Karl Bleibtreu Bismarck – Band 4 Ein Weltroman in vier Bänden Peripetie des Dramas im Westen Frühlingsstürme von Elsaß bis Ypern Nur schneller Bewegungskrieg konnte uns retten wider ständig wachsende Erdrosselungswut, dieser aber versank in Winterschlaf, nur stoßweise aufgerüttelt durch heulende Stürme. Bald gab es viel neue Brennpunkte und es roch dabei in Greuelmärchen nach verbranntem Menschenfleisch, daß den Kongokannibalen das Wasser im Maul zusammenlief. Neue Siedehitze der Furia Francese bei Arras behandelten deutsche Kugelspritzen mit kalten Wasserstrahlen. Umsonst suchte die Angriffswelle vom Oise- zum Sommetal heraufzusteigen. Auch neuer Einfall im Sundgau war nur Verlegenheitseinfall der Militärpolitik. Fruchtlos ergossen sich (später auf 40 anwachsend) 30 Alpin-Bataillone nach Münster. Kanonendonner erstickte das Läuten der Sonntagsglocken in Thann. Schneestürme begrüßten Sylvesterglocken. Der Alpenjäger schwarze Baretts hoben sich von prallweißer Schneefläche ab, wo sie die Vogesen in feuriger Umarmung hielten. Auf ansteigender Bergstraße emporstürmend, begegnete ihr Ungestüm bei Sennheim den 25. bei Zimmersheim den 69., bei Steinbach 161. Rheinländern, hierher versetzt, wo für sie flandrischer Regen sich in Schneetreiben verwandelte. Die Munitionskolonnen aus Belfort blieben in Schlackenschlamm stecken, so regierte das Bajonett auf Halde und Bergnase. Bald wurden die Alpins, in jedem Kino als Blüte französischer Herrlichkeit vorgeführt, die leidtragenden Kreuzträger. Auf Hartmannsweilerkopf starb eine verschneite Chasseurkompagnie einfach Hungers, das vereiste Geröll und die Ringburg am obersten Gipfel erklommen Mecklenburger Jäger, bayrische Ulanen machten gestiefelt und gespornt die Kraxelei mit, wobei die auf höchste Tannenwipfel hinaufgekletterten Baumschützen aus Körben ihre Geschosse in die Tiefe schleuderten. Meist fließt im Bergkrieg mehr Schweiß als Blut, er übt poetischen Reiz, doch sein weitdröhnendes Echo heißt viel Lärm um Nichts bezüglich der Verluste. Als freilich 23. R. der Bayr. 8. R. D. im Münstertal den Barenkopf erstürmte, blieben von 8. Komp. nur 53 übrig, der greise Regimentskommandeur fiel in erster Reihe, Handgranate in der Hand; das Regiment verlor bis 20. März in einem Monat 31 Off., 890 Mann. Die Rheinländer färbten auch den Rhein-Rhone-Kanal mit eigenem und Feindesblut. Im Sennheimer Waldgebiet focht 75. R. mit Holsteiner Ersatz spartanisch, bei Aspach entriß sogar Hagenauer und Molsheimer L. St. dem Feind seine Masch. Gew. Ruhmvoll wehrte sich 123. L. W. am Sudelkopf gegen 24. Alp., 334. I. vom 11.–25. Febr., erst am 23. März entrissen 28. Alp. und vier andere Bataillone den Hartmannsweilerkopf zwei braven L. W. Battl., 6. L. W. D. gewann bis 5. März den Reichsackerkopf. An Maas und Mosel rüttelte Dubail am Pfahl im Fleisch, doch der Mihielriegel war zu fest; jede Vorbewegung über Pont à Mousson erstickte in Blut. 27., 32. Thür. L. W. hielten den Priesterwald. Viel bedeutender focht der Kronprinz in den Argonnen, die seit langem hochgehenden Wogen der Siegeinbildung Sarrails und Gerards glättend. Vom Pavillon Bagatelle ging K. Bronchin scharf an, doch verlief sich spurlos als Bagatelle im sickernden Waldlabyrinth und sinkendem Nebel. Die Neujahrsbescherung verlief so bös, daß Sarrail auf französische Sitte der Neujahrsgeschenke verzichtete und Gerard sich vor 5. Jg., 11. D. über den Charmesbach verzog, der für ihn keinen Charme mehr hatte. Verdrießlich zog er 3., 10. D. aus der Front ob übergroßer Einbuße und warf eine schwarze Kol. Brig. als passendstes Futter in den dunklen Waldschlund. Die stille Arbeit des Kronprinzen, die nicht ins Auge fiel, gab sich keinen Tag der Ruhe hin. Trübe Schwaden umflorten die Tiefe der Argonnen, der Rest war Schweigen, unheimliches Schweigen der Grabstätten. Hätte man Gérard damals prophezeit, er werde als gebieterischer »Sieger« im Rheingau hausen! In düstere Waldschatten versenkt, nicht von Reklamelicht beschienen, pflückte hier der Kronprinz mit seinen Schwaben und Lothringern unverwelkliche Lorbeeren. Langle und Esperet verabredeten, gemeinsam zum Schlage auszuholen, und reizten auch Maunoury; doch sein Schwertarm sank gelähmt nieder. Wo drüben Brandenburger Artillerie donnernde Neujahrsgrüße sandte, schoß er seine Rimalhohaubitzen ein und wälzte in regenschwarzer Nacht unter Gaswolken Marokkaner heran, die man in allen Armeen herumbot und sich auslieh. Doch die 5. D. zuckte über die flinken Chasseurs und die folgende 54., 55. Reserve Div. wie der Blitz herein. Steigen der Aisne zerriß die Schiffsbrücken bei Soissons. Die Beute war beträchtlich, der Verlust (3250) größer als bei irgendeiner anderen Div. außerhalb der Champagne. Später überrannten d'Elsas Sachsen bei Craonne die Bordelaisen in wenigen Minuten mit Sturmleitern und Grabentreppen, obschon Basken und Gascogner Bergleute der Hautes Pyrenées mutig dem Ruf ihrer Hörner folgten und sich erst spät in ihr Schicksal ergaben. »Unser Verlust verhältnismäßig gering« ist ein verkniffener Ausdruck, nur 102. Zittau (1250) trug hauptsächlich den Kampf. Mit schon eingerissener Unart, hundertstündige Kanonade als Warnungstafel aufzustecken, brach d'Elsa, nur ¾ stündige Beschießung aus 119 Geschützen genügte. Angesichts deutscher Zwingburg des Laonplateaus blieb französische Trutzansage nördlich der Aisne verlorene Liebesmüh, bis man dies zwei Jahre später in erhöhtem Maße wieder aufnahm. Bei Arras darf man die Iliade der Lorettohöhe nicht zu frühzeitig aussingen. Die Wallfahrt dreifarbiger Banner zu unserer lieben Frau von Loretto ertrank zunächst in Lehm und Wasser, erst im März fanden hitzige Siegbewerber Erhörung und nicht lange besaßen sie die kahle Kapellenhöhe. 110. Bad. stand hier groß da. Längs der Chaussee Arras–Lille dunkle Rauchwolken bei Maulwurfsarbeit der Minierer und Minenwerfer, Flammenspritzer bei Trichterhöhlung. Wo der Basséekanal sumpfiges Weideland durchstreift, schickten die Briten nach alter Gewohnheit ihre Vasallen ins Vordertreffen, damit deutscher Stahl sich an Indern abwetze. Die Westfalen machten Bekanntschaft mit kleinen schlitzäugigen Mongolen, den Gurka-Kopfabschneidern »zum Schutz der Kultur gegen die Hunnen«. Manch braver Sohn der Roten Erde fand in der freien Lysebene schon ein Dezembergrab. Die Hessen der heldischen 11. Jäger schmolzen auf ihrem Ehrenposten Richebourg von Monat zu Monat. Jede Partei betrachtete die andere aufmerksam, das Ringen trug den Ausdruck besonderer nationaler Erbitterung. Rupprechts Armeebefehl, wir hätten den Krieg vornehmlich »den Neid jenes Volkes« zu verdanken, schmeichelte sich dem Volksempfinden ein. »Vergeltung« an der Englischen »Hinterlist«, die sich doch nur von gallischer Revanche und Panslavismus ins Schlepptau nehmen ließ! Über die Lissauerei »Wir haben nur einen Feind« wollten Franzosen und Russen sich krank lachen. Was wußte »England« von der Kanaille seiner Geheimdiplomatie, deren superkluger Weltherrschaftwahn sich nachher selbst eine Zuchtrute in den zärtlich aufgepüppelten Galliern band! Das Englische Heer verbesserte sich, je mehr Freiwillige zuströmten und die Berufssoldaten ersetzten, doch im gleichen Tempo steigerten sich die Verluste. Die vorspringenden Punkte des Badenser Flachbogens, des systematisch zerschossenen Vermelles, hielt 111. mit mäßiger Einbuße, aus den Trümmern von Schloß, Kirche, Brauerei immer wieder emporsteigend. Hier sanken auch braune Kerle im roten Burnus unter wohlgezielten Schüssen, abgesessene Spahis. Über die Inder ging ein gewaltiges Strafgericht der Westfalen weg. Ehe noch die Sikhs und Gurkas ihre sichelförmigen Krummsäbel handhabten, waren sie in den Gräben und schlugen alles tot. Dann türmten sich die Leichen englischer Brigaden meterhoch, Givenchy ward ausgeräumt mit Handgranaten. So wurde es hier stille, die Kanonen schwiegen, French wurde der Türme Lilles nicht ansichtig. Seine schwarzen Panther krochen nun nicht mehr wie Schlangen durchs Gras an deutsche Vorposten heran, diese Gurkas hatten mit den Hochschotten eine »Couleur«, Bluthunde der Fremdherrschaft, allen Indern ein Greuel. Man beköstigte diese Menagerie in deutschen Gefangenenlagern, nicht minder Maoris und gelbe Anamiten als edle Bluträcher wider die Hunnen! Lange wird's dauern, ehe England diese Schande und dies Verbrechen von sich abwäscht. Alle Wohlgerüche Arabiens und der feinsten Seife perfider Heuchelei bringen das nicht fertig. Auf der übrigen Westfront ging lange jedes deutsche K. dem anderen mit gutem Beispiel voran, wer am wenigsten verliere. Die Saarbrücker steckten damals schon in Masurien unter Schnee und Eis ein solches Nordlicht auf, daß endlich ihr ungewürdigter Wert in vollem Glanz erstrahlte. Hier aber im Somme- und Scarpetal kündigte kein Wetterleuchten an, welches Schlachtgewitter dort künftig niederprasseln werde. So rüstige Arbeit die Badenser verrichteten, in deren Hände sogar Gefangene der Schottengarde fielen und die zu gleicher Zeit, wo Petains Glorie-Wallfahrer am Fuß der Lorettohöhe den Segen der Feldkaplane zum Sturm erbaten, Maudhuys Feuereifer bei Loos empfindlich dämpften, so gern wir den glänzenden Schneid der Leipziger hervorheben, die ohne viel Federlesens das 3. engl. K. von Stellung zu Stellung trieben, so verdienen die Westfalen doch den Hauptpreis. Ihre Ausrenkung der ganzen entblößten Front nördlich Arras kostete ihnen seit Oktober nun schon 14 300, dabei hatten sie die aufreibende Reimsschlacht hinter sich. Mit Stolz und Rührung schaut man auf diese Eichenmänner, die immer ungebeugt im Wettersturm ihr Haupt erhoben. Sie rangen mit den Schwaben um die Ehre, wer die meisten streitbaren Söhne dem Vaterland opferte. »Der großartige Angriff eines preußischen Regiments« (englischer Bericht) betrifft die 56er. Bemerkenswert wäre hier noch Vorgehen von 76. hanseatischer L. W. westlich Lille (520). Stetig streckte General Haigh's 2. A. ihre Fühler gegen Neuve Chapelle aus, im März kam es dort zu furchtbaren Auftritten. Wieder glänzte deutsche Strategie durch Abwesenheit, denn das zwecklose Abwursteln bei Ypern, wo beide Parteien im Wurstkessel saßen, konnte nur gedeihlich enden, wenn man sich an der Lys stark machte und French bei Bethune von der Yser abschnitt. Er selbst scheint dies erwartet zu haben, deshalb seine ständigen Angriffe südlich der Lys. Als er sich jetzt den Schaden besah, waren nicht nur altenglische Regimenter wie 3. Leicester, Cheshire, Northampshire aufgerieben, sondern auch die Elite wie Gordon- und Cameronhochländer, »Schwarze Wache«, Scaforth Hochschotten schmolzen auf eine Handvoll, 1. Guards auf ein Zehntel, sie hatten fast keine Offiziere mehr. Wenn man bis Neujahr 88 000 Verl. berechnete, täuschte man geflissentlich mit altem Kniff aus Welligtonzeit. Zwei Dinge kann man nicht gut fälschen: die Zahl der Toten und der verlorenen Offiziere, weil sich dies kontrollieren läßt. Dagegen wagt man bei Angabe verwundeter Mannschaft das Verwegenste. Bei Waterloo laut Gesamtrapport 10 Mann pro 1 Inf. Off., nach Spezialausweis viel höhere Regiments- und Offiziersziffer, ohne daß die einmal gebuchte gefälschte Gesamtziffer geändert wird. Am 14. Dez. bekannte man sich zu 1133 Off. tot, 2225 verw. 313 vermißt, dabei 15 Generäle, 108 Obersten, 322 Majore. Bei 445 Stabsoff. nur 2925 Subalternen ist ebenso lächerlich, wie 1646 t. u. verm. zu nur 2225 verw. Die »Times« gestand zu, daß 40 Mann auf einen Off. zu rechnen seien, somit rund 135 000 auf 3400 Off. Solche Rechnung dringt in den Nerv der Unstimmigkeit, denn dies war erst Mitte Dezember und gar viel trat noch hinzu. Bei Ypern orkanartige Wolkenbrüche, die Landschaft unter Wasser, Wasser oben und unten. An Räumung der Schlamminsel St. Georges hatten die Belgier eine kindische Freude, weniger die Engländer am Zustand ihrer Gräben. Die wohltuende Beschäftigung unserer Kriegsfreiwilligen, das Grundwasser auszuschöpfen, unterbrachen angenehme Aufmerksamkeiten von zarter Feindeshand, so verlor 215. R. vom 16. Dez. bis 5. Jan. 1300, anderwo war man stiller, 12. Art. Landau bei Ostaverne rumorte kräftig, doch das ganze Pfälzer K. verlor nur 900. Unruhig ging es aber in der Champagne zu, wo sich die Einbuße 4500 zwar auf zwei rheinische K. verteilte, doch kamen 29., 31. Brig. nach Ypern und Elsaß abhanden, welche Schwächung Einems sich Langle zu nutze machte. Dafür rückten 1. Ers. Rgt., 1., 2., Bayr. L. W., 9. L. W. Art. Koblenz ein, eine Weile hospitierte hier 224. R. Weimar bei Massiges, jetzt schon an der Miazga. Mit Bestürzung merkt man, wie O. H. L. den wunden Punkt entblößte. Doch die rheinische Linie behielt ihre Festigkeit, der Pachthof Beauséjour ward am 20. Dez. kein »schöner Aufenthalt«, sondern ein Kalvarienweg für das abgeschmetterte 1. fr. K., das unter Strichfeuer vom Kalvarienberg geriet. Das 17. K. nahm zwar das Kiefernholz von Mesnil, doch selbst die schöpferische Einbildungskraft der Pariser Presse konnte das ganze Treiben General Langles bis Mitte Februar keinen Sieg nennen. Er machte zwölftägige Kanonade zur Regel, Trommelfeuer wurde ein Warnungssignal: Paßt auf! Bezeichnenderweise verweilt die G. St. Schr. über die Champagneschlachten mit Vorliebe bei dem Regulären aus den wohlbekannten durchsichtigen Gründen, der Historiker wird aber das Reservistenk. herausstreichen, auf dem schon seit Dezember die Wucht des feindlichen Angriffs lag. Langle maskierte lange seine bösen Absichten mit verstecktem Spiel, bis er plötzlich am 16. Februar drohend sein Schwert schwang. Daß er »6 vollaufgefüllte K.« hatte, darin war unser G. St. falsch berichtet, er hatte nämlich inkl. der kampfunfähig gewordenen und jetzt wieder in Bereitschaft gesetzten 23., 60. D. volle 18 D. »Sechsfache Übermacht« besaß er aber damit nie, mit Recht spottete Joffre über »zwei schwache rheinische Div.« im H. B., als ob 8., 12. R. K. garnicht vorhanden wären. Zweideutige Wendungen »Bataillone der Garde« »andere Verbände« verwischen, daß dies 60 neue Verstärkungsbataillone waren. Nur zu Anfang standen 42 rheinische gegen 120 fr. Batl., und wenn letztere sich bis zuletzt mehr als verdoppelten, so wurden doch in steter Ablösung nie mehr als 120 vorgeführt, denn mehr lassen sich auf 19 km Front nicht ansetzen. Kirchbachs Sachsen sahen sich vom Gewaltstoß nur wenig betroffen. Langle hätte nach Souplet die Fangarme breiten sollen, statt nur auf Perthes-Tahure nach der Mitte den Sturmbock zu richten. Er verließ sich laienhaft auf Kanonade, die zwar alle Gräben und Geräte zertrümmerte, die Besatzungen aber meist verschonte und nur vorübergehend verschüttete. Wiederaufleben eines Hauptkampfes vor Chalons zeigte an, daß Joffre zu seiner alten Liebe zurückkehrte: Durchbruch zwischen Champagne und Maas. Sein Blick haftete stets auf Einem und auf Heerabteilung Strantz. Gegen letztere brachte Dubail schon früh den Begriff Trommelfeuer zur Geltung. 70 Schuß pro Sekunde, 20 Schuß pro Quadratmeter, vorgetriebene Minenkammern wühlten die »Westbastion« der Combreshöhe weg. Joffre braucht den bildlichen Ausdruck »Kurtine«, das Communiqué gesteht aber zwischen den Zeilen zu, daß die »Ostbastion« den 8. Bayern blieb, die mit den Kolben unter den durch einen Hohlweg Hinabgedrängten wirtschafteten. Am 1. März stand 33. R. D. noch völlig aufrecht, doch daß man jeden Mann zur Abwehr braucht, zeigt die Errichtung eines Bataillons Kavallerieschützen. Dubails ruhmredigem Bericht wollen wir insofern entgegenkommen, daß der Combreskampf immerhin im März eine bedrohliche Wendung nahm und sich auf beide Posener K. ausdehnte, am 22. Febr. waren schon 37. R. 155. I. neben 58., 7. im Feuer. Dem Kleinkrieg vor Toul gliederte sich ein Vorstoß gegen süddeutsche Ers. Bat. an bis zur Signalhöhe bei Nauroy, im Woevre bei Maucourt brachte Lothringer L. W. den Feind zum Stehen, der überall napoleonisch mit 7 Reihen hintereinander anlief. Noch spie die Combreshöhe Verderben über die Eparguesschlucht, welche Dubail erobert haben will. Unser H. B. schweigt, also ist es wahr. Eine neu aus R. D. gefügte 7. A. tobte sich aus, während 1. A. in Südlothringen ihre vorgebogenen Spitzen längs der steilen Bergwände zwischen Meurthe und Donon verlor. Auf gradlinigen Hochstraßen und Serpentinweg an kuppelförmigen Kuppen am Bergrücken Parroy soll hier 60. L. W. Bitsch nebst Badischer L. W. Komp. Ammon und bayrischen L. W. Batterien sich ausgezeichnet haben, doch V. L. entlarvt dies als ganz unbedeutende Handlung. 84. L. W. Br., 1. b. L. W. D., 19. Ers. D., die dies Gefecht an der Verouse bis 5. März gegen wilde Gegenstöße führten, litten gar wenig. Der H. B. gefiel sich also geradeso gut wie der Gegner darin, Gleichgültiges aufzublasen, wenn man dabei nur von Erfolg reden konnte. Dubails Kampf wurde links von Sarrail fortgesetzt, er lief sich aber bei Malancourt gegen Schlesische 10., 22., 23. R. die Hörner ab. Im winkligen Waldgebiet zwischen Vienne und Apremont hatten die Schwaben schon am 29. Jan. einen Ehrentag. 120. Ulm nahm wie gewöhnlich die Spitze, die alte 40. Elitediv. wurde so gesprengt, daß sie in wilden Sätzen in ihre Waldfestung zurückrannte. 155., 161., 150., 94., 360. fr. I. opferten sich umsonst, drei andre Rgt. bis 28. Febr. bei Vaucquois gegen III/120, II/123. Jetzt im März scheiterten 5 Anläufe Sarrails am Ostsaum der Argonnen, wo 53. L. W. 13. am Cheppywald Wache stand, das in den Westwäldern lagernde 32. K. genügte im Sommer nicht mehr. Joffre speiste die Waldhölle auch noch mit 1. K., solche Besorgnis flößte der Kronprinz ein, der mit 7 Div. nacheinander 14 französische samt ihrer sorgsam aufgebauten Befestigung zerbröckeln machte. Dazwischen das romantische Abenteuer der italienischen Legion, die ihr Eviva erschallen ließ, doch nach Heldentod Constantino Garibaldis sich bald unmutig nach Hause trollte. Das alte Sirenenbild von Fratellanza und Republik, das schon dem alten Stammhalter der Dynastie Garibaldi Undank und Lächerlichkeit bescherte! Das deutsche Kriegsbarometer bis Frühjahr zeigte an im Elsaß: den Umständen nach normal (schon beteiligte sich dort lustig eine Schneeschuhabteilung). In Südlothringen Windstille, bei Mihiel-Toul schwindender Luftdruck, an den Maashöhen auf Sturm gestellt (Thüringer und Lothringer L. W. allein im Febr. 2700, Metzer R. D. 1575). In den Argonnen schwankende Temperatur. Erste Champagneschlacht, Statistik, Betrachtung Während die Verbündeten nichts als Nackenschläge erhielten, schwor Joffre seine Huldigung an die Siegesgöttin nicht ab, denn sein Hauptstreich in der Champagne ließ sich anfangs »nicht ohne« an. Sein falsch gewähltes Hauptziel Massiges–Tahure statt Eindrücken der Nordwestecke Auberive–Souplet, wo Einbuchtung der nördlich geschwungenen Linie in die Strecke Sillery–Reims überging, erwarb Langle jedoch nur halb. Weil das Gelände bei Souain ebener und platter, wandten seine Massen sich dorthin an die Arbrehöhe. In der schluchtenreichen Landschaft um Tahure konnte er dem 8. R. K. schwer beikommen, das immer kecker gegen ihn wurde und ihm bei Massiges zuvorkam, durch Sprengung großer Minengänge den kahlen langen Hügel auseinanderreißend. Selbst den vielumstrittenen steilrandigen Steinbruch mußte er an 17., 30. R. 1. Ers. abtreten. Aus Quergräben tat sich doppelseitig die Hölle auf, jede Nacht ein Höllenkonzert unter aufsteigenden Raketen, ruhig gezielter deutscher Granatsegen verhöhnte die maßlose Geschoßverschwendung drüben, als könnten Yankeefabriken nie stillstehen und bis zum jüngsten Tag Sympathiemunition liefern. Vom 3.–13. Febr. erhielt Langte eine regelrechte Niederlage mit 9 verlorenen Geschützen, auch als er die Tatze nach dem »Bayernzipfel« des Souainwäldchens ausstreckte, zog er sie eilig zurück, so unsanft klopfte ihn bayrische L. W. auf die Finger, wobei sie 90 verw., der Feind 200 t., 480 gef. verlor. Die Aussichten der »großen Offensive« waren also ungünstig, die Rheinischen Reservisten von trotzigem Mut erfüllt. Obwohl Langles Anprall nichts weniger als überraschendem Überfall glich, sondern seit Januar flott im Gange war, erhielt Einem viel zu spät Verstärkungen. Das wird amtlich verhüllt durch Vorspiegelung von Mitfechten der ganzen 1. G. D. schon Ende Febr., ganz richtig sagt der meist gutinformierte franz. G. St. nur »6 Gardebat.«, V. L. zeigen 2., 4. G. erst im März mitwirkend. Bei 39., 37. R. Brig. knacken wir eine taube Nuß, V. L. oder O. St. Schr., wem trauen? Tatsächlich erzählt man nur heftigen Kampf von 74. R., das auch nach V. L. 960 verlor, kaiserliche Ansprache an 78. R. Braunschweig kann aus dynastischer Liebesdienerei für den Herrn Schwiegersohn dies Rgt. herausgegriffen haben, das laut unseren Excerpten im Februar Null und im März 60 verlor! Die einzige statistische Einzelheit der ganzen G. St. Schr. bietet summarischen Ausweis für 39. R. Brig., wir vermögen auch hier entsprechende Einbuße von 92. R. nicht zu entdecken. Dies alles hat Bedeutung: 37. R. Brig. löste 39. erst ab, als der Februarstoß bei Souain sich schon ausblutete. Als schlagenden Beweis für Untrüglichkeit der V. L. begrüßen wir Gefecht bei Boiselle am 16. Jan. beim 180. I. der Albertfront. Nächtliche Überrumpelung des Vorwerks »Granathof« beseitigte dort verrammelten Kirchhof mit Sprengstoffen. Die hinteren französischen Linien, Leuchtkugeln auswerfend, schossen blind in die Nacht hinein, füllten den leeren Raum mit Granaten, als das Tübinger Streifkommando längst abzog, schwindeln aber, sie hätten 200 deutsche Leichen gefunden, vermutlich französische. Laut Spezialbericht kostete aber der ganze Scherz 3 Off., 31 Mann. Sehr richtig, denn laut V. L. verlor 180. I. vom 2. Dezember bis 1. Februar nur 87. Ja, V. L. sind Kronzeugen der Wahrheit. Erweisen sie z. B. die Berichterstattung über zweite Arrasschlacht seit Dezember als falsch, wo südlich Arras der Verlust fast auf Nullpunkt sank und die Saarbrücker zur Abfahrt rüsteten, so geht es bei geringerem Verlust der Bayern und Armins mit rechten Dingen zu. Sie hatten eben gute Deckung, Granatüberschüttung der Grabenbauten »Labyrinth« bei Ecurie sah nicht so gefährlich aus, wie französisches Communiqué ausschrie, der Feind glaubte noch an greifbares Ergebnis von Massenkanonaden. Deshalb bürgerten sich auch Mythen über traumhafte Wirkung des Champagne-Trommelfeuers ein, gestützt auf Verlust der Rheinländer vom 16. Febr. bis 10. März, der fast alles bisher Dagewesene überstieg. Wir lehnen diese Ursache ab. »Jede Kugel trifft ja nicht«, am wenigsten französische Kanonenkugeln. Nur auf dichte Formationen in freiem Felde erzielt Artillerie Vernichtendes, das lernten die Franzosen hier selber. Wahrlich nicht durch's unerhörte Trommeln Langles fielen ähnliche Regimentsverluste vor wie bei Ypern, denn solche traten erst ein, als es zu Infanteriestoß und Gegenstoß kam. Es gibt die natürlichste Erklärung: ein anfangs erdrückendes Plus von französischen Gewehren. Schlechteres Schießen ihres Fußvolkes heimlich zugestehend, bildeten die Franzosen sich zu viel auf ihre Artillerie ein und unsere Infanterie (vergl. Regimentsgeschichte des 120.) war nur zu geneigt, darauf hereinzufallen. Wir widersprechen seit Anbeginn (vergl. Darstellung der Longwyschlacht) und sind erfreut, daß die einzige militärische Sonderschrift über den Weltkrieg, aus der man Belehrendes erfährt, das vorzügliche Buch Oberst Bruchmüllers über deutsche Artillerieleistung vollkommen beruhigt. Bemängeler mögen schwatzen was sie wollen, wir folgern geringere Treffsicherheit der Gegner aus klaren Tatsachen, die auch Bruchmüller allzu bescheiden nicht ausspricht: Deutsche Anstürme durchglitten die Feuerzonen fast stets mit leichterer Schnelle, deutsche Geschütze zerschossen die feindliche Stellung stets gründlicher und in unendlich kürzerer Frist, Trommelfeuer im Ententestil bedurfte man nur einmal bei Verdun. Stets finden wir V. L. im Einklang mit den Tatsachen, nicht immer mit H. B. Notizen. Je tiefer man sich in Vergleich versenkt, desto sicherer wird man, daß V. L. uns nie in Irrtümer verstricken. Ihre streng chronologische Reihenfolge bürgt dafür, daß offenkundige Märzlisten mit entsprechenden Daten nicht als »Nachträge« noch auf Februar entfallen. Ist H. B. dawider, so enthält eben ausländische Bosheit »die Deutschen machen alles besser, lügen daher auch besser« ein Korn Wahrheit. So überschwänglich wahrheitsliebend, wie H. B. sich anstellt, verfuhr er nicht. Seine Unvollständigkeit läßt stets auf Ungünstiges schließen, wenn er von Ententeseite gebuchte Gefechte einfach nicht erwähnt, dagegen Unbedeutendes lang und breit behandelt. Französische Berichte waren nicht immer unwahr, deutsche nicht immer wahr, letztere gaben oft ein schiefes Bild, erstere sündigten durch Maßlosigkeit. Beispiel: Langle neckte im Mai bei Ville s. Tourbe die Ostflanke, wo schon früher Hess. 80. R. auf 9. Hess. L. W. D. auswich, und will hier eine Menge rheinischer Kompagnien vernichtet haben. H. B. sagt keine Silbe darüber und wie kamen Rheinländer dorthin? Doch V. L. klären es auf einmal. Als man Langles Rechte allmählich über die frühere zerstörte Vorderlinie der Ripontstellung zurückdrückte, kam 21. R. D. wirklich bis Ville sur Tourbe und litt dort sehr erheblich. Muß also oben einfach heißen » hessische Kompagnien«, alles in Ordnung. Langles Bericht wahr, Schweigen des H. B. Unterschlagung von Tatsachen. Das Weggehen über Unliebsames führte manchmal zu drolliger Verwickelung. Klassisches Beispiel: Reichankerkopf. Diesen Vogesengipfel erstürmte die L. W. am 23. Febr. (laut Rgtsgeschichte von 23. b. R. wäre es durch 19. b. R. am 20. geschehen), das meldet H. B. natürlich, schweigt aber tot, daß am 6. März der Feind ihn, schwach besetzt von bad. L. St., vollständig zurückeroberte. Als also am 20. die 8. b. R. D. oder wahrscheinlich nur II/III/23. R. gemeinsam mit bayrischer L. W. ihn wiedernahmen, schwieg des Sängers Höflichkeit so gut wie ganz über so erhebende Waffentat, sonst hätte man ja frühere Unzuverlässigkeit einräumen müssen! Zu oft ertappten wir amtliche Unstimmigkeiten, als daß wir uns unterordnen dürften, wenn wir ganz Anderes herauslesen. So verdient auch Zurückweisung Prinz Oskars Lob der Garde, daß sie angeblich im Grabenfeuer »Griffe kloppte«. Solche Potsdamer Wachtparade in der Winterschlacht zur Nacheiferung empfohlen, ist um so weniger angebracht, als viel reinerer Glanz die schlichten Reservisten umstrahlt. Da 8. R. K. auch im Herbst an gleicher Stelle seines Geistes Hauch verspüren ließ, so gebietet der Anstand, ihm in den Champagneschlachten unbedingt den Löwenanteil zuzusprechen. Mancher Mann im bunten Rock hat aber von Anstand recht kuriose und verschwommene Standesbegriffe. »Zwei schwache rheinische Div.« bedeuten unverschämterweise im amtlichen Bericht nur das Aktivkorps, parteiliche Bevorzugung. »Schwach« kann man es nur nennen, wenn ihm 15., 29., 61., 161. fehlten. Laut G. St. Schr. waren sie aber alle wieder da; natürlich, damit das Fürsorgeansehen der O. H. L. nicht Schaden erleide. Nachher korrigiert die Amtlichkeit sich selbst in Anmerkung, 25., 161. seien erst im April aus Elsaß zurückgekehrt. Wiederum unmöglich für 25., es hatte enormen Märzverlust, war also im März zur Stelle. 69. wird als kämpfend nicht erwähnt, verlor nur 300, kann also vergleichsweise nicht neben 28., 68. bei Souain gefochten haben, dagegen langte 29. schon Ende Februar an. Die letzte Abwehr im Februar war aber so verlustlos, daß 160. nur 310 verlor, 65. auch wenig, das erklärt auch den winzigen Verlust von 37. R. B. sowie von 1. G., die nur 70 bei Monatsende verzeichnet, dagegen 750 – 8. Februar; hatte also anfangs ansehnliches Gefecht, statt bloß laut G. St. Schr. die Gardepioniere bei kleinen Handstreichen zu unterstützen; seltsame Aufgabe für das kaiserliche Leibregiment. Es verschwand dann und tauchte erst am 1. März wieder auf, wo nämlich die wahre Hauptschlacht begann, was zu verhüllen man amtlich beflissen ist. Ferner widerlegt dies die übliche Vorstellung, als sei Langles Orkan irgendwie überraschend losgebrochen, vielmehr stand im ganzen Februar das Barometer auf Sturm und O. H. L. mißachtete Einems Warnungsrufe sträflich. Hätte der Kronprinz nicht Schlesier gesandt, so hätte Einsetzen der 1. G. Brig. nichts geholfen. Doch sollte Prinz Oskar nicht schreiben »6. Schles. K.«, denn nur 3 Regimenter davon konnten kommen und zwar laut V. L. nur 1 im Februar. An den Sachsenkönig schrieb Einem, 101., 104., 107. R. nebst »Teile 177.« hätten im Februar ruhmvoll gefochten. Was sagen V. L. dazu? 177. verlor 53 (ein Bataillon griff im Januar wacker ein, sein Oberstl. fiel) 101. R. Null, 107. schlug sich glänzend, verlor aber nur 469, in gar keinem Verhältnis zu Rheinischen Regimentern; 104. meldet ausdrücklich, daß es nur im März focht (565 am 2., 255 am 3.), 101. focht erst im März mit steigendem Verlust. Überhaupt den Sachsen alle Ehre, doch paßt sich nicht, sie hier in einem Atem mit Rheinländern herauszustreichen. Ihr »Ruhmesblatt« hieße hier, Ruhm wahllos verteilen, wir machen so was nicht mit und rauben nicht den Rheinländern den halben Ruhm, der ihnen hier ganz allein und besonders dem 8. R. K. gehört. Mit demselben Nachdruck, mit dem wir sonst die Sachsen über sie erhoben, vertreten wir jetzt ihren alleinigen Anspruch. Ihre Kommandierenden Fleck und Niemann handelten umsichtig; ihre Truppen aber so, daß sie, bisher nicht allzu glücklich, sich in den Vordergrund der Weltkriegannalen stellen. Ihr R. K. behielt in Allem die Vorhand, sein Mangel an Kasernismus beeinträchtigte nicht unbeugsame Standhaftigkeit seiner aus dem Zivilleben herausgerissenen Helden. Nur beim Aktivk. glückte der Einbruch französischer Massen. Diesen darf man nicht verargen, daß sie die Deutschen durch wahnsinniges Trommelfeuer zerhackt glaubten. Dem war aber nicht so, erst im März beim Gegenangriff steigerte sich unser Verlust; immerhin schwoll er im Februar auf 1600 Hannoveraner, 575 Sachsen, 322 bayr. L. W., 820 Schlesier, 900 G. inkl. 70 P., 1000 Hessen, dazu 3500 v. 8. K., 5000 v. 8. R. K. seit Mitte Januar (vorher 4500 beider K.). Summa 13 400. Wir stoßen noch auf ein Dilemma, nämlich großen Verlust des 10. K. bei Reims. Während Langle Angriff auf Souplet vergaß, versäumte Esperet nicht, seit der zweiten Januarhälfte Emmich zu fesseln, als ob man gewußt hätte, dieser solle später nach Galizien abrollen. Denn Ablenkung von Rußlands Bedrängnis beabsichtigte Joffre durchweg. Gleichzeitige Winterschlacht in Masurien beirrten aber seine Maßnahmen nicht, den Umfang dortiger Niederlage erfuhr er sicher erst spät, da die biederen Bundesgenossen sich nie richtig auf dem Laufenden erhielten und nur Glückwunschtelegramme für erdichtete Siege austauschten. Was soll man aber zum H. B. sagen, der so Wichtiges wie den Reimsangriff verschweigt? Scheinmanöver war's nicht. Emmich verlor 2200. Beim Gesamtverlust vom 15. Jan. bis 1. März 58 000 entfällt aber ein Hauptteil (22 000) auf Kämpfe des Kronprinzen und des ihm unterstellten Strantz, während die Fama nur nach Nordwesten oder Champagne schaute. Der Kronprinz erwarb sich wieder bei Ripont großes Verdienst; seine mit klarer Schnelligkeit getroffenen Maßregeln unter Herbeischaffung schwerer Artillerie machten ihn zum Retter der Lage. Die Garde warf erst im März ihr Gewicht in die Wagschale, focht aber gleichfalls zuletzt ganz im Bereich des 8. R. K., es ist skandalös, den Souainkampf in den Vordergrund zu stellen. Im Besitz der besten Eisen- und Kohlengruben und Industriebezirke Frankreichs sich defensiv zu verhalten, bis die russische Angelegenheit abgewickelt, diese notgedrungene Haltung des Gegners wollte Joffre nicht dulden, sobald die Winterstarre abgeschüttelt. Deshalb ist von vornherein unmöglich, daß er nicht im März mit äußerster Entschlossenheit weiterkämpfte, wie auch vermehrter Aufbau der Angriffsmasse Langles bestätigt. Wie im Herbst bei Ypern ging die Schlacht unmittelbar von einem Monat in den anderen über. Einschnitt einer neuen Phase wird auch deutscherseits im März erkennbar durch Zufluß frischer Kräfte. Man greift sozusagen nach jedem Strohhalm, die amtliche Darstellung zu retten, doch taumelt von einem Widerspruch in den anderen. Der H. B. erwies sich als schlechter Prophet, indem er »Abschluß« dekretierte, woran kein »Wiederaufleben« etwas ändere. Auf die ungeschickte Meldung, man habe im ganzen 15 000 verloren, legte man sich fest, weshalb die G. St. Schr. klüglich jede Verlustangabe vermeidet, jedoch bei dem Unfug bleibt, die Märzschlacht nur als unerhebliches Anhängsel darzustellen. Es wäre peinlich, zu gestehen, daß das Ganze doppelt so viel kostete. Zieht man Verlust bis Mitte Februar ab, so belief sich die Einbuße beim angeblichen Hauptkampf bis 1. März auf kaum 10 000, selbst wenn wir annehmen, daß in Märzlisten einige Nachträge enthalten, was keineswegs sicher. Das ist niederschmetternd für die landläufige Zerschmetterungsmythe des Trommelfeuers. Zweifel an chronologischer Richtigkeit der V. L. schließt sich um so mehr aus, als sie mehrfach genaue Tagesdaten für März enthalten. In ersten sechs Tagen verlor 8. R. K. wiederum 1760 (besonders 30.), zwischen 5. und 14. wieder 1250 (besonders 28.) weiterhin nochmals 1750. Die Schlacht währte also energisch bis 30. März. Im Ganzen verlor 8. K. diesmal 4520, wobei 1890 des frisch eingreifenden 25. Aachen, weit mehr als 68. (1300), 28. (1050) im Februar verlor, mehr als das meistleidende im 8. R. K. Zu diesen rund 9500 Rheinl. (inkl. Pion. und nur 85 Artillerie traten anfangs 4100 v. 1., 2., 4. G., 1375 v. 11., 63. Schles. 1280 v. 101., 104. R., später 450 G., 387 v. 63., 805 v. 101. R., 455 v. 103. R., 580 bayr. L. W., 470 Hessische L. W., 200 Hess. R., 600 Hannoveraner. Von diesen 20 200 kommen 12 500 auf die ersten zehn Märztage, die Hauptschlacht seit Ende Februar kostete somit 22 000 und seit Mitte Februar bis 1. April 33 700. Nur wer so den Einzelheiten nachgeht, dem entschleiert sich das rechte Bild. Bezeichnend, daß auch bayr. 3. W. im März fast doppelt so viel verlor als im Februar. Man hat die G. St. Schr. offenbar dazu angehalten, im Rahmen der einmal aufgestellten Schiefheit zu bleiben: Krise bis 1. März überwunden, Abflauen bis 10., Schlußpunktum. Daß viel länger heftig gefochten wurde (seit 10. immer noch 7600 Verlust), zeigt schon Liste von 1., 2. 4. G. bis 13., 3. G. – 18. Alle V. L. sind deutlich leserlich für Jeden, der Sinnreiches von Sinnlosem unterscheidet und sogar die einzelnen Stadien versteht. Welche Kampftage waren die schwersten? Sie waren alle schwer, doch besonders schwer wohl 2.–6. März. Jeder gequälte Versuch, zur amtlichen Darstellung eine Brücke zu schlagen, löst sich nicht in Wohlgefallen auf. Die naive Schlußsetzung für 1. März war blamabel, deshalb unterschlägt man den Umfang der Märzschlacht, auch der französische Bericht wird nicht redselig, um nicht einzugestehen, der kurze Februarerfolg zerflatterte schon. Übrigens verlor Emmich im März nochmals 2250, meist 73., 92. I., was den Verdacht aufdrängt, wir verwechselten dies mit 73., 92. R., die aber im März kaum mehr fochten. Den Reimser Seitenzweig der Champagneschlacht bearbeitete Joffre sicher auch jetzt, das einzig Unnatürliche an diesem höchstnatürlichen Fesselungskampf ist beiderseitiges verschämtes Schweigen. Wo sich Kirchbachs Rechte bei Auberive rückwärtsbog, war an ihn, solange er die Moronvilliershöhen hielt, nicht heranzukommen. Nur gegen Souplet, wo beiläufig ein hier verbliebener Rest v. 104. I. 33 verlor, war Aufrollen hinter Sommepy möglich. Langle stand davon ab, doch als er sich nordwestlich Manehould massierte gegenüber Massiges – Ripont, war er nicht reif dafür. Offenbar beeinflußte seine Aufstellung das vom 8. R. K. gebohrte 2200 m breite Loch bei Massiges, er dehnte sich mehr östlich, um erst diese Vorderstellung zurückzugewinnen, ohne die er nicht gegen Tahure vorgehen konnte. Er kam nie dazu. Einem's Halbkreis bog sich dort nordöstlich nach Ripont–Cernay, dann mit südöstlicher Biegung der Hessen nach Servon–Binarville. Selbst bei Gelingen lief Langle dort Gefahr, vom Kronprinzen in die Flanke genommen zu werden. Und als er Farm la Perthes als Stoßziel erkor, also seine Linke wieder westlich gegen Souain dehnte, ließ sich zwar dortige Vorbuchtung unserer Mitte am leichtesten durchbrechen, doch darüber hinaus unter beiderseitig umfassendem Flankenfeuer aus Tahure und Sommepy nichts weiter durchführen. Mit größten Massen und größten Opfern ließ sich's so wenig erzwingen, wie mit größten Geschoßmengen einer Tag und Nacht Schuß auf Schuß abgebenden größten Geschützmasse. Wohlgemerkt, wenn Deutsche gegenüberstehen, denn Russen wären längst davongelaufen. Die Borodinotage sind nicht mehr und ihr bester Held war damals Prinz Eugen Württemberg, wovon der Muschikheiland Tolstoi in seinem Chauvinistenpamphlet nichts sagt, obschon er doch die Unterredung Napoleons mit dem russischen Unterhändler wörtlich aus dessen Bericht abschreibt und dafür vom weisen Georg Brandes das Lob erhält, man glaube diesen Napoleon wirklich reden zu hören! Hoffentlich bedichtet man in glücklicher Zukunft auch so Papa Joffre, daß alles ruft: welche Dichterkraft! Solche Tiraden muß der gute Mann gemacht haben, ganz wie er leibt und lebt! Sein dichterisches Vermögen, Langles Mißerfolg als ungeheuren Sieg auszuposaunen, war jedenfalls voll Meisterschaft; natürlich nicht gewillt zu offenbaren, daß er Franzosenblut verschüttete wie schmutziges Wasser. Deutschen unglücklichen Vergleich: Champagneschlacht kaum blutiger als Masurenschlacht, griff französischer Spott prompt auf: also letztere auch blutig! Wenn die G. St. Schr. allzu bescheiden Langles Februarverlust auf 25 000 ansetzt und damit den deutschen herabmindert, der nur ein Drittel dieser Ziffer betragen habe, so bleibt dies ja noch unter unserer Februarschätzung und dann wäre also erst recht der verschwiegene Märzverlust unwiderlegbar und damit die Hauptschlacht im März. In dieser litt ganz logisch das frische 25. I. besonders schwer, als es Langles Wunsch vereitelte, westlich Perthes durchzubrechen, da es auf Nord- und Ostseite nicht glückte. Die »Winterschlacht« Langles Zentrumstoß auf Souain hatte an zerstampften Gräben zunächst hübschen Reingewinn. Hier wurden 68., 28. sofort überrannt unter großem Verlust, nur Teile 68. hielten noch ein Vorderwäldchen, jenseits der Arbrehöhe warf sich 74. R., eine schon oft gerühmte Truppe, wuchtig entgegen. Bis 1. März wurde die Lage etwas ausgebessert, da die Franzosen nach Besitznahme von Souain und Perthes jede Orientierung verloren und planlos umherirrten. Die ablösende 37. R. B. fand wenig zu tun, nachdem 39. sich geopfert, sächsische Artillerie wirkte kräftig von Sommepy her. Das 8. R. K. verlor zwar Massiges und Mesnil, die Vorderstellung, verteidigte aber unerschrocken die Hauptstellung bis Maisons de Champagne, unterstützt von hessischer R. und L. W. als Flügelanlehnung, sowie von sächsischer 107. R., früh nach Ripont verschoben, und 11. Schlesische. Mehr als ein Achtungserfolg schaute hier für den Angreifer nicht heraus, im Zentrum trat Stillstand ein. Das zerschossene 68. verlieh zwar das zerschossene Souain und stellte sich im Hintergrunde auf; das 28. war gesprengt und 29. als linker Flügelabschnitt bei Perthes verdrängt, doch die anstoßende 16. R. D. hielt sich großartig; 65., 68. R. traten besonders kraftvoll auf. Schon am 21. Februar brach sich der mit großer Gewalt begonnene und am 19. mit 8. franz. D. neu genährte Sturm aus dem westlichen Waldstück an den Niedersachsen oder vielmehr an den der 37. R. B. beigegebenen schweren Haubitzen, während 44. Art. ihre Salven mit großer Wirkung aus der Flanke anbrachte. Wie wenig das pompöse Trommelfeuer die »Artilleriestellung« genannte hintere Linie eindeckte, zeigt der geringe Verlust der am eifrigsten feuernden 16. R. Art. (75) und der ganz geringe der übrigen rheinischen und sächsischen Batterien. Regen und Schneefall vermehrten in der Phantasie das Schrecknis des ersten Einbruchs, doch bei frostig klarem Wetter am 23. sah sich die Sache schon klarer an. Nur Verschüttete der Vorderlinie wurden abgekniffen. So unheilverkündend Langles Truppenwand sich türmte, man schoß in sie sogleich ein böses Loch. Vor, innerhalb und hinter überrannten Gräben lagen ihre dicken Leichenhaufen. Nicht nur Mörser der 14. R. F. Art. machten gute Arbeit, Gewehrfeuer streckte die Franzosen massenweise nieder. Die Legende von dem braven 78. R. dürfte wohl als 29. I. zu lesen sein, welche Koblenzer man verstohlen als mithelfend anführt. In Sandgruben und Hohlweg nördlich der Chaussee Souain–Sommepy kam der Angriff zum Stehen. Nach 25. Februar tastete Langle nur noch vorsichtig ab, ließ aber die andere Einbruchsstelle nicht außer acht, die er bei Mesnil–Massiges vertiefen mußte. Das flache Kalksteingelände erhebt sich zu etwas höheren Hügeln nur an der Champagnefarm. Von der »Karbolschlucht«, in deren Nähe die Tahure- horizontal in die vertikale Souainchaussee einmündet, bis zur »Pionier- und Kanonierschlucht« östlich »Fritschberg« und »Schmidtwald« schob sich 157. Schlesische, hinter sich »Kuchenschlucht«, zwischen 65., 69. R. ein, ganz östlich 107. R. an der »Rabenschlucht«. Diese vier Regimenter drei verschiedener Stämme wehrten sich ruhmvoll gegen das ganze 1. K. und Kolonialbrigaden, nur 157. verlor zerwühlte Gräben ans 45., 48. franz. Dies war am 27. Schon seit 22. tobte hier allgemeiner Kampf, gegen 65. R. sogar viel früher als G. St. Schr. meint, schon seit 16. mit Feuerüberfall und Massensturm bedacht im Anschluß an die Pertheskolonnen. Die Masse des 8. R. K. entzog sich rückwärts dem wahnsinnigen Trommelfeuer, schickte aber jetzt zuerst 30. R., dann 28., 29. vor. Wegfegung der aktiven Schlesier ersetzte 30. R. brav nach so langer Prüfung; es verlor erneut 600, wie schon beim früheren Vorstoß bis 10. Februar. Als Langle nach dem 1. März auch das 2. K. ansetzte, wie im Westen 16. an Stelle des bös zerschlagenen 17. K., krachten am »Zwischenweg«, wo 16. R. D. an die geschlagene 16. Aktiv D. stieß, schon die Lebelgewehre. Die G. St. Schr. hebt hier »2 Kompanien 68.« hervor, immer in Bevorzugung der Kasernentruppen, sowie Eingreifen von II/2. G. und 63. I., letzteres wahrscheinlich vordatiert, ersteres Unsinn, da 68. weit davon stand. Vielmehr wird es sich um Teile 68. R. handeln, das opferbereit einsprang und am meisten litt. Dazu Einwirkung von 20. R. F. Art. und leichten Gardehaubitzen. Außerdem erschienen 77. I., 77. R. bei Tahure, was G. St. Schr. zwar erwähnt als bloße Ankunft von 38. R. B., aber nicht weiß, daß die laut V. L. sich schon einmischte. Dem Mut der Franzosen lassen wir ebenso Gerechtigkeit widerfahren wie ihrer Anstelligkeit; ihre Schützenschwärme füllten sofort gerissene Trichter und stellten Verbindungsgräben her, schleppten M. G. zur Flankierung herbei. Doch unsere Pioniere benahmen sich ebenso flink, ihr großer Verlust (400 inkl. Garde) zeigt ihren Opfermut. Und wenn Langles übermächtige Artillerie unverdrossen trommelte, so legte die deutsche verderbliches Sperrfeuer. Im März um 16 schwere und 12 Feldbatterien verstärkt, sparte sie sich gegen Infanteriestürme auf. Diese wollten und wollten nicht gelingen. Geschlossene Kompanien und Bataillonskolonnen, Offiziere hoch zu Roß voraus, marschierten anfangs sorglos vor, von Vertilgung aller Grabenbesatzungen überzeugt, im nächsten Augenblick waren sie sozusagen schon tot, denn überall tauchten Verteidiger aus den Unterständen empor, mit Kalkstaub angeweißt wie Müllerknechte, doch wenige mit Blutflecken, und sandten an abgekämmter Brustwehr freistehend Salven aus nächster Nähe. Dem Aufenthalt in der »eroberten« Vorderlinie zogen die gemaßregelten Stürmer weiteres Einrennen der Souainfront vor; der Impuls trug sie bis über Arbrehöhe, dann aber Schluß. Immer geschlossen, nur einen starken Schützenschwarm auswerfend, sahen sie ihre Schneide abgestumpft durch maßlosen Blutverlust. Am 2. März begann unser Gegenstoß, 101., 104. gingen auf beiden Flügelecken des geschlagenen 8. K. vor, 1. G. Brig. Prinz Eitels hatte bald 2. G. B. hinter sich, 2. Bayr. L. W. wollte ihren verlorenen Waldzipfel zurückhaben. Erst jetzt scheint Gegenstoß von 63. I. erfolgt als Ersatz für das weggezogene 157., während 30. R. ausharrte. Diese Entlastung blieb erfolglos; 63. verlor den Oberst und viel Offiziere, sonst nicht viel, sodaß der Ausdruck »Trümmer« nicht paßt. Jedenfalls mußte es sich erst wieder sammeln, während die Reserveregimenter unverdrossen standhielten. Bei III/4. G. fiel der Kommandeur; 2. G. litt noch mehr, doch blieb sie siegreich im Gebüsch östlich Souain und Waldstück nordwestlich Perthes. Das deutsche Kreuzfeuer riß nicht ab, im Westen feuerten jetzt mit 9., 20. R. F. Art., im Osten 1. G. Art. Br. Die Franzosen wankten, doch auch energischem Eingriff von 104. R. (G. St. Schr. schweigt davon, indessen verlor es am 2. 3. volle 800) begegnete 16. franz. K. immer noch angriffsweise. Kolonialtruppen bedrängten jetzt auch 25., 69. R. am Hiepenholz (107. R. scheint abgelöst zu sein). Diesen Punkt eroberten 2. Kol. D. und Teile des abgelösten 1. K. mit wildem Mut, nachdem im Februar die Hessen (21. R. D. und L. W.) nicht ohne Verlust gegen die Afrikaner standhielten. Auch jetzt gingen wahrscheinlich 88. I., 80., 87. L. W. in die Flanke, auch muß alles der Rabenschlucht sich Nähernde aus Allongeschlucht Flankenfeuer erhalten haben. So blieb es bei kleinen örtlichen Raumgewinnen des Kol. K. ohne Tragweite. Immer noch suchte die rasende Kanonade unsere Linien ab, 4. G. und gesammelte 63. hatten das frische 11. Schlesische bei sich, ein altberühmtes oberschlesisches Bergregiment, sie schlugen am 9. einen Massenstoß des 2. K. ab. Dann war es aber mit Widerstandskraft dieser Aktiven vorbei. Merkwürdig, daß die so viel länger fechtenden R. Regimenter unerschüttert blieben. Selbst die 2. G. B. mußte durch 1. B. wieder abgelöst werden. Übrigens nennt Prinz Oskar undankbar nur die hessische L. W., während die bayrische weit mehr litt. Am 7. verlor sie erneut den »Bayernzipfel«, später erwarb sie ihn wieder. Höchst merkwürdig ist auch, daß die völlig grundlos verherrlichte 37. R. B. schon jetzt von der 39. erneut abgelöst werden mußte, sie schlug sich also sehr mäßig und gar nicht standhaft bei ganz geringem Verlust. Da sieht man, wie ungerechte Loblegenden sich selbst überführen. Vielmehr ging 101. R. äußerst scharf vor in mörderischem Gefecht bis Monatsende (1400), vor diesen Sachsen brach offenbar am 13. der letzte Anprall zusammen, obschon die im Schlußteil auffallend dürftige G. St. Schr. nichts davon erwähnt, sondern von III/74. R., als ob ein Bataillon hier gegen solche Waffen etwas ausrichten könnte. 16. K. 7. D. in Ablösung von 17. K. 8. D. richteten nichts mehr aus, offenbar war es das frische 25. Aachen, das dem wieder kampfbereiten 8. K. einen Impetus gab, sodaß 68., III/69. sich hielten. Westlich der Tahurechaussee betrat kein französischer Fuß die »Dynamit- und Pulverschlucht«, den »Elefantenwald«. Auf der zerschossenen Windmühle am Hügel nordöstlich Souain flatterte nie die Trikolore. Wir betonen, daß das in der amtlichen Schrift nie genannte 25. den Hauptanteil auch an der Schlußphase hatte. (Wäre sein riesiger Verlust im Elsaß entstanden, so wäre dortiger Kampf sehr verlogen dargestellt, die Amtlichkeit käme also vom Regen in die Traufe.) Langles 23., 60. D. auf der Westflanke scheinen schon früher aus dem Feuer gezogen, er erhielt jetzt noch 7., 21. K. von der Westfront, von denen er 15., 43. D. ausspielte. Diese setzten sich vor, am 13., 14. das Äußerste zu wagen, verloren aber sogar an III/1. G. ein Grabenstück. Neben den wieder gesammelten 11. Gren. erschien 133. R., diese Sachsen sollen Butte de Mesnil besetzt haben. Am 15. erstarb der letzte verzweifelte Sturm afrikanischen Fußvolks. Langles Regimenter waren meist schon an einem Tage abgekämpft, er konnte sie nicht mehr aus den Gräben herausbringen, sie erkannten die Nutzlosigkeit ihrer Opfer, er verließ sich nicht mehr auf ihren guten Willen beim Hornsignal »Tout le Monde en avant!«, auf die Dauer behielt er nicht genug zur Ablösung. 28., 29. R. erwarben erneut das Hiepeholz. (Verloren zusammen 2200, 29. R. litt nächst 25. I., 4. G. am meisten.) 4. Zuaven fanden dort am 18. ihr Ende. Seit 16. bot Langte nochmals seine ganze Macht auf, diese letzte Kraftanstrengung im Zentrum gegen »Fritschberg« schlug 16. D. ab und zwar angeblich nebst 73. R. und angeblich 101. I. Offenbar Verwechselung mit 101. R., 73. R. war ja längst fort, so mengt man Kraut und Rüben durcheinander. Dagegen warf sich 38. R. Br. von Tahure entgegen, wie der G. St. sich aus V. L. überzeugen könnte. Ein mit rasender Bravour unternommener Anlauf am Nordhang des Plateaus, der sich zur Küchenschlucht hinabstürzen wollte, zerschellte beim Überfluten. 68. R. hielt den Feind auf, 29. R. brach ihn, 133. R. warf ihn über den Haufen. So lesen wir das Schlachtbild, zudem glauben wir an Wiedervorgehen der 11. Gren. neben 3. G., die dort am meisten litt. So blieb es für Langle bei Raumgewinn von vielleicht 1800 m Tiefe, kaum haltbar, da vorspringende Franzosennester nachher überall ausgehoben wurden, was die Garde bestens besorgte. Ob 133. R. zur Mesnilkuppe verwürfelt oder 4. G. sie hielt, jedenfalls zweifeln wir, daß der Feind dort Boden gewann, da er nicht mal die Küchenschlucht durchquerte. Langles fortgesetzter Menschenverbrauch würde nach deutscher Anschauung, daß er dreimal mehr verlor, 100 000 betragen, da unser Blutverlust ja eben viel größer als amtlich zugegeben. Keinesfalls blieb er unter 75 000, d. h. 30% der stürmenden Infanterie. Dazu 3000 Gefangene, an denen wir 2000 verloren. Nach erstem Taumel der Aufschneiderei schien den Franzosen selber solcher »Sieg« fragwürdig. 8. K. besaß freilich nichts mehr von Souain-Pelthes, Arbrehöhe und einem guten Stück der Tahurechaussee. Dieser Raumgewinn, ob man dabei 3 Kil. Tiefe rechnet wie Joffre oder nur ein Sechstel davon nach deutscher Abmessung, durfte sich für so wenig Erfolgverwöhnte immerhin sehen lassen. Doch unser H. B. trieb es damals wie die Entente bei Absteckung deutscher Kriegsziele: der Kaiser wollte in Paris und Petersburg einziehen, also verlor er den Feldzug – Joffre wollte in Rethel einziehen, also verlor er die Winterschlacht! Das sind Sophismen, ihren lokalen Vorteil gönne man den Franzosen und schreibe ihn nicht den Deutschen gut! Haarspalterei verwirrt nur strenge Sachlichkeit, Abirren von ihr verletzt das sittliche Empfinden. Viele V. L. sagen summarisch »Ripont«, das beweist, wie nahe man dortige Stellung angenagt fühlte. Hier brach sich aber noch Ende März ein wilder Ansturm der Afrikaner. Vorschieben von Sappen am 21. wurde ein Symptom zunehmenden deutschen Übergewichts. Allein, » nord westlich Perthes wurde eine Befestigung mit Sturm genommen«, meldete H. B. vom 17. April! Deutlicher kann man nicht machen, wie weit Langles seinen Keil vortrieb. Indem er zwei Zangen kombinierter Angriffe anlegte, bemächtigte er sich der leichten Hügelwelle nördlich Perthes und von dort bis Massiges betrug die gerissene Bresche doch wohl 7 Kil. Länge, wie Joffre behauptete. Im März hatte Langle freilich nichts weiter zu hoffen, nur zu fürchten, daß er aller Vorteile verlustig gehe, sobald seine künstliche Massenansammlung sich zerstreute. Er erwehrte sich selber nicht des Eindrucks, daß solcher Aderlaß jede dauernde Erfolgmöglichkeit schwäche, nur durch unangetastete Reserven sichert sich ein Durchbruch. Joffre tröstete: »Wir fanden 10 000 Leichen«, deutsche? Sicher nicht dort, wo man derlei nur finden konnte, in der eroberten Vorderlinie! »Zwei Garderegimenter wurden nahezu vernichtet«, der Nachsatz hebt es auf: »2., 5. Komp. eines dieser Regimenter wurden in eine verschmolzen«, also selbst diese Ausnahme (bei 4. G.) ergäbe nur 50%. »Die Deutschen hatten am 16. Febr. 110 Bat. 64 Feld-, 20 schwere Batterien«, genaue Rechnung darüber konnte er wohl nicht aufmachen. Die Chimäre, man habe Korps gefesselt, die gerade nach Rußland abgehen sollten, war auf Petersburg gemünzt. Schmeichelhafter Wink nach London, daß unsere Verstärkungen aus der Front kamen, »wo die Engländer am 10. März Erfolg hatten«, war ebenso scherzhaft. Kein Mann kam von dort. Heiterkeit erweckt der Hinweis auf großen Sieg der Russen (wo denn?), Ekel aber die Lüge, daß »Erfolg uns geringen Verlust und wenig Gefangene kostete« (ei, ein »Sieg« soll wohl viel Gefangene kosten?), während wir dem Feind ungeheueren zufügten nach dessen eigenem Geständnis«. Das ist »ungeheuere« Dreistigkeit bewußter Fälschung. Doch umgekehrt besiegelt der Satz im H. B. »unsere Front steht fester denn je« nur eine Halbwahrheit. Der Angriff sei »völlig und kläglich gescheitert«, an keiner Stelle gelang dem Feind, auch nur den geringsten nennenswerten Vorteil zu erreichen? Den Teufel auch! Das heißt lügen wie ein Dementi. Gerade weil auch die Neutralen, wo in der Schweiz das Straßenschimpfwort »Havasschnauze« entstand, an den H. B. wie ans Evangelium glaubten, wollen wir wahre Geschichte schreiben und entlassen beide Amtsstellen mit Heine's schöner Betrachtung über den Rabbi und Mönch. Wer dem Einen oder dem Anderen traut, der hat fürwahr auf Sand gebaut. Zu Triumphliedern war beiderseits kein Anlaß. Damit wird aber der rheinische Heldenmut nicht geschmälert, der unter Schnee und Frost, wo die Zehen erfroren und die klammen Finger mit Mühe das Gewehr hielten, den schleimigen Kreideboden mit Herzblut tränkte. Der Höllenrachen des Trommelfeuers schloß sich erst, als er sich heiser bellte. Man werde aber auch den Franzosen gerecht, in deren tiefe Massen das Feuer oft reine Vernichtung trug. Einseitig schwülstige Lobpreisung ist nicht am Platze, die Franzosen dürfen sich gleichfalls rühmen, daß sie die fürchterliche Bestreichung unserer schweren Haubitzen, denen sie nichts Ebenbürtiges entgegenstellten, in ihren Annäherungsgräben heroisch ertrugen. Dies war die erste jener »Materialschlachten«, die von jetzt ab typisch wurden, ein bisher noch nie erlebtes Unwesen. Langle zauberte eine Kanonade hervor, wo 20 Geschosse auf den laufenden Meter fielen, ein Höchstmaß von Schießbedarf vergeudend. Wenn der Feuerorkan viele Deutsche noch in Deckung fortriß, dann stelle man sich das Blutbad vor, als die Franzosen über offenes Gelände in geschlossenen Sturmsäulen anliefen. Erst später wurden daraus »sechs Wellen«, von deren ersten zwei erfahrungsgemäß kein Mann entkam. Dachte Joffre wirklich an Durchbruch »bis Vouziers«? Warum nicht bis zum Mond! Sobald Langle Massen nach Arras zurückschickte, stellten die Deutschen allmählich ihre alte Linie teilweise wieder her (nicht die ganze, wie man schwindelt). Langte schwang sich zu keinem Aprilscherz auf, nur hier und da brummte noch sein kleinlaut gewordenes Geschütz nach üppiger Verschwendung, er verbiß seine Schmerzen und verband seine Wunden. Sonstiger Märzkampf. Neuve Chapelle. Monatsverlust 63 500. Wie? Dann muß es ja noch andere Brennpunkte gegeben haben? Ja freilich, nur meldet H. B. so wenig davon, daß alle Welt die Champagneschlacht für den eigentlichen Clou hält. Im Elsaß 2500 (800 v. 161.), meist Minenkampf zwischen Mönchberg und Sattelköpfle, das Kra–Kra–Krach der Minenbiester gellte durch die Nächte. Auf Strecke Mihiel–Flirey stärkere Kämpfe der Ers. Brigaden, Seitenstoß bei Regniville nordöstlich Mihiel leicht von den Bayern abgelehnt. Etwa 3900 Verl. in allen Gefechten bis Priesterwald gaben freilich Stegemann nicht Recht, sie schon früh zu den »blutigsten des Weltkriegs« zu zählen. Welche Unkunde vom Hörensagen! Waldgefechte sind nie besonders blutig, so wenig wie Gebirgskämpfe. Springen wir zum entgegengesetzten Ende nach Ypern, so finden wir 8000, davon 5000 Bayern (20., 21. R. außerdem 2100, 245 Jg., 85 P.). Man verdrängte sie so wenig aus neuer 1000 m Eingrabung bei St. Eloi, wie wir den Feind aus Steenstrate und dem Wäldchen östlich Bixschoote. Was meldet H. B. über so heftige Offensive südlich Ypern? Nichts, lauter Kleinigkeiten, wie Kentern von Munitionsdampfern mit betrunkener Besatzung! Dagegen bescheert er uns die Mär, bei Celles und Parray seien die Franzosen mit klingendem Spiel und fünffach tiefgegliederten Staffeln siebenmal hintereinander abgeschlagen, Kostenpunkt 1000 Tote, deutscherseits 22 t. 92 verw. Herrlich, klingts auch wunderbar. 60. L. W., deren 14. Komp. die Parroyhöhe hielt, verlor wirklich nur 70, doch 1000 franz. Leichen an dieser Stelle erregen ein Schütteln des Kopfes. Welchen Grund hatte Dubail, sich in zwecklose Opfer zu verwickeln, wo doch sein ganzes Augenmerk auf den Maashöhen ruhte? So verschob die trockene Unzulänglichkeit des H. B. die Wertmaßstäbe, unterstrich Nebensachen und machte unersichtlich, daß anderswo einzelne Hochmomente an typischer Rücksichtslosigkeit wenig der Champagneschlacht nachgaben. Auf der Zickzacklinie Arras–Roye (1500) Roye–Berry (1000, Brandenb. 40, Sachsen 551) rührte sich freilich nichts, nur Armins 72. hatte ernsteres Gefecht (725), dagegen wurde Linie Lens–Lys kein Nebentheater: 3350 Badenser (170 P., 110. bei Loretto allein 1050) 1400 Leipziger, die sich diesmal bei Rue de Bois und La Gher emsiger an der Blutarbeit beteiligten. Westfalen 4000, anfangs nur 1515 – 15., doch die Freude währte nicht lange, nachher 2500, im Monat allein 1250 vom 16. Rgt. 1700 v. 13. Zeugnis großen Heldenkampfes, was nicht nach prüfungslosen Meldungen beider Parteien, sondern nach V. L. richtig zu bemessen. 6. b. R. D. bei Aubers 3000. Ein Hauptkampf tobte längs der dem Kronprinzen unterstellten Front. Über Argonnengetümmel südwestlich Vaucquois, wo man den Feind den Abhang hinunterwarf, St. Hubert und Cheppywald verrät H. B. so gut wie nichts, wiederholt brandete Serrails Sturmwelle gegen Mudras Verschanzungen, der als Berufspionier hier an rechter Stelle war. Seine 16., 27. P. verloren nicht weniger als 720 (ein Teil davon vielleicht auch vor Toul), neu erschienen 7. Bayr., 125., 126. Würt. L. W. bei Cheppy–Apremont. Summa 6200. Noch lärmender schlug die Schlacht Dubails ihre Wellen zwischen Maashöhen und Priesterwald. 5. R. K. focht zur Hälfte bei Consenvoye zur Deckung der Verdunbeschießung, die andere neben Strantz, dessen 15. R. K. bei Combres schwer rang, vermutlich hier das dazu gehörige 60. I. mit gewaltigem Verlust, obschon nirgends genannt und schwerlich beim Saarbrücker K. beteiligt. Dazu im Woevre 17., 30., 99. L. W. und 4., 15., B. R., am Priesterwald die Thüringen L. W. (870 mit 115 P.) Summa 8300. Da 98. R. allein 1000 verlor, so verlor die Bayernbrigade Metz (1200) nicht übermäßig, der Feind stutzte aber den feuilletonistischen Tratsch zu: die Redute Les Epargues (Combres) genieße in Bayern schaurige Berühmtheit, 8. bayrische habe schon im Februar 2000 mit 16 Off. (125 pro Offizier!) eingebüßt. Allerdings mußte es jetzt den ablösenden 4. Rgt. Combres anvertrauen, verlor aber 1800 nur vom 1. Febr. bis 1. April, aus solchen Leichtfertigkeiten falscher Abschätzung setzt sich Kriegsgeschichte zusammen: Laut Bayr. Kr. Arch. verlor die Brig. bis 1. April nur 67, 2255 und zwar seit 1. Okt. in unablässigem Gefecht. Im Mai nochmals 56, 1849. Dubail begeisterte sich zu Tiraden: »Unsere Infantrie vollendete das Werk der Artillerie«, sein Tagesbefehl vom 5. April enthielt kein klares Wort. Nur daß eine Anzahl 29. P. gefangen wurden, weil Granatenluftdruck ihre Minenlampen auslöschte, hat Sinn und Verstand. Daß die Deutschen zwischen Pont à Mousson und Verdun eingeschlossen, zwischen Mihiel und Metz vernichtet werden würden, war oberfauler Aprilscherz, das hieß wahrlich das gläubig aufhorchende Entente-Publikum »in den April schicken«, denn wo merkte man etwas von solcher Einschließung? Zu Mittedurchbruch bis Mars la Tour (32  km von Metz) kam es nie, Verduns südöstliche Einkreisung bis Marcheville blieb umgekehrt ungetrübt, 27  km südlicher bei Essey schlossen andere Linien an, die jede Umfassung verleugneten. Allerdings vergegenwärtige man sich, daß die Maashöhen 9  km nördlich Mihiel den Franzosen gehörten, und staune, wie leicht die Bayern dort jeden Seitenstoß abfingen. Dubail holte viel blaugraue Chasseurs und große Neuformation der Region Lyon, ihre Befehlshaber dürsteten nach Schlacht, die armen Poilus nach Alkohol, den man ihnen reichlich zur Aufmunterung verabreichte. Unweigerlich nur noch eine letzte Anstrengung, um die Trikolore auf Combres zu pflanzen! Frühlingsregen verwandelte den Woevrelehm in zähen Schmutz, Patronen versagten, Bajonett versah den Hauptdienst, was den rauflustigen Bayern zusagte. Aber die Stimmung ließ sich nichts Bestimmtes sagen, wohl aber voraussehen, daß bei solcher Abnutzung das sich bisher im Hintergrund haltende 5. K. ablösen müsse. Dubail bekundete hurtigen Siegeswillen, seine zu Neujahr unsichere Linie ein langsames Fortschreiten. Der Kartenleser sah manchen Punkt in französischen Händen, den man noch in deutschen glaubte. Mal die eine, mal die andere Partei war im Vorteil. Es schwebte Joffre vor, sich der Erzgruben Brieys zu bemächtigen, nur 15  km hinter unserer Front, deren Ausbeutung uns zu statten kam, den Franzosen unersetzlichen Ausfall für ihre Kriegsindustrie bedeutete. Dubails Angriff war daher strategisch viel gefährlicher als der Langles und unser H. B. hatte die bedenkliche Seite, Haupt- und Nebenaktionen nie zu unterscheiden. Das Publikum schaute noch aufgeregt nach Ypern, als man dort längst zu Stillstand überging, doch gerade im März, wo es dort wieder hoch herging, schwieg H. B. sich aus, oder es blickte noch gespannt nach der Champagne, als das Unwetter sich dort längst verzog, während Maas- und Argonnenkampf als Bagatelle und das große Treffen bei N. Chapelle als Nebendinge galten. Romantik in beiderseitigen Meldungen, als ob Besitz des Hartmannsweilerkopfs ein weltbewegendes Ereignis wäre, unter gegenseitigen Bezichtigungen der Unwahrheit, machte den braven Berg berühmt von Aufgang bis Niedergang. Die trockene deutsche Meldung, daß »der Feind sich im Besitz der Kuppe setzte, der Kuppenrand wird von Unsern gehalten« entsprach nicht der prachtvollen Erstürmung des Gipfel-Blockhauses, wo in leuchtender Frühlingssonne des 26. die Trikolore prangte, und dem begleitenden Verfolgungsfeuer am Osthang, doch daß man dort 700 deutsche Leichen unter der Schneedecke vorzog, ist lächerlich erfunden. Manchmal schläft der gute Vater Homer und die Entdeckung, blindes Vertrauen zu deutscher Berichterstattung sei nicht angängig, gab dem Feind Gelegenheit, sich drüber aufzuhalten. Doch wenn von Natur gewissenhafte Deutsche nicht bei der Stange bleiben, was erwartet man da von Tartarin aus Tarascon! Eitler Hang zum Großtun entstellt ja immer die wirkliche Bravour des Cyrano von Bergerac, dessen lange Nase keinen Nasenstüber des Mißerfolges verträgt, aber sich stolz in die Luft hebt, wenn Chanteclair irgendwo den Cadets de Gascogne eine Marseillaise vorkrähen kann. Damals verwandten die edlen Franzmänner schon Stinkbomben mit übelriechenden Gasen, das war ihr heiliges Menschenrecht, dagegen Barbarei und Niedertracht, daß die eigene Stinkerei nichts taugte und die Boches sie mit schändlichen Gasangriffen erkleklich überstanken. Ja, Bauer, das ist ganz was anders! »On les aura par la mitraille« wurde Schlagwort. Langle's 30  km umfaßende Kanonade schlug bald nicht mehr den Rekord. Hätte man je solche Bestreuung geahnt, würde man noch schärfer gepredigt haben, heutige Heere könnten derlei nie ertragen, jede straffe Gliederung müsse wegfallen. Doch der Weltkrieg machte den Wahn zu nichte, daß geschlossene Kolonen sich nie unter solche Feuerzone wagen würden, selbst Schützenschwärme hatten besondere Dicke. Nun, man hat es doch ertragen, aber fragt mich nur nicht wie. Auch Nahkampf mit blanker Waffe galt als altmodisch überlebt, jetzt machte man davon Gebrauch, wie nie zuvor. Opfermut und Ausdauer erhoben sich durchweg zu einer Höhe, wie sehr selten in vergangenen Kriegen. Aufreibendsten Stellungskrieg überdauerten die Franzosen mit einer Geduld, die ihre reizbaren Nerven ärger abspannen mußte als bei den an kaltblütige Pflichterfüllung gewohnten Deutschen. Daß die Gallier beim Angriff möglichsten Elan entfalteten, versteht sich von selber. Prinz Oskar schenkte aber die Belehrung, nach dem Kriege müsse kgl. preußischer Stechschritt erst recht geübt werden, das Schicksal versagte dem frommen Wunsch. Bei Reserveregimentern erwartet man wohl keine Anhänglichkeit an Kasernismus, der doch minder anfeuert als »jugendliche Begeisterung«, die dem jugendlichen Verfasser nicht imponiert! Jugendliche und ältliche Jahrgänge bei Ypern und im Elsaß zeigten zugleich Begeisterungs- und Leistungsfähigkeit, in Rußland taten L. W. und L. St. Wunder. Tüchtigkeit der Rasse bedarf keiner exklusiv militärischen Hymnen auf Griffekloppen, die auch darin austönen: »Die Gardeschützen hatten eine Freiwilligenkompagnie, sie verrichtete unvergeßliche Heldentaten«. Oho! diese unvergeßlichen Gardefreiwilligen müssen recht behutsam mit ihrem Leben umgegangen sein, denn die gesamten Gardeschützen verloren hier 75 Köpfe! Was sagen die armseligen Reservefreiwilligen von Ypern dazu? Doch Garde bleibt Garde, ihre Freiwilligen sind aus besonderem Metall, nicht wahr? Genug von solchen jugendlichen Scherzen! Die Kommißpredigt schweige, wenn in den Vogesenschneehalden mit Alarmklingeln an jedem Astverhau unter ausgespanntem Telefonnetz sich schlichte süddeutsche Wehrmänner so überwältigend auf die stolzen Alpins stürzten, daß sie sich willenlos ergaben. Eine gedrilltere Berufsspezialtruppe als diese Alpenjäger gab es nie, doch was vermochten sie gegen alte Familienväter der Tiefebene, aus ihrer Heimarbeit in Acker und Werkstatt unter Gebirge und Trommelfeuer versetzt? Bis voriges Neujahr begrub Frankreich schon 340 000 Söhne, man konnte ahnen, wie die Ziffer bis übers Jahr sich ausnehmen würde. Offizielle englische Angabe im Mai flunkerte von 280 000 britischem Gesamtverlust, der Speaker plauderte im Parlament 500 000 aus, gibt es krausere Selbstüberführung? Der Strohmann des »Daily Liar«, der aus einer Redaktionsstube in die andere »aus Kopenhagen« erfinderisch telefonierte, war glücklich so weit, 1915 schon 2 Mill. Deutsche außer Gefecht zu setzen, und erfand, jede V. L. enthalte 10 000 Schlachtopfer. Man durfte sich beruhigen, die Wahrheit setzt nicht in Schrecken, nur 650 000 in Westen bis Neujahr. Die Verbündeten verloren inkl. Gefangene mehr als das Dreifache, was die Überzahl beschnitt und oft annähernd ins Gleichgewicht brachte. Joffre, Meister der Theaterregie, versicherte zum Fenster hinaus: »Unsere Armee ist heut so stark wie zu Anfang« infolge ungeheuerer Massenaushebung des Landsturmes. Deutschland habe seine Reserve erschöpft, ihm sei »sein Weg vorgezeichnet, der Rückzug«. Er bedachte nicht, daß danach die Menge von ihm selber Großtaten erwartete. Dieselbe Lumpenpresse, die täglich unflätig und würdelos Deutschlands Untergang verkündete, zog später die Stirn in catonische Falten und klagte die Täuscher an, weil sie gläubige Gemeinden umnebelten. Doch warum ließen diese immer wieder den Unfug über sich ergehen! Ihre Abspannung unterbrachen neue Aufpeitschungen, doch schwunghafte Nervenanregung stellte sich nicht wieder ein, nur harte Verbissenheit. Erst bemitleidete man affektiert das »Todeslied« der Ypern-Freiwilligen jetzt erwachte eher Erinnerung an nordische Berserker, die singend starben. Havas tröstete sich im Sommer, der Kronprinz habe seit Neujahr 100 000 verloren, ein einziges K. 40 000. Welches? Natürlich sind 5. K. oder 15. R. K. gemeint, die man doch eigentlich ihm abnahm, da er sich überhaupt nicht über Bevorzugung zu beklagen hatte. Bei so großmütiger Schätzung urteilen die Franzosen nach sich selber, wo Argonnen und Maasufer das Grab ganzer Divisionen Sarrails und Dubails wurden und man mit 200 000 Verl. für diesen Zeitraum dort nicht auslangt. Tatsächlich verloren wir von Consenvoye bis Priesterwald im ersten Halbjahr schwerlich mehr als 40 000, was Havas für ein K. berechnet, und die eigentliche 5. A. in den Argonnen nicht entfernt so viel. Was die später zur Westfront entsandten Schlesier litten, ging den Kronprinzen nichts an. Merkwürdig, wie der Haßinstinkt leitet! Jeden Augenblick stichelte Paris auf dem kaiserlichen Thronfolger, der natürlich auch Schlösser ausgeraubt haben sollte, von denen er noch 100  km entfernt war! In Paris kannte man eben genau seine Gefährlichkeit schon von Longwy her, weit besser als die Heimat, die mit elendem Klatsch schwanger ging, wie er hinter der Front Latontennis spiele und flirte, während er oft in vorderster Linie aus Artillerieposten den Feind beobachtete. (Vergl. Bruchmüller). Da Joffre schon darauf sann, wie er seine Siegesfreite wo anders anbringen und der Fortuna die Cour schneiden könne – solche Geister bauen immer auf ihr »Soldatenglück« und ihren flair d'artilleur, wie der selige Mercies im Dreyfußprozeß sagte –, so verabschiedete man nach und nach die ganze 19. R. D. nach Elsaß, wo man einer Verstärkung bedürftig schien, die in 18 dorthin bestimmten L. St. Bat. nicht genügte. Für eine mit mehreren Brennpunkten behaftete Front war übrigens auch der Märzverlust gering im Vergleich zum fieberhaften Siedegrad der ersten vier Kriegsmonate. Dagegen änderte sich des Feindes Einbuße nicht wesentlich, sie war bei Loos–N. Chapelle und Argonnen–Maashöhen sehr groß, in der Champagne übergroß. Das Ende ein deutliches Fiasko, doch die Beklemmung deutscherseits währte viel länger als man mutmaßte. Französische Meldungen gaben eigentlich einen klareren Begriff der Lage als die mageren deutschen, nur sind sie mit Vorsicht zu genießen, weil das Richtige mit einem Wust von Übertreibung umhüllt. Das beste Urteil über das Endergebnis liefert, daß nach neu eingebürgerter Geflogenheit, die Garde am Gefahrpunkt auszuspielen, sie und K. Emmich ruhig nach Galizien abdampften und 22. R. K. von Ypern gleichfalls dorthin wanderte, also Verhinderung der Sendungen nach Osten dem Feind gänzlich mißlang. Um den Russen aufzuhelfen, kam Joffre zu spät, schon klärte der trübe Schneehimmel über Ostpreußen für die ganze Kriegsdauer, im Mai war auch die Krise in Galizien siegreich überstanden. Doch durfte man in Westen schon hoffnungsvoll in die Zukunft schauen? Wer sich einbildete, Blutbäder und Mißerfolge würden auf lange des Gegners Willen brechen, verrechnete sich. Jetzt reizten wieder Rußlands neue Niederlagen zu verzweifelten Anstrengungen eines Ausgleichs, mit der Voraussetzung, die deutsche Front sei durch Entsendungen geschwächt. Für volle Besetzung der Front Nieuport–Mühlhausen bedurfte das deutsche Heer, pro Meter berechnet, 2 ½ Mill. ohne Reserven, was für 80–100 fluktuirende Divisionen schon zu viel ausmacht. Im Laufe der Kriegsjahre mögen 1 ½ Mill. Leichtverwundeter zur Fahne zurückgekehrt sein, sodaß im Ganzen inkl. Ersatzrekruten und Reinverlust wohl 5 Mill. für die Westfront aufgeboten. Doch nie stand dort auch nur die Hälfte dieser Zahl. Während in Frankreich Krüppel und Tuberkulöse das Schießgewehr schwangen, bestand die professorale Pedanterie des preußischen Militärs auf sechsmonatlicher Ausbildung, welches altfränkische Vorurteil die Freiwilligenkorps bei Ypern und die noch neueren in Rußland widerlegten. Die durchweg neuformierten französischen Ersatzdivisionen, geradeso »junge« Truppen dritter Garnitur, stimmten gleichfalls eine wahre Bravouraria der Furia Francese an und die englischen Freiwilligenkorps gewöhnten sich bald genug ans schreckliche Handwerk. Arras, Neuve Chapelle Im Norden zog sich der Kampf zunächst um Loretto zusammen, welche wichtige Überhöhung als unschätzbaren Beobachtungsposten Maudhuy bewahren wollte. Vor der Kapelle blitzte der Horizont von Feuerkreisen, wo man das Rundpanorama Arras–Bethune genoß. Doch schon am 3. trat er den Besitz an die Badenser ab, die am zerschossenen Wäldchen vor Souchez und der Renaissancekirche von Ablain vorbei den Hohlweg hinaufdröhnten, nur die am Nordabfall unterhalb erbauten Unterstände noch nicht ausräuchernd. Bis 22. unternahmen die Franzosen Sturm auf Sturm, zuletzt erging es ihnen so schlimm, daß sie auch einen bisher behaupteten Vorsprung verloren. 110. und ein Bataillon 109. sollen allein diese Heldenarbeit verrichtet haben, doch hatten vielleicht auch 40. (660–10.) und bayrische Res. aus Carency Anteil. Nur einmal am 15. drang mit 158. Oberst Mignet in badische Gräben ein, nur um zwei tapfere Kommandeure zu verlieren. Nach Abzug des 21. K. zu Langles übernahm French die Strecke bis Loos. Maudhuys Linie fühlte sich bei Loretto ins Herz getroffen und setzte später alles daran, den Schlag zu parieren. Doch schon ging solcher Schrecken vor den deutschen Waffen her, daß French das Bethune-Depot ausräumte, weil es unhaltbar schien. »Auch bei Lens ist der deutsche Druck überaus schwer«, schrieb ein Berichterstatter; dem Kohlenbergwerk geweiht, besaß das Revier Lens-Loos Arbeiter genug, die sich aufs Graben verstanden, man rüstete Maulwurfsbauten zu, die bis 7  m tief hinabrückten. Konnten solche Bombensicherungen von deutschen Granaten nicht gefaßt werden, um so sicherer lebendige Zielscheiben, wenn der Feind sturmlief. Diesen Gefallen tat er den Westfalen bei Neuve Chapelle, wo die 13er lagen, dahinter 56er, 16er, nördlich im Weiler Epinette 13. Sächs. Jäger; südöstlich im Biezwald 57er, weiter links 15., 159., während wir 53., 55., 158. in Märzlisten nicht entdecken, wohl als Hintertreffen ausruhend. Die Badenser Rechte schloß bei Festubert an. K. Dorien sollte dies Gegenüber fesseln, Haigh sammelte 48 Bat. gegen N. Chapelle und erließ ein klassisches Proklamationsgemisch von Prahlerei und geschäftsmäßiger Nüchternheit. Man habe die besten Kanonen, »unsere Flieger vertrieben die Deutschen aus der Luft« (warum so viele englische abgeschossen?); »unsere Verbündeten fügten dem Feinde riesige Verluste zu« (in Havasdepeschen für Witzblätter); »bisher siegte die englische Armee über einen numerarisch stärkeren Feind« (nach lauter Mißerfolgen von Mons bis Lille und Ypern! Briten und Russen sind dem Franzosen über im kriegsgeschichtlichen Prahlen). »In Deutschland herrschen Unruhen« (durch Hungerblokade?), »man kann daher keine Reserven senden«. Der Erfolg sei sicher, man greife jetzt mit 48 Batl. 3 Deutsche an, die am ersten Tag höchstens durch 4 Batl. verstärkt werden könnten. Solche Ermutigung gleicht einer Feigheitsprämie. Dies Zusammenfegen von Lügenunrat und Naivität erregte höhnische Verachtung, in Prinz Rupprechts Tagesbefehl anklingend. Ermahnte je ein General so plump die Seinen, sie sollten nur dreist und gottesfürchtig mit 16facher Übermacht die Opfer abwürgen? Bei Franzosen würde das entgegengesetzte Wirkung üben, man müßte es ihnen verheimlichen. Das Abschwören jeder Ritterlichkeit verleugnet nicht den immer praktischen Britengeist, Offiziere und Soldaten begrüßten ohne Murren die ihnen angepaßte Aufmunterung und nach Schanderfolg konnte wieder mal britische Glory sich ausmeistern. Wie zweischneidig kehrt sich Unanständigkeit gegen die Urheber. Also »die bekanntlich besten Soldaten der Welt« vermochten nichts 16:1 gegen 3 Bataillone? Es waren indessen 9, Blamage aber die gleiche. Am 10. brüllten 350 Kanonen Haighs, den Meter mit 12 Granaten belegend, unter böser Wirkung der 18-Pfünder-Haubitzen. In der ersten eingeebneten Linie lag alles voll Toter und Verwundeter, als die Briten, eintöniger Mühsal des Grabenlebens müde, drauflosrasten bis ins Dorf hinein, obschon längs der ganzen Front reihenweise niedergestreckt. Verschüttete Überlebende und in Eckhäusern Abgeschnittene beherrschten aber den Dorfeingang mit verheerendem Feuer, flankierende Maschinengewehre machten jedes weitere Vorbrechen unmöglich. 400  m dahinter verteidigten die 13er, von 56ern aufgenommen, fest die dritte Schanzlinie, die von der Indischen Merut- und 8. Engl. D. (23., 25. Br.) nordwärts getriebenen 16er setzten sich wieder. Englische Artillerie wollte Zuströmen deutscher Verstärkung niederhalten, schoß aber in die eigenen Reihen, der Angriff stockte beiderseits des Dorfes unter sprühendem Schnellfeuer, drei Vorstöße blutig abschlagend. Im Dorfinnern schwemmten uns starke Reserven (21., 22. Br.) nicht mal ganz hinaus, wildes Handgemenge währte durch die Nacht. Taktische Ausführung des lahmen Handstreichs war elend. Jede Division tappte drauflos; Unbesonnenheit eines nachher abgesetzten Divisionärs steigerte den Verlust, die ungenau schießende Geschützmasse traf ihre eigenen Leute. Alles bewegte sich automatisch seelenlos, nach Fallen der Offiziere versagte die Mannschaft. Das Netz von Schanzen und Stacheldrähten der Hauptlinie, von Tommy »Port Arthur« getauft, er stürmte er keineswegs um ½6 Uhr abends, wie man flunkerte, be stürmte es nur vergebens auch am zweiten Sturmtag. Der berüchtigte »Augenzeuge« (eye – witness), den sich French zu offizieller Schönfärberei beibog, gestand halbwegs, daß man östlich und nördlich nicht vorwärts kam. Südlich, wo zwei Landwege sich kreuzen, standen die 13er unerschütterlich. Vor Givenchy, von wo es die Bassée-Ziegeleien ausräumen sollte, prallte das 1. K. schmählich ab, hier fochten 8 engl. und 1½ deutsche Batl. am Dorfe selber, es sandte die 1. Gardebrig. zum 4. K., das wie das Indische (auch Lahored) am 11., 12. erledigt war. French selber verstärkte Angriff auf Aubers mit N-Midland- und 2. Kav. D., nichts half. Dichter Nebel hatte den ersten Anlauf begünstigt, jetzt verhinderte er am 13. bei konträrem Wind jede Fliegertätigkeit, auf die sich lediglich britische Artillerie einschoß; Telefonstränge funktionierten nicht. Schon meldete die ins Vordertreffen gestellte Kanadische Div. sich kampfunfähig, schauderhafter Offiziersverlust entmannte englische Brigaden; 5 Regimentskommandeure fielen, 4 andere suchten den Verbandsplatz. Der Augenzeuge gesteht sogar, daß ein Gegenstoß (der 16er) bis in britische Verbindungsgräben drang. Die Söhne der roten Erde wetteiferten, nach englischen Bericht stürmten sie oft den Stürmern entgegen und brauchten die Kolben! Jeder Mauervorsprung triefte von Blut, versteckte Masch. G. wirkten fürchterlich. Herr Augenzeuge erzählt solches auch von Häusern an der Binzmühle, ein einzelstehendes Häuschen habe allein 6 Mordmaschinen enthalten. Drollig bekennt er, die 57er hätten wegen Kanonade den rechteckigen Biezwald nicht verlassen dürfen, was ja gar nicht ihre defensive Absicht war. Gleich nachher spricht er dort von deutschem Vorstoß am 11., läßt am 13. die Deutschen wieder in den Wald eindringen , den sie laut ihm selber als ungeschmälerte Deckung besaßen! Solchen Zwiespalt englischer verworrener Berichte nimmt niemand ernst. Am 14. störten die Hunnen die hlg. Sonntagsruhe, indem sie »das Dorf zurückeroberten«, am 15. früh wollen die Briten alle verlorenen Posten wiedergewonnen haben. Im Anbetracht vorheriger Prahlerei liest sich drollig, daß sie keine Entmutigung zeigten und sich verzweifelt wehrten! Ihre individuelle Tapferkeit beweisen ihre Verluste, doch dunkelt das Bild durch verschiedene Beleuchtung ein. »Augenzeuge« spricht von »Gruppen von Gefangenen«, nennt aber nur 70, die zu kühn in den Feind drangen. Ein Offizier habe »herausfordernd« die Briten des Mordes bezüchtigt wegen – Kanonade, worüber der Erfinder sich lustig macht. Kein preußischer Offizier redet solches Blech, zumal die westfälische Artillerie selber mit mörderischem Sperrfeuer die Briten überschüttete. Dagegen mag es sich um eine viel triftigere Entrüstung handeln: Haighs Armeebefehl erfrechte sich, von »planmäßiger Barbarei der Hunnen« zu faseln, vor der man Altenglands Fluren schützen müsse, darum ließ er wohl die Gurka-Bluthunde los, die ohne Flinte mit hochgehobenen Händen als Deserteure in die deutschen Gräben krochen und dort plötzlich mit dem Messer wirtschafteten, bis nachstürmende edle Briten den Verrat ausnutzten. Hoffentlich gab man den Mongolenteufeln keinen Pardon. Treuherzig bekennt Augenzeuge, man habe nur durch Überraschung gewirkt, womit er wohl Haighs Schläue preisen will. Doch nicht ungerüstet traf der Stoß die 13er, denn laut V. L. fochten sie schon bis 6., 56er bis 10., also fanden schon frühere Fehlversuche statt. Frenchs Bericht bezieht sich nur auf 10., 11., 12., als sei die Sache damit beendet gewesen, weil nach 12. nur Unerfreuliches zu berichten. 2 sächs., 6 Batl. von 6. b. R. D. verlängerten die Linie bei Aubers–Epinette, wo auch noch 2 Brig. des K. Dorrien angriffen. 13. Jg. verloren ihren Stand, doch konnte der Feind nicht weiter. In der Nacht zum 16. befahl Haigh, sich nur mit den Dorfruinen zu begnügen. French blagierte: »So beträchtlich unser Verlust, ist er doch nicht zu hoch, denn der Erfolg ist bedeutend«. So bedeutend, daß die Briten sich nie mehr über die Dorftrümmer hinauswagten, deren dreiseitige Beschießung ihnen noch im April schweren Verlust zufügte. Auch endete das Treffen keineswegs am 15., wie man nach allen amtlichen Meldungen glauben sollte, 7. P. arbeiteten bis 17., bis Monatsende bluteten noch 950 Westfalen. Die 57er siegten freilich so leicht, daß sie anfangs nur 54 verloren, dagegen bis Monatsende 140. Es kennzeichnet French, daß er 30 Off., 1637 M. gefangen haben will, offenbar zählt er alle Toten und liegengebliebenen Verwundeten als gefangen. Was gesteht er als eigenen Verlust von 10.–13. zu? 572 Off., 12 220, davon 190, 2327 tot, 23, 1728 vermißt. Die Offiziersziffer erregte in England Entsetzen, sie enthielt aber nicht mal die Kanadischen und Indischen Offiziere, also ist auch deren Mannschaftsverlust nicht mitgezählt. Zuletzt hieß es, es seien ausnahmsweise nur 10 Mann auf 1 Off. entfallen: also 1200 Off. auf 12 229 Gemeine?! Das wäre ein trauriges Zeichen, hieße so viel, daß die Führer sich opferten, um der Truppe den Weg zu zeigen. Doch schon bei der amtlichen Ziffer würden nicht viel mehr als 1:20 herauskommen. Doch wie historische Figura zeigt, fälschte die englische Methode stets in solcher Weise, ebenso immer durch Spezialausweis überführt. Die bei N. Chap. fast vernichteten 93. Hochlandschützen verloren offiziell bei Waterloo 30 Off., 300, nachher stellten sich 39, 1000 heraus. Bei N. Ch. wurden nun mehrere altenglische Regimenter geradeso aufgerieben wie die Kanadier. Die Offiziersziffer ist aber schon an sich verdächtig: rund 200 Tote auf rund 360 Verwundete, das Minimum wäre 600–800 Verwundete. In moderner allumfassender Feuerzone fielen Offiziere im gleichen Prozentsatz zur Mannschaft, der Durchschnitt gleicht bei größeren Kämpfen alles aus, abnorm viel Tote und abnorm viel Offiziere zeichneten gewiß nicht bei N. Ch. einen Ausnahmefall. Außerdem bezieht sich Frenchs Angabe nur auf drei Tage, der übrige Monatsverlust kommt hinzu, am 13.–16. wohl auch noch sehr hoch. Somit wäre gar nicht undenkbar, daß inkl. Kanadier und Inder im März wirklich 1200 Off. der A. Haigh verloren gingen, man rechne sich aus, wieviel Mannschaft dazu paßt! Sei dem wie ihm wollte, unter 20–30 000 verlor man keinesfalls. Auch deutsches Lamento über Offiziersverlust täuscht darüber, daß er anfangs im Durchschnitt nur 1:50 betrug. Tritt kein genügender Ersatz ein, so ändert sich der Maßstab, doch bei neuen oder neu aufgefüllten Formationen wie denen Haighs ist dies ausgeschlossen. Wären wir boshaft, dürften wir die Wahrheit darin sehen, daß French 12 000 britische Tote in deutsche übersetzte. Er hatte nämlich die Stirn, zuerst »ein paar tausend deutsche Leichen« festzustellen, während in den 3 Tagen, wo er überhaupt etwas auf dem Schlachtfeld feststellen konnte, die Westfalen hier überhaupt nur 2350 Tote, Verwundete, Vermißte verloren. Nach diesem arithmetischem Kunststück fährt er gelassen fort: »12 000 weitere Leichen wurden mit der Bahn abtransportiert!« Jeder Schulbube wird ihn fragen, woher er das wisse und ob er die Waggonsendungen gezählt habe. Abtransportiert wohin, wozu? Man pflegt Leichen auf dem Felde der Ehre zu beerdigen! Leider machen Schamlosigkeiten stets Eindruck, deutsche Zeitungen begnügten sich mit Fragezeichen, statt die bodenlose Frechheit zu brandmarken. Der H. B. hätte es tiefer hängen sollen, vornehme Nichtachtung war da nicht angebracht, sonst war man ja um Widerrede nicht verlegen. Der Bürokratius Militaris beging die Dummheit, den Deutschen die Ententeschwindeleien nicht vorzuenthalten, um die eigene kolossale Objektivität zu unterstreichen. So dumm war die Entente nicht, sie verbannte bei Todesstrafe jede Wahrheit deutscher Siege. So verurteilte sich der G. St. durch seine professorale Pedanterie zu häufiger Polemik und hob damit den üblen Einfluß der freigegebenen Ententeschnurren nicht auf. Aufklärung wird langweilig, so versäumte man auch diesmal, die Öffentlichkeit über die unziemliche Verlogenheit Frenchs zu unterrichten. Doch die Gewalt der Tatsachen gab ihm den verdienten Lohn. Als die Wahrheit in London durchsickerte, ging ein Unwetter der Kritik los: das sei zu kostspieliger Pyrrhussieg, man verschweige den Kostenpunkt. Man könne den Feind schlagen, wenn man nur wolle? Dies sehe nicht darnach aus?! Ein halb Jahr später floß das Wort ein: »Man verwandelte unsere wirkliche Niederlage in angeblichen Sieg.« Nach dem »Sieg« erwartete London natürlich weiteren Fortschritt und da dies ausblieb, beschuldigte man French der Schlaffheit. Ach, er hatte ja nichts »auszunutzen«! Nie soll Deutschland jene westfälischen Eichen vergessen aus dem Holz, das nie bricht, vaterländische Geschichte muß den Helden von Neuve Chapelle eine Neue Kapelle bauen. Das bay. Kr. Arch., immer bestrebt, jede Großtat den Seinen in die Schuhe zu schieben, verwechselt dies alles mit Kampf der 6. b. R. D., von Ypern weggezogen, die vom 12.–15. allein 70 Off. 6000 Mann verloren habe. Angeblich vier englische Div. – die bei N. Chapelle sind gemeint, wo der Kampf am 10. begann! werden von der bayrischen Kriegsfreiwilligen-Division, die sich überhaupt stets mit vorbildlicher Bravour schlug, blutig heimgeschickt? Daß auf 70 Off. 6000 Mann verloren gehen ist völlig sinnlos, wenn nicht sehr viel Gefangene und Drückeberger dabei sind! Die V. L. erweisen nichts davon und damit basta! Hälfte 6. R. D. noch bei Ypern. Dritte Schlacht bei Ypern Im April zeigten die Briten sich betäubt vom ihnen versetztem Schlag, den sie angeblich austeilten. Es gab noch bittere Nachwehen bei Festubert, die der H. B. nicht berücksichtigte, sonst überall leidliche Ruhe. Frenchs allzu blutbesprengte Lorbeeren ließen die Franzosen schlafen bis Rheins hin, sie warfen sich sozusagen den Ball zu, wer wieder spielen wolle. Unerlaubt hartnäckiges Schweigen des H. B. über fortgesetzt bitteres Gefecht Emmichs laut V. L. bei Rheins, der nun bald Valet sagte und zum Dunajec abdampfte, einige Angaben über unbedeutendes Champagnegeplänkel, wo alles so ziemlich beim Alten blieb. Die Garde war fort, Langles Ansammlung schon aufgelöst für künftigen Großkampf bei Arras. In den Argonnen der Himmel noch nicht ganz heiter, wovon man zu wenig in H. B. erfährt. Längs Maas-Mosel brannte der Feuerherd fort, im Elsaß pirschten 14. Jg., 8., 14. R. I. mit frischem Weidmannsheil, Skifahrt von 3 Schneeschuhbataillonen und Pionierwunder der Drahtseilbahn längs rötlich-schwarzer Porphyrfelsen des Hartmannsweilerkopfes bereiteten darauf vor, daß bald wieder die schwarzweiße Fahne die Trikolore ersetzen werde. Das ganze Bergmassiv kam strategisch ans Wanken, doch wirklich ernste Kampfverschlingung verschlang nur Opfer von Mihiel bis Combres, wo 15. bayr. R., 130. R., 5. K. (nicht bloß »10. D.«) nicht nur in erster Monatshälfte, wie man nach H. B. glauben muß, in harter Abwehr stritten. Dubail klagte über schlechte Witterung wie der bekannte Wetterprophet Cadorna am Isonzo, seine Meldungen strotzen von ergötzlichen Widersprüchen, auf Ruhmredigkeit folgt bescheidene Wirklichkeit. Im Waldgebiet von Ailly stießen bayerische Franken den Franzmann bis übern Rahmen seiner Grundstellung zurück, bei Flirey und Essay rauften erbittert die Garde Ersatzbrigade (1700) und Württemberger Ers. Bataillone (51. bei Regniville), im Priesterwald stand immer noch Thür. L. W. treu auf Posten. Am 5. April ließ sich b. 4. R. im Aillywald überrumpeln, was aber ein Gegenstoß nichtbayerischer Teile (dabei 4 sächsische Ers. Batl.) am 5. Mai derart wettmachte, daß 1726 Franzosen gef. und angeblich 2000 getötet. Falkenhausen hatte im Elsaß, wo nur am 5. Mai und schon im Februar (2., 9., 11. b. Ers.) am Ban de Sapt südlich Senones es lebhafter zuging, nur noch 61. R. Br., 60. L. W. Br., 1., 5. b. L. W. D., 19. sächs. Ers. D. zwischen Seille und Vogesen, weiter südlich b. 39. Ers. (11. R., 14. L. W., 5. Ers. Rgt.), 30. b. D., 2. L. W. Br. Die 14. L. W. Br. (15., 122. L. W.) war nach Marcheville ins Woevre entsendet. Eine zweite Schlacht bei Münster stand bevor, doch 8. b. R. D. war weg, statt ihrer dort 6. L. W. D. (halb Bayern, halb Hessen), 120., 121. L. W. und Badischen L. St. Am Sattelknöpfle lag 75. R., am Buchenkopf 12. b. L. W. Diesen rund 8 schwachen Div. standen noch ernste Verwicklungen in Aussicht. Vermerkt sei noch, daß aus vielen Jägerbatl. und dem bayr. Leibregiment ein »Alpenkorps« gegründet und nach Tirol gesandt wurde, wo es neben östr. 90. und Div. »Pusterthal« gegen 1., 5., 7. 9. ital. K. bis Anfang Sept. focht. An den Drei Zinnen lagen 800 Italiener tot vor dem Leibregt., 400 gefangen. Wir greifen hier vor, um darauf hinzuweisen, daß die Großkämpfe von Mai bis Juli nicht abhielten, auch noch Verstärkungen für die Östreicher abzugeben, wo immer es nötig schien. Der Aprilkampf in Lothringen war anstrengend und blutig, doch lange nicht so schlimm, wie der Feind zu munkeln beliebte. Woher denn? Wozu so große Worte machen über Hin- und Herrollen der nie abreißenden Nahkämpfe im Dickicht des Bois Mortmare! Schon am 6. trug hier 13. fr. Inf. seine Trikolore vor, deren Inschriften altnapoleonische Siegeserinnerung hochhielten. Doch 28. rhein. Ers. obsiegte unter Anstimmen der Wacht am Rhein. Morgensonne des 9. sah die Tirailleure heranschleichen, Mittagssonne beleuchtete ihre Niederlage. Nochmal bei Nacht! Verregnete Morgensonne sah blutige Bilder, die der Nebel nicht lange mitleidig verhüllte. Am 12. erlosch der Marseillaise-Elan, doch daß die Franzosen bei Flirey in wilder Flucht waren, glauben wir dem H. B. nicht, man mußte ja selber die eigenen Gräben mit dem Bajonett behaupten. Bis 23. kamen sie immer wieder, bis die Deutschen einen so mächtigen Gegenstoß durchsetzten, daß sie 1600 Gef. 17 Gesch. erwischten. Während die Toularmee sich verblutete, raste die Maasarmee seit 6. die Maashöhe entlang, ihre Feuerschlünde brüllten wie toll, trotz Abkneifen vorwitziger Vorhuten fluteten Massen bei Combres hinan, bis 11. widerstanden 6. Königsgrenadiere, dann 50., 47.; doch gallische Bravour, durch jede noch so trügerische Siegeshoffnung erhitzt, füllte die Schlucht mit Leichen, und wenn Joffre fälschlich Dubail zur Eroberung des ganzen Plateaus beglückwünschte, so gewann er unbedingt den Hauptteil. Sein Communiqué bespricht nur Verlauf bis 22., »wo unser Sieg besiegelt«, doch am 25. schmälerten die 19er den Besitz so gründlich, daß 1200 Franzosen mit 3 Regimentskommandeuren sich ergaben. Schmeichelhaft für die Posener, daß sie »die besten deutschen Truppen« seien. (Sie schickten schon 46., 58. Inf., 46. R. als Div. Behr nach Galizien, so gleichgültig ließ sie die französische Drohung.) Joffre hielt sie wohl für Polen! Der wetterwendische April schien den Franzosen anfangs ein Lächeln zu gönnen, kehrte sich aber mürrisch ab, sein Nebel verbreitete sich über französische Berichterstattung. So verstrich er ungeklärt und trüb für beide Parteien, nur an einer Stelle brach die Sonne durch: bei Ypern für deutsche Waffen. Dort machte sich Foch nicht Herzog Albrechts Auffassung zu eigen, im Norden liege die Entscheidung, wo die Norddeutschen noch 8  km fern von Ypern standen, sondern suchte im Süden, wo sie 4  km näher, die Bayern abzuschütteln. Aus solcher Lage ergab sich unser Angriff aus Nord und Nordost, Aufgabe der Südgruppe, den Feind zu fesseln? Mit nichten! Je länger der Feind sich ostwärts in Sicherheit wiegte, desto unsicherer wurde Ypern aus Süden. Nur dort konnte der Druck ausreifen. Doch dem Herzog blieb diese Auffassung fremd, er entschied sich für Stoß aus Nordost. A. Plumer (II., V. und jetzt hier das im März geschüttelte IV. K., verstärkte kanad. D., Kav. R.) stand mit K. Fergusson im Gefecht vor Zillebeke. Schon am 18. flogen siebenzöllige Granaten nach Ypern, doch erst am 22. früh zerstampfte schweres Bombardement die Gräben der Kanadischen und der 42. fr. D. Nach Aufsteigen gelben Rauchs kroch eine grüne Dunstwand heran. Zwischen zwei Wolken angezündetes Schwefeläthers, hinter sich platzende Gasbomben, flohen die Franzosen, von Schwindel und Übelkeit befallen. Ein Korporal warnte den Belgiergeneral Putz, (d'Urbal ersetzend, der seinerseits für Maudhuy bei Lens eintrat), er ging »in guter Ordnung«, d. h. wilder Panik davon. Die Kanadier verließen ihre Gräben erst nach mannhafter Gegenwehr, konnten aber 30 eingebaute Kanonen nicht retten; im schwindenden Mondlicht durchbrachen K. Hügel und Kleist auf 9  km Front die 3  km Tiefe bis Pilkem und Het Sas. K. Falkenhayn gewann das westliche Kanalufer. 2. schwere London-Batterie Vierzöller konnte Rgt. East York nicht wegschaffen. Freitag ist ein Unglückstag für den, den es betrifft, der 23. machte davon keine Ausnahme. Grünliche Wolken aus Gaszylindern wälzten sich heran, fast gleichzeitig überfluteten Dämpfe und Stürmer den Raum vor Wieltje. 48. Highlanders wichen, Royal Highlanders von Montreal erst nach bravem Widerstand. Nächtlicher Gegenstoß General Andersons hatte kein Glück; die Stellung fiel ganz, mit ihr fast alle Offiziere. Das englische Kav. K. (sechs Brigaden) und frische Engländer hielten den Kanal, über dessen Bahnbrücke ein frisches, vom persönlich aus Amiens eintreffenden Foch schon früher versprochenes franz. K. heraneilte. Nacheinander betraten Northhumberlandbrig., Teile 3. K., schottische Garde, der 1., Lahorediv., Kolonialk. Mitry, Senegalesen, belgische Karabiners das Schlachtfeld. Inzwischen warfen 24. P. eine 30 Fuß lange fertige Brücke im Norden über das Wasser und trugen nach deren Zerstörung noch zwei Reservebrücken heran »mit bewundernswertem Mut« (englische Aussage). Unter dem Völkergemengsel am Westufer (Zuaven, Turkos, Inder) räumte die Brandenburger Artillerie schrecklich auf; 43. R. D. entriß im grimmen Kampf von Haus zu Haus den Farbigen das Dorf Lizerne. Beim trübseligen Abzug der Kanadier verhöhnten Londoner Blätter »als Haupteigenschaft der Kanadier ihre Schnelligkeit, besonders bei sehr raschem Rückzug«. Man bestätigte übrigens: »Bei ihrem Vormarsch hatten die Deutschen fast keinen Verlust.« So erklärt sich der geringe April- im Vergleich zum Maiverlust, in den die Schlacht hier überlief, ähnlich wie bei der ersten Ypern- und der Winterschlacht erhob amtliche Darstellung hier die erste April- zur Würde der Hauptschlacht und unterschlug die blutige Gewalt der Maischlacht, wo man den Erfolg nicht vervollständigen konnte. Am 25. fielen fünf beherzt vorgehende englische Bataillone fast bis zum letzten Mann, unerträgliches Kreuzfeuer übergoß den Hügelrücken bei Fortuyn, 235. R. Koblenz warf die Nord-Territorialen über eroberte Hauptschanzen bis an den Feldweg von Wieltje, 52. R. D. die B-Div. bis Gravenstafel. Hier konnten die breiten offenen Flächen zwischen Bachmulden nicht ohne erhebliche Einbuße durchschritten werden, die zwei englischen Divisionen verkauften ihre Niederlage nicht billig. Es ist bemühend, daß deutsche Berichte die Brandenburger (die 9 Kanonen eroberten) und später die Sachsen hervorhoben, während K. Hügel den schwersten Kampf hatte, bei ihm war 142. Inf. als Ergänzung eingegliedert. French will »unter schweren Opfern« den Rückzug »in die 3. Linie mit Erfolg durchgeführt haben«, das glaubt ihm niemand, vielmehr läßt er selber größte Unordnung durchblicken. Die Franzosen wollen nach überstandener Gasprüfung Het Sas zurückerobert haben. Wir bezweifeln es, später aber läßt Verlust von 216. R. auf ernste Verwicklung schließen. Am 22. abends lag das Ostufer des Kanals schon voll Pferdekadaver und umgestürzten Wagen, weil unser Sperrfeuer kein Heraustreten von Munitionskolonnen aus Ypern duldete. Am 24. bestrich die deutsche Massenbatterie bei Gravenstafel die ganze Gegend hinter den britischen Linien. Schon verlor French 5000 Gef. 54 Gesch., laut seinem eigenen Bericht herrschte wirres Durcheinander, alle Verbände verschoben sich, ganze Brigaden wichen aus der Front. Seit 22. packte das 27. R. K. bei Becelaere an, das 5. engl. K. zwischen Zonnebeke und Brodseinde wich am 26. über die Wegkreuzung der Chausseen, 3000 Leichen zurücklassend. Am 27. führte Sir Herbert Plumer drei Divisionen vor, doch schon beschoß die Artillerie des deutschen Südflügels seine Kolonnen und Allenbys abgesessene Gardereiterschützen im Rücken, während Falkenhayns Batterien schon Poperinghe 12  km westlich Ypern bestrichen. Das von Kanonade völlig zugedeckte Lizerne mußte jedoch geräumt werden, fortan mußten die Brandenburger sich auf ihren Brückenkopf beschränken. Northhumberlandbr. bei St. Julien zerstob, ihr General Riddel fiel. Plumer gab am 28. seine Stellung auf, nach erheblichem Kampf der sächsischen R. D. und hannoverscher L. W., kanadische Reste hielten noch den Polygonwald gegen die Württemberger. Die Briten malen die Schlacht als eine reinenglische, das machen sie immer so seit Waterloo, doch nur Fochs fieberhafte Tätigkeit im Norden rettete sie. Franzosen und Zuaven, am 29. aus Boesinghe vorbrechend, hatten aber kein Glück; ganze Massen schwarzen Gewürms wanden sich erschlagen vor den Märkern; »namhafte Verstärkungen« am 30. wendeten nicht das Blatt. Auf letztere hatte Foch den verzagten French vertröstet, der schon früh abmarschieren wollte: Unter konzentrischer Feuerumschlingung hätten die Verbündeten längst abbauen sollen. Ihr Starrsinn kostete ihnen mindestens 30 000 Mann nebst 65 Geschützen, doch der Druck aus Norden, auf den Albrecht sich verließ, brachte keine Entscheidung, festgerannt. Über den Südflügel tiefes Schweigen: Das bedeutet erfahrungsgemäß Mißerfolg. Ferner hatte a. d. Lys 16. b. R. harten Kampf, was sich im Mai anderswo fortsetzte. Südgruppe 3700, Ostgruppe 6200, Nordgruppe 4000, Summa 13 840. – Ganzer Monatsverlust 43 400 meist zwischen Maas und Mosel. Im Mai schlug man weiter die große Schlacht, ihr Wesen liegt in den Verlusten: Südgruppe 5200, Ostgruppe 5850 des 26. R. K., 9400 des 27. R. K., 800 Hannov. L. W., Nordgruppe: 4760 des 23. R. K., 5250 des 22. R. K. dazu 540 P. Total (inkl. 230 Ers. u. Marined. bei Nieuport in den mit Panzerschilden verhangenen Dünenschanzen) 32 000. Diese Verlusterhöhung ist um so gravierender, als eine ganze Brigade Deimlings, vier Pfälzer Bataillone, die ganze 6. b. R. D. und Teile Hannov. L. W. bei Arras und südwärts der Lys entsendet waren. Die Ostgruppe hatte bei Frezenberg, Wieltje, Het Popotche keine wichtigen Erfolge, die Nordgruppe drang nicht durch, über der Südgruppe schwebte ein Unstern, man erlaubte ihr nicht, ihre Aufgabe zu erfüllen, indem man ihr ungebührlich Kräfte raubte. Nachdem am 1. die englische B.-Division das Zonnebekewäldchen preisgab, unternahm A-Div. (1. des 1. K.) zur Verschleierung des staffelförmigen nächtlichen Abzugs einen Scheinangriff, wobei 2. Rgt. Essex vernichtet, kanadische Walliser und leichte Yorkshire fürchterlich zugerichtet. Am 2. ließ Albrecht Sturmmassen auf Fortuyen los, der Brite wich fluchtartig weggeworfenes Gepäck, Munition, Gewehre, Proviant, Excremente in wüstem Gemengsel hinterlassend. Die als Offiziere angestellten Sportsmen verkochten vollends den ungaren Brei der Territorials, da sie sich Krieg als Boxing oder Shooting Match dachten und diese eisernen Footballspiele unsportmäßig fanden. Und den Veteranenresten schmeckten die eisernen Rationen ebenso schlecht, die Offiziere klagten seit lange, sie hätten die Hölle auf Erden, nur Londoner Heimkrieger schwelgten noch in blutrünstigen Fabeln britischer Unüberwindlichkeit. Der lichte Baumwuchs des Polygonwaldes bot ein gutes Schußfeld inmitten der Verdrahtungen und länglichen Blockhäuser, auf einer Lichtung die verschanzte Rennbahn, wo früher internationale Wettrennen oft Zuschauer anlockten. Wettrennen nach dem Sieg ist aber halsbrechender; britische Zuschauer brauchten die Ausflucht, ihre Marinegeschütze von 38  cm könnten gegen deutsche Feldhaubitzen nicht aufkommen, deren 22  cm gewiß den Langrohren materiell nicht gewachsen. Allerdings brüllten jetzt auch größere deutsche Langrohre, bei Zillebeke aufgepflanzt; Batterien der 54. R. Art. fegten von Gravenstafel das Gelände, im feuchten Becken des Hannebeckmoors ertrank ein französischer Seitenangriff. Doch wie sagte Admiral Togo? »Es kommt nicht auf die Kanone an, sondern den Kanonier.« Die schlachtmäßige Ausrüstung des Polygonwaldes, wo früher so viel brave Schwaben im Schatten hoher Bäume den letzten Odem aushauchten, zerbrach fast kampflos. Plumers Ostflanke knickte ein. Seiner jetzt nordöstlichen Front veranschaulichtem Flankenfeuer der Straßburger Art. aus Herethagewald und Rückenfeuer der badischen Artillerie die Unmöglichkeit, die Fortuyngehöfte zu halten, am 4. wich er aus Nonnebosch in den Westwinkel bei Hooge, drei Pfeiler seines Zentrums wankten. K. Hügel und Sachsengeneral Watzdorf kamen aber vor Schloß Wieltje und Flezenberg zum Stillstand, während Deimlings 99. schon bis 2. aus dem Schloßpark Herethage andrang, seit 4. auf Hooge gefolgt von 105., 132., und am 1. die Bayern neuen gewaltsamen Eintritt auf Ypern bei St. Eloi suchten. So sagt French, im deutschen Bericht taut dies zähe Eis erst am 7. auf. Beiderseitige Verdunkelung, hier wiederholt sich die Reichsacker- und Hartmannsweiler-Zweideutigkeit. »Alle Versuche, uns die seit 17. April einen Höhepunkt des Kampfes bildende Höhe von St. Eloi zu entreißen, wurden vereitelt?« Also blieb sie stets in deutschen Händen? O nein, sie wurde erst am 5. Mai ganz zurückerobert, was verschwiegen wird, um nicht den früheren Mißerfolg einzugestehen. French aber gesteht, daß die Bayern »den Hügel in seinem ganzen Umfang wieder eroberten«, also nahmen die Briten im April nicht den ganzen Punkt, wie er früher frohlockte. Natürlich verschwieg er jetzt wieder, was ihm nicht paßte. »In den letzten 24 Stunden war die Lage auf der ganzen Linie normal !« Der Zusatz »mit Ausnahme eines Angriffs südöstlich Ypern« erhebt sich zur Tragikomik, denn am 4. war das Schanzwäldchen bei Gravensstafel Schauplatz eines Angriffs bis Wollemolen, der alles eher als »leicht zurückgewiesen« wurde und in seinen Folgen nichts weniger als normal! Umgekehrt braucht H. B. den unpassenden Ausdruck, ein »energischer« französischer und »matter« britischer Angriff sei »leicht« zurückgeschlagen: wie leicht, zeigen die enormen Verluste des K. Hügel, wo 1500 bei 234., je 1350 bei 233., 235., 1240 beim ganz vernichteten 239., 1050 bei 238. bluteten. Bei den Sachsen verlor nur 243. viel (1235), die Württemberger kamen diesmal glimpflicher davon als sonst, im Norden kämpften 214. (1160), 212. (1070), 202., 204. (zusammen 2200) hart genug. Vergleicht man damit die viel geringeren Einbußen der Elsässer und Bayern, so erkennt man wie auch taktisch die Gefechtslage im Süden viel aussichtsreicher. Dort bluteten freilich 550 Pioniere, bei der Ostgruppe nur 262, weil sich planmäßiges Vorgehen dort verbot, doch der mit der Südgruppe gleich große Pionierverlust der Nordgruppe bot nur ein Heldenopfer der unverwüstlichen 24., 25. P. (Wir unterstreichen nochmals den Skandal, daß deren unvergeßliche Taten seit 22. Oktober nirgendwo amtliche Anerkennung im H. B. fanden.) Dagegen bissen sich Deimlings Pioniere ins Herz der feindlichen Schlachtordnung ein. Schon am 9. dankte es Plumer nur dem unübersichtlichen Gelände, daß er sich noch östlich des Kanals wehrte. Die Deutschen kanonierten aus jeder Windrichtung, die Zentrumdivisionen zerschmetternd. Entschlossener Heldenmut der Elite-A. Div. kostete ihr den Untergang der Regt. Gloucester und 1. Cameron Schützen. Doch die Nordgruppe lag gefesselt still, die Ostgruppe konnte nur lange artilleristische Vorarbeit erleichtern, während Deimlings flottes Vorgehen längs der Meninchaussee schon den Bellewarder See erreichte. An dieser Wasserscheide (am 8. zerfiel Plumers linke Flanke um 10½ Uhr, die rechte um 12½, bei 2. Suffolk entrannen nur 7 Mann), warf sich eine Hochlandbrigade in Schloß Hooge und verhinderte entscheidendes Durchstoßen, obschon ihr verzweifelter Widerstand schon unter Flankenfeuer von Hügel 60 lag. Denn am 10. beklemmte Deimling schon westlich Lillewarde die zwischen Herethage und Verlornhoek abgedrängten Kings Royal Rifles und 4. Rifle Brig., deren Gräben einstürzten und die Verteidiger begruben. Bei Hooge zusammengedrängt, konnte Plumer mit den Abgedrängten nicht Verbindung aufnehmen, weil massenhaft einschlagende Granaten das Lillewarder Holz undurchschreitbar machten. Am 11. schlugen 2. Cameronians, 91. Argyle Hochländer zweimal die eindringenden Sachsen aus ihren Gräben wieder heraus, doch sie kamen wieder, die Granatüberschüttung wurde »unglaublich«, zuletzt mußten die heldenhaften Schotten vernichtet abgehen. Am 13. »reorganisierte« sich French durch Einschieben abgesessener Kav. Divisionen. Unter der bis in die Nacht rasenden Kanonade von »unerhörter Stärke« gerieten diese braven Lückenbüßer in Auflösung, die Gräben »verschwanden«, man mußte sie ohnehin neu herrichten, denn die famosen alten durch Erdquetschung in Abteile zerlegt, wo die Schützen in Schanzkörben unter Sandsäcken saßen, waren alle verloren. Bei Frezenberg besiegte die sächsische Tapferkeit endlich die Hindernisse, 25. Jäger trugen den Kampf von Haus zu Haus. Inzwischen mußten die Elsässer vorsichtig Minenfelder durchqueren. Granattrichter, zerstampfte Einbuddelungen, Einsturz aufgeworfener Erdwerke bereiteten vielen Aufenthalt. Den Württembergern am Häuserbündel Popotche sperrten den Weg umgeknickte Bäume, undurchdringliches Gewirr von drahtdurchflochtenem Heidegestrüpp. Und jeder Ansatz der Nordgruppe, sich auf beiden Ufern auszubreiten, führte zu nichts. Das westlich des Kanals frisch angreifende 205. R. verlor 9.–12. gleich 500, die 43. D. litt schwer, Kleists Artillerie wurde so weit zurückgescheucht, daß sie nicht mehr in den Rücken von Wieltje wirkte. Die verbündeten Kanalbatterien in unangreifbarer Stellung feuerten bis in den Brückenkopf von Grachten. Nachdem die ganze englische Zentrumlinie in Hügel's Besitz überging, tat nur Schloß Wieltje (nordwestlich des Dorfes) ihm Einhalt, das er aber nun schon acht Tage umsonst berannte. Rücksichtsloses Nachstoßen seit 4. wäre richtiger gewesen, statt daß am 7. die Waffen ruhten und Hügels Artillerie vom Frezenberghügel erst den eingepreßten Feind zermürben sollte. Sie verursachte »ungeheuren Verlust« (englisches Geständnis), K. Plumer brach in Stücke, nachdem am 8. ein verzweifelter Gegenstoß um ½4 Uhr nachm. südwärts geschleudert, wobei 12. London sich halbvernichtet durchschlug: Übersetzung von Frenchs eleganter Umschreibung: »es gelang unter großen Opfern, die ursprüngliche Linie zu erreichen«. Ursprünglich ist gut nach Verlust aller ursprünglichen Linien! Indessen sah er die Lage bedächtiger an als Foch, dessen unergründlicher Optimismus über jeden Scheinerfolg aus dem Häuschen geriet, und renkte seine neue Linie doch einigermaßen wieder ein. Wir sind in der Lage, aus den V. L. festzustellen, daß bis 10. ungefähr 17 000 Deutsche bluteten, am meisten bei K. Hügel, während viele Regimenter noch so gut wie nichts verloren und andere ihren Hauptverlust erst später hatten. Die Schlacht brannte also noch lange nicht aus. Die teilweise Aprilüberraschung – eine eigentliche fiel nicht vor, das zeigt Fochs frühe Bereitstellung von Reserven – erklärt unsern geringen Aprilverlust, die Mailage den viel größeren, unsere Lesung der V. L. steht also wiederum gerechtfertigt da, deshalb folgen wir auch wesentlich nicht den deutschen Berichten, die den Maikampf nur als Anhängsel des Aprilsiegs werten, sondern den englischen, die unter der Lupe gesunder Kritik viel Verständlicheres bieten. So energisch wir englische Prahlerei abweisen, so wenig mögen wir von »matten« Engländern hören. Jene kleine Bosheit (siehe oben) wird damit garniert, daß durch Flanken- und Rückenfeuer »die Bemühung erfolglos blieb«. Siehe da, welch bemühende Mattheit! Wir bestehen auf wahrhaftiger Schilderung, die Verbündeten erhoben sich heldenmäßig, im Zentrum griff man nur noch 4 M. G. 225 Gefangene auf. Dagegen eroberten die Bayern 22 M. G., ihre seit 6. längs der Messines-Chaussee vorrückende Kanonade tat viel Schaden, während Deimling sich immer mehr auf Gr. Zillebeke heranschob. Jeder Verständige mußte mit Händen greifen, daß nur im Süden durchschlagender Erfolg winkte. Um so unbegreiflicher, daß man sich immer wieder auf nördlichen Kanalangriff versteifte, wo sich aus Geländeverhältnissen ableiten ließ, daß selbst Märker die Sache nicht fertig brachten. Man war dort am Ende so weit wie zuvor. Am 15. 16. hatten die Neger Erfolg gegen 201., 203. R., 15., 18. R. I. Am 18. kämpfte Kleist bei Boesinghe, Nachtangriff der Zuaven gelang, Schweigen des H. B. bestätigt die Meldung Fochs. Kleist blieb stets 7  km von Ypern fern. Die Ostgruppe lag festgebannt mit winzigem Fortschritt an der St. Julien-Chaussee. Am 14. Großkampftag im Süden, der enorme Verlust der 19. P. – 15. legt Deimlings Vordringen fest, der endlich Hooge der Schottengarde entriß. Übrigens büßten 24., 25. P. noch 96 bis 26. ein, auch manches Fußvolk litt bis Monatsende. Die Schlacht rollte fort wie ein ausgetobtes Gewitter. Erst unterm Druck der südlichen Einschnürung, die am 23. mit Erstürmung der Bellewarde-Farmen vorwärtsging, gab der Feind endlich Schloß Wieltje auf, vor dem allein 51. R. P. Komp. 100 Brave durch Explosion verlor. Vom 26.–31. scheiterten nächtliche Gegenstöße von French und Foch, doch sie gaben, dicht um Ypern massiert, noch immer nicht klein bei. Unter allen Unglaublichkeiten des Weltkrieges ist dies Festhalten das Unglaublichste, kein Heer räumte in solcher Lage nicht die Stellung. Denkt man an die Marne-Schwächlinge Bülow und Kluck, so bekommt man plötzlich Achtung selbst vor Sir John Falstaff-French. So lag er und so führte er seine Klinge: »Meine Armee ist an Mut und Ausdauer Mann für Mann jedem Deutschen überlegen.« Solch unheilbarer Größenwahn schmeckt schon mehr nach Don Quixote. Da man die Südgruppe im entscheidenden Augenblick um mindestens 6 Regimenter schwächte, deren allzu weite Entsendung nach Arras und Lys dort entbehrt werden konnte, vor Ypern aber den Ausschlag gegeben hätte, so konnte der glänzende Anfang nicht zu glänzendem Ende führen. Überschaut man das militärisch Erreichte, so erkennt man unmutig, daß Druck aus Norden, auf den man sich verließ, nie Entscheidung im Süden bringen konnte. Immer der alte Wahn doppelseitiger Umfassung, das Sedan-Cannä-Phantom Schlieffens. Frenchs Bericht verspätete sich um viele Wochen, da er die Not nicht eingestehen wollte, im Sommer war er schon wieder oben auf, um die oben zitierte Frechheit zu versichern. Doch er wußte, daß sein Schicksal an einem Faden hing, als am 1. Mai das schon am 24. von allen Einwohnern verlassene Ypern an vielen Ecken brannte, über dem sich die Eisenballen kreuzten. Wie in Dixmuiden der Rathausplatz einen Granattrichter vorstellte, aus dem hinausgeschleuderte Pflastersteine als Schützengrabenwall aufragten, so konnte auch Yperns schöne Bauart nicht geschont werden. Über allen Schlössern und Meilern der Umgebung schwebten Schrapnellwölkchen, Granateinschläge machten Langemark zu einem durcheinander geschüttelten Steinbruch, Kirchenpark und die lange Allee nach Poelkapelle wie von Erdbeben vertilgt, erschlagene Baumriesen aufeinander geschichtet. Massengräber oder auch nicht aufgeräumte Leichenhügel, an denen Proviantwagen vorbeihumpelten, zeichneten sich auf photographischen Fliegeraufnahmen ab, wo früher der Schlachtorkan hinfuhr. So fiel die ganze berühmte Langemarkstellung auf einen Schlag, und als im Teich von Bellewarde sich deutsche Helme spiegelten, da schien Einkreisung ausgereift? Nichts davon, Mißerfolg sprach sich für diese Absicht immer schroffer aus, zuletzt redete er in Norden eine so deutliche Sprache, daß H. Albrecht abließ. Man nahm ihm das Berliner Freiwilligenkorps, das er nutzlos in den Tod schickte, neu aufgefüllt brachte es in Galizien neue Opfer, doch wenigstens nicht nutzlose! Die Schuld an Nichtdurchführung wirklicher Entscheidung messen wir nur der deutschen Führung bei. Die verfehlte Anlage aus Nord-Nordost kostete so viel Menschen, daß nachher die Kraft zur Auswirkung gebrach. Immer wieder war dort Defensive, möglichst starke Offensive im Süden der vorgezeichnete Weg. Man schlug ihn nicht ein und hatte das Nachsehen. Der schönste taktische Sieg bleibt nichtig, wenn strategische Ausnutzung unmöglich. Die kärglichen Trophäen des Maisiegs ( kein Geschütz, 1100 Gef.) ehren den Gegner. Doch verschwanden ganze englische Brigaden von der Bildfläche. Noch lange erzählte man sich im Biwak von einzelnen Todesstätten wie der »Granatfalle« der B.-Div., der nichts Lebendes entrann. Bei den Kanadiern war nur noch ein Stabsoffizier am Leben, eines ihrer Bataillone verlor über 75%. Gemessen am deutschen Verlust, kann der »ungeheuere« verbündeterseits kaum unter 60 000 und darüber betragen haben. (Offizielle Angabe englischen bisherigen Gesamtverlustes 250 000, der Speaker sagte aber schon im Parlament 500 000, krauser Widerspruch!) Fortan fraß ihnen die Kanonade jeden Tag Leute weg und das wichtigste taktische Ergebnis deutscherseits blieb, daß man mit Minimum von Kräften (1916 rückte auch Deimling nach Verdun ab) vermittels der jetzt erworbenen Artilleriestellung eine verbündete Masse niederhielt in ihren voll Wasser stehenden Kanalgräben. Doch jede Aussicht auf Abschneiden dieser mehr oder minder Eingeschlossenen schwand, taktischer Erfolg artete in strategische Nullität aus. Gegenseitige Planlosigkeit ohne Innehalten fester Gesichtspunkte brachte auch Foch um jede Klarheit, immer nur bekümmert um die belanglose Norddrohung. War French sich der Gefahr bewußt, als Foch in ihn drang, ostwärts das Feld zu halten? Für ihn war das Richtige, aus Leibeskräften nach Süden einzudrehen, doch erst in der Nacht zum 3. gab er den Ostbogen auf, dessen Schlüssel- Scheitel- und Schnittpunkt der Eckpfeiler Zonnebekewäldchen. Am 2. legte sich anscheinend der günstige Nordostwind, was die Gaswirkung beeinträchtigte, angeblich wirkte Gas nicht mehr, weil ½ Million Respiratoren aus England anlangten. Leute in Schützengräben kann man sich mit Lutschbeuteln nur vorstellen, wenn sie schon vorher diese milde Gabe zu sich nahmen, nicht von einem Tag zu anderm unter Wirrwarr plötzlicher Schlacht. Instrumente in solcher Menge fabriziert man nicht, wenn nicht zuvor auf Gasangriff gefaßt. Man gaukelt hier Fürsorge englischer Heerverwaltung vor und überträgt viel spätere »Gasmasken« auf diesen Anfang. Doch ob mit oder ohne Gas, ließen sich am 2. die Briten massenweise töten, um ihre Kriegskunstbauten zu halten, über deren Stärke die Deutschen staunten und von da ab nie mehr ähnliche Verteidigungsmittel vor sich fanden. Schon damals sah es so aus, als müsse French das Ostufer räumen, doch das törichte Haupthämmern aus Osten und Norden gewährte ihm Zeit, um allgemeine Brückenkopfstellung aufzurichten, unter deren Schutz er sich dauernd an den Kanalrand klammerte. Daß nur der Süddruck auf ihm lastete, gab er zu verstehen, indem er damals südlich der Lys den Ring zu sprengen suchte. Da dies mißlang, blieben die Verhältnisse noch zwei Jahre die gleichen, wobei aber jede Entscheidung deutscherseits wegfiel. Im April folgte H. Albrecht unmittelbar dem Abziehenden, ihn in die Enge zu treiben, ehe er Atem schöpfte, damals ließ French nur zur Rückzugsdeckung Brückenköpfe anlegen. Er verhehlte sich nicht, daß seine Front östlich des Kanals abgekniffen werde, wenn Hooge oder Ypern fielen, woran er unzweifelhaft dachte. Aus 25  km Länge 9  km Tiefe notgedrungen auf 13  km Länge 5  km Tiefe verengt, stählte sich aber seine Widerstandskraft. Denn nur Ausnutzung der Geländevorteile behütete bisher seine ungebührliche Ausdehnung vor Unfällen. Jetzt überlieferte ihn die Raumschmälerung nicht mehr so arg dem Kreuzfeuer. Hätte der Kanal eine ungünstige Windung gehabt, wie die Maasschleife bei Sedan, so wäre das Unmögliche seiner Aufstellung früher fühlbar geworden. Aus Osten waren aber die Deutschen nicht nahe genug heran, um gleichzeitig mit French an dessen rückwärtige Kanallinie zu pochen. Das konnte nur aus Süden geschehen. Es war reine Unvernunft, die deutsche Schlachtlinie nach Nordwest zu ziehen, statt Südwest. Das 27. R. K. gehörte auf die Südseite der Chaussee. Wäre dort der Gasangriff erfolgt, so hätte man sofort die Linie Zillebeke–Hooge überschwemmen und Plumer im Rücken fassen können, der dann sowieso sich nordwestlich retten und den mittleren Kanal preisgeben mußte. Dann wäre Schlag auf Schlag Ypern gefallen und den Verbündeten nur Abzug auf Poperinghe unter konzentrischer Kanonade geblieben, da erst in diesem Falle die Nordgruppe wirklich festen Boden unter den Füßen gewonnen hätte, zwar kein Sedan, doch ein Beresina-Debacle war dann unausbleiblich. Wir wollen den taktischen Hieb, gleichsam eine mobilisierte Gasprobe, nicht verkleinern, doch eher als ein Wunder der Marne sollte die Entente ein Wunder von Ypern feiern. Wir mögen Fochs feste Nerven hier wie dort bewundern, doch nicht die deutsche Führung, die nicht begriff, daß ein Ypernschlag, schwer wie er war, überhaupt strategisch nur entscheiden konnte, wenn man zuvor den viel leichteren Weg zur mittleren Lys auf Bethune beschritt, wo man auf innerer Linie die Front Frenchs zerschneiden konnte. Dem energischen Prinzen Rupprecht lag solch weitausschauende Operation sicher gut, man durfte sie auf jede Gefahr hin in Angriff nehmen, wenn man beim Leipziger Korps Reserven ansammelte. Infolge begangenen Fehlers war im Westen nur noch Ermattungsstrategie am Platze? Zugegeben, dann war aber auch Ypernangriff ein unausnutzbarer Fehlschlag, man hätte schon zu Neujahr streng defensiv abbrechen sollen, im folgenden Neujahr 1916 aber wären dort die bei Verdun versammelten Reserven besser am Platze gewesen. Von all den hochgespannten Hoffnungen erfüllte sich nichts, die ganze Nord- und Westoperation blieb bisher strategisch eine Niete, von der als schätzbar nur Erwerb Antwerpens, Lilles und der Yserschranke übrig blieben. Wir kennen keine trostlosere Entgleisung kopfloser Übereilung als das Wegziehen von Kräften der 4. A. nach Lys und Arras, die dort den Kohl nicht fett machten, doch den möglichen Entscheidungspunkt schwächten mitten im Krisenakt. Kein englischer Vorstoß an der Lys, kein erweiterter Durchbruch bei Arras hatte Bedeutung, wenn nur bei Ypern wirkliche Entscheidung fiel. Immer der gleiche Mangel an Überblick, nur immer eiligst um jeden Preis Lücken stopfen, ohne Rücksicht darauf, wo Wichtiges und Unwichtiges liege. Napoleon wetterte gegen Generale, die nach Verstärkung schreien, da jeder sein Gebiet für maßgebend hält. »Zu viel sehn« ist die Schwäche aller schlechten Feldherrn. Und mit diesen Dingen, die dem Theoretiker einen Stich ins Herz geben, müßte unsere Untersuchung des Weltkrieges im Westen enden. Alles, was folgte, war taktisches Raufen ohne jeden strategischen Gesichtspunkt, bedarf daher keiner genauen Erzählung. Die große Schlacht bei Arras, die dritte ihres Namens, im Mai, Juni, Juli, ist theoretisch nichts als ein romantisches Abenteuer, ein Fechten um des Kaisers Bart, und einen Ehren- oder Tollpunkt. Uns hätte nichts geschadet, auf die Linie Cambrai–Peronne–Ham zurückzufallen, denn was hatte Joffre davon? Er verkürzte und straffte so die zu weit gespannte deutsche Linie zur Ersparung von Kräften und besserem Ausmaß. Originell finden wir nur die O. H. L., die von allen möglichen wichtigen Fronten Verstärkungen nach Arras zusammenscharrte, sogar den fernen Kronprinzen um die Schlesier bemühte, dagegen 3., 9., 12. K., 4., 7., 9. R. K. unbehelligt ließ, die zwanglos auf kürzestem Weg ganze Brigaden ohne Störung schicken konnten. Statt dessen mußte auf weitem Umweg sogar die Champagnefront herhalten, wo jede Truppenwegnahme schädlich war, weshalb H. B. heftigen dortigen Maikampf unterschlägt, während französischer Bericht genau zu dortigem Verlust paßt. Wir haben nun schon genug Erfahrung, daß H. B. uns oft im Stich läßt, wir also unsere Forschung der V. L. nicht seinem Belieben anzupassen brauchen. Statistik für Arras-Aubers und andere Kämpfe Drängen sich Zweifel auf, ob die vom Juni ab nicht mehr mit Ort- und Zeitdaten versehenen V. L. chronologisch immer noch zum Publikationstermin passen? Wenn Mai- durch Junilisten für Arras ergänzt werden müßten, warum stimmen Mailisten sonst in allen anderen Fällen, zumal »Nachträge« sonst stets besonders verzeichnet? Wieder die alte Geschichte von Ypern und Champagne; H. B. verweilt ausschließlich beim ersten Schlachtmoment, als sei damit die Krise erledigt. Mai-Ausbersten gallischer Angriffswut steigerte sich erst im Juni zur höchsten Flamme, die erst langsam im Sommer erlosch, nachdem man beiderseits immer neue Kräfte in den Hexenkessel schüttete und der feindliche verröchelnde Siegeswille sich in rasenden Ringeln wand, wie eine verwundete Schlange. Wie schon kindische Wichtigtuerei grundsätzlicher Weglassung aller bestimmten Truppennamen im H. B. die Mythologie förderte, so verschleierte jetzt Weglassen jeder Ortsfixierung in zeitlosen V. L. das wirre Durcheinander der Einheiten. War Zweck der Übung, dem Forscher das Handwerk zu legen und seinen Einblick zu erschweren? Da spottete der listige F. Wile (Wile heißt englisch List) über so professorale Kleinlichkeit. Als ob Ententisten nicht zu faul und oberflächlich wären, um sich ins Chaos der V. L. zu stürzen und daraus Aufklärung zu schöpfen, wozu andere Vorkenntnisse unerläßlich! Im Gegenteil behaupteten sie jetzt, die Listen bis Neujahr 1916 liefen inhaltlich nur bis Juni, weil man den Arrasverlust verhüllen wolle, deshalb verschweige man die Zeitdaten! Das ist unwahr, doch jetzt konnte man sie nicht überführen, man öffnete jeder Böswilligkeit Tür und Tor. Der eingebildete Bürokratius Militaris, Germaniens Schutzpatron, schneidet sich stets selbst ins Fleisch und heckte auch mit dieser häßlichen Pedantenblüte nur Schädliches aus. Uns ficht sein Manöver nicht an, wir finden uns schon zurecht. Von 90 000 der Mailisten entfallen 25 700 auf Arras und südlich davon. Dies entspricht genau den Tatsachen, wie z. B. bei 1. b. R. Jg. 760, 1., 2. b. R. 1850, 1., 5. R. Kav. 350 sowie 39. L. W. 1300. Wir entnehmen aber die Wahrheit, was beiderseitige Meldungen nicht verraten, daß der Angriff sich weit stärker gegen Strecke Loretto–Carency als Neuville–Ecurie richtete. Dort verlor die Badische Lorettogruppe 109., 110., 111. nebst 14. P. nicht weniger als 3660, die für sie einspringende Sachsengruppe 106., 107. mit 13. Jg., 22. P. auch 2550. Am 17. focht dort Schles. 157. (1890). Bei Carency, wo die neugebildeten 58., 115. D. aus verschiedensten Teilen zusammenschlossen und bayr. 1. Jg. die 2. R. Jg. verstärkten, opferten sich bis zur Vernichtung 136., 171. Elsässer: 3850. »5 franz. K.« (Bayr. Kr. Ar.) bis zur Telegraphenhöhe nördlich Thelus vorgedrungen, griffen keineswegs nur die Bayern an, deren Linke bei Roclincourt vom Magdeburger K. willkommene Helfer erhielt. Im Zentrum retteten II/7., I/II/10. R. die Lage, obschon 8 Geschütze verloren gingen. Der Durchbruch bei Neuville, wo bayr. 1. R. Jg. und Armins so oft ruhmvoll bewährte Anhaltiner sich großartig schlugen, wird bis ins einzelne geschildert, weil dort der französische Anprall stockte und vor der Höhe Folie ebbte, dagegen viel weniger ausführlich der furchtbare Kampf bei Carency-Ablain-Souchez, weil hier der Feind auch im Juni Schritt für Schritt vorwärts kam. Seitenschlacht Givenchy-Fromelles und Loos 12 000; 55., 57. Westf. traten in den Vordergrund mit furchtbarem Verlust (3360) und eine vom Kronprinzen gesandte schles. Brig. (2500). Kopfschmerzen macht nur 6. bayr. R. D. Sie soll angeblich sich gegen durchbrechende Engländer gewendet und mit der »heimischen Waffe«, dem Hackmesser, gewaltig herumgefuchtelt haben, bis 1600 oder gar 3600 Briten niedergemetzelt! Sie verlor aber laut Mailisten höchstens 2000 inkl. II/5., II/18. vom Pfälzer K. und Briten pflegen ihr Leben teuer zu verkaufen bei Kampf Mann wider Mann. Im Hauptquartierbericht macht sich so was gut, schmeichelhaft für die Bayern, doch diese hohe Stelle schwindelt uns an, offenbar hat man die meisten Leichen aufs Konto der Westfalen zu setzen. So rückt man erfundene Episoden in bengalische Beleuchtung, unterdrückt und umnebelt Hauptsachen. Von lebendiger Regsamkeit beim Kronprinzen erfährt man nichts, noch weniger von Langles Druck auf die Hessen bei Ville sur Tourbe. Darüber hüpft man weg, erwähnt aber breit ein unbedeutendes Scharmützel bei Berry (nur 101. Sachsen). Wo steht ein Wort davon, daß Maunoury jetzt den Schnittpunkt Roye anschnitt, wo schon im Dezember 18. P. 201 verloren, sonst aber die Infanterie bisher ziemlich Feierabend machte? Im Juni suchte er bei Tout Vent Erfolgmöglichkeit, bereitete dies natürlich im Mai während Entbrennen der Arrasschlacht vor. Dies alles steht klar in den V. L. und nirgends im H. B. Trotz mürrischem Halbgeständnis nachteiligen Ringens am 5. war Dubail nachher glücklicher als zuvor, die bayrischen Metzer und b. 3. R. Br. verleideten ihm nicht weiteres Ausgreifen, erstere bekundete in erhöhtem Maße ihre Anwesenheit, wurde aber jetzt wirklich, was Dubail ihr im Februar zusprach, nämlich aufgerieben. Im Elsaß gab der Erzchauvin Maudhuy eine Gastrolle mit Auftreten auf neuem Kriegstheater, er gab sich ein Air von veni, vidi, vici und ließ sein Licht leuchten, die übermüdete L. W. stellte es unter den Scheffel, lauer flauer Rückschlag, 19. R. D. in Ablösung der 8. b. bis Juli noch nicht angekommen. Überall wie auch bei Ypern Übereinstimmung der V. L. mit der Wirklichkeit. Deshalb Bestätigung der Maudhuy-Fanfaren über großen deutschen Juniverlust: 6600 inkl. Gebirgskompagnie, 28., 65. und neugebildete 92. L. W., die Hannoveraner kamen hier aus der Champagne vom Regen in die Traufe. Im Fecht- und Krebstal und im ganzen Gebirge waren wir im Nachteil, das Treffen von Metzerool verlief ungünstig. Dagegen blieben die bayerischen Franken bei Ailly Meister, an den Maashöhen wird im Juni Nachlassen bemerkbar, nur 7. Königsgrenadiere hatten es schwer (1350). Sie erstürmten am 26. den Vorsprung von Les Epargues, umsonst opferte sich das franz. 2. K., jeder bisher erzielte Vorteil war dahin. Obschon H. B. diesmal viel über Argonnenkampf auftischt, macht er uns nicht auf 6700 Verl. gefaßt, auch Langle benutzte offenbar Abschub des 8. K. nach Arras zu jähem Vorstoß, hier verheimlicht man etwas. Auch das Treffen der Altonaer bei Tracy verlief ungünstiger, als man uns weismacht, 5. D. mußte von der Aisne her frische Marokkaner-Brigaden binden. Am 17. erlosch dies hitzige Treffen, das sich mit Castelnaus Vorgehen auf Serre verknüpfte. Man schleppte die Schwarzen auf die Schlachtbank, doch den Brandenburgern war nicht wohl dabei. Vier Kompagnien Schleswiger Füsiliere wurden am 6. von vier Batl. vor Noyon überwältigt, zugleich am Mühlenhof Toutvent die Flanke 14. R. K. aufgerissen. Bei Ypern rüttelte French im Juni am Gitter; die Unsern kämpften nicht unerheblich (6000). An der Lys hatten die Leipziger einigen Erfolg, bei Givenchy standen 15., 56. und mit großem Verlust eine schles. Brigade fest, bei Loos 170. (1250) 114. Bei Arras verlangsamte die Mai-Erschöpfung das Angriffstempo, dann aber stieg wieder der Verlust, zumal eine zweite schles. Brigade einfüllte. Diesmal verlegte der Feind mehr Nachdruck auf die Südstrecke. Erst zwei, dann drei andere rheinische Regimenter warfen sich entschlossen ins Getümmel (3000), diesmal bluteten Armins Elbsachsen am meisten, sein 93. Anhalt gänzlich zerstört, die wahre Perle seines Korps. Neben ihm focht besonders schwer 12. bayr. R. (1297); gegen Lorettohöhe 106. Sachsen. Sogar Castelnau regte sich seit 6.–13. heftiger gegen die badische R. D. bei Hebuterne, während 26. R. D. ihr 120. bei Carency nicht mehr in ihrem Verband hatte, das in 58. D. am 13. Mai durch Vorstoß vier Geschütze rettete. Zuletzt wich auch Maunoury auf Toutvent zurück. 5. D. verschob sich nördlich Arras. Im Juniverlust 65 650 entspricht alles den Tatsachen. Daß Arras-Verlust sich etwas abdämpfte und noch mehr im Juli, erklärt sich einfach dadurch, daß beide Parteien im Mai schon so viel Blut geschwitzt hatten, ändert aber nicht die Unrichtigkeit im H. B., als ob Juni-Juli-Kämpfe nur noch ein Abzappeln des Gegners ohne Ernst und Gefahr bedeutet hätten. Schlacht Arras-Loos Im wunderschönen Monat Mai, als alle Granaten sprangen, ist im Franzosenherzen die alte Liebe aufgegangen: la gloire à tout prix! Notredame de Loretto sollte durchaus Notredame de la Victoire werden. Doch noch aufs Sommerlicht warf die Mordschlacht düstre Schatten. Die von smarten Yankees für wahres Blutgeld verkaufte Sympathiemunition beschädigte die Front auf 30  km Länge, 1800 Wurfminen flogen am 9. Mai auf, 200 Batl. stürmten bis 20. gegen 74 deutsche. 11. K. an der Ancre und 9. K. bei Vermelles sind nicht mitzurechnen, dagegen darf man nur den linken Flügel der Badenser und rechten Flügel Armins zählen. 17. franz. K. griff erst später ein. Bei gleicher Tapferkeit sind dies einfache Verhältnisse, irgendwo muß die Übermacht doch eindringen. Indessen verliefen sich franz. 58., 92., 19. D. in den Mausefallen des Arminschen »Labyrinths«, 33. K. rang die mit äußerstem Heldenmut standhaltenden Badenser am Lorettohang noch nicht nieder, die zur Hilfe herversetzte Sachsengruppe machte hier einen Schritt in die Hölle unter Sperrfeuer, doch die prächtigen 106., 107. hielten sich zähe. 33. K., Marokkaner und Fremdenlegion (alle stark formiert) machten zwar einen Sprung bis Manonmühle, doch als ein aus verlorenen deutschen Söhnen gebildetes Fremdregiment die Bayern hindern wollte, sechs verankerte Geschütze aus der Schlammulde zurückzuschaffen, wurde es niedergemacht wie die schwarze Bande bei Pavia. Die Slavenlegion, worunter sogar rumänische Juden, und die skandinavische, die gegen germanische Stammesbrüder für alberne Phrasen focht, teilten dies Los. Recht geschah ihnen. Das Elsässer 136., dessen Verteidigung von Carency auch der französische Bericht anerkennt, ging zu Grunde und man begreift nicht, daß auch noch im Juli sein Rest sich heftig am Kampf beteiligte, es muß über-etatmäßige Stärke gehabt haben. Die einstige Verteidigung des Hochkircher Kirchhofs fand bei Carency, auf das am 10. in drei Morgenstunden 23 000 Granaten niedergingen und 42. Alp. Jg. eindrangen, und Neuville ein Gegenstück. Da Petain, Maudhuys eigentlicher Nachfolger, nie pausierte, spielten sich bis in den Juli hinein bewegtere Bilder ab als in jeder bisherigen Schlacht, reich an individuellen Heldentaten. Aber 39. L. W. brach vor Neuville ein furchtbarer Augenblick herein, sein Oberst wurde schwer verwundet gefangen, auch dies zersprengte Rgt. sammelte sich später und machte wieder mit. Das 20. K. Toul schickte umsonst seine Tirailleure aus, um La Folie zu erklettern, diese heroische Narrheit mutete der deutschen Spannkraft zu viel Schwäche zu, obschon eine kurze Weile die bayrischen und Magdeburger Batterien den Osthang hinabglitten. Die Hingebung, mit der hier sogar Schipper, Pferdewärter, Depotrekruten zur Waffe griffen, ist ebenso vorbildlich wie die Waffenbrüderschaft, mit der in Neuville Bayern, Thüringer, Elsässer, in Kellern, Bachinseln, Mauerresten eingenistet, um ihr Leben rangen. Hier dämmte man die Brandung, die bis Souchez heranschlug, doch bei Monatsende mußte unsere Rechte nachgeben. Hierher verlegte der Angriff jetzt den Hauptnachdruck, weshalb 20. K. dorthin versetzt, von 17. K. abgelöst, das erneut bei Neuville-Ecurie anlief, doch mit Hilfe der rhein. 16. D., von Vimy her auftauchend, geschlagen wurde. Im Zentrum lagen die Marokkaner zerschmettert am Boden, die Fremdenlegion hatte längst keine Offiziere mehr. Jetzt erschien Foch persönlich, unter ihm wurden die Meldungen wenigstens ruhiger und sachlicher. »Die Deutschen wichen nur im äußersten Notfall«, bekennt er am 9. Juni, schwindelt nie von vielen Gefangenen (einmal zitiert er gar nur 18!), »zahlreiches Material« schrumpft ehrlich auf »15 zertrümmerte verschüttete Masch. G., 1 Gesch.« ein! Dann berichtet er ernst über furchtbare deutsche Kanonade. Obschon auf einzelne Batteriestände 600 Granaten niedersausten, hielt sich unser Artillerieverlust in bescheidenen Grenzen, und wenn allein bei Neuville im Mai-Juni 300 000 Granaten niedergingen, so entsprach die Wirkung nicht so wahnwitzigem Verbrauch, während unvermeidliche Aufeinanderpackung flüchtender Sturmhaufen jeden französischen Rückgang unter Sperrfeuer zur Todeszone verwandelte. Doch die Massen verdichteten sich so, daß unser Schnellfeuer sozusagen nicht nachkommen konnte, da der immer neue Menschenersatz jeden Feuereinsatz überwog. Foch verschmähte nicht Verabreichung von Spirituosen, hielt nicht unter seiner Würde, durch Mitrailleusen im Rücken zur Flucht Geneigter den Todesmut zwangsweise aufzustacheln. Auch sanken die Führer – manche fielen tapfer – aufs Niveau Haighs, indem sie ihren Truppen ihre vierfache Übermacht versicherten (Tagesbefehl aus 33. K.), so maßlose Übertreibung konnte dem H. B. nur willkommen sein, der seinerseits gegen Joffres unwürdige Aufbauschung des »Sieges« schwadronierte wie nach der Winterschlacht: die deutsche Stellung sei unversehrt. Nichts da! Fast das ganze Gebiet, das man im vorigen Oktober eroberte, ging verloren. Lorettohang, Weißer Weg, Weißes Haus, romanische Kirche von Ablain, Kirchhof von Carency, Zuckerfabrik von Souchez, all diese Punkte bezeichneten Etappen der französischen Fortschritte. Freilich bedeutete dies wenig, so lange die Artilleriestellung des Vimyrückens gesichert. Deshalb rühmt man die Rheinländer besonders, weil sie noch im Juni zum Schutz der Massenbatterie dienten. Bei Rollincourt erschien eine gemischte Brigade, wobei 3 Batl. des Münchener K., das aber im Mai nur 65, im Juni 265 verlor, also dauernd geschont. Außerdem allen Ernstes 2 Pfälzer Batl. aus Ypern! Die 1. R. D. machte hier noch am 30. alle Eindringlinge mit Bajonett und Handgranaten nieder und verlor im Mai nur 2300 (?), dagegen 5. R. D. angeblich 6000, wobei offenbar ihr eingereihte 39. L. W. mitgezählt. Sie schied aus, doch am linken Flügel erlosch die Schlacht keineswegs am 17. Juni, wie das Bayr. Kr. Arch. angibt, noch hatte Armins 7. D. südlich nicht »ruhige Verhältnisse«! Man focht ununterbrochen bis 23. Juli. Die erbitterten Bayern, die bis dahin nochmals 5400 verloren, gaben keinen Pardon, die Fama häuft wieder auf sie den Hauptruhm, doch auf Armins Front raste die Junischlacht mit besonderer Heftigkeit, für seine treuen Regimenter wie für die Münchener Reservedivision war sie am blutigsten. Ihr riesiger Maiverlust verminderte natürlich die französischen Massen, doch rückten neue Divisionen ein, 3. K. löste die Marokkaner ab, 77. D. stürmte; die Deutschen stiegen aber auf 103 Batl. (auch 3 hessische dabei) und im Juli gewann ihr eigener Gegenangriffsentschluß an Deutlichkeit. Prinz Rupprecht gewann sie nicht, aber verlor auch nicht die Schlacht. Aber gallischer Triumphpose lastete Beklemmung, bisher hielt Überspannung die Nerven aufrecht, jetzt klappten sie zusammen. Wenn ein Flor düstern Ernstes über den Deutschen hing, so zitterte das Furchtbare überstandener Bedrängnis minder bei ihnen nach als bei den Franzosen, deren leichtherzige helle Freude in dumpfe Betrübnis überging. Ces terribles boches schienen nicht geneigt, sich überwunden zu erklären. Nachdem drei schlesische Regimenter die ganze Umgegend von Souchez säuberten, ließ sich voraussehen, daß man wie in der Champagne dem »Sieger« den Bodengewinn nicht gönnen werde. Schon beriefen sich Fochs Meldungen auf Nebel, Regen, »erstickende Gase« wie allemal, wo es der Entente brenzlich wurde. Joffre schielte schon wieder mit einem Auge nach der Champagne, on revient toujours à ses premiers amours, wo er mehr Bewegungsfreiheit hoffte, unstatthafte Selbsttäuschung. Dort spürte man so wenig ein Einstellen der Tätigkeit wie vor der Winterschlacht, doch verstand nicht die Wetterzeichen. 8. K. kehrte diesmal nicht dorthin, sondern nach Rheims zurück, an seine Stelle war eine neue 50. D. (39., 33., 158.) eingeschoben. Dort wurde weiter kokettiert, man warf sich feurige Kußhände zu, begierig nach tödlicher Umarmung in herbstlichen Stunden, noch war die Ernte nicht reif. Und was ernteten die Franzosen bei Arras? Einen Verlust von mindestens 120 000, (im Mai 78 000), wir zollen ihnen Bewunderung, daß solcher Schlag ihren Willen nicht beugte, sondern nur nach neuem Siegeswerben lüstern machte, doch der Reingewinn war Unterbilanz, ein Geschäft, das die Kosten nicht deckt. Von 53 700 Juliverlust kam auch unserseits noch viel auf Arras, man muß aber hier die Schlacht Bassée-Aubers mitzählen und erhält so im ganzen für Mai-Juni-Juli etwa 80 000, Bassée-Arras (13 771 Bayern). Dem französischen Verlust ist ein englischer von wahrscheinlich ähnlicher Höhe beizufügen, außerdem bedeutende neue Einbuße bei Ypern. Dort lagen beide Parteien zu nahe verstrickt für ein Verflackern, im Juli brannte die Flamme wieder lichterloh. Der Angriff traf sehr ungleich die Front, 215. R. (1290) mußte sich wütiger Franzosen erwehren, 99., 126. zeigten sich den Briten härter als der harte Stoß, zuletzt war die Sache am 20. Juli zu Ende wie am 16. Juni, Hooges Ruinen behielten beide Teile abwechselnd als Pfand, wandernde Feuersäulen der neuen deutschen »Flammenwerfer« trugen Entsetzen in die Londoner Riflebrig.; doch Belastung der Ypernstellung blieb: 12 300, wovon 6100 der Südgruppe, sind eine so hohe Verlustziffer, daß niemand aus H. B. sie ahnen würde. Wie die Franzosen kein Hehl aus Vernichtung ganzer Truppenteile machten, so auch die Briten nicht. Bei »Wildes Schützen« führte ein Leutnant die Kanadier, bei indischen Regimentern fielen alle Offiziere, bei Loos vergossen altenglische Krieger ihr Blut in Strömen. Sie selbst berichten, daß sie, bei hochstehendem Gras heranschleichend, am 10. Mai früh in viele Gräben drangen, wo sie die Westfalen durch Bombardement fortgegrault glaubten, diese aber die vorn geopferten Inder von Meerut und Lahore mit Salven zerschmetterten, dann alle Eindringlinge aus baumumwachsenen Gehöften herausschlugen und 5. Batl. Cinque Ports des Rgt. Essex 13. Kensingten des Rgt. London bis zum letzten Mann »bajonettierten«. Der Kerntruppe »Schwarze Wache« ging es nicht besser. 143 tote Offiziere lagen vor den Westfalen, die also bayrischer Messerstecher nicht bedurften: Tendenziöse Ausschmückung des hochmütigen Hauptquartierberichtes. Erst nach langem Handgemenge trieben 55., 57. die unerwünschten Besucher aus ihrer Wohnung, Haighs Feuerschlünde hatten sie mörderisch betrommelt. Als 4. K. Ravlinson in Gegend Aubers und die Inder bei Biez sich längst zur Flucht wandten, griff K. Gough mit wunderlicher Verspätung, deren Warum Haighs Geheimnis, die Westfalen an. Tief erschüttert ging es aus kurzer Abendunterhaltung mit diesen bösen Brüdern hervor. Haigh, nachher an Frenchs Stelle getreten, hatte einen gleich großen Mund und noch mindere Fähigkeit. Als er am 15. nachmittags nochmals sein Glück versuchte, legten seine schweren Kaliber die Drahtsparren nur halb nieder, seine kampflustigen Scharen irrten durchs Labyrinth zerfetzter Drahtnetze und grünliche Rauchschleier der Lydittbomben und erlagen der Querbestreichung aus Seitengräben. Obschon sich acht D. (51. Kanad., 47. Territ. im dritten Treffen) gegen Festubert ballten, zerbrachen herzhafte Sturmläufe, besonders von 2., 7. D. bis 24. unter grauenvollen Verlusten, wobei erst Sachsen, später Pfälzer und Hannov. L. W. von der Lys zu Hilfe eilten. 2. Scots Guards hörte auf zu sein, von der Walliser Brig. »erreichte nur ein Viertel den Bestimmungsort«, 31. Borderer Rifles gaben den Sturm auf, Warwiek und 3. Camerons waren nicht besser daran. Bei Rue de Bois sahen 104., 139. zu, wie die Schottengarde ihre Toten begrub, alle englischen Regimenter melden, daß sie abends zurückgingen vor verschanzten Gärten und »Häuserblocks« und vor Gegenstößen. Dies Zurückgehen war sehr eilig. Mit der ihnen eigenen kühlen Ruhe erwarteten die Rgt. Lippe und Wesel schweigend den Ansprung, stimmten aber aus voller Kehle die Wacht am Rhein an, sobald ein Sturm vor ihnen niederbrach. Joffres Bericht schenkte dem Kollegen liebenswürdig 1000 Gefangene! Wie schön ist's, wenn Bundesbrüder einträchtig beieinander wohnen! So präpariert man Erfolge fürs Publikum. Erst am 9. Juni, 15. Juli wiederholte der von solcher Anstrengung ausruhende Haigh seine Mißerfolge. Der Angriff auf 6. b. R. D. bei Fromelles am 9. und Wiederholung am 18. Mai war kaum mehr als Diversion. Die Bayern schickten am 13. nach Bassee 4 Batl. zur 14. D., was sowohl deren Bedrängnis als die Geringfügigkeit des eigenen Gefechts beweist. Man verzeichnete seit 1. Mai offiziell 100 000 t. u. verw., wobei Inder und Kanadier fehlen. Das wirft auf mutmaßliche Einbuße der Tag für Tag fechtenden und zahlreicheren Franzosen ein erschreckendes Licht. Übrigens stritt jetzt ihr bei Ypern abgelöstes 9. K. bei Lievin und Angers gegen die Badenser, deren 114. dort das 114. franz. vernichtete und den Rest gefangen nahm. Bei Loos focht 29. D. stärker gegen 2. engl. K. gemeinsam mit der ausgerechnet bei Verdun für sie ausgesuchten schlesischen Hilfsbrigade. Argonnen, Elsaß usw. So viel Schlesier zur Einrenkung der Westfront abzugeben, war um so verdienstlicher vom Kronprinzen, als man ihn noch ein reines Saldo in unerfreulicher Buchführung dieses Sommers verdankte, seinen schönen Argonnengewinn. Zunächst glorreiche Erstürmung der Labordèreschanzen im Bismethal Ende Juni, am 2. Juli durch Wegnahme des »grünen Grabens« gekrönt. 40. D. (42. ist Lapsus deutschen Berichts) darf sich zwar ohne Scham dieser Niederlage erinnern, selten fochten Franzosen achtunggebietender, doch gegen schwäbische Metzelsuppen ist kein Kraut gewachsen und 49. Art. spendete schwäbische Knödel, die auch der 126. D., 150. Brig. des schwer mitgenommenen 32. K. unverdaulich im Magen lagen. Die Geschichte dieses Art. Regts. irrt leider, daß die Würt. Inf. wenig litt, weil die Geschütze den Feind herausschossen. Jedenfalls betrug aber der Verlust des vom Plateau ins abfallende Tal gestoßenen Gegners 11 000, deutsche Angabe 7–8000 zu bescheiden, weil sie zu wenig Verwundete neben 2000 Toten und 3000 Gefangenen zählt. 29. P. bahnten dem stürmenden Fußvolk den Weg am Hubertusrücken, wo auch Mudras 30., 145., 173. kraftvoll mitwirkten. Joffre brachte es fertig, von »neuen Schlappen« der Sieger in den Westargonnen zu fabeln und die Julischlacht in den Ostargonnen glatt totzuschweigen. Dort zeigte die deutsche Fahne auf der Steinfestung Schwarzer Hügel und Totes Mädchen, daß die Boches noch zu jeder Kühnheit fähig seien. Das franz. 5. K. hielt sich dort für unangreifbar, doch am 13. Juli packten 33. D. seine Rechte, 11. D. seine Linke. Gegen die Schlesier hielt es sich lange, doch 130., 144. nebst 6. Jäger, 16. P. erstürmten alle Vorderhöhen, 135. nebst 5. J. die Zitadelle der Bergbefestigung, die kahle Kuppe der Fille Morte. 2000 französische Leichen lagen über Berg und Tal verstreut, 2581 Verwundete, 350 Unverwundete, 9 Gesch. fielen in deutsche Hände, auch hier wehrte sich also der Franzose tapfer und besonders die zwei schlesischen Jägerbatl. wußten davon zu reden, die schon seit Neujahr viele Hunderte verloren. Am 15. Juli, dem Nationalfeiertag, gebärdeten sich die Franzmänner wie Bastillestürmer, zehn Brigaden ergossen ihren Zorn in ohnmächtigen Versuchen, das Tote Mädchen der verlorenen Stellung wieder zum Leben zu erwecken. Auch die jetzt hierher versetzte Thüringer L. W. widerstand aufs rühmlichste einem Seitenstoß unter Beihilfe der 49. Art., an der sie »froh wurde«, wie die Regimentsgeschichte schreibt. Auf mehr als 4000 Tote, 7200 Gef. 62 Masch. G. wuchs so auch hier des Gegners Gesamteinbuße. Brav genug schlug er sich, Regimentsgeschichte der 120. Kaisermusketiere berichtet schon aus dem vorigen Dezemberkampf, wie ein blutjunger Zögling der Kriegsschule St. Cyr mit seinem Zug sich lange bis zum äußersten wehrte. Doch nun wars mit der Argonnenherrlichkeit zu Ende, die erworbene Stellung verbot dem Feind jede weitere Unternehmung ein- für allemal, die Flanken des Kronprinzen blieben völlig gesichert, so daß er sich unbesorgt etwaiger Berennung Verduns hingeben durfte. Er hatte die seit September ihm zugewiesene untergeordnete Rolle in eine hervorragende verwandelt. Nicht aus höfischer Liebedienerei vertraute man ihm fortan die Hauptrolle an, längst war Eingeweihten die Leitung der 5. A. als glänzend bekannt, obwohl ihr Stabschef Knobelsdorff nicht immer mit dem hohen Herrn übereinstimmte, der unbedenklich seine eigenen Wege ging. Mit Freude begrüßen wir, daß der »General von der Artillerie« beim späteren Heere des Kronprinzen mit besonderer Hochachtung dieses Feldherrn gedenkt, der ein außerordentliches Verständnis und ungewöhnliche Rührigkeit zeige und mit großem persönlichen Mut im Feuer große Bescheidenheit verbinde. Seine Selbständigkeit Ludendorff gegenüber habe sich in Form von Fragen geäußert, also ebenso höflich als bestimmt. Da unsere Stellung zwischen Servon und Maas jetzt eine beherrschende, so traf sich glücklich, daß auch Dubail am Ende seiner Kräfte war. Im Juli beschnitt man ihm die Offensive, die er sich noch in den Kopf setzte. Spotteten seine Meldungen immer der Wahrheit? Nicht so, nicht immer lügt der Feind, nicht immer ist H. B. verläßlich, der ja auch die Arrasschlappe verklausulieren und eskamotieren wollte. Dubail hatte mit Elan die Deutschen zurückgedrängt, doch schrecklicher Verlust zwang ihn zu kurzem Unterbrechen, im Juli fing er wieder an mit auf 1  km tief gegliederten Büffelstoß. Zweimal überfiel er die Liegnitzer Grenadiere, seine schweren Kaliber überschütteten die Woevre, doch sein neu aufgefülltes 2. K. und vier R. D. waren nun aufgezehrt. Bei Mihiel zog er sich nie den Dorn aus dem Fuß, der schon jetzt zu schwören anfing. Bei Ailly eroberte 5. b. D. ein wichtiges Erdwerk, im Oktober ersetzt durch 10. Ers. D. und b. Ers. D, (4., 15. R., 120. L. W., 28. Ers. Regt., also nur zur Hälfte Bayern), die zu Neujahr nach Verdun zurückkehrte. Noch erdröhnte die Kreuzspitze Croix des Carme (Karmeliterkreuz) auf dem Höhenzug am Priesterwald, doch jetzt ward Dubails Mitte dort gesprengt durch festes Draufgehen württembergischer und preußischer Ers. Bat., die »ungewöhnlich viel Tote« vor sich sahen. Gewöhnlicher ist die Verstocktheit, mit der er dann die Dinge auf den Kopf stellte. Auch Maunoury behauptete, er habe bei Tout Vent »das 17. Badische« vernichtet, das nicht badisch und fern in Rußland war, und zwei »eroberte« Geschütze mit Melinit zerstört, weil er sie nicht bergen konnte, was genug sagt. Unter »2000 (!) deutschen Leichen« hätten sich nur 4 Off. befunden, verstandez-vous, preußische Offiziere bleiben eben hinten und lassen ihre Leute sterben! Wahr ist nur, daß am 6.–16. (nicht 14.) seine Bretonen, Schwarzen, Alpenjäger uns einigermaßen schädigten, Brandenburger und Altonaer litten erheblich, doch Sonntagsglocken läuteten über die schwarze Schande der Afrikaner Brigaden, die hier ihren Friedhof in fremder, nordischer Erde fanden. Der Angriff war richtig gedacht, damals Wegziehen von Verstärkung für Arras zu vereiteln, doch seine Kraft war nun so gebrochen, daß später 5. D., 9. K., 7. R. D. ruhig aus dieser Front abziehen konnten. Man wird auch betroffen über unversiegbare Vogesenkämpfe, der Kanonendonner ließ in Basel die Fenster klirren, durch die Berglehne vergrößerte Schallwellen trug der Wind zum Zürichberg hinüber. Seit 22. Juni schlug sich 30. bayer. R. D. am Ban de Sapt herum, wobei 14. R., 1., 2. Ers. Rgt. nicht gut abschnitten. 6. L. W. O. bei Urbais und Stoßmeier erhielt 1. b. L. W. Br. aus der Champagne, 19. R. D. wurde am 26. Juli im Münstertal abgelöst. 1. L. W. warf den Feind am Barenkopf wieder hinaus, am 22., 27. rangen 2. L. W., 14. Jg. am Schatzmännli unter Beihilfe von Gardejägerbat. und 188. Inf., auch erschienen 22., 23. b. R. um Mönchberg nördlich Reichackerkopf. Im August hielt Maudhuy, mit dessen Ankunft dort ein neuer Geist über die ernüchterten Gallier kam, den Zauber deutscher Überlegenheit für gebrochen, doch was glaubt man nicht alles und es wird nichts draus! Er ruhte schon auf seinen Lorbeeren aus, als ihn just am 31. Juli ein Donnerschlag beginnender Gegenstöße unsanft weckte. Die aus Galizien heimgekehrte ???8. b. R. D. lag am Sattelknopf, 10. R. K. verschwand allmählich wieder, nur 74. R., schon lange von Verlusten heimgesucht, focht im August heftig (1100), dagegen kamen 3 neue bayer. L. St. Batl., sächsische Ers. Brigaden und Teile der bayer. Ers. D. (8. Ers., 880). Ungewöhnliche Bedeutung der Elsaßkämpfe könnte man aus H. B. auch nur erraten. Am 1. triumphierten die Franzosen endlich doch am Lingekopf trotz aller Bravour von 1. b. L. W., 74. R. Am 17. erfolgte ein Stoß auf 18. b. R. (887), nördlich Münster und 37. R. Brig. mußte wieder heran, am 22. machte die tapfere 1. b. L. W. einen glücklichen Angriff. Nach dem 73., 78. R. durch 187. I. ersetzt, zog der Kampf sich im September hin, bis am 12. Oktober die Landwehr endgültig den Feind am Schatzmännle verjagte. Sie verlor vom Juni bis November 152 Off., 6700, 8. R. D., auch 82., 3600. Im August erwarben die Württemberger das Martinswerk und schlossen so endgültig den Argonnenring ab, 126. L. W., 1. Würt. L. W. Art. und die Thüringer L. W. hatten Gefechte, spärliche Meldungen belegen nicht 4700 Verl. In Südlothringen ward nur scharmützelt, rund um Verdun blutete die Schlacht sich aus. Sprengungen rissen den Boden auf, 99. L. W. samt der beigegebenen M. G. A. Graudenz litt besonders. Vielleicht hier auch 60. I. (1585). Bei Hooge machte 6. engl. D. große Sprünge, die nicht weit reichten. Sonst auffälliger Ruhestand: 164. I. bei Reims 10, 6. G. bei Fromelles 4. 83. L. W. auf 6 Off. nur 30. Nur bei Tout-Vent und Ypern noch dauernde Reibung. Augustverlust 38 600. Ist Grund vorhanden, dies für zu niedrig zu halten? Wir finden keinen. Allgemeines Atemholen wie nach überstandener Arbeit, doch leider nur Ruhe vor dem Sturm. Joffre war so wenig erbaut vom Juliergebnis, daß er wieder Artilleriedirektoren und Untergenerale absetzte, Sarrail durch Humbert ersetzte. Man warf ihm vor, er bevorzuge Royalisten wie Castelnau und zeige echten Republikanern wie Sarrail, der sich später beim Ruhrattentat höchst verständig gegen Poincaré u. Co. auflehnte, Mißgunst. Sein »Theekind« blieb immer Foch, sein besonderer Feind Gallieni, der in Umlauf setzte, nur er habe die Marneschlacht »gewonnen«, Joffre habe auskratzen wollen. Der liebe Papa sonnte sich in seiner Popularität und verbrachte viel Zeit mit Lektüre von Bewunderungsbriefen aus aller Herren Länder, Autographen- und Photographiesendungen an die Weltgemeinde, die den braven Mittelmäßigen für einen großen Mann hielt. Die dumme Welt will eben belogen sein, ihr Urteil umkehren, heißt Wahrheit finden. Jetzt ersann er tiefsinnig neue Kopie der Winterschlacht mit der Variante: noch mehr Menschenopfer, noch mehr Munitionsverschwendung. Auf Materialvorbereitung verstand er sich, das war seine ganze Kunst. Da der Septemberkampf sich diesmal ganz in der Champagne zusammendrängte, verlief er sonst mäßig. Bei Ypern hatte das treue schwäbische 126. nochmals schwere Stunden (1475), ebenso schlug ihr Schwesterregiment der Straßburger Garnison, 105. Sächsische, heroisch einen Angriff ab. An der Lys belästigte man die Leipziger (960). Dort war die verkehrte Welt, Pfälzer und Hannoversche L. W. an der Lys, sowie Schlesier zwischen Loos und Arras. Dort stellte sich 1. K. Gough neben Rawlinson, dahinter das neue 11. K. und Gardediv.; jedes K. hatte jetzt 3 Div.; nördlich des Basséekanals 3. und indische K. Die Bayern bei Arras traten ganz in Reserve (197), nur Armins Rechte wurde noch angefallen. Früh scheint aber bei Loos der Geschützkampf heftig entbrannt zu sein. Auf die Stellung der 12. D. ging besonderes Trommelfeuer nieder, ihre 42., 57. Art. stritt standhaft gegen Flankenkanonade, Badenser und Westfalen wurden anfangs nur unbedeutend betroffen, dann am Südende 14. R. K. schärfer angepackt, von dem Teile über die ganze Front verstaut. Indessen wurde es bald bei Arras wieder lebendig, man begreift kaum, woher Joffre die Stoßkraft dort nahm, da er fast alles bei Chalons gruppierte und A. Petain dorthin versetzte. Er sagt aus, Territoriale hätten die übrige Front belegt, A. Urbal kann freilich nur so auf angeblich 18 D. geschwollen sein, wesentlich war es ähnlich bei Kitchener's Freiwilligenheer. Bei Arras sprang unsere 1. G. B. (1955) heroisch in die Bresche, aus Galizien abtransportiert als Spitze der Garde, die erst nach und nach eingriff. Ihr Blutopfer (4000) beweist aber nichts gegen sonstige mäßigste Einbuße der Westfront. 12. D. trug hier die Hauptlast des Kampfes: 3800 (105 Art.), wovon aber nur Oktoberlisten wissen. Andererseits treffen bei sorgsamster Nachprüfung die Septemberlisten haarscharf das Rechte, z. B. erzählt ein Augenzeuge, daß im Elsaß »unsere Verluste in der ersten Septemberwoche ganz geringe waren«, das stimmt auffallend zu V. L. bis 10. Sept. Dort meldete Maudhuy sauersüß, 40 000 Granaten seien am 3. auf seine Unterstände gerollt, am 9. stürzte ihn bayer. L. W. vom Hartmannsweilerkopf. H. B. vernachlässigte wieder die Pflicht, Kämpfe nach ihrer Bedeutung auseinanderzuhalten. Scharmützel bei Sappignies an der Aisne finden mehr Beachtung als ernste Vorbereitungszeichen in der Champagne und offenbar hitzige Verwicklung bei Roye, denn Verl. 84., 86. I., 90. R. übersteigt dort jedes zulässige Maß, wenn wir nichtssagende Meldungen vergleichen. In den Argonnen machte Havas aus glücklichem Handstreich von 6 Regimentern einen gescheiterten Generalangriff, Humberts verlegene Meldung: »es gelang nicht, unsere ganze Front zu durchbrechen«, übersetzte Joffre flugs »fast gar nicht« . Aus Regimentsgeschichten des 120. geht hervor, daß am 22. das 127. längs Chaussee Menehould-Binarville heftig angegriffen, laut Regimentsgeschichte 49. Art. unterstützte man die hessische L. W. D., deren Chef Mühlenfels ein Dankschreiben an die schwäbischen Batterien richtete. Als neu und wichtig erfährt man, daß je ein »Ruhebataillon« 120., 123., 124. zu Rgt. Legeler vereint und bis 11. Oktober bei 21. R. D. am Kanonenberg südwestlich Cernay eingeschoben wurde. Ihr »heroischer Widerstand« behauptete Höhe 191, man verlor aber dabei die 2. K. als gefangen. Mit Dank zurückgeschickt, mußte Legeler schon am 7. erneut mit 3 anderen Bataillonen (erst I., jetzt II/120.) wieder bei Kanonenberg und La Justice einrücken, wo es 2½ Monate blieb. Was entnimmt man dieser Neuheit? Zunächst die Unvollständigkeit der G. St. Schr., deren amtliche Akten nicht mal ausreichen, um von Mitwirkung der 6 würt. Batl. in der Massigesschlacht zu wissen. Merkwürdigerweise weiß es Stegemann, dem sonst absolut jede Einzelheit für die Cham.-Schlacht fehlt, macht aber in seiner phantasiereichen Art aus dieser Episode ungebührlich eine Hauptsache, seine summarische Darstellung der großen Schlacht tappt ganz im Dunkeln, während er an jedes Vogesengefecht Raum verschwendet. Ist so etwas möglich, dann ist auch alles andere verdächtig als unzulänglich. Und siehe da, das Wichtigste unserer eigenen Neufindung wird oben bewiesen, daß die angeblich im Oktober ausklingende Offensive gerade damals in ihren Brennpunkt stand und überhaupt der Champagnekampf noch lange fortwährte. Statistik zur Champagneschlacht und Verlauf bis Neujahr Betrug der Septemberverlust außer 12. D. sonst nur 29 700, so kann man unmöglich Champagneverlust mit rund 6500 bestreiten, denn nur so viel ergeben dafür Listen bis 6. Oktober. Hielt diesmal Veröffentlichung mit Eingang der Rapporte nicht Schritt; brauchen wir mit H. B. nicht uneinig zu gehen, wenn er aus durchsichtigen Gründen vortäuscht, der Schlachtbeginn Ende September sei Hauptaktion gewesen, und die lange Dauer der Krise vertuscht? Ja und nein. Uns ist unbedingt sicher, daß der Verlust Ende September unverhältnismäßig geringer war als im Oktober, daß wir aber andererseits doch wohl Listen bis 31. Oktober mit heranziehen müssen. Auch hierbei zeigt freilich das 8. R. K. immer noch einen viel zu kleinen, 10. K. viel zu hohen Verlust, wenn wir dies auf Septemberende beziehen sollen. Sonderbarerweise bringt aber auch 105. bei Ypern angemessenen Verlust erst bis 31. Oktober, mäßiger im September. Aus Spezialbericht geht aber hervor, daß damals nur vier Kompagnien der tapferen Sachsen, in ihren Gräben überrascht, den Feind wieder hinauswarfen, und warum sollte das immer vornan stehende brave Regiment nicht im Oktober stärker angerannt sein? Weil H. B. nichts von größerem Oktoberkampf bei Ypern meldet? Der meldet noch vieles andere nicht! Ferner fochten laut G. St. Schr. 5. D. und 35er schon Ende September in der Champagne, die V. L. bis 10. Oktober sagen Null. Immerhin, so gering wir die Wirkung des Trommelfeuers anschlagen, muß doch der Inf. Kampf beim ersten französischen Durchbruch blutig gewesen sein; wir entschließen uns also, 10 000 vom Oktoberverlust dorthin zu verweisen, wie wir auch schon die Schlesier auf der Westfront so ergänzten. Selbst letzteres ist fragwürdig, da über allen Zweifeln nach V. L. ein sehr viel härterer Kampf im Oktober tobte. Nach französischer Meldung bemerkte man im September bei Arras nur 1. G. Brig., wovon 3. G. bald aussetzte, ihr opferbereites Einspringen schildern die Franzosen zutreffend, am 1. Okt. warf sich 1. G. nochmals dem Andrang entgegen, erst später 2. G. und 2. G. D., von welcher nur Elisabether Mitte Oktober ansehnlich litten. Offenbar kam der Feind bald zum Stehen. Wir merken schon: wie früher März und nicht Februar, so ist hier Oktober und nicht September der Kampfmonat. 16 500 ist für Champagne gerade genug; ganzer Septemberverlust 50 000 inkl. 950 Mineurs, Schipper, Stollenkommando, Art. u. P. außer Korpsverband. Oktober: 23 000 Übertrag aus Listen bis 21., 45 000 bis 31., 52 000 bis 10. Nov. = 120 000. Allein, damit ist es noch nicht getan, denn dabei fehlt 5. bayer. D., angeblich schon Ende Oktober in der Champagne, verzeichnet aber Verlust erst in noch späteren Novemberlisten, wo plötzlich auch 6800 des 8. R. K. auftauchen sowie 2070 v. 39. Westfalen. Fochten sie wirklich erst im Nov. ansehnlich? Kaum, und doch mag man sich täuschen, schweren Novemberkampf anzweifeln, bloß weil H. B. nicht dazu paßt? Mit nichten. Verfrühte, zu niedrige Abschätzung, für Septemberende vermieden wir, doch ebensowenig läßt sich ablehnen, was über Oktober hinaus blutete. H. B. dekretiert wieder mal, daß Ende September die Hauptsache sei, damit die Gefahr als bald überwunden gelte. Daß dies ebenso unrichtig wie Ende Februar hier und Ende Mai bei Arras, zeigte die erstaunliche Menge Verstärkungen, die man im Oktober heranschleppte. Wahrscheinlich 5. bayer. 4. D. erst 1. Nov. im Kampfe, die bestimmten Angaben der G. St. Schr. sind uns nicht maßgebend. Von hessischer Landwehr wissen V. L. nur für 118., 47. L. W. Brig. ist uns ein vager Begriff; man kann »norddeutsche« L. W. nur als 57. deuten, da 56. Köln früher dort war. Novemberverlust: 67 200. Wozu Einzelheiten nachgehen, da man aus H. B. nie erfährt, warum so viel oder so wenig! An der Maas bluteten 1100 v. 47. I., 37. R., an der Aisne 300 Sachsen (157 Art.), außerdem litten die Bayern-Franken auch in Lothringen, zu denen schon im Sommer die neuen 24., 25. Regt. gestoßen sein dürften. Ihr Hauptverlust entfällt freilich auf Champagneschlacht. Jedenfalls entspricht Elsaßverlust genau den Tatsachen: 2750, falls 91. R. noch bei der L. W. blieb. Zahlreiche Vermißte der 14. I. bestätigen den Überfall am Aussichtsfelsen, obschon »1668« deutsche Gefangene unmöglich. Maudhuy behauptete ja auch, seit April habe ihm Hartmannsweilerkopf allzeit für immer gehört. Da läßt sich keine Brücke schlagen zur mondhellen Nacht und zum Morgenrot, das an den Zinnen glomm, als 12. L. W. Brig., 14. R. Jg. die bös gelichteten Alpenjäger von Bischofshut und Himmelsleiter hinabstießen zum Nordhang und ihnen 1533 Gef. und 15 M. G. abnahmen. Am 22. Dez. hier Brig. Gerret zersprengt, ihr General gefallen, 152. I. vernichtet. Umsonst trommelten am 28. Dez. vom Hirzenstein die schwersten Belfortkaliber und sprengten unheimliche Minen Felsstücke ab, höchste Wipfel zerknickend. In der Steinburg des Oberrehfelsens spottete die L. W. dieser Höllenbemühung und am 30. erklommen G. R. Jäger (bisher in Rußland) den Südhang. Der Feind floh zum Molkenrain, als man Minenwerfer an Seilen die Klippen hinaufwand und Berggeschütze einschob. Anscheinend war der Dezemberverlust in Elsaß gering (2000 inkl. 850 v. 14. Jg.) Mag man über all die Kletterei als romantisches Intermezzo denken wie man will, mochte dies Lärmmachen durch Bergecho allzu geräuschvoll das Ohr der Neutralen auf sich ziehen, so kitzelte es dauernd die französische Eitelkeit mit Vorstellung eigner Invasion. Wie ein Amadis von Gallian schlug sich Maudhuy um die Ehre greiser Berghäupter und erfüllte dabei doch rührig den praktischen Zweck politischer Reklame. Wie echtfranzösisch diese Mischung von Pathetik mit berechnetem Raffinement, diese Elsässer Gimpel bestechende Schauspielerei auf der Weltbühne! Dezemberverlust sonst der kleinste im Weltkrieg: 16 850, Gesamtverlust seit 1. Sept. 254 000, Jahresverlust 644 000; weniger als im Vorjahr nur 5 Monate kosteten. Das war billig und wenn Sir John Falstaff bei Loos im Oktober »8–10 000 deutsche Leichen« fand, so war unnötig, solcher Ausgeburt seiner Erfindungsgabe den gleich unwahren Widerpart zu zollen, man habe nur 763 t. u. v. verloren. Dort warfen sich außer Schlesiern besonders 13., 113. I., 11. Jäger entgegen; beiderseitige Unter- und Überbietung war gleich unaufrichtig. War die Herbstschlacht Loos–Arras auch unvergleichlich blutiger für die Alliierten, so verlor doch die Garde seit September 8500, die Schlesier 14 200. Was dachten sich englische Führer dabei, diese »größte Schlacht der Weltgeschichte« (nur der englischen) entscheide das Schicksal aller kommenden Generationen? Spuckte wieder das Gespenst der German Invasion, schlug man also Deutschlands Übergewicht schon so hoch an? Diese Schlacht und noch manche andere bestimmten kein Schicksal; über die Zukunft war anderes beschlossen im Rat der unsichtbaren Mächte. England befliß sich, selbst einen Strick um den Hals zu drehen, die Invasion drohte später von viel näherer Seite; die Ausmertzung der deutschen Luft- und Seeflotte bedeutete nur Erstarken der französischen, das kluge England beging die entscheidende Dummheit. Wir befinden uns als Historiker in peinlicher Lage, denn unsere tiefe Abneigung gegen französische Art darf uns nicht in Hochschätzung ihrer kriegerischen Begabung beirren; unsere liebevolle Bewunderung für Englands hohe Kultur und Geistigkeit und die edlen Eigenschaften der Rasse darf uns nicht abhalten, unsere tiefste Verachtung für die Bande Northcliffe-Bottomley-Diehards und die ekelhafte verlogene Prahlsucht der britischen Militärglory rückhaltlos zu äußern. Daß die Briten sich tapfer hielten, wer hätte das bestritten! Deutscherseits hob man sogar Sportathletentum viel zu eifrig hervor, und wenn sie oft ihren Posten nur mit ihrem Leben verkauften, so gaben sie selber die überlegene Tapferkeit der Deutschen zu. Wenigstens grollten ehrliebende Offiziere, die geifernden Zeitungsschwätzer möchten doch erst die Deutschen kennen lernen; wie dann unter so viel Abscheulichem einzelne Engländer beiderlei Geschlechts sich über die unchristliche Hetze empörten. Wir haben hier nur ein Amt und keine Meinung, soweit es Registrierung der Tatsachen gilt. Kein Mannschaftsersatz glich die Ungeschicklichkeit der Offiziere aus, das englische Heer erholte sich lange nicht vom »Sieg« bei Hulluch-Loos, erkauft mit wahren Katarakten von Blut. So manches Argonnen- und Vogesengebiet verschlang verstohlen und heimlich eingescharrte Leichen, doch hier wie auf der Champagne Kreidefeld grinste der Tod nackt auf offener Heide. In Hulluch stürzten die Bergmanns-Fördertürme ein, an Loos fraß großer Brand, als Granaten die Dächer aufrissen, deren aufblitzende Flammenkaskaden sich mit dem bleiernen Streusand der Schrapnells mischten, wo sich Flockenwölkchen wie Watte in den Rauchbaldachin einlegten. Um die Hohenzollernschanze fluteten oben weiße, unten rotgrüne, Gaswolken, schmutziges Grau der Minenentladung und häßliche Flecke der Lydittbomben klebten an, wo man sich wechselseitig bewarf. Zur Vollendung des Bildes genügt der Pinselstrich, daß noch 1000 englische Leichen südlich der Schanze im freien Felde lagen, obschon die Briten bei Nacht ihre Toten begruben. Sie begruben noch viel mehr: Ihren Dünkel, der sich Deutschlands Erdrosselung ganz anders vorgestellt hatte, und das Weltimperium-Monopol, für dessen Befestigung sie die German Cousins niederboxen wollten. Andere Leute, denen sie noch als halben Vasallen auf die Schultern klopften und die heimlich gegen den alten verhaßten Erbfeind die Faust im Sacke ballten, leiden nicht minder an französischem Größenwahn; rücksichtslose Selbstsucht pachteten die britischen Jingoes so wenig für sich wie Nietzsche-kranke, alldeutsche Schreihälse und Goethe-Mephisto kichert: Einer dieser Lumpenhunde wird vom andern abgetan! Zweite Champagneschlacht Als Castelnau's Annäherungsgräben seiner von Mournelon und Ville s. Tourbe heraufziehenden 4. A. Langles 9. A. Petain sich auf 300 Meter näherten, brach 72 stündiges, unerhörtes Trommeln los. »Die für jedes Geschütz vorgesehene Munition übertrifft alles je Dagewesene« frohlockte Joffre's Aufruf. Jede Division in unseren zwei verschanzten Quadraten nördlich Souain und östlich Tahure erhielt täglich ein Angebinde von 200 000 Granaten. Möge es den Yankees gut bekommen, mögen sie und ihren Wilson 14 schwarze Punkte aus der Schale des Apokalyptischen Reiters belohnen! Rheinländer und Westfalen sahen dem Grauen mit finsterer Fassung entgegen. Doch unsere Batterien übergossen die Angriffsbahn von der mit Geschützen bespickten Tahurehöhe, von St. Marie bellten Mörser und Haubitzen. Als am 25. früh Hornsignale die lauernden Massen hinausriefen, kamen sie diesmal, auf 6 Angriffssektoren verteilt, in sechs Wellen von je einer Division, rasch vorwärts. Doch scheint geträumt, daß Langles Mitte in 10 Minuten »Balkon« und »Bayernzipfl« umzingelte, in 45 Minuten eine »Kol. D.« (offenbar 37. Alg.) die 3  km bis Farm Navarin in einem Sprunge durchmaß. Nur stellenweise ging über Verschüttete oder in ihrem Blut Liegende der Durchbruch glatt hinweg, selten fanden die stutzenden Stürmer gangbare Breschen, nicht selten traf eine Kugel drei Mann hintereinander, wo die Verteidiger aus Unterständen sich ans Tageslicht arbeiteten und an die Brüstung sprangen. Den Durchzug im freien Zwischenraum bei Perthes nahm unsere Artillerie unter beidseitige Feuerumarmung, mörderisches Geschütz- und Gewehrfeuer lockerte sofort den Zusammenhalt. On les aura par la mitraille übersetzte sich hier ins Deutsch. Geschütz- und Menschenverbrauch erwiesen sich gleich trügerisch gegen die elastisch in die zweite Verteidigungsfront zurückschnellende Linie der 15. R. D., der sofort die Sachsen zu Hilfe eilten. Bei der Kürze des Gefechts im Überrennen unserer zerwühlten Vorderlinie am ersten Sturmtag ist leicht möglich, daß 24., 15. R. D., 50. D. ohne jede Gefahr ihre vorderen Feldbefestigungen verließen. Recht bescheiden zählt Joffre 20 eroberte Feldgeschütze, nämlich eingebaute, Revolverkanönchen zählen nicht. Für solche Trophäen brauchte er nicht unterirdische Ställe, wo Kavallerie aufsitzen und zu Dreien abbrechen sollte, noch Zweigbahnen bauen zur Erwartung der erwarteten Gefangenenmasse! Wundern aber muß man sich, daß O. H. L. nur 5. D. und das zur Erholung in Belgien lagernde 10. K. bereitstellte sowie die aus Lothringen anmarschierende 56. D. Diese konnte der Entfernung nach im September so wenig eingreifen wie 10. K. und von der teils in Lastautos beförderten, teils in Fußmarsch herankeuchenden 5. D. auch sicher nur die Vorhut, obschon G. St. Schr. das Gegenteil erzählt, um die mangelnde Fürsorge der O. H. L. zu verbergen. Sie gibt aber selber »Verspätung« der viel näherstehenden 183., 192. sächs. Brig. zu. Deren zur Hand befindliche Vorhut zersprengte kurz resolviert die Spitzen der unbehilflich verknäuelten französischen Vordermassen, 133. R. und Kav. Brig. Lippe bildeten einen Damm, letztere verteidigte abgesessen sehr brav ein Wäldchen. (Ähnlich wie bei Arras 1., 5. bayr. R. Kav. beim Neuville-Einbruch das Fußvolk ersetzte.) Angeblich schlug sich zu ihr nach achtstündigem Kampf 103. R. durch, von der 23. R. D. wird es aber wahrscheinlich nicht schon gleich hergeschickt sein und focht laut V. L. erst im Oktober ernstlich. Dagegen gehorchte I/133. erst abends dem Rückzugsbefehl, weil nordöstlich Langles 32. K. in Masse durchstieß. Es hatte in neuer Zusammensetzung die berühmte 42. D. vorn, 37. Algerische seitwärts. Hier ergoß sich die Sturmflut mit besonderer Gewalt und trug ihre Spritzer bis westlich Chaussee Sommepy, doch die Stürmer litten entsetzlich, Divisionär und Brigadechefs der Algerier fielen. Rechts davon brach 19. Kol. D. aus Souain vor, auch ihr Chef schwerverwundet. (Angeblich der Fashodaheld Marchand, doch dieser führte 10. Kol. D. und sank erst im Oktober.) Wir geben Langles Aufmarsch nach französischen Quellen, sein Erfolg war so unausgeglichen, daß 4. K. nicht mal Auberive den 13. R. Jg. abnahm, vor 124. D. mußte zwar 107. Rgt. weichen, doch auch am 26., 27. leisteten die Sachsen fünf Divisionen unübertrefflichen Widerstand, wobei 133. ungemein litt. Hier beginnt schon Unstimmigkeit der Angaben: badische Leibgrenadiere hätten bei Auberive eingegriffen, fochten aber später bei Tahure und erst im Oktober. Dagegen mag sein, daß immer mehr Bataillone der 183., 192. Brig. anlangten, zunächst 184. Die Franzosen schoben sich wie betäubt hin und her, niedergeschlagen durch auflösenden Verlust. Mit schnell begeistertem Naturell trugen sie stolz ihre neue Kopfbedeckung, doch kaum blitzten die ersten Stahlhelme über den Ausfallgräben, als schon deutsches Sperrfeuer heulend einschlug, und dann sprühte aus abgekämmten Gräben verheerendes Schnellfeuer, die Scheintoten und plötzlich lebendig Gewordenen schleuderten aus nächster Nähe ihre Geschosse, Verschüttete stiegen auf, Verwundete schossen. Im Gefilde versteckte Panzertürmchen streuten Schrapnells über die Ebene. Obschon französische 32- cm -Granaten überall Balken und Kalk zerschlugen, den bald Regen in Brei verwandelte, saßen unsere 21- cm -Granaten viel zermalmender im lebenden Menschenbrei. Die Durchbrochenen fanden sich dann rasch in der Hinterlinie zurecht. Castelnau sah sich zwar genügend vor, die Sturmkeile nachzufüllen, wenn sie absplitterten. Die ihm zugeschriebenen 19 D. im ersten 4 im zweiten Treffen machten noch lange nicht seine ganze Macht aus, doch wüste Hineinstopfung von Rückhaltmassen verwirrte den unbehilflichen Menschenknäuel nur noch mehr, der sich planlos hin und her schob und das Unheil über sich ergehen ließ, auch noch von der zu kurz schießenden eigenen Artillerie im Rücken beschossen zu werden. (Dies tat sie so oft, daß eine Anklageschrift darüber den Unwillen des Fußvolkes ausdrückte.) Langles Massen ergriffen zuletzt die Flucht, zu Tausenden niedergestreckt durch das hinter sie gelegte Sperrfeuer. Die zweiten Staffeln schmolzen so nicht minder wie die vorn durchgebrochene erste Staffel. Daß 66 vorn, 66 dahinter, 128 als drittes Treffen anrückten, wie Stegemann schreibt, ist ein Mißverstehen franz. Angaben. So genau schieden sich die Teile nicht, auch würden »22 D.« ja vielmehr als 132, sogar als 260 Batl. gehabt haben (mindestens 330). Es ist traurig, daß man stets statistischer Ungenauigkeit auf die Finger klopfen muß. Nichtsdestoweniger setzte Castelnau sein Vertrauen in Munitionsverpulvern und war so wenig im Bild, daß er General Baratiers Chasseurs d'Afrique zur Verfolgung aufrief. Sie waren nicht wenig verduzt über den groben Empfang sächsischen Flankenfeuers aus Auberive, der ihnen gleich ganze Glieder wegriß, und machten sich eiligst beim Einsammeln von Fliehenden nützlich. Mittlerweile löffelten die Westfalen die pulvergewürzte spartanische schwarze Suppe aus, die ihnen das Lyonkorps zubereitete. Wahrlich keine Mastkur, wo es sonst nichts zu beißen und zu brechen gab. 50. D. wich zur Tahurestraße, doch 158. Paderborn hielt die Höhe gegenüber Hurlus und hatte fortan lauter Ruhmestage. Während das zurückgeworfene 53. nach Westen Front machte, schwenkte 158. südöstlich ein. So entstand ein Winkel, der den Feind bösem Kreuzfeuer aussetzte. Am Ostflügel wollen Petains Tirailleure in 15 Minuten das Massigesplateau erstiegen haben. In der »Trapezstellung« hätten 40 Überlebende von 2 Batl. Besatzung sich ergeben müssen, »Eliteregimenter des Kronprinzen« ingrimmig jeden Pardon verschmäht. Damit könnten nur Hessen gemeint sein, beiderseitiger Bericht verlegt absichtlich Oktobervorfälle hierher. Man kam rasch zu den »Champagnehäusern« hinauf? So greift franz. Darstellung den Ereignissen vor, offenbar vertrieb man erst im Oktober dort die 16. R. Art., wo manche Batterie die Hälfte ihres Bestandes verlor, denn bis dahin trug sie gehörig dazu bei, daß die Sturmtage glänzend für unsere Sache verliefen. 65. R. schmetterte alles ab. Was nordwärts wollte, fiel unter kaltblütigem Schießen der Paderborner. Welle auf Welle der 22. D. zerstob vor 28., 68. R., die feindliche Armada konnte auch beim »Schiffchen« nicht hineinsegeln, wo 29. R. Wache hielt. Das Knacken der M. G. wurde für viele ein Todesgeläut. Südlicher brandende Wellen der 39. D. wogten endlich unter Rauchschutz nördlich Massiges empor und überrumpelten einige Geschütze. Sie setzte sich vor »Ehrenberg«, kam aber ebenso wenig weiter wie drei auf der Ostflanke gegen 21. R., 9. L. W. D. vorgehende Divisionen. Stegemanns Phantasie über »Verbluten« der L. W. und Opfern jener 2 Schwabenbatl. am Kanonenberg beruht auf Unkenntnis der Lage und Verluste. Der Kampf auf der Ostflanke war mäßig, dagegen hätten 2 Batl. (es waren 3) nicht genügt, den Kanonenberg zu halten, wenn nicht Teile 56. D. dort zuletzt eintrafen und wahrscheinlich 30. R. mitwirkte. Der Kronprinz eilte plötzlich herbei und kräftigte Dittfurt mit 111. Art. und 24 schweren Geschützen. Ein jäher Platzregen löschte gleichsam den geschleuderten Feuerbrand, den die Deutschen schon mit den Füßen austraten. Das kam Castelnau gelegen als Ausflucht für Einstellen jeder Bewegung bis 4. Oktober durch Platzregen deutscher Geschosse. Plötzlich klagte er über »tränenerzeugende« Gasgranaten ins Suippetal, also bekam er Prügel. Im ganzen Oktober focht er ratlos auf der von 25 auf 15  km verkürzten Front zwischen drei Straßen-Engen, die kreuz und quer die Ebene durchziehen, und Briqueterie nördlich Massiges. Nur unsere Mitte bei Tahure knickte ein, die Flügel spannten sich unzerreißbar. Wir verloren hier im September-Oktober vielleicht 67 500, wahrscheinlich nur 51 000, relativ nicht viel, da Napoleon bei Leipzig in 3 Tagen 51 000 t. u. v. verlor. Ein Bruch zwischen Erscheinungstermin der Listen und Wahrscheinlichkeit besteht nur für Septemberende in der Champagne, nur hier braucht man späte Oktoberlisten zu Hilfe zu nehmen. Wie man für Oktober noch V. L. – 21. November zugrunde legen muß, bleibt dem Takt überlassen, jedenfalls traten bis 1. Dezember in Champagne wahrscheinlich 17 000 hinzu. Denn man bemerke, daß in späten Novemberlisten zumeist 15. R. D. mit 5500 V. auftritt, die tatsächlich einen letzten Novemberangriff ausführte. Dieser wird eben viel bedeutender gewesen sein, als H. B. erwähnt, auch ist keineswegs undenkbar, daß 39. Westf. erst spät gemäß seiner V. L. bei Tahure zersprengt wurde. Dort wurden Bretonen, Normannen, Pikarden erst spät Meister, Afrikaner und Marinebatl. nahmen aber auch im Oktober nie den Kanonenberg, dessen fünf Abhangfinger die Franzosen »Massigeshand« tauften. Beim Verlustansatz ließen wir 9. K. wesentlich aus, weil wir an dessen ernste Mitwirkung nicht glauben. Dritte Hauptschlacht Loos-Arras Auf der Westfront verschäumte die alliierte Sturmwelle fast spurlos, obschon 15. R. Lippe-Detmold seine ganze Hingebung aufbieten mußte, auch die Leipziger diesmal größeren Blutzoll zahlten. Beiläufig focht die Garde auch noch im Dezember und brachte es so auf 13 850 V. (1. G. allein 2500), mehr als je zuvor. Die Herbstschlachten genau zu schildern hat keinen Zweck, da sie nur sklavische Kopie der Winter- und dritten Arrasschlacht, nur mit noch mehr Aufwand von Streitmitteln. Sie verliefen so langweilig, daß sie den Kriegsforscher keinerlei Ausbeute liefern, nur dem Psychologen und Pathologen bezüglich menschlicher Ausharrungsfähigkeit. Roh frontales Anrennen auf bestimmte vom Geschütz bearbeitete Punkte, durch die der Stürmer sich Eingang verschafft! Durchbruchsphantasie zu solcher Phantastik ausgeartet, daß Franzosen und Briten sich zwischen Sambre und Maas im Rücken der deutschen Linien die Hände schütteln wollten! »Man so dhun!« sagt der Berliner. Nach so schrecklichen Lehren? Nach Ablauf tollwütiger Offensivepilepsie, deren Paroxysmen stets mit Kollaps enden, mußten die Westmächte knirschend zusehen, wie man sich bei Vernichtung Serbiens nicht stören ließ. Auf der ganzen Linie vom Suippe- bis zum Ypernwasser, wo seit 21. Sept. überall ungeheure Kanonade dröhnte, das gleiche Bild. Übermäßiges »Trommeln« erzeugt an und für sich keinen entsprechenden Verlust an Leib und Leben, das zeigt der geringe oder mindestens nicht große des sächsischen 105. vor Hooge, auf dessen stets ausbesserungsbedürftigen, vom Bellewarder See angefeuchteten Schanzgräben schwerstes, am 25. früh unerträglich gesteigertes Feuer lag. Betäubende Minenexplosionen erschütterten den Bahndamm, vier »Wellen« überfluteten die Vorderlinie, doch wurden von Masch. G. hingemäht, von Mörsern bearbeitet, aus den halbgewonnenen tiefliegenden Gräben ließen sich die englischen Veteranen nicht mehr vorbringen. Zwei Freiwilligendiv., die den Rummel nicht kannten, sahen sich bald im Rücken gefaßt, wobei 7., 9. Komp. 105. den sprungweise herangekrochenen Feind niedermachten. Trotz todesmutigen Ungestüm scheiterten die Briten stets bis 1. November unter schwersten Verlusten. Genau im gleichen Stil wie dort, wo die Elsässer mit ausgezeichneter Tapferkeit das 5., 2. engl. K. abschlugen, stürmten Ende September südlich der Lys 15 englische Div., wo auch schon Australier zur Stelle. 70 000 Schuß pro Stunde gingen allein auf den Abschnitt der bei Loos eingefügten Schlesier nieder, die sich unverzagt die Hullucher Kiesgrube wiederholten und dort General Bruce mit seinem Stab gefangen nahmen. 4 hergerufene Pfälzer Batl. machten hier mit. Was am 27. bei Vermelles einbrach, davon entkam keiner lebend. Eine heransprengende Gardedragonerbrigade büßte ihren Vorwitz mit Vernichtung. Hier hatte French seine drei Kav. K. gesammelt. Keine Bange, es kam nie zum Einhauen und Verfolgen! 4. K. ward zum Skelett abgezehrt, 1. K. hatte mit 2. D. am Kanalrand blutigen Mißerfolg, mit 7. D. mäßigen an der befestigten »Zeche 8«, mit 9. D. geteilten, nur 28. Brig. drang in die große Schanze ein. Nördlich große Niederlage. Die vorderen zwei Wellen wurden mit Farbigen gefüllt, über deren Leichen die Weißen eindringen sollten, doch acht Wellen strandeten schauerlich, in Tausende von Stürzenden zerstäubend. Im Norden versagte das Rauchgas, vor Givenchy und Aubers flohen die Briten, die Inder ließen sich töten. Was um Loos herum unter giftigen Wolken mit riesigen Gashelmen herankam in der Überzeugung, das bellende Bombardement der Marinegeschütze habe die Verteidiger begraben, fiel unter Handgranaten. Allein in diesem Abschnitt lagen 20 000 Tote und Verwundete als Zeugen der Niederlage. 47. Territ. D., 15. schottische D. konnten die lange schmale Erhebung von Hügel 70 nicht ersteigen. French redete sich mit Interpunktionsfehlern heraus, als englische Kritiker ihm seine Unwahrheiten vorhielten. Doch gesteht er selber, daß auch die links davon am Westrand von Hulluch angesetzte 1. D. nach fünfstündigem Kampf wich und nennt die Ereignisse sehr betrübend. Sein späterer Bericht munkelt verschwommen, man habe die im Vordertreffen eingebaute Hohenzollernschanze erobert. Doch weder die ablösende 28. D. noch das ganze 11. K. vermochten die große stumpfnasige Schanze einzurennen, nachdem 9. D. von herbeigeeilter sächsischer Hilfsgruppe daraus entfernt. Unsere Artillerie auf Hügel 70 zerschmetterte die mit wildem Hurra aufsteigenden und angeblich 5600  m bis Loos rennenden Freiwilligen. French sagt die Unwahrheit, der Sturm sei bis zum »großen Hügel jenseits Loos« binnen einer Stunde durchgeführt, die Schotten hatten Loos, um ½7 zum Sturm angetreten, erst um 10 Uhr. Hier schäumte das Blutbad zum Überfließen, M. G. spielten von den Turmgerüsten der Bergwerke und aus jedem Fenster, die Badenser wehrten sich bis in die Keller, zornige Abgeschnittene dachten nicht an Übergabe. 3. K. und Inder nördlich Basséekanal (5 Divisionen) wurden von Leipzigern und Pfälzern gründlich geschlagen, 1., 4. K. mußten am Eckfort und den Hullucher Kalkbrüchen vor Westfalen und Badensern weichen, Rgt. Südstafford und Yorkshire zersprengt. Alle Briten bildeten zuletzt nur eine zusammenhanglose Masse ohne taktische Ordnung. Bis 3. Oktober währte das Gemetzel. Die zur Ablösung vorrückende 8. D. stießen Badenser unsanft beiseite. 9. D. verlor 500 Mann pro Bataillon, d. h. 6000, dies Geständnis gibt einen Maßstab, da 1., 15., 47., 28., 7., 2. D. natürlich eher mehr verloren, 2. Schützen-, 26., 73. Brig. aufgerieben. Zuletzt hielt noch 84. Brig. den Westausläufer der Hohenzollernschanze, bald selber zerschossen wie deren Ruinen und bald verjagt. Ihr Chef, Lord Cavan, hatte die Garde ermahnt, er »erwarte Großes von ihr«, sie erzielte nur Kleines. Etwa fünf deutsche Divisionen, bei denen auch 113. Freiburger sich auszeichneten, hatten zehn (nicht »elf«) britische vorerst kampfunfähig gemacht. Im Oktober will French deutsche Gegenangriffe aufgehalten haben, und da deutsche Meldung schweigt, wird es wohl wahr sein. Er entblödete sich nicht, am 12. den Scherz zu unterstreichen: »Unsere Verluste sind noch geringer als wir dachten«, während man in England Trauerkleider anlegte. Die Schlacht wurde beiderseits noch blutiger als im September, ganz wie V. L. ausweisen. Am 13. drangen die Grenadier-Guards am Südwestrand der Hohenzollernschanze ein, deutscherseits stürzten sich die Gardegrenadiere Elisabeth und Franz ins Getümmel. French machte von Stickgas ausgiebigsten Gebrauch, doch war ihm nur winziger Bodengewinn nordöstlich Vermelles beschieden, weil er dort Hilfe des 9. franz. K. von Urbal erbat. Seine Gaswolken wälzten sich auf ihn zurück, er verlor am 15. längere Laufgräben westlich des Feldwegs nach Hulluch, bis 21. scheiterten beiderseitige Angriffe. Vor dem Publikum sah dieser sonderbare Schwärmer alles in rosigem Licht und plauderte amüsant, das 10. franz. K. (soll heißen 10. A.) habe den Vimyrücken erobert. Mit unerschöpflicher Erfindungsgabe auch »die Bundesgenossen« begünstigen, alle Achtung! Er behauptet, inkl. »einer Gardedivision« hätten ihm 48 Batl. gegenüber gestanden, 7 andere seien von anderswo erschienen, hätten 80 % verloren. Das verkündet er mit Berufung auf »Verlustlisten«, kennt er sie durch Inspiration? Er verlor nachweislich 60 000 schon in der letzten Septemberwoche. Auch nordwestlich Radeghem lagen 1100 tote Briten vor 20. b. R., das selber nur 18, 550 verlor. Der Großkampf besiegelte Frenchs Amtsentsetzung, seine Siegerpose trug ihm Entrüstung und Verabschiedung ein. Die 26  km nach Lille zu durchqueren schwand jede Aussicht. Bei Arras gaukelten die französischen Führer ihren Todgeweihten vor, daß nach solchem Getrommel keine Deutsche mehr lebten, sie bummelten sozusagen mit den Händen in den Hosentaschen heran. Folge: »Das Totenwäldchen« am Südosthang von Loretto. Telegraphendrähte bei Telus, Obstgärten der Hügelwelle La Folie, die ein Schloß und Pachthof krönten, bildeten die äußerste Zone, bis wohin die Franzosen je vordrangen, jetzt wurden sie überall vor Neuville verdrängt. Hier stand unbewegt 1. Garde und machte sich den Feinden furchtbar. Auch die Anhaltiner waren wieder da, wie von den Toten auferstanden, neben ihnen die Altenburger und südlich 72., östlich des Labyrinths sprengten sie feindliche Barrikaden, wo Tirailleure sich in Sprengtrichter einnisteten. Bis zuletzt machte es schwere Arbeit, den zähen Lehm verschütteter Gräben wieder aufzuwerfen unter Streu- und Störfeuer von Loretto her. Den 4  km langen Vimyrücken und seine Ausläufer südwestlich Souchez, von Schleuderminen umfaucht, umhüllten schmutziggelbe Erdreichspritzer, als der Franzose am 10., 11. trommelte, 100 Schuß in der Minute. Erst spät nachmittags trauten die Stürmer sich heraus aufs Signal »Tout le monde en avant«, doch die Woge überschäumte nur wenige Gräben, verbrandete und versandete. Seit 13. schluckten b. 1. R. Jg. bei Beaurains täglich 10–16 000 Granaten, sonst blieben die Bayern fast unberührt. Stoß und Schlag des Handgemenges führten zu heller Feldflucht. Nur am 25. trieb ein Gewaltstoß am Souchezschlößchen 133. sächs. und Schlesier etwas ab, den rechten Flügel der an dieser Front noch nicht eingewöhnten schlesischen Artillerie suchten giftige Stinkbomben heim, Flankenkanonade aus Loos verheerte den Abhang des Vimyrückens, eine dort eingegrabene Batterie feuerte nur noch mit einem Geschütz, holte sich erst später die abgerollten Rohre und verbogenen Lafetten wieder. Nebelschwaden und Pulvergase zogen hin und her, Leuchtkugeln beunruhigten den Feind, gefolgt von Handgranaten, die in überfüllten Sandsackverhauen aufräumten. Faßbenders Res. K. verlor nur 1300 mit nur 29 Off., das ausgeruhte b. 1. K. übernahm die Stellung gemeinsam mit 50. R. D., die später eine Weile zur Champagne abging. 3., 12. franz. K. seien hier am 10. abgeschlagen, deren Hälfte aber in der Champagne stand. Man hatte das Vergnügen, ein bißchen zertrommelt zu werden, das war alles. Erst Mitte November erlosch die Schlacht, nachdem am 30. Oktober die Bayern der 2. D. westlich Thelus noch gute Arbeit taten und den vorgeschobenen Bogen der französischen früheren Bodengewinne eindrückten. Nur 3 Tote kostete der Anlauf. Verankerte Drahtnetze und Sappenköpfe rasch überwindend, breite Grabenfront überspringend, M. G. stumm machend und gegen das gesprengte 50. Rgt. umdrehend, duckte man sich hinter eroberten Stahlschildern gegen Todesgrüße franz. Artillerie. 2. R. zeigte hier die Bayernfaust. Der triumphierende H. B., schon am 3. Oktober hätten die Verbündeten ihre Offensive eingestellt, kam wie gewöhnlich verfrüht, aus kurzer Ruhepause wie in der Champagne schloß man auf Lahmlegen der Kampflust. Das Endergebnis war aber jedenfalls demütigender für den Feind als in der Champagne, die Deutschen konnten mit ihrem Tagewerk zufrieden sein. Wir wagen nicht zu schätzen, wie groß der feindliche Verlust bei Arras-Loos im ganzen war, schwerlich unter 200 000. Feierliches Bedauern über »Ausgießen brennender Flüssigkeiten« bedeutet auf französisch stets deutschen Erfolg und derlei sah man jetzt überall auf der Front bis zum Elsaß. Champagne bis November In der Champagne probierte Castelnau jedes Mittel. Seine Artillerie rasselte in flotter Gangart vor, die unzertrampelte zweite Linie zu brechen, doch die unsere, die sie für einen überwundenen Standpunkt hielt, machte ihr sofort den Standpunkt klar, so daß sie schleunigst wieder aufprotzte. Staubwolken der Reitergeschwader zerstoben schneller als sie kamen. Wegen falscher Vorhersagung des H. B. über Abbrechen des Infanteriesturmes, was man aus falscher Ruhepause schloß, möchte deutscher Bericht nicht Wort haben, daß erst im Oktober die Hauptschlacht entbrannte. Als 60 schwere Batterien 23 Stunden lang bei Souain nordwärts brüllten, dann ein Höllenkonzert nordostwärts ein Fortissimo anschlug, wollte Castelnau nicht mehr die Eckpfeiler Souplet-Ripont umstürzen, sein Keilen aus der Mitte ging strahlenförmig nach Nordost und Ost auseinander. Daß »35 D.« anliefen, »6« in Reserve folgten, berücksichtigt nicht die vielen ausscheidenden abgekämpften Körper, manche verbluteten schon, andere verschnauften halt- und kehrtmachend und kauerten sich nieder. Verdichtung durch Nachfüllung steigerte die Zermalmung. Von 12 im September verbrauchten D. bester Infanterie waren 23., 37., 42. als erledigt ausgeschaltet, 14., 20. K., 3. Kol. D. in Auflösung: »5–6 fache Übermacht« kam nie in Frage. Am 1. Okt. hielten 5. D. und die zwei Sachsenbrigaden die Mittelfront vor der abziehenden D. Liebert, die Brandenburger 18., 54. Art. arbeiteten, daß die Rohre auszubrennen drohten, und viele Sachsen verfeuerten ihre letzte Patrone über getürmten Leichenhaufen drei auserlesener Chasseurbatl. Im Westen marschierte General v. Lüttwitz, der jetzt das 10. K. an Stelle des gestorbenen Emmich führte. Seine 10., 46. Art. feuerten von Sommepy, 20. D. ging allmählich ins Feuer. Hier überdauerte auch das plötzlich hierher gesandte 25. bayr. mehrere Stöße (Verl. 800 bei nur 15 Off., wahrscheinlich Gefangene dabei), bei Navarin. Am 6. sei hier ein Hannov. Rgt. in die Bresche gesprungen und im Vandalengraben überwältigt worden, was jedenfalls beweist, daß 10. K. erst im Oktober nach und nach eingriff. 2. G. F. Art. fuhr bei Tahure auf, wo 77. I. sowie 122. R., später 109. I. die Westfalen unterstützten. Bei den Paderbornern erschien 1. Musketierbatl. (mit Schnelladegewehren, von je 2 Mann bedient), ihre Winkel- wurde zu wahrer Winkelriedstellung. Am Ostflügel half jetzt 56. D. (35., 88., 118.), später eine Brigade 53. R. D. (nicht die ganze) aus Ypern und das Würt. kombinierte Rgt. Legeler. Wir skizzieren kurz, was wir ausfanden. Langles 60., 7., 8. D. wurden von Kirchbach völlig geschlagen mit Verlust von 3478 Gef. Die tapferen Sachsen machten alles nieder, was seit 2. Oktober östlich Auberive anlief. 124., 129., 40. D. längs der Chaussee fanden an den sächsischen Hilfsbrigaden und Teilen von Lüttwitz einen unzerbrechlichen Wall. Auf der Ostseite der Chaussee bohrten 14., 56. D., 16., 15. Kol. D. ein Loch, so daß ihr Angriffskreis sich bogenförmig nordwärts krümmte. Wucheras Brandenburger und die Tahuregruppe feuerten in ihre Flanke, 14., 56. gingen vernichtet aus dem Feuer, ersetzt von 48., 51. Die Sachsen schlugen sich auf dieser Strecke mit besonderem Heldenmut, das Gefecht war furchtbar mörderisch, doch alles was von Farm Navarin vorbrach, ging zu Grunde. Westlich der Paderborner hielt 15. Kol. D. stand, 48., 51. konnten den Kampf später auch nicht mehr ertragen, 12. D. Chalons setzte ihn fort. Südöstlich schloß Petains 15. D. an, 3., 21., 53., 153. D. rangen gegen 16. R., 56. D., 32., 157. D., 2. Kol. D., gegen 21. R. D., 128., 151., 20. gegen die L. W., in Reserve 11. D., 22., 39. D., 3. Kol. D. kampfunfähig, bald auch 157. Petain trug sich mit der Hoffnung, Oktober beschere, was September versagt, sie trog ihn. Nur einmal brachte Anlauf von »7 D.« am Vorwerk Justice 1000 Gefangene ein, offenbar kam erst jetzt die 16. R. A. in solche Bedrängnis, denn Joffre gab erst nach Oktober die Zahl eroberter Geschütze hoch an. Der Kronprinz lenkte das Gefecht superior, warf 35er rechtzeitig nach dem Kanonenberg, 88. an die Hessenschlucht. 81. R. behauptete mit Ehren den Ehrenberg. Schon anfangs Ende September, als Afrikaner am »Jammertal« eindrangen, machte Pionieroberst Unverzagt seinem Namen Ehre und ihnen den Rückweg zum Jammertal. 17., 80. R. hielten fest; 57., 118. L. W. mit großer Bravour; desgleichen das württemb. Hilfsregiment. Fünf Wellen todesmutiger Franzosen und Afrikaner verschäumten wie Gischt an Granitklippen vor den Champagnehäusern. Da das Musketierbatl. nur 75 verlor, an so scharfem Gefahrpunkt, läßt sich damit in Einklang bringen, daß die Westfalen laut V. L. anfangs nur mäßig litten. Major Klitzing mußte erst spät seine Paderborner über Klitzinghöhe zurücknehmen, von allen Seiten berannt. Die verlegene Oberleitung, die am 6. nach Austoben ihrer Feuerschlünde leichtes Spiel zu haben glaubte, doch mit sechs fruchtlosen Stürmen verspielte, quälte die Schlacht hin, obschon das Blutvergießen jede Hoffnung in den französischen Reihen ertränkte und nur noch wilde Wut die Gallier beseelte. Absichtlich gesellten sie Turkos ihren heimischen Verbänden, damit diese Bestien sich am Verstümmeln Verwundeter berauschen könnten. (Später stellten sie eigene »Nettoyeurs« an, zum Niedermetzeln Verschütteter, um »la douceur de nos moeurs« zu betätigen, wie Millerand beim Ruhr-Terror so lieblich sagte. Man spricht von englischer Heuchelei, doch da geht nichts über die »großmütig ritterlichen« Franzmänner.) Langles Unternehmen trug von vornherein den Keim des Mißlingens in sich. Kein Andrang auf St. Marie beeinträchtigte Kirchbach's Schlachtordnung; 133. R. zeichnete sich wieder aus, beim 103. war sein tapferer Oberst gefallen, es focht mit starrer Entschlossenheit; 178. I. griff ein, von der Aisne hergeschickt. Am meisten floß Blut an der Chaussee, wo 183., 184., 192., 193. I. heldenmütig 4 D. abschlugen. »Zwei frische D.« nordöstlich Souain werden wohl 48. D., 16. Kol. D. gewesen sein; sie gaben halbvernichtet den Kampf auf. Bis 9. verlor Langles wieder 1500 Gef. am Navaringehöft. Das am längsten fechtende 184. verbrauchte 1000 Patronen pro Mann, man ergänzte jetzt den Schießbedarf, unendliche Schüsse verausgabten die Batterien von Lüttwitz und Wuchera; Flachbahn- und Ringkanonen fegten breite Gassen durch die anrasenden Massen. Artilleristisch gefestigt, mit allem Nötigen versehen, wurde die Mittelstellung nur am 10. vorübergehend bei den Brandenburgern beschädigt. Als man dort einbrach, verdoppelte 18. Art. ihre Wirkung durch Vorfahren zu naher Beschießung; Vorübung für spätere Verdunleistung. Als Lüttwitz die 19. der 20. D. folgen ließ, schwand jede Durchbruchsmöglichkeit an der Chaussee. Westlich davon war nichts mehr zu hoffen. Kritische Tage erster Ordnung folgten einander mehr für Franzosen als Deutsche; 40. und die frisch eingesetzte 127. D. wichen zertrümmert aus der Schlachtlinie und kamen nicht wieder. Verdrießliche Verdrossenheit, Mißtrauen zur Führung, die soviel Brave hinschlachtete ohne greifbares Ergebnis, lastete auf den mürrischen Truppen. Ganze Regimenter, z. B. 103., 104., murrten und meuterten mit Gehorsamsverweigerung gegen nochmaliges Aufreißen zum Sturm. Einen Nennerfolg erwarb man nur, wo größte Übermacht sich einquetscht, bei Tahure. Hier holte Langle noch die 10. Kol. D. vor; sie drang ein, doch blieb das Dorf unbesetzt zwischen beiden Parteien. Was sich herauswagte, verfiel der Todessichel. Die Paderborner wehrten sich beim Zurückgehen gemeinsam mit 2 Radfahrerkompagnien und einem Halbbataillon 35er, schon Ende September hier eingetroffen, und dem zu ihren abgezweigten und restlos eingesetzten brandend. Leibregiment. Gegen sie hatten sich vorn bei Hurlus 3., 15. D. nach Norden geballt, rechts von diesen wurde 12. D. durch Fernfeuer schwerer Haubitzen aus Ripont abgeschlagen. 31. D. hatte es nicht besser, nachdem 32. schon wich, bis endlich 10. Kol. D. unmittelbar auf der Chaussee im Perthes-Feldweg einschwenkte und in die Weiche fiel. Solcher dreiseitigen Übermacht gab die 50. D. nach. Zu lange unabgelöst ausharrend, verlor 53. viel Vermißte, nach mehr später die niederrheinischen Füsiliere. Sie deckten nicht länger mit Front nach Südwest die Gabel-Hasem-Rehschlucht, das Platten-Polygon-Krakenholz. Marchands Kabylen, den eine fast tödliche Kugel traf, hefteten an ihre Fahne den »Sieg Tahure«, weit worauf nördlich. Jetzt standen aber hinter Tahure schon 92. I., 78. R., beide Braunschweig, auch schon 78. R. Brig. versammelt, dann 107. D., 185. Brig. In bunter Reihe Hannoveraner (auch 78. I.), Schwaben, Badenser. Beiderseitig der Chaussee in die Flanke zu wirken, hinderte die große Übermacht; doch noch am 13. blieb ihr Gewaltstoß längs Butte de Tahure ohne rechten Erfolg. Gleichwohl stand Langle hier gefahrdrohend inmitten der deutschen Linie, doch sein Bericht läßt durchblicken, daß unsere Batteriestände der Goutteschlucht (auch Goethetal getauft) nordöstlich die Strecke bestrichen, wo Langles und Petains Innenflanken sich berührten. 15. Kol. und die frisch eingerückte 32. D. als kampfunfähig beseitigt, ersetzt durchs wieder gesammelte 14. K., frische 64. D. neben 51. eingehängt, 12. D. nach Westseite der Chaussee verschoben. Am 14. blieb der Kampf nachteilig für beide Parteien, da die Franzosen zwar von der Butte ihre Wut nur ins tiefliegende Tal ausschütteten, selbst aber unter Kreuzfeuer lagen. Am 11. hatte zwar »glänzender Sturm« den Vorderrand des »Trapezwerks« erobert, drang man aber dort von Graben zu Graben, so war angeblicher deutscher Gegenangriff »westlich Tahure« unmöglich oder bot man ihm schon die linke Flanke? Am Ostflügel war bei Beauséjour Niederlage der 2. Kol. D. entschieden, doch schlug Petain seit 10. ein stürmisches Tempo an. 4., 32. D. wechselten den Platz mit 15., 128. nördlich Massiges und verstärkten Langles Andrang, hinter dem er nicht zurückstehen wollte; er ließ 1. Kol. D. los, vereinte sie mit den Trümmern von 2., 3. Kol., 22. D. nördlich Mesnil, dagegen verschwanden 153., 21., 3., 15. abgekämpft von der Bildfläche. Das jetzt ausgeruhte 20. K. stieg neben 151., 20. D. den steilen Hang zum Aisnetal hinab, konnte aber gegen Mühlenfels' L. W., gelehnt an 49. Art., 127. I., nichts ausrichten. Alle Hessen hielten aufs rühmlichste aus, ermuntert durch Nähe des Kronprinzen. 16. R. D. wurde jetzt abgelöst wie 15. bei Souain und sprengte ihre Tunnelanlagen, als die Afrikaner durchs waldige Gouttetal heraufeilten, wo die abgedrängten Westfalen jetzt beklommen längs der Ripontchaussee abzogen. Doch muß auch dieser Angriff mißglückt sein, denn 1. Kol. D. schied alsbald aus. Am Sattel vor der Hessenschlucht und Kanonenberg war 56. D. nicht aus dem Feld geschlagen; Ankunft der sächsischen R. Brig. aus Ypern verbot jedes weitere Vorgehen Petains. Mittlerweile handhabte unser G. St. Heranrollen des Trains, Ausladen der Truppen mit feiner Sicherheit; dies war seine Stärke, technisches Handwerk. Nacheinander brachte man 4. D., 50. R. D. (aus Rußland zurückgekehrt), dann 7. R. D., 9. K. aus Noyon. Es war Zeit, denn 10. K. fühlte sich der versprochenen Erholung beraubt durch Kalkstaub nach galizischen Schlammpfützen; im November marschierte es über Sommepy ab. Quast's Aufmarsch wird aber sicher vordatiert, übrigens verlief die Schlacht im Westen fortan ziemlich spurlos. Sich auf ihrem eigenen Leichenfelde einzurichten, ward den Franzosen nicht vergönnt; bei Arbrehöhe und zwei Einbruchswinkeln der 5., 20. D. verbesserte man die deutsche Linie; 23. R. D. fiel von Vaudesincourt her östlich Auberive auf den Feind; III/100. machte 600 Gef. Gegenstoß des 4. fr. K. scheiterte, wie es widerwillig zugesteht. Da Langle am 19. »tränenanregendes, chlorhaltiges Gas« anklagte, welche Tränen der Rührung gewohnheitsmäßig bei empfindlichen Rückschlägen vergossen werden, und in Meldung am 20. »verstärkte Dichtigkeit von Gasen« ihren Dunst verbreitet, so riecht man französisches Pech. In den Communiqués tagt Befürchtung, daß es immer dunkler werde nach so viel fragwürdigen Sonnenblicken. Erscheinen der von Mihiel hergeschafften 5. bayer. D. südöstlich Tahure wird auf 13. vordatiert. Wir entnehmen dies der franz. Meldung vom 24., 25. über heftiges Ringen um Befestigung von 1200 Meter Breite mit unterirdischen Tunnels, vom Feind »La Courtine« genannt. Die Tunnels deuten klar auf 16. R. D., nur sie besaß solche, stand also noch darin, der Ablösung harrend; denn erst am 29. drängten »drei frische Regt.« den Feind hinaus, das können eben nur 7., 21., 19. bayer. sein. Nur 14. war schon früher am vorspringendsten Punkt und litt schon bis 20., doch erst am 24. erfolgte Angriff auf Kreideberg von Mesnil seitwärts der Küchenschlucht. Bis 17. Nov. rang man hier hitzig bei 76, 2016 Verl. (70. 492 durch Vorkanonade laut B. Kr. Arch.), vermutlich das den Bayern beigefügte 73. R. mitgerechnet. Die Absichtlichkeit, womit man wieder Bayerntaten an dieser Wetterecke hervorhebt, durchschauen wir; 56. D. verdient weit mehr Lob; der mäßige Bayernverlust erst in später Novemberliste macht starke Oktobermitwirkung unmöglich. Betrommlung und Minenbewurf schadeten wenig dem überaus festen Ausbau der Wetterecke. 19. und vorher 14. fühlten sich mehrfach bedrückt durch Umzinglungsgefahr, doch wickelten sich gut heraus. Vom 30. bis 5. Nov. kam der ausgereifte Entschluß des Kronprinzen zur Durchführung, den Feind von Butte de Tahure zu vertreiben. Pommern, 49. I. vorauf, Magdeburger, Hannoveraner machten zwar 1405 Gef. (80. fr. Rgt. vernichtet), doch gewannen Klitzinghöhe nicht zurück. 241 R. (Sachsen, die diesmal überall bei Erfolg den Ton angaben) und 35. warfen gleichzeitig den Feind aus dem Großteil von H. 199 und der Farm Chaussée nördlich Massiges. Sobald die französische Meldung »erstickende Gase« einatmet, weiß man, daß es schief ging. Daher ist logisch, daß wir den V. L. vertrauen und den plötzlichen großen November-Nachwuchs für 15. R. D. und besonders 25. R. auf den großen Streich vom 5. Nov. beziehen, zumal 17., 30. R. anfangs ohnehin auf ihren alten Posten der Winterschlacht verblieben, nicht bei Souain. Ist nicht durchaus wahrscheinlich, daß man Liebert nach langer Oktoberpause wieder neben Dittfurt versetzte und die Rheinländer ihre alte Stellung zurückhaben wollten, daher wie »Köl'sche Jungens« draufgingen? Im November wurden 183., 192. Brig. abgelöst, dagegen nicht 10. K. durch 9.; die V. L. sind dagegen und wir stehen jeder ernstlichen Mitwirkung des 9. K. skeptisch gegenüber. Im November litten auch 4. D. (2750), 66. R. erheblich außer anderen Verlusten, selbst im Dezember endete das Streiten nicht; jedenfalls hier 73. R. (1222) bei 5. b. D. Bis Neujahr H. B. ward immer einsilbiger, als geschehe überhaupt nichts mehr; wir sind aber so unhöflich, ihm vorzuhalten, daß Unsere bei Ypern im Oktober 7150, im November 8000 verloren, wo der am 17. »nördlich Ypern« verübte Handstreich nicht so bedeutungslos blieb, auch nicht im Süden. Wir stoßen also um, daß French sich dort still verhielt. Für Westfront nur Geschützduelle und Minensprengung? Und franz. Meldung riecht am 27. drei Ladungen erstickender Gase an den Hochöfen von Berthincourt? Da wittert man immer mißtrauisch größere Schlappen. Und French weiß auch nichts weiter, als daß deutsche Mineurs mal 10 mal 2 Briten verschütteten, ohne ihnen Schaden zu tun! Mit solchen Kindereien vertreibt man sich amtlich die Zeit und streut der Welt Sand in die Augen, während damals immer noch reichlich Blut den Champagnekalk und Flanderns fetten Lehm überströmte und in der Arraszone 1. G. und Franzer, sowie beiderseitig Ecurie Bayern und Magdeburger mit aller Kraft fochten. Als Weihnachtsbescherung trat French in wohlverdienten Ruhestand; England kannte zwar seine Fehler nicht, doch mißbilligte sie! Monroe als Befehlshaber der Bethune-Armee und Haigh als Höchstkommandierender verschönerten Frenchs Abberufung durch »meisterliche Untätigkeit« (Disraeli). Zu später Stunde besann sich die englische Kriegsführung darauf, daß die Leipziger, vor deren Keckheit man sonst eine heilige Scheu hatte, die Zwischenverbindung Lille–Ypern stärkten. Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, dachte Monroe und stattete ihnen zu Neujahr einen Nachtbesuch ab, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Danke, sehr gut! Die lydittduftige Neujahrskarte ward uneröffnet von den höflichen Sachsen refüsiert, und gelangte so wenig an ihre Adresse wie französische étrennes an andere Türen. Neue Abendvisite am 11. Januar endete mit anzüglichen Hinausschmiß der zarten Aufmerksamkeit. Frischer Kraftzuwachs bewog Sir Charles zu neuer Zudringlichkeit; 139. zeigte ihm nördlich Frelinghem, wo der Zimmermann ein Loch ließ. Doch die brenzelig angesengten Lorbeeren von Loos ließen ihn nicht ruhig schlafen; er bot dem maulaufreißenden Londoner Gloryhunger eine bonne bouche mit Ragout fin kleiner Handstreiche statt der pièce de résistance solider blutiger Rostbraten. In Ermangelung anderer Hors d'Oeuvres verabschiedete er sich vom Hausfriedensbruch mit »einigen Gefangenen« ! Hochbefriedigt verkündete Haigh am 17. ausgezeichnetes Ergebnis«. Worin es bestand, überließ er wohlweislich dem Takt des Lesers. Nur mit Hohn und Spott gedenkt man dieser Zeiten, wo die Entente die Welt mit Siegespost erfüllte, obschon ihr Lärm doch in der Champagne verstummte. Doch sind wir weit entfernt, der Wahrheit Gehör zu verweigern, daß auch H. B. unzeitig jubelte. Amtliches Urteil anzweifeln ist stets gesund, beiderseits warf man mit konstruierter Voraussetzung um sich: Der Franzose wollte durchbrechen, konnte nicht, also deutscher Sieg – der Deutsche wollte uns ganz vermöbeln und zurückschlagen, konnte nicht, also verlor er! Ließ der Deutsche sich ruhig nieder und der Franzose hatte keine Siegeslieder, ging spurlos an uns vorüber? Keineswegs, er blieb bei Tahure. Freilich machte Joffre sich wieder unsterblich lächerlich in Geheimbefehl: Am 10. Oktober wollte er sein Hauptquartier in Vouziers haben! »Die Deutschen haben nur sehr dürftige Reserven hinter ihrer dünnen Stellung.« Ei, wie durfte er dann ein Halleluja anstimmen, wenn man irgendwo solche Dünnheit durchstieß! Später hob er seine riesige Übermacht hervor, man müsse Tag und Nacht über die letzte Linie ins freie Gelände kommen. Die Überstürzung der Reiterattacke bei Souain war vorbedachte Gravelotte-Steinmetzerei großen Maßstabs, diese hochnäsige Strategie schlug sich mit Wahnvorstellungen herum. Wenn man von 840  km Front 23 abknipste, durfte man da von Vertreiben alles Deutschen träumen! Wo er freies Feld vermutete, arbeitete man schon eine neue Linie aus. Nun, den Franzosen fehlt es nie an Mut, wo Gloire vor ihnen hertanzt, Vive la Victoire! sei sie noch so trügerisch. Zur Erhitzung nahm man Alkohol zu Hilfe und sie bewegten sich kräftig mit Marseillaise im Marschtritt vor. Als aber an zertrommelten Gräben viele Eindringlinge das Verderben ereilte, als man nur lang- und mühsam den Eingang ins Feindestor durch reine Massenwucht erzwang und Bestreichung aus der Wetterecke bis tief in die Reihen drang, da verlachte man schon bitter Joffres rappelköpfige Verheißung: den Briten, die bis Namur durch die Luft fliegen sollten, wolle man bei Mezières die Hand schütteln und das deutsche Dreieck zwischen Somme und Aisne in die Luft sprengen! Luftikus! Was blieb von solcher Großsprecherei? »121« Geschütze, die später wieder jungten auf 150, wer zählte sie! Ihm war zuzutrauen, daß er M. G. mitzählte, da solche nicht genannt, oder Grabenkanönchen. Nun, wir verloren, so weit unser Wissen reicht, 56 Geschütze. Zu mehr verstehen wir uns nicht, da ein Teil verlorenen Materials von Sachsen und Rheinländern zurückerobert. 25 000 Gefangene? Wo Einzelheiten geboten, fiel die Ziffer viel kleiner aus, an einer Stelle war man mit »200« zufrieden! 23 000 in späterer Schätzung inkl. Arras und Loos? Doch Foch meldete nur 1500, French 3000, was außerdem wahrscheinlich unwahr, man kennt ja Frenchs Phantasie, im Juni gab Foch übrigens nur 164 an, während wir damals 1166 Gef. machten. Ohne Zweifel zählte Joffre nach gewohnter Art alle liegengebliebenen Verwundeten und Verschütteten, doch auch so gab er nur 17 371 an als »nach Chalons transportiert«, bringt also seine eigene obige Ziffer um. Daß man deutscherseits 10 932 Gef. zählte, scheint übertrieben, G. St. Schr. zählt nur 7000. Aber »noch nicht 20 000 Tote« und dies »ein Fünftel« des französischen Verlustes, wohlbemerkt nach der unwahren Voraussetzung eines nur bis 10. Oktober währenden Hauptkampfes? Da jede präzise Ziffer vermieden wird, soll solch vage Andeutung wohl auf geringeren Verlust schließen lassen, als er wirklich war, da das Publikum kaum zwischen Toten und Verwundeten unterschied, gesteht aber unwillkürlich die Nichtigkeit unserer Berechnung und die lange Kampfdauer, denn bis 1. Dezember verlor man wirklich ungefähr 20 000 Tote, d. h. über 70 000 Gesamtverlust. Beanstanden wir aber die vergleichsweise Ziffer französischen Verlustes? Im Gegenteil. Daß er schon bis Anfang Oktober »100 000 Tote« betrug, ist natürlich Unsinn, im Bann der falschen Vorstellung früher Hauptschlacht. Doch bei 36 D. in der Vorderzone (5 andere wohl nicht mehr eingesetzt) war die Hälfte ruiniert. Bei Durchschnitt von 50 % macht dies schon 160 000 bei aufgefüllten Divisionen inkl. Chasseurs, bei 30 % für die anderen D. zusammen 260 000. Doch dieser Prozentsatz ist zu niedrig, es gab Bataillone, die nur ein Fünftel (1300 v. 1600 Chasseurs), ja nur ein Siebentel zurückbrachten. Man muß 50 % für die ganze Masse inkl. Kav. und Art. rechnen und erhält dann 350 000, was bis 1. Dezember nicht zu hoch gegriffen. So versiegte natürlich die Kraftquelle, die Blutung rann so endlos aus, daß die Verbündeten endlich ihren Eifer sänftigten. Die bisher blutigste Schlacht der Kriegsgeschichte gewinnt erst durch unser statistisches Gerüst die richtige Gestalt. Beide Parteien hatten ein Interesse daran, die Septembertage grausig-schön zu schildern, und die große Oktoberschlacht aus dem Licht zu rücken, die Einen, weil ihr »Sieg« dort eindunkelt, die Andern, weil sie den löblichen Wahlspruch widerrufen müßten, bis 3. Oktober sei der durch Überraschung geglückte Anfall erledigt gewesen. Wir, die so oft amtliche Unfehlbarkeit bestritten, sollen jetzt den treuen V. L. Mißtrauensvotum ausstellen? Schmecken wir in der lautern Quelle diesmal Unsicheres? Welche Gewähr haben wir für das liederliche Belieben, durch plötzliche Datenlosigkeit unrichtiger Verlustverteilung Freipaß zu erteilen? Wir halten uns an chronologische Reihenfolge und fahren gut damit. Jedem wird einleuchten, daß plötzlicher Ruhestand nach fünf Kampftagen und dann wieder plötzlichen Losbruch einfach darauf beruhen, daß Castelnau Ende September noch nicht seine Hauptmacht beisammen hatte und daher erst am 6. Oktober die Hauptschlacht begann. Tatsächlich fügte sich Joffre bei noch unvollendeter Umgruppierung nur schweren Herzens dem Regierungsbefehl zu sofortigem Losschlagen zur Entlastung Rußlands. Immerhin erweiterte er den Frühjahrsraumgewinn, dies »Haben« läßt sich durch H. B. nicht abstreiten. Doch wer vorwärts will und hängen bleibt, hat beim Schaden für den Spott nicht zu sorgen, die Durchbruchstheorie war ihm gründlich versalzen und ihre Wiederaufnahme 1916/17 lieferte nur den Kehrreim: Le jeu ne vaut pas la chandelle. Noch dämpften weder aufreibender Stellungskrieg noch solche Mordschlachten die Kampflust der Deutschen, was den Feind in lähmenden Bann schlug, da er sich so ungeschmälerter Festigkeit nach solcher Abmattung nicht vorsah. Im Januar klagte Petain »erstickende Gase« an, das sagt genug, »Deutsche R. Truppen«, »3 deutsche Div.