Karl Bleibtreu Bismarck – Band 3 Ein Weltroman in vier Bänden Die Feuerprobe Und der Alte im Sachsenwald schloß die müden Augen unter dem Wodan-Schlapphut, die Eichen rauschten ein wehmütig schauriges Lied. Sie hörten sein letztes Gebet, Gott möge sein Werk schützen, wenn die Götterdämmerung auflodere, der Fenriswolf heule und die Midgardschlange zische. Es möge überstehen die Feuerprobe, überwinden die höllischen Mächte, bis die Walküren in Lüften rufen: Deutschlands Sieg, das ist die Bismarckfeier. Doch die Unerforschlichen beachten nicht der Sterblichen Wünsche, unter denen der Beste weder allweise noch allwissend; sein Gebet erhörten sie nicht, sein Fürstenbund zerbrach, sein Erbkaiser wurde allzeit Minderer des Reichs, sein Deutschland ging in Scherben mit geschändeten Grenzen und grauenvoller Franzosentid, wie kein Fritz Reuter sie je humoristisch verklären wird. Aber in höherm, tieferem Sinne wird es erhört, sein Gebet. Unerhörte Feuerprobe schmolz innere Einheit deutscher Lande und Stämme in festeres Gold zusammen als je zuvor, der harte Demant germanischer Kraft leuchtete unzerbrechlich durch Nebelnacht und Sturm der Not. Schlummert der Alte oder geht er nächtlich um und tauscht Zwiesprach mit dem wilden Heer, das über unsere Gaue dahinfährt, oder mit Wodans leisem Lispeln im Korn? Lehrt ihn die Seherin Saga, aus deren Methorn Wodan Begeisterung und Hellgesicht schöpft, die Zukunft der Deutschen? Ja, Gewitter zerstörten viele Saaten, doch durch Wolken der Trübsal lugt manch Stückchen blauer Himmel durch. Zerronnen ist der drückende Alb, der Schneemann im Norden, der seine turmhohe Freundschaft als Bärentatze über Preußen ausstreckte, das Zartum ist tot; Iwan der Schreckliche stiert nicht mehr auf Mitteleuropa und bewegt die Kiefer, als fräße er es auf. Verschwunden ist der schwarzgelbe Schatten des Deutschtums, gelb von Neid und schwarz von Groll, die Habsburgerei, die südslawische Vormacht unter deutscher Maske, der falsche Bundesgenosse, der sich jederzeit in Judas umwandeln konnte, immer noch die heimliche Hochburg des weiland spanischen Islam der Jesuiten. Die kleinen Raubstaaten von Ententegnaden, die man aus jedem der drei Kaiserreiche zuschnitt, haben als künstliche Fehlgeburten ein kurzes Leben. Ungarn, Bulgaren, Türken sind durch die Natur der Dinge stärker an deutschen Konzern gefesselt als je zuvor. Italien hat seine Lehre weg, was die Fratellanza bedeute. Gallien heult sein altes Brannuswort Vae victis , doch wird ihm Ach und Weh in plötzlicher Vereinsamung, weil es unvorsichtig sein Basiliskengesicht entmummte, so daß die phrasenbeschwindelte Welt vor seiner Häßlichkeit erschrickt. Früher sang man fröhlich bei jeder Barère-Barzahlung: »Der Franken reist, der Franken fällt, was ist der Mensch? Ein Schuft«, doch heute hat die Spielmarke des Märchens französischer Großmut keinen Münzwert mehr, den Angelsachsen gingen die Augen auf für ihre eigene Dummheit, obschon noch lange nicht für ihre eigene phrasenumnebelte Schlechtigkeit, das enfant terrible Frankreich als enfant gaté aufzupäppeln. Welch ein Feld der Tätigkeit für einen Bismarck der Zukunft, der zwar dem Imperialismus absagt, doch uns den vollen zukommenden Platz in der Sonne sucht! Noch freilich ist die siebente Schale nicht ausgegossen, ein großes Erdbeben droht nahe, Babel wird wie ein Mühlstein ins Meer versinken, bis ein neuer Himmel kommt und eine neue Erde, über die Allvadur die Hände segnend breitet und der Adler von Patmos spricht: »Ich sah keinen Tempel, denn Gott selbst ist der Tempel.« Doch wir brauchen nicht die Offenbarung Johanni, um die Vergangenheit zu schauen und an grauem Aschermittwoch in Staub und Asche Buße zu tun. Als ein cäsarenwütiger Charlatan den Gründer und Hüter des Reiches durch Hausknechte hinauswerfen ließ, schlug es Mitternacht und der alte Geisterspuk von Kloster Lehnin begann die uralte Weissagung zu erfüllen, daß der Einarm mit den Hohenzollern auch Deutschland ins Verderben risse. O wunderbare Gerechtigkeit der sittlichen Weltordnung! Bismarcks Beschimpfung gerächt an einem ganzen Geschlecht aufgeblasener Nullen, geheimrätlicher Schwätzer vom unheimlichen Monomanen Holstein bis zum glatten Bülow und Hammann, die mit Eiapopeia Michel in den Schlaf sangen: Schlaf, Kindchen, schlaf, dein Vater ist ein Schaf und böse Menschen haben keine Glieder ... der Einkreisungskette. All diese Verlogenheit und Protzigkeit fand verdiente Züchtigung und statt des schrecklichen Endes, dem der falsche bösartige Zar verfiel (den Unkunde für einen armen Schwachkopf hielt), gab es ein verächtlich lächerliches Finale für den übergeschnappten Schwächling, der den Weltmarschall der Weltpolitik mimte mit Fähnrichsallüren. Glaubt man wirklich, die anderen Verbrecher an Seine und Themse würden der Vergeltung entrinnen? Wait and see! Der Krieg mit den seit 40 Jahren auf Revanche Lauernden und den Panslawisten, die ein Rundreisebillet nach Konstantinopel über Berlin nehmen, ließ sich nicht vermeiden. Doch den mit England verdanken wir ausschließlich dem blödsinnigen Zickzackkurs und den persönlichen Rüpeleien des Aegirsängers. Die Enthüllungen des Baron Eckartstein entschuldigen viel von Englands Verrat an der germanischen Rasse, der mit Recht erboste Onkel des Neffen kennzeichnete die deutsche Politik »ebenso perfide wie dumm«. Das von Bismarck schon Disraeli vorgeschlagene Bündnis hätte man von Chamberlain kostenfrei erhalten, doch mit einem Unzurechnungsfähigen, halb Fatzke, halb Brutalisator, konnte man nie an einem Verhandlungstische sitzen. Dies Instrument des Himmels führte uns herrlichen Zeiten entgegen oder »zerschmetterte« ... sich selbst. Suprema lex asini voluntas ... Hurra! Seine Revanchepolitik darf man so wenig einem Poincaré vorwerfen, wie einst der Maria Theresia ihre Anzettelung jener Koalition, die so genau dem Einkreisungssystem King Edwards entsprach. Doch welcher Historiker macht wohl heute noch Friedrich den Großen für seinen Präventivkrieg verantwortlich! Die Zarenregierung verbrannte zwar viele Akten, doch der Petersburger Staatsprozeß brachte genug zu Tage, da man ja auch in der russischen Gesellschaft und Presse lange zuvor Kriegsabsichten des Panslawismus gerade so offen ankündigte wie der Pariser Chauvinismus. Die zahlreichen Verrätereien der österreichischen Armee und Grenzbevölkerung enthüllten, wie tüchtig der Rubel dort den gewollten Eroberungskrieg vorbereitete. Den Muschik-Soldaten versprach man zynisch deutsche und galizische Äcker. Zweifellos gab es eine Wiener Partei, als deren geistiges Haupt vielleicht der ermordete Thronfolger galt, die ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzog. Auch hielten in Deutschland überall Patrioten – nur nicht in Nähe des Kaisers, die sogenannte »Berliner Kriegspartei« ist Mythe – aus klarer sorgenvoller Zukunftsahnung den Krieg für unvermeidlich, um die Einschnürung abzuschütteln. Doch über jeden Zweifel steht fest, daß nicht nur die Ententeregierungen, sondern weite einflußreiche Kreise ihrer Völker nach Krieg lechzten (in Rußland hoffte man dadurch die erneut drohende Revolution abzulenken), während bei den Mittelmächten die Kriegsvoraussicht nur auf wenige beschränkt blieb und Deutschlands Wohlstand nur Frieden wünschen konnte. Daß in England trotz der endlosen Jingo-Bearbeitung ähnliche Stimmung herrschte wie in Rußland und Frankreich, halten wir für übertriebene Unterstellung. Gewiß hatte Grey den Krieg für alle Fälle in der Tasche, doch mußte er dreimal vor dem Parlament seine Geheimverträge ableugnen und die Masse der Engländer wollte so wenig Krieg wie auch einige Schichten des französischen Bürgertums. Hierfür bot Sturz des Ministeriums Ribot ein Zeichen, für die Kriegsverschwörung war Gefahr im Verzuge, daher die rasche Entwicklung der Krise und Jaurès' Ermordung, eine nötige Ergänzung des Serajewomordes. Gerade aus der Friedenssehnsucht