Ihr Gott um mich bitten mögt, damit er sich Euretwegen mein erbarme, daß er mir ein gutes Ende gibt und meine Seele mit Freuden hinfährt. Dreiunddreißig Jahr war ich ritterlich Ritter gewesen, als man dieß Buch zuerst lesen hörte und ich es voll dichtete. Die Frauen können nun sehn, ob ich von ihrer Würdigkeit gesungen und gesprochen: achtundfünfzig Töne habe ich gesungen, die stehn hie drein, darin habe ich mich beflissen, gute Weib zu loben. Was ich in neuen Tönen jemals sang, das findet man hie in diesem Buche, ich will aber das Frauenlob noch nicht lassen; wer dann will, daß es auch hie steh, der schreibe es hinzu, wenn ich es gesungen habe, so hat er züchtiglich daran gethan. Mein Heil sei ein Pfand der Wahrheit, daß ich dieß Buch darum gedichtet habe, weil meine Frau es mir nicht erlassen wollte, die reine Süße gebot es mir und ich habe ihr damit gedient: dürfte ich ihr verweigert haben, so hätte ich es nicht gethan, denn ich weiß wohl, daß es sich nicht geziemt, daß ich von mir selber so viele ritterliche That gedichtet habe: aber die Noth zwang mich dazu, der Befehl meiner Frauen, und was sie gebeut, muß ich thun. Guten Weiben gehöre dies Buch, manches süße Wort habe ich ihne darinne gesprochen und Frauendienst sei es genannt. Beschluß des Herausgebers. So hat der Dichter die Geschichte seines Lebens geendigt, wir finden keine Liebesgedichte mehr von seiner Hand, die wahrscheinlich verloren gegangen sind, wenn sie nicht noch irgend wo einst angetroffen werden; die Sammlung des Manesse hat aber noch zwei Stücke unter seinem Namen ernsteren Inhalt, über den Verfall der Zeit, welche ihm abzusprechen wohl zu weit getriebner Zweifel sein möchte. Es ist nicht unmöglich, daß in der unkritischen Sammlung des Manesse hie und da ein Gedicht des Ulrich sich unter andern Namen findet. Ich setze die oben erwähnen beiden Gedichte zum Schlusse hieher.   59)           Leute und Land, die möchten mit Genaden sein, Nur zwei viel kleine Worte, mein und Dein, Die regen große Wunder auf der Erde, Wie gehn sie ängstende und wüthende überall, Und treibe all die Welt umme als einen Ball, Ich wähne ihres Krieges nimmer Ende werde: Die böse Geitzigkeit Die wächset alles umme sich daher seit Evens Zeit, Und irret alle Herzen und alle Reiche, Jedwede Hand und Zunge Die meinen und minnen nichts als Falsch und Aenderunge Lehre und Folge liegen öffentliche. Gelücke das geht wunderliche auf und abe, Man findet es viel leichter als man es behabe. Es wanket, wenn man es nicht wohl besorget, Wen es beschweren will, dem gibt es vor der Zeit, Und nimmt auch vor der Zeit wieder was es verleiht, Es dummet den, dem es zu viel geborget, Freude gibt die Schmerzen, Vor daß wir ohne Schwere sein des Leibes und des Herzen Findet Wahn, wohl das gläsene Glücke, Das hat kranke Veste, Wenn es uns unter die Augen spielt und scheint allerbeste So brichet es viel leichte in kleine Stücke.   60)               Wo nun Freude? Wo nun Ehre? Wo nun Folgen guter Lehre? Welt, du trauerst all zu sehre, Dein Lob geht an einem Stabe, Hübschheit war sonst deine Krone, Da man rang nach Weibes Lohne Ohne Falsch mit Züchten schone, Die hast du geworfen abe: Reiner Weibe gütlich Grüssen Kann wohl schwere Sorge büßen; Von dem Haupte zu den Füssen Du fährst in schwacher Tugende Habe. Weib, dein Name uns Freude mehret, Gott hat dich mit Selden geehret, Die wird nimmermehr versehret, Du bist aller Wonne ein Dach: Weib, du sollt Unweibheit meiden, Und laß dich die Schande neiden, Sonst mag nichts dein Lob verschneiden, Geh der Scham mit Züchten nach: Willt aber du Falsch für Tugende Minnen, Des wird die Schande mit dir innen, Sie läßt dich Unpreis gewinnen, Flieh den Matt ich sage dir Schach! Ritterschaft, wie steht dein Orden? Sage an, wem ist deine Würde worden, Man sah dich in Tugenden-Horden. Damals war dein Lob viel ganz: Das klagen nun die edeln Frauen, Daß man deinen Schild soll schauen Also ganz und unverhauen; Wo ist dein Turney, wo dein Tanz? Du miß dein Leben bas in der Maße, Da dich die Schande in Ehren lasse, Ihre Gewalt fährt auf der Straße, Setze auf wieder der Ehren Kranz!