« machten ihm am Tatuberg zu schaffen. Wir erkennen nur 56. D. (900 v. 35. 118.), möglichenfalls 73., 79. R. (1600), 56. L. W. (625). Jedenfalls verminderte sich zusehends der Raumgewinn, von dem der französische Scheinsieg zehrte. Bei Castelnaus erstem Aufmarsch kamen 12 Mann auf den Meter, später auf verkürzter Front wohl 20, ungeheuerliche Tiefengliederung mit Reservestaffel von gleichem Umfang. Ähnlich verliefen die Schlachten bei Arras-Loos-Ypern. Im ganzen verfügten Joffre und French dabei über 66 I., 15 K. D., dazu 12 D. bei Ypern nebst »10« belgischen Brigaden (nicht »Div.«) und etwa 30 D. Joffres auf der übrigen Front. 5000 Geschütze dröhnten bei diesen tobsüchtigen Materialschlachten, 3000 Castelnaus sollen vom 25.–28. September allein 50 Mill. Schuß verfeuert haben, wobei wohl vorhergehendes Trommelfeuer mitgerechnet. Kein Zeitalter erlebte je solche Schrecknisse. Und das Ergebnis? Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren; wo kein Strategenkopf waltet, sieht man nur Taktisches und Lokales. Diese Schlachten waren den Preis nicht wert, auch auf deutscher Seite. Da die Verbündeten 1915 vermutlich wieder dreimal mehr einbüßten und Englands neues Heer allgemeiner Dienstpflicht erst im Sommer 1916 fertig sein konnte, so kam jetzt wieder ein Augenblick, wo die deutsche Oberleitung das Heft für Bewegungskrieg in die Hand bekommen konnte. Jede strategische wie politische Logik sprach für Durchbruch bei Bethune, rasche Zurückwerfung des Briten auf Dünkirchen-Boulogne hätte zugleich Yser- und Arraslinie aufgerollt und das Ordnen der im Sommer auszuladenden Massen unterbunden. Nur so konnte man die Initiative wieder an sich reißen, was im Krieg so viel bedeutet. Von Joffre war vorerst nichts mehr zu fürchten, der Aderlaß schwächte zu sehr, auch moralisch. 1918 nahm Ludendorff obigen Gedanken wieder auf, doch zu Neujahr 1916 lagen die Chancen viel günstiger. Jeder Sorge vor Rußland war man scheinbar auf lange ledig, jetzt mußte mit neu aufgefüllten Korps etwas gewagt werden. Alles, womit man Anderes befürwortete, wog federleicht neben Aussichten einer Lys-Operation. Selbst die Nörgeleien Monros gegen die Leipziger hätten ein Fingerzeig sein sollen, daß der Feind die dortige strategische Wichtigkeit würdige. Doch so etwas fiel den »Halbgöttern« nicht ein und das Glück wurde endlich müde, uns Aufschub zu gewähren. Verdun. Einleitung. Von Vogesen bis zu Argonnen hieß es: Über allen Wipfeln ist Ruh! Im ersten Vierteljahr 1916 beruhigte man sich auch im Elsaß, wo die »Himmelsleiter« zum Aufstieg des Jenseits für manchen Alpenjäger wurde, der Sturmwind schlug sich dauernd nach anderer Richtung. Auf der Mittelfront geschah nichts, wenn man an H. B. glaubt, womit es bei uns hapert. Allerlei Verluste der 18. D. und des Dresdener K. sprechen dagegen. Wo litten Armins 36., 153., empfiehlt sich neue Reibung bei Arras anzunehmen, obschon H. B. schweigt? Wird wohl so sein, auch die Garde hatte Verlust, 6., 7. G. treten jetzt mehr in den Vordergrund. Auch über Leipziger und Westfalen erfahren wir nichts und doch verloren beide Flügelk. im Januar 5200, im Februar 5300. Das entspricht den englischen Meldungen, wo sich Wahres und Falsches in bunter Reihe folgen. Haigh war unschlüssig, wo er die Zange anlegen solle. Bei Ypern leerten deutsche Geschosse viele Gräben, nur Tote blieben darin. Im Mai-Juni entbrannten dort wieder heftige englische Angriffe, die besonders für die Kanadier traurig ausfielen. Haigh spricht im Februar von deutschen Angriffen, »die erfolglos blieben«, weil sie nämlich nicht stattfanden. Damals scheinen im Lysgebiet auch 23. b. Rgt., 156. Schles. (635) erheblich gefochten zu haben, letzteres vielleicht bei Ypern, wo V. L. keineswegs ein Ausruhen bestätigen (Januar 2460, Februar 3800, März 3000) und merkwürdiger Platzwechsel stattfand. Das ganze 13. K. (26. D. aus Serbien, 27. aus den Argonnen) trat an Stelle des 15., das nach Verdun bugsiert wurde. Dies übersteigt das Verständnis des Profanen: Die unablässig abgemüdeten, mit Verlust reich gesegneten Elsässer scheiden vom Schauplatz ihrer Verdienste, wo sie sich eingelebt! Die Württemberger verlassen Vaucquois, wo ein hochwichtiger Angriff auf Avocourt sich vorbereitet und besser 26. D. die 27. hätte verstärken sollen! Das seit Juli ausgeruhte 8. K. feiert bei Rheims! Sogar die franz. Informationsspionage glaubte nicht daran und rechnete 8. K. bei Verdun, wo sich der große Angriff unscheinbar und verstohlen einfädelte. Dort wurden Zuschüsse für eine große Materialschlacht erwartet, denn jeden Monat bluteten jetzt 4–5000 Kanoniere und Pioniere, die man örtlich nicht unterbringen kann, ambulant überall beigegeben, wo man der Hilfswaffen besonders bedurfte. Da gab es schon eine 287. P. K., 241. Rhein. Haubitzbatterie, 482. bayrische, 481. westf., 556. rhein. Feldbatterie, ein 240. Art. Rgt. die Fülle der Gesichte blendet, es wird einem angst und bange vor so viel Material. Der kaiserliche Günstling Mackensen war nun glücklich als Feldherr erfunden, Ludendorff an die Wand gedrückt, den man allen Ernstes zu Linsingens Stabschef degradieren wollte. Der »Oberbefehlshaber Ost« war nur noch Chef einer Armeegruppe und der ehrwürdige Prinz Leopold wurde auch noch als Feldmarschall ausstaffiert, um Hindenburgs Autorität zu beschneiden, sein ehrgeiziger Stabschef Hofmann bildete eine Fronde als Neben-Ludendorff. Nachdem so Falkenhayns unumschränkte Macht stabilisiert wie ein rocher de bronce, geriet er in peinliche Reibung mit Konrad Hötzendorf, dessen verpfuschte Asiago-Offensive, zu der er F. mit Forderung von 4 Div. einlud, uns gegen Rußland schwächte. Förster billigt Konrads Ansicht, erst nach Italiens Niederwerfung seien genügend Kräfte gegen Frankreich verfügbar. Als ob Österreich je bereitwillig Truppen nach Westen entliehen hätte! Jedes Koalitionskriegs Schwäche ohne einheitlichen Oberbefehl! Trotz F's. Weigerung bestand K. auf Eigenwillen, während F. umgekehrt trotz K's. Abmahnung sich von »Verdun« nicht abbringen ließ. Kuhl sieht den Grund beiderseitigen Mißerfolges in zwiespältigen Ansatz der Kräfte, theoretisch war F. im Unrecht, von Rußland abzulassen, wobei wohl Mißbehagen vor Ludendorffs Reibungszone allzu menschlich mitsprach, noch mehr aber der Österreicher, auf eigene Hand sein Abenteuer durchzuführen. 4 in Albanien freiwerdende k. k. D. boten nicht genügenden Kraftüberschuß für Tirol, 4 quer Saloniki unnütz verbliebene hätten dafür auch noch nicht genügt, 7 andere Mackensens brauchte F. für Ausübung eines Drucks auf Rumänien wegen Verpflegungslieferung. War dies nötig, wo so große militärische Interessen im Westen auf dem Spiel standen? Vom damals noch ungerüsteten Rumänien war nach der großen Russenniederlage nichts zu fürchten, übrigens war es Österreichs Sache, sich mit Überwachung Rumäniens und Salonikis zu beschäftigen. F. tat wohl, K. seine Zustimmung zu verweigern, nicht aber damit, daß 11 deutsche Div. nach vollbrachter Arbeit im Balkan zunächst ausruhten, wenn man in Frankreich offensiv werden wollte. Indessen ging 22. R. K. dorthin ab, 11. b. D., 26. D. folgten. Bulgarien durfte man sich selbst überlassen, den Türken retteten deutsche Kanoniere bei Gallipoli, jetzt halfen wir ihm mit Art. und P. an der Suezfront, was eine nicht unebene Ablenkung gab und englische Kräfte an Ägypten band. Über die Leistungen des Marschalls Liman v. Sanders sind die Ansichten von Beobachtern sehr geteilt, die Überschätzung der türkischen Wehrmacht verschuldet aber der alte Goltz Pascha, der lauter Potemkinsche Dörfer vormalte, deren Pappe doch schon der Balkankrieg genügend klarstellte. Dem unsicheren Kantonisten Habsburg, der nur von Deutschlands Gnaden existierte, mußte man obendrein mehr zuhorchen als erwünscht und seine Empfindlichkeit schonen. Gerade deshalb, weil Konrads k. k. Befangenheit die Einheitlichkeit der Mittelmächte-Interessen lockerte, hätte man lieber alles daran setzen sollen, Rußland zum Frieden zu zwingen, was uns auch Rumäniens späteren Abfall erspart hätte. Damals einem Traum nachrennen, wie man das italienische Heer in Venetien einklemmen und »vernichten« könne, kennzeichnet Konrads begrenztes Auffassungsvermögen, denn damals gebot die Lage strikte Defensive am Isonzo. Sein Eigensinn erzeugte die Krise an der Russenfront im Frühjahr und Sommer, meist wurde Österreich nur ein Hemmschuh und mit vielfacher Verräterei seines Völkergemengsels eine Bürde. Man mußte ihm Rußland vom Halse schaffen oder man konnte für nichts stehen. Deshalb verdiente Ludendorffs Plan die ernsteste Beachtung, statt unbeträchtlicher etwaiger Ausschaltung Italiens lieber gleich die Rußlands zu versuchen durch Besitznahme der Ukraine: Hierfür stand bulgarisch-türkische Hilfe zur Verfügung, Festlegen in Rumänien und Ukraine hätte der Hungerblockade ein Schnippchen geschlagen. Doch einen so großzügigen Plan zu vertreten, versagten Falkenhayns Nerven und Urteilskraft. Offensive auf Kiew hätte vielleicht den Ostkrieg um ein Jahr verkürzt. Ließ man einmal von Schlieffens Testament ab: Defensive im Osten, Offensive im Westen, dann mußte man dabei bleiben und auch 1916 die ganze Angriffskraft nach Osten verlegen. Man wußte, daß eine Feindoffensive vor Sommer nicht beginnen könne, bis dahin konnte das Kiew-Unternehmen glücklich ausreifen. Auch Kraftökonomie sprach dafür, da man auf kürzester Route die 11 im Balkan stehenden Div. und 8 bundesgenössische verwenden und die früher aus Rußland abgeleiteten Teile jetzt wieder dafür in Anspruch nehmen konnte. Statt dessen wurden die Balkantruppen bei Verdun verbraucht, das doch als »Saugpumpe« zum »Verbluten« französischer Hauptmassen unter Einsatz bescheidener deutscher Kräfte dienen sollte. Wie wenig F. an dortige Entscheidung dachte, wie nur überraschender Anfangserfolg ihn weiter trieb und daher nur Planlosigkeit beim angeblichen Plan herrschte, zeigt sein Ausbieten von 8 Div. erst an 3., dann an 6. A., deren Stabschef Kuhl das gütige Anerbieten ablehnte. 18 andere vorläufig in Ruhestand getretene bestimmte F. erst nach und nach für Verdun. Dort den Feind ins feuchte Becken der Maas hineinzustoßen, verhieß freilich mehr als Benefizvorstellungen von Joffres üblicher planloser »Offensive um jeden Preis«, doch dazu bedurfte man zweierlei: geschickte Handhabung und genügende Kräfte. Noch trieben sich Unzählige als »unabkömmlich« in der Heimat herum, gegen die man schonendste Laxheit übte, während fünfmal im Spital Geheilte wieder zur Fahne mußten, dumme Rücksichtslosigkeit, die entmutigen mußte, als pfiffe Deutschland auf dem letzten Loch. Nur gleichmäßiger Andrang vom West- und Ostufer konnte großen Verdun-Erfolg erzwingen, und wenn der Kronprinz sich Ellbogenfreiheit verschaffte, so konnte nur Rückenstoß von Mihiel her den Feind zu katastrophalem Rückzug nötigen. Nichts von alledem geschah. Auf dem Westufer besaß man nur die Württemberger L. W., 11. b. D., 22. R. D. und die Schlesier. 6. R. K., das reichte nicht, um die Südforts von Verdun zu erobern. Anfangs verfügte der Verteidiger Langle nur über 9 D. der 2. A., doch 1., 20. K. waren unterwegs nebst Teilen Humberts. Am Ostufer waren zunächst vorhanden 18., 3., 15. K., 7. R. K. im Norden, 5. K., 5., 15. R. K. nebst L. W. im Osten, später traten im Westen 4., 54., 192., 38. D., im Osten 7., 10., 22. R. K., 50., 1. D. und erst zuletzt 1., 2., 6. bayr. D. und Alpenkorps hinzu, im Herbst noch 16. K. 21. R. D. Die längste Schlacht der Weltgeschichte entwickelte sich mit betäubender Schnelligkeit. Furchtbarer Kanonendonner rollte beide Maasufer entlang und läutete mit dröhnendem Echo über ganz Frankreich hin das Drama ein. Das Unheil hatte begonnen. Schlacht bis Juni Die Hessen eröffneten den Waffentanz Ende Februar mit ihren größten militärischen Ehrentagen. Nach französischer Sitte müßten besonders 81., 87., 115. diese Tage auf ihrer Fahne führen. Unter schneidendem Nordwind stürzten sie sich auf kilometerweite Brustwehren betonierter Waldschanzen. 72., 51. franz. D. und Chasseurbrig. Driand im Caureswald waren überwältigt, ehe sie sichs versahen. Umsonst eröffneten Zuaven ein Schnellfeuer »1000 Patronen pro Mann«, die Kurhessen warfen alles nieder. 14. R. D., deren 159. Haumont nahm, begleitete rechts das Vorgehen, links 5. D., deren 8., 12. über Wariville den Fosseswald erreichten, 6. D. besonders mit 64. über Herbebois Chumensholz und Courrièresschlucht. 57. R. gewann Sommequiaux, beigegebene 77. Schles. Br. Côte de Talu, 87. Feyholz, 80., 116. Louvemont, 117. Beaumont. Umsonst führte Langle persönlich 37. Alg. D. nebst 31., 306. Brig. entgegen. Bald erklommen auch die Darmstädter die Stufen des Pfefferrückens und die Brandenburger 24er, Komp. Haupt und Brandis vorauf, eroberten mit Blitzesschnelle die Umgebung der Panzerfeste Douaumont. II/24. überrumpelte das Fort, während die 12er der 5. D. das Dorf berannten. Die Anlage des Angriffs war vorzüglich. Schon früher legte der Kronprinz einen Entwurf zur Wegnahme Verduns vor, was er sich aber nicht als eine riesige Haupt- und Staatsaktion dachte. Zu Weihnachten erhielt er mündlichen Angriffsbefehl von Falkenhayn und zeichnete am 4. Januar die Grundlinien auf, um so meisterhafter in unserem Sinne, als er dabei Abschnürung aus Mihiel empfahl. Dies war der springende Punkt und hierfür tat F. nicht das Geringste, der sich stets in Zwiespalt zu Ludendorff vor »Ausdehnung ins Uferlose« scheute, eingenommen für Abnutzungskrieg, was doch nur der Entente zugute kam. Hier wurde er sofort bedenklich, als man am Ostufer nicht mehr so starke Fortschritte wie zu Anfang machte, am 31. März begütigte Stabschef Knobelsdorf hoffnungsfreudig. Ob dem Feind noch 8 oder, wie F. unwirsch an den Rand schrieb, 13. D. als Reserve noch verfügbar, macht keinen wesentlichen Unterschied und »14 englische«, deren Eintreffen F. fürchtete, kamen nie! »Ein Grund in bisherigen Anstrengungen nachzulassen, liegt nicht vor«, ließ sich der Kronprinz vernehmen. Am Ostufer müsse von 4 frischen Div. (?) geschanzt werden, um Gegenstößen zu begegnen, dagegen werde man am Westufer erneut vorgehen. F. antwortete skeptisch, warnte vor Verlusten, ließ nur allgemeine Angriffstendenz nicht fallen, obschon er bereits bei Pr. Rupprecht Ausschau hielt, ob 6. A. einen Schlag auf Arras führen könne, wofür 4 frische D. verfügbar. Der Bayernprinz forderte aber 8. nebst 76 schweren Batterien, was F. nicht leisten konnte, glücklicherweise. Hier hat man wieder die Unfähigkeit zu Roß. Was nützte selbst zweifelhafter Erfolg bei Arras? Reine Kraftvergeudung an unrechter Stelle und das, während man bei Verdun jeden Mann brauchte! Auch gilt hier wieder, was wir für September 1914 in Lothringen sagten: selbst bei zweifelhafter Lage darf man ohne zwingenden Grund nicht umgruppieren, solange noch Erfolgmöglichkeit an Ort und Stelle vorhanden. »Ist der Entschluß gefaßt, so gibts kein Wenn und Aber mehr!« Also wieder Schwanken und Wanken im Vorsatz bei der kleinsten Bedenklichkeit. Zersplittern, »zu viel Sehen« an verschiedenen Punkten statt klarem festen Durchgreifen, halbe Maßregeln, nur mit halbem Herzen dabei. Sowohl Bülow-Klucks Marne-Geist als die alte Cordonkriegsschule gingen gespenstig um. Hier bei Verdun sollte der Hieb fallen, also mußte es dabei bleiben. Reginald Kenn tadelt des Kronprinzen Zögern, dem am 24. Februar der Weg ins Innere der großen Lagerfestung offen gestanden habe. Doch die damals erst erreichten Vorteile geben so superkluger Kritik nicht Recht, denn für gründliche Entscheidung mußte erst Einschnürung am Westufer abgewartet werden. Räumung des Ostufers, wie sie Langle als Höchstkommandierender an beiden Ufern sofort ins Auge faßte, hätte nur einen Lokalerfolg gebracht, das Ausfalltor Verdun zugeschlagen ohne sonst irgendwelchen strategischen Gewinn. Joffre's hartnäckiges Ausharren führte zu gleicher Unbegreiflichkeit wie bei Ypern. Wie dort der Kanal, wurde hier das Ostufer theoretisch unhaltbar. Als Langle sich aber für Abzug erklärte, ließ ihn Joffre barsch an, versetzte ihn dauernd in Ruhestand zu Frankreichs größtem Schaden. Sein Nachfolger Petain war nachher gleicher Meinung, noch am 26. Juni wies Joffre seinen Abzugswunsch derb zurück. Nach dem »Wunder der Marne« ein »Wunder von Verdun«! Das 18. K. genügte allein, wie Mangin bestätigt, um die ganze vordere Festungslinie außer Gefecht zu setzen, man habe zu methodisch nochmalige Geschützwirkung abgewartet? Ohne sie gelang aber am 26. kein Eindringen des 3. K. in die »Zitadelle« des gewarnten Fortgürtels, das Toulk. warf sich rechtzeitig entgegen. Auch Strantz trug seine anfangs glückliche Überrumpelung der Woevre-Flanke über Aulois auf Haudiomont (rheinische L. W. bei Champlon hervorragend) bis 28. nicht weiter vor. 15. b. R. stieß auf zu viel Drahthindernisse in Waldungen bei großer Marschermüdung, bei fehlendem Mondschein konnte man kaum durch Patrouillen Anschluß an die am Bourbeauwald vordringenden Elsässer feststellen. Der Feind ließ zwar 6 Geschütze stehen, feuerte aber störend aus unerkennbaren Batterien, die unsere dort 76 Geschütze nicht fassen konnten. 4. b. R. am Bahndamm Haudiaumont abgeschlagen, 5. L. W. D. ging zu Stellungskrieg in nassem Lehm über. Näheres Vorziehen der Artillerie bis 10. März erleichterte die Lage, doch fand Mudra, dem man das Kommando am Ostufer übertrug, durchaus keine Aufgabe für sein Pioniertalent, so daß man ihn durch Lochow ablöste, dessen Brandenburger nach sehr verlustreichem Kampf den französischen Gegenstoß bis Thiaumont zurückwarfen. Die 5. D. war hier entscheidend wie vorher die 6., übrigens beteiligten sich wie anfangs am Maasufer 7. R. K., 77. Br. lange kaum mehr, als die Darmstädter D. am Pfefferrücken auf starken Widerstand stieß. Das 3. K. hatte schon abnormen Verlust bei 3. Jäger (1044), auch Deimlings Vorgehen durchs Dieppetal brachte entsendeten sächsischen 105. ansehnlichen Verlust. Während früher die Posener Belagerungsartillerie vor Verdun nur 25 verlor, litt diesmal die Feldartillerie enorm, besonders die hessische, Beweis für das heftige Gegenfeuer. Besonders eine Massenbatterie des Colonel Tarny am Maaskanal schadete, doch verstummte, als die Hessen den Südhang des Pfefferrückens überfluteten. Unsere anfangs winzigen, dann mäßigen Verluste stiegen erst seit 26. und dann im März, doch daß »Bataillone nur mit hundert Gewehren in der Feuerlinie waren«, betrifft nur Ausnahmefälle und heißt viel spätere Schlachttermine vordatieren. Der 9. R. D. gelang es, mit 6., 19. R. bei Vaux einen spitzen Keil in die Mitte einzubohren, am Westufer ging alles gut, doch auch hier kam im Mai ein Stillstand. Am Ostufer scheiterten zwar unzählige Gegenangriffe, zu denen der Feind sich gezwungen sah, da passives Beharren ihn erst recht dem Verbluten durch konzentrische Beschießung aussetzte. Doch der Juni brachte keine wesentlichen Fortschritte und ein Hauptangriff im Juli drang nicht entscheidend gegen F. Souville durch. Flugs befahl Falkenhayn strikte Defensive. Wieder Entschlußlosigkeit, denn wollte man das, so mußte es im Mai geschehen, wo der Kronprinz es wollte, jetzt aber war nötig, den äußerst bedrängten Feind um jeden Preis zu überwältigen. Sonst war es besser, das ganze Unternehmen aufzulösen. Am 15. August heischte F. Kundgebung der Heerführer, ob Angriff fortzusetzen. Der Kronprinz war entschieden dagegen. Am 2. September befahl der neue Generalissimus Hindenburg das Einstellen jeder Bewegung. Doch »an Ausbau einer Dauerstellung war nicht zu denken« (Förster), zwischen 24. Oktober, 15. Dezember ging fast der ganze Gewinn seit Februar wieder verloren. Während die Waffenbrüder bei Verdun dem Tod ins Auge sahen, feierten 8., 9., 10., 12. K. völlig müßig auf der Mittel-Front. Man gestattete sich solchen Luxus der Nichtverwendung, obschon Eingreifen der neuen englischen Armee immer näher rückte und alles darauf ankam, der Verdunschlacht möglichst früh eine entscheidende Wendung zu geben. Die außerordentlichen Fortschritte am Westufer bis Mitte April lehren, daß rechtzeitiger Einsatz größerer Massen den Feind vom Plateau 310 hinabgeworfen hätte. Die pedantische Sorge für Aufsparung »ausgeruhter« Kräfte führte nachher zu ärgerem Verbrauch. Daß England ein Halbjahr pausierte, war ein Glücksfall, um die Verdun- vor der Sommeschlacht zu beenden. Dann hätte man soviel Kräfte freibekommen, daß man keiner ausgeruhten bedurfte. Nach Abtun der französischen Hauptmasse hätte man den Briten jeden Erfolg untersagt. Nicht die Verdunschlacht an sich war unmöglich, sondern der dilettantenhafte Leichtsinn, mit dem man sich drauf einließ, ohne die logische Konsequenz zu ziehen und alles an alles zu setzen. Die Franzosen schlugen sich besser denn je. Am Chaumeswald fiel Oberst Driand, Boulangers Schwiegersohn, ein wahres Sinnbild der Revanchehoffnung, bei Cumières blieb der Elsässer Oberst Wacker, der kein »Wackes« sein wollte, mit seinem ganzen 92. Rgt. auf dem Felde der Ehre. Tapfer, höchst tapfer starben die Franzosen für ihr Vaterland. Das Toulk. stürzte sich mit entfalteten Fahnen ins Getümmel, obschon es 52 km Gewaltmarsch hinter sich hatte. Am Wall, Glacis, Feldschanzen, Dorf Douaumont wildes Handgemenge, doch Märker sind nicht zu werfen, zugleich Eis und Eisbrecher. So erging es diesmal und bei allen späteren Stößen. Vor Douaumonts flimmernden Kuppeln, als Aufblitzen von Feuerschlünden und Signalfanalen die Abenddämmerung erhellte und am westlichen Panzerturm des Bergkegels den General Lotterer die Todeskugel traf, vernichteten die 52er das ganze 33. Rgt. Als der an Douaumont vorbeibrausende Gegenstoß in die Thiaumontschlucht rückwärts schäumte, glich die Umgegend »einer Schlächterwerkstatt«, seufzte ein französischer Offizier vom 153., der sich am Brasweg eingrub, voll von Leichen des abgeschmetterten 146. Als 153. am 11. März abzog, sah sich das ablösende 94. verstört in der Todesschlucht um und wollte sich drücken. Das 95. lag unter den Trümmern von Dorf Douaumont begraben. Im Osten enthüllte der Befestigungskreis sein technisches Geheimnis fabelhafter Waldschanzen mit Schiffskanonen. Alles fand die deutsche Kanonade heraus. Am Teich von Vaux gingen ganze Brigaden zugrunde. Als dort das deutsche Banner über dem Fort aufstieg, sprach General Lacroix das erlösende Wort: »es gibt keine Festungen, jeder andere Punkt hat gleichen Wert«! Warum verbrauchte man dann 75 Div., um Verdun zu retten? In der kostbaren Pariser Presse waren die Forts mal »leer, entfestigt«, mal von »größter Bedeutung«, je nachdem sie verloren oder angeblich wieder genommen. Die Kuppe Toter Mann entwich auf verschiedenen Karten, der Pariser Glaube versetzte Berge, der Tote Mann wanderte herum, je nach Belieben französischer, manchmal auch deutscher Meldungen. Wirbelte durcheinander, nahm Abschied, verkroch sich, voltigierte südwärts mit gespenstigem Salto mortale, verflüchtigte sich, doch im April hatte erlöst die liebe Seele Ruh, da fiel auch die hinterste »Schlüsselstellung« vor dem deutschen Eisenschlüssel. Unsere Langrohre schüttelten den Gansberg am Westufer, von wo der Feind die zu weit vorgeprallten Hessen in Flanke und Rücken beschoß, und richteten ihre Grüße nach Fort Marre, das verderblich hinüberbrüllte. Als der Tanz im Westen begann, schon früher nötig, die Hessen zu entlasten, doch verschoben, um die Kanonade ausreifen zu lassen, erhob sich im März ein einziges, großes Dröhnen von Süden, wo Fresnes von Strantz' L. W. erstürmt, bis zum Nordwesten, wo der Forgesgrund von deutschem Sturmlauf erdröhnte. Den Poilus hatte man eingeschärft, Verduns Rettung sei Frankreichs Schicksal; sie handelten danach. Die Besatzungen verfeuerten die letzte Patrone, die Geschützbemannung ließ sich oft an ihren Stücken in Stücke hauen. Als die von 3. A. Humbert geschickte 52. Brig. Cumières zeitweilig entsetzte, opferte sie die Hälfte der Mannschaft mit dem Brigadier, zwei Obersten, allen Offizieren. Als am 31. die Brigade Collin in dem zersplitterten Avocourtwald aufs neue eindrang, fiel der Kommandeur des 210. an der Spitze seiner Truppe und auf verwesenden Leichenhaufen früherer Stürme türmten sich neue. Als die Kuppen 265, 287; 295 von Schlesiern und Thüringern erobert, sah man im April und Mai immer wieder graublaue Sturmsäulen mit blinkenden Stahlhelmen aus den Schluchten auftauchen, über deren Kanten die Gasschwaden hinkrochen, und die Hörner riefen zum Sturme. Als bei Monatsende ein reinigendes Maigewitter Nivellescher Offensive die Wolken zerstreuen sollte, stritten gegen Douaumont–Haudromont die Normannen des 1. K. Mangin mit Todesverachtung wie Abkömmlinge Robert des Teufels und Wilhelm des Eroberers. Als Div. Tatin ihr 24., 101., 142. bei Vaux verdrängt sah, als alle Entsatzversuche des 238., 321. und einer Zuavenbrigade vom deutschen Feuerwirbel an die Erde festgenagelt erst da ergab sich der Fortverteidiger Major Raynal in den Kasematten mit dem Überrest von 600 Braven. Wohl verdiente er, daß der Kronprinz ihm den Degen ließ und man ihm freundlich den aufgefangenen Funkspruch verkündete, er sei zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Wann hätten je Franzosen solch ritterliche Haltung nachgeahmt! Vielleicht ist es sentimentale Schwäche, doch wir wollen ihr folgen und uns nicht sagen lassen, daß wir dem gehaßten Erbfeind nicht sein historisches Recht geben. Als Castelnau's Auto im Schneesturm des 25. Febr. nach Verdun sauste, überbrachte dieser royalistisch-chauvinistische starre Militarist das Gebot: »Die Maasverteidigung ist am rechten Ufer zu vollziehen.« Als er abfuhr und Petain den Befehl übernahm, ernannte er fürs linke Ufer einen Mann nach seinem Herzen, dem 9. A. und Teile der 3. zuströmten. Es war höchste Zeit. Seit 6. März durch den langgestreckten Rabenwald vorgetragen, erreichte der ungestüme Angriff der 22. R. D. schon am 14. abends den Nordzipfel des Toten Mannes. Bisher wenig hervorgetreten, wollten diese braven Thüringer jetzt auch ein besonderes Lorbeerreis pflücken. Unterstützt von 6. R. Jg. längs der Maaswiesen, kämpften 11. R. Jg. sich bis Cumières durch, in Nebel und Frost verschneiter Waldung und behaupteten sich dort in homerischem Heldenkampf bis zum Herbst. Am Osthang des Toten Mannes grub II/13. b. R. sich ein, dorthin verschoben von 11. b. D., die nebst 11. schles. R. D. am rechten Flügel versagt blieb, bis 12. R. D. Malancourt nahm. Platt auf gefrorener Erde ausgestreckt, wo die Zehen erfroren, schlummerlos unter Leichen und Ratten, erhoben sich jeden Morgen bei rotglühender Wintersonne die Schlesier zum Sturm. Endlich am 5. April hatten sie auch Haucourt, wo der Feind aus Steinkellern und vom Kirchturm unten und oben schoß, ohne sich zu ergeben. 11. R. D. säuberte erst am 21. das Gebiet südwestlich. Man verzweifelte vorerst daran, auf diesem Wege den Termitenhügel westlich Toter Mann zu nehmen, dessen Hauptkamm zu Kuppe 279 anstieg. Erst am 8. Mai war hier die höchste Verschanzung erklommen; die Erstürmer drängten sich in atembeklemmender verbrauchter Luft der Kasematten zusammen, weil schwerste französische Artillerie in die rückwärts offene Kehle schoß. Diese bestrich den Avocourtwald so empfindlich, daß die Bayern dort schon bis 20. angeblich 1000 verloren wegen zu dicht gedrängter Aufstellung. Die Leichenhaufen, über die französischer Sensationsbericht frohlockte, konnte er aber auch bei sich selber suchen: Unsere Artillerie ließ nicht mit sich spaßen. Rechts und links gedeckt durch Vorstöße von 10. R. und 120. würt. L. W., die eine Großschanze »Spinne« eroberte, erstürmten die Bayern jetzt alle Schanzen am Waldrand; doch am 22. scheiterte todesmutiger Anlauf der 3. Augsburger und 13. R. Ingolstadt, obschon eine Kompagnie bis zur Südstraße nach Esmes vordrang. Verlust belief sich auf 19 Off., 1140, meist vom immer aufgeriebenem und neu errichtetem 13. R.; eins der ruhmreichsten Regimenter des Weltkrieges. Der barsche, finstere General Bazelaire, Kommandant des Westufers, der im Tagesbefehl verbot, Gefangene anständig zu behandeln, und die Parole ausgab, »man hat nicht den Feind zu zählen, sondern zu schlagen«, eröffnete jetzt solches Trommelfeuer gegen die überfüllten Waldgraben, daß er Südostspitze der Waldung zurückgewann. Erneut um 19, 932 geschwächt, sahen die Bayern sich endlich durch 192. D. mit 25. b. I. verstärkt, dessen 2 Batl. am Westhang des Termitenhügels eindrangen. Obschon die Bayern sich erneut bis zur Esmesstraße vorschoben, versaute stürzender Regen seit 11. April den Boden in einen Schlamm, der Stiefel und Kleider vom Leibe riß. Am 16. Mai schieden sie aus, ein Augenzeuge erzählte uns Arges vom Zustand der heimkehrenden Truppen, mit förmlich zerschnittener Fußbekleidung. Sogar Typhus war die Folge; später lagen 55 Off., 2190 Mann im Lazarett, wobei wohl manche Verwundeten mitgezählt. Ein Blutverlust von 113, 6991 in 70 Tagen läßt darauf schließen, daß auch in der ersten Maihälfte noch Ausgreifen westlich Höhe 304 stattfand; in welcher Richtung sich 192. R., und später »54. D., 24. R. K.« bis zuletzt bemühten. So laut B. Kr. Ar. Was damit gemeint, ist unverständlich, vielleicht Gen. Komm, dieses K., das sonst in Rußland focht. Die Schlesier, um sich passivem Ausharren in unerträglicher Lage zu entziehen, brachen am »Vogelheerd« aus und erstürmten stückweise die Drahtschanzen von H. 304, später von der 4. Bromberger D. mitgetragen. Von der Furchtbarkeit des Artilleriekampfes gibt es eine Vorstellung, daß 1. b. F. Art. nördlich und südlich der Forges-Bach-Überschwemmung bis 14. Juni 9, 200 nebst 46 zerschossenen Geschützen verlor. Die Geschützmasse der Südforts am Marrerücken und Bourouswald litt aber nicht weniger und vermochte ihr Fußvolk nicht zu schützen, das keinen Boten, Depeschenläufer, Proviantträger mehr empfing, weil niemand mehr unser Sperrfeuer lebend passierte. Fahnenwachen und Musikbande hinter der Front ereilte das gleiche Todeslos wie die Sturmhaufen, die Bazcelaire unablässig aus H. 310 vorhetzte. Die Marokkaner verendeten zu schwarzen, blutigen Klumpen; auch kniff man Gefangene zu Tausenden ab und erbeutete sehr viel Geschütz. Doch im ganzen nur 6 deutsche D. konnten gegen 19 viel stärkere französische nicht mehr ausrichten. Man brachte Flankierungsversuch gegen H. 310 zu keinem guten Ende. Schlesier und Thüringer litten ungemein. Bei so falscher Kraftverteilung kann man sich nicht wundern, daß der Verlust am Westufer bis Juni schon 31 000 betrug; am Ostufer bei 16 bisher fechtenden D. gar 85 000. Auch dort fragt man sich, warum bei Strantz' erstem Angriff 5. K., 15. R. K. nicht zur Stelle waren, so daß er nur Deimling neben sich hatte mit weiter Lücke, die nachher B. Ers. D. in Richtung Souville allmählich füllen mußte. Die brave rheinisch-hessische 30., 59. L. W. Brig. tat das Menschenmögliche. 81. L. W. litt schwer, unter Kreuzfeuer genommen. 25., 65. L. W., 28. Ers. vermochten allein zu wenig, um die Maashöhen zu erreichen. Die O. H. L. war sich also damals noch gar nicht klar über die eigenen Absichten. Strantz's Hauptmacht blieb immer noch versagt; Zwehl meist ebenso, 50. D. sputete sich nicht gegen Weinberge und Hochbatterie Danloup, bei Deimling stand der Kampf; am 22. Mai wurden 19. R. D., 5., 6. D. aus ihren eroberten Stellungen geworfen, gewannen jedoch am 23. den größten Teil des Verlorenen zurück aus eigener Kraft, ohne die 2. b. D. in Anspruch zu nehmen, die hinter ihnen aufrückte. Indessen führte Prinz Franz am 24. die bewährten Regt. Neu-Ulm und Neuburg so wohlgeregelt und entschlossen vor, daß Dorf Douaumont und die von 5. D. aufgegebene Südwesthälfte des Forts uns erneut zufielen. Doch blieb das an sich berechtigte Wagnis Xylanders verfrüht und am 25., 26. erfolglos, den bei Thiaumont Farm vorgelagerten Wald und die sogenannten Wabengräben am Hang des Th. F. an sich zu reißen. Er verschob den Angriff auf 1. Juni. Die Franzosen melden 2 frische bayer. D., es waren sogar 3, 1., 2., 6. Xylander sah zuversichtlich dem neuen Streit entgegen, vom herbeieilenden, noch nicht aufmarschierten Alpenkorps wurde ihm zum linken Flügel das erprobte 2. Jäger Batl. zugeführt. Das b. Kr. Arch. macht etwas verwirrte Angaben, doch scheint sicher, daß der bayer. linke Flügel, insbesondere 2. Jg., sich weit südlich in Deimlings Schlachtlinie ausdehnte. Bisher stand die Schlacht doch am günstigsten am Westufer, wo unsere Artillerie jetzt vom ganzen Mort Homme Flankenfeuer zum F. Souville entsenden durfte. Kein lebender Franzose lag mehr auf dem Berge, der nur zu sehr seinem Todesnamen entsprach. Grade am Westufer hielten die Franzosen sich großartig unter ungeheueren Verlusten. Alles, was recht ist, man bewundert den Feind, wo er es verdient. Wie hoch aber soll man diese Thüringer und Schlesier preisen, die einen so überaus standhaften Verteidiger aus »uneinnehmbaren« Stellungen herausschlugen! Auf 29 Kilometer flogen Granaten aus 38 Zentimeterrohren bis tief in den Fortgürtel, die höchsten Wipfel wurden Stümpfe, die Dörfer malerische Ruinen, die Gestalt der Hügel, Landstraßen, Bäche völlig umgewandelt. Wie die Poilus sich aus Bethincourt durchschlugen, begreift man nicht. Bei F. Vaux fiel die ausfallende erste Besatzung bis zum letzten Mann; am Wasserturm und Wärterhäuschen hatten die braven Posener Goretzkys, jetzt besonders Grenadiere, sich zahlloser Angriffe zu erwehren. Rückwärts kam niemand durch von der Höhe zur Tiefe, bis endlich von zwei Seiten her Deimlings 126. Würt. und 39. Westfalen nebst I/53., III/158. der 50. D. sich durchrangen. Nachdem Deimling Werk Hardaumont, Linie Morainville, ein Teil 10. R. D. Redoute von Bezonvaux nahm, eroberten »Niedersachsen« (Vorhut 10. R. K.) den Steinbruch von Haudromont, doch ein voller Monat verstrich, bis F. Thiaumont sturmreif geschossen. Warum waren 10., 22. R. K. nicht früher zur Stelle? Jede dem Feind geschenkte Frist brachte den Augenblick näher, wo rasche Entscheidung unmöglich. Petain hatte schon im März 28 D. um sich versammelt, die Zahl stieg ununterbrochen; mit 39 griff er am 22. April an, doch 10. R. K. stürzte sich in die Waldschlucht südlich; die Mulden zwischen Thiaumont und Vaux füllten sich mit Leichenbergen. Am Westufer halfen endlich die Bromberger gegen H. 304, eine wahre Festung. 22. R. K., bisher wenig leidend, geriet im Mai beim Vordringen längs Pfefferrücken in blutigen Kampf (4800), auch die Hessen bluteten wieder arg. Es bleibt schwierig, sich ein richtiges Bild über deutsche Truppenverteilung zu machen, zumal es erst heute eine sachliche Spezialschrift »Verdun« gibt und Stegemanns sonderbare Vorstellung alles verwirrte. Er läßt im März 6. D., 10. R. D. bei Hardaumont fechten: geringe Teile davon, dann ganz 19. R. D., letztere versetzt er auf ein viel zu spätes Datum, und während er 15. K. als nicht vorhanden ignoriert, läßt er dessen »105., 116.« (soll heißen 126.) zusammen mit 3. Ostpr. »eine gemischte Div.!« vor Damloup bilden! Woher hat er das? Es ist erstens falsch, denn 126. focht notorisch bei Vaux, zweitens beweisen die V. L., daß das ganze 15. K. und besonders dessen Artillerie seit März Verluste hatten. Glaubt er, es sei bei Ypern geblieben, dort notorisch vom 13. K. abgelöst? Was 10. R. D. betrifft, so trat sie erst im Juni zu ernsteren Gefechten, auch 7. R. K. spät, wie V. L. beweist, so daß es bestimmt nicht am blutigen Märzkampf des rechten Flügels teilnahm; nichts destoweniger schreibt er mit gewohnter Sicherheit, daß es der 22. R. D. über die Maas die Hand reichte. Richtig scheint nur, daß es viel später im Juli zum rechten Flügel abmarschierte. Ferner läßt er 1. D., 7. R. D., 2. b. D. gegen die Linie Cailettewald–Damloup–Vaux vorgehen. Letztere focht aber nicht im Vaux-Gebiet, nur die ihr angehängten 2. Jg. des Alp. K., dies alles entfällt auf Juni . 1. D. drückte tatsächlich den Feind an Cailettewald (1576), soeben erschienen, 7. R. D. unterstützte wirklich nicht ihre thür. Schwesterdivision bei Cumières, wo es hochnötig war, sondern griff heftig (2833) am Ostufer ein, doch nicht bei Damloup, sondern am Cailettewald. Am Westufer wird nur »die brave württemb. L. W.« erwähnt, die aber recht geringen Verlust hatte, und von der Bayerngruppe blieb nur 25. I. (800) westlich H. 304 übrig; von 4. D. am 7. Mai mit mäßigen Verl. erobert. Erst am 21. soll aber diese im Geviertraum sehr breite Hügelfestung endgültig gewonnen sein und zwar durch 38. thür. D., während 56. D., früher Champagne, nun ein für allemal den T. M. sicherte und die zeitweilig zum Rabenwald verdrängte 22. R. D. erneut Cumières und den Vorderwald in ihre Hand bekam. Wir stellen fest, daß dies alles sehr wohl zu den V. L. stimmt, man muß es nur auf Juni übertragen, insbesondere bei 38. D., deren 94., 95., 96. jedes über 900 verloren (zusammen 2850). Auch leuchtet ein, daß das Märker R. K., am Pfefferrücken aufmarschiert, die 44. R. D. ans Westufer sendete zur Deckung der 22. R. D., so daß jetzt endlich etwa 10 D. inkl. L. W. am Westufer fochten. Daß zuletzt am 15. Juni auch noch 13. R. D. am T. M. gefochten habe, ist befremdlich, doch deshalb möglich wenigstens für Juli, als der Verl. 7. R. K. plötzlich anschwoll. Durchaus falsch ist dagegen, daß das Alp. K. schon im Juni seinen Hauptkampf hatte; hier kommen zunächst andere Bayern in Betracht. Es scheint auch nicht, daß bayer. Leibregt. bei Thiaumont dem schwerbedrängten brandenburg. Leibregt. zu Hilfe kam; solche Irrung entstand daher, daß man bei 1. b. D. auch die »Leiber« wähnt, die jetzt zum Alpenk. gehörten. Viele französ. Truppenkörper waren gesprengt oder vernichtet wie die tapfere 5. D., doch Nivelle, jetzt Höchstkommandierender der Verdunfront unter Petains Oberaufsicht, bekam immer neue Massen. Er stürzte sich seit 2. Juni wütend auf Vaux, wo die Steinmetzfüs. der 10. R. D. den Stoß abschlagen halfen, und ebenso nach Norden aufs 3. K., dessen Munitionskolonnen durch die jede Anmarschstraße beherrschende Festungsart. hart mitgenommen wurden. Laut Chronologie der Listen litten die Brandenburger jetzt, keineswegs im Frühjahr, am furchtbarsten (7000); selbst 3. Jg. verloren nochmals 342 (offenbar nach franz. Muster stärker formiert.) Auch 43. R. D. litt beträchtlich (43., 44. D. zusammen 4828). Das b. 1. K. war aufmarschiert mit 1., 204. Art., 1. P. und bereitete großen Gegenangriff vor. Am Südflügel zerstörten L. W. und R. Brig. die 154. D. Was von der neugebildeten »103. D.« bei Damloup geredet wird, ist unklar; auch erwähnt kein amtlicher bayer. Bericht die »121. D.« am Steinbruch vor Thiaumontschlucht; wir lassen es dabei bewenden, daß dort alle Regt. des 10. R. K. fochten. Unser Juniverlust auf beiden Ufern etwa 45 000. General Herx, Oberkommandant der Verdun-Artillerie, pries seine Batterien über den grünen Klee. Der energische Herr verheimlichte nur, daß deutsche Feuerleitung seine Kanonade auf 40  km Umkreis zersplitterte, sich dann plötzlich auf 8  km verengte und an ausersehenen Punkten den überraschten Feind allen Schrecknissen des Trommelfeuers überlieferte. In Paris malte man schon den Teufel an die Wand, Räumung Verduns hing an einem Haar. Doch die Anfangsphase, wo H. B. mit Recht geringen Verlust meldete und 2 hessische Heldenbataillone ihren ersten Siegesgang nur mit 16 Toten erkauften, war vorüber, rasches Einklemmen des Gegners noch nicht abzusehen. 22. R. D. bezahlte ihre Schicksalsstunde mit 6500 Verl. (2250 v. 82. R., 900 v. 11. Jg.). Bei blutrot auf- und niedergehender Sonne sahen auch viele Schlesier das letzte Licht ihrer Erdentage. Am Ostufer verlor 9. R. D. 5200 (1890 v. 6. Gren.); Deimlings 105. (1843) und Art. sowie 37. R. (1680) hatten es schwer, 3., 18. K. inkl. 56. D. (zusammen 26 500, 3. P. allein 778, auch Mudras Metzer P. litten erheblich) noch schwerer. Verspätetes Heranarbeiten des 7. R. K. packte im Mai schärfer zu (1556 v. 53. R., 2693 v. 13., 56.). Auch 60. I. (1710) dürfte beim Lothringer R. K. vor Verdun geblutet haben. Und man denke nicht, daß an anderen Fronten, wo die Parteien sich lauernd gegenüber lagen, damals die Waffen ruhten. Von 23 560 im Febr., 56 100 März, 62 350 April, 70 000 Mai (zusammen 95 000 Überschuß neben Verdun) floß noch mancher Blutstropfen anderswo. Nebenfronten bis Juni, Verdunschlacht bis Ende Im Elsaß rüttelte Maudhuy umsonst an den Bergpfosten und verhüllte den Tatbestand, daß er, im Januar Hals über Kopf hinabgeschleudert, sich selber am Südrand der Vogesen seiner Haut wehren mußte. Pfiffig verhehlte er, daß er viel Gefangene verlor (»8000« im H. B. wohl übertrieben), doch ging es nicht gelinde her, bis man ihn so weit brachte. Die so lange gepeinigte und schon wieder rüstige Landwehr litt nicht unerheblich, besonders 40. bad., das noch dort verbliebene 74. R. und 8. b. R. D. beträchtlich. Im Februar trat doch Ruhe ein. Doch verlor 189. D. Sunkel im Juli noch 1187. Bei Arras faßten die überbürdeten Bayern wieder festen Fuß in Sprengtrichtern von Neuville »mit 7 Bat.«, wie Foch betrübt meldete. In Ablösung des 1. R. K. errang 1. b. K. (50. R. D. 1628) bis 8. Februar Erfolge nördlich der Lenschaussee. Ein beim 14. R. K. hospitierendes schles. Regt. nahm Frizehöhe und Birkenwäldchen im ersten Anlauf, verlor dabei nur 108. Für Ypern erfährt man Vernünftigeres aus englischem als aus deutschem Bericht. Für 14. Februar gestand Haigh Einbuße von 6000 Yards (899  m ) nördlich Hooge ein, der sogenannten Bastion, von den Briten »Bluff« genannt. 27. D. Moser, deren 124. die Kanalbastion erstieg, dort von 11. schles. D. abgelöst. Bis Mai wurde heftiger gekämpft, als aus H. B. ersichtlich, auch zwischen Lys und Lens. Im Mai schnellte der Verlust hoch hinauf, weil 45. R. D. (785 von 214.) und besonders eine eingeschobene neue R. D. höllisch litten (156. schles. allein 2474), während am 2., 3. Juni das 13. K. in Deimlings früherer Stellung südlich Hooge mit 125., 124., 120. Regt. die Doppelhöhe 59/60 nördlich Zillebeke eroberte, nachdem es im März die Balkonstellung wieder ans Regt. Shropshire verlor. 46. R. D. gewann im April einen großen Sprengtrichter bei St. Eloi zurück, wo zuvor riesige Explosion die Rendsburger Jäger und Teile 89 wegraffte, und erwarb sich von Engländern das Lob, sie habe Gardewert. Die stärksten englischen Angriffe blieben bisher erfolglos, eine D. schmolz von 12 000 auf 5000. Jetzt wurden die Kanadier, deren Artillerie die Fassung verlor, völlig geschlagen, General Mercer ihrer 1. D. fiel, General Williams der 2. und sein Stab versicherten als Gefangene, die Kanadier dächten anständiger als die Engländer und nennten die Deutschen »Fritz« statt Hund! Schmeichelhaft für Shakespeares Nation, wenn Kanadier sich vor ihr seitwärts in die Büsche schlagen, unübertüncht von Europens Unhöflichkeit: seht, wir Wilden sind doch bessere Menschen! Die Kanadier verloren seit Mai 20 000 (Brig. Hughes vernichtet), indessen eroberten sie gemeinsam mit Engländern am 13. Juni die Höhen zurück. Rgtsgesch. des 120. Ulm (von 4. Ers. abgelöst) sagt, daß viel Tote und Verwundete in Feindeshand gerieten, bestätigt so unsere Vermutung, wie beide Parteien den Begriff Gefangene unpassend erweiterten: So kommt man natürlich zu täuschenden Ziffern. Im Norden warf Werders Artillerie den Nieuport-Kirchturm um, Merkzeichen für englische Geschwader. Die Marine D. neckte die nicht wachsamen Belgier und wahrte bis zur Nieuport-Mole ihre mit Panzerschilden behangene Dünenfeste mit Verlust von 7 Mann! Bei Arras Aufregung »zwischen den Schlachten« durch Virtuosität deutscher Mineurs. Dagegen entlud eine vollgeladene Havasmine Joffres nagenden Ärger. Die grimmen Schwindler verschwiegen ihr eigenes Elend und ergingen sich in Konjunktur, als ob sie sich unsere V. L. besorgt hätten. »Vermehrte Verwendung der Territorialen« wurde gebieterische Notwendigkeit, denn woher nehmen und nicht stehlen, woher Ersatz schaffen, um solche Lücken zu stopfen! Unter Englands massenhaft einströmende Rekruten mischten sich kaum noch Reste alter Kämpfer. Auch ihm brach sozusagen das Blut zum Hals hinaus und erstickte die Stimme, die den Neutralen vorlallte, sie müßten sich zum unumstößlichen Endsieg der Entente bekehren! – Als Bazelaire, verstärkt durchs 3. K. der 5. Armee, die großen Feldschanzen Alsace-Loraine verlor, nannte Petain diesen schlimmen Tag einen »glorreichen«! Doch Hand aufs Herz, wie stand es mit dem trostlosen Herunterkommen der Prachtgestalt steter Siege, der D. Kneußl, und mit dem Toten Mann, auf dessen Gipfel tatsächlich erst am 22. April deutsche Schützen auftauchten, nachdem man lange zuvor seine Einnahme verkündete? Nun endlich Ende Mai schien am Westufer ein Durchdringen erreichbar, doch dazu hätte man großer Verstärkungen bedurft statt sie am Ostufer immer neu nördlich aufeinander zu packen. Wahrscheinlich hätte ein großer Schlag im Süden gegen die Maashöhen mehr versprochen. Dort ging alles schief und krumm. Erst im Herbst ließ sich Strantz herab, etwas Ernstliches zu unternehmen, wobei er 5. K. immer schonte, nur seine zwei Bayernbrigaden und 15. R. K. ins Feuer trieb, die L. W. wenig. (Thüringer L. W. befand sich wohl neben der württembergischen bei H. 304, die außer ihrer 1. L. W. Art. recht wenig litt, nur 66. Anhalt, 32. verlor im Herbst 560). Nachdem am 1. Juni der Cailettewald durch die herbeigeholte 7. R. D. erobert, am 2. durch Deimling das Fuminholz südwestlich Vaux, suchte 1. bayr. D. am 8. in die Wabengräben einzudringen, die aber von 1. Art. nicht ausgiebig genug beschossen waren. Nur die Allgäuer 20er nahmen Batt. A. Erst am 12. erstürmte das Münchener 1. Rgt. den Posten mit ausgezeichneter Tapferkeit. Das b. Kr. Arch. bestrebt sich, stets die Bayern allein auf den Schild zu heben, läßt deshalb 19. R. D. an der Thiaumont-Schlucht erneut scheitern, dagegen 2. b. D. den Hauptteil der Schluchthöhe gewinnen. Daß 7. R. K. schon im Juni zum Pfefferrücken abmarschierte, stimmt sicher nicht, da auch die andere Angabe falsch, Damloup sei schon am 2. Juni erobert, die Hochbatterie fiel erst einen Monat später. Die O. H. L. einigte sich schwerlich mit dem Kronprinzen darüber, daß Angriff von Zwehl und Strantz im Südosten nichts mehr versprach. Dieser wollte im Gegenteil den Nordkampf im Norden einstellen, wo man nutzlos neue Massen anhäufte. Dort trat jetzt 2. b. D. ins Hintertreffen, an seine Stelle 2. Jg. Brig. des Alpenk. neben Deimling am Chapitrewald und Wegkreuz vor Fleury. Jetzt liefen 2. Jg. und 10. Ingolstädter der 6. D. mutig gegen das Werk Thiaumont an. Sie nahmen es und stürzten über die Zwischenbatterien D. und E. und den H. Rücken Kalte Erde weg bis nahe ans krönende Hauptfort. Links davon drangen b. 24. sowie die »Leiber« des Alpenk. in die südliche Weinbergsschlucht. Daß letztere F. Thiaumont nahmen, ist reine Fabel, ebenso ihre Mitwirkung in der Sommeschlacht. Dagegen kamen sie weit voraus, als 1. Jg. Brig. in Fleury hineinstürmte. Der Feind hielt sich am kleinen Bahnhof, 2. Jg. Brig. und Deimling konnten die Souvillenase nicht bemeistern, auch 19. R. D. nach wie vor nicht die Thiaumontschlucht. In Anbetracht ihres schon viele Monate währenden Verbrauchs begreiflich. Sie versuchte schon im April aufs bravste die Feuerschranke Kalte Erde zu brechen. Die deutlichen Scheelblicke der bayerischen Darstellung auf diese tapferen Niedersachsen sind so wenig angebracht wie ihr wiederholtes Hervorheben im H. B., denn Erfolge hatten sie nicht und ihre Einbuße stand sehr weit hinter der von Märkern und Hessen zurück, deren gigantisches Ringen gegen feindliche Generalangriffe im April und Mai und Juni lange nicht genug gewürdigt wird. (Hier schlug 87. Hessische den Verlustrekord der Verdunschlacht: 3079, also ganz vernichtet.) Fr. 129. D. besetzte nur einen Augenblick die Ruine Thiaumont, dann mußte sie ihr Adieu sagen. Obwohl die Bayern sich aufs Äußerste anstrengten, den Erfolg zu erweitern, verbot das weittragende Feuer aus F. Souville und sogar vom Marrejoch am Westufer die Fortführung, zumal unsere neue Gasmunition den Erwartungen nicht entsprach. Unter ungeheurem Trommelfeuer suchte der Feind vom 25.–30. durch die Brasmulde uns aus dem Gewinn zu vertreiben. Am 27. löste die 2. b. D. wieder die 1. ab. Zuletzt mußten die 10er wieder auf F. Thiaumont weichen, doch blieben 13er und Alpenk. fest, wobei die Leiber unter ihrem Kommandeur Epp sich besonders hervortaten. Bis 7. Juli wogte dieses Ringen. Ein Vorstoß am 11./12. war nur mit »Leibern« und 1. Jg. südlich Fleury erfolgreich. Unglaublicherweise hatte man auch noch 4. D. vom Westufer hierher gezogen, ihr 140. Hohensalza schloß sich dem 3. Jg. Regt. (4 Batl., davon 2 frühere Schneeschuhbatl.) beim Sturm auf Souville an. Man gelangte quer über das Glacis, mußte aber vom Beginnen abstehen. Jetzt trat das Münchener K. ab, das in 52 Kampftagen nicht weniger als 367 Off. 15 200 verloren haben soll. (Nach V. L. litt nur 15. I. bedeutend und 2. Jg.). Noch blieb 6. D., zu deren 10., 13. jetzt auch 11. Rgt. sich gesellte in Ablösung der Leiber, die am 20. in Fleury überfallen wurden. Links vom Alpenk. erschien 21. R. D. nebst 364. I., rechts 7. R. K. jetzt von Damloup abmarschiert. Es wurde am 2. August heftig angefallen, ebenso 4. D. bei Kalte Erde. Die Bayern sahen sich aus Fleury und sogar F. Thiaumont verdrängt. Das schon in Ruheverhältnis bei Stenay abgeladene Alpenk. mußte, sofort zurückberufen, die 6. b. D. ablösen, die jetzt auch noch ihr 6. Regt. an sich zog und am 4. in überraschendem Anlauf die ganze Fleurystellung zurücknahm. Die tapfern Franken, bisher nur in Lothringen ehrenvoll beteiligt, verewigten hier ihren Kriegerwert glänzend an entscheidender Stelle. Als sie aber dann ausschieden, fehlten 187 Off. 7523 in den Reihen! So sagt das Kr. Arch, allein aus Vergleich der V. L. scheint uns klar, daß stets bei den Bayern auch spätere Sommeverluste in solchen Ziffern inbegriffen. Als am 9. September das Alpenk. wieder ausschied, soll es im ganzen 276, 12 216 (2500 »Leiber«) verloren haben, sehr viel bei so schwacher Zusammensetzung (1., 2. Jg., 3. Jg. Regt. litten stark). Die Bayern verloren dies Jahr 100 000, vermehrt um 20 000 in Rußland und Rumänien, etwas mehr als in früheren 17 Monaten. Gleichwohl litten Württemberg und fast alle preußischen Provinzen prozentual mehr. Der bayrische Gesamtverlust hätte nach Bevölkerungsziffer stark ein Zehntel des Gesamtverlusts betragen müssen, blieb aber weit darunter. Wir betonen dies lediglich, um den Wahn zu zerstören, als ob die Bayern, wie sie sich einbilden, die Matadore des deutschen Heeres gewesen wären. Ihre Leistungen sind so groß, daß sie solche Reklameübertreibung nicht bedürfen. Auch bei Verdun nahte jetzt ihre Ruhmesstunde, doch ob es mit ihrem alleinigen Kampf bei Fleury seine Richtigkeit hat? In gleicher Richtung vernichtete die schweren Blutzoll entrichtende 44. R. D. die fr. 129. D. und schon früher rollten 78., 79., 92. R. gemeinsam mit unermüdlichen Märkern die »Werke« auf, lange Kette von Batterieeinschnitten am Steilhang des Pachthofs Thiaumont. Das b. Kr. Arch. nennt immer nur 19. R. D. erfolglos, sie war's nicht im Mai; als sie aber vom Steinbruch des Braswegs her über den Kamm 316 hinüber war, erhob sich vor ihr H. 321 mit Dickichtgestrüpp, wohin Festungsgeschütz unheilvoll reichte und am 16. Juni dort weiteren Aufenthalt von 73., 91. R. verbot. Wie am 20. Mai brachte Nivelle auch diesmal mit »6 D. auf 5  km Front« die Märker und Niedersachsen zum Stehen. H. B. drückt sich gewunden aus, doch war es wirklich mit Nivelles Junierfolg nur soso, er schwärmte von 200 Gef., ihm selber kamen 7000 im Juni abhanden, überhaupt bisher 60 000 und hunderte von Geschützen. Doch auch unser Junierfolg war nicht viel wert. Erst am 11. Juli nahm Deimling den Kreuzweg bei Petruskapelle. Drang man auf H. 227, 240 bei Kalte Erde, H. 286 bei Souville und über Rote Erde durch, so war alles aus, doch wir konnten es eben nicht. Immerhin versetzte unsere Einkreisung – nur 5  km fern der freundlichen Gartenstadt, über der 30 000 Granaten platzten und dessen mit dem Bürgermeister allein zurückgebliebene Feuerwehr sich aufopferte – Petain in solche Beklemmung, daß er Joffre um Erlaubnis zur Räumung beschwor. Doch der blieb fest. Inzwischen waren die Bromberger vor F. Thiaumont gescheitert unter schwerem Verlust, doch 14. R. D. nahm am 8. August erneut den wichtigen Punkt, 57. R. vorauf. Auch sie am 25. abgelöst durch Mudras 34. D., an die sich noch vom Westufer 192. D. links von 33. D. anschloß. Schon verschwand 3. K. zur Somme. Bisher für größere Aktionen zu kurz gekommen, feierte es dies Jahr in einer des Märker Kriegsruhm seit Fridericus Rex würdigen Weise. Da die ostpr. 1. D. später keinen Verlust mehr verzeichnet, ging sie wohl zur Somme ab, wo indessen 2. D. genannt wird, deren Verl. in Herbstlisten aber so gering, daß man annehmen muß, alle Ostpreußen seien in Reserve geblieben. Um den Abgang am Ostufer zu ersetzen, wurde die geringe Macht am Westufer noch mehr geschwächt, wo ohnehin die in Schlamm verwandelte Erdaufwühlung entmutigte und Bazelaire darauf bestand: »Ist der Feind hartnäckig, seien wir's noch mehr!« Kein Eindruck unserer Angriffe auf Esmes war wahrzunehmen, dagegen vorauszusehen, daß die dort verbliebenen schwachen Kräfte später überrannt werden würden. Im August fielen dem Kronprinzen keine Werte mehr zu, er konnte den lebendigen Wall solcher Übermacht nicht überschreiten, zumal ihm Korps nach Korps entzogen wurde, teils zur Somme, teils später nach Rumänien. Da im Spätherbst auch Deimling zur Somme abging, fehlten allmählich 12 D. und sehr viel Artillerie. Da überhaupt nur 400 d. Batl. gegen nahezu 1200 (fr. D. zu 15–17 Batl., d. nur zu 9) fochten, blieb der Umschlag jetzt erst recht unvermeidlich, 17 D. waren zur Schlacke ausgebrannt, von denen trotzdem manche gleich wieder sich im Sommefeuer braten ließen. Schon am 24. März warnte Falkenhayn vor Menschen- und Munitionsverbrauch, als ob man mitten in Schlachtkrise etwas daran ändern könnte. Damals antwortete der Kronprinz triftig: Der Feind sei auf engen Raum eingeschränkt, der Erfolg müsse ausgebeutet werden. Im Mai aber wurde er umgekehrt mit F. uneins, entschied für Aufgeben des Angriffs, dessen Fortsetzung die Fama irrig ihm zuschreibt. Seit an der Somme immer gewaltiger betäubende Monstrekanonade zur Maasoperation herüberscholl, verstrikte die Scheu vor »Uferlosen«, hier am Maasufer symbolisch, erst recht ins Planlose. Zahlreiche Trophäen trösteten nicht darüber, daß die längste und blutigste Dauerschlacht aller Zeiten, für die man nacheinander 43 D. (zuletzt auch noch Garde Ers. D. 14, 39. b. D.) verwendete, als glatte Niete schloß. Wenn wir Juliverlust abhören, so traten 3., 18. K. ab, dafür lag bei Fleury das »Alpenkorps« (2. Jägerregt. 1357), entsprechend litt früher 22. R. K. auf beiden Ufern (6320, allein 3156 v. 205., 206.), Verdun wurde für die Märker ein Unglücksname. Für die Bayern auch, deren 6. D. hier sogar den von der 11. am Westufer übertraf. Im Zentrum drängten die Elsässer stark vor (1207 des braven 126.), rechts davon 10. R. K. mehr zuwartend, links die Ostpreußen (1315), am Südflügel immer noch geringer Verlust, am Westufer jetzt auch. Summa 45 000. Im August: 5535 Pommern, 21. R. D. (81. R. 1850), auch noch das Metzer K. am Ostufer, kein Abflauen im Norden, immer nur mäßige Einbuße der »Niedersachsen«, ab nach Osten, Westf. 3600 (1938 v. 57. R.), beide Posener K. 1100 und 99. R. 2125. Summe mit vielen Zutaten (z. B. 364. I. 750) 45 300. Juni-Juli-Augustverlust zeugen einheitlich für die letzten Entscheidungsversuche. Obwohl auch am Südende bedrängt und bei Damloup am 3. Juli hinabgeworfen, hielt sich der Feind verzweifelt bei Rote und Kalte Erde, die Bayern konnten Fleury nicht behaupten. Brig. Prinz Franz, am längsten im Feuer, litt übrigens nicht übermäßig, die »Leiber« (Prinz Heinrich verw.) packen erst in Augustlisten ihren hohen Verlust aus. 22. R. K. Ende Juli Rußland, Oktober zurück. Die eigentliche Verdunschlacht ist hiermit abgeschlossen, Gesamtverlust 251 500 (20 000 Art. u. P.). Erschreckend viel, doch auf 190 Tage verteilt. Die Franzosen (3., 5., 9. A., Teile 1., 4., 7.) verloren durchschnittlich überall 40 % und darüber. Joffre plauschte von »Unordnung« in den deutschen Reihen, während es toll in den eigenen herging. Die Schlachtwogen gingen hoch mit Franzosenblut. Demoralisierung griff so um sich, daß einmal eine ganze Kompagnie am 21. 7. sich gottergeben von einem hessischen Musketier abschleppen ließ. Den hier eingepferchten 55 D. Petains war Stilliegen im Hexenkessel noch gefährlicher als Vorbrechen mit unausbleiblich fürchterlichen Folgen. Auf 9  km verkürzt, überschüttete unsere Linie den Feind mit konzentrischem Feuer, er litt unsäglich auf engem Raum. Trotzdem Abbruch des Kampfes beschlossen, endete das Morden noch lange nicht. Nach Abmarsch der Märker rissen jetzt 14. R. D., 25. D. (1265 v. 117.), 21. R. D. (3500, 1620 v. 88. R.) Mudra (4200, 1304 vom 98.) das Nordfeld an sich. Mit dem Begriff »Pommern« ist uns nicht gedient, man möchte wissen, ob 3. D. anwesend, deren Verluste zu groß, als daß sie damals in Rußland entstehen konnten. Bei der greulichen Zerhackung der alten Korps unter neugebildete Divisionen weiß höchstens Archivaktenkenner noch ein und aus. Am Südflügel beeiferte sich jetzt 15. R. K., besonders b. 15. R. Indessen holte Nivelle im Norden immer frische Massen herbei, schon am 15. September ließ Reitzenstein Fleury fahren und diesmal für immer. Man hatte die neuerstandene Metzer Bayernbrigade herausgenommen und mit dem neuen b. 29. zu »14. D.« vereint. Sie sollte am 3. Oktober die steile Höhe der Souvilleschlucht nehmen und vollzog dies mit gewohnter Tüchtigkeit, obschon bei II/III/4. sieben von acht Komp.-Führern fielen. Alle feindlichen Gegenstöße bis 10. scheiterten, doch am 24. begann ein großer allgemeiner Gegenangriff, der uns sogar schon den Hardaumontwald nördlich Vaux abnahm. Längs der am Westrand dieser Stellung entlanglaufenden Buzenvauxschlucht erschien im November die von der Somme herversetzte 5. b. D., auch im Westen war wieder der Teufel los bei 44. R. D. (3460), von 360.–364. I. bluteten im Oktober 4680. Der Südflügel geriet jetzt dauernd in hitziges Gefecht, wobei die Strantz' unterstellten Kräfte 3400 verloren, nachdem im Oktober 99. R. Zabern nochmals 970 verlor, also ganz vernichtet, und 33. R. D. 2300. Wahllos riß man rechts und links Einheiten los, um sie dem Sommeungeheuer in den Rachen zu werfen, 5. R. K., 15. K. aus Linie Damloup–Vaux, im Norden waren 6 D. weg, indessen ist falsch, daß nur noch 8 D. dort standen, mit den Bayern waren es 16, von denen freilich die Hälfte rückwärts in Ruhequartier lag. Am Westufer lagen nur noch 7, alle sehr geschwächt. Gleichwohl hätten die Franzosen sich nicht getraut, die von uns gewonnenen starken Stellungen zurückzuerobern, wenn nicht die deutsche Art. bis auf 160 Batterien durch die Abgabe zur Sommeschlacht geschwächt worden wäre und ihnen nicht wie den Alliierten an der Somme unerhörte Munitionsmassen zur Verfügung gestanden hätten. Amerika ließ sich angelegen sein, sogar 42  cm Granaten aufzustapeln, die Maschinerie der Materialschlachten wurde immer dämonischer, wenn so kalte Technik solchen Namen verdient. Nichtsdestoweniger macht man sich übertriebene Begriffe von der Vernichtung, die Nivelles Kanonade in den deutschen Gräben trug; sie traf alle festen Objekte, doch die V. L. zeigen, daß in den vier Schlußmonaten unverhältnismäßig weniger Menschen weggerafft wurden, als in vier vorhergehenden. Doch wurde die Lage stets hoffnungsloser. 39. b. D., die 5. ablösend am 16. gesprengt, anschließende 14. R. D. vertrieben, nur 21. R. D. hielt noch den Fossenwald. Daß aber der plötzlich frechgewordene Feind einen Verdunsieg ausschrie, hat keinen Sinn; es ist kein Sieg, wenn man Niederlage wieder einrenkt. Der Übermut vergaß, daß Paris sich schon kleinlaut mit Fall Verduns befreundet hatte, und feierte den Triumph, daß man mit ungeheurer Übermacht die 200 dort verbliebenen Bat. aus ihrem Raumgewinn entfernte. So fälschte man nachher Geschichte, obwohl selbst so wenig davon erbaut, daß man zornig Petain durch Nivelle ersetzte und so den Bock zum Gärtner machte. In Deutschland entsetzte man sich gleichfalls über das Blutbad und zeterte über ruchloses Abenteuer, als ob der Kronprinz für Falkenhayns Unverständnis verantwortlich wäre. Dem G. St. beider Parteien stand nicht gut, wie in Sachen Toter Mann oder F. Vaux widereinander zu krakehlen, da beide sich verfrühte oder übertreibende Meldungen zu Schulden kommen ließen. Es ist traurige Schwäche, Mißerfolge nicht einzugestehen. Das Tag für Tag Zurückdrücken unserer Nordgruppe bei Nivelles großem Aprilangriff bestätigen wir als wahrheitsgemäß; ein englischer Bericht schildert, wie »eine berühmte Division« (wohl »die eiserne« Toul) F. Douaumont zurückeroberte bis auf einen Nordvorsprung, wo Hauptmann Kahlau mit I/12. sich hielt. Flankierung rechts und links durch Aufmarsch 10., 22. R. K. gab wohl den Ausschlag für Absplittern des Angriffes. 3., 39. und hessische 25. Art. verfolgten auf nahe Entfernung den Rückzug. Da Nivelle seine 5. A. hier auf 2 Kilometer Front pro Div. zusammenpreßte, so war jede nach wenigen Tagen kaputt. Eine der 3. Armee ließ bei Damloup gleich zwei Drittel auf dem Schlachtfeld. Petain pflasterte Chapistrewald und Fuminholz mit Leichen wie mit Siegesbrücken. Gewiß litten furchtbar die 2 brandenb. K., die als Atlas die Nordschlacht auf ihren Rücken trugen, doch Nivelle ließ mit edler Dreistigkeit drucken: »Unsere Verluste sind unbeträchtlich«, während sie gen Himmel schrieen. Am 4. Juli lagen in der »Totenschlucht« südlich Thiaumont alle Offiziere bei 4 Batl. in ihrem Blute; 1 Batl. schmolz auf 60. Am Westufer putzte man der Fremdenlegion gleich 3000 in zwei Tagen weg! Ex-Minister Hanataux, Chauvinist und auch Ex-Historiker, schätzte den Gesamtverlust auf 280 000; was nur bis Juli gemeint, aber auch dann viel zu niedrig scheint. Andere Veranschlagung auf 430 000 bis Herbst dürfte kaum auf Irrtum beruhen; leider wuchs auch unsere Einbuße bis Neujahr auf über 345 000. Die letzten Kämpfe waren ernster, als beiderseitige Meldungen ahnen lassen, man würde stumpf und müde, die ewige Schlächterei zu erzählen. Nachdem im September der Kampf einigermaßen ermattete, ließ Nivelle fünf starke Div. los, die er ausdrücklich dafür in Ruhestand gelegt und erzogen hatte. Aber 80 000 Streiter, 650 Gesch. vereinte er unter Mangin gegen ein Stoßziel von nur 7 Kilometer Breite. Das Einleitungstrommeln war so fürchterlich, daß zum ersten Mal unsere Art. zum Schweigen gebracht wurde; fast die Hälfte der Batterien verstummte. F. Douaumont flog beinahe in die Luft, ein rotglühender Steinhaufen, die Granat- und Benzinbehälter explodierten. Als Südfranzosen (Gascogner und Bergsavoyer), braune und schwarze Afrikaner sich zum Klang der Hörner vorwärts stürzten, geht es über lauter Trümmerschutt in dichtem Nebel hinein, den noch die Vergasung schwängert. Nivelle hat nicht nur als Artilleur das Feuer seiner Batterien kunstvoll geregelt, sondern will auch alles mit der Uhr in der Hand abmessen; seine Offiziere tragen den Kompaß, um ihre Sturmhaufen im Nebel richtig zu leiten. Doch der Krieg ist kein Uhrwerk. Nur dort, wo alles niedergeworfen bei Douaumont, brachen Zuaven und Chasseurs der D. Guyot ein. Im Cailettewald widerstand noch 154. I., ein französischer General wurde tot weggetragen beim ersten Auftauchen seiner Brigade. Vor Damloup brach sich der Stoß; Westfalen und Lothringer der 50. D., 33. R. D. Heldenhaft wehren sich 300 preußische Spartaner im Fort V., noch weit tapferer als einst dort die französischen 500; machten jeden Sturm zuschanden und hielten den Feind zum Narren, der sie mit Leichenhügeln abgeschlagener Massen umgürtete, indem sie ihm in Nacht und Nebel entwischten. 21 schwache d. Batl. der Vorderlinie wurden allerdings bis 4. Nov. gesprengt und aufgerieben; Reserven konnten das höllische Sperrfeuer nicht durchschreiten, doch die fünf famosen Sturmlegionen konnten sich auch mit ihren Trikoloren begraben lassen. Im Dezember ließ Mangin erneut die Feuerwalze spielen; wieder erlagen 15 Batl. unserer Vorderlinie in gefrorenen Gräben mit erfrorenen Füßen; man focht Brust wider Brust mit tätlicher Erbitterung; in der erstürmten Farm am Courriereswald fand der eindringende Oberst Picard vom 321. I. noch sieben Helden am Leben. Mangin rühmte sich mit 11 000 Gef., das waren fast alles Verstümmelte, Erfrorene, Verhungerte; 140 eingebaute Grabengeschütze mußte man ihm lassen. Doch der Preis dafür? »Da unten aber ists fürchterlich«, ziehen wir einen Schleier über die französischen Verluste. Wohl mit einer rund halben Million streitbarer Männer bezahlte das Land der Trikoloren die Rettung Verduns. Starrsinn hielt durch wider jede Erwartung und Möglichkeit. Leute, die zur Erbauung unmündiger Leser mit altehrwürdigsten Cannäbeispielen um sich werfen, oder Pariser Kritiker, die von Drücken an den Fluß angstvoll phantasierten, mit Beispiel Friedland (damals an der Alle hatte eben Napoleon keine Verdunforts vor sich als feindliche Rückzugsdeckung des Uferwechsels!) blenden nur Toren, hier aber drängt sich Erinnerung an »Hohenlinden« auf, wo Moreau seine Rückzugslinie parallel zum Gegner hatte; nur unverhoffter Sieg konnte ihn herausreißen. Hier lief Petains Rückzugslinie, die Pariser Bahn, parallel zur deutschen Front und derlei läuft nie gut ab, wenn man eben nicht Glück hat. Das deutsche Unternehmen war einfach am toten Punkt angelangt, was man im Englischen treffend deadlock nennt. Sommeschlacht Im Juli 1916 schlug die schlimmste bisherige Stunde des Weltkrieges. Heut ist herzbeklemmend daran zu denken, daß man sie überstand und auch der wieder geschmierten russischen Dampfwalze die Räder brachen und daß gute Beendung des Weltkrieges nur noch Frage der Zeit schien. – Die V. L. bringen wieder für Sommeschlacht eine Überraschung; die bis 10. Juli enthalten nämlich nichts, was irgendwie der amtlichen Darstellung entspricht, auch der Juliverl. kann nicht hoch genannt werden; nur die Augustlisten belegen die Vorstellung hoher Einbuße. Rechnen wir alles zusammen, so ergibt sich mit Berücksichtigung vieler Art. u. P. außer Korpsverband, ungefähr 130 000. Auch mit späteren, strengen Nachwehen erreichte die eigentliche Sommeschlacht nicht den Verdunverlust, was gewiß viele in Erstaunen setzt. Dabei sind die Einbußen der b. 10. D. usw. bedeutend (besonders b. 16. I.), manche Truppe wie 63. schles. (1820) packt erst im August eine große Liste aus; natürlich focht sie schon im Juli, doch damit ist keineswegs gesagt, daß August- zu Juli- und Juli- zu Junilisten gehören. Nachträge zugestanden, kann die Hauptmasse der Verluste nur dorthin fallen, wie sie chronologisch vom 10. Juni bis 10. Sept. vorliegt. 3. b. K. kam erst im September. Die Sachsen litten auch sehr. (1. b. R. K. und 10. D. 10 600; 2. b. K. 3500; 12. K. 4500; 12. R. K. 10 000). Bei »Leipziger Schanze« darf man nicht ans ganze Leipziger K. denken; wahrscheinlich bauten aber dessen 22. P. die Schanze und blieben dort. 24. D. kam erst später ins Feuer. Ferner 5. D. 4220 (1762 v. 12.), man hetzte also die Märker von einem Schlachtfeld aufs andere; wir halten aber für unwahr, daß 5. D. schon Anfang Juli an der Somme mitwirkte; ihr Verlust steht in späten V. L. Mit ihr 56. D., diese verlor im Ganzen nur 2500; ihre 35er 1070 erst in Sept. Listen. In obiger Gesamtziffer sind obendrein 7., 14. K., 6. b. R. D., 40. D., 50. R. D. auf Strecke Arras–Lys beigerechnet, um den Begriff der Sommeschlacht nicht zu eng zu umgrenzen. Zieht man deren Einbuße ab (50. R. D. anfangs nur 887), so wird der so gruselig aufgeplusterte erste Sommeverlust noch geringer. Er war groß genug für zwei Monate, doch nicht erschreckend. 50., 54. R. D., 40. D. treten erst später ins Gebiet der Somme über. Südlich Arras bis zur Ancre 4. K. 10 000, 14. R. K. bei Thiepval 5200, Garde (hauptsächlich 6., 7.) 4800; deren Hauptkampf begann erst später. Im August 13. K. 6800 (3570 v. 27. D.) Im Sommebogen 12. D. 6600, 9. K. 8400, südlich 9. R. K. 10 400, L. W. 2800; später 8. b. R. D. 2000 (602 v. 19. R.) Diese soll nach ihrem großen Elsaßverl. nur 4000 Gew. gezählt haben. Da sie hier an einem Brennpunkt focht, und doch höchstens die Hälfte verlor, werden übertriebene Verl. Märchen uns nicht das Gruseln lehren. Wir rechnen stets summarisch nach altem Korpsverhältnis; d. h. die abgetrennten Brig. bei so vielen neugebildeten Div. nicht extra berücksichtigend. Das Auseinanderreißen muß zu Verwechslung führen. So focht vom 11. K. die 22. D. am Stochod, 38. bei Verdun, dagegen das vom H. B. hervorgehobene 32. sowie 71. (zusammen 3400) zwischen Cambrai und Bapaume. Ferner eine Hannoversche Brigade bei neugebildeten Einheiten am Nordflügel der 1. A. und die Julilisten melden Hauptverlust der Hannoveraner von 20. D. viel früher als H. B. deren Eingreifen im August erwähnt. Man bucht also viel früher, was erst später eintrat? Hier behält freilich H. B. recht, denn offenbar befand sich damals das ganze 10. K. am Stochod, so übermäßig groß sein Verl. erscheint im Vergleich zu allen am Stochod verkämpften Teilen. Wir können daher nur Bruchteile (73er, 78er) in der Sommeschlacht rechnen. Bemerkenswert ist der Verlust des nirgends erwähnten 4. K., offenbar verdankt man ihm die Niederlagen der Linken Haighs, die stets zurückhing. Wir lassen Stegemann die Ehre, daß er ausnahmsweise die Sommeschlacht zeitlich richtig schildert; nach welchen Quellen, wissen wir nicht. Wir kannten die Wahrheit lange vorher aus den V. L., die sich wieder als einzig feste Basis bewähren. Danach bestand für uns kein Zweifel, daß die Schlacht ungeschwächt bis Dezember fortwühlte, seither bestätigten es uns B. Kr. Arch. und viele Einzelberichte. Für die Öffentlichkeit muß aber Stegemanns Darstellung ein Novum gewesen sein, denn sie widerspricht kraß dem H. B. und offiziellen Angaben Haighs, wonach es zwar immer noch Reibereien gab, doch die Bedeutung der Sommekämpfe spätestens Anfang September oder gar Anfang August endete. Das alte Spiel: H. B. wollte den traurigen Ernst der Lage, des Gegners unverminderte Kampflust verbergen, der Gegner schämte sich, daß er mit 30 Mill. Granaten nur 8  km südlich, 18  km nördlich durchpflügte als Preis für Monate Angriffsdelirium. Die Franzosen griffen südlich der Somme mit 12, die Briten nördlich zuerst mit 34 sehr stark formierten Div. an, wovon angeblich ein Teil auf Linie Arras entfällt. Frankreich hatte jetzt im ganzen 100 D. = 1500 Batl., Deutschland 122 à 3 Regimenter = 1225 inkl. Jäger. (Übrigens ein Einfall zweifelhafter Güte, Regimenter verschiedener Korps und Stämme zu neuen Einheiten zusammenzukoppeln.) Die Verbündeten besaßen doppelte Überzahl, doch daß wir es ihnen an Material nicht gleichtun konnten, erscheint angesichts »469. bayr. Batterie«, »291. Art. Regt.« zweifelhaft. Unsere Artilleriezahl war gewiß nicht sehr im Rückstand (vergl. Bruchmüller). Einzelheiten der Sommeschlacht zu umgrenzen ist unzulässig. V. L. führen auch hier nicht irre, so steht deutlichst in ihnen, daß 12. schl. D. bei Hem schon am 6. Juli focht. Warum sollen wir in Zweifel ziehen, wenn sie die Sachsen erst spät verzeichnen? Die Julilisten genügen reichlich für Garde, 29. R. D., L. W., und wenn sie für andere zu gering scheinen, wer sagt, ob der Anfangsverlust nicht wirklich klein war. Gleichzeitig bewahrheitet sich glänzend unsere Rechnungsart, denn gelegentliche amtliche Angabe für 119. R. im Juli deckt sich genau mit unserer eigenen Summierung. Wir fürchten uns nicht wie neutrale Schreibdiplomaten, bei der Entente anzustoßen, sagen daher rund heraus, daß bei ihr nur eine blinde Henne ein Korn fand: Die Angriffsrichtung war diesmal nicht so verfehlt wie bei Arras, bei St. Quentin konnte man uns Ungelegenheiten bereiten und die Rüstung verbeulen. Der erste Stoß der Franzosen südlich der Somme traf 17. D., 18. R. D. und L. W., sie wurden geworfen, doch »6000 Gef.« ist so handgreiflich unwahr, wie »unser Verlust gering«. Ja, ja, wir sind die Kadetten von Gascogne, die Gasconnaden von Tartarin widersprechen sich immer: Am 1. Hardecourt genommen? am 4. kämpfte man noch dort, am 4. Estrées gewonnen? folgt gleich Einschränkung »außer vier Häuservierteln «! Haigh trieb es ähnlich. Fricourt fiel am 2.? hernach ergab sich dort erst am 4. »der Rest eines Bataillons« (109. R.). Am 4. Boiselle geräumt? nur das Gehölz, am 7. Kampf » vor Orvillers«, d. h. nördlich Fricourt, man kam also fast gar nicht vorwärts! Haigh selbst gesteht, daß Garde und Württemb. ihn an der Ancre warfen (915 Briten gef.). Die Franzosen erzählen redselig, sie hätten 39 Batl. vor sich gehabt, 31 davon »desorganisiert«, bekennen aber zwischen den Zeilen, sie seien zwischen Estrées und Belloy geworfen, die Rechte lag vor Barleux fest. 60 Gesch. erobert? Jamais de ma vie! 20., 60. Art. litten mäßig, 20. R. F. verlor nur 25 Kanoniere. Die endlose Kanonadewarnung erlaubte, von allen Seiten Truppen heranzuziehen. So taten die Schlesier gleich dem Andrang am Nordufer Einhalt. Zwar wehte südlich die Trikolore endlich auf La Maisonette, doch nach Biaches vorzustürmen mißlang nicht nur, sondern man entnimmt französischer Meldung, daß schon wieder bei Hardecourt gekämpft wurde. Die Stürme auf Barleux ließen Leichenhügel zurück. Zur Abwechslung melden die Franzosen »260 Gef.« bei Hardecourt, 200 am Gehöft Monacu bei Hem, nach allen großen Redensarten kommt heraus, daß 2 Kompagnien vernichtet seien zwischen Estrées und Belloy , d. h., daß man sie bis Hardecourt zurückwarf. Am 10., 13. überfluteten die Briten den Vordersaum des Tronewalds, doch erst fünf Tage später Longeval, ohne es behaupten zu können. So grell man die Schrecken sechstägigen Trommelns malt, so bleiben wir hier wie überall dabei: mehr Verwüstung und Verschüttung als Verwundung, mehr psychische Nervenabzehrung als Blutverlust. Jedenfalls empfing den Angreifer noch wohlgezieltes Feuer aus der ersten Linie. K. Allenby nördlich der Ancre prallte gezehntet ab, K. Rawlinson südlich gewann nur Fricourt, die Stützpunkte der ersten Linie blieben in unserer Hand. 3 und 4  km in der Tiefe bei 29  km Länge war alles, was Briten und Franzosen unserer Linie abgewannen. Letztere drückten uns rasch aus Fay-Curlu, dann stockte der Sturm immer wieder. Nur bei Durchmessen nächster Entfernung aus den Annäherungsgräben erfolgreich, stürzten die Briten in Masse nieder, wo sie ins freie Feld herausbrachen. Vernichtendes Flankenfeuer setzte der Linken Rawlinsons so zu, daß sie mit Verstärkungen neugebildet wurde als eigener Heerteil unter Gough. Vier britische D. waren dort schon völlig aufgezehrt. Die neue 2. A. Gallwitz (anfangs Fritz Below) hatte nördlich der Somme 5 D. unter Kommando 14. R. K. Stein, 3 südlich und hinter dieser geteilten Front nur 3 Rückhalt. Zunächst rannten 7 franz. im 1. Treffen an, 10 engl. auf der Nordstrecke gegen Thiepval. Zerstörende Wirkung des Trommelfeuers vor 1. Juli läßt sich den V. L. nicht entnehmen außer natürlich auf Gräben und Schanzen. Nur ein Beispiel liegt vor, daß am 1. Juli ein deutscher Truppenkörper sofort zersteubt wurde: bayr. 6. R. zwischen Hardecourt und Curlu, bei 35 Off. 1774 mögen manche dem Trommeln Erlegene und auch viel Gefangene sein. Noch schlimmer ging es dem 16. b. I., gleichfalls zur neugebildeten b. 10. D. gehörig, die längs der ganzen Front zerstreut ihr 8. R. bei Ovillers hatte, wo es mit Auszeichnung am Heldenkampf der 5. G., 26. R. D. teilnahm. Ihm bluteten im Abschnitt zwischen Ancre und Albertchaussee nur 11 Off. 1172 Mann, dagegen wurde das Passauer R. so gut wie aufgerieben (74, 2559), doch erst am 14. nach langem Kampf bei Longeval umzingelt. Diese bayr. D. schied am 23. aus, dafür trat 8. b. R. D. bei Maurepas der benachbarten 12. schles. D. zur Seite, die zähe festhielt, sowie der 46. R. Brig. am Hemwald und am Hohlweg bei Clery. Nur zertrommeltes wüstes Trümmerfeld übergab die abgelöste 123. D. den Bayern, deren Reihen sich mit sächs. 100. R. vermischten. Nachdem er sich auf 135  km erweiterte, wählte Haigh 37 als Angriffspunkt. Trommelfeuer seit 27. Juni erlaubte der O. H. L., Verstärkungen heranzutrommeln, doch noch nicht in ausreichendem Maße. Andererseits, wenn Anlehnung an die Franzosen Haigh zur Durchbruchsrichtung bestimmte, paßte er sich zu spät an, konnte nicht wie beabsichtigt 60 verbündete D. versammeln, sondern nur 37 engl., eine auf den Kilometer und von Fochs 39 gingen 23 nach Verdun. Als am 1. Juli die Sonne sich erhob und erstickender Feuerbaldachin sich nördlich Albert bis südlich Bray über unsere Linie legte, erschütterte höchstgesteigertes Massenbombardement nur die Schanzen, nicht die Verteidiger. Nur 6., 7. G. in Gommecourt litten laut Listen bis 6., die wohl schon die letzten Junitage einbeziehen. Dies rettet sowohl die Glaubwürdigkeit der V. L. als unsere Auslegung: fast nur Materialschaden, auch durch Fluggeschwader gegen die Anmarschstraßen, deren erdrückende Überzahl oft unsere Flieger aus der Luft vertrieb. Wie bei den U-Booten wiederholte sich hier, daß überlegene Tüchtigkeit eines Richthofen, Immelmann, Bölke die beschämenden Sünden der Kriegsverwaltung wettmachen mußte, man verließ sich auf Zeppeline, deren Verwendbarkeit so viel zu wünschen ließ. Die meisten Flieger verteilte man nach Verdun, obschon sie an der Somme bitter erwünscht waren. Unsere Verlusttabellen lassen weder Vermehrung noch Verminderung zu, streitig bleibt nur Monatsteilung, auch an ihr lassen wir nicht rütteln. Wie kämen die Regt. dazu, verschiedene Rapporte monatsweise zu schicken, wenn alle hohen Verlustangaben bis 1. Dezember sich nur auf 8–9 Schlachtwochen bezögen! Nachträge sind extra verzeichnet (196 Würt., andere 325 im September), zwischen Einlauf und täglichem Abdruck sicher kein nennenswerter Zeitunterschied. Freilich macht Detaillosigkeit in Zeit und Ort vieles unsicher, von Dezember ab haben die V. L. keine andere Einteilung mehr als alphabetische Namensregister ohne Bezeichnung von Truppenteilen, womit jede Möglichkeit genauer Statistik aufhört! Tu l'as voulu, George Dandin! Jetzt kann Generalstabsschläue sich selber an die Nase fassen, wenn man Ententefabeln nicht mehr widerlegen kann. Denn dem G. St. glaubt niemand, er mag lamentieren wie er will, der Feind erklärt die Akten für gefälscht, während er die von Tag zu Tag gedruckten V. L. nicht anzweifeln durfte, so lange sie genauen Zeit- und Ortsvermerk trugen. Nur die bayrischen kamen verspätet und anscheinend unvollzählig, denn sie stimmen selten genau zum b. Kr. Arch., übrigens enthalten sie hier für Juli bis November 22 000 nur für die R. Regt., was verschiedene Angaben des Kriegs-Arch. sehr übersteigt, dagegen weniger für die Inf. Regt., als dort amtlich angedeutet. Jedenfalls ist angemessen, daß die Bayern laut V. L. im August/September am meisten litten, wir entlassen hiermit den üblichen Schwindel, den Anfangsmonat als entscheidend darzustellen. Haigh gestand: »wir waren nicht im Stande auszuführen«, was er sich vorgesetzt, und erzählte Handstreiche von Neuseeländern, die – zehn Gef. einbrachten! Danach soll man ihm seine späteren Phantasieziffern glauben? Welchen Beweis erbrachten die Franzosen für »ungeheuren deutschen Verlust« im Juli? daß sie in einem Unterstand 40 Leichen fanden, es ist zum Lachen! Wir trauen den V. L. durchaus, daß die Altonaer südlich der Somme wenig litten, nur die Schlesier nördlich, ferner Garde und bad. R. D. Daß bis 7. schon 4 d. D. auf 3000 Gew. schmolzen, ist wahnsinnige Übertreibung, mögen auch manche sich verkrümelt und andere in Gasbetäubung gelegen haben. Nur zerstörte Geschütze an zerstörter Brustwehr fielen dem Feinde zu. »13 500 Gef.?« Die Briten am 10. machten – 130 Gefangene! Nachher sinds 7500! Am 17. traten Badenser (nicht »Bayern«) bei Pozières kraftvoll entgegen, aus Contalmaisons schlug die Garde sie mächtig zurück. Haigh hatte am 1. Pusieux erreichen wollen, sich wieder mal übernommen, der Mund größer als der Magen, noch im September stillte er nicht diesen Appetit. Die Franzosen dachten sich ihren Erfolg auch anders. Am 18., 19. füllte ihre Leichenmasse den Weg Estrées–Soyecourt, besonders die Algerier eine Mulde vor Maisonette, am Barleux-Friedhof setzten sich Schweriner Grenadiere ein schauriges Denkmal, Sudan- und Senegalesen Mann für Mann niedermetzelnd, dicke Schwarzschädel zerkrachten unter Kolbenschlägen. Acht Reihen Leichenhügel übereinander zeigten die Art, wie man schwarze und weiße Teufel abtat. Man gab den Mohren keinen Pardon, auch am 20. hausten Mecklenburger und Hanseaten furchtbar unter den Eindringlingen. Dafür meldeten die Franzosen tröstlich 10 968 Gef., 48 eroberte Geschütze. Ei, ei, früher warens »60«! Schwer litt allerdings die schlesische Artillerie, blieb also lange weit vorn im Feuer, die Bedienung holte beim Abzug die Reste ihrer demolierten Stücke zurück. Sieht das nach Niederlage aus? Erst am 30. Räumung der Farm Monacu, dagegen behaupteten wir sogar Maurepas südlich Hardecourt. Nur Südteil von Soyecourt erwarb die 5. franz. D., besonders unsere 63. und 163. I. traten opferfreudig auf beiden Ufern den wilden Stürmen entgegen. An der Fricourtfront standen unerschütterlich 6., 7. G., 119. R., dessen 3. Batl. allein 8 Stürme abschlug und vor dessen Linie 1500 Leichen sich schichteten. Es habe 50 %, 3. Batl. sogar 960 von 1100 verloren? Wie genau sich Haigh – verzählt! Die tapferen Schwaben verloren genau 550 laut V. L. Was bei Ovillers vordrang, ward in zwei Teile zerrissen. Haigh machte hier 126 Gef. der Garde und setzt ehrend hinzu: »Was von den tapferen Verteidigern noch übrig war.« Nur nicht so schwärmerisch! So schlimm war es gar nicht. Nach Abgabe von 2 Mill. Granaten in 168 Stunden brachte den Briten ihr Anlauf nichts Ehrenvolles, Handgranaten rissen blutige Furchen in ihre Reihen, bei Mametz reihenweise von M. G. weggefegt. Jetzt drängten sich 11 engl. D. zwischen Thiepval und Guillemont in ein paar Ruinen von Pozières, doch den Stürmern schlug Sturmwind ins Gesicht zugleich mit Kugelhagel. Noch vier Wochen später halfen hier tapfere Franken, andere folgten dem Beispiel, das Ingolstädter Pionierregt. arbeitete unverdrossen. Armins Art. feuerte seitwärts in die britischen Haufen. Schotten erstürmten hier erst im September Longeval, wo 5. bayr. D. in der Baumschule lange standhielt, Australier und Irisch Rifles brachen nieder bei Pozières. Östlich »Redoute Leipzig« brachten Spitzen der anmarschierenden Sachsen den Feind zum Stehen. Unleugbare Sportverwegenheit wurde Karikatur, als am Höhnwald von Fourinaux die Dragoon Guards attackierten, am 20. leistete sich Haigh die Tollheit, Geschwader und reitende Batterien wie bei einer Manöverübung an die Spitze des Fußvolkes zu stellen. Kanadische Reiter gaben frohgemut Karabinersalven von dem Sattel ab. Was auf 200  m herangaloppierte, wälzte sich im Blut und Staub dieser Balaclava-Steeplechase. Was von Fußvolk in großen Sätzen anlief, ließ 8000 Getroffene liegen nebst 1200 Gef. Generalangriff der Verbündeten am 23. ward gar bald unterbrochen. Nach 18 vergeblichen Stürmen hatte man den Trôneswald gewonnen, 24. R. D. nahm ihn wieder, und daß sie es »nicht lange behauptete«, dem widerspricht englischer Spezialbericht, wonach der Nordsaum dauernd uns verblieb. Die britische Prahlsucht brach wieder durch, die der Brite im Privatleben verpönt, doch desto ausgiebiger den Nationaldünkel sättigt. Sir Aylmer Hunter (9. K. vier D.) pries 4. D., als bestände sie aus lauter Spartanern, nannte 29. D. »die unvergleichliche«, dagegen ermahnte der Franzosengeneral Lebouc seine 53. D., doch nur noch einmal vorzugehen, denn für zweiten Angriff waren die verbündeten Schlachthaufen nie zu haben, man mußte unablässig ablösen. Südlich der Somme kamen die Franzosen erst aus Estrées heraus, wie aus Regtsgesch. von 23. bayr. R. klar hervorgeht. Sie hatten also bis dahin ihren Raum nicht erweitert. 22. b. R. focht bei Maurepas, 23. R. neben Holsteiner 85. I. südlicher, sein 1. Batl. (verlor 17, 679) genoß dann noch allerlei Schikanen des Feindes am 10. August. Dies heben wir deshalb hervor, weil hiermit die Mythe endgültig zerstört, die Hauptschlacht habe nur Juli getobt. Vielmehr rückte das 13. K. Watter überhaupt erst im August bei Guillemont neben 9. K. ein und unterlag dort am 13.–22. den heftigsten englischen Angriffen, wobei tieffliegende Flugzeuge mit Bomben und M. G. eingriffen. Diese Gefechte waren so blutig, daß 120. bis zur Ablösung durch 76. Hanseaten nicht weniger als 180 t., 650 verw., 235 verm. verlor. Dies K. verlor schon im Juni/Juli bei Ypern 2500, meist 27. D. (120. allein 835), ehe es in die Sommeschlacht übertrat. An seine Stelle kam dort 53. R. D., 4. Ers. Regt., ein Würt. R. Regt. griff laut H. B. kräftig ein. Dies bezog sich wohl nicht auf 54. R. D., die später ungemein litt, lange in die Arrasgegend verschoben. Immerhin übertraf der Sommegroßkampf sehr den bei Ypern, besonders für die Art. Dort verlor 49. Art. bei 123. D., wo 127. I. untergesteckt, recht wenig, dagegen hier bei Guillemont in 111. D. der Gruppe Kirchbach 9 Off. 101. Als es, abgelöst durch 77., 78. sächs. Art., wie die Würt. Inf. durch 24. Leipziger D., zum Wytschaetebogen zurückkehrte, litt es überhaupt nicht, doch bei ihm und der gleichfalls zur 27. D. Moser (übernahm später 14. R. K.) gehörigen 13. Art. fing das Bluten gleich wieder an, als sie neben 3. b. Art. erneut im Sommegebiet auffuhr. Man setzte hier Gasmaske gegen neue engl. Nebelgranaten auf. Geschützkampf auf der ganzen Linie so stark, daß auch im Norden bad. und westf. 700 Kanoniere verlor, an der Somme Armin 230, Garde 156, 17. R. Art. 110, bayrische 313, diese Materialschlacht kostete auch 993 bayr. Pioniere, ungerechnet die vielen überzähligen Art. u. P., obschon diese Gattungen bei Verdun noch ärger litten. Von 58 500 Juniverlust kam zwar fast alles auf Verdun, doch im Juli/August überwogen unsere Schlachtopfer an der Somme. Wieviel von 90 200 der allgemeinen Julilisten, 139 000 August, 137 000 September (wobei 1178 Mineurs, viel Schipper, die im Feuer neue Schanzen bauten) 105 000 Oktober (58 000 Somme), 89 700 November, 30 000 Dezember durcheinander für die Sommeschlacht zu verrechnen, so daß weniger auf Herbst kämen? Jedenfalls war sie auch im September schwer und flaute erst im November ab, selbst im Norden. Dort wiesen schon am 19. Juli grobe Bayern und höfliche Sachsen einen Besuch des Vetter Englishman mit unwirscher Erbosung ab. 6. bayr. R. D. focht mit gewohnter Auszeichnung, 21. R. verlor 1013. Zwei australische D. brachten am Obstgarten von Fromelles Maxims in Stellung, doch verloren diese und ihr Leben dazu, über 3000 ihrer Toten lagen unter den Fruchtbäumen. Die Scheibenschützen der Kriegsfreiwilligen putzten ihnen die meisten Off. weg, einer schnurrte hierbei 1400 Patronen ab, ein anderer warf 300 Handgranaten. Athleten-Sportgeist trieb krause Blüten: Major Irvin und Hauptmann Neville schnellten einen Fußball so lange mit den Füßen von Fleck zu Fleck vor, bis nachkommende Mannschaft deutsche Gräben erreichte, doch wie wenige! Solch kindliches Fußballspiel konnten die Bayern sich gefallen lassen, als sie die Exoten in Nacht und Nebel hinausjagten. Doch eine schwache D. konnte den von engl. Brig. verstärkten wiederholten Stoß wohl nicht allein aushalten, nur unterstützt von 50., 54. R. Art,, deren Divisionen schon anderswohin abwanderten. Deshalb scheint uns sicher, daß andere Kräfte später mitwirkten, besonders nach Ablösung der Bayern. Bei scharfem Augustkampf um Ypern entsann sich Haigh später, daß er längs der Lys 4. und 6. Armee trennen wollte, laut V. L. kam es noch im Sept. zu heftigen Auftritten im Norden. Ob die bisher wenig beteiligten Leipziger (Badenser und Westfalen 8200 im Juli-August) dort teilweise stark ins Feuer gingen? Ihre seit früher bei Arras abgetrennten Teile blieben freilich an der Somme, wo auch 22. P. schwer litten. Daß aber 40. D. (allein 5400) sogleich südwärts auswanderte, wo wir sie erst im Oktober finden, ist unwahrscheinlich, da die Front Lys–Arras um so heftiger angebissen wurde, je mehr Haigh einsah, daß sein Sommestoß zum Stillstand kam. Offenbar rückten Hannov. und Thüringer früh im Norden ein als Ersatz der bis Ende September ganz zur Somme abziehenden Leipziger. Auch bei Ypern übte man sich im Herbst keineswegs in Geduld und Pionierarbeit; H. B. unterschlägt wieder ernste von V. L. bezeugte Vorgänge. Plumer schloß sich dort der allgemeinen Offensive an, worüber auch Haigh sich ziemlich ausschweigt; er will wohl verhüllen, daß alle Handstreiche mißglückten; H. B. umgekehrt, daß der Feind auch dort noch solche Stärke besaß. Für den August ist maßgebend ein Tagesbefehl Pr. Rupprechts: Man solle verhüten, daß der Feind noch irgendwelchen Boden gewinne. Hier endete der furchtbare Kampf der Schwaben an Ruinen und Kiesgruben von Guillemont siegreich am 22. wie H. B. hervorhob; doch verschwieg, daß wenige Stunden nach Ablösung das Dorf doch noch in englischen Besitz überging. In der Tat glich aller Herbstkampf, so blutig er war (auch im Sept. verloren die bayerischen R. Rgt. bei den verschiedenen D. 4500 mit 230 Art.) nur Nach-Wetterleuchten im Vergleich zum Augustgewitter. Haigh verlegt die Hauptschlacht »bis 8. Sept.« im Gegensatz zu H. B.; beide überschätzen absichtlich den Julikampf als Hauptsache. Im engl. Interesse lag vorzuspiegeln, daß wir schon mit großen Streitkräften den Anlauf nicht aufzuhalten vermochten; im deutschen der O. H. L., rasches Heranschaffen genügender Unterstützung vorzuschützen. Doch liegt auf der Hand, daß 20 D. von anderen Fronten erst nach und nach vollzählig an der Somme erschienen, wozu auch die Rheinländer 8. K. gehörten, die für August 3859, Sept. 6000, Okt. 6300 verzeichnen, d. h. erst spät nach und nach ins Feuer kamen. Beiderseits hatte man die Mittelfront so gut wie aufgelöst; alle Macht in zwei Massen an Verdun- und Westfront aufgetürmt. Im August war die Lage gespannt südlich der Somme, wo 2. G. D. bei Barleux die Linie stützte; dagegen nördlich 18. D. in Ablösung der 12. Hem. nicht hielt und auf Peronne wich in Anlehnung ans breit aufmarschierte 13. K. Die Thiepvalgruppe 1., 4. G. D., 14. R. K. blieb unerschüttert; 180. Tübingen hervorragend. Die Dresdener ausgeruhten Aisnekämpfer überboten fast noch die Champagnesieger in stürmischer Hingebung. Am Delville-Holz wildes Handgemenge der Brandenburger mit Schotten und Südafrikaner. Der »Teufelswald« blieb ihnen im Gedächtnis. Nördlich in F. Belows Befehlsbereich der 1. A. suchten Rawlinsons Engländer, Australier, Neuseeländer bei Guillemont-Guinchy mit äußerster Gewalt durchzubrechen. Die heldischen Sachsen der 24. R. D. wurden endlich vom 13. K. abgelöst, das seit 8. ein Trommeln aus Marinerohren, die ihn selbst 14 schwere Gesch. außer Gefecht setzten, standhaft ertrug und die 2., 55. brit. D. zu Grunde richtete, erst am 23. durch 111. D. abgelöst. Als Territorialmassen im August endlich die wenigen Verteidiger von Pozières erdrückten, verwehrten Armins dorthin verschobene Regimenter, besonders die bewährten Anhalter und Quedlinburger, Sir Hubert Gough das Heraustreten und machten sich so furchtbar, daß sie künftig kaum mehr angegriffen wurden. Weil jeder weitere Erfolg ausblieb, entschuldigt sich Haigh damit, wir hätten 53 D. ins Feuer gebracht. Das ist beim besten Willen nicht zu verstehen, wenn er nicht alle Teile bis zur Lys mitzählt; selbst dann nicht zutreffend. Auch vergißt er, daß unsere D. nur 9 Batl. hatten, die Verbündeten 15–18. Nach unserer genauen Berechnung fochten in der Sommeschlacht schwerlich mehr als 360 Batl. gegen mindestens 900; erstere alle 20 Tage abgelöst, letztere nach wenig Tagen. Wie unzuverlässig Haigh sich unterrichtete, bezeugt sein Zitat: 3., 6., 7. Bayr. seien gänzlich erledigt worden, 3 vernichtet. Verwechslung mit III/6., 3. focht bei Verdun, 7. litt weniger als 11. (1238), und daß der das 6. kommandierende Major als Gefangener angeblich versicherte, es sei von 3100 auf 100 geschmolzen, ist Gefasel; kein Regiment hatte damals höhere Etatstärke als 1500–2000; übrigens blutete 6. b. schon bei Verdun. Eine Komp. auf 130 Köpfe geschmolzen? Schöner Beweis! Als ob damals Kompagnien stärker als 150 gewesen wären! 69. Rheinische behauptet sogar, es sei nur mit 84 pro Komp. in die Schlacht gerückt, eine davon auf 16 geschmolzen. Warum nicht? Solche Einzelfälle besagen gar nichts. Bei so schreiender Unrichtigkeit schenkt man auch Haighs Selbstschätzung nicht Glauben, er habe im Juli 7071 Off., 121 097 verloren, was er später gleich auf 8709, 187 372 erhöhen und mit 200 000 abrunden mußte. Deutsche Schätzung 230 000 ist bescheiden; bei 30 Mann pro englische Off. sind 260 000 und so wirds wohl sein. Laut britischer Aussage »außerordentlicher Verlust bei Longeval«. Bei Trones ganzes Rgt. West Kent aufgerieben; 36. irische Div. derart angeschossen, daß eines ihrer Bataillone nur 50 von 1000 behielt, bei allen Sturmtruppen 50–70 % Einbuße, alle Off. gefallen! In ihr weiteres Blutbad möchten wir nicht statistisch hinabsteigen; die Verbündeten verloren wie immer den Kern ihrer Truppen. Es bleibt dabei, daß bei steigendem deutschen Augustverlust die Schlacht sich bis Mitte Oktober wenig beruhigte. Wieder die alte Geschichte, wie wir sie sattsam kennen, warum offizielle Meldungen fortan spärlicher flossen: Beide Parteien wünschten nicht, daß man die Fortdauer der Kampfschwere erriet. Wie in allen früheren Schlachten Angreifer und Verteidiger nicht gleich ihre ganze Macht einsetzten, um den Massenverbrauch nicht zu überstürzen, so erstarkte auch hier die Verteidigung erst in dem Maße, wie man über feindlichen Massenaufwand ins Klare kam. – Im Großkampf von Maurepas wurde 23. R. D. durch 1. b. R. D. am 12. August abgelöst, die sich bei Clery gegen Gallier und Afrikaner heftig verteidigte, schon am 17. sprang 1. G. D. für sie ein. Gleichen Liebesdienst erwies 2. G. D. der 5. b. R. D., die ihrerseits Ablösung der 8. b. R. D. ausführte. Die verdienstvollen Arraskämpfer, in deren Gefechtsstreifen 27 deutsche Batterien spielten, ließen sich nicht nehmen, bis 27. fortzufechten, worauf sie mit Verlust von 108, 4882, abtraten (Kr. Arch., wir rechneten aus Verl. nur 4800). Rechts von ihnen geriet 27. D. in Not, am 18. teilweise überrannt; dennoch hielten b. 7., 10. R. stand, 12. R. vor Maurepas. Obschon 1. R. K. nicht soviel verlor wie im Juli die eine 10. Div. (118, 5505), so bluteten auch diese Bayern sehr für so kurze Kampfzeit und wir sehen auf Schritt und Tritt (bei Armin besonders so), wie erst im August die Schlacht ihren Zenith erreichte. Am Delvilleholz hatten die Briten es mit 5., 56. D. zu tun; jetzt erschienen dort auch 4. b. D. und später 5. bei Longeval–Flers, während 3. sich am Fournauxwald dem Stoß auf Martinpuich entgegenwarf. Obwohl hier erst im September der Hauptkampf tobte, dürfte Ende August 2. b. K. größtenteils im Feuer gewesen sein. Englische offizielle Darstellung ist so wirr, daß sie Ereignisse auf Juli verlegt, die erst im Aug. und Sept. vorfielen. Haigh schämte sich wohl, daß sein Juli-Vorwärts so weit hinter seiner Hoffnung zurückblieb. Obwohl soeben Rumäniens Kriegserklärung erfolgte, was wieder Ablenkung von Kräften dorthin heischte, gewährte Abflauen der Verdunschlacht den Sommekämpfern neuen Zufluß, besonders an Batterien, von denen 26 allein bei der am Südflügel einrückenden 2. ostpreuß. D. (Sie blieb ganz in Reserve und verlor im Juli nur 260, also kann Fernfeuer nicht so arg gewirkt haben, wie man meint.) Im Sept. raste die Schlacht mit unverminderter Heftigkeit. Am 15. entriß ein Tankangriff den 18. Pfälzern den Fournauxwald; am 16. rang man schwer bei Flers-Lesboeuf, wo jetzt 50. R. D. unterstützte, sie verlor 2900 (230. R. allein 1144). Auch 6. b. D. kam von Verdun her und wehrte am 25. neuen Ansturm ab, gemeinsam mit der gleichfalls herbeigeeilten Th. 7. R. D. Es ist bewundernswert, wie bei Verdun so grausam abgekämpfte Truppen, besonders 5. Brand. D., so unverzagt dem neuen Furchtbaren trotzten, statt Ruhe zu begehren. 4. b. D. schlug sich hervorragend, besonders die Bamberger, denen zwar eine angrenzende Höhe verloren ging wie Flers den Würzburgern, die aber dann mit Hilfe der 5. b. abriegelten. 17. Pfälzer behaupteten noch Martinpuich. Als die Briten am Hohlweg von Lesboeuf in die rechte Flanke der Bayernlinie eindrangen, dämmten 7., 19. und Reste von I/9. ab. Seitwärts bei Guinchy–Sailly lag rhein. 28. der 185. D. in stehendem Gefecht. Jetzt traf der Stoß mit voller Wucht die 6. b. D.; am 26., 27. wurden hier I/II/6. in Gnaudecourd vernichtet. Dies müssen wir dem b. Kr. Arch. glauben, nachdem wir Haighs Übertreibung verspotteten, aus V. L. geht es nicht hervor. Neben 7. Res. D. bei Transloy eingereiht, wiesen die Bayern neuen Generalangriff am 7. Okt. ab unter Beihilfe der von Fromelles hergerufenen 6. b. R. D., die schon am 27. ihr 20. R. neben 50. R. D. schob. Das Gefecht bei Le Sart war so blutig, daß die schon vorher sehr geschwächte D. nur noch 635 Gewehre zählte. Trotzdem schlug sie am 12. einen Massensturm ab und übergab ihren Posten unversehrt an Leipz. 40. D. Haigh hatte jetzt erst, was er am 1. Schlachttag haben wollte, daher lange nicht genug, er wollte Sailly und die Bapaumechaussee. Dort stand rhein. 16. D. zwischen 1., 2. b. D. (dem Ruhequartier Mihiel entrissen), den Pierre-Vastwald bei Raucourt nördlich schützten 73. Hannoveraner. Auch in dieser letzten Phase fochten die Briten mit rühmlicher Entschlossenheit, berittene Offiziere vor der Front. Laut Stegemann war die Septemberschlacht sogar »fürchterlicher als zuvor«. Das möchten wir nicht sagen, jedenfalls war sie aber gleich hart und kein Ende abzusehen. Quillemont und Guinchy fielen endlich, unter schrecklichen Verlusten arbeitete sich Haigh nahe am Combles vor, dem sich der Franzose von links her näherte. Nördlich und südöstlich umringt, wehrten sich dort die eingetroffenen Rheinländer des 8. K. mit siegreicher Tapferkeit, obschon unerhörtes Trommeln vom 22.–25. bis in die unterirdischen Felsgänge hinabklopfte. Das gleitende Kriechen feuerspeiender Panzerraupen, »Tanks« genannt, trug beim ersten Auftauchen Staunen und Stutzen unter die Schützen der 1. A., dann machten sie sich unverzagt daran, sie mit Handgranaten zu erledigen. Im Himmel und Erde erschütternden Gebrüll hielten die Tübinger 180er und vor allem 120. R. in Thiepval aus, griffen ein in den Schloßhof rollendes Ungetüm mit den Fäusten an, die hervorlugenden Masch. G. umreißend, die Räder umklammernd. Ach! die Winkelriedstat rettete endlich nicht mehr; am 27. verließen die letzten Verteidiger den für Gough so unheilvollen Ort, wo die Blüte seiner Mannschaft im Blute lag. Gleichzeitig mußten die Rheinländer sich bei Nacht aus Combles durchschlagen, während noch eine einzige todgeweihte Kompagnie den Friedhof so lange wie möglich gegen eine franz. Brigade und das Rgt. City of London behauptete. Hoffentlich erlebten sie nicht, was in Rußland vorkam, wo ein Oberst die Überlebenden eines Häufleins auspeitschen ließ, weil sie gewagt hätten, einer gegen fünfzig, ihm so schweren Verlust zu bereiten. Das sind die »gutmütigen« Barbaren, nun ja, doch man kann niemals wissen. Plauderte doch ein kostbares Kriegsbüchlein in Paris aus, daß Attilas Hunnen zahlreiche Ansiedler im schönen Frankreich hinterließen, weshalb so Viele und besonders der »große Franzose« Clemenceau ein mongolisches Äußere hätten! Ei, ei, also die »Huns« des jüdischen Brunnenvergifters Northcliffe leben in Gallien, wer hätte das gedacht! Wieder stieg die englische Reiterei in den Sattel, um zu »verfolgen.« Die zitternden Gäule wußtens besser. Nach Norden war für Haigh nichts zu erreichen, dort vereitelten Armins Elbsachsen jedes Vorgehen, unterstützt vom 18. K. aus Verdun und 26. R. K. aus Ypern. Im Oktober wurde die Abwehr nicht schwächer, sondern stärker, obschon wir keinerlei Deckung mehr hatten außer Granattrichtern. Doch unsere stark vermehrte Art. hatte sich eingeschossen, bearbeitete verheerend die feindlichen Batterien und Sturmmassen, die seit 7. in zehnfachen Wellen hintereinander anliefen. Russische Methode: was fällt, fällt, nur durch! Doch in gas- und regenvollen Vertiefungen stockte der Anlauf. Am Südflügel stand der Franzose über Lihons am Chaulneswald. Hier fand ein Austausch statt, Gallwitz empfing 23. R. K. aus Ypern und schickte sein 9. R. K. zum Waastwald, wo es erstaunlicherweise schon 5. R. K. aus Verdun traf. Diese abgekämpften Truppen bereiteten Fayolles linkem Flügel eine schwere Niederlage. Gleichwohl drangen Briten und Franzosen gemeinsam aufs 4. K. ein, holten sich aber bei Transloy-Sailly nur wahnsinnige Verluste. Hier sprangen die Bayern ein. Unsere Fliegerstaffeln erschienen schon lange von Verdun her und machten den bisher übermütigen Luftgeschwadern der Alliierten den Garaus, wobei der große Luftheld Boelke den Heldentod fand. Am 28. sanken die Angreifer in der öden Kraterwüste zusammen, Saisissel ward nicht erreicht. Als dort am 5. Nov. nach scheußlichem Trommeln Fayolle eindrang, trat ihm das 15. K. aus Verdun sieghaft entgegen und am 15. konnten die Lothringer des neu errichteten Toulkorps die Elsaß-Lothringer Brigaden nicht verdrängen. Obschon am 13. acht Britendiv. Goughs unter Benutzung des von der Ancre aufsteigenden Flußnebels bei Baucourt-Hamel durchdrang, hielten sich Gommecourt-Serre, die alten Gardestellungen, am 15. ward Gough völlig geschlagen, Rawlinson auf Le Sars zurückgeworfen, Balfouriars »eiserne« Touldiv. am Waastwald gesprengt, wobei 73. Hannoveraner die 9. Zuaven mit niedersächsischem Trotzgrimm in Stücke schlugen. Die Bayern halfen brav. Am 1. Nov. erlitt die b. Ers. D. bei Tranloy eine Schlappe, doch 28. bad. Ers. Regt. vereitelte den Einbruch. Bis 5. erlebte 2. b. D. böse Tage in Nässe, Kälte, Höllenfeuer; ihr 15. Rgt. hatte wieder den schwersten Stand, doch Waastwald wurde behauptet, ebenso Sailly-Kirche durch Rheinländer und Münchner gegen keckstes französisches Ungetüm. So ging die Schlacht zu Ende unter nochmals riesigen englischen Verlusten. Von geringem Dezemberverlust entfällt nur eine kleine Quote auf die Somme. Daß man dort auch noch 15. K., 5. R. K. von Verdun herlotste und dann vom wieder aus Ypern herumwandernden 13. K. ablöste, war des Guten zu viel fürs militärische Spiel »verwechsle das Bäumelein«. Die Verdunfront wurde ungebührlich geschwächt. Die Ypernfront nicht minder, wo im Sept. 2550 v. 53. R. D., im Okt. 3300 bluteten. Seit Juli betrug der Ypernverlust inkl. 11. D. ungefähr 37 000; 13. K. mußte im Sept. dorthin zurückkehren und zwar neben 215. R. bei Wytschaete. Auf der sonstigen Nordfront im Sept. 2100 Westf., im Okt. 2200 Bad., wahrscheinlich hier auch 1350 Thür. Alles in allem war auch der Nordkampf zwischen Arras und Ypern hart, soll das mit Schweigen übergangen werden? Wir lassen uns das nicht gefallen. Die einzelnen Monatsverluste der Somme-Herbstschlacht lassen sich nicht genau auseinander halten, 14. R. K. bringt eine allzu späte Okt.-Nov.-Liste von 4400.(1887 v. 120. R., 1241 v. 180.), die sich offenbar auf Sept. bezieht. Sonst hat man keinen Grund, die chronologische Reihenfolge anzuzweifeln, wonach der nennenswerteste Nov. Verl. auf die Leipziger (5000) entfiele, doch die Bayern litten auch noch erheblich. Von diesen gingen nach und nach 11 D. nach der neuen Einteilung durch die Sommehölle, bei ihnen läßt sich alles leicht sondern. Wir wünschten ebenso klare Kriegsgliederung bei den andern Neudivisionen zu kennen! Von den früheren 4 Regt. der 54. R. D. (jetzt ohne 245. sächs.) bluteten im Nov. 3150, außerdem ist bemerkenswert, daß 283 vom 51., 52., 54. R. Art. verletzt wurden, wie im Oktober 340 v. 46., 52., 54. R. Art. Das gibt einen neuen Maßstab zu den schon früher zitierten Art. Verl. für die Schwere der Geschützduelle. Im Oktober, wo 54. R. D. 2400 verlor, anscheinend neben 50. R. D., und wo auch 214. (1640), 211. R. (1157) im Süden, wo Gallwitz' Stabschef Bronsart neue Verbände ordnete, sehr blutig rauften wie auch K. Hügel im Norden schwer verstrickt lag (die von Verdun gekommenen 5. R., 15., 18. K., 7. R. D. litten nicht besonders mit ihren geschwächten Mannschaftsstärken), befanden sich 4. K. (6500), Sachsen und 1., 5. bayer. R. D. noch in bitterem Kampf, b. Kr. Arch. sagt nichts davon, um so klarer die Listen, selbst wenn sie sich teilweise noch auf August bezögen. Doch warum verzeichnen Okt. Listen dann nur 6500 Holsteiner, Mecklenburger, Hanseaten (1576 v. 90.), 2300 (158 Art.) von 2. G. D., was wirklich mäßig im Vergleich zum Sept.? Von 4318 Schlesiern (1158 v. 22. I.) entfällt ein Teil auf Ypern. Jetzt ging auch 23. R. K. ins Feuer (5000). Dazu 4000 von 26. R. K. 2066 Hannov. Jedenfalls, wenn noch so spät am Tage ernst gefochten wurde, wird man niemand einreden, daß die Sommeschlacht womöglich schon am 1. Aug. schlafen ging! Im Sept. verloren 2. G. D. 3415, 1., 4. G. D. 4480 (288. Art., 1. Brig. allein 3000). Diese Heldenscharen fochten unabgelöst fort. 18., 12. D. je 3000, südlich der Somme 17. D. (1105 v. 76.), 9. R. K. (1013 v. 86. R.), zusammen nur 4200. Das stimmt genau zur Tatsache, daß die Franzosen damals nachließen. Allerdings dürfte Verl. v. 85. (1909) u. 76. auf die letzten Augusttage fallen nach Ausscheiden des 13. K. Jedenfalls hatte die Septemberschlacht noch ihre Tücken, wobei diesmal das Dresdener K. auch mit 23. D. ganz in den Vordergrund trat, besonders 182. (1562) und 100., außerdem 217 Art., 153 P., dazu 7260 Leipziger. Hier bluteten 19 900 Sachsen! Somit spricht Regtgesch. des 120. mit Recht, daß die Sommeschlacht »in den Septembertagen von uns sehr schwere Opfer forderte und weiterhin an der Kraft der deutschen Armee zehrte.« Die Zahl britischer D. inkl. Ypern, ob 60 oder 80, bleibt deshalb unklar, weil sie allem widerspricht, was amtlich über Englands Aufgebot festgelegt. Bis Neujahr 1915 nur 400 000, dann 3 Mill., wovon eingestandenermaßen bis Neujahr 1917 schon 2½ verloren. So mußte man wohl oder übel neue 3 Mill. aufbieten und die Dominions schärfer heranziehen. Obwohl Gallipoli, Saloniki, Besatzung Indien-Ägyptens und der Heimat viel verschlangen, kann Dienst in Frankreich nie unter 1½ Mill. beansprucht haben. Sommeschlacht Juli-August kostete angeblich 350 000, Normierung des Juliverlusts zeigt, daß dies viel zu niedrig ist, folgende 2 Monate kosteten auch noch sehr viel dazu, gewaltiger Ypernverlust. Die Hilfsquellen konnten dem Verbrauch kaum nachkommen, dann war die ganze Abnutzungstheorie falsch, deren Leitmotiv durchklang, man müsse uns Ermattungskrieg aufzwingen. Doch Krieg ist nicht Wagnermusik, solche Leitmotive wirken dort eintönig und langweilig. Deutscherseits schmeichelte man sich, unsere lebhaften Ypernangriffe hätten Haigh genötigt, die auf früher angesetzte Sommeoffensive zu verschieben. Wieso, da er eben früher nicht fertig war? Um diese Zeit vermehrte ritterlicher Luftsport die Erbitterung, Zeppelinraids über London und Küste richteten mehr Schaden an, als die übliche Meldung von 1 Kind an der Mutterbrust 2 Pferde oder 2 Säuglinge 1 Pferd vermuten ließ. Solche Kinderei entsprach dem Verstandsniveau der naiven Bevölkerung, deren Spionenriecherei der Humorist Jerome geißelte. Die Spionbattaillone deutscher Kellner wären sonst ein Gaudium für »Punch« gewesen, doch common sense kam den nüchternen Briten abhanden. Luftbomben sollen Regentstreet and Cheapside böse heimgesucht haben, doch pöbelhafte Wutausbrüche verkannten, daß verbündete Flieger ganz andere Kindermorde auf dem Gewissen hatten, was Northkliffes Teufelspropaganda natürlich verschwieg. Umsonst warnten einige upright Gentlemen wie der Rektor von Eaton vor Pharisäismus; unsere Nachforschung ergab, daß unsere Kriegsgefangenen in England human behandelt wurden, doch die Internierten auf Isle of Man (vgl. das Buch von Ch. Hartmann) um so elender, mehr wegen schlechter Organisierung als Bosheit. Nun sollte die neue Armee ihre Einweihung durch Vergeltungsschlacht erster Güte erfahren. Traf man den Schnittpunkt unserer West- und Mittelfront? Nur in bescheidenem Maße. Dies unbändige Sich-Austoben war schlimmer als ein Verbrechen, zugleich Verbrechen und Fehler. Ein stößiger Steinbock macht eine schöne Geste für die Galerie, fällt aber um inmitten im Vivatschreien, vom Jäger getroffen; indem Haigh jeden Klafter Boden mit Blutströmen tränkte, fiel sein nicht reiflich durchdachter Anschlag schwächlich aus, wenn man das Ergebnis zusammenfaßt. Der unerwartete Anfangserfolg der fr. 10. A. (nebst Teilen der 2.) legte ihm den Gedanken nahe, mit ihrer Zone in Berührung tretend, seine Masse gegen Bapaume aufzustapeln und Entscheidungsschlacht zu liefern. Ursprünglich hatte er bei Arras angreifen wollen, dachte früher an Anrennen unseres Lysflügels, das wurde aufgegeben. Solches »System von Aushilfen« (Moltke) zu loben geht nicht an. Wir billigen, daß er um jeden Preis nördlich der Somme jäher Entscheidung näher bringen wollte, doch bloßes »Hämmern« wurde ungesund wie für Grant im Sezessionskrieg, nur wenn die Franzosen St. Quentin erreichten, konnte Haigh etwas Sicheres von seiner Angriffswahl erwarten. Als der Expreßkurierzug mit falscher Weichenstellung über die Schienen sprang, konnte er nicht mehr bremsen. Für politische Nötigung war äußerer Achtungserfolg freilich Vorbedingung. Deutsche Fachmänner, schlauer als der blagierende Feind, begrüßen auch hier achtungsvoll den Ententekoller, damit ihre eigene Weisheit in Abwehr solcher Kraftprotzen hervorleuchte. Was wir empfahlen, bezieht sich auf den französischen Anteil, doch über dessen unbedingte Zweckmäßigkeit bricht deutsche spätere freiwillige Räumung von St. Quentin den Stab, ohne daß damit unsere Verbindungen gefährdet wurden, die man nur an der Lys lockern konnte. Es hat keinen Wert, die Ereignisse weiter zu verfolgen; Haigh zählte 53 d. D., lange nicht so viel wie später in der Aisneschlacht, wo 70 abwechselten; das ganze blieb ein Riesenzweikampf wie von Griechen und Trojanern. Etwa 46 d. D. in der eigentlichen Sommeschlacht verloren etwa 285 000. Da Haigh von »500 000« phantasierte, war Abwinken des H. B., es seien »beträchtlich unter 500 000« recht unglücklich ausgedrückt, denn »unter 500 000« bedeutet ganzen Jahresverlust von Somme bis Yser. Relativ war freilich die Sommeschlacht blutiger als die Verdunschlacht, weil sie viel kürzer währte. Trauriger und wichtiger ist, daß wir 1916 rund 872 000 im Westen verloren, der Gegner schwerlich mehr als 1½ Mill., d. h. nicht mal das Doppelte. Innerhalb der Kausalität gibt es weder Glück noch Zufall. Zu Neujahr fragte Bellona noch einmal beim Schicksal an, ob Deutschlands Schwert jetzt oder nie eine Todeswunde austeilen solle. Die Antwort lautete Nein, unser Los war vorausbestimmt, denn jeder erntet, was er gesät. Solche Unklarheit und Unentschlossenheit unter Weisheitsmaske lagen im Drill des ganzen deutschen Systems, das seine professorale Verbohrtheit in magistrale Steifheit eines geistlos dürren Militarismus umsetzte. Kriegsjahr 1917 I. Schlacht Guemappe-Bullecourt Als Haigh vom »Sieg an der Somme« prahlte, rechnete ihm England sachlich vor, wie viele Klafter Boden er mit Blut von Hunderttausenden düngte und wie er sich Vertreibung der Deutschen nach 10 Jahren denke! Man hatte ein paar Buckel eingeebnet, nicht mal die Riegelstellung Thiepval erschüttert. Nichtsdestoweniger hielt Ludendorff den Zustand der 1., 2., 6. A. für so ungefestigt, daß er im Frühjahr die ganze Vorderlinie zurückverlegte unter Erbauung neuer Hindenburg- und Siegfriedlinien und Verwüstung des vorliegenden Geländes. Über die militärische Notwendigkeit, wobei auch die Kohlengruben von Lens unter Wasser gesetzt, präsentierte man Deutschland nachher eine mörderische Schadenersatzrechnung. Über moralisch Erlaubtes streiten wir nicht, doch das Schwächezeugnis, man fürchte neuen Zusammenstoß, steckte die Moral der Truppen an. Englands Kraftanspannung, das eine Million nach der andern aus den Boden stampfte, fiel schwer in die Wagschale. Man sah uns schon »im Schatten der Niederlage«, obschon verständige Briten von ihrer eigenen Sommekatastrophe sprachen und gegen 190 alliierte jetzt 123 d. D. auf 151 vermehrt waren. Bis 24. Februar räumten wir den unterhalb Arras jetzt gefährdeten Winkel Thiepval-Gommecourt-Combles und den Barleuxbogen. Am 14. März setzte sich die neugefüllte A. Rawlinson unter dichtem Schneefall in Bewegung, Australier besetzten kampflos Peronne. Am 26. hatte Allenby Roisel »endgültig«, am 27. verlor er es zum dritten Mal. Am Ostermontag, 9. April, nahmen Kanadier dem 9. R. K. die Monchyschanze ab, bis 23. verloren wir die ganze Linie Livin–Thelus, der Vimyrücken ging der 79. R. D. und den Bayern schon verloren. Die nach Ludendorffs Methode eingeübten »Eingriffdivisionen« versagten, wie er behauptet, durch Fehler der Handhabung. Indessen schlug 9. R. K. Allenbys Reitermassen ab, dessen Infanterie aus den Toren von Arras mit fünffacher Übermacht hervorbrach, nachdem eine Kanonade sondergleichen noch den heulenden Sturm überdonnerte, der unsern Kanonieren blendende Flocken ins Gesicht peitschte. 14. R. K. Moser und 27. D. fingen Rawlinsons Seitenstoß bei Bullecourt auf. Großer Verlust der Garde, noch blutiges Gefecht nordöstlich Arras bei Roueux, am 3. Mai ein neues Kanadisches K. östlich Vimy zurückgeschlagen. Am 12. rang Haighs Rechte erbittert um Bullecourt südöstlich Arras. Die Kämpfe begannen unerfreulich, infolge Erschöpfung ließen sich abgekämpfte Truppenkörper von sonst altbewährter Haltung überrumpeln. So schon im Januar das von Ypern wieder nach Trausloy gewanderte Schwabenk., 26. D. wich, 22. R. D. mußte aufnehmen (so 94. R. die Ulmer) und auch 199. D. am Vastwald Ende Februar abgelöst werden. Haigh zog kampflos in Mametz, später in Bapaume ein. Die Besatzung des »Grünen Hügels« nördlich Arras ließ sich von Kanadiern »beim Frühstück« überraschen, am 11. April überrannte 3. austral. D. das 124. bei Rincourt mit Tanks. Allerdings schlugen dann zuletzt 120., 124. die Australier (9 Tanks, 1142 Gef. erbeutend) und lösten ihre Landsleute von 121. R. in Bullecourt ab bis 5. Mai. Dann rascher Abzug, der auf 82., 85. Preußen (21., 18. D.) bei Gouzeaucourt zurückging. Indessen verlor 120. in diesen Gefechten nur 19, 610, unsere Verluste entsprachen also nicht Haighs Redereien. Immerhin war auch eine Nebenaktion, die erst im August anhob, für uns nicht sonderlich ehrenvoll. Am »Infanteriehügel« im Lensgebiet brachen Kanadier der 1. A. Horne überraschend ins »Niemandsland« ein, einen bisher wegen kreuzweisem Sperrfeuer von beiden Parteien gemiedenen verödeten Geländestreifen. Nur an Schlackenhügeln hielten sich die Unsern, und obschon ihnen Lens blieb nach heftigem Straßengetümmel, konnten »4 d. D.« nicht Wiedernahme von H. 70 erzwingen. Die Schlacht im April-Mai war sehr erbittert und hob bei Arras schlecht an. Gleich zu Anfang mußte b. 1. R. D. bei Roclincourt einen übermächtigen Anprall bestehen, sie überstand ihn leidlich, doch mit Verlust von 30 Geschützen, 100 Off., 3000 (I/1. schmolz auf 150 Gewehre). 18. D. schickte ihre 36. Brig. (31., 85.), die benachbarte 79. R. D. nebst 16. b. mußte weichen, Eingreifen von 17., 111. und sogar 4 G. D. half wenig. Bei Monchy wurden 2 engl. Brig. vernichtet, doch 17. R. D., 3. b. D. und zwei andere D. zuletzt geworfen. Am 23. April wiesen allerdings 3. b., 35., 221. D. den Feind ab, 26. D. marschierte auf. Bis Bassée hin erlitt Haigh schwerste Verluste, setzte aber erbost den Andrang fort. 208., 1. G. R. D. mußten am 28. abgelöst werden, hier erfolgte der Einbruch, die ersetzende 5. b. D. hielt aus, soll im Mai noch 400 Gef. gemacht haben. 1. G. R. D. hielt Oppy, 4. Ers. Roueux 50. R. D. Havricour. Zweifellos knickte unsere Linie ein, doch man stoppte den Dammbruch und änderte mehrfach die mißliche Lage, obschon Haigh auch mit überraschenden Minenexplosionen arbeitete, die einmal 3 Komp. zerrissen. Unsere Einbuße war nicht unbedeutend, doch läßt sich aus V. L. nachweisen, daß die von den Alliierten aufgeschnittenen Gefangenenziffern jeder Möglichkeit spotten. Eingebaute Positions- und kleine Grabengesch. gingen viel vor Arras verloren, doch schwerlich »200«. Freilich läßt Ludendorff durchblicken, daß er mit den Truppen nicht zufrieden war; auch der Feind, der nördlich der Scarpe kecke Handstreiche versuchte, will gespürt haben, daß er nicht mehr das vollkommene deutsche Soldatenmaterial des Vorjahrs vor sich hatte, nachdem so viele der Besten weggerafft. Siegeskunden aus Osten dämpften nicht den Mißmut über endlose Kriegsverlängerung, der so schwer auf der Heimat lastete. Gerade diese Unlust und Unruhe trieb alldeutsche Schreihälse in den Krieg mit Amerika hinein, getäuscht durch leichtfertiges Gerede von Tirpitz und Capelle. Ihre Propaganda-Agenten, als Unabkömmliche mit reichlichen Geldmitteln versehen, pokulierten in Neutralien und opferten auch der Venus im Namen des deutschen Reichs! Von der Schuld aber sprechen wir sie frei, daß sie durch tolle Forderungen die Entente zum Ausharren veranlaßt hätten, das sind demokratische Selbsttäuschungen. Man muß es dem Herrn, der uns herrlichen Zeiten entgegenführte und dessen persönliches Gebahren uns Zedlitz und Persius so intim nahe brachten, wenigstens lassen, daß er aufrichtiger Angstpazifist war und keine Gelegenheit vorbeiließ ohne wohltuende Friedensangebote. Nein, die Entente, nachdem sie schon unter sich das Fell des Bären teilte, wollte nie von dieser schönen Absicht abstehen und England fechten bis zum letzten Franzosen. Indessen endete die Schlacht bei Guemappe wenig günstig für Haigh, der gewaltigen Verlust hatte. 221. D. riegelte dort ab, 208. in der Douai-Ebene bei Gravelle. Die berühmte rhein. 15. R. D. ersetzte verbrauchte Truppenkörper, später auch 6. b. R. D. Das 13. K. verabschiedete sich längst von Wytschaetes epheuumsponnenen Bäumen und besetzte Sailly, von wo es jetzt 15  km über Gouzancourt vorging, um die bei Bullecourt abgekämpften Landsleute der 26. R. D. aufzunehmen. Haighs 4. Versuch im Mai, zwischen Loos und Quéant durchzubrechen, zwang 15. R. D. Fresloy zu verlassen, 208. D. behauptete Roueux mit schwerem Verlust, doch vor den Bayern brach der Ansturm nieder unter so grausen Opfern, daß 1000 tote Engländer allein vor III/20. R. lagen. Vom 8.–10. eroberte General Endres mit 5. b. D. Fresloy zurück (Verl. nur 36, 1500). 20. R., 4. Ers. D. lösten 1. G. D. bei Oppy ab, 208. D. bei Roueux. 13. K. bei Bullecourt machte die erste Bekanntschaft mit Tanks, dem Maidenspeech ihrer raupenartigen Maschinen. Man hielt sich, wobei 120. Ulm 720 verlor, war aber herzlich froh, als Gardefüsiliere und dann ganze 3. G. D. ablösten. Später standen die Schwaben am Scheldekanal, links Anschluß an 82. R. der hier nach ihrer Verduntat untergesteckten 22. R. D., rechts an 85. Holsteiner. Auch diese Truppen verschwanden dort und 15. K. rückte ein nebst der hier untergebrachten 10. b. D., 20. R. Art. Die Linie südlich Cambrai vertraute man jetzt der Mecklenburger Brig. und 6. b. R. D. an, während man 13. K., 26. R. D., 18. D. aus A. Below heraus und zur A. Armin hinüberzog. Haighs fünfter Angriff erstarb blutig vor der ruhmreichen bayrischen R. D., 50. R. D. bei Gravelle hielt aus, die noch frische 38. D. verlor leider Roueux, die Garde erst bis 20. Bullecourt. Die Verluste waren ungleichartig (so b. 5. D. 110 Off., 6. b. R. D. 40 Off., beide je 1700), doch nirgends bedeutend, 27. D. verlor wahrlich nicht 90 Off. wie im vor. August. »Alle deutschen Anstrengungen bei Bullecourt scheiterten?« Erst am 17. fiel der Punkt teilweise, auch erst am 15. Fabrik und Friedhof Roueux. Damit war der Anlauf zu Ende. 6. A. Falkenhausen ging teilweise auf die neue Wodanstellung zurück. H. B. verzeichnet des Gegners »außerordentlichen Verlust«, nicht aber, daß uns 6  km Tiefe 12  km Länge verloren gingen, ein Geländestreifen, von dem man früher Amiens bedrohte. II. Aisneschlachten Bei den Franzosen Kommandowechsel. Joffres Optimismus fiel auf Drängen Gallienis in Ungnade, dieser Kriegsminister starb, doch seine Ansicht drang durch, Joffre begab sich nach Amerika zu weiterer Feierung. Doch sein Nachfolger Nivelle, vom Artillerieoberst aufgestiegen, war noch fragwürdiger als Oberleiter. Zunächst überall ungeheuere Kanonade, an der die Yankees ihr Blutgeld non olet verdienten. Er widmete sich auch der Maasschlacht, wo deutsche Lorbeeren verwelkten, doch das Ganze zuletzt ausging als »Remis«. In der Champagne bekamen wir allerlei Schlappen durch »unerhörtes Trommelfeuer« bis zum August. Doch schon im April litten dort 12 D. Petains hart bei dreimaligem Angriff auf die Blockhäuser des Pöhl- und Hochbergs. Das bedeutete nur Ablenkung, Nivelles Sehnsucht stand nach dem »Damenweg«. Während Fayolle kampflos das Oisetal »befreite«, gewann 6. A. Mangin (früher Micheler) schon am 27. März das Waldgebiet um Coucy, 3. A. d'Esperet näherte sich Vermand und Sacy, unbegreiflicherweise hielt 2. A. die beidseitig umgangene Siegfriedstellung St. Quentin noch unversehrt. Bis Ende August nahm Nivelle Vorschußlorbeeren auf Zeitungspapier, der Kronprinz habe auf 33  km Front das Craonneplateau verlassen, doch es erdröhnte stets von gleichem Kampflärm. Am Kasemattenplateau der Kalifornienfarm, am Waldschloß Coucy, an Laffauxmühle, am Winterberg gab es stückweises Abreißen verlorener Gebietsteile durch deutschen Vorstoß. Die »Pantheonfarm« wurde kein Pantheon der Gloire. Im September unstreitig französischer Sieg, doch kein Grund zu besonderer Freude. Am Winterberg, wo der Kronprinz persönlich kommandierte, trat keine erhebliche Schmälerung ein, immer wieder erstiegen seine tapferen Scharen den Damenweg. Nivelles »Schlächtertaktik« brachte sein 1. K. auf ein Drittel herunter, das Kol. K. ging bei Laffaux zu Grunde, die 5. A. vor Reims wälzte sich in ihrem Blut. Der 7. A. Boehn, 3. Einem diente 1. A. Fritz Below als Rückhalt, 5. A. Gallwitz bis zur Maas, während Gruppe A. Mudra, B. Gündell, C. Fuchs unter H. Albrecht in den Reichslanden außer Nivelles Angriffsbereich blieben. Dieser bestimmte nach unermeßlicher Materialvorbereitung (5345 Gesch., 170 Mill. Patronen, 5 Mill. Handgran.) Mangin zum Sturm auf die Aisnefront, 5. A. Mazel auf die Strecke Berry–Reims; 33 D. gegen 10 deutsche. Dahinter 21 D. der 4. A. Anthoine, 10. Duchesne. Nach siebentägigem Trommelfeuer, für das 8¼ Mill. Gran. verfügbar, schritt Mazel zum Sturm, den 120 Streitwagen beflügelten. Am 16. April machte 5. franz. A. zwischen Reims und Vailly unserer 7. A. ihre erste Aufwartung. Die von Arras losgelöste und hierher übertragene 5. b. R. D. lag neben b. Ersatz und neugebildeter b. 9. R. D. südwestlich Ville aux Bois, dahinter 50., 213. D. Gegen diese schwache Flanke richtete sich Masseneinsatz von 12 D. unter Beigabe zahlreicher Flieger und des neuen Kampfmittels Tank. Bald bedeckten zerschossene Eisenwagen und blaugraue Leichenhügel die Corbenystraße, die Ers. D. bei Craonne hielt sich trefflich, 9. R. D. (11., 14. R., 3. Ers.) behielt Ville a. B., dagegen erlag 5. R. D. an der Mitte. Tanks fuhren bis in den Rücken durch, Tiralleurfeuer knatterte schon bei Guignicourt. Manche deutsche Batterie verfeuerte 4000 Schuß, zwei bis aufs letzte feuernde Batterien fielen in Feindeshand, doch Batterie Ibach faßte Durchgebrochene im Rücken, vertilgte sieben Panzerdrachen, die Hälfte der übrigen war abgeschossen, während Westfalen der 50. D. mit 99. Art. bei Juvincourt Halt geboten. Ein Stoß der 213. D. über Amifonteine trieb den Feind in die Miette, Anlangen von 2. G., 21. R. D. sicherte die Linie, leider gingen 8 Batterien verloren. Am nordöstlichen Aisneflügel schlugen 5. G., 10. R. D. den Stoß ab, der sich aber östlich über Berry nach Reims entlud. Südöstlich standen 10. Pos., 12. schles. D. fest, 21. hess. D. bei Bernericourt blieb ruhig, doch sie und Teile 54. D. taten im Miettethal einen Fehlschlag gegen franz. 10. A., die Bayern der 9. R. D. wurden geworfen, Hälfte von 14. R., 3. Ers. am Villerwald angeblich abgeschnitten, doch Craonne (Ers. D. nebst 74. hann. R.) und rechts davon der ganze Damenweg gegen A. Mangin behauptet, der Winterberg nördlich davon blieb unangetastet. Schwere Gesch. zerschmetterte Duchenes Spitzen, Gegenangriff fesselte ihn an die Brückenköpfe. Die Bayern, abgelöst von 28. R. D., verabschiedeten sich nach Verlust von 5500 (85. 2900 v. 5. R. D., 45, 1700 Ers. und recht wenig von 9. R. D., die anscheinend auseinanderlief). Die preußischen Truppen verloren noch weniger. Das ist wahrlich nicht so viel, um die wahrscheinlich von Monat zu Monat laufend doppelt gezählten Gefangenenziffern zu rechtfertigen, die Nivelle hier und in der Champagne eingeheimst haben will. Dort erstritt 4. A. nur den Südhang des Moronvillershügel unter schwersten Verlusten, am 20. warfen sie die Brandenb. der 1. A, von der Kuppenkante herunter. Neuer Angriff seit 4. Mai erzwang Gewinn von Teilen Damenweg und Winterberg. 1., 2. G., 20. D. bei Ailles, Heurtebise, Cerny hatten saure Arbeit, am 6. weiteren Anstieg zu verbieten. Da stärkte die seit Verdun neuerrichtete 11. b. D. im Ailettegrund die Schlachtreihe, das Münchner K. (bisher Ruheposten Mihiel) schob sich nebst 14. westf. D. für die Garde ein, 9. Pos. D. übernahm den Winterberg. Um die vergaste und überhöhte Tatstellung zu erleichtern, suchten bis 20. einzelne Vorstöße den Feind am Höhenrand wieder hinabzudrängen. Am 22. stürmte der Franzose in großen Massen unter Versendung vieler Minenpuffer vorwärts, bei 2. b., 9. Pos. D. kam es zu wildem Nahkampf, bis 27. erlangte er nichts als riesige Opfer. Doch b. II/15. schmolz auf 160 Gew., auch die tapfern Neuulmer mußten am 24. durch 152. Ostpr. abgelöst werden, Verlust von 40, 2000 blieb aber weit hinter dem so vieler D. im Vorjahr zurück. Für die Augsburger D., sogar aus Leichtverwundeten und Leichtkranken ein Abwehrbatl. herstellend, trat 15. rhein. D. ein, 1. b. D. bei Heurtebise hatte sogar noch am 16. Juni hübschen Lokalerfolg von I/24., Verl. 29, 1243. Die am längsten fechtende 11. b. D. an der Westecke des Damenwegs war bis Mitte September um 52, 2850 verringert. Solche Verluste, ähnlich bei den preußischen Truppen, sind nicht danach angetan, Nivelles Prahlereien zu bejahen, auf dessen »Blutsaufen« Meuterei von 29 franz. D. antwortete, die man seit Mai rücksichtslos streng erstickte. Die Angriffe an verschiedenen Punkten von Ypern bis Verdun zwangen zum Hin- und Herwerfen deutscher Reserven. Wenn aber 70 D. zu verschiedenen Malen die Aisneschlacht berührten, so vergesse man nie, daß dies 630 schwache Batl. waren, 55 franz. dagegen 825 aufgefüllte. Die Maischlacht endete mit einem »Durchfall«, wie es die Theatersprache nennt. In der Champagne Mißerfolg und Erstarren, Anthoine wurde mit Teilen der 1. A. nach Flandern versetzt. Bei Mazel Angriffsverzicht nach schwerer Niederlage vor Reims. Bei Duchesne ungünstige Verstrickung bei Craonne. Bei Mangin wildes Getümmel zwischen Laffaux und Allemont ohne Ergebnis. Im Juni Gegenstöße Boehns mit 50., 206. D., 78. R. D. Umsonst griff Petain, der neue Generalissimus, wieder bei Cerny zu, 1. b., 10. D., 7. K. schlugen derb zurück, errangen bis 2. August den Damenweg. 5. G. D., 5. R. D. senkten sich wieder auf Winterberg und Craonner Hochfläche nieder, die Ostpreußen der 37. D. zausten den Feind tüchtig bei Courtecon. Neue Tausende von Toten und Gefangenen traten den stummen Zeugen der April-Mai-Opfer hinzu und mahnten Petain zur Rache. Sie kam, lange Oktobertage und Nächte hauste ein Dämon der Zerstörung in den deutschen Linien. Die Vergasung schlich umher wie der Schwarze Tod. Nachdem die Entente Krokodilstränen über deutsche Gasangriffe vergoß, übte sie dies Teufelswerk im größten Maßstab. Am 23. Oktober führte General de Maistre vier K. gegen die winklige Eckstellung am Westrand des Damenwegs vor. Aus dieser an Schluchten und Steinbrüchen reichen Hochfläche lagerten acht kampfgeschwächte D. (14., 37., 52. D., 2., 5. G., 13., 43., 47. R. D.) unter Wichura und Müller. Am rechten Flügel scheiterte 39. K. Deligny völlig, am linken war 14. K. kaum glücklicher, doch 21. K. Degoutte (ein Name, den man sich fortan merken mußte) brach bei Vaudesson-Chavignon ein, wo Riesengranaten den Steinbruch Parnasse zerwühlt und viele Westfalen erschlagen hatten. Die 13. D. ging dort tapfer fechtend unter. 11. K. Maudhuy (weshalb er vom Armee- zum Korpschef herabsank, läßt sich nur durch Enttäuschung über seine ausposaunten Elsaßerfolge erklären) ging auf die Steingruben und Trümmer der Veste Malmaison los, wo 2., 5. G. D. zertrommelt lagen. Nach entsetzlichem über- und unterirdischem Ringen wurden hier Afrikaner und Alpenjäger Meister wegen der Umfassung bei Chavignon. Wir wichen über die Ailette, der Verlust war diesmal groß, 13., 43. franz. hatten die d. D. gleicher Nummer vertilgt, nicht in ehrlichem Kampf, sondern durch Gasgift und Technik. In den Hohlwegen unserer Stellung stolperte man über Vergiftete. Im Pinonwald stak alles voll gesprengter Geschütze, doch die Sieger sahen verdrossen auf die Beute, zu arg hatte die Todessichel in ihre eigenen Reihen gemäht. Dafür sahen sie endlich die alte Kathedrale des alten Laon wieder, auf der wieder die Trikolore gehißt werden sollte. Auch vor Verdun wußte man nichts besseres als mit Gas zu hantieren. Infernalischer Gestank von Kohlenoxyd tötete in Tunnels und Stollen des Toten Mann die 5. R. D., deren Märker sich erstickend nach russischer Eiswüste sehnten, wo sie so lange atmeten. General Guillaume schritt da leicht am 20. August über Ruinen und Höhen weg, 213. D. mußte flankiert Höhe 304 räumen, 206. D. im Avocourtwald und 48. R. D. konnten nicht helfen, doch am Forgesbach warf 30. D. den Feind zurück, der schon mürbe war. Der Reitergeneral Garnier am rechten, wie Francois am linken Ufer, gefielen mit ihren französischen Hugenottennamen dem Feind so sehr, daß er auch ersteren zu näherer Bekanntschaft einlud. Da 28. R. D. vom Talouberg zurückging, drangen ansehnliche Feindkräfte auf Beaumont vor, wo aber 25. R. D. sie abschlug. Immerhin kostete auch dies gasgeschwängerte Vorgehen den Franzosen viele Opfer. Doch so ungeheuer ihr Verlust an der Aisne, der englische war noch größer. Trotzdem sann Haigh auf einen neuen Streich, Zerbrechung des Cambraibogens. Er beauftragte damit den General Byng, der 12 Inf., 4 Kav. D., 300 Tanks in 10 Geschwadern heimlich zusammenzog, um die Siegfriedstellung zu überrumpeln in 12  km Breite zwischen Quéant, wo 14. R. K. mit 140. D. nördlich stand, und Fontaine-Pavé, wo Watters Schwaben westlich von Cambrai Wache hielten. Den rechten Flügel konnte 18. K. Albrecht unterstützen, den linken am Scheldekanal die Gruppe Kothen. Von Moeuvres und Mosers Geschützstand Marquion waren 20., 214. D. und dahinter 21. R., 3. G. D. heranzuziehen, aber bei sehr raschem Einbruch kam dies zu spät. Doch Byngs Vorbereitungen kosteten Zeit und bis tief in den November schwieg die Front zwischen Lys und Crozatkanal, in strategischen Nebel gehüllt. III. Flandernschlacht Mittlerweile wütete aber das größte Morden des Jahres in Flandern. 5. A. Gough marschierte nördlich am Kanal auf, 2. A. Plumer gegenüber der mächtig ausgebauten Bastion Wytschaete-Messines-Douve, wo K. Stetten und Laffert die Linke der 4. A. bildeten, seit H. Albrechts Abgang zum Elsaß von Armin geführt. Bayern, Ostpreußen, Sachsen harrten der Dinge, die da kommen sollten, als Plumer als Oberleiter in Flandern unter Haighs persönlicher Aufsicht zehn Tage und Nächte mit 30  cm Schiffskalibern trommelte. Britische Minenarbeiter waren schon jahrelang beigestellt, um den Boden zu untergraben und eine Million Pfund Dynamit den ahnungslosen Verteidigern unterzuschieben. Wahrlich, dies war kein ehrliches Streiten, Krieger früherer Zeit hätten es verabscheut, doch welche Grausamkeit und Lücke wäre im Weltkrieg als Waffe unbenützt geblieben! Mit brüllendem Jauchzen begrüßte das Britische Weltreich die beispiellose Feuerwalze, als mitten in der Nacht das Verderben über Schlafende hereinbrach, die man durch trügerische Ruhe und Schweigen des Bombardements täuschte, alle Briten marschierten hinterdrein, auch irische Ulsterbataillone auf Wytschaete, Neuseeländer auf Messines. Gleichzeitig grub sich der von Petain gesendete Anthoine ein, dessen »1. A.« angeblich nur aus wenigen D. bestand. Die Belgier beigerechnet, denen bis Nieuport Admiral Schröder und General Quast mit 199. D., 3. Mar. D. nebst Batl. der 1. und 2. gegenüberstanden und mit L. W. der »Gruppe Dixmuiden«, ballte sich vielfache Übermacht und erdrückende Materialüberlegenheit gegen Armin zusammen. Heldenhafter als die Sachsen und Bayern, die jenes auf 25  km im Geviert spürbare künstliche Erdbeben aus dem Schlafe weckte, benahmen sich Männer nie. Dem Briten schwebte freilich ein nationales Ziel vor, er warf sich auf Flandern, um die Deckung für U-Bootbasis Zeebrügge wegzustoßen, da die verspottete »Papierblockade« sich drückend fühlbar machte. Am 7. Juni verschlang ein Glutmeer, wo eine Hölle 10 springender Minenkrater sich öffnete, 3 b. Bataillone an der »Sehnenstellung« Hollebeke–Warneton, 6 d. D. wurden schwer erschüttert, der größte Teil der A. verloren, südlich bei Douve Pfälzer und Thüringer teilweise umgerannt; sie faßten sich aber und zermalmten die Tanks mit Granaten. Die ruhmreiche 1. G. D. schlug den Feind bei Messines in die Flucht. Anrückende Westfalen zersprengten eine Masse indischer Lancers und leichter kanadischer Reiter im Douvegrund. Am 14. war die Gefahr überstanden. Lange Pause folgte, zu sehr verblüfften diese Nerven von Stahl, die alle natürlichen Folgen solcher Riesenexplosion nach solchem Trommelfeuer spielend überwanden, wohl die höchste Leistung von Soldatentugend, die man je auf Erden sah. Eine andere Gruppe von Groene-Linde bis Hooge und »Gruppe Ypern« des Generals v. Stein, zusammen 11 Div., sahen sich am 31. Juli um etwa 1  km geschmälert, weil Verwüstung und Vergasung zunahmen und tausend Flugzeuge unsere Linien beunruhigten. Vierfache Geschützüberzahl konnte aber Armins guterzogene Art. nicht niederringen, nur mit riesigem eigenen Verlust erdrückte der Feind unsere Vorderlinie, die Tanks kamen nicht durch. Um Armins Widerstand zu würdigen, muß man anerkennen, daß die Briten nie Fassung und Haltung verloren, so hart sie von beherrschender deutscher Kanonade aus Pilkem schon am 28. und beim Kanalübergang mitgenommen, den blitzschneller Brückenschlag ermöglichte, ein Rgt. schlug allein 17 Brücken. Gräßliches Trommelfeuer ging vor den Sturmsäulen her, zwang zum Verlassen der aus Beton ausgeführten Unterstände, deren Verteidiger sich töten ließen, wie früher die braven sächsischen Maschinenschützen in Messines. Unter Ausgießen von Brennöl und mit Panzertanks gelang Durchstoßen bis Verlorenhoek. Doch so schnell folgte unser Gegenschlag, daß sogar die Kanalränder wieder deutsches Hurra vernahmen. Man überhört im englischen Bericht, daß der Widerstand im Asylwalde (Herethagewald) und Glencorse-Holz (Nonnebosch) ein »furchtbarer« war. Thüringer und Badenser wetteiferten, 46. Schlesier füllten die Lücken der b. 6. R. D., welche zur Elite aufgestiegenen Freiwilligentruppe mit Verl. von 40, 2900 vom Schauplatz abtrat. Die seit der Sommeschlacht neugeschaffene 10. b. D. bei Hollebeke, deren Passauer sich wieder hervorragend schlugen, verlor nur 35, 1800 und nur 800  m in der Tiefe. Der heftigste Andrang im Zentrum warf Thüringer und 3. G. D. über die Albrechts- und Wilhelmstellung nach Zonnebeeke, doch 50. R., 221. D. stießen von Poel in die Flanke, nahmen Langemark-St. Julien wieder und lagerten am 10. August schon bei Fortuin. Denn als am 2. vier neue D. eingriffen, war Plumers Angriff unter schrecklichem Blutopfer gescheitert. Seine 16 Vorderdivisionen bestanden aus Altengländern, Neuseeländern, Australiern; 2 fr. D. des Generals Antoine drängten die schwache »Gruppe Dixmuide« aus Bixschoote, bis 9. b. R. D. von der Aisne her erschien. Jetzt bildete sich eine neue Linie durch Einrücken des zur alten Kampfstätte heimkehrenden 13. Korps, es fand' 12. R. D. in Höhe von St. Julien. Die Schwaben unterstützten hier 38. schles. R. und 60. Els. I. (221. D.). Da noch 26. R. D., 204. Würt. D. hinzutraten (127., 180. I. und ein R. Rgt.), so fochten jetzt 4 schwäbische Heerteile in einer Reihe. Nach langer Unterbrechung durch Regengüsse erhob sich am 16. Aug. ein Mark und Bein erschütterndes Trommelfeuer, frische englische Kräfte gingen zunächst nach Norden. 214. D. mußte über Korteker weichen, doch die alten Rußlandhelden der 79. R. D. nebst 183. D. von Poelkapelle, Brandenb. und Posener Kerntruppen der 6., 9. R. D. von Poelbahnhof beugten dem Durchbruch vor. Die von der Somme abgeladene 5. b. D. hielt ihre Stellung, unterstützt von 51. R.; die Schlesier fochten mit gewohnter Hingebung, bis die Schwaben sie loslösten. Diese schirmten die Mitte bis 13. Sept. Ihre Art. opferte sich standhaft (49. verlor 10 Off. 76), hier lösten die Stuttgarter und 407. Brig. (127er) auch noch würt. 54. R. D. ab. Die Briten brauchten nebelausspeiende Wolkengranaten, doch die Gelbkreuzmunition unserer Gasgranaten erwies sich überlegen. Bis 23. Aug. glatter Mißerfolg der Angreifer nur 500 Schritt Raumgewinn im Waldgebiet der Meninchaussee treuherziges Geständnis, daß man nur 6 kleine gesprengte Grabenmörser auflas! Im Norden wollen die Franzosen bei Korteker 4  km und 23 Gesch. erobert haben, wers glaubt! Plumer meldet kleinlaut nur 250 Gef. und gesteht, er sei im Süden ein Stück weit zurückgetrieben. Inwiefern unsichtiges Regenwetter nur die Briten schädigte und die Deutschen begünstigte sieht man nicht; jedenfalls hinderte der Regenmatsch Armin nicht, ab 6. 17. Aug. bei Frezenberg den Gegner empfindlich zu züchtigen; im Süden drang sein Gegenstoß wieder bis Hollebeeke. Plumers Gefangenenziffern klingen äußerst bescheiden, dabei konnte er von 2056 Gef. im Sept. nur 1618 bei Zonnebeke namhaft machen; übrigens verloren die Belgier bei Lombarzyde 1500 an die dort ins Ruhequartier verlegten Hanseaten. Schon am 9. Juli hatte dort Adm. Schröder den Dünen-Brückenkopf erwischt, die englische Besatzung vernichtet, die Kanalschleusen zerstört. Am 6., 10., 20., 21. Sept. brannte die Schlacht auf der ganzen Front. An Straße Hooge-Veldhoek bei 32. sächs. D. ging es blutig her, dort kamen die Schotten nicht vorwärts, am 28. Aug. löste b. Ers. D. ab. Im Nordfeld verzog sich 9. b. R. D. zur Ruhe nach Mihiel, 5. b. D. ebenso ersetzt durch wieder vortretende 5. R. D.; beide b. D. verloren gleichviel, zusammen 80, 2800, wenig genug. Da die englische Linke heftig auf Houtholst drückte, gingen 3 schwäbische D. dorthin ab, zunächst trat 26. R. D. erfolgreich auf neben 18. D., deren 85. neben 121. R. lag. Später im Oktober erschien hier noch 8. b. R. D. auf der rechten Flanke bei Clerkem, wo sie nur zaghafte Betastung der Belgier genoß. Durcheinandermengung aller Einheiten brachte mit sich, daß im Spätherbst dort noch 41. D. aus Rußland 19. Art. anrollten. Dies Hin- und Herwerfen, an sich eine schöne Leistung des Etappenverkehrs, löste Korpsverbände so auf, daß nur wenige Einheiten beisammen blieben. Frühere Generalkommandos hatten jetzt meist ganze Teile ganz verschiedener Herkunft unter sich, statt Korps gab es »Gruppen«, die Division gab als taktische Einheit den Ton an. Am heftigsten rang man im Südfeld, wo b. 10. und Ers. D. bei Polderhoek so bluteten, daß letztere auf 1000 Gew. sank, nach Verl. v. 70, 2600. Daraus erhellt, wie überaus schwach unsere abgekämpften D. oft nicht mal in Brigadestärke. Man lasse sich daher nicht täuschen durch die Zahl die unter Armin auftretenden und wieder verschwindenden D., nach unserer Berechnung im ganzen 54. Es gehörte zu den Eigentümlichkeiten dieses Krieges, daß man alle andern Fronten entblößte, wenn es zu Hauptschlachten kam, die Briten hatten sicher 40 D. von doppelter Stärke hier. General Currie hatte seine bei Arras kämpfenden Kanadier zu Plumer geführt, dessen 2. A. und Goughs Rechte beständig im Nachteil waren. Auch Goughs Linke lag jetzt fest, auch hier wie so oft glückte nur der Zentrumsstoß. 50. R. D. übernahm die Linie der Bayern, die nach Verl. von 110, 4800 abzogen, 16. D. hielt nur 2 Kampftage aus. 2. G. R., 17. D. besetzten die von den Schwaben freigelassene Lücke zunächst mit 77. R., für die hartbedrängte 4. Ers. D. bei Corteker kam 6. b. D. angefahren, die wieder ausgeruhte 4. b. D. griff als Stütze der wankenden 23. sächs. D. ein und stellte mit Hilfe von 2., 229. Art. das Treffen wieder her, bis 20. Hann. D. den Posten übernahm. Da das Gefecht im Norden jetzt günstig stand, kam 6. b. D. zur 208. nach Langemark. Daß Plumer nur 11 Gesch. eroberte, glauben wir ihm gern, nach Weltkriegsmaßstab schon ein Zeichen der Niederlage. Armins Septemberschlacht hatte das Glück, den Feind im Norden festzulegen, im Süden einen Umschwung herbeizuführen. Denn Plumers neuer Angriff am 29. begann zwischen Langemark und Hollebeeke, »Inverneßholz«, gegen das sich die Yorkshire Brig. richteten, bedeutet Hoogeholz. Die Lancashire Brig. focht noch südlich Fortuin und Südafrikaner, Schotten, London- und Hochland Territorials hatten die Schanzhöhe Zonnebeeke noch nicht erworben. Australier und Northumberlands Füs. faßten erst den Westsaum des Polygonwaldes, Argyle Hochschotten mußten von ihren Landsleuten aus Umzingelung befreit werden. Am 1. Okt. warf Armin die britische Vorderlinie um; am 4. warf sich eine Masse Batl. von 28 Counties, besonders der Midlands, und Neuseeländer über Wellingtonhöhe auf Poel, unter Regensturm vorstürmend, erst am 9. überschritten Reg. York und Warwick den Bahndamm. Iren, Walliser, englische Garden wandten sich nordwärts gegen Mangelaere, aber die Deutschen waren zu viel für Goughs Siegesappetit. Fürs zersprengte 85. sprang sofort 187. I. ein, die Schwaben schoben den Riegel vor, 49. Art. feuerte stark neben 45. Die Feuerstellung bei Staden sicherten 26., 36. R. Art. Umsonst quälten Regt. Chester, Manchester, Gloucester, R. Scotts sich am Südrand der großen Waldung. Regiment Norfolk, Suffolk, Essex, Berksshire flohen längs Chaussee Ypern–Stade. Die Nordfront lief unangetastet, obwohl sogar die Belgier bei Luikemp mitkämpften, die Franzosen bei Dreibank und das Geschützduell allein schon bei 49. Art. 130 tötete und verwundete. Was in Paschendaele vordrang (Australier, Lancashir Füs., Manchester Territ., dann Kanadier und Marinefüs.) mußte sich beidseitig eingraben, durch fünf Gegenstöße gefesselt, auch am Sporn von Morslede. Armin wich nur Punkt für Punkt, tat dem Feind soviel Abbruch wie möglich und wartete nur auf Gelegenheit zum Gegenschlag. Plumer brach wieder lange ab; zu spät erkannte Haigh die Aussichtslosigkeit, Stade beizukommen, was allein ihm für Bedrohung Zeebrügges nützen konnte. Vorher brachte er die Ypernarmee um jede Schlagfähigkeit, so daß sie später 5 Monate lang sich nicht mehr rührte. Was diesmal auf den blutgetränkten Gefilden vorfiel, war noch kostspieliger als jede frühere Schlacht am gleichen Schauplatz. Spitzfindige Feststellung, unser Verlust übertreffe den britischen um 70 %, erheitert angesichts der Wirklichkeit. So überbot und überholte Haigh jede Erfindungsgabe. Am 23. Sept. hätten 15 000 Deutsche 60 % verloren. Wer hat sie gezählt! Kann sich nur auf jene Bayern bei Polderhoek beziehen, die aber höchstens 8000 stark waren. Der Oktober war für Plumer kein Erntemonat. Zwar nahmen Ostlancashire und London Territ. Poel, doch bewahrten die Deutschen den Nordteil vom Bahnhof und Kapelle, gestützt aufs 189. (187. D.); südlich davon hielten hartbedrängt 4. G. 10. Ers. D. Paschendaele-Morslaede, 20. D. Kerselaere-Broodseinde unter opferfreudiger Beihilfe der wackeren Würzburger D., die mit Verl. von 90, 3100 ausschied, durch 195. D. ersetzt. Bei Bezelaere-Cheluvelt fochten grimmig 17. und jetzt auch 8. D., bei Reutel und Polderhoek schob sich 10. b. D. zwischen die immer noch aushaltende 22. R. D. und 25. Hess. ein. Schloß Polderhoek konnten Schotten und Australier nicht bezwingen, wo 10. b., 15. Rh. D. abwechseln. Bei Hollebeeke erschien 1. b. R. D., 5. b. R. D. im Zentrum bei Wollemole, wo es vom 12. bis 21. heiß herging. Seit 9. rang man verzweifelt um die Flandernstellung bei Roosebeke, 187., 227. D., 6., 16. b. D. festigten ihre erschütterten Linien während 18. D. im Norden bei Houdholst zurückging. Dort stießen noch 16., 111. D. zur Gruppe Staden und verteidigten erneut den Grooswald. Obschon die Schwaben allmählich abgekämpft, konnten altenglische Massen und Antoines Franzosen nicht durchdringen; der Angriff blieb im Dreck stecken und ertrank im Blut unter Nebelschwaden der regentriefenden Waldung. Jetzt marschierte auch die kaum ausgeruhte 11. b. D. von der Aisne her am Bahndamm südlich Paschendaele auf und bestand am 21. gemeinsam mit 238. D. einen bittern Kampf, der dem Feind keinen Gewinn versprach. Rittmeister Hertling, Sohn des späteren Reichskanzlers, denkt in seinen Erinnerungen mit Stolz daran, wie diese unermüdlichen Pfälzer, Augsburger, Ingolstädter von einem Schlachtfeld aufs andere marschierten; nie gab es eine bessere Truppe. Doch alle Deutschen waren in gleicher Weise ihrer früheren Siege eingedenk. Erst am 30. wurden 238. D. und östlich Poel die dorthin verschobene 5. b. R. D. etwas in Unordnung gebracht, doch hielten sie die Paschendaelhügel, gelehnt ans 172. I. (39. D.) und 73. (111.) Im Norden verknüpfte sich Gruppe Dixmuiden mit Marine und 40., 199. D., 20. Landwehr D. gegen Belgier und Franzosen zwischen Merkem und Mangelaere löste 22. b. R. das 134. Leipz. ab. Bei Wollemolen trotzten 3. G., 39. D. den beständigen Drohungen. Im Nebelmond November umnebelte düsterer Zweifel beide Parteien, die eine, ob sie sich halten, die andere, ob sie durchdringen werde. Die Briten kontinentale Karten-Namen verachtend, tauften die englischen mit Phantasie-Namen wie Tower Hamlets für Gheluvelt, wo sie von ihren Fortschritten sprachen. Da jetzt auch noch 4., 11. Div. den Kampf bei Paschendaele aufnahmen und 11. R. D. die 11. b. D. ablöste (die endlich nach neuem Verlust von 55, 2450 nach Lothringen ins Ruhequartier ging, nachdem sie auch diesmal wie 1916 in zwei Hauptschlachten ihre Schuldigkeit tat), so glauben wir den englischen Berichten nicht, wonach Plumer überall, außer im Norden, Meister geblieben sei. Am 5. Nov. noch Massendruck bei Mosselmark und damit Schluß. Als am 10. Kanadier, Marinekorps, Territ. die Hügelfront vor Roulers einstoßen wollten, begegneten 4., 35. D., 6. R. D. ihnen so unsanft, daß sie das Wiederkommen vergaßen. – Armins Heldenscharen schlugen sich indessen nicht alle gleichwertig, immer neue Kräfte mußten zum Umtausch verwendet werden und traten meist bald ab, im Durchschnitt fochten stets je 25 D. (8 b., 5. würt.) Diese Schlacht, in Deutschland weniger beachtet als in England, war eine der größten des Weltkrieges, von Armin vorzüglich geleitet. Der Feind erreichte weder seinen Hauptzweck, bis Gent vorzustoßen und unsere U-Bootbasis zu gefährden, noch drängte er bis Roulers–Menin, wie seine zweideutig konfuse Darstellung durchblicken läßt. Unbegreiflich, wie wir auch noch die Gegend Hollebeke-Messines behauptet haben sollen unter solchen Umständen, zeugt es für englische Schwäche. Ungeheure deutsche Verluste? Wir verloren im Juli-August etwa 120 000, im Sept., Okt. 160 000, nicht übermäßig für 6 Hauptbrennpunkte. Denn auch bei Verdun gab es Ende Nov. harte Kämpfe, dort standen 29., 46., 56. R. D., 15. b., 19. D. bei Beaumont-Chaumeswald, 2. b. D., 2. b. L. W. D. schon Ende Aug. bei Malancourt und Cheppy. Die Punkte zeigen, daß am Rabenwald wieder Chanteclair krähte, der Tote Mann wieder französisch sprach, vom Pfefferrücken französische Art. in unsere Linien pfefferte. Dagegen gelang es nicht, der »Gruppe Vailly« bei Brah und Craonne die Suppe zu versalzen, wo sich in Rußland so verdiente 47. R. D. und 17. Pfälzer (25, 500) auszeichneten. Am schlechtesten sah die Lage vor Arras aus, die Truppen ließen sich hier mehrfach Nachlässigkeit zu Schulden kommen. Doch die Gefangenenziffern in englischen Berichten sehen recht gemacht aus. Leuchtende Spitzen der Bergwalder hüllten sich in Nebelvorhang, Herbst vergilbte die Blätter der Kriegshetzer, leuchtende Hoffnungen verdunkelte Wahnvorstellung wie schleichendes Fieberdelirium schiefer Weltanschauung. Nur kein Friede! Immerhin, wie dies Jahr die Kriegsfakel loderte, war für deutsche Augen kein erfreuliches Schauspiel. Englands Aktien stiegen, obschon es am 1. Juli schon 400 000 Mann neuen Verlust seit Neujahr gestand. Denn die Ypernschlacht Armins gegen eine gewaltige Übermacht nahm im Herbst doch keinen guten Verlauf. General Plumer ließ nie nach, trotzdem die Briten förmlich durch Blutbäche wateten. Teilen wir auch nicht die kühne Behauptung, Haigh habe allein bei Ypern 500 000 verloren, so sind englische amtliche Angaben selten offenherzig, und doch diesmal nur um 100 000 niedriger. An einem Tag bei Ypern verlor man 511 Off., am anderen 440, was schon allein in zwei Tagen 39 000 Tote und Verwundete ausmacht, man focht aber 190 Tage. Die Tapferkeit der Briten war überall groß, doch ihre prahlende Selbstverliebtheit erregt Ekel. Wieviel achtungswerter erscheint der lange Widerstand von Armins Minderzahl! Freilich überließ er dann unaufhaltbarem Druck fast alles, was dreijähriges Mühen erwarb. H. B. ist hier mehr als dürftig; irreführend, denn man war jetzt so weit wie vorher im Oktober 1914. Leider knapste Nivelle uns noch ein weiteres Stück Laonplateau ab, am 22. Okt. 14. D. bei Vauxaillon hinter die Ailette geworfen, am 2. Nov. »Damenweg« verlassen, und Haigh nahm im November den Gedanken wieder auf, Cambrai-Lille aus Südwesten anzurennen und die Liller Kriegsindustrie zu bedrohen. Durch Nebel begünstigt, stieß Sir Julian Byng's 3. A. (viel zu niedrig auf 100 000 geschätzt), ein Loch in die Siegfriedlinie, das aber alsbald »20 deutsche Divisionen« füllten. In Richtung Marcoing–Masnieres seit 20. auf nur 10  km Front, bis auf 2  km an Cambrai vorgeprallt, verlor Byng sofort wieder Fontaine an die Garde, von Bourlon, das dreimal den Besitzer wechselte, behielt er am 25. nur noch den Wald, wo Gardefüs., Pommersche Gren., Hannoveraner wie rasend seine 40. D. vollständig vernichteten. Er warf sich in die Brust mit »8000 Gef.« (n. a. 6000 oder 10 750), dann war auch hier die Herrlichkeit zu Ende. Wie Steinbruch Mont Parnasse bei Malmaison den Presse-Musen Nivelles ein Museum der Gloire und ein Parnaß berauschter Pegasusflügel wurde, so schrieb ein für solchen Krimskrams im britischen Hauptquartier Angestellter: »Seit der Marneschlacht erfocht man keinen so glänzenden Sieg«. Naiver Schwärmer! Wenn der Sieg so aussah wie an der Marne! Kaum schrieb er's, da hatte man schon das Nachsehen. Niederschlesier und Posener trieben schon frontal den Keil ab und 2. A. Marrwitz (Bülow schon Anfang 1916 ausgeschieden) war beauftragt, am 30. den Stoß auf Marcoing zu leiten, 6. A. aus Süden. Beide Gruppen sollten sich, nachdem die Schenkel des von Byng gebildeten Dreiecks eingedrückt, bei Havricourt südwestlich vereinen. Nördlich riß seine Linie bei Masnières, wo Hannoveraner vorgingen, südlich bei Guignicourt. Byngs gefährdete Rechte warf zwar die Südgruppe über Bahnstrecke und Chaussee ostwärts, unsere Nordgruppe fand an der Brücke des Scheldekanals Widerstand. Doch 34., 185., 9. b. R. D. fingen bei Gouzaucourt ab, am 2. Dezember drangen drei Divisionen von Marrwitz bei Marcoing durch, am 3. beendigte 3. Garde Div. siegreich den Kampf. Beim Verfolgen zeichneten sich die Gardefüsiliere besonders aus, als schon bis 6. Byng unaufhaltsam wich, wobei Marrwitz' Artillerie ihn in der Flanke, die der Südgruppe ihn im Rücken beschoß. 1200 schwere Gesch. schlossen ihn im Feuerkreis ein. Früher im Burenkrieg Kavallerist, ein harter barscher Charakter, der in Transvaal ein übles Andenken hinterließ, opferte er sogar seine Kavallerie, eine anreitende indische Brigade sah sich im Handumdrehen vernichtet. Hanseatenbrig., Oldenburger und eine rheinisch-westf. D. zeichneten sich aus. Byngs Rückzugsstraße überfüllte sich mit Leichen, als er dem Bourlonwald und der verschanzten Moeuvregegend entfloh, sein Verlust muß »ungeheuer« gewesen sein. 29. Div. ganz vernichtet, drei andere fast. Auch verlor er 150 Gesch., 700 M. G. Er hatte seinem früheren Anfall kein Trommelfeuer vorausgeschickt, um die Deutschen nicht zu warnen, das trug zum Gelingen der Überraschung bei, erhöhte aber nachher den Verlust der ohne Artilleriehilfe Weiterstürmenden. Dafür stattete er die Sturmkolonne überreichlich mit Tanks aus, halb Drache, halb Walze, 300 solcher Ungetüme rollten voraus. Bisher machte man schlechte Erfahrung mit den neuen Streitwagen, in der Sommeschlacht oft zum Gespött geworden, diesmal nützten sie anfangs sehr. Als sie aber gegen rückwärtige Gräben anprallten, erlagen die eisernen Lindwürmer im Nahkampf den Handgranaten der gewandten Verteidiger. Viele der unbehilflichen Maschinen blieben auf der Strecke, ihre Insassen verbrannten im Stahlverließ. Da aber anfangs diese hundertfache Walze die Gräben rechts und links mit Feuer eindeckte, beugte man solchem Vorkommnis vor, indem man eine Zwischenlinie schiefer steiler Gräben mit Betoneinsatz für schwere Geschütze baute, worin sich die Anrollenden verfingen. So schleppte sich der Krieg seinem Ende zu mit einem Sinnbild bloßer Technik. Haighs Stabshof Robinson gab die kecke Hoffnung auf, bis Neujahr die Siegfriedsstellung zu brechen. Trotz vieler unleugbarer Lokalerfolge mutet es seltsam an, daß der Entente der Mut so wuchs. Bei Saloniki stand ihre Sache früher ungünstig, jetzt nicht besonders. In dieser Strandfestung, die an Torres Vedras erinnerte, hatte Sarrail sich weidlich bemüht, jetzt löste ihn Franchet d'Esperet ab, um die Früchte zu ernten, nachdem sein Vorgänger das Schwerste überstand wie früher Laurezac. Wunderbar, wie solche Vorgänge sich wiederholen! In Palästina hatte Allenby leichtes Spiel, da der gepriesene und auf Gallipoli wirklich verdienstvolle Liman v. Sanders wenig Sorgfalt bewies. Liman, Gleich, Kiesling schieben in ihren Büchern alles auf die verrotteten Konstantinopeler und die miserabeln türkischen Offiziere, indessen zeigten Kemal und Djamal, daß man die Türken in Zucht halten kann, wenn man sie zu behandeln versteht, nicht mit Limans eitler Rücksichtslosigkeit auch gegen deutsche Untergebene, unter denen hier der bayerische Generalstäbler v. Kreß hervortrat. In Mesopotanien hatte der alte Goltz vor seinem Tode den Briten eine böse Schlappe versetzt, doch Falkenhayns Bagdadunternehmen »Ilderim« endete wenig blitzartig! Das war lauter Nebensache; das Wesentliche aber, daß Rumänien wie Serbien erledigt und die Russen am letzten Rande ihrer Kriegsfähigkeit waren. Niederlagen der Türken mochten angenehm sein, halfen aber in Europa nichts. Der Wunsch trog, daß Beseitigung des Zaren durch Schattenrepublik den Kriegswillen stärke. War es Mut der Verzweiflung, eine Art Raserei, was die Westmächte stachelte? Ihre Angriffswut kannte keine Grenzen, ihre Opfer waren noch größer als im Vorjahr. Nun ward auch noch die Isonzo-Illusion zunichte, Italiens Zusammenbruch schien bevorzustehen. Jetzt winkte nur noch in der Ferne Amerikas rasche Hilfe, an die niemand glaubte. Bei Jahreswende standen die Dinge spottschlecht für die in allen Fugen krachende Entente, man fütterte die Völker mit Traumbildern, begrüßte jede frohe Botschaft aus Verdun, Soissons, Arras, Ypern als Bürgschaft des »mathematisch sichern« Endsiegs. Ob den Knockout-Politikern dabei wohl war? Wer ahnte damals! – Selbst der Tiger Clemenceau, solange knurrend: »Die Deutschen stehen immer noch in Noyon«, erlöste sich nicht von seelischem Bann; man ahnte vor, wie endlos die Hunnen noch den sol sacré de la patrie beschmutzen würden, wenn man immer nur so kleine Fetzen von ihren Waffenrock abschneide. Zwar brachte der August mit Hitze der Hundstage den künstlichen Erfolgtaumel zum Sieden, die Presse sorgte für jene Sachlüge, die sich von Zeitungsenten nährt. Speisung der Zehntausend, die Steine für Brot nehmen und wie bei der Kanahochzeit sich mit Wasser berauschen! Denn im Herbst vergilbten die Blätter, auf deren roten Lettern »Endsieg« stand, im November tanzten noch Erlkönigs Töchter den verführerischen Reigen, doch mancher Besonnene seufzte: Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. Vielleicht mochte man daraus Mut schöpfen, daß die Angriffe mit einer Schnelle glückten, wie es früher nie vorkam. Häufig unehrenvolle Auftritte, wie rascher Hinauswurf deutscher Krieger aus ihren Gräben ohne nachhaltigen Widerstand, mochte man als Nachlassen seelischen Halts deuten, wie auch geschah. Natürlich verhüllt H. B. dies Bedauerliche, doch man mag sagen, was man will: die Unseren schlugen sich in der Jahreshälfte mehrfach nicht so, wie sonst gewohnt. Der Rückzug aus Linie Bapaume–Peronne verriet manche Überstürzung. Die Masch. G. der Nachhuten mögen verderblich gespielt haben, wie Überlieferung sagt, doch Haighs Gefangenenziffern können bei aller Übertreibung nicht glatt erlogen sein. Wie wir schon berührten, griff der Rückzug mit obligater Verwüstungsarbeit die Truppen-Psyche an; ein geschulter Kriegstheoretiker hätte Massenas ähnlichen Rückzug aus Portugal als warnendes Beispiel vorgehalten, daß derlei stets ungünstige Folgen hat, und die äußerste Nötigung, der damals Massena gehorchte, lag wahrlich für Ludendorff noch nicht vor. Man verließ sehr gute Stellungen für minder gute, die doch auch bald gefährdet werden konnten, und ließ allzuviel Material und Proviant im Stich. Da dies Verfahren uns nachher im Versailler Raubmörderfrieden so teuer zu stehen kam, wird man billig zweifeln, ob man so extreme Maßregeln begrüßen soll. Eine gewisse Panik läßt sich nicht verkennen, ein psychologisches Symptom wie bei der Marneschlacht. Die braven Truppen waren stolz darauf, die Sommeschlacht überdauert zu haben mit ganz geringem Raumverlust; man erzählte ihnen mit Recht von »kolossalen Verlusten« der Angriffe, die jetzt seit langem nachließen. Da kam der Rückzugsbefehl sehr ungelegen. Auch die Einwirkung aus der Heimat sei nicht unterschätzt, denn dies war das schlimmste Hungerjahr, bis man aus Ukraine und Rumänien etwas Speisung erhielt, lange nicht so viel als man hoffte. Daß die in schweren Wetterstürmen ungebeugten Champagne- und Verdunkämpfer jetzt so oft französischen Windsbräuten sich beugten, daß so feste und gutausgebaute Posten am Aisneplateau überwältigt wurden, wie nie zuvor, macht bedenklich. Gewiß waren die alten Truppen vielfach aufgezehrt, die Reihen mit Neulingen gefüllt, die sich nicht gleich ins Wirrsal und Schrecknis des Grabenkrieges einweihen ließen. Und wenn man über die hitzige Bravour der Verbündeten staunt, deren Schlachtreihe erst recht aus ungedrillten Volksaufgebot bestand, so muß man erwägen, daß der Freiwillige und Rekrut weit besser dem l'enthousiasme du depart fröhnt als dem stillen Dulden des Pflichtgefühls bei passiver Defensive. Doch es bleibt ein schäbiger Rest zurück, der sich durch nichts kriegspsychologisch erklären läßt als Ermattung des Kriegswillens. Unsere Lage hatte schon etwas Beklemmendes. Indessen blieb die Aussicht, daß es mit Rußland zu Ende gehe, und man freiwerdende Kräfte heranziehen dürfe. Es galt also durchzuhalten. Die Entente wollte umgekehrt noch etwas erzwingen, da man auf Amerikas Beistand 1918 sich wenig verließ. Lloyd George spottete in pessimistischer Rede über Haighs Triumphlieder, wenn er ein paar Kilometer gewann, während die Mittelmächte von ihrem Riesenerfolg an der Piave viel weniger Aufhebens machten. Während die Italiener bisher in zehn Isonzoschlachten mit rühmlicher Tapferkeit immer wieder einen Teil österreichischer Stellungen erstiegen, änderte sich plötzlich das Bild, als sieben oberschlesische, märkische, württembergische und bayerische Divisionen bei Tolmein in den österreichischen Reihen auftauchten. Es ging so wie in der Bukowina, als Helmspitzen einer preußischen R. D. vor den siegreichen Russen auftauchten und der Schreckensruf »Germanski« sich fortpflanzte. Die k. k. Schlamperei ward vom deutschen Selbstgefühl fortgerissen, ein Karstberg nach den anderen trug die deutsche Fahne auf seinem Gipfel, 5. ital. A. völlig vernichtet (700 Gesch. 80 000 Gef. verloren), 2. A. aufgerollt, vom 22. Okt. bis 1. Dez. war Italiens Niederlage besiegelt, sie hätte größer werden können, wenn die Österreicher mehr leisteten. Um Italien beim Bündnis festzuhalten, schickte man ein englisches Hilfskorps Plumer, Frankreich wollte sogar 15 Div. daran wenden. Damit verlor die eigene Übermacht im Westen an Umfang, die sich vorher steigerte wegen Abzweigung stattlicher deutscher Kräfte zum Isonzo. So brach das Neujahr dennoch umwölkt für die Westmächte an und es wirkte tragikomisch, daß jetzt auch Portugiesen, Siamesen, Maoris in der englischen Front aufmarschierten, Kanonenfutter aus aller Herren Länder. Unser Jahresverlust in Frankreich betrug rund 700 000, der des Feindes 1 800 000. Bei so ungleicher, gegenseitiger Schwächung, wobei wieder der Ideal-Maßstab 1 zu 3 beinahe erreicht wird, sah die Entente heimlich wohl trübe dem Folgejahr entgegen. Ihr lächerliches Prahlen mit entscheidendem Sieg bei Verdun – Wiedergewinn verlorener Stellung! – zeigt die naive Autosugestion der menschlichen Natur. Doch das sorgsame Vertuschen unserer Mißerfolge erweist deutsche Amtlichkeit als gelehrigen Schüler der Ententegepflogenheiten. Relativer Mißerfolg des Vorjahres, wo Vorteil und Nachteil sich ziemlich ausglichen und nur das Verlustverhältnis viel ungünstiger war als früher, steigerte sich jetzt, positive Niederlagen an allen Punkten. Vom Siegeskuchen blieb sozusagen nur noch die Kruste übrig, das Meiste im Westen weggeknabbert und abgezwickt. Wie ist das zu verstehen? Keime des Zerfalls unserer Wehrmacht durch unersetzliche, unnatürliche Abnutzung? Doch daß Rußland und Rumänien bald von der Bühne abtraten, hob den Mut, während man auf uneingeschränkten U-Bootkrieg um so leichtfertiger Hoffnungen setzte, als die Zahl der U-Boote nicht entfernt dem Lärm der über England verhängten Papierblockade entsprach. Noch hielt England den vermeintlichen Vasallen Frankreich fest in den Klauen, ohne zu ahnen, wie dieser Patronisierte nur ans einst berühmte Wort von Österreichs Schwarzenberg dachte: »Wir werden die Welt durch unseren Undank in Erstaunen setzen.« Les Armées victorieuses de la France hatten nachher alles allein getan! Eine naivere Dummheit wie die Englands, sich selbst durch Aufpäppelung des alten Erbfeinds ins Fleisch zu schneiden, eine gerechtere Bestrafung dafür, als die von der moralischen Weltordnung verhängte, kennt die politische Geschichte nicht. Auch, daß Botschafter Buchanan die Kerenzki-Revolution anzettelte (beweist, daß eben nicht nur der Zarismus Nationalkrieg gegen die Teutonen wollte), erwies sich nachher als schlimmster Fehlschlag. Diese Ungunst verschärfter Lage ging für uns bald glücklich vorüber und in Frankreich steigerte sich der Defaitismus, den man natürlich viel rücksichtsloser niederschlug als bei uns eine Flottenmeuterei mit etlichen Zuchthausstrafen. Hätte man damals die Volksmarinedivision geahnt! Wer konnte glauben, daß die Mißstimmung über hochnotpeinliche Disziplin und Hoffart der Offiziere auf der Marine viel ärger gährte als in der Armee! Hier wird man leider nicht sagen können, daß nicht die Berufs- sondern Reserveoffiziere den Unwillen nährten. Die Marine, dies Schoßkind deutscher Nation, brütete ein Basiliskenei aus oder richtiger ein faules Ei. Das Instrument als solches war glänzend, die Schiffe besser gebaut als die englischen, die Panzerplatten besser durchs Kruppsche Härtungsverfahren, die vielbeklagte kürzere Feuerzone schadete nicht immer. Das Treffen an den Falklandinseln, wo zuschauende Japaner verächtlich die Nase rümpften – »diese Gentlemen sind keine Samurei« – gereichte unserer Flotte zur höchsten Ehre wie ihr Sieg bei Coronel. Held Spee war ein ausgezeichneter Seestratege auch die Art, wie Souchon den Göben rettete, hervorragend. Wo finden wir bei der übermächtigen Entente-Marine Ähnliches! Die wahren Kriegsbeleber, Lloyd George und Clemenceau, konnten nur zu Lande wirken. 40 Mill. Engländer und Schotten (Iren aus guten Gründen nicht dafür gerechnet) scheinen 7 Mill. bewaffnet zu haben, d. h. fast 20 % der Bevölkerung wahrscheinlich fast die ganze Masse der Wehrfähigen. Frankreich bot laut Fochs Aussage anfangs 2 300 000 Bajonette auf, d. h. 3½ Mill. Effektiv. Bedenkt man die dauernden Riesenverluste (vergleichsweise zu Deutschland mindestens 6 Mill., an den Toten und Gefangenen bemessen), so sind von 39 Mill. gar über 9 Mill. Wehrfähiger und Untauglicher unter der Fahne gewesen. Diese fanatische Ausnutzung der Volkskraft bis zum letzten Mann – selbst Rußland strengte sich barbarisch an – fand kein Gegenstück in Deutschland, bei dem es sich doch um Sein oder Nichtsein handelte, nach dem ersten vaterländischen Aufschwung, wo Knaben und Greise sich zur Fahne drängten, drückten sich viele, wie sie nur konnten, keine schonungslose Diktatorfaust durfte »auskämmen«. Doch so sehr die jusqu' à bout und knock-out Politiker der Entente an Konvent und Wohlfahrtsausschuß der Carnotzeit erinnerten, zur See blieb ihr Wettersturm ohnmächtig. Die französische Flotte kam nur einmal vor Gallipoli zum Schuß, wo sie und noch mehr die englische sich von der alten Wahrheit überzeugten, daß gut gedeckte Strandbatterien jedes Schiffsfeuer bezwingen. Die englische, meerbeherrschende Marine führte nur Krieg gegen deutsche Frauen und Kinder, sie vollzog Hungerblockade unter Brutalisierung der Neutralen und wohlwollenden Augenzwinkern Wilsons, des Apostels der Menschenrechte, doch lieferte kein Trafalgar. Die Schlacht am Skagerack, wo beide Parteien sich fälschlich den Sieg zusprachen, enthüllte eine gewisse Überlegenheit deutscher Führung und brachte den Briten trotz Untergang von »Lützow«, »Pommern« und einiger Beschädigung von »Seydlitz«, »Derfflinger« fast dreifach größeren Verlust. Die englische Flotte blamierte sich, ungestrafte Beschießung der englischen Ostküste beschimpfte tödlich die Meerkönigin. Unsere Besatzungen gingen durchweg wie Helden unter. Was ferner U-Boote oder »Emden« leisteten überstieg jede mögliche Erwartung und erinnerte an die Zeiten Drakes, als seien Wagemut und nautische Überlegenheit auf die Hansaenkel übergetreten. Man wird dies für alle Zukunft festhalten müssen. Doch die Kehrseite der Medaille blieb vorerst verborgen, kein Mensch wußte, mit welch unerhörtem Bluff Tirpitz und Capelle ihre U-Bootherrschaft ausprahlten, obschon sie am besten unsere Rückständigkeit dieser Waffe bei Kriegsbeginn kannten, die Geringfügigkeit unsrer zahlenmäßigen Mittel. Völliges Versagen der ungeheuren U-Bootübermacht der Entente ist ein Kapitel für sich. Es scheint, daß die Deutschen es trieben wie bei der Filmkunst: Abwarten, Beobachten und dann alles weit übertreffen! Doch damit noch Amerikas Kriegserklärung herauszufordern, diese unglaublichste Torheit stürzte uns ins Verderben. Und was veranlaßte solche Albernheit? Einfach die angeborene Anmaßung der Berufsmilitärs, die alle Lehren des Sezessionskriegs mißachteten und unsere Warnung nicht hören wollten. Freilich wanden später die Yankees billige Lorbeeren ums Sternenbanner, sie schlugen sich überall tapfer, doch unerfahren, nur ihrer riesigen Übermacht verdankten sie alle ihre äußern Erfolge, für die sie als Marathonier gepriesen wurden! Nichtsdestoweniger verdient Amerikas organisatorische Leistung noch höheres Lob als die Englands. Dürfen wir Gleiches von der deutschen sagen, von der doch In- und Ausland Unübertreffliches erwarteten? Beim Bestand der Artillerie im letzten Kriegsjahr hatte Bayern allein 275 Feld-, 190 (anfangs 22) schwere Batterien: 18 500 Geschütze mit 50 000 Pferden, dazu 4 Geb.-Batt., 98 Kompanien Pioniere und Minenwerfer. Man geht daher kaum fehl, unsre Art. bei Kriegsschluß auf 20 000 Geschütze zu schätzen, natürlich die weit größere Zahl dienstunfähig gewordener Stücke ungerechnet. Hier also darf man keine Achillesferse suchen, wie steht es aber mit Mannschaftsbestand? Erweitert man Bayerns 270 000 I., 90 000 Art., 10 000 P. 7500 Kav. aufs ganze ums Elffache, so sind dies rund 4 200 000 Streitbare, was selbstredend viel zu wenig wäre. Freilich müssen alle Ersatzrekruten, Etappendepots, Nichtstreitbare, kleinere Hilfswaffen, Marine als Zuschläge dienen, keinesfalls hat aber Bayern die Summe seiner angeblich 1 663 500 Wehrfähigen auch nur entfernt ausgenutzt. Diese Ziffer scheint freilich viel zu hoch gegriffen, obschon man nicht vergessen darf, daß innerhalb 4 Jahren neue Jahrgänge nachwuchsen. Demgemäß hätte Deutschland, dessen damalige Bevölkerungsziffer nicht feststeht – die letzte ordentliche Volkszählung war längst vorüber – und vielleicht sich 70 Mill. näherte, etwa 18 Mill. Wehrfähiger gehabt, was die höchste Vermutung von 14 Mill. weit übertrifft. Nun entspricht zwar obige bayr. Inf.-Zahl genau der Zahl ausgehobener Bataillone inkl. L. St., widerspricht aber sehr dem bayr. Weltkriegsverlust: 172 000 T. (exkl. 16 000 an Krankheit gestorbenen), 435 000 Verw. und Gef., was insofern zutrifft als Deutschland 1 800 000 Tote und rund 6 Mill. im ganzen verlor. Demnach hat Bayern seine 380 000 verfügbaren Streitbaren wahrscheinlich durch Ersatz verdrei facht und Deutschland nach gleichem Maßstab 12 Mill. ausgehoben, Bayern aber wäre immer noch um 525 000, Deutschland um 5–6 Mill. unter der verfügbaren Summe geblieben. Wir haben allen Grund zu glauben, daß dies leider zutrifft. Selbst wenn wir die Zahl Wehrfähiger sehr reduzieren, steht fest, daß sich Millionen »Unabkömmlicher« bis zuletzt herumtrieben und die Aushebung sehr ungleichmäßig geschah. Auf dem Land und in kleinen Landstädten wurde der letzte Mann eingezogen, in größeren Städten keineswegs, außerdem war außer den Kriegsindustriearbeitern (meist untauglich, viel Frauen dabei) ein unnützes Beamten- und Schreiberheer besoldet. Ein Montblanc von Papier, der zu Industriezwecken verwendbar war, wurde mit Tinte besudelt für nichts und wieder nichts, täglich neue »Verordnungen«. In Bern trieb sich ein kriegsstarkes Bataillon junger, gesunder Leute bei der Gesandtschaft herum, darunter viel »Edelste der Nation«. Nicht die Nation verlor den Krieg, Heer und Industrie taten beide Wunder, sondern der Staat, die Staatsmänner ohne Männer, die pedantisch äußerlich stramme, innerlich schlaffe Kriegsverwaltung mit ihren Kreuzen 1. Klasse für kommerzienrätliche Autofahrer. In Österreich liefen die Unabkömmlichen in Wien auf allen Gassen, alle Nichtdeutschen wurden schonend eingestellt, während in Tirol jeder Greis zum Stutzen griff. Die Türkei, über die Goltz sich und andere täuschte, war nur bedacht, viel aus uns herauszuschinden, ohne die deutschen Obersten Wehrle, Kannegießer usw. wäre Gallipoli gefallen. Unpsychologisch verfuhr man auch in Wertung der stahlharten britischen Imperialpsyche. John Bull hielt seine Helfershelfer stramm am Wickel und besetzte die Nordfranzösische Küste als Faustpfand des Wohlverhaltens, Calais glich einem englischen Hafenort, man wettete damals, daß England nie wieder Calais verlassen werde. Vielleicht wäre ähnliches geschehen ohne Onkel Sam, der über französische Interessen den Schild hielt. Außerdem hatte Lloyd George den Geheimvertrag mit Wilson in der Tasche, der mehr als wohlwollende Neutralität verbürgte und am liebsten schon nach Lusitaniaversenkung Amerika in den Krieg gehetzt hätte. Weil aber mit der Parole »Wilson ist der Friede« gewählt, wäre ihm dies kaum möglich gewesen trotz alles Hochdrucks der Propaganda, wozu der famose Film »Kriegsfackel in Amerika« gehörte, dessen Pickelhauben und Biertrinker unser Commisvoyageur Erzberger in Zürich als – Japaner erkannte. (Auch die Propagandaleistung dieses pfiffigen Jesuiten in der Schweiz und in Italien verdient besondere Beschreibung). Da bot man Wilson endlich den ersehnten Vorwand und wiederum wußten unsere feinen Diplomaten nicht, was im freien Amerika die Vollmacht des Präsidenten bedeutet, nämlich Allmacht der Exekutive. Einen Terror wie Wilson ihn übte, würde kein monarchisches Land ertragen und Zähnefletscher Roosevelt (»mein Freund Roosevelt, Oberster Rough Riders« mit Tochter Alice als Taufpatin eines kaiserlichen Torpedoboots) stieß sofort ins gleiche Horn, um Wilson streberhaft zu überbieten. (Das Schicksal bereitete ihm dafür einsam qualvollen Tod ähnlich wie Wilson furchtbar büßte und Kitchener wie eine Ratte ersoff, doch außer diesen Kriegsverbrechern und dem Zaren laufen noch Schlimmere springlebendig herum, vom Schicksal mit Kainsmal gezeichnet). Auch ohne Rücksicht auf den transatlantischen Meister war die Rechnung verkehrt; England durch Hungerblockade meistern zu wollen. Einst bei der Kontinentalsperre konnte seine Meerherrschaft nicht große Einbuße der Handelsmarine durch Kaperkreuzer verhindern (vergl. Trelawneys »Abenteuer«), auf der Insel herrschte Hungersnot, den Aus- und Aufständen der Arbeiter (vgl. Byrons Jungfernrede im Oberhaus) gesellte sich große Flottenmeuterei und doch hielt Albion durch, bis Napoleon am Boden lag vermittels besoldeter Kontinentalmächte. Nur durch Zerschmetterung Frankreichs konnte England auf die Knie gezwungen werden, daß der U-Bootkrieg ihm an der Leber fraß. Mögen auch tägliche Ziffern des H. B. übertrieben haben, es litt mehr Hunger und Not als das Ausland erfuhr. Auch unsere Luftraids richteten genug Unheil an, man staunt über die Taten unserer Aviatik angesichts solcher Übermacht feindlichen Luftzeugs. Doch was helfen die herrlichsten Leistungen, wenn das Schicksal zürnt und einem vermorschten System ans Leben will. Als jener Ton hallte »Nur ein guter Christ kann ein guter Soldat sein«, so war der Spott billig, denn wohl kann man tapfer und nicht religiös, doch nicht religiös und feige sein. Es ist höchst tapfer, die Gerechtigkeit des Weltenrechts anzuerkennen, auch wo sie gerechter als uns lieb ist. Man möchte aus der Haut fahren oder sich häuten wie die Schlange, doch leider ist jede Haut angeboren und angemessen. Gott schuldete uns nichts als Selbstvergeltung, alles Geschehen ist selber Ethik. Der Kampf im Osten I. Gumbinnen Die Österreicher taten im August ihr Möglichstes, sich bei Lemberg und angriffsweise in Südpolen der lehmgelben Springwelle entgegenzustemmen, doch ihre Tapferkeit erlag der Übermacht. Deutscherseits hatte Schlieffens Testamentplan Räumung Ostpreußens ins Auge gefaßt, der Unentschlossene liebt aber halbe Entschlüsse, so verteidigte man es mit ganz unzureichenden Kräften, die unmöglich lange hindern konnten, daß die Mordbrennerbanden Väterchens bis ins Herz der Provinz vormarschierten. Die später aufgebrochne A. Samsonow wird mit ihren 10 Div., 3 Kav. D., 1 Schützenbrig. deutscherseits zu hoch auf 270 000 geschätzt, doch 220 000 Streitbare, inkl. Artillerie (636 Gesch.), betrug sie jedenfalls, da jede russische Div. 16 Bat. zählte und die Artillerie zahlreich war. A. Rennenkampf, inkl. R. A. Grodno umfaßte 2., 3., 4., 20., 22. K. 3. Sibirische K., 5. Schützenbrigade, 53., 54., 56., 57., 72., 76. R. D., 5½ (1., 2. Garde) Kav. D., also annähernd 330 000 Gewehre, 30 000. Kav., 35 000 Art. (996 Gesch.). Die Nichtstreitbaren und Hilfswaffen dürfen wir beiderseits nicht rechnen, da dies ins Uferlose führt. Deutscherseits darf die Kriegsstärke eines Regiments auf 73 Off., 3100 Mann geschätzt werden. (Das Bataillon sollte eigentlich 1200 Mann haben, erreichte aber nur äußerst selten eine nur entfernt gleiche Höhe). Nachdem die 8. A. im September verstärkt war um 11. K. und Garde R. K., welchen auch noch 64., 93. R. (Berlin) sich anschlossen, sowie 8. Kav. D. bestand sie aus 37 Aktiv, 15 Res., 17. L. W. Regimentern nebst 20 Ers., 6 Jäger, 7 Pionier Bat., L. St. ungerechnet. Diese höchstens 235 000 Gewehre (1200 Gesch.), waren das Maximum dessen, was man bis November gegen Rußland ausspielen konnte, und man darf nicht vergessen, daß die Russen schon im September allerlei Verstärkungen erhielten. Im August waren anfangs höchstens 160 000 Gewehre versammelt und davon am Entscheidungspunkt keine 140 000. An Artillerie sicher erst 20 Feld- und Fußregimenter nebst 20 L. W. Batterien (794 Gesch.), an Kavallerie 17 Regt. nebst 18 L. W. Schwadronen gegen fast vierfache russische Reiterüberzahl. Das gibt einen Maßstab dafür, was man mit deutschen Truppen wagen darf. Die poetisch gefärbte Darstellung Stegemanns, als ob die Österreicher (380 Batl., 176 Schw., 1056 Gesch. im Norden, 390 Batl., 208 Schw., 1012 Gesch. nach Osten) gegen ungeheure Übermacht stritten, paßt nur auf die 3. A., im Ganzen war die Übermacht nicht entfernt so erdrückend wie in Ostpreußen. Und es soll hier gleich betont werden, daß 1. A. Dankl sich nur retten konnte, weil das L. W. K. Woyrsch sich opferbereit sofort den Bedrängern entgegenwarf. Es hatte schon 400  km Marsch hinter sich. Schon am 7., 9. August traten 7. 22., 51. L. W. bei Czenstochau und Kalisch den Östreichern zur Seite (Verlust 6 Off., 267). Beim Vorgehen gegen die Weichsel berührten nur 1., 2. L. W. Kav. und Bat. Kosel der 22. L. W. Gleiwitz den Feind (100), erst am 1. Sept. 11. L. W. Oppeln, 23. Kattowitz bei Lipsko, 7. L. W., 17. Ers. Bat. bei Josefo, bis 9. verloren diese Teile nebst 21. Ers. immer nur noch 230. Sobald aber 4. schlesische L. W. D. in Eilmarsch die Tarnawkahügel erreichte und sich an ihrer eisernen Ruhe die Feindeswogen brachen, opferte sich 51. L. W. Öls zur Rettung der österreichischen Waffenbrüder. (Verl. 1870, auch III/11. allein 500). Stegemann spricht von dreitägigem Standhalten der Posener L. W., was doppelt falsch; diese verlor nur 780 bei Rückzugdeckung, die Schlesier wiesen bis 18. dem Verfolger die Tür und verloren 5700! Dabei 1500 von 4 Ers. Batl., deren General fiel. Auf dem Abmarsch über Janow seit 11. verloren die Posener nur 37!. Stegemann sollte sich weniger auf Malerei verlassen, rote Sonnenuntergänge und vibrierende Sommerhitze! Ernste Kriegsforschung ist keine Schlachtdichtung nach bekanntem Vorbild, wir verzichten auf unsere eigene Spezialität, um nur auf strenge Genauigkeit zu sehen. Der Pogrom echtrussischer Leute gegen die deutsche Kultur häufte zwar einen Berg von Schandtaten, erhöhte damit aber nur die rachedurstige Erbitterung der Vaterlandsverteidiger. Ostpreußischer Landsturm trat den ersten Kosakenhorden entgegen, die als Herolde der Wilna-Armee Rennenkampf die Grenze überschritten. 11 K., 6 Res., 9 Kav. D., 2 Schützenbrigaden warf der Friedenszar auf Ostpreußen, die besten Truppen des Reiches, schon im Frieden auf Kriegsfuß. Das Westpreußische 17. Allensteiner 20. K. vollendeten noch nicht den Aufmarsch. Doch abschnittweise Verteidigung des 1. K. genügte vorerst, nach Norden gedeckt durch das Sumpfgebiet der Masurischen Seen, Teiche, Tümpel, unabsehbares Gewirr von Geländewellen. 44er und 49. L. W. hielten den Feind vor Lyck auf. Littauer Dragoner südwestlich von Johannisburg. Die angedrohte Reiterüberschwemmung verbrandete kläglich, unsere 1. Kav. D. leerte manchen Sattel. Am 17. Gefecht bei Stallupönen–Mehlkehmen, wo die Insterburger 33. Füs., 3. Königsberger Grenadiere, 43. Pillau, 41. Memel, 4. Rastenburg, 1. Art. zusammen 784 verloren, I/III/44. Goldap, I/III/45., III/33. am 14. und seit Beginn der Feindseligkeiten 513. General Francois handelte überkühn mit nur 3 Brigaden so nahe der Grenze gegen 3 russische Divisionen. Am Nordflügel mußte 1. Brig. zurückgehen und 7 Geschütze stehen lassen; am Südflügel zersprengten aber 2., 4. Brig. derart die 27. r. D., daß sie 6600 verlor; 105. Rgt. ganz vernichtet. Gegen die Vorhut der Warschauer Armee brauchten 18. Rgt. Osterode, 59. Soldau des 20. K., 147., am 16. noch bei Bialla, kaum zu decken (136). Gegen Res. A. Grodno, die erst spät anfaßte, deckten 1. R. K. Below, 3. R. D. Morgen bei Goldap, wo schon 1. Fuß Art. Lötzen, 37. Art. Insterburg und L. W. Batterien 1. K. feuerten. Das hinter der Angerapp gesammelte 17. K. Mackensen nahm die langsam weichende 2. D. auf (237, meist 5. Danzig, 175. Graudenz). 10. Dragoner Allenstein, 11. Lyck des 20. K. im Süden hatten diesseits der Seeplatte mit russischer Kavallerie zu tun, nachdem sie am 14. bis Janow über die russische Grenze streiften. 4., 9., 10. Jäger zu Pferd scharmützelten im Norden nebst 1. R. Drag, bei Goldap (46). Die 1. D. ging von Stallupönen nicht »nach Gumbinnen«, sondern Mallwischken, weit nördlich davon, zurück, Mackensen nahm am 20. früh Stellung bei Walterkehmen. Prittwitz, Kommandierender 8. A., zog auch 2. D. über die Pissa vor, wo unsere schwache Reiterei der erlesenen Petersburger Garde brav Trotz bot. Die Unbehilflichkeit der Russen, sich relativ wenig von den Zeiten Soltykows unterscheidend, lud freilich zu Angriffsverfahren ein, doch Doppelaufstellung beiderseitig der Pissa kann man gewiß nicht empfehlen. Man ging im altpreußischen Stil, wie einst bei Groß-Jägerndorf, den Barbaren zu Leibe, doch Abzug des 1. K. Francois hätte bedenklich werden können. Er ist daher nicht auf Gumbinnen, sondern exzentrisch auf Insterburg erfolgt, wie die spätere Verladung bei Eylau lehrt. Auch Mackensen ging nicht südlich auf Goldap zurück, sondern teilweise westlich auf die Alle; sein 21. Rgt. stand später am 30. bei Allenburg. Auf der 200  km langen Grenze zwischen Ostsee und Lyck klaffte eine Lücke Tilsit–Angerburg, hier kamen 14 Div. Rennenkampfs herein, die jedoch im Treffen bei Gumbinnen–Lyck wenig erreichten. Francois' wackere Ostpreußen schlugen sich heroisch für ihre Heimat, das 1. K. betrat hier seine lange Ruhmeslaufbahn im Weltkrieg. Wieder zeichnete 2. D. sich besonders aus, 33er voraus, die Russen lieferten 4000 Gefangene, 10 Geschütze aus, 1. D. Conta focht minder glücklich, doch blieb auch hier der Enderfolg gut. 11 Batl. der »Reserve Königsberg« und 2. L. W. Brig. bei Krupischken leisteten wenig auf der Flanke. 1. Grenadiere zeigten sich als eine Nummer Eins, opferten bei Brakupönen 600 auf nur 9 Off., I/III/3. nur 380 auf 11, 4. Rgt. nur 400 auf 15. Die Insterburger Füsiliere, ein 4. Ers. Batl. bei sich, hielten lange Mallwischken und Ederkehmen (8, 450, ihr Oberst fiel), unterstützt von I/III/45. (9, 450), 41. (5, 350). Der Kampf zog sich längs der Bahn Insterburg–Tilsit rechts und links von Mallwischken nordwärts hin, dieser Abschnitt raubte den Russen unzählige Kämpfer. 1., 16. Art. schossen mit furchtbarer Wirkung; erst abends wich man vor wachsender Übermacht. Die Westpreußen brachte Mackensen erst nach 25  km Vormarsch in genügende Stellungen, 35. D. griff verspätet an, erlitt durch die verschanzte 40. r. D. viel Verluste und geriet zuletzt in Panik. Doch befanden sich auch r. 3. K. und 29. D. in Auflösung; 40. D. floh, während im Norden 28. D. allein 7000 verlor, von unserer 2. D. überrannt. Da wir 100 Geschütze mehr als der Feind im Feuer hatten, so trübt nur Mackensens ungeschickte Fechtart die Siegesaussicht, so daß Besorgnis vor der Narewarmee Prittwitz zum Rückzug bestimmte. Inzwischen feuerten 36. Art. Danzig, 72. Stargard (letztere nur mit 2 Batt.) standhaft bei Walterkehmen; schwer und stehend war der Infanteriekampf der 36. D., nur beim 129. vor Sodehnen (auch mit Ers. Batl.), verlor 570, doch der 35. D. 141. gar 8 Hauptleute, 19 Leutnants, 1150. Mackensens übrige Teile, wie 128. bei Grünwaitschen, litten wenig, zum Teil (5., 176.) sehr wenig, die Rechte blieb versagt. Doch opferte die hierher verschlagene 3. Komp. 20. Pioniere allein 4, 60, auch 17. P. 53, 36. Art. 83. Die 1. Kav. D. hieb sich auf der Nordflanke mit der ganzen russischen Reitermasse erfolgreich herum und kehrte, als man für ihren Verbleib fürchtete, mit Trophäen und Gefangenen heim. Besonders 12. Ul., 9. Jg. z. Pf. Als des Zaren Gardedragoner und Leibkosakenbrigade am Bahndamm anritten, fanden sie ein unseliges Ende, zwei junge Großfürsten mit ihnen. Im Platzregen von Granaten bewahrten aber leider die Westpreußen nicht volle Ruhe. Inzwischen wurden nördlich Goldap 1., 36. R. D. schon am 19. angegriffen, III/2. R. bei Tautschillen, 3., 5., 21. R. und beigegebene 54. Pommersche Inf. bei Gaweiten hatten es ziemlich leicht. 1. Fuß, 2. R. Art. entfernten den Feind, 1., 3. R. Drag. (2. verloren 3 Off.). Gardelandwehrschwadron Königsberg (43), Ers. Kav. 2. R. K., als man infolge drohender Umfassung allmählich abzog, hielten noch am 21. Insterburg. Die Russen folgten hier meist dem Beispiel ihres 119. Rgts. zu offener Feldflucht. General Otto Below erwies sich schon beim ersten Auftreten als umsichtig, er behielt 3. R. D. Morgen frisch im Rückhalt als rechte Flankendeckung und schlug besonders 30. r. D. aufs Haupt. Mackensens unglücklicher Anfang ließ spätere Lorbeeren nicht voraussehen. Daß er aber 200 Off., 8000 Mann verloren habe, halten wir für krasse Übertreibung und Verwirrung, indem dabei spätere Kämpfe und vorläufige Versprengte mitgerechnet. Damalige Verlustlisten, bei denen nur die des 141. solchem Maßstab entspricht, belegen derart das Gegenteil, daß wir die Ziffer für Verwechselung mit dem deutschen Gesamtverlust halten. Die Gefechtsverhältnisse zeigen, daß die Westpreußen unmöglich so litten, wenn die Ostpreußen laut Reichsarchiv nur 3000 verloren. Belows Einbuße kann nur gering gewesen sein. Taktisch verlief das ungleiche Treffen so günstig, daß die Deutschen 8500 Gef., 25 eroberte Gesch. mitnahmen. Die Russen fielen zu Tausenden. Ihr Blutverlust seit Anfang August betrug schwerlich unter 25 000. Nach unserem Dafürhalten ist ganz unmöglich, daß wir in diesem Treffen, wo der Feind nur etwa 10 D. entfaltete, »14 500« verloren hätten. Allerdings war sogar das Gefecht der 2. L. W. Brig. am Eichwalder Forst so heftig, daß von ihren 2 verwendeten Bataillonen II/4. L. W. allein 13, 219 verlor. Nach den Listen, wobei wir die Ersatzbatl. der »Königsberger Reserve« bei den betreffenden Regimentern mitrechnen, erhalten wir die Summe 8000. Das 1. K. verlor im ganzen 3200, 17. K. 3500, die Goldapgruppe 720, die Kavallerie ungefähr 230. Zwei der Bespannung beraubte Batterien Mackensens blieben leider liegen. Die Barbaren erhoben darob ein lautes Siegesgeheul, auch prahlten sie: »In Tilsit machten wir große Beute«, wohl von Tilsiter Käse, jedenfalls stanken ihre Greuel gen Himmel. Nur auf Berennung von Königsberg bedacht, wälzten sie sich äußerst träge auf die Angerapp heran. Schon marschierten 65. Brig. Graudenz, 76. Marienburg südwestlich ab, der Vorsatz bestand, bis hinter die Weichsel zu weichen. Denn nun brach auch die Warschauarmee Samsonow von Mlawa herein. Hinter ihr bei Warschau und am Bobr sammelte General Besobresow sein Gardekorps und 3½ andere Divisionen, sowie 3½ Kav. D. (dabei Kaukasier und Turkestaner) zum Schutz der Festungssperren. Übrigens befand sich außerdem 3. Garde D. beim 23. K. Samsonows noch westlich Mlawa, 1. K. sollte bei Soldau als Deckung gegen Thorn stehen bleiben, 6. K. bei Ortelsburg. 15. K. und seitwärts 13. K. wandten sich vorn gegen gute Stellung des Generals Scholz, der neben sich 6. L. W. Brig. (34., 49.) und 3. R. D. anreihte, doch von ihnen keinen Gebrauch machte. Auf Straße Soldau–Ortelsburg gab es Nachhutgefechte, besonders am 23. bei Orlau, wo 1. Jg., fünf Komp. von 18., 147. fochten, und bei Mühlen, wo vom 150. abnorm 12 Off. auf nur 55 Gemeine bluteten. Sechs L. W. Schwadronen des 17., 20. Korpsbezirks mußten von Mlawa auf Gilgenburg zurück. Im ganzen kostete das Aufhalten der Russen hier nur 375 inkl. Pioniere und 75 Art. Wieso wir »1500« verloren, ist aus den Listen unerfindlich; da müssen Verluste der 37. D. in der Hauptschlacht mitgezählt worden sein. Die Russen verloren freilich 4000 (eine Brigade allein 2900), die Ostpreußen fochten herrlich; es fügte sich, daß die Yorkjäger die Fahne des Rgts. Diebitsch erbeuteten. Wir geben diese Einzelheiten, weil sie belegen, daß sich ein Überlegenheitsgefühl bei den Preußen bilden mußte, das nur eines Feldherrn bedurfte, um zu freudiger Sieghaftigkeit entflammt zu werden. Ohne dies wären die folgenden Großtaten kaum möglich gewesen. Zweifellos spürte man schon russischerseits die taktische und moralische Überlegenheit des Deutschen. Man stand bei Grünwaitschen, südöstlich Gumbinnen, doch selbst Marschkreuzung mit dem Reservekorps Below, das eben nicht gedrängt wurde, wie die V. L. zeigen, störte nicht Mackensens ungefährdeten Abzug. Daß er als Zentrum stehenbleibend beide Flügel deckte, durfte er nur gegen russische Ungeschicklichkeit wagen. Und nun durchzuckte bald die ganze 8. A. die Ahnung, daß nach Verabschiedung von Prittwitz ein ungeahntes Feldherrngenie an die Spitze trat. Auf der Fahrt von Hannover nach dem Kriegsschauplatz besprach der neuernannte Befehlshaber General a. D. Hindenburg mit seinem Stabschef Ludendorff seinen alten lebenslangen Lieblingsplan, wie man die Russen an der Seeplatte einfangen könne, beide schlugen im Eisenbahnkupee bereits die größte Vernichtungsschlacht der Geschichte. Hört man Stegemann u. a. gewisse Autoren, so hätte Hindenburg nur Kavallerie gegen Rennenkampf belassen, höchstens noch eine Gruppe im Westen an Deime und Pregel. Dann wäre der Russe prügelnswert, Hindenburg aber leichtfertig gewesen. Man verstehe Napoleons Satz: »Seine Basis opfern ist die Tat eines Verrückten, manchmal eines Genies«. Die Basis der 8. A. war ursprünglich Preußisch-Eylau im Norden, diese und den Weg nach Danzig öffnete man dem Feind, indem man sich südlich nach Thorn verlegte. Doch überschritt man nicht die wahre Theorie der inneren Linie, indem man die 1. russische Armee ganz unbeachtet ließ, sondern man wob gegen sie einen weiten Nachhutschleier, ehe man sich vereint auf die 2. A. Samsonows warf. Wir finden daher überall noch Posten zwischen Lyck bis Gerdauen. Mit Bestimmtheit sind außer L. W. und L. St. mehrere aktive Bataillone zu ermitteln, wahrscheinlich noch andere, die für »Tannenberg« keinen Verlust angaben und dort gewiß nicht unberührt geblieben wären, falls anwesend. Außerdem vielleicht eine Brigade 11. K., deren Spitze schon Ende August eintraf. Man nahm den Grundsatz, das letzte Bataillon zur Schlacht zu holen, nicht wörtlich, sondern beschäftigte Rennenkampf genügend für die paar Tage Frist, die man brauchte. Auch verleitete die dringliche Befristung der Zeit nicht zu exzentrischen Anmärschen von Fleck aus, sondern mit Ausnahme der kleinen Thorn-Gruppe Mülmann (2., 9. L. W.) gruppierte man zuerst das Heer vereint auf inneren Radius. Ludendorff handhabte Umfassung eher im Sinn Napoleons als Moltkes. 20. K. ging erst spät am 25. auf Tannenberg–Gilgenburg zurück und zog links die 3. R. D., an sich, der Feind merkte nichts davon, daß das 1. K., nach langer Bahnfahrt ausgeladen, im Süden beidseitig der Bahn Eylau-Soldau aufmarschierte. Oberst Egly u. a. irren, daß der Feind erst am 26. Hohenstein erreichte und 20. K. nur schwach angegriffen wurde, an diesem Tag fädelte die Entscheidung sich schon ein. Nicht nur im Norden, wo Mackensen östlich Seeburg und Below bei Wartenburg den Tanz eröffneten. Letzterer setzte später den Marsch bis Allenstein fort, ohne den Westpreußen auf Ortelsburg zu folgen. Diese marschierten 40–60  km am 25. in Richtung Bischofsburg, wo das r. 6. K. nebst 4. Kav. D. getrennt vom Gros dem 2. K. Rennenkampfs bei Angerburg die Hand reichen wollte. Die Russen marschierten aber überall langsam und verloren so zwei kostbare Tage. Scholz war angewiesen, in der Mitte »bis zum letzten Mann zu halten«, 70. L. W. Br. und Festungsbrigade Graudenz im Norden, im Süden 1. Grenadiere des 1. K. als zuerst ausgeladene Spitze des 1. K. sollten ihn dabei unterstützen. An Below wurde die 6. L. W. Brig. überwiesen. Stöße aus Nordost ahnte Samsonow überhaupt nicht, nur südwestlich kundete sein 1. K. mit 93. Rgt. aus. Mißtrauische Befürchtung vor Anschlägen aus Thorn kam aber auch dort nicht späterer Überraschung zuvor. Zwei aufgefangene Funksprüche belehrten obendrein das deutsche Hauptquartier, daß vor 26. kein russischer Angriff erfolgen würde. Am 26. war zwar General Francois noch nicht zum Vorgehen bereit, erst 10 Batl., 2 Batterien ausgeladen, doch Hindenburg bestand auf sofortigem Eingreifen nach Usdau und verwarf langwierige Umgehung auf Tauersee. Nur Mülmanns schwache L. W. mit 5 Batterien stand nordwestlich Soldau, nachdem sie die 15. r. K. D. energisch aus Lautenburg vertrieb. Ein Moltkesches Einkreisungsmanöver lag ursprünglich nicht in Ludendorffs Absicht, vielmehr hielt sich 1. K. eher zu sehr links, um das 20. zu stützen. Erst am 29. erfüllte es die Aufgabe, rasch nach Neidenburg vorzudringen und so alle nördlich der Seenplatte steckenden Massen abzuschneiden. Offenbar war Einwirkung des 1. und 17. K. aus Süden und Norden ursprünglich nur als gewöhnliche Flankenbedrohung gedacht. Einkesselung schwebte nicht vor, denn schon gewöhnliche Flankierung schloß die Rückzugsstraße durch Kanonade, sobald man die in der Seeplatte verstrickte Masse ins Rollen brachte. Die Vermutung ist nicht abzuweisen, daß erst die Hilflosigkeit der russischen Führung später den Gedanken nahelegte, den infantristischen Druck bis Willenberg fortzusetzen, d. h. den Ring zu schließen. Jedenfalls hielt Hindenburg sich in Masse zusammen ohne Auseinanderspringen zu exzentrischen Umgehungen, weshalb auch die erst am 27. anlangende L. W. D. Goltz bei Hohenstein ins Zentrum kam. Wir betonen dies mit Entschiedenheit, damit man nicht »Tannenberg« für Moltkisch-Schlieffensches Cannäproblem in Anspruch nehme, als ob das historische Cannä irgendwie für moderne Verhältnisse paßte. Die 2. Narew-Armee – so hieß sie jetzt – rückte um 3 Tage zu spät los und verfuhr auch dann zu vorsichtig. Samsonow schob sein ganzes 1. K. südlich heraus, um sich gegen Thorn zu decken, wo ihm wahrscheinlich Anrücken des Mühlmanns gemeldet war, sein 6. K. nördlich gegen Bahnlinie Allenstein. Mit der Hauptmasse von drei Korps stürmte er sorglos durch die Seenplatte bei Neidenburg. So standen die Dinge am 25. abends, als die blitzschnellen Anordnungen Ludendorffs zu wirken begannen. 20. K. fiel auf Gardienen-Mühlen zurück, 1. R. K. faßte nördlich Allenstein Fuß, Front nach Süden, zur Linken bei Bischofstein gedeckt durch heranziehende Kolonnen 17. K. Nordwestlich gliederte sich später Div. Goltz an, nach Südost schloß 3. R. D. sich dem 20. K. an. Es war also dafür gesorgt, den Ausgang des Defilees zu stopfen, die Lage erinnert nicht an Cannä, sondern Hannibals Meisterschlacht am Trasimenischen See. Nach der neuen Weisheit (Schlichting) hatte die innere Linie jetzt schon jeden Vorteil verloren, weil die getrennten Russenheere auf wenige Tagemärsche einander nähergerückt waren. Das Beispiel Bonaparte bei Mantua sei veraltet und überholt wegen der Größe moderner Heere, die man nicht so leicht loslösen kann. Für gewöhnliche Feldherrn wie Benedek und Mac Mahon mag dies gelten, weil die innere Linie einen Meister fordert, aber dann auch einen Vollerfolg verbürgt. Hier wurde nun klar bewiesen, daß auch heut alles so gut möglich ist wie früher, wir stehen aber nicht an, diese Operation Hindenburg-Ludendorffs für die kühnste und deshalb genialste Anwendung der Inneren Linie zu erklären. Nicht grundlos nannte sich Napoleon »den kühnsten Mann im Krieg, der je gelebt«. Diese Kühnheit beruht aber auf sicherem Gefühle geistiger Überlegenheit unter genauer Berechnung der Möglichkeit, nichts hat sie gemein mit der hohlköpfigen Keckheit von Stümpern, die in die Falle gehen wie hier Samsonow, der mit barbarischem Übermut durch bloße Masse zu erdrücken hoffte, was sich ihm in den Weg stellte. Man bezüchtigte sogar nachher Rennenkampf des bewußten Verrats, als ob Deutschrussen allzeit nicht loyalste Russen gewesen wären. Doch die Unbegreiflichkeit löst sich in Wohlgefallen auf. Gewiß hätte er sich mehr anstrengen können, doch das ist nicht russische Art, er glaubte genug zu tun, wenn er den Feind aus Lyck wegdrückte und sich Mühe gab bei Labiau und Tapiau durchzudringen. Zwischen Tilsit und Lyck stand er groß da. Vielleicht fürchtete er Flankierung aus Westen, ging aber doch Anfang September bis Lötzen und Angerau vor. Den vollen Umfang des Tannenberg-Verderbens erfuhr er sicher erst spät. Auch Königsberg zog seine Sehnen mächtig an und seine Aufmerksamkeit nach der Küste ab. Für russische Marschtechnik und Verpflegungsledderei war das schwierige Gelände schwer zu bewältigen und die Entfernung zwischen ihm und Samsonow nicht schnell zu verkleinern. Auf solche Schwerfälligkeit rechnete Ludendorff, doch zu solcher Entschlußfestigkeit, nicht achtend das Mißverhältnis der Kräfte, mußte eben dem Volk der Deutschen ein Könner beschert werden, der gleichsam über Nacht in die Reihe der allerersten Feldherrngenien trat. Es war ein großer Augenblick, als Ludendorff den Extrazug bestieg mit dem alten Herrn, der sonst in Bürgertracht in Hannover spazieren ging und dabei von taktischer Ausnutzung seiner ostpreußischen Heimat träumte. Das Dampfroß führte ihn ihr zu, trotzdem der kaiserliche Mund cäsarisch sprach: Für Hindenburg keine Verwendung! Dem Kronprinzen verdankt man diese Ernennung, auf die er fest bestand, nicht das geringste seiner vielen Verdienste, es soll ihm nicht vergessen werden. Wenn Ludendorff heut als treibende Seele aller Operationen erkannt wird, die Hindenburgs Namen trugen, und zwar in weiterem Sinn als einst Gneisenau, der ohne Blüchers dämonische Persönlichkeit nichts vermocht hätte, so gehört ein Bedeutender dazu, für geniale Ratschläge die Verantwortlichkeit zu übernehmen. So lange Deutschland solche Helden erzeugt, deren Mut desto heller strahlt, je düsterer die Gefahr, und die auf einen Schlag die Heimat retten, so lange »lieb Vaterland, magst ruhig sein« selbst in deiner tiefsten Erniedrigung. II. Tannenberg Wie oben berührt, ist unrichtig, daß die nördlich der Pregel hausende Moskowiterei sich überhaupt nicht rührte. Sie vermochte einfach an der Deime bei Wehlau nicht durchzudringen; besonders bei Labiau überbrückten Leichenberge lange nicht den Pregel-Fluß statt der gesprengten Bahnbrücke; beim Bau einer Holzbrücke blies deutsches Feuer die Barbaren zu Hunderten fort. Der Geschützkampf auf der Königsberger Straße war freilich sehr heftig, denn 52. Art. ließ hier 4 Off. 108 Mann bluten, während Teile 1., 3. R. Ar., sowie 1. R. Fuß Ar. bei Tapiau donnerten, 3. R. Ar. verlor nicht weniger als 14 Off., 110, nur eine Batterie von ihr wirkte bei Tannenberg. Auffälligerweise bieten 3., 43. Inf. keine Ortsdaten, aus später Verlustliste erhellt jedoch, daß Teile von ihnen vermutlich im Norden, nahe Gumbinnen, blieben. Offenbar verhielt es sich so, daß 1. K., dessen Verladung nicht ungestört blieb, und 17. K., das dauernd das r. 2. K. im Rücken hatte, allerlei kleine Nachhuten zurückließen. Aber auch im Osten behauptete man erstaunlicherweise noch vorgeschobene Posten südlich Gumbinnen und Goldap, wo 71. Art. feuerte nebst 2 L. W. Batterien 20. K. bei Kruglanken, 4. J. z. Pf. plänkelten südlich Rominten, 5. Kür. bei Insterburg, 1. R. Jäger noch am 30. bei Wutrinen. Übrigens fochten anscheinend II/21., I/II/141. und 2. I. bei Tannenberg nicht mit, ebensowenig 128. Danzig, daß sie dort in Reserveverhältnissen blieben, ist kaum anzunehmen. Ihre Verlustlosigkeit weist eher darauf hin, daß sie irgendwo nach Norden als Rückendeckung verblieben. Jedenfalls fochten bestimmt Teile vom I/II/33. bei Lötzen (206), III/141. bei Kabulla (200), Ersatzbat. 44 noch am 1. Sept. bei Labiau (130). Daß an der Deime nur die »Königsberger Reserve« stand, ist unglaubhaft. Jedenfalls war ihren 9 Ersatzbatterien von 1., 52. Art. ein Teil 52. Feldart, beigegeben, da ihr Verlust zu groß ist. Auch erlitt die r. 1. G. K. D. am 25. bei Friedland so große Einbuße, daß man sich nur Anwesenheit erheblicher Verteidigungskräfte an den Alle-Übergängen vorstellen kann. Übrigens war Rennenkampf an die Weisungen des Höchstkommandierenden der Nordwestfront, General Schiliaski in Warschau, gebunden und diese waren noch am 28. »wenig dringlich«, heischten am 29. nur Vorwerfen von Reiterei. Dies befolgte Rennenkampf pünktlich. Im Westen ritten 2., 3. K. D., deren Befehlshaber Belgard fiel, am 30., 31. gegen L. St. erfolglos an, während 1. K. D. Gurko bis nahe an Allenstein plänkelte. Möglichenfalls beruht Angabe des »Reichsarchivs«, daß dem 17. K. 7000 Infanterie fehlten, auf Verwechselung und nicht wegen Verlust bei Gumbinnen, sondern wegen Rückbelassung von Kräften gegenüber Rennenkampf. Gleiches gilt für Fehlen von 2000 bei Below, der bei Gumbinnen so mäßig litt. L. St. Allenstein blieb bei Tapiau bis 30., L. St. Bartenstein bei Friedland, wohin man von Gumbinnen-Nordenberg langsam zurückfiel. Der Druck der ins erste Treffen nachfüllenden Reservearmee Grodno über Lyck ließ bald nach, nachdem I/21 R. Graudenz bei Gerdauen ein Nachhutgefecht hatte (9, 160); 5., 21. R. rückten über Angerburg ab, wo sie Ers. 147., 148. trafen, während ihr Korps schon am 28. in Allenstein sein Hauptquartier hatte. 44. Ers. Goldap blieb bis Monatsschluß nahe Gumbinnen (90), 2. R. Jg. südlich Darkehmen, L. St. Darkehmen bei Laukischken, 24. L. W. Prenzlau rückte auf Friedrichsberg ab, 4. L. W. Tilsit bis Anfang September focht nebst Ers. Tilsit und L. St. nordwärts. Bei Friedland machte die verfolgende russische Reiterei halt, hier trafen wohl irgendwo 10. Komp. des Bataillons Aroldsen von 83. Kassel und etwas von 94. Weimar ein, die in den letzten Augusttagen 33 Mann verloren, wohl schwerlich noch vor Namur, also schon hier verladen als Spitze des anrollenden Thüringer Korps. Summa Summarum etwa 1200 inkl. Offiziere, der Feind verlor mindestens 4000. Er überschritt zuletzt Deime, Pregel, Alle, drückte bei Lötzen und befand sich am 28. nur noch 70  km vom Schlachtfeld, beabsichtigte Marsch auf Allenstein und Bartenstein. Unsre 1. Kav. D. wich allmählich bis Rössel östlich von Bischofstein. Es besteht also kein Zweifel, daß ohne die »affenartige Geschwindigkeit der Preußen« wie die Wiener Blätter 1866 so ergötzlich schrieben, und den teils zu langsamen teils überstürzten Vormarsch Sansonows durch die Seeplatte die beiden Russenheere am 30. sich vereint hätten, bis wohin freilich alles schon vorüber war. Unsere obigen Einzelheiten schienen um so sicherer, als bei Tannenberg bestimmt dem 1. K. und den Reservedivisionen bedeutende Artillerieteile fehlten. Auch blieb am 28. die 6. L. W. Brig. südlich Bischofstein als Rückenschutz zurück; in Nordwesten bei Braunsberg erschienen zwei Danziger Ers. Bat. neben dem L. St. als Bahnschutz für die aus Aachen heranrollenden Verstärkungen, um die nicht Ludendorff bat, sondern sie für unnötig hielt, falls sie in Frankreich gebraucht würden. Wiederum spielte hier Österreichs unheilvoller Einfluß mit, da Konrad v. Hötzendorff durchaus deutsche Offensive auf Warschau zur Entlastung verlangte. Schon Woyrsch' Entsendung zu Dankl war ein österreichischem Interesse gebrachtes Opfer; stand es Hindenburg zur Verfügung, so wären bei Tannenberg nicht mal Teile Samsonows entkommen. Diese Schlacht lief nicht so glatt von statten, wie man glaubt, litt unter vielfachen Reibungen. Nicht deren geringste war die Sorge um Rennenkampfs Vorrücken, sodaß am 29. bei Entwirrung der bei Hohenstein angehäuften Massen Ludendorff 2 Divisionen gegen Norden ausscheiden und in Linie Waplitz–Allenstein auch mit Mackensen eine rückwärts gedachte Front bilden wollte, daß man davon Abstand nahm und sogar eine Brigade der 1. K. D. zur Verfolgung über Ortelsburg einsetzte, ermöglichten nur besonders günstige Verhältnisse der Schlußentwicklung. Indem Rennenkampf Königsberg einschloß und seine neuen Reserven einschob, lag er nicht so gemächlich im Quartier bei Insterburg. Außerdem vertrieb er sich die Zeit mit Landverwüsten und Berauschen in Greultaten, deren übrigens auch Samsonows liebe Leute in Allenstein sich erfrechten. Selten folgte die göttliche Rache so schnell auf dem Fuße. Am 24., 25. wich zwar die deutsche Mitte auf Tannenberg-Hohenstein, doch schon am 26., als der Feind in Allenstein einzurichten und dort sein Hauptquartier aufzuschlagen gedachte, begannen die gefährlichen Flügelangriffe. Sein 6. K. schlenderte sorglos an Bischofsburg vorbei, als sich Below in seine linke, Mackensen in seine rechte Flanke stürzte. 21., 61. R. der 36. R. D. und besonders die Bromberg-Gnesener 6. L. W. Br. zerschlugen die r. 4. D. bei Bössau, die Artillerie der 36. D. zwischen Lautern und Koellen erschütterte, die r. 16. D., der Feind wich mit Verlust von 5500 und 30 Gesch. bis südlich Bischofsburg. 35. D. blieb übermüdet zurück, Verfolgung am 27. erreichte nachts Passenheim. Samsonow in Neidenburg erfuhr nichts vom Rückzug bis Ortelsburg, ebenso wenig die Nachbarkorps. Am 28. erzwang Below südwestliches Abschwenken Mackensens auf Allenstein, der sich aber nun vors 1. R. K. setzte, das auf schlechten Sandwegen wenig vorwärts kam. Äußerst ungehalten über Mackensen, verwies Hindenburg ihn scharf nach Süden, »Verfolgung bis zum letzten Atemzug, vorwärts!« Trotz zuversichtlicher Meldung Ludendorffs abends an die O. H. L. kam es noch zu anderen Reibungen, darunter grundlose Trainpanik östlich Tannenberg, die den Kraftwagen Hindenburgs zur Umkehr zwang, wurde die Hoffnung auf Abschneidung des r. 13., 15. K. sehr herabgestimmt, denn die Wegenge bei Kurken vor den nördlichen Seen war von Below noch nicht erreicht, daher Durchschlupf nach Nordosten offengeblieben. Doch setzte Mackensen am 29. den Vormarsch weiter fort, indem er mit 36. D. südwärts (5. Husaren schon bei Kaltenborn), mit 35. D. westlich einschwenkte, davon 21. Rgt. bis Kammwiesen drang. Die Kämpfe waren hier überall gering, die Marschleistung groß. Das r. 6. K. fiel durch diese Hetze derart auseinander, daß eine Brigade nur noch 800 zählte. 176. Westpreußen erkämpften Ortelsburg, am 30. wies es heftigen Angriff ab, unterstützt von 10 Jg. z. Pf. des l. K. Denn man war jetzt in der Lauflinie dem 1. K. bei Neidenburg gegenüber, zur Rechten aber Below dicht nahegerückt. Hiermit war die russische Rechte erledigt. Bei Debrong durchbrochen, auf Ortelsburg geworfen, bis Willenberg abgesplittert! III/61. begrüßte bei Sauerbaum III/59. R. Belows Linke schwenkte mit Mackensen gegen die bloßgelegte rechte Russenflanke ein, deren linke Mitte schon am 24. bei Waplitz südöstlich Hohenstein das langsam weichende 148. verfolgte. Das r. 15. K. (6., 8. D.) und 2. D. des 23. K. gingen am 26. in die Gegend des Kowatkensees bis Jankowitz-Gardienen vor. Dortigen Gegenstoß Scholtz' begünstigte eine breite Lücke zum r. 1. K. (22., 24. D.) bei Usdau. Die 41. D. warf die 2. r. gänzlich über den Haufen, sie südlich des Mühlensees in der Flanke fassend unter Mitwirkung der 37. D. Staabs, das r. 7. Rgt. um 2800 Mann lichtend. Nördlich Mühlen, wo 70. L. W. Br. wachte, geschah wenig. 3. R. D. Morgen erreichte noch nicht Hohenstein trotz gemessenen Befehls des Oberkommandos. Verdruß darüber hat aber nichts zu sagen, denn etwaige Teilniederlage des 15. r. K., hinter dem 13. K. (1., 36. D.) erst aufrückte, hätte wenig bedeutet und vielleicht weiteren Vormarsch Samsonows verzögert, während alles daran lag, ihn ins Seengewirr hineinzulocken. Übrigens grub sich auch südlich Hohenstein die Reserve Graudenz, 6 Ers. Bat. 4 Batterien unter General Unger ein. Die zum 20. K. abgezweigte 18. L. W. Marienwerder war schon seit 23. bei Muschken-Neidenburg am Feinde, sie und 5. L. W. Graudenz fingen später den dort weitergehenden Stoß des 15. r. K. bei Hohenstein in der Flanke auf, während damals Belows Rechte mit 1., 18., II/III/5. R., ferner Morgens II/III/2. R. bei Sophienthal von Allenstein vorgingen. Das Gefecht wurde am 27. dort stehend, später reihten sich auch Goltz' Holsteiner L. W. Regimenter ein. 146., I/II/18. des Allensteiner Korps auf Usdau südöstlich Gilgenburg schlossen sich dem 1. K. an, das seinerseits das 1. r. K. auf Seben-Koschlau südlich Gilgenburg zurückwarf. Was am 25. bei Lautenburg nordwestlich Soldau die 2., 9. L. W. Stralsund-Stargard geängstigt hatte, wich jetzt vor 19. L. W. der Thorner Kolonne zurück. Schon zeigte sich 1. Regt. bei Usdau, wich aber aus und zog den Feind sich nach. Am 26. griff vornehmlich Contas 41. ein, Major Arnold fiel, Falks 44. bei Heinrichsdorf am Großtauersee. Am 27. entriß Conta das hochgelegene brennende Usdau dem 85. r. Rgt., erschüttert räumte die 24. D. alle Stellungen, am Südflügel trat aber Rückschlag ein, 2. D. und 8. L. W. Brig. mußten vor 3. G. D. und 1. Schützenbrigade zurückgehen. Wenn Rennenkampf den fälschlichen Vorwurf auf sich lud, er habe aus Rivalitätsneid seinen Kollegen im Stich gelassen, so machte sich bei Samsonows hochtrabender Zuversicht jene seelische Schwankung bemerkbar, die sich bei unklaren Köpfen in unsicherer Lage einzustellen pflegt. Einerseits trieb er sein 13. K trotz der bereits eingetretenen Niederlage des 6. K. (verlor 3000 Gefangene, 36 Gesch.) nach Allenstein vor, andererseits soll schon damals die meiste Heereskavallerie bis Mlawa über die Grenze ausgekniffen sein. Oberst Egli »Zwei Jahre Weltkrieg« irrt nun zwar: »Die beiden (?) Korps des russischen linken Flügels waren über die Grenze und blieben im weiteren Verlauf ebenso untätig wie die bei Mlawa stehende Kavalleriemasse.« Vielmehr gingen alle nach Süden Gewichenen später wieder vor, allerdings schwächlich. Bei der russischen Hilflosigkeit darf man nicht vergessen, daß sich ihnen die Empfindung ihrer taktischen Minderwertigkeit bald aufdrängte. Immerhin hätte Samsonow sich stets bei Neidenburg aufhalten und dort Flankenschutz organisieren sollen oder er mußte nach so früher Zersprengung seiner Rechten rechtzeitig Kräfte nach Ortelsburg herüberziehen, um Mackensen abzuschütteln. So blieb auch eine gewisse Möglichkeit, unter Opferung der Vorderkorps sich nach Mlawa zu retten. Er aber trieb sich im Zentrum herum, nur auf Durchbruch erpicht. Er setzte dies noch fort, als Abdrängen seiner Linken nach Südosten ihn der letzten Möglichkeit beraubte, die strategisch längst verlorene Schlacht noch zu halbwegs leidlichem Ende zu führen, d. h. zu auflösender Niederlage, aber nicht zu völliger Vernichtung. Er wählte das letztere. Sein 13., 15., 23. K. zwischen Gilgenburg und Hohenstein staken teils noch im Wassergewirr der Seen und Sümpfe, teils hatten sie es im Rücken, für Rückzug noch verhängnisvoller. Sie strebten verzweifelt sich nach vorn zu entwickeln, doch 37. D. bei Mühlen, 41. bei Gardienen, Morgen und L. W. bei Tannenberg setzten undurchdringliche Schrauben entgegen, ihre Artillerie zermalmte die russischen Sturm- wie Marschsäulen. Umsonst rannten die Moskowiter bis 29. an, je mehr sie ihre Marschkolonnen aus dem Labyrinth vorbrachten. Es sollte nicht sein. Nachdem die Flanken rechts und links in die Brüche gingen, konnte auch gewaltsame Vorwärtsbewegung der Zertrümmerung nicht entgehen. Der Führer des 1. r. K., Atananow, später deshalb des Kommandos enthoben, benutzte nicht den Mißerfolg des deutschen Südflügels und wich über Soldau, wo die Flucht sich an den Brücken staute. Conta war in stetem Vorgehen begriffen, 6 Schwadronen zur Verfolgung versammelnd. Am 28. zog Francois 23 schwere und leichte Batterien gegen Soldau vor. Scholtz fand südlich des Mühlensees keinen Feind mehr, dagegen wurde der Durchbruchsversuch des 15., 13. r. K. nördlich davon bedenklich und griff von 70. L. W. Brig. und Abteilung Unger auf die vorrückende D. Morgen über. Scholtz benahm sich hier unvorsichtig und stellte den von Hindenburg befohlenen Flankenstoß auf Frankenau ein. Doch das r. 13. K. kam in Linie Hohenstein-Jablonken auch nicht vorwärts unterm Feuer der 70. L. W. Brig. Gleichwohl bestand Samsonow auf Fortführung der Offensive, wohl weil er die Njemenarmee in nahem Anmarsch wähnte, was wenigstens für 2. K. zutraf. Hierdurch winkte die Möglichkeit, 13., 15. und Teile 23. K. einzukreisen und zu vernichten. Zu diesem Behuf brach 41. D. auf Waplitz vor, erhielt aber eine scharfe Schlappe, besonders die tapfere Vorhut, das 59., dessen Oberst fiel. Die bereits empfindlich zugerichtete 2. r. D. und Garderegiment Kerholm hatten sich bis Frankenau gut eingegraben, die 41. D. verlor 13 Gesch. und angeblich 2400 (sehr übertrieben) und rettete sich vor Umfassung aus Süden nur durch II/152. und 33. Art., die standhaft aushielten. Nach verschiedenen Mißhelligkeiten zwischen dem O. K. und Scholtz kam just auch die Kunde, daß Morgen eigenmächtig zum Angriff schritt, der schon hier als ein Korpschef auftrat und auch die 37. D. in Anspruch nahm. Diese fiel aber vorerst zögernd aus und Morgen blieb auf die übrigen ihm unterstellten 22 Bataillone (Reserve, L. W., Festungstruppen Graudenz) beschränkt. Sie genügten indessen, das r. 13. K. bei Hohenstein völlig zu schlagen, indem zugleich 7 Batl. der L. W. D. Goltz aus Norden eingriffen, wobei der Oberst ihrer Bremenser fiel. Morgens Nachstoßen auf Paulsgut brachte viel Trophäen, seine Pommern erwischten in Hohenstein selber 2000 Gefangene. 