des eigentlichen Volkes, das niemals Krieg wünscht, in England und Frankreich konnte man ihm einreden, die bösen Deutschen wollten harmlose Nachbarn überfallen. Des Kaisers nervöser Verzweiflungsakt der übereilten Kriegserklärung (Österreich war nicht so töricht) trieb Wasser auf die Mühle der Fälschung. Wer kann sich des Lachens enthalten, wenn man im Kriegshetzorgan »National Review« liest: 2 Russenkorps hätten bei Tannenberg eine Schlappe erlitten (d.h. 6 Korps wurden vernichtet), weil die vorbereitete deutsche Übermacht sich auf das ungerüstete Zarenheer stürzte! Den triftigsten Vorwand lieferte die Verletzung Belgiens, dessen »Neutralität« insofern kein »Fetzen Papier« war, als sie das Sprungbrett für Entente-Invasion zum Rhein bilden sollte. Man darf nicht bestreiten, daß Frenchs Heer von vorneherein für Belgien bestimmt war, das schon im Juli so mobilisierte, daß es am 8. August seine 6 Divisionen im Felde und schon am 4. den Volkskrieg bei Lüttich organisiert hatte. Nicht umsonst machten Kitchener und French vorher Inspektionsreisen zu König Albert und Kriegsminister Broqueville. Selbst ein Belgier lacht wohl über die Frage, ob Belgien sich einem Entente-Durchmarsch überhaupt oder nur annähernd so widersetzt hätte wie den Deutschen. Ob die Invasion ein »Verbrechen« war, überlassen wir dem verständnisvollen Urteil, jedenfalls war dies militärisch die einzige Rettung, wie damals Friedrichs Einfall in Sachsen. Die in Brüssel gefundenen Dokumente hatten eine verzweifelte Ähnlichkeit mit den damals im Dresdener Archiv entdeckten. Die Vorstellung, die wahrlich nicht an überflüssigem Mut leidende »Wilhelmstraße« habe übermütig im denkbar ungünstigsten Augenblick die ganze Welt herausgefordert, können nur Kindsköpfe beherbergen. Frankreich wollte Elsaß-Lothringen, Rußland Ostpreußen, Posen, Galizien, Konstantinopel gewinnen, England die deutschen Kolonien, Flotten, Konkurrenzhandel beseitigen, Italien, Serbien, Rumänien erstrebten Zerstückelung Österreichs, außerdem schwebte noch Zerstörung der Türkei als Kriegsziel vor. Was hatten Deutschland und Österreich zu gewinnen, um dafür einen Weltbrand zu entzünden? Warum einige deutsche Lumpen sich ein Schuldbekenntnis erpressen ließen, sieht doch ein Kind. In Rußland wußte man schon im Mai, es gäbe Krieg, wegen unablässiger Truppenverschiebung. Bonals »La Verité« scheut nicht den furchtbaren Satz: »Rußland benahm sich so, als ob es den Serajewomord und die daraus notwendig entspringenden Folgen vorher gewußt hätte.« »Gott strafe England!« Hohngrinsend bat der teuflische Haß der Gallier und Slawen, ihnen doch auch ihr Teil zu gönnen, die auf Deutschlands völlige Vernichtung sannen. Selbst die Profitwut der englischen Handelskonkurrenten teilte nicht den Schmerz der Jingo-Albionisten, daß ihre Losung Germaniam esse delendam nicht leicht in Erfüllung ging. So kräftig der Daily Liar über Fair Play triumphierte, war den Briten nicht wohl bei der Sache. Gott hat viel zu strafen an England wie an Deutschland, doch deutsche Geschichte lehrt nur: Gott strafe Frankreich ! Wenn Pariser Damen den Negerliebsten aufs Herz binden, recht viel Bochesköpfe abzuhacken, so marschiert man an jener Spitze der Zivilisation, auf der blutige Trophäen nicken wie auf den Picken der Septembriseurs. Knietief im Schmutz der Lüge watend, belehrte die Schandpresse die sittlich entrüsteten Menschenfresser des Kongo, daß die Hunnen den Frauen die Brüste abschneiden, besonders die wilden Völkerschaften der Bayern und der in Sibirien hausenden Pommern. Barnum wollte demnächst aufgespießte Kinder vorführen zu fixem Eintrittspreis, 1 Dollar pro Ochse, und der famose Film »Kriegsfackel in Amerika« die Transatlantier warnen, daß demnächst die Pickelhaubenträger in Luftschiffen die höchsten Wolkenkratzer anzünden. Satan heißt nicht umsonst Vater aller Lügen, Gottes Mühlen mahlen oft allzu langsam. Wer stopft solche Krötenmäuler mit ihrem eigenen Unrat? Die Lügenpropaganda züchtete Leichtsinn und Übermut, man trieb Raubbau an der Zukunft und untergrub das eigene Ansehen durch endlose Prahlerei, die immer wieder in Rauch aufging. Doch wer berechnet das Schicksal, wie seltsam waltet das Walkürenlos, das wahllos Ruhm- und Todesgaben verstreut! Hätten die heldenmütigen Westfalen ahnen können, daß ihre schwerste Prüfung noch bevorstand, nicht an der Lys, sondern an der Ruhr! So scharf schießen die Preußen nicht, wie Neger auf blonde Mädel scharf sind. Der Operettengeneral Garibaldi, Sohn des sonderbaren Nationalhelden mit dem deutsch-langobardischen Namen, beschwerte sich in den Argonnen über schlechte Behandlung seitens der Herren Franzosen. Doch das erfuhr ja schon der alte Garibaldi selber, der sich als Retter Frankreichs bei Dijon aufspielte und in seiner Eitelkeit nicht ahnte, daß der gallische Dünkel solche Hilfeleistung des verachteten »Brudervolkes« als Beleidigung empfindet. Kein Fußtritt stört die Dynastie Garibaldi und andere italienische Gimpel in ihrer kindlichen Affenliebe für die Fratellanza mit dem großen Bruder, der so wenig Verwandtschaft fühlt, sintemal Gallier und Italiker nicht einen Tropfen gemeinsamen Blutes haben, es sei denn germanische Blutmischung dort durch Franken, hier durch Langobarden und Goten! Die Tollheit solcher Unwissenheit über eigene Rassentradition! Da läuft eine große Nation schweifwedelnd hinter einem fremden bösen Nachbar her, den sie geschichtlich nur als grausamen Unterdrücker und Verwüster kennt, schon seit Karl VIII. mit vandalischer Mordbrennerei in Italien seine Visitenkarte servierend. Über Louis Napoleons Unterstützung des Risorgimento schimpften all seine Generale, denen Italiens Einheit so verhaßt, wie die Deutschlands. »Das Land der Revolution«, »Lichtstadt Paris«, »Republik«, solche Zauberworte erhitzen jedes Spatzenhirn und die Händedrücke Barèrescher Barzahlung besiegeln d'Annunzios Lateinertum. Nichts ist Koalitionen verderblicher als gegenseitiges Anlügen, was bei räumlich getrennten Operationen jede wahrheitsgemäße Aufklärung erschwert. Wurde doch einst in Wien ein Tedeum gefeiert, weil der Russe bei Zorndorf so schön siegte! Hielt doch Friedrich Wilhelm III. die russische Niederlage bei Eylau für entscheidenden Sieg, weil bis Königsberg nur russische Lügenbulletins durchdrangen. Lügen ist im Krieg stets vom Übel, sogar unfreiwilliges Abweichen von der strikten Wahrheit hat oft entsetzliche Folgen wie 1918, wo man zeterte: »Die O.H.L. hat uns belogen und betrogen.« Weil die Verbündeten immer zu spät sich von der Zerrüttung Rußlands ein Bild machten, begriffen sie auch ihre eigene Lage nicht, glaubten zuversichtlich Rußland Luft zu machen, als dort schon nichts mehr zu retten war. Oft bewogen zu krankhaftem Optimismus und verkehrter Schlächtertaktik nur politische Gründe, die jeden Koalitionskrieg bestimmen. Dem auftrumpfenden Russen mußten die Westvölker guten Willen zeigen und die Russen umgekehrt suchten unreife Entlastung für den Westen. In allen Ländern aber geheime Wühlarbeit vaterlandsloser Elemente, der »freien« Demokratie machte dies weniger zu schaffen als dem geschwächten Preußentum. Schutzhaft? Mit solchen Kleinigkeiten gab sich Frankreich nicht ab, da wurde gleich füsiliert und Amerika setzte lebenslänglich ins Zuchthaus, wer gegen Wilsons Stachel löckte. Bei uns scheute man die lieben Knechte der Phrase als »immun«, bis man sie als Armierungssoldaten wegen groben Unfugs gleich zu Zuchthaus verknackte, beides gleich ungeschickte schulmeisterliche Stümpermethode. Ach! Undank ist der deutsche Lohn! dachten wohl die Kanadier, als sie zu Tausenden in ihr Blut sanken. Bloody foreigners sollten doch dankbar sein, daß der Britenleu sie eines Tatzenhiebs würdigt, statt dessen rissen sie ihm die Mähne aus, bis er den Schwanz einkniff. Unübertüncht von Europens Unhöflichkeit, schlugen Kanadier sich seitwärts in die Gebüsche und erzählten fluchend daheim, gegen die obskuren Hunnen sei kein Kraut gewachsen, das teure Mutterland nicht der Nabel der Schöpfung, wie man in den Schulen lehrt, sondern hinterm Berge wohnten auch noch Leute, was man in den Kolonien nicht ahne. Auch die australischen Buschritter, denen man die schönsten Frauen und ungeheure Beute versprach, sintemal die Hunnen schon auf dem letzten Loch pfiffen, führten sich zwar in Kairo wie Bestien auf und variierten den Spruch: Wir Wilden sind doch nicht bessere Menschen, aber die braven Exoten gondelten umsonst nach Europa, um schmutzige Deutsche zu verhauen. Sie machten mit ihnen die unangenehmste Bekanntschaft, deren bereits vollzogene Niederlage man ihnen vorschwatzte. Australiens schöne Hoffnung, auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege seine ungeheure Schuldenlast loszuwerden, sah sich geprellt mit neuen Schulden und 60 000 Toten. Triumph moralischer Weltordnung über böse Gelüste? Dafür durften die Enkel de Sades sich höchst königlich bewähren und göttlich amüsieren, Ruhrdurchfall der Weltmoral. Wer Englands Kulturverdienst ehrt, schämt sich für seine Soldaten, daß sie Seite an Seite mit unwissenden Barbaren gegen ein stammverwandtes Kulturvolk wüteten. Zwei Seelen wohnen ach! in Englands Brust, eine hochedle und eine hundsgemeine. Täglich erfand der Daily Liar Kreuzigung gefangener Kanadier und ähnliche Scherze, doch was ein Northcliffe schwerlich begriff, ist die Schädigung des englischen Ansehens bei den Kolonialen, die man zu Mitleidenden britischer Ohnmacht machte. Ein Nichtengländer kennt ja nicht den geradezu wahnwitzigen Hoheitsdünkel, wie er naiven Angehörigen des British Empire anerzogen in der Vorstellung, daß Europa ein Vasall Englands und jeder Tommy ein Herkules sei. Das Staunen der Exoten, zumal der Inder, über die Unverschämtheit, daß ein obskures Deutschland allein so stark sei, um England militärisch als quantité négligeable zu behandeln, wird als aufklärende Blamage die Zukunft des Reichs peinlich belasten. In technischem Fortschritt gegenseitiger Anschauungsunterricht: nachdem England ein Zetermordio über barbarische Kriegführung aufschlug, verlegte es sich selbst auf Vergasung mit dem alten Motto englischer Politik: »Ich tue das Böse und schreie selbst zuerst.« Als Einführung zum Studium der Humanität platzten Frankreichs Stinkbomben mit Brechreiz erzeugenden Explosivstoffen, die in Flammen aufgingen. Warum sich also erbosen über den Einschlag deutscher Flammenwerfer, die mit Schlimmerem aufwarteten? Keiner hatte dem Anderen etwas vorzuwerfen, folgte unerrötend den Spuren des Mädchens aus der Fremde, das sich Technik nannte und »verbotene« Gaben vorrätig in der Schürze trug. Doch es gab wirklich Hunnisches, das uns Barbaren Grauen und Ekel einflößte: In wilder Wut bauten oft die Gallier als Brustwehr am Grabenrand die Leichen ihrer Kameraden auf, und die Briten, denen man dies nicht zutrauen sollte, mauerten gleichfalls manchmal die eigenen Gefallenen als Kugelfang ein. Seelischer Schmutz pietätloser Rohheit entsprach bei den feinen Westvölkern ihrer physischen Unsauberkeit. England verbreitete Seife und Waterclosets über den Erdball, doch der mit Übersauberkeit prunkende Gentleman nennt sein Volk »die ungewaschene Menge« ( unwashed many ), und französische Schweinerei kann sich Deutschland, das neben Japan reinlichste Land der Welt, gar nicht vorstellen. Auch Tommy hinterließ aber seines Geistes Hauch in verpesteten Laufgräben, wo weggeschleuderte Hirschfänger, Tornister, Verbandzeug und selbst zahllose Dumdumgeschosse im Dreck herumlagen. Pfui Teufel, wie stinkt diese Hexenküche der Kultur und Humanität! Und doch! Trotz elender Prahlsucht in den Spalten aller tonangebenden Londoner Presseausschleimung, standen die Briten bei Ypern »wie bei Waterloo« ober besser. Wellington kündete einst W. Scott bissig an: »Nicht jeder war ein Held bei Waterloo«, gab grimmigen Tagesbefehl über dortige Feigheit vieler englischer Offiziere und Soldaten, schrieb einen Zornbrief über seine fälschlich gepriesene Artillerie. Hätte French so sein Heer anklagen dürfen? Nein, im Weltkrieg erwies sich die Leistungsfähigkeit des angeblich »verwöhnten« Geschlechts bei allen Völkern moralisch und physisch der Vergangenheit überlegen. Um so widriger das Hetzen schwarzer Sklaven gegen die »Barbaren«. Das arme Vieh schmeichelte sich noch damit, für die sog. Zivilisation verenden zu dürfen. Versoffene Scheichs verschworen sich, sie durch Massakrierung aller deutschen Wilden zu retten, die ältesten Neger – nie waren Sterbliche greiser und weiser – sträubten ihr Wollhaar über Hunnengreuel. Auch Südseeinsulaner ließen sich nicht lumpen. Ein edler Fürst dieses Landes beglückwünschte den König Georg, der verdutzt fragte: »Wer ist Goethe?«, er möge alle Huns auffressen. Die Tinte errötet über so scheinheilige Schande der Menschheit. Wenn die Schwarzen sich zu Tausenden am Boden wälzten und zu ewiger Ruhe kamen, bimmelten über ihnen die christlichen Sonntagsglocken. Ja, kein Christentum, doch mehr als Römermut, Monate lang Tag und Nacht auf gleichem Schlachtfeld durchzukämpfen wie bei Arras, Verdun, an der Somme; welches Heer der Vergangenheit vermochte Gleiches! Aber wozu dies Heldentum? Die Bestialität wird sich gleich herrlich offenbaren. Zu ohnmächtigen Wutausbrüchen, weil die Dinge nicht nach Wunsch verliefen, gehörte auch feige Mißhandlung der Elsässer Zivilbevölkerung, Austreibung von Frauen, Kindern, Greisen. Vorübung für die Schandtaten im Saar-, Rhein- und Ruhrgebiet mitten im Frieden! Über deutsche Gase heuchelte man weiter, weil die eigene Stinkerei zu wenig Teufelei erwies. Ausstattung der Flieger mit scharfen Pfeilen war mehr theoretische als praktische Grausamkeit, doch den Bethlehemitischen Kindermord in Karlsruhe und andere Fliegerschuftereien über sieben offenen Grenzstädten pries »Havas« als ›großartigste Leistung, die je in Lüften vollführt‹. Als deutsche Flieger aber am befestigten Nancy und der Großfestung Paris Vergeltung übten, erhob sich klägliches Gewimmer mit Krokodilstränen wie von »tränenerzeugenden Gasgranaten«. Die Nationalfranzosen übertrafen noch die Neger im Niedermetzeln überrannter Grabenbesatzungen. Im Franzosen schlummert der Sadismus, jede Niedertracht der Menschennatur kommt zum Vorschein, wenn das Brennusschwert als Nettoyeurmesser sich gegen »Hunnen« alles erlauben darf. Nur Bravour muß man ihm lassen. Clausewitz rühmt die Festigkeit napoleonischer Kolonnen im Kartätschenfeuer. Doch diese Kolonnenform, wie die Macdonalds bei Wagram, Erlons bei Waterloo, war eine staffelförmige mit seitlich herausgezogenem Hintertreffen und vermehrte kaum den Verlust; denn die Friedericianische und Wellingtonsche Lineartaktik zahlte bei Kollin, Kunersdorf, Albuera und Waterloo gleiche Opfer. Was ist das alles neben den Massenstürmen in der Champagne und bei Arras, teils in wirklichen dichten Sturmsäulen, später in dicken Wellen hintereinander, in die unsere Sichel mähend hindurchfuhr! Doch so sehr dies zu bewundern, wie trübt das Bild die bösartige Verbissenheit, mit der z. B. General Bazelaire bei Verdun im Tagesbefehl Milde und Schonung gegen Gefangene verbot, man solle sie zu tiefster Unterwürfigkeit anhalten, d. h. grausam behandeln! Das sind die Menschen, die über deutsche Brutalität plumpe Fabeln erfanden. Und wie ungeschickt sie logen! Eigenartig berührt die Forderung des gleichen Bazelaire, man solle die übliche Phrase »überlegene Kräfte des Feindes« weglassen, man habe ihn nicht zu zählen, sondern zu schlagen. Immer hörte Frankreich von frischen deutschen Divisionen (wär's doch wahr gewesen angesichts erdrückender Übermacht), nie von französischen. Wäre Aufpassen und Nachdenken eine Pariser Eigenschaft, hätte man längst den komischen Widerspruch erfaßt, daß ständige Prahlerei mit Ententeübermacht und Auspumpung deutscher Reserven stets mit Erdichtung deutscher