1. r. K. war seit 27. flüchtig. Umsonst suchten dessen Überbleibsel und gesammelte Trümmer des 6. K. später von außen den Ring zu sprengen, anscheinend aufgenommen von Ersatzbrigaden der Narew- und Weichselfestungen, die man eiligst nach Mlawa verlud. Ost- und Westpreußen schlugen den Entsatzversuch glatt ab, sie reichten sich schon hinter Samsonow bei Willenburg die Hand. Seit 27. fiel der Hammer. 176. drang aus Ortolsburg vor, aus Osten bei Passenheim dröhnten Malkensens Kanonen über das fliehende 6. K. weg nach Westen. 5., 129. scheinen sich als Westkolonne bei Waplitz an Allensteiner Teile angehängt zu haben. Früher erstürmten Francois 1. und Scholtz 18. Rgt. gemeinsam Usdau, das altberühmte Rgt. Wiborg vernichtend, 16. (1. D.), 72. Art. (36. D.) brachten aus zwei Windrichtungen näherrückend ein grausames Vorfolgungsfeuer an, bei Neidenburg I/37. Im Zentrum drückte 41. D. in die Linke der russischen Mitte, ihr 15. K. schon in die Seenplatte hineinstoßend. 59., II/150. voraus, III/148. bei Gardienen, II/147. südlich Tannenberg, III/152. bei Skotau nördlich vom Tauersee, 1. Jg. rauften blutig bei Lindenberg. Bis 28. wurde der Feind immer mehr in den Seeknäuel hineingepreßt. 59., III/2. R. brachen früher zuerst in den rechten Teil des russischen Zentrums ein, I/3., II/III/21. R. bei Gardienen, jetzt kam auch 61. R. Danzig, 49. Gnesen, das ganze K. Below stürmte. Ursprünglich nach Südost gerichtet, bog es nach Nordost um und vermischte sich mit Div. Morgen in Linie Dorothewo. Hier fochten viele Verbände bunt durcheinander, 59. R. führte den Stoß weiter, wo 13. r. K. sich verknäuelt um Hohenstein zusammendrängte. Heftig wogte der Kampf südwestlich Lautenburg–Gilgenburg. Rückzug antreten war bisher leichter gesagt als getan, schon am 29. war für das vorgeprallte Zentrum der Untergang unvermeidlich, jeder Abmarsch durchs Seedefilee bedeutete Auflösung. Die deutsche Rechte sperrte den Rückzug, die telegraphisch herbeigerufene Warschauer Gardediv. warf sich dort, von Mlawa heraneilend, fruchtlos entgegen. Überall in der Flanke gepackt, nordöstlich abgedrängt und dort wieder zurückgehetzt, ergaben sich die Russen in den Waldungen nach teilweise wütender Gegenwehr. Umsonst sammelte Samsonow, persönlich tapfer und pflichttreu, was er erraffen konnte, um über Neidenburg Luft zu schaffen. Es war zu spät, 1. und 17. K. waren nord- und südwärts eingeschwenkt. Von Neiden- und Ortelsburg, Rücken an Rücken harrten sie gegen Süd- und Nordwest aus, während 20. K. schon am Maranser-, die drei Reservedivisionen am Plautziger- und Lask-See an die Ränder der großen Sumpfniederung herantraten und den Feind ins feuchte erstickende Grab stießen. Der unglückliche Feldherr suchte und fand den Tod, womit jede Leitung aufhörte und Verwirrung aufs höchste stieg. Kondratowitsch, Kommandeur des 23. K., gab die Straße Neidenburg–Willenburg frei im Abzug auf Janowo über die Grenze, 13. K. suchte sich über Jablonken, 15. K. über Muschaken, nordöstlich Neidenburg, zu entziehen, sein Kommandeur Martos benahm sich am entschlossensten unter allen Generalen. Auch er aber ahnte nicht, daß bei Willenburg der Ausgang versperrt. Schon bei Märken verfielen große Teile des 13. K. der Vernichtung durch Kreuzfeuer, 8000 ergaben sich Below, 1000 bei Kurkem. Sengende Hitze nach dickem Morgennebel der Sumpfgegend seit Schlachtbeginn erschöpfte aber die Truppen so sehr, daß auch 41. D. erst am 27. abends Orlau erreichte, wo sie mit der Linken Francois zusammenstieß. Teile beider Korps erreichten freilich Muschaken und sogar Willenburg, wobei 8. Ul., 10. Drag., 10. Jg. zu Pf. weit voraus. Doch nach 65  km Marsch seit 28. früh mußten die Truppen verschnaufen. Durchbruchsversuch aus Norden wurde bei Puchelowen von 1. Grenadieren, die sich besonders auszeichneten, gründlich abgewiesen. Etwa 7000 Gef., 6 Gesch. waren Francois Beute. Jetzt erschien aber schon Rennenkampfs Reitermasse bei Bischofheim, andere Teile und sein 4., 3., 20. K. bei Friedland, Heilsberg, Tapiau. Die 6. L. W. Brig. bei Lautern hatte bei Bössau schweren Verlust an Offizieren gehabt, 49. L. W. verlor allein 1 Oberst, 1 Major, 7 Hauptleute, 11 Leutnants bei nur 340 Gemeinen (Offizier- und Mannschaftsprozente wechselten oft), zu ihrer Kräftigung marschierten 70. L. W. Brig., 1. R. K., 37. D. bei Waplitz auf, doch erwies sich alles als leerer Schreckschuß. Nur 6. L. W. Brig. bekam die r. 1. K. D. zu sehen, wies sie aber ab, so daß man einen Teil ihres Verlustes der Abwehr gegen Rennenkampf beimessen darf. Die Entsatzversuche gegen Neidenburg am 30., 31. verpufften spurlos; Falks Batterien und die schwere Mühlmanns aus der Flanke verrichteten blutige Arbeit, der Russe ließ auch hier 1000 Gef. liegen. Im Süden schlug ein Häuflein L. W. bei Zielun die r. Reiterei ab. Das Schicksal der in Wald und Sumpf sich wundstoßenden, des Schießbedarfs und der Verpflegung beraubten allseits eingekeilten Massen vollzog sich am 30. abends. Was über Kaltenborn nach Südosten lief, ging der 35. D. ins Garn, wobei die Pommern des 21. Rgts. Borke 12 400 Gef., 60 Gesch. einheimsten. An der Willenburger Straße ergaben sich gar 17 000 mit 30 Gesch. allein dem III/45., weitere 11 000 mit 41 Gesch. der Allensteiner Abteilung Schmettau. Nur 1. Brig. (1., 41.) traf auf harten Widerstand bei Malgaofen. Aus den Verlust-Listen wird einiges anfangs dunkel, später klar. Die von Allenstein kommende Westkolonne Mackensens muß bald südwärts entsendet worden sein. Zur Rücken-Umklammerung genügte eine westpr. Div. und das K. Francois, dessen rühriger Chef unerbittlich weiter drängte. Von allen Seiten donnerten die deutschen Batterien, so 4./5./72 (41. D.) zuletzt von Kaltenborn, Ers. Batt. der 35. (Thorner L. W.) zuerst von Mühlen, 79. Art. (36. D.) von Wilhelmstal, 82. (35. D.) südlich Hohenstein, 1. R. von Darethen-Dorothewo, 3. R. von Neidenburg, 73. von Soldau, also verschob sich sogar 35. D. bis zum Südende. Mühlmanns L. W. focht sehr brav, 5. kämpfte sich nach Zielun in Südwesten durch, die tapfere Marienwerder folgte ihr (am 28. noch bei Mühlen) dorthin bis 30., ihr Kampf war blutig. Major Rudolf fiel, 5 Hauptleute sanken tot und verwundet. Zwei der 16. Art. zugeteilte Batterien der L. W. litten erheblich. Der Riegel schloß sich. 18. R. über Grünau, 59. über Tannenberg, II/2. R., I/3. R., 54. Pommersche Inf. (der 36. R. D. beigegeben) von Dorothewo III/76., II/84. L. W. Stade und Kiel frontal erstürmten Hohenstein. Lange dauerte bei Waplitz, wo III/59. (Major Schönberg verwundet) grimmig aufräumte, der Widerstand noch fort, dann fielen 146., I/II/151. (37. D.) in die Flanke, die russische Masse war nur noch ein Trümmerhaufen, der in die Sumpfflut herabrollte. Ehe man einen solchen Bären bemeistert, gibt es freilich noch manche Balgerei mit seinen Tatzen, ehe man sein Fell kriegt. Die Soldauer 59er litten am meisten, Oberst Sonntag fiel schon früher, Oberstleutnant Plaschke blutete, Major Bronsart v. Schellendorf übernahm das Kommando. Bei den 1. Jägern Ortelsburg fiel ihr Kommandeur Weigelt. Es war erhebend, daß diese Truppenteile jetzt nahe ihrer Heimat und Garnisonorten kämpften. Als die 20. L. W. Brig. Danzig vorging, war schon alles vorüber, sie verlor nur 2 Mann, ihre L. St. Batt. und zwei des 17. K. nur 9. Dagegen kam die L. W. Reiterei des 17. K. bei Paulsgut südlich von Hohenstein zum Einhauen, die des 20. K. bei Jakobstal und Pilgramsdorf, 3. R. Drag., 10., 11. Drag. fochten schon bei Waplitz und Jablonken. Am 31. trafen die 17. Sächsischen Ulanen, der aus Frankreich hierher entsandten 8. Kav. Div. bei Kaltenborn ein. Dort und bei Muschaken, Malgaofen, Wientzkowen warfen 1., 18., I/III/4., bei Diedrichsdorf und Adlersborn I/III/44. den letzten Widerstand nieder, wobei die Pommersche L. W. und 41., 45. nach Süden Front machten, während das 1. K. sonst nordwärts den Genickfang gab. Bei Willenberg–Kammwiesen konnte es schon dem I/21. Westpreußen und Allensteiner 147. die Hand schütteln, so eng schoben die Reihen sich ineinander. Hier focht auch III/33. bei Solucken. Am 31. sank General von Trotha an der Spitze der 1. Brig. tödlich getroffen, III/45. hatte noch Gefecht bei Großkoschken. Opfervoll wurden zersprengte Massen, die durchbrechen wollten, vom I/21. abgefangen in Riegelstellung Kammwiesen, der Major fiel, drei Hauptleute, dreizehn Leutnants bluteten. Auch mußten III/5., II/21. R., wo gleichfalls ein Major sank, noch am 30. in Hohenstein aus Kellern und sonstigen Schlupfwinkeln Abgeschnittene ausräuchern, die verbissen aus dem Hinterhalt schossen. Auch 3. Garde L. W. Schwadron und Mühlmanns 3. Schwere R. Reiter mögen bei Soldau noch manche versprengte Kolonne beigetrieben haben. Am 1. Sept. übersah man eine gewaltige Siegesbeute, bei Rauschwanden allein ergaben sich 25 000 Russen in den Wäldern nebst dem kommandierenden General und allen Geschützen eines Armeekorps. Wir legten fest, daß wahrscheinlich 9 Batl. West- und vielleicht 3 Batl. Ostpreußen nicht mitwirkten inkl. einiger Kompagnien von 3., 43., die aber sonst ihren großen Verlust gewiß bei Soldau hatten. Ersteres verlor in diesen Tagen 8 Hauptleute, 19 Leutnants, 750, letzteres 9, 500. Außer 41. (23, 610) litten alle anderen Teile 1. K. weniger, auch Artillerie sehr wenig, eine Batterie meldet 11 »bei Neidenburg«. Summa 3200. Das 20. K. hatte auch nur starken Verlust bei 1. Jägerbatl. (278), 150. (710) und vor allem II/III/59. und Ers. Batl. (2 Majore, 6 Hauptleute, 15 Leutnants, 1048), sonst auffallend wenig. Summa 3150. Bei 17. K. so geringer Verlust, daß es sich nur durch Abwesenheit vieler Teile erklären läßt. 129., 61., 175. zusammen 1045, nur 5. (590), 176. (500), I/21. (367) fochten stärker. Summa 2500. Bei den Reservetruppen 2. (470), 21. (8, 440), 3. (400), 54. Inf. (400), sonst wenig, Summa 2600. L. W. 18. (12, 500), 2., 9. (525), 34., 49. (500), 76., 84. (443), 5. (250), Art. 3, 84. Summa 2325. Sonstige Artillerie 108, Reiterei 165. Total 14 000. Laut »Reichsarchiv« gar nur 12 000, obschon allein 3600 für 41. D. gerechnet, ganz unverhältnismäßig. Bei den Korps haben wir Ungers Ers. Bat. einbegriffen. 400 Gefangene vom 59 Inf. wurden später befreit und nahmen mit aufgegriffenen russischen Gewehren sogleich den Kampf wieder auf. Nie wurde ein Riesenerfolg mit so geringen Opfern bezahlt. Auf den Flügeln gaben die Russen sich oft gefangen oder wurden in alle Winde zersprengt, nur vom 6. K. ließ sich etwas sammeln, was nachher zur Grodnoarmee stieß. 4., 2., 24. D. waren so gut wie vernichtet, ebenso 6. Kav. D. Zumeist zur 59. R. D. bei Mlawa entronnen nur Trümmer. Fürchterlicher ging es im Zentrum her, wo man sich nicht ergeben konnte, von den erbitterten und siegestrunkenen Deutschen in die Moore, Sümpfe und Seen hineingejagt. Unter dem zerschmetternden Kreuzfeuer unserer Batterien blieb den Umstellten schlechterdings nichts übrig, als Flucht in die trügerischen Gewässer hinein, wo sie buchstäblich zu Zehntausenden ertranken und versanken. Entsetzliches Schreckensgeheul erfüllte die Luft, das manchem gutherzigen, mildgesinnten Deutschen noch lange unvergeßlich in den Ohren gellte. Das Mitleid war jedoch nicht am Platze diesen Bestien gegenüber, die nur den verdienten Lohn ihrer Frevel fanden nach dem Wunsch Friedrichs des Großen: O könnt' ich packen sie am Schopf, Ins schwarze Meer sie untertaufen, Daß sie darin Hals über Kopf In alle Ewigkeit ersaufen! Er hatte es französisch gedichtet, doch den Sinn in gutdeutscher Frakturschrift bei Zorndorf den tierischen Mongolengesichtern mit dem Schwerte eingeschrieben. Nur war die zornige Zorndorfschlacht ein Kinderspiel neben dieser Vernichtungsschlacht, zahlenmäßig der größten und schrecklichsten, von der die Geschichte meldet. Dies doppelt vergrößerte Cannä machte auch die Legende von Austerlitz wahr, wo angeblich so viele Russen im großen Teich ertranken. Die Leiche des im Gemetzel umgekommenen Feldherrn entdeckte man erst später im Wald, von Raben angepickt. Dieser beliebteste und persönlich ehrenhafte russische Führer hatte aber auch zu den Greueln, die seine Korpschefs in aufgefundenen Tagesbefehlen anordneten, ein Auge zugedrückt. Nie donnerte so schnell auf Verbrecher, auf der Tat ertappt, ein so grausames Strafgericht hernieder. Das 13., 15. Korps waren völlig aufgerieben, ihre kommandierenden Generale fielen in Gefangenschaft mit 93 000 Mann, 350 Geschützen. Aber zahllose Tote und Sterbende, nur zum geringen Teil Verwundete, bedeckten das Schlachtfeld. Der bei Soldau abgesprengte Rest floh zersprengt nach Polen, die Narewarmee hatte zu bestehen aufgehört. Wahrscheinlich sind nur ihre drei Reiterdivisionen, die sich völlig tatlos verhielten, in einiger Stärke entkommen. Die Marienwerder Landwehr verfolgte energisch bis 3. September auf Mlawa. Eine ursprünglich deutsche Angabe, 159 000 russische »Tote« seien gezählt worden, ist zwar ebenso phantastisch, wie die üblichen Angaben der Ententeberichte. Es soll dies nämlich die ungefähre Gesammtziffer inkl. Gefangenen sein. Hindenburg selbst nannte gesprächsweise 70 000 russische Tote und Verwundete, »Reichsarchiv« sagt 50 000, und betrug daher die reine Gesamteinbuße gewiß über 150 000, die sich durch völlige Zersprengung tatsächlich noch steigerte. Mit der Unermüdlichkeit und Unersättlichkeit des echten Feldherrn hielt Hindenburg sein Werk nur für halb getan, wenn die andere feindliche Macht noch den deutschen Boden besudelte. Die innere Linie erfordert zu ihrer Ausnützung die äußerste Beweglichkeit und rastlose Tatkraft. Den Truppen das Äußerste zuzumuten, sie von einem Schlachtfeld sofort auf ein anderes zu verpflanzen, geziemt der gesunden Unerbittlichkeit der wahren Feldherrnnatur. Diese rücksichtslose Energie, immer die schärfste strategischste Logik im Auge, darf sich nur ein Kriegsgenie erlauben. Doch wir wissen von Napoleon, Friedrich dem Großen und anderen, daß ein Heer alles willig auf sich nimmt und selbst unmöglich scheinenden Anforderungen genügt, wenn es sich von einem berufenen Sieger geführt fühlt. Jede Veranschlagung menschlicher Bedürftigkeit dürfte man vollends hier ausscheiden, wo die Ost- und Westpreußen wörtlich für Haus und Herd, für Reinfegung der Heimat von nichtswürdigem Barbarengesindel stritten. Das südliche Ostpreußen befreiend, stand für sie noch Befreiung des Nordteils aus. So zog denn Hindenburgs Heer frohgemut und bitter entschlossen neuem Sieg entgegen. Der Retter Deutschlands, aus seinen Mannen das Höchstmaß herausholend, holte vom Fleck zu neuem vernichtendem Schlage aus. Am 2. stand das 1. Korps erneut gesammelt, um sich auf Geheiß des Meisters gehorsam in Marsch zu setzen, hier wo die zerstörte Bahnlinie längs der Ostgrenze keinen bequemen Truppenabschub gestattete. Gewaltmärsche wurden verlangt auf schwierigem Gelände, sie wurden vollbracht über jedes Erwarten, bis zu 55  km pro Tag. Solche Leistungen werden für alle Zeit die Geltung der Ostpreußen als Krieger allerersten Ranges verbürgen. Mit Stolz wird Deutschland ewig seiner treuen Söhne gedenken. III. Umgruppierung – Schlacht in Masuren Die bisher ostwärts wehenden Banner flatterten also jetzt nach Norden. Alle frisch von Westen anlangenden Verstärkungen warf Hindenburg per Bahn nordöstlich nach Friedland über Eylau und Heilsberg als linken Flügel, während das Tannenberg-Heer meist in Eilmärschen nordwärts der Linie Angerburg–Goldap–Gumbinnen zustrebte. Wann immer Rennenkampf die Zertrümmerung der Schwesterarmee erfuhr, jedenfalls fiel er jetzt in reine Defensive zurück, wo vielmehr rasche Offensive über Allenstein selbst jetzt noch das naheliegendste Mittel bot, die Deutschen zu umklammern, ihren Vor- und Aufmarsch zu stören und sie im üble Lage zu versetzen. Seine Rechte lehnte sich an Allenburg, die Linke an Angerburg mit dem Mauersee, sein Zentrum lag vorgeschoben bei Gerdauen, überall gut eingegraben und verschanzt. Wie bei Tannenberg sollte die deutsche Rechte den Entscheidungsschlag führen. Man konnte hoffen, das gleiche Manöver zu wiederholen und die Russen in die masurischen Seen zu werfen, die merkwürdigerweise noch bei Napoleons Friedlandssieg keine Rolle spielten. Damals gelang es den Besiegten, in gerader Linie ostwärts über den Njemen zu entkommen, weil die auf Königsberg angesetzte Umgehung ihrer Rechten durch Murats Heerteil sich verspätete und zu weit nördlich abirrte, statt nordöstlich einzuschwenken. Damals verfügte Napoleon über bedeutende Übermacht im Ganzen, wenn auch kaum beim improvisierten taktischen Zusammenstoß, einer bloßen Begegnungsschlacht. Hier aber fiel Hindenburg die Aufgabe zu, mit einer bedeutend schwächeren Macht den Gegner von seiner östlichen Verbindung abzuschneiden, ihn ganz nordwärts zu treiben, so daß er die Njemen-Festungslinie Kowno-Grodno nicht rechtzeitig erreichen konnte. Daß ein so weit ausschauendes Unternehmen nur glücken konnte, wenn Rennenkampf in hartnäckiger Verblendung zu lange seine Stellung behauptete, konnte man vorausahnen. Immer von unbeugsamem Vernichtungswillen beseelt, sandte Hindenburg seine jetzt zahlreiche Reiterei schon in Rücken des Gegners. Er mag 250 000 Streiter alles in allem befehligt haben. Dem Augustverlust von 25 000 (inkl. 400 von L. W. Wohrsch) stand ein russischer von nahezu 200 000 gegenüber zwischen Soldau und Labiau. Mehr kann man doch nicht verlangen! Ein taktischer Körper, der zwei Drittel oder gar vier Fünftel seines Bestandes verliert, hat kein Leben mehr, die Warschauarmee hörte auf zu bestehen. Nichtsdestoweniger treten ihre schwachen Reste, nachdem sie neue Auffüllung durch Warschauer Garnisonsdepots sich einverleibt, schon nach 8 Tagen wieder einer deutschen Mlawagruppe entgegen. Der Thorner L. W. D. (5., 20. Brig.) und der 70. L. W. Brig. gesellten sich hier neu L. W. Batl. Bitterfeld und 5 überplanmäßige L. W. Batl. des Magdeburger Korpsbezirks nebst 3. Schwere Reiter. Außerdem beteiligte sich I/151. am Aufräumen des Schlachtfeldes und Aufstöbern von Versprengten. Nach Absuchen der Wälder und Auflesen aller Kriegsbeute machte die L. W. sich nach Praschnitsch auf, das sie am 14. September besetzte, obschon der Feind zu einem Gegenstoß umkehrte. Kostenpunkt nur 455; von dieser Richtung war vorerst nichts mehr zu befürchten. 47., 72., 133. L. W. waren mit 5. L. W. Brig. als »35. R. D.« Bredow vereint worden. Das Ganze (Reserve Graudenz und 5., 19., 20., 70. L. W. Brig. mit 35 Batt., 106 G., 11 Schw., »Reichsarchiv« verzählt sich) übernahm General Zastrow. Drei asiatische Korps in Warschau und Gardekorps rollten nach anderen Fronten ab, nur 59., 77. R. D. als 27. K. und die kaukasische Kav. D. Charpentier nebst Astrachankosaken blieben zur Auffüllung der Narewarmee übrig. Immerhin erwuchs sie auf 88 Batl., 87 Schw., 372 Geschütze, doch ihr innerer Halt war so erschüttert, daß Zastrows kleine Heerabteilung (dabei 4 Pionier-Kompagnien, 11 schwere Batterien) genügte, sie zurückzudrücken. Die 10. Grodnoarmee mit 72 Batl., 38 Schw., 282 Gesch. bei Lyck zog nur 24 Batl., 15 Schw., 60 Gesch. von Goltz, Morgen und 1. K. Br. auf sich ab, welche Flanke und Rücken des K. Francois freihielten. So durfte man 184 Batl., 100 Schw., 1074 Gesch. gegen Rennenkampfs lange Schlachtlinie nördlich und südlich der Masurischen Seen heranführen, der sich durch 88 Batl., 176 Gesch. in den Njemenfestungen schwächte und so nur noch 228 Batl., 175 Schw., 924 Gesch. besaß, gleichwohl noch eine erhebliche Überzahl. Es war Vorausbedingung des Gelingens für Hindenburgsplan, die russische Linke südlich der Seen zu überflügeln und sie vom Njemen abzudrängen, daß die Seitenhuten ihm jede Einmischung der Grodno- und Narewarmee vom Leibe hielten. Dies geschah mustergültig, die Russen verspäteten hier ihr Vorgehen, die 8. Sib. Schützendivision lag noch bei Lomscha. Es kam den Deutschen zu statten, daß Rennenkampf den Angriff im Norden erwartete mit Einwirkung der Flotte am Kurischen Haff und daher 8½ Div. nördlich der Seen aufbaute, nur 5 Div. inkl. 10. A. im Süden. Auch andere Reserven (68., 73., 76. R. D.) waren schlecht verteilt. 7. K. D. Gurko lagerte südlich Goldap, die übrige Reiterei hinter der Front gleichfalls nach Norden gegliedert. Unser Umgehungsstoß traf zunächst nur 43. D. des 2. r. K. östlich der Seen mit Spitze bei Arps, die nächste Truppe (26. D.) nördlich bei Angerburg, von wo über Gerdauen, Allenburg, Deime 4., 3., 26. K. anschlossen; dahinter 72., 54. R. D., 20. K., welche erst am 10. über Darkhemen herangeholt und dieser Umfassung entgegengeworfen wurden. Von der Kavallerie kam nur 2. Gardediv. Rauch in ernsteres Gefecht, erst am 11. begab sich der Chan Hussein mit seinen Geschwadern nach Süden in die Rominter Heide nordöstlich Goldap zur Flankendeckung. Hierdurch fanden die zähen Ostpreußen der 1. K. D., die seit Feldzugsbeginn kaum einen Ruhetag kannten, und die schneidigen Sachsen der 8. K. D., in Lothringen schon vielfach abgehetzt, zuletzt ihre Verfolgung gehemmt. Im einzelnen schlugen die Russen sich nicht schlecht, Führungswirrwarr mit sich kreuzenden Gegenbefehlen lähmte aber das Ganze, Rennenkampf ließ sich, ähnlich wie Kluck am Ourcq, durch bloße Angst vor Umgehung zu verfrühtem Rückzug verleiten. – Bei Lyck gab es eine ähnliche Episode wie am Südende der Ostfront. 22. K. der Grodnoarmee wollte dem nordwärts gerichteten Umgehungsflügel Hindenburgs beikommen. Die Enge der Lycker Seenkette lud nicht dazu ein und die schwache unvollzählige Holsteiner L. W. Div. Goltz schlug den Ansturm ab, bis am 13. frische Brigaden des 3. sibirischen K. die Brigade Pressenthin festnagelten. 31. L. W. wankte, bis die aus Lötzen herbeigerufene »Reserve« (Ers. 147 und L. Sturm nebst Art. auf dem Fuchsberg) den Feind aufhielten. Das Pfeifen der Lokomotiven schüchterte ihn ein, als brächten sie große Verstärkung, er machte sich in der Nacht davon. Unsere Verluste sind aber zu gering, um an Wundertaten glauben zu machen. Auch verrieten 3 Brigaden Sibirier und Schützen keinen »Schwung«, sondern der nach Bialla aufgebrochene General von Morgen warf sie am 7. 9. mit 2., 9. R. bei Ramsdorf, mit 34. bei Schillpallen, mit 49. bei Drygallen. 1., 3. Finnische Brigade des 22. K. wichen bis Grajewo über die Grenze, mit Verlust von 6 Gesch. Bis Septemberende Seitengefecht bei Schrötterau gegen 5 L. St. Bataillone, L. W. Neuhaldensleben, 76. Ers. Schwerin. Der ganze Scherz gegen die Grodnoarmee kostete nur 1400. Noch unbedeutender verlief der Septemberkampf im Norden. Neu angelangte Küstriner L. W. Regimenter 8., 48. fochten schon am 1. bei Lanköschken, am 8. bei Grabenhof, 4. L. W. bei Schwören und Splitter; Ersatz Tilsit nebst 1. Drag. und Ers. Kav. 1., 2. R. K. verfolgten über das am 12. befreite Tilsit. In Richtung Königsberg mußte der Russe gleichfalls abziehen, durch Druck aus Südwest zu eiligem Ausweichen genötigt, als Gallwitz und Below die Rückzugsstraße bedrohten, auf welche Plüskow den Feind vor sich herwarf. Bis am 14. schon brandenb. L. W. Batterien und 2. Garde L. W. Schw. bei Jurburg nordöstlich Tilsit verfolgten, hielt die Königsberger Reserve ruhig die Deime-Linie fest. Bei Tapiau schanzten 1., 28. P., bei Labiau feuerte immer noch 52. Art., bis die dortige russische Abteilung abzog. Auch diese Nordkämpfe waren ein billiges Vergnügen (415). Die Russen entscharten sich in wilder Flucht, aus Norden und Süden zum Kampfe gestellt, den sie nicht annahmen. Inzwischen nahm die große Operation ihren Fortgang. General Francois drang am 7. durch die See-Enge, am 8. über Arys, später über Widminner See unaufgehalten vor, 1. D. über Spirlingsee, nachdem sie bei Arys dem 169. r. Rgt. 1000 Gef. abnahm. 2. D. über Kruglinnen. 33., 43. erzielten am 11. Umfassung bei Goldap nach Gefecht, schon am 9. bei Gablik, wo sich 41. mit 1. Jäger kreuzten, deren Radfahrer Lindental erreichten. 41. stieß bei Tollmingkehmen mit 1., 3. zusammen, die am 10. 11. dort heftig rangen, 1. verlor den Regimentskommandeur. Gurkos Reiter wichen aus, 43. r. D. wurde gesprengt, zugleich warf Div. Falk sich nordwestlich auf 72. R. D. Am 12. war der Feind geworfen bei Speskehmen, 4., 44. drangen über Freudenthal bis Pillarken südlich Goldap vor, das Goldaper Regiment tränkte dort reichlich den Heimatboden mit seinem Blut. Der Feind, dessen Erdschanzen mit niedergeschlagenen Bäumen unsere Geschütze wegfegten, zog ostwärts auf Rominten nordwärts nach Pillupönen ab, wohin ihm 3. Regt, und viel Art. über Jörkitschken folgten. 37. Art. beschoß Szabienen, 1. Fuß Art. Speskehmen. Francois erbeutete schon am 10. über 50 Gesch. und machte Tausende von Gefangenen. Die 8. Kav. D. überrumpelte den Feind südlich Goldap, nur ihre 2., 6. u. Jg. z. Pf. fanden bei Kowohlen Widerstand, die 1. K. D. aber war irrtümlich nach Süden abgedreht worden, um der angeblich gefährdeten 3. R. D. zu helfen. Da diese aber schon selber über die Finnländer Meister wurde, strebten dort Reiterei und Fußvolk gemeinsam nach Filippowo-Mariampol über die Grenze. Der Feind griff die 8. K. D. in Goldap erfolglos an, wobei Major Graf z. Lippe der sächsischen Gardereiter fiel. Francois schwenkte teilweise auf Gawaiten ein, behielt aber die Heerparole »auf Stallupönen« im Auge und zog am 12. ganz nordöstlich, wo er am 13., 14. noch bei Wilkowischki ernsten Kampf bekam und am 16. Mariompol erreichte. Morgen drang schon früher in Suwalki ein, 1. K. D. streifte gegen die Straße von Wirballen, 8. Kav. D. preschte durch die Rominter Heide. Inzwischen fand das über Lötzen am Lönenthinsee vorrückende 17. K. schon am 8. und besonders 9. starken Widerstand und längeren Aufenthalt, bis endlich der verschanzte Feind, von 36. Art. wirksam beschossen, mit Verlust von viel Gefangenen und Geschützen auf Wiesenthal wich. Das 20. K. unterstützte dabei mit 10  cm Kanonen über den Mauersee, mit ihm gewann die 36. D. am 10. Anschluß nördlich der Seeplatte, 35. D. ebenso mit 2. D., die am 12. bei Gawoiten aushalf, während die Hälfte 1. D. mit der 35. bei Tollmingkehmen sich vereinte. Ein Halbbattaillon 141. nahm den Ort, wobei 3000 Gef., 8 Geschütze erbeutet. Westlich davon gewann das 20. K. in Richtung Angerburg östlich des Rehsauer- und nördlich des Mauersees am 9. wenig Raum bei Pristanien, wobei das vereinzelt nördlich vorbohrende I/18. eine Schlappe erhielt. An Angerburg und den Nordenburger See vorbei, stieß 41. D. am 10. 11. bei Dombrowken auf starken Feind, der erst spät auf Darkhemen abzog, während Kampf der 36. D. bei Szabienen bis in die Nacht fortwährte. Rennenkampf ließ eben 4 früher genannte Divisionen zur Entlastung des Rückzugs vorgehen, die sich todesmutig opferten. Nachdem Scholtz die Angerapp erreichte, folgte er der Heerparole »Stallupönen« und kam bis Wallterkehmen. Das nördlich anschließende 11. K., 1. R. K. gegenüber Gerdauen ließen Vorsicht walten wie auch der übermächtige Gegner, der nur einmal westlich Nordenburg vorstieß. Im Artilleriekampf gewann man weder hier noch beim G. R. K. die Oberhand, gleichwohl räumte der Feind am 11. die befestigte Gerdauenstellung. Verfolgung auf Insterburg-Gumbinnen führte nur zu ernstem Ringen an zwei Bachtälern, Belows 72. R. Br. gelangte rasch bis über Insterburg, 54. Inf. voraus. Gallwitz und die ihm angehängte Königsberger R. bekam keinen Feind mehr zu sehen, letztere überrumpelte aber auch in Tilsit die 68. R. D., die 4000 Gef. 12 Gesch. auslieferte. Das 11. K. nahm Gumbinnen, Below kam nicht über Mallwischken, in Regen und Lehm kam am 14. Plüskow bei Schirwindt über Wirballen und das im Häuserkampf gesäuberte Stallupönen, Below bis Jurburg. Der Raumumfang des Vormarsches ebenso groß wie am Südflügel. Die mittleren Kolonnen warfen den Feind von Gerdauen-Nordenburg, auf Insterburg-Schirwindt am 10. stand die Schlacht im Zenith. Erst am 12. nahm aber Rennenkampf seine Mitte zurück, seine noch leidlich unversehrte Rechte als Drehpunkt benutzend, gedeckt durch unwegsame Frischung-Waldungen. Die deutsche Umwickelung über Goldap zwang zu exzentrischem Ausbiegen auf Stallupönen. – Bei Tannenberg verleiteten die eindrucksvollen Flügelkämpfe zu der Meinung, Ludendorff habe es auf doppelseitige Umfassung abgesehen. Die Verteilung der Streitkräfte lehrt das Gegenteil, tatsächlich fochten nur 48 Batl. auf den Flügeln, 90 im Zentrum, diese brachen den Feind. Zwar gab man anfangs in der Mitte nach wie bei Cannä, nicht aus taktischen, sondern lokalen Gründen, dann brach man in beide Flanken der russischen Mitte ein. Das stellt sich also als Zentrumstoß dar, bloßes Abklaftern der Flügelkorps würde nie zur Vollvernichtung ausreichen. Jeder Vergleich hinkt, wie denn freischaffende Kunst stets ihre Formen wechselt. Es ist irrig, die erste Masurenschlacht mit Moltkeschen Grundsätzen zu vereinen, sie hat nichts damit gemein, vor allem lag keinerlei doppelseitige Umfassung vor, denn der Nordflügel blieb wesentlich versagt. Daß die Umgehung am Südflügel taktisch nicht ins Gewicht fiel, zeigt der unverhältnismäßig geringe Verlust des 1. K., von dem 4 Batl. fast gar nicht fochten: 1750 (538 vom 44.). Nur statistische Unkenntnis legte daher auf diesen Eingriff Nachdruck, der schlechterdings nur strategischen Wert hatte. Das ist natürlich die Hauptsache, bedeutet aber nichts für taktischen Gewinn der Schlacht. Das 1. K. erfüllte seine Aufgabe nur, weil Rennenkampf im Zentrum eingedrückt wurde. Hier richtete sich der Anmarsch teils westwärts auf Linie Angerburg-Kowarren teils nordwärts auf Possessern-Kowarren, so daß Kowarren den Schnittpunkt für Vorgehen des 17., 20. K. bildete. Mackensen unterzog sich mit Feuereifer dem Bestreben, den Feind nach zwei Fronten aus der Stellung zu werfen, sein Tagesbefehl rühmt »mustergültiges Zusammenwirken«. 21. Rgt. Borke nahm Kruglanken, 129. Possessern, wo die 1. Komp. 128. 8 Geschütze im Feuer eroberte. Man dehnte sich dann mit 141. nordöstlich nach Tollmingkehmen, um Francois Linke zu stützen. 128., 129. kamen am 11. bis Szabienen. Dieser Keil ins linke feindliche Zentrum kostete viel mehr Blut als die Flügelgefechte des 1. K., denn 141. verlor 350 auf nur 2 Kompagnien. Links davon griff Scholtz' III/59. bei Kowarren ein, im Gefecht bei Omaschken am 11. fiel Major Bronsart v. Schellendorf, erst am 13. wich der Russe. III/152. nahm beim Vormarsch teil am heftigen Gefecht bei Angerau, das 148., II/147. lieferten. 147. nahm Sausgärken, dies Rgt. über Dambrowken und 146. über Buttkuhnen nebst 35. Art. unterstützten gleichfalls bei Kowarren neben 150. Das 59. drang über Christhausen am 13. nach, ihm bluteten 9 Hauptleute, 17 Leutnants. 18. Rgt. rang mit 1. Batl. bei Pristanien, mit 2., 3. stieß es an den Masurischen Seen nach. 18. (292), 146. (287) litten wenig, Summa 17., 20. K. 4870. 176. scheint über Darkehmen dem bei Dambrowken noch festgehaltenen rechten Flügel der Allensteiner zuvorgekommen, denn wir treffen es bei Rogalwalde weit vorwärts, wo Teile 11. K. sich durcharbeiteten. General Plüskow ( plus q'haut markierte ein Pariser Witz seine hohe Statur) führte Thüringer und Hessen über Korklak auf Nordenburg, wo 96. Gera schon am 8. über Meisnerfelde vordrang und sich von da über Ernstfelde auf Insterburg richtete. 32. erreichte schon am 11. nördlich Nordenburg die Linie Tarputschen-Gumbinnen; Oberstl. Fischer fiel, 3 Majore, 4 Hauptl., 13 Leutn. bei nur 380 Mann, bluteten. Auch bei 82. Göttingen fiel der Oberst, man verlor 1 Major, 4 Hauptl., 7 Leutn., drang aber über Neuhaus und Rogalwalde wacker an. Die 38. D. setzte über Sechserben, Szidlak, Adlersfelde mit 71. Sondershausen die Stoßrichtung des 96. fort. 55. Art. Naumburg feuerte bei Moldauen, 19. Erfurt bei Sechserben und Szidlak. Die 22. D. kam, 167. Kassel über Neuhof nach Gumbinnen, begleitet von 11. Art. am 13. bei Tarputschen. 83. Aroldsen hatte südwestlich Nordenburg bei Moltheinen und Neusorge schweres Gefecht. Die Verluste waren hier sehr verschieden. Bei 38. D. hatten nur 95. (556, besonders 1. Batl. Gotha, 3. Coburg) und 71. stärkeren Verlust, übrigens fehlte noch I/94. Weimar. 22. D., die mitten ins rechtsseitige russische Zentrum drang, hatte es härter, am meisten litt 83. Von 2865 des Korps sind 75 für Anfangsscharmützel. Bezeichnenderweise nahmen Verluste und Erfolge am linken Flügel so ab, daß III/96. Rudolstadt sowie Batl. Hildburghausen, Eisenach, Jena, nur eine Handvoll verloren. Denn Hindenburgs versagte Linke, nämlich 1. R. K. und G. R. K. standen fast Gewehr bei Fuß, ersteres (54. Inf. nur 5, 65. mit 2. R. Jg. bis Jodchen) verlor nur 450 letzteres 720 der 1. G. R. D. Bezüglich 3. G. D. äußerten wir ja Zweifel, ob 5. G. und G. Füs. bei Namur ihren Verlust hatten, den sie doch erst in Septemberlisten anführen. 10 Off., 350 beider ist doch etwas happig für Namur, selbst wenn die Listen nicht dagegen wären. Übrigens würde Verlust von I/2. G. R., der ganz bestimmt auf Masuren fällt, zu sehr allein stehen, auch Lehrrgt. verlor bestimmt nicht bei Namur 143. Gesamtsumme 1700 Inf. für zwei Korps, so gut wie nichts für eine Hauptschlacht. Allerdings war der Artilleriekampf der Garde groß und verlustreich. 1. G. R. A. 97, 1. G. Fuß A. 61, dagegen verlor 3. G. R. A. nur einen Kanonier; Belows 1. F. A., 3. R. A., 4. F. A. nur 29. Ganzer Schlachtverlust 11 400 (445 Art.). Der russische Verlust läßt sich nicht bestimmen, betrug aber nicht unter 100 000, davon 45 000 Gefangene Laut russischer Angabe 30 000; doch nicht weniger als 70 000 Tote und Verwundete, was sicher zu hoch erschiene, wenn »Reichsarchiv« unsern Verlust nur auf 9000 angibt. Das ist um so unbegreiflicher, als nach den gleichen vorliegenden Listen ein maßloser Gumbinenverlust herausgeklaubt wird. , 160 Geschütze fielen in preußische Hände. Man mag sich in der Geschichte umsehen, wo man will, nur bei Leuthen ermöglichte Manövrierkunst ähnlichen Erfolg mit so geringen Opfern, wie wir es dauernd bei Hindenburgs Siegen begrüßen. Am linken Flügel ward eigentlich nur am 9. bei Schollen gefochten, wo I/2. G. R. den Major und fast 600 verlor, unterstützt von 93. R. und 1. G. R. Lehrregiment und Füsiliere bei Schönbaum und Schönwalde, andere Artillerie bei Jägersdorf. Nachdem das von Belows Artillerie bombardierte Gerdauen geräumt und Nordenburg von den Thüringern durchschritten, rückte 72. R. Brig. über Insterburg bis östlich Gumbinnen vor, am 13. lag Belows Hauptquartier schon nahe bei Schirwindt. So rasch baute der Russe ab, als die innere Umfassung der Zentrumecken sich immer fühlbarer machte. Nur sie, nicht schwache äußere Umfassung bei Goldap zwang Rennenkampf zu jähem Abzug von Nordost nach Ost, sollte der nordöstliche Druck ihn nicht von der Njemen-Basis abschneiden. Das Meiste wurde nordöstlich abgeentert, ein Teil flutete nach Suwalki ab. Beim sich langsam fortwälzenden Vorbeizug der kreisbogigen Deutschen Front entlang trug die Einwirkung unseres verfolgenden Artilleriefeuers sehr weit. Um seine natürliche Rückzugslinie auf Grodno betrogen, wandte der Feind sich nördlich auf Kowno. Die Grodnoarmee, deren Elitetruppen sich nicht mal gewöhnlicher Landwehr gewachsen zeigten, bewies unzeitige Hartnäckigkeit; hing sich zwei Tage zu lange am Angriffspunkte fest. Nur die Geringfügigkeit der ihr gegenüberstehenden Kräfte erlaubte ihr leidlichen Rückzug auf Grodno, denn das 1. K. bei Goldap zerriß schon Verbindung mit Rennenkampf. Selbst hier haben wir kein Beispiel äußerer Umfassung, denn Francois brach ja zentral zwischen Wilna- und Grodnoarmee durch. Es ist also gänzlich verfehlt, wie bisher geschah, dies als Umfassungsschlacht des Moltkestils auszulegen. Nichts kann törichter die Lage verkennen, die hier noch klarer vor unseren Augen liegt, als bei Tannenberg. Das Wesen des Moltke-Schlieffen-Systems ist nicht die Umfassung, denn diese versucht jeder Feldherr. Sie empfiehlt sich taktisch um so mehr, als nachweisbar Flanken- stets stärker trifft, als Frontalfeuer, was sich natürlich auch bei innerer Umfassung bei Zentrumkämpfen auswirkt. So wirkte z. B. Davouts und Oudinot-Marmonts Feuer, als sie über Parbasdorf dem österreichischen Zentrum Wagram in die Flanke fielen, grad so verheerend wie etwa das der äußeren Umfassung Davouts bei Eylau oder Soults bei Jena. Das »Neue« soll die von Napoleon verpönte doppel seitige (kraftzersplitternde) Umfassung sein und zwar mit exzentrischem Anmarsch getrennter Teile zur Vereinigung im Feinde. Von letzteren findet sich bei Ludendorff-Hindenburgs Schlachtenlagen gottlob nie eine Spur, stets treten sie geschlossen zum Angriff an. Hier oder in Masurien verbot sich doppelseitige Umfassung von selbst, da die russische Rechte sich fast bis zum Haff ausdehnte. Vielmehr hoben nur die Thüringer sie aus den Angeln, indem sie am 10. von Karpowen auf Gumbinnen einschnitten und bei Tarputschen am 12. den Feind über die Pissa jagten, während sie zugleich nach Westen auf Insterburg flankierten. Durch diese innere Umfassung genötigt, gab der Russe nun selber den Weg zur Umgehung im Norden frei und wir sehen erst jetzt Below im Vorgehen, zugleich die Freigebung von Tilsit. Alle Zeit- und Ortsdaten zeigen, daß die in allen Berichten neben Ost- und Westpreußen zurückgesetzten Thüringer–Hessen die Schlacht gewannen. Wenn 52. Art. am 12. Pilluvönen erreichte, so kam 82. Art. am 14. nicht früher bis Eydtkuhnen als 47. Art. Fulda, die einen dreimal weiteren Weg aus ihrer Anfangsstellung zurückzulegen hatte. Dem 20. K. bleibt das Verdienst, daß es die feindliche Masse auf sich abzog. Das 11. K. aber brach zwischen der noch nicht abgelockerten Russenrechten und der Mitte derart durch, daß die ganze Schlachtordnung einen Ruck bis ins Mark empfand. In verschiedenen Listen wird Artillerie schon am 11. 12. bei Stallupönen genannt, dies bezieht sich nicht nur auf reitende Batterien der Kavallerie; deren Vorhuten tatsächlich schon am 9. bis dorthin streiften. Das belegt die Unordnung hinter der Russenfront und in den Zwischenräumen, denn wo war sonst je erhört, daß Reiterei die Etappenbasis überfüllt, während das auch an Reiterei übermächtige Feindesheer vorne in große Feldschlacht verwickelt! Wer nur seine Vorderstellung beachtet und hinter der Front faulste Sorglosigkeit einreißen läßt, darf sich nicht wundern, wenn ein rühriger Gegner dies bestens benutzt. Unsere Reiterei verfolgte nach allen Richtungen, die sächsische mit 17., 21. Ulanen am 14. bis Sumski-Dobrowc, Karabiniers über Kalwitschen, Gardereiter am 15. bis Giza. (Verlust der schweren Brigade 164, der Ulanen 52, dazu 8. Ul. (1. K.) bei Lissen, 3., 5. Kür. (1. K. D.) bei Lyck, 4. J. z. Pf. (17. K.) Rominten (zusammen 60): Weiter links 6. Jg. z. Pf. Erfurt und Ers. Schw. 2. Jg. z. Pf. Langensalza am 14. (8. K. D.), 5. Hus. Güritten, Halbrgt. 6. Kür. (11. K.) Schatzels, 12. Ul. Insterburg 1. R. Hus. Pillkallen, bei Wormditten Res. G. Ul., R. G. Dr. folgten (zusammen 93). West- und Ostpreußische L. W. Reiterei schwärmte über Rudki Patrouillenritte. Die Verfolgung überschritt bald die Grenze. 3., 6. Kür. bis 17. Augustowo, 1. R. Hus. am 23. Kalvaria, 1. Drag, am 29. Ravichice, 2. Fußjäger folgten schon am 14. über Kibula. Hindenburg verfügte also jetzt über bedeutende Geschwader, etwa 126 Schwad., wovon nur 11 im Süden, und handhabte sie mit einer Kraft, die durch sofortiges Nachstoßen mit Fußvolk und Geschütz ihre Weihe erhielt. Allerdings gab es gegen Hindenburgs Willen einige Tage Abirrung nach links bei 1. K. D., die mit abgetriebenen Gäulen wiederholt um Schonung bat, auch Verladung der 8. K. D. aus dem fernen Westen verursachte anfangs Stockungen. Um so größer die Leistung, obschon der Erfolg hinter allzu hoch gespannter Erwartung zurückblieb. Der später so bekanntgewordene 1. G. St. Offizier des O. K., Oberstl. Hoffmann, leistete schon hier wertvolle Dienste. Ausschlaggebend scheint uns durchweg die Tatkraft des »blutigen« Morgen, dessen Wagemut am äußersten rechten Flügel schon bei Suwalki den Feind bedrohte und fortan in gleicher Bahn verharrte. Vom 1. K. rückte 45. auf Suwalki, das eine Batterie 15. R. F. Art. beschoß, war am 29. bei Kalvaria, 33. bei Kapriowo, 4. bei Mariampol, 1., 52. Art. dabei. Belows 17. R. F. Art. Marienburg, feuerte schon am 15. bei Kalabassen. 17., 20. K. wurden indessen schon angehalten, um eventuell südlich verwendet zu werden, Garde R. K. und 11. K., 8. K. D. sofort per Bahn verladen, um am südlichen Weichselufer zu operieren, 5. G. Gr. standen dort am 1. Okt. schon bei Kielce. Morgen blieb indessen im Vorgehen mit 2., 9. R. auf Augustowo, wo 49. R. einzog. Seitwärts 34. R. bei Rocki, 49. L. W. bei Olczauka in schwerem Gefecht (720), wo Morgen am 30. sein Hauptquartier hatte. Im Ganzen kostete die Verfolgung 1280 Inf., 83 Art., 369 Kav. Monatsverlust rund 15 400, der russische darf mit den vielen Versprengten auf 150 000 geschätzt werden Laut russischer viel zu niedriger Angabe fehlten bereits seit Mitte August von 751 000 Sollstärke (inkl. Nichtstreitbare) 245 000 (136 000 Gefangene), nach anderer aber 316 000 » ungerechnet die bei Tannenberg gefangenen Korps«. Viele Verkrümelte der geschlagenen Heere sammelten sich wohl später in den Festungen. Gleichwohl darf man glauben, daß die 1. und 10. A. seit 10. August 180 000, die 2. rund 170 000 verloren. »Reichsarchiv« rechnet mit 250 000 (145 000 Gef.) entschieden viel zu wenig. Daß bis dahin der 8. A. nur 37 000 fehlten, ist aber auch unterschätzt, obschon Gumbinnenverlust viel zu hoch. Mit rund 43 000 bleibt das Verhältnis immer noch märchenhaft. (Woyrsch natürlich ungerechnet, mit dem Septemberverlust auf rund 22 000 stiege, auch hier aber schraubt »Reichsarchiv« bis zu 8000 hinauf, während wir 1500 weniger rechnen, denn 7000 bloß für 4. L. W. D., ergäbe je 400 für 17 Bat. von denen 5 Ers. Bat. weit weniger litten, während der höchste Einzelverlust bei 22. Brig. nur 5–650 betrug. Wahrscheinlich rechnet »Reichsarchiv« vorherige Gefechte mit, die 600 im ganzen kosteten, und außerdem Versprengte, die sich wieder einfanden. . Ostpreußen war reingefegt. Um sein Werk zu krönen, vollzog der Meister im Oktober eine der kühnsten und gewagtesten Umgruppierungen nach Mittelpolen, um den bedrängten Österreichern aufzuhelfen. Im Grunde konnte ein Stoß auf die mittlere Weichsellinie Warschau–Iwangorod nur eine Diversion sein, schwerlich reichten die Kräfte aus, doch wer konnte wissen! Warschau war so wenig verteidigungsfähig, daß dort blinde Panik ausbrach, alles nach Räumung schrie. Doch Großfürst Nikolaus setzte sein Quodnon entgegen. Man darf ihm nicht absprechen, daß er über seine unübersichtlichen Horden das Heft in der Hand behielt. Er führte Krieg mit einer gewissen barbarischen Großartigkeit. Die aufeinandergepackte Massenheftigkeit mochte aber vielleicht zum Verhängnis werden, weil es oft an Raum zu ihrer Entfaltung fehlte und sie die Ernährungsschwierigkeit steigerte. Das macht uns nicht blind dafür, daß unter gegebenen Verhältnissen der Großfürst sich nie verblüffen ließ. Er wetterte und drohte, schon am 28. Sept. mußte Rennenkampf den Gegenstoß beginnen. Das ist zu unterstreichen, weil erneute Bedrohung seiner Heimat Hindenburg nicht darin beirrte, sich im Interesse des ganzen der gegen Österreich heranrollenden »Dampfwalze« entgegenzuwerfen, ohne sich um Unsicherheit seiner Nordflanken zu bekümmern, beweist nicht nur Seelengröße, sondern die Festigkeit des Feldherrnentschlusses, wie Napoleon es wünscht: »Ist der Entschluß gefaßt, so gibts kein Wenn und Aber mehr«. Vielleicht hätte sich die somit südliche Umgruppierung noch teilweise einstellen lassen, um lieber die eigene Bedrohung zu parieren. Aber nein, ohne Wanken unbeugsam ward durchgeführt, was einmal als dienlich erkannt: auf Warschau! Mochte Below zusehen, wie er als Grenzschutz fertig wurde. IV. Verteidigung Ostpreußens Das erwies sich als ein saures Stück Arbeit. Die Njemenarmee war zwar tief erschüttert, 4 finnländische Schützenbrigaden bei Augustowo zersprengt, 12. K. durch General v. Morgen glänzend geschlagen. Und als am 1. Oktober das 3. Sibirische, 22. Finnische K. im Waldgebiet von Augustowo angriffen, endete zweitägiges Ringen mit ihrer schweren Niederlage (3000 Gef., 18 Gesch.). Hier stand 44. fest bei Filippowo, 48. R. Kav., 12. Ul., 41. I. daneben, nebst 2., 3. R., 37. nebst Ers. Batt. von 71., 72., 73. Art. bei Kalvaria. (Zusammen 670–12.). Aber der Russe wollte sich ausleben! Ein neuer großer Angriff auf Suwalki scheiterte wieder mit schwerem Verlust (2700 Gef.). Hier standen 3., 4., 33., I/45. I., 1. Art., vor allem 49. R. (660, zusammen 1450–15.). Südlich davon drang ein Korps von Lomscha auf Lyck ein, doch bedeutende Umgehung von Olita her (diese zwei Narewfestungen bildeten die Depotbasis der neu zu errichtenden Narewarmee) brach am 5. zusammen am Wystiter Waldsee. 34. R. bei Magrabowo, 43. I. nebst 8. Ul. am Hanoce-See, 2. R. bei Ruski und Krupinnen rang schwer (zusammen mit 3. R. 1315). Hier zersprengten drei ostpreußische L. St. Kompagnien vier Bataillone und brachten 700 Gef. und viel Masch.-G. im Triumpf zurück. 17. R. F. Art. und Masch. G. Abt. der Veste Boyen wirkten mit. Immerhin besetzten die Barbaren Lyck, wo sie wieder wie Ungeheuer hausten, eine große Landsturmgruppe von etwa 10 Batl., unterstützt von 18. L. W. und Div. Goltz, die am 19. ihr Quartier im Dorschen hatte, vermochten auf die Dauer den Andrang der Übermacht nicht fernzuhalten. 1. Fuß Art., 49. R. Art., L. St. Batterien 2. K. taten, was sie konnten, durch wohlgezieltes Feuer weitere Feindüberschwemmung zu vereiteln. Der Kampf entbrannte noch wilder, als am 14. bei Nauendorf–Goldap 226. R. Liegnitz eintraf, später 230. R., zwei neu errichtete Regimenter von je einer Division 25. R. K., hier schon »50. R. D.« sagen ist falsch. Dies viehische Gesindel, das unsagbare Schandtaten beging, will heut sengend und brennend die Welt messianisch befreien, in Verbrecherkreisen und bei verrückten Gimpeln darob hochgeehrt. Diesmal fegten sächsische reitende Artillerie und Dragonerklingen diesen dreckigen Kehricht weg. Bis zuletzt feuerten Scharfschützen vom Turm der völlig niederbrennenden Kirche. Diese heftigen Kämpfe gehören in die zweite Oktoberhälfte, in der ersten, an die wir uns vorerst halten, ließ sich der Hauptkampf nicht unter dem Namen Augustowo-Suwalki zusammenfassen, sondern die neuaufgestellte 1. A. im Süden gab der neuen 10. A. den Impuls, uns nordwärts zu überflügeln bei Wladislawo-Bakalarzewo und Schirwindt-Wirballen. Obschon 69. R. Brig. schon am 7. in Schirwindt einzog, blieb dies kein gemütlicher Aufenthalt. Am 9. nahm zwar Morgen das geräumte Magrabowo zurück, aber erst bis 13. schlug man den Anlauf so zurück, daß 4000 Gef., 26 Gesch. uns zufielen. Hier fochten 3., 5., 18., 21., 61., R., 4., 24., 34., 48., 61. L. W. (24., 48., 61. neu eingerückt), 2. Jäger, 1., 2. R. Jg. nebst 2. R. Art., 15. R. F.-Art. (2600 Verl. inkl. 226., 230. R. und einiger Ers. Bataillone und etwas Reiterei). Am Südende der Ostfront versumpfte der Kampf derart, daß man auch noch »35. R. D.« (2., 9., 47., 72., 133. L. W.) nebst 20. L. W. Br. gegen Warschau umgruppierte, so daß inkl. 101. und Garde L. W. nur noch 22 Batl. bei Zastrow blieben. Woyrsch 7. L. W. (mit 6. L. W. seitwärts entsendet) bei Kolo ging mit 9. L. W. dann zur Weichselfront ab, nur scharfer Geschützkampf tobte bei L. W. und L. St. Batterien (zusammen inkl. L. W. Bitterfeld 270). 5. R. Drag. bei Lipno, andere Reiter wie L. W. Schw. Lüben (48) Ers. 1. Ul. usw. bei Konin (zusammen 117). Summa 6300 für die erste Monatshälfte. Da Nikolajewitsch mit der Knute hinter ihm stand, ließ Rennenkampf nicht nach bis Monatsende. Im allgemeinen drängten wir zwar den Feind wieder weiter zurück, doch mußten dann selbst umkehren, so 61. R. am 31. nach Schirwindt, 24. L. W. nach Pillupönen, 34. R. nach Kruglanken. 54. I. pendelte zwischen Filippowo und Schirwindt hin und her. 10 andere L. St. Bataillone standen jetzt bei Soldehnen-Brackupönen weiter rückwärts, 3. L. W. mit erheblichen Verlust bei Bilderwaitschen, 5. bei Diuggen, 34., 49. L. W. bei Sarpallen und Altenbude, ein Teil 147. I. war bei Lyck zurückgeblieben, wo es jetzt sehr blutig herging. 230. R. verlor allein 920, man kann den dortigen Verlust (460 von 226. R.) auf 2200 (100 Art.) schätzen inkl. 3. L. St. Batl. bei Blindgallen. Es ist rührend, wie hier die »minder Tauglichen« für ihre Heimat stritten, 25 L. St. Batl., fast alle ostpreußisch, standen jetzt in der Feuerfront. Die neu zusammengesetzte 3. L. W. D. hielt sich vortrefflich, doch sie und 3. Res. D. nebst 1. K. schienen doch kaum im Stande, 20 neu aufgefüllten Div. Rennenkampfs die Spitze zu bieten. Ende September hatte er sein zerschlagenes Heer noch so wenig in der Hand, daß 4. Grenadiere es wagen durften, den Njemen zu überbrücken und Verbindung mit Olita zu beschneiden, und Ossoviec bombardiert wurde. Als man davon abstand, ließ man den Russen an den Urwald von Augustowo herankommen und gab ihm dort eine blutige Lehre auf den Rückweg. Als der Feind aber Umfassung bei Wladislawo einleitete, gleichzeitig Morgen bei Magrabowo und Goltz vor Lyck eingedrückt wurde, glaubte Francois, der den Oberbefehl der 8. A. übernahm (die vor Warschau ward als eine andere Armee betrachtet), hinter die Angerapp zurückweichen zu müssen. Nicht mehr ließ sich die Straße Mariampol-Kalvaria säubern, so oft dicke Kolonnen sie überrennen wollten. Morgen erwarb sich zwar besonderes Lob für seine feste Haltung, doch als er abrückte, um den zu heftig werdenden Andrang gegen die heldenhaft bis 12. bei Schirwindt ausharrende 1. L. W. D. zu lindern, brach die russische Linke bei Grajewo durch und nahm Lyck. Die Nachhutgefechte des 1. K. bei Bakalarzewo und Filippowo kosteten dem Feind viel Blut, ehe es vorbereitete Schanzwerke hinter Spittehnen aufsuchte, rechts bis zum Lycker See (Verl. 900, davon ein Drittel vom 3.). Teuer verkaufte es jeden verlorenen Raum, Belows und Morgens Brave nicht minder. (2., 3., 34., 49. R., 54. Inf. zusammen mit 4., 24. L. W., 61. R. verloren hier 1370). Man würde es als rühmlich feiern, wenn nicht deutsche Heldentaten sich derart drängten, daß nur Außerordentliches besonderen Lobes bedarf. Der Feind erkannte die Stellung als unbrechbar. Die mehr als dreifache Übermacht brandete gewaltig, so oft sie an den feuerspeienden Klippen der deutschen Häuflein zerstäubte. Kavallerie (1. Drag.) deckte im Fußgefecht die linke Flanke. Acht Glieder tief rannten die Moskowiter in den Tod, der ihrer vor den sturmfesten Scharen der Königsberger L. W. harrte. Endlich wurden sie im Norden überflügelt durch III/54. und 222. R. der 47. (nicht »36.«) hessisch-westfälischen R. D. (deren andere Teile laut V. L. nicht anwesend) und mit großem Verlust über die Grenze gejagt. Ebenso tanzte ihnen 50. R. D. des neuen 25. R. K. bei Lyck den Kehraus, sie warf den Feind sogar aus Grajewo. Die Kämpfe im Norden kosteten nur 1700. Bei Bialla 6. L. W. und Ers. Rgt. Kynast (zusammen 230). Bei Mlawa rückte das schwache Grenzschutzkorps Zastrow erneut auf Praschnitsch vor. Mit rund 6600 Verlust (330 Kav.) hatte man den wütenden Feind in die Verteidigung zurückgedrängt. Während Rennenkampf einen »Sieg« mit dreister Stirn ausposaunte und Hindenburgs Hauptmacht gegen sich wähnte, was auf Frei- und Leerlassung des breiten Zwischenraums zur Weichsel Einfluß übte, muß diese deutsche Abwehr, von anderen Ereignissen überholt, ein kriegsgeschichtliches Echo finden. Nie bewährte deutsche Standhaftigkeit sich besser. Die Königsberger L. W. bewies sich würdig ihrer einstigen Erstürmung des Grimmaschen Tores, die Altvordern von Dennewitz brauchten sich ihrer Enkel nicht zu schämen. Nur gewaltiger Geschützzauber der Russen vertuschte etwas die Minderwertigkeit ihres Fußvolks. Sie hatten ja jahrelang gerüstet, sich schon im März in Kriegsbereitschaft gesetzt und unendliche Munition angehäuft! Als sie wegen toller Verschwendung später ausging, erklärte man alle Niederlagen damit. Ja, natürlich, weil unendliches Material in deutsche Hand geriet, bis dahin aber deckte nur die Artillerie alle Mängel zu. Bald kam man so herab, daß man schon alte Vorderlader-Geschütze und Berdangewehre brauchte. Während wir solche Beschönigung nicht gelten lassen, muß man dagegen in Anschlag bringen, daß bereits die Hälfte aller gegen uns vorbewegten Aktivtruppen verloren ging und der Großfürst seine Reihen mit jungen Rekruten füllte, die man in dicken Kolonnen zusammenhalten mußte. Deutscherseits brach aber selbst im L. St. die altgermanische Kriegertugend hervor. »What's bred in the bone« sagt englisches Sprichwort. V. Warschau–Iwangorod Hindenburg operierte wiederum durchaus auf innerer Linie von Czenstochau her in die rechte Flanke der gegen Krakau aufmarschierten russischen Hauptmacht. Deren Rechte mußte eiligst über die Weichsel ausbiegen. Ludendorff befaßte sich schwerlich je mit unserer Abwehr der Moltkeschule, doch handelte so, als wollte er unserer Theorie zum Siege verhelfen. Begreiflicherweise, weil ein geborener Feldherr keiner Belehrung bedarf, sondern instinktiv auf den Bahnen Friedrichs und Napoleons wandelt. Der völlig unter dem Begriff innere Linie fallende Warschaustoß aufs Zentrumherz hatte daher die natürlichen Folgen strategischer Herzlähmung auf den Feind. Wiederum ist nicht mißzuverstehen, daß Ludendorff die Schlacht Warschau–Iwangorod als zentralen Durchbruch auch taktisch anlegte. Wie damals die Anmarschrichtung 17. K. über Lötzen, 20. K. über Angerburg klärte, daß nicht Einwirkung äußerer Umfassung über Goldap, sondern Zentrumstoß vorschwebte, so waren hier die drei Kolonnen strahlenförmig auf Warschau gerichtet und der Flügelstoß auf Iwangorod im Grunde ein Scheinmanöver. Wir möchten als Grundregel dieses Kriegskünstlers die innere Umfassung entdecken, gleichgültig ob er sich dabei mit Systemen herumschlug oder rein freischöpferisch handelte. Als am 11. September Francois und Reiterei den Rückzug östlich und nordöstlich verlegten, hätte ein Gewaltstoß mit großen Kräften den Ring wohl gesprengt, zumal wenn die Grodnoarmee nach Norden abschwenkte. Da sie in rückwärtiger Flanke des 1. K. stand, so ist von Einkreisung hier überhaupt keine Rede. Deutlich wird also, daß die sogenannte Flügelumfassung, als innere gedacht, nur dazu diente, den Feind zu verwirren, so wie sich bei Tannenberg die endliche Umzingelung nur durch schlaffe Unfähigkeit des Gegners ergab. hätte aber Rennenkampf das 1. K. weggedrückt, so konnte dies nur mit großem Zeitverlust geschehen, den Abzug von Mitte und Rechte so lange verzögernd, daß die inneren Umfassungen des 17., 11. K. erst recht ausreiften. Da die russische Rechte zunächst abmarschierte, wäre die Mitte bei Darkehmen–Insterburg rettungslos zusammengepreßt worden, da dann Below und Gallwitz rasch vorgekommen wären. Das sind Folgen, wie nur ein Zentrumstoß sie ermöglicht, in schreiendem Gegensatz zum Moltkesystem, mit dem sämtliche Kampfhandlungen Ludendorffs nicht die leiseste Ähnlichkeit haben, eher eine entfernte mit Napoleons Wagram. Jener Gedankengang, wie er in Schlichtung seine Fieberkrise erlebte, brachte mit sich, daß man geflissentlich die Wagramschlacht falsch las, um sich für Moltke auf Napoleons Vorbild zu stützen oder gar Erzh. Karl als Gründer der modernen Schule anzupreisen. Diese unglaubliche Fälschung des historischen Verlaufs ist freilich österreichischerseits systematisch betrieben worden: Abbrechen um 2 Uhr, unbelästigter Abzug bis 4., alles nur wegen Umfassung Davouts, der napoleonische Zentrumstoß sei Chimäre! In Wahrheit tobte die Hauptschlacht im Zentrum bis 5. ohne jede Rücksicht auf Davouts Umfassung, Verfolgung im durchbrochenen Zentrum bis Mitternacht. Die reinste Unkenntnis macht man sich zunutze, um den Zentrumstoß als mißglückt und veraltet zu bezeichnen. In Wahrheit glückte nicht nur zentrale Eindrückung auf Süssenbrunn, sondern doppelte innere Umfassung über Parbasdorf und Breitenlee preßte die K. Hohenzollern und Bellegarde bei Wagram-Aderklaa zusammen. Ganz und gar wie hier in der ersten Masurenschlacht! Das alles liegt greifbar vor Augen, doch jede Wahrheit gleicht dem Ei des Kolumbus. Wir werden Ludendorff an der Weichsel im gleichen Stil verfahren sehen. Da K. Gallwitz und Plüskow bisher sehr wenig, 17., 20. K. auch nicht viel litten, so schien Heranziehung der L. W. K. Woyrsch und Frommel genügend, um mit 12 D. unerwartet vor der leeren russischen Mittelfront aufzutauchen, deren 2. A. ein schwaches Bindeglied zwischen der 10., 1. im Norden, der 3., 4., 5. im Südwesten, der 9., 8., 7. im Südosten bildete. Sie sind zusammen auf 100 D. zu schätzen, denen 36 österreichische, 24 Deutsche im Oktober gegenüberstanden in einer Stärke von ungefähr 770 Bataillonen gegen 1600. Es sind hierbei 45 »minderwertige« deutsche L. St. Batl. mitgerechnet, nicht aber russische »Duma« L. W., eine miserable Truppe, während auch die österreichischen L. W.- und L. St.-Divisionen sich oft so gut und noch besser schlugen, als die aktiven, z. B. die 44. Tiroler und manche Honveddivisionen. Die kriegerische Überlegenheit der Kultur- über Barbarenstaaten hat sich seit der Antike nicht geändert. Als er seine kühne Operation antrat, brauchte Hindenburg keinen sorgenvollen Blick nach Norden zurückzuwerfen. Er wußte, daß dort Res., L. W., L. St. so gut ihre Pflicht tun würden, wie das aktive 1. K. Vorläufige Behauptung des Gouvernements Suwalki wurde zwar unsicher, doch band dies Kräfte, die zur Rettung Warschaus nötiger waren. Mit unglaublicher Schnelligkeit erfolgte durch Bahnschub über Thorn die Umgruppierung, technisch ein Meisterstück, schon am 4. Okt. streifte die schwere sächsische Kav. Brig. bis Skiernevice, die Ulanenbrig. und 6. Kür. schoben am 14. Vedetten bis Blonie vor Warschau, 4. Ul. erschienen am 17. bei Gundinice, R. G. Drag. am 13. vor Iwangorod. Als R. G. Ul., wo am 30. Sept. eine Kosakendivision fliehend den ersten Alarm brachte, am 5. bei Opatow erschienen östlich von Kielce, schossen hier bald 5. (20. K.), 18. Fußart., 55. Art. (11. K.), 10 Thüringer Bataillone nebst 64. R. und Teilen der G. R. zersprengten zwei Schützenbrigaden und drei Kavalleriedivisionen, 6. Kür. verfolgten bis 10. (Zusammen 388 I., 13 Art., 170 Kav.). Die Überraschung des getäuschten Feindes war vollständig, da man ihn immer noch Vordringen im Norden vorspiegelte. Nördlich davon kamen 93. R. neben 9. Thorn, 37. L. W. Woyrsch bis Gruson (500). Dieser vom linken zum rechten Flügel umgebildete Heerteil (G. R. K., 11. K. und eine zusammengesetzte L. W. Brig.) ging auf Helenow-Pulaski südlich Iwangorod und über Rudki-Janovice auf Granice-Zawada. Zugleich damit hatte sich Woyrsch von Dankl losgemacht, in Bewegung auf Maly über das alte Schlachtfeld von Tarnowka mit 22., 23. L. W. (400). Die Thüringer nebst 11. P., 19. Art. trieben bis 11. den Feind bei Holendry vor sich her (222). Die Mittelkolonne Scholtz kam über Radom, gelangte östlich der Zadjorge bis Dombrowka und gleichfalls Holendry, voraus 176., I/21., 128. (184) der linken Kolonne, Mackensen kam zunächst bis Skiernewice. Für Anschluß an die Österreicher und deren Entlastung kam es darauf an, ob die rechte Kolonne bald Novo Alexandria erreichte zur Wegnahme von Iwangorod. Dies schien nicht hoffnungslos, da der Großfürst seine ganze Hauptmasse südlich in Galizien hatte, die mittlere Weichsel also sehr entblößt war. Indessen bleibt mißlich, nach großem Erfolg vom nächsten Objekt abzulassen, nämlich von weiterer Zerreibung des unmittelbaren Gegners, und sich auf ein räumlich weit entferntes Ziel zu werfen. Hätte man die Wilnaarmee erneut überwältigt, so würde Forcierung des Njemen doch auch eine lähmende Wirkung auf Fortschreiten der russischen Offensive in Galizien geübt haben. Allein, konnte Österreich überhaupt so lange aushalten? Die ewige Besorgnis um dies morsche Staatsgebilde lähmte uns dauernd. Was sich daher an vorwitziger Kritik gegen Hindenburgs Operationen heut äußert, müssen wir streng zurückweisen. Sie war leider unbedingt nötig, auch ihre rücksichtslos kühne Durchführung bis zum Äußersten, nur so konnte man den Russenalb von den Österreichern abziehen. Beweis genug, daß sie das eingeschlossene Przmysl entsetzen konnten. Indessen fiel bisher nur die Nachhut der A. Ewert den Deutschen in die Hände (8000 Gef.), bei weiterem Andrang ward auch das Lagerkorps Iwangorod zersprengt bei Slomiki und Alexandria, doch gelang nicht, an der Weichsel zwei auf Fähren bei Nacht übergesandte Korps durch Brückensprengung abzuschneiden, wobei eine Brigade in Nähe des Uferorts Wolka ein ganzes K. aufhalten wollte. Alle Versuche Ewerts, unter eigenem Flußübergang zum Angriff zu schreiten, mißglückten. Am 11. besetzten Gardefüsiliere Novo Alexandria, am 13. Gardeschützen Slomiki westlich von Fort Gortschakow, weiter rechts erschienen G. R. Jäger und 2. G. R. schon am 17. angesichts Iwangorod. Der Verlust, bisher sehr gering (220, 5. G. verlor am 10. vor Alexandria nur 25), steigerte sich jetzt sehr. Denn vier (nicht acht) russische Korps brachen zwischen Warschau und Iwangorod vor und am 17. erfolgte ein neuer Ausfall, der bis 19. gänzlich zusammenbrach. Lehrregiment und 64. R. griffen ins Gefecht der Füsiliere ein (zusammen 1000), 5. G. und besonders 5. G. Gren. warfen den Feind über Dombrowka (650). 5. G. Art., 1., 2. G. R. Art. beschossen am 20. Ruda (70). Links davon fochten 6 Batl. Plüskows bei Dombrowka (430). Hier soll das Weimarer Rgt. sich ausgezeichnet haben, bei dem der Großherzog selber sich als Schütze einreihte, es machte allein 1000 Gefangene, doch sein winziger Verlust (50) spricht nicht gerade für Kampfschwere, übrigens focht nur ein Bataillon, 82. trug allein die Hauptlast. Der Kampf westlich Alexandria, wo die Russen verdeckt vom Weichseldamm schossen, war auch nicht blutig für 7., 19. L. W., die sich am 14. bei Pulawski einschoben (165). Daß irgendwelche Kompagnie auf 85 schmolz, muß Mythe sein, falls nicht auf 64. R. bezüglich. Auch 11., 47., 55. Art., 11. Thorner R. F. Art., 1. Ers. F. Art. bei Helenow litten sehr mäßig. Auch 18. I. der Mittelkolonne mischte sich über Glodda ein, III. schon früh vor Iwangorod (150), das 20. K. entfaltete sich zu scharfem Kampf. Seine Rechte hatte den grimmen Strauß bei Wolka am 13., 14., wo 59. nebst Ers. Batl. 729 verlor. Bei Helenow-Holendry östlich Kocicenice 148., 152. (835), I/III/152. unterstützte außerdem bei Wolka, II. schloß sich später dem linken Flügel an, der von der Piliza her sich Warschau auf der Nordostseite näherte (dies Rgt. verlor alles in allen 867). Dort 150., 147., 151. sowie 1. Jäger, die schon am 14. Blonie erreichten, mit geringer Einbuße (937), 93. R., 9. L. W. und die von Woyrsch geschickte 10., 51. L. W. hatten am 9. bei Grojec Sibirier in die Flucht geschlagen (2000 Gef., bei Iwangorod 3800), stießen aber bei Blonie auf erbitterten Widerstand. 93. R. Berlin-Anhalt gewann und verlor wieder diesen wichtigen Punkt und litt schwer (700, zusammen 1500). Die Heere Ewert und Plehwe hatten nach Iwangorod kehrtgemacht, wo sie ihre Massen über den 1200  m breiten Strom, durch Hochwasser geschwollen, bisher nur mit Vorderspitzen entwickeln konnten. Indem sie hier von Hindenburg an die Weichsel gefesselt, sollten A. Dankl und außerdem 11 k. k. K. von Krakau bis zum Sanj ihnen in die Flanke fallen. Ihnen war die Entscheidung zugedacht, wie im Kraftverhältnis lag, doch so groß war unser geistiges Übergewicht, daß ihre Offensive zur Nebenhandlung herabsank. Sie zersplitterten sich, verspäteten sich, zerquetschten nirgends ein russisches Zwischenglied. Als wir die Weichsel sperrten, überschritt sie noch nicht mal den San. Allerdings gesellten sich ihren Kampf- bedeutende Krankheitsverluste, nur die Deutschen behielten unter Wetterunbill und Gewaltmarsch ungebrochene Haltung, gehoben durch ihre Siege und unerschöpfliche Zuversicht auf ihre großen Führer. Noch waren die Russen im Weichselbogen unentwirrt mehr nach Tiefe als Breite gegliedert. Doch sie saßen trocken in ihren Brückenköpfen und Schanzen, während der durch Regen in Lehmbrei verwandelte Boden der Weichselniederung vom deutschen Nachschub schwer bemeistert werden konnte. Das Hauptquartier hielt persönliche Einwirkung für so geboten, daß es sich von Beuthen weit vorn nach Radom verlegte. Welch leuchtender Gegensatz zur O. H. L., immer hübsch weit hinter der Front! Die österreichischen Meldungen, gefärbt und wenig durchsichtig, lassen nicht durchblicken, daß man in Galizien fest durch Niederlagen aufgehalten wurde. Nahe daran war es ohne Borowic Entschlossenheit. Dagegen will Dankl südöstlich Iwangorod einen schönen Sieg erfochten haben. Bloß seine Mitwirkung genügte aber nicht auf die Dauer, da Nikolajewitsch riesige Massen zusammenballte. Die zersprengten 2. und Gardeschützenbrigaden nahm bei Alexandria das Moskauer Grenadierk. auf, vor Iwangorod lagen damals bald 3. Kaukasische und eine Div. 14. K., dann zogen sich 16., 17. K. nordwestlich bei Kocienice zusammen. Diese Truppen waren alle nach siebentägigem Ringen entscheidend geschlagen, allmählich sammelten sich aber dort hinter der Weichsel 16 russische Divisionen. Der Großfürst sandte seinen unternehmendsten Armeechef Rußki nach Warschau, der im ganzen 30 Div. in vier Armeen ballte, angeblich »400 000«, wahrscheinlich mehr. Den Generalgouverneur Zylinski, der das Publikum mit Tartarennachrichten seiner »Siege« erquickte, enthob man in Anerkennung solcher Verdienste von seiner Stelle. Da der an die Spitze gesetzte Rußki wesentlich die deutsche Linke, das südlich des Weichselbogens anrückende 17. K. ins Auge faßte, so verschob sich Hindenburg links, wo er ursprünglich den entblößten Raum zwischen Warthe und Weichsel durchschritt. Der strategische Zentrumstoß wurde jetzt auch ein taktischer innerhalb des Rahmens seiner drei Kolonnen. Schwerlich schwebte Eroberung des Zentraldepots Warschau vor, wie die Russen glaubten, sondern nur Festnagelung Rußkis, bis die Österreicher, denen jetzt nur gleiche Kräfte gegenüberstanden, einwirken könnten. Doch sie blieben aus und das deutsche Scheinmanöver wurde zu nachdrücklicher Hauptschlacht. Nachdem das 1. Sibirische K. gründlich geworfen, mußte auch das 2. Sibirische bei Blonie weichen. Zugleich wurde die russische rechte Mitte durch Mackensens 128., 129., 175. Westpr. zurückgeworfen (nicht »37. D.«, die Allensteiner fochten stets weit südlicher). Die überzahlreiche russische Reiterei (zuletzt 9 Div.) tummelte sich vergebens vor der Front, bei Skiernewice von der wenig zahlreichen deutschen und dem von Radom hinter der Front als linker Flankenschutz herangezogenem k. k. Kav. K. Korda zersprengt. Hierher sandte auch Woyrsch L. W. Brigade Wrechem, während seine anderen Teile sich im Zentrum anreihten. Hier rollte das neugebildete K. Frommel (35. R. D. und 20. L. W. Brig. unter Bredow) die Sibirier auf, wahrscheinlich auch das 1. Russenkorps, das auf der Nordwestflanke vor Mackensen wich, der bei Slomyn-Sulkonize bis Nadarzyn siegte. Allerdings stand Frommel am 12. bei Prußko und Rokitno noch in hartem Kampfe, doch am 13. beschoß man schon die Südforts von Warschau und jagte auch das 2. Russenk. an der Pilizamündung über die Weichsel. Die letzten 30  km bis Warschau durchmaß man seit 11. sehr rasch. Doch wie es zu geschehen pflegt, wenn der Feind über mächtige Reserven verfügt, trat am 14., 15. ein Rückschlag ein, Prußko 12  km südlich Warschau (Blonie 25  km westlich davon) konnte nicht behauptet werden. Doch am 17. gewannen wir in der Schlacht Blonie–Nadarzyn–Jeziorna derartig die Oberhand, daß man bei Karzem die Weichsel überschreiten wollte. Dies mißlang gegenüber frischen Massen, die zwischen Warschau und Iwangorod ausfielen, denen aber gleichfalls kein Uferwechsel glückte. Umsonst warf sich schon zuvor das neu angelangte 23. r. K. auf die 37. D. bei Gora Kalvarja, sie und 41. D. kämpften sich am 16. bis zur Weichsel durch. L. W. D. Bredow, die ihren tapferen Führer verlor, hatte fast 50  km Marsch hinter sich, doch ihr Zug über die Piliza brachte die Russen zur Auflösung. Bei Prußko griff 107. Sächs. L. W. nebst 11. F. Art. (20. K.) ein, hier rang nochmals 9. L. W. am 16. und noch mehr Woyrsch 10., sowie die neu eingesetzte 38. bis 19. (zusammen 1550). 5. F. (17. K.), 5. R. F. Art. (Bredow) unterstützten (58). Am rechten Flügel Mackensens feuerte 36. Art. am 18. im Bloniepaß, wo 129., 175. seit 11. wirkten bei Niebowo, 128. am 18. bei Blonie, 141. bei Slomazyn südlich von Mluchow (zusammen 1100). Bei Rokitno hielt eine westpreußische Brigade ein ganzes Korps auf. Am äußersten linken Flügel stand 21. Rgt. schon am 19. auf Westseite von Warschau, wo 71., 72., 81. Art. bombardierten (58). Die Verluste der 35. D. waren hier viel geringer, doch griffen an ihrem rechten Flügel die Danziger 5er bei Magdalenka ein (330), als General Heineccius dort nordwestliche Einschnürung seiner 36. D. zu verspüren meinte. Am 17. früh hatten er und die L. W. Blonie wieder und am 19. mußte eine sehr große Kavalleriemasse bei Sochatchew vor deutschen und österreichischen Reisigen das Weite suchen. Allein, nach eigenem russischen Eingeständnis hatte Rußki jetzt vierfache Übermacht, denn die 1. r. A. entsandte nun auch Truppen über die Weichsel und bedrohte unsere rückwärtige linke Flanke bei Lovicz östlich Lodz. Indessen ist unwahr, daß wir schon am 19. den Kampf abbrachen, er dauerte sehr viel länger, obwohl der deutsche Feldherr einsah, daß er sich enger zusammenziehen und die Weichselsperrung von Iwangorod nur durch Dankl hinfristen lassen müsse. Gleichwohl stand das Gefecht auch dort immer noch sehr günstig. Zwar beunruhigten Kaukasier, Grenadiere, 16., 17., 27. K. über die zerschossenen, doch wiederhergestellten Brücken, über die aber zwei Kaukasische K. und 27. K. in Panik zurückflohen, so glücklich fochten die Gardedivisionen. In Polens Hauptstadt herrschte Ratlosigkeit. Man muß sich denken, daß der Russe hypnotisiert nach Westen starrte, wo unsere Linke über Lodz anmarschierte, ohne blitzschnellen Vormarsch unserer Rechten zu ahnen. Indem Ludendorff von sehr breiter Basis ausging und weiten Halbkreis umspannte, gab doch wieder Zentrumstoß den Ausschlag, denn das Hauptgewicht lag bei der Mittelkolonne. Die Meldungen sind wenig durchsichtig, zu allgemein gehalten. Nach deutschem Bericht machten Garde und Thüringer nach 7 tägigem Ringen bei Kocienice den Österreichern Luft, »es sah übel um sie aus«. Dagegen will Dankl ein russ. K. südlich Iwangorod überraschend geschlagen haben. Erst als die Deutschen in Skiernevice auftauchten, begriff der in Warschau kommandierende General Scheidemann den Ernst der Lage. Seine Reiterei hatte sich wie gewöhnlich zur Aufklärung untauglich erwiesen. Nachher mußte General Kruse, Kommandeur des 2. sibirischen Korps, als Sündenbock herhalten, weil er Deutschrusse war. Als Zeppeline und ein anderes Luftgeschwader über Warschau erschienen, herrschte gewaltige Panik, bis der Großfürst oder, wie er sich selber angeredet wissen wollte, »Generaladjutant Nikolai« erschien, rechts und links Führer des Kommandos entsetzte und mit guter Benützung des strategischen Bahnnetzes hinter Warschau ungeheure Verstärkungen von der Hauptarmee heraufschob, zwanzig Divisionen aus Galizien und außerdem besonders zwei kaukasische Korps und alle drei Sibirischen, die zwar schon furchtbar litten, aber durch sofortige Aushebung des Landsturms zu solcher Mannschaftshöhe gebracht waren, daß man zwei Ersatzkorps herstellen konnte. Dabei blieb Nikolajewitsch selber in dem Wahn befangen, Hindenburg werde nur von Norden auf Warschau marschieren, nachdem er bis dahin geglaubt, der deutsche Feldherr werde seinen Sieg über Rennenkampf zur Wegnahme der Njemenlinie ausnützen. Die Darstellung eines amerikanischen Korrespondenten im russischen Hauptquartier redet irrig von »drei sächsischen Korps«, die über Grojec vorgingen, wie auch ein österreichischer Bericht irrig von zwei frischen sächsischen Kavalleriedivisionen redet. Es waren nur eine sächsische L. W. Brigade und eine Kav. Division da, letztere nicht frisch, sondern seit langem im Kampfe. Es waren wesentlich schlesische und andere Landwehren nebst einigen Ost- und Westpreußischen Regimentern, die unter den Sibirienkorps ein furchtbares Gemetzel anrichteten. Diese wurden am 11. jenseits Grojec bis Jeziorna, Vorort Warschaus, 15  km südlich davon, zurückgetrieben, am 12., 13. dieser Ort erobert. Die russischen Verluste am 14. überstiegen alles, was bisher verzeichnet wurde. Ganze Regimenter verschwanden, bei anderen alle Offiziere, alles tot und verwundet. Dazu 8000 Gefangene, 25 Geschütze erobert. Der verzweifelte Widerstand der Sibirier, »44 Stunden lang«, und das abscheulichste Regenwetter hielten Hindenburgs Vormarsch auf, sonst hätte er Warschau früher erreicht, früher den Angriff auf die Forts beginnen können, wo damals nur 120 000 Mann lagen. Als Hindenburg seine Rechte zur Mitte vorschob, um seiner Linken Luft zu machen, hatte Rußki schon 6 K. und zahlreiche Kosakenpulks von Nowo Georgiewsk her in Bewegung. Infolgedessen entschloß man sich, die ganze Warschauer Gruppe auf die Rawa und Piliza zurückzuführen, wo vorläufig nur 3. östr. Kav. D. die Lücke zwischen beiden Gruppen füllte. Die Südgruppe sollte dann über Novi Miasto den Nachdrängenden die linke Flanke abgewinnen. Am 18. bedrohte General Novikow mit der kaukasischen und Gardekosakendivision Mackensens Linke, die aber von der sächsischen und 7. östr. Kav. D. gedeckt blieb. Gegen Frommels rechte Flanke drang General Schilienski mit 5., 23. K. bei Karzew über den Strom, erhielt zwar vor Kalvarja eine neue Schlappe durch die Allensteiner, blieb aber in gefährlicher Nähe von Blonie, die russische Artillerie brüllte bis in die Nacht, als Mackensen und Frommel sich am 20. unbemerkt loslösten. 81. Art. deckte bei Nadarzyn den von Nachhuten maskierten Abzug, deren Tapferkeit dem Feind das Stehenbleiben eines Heeres vortäuschte. 40  km weit marschierte man in die neue Stellung, dort am 22. schlachtbereit. Sächsische Reiter plänkelten so lange, bis ein letztes schlesisches L. St. Batl. südlich Sochatschef vorbei war. Die verbündete Reiterei und L. W. Wrechem stellte sich dann an der Bsura auf, das Fußvolk an der Rawa und Piliza grub sich ein unter Beihilfe der 26. P. Die abziehende Südgruppe brachte noch dem verfolgenden 17. r. K. eine blutige Schlappe bei. Dankl sollte die Verfolger überflügeln und an die Weichsel drücken, doch auf Kriegsglück der Österreicher darf man sich nie verlassen. Genug, sie kamen nicht. Unser langsamer staffelförmiger Abmarsch mit der Linken bis Strykow nördlich Lodz konnte sich aber Rußkis entledigen, wenn sich die Rawalinie möglichst lange hielt. Dankl wurde zwar von 4., 9. A. am 23. von Kocenice und Alexandria her angegriffen und von 19. r. K. der 5. A. über Warka in der Flanke umwickelt, doch Gallwitzs Gardereserven und eine Allensteiner Brigade stäubten über Glowaczew die Umgehung nord- und ostwärts auseinander. Am 24. wichen die Österreicher an Radanka und Ilzanka, nie fochten sie braver, doch Victor Dankl war eben kein »Sieger«, kein Sulla Felix und »Cäsar und sein Glück« pflegen eben nur an solchen Personen zu haften. So war denn Hindenburgs großer Plan gescheitert. Unstern waltete überall, wo die k. k. Wehrmacht auf sich allein gestellt blieb, er harrte schon viel zu lange aus, damit die Habsburgische Hauptmacht an San und Dnjestr siegen könne. Sie und siegen! Nachher verbreiteten aber gewisse schwarzgelbe und obendrein noch tschechische Freiherrn die freimütige Unverschämtheit, die edlen k. k. Streiter hätten sich geopfert, um Hindenburg zu retten! Saubre Bundesgenossen! Gallwitz deckte noch lange den Rückzug an der Radomka gegen die ganze 5. A., am 26. hielt 41. D. bei Grabow die Russen ab, die Garden bei Augustowo, Helenow und Henrikow. Sie wollten aber ihre Vereinsamung nicht büßen, da ihre bisherigen Waffenbrüder des 11. K. vom rechten auf den linken Flügel eilen mußten, wo Gefahr drohte. Sie lösten sich rasch und ungehindert, retteten aber nochmals Dankls Linke kehrtmachend bei Kielce, den die 9. A. jetzt am 31. ganz durcheinanderwarf. Er wich hinter die Nida, alle Österreicher im November bis zum Dunajec und den Karpathen, und da Hindenburg sich hinter die Warte bog, riß zwischen Krakau und Posen eine breite Lücke auf, durch die der Großfürst seine Walze von 2 Millionen (110 000 Säbel, 7000 Geschütze) lenken wollte. Seit 24. griff 2. russ. A. die Rawkalinie erfolglos an (11., 22., 37. L. W. vorzugsweise im Feuer, 176. Inf. in Reserve), 3. A. mit ihrer Hauptmacht seit Gallwitz Abzug färbte die Sandhügel unheimlicher Föhrenwälder zwischen Rawka und Piliza mit Strömen ihres Blutes, ohne den entschlossenen Scholtz aus der Fassung zu bringen, sein Allensteiner K. ließ den Feind ruhig an- und ablaufen. Mackensen bat um Hilfe, als neue Massen der 1. A. von Plozk her auf Lodz drohten. Am 25. schwere Krise zwischen Rava und Bsura bei Gluchow und Gyzin, bei Saniki und Bialynin hielten L. W., L. St. und Reiterei mit 1. Jägern fünf Russenk. in Schach, erst zuletzt von Thüringern unterstützt. Flankierung aus Osmolin zwang zum Abzug unter starkem Nachhutgefecht der schles. Ersatzbataillone bei Kiernozia. Die Reiterei war von Ilow-Piontek bis südlich Lovicz zurückgegangen, wo 8. Kav. D. am 27. haltmachte. Hier wimmelt es wieder von Spezialirrtümern, denn daß sie erst am 27. bei Warta zur Armee trat, ist ebenso grundfalsch, wie, daß die ganze 1. Kav. D. im Norden verblieb. Teile von ihr kamen nach Polen mit, so 3. Kür. bis 2. Nov. bei Lodz. Die Reiterei verlor seit Monatsmitte nur 128. Auf dem Rückzug feuerten 6. G., 3. G. R. A., 64. R. am 26. bis 31., die 1., 3., 4. G. R., Füsiliere bis Kielce (zusammen 704). Bis 25. ging aber blutiger Schlußkampf vorher von 5. G. Gren. 64. R., Lehrrgt. bei Helenow, 5. G. bei Wolka, G. Schützen bei Novawola (1850). Verlust des 20. K. in dieser Zeit bei früherem mitgerechnet, doch besonders zu nennen II/59. und Ers. Batl. bei Augustowo bis 26. (295), 147. bei Miasto bis 28., 1. Jg. am 23. Lovicz. Weiterer Verlust Mackensens in V. L. nicht zu entdecken, 81. Art. schoß bis 24., offenbar zog er frühzeitig ab, auch die Thüringer verloren östlich Lodz nur 84. Könnten wir doch von der heldenmütigen schlesischen L. W. des K. Woyrsch das Gleiche sagen! Sie feierte einen neuen Tag von Tarnowka, diesmal für ihre eigenen Landsleute, offenbar sind 11., 17., 20. K. unter ihrem Schutz gemächlich abgezogen. Was man über deren Widerstand an der Rawka phantasiert, ist einfach Unkunde der V. L. als einzigen Belegdokumenten. Wohl häuften sich Leichenberge vor unerschütterter Front der L. W. Übrigens wirkte unsere schwere Artillerie niederschmetternd, verdeckt und versteckt richtete sie die russische bei Prussany so zu, daß sie 20 % ihres Bestandes und unglaublich viel Material verlor, 22 Stücke bei einem Art. Rgt. demoliert. Dies mag die Verteidigung der Rawa-Stellung erleichtert haben. Woyrsch' L. W. war bis Mlochow vorgegangen; als der Abbau begann, scheint 19. L. W. bei Helenow südwestlich Iwangorod (nicht der kleine Ort gleichen Namens südlich der Festung) die Nachhut gebildet zu haben, 2., 11., 38., 51., 47., 107. L. W. bei Bovino, Rokitno, Bialynin hatten in den Gefechten der Zwischenzeit nur 1000 verloren, das war jedoch nur ein Vorgeschmack der Krise, die ihrer wartete. Als im ganzen 11 K. Rußkis zwischen Sojatschef und Augustow vorgingen, fiel die ganze Gewalt auf dies L. W. K. Hier waren 72. Thür. (am 14. Gostynin), 133. Sächs. L. W. eingetroffen, die bei Bialynin neben 2. L. W. stritten, Ers. 17. Art. und 5. G. Art. feuerten (zusammen 790). Bei Rawa tobte die Krise sich am wildesten am 27. aus. Das schon bei Tarnowka schwergeprüfte 51. verlor nacheinander in vier Gefechten 980, 22. auch 460, 5. R. F. A., 6. Ers., 1. R. A. feuerten. Bei Gyzow-Gluchow auf Abzug zur Wiazga 37., 47. zusammen über 1000. Bei Kiernozia, als die L. W. abzog, nördlich Lowicz und bei Saniki sowie in Lowicz hielten 10 L. St. und 8 Ers. Batl. brav stand, unterstützt von 81. Art., 56. Ers. (zusammen 642, das Ganze inkl. Art. und 26. P. rund 3550). Die 51., 6. L. W. blieben bis 29. am Feinde, L. St. Batl. Breslau bei Sochatschef noch lange halten, 46. L. W. bei Rudniki südöstlich von Lodz, 133. L. W., 6. Ers. R. bei Mistla frische L. St. Batl. Ostrowno und Deutsch-Krone, Teile 2. R. Jg. bei Zylonka, 151. bei Nagarzyn, 19. R. F. Art. (zusammen 442) Summa inkl. Nebenverluste 550 von 11. K. (32 Art.). 1565 v. 17. K. (69 Art.), 3560 v. 20. K. (58 Art.), G. R. K. nebst 64. R. 4940 (100 Art.), L. W., L. St. nebst 93. R. 8915 (166 Art.). Somit kostete die ganze Operation rund 19 850 inkl. 298 Kav., die letzte Rückzugsphase 22.–31. recht wenig (rund 1500 bei Lowicz, Kielce usw.), doch setzte der zögernde Feind in den ersten Novemberwochen allmählich die Verfolgung fort, er war sich über die Ereignisse im Unklaren, sonst hätte er nicht so bodenlosen Schwindel ausgeheckt, daß eine angeblich 30  km vorgetrabte Reitermasse am 20. trostlos zurückkehrte, weil sie die Deutschen nicht mehr fand, so schnell waren sie ausgerissen! Am 21. wurde der Kontakt wiederhergestellt? Jawohl, mit Kanonen- und Flintenschüssen aus den deutschen Linien! Wir wollen einige Angaben in den Novemberlisten für irrig halten, wonach z. B. 2. Jg. z. Pf. noch am 8. sich bei Piontek herumtrieben, aber sicher ist, daß Hindenburgs Rückzug nach möglichster Zerstörung aller Bahnstränge den Feind zu sehr langsamen Märschen verurteilte und der Abzug längs der Weichsel nur Schritt für Schritt erfolgte. So fochten 6., 37. L. W. noch am 10., 13. Nov. »an der Weichsel« (370), 19. L. W. soll noch bis 2. bei Helenow als Nachhut verblieben sein (70), was wir kaum glauben. An der Warthe nahm 1. Rgt. der Festungsbrigade Doussain die Nachhut auf. Im ganzen 525 für November-Rückzug, sowie nördlich der Weichsel vom 5.–13. Okt. etwa 350 vom buntscheckig zusammengesetzten K. Zastrow (101. Sächs. L. W. bei Sierpe-Rypin, die auf Mlawa zurückfiel). Der ganze Oktoberverlust von Schirwindt bis Kielce betrug also 32 750, der äußere Erfolg fiel diesmal nicht glänzend aus, brachte den naiven Hoffnungen des deutschen Publikums auf Einnahme von Warschau eine jähe Enttäuschung. Sie klingt noch heute nach bei Leuten, die es besser wissen sollten, aus Redensarten von militärischer Seite entnimmt man: mehr oder minder ein trauriger Fehlschlag! Nicht nur nicht dies, sondern ein Meisterstück, freilich nur mit solchen Truppen durchführbar. 10 Tage lang wurden 30 russ. D. an die Weichsel abgesperrt, 2., 4., 5. A. konnten sich erst rühren, als 1., 9. A. auf den Flügeln die Sperre aufhoben. Unsern 137 Batl. (42 L. W., 15 L. St.) standen rund 500 russische gegenüber, davon wurden 10 Divisionen zerschlagen und demoralisiert, 6 furchtbar zugerichtet. Der russische Verlust muß ungeheuer gewesen sein, man kann ihn sicher auf 150 000 veranschlagen (inkl. Ostpreußen 200 000). So viel für das Taktische. Das Strategische berührten wir schon. Es ging nicht anders. Nur den Stoß auf Warschau aus Norden zu führen, wie Nikolaewitsch erwartete, fehlte es an Zeit, da Österreich schon so am Boden lag, daß man von ihm einen Umfall bis zur Kapitulation erwarten konnte. Trotz der eigenen ganz unzulänglichen Leistung hat der Oktoberkampf Österreich wieder Mut gemacht, es etwas aufgerichtet. Der staffelförmige Vormarsch mit Spitze auf Iwangorod war meisterhaft, noch abgesehen von der Notwendigkeit, mit Dankl in Verbindung zu treten. Der Anschauungsunterricht, was deutsche Truppen bedeuten, war für aufmerkende Österreicher nicht verloren und trug seine Früchte. Wer Gallwitz' Garden im Feuer sah, als sie über die wunden Österreicher den Schild hielten, wußte genug. Sie und die heroische L. W. waren diesmal die Strebepfeiler des Ganzen. Man pries Woyrsch' Wehrmänner 9 Monate später wieder bei Iwangorod, man pries sie bei Baranowitschi, doch so großartig wie diesmal schlugen sie sich selbst bei Tarnowka nicht. Hut ab vor so viel Jugendmut der alten Familienväter, die für Weib und Kind fochten, um die Barbaren von Schlesien fern zu halten! Rührung beschleicht uns, wenn wir an all die Helden denken, die so willig ihr Leben dahingaben, in der Hoffnung auf Deutschlands Sieg. Wohl ihnen, daß sie das Ende nicht erlebten! VI. Seitenkampf in Ostpreußen. – Statistik Sehr wertvoll für Hindenburg-Ludendorff mußte sein, daß der »Fehlschlag« weder das Vertrauen des Heeres auf seinen großen Führer noch das Überlegenheitsgefühl dem Russen gegenüber irgendwie verminderte. So konnte man ruhig planen, wie am besten die »Dampfwalze« von Schlesien abzuhalten sei. Eine 9. A. unter Mackensen wurde bereitgestellt und ihr anstelle der zu Woyrsch nach Czenstochau abgetrennten Garderes. Div. das 25. R. K. sowie die aus Ypern abrollende, kombinierte 25. R. D. neben 3. G. D. überwiesen, außerdem 1. R. K. unter Kurt v. Morgen aus Norden losgelöst, ja sogar die aktive 1. Brigade dorthin hergeholt; sie und 26. Div. als Seitenhilfskorps der linken Flanke, auf der rechten folgte als zweite Staffel 2. K. (aus Ypern) nebst zwei Breslau-Posener R. D., 6. 9. Kav. D. trafen von Ypern ein als Kav. K. Richthofen der 9. A., während 5., 8. nebst 7. öster. Kav. D. dem rechten Flügel unterstellt wurden. In Ostpreußen erschien neu 89. R. 222. R. focht noch am Skananter See, rollte dann aber nach Polen ab. Seit 28. Okt. schlug wieder Rennenkampf los, jetzt von Hindenburgs Abwesenheit überzeugt und vom Großfürsten mit Vorwürfen gepeinigt, der sich noch immer nicht in die Tatsache finden wollte, daß russische Übermacht nichts gegen Deutsche fruchte. Aus unserem Gesamtverlust von 8150 bis 15. November läßt sich ableiten, was geschah. Mit blindwütiger Starrköpfigkeit auf breiten Flächen, die zur Massenentfaltung geeignet schienen, scheute der Feind keine Opfer, um auf Spitzkehnen und Rominten umzurennen. Deutsche Darstellung stellt es so hin, als habe man ihn in eine Falle gelockt, die Dinge entwickelten sich wohl ganz von selber durch örtliche Lage. Durch Sprengstoffe ward die Rominter Heide in Brand gesetzt und es gab hier von 4.–8. ein Schlachten wie auf der Zorndorfer Heide. Von vielen Brigaden entkamen nur kümmerliche Reste; 4000 Gef. blieben zurück. Die Neigung der Russen, sich ohne Nötigung zu ergeben, nahm zu. Trotzdem kamen am 11. die Sibiriaken trutzig wieder. Am 16. war Sieg der 4. Gren., 33. Füs. durch Erstürmung des Wilhelmsberges entschieden. Außer diesen Niederlagen bei Rominten und Wystiter See holte Rennenkampf sich eine andere am 12., 13. bei Eydtkuhnen-Stallupönen und neue Hiebe bei Umgehung über Wirballen. Es wurde immer einsamer um ihn, von vielen Brig. sah er nur noch Gerippe. Doch noch hatte man sich ihn nicht vom Halse geschafft. Erneutes Vorrücken von Russen und Deutschen wechselte ab. Das 1. K. stand ursprünglich bei Gawaiten-Darkehmen, verschob sich aber angriffsweise südwärts, Verlust 1800, wovon 3. Rgt. allein 760 und 28 Off., von 1., 43. nur 120. Das Korps machte nach zwei Seiten Front mit gewohnter Tüchtigkeit. Bei Pillupönen-Spitzkehnen schossen 2. Jg., 2. R. Jg., 36. Ers. Art. um Johannesburg her. Bis 3. Nov. war sogar eine Vorbewegung südlich Lyck erfolgt, welche 225. R. Glogau und 231. R. bis Borzymen dicht südwestlich Augustowo führten; 21. R. scheint am 20. Okt. wieder bei Filippowo gestanden zu haben, 61. R. bei Blieda, diese Bewegung mußte allerdings eingestellt werden, doch kam man später nie in Bedrängnis, denn 231. R. als Rückhalt verlor nur 14, alle hier Beteiligten inkl. 70. Art., III/54. bei Blindgallen 2000 (580 Glogauer). Im Norden focht das neue Ers. Rgt. Königsberg, vorher bei Schirwindt, bei Pillupönen bis 15. Waldinen, 2., 3., 18., 34., 89. R. (neu) bei Stallupönen, Ers. 82. Art. bei Samelucken, nur 1., 59. R., 5. L. W. Ers. Graudenz fochten wenig, zusammen 3500 (640 Königsberg, 550 von 3. R., 465 18. R. an 11.). Im Südwinkel trafen L. St. Eisenach und Trier ein, Soldau wieder bedroht (350). Der Russe hatte aber noch nicht genug, schon am 19. mußte Ers. Batl. des 3. Rgt. sogar bei Angerburg-Steinhof neuen Einfall ins Innere abweisen, 76. L. W. bei Erkersberg. Veste Boyen sah sich aufs neue umlagert (zusammen 510), Soldau-Neidenburg wurden aufs neue belästigt. Rennenkampf betätigte eine Unermüdlichkeit, deren Versagen ihm Nikolaewitsch um so ungerechter zur Last legte, als er selbst Hindenburgs, im besten Sinn »strategischen« Rückzug, nicht störte, sondern ihm genügend Zeit zur Erholung ließ. Am 29. Okt. bei Strykow nördlich Lodz sowie südlich Lowicz, in der Mitte östlich der Miazga bei Rudniki-Gluchow aufgehalten, im Süden nur bis Miasto a. d. Piliza lange haltmachend, entschwand ihm der Gegner spurlos, der nur rechts auf Petrikau rasch, im Norden langsam bis Konin abmarschierte. Immerhin schien die allgemeine Lage bedenklich, das Tor von Krakau, Breslau, Posen dem Großfürsten offen zu stehen. Die ganze Größe der Gefahr kam glücklicherweise nur den Österreichern zum Bewußtsein. Allerdings besaßen die im freigelassenen Raum Lodz-Petrikau versammelten Massen Rußkis, des Lemberg-Siegers, nicht mehr volle Kampfkraft. Gerade die Kerntruppen schmolzen wie Schnee im Tauwetter Polens, besonders 3. Kaukasische, 2. Sibirische K. waren halb ruiniert. Die Rechnung des »Überlebens der Untüchtigsten«, wenn nur immer 1 Deutscher auf 4–10 außer Gefecht gesetzte Russen kam, war ebenso falsch wie barbarisch. Denn wenn allmählich alle altgedienten Soldaten verblutet aus den Reihen schieden, so konnte das Hinterland nur zusammengetrommeltes Krappzeug spenden und wie ersetzte man das verlorene Material! Hindenburg hatte jetzt neu 48., 49., 50. R. D., zwei Ers. Rgt., drei Ers. Batl., drei R. Rgt. (44. Jüterbogk, 72. Torgau, 89.), Reserve und L. W. kamen so reichlich, daß die Ententespionage »3 Ers. K.« im Norden, 3 R., 1 Ers. K. nebst L. St. für Morgen-Zastrow, 2½ R., 2. Ers. K. für Woyrsch herausrechnete, letzteres doppelt zu hoch geschätzt und 47. R. D. am Dunajec mitgezählt. Für 33 L. W., 19 alte Res. Rgt., 38 Ers. und Festungsbatl. sind überhaupt nur 15½ Div. zu rechnen, so daß mit den früheren 9 und als neue Staffel 3 aktiven, 5 R. Div. im Osten nur 33, nicht 37 Div. vorhanden. Die Geschützzahl stieg um 10 Art. Rgt., 3 reitende 2 L. St. Batterien. Im ganzen inkl. Landsturm und 5 Kav. D. und sonstiger Reiterei nebst viel Jägern höchstens 400 000 unter der Voraussetzung, daß bisherige Verluste größtenteils noch nicht ersetzt wurden. Nimmt man an, daß nach Verlust von 400 000 noch etwa 1 Mill. Russen von Lodz bis Schirwindt gegenüberstanden, so war das ursprüngliche numerische Mißverhältnis doch gehörig heruntergebracht. Im Licht größerer gleichzeitiger Begebnisse behandelte bisherige Darstellung den Nordkampf stiefmütterlich, als ob der neue Befehlshaber der 8. A., der ausgezeichnete Below, ohne ernste Verstrickung seine Verteidigung hingefristet hätte. Doch noch bis Monatsende behielt der Feind Wucht genug, um die von Truppen verwaiste Linie (1., 25. R. K. weg) allmählich bis Angerburg zurückzubiegen, doch hielt die Hauptstellung Pabrodken–Darkehmen sich unversehrt. Inzwischen machte die 1. russ. A. sich wieder gen Soldau auf, Zastrow wich am 4. bei Muschaken–Rypin. Sobald er sich aber nicht mehr vereinsamt fühlte, da unsere 9. A. sich an der Weichsel zeigte und den Feind zum Stillstand und Zurückgehen über Bialla brachte, ging Zastrow sogar zum Angriff auf die russische Linke bei Lipno über. Man erfährt aus den V. L., daß später einige Aktive herversetzt zum Wachtposten zwischen Prasnyecz und Soldau, was unbedingt nötig zur Deckung der rechten Flanke Mackensens. Immer wieder stößt der Betrachter auf rastlose Anstrengung der Russen. Der Druck auf die eigentliche Nordfront ließ allmählich nach, um so kräftiger setzte er an der Südostgrenze von Lyck abwärts ein. Die Phase von Mitte November bis Mitte Dezember gehört hier einheitlich zusammen. Erst am 30. machte die 10. A. sich wieder gemeinsam auf, um bei Darkehmen durchzubrechen, doch die deutsche Front erwies sich unangreifbar. Wiederholte Einbruchsversuche von Reitermassen bei Pillkallen bis 20. Dezember; Erfolg Null. Feierlich stellte man als Trophäe einen Scheinwerfer zur Schau! Sturmlauf an den Weihnachtstagen auf Lötzen mißglückte. Der russische Generalstab schrieb alles den Wassergräben und Drahtnetzen östlich Angerburg zu. Im Januar verbot das Wetter alle größeren Bewegungen, nur bei Gumbinnen beunruhigte man die deutschen Lager. Hier stand 1. Rgt., am 7. Nov. bei Göritten, dann Tollmingkehnen, 43. bei Kiauten, beide Regimenter stießen im Dezember zur 9. A. Schon weiter südöstlich 33. bei Schönwiese. Zusammen 535, sonst ruhte das Korps aus. Vom Res. K. sind nur 4., 61. R. zu vermerken, die anfangs wieder bei Bakolarzewo und Stallupönen fochten, 1. R. A. Wirballen, 21. L. W. bei Schirwindt, bis sie zurückgingen (700). Bei Rominten und Pabrodken 76., 31. L. W. und ferner in Gegend Steinort, Gawaiten, Seehöhe, Grünberg, Johannistal 18., 4., 9. L. W., 49. R., L. St. Schlawa und Braunsberg, 1. P., 49. P. K. Magdeburg, 50. P. K. Spandau, 226. R. (wohl nur ein Bataillon) auch 50. R. Art. bei Diuggen, 49. R. Art., zusammen 1700, wobei 175 P., 160 Art.; Merkmale eines Stellungskampfes. 1. R. Hus., 1., 3. R. Ul. (neu) 112. Summa inkl. einiger kleiner Verluste 3250. Also auffälliges Nachlassen des Verlustes. Dagegen bei Soldau-Mlawa und dann bis 8. Dezember bei Scharnen L. W. Bernburg, 2. Jg., L. W. 4. K., 6. L. W., 10. Drag., 1. R. Hus., 3. R. Ul. bei Bialla, 34. R., 2. L. W., zusammen 1220 (72 Kav.). Bei Sierpe 5. Kür., bei Livno-Plozk 5. Sächs. Ers. Rgt., am 6. Dez. bei Prasnycz Ers. Batl. 3., 152. Inf. bei Swiny-Prasnycz, Masch. G. Abt. 11. K., 17. R. F. A. Danzig, zusammen 1200. Total für Below und Zastrow bis Mitte Dezember 5650, ganzer Novemberverlust ungefähr 11 000 (von 13 800). Erst nach genauer Prüfung des Lokalen kennt man sich in den V. L. aus, die den Umständen zwischen Plosk und Mlawa entsprachen. Die Russen hatten hier zuletzt nur noch das über die Wkra geworfene 4. K. nebst Teilen des 8. und »einige Reiterdivisionen«. Sie zogen nicht übermäßig den Kürzeren, vermochten aber die 9. A. jenseits der Weichsel nicht zu beunruhigen. Wenn wir von hier zum Süden hinüberspringen, so verlor 47. R. D. Besser im Dezember bei Limanova ungefähr 1800 (der von Stegemann angeführte Prozentsatz ist lächerlich), diese Westfalen standen mauerfest und ihnen verdankte man den zweifelhaften Sieg weit mehr als dem Eingreifen von Boroevic bei Neu-Sandec, denn ohne ihr Ausharren hätte er nur ein von den Österreichern geräumtes Schlachtfeld gefunden. Ferner fochten beim Hin- und Herwogen der Kämpfe östlich und südlich Czenstochau Gallwitz 1., 2., 4. G. R., 64. R. (93. jetzt bei 1. R. K.) höchst rühmlich bei Augustynow: 1600 (meist 1. G. R.), Woyrsch 22., 23., 51. L. W. sowie das aus Frankreich zu ihm gesandte 19. R. nebst L. St. Aachen, Koblenz, Münster, berührten bis 3. Dez. das alte Schlachtfeld Tarnowka, 28. P. Küstrin schanzten bis 24. Nov. an der Nida. Zusammen 1200. Als dann Woyrsch Rechte siegreich bis Inovlodz und Novi Miasto a. d. Piliza vordrang, erreichten ersterem Punkt 101., 102., 104. L. W. Sachsen nebst Ers. Batl. (271), letzteren 28., 30. L. W. Ers. Batl. (600). Summa für Gallwitz-Woyrsch rund 3700. Indem wir uns jetzt dem Bannkreis der Schlacht bei Lodz nähern, möchten wir gleich statistisch festlegen, was die V. L. darüber wissen. Sie reichen summarisch oft bis Mitte Dezember, so daß jede Möglichkeit fehlt, den Novemberverlust abzusondern, hiernach verloren 146. bei Novosolna-Janow, 147. bei Dombrovice-Moskule, 18. Dombrovice-Strykow-Glowno zusammen über 1700, 59. bei Dombrovice-Strykow-Moskule-Bendon sogar allein 1485, dagegen 148., 152. Strykow-Sabota, 151., 150. Moskule zusammen nur 980. Summa (41. D. 2600) 4200. Beim 17. K. 21. Biala, Marganow, Lodz, 176. Biala-Lodz-Lovicz, 141. Lanzyza-Lodz (1200), 61. Biala-Lodz später Antoniew-Skawada zusammen 2200, 128. bis 30. Konstantinow, 129. Wielke-Lowicz. 175., 5. zusammen 2100. Summa rund 4300. Vom 11. K. 94. am 19. Nov. Janovice, 95., 96. Lutomirsk, 71. Janovice, Florentinow 2100, 32. Biala-Rogi, 82., 83. Lodz, 167. Novo Solna-Charbice 1900 (1000 v. 167.) Summa inkl. 140 Art. der unmittelbar Lodz angreifenden Kräfte 12 650. Bei 3. G. D. litt nur Lehrrgt. bei Andrespol.-Borowo-Niesulka ungemein: 1180, Füsiliere auch 850, dagegen 5. G., 5. G. Gr. höchstens 760, 5., 6. Art. 100. Bei 25. R. K. 225. R. bis 30. Nov. 725, später nur 30, 226. am 13. Nov. Wloclawec 180, später Kiermozia 345, 227. R. Wloclawec bis 11. Dez. Glowno 690, 228. Rzgow, Borowo, Glowno 880, 231. R. Rzgow 610, dazu 21., 22. R. Jäger Rzgow 870. Mit 15. F. Art., 25. R. F. Art., 49. R. A. betrug der Verlust des Heerteils Scheffer-Boyadel nachweislich 4430 (100 Art.) und 2900 Garde gleich 7350. Außerdem entsendet 232. R. bis 13. nur 380, 329., 230.? Dazu von 25. R. D. bei Wloclawec 116. R. (600), später 125, 118. R. bis 15. Antosia 285, bis 26. noch 430. Kav. Richthofen mit 13. Jg. z. Pf., 9., 13. Drag., 13. Hus. (6. Kav. D.) bei Kutno (200), 49. R. Kav. Wloclawec, 11. Hus. Lowicz, 13. Ul. (9. Kav. D.) Glowno (109). 19., 21., 22. Drag., 8. Hus. usw. Adamow, Karpin (530), 1. Jg. z. F. 90 Boriskow = 930. Summa der Ostgruppe 10 100, mit 229., 230. mutmaßlich 10 500. Westgruppe: L. St. Konitz, Liegnitz bei Kolo-Konin 120, Besatzungsdiv. Doussin am 21. Szadek, dann Gorny, L. W. Ers. Kulm, L. St. Batl. Rawitzsch, Posen, Neusalz erst Anfang Dezember südlich Szadek, Ers. Rgt. Schütze, 52. L. W. Batl. am 3. Dez. Charbin = rund 1550. Korps Breslau 100 L. W. 26. bis 6. zwischen Szadek und Szenkilow 107. L. W. Dolki 46., 47. L. W., 29. Ers. Batl. bei Lask, Ers. Batl. 156 I. Grabina, 6. Jg. z. Pf. (8. Kav. D.), 6. Hus. Wincentow, 12. Drag. (5. Kav. D.) Marjano, Ers. Kav. Rgt. 6. K., 5. R. Art. Rogozyno = 1630, wovon jedoch 200 für zweite Dezemberhälfte abzuziehen, ungerechnet 300 östr. Kav. von Frommel. Pommersche 2., 9., 42. Markowka, Pawlovice 611, 14. Dobron-Wincentow 687, 49. Ziolona-Markowice-Lask 770, 2. Art. 50, 2. P. 33, inkl. 385 v. 140. rund 2550. 48. R. D. 1100 von 221., 222. R. bis 5. Dez. Rogozyno, später 280. Summa der Westgruppe 7000. Total 30 150. Davon abziehen 25. R. D., 226. R. und 300 Reiter = 2265 sowie 700 vom 17. K., 500 vom 25. R. K. für Glowno-Lowizc, bleibt für die eigentliche Lodzschlacht rund 26 700. (Möglichenfalls noch vom 14., 149., 34., 42. rund 665 von den bis Neujahr gebuchten Verlusten mitzurechnen). Schlacht bei Lovicz: 1., 3. R. Gombin 1150, 5., 18. R. Gostymin, Zawady, Bialawy, Saniki 1858, 61. R. Kiernozia 540, 1., 2. R. Jg. Golansko-Osmolin, 48. brandenb. R. Borowy, Ers. Rgt. Keller bei Bialawy, 93. R. Zawady 1335, 1. R. F., 10. Feldart. Bialawy 78, Summa 4960. Dazu aus Norden abkommandiert 43. I. vom 27. Nov. bis 12. Dez. Gombin-Osmolin, 1. I. am 2., 5. Dez. Osiec 1000, 119., 121., 125. I. vom 2. bis 12. hier 1510. Außerdem 118. R. und Teile 116. bei Glowno 550, 83. R., 168. Inf., 8., 24., 52. R. noch nicht da. Für I/II/54. Inf. nichts zu entdecken, auch nicht für III/54. bei Richthofen, wahrscheinlich 430 aus späteren Listen. Summa Morgens 8450. (Dazu etwa 1800 aus obigen Lodzlisten und dito ferner 1000 der Brig. Gregory und Detachments Schmid und Steuben). Summa für Lodz-Lowicz etwa 37 000 (Kutno-Wloclawec dazu 1600). Gesamtverlust seit 1. November bis 15. Dezember 13 800 im Norden, 45 000 im Süden inkl. Besser und 900 für Rückzug Anfang November. Auf solche Art treibt man Statistik, um daraus Nutzen zu ziehen, auch die Zeitdaten sind lehrreich, berichtigen mehrfach die der amtlichen G. St. Schr. Für 54. I., 229., 230. R. sowie 34., 149. fehlt V. L. bis Mitte Dezember, bei 229., 230. R. haben wir ergänzt, 5., 34. Inf. werden fechtend genannt, wir können uns aber nicht dazu verstehen, den V. L. zu mißtrauen, übrigens würde es keinen wesentlichen Unterschied machen. Die richtige Einschätzung des Verwundetenmaßstabs im Vergleich zu 9554 gebuchten Toten fällt schwer und darf man sich eben nur auf Gesamtangabe der V. L. verlassen, denn der Totensatz schwankt zwischen 16 bis 39 %, bei Scheffers Heerteil wird uns zugemutet, daß 1544 Tote auf 2800 bis 24. geborgene Verwundete kommen, wovon namentlich angeführt 1400 verwundete Reservisten, 550 von G. Brig. Below, 693 aus früheren Gefechten, also erheblich weniger. Man muß berücksichtigen, daß viele Verwundete in der eisigen Winternacht verendeten, auch so ist der Prozentsatz der Toten keineswegs hoch, nur 21 % des Gesamtverlusts Scheffers, so daß derjenige beim 11 K. bei gleicher Totenziffer ganz unverhältnismäßig höher. Wie wäre das zu erklären, da allem Anschein nach Scheffer den höchsten Prozentsatz haben müßte? Das Zweifelhafte summarischer Angaben springt ins Auge. Nehmen wir einen Durchschnitt von rund 25 % Toten, so würde man eine Gesamtziffer von 28 650 Verwundeten, also total rund 38 200 bekommen, was unsere Errechnung nur wenig übersteigt und vermutlich aus späteren Dezemberlisten erklärt wird. VII. Schlacht Lodz-Lovicz im Norden Unheimliche Schwüle brütete über der Feldzugsatmosphäre, stickig von Umwölkung und mit Elektrizität geladen, nur Donnerschläge konnten sie aufhellen. Kaum feierten die Russen Hindenburgs Ausweichen als großen Sieg, als ein gewaltiger Flankenstoß sie über Wloclawec-Kutno zurückschleuderte, so daß sie am 18. Nov. hinter die Bsura gingen, vorbereitete Verteidigungsstellung bis Lodz, deren versumpftes Südufer mit dahinter aufsteigender Hügelabdachung jedoch durch Vorgehen über Langyza-Orlow-Piontek 20  km südlich von Kutno unhaltbar wurde. Die O. H. L. stellte Hindenburg zur Verwirklichung seiner Pläne viel Kavallerie zur Verfügung, was dieser bestens benutzte, indem einerseits im Westen ein Kav. K. die Lücke zu Petrikau füllte, andererseits Kav. K. Richthofen nordöstlich Lodz herumging. Seine rechte Flanke hatte er gegen die 1. A. freigemacht durch Vorgehen auf Plock, seine Linke mußte durch Wegnahme von Lovicz, Bahnknotenpunkt 70  km von Warschau, gedeckt werden. Des Großfürsten unbedingte Fürsorge wachte freilich, um Lodz, Rußlands Hauptindustrieort, zu halten, doch infolge der Zerstörung von Bahnen und Straßen stand ihm keine Querverbindung zu Gebote, Längenverbindung hob sich von selber auf. Die wiederauflebende Schadenfreude der Westmächte, wie herrlich die Dampfwalze der Barbaren für Freiheit, Recht und Kultur in Schlesien hereinstampfen werde, erhielt gar bald einen Dämpfer. Kaum schwatzte man von ihrer Nähe zu Thorn und Breslau, als sie durch einen Riesenfußtritt bis Warschau zurückflog. Wie kam das? Nikolajewitsch ordnete zwar Vorgehen am nördlichen Weichselufer auf Soldau an, hielt aber Hindenburg für abgetan und versah sich keines Eingriffs des argen Mannes in seine weitgesteckten Pläne, die sich ausschließlich nach Petrikau richteten, wohin 4., 5., 9. A. vorrückten. Die 2. A. trödelte isoliert bei Lodz. Sie hielt noch an der Vorstellung fest, daß sie zwei als Grenzschutz eilig verschwindenden L. St. Batl. glückliche Reise nach Thorn und Posen wünschte, wo man sie bald besuchen werde. Da erwies sich schon am 8. die Ecke bei Kalisch als Wetterwinkel, aus dem sich mit Windeseile die verbündete Reiterei erhob und bei Kolo die Kosaken Nowikows, am 11. bei Konin die 1. Schützenbrigade zersprengte. (Nach den V. L. half dabei nicht II/54., sondern braver L. St.). Richthofen, der dort mit Kav. K. Frommel (5., 8. nebst 7. k. k. Kav. D.) in Verbindung vorging, wandte sich südöstlich. Hinter seinem Schleier blitzten Mackensens Heersäulen heran, nach Posen–Thorn verladen und durch Hohensalza-Waldung heraufziehend, staffelförmig vom Warthewinkel längs der Weichsel, von links nach rechts 25. R. D., 25. R. K., 1. R. K., 20., 17., 11. K. im Rückhalt 3. G. D. Drei russische Kav. D. ließen dies unbemerkt, seitwärts ausgewichen. Die Donnerwolke entlud sich krachend gegen das 5. Sibir. K. südlich der Weichsel bei Wloclawec. Nördlich davon 6. Sibir. K. bei Plock, 6. russ. K., 6. Kav. D. bei Sierpe-Lipno wurden hierdurch in der Flanke abgeschnitten, anscheinend zwei andere Korps (1. Turkestan, 1. Kauk.) sollten vom Narew gegen Mlawa-Bialla wirken. Mächtige Geschwader von Dragonern und Kosaken längs der Vorderlinie Kolo-Radomsk und vorgeschobene Teile des 23. r. K. bei Warta und Tureck waren in großer Verlegenheit und bewegten sich rückwärts aufs 2. K. der 2. A. bei Lanscyca, auf das nach Verdrängung des 5. Sibir. der Hauptstoß treffen mußte. Hessendarmstädter und Schlesier warfen sich ganz überraschend am 12. auf die Sibiriaken, die mit Hinterlassung von 1200 Gef. flohen. Nur eine Brigade der 49. R. D. Briesen, nur eine Brigade der 25. R. D. fochten, Richthofen wollte zwar die Rückzugsstraße sperren, doch der zerklüftete aufgeweichte Boden verhinderte es. Der tapfere Divisionär v. Briesen fiel im Siege seines 227., 226. R., Hessendarmstädter 116. vollbrachte ein ernstes Tagewerk, bei Marjanka, am 13., 14. verfolgte 36. R. D. unter ständigem Gefecht, wobei Briesens 49. R. Kav. tapfer einhieb, über Gostymin auf Kutno, Richthofen strengte sich Tag und Nacht an, weitere Früchte einzuheimsen. Er kam aber nicht recht vorwärts, die Sibirier setzten sich wiederholt, der Boden war schlecht, an flankierendes Eingreifen des heraneilenden Allensteiner Korps war noch nicht zu denken. General Morgen stand vor eigentümlichen Verhältnissen. 25. R. K. war hinter seinem ostwärts marschierenden K. (vier Brigaden und die Hessen) südwärts abgedreht, russische Artillerie hatte von Lipno her über den Strom weg schon den Angriff auf Wloclawec belästigt, General Scheffer beließ eine Abteilung (226. R.) Schmid am Südufer, Brig. Gregory (230., 232.) am Nordufer. Diese vereinte sich mit der Thorner L. W. D. des Generals Dickhuth und schlug am 13. bei Kikol gründlich die 4. D. des 6. r. K., worauf am folgenden Tage auch Lipno selber fiel. Die schwachen deutschen Kräfte errangen einen schönen Sieg (5000 Gef.) mit offenbar sehr geringem Verlust und schlugen von da ab andauernd den Feind bis Sikorz zurück. Dickhuth, dem neue Verstärkungen auf Lipno nachgeschoben, stürzte sich auf Plock, um wenigstens das r. 6. K. an Eingreifen am Südufer zu verhindern. Dies gelang vorerst und Rennenkampf, der neben der 10. auch die 1. A. befehligte, sah seine Operation auf Mlawa gelähmt, da seine Front nördlich der Weichsel durchrissen. Er mußte Vorrücken längs des Stromes um so mehr einstellen, als bald dringend geboten schien, auf Bahnumweg über Warschau möglichst viel Truppen nach Lovicz zu senden. Entlastung Scheidemanns, dessen 2. A. gegen den Flankeneinbruch schräg von Nordost nach Südwest eiligst eine Frontveränderung vollzog, war schon sehr vonnöten. Dessen 2. K. bei Langyza wandte sich nach Kutno zur Aufnahme der Sibirier. Indessen beendete schon das 6. Sibir. K. den Uferwechsel, um den geschlagenen Landsleuten zu Hilfe zu kommen. Diese wurden aber von den Hessen bei Antosia in die Flucht gejagt und die Vorhut des 2. K. von Richthofen in der Nacht überfallen. Die keineswegs verschlafene Besatzung von Kutno verlor 2000 Gef., obschon die Kavallerie den Rückzug nicht abschneiden konnte, weil sie am Tag bei Sokolew heftigen Widerstand fand. Die Verwirrung nahm so überhand, daß die Metzer Dragoner, alle telephonisch-telegraphischen Verbindungen unterbrechend, auf der Chaussee nach Lovicz den Gouverneur von Warschau, Baron Korff, im Auto erwischten, der ihnen gradewegs ins Garn lief. Der Frost nahm zu und erleichterte die Truppenbewegung, infolgedessen Mackensen im unerhörten Gewaltmarsch von 65  km jetzt schon die Umgegend von Lodz erreichte. Hier fand merkwürdigerweise der erste Zusammenstoß bei der letzten Staffel, dem 11. K., statt am rechten Flügel. Die Thüringer stießen mit der bei Chelmnow und Grabow vorgeschobenen 3. r. G. D. zusammen, am 14. abends drang Brig. Hanstein bis zum Nord-Übergang Dombie vor, 96er voran. Acht ihrer Offiziere bluteten, doch Scholtz' 5. F. Art. und 55. Art. Naumburg fügten dem Gegner schreckliche Verluste zu. Das 2. r. K. war bei Chadow aufmarschiert, hier umfaßten die Westpreußen auf Sabotka, die Allensteiner nordöstlich, 147. erstürmte abends die Hauptstellung Dombrovice, wobei auch 59., 148. mitwirkten. Daß 25. R. K. bei Kutno focht, ist nach den V. L. höchst unwahrscheinlich, 226. R. schloß sich Morgen an, der ganz östlich auf Lovicz zustrebte, 225. R. litt ganz unerheblich. General Scheffer setzte vielmehr unbehindert den Marsch südöstlich fort, denn wie ein reißender Fluß ergoß sich die deutsche Macht durch die gebrochene Lücke zwischen Lodz und Lovicz, Scheidemann schon an seiner Rückzugslinie nach Warschau abdrängend. Durch Verbleib der von Anbeginn am Nordufer angerückten Brig. Gregory bürgerte sich die irrige Vorstellung ein, Mackensens ganze Linke sei dort entlang und dann aufs Südufer gerückt. Das entspricht nicht den Tatsachen, wäre auch schön dumm gewesen, denn abgesehen vom Aufenthalt durch Uferwechsel wäre sehr verfehlt gewesen, nicht die breite Stromschranke zwischen sich und die 1. r. A. zu bringen. Das war die beste Flankendeckung und die andere durch Dickhuth-Gregory genügte, jeden Vorsatz einer Belästigung über den Strom weg beim Feind zu ersticken. Viel mehr Anlaß zur Besorgnis ergab erst die Folgezeit, wo sich aus Osten immer neue Massen, bei Wysograd und Plock den Strom überschreitend, dem kühnen Morgen bei Lowicz entgegenwarfen, dessen Schwert die gutgemeinte Parade durchschlug. Die 36. R. D. warf die auf Dampfern und Fähren ans Südufer Übergetretenen so kräftig aus Weidendickichten und Föhrengehölzen an Windmühlenhöhen heraus, daß 5., 61. R. zuletzt auch die Brücke bei Plock sperrten, wo zugleich Dickhuth den Feind zu eiliger Flucht nötigte. Unser Verlust am Nordufer, zum teil nicht erkennbar, war auffallend gering, nur bei 232. angemessen. Das r. 6. K. muß sich sehr schlecht geschlagen haben. Fortan war für die linke Flanke nichts mehr zu fürchten, falls man nicht Lowicz selbst so auffassen wollte. Es frühzeitig zu erreichen wollte nicht gelingen. Da die Mitte der 1. A. bei Plock gesprengt, so konnte sich zwar Rennenkampf nicht mehr gegen unsere Weichselverbindungen rühren, aber er ließ sich angelegen sein, alle möglichen Massen sogar von der 10. A. rückwärts nach Lowicz zu werfen. General Morgen rang gegen immer steigende Übermacht und führte, obschon Mackensen unterstehend, selbständigen Feldzug gen Osten. Seine Schlacht, getrennt von der Lodzaffäre sich auslebend, sog allmählich auch Kräfte von dort an sich. Die ihm überwiesenen Verstärkungen (1. Brig. 26. D., 5. R. D.) waren noch nicht heran. Schon östlich Gostymin entwickelte sich das Gefecht gegen 5., 6. Sibir. K. derart, daß 1. R. D. südlich Pietrow und 36. nördlich bei Rogozewo zwei Meilen Raum gewannen. (Was hier von 54. Inf. geredet wird, dürfte übertrieben sein, denn wir sehen nicht, wieso die sonst so verläßlichen V. L. uns hier im Stiche lassen und uns auf spätere Neujahrlisten verweisen würden). Am 16. errangen die tapferen Ostpreußen und Pommern des R. K. einen großen Sieg bei Gombin über 14. Sibir. Schützendiv. (8000 Gef., 11 Gesch.), der Blutverlust der Asiaten war hoch, neben 69. R. Br. drückte sie 226. R. (nicht bloß 2 Batl., da das 3. Batl. sonst nirgends genannt wird) brav am Weichselufer zurück. Jetzt nahte zwar auch die 13. Schützendiv., doch die 1. R. Brig. Barre blieb im Vordringen, II/3. R. und ein hierher verirrtes Batl. Steuben des 148. Inf. flankierten aus Süden, um die breite Lücke nach Lodz für Morgens weitgespreizte dünne Front zu füllen. Daraus ergibt sich, daß damals der Heerteil Scheffer (25. R. K., 3. G. D.) bereits den gewagten Marsch weiter südlich zur Miazga antrat und in dessen Ausführung sich nicht um Morgens peinliche Lage kümmerte, der auch schon einen Übertritt des bei Plock geworfenen 6. r. K. ans Südufer erwartete. Die Hessen folgten auf Gombin, kopflos floh der Feind aus Koscice, doch die aus Budy-Susarskie auf Borowy vordringende 72. R. Brig. mußte am 19. erst durch südwestliche Wendung des 1. R., das sich besonders auszeichnete, herausgehauen werden. Überfall bei Saniki unterbrach den Vormarsch, der sich bis 24. in die Länge zog bei Bialawy-Zawady. Oberstl. Streuber fiel schwerverwundet, doch V. L. bestätigen nicht die Behauptung der amtlichen Lodz-Schrift, daß sein Bataillon schwer litt. Nicht viel teurer bezahlte die Abteilung Schmid ihr braves Ausharren längs der Weichsel nahe Plock gegen fünffache Übermacht. Schon fochten 90 russische gegen 30 deutsche Batl., Verfolgung bis Osmolin und Saniki konnte nicht durchdringen. Es ist vorzumerken, daß Scheffer-Boyadel, als er am 16. sein Korps bei Piontek musterte, von seinen 26 Bataillonen (2 Jäger) nur 17 bei sich hatte, also mit dem ihn begleitenden Richthofen und der Garde nur 30 Batl., 48 Schwadr., was doch gewiß nicht genügte, um eine ganze Armee in Lodz abzusperren. Was sich Mackensen dabei dachte? Daß preußischen Truppen alles möglich sei. Obschon Ludendorff sich nahe genug in Hohensalza befand, mußte er sich natürlich auf Mackensens Eindrücke an Ort und Stelle verlassen. Das ist der große Übelstand heutiger Kriegführung mit dem Feldherrn hinter der Front, der doch wesentlich auf Telephon- oder Funksprüche der Unterführer angewiesen bleibt. Sehen diese falsch oder ordnen auf eigene Hand Ungeschicktes an, so ist dawider nichts mehr zu machen. Jedenfalls kam für Mackensen alles darauf an, ob Morgen standhielt und Lovicz nahm, sonst hing das Geschick der Operation an einem Faden. Daher scheint höchste Ungerechtigkeit, daß Morgens großes Verdienst nie gebührend gewürdigt, in gewissem Sinne sogar unterdrückt wurde, während für viel Geringeres sich andere zu Armeechefs befördert sahen. Natürlich gab hierbei die leidige Hierarchie den Ausschlag. Man wird doch nicht einen Herrn, der bei Kriegsausbruch nur eine Res. D. führte, zum Armeechef ernennen, wenn ältere kommandierende Generale aktiver Korps vorhanden sind! Wie anders mißachtete man die Anciennitätsschablone in Frankreich, wo Obersten zu Armeechefs aufstiegen, um frisches Blut in die Leitung zu bringen! Das ist der Fluch jedes monarchischen Heerwesens im Gegensatz zum demokratischen Heerbetrieb. Selbst Napoleon machte sich zu seinem Schaden nicht von dem Schlendrian frei, unfähige Marschälle vor jungen Divisionären zu bevorzugen, die weit besser zu Korps- oder Armeekommando getaugt hätten. Vollends widerlich ist das stete Anpreisen der Aktiv- auf Kosten der Reservetruppen. Morgens Reservedivisionen leisteten unbedingt mehr als irgendeine der Lodz berennenden Aktivkorps. Schon der Verlust des 1. R. K. überstieg weit den jedes anderen. Wir wenden uns jetzt dem Vordringen auf Lodz zu. Aus den V. L. geht durchaus nicht hervor, daß 17., 20. K. am 14., 15. »schwer kämpften«. Sie spülten einfach das westlich anschließende 1. r. K. in die Hauptstellung hinein. 41. D. Knobelsdorf erreichte am 16. in stürmischem Anlauf die Bsura (5000 Gef.) südöstlich Lanczyka, wo 36. D. den Feind vernichtend schlug, während 33. D. in der Nacht bei Chadow durchbrach. Die am 17. voreilende Hälfte des r. 23. K. wurde am 17. früh über den Ner geworfen und die Thüringer zersprengten die russische Garde. So war alles, was nördlich Ner und Bsura stand, niedergerannt. Richthofen, 13. Hus. vorauf, streifte bei Orlow und schickte eine Abteilung ostwärts gegen Skiernevice vor, um dortigen Bahntransport zu stören. Schon bis Kutno hatte man den Feind 51  km südlich gedrängt, dann marschierten die Deutschen bis zu 50  km pro Tag durch Herbststurm, Regenschauer, Frost und folgendes Schlackerwetter, so daß 3. G. D. schon jetzt sich Scheffer anschloß. Man wollte die Geschlagenen nicht zu Atem kommen lassen und ihnen endgültig die Warschauer Straße bei Strykow verlegen. Dort hatte der beiderseitig Lodz aufmarschierte Scheidemann seine Rechte, vor Zgierz 10  km von Lodz nördlich die Mitte, bei Janovice leicht zurückgebogen die Linke, von wo bis Zdanka noch kein Feind zu sehen war. Das starke Reiterkorps Frommel näherte sich nur wenig der Front, die Heergruppe Linsingen, Mackensen nicht unterstellt und vom Hauptquartier gelenkt, war noch lange nicht bereit zum Eingreifen, weil sie einen weiten Flankenmarsch ausführen sollte. Fürs erste schien die r. 2. A. völlig isoliert; was von 1. A. noch schlagfähig, schlug sich weiter getrennt vor Lovicz herum, wohin 1. turkestanische K. vom Nordufer und 1. kaukasische K. von Warschau anmarschierten. Dort waren 5., 6. Sib. Ko., hier 2. r. K. kaum mehr kampffähig, 1. r. K. wehrte sich aber nach Kräften, als Mackensen am 17. früh unter Vorantritt der Pioniere über Ner und Bsura ging. Schon hatte man 25 000 Gef., 20 Gesch. erbeutet, doch standen noch 4. r., 2. sib. K. unversehrt. Entscheidender Erfolg winkte, wenn man Scheidemann gänzlich von seiner östlichen Basis abschloß. Zu diesem Behuf war angeordnet, daß 20. K. bis Brzeziny östlich Lodz vorrücke, 25. R. K. auf Strykow, es kam aber anders, denn Scheffer ging schon an Scholtz vorbei auf Brzeziny, Scholtz stieß gerade von Biala auf Strykow. Hier stockte der Angriff der 37. D. bei Einbruch der Dunkelheit, der Feind wich aber allenthalben bei Nacht unter Brückenzerstörung, was Richthofens Vorprallen beeinträchtigte. Am rechten Flügel vermischten sich Westpreußen und Thüringer aus unerklärlichen und jedenfalls nicht stichhaltigen Gründen. 38. D. mengte sich mit 36. D., der südlich Lenczyca über Zgierz vordringenden 35. reihte sich am Ner die 22. überkreuz an. Frommels österreichische Schwadronen streiften zwar wesentlich von Szadek gegen die linke Flanke des 23. r. K., doch schon meldeten sich dort Novikow und die Vorhut von Plehwes 5. A., vom Großfürsten eiligst nach Richtung Lodz abgeschoben. Durch Wegziehen dieser Teile entstand eine Lücke nordöstlich Petrikau, von Ludendorff dazu benutzt, um möglichst den Punkt im Südwesten zu erreichen, von wo die innere Verbindung der Russen nach Petrikau lief. Das war nun freilich kühn und der Fehler – nach Schlieffenschule Vorzug! – ließ sich nicht vermeiden, daß ein getrennter Vormarsch zur Vereinung im Feinde stattfand. Linsingen sollte ähnlich wie der Kronprinz bei Königgrätz handeln, doch unter günstigeren Bedingungen, da kein Geländehindernis dazwischen lag und außerdem wieder innere Umfassung obwaltete, da man sich so zwischen 2. und 5. A. schob und sowohl Plehwes rechte als Scheidemanns linke Flanke bedrohte. Aber drohend erhob die Gefahr ihr Haupt, als vielleicht ohne Ludendorffs Wissen, jedenfalls ohne dessen Überblick aus der Ferne, das theoretische Gespenst oder Hirngespinst der doppelseitigen Umfassung auf Mackensen's Betrieb erschien. Königgrätz und Sedan sind verschiedene Dinge, der Heerteil Scheffer übernahm eine Aufgabe, die ihm über die Kraft gehen mußte, wenn der Gegner entschlossen handelte. Wiederum opferte sich Hindenburg für die wenig dankbaren Österreicher, indem er Plehwe und sogar auch Teile Ewerts auf sich abzog. Er lenkte sie aus ihrer Bahn nördlich Petrikau ab und es blieben nur 3 K. Ewerts gegen Böhm und Gallwitz, nur 9. A. westlich von Nowo Radomsk gegen Dankl und Woyrsch nebst Teilen Erzh. Josef Ferdinand stehen, im Ganzen 8 russische K. gegen 11 verbündete. Nach Divisionszahlen ist das Mißverhältnis noch größer, allerdings konnten die geschwächten Österreicher ihre Verlustlücken nicht so rasch ausfüllen wie die Russen. Aber erst als 3. A. Dimitriew, vor Przemysl durch die neue 11. A. abgelöst, sich gegen Erzh. Ferdinand wandte, trat ein günstigeres Gleichgewicht für die Russen ein. Auch dann war ihre Übermacht nicht entfernt so ausgesprochen, wie gegen die Deutschen bei Lodz-Lovicz, und wenn Böhm und Dankl ihre Bulletin mit ziemlich apokryphen Trophäenziffern füllten, so trugen doch nur Gallwitz und Woyrsch die verspätete Offensive ordentlich vorwärts. Es war nicht zu unserem Vorteil, daß 5 deutsche Div. dem k. k. Oberbefehl unterstellt wurden, statt daß anstandshalber die Befehlssphäre Hindenburgs sich über Böhm und Dankl hätte erstrecken sollen. Daß der »große Bruder« noch obendrein den k. k. Schwächling wie ein rohes Ei behandeln mußte, hat die Kriegführung unendlich erschwert. Wir unterstreichen dies nur deshalb mit solcher Bitterkeit, weil der »Dank vom Hause Österreich« nicht ausblieb und sowohl der Verrat des Knaben Karl als der französisch orientierten Ungarn uns den Genickfang gab. Die große Tapferkeit vieler österreichischer-ungarischer Truppen, wobei die Tiroler ihren alten Ruf höchst würdig hochhielten, darf uns nicht blind machen für die meist ungenügende Leistung im Ganzen. Während Scheffer und Richthofen die Lücke zwischen Lodz und Lovicz über Dombrowa-Glowno durchquerten, hielt der Feind seine rechte Flanke nordöstlich Strykow für gesichert. Doch rollte, nachdem 141. am 17. endgültig Lenczyca erstürmte, Mackensens Frontalstoß weiter. 32., 82., 83. schoben sich vor Novosolna zwischen Ost- und Westpreußen ein, deren Verluste, bisher gering, jetzt erheblich stiegen, wenigstens bei 36., 37. Div. Bei Novosolna-Janow und Strykow-Moskule wehrte sich der Russe verzweifelt; am 18., 19. stand die Schlacht in vollster Blüte, am 21. entbrannte sie zur Siedehitze. 128. unterstützte 94., 96., 71. am Ner, 167. Kassel ging westlich hinter der Front auf Charbice ab, denn an diesem Tage griff die Posener Kolonne bei Szadek ein, Scheffer aber nach Süden aus über Niesulka, um den Ring zu schließen. Schon sperrte Richthofen die Miazgabrücken. 41. D. am Wald zwischen Teolin und Lipiny bis nahe der Straße nach Gombin, wo I/148. notdürftig Verbindung nach Norden unterhielt; 37. D. von Moskule auf Novosolna hatten langwieriges Gefecht, die 22. D. suchte den Nordeingang der Stadt zu erreichen über Rogi, 35. von Zgierz her über Babice-Grabovice, 36. in Verbindung mit 38. D., die vorerst bei Janovice stecken blieb, nachdem sie den Raum Charbice-Lutomirsk siegreich durchschritt, Front nach Südost, die Danziger D. Front nach Ost. Inzwischen verriegelte Morgen den Raum nördlich und westlich Lovicz, kampflos besetzte 72. R. Brig. (5. R., 54. I.) Combin, sie und nach kurzem Mißgeschick 226. R. drangen auf Kiernozia vor. Jetzt bestand ein Abstand von 60  km nach Lodz. An der südwestlichen Vorstadt von Lodz, Konstantinow, kam es am 20. zu wahren Schreckensszenen. Der blühende Ort, meist von deutschen Webern besiedelt, sank durch beiderseitige Granaten in Trümmer und verfiel dem Wüten echtrussischer Leute, doch die Russen stürmten immer wieder durch Rauch, Schutt und Brand über Leichenberge vor. Weiter kam unser Angriff doch nicht; 129. und Thüringer 96. behaupteten nur die Umgegend und Lutomirsk westlich Lodz. Schon näherten sich Hilfskorps der 5. r. A. nach ungewöhnlichem Gewaltmarsch Pabianica, schon brachte der nach Warschau abberufene Rennenkampf die dort aufgespeicherte Generalreserve, um zwischen Morgen und Scheffer einzubrechen. Auch Scholtz, dem übrigens 1. Jg. fehlte, wie wir aus V. L. ersahen, wurde so in Mitleidenschaft gezogen. Daraus entwickelte sich, während in Nord-Nordwest die Schlacht zum Stehen kam, ein furchtbarer Kampf im Osten. VIII. Schlacht bei Lodz im Ost und West 49. R. D. hatte am 18. südlich Brzeziny, die Garde bei Malczow östlich der Straße nach Jordanow hartnäckigen Widerstand gefunden, wobei 5. G. Bresche brach. In klarer Winternacht schauten die ruhigen Sterne auf ein wüstes Schlachtfeld nieder, als eine ganze Div. dieses Rgt. angriff, doch 800 Leichen, 250 Gef. als Zeichen der Niederlage zurückließ. Richthofen's Vorhut nächtigte östlich Karpin, nachdem er nur 19. Drag. zur Sicherung nach Nordost bei Bialawy beließ. Doch besetzten einige aus 11. Hus., 13. Ul. zusammengesetzte Schwadronen Skiernewice und zerstörten die Bahnstrecke. Der 9. K. D. Eberhard v. Schmettow ging die 6. D. Egon von Schmettow voraus und stellte schon weit südlich Anmarsch neuer Russenmassen aus Piotrikow fest. In ungefährdet fortgesetztem Marsch längs der Miazga kam Scheffers Vorhut schon bis Bandkow weit südlich Karpin-Dalkow, nachdem 5. G. Brig. Below über Borowo den Übergang bei Karpin eroberte, 6. G. B. Friedeburg unterstützte dagegen seitwärts nördlich die 72. Allenstein Brig. Schaer, die als Linke des 20. K. südwestlich über Jordanow auf Bedon vorging, welchen Miazgaübergang indessen die Garde erst am 20. inne hatte, nach äußerst heftigem Kampfe im Schloßpark, wobei der Oberst des Lehrrgts. schwer verwundet niedersank. Der auf seine Geschützstellung Kurowice zurückgeworfene Feind stand jetzt östlich vom Städtchen Rzgow bei Kalino-Tadzien. Die südlich Bucovice aufgefahrene 3. G. Art. Brig. räumte aber gewaltig auf, nachmittags drang Below südwestlich bis Rzgow durch. 9. Kav. D. verband die zwei getrennten G. Brigaden, konnte aber im Fußgefecht nicht eine drohende Feindstellung bei Felikse nehmen. Dagegen durchschritt 49. R. D. Thiesenhausen (später Wenker), an der Garde vorbeigegangen und aus Süden angesetzt, siegreich den Großwald von Tuscajew und schleuderte im Verein mit Below das 5. r. K. nach Lodz. Dessen Linke muß hier schon die Gegend verteidigt haben, da 1. K. zwischen Milazki südlich Novosolna-Olecho nach Nordosten stand. Gegen Flankenstoß anrückender Teile der 5. A. von Grabina her wendete sich die 50. D. Goltz, nur aus einer Brigade bestehend, und vertrieb den Feind südwestlich Bandkow, wohin 6. K. D. langsam wich. Ob dieser schwache Sicherungsposten genüge, die so weit ausholende Umfassungsbewegung Scheffers zu decken, mußte doch jedem Klarsehenden zweifelhaft sein. Von Einwirkung der Gruppe Linsingen über Lask-Pabianice spürte man auch nichts. Bis Wadlow ausgesandte Vedetten fanden den Horizont im Westen leer, wurden vielmehr russische Kolonnen aus Süden gewahr. Nach Norden fochten Friedeburg und Schaer als einziges Bindeglied zu Scholtz. Dieser hatte am 18. mit Div. Knobelsdorf das 1. K. aus Strykow und in Fühlung mit der Garde aus Niesulk verjagt, mit Div. Staabs bei Moskule-Natolin gesiegt. Die Trümmer 2. K. hatte man über Brezeziny ostwärts versprengt, wo sie sich später Rennenkampfs Vorstoß anschlossen, einige noch gefechtsfähige Teile zog Scheidemann zum linken Flügel hinüber, wo sein 4. K. südlich Zgierz, 2. Sibirische bis Konstantinow, die geschlagene 3. G. D. und sonstiges 23. K. weiter westlich bis Szadek standen. Das bei Strykow-Lipiny verdrängte 1. K. setzte sich in Linie Wiskitno–Andrespol. In dieser starken Stellung erwartete er zuversichtlich den neuen Anprall, da er schon Teile 5. A. im Anschluß wußte. Scholtz hatte guten Erfolg gehabt (2000 Gef.), doch schloß der Tag mit Mißerfolg für General v. Pannwitz, den jetzigen Korpschef der Westpreußen, der jetzt auch 22. D. um sich scharte. Diese griff vorteilhaft ein, doch der rechte Flügel der 35. D. mußte den westlich Zgierz vorgelagerten Wald verlassen unter Deckungsfeuer der 71. Art. vom Windmühlenhügel, die aber schwerlich einen »schweren Stand« hatte, denn sie verlor fast nichts, obwohl den Kommandeur. Die Sibirier brachen in einer bei Alexandro von der 36. D. nicht geschlossenen Lücke ein und griffen bei Nacht Zgierz erbittert an, zogen aber am 19. abgewiesen über die Bsura ab. An diesem Tage herrschten Nebel, Frost, zunehmendes Schneetreiben, das die Luft verdunkelte. Verlust der 36. D. (3. Rgt. in Reserve) blieb aber geringer als der bei 35., wo 141. mit recht großer Einbuße Lenczyca erstürmt hatte. Auch die zwischen Biala und Rogi fechtenden drei Regimenter der 22. D. (167. entsendet) litten wenig, die Kampfschwere lag ganz auf dem linken Flügel. Mit Kraft ging Scholtz ans Werk bei Novosolna und anstoßendem Wald, Brig. Schaer bedrohte schon Andrespol. Scheidemann schied aber keine Verstärkungen aus und verließ sich auf Beihilfe Plehwes. Er behielt das ganze Sibirische und 4. K. vor Pannwitz' Front nach Norden, obschon ihm doch wahre Gefahr nur aus Nord- und Südost drohte. Und aus Westen? Hier marschierte Plehwes 19. K. schon ans 23. K. heran. Wenn Pannwitz sich entlastet fühlte, so konnte er den Irrtum am 20. innewerden. Plötzlich klare Witterung bei klirrendem Frost gab den russischen Geschützen gute Sicht. Die 22. D. ward bei Julianow und Rogi eingedrückt. Doch glänzender Vorstoß der Meininger 32er machte alles wieder gut, Teile 37. D. trafen von Moskule her den Feind in die Flanke. Bis Abends erkämpfte 146. Novosolna, 41. D. Teolin, was den Sieg des Gardegenerals Friedeburg bei Bendon (1100 Gef.) ermöglichte. Schon aber dämmerte eine schwere Gefahr, obwohl anfangs nur in unklaren Umrissen: Feindliche Massen zeigten sich plötzlich in Marsch auf Glowno. Wo kamen sie her? Von Lovicz und wollten die schwache Verbindung zwischen Mackensen und Morgen bei Strykow durchschneiden. Die Oldenburger Dragoner mußten ihren Posten aufgeben, nur wenige Kompagnien und Batterien der 37. D. fingen den verderblichen Stoß auf. Doch ließ sich voraussehen, daß Morgen's Beihilfe nötig sein werde, um dies strategische Krebsgeschwür durch chirurgischen Eingriff zu beseitigen. Dieser warf mit seinen schwachen Kräften den Feind erneut bei Kiernozia, 61. R. worauf, nahm ihm viel Gefangene und 12 Gesch. ab. Seltsamerweise schien damals, mit Verkennung der Lage, wie es oft im Krieg geschieht, die Krise dringender am Westflügel. Plehwe hatte hier sein 1. sib. K. zum mürben 2. sib. nach Konstantinow eingereiht, wo die Danziger Div. die Höhen südlich Lutomirsk mit dem kühnen 128. erstürmte und sich unmittelbar Alexsandrow näherte. Während die frischen Sibirier hier den Kampf herstellten, kamen rechts davon die Thüringer in eine schwierige Lage. Sie hatten auf der Strecke Janovice–Alexsandrow das 23. K. geworfen, jetzt aber rückte Plehwes 19. K. gegenüber ihnen auf und lehnte den Hauptteil an die Höhe von Jasionow südöstlich Pabianice, wo vielleicht das hierher abgezweigte 167. Kassel sich vorarbeitete, während die Linke sich dem Vormarsch des Korps Posen nach Szadek (noch lange nicht »Lask«) vorlegte. Durch Umgehung ihrer Rechten sah sich die tapfere 38. D. bis Florentinow nahe an den Ner gedrängt, für 94. Weimar und 71. war dies ein schwerer Tag, man mußte am 20. über den Ner zurück, hier fiel der Oberst der 95er. Der Kampf für 38., 36. D. war nicht mehr günstig, besonders 76. Brig. wurde durch Umbiegung nach Süden hart betroffen. Weiter westlich nahmen die Dinge bisher keinen guten Fortgang. K. Posen (K. Breslau erst am 18. Sieradz) rückte zwar auf Szadek an, wo Frommels Reiterei bei Wincanto (6. Hus.) und Marjano (12. Drag.) umfaßte. Novikows Geschwader verschwanden größtenteils nach Osten, um neben Plehwes 5. K. dem kecken Scheffer-Boyadel in die Zügel zu fallen, dessen ungestümer Galopp gebändigt werden mußte. Das 19. K., auf das man bei Szadek stieß, dehnte seine linke Flanke schon über Dobron bis Zdunka verlängert. Frommel wich vor Geschütz- und Gewehrfeuer aus, nur die Besatzungsdiv. Doussin war am 20. fähig, des Feindes linken Flügel in die Wälder bei Wilanow einzudrücken, das sonstige Posener K., noch nicht in Vollbesitz Szadeks, erschöpfte sich in fruchtlosen Angriffen. 5. Kav. D. Unger wies den Angriff zahlreicher Feinde ab, die österreichische schlug sich bei Zdunka mit dem abziehenden Novicow herum. (G. R. Schr. spricht immer von 3 fechtenden K. D., doch die sächsische D. Kapher blieb stets unbeteiligt, Verlust Null). Am 21. fiel Scheidemann mit Wucht auf die Danziger bei Niesiencin, doch General Heineccius behauptete sich unter ungeheueren Verlusten des Angreifers; der zuletzt angeblich die 5er über den Haufen warf. (Jedenfalls nur als ganz zuletzt eingesetzte Reserve, wann überhaupt, denn die V. L. schweigen völlig.) Endergebnis am 21. nur: russische Linke festgehalten, auf der ganzen Front bis Novosolna der Gegenstoß in Todesschweigen zahlloser Gefallener erstorben, dem Einbruch bei Strykow–Glowno ein Ende gemacht, aber auch deutscherseits nur langsame Fortschritte. Scheffer entfernte sich immer mehr von seiner Aufmarschbasis, der Sieg des Lehrrgts. bei Bendon a. D. Miazga und der Gardefüsiliere nördlicher trug sie nur neuen Schanzstellungen entgegen und für Brig. Below bei Kalino–Karpin trat schon das Bedenkliche ein, daß III/5. G. Gr. im Süden Tuscyn besetzen mußte, wohin das ganze 3. K. Plehwes zum Entsatz von Lodz vorrückte. Gleichwohl wurzelte Schlieffens Cannä-Wahn so tief in deutschen Gemütern und so stolz fühlte sich der deutsche Soldat – an sich ein wertvolles seelisches Gut, das man aber nicht überschätzen darf –, daß Scheffer darauf bestand, die Einkreisung fortzusetzen im Vertrauen darauf, daß die Flügelkolonne Linsingen rechtzeitig Pabianice erreichen und so den hermetischen Verschluß von Lodz erzwingen werde. Vor der 49. R. D. floh allerdings der Feind auf Lodz, doch die Feliksestellung bereitete den Abgesessenen der 9. K. D. und dem ihr beigegebenen II/54. Aufenthalt, jede Verbindung zwischen den Einzelkolonnen störend. Es half wenig, daß Scheffer schon im Rücken des gegen Scholtz ringenden 1. K. stand, das seine Flanke durch Massenbatterien deckte. Solange diese Front nach Norden sich hielt, stand Scheffer nach der bedeutsamen Einnahme von Rzgow doch eigentlich schon auf verlorenen Posten. Denn wohl durfte er hoffen, das 5. K. zu schlagen; wie aber, wenn der Feind aus Nordost einfiel und ihn von Scholtz abschnitt! Schon der erste abgewehrte Einbruch auf Strykow gab zu denken. Besserten sich die Verhältnisse am 21., wo endlich nach der Vorhut (Inf. Brig. Schmiedeke) das ganze K. Breslau zur Stelle war? Wenig. Div. Menges stritt um den Bachübergang bei Widawa, hielt den Feind bei Zdunska fest, war aber weit entfernt, auf Lask abdrehen zu können, was K. Posen schon südöstlich Szadek aufgab. Wohl sollten die Thüringer im Verein mit Frommel wieder über den Ner den wichtigen Punkt Pabianice aufsuchen, kamen aber gar nicht dazu, General von Esch mußte sie vielmehr über den Fluß zurückführen. Das frische 19. K. erwies sich neben dem geschlagenen 23. K. doch noch zu stark auf der ganzen Westfront. Dort standen bisher ungefähr 70 r. gegen 36 d. Batl., denn »Korps« Breslau zählte nur 11, K. Posen 16 Batl., von denen 3 L. W. Ers. Batl. erst Anfang Dezember eintrafen. Das 2. K. verspätete sich traurig, da es erst Mitte November von Ypern kam, indessen war doch Morgens Hessendarmstädter R. Brig. gleichfalls von dort um zehn Tage früher da, und zwar auf viel weiterer Entfernung nach Osten. Wer immer die Schuld trägt, jedenfalls bewährte sich Napoleons alte Maxime, daß es bei getrennten Anmärschen nie ordentlich klappt. Die Posener und Breslauer litten bedeutend, in Anbetracht ihrer viel kürzeren Kämpfe weit mehr als die Thüringer. Es spricht für den tapferen Geist dieser L. W. Ers. Besatzungstruppen, eben erst ins Feuer gebracht, daß sie keineswegs losließen, obschon ganz nutzlos geopfert, denn vor Ankunft der Pommern war hier doch nichts zu machen. Nordöstlich Konstantinow, wo man das von Lask hereingerückte 1. Sib. K. wahrnahm, und gegen die ganze Front von Pannwitz lief der Feind mit allen Kräften an, doch russische Mützen und sibirische Pelzhauben sanken massenhaft in den Schnee, umgeblasen vom Flankenfeuer der 73., 82. Art. von Staabs, die überquer in die Sturmhaufen schoß. 22. D. stand ruhig bei Novosolna. Hier waren 33 Bat. entwickelt gegen mindestens 96, von denen freilich 64 schon arg geschlagen waren. Anerkennung verdient das 1. r. K., dessen 32 Batl. gegen 29 deutsche (6 Garde) immer noch bis Andrespol standhielten. I/148. entsendet Morgen, 41. D. daher nur 11 Batl. an gefährdetstem Punkt. Denn an ihrem Standort (Wald von Teolin) lief die Meldung ein, daß erneut Russenkolonnen sich von Glowno auf Strykow bewegten. Eine rasch zusammengestellte »gemischte« Brig. Reiser warf sich entgegen mit vorläufigem Erfolg, doch Scholtz hatte jetzt nur noch wenig in der Hand, da Brig. Schaer an der Miazga südlich Wyoncin räumlich getrennt focht, und konnte wenig gegen Andrespol ausrichten. Das erkannte er vom Kirchturm eines Dorfes, wo er seinen Beobachtungsstand hatte, und wunderte sich wohl baß über Scheffers Vertrauensseligkeit, der immer noch feste druff ging. Morgen konnte nicht daran denken, schon heute Lovicz zu nehmen, wie man ihm naiv vorschrieb. Südlich Kiernozia brach sich sein Hauptstoß an der riesigen Übermacht von mindestens schon 112 Bat. (5., 6. Sib., 1. Turkest., Hälfte 6. r. K.), von denen freilich die größere Hälfte schon bös geschlagen war. Er hatte weitaus den zahlenmäßig ungleichsten Kampf. Brig. Gregory, die ans Südufer über und unter seinen Befehl treten sollte, hatte die eistreibende Weichsel noch nicht hinter sich und stand erst am 22. zur Verfügung. Alle Aufmerksamkeit von Freund und Feind wandte sich der Gruppe Scheffer zu. Lage äußerlich gut, sonst wenig tröstlich. Friedeburg und Eberhardt Schmettow vermochten den Feind bei Feliksen nicht aufzurollen. Weiter südlich trat Brig. Below von Wiskitno zum Sturm auf Olenso an, blieb aber erfolglos gegen die Übermacht trotz starker Wirkung schwerer Gardeartillerie und glänzender Haltung von I/III. G. G. Dafür nahm 5. G. weiter südlich zwei Dorfvorstädte Julianow und Dombrowa, nur 2  km vom lichterloh brennenden Südring der großen Fabrikstadt. Die Garden behaupteten sich gegen einen mit allgemeinem Glockengeläut eingeleiteten Massenstoß aus dem Innern. Offenbar zog der Feind jetzt Teile seines Zentrums aus der Front, um seine zertrümmerte Rechte zu decken, sein 5. K. war aber allein schon stärker als die ganze Gruppe Scheffer, von der im Süden ja nur 24 Batl. fochten. Ihre äußerste Linke unter Oberst Credner deckte gegen Pabianice, Brig. Thiesenhausen sah sich vom Nudawald her angefallen. Schnellfeuer von 225. R. und 49. R. A. erstickte diesen Vorstoß, leider sah sich I/225. veranlaßt, nachzustoßen. Von gewaltiger Übermacht abgeschmettert, retteten sich die Reste nach Rzgow, geführt von einem schwer verwundeten Leutnant. Alle Offiziere bluteten, Major Zimmermann von drei Schuß- vier Bajonettwunden, also kam es sogar zu Handgemenge. Die Batterien bei Gadki harrten aus, der Feind schlich sich aber bei Nacht in ihren Rücken, überfiel eine Batterie und sprengte die Bedeckung. Der Brigadechef Oberst Kramptz sammelte die Brigade und warf die Russen entschlossen hinaus, wobei viele sich der kühnen V/228. ergaben. Wie teuer war der Erfolg bezahlt! Die Kommandeure von 225., 228. und die Mehrzahl der Offiziere bedeckten den eisigen Boden. (Entspricht genau den V. L.). Brigadegeneral Thiesenhausen, an Stelle des gefallenen Briefen die Division führend, trat das Kommando jetzt an den soeben erst angelangten Generalleutnant Waenker ab. Dieser überschaute vom Windmühlenhügel nördlich Rzgow nichts Erfreuliches. Auch Gruppe Credmer (I/III/225. und 21. Schl. R. Jg.) erwehrte sich mühsam überlegener Massen, Flankenstöße aus Gadki und längs Chaussee Pabianice machten bis Mitternacht den Posten unhaltbar. Das Gardegrenadierbatl. Dresow schlug zweimal umfassende Angriffe auf Tuszyn ab, fand aber die Straße nach Rzgow gesperrt und zog über Kalinko nach Ruta ab, wo es den Wolborkaübergang bewachte. 6. K. D. wich auf Dalkow. Brig. Riedel der 50. R. D. (229., 231.) hatte bei Tuszyn unterstützt von Bandkow her und teilte Dresows Rückzugsrichtung. Uns scheint unwahrscheinlich, daß hier nur 5. r. K. wirkte, das eine unmöglich weite Front von nördlich Rzgow bis Bandkow umschrieben haben müßte, die Angabe gewinnt daher an Wahrscheinlichkeit, daß auch noch ein Gewalthaufe der r. 4. A. im Anrücken war. Übrigens muß laut Verlustliste auch 3. G. Art. bei Krusceko südlich Tuszyn rasches Vordringen verwehrt haben. IX. Brzeziny-Borowo Zweifellos trug viel Mitschuld an der heraufziehenden schweren Krise das maßlos verspätete Eintreffen der Pommern, die man bei Pabianice zu treffen hoffte. Doch selbst in diesem Fall besserte sich nur wenig die Lage, in welche große Unvorsichtigkeit Mackensens seine Linke brachte. Längst hätte er die Möglichkeit erwägen sollen, daß die Lücke zwischen Morgen und ihm einen umsichtigen Gegner einlade, dort einen Keil einzutreiben, was für Scheffer durchaus verderblich werden mußte. Doch nichts geschah, um den leichtsinnig ins Blaue abgeschnellten Heerteil zurückzurufen. Zur Ehrenrettung Scheffers sei gesagt, daß er unmöglich von sich aus den Stand der Dinge beurteilen konnte. Er fand anfangs so wenig Widerstand, das feldflüchtige 2. K. vor sich hertreibend, daß er unmöglich so rasches Eintreffen Plehwes ahnen konnte. Die Idee war ursprünglich: während Scholtz rittlings der Straße Strykow–Brzeziny, wo der Russe hinter mächtigen Erdaufwürfen sich wehrte, im Nordosten den Ring schloß, sollte Scheffer so weit südwärts fassen, daß er alle Miazgaübergänge und Wadlow bewachte, von wo russischer Anmarsch erwartet wurde. So wurde der 2. A. jeder Ausweg sowohl nach Warschau als Petrikau verlegt. Allein, jetzt stand es anders. Von Scholtz so gut wie abgeschnitten, sollte Scheffer seinen Rückenstoß südöstlich Lodz fortführen? Seine schwache Rechte (7 Batl.), durch Fußgefecht der 9. K. D. links schwach gedeckt, kam nicht mehr vorwärts. Inzwischen gingen die frische r. 43. D. und Teile der von Morgen gesprengten 14. Schützendiv. zwischen Morgen und Scholtz aus Strykow, unter solchem Druck bog sich Scholtz leicht rückwärts, Brigade Schaer gab nach, ihr 59. hatte bei Bedon die Garde unterstützt und viele wütende Angriffe abgeschlagen, doch außerordentlich gelitten. Scheffers Mitte (5 Batl.) lag festgebannt vor Olenso. Obwohl blutig scheiternd, zwang der Ausfall aus Lodz zum Weichen auf die Gorkihöhen, von wo 6. G. Art. kräftig spielte. Die Linke (10 Batl.) um Rzgow hielt den Feind wacker auf, konnte aber den eigenen Angriff nicht weitertragen. Bei der Tuszyn-Seitenhut (8 Batl.) trank das verlorene Schlachtfeld viel Russenblut, doch das Ergebnis blieb eben Zurückweichen, 6. K. D. hielt hier den Rücken frei, doch nur eine Hus. Schwadron und eine Kompagnie hüteten die Brücke bei Karpin. Die Miazgaufer waren leer, Richthofen westwärts abgezogen, überhaupt fast alle Kräfte aus Südost nach Nordwest umgeschwenkt. Man schlug mit verkehrter Front, ohne gesicherten Rückzug nach Strykow die Miazga entlang zu besitzen. In diese schon höchst mißliche Lage platzte die Kunde wie plötzliches Auffliegen einer Mine hinein, daß Brzeziny in Feindeshand fiel. Gegen Plehwe, dessen Rechte von Bandkow bis Pabianice sich ausbreitete, schien das Nötige geschehen, so notdürftig es war, doch eines Überfalls aus Nordost war man nicht gewärtig. Rennenkampf brachte die bei Warschau aufgespeicherten Reserven schneller in Fluß als anzunehmen, wie auch Plehwe in dreitägigem Eilmarsch früher eintraf als erwartet. Der gewaltige Wille des Großfürsten beseelte die russischen Unterführer mit nie gekannter Energie. Das war gewiß unangenehm für uns, doch es brauchte sich nicht zu schneidendem Unglück auszuwachsen, wenn Mackensen nicht so sorglos oder richtiger gedankenlos disponiert hätte. Er gab Befehle nach dem Motto: Feste druff und heischte von Morgen Unmögliches, der froh sein mußte, sich seiner Haut zu wehren, und nicht auch noch die Strecke Strykow–Brzeziny überwachen konnte. Da der Feind sich wie rasend an den östlichen Vorstädten wehrte und seine steten Ausfälle alle Gewehre in der Front verlangten, zog der Kommandeur der 3. G. D., der sehr energische Litzmann, eine Nachhutdeckung aus Brzeziny weg. Dorthin gingen russische Massen, sich hinter r. 43. D. am Miazgaufer ausbreitend, glatt durch. Einkreisung von Lodz schlug also in Umzingelung Scheffers um. Aus allen Windrichtungen eingekeilt, sah er vor, hinter und auf beiden Seiten neben sich den Feind. Schon begannen aber die Wundertaten, die man von Deutschen in solcher Bedrängnis erwarten darf, mit einem Vorzeichen: noch war das überfallene Brzeziny nicht gefallen! Kav. K. Charpentier traf beim Vormarsch nur einige aus Skiernevice vertriebene Husaren- und Ulanenzüge, es ging sogleich gegen Litzmann's Feldlazarett und Scheffers Trainkolonne vor, heroisch stürmte Fußvolk den wehrlosen Ort! Da erhob sich der leichtverwundete Leutnant Wißmann im Lazarett, sammelte das Häuflein Bedeckung und fegte mit einer Handvoll 5. G. die bestürzten Horden hinaus, die in der Dunkelheit sich nichts Gutes versahen! Daß sogar 2 Off., 80 Kerle sich den 20 Gardisten ergaben, klingt unglaubhaft. So wird wohl richtig sein, daß alle Trainfahrer und Verwundeten aus den Sanitätswagen am Kampfe teilnahmen und zuletzt von Richthofen zu Hilfe geschickte »drei Schwadronen« ins Getümmel hineinsprengten. Dies dürften Badische Dragoner gewesen sein. Stegemann erzählt, dies Häuflein habe sich 3 Tage verteidigt und nach Malzow durchgeschlagen! Warum nicht! Ein Gegenstück zu Bataillon Lange am Hochkircher Kirchhof, wie sich Preußen und Spartaner zu halten pflegen? In Wahrheit wurden jetzt Train und Lazarett bei Nacht abgeschoben, der Ort geräumt, durch das kühne Auftreten aber ein ganzer Tag gewonnen. Rennenkampf hätte sonst unverdientes Glück gehabt, weil Scheffers blinder Eifer den Rücken entblößte. Der wachsame Morgen entdeckte übrigens bald dies Manöver und schickte später eine Brigade bei Glowno in die Weiche der Durchbruchskolonne, vorerst kam jede Entsendung zu spät, die Lawine aufzuhalten. Wohl verdient der Großfürst alles Lob, er ermöglichte im rechten Augenblick ohne den geringsten Verzug die anscheinend sichere Vernichtung eines strategisch umsponnenen Heeres, doch ebenso entschlossen schwenkte Scheffer nach drahtloser Vereinbarung mit Mackensen auf dem Fleck herum, sich der Umschlingung zu entziehen. Die Art, wie die Truppen Scheffers und Litzmanns sich Bahn brachen, gehört zum Großartigsten, was die Kriegsgeschichte kennt. Die Gardedivision, im Marsch bei Wiskitno (südlich von Dombrowa, schon sehr nahe im Rücken von Lodz) von vier Korps angegriffen, hatte ihre Front nach Westen, mußte aber zugleich nordöstlich bei Andrespol heftigen Anprall abwehren, südlich davon stand ihre Kavallerie im Fußschützengefecht. Andere Teile des 25. Reservekorps fochten schon bei Dombrowa, von wo seine schwere Artillerie bis nach Lodz wirkte. Auch im Norden schoben sich russische Massen heran. Nachdem das Dorf Olechow nördlich Dombrowa gestürmt, hatte man vorerst Aufschub und Ruhe. Dies war am 21. In der Nacht wurde der Abmarsch auf die Miazga nach der Chaussee Rzgow–Karpin angetreten. Der Feind hatte südwestlich zwischen Pabianice und Rzgow gewaltige Massen angehäuft, dort konnte man nicht durch, auch nicht nördlich auf Strykow, man mußte sich nordostwärts auf Brzeziny Bahn brechen. Das Nachdrängen der Russen aus Rzgow am 22. blieb erfolglos, eine schwache Nachhut genügte bei Kalinko und Tuszynwald, den Übergang über die Miazga bei Karpin zu decken. Der Wald westlich von Borowo (südöstlich Andrespol) und südlich von Galkow ward stürmend durchschritten, die Russen ergaben sich zu Tausenden. Noch blieb der Bahnhof der Linie Lodz–Warschau mitten im Walde ein befestigtes Bollwerk, auch dies wurde bei einbrechender Nacht erstürmt. Nun ging es am 23. in langer Marschkolonne vorwärts, Galkow (nordöstlich Andrespol) überfallend und zwei Stunden nach Mitternacht Brzeziny erreichend. Die Russen hatten einen Umkreis von dreizehn Kilometer im Norden feldmäßig ausgebaut und dachten: Hier kommt keiner durch! Der russische Generalstab verkündete schon in prahlerischem Telegramm die bevorstehende Kapitulation der Deutschen. Alles schlief den Schlaf des Ungerechten, als die Deutschen hereinbrachen und alle Kirgisen niedermachten. Die Russen wurden gänzlich zersprengt, um fünf Uhr morgens war alles vorüber. Am 24. früh kam zwar der Feind aus Norden wieder, doch gleichzeitig Scholtz' Nachbarkorps, vor dem die Russen bald die Flucht ergriffen. 12 000 Gefangene, 30 Geschütze (später wurden es sogar 16 000 und 63), 49 Maschinengewehre als Trophäen und alle eigenen Verwundeten mit sich führend, hatte die Heldenschar ihr Ziel erreicht. Der unerwartete Ausgang der russischen Unternehmung, der neue Sieg, mit dem die Umzingelten sich durchschlugen und wieder an Mackensen anschlossen, erschütterte die russischen Linien noch mehr. Man vergegenwärtige sich nochmals die Lage bei Scheffers Abmarsch. Sein Gefecht stand am 22. abends günstiger. Goltz (Chef 50. R. D.) und Richthofen hielten sich den Feind im Süden vom Leibe, Litzmann und Waenker hingen zähe wie Doggen am Stadtrand. Mit unwiderstehlicher Kraft erstürmten G. Füs. und Pion. Feliksen, zählten freilich beim Sammeln am Vorwerk Boleslawo traurig die Häupter ihrer Lieben. Below erwarb Olenso und das hochgelegene Olechow, wobei Batterie Lancelle so wagemutig dicht am Feind abprotzte wie einst eine andere Batterie Lancelle bei Mars la Tour. Während die Grenadiere hier das brennende Dorf hinaufstürmten, hielt sich 49. R. D. dicht beisammen, Front nach Westen und Norden. Doch Nowikow drängte Richthofen und den wilden Wald im Rücken füllten wilde Asiaten des frischen 4. Sib. K. nebst dem von Morgen hierher aus der Front geworfenen 5. S. K. bis Borowo. Von Lask-Wadlow kam deutsche Kanonade immer noch nicht näher, Posener und 5. K. D. ließen sich dort nicht blicken, obschon General Menges bei Zdunska etwas vorwärts kam. Scholtz sah sich durch Rennenkampfs Einbruch zum Abzug auf Moskule genötigt, was auch den der 22. D. von Nevosolna nach sich zog. Die südlich gebundene Brig. Schaer blieb sich selbst überlassen. Als eine ihr beigegebene Schwadron 9. Drag. auf Adamow getrieben wurde, schlug 79. Art. dreimalige Sibirier-Anläufe geradezu vernichtend ab, zuletzt auf 50  m ihre Salven anbringend. Dann erst wichen Schaers vier Bataillone 18er, 59er aus, da sie sich fast ganz verschossen. Wir sind in der glücklichen Lage, an Hand der V. L. den ganzen Heldenkampf bestätigen zu können. Es war angenehm, daß die Garde westwärts Luft bekam, auch ritt 9. K. D. längs der Lipinystraße auf, um ein Heraustreten aus Brzeziny zu hindern. Den nächtlichen Abzug auf Karbin merkte der Gegner nicht. Funkspruch Mackensens befahl Rückzug nach Osten in Verkennen der Lage. Scheffer wollte sogleich nordwärts zu Scholtz durchbrechen, unterwarf sich aber, und ohne daß Mackensen es beurteilen konnte, traf er zufällig das Rechte. Denn wenn man unmittelbar an Lodz vorbeizog, konnte man sich nicht ohne Umknäuelung loslösen. Der Feind bereitete schon Gefängnismauern in West, Nord, Süd vor, die man nicht eingerannt hätte. Ausweichen nach Ost aber überraschte und gewann einen Vorsprung, nach allen Seiten durch Richthofen verschleiert. Den Miazgaübergang Bendon mußte Schaer preisgeben; wie nun, wenn der Feind die Brücken bei Bucoviec und Karpin zerstörte? Dann war der Untergang besiegelt, doch man baute auf russische Trägheit und irrte nicht. Die schwere Artillerie blieb stehen und feuerte immer noch nach Lodz hinein, um den Feind zu täuschen, der nach saurer Arbeit schlafen ging. Hier konnte man ein Napoleonwort umbilden: der Feind berät, die Preußen marschieren! Die weit auseinander gezogenen Kolonnen führten bei so gefährlichem Marsch längs der feindlichen Front ihren Troß samt den Gefangenen mit sich. Infolge Auflesens fast aller Verwundeten (herrliche Sanitätsleistung) erreichte Major Reinhardts Gardenachhut erst am 23. früh die vereiste Chaussee. Daß die Nacht keinen Mondschein brachte, erhöhte die Schwierigkeiten, barg aber auch die Marschsäulen im verdeckenden Dunkel. Sie und die Wagenburg bei Kreuzungen zu entwirren und richtig abzuleiten erforderte umsichtige Geistesgegenwart. Scheffer erwarb sich hier wahre Lorbeern. Nie machte eine Truppe sich unter so verzweifelten Umständen zu einem Rückzug auf, der einen Sieg bedeutete. Nur Truppen allerersten Ranges vermochten das, und wenn die Garde nach Gebühr solchen Anspruch erhob, so erwies das neugebildete R. K. (ältere Jahrgänge und Freiwillige) sich als ebenbürtig. (Wir sahen, daß es schon bei Lyck seine Feuertaufe sehr gut bestand). Blutrot untergehender Wintersonne folgten unheimlich flimmernde Sterne. Der vorige Tag heißt im Kalender »Totensonntag«, hier ein passender Name, eisige Kälte und Sturmwind vollendeten das Schicksal manches verblutenden Verstümmelten. Der Train fuhr morgens mühselig ab unter feindlicher Geschützbestreichung. Die zeitraubende Bewegung des langen Zugs über die Karpinbrücke, mit treuer Sorgfalt von Scheffer selber überwacht, der hoch zu Roß schon am Ostufer hielt und die Seinen jenseits empfing, war früh vormittags beendet. Eine Schwadron 13. Hus. und eine Komp. G. Füs. sollen den Brückenkopf so lange gegen ungeheure Übermacht gehalten haben, bis die Vorderbrigade Saucken hinüberkam und den Feind vertrieb. Diese von Stegemann aufgegriffene und zu Winkelriedtat des Generals Saucken phantastisch aufgeblühte Überlieferung ist aber falsch, 13. Hus. verzeichnen hier keinen Verlust, nur Nowikows Vorhut lauerte, wahrscheinlich hatten 13.  Dragoner hier einen Teil ihres außerordentlichen Verlustes. Denn russische Hauptmacht holte noch gar nicht über Borowo aus. Die schlaflos einhertaumelnden, todmüden und hungernden Deutschen zeigten sich trotzdem jeder Anstrengung gewachsen. Im Morgendämmer durchfurtete Brig. Friedeburg die Miazga und warf den Feind aus dem Wege. Laut Stegemann seien Kosakenschwärme von Trainfahrern mit dem Karabiner abgewehrt und die Bucovicebrücke von Litzmann überrumpelt worden. Beides ist falsch, der Train, bisher von Nachhut und Egon Schmettow treulich behütet, kam nie in andere Berührung mit dem Feind als durch Novikows reitende Artillerie, die manches Opfer in der Wagenburg forderte; Below benutzte im Durcheinander des Abmarsches gar nicht die Bucovicebrücke, sondern schob sich bei Karpin ein. Die dortige todgeweihte Thermopylenschar in Stegemanns dichterischer Phantasie verwandelt sich in 6 Kompagnien als Vorhut am Bahndamm von Borowo , die am langhingestreckten Dorf mörderische Füsillade aus umgebendem Waldgürtel erhielten, schon zwei Stunden vor Beendung des Karpin-Übergangs. Mit Windeseile rasselten aber 12 Gesch., 4 Haubitzen heran und zerschossen furchtbar die noch nicht gefechtsbereite russische Artillerie, sowie die beim Pachthof Gallowek ausgestreuten Fußvölker. Diese brachen, um Vergeltung zu üben, in dicken Massen immer wieder vor, erlitten aber Verluste, die sie auf den Fleck festbannten. Nun ritten Dragoner und Kosaken Charpentiers an, brachen zwar unter Feuer von zwei Flankenkompanien nieder, aber noch genügend durch, um in der Batterielinie zu hausen, sogar im Stab des herangerittenen Divisionärs Waenker. Hier fiel jedoch der Rest unter Säbeln der Stabswache, Schüssen von Radfahrern und Fernsprechern, sogar Protzenfahrern. Stegemann erzählt, daß nun Waenkers ganze Infanterie Borowo erstürmte, wobei Waenker, in erster Reihe wie ein Gemeiner das Gewehr in der Hand, den Heldentod fand. Laut G. St. Schr. wurde Borowo nicht gestürmt, sondern kampflos besetzt. Hier hielt der Train auf der Dorfstraße, der entlang das feindliche Artilleriefeuer wütete. Infanterie und Masch. G. überschütteten ihn zweiseitig mit Geschossen, todbringend für Fahrer und Rosse. (Verl. von Nichtkompattanten verzeichnen wir tabellarisch nie). Hier erst tötete eine Kugel den Divisionär, das Kommando ging erneut an Thiesenhausen über. Übrigens spricht der verhältnismäßig geringe Verlust des 227. R. (Rawitsch), das schon bei Wloclvawec im Feuer war, keineswegs für Thermopylenkämpfe. Der Himmel half weiter. Als der verschleiernde Morgennebel sank und helle Sonne beleuchtend den Abzug enthüllte, kam der Feind im Süden und Westen zu spät, um der Garde etwas anzuhaben. Diese war jetzt schon voraus und versenkte sich nach Norden in den Galkowforst. Sibirische Schützen lagen hinter dem hohen Bahndamm, der das Holz durchschneidet, von Lodz dröhnten schwere Geschütze herüber bis zum Miazgaufer. Ihre Granaten schlugen in unsere Wagenburgen. Endlich regte sich die feindliche Infanterie, Nachhutgefechte zurückgebliebener Gardeposten und der Reiterei verschärften sich. Schaers abgesprengte Bataillone mit fünf Batterien begleiteten seitwärts Goltz, nachdem sie frische Munition faßten. Die Kosaken bekamen einen blutigen Tag. Doch bei Borowo wurde es immer ungemütlicher. Das Hereinbrausen jenes tollen Sturmritts, bei dem fast alle Wagehälse umkamen, erschütterte zwar nicht General Sauckens tapfere kleine Schar, doch gegen das grausame Bestreichen der Sanitätstransporte mußte endlich etwas geschehen. Eine Stunde vor Mittag ließ Thießenhausen II/227., I/228., III/225. zum Sturm antreten, später auch I/II/228. nebst 21. R. I., die auch am Westufer bei Kurovice die langsam weichende 6. K. D. aufnahmen. 231. R. wird nicht genannt, es muß aber laut V. L. dies Regiment gewesen sein, mit dem sich nunmehr auch Goltz gegen das Walddorf Chrestow in Bewegung setzte. Schaers Batterien 78. Art. schoben sich dort an den Bahndamm heran und faßten den Feind mit schrägem Feuer. Aber ach! Sauckens kleine Vorhut (I/227. und Hälfte II.), dreiseitigem Angriff so lange trotzend unter hervorragender Mitwirkung ihrer 16 Geschütze, war schon von einer ganzen Sibirierdivision weggespült. Ihre Kanonen rollten zertrümmert umher, aber nicht unter gefallener Bedienung, die sich vielmehr unter Major Ribbentropp rechts seitwärts durchschlug. (49. R. Art. verlor nur 26 Kanoniere). Dort erschien soeben II/225., schon Herr der Lage, denn auch Brig. Riedel entwickelte sich nebst dem bei Goltz verbliebenen Gardebatl. Dresow. Hier wird nun 229. R. genannt, wir finden es nicht in V. L., wohl Verwechselung mit 231. Hier taten sich 22. R. Jg. und 50. R. P. K. hervor (Von 50. R. Art. sollte man schweigen, denn wir fanden sie größtenteils noch in Ostpreußen). In schwerem Kampf trieb Goltz bis zur Nacht den weit überlegenen Feind vor sich her und sicherte so mit den um ihn versammelten 8 Batl. die links von ihm verwickelte Schwesterdivision. Man kann Scheffers eiserne Ruhe und kühle Festigkeit bewundern, er gab Befehl aus, um 6 Uhr morgens den Durchbruch fortsetzen, noch fehlte aber jede Kunde von Litzmann, das schien bedenklich. Dieser hatte nur Batl. Rosen von 5. Gr. und Artilleriebrigade Schweinitz hinter sich als Rückenschutz der bei Zielona verfahrenen dichtgedrängten Wagenburg und Bewachung von 6000 Gefangenen. Nach erbittertem Gefecht säuberte man die Wege im Galkowforst, nachmittags vereinte sich Major Reinhards Nachhut II/III/5. G. mit I. südlich der Bahn nebst Abteilungen Diez und Ruhstrat der 5. G. Art. Brig. Da stürzten hinter ihnen wieder Sibirier aus dem Wald, jagten die Trains in die Flucht und besetzten die linke Flügelbatterie, Ruhstrat fiel, doch seine Batterien kartätschten die Asiaten nieder, wenige entrannen dem Tod. Dämmerung brach an, der Mond meinte es gut, hell tauchte er auf und beleuchtete unseren Geschützen ihr Schußziel. Plötzlich schlugen die Trommeln zum Sturm, die Garden erstiegen den Bahndamm, ihr Divisionär mit gezogenem Degen an der Spitze einer ihm zugeteilten Kompanie Küstriner Pioniere. Der Feind floh aus Galkow, doch nur rascher Durchbruch bis Brzeziny konnte retten. Weiter durch die Mondnacht! Litzmanns klassisch kurzer klarer Befehl im Bahnwärterhaus verewigt den Entschluß: 2000 Mann mit 4 Geschützen zusammenraffend, trat er den Nachtmarsch an. (Daß er die übrige Div. unter Graf Schweinitz zurückließ, ist Mißverständnis Stegemanns, der Artilleriekommandeur erhielt nur Befehl, den Train nach Galkow zu schaffen.) Ohne einen Schuß zu tun, überfiel und erschlug man alle Vorposten, machte die schlafende Besatzung mit dem Bajonett nieder, der Kommandierende des 4. Sib. K. floh unter Zurücklassung der Kriegskasse, nur im Ostteil hielten sich noch Versprengte, bis ihn die Pioniere anzündeten. Teile von 5. G. und Füsiliere taten dies Rettungswerk, nicht Lehrrgt., wie Stegemann schreibt, Lehrbatl. Herold blieb ganz außer Schuß und mit dem Hauptteil kam Friedeburg erst vormittags nordwestlich an, anfangs für Feind gehalten. Auch der 24. war noch ein Kampftag erster Güte. Die Sibirier wollten den Ort mit Gewalt zurück haben, Schweinitz kam nicht durch, weil Teile an einer Häusergruppe sich hinter Litzmann einschoben. Auf Schweinitz's Meldung schickte Scheffer sofort Div. Thiesenhausen, an die sich Diez' Haubitzen anschlossen. Die tapfere Batterie Lancelle deckte rückwärts, von hinten schlugen Granaten herein, Verfolger erreichten Bucovice, ihr Feuer drängte Train und Gefangenenmasse vorwärts, was dem Feind in der Ferne als deutsche Reserve imponierte! Schweinitz donnerte unverdrossen gegen den Wald, doch eine Bedeckungsschwadron von 1. G. R. Ul. brachte schon ihre Standarte in Sicherheit, weil man Einschließung befürchtete. Batl. Rosen und etwa 10 Kompanien Thiesenhausens erhoben sich umsonst zum Angriff, eine volle Stunde rang Rosen allein, aufs bravste unterstützt von acht Batterien, die über die Schützenschwärme hinausfahrend den Feind fürchterlich bearbeiteten. Dreiseitig beschossen, drang das Gros der 49. R. D. endlich zu Schweinitz durch, drei ihrer Batterien östlich Borowo protzten nur 1  km vor dem Bahndamm ab. Gleichzeitig ging Goltz vor, schon früh mit fünf Kompanien und Batl. Dresow, dann umfaßte er über die Bahn, mit der ihm jetzt unterstellten Brig. Schaer und der bei Chrestow massierten 15. Fuß-Art. übte sein Vorgehen entscheidenden Druck aus. Seine Art. zermalmte förmlich die russische, vom Bahnhof Koluski aus die Bahnlinie der Länge nach bestreichend. Das 5. sib. K. floh, ereilt vom entsetzlichen Kreuzfeuer, da 66 Geschütze südlich und östlich Borowo zugleich die rechte Flanke faßten. Diez' Haubitzen brachen in kühnem Vorwärtsfahren dem Batl. Dombies, II/227. Bahn zum Sturm, worauf Oberst Etzel die 49. R. A. im Galopp vorführte. Die Obersten Credmer und Kamptz stürmten gemeinsam »Höhe 220«, Kamptz hatte den Feind nach Norden geworfen, gestützt auf Goltz' Linke, und war seitwärts eingeschwenkt. Vor Mittag war alles vorüber, der Feind mit Hinterlassung von 8 Geschützen entflohen. Mit besonderer Freude begrüßte man Rückerwerbung der gestern verlorenen Batterien Sauckens, vom rasch herbeieilenden Ribbentropp wieder kämpffähig gemacht. Jetzt donnerten auf der ganzen Linie 128 Geschütze dem vor Brzeziny fliehenden 4. Sib. K. nach, das völlig zerrissen wurde. Was vor Rosen abbaute, fiel bei Witkovice unter dem Feuer der Garde. Die Sibirier ergaben sich in Massen, nachdem ihre Artillerie unter Schnellfeuer von 5. G. und Pionieren zusammenbrach, ein Teil floh nach Osten, ein anderer zu Scheidemann, der keine Helfer senden konnte, weil Scholtz erneut vordrang. So zog Scheffer gelassen auf Glowno ab, wo er sich zwischen Morgen und Scholtz einfügte, von jeder Einschnürung befreit. Der riesige, vielfach der Pferde beraubte Train nebst 64 eroberten Geschützen wurde von 16 000 Gef. geduldig mitgezogen, die gutwillig Hilfsdienst leisteten. Selbst der Feind sprach sein unverhohlenes Staunen aus, daß »drei Korps « – nur 3 Divisionen –, deren Kapitulation er vorausverkündete, ihren Durchbruch sogar in Sieg verwandelten. Nur ein Zug Grenadiere deckte Bucovice solange als möglich, das vereinzelte Heldenbatl. Rosen vermochte die riesige Übermacht nicht zu erdrücken, das zeugt gewiß von glänzender Beschaffenheit dieser Elitetruppen. Ungewöhnliches leistete Haubitzbataillon Kuntze II/15., es zertrümmerte 18 feindliche Kanonen. (Indessen stand 25. R. F. Art. Köln bei Borowo weit stärker im Feuer). Was nicht von uns erbeutet, blieb demontiert liegen; die ganze russische Artillerie ging zugrunde. Das zerschossene 4. S. K., das einem Kreuzfeuer ins Garn lief, war gänzlich zersprengt. Daß unsere Artillerie allenthalben bis in die Schützengraben vorging und doch während der ganzen Kampfzeit der vier Tage nur 200 verlor, zeigt das schlechte Schießen der russischen Infanterie. Richthofen, zum rechten Flügel abgerückt, wo sein Stabschef schon mittags die von Radfahrer Alkenings an Scheffer überbrachte Freudenbotschaft Litzmanns erfuhr, hielt gegen Novikow den Rücken frei, er traf zuletzt mit Brig. Schaer bei Psary ein und stellte Verbindung mit Morgen her. Das R. K. fand Strykow vom Feinde frei und vereinte sich mit Scholtz' linker Flanke. Dorthin strebte die Garde über Niesulkow, sie hatte zuerst noch 15  km zu durchmessen, in welchen leeren Raum der Feind aus Lodz einzubrechen drohte. Er wagte aber nicht, bei Lipiny die grimmen Kämpfer zu berühren. Erst nachdem drei Nachhutkompanien des Hauptmann Delius Anschluß gewannen und ein Halbbataillon Füsiliere einige Nachhutbatterien aus bedrängter Verstrickung löste, versuchte Scheidemann etwas, umsonst, doch beherrschte seine Kanonade die Chaussee, so daß die Garde abzog. Die Vorgänge haben entfernte Ähnlichkeit mit Vorüberzug von Napoleons Garde bei Krasnoi. Rennenkampfs Entsatzversuch scheiterte, Plehwe legte wenigstens für Scheidemann die Rückzugslinie nach Südosten frei. Doch daß hier Katastrophe zu Triumph wurde, dazu trug die Trödelei seiner Verfolgung aus West und Süd bei. Ob etwa Beängstigung wegen seiner eigenen Linken dazu den Anstoß gab? Schwerlich. Am 23. blieb man dort noch ganz an Szadek gefesselt, K. Posen mußte sogar näher an Div. Esch herangezogen werden, die wiederum nicht das Südufer des Ner behaupten konnte. Zwar mußte der Feind zwei seiner ausgebauten Schanzlinien verlassen, doch an Ausnutzung solcher Vorteile konnte nicht gedacht werden, weil Pannwitz manche Kräfte rückwärts nach Biala entsenden mußte, um die Glowno-Kolonne abzuwehren. Obwohl neuen Durchbruchsversuch nach Norden gründlich abschlagend, sah er dafür seinen Rückenschutz im Osten abgedrückt, eine andere Kolonne bedrohte Ozarkow. Zunächst ging 176. mit 30 Gesch. dorthin ab, dann fünf gemischte Batl. mit 48 Geschützen, was wir als 32., 61. Rgt. aus den V. L. festlegen. Der Gegner gab zwar ferneres Vordringen auf, ließ sich aber selbst nicht verdrängen und beraubte hierdurch auch Scholtz der Möglichkeit, nach Brzeziny Hilfe zu bringen. Erst am 24. trat ein günstiger Umschwung bei Biala ein, wo die vermischten acht Batl. jetzt der bewußten russischen Gruppe eine blutige Niederlage zufügten, woran sich auch Teile von Scholtz beteiligten. Der Feind lieferte im geräumten Strykow 1100 Gef. ab. Nahe daran war es am 23. gewesen, daß der ganze Bau der deutschen Schlachtordnung zwischen Borowo und Biala zusammenstürzte. Morgen durchschritt auch am 24. noch nicht die Strecke Kiernozia–Lovicz. Er schwebte in Gefahr durch immer mehr vereinte Massen Rennenkampfs und mußte noch gar die 70. R. Brig. nach Sobota a. d. Bsura ausscheiden, um den bei Biala stehenden Feinden in den Rücken zu fallen. Allerdings besaß er jetzt auch Brig. Gregory und die Höhen nördlich Lowicz, aber da er auch die andere Hessenbrigade zur Deckung Scheffers nach Psary sendete, so blieb ihm nicht viel übrig. Die 70. Brig. vollendete übrigens bei Monkolice die Niederlage der Russengruppe Biala–Strykow, die sich zu weit vorwagte und doch nicht rasch genug durchgriff. Brig. Gregory brachte keine sonderliche Entlastung; 1. R. D. bestand mit Front nach Süden harten Kampf. Am 25. mußte der ausdauernde Morgen seine Linke vor Umfassung über Osmolin hinter ein Flüßchen zurückbiegen, für 26. rechnete er auf die »1. Inf. Div.«, über Thorn nach Gostymin verladen, vorerst aber nur in Brigadestärke. Auch am 26. gab es keine wesentliche Förderung deutscher Absichten auf dem weiten Schlachtfeld, es sei denn durch endgültige Versalzung russischer Rückenstöße bei Glowno, woran Richthofen und die ihm beigegebene »Brigade« Schaer (immer nur 4 Batl.) regen Anteil nahm. Scheffer half sich schon selber. 225. R. verlor hier nur 30 Mann, 227. R. nicht viel mehr, der Feind war eben durch Ausfallen der zwei außer Gefecht gesetzten Sibirischen Korps sehr herabgedrückt. Andrerseits hob zwar der siegreiche Durchbruch die Stimmung und der Feind konnte sich nicht mehr störend bei Psary–Bialawy einklammern, doch das verbesserte nicht Scholtz' lange dünne Front, zur Rechten hart bedrängt. Indessen erlahmten fortan alle Ausfälle Scheidemanns im Granatfeuer der Westpreußischen und Kasseler Artillerie. Nochmals suchte er am 27. nach Norden vorzustürmen, doch die weit auseinandergezogene deutsche Linie erwies sich zu fest und zu elastisch. Nachdem Scheffer und Richthofen den Raum nach Nordosten über Glowno endlich füllten, schlossen Mackensen und Morgen nun zuguterletzt zusammen. Das war eine hübsche Lektion für getrennte Angriffe gewesen! Man stelle sich vor, daß Scheffer am 20. siegessicher zur Einkreisung auszog, da doch am 27. man noch gar nichts erreichte und nur aufatmete, eine Vernichtungskrise zum Glück gewendet zu haben. Scheffers Brave waren vorerst tief erschöpft und bedeutend geschwächt, doch können wir uns mit offenbarer Ziffernentstellung nicht befreunden. »Die Divisionen besitzen insgesamt nur 10 000 Gewehre« (Stegemann), als sie zum Durchbruch antraten, G. St. Schr. geht noch weiter: am 23. Garde nur 4000 R. K. 4000, wovon Goltz nur 1000! Letzterer hatte bisherige mörderische Kämpfe bei Rzgow nicht mitgemacht, seine 5 Batl. können bei Tuszyn unmöglich so geschmolzen sein, überhaupt ist nach den Umständen undenkbar, daß 17 Batl. des R. K. auf gleiche Stärke schmolzen wie 12 der Garde. Oder waren die früheren Verluste bei Lyck gar nicht ersetzt? Dann um so kindischer, grade diesen schon geschwächten Truppen dies gefährlichste Unternehmen anzuvertrauen. Auch so aber hätten sie 16 000 Gewehre gezählt, müßten also schon 12 000 verloren haben, d. h. ungefähr so viel als 20., 17., 11. K, zusammen, ein Unsinn, den die V. L. aufhelfen, wobei Fehlen einer Liste für 229. R. auch sehr wohl erklärt werden kann, daß es als Reserve aufgespart blieb. 4500 in sechs Tagen verlieren, ist gerade genug, vgl. 20., 17. K. in 20 Tagen und darüber, da deren Verlustliste teilweise bis 6. Dez. reicht. Die Garde litt im Oktober bedeutend, doch hier ist sicher anzunehmen, daß sie Ersatz erhielt. Schätzen wir sie aber nur zu 9500 Gew., so waren die Gefechte Felisken–Olechow wahrlich nicht so arg, um 60 % des Bestandes kosten zu können. Daß man obige Ziffern gar noch auf 23. vor dem Durchbruch verlegt, macht die Sache doppelt lächerlich. Dann müßte nachher nur ein Gerippe übrig geblieben und zu jedem weiteren Mitwirken unfähig gewesen sein, während die drei Divisionen noch lustig im Dezember-Januar fochten. Daß jene 1½ Batl. Vorhut Sauckens bis auf 13 Off., 24 M. vernichtet seien, ist auch ein Märchen, nach den Listen verlor 227. R. bis 11. Dez. nur 690. Verlust von 225., 228. erscheint sehr angemessen, letzteres hatte die Nachhut bei Kalino. Brig. Friedeburg litt, weil isoliert, natürlich viel mehr als die andere an Waenker angelehnte Gardebrigade; wir ergänzen hier aus freier Hand den Verlust von 5. G., berechnet nach dem gebuchten von 5. G. Gr. (416). Wir geben zu, daß dies zu niedrig scheint, doch auch spätere Dezemberlisten ändern dies nicht und rund 3000 für eine schwache Division ist hart genug. Man bedenke doch, daß die meisten viel länger fechtenden Regimenter vom 20., 17., 11. K. eher weniger als mehr verloren im Vergleich zu 5. G. Gr. und die am schärfsten fechtenden 59., 141., 167. nur ähnlich litten wie das Lehrrgt. Mit anderen Worten, Schätzungen auf gut Glück haben keinen Wert, obige 10 000 Gewehre sind mythologisch, erinnernd an die 10 000 Griechen, die zuletzt den rettenden Strand erreichten! Daß 100 000 Gewehre in verklammten müden Händen nicht 50 000 Russen aus fester Stellung bei Borowo–Brzeziny in Trümmer stoßen konnten, sagt sich wohl jeder Einsichtige. Aber auch wenn es noch 20 000 waren (der Mythologie entkleidet, darf man höchstens an sehr viele Versprengte denken, die sich später einfanden), bleibt dieser neue »Rückzug der 10 000« ohne Gleichen in der Kriegsgeschichte. Hätten Briten oder Franzosen so etwas vollbracht, so würde man ihr Prahlen bis ans Ende aller Tage nicht loswerden. Daß die Deutschen, wie schon der alte Schwede Banér aussagte, die besten Soldaten der Welt sind, braucht man nicht erst zu versichern. Doch daß eine Nation, die sich solcher beispiellosen Taten erfreut, einfach darauf verzichten soll, ist ein naives Verlangen. Als ob solche kriegerische Anlage nicht zu den unveräußerlichen Besitztümern eines Volkes gehörte! Les armées victorieuses de la France (!) würden wohl schwerlich verzichten! Ja, Bauer, das ist ganz was anders! X. Sieg bei Lodz–Lovicz Div. Esch hatte sich zu weit am 24. ausgedehnt, nur ihre Artillerie hielt den Feind auf. K. Posen kam nicht vom Fleck, nur die Breslauer Brig. Schmiedeke grub sich schon südöstlich Zdunka ein. Scheidemann und Plehwe gingen wiederholt zum Angriff über, vermochten aber unter schwersten Verlusten so wenig, wie seinerseits Mackensen. Nur von Morgen oder Linsingen konnte noch eine Entscheidung fallen. Der Großfürst sandte jetzt vier volle Korps bei Lowicz vor, Morgen widerstand heldenhaft von Glowno bis Osmolin und ließ durch das am 7. Dez. eintreffende 43. Ostpr. den Feind bei Osmolin zurückwerfen. Am 28. Nov. kamen Bataillone des 3. R. K. (beileibe nicht das ganze K., wie einer dem andern nachschreibt) aus Flandern, 48. R. unterstützte 3., 18. R. und Ers. Rgt. Keller bei Bialawy, der Kampf war blutig, aber erfolgreich, südlich Lovicz hielten sich die Russen bei Sanniki, kamen aber nicht mehr über den Bsuraabschnitt, nördlich standen sie bei Ihlow. Im Westen verflochten sich jetzt die Angelegenheiten von Woyrsch-Böhm mit denen Mackensens, Nikolai wollte zwischen beiden durchbrechen. Diese richtig gedachte Maßregel kam nicht zur Ausführung, denn ein Donnerstreich Hindenburgs antwortete, indem er Linsingen gegen jene Lücke bei Lask lenkte, wo Nikolai auch schon Teile der 4. A. wegnahm. Doch Linsingens Verspätung war nicht wieder gutzumachen. Während Woyrsch und Gallwitz fern an der Widava vorgingen, befanden sich die Divisionen Posen und Breslau – auch 24. L. W. Ers. K. genannt – immer noch allein gegen große Übermacht und konnte die gestellte Aufgabe nicht vollziehen. Mackensens beliebter Frontalstoß packte den Stier bei den Hörnern, um sich wund zu stoßen, während er seine Flanken vernachlässigte. Jetzt mußte er auf Befehl sich möglichst nordwestlich herumziehen, damit die Rechte sich endlich an Pabianice herankämpfen könne. Im Nordosten focht nur noch Scholtz längs der Novosolna-Straße. Diese Rechtsziehung wäre unmöglich gewesen, wenn nicht der ausruhende Scheffer die Lücke nach Osten stopfte und Morgen schon auf 15  km Lowicz näherrückte, also von dorther Störung nicht zu erwarten war. Ohne Morgens Druck hätte auch ein Schlag Linsingens im Westen nicht gewirkt, doch es wurde für den Großfürsten zu bedenklich, in ganz schräger Linie zu fechten mit Rennenkampf weit nach Osten gedrückt und mit Plehwe westlich vorgeprallt. Auf Morgen kam jetzt weit mehr an als auf Mackensen, der ohne Erfolgmöglichkeit festklebte. Der Großfürst, den hier Hindenburg selbst vor sich hatte, faßte die Dinge nach allen Regeln der Kunst an und veranlaßte jetzt Offensive auf beiden Flügeln. Die deutsche Reiterei am Südwestflügel mußte vor der Uralkosakendivision und anderen Geschwadern zurückgehen und Morgen wurde auf Orlow–Osmolin zurückgedrängt. Dieser faßte sich aber, noch ehe die Württemb. Regimenter und 1. Ostpreußen bei ihm eintrafen, und warf den Feind erneut auf Orlow–Sobota nordwestlich Lowicz und über Glowno ostwärts. Durch fortgesetzte Drohung im Osten weit mehr als durch einen im Westen versetzten Schlag brach das kunstvoll aufgebaute Gerüst des Großfürsten zusammen. Als der 1. Dez. anbrach, begann eine zweite Schlacht, denn endlich kam Linsingen mit 2. K., 48. R. D. und zwar so überraschend, daß er bis 5. unaufhaltsam über Dobron vordrang und dorthin marschierte Teile Plehwes überwältigte. 5. Kav. D. erfolgte bis südlich Pabianice. Nie um Auskunft verlegen, sorgte Nikolai für eine Aufnahmestellung, indem er Ewerts 3. Kaukasierkorps halbwegs zwischen Miazga und Pietrikow aufstellte. Das konnte ihm teuer zu stehen kommen, wenn die Österreicher solche neue Schwächung Ewerts benutzten. Am 30. erschienen endlich 14er bei Wincentow, 49er bei Markowice. Am 1. Dez. war Linsingen darüber hinaus, während Gerock mit dem »24. R. K.« südwestlich über die Widowka ging und die Generale Menges und Frommel zu neuem Vorgehen fortriß. Der Begriff R. K. ist aber wieder mal täuschend, denn nicht nur brachte Gerock bloß 48. R. D. (47. in Galizien), sondern nur eine hessische Brigade war vorerst zur Stelle. Davon zuerst nur 222. R. im Feuer. Mittlerweile stand aber Plehwe jetzt westlich in einer Linie mit Scheidemann, der seinerseits bei Brzeziny sich mit Rennenkampf verknüpfte, eine sehr lange schräge Front von Lowicz bis Widawa, fortgesetzt bis Radomsk. Aus versuchter Einkreisungs- kam also beiderseits nur eine Frontalschlacht heraus und es sah beinahe so aus, als ränge Nikolai noch um den Sieg. Allerdings verfügte er über mindestens 450 Batl. gegen höchstens 185, aber 220 davon (2. A. und zwei K. der 1.) litten schon aufs äußerste und höchstens 40 Batl. waren noch unberührt, größtenteils (3. Kauk. K.) noch fern, so daß 30 frische Batl. Linsingens wohl im Westen den Ausschlag geben konnten. Hier brach dann auch gegen die links verlängerte Linie (1. Sib., 23., 19. und das jetzt über Rzgow entwickelte 5. K.) das Verhängnis herein. Hier waren jetzt, da Div. Esch endlich endgültig den Ner überschritt, rund 70 gegen rund 120 meist schon geschlagene russische Batl. im Feuer, ein Verhältnis, das für deutsche Truppen immer noch günstig ist. Den Thüringern glückte nach Vollüberschreiten des Flusses voller Einbruch ins 1. S. K. bis zu jener Kirchhofshöhe, wo schon früher die Fahne des Weimarer Rgts. wehte. Auch diesmal erstürmten angeblich diese Tapfern das gewaltige Bollwerk, wobei die riesigen Asiaten im Handgemenge den behenden Thüringern erlagen. Doch irrt hier nicht die amtliche Darstellung? 167. verzeichnet ausdrücklich »Charbice«, während 94. hier tatsächlich nur »19. Nov.« angibt. Wir betonten daher, daß 167. zur Div. Esch gesendet sei, zumal sein großer Verlust gänzlich von den drei anderen Regimentern der 22. D. absticht. Es dürfte daher 167. gewesen sein, das im Westen »bis 15. Dez.« vornean focht. 55. Art. krönte die eroberte Höhe und feuerte vom Nerufer in Flanke und Rücken rasender Gegenstöße. 900 Leichen pelzmütziger Asiaten lagen am Abhang verstreut. Während man sich vor Lodz ruhig verhielt, war im ganzen Westen der 2. Dez. Großkampftag. Während die Posener, verstärkt durch drei frische L. St. Bataillone, wacker bis Zykowice vorstießen, blieben die Bromberger bei Dobron kleben gegen 23. K. (dabei Zarengarde). Dagegen nahm die Stettiner Div. Trossel die Höhen südlich Dobron dem 19. K. ab, ohne aber gegen den östlichen Wald Raum zu gewinnen. Man ließ dabei das geräumte Pabianice links liegen, während Menges, Gerock und Reiterei Frommel das 5. K. auf Wadlow umgingen. Am 3. kam es zu ernster Verwicklung. Thüringer und Posener blieben am gewonnenen Gelände hängen, bei den Brombergern scheint die 8. Brig. noch nicht ganz da (149.) und neuer Angriff nicht spruchreif gewesen, Trossels 6. Brig. blutete erfolglos längs der Chaussee nördlich Dobron. Bei III/42. fielen Kommandeur und Fahnenträger, gegen 34er Füsiliere spielten emsig Masch. G. aus Panzerautos. Dagegen hatten 5. Brig. (besonders das einstige Rgt. »Kolberg« Nr. 9.) und die Breslauer Brig. Schmiedeke Erfolg gegen die verschanzte Waldung vor Pawlovice. Im Flußtal der Grabia kam es zu ernsten Auftritten bei Gerock, der bei Seitendruck gegen die von General du Trossel Verjagten, seinerseits bei Dutow umwickelt wurde, jedoch dem 5. K. die Überraschung heimzahlte. Unter auflösenden Verlusten floh die 7. r. D. nordöstlich auf Rzgow, so daß jetzt wirklich südwestlich Umfassung eintrat. Am 4. trieb Linsingen den abziehenden Feind bei Pavlikowice vor sich her, Frommels Reiterei versäumte leider rechtzeitigen Aufbruch über die Grabia. Immerhin war der Druck auf Plehwes Linke beklemmend, seine Rechte lieferte im Norden bei Florentinow ein hartnäckiges Nachhutgefecht, bei dem 71. allein 430 verlor und wohl auch 167. nicht weniger. Am 5. zog Plehwe seine Reserven von Rzgow nach Pabianice vor und schützte zugleich eine Angriffsbewegung der 2. A. aus Lodz, die sich besonders stark gegen Niesulkow und Glowno richtete, doch in Blut erstickte. Das war aber nur Scheinmanöver zur Erleichterung allgemeinen Rückzugs, was Gerock erst am 6. morgens bemerkte. Linsingen ging am 5. zwar längs der Chaussee, wo sie in den Wald mündet, auf Pabianice vor, gab aber den Angriff auf, auch Umfassung von Dutow her verschob man auf den Folgetag. So sagt die G. St. Schr., laut V. L. hatte aber Gerocks 221. R. Darmstadt bei Rogozyno unterhalb Rzgow ein sehr blutiges Gefecht (820) und die Umstände bedingen, daß das stimmt. Die Unzuverlässigkeit solcher amtlichen Angaben geht auch daraus hervor, daß die Darstellung bezüglich 2. K. ganz und gar nicht zu V. L. paßt. Darnach litt 3. D. sehr wenig, begreiflich, weil sie flankierte, und für 34er müßte man auf späte Dezemberlisten vorgreifen, um überhaupt Verluste zu finden. Dagegen kostete der Frontalangriff der 4. D. bei Zielona sehr viel, 14., 49. verloren allein 1457, dies war also ein so starker Kampf wie bei den Thüringern und doch liest man nichts davon. Laut der Gräberliste, wonach 9554 Deutsche im weiteren Umkreis Lodz-Lovicz begraben, verlor 2. K. nur 352 Tote weniger als D. Breslau (399) und nicht viel mehr als D. Posen (302). Danach mußten die Breslauer, von denen die amtliche Darstellung so wenig sagt, am meisten gelitten haben. Doch täuscht das Totenverhältnis ungemein, und verwirrt hier überall. So soll 11. K. 1551, das 17. dagegen nur 1159 Tote verloren haben, obschon es 300 Mann mehr verlor als jenes. 1434 Tote des 20. K. entsprechen so ziemlich dem Gesamtverlust, 1222 T. des 1. R. K. noch besser, da offenbar Rgt. Keller und 48. Brandenb. mitgezählt. Was 653 t. Württemberger, 570 t. Ostpreußen betrifft, so bezieht sich dies zweifellos schon auf spätere Kämpfe mit, wodurch kein unziemlicher Prozentsatz für Gesamteinbuße entsteht, während es bis 3. Dez. viel zu hoch schien. Richthofen 104, also ein viel geringerer Prozentsatz als bei der Infanterie. 30 000 Russen liegen in dieser Gegend bestattet, was wohl einer Einbuße von 100 000 Toten und Verwundeten entspricht. Scheidemann selber und der Kommandierende seiner Sibirier, Welitschko, fielen, Generäle Fürst Orlow und Graf Koller schwerverwundet. Außerdem wurden später 78 000 Gef., 160 Gesch. abgeliefert, wovon ein großer Teil auf Morgens schwache Streitmacht entfällt. Diesen ermutigte Anlangen des 1. Rgts., Thorner Brigade Westernhagen und drei Württemb. Regimenter hinter sich, er schickte sich an, eine zweite Schlacht zu schlagen. Linsingen dagegen hatte das Nachsehen, die Umgehung auf Lask kam viel zu spät. 2., 5. A. entrannen der Umgarnung ohne jedes Abschneiden von Einzelteilen und entwischten in geradezu musterhafter Ordnung. 2. A. behielt nur Scholtz gegenüber länger ihre Stellung bei, zog sonst ruhig über die Miazga ab. Als am 6. spätnachmittags General Plüskow in die große Stadt einzog und sein R. unter Anschluß der Westpreußen südlich an Lodz vorbei auf Wiskitno verfolgte, war nichts mehr zu erschnappen. Das gibt zu denken. Verlängerung nach Südwest um 5 D. blieb so erfolglos wie Herumwerfen von 3 im Südost. Diese 8 D. verloren in 4–6 Tagen wesentlich mehr als 6 Zentrumd. in 18, und fast doppelt so viel als Morgens 18 Regimenter, die zwar strategisch, aber nicht taktisch eine Umfassungsrolle spielten. Das wird die Einkreisungsschwärmer peinlich berühren, noch mehr der glatte Rückzug der eingekreist werden Sollenden! Das taktische Ergebnis war nur äußerlich erfreulich, denn während die innere Zentrumumfassung in der Masurenschlacht den Feind zu unordentlichen und strategisch schlechten Rückzug nötigte, ging er hier ganz gesund auf neue regelrechte Front hinter Rava und Pelica zurück. Die mehrfach umklammerte und auf engem Raum eingequetschte 2. A., besonders 1. K., schlug sich gut, 1., 5. A. weniger. Es ist die hartnäckigste und verwickelste Schlacht im Osten, die der Weltkrieg erlebte. Scheidemann versuchte das Äußerste, um Niederlage abzuwenden, er ist als braver Mann gefallen, wiederholt wollte er nach Nordwest auf Orsakow durchbrechen, die Thüringer waren zu behend für ihn. Nikolai erwies sich als großer »Schieber«, sein Herumschieben großer Massen westlich und östlich Lodz unter gleichzeitiger drohender Haltung gegen Woyrsch und Dankl war Kriegführung im größten Stil. Um so mehr Ehre, daß man ihn niederwarf, aber es war wesentlich ein Truppensieg. Mackensens possierlich kecke Scheffer-Sprünge und Linsingens Zaudereien stellten jeden Erfolg in Frage, und wäre nicht Morgen gewesen, dessen Truppen Übermenschliches leisteten, wer weiß, wie die Sachen geendet hätten! Welchen Dank er dafür erhielt? Gar keinen, bis Schluß des Weltkrieges sehen wir ihn in abhängiger Stellung, nirgendwo mit höheren Kommando betraut. Ja ja, der Bürokratius Militaris der Hierarchie hat allerlei Geheimnisse in seinen Schubladen. Hatte es Ludendorff wirklich auf ein Sedan abgesehen? Wir möchten nicht glauben, daß er sich in Vorstellungen bewegte, die seinem sonstigen Verfahren zuwiderlaufen. Die Verhältnisse lagen hier nicht wie bei Sedan, wo Moltke mit doppelter Übermacht operierte, was allein – schon »Ulm« bewies es – eine Einschließung normal ermöglicht, wie denn auch Friedrich bei Prag die durch vorherige Schlacht zermürbten Österreicher nachher mit bedeutender Übermacht einschließen wollte. In beiden Fällen boten Maas und Moldau nebst überhöhenden Plateaus gewisse lokale Bedingungen, die von selber zur Umstellung reizten und dem Gegner an zwei Seiten eine natürliche Sperre vorlegten. Alles das fehlte bei Lodz durchaus, die Miazga lag noch fern vom Schlachtfeld und war überhaupt nicht mit Maas und Moldau zu vergleichen. Wenn aber die zwei einzigen Möglichkeiten einer Einkesselung hier nicht gegeben, nämlich entsprechende Übermacht und besonders günstiges Gelände, so kam noch sehr in Betracht, daß bei Sedan überhaupt keine Entsatzarmee und bei Prag noch in weiter Ferne (Kolin), hier aber gar zwei Entsatzheere von Lowicz und Petrikow her in unmittelbarer Nähe lagen. Sollte man da von einem Sedan geträumt haben, so müßte man bedauern, wie leicht solche falsch gelesenen und einseitig beurteilten Beispiele der Moltkeschule selbst geniale Köpfe verwirren. Jede Operation auf äußeren Linien ist nur denkbar bei beträchtlicher Übermacht (1866 in der Bewaffnung) und besondere Bedingungen, selbst dann fragwürdig gegen entschlossene Gegner, immer ein Glücksfall. Selbst Napoleon konnte bei Bautzen, wo er zum ersten und einzigen Mal gegen seine Grundsätze sündigte und damit von Moltke das Prädikat »Gipfel der Strategie« gewann, seine Absicht nicht durchsetzen, trotzdem er erhebliche Übermacht und unfähige Gegner vor sich hatte. Denn Ney benahm sich dort ungefähr so, wie Linsingen hier, obschon er wenigstens pflichtgemäß zur Stunde eintraf wie verabredet (vermöge seines Stabchefs, des Theoretikers Jomini). Der Großfürst aber war weder Benedek noch Mac Mahon noch Bazaine, ihn hätten weder der Kronprinz bei Königgrätz noch 5., 11. K. bei Sedan eingewickelt. So ließ er es bei Lodz einfach nicht zur Einkreisung kommen. Wir vermuten jedoch, daß Ludendorff nicht so ausschweifende Pläne hegte, sondern die Russen nur durch Bedrohung ihrer rückwärtigen Flanken zum Abzug zwingen wollte. Seitens Linsingen kam diese Bedrohung so spät, daß bis dahin unter anderen Verhältnissen Mackensen längst geschlagen wäre, seitens Scheffer aber nahm dieser das Wagnis auf seine eigene Kappe. Übrigens nannte H. B. ursprünglich bescheidenere Trophäenziffern: 55 000 Gef., 136 Gesch., was auch wahrscheinlicher klingt, das Übrige kam auf weitere Kämpfe Morgens, der jetzt Lowicz immer näher bestürmte. Was bei Bialawy stand, drang bis Rogizino südlich der Stadt vor, über Marysk und Golensko wirkte der Druck aus Norden, am 2., 5. fochten 1. Ostpreußen bei Osiec, der energische General von Conta nahm den Ort, wo die Russen sich an die Bsura lehnten, erst am 1. längs der Landstraße Kiernozia–Rybno floß viel Blut bei Wzceliany, wo nunmehr die Württemberger ihre gewohnte Tatkraft schmecken ließen, vorerst nur 119., 121. Morgen rückte die Weichsel entlang über Ilow, wo der Russe noch nicht abbaute. Indem er Linke und Mitte der 1. A. sprengte, wo allenthalben die Russen flüchteten und die Kaukasier sich ergaben, traf er genau den Zentrumpunkt, wo Nikolais Nord- und Südfront zusammenschlossen, rollte durch diese Zentrumlücke auch die neue Aufstellung der 2. A. auf. Denn was in Nacht und Nebel mit strohumwundenen Kanonenrädern die volkreiche Industriestadt verließ, war nicht gewillt, mutlos die Partie aufzugeben. Die 5. A., hinter der die 2. sich erneut sammelte, blieb bei Bandkow und Karpin, das 1. K. immer noch mit Nachhut bei Novosolna; erst als Pommern und Thüringer den Südlauf der Miazga überschritten, ging es am 17. aus Brzeziny ab. Später lieferte man sich östlich des Flusses noch ein regelrechtes großes Treffen bei Lubochnie an der Tomassow-Chaussee. Nur weil der rüstig fortschreitende Morgen die ganze südlich gebogene Längenlinie, in die Nikolai die Umknäuelung der 1., 2., 5., 4. A. entwirrte, am Nordende strategisch unterhöhlt hatte, so daß 4. A. am Südende ihre Rechte bei Inowlodz nach Norden umbiegen mußte. So klar erkannte offenbar Hindenburg, was er an Morgen habe, daß er dem nominellen Oberbefehlshaber die Westpreußen abnahm und sie nach Saniki nordöstlich Lodz beförderte. Obwohl Morgen selber einer Sicherung seiner Linken an der Weichsel benötigte, fühlte er sich stark genug, am 11., 12. grade dort loszuschlagen, Mörser- und Haubitzgeschosse auf die Befestigungen vor sich her sendend. Am 13. hatten die Schwaben Schloß Zelusko und Windmühlhügel vom Wzeliany, der Russe wich stromabwärts über Ilow, verfolgt von 119., 125. Stuttgarter, die jetzt zu Hilfe zogen. Die Westpreußischen Teile siegten (129., 141., 176.) bei Saniki, alles übrige drängte aus Westen. Am 15. abends ritt Morgen in Lowicz ein, von den Truppen feierlich begrüßt mit dem Lutherchoral: Ein Augenblick echt deutscher Stimmung aus den Tiefen der Volksseele. Wie mögen die Slaven geglotzt haben, als diese mannhaften Scharen wie Cromwellsche Eisenseiten mit festem Marschtritt und tiefbrausendem Gesang das schauerliche Siegesfeld durchzogen! Eine gute Wehr und Waffen, bis ein neidisches Schicksal die Wehr zerbrach. Russische Kräfte schienen zu aufgezehrt, um in neuen Winterschlachten sich im offenen Feld widersetzen zu können, als die lange deutsche Linie zwischen Weichsel und Pilicza heranrollte, die von Woyrsch abgehängte G. R. D. am äußersten rechten Flügel. Mackensen, in der Luftlinie Schulter an Schulter mit Woyrsch, berührte die Rawka wieder ohne Erfolg. Dagegen rang sich Morgen bald bis Skiernevice und sogar Sochatschef durch; 2. A. Smirnow trat ihm aber bei Bolinow–Borzymo ungebrochenen Mutes entgegen. Zeppeline richteten in Warschau Schaden an; man hörte den Kanonendonner auf 25  km sich nähern. Diesmal schien es ernst, doch Ludendorff wußte sehr wohl, daß die Dinge noch nicht reif waren; er zielte nur bis zur Rawa, wo es am 16. Dez. zu heftiger Schlacht kam. Gleichzeitig stieß man bei Prasnitsch-Plock aus Norden herab, was aber die russ. 1. A. nicht duldete, woraus sich später lange furchtbare Kämpfe zwischen Narew und Weichsel entwickelten. Nichtsdestoweniger blieb ein wahrer taktischer Erfolg diesmal aus, nicht die russischen Schanzlinien, sondern das Anstauen ihrer Masse rettete sie vor jähem Zermalmen. Leeres Gerede der Fama über achtstündige Verspätung der Österreicher, die gar nicht in der Lage waren, irgendwie auf Bsura–Miazga einzuwirken, meinte nur, daß man die 4. russ. A. bei Petrikow nicht rechtzeitig zurückdrückte, so daß innere Umfassung der 2., 5. A. aus Südwest unmöglich. Die Fabel von möglicher Einkesselung bei Lodz bleibt unhaltbar, im strategischen Sinne wäre sie zu spät gekommen, im taktischen war sie fehlerhaft, wie sich herausstellte. Beim Andrang auf Warschau unterließ die Rechte wohlweislich diesmal Ausgreifen auf Iwangorod, obwohl man bei Tomassow Anschluß an die Österreicher gewann, die Mitte ging auf Grojec–Tarozyn, die Linke hatte aber noch schwere Kämpfe Anfang Januar bei Borzynowo 12  km von Sochatschef, 18  km östlich von Lowitsch, im allgemeinen war man festgefahren. So sahen die Dinge nach Neujahr zwar besser denn je für uns aus, denn unmittelbarer Druck auf Warschau war nicht mehr aufzuheben, jeder ernstliche Angriffskrieg gegen die deutschen Grenzen für immer vereitelt, aber den Österreichern war eben nicht zu helfen. Der Großfürst bedrohte immer noch das Herz der Monarchie durch neue Aufstellung am Dunajec und wollte den Drang nach Budapest über die Karpathen nicht aufgeben. Die großartige strategische Anlage des Ludendorffschen Planes hatte sich taktisch nur unvollkommen ausgewirkt, der Russe entrann bei Lodz so unzertrümmert, daß er sich alsbald wieder vor Warschau entgegenstemmte. XI. Vor Warschau, Prasnycz. – Statistik Auf dem südlichen Kriegstheater war bei r. 9., 3., 8. A. der Angriffsgeist noch nicht erstorben, auch 4., 5. A. führten heftige Stöße gegen die Österreicher, die man unbillig mißachtete. Am nördlichen Weichselufer drückte die Thorner Gruppe den Feind aufs Wkraufer, doch ist erlaubt zu zweifeln, ob sie dies ihren Waffen und nicht vielmehr der Besorgnis vor einem Uferwechsel Morgens verdankte, der jetzt auch 8., 24., 52. R. (nicht schon das ganze K. Beseler, wie man meint) als linke Flanke an der Weichsel vorschob. Obschon fast die ganze 1. A. ans Südufer ging, hatte die neue 10. A. Sievers so viel Kräfte, daß sie sich bis östlich Mlawa ausdehnen konnte. Nachdem weggewischte Divisionen aus Warschauer Reserve ersetzt, war eine Offensive des 8., 9. K. gegen Prasnycz im Gange. Deutscher Bericht schreibt sie irrtümlich der 10. A. zu, sie gehörten zur 1. und waren anfangs weit zurückgewichen, jetzt konnten Zastrow und Dickhut sie nicht aufhalten, während 10. A. bei Bialla–Lyck vorging. Daß 17., 20. K., 25. R. K. endlich die Rawka erstritten, gelang nur, weil Morgen mit dem 1. R. K. die Waldung nordwestlich Ruda durchdrang und mit Ost- und Westpreußen Bolimow umging, während 26. D. bei Kozlow siegte. Es hat keinen Zweck für uns, den Kampf bis Neujahr oder noch gar bis Hochsommer längs der Warschaufront zu zeichnen. Es waren eben Frontalraufereien, die nichts besonderes in sich trugen. 3. Ostpr., 122. W. taten jetzt mit, 121. litt am meisten im Dezember (1300). Es liegt nahe, daß manche Verschlingung die gewöhnliche Kriegsgliederung umstürzte, sodaß die ordentlichen Verbände lose in der Luft flatterten. Am rechten Flügel litt 48. R. D. am meisten, im ganzen traten 22 400 bis Neujahr dem Verlust hinzu. Bei Prasnycz, wo Teile 141., 175. mitwirkten und später eine Pommersche Brigade erschien, verlor man 2000, im Norden 2200. Im ganzen wurden die Russen übel heimgeschickt, man begreift kaum, daß Zastrows schwache Rechte immer noch bei Lipno stand, bei Sierpe gab es Reitergefechte, auch bekam es Siewers schlecht, wenn er sich unter Belows Kanonen wagte. Im Februar, wo schon 6 Sächsische L. W. Rgt. an der Piliza standen, füllten neu nach 4 L. W. Rgt., 9 L. St. Batl., sowie 4 R. Rgt. aus Flandern (außer 5. R. D.), 13 Ers. Rgt., 3 Ers. Batl., dazu 4., 5. Jg., 3., 4., 10., 20. R. Jg. und 3 neue R. K. Im ganzen hatte Hindenburg mit Woyrsch etwa 655 Batl., 252 Batterien, 240 Schwadronen. Der russische Verlust war bisher ganz ungeheuer, laut Angabe des Roten Kreuzes 3 424 000, wovon 740 000 Tote. Für die russische Zähigkeit spricht nicht, daß man bis 1. März 769 500 Gef. in Händen gehabt haben will, was aber den Einzelangaben widerspricht, die eine viel geringere Summe ergaben. Wieviel von dieser Waffenwirkung auf die Österreicher entfällt, läßt sich nur vermuten. Wieder erwartete das naive Publikum den Fall von Warschau, doch die russischen Stellungen waren äußerst fest und über die neu ausgehobenen Massen schwang Nikolai gleichsam die Nagaika, um sie in den Tod zu peitschen. Die Schlacht bei Humin–Korabka–Ludwinko brachte Morgen und dem 1. R. K. neue Lorbeeren, während das am rechten Flügel bei Ruda–Budy vergossene Blut fruchtlos den Boden tränkte. An durchschlagenden Erfolg war noch lange nicht zu denken, der geschlagene Russe wählte eben eine neue Stellung. Nikolai wollte nördlich der Weichsel die krisenschwüle Luft reinigen, der Februarkampf bei Prasnycz-Lipno und rückwärts Mlawa war anfangs nachteilig für die dortige Gruppe, die sich nachher zu 11. A. Gallwitz verdichtete, doch die neue Masurenschlacht warf ihren Schatten hierher und das Finale bildete neue deutsche Besitznahme von Prasnicz. Im Januar bluteten dort 1750, ebensoviel im Norden, vor Warschau (wo jetzt auch 41. Ostpr. bei Bolinow heftig focht), litten diesmal die Westpreußischen 5er ungemein (1400), 49. R. D. 2450, sonst waren die Einzelverluste gering und summierten sich nur deshalb auf 28 100, weil Hindenburgs Masse ununterbrochen anschwoll. Bei Ludwinko reihte sich 25. R. D. mit 168. Hess. I. ein, während 3. Pomm. D. von Humin nach Ostpreußen abmarschierte. Großer Geschützkampf (1. R. Art. 155). Im Februar waren die Flußtäler der Rave und Peliza taktisch verbunden, doch immer nur die Linke machte räumliche Fortschritte. Indessen hatte Ludendorff, dessen Künstlerblick das ganze Schachbrett übersah, schon andere Eisen im Feuer, sein Auge haftete heimlich auf der r. 10. A. Sie sollte durch eine neue 12. A. Plehwe unterstützt werden, die Nikolai sich als Neujahrsgeschenk anbot. Vorerst konnte aber 1. A. Litwinow (4., 6., 8., 9. K.) nichts gegen die bei Wysogrod und Razionz auf die Wkra vordringenden Truppen von Gallwitz ausrichten, die deutsche Linke war noch erfolgreicher; erst am 27. hatten die 1., 12. A. Prasnicz' Ruinen wieder, das am 24. abends von ostpreußischen R. K. mit blanker Waffe erstürmt war. »Generaladjudant Nikolai«, der sich alle anderen Titulaturen verbat, heckte jetzt wieder einen anderen Plan aus: über Mlawa nach Graudenz die 8. und die neue 10. A. Eichhorn von der Weichselniederung abzudrängen. Strategisch gut gedacht, doch Hindenburg machte einen dicken Strich durch die Rechnung. Daß die Russen angeblich »10 000 Gef.« Gallwitz abnahmen, ist um so spaßiger, als dieser selbst 10 000 Russen in Prasnicz erwischte und dessen Gesamtverlust nur 11 000 betrug. Diesmal standen dort Westpreußen 36. D. Pommern 42., 140. I. Garde R. D., 1. R. K., 4. Jg. Also starke Umgruppierung. 128. (1305), 3., 18., 59., 21. R. (4300, 18. allein 1600), R. Gardeschützenbataillon (670) brachten große Opfer. Daß 3. G. D. dort focht, ist falsch; sie befand sich teils im Abmarsch nach Galizien, teils im Norden. Für die abgekühlte Ermattungsstagnation in Polen, wo die Kriegführung buchstäblich versumpfte, spricht die winzige Einbuße der dort sehr verdünnten Front (5000, 1905 v. 49. R. D.). Im Norden aber spotteten die Deutschen jeder Winterunbill, als sie den Russenwolf auf verschneiten Wegen zu Tode hetzten. Den Verlust der Winterschlacht in Masurien genau zu bestimmen, über den der deutsche Generalstab bezüglich gleichzeitiger Champagneschlacht eine allgemeine Behauptung zum Besten gab, macht deshalb Schwierigkeiten, weil die sich unmittelbar anschließenden Listen der ersten Märzwoche entweder mit dazu gehören oder aber der H. B. wieder mal die Wahrheit umgeht, daß nämlich die große Siegesschlacht nicht bei Monatsende abgeschlossen, sondern noch eine Woche weiter währte. Denn es steht fest, daß der Russe die mit Beutebergung im Augustowowald Beschäftigten wiederholt zu stören suchte und das planmäßige Ausweichen deutscher Deckungsvorhuten als »Sieg bei Grodno« feierte. Vielleicht sind diese Kämpfe ernster gewesen, als man deutscherseits Wort hat. Tatsächlich bereitete Rußki, jetzt Höchstkommandierender der Nordfront (Nikolais ganzer Zorn entlud sich über Rennenkampf, den er fortjagte) sogleich eine neue Märzoffensive vor, um Erleichterung zu schaffen. Stolz will man den Spanier, doch dieser Becher des unverwüstlichen Großfürsten schäumte wirklich über: war solches angebracht nach einem zweiten größeren Tannenberg? Mit Trauer aber denkt man angesichts solcher Spannkraft an unseren Bülow und Kluck. Die im Vorjahr vernichteten 2., 3. K. waren ebenso neu errichtet wie später 23., 26. K. und der 10. A. überwiesen worden. 2. K. blieb zu seinem Glück in Grodno und machte von dort Ende Februar Entlastungsstöße. An Vernichtung der 10. A. war aber nichts mehr zu ändern. Below hatte 20. K. erhalten, das nach Süden gegen Bialla deckte (1700 und 200 L. St.). Mit 5. Pomm. Brig., 2. D. Falk (laut V. L. vorerst nur 44., 45.) und R. K. Litzmann, 3. R. D. (wieder unter Morgen), viel L. W. und L. St. griff er über Lyck an. Auf dem Flügel entfällt nach den Febr. V. L. nur 3000 Verl., aufs Zentrum 5300 (5. L. W. 1000). Im Norden die neue 10. A. Eichhorn (R. K. Marwitz und Lauenstein, Ers. D. Königsberg, Gardebrig. Below, 21. K., 1. K. D.) 4150, überraschend wenig, doch eben allzu wenig, denn es finden sich dabei nur 17., 60., 97. des Saarbrücker Korps (1100), was sicher nicht stimmt. Beim Fehlen aller Ortsdaten, wie es plötzlich beliebt wurde, genügen die Zeitdaten allein nicht, wir müssen bedeutende Nachträge der Märzlisten offenhalten, mindestens bis 5., womit der Gesamtverlust auf rund 16 200 stiege. Angesichts amtlicher Versicherung geringen Verlustes möchten wir alles vermeiden, was auf Vermehrung hinzielt. Wenn angegeben, man habe weniger als in der Champagne verloren, d. h. weniger als »15 000«, so ist die Ziffer weder für das eine noch das andere verbindlich, weil man eben dort weit mehr als 15 000 einbüßte. Indessen litt auch mit Zuhilfenahme jener Märzlisten nur 17. (dann 1140) bedeutend, 97., 137. mäßig, alle übrigen Saarbrücker Regimenter sehr wenig und die drei R. K. (laut Februarlisten Marrwitz 560, Lauenstein 465, Litzmann 505) würden auch so nur 2000 verloren haben; Falk 2000 durch Zuwachs von 4., 33. (sonst 1450), Reiterei 600 (sonst 425, 124 von 12. Jg. z. Pf.). Zentrum (3. R. D., L. W., Ers., L. St.) 5600 Inf. (sonst 5100). Es verlor also bestimmt mehr als der rechte Flügel (3750) und wohl auch mehr als der linke (nach höchstem Maßstab 4900, sonst nur 2500, wahrscheinlich richtig 3900), denn das Seitengefecht gegen Kowno, von dem man nichts Besonderes hört, kostete nach Februarlisten 1100, mit Märzlisten 1900 von Ers. D. Königsberg und 5. G. und ist von der Hauptschlacht abzuziehen. Nur bei Falk, Litzmann, 34. R. sowie bei 21. K. scheint uns aber ein Zuwachs für Februar geboten, so daß wir annehmen 9000 Below, 5000 Eichhorn inkl. Kownogefecht (dabei anscheinend 343 Pion.) – Außerdem in Galizien 47. R. D. 200; 48. R. D. 458, 1., 3., 43. Ostpr. 2300, Lehrrgt. und G. Schützen 557 wahrscheinlich alle schon in Galizien bei der neuen Armee Linsingen, außerdem bei 3. I. (1160) noch 560 Es müßte seit August ganz vernichtet sein, bekam also völlig neuen Ersatz, außerdem machen Tote und Schwerverwundete nur ? der Verluste aus. Leichtverwundete kehrten fast alle geheilt zur Truppe zurück. Immerhin läßt sich schließen, daß überall erheblicher Ersatz zur Truppe stieß. , die teilweise als Nachtrag auf Januar und teilweise Dezember zurückgehen, die wir aber mangels genauer Auskunft dem Februar beirechnen, so daß Linsingen rund 3900 verlor. Monatsverlust also 36 000, wovon fast 27 000 nördlich der Weichsel. Obige Statistik ist wichtiger als unvollkommene Klärung der Winterschlacht durch die amtliche G. St. Schr. So viel steht fest, daß die Rechte nicht rechtzeitig vorwärts kam und nur Starrsinn der Sibirier bei Lyck zuguterletzt doch noch Umfassung ermöglichte, ferner daß nur Belows brave L. W. nebst 3. R. D. im Zentrum den Ausschlag gab, indem sie zunächst den Feind festhielt und ihn dann in die Wälder zurückwarf, und daß ohne diese Leistung die große Umgehung Eichhorns nie gelungen wäre. Übrigens übertreibt die G. St. Schr., daß Hindenburg mit 200 000 die gleich starke 10. A. vernichtete. Er verfügte dazu über 190 Batl., aber man wird schwerlich glauben, daß die Einbuße der aktiven 48 Batl., sowie der L. W. und 3. R. D. genügend ersetzt war, so daß nur andere 94 R. und Ers. Bataillone als vollzählig gelten können. Inkl. Kav. (laut V. L. fochten 40 Schwadronen) und Art. dürften 180 000 Deutsche gegen 260 000 Russen (240 Batl.) in Frage kommen. Die Schlacht ist wesentlich von junger Reserve und L. W. gewonnen worden, welche verteufelte Miliz natürlich immer hübsch dem Ruhm der Kasernisten weichen muß. Übrigens war bei den neuen 38., 39., 40. R. K. die Zusammensetzung so verschieden, wie bei den früher gebildeten, wo bei 47. R. D. unter lauter Westfalen 217. Halberstadt, bei 48. R. D. unter Hessen 224. Weimar, beim 25. schlesischen R. K. sich 228. Ostpreußen, 231. Altenburg, 232. Dessau befanden, hier neu 249., 250. Baden, 251.–53. Halle, 254. Hessen, 259., 60. Hannover, 266. Schleswig, 268., 271. Posen, 270. Brandenburg, 272. Schlesien. Diese jungen Truppen halfen redlich den Russenverlust vermehren, der laut Petersburger offiziellen Listen schon bis 1. Febr. 42 000 t. und verw. Offiziere umfaßte. Wohin sie ihre dreckigen Sohlen setzten, erholte sich die Mongolenhorde durch Untaten gegen wehrlose Einwohner, schadenfroh bekichert von pseudo-zivilisierten Franzosen. Wie eine Absage ans »christliche« Europa sitzt die Ohrfeige, daß die Turkmannen durch ernsten Anstand auffielen: der Islam verbiete ihnen Grausamkeit gegen Unschuldige! Gegen einen russischen Offizier – denn die Gemeinen waren oft gutmütig – ist ein reißender Wolf ein Gentleman. Das namenlose Elend, daß über den Zarenwahn des heiligen Rußland hereinbrach, konnte die rechtgläubigen Analphabeten belehren, mit welcher Gnade Gott auf ihre besoffenen Popen herabschaue. Auch der deutsch-blütige Rennenkampf befleckte seine Ehre durch wahren Mongolenstil, man weint dem barschen Hochmütigen keine Träne nach, weil er unbegründeter Anklage zum Opfer fiel. XII. Winterschlacht bei Augustowo–Suwalki Den Beginn dieser Operation kann man als Überfall großen Stils bezeichnen, nicht taktisch (Hochkirch, Großgörschen, Vionville, Beaumont), sondern strategisch, wie es Bennigsen im Juni 1807, Napoleon im August 1812, Schwarzenberg im August 1813 versuchten. Lauter Mißerfolge zur Sommerzeit, Ludendorff aber wagte es im strengsten Winter mit milizartigen Truppen. Obschon die neuen R. K. nicht mit den anderen bei Lodz und Ypern im Blutopfer wetteiferten, boten sie doch Rekordleistungen in Märschen. 40. R. K. Litzmann durchpürschte am 8. den Johannesburger Forst, 40  km unter Schneetreiben und überfiel die Brückenköpfe an der Pissa, 38., 39. R. K. überrannten in unaufhörlichem Marschieren die russischen Winterquartiere bis Stallupönen. Als die Kosaken noch munter Belows Vorposten beschossen, hakte dessen L. W. sich schon ein und hielt die zwei sibirischen K. eisenfest. Baron Siewers war zu spät im Bilde, blieb zwei Tage zu lange vor der Angerapp. Was bei Lyck übermannt wurde, marschierte erst ab, als sich schon Litzmanns Absicht deutlich abzeichnete, die Augustowo-Straße zu sperren. Vom 7.–11. lenkte man des Feindes Aufmerksamkeit nach Südwest ab; wobei 11. L. W. D. Goltz und Besatzung Lötzen demonstrierten und 1. L. W., 3. R. D., die vielbewährten, plötzlich bei Angerburg–Darkehmen stürmten. 10. L. W. D. warf den Feind südlich Gumbinnen auf dem alten Schlachtfeld. Am 9. wurde klar, was Eichhorn wollte. Bei heftigem Schneesturm gab sich der Feind warmer Ruhe hin, die Deutschen könnten doch nicht kommen, doch sie kamen. Bei Wirballen und Wladislawo wurden 73., 56. russische Div. und Kav. K. Leontiew weggeweht, nur von 27. D. retteten sich Teile. 259. R. voraus, 260. nachstoßend, schritt Lauenstein über den Feind dahin, Marrwitz 75. R. D. berührte an Bahn Gumbinnen–Kowno schon die 10. L. W. D., die Innenflügel beider Armeen kamen also wieder zu innerer Umfassung. Lauenstein trieb den Feind südöstlich ab und Zug um Zug aus den Lagerfestungen Pillkalen–Eydtkuhnen–Wirballen heraus. 78. R. D. hatte in der Nacht zum 11. schon 62  km Eilmarsch bei schlimmster Witterung hinter sich, als sie den Feind nochmals überrumpelte, zwei Bataillone säuberten den Kirchhof von Wirballen. 