Übermacht auf dem Schlachtfeld Hand in Hand ging. Um so schlimmer: entweder war ersteres oder letzteres erlogen, die Führung unter aller Kritik, wenn sie trotzdem gegen »überlegene Kräfte« focht. Napoleon I. war außer sich, wenn die Pariser Presse seine Minderzahl hervorhob, sie müsse seine Streitmacht vielmehr größer angeben, als sie sei. Obiges wirkt tragi-komisch, doch die Komik endet bei den von Pariser Kulturbarbarei eingesegneten Hackmessern der Mohren, die an armen Verwundeten jede Verstümmelungsscheußlichkeit verübten. Reinen Heiterkeitserfolg hat aber das Staunen edler Buschmänner Australiens, weil sie bei den Antipoden etwelche Irrtümer über Alleinherrschaft des Union Jack nährten. In angelsächsischen Unwissenheitsdünkel schlug der Weltkrieg ein derbes Loch. Spielen mit Wahrheitsliebe am unrechten Ort betrügt sich aber selbst mit Aufrichtigkeitsschein. Welch albernes Verfahren, dem deutschen Publikum von Anfang an die Ententeberichte vorzulegen! So töricht war man drüben nicht; man ließ kein Lüftchen der Wahrheit durch. Doch unsere Oberlehrer mit Karmoisin-Hosenstreifen des Magisterkollegiums der »Halbgötter« am grünen Geheimratstisch militärischer Pedanterie gewinnen keinen Weltkrieg. Die Entente war, weiß Gott, von Feldherrnfähigkeit unangekränkelt, aber wenigstens nicht von Bedenklichkeit; ihr Wille zum Sieg schreckte vor nichts zurück, und sollten ihre Völker dabei alle auf der Strecke bleiben. Sie spielten von Anbeginn mit dem höchsten Einsatz, verdoppelten ihn nach jedem Verlust, verloren, verloren, verloren und sprengten mit dem letzten Gewinn die Bank. Welch' entscheidende Dummheit, die Erklärung des uneingeschränkten U-Bootskrieges, da doch Wilson nur auf Kriegsgrund lauerte! Das erinnert wahrlich an Oliviers »coeur léger« und an Leboeufs »archiprêt« . Leichten Herzens, mit Papierblockade ohne U-Boote, bereit zu sein! Nagende Nervosität verlockte dazu mit der irrigen Überzeugung, daß man so England auf die Knie zwingen werde. Welcher Mangel an Geschichtskenntnis, die dem Staatsmann wie dem Militär das tägliche Brot sein müßte! Kontinentalsperre schuf einst England schwere Beklemmung; es wollte auch Anfang 1812 Frieden machen (Talleyrands Memoiren), doch stellte immer noch unerfüllbare Bedingungen und sein Friedenswille fiel sofort um beim geringsten Steigen seines Barometers. Das Volk hat im »freien« England nichts zu sagen, die Herrschende Jingo-oligarchie bleibt unerbittlich und erbarmungslos folgerichtig im Durchhalten ihrer Imperialziele. Die »Times« bekannte schon früh offenherzig, man fechte nicht »für Belgien«, sondern die eigene Weltherrschaft, der Deutschland im Wege stand. Germaniam esse delendam ! ganz wie beim römischen Patriziersenat. Und diesem eisernen Willen gegenüber die deutsche Mieselsucht, die sich gegen Flotte und Kolonien sträubte, ebenso aber aus »turmhoher« Liebedienerei für den Zarismus sich mit England nicht freundschaftlich vertragen wollte. Jetzt hintennach jammert man: »Ja, wenn Amerika nicht gewesen wäre!« Alle »Berufenen« wußten aber genau, daß es nie rechtzeitig Truppen nach Europa schicken könne. Jede Warnung wirklich Wissender ward überhört, weil unwissende Darstellung des einstigen Bürgerkriegs durch den interessierten Berliner Militarismus täuschte. Sonst hätten unsere »Ehrendoktors« auf militärischem Katheder nicht so kindisch die beispiellose Organisationskraft der Union unterschätzt. Noch schlug unser Heer sich glänzend, doch banger Zweifel schlich umher, ob man es schaffen würde. In der Heimat mit ihren Hungerklagestimmen und pazifistischen Miesmachern träumte alles von »Verständigung«. Die Regierung war willens dazu wie der Reichstag. Nachträglich sucht man die Gründe feindlicher Ablehnung in Unklarheit der Ansprüche auf belgische Garantie und den Unebenheiten des Friedens von Brest, wo man gern beschäftigungslose Prinzchen unterbringen, sozusagen unter die Haube bringen wollte, nämlich Herzoghütchen zur Vasallenstaffage für Se. Majestät. Törichte Afterkritik besonders superkluger Neutraler! Die Entente wollte eben nie und nimmer, es sei denn, daß ihr das Messer an der Kehle sitze. Denn wie König Georg richtig kundgab, unentschiedener Krieg war deutscher Sieg. Man zog aus, damit Kosaken und indische Lanzers sich Unter den Linden ein Rendezvous gäben, wie Curzon so schön prophezeite, promenade à Berlin sollte einfach Vernichtung des deutschen Reiches bedeuten, Wiederherstellung des alten »Gleichgewichts«, wo im europäischen Konzert wieder die alten Machtanwärter allein die erste Geige spielen und dem Michel die nötigen Flötentöne beibringen dürften. Ist dies disharmonische Leitmotiv zu symphonischer Siegeseintracht geglättet worden? Nein und abermals nein! Der Gouvernantenwunsch, Michel dauernd mit der Rute die Hosen stramm zu ziehen, wird niemals erfüllt werden, trotz aller Kapriolen französischer Hegemoniewut. Das ist der große Schmerz. Denn zur Ausschaltung der deutschen Nation gehört ein übermächtiges Rußland, und dieser Albdruck schwand nun für immer. Ein Deutschland voll Industrie ohne Rohstoffe, Frankreich mit Rohstoffen ohne Industrie, solch Gleichgewicht war ein Ziel aufs innigste zu wünschen für englische Interessen; doch das Abnorme blieb leider nicht normal, und Albions Betrübnis kannte keine Grenzen, als Frankreich sich als alleinige Wirtschaftsherrin des Kontinents an der Ruhr niederließ. O, die Schlange, die man am eigenen Busen genährt und die ein förmlicher Luftschiffdrache wurde! Es spornt zur Nacheiferung, daß England zuletzt doch noch sein Geschäft machte, Ruin der Konkurrenz trotz lange drohendem eigenen Konkurs. In den zur Firma Entente später assoziierten Ländern hatten die geschätzten politischen Numismatiker eine Münzsammlung aller Geldsorten in der Tasche vom Sovereign bis zum Rubel, bauten aber keineswegs auf Vorspiegelung falscher Tatsachen, daß alles zum Besten stehe, sondern die ehrlich Verkauften wollten nur den Karren einer verlorenen Spekulation aus dem Dreck ziehen. Daß sich so bald die Unterbilanz aufs Gewinnkonto umbuchen lasse, daran dachte nicht mal Uncle Sam, der moralisch Entrüstete. Nutzte also militärischer Schwindel nichts mehr, so doch noch immer der Greuelfeldzug für geistig unbemittelte Rothäute und die Kriegsschuldfabrikation. Indessen darf man die Irredenta, die natürlich auch Nizza und Tessin begehrt, nicht mit dem niedrigen Unterdrückerwillen der Ententebrüder verwechseln, da ihr doch wenigstens berechtigter Nationaldrang zugrunde lag wie bei Deutschlands Befreiung Schleswig-Holsteins. Auch sieht der politische Verrat etwas anders aus, wenn man bedenkt, welche vollbegründeten Rachegefühle Italien gegen Österreich nährte. Trotz der falschen Orientierung nach französischer Seite, lebte in Italien bei allen Gebildeten aufrichtige Hochachtung für Deutschland. Als aber nach dem Kriege diese Sympathie in wahren Franzosenhaß umschlug, bekam man dasselbe wie in anderen »freien« Staaten: Die Volksmeinung hat das Maul zu halten, die Exekutive bestimmt, was sie will. Die Schilderhebung Mussolinis war ein famoser französischer Trick, Absage an den Sozialismus nur ein Vorwand, um Italien erneut ins Fahrwasser der Fratallanza zu locken. Die französischen Köche halten immer offene Galatafel für Jeden, der sich ihren Ragout fin schmecken läßt. Ganz wie im siebenjährigen Krieg feierte auch Unterrockspolitik ihr Schäferstündchen. Der vom Cäsarenwahn geblähte und allmählich jeder Vernunft unzugängliche Zar schwatzte mal unnützes Zeug vor General Pau, den man ihm als Aufpasser und Überwacher der Russenfront schickte – zu schmerzvollem Zorn Ruskis – von Blutsverwandtschaft mit der Entente! Meinte er seine deutsch-englische vom heiligen Geist Rasputins befruchtete Gattin, die den einen Pantoffel schwang, die dänische Mutter den anderen? Diese Medea des Weltkrieges, die schon ihren Mann französisch umnebelte, ahnte nicht den Tag, wo sie »blaß wie Marmor« schweigend des Söhnchens Absetzung erfuhr. Des Welfen Georg und des Holsteiners Nicky (alle Romanows hatten sonst deutsche Mütter, Katharina II. stammte aus Anhalt) dänische Mütter schlugen eine seelische Brücke zwischen von Natur todfeindlichen Völkern; die Angelsachsen bekehrten sich über Nacht zu russischem Juchtenleder. Das arme Jüngelchen Zarewitsch, vom Väterchen ins Feldlager huckepack getragen, damit die Muschiks sich an solchem Jesuskindlein erbauen möchten, verlieh sich höchstselbst eine Tapferkeitsmedaille als Lutschbeutel für begangene Heldentaten in der Windel und die mit Georgskreuzen Dekorierten salutierten ihm als Ehrenleibwache. O grausige Stunde, wo im fernen Irkutsk das sieche Kind in Vaters Armen die Sünden der Väter büßte, o grausiges altes Wort: Ich strafe bis ins dritte und vierte Glied! Warum dem Bösen fluchen und drohen mit ohnmächtigem Vergeltungstrieb! Die Rache ist Mein, spricht der Herr, Ich will vergelten. Jeglichem nach seinem Maß, denn schrecklich, wie ihm gebührt, war das Ende des Erben Ivans des Schrecklichen. Andere strafte nur der Fluch der Lächerlichkeit, c'est le ridicule qui tue . – – Bismarck verachtete die Presse und der Weltkrieg drückte sein Siegel drauf. Die illustren Heimkrieger in Paris und London immer zu Haus und immer am Werk, an Irrlichten das kümmerliche Feuerchen ihrer Kriegsbegeisterung weit vom Schuß anzuzünden und mit dem Maul Deutschland totzuschlagen. Wenn der Totgesagte solche Maulschellen gab, daß ganz Europa erzitterte, zeterten sie über die Gemeinheit. Ausgerechnet sogar an Kosaken zur Abwechselung verübten wir Schauerdinge. Hätte man diesen Bestien peinliche Todesarten auferlegt, wäre dies im Entente-Stil gewesen. Unsere gewissenhafte Eselslangmut verhängte leider nie Vergeltung für Ostpreußen und die gräßlichen Gefangenen- und Interniertenbaracken, wo Kulturmenschen wie Fliegen starben. Auch die allzu milde Behandlung französischer gefangener Offiziere empfehlen wir nicht zur Nacheiferung. Man möchte vorziehen, wenn man diejenigen russischen Generale, deren Anweisungen zu Verwüsten und Niedermetzeln man Schwarz auf Weiß in Händen hatte, mit echtrussischer Knute bearbeitet und ihnen dann eine Kugel in den Leib gejagt hätte. So allein lehrt man Barbaren gute Sitten. Doch es war gut so, »die Rache ist mein«, wie viele von ihnen sind später elend verkommen! Die Bolschewiki übernahmen das Henkeramt, das wir unter unserer Würde hielten. Jeder deutsche Gottseibeiuns, Admiral Nietsche bewaffnet U-Boote, Marschall Treitschke hackt dem unsichtbaren belgischen Wunderkind die Händchen ab, Quitschke und Quatschke ziehen für Welteroberung gegen den Mann im Mond zu Felde... dieselben Mondsüchtigen, vor deren kalter Schläue man sonst Angstschweiß vergoß! Weiß-, Grün- und Gelbbücher mit fälschenden Auslassungen, daß einem grün und gelb vor den Augen wird, gefälschte Tagebücher deutscher Soldaten, bei denen Altonaer Pioniere mit Pommerschen Füsilieren verwechselt werden, fabriziert am Quai d'Orsay von Schmierern, die Deutsch wie Ausländer schreiben! Betrunkene Popen spenden Weihwasser und plärren Gebete zu den Heiligen von Kasan, Kiew, Smolensk, doch haben keinen telefonischen Anschluß an Gott, der sich als Herrgott von Dennewitz beträgt, und als Herr der Heerscharen die »Hunnen« begünstigt. Diesen Alliierten – Napoleon nennt ihn »Schicksal«, doch Name ist Schall und Rauch – trieb die Entente nicht auf, soviel Neutrale sie in den feurigen Ofen lockte, ein Brand für Freiheit und Recht und sonst was guts. Sie verteilte so viele J'accuse , daß man den Muschiks die interessante Mitteilung machte, sie zögen für Zivilisation den Degen. Fielen die Götter vor Lachen von den Olympischen Stühlen? Sie hörten nicht zu, der Kabel war zerschnitten. War Gott neutral? Durfte Jung-Siegfried singen: »Ich habe geschmiedet ein gutes Schwert, ich will bezwingen die ganze Welt?« Gott ging schweigend seinen unerforschlichen Weg. Englands Jehova zahlt keine Konventionalstrafe, wenn er den Pakt mit seinem auserwählten Volk, ihm die ganze Erde zu geben mit ihrer Fülle, nachträglich mit allerlei Klauseln einschränkt. Während in Czernowitz die Fenster klirrten und das Pflaster bebte, flanierten und flirteten die k. k. Offiziere auf Urlaub und warfen, wenn sie in die Schlacht zogen, ihren Freudenhäusern Kußhände zu: Tschau, Schatz! Et tu, felix Austria, nube ! Die Entente sagte nur Finis Austriae an, in den Lüften grollte: Finis Russiae ! Doch es stirbt sich nicht so leicht, und wie Finis Poloniae in verfrühtes Auferstehungslied umklang, so kann kein Geheul britischer und gallischer Hochmutsteufel in Finis Germaniae ausklingen. Ungeheure Anstrengungen Japans und Amerikas, dem Schellentanz des zu Tode getroffenen Zarismus ein Scheinleben einzublasen, brachten nur Zuckungen einer galvanisierten Halbleiche hervor, das Siegel des Golem ward plötzlich gelöst und er sank um, ein Haufen Lehm. Die Opferfreude der Dollarprinzen mit festen Wucherpreisen galt natürlich dem demokratischen Westeuropa? Geschäft ist Geschäft, und dem Zarismus unter die Arme zu greifen, den man bisher in Acht und Bann getan, war ein biederes Samariterwerk. O zahlungsfähige Moral, dein Name ist Großkapital, o Heuchelei, dein Name ist Yankee. Und was ist Dein Name, heilige Dummheit? Bauernschläue, Prozeßsucht, die den Prozeß immer in letzter Instanz verliert, der »heilige Egoismus«, der nicht den Wald vor Bäumen sieht. Japan wird einst in Sack und Asche trauern, weil es fürs Linsengericht der Kriegslieferungen seine Ostasiatische Erstgeburt verkaufte, die Spanne Frist verstreichen ließ, wo es just im Weltkrieg mit Amerika abrechnen konnte. Überall Kurzsichtigkeit pfiffiger Schmutziane. Alle ernten einst den Lohn ihrer Schäbigkeit. Keine Lüge versäumend, an die weder die Presse noch ihre Leser glaubten, zum Aufreizen dummer Leidenschaften, gaben Armeebefehle die Losung weiter, Gefangene und Verwundete abzumurksen, nachher aber erfand man riesige Gefangenenziffern. So schwachherzig mißachteten Muschiks und Poilus solche väterliche Strenge, durch Nagasika und Maschinengewehre hinter der Front aufgepeitscht? Der deutsche Totenverlust blieb immer normal, sintemal die »Sieger« selten Zeit zu Gnadenstößen fanden, weil sie so bald das Weite suchten. Was stimmt nun, viele Tote oder viele Gefangene? Löse mir, o Örindur! Auch diesen Zwiespalt der Natur, daß alle »liberalen« Demagogen ein Herz und eine Seele waren mit den bramarbasierenden Organisatoren der Niederlage, die sich nachher im Westen als Carnots des Sieges spreizten, weil ein ironisches Schicksal ihre Unfähigkeit in bengalische Beleuchtung rückte. Und all diese Knock-out-Verbrecher mit dem Säbel und mit dem Schnabel flunkerten von deutschem Militarismus als einzigartig und vomierten täglich »Freiheit und Recht«, bis selbst die unmündigen Kindlein, Volk genannt, sich die Nase zuhielten, an der man sie herumführte. Dies Geschlecht der Örindur bleibt der Gemeinheit feste Säule und sein Thron wird bestehen, »ob die Natur auch damit zu Ende eile«. Ich kenne dich, schöne Maske! Die Rumänen ließen sich anfangs in Masse niedermachen, die Deutschen staunten über solche Verbissenheit, bis sie erfuhren: Die feile Ignorantenpresse machte den armen Teufeln vor, wir marterten unsere Gefangenen zu Tode nach guter alter Hunnensitte Attilas! Die kulturlose Unbildung der analphabetischen Volksschichten in allen Ententeländern (denn was wußten Poilu und Tommy anders von Deutschland, als was »Daily Liar« und »Matin« – guten Morgen, Herr Fischer! – vorschwatzen?) förderte wesentlich den Kampf für »Freiheit und Zivilisation«. Warum weissagte unsere Presse nicht auch den deutschen Gefangenen, wie die »großmütig ritterlichen Franzosen« sie mißhandeln würden? Weil man sie ausgelacht hätte, denn Michel ist unfähig, sich französische Niedertracht richtig vorzustellen, noch