17 Gesch., 12 000 Gef., alle Feldküchen, Lazarettzüge, Bagagen waren schon unser. Marrwitz, 252. R. voraus, ging unaufhaltsam über den Feind weg, während weit südöstlich 65. Brig. nach zwanzigstündigem Marsch bei Schirwindt einbrach. Hier ließ sich die äußerste linke Flügeldiv., 31., staffelförmig gefolgt von 42., nicht durch Flankenstoß aus Grodno beunruhigen. Denn Eichhorn hatte als Seitenstaffel die Königsberger Ers. D. und Tilsiter L. St. bereitgestellt, gefolgt von 5. G., gedeckt von der Reiterei, die hier mit wahrer Vorliebe das Fußgefecht übte. Diese aufgebaute Hakenflanke gegen den nördlichen Njemen sperrte zugleich den Ausweg nach Nordosten. Wir legen darauf Gewicht, erstens weil im vollen Gegensatz zu Mackensens unüberlegter Handlungsweise bei Lodz bezüglich Scheffer hier von vornherein Fürsorge gegen Überraschung in Flanke und Rücken waltete, zweitens weil hierdurch wieder innere statt äußere Umfassung zur Geltung kommt. Die Saarbrücker brachen zwischen Kowno und Suwalki in der Mitte durch, die Gruppe gegen Kowno (18 Batl., 24 Schwadr.) bildete den wahren linken Flügel, dies war also kein äußerer Flankenmarsch, der meist zu spät kommt. Schon am 12. wurde Marjampol besetzt. Während der Feind hier nach Süden ausbog, wütete im Nordwesten noch grimmer Kampf am Lycker See und Wassellen, wo Falks Brig. Butlar aus Süden und die L. W. aus Westen vordrang, auch Darmstädter L. W. lag bei Grabnik in Stellung. Dort und bei Kruglanken und Goldap wollte Siewers Nachhuten opfern, sie gingen unter, zahlreiche Gepäckzüge blieben liegen. Abzug von Margrabowo nach Filippowo wurde so schwierig, daß wohl oder übel zu dessen Sicherung die Sibirier bei Lyck sich stemmen mußten. Das taten sie brav, selten fochten Russen zäher. Doch brachte ihnen 10. L. W. D. bei Rominten eine große Niederlage bei, 5. L. W. im Vordertreffen, und trieb sie unerbittlich nach Osten, unermüdlich kämpfte sich 1. L. W. D., 61. L. W. vorauf, bis südlich Lyck durch. Seltsamerweise traf sie hier der Befehl, ihre Hälfte auszuscheiden und nach der Südgrenze zu Scholtz zu verladen, wo verstärkter Grenzschutz nötig schien: eine mitten im Kampf unverständliche und tadelnswerte Maßregel, da sie doch grade hier auf wichtigstem Posten stand. Da hätte man lieber Teile der 11. L. W. D. senden sollen, die nicht vorwärts kam. Sie bildete mit 2. I. D. das 1. K. Kosch das südwestlich bei Thalmussen in so ernstem Kampfe lag, daß Goltz die 5. pomm. Brig. um Hilfe anrief. Obschon 3. R. D. die abziehende Hauptmasse bis Goldap trieb, vermochte man weit rechts davon nicht die See-Enge bei Gablick zu durchschreiten. Belows L. W. kam nördlich der Stadt zum Stehen, doch hatte sie zuletzt mehr Erfolg als die Aktiven, denn der Feind zog am 13. vor ihr auf Neuendorf ab, während er südwestlich den Pommern Beitkoven entriß. Gleichwohl waren 1., 3. sib. K. schon sehr bedrängt, denn halbe 1. L. W. D. besetzte widerstandslos die Gegend Margrabowo, wo links 3. R. D. anschloß, L. W. Goltz stand 5  km nördlich Lyck, doch Falk kam nicht vorwärts, erst am 14. ging es zu Ende. Litzmann, dessen 79. R. D. über Drygallen–Prossken auf Grajewo südlich schwenkte, drehte nämlich 80. R. D. schon früh nach Richtung Johannesburg um und fiel jetzt bei Neuendorf in die Flanke, östlich vom Lycker See, ohne jedoch Rückenbedrohung durchsetzen zu können. Die Sibirier zogen fluchtartig ab, ohne den Flügelumfassungen nachzugeben, nur der Zentrumstoß der L. W. hatte sie erschüttert. Umsonst suchten auch 3. R., 10. L. W. D. sie einzukesseln, indem sie auf den Weg nach Suwalki gegen die Augustowo-Chaussee einschwenkten. Da auch 75. R. D. den Feind südlich des Wysziler Sees verjagte, ist ziemlich wunderbar, daß die Sibirier als gefechtsfähige Körper nach Augustowo entkamen. Neuer Beweis, daß Einkesselung nur unter besonders günstigen lokalen Bedingungen glückte. Die Mythe, als ob Mecklenburger und Hanseatische L. W. das Beste taten, wird durch deren sehr mäßigen Verlust widerlegt, ebenso bei 33. Füs., besonders erwähnt, weil sie den Kaiser begrüßten, als er ins befreite Lyck einritt. Sie rückten eben einfach hinter den vorauseilenden Truppen dort ein, als Reserve zurückbehalten (in Februarlisten, die bestimmt bis 20. maßgebend, Verlust Null). Falk schloß sich nicht mal Litzmann südwärts an, der Feind zog ihn sich nach westlich Augustowo. Übrigens ließen die Sibirier nur 5000 Gef., ein Geschütz zurück! Nicht zertrümmert ward hier das 3. sib. K., höchstens das 1., das bei späterer Neuschöpfung der 10. A. nicht mehr erwähnte. Oder war es überhaupt nicht hier? Mittlerweile vereinten sich Lauenstein und Fritz Below (Kommandierender der Saarbrücker) bei Kalvarja, 10. L. W. D. machte sich schon über Filippowo nach Suwalki auf, das Kesseltreiben auf Augustowo konnte nun losgehen, doch Litzmann hing ab. 79. R. D. hatte unterwegs eine von Lomscha kommende Entlastungskolonne bei Kolo am 9. aus den Weg geschleudert und schickte die ihr beigegebene 3. Kav. Brig. gegen die Rückzugsstraße südlich Augustowo vor, begegnete aber bei Rajgrod einem Rückenstoß von Ossoviec her. Sie rechnete zwar tüchtig mit diesem Gegner ab und jagte den matten Vorstoß bis Grajewo heim, doch verursachte dies großen Aufenthalt. Die aus unaufgeklärten Gründen ausgebliebene 4. Kav. D. – Mackensen aus Flandern nachgesendet, jetzt herversetzt – kam endlich herbei und zur Verwendung, auch 80. R. D. marschierte nach Grajewo. Das vereinigte K. Litzmann kam aber nicht entsprechend vorwärts. Wahrscheinlich warf der Feind immer neue Njemen-Seitenhuten entgegen und stellte seine Belästigungen nicht ein. Auch ohne Festungs- und Flußlinie entsprach dies der Natur einer rückwärtigen Reservestaffel, wie ja Eichhorn im Norden vorhersah. Litzmann war unstreitig ein energischer Herr, nur sein geringer Verlust verwischt den Eindruck, daß er gewiß nicht ohne Nötigung zauderte. Ob nun seine ungeübten Truppen mit hochüberlegener Taktik fochten oder die matten russischen Vorstöße nicht zahlenmäßig genügende Kraft hatten, so daß wenigstens 80. D. ihre Aufgabe erfüllen konnte, jedenfalls hing die ganze Unternehmung hier an einem Faden. Hier erkennt man, wie gefährlich jedes exzentrische Ausholen gegen einen leidlich gewandten Gegner. Dies war Siewers gewiß nicht und doch drohte die Operation zu scheitern, wenn nicht Eichhorns waghalsige Linke durch abnorme Leistung alles wieder gutgemacht hätte. Bei deutschen Soldaten mag man gelegentlich abnorme Leistung voraussetzen, doch kein Vernünftiger wird theoretisch darauf bauen. Konzentrischer Abmarsch glückt nie, wenn der Gegner freien Kopf oder wenigstens Entschlossenheit behält. 10. L. W. D. erreichte am 14. abends noch nicht die Augustowo-Straße, 1., 11. noch 8  km davon entfernt. Nur 3. R. D. ereilte über Bakalarzewo eine Nachhut, sie ward geschlagen, doch nicht vernichtet. Die Truppen befanden sich zwar in gehobener Stimmung, der Gesang »Deutschland über alles« empfing würdig den kaiserlichen Schlachtenbummler in dem aus Seen als Wasserburg aufragenden Lyck. Ostpreußen war endgültig reingefegt. Die Marschleistung der deutschen Linken übersteigt jede Vorstellung. In der Nacht zum 10. erfroren vielen die Füße (?) durch unerträgliche Kälte unter schneidendem Ostwind und dicken Schneemassen, nur wenige Geschütze auf Schlittenkufen konnten sich durcharbeiten, doch preußische Infanterie ist sich selbst genug, 25 Stunden wurde kämpfend durchmarschiert. Wird man noch das Militaristensprüchlein gegen Volksmiliz nachbeten? Diese ungedienten Reservisten 2. Ers. Klasse taten es der 31. D. völlig gleich, die am 16. abends schon nahe zu Grodno stand, im Rücken die nur von Kavallerie beobachtete kleine Festung Olita, in ihrer rechten Flanke riesige Feindmassen im Urwald nördlich Augustowo. Obschon ein am 11. besonders heftig einsetzender fünftägiger Schneesturm weiße Berge über verwehte vereiste Wege wälzte, kam selbst die schwere Art. gut vorwärts und brachte 20- cm -Granaten bei Verfolgung der Sibirier an. Diese Kerntruppen, als Scharfschützen ausgebildet, schossen auf 1200  m Entfernung, und wenn das 1. sib. K. (früher 5. A.) nicht hier war, was Berichte vermuten lassen, dann ist doppelt unbefriedigend, daß ein 3. S. K. zweifellose Übermacht so lange aufhielt, weil eben die Einkreisung nicht klappte. Bisher schlug man also 5 oder 7 Div. teilweise vernichtend, erbeutete etwa 20 000 Gef., 18 Gesch., ein hübscher, taktischer, räumlicher, moralischer Erfolg, doch nichts mehr. »Gott wird weiterhelfen«, er tut es manchmal, wo Menschenwitz versagt. Seine Mühlen mahlen manchmal nicht langsam, die Barbarengreuel in Lyck wurden bald genug bestraft. Während Below d. Ält. seine Scharen energisch weiter nach Augustowo führte, erraffte Fritz Below am 15. das angehäufte Heergerät bei Soporkinie, eilte dann südöstlich weiter, im Osten schloß Lauenstein den Ring bei Sejny. Dort hatte 42. D. schon die südliche See-Enge am Nordostrand der Waldung besetzt. Der Feind ahnte so wenig vom Bogenmarsch der Saarbrücker, daß er nur Lauenstein vor sich zu haben glaubte, dessen 78. D. schon Krasnopol erreichte. 77. und 78. hatten schon am 15. die Höhen nördlich Suwalki erstürmt. Schon stak die ganze 10. A. Siewers im ungeheuren Waldkessel des Dreiecks Augustowo–Suwalki–Sejny, die deutsche 10. A. schloß ihre Innenflügel, nachdem ihre Reiterei schon am 13. die russische umritt und zwei Batterien erwischte. Aber Litzmann war noch am 18. bei Kolniki weit im Süden zurück, während Fritz Below seinen Rundgang um die Ost- und Südseite der Waldung durchführte. Ohne sich um Grodno- und Olitagefahr zu kümmern, schritt seine Vorderbrig. über den Bobr zur Sperrung der Chaussee Grodno–Augustowo. Ihre Vorposten sowohl gegen Njemen als gegen Ostsaum der Waldung waren 30  km Tiefe voneinander fern bei 12  km Länge, was jedem Normalmaß für eine Division hohnspricht. Nur deutsche Truppen vermögen sich einer Ungewöhnlichkeit anzupassen, die eine Verbindung äußerster Verwegenheit mit kühl überlegender Besonnenheit verlangt. Trotz Übermüdung strebte A. Below weiter, zumal Marrwitz schon südwestlich Suwalki stand. Dieser schlug am 16. die russische Rechte und trat zur deutschen Mitte über, die nur noch aus 5 Brigaden bestand. Denn Hindenburg verfügte, daß Hälfte 3. R., 10. L. W. D. zur äußersten Rechten verpflanzt werden sollten, ein zeitraubendes Manöver. Sie sollten der bereits südwärts vorausgegangenen 5. Brig., 11. L. W. D. folgen, um Eingriffe in Litzmanns Umgehungsbewegung aus Lomscha und Ossovicz entgegenzutreten. So mußten hier sogar 5 Brig. (bei Eichhorn nur 3) verausgabt werden als Außenring, während für Innenring im Südwest nur 4 Inf., 3 Kav. Brig. übrig blieben. Schon zuvor marschierte 80. R. D. um 79. herum und befreite sie bei Rajbrot, bedrohte die Njemen-Seitenhut im Rücken und warf sie mit starker Einbuße über den Fluß. Ohne den Njemen weiter zu beachten, wandte sich jetzt Litzmann Augustowo zu, es war aber eine starke Belastungsprobe für ihn und 31. D., im Süden allein abzuriegeln, falls die große feindliche Masse aus den Wäldern heraus auf sie losstürzte. Im Norden schnitt wieder 10. L. W. D. am besten ab, sie überfiel am 17. früh die Kasernen von Augustowo (5000 Gef., 12 Gesch.). Der Feind floh hier fassungslos zwischen Seen und Bachläufen südöstlich, während er nach Westen sich gegen halbe 3. R. D., 1. L. W. D., in starken Schanzen hielt, 6  km von Augustowo. Unter Preisgabe zahlreicher Gefangener wich der verzweifelte Feind, der zuerst nach Nordosten durchbrechen wollte, wo er den kürzeren Weg zum Njemen hatte, vor Marrwitz und Lauenstein nach Süden aus, traf aber dort einen neuen Gegner: 42. D. stürzte sich bei Sarskilas in die östliche Waldung, 65. Brig. bis 5  km nordöstlich Augustowo. Den Abzug großer Massen auf der Grodnochaussee wahrnehmend, warf sie sich kurz entschlossen ihnen in den Weg. I/17. als linke Flankendeckung, mit Todestreue die Fahne unter einen Leichenhaufen begrabend, wurde angeblich aufgerieben. (Diese Episode erzählt die G. St. Schr., sie ist aber nur möglich, wenn wir die Märzlisten zu Rate ziehen und auch dann scheint hier große Übertreibung obzuwalten). Die Russen überfielen bei Sarskilas den Verbandplatz und nahmen mit gewohntem Bruch des Völkerrechtes das Sanitätspersonal samt den Verwundeten gefangen, die sich nebst Bedeckungskomp. 27. P. heldenmütig wehrten. Sie stießen demnach 59. Brig. aus dem Wege, denn man mußte sie um jeden Preis nordöstlich abdrücken, um den letzten einzigen Ausschlupf nach Südost zu behalten. Jetzt erschien aber 78. R. D. im Rücken bei Tobolowo, 76. R. D. kam aus Nordwest, nach wildem Ringen wich der Feind am 17. nachts von Makarze, nur wenige Geschütze ausliefernd und nur 800 Gef., denn er schlug sich todesverachtend unter schwersten Verlusten. Jetzt bestand auch 31. D. schon starkem Anprall von Massen, die nach Grodno wollten. Indem sie den Feind abschlug, stand sie selbst nur 20  km vom Njemen im Bereich der Kanonen von Kowno–Grodno. Sie war in Gewaltmarsch unter Benutzung beigebrachten Fuhrwerkes vom brennenden Sopokinie, wo russische Reiterei ihre verfahrene Artillerie im Stich ließ, am lang hingestreckten Südrand des Urwaldes, 42. D. bald am Ostrand. In ihm trat unbeschreibliches Chaos ein, da A. Below aus West-Südost, Eichhorn aus Nordost eindrangen und Granaten aus jeder Himmelsgegend einschlugen. Das einstige im Garenneholz bei Sedan war nichts dagegen. Um sich zu retten, bildeten sich im Südwestteil der Wälder dichte Sturmscharen, die auf jeden anderen Durchbruch verzichteten, weil sie die Schwäche der allein in Süden sparenden 31. D. nicht überschauten. Sie drängten über Bochatry zur Straße Lyck–Grodno, wo sie jetzt Litzmann allein auffangen mußte. Erreichung dieses Rettungswegs war für beide Parteien das Hauptgebot der Stunde, Vernichtung oder vollkommener Sieg standen auf dem Spiele. Siewers eilte schon früh zum Njemen zurück, nicht um sich in Sicherheit zu bringen, wie man ihm vorwarf, sondern um die Lage besser zu überschauen. Er tat daran ganz recht und darf man ihm nur die Verspätung des Rückzugs verübeln. Doch ein bisher »siegreiches« Heer kommt es schwer an, ohne äußerste Nötigung alle seine eroberten Stellungen aufzugeben. Es ließ jetzt erneut Entsatzkolonnen des 2., 15. K. aus Grodno und Olita ab, eine große aus Lomscha von der Bobr-Armee wollte bei Kolo Litzmann in den Rücken fallen. Sie kam aber nicht nahe heran, von der neugebildeten Seitenhut aus dem Weg gewiesen, hauptsächlich von 9. I., 34. R. Die Saarbrücker befanden sich dagegen in ungemütlicher Verfassung, vollauf beschäftigt, die aus Westen hervorquellenden Massen in den Wald zurückzuscheuchen. Nach Osten erübrigten sie nur ein Bataillon als Seitendeckung. So wiederholte sich genau die Lage der Garde bei Lodz–Borowo, wie ja der ganze Vorgang an jene Novembertage erinnert. Damals mißglückte drei Divisionen das kecke Unterfangen, diesmal gelang einer einzigen Division die Durchführung einer theoretischen Unmöglichkeit. Wir stehen nicht an, die unverzagte Haltung der 31. D. zum Allergrößten im Weltkrieg zu rechnen, man sucht in der Kriegsgeschichte nach ähnlichem und findet nichts, denn die Lage der Div. Dupont bei Ulm 1805 unterschied sich im Wesentlichsten davon. Wie verschwindet alles, was selbst deutsche Truppen je vollbrachten und worüber einst viel Rühmens war, neben dem Überlegenheitsgefühl unserer Kämpfer im Weltkrieg! Und wir wiederholen: hätten Briten und Franzosen Gleiches vorzuweisen, welche Reklame würde sich auf Kind und Kindeskinder vererben! Die westlich Augustowo eingeschlossenen Russen hatten dort weder Zeit noch Raum, sich aus dem Westteil der Wälder so zu entwickeln, daß ein Durchbruch nach Lipsk ihren Großteil retten konnte. Immerhin hätten ansehnliche Haufen sich davongemacht, wenn nicht die Straße rechtzeitig gesperrt, und Litzmann war noch nicht so weit, als der Hauptschwarm unmittelbar südwestlich abbog. Da stürzte sich die Saarbrücker Vorderbrigade selber südlich und stellte sich, die Bobrbrücke sprengend, quer über die Grodnostraße. Dabei marschierte sie an der eigenen Divisionsfront vorbei, so daß die Schwesterbrigade allein ihre Stelle einnahm. Obschon aber Siewers genug Truppen vom Njemen ausschickte, taten sie der umringten Division doch nichts, obschon für die rechte Hälfte die Gefahr im Rücken aufs höchste stieg. Eichhorns rührige Kavallerie kam hier zu Hilfe und arbeitete mit dem Karabiner. Vor der linken Hälfte zerstoben heulend in schreckhafter Überraschung die Flüchtlingsschwärme, die sich durchzukommen mühten, von kaltblütigem Feuer in Massen zu Boden gestreckt. Sie bogen auf innere Waldungen aus, ihr Geschütz unbedeckt stehenlassend. Am 19. wurde 31. durch die 42. Schwester-Div. erlöst, der Ring war nicht gelockert, sondern fester geschlossen, denn nun kam Litzmann endlich heran, Falk reihte sich an, Durchbruch wurde aussichtslos, als Marrwitz den Schnittpunkt der Straße Sejney–Augustowo im Rücken faßte. Blindes Durcheinander, 25. K. scheint an der See-Enge entflohen nebst sibirischen Teilen; alles übrige im Waldnetz gefangen. Was querfeldein ins Freie entwischen wollte, ließen unsere freistehenden Batterien herankommen und überschütteten die Verzweifelten mit Kartätschen, falls sie todesmutig das Bereich von Granaten und Schrapnells durcheilten. Der Hohlweg nach Sarskilas, wo viele Russen sich im Halbkreis eingruben, füllte sich mit Leichen, man zählte dann 7000 am Rittergut Wolkusch. Doch neue Schwankung trat rückwärts ein; böse Entlastungsoffensive Litvinows vor Neidenburg war im Gange, zu ihrer Abwehr rief General d. Art. Scholtz zu seinen Allensteinern die ganze zu Litzmanns Deckung bestimmte Seitenhut herbei, so daß dieser wieder auf sich selbst angewiesen. In dieser Phase der Entscheidung rückte er endlich an den Bobr heran, 80. R. D. zersprengte bedeutende Massen, die sich übers Wasser retten wollten. Viele ertranken, die meisten gaben sich gefangen. Endlich erreichte auch Falk das Nordufer des Bobr bei Lipsk. Von der Mitte beeilte sich 75. D. vorwärts zu kommen, 251. R. stand südöstlich Augustow im Kampf, 77. R. D. stellte sich zwischen Waldwegen und Augustowo-Kanal auf und reichte bereits der 31. D. die Hand. Sie scheint um 78. R., 42. D. herumgerückt zu sein und kam deshalb vorwärts, weil letztere durch den Großkampf bei Makarze–Wolkusch zeitlich aufgehalten. 78. D. ruhte sich jetzt aus, 42. D. aber war noch nicht mit sich zufrieden und erstürmte im Waldinnern den Kanalübergang bei Plaska. Vom Kanal bis Lipsk waren also jetzt drei Div. vereint, 1. Kav. D. traf knapp rechtzeitig ein, um Rückendeckung der 31. D. zu übernehmen, 76. R. D. rückte an. Südwestlich stand nur 79. R. D. nebst Falk. So blieben am letzten Entscheidungspunkt nur 12 Brig. verfügbar, um dem umstellten waidmüden Hirsch den Genickfang zu geben, der aber den Jäger aufs Geweih nehmen kann, wenn er rechtzeitig losrennt. Am Rennen ließen es die Russen nicht fehlen, doch wars zumeist planlos wirres Davonrennen. Wo sie ernstlich Miene machten, sich in dichte Sturmknäuel zusammenzuballen, geschah es tapfer, aber nicht weise. Zweifellos konnte planmäßiges Handeln noch den Ring sprengen, wenn auch mit schwersten Opfern. Man durfte nicht erwarten, einer hier bei Lipsk mindestens noch doppelten Übermacht den Kehraus zu machen. Hätten die Russen sich anfangs nicht töricht versteift, nach Nordosten den Ausweg zu suchen, der nur im Südosten erreichbar war, so hätten sie nicht einen vollen Tag verloren und Lipsk erreicht, ehe die Brücke gesprengt. Dort abgedrängt ballten sie sich schon am 19. an der Süd ost ecke der Wälder bei Lipinu–Wolkusch zusammen. Hätten sie sich unmittelbar nach Westen gewandt, so fanden sie dort nichts mehr als 79. R. D., über welche wegspazierend sie irgendwo Anschluß an Litvinow gewinnen konnten. Sehr gewagt, doch ein Teil hätte sich durchgeschlagen, immer noch den vorzuziehen, was jetzt hereinbrach. Tatsächlich umlagerten nur drei deutsche Divisionen den Wald, dem Heraustritt der Massen auflauernd, denn Falk im Süden bei Holjanka trug nichts zur Entscheidung bei, die sich auf engstem Raum abspielte. Noch unternahm am 20. der Feind verzweifelte Sturmläufe auf den pressenden Ring sowohl von innen als von außen, wo starke Kolonnen über den Bobr vorbrachen, aber nochmals bei Szabin, wo 80. D. schon vorher die Flüchtlingsmassen auffing, vor ihr kehrtmachten unter Einhauen der 4. K. D. Nichtsdestoweniger kam am 21. nochmals das 2. K. von Grodno–Olita her über den Strom, doch die rasch herangezogene 78. D. und 1. K. D. wehrten den Anprall ab, 31. D. veränderte kaum ihre Stellung. Bis zum 18. hatte man 60 000 Gef., 98 Gesch. in Händen, seither häufte sich jeden Tag die Beute. Doch gelang es Litzmann und Falk nicht, als sie das von Saarbrücken besetzte Lipsk erreichten, das Südufer des Bobr zu erklettern, wo der Feind heftiges Feuer spie. Solche Rückenbelästigung fesselte aber vier Brigaden und zahlreiche Kavallerie, für die Schlußentscheidung außer Spiel. Der Russe dachte nicht mehr daran, nach Südwest entkommen zu wollen, sondern verdoppelte seine letzte Anstrengung nach Nordost, durch Kanonendonner unterrichtet, daß aus Kowno starke Ausfälle erfolgten. Sie wurden vom dortigen Flankenschutz der Königsberger und Tilsiter Wehrmänner abgeschmettert, Garde nur in Rückhalt. Das Gefecht war ernst, wie der Verlust beweist. Das 2. r. K. brachte so wenig, wie das 15. K. aus Grodno, den Eingeschlossenen Entsatz, die nochmals wütend gegen die 65. Brig. ausfielen, was deren tapferen General v. Estorff, das Leben kostete. Doch der letzte Widerstand erlosch, alles kehrte ins Waldinnere um, 31. D. bekam so freie Hand, sich gegen Grodno zu wenden, wo der Feind sich verspätet nochmals vorwagte, doch bei Golinka sehr den Kürzeren zog. Lauenstein leitete geschickt diese Gefechte, noch am 27. nordwestlich Grodno, dem Eichhorn den Oberbefehl des ganzen Außenrings übertrug. Der alte Generalstäbler erwies sich auch später in Kurland als geborener Frontoffizier. So erteilten aber am 22. den Todesstoß nur 42., 77. R. D. und Marrwitz, vor dem nunmehr noch die Reste von 4 Div. die Waffen streckten. 27., 28., 29. D., 51. R. D. mit dem Kommandierenden, Stabschef und Artillerieinspektor des 20. K., 27., 28. D. mit beiden Divisionären, dem Chef 53. R. D. und drei Brigadegeneralen, im ganzen 30 000 mit 11 Generälen. 73. D. und Sibirier schon vorher auseinandergesprengt, ebenso 56., 97. R. D. Vom 25. K. und 1. Kosakend. (ihr Hetmann gefangen) retteten sich freilich noch größere Teile. Gefallen 6 Brigadiers, 11 Obersten, verw. 11 Gen., 32 Obersten. Absuchen der Wälder vervollständigte die Beute, die auf 110 000 Gef., 300 Gesch. stieg. 31. D. erbeutete allein 88 sowie 50 volle Munitionswagen auf der Lipsk-Chaussee, sowie man im Forst 100 Gepäckwagen an einer einzigen Stelle auflas. Gesamtverlust mit 165 000 wohl zu niedrig geschätzt, nach 2320 toten und verwundeten Offizieren zu schließen, was nach niedrigstem Maßstab 1 = 30 schon 70 000 Mann ergibt. 3., 20. K. waren total vernichtet, überhaupt 9 D. weggewischt, nur 2 retteten sich in aufgelöstem Zustand, außerdem sind Verluste des 2., 15. K. und der Garnisonen von Kowno–Grodno–Lomscha beizuzählen. So wird der Gesamtverlust sich sicher 200 000 sehr genähert haben, weshalb Entente-Fabel auch schloß, wir müßten 100 000 verloren haben! Der G. St. antwortete: »noch nicht ein Sechstel dieser Summe«, was unsrer einen Annahme 16 500 entsprechen würde, doch der anderen Angabe »weniger als 15 000« widerspricht und wohl auf Ungenauigkeit beruht. Denn ein Teil, sei es auch ein kleiner, der 1. L. W. D. (Verl. etwa 1250), 10. (etwa 1600), 11. (nur 350 erkennbar), 3. R. D. (2., 9. R. 885, 34., 49. auch 760) muß doch für Scholtz abgerechnet werden, außerdem rechneten wir 1200 für 14 Ers. Batl. mit, von denen möglichenfalls ein Teil bei Mlawa oder Prasnitz focht. Rechnen wir dagegen 3650 Saarbrücker inkl. Märzlisten (1570 der 31. D.), so werden wir nach obigen Abzügen auch nur 6200 Eichhorn 7800 Below erhalten. Auch ist nicht mal sicher, ob der G. St. nicht Scholtz mitzählt, denn das Telegramm des Kaisers hob 147. hervor. Man wird also gestehen, daß nächst Tannenberg, wo allerdings die deutsche Minderzahl viel ausgesprochener war, noch nie ein so riesiger Erfolg mit so geringem Verlust erfochten wurde. Daß unser Heer das erste der Welt sei, galt früher unseren Alldeutschen schon für ausgemacht ohne stichhaltige Gründe, da manches im deutsch-französischen Feldzug falsch oder einseitig ausgelegt wurde. Im Weltkrieg aber ward für alle Zeit festgelegt, daß deutsche Wehrmacht wirklich die erste und oberste auf Erden sei, nicht wegen mustergültiger Führung, sondern wegen unübertrefflicher Mannschaft. Nun könnte Ludendorff für sich anführen, daß er eben dies in Rechnung zog. Wie, für die L. W. und die Miliz der Reservekorps? Dann müßten die Militaristen ihre Kasernensprüchel ja selbst verleugnen, denn wenn 21. K. hier den Leistungsrekord schlug, so erzwangen die bewährten alten Truppen der 3., 4., 5. Brig. bei Lyk rein nichts und es wäre übel ergangen, wenn nicht L. W. und Eichhorns junge Reservetruppen so große Erfolge errangen. Kann man aktenmäßig belegen, daß Hindenburg ursprünglich etwas anderes beabsichtigte als Überrumpelung der russischen Winterquartiere und Wiedergewinn der Linie Lyk–Stallupönen und, wenn möglich, Augustow–Suwalki? Der Appetit kommt beim Essen, die Einkesselungsidee mag in schwachem Umriß vorgeschwebt haben, ergab sich aber erst allmählich durch Eichhorns erstaunliche Märsche. Hier gilt wohl wörtlich: »der Erfolg übertraf jede Erwartung .« Gelegentliche Äußerungen Napoleons, daß er nie einen bestimmten Plan habe, was Moltke für sich aufgriff, sind mißverstanden worden, es widerspricht ja auch Napoleons anderem Satz: »Mein Plan bleibt immer derselbe«. Selbstredend ziert es den Feldherrn, wenn er aus unberechenbaren Vorfällen und Umständen blitzschnell Nutzen zieht und seine Pläne entsprechend erweitert. Nun zeigte sich aber der große Urwald den Deutschen weder bei früherem Vorgehen noch beim November-Rückzug als Hindernis. Allerdings preßte man elf Div. mit allen Trainkolonnen dort zusammen, so bot dies das für Einkesselung Ausschlaggebende: lokale Behinderung des Rückzugs. Doch der andere Faktor entsprechender Übermacht fiel weg und konnte ihn bloße Qualität ersetzen? Nein, das völlige strategische Versagen des rechten Flügels bewies die Unmöglichkeit einer Einschließung bei normalem Verlauf. Das Festkleben vom 9.–14. vor Lyk machte einen dicken Strich durch Ludendorffs Rechnung, wie immer sie gelautet haben mag. Aber wenn die Rechte unter jeder Erwartung blieb, so schnellte die Linke ebenso unerwartet vor. Flugs griff Ludendorff zu, hier könnte man ihn »Hazardeur« nennen, er vertraute auf sein Soldatenglück und russische Unbehilflichkeit und langte nach dem höchsten Preis. Dafür soll man ihn warm loben. Hätte er nur in entscheidender Schlußphase des Weltkriegs den gleichen festen Willen gezeigt! Doch so ist der Krieg. Dort ungeahnter Fehlschlag, hier unberechenbares Glück. Wer je diese Winterschlacht nachahmen wollte, würde sich in die Nesseln und in die Tinte setzen, womit der gewöhnliche Schreiber immer nur den äußeren Mißerfolg begießt. Wir unsererseits kennen nicht Erfolg und Mißerfolg bei Beurteilung von Kriegshandlungen: Wir finden die »gescheiterte« Oktoberoffensive großartig genial, desgleichen die strategische Anlage der Lodzoperation, obschon ihr taktischer Erfolg doch wesentlich ausblieb. Aber für den gewaltigen Sieg der Winterschlacht schwärmen wir nicht, denn theoretisch war er unmöglich und gehört eigentlich mehr der kecken 31. D. als sonstigem Geschehen. Das ist eben Glück. Für künftige Kriegführung wird diese Abnormität viel Schaden stiften, indem die Herrn Einkesseler hier ein neues Sedan finden werden. Schlieffens Cannä-Phrase ist aber ein leeres Phantom, da derlei erstens einen Hannibal und Varro, zweitens besondere lokale und taktische Bedingungen erfordert, die heut nicht mehr vorliegen. – XIII. Zwischenkämpfe In Schnee und Koth konnte niemand den Vorwärtsdrang befriedigen, doch stampfte man zwischen Kowno und Mlawa knietief durch Moräste, die blutig anliefen. Die Welt wunderte sich, daß die russischen befestigten Flußlinien noch nicht zum Falle reif seien, und schrieb es einer Schwächung Hindenburgs zu. Diese war jedoch gering, und aus V. L. wird ersichtlich, daß schon wieder 28 Ers., 8 L. St., 12 L. W. Batl., 20 R. Schwadronen, 16 aktive nach Osten abgingen. Es könnte Schmerzen machen, daß die Februarlisten nur von 3 Regimentern der 79. R. D. und von 3 der 77. und 2 der 78. etwas verzeichnen und zwar recht wenig, nur bei K. Marrwitz von 6 Rgt. In den Märzlisten findet man aber bis 3. oder 6. sogar 672 von 78. D., 1300 v. 79. D., 3680 v. 76. D. (1965 v. 255. R.), 3800 v. 75. D. (1100 v. 250. Badische bis 28.) Wir verrechneten einen kleinen Teil davon für Februar, es liegt auf der Hand, daß Marrwitz unmöglich in der Masurienschlacht so litt. Der Fall liegt anders. Wir sahen, daß Below Truppen zu Scholtz entsendete, Eichhorn tat später desgleichen; da Ludendorff rechtzeitig Gallwitz verstärkte, gegen den sich wilder Kampfzorn Ende Februar entlud. Deutsche Darstellung verweilt bei diesen Kämpfen, gibt aber zu, daß im März aufs heftigste am Orcyc gefochten wurde. Und zwar den ganzen Monat, so 59. R. bis 30. (1415). Ein Teil Märzlisten könnte sich hier auf Februar beziehen, doch da zunächst nur 2 r. K. mit viel Kav. zum Entsatz von Prasnyez erschienen, ist wenig glaubhaft, daß Gallwitz damals schon so schwer litt, noch weniger daß 76. R. D. den Rückzug deckte, der Weg von Augustow war zu weit, nur 255. R. als Vorhut käme in Betracht. Ihr Verlust entfällt ebenso sicher auf März, wie der von 38. Thür. D.; erst am 1. erhielt Gallwitz seine Verstärkungen. Auch scheint kaum möglich, daß 79. D. bei Grajewo so viel mehr verlor als 78. in der Hauptschlacht und ist hier maßgebend, daß 250. R. gleich bis 10., 15., 18., 28. März genau unterscheidet, ähnlich 251., 252. bis 10., 19., 30., also den Verlust ganz sicher auf März verschiebt. 75. D. war aber zu Scholtz verschoben, wo sie später durchweg focht. Ähnlich bei den Saarbrückern 166. bis 13., 174. bis 13., ebenso unterscheiden 137. bis 9., 11., 24., 29. (zusammen 1950), 70. bis 4., 9., 30. (1115), wobei der Verlust sich sogar bis Monatsende steigert. Wir taten also ein Übriges, wenn wir 2450 von 5550 März- zum Februarverlust rechneten, und es steht hier bombenfest, daß der Märzkampf äußerst heftig war, obschon der H. B. sich möglichst ausschweigt. Offenbar griff Rußki auf der ganzen Front Grodno–Kowno an, um Eichhorn beim Abräumen des Schlachtfeldes zu stören. Auch 5. G. verzeichnet diesmal 650. Wir bemühten uns, beiden Angaben des Hauptquartiers »noch nicht ein Sechstel«, »weniger als 15 000« gerecht zu werden, mehr als 15 000 kostete die Winterschlacht keinesfalls, um so betretener macht der große Verlust Eichhorns im März, der keinenfalls unter 15 500 betrug, dazu noch Litzmann und Falk 2000. Indessen sind 76. R. D. und vielleicht noch 75. davon abzuziehen, die zu Gallwitz und Scholtz abgingen. Eichhorn stand jetzt dem Njemen, Below dem Bobr, Gallwitz dem Narew gegenüber. Wir finden 24. R. bis 29. (825) zweifellos bei Below, 151. (1945) von 10.–27. bei Scholtz, obschon sonstige Allensteiner nur 3100 verloren. Auch die dortigen Kämpfe waren im ganzen erheblich (5850 L. W. usw., etwa 16 600), noch schwerer rang Gallwitz, wo auch neu 38. D. 3100 verlor, mindestens 29 000. Dazu 76. R. D. Außerdem 5000 in Galizien inkl. Beskidenkorps (25., 35. R. D. unterm dorthin versetzten Marrwitz, Linsingen 1., 4. D., 48. R. D., 3. G. D.), vor Warschau (2000 v. 49. R. D.), 11 000, Summa 79 000 (730 Kav., 410 Art., bemerkenswert noch 2100 der Ers. Rgt. Reinhardt und Rüdiger, 2150 des 54. I., was möglichenfalls weite Nachträge enthält, 810 vom 5. Ers. Batl.). Das ist sehr viel im Vergleich zu früher, obschon es sich freilich auf viel größere Massen verteilt, die Ersatzregimenter (aktivierter L. St.) verloren allein 17 250, außerdem 1., 3. Ers. Kavallerie 325. Was geschah denn? Aus Resten stopfte der Großfürst mit unglaublicher Schnelligkeit das 3. r., 3. sib. K. wieder voll in Olita und Grodno und hieß sie dort vorgehen, 2., 13., 15. K. aus Kowno, Augustowo. Dies alles lief auf 50  km Front an, die üblichen Siegesberichte verstummten aber bald, nach schwerem Kampf bei Augustowo, vom 8.–11. wich die neu erstandene Übermacht auf die Festungen zurück. Man erwartete Angriff auf Grodno, der ausblieb, Hindenburg nahm seine Linie bis Sejni zurück, die aus Kowno nachdrängende neue 10. A. wurde dort Ende März gründlich abgetan. Zuletzt näherte sich Eichhorns Rechte wieder dem Bobr. Längs der Bahn nach Wirballen verlief die Sache tragisch, bei Krasnopol deckten 2000 r. Leichen die Walstatt. Die Schlacht bei Bierzniki seit 8. endete mit Zersprengung des 3., 2. r. K. durch die Saarbrücker. Below-Scholtz wehrten sich nach Kräften gegen Plehwe, der 14 I., 4 K. D. versammelte, um Gallwitz' Linke zu umfassen, während dessen Rechte noch an der Weichsel focht. Gegen Below suchten besonders 1., 2. Garde D. Litvinows aus Lomscha vorzukommen, umsonst, auch aus Ostrolenka am Narew glückte nichts. Grimmig aber stürmten die Barbaren bei Mlawa und Prasnycz vor, in 10 Tagen zählte man 34 Stürme, was nur ihren harten Blutverlust vermehrte. Seit 15. fielen sie zu Tausenden bei Jednorosch, Ciechanow, Wach nordöstlich und westlich Prasnycz. Doch ließ Gallwitz viel Erschöpfte und Verwundete in Kosakenhand, die Schlacht war lang und sehr blutig auch für uns. Ein Raubzug sogenannter Reichswehr nach Tilsit und Memel endete kläglich, tapferer Landsturm, Ers. Königsb. und Stettin unter General Pappritz zersprengten 18 000 Russen, sie flohen; von Litauer L. W.-Dragonern zusammengehauen. Östlich Plock, südwestlich Kolno, nordwestlich Ostrolenka ging es nicht besser. Eichhorn machte 11 000 Gef., Below 4350, Gallwitz 6950 und 1000 wehrhafte erfahrene Mordbrenner schleppten derbe Fäuste Tilsiter Landsturms in Gewahrsam. Danach beurteile man die Schwafeleien von russischen »Siegen«, Rußki berühmte sich »zwei deutsche Korps« besiegt und dem 21. K., »dem besten von allen«, 12–15 000 außer Gefecht gesetzt zu haben. Leugnen läßt sich freilich nicht, daß Nikolai seine Muschiks, denen er deutsche Äcker versprach, zu einer neuen Anstrengung entflammte. Dies bedenkliche Vorschreiten gegen Gallwitz endete mit Zurückverlegung an den Orcycfluß, man mußte also von Mlava ablassen. Dort wurden mal 48 stürmende russische Kompagnien von 10 deutschen total vernichtet; bei Kopusnik kamen 164 deutsche auf 906 russische Tote. Väterchen Zar füllte die gehorsamen Sklavenreihen schon mit L. St. 2. Klasse ohne Gewehre , eine Schinderei, die selbst echtrussischen Leuten gegen den Strich ging. Hatte man im November 45 K. nebst 25 R. D., so war die Zahl auch jetzt nicht geringer, obschon so riesenhafter Verlust nicht ganz ersetzt werden konnte. Als nun Przmysl in Galizien nach rühmlicher Verteidigung fiel, war Nikolai nicht von der fixen Idee abzubringen, daß die Karpathenpässe der gerade Weg nach Ungarn seien, hier machte er die unerwünschte unangenehme Bekanntschaft eines bärbeißigen Herrn namens Linsingen und verzehrte in wahnwitzigen Alpinistenklettereien die frische Armee Brussilow. Er dachte wie Wallenstein vor Stralsund: »und wär's mit Ketten an den Himmel geschmiedet«, das Gebirge muß fallen. Wir hadern nicht mit solcher Ausgeburt eines großangelegten Strategenkopfs, der alle taktischen Rücksichten mißachtet und den Erfolg von Alpengipfeln holen will, wo er den strategischen Punkt entdeckt. Das waren diese Pässe und wer zweifelt, daß er seinen Willen durchgesetzt hätte, wenn nicht die Nibelungen ins Hunnenland gefahren und mit Nibelungentreue Schildwacht an Ungarns Toren geworden wären. »Für diese deutschen Hunde müssen wir uns opfern!« knurrte ein »magyarischer« Professor einem Berliner, jüdischen Zeitungsschreiber zu. »Nemet« heißt in Ungarischen »Deutscher« und »Hund«. Wie singt Byron? »O Menschen, ihr Hunde! Ich schmeichle Euch, Hunde sind weit besser als ihr!« XIV. Der Durchbruch in Galizien Wieder staunt man über Aprilverlust der Saarbrücker: 7350 (2000 v. 131., 760 bloß von II/138.). Ungeheuerlich, wenn man es mit H. B. vergleicht, wonach rein gar nichts am Njemen geschah. Irgendwo wird ein Tatbestand unterschlagen. 38. R. K. 1115, 39. R. K. 1770 usw. Monatsverlust 26 750, wovon 4750 in den Karpathen. Also große Ruhepause, bei Linsingen große Heldentaten wie die Erstürmung des Doppel-Zwinin. Vor Warschau »ungeheure Mengen erstickender Gase«. Sobald der russische Generalstab diesen Geruch verspürt, muß man sich die Nase zuhalten, da stinkt etwas faul im Staate Mongolien. Im Norden Einfall in Kurland nebst viel Reiterei, geniale Diversion Ludendorffs. 6., 78. R. D., 3., 6. Kav. D. genügten hier zunächst, dann bayr. K. D., deren 2. Brig. bei Kiely 14, 145 verlor. Die Reiterscharmützel waren ernst, noch ernster die Gewaltmärsche, am 29. legte General v. Crailsleim 80  km zurück. Bald folgten 1. noch 36., 80. R. D., letztere schlug die 73. r. an der Dubissa. Im Mai am Dunajec und San 2200 der Div. Besser, 1515 Bayern, 6415 Garde, 4500 Emmich, 6000 K. Francois, 2540 D. Behr = 25 000. In den Karpathen 5000 (1200 v. 35. R. D.). Im Norden neuer Zweifel, weil Mai- größer als Aprilverlust. Vor Warschau 5., 49. R. D. usw. 3000. Gallwitz (1154 v. 107., 133. sächs. L. W., 550 Westpr.), Scholtz, Below 4000, Eichhorn (21. K. 2075), 5000 Lauenstein in Kurland, 1. R. K. 2100 (5. R. 800), 6. R. D. 1200, 78., 80. R. D. 1270, Kav. 400 = 5000. Summa rund 47 000 (inkl. 340 Art., 692 P.). Amtlich wird freilich Verlust der 11. A. in Galizien auf 27 867 Deutsche angegeben und mögen dabei Nachträge aus Junilisten vorliegen. K. Lauenstein, später A. Below, erkaufte glänzenden Erfolg bei Schaulen und Libau billig. Hessische Drag. und b. Chevauxlegers kreuzten immer siegreich die Säbel mit Garde- und Amurkosaken, Ussuritern und Russen. Im wunderschönen Monat Mai ist in Italiens Herzen die Liebe zur Fratellanza aufgegangen. Abällino der große Bandit aus des Waldes tiefsten Gründen spielte mit gezücktem Messer den Fra Diavolo, wozu ihm Gabriele der Verkünder ein putziges Heldenlied sang. Das zog viele Kräfte Österreichs ab (nach und nach 300 Batl.), zu dessen Stützung etwas geschehen mußte. Daß man aber erneut 8 deutsche Divisionen nach Galizien versetzte und noch 6 andere folgen ließ (außerdem schon 7 früher dort) war des Guten zu viel und die ganze Schöpfung eines neuen Feldmarschallats Mackensen vom Übel. Um Hindenburgs unbequeme Machtfülle mit höfischen Undank zu beschneiden, raubte man ihm das neugebildete 41. R. K. Francois (Litzmann trat für Marrwitz beim 38. ein) und die 9. A. vor Warschau. Er behielt nur 8., 10., 12. A. (Gallwitz, jetzt so genannt), während die neue 11. A. Mackensens außerdem das k. k. K. Arz und 4. k. k. Armee sich unterstellt hatte. Mit solchen Kerntruppen wie Garde, Hannoveraner, Bayr. D. Kneußl und solchen Massen (16 verbündete D.) nebst einer gewaltigen Artillerie war es kein Kunststück, die r. 3. A. zu sprengen und später, unterstützt von Borovic und Böhm, auch 3., 8. A., frontal aus Ostgalizien herauszudrücken. Der Stabschef v. Seekt erwarb sich viel Verdienst um unermüdliche Vorbereitung, es wäre besser gewesen, wenn man dort Strategie getrieben hätte. Der staffelförmige Angriff vom rechten Flügel her, gelehnt an 21. öster. D., konnte nichts vollbringen, als die Russen vom Duklapaß abdrängen, was gar nicht nötig war. Brussilow konnte sich nur ruhig in den Paßschluchten festklemmen, wo schon eine halbe Million Russen bluteten und verbluteten, das hätte nur seinen Rückzug nach Lemberg verzögert und daher verschlimmert, während hier nur ein paar Div. durch Emmich zersprengt wurden, der sich übrigens verspätete oder eben noch nicht heran sein konnte, so daß Mackensens Angriff verfrüht und schlecht angelegt war. Wir finden es unverantwortlich, daß Kneußls Bayern (3., 22. I., 13. R., 21. Art.) sich lange am 2. allein im Berggelände abquälen mußten, nur unterstützt von I/46. R. der 119. D. Behr (46., 58. I., 46. R.) und rechts von Österreichern. Vorgehaltene Schutzschilder schirmten dort nicht vor Flankenfeuer. Auch bei Gorlice erschossen nur die zugeteilten 29 Batterien (2 Gebirgs-, 4 öster. Positions-) den Eingang in festgebautes Schanzwerk der Waldhöhen, schwere Minenwerfer versetzten den verduzten Feind in Schrecken. Eine richtige Materialschlacht, wobei Brände das Schlachtfeld für hellsichtige Artillerie beleuchteten und eine lodernde Naphtafabrik schwarzen Rauch in Wolken den Verteidigern ins Gesicht sandte, als der »Holzhof« in die Luft flog. 82. R. D. Fabricius tat das Beste, Ers. Batl. Breslau von 271. R. eroberte den hochgelegenen Judenkirchhof von Gorlice. Die festungsartigen Kuppen frontal anzurennen war ein Unding. Bei 81. R. D. Stocken mußte man 1½ stündige Kanonade mit 18 schweren Batterien einlegen, um Flankenbestreichung zu entgehen. Als noch um den Westhang des Pußkibergs sprühender Kampflärm tobte, wollten die allzu tapfern Res. Regimenter den gefürchteten Kanianiecewald stürmen, wo an gemauerten Wällen des Bahndamms der Feind sich setzte. Kein Ineinandergreifen, nur wildes Losschlagen. 268. R. litt erschreckend. Doch gegen deutsche Infanterie, die Lorbeer pflanzen will, ist kein Kraut gewachsen. Kaum waren die ersten 269er im Wald, nur wenige, so wurden ihrer immer mehr, sie brachten Drahtscheeren mit, um die Netze aufzureißen. Doch von Erleichterung durch Arz' Ungarn und Galizier war keine Rede. Bis endlich die Fahnen ihres 56., 100. Rgt. auf dem Pustkigipfel wehten, wurden sie erst durch unaufhaltsamen Anlauf der 3. Gardebrig. fortgerissen. Doch obschon auch die Franzer alles vor sich niederwarfen und 1. Garde ihren Ehrentag von Großgörschen hier in blutigem Jahrhundertjubiläum beging, so konnten auch hier nur 30 Batterien (dabei 1. G. F. sowie 3 öster. Haubitzbatterien) den Sieg aus feuerspeienden Wäldern erschießen, wo ein recht bitterer Lorbeer wuchs. Bei 114 Batterien Mackensens (26 Arz) errechnen wir nur 684 Geschütze (die gewöhnlichen Angaben 1500–2000 sind lächerlich). (Außer Korpsbestand hier 237. Art., 8., 14., 20. R. F. Art., Teile von 3., 4. F.). Doch dies vierstündige, deutsche Trommelfeuer wirkte wie nie ein gegnerisches im Weltkrieg. »Die Kanonade erreichte große Heftigkeit« umschrieb der russische Bericht die förmliche Zerschmetterung der Vorderlinien. Mit solcher Artillerie und solcher Infanterie kann man sich den Luxus wüster Frontalstöße gestatten. Was sie kosten, ist eine andere Frage. Laut der amtlichen G. St. Schr. habe 82. R. D. nur 509 verloren (6 Off., wovon 4 aufs Breslauer Batl. entfallen), soll das »Tote« heißen? Denn sonst klingt die Angabe völlig unglaubwürdig. Sie verlor im Mai nicht weniger als 2250 und es läßt sich gewiß nicht annehmen, daß die folgenden Kämpfe so viel blutiger waren. Unstreitig hatte 268. (1560) seinen Hauptverlust am 2. Mai, 81. R. D. verlor 3750 und die Schlachtschilderung selber lehrt, daß sie bedeutend litt. Bei Div. Behr verzeichnen 46. R. überhaupt nur Verlust bis 7., 58. I. bis 11. Ebenso hatte nur 4. G. Brig. Verlust in der zweiten Monatshälfte, 3. G. Br. (2400) ganz bis 10., bei 1. G. D. litt nur 2. G., der Verlust nahm nämlich fortwährend von rechts nach links ab und beweist dies die Unrichtigkeit der Anlage auch taktisch, denn anschließend siegten 9 böhmische, 14. Tiroler K. des Erzh. Josef Ferdinand mit leichter Mühe, weil dort die Stellungen geringfügiger und die Verteidiger mit u. A. fünf Duma-Brigaden (L. St. »Reichswehr«) schwächer waren. Der Hauptangriff hätte also am unteren Dunajec einsetzen sollen, vor allem aber aus strategischen Gründen. Schritt man dort überraschend schnell über Tarnow zum San vor, so manövrierte man nicht nur Dimitriew aus seiner überstarken Gorlicestellung heraus, sondern bedrohte so schon seinen Rückzug und den Brussilows, so daß sie Hals über Kopf nach Lemberg davonlaufen mußten, wo die Verfolgung nordwestlich von Lemberg schon bald die Rechte des dortigen verwickelten Befestigungssystems aufrollen konnte. Man hätte sich einen vollen Monat und neue schwere Opfer gespart. Als die Naphtaquelle hinter Gorlice in Flammen und Rauch aufging und die helle Sonne herrlichen Frühlingswetters nicht so heiß brannte als die Kampfhölle da drunten, zogen die Sieger über ein düstres Schlachtfeld, das angeblich 30 000 tote und verwundete Russen bedeckten. Die 11. A. verlor aber selber reichlich 10 000 (7000 Deutsche, wovon nur 830 Bayern, 3. Augsburg verlor 600 am »Jägerhäusl«), 17 000 Gef., 16 Gesch. waren doch zu wenig, um davon großes Geschrei zu machen. Die von oben her betriebene Mackensen-Reklame begann aber schon mächtig, die Konkurrenzfirma Falkenhayn-Mackensen nebst ihrer kaiserlichen Filiale tat sich auf. Der überwundene Gegner zeigte sich meist matt, nur hier und da kam es zu gräßlichem Handgemenge, sonst hielten die Überrannten die Hände hoch und die Batterien fuhren ab, ohne den deutschen Infanteriesturm abzuwarten. Schon am 3. wehten die Fahnen von 267., 268. R. auf dem beherrschenden Berg der dritten Stellung südlich Jaslo, am 4. verlor Dimitriew den Kopf, um ihn an die Wand zu rennen, sein Gegenstoß mit 5 Inf., 3 Kav. D. wollte den Bogen um Brückenkopf Jaslo herum nicht eindrücken lassen. Umsonst, er mußte unter Brückensprengung nördlich zum San abziehen, nachdem er auf einer Länge von 16  km eine Tiefe von 30  km in vier Stellungen fahren ließ. Damit gab er Brussilows rechte Flanke preis und Emmich erreichte in Gewaltmarsch, den sich 22. Pfälzer anschlossen, die Gegend nördlich des Dukla, von wo seine Batterien den Paß bestrichen. Als am 6. Mackensen die Wisloka überschritt, hatte die Garde freilich noch 20 Gesch. erobert und die Gefangenenzahl stieg sehr, denn am linken Flügel auch bei 3., 10. D. und Tiroler Kaiserjägern des Erzherzogs ging alles glatt am Schnürchen talwärts. Während am rechten sich steile Berge vor den Reservetruppen auftürmten, die sie kämpfend erkletterten. Hier hielten auch r. 3 Brig., 10. D. und Rgt. 296 zäher aus, als 63., 31. D. gegen Garden und Mährer, und 9. D. nebst Hälfte 61. gegen Behr und Kneußl. Hier wich Dimitriew unter Entleihung der 61. R. D. von Brussilow, erkannte aber richtig seine Nordflanke für strategisch wichtiger und ließ dort 4 separierte Regimenter und den Hauptteil 70. R. D. sogleich durch 205. Rgt. der 52. Kaukas. Div. stützen, die dann selber folgte. Noch weiter nördlich baute er 5., 42. D. nebst zwei separierten Regimentern auf. Dort kam General Besser so unbemerkt über den Dunajec, daß der Uferwechsel nur 14 von I/II/219. R. kostete und sieben Russenbataillone das Häuflein nicht mehr verdrängen konnten. Dies Einstoßen des Brückenkopfes verwirrte nicht, wie man deutscherseits annimmt, Dimitriew zur Entsendung seiner bei Jaslo ausgeladenen neuen Reserven (21. Kaukas. D. und Sibirier), nordwärts, sondern er erkannte eben, nicht Mackensen, daß nur dort ein Stoß strategisch gefährlich sei. Von seinen 14 Div. verschob er also jetzt den Hauptteil nach Norden. Im Süden gerieten 58er in solche Verstrickung, daß sogar Behrs Artillerie in Gefahr geriet, doch sie schmetterte kaltblütig alles nieder, was aus Cieklun hervorquoll. Nur das aufopfernde Siegbeharren von Bayr. 13. R. und ihrer Batterien führte zur Umfassung der Russen, die auf der Ostra Gora verduzt die Waffen niederlegten. Wenn der offizielle Bericht statt 13. R. die 22. I. lobt, die fast gar nicht focht, so rechtfertigt man diese übliche Bevorzugung der Aktivtruppen höchstens dadurch, daß die Pfälzer hier die Beine statt der Arme anstrengten und am 5. früh die Karpathenstraße sperrten. Hier liefen aber nur wenige abziehende Kolonnen Brussilows Emmich in die Arme. Auch die 8. A. entkam ohne wesentliche Gefährdung, für diesen nahen und billigen Vorteil trieb man den obendrein verspäteten Keil an falscher Stelle ein und trieb so nur die 3. A. auf ihre richtige Rückzugsbasis zum San. Dimitriew, Bulgarenfürst in russischen Diensten, konnte nichts dafür, daß die »unerschütterlichen« Russen deutsche Kanonade nie ertragen lernten und sich schon an der Wislocka in solcher Zerrüttung befanden, daß Bataillone von 7 verschiedenen Div. sich bunt durcheinanderdrängten und die kaukasische 52. D. nur 9 von ihren 36 Gesch. rettete. Doch umsonst winkten den Tirolern schon Tarnows Türme aus der Ferne als Siegespreis; bei raschem plötzlichen Hauptdurchbruch auf Tarnow wäre man mit dem notgedrungen vom Dunajec abziehenden Feind zugleich in der San-Linie angekommen. Nun sammelte sich dort erneut die 3. A. und das strategische Ergebnis war Null. Übrigens glückte auch Verschleierung der Absichten so wenig trotz deutscher Gegenbehauptung, daß Nikolai schon 63. D. aus Warschau, 2. sib., 3. kauk. K. über den San verladen ließ, sogar eine Div. 15. K. vom Njemen her. Trotz 400 000 Toten im fünfmonatlichem Karpathenkampf, die er zynisch zugab, hatte er noch Nachschub genug und eine furchtbare Befestigung bei Lemberg geschaffen. Wie es jetzt nach unbeständigem Sonnenschein in die qualmende Naphtaquelle hineinregnete, so war auch deutsche Aussicht auf rasches Vorwärtskommen verregnet. Zwar hatte man zuletzt bei 150  km Länge der jetzigen Linie 50  km Raum gewonnen, jeden Tag steigerten sich die bisher so dürftigen Siegesfrüchte, am 7. sollen die Gefangenen schon auf 70 000 angeschwollen sein (ein Drittel davon für Erzherzog und Boroevic, angeblich 10 000 für die Bayern, deren 13. R. kräftig bis Besko drang), da die Nachhuten sich feige ergaben und Emmich nach 40  km Marsch den Rest einer von Borovic zersprengten Division abfing. Dies Nachtgefecht der 77er bei Naphtabrunnen jenseits der Jasiolka und das der todmüden Div. Behr, die sich unter persönlichem Zuspruch ihres wackeren Divisionärs bei Rymanow zusammenraffte, brachte viel weniger ein als gehofft, obschon Kav. Rgt. Wedel Besko, eine ungarische Schwadron Koslo überrumpelte und ein Leutnant der Braunschweiger Husaren 400 Gef. abkniff. (Von Kav. Verl. nichts bekannt, vielleicht hier 6. Hus. der 5. K. D., die 50 am 11. verloren). Dimitriew kniff im Auto aus (Gouverneur Kitschenko kippte im Auto um und fiel in deutsche Hände) und ließ seine Papiere und Kriegskasse in Jaslo, viele D. waren so gut wie aufgerieben, von der 8. A. das Korps Kornilef, dessen Kommandierender sich im Gebirg verirrte und gefangen wurde. Brussilows 4., 49. D. schlugen sich durch, doch 49. zählte nur noch 1500 Gewehre, 4 Gesch. (48. angeblich ganz geopfert, um den Abzug zu decken). Stimmt das, da sie demnach nur vorher 8300 gezählt hätte, wenn man ihre vor Borovic oder Emmich kapitulierenden Teile addiert? Die 8. A. litt eben schon vorher bedeutend am Lupkow- und Duclapaß, sie wußte aber wie die 3. mächtige Brückenköpfe am San hinter sich. Zur Rechten Dimitriews drängten sich Teile von 51 Regimentern vor dem 9. öster. K. zusammen, weil man, längs Mackensens Front nach Norden vorüberziehend, in völlige Unordnung geriet. Die russische patentierte Generalstabsfabrik bedeckte sich wieder mit Ruhm: »der Feind zeigt Symptome der Ermüdung!« Welche bitter empfundenen Symptome die eigenen Reihen zeigten, ward verschwiegen. Indessen muß gesagt werden, daß Dimitriew, den man nachher abkanzelte – wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – Mackensens Rechte aufhielt und so auch Brussilows Abzug degagierte. Eine frische Festungsbrigade aus Przmysl und 39. kaukasische stürzten auf Krasno, zwei Div. auf Besko vor, sie wurden in die Flucht geschlagen, doch Emmich verlor dabei 1100 (vorher nur 550 und dazu 450 Behrs am Wyslock) und die eigentliche Dunajecschlacht bis 7. nebst Verfolgung bis 10. kam uns keineswegs billig zu stehen: wahrscheinlich 4000 Garde, 6000 Francois und, da wir aus V. L. feststellen, daß 520 von 46. R. bluteten, vermutlich 1500 Behr (58er bei Cieklun), bei den Bayern ist die Mailiste für 13. R. offenbar zu niedrig und die Junilisten zu hoch für damalige Kämpfe, dienen also teilweise zur Ergänzung der Mailiste. Wir dürfen wohl 2000 Bayern annehmen, so daß die 11. A. am Dunajec–Wisloka fast 14 000 Deutsche verlor, dazu wohl 3000 Arz und 7000 des Erzherzogs. Österreicher sind aber gefälligst »auch Menschen« und wollen mitgezählt werden. Der famose Durchbruch kostete also inkl. Emmich im ganzen 25 000: ungefähr soviel, als Tannenberg und Winterschlacht zusammen, wo eine Minderzahl 400 000 Russen außer Gefecht setzte, die Hälfte davon gefangen nebst 850 Geschützen. Was bedeuteten daneben 69 Gesch., 255 Masch. G. und angeblich 103 500 Gefangene bis Mitte Mai! Wir bestreiten nicht, daß vielleicht 60 000 Russen t. und verw., doch bei der maßlos hohen Gefangenenziffer sind wohl liegengebliebene Verwundete mitgerechnet, außerdem ergibt Zusammenstellung der Einzelziffern nur 85 000, was wohl das Richtige sein dürfte! Offenbar sind 20 000 beigezählt, die Borovic und Marrwitz in die Hände fielen. Mackensen hatte eben Übermacht, besonders an Artillerie: seinen gefeierten Durchbruch, für den er flugs den Marschallstab erhielt mit Hindenburgs (Ludendorffs) Triumpfen zu vergleichen ist schlechtweg lächerlich. Es bedurfte neuer schwerer Kämpfe, um den Feind auch nur der Sanstellung zu berauben, von Lemberg war man noch recht fern und jede Umfassung dorthin im Nordosten fortan ausgeschlossen. Nur diese aber als innere Umfassung konnte Wert haben. Nicht weniger als 26 Div. wobei sich Armenier, Turkmenen, Georgier befanden, drängte Nikolai am untern San zusammen, doch die Reste der 3. A. schob er nach Osten zur »Restaurierung« ab. Unglaublich, aber wahr: 15 neue Div. hatte er als Ersatz hergebracht, zunächst ein aus 7 verschiedenen Div. regimenterweis kombiniertes K., 13. sib., 3. kaukas. Schützendiv., das ganze 15. K., Plastun-Kosakendiv. zu Fuß, Trans-Amur-Grenzwacht, dazu 2. sib. K., von dem nur eine Brig. bei Jaslo mitgefochten hatte, und 52. D. des 3. kaukas. K., dessen 21. D. freilich zerstört. Bei Sieniava, Radymow, Jaroslau entspann sich also eine neue Schlacht, sie wird aber zu Unrecht als besonders blutig geschildert. Behr (930), Francois (600), Kneußl (700) folgten der 8. A. auf Przmysl, der Erzh. verlor wahrscheinlich 10 500 Österreicher und 2000 Besser, dessen 220. R. vornan stritt, Arz 3000, Garde 2450, Emmich 2850 = 24 000, also Monatsverlust Mackensens nach dieser neuen Berechnung mit Zugabe aus Junilisten inkl. Art. und P. und Zwischengefechten über 50 000 (24 000 Österreicher). Emmich faßte bei Rowne zunächst nur mit der 20. D. zu, focht aber dann bis 20. zwischen Wislock und San und verlor am meisten von da ab, wobei die Oldenburger und Braunschweiger am meisten litten. (Übrigens ließ er 73., 164. bei Reims zurück). Der russische Blutverlust bei wiederholten rasenden Gegenstößen war auch hier unübersehbar. Die ganze südliche Russenfront kam ins Wanken, des Erzherzogs Vordringen längs der südlichen Weichsel zwang zum Abzug von der Nida, der Umfang des Rückwärtsschwankens erstreckte sich auf 300  km bis zu den Ostkarpathen. Überall wehten die Fahnen der Verbündeten vorwärts, das beharrlichste Lügen konnte den Pariser Lüge-Experten nicht verhehlen, daß der neue Siegeszug keinen Aufenthalt kenne und den ganzen Sommer füllen werde. Doch was dem einen recht, ist dem andern billig: wenn wir unsre Rückzüge an der Ostpreußischen Grenze mit Recht leicht nehmen, warum sollte Nikolai sich nicht überzeugt haben, daß es mit dem Abzug von Nida, Dunajec, Karpathen nichts auf sich habe und seine südwestlich vorgeprallte Spitze verkürze? Fatal blieb nur die Nötigung, Przmysl zu decken. 41. R. K. nördlich 3. öster. K. südlich, Kneußl nebst 46. Schlesiern östlich, schlossen am 24. die Festung ein. Deshalb mußte Iwanow, sein Satrap auf der südlichen Kriegszone wie Rußki auf der nördlichen, den Kampf noch am Westufer des San bei Jaroslau aufnehmen. Dort war der hochstämmige Schloßpark mit uralten Eichen wie dazu geschaffen. Hier lagerten 41., 45., 62. D. mit noch unberührter Frische. Wieder kam es zu kunstlosem Frontalraufen. Dimitriews Quartier im Hotel Krakovia in Jaslo hatte ratlose Hilflosigkeit verraten, doch Iwanows und Brussilows harter mitleidloser Wille trotzte den Muschik-Kohorten aufs neue rechtgläubigem Opfermut »Alles für den Zaren« ab. Noch wuchs sich die Niederlage nicht ins Breite aus. Hier waltete keine strategische Feinheit wie bei Ludendorffs epochalen Kunstwerken, nicht Führung, sondern taktische Überlegenheit der Truppen entschied. Selbst die Österreicher bedurften keines Ansporns, jetzt das Äußerste aus sich herauszuholen. Den Antrieb angeborener Tapferkeit, der allzeit ihre Heere beseelte, verdoppelte der eifersüchtige Wetteifer, es den beneideten Malefizpreußen gleichzutun, und das befriedigte Aufatmen erblichen Mißtrauens in die traditionell unglückliche Führung, endlich unter reichsdeutschen Befehl zu stehen. Jaroslau eroberten am 15. gemeinsam Garden und Honveds, erstere nahmen Schloß und Meierhof, letztere die baumlose Jupanokakuppe, Gardeulanen und Honvedhusaren ritten abends in Stadt und Bahnhof ein. Die Garde wandte sich gegen den Flußwinkel von San und Wislock, schon erzwangen aber »die Braunschweiger« den Übergang an anderer Stelle. Wirklich nur sie? Immer wird dies Rgt. gerühmt, immer das Oldenburger Rgt. übergangen, doch immer hatte es den größeren Verlust, so weitaus auch hier. Daß die Grenadiere Elisabeth-Alexander hier stürmten, ist laut V. L. ebenso unwahrscheinlich, Franz und Augusta müssen es vollbracht haben. Bald drohten deutsche Feuerschlünde auch nach Przmysl herüber. Das Gesamtbild einer ungeheuren Verwüstung mußte wohl den zähesten Moskowiter entmutigen. Die Überlegenheit der verbündeten Artillerie erwies sich überall als gradezu erschreckend. Alle hufeisenförmigen Batterieeinschnitte der russischen, so lange ausgebauten Schanzlinien, lagen in Trümmern, die Drahthindernisse wurden größtenteils schon weggefegt, ehe unsere kühnen Pioniere sie durchschnitten. Das verbündete Fußvolk besaß stets die größte Feuerüberlegenheit beim Schußgefecht, was man auch beim Stürmen ausnutzte, unaufhörlich feuernd, bis zum letzten Laufschritt-Anrennen in die feindlichen Gräben hinein, und auch hier beim Handgemenge überwogen Mut und Kraft der Deutschen und Ungarn entscheidend. Hier und da wehrten die uniformierten Muschiks sich mit stumpfsinniger Wut, im allgemeinen aber wollte ihr Händehochhalten oder Waffenwegwerfen und Ausreißen kein Ende nehmen. Nirgendwo barg man rechtzeitig das Kriegsgerät. Wie rasch entfiel den Russen die Stütze ihrer Proviantierung und Ausrüstung, der Stapelplatz Tarnow, dessen reiche Hilfsmittel man fast kampflos dem Sieger überließ! Die Brücken über Dunajec und Wisloka hatte man freilich zerstört, was später dem Nachschub, besonders der Belagerungsartillerie, deren Durchschlagskraft Przmysl zu Fall bringen sollte, Aufenthalt bereitete. Doch das blose Erscheinen von Streifparteien und geringen Vorhuten der Verbündeten genügte, die Russen zu verscheuchen, ehe sie ihr Zerstörungswerk begannen. Daher der ungehinderte Weitermarsch Mackensens zum San. Die Naphtabrunnen und -Gruben zündeten die Verfolgten meist so ungeschickt an, daß die auflodernden hölzernen Bohrtürme und Öltanks (bei Gorlice auch eine Schwefelsäurefabrik) dem Verfolger als Fanale den Weg wiesen und die Gefahr steigerten. Manche Kosaken verbrannten dabei. Die brüderlich Verbündeten zogen überall jubelnd in die Schlacht, in einer wahren Verklärung siegessicherer Vaterlandsliebe unter heimatlichen Liedern. Drüben bei den Halbasiaten nichts als dumpfes Schweigen oder viehisches Geheul, Angst und Grauen auf den vertierten Gesichtern. Die neue 42- cm -Haubitze der Firma Skoda, die so ungewöhnliche Leistungen vollbrachte und mit Krupp um die Palme wetteiferte, von besonderer Schußgeschwindigkeit, schlug manche russische Soldaten mit Wahnsinn und Blindheit. Die 300  kg schweren Geschosse flogen zuerst auf 12  km Entfernung nach den Tarnowstellungen, später in steilem Bogen auf den Hügel von Szczyamowica, den Schlüsselpunkt der dortigen Linien. Die deutschen 42er und Skodas 30- cm -Motormörser räumten schrecklich auf. Noch auf 3000  m Ferne warf der Luftdruck die Russen um und tötete viele, betäubte andere, im Einschlagsraum starben viele am Herzschlag auch ohne Wunden. Italien behauptet, sein Treubruch habe die Entente gerettet. Nur vergessen die Tapfern zu bekennen, daß sie ihren Verrat vor den großen Maierfolgen der Mittelmächte ausführten und sich die Sache zweimal bedacht haben würden, wenn sie die Wahrheit gekannt hätten. Nachher machten sie die sauren Trauben damit verdaulich: grade deshalb hätten sie kommen müssen, um etwas rauben zu können (in Ententesprache: um die Befreiung der Welt zu fördern), weil sonst Deutschlands Sieg unvermeidlich gewesen wäre. Das ist aber leeres Geflunker. Sie hätten es nicht gewagt, wenn nicht die Ententelügen bis zum letzten Augenblick die wahre Lage verschleiert hätten. Wir müssen immer betonen, daß Lügen nicht immer kurze, sondern recht lange Beine haben und ihren praktischen Zweck erfüllen. Anderseits haben sie freilich die Gewohnheit, wie ein Australischer Bumerang auf den Schützen zurückzuprallen, in seine Hand zurückzukehren. Statt des freundlichen Spaziergangs nach Wien, von dem die Italiener träumten und durch welche schwindelhafte Suggestion der Kriegshetzer sie sich auf das gefährliche Abenteuer einließen, fanden sie eine uneinnehmbare Front und erreichten mit entsetzlichen Opfern und trotz größter Anstrengung – das muß man ihnen lassen; ihre Tapferkeit überraschte vielfach – nichts als Blamage. Belohnt von Undank der Ententegenossen, die sich natürlich keinen Pfifferling um Italiens eigene Interessen scheerten, brachten sie aus dem Weltkrieg hauptsächlich die Herzstärkung heim, daß sie durch ihren Verrat ihn endlos verlängerten. Denn es läßt sich nicht leugnen, daß ohne Italiens Eingreifen schon früher Niederwerfung Rußlands vollendet worden wäre. Da Österreich gezwungen war, starke Kräfte zur Bewachung der Südgrenze bereit zu halten, sind erhebliche Gruppenmengen den Galizischen Kämpfen entzogen worden. Das Schicksal stellte Österreich vor eine neue Belastungsprobe, doch Gott weiß am besten, wie er seine Mühlen malt. Unendlich schlimmer wäre es gewesen, wenn man an Italien schon damals die Grenze abgetreten hätte, strategische Stellungen ersten Ranges, um womöglich später doch noch wieder von Italien verraten zu werden. Auch ohne dies wäre Italiens drohende Neutralität mit frischem Heer und noch nicht ruinierten Finanzen unbequem und peinlich gewesen, selbst beim Friedensschluß. Jetzt wo Gott die Dinge so gelenkt hat wie er will, darf man ruhig sagen, daß Italien sich damals verdientermaßen in eine Sackgasse geritten, uns aber einen Gefallen getan hat. Das Aufflammen des Rachezorns in Deutschland und Österreich stärkte den moralischen Faktor. Kichert nicht dämonische Ironie aus dem Schicksalsschluß, daß die Isonzofront auch wieder nur durch Verrat zusammenbrach, Ungarn aber so wenig davon profitierte wie Italien? Frage an Doktor Eisenbart: wann war je das Sheklerland rumänisch, wann je die Theißebene, Mazedonien und Albanien serbisch oder Trient und das von Österreich gebaute Triest zu Italien gehörig? Zu Venedig? Dann dürfte man ebensogut Cypern, Kreta, Morea, Korfu beanspruchen. Doch wann war Fiume je slawisch? O Landsleute Machiavellis, o gläubige Hausnarren des Verkünders Gabriele, wie seid Ihr hereingefallen! Die gleiche Borèvezahlung, die man Euch in die Hand drückte, steckte Euch die Warnungstafel Jugoslawien auf. XV. Am San, Kurland, Linsingen Am San blieb die Lage bis in den Juni unverändert, trotzdem Emmich den Feind auf den Knüppeldamm von Radymno warf, und die zu früh brechende Holzbrücke dort vielen Tod oder Gefangenschaft brachte, trotzdem alle Gegenstürme sehr blutig scheiterten und die Verbündeten schon 30  km des Ostufers besetzten. Iwanow behauptete die Umgegend von Siemiava und band so dauernd Mackensens Linke, den Erzherzog. Offenbar hielt der Großfürst deutsches Vordringen nach Norden für gefährlicher als nach Osten, was wieder sein strategisches Klardenken offenbart. Doch er brauchte nichts zu fürchten, Mackensen und Falkenhayn waren nicht Hindenburg und Ludendorff. Bei solcher Bewandtnis gab der Großfürst Galizien noch nicht verloren, grade deshalb, weil diese Nichtstrategie nur auf Befreiung Galiziens bedacht und auf eine Schlacht bei Lemberg erpicht war. Lemberg besaß aber gar keine strategische Bedeutung, denn Heranlotsen der Heere Böhm und Linsingen dorthin konnte den Gegner doch nur zum Ausweichen zwingen, ohne seiner habhaft zu werden. Die innere Umfassung über die Weichsel hätte dagegen Nikolais Aufbau im Kern getroffen. Der allergnädigste großmächtigste Zar aller Deutschen, der immer dort im Feld auftauchte, wo es etwas zu siegen gab, überzeugte sich huldreichst, daß »seiner« Garde nichts Übles widerfuhr. Weiteres war aber nicht zu entdecken, man hielt zwar Freund Nickys treue Scharen mit eiserner Faust im Zaum und zählte jetzt schon 175 000 Gefangene auf – natürlich Böhm mitgerechnet und Puhalla, der an Stelle des zum Isonzo abgerufenen Borovic trat –, aber man steckte fest. Als man die seit 12. angezündeten Naphtabrunnen und Erdpechgruben allmählich löschte, erlosch vorerst auch die Angriffskraft. Man nimmt fürlieb mit dem, was man kriegen kann, nämlich Przmysl. Am 23. eroberte Puhallas 10. K. einige Außenwerke, Böhms Linke schloß die Südfront ab, das sie begleitende Beskidenk. lagerte vor der Gürtelfestung Mosciska, am 31. erstürmten Kneußls Bayern die Nordfront. Da geschah noch Unangenehmes. Der Großfürst befahl Flankenstoß, während Garde, Arz, Emmich, in Kähnen und Pontons übergesetzt, sich am rechten Ufer eingruben. Am 27. errang Iwanow bei Sieniava etwas, was nach Erfolg aussah. Bereits seit 19. bedrängte er am linken Ufer den Erzherzog, bis 3. Juni rollten Donnerschläge von Gewitter und Kanonen über den Strom. Das 3. kauk. K. will den Verbündeten 7000 Gef., 14 Gesch. abgenommen haben. Deutscher Bericht spricht nur von 6, wahrscheinlich nach bewährter russischer Methode verdoppelt, aber obschon jedes russische Nachstoßen über den San und erneute Anläufe gegen Radymno mit Vernichtung ganzer Regimenter endeten, so dienten die Tiroler und Böhmen des Erzherzogs nicht als genügende Eisenschranke. Russischen Meldungen, daß drei Tiroler Regimenter zu bestehen aufhörten, folgte zwar der hinkende Bote verhüllten Mißerfolges, ein Meisterstück unfreiwilligen Humors, aber leider war etwas Wahres daran, daß die San-Schlacht überhaupt keinen entschiedenen Erfolg bedeutete und eiligst 22. D. von Prinz Leopold hergeschickt wurde, um den Erzherzog zu stützen, neben ihm Emmich. Mit den anderen Teilen, wozu er jetzt auch K. Francois zwischen San und Wesznia heranzog, stürzte sich Mackensen nach Osten vorwärts, um Entsatzversuche abzuwehren, Augusta-Grenadiere beteiligten sich an Einnahme Przmysls, die am 2. Juni alles bisherige Blendwerk zu Schanden machte. Gleichwohl auch dies ein halber Fehlschlag, denn die Besatzung entzog sich durch geschicktes Entweichen am 4. der Kapitulation, ein Vorgang, der bei wirklicher Einschließung unmöglich sein sollte. 22. Pfälzer genossen den Ruhm drei Forts erstürmt zu haben, die Hauptsache gegen die halb in Stand gesetzten und neu ausgestatteten Forts tat natürlich die Artillerie. Die San-Schlacht hat insofern theoretische Bedeutung, als sie zum Entsatz einer Festung unmittelbar vor deren Toren geliefert wurde, wie einst bei Alesia und Turin, im ersteren Fall mißglückend für das Entsatzheer, im zweiten für den Belagerer. Der Großfürst, später auch persönlich in Nähe Lembergs erscheinend, lenkte Iwanows Bewegungen meisterlich und hätte Mackensen leicht in verzweifelte Lage am rechten Ufer gebracht durch den Stoß am linken Ufer im San-Winkel, wenn er mit Österreichern zu tun hatte. Mackensens Gegenstoß am rechten Flügel mit Garde und Arz glückte freilich, doch eben nur wegen der großartigen taktischen Überlegenheit deutscher Truppen. Daß seine Linke nicht zerbrach, verdankte er der unbrechbaren Festigkeit der Niedersachsen, wobei hier Oldenburger und Braunschweiger wetteiferten. Mackensen handelte mit einer Verwegenheit, die man immer lobt, wenn sie Erfolg hat, immer tadelt, wenn sie bestraft wird. Maßnahmen, die nur mit übermenschlicher Leistung der Truppen rechnen, darf man nicht billigen, denn es könnte eben da auch anders kommen. Den Zweck, russische Teile in die Festung abzudrängen und jede Verbindung zwischen ihr und dem Entsatzheer zu lockern, erreichte man gar nicht, es blieb frontales Abringen, das nur den Nordfaktor der Festung freilegte. Mackensen spielte als Hazardeur, der auf sein Glück baut. Nun, es heißt ja »Sulla Felix«, »Cäsar und sein Glück«, Marmont rief bei Elbodon, als ihm die Beute entrann: »Auch Wellington hat seinen Stern«, doch der Stern war eben seine eigene Unfähigkeit, das Glück zu erfassen. Cäsar hatte stets unfähige Führer gegen sich, Mackensen aber hier einen ihm geistig weit überlegenern Feldherrn, und doch überstand er die Krise? Jawohl, sein »Glück« war einfach sein unbesiegbares Heer. Im übrigen bewahrheitet sich unsere Kritik, daß Rechtsstaffelung nichts entscheiden konnte, da die linke Flanke stets gefährdet blieb, zumal Ewert damals noch bei Opatow-Kielce sich von Dankl-Woyrsch nicht aus dem Stand heben ließ und tatsächlich später den Erzh. beunruhigte. Hier lag natürliche Schwäche, um so mehr als starke Abgaben zum Isonzo schwächten; erst im Juni durch Dankl's 6., 17. K. ersetzt. Nur starke Linksstaffelung hätte den Feind zwischen Dunajec und San früher gebrochen, früher den San erreicht und Przmysl rechtzeitig nach Osten abgeschnitten. Das lange frontale Raufen gab den Russen obendrein den Gewinn, daß sie alle Zeit behielten, vor Lemberg gewaltige Schanzlinien zu errichten. Wohl hatte Mackensen seinen Stern Soldatenglück auf Kosten seines Heeres, das sein rücksichtsloses Nichtmanövrieren zu büßen hatte, doch diese Art Glück ist treulos, das Ende trägt die Last. Lemberg! schrie jetzt die ganze Donaumonarchie. Die ganze? Bei den Ruthenen rollte oft der russische Rubel, von Tschechen und andern Slaven war nichts zu erwarten als widerwillige Heimtücke und offenes Überlaufen. Jene »böhmischen« Regimenter, die sich brav schlugen, bestanden aus Deutsch-Böhmen wie 6. Eger, 32. Tetschen, die ein besonderer Armeebefehl lobte neben 31. Neu-Sandek. Letzteres also Ruthenen und neben Pflanzers Steirern hielten sich brav die Kroaten. Wir denken nicht daran, den Magyaren ihren Ruf zu schmälern, obschon wir keine Lust haben, andern als deutschen Brüdern von Wien bis Innsbruck ein Lob zu singen. Jedenfalls ragten aber das 61. Rgt. Banater Schwaben oder jenes schlichte westungarische Rgt. aus dem deutschen Karpathenkomitat hervor, das im Vorjahr mit zwei Drittel Verlust den Höhenkamm Polichna erstürmte. Die Walachen und Szekler des 12. Siebenbürger K. Köweß (jetzt unter Woyrsch) taten trefflich ihre Pflicht, doch 51. Hermannstädter Sachsen am meisten. Gendarmerieoberst Fischer, der Schill der Bukowina, war ein dortgebürtiger Deutscher. Das Tiroler »Edelweißkorps« genoß besondere Volkstümlichkeit und es war erfreulich, daß es mit Besser's Norddeutschen Schulter an Schulter focht, wie freilich auch Szurmays Magyaren mit den Norddeutschen des grimmen Bothmer am Dnjestr treue Kameradschaft hielten. Diese Waffengenossenschaft zu zermürben hielt Nikolaiwitsch, die größte Persönlichkeit auf Ententeseite, durch ruchloses Vergeuden von Millionen Muschikleben immer noch für möglich. Doch Unkenntnis der wahren Kriegsgeschichte bleibt ein unberechenbarer Rechenfehler. Wie die Franzosen stets Napoleons Genie mit Frankreichs Gloire verwechseln, so erzieht man Briten und Russen im Wahn ihrer Unbesiegbarkeit. Da wird der ganze Feldzug von 1812 im Sinn gefälscht, sogar die klägliche Beresina-Niederlage zu einem Triumpf, Niederlagen wie Zorndorf-Eylau-Borodino zu Siegen, Pyrrhussiege wie Kunersdorf zu Vollsiegen umgelogen und verschwiegen, daß dort nur Österreicher gewannen und ebenso in Suwarows plumpen Metzeleiden bei Novi und Trebbia. Sebastepol, Plewna, Mukden sollten doch Bescheidenheit lehren, doch der neue Drillorganisator glaubte mit eisernen Besen allen Unrat ausgefegt zu haben. Als ob das Innerste sich äußerlich ändern ließe! Die Offiziere blieben gradeso ungebildet und roh, die Mannschaften gradeso stumpfsinnig ergeben. Wie die Mongolen bei Liegnitz, die Türken zweimal vor Wien, so muß das Slaventum sich notwendig am Germanentum brechen. Moderne Kriegstechnik stellte ja psychische Faktoren erst recht in den Vordergrund. Das der Zähigkeit russischer Soldaten gespendete Lob bedarf vieler Einschränkung. Riesige Übermacht, die allmählich 3 Millionen Gefangene abliefert, meldet Bankrott an. Der Mißerfolg des unglücklichen russischen Hannibal – denn solche Rolle war dem fanatischen Panslavisten Nikolai beschieden – macht uns nicht blind für die Großartigkeit seiner Pläne, die Sicherheit seiner Massengruppierungen, die strategische Richtigkeit seiner wechselnden Absichten. Doch das riesigste bestgerüstete Heer, wie es Rußland nie auch nur zum hundertsten Teil früher ins Feld stellte und es nie wieder auch nur annähernd vermögen wird, erwies sich als untaugliches Instrument für ihn, der solche Machtmittel in der Hand hatte. Denn was seinem Pflichteifer fehlte und fehlen mußte, weil er eben ein Slave war, das waren Gründlichkeit, Genauigkeit, Feinheit deutschen Kriegsapparats. Bezeichnenderweise zeigten seine Heere Gelenkigkeit und Vorbereitung nur bei – Rückzügen. Charakterologisch trennte den Slavenfürsten, dessen allem Schein abholde Verachtung von Titulaturen an Peter d. Großen erinnert, wenig von Ludendorff-Hindenburg, zumal er als Privatmann ein hochanständiger weißer Rabe im großen Korruptionsnest war Kriegsminister Suchamlinow, den man wohl ungerecht als diebischen Genüßling verdammte, schwärzt zwar in seinen Erinnerungen den Großfürsten an, will ihm jedes Verdienst rauben und malt ihn als Unhold, doch die Tatsachen sprechen deutlich dagegen. . Gleiche fanatische Staatsliebe, doch die deutschen Meister schöpften aus geistigen und moralischen Tiefen, wie sie wahrlich keinen Romanow zu Gebote stehen. Wer verkennt die historisch-symbolische Tragik, daß das zaristische Rußland bei seinem Untergang den einzigen wahren Feldherrn aufstellte, den es je erzeugte, ihm aber kein bloßer Scipio mit Überlegenheit militärischer Institutionen, sondern selber ein Hannibal-Genie gegenübertrat! Die Vernichtung der frischesten tatenlustigsten Heere mit relativ besten Bestandteilen, die dauernde Zersetzung der Wehrmacht lastete schon zentnerschwer auf den Russen. Sie schlugen sich in Galizien nur selten gut, wenn von oben aufgepeitscht und gegen Österreicher. Auch wollen wir dem Heldentum der Karpathenwächter Borovic' gerecht werden, die der Russen Spannkraft schon brachen. Mackensens Feldzug könnte also nicht entfernt der Arbeit Hindenburgs gleichkommen, selbst wenn die Ausführung irgendwie strategischer Handhabung entsprochen hätte. Statt dessen rollte der Sturmbock einfach weiter auf Lemberg. Feste druff! war das einzige Leitmotiv. Und gleichzeitig hatte Ludendorff schon eine neue Idee ausgeheckt, deren Fruchtbarkeit sich bis zum Ende erwies, den Einfall in Kurland statt der erwarteten ungaren Offensiven gegen Njemen und Narew. Darin beirrten weder Seitenstöße aus Kowno noch Entlastungsstöße östlich Augustowo noch Angriff des 1. Turkestanischen K. bei Prasnicz. Deutsche Reitermassen streiften an der Dubissa, wobei Oberst Prinz Ulrich der Ludwigsburger Schwabendragoner blutete. Richthofen, ein neuer Zieten, handhabte sein K. K. mit gleicher Gewandtheit wie bei Dinant, Bassée, Lodz, wobei eigens gebildete Masch. G. Schwadronen unsre Überlegenheit sicherten. Vorrang deutscher Reiterei und ihrer ausgezeichneten Führer über jede andere soll und muß hervorgehoben werden. Heerabteilung Lauenstein hatte bei Schaule-Rosaule harte Gefechte gegen rasch zur Düna aus Kowno entsendete Massen und man konnte der nicht erheblichen Maibeute sowie des Besitzes von Libau nicht froh werden, da wir auf dem Marsch nach Mitau wichen und tatsächlich 9 Gesch. verloren. Die Russen behaupteten die bayrische Kav. D. und ein preußisches Gardergt. (5. G.) bei Schaule verjagt zu haben, indessen erging es einer Kaukasischen Schützen- und der 15. r. Kav. D. bei Rossieni noch schlechter. Doch auf solche Nebendinge kam es dort nicht an, sondern auf die strategische Wendung, die weite russische Linie noch mehr nach Norden auseinander zu zerren. Schon damals sann Ludendorff auf Durchbruch nach Wilna, suchte den wahren Erfolg in der Zukunft, bis er reifte. Litzmann trieb die Wirballen zustrebenden Kownokolonnen in die große Waldung westlich der Festung, deren Kanonen den Ostrand deckten. Bei Vorstoß auf Schirwindt mußten sich 3000 abgeschnittene Russen ergeben, bis zum Njemenufer verfolgt. Gallwitz, der von allen Seiten Verstärkungen erhielt, setzte sich vor der Orzyelinie fest; Junigefechte dort und am nördlichen Narew waren blutiger, also heftiger, als man nach magern offiziellen Notizen glauben sollte. Die neuen russischen Rekrutenmassen ließen weniger Gefangene fahren als vormals die Aktiven. Selbst hier bewährt sich nicht ein Übergewicht von Drill über Volksaufgebot. Übrigens reihte man deutscherseits jetzt den aktivierten L. St. als Infanterieregimenter mit fortlaufender Nummer ein. Im Juni entwickelte sich der Feldzug in Kurland weiter, wo jetzt Below kommandierte mit einem Teil seiner früheren Armee, die Scholtz schon im Mai übernahm. Belows Kämpfe seit 8. am Windaukanal und östlich wurden jetzt viel blutiger, besonders die Richthofens. Hindenburg war durch viel Kavallerie verstärkt, während diese bei Mackensen sehr fehlte. Sonst aber erhielt nur er Zufluß älterer Kerntruppen, 22. R. K., 22., 56., 107. D., 8. bayr. R. D. Er hatte jetzt 15 Deutsche, 6 öster. D., davon 15 aktive; sehr viel mehr als Hindenburg je auf einen Fleck besaß. Außerdem wurden ihm Böhms 13 D. unterstellt und 5 D. der aufgelösten 1., 3. öster. A. auf den Erzherzog übertragen. Summa inkl. Marrwitz 42 D. Der sogenannte Durchbruch konnte also losgehen, wobei das Beskidenkorps Marrwitz sich rechts anschloß gegen die 20  km lange, mit Drahtverhauen reihenweise durchzogene Stellung Moskiska. Sie trotzte lange genug, obschon Böhm gegen sie tiefe Minen sprengte, während der Angriff am 13., 14. bei Lubaczow–Javorowo guten Verlauf nahm. Allein, gegen den Erzherzog fühlte Iwanow an den Dnjestrsümpfen bei Nizniew einen harten Schlag, obschon er übertrieben schwadronierte, Tiroler 29. Jäger seien »fast ganz niedergesäbelt«. Böhm und Linsingens K. Szurmay befanden sich südöstlich und östlich Lemberg im Vorgehen. Um Linsingen von der durch Bothmer heiß erkämpften Stryj-Linie abzudrängen, warfen sich zwei von Lemberg weggezogene Korps am 8.–11. auf seine Mitte bei Bucacz, bis wohin Bothmer zur Rettung des umfaßten Pflanzer über den Dnjestr vorbrach über Zydaczow, sie widerstand, doch unter bedeutenden Verlusten besonders des Lehrrgts. und der Ostpreußen. Gerock und Hofmanns Madjaren machten den Bedrängten bei Stanislau Luft; Pflanzer und sein Unterführer Cibula übten, aus der Verstrickung befreit von Rohatyn her glückliche Umgehungen bis ans waldige Dnjestrufer. Sein Kampf bei Zalescyki war glücklich, doch was wäre aus ihm geworden ohne Linsingens Aufopferung, der sich in Leschitzkis Rücken warf und so selbst in größte Gefahr geriet! Hell strahlten deutsches Pflichtgefühl; deutsche Treue. Und wie hat Ungarn gedankt! Frontalbestürmung der Lemberg-Linien bot meist das gleiche Bild. Schwere Artillerie zerbrach die Stützpunkte des trefflichen Aufbaus (Einrichtung der Wälder mit Astverhauen), erst wackerer Widerstand, dann planlose Flucht Hals über Kopf. Iwanow stand mit der 8. A. östlich, der neugebildeten 3. A. nordöstlich. Gegen den Erzh. 3. Kauk., 23., 29. K., gegen 11. A., 28., 17. K., 2., 5. Kaukas., 12. K., 4. Kav. D., gegen Marrwitz 7., 21., noch andere K. traten gegen Böhm in Tätigkeit. Da man in dieser Kriegsgliederung je 5 D. des 8., 12. K. und 3 des 23. (inkl. 3. G. D., siehe Lodz), begegnet, so betrug die gegen Mackensen fechtende Masse 29 D. Später trat am Nordflügel noch 2. sibirisches K. dazu, außerdem demonstrierten am Tannewsumpf 3 L. St. D. und Reiterei gegen 4 des Erzh. als Seitenhut, der mit öster. 9., 10., 17. K., deutsche 22. D. östlich den San anging. Da die Bayern Kneußls und Steins sowie 107. D. und 88. R. Brig. des 22. R. K. als Reserve ausgeschieden, griff Mackensen nur mit 12 D. an, denen sogleich 22 gegenübertraten. Die Bestückung der Festung Lemberg, wo sich ein Gürtel von 60 Befestigungen auf 50  km Umkreis schlang, davor die gewaltige Stellung Magierow-Grodeck, verstärkte die Zuversicht der Verteidiger, zumal Umgehung der äußeren Flanke ausgeschlossen und Südostflanke durch die Seekette der Werescyca gedeckt. Es ist bemühend, diese ganz gewöhnlichen taktischen Schläge mit den feinen Schachzügen Linsingens zu vergleichen. Kühnheit? Die bewies er viel mehr als Mackensen. Der hatte gut reden in seiner gesicherten Lage mit solchen Kräften, während Linsingen sich nur auf wenige deutsche Kerntruppen verlassen konnte. Als man ihn zur Rettung Pflanzers aufrief, handelte er mit äußerster Kühnheit, doch mit klarer Erkenntnis des Rechten in solcher Zwangs- und Notlage, nach drei Seiten frontmachend in Angriffstempo, um dem Feind zu imponieren. Nicht nur verdient dies vollen Beifall, sondern Bothmers späterer Flankenmarsch, um sich, das Nordufer des Dnjestr räumend, am Südufer dem Szurmay auf Linsingens linker Flanke umringenden Feind vorzulegen, gehört zu den bewundernswertesten strategischen Märschen. Linsingen und sein Stabschef Stolzmann dachten stets strategisch bei ihren vorzüglichen taktischen Handlungen. Während Bothmer über die sehr tapfer fechtenden Madjaren bei Strych den Schild hielt, bluteten seine Nachhuten bei Zurawno wie Thermopylenstreiter, ein Bataillon des Lehrrgts. focht bei Bucacz bis zum letzten Mann. Dieser heiße Juni kostete Linsingen fast so viel, als alle Karpathenschlachten unter riesigen weißen Bergen. Gebenedeit sei das deutsche Heldenblut, das dort floß, doch verflucht sei jeder Tropfen, der je wieder für Rettung sogenannter Bundesgenossen vergossen wird, die solche Treue mit Verrat und Undank lohnen! Diesmal sollte Linsingen zu Mackensens Deckung herhalten und über Dnjestr zur Umfassung Lembergs vorstoßen. Gelang dies auch nicht rechtzeitig, so fesselte er doch viele Kräfte, die sich sonst in Bothmers rechte Flanke eingedrängt hätten. Obschon man nichts davon erfährt, muß der Kampf Szurmays längs der Schleife, wo der Strych in den Dnjestr mündet, hartnäckig gewesen sein, denn die ihm beigegebene 4. D. litt bedeutend. Die Rechte, verstärkt durch das in Gewaltmarsch hergeführte 10. R. K. (aus Frankreich verladen) und anscheinend 122. Württ. (v. A. bei Leopold), konnte zwischen Halicz und Martinow nur stellenweise die mit Weiden bestandenen Stromufer erreichen. 224. R., bis zum Hals im grünlichen Wasser watend, erklomm zwar die Lehmwände der Nordseite, obschon Getroffene in der Strömung versanken, doch kamen nur wenig Österreicher hinüber, nur Hofmanns furchtbare Beschießung von Halicz verhinderte, daß eine Schlappe am 23. nicht gefährliche Folgen hatte. Da riß wieder Bothmer alle aus der Not. Mit unwiderstehlicher Todesverachtung trieben Garden und Ostpreußen aus den Brückenköpfen den Feind über die aufflammende Holzbrücke von Chodorow und zwangen zum Weichen auf Bukacz. Weiter über dem Swirz, wo umsonst bräunliche Schleusengewässer entgegengurgelten, über die Geila- zur Zlotalipa ging Linsingens Siegeslauf bis 7. Juli. Gemessen an der Größe des Erreichten, war sein Blutopfer nicht zu groß. Statt Mackensens Büffeltaktik volle strategische Handlungsfreiheit. XVI. Schlacht bei Lemberg Zwischen Tannewsumpf und Dnjestr war nur frontaler Zentrumdurchbruch möglich. Das mußte mit schweren Opfern verknüpft sein. Freilich verrechnete sich der Feind, daß die Angriffskraft gedämpft sei. Gerade die Korps, die bisher am schwersten litten, nahmen das Schwerste auf sich und bluteten entsprechend, die Märker Helden aus Flandern, deren gelichtete Reihen viel neuer Nachwuchs füllte, traten würdig zur Seite. Diese drei Korps trugen die Schlacht, der Zentrumdurchbruch gelang, doch mit so geschwächten Kräften, daß die Spitze abbrach. Arz' Österreicher brachten meist nicht die einzunehmende Stellung hinter sich, wenn Garde und Märker weit vorausstürmten. Gleich am ersten Schlachttag überrannten die Garden völlig die 34. und vom 2. kauk. K. die Grenadierdiv., doch bald schon hing die Linke ab, Emmich und Behr (56., 119. D.). Die Kasseler Div., deren 167. angeblich Sieniava erstürmte (V. L. sagt Null) und 26. öster. L. W. D. konnten erst später zur Ablösung herangezogen werden, festgehalten durch heftige Angriffe auf den Erzherzog. Dessen tapfres 9. K. erstürmte zuletzt Piscorvoice und am 15. war die Schlacht an der Lubaczowka, Niederung und Hochfläche, derart entschieden, daß der Russe auch die unbezwungene Moseiska räumte, weil unser Zentrumkeil sie schon im Rücken faßte. Anfangs ging nach fürchterlicher, die berühmte am Dunajec übertreffender Kanonade das Fußvolk überall entschlossen zum Sturm vor und nahm die feindliche Vorderlinie. Doch da türmten sich wieder neue Stellungen entgegen. 43. R. D., 201. R. vorauf, konnte ihr Geschütz nicht durch Waldschluchten heranschaffen, nur dem blanken Stahl erlag hier der Russe, schon begannen die großen Verluste. Emmich und Behr brachten zwar ihre Sturmscharen durch Dickicht und Lichtungen hindurch, doch litten besonders die Oldenburger so erheblich, daß Emmich am 16. weiteren Kampf aussetzte, sich die bayrische R. D. Stein und 88. R. Brig. ausbat. Behrs Verlust war so groß, besonders beim Fraustadter Rgt., daß er vom Schauplatz abtrat. Auch 107. D. Moser mußte schon bei den Brandenburgern nachfüllen, die neben der 2. Gardediv. den unwegsamen und schier undurchdringlichen Urwald von Ladowa säuberten, wo aus Büschen und Gestrüpp des Unterholzes ungesehene Feinde feuerten. Kühler Waldschatten an schwülen Mittagen nahm die Stürmer täglich auf, aber immer wieder mußte er in einer neuen Waldung erzwungen werden. (Moser, der laut G. St. Schr. den Angriff später stark unterstützt haben soll, blieb aber tatsächlich in Reserve, sein 52., 227. R. litten sehr wenig). Francois' brave Schlesier warfen das 8. r. K. erst nach dreitägigem Kampf vor sich her, das mehrfach hervorgehobene Beskidenkorps tat wenig. Zuletzt schieden am linken Flügel die kernigen Niedersachsen, die sich heftiger Bedrohung durchs neu eintreffende 2. sib. K. entledigten, ebenso aus wie Div. Behr und die bayr. 8. R. D. trat an ihre Stelle in Ablösung der Märker Brigade Reuter. Die Bayern traten hier herzhaft auf, am 17., 18. in Richtung des Bergzuges Zaluka-Gora, 19. R. »hatte Schwierigkeiten«, II/23. R. brach in die Feindeslinie ein, 22. R. litt »ziemlich stark«, am 19. räumte der Russe die gewaltige Befestigung, doch 22. R. litt in Buchczuycenwald, zuletzt siegten II/22., III/23. (das 173 verlor), der russischen Garde Mahly entreißend. Doch litten die von G. St. Schr. hervorgehobenen Bayern ungleich weniger als 56. D., deren 88., 118. Hessen, 35. Brand, die Schlesier der 119. D. heraushieben. Das Korps Behr muß hier ausnehmend ungünstige Verhältnisse getroffen haben, ohne daß amtlich etwas darüber verlautet. Nichts hört man auch vom ernsten Ringen Bessers auf des Erzherzogs linker Flanke, wo besonders 217. R. schweren Stand hatte. Wieder waren Garden und Brandenburger weit voraus (3. G. Br., 204. R. in Niemirow), 9  km weit aufs Wilki-Plateau, obschon sich der Feind mit voller Wucht auf sie warf. In einer Breite von 50  km rangen hier sechs verbündete Divisionen gegen neunzehn russische, bis Kanonade deren Willen brach. Am 19. trat innere Umfassung bei Magierow ein, so daß man Grodeck am 20. geräumt fand. Die Russen ergaben sich massenhaft, trotzdem man ihnen den üblichen kalten Aufschnitt verabreichte, die Deutschen würfen alle Gefangenen in den San oder Dnjestr! Die Magierowhöhen fegte die nachfahrende Artillerie der Garde derart rein, daß man mühelos hinaufkam und am 21. durchschritt die 1. G. D. schon die Verbindung Ruska–Lemberg am Bahnhof von Dobrosin. Unterm belebenden Einfluß dieses stürmischen Durchbruchs ward die ganze Rechte mit vorgerissen: Arz über den Horoscykoberg, Francois weit über das versumpfte Werescykatal, wo am 19. wildes Getümmel herrschte, Marrwitz über Balawa. Der dort feierlich besichtigende Kaiser sah aber nichts rechtes wie gewöhnlich, er kam immer an die falschen Regimenter und die falschen Stellen, so wie sein Lieblingsfach falsche Zitate gewesen waren. Marrwitz marschierte zwar über Berg und Tal, hatte aber vorerst nur mäßiges Gefecht, Francois links von ihm und Böhms 4. K. rechts von ihm im Seerevier machten dem Feind ganz anders die Hölle heiß. Nordöstlich der 27. öster. D. drang die 29. D. des 19. K. über die Werescyka, nördlich stürmte 18. K. bis in den Westsaum von Grodeck, 102. Rgt. der 9. D. erstürmte den Marktplatz, während im Dnjestrtal 5. K. den Mündungswinkel zwischen dem Haupt- und Nebenstrom mit 14. D. vom Feinde säuberte. Die Hoffnung, zugleich mit dem Feind, dem man auf dem Fuße folgte, in seine Hauptstellung einzudringen, hatte sich nicht erfüllt. Bei dessen Rückzug machte sich der Mangel an Reiterei fühlbar, mit der man so schlecht versehen war und die nur dazu diente, eine am linken Flügel entstandene Lücke zu schließen. Das bißchen Gardekavallerie trabte vor und nahm eine ganze Brig. gefangen, doch wesentlich übernahm nur Artillerie die Verfolgung, gegen welche schon die schweren Kaliber aus Lemberg ihre grobe Stimme erhoben. 44. R. Art. bekam hier schweren Verlust, als sie ihrer bisher seitwärts gestaffelten und jetzt auf gleiche Höhe mit der Garde vorstrebenden Division folgte. Der großfürstliche Feldherr legte Gewicht darauf, vor allem seinen Nordflügel zu halten, und drückte schwer auf den Erzherzog, dessen 17. K. sich den Bayern anreihte. 56. D. vor Deutschbach vereitelte einen wilden Nachtangriff der 3. G. D. und Sibirier, dann ruhten hier die Waffen, auch bei Emmich-Behr und dem Erzherzog, die staffelförmig den Durchbruch der Generäle Falkenhayn, Plettenberg, Arz, Francois folgen sollten. Denn Disposition vom 19. sah nichts Geringeres vor als die feindliche Hauptmasse nordöstlich abzudrängen, von ihrer südöstlichen Front zu trennen, die Böhm aufrollen sollte. Man sieht: innere Umfassung, Mackensen hatte also seinem Meister etwas abgeguckt. Nur sonderbar, daß nichts glückte, denn wenn Zwei dasselbe tun, ist's nicht dasselbe. Als die vorige Sonne sank, beleuchtete sie neue Hauptstellung dicht vor den deutschen Batterien. Bei schon völlig aufgegangener Sommersonne 5 Uhr morgens lärmte entsetzliches Wirkungsschießen, das binnen zwei Stunden die so viele Monate emsig gepflegte Lembergstellung vernichtete. Elisabeth-Grenadiere, ungedeckt auf steinigem Boden vor einer Sumpfstrecke mit Schrapnells bestreut, brachen am ersten los, der Angriff begann überall ungleichmäßig zwischen 7 und 8 Uhr, Böhm verschob gar den Angriff bis nachmittag, erst bei Nacht brach er in die feindliche Hauptstellung ein. Dagegen überstieg Marrwitz die Stawki-Werke und das Bollwerk des Pachthofs Balawa. 82. D. lag unbeweglich vor Magden-See und Sumpfstreifen, deren wenige Durchgangspunkte der Feind bestrich. Dagegen ließ sich D. Stocken nicht aufhalten, diesen milizartigen Regimentern stürmte 268. R. Brandenb. vorauf, gegen Pod Capam, das schlesische I/II/267. R. ließ sich aber auch nicht lumpen, eroberte eine Batterie und nahm seitwärts Stellung, während die Märker die eroberte Schanzhöhe gegen zweiseitigen Massensturm behaupteten. Die Schwesterdivision spiegelte immer noch trübselig ihre Bajonette in sonnbeglänzten Seewogen, ein breiter Morast trübte die Aussicht, und als man endlich das Seeufer an der Sägemühle erstritt, erhob sich gegenüber aus Sumpfwiesen ein von Drahtnetz umwundener Felssteilrand. Indessen erstieg Stockens 269. R. den Schanzberg Krolowa und behauptete ihn bei Einbruch der Dunkelheit, doch mit überaus hartem Verlust, während die G. St. Schr. diese blutigste Episode nur nebenher erwähnt. Von Russen war nichts mehr zu sehen als Leichenberge. Nach 13-stündigem Kampf ging man ermattet zur Ruhe über. Die Garde aber stand noch früher auf und siegte fröhlich weiter. Nachdem 3. Brig. sich zum Sturm erhob, rasselte ihr eine Batterie 2. G. Art. nach und I/207. R. stürzte links davon durch Astverhaue, hinter sich lichterloh brennende, von den Barbaren nach alter Sitte angesteckte Gebäude, die dichten Qualm gen Himmel sandten. Bald zerflossen die erdfarbigen Menschenklumpen an einem hochgelegenen Wirtshaus und es ging in flottem Tempo weiter. 203. R. litt grausam durch Flankenfeuer aus Lipnik, doch die beiden Brandenburger Regimenter kannten als echte Kriegsfreiwillige keine Furcht und hatten bald die ganze Grabowkistellung samt vielen Gefangenen. Links von ihnen, während 43. R. A. auf gewonnener Höhe Lipnik beschoß, bewältigten 205., 206. R. nicht eine vorgelagerte Schlucht, die sich mit verstümmelten Leibern füllte, auch litt die nirgends erwähnte Schwesterbrigade, besonders 208. Rechts von 3. G. Brig. liefen die Franzer gewaltig an, den Pfad nach Magierow freilegend, 4. G. Art. bombardierte sofort und sicherte so diesen Schlüsselpunkt dem glückenden Sturm. 1. G. D. Prinz Eitel fand den Weg durch Niederschlag gefällter Bäume erschwert, doch durchzog 2. Brig. eine abfallende, von Anfang bis Ende durch Masch.-G. bestrichene Enge bis zur Bachkrümmung an Piaskowokirche. Durchwaten versumpfter Bachsohle bot zu viel Zielscheiben, doch das von Magierow herüberdröhnende Hurrah der Grenadiere zwang den Feind zum Verlassen der Höhen und Schluchten. Als die Sonne spät sank, sprengten 1. G. P. schon die Schienen östlich Magdan, 2. G. lagerte zwischen Bahn und Lemberger Chaussee. Auch 44. R. D. überwand zuletzt den Feind bei Lipnik, links von ihr nahm Div. Moser eine wichtige Höhe. Diese alte und junge Garde hatten zusammen 11 Kuppen einem an Zahl, doch nicht an Wut übermächtigen Gegner entrissen, beide R. standen jetzt mitten in und schon hinter der russischen Schlachtordnung, deren 27  km lange Mitte zerstückelt und eingerissen war, Vorderspitze schon 16  km tief eingebohrt. Allmählich kamen Moser und Emmich nachgerückt bis an die Chaussee, diese beste Verbindung mit Lemberg war also verlegt, der Feind mußte auf der Straße Zolkiew–Wielke nach Norden abziehen. Erbost über Verlust seiner Eroberungen glaubte er Lemberg noch halten zu sollen, zur Deckung des Rückzugs blieben drei Korps stehen. Marrwitz' Hessen bedrohten schon am 21. die vor 82. R. D. stehenden Verteidiger im Rücken, so daß sie sich ins Braunkohlenrevier Glinskow zurückwarfen. Am 21. machte die vom Kaiser allzufrüh beglückwünschte 35. R. D. Schmettau den Weg zur Nordwestfront frei und so auch die Bergwerkstellung Glinskow unhaltbar. Schmettau manövrierte mehr als er focht, dagegen verloren 83. R., 168. I. fast 1700 und wie gewöhnlich griff die Fama fehl; nicht 35., sondern 25. R. D. siegte. Francois drängte nun gegen Zolkiew vor, bei diesem Schlußkampf muß 269. R. seinen nächst 58. I. jeden Monatsrekord schlagenden Verlust vermehrt haben. Desgleichen 1., 3. G. heute bei Pily, da sich ihr beträchtlicher Verlust sonst nicht erklären läßt. Arz konnte indessen die Bahnstrecke noch nicht erreichen und der russische Nordflügel suchte die zerschlagene Mitte durch Ablenkungsoffensive zu entlasten. Bei Deutschbach begegneten sich beide Parteien am 20. angriffsweise, Stein rang der russischen Garde den Ort ab und H. B. spricht von 2500 Gef., obwohl die Rgts.-Geschichte vom 23. R. nur von 800 weiß. Beim Erzherzog war die Schlacht lebhaft an beiden Enden sowohl südlich bei der Kasseler Div., besonders beim nirgendsgenannten 83., als nördlich bei Besser, dessen 218. und besonders 217. seit Anbeginn sich in Kampf und Verlust teilten. Aus einer Schlacht bei Zolkiew wurde nichts, der Russe nahm sie nicht mehr an, obschon fünf über Rava Ruska abfließende geschlagene Korps wieder kehrtmachen sollten. Der Lemberger Flügel faßte solange festen Fuß, bis Marrwitz an die Nordwestfront pochte und Böhm an der Westfront rüttelte. Am 22. früh erstieg Wiener L. W., 19. K. die erste Bastion, dann fiel eine nach der anderen, die Lysagora vor 27., 43. D., die Westfront vor 29. D., so wurde Lemberg mit Sturm genommen von 1., 24. Niederösterreichern. Man begreift nicht, daß die Nachhut so heil entkam, obwohl deutsche Artillerie die Abmarschstraße beherrschte. Alles was bei Lemberg stand, wandte sich östlich, alles Übrige nördlich. Der Zentrumkeil konnte nicht ausgewirkt werden, der Feind behielt doppelten exzentrischen Rückzug ins Hinterland. Natürlich war auch dies ein gewisser Erfolg, sonst aber blieb »der große Sieg bei Lemberg« von zweifelhafter Güte, man mußte sich mit der großen moralischen Wirkung begnügen. Wie kam das? Den ursprünglichen Vorsatz, am Südflügel über den Dnjestr zu umfassen, ließ man fallen als Zeitverlust und aus taktischen Gründen. Zeitverlust ist aber nur dann eine militärische Todsünde, wenn dadurch eine günstige Gelegenheit verpaßt wird, nicht dann, wenn abwägendes Warten eine Gelegenheit erst zur Reife bringt. Taktische Rücksichten treten in den Hintergrund, wenn große strategische Interessen den Vordergrund füllen. Der Verlauf erwies obendrein, daß die Seekette, die Brückenköpfe, die Forts leichter zu überwinden waren als die berg- und waldreiche Mittelstellung. Möglich, daß der Feind sich dann dem Schlag entzogen und Lemberg geräumt hätte. Dies zu vermeiden und unter allen Umständen zu einer Entscheidungsschlacht zu kommen war alte preußische Maxime, aber wagen ohne wägen ist stümperhaft, Schlagen um jeden Preis eine Eselsbrücke für Gedankenlosigkeit. Es war auch ganz unwahrscheinlich, daß der Feind Lemberg ohne äußersten Widerstand aufgab, denn seine Prestige-Pression auf Rumänien stand auf dem Spiele. Vielmehr würde er dann seine ganze Hauptmacht zur Dnjestrseite geworfen haben und erst dies hätte ermöglicht, das von Truppen entblößte Zentrum früh zu durchbrechen, es wäre dann schneller und viel verlustloser erfolgt. Eine so furchtbare Stellung rein frontal anzuschneiden fällt keinem Besonnenen ein, man wird sich schön hüten, derlei zu versuchen nur im Gefühl taktischer Überlegenheit. Warnendes Beispiel: Wellingtons Talavera. Von der Fabel, man habe dies sogar noch gegen große Übermacht gewagt, sprechen wir Mackensen frei, ernstlich fochten 38 verbündete gegen vielleicht 35 russische D., es mögen auch nur 32 im ganzen gewesen sein, was aber hier meint: rund 520 russ. Bataillone gegen rund 420, wovon 180 deutsche, die in Rußland immer doppelt zählen, macht also 600! Der Scherz soll sagen: Mackensen focht mit so günstigem Kraftverhältnis, wie nie sonst ein deutscher Feldherr im Weltkrieg. Trotzdem war die Grodeckstellung zu furchtbar, und teures deutsches Blut durfte nicht vergossen werden für einen äußeren Erfolg. Man wird uns vorhalten, daß doch hier Zentrumstoß und innere Umfassung praktiziert wurden, was wir so warm empfehlen. Aber nicht, wenn es sich um lauter Plateauschluchten handelt, die notwendig den Stoß verlangsamen oder ganz aufhalten. Es konnte nichts helfen, daß endlich am 20. vier Divisionen an der großen Chaussee standen, alles andere weit zurück, damit ließ sich dies große Feindesheer nicht sprengen. Daß man überhaupt so weit kam, verdankte man der abnormen Fähigkeit unserer alten und jungen Garde – wir werden die ruhmvollen Märker Kriegsfreiwilligen fortan so nennen – und der abnormen Leistung einer auch an Zahl weit überlegenen Artillerie, worin Mackensen gleichfalls mehr bevorzugt als je ein anderer deutscher Führer. Für solche Artillerie gibt es keine »Stellungen«, sie schießt alles in Grund und Boden? Dann ade, Kriegskunst! Dann gibt es künftig nur noch Wirkungsschießen mit Gas- oder Dynamitbatterien, dann brauchen wir keine Heere, nur Technik und Ballistik. Gottlob sind wir noch nicht so weit. Vor solchen Linien manövriert man, greift sie nicht blindlings von vorn an. Friedrichs schräge Phalanx warf stets alle Kraft auf einen Bergflügel, bei Prag versprach sogar der Frontalangriff, übrigens unter Umfassung durch Zietens Kavallerie an der Sazawa, großen taktischen und noch mehr strategischen Erfolg, den Feind vom Plateau in die Mausefalle hinabzustoßen. Auch Napoleons waghalsige Angriffe bei Craonne–Laon verfolgten wohlbedachte Ziele. Bei Lemberg war derlei ausgeschlossen, der Feind konnte sich hier immer von einem Berg zum anderen zurückziehen, indem er uns dauernd Blut abzapfte, und behielt selbst im ungünstigsten Falle offene Rückzugslinien. Mackensen erinnert an Massena bei Busacco, auch insofern als dieser nicht sofort auf Neys Antrag losrannte, ehe der Feind sich droben eingerichtet. Wollte Mackensen den Ney spielen, so hätte er nicht mindestens acht Tage nach Przemysls Fall vertrödeln, sondern mit Allen, was er grade zur Hand hatte, vom San her nachstoßen sollen. Ging dies nicht, dann mußte er warten, bis Böhm nahe heran war. Dann aber mit vereinter Übermacht an Truppen und Material – denn so stand es – war etwas ganz anderes geboten, nämlich alleiniges Schwergewicht am linken Flügel. Das wußte der Großfürst auch sehr gut, daher verstärkte er unablässig seinen Nordflügel, warf auch seine Reserve 2. sib. K. sogleich hierher, weil er nichts so befürchtete als Durchbruch bei Deutschbach. Dies rollte die Lemberglinie von selber auf, denn wie durfte man im bloßgelegten Süden verharren, wenn der Gegner im Norden gegen Tomassow marschierte! Taktisch hätte dann der Rückzug von Lemberg, Böhm auf dem Halse, sich sehr unzweckmäßig gestaltet, da dann wirklich eine Spaltung eingetreten und die ganze Russenmacht nordöstlich abgedrängt wäre. Strategisch aber war dies für uns der grade Weg nach Iwangorod-Brest, Bug- und Weichsellinie wären vier Wochen früher in unsere Hand gefallen unter Ersparung maßloser Opfer. Wir treten der Wahrheit nicht zu nahe, wenn wir den Material- und Truppensieg bei Lemberg für feldherrlich ganz unfruchtbar und trotz scheinbarer äußerer Gewinne an Gefangenen und Trophäen für einen Fehlschlag halten, dessen Folgen sich in der späteren Bilanz herausstellten. Mackensen wurde zwar nicht zurückgeschlagen, wie damals Massena bei Busacco, doch seine Gefühle hätten die gleichen sein sollen wie die Massenas, als den Tag darauf St. Croix die Umgehungsstraße nach Coimbra fand und hiermit Wellingtons Berglinie von selber unhaltbar wurde. Übrigens scheint erst am 19. eine strategische Auffassung in Mackensens Disposition hinein, bisher wollte er nur »schlagen«, Hauptschlacht um jeden Preis. »Befreiung Lembergs« war aber nur ein politisches, kein militärisches Ziel. So drängt sich auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Borodino auf. Hier verwarf Napoleon den Umgehungsvorschlag Davouts aus triftigen lokalen Gründen, der Zentrumstoß glückte, im Vertrauen auf seine bessere Artillerie und Infanterie gewählt, an Kavallerie besaß er große Überzahl, was nachher für Verfolgung ins Gewicht fiel. Zuletzt stand Div. Friant so weit vorn wie Prinz Eitel bei Pily. Die Opfer waren furchtbar, doch »wir hätten mehr gelitten als die Russen, wenn sie nicht Wiedereroberung versuchten«, wodurch sich zuletzt ihr Verlust wie 5 zu 3 gestaltete. So auch bei Lemberg. Hier aber endet die Ähnlichkeit. Erstens war die Borodinostellung der Russen unverhältnismäßig schwächer, zweitens schlugen sie sich heldenmütig, was man bei Lemberg höchstens fürs 8., 23. K. behaupten darf, Mackensens Sieg ward schon hierdurch erleichtert, drittens war damals das Kampfobjekt Moskau für beide Parteien hundertmal wichtiger als hier Lemberg. Napoleon durfte wirklich keinen Tag verlieren, mußte die stets ausgewichenen Russen zur Schlacht stellen, diese aber konnten ihre heilige Hauptstadt nicht ohne Schwertstreich entblößen. Nichts davon durfte bei Lemberg einen Strategen bestimmen. Gewiß war für jede Partei von hoher Prestigebedeutung, ob Lemberg fiel oder sich hielt. Doch fallen mußte es, sobald Böhm und Linsingen sich bis zum Dnjestr durcharbeiteten. Ob es 8 Tage früher oder später fiel, war völlig gleichgültig, Zeitnot drängte nicht. Iwanow handelte aber auch verkehrt. Die Wiedereroberungsversuche besonders Brussilows steigerten nur eigenen Verlust; wäre man ruhig Tag für Tag zurückgegangen, so hätte man den Gegner das für ihn einzig Schlimme zugefügt: Schmälerung seiner Kräfte ohne entsprechende Wiedervergeltung. Das war ja gerade das Wunderbare bei Hindenburgs Vernichtungsschlachten, daß sie so unglaublich billig zu stehen kamen, denn den Luxus großer Verluste durften die Mittelmächte sich nicht gestatten. Daß die Brandung aus Süden auch zu Weichsel und Bug hinaufschlagen und dortige Linien unterhöhlen werde, ließ sich voraussehen. Aus der klassischen russischen Meldung »In Lemberg hört man Gewehrfeuer« hörte man nicht heraus, daß Lembergs Fall auch Rückzüge der Dnjestr- und Pruth-Armee nach sich zog. Politische Gründe geboten aber, sich an der beßarabischen Grenze möglichst stark zu halten, so daß dort noch später Pflanzer alle Hände voll zu tun bekam, ebenso der von Linsingen am Dnjestr-Stryj belassene Heerteil Bothmer. Mackensens und Böhms Vormarsch nach Norden und Osten hatte es zunächst leicht, hier stellten sich keine ordentlichen Befestigungslinien entgegen wie im Norden, wo das vorspringende Festungsdreieck der Weichsel Georgiewsk–Warschau–Iwangorod nördlich durch die Festungskette bis Kowno gedeckt wurde. So verrückte sich dort die Frontlage bis Kurland im Juni noch nicht und der Laie, der nach äußeren Raumgewinn urteilt und dem alle »Siege« gleich sind, ohne die Bezahlung dafür zu kennen, erhob ein Hosiannah für den neuen Stern Mackensen. Wie mag Meister Ludendorff bitter gelächelt haben! XVII. Statistik Indem die 11. A. nordwärts umschwenkte, bot das nächste Ziel Cholm, Knotenpunkt von Bahnlinien. Bei Krasnic-Zamosk konnte man den Zusammenhang der russischen Gruppen lockern und möglichenfalls später Iwangorod im Rücken bedrohen. Böhm füllte den verlassenen Raum im Osten, nahm aber später Front nach Nordosten, Linsingen mehr nach Osten, bisher nordwärts gerichtet. Umgruppierung und Verlegung der Etappen erforderten freilich Zeit, doch wenn die Kämpfe bis Mitte Juli nicht viel zu bedeuten hatten, so sah sich Mackensen dann bis Ende Juli ungebührlich stillgelegt. Die Hoffnung Nikolais trog zwar, der mittleren Weichselstellung Luft zu machen, wo die 4. A. Ewert vor Woyrsch zurückwich. (Dessen herrliche L. W. litt leider erheblich, sonst blieb der Nordkampf bis zum Njemen stationär, nur daß Eichhorn den Gürtel um Kowno etwas enger schnallte. Ludendorff wartete auf das Signal zum Losbrechen, sobald Lemberg fiel, was aber so lange währte. Das schloß nicht aus, daß sich Gallwitz schon ernst verbiß, um russische Streitkräfte zu binden). Doch sein Druck auf die 4. öster. A. war so kräftig, daß der beidseitig der Lublin-Chaussee vordringende Erzherzog seine Vorhuten zurücknahm und die 11. A. sich nördlich Zamosc versagen mußte. Irgend ein wichtiger Erfolg war Mackensen nicht beschieden. Beim Fehlen jeder Zeitangaben, was jetzt neuerdings eintrat, kann man Juni-Juli-V. L. nicht genau auseinanderhalten, auch verbreiten viele »Nachträge« Unsicherheit. Das Publikationsdatum der Einzellisten muß fortan Aufschluß gewähren, indem man damit die historischen Vorgänge vergleicht. Auf Grund dessen fügten wir bei Div. Behr 450 mehr im Mai aus Junilisten hinzu. Mit Abzug dieser betrug ihr Verlust bis Anfang Juli 4000 (1800 von 58.), überraschend viel für wesentlich nur zwei Kampftage bei Einleitung der Lembergschlacht. Hatte sie Anfang Juli irgendwo zu leiden? Da Kneußls Bayern im Juni in Reserve blieben und nur ganz zuletzt einige Bataillone zur Verstärkung von Francois unbedeutend vorgingen, fügten wir 2000 aus Junilisten dem Maiverlust zu, bleibt 600, was ganz angemessen, 13. R. litt jedenfalls außerordentlich nur im Mai. Emmich 3750 (76 Art. u. P.) entspricht den Umständen, diesmal hatten die Braunschweiger (1275) die Vorhand. 1. Garde D. 1700, 2. G. D. 2700, dazu 58 Kav., 88 Art., 35 P., rund 4600. Div. Besser 2960 (1545 v. 217.), Kasseler D. 1158, 8. bayr. R. D. 1250, Marrwitz 3500, Francois 4450 (1535 v. 269.). Beim 22. R. K. wird offenbar, daß Juli-Listen stark heranzuziehen, da 1400 (67 v. 44. R. A.) keineswegs genügen, wir rechnen 4400, Div. Moser 350, 56. D. 1800 (900 v. 118., 630 v. 88.). Summa rund 32 000. Rechnet man 45 000 Österreicher hinzu, so bekommt man eine respektable Summe, wenn man bedenkt, daß die Schlacht nur 8 Tage währte und nachher nur wenig Berührung mit dem Gegner stattfand. Bis 16. hatte Mackensen 59 000 Gef. und 194 500. Insgesamt-Ziffer bis 1. Juli scheint fantastisch, selbst wenn die Österreicher enorm viel Gefangene machten. An deren Gefangenenzahlen, von Anfang an bedeutend, glauben wir nicht, weil sonst die unverhohlene Verachtung, die man bei jeder Gelegenheit russischerseits an den Tag legte, zu unerklärlich wäre. Nur 511 Off. bei solcher Ziffer scheint auch verdächtig, 96 Gesch. ist sehr wenig als Trophäe nach Hindenburgischen Begriffen. Linsingen verlor 11 350 (dabei 1715 v. 14., 1160 v. 224. R., 1400 v. 1., 1270 v. Lehrrgt.). 4. D. litt am meisten, sie hing sich Böhm am Dnjestr an, dagegen 10. R. K. fast gar nicht, es figurierte nur und ging bald nach Elsaß. Seither waren neue 4 Ers., 4 L. W. Rgt., 15 L. St. Batl. sowie viele Ers. Rgt. in »Infanterie« mit fortlaufender Nummerierung von 184.–371. geschaffen. Die meisten davon erst in Ausbildung begriffen, 25 davon in V. L. vorerst bemerkbar. Sie (5300), 17 Ers. Rgt. (1700, dabei 722 von 4.), 360 Art., 500 P. außerhalb gewöhnlichem Korpsverband 125 sonstige Reiterei, sind auf die verschiedenen Nord-Armeen zu verteilen. (Übrigens befanden sich an Württembergern 13. Art., 116. R. Art., 9. P. K. bei Linsingen). Armee Leopold: 3600 schles. L. W., 535 sächs. L. W., 1300 v. 5. R. D. (545 v. 3. R. Jg.), 510 v. 49. R. D.) usw. = 6500. Gallwitz: 5000 Westpr. (2222 v. 128., 175. 100 P.), 1325 Pommern (1237 v. 34.), 3600 G. R., 1800 Thür., 620 Württ. (119., 121., 125.), 1500 sächs. L. W., 1000 sonstige L. W., 1700 D. Wernitz usw. = 17 000. Scholtz: 1650 Allensteiner, 1500 v. 5. pomm. Br., 1000 Falk (100 P.), 1750 L. W., 850 R., 385 L. St. usw. = 7500. Eichhorn: 1300 Saarbrücken 1450 D. Königsberg, 975 G. Gren., 4000 v. 75., 76., 77., 79. R. D. usw. = 8000. Below: 1. R. K. 2800, 6. R. D. 800, 78., 80., 36. R. D. 5450, Kav. 1300 (410 Bayern), L. W. 2575, 5. G. 732 usw. = 14 000. Man rang also in Kurland blutiger als man nach den Berichten glauben sollte. 80. R. D. mußte an der Dubissa zurückgehen, an der Windau 6. Kav. D., bayr. K. D., bei der 5 Batt. der Abteilung Butlar, vereinte ihre 2., 5. Br. mit 22. K. Br. als Div. Eglofstein, begleitet von I/5. G. R. Total im Norden 53 000. Monatsverlust rund 97 000 (2500 auf Mai übertragen). Hindenburgs Kämpfe, die man schon als quantité négligeable zu behandeln anfing, waren also laut Verlust ernster als Mackensens »Siegeszug«. (Gallwitz' Einzelverluste zeigen übrigens, daß er nicht am Orcyc östlich, sondern mehr nordwestlich am blutigsten vor russischen Stellungen focht). Er allein oder doch vorzugsweise, schwächte die Russen so ungeheuer, daß sie bis 1. Juli schon 128 000 t. und verw. Offiziere in Petersburger Listen zugestanden. Wenn sie also bis nächstes Neujahr, bis wo der Offiziersverlust mindestens 250 000 betrug, einen Gesamtverlust von 3 Mill. inkl. Gefangene gestanden, so war dieser biedere Freimut nur Fälschermär, da man 50 Mann pro Offizier rechnen muß, beim erschreckenden Offiziersmangel oft sogar 100:1. Wahrscheinlich soll es heißen 3 Mill. Tote! Rußland verlor nämlich im Weltkrieg eingestandenermaßen über 4 Mill. Tote, auch das aber ist Mache und der Kelch noch nicht zur Neige geleert. Eine andere Angabe »6 Mill. Tote« trifft das Richtige, weil nur 18 % der schwerer Verwundeten geheilt wurden. Vom so beliebten Strohmann in Kopenhagen, wohnhaft in Fleetstreet, auf den sich die Londoner Presse stets berief, bezog man die Information, wir hätten bis Oktober 1 670 000 verloren, gleich darauf wurden es 2½ und eine Million Süddeutsche und Sachsen extra, die in den Listen nicht enthalten sei! Tatsächlich betrug unser Verlust bis 1. August 595 000 im Osten, 1 115 000 im Westen, Die Zeit war vorüber, wo Hindenburg sparsam haushalten und das Verlustgesetz von 1:10 oder 20 den Russen aufzwingen konnte. Der Juli war noch blutiger als der Juni. Bothmer: 3100 Garde (Füs., Lehr., Schützen), 5650 v. 48. R. D. (1790 v. 224. R. 1445 v. 221. R.), Württ. 122. I. 1300, 116. Württ. P. K. 75. Mit Zuschlag von Art. und P. 10 500. Da auch die Österreicher des K. Hofmann und 38. D. entsprechend litten, hatte also das Ringen zwischen Tarnopol und Styr großzügigen Ernst. – Bugarmee Linsingen: 2650 Ostpr., 3450 Pommern (1240 v. 49.), 11. b. D. 2600 (1890 v. 13. R.), 41. R. K. 5200, Marrwitz 5250, Moser 800 (775 v. 227. R.), Masch. G. Abt. von 5., 7. K. D. 166 usw. = 20 500. – Mackensen: Garde 7345 (1. G. 1415, überhaupt 1. G. D. 3725, Art. 211, Kav. 92. P. 69), Emmich 5450 wiederum 2200 Oldenburg), 22. R. K. 5800, 56. D. 360, 22. D. 1380, 47. R. D. 1250, Kav. 150 (17. Hus. 45) usw. = 21 750. Summa im Süden 53 000. Außerdem viel von 600 P., 600 Art., 215 Kav., 283 M.-G., Radfahrern, außer Korpsverband. Dagegen ist Verlust von 23 Ers. und L. W. Ers. Rgt. (3300) und neuen Inf. Rgt. (6500) nebst 10 einzelnen »Feldbatl« auf die Nordarmeen zu verteilen. Hier Leopold: 2000 Schles., 445 sächs. L. W., 316 v. 19., 20. sächs. Ers. L. St. Rgt., 550 v. 5. R. D., 1240 v. 49. R. D., mit Zuschlag 6000. Gallwitz: 4900 Westpr. (1159 v. 128., 121. P.), 2500 G. R. (820 v. G. R. Jäger), 5. G. Br. 1400, 93. R. 1140, Thür. 2680, Württ. 2500, Pomm. 1165 (100 P), 50. R. D. 975, Beselers L. W. usw. 3300, 4. Jg., 4. R. Jg. 320, mit Zuschlag 26 000. Scholtz: 75. R. D. 2400, 9. Pomm. 1205 Allensteiner 5350 (3635 v. 59., 148., 151.), 1. K. 2600 und 1700, 10., 11. L. W. D. 1300, R. 500, L. St. 415 (28 Batl), 329. – 31. R. 1900, mit Zuschlag 19 000. Wahrscheinlich 600 Garde L. W. bei Gallwitz, auch ein Teil G. Kav. hierher, nicht bei Mackensen. – Eichhorn: 1500 Saarbrücker, 634 Königsberg, 3500 v. 76., 77., 79. R. D. (75. entlehnt zu Scholtz), 930 v. 28., 29. Bad. Ers. Rgt., mit Zuschlag 8000. Below: 1., 2. L. W. D. 2200 (1. L. W. 773), 1. R. K. 4950 (2400 v. 3., 18. R.), 2400 v. 78., 80. R. D. (1240 v. 258. R.), 1888 v. 20., 35. R., 1500 Kav., mit Zuschlag 14 000. Total im Norden 73 000. Monatsverlust fast 127 000. Auch sind wohl noch 1000 beizufügen von 32 Off., 1447 M. ohne Rgts.-Ausweis in Extra-Lazarettlisten, sowie von 475 bei 57 Armierungsbatl., Fuhrpark, Minenwerfern, Fliegern, Sanitätern. Dieser sonst nie im Osten erreichte Monatsverlust legt Zeugnis dafür ab, daß diesmal ein Entscheidungskampf Rußland zu Boden warf. Wir benutzten hierbei die Listen bis 10. August, bis 5. wäre vielleicht ratsamer. Denn es ist kaum denkbar, daß die Fülle der Julilisten irgend welcher Ergänzung bedarf. Wir glauben aber, durch Erfahrung belehrt, an nichts, was aus amtlicher Quelle stammt, und nur, wenn wir uns auf deren Gefechtsbericht verlassen, fallen einige Einzelverluste bei Gallwitz als zu gering auf. Da dürfte man also aus Augustlisten ergänzen, auch bei Div. Moser, bei der die Juliliste sich nur auf ein einziges Rgt. bezieht, oder bei Woyrsch' Landwehr, die anscheinend weniger litt als im Juni, obschon in beiden Fällen die Taten unterstrichen werden. Wer hat Unrecht, V. L. oder Gefechtsberichte? Erstere sind Beweis – Dokumente, letztere doch nur Behauptungen. Denn umgekehrt summiert sich Verlust der anderen L. W. sehr hoch (10 000 inkl. sächs. L. W., exkl. Woyrsch), höher als man erwarten würde (wo verlor z. B. 8. L. W. 1130). Da nun durchschnittlich fast alle Einzelverluste sich mit offenkundigen Tatsachen decken, d. h. weder zu hoch noch zu niedrig scheinen, wird man in den wenigen zweifelhaften Fällen wohl eher die amtlichen Berichte als die V. L. anzweifeln. Denn wie kamen letztere dazu, plötzlich in einigen Fällen unvollständig zu sein, da sie doch sonst sogar überraschend hohe Ziffern bieten? Sei dem wie ihm wolle, wir möchten gleich die Augusttabelle anschließen aus Listen bis 10. September. Wir finden hier 22. R. K. belastet mit 5670 (206., 208. allein 2365) und zwar hauptsächlich am Schluß. Das steckt über vieles ein Licht auf und widerspricht keineswegs dem Kampfverlauf, sondern nur der offiziösen Versicherung auch im Juli, die Verluste seien »verhältnismäßig gering« gewesen, weil die herrliche Führung immer so hübsch flankierte! 3650 Hannoveraner (diesmal Braunschweiger am meisten: 1487), Garde 5500, bei Monatsmitte schon auf Abtransport nach Arras (wiederum 1. G. D. 3165, 2. G. allein 1605), 47. R. D. 1655, 22. D. 1960 (950 v. 82,), 119. D. 1050. Linsingen: 11. b. D. 2120 (wiederum 1250 v. 13. R.), 4. D. 3470, 1. D. 2425, 107. D. 1975 (1285 v. 232. R., 690 v. 32. R., vielleicht gehört Hälfte davon zum Juli), 41. K. 2725, Warrwitz 3400 (1085 v. 118. R.), 32., 71. Thür. 415. Bemerkenswert, daß Linsingen, obschon er die stärksten Stellungen zu nehmen hatte, minder litt als Mackensen, weil er eben flankierend drückte. Es ist jammervoll, wie Garde und Brandenburger in Mackensens »Frontalrauferei« hingeopfert wurden. Bothmer verlor nur 2900, wies also trotz Weichen von Hofmanns Österreichern zuletzt den Feind leicht ab, falls nicht aus Septemberlisten viel Nachträge beizurechnen. Dazu 1.–4. Jägerregiment 460. (Im neugegründeten Alpenkorps waren 3 Rgt. bayrisch). A. Leopold: 4070 schles. L. W. (1085 v. 37.), 5. R. D. 855, sächs. L. W. 455. Württ. 625. Bayern 300, 49. R. D. 800 = 7100. Gallwitz: 50. R. D. 625 (falls 281 von 21. Jg. dabei) Westpr., 141. (1455), 175. (1142), 21. (979), 5. (750) usw. = 4850. Pommern 2606 (1702 v. 42.), Thür. 1934 (1155 v. 94.), Württ. 2408 (1043 v. 119,), G. D. 1756 (1080 v. 93. R.), G. R. 3732 (1820 v. 1. G. R., 628 R. Jäger, 64. R. 745, 2. G. R. 445, Art. 94), sächs. L. W. 2300, 89. L. W. usw. und 4. Jg. 770, L. St. Ers. 1000, 329.–31. Inf. 1600, 342.–44. I. 1850 = 25 500. Scholtz: 5. Brig. 400 (63 P.), 11. L. W. D. 1583. sonstige L. W. 1065, 3. R. D. 1600, Allensteiner 4100 (1585 v. 147. inkl. Ers. Batl.). 75. R. D. 3300 (2030 v. 249.), 750 L. St., 2. D. 4100 (1540 v. 4., 1455 v. 44., 977 v. 33., 116 P.), dazu 991 v. 41., 350 v. 45. Zusammen 17 500. Eichhorn: 785 Saarbrücker (184 P.), Litzmann 1225, Königsb. 747, Bad. Ers. Rgt. 530, sonst. Ers. 657 = 3950, was natürlich zu wenig ist, offenbar hier die neuen, nicht zum älteren Verband gehörigen Inf. Rgt. (2500), neuer Ers. 1135, sonstige Kav. 258. – Below: 1. R. D. 3150 (975 v. 1.), L. W. 900, 20., 24. R. 700, 78., 80. R. D. 1270, 36. R. D. 2500 (5. R. 662, 54. I. 790), Kav. 1500 = 10 000. Sinken des Verlustes zeigt an, daß der russ. Widerstand durch die am 14. Juli einsetzende neue Offensive gebrochen, nachdem am 21. Schaule vom 1. R. K. erstürmt, das nebst 78. R. D. auch am 14. August den Gewinn behauptete. 3. Kav. D. wurde freilich bei Kirli bedrängt, doch r. 5. K. D. vom 1., 4., 5. bayr. K. Brig. geschlagen. Total für August 107 000. (B. 11. D. von 2. Mai bis 1. Sept., 228 Off., 8691 laut Kr. Archiv, also etwas mehr, als wir den V. L. entnahmen, es kann sich auch bei andern Angaben um geringe Schwankung handeln). Inkl. 642 P., 713 Art., 442 Diverse im Norden rund 70 000, im Süden 37 000. Dies beweist klar genug, daß Hindenburg–Ludendorff allein den Feind in der Zange hielten in unablässigen furchtbaren Kämpfen, während Mackensen und Linsingen notgedrungen losließen, weil ihnen Iwanow zwischen den Fingern entschlüpfte. Ferner wird klar, daß Woyrsch eben nur Anfang August am Ostufer der Weichsel schwer kämpfte und daß überhaupt größerer Zuschlag bei Juliverlust einzig bei Moser, Gallwitz und Scholtz nötig erscheint, wir im Übrigen einfach uns damit abfinden müssen, daß die Augustkämpfe bei Gallwitz–Scholtz heftiger waren als im Juli. Hindenburg also den stärksten Widerstand zu brechen hatte. Mangels jedes Datumsanhalts läßt sich absolute Genauigkeit der Statistik nicht durchführen. Doch ihre Wahrheit wird zur Klarheit, da man sich der Anerkennung nicht verschließen darf, daß sie sich überall mit den Ereignissen deckt. Nicht tabellarisch, sondern hieße auf tiefere Einsicht verzichten. Wenn russische Spionage den Juniverlust der Verbündeten in Galizien auf 150 000 übertrieb (höchstens 90 000), so kam er leider im Juli dieser Summe schon näher, denn der Erzherzog und Puhalla litten bedeutend. Puhallo? Wir folgen älterer allgemeiner Schreibart. Stegemann ist uns hierfür nicht maßgebend, seine Unzuverlässigkeit ist so groß, daß er z. B. erst Lauenstein falsch mit 3 Inf. 2 K. D. begabt, später plötzlich richtig 2 Inf. 3 K. D. sagt, 18. K. statt 11. an Gallwitz verleiht und was der Schreibfehler mehr sind. Da von den russischen Regulären 1. Linie nur noch Trümmer vorhanden, muß man die stumpfergebene Waffentreue der hordenweis beigetriebenen Muschiks anerkennen. Sie hielten länger aus als möglich schien, gestützt auf glänzende Schanzkunst, oft unter deutscher Kanonade, so daß viele arme Teufel mit dem Spaten in der Hand fielen. Doch daß die Julifrüchte, statt reif in den Schoß zu fallen, überaus sauer in Südpolen schmeckten, mit dicken Blutstropfen vom Baum geschüttelt – »ich danke für Obst und andere Südfruchte« sagt der Berliner – hatte man Mackensens geringer Gärtnererfahrung zu danken. Er dachte an Fallobst, doch die goldenen Äpfel des Sieges saßen so fest, daß er sich beim Schütteln die Arme rausreckte. Als Hindenburgs weises behutsames Zuwarten gegenüber den Fluß- und Festungsfronten, weshalb Rußki nur noch um Kurland sich sorgte, plötzlich in rasende Offensive überging, geschah es mit niederschmetternder Gewalt an entscheidender Stelle, wobei er sogar anfangs überlegene Kräfte zusammenschob. Er spielte nur mit Rußki bei Mitau und Kowno, tändelte fast am Njemen, um über Narew-Bobr großartige innere Umfassung nach dem Bug vorzunehmen. Dort hoffte er Mackensen bald zu finden, dem doch bis dorthin weder Festungen noch breite Flüsse den Gang hemmten. Aber da machte er die Rechnung ohne den russischen Wirt, der sich zu ungestüm Besuch verbat, und ohne Mackensens plumpe Draufgängerei, der mit der Tür ins Haus fiel und sich die Hörner ablief. Er verbrauchte auch noch Kerntruppen Linsingens, der sein Kommando der Südarmee an Bothmer abtrat. Mußte übrigens sein, daß G. Füs. und Lehrrgt. im Juli förmlich hingeopfert wurden, wollte man den Bundesgenossen besonders feine Truppen auch dort ständig vor Augen führen? – Mackensen versteifte sich darauf, der vor Woyrsch auf Iwangorod abziehenden 4. r. Armee schon an der Weichsel in den Rücken zu fallen, zu welchem Behuf man immerfort nördlich frontal gegen furchtbare Stellungen anrennen mußte, in deren Auswahl die russische Heeresleitung stets unleugbare Geschicklichkeit bewies. So lief man Gefahr sich festzurennen und kostbare Zeit zu vergeuden, dabei stets in der rechten Flanke durch die feindliche Bugarmee beengt. Böhm sollte ostwärts ausgreifen, ohne das an Mackensen übergebene Korps Marrwitz, während Mackensen mit allen Kräften nordwärts dem Feind auf dem Fuße folgte, der Vormarsch ging also strahlenförmig auseinander. Es ließ sich voraussehen, daß Mackensens rechte Flanke dauernd Deckung bedurfte, infolgedessen Böhm seine Linke mehr nördlich nach Kamionko Strumilowa umbog. Übrigens stieß man schon am 23., 24. Juni auf neue vorbereitete Nachhut- und Aufnahmestellungen. Marrwitz mußte sogar heftige Angriffe aushalten. Eine eigentliche Auseinandertrennung der zwischen Tanew und Lemberg geschlagenen Massen fand nicht statt, die zerspaltenen Hälften blieben durch die jetzt am Bug sich sammelnde Gruppe verbunden. Erhielt der Feind fortwährend frischen Zufluß? Man sollte es glauben, denn man begreift nicht, wie die zerschlagenen Heere Dimitriew und Brussilow noch so viel Widerstandskraft entwickelten. Die Auflösung der Verbände war so ungeheuerlich, daß sich schon am fünften Schlachttag an einer Stelle vierzig Mann ergaben, die vierzehn verschiedenen Regimentern angehörten: bataillons- ja kompagnieweise irrten die Truppen durcheinander, meist ohne Befehlshaber. Der russische Soldat als solcher ist also nicht nur stoisch tapfer, sondern auch vertrauenswürdig, da er sogar auf eigene Faust sich sammelt und seinen Dienst versieht. Daß er freilich nicht einfach steht und fällt, wo man ihn hinstellt, wie die Legende will, erfuhr man genugsam. Er konnte weder den Granathagel noch das Handgemenge ertragen, wenn die Germanski wie Berserker auf ihn losdroschen, nachdem sie durch Engwege, Wälder und Höhen ihre Fahnen flattern ließen, des ärgsten Feuers spottend. Ihre moralische Überlegenheit vermochte so Großes, eisernes Pflichtgefühl und trotziger Siegeswille taten ihr Werk. Der zum Feldmarschall ernannte Mackensen verlangte schier Übermenschliches, doch die Truppe gab freiwillig ihr Bestes her. XVIII. Nach Cholm-Iwangorod, Offensive im Norden Obwohl Mackensen seit 26. Juni in flottem Ausschreiten nordwärts Boden gewann, am 28. schon bei Tomascew 70  km von Lemberg, lag auf der Hand, daß er sein geplantes Einschwenken nach Nordwesten nicht durchführen könne, wenn ihm fortwährend der Feind in der rechten Flanke auf dem Halse blieb. Man vereinbarte daher, daß Böhm mit seiner Hauptmacht nordöstlich zum Bug marschieren und die Freilegung der Galizischen Grenze dem Korps Szurmay und den sonstigen Heerteilen zwischen Dnjestr und Pruth überlassen solle. Diese Deckung schien um so nötiger, als der Feind, zwischen Weichsel und Bug gut angelehnt, zu seiner Linken leicht per Bahn von Brest und Kowel her neue Verstärkungen heranziehen konnte. Gerade deshalb, um jede solche Bewegung im Keim zu ersticken, wäre empfehlenswerter gewesen, auch den Hauptteil der 11. Armee nordöstlich auf Wolynsk und Sokal abzudrehen, dort den Bug zu forcieren und dem russischen Rückzug bei Brest zuvorzukommen. Als am 4., 5. Juli Böhm und Linsingen die Zlota- und Geila-Lipa erreichten, schien eine ungeheure Umzingelung der russischen Macht bevorzustehen, doch die Maschen des Netzes rissen, der Russe schlüpfte bei Brest hindurch, weil Mackensen zu weit nordwestlich abirrte und so am letzten Ende einen Luftstoß tat. Allerdings scheinen hierbei Fehler gewisser Unterführer vorgekommen, aber im Grunde ließ sich doch annehmen, daß der vor Iwangorod weichende russische Heerteil seine rückwärtige Verbindung bedroht fühlend, rechtzeitig sich aus dem Staube machen werde. Dagegen würde plötzlicher Rechtsabmarsch nach Nordosten dem feindlichen Hauptheer bei Cholm die rückwärtige Flanke abgenommen und es in größte Verwirrung gebracht haben. Der Einwand, es würde sich dann offensiv auf den Erzherzog und Emmich, die wir uns als nordwärts gerichtete Linke den Abmarsch der übrigen fünf Korps verschleiernd denken, geworfen haben, rechnet nicht mit der inneren Zerrüttung der russischen Masse, die wohl noch Kraft, defensiv in »uneinnehmbaren« Stellungen sich aufzupflanzen, doch zu raschen Bewegungen nicht mehr die Fähigkeit besaß. Sobald Böhm die Gegend südlich Krystinopol, wo die Rata in den Bug mündet, erreichte, sah sich Marrwitz frei, Mackensen zu folgen. Ihm wurde jetzt auch die von Linsingen abgezweigte 4. Pommerdiv. zur Verfügung gestellt, später auch noch die 1. ostpr. sowie 107. Div. dorthin verlegt. Seit 25. war die Umgruppierung im Gange, am 28. waren die gesteckten Ziele des Vormarsches erreicht, wobei diesmal der Erzherzog (mit unterstellter Kasseler Division) und Emmich den Vortritt hatten. Der Russe baute endlich am Tanew ab, in den folgenden Tagen standen russische Nachhuten schon südlich Krasnik und bei Josefo an der Weichsel. Drei nördlich der Weichsel verbliebene k. k. Divisionen der früheren Armee Dankl, bald darauf nach Lemberg verladen, sollten als Heergruppe Puhalla die 40  km breite Lücke zwischen Böhm und Mackensen füllen und gegen Sokal sichern. Linsingens neue »Bugarmee« war nun fertig, doch nicht als selbständiger Körper, sondern Mackensens eigenem Bedürfnis anbequemt. Das war richtig gedacht, wenn man nur zum Ziele nahm, die Weichsellinie von Süden aufzurollen. Nicht aber, wenn man sich ein höheres Ziel steckte, vom Bug her die r. 3., 4., 8. Armee so zu umfassen, daß man sich quer über die Bahn Brest-Kowel stellte und den Feind zwang, entweder um seine Lebensadern mit verkehrter Front zu fechten oder mit Verlust aller Verpflegungs- und Nachschubbasis nach Nordosten zu fliehen, wo man ihn vor den Rokitnosümpfen erreichen konnte. Das alles ist später versucht worden, aber als es zu spät und wirkliche Sperrung bei Brest nicht mehr vorhanden war. Man könnte vielleicht entgegenhalten, daß wir doch sonst kein Freund so weiter exzentrischer Operationen seien. Das ist jedoch Verwechselung der Begriffe. Die taktische Umzingelung auf dem Schlachtfeld gelingt nur in seltensten Fällen durch abnorme Unfähigkeit des Gegners und konzentrisches Operieren getrennter Hälften ohne inneren Zusammenhang ladet zu Teilniederlagen ein. Ganz anders aber steht es mit umfassendem Flankenmarsch der Hauptmasse, während eine kleinere Abteilung, den Gegner täuschend, in der Front demonstriert. So verfuhr Napoleon bei seinem großen Rechtsabmarsch auf Smolensk, um vor dem Feind die Moskauer Straße zu gewinnen. Etwas Ähnliches denken wir uns hier. Unter viel ungünstigeren Umständen wußte Ludendorff später im Norden seine Wilna-Zange anzulegen. Zentrumstöße sind schon recht, wo sie hinpassen, doch nur so unvergleichlichen Truppen konnte Mackensen weiterhin zumuten, den Stier bei den Hörnern zu packen. Die Verluste waren auch danach! Die Anfangsschlachten bei Krasnik blieben günstig, obschon man uns nicht einreden wird, daß Besser bei Erstürmung und Verteidigung der in Kalkstein ausgehauenen Höhengräben der Whynica bei Idalin nur 300 Mann verlor. Ebenso sonderbar mutet an, daß die Russen 11 500 Gef. verloren, wenn dabei nur 41 Off. waren. Die russische Meldung leugnete auch alles, sprach von 2000 deutschen Gefangenen und 2000 deutschen Leichen und bei letzterem müssen wir leider wohl beistimmen, obschon umgekehrt deutscherseits wohl richtig 3000 russische Tote am 7. Juli nachgezählt wurden. Die Schlachtfelder am Por und Wieprz sahen gräulich aus, unstreitig wurde aber der Erzherzog am 9. bei Wilkolas geschlagen, sein Verlust war sicher groß, da seine zwei deutschen Div. im Juli allein 2650 verloren, mag auch die russische Meldung von 15 000 gef. Österreichern gewaltig übertrieben sein. Mackensens Mitte (Garde, Hannoveraner, Brandenburger), bei Izbica in Verteidigung gedrängt, blutete entsetzlich am 16.–23. bei Krasnostow-Tarnogora-Borek und es war wenig Trost, daß die Russen den Kampf »unterbrachen«, d. h., sich über die Urzadioka zurückzogen. Da uns Mai-Juni-Juli allein im Osten 275 000 kosteten, so wurden sie auf beiden Kriegstheatern (im Westen Schlacht bei Arras) nur vom ersten Vierteljahr des Weltkrieges an Blutschwere übertroffen. Bei den Russen werden unsere eigenen Annahmen wahrscheinlich von der Wirklichkeit überholt, ein einziges Rgt. verlor einmal 1800 Tote an einem einzigen Tage, während deutsche Einzelverluste sich auf weiteren Zeitraum verstreuen. – Die Flanken waren noch nicht gesichert. Östlich an der Huczwa nahe dem Bug, vermochte K. Francois als rechte Vorderstaffel Linsingens noch keinen festen Stand zu gewinnen. Westlich befand sich seit 19. Juni Woyrsch im Vorgehen, der Russe räumte längst das Bergland um Kielce, am 2. Juli den Tarlower Brückenkopf, am 6. Juli entriß die wackere L. W. ihm reihenweise Stellungen westlich der oberen Weichsel. Es gab Reibungen südlich der unteren Weichsel bei Dochow, doch kamen die Dinge hier erst spät ins Rollen. Erst am 20. sahen die Schlesier den 1  km breiten Strom, auf dessen Anblick bei Iwangorod wir so lange verzichten mußten. Trotz »Gaswolken der deutschen Vergifter« benahm sich das Moskauer Grenadierkorps fest genug bei Josefo (nur 700 gefangen), wo Woyrsch mit dem Erzherzog in gewisse Fühlung trat. Auf der Ostseite hatte jetzt Linsingen innere Berührung mit Böhm. Ihm gegenüber schlug sich der Feind mit fanatischer Verbissenheit, weil er dort noch keine vollen Niederlagen erfuhr, und machte jeden Bodengewinn streitig. Über der Mackensen-Reklame kam Linsingens Heldenarbeit zu kurz. Seine frühere Überquerung des breiten Dnjestr gehört zu den Glanzleistungen des Feldzuges. Bei Zydasczow pirschten sich die Ostpreußen an einen so schroffen Berghang heran, daß sie oft auf allen Vieren hinanklommen, während von oben die Grabenstaffeln und längs der Stromschleife vorspringende Bergecken auf die Kühnen Geschosse ausschütteten. Die Garden bewältigten, wo Flußränder einen senkrechten Lehmberg bildeten, die sibirischen Schützen bei Chodorow. An anderer Stelle durchschwammen »Westpreußen« und »Württemberger« den Strom und schossen sich bis zur Brust im Wasser heran. Hier wichen finnische Schützen. Westlich davon erzwang 48. R. D. den Übergang, den hinter dem Nordufer wieder Hochwaldhöhen beherrschten. Man kann daraus den Hochverlust dieser Truppen in Juni-Juli-Tabelle ableiten. Im Juli, während jetzt Linsingen sich als Rechte Mackensens anhängte, folgte Woyrsch als linke Seitenhut dem abziehenden Feind bis 22. Juli in einem Zuge nach Iwangorod und Prinz Leopolds schwache Linke stürmte den äußersten Fortgürtel Grojec-Blonie vor Warschau. Woyrsch demonstrierte bei Alexandria, ging am 28. blitzschnell über die Weichsel und nistete sich dort ein. Verlust gering, man verließ sich vorerst auf tüchtige Kanonade. Auf der äußersten Nordflanke richtete unsere Eroberung sich so rasch ein, daß das »Gouvernement Libau« durch eigene Radfahrer und Kraftwagen seine Geschäfte besorgte. Die starke Reiterei bei Schrunden u. Windau umwickelte eine große Kownokolonne und half Litzmann, der in den weiten Wald westlich der Festung eindrang. Doch arbeitete man am Widowki-Kanal mit Unzulänglichkeiten. Östlich der Dubissa und bei Schaule bekam man endlich die Oberhand, glühende Julihitze trocknete den matschigen Boden. Im Juni hatten schon 1., 18., 258.–60. R. bedeutenden Verlust, ungewöhnlichen auch die sehr werktätige Reiterei. Im Juli rührte der Russe sich weniger an der Dwina als am Njemen, wo Eichhorn heftige Angriffe abschlug und am 12. Juli den Feind näher nach Kowno heranklemmte. Seit 14. erreichte Belows Linke Mitau und nahm Stellung westlich von Riga, seine Mitte zwang die 5. r. Armee bis ans Dünaufer, die Rechte warf seit 21. den Feind auf Kowno, während Eichhorns Reitervorhut den Njemen zwischen Olita und dem jetzt isolierten Kowno überschritt. Belows Gefechte bei Papeljani und Tukkum am 18., 19. waren glänzend und vor seinen stark eingesetzten Kürassieren und Ulanen vermochten die Petersburger Gardereiter und finnischen Dragoner nicht das Feld zu halten. Auch die sächsischen Karabiniers der 8. K. D. tummelten sich hier unter Richthofens Leitung. Nirgendwo konnte der Russe stehen, wo der Deutsche hintrat. Trotz unaufhaltsamem Vormarsches (gleich am 13. Gewaltmarsch von 52  km ) genoß man geregelte Verpflegung durch ganze Geschwader von Kraftwagen. Ein Marsch von 100  km brachte die Mitaubahn in unsere Gewalt. An der Windau trugen Pioniere Schnellbrücken, ließen sie ins Wasser, Schwimmer zogen Pontons an Seilen herüber. Anderswo an der Brücke schoben sie seelenruhig nicht-explodierende Sprengkästen bei Seite. Die Aa-Brücke brach unter Wagen und fliehenden Letten, die Russen schossen auf die Wehrlosen wie einst an der Beresinabrücke. So lustig lebte sich's im »Gottesländchen« Kurland! – Am 9. Juli fand ein Kronrat beim Zaren statt: soll man die Südgouvernements aufgeben? Denn Zugang nach Kiew öffnen, hieß die ausgiebigste Verpflegungsbasis in Frage stellen und Rumäniens zweideutige Haltung beeinflussen. Andererseits setzte Festhalten der Weichsellinie einer strategischen Gefahr aus. Scylla und Charibdis, kampfloses Aufgeben des Festungsgebietes und planmäßiges Weichen würde die künstlichen, politischen Maschen der Koalition lockern und bis zur Wolga traf man nie wieder in der Tiefebene Anlehnungspunkte. Man blieb also. (Pariser Zeitungsstrategen wärmten die alte 1812-Legende von überlegtem Rückzug Kutusows bis Moskau auf, während dies unfreiwillig aus militärischer Schwäche entsprang). Nikolai nahm also den Handschuh auf. Iwanow sollte im Süden, Rußki im Norden dem Ungewitter begegnen, auch der blamierte Dimitriew tauchte aus der Versenkung auf als Überwacher von Iwangorod–Warschau. Deutscher Kriegsrat, zu dem Sr. M. Hindenburg zuzuziehen die Großmut hatte, beschloß alles mögliche Schöne. Dem guten alten Hindenburg, dieser untergehenden Sonne, fiel die Kleinigkeit zu, die ganze Festungslinie von Dünaburg bis Warschau zu sprengen; der aufgehende Morgenstern Mackensen sollte sein Licht leuchten lassen über Brest-Litowsk und Kowel. Lieber Maler, mal' Er mir! Der Feind hatte doch auch ein Wörtlein mitzureden. Die Frontbreite war auf 1500  km (im Winter 1000  km ) von Dubissa bis Pruth angeschwollen, in solchem Maßstab Krieg führen, ist kein »Kriegsspiel«. Mackensens Vormarsch sah leider anders aus, als die frische schneidige Bewegung in Kurland oder Litzmanns kühner Nachtzug durch den Südteil des Kowno-Großwaldes, wo er viele schnarchende Russen am Bahnhof Raslawa abschleppte, oder Woyrsch' ganz ausgezeichnete flotte Operation. (Obschon er dabei das Siebenbürger K. Köweß zur Seite hatte, scheint Verlust der bewundernswerten Schlesisch-Posenschen L. W. in den Julilisten zu gering, man wird wohl etwas aus Augustlisten beifügen müssen?). Man überwies zwar Mackensen jetzt etwas mehr Kavallerie, doch diese kam auf Sand in sengender Hitze, wo viele Pferde an Herzschlag starben, durchschnittlich nur 1½  km pro Stunde vorwärts. Die Eisenbahner erwarben sich besonderes Lob für den Nachschub, doch vorn brauchte man Gewaltmärsche durch elende Wald- und Hohlwege über Höhen und Sümpfe. Das ließ sich aber voraussehen, schon die Karte lehrte die Unbeholfenheit der Angriffsrichtung, die von Anfang an weiter nordöstlich hätte verlegt werden sollen. Von 16.–30. mußte man sich in bitteren Frontalstürmen Bahn brechen, um Cholm zu erreichen. Als der Feind sich bei Chmiel auf eine zu 25  km verengte Front setzte, bedurfte es fünfmaliger Stürme, dann erst war der »Sieg« errungen. (Was ein Bericht hier vom Westpreußischen Korps schwärmt, erledigt sich damit, daß es bei Prasnycz focht. 105. R. D. ist gemeint). Ob der Feind »in wilder Verwirrung« abzog, wissen wir nicht, jedenfalls vollzog er den Rückzug unangefochten und Mackensens Verlust war stets übergroß, wobei man den großen des Erzherzogs nicht vergessen darf. – Inzwischen hatte Gallwitz wie schon lange das schwerste Tagewerk der Hindenburgfront. Seine prächtigen Truppen kamen im Juni zu beiden Seiten ihrer Kernzitadelle Prasnycz der 1. r. A. immer näher auf den Leib. Die Stuttgarter Div. bewies am 12. bei Patolenka ihre gewohnte Tatkraft. Am 15. ging es am Omulew heiß her, eine Stellung wurde genommen und verloren. Am 25. stürmten die Schwaben und Stargarder Füsiliere die Morawkohöhen nördlich Prasnycz. Am 7., 8. Juli focht man nordöstlich davon im Orcyctal. Südöstlich bei Racionz gab es nur kleine Reiterscharmützel. Die deutsche Kavallerie erwies sich im Weltkrieg jeder anderen überlegen. Ein besonders famoses Gefecht hatte die sächs. Kavallerie Div. in Kurland bei Hofzumberge und Friedrichshof am 17., 18. unter Beihilfe von 2., 8. Jäger z. Pf. und Radfahrkompagnien der 1. Jäger nebst zwei reitenden Batterien, wobei ein Wettlauf mit zwei russischen Bahnzügen stattfand, deren Besatzung die nächsten Stationen unfahrbar machen wollte. Jetzt mußte sich zeigen, ob die auserlesenen wetterharten Verteidiger der Prasnyczstellung besser unsere Kanonade ertragen könnten als die in Kurland, wo neben den Drushinen des Landsturms auch gute Linientruppen beim ersten Granathagel ausrissen. Deutsche sogenannte Objektivität pries zähes Beharren der Moskowiter in findig ausgebauten Musterstellungen, in Wahrheit konnte kein Rechtgläubiger das Teufelswerk der gottlosen Beschießung aushalten. Ihren Rückzug deckten sie dafür durch Sengen und Brennen, Wegtreiben von Menschen und anderem Vieh, Abmähen der Getreidehalme. (In Kurland flohen sie freilich so rasch und die Deutschen folgten so schnell, daß dies Land verschonter blieb als Polen, Litauen, Wolhynien, oft durchkreuzte ihre Angst die lieblichsten Absichten). Das Gefährlichste beim Überrennen ihrer Stellungen war deren stinkender Unflat, während ein russischer Beobachter, der als Losung deutscher Schützengräben »Licht, Luft, Raum« angab, noch hinzufügen sollte: Wasser, denn für Sauberkeit, Waschen, Baden, traf man stets sorgfältige Vorkehrung. Bisher pochten die Russen auf die Unerschütterlichkeit ihrer Linie Prasnycz–Ostrolenka. Jetzt bekamen sie die Bescheerung, daß es auch damit »Essig« war, ein sauerer Trank ward ihnen eingeschenkt. Wir haben bei Scholtz stets viel L. W. berechnet, der Übersichtlichkeit halber, aber es war auch L. W. in Kurland und bei Eichhorn, angesichts der großen Verluste 20. K. darf man wohl kaum geringere Julieinbuße der L. W. unter Scholtz annehmen. Daneben waren alle L. St. Batl. dort versammelt, wohl auch fast alle L. St. Rgt., sie benahmen sich sehr brav, sowohl bei Abwehr im Juni als bei Juliangriff schon seit 15. Er war so stark, daß nach Niederlage bei Nowogrod die Ostrolenkaforts am Westufer geräumt wurden. Die L. W. warf den Feind noch mehr nach Osten, längs der Narewfront oberhalb Ostrolenka tobte eine große Schlacht am Jaßufer seit 27., die erst am 1. August zu deutschem Vorteil endete, nördlich der Straße Lomza–Rozan und mit Eichhorns 75. R. D. nordwestlich. Während dieser heftigen und blutigen Offensive, deren Bedeutung erst aus V. L. hervorgeht, deckte 2. D. die linke Flanke Gallwitz' und hatte dabei ihr besonderes Abenteuer, das zum Rahmen der großen Gallwitzschlacht gehört. Diese Entscheidungsschlacht des Feldzuges hätte eine noch bedeutendere Wirkung gehabt, wenn Südpolen, wo Iwanow von einem Abschnitt zum anderen sozusagen eine Festung hinter der anderen baute, damals schon ganz unter deutschem Druck gelegen hätte. Doch die schreckhaften Stellungen, besonders die am Nordufer der Zolkiewka, siebenfach stockwerkartig gebaut, 4  km tief und von Garden, Sibiriern, Kaukasiern besetzt, hielten ununterbrochen von Tag zu Tag den Frontalangriff auf. Am Gielzew verbluteten die Oldenburger an einer vielumstrittenen Höhe, nur unsere Kanonade zerschmetterte zuletzt die Russen. Nachdem die Garde bei Krasnostow am 16. durchbrach, währte das wilde Raufen an der Wolicamündung bis 19. fort. Eine frische Petersburger Gardediv. deckte durch verzweifelten Gegenstoß am 23. den Abzug, ehe eine Schlinge sich zuzog. Als Emmich über den Gielzewkanal auf Pioski verfolgen wollte und die Gardekav. mit ihren Hufen Roggen- und Buchweizenhalme und Leichenhaufen zugleich zertrat, traf sie ein Überfall von Sibiriern und Kosaken am 22. Die Braunschweiger wurden überwältigt, ein Dutzend Haubitzen und viele Masch. G. schwiegen, deren Kanoniere und Schützen sich bis zum Tod verteidigten, die wüsten Kerle plünderten im Feldlager, bis heransausende Batterien sie zermalmten, schwere Gardereiter zum Karabiner griffen, Schwärme des Leibbatl. sich sammelten. Die asiatischen Gespenster verschwanden, tausende von Leichen bezeugten ihre Lebendigkeit. Den Bugübergang Sokal, wo man drei Drahtverhaue mitten im Flußbett unter dem Wasserspiegel versenkte und die Türme des Bernhardinerklosters mit Maschinengewehren spickte, konnte Puhalla erst nach vieltägigen Kämpfen nehmen, wobei die L. W. Rgt. Troppau und Olmütz die vom Ufer terassenweise ansteigenden Befestigungen rühmlich erkletterten. Linsingens Bugarmee begleitete fortwährend seitwärts das Vorgehen der 11. A., indem er eine Wegsperre nach der anderen niederwarf. Die Feinde warfen sich auf das Verbindungsglied Marrwitz und suchten Linsingens Linke umzubiegen. Sie kannten ihn aber schlecht, wenn sie wähnten, er werde deshalb das entschiedene Vorrücken seiner Rechten einstellen. Nachdem er sich mit sehr viel Blutvergießen endlich eine flankierende Linie erkämpfte, zwang er Iwanow zum Abbauen vor Mackensen. Der Erzherzog, obschon seine Tiroler wiederholt im Vordringen gestört, verwandte seine Deutschen Bessers so gut, daß sie in Lublin einzogen. Besser tauchte später schon nördlich Novo Alexandria auf, wo Dimitriew bei Kurow ein Gefecht gegen Woyrsch unterhielt. Marrwitz näherte sich am 31. südöstlich Cholm, so daß dieser wichtige Ort endlich besetzt werden konnte, da Iwanow, um nicht von zwei Seiten überflügelt zu werden, nordöstlich auswich. Er verlor sehr viel Menschen, doch verhältnismäßig wenig Gefangene und noch weniger Material und schwelgte in Bildern von 15 000 gefangenen Österreichern und riesigen deutschen Verlusten, letzteres leider der Wahrheit nicht ermangelnd. Die Seinen taten ihre Pflicht für Gott und den Zaren, doch wie sollte sie nicht entmutigen, daß die deutschen Teufel gleichsam wie feurige Drachen über »uneinnehmbare« Stellungen wegflogen! Der Zar selber, nach Cholm geeilt, betete inbrünstig vor allen Heiligenbildern, doch sie erhörten den Toren nicht. Und doch erreichte Mackensen noch weniger als im Juni, das Russenheer war tief erschüttert, doch noch nicht in seinem Gefüge gelockert. Wenn man von Truppen- und Materialsiegen reden konnte, so verdankte man es einzig der Bugarmee Linsingens. Denn Puhalla lag bei Sokal festgebannt unter erneuten russischen Angriffen bis in die Feldküchen hinein, die vorerst noch Umfassung auf Wladimir–Wolynsk verboten. Mit schwerer Mühe setzte Linsingen durch, daß eine Art innerer Umfassung herauskam. Im ursprünglichen Angriffskreis von 35  km lagen 10 Russendiv. in gewaltigen Stellungen bei Terebin und Teratyn. Schon vom 15.–19. tobte Kampf von Marrwitz bei Grabonice, von Gerock bei Metellin. Letzterer ließ sein bisheriges K. am Dnjestr, vereinte hier Div. Moser und Kneußl. Ähnlich ging Francois nach Frankreich und Gardegeneral Winkler übernahm sein »41.« K. Solche Art, mit Einheiten und Kommandos herumzuwerfen, mögen die Halbgötter des Großen Generalstabs verantworten. Welchen Sinn hatte es übrigens, das frühere 40. R. K. jetzt 41. K. zu nennen, da doch 81., 82. D. einfach die früheren 79., 80. waren, vermindert um zwei Regimenter. (38., 39., 40. R. K. jetzt à 6 Regimenter ineinander verteilt). Ein Fremder, der sich in dieses Labyrinth verirrt, weiß nicht mehr ein noch aus. War dies der Zweck der Übung? Übrigens hieß Div. Kneußl jetzt 11. bayrische. Die 8. bayr. R. D. ging nach den Vogesen zurück, Div. Behr blieb nach ihrem schweren Verlust in Reserve, 56. auch. Dagegen war wieder mal eine neue 105. D. gebildet, die neben der Garde focht. Man muß wie bei 56., 107. D. an keine neue, sondern nur alte Bestandteile denken, aus ihrem früheren natürlichen Verband herausgeschält. Das 41. K. marschierte rechts um Marrwitz und dann die anrückende 1., 4. D. herum auf die äußerste Rechte den Bug entlang, fiel also für alle ersten Kämpfe völlig aus. Was dieses »Bäumlein verwechsle dich!« wieder bedeutet, wissen die Halbgötter. Solche Zeit- und Kraftberaubung durch unnütze Märsche entspringt nur aus Eigensinn und Laune. Die rechte Flanke war ja hinreichend durch Puhalla (4 Inf., 3. Kav. Div.) gedeckt. Doch nicht mal mit den 4 ihm verbleibenden Divisionen konnte Linsingen den Angriff eröffnen, denn 1. D. Conta war noch nicht heran, als Heerreserve gedacht. Außerdem hatte Marrwitz nur 35. R. D. bei Zaborce, 25. R. D. blieb außer Spiel und Marrwitz zögerte bis 16., weil links von ihm K. Arz westlich Savidniki »noch nicht auf gleiche Höhe kam«. So stürzte sich am 15. zunächst nur 107. D. auf die Stellung westlich-nordwestlich Terebin, rechts davon 11. bayr. nordöstlich bei Metellin. Daß diese 3 Div. nur mühsam vorwärts kamen, begreift man. Erst als die Westpreußen bei Zaborce durchdrangen, begann auch 4. D. die furchtbare Grabowice-Stellung aufzurollen, erst am 17. unterstützten die Ostpreußen die eindringenden Bayern, erst am 19. warfen diese fünf Div. den Feind heraus, der sich hinter Moor, Sümpfe, Bäche, Wälder versteckte und jede Annäherung durch Unbrauchbarmachung der ohnehin grundlosen Wege erschwerte. Selbst stärkste Artilleriearbeit konnte lange diese Schanzen nicht sturmfrei schießen. Eine soldatische Großtat, solche von doppelter Übermacht verteidigte Stellung zu bezwingen! Doch kein Denkmal der Führung, die weder ihre Kräfte beisammen noch einen klaren Plan hat, immer von vorn draufschlagend! Was Linsingen, der doch ein vernünftiger Mann war, zu solcher Schlächterei bewog? Vielleicht Mackensens unheilvolle Draufgängermethode, der zu möglichster Eile antrieb. Das war nun ganz verkehrt. Denn je länger die Russen an der Wolika blieben, desto mehr reifte die Möglichkeit, sie beim Abzug auf Brest scharf zu fassen, falls Woyrsch und der Erzherzog bei und südlich Iwangorod vorkamen. Auch 41. K. und Puhalla mußten erst am Bug Raum schaffen, um eine Umfassung zu ermöglichen. Da an Abschneidung russischer Teile vorerst garnicht zu denken war, hätte 8tägiges Warten keinen Zeitverlust, sondern nur Gewinn bedeutet: Ausreifen der Lage. Bei Lodz erwies sich doch Linsingen als zeitweiliger Cunctator, bei Ypern auch, hier aber litt er an krankhafter Überstürzung. Herrgott! es eilte ja nicht so! Offenbar lernte er in den Karpathen und am Dnjestr, daß deutsche Infanterie sozusagen das Himmelsgewölbe stürmen könne. Man feste druff wie Blücher oder richtiger Steinmetz! Tatenlust ist eine schöne Sache, doch nicht im Übermaß, die armen Truppen büßten dafür. Besonders die Bromberger kämpften mit unglaublichen Schwierigkeiten. Und kaum war dies vorüber, als das tapfere bayrische 13. R. schon wieder auf neue vorbereitete Linien stieß innerhalb des Guzwaabschnittes. An diesem Nebenflüßchen des Bug focht man grimmig bei Houbiaszow in sumpfiger Niederung. Diesmal trugen die Ostpreußen den Kampf vorwärts. Zunächst kam Mosers 227. R. vor Nieledow zum Stehen, doch weit nordwestlich davon eroberten Pommern und Westpreußen schon am 19. abends die Waldgegend bei Nechania westlich von Teratyn, wo der Russe sich stellte. Am 20. nahm Moser Nieledow, die Bayern umgingen, die Ostpreußen stürmten auf der Stirnseite, am 21. war die ganze Aufnahmestellung der Cuczewa bezwungen. Während die Pommern weiter nördlich über Ostrow vordrangen, 49er vorauf, war am 22. endlich 81. R. D. den Bug entlang gegen Brussilows Linke vorgerückt, erfolgreich, doch auch hier mit bedeutenden Opfern. Jetzt zersprengte Conta den Feind nördlich, Kneußl kam bis östlich Teratyn, wo neue Linien östlich bis Annapolwald Halt geboten. Vom Kirchhof nördlich Kulakowice sprühte unabläßig Feuer, jeder Schritt vorwärts trank deutsches Blut, der zähe Feind gab weder Kampf noch Stellung auf, nutzte die Feuerkraft seiner Schanzwerke aus und stärkte sich auf den Flügeln. Marrwitz zog jetzt seine Hessen in die Vorderfront, sie und 4. D. blieben am 25. im Vorposten, doch am 27. wich ihre Linke einem mächtigen Gegenstoß, der gleichzeitig K. Arz zurückdrückte. Die Hessen litten bedeutend und es ist wieder unbillig, die 35. R. D. wie bei Lemberg in den Vordergrund zu rücken. Am Ostflügel nahm 81. R. D. am 23. das Walddorf Szpikolosy, rechts davon setzte sich 82. D. erst am 27. in Besitz der Waldstraße Annapol–Horodlo. Dieser Kampf war sehr hart, nach Verlust von 270. R. zu schließen, die G. St. Schr. über die Bugarmee verweilt zu einseitig beim Zentrumkampf, wo 11. b. 1. D. viel minder litten als 82. R. 4. D. auf beiden Flügeln. Bayern und Ostpreußen nahmen zwar am 24., 25, zwei Dörfer mit Sturm, doch unter wütendem Handgemenge an Wiesengehöften und Brennerei von Stevankowice kam man nicht wesentlich weiter, Flankenfeuer aus Teratyn war zu mörderisch. Freilich zerschellten unabläßige Gegenstöße unterm Wirkungsschießen unserer Batterien, immerhin hielt man Teratyn fest. Winkler erbat jetzt Conta's Unterstützung, weil man sonst ostwärts nicht weiter könne. Auch vor ihm tat sich eine neue Stellung auf, deren Durchbruch indessen taktisch aussichtsreich und strategisch entscheidend gewesen wäre. Statt dessen zog Linsingen sein Zentrum ganz links hinüber und vereinte 11. b. 1., 107. D. zu einer einzigen Stoßtruppe. Allerdings stand man schon nördlich Teratyn, das wegzunehmen die Hauptaufgabe wurde. Am 29. früh begann die schwere Artillerie ein mächtiges schärfstes Wirkungsschießen gegen den hochgelegenen, von zahlreichen Erdwerken umkränzten Ort. Volle acht Tage hatten die blutigen Einleitungskämpfe gedauert, die sehr geschickt angelegte Zentralstellung blieb noch unversehrt, als Ostpreußen und Bayern durch breitgegürtete Drahtfelder eindrangen und Moser am 30. früh den Stützpunkt nahm. Von letzterem heldenmütigen Angriff hört man viel, doch wollen V. L. nicht dazu stimmen. Hatte die brave D. ein gefeites Leben? Doch mag sein, daß 232. R. hier und nicht im August den Hauptverlust hatte. Nach Teratyns Verlust bog sich der Feind in eine womöglich noch stärkere Stellung zurück, die Winkler bei Horodlo vorteilhaft angreifen konnte. Linsingen griff aber nochmals zum Zentrumstoß über Strzelce, wo Höhen und Waldränder ein Vorgehen erschwerten. Dennoch erwies die schier unglaubliche Überlegenheit einer deutschen Stoßgruppe sich unwiderstehlich. Vor ihrem Ansturm, am 31. mittags begonnen, fiel die ganze Stellung. Doch ist die Vorstellung offenbar falsch, daß dies ohne Mit- und Einwirkung der Flügel geschehen sei, der hohe Verlust Winklers und der Pommern zeugt dafür, daß sie gewiß seit 27. nicht müßig blieben, ebensowenig Marrwitz. Gleichwohl zeigte der Zentrumstoß seinen entscheidenden Vorteil, indem Moser westlich, Conta östlich bis in den Rücken der Marrwitz und Winkler gegenüberliegenden Linien faßten, so daß letztere nun auch zum Nachstoßen über die Bahnstrecke Cholm-Lublin-Iwangorod frei wurden. So laut wir dies begrüßen, müssen wir doch veranschlagen, daß deutsche Kerntruppen dazu gehören, und der Verlust war auch danach: 19 000 Mann für 7 D. ist eine starke Nummer und wird nur dadurch überboten, daß 6 D. Mackensens bis Cholm relativ mehr verloren und die ganze Operation inkl. Erzherzog mindestens 60 000 kostete, wo nicht mehr, denn 14 östr. D., Puhalla ungerechnet, werden im Vergleich zu 15 deutschen wohl ziemlich gleichviel verloren haben, zumal der Erzherzog unstreitig viel Gefangene einbüßte, D. Besser ausgenommen. Der Feind litt allerdings bedeutend mehr durch Verfolgungsfeuer, sobald er aus einer Stellung herausgeschossen, und stete Gegenstöße. Auch lieferte er trotz aller hier bewiesenen Zähigkeit an Linsingen 21 450 Gef. ab (wir addieren stets die Einzelangaben, ohne uns auf vage Gesamtziffern zu verlassen), doch nur ein Geschütz, das sagt Vieles. Die Schlachten bei Teratyn – Krasnostaw – Krasnic – Lublin waren für 27 verbündete D. noch blutiger als die bei Lemberg und mit noch unvergleichlich geringerem Ergebnis. In der Hast, die Bulletins nur mit recht viel Schein- und Halberfolgen zu spicken, erinnerte Mackensen an Kluck bei Combles-Amiens, nur daß diesmal die Lorbeeren nicht billig, sondern schauderhaft teuer waren. 36 Tage brauchte das unentwegte frontale Nachrennen bis Cholm, wo man nach 14 Tagen Vormarsch zu stehen sich schmeichelte. Aus Furcht vor Zeitverlust verlor man unwiderbringlich Zeit. Hätte man sofort den Vormarsch nordöstlich an den Bug angetreten, statt nördlich und nordwestlich, um recht bald Anschluß nach Iwangorod zu bekommen, so hätte man sehr viel früher auf Linie Brest-Kowel drücken können. Da die deutsche Zange nur von Süden zugriff und Iwanow mit unheimlicher Schnelligkeit und Umsicht (in diesem Zweig des Kriegswesens Meister) erst zwischen Bug und Wiprz 50  km , dann 100  km bis zur Weichsel mit befestigten Stellungen überspannte, lehrte ein Blick auf die Karte, daß nur baldigster Bugübergang diese Linien unhaltbar machen konnte durch verderbliche Bedrohung aller rückwärtigen Verbindungen Iwanows. Linsingens Stunde kam, doch entschloß man sich schon reichlich spät zur Aufstellung einer Bugarmee. Statt aber wenigstens jetzt sofort den Weg nach Grubiascow einzuschlagen, d. h. nach Wladimir-Wolynsk, wurde Zeit durch den Abmarsch Winklers verplempert, statt allgemeiner natürlicher Rechtsziehung, wobei 41. K. einfach die Raumstelle des K. Marrwitz eingenommen und Gerock und Conta längs dem Bug vorgerückt wären. Und schon hatte sich Mackensen selbst frontal verbissen und blieb nur ängstlich darauf bedacht, daß Linsingen an ihn anschließe. Ergebnis: rohe Frontalrauferei auf der ganzen Linie unter Entrichten härtesten Blutzolls. Obschon der Kampf bei Sokal nicht harmlos ausfiel, bildete Puhalla, mit Kavallerie stattlich versehen, dort eine eingebogene Hakenflanke gegen jeden Seitenangriff aus Podolien, Linsingen nordwestlich davon hatte also nichts für seinen Rücken zu befürchten, wo ja auch südöstlich Böhm am Rand Galiziens eine Schutzmauer bildete. Die Entscheidung lag ausschließlich bei der Bugarmee, die man auf 10 D. hätte erhöhen sollen, während Mackensen sich möglichst passiv verhielt. Er passiv!, ihm so etwas zuzumuten wäre Beleidigung, feste druff, dem Feind an der Klinge bleiben, wie der Kunstausdruck lautet, den ein Stümper wie ein Meister gebrauchen kann, der Eine am falschen, der Andere am rechten Ort. Der Feind wußte besser, worauf es ankam. Er lockte Mackensen im Zentrum sich nach, bis er sich die Zähne abwetzte, hielt den Erzherzog erst nur flüchtig auf, dann immer hartnäckiger, ihm einen Rückschlag versetzend, und richtete sein Augenmerk vor allem darauf, ob Linsingen an den Bug marschieren werde. Daher die in jedem Bericht übergangenen blutigen Kämpfe gegen Winkler. Hätten dort 5 statt 2 D. angegriffen, so wäre durch Durchbruch bei Horodlo die ganze Mordschlacht bei Teratyn unnütz geworden. Übrigens verwendete Mackensen nachher Marrwitz nur für seine eigenen Zwecke, nämlich zu Umfassung der vor Arz und der am 29. vordringenden 1. G. D. gebildeten Schlußstellung von Bialeka vor Cholm, vorher bei Ignasin. Unter Vorantritt von 21 schweren Batt. drängte Emmich auf Biskupice, doch die Entscheidung brachten die Märker, die bei Trowniki das russische Zentrum durchbrachen. Der Erzherzog hatte es leicht, da er nur noch Nachhuten nördlich Chmiel vor sich hatte, die sein 18. K. wegstieß, doch wäre liegen geblieben, wenn nicht Besser unentwegt auf Kazimierz ausgeschritten wäre. Iwanows Rechte mußte ausweichen, da er sonst in Woyrsch' Sphäre geriet. Die Deutschen folgten auch keineswegs wie ein Sturmwind über Getreidefelder und Schluchten durchs Flußdefilée, sondern die Artillerie hatte durch Hinab- und Hinauffahren an beiden hohen Ufern viel Aufenthalt, als Iwanows Hauptquartier schon längst aus Cholm verschwand. Wie Napoleon beim Anblick der russischen Hauptstadt krampfhaft lallte: »Moskau, Moskau!«, so begrüßte wohl Mackensen, als er am 1. August einzog, das Ziel seiner Sehnsucht: Cholm, Cholm! Und was hatte er davon? Einen Bahnknotenpunkt, nichts weiter. Der Feind entkam auf beiden Seiten. Obwohl Bessers unermüdliche Westfalen am 1., 2. August ihre Schlesischen Landsleute und Siebenbürger Sachsen südlich Iwangorod begrüßten, so marschierten die erschöpften Österreicher nicht schnell genug, um Dimitriew östlich Iwangorod abzuschneiden, wo ihn Woyrsch schon stellte. Der Erzherzog war gewiß ein tapferer und recht befähigter Herr, doch er sagte sich wohl: Wozu halt so a grausliche Hetz?! Mei Spezi, der Mackensen, verlangt zu viel, dös geht uns goar nix an! Da hatte er eigentlich nicht Unrecht. Er sollte jetzt eine Aufgabe erfüllen, die von rechtswegen Linsingen an anderer Stelle zukam. Puhallas Brave, die sich bei Sokal unübertrefflich hielten, warfen den Feind jetzt weit zurück, doch russische Nachhuten (18., 42., 70. D., wobei Rgt. Kostrona sich auszeichnete) deckten den Rückzug auf Kowel so lange, daß erst am 4. August Linsingens 5. Kav. D. an Wolynsk vorüberzog. Österreichische Gefangenenangaben lassen wir als unzuverlässig fliegen, doch daß Mackensen inkl. Linsingen 75 742 (323 Off.) 10 Gesch. erbeutet habe, ruft uns gelegentliche Äußerung des russischen Generalstabs ins Gedächtnis, die Deutschen zählten ihre Gefangenen öfters doppelt. Nun, das taten alle Ententisten nachweislich, doch deutscherseits lief wohl auch manche Übertreibung mit unter. Nach der neuerdings amtlich gebuchten Angabe für Linsingen, die angesichts der Kampfverhältnisse auch schon recht hoch erscheint, ist ausgeschlossen, daß Garde 10. K., 22. R. K. noch rund 54 000 Gef. dazu gemacht haben sollten, da deren Siege noch viel minder durchschlugen als die Linsingens. Die russ. Art. mag ziemlich früh das Weite gesucht haben, doch wenn in einem ganzen Monat nur 10 Gesch. in so vielen erstürmten Stellungen verloren gehen, so ist ein Heer nicht wirklich geschlagen. Selbst jetzt noch war der Augenblick gegeben, über den Bug (Conta erreichte Dubienka am Ufer) nach Kobryn zu folgen und so alles russischerseits westlich Stehende abzudrängen. Tatsächlich faßte Linsingen Rechtsziehung östlich des Bug gegen die Rückzugsstraße Kobryn–Brest ins Auge, doch es kam nicht dazu. Mackensen holte Linsingen westwärts ab, da er selbst sich nordwestlich statt nordöstlich vorschob, ein schädliches Abirren vom Ziel, wenn er das von Iwangorod Abziehende noch überholen wollte. Gleichwohl blieb Iwanows Lage noch bedenklich, wenn er Linsingen nicht aufhielt. Er bezog daher seine allerstärkste Stellung bei Sawin, ein Meisterwerk der Verteidigungskunst. Linsingens verordnete Linksschiebung fraß wieder unnütz Zeit, so daß erst am 9. Bombardement gegen die Sawinlinie anhob. Sibirier und Garden waren zum Äußersten entschlossen, Hineinschneiden in den Weichselrückzug zu verbieten. Um diese Zeit tobte noch ein scharfes Treffen am Ostufer der Weichsel bei Damascew zwischen Woyrsch und Dimitriew, während am Westufer das Siebenbürger K. Köweß den Außengürtel Iwangorods angriff, doch erst bis 8. die Ostforts eroberte und so mit dem braven L. W. K. König wieder zusammenschloß. Vor Warschau fielen die Forts der inneren Rings nacheinander unter mäßigen Kämpfen, am 5. August zogen die Deutschen in die polnische Hauptstadt ein, bis 8. verjagten sie eine Nachhut aus Praga und traten den Marsch auf Minsk an, schon in Fühlung mit Gallwitz, dessen Rechte, seit langem den Außenforts von N. Georgiewsk nahe, seit 7. die große Festung umstellte. Da bis 10. auch Scholtz über den Narew kam und Eichhorn sich allmählich Kownos bemächtigte, stand dem Vormarsch aller Hindenburgischen Heere auf Wilna–Minsk nichts im Wege. Da Gallwitz Rechte über die Bahnlinie Ostrow–Lublin und die Wysakostraße bald den Bug erreichte, bei Malkin die große Bahn Warschau–Wilna–Petersburg durchschnitt, die sich dort mit der Lublinbahn trifft, so schien ein Finis Russiae bevorzustehen. Allein wenn der für die Weichselheere noch offene Rückzugsraum sich auf 100  km verengte, so hielt man verfrüht ihre Widerstandskraft für erledigt. Kowno erlag nicht dem Bombardement mit schweren Kalibern, Eichhorns Aufgabe blieb bis 18. August ungelöst und seine spärliche bisherige Beute (7430 Gef., 4 Gesch.) ermutigte nicht zur Annahme, der Russe könne und wolle nicht mehr fechten. Er hielt sich freilich Scholtz gegenüber, nachdem auch dieser die Narewfront durchstach, nicht mehr auf. 41. D., die schon so oft geprüften 59er voran, trieb die 57. r. D. und 227. r. Rgt. am 7. nachts durch den Tarnowwald vor sich her. Es war naßkalt, doch Dorfbrände wärmten, am 9. hatten unsere Batterien auf der Podgorzehöhe Lomscha unmittelbar vor sich. Fort 4 fiel beim ersten Anhieb. Der Sonnenaufgang durchleuchtete die feucht durchtränkte Erde, als in düsterem Glanz von dreißig brennenden Dörfern die deutschen Heersäulen sich zum Bobr wälzten. XIX. August-Hundstage In Südpolen ging das Frontalraufen weiter. Marrwitz erneut weiter nordwestlich geschoben, als linke Staffelspitze vorn, rechts von ihm säuberten die Bromberger Sümpfe und Hohlwege eines Seeplateaus wieder unter viel Blutvergießen, während am Ostflügel 82. D. die an den Bug gelehnte Opalinstellung ohne besondere Schwierigkeit durchbrach. Offenbar übte hier Puhallas Vorgehen am Ostufer seitlichen Druck. Gerock mußte aber immer noch zentral hämmern, am 10. stürzten Bayern und Zarengarden wütend aufeinander los, die altberühmten Leibwächter Preobraschensk und Ismailow (»Kulm« 1813 im Befreiungskrieg) gingen in Bajonettkampf völlig unter, ersteres Rgt. schlug sich bis zur Vernichtung: 1500 Tote, nur 200 gaben sich gefangen. Wir unterstreichen, daß dies wiederum 13. b. R. vollbrachte, während die Offiziösen immer so tun, als ob Pfälzer und Augsburger Kasernisten den Ruhm dieser Kämpfe trügen. Endlich am 11. erzwangen die in Reserve getretenen Ostpreußen (warum denn? Pommern und Bayern litten viel mehr) nach furchtbarer Kanonade den Einbruch bei Bukowo, in folgender Nacht warf ihr Sturm den Feind mit Kugel, Handgranate, Bajonett aus der Sawinstellung durch versumpfte Wälder vor sich her. Jetzt plötzlich schob Mackensen die Kasseler D. zu Winkler. Ihre Thüringer waren am 3. zur Garde herangezogen worden und am Leuczusumpf beinahe einem Flankenstoß erlegen, da K. Arz wieder mal nicht planmäßig eintraf. Stegemann läßt schon bei Sokal »Thüringer fechten«, wie bei Lemberg »Sachsen«, 22. D. kam erst jetzt an den Bug, doch weiß man nie recht, was im H. B. Thüringer bedeutet, ob diese oder ein Reserveregt. Statt 22. gingen 119. und die neue 103. D. am 9. mit der Garde auf Bobryk-Olcachow los. Nach heftigem Gegenstoß, dessen am 14. Buches Schlesier Herr wurden, wich Iwanow auf Brest. Die Gardekavallerie D. erschien zur Ablösung der für Offensive freizumachenden 81. D., sogar Emmich sollte zum Bug abrücken. 125  km Gewaltmarsch durch Staub und Hitze, reine Kraftvergeudung, gleich darauf Transport nach Belgien, so ging man mit den Truppen um! Offenbar setzte Linsingen endlich eine Operation östlich des Bug durch, doch selbst jetzt noch hintertrieb Mackensen sofortigen Flußübergang, immer nur um das eigene Wohlergehen der 11. A. besorgt. Er sträubte sich wegen befürchteter Flankierung aus Kowel, was Linsingen als Hirngespinst verwarf. Kaum lagen Garde, deren 1., 4. Brig. der Julikampf schwächte, und Arz in ernsteres Gefecht verstrickt, als Marrwitz ganz nördlich drehen und fortan stets westlich des Flußes bleiben mußte, also für jede Operation östlich des Bug ausfiel. Die Russen wurden nun allgemach nach Wolhynien hineingedrängt, wobei sie das Land greulich verheerten und Millionen Einwohner ins Innere verschleppten. Der russische Generalstab, dieser Meister blutrünstiger Kolportagephantasie, bemäntelte alle Grausamkeiten mit Tiraden über »Attila und seine Hunnen«. Künftige Historiker, die diese Zeit nicht miterlebt haben, werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen über so schamlose Verlogenheit, wie sie in schlimmster geschichtlicher Vergangenheit nie möglich gewesen wäre, daß die Barbaren ihre Mißhandlung von Millionen unglücklicher Landsleute den »Hunnen« zur Last legten. Doch das Schicksal verschmähte den feigen Lippendienst betrunkener Popen und legte dem Zarismus ein vollgerüttelt Maß der Vergeltung auf. Die schwankende Lahmheit in Mackensens Bewegung stach bedeutsam vom Schwung und Siegeseifer der schlesischen L. W. ab, als sie das Moskauer Grenadierk. überrannte, durch verwegenen Flankenmarsch zur Radomkamündung nördlich Iwangorod überging und jenseits umging. Durch schmale Durchgangsbrücken ergoß sich bei Iwangorod eine solche Sturmmasse über die Weichsel, daß Verfolgung sich stets zu neuem Angriff zuspitzte. Durch Sandbänke, Weideninseln, Schilfschlamm übersprang 3. L. W. D. die gleißende Wasserfläche. 6., 7. L. W. vorauf, dann L. W. Breslau und Brieg ging es unter Feuerschein vieler Brände Iwangorods und dortiger Getreideschober das jenseitige Plateau hinauf und das L. W. K. König nebst R. D. Breslau feierte lauter Ehrentage in Festhalten der Sperre. Dies war die Art, keinen zeitraubenden Aufenthalt zu gestatten, wo Frontalstoß nichts versprach. Hätte Linsingen mit gleicher Entschlossenheit gehandelt wie Woyrsch unter viel verwickelteren Verhältnissen, dem ein breiter Strom und Verteidigungsterrassen mit achtfachem Ausschuß entgegenstanden, so würde sofortige Rechtsziehung ihm unnütze Opfer erspart haben. Auch Woyrsch Erfolg wurde getrübt durch Trödelei und Mangel an Entschlußkraft auf Mackensens linkem Flügel, wo der Erzherzog am 2. nur 15  km südlich Iwangorod stand. Verfolgt man den Ausschlupf der Russen, als sie am 4. zwischen die Weichsel-Forts zurückfluteten und auch Brest einpackten, so sieht man deutlich, daß er Flankenstoß gegen die Rückzugskolonne wohl hätte ausrichten können. Erst am 10. holte er den Feind ein, gemeinsam mit Woyrsch, der aber, wie sein starker Verlust beweist, dem Abzug stets an der Klinge blieb. Die Schlacht bei Damaszew gegen ihn hatte Dimitriew so heftig geliefert, als scheere er sich keinen Deut um drohende Abschneidung, und man nahm seinem Rückzug nur 3000 Gef. ab, während er südlich der Weichsel sehr viel mehr verlor. Da Dimitriews Rechte unter Smirnow noch am 7. hinter Warschau stand, hätte man ihm sicher mehr Abbruch tun können. Auch hier klappten die Dinge nicht, wie überall, wo Mackensens Einfluß hinreichte, den man darob als glorreichen Sieger pries. Dimitriews eigene 3. A. entkam über Brest, die ihn unterstellten 4., 2. A. über Brest und Pinsk. Schon am 28. Juli regneten Bomben deutscher Luftschiffer auf die Rückzugsstraße. Es kam dem neuen Oberstabschef Alexejew hart an, den als »Feldmarschall« paradierenden Prinzen Leopold (lies Stabschef Oberst Hofmann) in Warschau einzulassen, da die künstlich niedergehaltene Polenfrage damit in akutes Stadium trat. Obschon am 14. Räumung begann, fiel Smirnow noch am 17. gegen Scheffers rechte Flanke aus bis 29. Doch er zögerte viel zu lange, die Südforts zu räumen, wo am 3. Aug. Sächsische L. W., neue Infanterieregimenter und Württemberger gegen Werke 1–5, 49. R. D. nebst bayr. L. St. gegen 6–9 sich in Kampf setzten. Der Sturm ging glatt durch, doch ermöglichte die Besatzung den Abzug durch inneren Fortverband und die mürrisch schweigende Hauptstadt. Scheffer-Boyadel zog unter vaterländischen Liedern bis in die östliche Vorstadt, das alte Schloß und sein Park empfingen aber Kugelsaaten vom Ostufer, der Russe hatte überall seine Freude daran, Zerstörungswut an Polen und Ruthenen auszulassen, die seine Tartarenarbeit am liebsten ausgerottet hätte. Alle Maschinen, deren man habhaft werden konnte, packte man nach Petersburg ein, sogar die Druckerpressen. All das forderte nachher der biedere neue Polenstaat von Gnaden Clemenceau-Wilsons von den bösen Deutschen zurück, welch seltene Unverschämtheit uns natürlich nicht wundert. Legts zum Übrigen! Das Phantom des Panslavismus, als ob die Großrussen Verwandte der Sarmaten wären, weil sie wie die tartarischen Bulgaren eine Sprache mit slawischer Wurzel annahmen, spukte so herum, daß die Befreiten eiligst wieder nach den Unterdrückern hinschielten. Den Dank für die Befreiung trugen die edlen Polacken so echtpolnisch ab, daß Deutschland es hoffentlich nie vergessen wird. Mit Betrübnis sahen die echtrussischen Leute der Polizei, dieser ärgsten Verbrecherbande, und der aus den Gefängnissen losgelassenen Sträflinge sich um Pogromhoffnung betrogen: Zu rasch waren die Deutschen da, mit denen nicht zu spaßen ist, mit ihnen die Ordnung. Doch der Pole fühlt sich nur wohl unter polnischer Wirtschaft, nirgends erhob er die Hand für die ihm verheißene Auferstehung, ballte sie nur im Sack und gab dann dem verwundeten Löwen Eselstritte. Ein solches Volk von so frecher heimtückischer Gemütsart ist keiner Unabhängigkeit würdig, sondern nur französischer Vasallenschaft. Scheffers 49., 84. R. D. verfolgten Smirnow, K. K. Frommel links als Deckung, zum Nurcec und Bug, 5. R. D. erzwang am 23. den Übergang. Mackensens Verfolgungsmarsch nordwärts westlich des Bug ging den gewohnten Schneckengang. Marrwitz 118. R. eroberte am 7. ein gefälltes, mit Draht umwickeltes Waldstück, lange hielt die bewährte 3. Sib. D. aus. Iwanow rang nur um Abtransport nach Brest über Wlodawa, wohin Winkler von Grubeszow her vorstrebte. Das Reiterkorps Hehdebreck (7. K. D. 11. Honv. K. D.) hatte früher nicht ohne Verlust Linsingens linke Flanke gedeckt, eine ganz untunliche Aufstellung, da es von Anbeginn auf die Bug-Flanke gehört hätte. Dort trabte es jetzt vor, 4. Schles. Drag. verfolgten die Orenburger Kosaken über das angezündete Wolynsk. Den General Mitschenko erwarteten Transportzüge in Kowel für Brest, sein 31. K. kam aber nicht so wohlfeil davon, wie die anderen russischen Teile, obschon die »rotrussische« Erde Wolhyniens sich dem Einmarsch durch Torfstrecken, Versumpfung, Felshügel, dichten Holzbestand widersetzte. Am Westflügel ähnlicher Aufenthalt. Am 7. war die Schlacht des Erzherzogs bei Lubiartow heiß, weniger für die polnische Legion (Galizier Freiwillige) als für die böhmische 21. L. W. Div. und die Tiroler, deren 55er die verderbenspeienden Höhen nahmen. Ja, kämpfen konnten die Österreicher, wenn sie wollten, doch zögerten so lange, bis der Feind sich wieder ordentlich einnistete. Er stand hier noch längs der Reichsstraße Lublin–Cholm und der Bahn Lublin–Iwangorod, auf Südseite der Bahn nach Ruska Wola umgebogen, wo Besser durchdrang, was den Mut der Österreicher hob. Diese von Woyrsch schon in der Luftlinie umfaßte Stellung war eine russische Unverschämtheit aus Verachtung der k. k. Schlamperei. Als der Erzherzog endlich die Bahn Iwangorod–Brest am Wiprz-Bogen überschritt, hatte die ganze russische Rechte sich schon glimpflich herausgewickelt. In der russischen Meldung vom 10. riecht es zwar nach »erstickenden Gasen«, ein böses Zeichen, lies: allgemeiner Rückzug nach Wlodawa. Doch Iwanows Mitte westlich der fast senkrecht laufenden Straße Cholm–Wlodawa–Brest war eben auch entkommen, während die Linke östlich der Straße mit ihren flankierenden Vorsprüngen Linsingen lange genug aufhielt. Immer noch lenkte ihn Mackensen von der richtigen Aufgabe ab, mit Uferwechsel auf Kobryn zu marschieren. Warrwitz wurde ganz losgelöst und hatte noch am 16. unangenehmes Gefecht. Iwanows Stellungswache fand immer wieder Auskunftsmittel. General v. Seeckt ordnete die Verpflegungsmaschinerie vortrefflich, pünktlich bekamen die Truppen täglich dreimal warmes Essen samt Bier und Mineralwasser, reichlicher Gemüsebestand vervollständigte die gute Küche. Statt der verschleppten Landbebauer draschen deutsche Arbeiterbataillone, mahlten die Feldmühlen. Denn Eisenbahner, Pioniere, Schipper stellten geschwind wieder her, was die Barbaren beschädigten, Feldbahnen führten Lastwagen und Proviant herbei, beförderten fahrplanmäßig, zur Front vorgearbeitet, die Kämpfer. Das war alles schön und gut, doch später geriet man aus dem Sandboden auf noch unwegsameres Gebiet, Verpflegungsstörung zwang im September zum Haltmachen. Hätte man früher Rechtsabmarsch angetreten, so würde der Feind nicht Zeit behalten haben, alles Eßbare auszurotten. Die Russen verbrannten die Ernte mit den Dörfern, ihre Verwüstung unterschied fein zwischen den Marken des Zartums Moskau und fremdstämmigen Polen, Litauern, Esthen. Man nennt dies Panslawismus. Selbst der heiligen Ruthenenstadt Cholm hinterließ Iwanow ein brennendes Andenken, Dimitriew verschonte weder Iwangorod noch später Brest. Der Gospodar aller Reußen flehte vor Cholms wundertätigen Heiligenbildern, der Herrgott von Dennewitz war mächtiger, und was die unerforschlichen Mächte ihm noch aufgespart als Vergeltung der Trauerspiele auf allerhöchsten Befehl bei der ersten gescheiterten Revolution, ahnte niemand. Wahrscheinlich billigte der hartköpfige und keineswegs »schwache« Tyrann (die Art, wie er nachher den angeblich allmächtigen Onkel Nikolajewitsch absägte, zeigte seine Stärke) auch diese Nachahmung von 1812. Doch ging es wie bei Wellingtons Verheerung vor Portugal, die mitgeschleppten Menschen- und Viehherden belasteten den Rückzug. Auch in Kurland geleiteten ihn tausend Feuersbrünste, sogar das gemähte Getreide verzehrend, doch die Letten blieben im Lande und retteten viel. Aus Wilna nahm man alle Monumente und Glocken fort, die Einwohner der großen Stadt empfingen nachher die Deutschen mit Freudentränen. In Riga richtete der Gouverneur unberechenbaren Schaden an, hinterließ einen verfluchten Namen. Daß die Riga–Orel–Bahn all ihr Material auf die Petersburger Linie verlegte und Dünaburg oder Minsk wie ausgestorben sich von Bewohnern entleerten, hieß selbstmörderisch wüten und es macht lachen, wenn heute die Zarenanbeter über den Sowjet-Terror heulen, als sei dies etwas Ungewohntes. Immer thront das Gespenst Iwans des Schrecklichen über dem heiligen Rußland und die Sowjets trieben es kein Jota schlimmer als dies alte System der Menschenschinderei und stinkender Korruption. Laut H. B. stieß nur Linsingen noch auf starken Widerstand, Mackensen nur auf Nachhuten mit unbedeutenden Kämpfen. Das ist handgreiflich unwahr, angesichts der immer noch schweren Verluste aller Teile, auch D. Behr mußte wieder ins Vordertreffen. Ja ja, Statistik liefert oft peinliche Überführung. In Wahrheit stellte Iwanow sich noch wiederholt und Marrwitz wurde ganz losgelöst, um Arz zu helfen. Inzwischen sicherten sich Gerock und Winkler Brückenköpfe am Bug, um gegen Kowel zu sichern, zeitraubende Besorgnis, denn Luftaufklärung stellte keine Anwesenheit größerer Massen dort fest. Erst spät durchmaß Winkler das Wald- und Sumpfgebiet von Kobryn, so kam man natürlich nicht rechtzeitig zu Umfassung und Abschneidung der auf Brest Abgezogenen. Brest war längst geräumt, der Feind entkommen, als Teile von Marrwitz und Gerock aus Südwest, Arz aus West, die Brandenburger aus Nordwest am 26. früh die Bugveste besetzten. Denn wo blieb die Umfassung aus Süd- und Nordost? Erst zuletzt ans Ostufer übertretend, ließ Iwanow die ganze Gegend östlich des Bug frei. Man hätte daher, so viel bisher versäumt, noch nach Einnahme von Cholm am besten getan, sofort ostwärts abzuschwenken, wodurch man die bei Wolynsk Stehenden zum Ausweichen ostwärts auf Luzk zwang, der russischen Hauptmacht aber in Flanke und Rücken kam. Den räumlichen Umweg wog zeitlich die bessere Wegbeschaffenheit auf. Mackensen konnte mit eigener entsprechender Rechtsziehung als Linsingens Flankenschutz dienen. Jedenfalls verlief dann Abzug von Iwangorod wie von Brest nicht so glimpflich wie bei frontalem Nachstoßen. Was halfs, daß Brandenburger und österreichische L. W. bei Erstürmung der großen Lagerfestung in Bravour wetteiferten! Der Feind drehte den Rücken und uns eine Nase. Bei neuer Umgruppierung traten wieder unnütze Verschiebungen ein, indem die Bayern nach links um Moser herummarschierten. Die Nötigung, nach links aufzuschließen, um die innere Flanke der 11. A. zu decken, war um so hinfälliger, als der Feind gar nicht daran denken konnte, gegen sie offensiv zu werden und ihr Vorwärtskommen gar nicht geboten, vielmehr vernünftiger war, Iwanow lange westlich des Bug hinzuhalten, bis Umgehung östlich des Bug ausreifte. Zweifellos handelte Linsingen auf Mackensens Anweisung, die ganze Entwicklung handelte aber einer kräftigen Strategie zuwider, falls man Großes erreichen wollte. Falsche Staffelform blieb bis 25. bestehen, insofern Marrwitz ursprünglich nördlich weit voraus war, Winkler südlich zurückhing. Umgekehrtes Verhältnis wäre richtig gewesen. Indem nun Gerock aus Süden gegen Brest vorging, Conta und die neben ihm eingeschobene 22. D. ihre Stoßrichtung nordöstlich nahmen, Winkler aber zu gleichem Zweck noch nicht auf gleicher Höhe war, mußte letzterer dann gleichwohl bis 15. Sept. die Hauptrolle übernehmen und am weitesten östlich die Initiative auf Pinsk als Vorderstaffel durchführen. Man stülpte also mit Platzwechsel innerhalb des gleichen Aktionsradius die Staffeln um, erst linke, dann auf einmal rechte Staffel weit voraus; ein Manöver, wie es nie bei überlegter besonnener Massierung vorkommen darf. Marrwitz und die ihm links angehängte 47. R. D. wurden also jetzt zum versagten Flügel, auch 4. D. trat auf den Fleck, damit Gerock nördlich davon den Stoßflügel mit Winkler bilden könne. Es bleibt unbestritten, daß frühere Rechtsschwenkung auf Kowel sicher Pinsk eine Woche früher erreichte und so den Russen nur Abzug auf Kobryn freigelassen hätte, was ihre Lage ungemein verschlimmerte und sie förmlich Spießruten laufen ließ, wenn sie überhaupt noch die Rokitnosümpfe erreichen wollten. Statt die Kowelchaussee zu benutzen, watete man vorwärts durch tiefen Sand, der besonders den Trainkolonnen nachteilig war. Am 21. befand sich Marrwitz in heftigen Ausschreiten auf Kodem, auf das Arz 8  km nördlicher losging. Links davon holten die Brandenburger nordwestlich aus unter offenbar schwierigen Kämpfen, wie ihr Verlust beweist. Garde und Hannoveraner, die schon erheblich litten, machten Halt. Daß letztere ein starkes Erholungsbedürfnis bekundeten, ist wieder ein Beleg für mindestens Gleichwertigkeit von Reservistenkorps, denn 47. R. D., 41. R. K., die geradeso lange im Feuer standen, verschmähten es, auf Ausruhen anzutragen. Winkler ging vielmehr so energisch vor, daß er am 23. ein bedeutendes Stück Weges fechtend vorwärtskam, bei Oltusz auf gleicher Höhe mit Conta, dem der Feind wilden Widerstand entgegensetzte und dann auf Oltusz wich. Südwestlich durchmaßen die Bayern fechtend eine weite Strecke, während die Kasseler nordwestlich schon des Feindes Flanke berührten und Moser am Bahnhof Demascew seine drei Thüringer, Posener, Brandenburger Reserveregimenter zu gebührender Geltung brachte bis Bahnhof Dubica, in der Luftlinie schon weit nordwestlich der Kasseler. Am 24. bedrängte Gerock den Feind derart, daß Moser schon nordöstlich Kodem stand, während am anderen Ufer Marrwitz die Brester Südforts beschoß. Conta machte Halt, General Dieffenbach drang aber mit seinen Kasselern schon weit nördlich über die Bahn Brest–Kowel hinaus, die gleichzeitig von Winkler gesperrt werden sollte. Dort zog das r. 31. K. in wirrer Unordnung ab, verfolgt vom Kav. K. Heydebreck. Dagegen schädigte Gerock in den schwach verteidigten Ostforts wieder sehr wenig den Abfluß der Russen, die meist schon nach Kobryn 45  km von Brest fortrollten. Den Preis der ganzen Augustverfolgung bildeten hier nur 9225 Gef., auch die Beute im niedergebrannten Brest, über dem eine schwüle Rauchwolke lagerte, war spärlich: Zu gründlich arbeitete Kommandeur Leining mit Petroleumbegießen und Zündschnuren. So mager endete die große Operation mit großer Enttäuschung. Für verspätetes Eintreffen Linsingens auf der Rückzugstraße (siehe Lodz) trifft Mackensen die Hauptschuld, weil er nicht früh genug den Plan faßte und außerdem die Bewegung dauernd durch Linksziehen beeinträchtigte. Schwebte ihm Abschneidung der aus Iwangorod Abziehenden vor, so mußte er dies doch schon am 7. als unmöglich erkennen, keinesfalls versprach dies so viel als Entscheidungsschlacht bei Brest, die unter Heranziehung von Woyrsch und Puhalla notwendig mit Katastrophe enden mußte, falls Linsingen rechtzeitig Kobryn erreichte. Jetzt tauchte bei Linsingen der Gedanke auf, die von Kobryn östlich auf Pinsk Abziehenden in die Rokitnosümpfe zu drängen, doch auch dafür ging zu viel Zeit verloren. Marrwitz befand sich schon nördlich der Kobrynstraße, fiel also für südliche Umfassung aus. Gerock wurde nordöstlich abgedreht, später geriet auch Dieffenbach in solche Richtung, so daß zuletzt nur Winkler und Heydebreck den Stoß auf Pinsk führten. Fortwährendes Drängen nach Norden statt nach Osten ließ dem Feind Zeit genug, auch Pinsk vor den Deutschen zu erreichen. Nur sein 31. K. kam nicht mehr nach Kobryn durch, ins südöstliche Sumpfland versprengt. Heydebreck zersprengte die 3. r. Kav. D. und ritt gegen Mitte der Straße Kobryn–Pinsk an. Winkler folgte, so gut er konnte, bis wo die Chaussee sich mit Bug-Don-Kanal schneidet. Drei Kanäle und die Lesna überbrückten zwar unsere Pioniere mit spielender Leichtigkeit; doch hinter dem Bugkanal setzte sich der Russe zu mehrtägigem Nachhutkampf bis 2. Sept., wo 22. D., 82. R. D. die Kobrynstellung aus dem Gelenk drehten. In Brest wurde die 11. A. aufgelöst, um einer anderen Bestimmung entgegen zu gehen. Garde, 10. K., 22. R. K., 11. bayer., 119., 56. verschwanden. (Stegemann zählt freilich noch 10. R. K., das schon im Juli in den Vogesen focht; damit wird sein Erscheinen auch früher bei der Südarmee apokryph, kein Bericht weiß davon.) Mackensens Feldzug erwies sich als glatte Niete im August wie im Juli, nichts als Raumgewinn ohne Zertrümmerung der Feindesmasse. »Ich sehe nur eins, die Masse«, sagte Bonaparte, doch man darf nicht mal sagen, daß Mackensen »zu viel sah«, er sah strategisch überhaupt nichts und schwankte dabei fortwährend in seiner Auffassung. XX. Pripet- Njemen- und Narewkämpfe Im September drängte Gerock zur Jasiolda nach, unterstützt von Gardekav. D., die fortan zur Bugarmee übertrat. K. Conta (1., 22. D.) marschierte aber hinter Moser herum nordwärts, so daß solche Truppenkreuzung das Einfädeln der neuen Operation bis 9. verzögerte. Nach Westen blieb nur K. Arz das Bindeglied zur A. Leopold, die zwar ununterbrochen gegen das Pripetrevier vorging, doch nirgends den Feind richtig zwischen die Finger bekam. Der Erzherzog nebst der Honvedreiterei marschierte südlich zur A. Puhalla und gab nun besser an Marrwitz ab, so daß die Österreicher »endlich allein« und der beschämenden Aufpasserei der »Brüder aus dem Reich« ledig waren. Man merkte es später. 35., 47. R. D machten den Anfang im Sprengen der Jasiolda-Linie, dreieckig winklig mit Front nach West und Südost angelegt. Vor Conta zog sich der Feind in die Rokitnosümpfe zurück, durch deren schmale Dammwege er sich leidvoll hinwälzte. Die große vorspringende Landzunge zwischen Ostausläufen des Bug-Kanals und dem sumpfigen Ostlauf der Jasiolda säuberten Moser und Winkler. Auf 150  km langem Vormarsch konnte der Verpflegungstrain nicht nachkommen, trotz Mühseligkeit, stetem Marschierens und Fechtens setzte Linsingen den »letzten Hauch von Mann und Roß« daran, so daß am 12. beide Ecken der letzten russischen Verteidigungsstellung sowohl vor 1. als 81. R. D. umfielen, Moser durchbrach das Zentrum. Er und Winkler ruhten nicht bis der Feind aus Pinsk in die Pripetsümpfe verschwand, Conta sperrte am 16. den Oginskikanal am Einfluß der Jasiolda. Man rieb sich die Hände, daß das große Sumpfrevier nun die russische Macht in dem Nordteil von Minsk bis Riga und den Südteil zwischen Rowno und Pruth trennte. Diese Trennung fruchtete aber wenig, jeder Teil kämpfte nun für sich allein und Durchbruch zwischen beiden auf innerer Linie verbot sich gerade durch dies Gelände. Dagegen genügten wenig Truppen, den Feind am Pripet festzubannen, nur 35., 47. R., 4., 107. D. nebst Arz blieben gegenüber im Verein mit A. Leopold. Linsingen mit K. Conta und Winkler nebst Garde u. 5. K. D. ging ab in Richtung Rowno, wohin bereits der Erzherzog voraus war. Links davon besetzte Puhalla Kowel. Mit diesen links und rechts ihm unterstellten Österreichern hatte Linsingen den Stochod-Abschnitt vor sich. Auch die Septemberoperation wurde ein kalter Blitz, der nicht einschlug. Daß die Barbaren tausende unglücklicher Einwohner als Maske deutschen Kugeln entgegenstellten, half ihnen nichts, doch verloren sie äußerst wenig Material, nur Krankheit räumte im Sumpfgebiet schrecklich unter ihnen auf. Immerhin gestattete jetzt die beträchtliche Verkürzung und Straffung der Front erhebliche Truppenersparnis auf Strecke Kowel–Baranowitschi, da der Feind sich an der Jasiolda nicht entwickeln konnte und seine Macht wenigstens zwischen Wilna und Rowno auseinanderfiel. In der Schlußphase bis 16. erfüllte Linsingen seine Aufgabe taktisch sehr gut: Herausmanöverieren des Feindes, ihm keine Ruhe gönnend, aus jeder Nachhutstellung ohne besonderen Verlust. Doch als man durch Gehölz und Morast vorwärts tappte, erwarb man nirgends die Aussicht, die Entkommenen in die Rokitnos zu werfen. Wutknirschend, doch meisterlich leitete der Großfürst den Rückzug, der kalte Mut seiner Truppen aber, die in dieser kritischen Lage nicht in Auflösung verfielen, erwarb sich die Achtung gerechter Kritik. Die aufgelöste Bugarmee erstand in neuer Gruppierung als Südarmee (4 D., 14 österr. D.), ihr lag ob, in Verbindung mit Böhm und Bothmer den Feind aus Podolien zu vertreiben. Wenn man Rußland schon für erledigt hielt, so stützte man sich hoffentlich nicht auf schwindelhafte Gefangenenziffern im Süden, die uns schamrot machen. Wo um Himmels willen sollen denn plötzlich seit 2. Mai 591 000 Ges., 360 Gesch. 1142 Masch. Gew. herkommen? Man prüfe doch die Einzelangaben und vor allem die Möglichkeiten aus den Kampfhandlungen. Die österreichischen Meldungen sind kalter Aufschnitt mit Prestigesauce wie die russischen. Bei den Geschützen sind aber Festungsgeschütze in Przemysl, Lemberg, Brest, Iwangorod mitgezählt, meist unbrauchbar gemachte. Dagegen scheint die offizielle Petersburger Angabe ein ehrliches Dokument, daß bis Mitte August 43 224 Off. getötet, 161 443 verw., 18 605 »vermißt« seien, letzteres nicht immer Gefangene, sondern unaufgefundene verendete Schwerverwundete. Rechnet man 210 000 Off. t. und verw., so bekommt man eine Mannschaftsziffer, daß sich die Haare sträuben, und schon jetzt wahrscheinlich 4 Mill. Tote. Denn die mit ihr selber durchgehende deutsche Objektivität – für Ausländer, nie für Landsleute – rechnet spaßhaft niedrig 1:40, da die russischen Offiziere auf Befehl seit langem sich schonten und hinter der Front blieben, weil Offiziersersatz unmöglich wurde. 1:100 und mehr ist der richtige Satz. Smirnow, Chef der 2. A., der sich durch unmenschliche Blutbefehle auszeichnete, rechnete im Tagesbefehl Ende Juli jeden Verlust bis 50 % als »normal«, nur bis 75 % als »schwer«, da denke man sich das Nötige! Diesen ungeheueren Aderlaß zapften nur zum geringsten Teil die Südarmeen den Russen seit Mai ab, sondern Hindenburgs Heere, die ja schon 9 Monate früher an der Arbeit waren. – Wir sehen, daß Eichhorn bisher gegen Kowno nicht viel ausrichtete, während Below immer derber aufs Dünaufer bei Friedrichsstadt seine Hand legte. Was über die brennenden Brücken floh, zermalmten die Geschosse. Dies war schon am 3. Sept., dagegen fiel Kowno am 18. August trotz teilweise verzweifelter Gegenwehr, diese weit ausgebaute und schon seit Juli 1914 in Kriegsbereitschaft gesetzte Ausfallpforte. Sie ging in Trümmer durch grauenvolles Bombardement. Unsere »fleißige Berta« verwandelte das Hauptfort mit 17 Treffern in eine hohle Ruine. Die Besatzung entkam. Kommandant Gregoriew schimpfte zwar erbittert auf seine Offiziere, wanderte später aber selber ins Zuchthaus wegen Mangel an Fürsorge und persönlicher Feigheit. Seine Truppen schlugen sich hartnäckig, doch dann kam der Zusammenbruch, denn Eichhorn erntete außer unermeßlicher Beute von Geschützen, Munition, Proviant noch 20 000 Gefangene. Der r. G. St. fügte uns auf dem Papier »enorme Verluste« zu, die V. L. sagen das Gegenteil. Eichhorn brachte dann auch Ossoviec, vier zickzackartige Forts, zu Falle und erreichte die Bahnlinie Grodno–Wilna, wo seine Batterien sich ins Feuer setzten. Teile von Scholtz brachen eine Nachhut bei Tycocin, besetzten am 24. Bialystok, drangen in dortigen Urwald ein, am 30. stand er bei Novi Dwor schon westlich Grodno, während damals Gallwitz' Heersäulen südlich von Bialowinskaforst vorüberzogen. Während man über Eichhorns auffallend geringen Verlust staunt, läßt der blaße H. B. auch nichts durchscheinen, was Scholtz' hohen Augustverlust erklären könnte, insofern aller Wahrscheinlichkeit nach 2., 37. D., 75. R. D. im Juli mehr litten. Wir könnten also mindestens 3000 dorthin übertragen. Indessen waren die Übergangskämpfe vom 1.–3. sowie an der Bahn Ostrolenka–Ostrow und Troscyn und an der Ikwa-Mündung 6. heftig und mögen sehr blutig gewesen sein. Als der Zar am Jahrestag von Borodino 6. Sept. den Oberbefehl übernahm, hörte er schon die traurige Mär, daß am 3. auch Grodno fiel, als Scholtz Einlaß begehrte. Die 3 Hauptforts am Flußknick wurden von L. W. und Badensern der braven 75. R. D. im ersten Anlauf erstürmt, am Bahnhof kam es noch zu erbittertem Straßenkampf, die Einschließung war aber hier auch so unvollkommen, daß die Besatzung mit fast all ihrem Geschütz entwischte. Ehe es so weit kam, hatte A. Gallwitz zur selben Zeit, wo Mackensen unfruchtbare kostspielige Raumgewinne erwarb, in gewaltiger Schlacht. Prasnycz–Pultusk den Feind zerschmettert, die Narew–Wkra-Festungsfront gesprengt und den nördlichen Bug eher überschritten als Linsingen den südlichen. XXI. Schlacht bei Prasnycz Nach dieser Untermalung gehen wir daran, Einzelheiten zu behandeln. Zunächst sei festgestellt, daß man in aller Stille vorerst eine Übermacht versammelte, den Feind gründlich über das bevorstehende Ungewitter täuschend. Er verließ sich vertrauensselig auf seine gewaltigen drei Linien hintereinander und vergaß, daß Prasnycz schon so oft den Besitzer wechselte. Die Ereignisse in Südpolen und Kurland zogen Rußkis Aufmerksamkeit ab. So lagen damals nur 1., 2., 11. sib. Div. bei Prasnycz, denen sich bei Ciechanow das 1. turkest. K. anschloß. Während 5. A. die Düna, 10. A. den Njemen verteidigten, welch letztere auch Scholtz beschäftigte, sollte die 1. A. (4., 5., 21., 27., 1., 4. Sib., 1. turkest. K. nebst Schützen- und 3 R. D.) große Teile an Iwanow abgeben, die zum Abtransport bereit standen. Heergruppe Gallwitz bestand ursprünglich nur aus 17. R. K. Zastrow (dann Surén, früher Deimlings Divisionär bei Ypern, 14., 85. L. W. D.) und dem Thorner R. K. Dickhut (1 Ers. 3 L. W. Brig.) in Richtung Plonsk, die nur gegen die Südwestflanke der Ciechanowstellung in Betracht kamen, ferner aus G. N. und 26., 86. D. Erst später trat 3. D. hinzu, angeblich erst im Juli bei Willenberg zusammengezogen, indessen griff laut V. L. unstreitig 34. Rgt. schon im Juni ein, obschon amtlich nur die Stuttgarter damals hervorgehoben. Die Zusammenziehung bezieht sich nur auf Beigabe von 93. R. zu 42., 34. I., dieser schon im vorigen Oktober hervortretenden Truppe. (Die amtliche Schrift »Durchbruch am Narew«, deren dankenswerte Aufschlüsse doch mancher Retouche durch Verlustuntersuchung bedürfen, nennt sie »Anhaltiner«, das Rgt. wurde aber neben 64. R. in Berlin gemustert. Schon begann man, viele Div. in nur 3 Rgt. umzuwandeln, siehe 1., 22., 56., 107. D., 81., 82., 50. und 8. bayr. R. D.). Die 5. pomm. Brig. blieb bei Scholtz. 4. G. D. bestand sogar nur aus 7 G. Bat. mit Zusatz von 4. L. W. Diese Garde Brig. war von Eichhorn ausgeliehen, außerdem trat Scholtz wenigstens formell das 1. K. ab, jetzt aus 2., 37. D. zusammengesetzt, denn es schied eine kombinierte D. Falk als linke Flankendeckung am Orzyc aus. 9. A. Leopold durfte sich so abwartend verhalten, daß sie 50. R. D. zu Gallwitz schickte, nachdem sie schon viel früher Teile und dann das ganze 17. K. und 38. D. (94., 95., 96.) abgab. Von ihr kam jetzt auch noch Ers. D. Menges und 83. D., zuletzt sandte Hindenburg auch noch die aus Frankreich verladene 54. D. Von diesen operativ im Juli bei Gallwitz mitwirkenden D. waren aber zunächst nur 8 für den Hauptangriff vorhanden. 86. D. bestand aus den früheren Ers. Rgt. Reinhardt, Wenzel, Gropp, zwei Ers. Batl. und 2. Jäger. Was jetzt 11., 13., 17. K. hieß, entsprach keiner ursprünglichen Gliederung: 13. K. Watter – 3., 26. und 4. G. D. als Linke westlich des Orzyc, 17. K. Pannewitz – 35., 36. und G. R. D. als Mitte, 11. K. Plüskow – 38., 86. D. als Rechte. Westpreußen und G. R. hatten bedeutenden Juniverlust hinter sich, ebenso litt die L. W. Zastrow's, deren 14. D. mit Brig. Pfeil (85., 101.) Plüskow rechte Flanke gegen Ciechanow deckte, dort zog sich eine andere mächtige Befestigungslinie bis zur Weichsel fort. Die eigentliche Prasnyczstellung mit 7  km Tiefe dehnte sich von Grudusk bis Jednorozec am Orzyc. Beide Linien verband eine Schanzlinie nördlich der großen Mlawa-Chaussee. Erst wenn alle diese Vorder- und Riegelverschlüsse gesprengt, konnte man den gekrümmten Narewbogen Pultusk–Rozan–Ostrolenka anschneiden. Die ständigen Festungen waren allerdings vernachlässigt und verfallen, doch sie feierten eine Auferstehung wie bei Warschau, wo man eine Unmenge Feldbefestigungen anlegte. Unsere Sturmtruppen führten aber 240 schwere Geschütze bei sich und die amtliche Schrift vergißt, daß nur die Artillerie den ersten Einbruch erzwang, denn unser Verlust war bis 15. ziemlich gering, der Widerstand im Zentrum matt, weil durch Kanonade gebrochen. Wir folgen stets höheren Gesichtspunkten als unkritische Referate, die möglichst gleichmäßigen Erfolg anpreisen. Wir erkennen wieder mal, daß Flügelflankierung nicht ausreicht, wofür sich der einfache Grund aufdrängt, daß der Verteidiger erfahrungsgemäß seine Flanken am stärksten versorgt und nicht für sein Zentrum fürchtet. Zwar zog Gallwitz, um Frontalopfer zu sparen im Norden nur einen Feuerring, dessen Wucht die fest eingebauten russischen Geschützgruppen so wenig widerstanden wie die verdrahteten Werke. Dennoch erfolgte der entscheidende Einbruch im Zentrum, von wo er sich dauernd fortsetzte. Das Gesetz innerer Linie ward um so anschaulicher ins Taktische umgesetzt, als Watter erst dann durchdrang, sobald er selber bei Rozan zur Mitte der Schlachtordnung wurde, nach Vorgehen des 1. K. unterhalb Ostrolenka. Schon am 14. mußte er anordnen, daß Falk ihn am Orcycufer begleiten solle. Die Stuttgarter Brig. Stein ging zwar am 13. im Anschluß an Pannwitz nordöstl. Prasnyc schnell durch die erste Linie hindurch. Herzog Urach sammelte sich zu neuem Anlauf, doch links davon kam 3. D. Staabs bald zum Stehen unter schwerem Kampf von 93. R., nicht der immerfort hervorgehobenen Stargarder Füsiliere. (Bei dem harten Juniverlust erinnern wir freilich daran, daß wir Junilisten bis 10. Juli berechnen, wie Julilisten bis 10. August und daß die Möglichkeit vorliegt, die Listen seien so prompt erschienen, daß man die erste Juliwoche nicht zum Juni einzubeziehen braucht. Sobald wir dies zulassen, würde der von uns errechnete Juniverlust sich bedeutend vermindern, dagegen der Augustverlust, sobald wir nichts davon auf Juli beziehen, über jede Wahrscheinlichkeit anschwellen). 4. G. D. Schweinitz kam erst recht nicht über die erste Linie hinaus. Gardejäger erhielten südwestlich Jednorozec einen scharfen Gegenstoß, 5. G. Gren. erleichterten zwar die bedrängte 3. D. durch Wegnahme der Lipa-Höhe (ein Ortsname, der an Gardetat bei Königsgrätz erinnert). Doch mußte Gardebrig. Goltz jetzt los- und von 4. L. W. abgelöst werden. Das brave 93. R. stieß endlich in die zweite Linie hinein, doch man erhielt aus der dritten Linie so scharfes Feuer, daß man von weiterem Einbruch Abstand nahm. Fünfstündige Kanonade erschütterte zwar die 2. sib. D., durch mehrfache Gegenstöße geschwächt, doch blieben ihre 16 Batl. gegen 27 deutsche kampffähig. Auch beim rechten Flügelkorps Plüskow war der Erfolg nicht »außerordentlich«, sondern unvollkommen. Koburg-Gothaer 95. nahm zwar schon früh den vorgeschobenen Posten Grudusk mühe- und verlustlos infolge Artilleriewirkung, doch die südlich Grudusk flankierende erste Linie Lysakowo wurde von 96. Gera und Pfeils L. W. nur beobachtet, nur 94. schloß sich dem Vorgehen der 86. D. Wernitz an und überrannte gemeinsam mit Brig. Windheim die kurze Zwischenlinie bei Kolaki. Die dritte – hier eigentlich zweite – Linie Gorna lag weit dahinter, einfallender Nebel hinderte Beschießung. Erst spät abends warfen sich die Weimaraner auf den stärksten Punkt und waren siegreich, worauf 11. sib. D. an Prasnycz vorbei abzog, von den bisher untätigen 96ern bis in die dritte Verteidigungslinie gefolgt. Diese gab man aber nur deshalb auf, weil nordwestlich Prasnycz Pannewitz ununterbrochen durchbrach. Neben ihm fand die von G. St. Schr. stets besonders gepriesene Brig. Großmann nur schwachen Widerstand, denn sie litt durchweg am wenigsten. Auch verdankte sie ihren äußerlichen Erfolg nur der G. R. D. Albrecht, 2. G. R. vorauf, die schon sehr früh die Höhen- und Waldkette Zborz–Kosnew überwand. Ebenso kam 26. D. Heineccius links davon ungemein schnell vorwärts. Danziger Grenadiere und Graudenzer erstiegen unwiderstehlich die Höhen. Hier vereinten sich 71., 81. Art. der bisher im Rückhalt stehenden 35. D. Hahn mit 36. Art. Brig. Diese zentrale Kanonade tat größere Wirkung als jede andere. Wenn binnen »5 Minuten« die Wamprahöhen fielen, so erweckt der von uns gebuchte geringe Verlust der 36. D. kein Bedenken. Dagegen zieht die G. St. Schr. fortwährend 1. G. R. heran, das anscheinend minimal blutete. Will man dem beliebten Rgt. einen Lorbeer zuschanzen, der dem nur eingangs erwähnten 2. G. R. gebührt? Und die Hauptarbeit verrichtete Berliner 64. R., das sich längst Garderang erwarb und dessen 3. Batl. die Werke von Choimowo nahm, 1. sib. D. fluchtartig über die dritte Linie trieb. Inzwischen war D. Hahn, ins erste Treffen eingeschoben, mit 141. entscheidend vorgebrochen, den Feind südöstlich hinabwerfend, der größte Erfolg des Tages. Das Bollwerk Prasnycz nachts räumend, wich der Feind ins zweite Hauptsystem Ciechanow–Krasnosielc. Auch dies war schon angeknabbert, denn weit südlich gewann 85. L. W. D. beidseitig der Bahnstrecke Boden. Die Turkestaner machten Miene, die Linksseite der neuen Schlachtordnung stark zu halten, aus Osten und Norden trafen allmählich immer mehr Verstärkungen ein. Überrascht von plötzlichem Angriff, der ihm schon 6000 Gefangene kostete, wollte der Russe den deutschen Vormarsch brechen, den am 14. Regen und Nebel erschwerten. Wieder erreichte Watter erst abends Krasnosielc, vor diesem Orzyc-Brückenkopf blieben Garde und Falk liegen, Pommern und Württemberger betasteten nur südwestlich davon die Hauptstellung. Am Südwestflügel nahmen 5 thür. Batl. und Korpskavallerie (6. Kür.) Verbindung mit 85. L. W. D. auf, während 94., Batl. Koburg und Brig. Pfeil sich zu Durchbruch auf Paluki anschickten, Marrwitz lag bei Klonowo vor der Hauptfront. Die von D. Hahn gerissene Bresche sprang in der Mitte weit vor, Heineccius teilte ihr 36. Art. zu, dagegen 72. Art. zur D. Albrecht, wo der Hauptteil der Mörser und Haubitzen kanonierte. Am 15., 16. ballten die Sibirier wieder ihre gelichteten Reihen, im Nordosten rollte 4. sib. K. heran, nach Pultusk–Rozan 33., 40. D., so daß die zunächst fechtenden 80 r. Batl. auf 144 schwollen gegen vorerst nur 120 deutsche inkl. L. W. Doch konnten am 15., 16. Sibirier und Turkestaner nicht wehren, daß Pannewitz seinen Keil tiefer und spitzer hineintrieb. Dauernd lag das Schwergewicht im Zentrum. Man messe auf der Karte die Entfernung von Opinogora nach Karninowo und Krasnosielc: wie weit beide Flügel zurückhingen. Nur der Zentrumstoß machte die nach Norden gebogene Linie des Orzyctales unhaltbar und drückte auf die Ciechanowlinie nieder, zwang sie zum Ausweichen auf Pultusk. Unsere Linke blieb versagt, die Orzyclinie erwies sich als zu gefährlich für frontale Berennung, auch die Thüringer verhielten sich zuwartend angesichts überstarker Stellung. Dagegen hing sich die am 15. nachmittags anlangende und Plüskow überwiesene 50. R. D. Goltz rechts der Angriffsgruppe Warnitz–Albrecht an, vor Linie Opinogora–Zielona–Grabowo am ungründlichsten ausgebaut. Hier drang man durch, angeblich gab das vom rechten Flügel Pannwitz' herangezogene 128. seinem Stoß besondere Wucht, zwei Zbiki-Höhen überkletternd. Brig. Großmann nahm Grabowo, unterstützt von 18 leichten Haubitzen der Div. Goltz, die ihre 99. Brig. bei Klonowo vorbrachte, so daß der Feind zwischen zwei Feuer kam. Als 229., 230. R. aus Südwest und Rgt. Reinhardt aus Südost einschwenkten, schlug sich die 11. sib. D. nur unter schwerem Verlust durch. Auch half den Turkestanern nichts, daß sie gegen die Thüringer offensiv ausfielen. Brig. Unruh wurde bei Paluki Meister, 96er eine Stunde später bei Opinogora. Sie hatten, von der G. St. Schr. wenig beachtet, hier den weitaus blutigsten Kampf. 35. D. kam an der Einbruchsstelle Bobowo nicht vorwärts, der Feind trat ihr sogar angriffsweise mit Verstärkungen entgegen, hinter sich eine neue Riegelstellung bis über die Pultusker Chaussee, quer im Winkel zur Hauptlinie erbaut, was Flankierung aller Durchbrechenden gestattete. Doch mit Beihilfe der 36. D. blieb dies 20  km breite Befestigungssystem in der Mitte durchrissen. Fortwährend bei Ciechanow ausgeladene Verstärkungen verbluteten, tropfenweise bei zwecklosen Gegenstößen verbraucht. 14. L. W. D. drückte südwärts, Dickhut näherte sich sogar der Nordwestseite von N. Georgiewsk. Besprechung von Ludendorff mit Gallwitz legte fest, daß Plüskow auf Pultusk, Pannewitz zwischen diesem Ort und Rozan, Watter auf Rozan vorgehe. Noch teilte man zu früh das Fell des russischen Bären, der grimmig brummend seine Tatzen vorstreckte und sich aus seiner Höhle nicht so mir nichts dir nichts ausräuchern ließ. Am Orzyc kam 4. sib. K. an und die Schlachtordnung erst nach hartem Kampf am 16. zum Gleiten. Falk überschritt den Orzyc, 5. G. Gren., 4. L. W. desgleichen südwestlich Krasnosielc. Staabs (früher Allensteiner Divisionär, Auseinanderreißen des Kommandos schien eine Spezialität des Weltkrieges) erstritt spät abends den Übergang mit der Pommernbrig. Ölzem, deren bisher geschontes 42. sehr erheblich litt, die Stuttgarter aber griffen erfolgreich bei jener Querstellung ein, die sich mit der Vorderschanzlinie in spitzem Winkel schnitt. So erleichtert, warf Hahn die russische Vorderlinie um und sprengte den Riegel an der als Festung ausgebauten Zuckerfabrik bei Szaszuki, nachts die Wengierka überschreitend, die mit dem Orzyc weit südlich Krasnosielc zusammenfließt. So bestimmte es Ludendorff, um die Orzycstellung zu Fall zu bringen. 141. Kulm benahm sich hier besonders tapfer, am linken zusammenstoßenden Flügel der 36. D. besetzte 176. das große Dorf Krasne, sein »blutiger Häuserkampf« ist wohl mythisch, da ihm laut V. L. nur wenig Mannschaft verloren ging. Weiter westlich und südlich drang man mühsamer vor, wobei r. 14. Kav. Brig. umsonst 229. R. attakierte. Mittlerweile befand sich Pfeils L. W. schon westlich der Chaussee nach Nasialsk, 85. L. W. D. besetzte Ciechanow, von wo die im Osten umgangene 11. sib. D. sich unter Opferung von Nachhuten rettete; 14. L. W. D. und K. Dickhut berührten sich nördlich Plonsk, am 17. vollzog sich Zernierung von Georgiewsk aus Nord und Nordwest, die Turkestaner wichen südlich Pultusk aus, die beträchtliche Marschleistung der L. W. wenig störend. Doch waren deren Gefechte nicht unerheblich, wie man nach der G. St. Schr. vermuten sollte, sie litt sogar ansehnlich. Am 17. erhielt die r. Mitte wohl neue Verstärkung, Goltz und Albrecht blieben gefesselt, dagegen zwang Hahns Wendung ostwärts die vor den Schwaben standhaltenden auf die sehr feste Schanzhöhe Krzyzewski zurück, wo sich das 1. sib. K. aber zähe wehrte, obschon aus Süden von Hahn, aus Westen von Urach, aus Norden von Staabs angegriffen. Schweinitz arbeitete sich weiter vor, doch hatten 4. L. W. und Falk, noch nördlicher in verdrahtetem Waldgebiet das 1. K. den immer stärker werdenden Feind abzuwehren. Das 4. sib. K. war durch Turkestaner Schützen und 33. D. verstärkt, dagegen 2. sib. D. beim Abzug vom Orzyc durch Hahns Masch. G. völlig zersprengt worden, ganze Bataillone vernichtet. Am 18. verschwand der Russe hinter den Narew, 36. D. folgte, bis wo der Orzyc in den Narew mündet. Der ganze rechte Flügel, auf den zuletzt ein Nachdruck des Angriffsmanövers lag, lag jetzt fest zur Berennung von Pultusk, wo 40. r. D. sich setzte. Schon aber lagerte auch Watter im Halbkreis vor Rozan. Am 19. verblieb eine Nachhut noch am Nordufer, wo Urach seine 20. Ul. aufstellte und mit 65. Art., 13. P. schon die Angriffsrichtung südlich Rozan, zwei die Chaussee beherrschende Höhenschanzen und dahinter zwei Forts, sachgemäß bearbeitete. Auf der Westseite zogen sich die Werke in weitem Bogen nordwärts. Am 20. erstürmte 121. die ganze Front nördlich und südlich der Chaussee, hielt scharfe Kanonade und noch schärfere Gegenstöße aus, tat diesmal mehr als die Olgagrenadiere, die ihnen sonst voraus waren. Voll Zuversicht um ihre Festungen zusammengeballt, gingen die Russen aber jetzt mit einer Entschlossenheit vor, die ihnen Ehre macht. Während Hahn Übergangspunkte suchte, brachen zwischen ihm und Urach acht frische Batl. durch, andere Schlachthaufen setzten bei Ostrykol über. Ulanen und I/125. (welches in der G. St. Schr. stets in erster Linie genannte Regiment selbst heute minder litt, als 119., 121.) hielten den Stoß so lange auf, bis 141., II/176. nebst Batterien 71. Art. und 4. Jg. z. Pf. aus Süden kehrtmachend heran waren, später auch 128., 176. eingriffen. Heineccius beließ im früheren Aufmarschfreuen nur Danziger Grenadiere und Teile 72. Art., auch sie sahen sich heftig angegriffen, während Heineccius gleichfalls nach Nordosten kehrt machte. Hierdurch zerfiel die Tageshandlung in zwei Hälften. Das r. 21. K. (33., 44. D.) bei Rozan griff Watter an, wurde aber infolge Flankierung durch Pannewitz' genannte Rgt. bei Napiorka abends über den Narew zurückgejagt. Dagegen sah es nördlich Pultusk so aus, als ob G. R. vor 40. D. weichen müsse. Indessen eroberte 2. G. R. (angeblich 1.) abends Boby zurück, D. Goltz hielt gegen 4. D. aus, obschon angeblich schwer mitgenommen (keine Spur). Zuletzt ging 4. r. K. blutig geschlagen auf Pultusk wieder ab. Säbel und Lanzen von Kosaken zersplitterten an den Bajonetten von 1. G. R., das in vollem Lauf den Reitern begegnete wie einst Rgt. Bernburg bei Liegnitz. Rußki wollte aber den Strom nicht fahren lassen, Ausladung der Warschauer Bahn bei Ostrow brachte neue Verstärkungen für Rozan und Orzycmündung, obschon im Norden am 20. früh A. Scholtz nach dreitägiger Schlacht den Feind den Narew hinab nach Lomscha warf und 1. K. mit Übergang bei Ostrolenka drohte. Scholtz schob es aber am 21. wieder abwärts nördlich von Rozan, offenbar um entstandene Lücken zu schließen. Hieraus entstand später ein neuer furchtbarer Seitenkampf, auch 83. Div. war dorthin unterwegs wie in Vorahnung. Die anfängliche deutsche Übermacht, als 73 Batl. auf 48 sibirische stürzten und 32 Turkest. Batl. 48 L. W. Batl. gegen sich hatten, verkehrte sich schon gründlich ins Gegenteil. Jene drei sib. D. waren freilich erledigt, doch traten für sie jetzt schon 6 frische D. nebst frischer Turkestanischen Schützendiv. mit 112 Batl. ein gegen 82 deutsche inkl. Golk. Die Reste der Sibirier und 1. Turkest. K. schienen auch genügend, um Zastrow fernzuhalten. Die Russen waren zwar schon sehr geschmolzen, doch die vorbereitete starke Flußstellung glich dies aus. Es schien daher nötig, daß 85. L. W. D. nach der Mitte östlicher aufschloß, ebenso die der 14. L. W. D. beigegebene Garde Kav. Brig. (G. Hus., 2. G. Ul., 3. Zietenhusaren). Sie machte aber dann beschwerlichen Nachtmarsch hinter den rechten Flügel der 36. D., der am 23. früh den Narew überschreiten wollte. Es kam unbedingt darauf an, auch den Nordlauf des Stromes in die Hand zu bekommen. Oberhalb Ostrolenka erwiesen sich bisher alle Versuche des Generals von Eben, sein 1. K. hinüberzubringen, als untunlich. Am 24. wollte aber Falk den Übergang unterhalb erzwingen, wo man nordwestlich Kamionka ein Furth entdeckte. In Reserve standen Teile der 37. und später 83. D. bereit, 150 Geschütze versammelt, um den Durchbruch zu erzwingen. Schon brüllten auch vor Pultusk und Rozan sechs 30- cm - und zwölf 43- cm -Mörser, da man am 23. stürmen wollte. Während 1. K. ober- und unterhalb Ostrolenka demonstrierte, wobei 33er die Flußinsel Kordowo besetzten, vereinten sich K. Dickhut und 14. L. W. D. als Belagerungsk. vor Georgiewsk, letztere immer noch ohne Brig. Pfeil, die nebst 85. L. W. D. den Weststurm auf Pultusk durchführen sollte. Außerdem zog Ludendorff auch noch die Breslauer Ers. D. Menges aus der 9. A. heraus und in Gallwitz' Rechte hinein. Was von Artillerie zur Stelle, mußte die Brückenköpfe zermalmen, die der Feind im Norden rein defensiv, im Süden offensiv verteidigte. Der Fluß selber mit Inseln und Sandbänken war vielfach seicht, leicht durchschreitbar, doch konnten Artillerie und Train nur auf Brücken passieren: Pionierarbeit. Am 22. kam es nur zu Einleitungsgefecht von zwei Punkten: nördlich Rozan, wo Schweinitz' Garden schwungvoll die letzten zwei Schanzhöhen eroberten, nördlich Pultusk, wo die kaum aufmarschierten Thüringer sofort den Brückenkopf von Zambski nahmen und so für folgenden Übergang Bahn schafften. 160 Stück jeden Kalibers sollten die Werke sturmfrei schießen, gegen die von Brig. Großmann zu nehmenden Trojani-Schanzen wirkte eine Batterie der Riesenmörser, nach der alten Leuten-Tradition »Brummer« oder im Volksmund »dicke Bertha« genannt. Warum nicht gar »faule Grete«, wie einst gegen die Quitzows, stürzten doch auch hier Raubritterburgen ein! Das Ende des Zartums kam nahe heran. XXII. Pultusk-Rozan, Kamionka, Ostrow Genauer betrachtet, erfolgte der Pultuskangriff der R. Gardebrigade Zaworowski, der Div. Goltz und Wernitz sowie der 85. L. W. D., 38. D. folgendermaßen. Am 23. im frühesten Morgendämmer warfen sich 344., 341., 342. auf die Nordwestschanzen, zwei Stunden später Sächsische und Mecklenburger L. W. und 96. I. an der Nordfront, drei Batl. von Goltz und I/95., links davon 64. R. (Immer will die G. St. Schr. 1. Garde R. in den Vordergrund bringen, dies geht unmöglich an, da sein großer Augustverlust nur dann auf Juli fällt, falls die Listen seit 10. August einen unerhört verspäteten Nachtrag bedeuten). Der Sturm, auf lauter einzelne Punkte angesetzt, geschah ungleichmäßig, je nachdem die Artillerie wirkte, seit frühsten Morgen begonnen. Bei G. R. wurde der auf 8 Uhr festgesetzte Sturm um eine Stunde abgesagt. Tatsächlich machten 1. G., 28. P. die Chmielewowerke sogar erst vor Mittag sturmfrei, dagegen brachen Vorderkompagnien des Berliner R. Rgts. schon nach 8 Uhr südwestlich Boby ein, unter Vorantritt des 1. Batl. machten die Märker bis ½10 schon reinen Tisch. (Daß sie dabei nur 56 verloren, klingt unglaubwürdig, würde aber den winzigen Monatsverlust vom 1. G. R. glaubhaft machen). Rechts davon stürzte sich I/231. R., kaum daß die letzte deutsche Granate in die Gräben hagelte, auf den am Nordrand aufragenden Gutshof Szlacheki und hatte nach blutigem Ringen die ganze Stellung. Es war 10 Uhr, das Dorf brannte, der Feind floh. Doch nur in fünf Laufgräben, von wo er mörderisches Feuer ergoß. Der hohe Getreidestand und darin versteckte Masch. G. verursachten Zögerungen, die mit Drahtscheren vorspringenden Pioniere sanken tot und verwundet. Das heldenmütige Bataillon schlug aber immer wieder den Sturmmarsch, sechs andere Kompagnien erklommen eine beherrschende Höhe. (Nicht 230., wie G. St. Schr. sagt, 229., 230. fochten laut V. L. so gut wie nicht und auch späte Augustlisten bestätigen die geringen Einbußen der 50. R. D., warum sollen wir also an andere Nachträge bei 1. G. R. glauben?) Nach Abschlagen äußerst heftiger Gegenangriffe eroberte 231. das Pelta-Ufer, dies von Nord nach Süd in den Narew strömende Flüßchen bot Uferhöhen als Standort der nacheilenden Artillerie, sie bewarf derart das Gelände, daß der Feind seinen Abzug nur mit schweren Opfern bewerkstelligte. Was südöstlich in Gräben ausharrte, ergab sich um so rascher, als nach Mittag 1. G. R. (wohl Verwechselung mit 2.) den Sturm vorwärtstrug. Als ein Halbbataillon sich voll Kampfeifer schon zwei Stunden früher an die Schanzen heranwagte, waren sie noch heil, sonst lag dort alles voll Toter und Verwundeter unter Granatsplittern, die Reste flohen, verfolgt von den Berlinern, während G. R. die Flußschleife bei Grojec durchwatete oder abends auf einer Laufbrücke überschritt. Die Sturmverluste waren hier lächerlich gering: 167. (Auch dies übersteigt aber weit den von uns gebuchten Juliverlust von 1. G. R., es wird Verwechselung mit 2. G. R. vorliegen, warum wird dies Rgt. nie mehr genannt?, da doch sein Verlust beweist, daß es vornan war? Das ist doch verdächtig, mutmaßlich muß man stets 2. für 1. lesen, das in früheren Monaten arg gelichtete 1. blieb wohl in Reserve). Dagegen büßte das tapfere 231. R. über 900 t. u. v. ein, ein Unterleutnant führte das 1. Batl. zuletzt auf seiner Trauer- und Ruhmesstätte. (In früheren Kämpfen demonstrierte Goltz offenbar nur). Keine deutsche Truppe focht tapferer im Weltkrieg, sie riß die besonders starke und von Artillerie nicht genügend bearbeitete Stellung und 2480 Gef., 15 Masch. G. an sich. Bei Wernitz riß 342. (früher Wentzel) nach vorn aus, aus mißlicher Lage von II/96. erlöst, worauf der Stoß bis Dombiny gelang, 341. (früher Reinhardt) links davon befreite 344. (Rgt. Gropp) von Flankierung, dann wurde die ganze Stellung genommen. (Nur 344. litt einigermaßen). Der Feind verzog sich überall in den Innenkreis. Jetzt holte man auch die L. W. herbei, um am Westufer entlang zu drängen, doch der Feind wehrte sich entschlossen in Waldverhauen und Übermüdung aller Truppen verbot ferneren Abendangriff. Bei Sonnenaufgang fand man das Nest leer, Albrecht war schon drüben, während 230. R. in Kähnen übersetzte. Goltz' R. P. K. und Wernitz' zwei Ers. und L. W. P. K. arbeiteten nicht so flink, als die zwei Albrecht zugeteilten Komp. 28. P., die nach langem Marsch und nach langer Bahnfahrt angelangte D. Menges schob sich hinter G. R. Die Weimarer nahmen erst am 23. abends das starkverschanzte Zambski, nachdem I/94, östlich den bei Kalinow übergesetzten Danziger Grenadieren folgend, in den Rücken fiel, worauf sich die Besatzung ergab nach einigen Feuern ihrer Masch. G. vom Kirchturm. Erst am 24. abends zimmerten die beiden Thüringer P. K. die Brücke für Artillerie. 95er aber kamen bald bis zum Westrand der Sumpfzone von Pulwy, an deren nordöstlichen Vorderrand 7 Gardeschwadronen am 25. streiften. (95. litt überraschend wenig, indes 94. bei Zambski und 96. noch später ihren Verlust vermehrten). Viel früher glückte der 36. D. rascher Uferwechsel in der zickzackförmigen Flußschleife bei Rowy, sie hatten am Südufer heftige Angriffe zu bestehen. Auch 35. D. kam mit 6 Komp. 61er hinüber, trotzdem Kosaken und 4. Turk. Rgt. sich entgegenstemmten. Doch hielt der Feind immer noch das Nordufer, wo er sich östlich des Bahndammes einbaute, erst spät am 24. durchwateten 141., 176. den Fluß und drangen bis Borki. Bei Rozan bedachten »240« Geschütze Vielleicht nur 140, u. a. 39 Batterien hier, 53 von Pultusk. Man sieht, Spezialangaben widersprechen sich oft, so daß unsere skeptische Anzweifelung mancher Punkte freien Spielraum hat. die Verteidiger mit solchem Feuersegen, daß sie am 23. schlaff und entmutigt alle Werke preisgaben. Ihr Einbruch am 22. hatte II/III/5. G. und G. R. Jägern nur 3 Off., 170 gekostet, am 23. nahmen II/III/34., III/93. R. neue Schanzen blitzschnell, nur eine versteckte Waldschanze bereitete der 12. Komp. der Stargarder plötzliche Vernichtung; 5 Off., 100 M. sanken; sonst kostete der ganze Zauber nur 64 M., obgleich man 1100 Gef. machte. In der Nacht flohen die Russen aus der Stadt, natürlich nicht ohne sie anzuzünden. (Es sieht den Polen ähnlich, daß sie für russische Schandtaten Schadenersatzrechnung an Deutschland präsentierten). Der Flußübergang am 24. ging nicht so leicht, weil jenseitige Waldhöhen und Bebuschung der angelagerten sandigen Uferniederung vor den Militärkasernen der Ostrow-Chaussee die Sperrung begünstigten. Allerdings spie unsere Feldartillerie, nach Abschiebung aller schweren Geschütze zum Belagerungskorps vor Georgiewsk, vom überhöhenden Westufer Verderben in die russischen Reihen und riß breite Sturmgassen. Doch russisches Strichfeuer zwang 5. G. Gren. und 4. Batl. 4. L. W. vom Übergang abzustehen, bis die Nacht hereinbrach. Dann gelang es hinüberzukommen. Am 25. abends drang die L. W. auf Fähren und Pontons bei Sielun nördlicher über den Fluß, am 26. hatte 2. Batl 4. L. W. eine wichtige Höhe im Besitz. (Nur ein Scharmützel, siehe den geringen Regimentsverlust). Nach fieberhafter Arbeit zwei pommerscher P. K. kamen I/II/34. am 25. aus der Stadt heraus, säuberten die Kaserne mit dem Bajonett gemeinsam mit I/III/125. Noch mehr hätte bei Pultusk erreicht werden können, doch mit Fehlschlägen muß man im Kriege rechnen. Schande genug für die Russen, daß sie sich einen Strom mit zwei Eckpfeilern binnen zwei Tagen entreißen ließen. Ihr Rückzug zwischen Serock und Ostrolenka erreichte jetzt eine Weite von 120  km , auch die Bug-Linie schien bedroht und Entsatz von Georgiewsk geboten. Infolgedessen ermannten sie sich am 26. zu Gegenstoß mit großen Massen: Außer den schon vorhandenen 2., 11., 12., 77., 78. D. noch 59., 63., 68. R. D., 1., 3., 6. Schützenbrig., also inkl. 4., 21. K., 1. sib., 1. Turk. K. mit 280 Batl., dazu 6., 8., 14. Kav. D. Obwohl die Deutschen auch Vorhut 83. D. bei Sielun an sich zogen, hatten sie doch gewaltiger Übermacht standzuhalten. Der Anlauf erfolgte auf 65  km Front, am Westufer von Serock her gegen 85. L. W. fortgesetzt. 78. D. stürmte gegen die 5. G. Gren. heran. (Sie verloren weit mehr als die von G. St. Schr. hervorgehobene 5. G.). Sie warfen aber eine mit wildem Mut stürmende Brig. in den Wald zurück und auch dort hinaus. An den Rozankasernen rang 34. D. gegen 42. Inf., 93. R. (Die hier wie stets obengenannten Stargarder verloren nur halb so viel als die Greifswalder und dreimal weniger als die Berliner oder Anhaltiner). Schwer hatte es 119., doch behielt Herzog Urach seinen Posten. Pannwitz, bei Borki zurückgeworfen, hielt sich am Pulwy. Die heftigsten Anstrengungen der frischen 74. D. und des 1. sib. K., das freilich längst den Großteil seines Bestandes verlor, gegen Westpreußen und Olgagrenadiere erzielten keinen Erfolg, obschon auch eine Turk. Schützenbrigade Heineccius' rechte Flanke bedrohte. Die Thüringer wurden mäßig belästigt, dagegen fielen 11., 12. D., 1. Schützenbrig. mit voller Wut auf die gemischte Front am Pulwy, auch auf Goltz und Albrecht, die sich ruhig behaupteten. Südlich der Straße Pultusk–Bug griffen die frische 2. und die zerschlagene 40. D. Wernitz an bei Holandry, sehr heftig 1. Turk. K. und die freilich schon arg zerschmolzene 11. sib. D. bei Bosinna die 85. L. W. D., die unter Mitwirkung der Brig. Pfeil den Stoß abschlug. Ob eine andere Div. 27. K., die 43., auch eingesetzt, bleibt fraglich. Jedenfalls wurden 5., 27. K. zurückgeschlagen, sie litten stellenweise furchtbar, ihre Kraft war gebrochen. Trotzdem währte der Kampf Tag und Nacht bis 29., L. W. und Wernitz blieben standhaft, nur verbot Gallwitz bis zur Grenze des K. Watter jede weitere Offensive, weil Ermüdung und Munitionsmangel sich geltend machten. Auch waren die Verluste der Westpreußen nicht gering gewesen. G. St. Schr. erzählt wieder mal von 1. G. R., daß es vorgehen wollte, doch höherer Befehl es zurückhielt. Solch ewiges Verweilen bei einer Truppe, nach deren Spezialrapport offenbar gearbeitet wird, die aber gar nichts tat laut V. L., wird auf die Dauer unerträglich. Watter machte seit 27. noch einige Fortschritte, die vollzählig angelangte 83. D. Stumpf (329. I. bis 31., davon sieben L. St. Batl.) schwenkte hingegen am 24. diesseits nach Norden ein, um durch Wald und Sumpf nach Kamionka vorzudringen zur Entlastung des seit 24. in hartem Kampf stehenden Falk. Diese frische deutsche Div. löste die selbstgestellte Aufgabe glänzend. Der Feind stellte auch südlich Rozan seinen Gegenstoß ein, wobei er eine große Zahl Masch. G. zurückließ. Wir wenden uns jetzt einem Seitengefecht zu, das im Rahmen der A. Scholtz sich abspielte, so bedeutend, daß wir es von Scholz' übrigen Kämpfen absondern. Bei Kamionka standen am nächsten zum Fluß Batterien, nordwestlich Maki, rückwärtige Geschützstände schossen flankierend nach Nordost. Der Feind lauerte hinter überhöhenden Waldhügeln über der Wasserfläche und hielt das ganze Ufer unter Schuß. Da überschritten plötzlich 6 Komp. 33er die Ostrolenkabahn im Norden, als wollten sie umgehen. Keine Stunde raste die Kanonade, die ganze Waldstellung verwüstend und niederschlagend, als südlich davon südöstlich Macki I/III/4., II/III/44. sich auf den Fluß stürzten, auf der Flanke gedeckt durch 9./33., dahinter 2., 5., 12./33. des Batl. Hartmann und I/4. Sofort kam II/44. hinüber, ein Halbbataillon I/4. links II/44. und 5./33. rechts folgten, doch um 4 Uhr morgens war es schon zu hell, um mitten im Gewässer das Feuer herauszufordern, daher nisteten sich die Übrigen am diesseitigen Ufer ein, ebenso das noch vorn durchbrennende I/4., das die Kameraden nicht allein lassen wollte. Granaten und Schrapnells hielten auch Batl. Hartmann nicht auf, das noch seine Restkompagnien ans Ufer brachte. Dort führten nun 13 Kompagnien einen Heldenkampf gegen wahrscheinlich ebensoviele Bataillone. Später wuchs noch diese Zahl, da zu 35.–39. r. Rgt. noch zwei Schützenregimenter und 271. stießen, im ganzen 32 Batl. Zwölf Angriffe abschlagend, denen nur einmal ein Erfolg gegen 3., 4./4. zu winken schien, hielten diese Neu-Spartaner ohne Thermopylenpaß aus. Ein Ablenkungsversuch der 33er bei Kordowo mißlang, der herbeieilende Stumpf hatte 329. südöstlich Kanionka heranbringen wollen, doch nur eine Komp. faßte jenseits Fuß. In der folgenden Nacht schwamm die Hälfte von II/44. mit Waffen und Gepäck hinüber, da der nur bis Flußmitte reichende unfertige Steg brach. Doch die von 37. D. herbeieilenden III/147. und später II/151. gelangten nachts wirklich auf Pontons ans Südufer am Wald von Zaren, durch dessen schattige Kiefern und Nebeldunst gedeckt, halbwegs zwischen Kamionka und Macki. Ein rascher Versuch, sie in den Fluß zu werfen, endete mit Vernichtung dortiger Russen. Am rechten Flügel wagte sich eine Kompagnie 33er tief in die Waldung, erbeutete ein feuerndes M. G. und richtete mit dem Bajonett ein Blutbad an. Am linken Flügel schlugen sich 3., 4./4., welches Rgt. nicht umsonst den Namen »Friedrich d. Gr.« führt, mit dem Bajonett durch, denn stets erwies sich der Deutsche im Nahkampf dem Russen so überlegen wie im Schußkampf. Doch nur 8 Off., 130 erlagen nicht der Umzingelung. Auch am 25. war den jetzt jenseitig fechtenden 34 Komp. unmöglich, durchs Gestrüpp des Überholzes vorwärts zu kommen, russische Geschosse fegten den ganzen Wasserspiegel und wühlten das Flußbett auf. Durchwaten wurde verhängnisvoll, wenn man Schießbedarf hinüberschaffen wollte. Die vordersten 10 Kompagnien, zerschossen wie sie waren, hatten sich obendrein fast ganz verschossen. General Stumpf sah ein, er tue besser, der G. D. auf Sielun zu folgen, er vollzog dort den Uferwechsel, 331. vorauf. In der Nacht zum 23. trafen I/147. sowie andere Teile von 150., 151. jenseits ein, die Abgekämpften ablösend. Sie trugen den Südflügel etwas weiter, doch der Impuls hielt nicht vor, gegen solche Übermacht ließ sich nicht aufkommen. Außer einer Pontonfähre konnte man keine Brücke herstellen, mit Mühe und Not holten Schwimmer vom Westufer Brot für die Hungernden, heldenmütig schleppten Krankenträger auf einem Nachen die Verwundeten nacheinander durch die Todesgefahr. Der reißende Strom ging hoch mit Leichen. Auch 26. Juli verstrich ohne Besserung der Lage, doch stutzte der Feind vor dem energischen Auftreten Stumpfs. Gallwitz befahl jetzt dem General Eben, mit allen Verfügbaren gleichfalls hinter Stumpf auf Sielun abzumarschieren, da die frische 54. D. (27., 86., 90. R.) am 27. zur Ablösung eintraf. Schon aber fanden I/III/33., I/III/150. bei Kolaki Raum zum Brückenschlag, wohin auch 54. D. abmarschierte, da Übergang bei Ostrolenka dem 90. R. zu viel Mühe bereitete. 10. Jg. z. Pf. verschleierten den Abmarsch nach Süden, auch wurde des Feindes Aufmerksamkeit dadurch abgelenkt, daß Teile 75. R. D. an der Rogozamündung den Narew überschritten. Die Absicht war, mit 54., 83. D. dem seit lange ostwärts abgerückten 4. sib. K. in den Rücken zu fallen, während Watter über die Bahnlinie zum Bug vordringen und so Ebens Flanke decken sollte. Um den jetzt entscheidenden Nordflügel zu verstärken, wurde am 30. die D. Albrecht zu D. Schweinitz in Marsch gesetzt, am 2. Aug. auch D. Goltz. Sie langten aber erst an, nachdem bereits die 2., 37., 54., 83. D. den Feind niederrangen. Die Ostrolenkaschlacht gewann eine Steigerung, bei der 147. und besonders 151. größere Opfer brachten, als ihre schon so lange fechtenden Landsleute der 2. D. General Stumpf zeigte hier Selbständigkeit des Urteils, indem er sich, am jenseitigen Ufer durch versumpften Wald nordwärts marschierend, bei Lipianka in die Südflanke der r. Uferstellung warf. Plehwe, der diese Schlachten leitete, zog eilig 59. R. D. hierher. Am 31. griffen r. 59., 68. R. D. südlich Kamionka Stumpf so überraschend an, daß dessen brave Landstürmer wichen. Doch 54. D. stellte das Gefecht her, besonders 27. R. mit großem Verlust. Abends eroberten die Insterburger Füsiliere unter Oberst Weike den nordwestlichen Hochwald, wo der Feind so lange im Sichern saß. Die Russen (9., 10. Sib., 5. S., 63., 68. R. D., 78. D., letztere aus Süden herangeholt, und eine Schützenbrig.) sahen sich ernstlich gefährdet. Denn am 2. eroberten die Allensteiner Korczoki, von wo bisher die russische Art. verderbliches Längsfeuer durch den Narew sandte. 54. D. drang östlich Kamionka vor, nächtlicher Gegenstoß vom Gutshof Borovic scheiterte. 1. K. zog sich wieder nordwärts und erzwang am 3. vollen Übergang beim niedergebrannten Ostrolenka und bis zur Rogozamündung, wo anscheinend 75. R. D. bisher heftig rang. Die Halberstädter, Mecklenburger, Holsteiner der 54. D. warfen südlich den Feind, wobei Stumpfs L. St. Regimenter wieder kräftig mitwirkten. Daß diese unerschrockenen Milizen den Kampfplatz verließen (Stegemann), ist Verleumdung. Sie überschritten die südöstliche Bahn Ostrolenka–Ostrow, nunmehr erreichten auch die Garden westsüdlich davon Nogawki, die Offensive verlief staffelförmig mit vorgenommener Rechten. Die Kämpfe, schon im Juli sehr blutig, wurden Anfang August noch blutiger. (Die amtliche Angabe, Stumpf habe nahezu 3200 verloren, kann nur den ganzen Zeitraum umfassen, denn im Juli verlor er lt. V. L. nur 1900, ihm bluteten im ganzen 64 Off., so daß die Mannschaftsziffer wohl stimmen mag). Die Russen schlugen sich zäher als irgendwo in den Narewschlachten, auch ihre Artillerie war zahlreicher und wirksamer, doch die wütenden Gegenstöße ihrer 6 D. an dieser Stelle rieben sie so auf, daß man allein 4000 Tote vor Falks Mittelfront zählte. Daß ihre Niederlage zuletzt eine gründliche, zeigt Einbuße von 9800 Gef. Da 75. R. D. an der Skewamündung vordrang, so klemmte sie den Feind beklemmender ein. Auch hier stieß man auf so verzweifelte Gegenwehr, daß 249. R. fast ganz verblutete. Damals zerschoß A. Leopold die Bloniestellung, Gruppe Beseler die Serockschanzen vor Georgiewsk, dagegen war Eichhorn noch 6  km von Kownos Südwestforts fern und Belows Rechte in Kurland mußte neue Massen abwehren. Doch Hindenburg suchte die Entscheidung ausschließlich bei Gallwitz, obschon er Scholtz noch 58. D. überwies nördlich 37. D., um endlich auch dort südlich des Narew weiterzukommen. Während Plüskow inkl. D. Menges das Belagerungskorps Beseler (Suren und Dickhut) deckte, dehnte sich Pannwitz ostwärts, Watter östlich des Orztales. Eben stieß jenseits der Bahn schon auf Dumabrigaden, was immer einen russischen Verzweiflungsakt bedeutete. (Die übrigens im allgemeinen vortreffliche G. St. Schr. wird hier so unklar, daß sie 4. sib. K. kurz vorher bei Kamionka zitiert, es aber dann im Süden herauslösen läßt, wohl Verwechselung mit 4. r. K.) Indessen gestaltete sich Gallwitz' Vorschreiten bis über Ostrow als sehr verlustreich und bis 10. als kein Kinderspiel. Trotz Zeichen der Auflösung wehrte sich die so zahlreiche 1. r. A. mit stumpfer tierischer Wut. Eben drang seit 4. andauernd vor, wobei 2., 37., 83. D. scharf ins Feuer kamen, westlich der Chaussee Lomscha–Ostrow, während Scholtz' Linke auf Lomscha–Grodno im Fluß blieb. Am 6. füllte Goltz die Schlachtreihe Watters, der jetzt 5 Div. bei sich hatte und eine heiße Schlacht bei Gaworowo lieferte. Pommern und Garden griffen dann die Wonsevostellung von vorne an, wobei 1. G. R. bedeutend litt, G. R. Jäger relativ noch mehr, während die Stuttgarter in die Flanke kamen. Goltz verlängerte nach Norden. Am 9. verkündeten Flammensäulen überall den vollen Rückzug, die Russen eilten dem Bug zu, wo Westpreußen, Wernitz, Gardekav. schon Wyrszkow zustrebten, sie ließen in diesen fünf Tagen 24 903 Gef., 6 Gesch., 82 Masch. Gew. zurück. Am 10. war der Einsturz der russischen Zentrale zwischen Njemen, Weichsel, Bug entschieden, Gallwitz-Scholtz setzten unnachgiebig den Marsch fort, ununterbrochen den Feind vor sich aufrollend. Allerdings leuchtet nicht ein, daß der August für sie so blutig wie der Juli, und wir müssen daher wohl Abstriche machen und auch noch fernere Listen bis 15. August zum Juli schlagen. Laut amtlicher Angabe verlor Gallwitz bis 20. Juli 14 300 (285 Off., über 3000 tot und vermißt). Wir haben in Gesamttabelle Gallwitz' Verluste nur nach Gattungen, nicht nach Divisionen gegliedert. In letzterer Form ergibt sich für Juli bei Watter: 26. D. 2500, 3. D. 2300, 4. G. D. inkl. 4. L. W. 1600 = 6400, für Pannwitz: 4900 und 2500 = 7400, für Plüskow rund 3650, Thüringer und Goltz und vielleicht 1000 Wernitz = 4650, für 17. R. K. und Dickhut anscheinend sehr viel, mindestens 5500, vielleicht mehr, denn 4. Jg., 4. R. Jg. fochten laut V. L. früher notorisch dort, wo sollten sie sonst hingekommen sein? Garde L. W. wird nirgendwo genannt, wir bekennen unsere Unkenntnis, wo focht sie am wahrscheinlichsten als früher bei G. R. und blieb bei Suren? Daß größere Teile sächs. L. W. bei 9. A. fochten, halten wir für ausgeschlossen, da außer 107., 133. auch noch 101., früher bei Inovlodz, notorisch zur Gallwitzgruppe gehörte. Ist unsere Voraussetzung richtig, so taucht der Skandal auf, daß die amtliche Schrift wieder mal gleichgültig über L. W.-Blutungen weghüpft. Da ihre Gegner, die Turkestaner, die sonst höchstens mal einige Thüringer vor sich hatten, so gut wie aufgerieben wurden, ist solcher Verlust der braven Landwehr mehr als wahrscheinlich, also war ihr Vordringen erst auf Ciechanow, dann auf Nasielsk–Serock–Georgiewsk eine bedeutende Kampfhandlung. Rechnen wir von obigen rund 24 000 also noch 9700 für den Kampf bis 30., so erscheint dies genügend. Indessen bedürfen eines Nachtrages vielleicht 1. G. R., 42., 94., 119., die in Augustlisten mit insgesamt 5700 prangen, auch bei 141. Westpr., sowie 93. R. mit dort 2600 weiß man nicht, was man damit im August anfangen soll. Ja, wenn wir Akten darüber hätten, dann würden wir wissen und uns die Schuppen von den Augen fallen! In obigen 14 300 sind die härtesten Julikämpfe vom 15.–20. enthalten, dagegen kostete Erstürmung von Rozan–Pultusk nach genauer amtlicher Angabe spottwenig, die einzige Ausnahme 231. R. ist in Juliliste ganz genügend mit 900 verzeichnet und Augustlisten fügen wenig hinzu, wobei wir auch die zu Goltz gehörigen 21. R. Jg. mitzählten, bei der scheußlichen Verbände-Zerreißung mag es aber ebensogut wo anders eingereiht sein. Weshalb 119. im Juli so viel mehr als 121., 125. verloren haben sollte, ist unerfindlich, es kann ebensowenig wie 42. bei der zweiten Russenoffensive in Rozan so viel verloren haben, auch liegt nirgends in den Umständen, weshalb 93. R. seinen ohnehin schon hohen Juli-Verlust weit über 2. G. R. erhöht haben sollte. Doch bei 94., 141., 175. werden wir wirklich je 500 für Juli mehr rechnen; um des lieben Friedens willen je 500 Pommern und Schwaben, diese 2000 sind das Äußerste, was wir als Zuschlag zugestehen. Mit 1900 Schwaben, 3200 Westpr., 1435 Thüringern, 2100 Pommern im August erreichen wir die niedrigste Quote im Vergleich zu 3000 Schwaben, 5400 Westpr., 3180 Thüringern, 1635 Pommern im Juli. Fügen wir dann noch 500 G. R. hinzu, so daß D. Albrecht 3000 im Juli und 3232 im August verlor, so taten wir ein Übriges, denn wenn die Pommern zu gering bemessen schienen, so bedenke man, daß diesen zwei Regimentern noch 93. R. hinzutritt, so daß 3. D. dann 2800 verlor, also mehr als 4. G. D. Wir würden überhaupt nicht an Zuschlag denken, wenn nicht die magere V. L. der gepriesenen D. Wernitz sich vornehmlich erst in den Augustlisten fände, was nicht angeht. Somit Juliverlust 26 500, Augustverlust 22 000. Letzteres ergibt ein unanfechtbares Bild. Rechte: 38. D. angehängt im Bugwinkel, 36., 35. über Adamow und darüber hinaus, 86. D. bei Wyrzkow (zusammen 6100 für 4 Div.) Dieser Flügel in Richtung Slomin hatte es nicht schwer. Mitte 26., 3. D. über Worsenow längs Chaussee Rozan–Ostrow (5100 für zwei Div., wobei wir im Vergleich zu 3200 der 3. D. schon zweifelten, ob wir guttaten, 500 Schwaben abzuziehen.) Linke 4. G. D. Albrecht, Goltz über Gansorowo und nördlich Wonsewo (rund 6000 für 3 D.) Beseler 5500 entfällt auf Belagerung von Georgiewsk, die also inkl. Kampf bei Serock doch nicht ein bloßer Spaß war, wie man annimmt. Bei Schultz' 2., 37. D. sind unstreitig Zuschläge für die letzte Juliwoche zu machen. Von Falks 6575 im Juli-August kommen sicher 4000 auf Juli, von 9450 Allensteiner 4500. Beide jetzt über Andozeghi bis zum großen Wald (7500), 54., 83. D. (eigentlich Gallwitz) über Wismino–Turbin bis Südrand der großen Wälder (3600), alles Übrige über Grodno bedarf keiner Berichtigung. Somit Scholtz Juli 21 250, August 15 700. Nur ihrer großen Truppenzahl verdanken die Russen, daß ihre erst spät über Grodno entweichenden Beobachtungsposten gegenüber Augustow nicht abgeschnitten wurden. Nachdem sie alles Land zwischen Wkra, Weichsel, Bug an Gallwitz verloren, blieb ihnen keine Wahl als nach Abbröckeln ihrer Front südwestlich Wilna sich in den Bialowinskaforst zu werfen. Als Eichhorn gegen Wilna aufbrach, stellten sich ihm 3 frische Reservedivisionen entgegen, nacheinander ausgeladen und vorgeschickt, daher Regiment nach Regiment überrannt. Außer 3. sib. K. traf er Kaukasier und Teile der »Finnischen Armee«, lauter Altrussen. Er deckte Berennung von Grodno vor jeder Beeinflussung außer diesem Dienst für Scholtz breitete er sich am 30. längs Bahn Grodno–Wilna aus, die seine rührige Reiterei überschwemmte. Um die Einknickung der neuen Nordfront zu stören, unternahm das Dünaheer einen Ausfall van Dwinsk–Jakobstadt her, der bis Bausk führte, wo York 1812 die Russen schlug. Below war jenem alten Eisenfresser geistig sehr überlegen und jagte die Einbrecher bald zurück, sie fürchteten schon für Riga auch von der Seeseite. Es war jetzt an Scholtz, den Feind von Eichhorn abzuziehen. An den Nurzucwäldern überwand Gallwitz erbitterten Widerstand von Sibiriern südöstlich auf Bielsk gerichtet, um den Bug oberhalb Brest zu erreichen. Es war ein Stoß ins Leere. Der Großfürst gab Verteidigung des Bug auf, den auch Smirnow räumte. Leopolds Linke und Gallwitz' Rechte kreuzten sich im Bielowico-Urwald, auch Woyrsch' kräftiges Nachdrängen (großer Verl. der L. W. beweist, wie ernst es ihm war) faßte Nachhuten der 4. A. nicht mehr ab. In Georgiewsk rissen unsere Geschosse Löcher von 10  m Umfang 4  m Tiefe. Eine Riesengabe der »Fleißigen Berta« schlug in das berühmte dreiteilige Fort 15, vor dessen Drahtzäunen, eisernen Palisadenwänden, tiefen Ringgräben, glatt ansteigenden Hängen zweimal der Sturm einer schlesischen Brigade von Menges und hannoverisch-brandenburgischer L. St. stockte, am 16. eine so klaffende Bresche, daß die Stürmer der L. W. B. Pfeil bald selber Tore und Kasematten einschlugen. Noch in gleicher Nacht fielen F. 14 und 16 nach. Tag und Nacht ergoß die terassenförmige Feuerstellung ihre Blitze und spielte eine Musik auf, daß dem Kommandanten, General d. Kav. Bobyr das Herz sank. Am 17. vernichtete man mit Naphta viele Vorräte, schlug am 18. die Zugtiere tot, am 19. fielen kaum Geschosse am Konstantintor, als auch schon alles in die Keller flüchtete, um nach Aufhören der Beschießung schleunigst Saufgelage zu veranstalten. Fürwahr die geeignete Stimmung gegen Andrang begeisterter Landwehr! Graf Pfeils Ostseemänner und Sachsen stürmten unter lautem Singen über Fort 3 in die Innenfestung, über Stock und Stein durch Nebenwasser der Wkra jagten unsere Batterien vor und eröffneten betäubendes Feuer gegen die brennende Zitadelle. XXIII. Georgiewsk, Wilna, Kurland, Jasiolda, Styr, Strypa Während Evert auf Pinsk–Slonim nordöstlich wich, stellte sich Smirnow an der Jasiolda. Die schwache A. Leopold blieb ihm auf den Fersen, über die Lesna durch die unheimliche Wildnis des Urwalds, an dessen Ausläufern heftiger Kampf entbrannte. 35. R. D. war zum K. Scheffer gestoßen, die Art. kam aber auf grundlosen Moderdämmen nicht durch, trotzdem erzwang die nur aus L. W. und L. St. bestehende 84. D. den Austritt aus den Waldungen. Dies war am 6. Sept. zur selben Zeit, als Marrwitz' Hessen den Brückenkopf des Karthäuserklosters von Bereza angriffen, die Ostpreußen Chomsk und Mosers Div. Drohizyn erstürmten. Als am 15. Winkler in die Pinsker Kathedrale Einquartierung legte, am 3. Okt. durch Gardekav. abgelöst, die an den Sanddünen des Oginskikanals ausschwärmte, übernahm Woyrsch den Oberbefehl der neuen Linie. Auch Arz' Österreicher traten unter sein Kommando, die am 24. Baroniwitschi zustrebten, nachdem Woyrsch am 17. das Schara-Bollwerk Slonim brach. Smirnow wehrte sich immer noch mutig, 23. L. W. mußte als Vorhut am rechten Scharaufer wütenden Angriffen Trotz bieten. Da aber Gallwitz unter scharfen Streiten die Zelwianka, dann mit Scholtz zusammen die Lebiodafront durchriß und seine Westpreußen unterhalb die Schara überschritten, wich der Russe auf Lida, von Scheffer am 24. über die Jatra verfolgt. Um diese Zeit fesselte Below die r. 5., 12. A. bei Dünaburg durch glückliche Ablenkung bei Lennewaden und Friedrichstadt-Jakobstadt, so daß sie nicht an der Wilija eingriffen, als dort Not an Mann war. Eichhorn hatte bisher wenig erreicht, seine Linke bei Troki klebte fest und doch sollte hier die Entscheidung fallen, K. K. Garnier (1., 4. K. D.) vermochte bisher nur seine Flanke zu decken. Da befahl Ludendorff die größte Kavalleriebewegung, die je ausgeführt: Murats Verfolgung nach Ulm und Jena, Stuarts Washington-Raid oder die Reiterschlacht bei Brandy Station sind nichts dagegen. Wir hatten gegen Marrwitz' große Massierung im Herbst 1914 einzuwenden, daß er das wahre Ziel Ypern aus dem Auge verlor. Hat Richthofen die Wilna-Manöver geleitet, so ist er der größte bisherige Handhaber von Reiterei seit Hannibal, er brachte die ganze Vollkommenheit deutscher Vorzüge in dieser Waffe und deren Wichtigkeit zur Erscheinung. Das Außerordentlichste war die große Täuschung. 3., 6., 9. K. D. überfielen nordwärts an der Swenta die gegen Belows Rechte fechtende Dünaarmee, warfen die russische Kav. über den Haufen am 11. bei Uzjani und jagten durch Rückendruck bei Dowzeli das 3. r. K. nach Alexandrowsk, auf welchen Brückenkopf Belows Inf. sofort nachdrängte, schwenkten dann ostwärts unter nochmaliger Umwerfung russischer Geschwader und dann erst pfeilschnell südlich in den Rücken von Wilna, senkrecht wie der Kondor auf die Beute herabstößt. Zwischen Narocz- und Swicsee in die breitgewundene Flußschleife der Wilija einbrechend, erreichten 6., 9. K. D. Smorgon, 3. K. D. Molodezno, Garniers' 4. D. schloß sich an 60  km östlich Wilna. Die Bahnstränge Wilna–Dünaburg, Witebsk–Molodezno, Wilna–Smorgon waren am 15. zerrissen in ihrer Hand, die große Reiterschlacht bei Soly, wohin die Masse südwestlich abschwenkte, zu ihren Gunsten entschieden. Büchsen der Radfahrjäger, berittene Masch. G. Träger, leichte Gesch. ermöglichen heute der Kav. mehr als früher, doch wie kommt es, daß nur die Deutschen davon richtigen Gebrauch machten. Auch Funkspruch und Telephon wurden wohl angewendet, sonst hätte man nicht die bayr. K. D. auf Belows rechter Flanke rechtzeitig anrufen und herbeibringen können. Da auch 1. K. D. am 20. in letzter Stunde eintraf, fochten 6 K. D. – nicht »mindestens 7«, wie Stegemann schreibt – gegen ungefähr ebenso viele russische nebst 3 r. I. D. und weit überlegener Art. Solch ungleiches Gefecht gereicht den tapfern Reitern und geschickten Führern zur Ehre, nicht aber Eichhorn, der zu spät seine Linke verstärkte, oder Ludendorff, der nicht dafür sorgte. Sieht ihn das ähnlich? Nein, offenbar sagte man bisher nicht die Wahrheit, nämlich daß die große »Zange« auf Wilna ursprünglich nicht in der Absicht lag, sondern die Zange innerer zentraler Umfassung durch rechtzeitiges Kneifen über den Bug, um die 1., 4. A. einzukreisen. Daher die ungewöhnliche Verstärkung der 12. A. im Juli. Ihm warf der Großfürst daher besondere Massen entgegen, die sich – es läßt sich nicht leugnen – verzweifelt schlugen und Gallwitz' Zug zum Bug sehr verlangsamten. Erst als man erkannte, daß Gallwitz nicht mehr rechtzeitig durchgreifen werde, wurde die innere Umfassung nördlich hinauf verlegt zwischen Düna und Wilija. Nur 77. R. (nicht 75., wie Stegemann schreibt, sie war bei Scholtz in Grodno) 115. D. und ein paar kleinere Teile waren imstande, den schmalen Bruchpunkt zu verschließen, durch den 22 r. D. ostwärts schlüpfen sollten. Daß ihnen dies gegen eine so schwache Klammer gelingen werde, ließ sich voraussehen. Natürlich bauten sie bei Lida ab und wichen hinter die Beresinasümpfe. Doch Alexejew, der recht kaltblütig operierte, sicherte den Abzug zu seiner Rechten, indem er dreiseitig die deutsche Reitermasse zu erdrücken suchte. Die 3. K. D. tat am meisten Schaden durch Aufheben von Proviantdepots und Munitionskolonnen; Pappenheim's 2. Schw. und Radfahrer zersprengten allein die Etappenbatt. bei Wilejka, da sie 1 Gesch., 4 M. G. bei sich führten. Die Rache fiel daher am 21. auf diese Flügeldiv., sie mußte mit Verlust ihrer standhaltenden Batterie, deren Kanoniere sich niedermetzeln ließen, aus Wilejka weichen, Garnier den Rückzug der Reitermassen am Narocz am 23. decken, die nachgeschickte deutsche Inf. sehr weit ausweichend. Über Einzelheiten siehe später. Durch Einnahme von Bialystock (Knotenpunkt der Bahn Wilna–Petersburg, Wilna–Warschau, Baranowitschi–Minsk) war auch die Verbindung nach Riga–Petersburg unterbrochen. Als die Armee Gallwitz nach anstrengendem Waldmarsch die Hauptstraße nach Norden am 2. September besetzte, war die russische Front ganz auseinandergespalten. Diese umschrieb jetzt eine Linie mit Minsk als Angelpunkt, die von Riga dorthin reichen sollte, südwärts durch das Wolynische Festungsdreieck bis zur Ukraine und Bessarabien. Die nördliche Hälfte dieser Front war bei Kowno–Bialystock gesprengt und mußte auch noch für Wilna fürchten, wohin sich die Russen auf allen Wegen vom Njemen im Abzug befanden. Wären die Südheere gleich glücklich gewesen, so konnte sich völlige Absperrung des russischen Nord- und Südflügels vollziehen. Doch es sollte nicht sein. Ein ebenso glänzender und wichtiger Erfolg war bei Georgiewsk errungen, das schon am 20. fiel. Die Augusttrophäen steigerten sich fortwährend. In Kowno zählte man ursprünglich nur 400 Geschütze, zu denen 200 bei Eroberung der Südostfront hinzutraten, nach gründlicher Ausräumung und Nachlese ergaben sich aber zuletzt 827 und endlich gar 1300 Geschütze, die Masse erbeuteter Masch. G. ließ sich gar nicht feststellen. In Georgiewski glaubte man anfangs nebst 700 Geschützen (125 nach Erstürmung der ersten zwei Nordforts), 84 000 Gefangene (6 Generale) erbeutet zu haben, es waren indessen 1200 Geschütze, 90 000 Gefangene (15 Generale, 1000 Offiziere) und eine Nachlese übertraf noch diese Ziffern: 1640 Geschütze. Überhaupt belief sich die deutsche Augustbeute auf wahrscheinlich 2700 (nicht 2200) Geschütze, fast 272 000 Gefangene, wovon etwa 152 000 laut den Einzelmeldungen auf die Nordfront entfallen dürften. Am 18. sprengte Bobyr die Narewforts, die Südforts ergaben sich. Nach nur sechstägiger Berennung öffneten 100 000 Russen den 50 000 Stürmern die Tore. Die Eroberung von Georgiewsk – keiner Stadt, sondern einer riesigen Lagerfestung mit einem Durchmesser von 64  km – war das würdige Werk des Eroberers von Antwerpen. General von Beseler verfügte über viel Artillerie, obschon nicht so zahlreiche wie vor Kowno, wo drei- und viermal mehr 42 und 21  cm Geschütze als vor Lüttich gedonnert hatten. (So gewaltig vermehrte sich die schwere Artillerie während des Feldzugs.) Indessen gedachte er mit Infanteriestürmen wie bei Antwerpen frisch zuzugreifen und schien hierfür nicht gerade geeignetste Truppen zu besitzen. Denn seine aus den Armeen Gallwitz und Leopold nebst neuen Rekrutenregimentern gebildete Heerabteilung bestand ausschließlich aus Landwehr und Landsturm. Wie so oft, wurde aber auch hier das militaristische Vorurteil zu schanden, diese milizartigen Aufgebote zeigten sich der schwersten Aufgabe gewachsen. Ihr Verlust beweist, daß die Verteidiger von F. 15 und Neumodlin sich nicht leicht in ihr Los ergaben. Freilich hatte Feuerorkan die Hauptstellung der Außenforts schon sehr früh gelockert. Eßwaren für 100 000 Mann auf 3 Jahre, 7 Millionen Patronen, 180 000 Geschützschuß, solche Ausrüstung, solche Besetzung! Petersburg stattete dies Wunder, das noch über Antwerpen ging, mit Verratmärchen aus. In Berlin sang man zu Glockenklang »Nun danket alle Gott!« Umsonst fädelte Eichhorn die Schlacht bei Wilna ein, wofür ihn die Fama mit besonderem Lorbeer krönte. Die Umfassung mißlang, der Feind rettete sich mit Hinterlassung von viel Geschütz und Gepäck. Schon am 18. zog sein Unterführer Litzmann in das ihm Rosen streuende Wilna ein, nachdem er die Seeenge von Troki durchquerte. Verstreuen zerbrochener Feindwaffen wäre ihm lieber gewesen! Nichtsdestoweniger blieb Ausnutzung der Reiterwaffe hier von besonderer Bedeutung! Die bisher im Norden operierenden deutschen Geschwader schwenkten südlich ab, um östlich längs der Bahn nach Dünaburg den noch bei Wilna verknäuelten Russen in den Rücken zu kommen. Schon am 12. unterbrachen zwei Kavallerie-Divisionen die Bahn nach einem Ritt von 30  km und schoben ein Detachement mit Masch. G. und Radfahrern gegen die Bahnstrecke Molodezno–Polotzk (zwei aus dem napoleonischen Feldzug wohlbekannten Punkte) vor. Rittmeister von Pappenheim erfüllte diese Aufgabe und streifte schon – unglaublich, aber wahr – 130  km östlich von Wilna. Die Hauptmasse wandte sich am 14. nach der versumpften Beresina, um die Bahnstränge zu zerstören, die von Lida nach Minsk und von Minsk nach Smolensk führen. Ein Jägerbataillon folgte und benutzte eine große Wagenkolonne, deren man sich bemächtigte, zu schnellerem Vorwärtskommen. Diese Weiterfahrt führte zunächst nach Wischnew, 87  km südöstlich von Wilna, über Smorgon. 3. K. D. deckte die Flanke nach Polotzk zu. Der Posten von Smorgon, der ahnungslos vor sich hinträumte, wurde überfallen, der Bahnhof zerstört. Nun traten freilich vier feindliche Reiterdivisionen bei Soly auf, welche die Wegnahme von Smorgon nicht ruhig hinnehmen wollten, man holte daher auch die 4. K. D. herbei und ging sogleich unerschrocken gegen die Verteidiger der russischen Etappen los. Am 16. erstürmten abgesessene Schwadronen mit Karabiner und Bayonett das Rittergut Soly und machten viel willkommene Beute, feindliche Infanterie zersprengend. Gleichzeitig zersprengte 3. K. D. den Feind bei Wilejka und warf sich am 17. trotz sumpfiger Straßenniederung und starker Besetzung auf Molodezno. Die Husaren und Dragoner konnten zunächst nicht durchdringen, aber Rittmeister Lehmann sprengte mit seiner entsendeten Schwadron Jäger-zu-Pferde die Gleise der Bahnstrecke Minsk–Smolensk in der Nacht zum 20. bei Zodzino, 80  km südöstlich Wilejka, 200  km hinter der feindlichen Front! Das soll erst einer nachmachen. Endlich merkte der Gegner die volle Gefahr und schickte gen Nordosten aus Oschmiana ein ganzes Armeekorps vor, wo zunächst nur die 6. russische Kav. Division gestanden hatte. Da jedoch noch Garniers 1. Kav. Division zur Verstärkung eintraf, so hielt die vorderste Division am 19. Smorgon fest und schlug weit überlegene Kräfte ab, mußte aber am 20. das feindliche Ufer der Wilna räumen. Eine ostpreußische Grenadierbrigade vermochte zunächst den Ort nicht vom Feind zu säubern, eine ostpreußische Landsturmbrigade trug indessen am anderen Morgen den Sturm vor, bis die schwarzweiße Fahne vom Kirchturm wehte. Doch von da an begann das Übel. – Nachdem Below seit 14. August mit 1. R. K., 78. R. D. bei Shymanzi, mit dem Kav. K. und 5 beigegebenen Bataillonen des Generals Butler an der Jora operierte, stand er am 14. mit 39. R. K. bei Alexandrowsk, mit 350. L. W., 3. b. K. Br. am Dryswijati-See. 6., 9. K. D. riefen am 15. die bayr. K. D. (1., 4., 5. Br. nebst 6 Masch. G. Schwadronen) zur Hilfe gegen Widerstand bei Widsy. 350. L. W. folgte dem Reitermarsch auf beschwerlichem Sandboden südöstlich Naroczsee, jede Bayernschwadron zählte nur noch 50 Pferde. Obschon 20. r. K. und große Reitermassen seit 21. die 3. K. D. bedrängten und so die deutschen Geschwader an der Wilya im Rücken bedrohten zwischen Narocz- und Dryswijati-See, setzten 9. und bayr. K. D. nebst 115. D. ihre Umgehung fort, 77. R. D. focht am 26. bei Dolginow, 1., 3., 4. K. D. vertrieben die r. Reiterei am Narocz. So erzählt B. Kr. Arch., will also von Abschütteln der Reiterei nichts wissen gegenüber Stegemanns Pessimismus, der unsere Inf. dort 60  km zurückmarschieren läßt, um einer Umklammerung zu entrinnen. Tatsächlich verlegten aber unsere Geschwader jetzt ihre Bahn nordöstlich um die litauische Seeplatte, schlugen den Feind südlich des großen Dryswijatisees und ermöglichten Belows Fußvolk, das am 17. Widsy wegnahm, Herankommen an Dünaburg. Im September zwang man den Feind, den ganzen Raum zwischen Njemen und Pripet zu räumen. Doch Scholtz brach erst am 11. harten Widerstand bei Skidel, Gallwitz am Marktdorf Rozana, Leopold in südlicher Berührung damit bei Isabelin, wo einst Secken und Schwarzenberg rauften. Diese und die Schlachten am Nurzec waren sowohl für 49. R. D. und besonders Schles. L. W. als für 35., 36., 38. D. und besonders 50. R. D. außerordentlich ernst. Die Westpreußen verließen sogar die Schlachtfront. Vor Friedrichsstadt ritt Belows Reiterei gewaltig an, im Brückenkopf ergab sich fassungslos 11. Schützenregt. einer einzigen Kompagnie, am 30. wurde sogar Dünaburgs Brückenkopf angetastet, Eichhorn focht schon auf den aus Napoleons Rückzug bekannten Feldern von Smorgon und Malodezno, doch die Nachbararmeen gerieten ins Stocken. Nachdem Gallwitz das wichtige Ostrow noch im Straßenkampf von Haus zu Haus nahm, schied er selber aus, um ein Heer gegen Serbien zu befehligen. Daß man Hindenburg seinen bekanntesten Unterführer raubte, gehört zu den mannigfachen Schikanen gegen ihn und besonders Ludendorff, als wolle man ihm absichtlich volle Ausnutzung seiner Siege erschweren. Scholtz hätt's auch getan. Below, dessen Reiterei an den großen Seen streifte und am 29. bei Postawy die feindliche in die Flucht schlug, der aber nicht restlos siegreich blieb und angeblich nach russischer Meldung in blutigem Ringen vor Dünaburg 18 Haubitzen verlor, trat sein Kommando später an Fabeck ab und ging auf militärische Erholungsreise nach dem Balkan. Diesen energischen und fähigsten Unterführer entbehrte nun Hindenburg auch. Prinz Leopold (lies Oberst Hoffmann) errang am 28. die Brückenköpfe der Sarzara bei Baranowitschi und machte dann Halt. Die r. 1. und 2. A. waren nun gänzlich ins Pripetrevicr zurückgeworfen, 4. A. Ewert entzog sich aber jeder Einwicklung durch so kräftigen Gegenstoß am Oginskikanal, daß sogar unsere Art. durch Reiterattacke in Gefahr geriet. Allgemeiner Rückzug auf Minsk. Im Vergleich zu Belows eleganter Leichtigkeit und Schwungkraft fiel Gallwitz' Nachstoßen schwerfällig aus, wie seine erstaunlich großen Opfer beweisen. Daß Ewert als neuernannter Leiter der Mittelgruppe den entschlossensten Widerstand leistete, zeigt richtige Erkennung der Absichten Ludendorffs. Um Eichhorns Operation zu decken, ließ Ludendorff Belows Rechte längs Straße Kowno–Dünaburg vorgehen. Umgehung über Wileiki, wobei man Nachtmärsche daransetzte, trieb das 3. r. K. in wilde Flucht. Weitere Umgehung am Wavbensee folgte dem Beispiel eines einzeln vorausschwimmenden Musketiers. Mit Automobilkolonnen herbeigeholte Verstärkungen machten am 22. Nachtangriff auf eine zu Below versetzte Schles. L. W. Brig., beim Schanzen beschäftigt, die aber manch harten Moskowiterschädel mit dem Kolben einschlug. Enger schloß sich der Kreis um Dünaburg. Belows Linke hatte es härter. Die zum Schutze Rigas berufene 12. A. sah ihre Vorhut und die zerschlagene 3. Schützendiv. fliehend auf sich zukommen. Hier war es, wo abgesessene Schwadronen die Kaukasier so einschüchterten, daß sie hinter die Düna einbogen. Belows Truppen können nicht hoch genug gerühmt werden, sie wuchsen sich alle zu Garderang aus, ihre Führung stand auf der Höhe, musterhaft. Below hatte wesentlichen Anteil an Eichhorns halbem Erfolg, auch Schultz, der auf Sa-Beresina einschwenkte, über welchen schicksalsvollen Nebenfluß des Njemen unsere 10. und 8. A. gemeinsam den Feind zurückdrückten. Eichhorn zertrümmerte am 23. den Widerstand und erweiterte bis 30. seinen Radius. Ludendorffs Bewegungen verbanden sich also durchweg vortrefflich, doch Linsingens unfreiwilliger Stillstand ohne sein, aber durch Mackensens Verschulden, beraubte uns jedes entscheidenden Gesamterfolges. 27 000 Gef., 9 Gesch. als Monatstrophäen von Eichhorn. Scholtz boten dafür keinen Ersatz. Wie im Norden auf 300  km , entspann sich im Süden auf 240  km ein Großkampf. Alle Niederungen überschwemmende Wolkenbrüche kamen den Russen sehr gelegen, die sich an den Gorgyn schmiegten vor Puhallas vorgebogener Staffel, der nach dem Styrufer strebte. Sein Kav. K. Kirchbach überrumpelte die Südforts von Dubno. Böhm überrannte den Feind vor Brody am Schloß Treuenfels, Dominikanerkloster, Teufelsfelsen, Kohlenmine, dem östlichen Sperrfeld, eine Schanzfront von 60  km Breite durchbrechend: Die Österreicher schlugen sich hier mit größter Tapferkeit. Anfang September wich der Russe aus Brody und Luzk, dessen Forts der Erzherzog mit K. Roth stürmisch überfiel. Nach Ikwa und Styr kam jetzt der Gorgyn an die Reihe mit seinen Nebenbächen. Bei Stubla lief eine Teichkette in Morastdickichte aus, doch nichts half, Iwanow wich auf Rowno. Wütender Ausfall vom 7.–15. auf Bothmer vor Tarnopol verfehlte seinen Zweck, ihm sofort die Strypa zu entreißen; lawinenartig anschwellende Gefangenenziffern Iwanows entsprachen dem dringenden Bedürfnis, des Zaren Kommandoübernahme prahlend zu verherrlichen. In erster Meldung 150 gef. Deutsche (in Wahrheit 32), zuletzt wurden es 17 500 (383 Off. dabei, vorher zählte er schon 400!), als gütige Beigabe am 10. nochmals 7500 (nur 55 Off.) nebst 33 Geschützen. »Unser Verlust ohne Bedeutung«, ja freilich, zahllose Menschenleben waren für ihn bedeutungslos. Bothmer mußte allerdings bei Trembowla einen Flügel zurücknehmen, aber er bot noch trotzig die Stirn wie ein verwundeter Löwe. Auch an der Serethmündung, wo es bei Pflanzer zu gegenseitiger Vermengung kam, und bei Dubno rechnete der Zauberkünstler Iwanow 12 200 Gef.; redete sich aber später am 18. mit auserlesener Bosheit heraus: natürlich seien alle Gefangenen »mit einigen Ausnahmen« Österreicher, auch alle eroberten Geschütze österreichisch. Als dieser parthische Pfeil flog, rächte sich das k. k. Kriegspressequartier, solche Scherze seien »bei jetziger Lage Rußlands« nur zu begreiflich. Zu dieser Lage trug Österreich wenig bei, wohlfeile Ironie pachtet nicht die Wahrheit. So sehr wir gegen Iwanows Prahlsucht uns auflehnen, so wenig glauben wir dem H. B., daß Bothmer nur 346 t. und v. hatte. Er mußte zum Strypa-Ufer rückwärts durch neue 80  km umspannende Offensive, die auch Böhm und Puhalla bis 22. zu stark rückgängiger Bewegung zwang. Doch dringlichste russische Übergangsversuche bei Roscyce am Styr, wo Bahn und Straße den Fluß überschreiten, konnten nicht Fuß fassen. Linsingen behielt Einwirkung auf die Bahn Kowel–Rowno–Kiew und ließ Iwanows stürmisches Tempo sich ausrasen, das Bothmers österreichische K. Szurmay und Hofmann aus Burkanowald trieb, doch vor dessen Deutschen am Gladkiwald niederbrach, er troff von Russenblut. Bothmer mußte dann freilich bei Bieniawa über die Strypa zurück, doch hielten Ungarn den Brückenkopf Buczacz. Beim Stoß auf Böhm ging manches Dorf von Hand zu Hand, sein 8. Rgt. wurde bei Gowoditsche zersprengt, Oberst gefangen, Fahne genommen, dagegen stießen bei Aleksiniac 85., 32. nebst 29. Feldjäger und 9. L. St. Linz die Eindringlinge aus ihren Gräben wieder ans Ostufer. Am 19. verteidigte 69. Rgt. den Ikwa-Abschnitt gut, eingedenk des erlauchten Namens seines Titularinhabers »Hindenburg«. Doch der Erzherzog und Puhalla mußten Luzk und Dubno räumen, Iwanows' Kav. K. beunruhigte bei Kolki am Styr. Kirchbachs aufmerksame Reiterei, teilweise geschlagen, wurde jetzt wieder dreist, noch dreister der russische G. St., der schon 70 000 Gef. seit Ende August ausprahlte. Puhalla hatte freilich schwere Stunden, L. W. von Eger und Nordböhmen raufte im Bajonettkampf bei Rostocki, bei Wiedereinnahme von Luzk streckten angeblich 6000 die Waffen. Bei Podhaize wehrten sich Ungarn umsonst mit dem Bajonett, die unvermeidlichen »1800 Gef.« stellten sich ein, doch »orkanartiges Feuer des Feindes zwang uns gegen die Ikwa zurückzugehen«. Zwölf Glieder tiefe Massen opferten sich am 25. umsonst bei Aleksiniac. Gerade als in Frankreich die Entente ihre ganze Kraft einsetzte, erlahmte Iwanow, und kaum war er defensiv abgeflaut, als Linsingen auf dem Schlachtfeld mit den ersten Ostpreußen eintraf. Es war wie ein Zauberschlag, wie bei eines Napoleons Ankunft, doch nicht er zauberte, sondern der Ruf: »Die Deutschen sind da!« Die Österreicher bekamen wieder Mut. Am 27. über den Styr zum Angriff übergehend, erfocht er schon am 1. Okt. einen großen Sieg, indem er Iwanow am Karminbach bei Boguslawski wieder auf Rowno drängte. Bei Bothmers Rückzug befleißigten sich die Kosaken großer Keckheit, schwärmten weit am Strypaufer. Doch zwei begeisterte ungarische Schwadronen befreiten ein von dreißig Sotnien umzingeltes deutsches Batl. und österreichische Batterien, deren Kanoniere den letzten Schuß verfeuerten und ihre verstummten Stücke mit dem Karabiner verteidigten. Bei deutscher Waffenbrüderschaft entsprach die österreichische Leistung meist einem hohen Maßstab. Sogar die polnische Legion und ein Ukrainer Freiwilligenbataillon stritten hier wacker Schulter an Schulter mit Deutschen, als Sturm auf Sturm abgeschlagen wurden, noch am 30. unter ganz erschrecklichen Verlusten. Die Garden bestatteten allein 1168 Russen. Am 1. Oktober endeten Iwanows »Siege« mit blankem Fiasko, doch der Ewert von Leopold und Gallwitz zugedachte Schlag ging fehl. Im Norden stand Below 15  km von Dünaburg, Eichhorn um 120  km vorgeprallt. An der See-Enge östlich Smorgon (kleine Teiche, inmitten der Dryswiati-See) vereitelten Eichhorns Linke und Belows Rechte Rußkis ausschweifende Hoffnung, sich zwischen beide einzuschieben. Vielmehr schoben sie sich selber so weit vor, daß Rußki (5., 10., 12. A.) von Ewert (1., 2., 4.) völlig getrennt, wie letzterer auch mit Iwanow (3., 9., 11. A.) keine direkte Fühlung mehr hatte, so daß durch beide innere Umfassungen die russische Masse in Stücke auseinanderfiel. Dagegen zerrann der Wahn, die anfangs bei Wilna strategisch förmlich abgeschnittenen 22 D. taktisch abschneiden zu können, so wenig wie einst Napoleon bei Witebsk und später Smolensk eine Überflügelung im Großen gelang. Durch Unterbrechung aller Bahnlinien nach dem Innern wurde freilich das stöhnende und schnaufende Rückwärtswälzen des russischen Heereslindwurmes martervoll, doch das unwirtliche mit Seen durchsetzte Gelände verbot überall ein rasches Überwältigen des Raumes und die Ententepresse jubelte, den Deutschen sei ihr Plan mißglückt. Die Streifzüge von Eichhorns Reiterscharen, 70  km nordwestlich beginnend und bald Sprengtrupps bis in die Beresinasümpfe tragend, übertrafen noch Stuarts und Forrests Raids im amerikanischen Sezessionskrieg und zeigten, wie leicht diese bewegliche Waffe Nachhuten aufhebt und den feindlichen Rückzug vorauseilt. Hätte man früher Mackensen reichlich mit Reiterei ausgestattet, wer weiß, ob das Ergebnis ganz so unbefriedigend blieb! Hätte er rechtzeitig Pinsk und von dort Minsk erreicht, so wäre die Beresina kein Rettungshafen für Ewert geworden, die Deutschen hätten sich in seinem Rücken die Hand gereicht. Nur nach Südosten blieb den von Lida-Molodezno Weichenden ein Durchschlupf offen. Als aber Scholtz bei Lida-Saberesina, Gallwitz am 27. bei Wischnew, Leopold am östlichen Ausläufer des Njemenbogens einbrachen, hatten die vielen wütenden Gegenstöße Ewert so weit freigemacht, daß er nördlich des Pripet eine neue fortlaufende Verteidigungsfront bezog. Die Deutschen hatten jetzt eine so verkürzte Front, daß man sich auf Festhalten des Gewonnenen beschränken durfte, und die russische Bewegungsfreiheit war so unterbunden, daß die späteren Massenoffensiven aus zureichenden Gründen des Atemschnappens erfolgten. Die Zeiten waren heute andere als 1812 und Wilnas Verlust, das uns eine neue prächtige Depotbasis gewährte, aus wirtschaftlichem Zwang für den Riesenkörper des Russenreichs, gerade so einschnürend wie der von Lodz, Warschau und Kowel. Nach russischer Meinung hätte auch Riga fallen müssen, wenn Ludendorff Ernst machte. Doch Falkenhayn soll es geradezu verboten haben, daß der große Feldherr diesen neuen Lorbeer um seine Stirn flocht. Seine Lobredner nennen es weise Vorsicht, wir sehen darin nur unzeitige Bedenklichkeit und etwas Anderes. Während man dem Schoßkind Mackensen neue Gelegenheit zu äußerem Erfolge gab, stand Ludendorff gleichsam kaltgestellt im toten Winkel, wo er seine geniale Operationsbegabung nicht ausnutzen konnte. Beim Ausziehen der Verlustlisten fragt sich stets, ob die Ereignisse selber auf hohen oder niedrigen Verlust schließen lassen. Obschon 1., 3. G. Brig. schon bei Arras fochten, sind bei 2., 4. die Verluste so ungleich und geringfügig bis 30., daß sie nicht zur grimmen Arrasschlacht stimmen. Indessen mag es so sein. Dagegen kann das 10. K. seinen Septemberverlust (1210) nur noch in Rußland gehabt haben (Listen bis 20.), da es damals bestimmt noch nicht in der Champagne eintraf. Wäre dem so, würde sich nur bewahrheiten, daß dort der Sept. viel unblutiger verlief als man glaubt. Wir betonen nochmals, so großartig fast durchweg V. L. und Tatsachen zusammenstimmen, so ist unmöglich für Jeden, der nicht im G. St. Archiv sitzt, kleine Irrungen zu vermeiden weil Gliederungen der neuen D. nicht immer nachweisbar und die G. St. Schriften selten Aufschluß gewähren. Wir bekennen freimütig, daß uns Bestand der 84. D. fremd ist, wir auch nicht wissen, ob unsre Vermutung für 4. Jgr. 4. R. Jgr. stimmt, die ja auch in Kurland bei der Kav. gewesen sein sollten. Linsingens 4. D. verlor 1850, 1. D. 1455, 22. D. 900, Moser 730, 41. R. K. 4400 (1030 v. 272., 1320 v. 268.), Bayern 1440, 32., 71. Thür. 884. Besser 1510, Gardekav. 53, 5. K. D. bei Kirchbach und Kav. Wedel 60, Summa 14 500, wovon 7600 nach Norden unter Befehlsbereich der 9. A. bei Logoschin. Der Kampf am Oginskikanal war also noch recht blutig für das vielgeprüfte 41. R. K., Linsingens Einbuße bei seinem dreitägigen Vorstoß bis Monatsschluß angemessen. Ferner noch 1530 v. 22. R. K. Ist das Nachtrag oder verweilten z. B. 203., 208. noch hier? Hessen 1000 (630 v. 83. R.) Bothmer: 1720 G., 930 R., natürlich litten hier die Österreicher vierfach. Württ. 720 ? 1., 3. Jägerrgt. 58. Summe für Süden 20 450. Hierzu Pioniere (116. Württbg. K. 25 bei Bothmer) und Artillerie. 9. A. Leopold: 84. D. 1800, 35. R. D. 1500 (72. L. W. 1350), 5. R. D. 2135, 49. R. D. 2200 (800 v. 225.). Woyrsch ungeheuer viel: im Anfang 4640, Monatsmitte 2340, Schluß 1665, von welchen 8650 jedoch 2000 zu Below in Kurland abzuziehen. Zusammen 14 500 inkl. sächsische L. W. Der Kampf von Sazawa und Jasiolda war also ernster als zu erwarten, wieder trug die brave schlesische L. W. die Hauptlast. Gallwitz: 5230 v. Goltz' 229., 230. R. 1655 Württ., 454 Pommern, 93. R. 150, G. 380, G. R. 1550 (45 Art.), Thür. 3900, Westpr. 5645, 344., 341. I. 1050. L. W. und Ers. 4000, wovon sächsische L. W. 3150 (1960 v. 101. mit Ers.-Batl. = 24 000 inkl. 4. Jäger (15 100 rechter Flügel). Eine Überraschung, denn H. B. läßt nirgends erkennen, daß auch jetzt Gallwitz den allerstärksten Kampf hatte. Der Bugübergang scheint ihm nicht leicht geworden, man erzählt da eine Geschichte von einem zusammengesetzten Res. R. (Hamburger, Berliner, Ost- und Westpreußen), von dem 6 Komp. sich abgeschnitten am Ostufer Tage lang behaupteten. Nirgendwo bei Scholtz findet sich eine Truppe, die derart gelitten haben könnte, nur bei Goltz, dessen 21. R. Jg. wir nicht mitrechneten. Schultz: Ostpr. 800, L. W. 1000 (775 v. 84.), Allensteiner 3835, R. L. St. 452, 329.–32. Inf. 1975 und 27. R. 793, 9. I. 935 = 9800. Eichhorn: Lietzmann 2100, L. W. 475, Saarbrücker 2965, Königsberg Ers. 2000, L. St. Rgt. 1., 2., 10. usw. 1285, Ers. (Kurnatowski 720) 1350 (6 Regimenter) 3. R. Jg. 549, Kav. 360 = 11 200, doch ist möglich, daß 800 Ostpr. von Scholtz hier beizurechnen. Es wäre merkwürdig, wenn man in der Wilnaschlacht wohlfeiler davonkam, als bei Scholtz' Vordringen über Grodno, wo anscheinend auch 75. R. D. damals noch bei ihm mitwirkte. Below: L. W. 1325, R. 1820 (1100 v. 59. R.), 36. R. D. ohne 54. I. nur 500, 20., 35. R. 367, Lauenstein 2 600 (1 158 v. 260.), schles. L. W. 2 000, Kav. 270 = 8 900, anscheinend zu wenig, vielleicht wirkten einige bei Scholtz verzeichnete Truppen bei ihm mit. Hier wie bei Eichhorn entspricht Kav. Verl. den wahren Verhältnissen. Dazu 425 P., 490 Art., 200 noch nicht gerechnete Jäger, 522 Minenwerfer usw. Total rund 90 500. Beute: 96 000 Gef., 37 Gesch., so wenig nach der neuen Mode, weil die russische Artillerie auf und davon fuhr, sobald die Dinge nur ein bißchen sengerig wurden. Das immer spärlichere und kostbare Material schonend, ließ sie das Fußvolk ohne Schutz, was dessen Blutverlust steigerte. Bei gewaltiger neuer Schwächung sowie Unterhöhlung des Aufbaugerüstes auch im Süden bei Dubno–Luck erwartete man Vorstoß auf Kiew, welche Umgruppierung Ludendorff vorschlug, der überhaupt darlegte, man müsse vorerst mit Rußland abrechnen und den Dingen im Westen ruhig ihren Lauf lassen. Zunächst ging freilich die serbische Angelegenheit allen vor, nach deren Erledigung hätte nichts im Wege gestanden. Doch Falkenhayn paßte das Dareinreden eines überlegenen Geistes nicht, er entschied sich für Offensive im Westen, wo er allein hantieren und sein Licht auf den Scheffel stellen wollte. Mit diesem folgenschweren Verzicht auf jede rasche weitere Ausnutzung des russischen Zusammenbruchs begann Deutschlands Niedergang. Denn nur mit den Waffen in der Hand ließ sich ein Separatfrieden von Rußland erpressen, den man durch vernünftige Überlegung vom Zaren zu gewinnen sich schmeichelte, in tiefer Unkenntnis der wahren Umstände, daß der Zar, innerlich Rasputingläubig, der seinen Untergang bei längerem Kriegführen weissagte, ein Gefangener des englischen Botschafters Buchanan war. Denn dieser gefährliche Intrigant drohte schon damals, wenn die Militär- und Großfürstenpartei nicht mehr bestimmenden Einfluß besaß und zum Teile selbst die Aussichtslosigkeit erkannte, dafür die revolutionären Elemente auszuspielen. Ließ man daher Rußland Zeit sich zu erholen, so wuchsen die Köpfe der bernäischen Hyder nach. Nur neue Stiche ins Lebensmark, wie es Wegnahme der Ukraine gewesen wäre, konnten Rußland friedensreif machen. Da dies unterblieb, hatte man den Ostkrieg noch nahezu 2 Jahre auf dem Halse, während er vielleicht nach Neujahr zu beenden war. XXIV. Gegenoffensive Immerhin war es eine seltene Leistung leichtfertiger Fälschung, wenn Kitchener orakelte; das Russenheer sei intakt geblieben. »Die Meisterschaft des russischen Rückzugs«, dessen mehrfache Geschicklichkeit wir nicht leugnen, erklärt sich wesentlich dadurch, daß wir eben nicht »an Zahl und Munition überlegen« waren, wie Kitchener phantasiert: recht naiv angesichts der sonst schadenfroh angepriesenen »unzählbaren Bataillone« des Barbarenreichs. Vielmehr, wenn man den Russen Millionen nach Millionen wegfegte, so besaßen sie doch immer wieder Übermacht, nur die Qualität sank fortwährend. Das wird von Mitkämpfern bestritten. Man merkte kein Nachlassen der Energie bei diesem schon ganz ungedrillten Volksaufgebot, aber es war doch himmelweiter Unterschied vom aktivierten L. St. unserer 83., 84., 86. D. oder all den neuen R. K. und der L. W., die sich wie Veteranen schlugen. An Kitcheners Verdrehung ermißt man den Fluch parteilicher Oberflächlichkeit, die sich nicht genauer unterrichten will. Welche Vorstellung bekam das unmündige Publikum von Deutschlands Streitmacht, wenn sie den Russen »an Zahl überlegen war« und gleichzeitig im Westen Millionenheere bekämpfte! So »unversehrt« blieb der russische Koloß, daß er fünf Monate brauchte, um seine verrenkten Glieder zu recken und ein Lebenszeichen zu geben! 14 Div. der Ostfront entziehend, durfte man mit möglichstem Minimum von Kraft dort auskommen. Bedenkt man, welche furchtbare Westschlachten gleichzeitig durchfochten wurden, scheint Deutschlands Ringen als titanisch. Umjubelt vom Betscherski-Regiment in seinem Hauptquartier, gab der Zar dem strammen Nikolaiwitsch, der bei der Kritik aller Narren in Ungnade fiel, einen Eselstritt nach dem Kaukasus und bedeutete Rußki, der Iwanows Verheißungen »absurd« nannte, sein Gesundheitszustand sei angegriffen. Iwanow kündigte im Oktober Linsingens Zermalmung an und drängte, als er seine Stoßkraft gegen Czartorysk schleuderte, nicht nur den Erzherzog verlustreich zurück, sondern auch am 18. Ostpreußen und Kurhessen, doch schon am 21. war der Vorteil aufgezehrt. Obschon plötzliche Kälte trübe Sumpfgewässer in Eisklumpen verwandelte, Marsch und Biwak verschlimmernd, für Artillerie undurchführbar, während der Feind mit schwerem Kaliber vom Styr herüberschoß, durchstürmte der Ostpreußen unwiderstehliche Heldenkraft die Ufer, auch Verteidigung von Czartorysk durch 83. Kurhessen war ein Heldenstück, zwei abgeschnittene Füs. Kompagnien verwandelten einen russischen Erfolg bei Kolki in verdutzten Mißerfolg, solche Nibelungenstreiche waren ja bei uns nichts Seltenes. Anfangs am 1. Oktober holte Iwanow sich sogar eine regelrechte Niederlage (5400 Gefangene), bei Czartorysk siegten wir anfangs, auch stürmisches Drauflosrennen bei Tarnopol am 8. kam zwar wiederholt in Bothmers Linien, doch die dort das Schlachtfeld besäenden russischen Toten legten nachher ein Zeugnis ab, daß der Feind zurückwich. Iwanows »Siege« verfingen sich in der eigenen Schlinge, ihre dicke Auftragung erweckte in Paris und London die Forderung weiterer Großtaten. Iwanow sträubte sich, die Wahrheit einzugestehen, sein fruchtloses Bemühen täuschte also Durchbrüche um jeden Preis vor und er gebärdete sich, als wolle er mit Gewalt den Sieg an seine Fahne fesseln. Doch fester Wille zum Sieg ermangelt der Kraft, wenn der Gegner sich auf kein Erschrecken einläßt. So bedeckte ein Anlauf auf Prinz Leopold nur die Russenfront mit Gefallenen, ein Massenangriff am 3. im Norden zwischen Postawy, Naroczsee, Smorgon verhalf nur zu ungewöhnlicher Einbuße des Angreifers. Unsere nördlich so weit vorspringende Front bog sich freilich im Süden erheblich rückwärts, wo sie in österreichische Stellungen überging, und hier hatte nun Iwanow endlich Czartorysk nebst 6 verlassenen Geschützen, von kaninchenhafter Fruchtbarkeit seiner Einbildung vermehrt. Doch bei weiterem Vordringen auf Kukle am 22. brach die Südspitze des 25  km tiefen Keils ab. 10. k. k. K. D. Herberstein schlug die Zuspitzung schräg beiseite. Des Erzherzogs Ulanen der Polnischen Legion zu Pferd und zu Fuß ließen sich so wenig von Kosaken einschüchtern wie Puhallas Geschwader, die weit die Podolische Steppe umspannten. Daß »preußische Batl. nahezu aufgerieben« seien, ist nach V. L. Fabel, nur 83er litten schwer, auch Bessers 220. R. Erst spätere Novemberlisten bringen bedeutenden Verlust der Ostpreußen und ähnlich der Hessen, weil jetzt deren Offensive begann. Weil Iwanow den ungünstigen Umschwung weder würdigte noch zugab, nahm das Ringen noch viel Zeit in Anspruch. Er war darauf versessen, den verfluchten Linsingen zu schlagen, weshalb sein Toben gegen Böhm und Bothmer nur Scheinmanöver, letzterer mußte am 31. westliche Höhen aufsuchen. Die Ostpreußen eroberten aber am 29. den Mühlberg bei Kamienuchi unter mörderischem Gemetzel mit blanker Waffe und der Erzherzog warf den Feind bei Ruska, Bessers 218. im September, 220. im Oktober gingen hier vorauf. Noch im November ließ Iwanow seinen Teufelstanz los, der sich freilich so abkühlte, daß Linsingen und seine Unterführer wieder zum Kormin vorrückten. Bothmer schien verwundbarer. Schon früher hatte der kraftvolle Bayerngraf für 75  km Front nur 70 000 Gew. gehabt, seine Ungarn gaben jetzt wiederholt nach, es ging hart her, bis er im Nov. erneut die frohlockenden Einbrecher über die Strypa zurückwarf. 48. R. D. und besonders die vielgeprüfte 224. R. Weimar fochten bis zur Vernichtung, doch zuletzt zersplitterten an Bothmers straffer Parade Iwanows Primen und Terzen, er steckte die Klinge ein, um lieber auf Pflanzer einzuhauen. Er und Brussilow, Dimitriew und ähnliche Schwarmgeister erfüllten die Luft mit leerem Tamtam, doch Bedächtige wie Rußki und Ewert sahen düster in die Zukunft, die Offiziere gaben sich keinen Illusionen hin, die Truppen spürten überall, wie es stand. Iwanow schlug geckenhafte Pfauenräder für die schönen Augen der schönen Marianna, nur die Schwätzer der Duma glaubten noch an ihn. Für ihn war Linsingen der beste Fieberarzt, er ließ ihn sich ausrasen und gab ihm dann eine kalte Douche. In die Zwangsjacke brauchte man ihn freilich nicht zu stecken, sein militärisches Talent bestreiten wir nicht. Wenn er nur seine echtrussische Aufschneiderei gemäßigt hätte! Neben den ganz plumpen Materialschlagern der werten Bundesgenossen im Westen macht er noch eine gute Figur, auch Rußki und Ewert manövrierten oft geschickt unterm Einfluß des Großfürsten, der übrigens seine Verbannung zum Kaukasus alsbald durch Türkenbesiegung ruchbar machte. Mit seinem Abscheiden verödete das großgeistige Militärische der Ostfront, wir unterstreichen aber zum Ruhme Ludendorffs, daß überraschenderweise die Entente nur in Rußland fähige militärische Köpfe hatte. Es war gottvoll, daß eine Null wie Pau den Russen Lehren geben sollte. Das russische Heerwesen stand sonst unstreitig unter dem französischen, in dieser Hinsicht bleiben sich die Dinge immer gleich wie die Rasseneigentümlichkeiten, doch die Sowjets haben auch militärische Begabungen gezüchtet, wie man denn die geistigen Fähigkeiten der Russen nicht gering veranschlagen darf, siehe Literatur. Wenn wir eine scharfe Sprache gegen ihr Barbarentum führen, ihre Verschlagenheit und Bosheit, so trifft das weniger die analphetische Masse als das abscheuliche System ihrer »höheren« regierenden Stände vom Isprawnik bis zum Fürsten. Darüber wissen unsere Gefangenen Bescheid. Doch stand es bei den Franzosen anders? Der Poilu war oft gutmütig, selbst der Schwarze manchmal ein Samariter, Offiziere und Beamte aber rücksichtslose Bestien. Ermordung Rasputins und Wittes, die lindern wollten, entsprach der bekannten Parole »Absolutismus gemäßigt durch Meuchelmord«, doch Jaures und viele Andere sind geradeso ermordet oder in contumaciam zum Tode verurteilt worden, weil ihr Vernunftreden »Defaitismus« hieß. Es rast der See und will sein Opfer haben! Du kennst den Schützen Poincaré, suche keinen andern! Durch diese hohle Gasse des Imperialismus muß er kommen, es führt kein anderer Weg nach Küßnacht – und zur Ruhr. Daß man den in den Wolken hängenden Sieg gefälligst jetzt bestimmt herunterholen müsse, versicherte an Iwanows Stoßflügel ein Tagesbefehl des kommandierenden General Brinken. (Auch so ein echt russischer Name. Die verfolgten Stammesbrüder waren allzeit getreuste Knechte des Zaren, eine Art Hofjuden, nur auf Badereisen in Deutschland empfahlen sie sich als Märtyrer, weil sie nicht alle fetten Stellen den Moskowiten wegschnappen konnten, was sie Russifizierung nannten). Doch Wenige teilten den sowohl kindlichen als verbrecherischen Optimismus, besondere Schlauberger des neutrale Geschäfte machenden Rumänien fügten Mark und Krone ihrer geheimen Münzsammlung bei, Bratianu schillerte in sonderbaren Farben und verpaßte den Augenblick, wo sein Kriegseintritt Rußland entlastet hätte. Trotz hochtrabender Redensarten, die im Nebelmond einen Nebel nach Petersburg verbreiteten, schnitt Iwanow auch im November schlecht ab. Seine Kollegen, ob sie russische oder deutsche Namen trugen, taten es ihm in Entstellungen gleich. Ewert schwelgte im erhebenden Bewußtsein glücklicher Oktobervorstöße und ließ als Beweismittel 5100 Gef. zurück, welche Ziffer (5226) er sich selber zuschrieb. An der Schleuse des Oginskikanals bekam er eine Schlappe. Daß der Stoß ernst gemeint, zeigt allerdings die starke Einbuße der unverwüstlichen Schlesier Winklers. Auf dem Kurländischen Schauplatz gewann Ludendorff in Fabeck ein tüchtiges Ausführungsorgan. Er bekam aber erst freie Hand, nachdem viele Einbrüche von überfallartiger Schnelle am Drysjawatisee, wo eine kühn attakierende russische Dragonerbrigade niedergeknallt wurde; südöstlich vom Narocz- und südwestlich vom Wizniesee abgewehrt. Die dann scharf südlich erst in senkrechter, dann gewundener Linie bis Smorgon laufende Front Eichhorns mußte im Rücken freigehalten werden. Die r. 12. Armee verschaffte sich Raum zum Aufmarsch, Fabeck mußte gegen die riesige Übermacht – denn die schwer aufs Haupt geschlagene 5., 10. A. bestanden immer noch in ansehnlicher Stärke – alles Entbehrliche von Eichhorn und Scholtz aussaugen. Daß sein Ringen im Oktober-November blutiger war als sonst irgendwo im Norden, obwohl Ewert auch bei Smorgon gegen Eichhorn heftigen Sturm entfesselte – auch dort veränderte sich die platte Ebene durch wahre Hügel fruchtlos geopferter Russentoten –, wird man aus dem sonst hier redseligen H. B. kaum entnehmen. Um so lauter reden die V. L. besonders 1., 255., 260. R. und selbst die zahlreiche L. W. bezahlten ihre Siege teuer, während Rußkis Blutbad kaum dem Iwanows nachstand. Während Fabecks Rechte manch harten Strauß bestand, endete Betastung seiner Linken westlich Dünaburg mit »Einstellen des Angriffs«, wie Rußki zugab. Am 9. Oktober spürte man aber Rußkis Generalangriff nach jeder Windrichtung, sowohl bei Illuxt als bei Widsy und am Miadziolsee, dessen Inseln uns als schwimmende Zitadellen dienten. Die Artillerie trommelte auf verschüttete Gräben. Am 14. zählte man bei Gotani vier große Stürme, doch die Stürmer stolperten über eigene wegsperrende Leichenberge. Die Chaussee bedeckte sich mit Haufen toter und verstümmelter Krieger. Als am 15. der Morgen graute, wälzte sich ein schleimiger Lindwurm von lehmiger Erdfarbe heran: 24 Glieder Tiefe, ungeheuerlich! Sechsmal wogten diese Kolonnen unter mähende Todessense, deutsche Feuerrohre starrten zielsicher entgegen, Maschinengewehre schütteten wie aus Gießkannen den Sprühregen ihrer Schrapnellgüsse. Ostpreußische und Rheinische R. neben 7., 22., 23., 37. L. W. schlugen Mann wider Mann drei Angriffe nieder, mit fünf war der 17. gesegnet. 4., 14. r., 5. sib. K. nebst R. Divisionen und finnischen Schützenbrigaden ließ Rußki in der Hölle deutschen Feuers braten. Am 18. überwog erschöpfte Betrachtung der aufgeschichteten Leichenhügel. Treue Sibirier folgten dem Beispiel der Polen, indem sie am 19. kompagnieweise überliefen, 2400 Gef. rekrutierten sich wohl teilweise daraus. Da Rußki noch nicht nachgab, wurde sein neuer Stoß westlich Postawy auf- und abgefangen. Mittlerweile verfolgte Fabecks Linke, das prächtige Schloß des Grafen Plotow bei Illuxt und das stattliche Brauereigebäude fielen nach sorgsam stiller Vorbereitung den Deutschen zu, Tausende (4300) ergaben sich ohne Schwertstreich dem schwungvollen Sturm, in der Kirche sang man nachher zu Orgelspiel das alte Trutzlied: »So fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen«. Die 17. r. D. ließ am Schloßberg 900 Leichen liegen, vier frische Schützenbrigaden hielten jedoch die Verfolgung auf. Das war am 23. Dies sollen die sechs deutschen Angriffe sein, die am 24. mit Emphase abgeschlagen wurden – im russischen H. B. Sintemal die »niedergemähten« Deutschen mit affenartiger Geschwindigkeit wiederkamen, wollten sie ihre Fahne bis über leichenüberfüllte verschanzte Kirchhöfe bis Eckau tragen und so geschah es. Die russische Gardeart. konnte gegen die deutsche nicht aufkommen, ihre Generale Hofmann, Gliedmann und Stabschef Hansen fielen, echtrussische Leute mit verruchtem deutschen Namen, offenbar Verräter des Mütterchens Rußland. Am 28. fabelte Rußki von Beschießung der Deutschen durch ihre eigene Artillerie, »die hinten stand«, (wo sollte sie sonst stehen?) und »Überstürzung«. Er ging sehr hübsch bei Iwanow in die Schule, diese Überstürzung erreichte schon den Rigaer Meerbusen, wo man Strandbatterien aufpflanzte. Neuausgehobene Letten und Esthen, denen der Deutschen- noch über den Russenhaß ging, bezahlten hier ihre patriotische Wut teuer. Auch im November sahen die 3. r. K. und andere ansehnliche Kräfte scheel zu, wie die kecken Deutschen den Ring um den »Ring von Riga« schlossen. Starke Diversion zwischen Schwanten- und Ilsensee führte nur zu halber Vernichtung ganzer Divisionen, gerade hier machte unsere Rechte den weitesten Sprung bis 5  km vor Dünaburg. Angespornt durch französische Siegesfabeln, die immer kleinlauter verklangen, verfiel Rußki böser Enttäuschung und machte später dem hoffärtigen Dimitriew Platz. Minsk bekam hohen Besuch, Luftflieger beehrten auch Riga, dessen Bedrohung einen Lebensnerv traf, im übrigen hatte man es ruhig bis zum Styr, nur selten tummelten sich beide Parteien innerhalb des Pripetgebietes, das Ewert mit sogenannten »Jagdkommandos« verseuchte, bäuerlichen Freischaaren, oft in erbeutete deutsche Uniformen gesteckt und heimtückisch aus Büschen schießend. Doch blieb er zwischen Minsk und Beresina eingeklemmt, wie die Nordarmee längs der Düna. Angelehnt an den Rigaer Meerbusen, beschoß Fabeck jetzt auch Dünaburg, doch ohne Erfolg. Denn dortige Bastionen bestanden statt aus Stein, Beton, Panzerplatten aus dickem Sand, in dem sich die Granaten verfingen. Ihre Anstelligkeit im Ausheben von Gräben, Aufwerfen von Erdauffüllungen übertrafen die Russen dort selber. Tiefe Gänge mit Stufen, überdacht von Balkengehege und Rasendecken, spotteten der Schrapnells, wo winklige Fuchslöcher in den Boden gegraben. Japan, freundlich über Europa hohngrinsend, spendete neue Geschütze für neue Rubel. Wer ahnte damals den Rubelkurs Null?! So weist seine natürliche Anlage Rußland auf Defensive hin, im Einzelkampf mit Deutschland läge es in wenigen Monaten ohnmächtig zu Füßen des Siegers. Beherzigenswerte Lehre für beide Teile. Jetzt schlang sich ein Gürtel verscharrter Erdwälle mit Brustwehren, tiefen Gräben, spitzen Pallisaden längs der ganzen deutschen Front, dem russische Sturmböcke nichts mehr anhaben konnten. Vielmehr richteten Bothmers Deutsche und eine Siebenbürger Honveddiv. mit Hermannstadt-Kronstadt-Landsleuten am Teich von Simicovice die r. 11. A. furchtbar zu. Begeistert durch die Nähe des Gospodars und Zarewitsch, zum Tode feierlich eingesegnet durch Popen in vollem Ornat, wie sie einst bei Borodino Muttergottesbilder durch die Reihen trugen, widerstanden die armen Muschiks doch nicht den Masch. G. vom Kirchturm, nachdem die Verteidiger der Kirche erschlagen und K. Marschall ein- und durchbrach. 224. R. sprengte das »berühmte Rgt. Dünaburg« und die sibirischen Schützen. Was den Teich im Rücken hatte, erstachen die Bajonette oder es ergab sich: 6300 Gef. »Hagen ließ er stehen und lief Gernoten an«, heißt es im Nibelungenlied, jetzt beehrte Iwanow den Linsingen mit seinem werten Besuch. Doch dessen hungernde Braven, oft nur auf Inhalt ihrer Brotbeutel angewiesen, im Matsch knietief versinkend, oben Granatengeplatze unten Grundwasser, vergällten ihm die innige Schadenfreude. »Das Feuer aus dem Harnisch er ihm zu hauen begann«, wieder mußten sich Kompagnien mit toller Verwegenheit durchhauen in einer Feuergasse. Da gellte der Schlachtruf »Rache für Czartorysk«, gemeinsam mit abgesessenen Ungarn stießen die in die Enge Getriebenen alles nieder, was aus dem Styrsumpf herauswollte. Iwanow jubelte, »er schlug ihm eine Wunde, die war tief und lang« unter überschwänglichen Glückwünschen, »da priesen ihn die Seinen als streitbar und gut.« Doch als sein grimmer Gegner »der Wunde ward gewahr, das hat mich erst erbittert«. Und als der Russe ihn wieder anrannte, ließ er »ihn schlagen nicht einen Schlag, mit Schüssen und mit Hieben lief er ihm entgegen«. Hohe Brände bezeichneten das Entweichen der Angreifer aus vier Befestigungen hintereinander, der Sümpfe Eiskruste brach, Tausende ertranken, 4000 Tote, 12 000 Gef. lagen am Westufer. Bald war vollzogene Tatsache, daß Iwanow sich nie wieder dort niederlassen dürfe. Nur durch Aufopferung des Fußvolkes konnte er seine Artillerie retten, wagte sich nicht mehr für Fechterstreiche in solches Schlachthaus. Vorläufig, denn seine Ehrsucht mußte sich Siegesbulletins sichern, so lange sein Heerkadaver sich solche Stoßtaktik gefallen ließ. Kein Mann wurde dem deutschen Marsch nach Westen oder Serbien entzogen, wenn er sich dies zu erzwingen einbildete. Oder tönte er nur ein Echo aus blecherner Kindertrompete nach für geschmacklose Siegesfanfare, die aus Arras und Loos herübertönte? Nur gleichartiges Echo einer geifernden Blamage. Erst Ende Dezember ordnete Iwanow umständliche Bewegungen an und verbrannte zur Weihnachtsfeier Dörfer statt Kerzen, wo er mit der neuen Beßarabischen Armee in die verwundbare Stelle der Bukowina traf. In der Sylvesternacht gratulierte er auch Bothmer, auf dessen Vorfeld am rechten Flügel bei Bucacz er eine Hekatombe von Gefallenen zum Jahresabschied türmte, mit rasender Kanonade, am Neujahrsmorgen mit rasendem Sturm. Die Schanzen bei Bukanow donnerten ihm ein Prosit Neujahr entgegen, dessen unhöfliche Aufnahme seiner Begrüßung ihn so erboste, daß er wie besoffen ins Feuer rannte. Ende: Verbrauch der ganzen neuen R. A., in Stücke zerbrochen. Wo er Gewalthaufen 16 Glieder tief aufstellte, als sei es an den üblichen 12 nicht genug, zerstoben sie wie Spreu im Winde. Die Schlächterei warf auf Serbiens Zertrümmerung nicht den fernsten Schatten und die im Norden von 20 auf 30° steigende Kälte trocknete an Linsingens Front den weichen Boden, während am Opinskikanal alle Bretterstege, Knüppeldämme, Unterstände von Nässe volliefen. Schneepflug-Lokomotiven, Bohrmaschinen für steinharten Boden, Schlitten, Wärmezellen für Wasserdampf, Filzmatten und Holzplatten als Grabendiele, Schneeschuhe, Pelze, Wollsachen, wie konnte Rußland solche Vorkehrungen unserer Kriegsindustrie nachmachen! Vor Bucacz erfroren mal 800 Russen an einer einzigen Stelle. Das Ausland ließ sich durch Phrasen blenden, damals schrieb ein Schweizer: »Käme es auf Heldenmut an, dann gewänne Frankreich den Krieg«. Solche Albernheit verdient Anprangerung. Nichts gibt den Franzosen solchen Vorrang, nirgends entdeckt man ungewöhnliches, denn stürmischen Elan konnten auch Russen und Briten aufweisen. Bei den Deutschen stand Ungewöhnliches auf der Tagesordnung, im größten aller Kriege seit Erschaffung der Erde schwangen sie sich zur größten Leistung auf. Iwanow verschmolz 10 Div. neuer Truppen (L. W. und L. St. 2. Kl.) mit alten Überresten. Er legte ausgiebiges Trommelfeuer auf Einzelpunkte abgegrenzter Zonen, dann rasten tiefgegliederte Massen mit viehischem Hurrahgebrüll los, die ersten Reihen mit hocherhobenen Händen, die dann plötzlich Handgranaten warfen, die letzten Reihen hinten von Masch. G. bedroht, wenn sie Miene machten zu weichen. Abenteuerliches Vorgehen von Tscherkessischer und Kosakischer Reiterei setzte nicht stahlharte deutsche Nerven voraus. Bald schmolzen Bataillone von 1000 auf 130 Mann. Am 19. Januar erquickte man sich an besonders gediegener Schlächterei mit der Parole: »Der Zar befiehlt Czernowitz zu nehmen, der Soldat darf dort zwei Tage plündern.« Bravo! Es ging hoch her, der Leichenschmaus mundete bitter und verpestete die Luft. Vor einem einzigen Bataillonsabschnitt Bothmers lagen 800 Tote und General Leontiews täppische Munitionsverpulverung am Südflügel bekam ihm gleich übel gegen Steirer und Kroaten. Bei Bucacz riskierte man Vorschnaufen von Panzerautos, doch sie wurden ebenso abgeschossen wie die fünf Staffeln des Fußvolks. Das ganze harmlose Vergnügen kostete 70 000 Tote und Verwundete. Nichts konnte die Niederlage abwenden, obschon Iwanow sich, wenn er abblitzte, wie der Recke Iring des Nibelungenliedes benahm: »Einen ließ er stehen und lief den Andern an!« Bothmer glich dem grimmen Hagen, »das war ein übler Mann«, doch ein Kirchhof im Bereich Linsingens füllte sich auch mit neuen Russengräbern. XXV. Serbien Daß man die Nationaloper »Für Gott und den Zaren« so mit neuem Waffengerassel spielen durfte, verschuldete Mackensens kunstloses Nachlaufen, dem der Feind überall entkam. In Anerkennung solcher Verdienste setzte man den neuen Feldmarschall nach Serbien, wo man ihm sonderbarerweise Gallwitz, den Sieger der Narewschlacht, unterstellte und eine k. k. Armee Köweß. Diese gewandten Unterführer, die energischen Bulgaren und die eigenen unvergleichlichen Truppen vereinten sich mit den minderwertigen (deshalb hochgepriesenen) Serbischen, ihm einen Lorbeerkranz zu flechten, an dem seine Oberführung herzlich unschuldig war. Denn zu »führen« gab es hier nichts, sondern nur drauflos zu marschieren; die Serben leisteten in denkbar stärksten Bergstellungen elenden Widerstand. Wie wir dies trotz aller Tiraden des H. B. wissen? Durch die äußerst geringen Verluste der deutschen Truppen. Sobald mal die Donau überschritten, hatte man gewonnenes Spiel. Den berühmten fünffachen Donauübergang vollendete aber Mackensen, indem er allen Regeln der Kunst hohnsprach. Der Serbische Feldzug glich inzwischen einer lustigen Zauberposse mit Bergkulissen, die aus der Ferne imponierten. Bloße Kletterpartien gegen völlig unzulängliche Gegner, das beweist der Oktoberverlust. Bayern 1600, Württbg. 558 und 22. R. K. 930. Dies sind die einzigen für uns feststehenden Verluste, denn was ist »10. D.« in Serbischer Meldung? Was sind die Ost- und Westpreußen? Vermutlich 2. Jäger (715) und einige Rgt. »Thüringer und Hessen«. Es ist uns versagt, tiefer in die Geheimnisse dieser Truppengliederung einzudringen. Obschon uns verwegenste Zerreisung der Verbände nicht wundern würde, verdrießt uns die Zumutung, es könnten ost- und westpreußische Bestandteile älterer K. hierher gewandert sein. Indessen ist dem so: 1175 v. 151. und 800 Westpr., 1000 Thüringer und Hessen bluteten hier. Inkl. 4. Jg. (151) rund 7000. Österreicher geringer und beträchtlicher bulgarischer Verl. gehen uns nichts an. Hier sei der ganze Oktoberverlust in Rußland zum Vergleich verzeichnet. Bothmer litt entsprechend: 48. R. D. 3880 (1885 v. 224.), Garde 790 (420 Schützen), 54. I. 577 usw. = 5300, seine österreichischen Korps natürlich dreimal mehr. Linsingen: 1. D. 690, 22. D. 1670 (1175 v. 83.), Besser 1815 (990 v. 220.), Gardereiter 76, andere Kav. 100 = 4350, überraschend wenig, doch ist 41. R. K. (3200, 1258 v. 268., 269.) beizurechnen, vielleicht auch Teile Woyrsch (2000), sächs. L. W. (570) der A. Leopold. Frühere A. Gallwitz: 945 G., 655 G. R., 248 Pommern, 93. R. 410, L. W. 1900 (805 v. 89.), Thüringer 578, Westpr. 800, Wernitz 800 = 6350. Scholtz: Pommern 390, Allensteiner 2000, Ostpr. 2. D. 1550, L. W. 2475, L. St. 380, 5. R. D. 1925, 329.–32. I. 1240 = 10 800 inkl. 800 sonstige R. Indessen trat ein Teil davon unter Eichhorns Kommando. Bei ihm 76. R. D. 2655, 75. R. D. 1455, bad. Ers. D. 1467, Königsberg 1040, Ers. 720, L. St. 768, Reiterei 300, Saarbrücker 8835 (unter Beirechnung der davon abgetrennten 97., 137.) sowie 52. R. 600 (wie denn 5. R. D., 2. D. von Scholtz bei ihm fochten) = 17 800. Below: 2400 schl. L. W. (1930 v. 7., 37.), 1. R. K. 4100, L. W. 5350 (1215 v. 33., 1125 v. 4.), 39., 40. R. K. 4900 (1120 v. 255.), 6. R. D. 600, Reiterei 1475, 345.–52. I. 1600 (1335 v. 349. I.), 371.–81. I. 4825 (2485 v. 372.) = 25 250. Der Kurische Feldzug verlief also unvergleichlich ernster als der Serbische. Bei unsern Tabellen werden eben statistische Pfosten eingerammt, Einzelgenauigkeit aber wird ungeheuer erschwert durch die vielen vermischten Neubildungen. Wer soll begreifen, daß Generalkommandos des 4., 10. R. K. in A. Gallwitz lauter ihnen fremde Bestandsteile hatten: 101., 103., 105., 107. D., 11. b. 3. K. während A. Köweß 22. R. K., 26. D. bekam! Vielleicht 1250 v. 6. D. in mittleren Novemberlisten und einiges andere dem Oktober beizuzählen, jedenfalls aber Kampf im Norden unverhältnismäßig blutiger. Außerdem 715 Art., 1240 P. (385 v. 23.). 142 Radf., 172 Masch. G., 169 Mineurs, 123 Schipper = 2600 auf Below und Eichhorn zumeist zu verteilen. Bei Eichhorn ist wohl einiges besonders von 38. R. K. auf September zu übertragen, obschon sehr möglich, daß die Listen die Wahrheit sagen: Schlacht bei Wilna minder ernst als Oktoberschlacht bei Smorgon. Ferner möglich, daß Eichhorn Kräfte an Fabecks Rechte lieh. Bei der L. W. tauchten schon 349., 350. auf. Total 82 000. – Überm Konak (Königsschloß) Belgrads wehte schon am 9. Okt. die deutsche Fahne, 44. R. D. war mit einem Satz über die Donau, nachdem ihre Vorderkompagnien die Zigeunerinsel in einem Kampf Einer gegen Zehn den Serben aus den Zähnen rissen. Allerdings war unsere Kanonade überwältigend, doch eine starke Serbendiv. der 3. A. Jurisic hätte die äußerst feste Stellung unter allen Umständen halten können, da das 8. öster. K. auch nur einen Teil über den Strom brachte. Man denke sich Belgrad von Deutschen verteidigt, »kein Bein« wäre lebend über das vom Kugelregen durchsiebte Wasser gekommen, obendrein bei Hochwasser und einem Sturm, daß die Pontons kenterten, Menschen und Fahrzeuge von der Flut weggerissen. Die aufs doppelte verstärkten Serben zeigten sich nicht mal fähig, am 15. den Avalaberg zu behaupten. Noch unglaublicher war Gallwitz' plötzlicher Übergang am 7. gegenüber dem hohen Anatamaberg und Ram, wo 101., 103. D. (genannt 10. R. K.) ohne weiteres hinüberschifften und gleich 14  km Gelände des Südufers besetzten. Woiwod Missic, Befehlshaber der 1. A., ließ sich durch Manöver bei Orsova täuschen? Dann waren es eben Toren, denn ein Kind konnte begreifen, daß der Gegner eine große Donauinsel weit östlich Semendria benutzen werde, wo dann auch 11. b., 105. D. zuerst in kleinen Boot-Paketen, erst allmählich in Pontons übergingen. Als die Serben sich von blöder Überraschung erholten, stürzten sie sich mit zehnfacher Übermacht auf die wenigen übergesetzten Abteilungen, die unverzagt angriffsweise entgegenkamen und am 10. die Ramhöhen erstritten. Hätten hier auch nur wenige Beherzte gestanden, so hätten sie unfehlbar die Übergesetzten in den Strom gestürzt. Auch unsere besten Krieger sind keine Halbgötter, und wenn die Bayern bei dieser Gewaltprobe nur 10, 400 verloren, so genügt dies völlig, um über den serbischen Heldenmut ins Klare zu kommen. Nur wo sie in Festung Semendria wohlgedeckt auf die in klitschnassen, vom Wind umgelegten Kukurezfelder des Nordufers schießen durften, hielten sie das 3. K. im Zaum. Bei ihm erriet wohl auch niemand, daß es aus 6., 25. D. bestand. Ebenso gut wie hier hätte der Übergang auch bei Belgrad mißglücken sollen und müssen, wie ja auch das österr. 19. K. westlich an der Save nicht hinüberkam. Mackensens Verfahren konnte daher nur mit zwei Faktoren rechnen: blindem Glück oder, was das nämliche, Unfähigkeit und Feigheit der Serben. Sobald 43. R. D. die Avala nahm, wichen sie auch vor 3. K. aus der Festung Semendria und ließen sich die feste Reljelinie abnehmen. Bei Pozarevac ballten sich drei serb. Div. (48 Batl.) in überstarker Stellung. Sobald aber Flankenbedrohung links und rechts bemerkbar wurde, riß Missic vor dem Frontalanpacken des 4. R. K. einfach aus und setzte sich erst an den Pforten der Kolumbara, des wildesten, unwegsamsten Gebirges von Europa. Den Bayern kostete ihr unablässiges Hinauswerfen der Vaterlandsverteidiger aus einer Höhe in die andere 15, 600. Die 26. D. bei Köveß kam ohne Kampf als Reserve hinüber, ebenso 107. von Gallwitz, dessen übrige Div. nur den Bayern ins nördliche Morawethal folgten; man kann daher unsere Gesamteinbuße bis 17. auf höchstens 3000 schätzen. Wie die Großtaten schwäbischer und auch österr. Pioniere, dieser glänzend geschulten Truppe, bei Belgrad nie unter solchem Unwetter den Strom bezwungen hätten, wenn die Serben nicht so schwächlich ihre Königsburg verteidigt hätten, so war diese rasche Niederwerfung der Avala- und Pozarevaclinie mit so geringem Verlust trotz schlüpfriger, sturmzerwühlter Wege nur möglich bei elender Haltung der serbischen 1., 3. A. Sie konnte auch von Glück sagen, daß das österr. 19. K. in der Mocwa und oberen Drina festgehalten wurde, und erst am 19. Obrenovac, am 25. Waljewo nahm, bis dahin durch serbische L. St.-Freischaren unermüdlich belästigt. Nur von diesen gilt, daß sie »mit Ingrimm fochten« (Stegemann), während »auf der ganzen Nordfront« davon keine Rede sein kann. Und diese verzagten Serben hatten sich als Besieger Österreichs gefühlt, 10 Monate ausgeruht, während die Deutschen fast alle am Bug abgekämpft waren. Sie gingen guten Mutes an die neue Donauarbeit, so sehr übertraf deutscher Kriegerwert auch den der Westvölker, die immer gleich mürbe, langer Erholung bedurften. Insofern strahlt der serbische Feldzug in hellstem Glanze für die Truppen, nicht die Führung. Der serbische Feldherr Putnic hatte 2 Div. Juresics aus der Mocwa ins Rudnikgebirge gerufen und dachte so die Schlacht anzunehmen, zu der jetzt auch 6. Div. im beschleunigten Tempo östlich Kragujewac heraneilte. Mittlerweile überrannten aber die Bulgaren die 4. A. Gojcovic im Timoktal und der beste serbische General Stepanovic vermochte auch im Süden dem ungestümen Feind nicht den Eintritt ins Wardartal zu verwehren, von wo angeblich ein französisch-britisches Hilfsheer kommen sollte. Die großen Herrn der Entente blieben jedoch ihrer Gewohnheit treu, die kleinen Völker ihren edlen Zwecken »für Freiheit und Recht« zu opfern und beeilten sich keineswegs, ohne damit zu rechnen, daß den Mittelmächten der Boden unter den Füßen brannte, im Balkan fertig zu werden und so endlich die gerade Bahnlinie Berlin–Wien–Kanstinopel zu öffnen. Auf dieser Front gegen den »treulosen« Nachbar, den sie doch selbst im Balkankrieg geopfert hatten, stritten die Serben allerdings mit Wut. Dagegen zeigten sie bis 23. bei Palanka keine Lust zur Gegenwehr, die Bayern und 122. R. der 105. D. standen schon am westlichen Morewufer, bulgarische Reiterpatrouillen reichten Gallwitz die Hand. Mit einer durch nationale Rachsucht erhitzten Tapferkeit zerschlugen die Bulgaren trotz großer lokaler Schwierigkeiten die ganze Grenzfront Nisch–Üsküb. Von da ab ging alles für sie glatt durch Ebene, während im Landesinneren die Kolumbara uns unübersteigliche Hindernisse zu bereiten schien. Nichtsdestoweniger verbesserte sich der schon an den Pelonkabergen so mittelmäßige Widerstand keineswegs; 22. R. K. erstieg den Rudnikpaß, Kragujewac fiel beim ersten Anhieb, 3. K. löschte den Stadtbrand; am 23. Nov. fielen die dahinter aufsteigenden Höhenrücken vor 11. b., 6., 26. D. Die Württemberger hatten geringen Verl., die Bayern ließen auf dem langen Worawamarsch, wobei sie im Lepnicatal nebst den Schwaben von 122. R. ein hitziges Gefecht hatten, wieder nur 600 und in den Novemberkämpfen nicht viel mehr. Zeigt das nicht deutlich die Geringfügigkeit des serbischen Kampfwerts? Wir betonen nochmals, daß im Oktober höchstens 8500 Deutsche bluteten, 6. D. einbegriffen. Und das heißt hoch rechnen, denn wenn 11. b., 6., 26. D., 22. R. K. zusammen nur 4500 verloren, so ist nur für 105. D. ein ähnlicher Verlust denkbar. 101., 103. fochten offenbar sehr wenig, 107. laut Oktoberlisten noch gar nicht. Daß Mackensen noch genügend frische Reserven besaß, zeigt sein Absenden von 22. R. K., 11. b. D. nach Frankreich schon nach der ersten Novemberwoche. 22. R. K. bestand vorher einen starken Kampf bei Kraljevo–Krusovac bis 7. Nov., wo die Serben viele Tage die Brücke der West-Morava verteidigten. Dies stimmt daher vollkommen zu den Novemberlisten, die erst jetzt größeren Verlust der Brandenburger ausweisen. Nur der schlimme Charakter der Bergwildnis steigerte jetzt unsern Verlust im letzten Verzweiflungskampf der Serben. 26. D. verlor aber nur dann mehr als im Okt. falls 122. I. bisher von ihr getrennt, wieder zu ihr stieß, was insofern wahrscheinlich, als es noch Neujahr mit ihr bei Ypern focht. Vier preußische Jägerbatl. litten so ungemein, 3 davon im November, daß nicht angängig, sie anderswo (bei der Kav. in Kurland) anzunehmen. Für sie war ja dieser Bergkrieg das geeignetste Kampffeld, auch steht fest, daß später eine Jägergruppe unter Otto v. Below im Wardartal auftrat. Bedenkt man, daß sie von Köweß im Ibartal über Novibazar westlich, von Gallwitz nordwestlich, von den Bulgaren südwestlich in die Schraube genommen wurden, nachdem Stepanowic' tapferer Verzweiflungsstoß nach dem Wardar gescheitert, so liegt auf der Hand, daß sie sich im Amselfeld vor Pristina wütend wehrten und bei Durchschlagen südwärts nach Albanien ihre ganze Kraft zusammennahmen, also hierdurch unser Verlust bedeutend stieg. Wir zweifeln nicht, daß bei richtiger Leitung die Kapitulation des ganzen Serbenheeres möglich gewesen wäre, von dem nach gräßlichem Rückzug durch schneeberieselte, orkangepeitschte Einöde sich noch 50 000 Soldaten und Flüchtlinge, Bewaffnete und Unbewaffnete, bei Skutari sammelten und auf italienischen Dampfern nach Korfu fuhren. Die liebenswürdige Entente beschlagnahmte aus freier Hand diese Griecheninsel, welche schwere Neutralitätsverletzung natürlich »für Freiheit und Recht« geschah. Wehe König Konstantin, wenn er darob gemuckst hätte! Dagegen scheuten sich die Mittelmächte, irgendwie die neugriechische Grenze anzutasten, was für ihre Operationen gegen Saloniki nötig war, welche griechische Stadt die Entente gleichfalls zur Hochburg der Gerechtigkeit erhob. Würde Konstantin Einspruch erhoben und der Ententesöldner Venizelos wegen deutscher angeblicher Neutralitätsverletzung Griechenland zum Kampf fortgerissen haben? Sehr unwahrscheinlich, denn wie die Armee dachte, zeigte später der Übertritt eines ganzen griechischen Armeekorps, das nicht für die Entente kämpfen wollte, und die tapfere Beharrlichkeit, womit das Volk später der Hungerblockade trotzte, mit der die Völkergouvernante England das heilige Hellas zu Ententeidealen erzog. Es bleibt also verächtliche Michelschwäche der deutschen Politik, daß sie sich auf eine Abwehrflanke gegen Saloniki beschränkte, statt die kleine Armee Sarrails, dem Joffre dort einem stillen Wirkungskreis anwies, sofort ins Meer zu drängen, ehe ihm größerer Zuwachs blühte. Noch waren es lange nicht 35 000, wie vorgesehen, später über 100 000, Überbleibsel des Gallipoliabenteuers. Daß die stärkste Flotte nichts gegen Strandbatterien erreicht, wird dort bewiesen, unsere Artillerie hätte der Flotte kaum erlaubt, die Einschiffung zu decken, jedenfalls war Behaupten Salonikis unmöglich, sobald die Landbefestigungen und die Besatzung überwältigt. Ursprünglich mag auch deutscherseits so etwas beabsichtigt sein, denn deutsche Brigaden erschienen im rechten Flügel der bulgarischen Wardararmee. Doch bald erstarb jede Initiative unter dem linden Säuseln der geheimrätlichen Wilhelmstraße und das kleine strategische Unreinlichkeitstüpfchen Saloniki entwickelte sich zu fressender Schwäre. Betrachten wir Novemberverlust in Rußland, so treffen wir: Bothmer G. 820, 48. R. D. 4150 (224. N. 1437) usw. = 5000, Linsingen 1. D. 2800. 22. D. 2400 (839 v. 167.) usw. = 5500. Schlägt man österr. V. L. noch so hoch an, wird doch klar, daß man relativ zu viel Geschrei von den Südkämpfen machte, denn sogar Prinz Leopold litt ähnlich: 49. R. D. 2750, Woyrsch 1900 (1385 v. 38. L. W.) usw. = 5000. Eichhorn, der jetzt die frühere Front von Gallwitz übernahm und nach links die Strecke südlich des Narocz, wobei die um Leopold verschobene 5. R. D. endgültig ihm zufiel: 3200 Saarbrücker 38. R. K. 2000 (253. R.), 5. R. D. 1000, 86. D. 3515 (2915 v. 341.) Ers. 3200 Kav. 250 = 13 200, woraus ersichtlich, daß die Schlacht an der Beresina bis Narocz nie abriß. Verlust der am linken Flügel stehenden Saarbrücker im Oktober-November gibt zu denken, daß der Feind offenbar schon damals in dieser Richtung sich anstrengte, stets ohne Spur von Erfolg. Scholtz mit Neugruppierung jetzt nördlich verschoben, wo früher Belows Rechte stand: 3700 (1385 v. 2. D., 64 v. 23. P., 350 v. 349. L. W.) Fabeck: 4450 R. (1. R. 1210) 39., 40. R. K. 7200 (1247 v. 260. R.) L. W., L. St. 2665, 1. R. Jg. 325, Kav. 465 = 15 150. Im Vergleich zum Oktober besänftigte sich also das Ringen ein wenig. Nun also Serbien: 22. R. K. 2215 Württ. 1000 und 1000 v. 122. R., Bayern 853, 6. D. 3950, Moser 1300, 4. Jg. 244, 1. R. Jg. 275, Gebirgsmasch. Abtl. 296, alles Übrige ist Konjunktur, etwa 800 Westpr., 1625 Ostpr. (1441 v. 41. ?) Thüringer 2000 (72. R. 1000?), 25. D. 2800 (1643 v. 116. I.) usw. = 18 400. Ferner sind zu verteilen 8500 neue Inf. auf die Nordarmeen 780 Art., 111 P., 260 Diverse, 590 Extraverl. Total 76 000. Man soll nichts verschwören, doch es scheint kaum möglich, daß 101., 103., 105. D. mehr verloren als andere Teile, 101., 103. kamen wohl erst im Nov. vor Pustina ernstlich zum Schlagen; die Bayern verloren in beiden Monaten nur 57, 2400 (wieder 13. R. allein 1060), was, gleichmäßig auf 10 D. erweitert, 24 000 ergibt, nicht wie nach unserer Berechnung 26 000 und was obendrein als Norm nicht zutrifft, da 26., 107. (die zu Eichhorn zurückging) 43., 44. R. D. weit weniger verloren. Vermutlich haben wir also noch zu hoch geschätzt. Das erst am 12. über Kragujevac nachrückende Alpenk. hat erst eine Dezemberliste, die also wie auch eine der 107. D. zu Nov. gehören könnte, doch ist möglich, daß bei Verfolgung nach Albanien oder Wardar Gefechte stattfanden. Bezeichnenderweise litten die Jägerbatl. am meisten, auch die 2. des 22. R. K. Denn das Ganze war ein Weidmannspirsch, wie auch wohl etwas vom neuen Jäger-Alpenk. schon im November hier zu rechnen aus Dezemberlisten. Erkennbar sind für 101., 103., 105. D. die Rgt. 41, 45, 152, 71., 32., 72. 4., 129., 175., 122. R. Leugnen läßt sich nicht, daß drei davon erheblich litten und 6. D. (20., 24., 64.) auch, doch im Ganzen will das nichts sagen! Auch etwaige Nachträge aus Dezemberlisten (vielleicht 4500, die aber als Wardar-Verluste denkbar) ändern wenig das Bild. Daß ein Feldzug, der in 2 Monaten so wenig kostet, nichts Ernstes bedeutet, ist klar. Damit soll natürlich nicht die herrliche Haltung, besonders des 22. R. K., in wildem Gebirge beeinträchtigt werden, wohl aber das Fama-Geschrei, als ob Mackensen dort Cäsars veni, vidi, vici hätte sagen können. Die Helden des Tages waren die Bulgaren, ihrerseits begünstigt durch flankierende Lage ihrer Grenzen. Ohne sie hätte man an die kecken Donauübergänge nicht denken dürfen, obschon wir Mackensen zutrauen, daß er auch ohne dies sein Glück im Draufgehen versucht hätte. Man spie zuvor den unglücklichen Potiorek an, munkelte sogar von Verrat, weil sein Mißerfolg gegen Serbien nach anfänglichem großen Erfolg (»Belgrad liegt zu Füßen Ew. M.«) nicht verstanden wurde. Die k. k. Sanitätsschlamperei trug ihm dies ein, obschon gerade er nicht wie Mackensen ins öde Hochland, sondern in Serbiens Kornkammern einbrach. Doch nicht seine Führung wurde besiegt, vielmehr handelte sie weit richtiger nach den Regeln der Kunst, indem sie einheitlich an der Westecke stieß. Mackensens fünf Donauübergänge sind theoretisch verdammenswert, hier gab es keine »Scheinmanöver«, sondern jeder Brückenschlag war ernstgemeint. Was Flußüberschreitung ins Gelach hinein angesichts wachsamer und überlegt handelnder Feinde bedeutet, lehren Aspern und Katzbach, zugleich lehren Napoleons ungeheure Vorbereitungen vor »Wagram«, wie sehr bittere Erfahrung die Schwierigkeit würdigte. Dabei kamen ihm obendrein noch Donauflottille und Lobau zu statten, was alles an der serbischen Donau fehlte, die auch dort viel breiter als bei Wien und hinter der ein Hochplateau mit Hochgebirge im Hintergrund aufsteigt. Gallwitz' am östlichen Donaubruch übergehende Abteilungen verdienten von Rechts wegen das Los der Franzosen an der Schwarzen Lake. Das alles glückte, auch bei Belgrad, wo die österreichischen und deutschen Pioniere unsagbare Mühe hatten? Jawohl, wenn zwei Brandenburger Kompagnien auf der Ziegeninsel zwei serbische Regimenter in die Flucht schlagen und anderswo bei Gallwitz sich Ähnliches begab, d. h. wenn völlig abnorme Truppenleistung gegen abnorme Untüchtigkeit in Frage kommt. Wellington sagte bescheiden, was sonst nicht seine Art: »Mache ich Fehler, reißt mein Heer mich heraus.« Da übertrieb er, aber bei Mackensen trifft zu, daß man mit so unvergleichlichen Truppen selbst den Teufel aus der Schanze schlagen könnte, selbst wenn man nichts als Fehler macht. Das Nämliche gilt für den Gebirgskrieg, wo unerhörte Umgehungskletterei verlangt wurde, aber unverdrossen der deutsche Musketier und Jäger das Unmögliche vollbrachten. Die Deutschen fühlten sich eben ganz so wie einst die römischen Legionen in ihrer besten Zeit und eine »Zehnte Legion« gab es nicht, denn alle standen auf ungefähr gleicher Höhe. Die Serben aber erinnern lebhaft an die glorreichen Belgier, nur gegen den bulgarischen Todfeind schlugen sie sich erbittert, vor den Deutschen hatten sie sofort einen heillosen Respekt, der sie seelisch übermannte. Und das nach der Großprahlerei über Potioreks unverdiente Niederlage! Die liebe Entente konnte mit ihrem rührenden Stolz auf die »Märtyrer« Serbien und Belgien einpacken, obschon noch heute bei ihr das Geschwätz über deren Heldenmut im Schwange geht. Übrigens retirierten die Serben mit solcher Geschwindigkeit aus ihrem Land hinaus, daß die Schlacht bei Pristina wiederum kein Sedan wurde. Wo Mackensen die Schraube drehte, da lief die Maschine schlecht. Daß die Reklameberichte über völlige Vernichtung der Serben maßlos übertrieben, zeigt ihr späteres Fechten bei Saloniki, in Frankreich und Rußland, da sie sich doch nicht aus ihrer Heimat rekrutieren konnten. Dieser blendende Feldzug wurde erledigt durch die Truppen, dem Staabschef Seeckt kommt das Verdienst zu, daß er sein Möglichstes für den Nachschub tat. Trotzdem bildeten sich die braven Soldaten zu Hungerkünstlern aus. Wir wollen das unermeßliche Selbstvertrauen des schneidigen Mackensen, dessen prachtvolle Kriegergestalt äußerlich faszinierend und repräsentativ wirkte, nicht beleidigen. Doch es stimmt bitter, daß sein »Ruhm zum Himmel stieg«, wie der Dulder Odysseus sich vor den Phäaken rühmt, während eines der größten Kriegsgenies aller Zeiten im Norden versauerte und umsonst in Falkenhayn drang, eine Umgruppierung gegen Kiew zu etwas Großem zu gestalten. Mir wollen nicht an persönliche Mißgunst glauben, zumal Ludendorff in seinen Schriften ritterlich das ihm angetane Leid vergißt, was bei einem stolzen ehrgeizigen Mann bis ins Mark fraß. Doch ein Oberleiter von subalterner Auffassung braucht eben nur subalterne Köpfe, alle geniale Himmelsstürmerei war ihm ein Horror. Seltsamerweise ließ F. aber seinen berühmten Feldmarschall Mackensen jetzt in der Versenkung verschwinden, aus der ihn erst Ludendorff wieder hervorholte. Als Unterführer in Rumänien war er an seinem Platz und benahm sich so erfreulich, daß er dort den Donauübergang viel richtiger praktizierte als in Serbien. Dort sank unser Verlust im Dezember auf 185 Württ., 600 Alpenk., 300 Hessen, 290 Jäger, 207 Gebirgskanoniere- und M. G. Schützen; bloße Nachlese dieses lustigen Feldzugs, den jetzt auch 22. R. K., 3. K., 26. D. eilig verließen, ihre Arbeit war getan. Nach Unterwerfung Montenegros, wo die Hammeldiebe sich höchst unköniglich bewährten, und Säuberung Albaniens blieb nur noch das Saloniki-Abenteuer zu erledigen. Die militärische Eselei dieses rein politischen Schachzugs hätte von Rechts wegen schlimm für die dort unter Sarrail vereinten Franzosen, Briten, Serben enden sollen, doch wer ermißt des Schicksals Wege! Auch hier begönnerte es starre unbelehrbare Hartnäckigkeit. Trotz zwei schwerer Niederlagen durch die derb zufahrenden Bulgaren, trotz Hunger und Seuchen unter gleichen Schwierigkeiten wie bei Gallipoli, beharrte man, ans Meer geklemmt, in unmöglicher Stellung, um das Balkan-Prestige und Fühlung mit heimlichen Landesverrätern in Bulgarien und Ungarn nicht aufzugeben, und trug dafür am Schluß unverhofften Lohn davon. Das Schicksal amüsiert sich manchmal ironisch. Ganzer Dezemberverlust nur 24 700. Bothmer (1168 G.) und Linsingen (747 vom 1. Ostfr.) litten wenig, Nordfront relativ noch weniger. Nur 227., 232. R. Mosers (1355) fallen auf, bei 32., 71. Thür. (1130), 20. R. Jg. (399), Allensteiner (1202), Ostpr. (1165) ist unklar, was sich davon noch in Serbien befand. Woher 1700 Nachtrag vom 22. R. K.? Im Januar glatte Ruhepause, 9800 Februar noch mehr 5750, nur 608 v. 54. I. erwähnenswert. Moser ging zu Eichhorn, obiger Verl. wohl noch November-Nachtrag. Neue Inf. und Ers. Rgt. trafen ein, und obschon 7. D. schon im Westen und 4 andere vom Balkan folgten, hätte man Kraft genug gehabt, durch Umgruppierung Offensive auf Kiew durchzudrücken. Als ob dem Feind so etwas schwante, unterbrach er im Februar–März die Ruhe durch einen heftigen Stoß im Norden. Des dort jetzt regierenden Hitzkopfes Dimitriews unüberlegte Kampflust schätzte Fabeck nach ihrem Werte. So hoch im Norden wachsen keine Lorbeeren, wenigstens nicht für Vorwitzige, die sich an deutschen Disteln die Finger wund reiben. Am blutgeröteten Schwantensee machten sie einen Nachtbesuch, doch als die trübe Novembersonne tagte, verschwanden die Gespenster mit wildem Geheul unter festem Zugriff norddeutscher Fäuste. Von da ab schwieg das Gewehrfeuer, doch Dimitriew kramte allerlei Märchen aus, die Hindenburg sogleich als »freie Erfindung« aufdeckte. Er war allzeit ein Schwerenöter im Ausspritzen seiner Phantasiedrüsen. Kollege Iwanow zauberte auch wieder einen Patrouillengang von Bothmer als mißlungenen Einbruch vor. Bis Neujahr kostete der Ostkrieg rund 1 092 000, der Feind verlor sicher 10 Mill. t. u. verw., Gefangene ungerechnet. Solche Bilanz kann man sich gefallen lassen. Indessen torkelte der russische Koloß auf seinen tönernen Füßen, als ob er im Zusammenstürzen noch den Gegner durch plumpe Gewalt der Masse umwerfen könne. Die 2. A. Ewerts war neuerrichtet unter einem neuen Führer, sie sollte die Keule schwingen, wo der Narocz seine trüben Fluten wälzte. Langsam tappte der Moskowiterbär über das Frühjahrseis, um den Gegner in tödlicher Umarmung seiner Pranken zu erdrücken. XXVI. Gegenoffensive im Norden 1916 Bis zum Frühjahr verhielten beide Parteien sich so gleichgültig, daß Abfangen des tödlich verwundeten Generals Faberius mit dem Stab 82. D. durch ein Jagdkommando Aufsehen machte. Wir versagen uns fortan, auf späteres mit dem Kopf an die Wand Rennen näher einzugehen, die Sache beginnt langweilig zu werden. Alle russischen Offensiven gleichen sich wie ein faules Ei dem anderen, unterscheiden sich in nichts im Süden und im Norden. Ob man die vergessene Größe Kuropatkin in Lebensgröße aufstellte oder Iwanow durch seinen noch turbulenteren Unterführer Brussilow ersetzte, in dieser Neuauflage vermehrten sich nur die Druckfehler, d. h. die Verluste und die kleinen Gewinne selber waren Nieten, weil der Einsatz in dieser Tombola die Lotterielose hundertfach überzählte. Wir schreiben keine pragmatische Chronik mit trockener Aufzählung der Vorgänge, wir ergründen und erläutern, wo es etwas zu lernen gibt, übergehen alles Bedeutungslose. Passives Ausharren im Erreichten, Unvermögen des Gegners, durch falsche Aktivität den Bann zu brechen, wo Einschränkung zur Einschnürung wurde. Zersplittern der aufs Große angelegten Feldherrnnatur im Norden an kleinliche Aufgaben bieten ein unerfreuliches Bild, das selbst der ruhmvolle Heldenmut schlesischer L. W. bei Baranowitschi und Mannestrotz der Ostpreußen und Hessen am Styr nur unfruchtbar beleben. Die große Operation Ludendorffs erlosch im Herbst 1915, alles was später kam, war öder Stellungskrieg, wozu ihn Falkenhayn verurteilte. Erst ein Jahr später wich der Alb von Deutschland, als Hindenburg dem Osten den Rücken wandte, wo er nichts mehr zu suchen hatte, da die Dinge dort automatisch ihren Gang gingen. Jede kaputte Offensive wurde ein neuer Nagel zum Sarge des Zarentums. Nur eine Handlung halten wir der Erwähnung wert, das Frühjahrsringen gegen Eichhorn, das im März 1916 einsetzte. Hier kommt man mit Statistik ins Gedränge, denn Listen vom 11. März bis 6. April ergeben nur 8450, für Saarbrücker 86! Irrt also H. B. nicht, Abschlagen der ganzen Offensive habe uns nur 70 Tote gekostet? Das heißt unerlaubt scherzen, denn selbst 700 Tote langen sicher nicht. Man muß diesmal Aprilliste beifügen und auch das genügt nicht. Hier interessieren 769 Saarbrücker (196 v. 131.), R. 34. (934), 232. (813), 52. (443), 264. Elbsachsen 843, Pommern 379. L. W. 467 sowie 266. R. in zwei Listen 670; endlich 343. I. 560. Nur 250. R. (1452), 251. R. (1464) entsprachen dem Ernst des Ringens. Man ist gezwungen, noch etwa 15 000 der Mailisten beizufügen, wobei sich dann freilich herausstellt, daß auch hier nach beliebter Methode der H. B. viel zu früh »Schluß« rief und Schluß der Debatte auch erst Ende April eintrat, wenn nicht sogar später. Jede andere Verlustauffassung ist unglaubwürdig. Vielleicht brachte das Einlaufen so vieler Verdunlisten das chronologische Erscheinen der Listen in Unordnung, jedenfalls dürfen wir hier zum ersten Male uns nicht auf sie verlassen? Erstaunliches Mißverhältnis beiderseitigen Verlustes verdient Beachtung, nur durch Geländeumstände erklärbar, obschon die Russen doch wohl den Stoßpunkt auswählten, den sie für den leichtesten und geeignetsten hielten. Das Gefechtsfeld der Saarbrücker (ohne 97., 137.) hatte vor sich eine Reihe von See-Engen. Linke nördlich am Madsjolkafluß, Rechte mit 17 Rgt. am Narodzsee, östlich davon Postawy. Südlicher 138. und L. St. Allenstein, links und rechts verteilt L. St. Schlawe. Ganz nördlich besetzte 131. die »Hindenburgschanzen« vor der Hauptfront bis zum Kamaikefluß, an dessen Nordufer 3. K. D. (6. K. K.) mit 14. Hus. vor Wileity anschloß. Südlich rückwärts die 42. D. Bredow, dahinter 115. D. Kleist. In dieser Luftlinie dehnte sich nach Osten der lange schmale Glodnosee nebst zwei kleineren Seen mit der Woronaz-Enge bis zum großen Miedziolsee, den eine Schanzreihe mit dem dreimal größeren Narodzsee verband. Hier lag 31. D. und hatte Möglichkeit der Unterstützung durch 80. R. D. Redern westlich des Narodz, weiter rückwärts konnte 119. D. herangezogen werden, die nach der Champagneschlacht zur A. Eichhorn kam, vorher bei Baranowitschi. Auf Nordflanke der 42. D. lag 107. D. Moser im zweiten Treffen. Der Feind versammelte gegen diese fünf schwachen Div. die größte Übermacht. Gruppe Pleschkow: 1. K. (22., 24., 59. D.) am Moschaikisee, 1. sib. K. nördlich Postawy, 10. K. (6., 8. D.) und an der Madsjolka 34. K. (56., 104. D.). Diese erdrückende Übermacht vermehrte noch 4. sib. K. gegen 31. D. am Miedziolsee, im ganzen 13 I., 2. R. D. gegen 4 deutsche, 1 K. D. Auch gegen 73. R. D. Seidewitz südwestlich des Norodocz wälzte sich riesige Übermacht heran. Gruppe Balujew: 5. K. (7., 10. D.), 3. Sib. (1., 7. S. D.), 35. (55., 67. D.) und die Uralkosaken. Weiter südlich sollte 36. K. (25., 68. D.) unser 3. R. K. (3., 5. R. D., 10. L. W. R. D.) am Wizniewsee fesseln. Hinter der altbewährten 75. R. D. am langgestreckten Swirsec war jetzt 86. D. Wernitz von der Beresina hergerufen, rechts rückwärts von ihr 9. K. D. Heuduck mit ihr zugeteilten Jäger- und L. St.-Bataillonen nebst 21. L. W. und 170. L. W. Brig. Groppe (48., 24. L. W.), die sich später als rechte Flankendeckung am Rand des Ostupi-Bruchs aufpflanzten, vor welchem östlich der große Tschastazsumpf sich vorlagert. Dies weite Bruch südlich des Narodz schützte gegen den aus Südost kommenden Angriff Balujews, andererseits hatte 75. R. D. das Ladisti-Bruch hinter sich, was einen Rückzug gefährdete, auch gestatteten drei Seen vor der Front verschleiertes Herankommen von Balujews rechtem Flügel. Im Ganzen entluden sich 19 D., 3 K. D. gegen zunächst nur drei Div. Südlich davon bis Smorgon wurden 78. R., 14. L. W. D. kaum angegriffen, wohl aber die Nordflanke an der Birwata (17. L. W. D., 3., 8. K. D.) beunruhigt, hier schloß Schultz an mit 1. K. K. (2. und bayrische K. D., 3. I. D.) bei Widsey, 39. R. K. (77. R., 87., 88. D.) am Drysjawatisee und weiter nördlich 1. K. (37., 108., 2. D.). Gegen diese Linie ging General Schilinski mit 18., 40., 89. D., 70. R. D. vor, 24. D. des 1. K. wurde zu ihm abgeschoben. Am Drysjawati suchte die russ. Art. durch hochgesteigerte Tätigkeit von der großen Durchbruchsabsicht gegenüber Eichhorn abzulenken. Kav. K. Trubetzkoi und 79. R. D. zogen zur Düna ab, um über Geplantes zu täuschen. Zwei gleichbezifferte russ. Div. wollten nämlich dort über 78. und 79. R. D. bei Illuxt herfallen. Es blieb bei der guten Absicht, denn die Kurlandarmee schlug mit 41., 109. D. drei feindliche D. (78. und 5. sib. K.) gehörig bei Jakobstadt. Bis 26. sprengten deutsche Kanonenkugeln das Dünaeis. 13. sib., 119., 120. D. nebst Seesoldaten und 3 Lettenbatl. gingen am 21. auf 6. R. D., 1. L. W. D. nebst L. St. los und verseuchten den vereisten Tirolsumpf und die Chaussee Erkau–Kekkau mit Rauchgas. Doch 35. R. ließ sich nicht einschüchtern, zuletzt bläute die L. W. im Mitauer Kronforst die Eindringlinge gründlich durch. Indessen war dies Gefecht nicht so bedeutend, wie die amtliche Schrift über die »Frühlingsoffensive« meint, denn laut V. L. bluteten knapp 800 Deutsche (190 v. 35. R., 44 v. 20. R., viel L. St.). Alles in Allem. Stegemanns Romantik, daß die Verteidiger an Gas erstickten, irrt. Die Mitau-Front war durch Abladung der 84. L. W. D. zu Eichhorn geschwächt, nur zwei L. St. Batl. aus Kowno dafür eingetauscht, doch L. St. gab jetzt kaum einer Aktivtruppe etwas nach. Bei Friedrichstadt erhielt 1. R. K. als Ersatz für 59. R. das von Scholtz geschickte 147. (Die amtliche Schrift druckt wohl falsch 137, wie auch auf Karte 9. statt 3. D. eingetragen!) Hier fielen Russen in Menge am Brückenkopf der Dünainsel, Dünhof; eine von 9. A. geschickte D. brauchte nicht mehr einzugreifen. Verlust etwa 400 (145 v. 1. R.), 41. D. südlich Saalburg gegen das 38. K. aber 850 (309 v. 152.), der Feind sicher das Fünffache, wobei 148., 152. I. am 26. März sogar M. G. erbeuteten. So bemühten sich 10 r. umsonst gegen 8 d. D., wie nicht anders zu erwarten. Vor Fabecks Front bluteten 21 000 Russen, 735 Gef. Schilinskis Angriff auf Scholtz nahm ähnlichen Verlauf, obschon er gegen 88. D. Panzerautomobile verwendete. Schon am 19. verjagten Schützen der 2. K. D. angeblich die 18. D., 70. R. D. bei Maschkola, natürlich nur deren Vorhut. (Angeblich schon 7. Kür., 12. Hus., doch 2. Hus. bluteten am meisten, 12. wohl Verwechslung mit 2.). Nach dem zweiten Gefecht bei Maschkola gegen 8. und Leibhusarenbrig. stellte seit 26. der Feind jeden Angriff ein; 3. D. hatte schon am 19. mit 4. L. W. das 93., 95. r. Rgt. bei Albrechtshof und Tartarenschanze vernichtend geworfen, mit 34. Pommern an der Sonnenburg nordöstlich Widsey, sie verloren damals nur 51, bei späterer Belästigung das Doppelte, jedenfalls ein billiger Spaß. 42. wird nicht erwähnt, am Sekla-See nördlich davon gehörte Sonnenburg zu seinem Stellungskreis. L. W. und Reiter jagten Schilinski 280, später noch 520 Gef. ab, der an Scholtz' Front 5600 Leichen ließ; 2. K. D., bei deren zweitem Gefecht sich jetzt Kür. und 12., 14. Hus. beteiligten, verlor 151, die ganze Inf. bis zum 1. K. möglichenfalls 1000, obschon wir es den V. L. nicht gut entnehmen. Denn 42. I. focht unzweifelhaft, von 580 Pommern in März- und Aprillisten entfallen wohl 380 auf diese Gefechte, denn die russische Kanonade am Drysjawatisee wirkte nicht unbedeutend. Verl. 39. R. K. sehr schwer festzustellen, wie überhaupt hier überall, 37., 41. D. verloren 875, 2. D. und sonstige Ostpreußen erst 217, dann aber verlor 33. allein 370, laut Mailisten nochmals 175, dagegen 45. nur 21, 4., 44. nur 94, von welchen insgesamt 877 wohl sicher 640 auf die Kämpfe Ende März und Anfang April entfallen. Da auch auf 37. D. 165 zu rechnen, so ist durchaus irrig, daß 1. K. ziemlich unbehelligt blieb, es verlor im ganzen sicher 1000, der Angriff war heftiger als aufs 39. R. K., von dem hier allein die Rede ist. Daß Schilinski vor 77. R. D. zusammenbrach, trifft schwerlich zu, diese Div. (255.–57.) litt fast gar nicht. Großes Lob verdient 2. K. D. Bei diesen Verlustansätzen sind Pioniere und Art. nur oberflächlich mitgerechnet. Sie litten erheblich, besonders 1. P., 16. Art. allein 84, auch 52. stets scharf im Feuer. Beim 1. R. K. können wir unmöglich die Julilisten als Nachtrag benutzen, wo 1. R. 605 verzeichnet. Vielleicht litt aber 379. L. W. bei dortigen Kämpfen. Schwere Schmerzen bereitet aber unserer notgedrungenen Unkenntnis 41. Ostpr., das im Juli 466, im Juni 1100, im Mai 741 verzeichnet. Wo? Ging es mit 1. D. nach Verdun, ging es zu Linsingen? Übrigens ist Eichhorn im April auch bei Smorgon angegriffen worden, denn 5. G. verzeichnet 470. Laut H. B. hätte man ihn im Sommer ziemlich in Frieden gelassen, doch in Julilisten geht es mehrfach hoch her und wir können Zweifel nicht verbergen, daß H. B. uns wieder mal zum Besten hat und andauernde schwere Kämpfe das vorgetäuschte Erlöschen der russ. Offensive im Norden ersetzten. Doch 265. R. mit 1633 und gar Saarbrücker 97. (2000), 137. (900) sind gar zu auffällig, es scheint klar, daß es sich um Nachträge zum Frühjahr handelt. Der H. B. täuscht in jedem Falle doppelt: Entweder macht er aus großem einen harmlos gewesenen Märzverlust oder er unterschlägt spätere viel blutigere Kämpfe nach seiner üblichen Art (siehe Champagne, Arras, Somme), feindliche Offensiven beliebig für beendigt zu erklären. Die Sache ist aus, Punktum, streu Sand drauf, doch sie geht immer fort, da schweigt man, um sich nicht zu blamieren. Von letzterem Vorwurf kann man sich nicht reinwaschen, aber hat man vielleicht doch Recht mit dem geringen Märzverlust, da es die V. L. bestätigen? Oder befinden sich diese ausnahmsweise wegen Verdun- und Sommeschlacht für Ostfront peinlich im Rückstand? Von diesen Übeln möchten wir diesmal letzteres wählen, denn die Märzschlacht im Naroczrevier war derart fürchterlich, daß dort nur große Einbußen gelten können und lange Aprilkämpfe (Mailisten) uns weiteren Verlust zufügten. Und das muß man gar noch aus Juni-Julilisten ausstopfen? Nein, wenn Märzlisten zu niedrig, Mailisten gerechtfertigt durch Übertragen auf April, Juni-Julilisten sonst guten Grund haben. Märzkampf im Norden scheint matt im Vergleich zur dreitägigen Hauptschlacht, die General Ragosa, jetziger Chef der 2. A. mit erweiterter Vollmacht, dem General Hutier, Chef des »verstärkten 21. K.« lieferte. Neue Besen kehren gut, doch hier bedurfte es besonderer Besen, um den Abmarschboden bei jäh einsetzender Schneeschmelze des Tauwetters reinzufegen. Gewartet durfte aber nicht werden, so gebot die Angst in Paris wegen der Verdun-Gefahr. Die hartgefrorenen Seen waren schon in Eisgang. Doch trotz der über sie ausgespannten Drähte und möglichster Verschanzung aller Ufer dehnte sich Hutier zu weit auf volle 100  km mit seinen Nebengruppen, um nicht die Möglichkeit offen zu lassen, daß eine überstarke Stoßmasse eine Seeenge glücklich passieren werde. Balujew führte sogleich 96 Batl. heran, Pleschkow 128, zur Verfügung blieben noch 80. (Die G. St. Schr. verrechnet sich »368«, wobei sie 27. K. doppelt zählt und so überall Konfusion schafft. Auch »66 d. Batl.« Hutiers ist falsch, es waren 76). Rechtzeitig erkannte Ludendorff, daß selten eine Truppe größerer Gefahr gegenüberstand und das Saarbrücker K. erdrückt werden sollte, er warf alle nahen Reserven dorthin. Unsere schwachen Linien bewahrten aber so viel elastische Stahlhärte, um jedem Hammerschlag ein unzerbrechlicher Ambos zu sein und den Hammer selbst zu zersplittern. XXVII. Schlacht Wileity-Naroczsee Das 6. Kav. K. Garnier (Neuerung: K. K. mit Infanterie überall ausgestattet wie zu Gustav Adolfs Zeit) an der Birwita hätte Pleschkow energisch angreifen sollen, weil es die linke Flanke der Saarbrücker deckte. Hier vertrieb aber seine 89. D. nur Feldwachen der L. W. und verhielt sich still, so daß die zahlreiche Art. der 3. K. D. ungestört in die rechte Flanke des 1. r. K. schoß. Dagegen stellte er die 1. schwere Art. D. nordöstlich Postawy auf, 10. schw. Art. D. südlich Narocz, sie begannen gleichzeitig gegen Hutier zu donnern. Dieser, früher bei der Garde, zeigte die kühne Zuversicht, die ihn später als Eroberer Rigas und Armeeführer an der Avre so namhaft machte. Diesmal muß man die russische Wahl der Angriffsrichtung gut finden, Hutiers Stellung hatte ins Auge fallende Gebrechen, zumal die Waldschluchten im Osten ein nahes Versammeln gestatteten und die beiderseitigen Gruben sich oft nur auf dreihundert Schritt voneinander entfernten. Besonders gegenüber Wileity-Mosheiki in der Nordecke der Angriffswelle fand der Feind ein wahres Versteck für Schützenlinien und Batterieeinschnitte, während die Deutschen um sich her kahle Ebene hatten, wo kein Baum im versumpften Boden wuchs. Nur an zwei weit vorspringenden Punkten berührte die vom Feind benutzte Waldzone die deutsche Front, dort im sogenannten »Hindenburg«- und »Lagardewald« (offenbar von I/17. nach dem Wald bei Luneville getauft, wo sie ihre erste Feuertaufe erhielten) hatte man zwei Lichtungen durch Baumniederschlagen freigelegt, die »Hindenburg«- und südlich »Muli-Schneise« an der Kamaika und Olsiza, um besseres Schußfeld zu gewinnen. Die Russen hatten in dieser Richtung bis auf 700 Schritt Deckung und konnten längs 12  km Front nahe genug an die Gräben der 42. Div. Bredow herankommen. Dies ganze von Seen und Bächen durchzogene Gelände füllte bei Schneeschmelze alle Schützengräben mit Wasser, das in der flachen Niederung wie in Tellern zusammenlief. Unter unsäglichen Mühen mußte man daher schon seit November erhöhte Erdwerke und hölzerne Aufbauten über ersoffenen Gräben ansetzen, was bei Wechsel von Landregen, Frost, Schneewehen, Tau eine Sisyphusarbeit bedeutete. Weidenzäune und Tannenverschläge boten keinen Schutz, erst weiter hinter dem Sumpfland konnte man eine zweite schwache Lehmwelle aufbauen von Goduzischki nördlich bis Olse südlich. Brach der Feind an der im Halbkreis vorgebogenen Stellung der Mulischneise durch, so ging mindestens die ganze Artillerie verloren, da ihr Zurückschaffen durchs Sumpfland ebenso unmöglich wie ausreichender Geschoßersatz durch Munitionskolonnen. Da also jede tiefere Staffelung der Verteidigungsstellung sich verbot, so muß man die Nichträumung der Vorderlinie fast leichtfertig nennen, da man den dort liegenden Truppen schier Unmögliches zumutete. Bei jedem anderen Heer wären dies verlorene Posten gewesen, hier aber rechnete Hutiers stolzes Vertrauen auf die grenzenlose Aufopferungsfähigkeit deutscher Pflichttreue. In der Nacht zum 18. schlich das 34. r. K. durch die Dolska- und Waronazenge und über das Eis des schmalen Glodowosees heran, die Artillerie schwieg absichtlich, um die Deutschen nicht aufzuwecken! Doch die ließen sich nicht überrumpeln, das Vorhutregiment der Div. Kleist, 40. R., stand wachsam auf seinem Posten, aufsteigende Leuchtkugeln überglänzten das schillernde Eis und auf 100 Schritte streckten runde Salven besonders das 223. Rgt. (56. Div.) nieder. Schweigend wie sie kamen, verschwanden die Russen, nur das Ächzen Schwerverwundeter tönte durch die Einöde von Eis und Sumpf, viele Tote begrub das Wasser. Es sollten nicht die letzten Toten, nicht die letzten Schreie der Verstümmelten an dieser Stelle sein. Als der Morgen des 18. anbrach, erschütterte ein Trommelfeuer die ganze Gegend, vom schwersten Kaliber bis zur Revolverkanone spie der Feind seine giftige Wut aus. Die Generale Seydewitz und Heuduk, gegen deren Front diese Hölle zuerst losbrach, konnten zunächst nur dreißig russische Feuerschlünde erkennen, alles übrige lag versteckt am Bladosee und südlich bei Izoroda am Nordsaum des Tschistrzsumpfes. Über die breite Wasserfläche des Narocz sausten Stahlgranaten herüber, die von Japan und Amerika grüßten. Sie schlugen auch in das große Bruch bis ins Kavallerielager ein. 250., 251. R. erduldeten andauerndes Kreuzfeuer, im Bereich des letzteren flog der aus Stein gebaute Gutshof Moscyea gleichsam in die Luft, aus seiner Grundmauer herausgehoben und umhergeschleudert. Um 7 Uhr fingen russische Steil- und Flachbahngeschütze vor Wileity und Kurty her ihre Arbeit an, die Stellung der 131er aufwühlend und zerkratzend, südöstlich davon raste ein wahrer Orkan von Postawy her gegen die 17er und den Allensteiner L. St. am Olsyzatal, vom Sadowasee gegen die 138er. Die mühsam geflickten Dammgräben rissen, das Wasser gurgelte hervor, die aus klaffenden Unterständen aufgescheuchten Verteidiger standen knietief im Wasser hinter zerfetzten Brustwehren, wo Granat- und Minensplitter umherwirbelten. Während schon früh das Feuer gegen die Punkte Wileity und Mosheiki sich abschwächte, schwoll es zu wildem Vernichtungswillen gegen die kurze Strecke zwischen dem zertrümmerten Sumpfdorf Buzilischki und der Mulischneise. Aus dem silbrigen Schimmern der Birken und Weißpappeln, wo die russischen Feuerschlünde drüben unerkenntlich maskiert blieben, sprühte fortwährend gelbes Höllenblitzen in die Obstbaumallee der Sumpfwiese von Buzilischki, die bald Lenzblüten tragen sollte, jetzt aber zersplittert vom Blitz erschlagen. Die später unter den verkohlten Baumtrümmern dort aufgeschichteten Leichen fegte die Kanonade wieder auseinander. Wie die 131er diese Schrecknisse überdauerten, ohne mit Mann und Maus zugrunde zu gehen, schien später unfaßbar. Unfaßbarer freilich, was G. St. Schr. wohlweislich verschweigt, die winzigen Einbußen. Zum Teil durfte man es dem wunderbar genauen Schießen der deutschen Artillerie zuschreiben, die nach dem Schall den Standort der verborgenen russischen Batterieeinschnitte entdeckte und deren Schußrichtung verwirrte. Bald genug schlugen deren Geschosse nicht mehr richtig in die Gräben, sondern dahinter ins Sumpfland ein, wohin man unnützerweise Sperrfeuer gegen dort nicht vorhandene Reserven verlegte. Die 42. Art. Brig. und besonders die Abteilung Osiander der 15. Art. kämpfte schon um neun Uhr eine starke Geschützgruppe nieder, die von Sabrodje her östlich der Chozily- und Dumblaenge die 17er flankierte. Ebenso brachten die deutschen Batterien im südlichen Gefechtsfeld die Massenbatterie auf dem 300 Fuß hohen »Feldherrhügel« gegenüber 250. R. um elf Uhr mit Gasgranaten zum Schweigen, Protzkarren und Munitionsdepots treffsicher in die Luft sprengend. Die Stellungen der Div. Seydewitz waren in unvergleichlich besserem Zustand, vom Gelände begünstigt, als die der Saarbrücker, sie litten daher noch viel weniger durch dreieinhalbstündiges Trommelfeuer. Als um ½10 Uhr das 5. r. K. sich gegen 251. R. wendete, verrechnete man sich sehr betreffs Wirkung der Kanonade, wie es ja auch den Franzosen so oft passierte. Etwas früher um 9 Uhr schob sich das 4. sib. K. gegen den Südflügel der 31. D. vor. Im Norden währte das Trommelfeuer, wie es eine Stunde später begann, um so länger, noch bis elf Uhr, ehe man sich entschloß, aus den Waldzungen gegen die 42. D. vorzubrechen. Diese füllte ihre Reihen durch eintreffende Bataillone der 107. Div., welche General Moser durch Sumpf, Lehm, Gestrüpp rastlos heranführte. Die Russen öffneten gegenüber den 131ern eine zweihundertfünfzig Schritt breite Sturmgasse zwischen den Drahtverhauen vor den dichtgefüllten Gräben, aus denen die Massen hervorkrochen wie ein bräunliches Reptil, Schützenschwärme in Schneehemden vortreibend, die sich kleiner Schlitten bedienten, um Schutzstahlschilde vor sich her zu schieben. Die weißen Hemden der Scharfschützen, um sich dem Schneeboden anzupassen, erweisen sich jetzt sehr unzeitgemäß. Näher kamen die Pelz- und Lammfellmützen, öfters stockten die anschwellenden Haufen, stolpernd vor niedergestreckten Baumriesen, ungewollten natürlichen Wegsperren. Obwohl jetzt auch Wileity wieder unter Trommelfeuer lag, harrte die Besatzung, 14. hessische Husaren, treulich als Artilleriedeckung aus, die Geschütze der 3. Kav. Div. schossen überquer und es gelang, das Feuer von 80 Geschützen auf die Mulischneise zu vereinen wo Regimenter des 1. sib. K. ansetzten. Die Gehölze krachten nieder, als dicke Kompagniekolonnen aus ihnen Mann an Mann hervorbrachen, schon auf 1000 Schritte auseinandergestäubt. Schon um halbzwölf erlosch der erste Sturmeifer. Die Deutschen sprangen an die Brustwehren, wo noch etwas davon übrig war, oder schossen frei und hoch auf Trümmern stehend in die Horden der Sibirier hinein. An der Hindenburgschneise fand das 1. r. K. kein besseres Los. Zweimal opferten sich 22., 59. Div. in verzweifeltem Anrennen. Die 131er allein dünkten sich Mannes genug, sie abzuwehren, es wäre aber schwerlich gelungen, wenn nicht wahrscheinlich schon jetzt Mosers 232. R. dort einrückte. Vernichtend schlug auch Flankenfeuer von Wileity her hinein, wo die hessischen Reiterschützen allein einen leichten Stoß abfingen. Teile des 15. K. tasteten an der Kowalienge, am Sadowasee und Dukiholz vor, wurden aber von den 17ern (meist Westfalen) und 138ern unsanft empfangen. Deren Verlust blieb jedoch äußerst gering, auch bei 131. lange nicht so groß, als man erwarten sollte. Die zerwühlten Sumpfschanzen müssen also doch mehr Schutz gewährt haben, als die deutsche Schilderung Wort haben möchte. Hier erstarb der Kampf völlig, doch von ein bis drei Uhr ließ Pleschkow im Norden nochmals Trommelfeuer los, dann jagte er erneut sein 1. K. ins Verderben. Die Husaren, Wileity gegen jetzt ernsteren Angriff der 24. Div. festhaltend, räumten mit Maschinengewehren aus der Flanke unter den Stürmern auf. Die Nacht brach herein, im Sumpfeis lagen 4000 Erschossene, viele Angeschossene erfroren in der Nachtkälte. Der Ruhmestag der 131er war vorüber. Noch blutiger endete die Schlacht am Südflügel, während im Zentrum 34. und 4. sib. K. gegenüber der 31., 115. Div. sich tatlos verhielten. Um 10 Uhr war die 10. Div. aus Nachovice am Nordrand der Sümpfe gegen 251. R. vorgebrochen, die 7. nördlich davon aus dem Birkenwäldchen, über Lutherhöhe und Tannenschlucht, bis zum Erlenwald am Südufer des Narocz, wo 250. R. sie festen Fußes erwartete. Der Sturm brach schon vor elf Uhr zusammen, mittags aber ging am Südende das 36. K. gegen die Landwehrtruppen am Wizniewsee vor, 68. Div. über Makaryce auf das »Beobachterwäldchen« vor Iwanki, wo 24. L. W. sie am Nordrand des Wizniewsees auffing. In der linken Flanke vom linken Flügel des 3. R. K. artilleristisch bearbeitet, fluteten die Russen vor den über den Südostrand des Sees heranfliegenden Granaten rückwärts. Schlimmer erging es der 25. Div. nördlich davon, die in dichter Masse bei Ostrowlawy die 48. L. W. berannte und sich todesverachtend dreihundert Schritt vor den Drahtverhauen niederlegte, um 4 und 5½ Uhr den Sturm erneuernd. Die Märkische Landwehr war nicht zu brechen, in die rechte Flanke schlug das Geschützfeuer der Div. Seydewitz über das Bruch weg, im Schutz der Nacht floh die Division in wilder Panik. Sie soll 3000 Tote verloren haben, von einer Brig. kehrten nur 250 lebend aus dem Gemetzel heim. Baluchew hatte inzwischen nach Mittag das 5. K. dreimal vorgeführt, die Tannenschlucht und die Senke vor Mokrycze füllten sich mit Leichen, unbezwungen standen 250. auf Friemelhöhe, 251. auf dem »Granathügel«. Ihr Verlust war unendlich geringer als der am Nordflügel, dabei setzten sie dem Feind noch mehr Leute außer Gefecht. Zwischen den beiden Seen lagen nahezu 5000 Tote. In der folgenden Nacht gab es Alarm vor 40. R. und am Nordrand des Narocz gegen Vorposten von 166. (31. Div.). Am 19. kam es bei Baluchew nur zu matten Vorstößen, das Angriffsfieber verkühlte sich zu sehr, dagegen tat vermehrte schwere Artillerie den Gräben der Div. Seydewitz viel Schaden. Gegen das Zentrum, gegen das gestern etwa 6000 Granaten verfeuert waren, geschah heute noch weniger. Dagegen tobte erneutes Trommelfeuer, diesmal auch gegen 138. bei Doworotshany. Zweimaliger Abendangriff der 22. Div. und der dort eingetroffenen 1. sib. Schützendivision endete mit Vernichtung der ersteren, besonders ihr 85., das alte berühmte Rgt. Wiborg, schmolz bis morgen früh auf eine Kompagnie (d. h. Verlust von 15/16 %). Die Sibirier sanken auch haufenweise. In der Nacht wurde Wileity durch die 24. Div. von drei Seiten berannt, die Hindenburgschneise erneut durchschritten, doch die Artillerie Garniers, Husaren und 131er schlugen alles ab, obschon hier die Schneehemden, die man anderswo obwarf, sich den Schneehügeln anschmiegten und die Russen diesmal auch bei Buzilischki nahe über den Sumpf kamen. Handgranaten und Sprengminen zerrissen dort den Drahtverhau, doch die Verteidiger sprangen aus den hoch voll Wasser stehenden Gräben und verwendeten ihre eigenen Handgranaten mit tödlicher Wirkung, woran sich auch die Pioniere beteiligten, alle Leichtverwundeten schossen mit, kaum daß ihnen Notverband angelegt. Dies Ausharren verdient um so mehr Bewunderung, als das ganze Gelände im Wasser schwamm und die einschlagenden Riesengranaten nicht etwa Sprengtrichter, sondern Untiefen schufen, aus denen die Flut hervorgurgelte. Die 27. Pioniere pumpten umsonst, auch ihre Spatenarbeit kam nicht vom Fleck und kein Verteidiger hatte mehr einen trockenen Faden am Leib, der Nachtfrost setzte Eis in die triefenden Gewänder. Ihre toten Kameraden schwemmte das Eisgewässer langsam an ihnen vorbei. An Feuermachen und Kochen war natürlich nicht zu denken. Überall spritzte Schlamm bis über die Köpfe und klebte an den Mützen, in die Gewehrmündungen und Maschinengewehrverschlüsse, die man unablässig reinigen mußte, sofern sie nicht überhaupt zerschossen waren. An der Mulischneise griff das 1. sib. K. wütend an, doch Major Fischer, Kommandeur der 131er, durfte sich auf Reserveleutnant Oppen verlassen, der an der Schneise Wache hielt, unterstützt von Schützen und Maschinengewehr der Divisionskavallerie (7. Dragoner) und Allensteiner Landsturm. Letzterer mußte einen Augenblick weichen, nördlich der Schneise quollen russische Schlachthaufen hinein wie durch geöffnete Schleuse. Ein Gegenstoß der 17er brachte nur teilweise Entlastung und die vorderste Batterie mußte ihre 10- cm von herbeieilenden Infanteristen bedienen lassen. Doch Sperrfeuer der 15. Art. machte dem Feind unmöglich, Reserven aus Mikulischki (nordöstlich Buzilischki) heranzuführen, Menschen und Bäume im Lagardewald purzelten durcheinander. Trotz der eingerissenen Verwirrung tat jeder seine Pflicht im Übermaß, auch die Fahrer der Patronenwagen, die für Buzilischki und Mulischneise gefüllt bis in den Sumpfwald rasten oder sich zerschossen fortschleppten, bis die Nichtstreitbaren – Spielleute und Train – die umkippenden Fahrzeuge entleerten und die Patronengurte in die Gräben trugen. Im Morgengrauen führte Major Fischer, beritten vor der Front, einen Gegenstoß mit 17ern und einem Halbbataillon 227. R. der Div. Moser, bald nach 3 Uhr früh war alles vorüber, die Russen wie ein verflattertes Geisterheer des Wilden Jägers im Nebel verschwunden. Als der Mond hoch stand, schien der Böse hier Meister; als trübe Sonne stieg, funkte wieder ein Hoffnungsschimmer. Diese Nachtschicht von besonderer Furchtbarkeit brachte Pleschkow nicht den kleinsten Gewinn. Am 20. tobte nur Artillerieschlacht, lange Erschöpfungspause. Gegenüber der Mulischneise fügte sich das ganze 227. R. ein, drei andere Bataillone Mosers hatten schon an der Nordflanke ihren Schutz zugesagt und wahrlich nicht im Abwehrkampf versagt. Batterien der Div. Kleist wurden zu Div. Bredow hinübergezogen, erstere war an der Spory-Enge vom 34. K., Div. Berrer an der Lotwa-Enge nördlich des Miadziolsees vom 4. sib. K. nur mäßig belästigt worden. Baluchew begnügte sich mit zwei einstündigen matten Vorstößen nachmittags gegen Seydewitz; einen Versuch des 36. K., bei Ostrowlany Sturmkolonnen zusammenzuziehen, verhinderte schon die zusammengefaßte Kanonade. Indessen sollte am 21. nachts noch ein Hauptschlag gewagt werden, Ragosa schob neue schwere Artillerie am Narocz vor, äußerst ungehalten über den doppelten Mißerfolg seiner Unterführer. Noch hatte er starke unberührte Reserven an Ort und Stelle, während die Deutschen durch Lehm, Schnee und Eis herankeuchten. Div. Wernitz über den hartgefrorenen Smirsee, um den Perekybach zu überschreiten und etwa am Kirchhof von Pranoza bis zum Pionierpark und Gr. Stern östlich Ponki sich hinter Seydewitz zu entwickeln. Die 80. R. Div. näherte sich ursprünglich gleichfalls dem Südstrand des Narocz, wurde aber nordwärts abgedreht, denn das Divisionskommando Bredow im Gut Tschwejaty, nach welcher Richtung über Norkewitsche der russische Generalstab ursprünglich den Durchbruch plante, berichtete ans Generalkommando in Kobylik, daß bei ihm Unterstützung nötig, infolgedessen General v. Redern 34. R. dorthin abmarschieren ließ. Die Heldendivision Bredow war am Rande ihrer Kräfte. Zur tötlichen Ermüdung gesellte sich Erstarrung der geschwollenen Füße, von Eiswasser vollgesogen. Die aufgezehrten Nerven verlangten nur Schlaf, verschmähten selbst Rum und Kaffee. Um Mitternacht ergoß sich plötzlich über die im Schlamm Versunkenen neues Trommelfeuer von Geschossen aller Kaliber, untermischt mit Gasgranaten, gefolgt von viermaligen Angriffsstößen. Wie diese von den aufschreckenden todmüden Schläfern abgeschlagen wurden, weiß kein Mensch zu sagen. Doch das Wunder war da, der Russe ließ nur zahlreiche Tote vor den Drähten, an denen sie sofort festfroren. Gleichwohl schien es, als habe Pleschkow nur necken und ermüden wollen, denn bei sinkender Nacht und Morgennebel, durch Schneetreiben verdichtet und durch Ausströmen von Gasrauch verstärkt, stürmten nach vier Uhr früh die 22., 59. sowie die frische 76. Div. (27. K.) von Mikulischki, das 1. sib. K. von Wukhersje überraschend dicht an die mehrfach von Minenwurf verschütteten und von Schneesturm geblendeten Verteidiger heran. Rechts und links der Mulischneise brachen die Sibirier ein bis zu den Stützpunkten »Masuren« und »Lagarde«. Ein einzelner Gefreiter Beyer, dessen Name Verewigung verdient, opferte sich hier als Winkelried, allein mit unablässigem Handgranatenwurf den Eingang sperrend, ein Heldenbild über erschlagenen Kameraden. Ihm gebürt ein Denkmal an dieser Stelle. Die Siegesfreude der wilden asiatischen Bären währte nicht lange. Was in den Rücken der Allensteiner gelangte, wurde vom Allensteiner Landsturm Mann für Mann niedergemacht. Entschlossener Gegenstoß von 52. R. der Div. Moser befreite die immer noch mit einem letzten M. G. feuernde Gruppe Oppen, der Feind suchte nach fünf Uhr in Auflösung den Schutz der Waldung wieder auf. Weiter nördlich hielt III/70., besonders 9. K. Mathieu, den Graben vor Buzilischki, Kompagnie Hesse der 131er den Hindenburgwald, dagegen erlaubte ein Versehen der Ablösung bei II/131. den Russen einen Einbruch südwestlich davon in Richtung Milkuschki, wobei ein im geräumten Graben verbliebener Fähnrich den Heldentod suchte und fand. Man stoppte zwar den Einbruch, auch bei Wileity trotzten noch immer die hessischen Husaren, und das Sperrfeuer der Geschützgruppe Osiander verunmöglichte dem ungestümen Angreifer ein Nachfüllen von Reserven. Doch eine kilometerlange Lücke von ansehnlicher Breite war gerissen zwischen Wileity und Buzilischki und so konnte es nicht bleiben, zumal ebenso betrübende Nachricht aus Süden eintraf und sofortige Umkehr der ganzen verfügbaren Reserve, nämlich Div. Redern, dorthin gebot. Mosers marschmüde Schlachthaufen traten nacheinander dafür ein. Um ½2 Uhr nachts brach die 7. Div. unmittelbar am Naroczufer bei Zamorocze westlich des Erlenwaldes vor, eine graugrüne Gaswolke überwogte die Gräben, das grüne Licht der Leuchtkugeln aufsaugend, als die Verteidiger ihre hinteren Batterien am großen Bruch verständigen wollten. 250. R. und die vierundzwanzig Divisionsgeschütze, deren Kommandeur Major Jentsch zu Schnellfeuer überging, trieben dennoch den Eindringling wieder zurück, doch schon drangen die 10. Div. und eine Brig. der 8. sib. hinter dem rechten Flügel des tapferen Regiments ein. Diese sechs Regimenter überschwemmten in sechs bis acht Angriffswellen längs dem Moorwald des Pachthofes Stachavice (westlich des gleichnamigen Dorfes) die nach Norden bis hinter die Lutherhöhe führende Schlucht. Da alle Maschinengewehre des 251. durch plötzlichen Feuerüberfall der russischen Schwerartillerie zertrümmert, konnte der Stoß nicht aufgehalten werden und die Russen schwenkten auf die Sanddüne des Seerands bei Blizniki ein, I/250. abschneidend und vernichtend, der Bataillonschef Hauptmann Fröhlich wurde als »vermißt« nie mehr lebendig gesehen. Soeben langten schwache Teile von 21. L. W. und auch von 264. R. Rederns an, doch drei Kompagnien konnten den Feind um so weniger aufhalten, als die Barbaren verräterisch die Hände hochhoben und dann tückisch Handgranaten schleuderten. Die Trümmer der zersprengten beiden Reserveregimenter mußten sich bis Mokrycze und Friemelhöhe zurücklegen. Das rückwärts in Reserve stehende 249. R. entzog sich aber dem Stoß und litt sehr wenig. Auch südlich am Ladiski-Bruch liefen 25., 68. Div. wieder an. (Die amtliche Schrift verschreibt sich hier wieder »28.«). Der Stoß muß sich nordwärts bis zur Ziegelei und Elisenhöhe der Jäger- und Landsturmstellung Heuducks ausgedehnt haben, da dahinter der »Jägerfriedhof« Verluste angibt. Vor den derben Martern der 48. L. W. schnitt der sehr zuversichtliche Feind wieder so schlecht ab, daß er 200 Gefangene verlor. Indessen wissen V. L. von lebhaftem Gefecht auch der 21. L. W. Vierstündiges Herabrollen der Angriffswellen von den Makarczehöhen ließ nur wie verbrandeten Schaumschlamm zahlreiche Menschentrümmer im morastigen Boden stecken. Das Kreuzfeuer deutscher Artillerie unterband jede Vorwärtsbewegung. Auch gingen jetzt viele Bataillone der Div. Mernitz (341.–44.) zwischen Swir- und Wizniewsee vor. Bereitstellen der Uralkosaken zur Verfolgung hatte Ragosa wahrlich zu früh angeordnet! Von seinem Ziel, Eroberung der Bahn Wilna–Dünaburg war er am Abend des letzten Großkampftages weiter entfernt als je. Denn vor Abend trafen 264., 266. R. der Div. Redern ein, deren General vorerst das Kommando des Südflügels übernahm, das er später an den Kommandierenden des 3. brandend. R. K., dem sächsischen General v. Carlowitz abtrat. 34. R. scheint aber in allen Folgetagen nicht von seinem Ausflug nach Norden zurückgekehrt. Mit Hilfe von 249. R., 21. L. W. schlug Seydewitz allein schon vormittags einen Sturm auf Friemelhöhe ab. Bis zum Abend führte Baluchow neue Streitkräfte aus Süden her vom Slobodosee heran, wobei sogar frische Feldartillerie voraustrabte, um die Angriffspunkte näher heran zu verlegen. Vom 35. und sib. 3. K. machte er aber zu spät Gebrauch, um noch an ernstlichen Erfolg denken zu können, so übermütig ihn sein Teilsieg am Naroczsee machte. Da Ragosa den mit trauriger Spannung seiner Siege harrenden Verbündeten doch mit irgend etwas aufwarten mußte, so kehrte er den Spieß um und erzählte wunderbar, daß er deutsche Offensiven vereitelt habe! Ob er wirklich sogar vernichtete Regimenter über Nacht wieder aus Rekrutendepots hinter seiner Front ausfüllen konnte, wie die amtliche Schrift behauptet, steht dahin. Das aufgeriebene Rgt. Wiborg stellte er jedenfalls nicht wieder her. Dagegen holte Pleschkow jetzt 45. D. des 27. K. herbei. Ehe er sie einsetzte, entriß ihm am 21. abends ein Gegenstoß des Generals Moser, an den das Kommando im Nordabschnitt überging, alle errungenen Vorteile durch unwiderstehlichen Vorstoß von 52., 227. R., an dem sich angeblich 17er (schwerlich, winziger Verlust) und Teile der unermüdlichen 131er nochmals beteiligten. 22., 59., 76. und Brigaden der 24. D. wurden gänzlich aus dem Sumpfgelände bis über die Waldzungen zurückgetrieben, 400 Gefangene hinter sich lassend. Anscheinend griff auch das 170. badische der Div. Kleist in diese Kämpfe ein (falls nicht Verwechslung mit 70. Saarbrücker vorliegt). Neben dem von Major Fischel schon früher eingesetzten 227. R. focht wohl noch länger 232. R., jetzt auch mit großen Opfern 34. R., welchen Löwenanteil dieser beiden Regimenter Flex verschweigt. Mosers in Galizien stolzbewährte Regimenter lösten die erschöpften 131er nun völlig ab, die endlich wohlverdientes Ruhequartier gewannen, und übernahmen allein deren Kampffeld mit gleichem Heldenmut. Nicht minder die Pommern vom 34. R. Bis zum 23. waren auch sie durchnäßt bis auf die Haut, dann froren die Kleider steif durch Kälte bis 25., worauf wieder Tau und Regen sie durchtränkten. Das alles bei Biwak im Freien mitten im »Totensumpf«, wo man die eingebaute Artillerie nicht im Stich lassen durfte. Tag für Tag wechselten Trommelfeuer und russische Einzelangriffe ab, doch erst am 26. schwang sich Ragosa zum letzten Großkampf auf, nachdem am 23. früh die 138er ihm noch die Schande antaten, dem 34. K. eine verschanzte Stellung am Uferwald des Sagetschsees vor der Nase wegzunehmen und auch auf der Nordflanke die 17. L. W. Div. Esebeck das Dorf Welitoje wegschnappte. Warum Pleschkow das 13., 34. K. so gut wie nicht verwertete, ist ungeklärt; vielleicht griffen Teile davon über Postary ein. Dieser letzte allgemeine Angriff am 26., 27. endete jedenfalls so ergebnislos wie alle anderen. Das 1. K. war bereits erledigt, das 1. Sib., 27. K. strengten sich nochmals an, doch die 1. Sib., 76. Div. waren schon zu morsch geworden, als daß die erst später eingesetzte frische 45. Div. und die 2. Sib. anders als vorübergehende Stundengewinne verzeichnen konnten, die zuletzt alle wieder verloren gingen. Der Hinauswurf von sechszehn russischen durch vier deutsche Regimenter schloß für Ragosa hier den unrühmlichen Kampf, den Baluchew gleichfalls zu lange fortsetzt«. Die neue deutsche Linie Mok–Blozniki am Narocz hielten 264., 266. R., 21. L. W., untermischt mit den so hart mitgenommenen 250., 251. R. Die Obersten Monteton und Graf Finkenstein schlugen das 3. K. immer wieder vom Fuß der Friemelhöhe gegen die Tannenschlucht zurück. Baluchews vergrämter Kampfgrimm wollte aber nicht nachlassen. 7., 25. Div. waren unbrauchbar geworden, die zur Schlacke verbrannte 10. ließ sich am 26. nochmals brav neben der frischen 7., 8. sib. Div. vorführen, ebenso die Hälfte der 68. neben der frischen 55. (35. K.) Zwölf Stunden lang wogte erneut der Kampf, doch 70 Geschütze des Obersten Opitz verleideten den Stürmern endlich das Wiederkommen, nachdem 341., 344. der Div. Wernitz unter General Adriani die deutsche Front verstärkten. Noch aber brüllten die russischen Batterien vom eroberten »Granathügel« südlich Mokazyca und Redern entschloß sich kurzer Hand, diesen beherrschenden Stützpunkt den Sibiriern zu entreißen. Am 27. früh nahmen 343., 344. den Punkt samt allem dort eingebauten Material, 341. erstritt die Waldung bis nahe zu den Tannen der blutbesudelten Schlucht. Doch ehe die Sibirier auf beiden Flügeln schützende Erlen und Birken aufsuchten, kostete es noch tagelangen Kampf. Trümmer der 10. D. stürzten in die Stachowicoschlucht ab, südlich des Bruchs wich 55. D. nach kürzerem Ringen. Die angekommene Div. Behr brauchte angeblich nicht mehr verwendet zu werden, doch verlor 46. noch 158 und das Gefecht dauerte in der Südzone noch lange fort. Bachulew blieb ein Starrkopf. Doch das Schicksal der großartig ausposaunten Offensive, zu der in Postavy der Zar selber erschien, war besiegelt. Noch vier Wochen lang lag man sich gegenüber, bis am 28. April deutscher Gewaltstoß, 266. Schleswig voraus, die ganze frühere Stellung zurückeroberte. 5600 Gef. bezeugten den Sieg, schon früher verlor Ragosa 4500, der nicht verschmähte, 162 d. Gef. nicht zu vergessen. Er mag wohl 120 000 tot, verw., verm. aus den Listen gelöscht haben, 7., 10., 22., 25., 59. D., 8. Sib. mehr oder minder ganz aufgerieben. Was bis zu 28 000 Gewehre aufgefüllt, kam mit 3000 oft ohne Gewehre aus dem Feuer, bis zu 300 aufgefüllte Kompagnien mit durchschnittlich 30. Die Regimenter 38., 85., 88., 98. waren völlig zu Grabe getragen, andere wie bei 10. D. verloren die Hälfte des Bestandes. »Ein Schlachten war's, nicht eine Schlacht zu nennen«. Aufs Äußerste rangen 224 r. mit 54 d. Bataillonen, denn laut V. L. fochten 34., 52., 227., 232., 250., 251., 264., 266. R. mit hartem Verlust, außerdem 341.–44. I. und Saarbrücker mit Energie, die braven L. St. Bataillone und 21. L. W. nicht zu vergessen. Man muß unstreitig den Gesamtverlust bis Ende April zusammenrechnen, dann tritt auch Zugabe bis zu Juniliste in Kraft, man begreift, daß in diesen Sümpfen und Schluchten die Nachlese erst späte Rapporte zuließ. Die amtliche Schrift wird als »Walter Flexs letztes Werk« angekündigt, als ob dieser später gefallene, in weitesten Kreisen unbekannte Lyrikanfänger eine Art Theodor Körner wäre. Die anregende Schilderung, kernig und kräftig geschrieben, benutzten wir namentlich für Angaben der »versumpften Lage« und sind dafür zu Dank verbunden, wie überhaupt allen diesen Büchlein, die im Auftrag des G. St. auf dessen gespendeten Unterlagen aufgebaut. Doch immer muß man sie mit Vorsicht kritisch prüfen. Das eigene Miterleben färbt subjektiv die Anschauung, für einen Leutnant des 131. steht sein Rgt. immer obenan, erst später flicht er Lob der Div. Moser ein, als habe sie erst als späte Ablösung den Stoß aufgefangen. Dies kann nicht sein, denn wie hätte sie sonst mehr als Div. Bredow verloren. Auch 34. R. litt dauernd und zunehmend, so daß die Gefahr erst nach Abtreten Bredows am höchsten stieg. Nicht als ob wir dem 131. seinen schon in der Winter- und noch früher der Lothringerschlacht begründeten Ruhm schmälern wollten, doch sein Anfangsverlust war laut V. L. überaus mäßig, er fiel nur auf, weil Verlust aller anderen Saarbrücker gar so winzig (90 v. 17.), nur 166. schwang sich zu 137 auf. Selbst wenn man aus Mailisten schöpft, könnten die Saarbrücker nur wenig verloren haben, sogar 27. P. nur 28, 15. Art. nur 11, von Div. Kleist findet man so gut wie nichts in den V. L. und das im H. B. genannte »Hallenser« Regt. verdient nicht Hervorhebung, wenn damit 26. R. gemeint sein soll. Sagte Hindenburg: »Die 42. D. hatte es am schwersten« und beehrte nur die Saarbrücker mit Belobigungsbesuch, so war er falsch berichtet und beging eine Ungerechtigkeit gegen Moser. Denn dieser muß sich schon sehr früh dem Feind entgegengeworfen haben. Verluste reden eine beredtere Sprache als die üppigsten Ausschmückungen, 131. hätte sich unmöglich halten können, wenn nicht 232. R. sofort nach 52. R. eingriff. Sein großer Verlust ist in jedem späteren Stadium ausgeschlossen, da die Schlacht am Nordflügel früher (Anfang April) endete als am Südflügel. Moser und 34. R. führten daher den wahren Hauptkampf, als der Russe am heftigsten drängte. Die zirkulierende Behauptung, das Ganze habe nur 70 Tote gekostet, ist geradeso ungenau wie die von »4 Verwundeten« bei Wileity, 14. Husaren verloren nämlich genau 14 und es werden doch wohl noch andere Reiter, Batterien, L. W. etwas dort geblutet haben. Das alles unterstreicht nur, daß die Saarbrücker im März erstaunlich wenig verloren. Ließ unsere Art. den Feind nirgends mehr heran? Sicher irrt Flex, daß am 18. der Nordflügel mehr litt als der Südflügel. Auch späte Mailisten bringen nicht scharfe Herannahme der Saarbrücker: 538, während 227. R. hier schon 576, 341. I. 746 angibt. 240 v. 344., 289 v. 266. R. wohl bis März–April zurückreichen. In Junilisten trifft man wieder nur 236 Saarbrücker (104 v. 131.), so daß deren Gesamtverlust samt Märzlisten rund 1000 betrüge. Man setzte sich nach den ersten Rapporten in den Kopf, daß das 21. K. alles tat, und vergaß dabei den Zusatz »das verstärkte«, d. h. Moser, Seydewitz, Redern. So allein müßten wir urteilen, wenn nicht plötzlich in Julilisten 97., 137. mit sehr großem Verlust auftauchten. Freilich waren diese anderen Div. zugeteilt, doch wir sehen nicht ein, wo auch sie einen so hohen Verlust anders als im Frühjahr gehabt haben könnten. Oder doch? Das Wunderbare ist, daß in anderen Fällen, z. B. bei der Reiterei, die Märzlisten ganz rechtzeitig erschienen und sich offenbar mit der Wirklichkeit decken. Sind am Ende die treuen V. L. auch hier zuverlässig, d. h. die ganze Aufmachung der Märzschlachten künstliche Übertreibung außer am Südflügel, der Aprilkampf durchweg bedeutender und dann mit Zwischenpause erneut im Sommer fortgesetzt? Jedenfalls dürfen wir 18. März bis 28. April nur als einheitlichen Akt betrachten und erhalten mit Ergänzung aus Mailisten für 34., 250., 264., 227. R. als Verlust: 3200 Seydewitz, 2700 Redern, 1600 Wernitz, 1850 Moser, 1400 Saarbrücker, 500 L. W. (217 v. 21.), L. St. Alleinstein-Schlawe 255, wahrscheinlich bei Heuduck 1. Jäger 88, Behr 158, Kleist 250, Summa 12 000, sieht anders aus als »70 Tote!« XXVIII. Südoffensive Junilisten (22 700), Julilisten (41 000) setzen in Verlegenheit, denn dies ist nichts, was auf großen Angriffsspektakel schließen ließe. Wir müssen aber stets festhalten, daß die Deutschen in der Abwehr unendlich weniger verloren als die Angreifer und daß im Süden nur 30 000 Deutsche standen, wie umgekehrt 30 000 Österreicher im Norden bei A. Leopold. Die österreichische Einbuße im Süden mag sehr groß gewesen sein, die deutsche dort jedenfalls nicht, obschon Hindenburg viele Truppen zur Hilfe schickte. Nach wie vor standen ihm 85 D., 20 K. D. Kuropatkins und Ewerts gegenüber, und wenn diese noch nachher erhebliche Verstärkungen zu Brussilow schickten, blieb doch im Norden die Übermacht viel größer. Angeblich 1 600 000 Russen gegen 600 000 zwischen Dünamündung und Oginskikanal auf 600  km Front, im Süden nur 650 000 gegen 460 000 auf 500  km . Hatte der Russe solche Geringschätzung für die Österreicher, daß er dies nicht erhebliche zahlenmäßige Übergewicht dort für genügend hielt? Obschon Iwanows Angriffe dort im Vorjahr die Streitmacht vergebens schwächten, scheint uns die Stärke im Süden zu niedrig angegeben, ohne zu verkennen, daß 2 250 000 noch eine respektable Masse bedeutet, wenn Einbuße von vermutlich 10 Millionen voranging. Eine geringere darf man nicht glauben, da Rußland seine Massen bis zur Erschöpfung aushob, so viel man eben bewaffnen konnte. Indessen beanstanden wir noch obige Ziffern, denn 130 I. D. à 16 000 ergeben allein 2 100 000 Bajonette, obendrein dürften 43 I. D. Brussilows nebst zahlreicher Reiterei nach gleichem Maßstab wie die im Norden ohnehin 800 000 betragen haben und zwar Streitbare in 4 neu aufgefüllten Heeren. 9. A. Leschitzki nebst dem großen K. K. Keller gegen die Bukowina, wo die Reiterei mehr Platz zum Einhauen hoffte wie 7. K. K. in der Naroczschlacht, das umsonst auf Gelegenheit harrte. 11. A. Sacharow bei Tarnopol sollte Bothmer brechen, 7. A. Scherbatschews bei Rowno, 8. A. Kaledin am Styr auf Linsingen losgehen. Der Stoß verteilte sich strahlenförmig auf 350  km , ein bestimmtes Ziel ist nicht erkennbar. Vielmehr neigen wir der Meinung zu, daß eigentlich nur ein großes Ablenkungsmanöver vorlag, um möglichst viel Kräfte von Hindenburg wegzulocken und nochmals im Norden dessen geschwächte Linie zu berennen. Unter solchen Umständen kam die Nordoffensive sehr verfrüht, und wie es im Krieg oft zu geschehen pflegt, wuchs sich die Neben- zur Haupthandlung aus. Fünftägiges Geschütztrommeln bis 4. Juni erschütterte die Österreicher, die sorglos und gelassen in guten Stellungen dem Angriff entgegensahen. Der Erzherzog benahm sich wie ein echtes Weaner Kind mit italienischem Blut, trank Champagner und ließ der Mannschaft im Graben Straußsche Walzer vorspielen. O du mein Österreich! Indessen würde der geringe Juniverlust, der sich erst im Juli hob, nur wieder unsre These belegen, daß die Trommelei immer die Schanzen und nicht die Menschen anging, den Nerven ans Leder ging, nicht dem Leben. Gleichwohl wäre selbst ein deutscher Gesamtverlust von 64 000 im Juni-Juli nicht natürlich, wenn es sich dabei vorwiegend um Linsingen-Bothmer handelte. Ersterer hatte vorerst vorn nur 22. D. (1500), Besser litt wenig, selbst 41. R. K. der anstoßenden Nordfront verlor nur 400, Kav. 200. Hinzu später Moser 2600 (232. R. 1950). 971 v. 7., 37. L. W. aus Kurland, 1300 Bayern, 5200 Hannov. Möglichenfalls Ers. Rgt. Rosen, bisher a. d. Yser, das dort nicht 1038 verloren haben kann und 1900 vom 22. R. K. Bothmer hatte ursprünglich nur noch die im Vorjahr neugefüllte 48. R. D., sie verlor 3660, 105., 119. D. je 2000. Jedenfalls ergeben Juni-Julilisten für Linsingen-Bothmer höchstens 22 000 inkl. Art. und P. Bothmers 16. Württ. P. K. litt andauernd. Man wird hier wohl aus Augustlisten etwas zuschlagen müssen. Die Österreicher ließen sich sorglos überrumpeln, die Deutschen hielten ruhig stand, das war alles in der Ordnung wie zu erwarten. Die Kasseler Div. bedeckte sich hier mit Ruhm. Der Erzherzog soll sich auf einer Jagdpartie befunden haben, mußte die Armee verlassen, schade, er war sonst kein übler Heerführer und fiel wohl mehr als Sündenbock, um dem strebsamen Jüngling Karl Platz zu machen, der sich als Thronfolger an der Front lieb Kind machte. Dagegen läßt sich der hohe Verlust im Norden nicht mit dem Wenigen zusammenreimen, was man amtlich für gut hielt mitzuteilen. Böswilligen könnte der Verdacht keimen, daß höfische Hintertreppen-Intrigen ein möglichstes Totschweigen über Hindenburgs auch jetzt noch mühevollste Arbeit verhängte. Man redet nur van einem großen Angriff Kuropatkins in Kurland vom 3.–20. Juli an der Mitaufront, doch viele Angriffe drängten sich, gegen 3. R. D. (860), 79. R. D. (1500), 1. R. K. (1000), 6. R. D. (400, 35. R. 298), welch letztere vor Riga also am wenigsten litt, obschon nur ihr Kampf hervorgehoben. Doch dürfte 335. Inf. (910) dort mitgewirkt haben. Auf der Smorgonfront und am Narocz wurde auch bis 9. Juli von Balujew angegriffen. V. L. v. 80. R. D. bestätigt, dagegen ist möglich, daß Woyrsch' Baranowitschi-Kampf nur übersichtlich in Augustlisten. Inkl. 97., 131. und anderen Truppen kostete die neue Nordschlacht mehr Blut als die Südschlacht, wo nur die Massen österreichischer Gefangener unangenehm auffielen. Pioniere (1. wieder allein 114) und Artillerie (wieder 117 v. 16., 52.) litten empfindlich, ohne daß vorwiegend Art.-Kampf in Hindenburgs Schlachtreihe herrschte. 107. D. eilte Linsingen zu Hilfe, ebenso 37. L. W., 19. D. kam aus Frankreich. Die Schlauheit der Österreicher brachte wieder mal den Stein der russischen Offensive ins Rollen, während Ewert an deutscher L. W. sein Mütchen kühlen wollte. Da kam er an die Rechten! Überzeugt, daß von Rußland kein Gewaltstreich mehr zu erwarten sei, hatte man 1. D. von der Südfront noch Verdun geschickt, was sich jetzt rächte. Außerdem traten im August neue r. Ersatztruppen hinzu. Nach unerhörten unmenschlichen Verlusten trommelte der Zar doch wieder 3½ Millionen Effektiv unter die Waffen, wobei 125 000 Kav. und 40 Kosakenregimenter. Das ist billig und niedrig geschätzt, während die Russen 40 d. Div., 10 K. D. höchst lächerlich auf 1 200 000 angaben. Selbst bei Vollbestand wären dies höchstens 500 000 Inf., obschon 17 L. W. D. und auch manche Ers. D. stärker formiert. Mit 650 000 ists genug, denn wenn der Times-Oberst Repington 39 (es waren 37) verbündete D. der Südfront auf 900 000 bei 550 000 Bajonetten schätzte, so geht wirklich nicht an, 35 Kanoniere, Reiter, Train auf 55 Infanteristen zu rechnen. Der Wunsch war hier überall Vater des Gedankens, die Verbündeten hatten schwerlich mehr als 1¼ Mill. noch bei der Fahne. Kuropatkin mußte 5 R. D. an Brussilow abgeben, Ewert sandte A. Lesch gegen Linsingens linke Flanke, 41. R. K. Gronau. Bei solcher Übermacht liegt eine gewisse Härte in Maßregelung des Erzherzogs J. Ferdinand wegen mangelnder Fürsorge, denn da Scherbatschef und Kaledin es an eindringlichen Beweisen ihres Angriffswillens nicht fehlen ließen, so verargen wir den Österreichern nicht allzu sehr ihr Nachgeben unter solchem Druck. Übrigens sind Brussilows »121 000 Gef., 130 Gesch.«, wovon 70 000 allein auf Kaledin kommen sollen, sicher unmöglich, da laut ihm selber Scherbatschew sowie Leschnitzki gegen Pflanzer nur 37 000 Gef. hatten. Und hier war der Zusammenbruch am ärgsten; Pflanzer verlor den Kopf, lief über Dnjestr und Strypa bis 10. fort, entblößte Bothmers Südflanke wissentlich, während er ihn um Hilfe anging. Erst als Bothmers eiserner Wille beim widerstrebenden Conrad durchsetzte, daß ihm Pflanzers Hauptteil unterstellt wurde, schöpften die Österreicher wieder Mut und bewahrten trotz erneuter Rückschläge Fassung im Vertrauen auf deutsches Kommando. So viel bedeutet im Krieg ein einzelner Mann an rechter Stelle. Doch hätten öster. 6., 13., 9. und K. Hofmann den Anprall nicht überdauert, wenn nicht 48. R. D. und ihr Führer Oppeln sich über alles Lob erhaben betragen hätte. Diese Hessen und Thüringer wurden in Schlachtenfeuer und Sonnenbrand fest wie Eisen. Des Russen fernes Ziel war Lemberg, doch er erreichte nicht mal Kowei. Auch von den Österreichern erbittert bekämpft, erlebte Kaledin an der weidenumbuschten Stochodinsel Swidniki böse Stunden, deutsche Artillerie sang den Russen allenthalben am Stochodufer ein stürmisch Lied, das betäubend auf die Nerven schlug. Vor Bessers Paderbornern und Mindnern floh ein sib. K. aus der Sumpffestung Liniewka, ganze Sturmhaufen ersoffen kläglich. Wo die Russen am 14. siegessicher durchwateten, wichen sie vor Linsingens beständig wachsendem Gegenstoß. Die Kav. K. Keller und Bebrassow, Andrängelung an Bothmers Sphäre, erhielten grobe Abweisung. Umbruch bei Stanislau verriegelten bayr. Pioniere und zwölf Tscherkessenschwadronen bei Thumacz wurden in langen Garben niedergelegt und wandten die Gäule. Was sonst in Staubwolken herankam, floh am 2. Juli, als Pickelhauben über Kornfelder auftauchten, heiße Sonne löste ein Leichenfeld in Verwesung auf, Trommelfeuer einer französischen Artilleriemission erstarb in Gewitter und Platzregen. Der sagenhafte Hüne Graf Keller bewies jetzt auch blutend, daß er nicht kugelfest sei, wie die Muschiks glaubten. Umsonst zündeten die Russen am Paßeingang der Waldkarpathen die Waldung an, die Verteidiger schauten gelassen in das Flammenmeer nieder. Der ehrliche Rußki verübelte mal einen Petersburger Siegesbericht, wo kein Schuß fiel, doch man bedeutete ihm barsch, dies sei höhere Politik. Der Streberwühler Brussilow, dessen Intrigen gegen seine Kollegen beim Zaren Gehör fanden, braute mit Staatsrat Pahlen Aufmunterungen für's mißgestimmte Entente-Publikum und fabrizierte zuletzt 260 000 Gefangene, da das Papier geduldig ist. Der so überaus siegreiche pfiffige Kosake Kaledin verhielt sich aber mäuschenstill bei Swidniki, als zu beiden Seiten dieser Keilspitze der Kampflärm herüberscholl; sie knickte ein, als durch dicht niederhängende Brandwolken und rotleuchtende reifblühende Mohnbeete der deutsche Fuß die russische Siegesflamme zertrat, so wie Platzregen den Brand der Ziegelmauer löschte. Linsingens Löschungsarbeit erstickte den Feind im Sumpf, Kaledins Plan wurde bei Kisielin zu Wasser, ebenso wie Gorbatkowskis zwischen Düna und Meer südlich Riga. Die zwei Petersburger Gardek. hatten im Juli kein besseres Los am Stochod, als das Moskauer Grenadierkorps vor Baranowitschi, dessen 6000 Tote den schlesisch-polnischen Wehrmännern zu Füßen lagen. 53. Rgt. trat mit 3250 an, kam nach 14 Tagen mit 100 aus der Kampfhölle heraus, obschon zwischendurch mit 2450 wieder aufgefüllt. Bei Kuropatkins Angriffen über die Düna, wobei seine Pontons oft bald voll von Kugellöchern und Wassern waren, an der Düna und im Schlamm wälzten sich ganze Bataillone in ihrem Blute. Nicht anders vor Eichhorns Front. Trommelfeuer durchpflügte allerorts unsere Gräben, bei Smorgon verdunkelte am 2. Juli riesenhafte Explosion den Sommerabend, doch zwei sächsische Kompagnien warfen rachedürstig zwei eingedrungene Batl. aus dem Trichter, zwei Beßarabische Rgt. wurden hier ebenso niedergemacht, wie anderswo vor den Brustwehren der Brandenburger sowohl der 5. als im Norden 6. R. D. Doch gar zu viel tschechische und ruthenische Überläufer und Verräter blieben im russischen Kampfgarn hängen, österreichische Hungermüdigkeit sprach sich aus. Erpressen kleiner lokaler Erfolge ohne sie zu vertiefen machte doch Buridans Esel in Rumänien schlüssig, welch Bündel Heu er zu wählen habe. So büßten wir dafür, daß Falkenhayn die Welt mit dem Verdun-Abenteuer erfüllte und Ludendorffs Mahnung, seit Herbst 1915 Rußland keine Erholung zu gönnen, in den Wind schlug. Auch büßte man für Conrads Starrsinn, seinem Lieblingsobjekt in Südtirol bei Asiago zu fröhnen, da er wie der ermordete Thronfolger stets von billigen Siegen über Italien schwärmte. Dafür hatte er den unendlich wichtigeren Punkt der Linie Kowel–Czernowitz außer acht gelassen und ihm Kräfte entführt, die er nun doch wieder nutzlos dorthin zurückschickte. Unstreitig war Conrad ein Stratege, das zeigt sein kühnes Verfahren bei Kriegsbeginn, ein Mann von Ideen, doch sein übertriebener Nimbus dürfte nun wohl erblichen sein. Sein schwarzgelber Egoismus fraß an unserer Kraft, die er doch immer wieder um Schutz anflehen mußte. Es sah schlimm aus, als am 12. Juni Kosaken weit über Luzk auf Kowel ritten, die Trümmer der gesprengten Scharen des Erzherzogs wehrten sich sehr ungleich ihrer Haut. Sacharow trieb Puhallas Linke abwärts und fesselte Böhm, der aber ruhig standhielt. Der so links gedeckte Bothmer war am 16. Herr der Lage, nachdem ein Überfall am 14., vor dem selbst die altbewährte 39. Honvedd. ausriß, am Fels Oppeln verstrudelte. Scherbatschews Stürme verarmten ihn an Mannschaft, selbst Leschitzky, obschon am 17. Czernowitz betretend, fühlte nicht mehr die Kraft, aus der Sereth- in die Pruthlinie überzugehen. Erst am 28. raffte er sich mit neuen Verstärkungen so auf, daß er Pflanzers Rechte ganz aus der Bukowina auf die Karpathen drängte, Kolomea ging verloren, die Linke wich auf Thumacz. In der dunstigen Schwüle, wo die üblichen schweren Wetterwolken von den Karpathenspitzen ins Dnjestrtal die weite Landschaft überzogen, begrub das mannshohe Korn ganze Massen gefallener Tscherkessen, Kosaken, südrussischer Husaren und Dragoner, die 30 Kav. Rgt. Kellers unternahmen unablässig große Attaken. Für ihre gegen die Deutschen ewig unfruchtbare Tätigkeit wollte sich die früher so stolze Kavallerie des Zaren hier an Österreichern rächen, die zu entscheidender Niederlage verdammt schienen. Diese hielten sich tapfer, doch nicht eher schwand den Russen ihr Siegestaumel, als bis die aus Serbien angerückte 105. D. ihre Helmspitzen sehen ließ. Da wandte sich alles zur Flucht, vorprallendes Fußvolk und nachhauende Reiter. Trotzdem noch furchtbares Ringen von 129. I. bis 5. Juli, doch 119. D. vom Narocz rückte ein und an diesem Brechpunkt vergrollte die Gefahr wie ein abziehendes Gewitter. General v. Seeckt als sogenannter Stabschef des ratlosen Pflanzer übernahm die 7. A. als deutscher Verteidiger der Karpathenpässe, die einen düstern Schlagschatten in die rumänische Ebene hinüberwarfen. Die Dacier als angebliche Lateiner und wirkliche Französlinge, die in Bukarest nur an Pariser Boulevards denken, vergaßen mit slawischem Leichtsinn, daß sie alles und jedes ihrer Hohenzollerndynastie verdankten und nur vom russischen Heißhunger etwas zu fürchten hatten. Sie wetzten die Waffen für fetten Raub – Pardon, für Freiheit und Recht. Inzwischen schirmte Linsingen seine Flanke vor Wolhinsk mit den Armeegruppen Bernhardi und Falk, erstere siegte auch am 21. Juni mit 2. öster. K. und 11. b. D., die soeben – unglaublich aber wahr – frisch aus der Verdunschlacht eintraf. Ihre 9 Batl. bestanden wohl fast nur aus Rekrutenersatz, doch sie schlugen 22 r. ab. Am 23. kam die vielgeprüfte 107. D. bei Helenowka ins Gedränge, besonders 232. R., und General Marrwitz, der hier kommandierte, wurde hinter Luzk abgedrängt, dann am 5. Juli die Österreicher bei Kolki geworfen. Da stellte 37. Hannov. Br. (aus der Champagne) das Gefecht wieder her, am 6. stand L. St. Passau fest und mutig. (Selbst Elsaßwinkel kehrte man also leer, um die Lücke zu stopfen). An anderer Stelle stürmten am 29. acht D. unter Besobrasew mit ungeheurer Wucht heran, hier hieben 1., 3. G. Ul. und ein L. W. Ers. Rgt. (wohl Rosen) eine Weile die Österreicher heraus, doch verlor man das wichtige Trystin ans 2. Petersburger G. K. Langsam wich Puhallas Linke erneut, auf Boehm bei Brody zurückgeworfen. Hindenburg hatte noch 108., 86. D., 9. und bayr. K. D. geschickt. Kav. K. Hauer, K. Gronau und die von Woyrsch abgezweigte 7., 37. L. W. wurden von Lesch heftig angefallen, 26. öster. L. W. wich, doch I/343. der anrückenden 86. D. sprang hilfsbereit ein. Indessen wurde die Lage recht mißlich. Durch 14 frische Div. aus Norden und aus dem Hinterland verstärkt, drang Kaledin, nachdem er den breiten Fluß seiner Massen aus dem Styrbogen ins sandige Stochodufer abgeleitet, erneut vor, durch die Niederlage bei Swidniki nicht lange aufgehalten. Es scheint, daß Lüttwitz das ganze 10. K. herschaffte, denn 20. D. scheint nicht an der Somme gefochten zu haben, ihr Verlust im Juli-August überstieg noch den der 19. D. Man erfährt leider zu wenig von den Standorten der Hannoveraner, die offenbar den Hauptanprall auf sich nahmen. Am 8. schien Linsingens Stochodlinie beinahe gesprengt. Puhalla verlor gleichzeitig bis 27. die Lipamündung, Boehm das große Proviantlager Brody, ein unersetzlicher Verlust, Sacharow triumphierte. Die 50- km -Lücke nach Aufreißung der Front Luzk–Dubno schien sich westwärts zu vertiefen. Bei Luzk trat die Zarengarde an, zwei auserlesene Korps, auf 70 000 neu aufgefüllt, nachdem sie im Vorjahr auf die Hälfte schmolz, an verschiedenen Stellen als Triarier eingesetzt wie die preußische Garde. Vier andere frische K. waren am rechten Flügel des Angriffsbefehls gewärtig, 1. sib., 1. turkest., 23., 39. K. Linsingen soll rund 10 d. D. gehabt haben (die österreichischen waren kaum noch kampffähig). Wir können erkennen 86., 107., 108., 22., 19., 20., 11. b. und wohl 25., 47. R. D. nebst einer gemischten L. W. D. Inwiefern das Kommando 22. R. K. mitwirkte, d. h., ob Teile der 43. R. D. vorkamen, wissen wir nicht. Denn einerseits focht 44. D. bestimmt bei Verdun, andererseits ist der Verlust überhaupt zu groß, um zur Stochodschlacht zu passen. Denn hier verloren die Bayern Ende Juni nur 24, 1260, erst Mitte Juli hatten sie viel zu leiden; man muß überhaupt zu Augustlisten Zuflucht nehmen, um bedeutende Verluste Linsingens festzustellen. Indessen mag eine abgetrennte Brig. 22. R. K. mitgewirkt haben. Nochmals hatte General Ragosa am 2. bei Baranowitschi die schlesische L. W. und das Siebenbürger K. Henriquaz so bärenmäßig angerannt, daß die erste Linie der Gräben und Feldschanzen verloren ging und am 3. Skrobewa-Kortschewa in Feindeshand blieb, so verzweifelt Szekler, Walachen, Karpathendeutsche sich dawider stemmten. Das war eine stärkere Wiederholung des Angriffs vom 13. Juni abends, wo japanische Geschütze, belgische Panzerautos, französische Masch. Gew., amerikanische Munition gemeinsam für Freiheit und Recht die Landwehrmänner von jener Hochkultur zu überzeugen suchten, die man analphabetisch den Hunnen vorbuchstabieren muß. Diese Barbaren verbaten sich aber den freundlichen Unterricht durch Züchtigung ihrer Lehrmeister, so daß Ragosa in bleichem Schrecken das Kolleg abbestellte. 24 Elitebatl. fanden bei 4 L. W. Batl. keinen Einlaß. Jetzt aber war dies anders, das Trommeln länger, der Sturmbock dicker. Gleichwohl durfte der Russe vor der zerschossenen Windmühle von Daxowo sein Panier nicht aufpflanzen, das war beschlossene Sache, hier hieß es »bis zum letzten Blutstropfen«, drüben »Goroditsche oder der Tod«. Ein fürchterliches Oder – nun, dann eben Tod, denn nie wird der Russe Goroditsche hinter Skrobowa–Wygode–Dorowo erreichen. Diese neue Schlacht entbrannte, als grade Linsingens Linke 33  km zwischen Styr und Stochod zurück mußte. Die Bewegung gegen Kowel setzte sich dann fort. Hier erschien auch General Litzmann; mit welchen Kräften, ist nicht ersichtlich. So niedergedrückt war Österreichs Stimmung, daß sein Unabhängigkeitsdünkel sich endlich dazu verstand, die ganze Ostfront bis zum Sereth unter Hindenburgs Kommando zu stellen, während der Thronfolger Karl sich zum Schein den kleinen Karpathenwinkel vorbehielt unter Leitung Seeckts. Die Dinge nahmen allmählich ein anderes Gepräge an, die Österreicher atmeten auf, ihrer eigenen unheilbaren Schlamperei bewußt, schämten sich des Vorgefallenen und stritten von jetzt ab mit Zusammenraffen der letzten Kraft. Es war Zeit, denn Brussilows neuer Angriff drohte alles wegzuschwemmen. Fath mußte den Stochod und einen Teil der Kowelbahn räumen, Bernhardi und Lüttwitz sahen an den Sandbänken von Liniowka, den Birken von Janowka, den Waldwiesen bei Trystem den Stürmer in ungezählten Tausenden verenden, doch immer wieder kommen. In Richtung Wolynsk opferte sich der Angreifer in wahrer Tollwut wieder bei Kisielin. Auf den drei Straßen, die dort durch rötliche Tannen hinführen, beleuchtet von taghellem Feuerschein der Brände, türmten sich Wegsperren zahlloser zuckender Russenleiber. Aus dem vordersten Vorwerk Lenowka sprühten unsre Masch. G. wie ein »Todesstrahl«. Hier, wo nur Deutsche fochten, blieben riesigste Übermacht und wahnwitzigste Menschenvergeudung völlig fruchtlos. Südlicher am Swiniuchiwald bei den Österreichern gelang ein Einbruch, doch deutsche L. W., ein Rekrutendepotbataillon, 2. G. K. Brig. stellten das Gefecht wieder her. Als Besobrasew bei Trystem über den Stochod drang, glaubte er viel gewonnen zu haben, doch furchtbar litten 3. Gardediv. und die Leibgarderegimenter Wolynsk und Litowsk. Noch gab der Feind seine Absicht nicht auf, nach Kowel durchzudringen, was er auch an andern Punkten versucht hatte. Nur bei Janowka gelang an einer schwachen Stelle ein Eindrücken der Front, östlich von Kowel schlugen k. k. Truppen (?) jeden Angriff ab, und wo in der Nacht eine Schützendiv. heranschlich und am hellen Tag Sibirier und Turkmenen aufs westliche Stochodufer hinüberkamen, übermannte sie die verstärkte bayrische Division unter schonungslosem Gemetzel. Daß er die geringe Tragweite seines wilden Andrangs nicht verbergen konnte, dafür rächte sich Brussilow durch Hinopferung ganzer Massen. Sein Verlust überstieg jedes natürliche Maß. – Inzwischen nahm Ragosa den Kampf gegen Baranowitschi wieder auf. Die schlesische L. W. wurde bei Dorowo–Lalusy überraschend am 3. früh nach Überschreiten der Szaczara aufs wütendste angefallen. Gleichzeitig ging die Rechte der dritten Armee Lesch mit dem 9. und 25. K., frisch aufgefüllten und ausgeruhten Truppenkörpern, gegen die anschließende Stellung Kartschewo–Koldytschewosee vor, wo die zu Armee Leopold gehörige österreichische Heeresabteilung mit Trommelfeuer, zum Teil schwerster Kaliber überschüttet wurde. Dieser Angriff hatte anfangs Erfolg, bis bei Skrobowa Brandenburger Reserveregimenter (besonders 8., 48.) vorbrachen und den Feind völlig über den Haufen warfen, der mit Verlust von 1600 Gefangenen floh. Der besonders gegen den rechten Flügel (6., 19.) der schlesisch-posenschen Landwehr gerichtete Stoß des früher schon so furchtbar mitgenommenen Grenadierkorps und der frischen 81. Division scheiterte in gleicher Weise, die tapfern »Schlesier« (d. h. Posener und Schlesier) verteidigten ihre aufgewühlten und zertrommelten Gräben kaltblütig und machten im Gegenstoß 700 Gefangene. Doch litt hierbei 19. L. W. bedeutend. Die Russen erwiesen sich am 4. so eingeschüchtert, daß drei neue tiefgegliederte Massenanstürme schon durch Sperrfeuer abgewiesen wurden. Hier holte Ewert noch die 11. sibirische Schützendivision, eine auserlesene Truppe, heran, während ihm für die folgenden Tage andere Korps (10., 35., 3. kaukasische, 3. sibirische) zur Verfügung standen, im ganzen 224 Batl. Am 5. ließ er daher erneut auf der Front Lalusy–Zirin anrennen, umsonst. Nur bei Skrobowa behauptete der Russe noch eine Reihe eingetrommelter Gräben. Deutsche Reserven (Div. Zöllner) unterstützten die Österreicher, am 6., 7. währte der Kampf mit etwas vermindeter Heftigkeit fort. Am 7. früh legte sich neues schweres Feuer auf die Landwehrstellung bei Darowo, worauf ein plötzlicher An- und Überfall der sibirischen Schützendivision erfolgte. Ihn bestrafte ein Verlust von fast Dreiviertel des Bestandes! Keine Batterie hatte getrommelt, keine Trommel ward gerührt, doch man muß früh aufstehen, um Deutsche zu bemogeln, und selbst dann mißlingts! Der 2. Grenadierdivision nördlich davon ging es nicht viel besser. Auch bei Wygoda und Zirin erging es frischen russischen Divisionen schlimm. Die deutsche Artillerie verwandelte das Zurückwogen in wilde Flucht, eine 21- cm -Mörserbatterie wird im Bericht des großen Hauptquartiers besonders erwähnt. Auch »Beskidenk.« (35. R. D.) war etwas im Feuer, jedenfalls aber unser Verlust erstaunlich gering, was jeden überraschen wird, der noch an Blutbäder durch Trommelfeuer glaubt, das freilich die Siebenbürger viel schlechter ertrugen als die L. W., deren Haltung jeglichem Lobe zu groß ist. Bis zum 14. gab es noch hinhaltende sehr verminderte Kämpfe, dann brachen Woynas Brandenburger in die früher den Österreichern abgenommenen Grabenlinien bei Skrobowa ein und warfen mit geringem eigenen Verlust den Feind hinaus. Ihn zwang sein außerordentlicher Verlust zur Neuordnung und Ruhe, bis er am 25. nochmals am Skrobowabach sein Glück versuchte. Nach erneutem orkanartigem Trommelfeuer, so schlecht gezielt und von so geringer Wirkung, daß es am 8. früh mit 7400 Schuß den Schlesiern nur fünf Verwundete gekostet hatte, stürmten die 55., 67. Division (35. K.) und die 52. (Kaukasier) so dicht nebeneinander vor, daß sie nur eine Frontbreite von drei  km umschrieben. Umsonst. Am 27. mittags leiteten siebzehn Batterien einen neuen Angriff diesmal des sibirischen Korps ein, das um halbneun Uhr abends und dann noch dreimal in der Nacht bis halbsieben Uhr morgens die Brandenburger zu werfen suchte. Diesen Unbesiegbaren gegenüber ein törichtes Beginnen, das unheilvoll endete. Die zweite und dritte Schlacht von Baranowitschi schlossen mit vollem Erfolg der Deutschen. Ewert ließ 5500 Gefangene und viel Maschinengewehre als sichtbares Zeichen der Niederlage zurück, außerdem 40 000 Tote auf der Strecke, was deutscherseits allzubescheiden mit 60 000 Verwundeten ergänzt wird: eine seltsame Rechnungsart, der wir oft im Weltkrieg begegnen, die aber aller Möglichkeit hohnspricht, da immer noch mindestens zwei oder drei Verwundete auf einen Toten zu rechnen sind, oft genug noch wie in früheren Zeiten vier und fünf. Ewert würde also verhältnismäßig noch mehr als Brussilow gelitten haben, was wenig glaublich, weshalb wir Brussilows Verlust mit 250 000 als viel zu niedrig angesetzt erachten. Brussilow war mindestens doppelt so stark als Ewert und kämpfte pausenlos, die Armee Kaledin war gradezu vernichtet. Ob mit oder ohne Wissen Ewerts log auch diesmal der russische Generalstab, Ewert habe am 25. selber 4000 Gefangene, 5 Geschütze erbeutet. »Dieser amtliche Bericht ist Wort für Wort unwahr« sagt der deutsche Bericht kurz und bündig! Das österreichische Hauptquartier veröffentlichte zwei Richtigstellungen der moskowitischen Prahlereien und verzichtete mit Recht darauf, bis ins Einzelne zu gehen. Man mußte es aufgeben, den russischen Lügen Schritt für Schritt nachzugehen. Es ist möglich, daß Brussilow nahezu 100 000 Gefangene, 100 Geschütze erbeutete, obschon wir dafür keinen sicheren Anhalt besitzen, und die Verbündeten mögen also von Baranowitschi bis zum Sereth etwa 250 000 inkl. Gefangene im Juni-Juli eingebüßt haben, was man gegen die Österreicher als den markantesten russischen Erfolg im Weltkrieg selbst dann bezeichnen muß, wenn er nach unserer Meinung mit 500 000 Russen erkauft war. Denn mit doppelter Übermacht und doppeltem Verlust einige Vorteile erringen, war schon eine große Leistung. Auch in Norden, wo 20 000 russische Geschosse die Seeufer schlitzten, schmolzen viele Bataillone auf 50, eins sogar auf 20, doch dort wie bei Smorgon und Baranowitschi erzielten die Russen nicht den kleinsten Erfolg, weil eben dort keine Österreicher standen. Laut V. L. erreichte Brussilows Andrang im August den Klimax. Obschon möglichenfalls Teile der Augustliste sich auf Juli zurückbeziehen, so lehrt Bothmers riesiger Gardeverlust 3750, wie hart es dort herging, während bei Woyrsch nur 19. L. W. (1035) die Bitternis der drei Baranowitschi-Treffen zeigt und wir Gesamtverlust seiner L. W. im Juni-Juli nur auf 3500 summieren dürfen inkl. 7., 37. Eine große Menge kleiner Verluste bringt den Augustverlust auf 51 900, wobei sich aber Saarbrücker mit 2180 (995 v. 137.), Westpreußen 4745 finden (1545 v. 129.), wohl auch 1000 Pommern, und überhaupt der Verlust im Norden weit überwiegt, obschon von Westpr. das Meiste im Süden zu rechnen. In den Karpathen 1370 Ostpr., 2000 Bayern. Bei Linsingen trifft man nur 1., 3. G. Ul. (145), 227. R. 650, bayr. Kav. 182, 341. I. 830, Hannov. 4000, Bayern 1000, sonst unbedeutende Verluste, wobei wir ehrlich bekennen, daß wir nicht im Bilde sind, d. h. uns von seinen Verstärkungen kein Bild machen können. War darunter 116., 118. R. (600)? Ebenso blieb uns verborgen, ob D. Behr (im Juli 1500, August 2438, meist 58., September 1980), später nach Frankreich zurückwanderte; 58er allein 1838, im Sept. nochmals 1047. Die Listen seit 7. Sept. bis 5. Okt. ergeben: 31 500, dabei im Norden (?) 3364 G. R. (95 P.). 684 v. 228. R., 251.–65., 66. R. 1477, Westpr. 2485 (1499 v. 129.), 349. L. W. 625, 1. R. K. 2400 inkl. 93. R. L. W., Woyrsch 2000, 41. R. K. 900, wahrscheinlich hier 273. R. 1260 usw. Im Süden höchstens 1700 Hessen, falls eben nicht 25. R. D. von weit her kam (»aus Frankreich« sagt russische Meldung, die sich auf 19. D. und neue sächsische Inf. Brig. beziehen könnte), doch 1330 v. 116. R. erscheint allzu hoch im Vergleich zu übrigen Verlusten, da Bessers 217. R. nur 631 verlor. Indessen wird es so sein und 129. Westpr. gehört eben zur 105. D., analog zu 58. I. litt sie im Juli-August bedeutend, so daß Bothmer im August wohl mindestens 11 000 Deutsche verlor und Linsingen, zu dem noch 1. L. W. D. stieß nebst einigen sonst im Norden stehenden R. Rgt., wahrscheinlich 8000. Die Schwierigkeit besteht darin, daß die Augustlisten bei Woyrsch sich zumeist auf Juli beziehen und wohl einiges bei Linsingen in Sept.-L. auf August, daß aber auf H. B. und andere Berichte nichts zu geben ist, wonach im Sept. bis Neujahr der Kampf einschlief, wenigstens keinerlei ernste Aktionen mehr vorfielen. Das ist natürlich falsch, nur der Fiktion entsprungen, daß die Russen kein Glied mehr rühren konnten. Unzweifelhaft gab es im Norden wie im Süden andauernd Zusammenstöße, bei Bothmer sogar Großkampf, jetzt 1. R. K. hier und Westpr., 119., 105. D., Bothmer verlor 7000 Deutsche; so verzeichnen Gardefüs. im Sept. 1215, 221., 223. R. 776. Ferner Kneußl 1205, bayr. Kav. 167, was wohl zum August gehört, 1. pr. Ul. 88. Die neuen 357., 358., 366., 374., 378. (3100), damals wo? In den Waldkarpathen 19. b. R. 662. Denn im äußersten Südwinkel entspann sich schon seit 4. Aug. ein wilder Gebirgskampf. Auch hier mußten Deutsche die Trümmer der 7. A. retten. General Conta erschien mit 200. D., 2. Jägerradfahrbrig., gefolgt von 8. b. R. D., von der Somme 1. ostpr. D. von Verdun. Wie diese abgekämpften Truppen sich durch Urwaldschluchten zu 1000–1600  m hohen Graten emporrangen und überall den übermächtigen Feind aus seinen Felsburgen herunterstürzten, war großartig. Nach den überstandenen Höllenmonaten betrachteten sie wohl dies gesunde Klettern in freier Luft als Lustbarkeit und das Hochgebirge als klimatischen Kurort! Unter tatkräftiger Mitwirkung einer braven Honvedd., die den Ormolui Mann wider Mann erstürmte, warf Conta den Russen von der Maguaklamm ins Kirlibabatal zurück und sperrte so den Zugang zu Pflanzers Rückzugsbasis. Auch dessen bedrängte Linke am Tartarenpaß wurde am 29. erlöst, als 117. D. von der Somme und eine L. St. Brig. als Retter auftauchten und r. 11., 32. D. vom verschanzten Kukul hinunterwarfen. Im Sept. erschien noch die an der Somme vernichtete und neu hergestellte 10. b. D., sofort besserten die Altbayern die schlechte Lage des 11. k. k. K. Hier griff auch 3. Jägerrgt. des Alpenk. tätig ein. Mittlerweile vereinten sich 4., 5. Chev. mit 18. pr. Hus. zu einer schwachen 3. K. D. zum Abgang nach Rumänien. Dortiger Verl. läßt sich aus Sept.-L. überhaupt nicht erkennen, vom Alpenk. nur 1500 (384 des Leibrgts.), wenn wir Septemberverlust bei Verdun abrechnen. Hierfür also Oktoberlisten. In mondhellen Nächten und düsterschwülen Tagen währte das Würgen am Stochod bis 11. Aug. fort. 2. r. G. K. kam bei Trystem nicht weiter, 1. G. K. wenig bei Janowka, der Gardeobergeneral Besobrasew sah mit Schmerz seine Kerntruppen dahinschmelzen. Wo sie tags in deutsche Linien drangen, wurden sie nachts wieder herausgejagt. Die 77. D. des 1. sib. K. ging bei kühnem Angriff zuletzt erfolglos zugrunde. Dagegen drehte Sacharew die Rechte Boehms aus den Angeln, sein General Bock führte eine Gruppe in Bothmers linke Flanke. Nur das von Hindenburg geschickte Detachement Melior (3 Batl., 2 Kav. Rgt., 3 Batterien) schloß die Lücke. Als aber Sacharew die Bresche erweitern wollte, erschien General Eben mit 195., 197. D. und nun war es mit allen Fortschritten der Russen vorbei. Am 22. mußten sie auf ihren Lorbeeren ausruhen. Zur Rechten Bothmers hatte man Heeresgruppe Köweß eingeschoben, jetzt 3. A. genannt, um Stanislau zu decken. Doch da Scherbatschew frische Verstärkungen aus Beßarabien bezog, drängte er Ende Juli auf Delatyn vor, während Leschitzkis Kaukasier sich am 8. des Pruthtals bemächtigten. Thumacz fiel trotz opfermutiger Standhaftigkeit der bewährten 105., 119. D. und einiger Jäger- und L. W.-Abteilungen. 58., 129. I. standen wie die Mauern. Umsonst opferten sich die Germanen für die Madjaren, die Nibelungentreue in Etzels Land ist nicht am Platze und bekommt uns übel, der Panhunnismus mag sich untereinander auffressen. Jetzt riß die Verbindung des einsamen Bothmer rechts und links ab, der stolze Recke mußte sich zum Rückzug aus den Linien bequemen, die er so lange gegen alle Feinde verteidigte. Doch sein Abgang zur Zlota Lipa glich dem des grimmen Hagen, Schild überm Haupte, Schwert in der Hand. Seine im Juli geschonten Garderegimenter boten als Nachhut allen Verfolgern die Stirn, obwohl um schweren Preis. Die V. L. für August entsprachen außer für Woyrsch, wo sie offenbar verspätet für Juli nachhinken, durchaus den Tatsachen. Denn es ist irrig, daß am Stochod seit 10. August das stehende Gefecht abriß, es währte bis Ende Sept., wie B. K. Arch. ganz richtig sagt. Indessen befand sich Linsingen seit 30. Juli im langsamen Vorgehen und behauptete den Stochod, wo man sich von Ufer zu Ufer befehdete. Bis 2. Sept. bestand K. K. Hauer schwere Angriffe, wobei eine r. D. 2000 Tote liegen ließ. Bayer. Schwere Reiter und Ulanen verloren im Ganzen 7, 300, wobei offenbar Juligefechte einbegriffen. Hier hielt sich L. W. Batl. Glatz vorzüglich. Später im August griff 37. L. W. unerschrocken die ganze r. 73. D. an, abgeschlagen, doch keineswegs vernichtet. Bayer. Reiterschützen warfen sich entgegen und verloren angeblich auch 10, 300 laut B. Kr. Arch.; wir können dies aus den V. L. so wenig feststellen wie Einbuße von 343. I. der 86. D. und ostpreußischer L. W. Sie war gering, auch bei 41. R. K., von dessen angeblicher Bedrängnis man hier ein Wesens macht, während dessen frühere viel ernstere Kämpfe nie gewürdigt wurden. Man trieb den Feind zurück, der langsam abbaute und auf weiteres verzichtete, durch ungeheuren Blutverlust entkräftet. Das Unwetter vollzog sich nach den Waldkarpathen, auf die der Russe sich mit aller Kraft warf, weniger um Ungarn zu bedrohen, als um Rumänien zum Beitritt fortzureißen! Erst im Oktober machte man den durch österreichische Nachlässigkeit und Widerwilligkeit angerichteten Schaden wieder gut, unsere vielfach gebrochene Linie ließ sich wieder berichtigen. Rußlands zur Neige gehenden Kriegswillen belebte nur noch Hoffnung auf Rumänien, die Revolution keimte am Düna und Pripet, reifte auf den goldigen Kornfeldern des Dnjstr und Sereth aus dem Blut von Hunderttausenden von Toten. Die berühmte D. Kneußl setzte sich nun wohl zur wohlverdienten Ruhe? Daß sie nach ihrer Verdun-Heimsuchung und dieser neuen Kraftprobe (Verl. seit Juni 67, 3527) gleich wieder ungebeugt in Rumänien auftrat, darf nie vergessen werden. Solche Hingebung durfte man unseren Kriegern zutrauen! In bitteren Stunden späterer Verzweiflung richtet jeden Deutschen der Gedanke auf, daß ein Volk, dessen unlautere Pöbelelemente aller Stände landesverräterisch oder kraß egoistisch die Nation entehrten, angesteckt vom allgemeinen Bazillus stumpfer, öder Gleichgültigkeit, dennoch im Inneren mächtige Seelenkraft bergen muß. Solche Aufopferung, Treue, Todesverachtung mit germanischem Berserkerhumor, wie des deutschen Soldaten im Weltkrieg, sind sie auf Gemeinheit, Treulosigkeit, Feigheit zugeschnitten? Wer im Krieg Übermenschliches leistet, kann der im Frieden ein Lump sein? XXIX. Rumänischer Feldzug Wir sahen, daß im Ganzen die Österreichs Grundfesten erschütternde Brussilowoffensive durchweg für die dort nach und nach verwendeten etwa 20 D. unblutiger war als das fortlaufende Knabbern an unserer Nordfront, daß aber überhaupt jeder Monatsverlust im Vergleich zum Vorjahr äußerst gering war. Trotz der ungewöhnlichen Einbuße Österreichs an Gefangenen, Überläufern, Gerät und Raum hatte man den Ansturm insofern überstanden, als man auf verkürztere Front sich wieder einrichtete. Der Feind hatte im Norden, wo er vorsätzlich den Hauptschlag führen wollte, rein gar nichts erreicht, im Süden zwar Sereth, Pruth, Strypa, Ikwa, Styr überschritten, Czernowitz–Stanislau–Brody erworben, doch um den Preis völliger Zerrüttung der notdürftig neugesammelten Wehrkraft. Die Besten waren gefallen, Garden und Grenadiere aufgerieben, mit weit über 1 Mill. Toter und Verwundeter ist der Verlust eher zu niedrig angegeben. Nur die verstärkte A. Leschitzki war noch schlagfähig, auch sie verblutete in den Waldkarpathen. Dies war aber gleichbedeutend mit politischer Auflösung. Deutschland hatte das Spiel im Osten gewonnen, wenn die rumänische Trumpfkarte nicht den Rubber fürs Ententewhist machte. Wurde auch sie abgestochen, dann wurde Rußlands Kapitulation nur eine Frage der Zeit. Gleichwohl sah man im Herbst sorgenvoll in die Zukunft! Alles gegen Rumänien zunächst Aufzubringende überstieg nicht 60 d. Batl., während Österreich recht wenig zur Befreiung Siebenbürgens beisteuerte, das die hochmütigen Gernegroße der östlichen »Lateinischen Schwester« schon überschwemmten und plünderten. Die wenigen k. k. Wachtposten flohen in die Karpathen. Bulgarien gab ein Drittel seiner Streitmacht, die zermürbte Türkei drei Div. Das genügte kaum. Ward auch Rumäniens Truppenzahl »auf dem Papier« überschätzt, so rückte es doch mit 245 000 Gewehren und Säbeln, 450 Geschützen vor, jede Div. zählte 20 Batl. Gegen Bulgarien beließ man nur eine kleine 3. Armee Aslan, verstärkt durchs 47. russ. K. Auch 4. A. Presen fiel vorerst aus, da sie im Trotustal den Russen vor den Waldkarpathen die Hand reichte, um hier einen Flankeneinbruch zu erzielen. 2. A. Grainiceanu stand bei Kronstadt, 1. A. Culcer zwischen Hermannstadt und Petroseny mit Flankenschutz bei Orsova. Der Rumäne spielte also ein hohes Spiel, auf weiter Front auseinandergezogen und dachte gemächlich über Schäßburg in Ungarn hineinzuspazieren. Vor diesen 15 I. D. (300 Batl.), 8 K. Brig. wich General Arz auf die Deutschen zurück, von denen schon die Generale Morgen und Schmettow das Kommando von 3 österr. D. und 1 K. D. nebst L. St., Hus. übernahmen. Zunächst erschien 187. D. aus dem Elsaß bei Petroseny und verlegte dem Feind den Weg, der die 144. L. St. Brig. aus dem Vulkanpaß vertrieben hatte. Dann rollten von Verdun, Litauen, Kurland deutsche Kräfte an, 72. k. k. D. vom italienischen Kriegstheater. Mit scharfem Blick erkannte Ludendorff, daß Culcers zwei Gruppen durch ein Gebirgsmassiv am Rotenturmpaß geteilt und 2. r. A. noch im Fogaraschen Gebirge unentwickelt sei. Man mußte sofort bei Hermannstadt zuschlagen. Dem vom Oberbefehl entsetzten Falkenhayn anvertraute er diese Operation. Diesen hatte der schlaue Minister Bratianu bis zuletzt in Sicherheit gewiegt, ein unbegreifliches Versehen, da schon im Juli über Maßnahmen im Fall rumänischen Kriegseintritts beratschlagt wurde. Die dafür gesammelten R. K. Eben und Conta hatte man freilich alle aus der Hand geben müssen, um den Russen im Südosten entgegenzutreten. Trotz alles Sperrens schwarzgelber Einbildung mußte Conrad zugestehen, daß nominell Leopold von Bayern jetzt von Galizien bis zum Westhang der Karpathen kommandierte nur die 7. und neugebildete 1. A. Arz behielt sich der Thronfolger Karl vor, in Siebenbürgen befahl der Deutsche. Inzwischen hatte Mackensen mit 3 bulg. Div. und einem kleinen deutschen Detachement (21. I., 6. Ul., 21. Art.) die Dobrudscha umgerannt, bei Dobric und besonders bei Tutrakan am 6. vollständig gesiegt. Das 13. r. K. Bessarebescu wurde vernichtet, seine 20 Batterien, nebst 25 000 Mann streckten die Waffen, in den acht Panzerforts von Tutrakan, ihr Kommandierender ertrank in der Donau. Diesen fast unbegreiflichen Erfolg verdankte man den wenigen deutschen Geschützen und der Gruppe I/21 des Majors Hammerstein. Da jedoch 61. r. und eine jugoslavische Überläuferdiv. die Bulgaren bei Dobric bedrängten, warf Mackensen kurz entschlossen die Abtlg. Bode, zu der jetzt auch 45er aus Serbien heraneilten, nach Silistria zur Umfassung. Um die Flanke besorgt, ließ Aslan von Dobric ab und sich bei Resewa durch Bode so einschüchtern (hier fiel Prinz Wilh. v. Hessen bei 6. Ul.), daß er am 15. Front nach Westen schwenkte. Teschofs Bulgaren konnten aber frontal nicht Herr werden, Aslan entkam zum Trajanswoll und Topreisar wo er in befestigten Linien den Donaubrückenpunkt Cernavoda und das Zentraldepot Konstanza deckte. Ohne schwere deutsche Art. mußte Mackensen still liegen, sein kühner Sprung verfehlte sein Ziel, die Operation hatte nur den Zweck einer Diversion erreicht, rum. Reserven von Bukarest nach der Dobrudscha zu locken. Es ging also ähnlich wie im Vorjahr, wo er zu spät Lemberg und Brest zu fassen bekam. Indessen müssen wir seine Entschlußkraft loben, die ihm gegen einen anderen Gegner aber schlecht bekommen wäre und ohne seine kleine deutsche Brig. nichts gefruchtet hätte. Denn die Bulgaren erwiesen sich schwerfällig und zu keiner Verfolgung fähig, den Rumänen durchaus nicht überlegen, die nur bei Tutrakan in Panik gerieten, als sie deutsche Helme vor sich sahen: so groß war der Weltschreck deutschen Waffenruhms. Von größerer Bedeutung war, daß General Sunkel mit 2 seiner Rgt. und 1 des Alpenk. die ganze Linke Culcers aus dem Petrofeny-Kohlenbecken bis 18. zum Vulkanpaß zurückwarf. 40 rum. Batl. hielten sich nicht für stark genug, ihn zu halten, Culcer ging mit neuen Verstärkungen dorthin ab und überließ seinem Unterführer Manolescu vor Hermannstadt seinem eigenen Gutdünken und damit seinem Schicksal. Denn es war Ludendorffs Plan, dies Mittelstück der rumänischen Schlachtordnung herauszubrechen, also die äußeren Linien des Gegners auf innerer Linie aufzurollen. Sunkel ließ nur zwei Bataillone am Vulkan zur Unterstützung der L. St. Brig., was natürlich den erneuten Vormarsch Culcers nicht bändigen konnte. Als dieser aber am 25. bei Petroseny wieder erschien, fiel längst die Entscheidung. Manolescu folgte wie Culcer dem Plan, die Rechte der Verbündeten zu umwickeln und sie im Marostal von ihrer Verbindungsbasis abzudrängen. Er staffelte sich daher nach links zum Haesbach, erweiterte aber so die Lücke zur 2. A., die nach Nordwesten sich von Morgen beschäftigen ließ. Seine Linke stieß am Cibin auf Deutsche und Honveds, die kräftig abwehrten, seine Rechte aber unter Pepovici vertrieb das schwache K. K. Schmettow am Alt. Er konnte also nicht mehr doppelseitig umfaßt werden, wurde aber unsicher, als er die erschreckende Kunde erhielt, daß Feinde am 24. den gewaltigen Grat von 2200  m oberhalb Rotenturm überzogen und sich in den Paß herabsenkten. Es waren 8 Batl. des Alpenk. unter Tutschek, die diesen erstaunlichen Flankenmarsch im Hochgebirge vollendet und die Straße nach Bukarest sperrten. (Es ist jedoch falsch, daß dies das ganze K. war, 14 Batl. waren zur Deckung west- und seitwärts geblieben; die Zusammensetzung ist schwer festzustellen, da es 7 Jägerregt. gab, die sämtlich Verluste hatten, wo standen die übrigen?) Die Operation gehört zu den kühnsten, die je ausgeführt, bei anderen Prahlhänsen würde man darüber in jedem Schulbuch endloses Geschwätz finden, Deutsche behandeln das Unerhörte als etwas Natürliches. Manolescu hielt tapfer Stand, seine rückwärtigen Staffeln suchten aber schon ostwärts nach Fogaras auszubrechen, mit rühmlicher Geistesgegenwart macht Schmettow teils gegen Fogaras Front mit Haubitzen, teils bestrich er mit Masch. G. der Chevauxlegers so wirksam die nach Osten führende Straße, daß Manolescu nach Süden abfloß, wo 10., 14. Jg. ihn am Rotenturmpaß mit vernichtendem Schnellfeuer abschoben. Gleichzeitig fiel Krafft mit dem Hauptteil des Alpenk. Nordöstlich in die linke Flanke. So wurde Manolescu endlich gebrochen, er selbst eilte fort, um »Verstärkungen zu holen«, sein Unterführer Pepovici gab am 29. bei Tolmesch das Spiel verloren. Durchbruch am Paß nicht mehr möglich, obschon Bukarester Reserven, auf die unglaubliche Kunde herbeigeeilt, bei Cateni am Ausgang des Paßes mit ungeheurer Übermacht das Leibbtl. (darauf war das Münchner Leibrgt. eingeschrumpft) umzingelten, die Leiber fochten an diesem Thermopylenpaß im Schatten der Alpenhäupter, jeder ein Leonidas, nichts konnte sie brechen. Doch es war Not am Mann gewesen, denn 2. rum. A. stand nur noch 15  km von Talmesch. Sie hatte Morgen zurückgedrängt, weil österr. 71. D. den Gehorsam weigerte und wurde erst durch beherztes Auftreten übermüdet anlangender Preußen aufgehalten, während Arz vor 4. r. A. fortwährend wich und auch Schmettows östr. K. D. nachgab. Aber wann war dies? Am 2. Okt., so viel Zeit gönnte Maderescu, Stabschef der 2. A., den Deutschen! Denn da die heftigsten Angriffe der Bukarester Reserven auf dem Rotenturmpaß nichts nützten, den Krafft jetzt mit dem ganzen Alpenk. besetzt hielt, so hatte die 2. A. nur noch Rückzugsstraße über den Pedelpaß nach Südosten und wagte daher nichts Großes, trat aber auch nicht rechtzeitig den Abmarsch an, sondern nahm die Schlacht am Geisterwald und bei Kronstadt an, was eine zusammenhängende Handlung bildet. In ähnlicher Lage hätten die Serben längst Fersengeld gegeben wie bei Pozare. Inzwischen siegte Mackensen, durch ein großes Türkenk. und 217. D. verstärkt, am 21. nach dreitägiger Schlacht bei Topreisar, überstieg er den Trajanswall, nahm Cernavoda–Konstanza, baute dann eine Verteidigungslinie und rüstete sich, um nach Westen einzugreifen! Er hatte den Feind im frontalen Draufgehen bedeutend geschlagen, doch nicht zertrümmert, auch der Feldzug seines Freundes Falkenhayn war in der Hauptsache gescheitert, des Feindes Masse dem zugedachten Schlag entronnen, die Absicht vereitelt, mit ihm zugleich in die Nordostpässe einzudringen. Im Oktober stößt man auf Verluste, die man nicht unterbringen kann, wenn man amtlichem H. B. traut. Bei Bothmer 1. R. (1116), 59. (1027), 1. R. K., das auch sonst ansehnliche mittlere Verluste hatte, müßte also heftig vor Riga gerungen haben, es stand aber im Sept. an der Narajowka. Westpr. 4220, von denen jedoch ein großer Teil in südliches Kampfgebiet abzurechnen, 79. R. D. 1000, 250. R. 771, 900 Saarbrückener, Reiter 168, Hannoveraner nochmals 2300 bei Linsingen?, 1410 v. 8. b. D. Alpenk. 3280, 187., 189. I. 900, 252./54. R. 1000, Kav. 250, b. 13. R. 139, b. 22. I. 359, 11. b. Art. 80, sind alles, was wir für Rumänien mit Bestimmtheit feststellen, weil andere Kriegsgliederung uns nicht geläufig. 368. I. (1299), 371., 72. (1604) könnten hier wohl in Frage kommen, doch dem ist nicht so, daß wir auffallende Verluste in Rumänien suchen müßten, man findet sich damit ab, daß der Kampf in Rußland blutiger blieb, als ein neuer Feldzug. 413., 414. I. Württ. tauchten nach 393., 395. schon in den V. L. auf, trotzdem immer noch einzelne neue Ers. und Feldbataillone geschaffen wurden. Einzelnen Regimentern wie 44. Jüterbogk, 33. L. W. begegnet man nur einmal in allen Listen, viele Truppen führten ein beschauliches Reservedasein. Von etwa 43 700 im Oktober (1600 G. Bothmers) entfielen schwerlich mehr als 8000 auf Rumänien, wo aber auch Österreicher, Bulgaren, Türken mitspielten. Trotzdem Brussilow vom 1. Juli bis 1. Oktober 86 000 Off., 1 780 000 verlor – man schaudert es zu schreiben – griff er tatsächlich vom 5.–29. Okt. nochmals an, wohl um Rumänien zu entlasten. Bothmer stand unbewegt, der Russe strauchelte vor ihm über die Narajowka zurück, Linsingen fing den Stoß vor Sokal auf und führte scharfen Gegenhieb zum Stochod. Als Nachhall dieses Schlachtlärms warf Woyrsch mit Eichhorns Aushilfe die Russen aus dem Skrobowastreifen vom Juli. Bothmer hatte im Sept. vom 1.–19. das Vergnügen gehabt, ungebetene Gäste mit Hilfe werter Freunde vor die Tür zu setzen. 15. Türkenk. Djevad Pascha war dem 6., 13. österr. ein Vorbild für solche Hausknechtsdienste. Das k. k. 9. K. bei Koniuchy-Zbornow half sich allein, vor Brzezany aber zerschlugen den Feind Garde und 105. sowie hier neu 1. R., 199. D. am 8. so sehr, daß nochmaliger dreitägiger Angriff am 16. nur noch eine Tat der Verzweiflung war. Damals kommandierte hier Gerock, später ins Trotustal versetzt. Brussilow konnte aber seinem Millionenverlust noch etliche Hunderttausende hinzufügen. Übrigens hat obige Ziffer keinen Wert, da hierbei noch nicht 20 pro Off. kämen, nach geringster Schätzung 1:30 kommen genau 800 000 mehr heraus! Selbst nach obigem Geständnis wird man wohl schwerlich Übertreibung darin sehen, wenn wir russischem Gesamtverlust 1916 inkl. Rumänien auf mindestens 3½ Mill. schätzen und bei unserer Statistik beharren, daß Rußland im Weltkrieg nicht 4, sondern 6 Mill. Tote verlor. Gefangene machte man nur noch wenige, Russen und Türken gaben sich nicht Pardon und an anderen Stellen war die Erbitterung gleich groß. Von dem Augenblick, wo die russischen Berufssoldaten durch wirkliches Volksaufgebot ersetzt wurden, gab es für Gefangene nur noch Tote. So geringschätzig wir über russische Wehrkraft geschichtlich denken, müssen wir doch die stumme fatalistische Hingebung der »5½ Mill. Bauern unter Waffen«, die ein russischer Minister 1916 zugab – natürlich das Vierfache vom Beginn bis Ende – anerkennen. Ein merkwürdiger amerikanischer Roman »Der dunkle Wald« schildert diese seltsame mystische Todessehnsucht für das heilige Mütterchen Rußland, keineswegs nur für den Zaren, denn bei den Revolutionären flammte nachher gleicher Fanatismus auf. Solche Möglichkeit einer Volksmassenleidenschaft macht das heilige Rußland zu einem gefährlichen Gegner und es war der Entente würdig, daß sie alle beispiellosen Opfer dieses Volkes vergaß und ihm einen Fußtritt gab, als habe es seine Zusage nicht gehalten und den Weltkrieg lau geführt. Ohne Rußlands Anstrengung, die nicht größer sein konnte und beispielslos dasteht – dort liefen keine »Unabkömmlichen« in Haufen herum – wären die Westvölker gleich im ersten Anlauf erlegen. Im rumänischen Bewegungskrieg war Ludendorff wieder in seinem Element. Strategisch lag nahe, von vornherein den Nachdruck auf den Dobrudschaflügel zu verlegen, wodurch die Walachei in Flanke und Rücken gefaßt werden konnte. Politische und Nachschubrücksichten zwangen aber zu Hauptangriff an der Siebenbürger Grenze, wo die treulosen Rumänen in gemeinster Weise sich besonders an den »Sachsen« vergriffen. Das Vorgehen der A. Falkenhayn (anfangs nur 6 deutsche, 2 österr. D.) ordnete L. vorzüglich in möglichster Vermeidung des Frontalen so an, daß der Stoß schräg nach Südosten erfolgte, während Alpenk. Krafft als Seitenhut den Rotenturmpaß sperren und so die Rumänen von ihrer direkten Rückzugsbasis Bukarest abdrängen sollte. Die Ausführung entsprach nicht der Erwartung. Andererseits umging Mackensen nicht längs der Küste die starken Rumänenstellungen, in die sich auch russische Kräfte einschlängelten, sondern rannte wieder mal dreist und gottesfürchtig durch die Steppe frontal vor. Die zähe Tüchtigkeit der Bulgaren unter Teschof angefeuert durch schwache deutsche Hilfskräfte, erlaubte ihm wieder kunstlos zu »schlagen« und bei Konstanza, dem Stapelplatz hochgefüllter Warenspeicher, reiche Beute in die Scheune zu bringen. Deutsche Ulanen und Pommersche R. Inf. am linken Flügel vollendeten die völlige Niederlage. Nach Verl. von 170 Gesch., 41 000 Gef. und wahrscheinlich 50 000 Toten und Verw. (nicht 80 000!) konnte die rumänisch-russische Südarmee aber noch keineswegs als vernichtet gelten. Frühzeitige Erwerbung der Donaumündung bei Braila–Galatz hätte den Untergang rumänischer Wehrmacht beschleunigt, doch wieder mal machte bei Mackensen das glückverwöhnte Ungestüm einem Erschrecken vor Erfolgausbeutung und einer methodischen plötzlichen Bedächtigkeit Platz, ganz wie einst vor Cholm–Brest. Der psychologische Augenblick verstrich, wo man den gänzlich erschütterten Feind mühelos vor sich hertreiben konnte. Zu Besorgnis um die linke Flanke war kein Grund vorhanden, nachdem zwei dilettantische Donaumanöver der Rumänen an bulgarischer und ungarischer Grenze kläglich scheiterten, und es konnte Mackensen nur recht sein, daß sein Freund und Gönner Falkenhayn so wenig vorschritt, da die rumänische Hauptkraft weit im Norden gefesselt blieb. Doch es ging eben wie gewöhnlich bei exzentrischen Auseinandergehen getrennter Handlungen, es klappte nicht zeitlich und räumlich. Mackensen spielte seine führende Rolle schon aus, erst Einfügung einer neuen Donauarmee half ihm wieder auf die Beine. Indem man so lange eine weite Lücke beließ, stellte man selbst die Rumänen auf die innere Linie. Sie ausnutzen kann nur ein Meister, dennoch zwingt sich ihre Geltung oft örtlich von selber auf und so kam es später zu gefährlicher Krise. Falkenhayns 9. A. hätte ebenso gut 13. heißen können, in nichts der früheren 9. ähnlich. Sie hatte 39. R. K. Staabs erst spät heran und zählte nur 51 d., 45 österr. Batl. inkl. Flankenschutz bei Orsova, wovon ursprünglich nur 55 Batl., 33 Schwadr. (3. d., 1. österr. K. D.) gegen 110 Batl., 32 Schwadr. der rum. 1. Armee versammelt. Trotzdem wurde diese teilweise bei Hermannstadt überrannt und auf die anrückende 2. A. am Fogarascher Gebirge gedrückt. General Schmettow mit der Reiterei und 51. Honveddiv. (überall die Österreicher deutschen Führern unterstellt) stieß südwestlich über die Aluta. Gefecht nordöstlich Hermannstadt, wobei zwei bayr. Schwadr. 3, 50 verloren, Täuschungsdemonstration am 22. (5, 80), Überfall und Zersprengung des 2. rum. Kav. Regt. am 29. durch 5. b. Chev., dann Flankendeckung nebst III/253. R. Die sächsischen 18. Hus. verloren 94, sollen sogar, durch 2. A. verscheucht, ihre Haubitzen verloren haben. General Morgen hatte als Korpschef wie gewöhnlich die schwerste Aufgabe, denn seine 4 Div. sollten zugleich links die 4. rum. A. an den Waldkarpathen fesseln. Während K. Arz zu seiner Linken Hilferufe ausstieß, löste der nie gewürdigte Sieger von Lowicz seine entsagungsvolle Aufgabe und hielt sowohl 2. als 4. A. ab, die 1. A. zu entlasten. Da Falkenhayn sich nicht beirren ließ und an Ludendorffs Direktive festhielt im kühlen Bewußtsein deutscher Unüberwindlichkeit, spotteten die hohen Valona-Berge umsonst des Frontalangriffs, im Rücken von Alpenk. umwickelt. Schmettows Karabiner knallten im Osten, seine Haubitzen verscheuchten den Feind abseits, dessen 1. A. sich in grenzenloser Verwirrung auflöste, im Gebirge eingeklemmt. Sie suchte den vom Alpenk. größtenteils besetzten Rotenturmpaß umsonst zu öffnen, wo eine anmarschierende Kolonne mit Mann und Maus auf der Strecke blieb oder abstürzend im reißenden Gewässer versank. Umsonst rollten aus Nord, West, Süd Menschenlawinen heran, sie glitten ab und schmolzen wie Schnee dieser Schluchten in Frühjahrssonne. Doch es war nicht Lenz, Herbststürme heulten bald um die umgebenden Berggipfel, der Aufenthalt für Krafft's Jägerälpler ward allmählich ungemütlich, das bayerische Leibbatl. »Prinz Heinrich« mußte bei Camani im Süden Raum geben, doch der Nordeingang blieb uns, südwestlich des Paßmassivs fiel alles unterm Feuer der Hannv. 10. R. I. und ihrer Gebirgsbatterie. Einen Einbruch der 4. A. gegen österr. 71. D., 6. K. Brig. bannte die Vorhut der anrollenden 89. D. Lüttwitz auf dem Fleck. Entsatzversuch der 2. A. scheiterte anfangs an Schmettows Husaren und Chevauxlegers, die 2. D. ward ins Fogarascher Gebirge versprengt; ihre Trümmer retteten sich auf Seitenpfaden. Was von Norden gegen den Paß gepreßt, füllte mit Leichenbergen und abgestürzten Wagenburgen die alles wegschwemmende wilde Aluta. Dreizehn Regimenter, ein Jäger- und ein Zollwächterbataillon sollen zu Grunde gegangen sein, doch nur 5., 49., 66. Rgt. werden genannt und daß nur 3000 Gef., 13 Gesch. den Siegern zufielen, zeigt klar genug, daß Einkreisen und Abschneiden durchaus mißlang. Nur 13. D. wurde wirklich vernichtet, geschweige denn »1. A.