weniger das Maß von Lügensucht, das die englische Presse den wahrheitsliebenden Briten zumutete. Doch, o wunderbare Gerechtigkeit des Maß für Maß! am schlimmsten sind deutsche Gefangene behandelt worden nach dem Zusammenbruch, wo man unsere Vergeltung nicht mehr zu fürchten hatte, alle Überläufer und feige sich Drückenden der Schlußphase hatten ein schlimmeres Los als je. Man liebt den Verrat und haßt den Verräter, dies alte Lied lernten auch alle untreuen Bundesgenossen, die sich auf Deutschlands Kosten salvieren wollten. Die in Verbrecherkreisen so beliebten Spartakisten ohne Spartakus beriefen sich umsonst, wie Eisner auf »Freund Clemenceau«. Also verderb' ein Jeder, der ähnliche Werke vollführt hat! zitierte Scipio den Homer, die Entente aber schreibe sich den Schillervers ins Stammbuch: Das eben ist der Fluch der bösen Tat! Die Krokodilsträne über Vergewaltigung des Brester Friedens, obschon die Randstaaten nur unter deutschem Protektorat Lebensfähigkeit bekommen hätten, wich dem Wolfsgeheul der Schadenfreude, als der polnische Sklavenaufstand wie eine Hyäne den großen Scheintoten benagte. Noch war Polen nicht verloren, solange es ein ideales Schattendasein in den Köpfen romantischer Schwärmer lebte, jetzt wo es Schlangenblut trank, um Leben zu gewinnen, zeigte es seine wirkliche Gestalt. »Quand Auguste buvait, la Pologne etait ivre« heißt hier: Wenn Paris trinkt, ist Warschau besoffen, einst zerrieben zwischen gemeinsamem Zorn der Deutschen und Russen. Das hat mit ihrem Singen die Marianne getan, Frankreichs naive Sturmpolitik des illusionären Gernegroß mit Augenblickseffekten. Sein hemmungsloses Delirium macht Schule, es kurierte sogar Abällino und Mussolino von Barèrezahlung blinder Wälschgängerei. Es möchte kein Vasallenstaat der Angelsachsen sein und zerhaut daher den Ast, auf dem sein Kuckucksnest saß. Friedrich der Große klagte über unnatürliche Allianzen, die unnatürlichsten kannte er noch nicht. Wer den Bogen überspannt, zerbricht ihn. Die Nemesis lacht über die Hybris, wo sogar das geschlagene Italien Mussolinis in Imperialübermut stolziert. »Realpolitik?« Ja, am Piave! Joffre verschwatzte sich nachher bezüglich Verabredung mit der englischen Militärbehörde vor dem Kriege über Transport Frenchs nach Belgien. Doch die Enthüllung ging spurlos vorüber, denn der Chauvain glaubt wie ein hysterisches Frauenzimmer an die eigenen Lügen und beschwört feierlich, Frankreich sei das Opfer brutalen Überfalls, selber von Friedensbalsam überfließend. Die Völker sind noch so dumm, an ihre Mitwirkung bei Außenpolitik der Geheimdiplomatie zu glauben, und verwechseln ihre eigene natürliche Friedensliebe mit der allein maßgebenden Exekutive, die ihnen Brei ums Maul schmiert. Folgt eine Lüge auf die andere, holt man keine mehr ein, denn Lügen haben nicht kurze, sondern sehr lange Beine. Wo schon manch leichtgläubig Blindem in England halbwegs der Star gestochen und der Schleier zerronnen, auch der um kitschige Kitcheners gewobene, da glaubt der transatlantische Hinterwäldler noch inbrünstig an die von Wallstreet bezahlten Barnumspäße, die das Belgierkind mit abgehackten Händchen – ähnlich den Gespenstern, jeder hörte davon, keiner sah sie – mit Kirmesgebrüll ihrer ›Clowns‹ zur Schau stellen. Und was half es, daß »Bertourien« (Senator Graf Bonal) die Wahrheit auf dem Marsche sah (La verité) , daß in England sich Achtbare gegen die Pharisäerwirtschaft erhoben? Nicht mal heut nach Kriegsschluß dringen ihre Stimmen durch, die unbeschreiblich törichten französelnden Northcliffiten bis in die höchsten Deutschenfresserkreise bestehen noch heute auf ihren aufgeschwatzten Jingophrasen vom harmlosen Unschuldslamm Frankreich und dem bösen Wolf Deutschland, der ihm allezeit (durchschlagender Heiterkeitserfolg Clemenceaus) das Rheinwasser trübte. Umsonst beeiferte sich der arme Münsterberg in Harward, noch in seinem Sarg witterte man deutsche Bomben. »Deutsche mißverstehen stets fremde Mentalität?« Und wer versteht die deutsche allzu friedfertig versöhnungslustige? Umsonst erscheinen heute überm großen Wasser die vernünftigsten Bücher, die niemand liest außer den paar Gebildeten, was nicht zählt. Uncle Sam gähnt, man möge ihn ungeschoren lassen. Die schöne Sensations-Attraktion des Kreuzzuges gegen die Hunnen sei nun vorüber, fette Gebühren dafür bezahlt, und nun wolle man ihm hinterher sein Vergnügen rauben, daß er für Freiheit, Recht und Munitionsdividenden den blamierten Europäern die 14 Punkte Wilsons als Kanzeltraktätchen aufdrang? Larifari! Die Hunnen bleiben Hunnen, Belgier Märtyrer, Franzosen glorreiche Marseillaisesänger, der kaiserliche War-Lord (o Gott!) ein Attila und damit basta bis zum jüngsten Gericht! Diese Atmosphäre giftiger Verleumdung war der tödlichste Gasangriff, er verpestete solange die Luft, bis die deutsche Lunge nicht mehr atmen konnte. Wir wurden nicht besiegt, sondern fühlten uns besiegt, wurden nicht getötet, sondern waren schon eine lebende Leiche. Als man einem an Blutvergiftung seelisch Gebrochenen, durch Brunnenvergiftung um jeden Heiltrunk begaunerten galvanisierten Leichnam, der noch künstlich mit den Armen um sich schlug, einen Rippenstoß versetzte, fiel er um! Sein sinnbildlicher Vertreter bekam einen Ohnmachtsanfall und lallte: Fahr wohl für immer, schöne Leiche! Die Northcliffe-Medea schlug in die Harfe: Jason, ich weiß ein Lied ... die Argonauten stahlen herzhaft das goldene Vließ und die Drachensaat streitbarer Männer wird nochmals aufgehen. Mit diesem Zaubertrank im Leibe aus mephistophelischer Hexenküche, wimmert nicht nur das Gretchen, sondern auch die schöne Marianne: Nachbarin, Euer Fläschchen! Denn jeder spürt, daß Leichengift vom deutschen und russischen Volkskadaver ganz Europa ansteckt. Doch die Vogelstrauß-Politiker der »Siegerstaaten« (!) stecken den Kopf in den Sand, um nichts zu riechen, oder heben als Kriegsgewinnler phäakisch die Hände zum lecker bereiteten Mahle. Die Oberförster im Phrasenwald, diese nur unter Deutschen möglichen Hoch- und Selbstverräter, kreischen Beifall zur Schmierenkomödie »Untergang von Bismarcks Reich« und der deutsche Blätterwald rauscht von Leitartikeln gehässiger Scheel- und Parteisucht, Hyänen des Schlachtfeldes zerfleischen als Leichenräuber ihr sterbendes Vaterland. Rot, Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Weiß-Rot, ein Wald von Zwitterfahnen, nur keine Sturmfahne wider den Landesfeind! Nietzsche predigte, unglücklicher Krieg sei besser als ehrloser Friede. Schmeckst Du es, Michel? Bis zuletzt bewegtest Du Dich in Einbildungen, die Angelsachsen würden ein Einsehen haben, und doch versetzten nur sie Dir den vergifteten Todesstoß. Schöne »Vettern« oder Stiefbrüder, die solche Verwandtschaft nicht mal anerkennen! Unter allen Vernichtungsstrebern sind die Franzosen die entschuldbarsten, da sie etwas zu »rächen« hatten und Revanche nun mal ihr Leibgericht. Vergalten sie nicht auch den einstigen Waffenstillstand (Bourbakis Untergang)? Die Panslawisten, so empörend der Undank Väterchen Nickys für alle ihm von Willy geleisteten dynastischen Schuhputzerdienste, berufen sich auf angeborenen Deutschenhaß. Das offizielle England aber handelte aus allerniedrigsten Beweggründen, während es Mitleidszähren um Belgien vergoß und seinem unwissenden Pöbel die Greuellegende einimpfte. Was sich die Amerikaner mit krankhafter Ideologie suggerierten, stammt nur aus der Requisitenkammer gemeinster Imperialselbstsucht und wahnwitziger Überhebung. Wer pries vordem unsere sozialen Institutionen als musterhaft? Wilson und Lloyd George. Beide beschworen, sie wollten nur das arme deutsche Volk von »Junkern« erlösen, doch kein Anflug von Achtung und Erbarmen für das große Volk, das sich heldenhaft so lange gegen eine Welt von Henkern aufrecht erhielt, trübte ihre Erdrosselungsbosheit. Ja, selbst für die ursprünglich dem Kriege Abgeneigten in England heiligte