«, wie man anfangs den Mund voll nahm. Schon vor 5 Tagen drang Ludendorffs Voraussicht auf folgerichtige Fortsetzung des Stoßes gegen die 2. A., deren Hauptquartier Kronstadt man taktisch in der Flanke, strategisch sogar im Rücken stand. Ihr verspätetes neues Vorgehen, dem sich nach Osten auch die per Auto angelangte 8. brandenb. L. W. entgegenwarf – ihr Verl. ganz unbedeutend, der aller übrigen Teile nur zu mutmaßen – am 30. September nördlich und südlich des Alt machte geplanten Flankendruck am Südufer untunlich. »Schweren Verlust Lüttwitz« findet man nicht in V. L.; doch sonst schien die Lage nicht unbedenklich. Morgen mußte sich opfern, nördlich des Flusses zum Angriff antreten, weil links von ihm nur noch Arz' tapfere 11. L. St. Brig. aushielt, also um jeden Preis die 4. A. gehindert werden mußte, ihre 100 Batl., 14 Schwadr., 288 Gesch. gegen unsere Verbindungsbasis auszuspielen. Während Staabs durch den Geisterwald vorging und bis 10. Oktober den östlichen Gebirgszug nicht bezwingen konnte, hatte Krafft nebst zwei österr. Gebirgsbrigaden auf jeder Flanke die aus Süden erneut andrängende 1. A. bis Curtea de Argos zurückzuwerfen, was erst spät durch den Gewinn des Mormontuplateaus gelang. Die Rumänen schlugen sich hier viel tapferer als je die Serben, immer wieder suchten sie das 600 Schritt breite Südende des Rotenturmpasses zu erstürmen. Wer diese Gegend aus eigener Anschauung kennt, würdigt die Leistung der Stürmer auf beiden Seiten. Um die Wahrheit zu sagen, übertrafen die kernhaften Söhne der österreichischen Alpenländer hier noch die deutschen Jäger, 2. Gebirgsbrigade vollzog bewundernswerten Bergmarsch von 63  km in 30 Stunden bis zum höchsten Gipfel des Bergstocks (2313  m ), 10. G. Brig. erstürmte Bergkegel westlich des Passes. Doch seit 18. Okt. einsetzende Schneestürme mit Wettersturz bis 15 Grad machten den Verpflegungsweg am Fruntupaß schwer gangbar. Während Winde die Paßscharten und gewaltigen Gipfel umbrausten, mußte man oft nach drei Seiten gegen den Feindessturm frontmachen. Tutschek wich nach verunglücktem Vorstoß, wobei 7. sächs. Jägerregiment angeblich die Hälfte der Mannschaft einbüßte (laut V. L. 1008). Glücklicherweise wiesen schwache Kräfte den Vorstoß von zwei Div. westlich des Vulkanpasses ab, wo sie gegen Falkenhayns Rücken durchdringen wollten, sich aber dann auf Behauptung des Passes beschränkten. Kraffts Auftrag, nach Südosten gegen 2. A. einzuschwenken, war unausführbar, westlich der Aluta wurden die Verhältnisse so eigentümlich, daß man am 25. den verschneiten Fruntu räumte, dann wieder besetzte und ihn wieder dem Feind überließ, der erst am 9. Nov. dort abzog. Fortdauernd erhielt er Verstärkung aus Osten, wo Mackensens verderbliche Ruhepause zu wenig Kräfte band. Gleichwohl baute General Staberescu am 22. plötzlich an allen Hängen beider Flußufer ab, der Paß wurde am 27. völlig frei. Wir erklären uns dies nur durch Einwirkung böser Nachrichten aus Nordosten. Damals verlor aber I/18. R., welches Rgt. als Verstärkung von Tartarenpaß hierher kam, alle Offiziere, 250 Mann. Auch Kneußls 13. R. ließ sich ihr übliches Amt, am schwersten Posten zu leiden, nicht nehmen, westlich der Aluta zur Flankendeckung aufgestellt, wo 1. Jg. Rgt. (1., 2. b., 10. hannov. R. Jg.) allzu hitzig vordrang. Goigingers wetterharte Älpler gewährten wertvolle Hilfe, doch 18. b. R. allein eine zu geringe. Am 28. wollten 2½ rum. Batl. am Dreieckspitz der Mormonta ein Häuflein 10. I. im Nebel überrumpeln, doch die 300 Hannoveraner knallten die Stürmer auf 50 Schritt nieder, setzten den in Panik Flüchtenden tollkühn nach (350 t., 420 Gef.) und steckten mit brausendem Hurrah alle nebenliegenden Kameraden an. Wie hier floh der Feind überall bis 4. Nov., von drei beherrschenden Höhen wehten deutsche Fahnen, von allen Bergwänden weckte das Feldgeschrei der siegreichen Jäger ein Echo. Die frische 7. D. hielt das 3. bayr. Jägerrgt. am 7. nicht auf, Bumbuesti erstürmend und am 8. den Tod Prinz Heinrichs beim Leibbataillon rächend. Bei Pevisana hatten sich 1000 Rumänen ergeben, die Oktoberbeute Kraffts betrug 10 000 Gef., 37 Gesch., trotz erbitterter Tapferkeit ließen eben die Nerven der Rumänen gegen die härteren Nordländer nach. Doch eine Kompagnie ließ sich Mann für Mann im Handgemenge töten. Unsere Einbuße war viermal größer als im September, immer noch ließen auf der Bahnstation Curtea pfeifende Lokomotiven Dampf ab, die von Mackensen freigelassenen Kräfte heranholend. Dies wilde Raufen in wilder rauher Landschaft erinnert an Suworrons Alpenkampf. Doch alle Bergkämpfe des Weltkrieges stellen alles in Schatten, was von Ähnlichem staunend berichtet wird, Bolivars Andes-Zug inbegriffen. Alleiniges Aufmerken aufs Alpenkorps verschleierte dem nichtsahnenden Feind, was sich im Westen vorbereitete. Da nämlich Falkenhayn die gesteckten Ziele nicht erreichte und nicht raschen Eintritt in die Walachei erzwang, besorgte Ludendorff unerwarteten Einbruch im Südwest am Vulkanpaß, wo der deutsche General Busse die 144. k. k. Feldbrigade und die Orsovagruppe leitete. Ihm traten jetzt 11. b. D. und 6. Kav. D. (nebst zwei Radfahrbatl.) zur Seite, mit allem Nötigen für Bergkrieg versehen. Inzwischen schlug Staabs die Linke der 2. A. bei Fogarasch, schweres Geschütz der 76. R. D. erdröhnte auf der Höhenstraße Kronstadt–Campolung. Morgen warf Teile der 2., 4. A. bei Udvarhely ins Marostal, parierte mit gewohnter Geschicklichkeit den Stoß nördlich des Alt und säuberte in raschem Vorschreiten Reps. Averescu, der sich als jetziger Oberleiter hier befand, galt für den entschlossensten rumänischen Führer, doch Kronstadts innere Verteidigung muß sehr schlapp gewesen sein, denn man liest nichts von Kampf um die »Zinne«, eine die Stadt überschauende Kuppe. Auch 4. A. wich auf der ganzen Linie ohne Not. Unter solchen Umständen hätte rasches Nachstoßen bis zu den drei Grenzpässen (Predeal, Törzburg, Tartaren) vielleicht gefruchtet. Man kam aber zu spät und fand Averescu vorbereitet. Höher lag der kürzeste Weg nach Bukarest, der Einbruch in die »kleine Walachei« über den Vulkanpaß war länger auf gleich schwierigem Gelände. Strategisch bleibt ungeklärt, ob Ludendorff das Moment der Überraschung nicht zu hoch wertete und gut tat, im Westen durchzudringen. Vielleicht sprach mit, daß man der in Bildung begriffenen Donauarmee Kosch sich nähern und so die Einkreisung der 1. A. vollenden wollte. Wir finden dies theoretisch unrichtig, man hätte den Zweck besser erreicht durch Einbruch im Osten, wodurch man die 2. A. von der 1. abschnitt und letztere völlig südwestlich abdrängte. Das wäre kaum langwieriger und bestimmt sicherer gewesen, wenn man die neuen Verstärkungen gegenüber Averescu verwendete. Man zog aber die taktische Erleichterung vor, denn da sich 2., 4. A. westwärts zusammenballten und 1. A. sich daher unwillkürlich östlich schob, sah sich ihre isolierte Linke unvermutet angefallen. Doch Nebelflor verhängte jeden Aus- und Überblick, mit »Unbilden der Witterung« entschuldigte Ritter Kneußl, daß man ihm die Sache so schwer machte, doch die Rumänen taten auch das ihrige. Als ihn »54. Generalkommando« ablöste, regelte es den Nachschub bis nahe an die Feindeszone, stattete alle Truppen mit Schneemänteln und Bergsteigerinstrumenten aus. Bei klarer Luft begann der An- und Abstieg, obschon sich die Rumänen auch hier tatkräftig entgegenwarfen. Am 11. Nov. erzwang General Kühne den Ausgang aus dem Gebirge und stieß den Feind aus Panzerforts südlich. Schwere Artillerie legte sie nieder, am 13. und später am Jiufluß war es bald um Rumäniens Widerstand getan. Man vergesse aber nicht, daß schon mehr als ein Monat verstrich, seit Staabs gegen und durch den Geisterwald vordrang, in dessen dunklen Schluchten es geisterhaft zu rascheln schien und dessen Geisterspuk sich mit lautem Getöse belebte. Durch regenfeuchte Niederung konnte Staabs damals anfangs nur 20  km zurücklegen, und obschon 76. R. D. sich mit ungewöhnlicher Kraft in die Waldhöhen stürzte und nach Rache glühende Szekler Honveds ungestüm folgten, rollte erst Umfassung aus Norden durch General Sunkels 187. D. Averescus Flügel auf. Mit Verlust von 43 Gesch. entwischte er ins Becken von Kronstadt, man trieb ihn tiefer hinein, mußte ihn aber erst am Burzenbach und den Ostausläufen des Gebirges brechen. Die durch frühere Kämpfe gelichtete 71. öster. D. des Generals Goldbach und D. Lüttwitz zwangen die 4. A. zum Ausweichen nach Nordost, Schmettow hielt einen Vorstoß am Alt ab, die frische öster. 8. Geb. Brig. pürschte in Richtung Sinaia und jetzt warf Sunkel Averescus Rechte nach Kronstadt. Schon sah die Abendsonne den Rauch des Bahnhofs, von wo der Feind in wilder Flucht sich rettete. Südlich hinter sich hörte Oberst Gündell, dessen 189. schon am 7. abends eindrang, den Schlachtlärm der 76. R. D., die seit Tagesanbruch bis Mitternacht am Burzenbach gegen große Massen rang und alles niedermachte, was in ihre Reihen drang. Averescus Verluste waren ungemein groß, besonders durch Kanonade. Vor und neben sich hörte 51. Honveddiv. den Häuserkampf der 189er, der die ganze Nacht nicht abriß. Man rechnete auf Einwirkung der R. D. aus Süden, doch Averescu war nicht gewillt, sich dies gefallen zu lassen, und richtete gegen sie geradezu rasende Stöße. Endlich erstarben sie im wörtlichsten Sinne, bald rollten deutsche Salven vom Törzburger Paß mit schauerlichem Echo zum Königsschloß Sinaia hinüber, wo der Geist des seligen König Karol umging und über den Wahnsinn seiner Erben die Hände rang. Alle seine Reserven anhäufend, unternahm Averescu am 8., 9. verzweifelte Anläufe gegen Sunkel und die Honveds, von denen manche selbst aus Brasso (Kronstadt) stammten. Nach furchtbarem Kampf, in welchem 188. erheblich litt, wich der Feind, der schon wieder Kronstadt berührt hatte. Seine Artillerie fuhr beherzt bis in die Schützenlinien, mußte so aber 20 Geschütze mit niedergestreckter Bemannung und Bespannung liegen lassen, unsere Artillerie auf beiden Flügeln beschoß mörderisch die tiefen Massen. Gegen den angestauten Flügel der Nordarmee nördlich Szentpeter hielt Morgen mit seinen Österreichern und Schmettow unerschütterlich stand, während er Lüttwitz in den Rücken des Sunkel so hart zusetzenden Gegners sandte. Es war hohe Zeit, doch gebot sich jetzt allgemeiner Rückzug in die Pässe. 254. R. drängte weit voraus zum Tormöser Paß nach und sah von der Höhe die nach Sinaia abfließenden Marschsäulen, die seitwärts strebend sich in den Törzburger Paß zwängen ließen. Die 8. Gebirgsbrigade befand sich am majestätischen Königstein, einem der Jungfrau ähnlichen Bergjoch, das jedem Beschauer unvergeßlich bleibt. Schmettow klärte mit der ihm unterstellten Div. Goldbach nordöstlich auf, ins Bergtal absteigend, doch die Hauptpässe mit ihren Grenzforts trotzten noch. Sollte man sich vor ihnen verbluten? Der Silberdom des Butschetsch, des Großpapa dieser Alpen, leuchtete unheimlich herüber. Obschon die gehässigen Eroberer in Kronstadt ihre ganze Plünderungsbeute samt 200 Bahnwagen voll Proviant und Munition im Stich ließen und man 25 Geschütze auflas, fochten sie bei diesem letzten Zusammenstoß doch so stark, daß König Karol an seinem Werk, der rumänischen Armee, seine Freude gehabt hätte. Irgendwelcher strategischer Erfolg blieb aus, man befreite Siebenbürgen und drängte frontal den Feind in seine Heimat zurück, verspätete Nachstoßen in die Pässe und konnte sie ohne Verstärkungen um so weniger nehmen, als Kraffts gehoffte Mitwirkung noch in weiter Ferne stand. So meisterhaft Ludendorff eine Operation mit innerer Umfassung veranlagte, reichten eben die Kräfte nicht aus und die Handhabung stand nur bei Morgen auf der Höhe. Dieser allein machte auch einige Fortschritte, als man ihm den Befehl der 76. R. D. übertrug, an der schwierigsten Stelle, wo am Törzburger Paß zwei ordentliche ständige Forts mit Betonierung und Zubehör die Bergstraße sperrten. Diese sonderbare Degradierung zum Divisionär, nachdem er soeben noch vier Divisionen kommandierte, verblüfft einfach und ist überhaupt ein Skandal, daß man Morgen nach seiner neuen glänzenden Leistung nicht den Oberbefehl des ganzen linken Flügels anvertraute. Hier traf übrigens die 12. bayr. D. ein, während 10. b. D. und 8. b. R. D. sich der österreichischen Ohnmacht in den Waldkarpathen erbarmten. Dort führten eine Zeit lang Kühne und Schmettow den Oberbefehl, wurden dann beide nach Westen berufen, wo für Kühne 41., 109. I. D., für Schmettow die 7. K. D. die dortige Inf. und Kav. ergänzen sollten. Die Russen in die Moldau eingerückt, übernahmen die Linien der 4. rum. A., versetzten der östr. 71. D. einen Schlag und marschierten mit starken Massen vor. Doch kaum schoben die Bayern sich beim 11. öster. K. ein, als man am 27. schon entschiedenen Erfolg hatte. Überall vom Oitoz- bis zum Tartarenpaß floß deutsches Blut für ein undankbares Habsburg und ein noch undankbareres Ungarn, das man noch obendrein mit Lebensmitteln versorgen mußte, dies faul bewirtschaftete reiche Ackerland, das bei besserer Bestellung eine Kornkammer Europas sein könnte. Gott lob verfolgte man auch minder ideale Zwecke als die Aufrechterhaltung sogenannter Waffenbrüderschaft, denn Besitzergreifung der rumänischen Petroleumlager war für uns eine Lebensbedingung von großer Wichtigkeit. Es war bezeichnend, daß die österreichischen Truppen immer deutschen Generalen mehr Vertrauen entgegenbrachten als den eigenen, im ganzen rumänischen Feldzug fochten die Bundesgenossen unter deutschen Kommandostellen. Auch am Vulkanpaß griffen Busses Österreicher herzhaft neben Kneußls Bayern an. Während man im Osten den ganzen Oktober seit 14. mit Herumtasten verlor, erklomm Kneußl mit zwei bayrischen (13. R. zu Kraffts Flankenschutz abgegeben) und drei österreichischen (144. Brig., 9. L. St.) Regimentern den Vulkan, wo der Wetterumschlag zwischen Tauen und Gefrieren die Felsstufen im Lehmboden glitschig machte und man sich im eisigen Wind der Steigeisen und Bergstöcke bediente. Drunten tobte jedes Wässerlein jetzt als schäumender Gießbach, droben zog man selten mit Seilen, noch seltener mit Zugochsen einige Geschütze längs der Felswände hinauf. Dennoch überstieg man fechtend den Paß, wobei die Augsburger 8 Berggeschütze eroberten. Am Szurduk erbeuteten 22., III/3. noch 5 Gesch., 200 Gef. Am 27. öffnete der tapfere L. St. das Bistrinatal, wo die Tiefebene mit neugebauter Straße beginnt, die abgesessenen Schützen der 3. Kav. Brig. und später der 5. drangen vor, 12 Gesch. der 11. bayr. Artillerie fanden über verschneite eisstarrende Schluchten den Weg, gedeckt von 8. K. Brig. Doch schon griffen zehn rumänische Regimenter Kneußls vereinzelte Kolonnen an, deren Vorkommen brauender Nebel und heftiger Regen beeinträchtigten. Am 28. waren die Bayern geschlagen, am 29. füllten die Vorhut der 7. K. D. und ein Württemb. Geb. Rgt. kaum eine gerissene Lücke, am 30. machte das Gelände den Rückzug besonders bei der Reiterei unheilvoll, Ausgleiten und Stürzen von Pferden und Wagen führte zum Verlieren vieler demontierter Geschütze. Indessen hielten die Bayern noch den größten Teil der 24  km langen Paßstraße, hinter ihnen legten Armierungsbataillone neue Wege und Brücken an für die per Auto anlangenden deutschen Verstärkungen. Nördlich Bumbuesti drohten mehrere Grenzforts herüber, doch mit 30 d. Batl., 48 Schwadr. war Kühne stark genug, nachdem er Lagerplätze und Blockhütten mit Telefondrähten und Signalposten eingerichtet und seine Artillerie durch die langen Felswege an Abgründen vorbei hinüberschaffte. Auf Kneußls Bayern, die übrigens wenig litten und deren Niederlage daher übertrieben wird, darf kein Schatten fallen und der wackere 9. ungarische L. St. blieb ungebrochen, hielt auf der Westflanke einen heftigen Anprall nieder. Das verfrühte Unternehmen maß der Überraschung, da der Feind bei solchem Wetter sich keines Anfalls versah, zu viel Wert bei. Derlei genügt für den Anfang, doch nicht zur Durchführung mit unzureichenden Kräften. Doch Kühne ließ sich wirklich recht viel Zeit und das Glück forderte Ludendorff heraus, sich auch ohne gute Chancen zu behelfen, denn das arge Wetter legte einem zeitigen Weststoß zu große Hindernisse in den Weg. Doch wie es im Krieg und im Leben zu geschehen pflegt, hat jedes Ding zwei Seiten. Der lange Widerstand der Rumänen so weit vorn wurde ihnen später nachteilig, indem er das Herankommen der Donauarmee in ihrem Rücken zeitlich ermöglichte. Doch das gute Bahnnetz erlaubte eiliges Herumwerfen von Massen, jede Landesverteidigung hat heute den Vorsprung vor einer bald auf Fußmarsch angewiesenen Invasion. Dieser Vorteil steigert sich, wenn man Bahntransport auf innerer Linie besorgt. Das zeigte sich schon in der Marneschlacht und mehrfach in Polen! So ungünstig das strategische Bild für Rumänien Ende November erscheint, wenn man Aufstellungen auf der Karte mißt, so mußte jeder deutsche Erfolg in Frage gestellt werden, wenn die Teile nicht richtig ineinandergriffen. 2. Pommersche Grenadiere und Württemberger Gebirgsjäger drangen am ersten durch, Oberst Plantiers Batterien durchschossen die Panzerkuppeln der Forts, 109. D. Oettinger stand siegreich auf den Höhen von Lazoresci, am Südende des Passes lauerten 4. Ul., 4. Radfahrbatl. aufs Freigeben der Südstraße, um gegen die Talbahn anzureiten. Doch mancher Bojarensohn besiegelte drüben die Fahnentreue geradeso brav wie der Bayernprinz, die altrömisch lateinische Blutmischung mit hochgepeitschtem Rassenstolz schien doch kein leerer Wahn, auch hier durften Schmettows Geschwader sich nicht einbilden, sie könnten sich lustig vorwärts in die Ebene stürzen. Hätten die Serben, von denen die Entente Wunderdinge erzählte, sich bei Kragujevac so fest gehalten, so hätten sie Köweß' Austritt aus dem Bergland um viele Tage verzögert wie hier. Standhalten war nötig zur Deckung der mittleren Kampfzone des Alutatales, da Schmettow zum Gilortfluß hinstrebte, der senkrecht von Norden nach Süden die Westzone davon trennt. Die westlich der Gilortufer die Schienen aufreißenden 4. Ul. kamen in schlechte Lage, 7. Ul. in wenig bessere südwestlich von Targi Jiu, wo der Feind eine äußerst starke Stellung spannte quer zwischen Gilort und dem wilden Jiu, der nach Nordost umbiegt und nach Südwest abströmt. Nachdem die Schwaben ruhmwürdig wie immer als Vorhut eroberte Punkte festhielten (übrigens mit winzigem Verlust) und 144. k. k. Brig. Berger als östlicher Flankenschutz sich in schwerem Fechten dem Gilort nahte, gewann Kühne vollen Aufmarschraum, entwickelte die Bayern südöstlich Targi, Oettinger rechts daneben. 6. Kav. Div. ward losgelöst und zur 3. herangezogen, was der Feind wegen andauerndem Wirbeln von Schneeflocken nicht merkte. Dies Gestöber, am 17. zu Hagelschlag verdichtet, ließ zuvor im aufgeweichten Waldgebirge den Vormarsch stocken, verschleierte aber jetzt günstig die Bewegungen. In diesem Unwetter trabte Mutius' Reiterei hinter der Front herum und fiel dem Feind in den Rücken, der die Schwesterdiv. ihrer Waffe an wild dahinbrausendem Bergwasser scharf beschoß. Die vereinten Geschwader verfolgten in Richtung Dragasani, Knobelsdorffs Ostpreußen unter starkem Verlust von 146. und Oettingers Westpr. nebst 26. Thür. R. standen schon in gleicher Luftlinie wie Barbatesti am Gilort, an welchem Bahnpunkt dauernd Abladungen der 3. rum. A. aus Südosten stattfanden, die sich dort durch endlich anlangende Russen ersetzen ließ. Mackensen befand sich zwar endlich wieder in Bewegung, mittlerweile zog aber Falkenhayn die ganze rumänische Streitmacht (400 000 bei Kriegsbeginn) auf sich ab. Was von hartem Kampf Kneußls am Gilort berichtet wird, stimmt wohl kaum laut V. L. Auf rumänischer Seite war aber die Schlacht bei Targi so blutig, daß vom 15. Rgt. nur 80 Überlebende sich ergeben, alles übrige tot und verw., mehr kann man doch nicht verlangen. Wir lassen den Rumänen alle Ehre, daß sie todesmutig ihr Vaterland verteidigten. Nur 3600 Gef., 2 Gesch. bezeugten den Sieg Knobelsdorffs, der Schmettows 2. Kürassiere nach Craiowa südwestlich folgten. Erst später verengte sich Kühnes weite Spreizung, je näher man den Feind zusammenpreßte, der in neuen Verteidigungsabschnitt mit steilen Uferfelsen und hochgeschwollener Alutaflut eilte. Mittlerweile hatte das Alpenk. fast nichts als Erfolge, wobei besonders 5. Jägerrgt. herangetragene Angriffe zum Siegessturm fortriß, doch neben deutscher um so preiswerterer Überlegenheit die rumänische Zähigkeit schätzen lernte, es schmolz auf ein Drittel! Jetzt waren vielleicht 140 rum. Batl. zwischen Pibesci und Slatina versammelt, doch schrecklich zusammengeschmolzen, bei Krafft verstärkte 73. öster., 126. sächs., bei Kühne 115. d. D., so daß jetzt 96 verbündete Batl. längs der Aluta vorrückten. Den Ernst der Lage offenbarte auch das Schicksal einer bis Orsova vorgeprellten Seitendiv., denn während die gemischte Brig. Szibo sie vorn fesselte, marschierte ihr Batl. Picht I/148. in den Rücken, bulgarischer L. St. aus Süden verhinderte Durchschlagen längs der Donau, ihre steigende Bedrängnis endete am 6. Dez. mit Kapitulation. Bis 27. Nov. verlor Statilescus Linke 20 000 Gef., was sich bei steter Einpressung nicht vermeiden ließ, und wich nordöstlich, die Straße nach Bukarest lag offen. Um diese Zeit drückte Morgen auf Campolung, Staabs bewegte sich südlich des Predealpasses, Averescu zog ab, um nicht abgeschnitten zu werden, legte sich südwestlich Bukarest vor, dessen baldiger Fall allgemeine Bestürzung in Ententekreisen erregte. XXX. Schlacht am Argesch. Abschluß des Ostkrieges. Gleichwohl hatten Kühnes Umgehungen viel zu spät Erfolg, überall fand er verschanzten Feind an Neben- und Zwischenflüßchen. Als er 24. abends die Wasserader des Hauptstromes bei Slatina erreichte, flog vor seinen Augen die Bahn- und Chausseebrücke krachend in die Luft. Der Alt ist hier 100  m breit, alle Schnelligkeit Schmettows mit 2. Radfahrbrig. blieb verlorene Liebesmüh. Von 12.–14. stand zwar im Zentrum Kraffts Leibrgt. groß da, doch kam nicht wesentlich vorwärts, am äußersten linken Flügel rang 12. b. D. schwer im Gebirge, unser Vorgehen stockte. Busses Österreicher empfing bei Dragasani an ungewöhnlich langer halbzerstörter Brücke ein Kugelschauer, noch am 26. überschüttete reichliche Eisensaat schwerer Artillerie vom überhöhenden Jenseits Ostpreußen und Pommern. Erst als die südwärts abgedrehten Hauptteile Kühnes in die Flanke drückten und Krafft mit 216. D. einen weiten Sprung vorwärts bis Curtea machte, war die Möglichkeit vorbei, hier eine Schranke vor Bukarest aufzurichten. Für Averescu manövrierte zwar der General Winter mit arger Kälte, die Paßverteidiger suchten sich aber selbst durch völlig nutzlose Anstürme zu erwärmen, denn was der Deutsche hat, das hat er. Übrigens stieß jetzt auch die 24. öster. D. zu Staabs, so daß jetzt im ganzen inkl. Oitozgruppe 78 öster. Batl. gegen Rumänien kämpften neben 150 deutschen. Siebenbürgens Befreiung und Rumäniens Eroberung kommen ausschließlich auf deutsches Konto, die wenigen Österreicher hatten durchweg deutsche Führer, wie auch am Oitoz der bewährte Gerock den Befehl übernahm. In 1400  m Höhe an der Felskuppe Popa hatte 8. b. R. D. beschwerliches Gefecht, braves Verhalten von 10. b. D. ermöglichte es Arz, die Russen abzuschütteln, die jetzt allein die ganze Waldkarpathenfront übernahm, so daß vermutlich starke Teile der 4. rum. A. ins Bereich der 2. und von da ins Kampfgefild des Argesch übertraten. Gegen Mackensen, der sich bei Cernavoda 140  km von Bukarest ganz auf Defensive verlegte, blieb neben jetzt 6 russischen nur 1 rum. D., so daß die gegen Falkenhayn verfügbare Macht erst jetzt 25 Aktiv- und Res. Div. betrug, allerdings erschreckend gelichtet und in ihrem Gefüge gelockert, dazu traten noch 2 russ. I., 2. K. D., die Übermacht blieb also bis zuletzt auf gegnerischer Seite, doch nicht so sehr gegen Mackensen, dessen 3. bulg. A. auch 6. Türkenk. bei sich hatte. Die neue »Donauarmee« unter Kosch (früher Chef 1. K.) betrat die Walachei mit 1., 2. bulg., 26. türk., 217. d. D., bei letzterer anfangs auch bulg. L. St., und Kav. D. Goltz (deutsche, öster., bulg.) nebst vorzüglicher öster. Pionierabteilung, der von Orsova hinaufgefahrenen Donauflotille und deutschen Motorbooten. Mackensens Stabschef, General Tappen, besorgte musterhafte Zusammenstellung und Vorbereitung, doch Div. Gallwitz bot ein Fragezeichen, lauter L. W. und L. St., beigesellte 3 Jägerbatl. alter Nummern, heut von nur rekrutenhafter Beschaffenheit. Da Kosch geradezu ins Herz des Feindes stieß, ließen sich hier Szenen wie am Rotenturmpaß und Jiu erwarten: was nicht Geschütze und M. G. fressen, das mäht im Nahkampf der blanke Stahl. Ob diese Deutschen, die doch den Vorrang beanspruchten, wie Römerlegionen von ihren Bundesgenossen, solchem Anspruch genügen würden? Ob es nicht errungene Erfolge schmälerte, wenn der rasende Gegner, um den sich ein Netz zusammenschnürte, Kosch in die Donau warf? Hier drohte für Bukarest höchste Gefahr, während die rumänische Hauptmacht noch im Norden verstrickt lag. An den mit riesigen Schneemassen gefüllten Pässen verzögerte sich noch die Entscheidung. Erst am 29. wich hier der Feind, den man, besonders die Bayern, glänzend verfolgte, 120  km in 7 Tagen bis Ploesti. Die auf Targowista abziehenden 12., 22. rum. D. verloren dabei 10 000 Gef., 17 Gesch. Den nordwestlichen Alpenschutz der Hauptstadt hatte unser Alpenk. überrannt. In den letzten Kämpfen hatten die frischen Rgt. 181., 183. heftig gestritten und gelitten, bis 54. Art. den Feind brach. III/182. wird besonders gerühmt, doch dies Rgt. hatte es leicht, sein Verl. war gering, es wäre nicht das erste Mal, wo offiziell eine Truppe hervorgehoben wird, die nichts Besonderes tat, mit Benachteiligung anderer verdienter Truppen. Jedenfalls schlugen sich diese alten sächsischen Regimenter mit gewohnter Tapferkeit. Stratilescus Rechte trat 14 500 Ges., 14 Gesch. an Krafft ab, der abnehmende Widerstand fand aber neue bedeutende Stellungen am Argesch, hinter welcher Flußschranke man große Kräfte auch der 2., 4. A. sammelte, um auf Kosch zu fallen, wenn Not am Mann war. Und zwar nur auf dessen Linke, das 52. K. Türken und Deutsche, dann das noch zurück befindliche bulg. K. sollte durch heranrollende Russen gefesselt werden. Ludendorff verfuhr hier mit einem gewissen Leichtsinn, er kann sich die mißliche Lage Koschs nicht verhehlt haben, wenn der Feind energisch handelte. War denn auf Kühne Verlaß, daß er rechtzeitig die Alutafront breche? Infolge der Unmöglichkeit, sonstige unverregnete Wege zu finden, setzte er seine 4 Div. auf eine einzige Straße. Bei verzögerter Ankunft am Flusse fand er nur Überreste von Brücken oder gar keine. Schmettows K. K. stieß auf eingegrabene Jägerbatl. und die ganze rumänische Reiterei, die er erst am 27. verscheuchte. Obendrein teilte er sich vorher unter Verschickung der 7. K. D. Mutius nordwärts, weil am Jiu ins Gebirge Abgeschnittene emsig die Etappen störten. Drei Batl. und einige umherstreifende Schwadronen in seinem Rücken ließ Schmettow erst aufreiben, ehe 7. K. D. unter Zurücklassung der 5. Kür. wieder zu ihm zurückkehrte. Seitwärts hinter ihm hielt Hauptmann Picht drei Tage seit 22. heroisch Turn-Severin gegen wütigste Stöße des 1., 17., 31. rum. Rgts., die ihre einzige Rückzugsstraße wiederhaben wollten. Schmettows Radfahrbrigade (»Brigade« ein Euphemismus für 2 Batl.) wurde aus Westen dorthin abgezweigt, bulg. Grenzschutz aus Süden und 5. Kür. aus Osten herbeigeholt. Erst eine Woche später bließ man Halali, da die planlos durchs Jiutal Irrenden sich lange nicht ergaben und nur Überreste von 10 000 Streitern, 40 Gesch. endlich die Waffen niederlegten. Ritterliche Gesinnung geht mit uns einig, wenn wir bezeugen, daß die Rumänen allerorts ihre Waffenehre hochhielten. Die Lumpenhunde in Bukarest waren nicht wert, daß so brave Leute für sie durchs Feuer gingen. Andererseits zeigt der ganz geringe Verlust des Bataillons Picht die überlegene Fechtweise. Übrigens liegt die Frage nahe, wie hoch sich Bataillonsstärken noch beliefen. Durchschnittlich wohl 850, mehrfach aber nur 650, siehe Div. Gallwitz, auch von »schwachem Batl.« der 76. R. D. wird geredet, somit scheint sicher, daß die meisten Batl. nicht normal aufgefüllt waren. Jedenfalls bestand »Div.« Gallwitz, nachdem sie ihren bulg. L. St. anderswohin entließ, nur aus einer Brigade. Die aufrechterhaltene Angabe 4500 stimmt aber schwerlich, es waren nicht »6«, sondern 9 Batl., also doch wohl 6000 Gewehre; 7., 9. und b. 1. und 1. R. I. und Brig. Vogel, 22. schles. L. W., 15. gemischter L. St. (1 Batl. Kaiserslautern), 65. Art., vervollständigt mit schweren Batterien. War diese nach Zahl und Ausbildung schwache Truppe darnach angetan, einen Gewaltstoß riesiger Übermacht auf sich abzuziehen, bis endlich Nachbartruppen Erlösung brachten? Denn so geschah es. Kühne versagte im Südwesten entschieden unkühn, daß dafür Krafft um so kräftiger aus Norden drückte, ließ sich nicht voraussetzen. Das Endergebnis sah eben anders aus, als man beiderseits plante. Die Rumänen wollten Krafft nur hinhalten, bis im Süden ein Schlag fiel, der vielleicht das Gesamtbild änderte. Daß sie Kühne vernachlässigten, ist nicht ernst zu nehmen: einen Feind, mit dem man so lange handgemein, stellt man immer in Rechnung. Doch Kühne stand am 30. noch 40  km von Kosch entfernt, nur die inneren Kav. Flügel stellten einige Verbindung fest, Anhängung von Knobelsdorff und Busse an Krafft war ein grober Fehler Falkenhayns, da es damals nur darauf ankam, mit allen Kräften Kosch im südwestlichen Argeschbogen zu entlasten. Wahrscheinlich verfügte Ludendorff daraufhin Falkenhayns spätere Abberufung. Die rumänische Führung zeigte hier wohl großzügige Entschlußkraft, doch die Ereignisse überstürzten sich so, daß keine regelmäßige Abwehrhandlung herauskam und die Entscheidungsschlacht kunterbunt geliefert wurde. Der 1. A. blieb nichts anders übrig, als ostwärts auszuweichen, obschon ihr Rückzug nach Süden strategisch richtiger gewesen wäre, von wo sie eine Flankenstellung gegen Kühne bewahrt haben würde. Doch sie war nun schon so nahe der Donau, daß sie Gefahr lief, bei weiterem Rückzug an den Strom geklemmt zu werden und das Schicksal der Orsovagruppe zu teilen. Vielleicht bewog auch das Winken dieser Möglichkeit einen so vorausschauenden Feldherrn wie Hindenburg, den Einbruch in der kleinen Walachei anzuordnen. Die Kavallerie Schmettow streifte schon weit in die Ebenen hinab und Bukarest war ja schon lange auch aus Silistria im Rücken bedroht und von deutschen Luftgeschwadern heimgesucht, jetzt drohte auch noch der eigentliche Donauübergang Mackensens. Dieser täuschte den Feind über seine Absichten sehr geschickt. An mehreren Stellen wurden Donauinseln besetzt, das Nordufer von Silistria bis Rustschuk unter Feuer genommen, das Flußbett von der Motorbootflottille abgesucht. Bei Svistow, 100  km südwestlich von Bukarest, der engsten Stelle der Flußgrenze, wo der nahe Belmi-Kanal einen förmlichen Hinterhalt für Monitore, Motorboote und das gesamte Pontongerät gewährte, erfolgte am 23. November der große Übergang der neugeschaffenen »Donauarmee«. Der durch Scheinmanöver an anderen Punkten getäuschte, übrigens auch durch Vordringen der Kavallerie Schmettow im Nordwesten beunruhigte und irregemachte Feind leistete in seinen stark ausgebauten Stellungen bei Zimnicea und im vorgelagerten Sumpfwald fast gar keinen Widerstand. General Kosch, bei dem sich Marschall Mackensen aufhielt, ging auf Alexandria vor. Die Gefahr im Süden wurde so dringend, daß die rumänische Oberleitung alle Kräfte zusammennahm, um auf dem Südwestteil des strategischen Schachbretts einen Gegenzug zu machen und hier angriffsweise verfuhr, während sie im Nordteil zwischen Sinaia und Campolung sich defensiv behaupten wollte. Offenbar ist die 2. Armee aus ihrer ursprünglichen Stellung südwestlich verschoben worden, um die noch mehr erschütterte 1. Armee zu stärken, während die 4. Armee exzentrisch mit dem Rücken zur Moldau in den Ostkarpathen blieb, aber bereits die Fühlung sowohl mit der russischen Bukowina- als der 2. Armee verlor. Falkenhayns Operation zeigt sich in der Hauptsache als zentraler Durchbruch zwischen der 1. und 2. Armee, die Umfassungen reiften viel später aus und haben zu keiner wirklichen Umzingelung geführt. Ein strategisches Sedan großen Stils ist nur ein Traumbild, dem man nachjagd und das heut in der Zeit der Eisenbahnen und Autos weniger denn je Wirklichkeit hat. Der Feind wird sich vermöge heutiger Verkehrsmittel fast immer auf der innern Linie retten können. Da die Donauarmee auf Dragonesci marschierte, mußten allmählich Kosch, Schmettow, Kühne und von Topolugu her Krafft zusammenschließen. Der feindliche Massenvorstoß schien also, schon ehe er begann, an allen Punkten aufgehalten. Das Alpenkorps erreichte am 30. Davidesti im Argesultal, wo das bayrische Leibregiment mehrere rumänische Truppenkörper zersprengte und 14 Geschütze nahm. Ein anderes bayrisches Regiment warf die 8. rumänische Division am 1. Dezember über Ratesti am Argesul zurück. Man stand hier und bei Manesti schon fast 40  km südöstlich von Campolung, von wo der Feind eilig abzog, von General v. Morgen gegen Targovistea gedrängt. Da allein vier Divisionen Krafft gegenüberstanden, sollte er von Kühne herausgehauen werden, dessen Linke von Salaru (weit südöstlich Pitesci) her unnützerweise diesem Feind in den Rücken ging. Seine Rechte aber warf sich viel zu spät in den Rücken einer ansehnlichen Masse, die aus allen herangezogenen Reserven gegen die Donauarmee geschleudert wurde. Letztere hatte später ihre Linke schon bei Mihalesci am Argesul, und was an der Donau vor ihr gestanden hatte, wurde nach Norden und Osten in das Festungsrayon von Bukarest getrieben. Den deutschen rückten bulgarische und türkische Streitkräfte nach. Erst am 27. abends stieß die deutsche Division nebst deutscher Kavallerie nördlich der Bahn nach Dragonesci am Calnisteaflüßchen auf starken Widerstand. Nach Erstürmung des Dorfes Prunaru, wobei fünf Geschütze erobert, wurde dort die Hauptstraße zur feindlichen Hauptstadt gewonnen. Koschs Reiterei berührte sich bei Plosca schon mit der Kavallerie Schmettow, während sein rechter Flügel einen andern Übergangspunkt gefunden hatte, indem er den Donauhafen und Bahnknotenpunkt Giurgeov von Rustschuck her eroberte, da auch ein Teil des bei Swistow übergesetzten linken Flügels von Westen (Alexandria) her hierher drang, d. h. am jenseitigen Ufer die Stadt in der Flanke packte. So wurde Bukarest immer näher bedroht. Allein, Koschs Linke mußte jetzt einen sehr starken Stoß aushalten. Alles was von der Aluta über den Vede vor Kühne wich (1. Armee) und große Teile der vor Campolung gewichenen und nach Norden zwischen Targovistea und dem Argesul nach Norden frontmachenden 2. Armee (die 4. wich von Sinaia abwärts mit ihrer Linken, während ihre Hauptmacht noch im Nordwesten bei Focsani stand), drängte sich in dem Raum am Argesul zusammen, verstärkt durch viele Reserven aus Bukarest, und ging hauptsächlich östlich Roside Vede und nördlich Alexandria zum Durchbruch vor. Die Kavallerie Schmettow hatte an der Vede hitzige Gefechte, die an die Reiterschlacht von Fere Champenoise 1814 erinnerten. Denn sie trat, allein auf sich gestellt, allen drei Waffengattungen gegenüber. Die rumänische Infanterie und Artillerie wurden von ihr verdrängt, Reiterattaken von abgesessenen Dragonern im Fußgefecht glänzend abgewiesen. Doch die Linke Koschs hatte am 28. bei Prunaru und Balaria auf der Chaussee Alexandria–Bukarest starken Widerstand beseitigen müssen, ehe sie am 29. nordöstlich gegen den Argesul drückte, und Kühne stand noch entfernt an der Bahn nördlich Rosi de Vede mit Front nach Osten. Die entstandene Lücke füllte zwar die Kavallerie beider Armeen mit Front nach Norden, doch der von ihr verfolgte Feind setzte sich unter Zufluß neuer Massen, drückte sie zurück. Der Zwischenraum zwischen Kühne und Kosch erweitert, Koschs Linke in der Flanke bedroht und zugleich von einer nordwestlich Bukarest neuvereinten Armeegruppe seitwärts angegriffen! In Entfernung von 20–25 Kil. von Bukarest begann jetzt eine große Schlacht am Argesul, indem Koschs Linke, zugleich aus Norden, Nordosten und Westen umringt, nach drei Seiten front machte. Es spielte sich ein wahrer Heldenkampf ab, nie haben deutsche Truppen besser gefochten. An dieser nicht von der Stelle weichenden Säule, die kein noch so wütender Stoß in ihren Grundfesten erschüttern konnte, brachen sich die Sturmfluten, obschon die Rumänen mit überraschender Willenskraft den Durchbruch auszuführen strebten. Nachdem die Deutschen zwei Tage allein aushielten, warfen sich die herbeigeeilte Türkendivision und die Kavallerie, zuletzt von Rosi her Kneußls Bayern auf die Durchbruchskolonne im Westen und trieben die Übermacht kraftvoll zurück. Jetzt griff auch Koschs Rechte ein und die aus Russen bestehende feindliche Masse südlich von Bukarest mußte weichen. Lange sah es auch hier nicht gut aus. Die anfangs von Giurgewo her gegen neu auftretende Russen siegreiche 1. bulg. D. traf am 1. Dez. heftigen Gegendruck durch Russen mit Panzerautos und frisch aus der Moldau gebrachte Rumänen, 12. D. südlich Mihalesci mußte nachgeben, die Besatzung von Giurgewo setzte die letzte L. St. K. ein. Denn gewannen die Russen die Chaussee Giurgewo–Bukarest, so war Kosch verloren. Die Russen standen erst dann von ihrem Beginnen ab, als die sonstige Entwicklung weiteres Kämpfen hier unnötig, ja unmöglich machte. Am entgegengesetzten linken Flügel holte Staabs die Paßverteidiger nicht ein, so eifrig Morgen ostwärts drängte, 253. R., 189. I. litten diesmal mehr als im Oktober. Allmählich blieben nur 3 rum. D. am Fuße des Gebirges, auch als Krafft ostwärts drängte, ward nichts abgeschnitten. Hier wären reichere Früchte zu pflücken gewesen, Falkenhayns ganze Linke trug nichts zur Entscheidung bei und die Einkesselungstheorie wäre auf ein Haar hart ihrer Fehlerhaftigkeit überführt worden. Gegen den Argesch gingen 4 D. aus Norden, 4 aus Westen, 4 aus Süden vor, von denen nur 9 zur Berührung mit mindestens 20 D. inkl. Russen kamen und am Entscheidungspunkt standen ganz unzureichende Kräfte dem Anprall achtfacher Übermacht. Ob Falkenhayns sofortige Unterstellung unter Freund Mackensen dem tadelnden Urteil Ludendorffs entspringt? Jedenfalls mißglückte die gewagte Operation nur deshalb nicht, weil die ungeheure moralische und taktische Überlegenheit deutscher Truppen ein unberechenbarer Faktor bleibt. Ohne dies in Anschlag zu bringen, würde jeder Offizier im »Kriegsspiel« die Partei Ludendorffs verloren geben. Der Feind mußte Gallwitz überwältigen, wenn dessen schlichte Helden nicht Übermenschliches taten. Sie taten es, doch auch so schritt man nur zum Abdrängen von Festung Bukarest, nicht zur Vernichtungsschlacht vor und in ihr. Mit allem, was sich wie gereizte Tiger auf Knobelsdorff stürzte, wurden die stämmigen Pommern und Ostpreußen als Tierbändiger fertig und alle aus Nordost abgegangenen Verstärkungen rangen den Westpreußen nicht das Dorf Ganasci ab, doch mit alledem stand man am 1. noch 50  km nordwestlich Bukarest und als am 3., 4. der Feind ostwärts ins Gebirge floh, ließ er nur 2600 Gef., 7 Gesch. zurück und war vor jeder Abschneidung sicher. Man hätte große Teile in die Forts drücken und zur Waffenstreckung zwingen können durch einheitliches Zusammenwirken von Morgen, Krafft, Kühne, Kosch. Doch Krafft konnte und wollte nicht warten. Sein ungestümer Andrang sollte Kosch entlasten, doch was wäre geworden, wenn bis 3. Kosch zertrümmert über die Donau geworfen war? Dann kam Kühne in mißliche Lage, Krafft durfte sein Vorgehen nicht fortsetzen, die rumänische Mitte erreichte den Fortgürtel für ihre vorteilhafte Frontalschlacht, ihre Linke drückte Kühne im Vedetal ab, jedenfalls behaupteten die Rumänen sich erneut zwischen Donau und Focsani, der Feldzug begann von neuem. An solchen Fäden hängen Kriegsschicksale, nicht nur libelli , sondern auch belli haben sua fata . Erst durch Meldung der links von Gallwitz gestaffelten Türken scheint dem Oberkommando aufgefallen, daß Kosch's Linke in der Luft schwebte und sich eine mächtige Stoßgruppe vorbereitete. Vor Kühne verschwand der Feind, bezog nur gegen Schmettow feste Deckungen, um alles gegen Kosch zu vereinen, eine durchaus sachgemäße Maßregel. Erst am 2. ordnete Falkenhayn ein Abdrehen Kühnes nach Südost an, was Mackensen noch leichtsinnig abänderte: nur Kneußl sollte auf Clepani abmarschieren, Oettinger gegen Bukarest decken, Knobelsdorff blieb bei Krafft, von dessen Sphäre mächtig angezogen. Bis dahin konnte Gallwitz längst vernichtet sein, wenn die Rumänen eben Deutsche und Gallwitz' Wehrmänner nicht Deutsche gewesen wären. Auf solcher Psychologie läßt sich aber nichts Verläßliches aufbauen, Falkenhayn und Mackensen bleiben hier durchaus verdammenswert, und wenn man Ludendorff einen Schuldanteil in die Schuhe schöbe, darf er sich verantworten, daß er so haarsträubende Unfähigkeit seiner nachgeordneten Organe nicht voraussetzen konnte. Gegen Gallwitz traten aus West-Südwest Teile der 1. A. aus Nordwesten Hauptteile der 2. und über Bukarest verladene Divisionen der 4. A. an, nebst Moldaureserven. Bei Dragonesci kreuzt sich die 10  km lange Chaussee von Alexandria her mit der 30  km langen Donaustraße nach Giurgewo, die in die 50  km lange Nordweststraße nach Pitesci mündet. Kühne marschierte wesentlich nach Nordost auf die Querstraße Giurgewo–Clepani–Ganesci los, Krafft hing nördlich längs der 75  km langen Bahn Pitesci–Bukarest zwischen der Hermannstädter Bahn (65  km hinter Morgens Aufmarsch östlich Campolung). Alle diese bequemen Anmarschräume waren nach Süden und Westen noch für die Rumänen frei, die sich ganz leicht neben Kosch südwestlich eindrängen und ihn mit verkehrter Front, Rücken zu Kühne, aufrollen konnten. Wo sich Bahn und Chaussee nach Giurgewo schneiden, stieß die Staffeldiv. Hamid Bey schon auf rumänische Kräfte, so daß er Gallwitz nicht beispringen konnte. War je eine Lage verzweifelt, so schien es diese. Durchbrach der Feind die 12. bulg. Div., was tatsächlich geschah, so sah Gallwitz jeden Ausweg verlegt. Allein an der Entscheidungsstelle zählte man nachher Gefangene von 22 Inf., 6 Art. Regimentern; wir gehen nicht fehl, wenn wir die in Fluß gebrachte Stoßgruppe gegen Kosch's Linke auf 7–8 Div. beziffern. Gallwitz' 9 schwachen Batt. traten gleich anfangs 36 entgegen, die sich auf 72 verstärkten. Am 27., 28. wurden des Feindes Vorderdiv. derart von den Jägern und der schweren Artillerie gebändigt, daß 20 Gesch., 700 Gef. den Siegern zufielen, am 29. die immer neu verdichtete und nordwärts verlängerte Linie von der L. W. gesprengt und von Naipuwald her durch Verfolgungsfeuer der braven 65. Württ. Art. begleitet, wiederum 14 Gesch., 1000 Gef. erwischt. Dagegen drohte den 7., 9. I. und dem L. St. bereits links nördlich Umfassung. Major Aschauer erkannte im Walddickicht nicht, wieviel er vor sich hatte, Geschosse einer Flankenbatterie schlugen in die Westfäl. 3. ein, die Patronenmangel meldeten. Auch zwei Batterien, die dort heldenhaft vor der eigenen Schützenlinie auffuhren, mußten bald ihr Schnellfeuer einstellen, die eine hatte nur noch 35 Schuß, die andere nichts mehr zu verfeuern. Die Nachschubstraße lag unter feindlichem Feuer, Flankenschutz der Kav. Goltz fiel weg, sie bog westlich aus und suchte nordöstlich gegen einen Wald-Zweigweg der Clepani-Chaussee anzureiten. Das konnte Gallwitz wenig helfen, doch kam jetzt der tapfere Hamid Bey in treuer Kameradschaft seitwärts heran. Am 30. früh ging die L. W. unverzagt auf das befestigte Balaria los und warf den Feind in wildem Handgemenge über den Niaslow. Erst an diesem Abend zog sich die Wetterwolke zur Entladung zusammen. Während Goltz wieder wich, er konnte nicht anders, wollte er nicht umzingelt werden, und der zu langsam marschierende Türke das Staffeln zu wörtlich nahm, vorerst nur ein Batl. zur Verfügung stellend, stürmte Gallwitz am 1. weiter vor. Die schlesische L. W. erreichte den Argesch, links von ihr die bayr. und Holsteiner Jäger, 7. R. I. auf der Nordwestflanke. Nur 25  km vom Fortgürtel entfernt, sah man sich jetzt dem feindlichen Kraftbehälter unmittelbar gegenüber. Die Leistung war erstaunlich, doch der Verlust nicht gering, die ohnehin schwachen Kompagnien schmolzen stellenweise auf 100 Gewehre. Die rechte Flanke wurde unsicher durch Weichen der Bulgaren, die linke war umwickelt, der Türke in hartem Kampf bei Dragonesci, eine Inf. Brig. und rum. 2. K. D. drängten sich schon im Rücken ein, den durch mancherlei unnütze Entsendungen geschwächten Goltz vor sich hertreibend. III/115. L. St. hatte sich brav nordwestlich den bayerischen Jägern angeschlossen, letztere und 7 L. St. Kompagnien sollten die Lücke stopfen gegen so tödliche Drohung. Abends glich die Lage der Scheffels vor Lodz. Train und schwere Artillerie zurückschaffend, zog Oberst Vogel mit den Schlesiern und 5 L. St. K. Mitternachts wieder zum Niaslow ab. Erstaunlich genug, daß er sich unbehelligt loslöste. Am 2. zeigten die Halbmondkrieger den ernsten Willen, ihre deutschen Freunde herauszuhauen, doch Allah erhörte ihre Wünsche nicht und die Lage wurde schier unerträglich. Vormittags feuerten die Holsteiner Jäger nach West, dann mußten sie einen Halbkreis nach Nord- und Südwest bilden, in den sie die bayerischen Reste, noch 380 Büchsen aufnahmen. Das sich tapfer wehrende I/115. L. St. und 65. Art. wichen bis nördlich Naipu, wo man vor zwei Tagen so wacker vorging. Rückwärts, wo der Train sich sammelte, stellte sich ein bulgarisches Batl. mit 12 Geschützen ein, dicht verfolgt von Russen. Immer enger schloß sich der Feindesring und drückte den deutschen Bogen ein. Der Feind überschwemmte die Mitte und riß die Rechte der L. W. weg, drängte die Jäger und die von Stellung zu Stellung abfahrende Art. sogar aufs Nordufer des Niaslow ab, von wo sie aber unverdrossen nach Süden in vorquellende Feindeskolonnen hineinfeuerten; diese Batterien des Major Tuchen und die am Nordufer Eingenisteten blieben auch bei Nacht so standhaft wie die auseinandergerissene schlesische L. W. Sie blutet, doch verblutet nicht, verausgabt nicht ihre gesunde Nervenkraft. Vier andere Batterien nördlich Naipu schießen bis zur letzten Granate in die hineingepreßte Feindesklammer. Steigender Geschoßmangel gegen steigende Übermacht, die Sehnen zum Springen gestrafft, überhitzte Rohre dem Springen nahe. Die Einschließung war vollzogen, nach West, Südwest, Süd, Nordwest, Nordost, Nord hielt die kleine Heldenschar aus, doch wie lange noch? Eine Oberleitung, die solche Krisen heraufbeschwört, wird man nicht gerade schön nennen. Es ist närrisch, die Rumänen hätten Kühne nicht beachtet, dessen Nahen durch Schmettow verschleiert worden sei. Im eigenen Lande durch Spione gut bedient, schätzten sie Kühne nur zu richtig ein. Nur eins bedachten sie nicht als möglich, daß eine Handvoll Reservisten, Wehr- und L. St. Männer zwei Tage lang einer gegen zehn ihnen die Zähne weisen könnten und dann eine einzige Div. Kühne's genügen werde, ihrer schon furchtbar erschütterten Übermacht den Genickfang zu geben. Solche Dinge scheinen um so märchenhafter, als ein gut Teil der hier fechtenden Rumänen noch frisch und nicht durch blutige Niederlagen verbraucht war. Indessen scheint trotz russischer Beihilfe die Heeresmoral auf Zero gesunken in Mißtrauen und Verzicht auf jeden glücklichen Ausgang, denn gerade hier, wo ihnen ein Erfolg winkte, versäumten sie den einzigen Augenblick ohne ihre übliche nachhaltige Ausdauer. Schlug ihnen die spartanische Tapferkeit der gefürchteten Deutschen auf die Nerven wie etwas Übernatürliches? Am 3. mittags änderte sich das Bild blitzschnell. Zu ihrem Staunen sahen die Jäger am Niaslow den Feind bei Stilpa fliehen, die Südgruppe sah Flüchtlingsschwärme sich vorüberwälzen und in Gärten Deckung suchen. Aus West-Nordwest platzten Schrapnells der 11. bayr. Art. im Rücken der rumänischen Nordgruppe. Was war geschehen? Kneußl nahte endlich in Eilmarsch über Clepani und überschritt den Niaslow auf Mihalesci zu. Erst aufgefangener Armeebefehl Stratilescu's klärte Falkenhayns tröstliche Zuversicht auf, der sich bis dahin schmeichelte, der Feind sei überall zum Argesch abgezogen. Beim Feind herrschte aber schon Unsicherheit, denn während Teile ostwärts in den Rücken der Bulgaren vorstrebten, arbeiteten sich Goltz und Hamid im freigelassenen Raum nördlich Balaria, von woher Gallwitz' Divisionsstab knapp der Gefangenschaft entrann, zu Kneußls rechtem Flügel durch. Eines drohenden Verhängnisses bewußt geworden, traten die Rumänen überall den Rückzug an, tatsächlich wagte der westpreußische L. St. wieder anzugreifen. Unter zähem Nachhutschutz gegen die Bayern drängten sich die abflutenden Massen über die Stilpabrücke, wo deutsche Artillerie aus zwei Seiten ein schreckliches Blutbad anrichtete. Ihre Überlegenheit und die Bänglichkeit der sonst so beherzten Rumänen vor dieser schmerzlich empfundenen Kanonade gab den Ausschlag. Am Ufer sah man unter wahren Leichenhügeln zwei vollständige Batterien liegen, Bemannung und Bespannung weggeputzt. Was noch südwärts stockte, starb entweder in auflodernden Dörfern oder trottete mit wehenden weißen Tüchern zu Gallwitz hinüber. Kneußls Linke ereilte, was zum Argesch sich rettete, an der Mihalscibrücke wiederholte sich das gräßliche Schauspiel vom Stilpa. Als man aber ohne Schwertstreich in Bukarest einzog, ward klar, daß der Feind in Masse hinter die Sereth und Focsani entkam, auch Morgen konnte den drei Div. nördlich Bukarest nichts anhaben. Daß man jetzt im Ganzen 160 000 Gef., 450 Feldgeschütze, Zentralpulverfabrik und Arsenal der Hauptstadt nebst reichen Vorräten bekam, ersetzte nicht das Scheitern des strategischen Planes, den Feind vor Bukarest zusammenzudrängen und zur Vernichtungsschlacht zu stellen. Wird dies endlich eine Lehre sein, nicht auf Einkreisung zu bauen und deren Gefahren zu erwägen? Der Krieg setzte sich so zwischen Donaumündung und Sereth noch lange fort, ziemlich unrühmlich und nicht eben geschickt in Mackensens üblicher Manier geführt. Das entzog uns viele kostbare Kräfte, die wir im Westen brauchten. Der rumänische Feldzug war so wenig zu Ende, wie damals der serbische, wenn man Saloniki als »Fortsetzung folgt« betrachtet. Wie dort, nahm hier die Entente den Handschuh auf, Rußland verteidigte die Moldau. Man rief Kellers Reitermassen ins Land, Sacharew mit immer zahlreicher werdenden Russen führte, 2. A. Averescu sammelte sich nun mit Massenaushebung, 4. A. grub sich auf langer Front zwischen Braila a. d. Donau und Rimnicu a. Sereth ein. Ententeagenten verwüsteten alten Bodenwohlstand, wo es ging, nachher sollte Deutschland dafür bezahlen. Falkenhayns frontales Vorgehen gegen Rimnicu 20.–27. Dez. war ganz nach Mackensens Schule. Erfolge Morgens brachten keine Entscheidung, erst Umgehung Kraffts. Die Kerntruppen der 11., 12. b., 76. R., 41. D. schmolzen ohne gediegenes Ergebnis. Die rückwärtige Gebirgsflanke im Tortustal wurde von den Russen aufgerissen, die Österreicher bei Ostna geschlagen, doch der seit langem dort kommandierende Gerock schlug den Feind aufs Haupt, am linken Flügel schützte Gruppe Conta den bedrängten Thronfolger. Da Gerock im Ganzen vier d. D. hatte, wäre möglich, daß außer Bayern auch Thüringer und Hessen dort bluteten, doch entfällt dies wohl alles auf Linsingens Schlacht. Übrigens Deutsche u. Österreicher entzweit, Zerwürfnis zwischen Siegern und Scheinsiegern. Bei Bothmer 1750 G., ferner 2400 der 22. D., 2358 der 82., 83., 118. R., 168. I. Was von 49. R. D. 2500, 75. R. D. 1153, 27. R. 520, 61. L. W. 1244 usw. zeitweilig zum Süden abging, ist unklar. – 8. b. R. D. laut Kr. Ar. 96, 4000, allerdings schmolz laut Rgts. Gesch. 23. R. von 1500 auf 500 Gew., offenbar ist aber hier die ganze Zeit seit August gerechnet, wo noch 18. R. dort mitwirkte, laut V. L. Aug., Sept. 18. R. 1866, 19. R. 1167, im Okt. 22. R. 799, im Ganzen verlor die tapfere D. noch mehr als im B. Kr. Arch. angegeben, doch im November schwerlich mehr als 1000. – In Rumänien: Alpenk. 3200, 182.–84. I. 1200, 253. R. 573, 187., 189., 333. I. 1636, fehlt Ausweis für 5 Rgt., die wenig litten. Zusammen 8500, dazu 12. b. D. angeblich 150, 5000, mehr als jede andere, was viel zu hoch erscheint und offenbar Dezember mitrechnet. Bei Kühne 2. Pomm. 499, 146. allein 924, dagegen 148. 152. nur je knapp 400, 26. R. 400. Danach scheint 479 v. 22. b. keineswegs zu wenig, nur 155 v. 13. R. erklärt sich damit, daß es am Vulkan nicht mitfocht, 18. R. 500. Fehlt Verl. wiederum von 5 Rgt., hier nach Durchschnittsmaßstab 2250. Kav. 600. B. Kr. Arch. berechnet Gesamteinbuße von 11. b. D. höher, und da bayr. V. L. oft nachhinkten, steht wohl einiges in unkontrollierbaren Dezemberlisten. Gesamtverl. Walachei aber höchstens 20 000! Dobrudscha 21., 45. I. 800, Kav. 100, 22. L. W. 633, L. St. und Jäger v. 217. D. unerkennbar, deren Walacheiverlust naturgemäß auf Dez. Listen fällt. Somit kostete Niederwerfung Rumäniens seit Sept. etwa 33 000, wenn wir 2000 für Gallwitz bis 3. Dez. rechnen. Schwer litt nur Krafft, seine und auch Schmettows kavalleristische Leistung sind ganz hervorragend. Ganzer Novemberverlust bis 3. Dez. etwa 54 000. Dez. Verlust aus bekannten Gründen unbekannt. Jahresverlust etwa 350 000, der Gegner verlor das Zehnfache. Freilich verlor Österreich über 500 000, seine Wehrkraft erlitt einen argen Stoß. Nur unter deutschem Kommando schlugen die noch im Vorjahr recht rüstigen Streiter Habsburgs sich noch gut, der Russenschreck war nicht überwunden. Nur in den Isonzoschlachten gegen einen gering geachteten Feind, der sich indessen oft wacker schlug, leuchtete noch Radetzkis Geist. In deinem Lager ist Österreich! konnte man bei Boroevic noch rufen, sonst überall niedergeschlagener Mißmut bei Volk und Heer. Bulgariens Verlust in der Dobrudscha war nicht unbedeutend, doch nicht so bitter wie am Wardar. Auch dort brütete Kriegsmüdigkeit, in der Türkei die übliche Zerfahrenheit. Alle lieben Bundesgenossen hatten nur einen verbündeten Zweck, wie sie Deutschland auch wirtschaftlich aussaugen könnten. 1917 war der Leidenskelch noch nicht geleert. Falkenhayns Ringen am Focsani, starte permanente Befestigung, von Neujahr bis 7. Januar endete glücklich, nur durch Morgens glänzende Haltung, doch mußte General Gurko nun erst wieder über den Sereth geworfen werden. Braila fiel zwar am 5. durch Umgehung (wieder 217. D.), die Bulgaren bestürmten es lange umsonst, nun aber lag man festgefahren vor der Moldaufront. In diese Zeit fiel der letzte Versuch Dimitriews, vor Riga die dort schwache Front (2., 3. D., 1. R. D., L. W.) am Tirolsumpf zu durchhauen mit Überrumpelung und Gasvergiftung. Am 10. Jan. schoß er schon nach Mitau, doch Papprite hielt mit ostpr. Zähigkeit aus, bis am 23. Verstärkungen von Stochod und Schara her zum Gegenschlag fertig. Qualm von Schnee und Gas schlug dem Feind ins Gesicht, die Aa-Ufer bedeckten sich mit Toten, Dimitriew floh nach Slock und Üzküll. Nach langer Waffenruhe bei Untergang der Zarenherrschaft, wo russische Soldaten schon mit deutschen freundlichen Verkehr pflegten, brachte Brussilow, der sich als Streber eifrig der Revolution anschloß, noch 23 D., 16 Kav. Rgt. zusammen, meist Asiaten und Tschechoslowaken und rannte am 1. Juli gegen Bothmer los, der ihn mit kühler Ruhe empfing, doch den es heiß dabei wurde. Strypa und Lipa rauschten auf und rauchten unter himmlischen und irdischen Donnern und Blitzen, echtpodolische Gewitter und grimme Schlacht vermischten ihre Schläge. Ludend. hatte sich zwei D. im Westen abgespart und hergeschickt, gerade auf sie fiel des Unwetters zuckender Strahl. 34. K. zermürbte mit 3 Div. die einzelne 15. R. D. Limburg, doch 17., 30., 68. R. gedachte der Champagne, die Rheinländer triumphierten, die Russen flohen vernichtet. An der Narejewka kam der Feind zu nichts, im Zentrum aber fiel er die zerfetzte Lisianafront der 24. R. D. Morgenstern mit 80 Batt. an. 7. Sib. K. brachte 104. R. zur Verzweiflung, doch die Sachsen widerstanden glorreich wie immer, General Landowski verzweifelte auch wie sein Kollege Skorobodke vor den gefürchteten Deutschen. Doch links davon verlor 107. R. die Höhen vor dem in roter Glut stehenden Brzczany ans 41. K., das sich zugleich mit dem 26. östr. maß. Die Sachsen verwehrten trotzdem Einbruch an der Zlota Lipa, die Türken Djewed Paschas schlugen dreifache Überzahl ab, ihr 20. D. focht erstaunlich gut, wie stets unter deutschem Oberbefehl. Das 12. finnische K. erlag im Handgemenge. Doch wenn 7. A. Bjekawitsch erfolglos blieb, zersprengte 11. A. Gutor an unserm linken Flügel 25. k. k. K. Hofmann und zugleich Boehms anschließende Rechte bei Kanuchy. Erst 32. L. W. 473. I. stopften die Lücke, der Feind stutzte, als er Deutsche sah, dann retteten Boehms 96., 97., 223., 237. D. unter Winkler. Leider fehlten sie so an der Westfront, wo sie nötiger waren, das bittre Muß für den klebrigen Bundesbruder klebte uns an wie eine kraftaussaugende Klette, Kerensky »spielte den Sadi Carnt«, wie Stegemann den Präsidenten der dritten Republik mit Lazare Carnot verwechselt. Der Diktator schmiß den bisher erfolgreichen Gutor weg, weil Ansturm seines 1. G. K. bei Zbarew zerschellte, und ernannte Kornilow zum Oberbefehlshaber der Südfront. Dieser gerissene Kosak rannte alsbald die 3. östr. A. Koitek über den Haufen, der Widerstand war erbärmlich, erst als am 11. Juli b. 16. 8. D. vor Halicz erschienen, schöpften die schlappen Österreicher Atem. Als Bothmer auch noch Teile der 24. R. D. und die bei Bzczany ausgeladene 75. R. D. sandte, erlosch die Offensive bei Kalucz, wo die Kosaken sogar Greisinnen ihrem Liebesdrang unterwarfen und sich im Schnaps berauschten, welchen Adamsapfel die satanischen Deutschen natürlich absichtlich zur Verführung rechtgläubiger Christen hinterließen. Das Gesindel fing an zu erschrecken, als die gottverfluchten Germanski ihr Nibelungenschwert im Etzelland erhoben. Die »Todesbataillone« Kerenskys, panslawistisch besoffene Schwärme gingen in sich. Als auch noch das Brandenb. 3. K. und 35. R. D. im Winkel zwischen Boehm und Bothmer erschienen, wurde Gutor, der sich noch im Besitz seines Kommandos behauptete, am 17. durch Feuerüberfall zersplittert und am Zboraw auf Tarnopol und Burkanow geworfen, durchs Serethtal verfolgt. Selbst 7. A. Köweß kam in Bewegung, besetzte Czernowitz und Radautz, nicht aus eigener Kraft, der Russe floh, um nicht von Bothmer abgeschnitten zu werden. Es ist herzbrechend, daß 8 brave D. im Westen fehlten, weil dieser geflickte Lumpenkönig Habsburg immer wieder Ruhepolster für seine Gichtbrüchigkeit bedurfte. Natürlich ließ sich auch die sogenannte k. k. 1. A. Rohr im Moldauer Gebirgswinkel schlagen, verlor den Oitoz, natürlich deckte Gerock mit 117., 218., 225. D., die gleichfalls im Westen fehlten, wohin seine früheren Truppen sich verabschiedeten, das Putnetal, natürlich warf sich Eben (an Stelle des nach Kleinasien beurlaubten Falkenhayn) mit 12. b., 76. R., 89., 115., 216., 217. D. und dem seit Mai in Frankreich weilenden und wieder hierher gesetzten Alpenk. auf Scherbatschew, der in Verbindung mit Rumänen diese Stöße führte. Morgen öffnete sofort das Susitatal, der Feind wich, Gerock drückte auf ihn, die neugebildete 2. A. Averescu's schwebte in schwerer Gefahr und der Rückzug forderte Vernichtung ganzer Brigaden. Am 12.–14. August in drückender Hitze wurde der Angriff in Mackensens kunstloser Weise geführt, so daß D. Lüttwitz aus der Front schied, nur Morgen den Feind nordöstlich abwarf. Die Schlacht bei Marasesti, die uns unnütz Blut kostete, mußte abgebrochen werden, obschon nur die Rumänen, deren feige Regierung nach Kischinew floh, sich tapfer wehrten. Die Russen wollten nicht mehr längs der ganzen Front, die Lenin-Diktatur brach herein. Um aber dem russischen Heer einen letzten Schubs zu geben, schien Bedrohung Petersburg nötig. Der neue Dünafeldherr Parski erwartete den Angriff der 8. A. Hutier auf der Meerseite von Ketkau her, doch G. K., 19. R. D., 14. b., 42., 203. D. überschritten bei Üxküll den Strom, machten das 21. r. K. nieder. K. Käthen wandte sich gegen Entsatz aus Dünaburg, K. Berrer erstürmte die Zügelberge, K. Niemann drang mit 2. G., 42. D. von Süden in Riga ein, K. Pappritz folgte dem auf Dünamünde weichenden Meerflügel und stand so bald am Westtor Rigas. Bis 4. Sept. war die große Stadt unser, elf r. D. zerstoßen, später eroberte Käthen mit 42. R. D. Estorff die baltischen Inseln unter Beihilfe der Flotte. Dies zwang Lenin an den Verhandlungstisch. Doch viel zu lange hielt die Zwischenzeit der Spannung die Feldgrauen in den Gräben, an unserer wirtschaftlichen Widerstandskraft fraß jeder Monat, in dem man immer noch 98 d. D. im Osten beließ, während 147 den scharfen Schwertstreichen im Westen den zerbeulten Schild Germanias über der vielfach klaffenden Brünne entgegenstreckten. Auch erwies sich eine unberücksichtigte Beule nachher als Krebsgeschwür: Saloniki. Auch hier handelte das Schicksal als Alliierter der Entente, machte ein sinnloses Abenteuer zu einem Lotterietreffer. Dortige immer neue Ansammlung von Franzosen und Briten erinnerte an Wellingtons Strandfestung Torres Vedras mit ähnlichen lokalen Mängeln, doch zermürbte Bulgariens Kräfte. Bei Saloniki 79 000 Franz. 43 500 Engl. 10 600 Serben. 5 schwache deutsche D. kamen zu spät, als 2. 3. Bulg. D. unter verräterischer Bestechung einfach wegliefen. – In Rumänien angeblich 41% Österr. 38 D. 13 Bulg. 8 Türk. Ebenfalls blieben 10 d. D. dort, 5 in Ukraine, 7 in Oberost. (Hertling »1 Jahr i. d. R. Kanzlei« und »Amtliche Urkunden«.) Mit Rumäniens Opferung schnitt sich freilich die Entente selbst in die Finger, dies band Österreich und Bulgarien wieder fester, die sonst gern auf eigene Faust Frieden gemacht hätten. Besitznahme des reichen Landes erlaubte wirtschaftliches Weiterfristen. Als dann der Freimaurersendling Kerensky den Gambetta spielen wollte, legte ihm der Bolschewismus das Handwerk, denn Rußland war längst zu Tode getroffen. Wenn dann die Geschichte des Weltkriegs jäh abbricht und der Patriot sein Haupt verhüllt, so müßten die Deutschen schön dumm sein, fortan auf ihr bestes Rüstzeug im Völkerkampf ums Dasein zu verzichten. Nur ihr angeborenes Kriegertum kann ihre große Nation gegen neidische Mißgunst lateinischer und slawischer Imperiumanwärter schützen, denen ein Deutsches Reich ewig ein Dorn im Auge. Als der Goldkelch des Großkapitalismus in wilhelminischem Feudalismus überfloß und ein byzanthinischer Karneval Cancan tanzte, rief laut Zedlitz der Herrliche: »Wer ist denn dieser Richard Wagner? Ein ganz gemeiner Kapellmeister!« Das ist ein Kaiserwort, daran darf man nicht drehen und deuteln. Damals blühten bürgerliche Konzessionsschulzen bei »feinen« Regimentern als seltene Veilchen im Verborgenen, während bei St. Privat noch bürgerliche Gardeoffiziere fochten. Nun schlug sich die prätorianisch erzogene Garde im Weltkrieg wirklich wie Triarier, sogar ihre Kavallerie, von der man sich schnöder Versumpfung versah. Doch taten L. W. und L. St. etwa Minderes? Der Kampf des vermischten Heldenhäufleins von Schlesiern, Westpreußen, Holsteinern, Westfalen, Württembergern, Bayern am Niaslow gehört zum Denkwürdigsten des Weltkrieges und sollte dem deutschen Volk nie aus der Erinnerung schwinden, wenn seine moralische Verseuchung gesundem Empfinden Platz macht. Man wird Psychologen und wahren Philosophen nicht weismachen, daß solcher Mannesmut nicht seelische Werte auslöst und jeder Pazifistenschmok mit einem Federstrich mauschelnder Phrasen die Fahnentreue bis zum Tode bei schlichten Wehrmännern wegwischen darf. Das Ende. I. Vorbereitung England gestand bis Neujahr einen Gesamtverlust von 2½ Millionen, muß also 1917 eine runde Million Tote und Verwundete verloren haben. Laut Wright 1., 5. A. von 1. Juni bis 3. November 13 000 Off. 288 000 M. Auch so eine dem Kriegsstatistiker unannehmbare Ziffer, denn es müßten 390 000 sein (1:30) und man hat einfach nachher in den Verlustakten die Leichtverwundeten ausgemerzt. Trotzdem würden wir auch so uns mit der englischen Schätzung einigen auf ihre Angabe des ersten Halbjahrs hin, denn das zweite war unstreitig noch verlustreicher. Die Franzosen verloren eher mehr als weniger bei ihren furchtbar blutigen Kämpfen. Bezeichnenderweise hieß es nach Kriegsabschluß anfangs bei den Briten »700 000 Tote«, dann wurden es 900 000, erwiesenermaßen unterschlug man aber die Kolonialen und Inder, die Listen sind überhaupt unvollständig. Wohlverstanden: jede Totenziffer ist mit 3–4 zu multiplizieren, und was Wright über Verluste 1918 verlauten ließ, ergibt einen Zuwachs, der einen Gesamtverlust von 4 Millionen inkl. Gefangenen wahrscheinlich macht. Da man die geheilten Verwundeten nicht mehr rechnet, läßt sich nachträglich nur die Totenziffer kontrollieren. Die Franzosen behaupten rund 1 750 000 Tote verloren zu haben, was natürlich einer ungeheueren Zahl Verwundeter entspricht, man begreift kaum, wie sie danach ihre Regimenter rekrutierten, mögen sie noch so viele leichter Verwundete und sogar Krüppel und Schwindsüchtige eingestellt haben. Wenn die Verbündeten 1917 mehr Erfolg hatten, als je zuvor, so bezahlten sie ihn auch noch teurer. Den üblichen Trost, unser Verlust habe sich noch höher belaufen, zerstreuen die alphabetischen Listen, die ja auch an Krankheit Gestorbene umfassen. Ein Engländer verschwor sich, 225 deutsche Divisionen hätten in jedem Monat je 2000 verloren, überhaupt seien in jedem Monat 112 000 in Ost und West verloren gegangen. Diesem haltlosen Gerede stellen wir entgegen, daß die Listen vom 10. Dezember bis 10. Januar 64 850 (4285 Sachsen) enthalten, wovon 45 000 für Dezember in Frankreich abzuziehen. Bis 9. Februar 24 465, – 21. noch 32 000, – 13. März 57 400, – 29. noch 44 900, – 15. April 14 725 – usw. Zum schon verzeichneten Verlust bis 1. November treten hinzu 250 000 bis Neujahr, Jahresverlust 1 282 000, was nach Abrechnung aller Schlußkämpfe im Osten, Piaveschlacht, Marine, Kolonien, Krankheitstoten weniger als 1 Million im Westen ergibt, etwas mehr als im Vorjahr. Dies war schon allzuviel, obschon der Feindverlust ums doppelte höher. Wir durften uns solchen Luxus kaum gestatten, wenn Amerika wirklich 1 Million übers Weltmeer brachte. Bei obigem muß man berücksichtigen, daß die Cambraischlacht im Dezember, wobei Schlesier und Thüringer sowie am linken Flügel eine rheinische Div. sich auszeichneten, fortgesetzt wurde. So erfolgreich, daß die Beute auf 184 Gesch., 783 M. G. stieg, 50 Tanks lagen hilflos zerschmettert den Deutschen zu Füßen. Regimenter aus allen Gauen taten sich hervor, so Hanseaten und Oldenburger. Byng war bis dorthin zurückgeschleudert, von wo er am 20. November so siegessicher aufbrach. Nach Erstürmung von Graincourt bezeugten Massen Fliehender und sich abseits schleppender Verwundeter die Schwere der Niederlage. Bei Guislain lagen noch im März Kadaver von Roß und Mann indischer Reiterei unbestattet, damned niggers brauchen kein christlich Begräbnis! 29. D. war gänzlich vernichtet, alle seine Korps um die Hälfte gelichtet, Byngs Gegenangriffe im Januar endeten damit, daß er neuen Raum seiner früheren Anfangsstellung verlor. Haigh war in Unruhe. 20 Div. waren kampfunfähig verbraucht, wovon 3 aufgerieben, dabei 1. Gardedivision, die man bisher wiederholt erneuerte. So bedurften die noch vorhandenen 70 Div. starker Auffüllung, ebenso 107 franz. zwischen Ypern und Reims, obschon Frankreich schon alle irgendwie Waffenfähigen bis zum 50. Jahr einberief. Auf die Prahlerei folgten Wehklagen und Schimpfen. Gleichwohl wäre dies Kriegsjahr ohne Kriegsende im Osten und Tolmeinschlacht im Süden das unglücklichste für uns gewesen, nie hatten wir solche unverkennbare Rückschläge durchgemacht. Als Entlastung erst für Rußland und später für Italien gedacht, verfehlten die feindlichen Offensiven ihren Zweck, doch hatten uns übel zugerichtet, unsere Linien gestört, verwirrt, obwohl nirgends auseinandergerissen. Daß Hindenburg ganz richtig jede Offensive bis Jahresende einstellte, faßte die Entente so auf, als habe man die O. H. L. auf grundlegendem Fehler ertappt, im Vorjahr bei Verdun zwecklose Schießerei zu veranstalten. Ludendorff verteidigt in seinem Buch diesbezüglich seinen Widersacher Falkenhayn und Offensive Frühjahr 1916 war vielleicht zweckmäßig, doch ihr Stoßziel falsch, was L. umsonst zu rechtfertigen sucht. Wie wir ihn von der Ostfront her kennen, hätte er sicher nicht Verdun gewählt. Indessen war das Unglück nun mal geschehen, und wenn man sich nutzlos schwächte, so hatte doch auch der Feind 1916 sein Blut in Strömen vergossen. So skeptisch wir aber bezüglich seiner Streitmacht 1916 waren und 3 Mill. Franzosen 2 Engländer in der Front nicht gelten ließen, so bestreiten wir keineswegs solche Ziffer für 1917. Früher nur 60, besaßen die Briten jetzt 90 Div. und die Franzosen wahrscheinlich 140, alle stark formiert, zusammen mindestens 3800 Batl., während 200 deutsche à 3 Regt. nur 1800 ausmachten. Gleichwohl hatte »doppelte Übermacht«, wie englische Kritiker später zugeben, uns früher nie angefochten. Diesmal aber boten unsere stärksten Stellungen an der Aisne und artilleristisch bei Ypern keinen genügenden Schutz gegen Überranntwerden. Das war ein schlechtes Symptom und schien der neuen Siegeszuversicht, die sich der verbündeten Heere bemächtigte, Recht zu geben. Bei den frischen englischen Massen war dies nicht auffällig, doch es verdient hohe Anerkennung, daß die Franzosen in ihrem halbverbluteten Zustand immer wieder die Trikolore erhoben. Indessen scheiterte trotz taktischer Erfolge der strategische Zweck, wenn ein solcher vorhanden war, was wir nur für die gewagte Offensive in Flandern vermuten können, die über Erwarten taktisch glückte, doch keineswegs strategisch ausreichte, um die Linie Roulers–Gent–Zeebrügge zu gewinnen. Vielleicht hätte sich beim jetzigen großen Stärkevermögen für Haigh empfohlen, überhaupt nicht gegen Lille–Cambrai zu operieren, sondern seine Hauptmacht nach Flandern zu werfen, um möglichst dort die deutsche Flanke aufzurollen und die wichtigsten Etappen zu zerstören. Auch Nivelle's Angriffsrichtung hätte weit besser am linken Flügel über St. Quentin gelegen, statt frontal über die Aisne anzulaufen. Übrigens hatte die jetzt gewonnene Stellung etwas Bedrohliches, teils die Aisne, teils die Somme im Rücken, falls die Deutschen eine kraftvolle Offensive ergriffen. Jedenfalls wäre 1918 für uns alles wieder im besten Geleise gewesen, wenn nicht andere Faktoren verderblich mitsprachen. Der Jahresanfang verging dem Feind in fieberhafter Spannung des Wartens und solcher Ungewißheit, daß der neue G. St. Chef Foch, der 30 D. als Reserve ausschied, deutschen Gewaltstoß nur bei Cambrai und Reims erwartete, beiläufig ein Armutszeugnis für sein strategisches Denken. Was hatte Ludendorff dort zu suchen? Sein Ziel konnte nur ein größeres sein. Diesmal versammelte Hindenburg tunlichst die im Osten verstreuten Divisionen um sich, 44 rollten bis Ende März an, 15 andere im April und Mai, 9 noch im Oktober. Schon im Februar standen zwischen Yser und Aisne 192 deutsche (1735 Batl.) 167 verbündeten Div. (rund 2500) gegenüber, ein viel günstigeres Verhältnis als je zuvor. Doch von Tag zu Tag verschob L. die Offensive, weil er erst sein Material sichten und überprüfen wollte. Witterungshemmnisse kamen wohl kaum in Frage, da man noch zu Neujahr erfolgreich bei Cambrai focht. Wir halten aber diese Verzögerung für ein großes Übel, sie ließ dem Feind Zeit, seine Wunden zu verbinden und sich zu fassen, neue Aushebung anzuordnen. Gewiß waren Ergänzung des Materials und möglichste Heranziehung der Osttruppen wichtig, doch im gleichen Maße stärkte sich der Gegner und verstrich die Zeit, die ein Ausschiffen der Amerikaner beschleunigte. Von deren 50 Div. landeten erst 3, bis 1. April sollten 370 000 kommen, wovon aber nur 144 000 von 5 Kampfdivisionen tatsächlich landeten, erst bis Ende Mai 461 000 in 16 Kampfdiv. Außerdem standen im Sommer noch italienische Div. in der Champagne als Austausch für englisch-französische am Tagliamento, sie hafteten als Pfand für Italiens Bundestreue. »Austauschprofessoren« kannte man früher, Austauschtruppen sind eine seltsame Neuerung, die übrigens in Italien böses Blut machte. Die hoffärtigen Verbündeten sollen sich drakonisch gegen die zahllosen Flüchtlinge der Piaveschlacht benommen haben. Dafür trat aber in Frankreich die »Generalreserve« aller Verbündeten nie zusammen, zwischen Haigh und dem an Nivelles Stelle getretenen Pétain herrschte Uneinigkeit der Ansichten, laut Wright erachtete Fochs Stab »eine Katastrophe für unvermeidlich«. Den Deutschen hing der Himmel voller Geigen, als Hindenburg ihnen den letzten Angriff verkündigte, mit welchem der Krieg beendet werden würde. Die Siegeschancen schienen durch Heranziehung der Osttruppen freilich sehr gefördert, doch blieben noch immer zu viele bis zur Krim verstreut, man hätte alles sofort nach Westen ziehen sollen, nachdem der Brester Friede geschlossen. Man sagt, die Osttruppen, durch Bolschewismus angesteckt und durch Verheißung von Bodenverteilung lange vertröstet, seien widerwillig, offen oder geheim murrend, zur Westfront abgegangen. Andere erklären dies für militaristische Legende. Jedenfalls waren die zuverlässigen alten Westtruppen grausam gelichtet. (Auch durch englische »Gasminenbatterien« nach so viel scheinheiliger Entrüstung.) Man berücksichtigte auch zu wenig, daß Türkei und Bulgarien sehr unlustig, Österreich und sein verräterischer Habsburger schon mürbe waren, während die Entente das kriegsmüde Italien so in die Zange nahm, daß es sich nicht mucksen durfte. Über die Türkei täuschte Goltz Pascha früher sich und andere, es war, wenn unklug, daß Ludendorff zuviel Truppen in Rußland beließ, noch unklüger, daß er nur eine Handvoll L. W. und L. St. für die schwankenden Bulgaren erübrigte. Immerhin füllten sich jetzt Hindenburgs Schlachtreihen auch mit Veteranen des Ostkriegs, während die Verbündeten ein Gefühl der Entkräftung befiel. Neue todbringende Gase und Sprengstoffe standen bereit, viel vom Osten herbeigeschaffte Artillerie vervollständigte die Rüstung. Wenn 1916 die Franzosen aus freier Hand erfanden »2 700 000 Verb. 2 500 000 Deutsche«, so war 1917 die Übermacht so groß, daß Hauptmann Wright, Mitglied des interalliierten Sekretariats und einziger Dolmetsch des Obersten Kriegsrats, sie »riesig« nennt. Doch ihr Verlust war »ungeheuer« und man kann kaum glauben, daß wir jetzt nicht numerische Gleichzahl hatten. Im Dezember noch 147, waren unsere Divisionen später auf 206 gewachsen, wobei 4 abgesessener Kavallerie. 17. A. Below war zwischen 2. und 6. eingefügt, die 14. A. in Venetien verschwand. Ihr großartiger Piave-Erfolg verlor bald seinen Ertrag durch schlaffe k. k. Haltung, sie hätte auch bei Überwachung der k. k. Schlamperei und des k. k. Verrats den Abfall nicht hindern können. Der gepriesene Conrad versagte den Truppen und die Truppen versagten dem Borovic. Die O. H. L. bildete jetzt 18 Armeen, wovon sie aber nur 10 zwischen Ypern und Mihiel aufstellte, und zwar 4., 6., 17., 2. als Front Rupprecht, 18., 7., 1., 3. als Front Kronprinz, zwischen Flügelarmee Albrecht in den Reichslanden die neue Armeegruppe Gallwitz bei Mihiel. Schon glaubten wir, endlich werde hier strategische offensive angedeutet. Weit gefehlt! Es sollte wieder mal Frontaltaktik in der Westfront probiert werden, und es dauerte damit so lange, daß sich der Feind über unsere Absicht unterrichtete. Sir H. Wilson, Haighs neuer Stabschef, prophezeite richtig, nur verlegte er den Durchbruchspunkt nördlicher oder vielmehr, er irrte nicht über Ludendorffs eigenen Plan, den aber Intervention des Kronprinzen und plötzliche Umgruppierung änderten. Der Kronprinz veranlaßte in aller Stille den Losbruch an unerwarteter Stelle nach Süden. Foch wußte sich viel mit Vorbehalten einer Reserve, doch unter Verzicht auf jedes Abklopfen der deutschen Front; in banger Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, blieb ihm verborgen, wo sie zunächst nötig werden würde. Zahlenmäßige deutsche Überlegenheit schloß sich aus, da mehrere amerikanische Divisionen (in Korpsstärke bis zu 37 000) allmählich einrückten, doch Gleichgewicht der Kräfte war sicher vorhanden. Und da die Unseren einer doppelten oder oft in Rußland zehnfachen Übermacht nicht achteten, so konnte es nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn sie mit ebenbürtiger Zahl nicht jeden Gegner niederrannten. Die Truppen waren jetzt wieder guten, auch die vom Osten ausgelesene Jungmannschaft gehobenen Mutes. Konnte die Ankunft der Amerikaner den Ausschlag geben? Gewiß nicht, wenn Ludendorff rechtzeitig und vor allem andauernd am Werke blieb. Nachdem man im Vorjahr Einiges ersiegte, verbarg sich die Entente nicht den Umschwung, sie verleugnete ihn nicht mal öffentlich! Lloyd George hielt dem Heer vor, es müsse fechten wie bei Waterloo, den Rücken an die Wand! Es kam nur darauf an, ob man den rechten Punkt fand, um das deutsche Messer dem weidwunden Wild einzustoßen. Rupprechts Stabschef Kuhl empfahl dringend Offensive in Flanke und Rücken Haighs bei Hazebrok, d. h. die von uns stets betonte Operation längs der Lys, wo man jetzt die in Blut und Schlamm steckengebliebene Ypernarmee, zu weit in Richtung Roulers vorgeprallt, erst recht strategisch abschnitt. Der nasse Boden machte es untunlich bis Mitte April? Schon recht doch »es gießt in Strömen, das hindert nicht die Märsche der Armee« (Napoleon 1805), »ihr sagt wohl, Jungens, es jeht nich, aber et muß jehen« (Blücher 1815 bei Gewaltmarsch auf einem durch beispiellosen Wolkenbruch ungangbarem Boden). Besser, man hätte im März oder schon im Februar, wo der Frühjahrsmatsch noch nicht so locker, auf nassem Boden dort angegriffen, als nachher auf trockenem, nachdem kostbare Zeit unwiederbringlich dahin und der Feind gewarnt. Siehe da, der Kronprinz war anderer Meinung, sein Stabschef Schulenburg unterbreitete, man sollte aus Mihiel vorbrechen. Wir staunen gerührt und erkennen hier erneut den Feldherrngeist, den strategischen Kopf. Doch so sehr wir uns freuen, diesem Gedankengang des Kronprinzen zu begegnen, können wir nicht umhin zu zweifeln, ob diese in unserem Sinne, doch so sehr spät am Tage gereifte Einsicht damals noch auf ganz veränderte Verhältnisse paßte. Umgruppierung der meist westwärts gerichteten Hauptmasse hätte endlose Zeit gekostet. Je weiter westlich der Angriff gegen die Kanalhäfen gerichtet, desto richtiger zur Unterbindung amerikanischer Landungen. Meister Ludendorff rückte als entscheidende Instanz mit dem Plan heraus, Angriff auf Flandern aufzuschieben, dagegen die Front Arras–Amiens westwärts zu durchbrechen. Scheinangriff wurde auch für Gruppe Gallwitz vorgesehen und 7. A. im Oisetal. Beiläufig wählte man zu strenger Geheimhaltung der Befehle lauter Decknamen, so hieß A. Gallwitz »Kastor und Pollux«, 7. A. »Erzengel«, Lys »Georgette«, Hazebrok »St. Georg«, zerstörtes Gebiet »Alberich« 17., 2., 18., 3., 1. A. »Walkürenritt«. »Mars«, »Michael«, »Hektor«, »Achill«. Frühere Beendung der Ausarbeitung wäre der geplanten Überraschung förderlicher gewesen. Nachdem man sich über die Ziele geeinigt, gab aber der Kronprinz seiner aus 7., 1., 3. A. verstärkten 18. A. Hutier, die auf 25 D. anschwoll eine südwestliche Richtung, während 2., 17. A. westwärts vorgingen. 62 D. beanspruchte der Vorstoß zwischen Arras und St. Quentin am 21. März, sogar 92 bis 5. April, deshalb ließ sich kein Ablenkungsversuch an anderen Kanten herstellen ohne Umgruppierung von schwerer Artillerie und Munition, die man ganz für die eine Strecke benötigte. Belows Stabschef Krafft v. Delmensingen wünschte sogar Scheinangriff im Elsasser Breuschtal, um Fochs Reserven recht weit südwärts abzulenken, doch darauf wäre Foch wohl schwerlich hereingefallen. Hinter 4., 6., 17. A. wurden 10 Ersatzdiv. im Norden näher herangezogen, wo man seit Anfang März heftig kanonierte, so auch bei 7. A., um über das wahre Ziel zu täuschen. Hinter 17. A. standen 1. G. D., 12., 26. D. bei Douai als allgemeine Heeresreserve der O. H. L. Man könnte daraus schließen, daß vom Anfang an dieser Armee die entscheidende Aufgabe zugeteilt sei. Dem war aber nicht so, sondern 2. A. sollte den Hauptstoß auf Amiens führen, um dort Verbindung zwischen Briten und Franzosen zu zerschneiden. Doch von 1706 Batterien, 756 davon schwere und schwerste, begleitete nur ein Viertel die 2. A, um so auffälliger, als L. eigentlich nur zwischen Cambrai und Amiens angreifen, an der Somme anhalten wollte. Was nun so die 18. A. treiben sollte nach Zurückwerfen des Feindes über die Somme? Als Reservestaffel hinter 2. A. nachrücken. Ein sehr unbeholfenes Manöver. Der Kronprinz erweiterte aber den Durchbruchsgedanken zu beschleunigt abgekürztem Verfahren mit Überschreiten der Somme. Der Erfolg gehört also ihm sowohl taktisch als strategisch, da 38 D. (inkl. die 3 bei Douai) der 2.; 17. A. nicht entfernt vermochten, was die 18. spielend erreichte. Denn die südwestliche Richtung ihres stark vorgenommenen rechten Flügels hatte flankierenden Einfluß sowohl südwestlich nach Montdidier als nordwestlich nach Amiens, er fiel wie ein Donnerkeil zwischen die feindlichen Linien. Gegenüber stand die 5. A. Gough mit 23 Div. bis südlich der Oise. Wie Byng im Burenkrieg als Kavallerist bewährt, hatte Gough fast die ganze englische Kavallerie, 6 Div., um die Zwischenräume des weiten Bogens bis südlich Marcoing zu decken, wo Byngs 15 Divisionen anschlossen. Dort schlug Prahlen in Zetern auf unfähige Generale um, als ob deren Absetzung etwas ändern könnte. Auf der 80  km langen Front lagen 5 Stellungsdivisionen vor 17., 2. A., 5. vor 18. A. und es brachen darüber vor je 15 Angriffsdivisionen von Below und Marrwitz, 19 von Hutier. Die 2. A. hätte man überstark machen sollen, damit sie in einem Zug bis Amiens vorkam. Daß dies zu spät geschah, zersplitterte das ganze Unternehmen. Es müssen hier aber sonstwie Unstimmigkeiten obgewaltet haben, denn Marrwitz' anscheinende Absetzung vom Kommando scheint anzudeuten, daß unsere Kritik sich mit der O. H. L. in Einklang befindet, doch richtet sie sich in Wahrheit mit gegen jene höchste Instanz. Denn sie hatte Marrwitz nicht stärker gemacht, als Below und ihm überhaupt eine frontale Westrichtung gewiesen, während er sein Augenmerk von Anfang an mit größter Linksziehung nach südwestlich Amiens hätte richten sollen. Auch Below hätte sich dauernd links ziehen und mehr zuwartend verhalten sollen, bis die Zeit für Vorgehen der 4., 6. A. gekommen schien. Diese machten sich aber so spät auf, daß sie nur den Feind zu allgemeinem Rückzug an der Lys und bei Ypern bewogen, ohne ihn umfassend zu schädigen. Indem Mangel an Weitblick eine falsche Kraftverteilung befürwortete, trat schon wieder frontales Abringen an ungeeigneter Stelle ein. 17. A. war doch nicht stark genug aufgebaut, um ein Abdrängen Haighs nach Norden zu erzielen. Andererseits war sie zu stark gemacht im Verhältnis zur 6. A., die allein Haigh aufrollen konnte, nämlich aus Norden, nicht nach Norden, wozu Below nie im Stande war, wie Lud. ihm vorschrieb. Ihm hätte nur beobachtende Rolle bei Cambrai zufallen sollen, es war zwecklos, den Feind westwärts zurückzudrücken, dessen Mittelfront durch entschiedenes Vordringen der 6. A. aus Nordost ohnehin ins Wanken kam. So verbrauchte die 17. A. ihren Kraftüberschuß, von dem ein Teil mehr bei 6. A. deren rascheres Einbrechen zwischen Bethune und Ypern gewährleistet hätte. Belows ungestümes Anrennen wurde ein Festfahren, schon am 21. hing er nördlich Gouraincourt und Croisilles ab, während Marrwitz sonst festklebte, seine Linke aber in die zweite britische Stellungslinie eindrang und Hutiers Rechte am Holnonwald den Feind völlig warf. Nur vor Belows Stellungsdivisionen räumte der Feind den Cambraibogen am 22. nach geringem Kampf, Belows Mitte (Hanseaten, Mecklenburger, Hannoveraner, Bayern voraus) nahm den Mühlberg von Croisilles, doch der Kampf war hart und verlustreich, am 23. sollte er auf Bapaume und beiderseits der Scarpe vorgehen, wofür ihm 4 Res. Divisionen übergeben, 6 der 4. A. traten an deren Stelle hinter 6., 17. A. Das hieß also den Angriff in Flandern völlig aufgeben und alles frontal nach der Mitte zusammenballen. Marrwitz' Mitte kam zwar jetzt auch vorwärts, doch in gar keinem Vergleich zu Hutier, vor dem alles nördlich und südlich der Somme wich. Das Vorbrechen erfolgte überall in drei Treffen, bei 17., 2. A. waren 9 D. im Vordertreffen, bei 18. A. 12, diesen vorderen 30 folgten 11 der 17., 2. A. als Rückhalt, während 6 in Tiefengliederung dahinter blieben. II. Schlacht Scarpe – Bapaume – St. Quentin Bewundernswert wie die Improvisierung der britischen Wehrmacht war auch die ihrer neugeschaffenen Geschützmasse, doch wir können nicht umhin, die Voraussetzung zahlenmäßigen Übergewichts des Ententematerials anzuzweifeln. Laut Bruchmüller »Artillerie in den Durchbruchschlachten« waren später zwischen Champagne und Marne 2800 Batterien erforderlich, eine riesige Geschützmenge auf einem Fleck, wie denn Deutschland bis zuletzt ungefähr 60 000 Stücke nacheinander aufbrachte. Man vergißt, daß die Entente ungeheure Massen Material verlor, die deutscherseits verwertet wurden, und daß ihre Rohre sich ebenso abnutzten wie die Deutschen. Um unsere Quartiere zu stören, hielten die Briten das vom 242. R. besetzte Cambrai unter furchtbarer Beschießung mit Schiffsgranaten. Dort löste bei stetem Hin- und Herwandern deutscher Truppenkörper 53. R. D. die 27. ab, wie 27. jetzt bei Graincourt 54. R. D. So kam der 21. März heran. Als unser Trommelfeuer im Norden begann, setzte es sich mit solcher Gewalt fort, daß allein im Abschnitt 27. D. mehrere 100 Geschütze brüllten. Sie bildete mit 54. R., 183. D. südlich Cambrai Marrwitz' Rechte, links begleiteten ins nebelverhangene Scheldetal 24. 4., 107. D. auf der Graincourtstraße. Gleich beim Anmarsch fielen Offiziere und Mannschaften, denn der Feind vermehrte den lastenden Dunst so unerträglich mit Nebelgranaten, daß man oft nur nach dem Kompaß Richtung nehmen konnte, trotzdem versahen englische Flieger ihren Dienst und leiteten nur zu genau ihre schwere Artillerie. Erst am 22. überwand man die 1. englische Linie bei Guislain, Nevelon- und Vaurelettefarm, nachdem 107. D. das Flankenfeuer speiende Epechy nahm. An jetzt schönem Frühlingsmorgen verzogen sich die englischen Flieger, als deutsche Fluggeschwader die Oberhand gewannen, der zusammengeschossene Feind wich fluchtartig über Fins und ließ trotz vielfacher Sprengungen viel Munition und Gerät im nördlichen Cambraibogen zurück, Lebensmittel und Wäsche erfrischten die Sieger. Bei Navelon litten 123. Gren. erheblich, erst am 23. abends überschritt III/120. den Scheldekanal neben 440. I. bei Etricourt unter Beihilfe der 13. Art. am Wald von Equancourt. Hier traf die Behauptung des H. B. »geringe Verluste« sicher nicht zu, 120. verlor 26, 604. Anschließend fochten Belows 17., 195., 221., 234., 11. D., letztere bei Bullecourt-Croisilles. Schon am 22. wurde 6. b. D. (6., 10., 13.) neben 221. vorgezogen, 234. drang bei Morchies durch, vor St. Leger-Judas heftiger Kampf. 26. R. D., ins 1. Treffen gezogen, nahm nördlicher Hennin, 1. G. R. D. drang nördlich über das eroberte Quéant vor, 17., 195. unterstützend. Hier hing sich 5. b. D. an, 7. I., 10. Art. siegten, doch 19., 21. I. konnten nicht weiter, obschon die tapferen Franken 20 Tanks eroberten und 1., 8. F. Art. den zähen Feind auszuräuchern suchten. Nördlich bei Monchy siegten 185., 236. Indessen kämpfte Belows Linke neben Marrwitz' Rechte noch sehr erbittert, zuletzt drang man bei Hernies durch, um sich gegen Bapaume zu wenden. Die 6. b. D. litt schwer, Kommandeur von 10. Ingolstadt sank schwer verwundet. Auch 16. b. D. (11., 14. I., 21. R.) verlängerte die Sturmlinie, nachdem 3. G., 20. D. und dahinter 39. Els. D. auf Baumetz vorangingen. Man erstürmte Sappignies und Achiet, 8. b. Art. fuhr brav in die Schützenketten vor und bekämpfte Tanks. Hier schmolz jedes b. Regt. auf 700 Gew., 6. b. D. verlor bis 25. sogar 80, 2900 und 5. b. D., die am 25. noch Behaucourt stürmte, trat ab mit Einbuße von 130, 3800! Das wagt H. B. geringen Verlust zu nennen! Die Gruppen Börne, Lindequist, Kühne hatten es hart, am härtesten im Bapaumeriegel. Die Franken hatten sich Ablösung redlich verdient, Württemberger auch, die Preußen nahmen Ervillers, doch auch ihr Angriff war vor Bucquoy festgefahren. Während Marrwitz' Rechte (Gruppen Staabs, Gruat) zur Ancre hinstrebten, kam die Mitte (Kathen, Gontard) östlich Peronne langsam vorwärts, Goughs linke Flügeldiv. (9.) opferte sich bei Goureaucourt. Die Linke von Marrwitz, 50., 79. R., 18., 25. D. blieb nach flotterem Vorgehen über Biache ans südliche Sommeufer nachher ziemlich stecken, obschon 9. b. R. D. sich der 79. R. D. als Rückhalt anschloß, sie brachte zwar 1500 Gef. ein, andere Div. jede noch mehr, doch über Marcoing–Translay war man am 24. noch nicht hinaus. Im allgemeinen hatte man den Infanteriesturm von Scarpe bis Somme soweit daß 400 Gesch. erbeutet, 26 000 Gef. eingebracht. Der etwas später antretende Kronprinz stellte in fortschreitendem Vorwärts Verbindung mit Rupprecht her. Hutiers äußerste Linke erzwang gleich anfangs den Oiseübergang südlich La Fère. Heergruppe Gayl überrannte vernichtend das 3. K. Goughs. In der Mitte machten 36. Westpr. 1. b. D. (1., 2., 24) bei Essigny zwar viele tausende Gefangene, hatten aber am Crozatkanal längeren Aufenthalt, bis 10., 34. D. siegreich hinüberkamen. 1., 5. G., 7. R., 50. D. drangen jenseits gewaltig vor, das 18. engl. K. gänzlich auseinanderreißend, von da an brach Goughs Widerstand zusammen. Am rechten Flügel nahm immer 28. Bad. D. die Spitze Goughs 19. K. vor sich her jagend, bis man dort Montdidier und Pierrepont erreichte, am linken 103. Noyon, während 36. sich auf Lassigny richtete. Als Flankenschutz an der Oise schob A. Böhn b. 3. (17., 18., 23.) 6. R. D. (16., 17., 20. R., später 25. I.) vor. Hier wenigstens waren überall die Verluste gering und rechtfertigten die sonst so übertriebene Verallgemeinerung, da die Verluste bei Below und Marrwitz bedeutend waren. Schon am 24. war die Schlacht bei St. Quentin glänzend gewonnen, Peronne und Ham nach verzweifelter Gegenwehr erstürmt, am 25. hatte man 45 000 Gef., 963 Gesch. in Händen. General Pellé mit 5. C. und 1. Kav. D., in Autos nach Chauny befördert, suchte umsonst Gayls unaufhaltsamem Vorwärts Einhalt zu tun. Hutiers Angriff ging weiter, ein unsichtbares Riesengeschütz beschoß von Crepy–Chauny aus auf unglaubliche Ferne von 120  km Paris, wo schreckliche Panik entstand. Man erreichte und überschritt die Somme auf den Feldern der früheren Sommeschlacht mit besserem Erfolg. 28 englische D. von 38 der 3., 5. A. waren so gut wie weggefegt, alle Gegenstöße scheiterten unter furchtbaren Verlusten, die Lage wurde für Haigh immer ernster, denn später richtete sich vom wiedergewonnenen Bapaume der Stoß erneut auf Arras, wo die Nordwestfront der Engländer beinahe flankiert wie ihre Nordfront über St. Quentin, wo durch Weiterrollen des deutschen Stoßes die französische Linie bereits durchbrochen und mit Aufrollung bedroht schien. So ging der Angriff zwischen Albert und Nohon fort, bald wurden Lihons und Roye wieder deutsche Stützpunkte, Amiens lag als Ziel vor den nach der Meeresküste gerichteten Augen. Below hatte im Norden 11, Warrwitz 9 D. von Byng und Gough geworfen, Hutier im Süden 10 engl., 4 fr., und ein Kavalleriekorps vernichtend geschlagen, 10 andere engl. R. D. und nacheinander eintreffende fr. R. änderten wenig. Umsonst setzte Foch am 26., 27. bei Roye zu Gegenstößen an, Haighs Res. warfen sich vor Arras entgegen, an den alten Kampforten Hebuterne–Bucquoy gab es ein furchtbares Schlachten, während Marrwitz am 27. den Bahnknotenpunkt Albert erwischte. Hier ziemt sich allgemeine Vorbetrachtung. III. Schlacht bei Amiens–Montdidier–Oise Die Stahlhelme der 3. A. Humbert, die Petain zuerst herbeirief, verschwanden schon ins Divettetal, 1. A. Debeny ließ den Chasseurs und Reiterschützen ihrer Vorhut bald geschlossene Massen folgen, die aber im Avretal vor 88., 206. D. und an der Matz vor 5. pos. K. sich auflösten, dem auch 10. pos. R. D. sich anhing. Marrwitz hatte Schwaben und Marine über Pozières zur Ancre vorgebracht, Ostpreußen, Westfalen, Darmstädter nach Clery und Maurepas zur Somme. Er hielt am meisten Reserven zurück, obschon gerade er sofortigen Einsatz aller Kräfte bedurfte, um möglichst rasch Amiens zu besetzen. Hutier hatte gleich 8 D. im zweiten Treffen, weil er eine seiner Stellungsdivisionen (7. R.) mit vorschob, nur die anderen 4 zurückhaltend. Als sich die Tragweite seines Einbruchs übersehen ließ, erging an 7. A. Boehn bei Laon Befehl, 211., 235. D. an Hutiers Rechte abzutreten, außerdem 243. an Marrwitz' Linke; man begriff also, daß hier die Entscheidung läge, noch nicht aber, daß Below zu viel Kräfte für eine verfehlte Angriffsrichtung besaß, während Hutier statt bloßer Deckungs- jetzt die Hauptrolle spielte. Am 25. sandte Boehn auch noch 6. Brandenb. R. D., außerdem kamen die aus Rußland verladenen 52., 242. D., 51. R. D. als Reserve hierher, 6. B. R., 3. B. I. D. wurden schon früher abgeladen, so daß Hutier zuletzt über 32 D. verfügte. Am 23. paßte sich Ludendorff der vom Kronprinzen geschaffenen Lage an und befahl 9 Uhr vorm., daß Below über Bapaume auf Arras, Marrwitz auf Lihons, Hutier aber ganz südlich auf Chaulnes–Noyon abschwenken sollte, seine Rechte nach Ham–Peronne umbiegend, damit Marrwitz' Linke für Kämpfe südlich der Somme frei werde. Man schätzt die Franzosen südlich der Somme auf 40 D., die Engländer nördlich auf 50 D., wobei Teile der bisher unbeteiligten A. Monroe und Rawlinson mitgerechnet, die vermutlich gegen Belows Rechte schon ins Gefecht traten. Dessen Linke sollte auf Abbeville (Richtung Calais) vordringen, »um die Briten ans Meer zu werfen«. Ein recht hoch gestecktes Ziel, dem Belows bisherige Fortschritte wenig entsprechen. Dagegen hatte Vordringen Hutiers nach Süd und Südwest die beste Aussicht. Mit Brandenburgern und Badensern rechts, die Westfalen der 50. D. als Sturmbock, zersprengte er Gough völlig über Crozatkanal und Somme, dessen Rückzug in Flucht überging, Marrwitz' Linke unterstützte dabei, dessen Rechte aber gegen Amiens nicht vorwärts kam. Die Leistung der Truppen in dieser zweiten Schlacht von St. Quentin rühmt Ludendorff als solche, die nie zu keiner Zeit von keiner Armee erreicht worden sei, eine Übertreibung, die ihm so viele andere deutsche Heldenscharen mit gleich großen Taten verzeihen mögen. Wo er aber sonst Entscheidung suchte, entfloh sie ihm. Zwar trug Below am 23. den Angriff über die Monchyhöhen vor, ohne aber sonst in schwerem mörderischen Gefecht die bei Bapaume tapfer standhaltenden Briten brechen zu können. Am 24. unterstützte seine Linke die 2. A. beim Überschreiten der Ancre, deren bisher vorgeprallte Linke bei Clery Schwierigkeiten hatte. Ihre übrigen Teile drangen aber jetzt über Combles weit vor und bedrohten Byngs Flanke. Ihre Rechte (Württemberger, 3. Marine Div. usw.) kam am 25. bis Roziàres, am 26. bis Albert, Mitte (Holsteiner, Posener, Westfalen usw.) über Bray, während die Linke (Darmstädter, Hannoveraner, Ostpreußen usw.) noch nicht Maricourt nahm. Am 24. nachts erstürmte Belows Mitte Bapaume unter Mitwirkung der Stuttgarter Div., da die 3 Div. der Heeresreserve ihm zur Verfügung gestellt. Am 25. siegten seine Linke und Marrwitz' Rechte bei Pozières, dem alten Brennpunkt der Sommeschlacht. Die übrige 2. A. kam aber nicht weiter vor. Dem Befehl Pr. Rupprechts, »ein Stocken der 2. A. an der Ancre muß unter allen Umständen vermieden werden«, konnte Marrwitz nur in beschränktem Maße nachkommen. Belows Truppen fochten mit erprobter Tapferkeit, hatten aber den stärksten Stellungswiderstand zu überwinden und konnten erst am 27. an ihre Hauptaufgabe denken, beidseitig Arras einzubrechen und im Becken von Lens der 6. A. Quast die Hand zu reichen. Quast sollte jetzt zwischen Armentières und Basée vordringen. Lud. verfügte, 6., 17. A. hätten ihr letztes Stoßziel bei Boulogne, eine überkühne Annahme nach bisheriger Leistung, 2. A. bei Amiens. Auch diese war noch zu weit entfernt mit starker Abteilung zur Linken, um genaue Verbindung mit Hutier herzustellen. Diesen hemmte zwar, nachdem das am 23. nachm. erscheinende 5. franz. K. die fliehende 5. englische A. nicht deckte und vom deutschen Sturmwind mit fortgerissen wurde, am 24. das Eingreifen französischer Reserven, doch am 25. siegte er glänzend bei Nesle–Liancourt. Der Kronprinz, auch im Ailettetal den Gegner beschäftigend und neckend, ließ Teile der 7. A. mit Hutiers linkem Flügel vorrücken, General von Conta hielt so den Feind ab, sich irgendwie der Hauptmacht Hutiers aus Südost unangenehm zu machen. Der Kronprinz gab nämlich selbständig den Anstoß, die vorerst südwärts liegende Rechte südwestlich umzubiegen, um der 2. A. ihre Aufgabe zu erleichtern. Infolgedessen öffnete am 26. ein neuer großer Sieg Hutiers bei Roye–Noyon–Avretal die Straße nach Amiens. Gleichzeitig wendete sich seine Linke nach Compiegne. Noch war zwar die alliierte Front La Fère–Amiens nicht völlig gesprengt, doch eine Lücke von 15  km gerissen. General Mangin vermißt hier ein deutsches Kavalleriekorps, dessen Anreiten bestimmt Verwirrung verbreitet hätte. Die Deutschen waren freilich nicht gewohnt, ihre Kavallerie im Schlachtfeuer zu braten, wie die Alliierten bei jeder unpassenden Gelegenheit, doch hier hätte sie ein Feld für passende Tätigkeit gefunden, taktische Opfer hätten sich strategisch voll gelohnt. Wir halten daher Mangins Tadel für berechtigt, Lud. hätte dies vorsehen sollen. Dieser gab noch immer nicht den unglücklichen Gedanken auf, mit Below frontal in Haighs Mitte einzubrechen. Bei ihm sollte die Vorbereitung bis 28. dauern, erst am 29. Quasts 6. A. gegen Lorettohöhe antreten. Schon am 27. fanden aber 17., 2. A. viel Aufenthalt und errangen noch nicht die Straße Arras–Albert, obschon Lud. nicht verkannte, daß auch Below mehr südwestlich abschwenken müsse zur Unterstützung von Marrwitz, bei dem nur die Linke bei Sailly günstiger stand, weil Hutiers Rechte sie mit vorwärtstrug. Am 28. scheiterte Below an der Scarpe unter wieder erheblichen Verlust und Lud. ordnete endlich Einstellung des Kampfes nach Norden an, Quasts Angriff sollte vorerst unterbleiben. Er hätte auch nur Sinn gehabt im Verein mit Vorgehen Armins. Die ganze Anlage war hier verfehlt. Inzwischen beherrschte Hutiers Mitte schon bei Montdidier das Avretal, seine Linke lehnte sich an die Oise, verbunden mit 7. A. bei La Fère, seine Rechte und Marrwitz' Linke arbeiteten sich schon bis 5  km östlich Villers–Bretonnaux vor. Auf der übrigen Front schien auch Marrwitz festgefahren, Ludendorffs ursprünglicher Plan westwärts gescheitert, nur der Kronprinz gab dem mißglückten Unternehmen eine sehr glückliche Wendung südwärts. Sie sollte nun weiter ausgenutzt werden. Da A. Gough unter auflösenden Verlusten weggefegt, verausgabte Foch den größten Teil seiner R. A., sie häufte sich in überstürzter Hast bei Amiens. Zahlreiche heftige Angriffe gegen Hutier brachen stets zusammen. »Planmäßigem Einsatz« französischer Reserven vorzubeugen, war jetzt Directive für 30., Hutiers Mitte sollte stillgelegt, Linke mit rechtem Flügel 7. A. vorbewegt, Rechte neben Linke 2. A. ins Noyetal auf Amiens vorgeschoben werden, nördlich der Somme das Gros Marrwitz und Linke Belows gleichfalls über Albert auf Amiens drücken. Hinter der Front brachte man frisch 14. D., 80. R. D. heran bis Nesle, später auch 6. Bayer. R. D. links davon, 76. R. und Jägerdiv. wurden erwartet, 109. D. im Anrollen. Below gab 5, Quast 1 D. zur 2. A. ab, so daß für neuen Hauptkampf 60 D. Hutier–Warrwitz versammelt. Diese Maßregeln waren ohne Zweifel zweckmäßig, verrieten aber nur verspätete Korrektur des falschen Aufbaus im Norden und kamen jetzt zu spät, um gleich mit niederschmetternder Gewalt den Durchbruch am einzig wichtigen Stoßziel Amiens–Montdidier zu erzwingen. Denn Foch baute eine hinreichende Wand entgegen, die zwar bröckelte, doch nicht einstürzte. Amerikanische Truppen griffen schon jetzt bei Lassigny brav ein, obschon natürlich in so überraschender Kampfart noch nicht eingelebt. Die Schlacht am 30. brachte am Südflügel keinen Gewinn außer den Westhöhen der Avre, die Hutiers Mitte trotz heftiger Kanonade und Einsatz frischer Streitkräfte Fochs erkämpfte. Marrwitz' Linke nahm Moreuil, sonst erwehrte er sich ergebnisloser Gegenangriffe und verlegte nun gleichfalls seinen Schwerpunkt südlich der Somme. Zu seiner Heeresabteilung südöstlich Amiens stießen neu 9. Bayr., 24. R. D., neben 25., 54., 228. D., während er selbst die frisch zu ihm gestoßene 2. G., 2. Bayer., 204. D. 53. R. D. an Hutiers Rechte abgab. So gestärkt, nahm letztere am 31. mit der frischen 14. D. das Höhengelände um Moreuil, doch erst am 3. April mit 2. bayer. D. die Hügel südwestlich davon, da man Generalangriff bis 4. verschob aus nicht erkennbaren Gründen. 6 D. der 2. und 7 D. der 18. A. wagten jetzt Stoß auf Amiens; er mißglückte und Ludendorff gab ihn auf. Bis 24. schleppte der Stellungskrieg sich hin unter steten französischen Angriffen westlich der Avre, bei Hangard und an der Ancre, die zwar nirgends Erfolg hatten, doch unsere Reserve aufzehrten. Ein letzter Vorstoß von Marrwitz endete fruchtlos. So fühlte man Enttäuschung, so sehr man es der Welt verhehlte. Anders aber sah man drüben die Lage an. Haigh wollte schon zu den Kanalhäfen retirieren, das französische Hauptquartier floh von Compiegne nach Provins, überlegte Rückzug zu beiden Seiten von Paris. Held Poincaré wollte Paris aufgeben, Clemenceau rasselte, er werde den Krieg noch an den Pyrenäen fortsetzen. Erst heute kennen wir diese Panik der Niederlage in vollem Umfang. Indessen blieb unser Vorteil doch sehr ungleichmäßig. Nördlich der Scarpe, wo G. Komm. 1. b. R. K. 7 Divisionen um sich vereinte, fielen die Angriffe der 41., 187. schwächlich und sogar schädlich aus; b. 5. R. D. setzte nur ihr 7. R. ein, mußte aber aus dem Feuer gezogen werden, 23. R. D. verhielt sich zuwartend, wie jetzt notgedrungen Below überhaupt, nur südlich der Scarpe focht neben 185. die altberühmte 12. D. energisch. Vorwärtskommen der Linken Belows (26., 119. und dorthin verschobene 5. b. R. D.) bei Hebuterne unter »schweren Regengüssen« hatte nur betrübende Folgen. Zu spät erkannte Ludendorff, daß er Below mit einer falschen unlöslichen Aufgabe betraute. 25  km von Cambrai her zu gewinnen, war kein wesentlicher Erfolg. Die Rechte der 2. A lag im Kampf um die Ancre, 54. R., 3. Mar. D. am Westufer erfolglos, die am Aveluygwald ablösende 27. D. erhob sich neben schles. 227. R. zum Anlauf bei Martinsart und trat später mit Ehren vom Schauplatz ab, doch konnte nur den Brückenkopf behaupten. Nichterfolg nördlich Albert, bei 183. D. südlich desgleichen, sprach sich darin aus, daß frühere Trophäen (120. allein 156 Gesch., 50 M. G.) sich nicht wiederholten, doch blieb der Verlust auffallend gering (bei 120. nur 7, 143) 1., 13., 25., 199. D., 50. R. D. nahten sich Amiens. Auf Marrwitz' linkem Flügel (Gruppe Hofacker) brachte 2. b. D. (12., 15., 20.) frischen Zufluß, doch alles kam nur darauf an, daß des Kronprinzen Einsicht Ludendorffs verfehlte Anlage günstig änderte. Während Hutiers Rechte (Lüttwitz, Öttinger) nördlich Pierrepont vordrang, hielt die Mitte (Webern, Winkler) einen harten Stoß bei Lassigny auf; am 30. entlasteten hier 5. G., 7. R. D. die bedrängten Münchner, abends warf ein Gegenstoß die Thüringer von den Plessishöhen und Lassigny zurück, doch gelang es 103. Div. das Loch zu stopfen unter Beihilfe der bisher abgeleiteten 3. b. D., deren 17. sich nach Lassigny hineinwarf. Foch brach hier jeden Angriff ab und beschränkte sich auf lebhafte Kanonade. Weiter westlich erwehrte sich unser »7. K.« sechs fr. D., die am 30. nichts ausrichteten unter schwersten Verlusten bei stark auflebendem Geschützfeuer. Nachdem am 28. die Schlacht zum Stehen kam, dämmerte ein blutiger Karfreitag herauf. Die Menschheit selbst war hier der Gekreuzigte und Parzivals Karfreitagszauber sucht umsonst den heiligen Gral. Auf Hutiers linkem Flügel (Conta) ging der Stoß glatt durch, auch »Gruppe D.« (G. Komm. 4. R. K.) nahm bald genug Noyon mit viel Proviant und Material, dagegen noch nicht den Renaudberg, obwohl später 105. D., 259. Art. und nochmals 223. D., 280. Art. ablösten. Daß die Franzosen diesen Posten im Oisetal hielten, fügte sich ungünstig für Weitertragen des Angriffs über Compiegne. Anfangs hatte General v. Conta von Ervillers her schon am 24. Chauny mit 33., 231. D. erreicht, den Feind vom Mont Simon und einem Sperrfort vertrieben. Die westlichere »Gruppe Gneisenau« 84., 204., 11. D. bearbeitete mit Blau- und Grünkreuzmunition die Feindesstellung südwestlich Noyon, doch deren Brisanzgranaten trafen oft mörderisch die deutschen Reihen, nur mit größter Anstrengung erreichten Schlesier und 120. R. Ribecourt. Die mittlere Angriffsgruppe 1. b., 37., 36., 34. D. wurde hier von detachierter württembergischer 49. Art. begleitet. Sowohl 36. als 7. R. D. litten bedeutend, die am 8. April abgelösten Münchner verloren 110, 3300. Da sie nur 26 Gesch., 2000 Gef. erbeuteten, scheint die allgemeine Trophäenziffer 1300 Gesch., 90 000 Gef., woran Hutier weitaus den Löwenanteil trug, hochgemessen; indessen machten seine preußischen D. viel größere Beute (besonders die Magdeburger, deren 66. R. allein sich 50 Gesch. holte). Jedenfalls weiß man aus Wright, daß die Briten ungemein viel Tote und Verwundete verloren, schon am Crozatkanal lagen ihre Leichen dicht herum, die Kanoniere in den Schanzen (Gough befahl ihnen, sich töten zu lassen) verließen ihre Geschütze unter unerträglichem Granatenhagel. Hier wurden 14., 18. engl. D. völlig aufgerieben, auch die aus der Champagne hergeholte 163. fr., nur Australier leisteten fruchtlosen Widerstand, sonst befanden sich alle englischen Massen auf der Flucht. Immer mehr Truppen mußte Foch auch nach Amiens ableiten und so die übrige Front entblößen. Rechnete Ludendorff darauf, um die eigene Kraft für Schlag an anderer Stelle aufzusparen? Der Feind zitterte nur für Amiens und sogar für Paris. Sogar die Luftherrschaft fiel uns zu, im Oisetal sammelten sich gegen feindliche Bombengeschwader stattliche deutsche Kampfgeschwader, darunter neue Riesenfahrzeuge, deren Surren und Brummen wie von einer Hummelherde jede Nacht am Himmel ertönte und deren unheilbringende Fahrt sich bis nach Paris wagte. So stand es im April recht günstig auf der Südfront, doch nach so langer Offensive verschnaufte man defensiv, nachdem 60  km Boden gewonnen, nur Hutiers Rechte schöpfte noch nicht Atem, hier drang eine Gruppe von 6 D. auf Castel-Morisel vor, wobei 2. b. D. die 88. bei Moreuil ablöste, wo Marrwitz sich mit Hutier verknüpfte, nachdem er über Peronne 45  km zurücklegte, Hutier aber jetzt schon 80. Die »Naht« zwischen den Verbündeten am Lucebach und im Avretal wurde von Hutiers Rechten immer mehr aufgetrennt. 1. G. D. und besonders 1. G. Rgt. hatten hier im Schloßpark von Grivesnes einen Ehrentag. General v. Lüttwitz, Kommandierender der Gruppe, früher zeitweilig Stabschef des Kronprinzen, hatte Montdidier mit 28. D. erstürmt; Karlsruher Leibgrenadiere erwarben sich hier ebensoviel Lorbeeren wie Schweriner Leibgrenadiere und Ludendorffs Leibregiment 39er Füsiliere, badische Artillerie tat Großes. Neben den Schwerinern westlich der Avre erstritten die Neuulmer, Neuburger, Allgäuer den Senecatwald, wobei 20. Lindau abgeschnitten und durch Marrwitz' 2. G. D. befreit wurde, mußten aber am 8. nach Verlust von 118, 3000 ausscheiden. Man hatte also wahrlich keinen Grund mehr, sich mit »geringem Verlust« zu trösten. Links davon bei Rouvrel vermochten die oft erprobten Westf. und Sachsen von 14. D., 53. R. D. nichts, rechts von Hutier wendete sich gleichfalls das Glück von Marrwitz' Flügelgruppe 54., 128. und G. Ers. D. mit 9. b. R. D. an der Römerstraße bei Marselcave. Trotz anfänglichem Erfolg endete am 8. auch hier das Gefecht negativ, man gelangte am 5. bis 13  km an Amiens heran auf Manteuffels altes Schlachtfeld Villers Bretonneux, doch keinen Schritt weiter. Zuerst General Cavey bei Corbie, dann Rawlinsons Kolonietruppen machten der Gruppe Gontard, bei Hamel siegreich, Weiterkommen unmöglich. Die notwendige Ruhepause, wo auch Hutier sich defensiv verhielt, zauberte der am 24. zum Generalissimus ernannte Foch als deutschen Zusammenbruch vor und »eroberte« Dörfer, wo deutsche Patrouillen sichtbar wurden. Seine R. A. hatte er schon so angebrochen, daß am 1. April 14 fr. D. feldflüchtige englische ersetzten. 52, später 58 alliierte D. standen im Feuer, verstärkt durch 3 amerikanische. Trotz mangelhaften Gelingens im Norden weisen wir sowohl die französische als die heutige deutsche Nörgelei zurück, daß die Offensive »gescheitert« sei, man darf nicht so maßlos happige Ansprüche erheben. Die englischen Verluste übertrafen alles bisher Dagewesene; obschon möglichst vertuscht, sickerte in London und Paris die Wahrheit durch. Technische Überlegenheit der von Ludendorff angehäuften Kriegsmittel, vereint mit plötzlicher Überraschung des Hutierschen Vorstoßes, zumal man unsere Ansammlung durch Nachtmärsche den feindlichen Fliegern verhüllte, führte zu katastrophaler Niederlage. Zurückflutende britische Massen gerieten ins Feuer ihrer eigenen Artillerie, die zu kurz schoß, durch Gaswolken geblendet, wobei sie selbst durch genau gezielte deutsche Gasbomben größtenteils ihre ganze Bedienung verlor, auch enorme Einbußen an jeder Art von Material und Munition schwächte die Engländer. Haigh verringerte die Front in Flandern, um seine Stellung südlich der Lys zu stärken, tatsächlich war seine Linie mehrfach durch- und zerrissen. Bei Montdidier, wo die Franzosen anfangs in wilde Flucht gerieten, wurde die Hauptverbindung der Verbündeten unterbrochen, die Bahn Paris–Amiens gesperrt, die viergleisig hergestellte Bahn der Amerikaner konnten sie in jener Richtung nicht mehr brauchen, ihre zunächst in den Kampf geworfenen Hilfstruppen enttäuschten durch Untüchtigkeit, was sich später besserte. Unser staffelförmiger Druck von Ancre bis Avre blieb unvermindert. Hutier, der Besieger von Riga, blieb vorerst der Held des Tages. Sein Stabschef Sauberzweig zog neue Reserven in die Bresche Noyon–Montdidier, was jedoch Zeit erforderte. Jetzt trat auch links von Hutier, dessen Keil die 6. A. de Maistre (interimistisch Duchesne) in der Luftlinie schon fast im Rücken faßte, auch A. Boehn gegen die starke Aisnefront in den Kampf ein, um Maistre zu binden. Ihr Vorstoß 6–9. April mit 30., 227. D., 14. R. D. an der Ailette gelang, fesselte dort aber keine Reserven Fochs. Ein Überblick der Gesamtoperation scheint hier noch nötig. Beim ersten Vorbrechen gliederten sich die drei Angriffsheere von links nach rechts: 47. R. D. (die Bielefelder, Paderborner, Bückeburger Helden von Limanowa) separiert nördlich La Fère, die Lücke zwischen Hutier und Boehn füllend. Daneben vorn 103., 37., 34. D., dahinter 33. D., 22. R. D. Mitte: 1. bayr. 36., 238., dahinter 5. Korps, 35. R. D. in fester Grabenstellung 10., 7. R. D., weiter nördlich 45. R., 50. D., dahinter 5. G., 231., zuhinterst 1. G. D. Rechte: 28., 88., 113., dahinter 5., 206., 6., zuletzt 23. Somit 6 D. links, 13 Mitte, 7 rechts, wozu aber beim Vorgehen über die Somme 5 der Mitte übertraten. Wir sehen bei diesen 26 D. die verschiedensten Stämme bunt durcheinander, nur 3., 5., 16. K. beisammen, 4. R. K. an zwei Stellen auseinander, sonst je eine Div. 12., 14., 17., 20. K. und 1. bayr. K., dazu 6 D. späterer Formierung und sechs ältere bewährte R. D. nebst 2 G. D. Von 6 anderen nachgeschickten scheinen nur zwei ernstlich gekämpft zu haben, so daß 28 D. Hutiers die mindestens gleiche Zahl französisch-englischer völlig in die Flucht schlugen. Was den Angriff im Avretal festbannte, obschon alle Höhen in deutschen Händen, ist unklar. Man spricht von außerordentlich heftigem Geschützfeuer Fochs, doch dürfte das Auftreten der Amerikaner hier nicht ohne Wirkung geblieben sein. Pommern neben Westfalen, Bayern neben Westpreußen und Posenern, sie alle taten mehr als ihre Pflicht, doch Foch scheint die ganze 1., 3. A. und zwei Drittel seiner Reserven hier verausgabt zu haben. Als die 2. A. von Le Cateau vorrückte, hatte sie zur Linken 208., 25. und 4. G. D., dahinter 19., 1., 29., zuletzt 228. und G. Ers. D., diese 9. D., wovon 6 Kerntruppen ersten Ranges, später noch verstärkt durch 2. G. D. und drei D. der Mitte, fanden entschlossene Gegenwehr an Goughs linkem Flügel, dies verlangsamte das Vorrücken, bis Foch das sehr verteidigungsfähige Hallutal abriegelte. Obschon die Kathedrale von Amiens so sichtbar bei Hangard vor den Deutschen lag wie einst im Hochsommer des ersten Kriegsjahres, konnte man die Trikolore dort nicht von der Turmspitze niederholen. Was immer die Gründe gewesen sein mögen, so darf man nicht verhehlen, daß dort deutscherseits mehr und besseres geschehen konnte. Die Darmstädter hatten an der Maas vor Mouzon und am Pfefferrücken, die Hannoveraner am Sezanne-Plateau und in Galizien, die Ostpreußen am Bug viel stärkere Stellungen rasch überwältigt. Mitte: 18. D., 50., 79. R. D., dahinter 9. R., 13. D., 46. R. D., 199. D. Auch diese Truppen, deren Holsteiner, Friesen, Westfalen Aktive, gerade so wie die tapferen Schlesier und Küstenmänner der Reservedivisionen, auf so manche schwere Kriegsarbeit zurückblickten, fügten hier ihrem Ruhm nichts hinzu. Auch nicht die ruhmreichen Schwaben des rechten Flügels, wo das Generalkommando des 13. K. und dessen Artillerie standen: 183., 27., 107. D., dahinter 54. R., 3. Marine. Diese (107. Kerntruppe aus Rußland) gewöhnten sich an die härtesten Kämpfe und doch vermochten sie hier so wenig? Der so energische Marrwitz kann nicht mit Stolz auf diese neue 2. A, (sie glich der früheren Gliederung in nichts) zurückblicken. Auf ihr scheint mehrfach lasche Verdrossenheit gelastet zu haben, denn bei ihr riß später moralischer Zusammenbruch ein, vielleicht zeigten sich schon jetzt Symptome auch bei der Führung mit dem Gefühl: Es nützt doch alles nichts! Dagegen ist begreiflich, daß der übel bedachte Frontalangriff Belows gegen die starte Stellung Arras–Lens nichts ausrichtete, die man teils verloren, teils übereilt geräumt hatte. Offenbar ist Byng wenigstens am linken Flügel durch 4. A. Rawlinson stark unterstützt worden, doch es bleibt erstaunlich, daß er nach so schwerer Dezember-Januar-Niederlage so fest seinen Posten hielt. Below mußte ja später Teile zu Marrwitz abgeben, was diesen inkl. 26. D. auf 25 D. brachte und dennoch dessen Angriff weder südöstlich noch nordöstlich an der Ancre vorwärtstrieb, doch blieb Below selbst dann noch überstark für etwas von vornherein Aussichtsloses. Links im Zwischenraum bei Cambrai 39. R. K., 24. R. D. (herausgelöst), 119. D., dahinter 4. D. und G. Kommando 11. K., 3. G., 20. D., dahinter 39., Artillerie 14. R. K. Diese 7 D. drangen mit Mühe von Hernies bis Pozières-Mireaucourt vor und blieben dann stecken, mit Linksziehung unter Marrwitz' Kommando tretend. Nördlicher Mitte: 195., 17., dahinter 5. bayr. 1. G. R., Rückhalt 24. D. und anscheinend Artillerie 6. R. K., nördlicher 111., 221., 234., dahinter 2. G. R., 6. bayr., Rückhalt 239. Die Südstaffel von 5 Div. führte den überaus harten Kampf um Bapaume, wobei Hanseaten, Bayern, Sachsen, Schlesier ihre gewohnte Tatkraft zeigten. Sie kamen bis Bucquoy, doch nicht weiter. Die Nordstaffel von 6 D. erwarb Croisilles-Bucquoy, dann war es aus. Die Rechte bestürmte über Monchy mit 9. R. K., 3. bayr. K., 26. R. D. das südliche, mit 1. bayr. R. K. das nördliche Scarpeufer, blieb aber dort in Blut und Schlamm stecken. Hier sind anscheinend nicht 187., dagegen die bei Douai in Reserve stehende 12. D. mehr nach der Mitte eingesetzt worden, während nördlich davon Quasts Linke mit 23. R., 41. D. auf Lens gerichtet. Diese 27 D. Belows wurden also zu ganz gleichgültigen Anstrengungen und Opfern verurteilt, obendrein war der Angriff verfrüht im Süden, wo man Marrwitz' Vordringen südlich Bapaume, und im Norden, wo man Eingreifen der 6. A. hätte abwarten sollen. Im ganzen wurden 87 D. zwischen La Fère und Scarpetal aufgestapelt, manche aber (10 Belows) nicht wirklich verwendet. Die vollkommen falsche Disposition machte Marrwitz, dem doch das Hauptziel zugedacht war, zur numerisch schwächsten Gruppe. Strategisch gewann man zuletzt nichts als einen weiten Geländebogen nach Süd-Südwest mit ziemlich schmalem Vorsprung, dessen Behauptung fortan zu viel Kräfte band. Taktisch war der Gewinn groß, 40 englische Div. waren zum Teil vernichtend aufs Haupt geschlagen, die franz. 10. und R. A. erschüttert. »Am 26. hörte A. Gough zu bestehen auf, von 57 engl. D. war fast ein Drittel total vernichtet«, dies Bekenntnis Wrights geht über die kühnsten deutschen Behauptungen hinaus, zeigt zugleich, daß Haigh den 38 D. der 3., 5. A. noch 19 andere zuführte. Diese Tatsache behalten wir im Gedächtnis. Daß das strategische Ziel Amiens nicht erreicht wurde, verschuldete Lud. selbst durch seine verkehrte Kraftzersplitterung mit doppelter auseinandergehender Stoßrichtung, seine fixe Idee, die stärkste englische Stellung nach Norden frontal brechen zu wollen. So sog Below alle möglichen Reserven auf, die ihm nichts nützten und zu Marrwitz hingehörten: 41., 187., 204., 12. sowie 23. R. D. Wären diese sogleich an Marrwitz' rechtem Flügel massiert worden, so hätte man die dort verwendeten 2. bayr., 26., 54., 200. D. sogleich südlich der Somme versetzen können, wodurch man den entscheidenden Angriff über Moreuil auf der Stelle frischere Wucht verliehen hätte. Denn zuguterletzt entscheidet (außer bei minderwertigen Truppen) immer der Krafteinsatz und mit 13 D. südöstlich Amiens und 9 Hutiers bei Moreuil hätte man doch wohl sehen mögen, wie Foch solchen Schlag pariert hätte! Viel zu spät ordnete Lud. allgemeine Linksschwenkung an, wo er wiederum zugunsten der 17. die 4. A. ungebührlich schwächte. Jetzt endlich, nachdem jede Gunst der Lage verscherzt, griff er auf die früher Verworfene Flandernoperation zurück. 4., 6. A. machten am 9. April einen Sprung nach vorn aus ihrer Ausgangsstellung, der treffliche Armin war aber zu schwach an Kräften, um Ypern zu erreichen, der Feind behielt Zeit, genug Reserven zu sammeln, um ihm sein Endziel Poperinghe zu verbieten. Der ebenso energische Quast erreichte niemals Hazebrok, wovon man früher schwärmte, noch die Chaussee nach St. Omer, sondern nur über Estaires das Gebiet westlich Marville nördlich des Basséekanals. Obschon Quasts' Mitte beträchtlichen Erfolg hatte, hing doch gerade seine strategisch wichtigere Rechte ab und konnte der 4. A. erst bei Bailleul die Hand reichen, als es zu spät war, denn nun fand man nicht mehr alle französischen Reserven nach Süden abgelenkt, Foch erholte sich bei Amiens und südlich der Avre und Oise so weit, daß er getrost Reserven nach Ypern senden durfte und Haigh, da ja Below von ihm abließ, sich bei Bethune sammeln konnte. Lud. holte nun zwar 9 Div. (3. G., 4., 12., 25., 39., 119., 239. D., 1. G. R., 6. bayr. R. D.) von Süden heran sowie von anderen Fronten 232., 235., 240. D., 4. bayr., 13., 19. R. D., doch so im ganzen 40 D. der 4., 6. A. konnten die Sache nicht deichseln. Die Bailleulhöhen südlich und die Nordflanke Houtholstwald und Dixmuiden hätten zur Einkreisung Yperns und in der Folge St. Omers genügt, wenn man größere Mittel von Anfang an daran gewendet hätte. Zwar, als der Kemmel fiel, hielt man den angezweifelten Sieg für gerettet, doch bei Ypern geschah ja immer das Unglaubliche. Die Truppen fochten auch hier mit hingebender Tapferkeit, doch der Angriff mußte aufgegeben werden. IV. Flandernschlacht Die Linke der 2. engl. A. Horne und Rechte der 1. A. Plumer sahen sich gleichzeitig so bedroht, daß Foch auf Haighs Hilferuf später Hauptteile der A. Debeney schickte. Indessen mäßigte Quasts ungestümen Eifer das unwegsame Gelände, während Mitrys Geschwader 120  km in 3 Tagen 2 Nächten durchritten, um rechtzeitig von der Oise an der Lys anzukommen. Am 9. April trat die 6. A. an, mit einem Korps Kraevel am Basséekanal, als linker Flankenschutz 2 K. Bernhardi gegen N. Chapelle, 2 K. Carlowitz und Stetten aus Linie Fromelles–Frelingham gegen Armentieres. Rechts gingen 10. Ers., 32., 42. D. vor, gefolgt von 11. R. D., links davon 35. D., 8. b., 18. R. D. Letztere blieb bei Richebourg stecken, dagegen erreichten 42., 32. bei Estaires und Sailly die Lys, 10. Ers. bei St. Maux. Unter heftigem Kampf überschritten sie, dann 11. R. D. bei Pont Mortier, den Fluß, 10. Ers. stieß schon über Steenwerk vor. General Höfer belebte hier das forsche Nachdrängen. Überall fiel es schwer, Art. und Munition durch das seit Jahren verschlammte Trichterfeld vorzuschaffen, 1. b. R. Art. unterstützte erst spät ihr Fußvolk, das bei Alt-Chapelle durch Maschinengewehre litt, doch zuletzt die Portugiesen und englische Verstärkungen mit Verl. von 6 Gesch. überwältigte. Links davon nahm b. 22. R. das Trümmerdorf N. Chapelle, 23. R. Pont Riqueuil mit 5 Gesch. Diese Vielerfahrenen schlugen sich bis 13. am Nieppewald herum, am 14. erwarb 19. R. das Grünholz. Bernhardis schneidiger Angriff hatte also schönen Erfolg, die Portugiesen flohen aus versumpfter Weidenebene, von Grausen vor deutschem Bajonett ergriffen. Die nunmehr vorgezogene 16. rhein. D. sowie die bei Berquin eingefügte 8. Thür. D. trugen den stockenden Angriff nordwärts bis Merville, wo Bombenabwurf englischer Flieger die Deutschen heimsuchte. Carlowitz und Stetten umklafterten Armentieres, das auch Armins Linke umzingelte, schon seit 10. in Bewegung und Kampf bei Wytschaete. Bei Riez und Paradis ging es nicht paradiesisch zu, Schotten verteidigten sich hier bis zum letzten Mann. Im brennenden Armentieres zermalmte Kreuzfeuer von beiden Flußufern die Briten, am 11. abends zeigten sie die weiße Fahne. 2. b. R. und 16. D. kamen östlich weit voraus, während Holsten der 18. R. D. westlich bei Festubert abhingen. Der beabsichtigte Druck auf Bethune wurde aufgegeben, aller Nachdruck nach Nordost verlegt. Zwar eroberten 8. D. und 19. b. R. Merville, doch am Nieppewald konnte auch am 14. von Bernhardi nichts erzwungen werden, obschon 48. R., 240. D. sich nach vorn einschoben, am 16. auch 239. D. von Belows Flanke bei Lens her. Jetzt schied 1. b. R. D. aus nach Verl. von 60, 1800, dagegen blieb 8. b. R. D. bis 23. liegen, bis man sie ablöste, sie verlor etwa 2300. Die von Quast eingesetzten 12 D. sammelten viel Gef. und Gesch. ein (Bayern allein 45), doch Durchbruch gelang nicht, obschon General Stetten jetzt noch 17., 38. D. statt der abgekämpften 32. erhielt und das aus Italien verladene Alpenk. die brave 10. Ers. D. ablöste. 2. und später 1. Jägerregiment und Leibregt. erstürmten den Bahnhof von Bailleul, 11. R. D. machte Fortschritte. Die Schlesier, die nun auch schon lange kämpften, wurden durch Armins Thür. 38. D. abgelöst, die bis Meteron vordrang, das Alpenkorps aus unaufgeklärten Gründen gleich wieder durch die abgekämpfte 10. Ers. D. ersetzt. Inzwischen griff die Linke der 4. A. an, 214. D. nahm Papot und N. Eglise, wurde aber zurückgeworfen, ihre 50er schlossen sich nochmals der 11. b. D. an, welche berühmte Schlachttruppe in äußerst heftigem Ringen den Engländern mehrere Höhen entriß. Heergruppe Sieger stand schon am Fuß des Kemmel. Gruppe Eberhardt stürmte von Plogstreet-Wolvergehm, Quast die Hand bietend. Links von 214. drangen 117. und Quasts hier wieder vorgeholte 32. D. über Bailleul an, 38., 81. D. über Marris. Am 17. ging Armins Linke über Douvegrund gegen den Kemmel vor, den zunächst die Bayern und 71. R. nicht ersteigen konnten. Mitrys erste Staffeln von Debreneys Fußvolk lagen auf Vorstufen und Kuppe zwischen Briten. Unserer Art. ging schon lange Bedarf an schweren Granaten aus, bis zu deren Ersatz 11. b. und rechts davon 36. R. D. am Südosthang hängen blieben, am 22. zog man die Bayern aus der Front (Verl. 80, 2250), dagegen stürmten 4. b. (5., 9. I., 5. R.) 22. R. D. südwestlich, das dorthin abmarschierte Alpenk. seit 24. südöstlich. Jetzt zeigte sich, wie unhaltbar die Ypernstellung durch jeden Angriff aus Südwesten wurde, schon seit 16. räumten die Briten den Ypernbogen. Verfrüht griff sie Armins Nordgruppe aus Dixmuiden an: 1. L. W. D. und die hierher verpflanzte 6. b. D., die im März schon so schwer litt, doch die am 17. mit Schwung auf die Belgier stürzte. 33. ostpr. L. W., 5. Marine sekundierten schneidig auf der Straße nach Bixschoote, doch ohne genügende Art. scheiterte bis 21. das Vorgehen, auch setzten sich die Briten wieder zwischen Veldhoek und Langemark. Doch am 25. fiel der Kemmel nach Trommelfeuer, das die frisch ablösenden französischen Massen nicht ertrugen. Zuerst 22. R. D., die sich seit Mort Homme auf solche Bergklötze verstand, dann 56. D. am Dorf Kemmel, zuletzt Alpenk. erstiegen die Hänge, letzteres bis besonderer Wucht, 2. Jg. Regt. und »Leiber« vorauf. Auch 5. Bamberg und 5. R. Ludwigshafen machten den Sturm am Südwestabfall mit, die Verbündeten glitten abwärts mit Verl. von viel Gef. und Gesch. (die Bayern allein erwischten 4000 und 12), kamen aber am 26. wieder. Da indessen 2 Batterien 2. Münchener Art. den Sturm begleiteten und sich immer mehr Batt. vom Douveufer dorthin aufmachten, erlosch der Gegenstoß unter schweren Opfern, Thüringer warfen den Feind bis Locrehof. Vom 29. bis 3. Mai vermochte man den immer wieder anrennenden Gegner zwar im Zaum zu halten, doch ohne weitere Fortschritte. Seit 27. wichen die Briten vom Steenbruch im Osten bis Zillebeke, doch unbegreiflicherweise hielt sich Ypern, obschon Voumerzele vom K. Märker genommen. Am Kemmel floß viel Blut. Als 4. b. D., bei der auch die Würzburger später kräftig eingriffen, und Alpenk. sich zur Ruhe setzten, vermißten sie über 200 Off. 6000 in ihren Reihen, »Leiber« allein 50, 1300. Manche Bataillone zählten nur noch 200 Gew., doch ist töricht dies zu verallgemeinern, die Alliierten litten viel mehr unter unserm Kreuzfeuer. Die ablösende 121. D. schlug im Mai noch manchen Versuch der Franzosen am Kemmel ab. – Quast hatte ursprünglich nur 100 000 Mann, jede seiner 10 D. betrug also durchschnittlich noch 7–8000 Inf. Das genügte für so großen Anfangserfolg. Wären die ihm und Armin nachgeschickten Reserven, die deren Stärke fast verdoppelten, gleich zur Hand gewesen, so hätte er die 12  km , die ihn noch von Hazebrok trennten, schon bis 15. durchmessen und Armin hätte Kemmel vor Mitrys Ankunft genommen. Der Sieg, an sich erfreulich, bekam dann viel weiteres Ausmaß und strategische Bedeutung, denn Ypern und Bethune wären nicht zu halten gewesen. Verspätet wie Verschieben der Reserven war der Vorstoß überhaupt, er hätte unbedingt gleichzeitig mit Belows Märzschlacht beginnen sollen. Der weiche Boden war im April kaum besser als im März, er bereitete der Artillerie Schwierigkeiten, doch deutsche Infanterie ist sich selbst genug, wie Figura zeigt. Trotz mangelhafter Beschießung brach die englische Linie an der Lys sogleich in Stücke, trotz späteren gehäuften Widerstandes kostete Quast sein Draufgehen wenig über 25 000, meist von Gruppe Bernhardi. Armin litt mehr, aber nur wegen dem Kemmelsturm gegen frische französische Kräfte, darunter Elitek. Toul. Vergleicht man Bestürmung minder furchtbarer Stellungen gegen minder überlegene Artillerie in früheren Zeitaltern, so scheint Armins Einbuße, nur stellenweise 40 %, im ganzen höchstens 20 %, keineswegs erheblich. Selbst dies wäre vermieden worden, wenn man sofort mit 40 D. hätte losbrechen können. Und wie erst, wenn dies spätestens 24. März geschah! Durch Obiges ist der Beweis erbracht, daß die Ausrede mit dem schlechten Boden nichts taugt. Fiel aber die Flandernschlacht mit der Belows zusammen, statt 6., 4. A. töricht für Below zu schwächen, so wäre das Ergebnis der Märzschlacht im Norden unvergleichlich besser und auch gerade Belows Angriff glücklicher gewesen. Obendrein ist peinlich, sich zu gestehen, daß Lud. ursprünglich nur an Haighs Abdrängen nach Norden dachte; erst als Below verunglückte, klang die strategische Parole »Amiens« unter Einfluß des Kronprinzen. Wie hätte aber Below allein auf Bethune durchbrechen sollen ohne Beihilfe von Quast und Armin! Vermutlich hat Horne ausgiebig Byng unterstützt, da die Nordseite zwischen Scarpe und Lys damals gar nicht angegriffen wurde. Die Schlachtanlage war also durchaus verfehlt – wir sagen es mit Bedauern angesichts einer Größe wie Ludendorff –, denn daß Marrwitz über die Ancre Byng in die Flanke fallen könne, war unbegründete Voraussetzung, nicht durch ihn, sondern durch Quast mußte Below unterstützt werden, nicht aus Süden, sondern aus Norden, was viel größere strategische Folgen versprach. Übrigens war Vorrücken durchs verwüstete Gebiet schwieriger als durch die Lysniederung, ohne Hutiers Flankensieg wäre Marrwitz noch langsamer vorgekommen. Auch in der Lys-Ypernschlacht fochten die Unsern mit voller Siegeszuversicht, Überlegenheitsgefühl, unübertrefflicher Hingebung, der Kemmelsturm war eine Großtat vor allem der Bayern. Erst als der Truppeninstinkt mißtraute, die O. H. L. stehe diesmal wohl nicht auf der Höhe, stellte sich mißmutiges dumpfes Erstarren ein. Als später die frische 7. A. zum Hauptstoß antrat, war sie erst recht von Siegeshoffnung erfüllt im Hinblick auf die Triumphe der Nachbararmee Hutier. Doch so glänzend deren Taten bis 5. April, muß ihr Stilliegen von da ab Verwunderung erregen. Gewiß, sie hatte große Anstrengung hinter sich, der Nachschub von Munition und Proviant vollzog sich schwer und langwierig, doch ein Monat sollte doch ausreichen, sich zu erholen. Die feindliche Kanonade belästigte arg, aber waren unsere Geschütze etwa müßig? Fochs Angriffe, die doch immer nur den Charakter von Teilhandlungen zwischen Oise und Avre trugen, können unmöglich den April überdauert haben, da Debeney einen Hauptteil nach Flandern abgab und Humbert nur mit Hilfe Rawlinsons seine bedrohte Linke aufrechthielt. Mindestens Ende Mai hätte Hutier gleichzeitig mit Boehn vorgehen müssen, seine sofortige Mitwirkung hätte den an sich gefährlichen Gewaltstoß über Aisne und Ourcq erleichtert und noch durchschlagender gestaltet. Der gleiche Mißgriff wiederholte sich: wie Quast bis 9. April statt Ende März, so zögerte Hutier bis 9. Juni statt Ende Mai, beides auf höheren Befehl. Hier fehlte der harte mitleidlose Wille des Feldherrn, den Moltke bei sich nach Königgrätz vermißte. Hier aber schadete die Verspätung doppelt. Mitte und wohl noch Ende Mai wäre man im Oisetal auf eine so dünne Front gestoßen, daß Foch Compiegne nicht halten konnte, und welche vernichtenden Folgen hätte dies für die franz. 6. A. gehabt, die so von ihrer Rückzugsbasis abgedrängt und vom Kronprinzen so ostwärts abgedrängt worden wäre! Als aber Hutier losbrach, hatte Mitry die Krise in Flandern beschworen und Foch bot jetzt Hutier wieder eine starke Front. Wie dem auch sei, die Entente hatte wenig Grund zu Sicherheitsgefühl. 200 000 Amerikaner waren gelandet, doch erst Ende Mai konnten mehr landen; ehe sie aus den Übungslagern in die Schlachtreihe rückten, verstrich viel Zeit. Die engl. 5. A. kampfunfähig, alle andern außer Rawlinson erschüttert, die Franzosen sehr geschwächt, 127 000 Gef. 1600 Gesch. in deutschen Händen! Man tröstete sich, die Deutschen hätten 350 000 verloren, eine fiktive Summe, nur Below hatte durchweg schwer gelitten und von 208 d. D. im Westen (32 im Osten), wie Buat herausrechnete, waren laut gleicher Quelle nur 143 im Kampfe, was viel zu hoch gegriffen, denn von 12 d. A. waren bisher nur 5 verwendet. Rechnen wir 100 als ernstlich verbraucht, so ist Durchschnittsverlust laut allen Einzelangaben höchstens auf 250 000 zu schätzen, man verrechnete sich also um volle 100 000. Die Briten schlugen sich ungleichmäßig, mal heroisch, mal schlapp, die Franzosen überall gut, auch der Kemmelverteidiger General Breton machte uns zu schaffen. Doch Foch hielt die Aisnefront für unangreifbar und schwächte sie durch Entsendungen ins Avretal, obschon Erfahrung dafür sprach, daß der tapferste französische Widerstand stets dem ersten Anprall des Furor Teutonicus gehorchte und A. Boehn über starke Macht gebot. Die kommandierenden Generale Conta und Winkler traten von Hutier dorthin über mit Teilen ihrer Heergruppen, so daß Boehns Linie von West nach Ost die Gruppen Larisch, Wichura, Winkler, Conta, Schmettow umschrieb, 24 D. im ersten Treffen. Duchesnes Oststellung Berry–Malmaison war nicht so fest, wie sie aussah, wenn Deutsche stürmen, der Westflügel Chavignon–Vauxaillon am stärksten und von besten Truppen besetzt, die sich nachher im Pinonwald bis zur Vernichtung schlugen. Natürlich lag für Foch hier der Schwerpunkt, weil diese Flanke Compiègne im Rücken hatte und Debeneys Oisestellung deckte. Vielleicht griff deutsche amtliche Berechnung zu hoch, daß die Briten schon bis 5. April eine halbe Million verloren hatten, immerhin verschwanden noch in den folgenden vier Wochen ganze Brig. wie die 90. oder Regimenter wie Chester von der Bildfläche, welche zunehmende Zerreibung der 1., 2. Bethune-Ypern A. freilich nicht dazu berechtigte, daß eine engl. D. sich nicht rührte, als 4 franz. D. das Kemmel-Massiv zurückerobern wollten. Was nie bisher geschah, der berühmte Kemmel war also gefallen, doch daß trotzdem Ypern fruchtlos von Armin umlagert wurde, spottet aller Begriffe. Der (zeitweilig in Italien kommandierende) Plumer hätte längst den Rückzug antreten sollen, aus dem ganzen Gebiet zurückgetrieben, das er im Vorjahr mit so vielem Blut gewann, doch daß er es nicht tat und dennoch vom Kemmel her nicht den Untergang fand, wer begreift das! Gelang es nicht, den beherrschenden Berg zurückzugewinnen, so konnte jeder verspätete Abzug nach Dünkirchen parallel zu Quast verderblich werden. 3 franz. D. verbluteten am Kemmel, besonders 20. K., viele Regimenter, z. B. 52., 146., 321., 402., waren Skelette, gleichwohl unterließen Fochs Reserven nicht, uns sogar bei Locre etwas zurückzudrängen. Quasts Einwirkung hatte nicht die nötige Kraft mehr, zumal unsere hergesandten Reserven jetzt nach anderer Stelle zur Aisne abflossen. Doch zerbrach ein neuer feindlicher Massensturm am 9. nordwestlich Kemmel, worauf badische (?) R. Regt, in wuchtigem Anlauf Dickebusch nahmen. Nichtsdestoweniger war der tapfere Feind nicht willens zu weichen. Durch gegenseitige Erschöpfung trat längere Ruhepause ein. Auch Below wagte nicht größere Unternehmung, Marrwitz keinen Gewaltstoß im Weichbild von Amiens. Längs Hutiers Front litten die Franzosen ungemein bei allen Gegenstößen, wobei auch schles. Königsgren. und brandenb. Leibregt. sich auszeichneten, doch wurde das brandenb. K. bald zur Aisne verschoben. Fochs 29., 133. sowie 2. Kür. D. waren vernichtet, Regt. 63, 90, 335 gab es nicht mehr. Immerhin tötete seine andauernde Kanonade uns viele Leute, obwohl auch neue Formen deutscher Minenwerfer sich bemerkbar machten. 3. franz. A. Humbert löste sich in die 10. auf, Petain legte schon auf 30 seiner 70 D. die Hand, Foch wohl auf 49 von 60 seiner R. A. Von »59« engl. 53 verbraucht? Die Ziffer beruht auf Irrtum, das engl. Heer hatte viel mehr Div. Auch so aber kommen inkl. Belgier und Amerikaner 140 D. heraus, d. h. die Zahl, deren Einsatz bis Mitte Mai man uns zuschrieb. Mit welchem Vergrößerungsglas man dabei sah, zeigt elende britische Prahlerei, ihre 14. sei erst von 40 d. D. zerschlagen worden!! Jedenfalls verblutete eine engl. D. nach der andern, immer mehr Franzosen mußten eingestellt werden. Anscheinend befanden sich schon am 1. April 178 britische, 50 franz., 9 stärkere amerikanische Brig. im Feuer, damals nur 80 d. D., wie später zugestanden. Warteten wir ruhig ab, bis der Feind sich ganz verbrauchte? Das hieß die Rechnung ohne Amerikaner machen. Eine ihrer D. war es diesmal, die überrascht und zersprengt wurde durch einen von Gallwitz zwischen Maas und Mosel eingelegten Vorstoß, um den Feind zu verwirren. Zu gleichem Zweck tobte, während Infanterieangriff pausierte und Mitte Mai deutscherseits ganz unterblieb, Geschützduell längs der weiten Front, wobei endlich Reims in Flammen aufging, zur Vergeltung der Zerstörung von Laon durch französische Granaten, die unser dortiges Quartier nicht dulden wollten. Damals machten engl. Marinetruppen auch Zeebrügge einen unliebsamen Besuch, wobei 4 Kreuzer, sehr viel Tote und die Befehlshaber auf dem Platze blieben. Die britische Admiralität erfand, daß zementbeladene versenkte Fahrzeuge jetzt die Kanalausfahrt sperrten, die U-Boote fuhren aber lustig ein und aus. Die Entscheidung schien nahegerückt, noch wehte Deutschlands Siegesfahne. Die Entente behauptete erst, es werde gar keine neue Offensive erfolgen, dann wieder, es stehe unmittelbar bevor bei Amiens. Man tat ihr aber nicht den Gefallen, sondern zu allgemeinem Erstaunen ging ein neuer Siegeszug des Kronprinzen über Aisne und Marne weg. V. Schlacht Aisne–Marne I. 7. A. übernahm den Sektor Compiegne-Soissons, 1. A. Fritz Below die Strecke Berry–Reims in Richtung Fismes. Inzwischen erstarrte die Front Rupprecht und auch die Hutiers bis Juni in unheilvollem Stellungskrieg, der alles abwetzt und nichts einbringt. Deutsche Kanonade lag schwer auf den verbündeten Linien, doch deren Feuerschlünde waren auch nicht faul. Die bei Montdidier eingefügte 6. b. R. D. wirkte erst spät und nicht besonders mit, verlor aber schon bis 27. April auf 60 Off. nicht weniger als angeblich 3000 Mann (offenbar zu hoch gerechnet, vergl. das Verhältnis bei anderen b. Div.) Der Feind griff mehrfach den Brückenkopf westlich der Ancre an, während Marrwitz Ende April mit 13., 228. und G. Ers. Div. sowie wieder aus Ruhequartieren aufgescheuchten Bayern bei Castel-Hangard sich aufbauen wollte. Später wurde auch die in der Champagne stehende 14. b. D. (4., 8., 25.) hier herangezogen, 6. R. D. dagegen zur 7. A. an die Ailette zurückversetzt. Sie hing sich dort am äußersten Westflügel dem gleichfalls dorthin versammelten Brandenb. K. an und folgte dem Angriff der Gruppe Larisch auf Laffaux, wo die 24er nördlich Vauxaillon der Hilfe bedurften. Diese ward ihnen durch die Bayern, die energisch vordrangen und links der 6. rechts 241. D. den Weg bahnten, ihre Batterien durch die Schützen des 396. Rgt. hindurch nah an den Feind bringend. Beim hitzigen Wetteifer der kronprinzlichen Truppen, der zum Wettlaufen wurde, kamen sie in unglaublich kurzer Frist den Damenweg hinauf, nach Soissons hinein, nach Berry hinunter, Aisne und Wesle schon am 30. überschreitend. Dies war in der Mitte (Gruppe Wichura) und am Ostflügel Boehns (Gruppen Winkler, Schmetten), wo zugleich 1. A. sich Reims dreiseitig näherte. Während die Mitte bis 4. Juni die Marne erreichte, hatte die Rechte bei Pinon und Vregny, dann bei Almont, Nouvron, Amblemy, Fontoise südöstlich Noyon erbitterte Gefechte, wobei 5. Brandenb. D. vorausging und die Bayern Front nach Westen nahmen. 6. R., 11. Würzb. Art. halfen dem kühn vorwärtsdrängenden 16. R. in vorderster Linie, verloren aber dabei 21 Off. 210 und ebensoviel Pferde, die jetzt defensiv verharrende Inf. 150 Off. bei nur 2100, was ihrem früher erwähnten Verlustverhältnis schreiend widerspricht. Amerikaner von der Avre, Afrikaner aus Paris brachte Foch pfeilschnell her, doch sie verfielen der allgemeinen Niederlage. Wie 6. R. D. am Rechten, so trug am linken Flügel der 7. A. die erst kürzlich aus Rumänien kommende 12. b. D. (26., 27., 28.) den Anlauf südöstlich Fismes am 31. Mai vorwärts, der leidenschaftlich voranstrebenden 7. R. D. folgend. Zusammen mit 28., 232. D. warf diese Gruppe Conta bis 1., 2. Juni den Feind bei Fère en Tardenois über den Haufen, erreichte Ch. Thierry und überschritt die Marne, im Anschluß daran Winkler und Wichura auf 25  km Breite. Übrigens traf am Westflügel auch 10. b. D. (16. I., 6., 8. R.) neben 1. G. D. am Ourcq bei Neuilly ein. General Larisch sah sich dort gesichert durch Einrücken der 9. A. (Gruppe Hofmann, Francois) über Carlepont. Bei der Windmühle Toutvent, wo einst Maunoury stritt, kam es zu scharfem Zusammenstoß mit Fochs Reserven, die gebrochen zurückgingen. Dies war aber erst am 12. Nur 60  km vor Paris entfernt, sammelte der Kronprinz bis 6. Juni 65 000 Gef., 700 Gesch., die feindliche Mitte aufrollend. Da aber von Ypern bis Amiens unsere Angriffe längst aufhörten, behielt Foch die Freiheit, seine Reserven erneut von Nordost nach Südwest zu werfen. Daß Lud. die Verdünnung der Oisefront nach Mitrys Abzug nicht benutzte, bleibt unverständlich, sollte er es im Mai nicht bemerkt haben? Erst am 9. entlastete Hutier die weit vorgeprallte 7. A. durch Vorstoß bei Noyon. Gleichzeitig warf sich am 12. Boehns Mitte gegen den Großwald Villers Cotterets mit 34. Lothr., 11. b. (bei Laon aus Norden verladen) 45. Pomm., 50. Schles., 51. Rhein., Thür. R. D. Man legte es im Schlußjahr förmlich darauf an, alle Stämme in buntem Gemengsel zu vermischen, als ob damit die innere Einheit gefördert würde. 34. D. geriet schon südlich der Aisne mit dem Feind aneinander, 50. R. D. fand bei Laversine Widerstand, 45. siegte bei St. Pierre, die Bayern kämpften schwer bei Cutry und in der Coeuvresschlucht; Gasfeuer aus den Schluchten und heftiger Tankangriff am 15. setzten ihnen hart zu, Verl. 46, 2300, nach Soissons in Ruhequartier gelegt. Obschon sie allein 35 Batt. (16 schwere) bei sich hatten, die andern D. entsprechend, war der westwärts gerichtete Stoß verunglückt. Petains bedeutende Gegenwirkung mit neuen Reserven bannte Larisch vor Vie s. Aisne-Autrèches fest, Francois war noch nicht ganz heran, Hofmann trat zu Hutier über, unter dessen Befehlskreis an der Oise. Wichura eroberte zwar den Mühlbach vor Cotterets, Winkler die Chaussee Cotterets–Ch. Thierry, doch der Franzose behauptete den Großwald und man focht wie vor fast 4 Jahren bei Etrepilly–Neuilly–Oulchy. Indessen blieb der sonstige Erfolg ungeheuer; der Feind verlor seine Eroberung von 1917 in wenigen Stunden, das ganze Gebiet, das er seit 40 Monaten innehatte, in 2 Tagen. Er wurde vom Damenweg in die Ailetteschluchten und über Vailly an die Aisne geworfen, der Rückzug kostete ungemein viel Menschen und Material, da Niederlage an einem Fluß sie verdoppelt. Auch F. Belows Mitte berührte schon in stärkerem Maße mit K. Wellmann die Vorstadt von Reims, 4 engl. D. wurden dort völlig überrannt, die Nordwestforts erstürmt. 50. engl. D., 22. fr. D. hörten auf zu bestehen, ihre Generale gefangen, ein fr. Korpschef fiel. Einsatz frischer Amerikaner wurde von Schmettow und K. Ilse abgeschmettert und Verbindung mit Conta bei Dormans aufgenommen. Am 9. breitete die neue Marneschlacht sich an beiden Ufern des Ourcqs bis Chateau Thierry aus. 8 alliierte D. waren schon am Damenweg zerschmettert, 21. (166 Off.) 61. fr. D. verloren, ferner an der Südwestfront allein 230 Off., 10 600 Gef. Vom 9. bis 12. erneut 327, 11 200 gefangen, von 1. Kür. D, allein 67, 2396. Gesamtbeute 190 000 Gef., 2300 Gesch. seit März. Am 10. reifte Hutiers Entlastungsstoß aus und brachte 8000 Gef. Seine Front litt vorher stellenweise durch feindliche Teilstöße, doch läßt Einbuße der 3. b. D. bei Lassigny (50, 2300) seit deren Kampfeintritt vor 7 Wochen an einem Brennpunkt nicht auf großen Gesamtverlust der Defensivzeit schließen. Sobald Gruppe Francois d. 9. A. über Rampcel gegen Pontoise kam, ging dort die hierher verpflanzte 9. b. R. D, über die Oise nebst 4. Art. und setzte sich neben 223. D., rechts davon 202., 11. neben 11. b. D. Gleichzeitig focht Oettinger westlich Montdidier, die vom Alp. K. abgetrennte »deutsche Jägerdivision« hatte mäßigen Anfangserfolg, später größeren südlich Tiescourt, wo auch 11. schles. R. mehr erreichte, als dorthin verschobene 11. b., 202. D. bei Orval. Dagegen nahm man den so lang umstrittenen Reneaudberg. Dann räumte vor scharfem Andrang des 202. R. der Feind den Carlepontwald; Hofmanns Druck über Ribecourt machte Francois Luft bis zur Windmühle von Tracy; am 11. durchschritten in Hutiers Mitte Schlesier und Pfälzer siegreich den Matzgrund, 51er und 23er vorauf, doch bis 13. mußte man vor gewaltig verstärktem Widerstand das Feld räumen auch südlich Montdidier hatte Hutier so wenig Erfolg, daß er die Schlacht abbrach. 10. A. Mangin machte dort verzweifelte Flankenangriffe. Wieder verlor Foch viel Geschütze, 40 allein an die Pfälzer, seine wütenden Gegenangriffe kosteten eine Menge Menschen. Unser Verlust war auffallend gering, bei 9. R. D. nur 10, 300 (bei 3. b. D. 35, 1200); daß sie den Reneaudberg nahm, stimmt daher schwerlich; daß man sie auflöste und auf 6., 8. R. D. verteilte, ist kein gutes Zeichen. Hutier hatte diesmal nur einen zuletzt sehr beschnittenen äußeren Erfolg, sein Angriffsplan wurde verraten; wieder trat längere Stockung ein. Indem er und Boehn ihren Raum im Waldgebiet von Compiegne und an der Marne erweiterten, stieg die Gesamtbeute seit März auf 210 000 Gef., 2800 Gesch. Die Maischlacht allein kostete Frankreich 200 000, wovon 150 000 t. u. verw. Fayolles' Verteidigungsfront vor Paris zwischen Oise und Marne war schon früher, da sie noch die Aisne festhalten wollte, gelähmt durch unsern breiten Keil zwischen Luce und Oise-Aisnekanal. Jetzt standen die Bedroher schon nicht mehr »bei Noyon«, wie früher Clemenceaus Unkenruf und Stichwort hieß, sondern am Ourcq wie einst Kluck. Die A. Maistre war völlig zersprengt, besonders 8., 21., 25., 50., 52. engl. D., die fünf Divisionen Duchesnes bis zum Morin geflohen. Sobald Vorbrechen des ziemlich versagten Larisch (und der ersten Staffel 9. A.) über Folembray–Coucy–Amicy begann, schob Foch neugebildete A. Gruppen Mangin, Desgouttes, Mitry hinter Ourcq und Marne zusammen, während in der Champagne A. Berthelot zwischen Reims und Epernay A. Gouard sich vorbereiteten. Wo unsere 18., 9., 7. A. unter mehrfachem Uferwechsel konzentrisch zusammenstießen, lag der Knoten der Lage. Abbügeln seiner zerschlissenen eingebeulten Front blieb Foch vorerst versagt, er hatte vor Haigh nichts voraus. II. Als die zweite Schlacht an der Oise begann, stand Armee Hutier im Raum Montdidier–Noyon die Oise entlang, von wo sie über den Fluß ging und in Gegend Carlepont an Boehns rechtem Flügel sich anhing. Es galt den Gegner aus dem Gelände zwischen Noyon und Compiegne zu entfernen und den Winkel zwischen Oise und Matz zu säubern, von wo der Feind unbemerkt Angriffsmassen verdeckt ansammeln konnte. Oettinger ging am rechten Flügel westsüdwestlich vor, Webern auf den nach Roye führenden Straßen, Schöler im Matztal über Roye, Hoffmann von Lassigny auf Elincourt und Canbronne. Das 34. franz. Korps des Generals Nudent vor Noyon erwartete vorbereitet schon vier Tage lang den Angriff, die Artillerie Humberts war genau eingeschossen und fügte dem Korps Hofmann im Divettegrund ernste Verluste zu. Hinter den acht Divisionen des Vordertreffens standen zehn andere, die 3., 10. franz. Armee befanden sich in Überzahl. Nichtsdestoweniger erkämpfte Oettinger sogleich Boden über Rubescourt bis 10  km südwestlich Montdidier, bei Auteuil 6  km südwestlich Moreuil, Webern war am 10. bis über St. Maur und Mery hinaus, Schöler erreichte den Talgrund Matz–Aronde. Hofmann fand zwar den heftigsten Widerstand, warf aber bis 11. den General Nudent aus Ribecourt und Bethaucourt, etwa 7  km südwestlich Noyon. Doch die Kraft ließ nach. Mangins starker Gegenstoß gegen Hutiers Rechte blieb nicht erfolglos, nur der Höhenraum zwischen Matz und Oise in deutscher Hand. Am 12. setzte Hofmann seinen Vormarsch über die untere Matz fort, mußte aber vor sehr überlegenen Kräften Fochs ans Ostufer zurückgehen. Erneut verstrich seit 13. Juni eine sehr lange Pause fast kampflos, nur hier und da gelang den Alliierten ein mit großen Opfern erkaufter bescheidener Geländegewinn der Gegenstöße. Staunenswert ist die rasende Schnelligkeit, mit der die deutschen Sturmmassen am 27. Mai nach kurzer heftiger Kanonade schon um halb 5 Uhr früh bis Missy ihren Siegeslauf durchsetzten, die Ailette überschritten, den Damenweg in seiner ganzen Länge erklommen und die Franzosen bis über die Aisne warfen, ohne daß den Fliehenden ein Zerstören der Übergänge gelang. Boehns Linke hatte abends die Aisne hinter sich, die Engländer von Corbeny über Berry ans Ufer der Vesle verjagt und bis Sappigneul verfolgt, wo die Rechte der Armee Fritz Below (Korps Ilse) eingriff. Hier war wieder wie so oft im Weltkrieg ein zentraler Durchbruch erfolgt, durch den alles nördlich Stehende der alliierten Linie im Rücken gefaßt wurde. Soissons selbst behaupteten die Franzosen noch bis 29., wo Wichura die Stadt erstürmte, über Fort Condé und Vregny–Vailly vordringend. Die Franzosen hatten auf ihrer Linken sich einen Tag länger als die Engländer gehalten, die sofort überrannt und weit über die Aisne und Vesle zurückgeschleudert wurden. Freilich darf man nicht übersehen, daß dies lauter im April abgekämpfte Divisionen waren, die man seltsamerweise nach der Aisne, wo man sich keines Überfalls versah, ins »Ruhequartier« verlegt hatte. Die kurze Ruhe kam ihnen teuer zu stehen! Foch warf zwar gegen den Angriffsflügel der 1. Armee zahlreiche Reserven vor, doch konnten bis 1. Juni die Nordwestforts von Reims nicht mehr gehalten werden. Boehns Linke drang über Fismes, Hauptquartier der alliierten Aisne-Armee, immer weiter südöstlich bis Dormans vor, während die Mitte und bisher etwas verhaltene Rechte ins nördliche Ourcqtal nachstießen. Dieser Sturmlauf von fünf Tagen über Ailette, Aisne, Vesle bis an Ourcq und Marne zählt zu den erstaunlichsten Leistungen des ganzen Weltkriegs. Überhaupt gehörte der Hauptsieg überall dem Kronprinzen. Das heben wir um so mehr hervor, als die Pariser Presse, die es stets auf diesen Heerführer abgesehen hatte, als ob sie ihn besonders fürchte und daher diskreditieren wolle, später beim Juli-Erfolg Fochs heulte: der Kronprinz habe jetzt zum zweiten Mal wie vor Verdun versagt, das eine so unwahr wie das andere. Die Operation stellte sich bisher völlig als strategischer Zentrumsdurchbruch dar und wir unterstreichen wiederum hier, daß der zentrale Stoß sich auch taktisch als erfolgreichste Form erwies. Übrigens übte Wirkungsschießen deutscher Artillerie bei all diesen Erfolgen wenig Einfluß. Auch den ungestümen Einbruch Quasts in das morastige Kanalgewirr ging nur vierstündige Kanonade voraus, dem an der Aisne nur dreistündiger Feuerwirbel mit Vergasung und Minenexplosionen. Dynamik überraschend eingesetzter lebendiger Kräfte erwies sich überall dem »Materialkrieg« überlegen. Wenn französische und englische Chirurgen feststellten, 40–70% der Verwundeten seien durch Artillerie verletzt, so bezieht sich dies natürlich nur auf Schwerverwundete, bei denen chirurgischer Eingriff nötig! Das wildeste Trommelfeuer erzielte sonst keine entsprechende materielle Verlustwirkung. Selbst bei normaler Wertung hätten eine Million schwerer Geschosse in der Champagneherbstschlacht von 1915 allein etwa 25 000 Mann tot niederstrecken müssen, der deutsche Gesamtverlust erreichte aber diese Totenziffer nicht mal inkl. des Infanteriefeuers. – Der Zweck des deutschen Angriffs war angeblich erreicht, fortan ruhten lange die Waffen, während hier und da zwischen Aisne und Marne oder bei Reims (18. Juni) und der Somme (4. Juli) örtliche Teilgefechte aufflackerten. Boehns Front wurde verstärkt, indem zwei neue Korps Watter und Etzel der 9. A. zwischen Aisne und Ourcq einrückten. III. Im Mai war die ganze Front stillgelegt, die Erschöpfung gegenseitig, doch Lud. hatte kein Recht zum Pausieren, wo es galt, des Feindes Verlegenheit zu benutzen. Denn taktisch schien trotzdem die Lage zufriedenstellend. Von den schon am 27. März zu Hutier nachrückenden 8 Res. Div. war nur die Hälfte gebraucht, außerdem 109. erwartet. Bei 2. A. waren noch ziemlich 3 Div. bei 17. A. noch 200., 204., 184. verfügbar, später 26. in Reserve zurückgetreten. Im Ganzen Mitte April noch 12 als »Angriffsdiv.« zu verwerten. Die Behauptung, daß Belows Angriff »sich gegen eine schwache Stelle der feindlichen Front richtete« (Förster), wird durch die Erfahrung widerlegt, daher Ludendorffs Belehrung zweischneidig: eine Strategie, die nicht an den taktischen Erfolg denkt, »ist von vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilt«. Sehr wahr, so hat noch nie ein wahrer Stratege gedacht, die größten strategischen Denker waren stets zugleich die grimmigsten Taktiker, denn ihr Streben suchte ja stets die Vernichtungsschlacht. Eine solche aber gibt es nicht ohne strategische Standpunkte, sonst wird es »une bataille ordinaire« (Napoleon). Was wir strategische Taktik nennen, gebietet jede Operation nur nach ihren strategischen Folgen zu bemessen und Moltkes Wort zu verwerfen: »Ein taktischer Erfolg wird dem Feldherrn immer willkommen sein«. Durchaus nicht immer, wenn er die strategischen Absichten stört. Ludendorffs Direktive vom 20. März ist aber gerade taktisch tadelnswert, da ihre einzige strategische Absicht, nämlich bei Amiens durchzubrechen, durch anfängliche Schwäche der 2. und übermäßige Stärke der 17. A. und deren frontalen Einsatz keineswegs gefördert wurde. Es steht urkundlich fest, daß einzig des Kronprinzen Befehle für 18., 7. A. den großen taktischen Erfolg zu einem strategischen gestalteten. Die Stellungnahme Ludendorffs zu diesem Vorschlag ist aus den Akten nicht erkennbar (Förster), d. h. er griff ihn erst auf, nachdem der Erfolg dem Kronprinzen Recht gab. Die Weiterspinnung des operativen Gedankens, nach Süden auszufallen und so alle Reserven Fochs auf sich zu ziehen, machte er sich nicht zu eigen, wenigstens nicht in der unbeschränkten Form des Kronprinzen. Mit dem späteren völligen Stillegen Hutiers erklärte dieser sich offenbar nicht einverstanden und veranlaßte wenigstens endlich im Juni neues Vorgehen, diesmal sehr richtig mit der Gruppe Conta auf Compiegne und der Mitte über Noyon. Daß Lud. nach Festrennen von Quast und Armin jetzt darauf verfiel, sich hauptsächlich der Heeresgruppe Kronprinz zu bedienen und deren Angriffsvorschlag für die Aisne zuzustimmen, scheint reine Verlegenheitskonzession. Denn mit so durchschlagendem Erfolg konnte er nicht rechnen, er wollte nur neues Zersplittern der Foch'schen Reserven versuchen und dachte wohl damals schon an seinen Reimser Plan. Der erneut durch den Kronprinzen geschaffene Druck südwärts als Zentrumsstoß, der zwischen Montdidier und Marne, d. h. zwischen Paris und Reims hindurchfuhr, war seinem Denken fremd. Und doch hätte er seine Pläne jetzt völlig umgruppieren und neu orientieren sollen, nachdem sich herausstellte, daß auch im Norden bei Ypern infolge seiner Verzögerungen nichts mehr zu holen sei. Dorthin hatte er Weniges aus Hutiers Front herausgezogen, sonst ihn nicht geschwächt, so daß er durchaus zu weiteren Angriffen fähig gewesen wäre. Truppenerschöpfung? Seltsame Ausflucht nach bisheriger Erfahrung! Schlugen nicht die Sieger von Tannenberg acht Tage später in Masurien, nach Lodz an der Bsura, nach Dunajec am San und nicht lange darauf noch heftiger bei Lemberg? Die Sieger von Charleroi bei St. Quentin, die Erstürmer von Antwerpen an der Yser, die aus furchtbaren Septemberkämpfen losgelösten 6., 2., 1. A. an der Westfront im Oktober? Und dies nach aufreibenden Märschen oder Verladungen! Focht man in Arras- und Champagneschlachten, bei Verdun, an der Somme nicht ununterbrochen gegen gewaltige Übermacht, schlugen nicht die im November bei Cambrai zurückgedrückten Teile Belows im Dezember den Feind aufs Haupt? Hier aber handelt es sich um unangefochtenen Siegeslauf Hutiers gegen keine oder unerhebliche Übermacht. Muß man daraus folgern, daß die Truppengüte sich am Kriegsende bedeutend verschlechterte? Wir glauben nicht. Solche Klagen sind uralt, Friedrichs Heer entbehrte immer mehr der Veteranen, »bei Prag fielen die Säulen preußischer Infanterie«, doch es folgten Roßbach und Leuthen auf Kollin, Liegnitz und Torgau auf Hochkirch und Kunersdorf, in Sieg und Niederlage kämpften die Kantonsrekruten und eingestellten Überlaufer gleich gut, gerade die Niederlagen waren Ruhmestage preußischer Tapferkeit. Ebenso klagte Napoleon über Schlechtwerden seiner Heere, doch 1809 stritten sie mindestens so gut, wie bei Auerstädt – Eylau – Friedland, 1813 unter den Augen des Kaisers bei Lützen und Leipzig noch heldenhafter als bei Borodino, obschon er seine jungen Milizen »Hundsvötter« schimpfte, 1814 taten seine Milizen Wunder in verzweifelter Lage. Bei Lee's Milizen merkte man kein Nachlassen bis zuletzt trotz Hoffnungslosigkeit der Gegenwehr, Gambettas Milizen schlugen sich teilweise besser als die meisten Korps der kaiserlichen Troupiers. (Denn wenn sie bei Wörth jede Erwartung übertrafen, so sind bei St. Privat ganze Brigaden ausgerissen, und außer K. Ladmirault – nicht dem gepriesenen K. Canrobert – leistete man nur Notdürftiges.) Logik: ein Heer wird nicht schlechter, sondern besser durch die Macht der Gewohnheit, dem Ersatz flößt sich bald die gleiche Atmosphäre ein. Und wäre es nicht beschämend, daß drüben die Verbündeten unter höchst mißlichen Verhältnissen, wo noch viel mehr »alte« Kämpfer weggerafft, sich tapfer bis zum Ende hielten? Nun, es stand ja sicher nicht so, Hutiers Truppen befanden, sich sicher in guter Stimmung und konnten gar nicht an besonderer Aufzehrung leiden, weder Verlust noch Anstrengung und Kampf waren ungewöhnlich hart gewesen. Wenn diese stärkste Armee nirgends mehr entscheidend eingriff und auch ihr kurzer Angriff am 10. Juni erlahmte, so hat man sie von oben her mit Zweifel angesteckt, die Truppen aber ihr Vertrauen zur Oberleitung verloren. Man versprach zu viel, der feindliche Widerstand verdutzte, nach so glücklichem Anfang. Es muß gesagt werden, daß ein innerer Wurm an diesem letzten Heere Deutschlands fraß, das unter so glänzenden Aussichten sich von Frühlingssonne bescheinen ließ. Der »gemeine Mann« fühlt instinktiv, da der Instinkt des Heeresgeistes besonders in einem Volksheer wunderbar fein derlei herausspürt, daß etwas »faul«, »nicht richtig« sei. In welcher meuternden Unzufriedenheit und physischer Herabgekommenheit fand Bonaparte die »Armee von Italien«! Doch großer Feldherrnwille ringt auch unzulänglichen Elementen der Menschennatur Unglaubliches ab. Dieser feurig belebende Geist, der einst bei Hindenburg-Ludendorffs erstem Aufflammen alle Glieder der 8., 9. A. durchzuckte, wo war er hier? Ein erkältender Hauch schlich um, Mißtrauen in der Oberleitung sachgemäße Berechnung. Es war berechtigt. Auch der Nordangriff krankte an dem Gemisch von Zögern und Überstürzung, der diesmal alle Maßregeln kennzeichnete, er war zuerst verspätet und jetzt verfrüht. Wollte man ihn schon am 9. April loslassen, so hätte man schon früher als 4. bei Amiens-Montdidier ablassen sollen, um genügende Kräfte nach Norden zu schieben. Quasts und Armins Angriff begann nur mit 21 Div. Man hätte sogleich die hinter Hutier und Marrwitz aufgehäuften Reserven und die erst viel später aus der Kronprinzenfront entsendeten 9 dorthin senden sollen, doch letztere kamen viel zu spät, auch 5 D. Belows, 1 Marrwitz (25.) erst nach und nach hierher. Die 30 engl. D. zu Neujahr bei Ypern waren wohl nicht wesentlich verringert; Foch hatte, wie er Mitte April glaubte, so viel Reserven zu schicken, als er wollte! Die Kräfte glichen sich also mehr als aus und der Kemmelgewinn bleibt eine deutsche Großtat. Daß aber Armins Heldenscharen, die vorigen Herbst so Unsägliches aushielten, auch nicht nach Vertreibung der verbündeten Artillerie aus ihrer alten Hochburg bei Ypern Meister gingen, bleibt verwunderlich. Nachdem erkannt, daß keine Überwältigung mehr möglich war, hatte man aber wenigstens den Trost, möglichst viel Reserven Fochs dorthin gelockt zu haben. So schlecht alle bisherigen Angriffe außer bei Moreuil ineinandergriffen, war der äußere Achtungserfolg ein immer noch erfreulicher und Buats Kritik, als ob schon jetzt die ganze Offensive aussichtslos, ist eine vorwitzige après coup . IV. Wie Quast am 9. April bei Armentières das Portugiesenkorps, so zerstäubte Boehn überfallartig die 6. franz. A. Nach franz. Darstellung so überraschend, daß eine Weile der Weg bis Provins ins feindliche Hauptquartier offenstand. Solche »Lücke« scheint eine Lieblingsvorstellung der Ententekritiker und wirft ein übles Licht auf ihre Abschätzung geschlagener Truppen. Wenn die Franzosen aber wirklich in Panik bis an die Seine zurückrannten, so hätte der Kronprinz allerdings schon im Juni bei Meaux-Rebais-Montmirail stehen und von dort entweder auf Paris oder dem Rücken der Feindstellung Reims-Champagne drücken können. Dann ist aber vollkommener Widerspruch, daß die Ententekritiker ihm umgekehrt sein späteres Vorgehen über Ch. Thierry zum Vorwurf machen als Verletzung natürlicher Grundsätze. Wieso denn? Erstens ist jene absolute »Lücke« kaum glaublich, bei aller Feldflucht wird De Maistre doch an der Marne einigen Widerstand geleistet und am Gr. Morin seine Trümmer gesammelt haben. Nichtsdestoweniger wäre sofortiges Nachstoßen allerdings aussichtsreich gewesen und, wie man den Kronprinzen kennt, hat er dies wohl auch befürwortet. Doch ebenso abwägend als kühn durfte er sich nun zweitens nicht blind stellen für Fochs Flankenstellung bei Compiegne, erst nach deren teilweiser Beseitigung am Ourcq konnte man gefahrlos ins Morintal hinabstoßen. In solchem Falle ist aber drittens reine Phrase, daß der Kronprinz nicht angesichts des Gegners über die Marne gehen sollte. Besannen sich etwa die Verbündeten im September 1914 dies zu tun, trieben sie nicht auch später oft ihre Scharen über die Aisne gegen vorbereitete Stellungen, gelang nicht im Sommer 1917 den Briten der Kanalübergang bei Ypern trotz konzentrischer Kanonade? Was die können, können Deutsche noch allemal. Gleichwohl wird niemand billigen, daß eine so lange Pause verstrich und Foch sich nun südlich der Marne neu aufbauen konnte. Auch hier war zweifellos Lud. das retardierende Element, da wir ja Gleiches aus früheren langen Pausen kennen. Alle Ententekritiker sind sich längst darüber klar, wie sehr dies getrennte Nacheinanderangreifen die Wurzel des strategischen Mißerfolgs in sich trug, weil kein Erfolg auf den anderen zeitlich und räumlich rückwirkte. Man schützt vor, daß Umgruppierung von Artillerie, Munition, Fliegern auf verschiedene Punkte große Schwierigkeiten machte. Für geregelte Lage mag solche Methodik passen, hier aber war eine gespannte, wo man auf Nebendinge nicht achten durfte. Etwas mehr oder weniger Vorbereitung hätte die Überraschung des Aisneangriffes nicht verhindert, übrigens verdankte Hutier seinen Märzerfolg nicht besonderer Artilleriearbeit, denn damals war die schwere Artillerie ja auch wesentlich Below zugeteilt. Es ist die gleiche Geschichte wie mit dem verspäteten Flandernangriff. Wäre dieser Ende März, d. h. 18 Tage früher gleichzeitig mit dem sonstigen des Pr. Rupprecht erfolgt, so wären die Nachteile der Witterungsverhältnisse zehnfach wettgemacht worden durch das harmonische Ineinanderfließen des kombinierten Angriffs von 5 statt von 3 Armeen. Byng hätte dann nicht ausgiebig unterstützt werden können, Belows schwere Verluste wären ihm erspart geblieben. Wer greift frontal an, wenn eine Flankenwirkung wie hier durch Quast möglich ist! Aber nur feste druff, unnötigen Raum erobern, immer hübsch taktisch denken, Strategie ist für Ölgötzen bei der Studierlampe! Es besteht nicht der kleinste Zweifel, daß bei Angriff der 4., 6. A., Versagen der 17., von Haus aus Verstärken der 2., sofortiger Linksziehung nach Südwest nicht nur Amiens genommen, sondern ein allgemeiner taktischer Sieg von noch viel größerem Umfang errungen worden wäre. Ohne des Kronprinzen rechtzeitiges Abdrehen Hutiers nach Süd-Südwest dürfte Lud. sich heute nicht »seines« März-Sieges rühmen, es wäre kompletter Mißerfolg gewesen. Wäre 17. A. auf mindere Stärke herabgesetzt, dagegen 6., 4. genügend stark gewesen, so war gerade das Ergebnis nahegerückt, was L. wünschte: Aufrollen nach Norden. Griff Byng an, wozu er schwerlich im Stande war, um den Druck von 2., 6. A. auf Bapaume und Lens zu mildern, so waren Belows Brave Mannes genug, ihn zu fesseln. Das zeigten sie nachher, als sie am längsten von allen sich zwischen Cambrai und Valenciennes behaupteten. Selbst das mangelhafte Ergebnis der Märzschlacht brauchte aber den durch Hutier erzielten mehr noch strategischen als taktischen Gewinn nicht zu mindern. Gewiß wäre es erwünscht gewesen, den Bahnknotenpunkt Amiens in die Hand zu bekommen, rein taktisch war aber Amiens nichts weiter als eben eine Bahnstation. Der Besitz von Moreuil und Hangard genügte, um die unter Kanonade liegenden Bahnstrecken unbefahrbar zu machen und zu Transportumwegen zu zwingen. Trennung der Briten von den Franzosen war ein politischer Gesichtspunkt von geringem militärischem Wert, die strategische Hauptsache vielmehr, daß überhaupt ein Zerschneiden der Feindesfront stattfand. Das geschah durch Hutiers Aufstellung an Avre und Südoise genügend, sie unterbrach die Ost- und Nordfront der Verbündeten, flankierte in der Luftlinie zugleich Amiens und Aisne. Bei solcher Bewandtnis hätte sich Lud. kurz resolvieren sollen, fortan die Front der 2., 17. A. als bedeutungslos zu betrachten. Verlust von Amiens zog Bedrohung von Paris nicht dringender nach sich als Vorstoß bei Semlis-Creil, deshalb wäre richtiger gewesen, von jetzt ab den Stoß ganz südlich zu richten, höchstens Scheinangriffe an der Ancre fortzuführen, die den Feind bis zur Anhäufung übermäßiger Kräfte beunruhigten. L. sagt denn auch, daß er »den so überaus schweren Entschluß« faßte, »den Angriff auf Amiens endgültig einzustellen«. Das trifft indessen nicht zu, denn noch am 24. April wagte Marrwitz einen nutzlosen Versuch. »Es war einwandfrei erhärtet, daß der feindliche Widerstand stärker war als unsere Kraft.« Dies soll sich auch auf 18. A. beziehen, kam aber nur für deren Rechte in Betracht. Blickt man auf frühere Schlachten zurück, stimmt solches Bekenntnis peinlich. Doch sahen wir nicht, daß schon Bülow bei Charleroi, Mudra bei Longwy ähnlich dachten und sowohl die Spannkraft ihrer Truppen als die Zerrüttung des Gegners unterschätzten. Am 26. März sprach ein Kriegsrat im Beisein von Lloyd George schon über Räumung von Paris! Trotz allem »eisenharten« Willen Fochs ist schwer zu glauben, daß man im April nirgends mehr ordentlich nach Süden vorwärts kam, zumal erwiesenermaßen noch viele Reservedivisionen intakt waren. Förster spricht von deren Übermüdung durch Bahnfahrt und schlechte Unterkunft! So weit war es mit den Überwindern jeder Unbill in Rußland, bei Ypern, in der Winterschlacht gekommen? Griffen nicht schon 1870 wiederholt Truppen unmittelbar nach Gewaltmarsch ein? Tatsächlich hatte man sich zu entscheiden, ob man ganz im Süden oder ganz im Norden gewinnen wolle. Letztere Operation war schon verpfuscht, die Reserven standen alle südlich, 15 Div. mehr (siehe früher) an der Lys konnten nichts Großes entscheiden, ein nördlich kombinierter Angriff von 17., 6. A. blieb aus, Belows fruchtloses Anpacken von »Mars« (nördlich der Scarpe) schreckte ab. Mag man über dies alles denken, wie man will, so mußte doch der in seiner Größe überraschende Aisnesieg, würdiges Seitenstück zu Hutiers Erfolgen, jedem Zweifel ein Ende machen. Hier war durch unerwartete Entwickelung der Entschluß gegeben, fortan nur noch im Süden sein Heil zu versuchen. Schulter an Schulter mußten Hutier und Boehn diesen gewaltigen strategischen Zentrumstoß erweitern. Die stürmische nachhaltige Tapferkeit der Truppen hätte das übrige getan. Dazu gehörte aber eine volle Umgruppierung, d. h. Verdünnung der zwecklos festgerannten Massen der 2., 17. A. Zum großen Ärger Prinz Rupprechts gab Lud. zwar weitere Offensive nach Westen auf und beschränkte sich auf passives Verharren in der eroberten Stellung, verfiel aber auf den unglückseligen Gedanken, sein Licht an zwei Enden anzuzünden, indem er jetzt auch zwischen Reims und Ripont angriff, doch keineswegs Massen der 2., 17. A. herauszog, um den Südangriff zu verstärken, sondern in gleicher Formierung vor der feindlichen Ostfront stehenblieb. Ein weiteres Anbrechen der Nordfront nördlich und südlich der Lys hätte jetzt nur noch Zurückbiegen Haighs nach Dünkirchen veranlaßt, was vielleicht die Amiensstellung entblößte, doch bei jetziger Lage, wo man auf Amiens verzichtete, nichts Erkleckliches bedeutet hätte. Es war also geboten, von der ganzen Front Rupprechts alles wegzunehmen, was über reine Defensivfähigkeit wegging, dagegen nicht nur die 7. A. aufs äußerste zu verstärken, sondern auch die 18. zu erneutem energischem Vorstoß auf Creil-Compiegne reif zu machen. Es ist nicht ersichtlich, daß irgendetwas davon geschah, jedenfalls lag 18. A. so still wie 2., 17., ohne ihre Massen entsprechend aufzulösen und ganz auf 7. A. zu übertragen. Ganz selbstverständlich mußte der französische Angriffswinkel bei Cotterets jetzt zerdrückt, Fayolle durch 9., 7. A. in der Flanke aufgerollt werden, was bei starkem Losbruch Hutiers auf Compiegne wie am Schnürchen gegangen wäre. Des Kronprinzen Vorgehen über Ch. Thierry traf also das richtige, gemeinsame Handlung der 7. und 18. A. war das natürlich Gebotene. War Boehn entsprechend groß aus 2., 17. A. verstärkt, behielt er ja noch Kraft genug, über Dormans-Epernay der Reimsarmee in den Rücken zu fallen. Dagegen erscheint Einems Angriff in der Champagne als sehr verfrüht, er diente nur dazu, den Feind auf neue Verteidigungslinie zu treiben. Strategischer Erfolg war hier nur denkbar, wenn Armee Gallwitz als selbständiger Operationsfaktor stark genug gemacht und zu Vorstoß über die Maas bereit wurde, vereint mit gleichzeitigem Druck Mudras durch die Argonnen. Doch davon keine Spur. Jedenfalls gebot jede Vorsicht, den Reims-Plan zu verschieben, bis man nördlich Paris reinen Tisch machte. Laut Wright verlor Haigh seit 20. März bis 1. Juni 387 000 (19 000 Off.), davon im März 173 700 (8840 Off.), nie seien Briten in solchen Schwaden niedergemäht wie bei diesem »größten deutschen Sieg im Weltkrieg«, »das kleine Häuflein der Überlebenden (!) schwebte am Rand des Verderbens«, »Berechnungen wurden angestellt, ob es möglich sei, den Rest (!) der Britischen Armee nach England hinüberzuretten.« Offenbar nur die zunächst betroffenen Teile bei obigen Ziffern gemeint und Gefangene alle ausgelassen, außerdem unmögliches Offiziersverhältnis 1:20, wahrscheinlicher 587 000. Da die Verluste der Franzosen im April-Mai denen der Engländer wenig nachstanden, müssen die Verbündeten seit 20. März die ungeheure Zahl von 1 Million Tote und Verwundete eingebüßt haben, die deutsche Vermutung war nicht zu hoch, sondern zu niedrig. Der Sieg bei St. Quentin war laut Wright der größte, der je in Frankreich (über Engländer) erfochten. Indessen ist richtig, daß die Angriffswucht gegen Amiens abnahm und die 2. A. umsonst versuchte, von Albert aus nördlich zu umfassen. Below, dessen neuer Angriff erst am 6. April begann und sogleich stockte, nachdem 18. A. schon ihren glänzenden Sieg erfocht, aber zum Stillstand kam, war festgerannt. General Buat behauptet, Ludendorff hätte richtiger den Hauptangriff über Lens verlegen sollen, um nordöstlich Abbeville die Engländer in zwei Stücke zu zerschneiden und so auch Amiens zu bedrohen. Wir betonten von jeher, daß deutsche Offensive längs der Lys stets das strategisch Richtige gewesen wäre, jetzt aber änderten die Verhältnisse sich sehr, die Engländer standen mit großen Massen bis Roulers und ein Stoß auf Lens – den wir nie empfahlen – war jetzt einigermaßen gefährlich, selbst wenn er ähnlich gelungen wäre wie bei St. Quentin, was wir stark bezweifeln. Buat meint, St. Quentin als Ausgangspunkt des Angriffes sei doch von Amiens sehr weit entfernt, eine falsche Unterschiebung, denn nur Hutier griff dort an, nicht Marrwitz, der nordöstlich davon gegen Westen antrat und aber nicht rasch genug vor Amiens gelangte. Die dortige Gegend ist sehr verteidigungsfähig und die Franzosen verlegten mit stets neuen Reserven den Weg. Wir glauben, daß Marrwitz anfänglich nicht seine ganze Macht entfaltete, so daß Foch Zeit behielt, sich vor überraschender Überrennung zu verwahren. Daß eine solche glücken konnte, zeigt Hutiers gewaltiges Vordringen. Übrigens machte in der Wüstenei der zerstörten Zone der Verpflegungsnachschub bei Marrwitz und wohl auch Below zu schaffen, weshalb die Wahl, südlich von St. Quentin auf Noyon anzudrehen, sich von selber für Armee Hutier empfahl. Wir können Buat um so weniger beipflichten, als alle Vorteile eines glücklichen Zentrumstoßes sich aufdrängten, sobald Hutier über die Somme am linken Oiseufer aufwärtsdrang. Als Teile Boehns, sich dies zunutze machend, am linken Oiseufer vorgingen, geriet die ganze französische Linie ins Wanken. Buat spricht von einer besseren mittleren Stoßrichtung, indem er Below als Zentrum auffaßt, vergißt aber, daß die zusammenhängende Front des Kronprinzen und des Prinzen Rupprecht ihr Zentrum in Hutier hatte, der rechts und links unterstützt werden konnte, was bei Below nicht so der Fall war. Daß Ludendorff den Angriff sonst im April südwärts einstellte, kann an sich nicht getadelt werden. Denn die Truppen bedurften dort nach so großer Anstrengung einiger Ruhe. Dafür verlegte er jetzt den Stoß zur 6., 4. A. im Norden. General Quast setzte sich rasch in Bewegung und erreichte bald genug Bailleul, die Portugiesen auseinandersprengend und die englische Ypernarmee flankierend, die schon am 12. vor Armin bis Ypern wich. Nur rechtzeitig per Bahn abgeladene französische Reserven setzten der Aufrollung ein Ziel. Auch dies war ein großer, doch nicht entscheidender Erfolg. Obwohl 53 englische Divisionen verbraucht waren, wehrte Haigh sich noch zwischen Bassée-Bethune und in einer Art Brückenkopf nördlich der mittleren Lys und trommelte in England die letzten Ersatztruppen zusammen. Lloyd Georges Erinnerung an Waterloo zeigt, wie schwarz man sich die Lage malte. Die Hälfte aller französischen Kräfte war gleichfalls verbraucht, hätte L. besser disponiert. Marrwitz' Stoß aufs äußerste gefördert, den Belows unterlassen, bis er ihn mit dem Quasts und Armins kombinieren konnte, so war Entscheidung da. Die deutschen Verluste seien bisher erstaunlich gering gewesen, wird offiziell gesagt und Einzelquellen bestätigen es. Besonders die Gasgranaten hatten den feindlichen Widerstand anfangs überall schnell gebrochen. Indessen schienen jetzt auch 4., 6. A. vorerst abgekämpft. Das sonstige Gefecht blieb stationär zwischen Arras–Amiens–Montdidier. Buat behauptet, Ludendorff sei zu wenig sparsam mit seiner Infanterie umgegangen, wir sehen jedoch kein Anzeichen für zu verschwenderische Ausgaben der Angriffsdivisionen. Starke Reserven waren nötig, den Angriff fortzusetzen, aber B. empfiehlt ja selbst, L. habe neue Angriffe gegen andere Stellen beginnen sollen, um die letzten französischen Reserven dorthin zu locken. Das tat er denn auch an der Aisne, wo die französische Front dünner und nur durch abgekämpfte englische Divisionen ergänzt war. Auch das geschah auf Antrag des Kronprinzen. Der Erfolg gab ihm Recht und die Betrachtung Buats, daß man auf solchem Wege nicht der Entscheidung näher rückte, machen wir nicht mit. War es denn eine Kleinigkeit, die Zentrumlücke derart zu erweitern, daß man zwischen Ourcq und Ch. Thierry unmittelbar Paris bedrohte? Allerdings war ein so großer Erfolg nicht vorauszusehen. Jedenfalls mußte aber dieser neue unvermutete Angriff die Reserven Fochs aufsaugen und so seine Front Amiens–Bassée schwächen. Wir sehen also keinen Unterschied zwischen dieser und der von Buat vertretenen Taktik. Gewiß sind wir der letzte, das Übergewicht des Strategischen über das Taktisch« zu leugnen, und ein Durchbruch bei Amiens oder Castel hätte den strategischen Zweck verfolgt, die Engländer von den Franzosen zu trennen und die Bahnbeförderung der Amerikaner lahmzulegen. Aber das ewige »wenn« setzt eben voraus, daß dieser Durchbruch damals, wo Foch seine ganze Hauptmacht in dieser Richtung vereinte, schon möglich war. Marrwitz' Kampf gibt aber dafür keine günstige Vorstellung. Ob dieser Vorstoß kürzer gewesen wäre, als der frühere im März und April, bedeutend kürzer als das folgende Vordringen des Kronprinzen, oder ob man dort eine noch nicht gefestigte Linie ohne rückwärtige Einrichtung traf, warum konnte dann die allmählich verstärkte 2. A. nicht durchdringen, nachdem Marrwitz vermutlich den richtigen Anfangsaugenblick zögernd verpaßte? Sollte man etwa neue Massen auf beschwerlichem Weg dorthin werfen? Auch dann blieb Erfolg zweifelhaft. Da kann man L. nicht verdenken, daß er lieber einen sicheren taktischen Sieg an anderer Stelle suchte und sich erneuten Angriff der 2., 18. A. für später vorbehielt. Ernster freilich klingt die Frage, warum er bis Ende Mai pausierte, auch im April wesentlich nur 6., 4. A. fochten, während es dringend in seinem Interesse lag, den größten Märzsieg schleunigst auszubeuten, ohne daß die Verbündeten sich erholten und neue amerikanische Reserven anlangten. Jede stichhaltige Begründung bleibt L. uns schuldig. Die Truppen waren gehobenen Mutes und man konnte von ihnen damals noch viel erlangen. Da man sie aber mit der Hoffnung bezauberte, ein großer Sieg werde raschen Frieden bringen, mußte das plötzliche Stilliegen nachteilig auf ihre Stimmung wirken. Das alte Unkenlied: Zu spät! gellt uns auch hier in den Ohren. Ende April hätte der Aisneangriff mit der frischen A. Boehn viel schneidendere Folge gehabt. Nahm man schon damals Spuren moralischer Zersetzung bei den bisherigen Angriffsheeren wahr? Das wird bestritten, jedenfalls wurde nichts offen bemerkbar und Fortsetzen erfolgreichen Angriffs war das sicherste Mittel, dem vorzubeugen. Wartete man auf großen Munitionsersatz? Alle Schäden, unter denen ein Sieger leidet, macht der Besiegte dreifach durch, die Verbündeten befanden sich nach eigener Aussage in furchtbarer Zerrüttung und staunten über Nachlassen deutscher Angriffe. Was immer er zur Rechtfertigung vorbringen könnte, diese April-Mai-Pause bei 17., 2., 18. A. wird ihm wohl nachträglich das Gewissen beschweren, denn unter allen Umständen war Beschleunigung der Offensive geboten. Doch erst Ende April erhielt der Kronprinz Befehl, sich vorzubereiten. Seine Aufgabe war schwerer als die bisherige der anderen Heere, denn ob auch schwächer besetzt, war die französische Stellung längs dem Damenweg und Bergwald von Reims viel stärker als anderswo. Die Vorbereitung nahm ungebührlich viel Zeit in Anspruch, der Kronprinz soll der Angriffsrichtung widerstrebt haben. Sicher wäre es auch richtiger gewesen, vorerst nicht am Damenweg anzurennen, sondern nur mit Boehns rechtem Flügel in Richtung Compiegne vorzubrechen, was längst im April hätte geschehen sollen. Diesen allein vollberechtigten Tadel äußert Buat nicht. Komisch klingt aber seine sachliche Schmähung, das deutsche Heer hätte nur noch leichte Angriffe durchführen können, keine auf gut bewachte Fronten, unfähig auch zu ruhiger stoischer Verteidigung, man habe ihm nur so noch den Glauben an Siegmöglichkeit einflößen dürfen. Rechnen wir an, dies sei wahr, in welchem Zustand befanden sich da wohl die Verbündeten! Sie waren in der Tat zu keiner Verteidigung mehr fähig, das bewies der unerhörte Sieg des Kronprinzen. Denn es ist wirklich unerhört, in einem einzigen Anlauf das ganze Plateau des Damenweges zu nehmen und erst bei Ch. Thierry haltzumachen, während Fritz Below bis in den Westrand des Reimser Bergwalds drang. Dieser trat jetzt 1. A. an Mudra ab und übernahm 9. A., die neu umgruppiert aus K. Woyna, Watter, Staabs, Hofmann bestand. Bei 7. A. treffen wir nicht mehr Larisch, dafür K. Schöler (Hutier), Kathen (Marrwitz), Borne (Below). Es waren also 3 Heergruppen von anderen Heeren losgelöst, eine in Reserve ausgeschieden. Die Deutschen standen wieder fast so weit südlich wie in den Tagen vor der Marneschlacht. Daß Hutier keinen zeitlichen Zusammenhang mit Boehns Vorsturm erstrebte, verspätet durch Fochs starken Gegenangriff zum Stehen kam, war sehr unerfreulich. Jene Gleichzeitigkeit der Angriffe, auf welche Joffre stets so großen Wert legte, hielt L. sie für unnötig oder vermochte er nicht, sie durchzuführen? So hatten jetzt 9. A. und K. Winkler und Schöler die peinliche Aufgabe, die von Hutier noch nicht gesicherte rechte Flanke zu decken mit Front nach Westen, während Kathen, Wichura, Conta, Schmettow, Borne östlich und südöstlich gerichtet, eine unangenehme Lage. Nördlich schlossen K. Ilse und Lindequist an, während Mudras K. Gontard (von Marrwitz) und Langer nebst K. Krug, Endres, Hohenborn, Kleist in der Champagne Einems Angriff vortragen sollten. Daß man jetzt das Gewicht wieder weiter weg an andere Stelle verlegte, wäre an sich noch nicht fehlerhaft zu nennen, wie nachher unberufene deutsche Kritiker den Angriff auf Reims sogar als Todsünde ausschrieen. Durch Verrat deutscher Überläufer war dem Feind bekannt geworden, daß die Armeen Boehn, Fritz Below, Einem zu neuem Angriff ansetzen wollten. (Armee 5 östlich von Einem wird wohl irrig mitgerechnet; sie scheint vorerst nicht mitgewirkt zu haben.) General Gouard schickte sich an, unter elastischer Aufgabe seiner Vorderlinie auf Prosnes–Perthes zurückzufallen, während Berthelot zwischen Marne und Reims dem Feind den Zutritt in den »Reimser Berg« zähe verwehren wollte. Es standen 40 französische, 12 andere alliierte Divisionen bereit, den Anprall aufzufangen, der sich wohl konzentrisch auf Chalons richten sollte, ein Teil Boehns jenseits der Marne auf Epernay–Montmirail. Die Hauptmacht sollte südlich der Vesle zusammengedrängt werden, wobei die Gefährdung der rechten Flanke durch Mangin zwischen Aisne und Ourcq, durch Desgouttes zwischen Ourcq und Marne zu wenig berücksichtigt wurde. Die Offensive konnte diesmal nicht gelingen und wurde deshalb bald eingestellt, so daß am 25. Juli der angeblich schon am 16. eingeleitete und am 18. begonnene Rückzug über Fères en Tardenois fortgesetzt wurde. Da vier Wochen früher die Armeen Hötzendorf und Boroewic gegen Italien eine gründliche Schlappe davontrugen, war dieser deutsche Mißerfolg doppelt unwillkommen. VI. Zweite Schlacht a. d. Marne. Dritte Champagneschlacht. I. Der in breitem angelegte vierte Akt des Offensivdramas war keine Früh- sondern verspätete Nach- und deshalb Totgeburt. Endlich am 15. Juli kam diese neue deutsche Offensive ins Rollen, diesmal ohne jede Überraschung, da der Feind schon Tage vorher die nicht verheimlichten Vorbereitungen bemerkte. Nichtsdestoweniger blieb der Erfolg scheinbar auch diesmal den Deutschen treu. Die Armeen Einem und Mudra nahmen bis 16. die ganze erste Verteidigungslinie der Armeen Berthelot und Gouard zu beiden Seiten des sogenannten Reimser Bergs und erreichten in der Champagne die nördliche Nachbarschaft von Souain und Perthes über Prosnes und Auberive. Heftige Gegenstöße unter schwersten Verlusten beeinträchtigten nur wenig den Gewinn. Wohl aber das auf die absichtlich geleerten Vordergräben eingeschossene Artillerfeuer. Hier mußte 8. B. D. zurückgezogen werden. Boehns Mitte überschritt auf 20  km Front die Marne und schuf sich am Südufer sofort einen ausreichenden Brückenkopf von drei  km Tiefe, die Linke stieß am Nordufer entlang ins Ardretal. Der Feind wich noch weiter über Condé. 22 Divisionen (Berthelot, Italiener, Engländer) wurden nacheinander geschlagen, hier wie in der Champagne 5  km gewonnen. Allerdings wurde Boehns Rechte durch einen Gewaltsturm französischer und drei amerikanischer Divisionen der Armee Desgouttes wieder ans Ufer zurückgedrängt, seine Mitte aber drang noch zwischen Dormans und Brie weiter bis Savièresbach vor und die Linke bei Chatillon–Belval behauptete sich zunächst im schwierigen Kampfe. Gegen die Unsern am Südufer und die Marnebrücken, von Feindfeuer überschüttet, griff die »Manövrierarmee« Mitry plötzlich ein. Die Pariser Presse erging sich wieder in lächerlichen Fabeln über riesige deutsche Verluste, an einem Tage sollten »15« Divisionen 60 000 verloren haben, wobei man eine 7. und 9.  Garde division erfand, was zweifellos 7., 9. Armee heißen sollte, Garden und Brandenburger machten sich in dieser neuen Schlacht dem Feind besonders bemerkbar. Schmettow, Borne, Ilse drangen tief in den Reimser Bergwald ein, am Südufer Conta und Wichura durch Busch und Moor 10  km vor Epernay. Leugnen läßt sich nicht, daß zwar die Armeegruppe Mitry bis 17. durchbrochen wurde, dann aber allgemeine Offensive Fochs entschieden Vorteile errang. Ein scharfer Stoß Mangins am 18. gegen Boehn längs der Aisne vor Compiègne und südlich der Marne konnte, so schwer er die 9. A. bei Fontenoy und Torcy traf, obschon vom Flügelk. Woyna abgewehrt, doch immer noch die Auswirkung des neuen Keils anfangs nicht verhindern. Am 20. schien die Lage noch ziemlich leidlich für die neueroberte Linie, eine Angriffspause trat scheinbar nur ein, um die Artillerie über die Marne heranzuziehen. Mangin trug seinen Tankschrecken unter Gewitter und Nebel durch mannshohes Korn doch nur 4  km weit, reine Überfallmache. Man bedurfte übrigens gar keines Trommelfeuers bei Boehn, um die tiefgestaffelte sorgsam vorbereitete Vorderstellung zu überrennen, wobei wiederum reiche Lebensmittelvorräte erbeutet wurden, außerdem über 20 000 Gefangene! Leider schoß auch Maistres (Chef der A. Mätry, Berthelot, Gouard) Art. tiefgestaffelt, eine Stellung hinter der andern. Da der neue Angriff sich von Chatillon bis zu den Argonnen 90  km ausbreitete, wäre der Einsatz von angeblich 50 deutschen Divisionen (Pariser Angabe) gering, während Foch all seine noch vorhandenen Reserven hier ansammelte. Tatsächlich begann jetzt der Hauptkampf mit feindlicher Übermacht, wobei sechs amerikanische Divisionen längs der Front verteilt. Infolgedessen müßte man anderswo auf geschwächte Linien getroffen haben, sobald Ludendorff andere Entscheidungspunkte gesucht hätte. Tatsächlich wurden englische Divisionen von der Lys herangezogen. Erneut entbrannte der Kampf nunmehr seit 21. auf der Front der Armee Mangin und der französisch-amerikanischen Gruppe des Generals Desgouttes sowie weiter im Osten der Armee Mitry. Längs der Straße Cotterets–Soissons scheiterten nach anfänglichem Gelingen alle Angriffe Mangins viermal. Die Gruppen Watter, Staabs, Winkler, Schöler machten ihre Überrumpelung wieder gut, die noch frischen K. Hofmann und Etzel eilten herbei. Indessen war man doch genötigt, die südlich der Marne aufgebauten Truppen unbemerkt ans Nordufer zurückzunehmen. Fruchtlos fegten Fliegerbomben und Trommelfeuer den Wasserspiegel, der ans Ufer rennende Verfolger traf nur zerstörte Stege und von Condé her platzende Granaten, die ihn verscheuchten. Der Feind mochte dies als Erfolg auffassen, aber man begreift, daß angesichts des Höchstmaßes der vorgeführten Massen Fochs ein Verweilen am Südufer nicht tunlich war. Wir setzen dabei voraus, daß keineswegs die Absicht bestand, eine Generaloffensive durchzuführen, sondern nur durch den Keilstoß die ganze Aufmerksamkeit des Feindes dorthin zu lenken. Die eigentliche Absicht war, westlich, und östlich von Reims in Richtung Epernay und Chalons einen Bruch zu üben, hierdurch den Reimser Berg zu isolieren. Die französische 8., 40., 51., 124., 132. Div. verloren dort an Gefangenen gleich anfangs rund 8350 (8. am meisten), die 8. italienische 3680. Dazu kommen bis 17. abends an anderen Stellen noch 5500 französische, 250 italienische, 233 amerikanische, Summa 18 000 (410 Off.). Da bis 19. noch mehrere Tausend hinzutreten, kann auch Fochs Vorrücken an der Marne nirgendwo durchschlagend gewirkt haben, während auf der von Noyon über Soissons–Villers Cotterets–Neuilly südwärts laufenden Zwischenlinie nur einige Höhenwellen südwestlich Soissons von Foch errungen wurden. Die neue deutsche Linie Condé–La Chapelle südlich der Marne hätte schwerlich schon die Kraft besessen, sich weiter südlich zum Morintal vorzubauen. Es kam lediglich darauf an, dem Feind solchen Durchbruch vorzuspiegeln. Immerhin zogen die Franzosen am 21., 22. in Chateau Thierry wieder ein, wo die K. Kathen und Etzel sich besonnen unter schmerzlichen Blutopfern aus ihrer Winkelklemme loslösten, nachdem Boehn die Südwestecke des Angriffskeils und den südlichen Brückenkopf aufgab, und behaupteten 20 000 Gefangene erbeutet zu haben. Bei Hartennes und Thierry brach sich das Nachstoßen an einer Posener und einer Hannoverschen Division. Moralische Schlappe? Nur in Meinung der Entente. Es ist möglich, daß viel Gefangene verloren gingen (angeblich am 22. neuerdings 6000) und 700 Gesch. stehen blieben, aber die lächerliche Angabe, Armeegruppe Gouard habe beim ersten deutschen Vordringen am 15. nur 4000 Mann verloren, zeigt die geringe Glaubwürdigkeit solcher Ziffern. Wenn behauptet wird, der deutsche Rückzug über die Marne sei rechtzeitig bemerkt und mit »riesigen« Verlusten begleitet worden, so widerspricht dies so sehr der ausdrücklichen deutschen Darstellung, daß hier wirklich einer von beiden kraß gelogen haben müßte. Übrigens schrumpften obige angeblich 50 Divisionen in späterer Ententemeldung auf 30 ein, denen sich 7 Reservedivisionen am 21. zugesellt hätten! Später hieß es dann wieder, der Kronprinz habe 54 Div. in der Front gehabt. Lauter Widersprüche. Zugleich erfolgte aber Warnung der Pariser Presse vor Armee Hutier, die auf neuen Angriff lauere. Dieser mußte umso wirksamer werden, je mehr Foch seine Massen ostwärts gegen Soissons verausgabte. Am 22. mußten zwei amerikanische Divisionen kampfunfähig aus der Front gezogen werden, ebenso die 57. Marokkaner Division. Allerdings war jetzt die Lage Boehns schwierig, doch die Fochs mußte sich umsomehr verschlimmern, wenn Hutier in seinem Rücken vorstieß! Beiläufig konnte Fortsetzen des deutschen Angriffs über Chateau Thierry strategisch nicht mehr ernstlich beabsichtigt sein, da von dort Bedrohung von Paris längs der mittleren Marnesehne kaum möglich war. Nichtsdestoweniger schwelgte die Ententepresse in überschwänglichen Zukunftshoffnungen und prahlte eine »zweite Marneschlacht« aus. Tatsächlich stand das Gefecht der Armee Berthelot östlich von Reims keineswegs günstig für die Franzosen, Armee Mitry westlich davon hob zwar den Druck auf Epernay auf, dem sich auch Armee Einem schon halbwegs näherte. Erst am 23. besetzte Berthelot freiwillig geräumte 7  km . Denn Boehns Linke hatte bei Dormans nachgeben müssen und nach dem südlichen wurde auch das nördliche Marneufer zuletzt völlig geräumt, wo Contas Nachhut bis 27. Mitrys Marneübergang hemmte. Armee Desgouttes befand sich im Nachstoßen bis 27. am Ourcq. Solange aber Armee Mangin (diesen General finden wir bei Kriegsbeginn als einfachen Brigadechef, wie auch den Generalissimus Petain) nicht bei Soissons durchdrang, war an ernste Gefährdung Boehns nicht zu denken. Die deutscherseits angeblich beabsichtigte Abnutzungsschlacht kostete jedenfalls dem Feind riesige Opfer, wobei er wieder seine Schwarzen schlachtete und Äquatorien entvölkerte; der deutsche Verlust kann unmöglich sehr groß gewesen sein. Wenn Clemenceaus »freier Mann« feststellte, die Deutschen hätten seit 20. (!) eine Million Mann verloren, so fragt man nach so wahnwitzigen Märchen, was dann überhaupt noch von französischen Siegesangaben zu halten sei. Am 23., 24. kam die Schlacht zum Stehen, wie sogar Ententekritiker kleinlaut eingestanden, obschon General Fayolle als Leiter des Kampffeldes zwischen Aisne und Marne den Angriff sogar auf Stellungen der Armee Hutier an der Avre ausdehnte. Diese blieben erfolglos, ohne daß Hutier aus seiner beobachtenden Ruhe kam. Fochs Absicht schien zu sein, da er westlich Soissons Brücken über die Aisne schlagen ließ, Boehn von Westen her aufzurollen, während seine anderen Massen aus Süden in Richtung Fismes westlich von Reims vordringen sollten. Es kam jedoch zu nichts. Einen Augenblick schien es, als ob er eine innere Naht auftrennen werde, als er bei Villemontoire eindrang. Dies währte aber nur kurze Zeit, ein Gegenstoß warf ihn zurück. Große Tankgeschwader hatten nur vorübergehenden Erfolg, und wurden zusammengeschossen. Deutsche Fluggeschwader störten empfindlich die Zufuhrstraßen, was ihnen freilich die Ententeflieger ähnlich vergalten. Die deutschen Etappenwege besonders am Damenweg waren spärlich und beschwerlich, die französischen ungleich besser, was bei Artillerieverschiebung besonders ins Gewicht fiel. Dennoch flaute Fochs Offensive ab, die Opfer waren übergroß. Die amerikanische 2. Division wurde vernichtet, Amerikaner und Italiener ergriffen mehrfach die Flucht, solches Würgens ungewohnt. Schon waren auch englische Divisionen in der Champagne verbraucht worden und England war höchlich unzufrieden mit Fochs Offensive. Seine Sorge hieß natürlich Calais, während Foch nur darauf brannte, Paris zu decken. Aus solchem inneren Zwiespalt der Interessen konnte nichts Gutes keimen. Einen peinlichen Eindruck machte freilich der besondere Zwischenfall, daß ehrlose deutsche Überläufer mancherlei über deutsche Pläne verraten hatten. Die Kriegsmüdigkeit führte hier zu psychologischen Ermattungssymptomen, die bisher im deutschen Heere unbekannt blieben. Die »Manövrierarmeen« Mitry und Mangin trugen jetzt den Hauptkampf, Gouard und Berthelot waren abgekämpft, Desgouttes furchtbar mitgenommen. Vor den Korps Watter, Winkler, Etzel verbluteten am 24., 25. alle weiteren Angriffe Mangins. Mitry suchte südwestlich Reims vorzudringen, doch Mudras Rechte leistete harten Widerstand. Die Alliierten hatten hier auch zwei italienische Divisionen und Teile des »Kolonialkorps« sowie Bataillone Senegalneger außer den französischen Massen. Die Italiener waren bald abgekämpft, Engländer traten in die Lücke, ebenso südlich Soissons. Die Artillerie spielte auf der ganzen langen Linie, angeblich litt 1. Gardekorps schwer, doch sind das lauter Ententebehauptungen. Von den 800 Tanks, die anfangs vorfuhren, blieben sehr viele zerschossen liegen. Aber den Wald von Cotterets, wo Mangin seine Sturmscharen verdeckt angesammelt hatte, drang er wenig hinaus und längs dem Ourcq waren die Fortschritte nicht wesentlich. Oulchy le Chateau behauptete Boehn immer noch, der Feind überschritt nur den Bach von Nanteuil. Im ganzen kam die Gegenoffensive Fochs nur 5  km weit, nur an einzelnen Stellen 15  km , welch ein Gegensatz zu dem deutschen Raumgewinn! Zuletzt wurde freilich Oulchy genommen, doch blieben immer noch deutsche Teile zwischen Marne und Ourcq, Fayolle gab lange jede Hoffnung auf, bei Soissons durchzudringen. Die Kämpfe nördlich von Dormans führten anfangs nur zu Raumverlusten Mitrys und Desgouttes', ein Angriff Berthelots vom Bergwald her erstickte. Gerade bei Mangin müssen die Verluste später grauenhaft gewesen sein, Bereitschaftsstellungen wie in der Mulde von Croissy faßte das deutsche Vernichtungsfeuer mit furchtbarer Wirkung. Desgouttes' Amerikaner fielen in Masse vor Tardenois, das die Garde bis 30. festhielt, erst am 2. August hatte Mangin das planmäßig geräumte Hurtennes, an dem er sich fünf Tage lang die Zähne ausbiß. Jetzt erst zogen Chasseurs des Generals Guillemont in Soissons ein; die Deutschen lagerten verschanzt hinter Aisne und Vesle zwischen Vregny und Fismes. Schon begann das Siegesgeschrei in Paris zu verstummen, schon erhoben sich neue Stimmen für baldigen Frieden. Foch hatte bisher 52 französische, 5 alliierte und später noch 3 englische Divisionen zur eigentlichen Offensive eingesetzt und diese offenbar ständig vermehrt. Daß 54 oder gar 60, ob auch schwächere, deutsche hierdurch zurückgedrängt seien, ist natürlich unmöglich, das Zahlenverhältnis muß sehr zugunsten Fochs gelegen haben. Wahrscheinlich rechnete man Reserven mit, die noch gar nicht im Kampfe standen. Nur in diesem Sinne stimmt, daß »62 D. in Bewegung waren« (Bayr. Kr. Arch.). Auch sickerte durch, Prinz Rupprecht habe 100 Divisionen in der Front und dahinter noch große Reserven! Jedenfalls war die ganze französische Hauptmacht abgekämpft unter Verlusten, die teilweise wohl sicher denen jener Nivelleschen Schlächterei Mitte April 1917 gleichkommen, wo das 1. Korps bei Craonne zwei Drittel, das 7. bei Brimont-Reims zwei Drittel an einem einzigen Tage einbüßten für Gewinn von ein paar Kilometern. Da aber die neue österreichische Offensive an der Piave gescheitert war, so hob sich in Italien der traurig gesunkene Mut, auch langten dort amerikanische Verstärkungen an. Aber es war den Alliierten nicht geheuer dabei, man erwartete neue Offensive unter deutschem Kommando. Die russischen Verhältnisse waren zwar immer noch verworren, immerhin besänftigten sich die polnischen und sonstigen Überpatrioten in den Randstaaten, Ukraine und Krim konsolidierten sich als deutsche Schutzstaaten. Die gegenrevolutionären Putsche in Moskau verliefen übel, von Ermordung des deutschen Gesandten Mirbach und des Exzaren begleitet. Nur die tschechoslowakischen Überläufer und Gefangenen führten einen Bandenkrieg, zu dessen Nährung in Sibirien die Japaner und Chinesen einige Hilfstruppen vorrücken ließen. Es scheint, daß die deutschen und österreichischen Gefangenen, seit lange bewaffnet, auf Seite der Bolschewiki dort kämpften. An der Murmanküste bei Archangel nisteten sich gelandete Ententetruppen ein, ohne daß rote Garden sie vertreiben konnten. Es fiel also Deutschland die Aufgabe zu, gemeinsam mit Finnland diese Küste zu besetzen; Ermordung des Feldmarschalls Eichhorn in Kiew bewies, wozu die Söldner der Entente fähig waren. Jedenfalls blieb die Ausdehnung unserer Okkupation zu weit gedehnt, da sich sogar im Kaukasus deutsche Truppen befanden. Armee Boehn nahm bis Anfang August eine Verstärkung ihrer Front vor, was zu allerlei Nachhutgefechten führte, wobei Ost- und Westpreußen sich auszeichneten. Bis 3. August machten die Franzosen einige Fortschritte auf der Straße Dormans–Reims sowie im Tardenois. Unser Gefangenenverlust seit Ende Juli stieg angeblich auf 40 000, was sich aber bald auf 35 000 in späterer Meldung verminderte. Eine gewisse Niedergeschlagenheit bemächtigte sich vieler Flaumacherkreise im deutschen Publikum und die Verhältnisse in Rußland schienen sich zu verschlimmern, zumal die Japaner nun endlich ihre Intervention in Ostsibirien in Szene setzten. Aber noch wachten Hindenburg und Ludendorff über Deutschlands Schicksal und die gefürchteten neuen Schläge hoben an, wie Haigh glaubte. Es war hohe Zeit. Denn die Amerikaner landeten mit Macht. Foch soll hier nach deutscher Angabe 1½ Millionen Streiter aufgeboten haben, was etwa 100 Divisionen nebst Artillerie entsprechen würde und daher zu viel erscheint, da sonst nur etwa 90 alliierte Divisionen auf der ganzen übrigen Front bis Arras verfügbar geblieben wären. Daß er davon neuerdings zwischen 10 und 20 % verlor, ist glaublich, da er sehr schwere Verluste hatte, »150 bis 200 000« ist zu wenig, aber sie dürften doch wohl unter »300 000« betragen haben. Die allzu hitzigen sechs amerikanischen Divisionen verloren 32 000, also wohl relativ am meisten. Die französische Sanität versagte wie gewöhnlich. Nur der berühmte Überfall bei Cotterets war spottwohlfeil gewesen, wohlfeil auch in anderer Hinsicht. So unerfreulich für deutsche Truppen, denen man solche Seitenstücke zu »Athis« oder »Beaumont« nicht zugetraut hätte, zumal sie selber sich warnten, der Großwald stecke voll Franzosen, verschwor sich die Natur selber gegen uns. Hochkircher Nebel und Regenschleier a. d. Katzbach vereinten sich, Donner übertönten das Prusten der Tankwalzen, nur diese unberechenbaren Zufälle ermöglichten Mangins Erfolg. Ludendorffs eigene Einbußen hielten sich in mittlerer Höhe und schränkten sich beim Rückzug immer mehr ein, wie die Gegner zuletzt kleinlaut zugestanden, nachdem sie wieder mal von enormen deutschen Verlusten gefabelt. Nimmt man Differenz von 2. b. zu 11. b. zur Grundlage (700:4000), so betrug der Verlustdurchschnitt wieder nur 2500 pro D., also 175 000 auf 70 ernst fechtende D. einschließlich Gef., bei denen viel Schipper, in Getreidespeichern versteckte Grippekranke und Überläufer, mit der Waffe in der Hand ergaben sich nur wenige. Der letzte Rückzug über Fismes kostete nicht einen einzigen Mann! Besonderes Lob erwarben die Lastkraftwagen, die kolonnenweise allen Schießbedarf und Proviant herbeitrugen, da die Bahnlinie hinter der Aisne spärlich und im eroberten Gebiet zerstört. Schwere Artillerie traf schon bald in der Vorderlinie ein, sie war ohne Einbuße über die Aisne zurückgeschafft. Die Armee Mitry (am Kemmel durch amerikanische Ersatz-Divisionen abgelöst) folgte äußerst vorsichtig, Berthelot kam kaum vom Fleck, die Armeen Desgouttes und Mangin bezeichneten ihr Fortschreiten am äußersten linken Flügel durch eine endlose Blutspur, alle Kornfelder lagen voll Leichen. Daß jene allein gefährlich schienen, bewies das Herumschwenken eines großen Teils von Boehns Artillerie, die anfangs ostwärts (Richtung Epernay) feuerte, nach Westen. Das Ganze ergab sich nach dem ersten Taumel als ein »Sieg«, dessen die Entente nicht froh werden konnte. Indessen hatte Hindenburg auch am Avretal und an der Ancre bei Albert eine rückwärtige Frontverkürzung angeordnet. Alles wies darauf hin, daß sein Hauptstoß wieder an der Lys und Yser erfolgen werde, wo seit so lange nur heftige Artillerietätigkeit herrschte. Zur Hebung der gedrückten Stimmung in Deutschland mußte etwas geschehen, zumal wöchentlich neue amerikanische Divisionen landeten. Aus den Klagen über französische Sanität geht hervor, daß die Schlächterei groß war. Nun sind tatsächlich nördlich der Marne 47 französische, 8 alliierte Divisionen eingesetzt worden, zu beiden Seiten von Reims 18 französische und 3 alliierte, zusammen 76, während möglichenfalls 24 andere in Reserve blieben. Daß man letztere aufsparte und Foch hauptsächlich die Bundesgenossen opferte, wird allseitig berichtet. Die »schwarzen« Divisionen litten hier noch mehr als die Amerikaner, die zwei italienischen wurden kampfunfähig. Rechnen wir also sehr niedrig für etwa 30 Angriffsdivisionen nur ein Drittel Verlust und für alle übrigen 46 nur je 2500, so kommt ein Verlust von 265 000 für die Julischlacht heraus, was wohl stimmen wird, da auch die Kavallerie litt. Diese sollte wieder mal »verfolgen«, wurde aber im Reimser Gebiet bei solchem Versuch in alle Winde zerstreut, auf dem Weg nach Soissons konnten zwei Kav. Divisionen dem Befehl zum Einhauen nicht nachkommen, durch Kanonade gefesselt. Das taktische Ergebnis war keineswegs erfreulich für Foch, den man zum Marschall beförderte. Die Manöver Mangins und Mitrys hatte er gut geleitet, wie auch Ludendorff anerkannte. Doch im Grunde hatte er nur erheblichen Raumgewinn – von südlich der Marne bis Fismes in der größten Tiefe 40 Kilometer – äußerlich erzielt, die Deutschen in eine bessere Verteidigungslinie zurückgetrieben, deren Verkürzung ein Dutzend Div. freimachte. II. Im Einzelnen nahmen die Kämpfe einen eigentümlichen Verlauf. Bei 3. A. war jetzt das Münchner K. unter General Endres südwestlich Sommepy vereint neben 30. Els. D., hier donnerten 41 schwere Batterien, 240 D. folgte als Rückhalt. Obschon die 15er den Kirchhof von Souain eroberten und 9. Art. auf der Tahurechaussee unerschrocken auffuhr, blieb die 2. fr. Linie unangetastet, Einbringung von 500 Gef. erkaufte das K. mit 2200 Verl. Bei Navarinfarm hielten Einems 88. und Garde Kavallerie-Schützendivision mit Mühe aus gegen die Front des fr. 21. K. (3, später 5 D.), auch hatten 30., 228. D. und die hierher versetzte 7. R. D. bei Massiges nur Anfangserfolge. Bei 1. A. erreichte ebensowenig 15. b. D. (30., 31., 32.) an der Römerstraße Reims–Prosnes, obschon auch hier 7. Art. sich heroisch weit vorn ins Feuer setzte und 203. D. vordrang. Links davon vermochte 3. G. D. nordwestlich Prosnes nicht durchzudringen. 8. b. R. D. kam nicht zum Aufmarsch, auch nicht b. Ers. D. bei Vaudesincourt. Bei Moronvillers wagte Mudra in nächsten Tagen noch Angriffe, doch die tapfersten scheiterten wie die der Ostpr. 1. D. an Straße St. Hilaire-Souplet. Möglichste Anwendung der Feuerwalze – schon am 9. achtstündiges Trommeln – fruchtete wenig, obschon Batterien der hierher verschlagenen 49. württ. Art. bis zu 1400 Schuß täglich verfeuerten. Es war ein Glück, daß Einem von vornherein mit Einstellen des Angriffs rechnete. Bei 7. A. versuchten 195., 223. sowie 12. b., 22. D. sich bis 18. im Grund von Charmoise ohne bleibenden Erfolg. Dagegen überschritten 23., 36., 113., 200. und 1. G., 6. b. R. D. unter günstigen Gefechten die Marne bei Passy, wobei nur sächsische und westpreußische Teile auf entschlossene Gegenwehr stießen. Kanonade und Flieger bestrichen die rasch geschlagenen Notbrücken, taten aber nicht allzuviel Schaden, als man langsam und ruckweise bis 20. wieder ans Nordufer ging. Der Feind drängte nach, ohne Vorteile zu gewinnen. Leider kann man dies nicht vom rechten Flügel sagen, gegen den Foch jenen schweren Schlag führte. Ihm war verraten worden, daß Ludendorff schon am 16. die Masse seiner schweren Art., Minenwerfer und Flieger nach Flandern absenden wollte, da er glaubte, durch Abbrechen des Angriffs zwischen Reims und Marne hier vorläufig des Feindes ledig zu sein. Amtlich wird behauptet, daß alle Reserven Fochs jetzt ganz in diese Richtung gelockt waren, um so mehr hätte man vorsichtig sein sollen. Indem so Teile unserer Front schon von Material entblößt, ging Foch am 18. an den Höhen westlich Ch. Thierry und am Cotteretsforst zum Angriff über. Am Ourcq kommandierte das G. K. der 9. A. bis zur Oise, hier lagen 10. b., 40. D., 79. R. D., weiterhin zur Aisne 11. b., 42., 241. D. Mit angeblich mächtigen Tankmitteln überrannten Marokkaner die Saarbrücker, die Bayern an der Missyschlucht sahen sich im hohen Korn von erdrückenden Franzosenmassen überrumpelt, Kampfwagen und tiefliegende Luftgeschwader machten ihren heroisch ausharrenden Batterien ein Ende, von denen nur 2 zu 300 Gesammelten sich retteten. Die berühmte D. hörte auf zu bestehen, verlor aber im Ganzen doch nur 100, 4000, wohl meist Gefangene. Als sich der Qualm auf der Hochfläche verzog, sah man, daß Brandenb. und Lothr. 34. D. den Feind wieder abschmetterten, wiederholte stark angelegte Stöße bis 21. Juli brachten den Angriff nicht Soissons näher. Man übertrieb später maßlos auch deutscherseits den nur an einer Stelle tiefen Einbruch, die 9. A. war in Unordnung gebracht, doch nicht erschüttert. Sie widerstand auch bei Neuilly mit 10. b. D. südlich des Ourcq, mit 45. R. D. bei Billy, mit 40. D. bei St. Albin, mit 6. b. R., 51. R. D., wobei 236. R., 16. b. R. die Flanke deckten. Ein Teil b. 20. R. Art., 17. F. Art. ging verloren, die b. Rgt. schmolzen auf je 150 Gew. im Zusammenhalt, viele müssen sich unters 236. verkrümmelt haben, das noch am 22. den Feind abwies, denn 10. b. D. verlor seit 4. Juni doch nur 80, 2800. Als 76., 78. R. D., alte Russenbesieger, bei Oulchy die Bayern ablösten, hatte man General Mangins Stoß auf Soissons endgültig abgeschlagen. Auch an der Marne hielt sich 7. A. noch lange zwischen Thierry und Belval. Auf der Reims-Champagnefront konnten die 5 dortigen b. D. aus der Front gezogen werden und traten zur 7., 9. A. über, nur 8. R. D. zur 1. A. in endlosem Fußmarsch von Armentieres hergeführt in Ablösung der 86. D. bei Nouilly. Hier hatte sie am 20. bei Villersfarm ein nicht ungünstiges Gefecht gemeinsam mit 1. D., welche Kerntruppe bis 26. auch grade keine Vorteile errang. 86. D. hatte hier keinen leichten Siegergang wie am Narew, ihr 344. wurde vernichtet. Im Westen ließ Foch nicht nach, am 25. wurden 33., 45. R. D. und 3. Ers. D. bei Nanteul und Oulchy zurückgedrückt, ohne sonstigen Nachteil zu erleiden. 1. G. D., 6. b. R. D. bewachten den Feind in neuer Stellung nördlich der Marne, zu letzterer stieß 6. R. wie 8. R. zur 15. D. und 16. I. zur 11. D., denn 10. D. ward ebenso aufgelöst wie 9. R. D., um so die bösen Lücken jener 3 D. auszufüllen. Ein Rückschlag, doch keine Niederlage, auch kaum bei Mangins Überrumpelungsstoß. Auf H. B. geben wir nichts, doch wenn heute deutsche Generale ihm widersprechen und dortige Lage düster malen, so schließt man aus späteren Kampforten, daß Fochs Raumgewinn nicht viel bedeutete. Einige D., besonders 11. b., worüber Hertlings Sohn in seinen Memoiren klagt, waren übel zugerichtet, die Fronten der 9. A. aber im Ganzen festgeblieben. Nur sie litt stark, 7. A. an der Marne nicht übermäßig, 1., 3. A. (siehe geringen Verlust der Bayern, wo 2. D. nur 700 verlor) nicht erheblich. Hier sind legendäre Gerüchte haltlos. Freilich ging es dort so bunt durcheinander, daß 8. b. R. D. auf der Ostseite herausgelöst und an die Westseite geschoben wurde. Dies geschah zwar unterm Einfluß feindlicher Kanonade, doch wurden im Osten eben Kräfte entbehrlich, weil nur im Westen die Hauptchampagneschlacht tobte. Dort hielten Reiterschützen der Garde Kav. nur mit Beihilfe der frisch eingesetzten unermüdlichen 7. R. D. am 25. kaum noch die »Bayernhöhe«, doch standen noch im Aug. 88., 228. D., 247. Art. südlich Chaussee Tahure–Sommepy, 22. R. D. bei St. Marie nebst 287. Art., ein Tankgeschütz (zur Abwehr gegen Kampfwagen ausgeschieden) der 49. Art. feuerte sogar noch von Arlonhöhe (Buttesouain). Man behauptete also noch die ganze ehemalige Champagnestellung, was zur Beurteilung der wahren Lage nicht vergessen werden darf. Zur Gruppe Py stießen noch 7., 20. D. Als 7. A. am 27. hinter die Wesle abzuziehen begann, hatten zuvor 12. b. D. bei Belval, wo der unter künstlichem Rauch vorbrechende Feind 8 zerschossene Tanks liegen ließ, und am Nordflügel bei Villemontoire Brandenb., Hannov., Schles. (5., 20. D., 50. R. D.) als Nachhut jeden Anlauf blutig bestraft. 9. A. verließ langsam den Ourcq, 7. langsam die Marne, wobei 1. G. Rgt. nebst 6. b. R. D. sowie b. Ers. D. 51. R. D. jedem Nachdrängen Trotz boten. Alle Stürme verbündeter Schlachthaufen erlahmten, furchtbar schlug Feuer in ihre linke Flanke. 8. b. R., 240. D. und 158er der 50. D. machten einen Anstoß bei Ambilly zu nichte. Am 1. Aug. war Abzug in die Neufront gelungen. Auch diese Gefechte waren nicht sehr blutig für uns, 6. b. R. D. verlor im ganzen Juli 50, 2000, und wenn bei der Ers. D. Kompagnien zum Teil nur 20 Gew. zählten, so ist das nicht wörtlich zu nehmen (Versprengte), die Truppe wurde erst später aufgelöst und ließ seit 15. Juni nur 55, 1000 auf dem Schlachtfeld. Sie wurde von 86. der 18. D. aufgenommen. III. Eine schlimme Wendung war also vermieden und Lud. beruft sich darauf, daß er die falsche Offensive sofort abbestellte. Doch nur erzwungenerweise, er blieb in allen eroberten Champagnestellungen, wirklicher Abzug erfolgte überall zu spät. Senden des Materials nach Flandern verriet wenig psychologischen Scharfblick, von Fochs Energie lieh sich voraussehen, daß er sein Anhäufen aller Reserven zwischen Oise und Marne nicht unbenutzt lassen werde. Sein plötzlicher Cotterets-Einstoß ist die einzige strategische Handlung, die ein Ententeführer (Großfürst Nikolaus ausgenommen) je vollzog, er traf einen strategisch wunden Punkt an taktisch schwacher Stelle, schon wegen solcher Befürchtung war unsere Offensive nach Südosten anfechtbar. Obschon sie ganz und gar nicht katastrophal wirkte, wie die Legende meint, muß man sie theoretisch verdammen, doch gebot neues Schlagen an irgendwelcher Stelle sich aus politischen Gründen. Allerdings bedeutete dies wieder nur taktisches Fortwursteln, das beliebte Hämmern mal hier, mal da, und L. brach vorläufig mit seinem ursprünglichen Plan, bei Amiens die verbündete Linie zu sprengen. Doch konnte dieser ja später wieder aufgenommen werden und vorläufig ließ sich erproben, ob eine andere Operationslinie nicht auch einträglich werden konnte. Westlich und östlich von Reims ausholend mit Mudra (Below) und Einem, längs der Marne auf Epernay mit Boehn, konnte der taktische Angriff vielleicht sich ins Strategische umsetzen. Denn bei beiderseitiger Umfassung des Bergwaldes von Reims und Hinabstoßen Mudras bis Chalons wurde die ganze französische Front links von Verdun aufgerollt und das von uns stets so warm empfohlene Durchstoßen bis Bar le Duc konnte in Verbindung mit Vorgehen der A. Gallwitz bei Mihiel die größten strategischen Folgen haben. Nun aber ließ sich L. verleiten, sein Ziel noch höher zu stecken, er wollte durch Marneübergang bei Ch. Thierry und Dormans zugleich den französischen Vorsprung südlich Villers Cotterets aufrollen und die Reimsstellungen unter Umgehung des Marne-Hindernisses im Rücken fassen. Dieser Entschluß kostete Deutschland den Feldzug und das halbe Dasein. Denn er frevelte gegen das Grundgesetz, daß man nie zwei Dinge gleichzeitig unternehmen und nicht das zweifelhaft Mögliche wagen soll, einfach auf Glück rechnend, mit dem man doch nicht auf intim vertrauten Fuße steht. Mit anderen Worten, der Angriff aus Reims war an sich kein Fehler, der Vorstoß über die Marne war an sich kein Fehler, obschon ziemlich gewagt, aber gleichzeitig mit anderem unternommen wurde es ein entscheidender Fehler. Das Hämmern nach allen Richtungen taugt überhaupt nichts, man muß genau überlegen, einen Hauptangriff und sonst lauter Scheinangriffe, aber nicht ernstlich in zwei divergirenden Richtungen. Der Stoß Ch. Thierry ging südwestlich, der gegen Reims wesentlich südöstlich, es gibt keine fehlerhaftere Operation. Hätte L. sich bei Ch. Thierry–Dormans auf Verteidigung beschränkt und wäre sonst am Nordufer entlang auf Epernay marschiert, so schnitt er die fr. 5. A. bei Reims ab und ihr Abzug nach Südosten würde von A. Einem und Mudra aufgefangen. Das taktische Ergebnis wäre sicher so groß gewesen wie vordem bei den Armeen Hutier und Boehn. Oder aber er unterließ diesen Angriff ganz und ging mit ganzer Kraft der 7. A. über Ch. Thierry vor, dann geriet die Truppenmacht Fochs im allzu nördlichen Vorsprung südlich Villers Cotterets in eine verzweifelte Lage. Aber gleichzeitig unternommen, reichten die Kräfte nicht aus. Natürlich darf L. sagen, daß man mit deutschen Truppen alles wagen könne. Jawohl, aber nicht nach vier Kriegsjahren bei kriegsmüder Stimmung. Indessen wäre eine Verleumdung, wie sie später gangbar und auch von Ludendorff gepflegt wurde, als ob die Truppen schon damals versagt hätten. Sie taten durchweg ihre Pflicht, bis sie erkannten, die O. H. L. stelle sie vor unmögliche Aufgaben. Da freilich ließen sie in bedenklicher Weise nach. Hochmütige Unterschätzung des Gegners ist niemals angebracht, am wenigsten bei Flußübergängen, das hat man bei Aspern und Katzbach gesehen. Hier hatte dies Unternehmen noch einen besonderen Haken, denn die in den Großwäldern von Compiegne zusammengezogenen Reserven Fochs konnten jeden Augenblick gegen Boehns rechte Flanke vorbrechen, während er die Marne überschritt. Unter allen Umständen mußte L. also, falls er sich für Angriff auf Reims entschied, der A. Boehn eine defensive Haltung rechts und in der Mitte gebieten, nur links über Dormans durfte sie den Angriff Mudras unterstützen. Allerdings schob man die aus Rußland gekommene 9. A. in die 7. ein, doch sind die Befehlsverhältnisse sehr unklar, eine Zeitlang führte Boehn als besondere Gruppe alle Kräfte am rechten Flügel des Kronprinzen, dem eigentlich Hutier abhanden kam, der fortan nur mit Marrwitz zusammenwirkte. Buats Darstellung, als ob Fochs Gegenangriff am 11. Juni Hutier dauernd festbannte, ist parteilich gefärbt. Das hatte nur vorübergehende Wirkung und sowohl 18. als 2. A. blieben stets Herren ihrer Entschlüsse. Daß trotzdem ihre Vorbewegung seit Anfang April so auffallend stockte, könnte nur damit erklärt werden, daß alle Reserven Fochs dort eingesetzt. Das war aber nicht der Fall, sonst hätte er nicht freie Hand behalten, neue R. Armeen (Mangin, Desgouttes, Mitry) im Marnetal zu bilden. Auch völliges Stocken der 17. A. bedarf der Aufklärung. Der Gegner gegenüber Cambrai, schon durch Dezemberniederlage erschüttert, wurde zunächst sehr rasch zurückgeworfen, man begreift nicht, wie er sich in allen Arrasstellungen halten konnte, die einst so rasch im Oktober 1914 dem bayerischen Andrang erlagen. Die Leistung Belows, eines im Ostkrieg sehr verdienten Generals, war hier unstreitig nicht hervorragend, um so mehr doch Quast die ganze englische Linke bis zur Lys hin über den Haufen warf. Völlig unbegreiflich bleibt, wie Plumer nach Verlust von Dickbusch und Kemmel immer noch den Punkt Ypern halten konnte. Sein Verlust müßte unter solchen Umständen zerschmetternd gewesen sein. Und doch siehe später! Den Deutschen soll es dort an Flugzeugen und Artillerie gefehlt haben. Wir können letzteres nicht verstehen, denn nach den seit 1913 aufgestellten neuen Artillerieregimentern zu schließen nebst den überzähligen Einzelbatterien war die Geschützmasse riesig genug. Daß sie nicht von einem Punkt zum anderen herumwandern konnte für die verschiedensten taktischen Stoßpunkte, ist klar. Daß man aber nach Flandern später Artillerie aus der Reimser Front hinüberschaffte und daher erneuter Angriff von Kemmel sich endlos verzögerte, will nicht einleuchten und soll wohl nur als Entschuldigung der Verzögerung dienen. Der freiwillige Stillstand auf der Hauptfront im April–Mai war ein Nettoverlust für Ludendorff, denn mittlerweile rückten 20 sehr starke amerikanische Divisionen in die Übungslager ein und es konnte nicht mehr lange dauern, daß sie in die Front gingen. Man zweifelte zu lange an den transatlantischen Organisationswundern und wir müssen es wunderbar nennen, daß ein Seetransport von mindestens 700 000 (angeblich über 1 Million) Bewaffneten inkl. Artillerie in so kurzer Frist glücken konnte. Der deutsche U-Bootkrieg war so »uneingeschränkt«, daß er nirgends Transporte behelligte. Diese Blamage verdankte man dem beispiellos leichtfertigen Bluff, mit völlig ungenügender Zahl von U-Booten einen solchen Weltspektakel loszulassen. Als man triumphierend das »Uneingegeschränkte« verkündete, begingen die rasenden Alldeutschen und ihre Hintermänner den dümmsten Struwelpeterstreich. Unter allen Umständen wog selbst die äußerste U-Blokierung Englands Wilsons Kriegseintritt nicht auf, doch es hätte noch ein Quantchen Vernunft gehabt, wenn man über solche U-Bootgeschwader verfügte, daß man den amerikanischen Seetransport absperren und Schiff für Schiff torpedieren konnte. Doch mit so winziger Zahl die Welt herauszufordern war halber Wahnsinn, bloß mit der unübertrefflichen Meisterschaft der Handhabung konnte man doch solche Aufgabe nicht erfüllen. Die eselhafte Michelsregierung rechnete aber gar nicht damit, daß Wilson, mit der Devise »Wilson ist der Friede« gewählt, ein durchtriebener Schelm sei, der, schon vor dem Kriege mit England handelseinig, nur auf den Vorwand lauerte, womit er die überwiegend kriegsfeindlichen amerikanischen Bürger durch Presse-Bearbeitung für Kriegseintritt reif machen und mit beispielloser Tyrannis jedes Widerstreben meistern könne. Diese tödliche Dummheit, an Wilsons Friedenswillen zu glauben, verdankt Michel seinen Obermicheln in der Wilhelmstraße, die sich doch sonst oft genug den ausschweifenden Forderungen der Alldeutschen widersetzten. Ist Ludendorff hier mitschuldig, so muß man davon kein Aufhebens machen, denn als bloßer soldatischer Fachmann braucht er nichts von Politik und Psychologie zu verstehen. Hätte man ihm derb und deutlich vorgehalten: Dieser neue Dummenjungenstreich blinden Übermuts bedeutet Amerikas Kriegserklärung, so hätte er gewiß abgewinkt. Sei dem, wie ihm wolle, Ludendorff wußte jetzt, daß immer mehr Amerikaner herüber kamen. Daß er dem Gegner so lange Zeit zur Erholung gewährte, ist durch nichts zu rechtfertigen. Er hätte den erschütterten Feind nicht loslassen dürfen, koste es, was es wolle. Wahrscheinlich langten inzwischen Reserven aus Rußland an, aber das erklärt nicht das erneute endlose Verschieben weiteren Angriffs bis 15. Juli. Es fochten also 17., 2., 18. A. ernstlich nur bis etwa 10. April, dann ewige Pause stationären Hindämmerns, nur bei 18. A. durch etwa viertägige Angriffstätigkeit im Juni unterbrochen. 4., 6. A. nur stark im April, nachher ziemliches Stilleben, 9., 7., 1. A. vom 27. Mai bis höchstens 15. Juni, dann wieder Pause von vier Wochen mit ganz geringer Unterbrechung. Was man dazu sagen soll, weiß man nicht, es sei denn, daß hier ein Gefühl der Schwäche vorliegt, seltsames Zagen nach steten Erfolgen. Jede schüchterne Erklärung, die L. vorbringt, ist zwecklos. Kam man einmal bis Ch. Thierry und Ourcq, so mußten 7., 9., 18. A. ihr Vordringen fortsetzen, man hätte übrigens damals die Marne unbehinderter überschreiten dürfen. Den Angriff auf Reims hatte L. genau studiert, er durfte ihn nicht so lange abbrechen, nachdem die Franzosen aus ihrer vergasten Vorderlinie planmäßig auf ihre zweite Stellung auswichen. Zeigten sich aber bei dieser Probe die Felsmauern des Reimser Bergwalds zu stark, dann mußte L. den ganzen Kampf dort sofort aufgeben, der unter allen Umständen mehr Opfer forderte, als seine Streitmacht ausgeben konnte. Übrigens war mit bloß zwei Heeren (1. und 3.) nichts Entscheidendes zu erzwingen, sobald 7. A. hauptsächlich westwärts abirrte und Gallwitz im Rücken der franz. Argonnen- und Champagnearmee sich nicht rührte. Statt zu verzichten, hazardierte L. erneut gegen die inzwischen verstärkte Reimsfront und fiel gleichzeitig über Ch. Thierry aus, wo Foch eine große gesammelte Übermacht entgegenwarf. Nichts geschah, ihn daran zu hindern, denn 18., 2., 17. A. pausierten. VII. August-Unglück I. Die Offensive der 9., 7., 1., 3. A. endete also mit weitläufigem Rückzug, doch sind wir nicht gesonnen, die französische Darstellung geduldig hinzunehmen, da sie ähnlich wie bei der ersten Marneschlacht sich in nachweislichen Unwahrheiten ergeht, ohne daß wir deshalb Ludendorffs eigene Ausführungen für uns pachten möchten. Daß er schon am 16. mittags den kaum begonnenen Angriff abzubrechen beschloß, halten wir für unrichtig. Man befiehlt nicht am 16. Abzug für 20. nachts über die Marne. Auch östlich Reims focht man noch lange. Daß Generaloberst v. Einem dort die zweite feindliche Linie nicht brechen konnte, ist wahr, von »vollständigem Mißerfolg« kann aber keine Rede sein. In welcher Form die frühere Armee Mudra an den Argonnen östlich eingriff, ist nicht ersichtlich, die noch östlicher versetzte A. Gallwitz tat gar nichts, zu beiden Seiten von Verdun beobachtete man sich nur. Zwischen Dormans und Reims fochten Hälfte 1. und Hälfte 7. A. bis 2. August fort und gingen erst dann hinter die Vesle zurück, als Boehn und Below den Schutzgraben der Aisne zwischen sich und den über Ch. Thierry nachstoßenden Feind bringen mußten. »Die Verluste waren bedeutend«, an dieser ziemlich bescheiden gefaßten Wendung Buats zweifeln wir an dieser Stelle nicht, niemand wird uns einreden, daß Abzug aus dem Brückenkopf von Thierry ohne erhebliche Opfer zu bewerkstelligen war. Indes ist ebenso sicher, daß das kriegshistorisch von 1814 her wohlbekannte Nordufer dem Abzug eine gute Deckung gewährte. Ob schon hier peinliche Symptome von Erschlaffung und moralischem Niedergang im kampflosen Ergeben und Überlaufen ganzer Abteilungen auffielen, wie die Fama munkelt, wissen wir nicht. Bei Polen in Posener Regimentern könnte man dies schimpfliche Betragen freilich voraussetzen. Obschon in ziemlicher Unordnung, erfolgte der Rückzug trotzdem ohne ernstlichen Nachteil, keine Abteilung wurde abgeschnitten, nicht mal im Ourcq-Winkel, das Vorbrechen Mangins aus den Wäldern von Cotterets gegen Boehns rechte Flanke, das Buat schon im Juni betonen möchte, wurde offenbar von der 9. A. genügend aufgefangen und vorerst grausam abgeschmettert. Die 7. A. hielt Soissons und die Aisneufer noch fest, die 1. wurde so wenig gedrängt, daß sie noch bei Fismes verweilte. Man denke an Klucks und Bülows kopfloses Ausreißen am 12. Sept. 1914, die damals einen doppelt und dreifach so weiten Rückzug ihren siegreichen Truppen zumuteten. Nur weil Unwissenheit und Parteilichkeit keine Vergleichsperspektive kennen, kann man diesen durchaus anständigen Abzug als Niederlage auffassen. Wohl aber hatte die unvorsichtig angelegte Operation allen Offensivplänen ein Ende gemacht und das war Ludendorffs eigene Schuld. Hätte er methodisch gearbeitet und vorerst 1., 3. A. zurückgehalten, dagegen mit der neuverstärkten 9., 7. A. allein zwischen Compiegne und Thierry den Feind über Ourcq und Marne gedrängt unter Mitwirkung der Linken Hutiers, so wäre seine Oisefront ungemein gefestigt worden, ohne daß irgendwie Rückschlag zu befürchten war. Denn eine Offensive der A. Mitry und Berthelot aus dem Rheimser Bergwald hätte sich an der noch frischen 1. A. gebrochen und es kam lediglich darauf an, Mangin und Desgouttes zu schlagen, welch letzter 6. Armee nach ihrer furchtbaren Niederlage zwischen Aisne und Marne sich vorerst in wenig beneidenswerter Lage befand. Warf aber Foch so viel Reserven dorthin, dann mußte eben Hutier erneut mit ganzer Kraft vorbrechen und entweder so den Keil zwischen Oise und Amiens erweitern oder diese Reserven wieder auf sich abziehen. Natürlich ist bei 18. A. und der Heeresfront Rupprecht passiv weiter gewurstelt worden, im Ganzen aber hat man zwischen 13. Juni und 4. Aug. dort einfach die Hände in den Schoß gelegt. War der innere Zustand dieser Truppen schon ein derartiger, daß man ihnen keinen Angriff nach so viel Ruhepausen zumuten durfte? Nichts berechtigt zu solcher Anschauung. Die einzige Erklärung wäre, daß L. jedes Opfer scheute, wenn er nicht einen taktischen bestimmten Erfolg voraussah. Wenn die Legende ihm also »Büffelstrategie« und wüstes Draufschlagen andichtet, so begeht sie eine ihrer üblichen Falschheiten. Ach nein, das Gegenteil fällt ihm zur Last, daß er nicht begriff, wie strategisch in diesem Falle unausgesetzte Angriffsdrohungen auf der ganzen Front am Platze waren, um den Feind zu verwirren, so daß er nicht wußte, wohin seine Reserven gehörten. Daß Foch in aller Muße seine Reserven ins Marnetal hinüberziehen konnte, ohne daß Hutier ihn im Geringsten dabei störte, der sich auf Befehl ganz passiv verhielt, belastet Ludendorffs Feldherrntum in hohem Grade. Aber das Traurigste für ihn ist die unliebsame Erfahrung, daß Foch im Stande war, den Grundfehler der bisherigen deutschen Offensive zu vermeiden, nämlich das Aussetzen jeden Angriffs, wenn kein unmittelbarer Erfolg mehr winkte. Wir sehen Foch hier wieder als den Wohlbekannten der Marneschlacht, unermüdlich und jeden Mißerfolg sanguinisch abschüttelnd. Er flößte auch Haigh, einem taktischen Haudegen, seine Zuversicht ein und reizte die Briten durch maßlose Anpreisung der »zweiten Marneschlacht« als eines neuen »Wunders der Marne« zu eigenem Vorgehen. Was nun folgte, wird nie recht verständlich werden. Die deutschen Stellungen an der Somme waren nicht sonderlich fest und gut, Schießbedarf nicht reichlich vorhanden. Verpflegung ungenügend, die Stimmung gedrückt durch Bearbeitung mit Fliegerabwürfen entnervender Propagandaschriften und heimliche Pazifisten- und Bolschewistenseuche, trotzdem aber umschwebte die Fahnen noch der Nimbus von hundert Siegen und der Soldat nährte die alte Kriegstugend durch verbissenen Ingrimm verzweifelter Überzeugung, daß man siegen oder sterben müsse. Doch am Nebelmorgen des 8. August kam es wie ein böser Spuk über die 2., 18. A. zwischen Ancre und Somme, sieben treffliche Divisionen wurden überrannt und unter auflösenden Gefangenenverlusten zersprengt. Als aber die dortige Lücke gestopft wurde, drang am 10. die bisher so arg geschlagene Armee Humbert auch östlich davon im Oisetal ein. Hutier und Marrwitz mußten bis in die einstige Sommestellung zurückweichen. Um Reserven auszuscheiden, ordnete L. eine Verkürzung des bogenförmigen Vorsprunges an der Lys an, d. h. Rückzug der 4., 6. A. aus ihren eroberten Stellungen und es gereicht ihm nicht zur Ehre, daß er ein Abschiedsgesuch einreichte wie einer, der sich einer Pflichtverfehlung bewußt. Wieder ließ er sich überrumpeln, indem er den Blick nur nach Süden richtete, Haigh brach aber südlich Arras vor und warf die 17. A. so zurück, daß nur ein sehr erfolgreicher Gegenstoß am 22. das Gleichgewicht herstellte, was aber alsdann eine Überflügelung durch Haighs Rechte aufhob. Diese trieb 2. A. bis vor Peronne rückwärts und drang im Scarpetal aufwärts. Dies alles aber unter blutigsten Opfern und schwersten Kämpfen ruckweise und langsamer als Buats gefärbte Darstellung einräumt. Below gab Bapaume preis, doch nicht die Umgegend. Mangin zwang die 9. A. aus dem Oise- ins Ailettetal zu weichen, Linke bei Laffaux, wo sie aber fest blieb. Am 31. August stand das erschütterte deutsche Heer in der früheren sogenannten Hindenburglinie unter Verlust fast sämtlicher seit Ende März errungener Vorteile und schon baute man eine rückwärtige Linie zwischen Courtrai–Tournai–Valenciennes und Guise–La Fère bis Consenvoye und östlich Verdun. Unter der Devise »Hermann«, »Hunding«, »Brunhilde«, die an mytisches Germanenreckentum erinnern sollte, bewies diese hastig hergestellte Verteidigungslinie den völligen Zusammenbruch deutscher Hoffnungen. Daß die Verluste »ungeheuer« waren, ist Übertreibung. Verhältnismäßig ungeheuer waren sie freilich an Gefangenen und Überläufern, eine Schmach, die man im deutschen Heer noch nie so erlebt hatte. Jenes infame Gesindel, das den kämpfenden Kameraden »Streikbrecher« zurief, hatte wirklich gestreikt und es erfreut das Gemüt, zu wissen, daß diese ehrlosen Menschen nachher in Frankreich das namenlose Elend der Gefangenenlager und jede Peinigung in erhöhtem Maße genossen, da früher die Angst vor deutscher Vergeltung noch einigermaßen die Bande frommer Scheu anlegte. Das fiel nun weg und die liebwerten Kriegsmüden konnten darüber nachdenken, ob »Kriegsverlängerung« nicht doch noch solcher Kriegsbeendigung vorzuziehen sei. Ludendorff ergeht sich in schroffen Verwünschungen gegen bestimmte Truppenteile und wirft zwei Generalen vor, daß sie sich nicht eilig genug der Entente in die Arme werfen konnten. In der Tat scheint festzustehen, daß ganze Divisionen sich elend benahmen und stellenweise eine Panik um sich griff, die an die Jenaflucht erinnerte. Nachdem dies Heer sich vier Jahre lang gegen eine Welt von Feinden über alle Begriffe heldenmäßig schlug, gewannen jetzt nicht nur unlautere Elemente die Oberhand, sondern die Nerven auch der Besseren rissen. Das gibt um so mehr zu denken, als Briten und Franzosen nach den furchtbarsten Niederlagen und Verlusten solche moralische Spannkraft behielten, daß das erste Lächeln des Glücks sie zu wildestem Siegeswillen begeisterte. Nicht das deutsche Heer, das erste und beste auf Erden, unterlag, sondern der nationale Michelcharakter. Nicht begreifen, daß es um Sein oder Nichtsein ging, daß das Unheil der Nation auch jeden Einzelnen enterben würde, und sich dabei in lächerlichen Illusionen über den »edlen« Wilson und den Edelmut der Entente wiegen, die ja bloß den bösen Hohenzollern zu Leibe wollte, solche unbändige Dummheit und naive Schlechtigkeit haben allzeit den »unbesieglichen Deutschen«, wie Friedrich der Große sie in einer Ode nennt, das Genick gebrochen. Wie war denn eigentlich die Lage Anfang August gewesen? II. Vorläufig ruhten bei 1., 3. A. die Waffen, erst später setzte Foch den Angriff auf 7., 9. A. fort, zunächst griff er die 18. an und die Engländer, sobald ihre Verstärkungen dazu fähig, wandten sich plötzlich gegen die Linke der 2. A. Auf Haighs Anregung wirkten Rawlinson und Debenay zeitlich gemeinsam in 35 Kil. Breite zwischen Ancre und Luce. Sie trafen hier am 8. Aug. früh bei Moreuil auf 14. b., 225. D., die unter natürlichen und künstlichen Nebelwolken überrumpelt und mit Verlust der meisten Maschinengewehre zersprengt wurden. Die Metzer Garnison Rgt. 4., 8. taten ihre Schuldigkeit, doch überwältigende Feuerwalze trieb sie fort. Der Feind erreichte Rosieres, wo 109., 117. D. ins Wanken gerieten und 5. b. D. über Lihons nur wenig entlastete. Aus dieser Bresche drückten die Angreifer in die Flanke der im Lucetal zwischen Somme und Avre Fechtenden. Hutier nahm daher seine Rechte hinter die Avre zurück, wo der hierher versetzte General Endres mit 121., 204. D. und Alpen K. die Nordflanke stützte, wo man dichte Scharen durch die Pappelallee von Bretonneux heranziehen sah. Südlich der Somm bis Proyart vordringend, hatten die Briten nördlich weniger Erfolg. Dort lehnte sie General Moser mit Ulmer und 107. D. ab, 232. D. hielt sich lange. Zwar brachen in sternenheller Nacht zum 8. bei ihr Australier, bei den Schwaben Kanadier ein, glühendes Morgenrot beleuchtete die Niederlage. Doch die Ulmer faßten sich bei Chivilly, faßten ihre wenigen gesammelten Gewehre so zusammen, daß bis 13. der Einbruch aufhörte. 119. R. westlich Bray deckte die Landsleute in der Gressairemulde mit gewohnter Bravheit, doch auch württ. 54. R. D. wurde gesprengt, nachher die Reste auf 3 Feld. D. verteilt, 247. R. dem nur noch 250 Gew. zählenden 120. I. als 3. Batl. zugeteilt. Nur 25. D. bei Maurepas hielt fest. 18  km zu beiden Seiten der Römerstraße gewann Haigh durch brutale materielle Kampfmittel, Debeney nur 8, nur ungeheure Menge von Tankungeheuern siegte. Der immer in solchen Fällen gebraute »Nebel« lag am Tage nicht vor, der Qualm, in den unsere Tankgeschütze hineinschossen, war gar nicht so dicht, die massenhaft abgeschossenen Sturmwagen zu verschleiern. Doch hat man nicht den Eindruck, als ob den Truppen Schuld anhaftet. Offiziell werden diese altbewährten Truppen bitter getadelt, als seien sie in Panik ausgerissen, in Wahrheit gereicht der gutgeleitete Überfall der engl. Führung zur Ehre, den unglücklichen Süddeutschen nicht zur Schande, die so plötzlichem Feuereinbruch unter drückenden Massen zu Pferd und zu Fuß erlagen, es fehlte nicht an Zügen hoher Aufopferung. 9000 Gef. sind unter solchen Umständen wenig; daß 170 Positionsgeschütze stehen blieben, zeugt wie bei Hochkirch nicht gegen die Truppen. Das Verschulden liegt bei Oberster Heeresleitung, weil sie fürs Reimsabenteuer die Front der 2. A. unpassend verdünnte. Da das Natürlichste war, daß Foch den vorgebauchten Bogen des Sommewinkels abquetschen werde, so trifft die dort Kommandierenden die Verantwortung für sorglose Nachlässigkeit, Ludendorff aber für Mangel an Voraussicht, wo Foch das Manöver vom 18. Juli wiederholen könne. Daß wiederum Divisionsstäbe in ihren rückwärtigen Unterständen abgefangen wurden, war ein Skandal, zweimaliges Hochkirch so dicht hintereinander ein Makel der Führung. Bis 18. wurden hier 8 d. D. kampfunfähig, am 11. mußte auch Rgt. Bayreuth im Frühnebel Lihons an Übermacht abtreten, Luftangriffe beunruhigten die Linien. Indessen unterhielten 8. Erlangen und 2., 3. R. F. Art. so heftiges Geschützfeuer, daß viele Tanks vor Rosieres zerschmettert und der Sommekampf an beiden Ufern wieder eingerenkt wurde. Anreiten englischer Geschwader auf der Römerstraße nahm schon bei Vauvillers am ersten Schlachttag ein unzeitiges Ende: so viel Fassung bewahrten noch manche Überfallenen. Auch Hutiers Rechte wurde am 10. angefallen, das Hallutal überschwemmt, doch durch Gegenstoß des Alpen K. und rechts anstoßende Preußen gereinigt, hier standen bis Parvillers und Quesnoy 121., 204., 221., 24. D., 79. R. D. unerschüttert. Hutier nahm auf der Südfront eine ausweichende Stellung zwischen Orvillers und Ribecourt bis 15. so ziemlich gehalten gegen unablässige Angriffe, die besonders über den Matzgrund vorstrebten. Zwanzigmal suchte Debeney die Avre umsonst zu überschreiten, heldenhaft hielt die Nachhut Montdidier bis zum Äußersten. 54. D., 3. b., 105., 203. D. wichen langsam in eine Riegelstellung, heftige Stöße Humberts weiter rechts auf Roye vom 16. bis 22. wurden vom 1. R. K. abgeschlagen, zu dem 6. b. D. versetzt. Erst am 21. räumte das aus Flandern herverpflanzte K. Sieger Lassigny und den Divettegrund, noch später K. Wellmann (aus Reimser Gegend her) Roye, uns blieben Noyon-Nesle, der Feind litt ungemein. Erst am 1. Sept. zogen Humberts Zuaven in Noyon ein. Bei 9. A., jetzt mit 2., 18. dem Generaloberst Boehn unterstellt, griff Fayolle seit 17. die Linie Autreches an, wo 15., 202., 1. b. D. am 20. festen Fußes die vornehmlich aus Afrikanern bestehenden Sturmsäulen erwarteten. Diese 3 D. wurden in langem tapferen Kampfe, an dem sich zuletzt auch L. St. Batl. Mindelheim beteiligte, größtenteils aufgerieben, doch untersagten dem von mächtiger Art. begleiteten Feind den Durchbruch, bis frisch eingereihte 19. sächs. Ers., 237. D. die neue Front St. Mard–Pasly an der Aisne stärkten. Carlowitz, F. Below ersetzend, verließ am 22. die Stellung Carlepont, Vassens und richtete sich zwischen Schloß Coucy und der Morsainschlucht neu ein. Fortgesetzte Anstürme bis 2. Sept. vermochten Aisne und Ailette nicht zu überschreiten, trotz furchtbaren Trommelns schüchterten unsere dünnen Reihen die Feindesmasse gründlich ein. Bei Crouy verbluteten Amerikaner, bei Coucy weiße und schwarze Kolonialtruppen, ehe der Verteidiger auf Vregny und Laffaux wich. 1. Münch. Rgt. schmolz amtlich auf 150 Gew., doch hatte 1. D. viel Kranke und Versprengte, denn ihr Blutverlust betrug seit 11. Juli nur 110, 3500, was für 7 Wochen gar nicht so viel ist. Überhaupt waren die feindlichen Verluste überall größer und Fayolles Truppen zeigten Ermüdung. Bedenklich schien unsern Generalen damals nur ständiges Ausbleiben des Ersatzes, den die Heimat störrig verweigerte und ihre tapferen Söhne im Stich ließ. 17. A. war mit Wegschaffung ihres Materials in rückwärtige Linie Moyenneville–Miraumont beschäftigt. Infolge ersatzloser Abspannung wendete sich auf Rupprechts Front das Blatt so sehr, daß er ganz in die Verteidigung gedrängt wurde, während England neue 300 000 übers Meer führte und die Amerikaner immer dichter heranzogen. Die franz. Bevölkerung begrüßte sie jubelnd und verglich ihre hohlwangigen Poilus mit diesen wohlgenährten Athleten. Am 21. bewegte sich Haighs Schlachtlinie unter gewaltigem Trommeln zwischen nördlich Albert und südlich Arras vor. Die Deutschen wichen im Vorfeld aus, nur die von Roubaix hergeschaffte 4. b. D. ließ sich bei Aichet abfangen, wickelte sich aber tapfer los. Wie hier 2. G. R. D., so schlugen unsere Truppen überall bis westlich Bapaume den nach Südosten zielenden Stoß vernichtend ab. Doch am heißen Hundstag des 22. scheiterte unser Gegenstoß, am 23. mußten Garde Res. über Gommecourt, Bayern über den Bahndamm von Achiet weichen, von 6. b. R. D. bei Sapignies aufgenommen. Sie blutete nun wieder auf neuem Schlachtfeld, wie auch die bisher bei Locre fechtende 16. b. D. hierher eilte. Weiter südlich gab man Miraumont erst auf, nachdem die Briten es allseitig umzingelten. 40., 202. D. traten jetzt fürs erschütterte Vordertreffen ein, die Franken sammelten sich nach Einbuße von 2800 bei Morchies, indessen sind solche Verluste von vielleicht 35% nicht geeignet, davon ein Aufhebens zu machen, sie stehen denen früherer Zeitalter nach. Am 24. überwältigte Übermacht die 6. b. R. D. westlich Bapaumechaussee und vernichtete einen Teil von 16. R., wurde aber von 202. D. geworfen. Gegen 16. b., 183. D. bei Grevillers hatten Neuseeländer geringen Erfolg, zumal bad. 52. R. D. 3. Mar. D. am 25. ablösten. Letztere wurde zwar überrannt, Tanks fuhren in Tilloy ein, doch Gegenstoß der Märker 44. R. D. und des Regensburger Rgt. v. d. Tann rettete vollständig die Lage. Dagegen entriß man der 111., 220., 6. b. D. drei Ortschaften an der Straße östlich Bapaume, doch hielt Westf. 55. R. (220. D.) die Stadt, bayr. Pioniere und Batterien nebst Brandenb. Kompagnien eine beherrschende Höhe, 23. D. hielt hier frische Sachsen bereit. Der Feind erreichte nichts mehr bis Monatsende. Nördlich wogten Kämpfe besonders bei Monchy–Bullecourt lange unentschieden. Bei Marquion, nordwestlich Cambrai schlug ein Freiwilligenoffizier der 73er oft verwundet und stets ins Feld zurückgekehrt, sich schwerverwundet durch; solcher Geist lebte noch in der Truppe! Das früher zerstörte Gebiet war aber wegen Wassermangel nicht zu halten. Lud. befahl Abzug in eine neue Linie nordöstlich Bapaume. Obwohl Haigh mit rühmlicher Spannkraft bis 2. Sept. nachdrängte, blieb er längs Straße Arras–Cambrai erfolglos im Norden siegte zuletzt 1. G. R. D., obschon die Bayern des R. K. Fasbender und des Alpen K. bis 30. Croisilles und Roueux verloren, denn an der Scarpe im Norden ging auch Horne zum Angriff über. Bei Bapaume vermochte man die Sachsen nicht zu brechen, Märker und Bayern, bei Fremicourt zurückgedrängt, ermannten sich am 1. Sept. mit Beihilfe der wieder vorgeholten Franken und frischen 49. R. D. Die 3 b. Truppenkörper gingen wieder zur 4. A. ab, 6. R. D. verlor 35, 1900, 16. D. 55, 2000. 4. D. schmolz auf 1000 Gew. und darunter, die Märker ähnlich. Erst am 30. verließ Below das nördlich und südlich schon am 26. umfaßte Bapaume. Inzwischen zog 2. A. südwestlich Peronne ab, nachdem Rawlinson die Ancre überschritt, Nachhuten aus Albert und Thiepval vertrieb, bis 26. Montauban–Mametz nahm, wobei 5. b., 21., 185. D. sich im Sommebogen, 2. G. D. und die schon wieder aus Ruhestand vorgeholte 14. b. bei Biaches behaupteten. Da aber am 29. die Sommebrücken vorzeitig gesprengt, wurden die Bayern bis 1. Sept. auf Peronne zurückgetrieben, ihre Rgt. zählten je 350 Gew., jetzt schmolz diese Truppe, deren Metzer Brig. sich einst bei Combres Weltruf erwarb, auf ein Bataillönchen. Die Hessen der 21. D. kamen bei Clery ins Gedränge, bei Mont St. Quentin nördlich Peronne warfen sich Weimarer 94er den Australiern entgegen, doch konnten 2. G., 38., 185. sich nicht halten, Alpen K. stützte bei Moslains die Flanke. Erst Combles, dann Peronne gingen verloren. Also erlitt 2. A. neue Niederlage, während 17. noch ziemlich gut abschnitt. 18. A. befand sich zunächst sicher, doch ihre Lage konnte peinlich werden, wenn 2., 9. A. dauernd wichen. Umsonst suchten Humbert und Debeney ihn einzuwickeln, Hutier ließ sie erst am 6. über Noyon–Chauny–Ham hinaus. Bis 7. Sept. vollzog sich glatter Abmarsch in die Siegfriedstellung; 6. A. westlich Armentieres–Aubers, während 4. A. am 30. den Kemel verließ und auf Wytschaete zurückging. 17. östlich Douai, 2. nordwestlich St. Quentin, 18. nordöstlich La Fère, Rechte bei Fayet und Dallon, 9. bei Chauny und östlich La Fère, 7. nördlich Vesle bis Vailly. Ententeschwatz vernichtete immer deutsche Heere und ließ sie dann wieder aus dem Boden wachsen, beides gleich ungereimt. Mit Auffüllung der Rgt. war es freilich schlecht genug bestellt. Nach den grausamen Verlusten von 1917 hatten jetzt viele D., durch Abkommandierte und Grippekranke noch geschwächter, nur 4–5000 Gew. Man darf sich also durch hohe Divisionsnummern nicht täuschen lassen. Unsere Nachhuten straften zu hitziges Nachdrängen empfindlich, doch rosig durfte man die Lage nicht ansehen, indessen klärt allgemeiner Überblick, daß noch nicht viel verloren war. III. Angeblich 17 000 Gefangene, 300 Geschütze waren Haighs Beute. Kronprinz Rupprecht mußte seine 25 Reservedivisionen in Bewegung setzen, um auch Hutier herauszuhauen, der jetzt von Mangin und der 1. französischen Armee auf beiden Flanken bedroht war. Die Australier und Kanadier, welche Haigh von Amiens her angesetzt hatte, kamen indessen nicht weit, der tiefste Raumgewinn betrug damals 18  km und wurde teilweise wieder abgeknapst. Es ist kaum zu verstehen, daß Hindenburg den Einbruch ins Avre–Luce–Sommetal nicht vorhersah und gestattete, weil keine Reserven dort die Linien verstärkt hatten. Da die Fernbeschießung von Paris auch jetzt noch fortgesetzt wurde, kann damals die Einknickung der deutschen Linie nicht so arg erschreckt haben. Immerhin war dies ein neuer schwerer Schlag für die schwankende unbefriedigte Stimmung daheim. Schon am 11. hielten Gegenstöße Debeney und Rawlinson auf, während längs der Nordfront bis zur Yser Teilgefechte entlang liefen. Es ist möglich, daß die Okkupation in der Ukraine (jetzt unter Generaloberst v. Kirchbach) und die Vorbereitungen der Expeditionen gegen Archangel und ins Wolgagebiet, wo 700 000 Deutsche Kolonisten auf Befreiung sowohl von Bolschewiki als Tschechoslowaken harrten, nach Westen bestimmte Streitkräfte in Rußland zurückhielten. Die seit Neujahr allmählich an der Westfront angestaute Masse muß nichtsdestoweniger bedeutend gewesen sein und Hindenburg zum ersten Mal ein Vollgefühl überlegener oder gleichwertiger Kräfte gehabt haben. Um so peinlicher dieser zweimalige Rückschlag, ohne daß nun endlich anderswo ein deutscher Offensivplan zur Entscheidung durchblickte, der vielmehr immer noch auf sich warten ließ. Rawlinson kam allerdings schon bei Lihons zum Stehen und der Einbruch, am ersten Tage 14  km tief, erweiterte sich nur sehr wenig. Doch schon waren im Ganzen 24 000 Gefangene in Ententehänden, nebst angeblich 500 Kanonen, wodurch deutscher Verlust seit Mitte Juli auf 60 000 Gef., über 1000 Geschütze stieg. Rechnet man mutmaßlich 40 000 Tote und Verwundete der 2., 18., 9. A. hinzu, so kam der ganze Zwischenfall teuer zu stehen. Indessen klingt Fochs spätere Gesamttrophäenziffer um so verdächtiger, als solche Zustände sich nirgends wiederholten. An den Somme-Avre-Kämpfen sollen 21 deutsche Divisionen beteiligt gewesen sein. Die Alliierten brachten dort 30 Divisionen ins Feuer, wovon 18 franz., 5 australische, 4 kanadische. Bis zum 18. schleppte der Kampf sich in ziemlich zersplitterten Teilaktionen fort, wobei die Engländer auch an der Lys sich wieder regten. Wir blieben durchweg in der Defensive. Vom 18. bis 22. gab es wieder Großkampftage. Armee Mangin machte nur geringe Fortschritte bis zur Chaussee zwischen Aisne und Oise, Armee Humbert stieß bis südlich Noyon vor, unter sehr schweren Opfern vor Rampcel und Carlepont. Das Massiv Lassigny–Roye wurde jedoch erneut unhaltbar unter den wütendsten Angriffen, wobei es oft zum Handgemenge kam, Beauvraignes ging verloren. Rawlinson setzte diesmal aus, dagegen drang die neu hergestellte Armee Byng in Richtung Achiet–Mercatel vorwärts, ohne daß jedoch Rawlinson bei Albert vorerst über Thiepval hinauskam. Im Norden nahmen die Briten Merville und suchten in Richtung Armentieres sich vorzuarbeiten. Alles natürlich mit größten Verlusten, wo immer die Offensive ansetzte, allein 500 Tanks blieben zerschossen liegen. Die Franzosen wollen erneut 16 000 Gefangene gemacht haben. Alles in Allem wurde der Feind natürlicherweise durch seine ununterbrochenen Angriffe abgenutzt und geschwächt, aber sein Selbstgefühl sehr gehoben und die deutsche Stimmung herabgedrückt durch die vierwöchentlichen fortwährenden Raumverluste. Man mochte sich wohl den Kopf zerbrechen, was Hindenburg eigentlich beabsichtigte. Um diese Zeit verließ auch Prinz Rupprecht die Westfront und begab sich nach München. Die Ententeregierungen schwelgten wieder in Übermut und rechneten vor, daß Amerika bereits 1 450 000 Mann im Felde habe. Selbst wenn davon die Hälfte Arbeiter waren, so hätte man mindestens 25 kopfstarke Divisionen an der Front rechnen müssen, wovon aber zur Zeit noch nichts zu merken war. Das Prahlen schwoll wieder lawinenartig an. Man wollte über 100 000 Gefangene gemacht haben, was schwerlich zutraf. Plante Ludendorff einen Schlag an völlig anderer Stelle? Bei Verdun, Mihiel oder im Elsaß? Wer wußte es, wer mochte es enträtseln! Schon hieß es in Paris, 13 österreichische Divisionen sollten die wankende deutsche Front verstärken. Leider eine fette Ente. Die wildesten Gerüchte liefen um, während zwischen Österreich und Italien der Kampf versumpfte. Am 22., 23. verdoppelte Foch seine Anstrengungen. Vor Mangin wich Böhn hinter die Aisne aus, Hutier erwehrte sich eines furchtbaren Anpralls, ohne Roye und Noyon fahren zu lassen, nur den Carlepontwald und Lassigny räumend. 29 Divisionen sollen hier angerannt sein, darunter Elitetruppen, wie die 46., 47. französische Jägerdivision, 153. Schwarze, nur 18 blieben im Kampfe, die andern waren schon verbraucht. Im Norden scheiterte eine Berennung des Kemmelberges völlig, am heftigsten tobte der Kampf auf der Linie Albert–Arras. Die Ancre östlich Albert hielt man immer noch gegen Australier und Kanadier, Below warf die Briten gänzlich in die Strecke Pusieux–Bucquoy–Moyenneville zurück, wobei Bayern und Württemberger mit Preußen wetteiferten. Das hessische R. Korps ließ sich nicht weiter verdrängen, während südwärts davon im Sommetal Garde und Hannoveraner ihr Bestes taten. Hundert Tanks wurden an einem Punkte zerschossen, wie früher bei Bray anreitende Kavalleriebrigaden fast vernichtet. So sicher rechnete Haigh schon auf Durchbruch, daß er Kavallerie einsetzte, wie immer unfruchtbar. Seine Verluste waren diesmal schwerer als die der Franzosen, sein restlos abgeschlagener Stoß endete mit gründlicher Niederlage. Der Durchschnittsverlust aller Sturmdivisionen seit 18. betrug sicher 50 %, Verteidigung wird schwerlich über 25 % gekostet haben. Am 24. machten Amerikaner östlich von Fismes etwas Fortschritte, während Australier bei Bray und die Londoner Division, unterstützt von ostenglischen, Mametz einnahmen und Walliser Truppen in den Mametzwald eindrangen. Poincaré überreichte dem kleinen schmächtigen Foch persönlich den Marschallstab, alles schwamm in Wonne! Doch die Verluste waren nicht wonnig. Unter anderm wurden drei Bataillone am Avre-Ufer vernichtet, ferner im Norden die neue Ancrebrücke durch einen Volltreffer zerstört, bei Courcelle dichte Sturmsäulen durch Kanonade aufgerieben. Die britische, kanadische und indische Reiterei suchten umsonst einzugreifen. Das Vordringen gegen die Hochfläche Bapaume–Combles aus Nordwest und Südwest machte nach dem schweren Ringen bei Achiet und Miraumont wenig Fortschritte. Marrwitz räumte zwar Thiepval und Bray, doch hielt sich länger bei Lihons, Vermondovilliers. Gegen Below gingen elf Divisionen Byngs vor ohne erheblichen Gewinn. Am heftigsten tobte der Kampf bei Gommecourt und Ervillers, wo Hannoveraner, Bayern, später Brandenb., Westfalen und Sachsen sich heldenmütig wehrten. Ein Sachsenbataillon hielt den Kuhberg bis zum Äußersten. Nach Umzinglung von Gommecourt brach sich die Besatzung nach Osten Bahn, eine Batterie feuerte bis zum letzten Mann und der letzten Granate. Am 25., 26. nahm der Angriff von Byng und Rawlinson seinen Fortgang, während an der Ailette preußische Gardetruppen die Franzosen bei Pont St. Mard schlugen. Dagegen mußte das andere St. Mard westlich Roye aufgegeben werden und Roye wurde immer mehr umfaßt. Offenbar zwangen wirtschaftliche (besonders Kohlennot) und innere Schwierigkeiten Foch zu rastlosen Versuchen, eine Entscheidung herbeizuführen, ehe der Winter hereinbrach. Sonst wäre sein Verhalten widersinnig gewesen, da er doch offenbar die volle amerikanische Hilfe hätte abwarten sollen. In London sprach man davon, daß im August 300 000 weiße Alliierte, ohne die Schwarzen zu rechnen, getötet oder verstümmelt worden seien. Der Erfolg solcher Opfer blieb aus, er war allzu bescheiden. Nördlich der Scarpe schlug Below den Feind bei Roueux ab, südlich des Flusses und südwestlich Bapaume verlor man Monchy, Tilloy, Martinpuich, behauptete dagegen Longeval und Montauban. Preußen, Sachsen und Bayern wetteiferten. Am 27. mußten die Trümmer von Roye und Chaulnes aufgegeben werden. Zwischen Scarpe und Somme schlug man sich immer noch bei Croisilles und Fay, Westpreußen, Pommern sowie Hessen-Nassauische und Elsasser Regimenter hielten wacker stand, 26. Artillerie schoß hervorragend in freiem Felde auf die feindlichen Massen. Foch hatte sämtliche Reserven aufgebraucht, auch Teile aus Flandern herbeigeholt. Die Entente schwor, im Ganzen bis 1. Sept. seit Mitte Juli 128 000 Gef., 2000 Gesch., davon die Briten 40 000 und 5–600, erbeutet zu haben, machte aber kein Hehl aus ihren Riesenverlusten und setzte ihre ganze Hoffnung in amerikanische Reserven. Die Trophäenziffer trägt um so mehr den Stempel der Erfindung an der Stirn, als die Franzosen dabei den Löwenanteil beanspruchen. Weder die in stolzer Ruhe abziehende 18. noch die unerschütterte 9., 7. A. können nennenswert Gef. u. Gesch. abgetreten haben, auch Belows Kämpfe sehen nicht nach Zusammenbruch aus, 2. A. allein könnte doch nicht solche Masse verlieren. Oder gab es bei ihr zahllose Überläufer? Am 27., 28. lag das Schwergewicht immer noch auf Armee Below. Längs der Straße Cambrai–Arras schlugen Württemberger sieben Angriffe zurück, nördlich der Scarpe behielten Westpreußen und Pommern ihre Stellung ungeschmälert nach erbittertem Ringen, südwestlich Bapaume wurde durch 2. Armee der Feind wieder zurückgedrängt, Tilloy vom 206. erneut behauptet, nördlich der Somme Hardecourt von Gardegrenadieren (Kaiser Franz) und Hessen gehalten, während eine rheinische Division sehr tapfer die Flanke deckte. Gefechte bei Curlu ohne Bedeutung, doch bogen sich 2., 18. A. noch weiter zurück, nach Fresnoy und Lihons wurde auch Vesle geräumt und Noyon nur kurze Zeit von Nachhut bewacht. Am 29., 30. lieferten Großkampftage die Linie Combles–Bapaume an Haigh aus, da Below erneut auf die einstige »Siegfriedlinie« zurückfiel, in welcher fortan der Widerstand unbrechbar werden sollte. (Der Mensch denkt und Gott lenkt.) Südöstlich Arras harter Kampf bei Bullecourt. Am Westufer der Somme bewegten sich Debeney und Humbert gegen die Straße nach Ham und gegen den Südhang des Simonsbergs vor, der die Straße nach Noyon beherrscht. Dagegen erlitten Mangin und Desgouttes, deren Operation die Pariser Weisen als »sehr interessant« voraussahen, eine sehr interessante Niederlage bei Chavignon und Pont St. Mard. Magdeburger, Thüringer, Hannoversche und Gardeteile warfen zehn französische und amerikanische Divisionen, die in erster Linie anrannten, über den Haufen und nahmen ihnen allen Gefangene ab. Der Ententeverlust war in diesen Tagen ungewöhnlich schwer, besonders bluteten wieder Australier und Neuseeländer in weitem Trichterfeld der Einöde, die Hindenburgs einstmaliger Rückzug hinterlassen hatte. Die Kanadier wollen in einem Wald vor Bapaume erfolgreich gekämpft und 3000 Gefangene gemacht haben, wodurch die Zahl aller seit 21. Aug. gemachten Gefangenen auf 26 000 gestiegen sei. Daß die Franzosen seither wenig Gefangene machten, gaben sie selber zu, obschon die Entente teilweise mit Recht behauptete, die Deutschen schlügen sich viel matter als im Frühjahr und streckten gern die Waffen. Nun, daß die Stimmung keine siegesgewisse mehr war, läßt sich denken, doch bewahrten die Nachhuten überall die festeste Haltung, viele Beispiele von stolzem Opfermut verbürgen dies. Rätselhaft blieb der jähe Zusammensturz so überschwenglicher Offensivhoffnung des deutschen Hauptquartiers, das zuvor (Kühlmanns Absetzung, weil er diplomatisch verhandeln wollte) sogar den Reichstag mit solcher Zuversicht ansteckte und so bitter enttäuschte. Am 29., 30. begann die deutsche Front sich zu straffen. Die Angriffe an der Aisne erlahmten, das Aufgebot der Tanks führte zu nichts als zu Abschießen von 70 Stück, wovon 20 allein auf die 165er und 5 auf eine Kompagnie des 1. Garderegiments entfielen. Noyon war keineswegs wie Foch berichtete, erst nach verzweifeltem Widerstand erstürmt, sondern kampflos geräumt worden und jenseits kam man nicht weiter. Allerdings näherte man sich Peronne, aber nur zögernd. Unsere Loslösung von der Somme erfolgte ordnungsmäßig, der Feind merkte immer erst zu spät den Abzug. Gegen Armee Below ging freilich die Schlacht erbittert fort. Mit großen Massen brach der Feind aus dem Troneswald vor. Die Kanadier nahmen Haucourt, die Divisionen von London und Lancashire hatten bei Bapaume und auf der Straße Arras–Cambrai anfangs Raumgewinn, dagegen gab Haigh selber zu, daß er bei Bullecourt und Rincourt zurückgeschlagen wurde. 28 englische Divisionen (dabei Garde und 63. Marinedivision) waren im Feuer und 40 französische an der Somme und Aisne, gegen welche wohl höchstens 50 deutsche längs der Kampffront eingesetzt wurden. Sie verloren inkl. Gef. wahrscheinlich 155 000, der Feind sicher 350 000. An der Lys begann der feindliche Druck auch fühlbar zu werden, während zwischen Fismes und der Ostchampagne der Kampf ebenso einschlief, wie seit lange auf der übrigen Front zwischen Verdun und Hartmannsweiler. VIII. September-Retirade Natürlich stellt Buat die Septemberkämpfe ungünstiger dar als sie waren, und meint, nur Ludendorffs Hochmut habe ihm die Erkenntnis verwehrt, daß schleuniger Rückzug auf eine kurze Front zwischen Metz und Belgien von Nöten sei. In den Hundstagen auf den Hund gekommen, sollte der Sommerkranke sich also vom Brechdurchfall erholen! Doch darf man L. nicht verargen, daß er die Wirklichkeit anders einschätzte und mindestens so lange standhalten wollte, bis seine großen Vorräte und Parks im Raum zwischen Hindenburg- und Hermannslinie geborgen waren. Übrigens wird wohl nicht viel solcher Art im August verloren gegangen sein, da die Depots schwerlich über St. Quentin und Peronne vorgeschoben sein dürften. Wäre dem nicht so, müßte man solche Unvorsichtigkeit beklagen. Proviant- und Munitionskolonnen retteten sich wohl meist, dagegen ging natürlich viel eingebautes Artilleriematerial verloren, obschon wir die Ententeangabe dafür nicht wörtlich nehmen. Überhaupt muß man die Reservatio mentalis , die sogar einem Toten Mann bei Verdun zu mehrfacher Resurrectio mentalis verhalf, in Ententeberichten durchschauen und näher besehen, wobei wir ebensowenig ausschließen, daß der H. B. nicht den wahren Umfang des deutschen Mißerfolges aufdeckte. Doch die Tatsachen reden, denn der Raumgewinn, den sich die Verbündeten im September holten, war nicht danach angetan, schon von unausbleiblichem Zusammenbruch der deutschen Linien zu schwärmen. Erst die letzte Septemberwoche sah fortschreitenden Angriff: am 26. der jetzt zahlreich als Armee Pershing auftretenden Amerikaner zwischen Maas und Argonnen, am 27. der Engländer bei Cambrai, am 28. zwischen Lys und Dixmuiden, am 29. der Franzosen auf St. Quentin. Erst am 12. Oktober waren die Deutschen so weit, ihre Küstenstützen Zeebrügge und Ostende zu räumen, die neue vorgesehene Linie Antwerpen–Namur–Maas, unterhalb Verdun mit der übrigen Front Gallwitz–Albrecht verknotet, war aber immer noch sehr stark. Wie darf man sie »verzweifelt« nennen! Militärisch war sie es nicht, sie konnte es nur werden durch die Verzagtheit daheim, die nach Frieden um jeden Preis lechzte. Sie sollte ihn haben, diesen Frieden um einen Preis, den selbst der wütendste Friedensschreier nicht bezahlt hätte, wenn er ihn geahnt hätte. Frankreich befand sich vier Jahre lang in viel schlimmerer Lage und verzagte nicht, obschon auch dort und in England das Elend anwuchs und die frivole Prahlerei »business as usual« längst erstickte. Alle Welt zerbrach sich den Kopf, was Hindenburgs fortwährender Rückzug bedeute und ob er anderwärts zu einem neuen Schlag ausholen werde. Noch sprach kein Anzeichen dafür und es ließ sich nichts voraussehen. Anfangs September blieb von allen Eroberungen der früheren Offensiven nichts als der Damenweg und Armentieres noch sein. Der Materialverlust war sehr bedeutend, was doch auch ins Gewicht fiel. Es stand schlimmer als nach der ersten Sommeschlacht. Die Schlacht am 30. August fiel freilich zu Ungunsten der Ententeoffensive aus, alles Herausbrechen aus Crozatkanal und an der Ailette blieb fruchtlos, indessen räumten die Deutschen den Sommebogen und die Vorstädte von Peronne lagen unter Feuer. Hinter und beiderseits Bapaume wiesen Preußen, Bayern und Sachsen jeden Andrang ab, sowohl am rechten Flügel der 2. A. als längs der Cambraistraße Württemberger und Rheinländer. Südlich Bapaume kämpften Kavallerie und Gardebrigaden bei Haucourt glänzend, Westpreußen und Allensteiner, insbesondere 175er, standen fest. Die englischen Verluste wuchsen ins Ungeheure, obschon die 3. Armee mit wilder Zähigkeit sich im Norden an die sogenannte Wotanstellung bei Queant heranarbeitete. Haigh will im ganzen August 57 000 Gef. erbeutet haben, wahrscheinlich sehr übertrieben. Was er sich bei den rasenden Sturmversuchen dachte, läßt sich nicht ermitteln, da er doch einsah, die deutsche Linie sei keineswegs im Gleiten oder Wanken, sondern lasse ihn jetzt festen Fußes anrennen. »Wir werdens schon schaffen«, telegraphierte Hindenburg zur Beruhigung der Gemüter, was freilich sehr nötig schien. Leider war auch in den ersten Septembertagen Raumverlust zu verzeichnen: Frimencourt, Beaucourt, Riencourt, unbegreiflicherweise auch schon Kemmel und Bailleuil. Auch weiterhin betraten englische Sturmschritte die rückwärtigen deutschen Linien bei Etrepigny und Richtung Queant, Schotten und Kanadier brachen mehrfach ein und machten ein paar tausend Gefangene. Bis zur Ailette dehnte sich die 150 Kilometer-Schlacht erneut aus, dort fiel Chavignon den Amerikanern zu. Auf der übrigen Front an der Somme bis Norden hin besonders heftiges Ringen um Transloy. Die vereinte 7., 9. Armee hielten ihre Stellungen, die 2., 18. verloren immer noch Boden unter furchtbarem Kämpfen, die 6. wich an der Lys bei Etaires und Neuve Eglise. Ein Ende war nicht abzusehen. Stegemanns Phrasen über »Wandelschlacht« und neue strategische Begriffe deckten die nackten Tatsachen nicht zu. Wenn 1½ Millionen Mann gegen unsere Linien anstürmten, was bedeutete das? Hatte Hindenburg etwa nicht ebenso viel entgegen zu stellen? Es scheint nicht, und dies vergrößert das Unverständliche, zumal deutscherseits auf Freiwerden so vieler Truppen der Ostfront hingewiesen wurde. Große Verluste schwächten uns? Ja, doch litt der Feind nicht ungleich mehr, verlor er nicht auch früher weit mehr Gef. u. Gesch. bis Mitte Juni? 400 000 Amerik. jetzt im Feuer? Das konnte zahlenmäßig den Abgang nicht ersetzen, unsere Frontstärke aber schmolz wesentlich durch Überläufer und Drückeberger. Die Kämpfe am 2., 3., 4. September brachten den Briten (besonders Kanadiern) einen Einbruch nordwestlich Queant bei Doury und Etaing, sieben deutsche Divisionen wurden in Richtung Cambrai zurückgedrängt, nie zuvor waren britische Offensiven so weit gelangt. Dagegen hielten sich bei Hutiers Nachhuten insbesondere 56. R. und 271. I. an der Bahn Nesle–Ham, Angriffe von Amerikanern und Marokkanern zwischen Aisne und Ailette scheiterten an Kavallerieschützen (Dragoner, Garde und Leibkürassiere.) Immerhin standen die Franzosen jetzt schon bei Leuilly, 12  km nördlich Soissons am Nordrand des Plateaus. Vorbrechen zwischen Oise und Aisne gelang noch nicht. Im Ganzen aber wieder ein Mißerfolg von Below und Quast, der sich am 4. verschlimmerte. Quasts Rechte mußte über Steenwerk bis Wulverghem zurück und dort ließ der Feind keine Ruhe. Belows Rechte aber, wo sie mit Quast zusammenstieß, mußte später Lens und Richebourg räumen, Orte, die man fast immer seit Oktober 1914 innehatten. Doch zeigte sich bald, daß die Entente verfrühte Räumung von Lens gemeldet hatte. Ludendorffs Linie Armentieres–Douai–Cambrai–St. Quentin–La Fère–Laon–Damenweg–Berry besaß fast nichts mehr von erobertem Gelände, auch bei Ypern machte Armin wieder rückgängige Bewegungen. Dagegen schlug besonders die 231. Div. einen viermaligen Vorstoß beiderseits Noyon glänzend ab. Am 5., 6. wurde hingegen unser Vorsprung am Simonsmassiv abgequetscht, Mangin und Humbert näherten sich mit ihrer Kavallerievorhut bereits La Fère und St. Quentin über Guiscard und Moislains nach Überschreiten des Nordkanals, wo es nach französischer Meldung zu verzweifelten Kämpfen kam und die deutsche Nachhut sich »auf ihrem Posten töten ließ«. La Fère brannte. Infolge des Druckes auf Böhns Flügel an der Aisne räumte er jetzt endgültig die Veslelinie. Bei Peronne–Bapaume verhielt Haigh sich ruhig, dagegen verschnaufte er nicht gegenüber Cambrai, den er an einem Punkt auf 11  km näher kam, und Armee Horne setzte ihren Druck auf Armentières langsam fort, während Plumers Angriffe bei Wytschaete nördlich der Lys scheiterten. Angeblich hatten wir 97 Div. im Feuer; ist dies zwischen Lys und Vesle gerechnet, so wäre es gewiß nicht viel gegen sicher 140 alliierte. Man fragt sich immer wieder, wo die deutschen Reserven blieben, da wir mindestens 200 Div. an der Westfront gehabt haben müßten. Ach, 22 waren aufgelöst, nur 187 in Frankreich, nur 14 davon frisch, manche auf 2000 Gew. geschmolzen. Die Seele der französischen Hauptoffensive soll der kaltblütige, gebildet über Geschichte und Kunst plaudernde General Mangin gewesen sein. Nach dem Hauptkampftag des 2., wo unsere ausgebuchtete Linie zwischen Arras und Cambrai wirklich eingestoßen wurde, erfolgte indessen kein weiterer Einbruch, keine einzige deutsche Division wurde umfaßt, die Loslösung ging überall glatt von statten. Am 7. nahm Mangin erneut die rechte Schulter vor und kämpfte sich an den Gobainwald heran, weiter westlich kamen Humbert und Debeney über Ham hinaus, Haigh tastete sich langsam vor. Laut Ententeangaben, deren Nachprüfung unmöglich, deren Quelle sicher nicht lauter ist, sollen an verschiedenen Stellen der 17., 18. A, drei badische Linienregimenter und 2. Gardereservedivision, sowie besonders 15., 91. R. so gut wie aufgerieben sein. Das wäre denkbar bei Geopferten, die gegen riesige Übermacht standhielten, wie z. B. am 4. an der Lys rheinische und westfälische Nachhuten zehnfache Übermacht abschlugen. Hier gewann am 8. 9. die Armee Horne keinen Boden mehr, Plumer wurde von Hessen bei Plogstreet schwer geschlagen. Er besaß jetzt neue amerikanische Divisionen, die bei Voumerzele–Wulverghem ungemein litten. Plumer verhielt sich mehr passiv, während Horne sich anstrengte. Jetzt wurde zwischen ihm und der 3. Armee Byng eine neue 5. Armee Birwood eingeschoben, für die früher im März vernichtete neu errichtet. Gegen Belows rechten Flügel setzte Byng 25 Divisionen an, ohne jedoch etwas auszurichten. Auf der übrigen Front kamen die Alliierten nur schrittweise vorwärts mit kaum noch nennenswertem Geländegewinn. In den folgenden zehn Tagen vollendete Neubesetzung und Neueinrichtung der »Siegfriedstellung«, die wir nun statt des Siegfriedens wieder hatten, ohne daß dem Feind eine Störung gelang. Bis zum 18. fielen Gefechte bei Vauxaillon und Vailly nicht günstig für Mangin aus, obschon er den Eingang zum Damenweg an einer Stelle innehatte. Debeney arbeitete sich etwas näher an St. Quentin heran, bei Savy, Holnonholz und Vermand, aus der einstigen Faidherbeschlacht bekannte Punkte. Die Engländer versuchten noch wiederholt, besonders am 12., in breiter Front gegen Cambrai vorzudringen, blieben jedoch in Ansätzen stecken, wobei die Deutschen sich auch einer Überschwemmung bedienten. Die Alliierten lagerten jetzt auf der »Wüste« des vorjährigen Hindenburgrückzuges und befanden sich in höchst mißlichen Stellungsverhältnissen. In Flandern geschah nichts mehr. Dagegen machte die amerikanische 1. Armee Pershing einen Anlauf auf St. Mihiel, da man wahrscheinlich durch Verrat erfuhr, daß dort eine Räumung bevorstehe. Dies konnte infolgedessen nicht unbelästigt stattfinden, so daß am 12. angeblich 13 000 Gefangene und viel Material den Amerikanern zufielen, allein 5000 von einer österreichischen Division. Dagegen warf deutsche Landwehr die Franzosen wieder von Combreshöhe herunter, so daß völlige Einknickung der drei bei St. Mihiel stehenden Divisionen nicht erfolgte. Sie zogen sich bis über Flirey–Thiaucourt zurück, von wo weittragende franz. Geschütze das 37  km entfernte Metz beschossen. Pershing verfügte schon über so viel Streitkräfte, daß er zwei besondere amerikan. Armeen Bullard und Liggett bildete, obschon außerdem andere Transatlantier jede alliierte A. verstärkten. Die herumspukenden Ziffern »1 Million«, »2 Million« sind wohl erfunden, um Amerikas entscheidenden Anteil auszuprahlen. Vom 14. bis 22. gab es wieder Großkampftage zwischen Cambrai und Soissons, die den Franzosen keinen, den Briten geringen Gewinn (Epehy) brachten. Die 60. franz. Div. und andere Truppenteile wurden vor der Aisne aufgerieben, während die Divisionen von London und Ostengland sowie zwei Australische unter schweren Opfern sich der Siegfriedlinie näherten. Die 74. Yeomanry und die 21. Felddivision drangen am weitesten in die vorgeschobenen Verteidigungsanlagen vor. In Richtung Cambrai suchten besonders Walliser und Schotten den linken Flügel vorzutragen. Indessen endete der erneute allgemeine Angriff am 22. mit allgemeiner Niederlage vor den Fronten Rupprechts und des Generaloberst Böhn, der schon lange eine dreifache selbständige Heeresgruppe befehligte. Jäger und Kavallerieschützen, Ost- und Westpreußen, Posener und Schlesier nebst bayerischen Teilen widerstanden glücklich am Hauptbrennpunkt die Kämpfe. Seit 26. bedrängten Byng und Horne die Linie Marquion–Marcoing, Garden und Marine-Blaujacken mit Kanadiern verbunden. Bis zum 1. Okt. wogte das Ringen um Gricourt, die 1., 32., 46. engl. Division überschritten am 28. den Scheldekanal unter schwerem Blutvergießen. Vor St. Quentin focht man bei Selencey und Fayet; am 30. standen 17., 2. A. vor Cambrai–Mesnières bis St. Quentin, bei 18., 9., 7. A. Lage unverändert, 1., 3. A. schlugen Gouard in der Champagne. Auch in den Argonnen ging die Armee Pershing vor, sie nahm Varennes und Montfaucon, später auch Vauqois. Die 5. A. scheint hier verfrüht nachgegeben zu haben. Zugleich erlitt Bulgarien eine schwere Niederlage durch vorsätzliche Fahnenflucht seiner 2., 3. D., die sich mit den Serben verständigten. Serben und Griechen standen schon bei Prilep und Üsküp. Nur drei deutsche L. St. Batl. und 2 östr. Div. waren dort verblieben. Angeblich hatte Deutschland noch 50 (irrig) Div. in Rußland, Österreich 35. Viel ging jetzt zu spät nach Bulgarien ab, das alle seine 15 Div. im Feuer hatte, doch nicht mehr feurig für die gemeinsame Sache fühlte. – 18. A. hielt noch am 18. Sept. Essigny, 2. A. noch die Gegend um Epily mit Alpen K., 2. G. D. Bis 22. schlug sich Münchener L. Rgt. heldenhaft bis zur Ablösung durch 8. elbsächsische D., 5. b. D. mußte freilich durch Rhein. 161. (185. D.) gerettet werden. Die übrigen Kämpfe der 2. A. bei Holnon führten den Feind nur nach Francilly nach langem Streiten. Bei 9. A. stand die Schlacht ohne jeden Gewinn für Mangin, man sieht, wie unrichtig sein Julierfolg überschätzt wird. In der Champagne gab es leider viel unzuverlässige Elemente, 8500 Drückeberger verlangten schon Ende Aug. in Charleville Verköstigung hinter der Front, die armen Teufel hungerten freilich kläglich unter immer magerer werdenden Verpflegung. Hier hatten nicht etwa Gefangene unter Todesdrohung, wie die Franzosen sie kriegsrechtswidrig anwendeten und auch Daumschraubenfolter für ihre Zwecke benutzt haben würden, alles verraten und wie im Juli Ausweichen Gouards veranlaßt, sondern landesverräterische unabhängige Pazifisten verrieten aus freiem Willen, um Deutschland zu schaden und dem Ausland zu dienen, was durch schlechte Behandlung der Mannschaft seitens der vielen grünen Reserveoffiziere nicht entschuldigt wird. Indessen hielten die alten braven Truppen bis zuletzt aus, an ihnen lag es nicht, daß man so bald Unterwerfung verlangte. Die Artillerie bekämpfte sich beiderseits mit viel Methode (vergl. Bruchmüller). Hier opferte sich 49. Art. mit seltener Festigkeit, viele ihrer Leute und Pferde (eins hatte 23 Wunden!) starben den Heldentod. 8. b. R. D. befand sich längst im Abzug auf Chateau Porcien, wo einst die Sachsen vor 4 Jahren auf Reims vorrückten, am 19. Aug. hatte 19. R. noch 159. fr. abgewehrt, doch im Bouillywald mußte man schon lange abziehen nach verzweifelter Gegenwehr. Beim Vorgehen über die feindliche Vorderstellung geriet dort Ende Juli 86. D. in solches Feuer, daß vom 344. jedes Batl. nur noch 80–100 Gew. zählte, jetzt im Sept. mußte 469. I. den Wald aufgeben, während 6., 8. Komp. 23. b. R. die Farm Villers bis zur letzten Patrone verteidigten, noch 45 Mann, 3 M. G. schlugen sich durch. Es fehlte also nirgends an Beispielen des alten Heldensinns. Wohl beanstanden wir ungebührliches Hervorheben der Bayern, doch anerkennen um so freudiger, daß sie im Schlußjahr überall an Vorderpunkten mit höchster Hingebung und großartigem Schneid fochten. Bezöge man sich nur auf diese Epoche, so hätte man recht, den Bayern einen bevorzugten Rang zuzusprechen. Um so erstaunlicher als gerade bei ihren Ersatzrekruten sich mehrfach Meuterei und Widerwille gegen Weiterkämpfen breit machten, was man hinter üblichen Hetzphrasen gegen Saupreußen versteckte. Daß die biedern Bajuvaren sich angeblich für ihre norddeutschen Landsleute opfern sollten, gehört zu den nichtsnutzigen Verleumdungen deutscher Stammeszwietracht, sie opferten sich gottlob für das gemeinsame Vaterland. Sobald sie auf das Schlachtfeld kamen, erwachte germanische Kampflust und überwog murrende Kleinlichkeit. (Laut schwäbischen Beobachtern habe freilich bayr. L. W. im Elsaß zuletzt schlechten Willen gezeigt, was wir nicht glauben mögen.) Was den offenen Zwist des Pr. Rupprecht mit Lud. betrifft, so wird behauptet, ersterer sei über die ewigen Pausen wütend gewesen, habe im Aug. auf Gegenangriff der 6., 17. A. gedrungen, da Foch all seine Reserven nach Süden verzog. Ja, sicher gab es Augenblicke, wo dort ein Vorstoß gelingen konnte, und würde dies der Einsicht des Prinzen alle Ehre machen, mit dessen Urteil wir uns einigen. Doch Lud. versteifte sich auf bloße Abwehr und Räumung immer neuer Abschnitte. Haigh drängte seit 26. in Richtung Brüssel–Maubeuge, Foch auf Sedan. Nachdem Gallwitz bei Pont à Mousson überrannt, hielt sich 255. D. (19. A.) bei Nauroy, 10. Pos. bei Montser noch brav genug, doch 27. R. D. löste sich auf durch Fahnenflucht vieler hier eingestellten Elsässer und 11 allierte D. (10 überstarke amerikanische) waren für 10. D. zu viel. Bis Thiaucourt brandete der Feind, dann durch 31., 120. D. aufgehalten. In weiteren Kämpfen der 6. A. seit 28. an der Flandernfront bis 1. Okt. zeichneten sich das sächsische 100. R., sowie 132. Elsässer bei Nosselaere besonders aus. König Albert wollte mit Plumer, Belgiern und der zu ihm verschobenen A. Desgouttes durchbrechen, Armins Gruppen Schröder, Marschall, Gobain, Böckmann widerstanden. Während der ersten Oktoberwoche ging das Ringen vor Cambrai weiter, bayrische und Truppen des Altonaer Korps behaupteten im Süden ihre Stellungen. Hutier verlor St. Quentin, der Kronprinz mußte zuletzt Brimont und Berry räumen, dagegen warfen längs der Sommepystraße bei Liry besonders 55er, 149er, 150er sowie die 129. Inf. Div. (357. I. usw.) die Franzosen und Amerikaner zurück. Gallwitz hielt sich zwischen Argonnen (Romagnestraße) und Maas. Die Türken mußten indessen Damaskus und Beirut räumen und Bulgarien unterwarf sich bald der Entente in schmählicher verräterischer Kapitulation. Ein neues Friedensangebot der Mittelmächte fand bei der Entente kein Gehör. An der Flandernfront, wo die 3. Marinedivision seit langem stark teilnahm, und längs der Cambrailinie blieb vorläufig alles beim Alten, bei Le Catelet ging Kathen nur langsam zurück, nördlich St. Quentin schlug Hutier neue Angriffe ab, im Aisnetal wehrten sich besonders die 9. L. W. und die in Rußland und Rumänien bewährte 76. R. Div., zwischen Argonnen und Maas kamen die Amerikaner nicht vorwärts, hier taten sich die 147er besonders hervor. Was den Theoretiker rasend machen kann, ist die Erstaunlichkeit, daß die stets unbenutzte Mihielsstellung jetzt plötzlich zum Verderben ausschlug. Gallwitz legte die sogenannte Michelsstellung rückwärtig zwischen Fresnes und Pagan a. d. Mosel an, hielt aber seine Vorderfront C unter General Fuchs für gesichert. Zu seinem Unglück gab man ihm zwei ungarische Divisionen, die Kaiser Karl allergnädigst auslieh. Diese streckten zwar nicht einfach die Waffen, wie die Fama verleumdete, als die Amerikaner mit französischer Unterstützung gegen Mihiel vorbrachen, doch retteten sie sich baldmöglichst, die Deutschen sollen teilweise ausgerissen sein. Allerdings hatte Pershing riesige Übermacht und sein Nachsetzen über Thiaucourt–Noroy scheiterte unter hartem Verlust seiner unbehilflichen Sturmsäulen. Jedenfalls erkannte Foch die Bedeutung der Mihielsstellung klarer als O. H. L., wie dieser dringliche Angriff beweist. In vollständiger Niederlage wurde Fuchs bis in die Michelsstellung getrieben, es war das einzige schmachvolle Gefecht des Weltkriegs für deutsche Waffen. Indessen machten die Franzosen am 14. erst »Übergangsversuche« an Vesle und Ailette, erst sehr spät waren 2., 18. A. hinter dem Oisekanal zurückgenötigt, »große Erfolge« der Alliierten Ende September erkennt man nicht. Erst am 20. Oktober gedieh das Unheil so weit, daß 4. A. am 14. bei Roulers geschlagen, in die befestigte Linie zwischen Ecloo und Lys nach Belgien hineinwich, erst am 17. landeten Briten bei Ostende. Infolge Überflügelung längs der Lys mußte die 6. A. Lille endlich räumen, die 17. A. Douai. Sie hielt sich bis 9. ausgezeichnet ging nur deshalb auf Valenciennes zurück, weil das Weichen der 6. und 2. A. ihre Flanken entblößte. Die 2. A., die sich nie sonderlich 1918 auszeichnete und am Unglück des 8. August schuld war, lieh sich bis Le Cateau zurückdrängen, wo die Hermannsstellung noch nicht ordentlich ausgebaut war. Wir mögen dies nicht beschönigen. Daß deutsche Truppen von feindlichem Frontalangriff dauernd abgestoßen werden, kam sonst nie im Weltkrieg vor. Die 18. A. manövrierte lange gut, doch Weichen Eberhardts, welcher Korpschef Armins jetzt 7. A. leitete, zwang Hutier, sich nunmehr bei Guise nordöstlich St. Quentin aufzustellen. Die 9. A. scheint aufgelöst und mit der 7. verschmolzen zu sein, sie räumte den Laffaux-Vorsprung und zog sich hinter Oise-Aisne-Kanal an die Veslefront heran, wo ihre linke Flügeldivision von Franzosen und Amerikanern nordöstlich Fismes vertrieben wurde. Die 1. und 3. A. wichen vor starkem Andrang zuerst am 11. Okt. an die Suippes, dann in die rückwärtige »Brunhildstellung«. Infolge Überflügelung räumte Boehn am 13. Laon. Auch 7. A. verschwand, nur 18. A. blieb dort bestehen. Daraus zu schließen, daß wir nur noch 750 000 Streiter zählten und seit Neujahr bis 5. Okt. rund 1 Million verloren, wovon 300 000 Gef., scheint aber vielfach übertrieben. So viele Außreißer und Grippekranke bedeuten keinen Kampfverlust, den wir vielmehr gerade auf 750 000 schätzen, wovon 200 000 Gef. und Überläufer, da Foch offenbar nach üblicher Methode alle liegen gebliebenen Verw. mitzählte. Auch das ist noch viel, es scheint ausgeschlossen, daß im Sept. so viel Gef. absplitterten, es seien denn Überläufer. Nun können aber 210 D. im April inkl. Art. nicht unter 2 Mill. Streitbare gehabt haben, das Heer hatte noch über 1 Mill. Kämpfer. Allerdings wurden die Verluste »sehr empfindlich«, obschon gewiß nicht »ungeheuer groß«, sie wurden es angeblich durch die schlechte Gesinnung der aus Rußland hergebrachten Divisionen, die sich nicht mehr schlagen wollten. Die Urlauber kehrten nicht mehr zurück, Desertion griff reißend um sich, Ersatz aus der Heimat kam nicht. Alles betete dort zum Heiligen Wilson und war wütend, daß man nicht gleich die Flinte ins Korn warf. Die Oberförster im Phrasenwald pürschten deklamierend nach der sagenhaften weißen Hinde des herrlichen Weltfriedens und rührender Völkerversöhnung. Bloß die Alldeutschen sind Verbrecher, dagegen Briten und Franzosen allbekannte Verächter des Chauvinismus und Imperialismus, die uneigennützigen transatlantischen Meister wollen Deutschland liebevoll von seinen grausamen Machthabern erlösen, »das Volk von Tyrannen befreien«. So schlichen die Braven umher, den Dolch im Gewande, und die Kraniche des Ibykus krächzten unheilverkündend. Militärisch war die Lage nichts weniger als verzweifelt, politisch nur zu sehr. Wer sich mit Leichnamen wie Österreich und Türkei zusammenkoppelt, wird vom Leichengift angesteckt. Ohne Österreichs jämmerliches Verhalten, wo nur die Deutschen und besonders die mannhaften Tiroler ihre Pflicht taten und die ungarischen Divisionen vom Isonzo einfach nach Hause liefen – Ungarn hat ebenso bitter wie verdient gebüßt – ließ sich der Krieg hinfristen, sobald Deutschlands Volk das Beispiel des französischen 1792–97 unter noch größerer Drangsal nachahmte. Doch dazu fehlte jeder Wille, denn der Deutsche wird nur auf Kommando »Patriot«, und sobald die Staatskette sich lockert, fragt er mit Falstaff: was ist Ehre, was ist Vaterland! Daß der Friede entehrend sein werde, ließ ihn ganz kalt. Hätte man ihn gewarnt, daß er nicht bloß ideell, worauf das angebliche Volk der Idealisten pfeift, sondern materiell vernichtend sein werde, dann hätte vielleicht der Philister um die Futterkrippe gefochten. Indessen muß man die Leid- und Hungerpsychose berücksichtigen, es war den Leuten zu viel aufgebürdet, doch duldete Frankreich nicht auch ein Übermaß des Bittern und bewies sich nach allem deutschem Geschrei von »Durchhalten« mannhafter und entschlossener? Die elende Regierung und die possierliche Persönlichkeit des kaiserlichen Schlachtenbummlers, weit vom Schuß, waren freilich nicht danach, dem Volk den Nacken zu steifen. Uns kümmert hier nur die Frage, ob militärisch die Lage eine Waffenstreckung forderte. IX. Oktober-Katastrophe Alle Anstrengungen Haighs besonders am 8. Okt. entrissen Cambrai nicht den Resten der 6., 133., sowie 5. b. D. (nur 500 Gew.). Bei St. Quentin brachten 29., 30. Sept., 1. Okt. langbohrende Stöße gegen 6. b., 231. D. bei Urvillers, wobei die Ingolstädter sich durchschlugen. Gegenstoß der 34. D. machte zeitweilig Luft, doch St. Quentin mußte geräumt und am 10. Abzug in die noch unvollendete Solesmes-Stellung durchgeführt werden, wobei die Bayern wieder 33, 1500 verloren, für 12 Kampftage nicht allzuviel. B. Kr. Arch. spricht von scharfen Maßregeln, die den Zusammenhang aufrecht hielten, was euphemistisch gesagt, daß man viele Ausreißer bändigen mußte. Mittlerweile erfolgte schon am 26. Sept. ein großer Schlag von Gouraud und Guillomat (an Stelle Berthelots) gegen 3. A. und Linke der 1. unter schrecklichem Trommelfeuer. Laut Regt. G. des 49. Art. wirkte besonders erschwerend Feuerüberfall von Fliegern, während kein deutsches abwehrbereites Flugzeug weit und breit zu sehen war. Mit zerschundenen Nerven in überfüllten deckungslosen Linien westlich Tahure gab b. Ers. D. nach, wobei 14., 18. R. samt ihrer Artillerie zu Grunde gingen, während 7. Magdb. D. rechts davon vor Navarin sich hielt. Links bei Tahure–Cernay mußten 42., 103., 202. D. weichen, doch 1. b. D. riß sie als Rückhalt wieder vor, 7., 209. D. fanden an 15. b. D. gute Hilfe, wobei 31. b. sich auszeichnete. Am 27. gingen aber »Bayernhöhe« und Sommepy verloren, 200. D. behauptete noch brav Marie à Py, der Kampf war überaus scharf. 15. b. D. wurde ebenso aufgerieben wie vorher die Ers. D., II/III/31. und ebenso I/II/30. wurden abgeschnitten, 32. im Verband von 7. D. südöstlich Sommepy ging ganz unter, wie links davon 1. b., das auf die Stärke einer Komp. schmolz. Doch die Franzosen litten noch mehr im Dormoisetal und bei Gratreuil, erst im Okt. hatten sie die Moronvillershöhen. Am 28. hielten sich, in 3. G. D. aufgenommen, alle Reste vorzüglich. Südöstlich davon am Straßenkreuz geriet 97. I. in Gefahr, doch 2. b. hielt aus, 42., 202. D. standen fest, 108. am äußersten linken Flügel durch die Würzb. abgelöst, sowie 51. R., 233. D. hierher verschlagen, die verkämpfte 7. D. ersetzten. Auch 199. D. mischte sich am 29., 30. dort in erbitterte Schlacht bei Medeahfarm. Auberive und St. Marie blieben uns, man vereitelte den Durchbruch, H. B. betonte zu wenig diese ehrenvollen Kämpfe. Bei Orfeuil schlugen sich die bayr. Reste bis 8. Okt. An diesen heißen Kampftagen entlasteten 1. b. Rgt. und später 159. westf. das bedrängte 75., das bis 10. auf 5, 119 schmolz in heldenhaftem Ringen der Bremenser. B. Ers. D. schmolz auf 1000, 15. D. auf 200, bei 1. D. hatte 24. I. noch 70 Gewehre! Außer den Bayern wirkten Rostocker Füs. und 368. I. gegen 42. amerik. D., 506. fr. Tankrgt. und eine fr. Br., die vor 17., 213. D. blutig zerschellen. Weit links am Aisnetal südöstlich Ripont rückte 4. b. D. zwischen 202. und 13. D. ein, leistete gute Dienste. Nach angetretenem Rückzug in die Hunding-Brunhildstellung stand Mitte Okt. 3. A. bei Vouziers–Attigny, wo am Westrand der Argonnen und bei Grandpré 5. A. anschloß, 1. A. hinter der Aisne bei Ch. Porcien, 7. A. nördlich des Damenwegs bis Brimont. Hier hatte der Feind bei Breuil nördlich der Wesle am 1. Okt. die 2. b. D. hart angefaßt mit nur kleinem örtlichen Erfolg. Bei Orfeuil zurückgeworfen, stürmte Guillemat später der geschickt rückwärts abgeblätterten Linie Mudras nach, am 19. östlich Sissonne traf ihn aber rascher Seitenstoß, er blieb am Fleck gefesselt. Der bisher abhängende Gouard suchte umsonst gegen Rethel vorzukommen, am 24. erledigte ihn Einems Gegenstoß. Inzwischen bestand auch 5. A. (K. Dieffenbach, Oven, Soden und östr. K. Grizinger) seit 26. argen Andrang mächtiger amerikanischer Massen, hier wurden Einems 1. G. D. im Airetal, wo sich auch L. St. B. Rosenheim-München befand, und Mudras 7. R., 117. D. bei Avocourt und Forges auf Montfaucon geworfen, doch durch 5. b. R. D. beherzt herausgehauen, besonders ihre Batterien wirkten opfermutig aufs Beste. Die überangestrengte brave 7. R. D. ging bei Sept Farges und Dannevaux unter, doch die im Grabenkrieg ungeübten Amerikaner litten gewaltig, oft auf 800 Meter Nähe zerschossen. Wie seltsam berührt es, die am 1. Sept. 1914 erreichten und bis 4 Jahre behaupteten Orte in Feindeshand zu sehen! Bis 10. Okt. zogen sich hier starke Kämpfe hin, wobei 28., 236. D. den Amerikanern Liggetts viel Schaden taten. Mudra wich dann in die Brunhildstellung Romagne–Brieulles s. Meuse. Abzug nach den Nordargonnen erfolgte überstürzt und früh, sie hätten viel länger verteidigt werden müssen, der Feind durfte nun seinen Angriff auch aufs Ostufer nach Sivry und Orne übertragen gegen Gruppe Maas-Ost unter F. M. L. Grizinger (bundesfreundlich, aber unnötig). Ihn hemmen aber dort vom 9.–14. bei Haumont 15., 33. D. und die in weitem Sprung herversetzten kümmerlichen Reste 27. D. nebst einem östr. Jg. Rgt. und sächs. Art. Liggett stand nur noch 15  km von Stenay, dem Rückzugsdepot, doch der biedre Eifer der Yankees dämpfte sich, als ihre ungeheure Masse zusehends durch Blutbäder verringert. Die Schwaben sprangen noch den Badensern am anderen Ufer bei. In ernster Lage hielt man sich dort gegen riesige Übermacht, bis am 1. Nov. am Larrocourtwald die Schwaben zersprengt, 109., 120. vernichtet und bis 11. »Gruppe Orne« auf Malandry zurückgedrängt wurde. Am entgegengesetzten Flügel in Flandern erhob sich seit 28. Sept. das Brüllen engl. Gesch. und eine so heiße Schlacht, wie nur je im Weltkrieg. 11., 12. b., 23. D. zwischen Langemark und Zillebeke, 6. b. R., 40. D. bis südlich Messines wurden teilweise durchbrochen, Bezelaere genommen, doch Paschendaele gehalten, obschon die meisten bayr. Gesch. ehrenvoll im Feuer verloren gingen. Gegenstoß von 16. b., 52. R. D. bei Roosebeke hielt den Einbruch auf, der linke Flügel mußte aber gleichfalls auf Warneton–Hutem–Kruiseke sich zurückbiegen, am 29. über Comines–Zandvorde. Armin, dem so schwache mürbe Häuflein zu Gebote standen, (25 D., darunter die im August vernichtete 11. b.), bezog jetzt die Flandernstellung zwischen Warvick südlich und Handzaeme nördlich bis 4. Okt. mühten die Verbündeten sich daran ab, bei Ledeghem schlug sich besonders Westpr. 61. R. der 36. R. D. hervorragend. Bei Kegelberg hielten die überaus geschwächte 52. R. D., 1. b. R. D., 6. Kav. D. wacker aus, die letzten 750 Gew. der 12. b. D. und die in freiem Feld nahe den Feind bestreichenden letzten Gesch. der 22. Art. unterhielten rollendes Feuer. Diese Bayern ließen seit Sept. Ende 3500 Mann, 40 Gesch., 250 Masch. G. liegen, was freilich einen traurigen Maßstab für die Prüfung der 4. A. bis 13. Okt. ergibt. Am 14. brach Verderben über 1. b. R. D. herein, nur 100 entkamen, der G. Ers. D. bei Morsele erging es ähnlich, die Art. ging verloren. Überreste der 11. b. D. und die 16. mischten sich unter die preuß. 3., 16., 36. R. D. bei Cortemark, 6. b. R. D. unter 39. D. bei Warwicq. Der König der Belgier sollte bei Roulers–Menin–Gent durchbrechen, Fochs ganze Heeresreiterei von 20 000 Säbeln nachhauen. Nichts gelang von Courtrai bis Brügge. Nachtmärsche unter widrigem Regenwetter führten die zerschlagenen Truppen in die Hermannsstellung bei Kortryk. Als sie am 19. dort ankamen, zählte 16. b. D. noch 800 Gew., die wieder etwas aufgefüllte 11. b. noch 1320. Trotz so winziger Bestände hielten sie und 207. D. noch lange, ehe man in die letzte Verteidigungslinie zwischen Antwerpen und Ecloo langsam wich. Der Feind entfaltete überall grobe Übermacht und rohe Gewalt seiner Kampfmaschinen, doch nur mit schweren Opfern konnte er die dünnen gelichteten Scharen vor sich her stoßen. Am 9. ließen zwar die Kanadier im geräumten Cambrai ihre Fahnen fliegen, am 10. wehten in Le Cateau und St. Quentin Union Jack, Sternenbanner, Trikolore. Gegen 6., 17. A. ließ der Druck gerade so nach wie gegen 7., 1., 3. Bei Bohain und Solesmes brachen Tankstürme übel zusammen, ehe 6. A. aus Lille nach Tournai, Below über Douai abzog. Nur 2., 18. A. wurden am 17. besonders bei Le Cateau von Massen Angelsachsen und Galliern angefallen, von listigen Fluggeschwadern umkreist. Am Sambrekanal vergällten bei Wassigny 6. b., 18. D. des K. Endres dem Feind den Übergang, südöstlich Cateau bei Ertreux wehrten sich Watters 3. Mar., 221., 23. D., obwohl jede nur 900, 330, 250 Gew. zählte. Auf dem Guiseplateau hielten Hutiers Gruppen Gontard und Sieger bis 26. den ungeduldigen Humbert überlegen in Schach. Nur südlich bei Marle wich er vor Debeney und Mangin. Rückzug bis 9. Nov. nach kurzem Halt bei Landrecies und Avesnes und östlich Maubeuge, während der im übermütigen Kraftbewußtsein über Valenciennes nachdrängende Haigh zugleich mit Gruppe Albert die 4. A. an Lyskanal und Schelde verfolgte. Zwischen 20. Okt. und 8. Nov. entschlüpfte man dem erschöpften Gegner ohne ernsteres Verbeißen, in voller Ordnung standen nun 4., 6., 17., 2. A. zwischen Termonde und Chaleroi. 18., 1., 3., 5. A. erhielten verschiedene starke Hiebe, die aber alle pariert wurden. 103., 199., 202., 213., 242. D. und b. Reste – noch 600 Gew. der 15. D., bei 1., 4. schwerlich mehr – fochten seit 14. Okt. zähe in Umgegend von Vouzier, wobei 475., 476. I., 280. Art., 127. der 242. D. sich am Käseberg hervortaten. Ein Gewaltstoß der Amerikaner, die über Grandpré immer weiter gegen 5. A. Sturm liefen, nötigte 240., 31. D. am 2. Nov. auf Buzancy zu weichen. Rgt. 70., 166 wurden hierbei von 149 Bayern unterstützt, jetzt die ganze 15. D. ausmachend. Allmählich wich diese Abteilung Maas-West bei Yvor hinter die Maas auf Diulet-Dun unterm Schutz der 115. D.; 5. A. lieferte zwischen Dun und Stenay mit 10., 20., 117. D. noch ganz günstige Gefechte, wobei den alten, Rgt. 77., 79. das junge 450. gut zur Seite stand. X. November-Ende militärisch-politisch Dem bewährten General v. Scholtz, Befehlshaber der deutschen Balkantruppen, gelang es, sich von der bulgarischen Niederlage loszulösen, seine braven Landwehr- und Landsturmmänner hielten unter erschwerendsten Umständen aus, bis große neue Verstärkungen heran waren. Die in Albanien unter Pflanzer-Baltin bisher siegreiche österr. Gruppe zog sich auf Nisch bis Lascovic zurück, entkam also dem bis Üsküb eingetriebenen Keil der Armee Esperet. Der rüstige General muß schon große Verstärkungen erhalten haben, um die Offensive so kräftig aufnehmen zu können, wobei die Venizeloz-Griechen mit in die Wagschale fielen. Was dazu bewog, die Bulgaren wesentlich allein zu lassen und auf ihre dauernde Widerstandsfähigkeit zu vertrauen, ist nicht klar. Die Bulgaren begingen natürlich den dümmsten Streich, ihre jetzigen wie einst ihre Balkanbundesgenossen zu verraten, sie lieferten sich der Entente auf Gnade und Ungnade aus und begruben selber ihre nationalen Hoffnungen. Den Mittelmächten leisteten sie, so mochte es scheinen, insofern einen Dienst, als diese sich nun nicht mehr beim Friedensschluß um die bulgarischen Forderungen an Serbien und Rumänien, sogar an die Türken, mit denen sie wegen Adrianopel sich schon in den Haaren lagen, zu bekümmern brauchten. Gefrässiger Größenwahn und nachher feige Nachgiebigkeit. Faßt man in jener Zeit das Endergebnis des Weltkriegs im Balkan ins Auge, so blieb Österreich nicht länger vor den Begehrlichkeiten der Serben und Rumänen gesichert. Doch wenn die deutschen Erfolge des Brester Friedens auch äußerlich wegfielen, so hatte Deutschland sich doch für lange seines gefährlichsten Nachbarn, des vereinten Russenreichs, entledigt. Ebenso schienen Frankreich und Belgien auf Menschenalter außer Stand gesetzt, gegen Deutschlands Sicherheit zu konspirieren, so schmerzlich dies Aufgeben aller errungenen Vorteile und der früheren Reichsgrenze empfunden wurde! England war zwar nicht tödlich, aber schwer verwundet, seine Handelsflotte halb ruiniert, so daß es endlich eine Vorstellung von der wahren deutschen Macht bekam. Auch Amerika verlor den Milliardenprofit seiner Neutralität und hatte genügend Einbuße erlitten, während Wilsons Autokratie den Samen grollender Zwietracht säte. So furchtbar daher die Leiden der Mittelmächte gewesen sind, hatte der Weltkrieg doch den Horizont erhellt, nicht mehr drohte wirkliche Zerschmetterung. Wenn man nach Heldentaten, wie sie die Geschichte niemals sah, zuletzt einen unglücklichen Frieden schloß, so war doch Deutschlands Prestige gewachsen und ihm blieb endlich freie Hand, sich wirtschaftlich wieder aufzubauen. So schien es noch bei Jahresschluß. Doch »es kommt immer alles anders«, noch war der Kelch nicht zur Neige gelert. – Nachdem Bulgarien kapitulierte und die Österreicher Serbien räumten, rückten die Alliierten ziemlich langsam vor und wandten sich zunächst gegen die Türken, die mittlerweile außer Damaskus auch Beirut und Aleppo verloren und Baku wieder verließen. Sie und Österreich machten Sonderfriedensangebote, da Deutschland selber sich mit Waffenstillstandsvorschlag an Wilson wandte, den dieser zögernd und mit Klauseln grundsätzlich gewährte, jedoch die Ausführung an den alliierten Kriegsrat verwies. Ehe dieser harte Bedingungen formulierte, focht man immer noch heftig an der Westfront. Die Armeen des Kronprinzen gingen nur sehr langsam zurück, Hutier focht standhaft nördlich Hirson, erst später nacheinander mußten Cambrai, Douai, Valenciennes geräumt werden. Armin verließ still die Yser und zog sich auf Kortryk sowie auf Antwerpen zurück, nachdem die Alliierten mit schweren Kämpfen bei Menin, Roulers und leichter bei Ostende deutsche Nachhuten vertrieben. Die neue deutsche Linie lag hinter Schelde und Sambre und es waren östlich noch starke Verteidigungsstellungen zwischen Maubeuge und Metz zu überwinden, falls die Alliierten den Krieg fortsetzten. Am 1. Oktober ließ L. dem Reichskanzler melden, daß er die Front schwerlich mehr halten könne, am 8. widerrief er wieder. Die Oktoberschlacht strafte ihn Lügen, der Kronprinz stand unverletzt, die Nordfront schien sich zu festigen. Fochs Kraft war ausgepumpt, nur die transatlantische Quelle sprudelte. Dies deutsche Heer zeigte sich noch ungebrochen, besonders zeichneten sich in Französisch-Flandern das 6. Garde, 118. hessische Regiment sowie die 142. Division aus, auf der sonstigen Front das 8. brandenburgische 53. westfälische Rgt. So kam der 1. November heran, ohne daß der Rückzug irgendwo hätte gestört werden können. Im Norden fielen in den letzten sechs Wochen nur 30 000 Gefangene den Alliierten zu, die Beute an Geschütz (dazu 1200 Maschinengewehre) soll beträchtlich gewesen sein. Da Ludendorff aus politischen Gründen seinen Abschied nahm und bei plötzlicher Demokratisierung der gesamten Reichsverfassung die Zivilbehörden des Reichstags die Aufsicht über das Militärische mit übernahmen, so hörte man nicht auf den Wunsch vieler Generale, den Krieg bis aufs äußerste fortzuführen, und unterwarf sich den übermütigen Forderungen des Feindes: Räumung von Nordfrankreich, Belgien, Elsaß-Lothringen, Besetzung von Metz und Straßburg durch französische Truppen, allgemeine Entwaffnung. Auch letzterer ganz unannehmbarer Bedingung fügte sich Michel, von Pazifistenphrasen umnebelt. Auf Österreich, das ein falsches Spiel beginnen wollte, brauchte man gottlob keine Rücksicht zu nehmen, es zerfiel in sich selber und die schwarzgelbe Clique stand mit leeren Händen da. Ungarn erklärte sich selbständig, die Tschecho-Slowaken desgleichen (10 Millionen mit Hauptstadt Prag), Slavonien-Kroatien begann mit Plündern, Sengen und Brennen das Südslavische Reich zu gründen, das sich mit Dalmatien, Bosnien und sodann Serbien zusammenschließen sollte. Es ließ sich indessen vorhersehen, daß Kroaten und Serben sich nicht so brüderlich verstehen würden, wie es theoretisch aussah, da im Grunde von »gleicher Rasse« nur in sehr weitem Sinn geredet werden kann und als Hauptstadt des neuen Reiches doch eher Agram als Belgrad zu wählen war. Die Deutschösterreicher, Wien an der Spitze, wobei die Deutschböhmen sich sofort als eigene losgelöste Provinz zu konstruieren wünschten, beschlossen Aufgehen ins deutsche Reich. Im Grunde konnte Österreichs Zerfall, das unter dem erzklerikalen und nichts weniger als deutschfreundlichen Kaiser Karl ein sehr unsicherer Kantonist geworden wäre, Deutschland nur recht sein. Keins der neuen slavischen Staatsgebilde konnte gefährlich werden, Ungarn war nun erst recht auf spätere Anlehnung an Deutschland angewiesen, Deutschösterreich bot neuen Machtzuwachs. Dagegen belasteten die unverschämten Forderungen der Polen, die so ihren Dank für Befreiung vom Russenjoch abstatteten, sehr hart die Nordmarken. Und es kam alles noch schlimmer als man damals glaubte, jeden Pessimismus überholte noch die Entwicklung zu allgemeinem Ruin. Seit 1. November, wo die Alliierten auf der ganzen Linie sich bei langsamem Vordringen blutige Köpfe holten, kam es zu neuen Kämpfen Belows westlich der Schelde und der 2. A. südlich Valenciennes, Armins bei Deynze, Zoneghem usw., wobei das 80. hessische und 57. Rgt. sich auszeichneten. Später hielten Badenser und 71. Art. den Gegner auf. In den heftigen Kämpfen nördlich der Aisne hielten, wie früher vornehmlich die Mecklenburger Brigade, 75. Hanseaten, jetzt 70. R. und 230., 231. R. der 50. R. Div. stand. Auch die Schleswig-Holsteiner der 18. Div., Teile des pommerschen, schlesischen, Posener Korps verwehrten den Amerikanern das Verfolgen. Westlich davon in der Linie nördlich Guise kämpften die Brandenburger erfolgreich, besonders 24er, sowie Bayern und das seit Anbeginn in Rußland fechtende 93. Reserve. Doch war alles umsonst, die soziale Revolution untergrub die letzte moralische Widerstandskraft, die Waffenstillstandskommission willigte kläglich in verschärfte Bedingungen: Besetzung der Rheinufer mit Jülich, Köln, Düsseldorf, Koblenz, Mannheim, Mainz, der Pfalz. Man mußte sich mit Protesten begnügen, als die Franzosen alle Vereinbarungen über Unbelästigung der Reichsdeutschen im Elsaß brachen und ihre Ungebühr auf Saarbrücken ausdehnten, das sie gleichfalls annektieren wollten. Militärisch war so schmachvolle Nachgiebigkeit noch keineswegs geboten, doch die vaterlandslosen »Unabhängigen« und der teilweise Nahrungsmangel (lange nicht so groß wie in Österreich) brachen den Willen. Man ließ sich apathisch alles gefallen, auch die wahnwitzigen Entschädigungsansprüche. Was den sozialen Umsturz erklärt und rechtfertigt, gehört hier nicht zur Sache. Noch sind die Akten nicht geklärt, ob Ludendorff oder, wie er sagt, nur die Berliner Regierung jeden Verzichtfrieden hintertrieb, statt im Mai, wo die Aktien noch scheinbar günstig standen, unter allen Umständen Frieden zu schließen. Schon Rücksicht auf Österreich, das längst am Rande seiner Kräfte war, hätte dies geboten. Einen besonderen traurigen Eindruck machte die Flucht des Kaisers nach Holland, der alles im Stich ließ und hiermit sinnbildlich Deutschlands Niederlage besiegelte. Bis 11. November erreichte der Feind folgendes: Er überflügelte am 25. Okt. die schwache 4. A. bei Gent, sie zog über Oudenarde ab, wo sie einst zur Ypernschlacht auszog. Wahrscheinlich hätte sie Antwerpen geräumt und sich zwischen Lüttich und Namur aufgestellt, diese beiden Türpfosten umzurennen wäre der Feind kaum im Stande gewesen. 6. 17. A. konnten zuletzt die Linie Tournai–Valenciennes nicht halten und gingen gleichfalls auf die Maas zurück. 2., 18. A. hielten sich zwischen Landrecies und Guise. 1., 3., 8., 11. A. hielten die Argonnen bis Consenvoye und weiter südlich die Mosel vor Metz. Die ganze Aufstellung glich derjenigen am Ende des ersten Kriegsmonats. Die Entente hatte also genau 50 Monate gebraucht, um die so lange Frankreich peitschende deutsche Sturmflut bis in Nähe der deutschen Grenze einzudämmen. Konnte das Spiel von damals neu beginnen? Gewiß nicht, die Angriffsfähigkeit des deutschen Heeres war nun endlich gebrochen. Darüber kein Zweifel, doch daß »unsre ganze Südfront in Trümmern lag«, übertreibt ein gewisser deutscher General. Man hätte Metz und Diedenhofen trefflich verteidigen können, doch General Gröner, der den ausscheidenden Ludendorff ersetzte, räumte auch diese Punkte, und man ging am 11. Nov. auf den schimpflichsten Waffenstillstand ein. Um dies militärisch zu begründen, munkelt Buat von bevorstehendem Angriff 30 französisch-amerikanischer Divisionen zwischen Nomeny und Marsal gegen die Flanke der neuen Verteidigungslinie und dem unfehlbaren »Untergang« der Deutschen, »in dem Paß (?) zwischen Aachen (?) und der Mosel«. Was ist das für ein Paß? Wenn die Verbündeten zwischen Givet und Consenvoye standen, hatten also die Deutschen sowohl Argonnen als besonders die hier viel genannten Ardennen schon hinter sich, für Aachen lies aber richtiger Lüttich, dessen Forts doch sicher den Übergang gedeckt hätten, ebenso die von Namur. Immerhin ist fraglich – darin pflichten wir den Ludendorffeinden bei –, ob weiterer Widerstand sicheren Erfolg gehabt hätte. Aber es mußte versucht werden, zum Waffenstrecken blieb immer noch Zeit und Schlimmeres als die spätere Besetzung des Rheinlandes konnte auch so den Deutschen nicht zustoßen. Ein weiterer Zeitgewinn von 3 Monaten wäre aber sehr ins Gewicht gefallen, da die Ententevölker die Sache satt waren und Wilson wußte, daß er seinen Landsleuten nicht zu große Opfer zumuten dürfe. Ein Punkt wird ganz übersehen, nämlich die wirklich »ungeheueren« Ententeverluste. Verlor Deutschland wirklich 6 Mill. inkl. 900 000 (?) Gefangene, was wir bezweifeln – vermutlich alle an Krankheit Gestorbenen bei allen zu irgendwelchem Etappendienst Eingezogenen mitgerechnet, als ob nicht in jedem Friedensjahr gleichfalls sehr viele Männer stürben –, dann müßte freilich 1918 sein Verlust größer gewesen sein als in jedem anderen Kriegsjahr, er war es offenbar nur an Gefangenen und Überläufern. Kein Zweifel besteht aber über den riesigen Verlust der Verbündeten. Das beste Beispiel bieten die Amerikaner, die schwerlich mehr als 400 000 ernstlich ins Feuer brachten und doch über 200 000 Tote und Verwundete offiziell angaben, obschon sie erst seit Juli stärker mitfochten und nicht oft an Brennpunkten. Es läßt sich daher vermuten, daß Briten und Franzosen allermindestens 50 % der Masse verloren, ein Blutvergießen, wie es in solchem Umfang wohl niemals sonst vorkam. Nun wohl, wer wird glauben, daß nach solchem beispiellosem Aderlaß sie noch in der Lage waren, den Krieg mit gleicher Energie fortzusetzen! Nehmen wir an, der deutsche Verlust habe 1918 inkl. Gefangenen 1 Million betragen, so verloren die Verbündeten sicher nahezu 2 und trotz der amerikanischen Aufschüttung hatten sie schwerlich noch zwei Millionen im Felde gegen fast eben soviele Deutsche, falls man den noch verfügbaren Ersatz einreihte. Nun sagt man ja freilich, doppelt so viel Amerikaner hätten gekämpft. Gut, aber »200 000« Verl. ist eben auch falsch bei zugestandenen 70 000 Toten , was nach normaler Schätzung 1:4 genau 350 000 t. u. verw. ergibt, d. h. 40–50 % in wesentlich nur 4 Monaten, so daß die Briten und Franzosen in 9 bei meist schwereren Kämpfen sogar über 50 % verloren haben müssen. So bleibt in jedem Fall unsere These bestehen: Der Feind war so geschwächt, daß bei reinem Verteidigungskrieg die Kräfte sich ausglichen, selbst wenn die transatlantischen Transportziffern nicht auf Humbug beruhen. Wie verlief nun der letzte Kampf nach deutscher Darstellung? Wir verfolgten unsern Rückzug Schritt für Schritt, damit klar werde: der Feind brauchte 3 Monate, uns aus einem Gebiet zu verdrängen, das wir im wesentlichen (Douai–Cambrai–Vapaume–St. Quentin–Ch. Thierry–Reims–Argonnen) einst binnen acht Tagen gewannen. Wenn man aber die Chronik deutscher Mannestaten berührt, so darf andererseits nicht vergessen werden, daß die Truppen sich verschieden hielten, neben Bewundernswertem auch Unwürdiges genug vorfiel. Daß Propaganda von innen und außen mitsprach, darf man nicht in Abrede stellen. Wer die schlaffe oder direkt pflichtlose Haltung vieler Leute verschweigt, den verweisen wir darauf, daß dies trostlose endlose Weichen in einem solchen Sieg gewohnten deutschen Heere gar nicht auf natürliche Weise erklärt werden kann. Die französische Darstellung färbt diese Tatsache, als ob die Verbündeten eben Soldaten mit mehr Festigkeit und Wert besessen hätten, was der ganze Weltkrieg widerlegt, und fälscht durch Verallgemeinerung der unliebsamen Beobachtung. Foch und Frankreich, die sich als Sieger proklamierten, beschleunigten übrigens nicht den deutschen Jammerrückzug, sondern die Engländer unterbanden uns jedes Ausharren durch wildes tägliches Hämmern. Sie waren die Geschlagenen, die Dezimierten, und doch vollbrachten sie, was die deutschen Führer zu tun weigerten, sie bedurften keiner ewigen Ruhepausen als »Abgekämpfte«. Wer hätte das gedacht, nach jahrelanger Erfahrung, daß der Feind, sobald er in deutsche Vorderlinien drang, sozusagen ohnmächtig vor Blutverlust umsank! Wie begreift man, daß diesmal die größten Verluste den Engländer keinen Tag aufhielten! Daß die Deutschen seit Juli reißend schmolzen, ändert doch nicht den Verlust der Angreifer. So hart es uns ankommt, schließen wir auf weitgehende Demoralisierung. Teile der 2., 6., 5., 19. A. blieben mit unter dem, was man von deutschen Kriegern erwarten darf. Wie beschämt die unerschrockene Hartnäckigkeit der britischen Milizen, die ihre letzte Kraft daransetzten, »das Geschäft zu machen«! Diese schmähliche Nachgiebigkeit, dies Weichen von Ort zu Ort – ja, die Deutschen waren weich geworden! »Überflügelung«, als ob es dagegen kein Mittel gebe, »Tanks«, als ob H. B. nicht dauernd versicherte, alle seien zusammengeschossen! War das erlogen und ihre Schrecklichkeit wahr? Dann muß man die Nachlässigkeit anklagen, die nicht eiligst Nachahmung dieser neuen Waffe in Kraft setzte, hier und in manchem Anderen zog der Militärfiskus seine Aufträge zurück, der Bürokratius Militaris hintertrieb alles, was die Initiative der Kriegsindustrie wollte. Er log wie gedruckt im Marineamt und ließ alles beim Alten. Nun, die Tanks entschieden auch nicht viel, das sind nur Ausreden. Sondern die Haltlosigkeit der Truppen, trotz Schneid und Opfermut vieler wackeren Teile, wurde nur deshalb epidemisch, weil ein Nervenzittern die O. H. L. selbst überfiel. So war das unglückliche deutsche Heer fast auf die ganze Linie zurückgedrängt, die es im August 1914 einnahm. Daß viele Truppen sich tief unter ihrem gewöhnlichen Niveau betrugen, ist entschuldbar durch traurige, politische Lage, elende Verpflegung, Entmutigung wegen erdrückender Übermacht. Letztere war man ja aber gewöhnt, sie kann gerade 1918 nicht so groß gewesen sein, wie man glaubt, die Verbündeten verloren ja ungleich mehr und die Amerikaner brachten deshalb kein großes Übergewicht. Groß nennen wir dreifache oder mindestens doppelte Überzahl, welcher die Unsern so oft trotzten, daß man geradezu als Norm aufstellen kann: doppelt überlegener Wert deutscher Pflichttüchtigkeit pflegt auszugleichen; falls die Führung nicht versagt. Nun, hier versagte sie, Ludendorff befand sich in seelischer Zerrüttung. Unerwarteter Rückschlag raubte ihm jede Fassung, anders ist unaufhörliches Aufgeben aller Stellungen, Jammern nach Waffenstillstand nicht zu erklären. Nichtsdestoweniger bleibt ebenso dumm wie gemein, ihm allein die Verantwortung aufzubürden, denn entbehrte er nicht jeder Stütze durch den traurigen Schwächling auf dem Thron, durch Regierung und Reichstag? Letzterer freilich und sogar leitende Kreise der Sozialdemokratie wollten den Kampf fortsetzen, Rathenau und Landsberg forderten levée en masse , ein Horror für Lud. und alle Kasernisten alten Systems. Der kaiserliche Deserteur gab das Signal zu allgemeiner Auflösung, Revolution war nicht Ursache sondern Folge verlorenen Krieges. Die Dinge kamen Hals über Kopf, die Volksmarinedivision gab Gastspielreisen bis Köln und träumte in ihrer schlechten Herzenseinfalt von Verbrüderung mit englischen Matrosen. Daß die Flotte einen Dolchstoß von hinten durch feige Meuterei bekam, berechtigt aber nicht dazu, den Dolchstoßbegriff auf alles Übrige auszudehnen. Angebliches Absperren der Rheinbrücken durch Etappenaufruhr erinnert an Bewerfung Nürnbergs durch Flieger am 1. Aug. 1914 ein von Amts wegen frei erfundener Scherz. Gerade die Sozialisten wollten auf so mörderische Waffenstillstandsbedingung nicht eingehen. Vielmehr telegraphierte Ludendorff andauernd Waffenstillstand um jeden Preis, Hindenburg schlug nachher in die gleiche Kerbe, Telegramm an Erzberger, auf ihnen lastet die Verantwortlichkeit, offenbar wollten sie um jeden Preis die Monarchie retten. Dagegen schätzt man den wahren Dolchstoß durch Verrat der werten Bundesbrüder zu niedrig ein, auf die Dauer hätte Deutschland erliegen müssen, doch sein Elend nie solchen Grad erreicht, wenn es sich nicht hätte entwaffnen lassen, sondern eher mit den Waffen in der Hand gefallen wäre. Hier setzt die Übertreibung der Anti-Dolchstoßlegende ein. Deutsche Generale schrieben, weiterer Widerstand sei nutzlos gewesen, doch Zurückziehen auf die Rheinlinie genügte, den Krieg weiter zu fristen. Man veranschlagt nicht des Gegners ungeheure Verluste der selber kriegsmüde, zufrieden gewesen wäre, uns demütigenden, doch nicht vernichtenden Raubmörderfrieden zu diktieren. Daß niemand an letztere Möglichkeit glaubte, entsprang unheilbarer Michelhaftigkeit und Pazifistenbetörung. Wer sich entwaffnet, kommt sicherer ums Leben, als wer sich wehrt. Der Imperialismus kennt nichts anderes als Vernichtung, Nationalegoismus nichts als Umbringen jeder im Wege stehenden Volksheit. Es ist unwahr, daß man den Krieg wegen Artilleriemangel nicht fortführen konnte, zu Neujahr wären 5000 neue Geschütze bereit gewesen, nur die früher sträflich vernachlässigte Munitionsfrage quälte noch jetzt, des Gegners Geschoßfülle dankte er Amerika. Während des Krieges verbesserte man manchen Kardinalfehler, sparsames treffsicheres Schießen wog feindliche Geschoßverschwendung auf, deren Materialüberlegenheit der Fachtechniker Bruchmüller als glatt erfunden bestätigt. Französische Art. schoß so schlecht, daß ihre Inf. dauernd sie anklagte, zu kurz gehende Kanonade treffe sie im Rücken. Qualitätswert lag nur bei deutscher Handhabung, nur bei der Marine war manches zu tadeln, obwohl das Buch von Persius wohl schwarzgallig übertreibt. Man darf nicht unbedingt auf Gekränkte wie Lichnowski und Persius hören, die einen kalten Angler wie Grey für einen tiefbewegten Deutschfreund und mäßige Admirale wie Jellicoe für besser halten als unsere Marinespitzen. Doch nur Parteiverblendung kann Tirpitz auf den Schild heben, der an Leboeuf und Olivier erinnert, er hintertrieb den Bau von U-Booten und strahlte dann als Erfinder der Papierblockade, deren Mißlingen er selbst verschuldete. Nicht mit Vertuschung dient man der Vaterlandsliebe; die Franzosen erfuhren genug die Schädlichkeit des Chauvinismus, doch wir sollten statt ihrer Laster lieber ihre Tugend patriotischer Opferwilligkeit nachahmen. Noch immer brachte es ein Volk zu Fall, wenn hochmütige Einbildung die Größeverhältnisse entstellt, gerechter Stolz auf unerreichte Erhebung unseres Volksheeres gegen die Welt von Feinden zwingt nicht die Sünden der Führung zu verkleinern. Dies Heroenzeitalter erzeugte ein Kriegergeschlecht, wie es nie seinesgleichen hatte, auch nicht in Friedrichs Zopfspartanern und Napoleons Legionen. Deutsche Geschichtsschreibung der Befreiungskriege strich Minderwertiges der damaligen Verbündeten heraus, machte sich damit würdig, Arm in Arm mit Briten und Franzosen zu marschieren als Gimpel patriotischer Prahlerei. Nun, heute wagt niemand mehr, verbündete Heerführer vorlaut zu verhimmeln, das Wiener Kriegsarchivswerk muß sogar allzu herber Herabsetzung Schwarzenbergs entgegenwirken, sogar unsere offizielle Historie sieht Napoleons Fehler mit mildem Auge, denn Preußens Helden steigen im Ruhm, wenn man vor Augen führt, mit welch scheinbar Unüberwindlichem sie rangen. Ja, Kritik vor wahren Größen bewahre Pathos der Distanz, deshalb soll man nicht zu schroff mit Ludend. ins Gericht gehen, der in Deutschlands Andenken der historisch Überlebende bleiben wird. Unbefangene entäußern sich der Voreingenommenheit, hämische Nörgelei soll nicht das Unumstößliche entehren, daß kein Anderer als er unser Heer in etwaigem Befreiungskrieg führen dürfte. Doch nur Parteilüge belastet einseitig die Sozialdemokratie, beim Zusammenbruch schrien am meisten die Kriegsgewinnler nach Unterzeichnung, weder Juden noch Freimaurer noch Radfahrer schufen dies neue 1806, wo das Schicksal die gewaltigste Anstrengung untergrub. Nein, nicht die Regierung, nicht die Sozialdemokratie wollte feige Unterwerfung, sondern ein großer Teil des Volkes ohne Ehrgefühl und Opfersinn. Keineswegs die Sozi, deren Führer Frank als Freiwilliger schon zu Anfang fiel, sondern sogenannte Pazifisten unterhöhlten den Willen. Juden? Der unsagbare Förster ist kein Jude, er betörte Unzählige mit seiner Versicherung, Deutschland erhalte einen ehrenvollen Frieden, wenn es nur die Waffen strecke. Konnte man noch im Zweifel sein, wes Geistes Kind er sei, so öffnete er jedem die Augen, als er auch den passiven Widerstand an der Ruhr begeiferte und wiederum das Volk entnerven wollte. Gewiß hat manches Hand und Fuß, was er gegen Kapitalisten und Militaristen vorbrachte, doch man doziert nicht über morsche Balken und Baufehler eines brennenden Hauses, da gilt es nur Löschen und Retten. Daß man dem Heer aktive Dolchstöße im Rücken versetzte, ist unwahr, wohl aber sozusagen passive durch Renitenz gegen endliche Aushebung noch verfügbarer 1½ Mill. Kriegstauglicher. Betrugen die Römer sich so in den punischen Kriegen, wo ihnen ganz anders das Messer an der Kehle saß, die Briten gegen Napoleons Allmacht, die Franzosen in der Revolution und nach Sedan? Der Vergleich treibt Schamröte in die Wangen. So hat die läppische Frage »Jena oder Sedan« sich doch bejaht, gleiche Kopf- und Ratlosigkeit nach der ersten Niederlage, Panik aller Behörden, Jubel über die eigene Entehrung, weil der Widerwille gegen das alte System sich daran sättigte. Materielle Zwangsgründe der Niederlage waren wenig vorhanden. Ob die angeblich im Bau befindlichen deutschen Groß-Tanks je das Licht der Welt erblickten oder wenigstens aus der Kampftaufe gehoben wurden? Nachdem man die Tanks verhöhnte, schrieb man ihnen später die verwogensten Missetaten zu. General Buat erzählt, bis Sommer habe die Materialversorgung der Verbündeten nicht richtig geklappt. Als am 18. Juli Mangins Flankeneinbruch überrumpelte, sah man 321 Tanks förmlich als Gespenster durch die Luft fliegen: reines Märchen, trauriges Anzeichen gestörter Nerven. Im August hatte Foch 102 fr., 62 engl., 29 (?) amerikanische, 12 (?) belgische Div., die sinnlosen belgischen Ziffern machen uns immer Spaß, sie konnten sich doch unmöglich so aus Belgien rekrutieren, und da Ende Juni erst »250 000« Amerikaner in Frankreich Begeisterung erregten, so konnten sie bis Oktober schwerlich mehr als 400 000 in die Wagschale der Vorderfront werfen, was 15 ihrer überstarken Div. ausmachte. 29 D. wären aber auch nur 820 000, die Hälfte sicher noch hinter der Front. Mindestens 30 fr. D. verschwanden von der Bildfläche, und obschon nochmaliges Einrücken von 300 000 die Briten verstärkte, so müssen die Div. sehr schwach gewesen sein, da sie sonst nie 62 betragen hätten nach Vernichtung so vieler Truppenteile. Derlei summarische Ziffern täuschen. Das Britenreich soll »annähernd 10 Mill.« ins Feld gestellt haben, Dominions und Indien lieferten allein rund 3 300 000. Angeblicher Gesamtverlust 3 266 723, wovon 947 364 Tote. Also rund 950 T. auf 2300 Verw. und Verm., d. h. noch lange nicht 1:3! Gefangene offenbar nicht gerechnet, wahrscheinlich auch nicht alle rasch geheilten Leichtverwundeten, erfahrungsgemäß alle Listen für die Kolonialen unvollkommen. Frankreich gibt eine fast doppelte Totenziffer an, die Briten müßten also nur halb soviel gelitten haben, notorisch aber 1917/18 mehr. Laut Wright behielt man trotz der großen Schwächung ständig 1917/18 noch 2 Mill. unter Waffen. Da von jenen fast 10 Mill. etwa 3 für andere Zwecke abgehen, so bekommt man 5 Mill. Abgang, jedenfalls dürfte England inkl. Gefangenen 4 Mill. in Frankreich verloren haben. Wie Frankreich sich über Wasser hielt, bleibt sein Geheimnis, da es doch auch Arbeitermassen zur Munitionsherstellung zurückbehielt. Laut Wright seien die deutschen Kräfte 1918 »ungefähr gleich geworden«. Da die Franzosen nach ihren offiziellen Verlustangaben noch 2 Mill. intakt gehabt hätten, würde also Ludendorff 4 Mill. gehabt haben. Nun betrug unser Verlust bis Frühjahr 1918 rund 4½ Mill. inkl. Leichtverwundete »bei der Truppe Gebliebenen«, so daß wir noch 5½ Mill. Bewaffnete gehabt hätten, falls man wirklich so viele unter die Waffen rief. Leider trifft dies nicht zu: wie im Frieden wetteiferte Deutschland auch im Krieg nicht mit der französischen Aushebung. Millionen, die drüben eingereiht wären, liefen bei uns als »unabkömmlich« umher. Immerhin wäre denkbar, daß unter Abrechnung der noch überall im Osten und auf den Etappen stehenden jetzt 3 Mill. in Frankreich standen. Rechnet man aber »206« I. D. à 3 Rgt., so ergäbe dies allerhöchstens 1 800 000 Gewehre, zumal manches Rgt. gewiß nicht etatmäßig 3000 zählte, wenigstens wenn deutsche Klagen stimmen. Logik: weder Deutsche noch Verbündete besaßen noch die vermutete Stärke, etwa 3 Mill. Verb. mögen 2½ Mill. D. gegenübergestanden haben. Eine andere Million befand sich in Ausbildung, und als Ludendorff 600 000 davon »auskämmen« wollte, schlug passives Widerstreben in Meuterei um, wohlgemerkt erst nachdem alle Siegesverheißungen in Rauch aufgingen. Hier kommt es nur darauf an, festzustellen, daß zuletzt nichts weniger als große Überzahl an Material und Mannschaft den Verbündeten den Sieg verschaffte. Unser Verlust war nur hoch an Gefangenen, der des Feindes auch so sehr viel größer. Natürlich verloren wir weder Gefangene noch Überläufer bis zum Juli, doch der geringste Rückschlag lockerte das Gefüge. Wo der Blutverlust am größten, unnötigsten, daher für die Truppen unleidlichsten war, nämlich bei A. Below, ist sie laut Haighs Zeugnis »tapfer kämpfend in bester Ordnung zurückgegangen.« So sagen aber nur die Engländer, auf der übrigen Front sah es anders aus, wie schon die empörenden Gefangenenziffern beweisen. Die Ostflügel-Heere, die keine Offensive mitmachten, liefen am ehesten auseinander. Trug etwa Ludendorff daran die Schuld? Es ist roh und ungerecht, ihn allein damit zu belasten. Wir gingen mit seinen Schnitzern streng ins Gericht, doch sie wogen wahrlich leichter als die eines Falkenhayn und Moltke oder gar charakterologisch eines Kluck und Bülow. Er sündigte mehr durch ein zu Viel als zu Wenig an Rührigkeit, obwohl am falschen Platze und mit Anfällen von zaudernder Bedenklichkeit gemischt. Ihn einen Hazardeur schimpfen ist kindisch. Weit eher muß man rügen, daß er nicht nach Fochs Art alles auf eine Karte setzte und mit hartem Kopf auf Ausfechten jeder Lage bestand. Insofern ging das Gespenst von Kluck-Bülow wieder an der Marne um und er gehorchte jeder Einflüsterung der Waghalslosigkeit. Auch er war nervös geworden, sprang hin und her, um doch irgendwo das Glück bei der bekannten Stirnlocke zu fassen, hatte mit schwankenden Entschlüssen die verschiedensten Einfälle. Der eiserne Stratege von Tannenberg und Masurien, von Lodz und Rumänien hatte nicht mehr die Fähigkeit, mit fester Faust das Schicksal zu meistern, vielleicht weil er instinktiv fühlte, daß es ihm untreu geworden sei. Hand aufs Herz, wo trifft man denn seit Übernahme des Oberkommandos bei ihm große Ideen, wie er sie so meisterlich früher groß zog, wie in unserer größten Not herrlich und wunderbar im Osten sein Genius leuchtete? Die Operationen dort vom August 1914 bis März 1915 zählen zum Allergrößten, was die Kriegsgeschichte kennt, kein Napoleon und Friedrich dürften sich ihrer schämen, noch mehr: sie sind unvergleichlich groß und kühn. Delbrücks alberner Spott »gelegentlicher« Stratege schnellt höchstens auf diesen gelegentlichen Kritiker zurück, der als blinde Henne auch mal ein Korn findet. Hätte man einem deutschen Heer prophezeit, es werde vor einem materiell wenig überlegenen Feind von Stellung zu Stellung fliehen, es hätte den Propheten ausgelacht. Die Helden von hundert Siegen und überstandenen Fährlichkeiten hätten ein Recht gehabt, solche Weissagung eine Beleidigung zu nennen. Und doch, ist diese plötzliche moralische Lähmung ohne Beispiel? Siehe Jena und Auerstädt, viel schimpflicher als Roßbach, wo die Franzosen eine überlegene Taktik und Führung mit Panik schlug, während dort das Preußenheer sich tapfer hielt, aber dann plötzlich mit einer Art Geisterseherei den Untergang des Staates in Lüften sah und vor der eigenen Angsteinbildung wie wahnsinnig über Elbe, Oder, Weichsel ausriß. An solche Möglichkeit dachte freilich Ludendorff nicht, zu spät faßte er die »Hermannstellung« ins Auge, deren unfertiger Ausbau solcher seelischen Zermürbung keinen Halt gewährte. Bei Fochs Waffenstillstandsvorschlägen sträubte sich Haigh, just wie früher Petain sich gegen Fortsetzung des verwogenen Einbruchs am Aisnewinkel sträubte: solche Bedingungen seien unannehmbar, da ja auch die Entente am Ende ihrer Kräfte sei. Der Gute überschätzte das deutsche Ehrgefühl! Dagegen unterschätzte die gründliche Talentlosigkeit der Westmachtführer die deutsche »Büffelstrategie«, was allerdings für Mackensen paßte, doch gegenüber Ludendorffs Taten im Osten blanke Unverschämtheit bedeutete. Das war Strategie in allerhöchstem Sinne und die rohe Empirie der Ententetaktiker hätte sich in ihres Nichts durchbohrendem Gefühl davor verkriechen sollen. Foch bewunderte den deutschen Soldaten, sprach aber von deutscher Strategie nur »mit Hohn und Spott«. Wir bitten um Aufklärung, woher er den Mut zu solcher Kritik nahm. Über die »elende Führung« der Briten schienen Foch und Wright einig, doch im Grunde wuchsen die Herren ja alle auf einem Strauch. Nietzsche wollte mit »dem Hammer philosophieren«, sie aber verstanden überhaupt nichts als Hämmern. Was man nicht deklinieren kann, das sieht man als ein Neutrum an, und wo Begriffe fehlen, da stellt »Taktik« zur rechten Zeit sich ein. Doch was bis 1918 deutscherseits im Westen geschah, war meist ihrer würdig. Keine Zuspitzung im Osten entschuldigt, daß keine Kraftansammlung an den zwei strategisch wichtigsten Möglichkeitspunkten bei Mihiel und südlich Lys auch nur versucht wurde, erst durch Ludendorff 1918, was zugleich beweist, wie völlig richtig unsere durchgängige Anschauung darüber. Pedanterie unterband die Möglichkeit, rasch Reservemassen ins Feld zu stellen in gleichem Verhältnis wie England und Frankreich, die ihren Männerbestand bis aufs äußerste ausquetschten. Erst mußte jeder Knopf geputzt, jeder Stechschritt geübt, jede Kasernenstube gefegt sein, ehe das Kollegium militärischer Oberlehrer den in der Heimat Garnisonierten das consilium abeundi respektive die Matura für Feldreife erteilte. Wo es sich um Sein oder Nichtsein handelte, hätte man ganz anders »auskämmen« und mehrere Millionen mehr ins Lager schicken sollen. Ohne solche Waffen von kaum gedrillten Volksaufgeboten, da es doch weder an Gewehren noch Artillerie fehlte, waren rasche Erfolge unmöglich. Solche Reserven 14 Tage früher bei Ypern–Gent, Jahre früher bei Mihiel und an Lys hätten das Aussehen des Weltkrieges verändert, ganz gleichgültig, ob gedrillt oder nicht. Statt dessen fortwährend abgekämpfte Korps von anderen Fronten heranlotsen und in den rauchenden Kessel werfen, war leichtsinniges Hoffen auf irgendeinen taktischen Erfolgtreffer der unübertrefflichen Truppen. Die dauernd verdünnte Feindesmasse füllte sich dauernd wieder durch die letzten Wehrfähigen, England brachte fertig, sofort seine letzten 350 000 im Mai über den Kanal zu befördern, während Lud. kaum vom Auskämmen von 600 000 Wehrfähigen sprach, als Michel aus dem Häuschen geriet, wie die biederen Kieler Matrosen über die Zumutung von »Schurken« eine Seeschlacht zu schlagen! Frieden um jeden Preis! Der Preis kam freilich hundertmal höher zu stehen als die teils naiven, teils nichts weniger als naiven »Pazifisten« vorredeten. Die Legende, bei Sieg unreifem Personenkult huldigend, denkt sich bei Mißerfolg auch Einzelpersonen als Organisatoren der Niederlage. Doch weder die Tüchtigkeit des Kronprinzen und des Prinzen Rupprecht noch die Untüchtigkeit anderer konnten das Endergebnis wesentlich beeinflussen. »Im Kriege sind die Menschen nichts, ein Mann ist alles« durfte nur Napoleon sagen, als unumschränkter Kriegsherr. Und wenn man einwendet, daß dieser eine Mann doch die Niederlagen seiner Unterführer nicht verhinderte, so fällt dies auf sein Schuldkonto. Aus Bequemlichkeit überließ er Kriegführung in Spanien getrennten Befehlshabern, die nicht mal unter dortigem Gesamtkommando standen. Hätte er in Deutschland die Nebenheere jüngeren Generälen anvertraut, statt sich an die Marschallsanciennität zu binden, so wären ihm jene Niederlagen, die ihm den Boden unterhöhlten, nicht zugestoßen. 1815 war die Grouchy-Operation, gegen die sich Soult sträubte, von vornherein gefährlich, wenn nicht ein sehr entschlossener Hellsichtiger sie leitete. Falsche Auswahl der Vollzugsorgane ist eine Sünde des Kriegsherrn. Nun hatte aber Deutschland im Weltkrieg den Nachteil, daß der nominelle Kriegsherr eine militärische Null war, doch keineswegs wie Wilhelm I. auf Einmischung verzichtete, die sich in Bevorzugung höfischer Streber bemerkbar machte. Loslösung des guten Korpschefs Mackensen als selbständigen Heerführer mit Feldmarschallsrang geschah hauptsächlich, um Ludendorffs Plan zu durchkreuzen und ihm keine weiteren Lorbeeren mehr zu gönnen. Daß man von Hindenburg auch noch Armee Leopold abtrennte, um wieder mal einen Prinzen in den Vordergrund zu rücken, bedeutete vielleicht ein Kompliment für die stets schwierigen Wittelsbacher, spottet aber auch so jeder gebührenden Kennzeichnung. Erfährt man gar, daß Hindenburgs ruhmgekrönter Stabschef zu Linsingens Stab degradiert werden sollte, was sich H. grimmig verbat, so wollten Neid, Eifersucht, kaiserliches Übelwollen dem famosen »für Hindenburg keine Verwendung« ein »für Ludendorff keine Verwendung« folgen lassen. Wir zweifeln nicht, daß Falkenhayn die besten Absichten hatte, doch alles, was er als Vertreter des Obersten Kriegsherrn anstiftete, war von Übel. Als das Dioskurenpaar Hindenburg-Ludendorff die O. H. L. übernahm, war die Lage im Westen schon gänzlich verfahren. Und warum? Weil dort nie klares strategisches Denken die Dinge im Großen sah, sondern immer nur nach Augenblicks-Halberfolge haschte. »Ein Mann ist alles« heißt, daß der Stratege den Ausschlag gibt. Daher muß er unumschränkt sein. Wer aber mit Schamröte vernimmt, wie man zuvor den zwei Berufenen das Leben sauer machte, der verzeiht gern Ludendorffs späteres Diktaturgelüst. Die Demokratie reibt ihm unter die Nase, er habe sich in alle politischen Angelegenheiten gemischt. Wie konnte er anders angesichts einer solchen Regierung, eines solchen Reichstags, wo die Michel ihr doktrinäres Parteisteckenpferd ritten, während der Feind nach Berlin reiten wollte. Im Krieg hat nur der Militär zu dominieren, das sahen die heuchlerischen Verketzer des »preußischen Militarismus« in Paris und London so klar ein, daß niemand muckste und sich England Aufhebung der Habeas-Corpus Akte gefallen ließ. Diese wahren Imperialisten konnten zwar Strategen nicht aus dem Boden stampfen, doch den Willen zur Strategie, d. h. den Siegeswillen. Sobald wir die felsenfeste Entschlossenheit der Entente erkannten, dies sei der Augenblick, Deutschland kaputt zu machen, beschlich uns banges Vorgefühl. Denn Michel hatte wohl den Willen zur Abwehr, doch nicht zum Siege. Wenn richtig wäre »Im Kriege sind die Menschen nichts«, dann wäre unser Schicksal viel früher besiegelt gewesen, denn der »eine Mann« fehlte. Das Bedürfnis darnach errichtete den »Eisernen Hindenburg«, doch man schlug die Nägel falsch ein. Der verehrungswürdige Mann und sein genialer Berater sind so einseitige Sprößlinge einer Kadettenerziehung, wie man sie bei keinem anderen großen Feldherrn findet. Selbst Wellington hatte als politischer Agent der Tory-Oligarchie und Administrator eine gewisse praktische Vielseitigkeit. Ludendorff zeigt sich in allen Äußerungen nach dem Weltkrieg zwar nicht als politischer Kindskopf, obschon angebliches Interview mit einem Amerikaner über künftige amerikanische Monarchie eine geradezu kindliche Mentalität verraten würde, aber als starrer Erzreaktionär und Prototyp seiner Kaste, die er noch heute als deutsches Ideal proklamiert. Er hat nichts gelernt und nichts vergessen, wobei wir indessen seinem patriotischen Deutschgefühl und seinem auf nationale Erhebung sinnenden Ernst Gerechtigkeit widerfahren lassen. Doch ein Mann, der so wenig die sozialen Zeichen der Zeit versteht, so wenig Anschluß an geistige Bewegungen hat wie der ödeste Kommißbruder, konnte nie der eine Mann sein, dessen eine Nation in ihrer Not bedarf. Heute braucht man weit eher einen Cromwell als einen Blücher, Lud. möchte leider nur ein Monk sein, womit wir nicht die Heimkehr der Hohenzollern – die keine Stuarts sind – sondern »Restauration« des alten System meinen, das unwiderruflich vom Weltgericht verurteilt ist. Doch darf man deshalb nicht mit schmachvollem Undank vergessen, daß nur er und Hindenburg uns 1914 retteten, damalige O. H. L. tat nichts dazu. Daß aber die Menschen im Plural durchaus nicht im Kriege »nichts« bedeuten, merkte Nikolajewitsch, dessen Energie sich zähneknirschend gestand, gegen die ungeheure Überlegenheit des deutschen Soldaten sei kein Kraut gewachsen. Leider wirkte wohl diese Erfahrung im Osten auf Ludendorffs Augenmaß im Westen ein, indem er die Vorstellung solcher Überlegenheit aufs Westtheater mitnahm. Glaubte er, der unerhörte Durchbruch bei Brzeziny (Lodz) wäre gegen französische Infanterie möglich gewesen und derlei mehr? Die verhängnisvolle Verrechnung im Juli 1918 wurzelt in solchem Irrtum. Indessen beurteilt nur Unkenntnis den Feldherrn nach seinem äußeren Erfolg, schon manches Mittelmäßige kam zu hohem Ruf, der nur seinen Truppen gebührt«. Ein Beispiel liefert Mackensens fünffacher Donauübergang in Serbien. Alle Welt verhöhnte Potiorek, doch jede gesunde Theorie billigt seine Angriffsrichtung aus einer und zwar flankierenden Stelle, sie hatte ja auch vollen Erfolg, bis ihn die schlampig loddrige Intendanzverwaltung in physischen Zusammenbruch verwandelte. Obendrein vergißt man, daß Bulgariens Beitritt später eine günstigere Unterlage schuf und dessen Angriff aus Osten naturgemäß die Donauverteidigung beängstigte. Wie aber, wenn die bulgarische Nordarmee an den Pässen zurückgeworfen wurde, und wer bürgte dafür, daß Gallwitz die Donau forcierte? Wären die anderen Donauübergänge bloß Scheinangriffe, nur der bei Belgrad ernst gemeint gewesen, so läge der Fall anders. Doch man griff höchst ernstlich an allen möglichen Punkten der Donauschranke an, kam überall hinüber, behauptete sich durchweg am Südufer, obschon die keineswegs überraschten Serben die ganze lange Strecke besetzt hielten. Wie machte man das? Weil man sich mit unvergleichlichen deutschen Truppen, die das Unmögliche möglich machen, geradezu scherzhafte Wagnisse erlauben darf. Nichts schreckte sie ab, sie landeten in kleinen Paketen, warfen am Ufer zehnfache Übermacht in die Flucht und harrten aus, bis endlich weitere Kameraden hinüberkamen. (So ging es auch beim Narewübergang der 2. D. zu). Bei Belgrad leisteten unsere Pioniere Unglaubliches, auf der Ziegeninsel zerschlugen zwei Märker Freiwilligenbataillone wiederholten Ansturm einer ganzen Serbendivision, als ob dies nach den Ysererlebnissen ein Kinderspiel wäre. An der schönen blauen Donau tanzt man Ringelreihen, – mit solchen Truppen gelingt der täppischste Husarenstreich – gegen Serben und der taktische Unfug heißt nachher »genial«. Die Ausrede, man stelle eben abnorme Leistungsfähigkeit in Rechnung, ist verdammenswert, sie führt nach dem Trasimenischen See und Cannä, denn niemand weiß vorher, ob nicht ein neuer Hannibal gegenübersteht. Nun wohl, als man unter viel leichteren Umständen bei Ch. Thierry über die Marne wollte, war die Strafe gleich da und jetzt erhebt sich ein Kritikgeschrei über die Unvorsichtigkeit. Ja, Bauer, das ist ganz was anderes, denn rien ne réussit que le succès . Der Gegner war eben ein anderer. Gleichwohl heißt es nicht als »Büffel« losgehen, wenn man auf Truppen vertraut, die noch im unwirtlichen rumänischen Gebirge wie früher im Serbischen Ungeheures leisteten und überall im Osten den Ruf altrömischer Legionen genossen. Was wurde aber aus dem Siegeszug, wenn nicht L. W. und L. St. der Div. Gallwitz am Argesch gegen sechsfache Übermacht viele Tage standhielten? Sonst wäre das konzentrische Einkreisen gescheitert, die innere Linie hätte triumphiert, wie stets natürlich bei einigermaßen schneller Gegenwirkung. Und wie konnte die theoretisch unhaltbare Winterschlacht in Masuren so gelingen, ohne die beispiellose Leistung des Saarbrücker Korps? Doch es wäre wirklich zu viel verlangt, wenn wir diese Besieger des Ostens und die unermüdlichen Helden des Westens noch 1918 auf gleicher Höhe sehen wollten. Nur bei 18. A. Ende März, 7. A. Ende Mai finden wir den alten unbezwinglichen Geist. Es ist wahr, daß 17. A. sich noch Ende 1917 nach manchen Unfällen zum schönen Cambraisieg aufschwang, aber es mutet doch bedenklich an, daß die Linie Bapaume–Arras, die im Oktober 1914 beim ersten Anlauf gegen damals zuversichtliche und starke Franzosen fiel, diesmal teils nur mühsam, teils gar nicht den furchtbar gelichteten und niedergeschlagenen Engländern entrissen wurde. Sollte doch etwas an Buats Spott daran sein, daß unser Heer nicht mehr im Stande war, anders als durch Überraschung eine Offensive vorzutragen? Und was viel schlimmer, auch die früher so unbeugsame Verteidigung in der Champagne und bei Arras war diesmal bei jedem Rückschlag unvollkommen, erlag schon im August tadelnswert dem kurz zuvor geschlagenen geschwächten Feind. Es hilft alles nichts, das Heer hielt nicht, was sich Ludendorff von ihm versprach. Hat man dies wirklich nur auf politische Mißstimmung zurückzuführen? Jawohl, die Linksparteien nennen den Dolchstoß im »Rücken« mit Recht Legende, wie auch die Revolution, an die kein Mensch in Berlin dachte, einfach Soldatenmeuterei gewesen ist, der Dolch stach vorn im Feldlager. Die Brutalität und Selbstsucht vieler Offiziere, nicht der aktiven, sondern der vom Beurlaubten- und Reservestande, besonders aus Fabrikantenkreisen mit Paschahallüren gegen die Arbeiter, erbitterte die Mannschaft auf die Dauer unerträglich. Umsonst suchte man die Anklagen in Gotheins bekannter Broschüre niederzuschreien. Sie werden durch zahllose Aussagen bestätigt, durch keine entkräftet! Wenn der Vaterlandsverteidiger des Volksheeres die Uniform als »Sklavenkleid« und die Vorgesetzten als persönliche Feinde betrachtet, dann ist es aus. Oder waren diese früher so unbeugsamen Krieger nur politisch gereizt, indem sie nach dem Krieg keine Besserung, sondern reaktionäre Verschlechterung der Innenlage voraussetzten? Nein, es trat anderes hinzu. Ein Heer hat den feinsten Instinkt, ob es weise geführt wird. Doch der Zauber des Namens Hindenburg schwand, das Vertrauen löste sich in Unmut, Prinz Rupprecht selber gab ein Mißtrauensvotum, als er die Front verließ. In Lud. haben wir einen Mann von Imperatorstil, der dem geistlosen Philistergeneralstab ent- und über den Kopf gewachsen schien. Doch in der letzten Schlußphase beschattete ihn der gleiche Ungeist, der nur mit Taktik und Technik wirtschaftet, und bei Umschlag in Mißerfolg sogar die Kluck–Bülow-Zagheit der Marneschlacht. Einseitige Vorstöße, endlose Pausen, Verzettelung und Sorglosigkeit, die dann Foch rechtzeitige Verschiebung an allen Punkten gestattete. Von Vabanquespiel freilich keine Spur, seine Anschwärzer haben wie seine Verherrlicher noch das ABC zu lernen. Wie so Vieles im Weltkrieg, war auch das Ende etwas nie Dagewesenes, plötzlicher Nieder- und Untergang, wo zum ersten Mal der Endsieg Deutschlands greifbar nahegerückt schien. Als ob auf Austerlitz unmittelbar Waterloo folgte! Und doch erkennen wir auch hier nur fortwirkend gleiche Ursachen des Mißerfolges wie seit Anbeginn. Warum ließ Lud. 3 Monate seit dem Dezembersieg verstreichen, bis er Offensive eröffnete? Politische Sehnsucht, die Entente werde zur Vernunft kommen und die Friedenshand entgegenstrecken, kränkelte aus der Heimat auf das Feldlager ein. Michelhafte Unkunde in Völkerpsychologie, aus eigener Charakterlosigkeit auf den Gegner schließend, verkannte dessen moralische Hemmungslosigkeit im radikalsten Imperialismus bis zum Äußersten. Da die Westmächte sich zu Deutschlands Vernichtung verschworen und es ihren machtvollen Völkern versprachen, wäre jeder Ausgleichfrieden für sie Blamage und moralischer Tod gewesen. Sie wußten, daß sie ohne Sieg ruiniert und verloren waren. Gegen solche Feinde, die ihre Raserei auf die Spitze trieben, mußte man den Weltkrieg verlieren, wenn Deutschlands Stärke nicht von einem ethischen Genie gelenkt wurde. Das aber war Ludendorff nicht. Wohl glich er nicht Gneisenau, dessen Bedenklichkeit und Mangel an Selbstvertrauen er nicht teilte. Doch die lange Kränkungszeit, wo man ihm heimtückisch und hinterrücks ein Bein stellte, scheint seinem stürmischen Impuls einen Knacks gegeben zu haben, von dem er sich nicht erholte, als ein Pronunciamento des Heeres ihn an die Spitze stellte. Wie spät fand er sich wieder im befreienden Gedanken, daß nur Offensive dem Feind das Konzept verrückt! Wo blieben sowohl Methode als Elastizität, wenn er sein Material mal westlich, mal nördlich, mal südlich umgruppierte, als ob die Masse der Gasgranaten das Wesentliche wäre und nicht die lebendige Dynamik der Streitermassen auf einem Entscheidungspunkt vereint, statt mal hier mal da die Front abzutasten im Banne taktischer Augenblicksrücksicht. Psychologie war ausgeschaltet, denn nichts Törichteres konnte man anstellen, als das stete Aussetzen des Angriffs. Hat man einen Bazillus im Blut, so reift er am verderblichsten aus durch Ruhe; nach Schlangenbiß muß man rennen bis zum Umsinken. Die wildesten unablässigen Anstürme der im April noch siegeslustigen Truppen hätten den moralischen Faktor aufrecht erhalten, in den endlosen Wartepausen schlich sich das Kriegsmüdigkeitsfieber ein; Zweifel und Mißmut, daß man der Entscheidung nicht näher rückte. Zuletzt verlor L. so den Kopf, daß er 5 frische Div. für den Balkan bestimmte, als es dort zu spät war, und das Alpenkorps bei den Österreichern beließ, wo es nichts mehr half, statt es zur Kräftigung der Entscheidungsfront zu verwenden. Delbrücks Rüge, man habe sich in Frankreich rein defensiv verhalten sollen, in Italien habe der Sieg zu Deutschlands Füßen gelegen, ist lächerlich. Die 14. A. hatte den Monte Grappa nicht überschritten, die k. k. A. befand sich überhaupt nicht in der Verfassung zur Offensive. Entsendung von 50 D. dorthin hätte nur unnütze Opfer gegen die neue Bergstellung der Italiener gekostet und Italien lag zu fest in den Geierkrallen der Westmächte, um sich davon loszureißen. Nur in Frankreich mußte Entscheidung erzwungen werden vor genügender Ankunft der Amerikaner. Die Zeitvergeudung zeugt von Verkennung der aufs höchste gespannten Lage. L. entwand sich nicht dem Philistersystem, sein strategischer Kopf faßte keine klaren Gedanken mehr oder brachte sie nicht zur Reife und ließ sie beim ersten Hindernis fallen. Er sah den Wald nicht mehr vor taktischen Bäumen und scheute vor jedem allgemeinen Angriff zurück, obschon das Heer im Juni noch kampfwillig war. Im August begann Zersetzung bei 2., 7. A. Wie unbegreiflich und bedrückend, daß die aus tausend Wunden blutenden Franzosen und die geschlagenen Briten zu neuer Offensive fähig blieben! Solche Hartnäckigkeit des Willens muß man achten, die Willensschlappheit so vieler Deutschen bedauern. Sie wußten doch, daß uns das Messer an der Kehle saß und nur verzweifelter Widerstand retten konnte. Freilich mußten die Franzosen 1814/15 sich Gleiches sagen und ließen sich doch die Bourbons aufdrängen, doch unter viel hoffnungsloseren Umständen. Michels kosmopolitische Illusionen machen ihn stets fürs Zwingjoch des Auslandes reif, wenn nicht unbeugsamer Heldenwille wie der des alten Fritz die Zügel führt. Tief im deutschen Charakter steckt Neigung zum Umfallen, dem Nibelungenrecken ist der Philister nicht auszutreiben. Sobald die gewohnte Straße der Routine morastig wird, verliert er sich ins Ungewisse. Für unser Staatswesen ist wirkliche Ruhe die erste Bürgerpflicht, jedes Verrosten der loyal geölten Räder, jede »Panne« der Kraftwagen bringt unreparierbare maschinelle Stockung. Und da sollte das Wilhelminische nicht auch sein Abbild dem Militärischen aufgeprägt haben? Der ominöse Bernhardi ließ sich das Geständnis entschlüpfen: »In Friedenszeiten ist die Armee die Schule kalten Strebertums«. Und was ist eine Armee in Kriegszeiten, die einen Hentsch sich vordrängen, einen Kluck und Bülow nach Gutdünken die Marneschlacht verschandeln läßt, wo ein Großer Generalstab mit kleinen Gehirnen die Pläne Ludendorffs in den Winkel wirft! Bloß rohe Reibung der Materie verschuldete nicht das Grundübel. Wohl schien die Entente-Einkreisung erdrückend, doch deutsche Kraft erwies sich so bärenmäßig, daß sie den pressenden Eisenring am Ende doch hätte sprengen können. Doch das beste Heer, das je die Waffen schwang, streckte sie, versetzte sich selbst den Dolchstoß, den man nachher als einen »im Rücken« vorschützte! Von hinten gab es viele giftige Nadelstiche, doch die wahre Blutvergiftung rumorte schon lange in den Eingeweiden des »Volksheeres«, welchem hohen Begriff dies Militärsystem so wenig entsprach, der Dolchstoß kam wo anders her. Während individuelle Überlegenheit der deutschen Rasse sich in den siegreichen Waffen abzustempeln schien, wühlten ihre Erbsünden schon in den Wurzeln der Walser-Esche, bis der Kaiserschild in Stücke brach. Beugte man sich unvermeidlicher oder schon vollzogener Niederlage? Mit nichten. Bis Mitte Juli ganz im Übergewicht, verpuffte zwar der Ende April erringbare Vollerfolg durch Schwanken zwischen zagem Zögern und Überspannung des Bogens. Für den wirren Juliangriff nach zwei entgegengesetzten Richtungen nach Südwest und Südost haben wir die Entschuldigung: »Den lieb ich, der Unmögliches begehrt«, eingedenk ähnlicher Temperamentirrungen in Friedrich und Napoleon. Doch keine Entschuldigung gestatten wir dafür, daß beim ersten Schiefgehen der Sache L. so den Kopf verlor, wie die Preußen beim Rückzug von Jena. Denn behielten Friedrich und Napoleon nicht den Kopf oben in viel schlimmeren Katastrophen? Hatten die Preußen nach Kunersdorf und die Konscribierten nach Leipzig und Brienne nicht unendlich mehr Grund zur Entmutigung, den Feind mitten im Lande bei völlig ungenügenden Widerstandsmitteln? Doch sie standen bald wieder treu um ihre Fahnen; Beresina, Hanau, Montmirail-Etoges heißen die großen Gedenknamen für die Erprobung des englischen Sprichwortes: Never say Die! Hindenburgs Heer war noch sehr zahlreich und meist noch in gutem Stande, das Weichen und Verzagen wurde aber epidemisch und chronisch. Nach Andeutungen Ludendorffs fand er auch in manchen Untergeneralen keine Stütze, es lebten wohl noch viele Klucks und Bülows, denn das System war ihr Urheber und dies lebte ja noch, spürte aber in allen Gliedern, daß es im Sterben lag und zu Grabe ging. »Ein Maultier, das Prinz Eugens Feldzüge mitmachte, hat auch so viel Kriegserfahrung wie solche Offiziere« höhnte Friedrich und verriet damit ein für allemal, was von geistlos »Fachmännischem« im Krieg zu halten sei. Das Retiradefieber ergriff aber den elend verzweifelten Feldherrn selber, er hat durch Waffenstillstandsschreie die Heimat entnervt, er hat den gewiß nicht kühnen Reichstag und die wahrlich unentschlossene Regierung durch seine maßlose Verzagtheit in Erstaunen gesetzt, den furchtsamen Kaiser an Ängstlichkeit übertroffen. Was ihm sein wahres vergangenes Verdienst, das ihn mit unsterblichem Ruhm krönte, rauben möchte, verachten wir als blinde Parteiwut, doch sein Selbstgefühl sollte mit seinem militärischen Gewissen zu Rate gehen, ob nicht ein vollgerüttelt Maß von Schuld auch ihm zur Last falle. Fochs Meinung wechselt zwischen 3 oder 5 Monaten noch möglichen deutschen Widerstands, doch ebenso gut könnte man beliebig sagen 12 Monate, denn so etwas läßt sich nicht voraussagen, der Krieg hat oft Überraschungen. Die erste Linie Metz–Namur–Lüttich, die zweite Rhein konnte noch lange verteidigt werden, man mußte nur den Truppen Mut einflößen und ihnen vorstellen, daß feige Kapitulation den sicheren Untergang bedeute. Wer sich vor Banditen entwaffnet, kann sich nicht beklagen, wenn er die Börse und das Leben verliert, oder ein Leben erkauft, das schlimmer als Tod. Da schweift Erinnerung zurück zum Erfinder der »preußischen Nation«, der die sieben Arbeiten des Herkules auf Atlasschultern nahm und eine viel erdrückendere Übermacht moralisch zu Boden zwang. Europa wurde eher mürbe als Er und die Verschwörung wider den alten Fritz hätte sich dreimal besonnen, wenn sie solches Ende für möglich hielt. Und so ging der teuflische Jubel einschnürender Überrumpelung, wie Lord Curzon schon die Promenade à Berlin begrüßte, in verbissene Wut über, als alles so ganz anders verlief. Um so erstaunlicher die eiserne Disziplin, womit der Ententeimperialismus die Völker an der Kette hielt, während deutsches »Durchhalten« in fassungsloser Panik erstarb. Der »pflichttreue« Polizei- und Beamtenstaat, der allen Schiebern und Kriegsgewinnlern durch die Finger sah, wenn sie nur hübsch Kriegsanleihe zeichneten, kapitulierte nicht feiger als die Militärhierarchie. Kapitulieren auf der ganzen Linie, vor der Revolution wie vorm Landesfeind. Jetzt, nachdem Gras darüber wuchs, macht man Sprüche. Der Eine greint: Wir wurden von hinten erdolcht! Der Andere: unsere ganze Front lag in Trümmern! So entschuldigt man elendes Betragen auf Kosten der Wahrheit. Eine auf die Bahn gesetzte Gardedivision unter dem Kronprinzen hätte die Revolution in Berlin verhindert, eine neue Front ließ sich bilden. Französische Kritiker faseln von sicherm Ruin beim Rückzug durch die Ardennen, als ob nicht Laurezacs geschlagenes demoralisiertes Heer sein Entrinnen durch die nämlichen Ardennen bewerkstelligt und sich erneut bei Guise zur Schlacht gestellt hätte. Die Deutschen aber marschieren besser als andere, und sie waren weder zerschlagen noch demoralisiert, das bewies ihre stolze ruhige Haltung beim letzten Rückzug, als sie sich unter Hindenburgs väterlichem Zuspruch endlich wieder zusammennahmen und die alte Anhänglichkeit an die Fahne wieder erwachte. Übrigens war der Kronprinz bei den Soldaten beliebt, leider lastete auf ihm der Druck Ludendorffs und die eigene Überzeugung von Nutzlosigkeit des Weiterkriegens. Gewiß würde der Alte Fritz im Elysium dem geistigen Urheber der Tannenberg–Masurenoperation und mancher anderen sein inniges Wohlgefallen ausdrücken, doch für den Ludendorff dieses Unglücksherbstes würde ihm jedes Verständnis fehlen. Doch wir verstehen nur zu sehr, daß der Geist von 1806 tief im altpreußischem Militär und Beamten steckt. Nichts versteht er als die wohlgeölte Ordnung der Tradition, jeder zu starke Ruck wirft die Karre um und dann kann sie sich nicht mehr hochrichten. Gänzlich außer Fassung geraten, dankte Lud. vor sich selber ab. Das Feldherrntum des Alten Fritz ist heute nur noch mythisch, nur wenige Spezialisten wissen, wie unerhört genial und bahnbrechend es war. Wir gestehen ohne Scheu, was Napoleon selber nicht bestritten hätte, daß Friedrich als Schöpfer der wahren Strategie zwar milieugemäß einen anderen Stil pflegte, als der allmächtige Korse, daß wir aber manche seiner Operationen und Schlachtanlagen für noch bedeutender halten, als die äußerlich großartigeren Napoleons. Als Meister der inneren Linie, die er lange vor Napoleon handhabte und formulierte, vollzog er doch die einzige Operation auf äußeren Linien, die ausnahmsweise pünktlich zusammenklappte, nicht zufallmäßig durch Glücksverschiebung, durch Feldschlacht den Feind in eine Festung pressend (Prag). Alle seine Schlachten gehen aufs Ganze, ob er sie gewinnt oder verliert. Und warum? Weil seine Taktik so angelegt, daß ihr Gelingen den größten Strategenanteil verbürgt. Die »Bataillen« des Bedrängten waren immer strategische Probleme. Ein solcher Titane, wie dies gichtgekrümmte Männchen, darf Fehler machen, weil Geniestolz den Bogen überspannt, doch die unerforschlichen Mächte geben ihm nachsichtig nur Gelegenheit, seinen Heldensinn in der Prüfung zu härten, und führen ihn zum Endsieg, weil er es verdient. Friedrich nach Kunersdorf, Ludendorff nach seiner ersten Niederlage, welch schreiender Gegensatz! Man sage nicht, daß er eben nicht unverantwortlicher König war, er war mehr, militärischer Vertrauensmann einer großen Nation. Von seiner Diktatur allein hing es ab, ob man die Flinte ins Korn werfen wolle. Er warf sie und rief: »Gott hat uns verlassen«. Gott verläßt nur den, der sich selbst verläßt! XI. Allgemeiner Rückblick Unerbittliche Logik der Kausalität waltet bei jedem Kriegsexamen. Wie begann der Weltkrieg? Da muß man sich mit Vater Joffre auseinandersetzen. Als ethischer Heerbeleber rechnete er zunächst mit dem psychologischen Moment, daß Einfall in die »geraubten Provinzen« den gallischen Elan in Freudentaumel versetzen und Glückwunschtelegramme aus London und Petersburg einkassieren werde. Dies unschuldige Vergnügen, einen Fetzen deutschen Gebiets abzureißen, verstrickte ihn aber sofort in strategische Zwangsvorstellung. Belgischer Siegesschwindel wollte ihn reizen, seine Offensive dorthin zu verlegen, bewirkte aber das Gegenteil, da er infolgedessen die Gefahr für nicht dringend hielt und besorgte, daß in Belgien nicht so viele Presselorbeeren zu holen seien, um unehrlich Neutrale zu blenden. Damals war schon jede Offensive verfehlt. Statt sich aber nordwärts umzugruppieren, füllte er die Presse mit Reklamebulletins siegreichen Vordringens nach Osten. Unausbleibliche Folge solcher Prestige-Strategie war rascher Zusammenbruch. Wir können nicht umhin, über Joffre als Strategen den Stab zu brechen. Man läßt sich nicht dort auf Offensive ein, wo Defensive der Linie Toul–Nancy–Epinal besonders stark ist, man schwächt sich nicht an der Stelle, wo des Feindes Stoß die schwächste Defensivlinie trifft. Vielleicht überschätzte er die glorreichen Burenbesieger als Flankendecker. Der Mann war ein sauberer Organisator, der mit rauher Hand in innere Übelstände eingriff und sich Autorität verschaffte wie ein demokratischer Cäsar. Jeder, der ihm mißfiel, mußte weg. Zuletzt mußte er aber selbst daran glauben, man enthob ihn vom kurulischen Sessel und berief nach dem Krieg ein hochnotpeinliches Tribunal über seine strategischen Sünden. Eigentlich dankte er als Stratege schon im September 1914 ab, wollte nur Großtaktiker sein, der gerade deshalb seine Zange nie an richtiger Stelle ansetzte. Wollte er sich nicht aller Stützpunkte gegen den in offener Feldschlacht unbesiegbaren Feind berauben, blieb er ans unregelmäßige Dreieck Toul–Verdun–Reims gefesselt, das bei entsprechenden deutschen Maßregeln leicht zu unterhöhlen war. Sein Anklammern an Verdun blieb ein strategischer Verzweiflungsakt, denn jede störrige Defensive wird verhängnisvoll, wenn sie im Fall des Mißlingens einen gefährdeten Rückzug voraussetzt. Dem Nationalcharakter gemäß opferte diese Kriegsführung das Sein dem Schein. Beim Bewegungskrieg hatte sich taktische Niederlage durch strategische Zwangslage verschlimmert, nur ein Wunder machte dem Rückwärtskrebsen ein Ende, die Marneschlacht. Fortan begrub Schützengrabentechnik jede Kriegskunst, Umgehung, diese Seele des »Manövers«, gabs nicht mehr, denn der Laufgraben vom Meer zu den Vogesen zeigte keine Lücken. Masseneinsatz unter Trommelfeuer auf bestimmte Punkte, den Verlust zu schwindelnder Höhe steigernd, das war die ganze neue Kriegskunst, deren Einweihung man an der Aisne, Suippes, Scarpe, Somme zelebrierte. Freventlicher zerstörte man noch nie Myriaden Menschenleben, um ein paar Kilometer Raum zu besetzen. Das sind die Leute, die von deutscher »Büffelstrategie« reden! Und doch schon im zweiten Kriegsmonat schien die Entscheidung auf des Messers Schneide zu schweben. Daß dies ausblieb, gereichte uns zu schwerem Schaden, Frankreich nicht zum Gewinn, da als einzige Folge die neue Nordwestfront entstand. Sie schnitt sich mit der südwärts gerichteten Mittelfront im stumpfen Winkel. Auf ihn loszuklopfen, um unsere Zickzackfront abzuglätten, verschmähte Joffre, um sich von erzwungener Defensive nur an Stellen ohne strategische Brauchbarkeit loszumachen. Sein theatralisches Programm für Durchbruchsschlachten zeigt ihn als unheilbaren Illusionisten. Die Sommeschlacht stieß dann zufällig nebenbei auf diesen verwundbarsten Punkt in Richtung St. Quentin, auf der ganzen übrigen Front ging sie in rohes Frontalraufen der »Materialschlacht« über. Bei Verdun war ein Glück, daß Joffre geradeso unstrategisch dachte wie Falkenhayn, indem er in blinder Angst um Verdun seine ganze Masse dort aufstapelte. Denn diesmal hätte es einen Sinn gehabt, den Hieb als beste Parade verwendend, wenn Joffre sich auf die entblößte Front Champagne–Reims stürzte. Vielleicht überschätzte er aber die O. H. L. und traute ihr bloßen Frontalangriff nicht zu, wenn sie nicht noch andere Teufeleien im Schilde führe. Wollte und konnte man sich auf so Weitgehendes wie südwestliche Umfassung aus Mihiel nicht einlassen, durfte man nicht planlos die ganze deutsche Offensivkraft verzehren, kein taktisches Abenteuer wagen, nur Handlungen vornehmen, bei denen der Feind das Doppelte verlor, nur so kam man auf seine Kosten. Wollte man endgültig mit Rußland fertig werden, verbot sich jede Offensive im Westen. Daß man die Krise von 1917 überstand, verdankte man der sonderbaren Mißachtung taktischer Gesichtspunkte beim Aisneangriff, an dem Joffre nicht mehr beteiligt war, für strategischen Endzweck, hier in Verbindung mit Seitenstoß über St. Quentin richtig gedacht. Das gefällt uns besser als Taktik ohne strategischen Wert, doch nur wo Strategie und Taktik sich durchdringen, kann etwas Großes geschehen. Hier packte Nivelle, um die deutsche Linie aufzureihen, den Stier bei den Hörnern. Und wie dann, wenn die Deutschen sich widersetzten und die Franzosen, die den Fluß im Rücken hatten, niederrannten? Die furchtbare Niederlage im Mai-Juni 1918 antwortete darauf. Während der Endkrieg ausblutete, erschien plötzlich »der größte Feldherr aller Zeiten«, wie ihm Wilsons würdiger Nachfolger bescheinigte: Ihr fragt, warum den Foch so überschwänglicher Lobspruch begrüßt? Wir wollen es sagen: Glück ist eine Eigenschaft und keine ganz unverdiente, wenn sie mit unerschütterlicher Willensruhe sich paart. Darüber würde an anderem Ort zu reden sein, als in kriegswissenschaftlicher Abhandlung. Jedenfalls blieb Foch immer der alte, der in hoffnungsloser Lage depeschiert: »Lage vorzüglich« und damit Recht behielt, er wußte selber nicht wie. Die zweite Marneschlacht glich aufs Haar der ersten, als ob die Marne ein vorbestimmtes Merkzeichen für Deutschlands beschlossene Niederlage sei. Bei völliger Auspumpung der Westmächte wäre ein Ende des Weltkrieges nicht abzusehen gewesen, wenn nicht durch vierjährige Abnutzung unsere Front heimlich abbröckelte. Nicht durch Massengewalt, auch nicht durch heimische Unterwühlung, wie die Dolchstoßtheorie meint, sondern allgemeine seelische Abspannung. Als der einzige feldherrlich Berufene des Vielbunds, Großfürst Nikolaus, als »unfähig« vom Schauplatz abtrat, strich der lachende Erbe aller entschwundenen Renommeen die Zufallsgaben der Fortuna ein und Foch war der große Mann. Verspätung oder Übereilung, war dies etwas Neues in dieser durch eigene Schwäche vom Unglück verfolgten Kriegsführung? Ihre Symptome hießen St. Quentin–Marneschlacht–Ypern bis zuletzt. Höchstleistung aller Truppen täuschte darüber, auch im Osten, seit nach Ludendorff-Hindenburgs Meisterwerken die Firma Falkenhayn-Mackensen dort das Heft in Händen hatte, die ihren in leere Luft verpuffenden Siegeszug nach Brest ohne jede Billigkeit einkaufte. Die Zange kniff nicht, da nur frühzeitiges Abschwenken über Wolynsk auf Kowel ein Einwickeln der russischen Hauptmacht ermöglicht hätte, statt des frontalen Nachrennens auf Brest. Das gichtbrüchige Österreich, dessen elende Organisation den deutschen Waffen ein Bleigewicht anhing, brauchte nicht so zu lähmen, wenn man strategischen Überblick behielt. Nachdem Linsingen und Marrwitz das undankbare Ungarn vor Karpatheneinbruch gerettet, war an Fortschreiten der Russen bei Krackau noch lange nicht zu denken und voraussichtlicher Riesenerfolg Hindenburgs bei Wilna hätte die Russen ohnehin später zum Rückzug genötigt. Doch es wurde eben überall taktisch gearbeitet, nicht strategisch. Verärgert und herabgestimmt durch Verwerfung seiner genialen Vorschläge im Osten, trat Lud. sein höheres Amt an. Konnte er im Westen ähnliche Entschlüsse fassen? Das Leitmotiv »nach Calais«, das einst beim Wettlauf nach dem Meere mitspielte, ließ man fallen, wollte der Küste auf anderem Wege über Zypern beikommen, ließ aber auch dies bald außer Acht, als taktisch dort nicht alles nach Wunsch ging. War es da angebracht, es bei Kriegsende wieder aufzunehmen, mit der Losung »nach Boulogne«? Man sollte denken, Armins Zurücktreibung bis Roulers wäre für unsere Verbindungslinien so bedenklich gewesen, daß es Umgruppierung größter Kräfte dorthin gebot. Doch man ging so ganz im technischen Stellungskrieg auf, daß man sich nur noch in praktischen Lokalerwägungen bewegte wie denen, daß im Frühjahr der Boden aufgeweicht sei! Aus der Not des Augenblicks geboren, durch Technik erfinderisch großgezogen, schaufelte die Erstarrung des Grabenkrieges das Grab der deutschen Obermacht. Denn über Material und Technik gebot der Gegner ja erst recht, aufgefüttert mit einer schon 1913 an England verbrieften Munition der Neuen Welt contra »Kaiserei«. Dies untergrub die qualitative Überlegenheit unseres auf Angriff geschulten Heeres und die Großmeister des Bewegungskriegs im Osten suchten sich von passiver Lethargie zu befreien. Sie deshalb der »Büffelstrategie« zu beschuldigen, ist töricht, noch törichter die kritiklose Nörgelwut, die der Deutsche für seinen geistigen Vorzug hält, als ob Lud. für Dinge verantwortlich sei, die er vorfand. Nicht seine Offensive ist tadelnswert, nicht sein Erziehen der Eingreifdivisionen, sondern die taktischen Gelegenheitserfolgen nachjagende Art. Durch unzulängliche Anordnungen, wonach immer nur eine Gruppe von 2–3 Armeen attackierte und dann die anderen stillagen, verschaffte er dem Kronprinzen, der nach Südwest die einzigen wirklichen Erfolge errang, im Südost zuletzt eine peinliche Niederlage. Für diesen Vielgehaßten brechen wir daher nochmals die Lanze. Als des Kriegsbeginnes Blütenträume nicht reiften und man sich erst zu Neujahr wieder Verdun auf 15  km näherte, um schwere Kaliber in Stellung zu bringen, befand sich der Kronprinz in schwieriger Lage. An den Argonnen lag der Feind geborgen in seinen Schlupfwinkeln, während die 3. A. alle Ungunst rauhen Bodens und Wetters ertrug. Jede Jagdhütte diente zu Verteidigungszwecken, oft begegnet man in V. L. dem Pavillon la Chasse oder dem Hubertuspavillon. Dreifache Schanzgürtel, angelegt nach Bedarf kreuzweiser Bestreichung, untereinander verbunden, unterirdische Höhlenwerke – solche Meisterstellungen schreckten des Kronprinzen Württemberger und Lothringer nicht ab, nachdem sie selber 10 Monate lang wütende Anstürme abschlugen, bis der Feind nach ungeheuerem Verlust verzichtete. Schon dies musterhafte Verteidigungssystem rechnete in steter Beweglichkeit mit eigenen plötzlichen Ausfällen und nun raubte eine Reihe glänzender Vorstöße dem Feind seinen ganzen Schutzwall der Argonnen. Infolge örtlicher Lage bog sich unsere Nordargonnenstellung, deren man zur Behauptung der Maas bedurfte, am meisten rückwärts, bot also dem Feind die Möglichkeit, hier eine Feile an unsere Frontkette anzukratzen und bei Gelingen des Durchbruchs sich am schnellsten auf unsere Verbindungslinien zu werfen. Richtig betont General Buat: was wohl geschehen wäre, wenn die Franzosen im Besitz der Nordargonnen sich auf Mezières richteten, dem Verbindungsknoten für Etappen der 5., 3. A. Daher spornte Joffre immer wieder Sarrail und Langle (Gérard), keine Opfer zu scheuen und dort den Ring zu sprengen. Stets versuchten sich zwölf fr. D. an dieser Aufgabe gegen höchstens sieben des Kronprinzen, manchmal nur fünf, die dauernd Oberhand behielten und zuletzt völlig triumphierten. Als diese Fahnen auf den kahlen Festungsrücken von Maria-Therese und Totes Mädchen wehten, hatte der Kronprinz in düstrem Waldschatten der Argonnen, unbeschienen vom Reklamelicht der Fama, vollwichtigen Lorbeer gepflückt. So überlegt war seine Kraftverteilung, daß er drei schlesische Regimenter nach Sillery in Einems rechte Flanke, dann wieder drei in dessen linke Flanke der »Winterschlacht« senden und sie auch in der Herbstschlacht mit Kräften decken konnte, ja sogar dauernd die Schlesier nach Arras und Somme auslieh, auf seiner festen Front entbehrlich geworden. Diese Festigkeit und seine Flankenecke Vauquois–Avocourt legte ihm nahe, Wegnahme Verduns Weihnacht schon 1915 vorzuschlagen. Die große Champagneschlacht hatte er am Entscheidungsflügel mit Ruhe geleitet, sie zu relativ günstigem Abschluß gebracht. Daher konnte nur Unkenntnis es als höfischen Bückling ansehen, daß man ihm den Oberbefehl der größten bisherigen Unternehmung übertrug. Größere Taten vollbrachte das Heer unter Hindenburg im Osten, gediegenere aber nie als das schrittweise Näherrücken an die Maasveste, wo eine Schanzkette nach der anderen fiel. Nie stockten Frankreich so Atem und Herzschlag, man lächelt, wenn auch Buat die Verdunhandlung nur als ungeheueren Fehlschlag auffaßt. Als ob man nicht wüßte, daß Verduns Fall bestimmt erzwungen worden wäre, wenn nicht die Sommeschlacht zuletzt diese Kraft zersplitterte! Daß es nicht dazu kam, war einzig Falkenhayns Schuld, der nicht rechtzeitig unbeschäftigte Teile hierher schob und zwar ans West- statt Ostufer, was in Verbindung mit Drohung aus Mihiel noch vor Toresschluß Anfang Juni den Feind zum Abzug genötigt hätte. Daß man die Initiative an sich riß, war nach der starren Defensive des Vorjahres eine Erlösung, daß die Offensive nicht den richtigsten Punkt der langen Front wählte (nämlich an der Lys), belastet nur Falkenhayn. Auch lehrt unsere Verlustuntersuchung, daß die Verdunschlacht in keinem Monat größere Einbuße brachte, als sonst in Champagne- und Arrasschlachten oder jetzt an der Somme, ein Beweis vorsichtigen Maßhaltens. Lediglich durch zeitliche Länge wuchs der Gesamtverlust erschreckend, blieb aber weit unter Zermürbung der feindlichen Hauptmasse bei aller Kühnheit siegreichen Vorgehens, nicht leidender Abwehr. Anwürfe Unwissender und Böswilliger gegen dies schneidige Verfahren, das eine riesige Übermacht (74 gegen 35 Div.) an Verteidigungszwecke fesselte, verachten wir daher. Tadel verdient nur die O. H. L., die sich auf Großzügiges einließ, ohne ihm strategisch gewachsen zu sein, oder vielmehr das Verdunproblem ursprünglich überhaupt nicht als etwas Großzügiges, sondern bloßes taktisches Versuchskaninchen anfaßte. Der strategischen Gedankenlosigkeit der O. H. L. gehorchte der Kronprinz einfach als Soldat und man staunt, wie viel er trotzdem erzwang. Auch in den kritischen Tagen erster Ordnung 1917 hatte er den schwersten Posten, die heftigsten Angriffe von der Aisne bis zur Maas richteten sich gegen ihn und brachten dem Feind den verhältnismäßig geringsten Erfolg. 1918 führte er die zwei schärfsten erschütterndsten Stöße, wie ja schon im August 1914 die 5. A. am großzügigsten rang. Kann dies alles Zufall sein? War es Liebedienerei, daß es seit 1916 fortan nur zwei Hauptfronten »Prinz Rupprecht«, »Deutscher Kronprinz« gab? Wir haben nur ein Amt und keine Meinung, voraussetzungslose Geschichtsschreibung hat die Pflicht, Wahrheit zu bekennen und Zeugnis abzulegen. Zum eisernen Bestand demokratischer Legende gehört, sich gegen fürstliche Heerführer zu empören. Prinzen dürfen so wenig Talent haben wie Junker, die natürlich nur durch Protektion zu ihren Posten gelangen. Doch wenn Scharnhorst ein Bauernsohn und der angeblich adlige Gneisenau von ebenso zweifelhafter Herkunft wie der erzreaktionäre York, waren darum der alte Junker Blücher und der altadlige Bülow minder famose Kerle? Oder wenn die Chlam-Gallas als erbliche Heerverderber galten, war deshalb der bürgerliche Mack weniger ein Trottel? Oder erwarben sich die Stadion in Wien und die Landwehrgründer Dohna in Ostpreußen minder volkstümliches Verdienst, weil sie Grafen waren? Weil Derfflinger ein Schneidergeselle war, blieb deshalb der unvergleichlich bedeutendere Wallenstein minder ein Edelmann? Nichts komischer als die Niederlage von 1809 den fürstlichen Korpschefs aufzuhalsen. Nicht nur die gepriesenen Liechtenstein und Hohenzollern, sondern auch der geschmähte Fürst Rosenberg handhabten ihre Truppen besser als der nach Aspern »beurlaubte« Hiller, dem man wegen niederer Herkunft alle Lorbeeren zuschob und dessen »Relation« durch hündischen Byzantinismus von den vornehm ruhigen Berichten der Fürsten absticht, die mit Noblesse absichtlich ihre bürgerlichen Offiziere hervorgehoben. Alle bürgerlichen Minister Österreichs von Thugut bis Bach waren unfähiger als die Hochgeborenen Kaunitz und Metternich. Weil ein Fürst Hohenlohe und ein Herzog von Braunschweig uns Jena und Auerstädt bescheerten, darum machte ein anderer Hohenlohe sich doch um deutsche Einheit verdient und Artilleriegeneral Prinz Hohenlohe glänzte in seiner Waffe so wie einst Fürst Liechtenstein als Artilleriereformer, man lese seine Denkwürdigkeiten, um die gebildete liberale Denkart des preußischen Offizierskorps von 1870 zu würdigen. Und war nicht Ferdinand von Braunschweig Friedrichs bester Mithelfer, der ihn in einer Ode als Arminius pries? Weil verschiedene bürgerliche und später geadelte Minister ein gutes Andenken bei Sachkennern hinterließen, darum gehörten Stein, Hardenberg, Bismarck doch zum ältesten Blutadel. Und wenn der als Charakter hochachtbare Kleist v. Nollendorf ein mittelmäßiger General war, so fehlte es einem gewissen Heinrich v. Kleist gewiß nicht an Genie, auch nicht dem Hardenberg-Novalis, die Herren Achim v. Armin, v. Eichendorff waren echtere Poeten als mancher gepriesene Bürgerliche und der weiland Comte de Chamisso obendrein noch ein adliger deutscher Volksmann. Mit dem allen halten wir dem Adel keine Lobrede, sondern tun nur läppisches Vorurteil ab. So wenig das Genie einen Stammbaum hat, ein Friedrich purpurgeboren, ein Leonardo Sohn einer armen Dienstmagd sein kann, so wenig können Adel oder Bürgertum das Talent für sich pachten. Prozentual aber ist die Zahl talentvoller »Junker« erstaunlich. Im Übrigen wogen de Lamartine, de Musset, Graf de Vigny, de Maupassant viele Dutzend berühmter bürgerlicher Literaten auf, Byron und Shelley ganze Generationen von Dichtern, ohne noch zu rechnen, daß die Werke »Shakespeares« nach unserer Entdeckung von einem Hocharistokraten herrühren. Plato, Alkibiades, Perikles, Lucull, Cäsar, Venedigs Admirale waren richtige Junker. Um nun näher zu kommen: Wenn Cromwell, Bonaparte, Robert Lee keine eigentlichen Adligen waren, darum konnten Friedrich d. Gr., der Große Kurfürst, Gustav Adolf doch auch sich sehen lassen. Nicht zu vergessen Wilhelm III., der Oranier, dessen Gegner der dämonische Zwerg Duc de Luxembourg und dessen Vorgänger Prinz Condé, Graf Turenne jedenfalls bedeutender waren, als später der angebliche Advokatenschreiber Marschall Catinat. Waren Marlborough, seines Zeitalters bedeutendster Feldherr, und der starre Junker Wellington etwa Bürgerliche? Prinz Eugen v. Savoyen aber und die Erzherzöge Karl und Johann waren ja sogar Fürsten. Österreich hat keinen Grund, sich über Erzherzöge zu beklagen, da noch 1866 Erzh. Albrecht allein das schwarzgelbe Banner hochhielt, und der Artilleriechef Erzh. Wilhelm schon bei Solferino sich auszeichnete. Obwohl Ludwig XIV. so wenig Feldherr war wie Wilhelm I. sorgten beide doch einsichtig für ihr Heer, und obwohl viele adlige Militärs versagten, befanden sich im Feudalheer vor der Revolution doch viele wackere Generale und Offiziere, die sich der Republik zur Verfügung stellten. Cromwell und seine Generale sowie sein großer Admiral Blake und viele Franzosen der Revolutionszeit beweisen ebenso wie später Gambetta und Freycinet, daß Zivilisten sogar aus den untersten Ständen als improvisierte Kriegsführer Ungeahntes leisten, widerlegen aber damit nur jedes militärische Vorurteil, belegen nicht die demokratische Legende, daß solche Leute von vornherein mehr Talent hätten als Prinzen und Junker. Im Gegenteil, Napoleon bezeichnete seine Marschälle, zumeist alle aus unteren Kreisen hervorgegangen, fast alle als mittelmäßig, der geistvollste darunter, Marmont, und der relativ ehrlichste, Davout, waren Adlige. Noch mehr: die Charaktergemeinheit der Massena, Augereau, Ney, Bernadotte, Vandamme usw., waschechter Plebejer, unterschied sich merkwürdig von der vornehmen Gesinnung mancher Altadligen im Kaiserheer. Natürlich wäre verkehrt, dies verallgemeinern zu wollen, denn andere Bürgerliche wie Lannes und Drouot waren Mustermenschen und wenn Marlborough ein Schurke und Wellington kein schöner Charakter war, so um so mehr Blake; dagegen der gleichfalls bürgerliche Nelson eine Mischung von Held und Lump. Nur nicht das Kind mit dem Bade ausschütten! Drouot »c'est la vertu« , Junker Drouet d'Erlon ein fragwürdiger Herr wie Marquis Grouchy und Funker Mac Mahon, alle fähig, wahrheitswidrig ihre militärischen Sünden auf andere abzuwälzen, Plebejer Bazaine aber ein Schuft mit Eichenlaub. Für Königgrätz wählte man als Sündenböcke die Grafen Thun und Festetitz, beide schwer verwundet in soldatischem Pflichteifer, doch ihr sogenannter Ungehorsam scheint minder tadelnswert als Benedeks schlechte Disposition. (Vergl. Molinaris Memoiren.) Dieser Sohn eines Dorfarztes und sein bürgerlicher Stabschef, ein Esel, mochten wohl mit Neid auf Erzh. Albrechts Custozza blicken und die Legende, die sich um Benedek spann, als habe er Wunder was Geheimnisvolles zu seiner Deckung wider den Kaiser stoisch verheimlicht, durchschaut man als groben Unfug. Wer war aber sein bester Korpschef? Kronprinz Albert v. Sachsen, der sich nachher 1870 als eine Nummer eins erwies. So rücken wir einer krankhaften Legende immer näher auf den Leib: die Zahl begabter fürstlicher Heerführer ist erstaunlich groß und der Versuch, ihren Ruhm auf ihre Stabschefs abzuladen, stets aussichtsloser gescheitert, als bei Blücher-Gneisenau. Natürlich sehen wir von offiziöser Etikette ab. »Sr. Maj. befehlen«, »Sr. Kgl. H. befehlen«, das täuscht höchstens die unterste Menge, Wilhelm I. trat stets bescheiden hinter Moltke zurück, der andere hohe Herr leugnete nie: für »Kronprinz« lies »Blumenthal«. Doch als man Erzh. Albrecht den Custozzaruhm für seinen Stabschef John rauben wollt«, endete die Untersuchung des Falles vernichtend für die Gegenpartei. Erzh. Johanns glänzenden italienischen Feldzug 1809 (seine angebliche Verfehlung bei Wagram ist Mythe) sprach niemand seinem Stabschef zu, für Erzh. Karl waren seine Stabschefs ein Ballast. Übrigens machten beide Prinzen ihren bösartigen Kaiserbruder unruhig durch ihre stark demokratisch angehauchte Gesinnung, auch Fürst Liechtenstein blies ins selbe Horn wie der Milizschöpfer Graf Stadion. Für untertänige Byzantiner sucht man sich immer Bürgerliche aus, je höher hinauf, desto energischer die Volksfreunde. Bei Kronprinz Albert und Prinz Friedrich Karl ließ sich gleichfalls nicht einfallen, nach ihren Stabschefs zu suchen, diese wechselten, die Leistung blieb stets die gleiche, jene bescheidenen Herrschaften beanspruchten keinen Anteil an den fürstlichen Lorbeeren, jeder kannte sie nur als Vollzugsorgane. Man wagt auch nicht, bei Prinz Rupprecht seinen tüchtigen Stabschef Kuhl als spiritus rector auszuspielen. Leider kennen wir Kuhl von der Marneschlacht her als einen bedenklichen und allzu schmiegsamen Herrn. Man sprach auch von Krafft von Delmenfingen, der als geadelter Mann aus dem Volke natürlich bei der Fama besonderes Wohlwollen genoß. Dieser zeigte sich in Rumänien als tüchtiger Frontschläger, das genügt, denn ein bedeutender Stabschef taugt nie dazu, geizt auch nicht danach. Es bleibt dabei, daß Rupprecht durchaus selbständig kommandierte und zwar in einer Weise, an die kein nichtfürstlicher deutscher Armeechef im Weltkrieg heranreichte, Hindenburg bei Seite gelassen, den man heute um jedes selbständige Verdienst bringen möchte. Das ist ohnehin gröbliche Verkennung des Instanzenverhältnisses. Gneisenau hätte nie etwas vermocht ohne Blüchers Persönlichkeit, der doch die Verantwortung trug, übrigens 1815 durchaus gegen Gneisenaus Ansicht handelte. Wer hat Kronprinz Friedrich Wilhelms Stabschefs Knobelsdorff und Schulenburg denn je als maßgebende Lumina preisen hören? So etwas bleibt nie verborgen, die Fama posaunt es eiligst aus, siehe Seeckt bei Mackensen, Hofmann bei Prinz Leopold. Die Mär, der als Freiwilliger hospitierende ehrwürdige Häseler habe eingewirkt, schwieg bald. Mit den Stabschefs ists also nichts, unter den Korpschefs des Kronprinzen glänzte nur Mudra als besonderes Licht, wir sehen in ihm nur einen Spezialisten, der sich bei seinem Schwächeunfall vor demselben Maunoury als Geistesverwandter Klucks betätigte. Er ist sicher nicht verantwortlich für die ausgezeichneten Taten unter des Kronprinzen Kommandos und war 1918 ganz unbeteiligt an der Offensive der 18., 7. A. Warum soll der Vielgeschmähte, der sich angeblich hinter der Front mit Weibern herumtrieb, nicht selber das Feldherrntalent gewesen sein, für das doch sonst nirgends ein Inhaber gefunden wird? Es liegt doch sozusagen in der Familie, und so wenig er sonst seinen großen Ahnen gleichen mag, obschon man dies von seiner Physiognomie behauptete, so kann der Feldherrninstinkt sich ihm im Blut vererbt haben. Beim alten Kronprinz Fritz dem Flötenbläser ahnte auch niemand, daß er zufällig, weil ein Genie, auch der größte militärische Bahnbrecher war. (Die napoleonische Vernichtungsstrategie stammt von ihm, er hatte nur einen verständnisvollen Schüler, den kleinen Kadetten in Brienne.) Die anderen Kaisersöhne Eitel und Oskar wirkten wenigstens als recht gute Frontoffiziere und Tapferkeit ist erblich in der Rasse, man denke nur an den Heldenprinzen August der Befreiungskriege und die ruhige Todesverachtung Friedrich Wilhelms III., zuguterletzt war Prinz Heinrich, des großen Königs böser Bruder, auch nicht von schlechten Eltern. Heute beim Exil der Hohenzollern würden sich die derbsten Schwindeleien hervorwagen, daß der Kronprinz eine Null und ein großer Unbekannter sein Berater gewesen sei. Daß dies ausblieb und der Haß sich nur an Skandalhistörchen über seine angebliche Liederlichkeit ergötzte, ist ein Prüfstein für die Hoffnungslosigkeit einer Kritik, die vermutlich alle Wissenden mit Hohnlachen begraben würden. Man verstehe recht: Wir zerstören nur alberne Märchen von Unfähigkeit aller Prinzen und Junker, unser Wahrheitsuchen hat keinen politischen Beigeschmack. Wir halten uns als Historiker an Tatsachen und verhehlen nicht, daß seine Bücher, seine höchst vernünftigen Interviews mit dem Amerikaner Wigand und der erstaunliche Brief an den Kaiser mit dem Leitsatz: »Mag die Monarchie zum Teufel gehen, wenn nur Deutschland gerettet wird«, durchaus zu dem Bilde passen, das kluge Anhänger von ihm entwerfen. Der letzte Hohenzoller ist ein beklagenswertes Opfer, mancher frühere Auswuchs vielleicht durch Niederdrückung von seiten des Potsdamer Roi-Soleil zu erklären. Thronfolger scheinen in Preußen eine erblich belastete Rolle zu spielen, man täuscht sich immer in ihnen. Wir sagen: Republik oder Monarchie ist gleichgültig, wenn nur Deutschland gerettet wird. Das neue System lobe, wer, dadurch persönlichen Vorteil ergattert, doch es hat scheinbare Vorzüge vor jenem alten, das man als Vorbild aller Vortrefflichkeit pries. Konflikt zwischen Ludendorff und dem Kronprinzen scheint letzteren als den Humaneren, Demokratischeren auszulösen, und daß jener Konflikt bestand, zeigt, daß der militärische Diktator ihn fürchtete. Übrigens durfte man einen Anerkennungsbrief des lobkargen Lud. abdrucken, mit dem er sich oft überwarf. Täuschen wir uns, so täuschen eben die Tatsachen. In allem Gegensatz seines Vaters, erscheint der bescheidene und persönlich furchtlose Thronfolger auch in Bruchmüllers Artilleriebuch als besonders rührig und verständnisvoll voll besonderem Pflichtgefühl. »Falle ich, ersetzt mich eben ein Anderer.« Hut ab! So dachte sein Ahne, dessen ergreifende Selbstnichtachtung sich doch wahrlich mit höchstem Genius paarte. Jedenfalls sprechen wir den Kronprinzen, der die Opfer vieler Divisionen beklagte und von Draufgängerei so wenig wissen wollte wie von Drangsalieren der Mannschaften, von jeder Schuld am militärischen Zusammenbruch frei. – Es ist unwahr, daß Ludendorffs Offensivpläne an und für sich besonnener Absicht entbehrten, nur Ausführung und Augenmaß falsch. Sträflich unverständigen Hochmut, der ihn kitzelte, das alte Marneschlacht-Bild heraufzubeschwören, könnte nur schwarzgallige Parteilichkeit ihn vorwerfen. Im Gegenteil vermissen wir bei ihm die unbändige Einseitigkeit eines Foch, sein Wille schwankte zwischen zu hoch gesteckten Zielen und schwächlichem Zaudern. Unser Blick schweift zum Kriegsanfang zurück, findet unverändert gleiche Symptome des gleichen Systems. Ihm verdankt man auch den unleugbaren moralischen Zusammenbruch des bis zuletzt dienstlich und politisch schikanierten Volksheeres, wir mögen dies unliebsame Kapitel nicht erläutern. Daß dem so war und jede Abstreitung irrt, zeigt die plötzlich ungeheure Zahl von Gefangenen, meist Überläufern und willenlos sich Ergebenden. Staunend wie nach der Marneschlacht sah der Feind unserer Selbstentwürdigung und Selbstzerfleischung zu, ihm konnte es ja recht sein. Die Rheinlande schonen? Jeder brave Rheinländer seufzt heute: lieber Kriegsverheerung, als was wir nachher im »Frieden« durchmachten! Möglich, daß Kämpfen aussichtslos war wegen Wilsons Waffengang, dem Hauptschuldigen an unserm Verderben. Doch ein altes Sprichwort weiß: Wer sich wehrt, behält sein Pferd! Der Militarismus fragte nachher spöttisch, was Gambettas viermonatlicher Widerstand nutzte nach vierwöchentlicher Zerreibung der Berufssoldateska. Erstens, daß der Sieger nicht noch härtere Bedingungen auferlegte, wozu Moltke willens war, zweitens, daß Frankreich mit Ehren erlag und sich so die Weltsympathie sicherte. Deutschland erlag mit Unehren, denn daß der größte Heldenkampf der Weltgeschichte voraufging, vergaß bald das kurze Gedächtnis der Augenblicksmenschen. Zerstörtes Ansehen bedeutete zerstörten Kredit, das beispiellose Valuta-Kunststück – reine Fiktion, denn Deutschlands wahres Nationalvermögen blieb unversehrt – hat Wallstreet uns aufgehalst als Blankowechsel auf unsere Erbärmlichkeit. Wohl predigte der entschlossene Rathenau Nationalverteidigung, doch Lud. winkte eiligst ab, das paßte den Militaristen so wenig wie demokratischen Strebern, die nur im »Frieden« ihr Kraut blühen sahen. Sie stellen das alte wie das neue System ihrer Partei- und Kasteninteressen immer über das Vaterländische. Die Einsicht, daß der Weltkrieg von allen Völkern, nicht nur von den Angelsachsen, mehr oder minder mit Milizen, d. h. Volksaufgeboten durchfochten wurde, weil die Aktiven schon im ersten Kriegsjahr zusammenschrumpften, und daß ein soldatisch veranlagtes Volk wie das deutsche wesentlich mit Landwehr und aktiviertem Landsturm (alle neugebildeten »Infanterieregimenter« bis zur höchsten Nummer) den russischen Riesentolpatsch niederzwang, daß also einzig dem Milizsystem, d. h. dem wahren Volksheer die Zukunft gehört, muß man von unseren Militaristen nicht hoffen. Sie drehen immer noch ihr altes Garn, siehe ergötzliche Manifeste des »Ehrendoktor« Freytag-Loringhofen, der allgemeine Kasernenmilitarisierung empfahl. Aber hätte die levée en mass bei uns Früchte getragen? Danton und der Wohlfahrtsausschuß hatten ihren Hauptmann Carnot als obersten Kriegsleiter, Frankreich findet immer einen Gambetta-Freycinet, England einen Cromwell, Deutschland wohl nie. Der Zopf hängt ihm immer hinten, sein Professor fühlte sich als geistiger Drilloffizier, sein Offizier als Professor Ordinarius. Alles, was nicht in Reih und Glied marschiert, wird relegiert. So bleibt es unter jedem System, wenn nicht der Himmel ein Einsehen hat und den Schlendrian Bürokratius gewaltsam entfernt.     Hätten wir beide Arme frei gehabt, so wäre im West oder Ost jeder Feind zu Boden geschlagen. Doch auch im Zweifrontenkrieg ermöglichte die Natur, indem sie Deutschland auf die innere Linie stellte, abwechselnd nach West und Ost Schläge auszuteilen. Nur dann wird innere Linie zum Unheil, wenn man sie nicht rechtzeitig offensiv handhabt, nur durch Schnelligkeit erwirbt sie ihren unfehlbaren Vorteil, insofern darf man die anfängliche Doppeloffensive nach West und Ost billigen. Innere wie äußere Linien bleiben für Stümper die gleiche Gefahr, äußere aber stets von zweifelhaftem Wert. 1813 zerbrach Napoleons inneres Dreieck nicht durch Zwickmühle der Gegner, sondern Blüchers Hartschädel. Wenn daher Jomini meint, bei sehr großen Massen sei innere Linie kaum anwendbar, so sucht er nach falschen maschinellen Gründen, denn das damalige Phänomen erklärte nur dynamisch-moralische Ursachen. Jedenfalls blieben im Weltkrieg die äußeren Ententelinien an sich unfruchtbar, und wenn der größte aller Kriege weniger Kunstmaterial als irgendein anderer wenigstens im Westen lieferte, so bekräftigt er immerhin, daß innere Linie bei richtiger Anwendung stets Erfolg verbürgt. Napoleon tadelte herb Friedrichs konzentrische Torgau-Operation, beging aber bei Bautzen Gleiches, wo sein Seitenheer zu spät die Feindesflanke beklopfte, die sich dem Griff entzog. Ein Entschlossener benutzt sogar Nichtzusammenstimmen getrennter Kolonnen zu zentralem Durchbruch. Der Weltkrieg kennt strategisch wie taktisch nur Zentralstöße, nur innere Umfassung, deren Schnitt einen Flügel abtrennt oder gar beide (Tannenberg) fruchtet. Nicht äußerliches Getrenntmarschieren unterscheidet sich von Geschlossenheit, sondern ob es auf äußerem (Moltke) oder innerem Radius erfolgt, siehe Napoleon Oktober 1806 und April 1809, was Freytag höchst verworren für Gleichartigkeit beider Methoden ausgab. Nur genauer innerer Zusammenhang ermöglicht, sich nach Bedarf vor , nicht im Feind zu vereinen. Unser Aufmarsch 1914 vereitelte dies, Verschiebungsumgruppierungen verliefen nachher zeitraubend und kraftlähmend. Der geistreiche französisch« Militär Dervieu nannte Moltke den Älteren einen militärischen Großindustriellen. Er beherzigte Erfahrungen des amerikanischen Bürgerkriegs, doch versagen Eisenbahn und Telegraph oft im Feindesland durch Störungen. Des Telephons bediente man sich im Weltkrieg gut, durch Funksprüche versehene Adjutantendienste nur in schüchternen Anfängen, dieser neue Zweig der Kriegstechnik war im deutschen Betrieb nicht genügend vorbereitet. (Beiläufig trifft man Verluste von Funkspruchabteilungen schon 1914 bei Hindenburgs Reiterei). Bahnschema macht oft den Ausmarsch von sich abhängig, was für 1866 zugestanden; dies verbürgt nicht mal Freiheit der Bewegung, wie die Aufmarschstauung der 1., 2., 3. A. bewies, daß man die ferneren norddeutschen Korps auf den Stoßflügel versetzte, verlangsamte die unbedingt hier nötige Schnelligkeit. Überhaupt überschätzt man alle Technik der Ausrüstung, zuguterletzt entschieden ganz andere Faktoren. Dreschflegel und Sensen der Hussiten schlugen die Panzergeschwader deutscher Junkerschaft nieder, man sollte sich nicht zu blind auf Tankgeschwader verlassen. Nun, Prokop und Ziska stammten aus keiner Kriegsakademie, die Hauptperson des Weltkrieges will man aber nicht sehen: Vollwertigkeit der Volksmiliz, ohne die ja ohnehin nie solche Massen aufzubringen wären. Nur Verstocktheit sträubt sich dagegen. Nicht der gerechte Stolz der Berufskrieger, wohl aber ihr Dünkel muß ein Ende finden; daß er im Milizsystem nicht bestehen kann, hinc irae der hochseligen Brahminen, denen man den Heiligenschein abstreifen muß. Freuen sollten sie sich doch über Kriegsertüchtigung des ganzen Volkes, sie aber fröhnen nur Sonderinteressen. Gewiß nahmen die Yankees einst den Mund zu voll, Hooker nannte sein Milizheer »das beste der Welt«, Lee und Jackson hießen »größer als Napoleon«. Grants Memoiren gelten als Kommentarien Cäsars. Doch wenn das Tagebuch des 1870 im preußischen Hauptquartier weilenden Sheridan sich zu gnädig herabläßt, hier könne man nichts lernen, so haben Shermans Milizen beim Georgiamarsch wirklich größere Anstrengung überwunden als bei damaligen deutschen Märschen. Doch was sie noch übertraf, war der Schneemarsch zur Winterschlacht von Eichhorns Milizkorps. Und es bleibt wahr, daß z. B. Professor Jackson ein hundertmal größerer Stratege wurde als Eichhorn, daß es in jenem Zivilistenkrieg keinen Kluck und Bülow gab. Gelehrte Theorie verbürgt an sich kein praktisches Feldherrntum, doch folgert daraus, daß Theoretiker immer schlechte Praktiker, denkerisch unfähige Generale immer gute Praktiker seien? Weit eher als geistlose Empiriker könnten Kriegsforscher Feldherrn werden, die bei jeder Gelegenheit sozusagen ein Fach ihres Gehirnarchivs öffnen, auf jedes Gebot der Stunde vorbereitet. »Im Krieg kommt alles anders«, zumal in einem Weltkrieg. Die wichtigste Frage bleibt: Konnte Deutschland überhaupt gewinnen? Ja, wenn es wirklich die Entscheidung gewollt und vorbereitet hätte. Dann wären mindestens zwei neue Armeekorps vorhanden gewesen, man hätte alle Handelsschiffe rechtzeitig zurückgerufen und die argentinische Ernte aufgekauft. (Es ist Wenigen bekannt, daß der spätere Reichskanzler Michaelis, damals am Rhein, aus eigener Initiative eine gewisse Nachbarernte aufkaufte und wenigstens hierdurch das erste Kriegsjahr gegen die Blockade sicherte). Die Verlotterung der österreichischen Rüstung und die Unterbindung der türkischen Heerreform durch den Balkankrieg wogen schwer als Passiva, dagegen schlug die k. k. Armee trotzdem sich besser als zu erwarten, ihre Skoda-Artillerie überraschte. Das deutsche Heer übertraf jede noch so hochgespannte Erwartung, gerade weil es nach dem ersten Halbjahr nur noch reines Volksaufgebot bedeutete. Fragestellung und Vergleichspunkte werden absichtlich verschoben in Freytag-Loringhofens »Folgerungen aus dem Weltkrieg« »Geschultes Volksheer oder Miliz«. Die offenen Türen falscher Milizlegenden einzurennen hat keinen Wert, kein Kenner hielt je Washingtons Milizen oder die Tiroler und Buren für vorbildlich, bei den spanischen Insurrektionsheeren wird vergessen, daß ihre früheren Regulären sich noch schlechter schlugen, dagegen die ruhmwürdigen Stadtverteidigungen doch ausschließlich aufs Konto der Bürgerschaft kamen. Wenn anfangs die Freiwilligen der französischen Revolution ihren Ruf nicht verdienten, so hat die levée en masse doch gegen ganz Europa durchgehalten, selbst dann als die feindlichen Regulären zahlenmäßiges Übergewicht hatten. Auch ohne Bonaparte schlugen sich die Republikaner bei Stockach, Zürich, Novi glänzend gegen Übermacht, im Gotthart- und Grimselkampf taten sie Unübertreffliches. Bonaparte zwang ihnen unerhörte Gewaltmärsche ab. Den zweischneidigen Einwand, daß Milizen durch den Krieg selber in ihre Aufgabe hineinwachsen, fertigt die Gegenfrage ab, sie hat einen spöttischen Klang: Ist Krieg die einzig wahre Kriegsschule, warum blieben die regulären Gegner bei gleicher Erfahrung stets auf dem alten Stand unbehilflichen Schlendrians? Wesentlich sprach mit, daß durch das Revolutionsprinzip die Befähigsten selbst aus untersten Graden an die Spitze treten, gewaltsame Auslese der Tüchtigsten, so daß die törichte Ausmerzung der adligen Berufsoffiziere nur anfangs schadete. Auf grobe Entstellung über angebliches Sinken der »entarteten« napoleonischen Infanterie, die immer mehr den Charakter einer Berufsarmee verlor und doch noch 1813 als Milizaufgebot Großartiges im Kampf und Marsch vollbrachte, gehen wir nicht ein. Komisch mutet der Satz an, daß panische Flucht bei gedienten Kasernenheeren nicht vorkomme, siehe Austerlitz, Jena, Königgrätz, Wörth! Gneisenau pries in Denkschrift 1811 die österreichischen Milizen von 1809 als Vorbild, und wenn Freytag die edle Tapferkeit unserer Landwehr 1813/15 widerwillig zugesteht, so vergißt er absichtlich das Krümpersystem, womit der Bauernsohn Scharnhorst den alten Zopf abschnitt, dessen »Reserveregimenter« ganz kurze Ausbildung wie heutige Schweizer Miliz genossen und doch ebenbürtig mit Kasernisten wetteiferten. Das darf um so weniger als Ausnahme gelten, als Wellington sogar aus Portugiesen eine schlachtfähige Miliz erzog. Über den amerikanischen Bürgerkrieg wiederholt man schiefe Irrtümer, die Südstaaten hätten mehr Berufsoffiziere und Reguläre gehabt, genau das Umgekehrte trifft zu, der ganze alte Militärapparat lag in Händen der Union, deren Schwäche nur aus Mittelmäßigkeit ihrer Berufsgenerale entsprang. Übrigens ist wirkliches verbreitetes Milizsystem großen Stils nur einmal erprobt worden: Rom gegen Pyrrhus und Hannibals Berufssöldner und wer siegte da? Schweizer und Flandrer siegten ähnlich im Mittelalter über Feudalheere, Englands Yeomanry gab ihm allein die Möglichkeit kontinentaler Kriegführung, bei Talavara und Waterloo bestand Wellingtons Fußvolk zu zwei Drittel aus »Militia-Men«. Unter neue Wunschzettel militaristischen Heißhungers setzte das Schicksal heut einen Schlußstrich. Das Ideal allgemein verbreiteter Dienstpflicht bei gleicher langer Dienstzeit ist wirtschaftliche wie politische Unmöglichkeit, doch wenn ehrlicher Wille vorhanden »nüchtern zu prüfen«, ob nicht »soldatische Voreingenommenheit und Vorurteil« verblendeten, so könnte man sich über Miliz verständigen, die natürlichste und beste aller Heeresformen. Der Militarismus, sofern dies viel mißbrauchte Wort einen bestimmten Sinn hat, tötete sich selber, der Weltkrieg brachte fast die ganze Berufsoffiziersklasse um. »Der russische Soldat ist kein Miethling, wird nie auf Landsleute schießen« behauptete Bilbassons Geschichte Katharinas, doch der uniformierte Muschik oder der Troupier beim Kommunenkampf ließen sich als Polizeitruppe gebrauchen, hat aber Kadavergehorsam das Russenheer vor wilder Revolutionierung gesichert; können nicht umgekehrt Milizen wie Cromwells Eisenseiten der Staatsordnung dienen? Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb, schleicht jetzt schon der alte Mittlerverlag – mit Subvention auf Kosten der Steuerzahler – mit Milizanregung heran, doch fürchten wir die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen. Der Ententeeinfall, unsern Militarismus durch Auferlegung eines kleinen Söldnerheeres strafen zu wollen, bedeutet Zurückschraubung zur Söldnerleibwache kleiner griechischer Tyrannen, im Mittelalter durch unbotmäßige Ritterschaft und später Condottieri und Landsknechte fortgesetzt, deren Ursprung auch bis zu den Griechen zurückdatiert. Wenn französische Könige sich mit fremden Haustruppen (Schotten und Schweizer) umgaben und England im 18. Jahrhundert deutsche Truppen besoldete, so suchten Schweden und Preußen (Kantonsrekruten) dem »Assentierungssystem« seit Louis XIV. einen nationalen Halt zu geben. Die allgemeine Wehrpflicht in imperialistischen Händen dient aber nur zu Fälschung demokratischen Prinzips mit schlauem Mißbrauch des »Volksheeres«, Jonglieren für dynastische Militarisierung des Staatshaushalts. Kostspieligkeit der Miliz wird nur vorgeschützt, Verwaltung stehender Heere verschwendet Geld mit vollen Händen. Wellington pries im Parlament »die braven Hannoverschen Milizen bei Waterloo«, ihm schwante vor ein kleines Berufsheer, umrahmt von Milizen. Solche Zukunftsmusik mißtönt freilich auch jenen, die den ewigen Frieden der Internationale gründen möchten. Dem Wunder fehlt der Glaube. Frankreichs frommer Wunsch, Deutschland für immer mit roher Gewalt zu drücken, wird nur die letzte Krampfzuckung im Todesfieber des Imperialismus sein? Jede Verknotung des Friedens mit stehenden Heeren verhindert Abrüstung. Napoleon meinte, er habe die Nationalgarde so eingerichtet, daß stehende Heere verschwinden würden. Es geht kein anderer Weg nach Küßnacht, sonst bekommen wir europäischen »Sezessionskrieg« Aller gegen Alle, trotz Unterbilanz des Kriegsgeschäfts wird Kriegspsychose weiteren Selbstmord begehen. Natürlich gibt es schwarze Schafe in jedem Stande, doch einen »ersten Stand« darf man nicht in Kreisen suchen, die noch in Gefangenschaft und Internat mit »Aufsichtsoffizieren«, »Ortsfeldwebeln« die »gemeinen« Waffenbrüder drangsalierten, bei der deutschen Landestrauer mit ihren Damen Lawntennisfeste feierten, volles Goldgehalt von der Republik einstrichen mitten in der Valutakrankheit und bei Kaisers Geburtstag aus ihrem Herzen keine Mördergrube machten, über jeden Unabhängigen Grußboykott verhängten, doch wozu schmutzige Wäsche aushängen! Ein gut Stück Ritterpoesie steigt mit der Militärfeudalität zu Grabe und einen pflichttreuen Offizier, der sich in bescheidenen Grenzen hält, wird man Krämern und Jobbern wahrlich vorziehen, ihn nicht mit »Etappe Gent« verwechseln. Am gemeinschädlichen Größenwahn trug nur das System die Schuld. Das heute schwarmgeisternde Rückwärtsschauen nach Pharaos Fleischtöpfen, die doch wahrlich für alle freien Geister leer genug blieben, entspricht nur jener »Scheu vor der Wahrheit«, die man superklug nur in Ludendorff hineinlegte. Lloyd Georges zynischer Spruch » Über Volk und Gemeinwohl steht das Staatsbedürfnis« machte sich diese Armeekirche zu eigen, die Sermone, Edikte, Bannbullen erließ, allen ein kaudinisches Joch aufzwang, was den Geßlerhut mit Reverenz erwies, Zwinguri nicht für den Tempel Salomons und die schriftlichen Übungen der Priester nicht für Gesetztafeln hielt. Die Philisterehrfurcht vor sogenannter Fachwissenschaft wurde von säbelrasselnden Schönschreibern ausgenutzt, denn in Deutschland gilt nicht die Leistung, sondern der Titel, »Berufung« steckt im Amt. Auch so aber mußte Clausewitz ungedruckte Schriften seiner Witwe hinterlassen, weil das System den später Heiliggesprochenen als profan vom innersten Heiligtum ausschloß. Wer aber damaliges G. St. W. über den 7jährigen Krieg mit heutiger Neubearbeitung vergleicht, findet letztere geistig belangloser. Militarismus als Sammelname für allerlei Übel blühte zwar anderswo nicht minder üppig, gelegentlich auch brutaler, doch das Besondere lag echtdeutsch am Professoralen, das den Rekrutendriller »Erzieher der Nation« titulierte. Obwohl das alte Offizierkorps mit allen Ehren unterging, haben Armee und Staat das Staatsexamen der Reife nicht bestanden. Aber darf man vom Volk Besseres sagen, von diesem Freistaat, der erst recht ein verluderter Obrigkeitsstaat wurde, gemäß dem sächsischen Königswort: »Macht Euren Dreck alleene!« Überall wird mit schmutzigem Wasser gekocht, nur die Kochlöffel wechseln. Nur die freche Doppellüge »die Menschen sind gut«, »die Menschen sind gleich« schwätzt in einer Welt der Bosheit und Ungleichheit von Ewigem Frieden, als ob roher Wirtschaftskrieg Aller gegen Alle diesen Namen verdiente. Der Weltkrieg begrub sogar die Kriegskunst, was hilft Genie gegen Fliegerbomben, mit Pestbazillen geladen, selbst England zittert vor »verbündeten« Geistern, die es rief. Das ist der Triumph des Satans Materialismus, der mit feiger Tücke die Erde verseucht ... bis sie vor Ekel erbebt und alle verschlingt.     Kein eiserner Kanzler konnte uns noch helfen, auch kein eiserner Hindenburg, der zuletzt nur tönerne Füße hatte. Helfen kann uns nur Gott und Er tat es schon, obschon Kurzsichtige es nicht erkennen. Das furchtbare Gewitter, die Ausgießung der sechsten Schale, hat die Atmosphäre geklärt. Sonnenblitze der Wahrheit über Sumpflachen des Scheines sieht das blinde Menschenauge nur, wenn sie sich verfangen im Brennspiegel furchtbaren Erlebens. Schicksalsfügung ohne natürliche Kausalität gibt es nicht. Determiniertheit alles Geschehens beruht nie auf Willkür, die unerforschlichen Mächte haben in solchem Sinne selber nicht Willensfreiheit, sie handeln nach »göttlicher Notwendigkeit« mit »wunderbarer Gerechtigkeit« (Leonardo). Mehr noch als die sozialen machten die seelischen Gebrechen des merkantil-byzanthinisch verdummten und versumpften Neudeutschland die Wilhelminische Ära zum Falle reif. Die Eulenburgische Gardekavallerie ritt nach Jena und das alte System trat den Eilmarsch nach Tilsit an, begossen wie ein Pudel mit Versailler Jauche, gedemütigter als je der Korse es für anständig hielt. Das beispiellose Heldentum des Weltkriegs stammte aus verborgenen Zellen unseres Volkskörpers, überraschte aber jeden Betrachter neudeutscher Umwelt, weil es so grell von seichter Verflachung des bürgerlichen Kommerzlebens abstach. Nirgends zeigte der atheistisch-amoralische Materialismus des europäischen Zeitgeistes sich so unangenehm aufdringlich, schäbig und roh wie im technikberauschten Germanien. Häckel und Nietzsche standen Gevatter bei einer seelischen Mißgeburt, die als Wille zur Macht nur noch das Sinnlich-Handgreifliche anerkannte. Umwertung aller Werte lief nur auf Entwertung aller geistigen Güter hinaus. Alle, die dem alten System als Schutz nahrhafter Geschaftlhuberei Tränen nachweinen, sofern sie nicht als geschädigte Interessenten jede »fluchwürdige« Neuerung verdammen, ahnen nicht, daß alle Übel der Gegenwart nur logische Fortsetzung, das Neue nur eine andere Form des Alten in unkorrigierter und wenig verbesserter Auflage. Kleinlich schmutzige Selbstgier, kalte Philisterei und Streberei in anderem Gewande, professorale Schulmeisterei nur mit anderer Marschroute stumpfsinnig einhertrottenden Drills, der höchst Ungeistiges für geistige Arbeit ausgibt, als ob Europa nicht eine so eingestellte Kathederkultur ablehnte und lieber mit der Abundantia von Anunzios Schönheitsrausch fürlieb nähme! Wohl blüht im Schlamm noch manche Jugendlilie, doch nur »Reformation an Haupt und Gliedern«, wie Hutten sie hoffte, nur ein neues Geschlecht kann hier als Wiedergeburt eine Neugeburt bringen. Am Niederrhein, meist im 7jährigen Krieg von Franzosen besetzt, stieß jede Gemeinde desertierende Kantonsrekruten aus: so fest und treu hielten diese Rheinlande an ihrem Preußen. Ihr König sprach: »Das Genie von meiner Infanterie ist zu attackieren«, wir aber erweitern getrost: »Das Genie deutscher Infanterie ist, jede andere über den Haufen zu werfen.« Wenn sich heißblütige Süddeutsche oft ohne Abwarten artilleristischer Vorbereitung auf steile buschige, mörderisch feuerspeiende Hügel stürzten und so der Verlust unnötig anschwoll, war der Erfolg zu teuer erkauft? Mit nichten. Was überall den Ausschlag gab, war angeborene soldatische Überlegenheit der Deutschen, d. h. seelische Dynamik statt technischer Mechanik. Den Leutnant kann man uns nicht nachmachen, sagte Bismarck, heute würde er besser sagen: Den »Gemeinen« können sie uns nicht nachmachen. Grimmig fluchten die Poilus, wenn Pressebanditen über Minderwertigkeit deutscher Soldaten orakelten, und murmelten: »Ils sont trop forts«. Die französische Armee war gut, sehr gut, das Rückgrat der Entente, die deutsche besser, viel besser. Französische Fachmänner gewinnen nie den Mut, heimische Unart läppischer Feindesschmähung zu kurieren, doch innerlich weiß ein Foch nur zu wohl, daß Deutschland einen zu harten Bissen für Anbeißen gieriger Wölfe bedeutet. Als der Alte Fritz bei Roßbach im Heldeneifer seinen Musketieren vorausritt, riefen sie: »Aus dem Weg, Vater, daß wir schießen können!« Den Zufallsführern ruft einst die deutsche Nation mit Donnerstimme zu: Aus dem Weg, daß wir schießen! Noch gibt es andere Feuerproben! Ehrentafel deutscher Truppen im Weltkriege Umschau der Schuldlüge Locarnogeist Zukunft Ergänzungen Ehrentafel deutscher Truppen im Weltkriege Wir verzeichnen alle Haupthandlungen, an denen jedes Korps teilnahm, heben besondere Auszeichnung in Sperrsatz hervor. Nebenhandlungen bleiben unberücksichtigt, auch hat man keinen Grund, sich der Tragödie von 1918 besonders zu erinnern. Auf französischen Regimentsfahnen stehen Inschriften napoleonischer Siege, Niederlagen fehlen, nur ein Rgt. trägt die Fahneninschrift »Leipzig«, nur ein paar erinnern an Waterloo. Dies Verschweigen machen wir uns zu eigen, doch kann bis August 1918 überhaupt nicht von deutschen Niederlagen geredet werden. Und kommt darauf an, jeden deutschen Stamm mit den Leistungen vorzuführen, durch die seine Söhne sich ums Vaterland verdient machten. Die alte Korpseinteilung müssen wir innehalten, weil spätere Auflösung in zahllose Divisionen, teilt alter, teils neugebildeter Truppen ins Uferlose ablenken würde. Neue Infanterieregimenter kommen freilich dabei zu kurz, doch Raummangel verbietet vollzählige Aufzählung. Nur möchten wir vermerken, daß 86. Division Wernitz (341–44.) bei Pultusk, 189. D. Sunkel, 89. D. Lüttwitz in Rumänien 192. (361.–64.) bei Verdun sich hervorragend schlugen, ebenso Landsturm der D. Stumpf am Narew, der 84. D. am Nurcew-Yasiolda. Die außerordentliche Tat der 217. D. am Argesch ist Regimenterweise registriert. Ostpreußen: 1. Korps. Gumbinnen, Tannenberg , 1. Masurenschlacht, Bakalarzewo. 1. Division Lowicz, Karpathen, Bugarmee, Czartorysk . Verdun, Karpathen. 2. D. Rominten, 2. Masurenschlacht (Winterschlacht), Narewübergang . 45. I. in Serbien und Dobrudscha, 1. 52. Art. an der Deime usw. 20. K. Tannenberg, 1. Mas. Schl., 1. Schlacht Ivangorod, Lodz , Mlava, Narew- Ostrolenka (146., 148., 152. I. in Rumänien). 1. Kav. Div. Ostpreußen, Kurland, Leibhus. Brigade März 1916 bei Wileiki. Westpreußen: 17. K. Gumbinnen , Tannenberg 1. Mas. Schl., Warschau, Lodz, Prasnycz-Pultusk Ostrow, Teile hervorragend bei Bothmer 1916/17. (21. I. Dobrudscha). 18. Pioniere Roye . Art. Warschau, Prasnycz. Landwehr und Reserve von Ost- und Westpreußen: Tannenberg, Lowitz. 2. Mas. Schl., Kurland . 1. Ostp. Res. K. Oktober 1916 bei Bothmer, 115. Westpr. Landsturm am Argesch , 1. Ostpr., Ersatz: Quatrecht in Belgien, später Champagne. Pommern: 2. K. Cambrai, Amiens, Ourcq, Aisne. 4. D. Crapaumesnil-Roye 3. D. Wytschaete . – Lodz 3. D. Prasnycz-Rozan 4. D. Karpathen, Bugarmee . Herbst Schl. Champagne , Verdun (2. 9. 34. 49.) 2. I. in Rumänien, 45. R. D. Ypern , Somme 3. R. D. Ostpreußen, Lovicz, 2. Mas. Schl. – Ers. Brig. Nancy. – 2. P. Wytschaete , Kav. Amiens, Marneschl. Brandenburger: 3. K. Mons , Vailly, Soissons . 5. D. Tracy le Val. Herbstschlacht Champagne, Verdun . 6. D. Serbien. Verdun 5. D. Somme , Mai 1918. 35er in 56. D. Champagne , Verdun, Somme. – Kav. Belgien, Hollebeke. 3. R. K. Antwerpen, Yser, Ypern . Lovicz 6. R. D. Kurland , 1917 Verdun . 5. R. D. Yasiolda, Baranowitschi , 64. R. Iwangorod Augustyno, Prasnycz . 22. R. K. Yser, Ypern, Lemberg, Krasnostaw, Brest, Serbien, Verdun , teilweise 1916 bei Linsingen. 267. R. in 41. R. K., Landwehr im Osten, besonders Naroczschlacht, im Westen Varneton 1914, Ers. Brig. Nancy, Yser . Elbsachsen: 4. K. Cateau , Ourcq, Aisne. Arras 1914/15 Somme. Art. Ourcq, Arras . Kav. Belgien. 4. R. K. Ourcq, Aisne . 7. R. D. Verdun, Somme, 1918 St. Quentin (66. R.) 4. R. Jg. Aisne, Prasnycz. (26. R. bei Yser-Ypern im 3. R. K.) 50. R. D. Lodz, Lovicz , Bsura, Pultusk, Warschau , Nurcew. Somme , Cambrai, 1918 Ancre. 232. R. hervorragend in 107. D. Bugarmee , Märzschlacht 1916, Stochod 1918, Ancre. 27. R. Narew, 26. R. Rumänien, 93. R. Iwangorod, Prasnycz . Ers. Brig. Antwerpen, Yser . L. W. Etain, Priesterwald, Argonnen sehr brav. Ers. Rgt. Magdeburg Ypern , L. Sturm Brig. Belgien . Posener: 5. K. Longwy, Maashöhen , 1917 Winterberg. (37. bei 5. R. K.) 119. D. Dunajec, Lemberg , bei Bothmer 1916 Thumacz (58. Inf.). – Art.  Longwy . (5. K. auch 1918 an der Marne). 35 R. K. Longwy. 9. R. D. Ypern, Verdun , 1917 Flandern , 3. L. W. D. Tarnowka, 2. Schlacht Iwangorod , Baranowitschi, 7. 37. L. W. Kurland, 1916 bei Linsingen. Schlesier: 6. K. Longwy, Argonnen, Arras-Loos, Somme-Loos , Teile bei Ypern (5. 6. Jg. Argonnen). – Kav. Dinant, St. Quentin. Art. Longwy, Loos (bes. 42. Schweidnitz.) 6. R. K. Longwy, Longuyen, Argonnen, Verdun, Flandernschlacht (dabei 22. 156. I., hervorragend 6. R. Jg. Verdun). – 41. R. K. Dunajec, San, Lemberg, Bugarmee: Pinsk, Oginskikanal . – 49. R. D. Lyck Lodz . Bsura Warschau Nurcew. 227. R. sehr brav in 107. D. – 4. L. W. D. Tarnowka, Warschau, 2. Schl. Iwangorod, Baranowitschi . Brig. Pfeil Georgiewsk , 22. L. W. Argesch . Westfalen: 7. K. Lüttich, Charleroi, St. Quentin Montmirail (nur 26. Brig.), Gond (14. D.) Reims, Neuve Chapelle, Loos , Verdun 1917, Aisne, Cambrai 1918, Moroeul. – 50. D. Champagne, Verdun , 1917 Aisne , 7. Jg. Belgien, Argesch . Art. Montmirail, Somme. 14. R. Art. Craonne. 7. R. K. Maubeuge, Craonne, Verdun . – 15. 55. R. in 10. R. K. Gault, Reims usw. 47. R. D. Limanowa, Dunajec, San, Lublin, Stochod . – L. W. Champagne, Aisne, Somme. Rheinländer: 8. K. Sedan, Vitry, Souain. 16. D. Elsaß, Winterschlacht Champagne, Arras, Somme , Cambrai (8. Jg. bei 15. K.). – Art. Sedan, Marnekanal, 24. P. großartig Yser-Ypern. 8. R. K. Sedan, Marnekanal, Winter- und Herbstschlacht Champagne , 15. R. D. hervorragend 1917 bei Bothmer . 8. R. Jg. im Elsaß, 236. 237. R. Ypern. – L. W. Nancy, Verdun . – Ers. Brig. brav in Lothringen. Holsteiner: 9. K. 18. D. Mons , Aisne, Carlepont, Tracy, Tout Vent, Somme , Arras 1917. Flandern. – Art. Mons, Aisne, Somme. 9. Jg. Pontoise, Argesch . Hanseaten: 9. K. 17. D. Mons, Esterney (Marneschlacht), Aisne, Somme, Flandern, Cambrai . Mecklenburg: 9. K. 17. D. Lüttich, Mons, Esternay , Carlepont, Somme, Cambrai Elsaß 14. Jg. Rotenturmpaß . 14. R. Jg. – 45. Art. Esternay, Aisne. Zusammen: 9. R. K. Tirlemont, Löwen, Noyon , Tout Vent, Somme usw. Ers. Rg. Flensburg Ypern 213. 214. R. Ypern , 76. R. D. Rumänien. L. W. Lyck , Teile bei Lille. – Mecklenb. Dragoner Belgien, Necy , Marneschl., Aisne, 18. R. Jg. Rendsburg vernichtet bei Ypern durch Explosion. Hannoveraner: 10. K. Lüttich, Charleroi, St. Quentin, Marneschlacht , Reims, Wislock, San, Lemberg, Wiprz, Champagne Herbstschlacht , 1916 Stochod , Teile bei Vaastwald (73.), Cambrai 1917, 10. Jg. bei Lys, Kruisecke, Rotenturmpaß , 23. Goslar R. Jg. Poel (Ypern). – Kav. Belgien, Montmirail. 17. Hus. Wislock. 10. R. K. Charleroi, St. Quentin, Charleville (74. R., 10. R. Jg. Marneschlacht), Reims , Winterschlacht Champagne (37. 39. Brig.) Elsaß (19. D.) Verdun , Cambrai. 215. 216. R. Ypern , Ers. Rgt. Hameln Ypern, L. W. Antwerpen, Yser, Ypern, Lys. – Hannov. Art. hervorragend in Champagne-Herbstschl. Thüringen: 11. K. 1. Masuren Schl., Iwangorod, Lodz . 22. D. San , Lemberg, Wprz bis Pripet, bis 1917 Stochod . 38. D. Prasnycz-Pultusk, Pulva, Verdun , Teile in Serbien und an der Somme (32.). 22. R. D. Ourcq, Aisne, Verdun , Cambrai. 233. R. Ypern, 224. R., Weimar Champagne, Bsura, ganz hervorragend bei Bothmer in 48. R. D . Hessen: 18. K. Neuve Chateau, Motran, Mouzon, Marnekanal, Servon , Reims, Roye , Parvillers, 25. D. Armentieres, Serbien– Verdun , 1918 Offensive im Sommebogen. 11. Marburger Jg. Sommepuis, Richebourg ganz hervorragend, ebenso 11. R. Jg. bei 22. R. D. Verdun . 88. 118. I. in 56. D. Champagne . Kavallerie Brandeville, Ornain, La Bassée, Kruisecke, Morslede . Wilna 14. Husaren Wileiki . – 25. Pioniere großartig Yser-Ypern . 18. R. K. Neuve Chateau, Tremblois, Mousson, Servon . 21. R. D. Champagne , 25. R. D. Wytschaete , Beskiden, Lemberg usw. 36. R. D. Kutno, Lovicz, Bsura, Kurland. 234. Ypern, 221.–23. R. Lodz, Bsura, Karpathen, Strypa, Dnjestr . Landwehr Vitry , Elsaß, Champagne, Verdun . – Hess. Art. hervorragend mit großem Verlust bei Verdun. Sachsen: 12. K. Dinant , Rethel, Marneschlacht , Auberive, Aisne, Craonne, Somme . 8. Kav. D. Ostpreußen, Kurland. 18. Hus. Rumänien. Art. gut bei Dinant, Craonne. 19. K. Vitry, Souain-Sommepy, Lille Somme (105. hervorragend in 15. K.) 22. Pioniere stark beteiligt Ypern, Somme (»Leipziger Schanze«). Art. mit besonderem Verlust bei Vitry, Souain-Sommepy, trefflich bei Lille. 12. R. K. Marneschlacht, Moronvillers-Souplet, Winter- und Herbstschlacht Champagne, Somme, Flandernschlacht 1917, ganz hervorragend 24. R. D. bei Bothmer . L. W. Moronvillers, Inowlodz, Prasnycz, Gergiewsk , Warschau. 53. R. D. Ypern . (241.–44. R. sehr brav, 25., 26. R. Jg. besonders). 33. R. Art. dort aufopfernd brav, wie 23. 24. R. Art. bei Souain-Sommepy, Champagneschlacht. Württemberger: 13. K. Longwy-Longuyon, Maas, Argonnenschlacht, Binarville . 27. D. Argonnen , 26. D. Lille, Messines, Lowitsch , Bsura, Prasnycz-Rozan , Gaworowo. Serbien. – 13. K. 1916 Ypern, Somme , 1917 Rincourt-Bullecourt Flandernschlacht 1918 Ancre, Sommebogen. Art. mit ungewöhnlichem Verlust an der Maas, Binarville. 49. Art. hervorragend Argonnen, Flandernschlacht. Kav. (Ulanen) Longwy, Ognoles, (Dragoner) Kurland. 126. I. hervorragend in 15. K. Ypern, Verdun . 26. R. D. St. Dié . Tiepval, Somme (119. 120. R., 180. I.) 122. R. in Serbien. 1917 Bullecourt, Flandernschlacht . – 54. R. D. Ypern, Somme, Flandernschlacht (246.–48. mit großem Verlust). L. W. Elsaß, Etain , Argonnen, Verdun . Ers. Bataillone in Lothringen sehr brav. Badenser: 14. K. Mühlhausen , Baccarat, Nassoncourt, La Bassée, Lorette, Loos 1917. Aisneschlacht 1918. Mont Didier . 142. nach Ypern. 28. R. D. Donon , Tiepval, Somme (109., 110. 40. R.) 52. R. D. Ypern hervorragend, ebenso 75. R. D. bei Eichhorn im Osten, Naroczschlacht . – L. W. sehr brav im Elsaß . Ers. Bat. bei Mihiel, Priesterwald, 28. Ers. Rgt. Verdun . Elsaß: 15. K. Mühlhausen , St. Remy- Vogesen, Craonne, Ypern , Verdun, Somme. – L. W. u. Res. Woevre, Verdun (99. L. W. 99. R. Zabern mit großen Opfern). 19. Straßb. Pioniere stark bei Ypern, 136. I. vernichtet im Heldenkampf bei Arras . Lothringen: 16. K. Longwy, Spincourt, Ippecourt-Fleury, Argonnen , Verdun 1918 sehr schneidig. Elsaß-Lothringer: 21. K. Dieuze, Luneville Magnieres , Oisetal, Chavatte. Winterschlacht in Masurien , vor Kowno, 1916 Märzschlacht . – L. W. und R. Etain, Woevre, Verdun , dazu Metz Brig. der 33. R. D., siehe unter Bayern. Metzer Drag. bei Kutno, Straßb. Hus. Warneton, Douvegrund, Pion. 16. 21. K. stark in Argonnen und vor Toul. Alpenkorps: Verdun, Rumänien , 1918 Kemmel . Garde: Charleroi, St. Quentin, Marneschlacht , Reims, Arras, Ypern, Champagne, Dunajec, San, Lemberg, Krasnosdaw, Arras-Loos, Somme (5. G. D. Thiepval-Contalmaison , 1. 2. Sommebogen). 1. 5. G. D, 1918 St. Quentin-Montdidier , 2. G. D. vor Amiens. 3. G. D. Namur. 1. Mas. Schl. Iwangorod. Lodz, Karpathen, Strypa, Dnjestr . (Füsilier, Lehr Rgt.) 1917 Cambrai. Kavallerie: St. Quentin, Marneschlacht, La Bassée, Messines . Wprz, Pripet, 1916 bei Linsingen. Jäger: Morin, Ville à Bois, La Bassée , Warneton, später Elsaß, Prasnycz. Schützen: bei Bothmer, – Art. besonders Charleroi, Marneschlacht, Arras, San, Somme. Garde-Reservekorps , ursprünglich mit 3. G. D. Namur, 1. Mas. Schl. Iwangorod . Dann Augustyno , Bsura, Prasnycz, Pultusk , Nurzev-Bug, 1917. Cambrai, Flandernschlacht. – 5. G., 3. G. Gr. Februar 1915 bei Eichhorn, 1. 5. G. in Kurland, sonst als 3. G. D. bei Prasnycz-Rozan , Gaworowo. – G. L. W. trat sehr selten auf, anscheinend 1915 bei Gallwitz. Bayern: 1. K. Lothringerschlacht , Saarburg-Charmes. Im Westen Curlu, Fay, Bray, bei Arras. Verdun, Somme (Sailly), 1917 Aisne, 1918 Avre bei Hutier, besonders 2. D. Moreuil, 1. Jg. Ypern, Arras, Verdun, Rumänien . 2. K. Lothringerschlacht Mörchingen-Mortagne. Im Westen Mericourt. Ypern, Lys, Loos, Somme , Teile in Rumänien, 1917 Flandernschlacht. – Metzer Brig. Etain, Nancy, Combres (Maashöhen), Verdun. 2. Jäger Lagarde, Ypern, Verdun . 3. D. noch 1918 stark im Avre-Matztal. 3. K. Lothringerschlacht, Maix-Nancy. Mihiel , Bois Brulé, Ailly, Apremont 5. D. Herbstschl. Champagne-Somme , 1917 Flandern. 3. Pion. Rgt. litt sehr in Sommeschlacht. 1. R. K. (1. 5. R. D.) Lothringerschlacht , Liedersingen-St. Johann, Montagne, Douai, Arras (1., 2., 3. Schlacht) Somme , 1917 Arras, 1918 Lysschlacht. 3., 4., 6. R. Brig. Vogesen , Maashöhen, 1. R. Jg. Arras, Argesch . – 6. R. D. Ypern, Fromelles , Somme, Flandernschlacht 1918 April, Mai, August hervorragend. Kav. D. Hazebrook, Comines, Houthem, Cruisecke, Kurland, Wilna . Ulanen-Brig. Lagarde . 5. 6. Cheveauxlegers in Rumänien . Aus diesen 6 aktiven, 6. R. D. wurden unter Beigabe von 24.–32. Inf. noch gebildet: 8. R. D. Elsaß, Lemberg, Somme, Waldkarpathen , Flandernschlacht 1918, Armentieres, Kemmel , zuletzt an der Vesle (19. 22. 23. R., in Rumänien 18. R. bei Alpenk.). 9. R. D. Aisne, Flandernschl. 1918, Amiens. – 30. 39. Ers. D. (teils Res., teils Ers.) Elsaß , Verdun, Aisne 1917, Champagne 1918. – 14. D. aus der Metzer Brig. Verdun, 10. D. Somme (vernichtet), 12. D. Karpathen, Rumänien . – Die berühmte 11. D. Dunajec, Przmysl, Lemberg, Bugarmee, Verdun, Stochod, Rumänien 1917, Aisne, Flandernschlacht 1918 Ceouvres-Cotterets (vernichtet). – L. W. Elsaß, Vogesen , Argonnen. Auslese des Außerordentlichsten in unablässigem Fechten und stets schwerem Verlust: obenan Garde, dann 11. b. D., 22. R. K., 21. K. Die unscheinbare 217. D. machte sich am Argesch unsterblich, das Alpenkorps übertraf im Gebiet des Gebirgskriegs noch die vormals unerreichte Leistung der Div. Lecourbe am Gotthard. Auch die Haltung der 47. R. D. bei Limanowa, noch mehr die der 48. R. D. bei Bothmer war ersten Ranges, auch der 75. R. D. am Narew, Narvcz, vor allem der 4. L. W. D. von Tarnowka bis Baronowitschi. Ferner stehen mit besonderen Taten an der Spitze 1. D. Tannenberg, Karpathen, Teratyn, Stochod. 2. D. Narewübergang. 5. D. Verdun, Somme. 6. R. D. Yser, Kurland, 1917 vernichtet Verdun. 8. D. Arras. 7. R. D. Ourcq. 22. R. D. Verdun. 9. R. D. Vaux. 12. D. Longwy, Somme. 11., 12. R. D. Longwy, Verdun, Flandernschlacht. 13. D. Neuve Chapelle. 14. Reims. 15., 16. R. D. Champagne. 17. D. Marneschlacht, 19. D. Charleroi, Marneschlacht. 22. D. Stochod. 22. R. D. Verdun. 24. D. Vitry, Somme. 24. R. D. Champagne, Somme, 1917 bei Bothmer. 25. D. Verdun. 25. R. D. Beskidenk. 26. D. überall. 27. D. Argonnen, Somme. 26. R. D. Somme. 28. D. Lorette. 30. D. Ypern. 51., 52., 53., 54. R. D. Ypern. 1., 2. bayer. D. Verdun. 1., 5. bayer. R. D. Arras. Auch 3., 4., 5., 6. b. D., 6., 8. b. R. D., alle 1918 sehr tapfer, verdient Hervorhebung. Man könnte noch Auslese unter den Regimentern halten, die wie 136. bei Carency in kurzem, wie 93. bei Neuville in langem Heldenkampf zu Grunde gingen. Am höchsten müßte man eine Einheit stellen wie 13. R. Ingolstadt, die von Arras bis Przmysl, vom Bug zur Moldava, vom Toten Mann bis zur rumänischen Grenzpässen stets schwersten Blutzoll zahlte, mit immer neuen Rekruten immer neu Großes leistete. Übrigens verlor 57. westf. Rgt. im Weltkrieg 5300 Tote, größter Einzelverlust. Einzelne Regimenter, die sich auch sonst auszeichneten, hatten besondere Ehrentage wie 13., 16. bei Neuve Chapelle, 20., 24. bei Douaumont; 81., 87. bei Beaumont, Courrièreswald; 91. Oldenburg, 92. Braunschweig an verschiedenen Stellen; 202., 208. R. Dixmuiden; 215., 216. Mangelaere-Het Sas; 238., 239. R. Zonnebeeke. Einige, wie 164. Hameln hatten nur zweimal Gelegenheit (Mondemont, Aquilcourt) sich hervorzutun, andere waren fast stets an Brennpunkten wie die Garde, deren 1. G. Rgt. bei Charleroi, Ypern, Arras, 1. Champagneschlacht, Lemberg, Krasnostaw, Somme 1918 stets voran focht. Als Heldentat ersten Ranges müssen Lorettokampf von 109., 110. I., Thiepwal-Verteidigung durch 119., 120. R., 180. I. gewertet werden, ebenso Festhalten von 30., 65., 69., 104., 107. R. beim letzten Russensturm gegen Bothmer 1917, überhaupt können 8., 12. R. K. nicht hoch genug gerühmt werden. Gardefüsiliere und Lehr-Rgt. erwarben besonderen Ruhm bei Lodz, Doppel-Zwinin und an der Strypa, Schulter an Schulter mit ihnen leisteten aber das Gleiche bei Lodz junge Rgt. des 25. R. K. und später vor allem 224. R., auch dürfen 104. I. im Sept. 1914, 158. Paderborn in der Champagne-Herbstschlacht nicht übergangen werden. Hier aber ist zu wenig bekannt die heroische Hingebung 4 neu formierter, meist sächs. Rgt., die sich dem Zentrumsdurchbruch entgegenwarfen und in unerhörtem Schnellfeuer bis zur letzten Patrone ganze feindliche Massen vernichteten, selbst aber viel mehr litten als jeder andere deutsche Teil in dieser Herbstschlacht. Da man die wackere Haltung des auch sonst im Feldzug opfermutigen 74. R., das in der Winterschlacht die Durchbruchlücke zuerst schloß, genug rühmte, bedarf die weit größere Leistung dieser jungen Truppen erst recht der Hervorhebung. Nennen wir noch Rostocker Füs. bei Esternay, Schweriner Gren. bei Barleux, 126. bei Ypern, Verdun. 120. bei Guillemont und die ganze 24. R. D. in der Sommeschlacht, wo alle deutschen Stämme in Heldenmut wetteiferten, so glauben wir nichts Außergewöhnliches vergessen zu haben. In der Flandernschlacht war geradezu großartig der Gegenstoß der 1. G. D. und anderer Teile (heroische Sachsen in Messines) nach der riesige Kraterentladung, über welche die Briten siegessicher hereinstürmten. Deutschland kapitulierte, nicht das Heer, ihm wollen wir den unbefleckten Ehrenschild entgegenhalten. Sagte York von Horn, daß neben ihn »Bogard nur ein Lump« sei, rief Hümerbein bei Möckern, die Preußen überträfen alle Helden des Altertums, so waren nicht nur Spartaner und Römer, sondern friderizianische und napoleonische Krieger nur Waisenknaben im Vergleich zu unzähligen Deutschen des Weltkrieges. Umschau der Schuldlüge Das deutsche amtliche Sammelwerk »zum Kriegsausbruch« bietet ein Beispiel pedantischer Gründlichkeit am falschen Platz, denn ohne gleichzeitig Seite für Seite erläuternden Kommentar setzt es scharfsinnige Leser voraus, die sich selber einen Vers machen, ermöglicht dagegen Böswilligen sich herauszupicken, was aus dem Zusammenhang gerissen vom Feind verwendet werden könnte. Genügend für Kautsky, dem Ausland willkommene Entstellung zu unterbreiten. Wenn er später erklärte, er habe deutschen Kriegswillen den Akten nicht entnehmen können, so war seine vorherige Gehässigkeit doppelt zweideutig, die damalige Regierung tadelnswert, ihm Einsicht zu gestatten. Graf Montgelas' Abfertigung dieses sozialdemokratischen Großinquisitors entbehrt in kühler Abtönung der nötigen Wucht, Bülows damit verknüpfte lobenswerte Abhandlung »Grundlinien« geht zu weit in scharfer Kritik »kopfloser« deutscher Maßnahmen, als habe man sich blindlings von den Ereignissen forttreiben lassen. Schon am 23. Juli urteilte Jagow sehr vernünftig; am 26. schreibt Tschirschky: »Österreicher bleiben Österreicher, Hochmut mit Leichtsinn gepaart«, am 29. spricht Bethmann selber vernichtend über Wiener Diplomatie. Schätzte man sie aber so richtig ein, warum steifte man ihr anfangs den Nacken? Um nicht den Bundesgenossen zu reizen, dessen Verläßlichkeit man geschichtlich so genau kannte, daß sogar der Dank vom Hause Österreich zu befürchten stand, es werde sich der Entente unterwerfen, wenn man ihm nicht den Willen tat! Hochkomisch versicherte damals Harden, der neue kerndeutsche Thronfolger Karl sei uns vorteilhafter als der slavophile Ermordete. Ach! der Knabe Karl mit erzfranzösischer Verwandtschaft fing bald an fürchterlich zu werden; nachdem die Nibelungentreue für österreichische Interessen mißbraucht wurde, wollte man uns in der Patsche stecken lassen, obschon Österreich allein für formale Kriegsursache sorgte. Wer das Ultimatum an Serbien las, sagte sich, Wien wolle Krieg; als Serbien wider Erwarten das kurzbefristete Ansinnen fast ganz annahm, blieb Wien beim Losschlagen unter allen Umständen. Mit üblicher Schlamperei verzögerte man aber die Militäroperation gegen Serbien, die vielleicht als Druckmittel anfangs noch gewirkt hätte. Berlin leugnete, das Ultimatum gekannt zu haben, aus einer Stelle der Akten erhellt aber, daß man es 12 Stunden vor Überweisung kannte. Da ließ sich nichts mehr ändern, auch empfahl ja Berlin vorher selbst scharfe Tonart. Daraus Mitschuld konstruieren geht aber nicht an, da Berlin den Fall durch die serbische Annahme für »brillant erledigt« hielt. Von da ab bremste man ununterbrochen und wehrte sich umsonst gegen ungewünschte Gewaltschritte. Übrigens verweist Montgelas treffend auf alle späteren Ultimaten und Diktate der Entente gegen das wehrlose Deutschland; man hat uns seither an viel giftigere Kost gewöhnt! Der türkische Botschafter in Rom wagte zu depeschieren: »Deutschland will absolut den Krieg«, denn Frankreich verbreitete dies Märchen besonders nach Italien; keinerlei Anlaß liegt für die Verleumdung vor, daß man heimlich tat, was man öffentlich nach Kräften ableugnete. Nur böswillige Verblendung verkennt, daß Berlin bis zuletzt alles Denkbare versuchte, den Konflikt zu lokalisieren, nur in die Falle des Greyschen Konferenzvorschlags ging man nicht, der nur zur Demütigung geführt hätte. Für Wiens Leichtsinn, im Vertrauen auf den großen Bruder das Äußerste zu wagen, blieb bestimmend, daß innere Reibung keine äußere Blamage riskieren durfte und der Serajewomord die allgemeine Volksstimmung so günstig für den Krieg einstellte, wie dies nie zum zweiten Male geschehen konnte. Auch vergesse man nicht, daß die Provokation durch den Fürstenmord um so ärger wurmte, als die Entente und Italien mit unerhörter Gelassenheit darüber weggingen, als handle es sich um beliebigen Grenzkonflikt. Mit üblicher Heuchelei mißdeutete man den gerechten Zorn, Österreich wolle ein wehrloses Völkchen vergewaltigen, während Serbien auf Tod und Leben rüstete und ihm schon 1909 mit russischem Einverständnis baldiger Weltkrieg als nationales Ziel vorschwebte. Nach dem Grundsatz »lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende« handelte Österreich von seinem Standpunkt aus richtig, Rücksicht auf den Bundesgenossen, den man in die eigene Schlinge hineinzog, darf man von solchen Leuten nie erwarten. Entsprach so brennendem Wunsch der Kraftprobe nur blinde Friedenssucht in Berlin? Wilhelm II. dynastisches Gefühl begriff anfangs nicht die Gleichgültigkeit anderer Monarchen bezüglich des Fürstenmords, doch bald genug erkannte er, daß man ihm »Österreichs Dummheit und Ungeschicklichkeit zum Fallstrick mache«, den Esel Deutschland meine, wenn man auf den Sack Österreichs drosch. Warum hebt man seine hitzigen Marginalglossen hervor statt seiner Aufzeichnungen besonders vom 29., 30. Juli, wonach er das Ränkespiel klar durchschaute! Alle Akten liefern den Beweis, daß England und Frankreich nie, wie sie versprachen, in Petersburg mäßigten, sondern vielmehr aufreizten. Unterstand sich doch Poincarè in Kronstadt wider jedes Herkommen, den österreichischen Botschafter zu brüskieren! Sobald Rußlands Kriegswille sich abzeichnete, versicherte er unbedingte Gefolgschaft. England hätte mit einem Wort, daß es diese Absicht mißbillige und neutral bleibe, den Kriegseifer gedämpft. Grey tat das Gegenteil, ermutigte durch starke Winke, konnte gar nicht anders, weil er das dreimal von ihm geleugnete Abkommen in der Tasche hatte. Daß Belgien sich loyal benahm, gehört zu den falschen Zugeständnissen von Montgelas; angesichts der in Brüssel gefundenen Dokumente wirken König Alberts biedere Depeschen an den Kaiser nur peinlich, zumal er und sein Kriegsminister gegen den übrigen Ministerrat das bescheidene freundliche Durchzugsultimatum verwarfen. Spaßhafterweise schwatzte die Entente von unerwartetem Überfall, während schon 1911 Delaissys bekannte Broschüre die belgischen Schlachtfelder des »künftigen Krieges« beleuchtete und durch Bernhardis Indiskretion alle Welt den Schlieffenplan kannte. Lauerndes Übelwollen griff Bethmanns Wendung »es ist ein Unrecht« heraus, doch im Zusammenhang wirkt dies keineswegs als Geständnis, obschon es besser unterblieben wäre. Montgelas' Behauptung, Belgiens Niederwerfung sei militärisch nicht notwendig gewesen, zeugt nur von Unverständnis; es war die einzige Möglichkeit zu raschem Siege und Belgiens Besitz als Basis von unschätzbarem Wert. Doch wäre dem nicht so, wie durfte man gestatten, daß es zur Ausfallpforte der Entente wurde, was nachweislich geschehen wäre! Wenn Lichnowsky mit Recht davor warnte, uns nicht zum leidenden statt leitenden Partner Österreichs zu machen, so stimmt um so trauriger seine schon früh in Berlin erkannte Einwicklung durch Grey! Seine eigenen Berichte verdammen ihn, kein Vernünftiger konnte zweifeln, was Greys »Aufrichtigkeit« im Schilde führte. Wer soll nicht lachen, wenn der Botschafter von geringer Bedeutung des Weltintriganten Nicholsen schwatzt und sich mit dessen Schüler Tyrell, dem ärgsten Kriegshetzer und Deutschenfresser, freundschaftlich beredet! Der gleichfalls vertrauensselige Schoen kann wenigstens keinerlei freundliche Äußerungen der französischen Regierung mitteilen, wo Viviani sich absichtlich unsichtbar machte und Strohmänner als Stellvertreter vorschob, die aber auch nicht so unredlich säuselten wie ihre englischen Kollegen. Greys Katzenspiel mit dem Mäuschen Lichnowsky, durch nichts zu beschönigen, geißelte Shaw gebührend. Kommt etwas darauf an, ob Rußland sein Prestige in Serbien wahren mußte? Ursprünglich erklärte es sich ja mit Strafexpedition nach Belgrad einverstanden, dann steigerte es plötzlich Tag für Tag seine Ansprüche unter englischer Ermutigung. Es mobilisierte »gegen Österreich«, das nur 8 Korps unter Waffen hielt, am 29. Juli schon 16, dabei 5 im Bezirk Warschau. Auch dies nur offizielle Verschleierung, denn schon am 23. begann Geheimmobilisierung von 2 Millionen Mann, am 24. war Krieg beschlossen unter Zusicherung, daß England die deutsche Küste blockieren werde. Sasanows verschiedene Ehrenwörter, er denke nicht an Vorgehen gegen Deutschland, haben den gleichen Wert wie seine Versicherung, Mobilmachung im Kaukasus sei »ausgeschlossen«, tatsächlich fochten bald alle kaukasisch-turkestanischen Korps, die sibirischen schon im August. Mißt man die riesigen Entfernungen, so weiß man damit genug. Zweimal heuchelte Sasonow, Mobilisierung bedeute noch nicht Krieg, doch beim Militärvertrag 1892 stellte Boisdeffre fest: »Mobilisierung ist Krieg«. Unser Botschafter und Militärattaché in Petersburg ließen sich nie wirklich täuschen, Generalkonsulat Warschau sandte rechtzeitig Berichte, doch den vollen Umfang russischer Vorbereitung verheimlichte man ihm. Nichtsdestoweniger finden wir ein Schwanken, ob man Kampf gegen Deutschland wagen solle, auch mit Rücksicht auf Petersburger Unruhen. Irrig faßt man den Zaren als bloßen Schwächling, Depeschenwechsel mit Wilhelm II. als bloße Falschheit auf, vielmehr wollte er in letzter Stunde Vollmobilisierung widerrufen. Poincarés Empfang war auffallend kühl, Paleologues und Buchanans Umtriebe wären fruchtlos geblieben, wenn nicht die öffentliche Meinung breiter Schichten sie unterstützte. Soweit man von Nation in Rußland reden kann, machte sie den Krieg, panslavistischer Haß gegen alles Deutsche hätte sich eines Tages doch entladen, ob der Zar wollte oder nicht. In Frankreich arbeiteten Regierung und ein Hauptteil der Nation Hand in Hand, in England freilich trieb im Verein mit einflußreichen Jingokreisen nur die Regierung zum Krieg. Abschließender Beweis wie auch in Amerika, daß in parlamentarischen Ländern nur die gerade regierende Exekutive den Ausschlag gibt. Zwei Aufsätze bekannter Staatsmänner im »Daily Chronicle« sprachen der überwiegenden Mehrzahl aus dem Herzen »Neutralität«, hielten aber das Verderben nicht auf. Man mobilisierte die Flotte so früh, daß man England für den ersten Kriegsdroher halten muß. In den Kolonien rüstete es so rasch, daß indische, kanadische, australische Massen schon im Herbst in Frankreich landeten. Unsere Annahme, daß Vorbereitung des Expeditionskorps French lange vor Kriegserklärung begann, wird überraschend bekräftigt: Major Bridge, ein weißer Rabe des Generalstabs, stellt fest, daß Ende Juli die Heimarmee mobilisiert, am 2. August die ganze deutsche Post aus Amerika beschlagnahmt und alle Goldscheine darin amtlich gestohlen wurden, sich aber nirgends eine Silbe über bevorstehenden Krieg darin fand. Zwei Tage vor Kriegserklärung bedeutet das unerhörten Friedensbruch, zugleich sträflichen Leichtsinn Berlins, von wo also keinerlei rechtzeitige Warnung an unsere Handelswelt erging. Was am schlagendsten überzeugt, ist ein Schriftstück vom 4. Februar 1914, worin englische und französische Regierung die Zahlungen ans Expeditionskorps nach Devisenkurs regeln. Brauchen wir weiter Zeugnis, daß geheime Konvention mit Belgien auf bestimmter Voraussetzung einer Ententeinvasion fußte? Das Geschrei über deutsche Neutralitätsverletzung – die England während der Boulangerspannung für illusorisch und deutschen Durchmarsch für berechtigt erklärte – ist also grotesker Schwindel. Weder Belgien noch England waren Anfang 1914 noch neutral, beide durch Abkommen mit Frankreich gebunden; mit tödlicher Sicherheit ließ sich voraus sehen, daß Vermeiden deutschen Durchmarsches nur den Feind dazu eingeladen hätte. Dafür hätte man einfach anderen Vorwand gefunden, auch die Serajewokrise durch eine andere ersetzt, falls der Mord nicht ohnehin absichtlich durch Ententeeinflüsterung herbeigeführt war. Nichts wäscht Grey und seinen Helfershelfern die Vaterschaft des Weltkrieges ab, ohne subjektiv mildernde Umstände französischer Revanche und panslavistischer Tollwut, nur aus kalter imperialistischer Tücke gegen das sprach- und stammverwandteste Volk. Neid, Dünkel, Unwissenheit der Jingos und der amerikanischen Jobber tragen weitaus die schwerste Schuld, sie müßte daher die furchtbarste Vergeltung treffen, zumal sie im Heucheln den Rekord schlugen. Belgiens Mobilisierung ging so flott von statten, daß laut amtlichem Bericht im Juli 200 000 unter Waffen standen; französische Angabe 80 000 ist um so unwahrer, als noch beim letzten Ausfall aus Antwerpen 110 000 angegeben werden. Laut eigener Angabe sammelten sich am 2. August früh 180 000 Franzosen bei Belfort, 45 000 bei Delle, also längst vor Kriegserklärung mobilisiert, während unsere Mobilmachung erst im Anfangskeim stand. Noch mehr: drohende Anstalten an der Elsässer Grenze schon so früh, daß deutsche Touristen am Hoheneck am 14. Juli dichte Truppenmassen unterhalb der Pässe wahrnahmen, deutsche Bahnschaffner bei Avricourt große Zusammenzüge bemerkten, deutsche Jäger schon Ende Juli Kugelgrüße erhielten, als sie eine Grenzkuppe besetzen wollten, während drüben in Lothringen schon alles von Drahtverhauen und Erdaufwürfen starrte. Daß am 15. August 100 000 Afrikaner neben 60 französischen Divisionen aufmarschierten, sagt genug. Kavalleriekorps Sordet streifte im Hennegau, ehe Angriff auf Lüttich begann. Übrigens irrt man auch sehr, daß südfranzösische Korps an der italienischen Grenze verblieben, sie und sogar die 2. Division Alpenjäger fochten früh an der Ostgrenze, Frankreich war also längst über Italiens Bündnisbruch unterrichtet. Im Grunde ist sogar gleichgültig, ob Rußland schon am 25. und Frankreich am 27. offiziell teilweise mobil machte, Rußland seine Vollkriegsbereitschaft vom 29.