nachher der Erfolg jede Imperialuntat. Machiavelli schuldet noch ein Kapitel, wie John Bull sich moralisch erhitzt, wenn er gaunert. Über der Weißen Schmach der Erben Melacs und all der anderen Gallischen Mordbrenner – Sadisten vergißt man heute allzusehr die unersättliche Wolfswut der Jingos. Mit nichts anderem als Deutschlands Vernichtung wollten die Besessenen der Primrose-League sich zufrieden geben, sonst lieber selber untergehen. Sie verlachten jedes Friedensangebot erst recht, nachdem unsere Macht all ihre Erwartungen trog. Man könnte diese Haltung bewundern, wie die des römischen Senats bei Hannibal ante portas, der freilich den punischen Krämersinn kannte, an dem Hannibal zugrunde ging. Kannte die Entente den deutschen Hödurgeist? Die Friedensresolution des Reichstags erschien ihr als Schwächesymptom, sie verhandelte heimlich mit dem Habsburger Verräter, baute auf die Hungerqual und reichliche Bestechung, wofür die dumme »Wilhelmstraße« nie Gelder übrig hatte. »Die große Reserve« Amerika steifte ihr das Rückgrat. Doch sie selber begriff noch nicht, daß schwerer als alles Blutgeld und alle erstaunliche Rüstung der Yankees die 14 Punkte als Falle mit Rattengift ins Gewicht fielen. – Daß man unklug den Bulgaren die verheißene Dobrudscha halb vorenthielt, hinderte nicht das Geheul aller Neutralen über den angeblichen Gewaltfrieden von Brest, das reine Zuckerwasser neben dem späteren Versailler Vitriol. Statt die Bundesgenossen vor den Kopf zu stoßen, hätte man an ihren Forderungen festhalten sollen, das hätte sie vielleicht an uns geschmiedet bis zum bitteren Ende. Statt dessen die Parole: Friede sobald wie möglich! Keine Annexionen! Das Friedensprotokoll war eine Stümperei, wobei Trotzky mit Ironie trotzte und durch diplomatisches Wissen die »Fachleute« überraschte. Dieser Friede empörte Alldeutsche und Bulgaren durch seine Milde, ohne dem Feind den Vorwand zu nehmen, er sei gewalttätig. Nicht Fisch noch Fleisch: Den Neutralen die Mäuler aufreißen und doch nichts Bestimmtes durchsetzen, ob Hofmann noch so derb auf den Tisch klopfte. Auch bei den Westvölkern schrien viele nach Frieden, doch die »demokratischen« Regierungen schlossen ihnen den Mund mit Kerkerklammern und Füsiladekugeln, jede Meuterei wurde blutig erstickt, während der stramme deutsche Militarismus fein säuberlich die gesetzliche Regeldetri befolgte und ihre Zuchthausstrafe an den lieben Knechten der roten Phrase erst vollstreckte, wenn ihre Immunität einen Augenblick durch Armierungstoilette aufgehoben war. Man schleppte zwar 20  000 harmlose Nörgler in Schmutzhaft, unterdrückte aber nirgends den sogenannten Pazifismus, der mit schönen Gesten bewußten oder unbewußten Vaterlandsverrat inszenierte. Man ließ das Gift »neutraler« Ententezeitungen ungestört kursieren, wie auch Umtriebe und Auslandsgelder für Propaganda und Spionage Eingang fanden. Gewiß schrie die steigende Not zum Himmel, doch wie durfte man sich über die Angelsachsen sentimental beschweren, da England einst dieselbe Hungerblockade über das revolutionäre Frankreich verhängte und die Yankees sie gegen ihre eigenen südstaatlichen Landsleute brutal durchführten, beides unter viel mißlicheren Umständen, als wir im Weltkrieg sie je erduldeten, da uns die Ostsee, Holland, Schweiz offen standen. Die damaligen Opfer bissen schweigend die Zähne zusammen, wir aber verstanden nicht, daß die Feinde keinen Frieden um keinen Preis wollten, und lauschten dem verlockenden Sirenenlied der 14 Punkte des Weltschulmeisters. Bei uns lag der Urgrund aller Friedenssehnsucht nur in niedriger Selbstsucht des Individuums, das sein Behagen nicht geschmälert sehen mag, vielen Friedensschreiern ging es gar nicht schlecht, der verelendete Mittelstand hielt am geduldigsten aus. Wir möchten keineswegs magisterhaft die ideale Forderung präsentieren wie Ibsens Gregers Werle, man darf von ungeläutertem Menschentum nichts Ideales fordern. Dann muß also die Strenge des Staatsgedankens, individuelles Bedürfnis rücksichtslos mißachtend, das Ganze aufrechterhalten. Wenn Arbeitersoldaten ihren stürmenden Kameraden zuriefen »Streikbrecher«, so griff tatsächlich eine Streikgesinnung in Heer und Heimat Platz. Mit unerhörtem Zynismus betonte Wilsons Vertrauensmann, Oberst House, 1920 in Paris, daß Deutschland sich mindestens bis Mitte 1919 noch halten konnte, doch Wilson habe uns durch seine 14 Punkte »demoralisiert«. Die Pazifisten, soweit sie nicht bezahlte Verräter waren, sitzen heute wie Marius auf den Trümmern von Karthago, Dummheit ist keine Entschuldigung. Vom Tiger Clemenceau, Fuchs Lloyd George, Krokodil Wilson Schonung für Opfer ihrer Freßgier erwarten war reiner Gehirnschwund. Doch solche Stimmung sentimentaler Vertrauensseligkeit in Heimat und Heer förderte den Sturz abwärts, niemand war davon frei. Mit Ludendorffs Nervenkollaps hat die Revolution nichts gemein, wie die Zeitdaten lehren, sie war die Folge der Waffenstillstandsverhandlung, letztere aber die Folge fassungsloser Erschütterung. Nicht zu vergessen das schmachvolle Benehmen der Ungarn am Piave, sowie den durch Bestechung erreichten Treubruch Bulgariens. Der Knabe Karl fing an schon fürchterlich zu werden, wieder bewundert man die sittliche Weltordnung, daß sein Verrat ihn ebenso umbrachte wie sein Undank das zweimal durch deutsche Waffen gerettete Ungarn. Vielmehr wurde die Austreibung Habsburgs so erst recht beschleunigt, der letzte Habsburger büßte für tausend Sünden seines Geschlechts. Wilson war die wahre Baßgeige und große Pauke für Michels Taubstummengehör. Und diesen Rattenfänger von Hameln, der deutsche Kindsköpfe verführte, hielt sogar Shaw, der für Lichnowskys Bremsversuche mit Löschpapier für entgleisende Expreßzüge den richtigen Blick hatte, für den richtigen Weichensteller! So werden selbst professionelle Ironiker umnebelt, wenn man nur hübsch bumfiedelt, der Ire Shaw schwatzte oft über sein verehrtes Deutschland so albern wie sein Ironie-Kollege Chesterton, der die alten heidnischen Prussi mit den preußischen Germanen verwechselt. Noch heut erröten Leute wie Stillich nicht, den Treubruch von Versailles mit dem »brutalen« Diktat von Brest und Bukarest zu vergleichen, als ob gerechte Bestrafung des kriegsschuldigen Rußland und des heimtückischen Vertragsbrechers Rumänien irgendwie ähnliche Voraussetzungen hätte wie der vorliegende feste Pakt der 14 Punkte. Bakers Mohrenwäsche zeigt Wilson höchstens als betrogenen Betrüger, der aus den Wolken fiel, als die Spatzen auf den Pariser Dächern pfiffen. Er war entsetzt, als er die geheimen Raubverträge der Entente kennen lernte? Dann hatte er die unbedingte Pflicht, zumal Lloyd George ihm gegen Clemenceau das Rückgrat gestärkt hätte, seine maßgebende Macht in die Wagschale zu werfen: Ich garantiere meine 14 Punkte. Man schämt sich in die deutsche Seele hinein, wenn Stillich den Frankfurter Frieden, den Moltke viel zu milde fand, mit dem von Versailles vergleicht, als ob Rücknahme früher geraubten altdeutschen Landes ungerechte Amputierung wäre. Gewiß enthielt der Brester Frieden eine Dummheit, die Annexion von Cholm, was wieder das vermaledeite Österreich verschuldete, das immer für sich auf Kosten deutscher Interessen Beute machen wollte. Aber die Randstaaten wollten ja selber von Rußland los, also verteidigte man nur ihr Selbstbestimmungsrecht. Rumänien aber wurde im Grunde glimpflich behandelt, am liebsten hätte Ungarn ein Stück davon geschluckt. Daß die rumänischen Macchiavellisten vor getäuschter Bosheit laut schluchzten, als sie den Frieden unterschreiben sollten, und daß deutscher Militarismus so wenig wie jeder andere sich auf Sentimentalitäten einläßt, soll man mit den beispiellosen Schandtaten der Franzosen im besetzten Gebiet auf eine Stufe stellen? Wahrlich, wenn Persius ein solches Pamphlet empfiehlt, so sollte uns auch seine Charakterisierung Wilhelms und Prinz Heinrichs verdächtig