–31. verheimlichte, Frankreich (das schon am 30. elf Div. an der Grenze hatte) die seine früher als die deutsche veröffentlichte, nachdem es die Berliner Auftragdepesche befristeter Kriegserklärung an Schoen absichtlich verstümmelte – daher die Ententechronologie der Mobilmachungen auf glatter Fälschung beruht. Denn wenn dies alles nicht wahr wäre, was ändert das an der inneren Sachlage! Schon am 29. machte Grey kein Hehl daraus, daß er für die Entente eingreifen werde, wie er dem französischen Botschafter »sehr deutlich« sagte, am 30. »hat das Auslaufen der englischen Flotte Rußlands Kriegsentschluß mehr als bekräftigt« (Reuter-Telegramm). Alle von Grey angebotenen Friedensformeln waren eitel Blendwerk, die Entscheidung längst gefallen durch Rußlands Vollmobilisierung, die man in Paris und London rechtzeitig kannte. Greys feierlich zugesagte Bemühung bezweckte stets nur Zeitgewinn für Ententerüstung, aus der lauen nachlässigen Art erriet man in Petersburg sofort, wie wenig ernst es ihm damit war; er trägt die Hauptverantwortung für das unsägliche Unheil. Daß er schon früh Frankreichs Küstendeckung zusagte, es aber öffentlich verleugnete, war schon schreiender Neutralitätsbruch. Der russische Botschafter Benkendorf (Freund und Vetter Lichnowskys) rühmt Greys Vorsicht, weil er vom Parlament Schwierigkeiten fürchtete, nur deshalb legte er sich etwas Zügel an. Da er Deutschlands strategische Nötigung ebenso kannte wie den eigenen Ententeplan, durch Belgien ins deutsche Industriegebiet einzufallen und es systematisch zu zerstören, so lauerte er nur auf den von langer Hand vorbereiteten Vorwand. Man geht über Verhandlung König Georges mit Prinz Heinrich als »Mißverständnis« weg, doch der überaus freundliche Wortlaut der Depesche, worin der eifrig zum Krieg drängende König seine Friedensbetriebsamkeit bestätigt, liegt vor. Kommentar überflüssig. Frühzeitiger Kriegswunsch des deutschen Generalstabs ist aus den Akten unersichtlich, nur Eisners Böswilligkeit deutete den Bericht des bayerischen Geschäftsträgers vom 18. Juli so. Durch diesen erfährt man freilich unterm 31. den »besten Mut« der Militärs, schon vor Monaten habe Moltke den Zeitpunkt für denkbar günstig zu kriegerischer Abrechnung erklärt. Er legte Nachdruck auf schwere Haubitzen, besseres Gewehr sowie unfertigen Zustand der französischen Armee, ohne zu bedenken, daß nicht Taktik und Bewaffnung, sondern Strategie und moralischer Faktor entscheiden. Letzterer war in Deutschland allerdings sehr stark als Verteidigungskampf für staatliche Existenz, doch zehnmal günstiger wäre Losschlagen 1912 gewesen, ehe Rußlands Riesenrüstung anhob, damals waren Türkei und Bulgarien noch nicht so geschwächt, Rumänien vielleicht noch dreibundtreu, Italiens Neutralität wohl noch zu haben. Ganz richtig wollte Erzherzog Ferdinand damals Präventivkrieg; hätte Wilhelm dies gebilligt, ließ sich des greisen Franz Josef Widerstreben überwinden. Schon damals war die Entente zum Kampf entschlossen, wie Iswolsky 1913 offen aussprach, sie hätte sich unbedacht hineingestürzt, obschon ihre Chancen weit geringer als 1914 waren. Diesen Augenblick des Balkanaufruhrs seit 1911 nicht benutzt zu haben, bleibt schweres Verschulden deutscher Politik; sie beugte sich dem Spießergeschrei, daß der Balkan uns so wenig angehe wie Marrokko. Jedenfalls beweist dies aber wie auch frühere Versäumnisse, daß der Gedanke eines Präventivkriegs deutschen Machthabern fernlag. Wenn Moltke »schon vor Monaten« sich kriegsfreudig äußerte, so war dies akademisch gemeint, ohne irgendwelchen Druck auf die Regierung zu üben, zumal der Kaiser und Bethmann auf Frieden förmlich versessen schienen. Von Berliner Kriegspartei darf nicht geredet werden; außer dem richtigen Instinkt des Kronprinzen und der mißtrauischen Quängelei bei der Marokkokrise spielte niemand mit der Kriegsfrage. Man geht hausieren damit, Moltke habe schon am 26. Juli das Ultimatum an Belgien aufgesetzt, das war aber pflichtgemäße hypothetische Maßregel, um im Ernstfall einer Verschleppung vorzubeugen. Allerdings beweist dies andererseits, daß man sich über Möglichkeit des Weltkrieges nicht täuschte, sich nicht, wie geglaubt wird, überrumpeln ließ. Schon früh machte man sich keine Illusion über England und Italien, dessen Abfall man eifrig zu verhindern strebte durch vergebliche Ermahnung, Österreich möge Kompensationen gewähren, wie in Artikel 7 des Dreibundvertrags vorgesehen. Über Wiens Dummpfiffigkeit muß man hier ebenso den Stab brechen wie über die grobe Hintergehung öffentlichen Verzichts auf territoriale Erwerbung und heimliche Absicht völliger Aufteilung Serbiens. Wir können zwar Italiens vorsätzlichen Vertragsbruch nicht entschuldigen, schon seit dem Tripolisabenteuer verhieß sein Techtelmechtel mit der Entente, was von ihm zu erwarten war. Es belustigt, wie seine Freundschaft für Serbien sich nachher selbst eine Zuchtrute band, indem die immer zweihändige Entente ihm ein starkes Jugoslavien vorbaute. Doch die italienische Regierung hätte ohnehin nicht anders handeln können, da Presse, Freimaurer, Republikaner jeden Krieg gegen die angebliche »lateinische Schwester« unmöglich machten. Daß die Französelei sich heut bekehren mußte, war die bittere Frucht einer Phrasenberauschung, hinter der kurzsichtige Realpolitik sich versteckte. Aber es muß betont werden, daß Italien wenigstens neutral geblieben wäre, wenn Österreich rechtzeitig den Trentin anbot. Erst als es zu spät war, kam es widerwillig mit Zugeständnissen. Dünkel bei solcher Schwäche, Schlamperei und blinde Zuversicht, man könne durch Deutschlands Deckung wieder mal fortwursteln, im Notfall Deutschland opfern, gruben sich selbst den Untergang. Freilich mit der schwarzgelben Herzerquickung, daß auch diesmal wie seit 600 Jahren Habsburg Deutschland zum Prügeljungen machte, obschon es sich diesmal nicht auf Michelskosten salvieren konnte. Indessen nahm man das immerhin schuldige Österreich in den Völkerbund auf, Deutschland blieb das böse Karnikel, dem alle Schuld aufgebürdet werden mußte, Fälscherkunst bringt das Unmögliche fertig. Den von Kautsky »Verschwörung« geschimpften Potsdamer Kron- und Kriegsrat würden wir als Nachahmung der schon dreijährigen Ententebesprechung billigen. Leider handelte es sich aber nur um unzureichende Vorsichtsmaßregeln. Kautsky schwärmt auch von ungebührlicher Garantieforderung an Frankreich, wie ja Poincaré später verklagte, »man forderte von uns«; man hat aber gar nichts gefordert, da Frankreich von vornherein jede Neutralität ablehnte, also Schoen die gewünschte Garantievorlage in der Tasche behielt. Woher Poincaré sie kannte? Wie die verstümmelte Kriegserklärungsdepesche, nämlich durch völkerrechtswidriges Auffangen und Dechiffrieren. Daß unser Generalstab am 29. mobilisieren wollte, Bethmann-auf-dem-Holzweg es mit der Angst bekam und die Rechtzeitigkeit hintertrieb, nennt Kautsky Abdankung der Zivilregierung! Er ahnt nicht, wie weit in Frankreich die Befugnisse des Militarismus gingen. Unterlassung pflichtmäßiger Fürsorge durch Einmengung Bethmanns verpfuschte so den Feldzugsbeginn, daß wir statt am 10. erst am 20. operationsfähig waren. Diese unglaublich verspätete Kriegsvorbereitung entsprang dem Bestreben, dem Feind die Initiative zu überlassen. Welch schwache Weltfremdheit! Denn ob wir zuerst oder gar nicht mobilisierten, kam auf eins hinaus: Die Raffiniertheit hätte uns doch wieder vor der unmündigen Menge ins Unrecht gesetzt. In einer Welt des Scheins und Unrechts wirkt immer nur die Gewalt der Tatsachen. Hätten wir gleich nach Rußlands Teilmobilisierung vollmobilisiert, so wäre der Krieg entweder unterblieben – denn trotz aller Redereien des Oberst Repington über Verrostung unseres Heeres hatte man heimlich Bange davor als einer unbekannten Größe – oder mit ungleich besseren Chancen eröffnet. Die nachhinkenden Kriegserklärungen waren auch technisch ungeschickt, denn da man im Osten defensiv bleiben wollte, lag in unserem Interesse, dort Zeit zu gewinnen; gingen aber die Ententegewehre von selber los, so konnte man sich Formalitäten sparen, die später von der Weltlüge als Schuldbeweise ausgelegt wurden. Sicher hätte man uns den Krieg erklärt, um unserer Mobilmachung zuvorzukommen, oder ohne weiteres die Feindseligkeiten begonnen. Tatsächlich gab es schon genug von Deimling gemeldete Grenzverletzungen in den Reichslanden, und am 1. August früh fielen russische Schwadronen vor unserer Kriegserklärung in Ostpreußen ein, die Spatzen auf den Petersburger und Pariser Dächern pfiffen Krieg bis aufs Messer. So lag auch das formale Recht ganz auf deutscher Seite. Gesetzt den Fall, 1914 wäre der Krieg verschoben worden, was gewannen wir damit? Nur daß die Ententeausrüstung weiter ausreifte. Alle scheinbaren Zögerungen der Ententepolitik in der ersten Phase bis 20. Juli, auf die sich heut die schon seit 1912 einigen Verschwörer berufen, rechneten damit, daß der Augenblick nicht so günstig gewählt sei wie etwa 1917, wo Rußland seine strategischen Bahnen ausgebaut hätte. Von Friedenswillen war dabei so wenig vorhanden, daß man sich dennoch zum Krieg entschloß, weil die serbische Gelegenheit vielleicht nie wieder kam, deutsche Kriegssucht vorzuspiegeln und dem keineswegs kampflüsternen französischen Bauern defensive Bündnispflicht mundgerecht zu machen. Ungeheuerlich wird Greys Heuchelei, da er schon 1904–06 mit Frankreich einig ging, englische Regierungsmänner, Admirale und Presse unverhohlen mit Krieg drohten, 1911 Verschickung englischer Truppen nach Frankreich vereinbart, 1912 Überfall der deutschen Flotte mit geheimer Konnivenz Wilsons vorgesehen war. Ein englischer General machte einem Deutschen, den er für einen Amerikaner hielt, in Südafrika genaue Angaben, wie bald man das Netz zusammenziehen werde, Japaner äußerten sich ähnlich. Später redete sich Grey heraus: Was immer Deutschlands Schuld gewesen sei, so habe doch allgemeine Weltrüstung den Krieg veranlaßt, weil er für Abrüstung Stimmung machen wollte, die ihm jetzt paßte. Lloyd George fabelte, die Staatsmänner seien in den Krieg hineingetaumelt, ohne ihn zu wollen. Auch das ist Wahrheitsverdrehung. Schon 1911 bearbeitete Nicholson bis ins Kleinste Offensive gegen Deutschland bis Juli 1914. So liefern Lord Fishers Verweisung auf August 1914 als Kriegstermin und des serbischen Geschäftsträgers auf Verschiebung bis 1914/15 das wertvollste Eingeständnis neben russischer Äußerung von 1912: »Wir sind noch nicht fertig, brauchen noch 2 Jahre« und Neujahrsartikel 1914, »daß wir uns zum Vernichtungskampf gegen die Deutschen rüsten«. Januar 1914 sorgte das französische Kriegsministerium für Mehlproviantierung von Paris, im Februar gab es außerordentlichen Kabinettsrat über den nahen Krieg, im März versicherte Grey einem Panslawisten, England werde am Weltkrieg teilnehmen, der in Bälde ausbrechen werde, während ein russischer Historiker einem Berliner Bekannten im Juni Gleiches ankündigte. Schon im April sahen deutsche Reisende die sibirischen Bahnen mit Militärzügen überfüllt, schon zu Neujahr begann Grenzvorbereitung, England stellte Transportschiffe für Landung der Russen in Pommern zur Verfügung. Dies alles sollte genügen: Über jeden Zweifel steht fest, daß die Entente auch ohne Österreichs Ultimatum den Krieg beschloß. In Balmoral versprachen König George und Grey an Sasonow, sie würden Deutschland zerschmettern. Diplomatische Verhandlungen, ausdrücklich als »Kriegsmittel« vorgesehen, verhüllten anfangs nur die wahre Kriegsursache, daß man erreichen wollte, was der Versailler Frieden offenbarte. Ob man sich besonnen hätte, wenn man die Überlegenheit deutscher Wehrmacht ahnte? Vielleicht, denn Curzons Frohlocken über baldiges Stelldichein indischer und russischer Lanzenreiter in Berlin läßt darauf schließen, daß man sich in lächerlicher Täuschung wiege. Doch die unbeirrbare Hartnäckigkeit, womit man immer neue Hekatomben brachte, die ganze Erde gegen uns aufwühlte, jeden deutschen Friedensvorschlag höhnisch abwies, zeigt die Entschlossenheit zum Äußersten. Seit 25. Juli 1914 blieb jeder Friedenswahn ohnmächtig gegen unbedingten Kriegswillen, der laut der eigenen Lugbegründung des Versailler Diktats die allerschwerste Strafe verdient. Mit deutscher Spießbürgerei läßt sich nie große Politik machen, weil sie hohe Ziele abschwört, die mal Geschäft und Behagen stören könnten; eine ihrer Verantwortung bewußte Regierung hätte jede Gelegenheit benutzen müssen, das sonst unabwendbare Netz zu sprengen, besonders bei der ersten russischen Revolution. Als aber damals Wilhelm II. laut Zedlitz davon sprach, jetzt müsse man mit Frankreich abrechnen, entsetzten sich unsere Staatsmänner und der gepriesene Schlieffen! So verschlimmerte die Vogel-Strauß-Methode, die jeden Präventivkrieg scheute, das Unentrinnbare. Wer dagegen die tückische Arglist und hochmütige Gewalttätigkeit in Transval seit Wolseley und Bartle Frere kennt, der versteht das böse Wort der Schweizer Sanitätskolonne, »dieser Offizier war ausnahmsweise ein Gentleman« und Krügers Hohn: »Durch diese Lügen bewies Lord Roberts, daß er ein echter Engländer war«. Ja, früher verwarf Gladstone die erste Annexion; sobald er Premier wurde, bestand er darauf! Bei solcher Konsequenz begreift man die Erdrosselungspolitik gegen den deutschen Konkurrenten. Auch jede Änderung französischer Mentalität scheint ausgeschlossen. Selbst Botschafter Louis beharrt beim Märchen vom deutschen Angriff, obschon er schrieb, Poincaré habe unter allen Umständen Krieg gewollt. Der Sohn des in Magdeburg verstorbenen alten Carnot schrieb 1883 an den Sozialdemokraten Bloos: »Unsere Patrioten streben nur danach, die verlorenen Provinzen zurück zu haben, stehen also über Ihren Patrioten 1807/13, die heißen Nationalhaß bekundeten«. Ist das nicht kostbar? Kein Wort darüber, daß die »verlorenen« einfach gestohlene Provinzen, 1807 aber alle deutschen Lande an Frankreich überliefert waren, Nationalhaß sich daher als Naturrecht einstellte wie heute. Dieser Carnot lebte in Magdeburg, gedachte ihm erwiesener Güte, doch blieb eben Franzose und Bloos, der obige Albernheit beifällig abdruckte, Sozialdemokrat, damit ist alles gesagt. Pazifistische Internationale, die jede Backe zum Ohrfeigen hinhält, war auch eine Wurzel des Weltkriegs. Wohl bereuen heute viele, Geschäfte des Auslands besorgt zu haben, doch noch gestatten die Oberförster internationaler Treibjagd keine Schonzeit, noch fährt man mit Volldampf in antideutsche Gewässer, das Versailler Piratenschiff läuft nie in den Hafen der Wahrheit ein, die man als Fata Morgana in Locarno vorzauberte. Der Geist von Locarno Historische Rundschau für Einst und Jetzt Künstlicher Umsturz füllte alte Schläuche mit gärendem Most und Jauche. Sogenannte Demokratie wechselt nur Klassenherrschaft, Monarchie jagt man weg, damit Plutus I seinen Absolutismus aufrichtet. Das Zauberwort Republik kirrt nur Gimpel, »Res Publica« hieß einfach Staat, wobei Adels- und Handelsoligarchie sich verflicht wie in Athen, Rom, Florenz, Venedig, Holland. Optimaten und Großkaufleute geben den Ton an, und wo wie in Amerika und Frankreich nur Plutokraten und Advokaten regieren, verschwistert sich ihnen als Handlanger der schärfste Militarismus. In der Wiege des großen Bürgerkrieges zwischen New Yorker Industrie und agrarischer Baumwolle, den die »Sklavenemanzipation« heuchlerisch maskierte, knäuelte sich die Klapperschlange eines zentralistischen Imperialismus. Da Klappern zum Handwerk gehört, fütterte man ihre Giftzähne mit goldener Milch frommer Denkungsart durch gelbe Dollarpresse und erstickte jede Provinzialfreiheit, deren Ausleben sich früher den Kontinent unterwarf. Die Ringe schlossen sich in Washington mit einschnürenderem Zentralismus, als je in den Kaiserstädten Berlin, Wien, Petersburg. Zentralismus, Großkapitalismus, Imperialismus sind die Ringel der gleichen Schlange. Wie man äußere Staatsform nennt, ist so bedeutungslos, daß Lenin als Iwan der Schreckliche den Sowjetstern über einen Obrigkeitsstaat erstrahlen ließ, neben dem selbst die Zarenwirtschaft ein milder Stern von Bethlehem. Lloyd George, der »Demokrat« sprach unverfroren: »Über Gemeinwohl steht Staatsbedürfnis«, Männer also nur Milben im Käse der »Staatsmänner!« »Gemeinwohl« (Commonwealth) nannte sich Cromwells Republik, doch »Gleichmacher« (Levellers) mengten sich so rasch ein, wie »Adamiten« der Hussiten oder Anarchisten, gegen die Ziska wie Robespierre Front machten. Cromwells Eisenhauben und Bonapartes Prätorianer setzen stets den Schlußpunkt jeder Demokratie, die mehr sein will als ein Handelsgeschäft mit Streikintermezzi. Bezeichnenderweise gab es geschichtlich nur einen Sozialstaat und das war eine Monarchie, Inkas im alten Peru; denn eine religiös angehauchte Sozialmonarchie scheint weit möglicher als eine atheistisch verseuchte Arbeiterrepublik. Nur offene oder verkappte Diktatur verbürgt Stabilisierung gerechter Ordnung, denn die Massen wollen nicht »frei«, sondern gut regiert sein. Man vergesse nicht Talleyrands Wort: »Napoleon blieb bis zuletzt der König des Volkes«. Die Pariser Arbeiter verlangten 1815 stürmisch Waffen, um für ihn zu fechten, selbst steife Republikaner wie Carnot anerkannten ihn in der Not als gekrönten Vertrauensmann. Das »souveräne« Volk wird bald inne, daß es selber Souveräne bedarf; ob legitime oder usurpatorische, gilt gleich. Man haßte nicht so grimmig Rückkehr der Bourbons, sondern ihre Unfähigkeitsmißbräuche. Napoleon machte Gelehrte wie Laplace und Chaptul zu Ministern, alle Literaten zu Staatspensionären, Cromwell den Privatgelehrten Blake zum Admiral, Studenten und Kesselflicker zu Generälen, Dichter Milton zum Staatssekretär, wollte sogar den volksfeindlichen Philosophen Hobbes als Minister an sich ziehen. Doch Diktatur eines großen Mannes steht nur auf zwei Augen, die legitimen Louis XIV. und Wilhelm I. hatten trotz eigenem Majestätsgefühl scharfen Blick für geeignete »Handlanger«. Erst recht darf man hierin keiner republikanisch-parlamentarischen Form den Vorzug geben, im Gegenteil. Ein Thron ist nur ein Sessel, nur wer sich daraufsetzt, gibt ihm Wert, doch auch dem kurulischen Sessel der Präsidenten, denn außer Lincoln besetzten ihn in transatlantischen Freistaat nur Streber des Parteihandels. Treten gar anmaßend selbstherrliche Intriganten dafür ein (Roosevelt, Wilson, Poincaré, Clemenceau), so präsentieren sie Wechsel auf kurze Sicht, die nicht prolongiert und auch nur mit Wucherzinsen bezahlt werden. Selbst eine bloße Gelehrtenrepublik, wie Renan sie empfiehlt, reizt zum Lachen Swifts über »Laputa«. Purpurgeborene haben bessere Erziehung für ihren Beruf und angeborenes Verantwortungsgefühl. Woher nimmt man den Mut, die Hohenzollern als odium generis humani anzuprangern? Das einzige Herrschergeschlecht, das viele Tüchtige, 3 Bedeutende, einen Ganzgroßen auf den Thron stellte! Den sogenannten preußischen Militarismus übernahmen sie nur vom Deutschen Orden, unter dessen Banner auch fremde Feudalherren wie der spätere englische König Henry Bolingbroke stritten, was die Ritterrepublik nicht an eifriger Bürgerfreundschaft hinderte, ein Ordensmarschall hieß »Bauernfreund«. Also auch Feudalismus braucht kein Übel zu sein, solange er nicht noblesse oblige vergißt. Buckles These, Monarchenschutz erniedrige das Schrifttum, d. h. die Nationalseele, wird Lügen gestraft durch das männlich aufrechte Literatengeschlecht im künstlerischen Zeitalter des Grand Monarque, der sich von seiner nie servilen »Akademie« abweisende Rüffel gefallen ließ und sich vor Boileau als Oberzeremonienmeister des Parnaß beugte: »Sie verstehen das besser als ich«. St. Beuve bemerkt dazu: »Wir kennen minder zartfühlende Herrscher«, wir auch, Puppenallee und Siegesspargel beweisen nichts gegen Versailles. Die dem Staatsschutz später entlaufene »wissenschaftliche« Literatur unter Louis XV. gebar nur oberflächliche Propaganda und hinterhältige Menschen wie Montesquieu, Voltaire schmeichelte der Pompadour, Diderot der Zarin, Aufschwung »exakter« Naturwissenschaft veredelte weder den Charakter noch stand ihr trockener Spezialismus, wie man vorgibt, in Beziehung zur politischen Revolution, die ja ihr nachher die klassische Abwehr erteilte: »Die Republik bedarf keiner Gelehrten« (Prozeß Condorcet). Es gewährt auserlesenen Genuß, die unorthographischen Gerichtsakten bei Cheniers Hinrichtung zu lesen, wo die Kleinkrämer sich über einen Versifex empörten, der keinen festen Lebensunterhalt und keinen Empfangsschein über »Effekten« habe. Carrier rapportierte, er zerstöre alle literarischen Gesellschaften: »Ich verhaftete soeben ein Fräulein, sie hat Geist und ist daher verdächtig, sich über uns lustig zu machen.« Dies »Daher« ist unbezahlbar. Der selbst jakobinische Chemiker Fourcroy klagte: »Man will alle Bibliotheken verbrennen«, bettelte umsonst um Almosen. Das mögen sich unsere bolschewistischen Berliner Literaten gesagt sein lassen. Jede Banausenrepublik verholzt den Geist. Selbst Athens Ostrazismus trieb Aeschylos in die Verbannung, warf Phidias ins Gefängnis, reichte Sokrates den Giftbecher. Florenz duldete nicht Dante und Leonardo fand erst beim Herzog Moro die rechte Zuflucht in Mailand, das erst als Fürstentum zu hoher Kultur aufstieg. Der Medicäer Güte blühte mehr im päpstlichen Rom als im freien Florenz, und wie das kleine Ferara, blieb Weimar bis zum Weltkrieg ein fürstlicher Musensitz, alle geistigen Bewegungen gingen von solchen Residenzen aus, seit den Babenbergern und der Wartburg; ohne Ludwig I. wäre nichts aus deutscher Malerei, ohne Ludwig II. nichts aus Wagners Sieg geworden. Dies ist historischer Überblick ohne Parteiparole, sicher aber haben geistige Bestrebungen nichts von demokratischer Internationale zu erwarten. Eine geistige Internationale gabs im Mittelalter: Papst- und Kaiseridee, die ursprünglich zusammengehörten, doch sich gegenseitig durch Herrschsucht zerstörten. Der Kirche unsterbliches Kulturverdienst und mehrfach volksfreundliche Richtung zur Dämpfung des Feudalübermuts versandeten, bis Papst Julius weltlichen Harnisch trug und Loyalas Jesuitengenerale die Ecclesia Militans disziplinierten, um aufs neue den Größenwahn von Gregor und Innocenz zu beleben, Europa unter internationalen Absolutismus der Kurie zu beugen. Schon früher verkaufte man sich, um sich deutschem Kaisertum zu entziehen, ans allerchristlichste Frankreich, dann ans allerkatholischste Spanien, d. h. ans ausschließliche Romanentum und kam dabei an unrechte Schmiede. Denn wie Kalif und Sultan den Obermuftie und der Zar Gospodar den Generalprokurator des Synod zu abhängigen Beamten herunterdrückten, so mißhandelten Karl V. und Philipp II. die Päpste als spanische Vasallen, die Inquisition wurde nur politisches Instrument, um jede freie Regung als Ketzerei auszurotten. Später wollte auch Louis XIV., da die Gallikanische Kirche seit Konzil von Bourges allzeit die Krone gegen Rom stützte, den Sultan eines katholischen Islam spielen. Rom gewann also nichts dabei, daß es sich der Kaiserüberwachung durch Otto III. und Heinrich III. entwand und sich mit den erzfeudalen Staufen nicht zu gemeinsamer Volksunterdrückung verband. Barbarossa verbrannte Arnold v. Brescia und bedrückte sogar seine Krönungsstadt Mainz, Friedrich II. verfolgte die Waldenser, sein »Konstitution von Melfi« konstituierte nur Steuerdruck, Scheusal Ezzelino war ihm als Vogt gerade recht, er duldete nur einen freien Menschen, sich selbst. Wären die Staufen echte Vertreter des Kaisergedankens, so hätte Heines Kyffhäuserspott Berechtigung: »Wir brauchen gar keinen Kaiser«. Doch mit ihrem gewöhnlichen Undank vergessen die Deutschen ihren größten Kaiser Heinrich III., dessen unseliger genialer Sohn von ihm die Erbschaft einer Sozialmonarchie antrat. Dieser Bändiger der Päpste stützte sich ausschließlich aufs Bürgertum, wie auch ein anderer Heinrich III. »Der Kränkliche« von Kastilien, der leider noch früher starb als sein großer deutscher Namensvetter. Spanien, jede Bulle verlachend, war im Mittelalter ein Schrecken der Kurie, noch auf dem Konstanzer Konzil verlangten spanische Bischöfe und Mönche freiheitliche Reform. Dies blühende Reich bürgerlicher Cortesfreiheit ging ein durch Kirchendruck oder Finanznöte, wie Rankes Aktenklauberei sie für Spanien und Türkei feststellt? Nein, diese Weltmächte erstickte blutsaugerischer Absolutismus, der im »Rat von Indien« auch die Kolonien zentralistisch ruinierte und sich selber das Gold des Crassus in den Schlund goß. Mißwirtschaft und tote Hand der Kirche waren nur Symptome des politischen Krebses, den Reformkönig Karl im 18. Jahrhundert nicht mehr heilen konnte. Deutschland ging den umgekehrten Weg. Noch Kaiser Albrecht trumpfte auf, ein König der Deutschen sei Herr der Christenheit auch ohne Kaiserkrönung, unsere Bischöfe verpönten lange Ultramontanismus, noch Maximiliens Gesandter führte in Rom die gröbste Sprache. Doch Konzil von Basel und Wiener Konkordat vereitelten kirchliche Unabhängigkeit, die unvermeidliche Reformation vollendete aber Losreißung nur auf Kosten der Einheit. Bis ins 17. Jahrhundert war Zwiespalt zwischen Kleinfürsten und Zentralgewalt keine deutsche Eigentümlichkeit, er bestand in ganz Europa. Solange Papst- und Kaiseridee in Italien und Deutschland ein geistiges Einheitsband zusammenhielten, hob Dezentralisierung die Kultur und stiftete nur äußerlich politischen Schaden. Als aber beide Ideen versumpften, kam ein Mischmasch von föderativer Kleinstaaterei, die sonst überall in Europa ausstarb, und Habsburger Imperialismus heraus, gewürzt mit konfessionellem Hader. Wären Kaiser- und Papstideen vereint geblieben, hätte Rom sich auf Deutschland gestützt, so hätte eine Internationale der Christenheit die Auswüchse eines bis heute Europa zerfleischenden Nationalchauvinismus nicht zugelassen. Längst wurde das Papsttum eine Filiale romanischer Herrschsucht, deren Geschäfte es allein besorgt, selbst wenn katholische Völker sich innerlich von der Kirche abwenden. Im Weltkrieg verhielt Rom sich aus Rücksicht auf Österreich äußerlich neutral, man merkte aber nichts davon, daß der Heilige Stuhl ein wahres Friedenswerk beschattet und dem sogenannten Völkerbund einen soliden Mittelpunkt gewährt. Zur Frage Monarchie oder Republik nahm Rom stets nur opportunistisch Stellung. Es verdammt Hinrichtung Karls I. und Louis XVI., doch wo blieb Abscheu vor Fürstenmord bei Ermordung Heinrichs IV. und Wilhelms v. Oranien, geplanter Erdolchung der Queen Beß? Heiligkeit gekrönter Häupter gilt nur für katholische, man ist nur »von Gottes Gnaden« durch Segen des Vizekönigs Jesu, den hatten ja aber beide Napoleons; warum hießen sie später Usurpatoren? Würde Rom den Forderungen der Jetztzeit kein non possimus entgegensetzen, so könnte religiöse Wiedergeburt von ihm ausgehen, doch es hat nicht den Anschein, als ob es auch nur den Tridentiner Dogmen entsagen wolle. Dagegen hat die Kaiseridee Hoffnung auf Wiedergeburt, wenn sie ein für allemal den Feudalismus über Bord wirft und einer Sozialmonarchie mit völkischer Grundlage zustrebt. Brachen die Hohenzollern als Revenants der Hohenstaufen ein für allemal das Rückgrat? Man kann dies um so weniger glauben als alles Antimonarchische sich einzig gegen die Person ihres letzten Kronenträgers richtet. Auch wir verdammen sein Wirken, selbst sein angeblicher Kulturschutz war nur Ausfluß dynastischer Eitelkeit und Karikatur eines Grand Monarque, wie ihn schon der Assyrerkönig Asurbanipal vorstellte. Unter der Potsdamer Kultur-Wachtparade hießen Meister Wenzel und der Bataillonsmaler v. Werner beide Exzellenz. Doch wälzt man nicht auf Wilhelm II. allein ab, was einfach neudeutschem Wesen entsprach? Es war Helmholtz' schönster Tag, als man ihn in den Adelsstand »erhob.« Fassade-Ornamentik des Briefadels besteht fort, obschon ein Großteil des Blutadels seit dem 30jährigen Krieg ins Bürgertum untertauchten. Virchow achtete peinlich darauf, daß man ihn »Geheimrat« anredete, Haeckel spottete in »Indischen Reisebriefen« über professionale Schulmeisterei, Titel und Orden, doch er selber nahm sie behaglich auf bisher unbefleckte Brust und erkannte sich ironisch selbst als Schulmeister. So wenig Wilhelm den Weltkrieg verschuldete, so schuf das Wilhelminische und selbst Bismarcks Paktieren mit dem Ewig-Gestrigen, das Jeden erniedrigt, eine Atmosphäre dafür. Er muß sich gefallen lassen, daß Eulenburg sein Haus »Amusisch« nennt, weil der allmächtige Reichskanzler äußerlich jeden Anhauch seiner musischen Jugend abstreifte. Alles rächt sich im Kreis immanenter Gerechtigkeit, so auch Moltkes altväterischer Klassizismus, der im 2. Akt der »Meistersinger« die Oper verließ: »Nun wollen wir zu Hause gute Musik machen«, und harter Realismus. Siehe den Betrug beim Versailler Waffenstillstand in Sachen Bourbaki, für dessen Rettung Gambetta unterschrieb und für seine Einwilligung nur den Fußtritt erhielt, den man Frankreich mit nutzloser und schädlicher Grausamkeit ins Grab nachschleuderte. Erinnerte sich Foch vielleicht daran, als er uns unerträglichen Waffenstillstand diktierte zu historischer Vergeltung? Was hat aber Entartung militärischer Gewaltpolitik mit den Hohenzollern gemein, von denen kein Einziger den latino-slawisch-angelsächsischen Eroberertrieb rückhaltlos ausprägte außer im Zwange der Notwendigkeit? Im Weltkrieg erschien ein Schandbuch »Liebesintrigen der Kaisersöhne«, dessen Verfasser, Northcliffe-Bediente Le Queux, schon früher Begabung für Brunnenvergiftung im Romänchen über ein vergiftetes Borgiamanuskript verriet. Dies Borgiagift in englischer Worcester-Sauce wird unter der Marke »echt« kredenzt, indem Le Queux sich als englischer Spion in Düsseldorf und Berlin ausgibt und sich nicht scheut, deutsche Grafen und Gräfinnen als seine Informanten zu nennen. Seine Lakaien der Hintertreppe banden ihn aber Bären in Germaniens Urwäldern auf, die Echtheit sieht so aus, daß ein Baron Güter in Sibiria statt Silesia hat und Prinz Eitel die Garde in Frankfurt am Main inspiziert und was der Scherze mehr sind. Wir mögen in die Kloake nicht hinuntersteigen, wo Prinzen als Einbrecher, Fälscher und Erpresser herumschwimmen und gewisse erotische Einzelheiten für den Kundigen zwerchfellerschütternd die blöde Unkenntnis des Giftmischers bekunden. So werden die Kaisersöhne für eine Horde geistiger Rothäute festgebunden, die an dem fingierten Marterpfahl einen Skalptanz aufführen. So aber wird die ganze Hohenzollerngeschichte von westlichen Ignoranten zugerichtet und die Deutschlands dazu. Man hat nichts gelernt und nichts vergessen, oder vielmehr alles vergessen, was zur Erkenntnis führt. Die Unsittlichkeit deutscher Höfe ahmte höchstens die westlichen Greuel nach, und wenn Lord Malmesbury das Berlin vor 1806 »Sodom« nannte, wie stand es dann mit dem Gomorrha London? Feigenblätter wünscht England noch mehr als der deutsche Staatsanwalt, doch ein kräftiger Roman »Hüter des Hauses« enthält die treffende Sentenz übers heutige Highlife: »Solange unsere jungen Herren mit Straßendirnen und unsere Mißes sich mit ihren Kutschern gemein machen, sollten wir uns freuen, daß erstere noch nicht in ihre Bedienten und letztere nicht in ihre Zofen verliebt sind.« Heute kann man in ganz Europa zwar nicht bloß Splitter in des Nächsten Augen sehen, sondern hanebüchene Balken, aber diese findet man ebenso im eigenen Besitz. Jede deutsche Fürstenhetze wird sinnlos durch Vergleich mit dem Ausland. Über »Schmach und Schande der Nation« klagte der brave Fürst Anhalt, weil man den romantischen Kaiser Maxel in goldener Rüstung, der für seine Luxuszüge bei allen Welsern und Fugger herumpumpte, zum Gespött machte, doch selbst dieser Ägirsänger des »Theuerdank« machte eine gute Figur als letzter Ritter neben schmutzigen Despoten der Westvölker. Scotts »Talisman« schildert Leopold, den hochgebildeten Babenberger, als dummen Trunkenbold, den Tiger »Löwenherz« als feinen Kavalier, den rohesten Barbaren. England mußte sich seinen einzigen anständigen König Wilhelm III. aus Holland borgen, Louis XIV. stand eben nur zwischen zwei anderen elenden Louis; Philippe und Karle der Valoislilie erinnerten an Shakesspeares Spruch: »Nichts stinkt so wie verfaulte Lilien«, Edwards und Henrys der Plantagenets, Lancester, York, Tudor zeigten nur Leopardenkrallen. Vom listigen Scheusal Louis XI. sagt Comines, er sei der einzige Fürst, von dem man wenigstens politisch etwas Gutes sagen könne. Nichtsdestoweniger florierte das Volk unter der Monarchie so viel besser als unter ordnungslosem Feudalismus, daß Paris den griesgrämigen Lüdrian Louis XII. zum »Vater des Vaterlandes« ernannte und London den Erpresser Edward IV. hochhielt, Mailand seinen ruchlosen Visconti gern hatte, man hüte sich also, tadelswerte Monarchen mit monarchischem Prinzip zu verwechseln. Einige deutsche Kaiser waren so wenig Mehrer des Reichs, daß Friedrich II. Lübeck und Hamburg den Dänen auslieferte (denen ein kleiner Graf von Schwerin ihren Raub abjagte, so stark blieb noch jedes dezentralisierte Reichsglied), aber außer den Staufen war keiner ein brutaler Gewalttäter wie die Despoten des Westens. Auch erfreute sich Deutschland noch bis ins 16. 17. Jahrhundert so vorzüglicher Kleinfürsten wie den Landgrafen von Hessen und Christoph von Württemberg, und daß hessische und schwäbische Ritterschaft sich treulos erwies und dem bösen Ulrich gerade sein Landvolk Treue wahrte, auch Hipplers »Bauernkonstitution« die Kaiser-Idee verherrlichte, gibt historischen Vermerk, daß monarchisches Fühlen bei uns stets volkstümlich austönte. Es überlebte auch die Paviangalerie jener Fürstlichkeiten, die uns die Denkwürdigkeiten der Schwester Friedrichs des Großen zur Schau stellen, ihr monomanischer Vater offenbarte eine Gorillastärke des patriarchalischen Despotismus. Übrigens gaben auch zu Friedrichs Zeiten einzelne Fürsten wie Ferdinand von Braunschweig und später Goethes Freund Franz von Dessau (sehr verschieden vom Alten Dessauer) ein Beispiel vornehmer Humanität und waren nicht Karl August und Kaiser Josef edle Erscheinungen, Friedrich Wilhelm III. und sein geistreicher Nachfolger, obwohl ihrem Amt nicht gewachsen, wohlmeinend und wohlwollend? War nicht die Weide, unter der Moritz von Sachsen starb, eine Trauerweide für Deutschlands Schicksal, seine Todeskugel eine schwarze Kugel unserer Geschichte? Fürstenhetze ausgerechnet in deutschen Gauen ist eben fremdes Gewächs ohne bodenständige Logik. Unwissender Hochmut der Westvölker schreibt Geschichte, als ob sie stets allein das Machtschwert schwangen, während England erst seit Elisabeth, Frankreich seit Richelieu entscheidend mitredeten. Bis dahin verödeten Bürgerkriege seit Simon Montford, kommunistische Aufstände, (Wat Tyler unter Richard II., Jack Cade unter Heinrich VI.) England so, daß man auf Meilen keine Menschen traf, wie ein Chronist sagt, und hundertjähriger Hugenottenkrieg nebst englischer Invasion (der »ritterliche« Schwarze Prinz verbrannte mal 500 Dörfer an einem Tage) verzehrten französischen Wohlstand, daneben sind Adolf von Nassaus Verwüstung Thüringens oder die Fehden des bösen Fritz von der Pfalz oder Beutezüge rheinischer und fränkischer Raubritter nur harmlose Episoden, sogar die Verheerung des 30jährigen Krieges scheint übertrieben geschildert, denn nachher hob sich der Steuerzensus. »Deutsche Armut« war immer ein Märchen, deutsche Bauern hatten es besser als englische und gar französische, deren Elend La Bruyère und später Young herzbeweglich schildern, bei uns hatte der Edelmann nicht eigene Gerechtsame und Münzrecht wie die französische Noblesse. Auch in Republiken wie Venedig lastete der Staatsdruck viel härter, Reichs- und Hansestädte genossen mehr Freiheit unter Monarchenschutz, als man es irgendwo kannte außer in Flandern. Beim Feudalhaß gegen die »Pfeffersäcke« erinnert man sich aber, daß man die mittelhochdeutsche Dichtung dem Adel verdankt. Trotz Abälard und Joachim von Florio zog allgemeinere Bildung in Frankreich erst mit Leonardos Reise unter Franz I. ein, der spätere Papst Aeneas Silvius pries die Überlegenheit deutscher Kultur. Trotz politischer Dezentralisierung waren »die Deutschländer ( Les Allemagnes ) so groß und mächtig«, daß Montaigne sie bewunderte, ein englischer Reisender über die Städtepracht staunte. Der Chronist Karls des Kühnen gesteht, man habe sich beleidigenden Dünkel des Schellenpopanz Friedrich III. gefallen lassen, weil Burgund, die Kronen Frankreichs und England von oben herab brüskierend, sich vor den deutschen Fürsten fürchtete. Nachher gab bei den flandrischen Städten für Bewerbung um die Hand von Marie de Bourgogne, wie ihr französischer Biograph zugibt, den Ausschlag, daß der Kaisersohn Max so viel vornehmer sei als ein französischer oder englischer Kronprinz. Brauchen wir weiter Zeugnis, wie naiv nicht nur die Fremden, sondern auch unsere eigenen Historiker die europäischen Verhältnisse verdrehen, als ob seit den Staufen Deutschlands Weltgeltung erloschen sei! Man braucht nur einen Blick auf die Heeresmacht zu werfen. Frankreich, England, Spanien zusammen konnten keine 150 000 aufbringen, wie Friedrich II. sie gegen Mailand, andere Kaiser sie gegen Wenden, Polen, Hussiten führten. Was waren die übermütigen Templer neben dem Deutschen Orden, der stärksten Militärorganisation des Mittelalters! Das kriegerische Ansehen blieb noch so groß, daß 1100 Deutsche gegen hundertfache Burgundermacht Neuß hielten, daß die Osmanen vor Steiermark Halt machten. Noch im Schmalkalder Krieg wären protestantische Fürsten und Städte militärisch und finanziell der Weltmacht Karls V. überlegen gewesen, wenn ihre deutsche eifersüchtige Zänkerei nicht den rechten Augenblick verpaßte. Die Schweizer galten als »Allemans« und nannten sich später noch stolz »Reichsverwandte«, ihr Kriegsprestige erlosch vor dem deutschen Landsknecht, der auch Hollands Befreiung erwirkte und kurzen Vorrang von Albas Infanterie erledigte. Im 30jährigen Krieg war Deutschland-Österreichs Waffenaufgebot stärker als das des ganzen christlichen Europa zusammen, Deutsche schlugen Frankreichs und Schwedens Schlachten, Banner nannte sie die besten Soldaten der Welt. Die Osmanenmacht, vor der alles zitterte, brach sich an Wien und deutschen Reichsheeren, Marlborough und Prinz Eugen besiegten die Franzosen fast nur mit Deutschen. Deutsche »Reiters« und Fremdregimenter standen seit Henri IV. dort hoch im Preise, noch bei Roßbach standen sie fest unter allgemeiner Flucht. Ohne deutsche Soldtruppen konnte England nicht Krieg führen, noch bei Waterloo taten deutsche Legion, Hannoveraner, Braunschweiger, Nassauer das Beste. Friedrichs kleines Preußen trotzte allen Großmächten. Nie hätte Napoleon den Rhein überschritten ohne Preußens »Baselei« und den Rheinbundverrat, selbst der spätere deutsche Bund blieb so stark, daß 1859 Frankreich-Italien erlegen wären, wenn Preußen beisprang. Louis Napoleon wußte, daß er weder Louis XIV. noch Napoleon I. mimen durfte. Selbst Englands Meerbeherrschung entsprang nur dem deutschen grauen Elend verpaßter Möglichkeiten. Unser selbsternannter »Admiral des atlantischen Ozeans« schwang einen unfertigen Dreizack, doch Wallenstein als »Admiral der Ostsee« hätte das Hansaerbe bald erweitert, da trieb ihm deutsche Untreue den Großmachtkitzel aus, diese berechtigte Eigentümlichkeit der Serenissimi, die unverbrüchlich mit deutscher Treue jedem schadenfroh ein Bein stellten, der zu hoch hinaus wollte. Glaubt Europa, die kriegerisch stärkste Nation auf den Aussterbeetat zu setzen? Geheimer Furchtinstinkt mahnt an jene Vergangenheit, wo trotz Zerfall der Kaiseridee Deutschland so hoch stand, daß Karl V. seine Weltmacht nur durch Kaiserwahl gründen und nur mit Frundsbergs Landsknechten bei Pavia siegen konnte. So lebendig wirkte damals noch stolzes Nationalgefühl, daß man die Schwarze Bande in französischem Sold als Landesverräter niedermachte. Daß es in Deutschland wohl eine kirchliche Reformation, doch keine politische Revolution wie die englische und französische gab, ist kein Beweis von Rückständigkeit, wie Spengler und Kemmerich es in ihren Tabellen auffassen, vielmehr gingen ja Huttens und Münzers Bestrebungen denen der Westvölker weit voran, sondern nur dafür, daß das Monarchische bei uns nicht mit der Härte von Bourbons und Stuarts reizte und eher als Bedürfnis galt. Dagegen entsprang unsere ohne jeden Enthusiasmus verlaufene Revolution nur dem Augenblicksbedürfnis des Kriegsunglücks, denn eine Notwendigkeit lag nicht vor, nicht mal für die Arbeiter, deren Erwerbslage unbedingt besser war als anderswo. Bei der französischen und russischen Revolution wirkte als Hauptfaktor chronische Hungersnot der Bauern. Wir gehen nicht mit Taines einseitigem Pamphlet einig, der Jakobinismus hatte unwillkürliche Glanzseiten aufwühlender Verjüngung, seinen Heeren konnte man zurufen: in Deinem Lager ist Frankreich. Doch die Republik bedeutete als Erbe Louis XIV. nur eine Gloire-Vorschule des Cäsarismus. Man starb nicht in Schönheit unter übelriechenden Ohnehosen, die rote Medusa erlaubte kein Techtelmechtel mit schwärmender Ideologie, Feuerschein einer Brandstiftung täuschte nur Morgenrot vor. Das Volk gewann nichts dabei, bekam Steine für Brot, politische Umwälzung stillt nicht den Hunger, Phrasen füllen nicht den Magen. Nur durch Napoleons monarchische Kolbenstöße kam Ordnung in diese Fuhrmannskneipe, wo man sich um Bermat-Trinkgelder balgte und »Accapareurs« den Unterschleif bourbonischer Generalpächter fortsetzten. Darf man die Gegensätze nur mit rosafarbener oder pechschwarzer Brille sehen? Ein Vernunftsmonarchist scheut sich nicht, den Fürsten ihr Sündenregister vorzuhalten wie einst der gewiß konservative Lagarde. Verschachern deutscher Besitztümer war meist auch des Junkers Lust, ob nun ein Fürstenberg als Reichsgeneral oder als Straßburger Bischof welsche Silberlinge empfing. Noch den 7jährigen Krieg faßten unsere Katholiken als Religionskrieg gegen Ketzer auf. Wenn Bismarck meinte, er habe den Patriotismus deutscher Fürsten unterschätzt, so lassen wir dies fürs Geschlecht der Einheitskriege geradeso gelten wie für damalige Edelleute und Militärs. Deshalb durfte unsere Beschreibung des Bismarcklebens bis 1871 nur streng antidemokratisch sein, dagegen muß unser Standpunkt von da ab sich wesentlich ändern. Entrüstung über eine jeder Nationalgesinnung bare Republik, zuerst nur ein Arbeiterstreik, später bourgoise Reaktion, bekehrte natürlich jeden Patrioten von demokratischem Überschwang. Aber leider bekehrte jüngst der Eigennutz fürstlicher Entschädigungsforderung, ebenso rechtswidrig wie gegnerischer Wunsch völliger Enteignung, viele royalistisch Eingestellte von treuherziger Sehnsucht nach dem alten Föderativstaat. Man fragt: Wir, durch betrügerische Aufwertung an den Bettelstab gebracht, sollen Euch mit Wucherzinsen Eure Fürstenrevenuen zurückschanzen? Ach so, Ihr seid von Gottes Gnaden? Nun aber Schluß! Zwischen solchen Fürsten und Vernunftsmonarchisten bleibt das Tischtuch zerschnitten. Da stand das Ancien Regime von 1789 höher. Mit einem lahmen Fuß schon im Lager des Feindes, dessen verlarvtes Gorgogesicht sie nicht ahnte, beging jene Adelsgesellschaft Selbstmord durch opferfreudigen Liberalismus. Aber wogen 13 Monate Terreur 13 Jahrhunderte feudaler Schreckensherrschaft auf? Wischten Noyaden das Brandmal der Autodafes unterm Geisterjoch des Klerus ab? Wenn Pompadurgünstlinge das Volksmark fraßen und die Fahne entehrten, soll man dies tollen Revolutionsweibern vorziehen? Eines Amerikaners Spott, der Mann liebe am Ewigweiblichen mehr das Teuflische als das Himmlische, paßt wohl mehr auf manche Katharina und Dubarry als auf die zinnoberroteste Rosa Luxemburg. Das Frauenstimmrecht mag ja Chestertons Hohn verdienen, daß die praktischen Frauen ihren Haß gegen das Publichause (Wirtshaus) aufs öffentliche Plapperhaus übertragen, doch parlamentarische Mitarbeit des schönen und starken Geschlechts könnte heilsam helfen bei Ausmerzung muffiger Vorurteile aus neuen Gesetzbüchern. Die politischen Frauen lassen sich aber leider nur gefühlsmäßig bestimmen, sei es als Rechts-Romantikerinnen, sei es als Links-Illusionistinnen. Revolutionen sind Elementarereignisse, deren Vorüberziehen zu berichtigen wie Taine sehr unphilosophisch erscheint, obwohl sie meist mit »Cäsars Bildsäule« enden wie in Donnellys Phantasie, einer Schädelpyramide, die in sich selbst zerfällt. Die deutsche Revolution konnte nur eine blasse Fehlgeburt als Republik taufen. Aber Personen und Kulissen dieses Kasperletheaters prangt Shakesspeares Motto: »Bloße Spieler, sie treten auf und treten wieder ab«. Kaum stottert ein Statist, »die Pferde sind gesattelt«, als er auch schon in der Versenkung verschwindet. Als die parfümierten Emigrantenherrchen den roten durch weißen Schrecken vertreiben wollten mit obligaten Protestanten-Pogroms unter Pfaffensegen, bereiteten sie nur neuen Sturz der Bourbons vor und die Geheimfeme unserer rüdigen Reaktionsbanden kann nur die ersehnte Monarchie diskreditieren. Die Verbrechen der Jakobinersekte hatten wenigstens einen heißen Odem, Konventedikte rühren oft durch Wärme mißleiteter Menschenliebe, die mit rasender Überstürzung Paradiesbäume pflanzen wollte; der Wohlfahrtsausschuß leistete ehrliche Arbeit gegen den Landesfeind, während unsere Jammerrepublik jede Posse von Locarno und jede Komödie von Genf begrüßt, weil sie sich nur in Schwäche und Faulheit wohlfühlt und dem Vernichtungswillen feige Schlagworte zu Füßen wirft. Aus Genf könnte nur Gutes kommen, wenn nicht Futterkrippen-Schieber dort aufmarschieren, sondern aufrechte Gestalten. Haltet Euer Pulver trocken, heißt der Weisheit letzter Schluß im Völkerleben! II. Wilhelm beschuldigte vor Franz Joseph den »ungehorsamen Untertan«: Dessen persönlicher Egoismus hintertreibe jede kriegerische Austragung. Nun, Bismarcks fruchtloses Sozialistengesetz bedeutete ein Alterssymptom, Scharfmacherei wäre besser in auswärtiger Politik am Platze gewesen. Er hinterließ die Losung »Saturiertheit«, doch was heißt Sättigung, wo doch die zahlenmäßig viel kleineren Weststaaten ihr Expansionsbedürfnis zum Fleck an der Sonne rücksichtslos durchsetzen? Gewiß, einst konnte die in allen Fugen krachende Rüstung nicht solche Ausrenkung des Reichs von Düna bis Rhone, von Eider bis Etsch ertragen. Nachdem sich Friedrich II. in Toulouse als König von Arelate krönen ließ, nannte auch Karls IV. goldne Bulle Arles, Genf, Mailand, Pisa Reichsstädte. Bischöfe von Utrecht, Lüttich, Verdun und Herzöge von Lotharingien blieben der Kaiser treuste Schildhalter, den Erwerb von ganz Italien unter Heinrich VI. konnte das feurigste Ghibellinentum nicht behaupten. Doch heut? Zurückschrauben von 80 Millionen Deutscher auf ein Areal, dem man ganze Fetzen mit deutschen Minoritäten vom Leibe riß, solch unnatürliche Entmachtung kann kein Versailles in Genf befehlen. Ein dem Ausland unbegreiflicher Expansionsverzicht, um nur nicht zum Schwerte greifen zu müssen, schien schon lange zu bestehen: Wir Neudeutschen fürchten zwar nicht Gott, sonst Alles auf der Welt. Band Bismarcks »chauchemar des coalitions« ? Freilich, wo Könige Bausteine zusammenschleppen, da bauen die Kärner. Die Wilhelmstraße übersetzte solche Friedensweisheit noch ins Dilettantische, fuhr Spritzen statt Kanonen auf, zugleich Friedenswart und Attila. Für die chinesische Boxerposse quittierte später Lloyd Georges Knockout-Boxerei, das knackfüßige »Völker Europas«, wo ein schlitzäugiger Buddha die Beine unterschlägt, kam in Kiantschau zu japanischer Auktion, die heiligsten Güter wurden sehr wohlfeil losgeschlagen. Spiele nicht mit Schießgewehr! Man schafft nicht Brennholz zum eigenen Scheiterhaufen, Schaukeln bringt nur Hereinfall, friedliche Profitmacherei trainiert nicht zum Kampf um Sein oder Nichtsein. Man lebt nicht gesund im völkerbundlichen Kuckucksheim, doch auch nicht in Kaserne eines Kürassiergeistes, der mit Siebenmeilenstiefeln poltert und Faustrecht proklamiert und doch immer nur auf dem Flecke stampft. Statt festem Auftreten nervöse Panthersprüngchen, statt entschlossener Aussprache nur Briefe, die ihn nicht erreichten wie in der Burenpendelei. Will man Weltpolitik, soll man nicht als Friedenskaiser glänzen. Aber lavierte denn Greis Bismarck mit sicherm Steuer, indem er sich auf wertlose Rückversicherung einließ? Kleine Geschenke erhalten nur die Feindschaft, die trotz der Tunisgabe lieber Englands Faschodaohrfeige einsteckte. Weil Albion sich nur mit dem Stolz seiner Leitartikel umgürtete, mußte man es deshalb streicheln, desinteressiert in Ägypten, statt englisch-französischen Interessengegensatz zu verschärfen, und eigene Kolonialpolitik hintanstellen, Peters anfangs als Abenteurer desavouieren und ans Foreign Office denunzieren! Unvergleichliche Meisterschaft bis 1871 ging in Ängstlichkeit über, die auf dem Berliner Kongreß als ehrlicher Makler nicht mal Gebühren einstrich. Bulgarien nicht die Knochen eines pommerschen Grenadiers wert? heut bleichen da viele deutsche neben bulgarischen, der Balkan wurde keine »angenehme Erinnerung«, Nichteinmischung in russische Wühlarbeit kostet uns mehr als dem Battenberger. Politische Erbschaft unbedingter Desinteressiertheit mischte sich nun mit schnarrendem Kommandoton sprunghafter Launen Wilhelms, ohne jede Konsequenz zu ziehen. Bagdadbahn und Türkenfreundschaft muß man an sich billigen, doch ließ sich vorhersehen, daß England lieber den persischen Honig mit dem russischen Bären teilte, als den Weg nach Indien durch den Halbmond beleuchten zu lassen. Solche Unternehmungen beginnt man nur, wenn man sich aufs Äußerste gefaßt macht. Bei uns gabs nur Atrappen, Schein ohne Wesen, wie Waldersees Weltmarschalat auf angeblichen Vorschlag des Zaren dreist erschwindelt, damit Philisterkneipen es mit Hurrah begießen. Französische Raubsucht zerbricht sich zuletzt die Eisenräder, doch deutscher Staatswagen, nur für Gummiräder eingerichtet, wird stets umkippen, wenn nicht andere Kutscher andere Pferde einspannen. Siegfried stieg von des Vaters Burg herab ... wäre er nur früher gestiegen und hätte Vater Bismarck nicht so still gesessen! Er leugnet die 1875-Krise als Erfindung Gortschakows, Gontaud-Vicons Erinnerungen beweisen das Gegenteil. Damals konnte man Revancherüstung im Keim ersticken und noch viel später in der Boulangerhitze, doch gegebener Augenblick wurde verpaßte Möglichkeit. Krankhafte Friedenssucht um jeden Preis blieb als testamentarische Verfügung des alten Kurses und der neue Herr prahlte nur mit Volldampf voraus des neuen Kurses. Preisend mit viel schönen Reden seiner Länder Macht und Zahl, warnte er fortwährend: Jetzt komme ich mit Donnerwetter, und kam nie. Das ließen offene und geheime Feinde sich gesagt sein, er wartete, bis sie kamen. Noch 1909 genügte in der bosnischen Krise ein Wink nach Petersburg und der tobende Feindbund hielt sofort das Maul, so groß blieb damals noch unser militärisches Übergewicht. Russische Revolutionskrise offenbarte erneut die Ohnmacht des Gegners und wir rechnen es dem sogenannten Friedenskaiser zur Ehre, daß er gern zugegriffen hätte. Doch Rußlands drohende Auflösung diente nur dazu, turmhohe Dynastenfreundschaft liebedienerisch zu unterstreichen in der kindischen Voraussetzung, Niky werde für Willys Beistand in Dankbarkeit zerfließen. Dabei gab es solche Turmhöhe nie, den Verrat von Tilsit ergänzte 1814 das Attentat auf Danzig (vergl. Friccius). Jede Schonung Übelwollender rächt sich. Fühlt man sich als Adler, spielt man umsonst die Taube mit dem Ölzweig. So konnte blöde Langmut nachher als Lauern auf Überfall mißdeutet werden. Cleopolds von England ausgeschrieene Kongogreuel verwandelten sich flugs in Hunnengreuel am »schuldlosen« Belgien, die noch von Kingsley als Mutter europäischer Kultur gepriesene Germania in angebliche Kriegsfurie. So scharf schießen die Preußen nicht wie Hödur auf Baldur schießt: angebliche deutsche Objektivität sucht die Philisterstärke darin, das Eigene zu untergraben. Diesen Scharfschützen Lokis nahmen die Germanen in ihren Götterhimmel auf, solche Selbsterkenntnis rechtfertigt Napoleons Hohn, die Deutschen flögen auf jeden Leim. Das verstehen westliche Vogelfänger für Welschgänger, Michel aber versteht nicht seine Sprichwörter »mit Speck fängt man Mäuse«, »nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber«. Ultramontane Römlinge werden von westlich orientierten Demokraten abgelöst, altes und neues System wechseln nicht die nationale Physiognomie. Polizeipräsident Eichhorn warnte Neugierige, wat ne richtige revolutionäre Zuhälterpolizei is, doch sein Vorgänger, Verehrer einer Egeria von Theaterbörsesalons, war auch eine Nummer! Caprivis jüdische Egeria hat heut ähnliche Nachfahrinnen, während man politische Umtriebe fürstlicher Damen der Bismarckzeit schmähsüchtig aufbauschte. Mosts Formel »Ordnungsbestien« richtete sich nicht gegen das monarchische Deutschland, sondern gegen Amerika, Liebknecht lachte, seine Amerikareise mache ihn fast zum deutschen Patrioten, die Liebe deutscher Republik aber suchte Ordnung in so rührender Objektivität, daß sie den Mittelstand erwürgte, doch dafür ihre Todfeinde mit Gehältern und Pensionen zu bestechen hoffte. Solche Feigheit sticht von westlichen Allüren ebenso ab wie deren entschlossene politische Kraft, die wir seit 1871 bei unserer Miselsucht vermißten. Wenn Präventivkrieg ein Verbrechen sein soll, was ist dann Zaudern vor Unvermeidlichem? Was fruchtet die akademische Doktorfrage, ob Krieg immer Unrecht und Unglück sei! Ethisch gewiß, doch dem Bösen nicht widerstreben heißt ihm einen Freibrief gewähren und Selbsterhaltungstrieb kann nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Der Starke ist nicht am mächtigsten allein, wenn man ihm das Fell über die Ohren zieht. Des Kronprinzen »Feste druff« war nur jugendlicher Aufschrei gesunder Vernunft. Erbübel deutscher Willensschwäche lähmte noch im Weltkrieg. – Der Schweizer General Wille fertigte Delbrücks Ludendorff-Pamphlet ab, des »eminenten Historikers« – – ist das Ironie? »Delbrück hoch, hoch, hoch!« brüllte ja Berliner Pöbel, für den Titel als Charakter gilt. Wille aber meint, nur Wille des Charakters mache den Feldherrn. Das zielt gegen frühere Überschätzung kriegsakademischen Wissens, gleichfalls übertriebener Rückschlag. Wille ohne Intellekt setzt gelegentlich etwas durch, wie ein Kathederprofessor ein gelegentlicher Historiker sein kann. Bei schlechten Feldherrn erkennt man aber weniger Willens- als Geistesschwäche als Fehlerursache. »Für richtiges Handeln gibt es kein Rezept?« ja, so wenig man aus Lehrbüchern der Poetik das Dichten lernt, doch der geborene Feldherr wird trotzdem gewisse grundlegende Kunstgesetze studieren. Wille sei das Entscheidende, der Verstand nur sein Diener? Entscheidend sprach vielmehr Napoleon von geviertem Gleichgewicht zwischen Geist und Wille, denn wahre Willenskraft keimt nur aus wahrer Einsicht. Optimismus taugt im Kriege besser als Pessimismus, doch wodurch überwanden große Feldherren große Krisen? Durch Vertrauen auf Glück und Stern? Nein, durch genialen Intellekt, Vorbedingung klaren Selbstvertrauens. »Truppenführung ist eine freie Kunst« eben nur für den Künstler, beim Können stellt sich Energie von selber ein, kein Genie ohne leidenschaftliches Wollen (Schopenhauer), doch darf man umkehren: keine Energie ohne Genie? In Unsinnigkeit solcher Frage liegt der Nerv des Problems. »Nebel der Unklarheit halben Wissens« schade nur, »nur auf der Schulbank gelerntes korrektes Handeln« versage? Hiermit trifft der Berufsmilitär Wille grade den Grundfehler jedes Militärsystems, das wie in Kathederwissenschaft alles examenmäßig eindrillt und so nur unselbständige Köpfe erzeugt. Pflege der Wissenschaft, wovon Wille nichts wissen will, ist dort nur Pflege des Traditionsschlendrians eingelernter Methoden. Kaum stellte Schlieffen sein Cannaebeispiel auf, flugs betete man es als unfehlbares Rezept nach, das eben ist halbes Wissen. Daß die Umstände immer verschieden sind d. h. Materiereibung sich nie genau gleicht, beschädigt nicht die Wahrheit, daß Kriegslagen sich ungemein ähneln und daher für theoretischen Vergleich sich decken. Glaube an Präjudize mache unfrei? Wer fröhnte mehr solchem Aberglauben als das Steckenpferd-Steepelchase mit dem Schlieffenplan! Irriger Glaube an einheitliche Oberleitung? Dies gerügte »falsche Denken« findet man grade im Weltkrieg wenig außer bei Ludendorffs straffem Zusammenfassen, wohl aber zeitigte die von uns theoretisch bekämpfte »Selbsttätigkeit« der Unterführer eine Wunderblüte in der Marneschlacht. Politische Pronuntiamentogenerale verfehlen ihren Beruf, doch darf Ludendorffs politische Haltung über seinen Feldherrnberuf bestimmen? Delbrücks maßgebende Autorität (!) sprach: seine Studenten können ins Kollegheft nachschreiben. Wegwerfend behandelte er L. als geistig Unbemittelten mit Kadettenausbildung, als ob Universitätsbrotstudium auf höhere Universalbildung Anspruch erheben dürfte. Sprach er doch einst dem General Boguslawski die Ebenbürtigkeit ab, als dieser Delbrücks »doppelpolige Strategie« nicht gelten ließ! Professor Pflugk-Hartung und General Lettow-Vorbeck warfen sich Unsachlichkeit vor: da beide selber auf ungründlicher Sachkenntnis in der Waterloofrage fußten und durch Überhebung ersetzten, was ihrer vorgefaßten Meinung an Sachlichkeit abging, so belächeln wir solche Fehde professoraler und offizierlicher Unbescheidenheit. Bemängelung maßloser Prestigen lohnt sich nur, wenn Schicksalslaune ein Piedestal errichtet, wozu die Figur des Ruhmträgers nicht paßt. Wer aber wie Hannibal, Robert Lee und Ludendorff in verlorener Sache auf dem Posten steht, den vor der unmündigen Menge als Nichtskönner herunterreißen, ist kein beneidenswertes Vergnügen, da Unglück alle Nobelgesinnten zur Verteidigung aufruft. Wenn sein Wille zusammenbrach, so stammte dies leider aus Ermüdung des Intellekts. Gleichsfalls aber wäre ein Unrecht, Delbrücks Magisterei als Allgemeintyp für Stubentheoretiker anzuprangern. Massenas und Neys praktische Kriegserfahrung schätzte Theorie so hoch, daß Massena den erst kürzlich uniformierten Zivilisten St. Croix, noch bevor Napoleon ihn als Genie entdeckte, sich als Stabschef und den Kriegshistoriker Pelet als Beirat ausbat, Ney den Zivilbeamten Jomini, dessen Schriften er drucken ließ, zum General und Stabschef mit Napoleons Billigung erkor. Nun wohl, hätte Jomini, Theoretiker ohne Praxis, den Marnerückzug befürwortet? Sowenig wie Praktiker Ludendorff, denn Haupterfordernis ist hoher Intellekt, nur dieser löst den dann von selber kommenden richtigen Willen aus. Was man auch am mißglückten Heldenposeur aussetzen mag, der nur Imperatorgrimassen und keine Keulen schnitt, an Versäumung aller Möglichkeiten seit 1906 trägt Wilhelm keine besondere Schuld, mit deutscher Leisevertreterei läßt sich eben nichts anfangen, unschlüssiges Schaukeln ist dem deutschen Charakter angeboren. Voltaire rühmt sich in »Geschichte Louis XV« 12 Schlachten überschlagen zu haben, da solche ohne Bedeutung seien! doch ohne diese Schlachten wäre eben historische Entwicklung eine andere gewesen. Das Buch »Südafrikanische Sphinx« des Ingenieurs Nebel rechnet Krüger und Leeds ihre Korruptionssünden vor, doch Englands Räuberei berufe sich falsch darauf: Weil mein Nachbar sich unanständig aufführt, darf ich ihn doch nicht aus seinem Hause werfen. So aber wird es immer wieder zugehen, jeder Brite bekommt Lachkrämpfe, wenn Persius den Satz »right or wrong, my country« edel übersetzt: Mein Land muß stets auf dem Rechtsweg bleiben. Und jeder Franzose bleibt unbelehrbar. Das antimilitaristische Buch »Drapeaux« beklagt würdevoll die Unterwerfung von Schleswig-Holstein, dessen Bewohner er für Dänen hält, Deutsche Befreiungskämpfe werden so Frevelannexionen! Das Pamphlet »vive l'Empereur« beschuldigt die Republik, daß sie verblendet die Bochebedrohung zu spät würdigte, angesichts 40jährigen Haßgeheuls in amtlichen Schulbüchern! »O Gerechtigkeit, so geliebt von meinen Landsleuten!« schwärmt das Buch »La Vérité« , so sieht französische Wahrheit aus, denn wann hätten Gallier je Gerechtigkeit geübt! Kein Nichtdeutscher will die Frechheit begreifen, Unterdrückung großer deutscher Minderheiten durch Polen und Tschechen auf gleiche Stufe damit zu stellen, daß früher deutsche Kulturbringer über Millionen von Halbbarbaren ein wohltätiges Regiment führten. Welch Mordgeschrei würden Briten aufschlagen, wenn ein paar Englischsprachige vergewaltigt würden wie die Südtiroler! John Bull hört eben »lieber 10 Lügen übers Ausland als 1 Wahrheit über sich selbst« (Byron). Pazifismus ist günstigenfalls Selbstbetrug, besorgt aber stets nur Geschäfte des Auslandes, dem er jede Backe zum Ohrfeigen hinhält. Nichtdeutsche Genossen schütteln verblüfft den Kopf, daß man als Sozialist ein vaterlandsloser Lump sein müsse, ihr heiliger Egoismus trägt Verbrüdern nur unnützlich im Munde. Krieg ist eine Gottesgeisel, Friede ein Gut aufs innigste zu wünschen, frisch-frei-fröhlichen Krieg wünschen nur Kadetten, aber da Kampf der Vater aller Dinge, wie soll dann im ewigen Klassenkampf Frieden herrschen, im unlautern Wettbewerb der Nationen je Krieg vermieden werden? Hellpach irrt, daß nur gemeinsame Sprache die gemischte deutsche Rasse zusammenhalte, wie Chamberlain irrt, daß Religion die Rasse mache. Keltische und slavische Mischung ist bei uns unendlich schwächer als die heterogene in England, Frankreich, Italien, Spanien, Rußland (man findet wunderbare Aufklärung über drei ganz verschiedene Rassenblöcke Frankreichs in Thierrys Geschichte der normannischen Eroberung). Trotz getrennter Stammgeschichte besteht so einheitlicher deutscher Typ, daß man Stammunterschiede nur schwer herausfindet. Dies färbt sogar auf die Juden ab, sofern sie länger ansässig als die erst spät eingewanderten polnischen Juden, man denke an den Typ Rathenau, der an unglücklicher Liebe fürs Germanentum krankt wie Heine und Lassalle bei sich herausfühlten. Als deutsche Kulturglieder unterscheiden sich solche Juden entschieden von den ausländischen. Der deutsche Typ als gesonderte abgeschlossene Rasse muß gegen Verwässerung verteidigt werden, internationale Esperanto-Überschwemmung wäre Untergang jeder höhern Geistbestrebung. Doch Wahrung der Nationalität, was doch Briten und Franzosen bei sich am höchsten schätzen, bedingt steten Kampf, das Kriegsschiff des Völkerbunds läuft trotz Aufstecken falscher Wimpel nicht in den Friedenshafen ein. III. Außer der roten gibt es auch eine blaue und goldene Internationale, von der schwarzen ganz zu schweigen. Doch sehr mit Vorbehalt. Der jugendliche Stammhalter des Hauses Bismarck jubelte: »Wir freuen uns über den Wahlsieg der englischen Tories« und Hitlers Völkische priesen den Herzog von Northumberland und den Oskar Wilde-Mignon Lord Douglas als treue Antisemiten, ohne zu ahnen, daß die Jingos unsere unversöhnlichen Feinde bleiben. Die Lords wissen vom Juden nichts weiter, als daß leichtsinnige Edelleute, so gern sie sich als Aufsichtsräte auf Schwindelprospekten bestechen lassen, seine Schuldner sind. Die blaublütige Freimaurerei stellt unter sich keine Freipässe aus, wie der amerikanische Gesandte in Berlin für Solche, die fern von Madrid über Deutschland sicheres Verderben nachdenken wollten. Deutsche Adelsemigranten fänden keinen Anschluß an ausländische Standesgenossen, höchstens Hinauswurf, denn der westliche haßt den deutschen Adel, weil er von ihm stramme Nationalgesinnung erwartet, deutsche Republik wäre ihm grade recht. Graf Gontaud-Biron fragte vorm Weltkrieg an, ob meiner »tiefen Gelehrsamkeit« ein Brief Louis XVI. an den Preußenkönig bekannt sei, worin er sich fremde Intervention verbittet. Mitten im Weltkrieg wanderte dieser Graf nach Genf, weil ihm Republiksieg, gegen deutsche monarchische Ordnung zuwider. Ein Pariser Film malt Entkommen des Dauphins Louis XVII. als Tatsache, als ob Identität des Uhrmachers Naundorf in Potsdam und Holland oder des Fischers Barebone wie in Merrimans Roman historisch erwiesen sei. So unbeanstandet bleibt Royalismus, der vielleicht eine Zukunft hat, doch Royalisten oder Faschisten haben deshalb noch keine Sympathie für deutsche Gesinnungsgenossen. Ebenso naiv glaubt deutsche Hochfinanz an internationale Interessengemeinschaft, Handelsinteressen drehen sich aber stets um weltweite Konkurrenz. Babylons ausgebildete Industriegesellschaft, Syndikate der Phöniker, Hebräer, Aramäer hatten so wenig Solidarität wie die von Venedig und Florenz, zwischen Holland und der Hansa herrschte nur Konkurrenzzwist, Holland ruinierte die Spanisch-Portugiesische Konkurrenz im Trust mit England, nur um später von England ruiniert zu werden. Die Bankiers im Römerreich diskontierten und lombardierten wie die italienischen und Augsburger, doch so wenig wie diese arbeiteten sie für einander. Die Börsen von Rom, Alexandria, Antiochia befehdeten sich, nicht mal die semitischen schlossen sich gegen die lateinischen zusammen. Geschäft ist Geschäft, Jeder für sich und der Teufel für uns Alle. Den Zinswucher kannte schon Rom im Überfluß, Milliardär Crassus und Anarchist Catilina verkörpern die Zustände unter jeder Plutokratie. Nur, wo es sich um gemeinsame Aussaugung des Auslands und des eigenen Volkes handelte, bildeten die Equites eine geschlossene Kaste wie die Optimaten. Da mußte selbst der hochgeborene Lukullus den vereinten Schiebern weichen, als er in Kleinasien dem Erpressungssystem steuern wollte. Doch von internationaler Amalgamierung keine Spur. Verdankt man dieser Kulturerrungenschaft allein die Verelendung, wie der Sozialismus behauptet? Gewiß nicht, denn auch ohne eigentlichen Kapitalismus zeigt die mittelalterliche Agrargesellschaft gleiche Züge. Bodenreformer gab es von Grachus bis Henry George, das moderne eiserne Lohngesetz, ist nicht vom Kapital selber, sondern vom Maschinenzeitalter geschaffen. Weltwirtschaft hängt nur noch indirekt am Boden, die Maschine, dies als goldenes Kalb schillernde gefräßige Ungetüm wird durch keine Eisenkur weggeschafft. Verstaatlichung der Produktionsmittel wäre kein Allheilmittel bei steigender Übervölkerung, das Weltproletariat müßte sich auf Tod und Leben um Futterplätze raufen, dann würden unsere von Moskau gespeisten Kommunistenwühler bald inne werden, daß die Herren vom Roten Stern keineswegs mit deutschen Gimpeln teilen möchten und zuletzt nur Nationalinteressen das Feld behaupten. Es gibt nur eine wirkliche Internationale, die der Schufte, und selbst hier sind Antinationale fast immer die Leidtragenden, Separatismus (Landesverrat) wird ein gutes Geschäft nur für des Feindes Nationalismus. Solidarität blamierter Europäer bekam einen zu scharfen Riß, die flottesten Brüller der Internationale brüllen noch eines Tages »ein garstig Lied, pfui ein französisch Lied!« Proletarier aller Länder, schlagt euch den Schädel ein! Wahrlich, es bedarf nicht »Neuer Reden an die deutsche Nation«, wenn das »Adelsblatt« Verkuppeln mit Jüdinnenmitgift als Verjüngung empfiehlt. Prosit Profit! Eine Revolution darf man so wenig mit Schneiderellen messen wie ein Erdbeben, doch auch sie folgt Naturgesetzen. Ihr Knäuel verwirrt sich so, daß nur Schwerthiebe den gordischen Knoten lösen, denn unausbleibliche Abrechnung mit den Rötesten schwächt revolutionäre Triebkraft. Nachdem Robespierre die Kommunisten auf Henkerkarren abschob, wußte er, was er tat, als er das »Fest des höchsten Wesens« stiftete. Doch war es zu spät. Massenplünderer verurteilen jedes Gouvernement Revolutionair zum Tode durch inneres Absterben, nur Grundstimmung gläubiger Hingabe kann schöpferisch aufbauen. Vernunft unnützlich im ungewaschenen Maul führen und jeden Glauben auslächeln, solche Geistesrichtung erlaubt kein deistisches Intermezzo, sondern endet folgerichtig mit Konkordatküssen des päpstlichen Hirtenrings voll napoleonischer Ironie. Doch während die Gottabsetzung des Jakobinertaumels etwas Dämonisches hatte, bleibt ein naturwissenschaftlich kostümierter Sozialismus nur ein nüchterner Hanswurst. Er irrt grausam wenn er seelische Stärkung beim Materialismus sucht, der sein Gewaltrecht notwendig dem Gewaltstaat anfreundet und nur mit anderer Begründung als die Kirche gottgewollte Obrigkeit als naturhaft Entstandenes begrüßt. Man vertreibt nicht den Teufel mit Beelzebub, nur der darf Gerechtigkeit befürworten, wer moralische Weltordnung als transzendentales Prinzip anerkennt. In der Natur gibt es nicht sichtbare Moral oder Gerechtigkeit, und wenn man Erklärung der Menschenrechte deklamiert und »Krieg den Palästen«, »Friede den Hütten« verkündet, so hat der Feudale das gleiche Materierecht, nur die Machtfrage entscheidet. Enterbtenumtriebe verzichten auf jeden lebensfähigen Gemeinsinn, nur heiliger Egoismus katzbalgt sich für und wider. Klassenkampf setzt sich nur fort aus Rassenkampf. Kein Franzose erinnert sich, daß selbst während der Revolution begeisterte Elsässer »Tyrannenfeinde« ihr Deutschtum betonten, die Völkerverbrüderung verschloß ihr Ohr so unbescheidener Aufforderung, man wollte vielmehr den ganzen Rhein haben. »Nous l'avons eu, votre Rhin allemand« drohte Musset noch unter dem Bürgerkönig, dessen Regenschirm gern Lanze geworden wäre. Wie man das flämische Burgund von Amiens bis Lille fraß, möchte man noch heut Flamenland bis Antwerpen und Brüssel verschlingen, die Walonen sind nur Avantgarde der großen Nation, der von rechts wegen alles gehört, z. B. Anrecht Charlemagnes auf Westfalen und Österreich! Zwar plaudert Sue's Romanserie »Volksgeheimnisse« aus, gegen die Franken müsse die Guillotine benutzt werden, ein echter Gallier kann keinen Franken leiden, doch seine Eroberungen trinkt er gern. Unsere Berliner Franzosen säuseln unentwegt von Versöhnung, und wenn Vaterlandslose jüdischer Literaturrichtung in Paris vor hergelaufenen Deutschen und ein Paar Freimaurergesellen ihren Quatsch verzapfen, jubelt die Demokratenpresse über vollzogene Verständigung. Unsere Vogelstraußler wundern sich, daß man ihnen den Hals umdreht, den sie in den Sand stecken. Genfer Hirtenschalmeien stoßen nur in Reklameposaunen. Heut genoß Elsaß welsche Segnungen derart, daß es Autonomie verlangt, würde Genfer Völkerbefreiung es je bewilligen? Ein Sturm französischer Entrüstung wird alle Brasilianer, Chinesen, Japaner überzeugen, daß dies bezahltes alldeutsches Manöver für Elsässer Dickköpfe sei. Wer mit theatralischem Antisemitismus die Weisen von Zion für den Weltkrieg verantwortlich macht, will dessen wahre Wurzel nicht sehen ebenso wenig die wahre Wurzel des Pseudosozialismus: Neidgier der Enterbten-Rachsucht, die nur im Bolschewismus offen ihre Karten aufdeckt. Selbstbetrügend wird gelehrt, die französische Revolution sei unverbindlich für sozialistische, weil erstere von der Bourgoisie bestimmt sei. Nur anfangs, ihr Frohlocken »welch schöne Revolution werden wir haben!« gab sich bald auf der Guillotine ein Stelldichein. Die Praxis knüpfte einfach an die einstige Jaquerie an, aus der Agrarrevolte keimte erst später die Diktatur des Stadtpöbels. Bald bekommt der Umstürzler zahlungsfähige Moral, seine Bemühung muß anstandshalber bezahlt werden: Ganzkommunisten überboten kaum den jakobinischen Halbkommunismus. Ihr Führer, der von Krapotkin verherrlichte Babeuf, zweimaliger Urkundenfälscher, grad aus dem Zuchthaus kam er heraus und die Welt sah ihm so wunderlich aus. Alles wackelt, wir wackeln mit dem Kopf, es muß mehr Bewegung in die Bude kommen, das ist nicht Mühsam und Toller kanns nicht werden. Bolschewismus beschränkt jeden faulen Zauber auf die schlichte Formel: Was dein, ist mein, aber was dann mein, ist nicht dein. Also Voltaire und Rousseau konnten sich freuen, daß man ihre Gebeine ins Pantheon trug, bei welcher Bildungskomödie waschechte Ohnehosen grinsten. Was war denn Genosse Rousseau? ein Bourgeois. Man hätte die Erzväter der Revolution um einen Kopf kürzer gemacht, verdächtig aristokratischer Vernunft, die nur als Dirne des Atheismus im Kalender stand. Diese von razionalistischem Aufkläricht heraufbeschworene Göttin war nur solid gebaut, wenn sie mit der Gasse Unzucht trieb und nach der Gosse roch. Ein Volksrepräsentant, vor dem ein Theaterpublikum nicht aufstand, schmetterte das große Wort: »Ihr tatets vor dem König und wollts nicht vor mir, der ich so viel mehr bin als ein König«. Solchen Größenwahn treffen wir noch heute bei Demokratenhäuptlingen, die als historische Persönlichkeiten auf die Nachwelt kommen wollen, weil sie Gemeinplätze ausspeien. Gleichheitsschwindel braucht nur Automaten allgemeiner Unwissenheit, und wenn Fanatiker das Wunderbare suchen, bleibt das größte Wunder, daß die unbotmäßigen Intellektuellen angedrohte Bartholomäusnacht von den Sowjets noch nicht vollstreckt wurde. Mirabeaus Vater opferte sein Vermögen als »Volksfreund«, diese Schicht wahrer Aristokraten von Laffayette bis zu unserem Egidy wird notwendig weggerafft. Mirabeaus Sohn begriff besser, daß man mit Revolutionen seine Schulden bezahlt. Der berühmte Lump riß mal dem gelehrten Volney dessen schriftlich vorbereitete Rede aus der Hand, um sie selbst auf der Tribüne elegant herauszubrüllen, und starb rechtzeitig, um dem »Volksfreund« anderer Couleur Platz zu machen, dem ungewaschenen Marat, der seine Hände in Blut und nicht in Unschuld wusch. Carlyle aber zieht den Saukerl Danton, den Winkeladvokaten der Schieberei, dem alles nur ein Saufgelage, dem rechtschaffenen Denker Robespierre vor, dem »blutigen Heuchler«, uneingedenk, daß seine Landsleute seinem geliebten Cromwell den gleichen Schimpf antun. Der Ideologenverachter Napoleon ehrte nur Robespierres Andenken, dessen von Taine gefälschte Reden echte Gedankentiefe atmen und dem in unserer Revolution als schwacher Abklatsch vielleicht Rathenau glich. Solche Leute müssen weg, da Ultras rechts und links sie mit gleichem Haß beehren, Bolschewisten verbünden sich zuletzt mit Bankiers und Freimaurern. Als Robespierre dem jüdischen Wucher im Elsaß ein Ende machte und St. Just den Bolschewisten Schneider aufs Schaffot schickte, entfernten die Thermidoristen solche Störenfriede. General Marquis de Lafayette (vor allen Damen seines Kreises zieht man im englischen Buch »Haushalt der Lafayette« ehrerbietig den Hut) war gewiß ein Faselhans, doch Bürgergeneral Graf Barras ein nationaler Verbrecher. Zwar bekam Bonaparte rein zufällig von ihm das Kommando, weil der echte Republikaner Dumas sich verspätete – natürlich von uraltem Blutadel, hieß nämlich Marquis de la Pailleterie, vgl. Alexander Dumas' Memoiren – aber es liegt Schicksalssymbolik darin, daß Napoleon ausgerechnet von Barras dessen abgelegte Kleider erhielt. In dies Stadium des Verwesungsdirektoriums traten wir heute ein. Republikanische Generale sterben entweder wie die Grafen Custine, Bixon, Beauharnais oder verschwinden im Dunkel wie Barras, sobald der kaiserliche Feldherr die Futterkrippe ausleert. Endlich merkt dann das Bürgertum, wohin Bombenerfolg der Roten Garde führt. Wie bezeichnend, daß Schwinger der roten Fahne schon ihren »Märtyrer« Toller verleugnen, weil er in einigem zur Besinnung kam! Da die Oberräuber selbst den bewährtesten Banditen nicht gutgebratene Tauben aus Schlaraffenland ins Maul stecken können und das Magenbedürfnis der Arbeiter durch keinen Terror gestillt wird, da man den Fischzug gegen den Mittelstand nicht so straflos gegen die Wirtschaft, d. h. den Großkapitalismus wendet, so muß der Sozialismus sich zuletzt mit dem gehaßten Kommunismus verbinden. Die Leibgarde der heiligen Freiheit rekrutiert sich am besten aus Zuhälterkreisen, fehlt nur der aristokratische Führer Catilina, wie den Spartakisten der Fürstensohn Spartakus, ohne Blutedelleute gehts nun mal nicht. Der deutsche Bauernkrieg brachte sich um, als Ritter Florian Geyer sich von den Plünderern trennte. Als die sogenannten Arbeitslosen in Pariser Nationalwerkstätten auf Staatskosten faulenzten, endete ihre Junischlacht als Vorspiel der »Kommune«, wo Ideologen sich vom Pöbelanarchismus fortreißen und ihre gar nicht kommunistische Absicht vergiften ließen. Seit eisgrauer Zeit schrie diese Wiederkunft des Gleichen sich heiser. Rosafeuer des Bolschewismus geht zuletzt immer in »Rauch« auf, ohne »Neuland« zu bestrahlen (Turgeniews Romantitel). Disteln und Schakale richten eine Petition an die Natur, daß Eichen gefällt und Löwen geköpft werden, die Natur antwortet mit Hohnlachen, doch das Armselige phantasiert weiter, Disteln würden nun selber Eichen und Schakale Löwen werden. Jeder Mensch wird als Genie geboren, predigte der hochselige Eisner zum Jubel aller Schafsköpfe. Kommunismus wäre höchstens die Anschauung einer geistig und sittlich sehr hochstehenden Zukunft, doch auch dann würde sie stolpern über das »Eigentum des Einzelnen« (Stirner), die ewige Ungleichheit. Vorerst würde Zertrümmerung des Kapitalismus nur Wegwischung jeder Kultur bedeuten. Wenn sozialistisch Gesalbte früher anders spintisierten, so belehrte uns Erfahrung gründlich eines Besseren. Gerechterweise muß man obigem eine Glosse anhängen, um nicht in Taines Einseitigkeit zu verfallen. Kleinhacken ist kein Zimmern, Herostrat kein Baumeister, wir wollen kein bloßer Herostrat des Revolutionstempels sein. Jede Medaille hat eine Kehrseite, jede Revolution ein Janusgesicht, die englische und französische brachten wirklich Verjüngung, die Märtyrerkönige Karl Stuart und Louis Capet verdienten kein sentimentales Beileid. Macaulay spottet: wäre doch Karl kein guter Familienvater und ein besserer König gewesen!, über seine meineidige Treulosigkeit sind die Akten geschlossen. Louis rief als Landesverräter die ausländische Sippe an, sein Lieblingsvergnügen war, in Eingeweiden erlegter Hirsche zu wühlen. Fürstenerziehung erlaubte selbst ihm mannhaft zu sterben, Marie Antoinette erhob sich im Leid zu wahrer Vornehmheit, ihr letztes Wort an den Henker: »Pardon, Monsieur« hat geschichtliche Weihe, doch man braucht nur Lauzuns Memoiren zu kennen, um die übermäßigen Verleumdungen gegen Madame Veto zu begreifen. Mit dem Adel stand es ähnlich, der Blutadel scharte sich um die Fahnen der Republik, denn wodurch erhielt sich diese so lange? einzig durch Krieg gegen das Ausland! Die deutsche Republik hat wahrlich keinen Anlaß zu solchem Vergleich, deshalb blieb ihr jede Verjüngung aus außer bei einem Teil der Jugend, sonst nur Wettrennen verschmitzter Mittelmäßigkeiten. Unsere Friedenshetzer gleichen jener karthagischen Partei, die begeistert jedes Diktat des Todfeindes unterschrieb und sich auf dessen Gnade verließ, während Hannibal Gift nahm. Deutscher Legionen waffengewaltige Heimat als karthagische Krämerhochburg, welch bitterer Spaß! Kausalvergeltung ist keine Schicksalslaune. Die Posten englischer »Nationalschuld« konnten allmählich gestrichen werden, doch die viel drückendere ethische Schuld der Themsefirma endet noch mit Fallisement. Denn hier ist Gott der Gläubiger, der unerbittlicher Schulden eintreibt als transatlantische Geschäftsleute, sein Dawesplan ist kein Erpressungsmanöver, er berechnet Reparationen klarer als Keynes. Stirbt auch Frankreich in seiner Sündenmaienblüte? Anders als sonst in Franzosenköpfen malt sich Berliner Franzosen die Welt, die sie mit Brettern ihrer Verkehrtheit vernagelten. Vielleicht fallen die künstlichen Ketten von selber ab, doch daß dem geschorenen Simson wieder die Locken wachsen und er sich aufreckt, den Versailler Tempel zu durchstoßen, versteht sich von selbst wie ein Naturprozeß. Nachdem Bismarck den Michel in den Sattel setzte und der nicht reiten konnte, sondern in Wolfsgruben purzelte, will Hinterlist ihm erneut die kosmopolitische Schlafmütze über- und die Hosen stramm ziehen. Zu Befehl, Hand an der Hosennaht! Als Alarmruf Großfeuer ums deutsche Haus schrillte, seufzte mancher Löscheifrige heimlich: »Ich habe wenig Grund, dies Stück der Welt als Vaterland zu lieben« (Byren), doch die Idee blieb lebendig: o Deutschland hoch in Ehren! Noch tragen viele als Erben der Vergangenheit das ganze Deutschtum im Leibe. Nur der Hochgebildete fühlt in sich wahre völkische Eigenart, die er im Zeichen des Verkehrs gesondert wissen will. Der wirkliche Geheimrat Witz spottet mit Heine »wat jehen Ihnen die jrinen Beeme an«, wenn Unter den Linden der ungebildete Prolet und der halbgebildete Demokraterich vor Friedrichs des Großen Standbild nichts davon empfinden, daß auch die Hohenzollern zu den Erbheiligtümern gehören und die maßlose Erbitterung gegen den Ägirsänger grade dem Zorn entspringt, daß er so wenig dies Erbe mehrte. Mit voller Gerechtigkeit nach rechts und links werden Verblendete, Verstockte nie zufrieden sein, doch geschichtliche Schuld muß getilgt werden von Geschlecht zu Geschlecht, Schuld und Strafe sind untrennlich vom Leben selber, »denn die wahre Schuld des Menschen ist, daß er geboren ward« (Calderon). Zukunft I. Der Friede ist ausgebrochen, doch noch lebt jene große Zeit, die keinen in Frieden ließ. Ultimatum des Völkerbunds aus einer Jules Verne-Kanone wird nächstens den Sirius zum Anschluß auffordern, widrigenfalls dieser Planet in Verschiß des Seniorenkonvents erklärt wird. Auch der Mann im Mond muß Farbe bekennen, weil ihm deutsche Luftboote neuester Konstruktion verdächtigen Ferienbesuch abstatten. »Deutsche Agenten«, Abkömmlinge der »Pitt und Koburg« im Terreur, hießen bekanntlich alle, die in Ententeländern das Wort Frieden aussprachen, selbst der brave Harvard-Münsterberg, der sein Buch »Amerika und der Friede« durch untertäniges Wilhelmkapital um jede Wirkung brachte, leitete solche Agentur. Die Patagonier versicherten, sie verständen die Welt nicht mehr, und wollten für Geld und gute Worte die Leibkompagnie des 1. Garderegiments auffressen. Entrüstung der Kongoneger, daß man in der Reimser Kathedrale Kinder röste, bis einem das Wasser im Wund zusammenläuft, machte sich gern erbötig zu intensiver Geruchverbreitung von gebratenen Menschenfleisch. Daraufhin verschickte eine Gründung mit besonderen Hintergedanken, limited , im Paternoster-Row Prospekte authentischer Hunnenkadaverölfabriken. Als ein englischer General nachher öffentlich die schneidige Lüge gestand, grinste man: schadt nichts, nur immer feste druff! Dagegen wollte ein Sachem der Sioux beim Skalpieren bleiben, der edle Mann nahm nach geistlichem Zuspruch mit geistigen Getränken ein Missionspatent für Marterpfähle, empört über unlauteren Wettbewerb deutscher Barbaren. Die Papuaneger erinnern sich keiner solchen Gaudi wie der Durchpeitschung deutscher Frauen und Kinder auf Neuguinea mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung. Es war eine Lust zu leben. Schnoddriele d'Isonzio spendete eine Versanthologie Cadornascher Wetterberichte, reich illustriert, wie Filmriese Maciste seine eigenen Kollegen in österreichischen Uniformen verhaut, bei welcher Schwächung italienischer Wehrmacht Rom illuminierte – gewidmet dem Herzog der Abruzzen mit seiner Anspielung auf romantische Zuneigung der Abruzzenbewohner für Lösegeld der Inglese. Das waren Patrioten, wie sie im Buche stehen, und wenn der britische Theaterkönig Beerbohm Tree auf amerikanischer Propagandatour durch Autounfall den Heldentod starb, so bestraft dies seinen schnöden Witz, »die englische Bühne kommt auf den dressierten Hund«, weil er damit nur deutsche Unteroffiziersdressur gemeint haben kann und er selbst die Bühne auf den Hund brachte, in deutschem Auftrag natürlich! Drüben bewachte er wohl die 100 000 hölzernen Pferde, womit transatlantische Griechen das deutsche Troja überschwemmen wollten. Dagegen heimelte es rührend an, daß heimkehrende Poilus schwarze Angebinde in den Wiegen fanden, »Brüderlein fein, Schwesterlein klein«, Fledermauskuplet patriotischer Hingebung: so sorgte man treu für Stärkung der Hinterfront. Solchen Hexensabbath und Höllenbreugel sollen wir vergeben und vergessen? Wir danken für solches Pazifistenobst und andere Südfrüchte. Der haarsträubenden Unwissenheit des Belgiers Vandervelde »40 Jahre deutscher Herrschaft rechtfertigen nicht den Elsaßraub« diente sogar der Franzose Bertourieux: »Zweihundert Jahre französischer Herrschaft beseitigen nicht achthundertjährigen deutschen Besitzstand«. Nur die Frankenkönige bis zum Vertrag von Verdun besaßen das Elsaß, das waren aber mit Verlaub Deutsche, besonders Charlemagne, der kein Wort romanisch verstand. Noch zu Goethes Studienzeit blieb Straßburg kerndeutsch, auf dem Wiener Kongreß verlangte man Rückerstattung, der Rechtsbegriff blieb so unverschiebbar, daß Bismarck vor 1866 Österreich zu gemeinsamer Rückeroberung der Reichslande einlud. Lothringen fiel erst unter Ludwig XV. definitiv an Frankreich, dort donnerte noch unter Rudolf von Habsburg gegen päpstlichen Hochmut der Bischof von Toul als deutscher Patriot. Aber natürlich: bricht Preußen den Tilsiter Frieden, heißts Verrat; bricht Frankreich den Frankfurter und dazu den Pariser Frieden von 1815, so triumphieren Freiheit und Recht. Denn ihm sind auch Saarbrücken, Mainz, Landau, Köln »gestohlen« worden, nicht minder Italien, Spanien und Niederlande, »Anschwemmung der französischen Ströme Rhein und Maas.« Am Genfer Konferenztisch gähnt natürlich der mit Exoten gespickte Völkerbund über jede historische Vorlesung, Schlafkrankheit aus dem Aktenstaub als Verdauungssiesta entwickelt. Was kümmert diese Pazifisten, daß sie nach Sankt Wilsons Grundsätzen Indien, Ägypten, Südafrika, Cypern, Gibraltar, Malta oder Nordafrika, Indochina, Madagaskar, Syrien oder Tripolis, Massaua oder Korea, Kiautschou oder Kuba, Havai, Philippinen räumen müßten! Keine gelbe Presse New Yorks wendet die gelbe Gefahr ab, Chinas Kohlenschätze machen noch Indiens Baumwolle und Manganerze konkurrenzfähig, Europas neidgelber Friede läuft durch östlichen Schimmer noch gelblicher an und kriegt die Gelbsucht. Ein prinzlicher Wärter der Friedensindustrie ging in hoher Lohe seines Undeutschgefühls mit der Zumutung hausieren, um die hochnotpeinlichen Torturen der Versailler Schreckenskammer zu beschönigen, man hätte lieber gleich die Neger in Berlin einziehen lassen sollen! Heut weiß man, daß die Pariser Großmut sich in Wohlgefallen auflöst und auch noch Neuauflage eines separatistischen Rheinbundes für ihr verbrieftes Recht hielt. Der wirkliche Hunne Clemenceau (nachweislich blieben Hunnen in seiner französischen Heimat sitzen, sein Schädel beweist die Abstammung) richtete Selbstbestimmung der Völker so ein, daß man von einem Bein aufs andere sprang, mal ins Geleise der Nationalität, mal in das der Geographie. Das Polonisieren glich der Zustimmung des weisen Polonius, jede Wolke gleiche dem Tierchen, das Hamlets Pläsierchen sei: die Untertanen wechseln Farbe und Rasse je nach Belieben der Kabinettsjustiz für Freiheit und Recht. Gräßliche Unwissenheit der Angelsachsen (ein bekannter Autor legt Leibnitz' »Beste aller Welten« Voltaire in den Mund, der gerade dagegen stichelte) kennt auch keine Selbstbesinnung. Der alte Friede von Versailles beim amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, wo Frankreich die schon verbratenen Kastanien aus dem Feuer holte, wird nicht durch Wilsons Verbrechen rückbezahlt. Nemesis straft immer ethisch. Über Belgien schwebte Astralrache unzähliger durch König Leopolds Profitwut gemeuchelter Kongoneger. Wenn die Flamen Franzosenfeinde seit Schlacht von Courtrai gegen Philipp le Bel bis 1814, wie französische Spezialschrift zugibt, so wird ihre heutige Unterdrückung gerechte Strafe für Verwelschung ihrer Maeterlink und Verhaeren. Freilich bleibt auch deutsche Welschgängerei sich immer gleich. Da schwärmten Graf Yorks Weltgeschichtsskizzen für »das begabteste Volk Europas«, er klagt, daß Franz I. sich mit den Türken gegen Deutschland verbündete, als ob Louis XIV. dies nicht allerchristlichst nachahmte und die Republik sich dem Zarismus verschrieb. Der Michel als germanische Blutmischung steckte auch dem Longobarden Garibaldi im Leibe, der stets ausgeplünderten »lateinischen Schwester« liegt erst heut französisches Patronat zu schwer im Magen. Bei uns aber geht das Rheinbundgespenst noch immer um, ein bayerischer Major lehnte sich auf, Bayern habe ältere Kultur und Geschichte als Preußen! Hält er fränkische Reichsstädte für bayuvarisch? Bayerns Geschichte meldet nur, daß es sich gegen Deutschland mit den Habsburgern, gegen Österreich und Preußen mit den Franzosen verbündete. Doch die norddeutschen Protestanten gaben ihnen nichts nach, setzten Henri II. der sich frech »Schirmherr deutscher Freiheit« nannte, als Reichsvikar in Metz ein und zauderten aus Zank und Scheelsucht, gegen den herausgeforderten Karl V. rechtzeitig das Schwert aus der Scheide zu ziehen. Preußens Baselei 1795 und 1805 nebst überstürztem Ultimatum 1806 mutet so bekannt an: so pendelte die Wilhelmstraße, die eigentlich in Potsdam lag, ringsherum und ballte nach kalten Wasserstrahlen die Faust im Sack, statt das Präveniere mit des Degens Schneide zu wagen. Friedrich, der es wagte, klagte über »widernatürliche Allianzen« gegen das kleine Preußen, Ententeverschwörung wusch sich noch auf dem Wiener Kongreß die Hände, wo Wellington Allianz mit Frankreich und Österreich gegen Preußen in der Tasche trug – vor Waterloo! Auch der Zarismus, seit Bestutchef auf Preußenfeindschaft eingestellt, begönnerte nur zeitweilig die deutsche Großfürstinnenstuterei, Wilhelms I. Briefwechsel mit Orlich lehrt, wie wenig er sich auf Rußland verließ. Was sagt man vollends zu französischen Sozialisten, die bei Jaurès' Ermordung keine Sturmglocke läuteten und später frech von deutschen Genossen ein Schuldbekenntnis erpreßten? Der greise Genosse Hyndman, der englisch-französisches Arbeiterleben als »Hölle« und deutsches als vorbildlich malte, machte im Weltkrieg wacker die Verschmelzung englischen Größen- und Verfolgungswahns mit. Also täusche man sich nicht: Gallische und englische Nationalpsyche unterwerfen sich stets dem Imperialtrug ihrer Machthaber, die »mit mathematischer Sicherheit« schadenfroh Deutschlands Vernichtung prophezeiten und doch den Selbstwiderspruch der Fälschungsfabrik ersannen, daß Siegfried von der Potsdamburg herabstieg, um harmlose Riesen zu überfallen. Solcher Wahnsinn war allzeit Methode. Die Feder sträubt sich, wenn Pfarrer Fidchett vom heiligen Befreiungskrieg in Spanien schwafelt (für englische Absatzmärkte gegen Kontinentalsperre!). Als italienische Freiheitsmärtyrer an Nelsons Raaen baumelten, sang England ein Tedeum über Sieg der Freiheit und hörte später entgeistert Byrons Vers: »O könnte endlich England klar erkennen, wie niemand seinen Namen noch verehrt, wie alle Völker auf die Stunde brennen, die seine Brust bloß legen wird dem Schwert!« 1892 beschrieb ein kostbarer Aufsatz Napoleons Missetat bei Kriegseröffnung, englische Zivilisten und Matrosen einzukerkern: Daran erinnerte sich der arme Sünder auf St. Helena! O du natürlich perfides Albion! (denn wie könnte Dein Ausbeutergeschäft ohne Perfidie auskommen!) Ahmtest du ihm nicht in weit größerem Umfang nach, als die Isle of Man für so viele Huns ein Helena wurde? Das war sicher »glorreich«, wie alles in Englands Geschichte. Unentschiedene Kanalschlacht 1794 heißt »der glorreiche 1. Juni«, Nelsons Kopenhagenattentat besang Campbell als »glorreich«, weshalb wohl Lord Fisher glorreichen Überfall von Kiel empfahl. Friedens- und Neutralitätsbrüche sind Englands heiliges Vorrecht, doch wenn Zeppeline im Krieg London bewerfen, so ists Riß durch die moralische Weltordnung. Wellingtons Zorn über Massenas Portugalverwüstung vergaß, daß er selbst zuvor Gleiches befahl. Jammern über Erschießung der Spionin Cavell und des Mörders Fryatt glich dem Diebesschrei: haltet den Dieb! Wer nannte je Kaperkreuzen des Yankee Jones oder des Briten Trelawney Piraterie! Doch unsere U-Boothelden hießen Piraten, weil die viel zahlreicheren englischen und französischen Submarins nichts konnten, das machte den Unterschied! Solch bewußtes und unbewußtes Selbstbetrügen ist der ärgste Greuel. In Brice's Greuelkommission gabs eine Reise-um-die-Welt-in 80 Stunden für den Scherz, daß ein belgischer Kronzeuge »benighted« , d. h. übergeschnappt war, weil er zwei Säuglinge spießen sah – obschon das Foreign Office in ungesundem Anfall von Ehrlichkeit dies alles ins Reich der Hysterie verwies. Schon angemeldet beim Jüngsten Gericht und Leipziger Reichsgericht! Doch wirkliche Kriegsverbrecher, englische, wie Steffen Grahams Tagebuch eines Gardefreiwilligen sie naiv vorführt – dies Kind, kein Engel ist so rein! In solcher Schule geben selbst Kosaken ein Handbuch für Hunnengreuel heraus, ihre Gänsehaut beim Ausreißen sträubte sich besonders über Adams Sündenfall bei Kalusz, wo sie in den sauren Apfel boshaft hinterlassenen deutschen Branntweins bissen und dann bei erotischem freiem Walten – die Liebe und der Suff, das reibt den Menschen uff – von deutschen Schlangen überrumpelt wurden! Northcliffes Kodaks verewigten alte Kischinew-Pogroms mit der Unterschrift »deutsche Greuel in Belgien!« Eine Herzogin als freiwillige Krankenschwester und viele andere mochten über die Dummgläubigkeit der »Inselpharisäer« (Galswerthy) sich ereifern, dafür tat man sie in Boykott. Von den Moritaten der ritterlichen Franzmänner (ähnlich den britischen in Irland, Spanien, Indien) legte de Sade eine Dokumentensammlung an, den Sadismus erfand er nicht, den kannte schon Gilles de Rhetz zur Zeit, als englische Lords und Pfaffen einst die von ihren adligen Waffengenossen als unbequeme Plebejerin verratene Jungfrau verbrannten. Wer glaubt da noch an Lockerung britischer und gallischer Wahlverwandtschaft! Heute wird England vorsätzlich Frankreichs Handlanger, denn »die auf Englands Brust gerichtete Pistole« (Napoleon) Antwerpen wird heut ersetzt durch viel nähere Küstenbedrohung aus Calais und das könnte unangenehm werden. Wo zum Altar des Völkerbundes Prozessionen wallfahrten – Melodie: die Scharwacht hält das Schwert gezückt – schmeißt man sich schon die Friedenspfeifen an den Kopf – Melodie: In Friedenau, da ist der Himmel blau – doch er ist dunkel voll Donner und Blitzen. Durch schmelzende Arien solcher Mikadooperette, wo die schöne Marianne als Geisha lockte, dröhnen schon ferne Trommelklänge, doch preußisches Avanciersignal piept nur verstohlen in die Janitscharenmusik der Weltpolitik hinein. Michels kleinlauter Verzicht möchte Händedrücke von irgendwelchem Ausland eintauschen, dessen Psychologie er immer noch nicht lernte. Nur Franzosen besitzen die Frechheit, »Reunions« für grobes Raubrecht zu erfinden, wie einst die Römer ihr Annektieren »Zurückbringen« ( redigere ) tauften und für die Briten freie Buren schon »Rebellen« hießen. Fenelons Hirtenbrief brandmarkte damals den Elsaßraub, später erging an den Konvent die Elsässer Petition, er möge das »vom Tyrannen Louis gestohlene« Land den rechtmäßigen Eigentümern zurückgeben. Ja, prost Mahlzeit, da kennt man die Franzosen jeder Couleur schlecht, die heute das gleiche Stückchen am Rhein und Saar aufspielen. Michel aber will sich »verständigen«, wenn die Biedern uns alles verzeihen, was sie uns angetan! Michels Einfälle scheinen zwar verflucht gescheit, doch sind herzlich dumm zu nennen, wenn seine Koofmichseele, Revolution mit Besitzverschiebung und Lohnerpressung verwechselnd, sich auf »Wirtschaft« beschränkt und politisch verzichtet. Handel folgt der Flagge, die günstigen Absatzbedingungen in Asien, wo nur deutschen Waren nicht allgemeiner Boykott droht, werden null ohne Machtrückgrat. Unser Erbfeind wird nie die Krallen einziehen, man kann nicht jeden Funken von jedem Pulverfaß fernhalten, unbeachteter Zündstoff vermehrt Explosionsgefahr, wenn man das Faß nicht mit der Axt einschlägt und das Pulver mit beherzter Ferse auseinanderstäubt, dann braucht man nicht mehr jeden Funken zertreten. Englische Seeräubermoral wird stets Deutschland die Fliegenflügel zerzupfen, solange sein wunder Arm in der Binde liegt. Ein Ressortchef französischer Trughistorie wie Hanotaux wird nie ehrlich gestehen, auf welchem krummen Weg sein Richelieu zum Elsaß kam, für Wilsonische Geschichtkunde wird Straßburg stets französisch und die Hansestadt Danzig urpolnisch bleiben. Wie die Freiheitsstatue über Mammonsburg New York, sollte diese Menschheit sich ein Höchstes Wesen bildhauern: die allmächtige Lüge. Gott hat man abgesetzt, denn unmöglich darf man ihn glauben, da man ihn doch weder betrügen noch bestechen könnte. Graf Coudenhoves Paneuropa will nur noch Rußland-Asien und Angelsachsentum als Agens anerkennen, wogegen sich Deutschland und Frankreich vereinen müßten: auch das ist Illusionsphrase. Nichts regiert als Isoliertheit schmutzigen Interesses, Betrügen von Fall zu Fall, Verständigung gilt nur auf Kündigung. Weltkrieg erschlug nicht den Krieg, Gewaltfriede verewigt ihn. Was erschlagen werden sollte, der Mammonsmechanismus, die seichte Geistlosigkeit oberflächlicher Gier, das blieb leben herrlich und in Freuden! Die Kriegermillionen sollten freilich das Gruseln verlernt haben und lachen: Schützengraben 999, det bin icke, mir imponiert nischt! Nein, sogenannte Demokratie blieb leere Hülse, man brauchte nicht vor Mißbrauch beim überstürzten Baugerüst zu warnen, denn Staatssozialisierung ward nur zur alten Staatsgötzerei umgebogen. Unter den mit Knallerbsen gefüllten Donnerrohren der Presse – Druckerschwärze ist heut schwarze Magie – winkt uns die heilige Zuversicht: Unsinn, Du siegst und ich muß untergehn. Statt Pflichten gebt Rechte, vor allem dem Geist das wahre Recht auf Arbeit! Die alte Lügenlosung, daß Pflichten und Opfer für beliebige Regierungen zu bringen seien, schirmt heut die Aufwertungs-Großdiebe. II. Des Imperialismus Glück und Ende liegt in ihm selber vorbedingt. Sobald Richelieu den monarchischen Zentralismus an den Roi Soleil vermachte, vererbte dieser an die Jakobiner den terroristischen Militär- und Polizeiapparat und bürokratische Einheitsmaschine. Diese, mit Chauvinismus geölt, brachte Napoleon in Schwung, bis ihr Rückstoß ihn selbst zerschmetterte, heut setzten sich die festgefahrenen Räder wieder in krampfhafte Bewegung. England verkaufte sein Erstgeburtsrecht freiheitlicher Verfassung fürs Linsengericht imperialen Machtwillens, »Briten werden nie Sklaven sein« hieß der Fälschungsrefrain zu »Britania, beherrsche das Meer!« Einst hoffte Spanien nach Schlachten der Henne, daß sie noch goldene Eier lege, doch Aussaugen der Kolonien raubte dem eigenen Volke die sittliche Kraft, scheinbare Weltmacht gibt sich selbst den Todesstoß in Ohnmacht unnatürlicher Expansion. Wenn Annunzio den Egoismus heiligt, sollte ihn schon Venedigs Schicksal belehren, daß Imperialismus umsonst nach innen eiternde Wunden mit Purpur verbindet, solch Verbandzeug wirkt nicht antiseptisch. Wie Spanien seine West- und Ostkolonien durch gemeinsamen Rat von Indien aus Madrid plünderte, so England das riesige Hindustan durch Londoner Kompagnie, deren Verwandlung in Vizekönigstum nur merkantilen Baumwollenschwindel ins Bürokratische übersetzte. Frankreich beteiligte sich am internationalen Gründertum schon durch Laws Missisippiaktien, Suez- und Panamaaktien, Syndikate für »Zivilisierung« Afrikas besorgten Imperialpolitik, die in England ihr reifstes Basiliskenei ausbrütete. Deutschland und Italien lehnten freilich politischen Zentralismus (gleich finanzieller Trustamalgamierung) ab, deutsches Wahlkönigtum förderte freie Gliederung der Stände, doch wie bei griechischen Freistaaten gegenüber mazedonischem und römischem Imperialismus schwächte Dezentralisierung im rohen Daseinskampf. Ursprünglich litten die Westvölker unter weit ärgerer Zerfahrenheit, doch Nationalstolz gegen das Ausland überwand jede Hemmung auch kultureller Rückständigkeit, so daß das früher bettelarme, durch stete Bürgerkriege verwüstete England sich 1600 mit einem Sprung in die Vorderreihe der Kultur stellte und das bis Heinrich IV. ähnlich heimgesuchte Frankreich seit 1650 sein Zivilisationszepter nicht mehr aus der Hand legte. Unser Nationalepos besingt die Nibelungentreue, weil sie den Deutschen so bitter mangelt, nicht mal ihrer geschichtlichen Vergangenheit bewahren sie Treue, sonst hätten sie nicht das Geflunker mitgemacht, sie seien eine junge Macht und junge Kultur. Die Emporkömmlinge an Seine und Themse vertuschen umsonst, daß wir lange vor Dante als Literaturgewaltige prangten, schon Otto III. wollte nicht feudale, sondern geistige Kulturherrschaft der Deutschen. Und sozial? In England lächelte Richard III. boshaft, wenn das von jeder Despotenlaune ausgeplünderte London mit Privilegien prahlte! Heinrich VIII. und die Heuchlerin Elisabeth legten den Grund aller sozialen Übel, die »Sternkammer« als nationale Folterkammer blieb Vorbild verzopfter Klassenjustiz bis ins 19. Jahrhundert, während schon unsere Reichskammergerichte einen wirklichen Rechtsstaat vertraten. Unter Jakob II. wurden politisch Mißliebige als Sklaven verkauft, die »glorreiche« Verfassung mit unerhörtem Wahlschwindel nahm erst 1831 menschenwürdige Formen an. Wer mit chauvinistischem Purzelbaum sich auf den Kopf stellt, sieht alles verkehrt. Den überheblichen Westvölkern führten schon »Über Deutschland« der Staël, »England und die Engländer« von Bulver zu Gemüte, daß Deutschland ungleich mehr Behagen und Freiheit genieße. Wohl fiel schon beim Armagnachhandel das berufene Wort von Frankreichs natürlichen Grenzen, doch die Elsässer halfen sich selbst gegen den französischen Marder, der bis Richelieu nur scheu den Taubenschlag umstrich. Erst das Pendeln der Reichsstände zwischen Österreich und Preußen machte das graue Elend der Serenissimi und Staatsprofessoren zu ständiger Institution der Entmachtung, die noch heute Eifersüchteln der »Länder« untereinander aufrechterhält. So wird die zahlenmäßig und energetisch stärkste Europarasse, die fleißigste und begabteste, durch sich selbst herabgewürdigt, weil sie statt brutalen Machtwillens der Westvölker immer nur bornierte Obrigkeiten als Führer des Volkes ins Treffen führt. Kusch dich, Pudel, das ist der Wahrheit Kern, der Kasus macht uns freilich nicht lachen, sondern den Zauber wünschen, daß der Pudel sich plötzlich in den Löwen des furor Teutonicus verwandelt; was alle Jubeljahre mal vorkommt. Ein echter Kulturkämpfer vom absinthfrohen Boulevardier zum cocktailduftigen Wallstreetbörsianer erdrosselt noch heut die Boches mit der Lügenschlinge, denn 50 Millionen hat das Quai d'Orsay für großzügige Propaganda verschenkt, nachdem schon vor dem Krieg 3 Millionen russische Schweigegelder unabhängigen Blättern den Mund stopften. Wenn Friedrich keine »Salbe« für siebenjährige Wunden bekam, streut man uns noch Pfeffer hinein und kein Versuch ehrenwerter Briten und Franzosen, den trennenden Blutstrom des Kanals oder Vogesenlochs zu überbrücken, glückte bisher. Obwohl die Briten ein Haar in der versalzenen Suppe fanden und den geplanten Kanaltunnel keiner Probe aussetzen möchten, bleibt ihre Regierung im alten Franzosenbann, Frankreichs böses Gewissen stiert heut gar durchs Binger Rheinloch. Giftpillen verhindern jede Gesundung. Durch Entfettung des bleichsüchtigen Europa wird auch amerikanische Überproduktion abmagern. Nachdem er seiner Nationalsitte des Ausspuckens Genüge tat, schnitzelt heut Onkel Sam nach seiner anderen Gepflogenheit tiefsinnig am Stock herum, den er gegen seinen besten Kunden Deutschland schwang. Churchills »business as usual« singt man nirgendwo mehr. Den Mussolini, früher französisch orientiert, trieb jetzt Kausalität vom »Großen Orient« weg ins gallierfeindliche Lager. Italien erinnert sich, daß sein Bahnnetz auf Gotthard und Brenner eingestellt, wie das Rußlands auf Berlin und Wien, daß geographisch-wirtschaftlich wie einst geschichtlich der dünne »Stiefel« sich wie Fortsetzung Mitteleuropas ausnimmt. Doch auf neue Bundesgenossen ist so wenig Verlaß wie auf Pazifistensäuseler und Demokratensänge eines unruhigen Unruh. Nur ein Donnerstreich der unerforschlichen Mächte wird uns plötzlich ungeahnt von unseren Blutsaugern befreien, vielleicht für immer. Leichengift verzehrt Leichenräuber, »auch Patroklus ist gestorben, und war mehr als Du.« III. Wird etwa Frauenstimmrecht Staatsbildung verbessern? Während die Männer oft grüne Jungen bleiben, die von erfundenen Madonnen den Ablaß ihrer eigenen Sünden erbetteln, bleibt dem nüchternen starken Geschlecht Kannegießerei ein Greuel, Realpolitik seinem unverbildeten Naturwesen eher angemessen, als männlichen Phrasenschwatz, den das nie schwärmende und nur mit Praktischem arbeitende Weib über die Achsel ansieht. Im femininen Bienen- und Ameisenstaat gehts verdammt realistisch her. Nun, die angeblich Weiber verachtenden Griechen schoben alles Segensreiche den Göttinen zu, selbst die Kriegskunst der Jungfer Athene neben dem Bramarbas Ares. Doch Unterrocksregierung der »jungfräulichen« Elisabeth oder nie jungfräulichen Katharina, die sich von Potemkin prügeln ließ und zur platonischen Liebe mit Platon Zuboff herabsank, während Queen Beß sich morganatisch mit dem Giftmischer Leicester und die geistvolle Maria Stuart mit dem wüsten Boswell vermählten, hatte nicht ethische Vorzüge vor männlicher Maitressenwirtschaft. Manche Damen des dreißig-siebenjährigen-Befreiungskrieges machen erfreulichen Eindruck, doch in der Franzosentid poussierte das keusche Gretchen den Landesfeind und hätschelte im Weltkrieg französische Gefangene. Auch hier Charakterlosigkeit würdig ihrer Männlein, während die Französin ihren schlechten Ruf nur jener Ehebruchsliteratur verdankt, mit der ihr unritterliches Männerpack, das sie an der Leine hält, Revanche nimmt. Nicht zufällig gebar Frankreich die reinste Jungfrau von Orleans, die vornehmste Heldengestalt, auch Madame Sans Gene (Dragonerrittmeisterin Therese Figeur) hatte viele ähnliche soldatische Kameradinnen. Nie aber heischte die Französin Suffragettenrechte, denn seit den Damen der Fronde kannte sie ihre Macht hinter den Kulissen. Wenn heute energische Frauenzimmer erklären, Deutschlands Wiederaufbau könne nur durch seine Frauen gelingen, so spürte man bisher oft nur Zeitungsinserate an des Teufels Großmutter oder kindische Sentimentalität für »unseren Kaiser« oder kindische Verliebtheit in pazifistische Popanze. Ob Opfermut und Pflichttreue der Mütter für die eigene Familie den Übergang zum Altruismus bedeuten, scheint dem Skeptiker fraglich. Das kommunistische Gemeinwesen des uralten Inkasstaats, den die Götzenchristianität der Conquistadorenverbrecher zermalmte, erbaute sich auf Grundlagen eines frommen sanften Volkes mit dem Königsoberhaupt als Hohepriester der Sonne, die auf all ihre Menschenkinder gleichmäßig niederschaut. Nur unter solcher Weihe kann Eintracht der Daseinsbedingung willig angenommen werden. Pseudosozialismus als natürlicher Sohn des antisozialen Materialismus treibt nur den geisttötenden Staatsbegriff auf die Spitze und untergräbt jede geistige Freiheit. Bei ihm ist alles Scholastik und Marx' Lehre beruft sich auf Hegels Abstrakta. Die Zornrufe des Alldeutschen Chamberlain, der jeden Nichtdeutschen für einen Paria erklärte, möchten wir nicht nachtönen, seinen Deutsch-Größenwahn erachten wir für ebenso irreführend wie Spenglers Orakel, daß nur Preußentum und Sozialismus uns förderlich seien als antiindividuelle Massenorganisierung. Freilich finden Demagogen Unterhalt und Unterhaltung in Pfaffenpfründen marxistischer Dogmatik, wobei die Straße als Kathederprofessur dient, doch gibt es ja ehrlich besessene Scholastiker von den Kirchenvätern bis zu Häckels Neunmalweisen. Die Marxisten wollen einfach das für alles Erkennen gültige Gesetz der Wechselbeziehung nicht erkennen, Löwen und Esel aufs gleiche Prokrustesbett schnallen, gröbliche Störung des Kräftespiels, ohne welches selbst die äußere Materie in Unordnung geriete. Sie experimentieren am untauglichen Objekt, indem sie Dinge zu erfassen glauben, während sie nur gegen feindliche Iche antiindividualistisch zu Felde ziehen und gar nicht von realen Dingen, sondern subjektiven Ideen ausgehen, die sie mit Pfaffenintoleranz jedem aufzwingen möchten. Plechanow brachte heraus, daß Marx nicht von Hegel, sondern Feuerbach inspiriert wurde, Lassalle folgte sowohl Hegel als Fichte, schrieb aber ein Buch über Heraklit den Dunkeln, den der gelehrte Sozialismus für einen Exponenten der Aristokratie ausgibt. Herr, dunkel ist der Rede Sinn, doch Marx selber hüllt sich in heraklitisches Dunkel, da manche seiner Sätze tödlich für Arbeiterdiktatur lauten, denn bei angeblich ewigem Wechsel der Produktionsverhältnisse können sie übermorgen anders sein als morgen und morgen einem anderen Verhältnisse entsprechen als heute. Hegels dialektische Methode definierte das Weltphänomen, daß alles, was ist, schon deshalb vernünftig sei. Er ließ sich gefallen, daß dies damals als Sanktion des Berliner Polizeistaats galt, während dann logisch auch Revolutionsgreuel vernünftig sein müßten. Wir gehen nicht auf Philisophisches des Sozialismus ein, stellen nur fest, daß all seine Gründer auch in Frankreich – ähnlich wie Adam Smith, als er Nationalökonomie in zwei verschiedenen Werken auf ganz verschiedene Basis stellte mit völligem Selbstwiderspruch – die soziale Entwicklung nur abstrakt theoretisierten, ohne sich zu handgreiflichen Tatsachen herabzulassen. Letztere besagen deutlich: Solange es eine Menschheit gab, bestand allzeit Abstufung in Kastenglieder, nur deren Wechselbeziehung ermöglicht pulsierendes Leben. Sklaventum und Leibeigenschaft werden als Begriff nie wegfallen, in anderer feinerer Form (siehe des Großkapitalisten Ford Bestrebung) immer wieder nötig erscheinen, man kann ihn aufs humanste mildern, aber nie entfernen. Aus jedem Kommunistenstaat würde sich erneut eine Oberschicht herausbilden. Gedankengänge von Marx und Engels belustigen in ihrer Verkennung, daß nur Individuelles auch in Völkerpsychologie die Dinge regiert und die Fabrikarbeiterschaft sich ganz zu Unrecht als Normalproletariat gebärdet, während sie als Erbe von Handwerk und Bauernschaft nur ein Produkt der Maschine bedeutet. Zerschlüge man die Maschinen, wie Chesterton vorschlägt und Herbert Spencer indirekt bestätigt, so entstände eben ein anderes Proletariat und die soziale Magenfrage ließe sich nicht mehr in die Fabrik einsperren. Ersetzt Elektrizität die Kohle, die nur bei Vergasung ihren Wert behielte, so wird Betriebsvereinfachung soziale Umwälzung, wie einst Entdeckung Amerikas dem Seehandel andere Bahnen wies. Eine größtenteils arbeitslos werdende Arbeiterschaft müßte dann ins Bauerntum zurückfluten, und da dafür die Äcker nicht ausreichen, überschwemmt man notgedrungen fremden Boden wie zur Völkerwanderungszeit. Die Internationale ginge dann von selber in die Brüche. Ungleichheit individueller Anlagen ist ein Naturgesetz, das jeder gewaltsamen Verkünstelung spottet. Zwischen Bauer und Junker aber besteht innerer Zusammenhang, beide hassen die Städter und Proletarier, solche natürlichen Gegensätze können weit eher monarchisch als republikanisch überbrückt oder verkleistert werden. Nur Fälschung redet der Moderne ein, Monarchie sei ein überwundener Standpunkt und Republik le dernier cri , genau umgekehrt sind alle Anfangsstadien der Gesellschaft anarchisch-republikanisch, was auch fürs Mittelalter gilt, wo Feudalismus auf zentrifugale Republik hinauslief, in der man den Titularkönig nur als Präsidenten, Primus inter pares , betrachtete. Republikgründung in der Schweiz und Amerika setzte primitive Verhältnisse voraus. »Ein König ist nicht in der Natur, nur in der Kultur«, dies Monumentalwort Napoleons gleicht einem Austerlitz-Zentrumsstoß ins Innerste der Dinge. Allzeit fiel Gründung der Monarchie mit Ausreifen des Kulturstaats zusammen. Augustus, Louis XIV., Elisabeth, Philipp II. entsprachen natürlichem Bedürfnis zur Abrundung des Höchststandes der Kulturgesellschaft. Napoleons Satz, ein Thron sei nur Holz und Samt, tastet den Thronbegriff selber nicht an als uraltes Symbol für Natürliches. Wenn Mommsen es den Fluch der Monarchie nennt, daß höchstens einmal in 100 Jahren ein König diesen Titel verdiene, so darf man eben die Anforderungen nicht zu hoch spannen, denn nur einmal saß ein wahres Genie auf legitimen Thron und das war ausgerechnet ein Hohenzoller. Aber sind Genies – ein mißbrauchtes Wort, das nur dem Höchsten zukommt – etwa sonst etwas gebräuchliches? Der schlechteste Cäsarismus erwies sich zeitlich dauerhafter als die von steten Zuckungen fiebernde Parlamentsregierung Alt-Roms. Keine Zahlenkabbalistik wie in Spenglers und Kemmerichs Tafeln kann vorausbestimmen, wann Alexander den Hellespont und Cäsar den Rubikon überschreitet, prophezeien läßt sich nur, daß derlei in der Luft liegt. Daß die deutsche Republik einen Cromwell oder Bonaparte gebären müsse, ist an sich falscher Vergleich von ganz Verschiedenem, da Deutschland keineswegs politisch um 250 oder 120 Jahre hinter den Westvölkern zurück war und nun erst in gleiches Stadium eintritt, sondern im Mittelalter mit Ständegliederung, starkem Bürger- und Wahlkönigtum weit vorausging, daher seine Entwicklung wesentlich eine andere sein muß. Künftiges deutsches Kaisertum steht vielleicht im Zeichen freier Wahl, nicht durch Kurfürsten, sondern Volksentscheid, ohne aber damit altes Herrscherrecht eines geschichtlich vorgezeichneten Geschlechts anzutasten. Richtigkeit und Wichtigkeit des monarchischen Gedankens, wie Schopenhauer ihn mal klar formulierte, wird sich durch Bankerott des Parlamentarismus erst recht stärken. Mussolini als bedeutendster Staatsmann der Gegenwart begriff die nationalistische Zeitströmung, die Sans-Patrie werden allmählich selber die eingeimpfte Lauge der Internationale abstoßen, denn dies chemische Präparat widerstrebt den roten Blutkörperchen der Volksseele. Natürliches Empfinden der Arbeiterschaft weiß so wenig davon, daß der in England für Juli 1914 angesagte Generalstreik sofort unterblieb, sobald die Regierung Kriegsgefahr versicherte, und anfangs unsere Sozialdemokratie kräftig für Nationalkrieg eintrat, wofür ausländische Genossen sie als aussätzig behandelten, während sie selber das Nämliche taten. Heute dämmert in Arbeiterkreisen die Erkenntnis, daß kein Proletariat das Geringste von Internationale zu hoffen hat. Die lieben Franzosen verschafften an Ruhr, Rhein, Saar zu gediegenen Anschauungsunterricht, gleichsam eine Revue des Nationalhasses. Wir hörten: »Nationalsozialismus«, was meinte Hitler? Nationale, die sozial, Soziale, die national fühlen? Nichts besseres könnte man wünschen, leider gibt es zwar national gesinnte Sozialisten, aber wenig Völkische mit sozialem Empfinden, man darf es den Gegnern nicht verdenken, wenn sie darin nur Falle sehen. Schlagt die Juden tot? Die meisten Inflationsdiebe sind recht teutonischer Abkunft. Das Schlagwort »gegen den Marxismus« scheint Marx für einen Bolschewisten zu halten, im Gegenteil träumt sein »Kapital« von Selbstzersetzung der Hochfinanz, Enthaltung von Gewaltsamkeit prägte er seinen Jüngern so ein, daß sie keinen Terror gegen all jene Putschisten übten, die sich beim Umsturz feige ins Mauseloch verkrochen. Niederwerfung der wahren Novemberverbrecher verdankt man Noske und Auer, frivole Lohnstreiks trotz der im Ebertprozeß dargebotenen Zweideutigkeit mißbilligte die offizielle Sozialdemokratie stets und die proletarischen Raffkes büßten heute mit verminderter Entlohnung für falsche Auslegung von Angebot und Nachfrage. Wenn die Großindustrie zu schlau für sie war, so hatte sie dabei das eisernste Lohngesetz auf ihrer Seite: Ruin der Wirtschaft wird Ruin der Arbeit. Für Sozialisierung war weder die Zeit reif noch hatte die Futterkrippe-Republik dazu den Mut. Hitler ahnte nicht, welch unlauteren Interessen »nationaler« Großhändler er diente. Er wolle keineswegs das Alte zurückführen, seinen Hintermännern wars aber nur darum zu tun, seine wirre Völkischheit für Wiederkehr des Alten auszunützen. Vom militärischen Staatsstreich darf man nicht das Wunderbare erhoffen, sofern er von jenen Händlern finanziert wird, denen sowohl Vaterland als Monarchie nur so teuer sind wie ins Ausland verschobener Devisenramsch oder etwaiges Ergattern von Titeln und Orden. Wir warnen inständig vor »nationaler« Finanz, die jede gebührende Steuerlast Marxismus schimpft und nur Einen herbeisehnt, dessen Titel lauten müßte »von Plutus' Gnaden Kaiser«. Wehe, wenn er solche Verpflichtung vergäße! Plutokratie bedient sich royalistischer Maske nur aus Wut gegen sozialistische Profitstörung, sonst wäre ihr die Republik hochwillkommen. Gotteswille, wie Chamberlain so rührend an Hitler schrieb, bedeutet allen Großhändlern: Trusts aller Länder, verbrüdert Euch! Wollte ein aufgeklärter Monarch gegen diesen Stachel löcken, so wäre er bald erledigt, sofern er sich dem goldenen Käfig anvertraute. Deshalb heischt Logik der Verhältnisse, daß der Kaiser, der für uns die Rolle Napoleons und Cromwells spielen müßte, nie im Namen der heiligen Dreieinigkeit Großfinanz, Großindustrie, Großagrarier einziehen darf. Er hat Napoleons Titel zu führen »Kaiser der Deutschen durch den Willen der Nation.« Jeder ausschließliche Rechtsputsch brächte zwar nicht den Bürgerkrieg, falls einer den Monk spielen möchte, bei der Kugelscheu der Demokratie, zumal weder Bürger noch Bauern die Barrikaden-Ballonmützen segnen würden. Aber Frankreich lauert nur darauf, Tanks und Flugzeuge am deutschen Volkskörper zu probieren und wer füllt unsere Bataillone, wenn die Arbeiter den Waffendienst weigern? Wer finanziert den Scherz? Jene Kreise, die trotz Tiraden und Gesten zum Stimmenfang eher für Erfüllungs- als Kampfpolitik zu haben wären, die in der Aufwertungsfrage ihre Wähler verrieten, den Reparationskommissar mobil machten mit aufgelegtem Landesverrat? Nur Massenerhebung des ganzen Volkes führt zur Abschüttlung des Jochs, vorausgesetzt, daß das Schicksal es durch besondere Katastrophenschiebung ermöglicht. Nur ehrliche Sozialmonarchie schafft eine Einheitsfront zur Wiederherstellung deutscher Rechte und Vergeltung uns zugefügter Unbill, Errettung aus internationalen Klauen. Wer maßlosen Antisemitismus verdammt und weiß, daß Lasalle und Marx für deutsche Einheit schwärmten, und dem Bund der Frontkämpfer jüdischer Konfession nicht Achtung versagt, meint damit noch nicht, die Juden seien sündenlos. Wer die Sozialdemokratie gegen Übertreibung ihrer Schuld verteidigt, spricht sie damit noch nicht frei von Schädigung des Gemeinwohls durch ihre amtlichen Satrapen. Wer die Demokratie nicht als Gottseibeiuns fürchtet, begrüßt sie noch nicht als Himmelstochter. Wer die alten Offiziere und Beamten, deren Bestechung durch übermäßige Pensionen dieser feigen Republik mißlang, wohlwollend würdigt, belächelt doch ihre kindliche Einstellung, als ob Kasernierung heute noch Vaterlandsrettung bedeute. Stinnes und Hugenberg halten sich ihre gekaufte Zeitung, sonst halten sie nichts von Geistigem. Köter bellen die fixe Monomanenidee »Juden raus«, dann wird sich alles alles finden ... in den Kassen ausländischer Banken. Clemenceau und Lloyd George verständigten sich in Verehrung Robespierres, der sich solchen Gedankenaustausch imperialistischer Blageurs verbitten würde: so konfus schwätzt Opportunismus seine Sprüche. IV. Wegen pechschwarzer Gegenwart darf man die Vergangenheit nicht rosenrot vergolden, immer sentimental am falschen Platze dem Alten reine Märtyrerglorien dichten. Doch dem Ausland gegenüber bedeutet demokratische Mehrheit die alte Rückschrittpartei. General Buat bekannte offen, Deutschland hätte gewonnen, wenn es seine Volkskraft aufs äußerste gestrafft hätte wie Frankreich. Die Verabschiedung anderer als vorgespiegelter Furcht vor Deutschland verdankt man der Verachtung des Auslands für unsere hämische Volksvertretung. Schon Aufbauschung des Zabernkrawalls bot Wetterzeichen, woher der Wind wehte. Botschafter Cambon meldete treuherzig, Bayern werde nicht für Preußen marschieren, man glaubte an Promenade militaire à Berlin . Erst als die Glocke Mitternacht schlug, beleuchtete ein greller Blitz den Abgrund, daß nur unsere unerhörte kriegerische Überlegenheit die Verhängung eines noch schlimmeren Loses verhinderte. »Wir werden die Deutschen zu Europas Heloten machen«, auf einer Phantasiekarte blieb vom Reich nur noch Thüringen übrig, heute klagt verbissene Wut, daß nicht der wahre Zweck der Übung erfüllt sei: völlige Zertrümmerung. Davor hat uns, während Greys gnädige Beruhigung seines Hofnarren Lichnowsky über »Englands Nutzen beim Friedensschluß« ein Fetzen Papier blieb, das »fluchbeladene« Kaiserreich genügend geschützt. Doch All-Michelei unserer Geschäftshuber läßt Hermann nie unter Roms Schwert fallen, sondern unter Meucheldolch seiner Landsleute, deren Charakter, treulos wie Rheinbundstruppen, auch an plötzlichen Feigheitsanfällen leidet gemäß Napoleons Speiwort: »ebenso aufgeblasen im Glück wie niederträchtig im Unglück«. Goethe nannte das Nibelungenlied eine Bibel deutschen Wesens – nun, heimtückischer als Hagen den Siegfried in den Rücken schießt, können selbst Schupoleute nicht heimkehrende Oberschlesienverteidiger mit den Gummiknüppel bearbeiten. Ein römischer Autor, der mit Varus in Syrien lebte, nennt die falschen Syrier harmlos im Vergleich zu den Germanen, von denen Kleists Varus meint: »So kann man blondes Haar und blaue Augen haben und doch so falsch sein wie ein Punier«. Selten gegen den Landesfeind, stets gegen eigene Volksgenossen kehren die Deutschen ihre unberechenbare Roheit heraus, umsonst singt der Nibelungenstolz: »Es ließen sich nicht scheiden die Fürsten und ihr Heer, sie ließen von der Treue zueinander nun nicht mehr«. Verrat zieht sich als roter Faden durch unsere Geschichte, früher von Fürsten, heute von Demokraten, selbst gegen Friedrich den Großen frondierte der Adel unter Prinz Heinrich, selbst vor dem Befreiungskrieg gab es welschgehende Junker und kriechende Koofmichschieber. Der Sozi Ledebour rief im Reichstag: »Welch edles Volk die Franzosen sind!« Die Gallierrepublik verlegte ihre Raubmörderkonferenz bezeichnend in den Versailler Rokkokopomp, keine romanische Demokratie verleugnet den cäsaristischen Zug, selbst in Amerika rast nur Gewaltherrschaft des gewählten Regierungspöbels unter Mitjohlen der Volkssouveränität, dieser Außenfassade und Lockspeise. Jede Demagogie knebelt mit schrankenloserer Willkür als je fürstliche Autokratie. Der dicke König verwarnte Kant, schon sein Nachfolger sagte schlicht: »Fichte hat Händel mit dem Herrgott, mir schadts nicht«, Jakobiner würden Kant auf die Verdächtigenliste setzen und Fichte hinrichten, die Pariser Zensur verbot Sardous »Termidor« wegen Majestätsbeleidigung der Demokratenlegende. Der alte Staatsbegriff glich wenigstens einem auf Paragraphen eingeschworenen Justizkollegium, der republikanische kennt keine Magisterbedenklichkeiten, er geht aufs Ganze. Den bürgerlichen Liberalismus in kosmopolitischer Kinderstube brandmarkt Mereschowkys »Reich des Antichrist« als Vorfrucht des Bolschewismus und droht Europa, weil es Rußlands Untergang zuließ, denn die weit ärgere Schandtat, das gebildeste Kulturvolk zu erdrosseln, scheint ihm Nebensache. So herrscht überall nur beschränkter Ichwahn. Seine Ungeschicklichkeit nennt Michel Ehrlichkeit, er belügt sich, selbst wo er sich anschwärzt, um »Kriegsverbrecher« zu denunzieren, unsere Judasse sind sich über das »Belgien zugefügte Unrecht« so einig wie Schweizer Spießer. Ach, die bösen Alldeutschen wollten wie Marlowes Tamerlan »gegen den Himmel marschieren«, diese armen schwarzen Schafe, deren kleiner Parteistall nicht das kleinste Echo in der Wilhelmstraße weckte, während alle Überpatrioten der Entente grunzten gleich »fünfhundert Säuen« und ihren Völkern dabei kannibalisch wohl war und ihre Bestialität sich gleich herrlich offenbarte. Da fielen unsere Brillmagister von den Ratsstühlen, wie einst der Regensburger Reichstag, wenn welscher Übermut seine Allongeperücke zauste. Die Narrenkappen schüttelnde Professorenweisheit, deren aufdringliche Segnungen sich das Ausland verbat, erbrach beim Rütteln des Weltkrieges lauter Gase. Als Lichnowsky, der in Grey den Ausbund aller Tugenden verehrte – Nicholson brauchte dafür einen Vergleich aus dem Tierreich – seine heimischen Kollegen als Neidhintertreiber seines Bremsversuchs anklagte, zeigte solche Ungeheuerlichkeit, welcher patriotischen Pflichttreue er unsere Staatsmänner fähig hielt. »Unser Kaiser« war uns »die Sonne«, Italien bundestreu, Wilson leidenschaftlich neutral, die Neugierigen des Munitionsschiffes Lusitania wurden erst noch gewarnt, dabei aber ertappte exterritorialer Einbruchsdiebstahl Wilsonscher Polizei das täppische Angebot an Mexiko und Japan und verbotene Wege des allzugeschäftigen Papen, dem Sabotage ein Pappenstiel war. Und was änderte sich heut unter Stresemännern und Luthern, die nie eine Wittenberger These anschlagen, nie eine Bannbulle verbrennen würden! Wir blieben die Alten. Volksaufläufe auf Weidenplätzen politischen Verbrechertums brachen nichts Neuem eine Gasse. Plötzlich demokratische Professoren stellten zunächst Verfassungspapier her statt billige Lebensmittel. Strolchewisten, die sogar die Villa ihres analphabetisch ABC-Hoffmann plünderten, ein Familienidyll zum Kranklachen, lösten doch nur die schmierigen Jobber ab, die heut über geschäftliche Unmoral wimmern und doch höchstens die zehn Gebote hielten: laß dich nicht erwischen! Bildungszuchthäuser akademischer Seminare heut ohne staatliche Subvention? hatten sie je Raum für Unabhängige wie Eugen Dühring? Heute müßte Kleist sich geradeso erschießen. Der Eisner-Genosse Edgar Steiger hinterließ einen Brief: Dazu halfen wir den Arbeitern, damit die geistigen Arbeiter Hungers sterben! Das All-Gemeine speit heute den gleichen Streberauswurf, während das Großkapital hohnlächelnd seine Säcke türmt und Pöbelraubgier umsonst auf Schädelpyramiden zum ersehnten Mammon hinaufklettern möchte. Nur zur Plünderung der Wäschestücke und Orden im Kaiserschloß schwang der Janhagel sich auf, doch in jener großen Zeit, wo sich jeder ein Maschinengewehr mit nach Hause nahm, hatte man heilige Scheu vor Kugeln, die ihre Adresse nicht erreichten. Das Staatsphilistertum mit Auslese des Mittelmäßigen wird nie aussterben. Il y a des juges à Berlin? Ebensogut könnte man faseln: Il y a des fourbes à Rixdorf. Buridans Esel zwischen zwei Heubündeln tutet Ya, Echo des blöden Hurra von rechts und links. Kausalität braucht zwar Scheidewasser, nicht Scheidemänner, doch nicht so, daß nur Klassenkampf von Eigennutz gegen Eigennutz tobt und der Fabrikarbeiter sich geradeso wie der Feudalbaron für Protoplasma sozialen Erstgeburtsrechts hält. Diktatur des Proletariats schmuggelt nur durch Hintertür den alten Gewaltstaat wieder herein. Der sogenannte historische Materialismus spielt mit lauter falschen Karten. Die Kirchenväter Marx und Engels gaben noch den »Zufall« großer Männer zu, die das Rad beliebig vor- oder rückwärts drehen. Aus Marx' eigener Synthese folgert nur, daß bei steter Veränderung der Produktionsmittel die Sozialdemokratie morgen geradeso veralten kann wie das Kapital. Während im rohen Kräftespiel nur das Schwert den Knüppel zerhaut, wie Louis' Pariser Dezemberputsch die Arbeiterjunischlacht, auf was beruft sich der geforderte Altruismus? Die Natur kennt nichts dergleichen, also auch nicht die Naturwissenschaft, in die sich heute jede soziale Freimauerei drapieren möchte. Solchen Luxus können nur wahre Übermenschen als Überschuß ihrer Kraft abgeben und auf wen kann sich die soziale Gerechtigkeit allein berufen? Nur auf den Gott-im-All, den haltlose Menschenvergötterung leugnet. Man betet zur mythologischen Göttin der Vernunft, hinter deren Tempel sich Freudenhäuser verstecken, wobei man separate Heuchlerkapellen für hohe Herren erbaut. Ohne Enthusiasmus sei nie Großes geschehen, sagt Kant, doch wer erwartet ideale Impulse von Parlamenten, da Ch. Hartmann das englische Unterhaus den »größten Advokatenklub der Welt« nennt. Kommunistische Revolte aber endet immer wie die englische Wat Tylers, deren Gleichheitsschwindel höchst gleichartiger Panik verfiel, sobald die Köpfe der Führer vor straffer Reichswehr zu Boden rollten. Chamberlains Schrift: »Demokratie und Freiheit« fälscht freilich den Obrigkeitsstaat zum Regiment geistiger Freiheit um, doch Demagogenwirtschaft kennt weder Geist noch Freiheit. Kant macht Metaphysik für »das wahre dauernde Wohl der Menschheit« verantwortlich, geißelt aber zugleich die Verdummung der Wissenschaft, den »Pöbel der Vernünftler«, der sein Sprüchlein herleiert, »freie Bahn dem Tüchtigen«, womit er Staatsexamina der Halbbildung meint. Doch vom Bolschewismus Kulturverjüngung zu erhoffen, ist kindischer Aberglaube. Die Natur macht keine Sprünge, die Germanen der Völkerwanderung und selbst die Türken waren staatlich und religiös gegliedert, fingen nicht die Welt gleichsam von vorne an, und ob die Sophienkirche später Moschee hieß, fällt unters Relativitätsgesetz. Jedenfalls siegte hier junge Naturkraft. Doch alkoholisierte kannegießernde Proletenhorden ohne Verständnis für Geistheiligtümer spenden nicht Jungbrunnen, sondern erst recht Degenerierung. Auch Thomas Morus schloß in seine »Utopia« den Religionskult ein als einzig mögliche Fürsprache bessernder Gesellschaftsänderung, Zwangssozialismus der Vielzuvielen wird stets Utopie bleiben, ohne metaphysisches Bedürfnis, dies tragikomische Selbstbekenntnis des innerlich feigen Egoismus, der sonst nur in Staats- und Kirchenautorität dem verhaßten Idealismus einen falschen Wirkungskreis einräumt. Wo das Proletariat nur Futterkampf auf seine Fahne schreibt, hat heiliger Egoismus der Herrschenden und Besitzenden das gleiche Lebensrecht, dem »Pack« nicht als Packträger dienen zu wollen. Daß man einige Pfeiler und Ornamente des alten Systems abbricht und dem Neuen einige Opfer schlachtet, verbessert nicht die Nationalpsyche, wo goldenes Kalb und Priapus des Arbeiters Herz geradeso erfreuen wie des frischfreifröhlichen Ausbeuters. Das alte System war an sich noch keineswegs »fluchwürdig«, sondern paßte sich dem Gesetz der Wechselbeziehung des naturhaft Ungleichen besser an als das gewollte Prokrustesbett der Gleichheitspöbelei. Sie möchte das vom »Racker Staat« gefesselte Individualrecht erst recht zertreten. Seelenlose Mechanik, freiheitsfeindlich in ihrem Wesen, weshalb ihr erster Begründer Hobbes das Gottesgnadenrecht der Stuarts heiligte, zerstört den Hebel jeder Befreiung, erst müßten die Menschen sich von ihrer eigenen Bosheit und Dummheit befreien. Hussiten und Puritaner schöpften Möglichkeit ihres Sieges nur aus Verquickung des politischen mit religiösem Idealismus. Wie die Erdrinde nur ein Prozent der Erdkugel beträgt und doch die feurige Unterschicht niederhält, warum sollte nicht Gleiches organisch im Staatsleben bestehen! Doch erst wenn Zusammensetzung der Obrigkeiten auf rein geistiger Auslese beruht, kann der gefräßige Dickhäuter Demos gebändigt werden. Das Rhinozeros ist halbblind, verfehlt daher sein Ziel, wenn es im Galopp attakiert, doch zertrampelt dabei die Felder. Man muß ihm eine Weidehürde schaffen, wo es sich einpferchen läßt. Manchem Schwärmer müssen dann die Augen übergehen, wie leicht schwachsichtige Massen, in der Irre herumspaziert, sich müde um jeden Futtertrog kauern, den ihnen ein Wärter vorsetzt. Von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wird man nicht satt, die Arbeiter huldigten Napoleon, als er ihnen das Recht auf Arbeit zumaß. Völkerbünde stiften ohne gemeinsames seelisches Band? Sprache, Sitte, Charakter trennen die Völker. Chauvinistische Eitelkeit, von Herrschenden absichtlich genährt, zaubert jeder nationalen Unwissenheit ihre Gottähnlichkeit vor. So ist Goethegeplapper professoraler Mißbegriff besonderen Reifetyps für alldeutsche Philister, während bei Anmaßung der Gallier und Angelsachsen nicht ihr Kulturverdienst, sondern Banausengüter der Gloire den Ausschlag geben sollen. Da Geschwindigkeit keine Hexerei, kann man Altgewordenes auf Kommando neu zuschneiden oder demokratischen Phantomen ein Scheinleben einflößen? Zwar singt der balladeske Baron Münchhausen ehrlich »der Adel ist des Fürsten und nicht des Landes«, doch Blutadel stammt nicht von Fürsten und der Strolchewismus möchte umsonst eine glatte abgewalzte Tenne zustampfen, auf der kein Gras vornehmen Lebens mehr wächst. Ein Kommunistenführer heißt richtig Toller, Tolle steckt man in die Zwangsjacke, wenn sie natürliche Ungleichheit mit Daumschrauben verrenken möchten. Wenn Napoleon sagte »ein König ist nicht in der Natur«, so gibt es dort auch apriorisch keine Freiheit, eine liebknechtende Armeleutdiktatur verschleiert nur ihre Unterdrückerwut mit Falschmeldung durchtriebener Gelüste. V. »Wir heißen Euch hoffen«, dies Goethewort wollen wir nicht aufgeben, nach so viel Bußen muß den Deutschen ein Ausgleich tagen. Schon viele Makkabäer und Leviten, die dem Landesfeind gefälschte Dokumente schweifwedelnd apportierten, traf der rächende Strahl. Doch nach Erfrechung der Massen kommt jetzt wieder alter Schund der Ordnungshüter für Orden und Sittlichkeit, um den Geist mit heuchlerischen Schmutz- und Schundgesetzen zu knebeln und ein neues eisernes Hauskreuz an neue Gitterstäbe zu schmieden. Doch hantiert solcher Gegendruck etwa verlogener als jene Pazifistenschläue, die mit gleißendem Salböl das Stirnrunzeln unserer Henker wegmassieren möchte? Der alte Kurs verhauchte seine Rednerseele: »Deutschland ist das Land des Idealismus, England des Mammonismus, eins von beiden muß untergehen«, o je! Solchen Vorschußlorbeer würzt heut der Katzenjammersalat mit ranzigem Öl abgestandener Illusionen und deutscher Mammonismus schwimmt in der verdorbenen Metzelsuppe obenauf! »Händler und Helden«, o Sombart? Als ob's nicht deutsche Händler und englische Helden gebe! Chamberlain stellt sich in »deutsches Leben« an, als vergäße er das qualvolle deutsche Leben seines Richard Wagner. Wahrlich, wenn heute die Wirtschaft das alte Vaterland des Idealismus an den Schuhsohlen mitnehmen möchte, könnte manch schwerindustrieller Profitpatriot an Laternenpfählen zur Beleuchtung dieser Scheinheiligkeit dienen. Alle Phrasen rechts und links gehören auf den Kehrichthaufen, den der Nachkrieg zusammenfegte. Nach wie vor schwingt die Exekutive, Volksvertretung als Sicherheitsventil benutzend, den Kantel über unmündigen Schuljungen nach Marats Losung: »Jede Regierung ist ein Volksfeind«. Jedenfalls hofft man so wenig wie von Schlotbaronen von regierenden Demagogen, ihr Name bleibt immer Haase und Kohnsorten. Als Mehring gegen Nietzsche den stumpfen Pfeil schoß »Prophet des Kapitalismus«, bestrafte solch plumpes Mißverstehen die falsche Herrenmoral für Sklavenseelen, die sich auf den kreischenden Zarathustra berief, weil er Ethik unter die Füße stampfte und sich in Gedankenflucht festritt, dem Ausland Waffen schleifend gegen die »mensoge allemand« , die ein selber so lügenhaftes Frankreich uns in die Zähne wirft. Haben wir ein Recht, uns über fremde Heuchelei zu erbosen und »Deutschland über Alles« zu musizieren? Obwohl Bulwer richtig Preußens Volkfürsorge den englischen Übelständen vorhielt, so lebt der Mensch eben nicht von Brot allein, Freie fühlten sich oft in Preußens Atmosphäre wie unter einer Luftpumpe. Und niemand will zulernen, auch nicht im Militärischen. Wie verstimmte Yorks »Napoleon als Feldherr« durch den Zweck der Übung, regellosem Genie preußisches Fachmonopol gegenüberzustellen! Abgeschmackt, denn Napoleons Militärinstitutionen ließen gerade im preußischen Sinn nichts zu wünschen übrig. Das französische Troupierheer 1870, das österreichische 1866 stützten sich auf mehr Prestige und Kriegserfahrung als das neue preußische Volksheer, zerbrachen aber sofort. Den Briten und Russen half nichts im Weltkrieg ihre frühere praktische Schützengrabentechnik. Nur das Milizsystem holt zeitgemäß die Massen heraus, Antiinteressenten umnebeln nur die Wahrheit. Preußische Militärs wie Borke und Scheibert, General Wolsley usw. bezeugten die Unübertrefflichkeit der Milizen im amerikanischen Bürgerkrieg. Der Hinterwälder-Sokrates Lincoln erzwang fabelhafte Organisation, indem er »Fachleute« möglichst aus den Amtsstuben hinauswarf. Bei uns aber werden heutige Stahlhelmbünde mehr und mehr Kommißgebilde. Daß ein Bauernsohn Scharnhorst 1806 als Generalstabschef herrschte, wäre unter Willys Prätorianern unmöglich gewesen. Nirgendwo als in Deutschland, so mächtig überall das Offizierswesen, stolzierte des Königs Rock so kastenmäßig. Der englische Offizier trägt Uniform nur bei Hofkur und Maskenball, sonst legt er gesellschaftlich stets Zivil an, um sich bescheiden einzufügen, ein tief bedeutsamer Unterschied. In den Befreiungskriegen sonderten die adligen Berufsoffiziere sich von Landwehrkommandanten ab, siehe Friccius' Selbstbiographie, dem man später die Erstürmung des Grimmaschen Thors für einen Major von Mirbach rauben wollte. Doch Gerichtsrat Graf Wedel fiel bei Möckern vor seiner Landwehr: »Ihr Brüder , für Deutschlands Freiheit !« Wir zweifeln, ob künftiger Befreiungskrieg solche Worte hören würde, mehr und mehr schwindet die Möglichkeit für Aussöhnung zwischen altväterischen und neuliederlichen Klassenstaat. All das Überlebte, was im Sammelbecken des Militarismus zusammenfließt, muß man wegschütten, wenn wahre Ertüchtigung zum Vergeltungskampf erstrebt wird. Kapphengste für Feudalzucht müssen abgezäumt werden, lütte Leut ohne Mutterwitz verschwanden spurlos, solche Putsche werden immer unzeitgemäßer. Dies betonen wir mit gleicher Schärf, wie wir demokratischer Anremplung gegen Fürsten und Adel entgegentreten, denn alle Vorurteile rechts und links entspringen der gleichen verrannten Aufgeblasenheit. Fremdtümelei ist nur ein Artikel für deutsche Warenhäuser, aber Deutschtum stinkt heute auch wie eine verfaulte Lilie aus dem dicken Bauch des alten Adams, der sich nicht seelisch häuten mag. So besorgte er den ärgsten Finanzskandal der Geschichte gegen das eigene Volk. Alle Minister und Parlamentarier, die den Aufwertungsschwindel, d. h. Straßenraub sanktionierten, betrieben Umwertung aller sittlichen Werte, Deutschnationale in der Welt voran mit gebrochenem Wahlversprechen. Wir wollen nicht mal glauben, daß dieser tiefe Schacht der Gewissenlosigkeit sich mit Nutznießung und Hehlerschaft des Nationaldiebstahls füllt. Doch wie kommts, daß Dawes selbst erklärte, bei anständiger Aufwertung hätte er seine Ansprüche an diesen »schuldenfreien« Staat zugunsten seiner unglücklichen Bürger herabgestimmt! Keine staatliche Rücksicht bewog also zu rücksichtslosem Raubzug, sondern nur Schonung der »Wirtschaft« (lies des Großkapitals, das die Beute einsteckte) unter Mittäterschaft der Regierungen – im Plural, denn alle sich folgenden Parteigruppierungen waren für diesen hohen Zweck einig und Hindenburg, für dessen Präsidentschaft man über 600 000 Mark auswarf, mußte die schamloseste Grausamkeit unterschreiben, die je gegen 43 Millionen deutscher Bürger (so hoch beläuft sich die Summe der Leidtragenden) ersonnen wurde. Und wie kommt es, daß man dabei Geld zum Fenster hinauswirft für Riesengehälter hoher Beamter und Generale und Pensionen selbst von Ministern, die nur einen Tag fungierten, während man die durch eigene Schuld des Reichs maßlos angewachsenen Unterbeamten abbaut oder zu Hungerkünstlern erzieht, oder die gewesenen Unterleutnants, die doch auch ihre Haut zu Markte trugen, mit einem Trinkgeld abspeist, das nicht mal zum Hungern reicht? Soll man sich da wundern, daß das Ausland hier ein Bild ungeheurer Korruption erblickt und logisch folgert: Wie darf man Leuten trauen, die ihre eigenen Landsleute erbarmungslos begaunern! Was wiegt aller Barmatschmutz privater Diebsgesinnung im Vergleich zu staatlicher Entrechtung des Eigentums! Du ahnst es nicht, o ahnungsloser Engel Du, wie das Ausland deinen Kredit bewertet, Du ehrvergessene Germania! Doch dies biedere Ausland vergißt, daß es sich aus unserer Haut Riemen schneiden wollte und einen Ausverkauf in deutschen Gauen spitzbübisch feierte. Die sittliche Entrüstung aller fremden Eidgenossen, daß Deflation sie um ihre angehäuften Papiermilliarden und erpreßten Sachwerte betrog, erheitert uns in aller Trübsal. Und vergessen wir selber nicht, daß nur die Niedertracht der Franzosen unseren Inflationsgaunern die nötige Handhabe bot, daß noch Dawes' Reparationsschraube unseren Haushalt zu sehr einschränkte, um sofort anständiger Aufwertung Raum zu geben. Wer gewährt uns Reparationen für Frankreichs Schandtaten? Die Gegenrechnung wäre erdrückend. Sollte nun aber die Nemesis uns plötzlich vom Reparationsjoch befreien durch politische oder gewisse Erdkatastrophen, würden die Inflationsdiebe dann freiwillig den Raub hergeben und die Staatsgläubiger befriedigt werden? Wer die Neudeutschen kennt, bei denen Treu und Glauben ein längst beseitigtes Vorurteil, erwartet nichts von Anstand, nur von Zwang. Berliner Aufmarsch des »Stahlhelm« gab ein erhebendes Zeichen, daß Vaterlandstreue noch nicht erlosch, um so mehr als 60 % dieser alten Frontkämpfer aus Arbeitern bestehen. Andererseits macht bedenklich, daß Major Anker, ein Anhänger des Kronprinzen, jetzt heftig bei Mosse vor dem alten System warnt! Steckt dahinter eigene Erfahrung? Jedenfalls würde das Ausland deutschen Faschismus nicht begünstigen, wenn sich darin Stärkung der Nation verkörpert. Mussolini, dessen carta di lavoro uns endlich überzeugt, daß in ihm ein großer Mann erstand, betritt Wege, die unseren Rechtsinteressenten keineswegs passen und ihnen nach Marxismus riechen, worunter man jede Zähmung der Ausbeutung versteht. Seine Faschisten aber durchdringt zu innig der sacro egoismo , als daß sie irgendeine Machtauferstehung Deutschlands wünschen könnten. Gewiß strotzt heut Italien von Franzosenhaß und Deutschfreundlichkeit, obschon diese seltsamerweise nicht zum Schweizertessin vordrang. Ein prächtiger Geschichtswitz verlegte den Humbug von Locarno nach einem Städtchen, das begeistert beim Waffenstillstand in Volksversammlung aller Matin- und Secololeser »abasso la Germania« heulte. Dieser Geist von Locarno, als beim Camelienfest ein Wagen mit Pappetempel »Pax Locarnensis« bedenklich wackelte, kicherte verständnisvoll, denn an Ort und Stelle faßt jeder die berühmte Trinkverbrüderung als Einseifung deutscher Dummheit und Triumph welscher Arglist auf. Nur unsere treuherzigen Pazifisten sehen noch nicht als betrübte Lohgerber ihre wanzenreichen Felle fortschwimmen. Bei der Unzuverlässigkeit und unwissenden Einbildung romanischer Völker darf man auf deren Beständigkeit in deutschen Sympathien so wenig rechnen wie auf englische Gleichgültigkeit. Mit den Sowjets sich anbiedern wäre unsichere Spekulation. Leider wäre möglich, daß die Kommunisten gewaltigen Zulauf von den Aufwertungs-Enterbten bekommen und so das Tier der Apokalypse plötzlich rot anläuft. Vorläufig wäre Lavieren zwischen Ost und West das Vernünftigste. Nur in Dir sind Deine Schicksalssterne, nur auf sich selbst vertraue Deutschlands Schicksal! Doch werde nicht wieder Heinrich Manns »Untertan«, nachdem »der Kopf« vorn überfiel! Wer kennt die Zukunft? Die Völker kennen einander nicht, jedes hält sich fürs Hofburgtheater der Kultur und verlangt für seinen Fundus von Requisiten und Kulissen eine Abfindungssumme von besonderem Prestige. Doch derlei wird den Angelsachsen und Galliern wie den Alldeutschen nur von Fall zu Fall bezahlt und die Kasse oft gestopft. Auch Bolschewismus hat die ungenauen Steuerzettel und falschen Rubelscheine von russischem Wesen, an dem die Welt soll genesen, nicht liquidieren können, Selbsteinschätzung seelischer Steuerveranlagung schwindelt eben allzeit. Die Vielzuvielen sind nie bei Kasse. Der Gott, der Eisen wachsen ließ, wollte keine Knechte, doch alle bleiben Knechte der Rassenverunreinigung, teils durch chauvinistische, teils durch pazifistische Selbstverstümmlung. »In Frankreich sieht man viel Talent, doch kein Genie«, kein Bratenbarde betonte stolzer deutsche Überlegenheit als jener, der sein Sorgenhaus Sanssouci nannte, »ja, wir werden eine große Literatur haben«, aber Nibelungenlied und Goethe waren ihm keinen Schuß Pulver wert und er verschmähte sein eigenes bärbeißig geniales Deutsch für gelecktes Französisch – welcher Abfall vom »deutschen Gedanken« (Rohrbach), dieser alten Gedankenverwirrung! Wo lebt heut ein deutscher Gedanke? Schon die Mystiker des 13. Jahrhunderts wußten, daß nur Freisein von Zwang sittlich zu handeln befiehlt. Der raffinierte Staatszwang unserer Krämerrepublik entsittlicht weit mehr als der alte Absolutismus, wo »aufgeklärter Despotismus« dem Ausleben des Geistes manchen Schlupfwinkel offen ließ. Dem Ausland führt man als Bevollmächtigte einen Ausschuß von großen Unbekannten vor, ähnlich jenen Journalisten- und Bürgermeisterreisen nach London, die zum Staunen gutgläubiger Briten aufdeckten, daß Deutsche noch weniger Englisch verstehen als Engländer Deutsch. Als Karl Peters, Wiedergeburt von Warren Hastings, über dessen Verbrechen sein dankbares Vaterland den Mantel englisch-christlicher Liebe breitete, eine Pfandweibspionin aufhing, mußte ihm der Neid eilig ein Bein stellen, und als er, kein Koriolan geworden, im Weltkrieg wieder mobilisiert werden wollte, grinste man froh: für diesen Kerl keine Verwendung, der ohne Staatsexamina bloß mit genialer Energie auskommen wollte! Das Kesseltreiben unserer Strolchewisten gegen Ordnung und Bildung schuf in Braunschweig das Monument jener Waschfrau als Kultusminister, doch bürgerliche Kulturministerei die judäoberlinische Dichterakademie. Akademische Köche mästen weiter den Kropf der Gänseriche mit unverdaulichen Nudeln für eine Gänseleberpastete von Scheinkultur. Doch so schneidig Deutschland immer noch gegen sich selbst frevelt, stellt dies boshaften Feinden noch keinen Freibrief aus, ähnlich den Weltkriegpässen des ententistischen Amerikabotschafters in Berlin. Richter Lynch fällte sein maßgebendes Urteil zur Rettung der Kultur, noch Präsident Harding proklamierte Deutschlands Alleinschuld, denn der Wunsch ist Vater des Gedankens und Unwissenheit die Mutter des Leichtsinns. Als Gallien seine schwarzen Horden ausspie – der Mohr tat seine Schuldigkeit und kann nun gehn – bekannte es wenigstens ehrlich, daß es sich selbst mit dem Teufel verbinden würde, blieb sich selber treu im Erbhaß gegen friedfertigen Michel. Die Angelsachsen aber verbrämten ihren unnatürlichen Germanenverrat mit jener Heuchelei, die ihnen gleichfalls vererbt im Blute sitzt. Wie die Angeln, deren Thane Harold bei Hastings im Stiche ließen, erst durch Normanen zur Staatszucht erzogen, so konnte nur Preußen die Deutschen zur strengen Genossenschaft aufrütteln, das Geheul wider Verpreußung ist Diebsfinte. Harte Notwendigkeit wird Einheit aller Germanenrassen erzwingen gegen slavisch-mongolische Weltgefahr. Die Arier – Inder, Gräkolateiner, Germanen – sind Individualisten, gerade weil sie Kulturelles auf höchste Stufe brachten, daher im Gegensatz zu Chamberlains falschen Begriffen viel unbegabter für straffes Staatsbilden. Bloße Staatsbevormundung gründet nicht Grundlagen des zwanzigsten Jahrhunderts, sondern Besinnen auf Individuelles. Eine Rolle, wie sie zum Heil Italiens der anrüchige Annunzio und der ehemalige Maurer Mussolini spielten, weil man ihre geistige Potenz vorurteilslos wertete, wäre bei uns undenkbar. Den Philisterhohn »verkanntes Genie«, wenn Genie sich nicht materiell durchsetzt, kennt kein anderes Volk. Wenn Frankreich ganz Europa in Blut taucht, so schaufelt es doch nie seinen eigenen Größen ein Grab, huldigte stets dem Pathos der Distanz im Respekt vor Geisteswerten. Der Deutsche kennt nur Schulmeisterbildung. Daß objektive deutsche Gründlichkeit eine Chimäre, zeigt schon die ungründliche Parteiwut, mit der deutsche Stradfordier und Baconier sich wechselseitig des epidemischen Wahnsinns bezichtigen, etwa so als ob die einen leugneten, daß die Erde sich um die Sonne dreht, die anderen unterschieben, sie drehe sich um den Mond, d. h. eine Unmöglichkeit durch die andere ersetzen. Jede Verstocktheit bleibt geheiligt, sobald professorale Outsider über Hochgeistiges schwatzen. Weil nur die Germanen Erben der Hellenen, konnte englische Ästhetik den Homer als Großmeister statt Vergil und Ovid einführen, doch der deutschen Schule fehlt noch heut jede wahre Beziehung zum uns viel wichtigeren Nibelungenlied. Der geniale Strindberg sieht im Schulwesen die Wurzel alles Übels. Wilhelms in dieser Richtung gesunder Instinkt gegen den Gymnasialhumanismus schnappte wie gewöhnlich nach erstem Anlauf ab. Gerade wie die gutgemeinte Sozialreform später in brutales Scharfschießenwollen bei einem Streik ausklang: »Mindestens 500 müssen auf der Strecke bleiben!« (Zedlitz). Und das soll »einer der edelsten Menschen« gewesen sein? Wen betrügt man hier? Nachdem selbst die Konservativen ihn aufgaben, rief die oft maßlose Anschwärzung des Nieschweigers jüngst einen Verteidiger in die Front, der »Schuld und Schicksal« bei ihm abwägt. Wenn mans so hört, möcht's leidlich scheinen und steht doch ziemlich schlecht darum. Wenn Ludwig Kohns Wilhelmbuch, der gleichzeitig über so Entgegengesetzte wie Napoleon und Bismarck sein geistreiches Geseires stilvoll mauschelte, antimonarchisch geifert, so bindet eine anonyme Broschüre über Wilhelms Tragik geradeso unwahr die Maske der Objektivität vor, ein Meisterwerk von Mohrenwäsche mit einigem Richtigen. Unser eigener Aufruhr gegen »die verrückte Zwiebel«, welches Kosewort ein anscheinend inspiriertes Buch dem Kronprinzen in den Mund legt, richtet sich nicht gegen den Privatmenschen, sondern den umschmeichelten Cäsarenaffen, der noch heute in sentimentalen Illusionen schwärmt. Vergleiche das läppische Interview mit Sylvester Viereck über seine zweite Heirat, ebenso unbedeutend wie anmaßlich. Wenn er vielleicht den besten Willen hatte, so mischte sich seiner lauten Vaterlandsliebe so viel heimliche Dynasteneinbildung, daß schwer zu unterscheiden, wo krasse Selbstsucht aufhörte und Vaterlandsgefühl anfing. Seine Eitelkeit, sich in alle Kunstdinge einzumischen und mit falschen historischen Zitaten um sich zu werfen, entsprach seiner mangelhaften Bildung, ganz im Bann der üblichen Drillkultur, die zu durchschauen seine Oberflächlichkeit ihm versagte. Er versicherte Jules Simon weihevoll: »Sie haben heute große Autoren, z. B. Ohnet«, worauf Simon geantwortet haben will: »Ganz Frankreich würde über Ihr Urteil lachen.« Das einstige Versailler Vorbild dieses Ohnetverehrers mit Geschmack einer Ladenmamsell fragte mal Boileau: »Wer von meinen Dichtern wird meiner Regierung den meisten Glanz verleihen?« Schon diese Frage verblüfft ein deutsches Lakaiengemüt. »Moliere? Das wußte ich nicht, doch Sie verstehen das besser als ich.« Als ob Wilhelm je etwas nicht besser gewußt hätte als beschränkter Untertanenverstand! Der Sonnenkönig ließ sich abends geduldig langweilige Verse vom greisen Corneille vorlesen, unser Kaiser, König und Herr schmatzte Ganghofers Jägerlatein. Daß er sich heute mit Rückberufung schmeichelt, zeigt nur den Tiefpunkt der Republikverachtung. Die hohe Begabung, welche viele Ausländer und heimische Byzantiner bei ihm entdeckten, beruht auf der Scheinperspektive, die eine lebhafte Regsamkeit, wie er sie von beiden Eltern erbte, mit Schöpferischem verwechselt. Bei den Kaisermanövern, deren Liebedienerei geradezu vergiftenden Einfluß übte, trat auch seine militärische Unzulänglichkeit zu Tage: Aufgeputzte bemalte Scheinerfolge. Seine angebliche Milde nahm man wohl selten in seinem Auge wahr. Liebhaberei für Treibjagden und Gutherzigkeit! Als sein Intimus Eulenburg, dessen Memoiren ihn politisch rehabilitierten, in der Patsche saß, beugte er sich mut- und treulos jener inszenierten Holstein-Harden-Hetze nebst dem künstlichen Advokatenkniff der haltlosen Meineidsklage, die den einzigen hochgebildeten Berater wegen so weit verbreiteter Privatverfehlung von ihm entfernten. Auch sein Betragen bei Bülows Entlassung (wieder ein Unglück, da Bülows Schwächen ihn nicht seiner Geschicklichkeit beraubten) zeugt nicht von treuem Edelsinn, sondern von nachtragender Rachsucht wegen der Daily Telegraph-Intrige, bei der sich der Wouldbe-Autokrat wieder zu demütiger Kapitulation bequemte. Unvornehmeres als der Uriasbrief an Franz Joseph bei Bismarcks Wiener Besuch kann man sich nicht denken. Wenn er sich manchmal im Privatverkehr freundlich und schlicht gab (das bekräftigen wir, damit wird aber sein öfter brutales Benehmen nicht vermindert), so begreifen eben Unkundige nicht, daß er ein Schauspielertalent besaß, das zu »diesem verdammten Metier« gehört, wie Friedrich der Große es nannte. So erklärt sich, daß wir seinen vorübergehend glänzenden Eindruck auch auf uns Nahestehende bestätigen können. Wir bestreiten nicht, daß er vom Vater ererbte liebenswürdige Gemütsseiten hervorkehren konnte, je nach Belieben der Laune. Man hat vor Augen, wie man alles, was ein allmächtiger Kaiser von sich gibt, zu seinen Gunsten zurechtdreht, in der Behauptung, er habe recht wohl unangenehme Wahrheit ertragen können. Warum? Weil Moltke erzählt, er habe vor Übernahme der Generalstabsgeschäfte seinem Gönner über die Kaisermanöver derbe die Wahrheit gesagt, dieser habe es gütig aufgenommen und Besserung gelobt. Abgesehen davon, daß trotzdem keine wirkliche Änderung eintrat und daß Moltkes »Erinnerungen« ein Interesse daran hatten, sein Sträuben gegen den verantwortlichen Posten möglichst breitzutreten (man färbt oft untertänige Andeutung in deutliche Vorstellung um) – abgesehen von der kindlichen Naivität, notgedrungene Streberei der Hofgenerale nicht bemerkt haben zu wollen, während jede Kritik Berufener mit Kaltstellung endete, vergl. auch den Fall Kretschmann in Lilli Brauns Memoiren – hat nicht vielleicht wie bei Bülows jäher Absägung Wilhelms Gedächtnis jene seine Größe kränkenden Äußerungen behalten und bei unerhört brüsker Absetzung Moltkes mitgewirkt? Gewiß läßt sich Kohn-Ludwigs gehässiger Anwurf, der Kriegsherr sei für alle militärischen Fehler verantwortlich, nicht belegen, obschon wir im Fall Hentsch nicht klar sehen, im Gegenteil bekannte er durch Passivität seine militärische Ohnmacht. Doch umgekehrt wird die Behauptung, der Marnerückzug sei gegen kaiserlichen Befehl erfolgt – also auch hier Willensschwäche und Mangel an Autorität bei einem so gottesgnadenfrohen Autokraten – erst recht sinnlos, weil der Mohrenwäscher die alte Lüge von Moltkes Schuld aufwärmt. Also man hätte den Rückzugsskandal gewagt gegen ausdrückliche Willensmeinung des Monarchen? Er befahl, »immerfort anzugreifen und keinen Schritt zu weichen?« Ha, welch tiefsinnige Einsicht, wäre er doch sein eigener Stabschef gewesen! Natürlich nur eine jener leeren Redensarten wie seine gepriesenen feuilletonistischen Schlagworte, denn solche Losung hätte nur dann einen Wert, wenn sie aus Kenntnis der Lage hervorgeht, was bei dem Weilen weit hinter der Front ganz wegfiel, sonst bleibt es inhaltloses Geschwätz. Sein kirchlicher Biereifer mit biblischen Vorlesungen, ist's unbewußte Heuchelei oder jene Unreife, wie sie sein Aufsatz über Hamurabi, Wilhelm d. Gr. und seine Handlanger so schülerhaft enthüllte? Seine Vorliebe für Wagners Stoffe und für Hebbels verfehlte Nibelungen entsprang bloßer dynastischer Deutschthümelei, ebenso hohl und kunstfremd, wie wenn er Herzogs Condotiere-Tamtam »Shakespearisch« nannte und sich aus politischen Gründen für Schönherrs ödes, der »Handel-Mazetti« nachempfundenes »Glaube und Heimat« erwärmte oder die dramatischen Böllerschüsse des Major Lauff kommandierte, dessen gutes Romantalent er durch seine unheilvolle Gunst verdächtig machte. Hat sein Deutschgefühl je Dankbarkeit für Wagners Genius gezeigt? Hatte er je gesunden Blick für Echtes, selbst wo es ihm nahe lag? Das sind nicht bloß Schwächen des Intellekts, sondern auch des Charakters. Seine Oberflächlichkeit ging nie in die Tiefe. Daß unsere Zukunft auf dem Wasser liege, war nur hochtrabender Einfall des Machtfimmels. Tragödie des Idealismus? Wir kennen solche schönen Gesten übergeschnappten Machtgefühls, dem nur das Zeitalter römischer Cäsaren fehlte. Nicht dem Edelsinn, sondern dem Mangel an gefaßtem Mut entsprang die Krise, wo Hindenburg als treue Amme den königlichen Säugling in die Windeln wickelte. Wir geben zu, daß die Flucht nach Holland mit sehr mildernden Umständen gedeutet werden kann, wobei Hindenburg – peinlich ist's zu sagen – um so mehr versagte, als der Kronprinz mit äußerster Energie sich gegen willenloses Verzagen auflehnte. Allgemeine Panik log damals dem hier beklagenswerten Kaiser viel vor. Sicher bleibt aber, daß die Armee es als bängliche Desertion auffassen mußte. Daß die Arbeiterräte durch Sperrung der Rheinbrücken dem Heer die Verpflegung entzogen, gehört mit zu den aufgeregten Gerüchten maßloser Übertreibung. Über die vaterlandslose Haltung der damaligen Arbeitermassen kann die Verdammung nicht scharf genug lauten, doch das feige Kuschen der Behörden und des Bürgertums erleichterten es. In letzter Instanz tragen die Deutschen, ausgenommen ihr edles Frontheer, selber die Schuld an so schmählichen Untergang, davon ist der Kaiser freizusprechen. Doch sein bombastisches Wesen, seine schwächliche Impulsivität schufen mit die Vorbedingung, daß Byzantismus und Größenwahn der Nation in charakterlosen Abfall von angebetenen Göttern zerbröckelten. Daß er nur ein unbedeutender Narr gewesen sei, behaupten freilich nur blinde Narren, doch wenn ein ziemlich Begabter sich als historische Größe träumt, stellen sich verhängnisvolle Folgen von selber ein. Daß Bismarck selbst zur Selbstüberschätzung des Prinzen viel beitrug, weil er ihn gegen seine Eltern aufzüchtete, gehört zur Ironie des Schicksals. Der Bramarbas fiel immer aus den Wolken, daher die aus Angst und Wut gemischten pöbelhaften Marginalglossen vor Kriegsbeginn. Mißverstandene Königs- und Mannentreue wird oft atavistischer Götzen- und Fetischkult. Gern möchten wir abschwächen und beschönigen, wenn es sich mit strenger Gerechtigkeit vertrüge. Doch wenn der monarchische Gedanke sich nur dadurch bewähren kann, daß man das Spiegelbild des Pseudogenialen, das den Genialen abstößt wie Gebärdenspiel eines Schimpansen den homo sapiens , und dieses krankhaften Egoisten, dessen eitle Kleinlichkeit den Kaiserfilm seines früheren Günstlings Bonn mit Klagedrohung verfolgte, fälschend veredelt, dann danken wir für solche Neuauflage der alten Schmeichellegende von Interessenmonarchisten. Der Vernunftsmonarchist begrüßt es, daß politische Schriftübungen des »Königs in Exil« ein abgeklärteres Gepräge tragen als einstige Entgleisungen. Doch wenn er sich als Muster bescheidener Zurückhaltung eines konstitutionellen Herrschers preist, wer lacht da! Man denke an burschikose Abfertigung des »Zivilkanzlers«, als Bethmann untertänigst vor Kriegsbeginn Ratschläge erteilte. Freilich darf man problematische Naturen nicht einseitig abschätzen, nicht so den Stab brechen, als seien hier nur Unfähigkeit und Größenwahn zu Roß erschienen. Derlei erinnert an das Zerrbild, das alle Bismarckfeinde entwarfen. Indessen sei hier offen gestanden, daß wir aus wohlerwogenen Gründen auf Darstellung des späteren Bismarcklebens verzichteten. Denn abgesehen von den innerpolitischen Mißgriffen enthält das letzte Ausleben des Allmächtigen leider viele seinem Andenken nicht förderliche Züge. Uns sind nicht nur die Akten des Prozeß Diest-Daber in Sachen Bleichröder bekannt geworden, sondern zwei Annekdoten aus Zeugenmund, die auf seine privaten Geschäftsmanieren ein noch peinlicheres Licht werfen als sein Prozeß mit seinem pensionsberechtigten Oberförster. Wenn Eulenburg das ganze Bismarckhaus amusisch nennt, so erzählte uns Björnson, daß ihm Bismarck sagte: er habe zum Lesen höherer Literatur keine Zeit, amüsiere sich nur mit Kriminalromanen wie einen von Gaboriau, den er Björnson schenkte und den dieser uns mit Geringschätzung des »ungebildeten Knoten« übergab. Jawohl, so war der Leser von Stindes Buchholzen und einstiger Kenner Shakesspeares, Byrons, Goethes vom praktischen Leben verunziert. Der pfiffige Bäckermeister, den A. v. Werners Kongreßbild vorführt, bleibt schreiend unähnlich, doch Lenbachs Wotan mit dem Schlapphut entsprach mehr der Idee Bismarck, in großem Augenblick des Großen vom großen Künstlerblick erfaßt, als ständiger Wirklichkeit des 11 Eier zum Frühstück Verschlingenden und dabei Staatsanwaltformulare gegen Reichskanzlerbeleidigungen emsig Unterzeichnenden. Da mochten Mißgünstige ihn wohl als barbarischen Oger malen. Wir verhehlen nicht, daß sein Widerwille gegen Friedrichs des Großen »Ruhmsucht« (unglaubliches Unverständnis des so bescheidenen Größeren) zu denken gibt. Derlei traurige Reste des Allzumenschlichen darf man so wenig in den Vordergrund rücken, wie es Kleingeister auch für Napoleon besorgen. Doch solche Pietät ziemt sich nicht vor Persönlichkeiten kleinen Wuchses. Der Vernunftsmonarchist will nur unbalanzierte Schmähungen Wilhelms II. ablehnen, doch damit basta. Tendenziöse Reinwaschung bringt ebenso in Harnisch wie Demokratenlegende, er sei wie ein Fatzke drauflos gegondelt, eine gewisse Klugheit fehlte seiner romantischen Politik keineswegs. Schuf er gewiß nicht den unerhörten Aufschwung der Industrie, so blieb er doch Anreger und wir bedurften der von ihm beharrlich erstrebten maritimen Macht zur Deckung des Seehandels und der Küsten. Die heutigen Schreier gegen die Flottenpolitik gleichen jenen Rückschrittlern, die Bismarck den Größenkitzel austreiben wollten, verkennen die Nötigung dazu, wie der Weltkrieg sie offenbarte, auf die Gefahr hin, England schwer zu reizen, dessen übertriebene Empfindlichkeit sich erst recht gegen die amerikanische Seegeltung richten konnte. Wenn Seemacht allein Weltmacht bedeutet, wie die englische Mahan-Schule doch selber lehrte, wie durfte man deutschen Aufstieg verpönen, da doch der Zweimächte-Standard bis zuletzt bewahrt blieb und höchstens Vereinigung der deutschen und amerikanischen Flotte ihn hätte bedrohen können. Doch sein lobenswertes Streben verdarb Wilhelm stets durch Übermaß. Konnte England den tollen Einfall je verzeihen, während des Burenkriegs eine deutsch-russisch-französische Koalition wachzurufen? Seine Versuche, Frankreich zu schmeicheln, verrieten die gleiche Weltenkunde wie seine Beglückung Amerikas mit der Büste Friedrichs d. Gr., dessen unergründliche historische Unwissenheit in der Rede eines Senators ausklang, Rückerts Kyffhäuserlied drohe mit einem »obscuren mittelalterlichen Tyrannen«! Daß Friedrich zuerst die Unabhängigkeit und Bismarck zuerst die von England und Frankreich befehdete Union im Bürgerkrieg anerkannten, vergaß man lange. Der kaiserliche Romantiker »brauchte Sonne«, alles Unliebsame enthielt man ihm vor; ob der »überzeugte Optimist« es heut noch ist? Den Weltkrieg wünschte er nie, doch so perfid das Kautskybuch sich dem unbedingten Angriffswillen der Entente verschließt, kann man sich dem Eindruck nicht entziehen, daß dynastische Wut gegen die Serbischen »Königsmörder« jede kalte Überlegung raubte. Beileid versagen wir ihm nicht, doch daß er uns ins Ungewisse steuerte, dafür schulden wir ihm nicht dankbare Anhänglichkeit. VI. »Freiheit, wie viel Verbrechen begeht man in Deinem Namen!« Doch »Freiheit, die ich meine« ist keine Kalenderheilige. »Ich bete in mir die Diktatur des Volkes an« drückte Marat einfach des Absolutisten »der Staat bin ich« aus. Freiheitsstatuen gleichen hohlen Pappegehäusen voll abgefeiltem Sägemehl mit rotem goldenen schwarzrotgoldenem Anstrich und Gleichheit war nie Postulat der Notwendigkeit. Die Pappeumwallung der Luftschlösser braucht man nicht mit scharfen Patronen zu beschießen. Wirklich besteht ein ewiges Lohngesetz, weil jede Wirtschaftstheorie auf eine Formel einschrumpft: Nationalgüter sind gleich der Zahl organisierter Arbeitskräfte. Wer sie gut organisiert, ob monarchisch oder republikanisch, der allein veranstaltet keine Schmierenkomödie, bloße Verstaatlichung der Arbeit (Zwangssozialismus) führt nur aus Halb- zu Ganzsklaverei (Herbert Spencer). Ein Züricher Pfarrer schleuderte »Reden an die deutsche Nation« wider ihre Gottfremdheit. Ja, echtdeutsch brachte sie rohen Machtwillen erst in Nietzsche-Haeckelsche Doktrin, mit solchen Kleinigkeiten gab sich praktische Raffgier sonstigen Europäertums samt seinem Bastard Amerika nicht ab. Doch der Herrgott von Dennewitz fand im »guten Gott von Frankreich« und im englischen Jehova würdige Genossen, im Namen Gottes feste druff! Auf Newyorker Kanzeln predigten bezahlte Hetzkaplane die Ausrottung aller Hunnen, so sieht das Christentum aus, das sich ein 20. Jahrh. gefallen läßt, denn wie der Mensch so sein Gott. Bei Wiedererwachen der Einsicht, kein blindes Ungefähr regiere im All, muß der ungläubigste Thomas seine mit chemischer Retorte beschmutzten Finger in spirituelle Wundmale legen, statt »Welträtsel« zu verflachen. Schon in Nostradamusorakel warfen Zeppeline und U-Boote prophetische Schatten. Buchstäbliche Erfüllung der Lehninschen Prophezeiung wird nicht dadurch geschmälert, daß sie vor 150 statt 450 Jahren entstanden sein mag. »Sinn und Wert des Lebens« müßten die Waffen strecken, wenn man wie Eucken noch schielend mit Mechanistik paktiert und nicht übersinnliche Eingriffe zuläßt. Ohne Geheimdiplomatie der unerforschlichen Mächte könnte keine moralische Weltordnung uns retten. Es ist erreicht, die Bartbinde hängt herunter, der abgedankte Lohengrin hat sich schon andere Bartfrisur zugelegt, nach Nam' und Art darfst Du den Schwerenöter nicht befragen. Leb wohl, mein lieber Schwan! doch das Geschnatter der Gänse schallt weiter in verstärktem Chor. Deutschland mag seelische Todsünden gegen sich selbst begehen, aber alle Wohlgerüche Arabiens waschen den garstigen Fleck der Hungerblockade, stinkend wie von einer Lydditbombe, von Englands Hand nicht ab. Bei Doktor Wilson Eisenbart (kuriert die Leut' nach seiner Art), ob man Berechtigungsschein zum Weiterleben von angelsächsischem Größenwahn beziehen müßte, denkt man an Roseberrys Erdreistung: »Nach Gottes Willen soll England die Welt beherrschen«, Gott vorzugreifen ist kindliches Unterfangen. Wenn satte Erben in der Gallerie großer Ahnen spazieren gehen, täuschen sie sich über Familienähnlichkeit. 1912 prophezeite ein englisches Buch allgemeine Umkehr zum Altruismus, statt dessen raste der hlg. Egoismus sich grenzenlos aus. Schon das Konzil von Konstanz wollte vereinigte Staaten von Europa unter einem Reformpapst, dafür bekam man Hußverbrennung und doppelte Reaktion. Chesterton spottet, die Vergangenheit hinterlasse nicht Ruinen, sondern halbvollendete Bauten. Der Europäer in seinem herablassenden Übermut glaubte in Ruinen hineinzubrüllen, als Asiens Urkulturen sich ihm erschlossen, statt dessen machte er nur die eigene Kultur zur Ruine. Das Füchsische schlug ins Tigerhafte um, das Raubtierhafte blieb in der Familie, Zähmung allgemeinen Weltkriegs durch verlogenen Völkerbund beschneidet nicht die Krallen. Tragikomisch an sich, bleibt das Leben immer Tragödie. Geschähe jedem nach Recht, wer wäre vor Prügeln sicher! ruft Hamlet, das sollten Sieger wie Besiegte beherzigen. Der Samurai erweitert die Losung »Siegen oder sterben« in »Siegen und Sterben«, Admiral Togo rapportierte öffentlich den Geistern der Gefallenen, daß die See Japan gehöre. Ein Volk, das so mit einer Überwelt in Glaubensverbindung steht, wäre unüberwindlich, doch spielte im Weltkrieg eine recht schäbige Rolle. Das große Schlachtfeld wünscht keine pazifistischen Klageweiber, sondern Totengräber mit grimmigem Hamlethumor, die nachsehen, an welcher Erbwunde diese Menschheit starb. Die Ententejournaille leistete Bedeutendes im Servieren von Enten und blinden Seeschlangen der Verleumdungsoffensive, doch wenn die deutsche Presse sich darob in Zornkrämpfen wand, so schmeckte sie nur selber, wie es tut, von systematischer Mißgunst verfolgt zu werden mit Unterdrückung jeder Gegenstimme. Nur sie kannte den Todschweigeboykott gegen alle, die den Cliquenanschluß versäumten, noch beim Tode Eugen Dührings herrschte »achtungsvolles Schweigen«! Statt Versicherungsprämie gegen Dunkelmännerei zu werden, bestätigte man Goethes Warnung, die Presse bedeute Untergang der Literatur, denn »das Gute muß gleich vom Mittelmäßigen und Schlechten verschlungen werden« und Halbkultur der Massen vernichte die Kultur. Überall auf Erden sucht das Zeitungswesen seine Freiheit in eigener Tyrannis und Lohnsklaverei der Tintenkulis unter des Unternehmerpaschas Geschäftsmache. Der Papierschweif des Inseratendrachen wirbelt nur Staub auf, um den Leser zu blenden, der Kopf des Leitartikels schnappt nur zur Deckung der hintern Plantagen. Wenn aber anderswo journalistische Klopffechter sogar den Ministerstab im Tornister tragen, so berührte tragikomisch, daß ein Hohenzoller mit plumper Zudringlichkeit just transatlantische Schmierfinken als »kommandierende Generale« anschmeichelte, die doch nur nach der Pfeife von Trustmagnaten tanzen. Dann müßten Zeitungssultans auf ihre Karte setzen »oberster Kriegsherr«! Umsonst steckten Harden und Kraus Zukunftsfackeln an, den Augiasstall zu beleuchten, wo Privatmist sich öffentlich zur Schau stellt. Demokratie soll Anteil am öffentlichen Leben bedeuten, doch wird zunichte, wenn nur Gutdünken listiger Interessenten entscheidet, was öffentliche Meinung sein soll. Wenn freilich die Staatsmaschine entgegenkurbelt, um unbequemes Federvieh in den Stall zu sperren, so ist dies gradeso »fiktives Mandat« nach dem Sprichwort »wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand.« Hier verfehlt Lassalles Witz seinen Beruf: »Die Griechen nannten Barbar, wer ihre Sprache nicht verstand, der Staatsanwalt und ich sind für einander Barbaren«. Ein solcher bereicherte den Sprachschatz durch unsern Witz »ver nagelte Weltliteratur«, doch dieser Nagel zum Sarg der Bildung avancierte darob zum sächsischen Justizminister. Solche Rechtshüter erfanden auch den Kniff des dolus eventualissimus , die Gewöhnung an Majestätsbeleidigungsschnüffeln versteifte sich auf Heiligsprechung unfehlbarer Rechtsfindung. Es hieße Bücher nach Leipzig ins Reichsgericht tragen, wollte man solche Hauereien im Rechtsstaat Deutschland aufzählen, wo auch Entmündigung derber Ankläger wegen Querulantenwahn von gefälligen gerichtlichen Sachverständigen Blankoatteste empfing. In England holte Doyles Logik als Sherlock Holmes einen Ausländer aus dem Zuchthaus nebst hoher Entschädigung des Verurteilten, in Deutschland hätte man Doyle wegen »Begünstigung« und »contempt of court« mundtot gemacht. Selbst der Einjährigfreiwillige Alldeutsche Chamberlain, Eidam Richard Wagnerscher Tantiemen, gab zu, daß die Deutschen kein Volk der Dichter und Denker, sondern der Soldaten und Kaufleute seien. Doch er vergaß den Schulmeister, dessen schleimiges Schneckenkriechen Maulwurfswühlen für Tiefseeforschung hält. Kulissenreißer auf Brettern, die nicht die Welt bedeuten und wo die Weltvernunft sich langweilt, deklamieren nicht die Wirklichkeit in Grund und Boden, doch bildete vielleicht die Eisenkur des Weltkriegs die roten Blutkörperchen um? Komisch unterscheidet man »Menschen im Kriege« von Menschen im Frieden, die nach Blüchers Wort den Hundsfott im Leibe haben, doch ihn erst durch Weltkriegfolgen recht herauskommen ließen. Denn Demokratisierung wechselt nur den Rock, zieht neuen Domino in der Maskerade an. Jeder Fortschritt muß »gegen die Parlamente, nicht durch sie erzwungen werden«. Nur Parsifal der reine Tor feiert den Sieg dieses Gewerbes, Kuhhandel für Stimmvieh. Ein Arbeitermeeting empfing Lloyd George, mit dem Wutschrei: Nieder mit den Advokaten! »Roter Siegellack«, wie der Brite die Bürokratie nennt (vergl. Dickens' Circumlocution Office und Geißelung der Justiz), klebt aber besonders am Zopf der zu Staatsanwälten gehäuteten Republikadvokaten. Da ist Scharfmacherei Trumpf, drum sandte die Entente die heulenden Derwische der »Strafbestimmungen«, die im Völkerbund die Rechtsbeugung maskieren. Napoleon sprach: »Solange man sich in Europa schlägt, ists Bruderkrieg«, die Schwarzen als einig Volk von Brüdern ahnte er nicht. Doch die Verräter der weißen Rasse zogen nicht nur ihre Weiße Schmach, sondern auch die Schwarze Gefahr für sich selber groß und unsere Million durch Hungerblockade erwürgter Frauen und Kinder vermehrt nur unzählige Millionen verhungerter Inder und Iren im Konto der Blutschuld Englands. Legts zum Übrigen! Statt des erfundenen War-Lord Willy spaziert heut der Schmerbauch John Bull umher, doch sein Stampfen gerät in Asiens Fußangeln. Nicht länger strahlt transatlantisches Transparent der Sterne- und -Streifen, vulkanisch brenzelt der gelbe Horizont von Japans »aufgehender Sonne«. Barbusses bengalisches »Feuer« war auch nur Strohfeuer, Gallierbosheit überstand Locarno und Genf-Späße. Kurpfuscherei mit falscher Diagnose löffelt umsonst den einst von Virchow angerührten Brei »lauter gleichbegabter Rassen«, die slavischen Randstaaten sind eine einzige Pleite und Onkel Sam präsentiert dem tollen Europa auf abgegraster Heide die Erklärung der Menschenrechte in unquittierten Schuldscheinen. Umsonst flüstert einer Französin holdseliger Vers über sterbende Deutsche und Franzosen: »ils pensent à leurs mamans« , die Mütter mit verdorrten Brüsten starren nur auf Medeas Drachensaat. Wenn keltischer Einschlag die Tragik des Doppelichs in Englands Seele verlegte, deren Angelsachsentum doch seinen Odem vom German Ocean nimmt, so bleibt Gallierart nach Guillotinenausmerzung des fränkisch-burgundischen Adels stets einheitlich gleich. Für sie ist jedes Nachbarrecht ein Fetzen Papier, Talleyrand anerkannte »nur Grenzen, die von der Natur selbst gesetzt«, welche unnatürliche Ausdehnung damals bis Hamburg und Cadix reichte, »es gibt keine Pyrenäen mehr« dozierte Louis XIV., Clemenceau möchte als gallischer Hahn krähen »es gibt keinen Rhein mehr«. Wie England Neutralität auffaßt, mußte Dänemark zwei Mal genießen, Lord Greys Blockade Norddeutscher Küsten 1805, leuchtete Edward Greys Kriegspfad 1914 vor. Pemberten Billings »schwarzes Buch« entlarvte die Sodomiterei deutscher Kellnerbataillone, deren Spionage die Militärgeheimnisse der City ausbaldowerte! Blatchford warnte vor Wilhelm dem Eroberer, Northcliffes Froschmajestät blähte sich über ein »perverses Deutschland«, man sah nämlich sein eigenes Ebenbild in deutschen Zerrbild und zerbrach wütend den Spiegel. »Daily Mail« ergoß sich allen Ernstes 1919 in Schimpfreden über »wahnsinnige Produkte Karl Bleibtreus und seiner Schule«, die statt »Goethe, Schiller, Klopstock« den Büchermarkt beherrschen! Man glaubt zu träumen. Ein Verehrer deutscher und Verächter französischer Verwaltung sprach das große Wort: »Jede Regierung ist organisierte Gewalt«, sein Name war Wilson, Meister vom Stuhl, er organisierte freilich seine Gewalt. Italienische Maurermeister beschlossen »die Zivilisation zu retten«, doch wer lacht nicht über Freimauererideal von Gott- und Selbsterkenntnis, wenn Logenheilige und Jesuiten sich gegenseitig Satansbrut schimpfen, sowie die wesensverwandten Rom und Jerusalem sich in den Haaren liegen! Überall zischt die Viper der Weltlüge. Der Sozialismus kam uns spanisch wie Egmont mit pomphafter Grandezza, indem er Arm in Arm mit erdichtetem Posa der Weltverbrüderung das 20. Jahrh. in die Schranken forderte, half aber nur dem Don Philipp der Entente, die Ruhe eines Kirchhofs bereiten, so daß mancher das Ende von Fiesko mitmacht: »ich gehe zum Andreas«. Doch wenn der Herzog fiel, muß auch der Mantel mit, besonders der blutige Purpursaum weißgewaschener Senatorentoga von Imperialrepubliken. Napoleon sprach zum andern mal: »Die Hlg. Alliance ist ein mir gestohlener Gedanke, nur meinte ich die der Völker«. Doch die Angelsachsen sehen nur Paradiesbäume ihrer Weltherrschaft in den Himmel wachsen, mag auch darunter die Schlange fauchen. Der gallische Chanteclair kräht von seinem Misthaufen dem Morgen neuer napoleonischer Hegemonie entgegen, bis ihm die Schwingen gestutzt und die Krallen abgeschärft. Nicht nur in Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf, eines Tages schmeißt Deutschland den Kelch, den es bis zur Neige lehrte, seinen Henkern an den Kopf. Ob sie wie Foch in die Messe, wie Wilson in die Sorbonne laufen oder sich offen wie Clemenceau als Freigeisterfreimaurer bekennen, alle verlachen sie heimlich den Gott, der seiner nicht spotten läßt. Er ist ein Gott der Lebendigen und läßt, die nicht sehen wollen, sich selbst lebendig begraben. Friedrich d. Gr. konnte durchhalten, obschon er umsonst eine »Salbe« für Preußens Wunden verlangte, doch setzte sich nicht selber in Brennesseln wie alldeutsche Schreihälse. Immerhin, so heiser das Wolfsrudel beim Anreißen eines abgemagerten Mitwolfs heult, der Vielfraß sei zu fett geworden, so gierig er die Zähne einschlägt, Deutschland ist ein zu harter Bissen. Schon spürt der Franzmann die erbrecherischen Folgen seines Freßschlingens. Phrasennebel hält sich für Tarnkappe, hinter der man die eiserne Stirn gallischer Großmut nicht sehe. Doch wehe, wenn man nicht der eigenen Selbstverliebtheit den Schleier wegzieht. Klopft vielleicht das harte Hämmern des Schicksals ein unter Schmutz und Quarz verborgenes Edelmetall heraus, zieht vor seelischen Goldsuchern ein Zeitalter herauf, wo weder Marseillaise noch Rule Britania noch Deutschland über alles nach dem God save the King und Heil Dir im Siegerkranz umsonst in gleicher Melodie angestimmt? Jedenfalls ist Völkerbund keine elektrische Birne, die man nach Belieben anzünden und abdrehen kann, sondern lebendige Frucht, die nur im Sonnenschein der Wahrheit reift. Gilt Robespierres Spruch »die Wahrheit hat ergreifende Töne, die Lüge kann sie so wenig nachahmen wie Salmoneus die Donner des Zeus«? Fenriswolf und Midgardschlange der Götzendämmerung beißen nicht so tödlich, wie der blöde Hodur auf Baldur schießt. Nicht eher kommt Allvadurs Segen über eine neue Welt, ehe nicht der hämische Loki in der deutschen Seele erschlagen. Wie das große 18. Jahrhundert bei Waterloo den Heldentod starb, so brachte das größenwahnsinnige 19. Jahrhundert sich selber um, wie sieht die Wiedergeburt des 20. aus? In Mereschkowskis genialem Leonardo-Roman prophezeit der problematische Herzog Moro: »Wenn künftige Jahrhunderte von Leonardo reden, so wird man auch seines Beschützers gedenken müssen«. Wir nennen diese wilde Epoche, wo unzählige Wilhelme, Ludendorff, Erzberger und hilflose Helfferiche umherwimmelten – nur von viel höherem Wuchs des Cesare Borgia mit seinem Machiavelli oder des Papst Julius mit seinem Michel Angelo – das Zeitalter Leonardos. Wird die Zukunft so die lange Spanne, wo der Berg kreiste und nur eine vergiftete Ratte gebar, nach irgendeinem Ewigkeitsmenschen taufen, der im innersten Wesen unerkannt und unverstanden dahinging, wie jener Christ und Antichrist, der stille, unheimliche Weise, der die Kunst als Wissenschaft und die Wissenschaft als Kunst betrieb? Mit nichten. Das maschinelle Zeitalter mochte wohl alle Entdeckungen und Erfindungen, deren Geheimnis er mit ins Grab nahm, vollenden und das Modell seines Flugapparates in die Lüfte heben. Doch was der Vater und Genius aller Mechanik erkannt und gewollt, die Einheit des Freischöpferischen (Gott) und der Notwendigkeitsmechanik (Natur) und im Menschen die Einheit alles Ahnens (Glauben und Wissen), erstarb in seinen unwürdigen Vollendern. Der große Pan ist tot, der Heilige Geist entfloh. Der Spiritus im Keller brennt und alles steht in Flammen. Noch entriegelte keine Sybille die Apokalypse kommender Dinge. Erschallt schon die letzte Trompete, wird letztes Siegel gelöst, letzte Schale ausgegossen? Nach unsrer eigenen Entzifferung, daß der Patmosadler ein Diorama der Geschichte vom Jahr 100–1934 deutlich verkündete, fragt man, was soll es bedeuten: »Da geschah solch Erdbeben, wie die Welt es niemals sah ... es kam ein neuer Himmel, ohne neue Erde«? Ists wörtlich zu nehmen oder heißt es in üblicher Prophetensprache Weltrevolution, wobei »Berge und Inseln« des Individuellen verschwinden und die gröbste Doppellüge »Die Menschen sind gleich«, »die Menschen sind gut« am politischen Horizont (»Himmel«) triumphiert? Daß Babel wie ein Mühlstein ins Meer plumpst »durch einen Sturm an einem Tage« mit allen Flotten, meint dies ungeheures Meerbeben durch Auftauchen der alten Atlantis und Versinken Englands oder nur Untergang der Babelmächte im Völkermeer? Und werden »Die Heiligen des Herrn«, die Idealisten, nachher das Neue Jerusalem einer gereinigten Menschheit bauen? In Bereitschaft sein ist Alles und der Rest ist nicht Schweigen, sondern neue ewige Ordnung im All. Ergänzungen Wir hielten uns genau an Regimentsangaben (z. B. 51. Schl. bei Frise), doch scheint Februar vor Verdun blutiger gewesen. R. Archiv über Verdun ist wie alle Stallingschriften dankenswert, wird aber diesmal mit endlosen Offiziersnamen belastet, als ob es sich um Homerische Epopöe der Subalternoffiziere drehe. Aus verwirrendem Episodenwust schälen wir folgende Hauptzüge heraus. Vortasten und Vorschieben kleiner Vorhuten am 21. ergab, daß die Linie Haumont–Herbebois noch unerschüttert, artilleristische Vorbereitung glückte auch am 22. noch nicht, trotz gründlicher Vorsorge des Kronprinzen. Beträchtliche Zuteilung von Mörsern und Haubitzen erst später wirkungsvoll, die Hindernisse im Waldgebiet noch nicht beseitigend. Der Maasflügel war minder stark und weniger besetzt, so erklärte sich, daß nur 14. R. D. am 22. in Linie Consenvoye–Haumont gut vorwärts kam unter Beihilfe von Flammenwerfern. 16. 39. R. 159. I. werfen drei fr. Rgt., 362. verlor allein 1800, während die Westfalen nur 600 einbüßten (6, 164 vom 16. R.). Daneben vertrieben die Hessen in auflösendem Waldgefecht besonders fr. 164. 233. 327., Driants Chasseurs aufreibend, doch konnte der Caureswald nicht völlig gesäubert werden. Indessen scheiterte ein Gegenstoß des fr. 165. unter schwerster Einbuße. Wesentlich fochten nur 5 d. Bat., am meisten litt I/87, während I/II/115 hier 300 und die Hessen insgesamt 900 verloren. Die Brandenburger halfen mit II/8 III/12 der 5. D., wobei der bekannte Schriftsteller Bloem das Sturmb. führte, am Villewald Erfolg (III/12 verlor 223 II/8 nur 80). 6. D. bemeisterte hingegen nicht Herbebois. 3. K. verlor 850, am meisten 64er. Im ganzen wurden heut 3000 Gef. eingebracht, 35 fr. Gesch. lagen zerschmettert. Des Feindes Blutverlust war streckenweise groß. Am 23. räumte fr. 72. D. Babst die vorspringende Maasecke bei Brabant, doch tat 7. R. K. nichts mit Ausnahme von I/39. R., das am Südhang des Caureswalds der 51. D. Boullangé in den Rücken fiel und 6 Gesch. eroberte. 30. K. Chrétien, bisher allein mit 39 (nicht 30) Bat. fechtend, erhielt schon 40. 60. Rgt. der 14. D. des 7. K. Bazelaire. Hessen und 12er überrannten jetzt glänzend fr. 310. 208. 233., der allzu schwärmerisch mit St. Privat verglichene Ansturm des Darmstädter Leib-Rgts. verlor nur 300, 12er gar nur 154, als sie bei Wavrille durchbrachen, fr. 164. 233. zersprengend. Und als 6. D. den Herbebois dem zähen Feinde jetzt stürmisch abnahm, betrug ihr Verlust am 22. 23. zusammen nur 1100. (Die 24er büßten gestern nur 123 ein, heute freilich 335, doch bleibt ungerecht, sie stets mehr als 64er hervorzuheben, die schon 511 einbüßten, wovon 350 allein das III. Bat.) Tagesverlust heute wohl höchstens 1500, der Feind litt besonders erheblich, als er auf Beaumont und Chaumeswald flüchtete. Am 24. nahm 57. R. Samogneux an der Maas, Verlust nur 250, während der Feind fast 1000 Gef. (dabei ein Oberst 123 Off.) zurückließ. Zunehmende deutsche Kanonade zerstörte die Nerven, so daß sich einer hessischen Patrouille gleich 370 ergaben. Auch 37. fr. D. führte General Bonneval auf Geheiß Bazelairers umsonst herbei, die nach Beaumont geschickten 2. Turcos ließen den Ort bald vor frischen 80ern fahren, dagegen hatten I/116, II/III/117 noch heftigen Streit an der Kirche, bis 208. 327. erschüttert. III/116 (145.) half den 12ern den Fossewald gewinnen, zugleich Ansturm von 3 Afrikanischen Schlachthaufen abfangend. Artillerie Lotterer leistete hier starke Hilfe. 24. 64. verfolgten auf und durch Chaumeswald, 3. Jäger eroberten 25 Geschütze im Feuer, 2. Zuaven 243, 310. bekamen hier blutige Niederlage. Auch dieser Tag wäre uns wenig blutig geworden (6. 21. D. je 300, 5. D. 400, 25. D. 700, wobei 400 von 117.), wenn sich nicht ein Seitenstück auf der Maasseite eingefügt hätte. Die der 21. D. beigegebene 77. Schl. Br. (detachiert vom 5. R. K.) warf sich auf Côtes de Talu, wo besonders 3. Turkos dem ungestümen Andrang begegneten. Der Erfolg kostete hier den 155. I. 5. Jg. 37. Füsilieren 750 Köpfe, 74. Afr. Brig. wich aber fluchtartig. Unsere Gesamteinbuße seit 21. dürfte 6300 betragen haben, der Gegner wurde ums vielfache geschwächt. Am 25. ging 13. R. D. zur Cotelettesmühle vor, ihr geringes Gefecht mit 13. R. (4, 121) verriet schon, daß der Feind den Pfefferrücken räumen wollte. Dagegen hielten 2. 3. Zuaven nebst Teilen der 16. D. Roquerol die Hecken der Louvemontchaussee, 100 Kanonen brüllten von der Kalten Erde den Hessen entgegen. Nach eigener Angabe schwächten sich die französischen Reihen schon um 21 000, wovon 9800 auf 72. D. entfielen, deren 165. allein 30, 1456 auf der Strecke ließ. Auch 73. Afr. Br. litt ungemein. Handgranaten hatten vielfach aufgeräumt. Incl. 31. Br. Roquerols standen jetzt zwischen Pfefferrücken und dem Dorf Ornes im Südosten, wo I/98. R. III/51. R. der 10. R. D. den Feind auf Bezonvaux zurückwerfen, 63. fr. Bat. im Feuer, auch 153. D. des 20. K. befand sich im Aufmarsch, doch war ihre 306. Vorderbrigade mit zu wenig Patronen versehen. Die Hauptmasse stand durchaus nur den 18 hess. 19 brandenb. Bat. gegenüber, von denen 52. 20. in Reserve blieben. Am Maasflügel gab es noch einige Häkeleien bei 77. I. B. (330), das umfassende deutsche Artilleriefeuer bewog aber den Feind zu eiligem Abbauen. Der Tag verlief für die Hessen kostspielig, bei I/87 (3, 123) ganze 80. (130) mäßig, aber bei II/87. sehr verlustreich (8, 425), 116. Mainz (15, 612) und 117. (183) nahmen die Louvemontstellung. Heftiger Gegenstoß mißglückte, schon näherten sich die 12er durch Chaufourholz dem Dorfe Douaumont, wo 418. I/95, später 3. Marokkaner Brig. 4. Br. des 1. K. sich sammelten. Diese frischen Truppen vom 1. und 20. K., im ganzen 24 Bat., wurden größtenteils von den Brandenburgern überwältigt, als III/I/8. (nur 110) vorstießen und 6. D. durch Courièresschlucht nachstieß und II/24. Fort Douaumont überrumpelte (nur 80). Außer 1600 Hessen bluteten heute nur 900 der anderen Truppenteile. Der Gesamtsieg der vier Sturmtage war mit 8800 billig gewonnen, der Feind verlor im Ganzen sicher 25–30 000, wobei schon am 25. früh 10 230 Gef. 38 Gesch. Trotz mancher einzelner Fehlschläge hatte der Tatzenschlag doch den Feind niedergerissen, dessen Haltung zu wünschen übrig ließ. 2. 4. Chasseurs des Toulkorps, ergaben sich größtenteils, einer Elitetruppe unwürdig. Den Pessimismus des R. Arch. Werks teilen wir nicht, der trotz aller Mängel erzielte Erfolg zeigt unsere hohe taktische Überlegenheit, andererseits freilich die Unmöglichkeit, mit rund 7 schwachen D. rund 10 starkformierte fr. in lauter verschanzten Stellungen endgültig brechen zu wollen. Der Kronprinz klagt in seinen Erinnerungen, daß er zur Zeit keine Reserve hatte. Der Berechnung, daß 133 fr. Bat. anfangs bei Verdun lagen, incl. des lange nicht eingesetzten 2. K. Duchesne, kann man nur beipflichten, wenn ursprüngliche Formationen geändert und Div. nur à 4 Regt. jetzt formiert. Dies traf beim 30. K. nicht zu, außerdem hatte 264. Br. der 132. Div. 7 Bat. 143. gar 9 Bat., so daß 72. D. allein 21 Bat. zählte. Dazu kamen 12 Bat. der 106. Terr. D., später 1., 2., 39., 153. D. mit 46 Bat., so daß die Masse 187 Bat. betrug, davon abzuziehen am Westufer 29., 67. D. 42. I., im Osten 132., 3., 4. D. und nicht eingesetzte 32. 96. Br., so daß im Norden fochten rund 112 Bat. gegen 63 d., wozu bis 4. März 105. 48. Regt. traten. Das vom Arch. mitgerechnete 132. focht noch nicht, einige Bat. 10. R. D. 15. K. hatten unbedeutende Nebenaktionen. Dies verbot auch frühzeitiges Vorgehen am Westufer, obschon wir leider erkennen, daß es sich verspätete, weil man nicht rechtzeitig die furchtbare Wirkung der fr. Kanonade vom Westufer schon von Forges hier wahrnahm. Zur Aufhebung solcher Flankierung versuchte am 26. zwar 13. R. D. bei Champenauville einen Übergang aufs Westufer, doch überwältigendes Flankenfeuer unterband dies bis 6. März. Bei Besetzung des Pfefferrückens, wo westfälische Art. sich einrichtete, verlor freilich 13. R. nur 135, in 5 späteren Tagen 53. R. auch nur 280, dann aber wuchs dessen Verlust im ganzen März auf fast 1100 bloß durch ruhenden Stellungskampf. Auch dies steht jedoch in gar keinem Verhältnis zum mörderischen Märzkampf der anderen deutschen Teile, so daß wir ganz Recht haben, die anhängliche Mitwirkung des 7. R. K. als gering von der Hauptschlacht auszuschließen. Im Februar bluteten kaum 1500 Westf., während die Kurhessen 2000 und die Darmstädter 2200 schon bisher einbüßten, die Brandenburger 2000. Gleichwohl wird man zugeben, daß solche Verluste unendlich hinter denen der Champagne-Arras-Ypernschlachten zurückbleiben, sie verteilten sich auch sehr ungleichmäßig auf die 31 wirklich fechtenden Bataillone. Nichtsdestoweniger übte die Abkämpfung selbst auf solche Siegesläufer vorübergehende Erschlaffung aus, so daß 64er ins Hintertreffen traten und 18. K. am 26. wesentlich liegen blieb, dies kostete dem 3. K. nur 400. Der Feind zog freilich 30. K. 37. D., fast ganz aus dem Feuer, in Gegend Pfefferrücken trat 1. D. dafür ein. Am entgegengesetzten Flügel gingen III/98. R. (120) und die dorthin abmarschierten I/II/155. (300) über die Bezonvauxschlucht vor, infolgedessen das Werk Hardaumont fiel und ein Handstreich von III/20 gegen Batterie Hardaumont gelang. Dies Gefecht für sich sicherte mit minimalem Verlust (59) den Besitz des Forts Douaumont nach Osten, weiteres Vorgehen über Kasemattenschlucht erwies sich aber als untunlich. 24er im Fort blieben unbelästigt, doch Ausfall am 27. von III/24 und 3. Jg. gegen »Busengraben« des Cailettewaldes scheiterte durch Flankenfeuer der 3. Marokkanerbrig., die besonders heldenhaften Jäger büßten hier 407 auf 6 Off., 24er nur 99 auf 5 ein. Vorgehen im weiteren Osten von 37. 51. R. der 10. R. D. gegen Vaux erstickte schon im Keim, man beschränkte sich dort abzuwarten. Auch am 27. hatten die 20er kein Glück, ließen umsonst inkl. Pioniere 200 Mann in der Kasemattenschlucht liegen. Das Ringen um Dorf Douaumont, gegen das die frischen 52er vorbrachen, verteidigt von II/III/95, 7. Turkos I/9. Zuaven, hatte trotz glänzender Bravour und großem Verlust (600) keinen Erfolg, II zur Hälfte selber aufgerieben, als es die Turkos vertrieb. Beim schwer entbrannten Ortskampf suchten 8. 12. mitzuhelfen, doch diese unausgesetzt fechtenden Heldentruppen waren zu sehr geschwächt, Bat. Bloem sank auf 350, 8. Rgt. zählte nur noch 730, weil früher in der Champagne zu sehr gelichtet. Erst am 27. brach endlich das Wirkungsschießen der vermehrten Geschützmassen Bresche, wobei sogar Verdun eingeäschert und dortige Garnison (8. Rgt. der 2. D.) übel heimgesucht wurde. Deimlings sächsisches 105. der jetzt immer schneller im Dieppetal anrückte, wurde neben 52. angehalten als neue Stoßtruppe, auch vier Darmstädter Bat. umfaßten das Dorf westlich der großen Querschlucht. Doch alles mißlang durch verheerendes fr. Feuer, die Hessen wurden gräßlich zusammengeschossen, ein Halbbataillon II/115. völlig vernichtet, die Sachsen in der Flanke gefaßt (300), 52. mußte abstehen (200). Letztere geringe Verluste waren aber nicht danach angetan, den Kronprinzen zum Unterlassen weiteren Angriffs abzuschrecken, zumal man das Dorf zur Sicherung des Forts säubern mußte. Denn auch die feindliche Linie wankte, 31. Brig. (85. 95.) wich zersprengt, für sie rückte vom Verdunufer 4. Brig. (8. 110.) ein. Von den Marokkanern hielten noch 9. Z. im Ablainwald aus, 3. Brig. und 39. D. waren im Anmarsch, ihre Vorhut (146.) griff schon beim Zurückwerfen von II/52. ein. Nach fr. Berichten wirkte unsere Art., bei der sich Lotterers Heldengestalt besonders abhob, fürchterlich, weil sogar 35 und 42  cm die Mörser verstärkten, doch bei beiden Parteien litt man durch zu kurz gehendes Feuer der eigenen Geschütze. Der Chauffourwald erwies sich nicht als Deckung, sondern als wahre Hölle. Aus ihr riß man am 28. nach vorn aus. Auf 105 ging nicht nur von vorn ein Feuerregen nieder, sondern bei I. Bat. sah sich die erste Welle von deutschen Granaten niedergeschlagen. Die Sachsen konnten ihr Vorwärts nur mäßig fortsetzen, da 25. D. immer noch nicht ein mit M. G. gefülltes Blockhaus in ihrer Flanke fortnahm. Glücklicher waren 12er und 3. Jg., die ein lang bedrohliches Erdwerk nahmen. Die Pionieren verloren seit 23. schon 90, von den 12er fochten hier nur 3 Kompagnien und opferten 249, die Sachsen 24, 649, höchster bisheriger Regimentsverlust im Februar. Ein Ausfall von III/24. kam nahe ans brennende Dorf, konnte aber nicht weiter, überall nur halber Erfolg, doch waren 9. Z. 110. erschüttert und verloren Gefangene. Unser Verlust am 26., 27., 28. kann auf 4600 geschätzt werden. Mittlerweile ging Strantz seit 26. vor, Deimling erreichte die Feuerzone, wo hier 172. eine beherrschende Höhe nahm und 143. am 28. früh von der fr. 48. D. umsonst angegriffen wurde, während fr. 132. und 3. D. von Rheinische L. W. tapfer geworfen, wie von uns im Text nebst anderen Vorgängen berichtet. Der Kampf schlief hier monatelang ein, anfangs nur unterbrochen durch Erstürmung von Fresnes am 7. März mit I/66 L. W., I/6. Schles. In diesen Gefechten verloren fr. 303. 330., 366. der 132. D. und 51 der 3. D. 1000 Gef. Einbuße von Strantz und Deimling bis Mitte März können wir nur auf 1500 berechnen. Gesamtverlust im Febr. dürfte 14 000 nicht überschritten haben, steigerte sich aber bis 2. März durch Tag und Nacht rasendes Fernfeuer. Obschon am 29. und 1. März Ruhetag, wobei 105. durch II/20. Pioniere aufgefüllt wurde, wuchs Verl. der Sachsen von bisher 900 auf 30, 1151, die überaus tapferen 12er, noch im Fosseswald als Reserve von Verlusten heimgesucht, verloren bis 2. schon 1300, I/8. im Chauffourwald bis 4. noch 300, I/24. östlich des Forts am 1. noch 80, II/64. am 29. noch 86, die durch Rekrutenersatz verstärkte 25. D. schmolz sogar bis 29. um 3438 Köpfe (was unserer eigenen Errechnung entspricht), wovon nur etwa 2600 auf eigentliche Kampftage entfallen, viele Versprengte schwächten die Gewehrzahl, fast alle solche Überschüsse natürlich dem Märzverlust beizurechnen. Wenn wir Verdunverlust von Anfang bis 2. März auf der ganzen weiteren Februarfront auf 15 000 schätzen, so übersteigt dies freilich dasjenige, was wir den Febr.-Listen entnehmen, so daß eben einige Märzlisten rückwärts entfallen, doch bleibt unverändert, daß der März für Festhaltung der Eroberungen ungleich blutiger ausfiel. Allerdings traten auch ansehnliche Art. Verluste hinzu, die gleichwohl erst im März besondere Höhe erreichten. Nach beiderseitiger Ablösung begann die Schlacht am 2. mit neuer Heftigkeit. Für die abgekämpfte 2. fr. D. trat die berühmte 39. ein, doch blieb 33. I. der 3. D. als Dorfbesatzung und 153. D. sammelte sich wieder mit 7 Bat. gegenüber dem Fort. Wie so oft im Weltkriege, waren die Flügelangriffe weniger von Erfolg gekrönt als der Zentrumstoß. Letzteren übernahmen erneut die 52er, deren I, II schon um 3 Uhr nachmittags die Dorftrümmer hatten, III stieß flankierend am Südrand durch, nur 250 kostete das kühne Beginnen. Den 80ern rechts davon gelang nur den Ablainwald bis zum Straßenknick zu nehmen, wobei 20. P. ganz hervorragende Dienste leisteten, 243 bluteten. I 115. wurde durch Sperrfeuer niedergehalten, 87. senkte sich in die Querschlucht, konnte aber das Holz südwestlich Douaumont nicht erreichen. Die Anlagen der sog. Ostwestschlucht blieben unversehrt, weil im Toten Winkel für unsere Beschießung gelegen. Der gleiche Übelstand lähmte I/64. östlich des Forts, I/II/20. verloren 267 gegen Nordspitze des Cailettewaldes. 1. 9. Z. und 418. hielten sich dort unter mehrfachen Gegenstößen, während 146., 33., die sich als Elite betrachteten, im Zentrum gänzlich erledigt waren. 33. verlor allein 1000 Gef. an die 52er, die früher am 26. unter »Wacht am Rhein« antraten, wie überhaupt die weniger abgekämpften Teile trotz düsterem Schneetreiben mit Siegeszuversicht vorgingen. Das fr. Trommelfeuer raste aber die Nacht durch und am 3. so mächtig, daß auch die 52er zuletzt um 1300 (1000 in Kämpfen) gemindert und vom 48. abgelöst wurden, das nebst 132., 36. der 113. D. eintraf. Letztere blieben unberührt, 48. aber geriet am 3. abends und 4. in bitteren Kampf gegen Wiedereroberungsversuche. Auch am rechten Flügel in der großen verdrahteten Schlucht in Richtung Bras floß Blut in Strömen, drei kurhess. Bat. ließen allein 640 liegen, doch räumten unsere Granaten geradezu furchtbar unter den feindlichen Linien auf. Der Feind hatte 306. Brig. notdürftig gesammelt, sie zerstob östlich des Forts, dagegen drang eine frisch angelangte Brig. der 48. D. mit aller Kraft vor, wobei sich Reste von 33., 110., 146. und 9. Z. anschlossen. Nach blutigem Handgemenge im Dorfe flohen zuletzt 170., 174., fast 1000 Gef. fielen in deutsche Hände. Am 4. abends war alles aus. Die neuen Feindreserven hatten sich umsonst angestrengt, verursachten uns aber am 4. einen Verlust von 346 des 87., 858 des 48. Rechnen wir Verlust vom 1.–5. auf rund 5000, so bleibt dies immer noch weit hinter anderen Schlachtkrisen zurück, 20 000 in 12 Tagen ist gewiß nicht viel, zumal der Feind reichlich 40 000 nebst allen drei Vorderlinien verlor. Allerdings entfiel der Hauptverlust auf nur 43 I., 2 P. Bat. und die am längsten im Brennpunkt kämpfenden 11 Rgt. (exkl. 20.) schmolzen durchschnittlich um je 1300. Doch in Anbetracht der Kampfdauer war dies gar nichts Besonderes bei solcher Offensive gegen furchtbare Stellungen im Vergleich zur Defensive in anderen Mordschlachten. Allerdings blieb der Fortschritt seit 26. nicht wesentlich, doch 15 000 Gef., viele leichte Gesch. und Langrohre waren als Trophäe eingebracht und das gräßlich verheerende Feindfeuer grausam vergolten worden. Obschon man Anwesenheit des 1. 20. K. feststellte und deren 39. D. sich nur teilweise bisher einsetzte, lag kein Grund vor, den Angriff auf Thiaumont-Cailettewald – Kalte Erde einzustellen, nur übliche Ungerechtigkeit konnte dem Kronprinzen vorwerfen, daß er den Feind nicht zu Atem kommen lassen wollte. Gewiß war die Anforderung an die Truppe ungewöhnlich, doch die Verhältnisse waren eben bisher ungewöhnliche, der erfochtene Sieg aber war bisher der glänzendste in Frankreich, glänzender als bei Charleroi und Longwy, wenn man die Umstände berücksichtigt. Es fehlte ähnlicher Erfolg am Westufer und der blieb im März nicht aus, aber die O. H. L. kargte so mit Verstärkungen, daß erst im Mai das Nötige beisammen war, und da war es zu spät angesichts Ansammlung ungeheuerer Feindmassen. Wer aber erkannte sofort die Grenze der Möglichkeit? Der Kronprinz. Nur die von Anfang bis Ende gegen ihn umherschleichende Verblendung kann den bisherigen Sieger von Verdun zum Besiegten stempeln, wofür ganz andere Faktoren und vornehmlich Falkenhayn in Betracht kommen. Dieser hatte in Verwaltungssachen gewisse Verdienste. Im Kriegsverlauf gab es technische Verbesserungen. Die Zahl der M. G., bald 40 000, stieg ununterbrochen, leider auch bei den Franzosen. 1918 hatte man 2800 leichte Feldbatterien, viel Geschütze wurden für Flachbahnschuß umgewandelt, dagegen verwarf man 60 000 angefertigte Brustpanzer als zu schwer. Fabrikation von Flugzeugen blieb hinter der Erwartung zurück. Amerika überbot hier jede deutsche Anstrengung, indessen leistete gerade 1918 die Flugwaffe mehrfach Bedeutendes. Bei Verdun erwies sie sich leider ungenügend, Luftschiffe bewarfen fast garnicht die Bahnverbindung im Westen, was so hochnötig gewesen wäre. – 1918 soll durchschnittlich ein amerikanisches Bat. 1200, engl. 700. franz. 600, deutsches 500 betragen haben, was bei neuformierten D. zu niedrig bemessen scheint. Sind tatsächlich viele fr. D. von 15–18 Bat. auf 12 herabgesetzt, so waren unsere Berechnungen in der Gesamtstärke zu hoch. Daß 2 300 000 Amerikaner landeten, selbst wenn nur Hälfte davon Streitbare, scheint unmöglich, »42« vorrückende D. würden immer nur 605 000 Gew. ergeben, obschon deren Übermacht in den Argonnen 15:1 betragen haben soll. Jedenfalls beruht die Angabe, beim Waffenstillstand habe Amerika 3,707, England 5,680, Frankreich 5,075, Deutschland 4,5 (Österreich 2,5, Italien 3,420) Millionen unter Waffen gehabt, auf statistischer Täuschung. Übrigens macht starke Verschiebung der Truppenteile schwer, die jeweilige Stärke deutscher Einzelarmeen abzuschätzen. So befand sich 1917 die 16. b. D. (11. 14. I. 21. R. 8. Ar.) erst bei Arras, dann bei Ypern, 1918 Cambrai, dann Bapaume. Noch in der letzten Schlacht an der Sambre, wo Mons erst am 11. Nov. fiel, schlug man sich heldenhaft. Jüngste amerikanische Berichte sprechen ganz in unserem Sinne von Desorganisierung des Transportdienstes, Einschrumpfen der Iststärke, bösem Munitions- und Proviantmangel, wie denn die Franzosen sich fast ganz kampfunfähig fühlten, und nur noch 16 von 95 englischen Divisionen sich mühselig zur Verfolgung fortschleppten. Ein deutscher Gegenstoß hätte Schrecken verbreitet, alles wäre anders verlaufen, wenn man dem energischen Auftreten des Kronprinzen und seines Stabschefs Schulenburg gefolgt wäre. Die Waffenstillstandsforderungen Fochs wären nur ein großer Bluff. Man schütte nicht sämtliche Kinder mit dem Bade aus: jede Erörterung über Widerstandsmöglichkeit sei müßig, nachdem das Kind in den Brunnen fiel. Es soll und muß betont werden, daß gleiche Willensschwäche Ende wie Anfang bestimmte. Laut Gallwitz' Aussage vom 26. Okt. waren »Amerikaner zahlenmäßig sehr stark,« doch hatten »ganz kolossale Verluste,« daher »ihre Stimmung nicht begeistert«. Der Feind sei überhaupt »sehr geschwächt«, Kampfkraft »erheblich zurückgegangen«, leider Drückeberger bei uns überhandnehmend, » moralische Wirkung aus der Heimat sehr ungünstige«, doch »unsere Truppe gab zahlreiche Beweise persönlicher Tapferkeit, im Heere steckt noch ein guter Kern.« Dagegen schwor Gröner am 3. Nov. jede Hoffnung ab: »Schnell würden die Truppen aus Osten doch nicht erscheinen können.« Wieso? In der Rheinlinie waren schon manche angelangt, den Widerstand konnte man hinfristen. Wurden laut Mumm täglich 33 Waggons Lebensmittel durch U-Boote versenkt, mußte auch dies ins Gewicht fallen. – Im Zeitalter der Technik bildete Northcliffe den Gasangriff seiner Propaganda zu einer Schönen Kunst für geistig Unbemittelte aus: Immer ran, meine Herrschaften, tönte die Jahrmarktschelle, honour among thieves ! Beim Märlein von deutscher Vorkriegsperfidie denkt man an Wrangel, dem der Sultan den Harem zeigte: »Majestät überschätzen mir!« Dauerhafter selbst als Greuelmärchen erhält sich die Weltlüge vom deutschen Überfall. Wenn in Genf die Schuldfrage aufgerollt werden soll, scheint zweckmäßig sie trocken und klar vor Augen zu stellen. Nicht nur in Neutralien, sondern in Deutschland selber wird dumm oder gewissenlos immer noch nachgeplappert, Wilhelm II. habe toll sein Heer auf Europa losgelassen. Wäre er so unschuldig an anderen Sünden, wie an diesem »Verbrechen« ... der Anderen, so könnte er fleckenlos vor seinem Richter erscheinen. Überall legt Justiz ihre frivole Parole fiat justitia pereat mundus sich als anmaßende Unfehlbarkeit zurecht, doch Frankreich errang den Vorzug, den berühmtesten Rechtsfall mit einer Zweideutigkeit gelöst zu haben, von der das heutige vergeßliche Geschlecht nichts mehr weiß. Deshalb wäre nötig, sich der Kriegsschuldfrage auf diesem Umweg zu nähern. Denn wenn bei jenem Dreyfuß-Kampf ums Recht nur lächerliche Parteilichkeit rechts und links regierte, darf man bei chronischer Unordnung der Justizmanieren im eigenen Hause Frankreich gestatten, daß es mit seinen Helfershelfern (Rußland ist längst geständig) systematisch die Wahrheit erdrosselt und keine »Revision« zuläßt? Schieberei ist heute Trumpf, politische Schiebungen kommen über Nacht. Niemand zweifelte 1812 an Frankreichs Triumph, doch ein einziger »Winter des Mißvergnügens« warf alles um. Geheimdiplomatie der unsichtbaren Mächte arbeitet heimlich an ungeahnten Hermannsschlachten der Wahrheit, nicht nur die Toten reiten schnell, manchmal auch die Lebendigen.