vorkommen, wenn sie nicht durch Graf Zedlitz so traurig bestätigt würde. Wir denken nicht daran, das alte System reinzuwaschen, wie sich heut alle Spießbürger nach den Fleischtöpfen Pharaos zurücksehnen mit falscher Perspektive damaliger und heutiger Weltlage. Wir fürchten, daß die Reste des Obrigkeitsstaats nichts gelernt und nichts vergessen haben, wie denn heut jede Partei nur im fremden Auge den Balken (freilich nicht bloß Splitter) sieht. In gutgeschriebenen Büchern »Um den Kaiser«, »Der mißverstandene Bismarck« sucht der begabte Streber Hamann sich und seinen Meister, den schlauen Hlg. Bernhard, weißzubrennen, jede politische Erdbebenkunde ging ihrer Warte geradeso ab wie unsern ehemaligen Korpsstudenten, die sich auf schweinsledernem Korpus Juris ihrer Cameraliaexamen räkelten, sich als Salonfaxe und Schön-bartspieler mit Schmier- oder Parfümseife über den Löffel barbieren und sich das Monokleauge mit Ordensbändern blenden ließen, in lauter »ausgezeichneten Beziehungen«. Kiderlen fand das erlösende Wort, es werde gelogen, daß »die Balken sich biegen«, aber den Balken im eigenen Diplomatikerauge nahm er wohl aus. Und was fünf deutsche Professoren über »Deutsche Freiheit« als Erbauungsfibel zusammenschwätzten, erinnert an jene »teutsche Libertät«, für die einst Friedrichs Kriegsmanifest angeblich das Schwert zog. Ein Austauschprofessor band seine Festreden als Sträußchenangebinde für Amerika zusammen unter dem geschmackvollen Titel »Vom Weltreich deutschen Geistes«, das so bald die Sonne in seinen deutschen Staaten untergehen sah. Heutige Professoren aber scheuen sich nicht, den braven Hitler, den sie früher als unakademischen Anstreicher keines Wortes gewürdigt hätten, mit – Giadano Bruno zu vergleichen! »O Narr, ich werde rasend!« tobt Lear auf der Heide, enttäuschter Größenwahn rumort mit der alten Anmaßung. Auch dem Katheder-Militarismus als »Lehrer der Nation« hat die Geschichte des Weltkriegs manch böses Sprüchel zu sagen. Unsere schroffe Ablehnung offenbarer Entstellungen und Erfindungen, wo man sich das kindliche Vergnügen macht, deutsche Kriegsverbrecher in contumaciam zu hängen, beirrt nicht das bittere Geständnis, daß hier und da in der Hitze des Gefechts wohl Grausamkeiten verübt wurden. Die Franzosen nennen ausdrücklich 4. 10. D., ohne zu ahnen, daß es sich dabei um viel polnische Bestandteile handelt, wie auch bei der Oberschlesischen 12., trefflichen Soldaten, die aber nachher die scheußlichen Banden beim Raub dieser deutschen Gebiete bildeten. Schlimmer drücken die kalt überlegten Härten in Lille ins deutsche Gewissen, viel glaubwürdiger als die belgischen Aussagen von Hysterikern beiderlei Geschlechts. Denn man bezeugt, unsere Soldaten seien alle gutmütig und mitleidig gewesen, nur die Offiziere brutal erbarmungslos, deren sonstige Selbstsucht die Mannschaften erbitterte. Die Schrift von Gothein sagt darüber das Nötige. Nun, das ist würdig jedes Militarismus, wahrlich nicht bloß des deutschen, wir fragen die deutschen Pazifistenschreier mit Byron: »Bestraft man Sünde nur durch größere Sünder?« Wie verfuhren denn die Russen in Ostpreußen? Daß sich in Wisé, Tamines, Aerschot, Andennes, Löwen, Dinant sich die Bevölkerung unzweifelhaft am Kampf beteiligte, verschwieg natürlich die berüchtigte Untersuchungskommission über Hunnengreuel. Und das soll die Reparationsgreuel des Ruhrskandals mitten im Frieden rechtfertigen? Solche traurigen Schächer wie unsere Friedensschmoke, die für Nobelpreise die Feder wetzen – einer hieß sogar Fried, da konnte es ihm nicht fehlen – mit ihren Schiefblicken nur für deutsche Vergehen kennt kein anderes Volk. »Nie wieder Krieg?« Bravo, wir wollen eine Liga wider den Tod stiften, nie wieder Krebs, Tuberkulose, Syphilis! Die große Neuigkeit, daß Krieg das größte Übel sei! Na, Lungenpest und Cholera sind auch nicht zu verachten. Als ob der Krieg Aller gegen Alle im Erwerbsleben »Friede« wäre! Da meuchelt langsam und heimlich, was im Krieg mit offener Größe die Knute schwingt. Erst ändert die Bazillen verderbter Gesinnung, betrachtet die wuchernden Wirtschaftsbanditen als Raubmörder, dann werden wir über Heildiagnose reden, wie dem »Krieg« beizukommen sei. Schriften von Scheidemann, Noske, Bernstein oder Hertling, Erzberger, Nowack geben alle das gleiche Bild wie »Vorgeschichte des Waffenstillstands, Amtliche Urkunden«, wie Hindenburgs Telegramm nach Compiègne vom 10. November, trotzdem Gallwitz am 26. Oktober und Gröner am 5. November sich gegen unbedingte Kapitulation sträubten. Ein einziges »Ruhe ist die erste Bürgerpflicht«. Hier gab es keinen letzten Ritter Maximilian, der sich beim Kraxeln verstieg, weil es von Zugspitz der Kaiserträume so bedenklich zieht, doch in der Revolutionsbrühe schwamm auch kein Maximilian Robespierre, höchstens als »Unbestechlicher« ein Maximilian Harden. Auf den Baron Ochs folgte der Bürger Rindfleisch, welche Verbesserung! Arminius übertölpelte die klugen Römer, Karl V. witzelte über die »tollen und vollen« Deutschen, da hatte ihn schon Moritz am Kragen, Wallenstein durchschaute die ollen Schweden, deren Wickingszug unsere Gustav-Adolf-Vereine treugehorsamst verewigen, und der Sohn Verhuells, der sich für den Neffen der Schlacht von Austerlitz ausgab, fiel auf Bismarcks Biedermiene herein. Wir sind gar nicht so dumm wie wir aussehen. Doch wer waren unsere Gambettas der Nationalverteidigung? Der vatikanische Hintertreppenfindling, der Schmerzberger und Erzherzog bauchrunder Pfiffigkeit! Seine mit 30 Millionen (als es zu spät war) geschmierte Propaganda gründete im schönen Süden zwei Blättchen unter Ausschluß der Öffentlichkeit, deren einzige Leser in der Villa Malta saßen, und ließ sich herausschmeißen, wo er mit behaglicher Gönnermiene anklopfte. In der Schweiz schlug sein gut österreichisches Herz in Einklang mit den Klerikalen für möglichste Erhaltung Habsburgs. Das waren die deutschen Männer, die dem Foch beim Anblick der feisten Jammergestalt, die per Dolmetsch mit dem Franzmann verkehrte, den Ausruf entpreßte: »Das also ist das Deutsche Reich!« Dies Neue System mästete sich von Schwätzern, der einzig Bedeutende, Rathenau, mußte eiligst gemeuchelt werden. Doch siehe da, seine wahren Mörder, Plutus I. und der helferliche Hetzkaplan »nationaler« Großhändler, hat sie nicht »der Finger Gottes« ausgemerzt? So wird noch mancher ins Gras beißen, ehe die Mummelgreise und Parteibonzen erster und zweiter Garnitur, faulige Überreste des Alten und Pilze des Neuen Systems, einem neuen Geschlecht den Platz räumen. Das Plapperment der »Sumpfkröten«, wie man in der Französischen Revolution so unhöflich sagte, muß erst von einem »Berg« eines Wohlfahrtsausschusses überschattet werden, sei er kaiserlich oder republikanisch – Res Publica heißt nicht Republik, sondern Gemeinwohl –, ehe die Sonne dahinter aufgeht. Willy und seine Leute waren nicht darnach, um die Nation zur Pflichterfüllung anzuhalten. Dem gemeinen Manne muß sich das Vaterland in einer großen Persönlichkeit verkörpern. Als alles um ihn nach Frieden wimmerte um jeden Preis, entschied Friedrich der Große: »Nie werde ich ehrlosen Frieden unterzeichnen.« Seine Kerls, die treuen Gesellen, verstanden das Imperatorwort: »Ihr Racker, wollt ihr denn ewig leben?« Kritische Geschichte des deutschen Heeres im Weltkriege Abkürzungen. K . Korps – D . Division – Rgt. Regiment – Brig. Brigade – Ch. Chasseurs – R. Reserve – Kav. Kavallerie – L. W. Landwehr – L. St. Landsturm – Art. Artillerie – P. Pioniere – Schw. Schwadron – Batl. Bataillon – Batt. Batterie – Jg. Jäger – I. Infanterie – F. Art. Fußartillerie – M. G. . oder Masch. G. . Maschinengewehr – Gew. Gewehr – Gesch. Geschütz – Gef. Gefangene – t. u. v. tot und verwundet – G. Garde (also G. R. K. Gardereservekorps, wie K. D. Kavalleriedivision) – G. St. Generalstab – G. St. Schr. Generalstabsschrift – O. H. L. Oberste Heeresleitung – H. B. Heeresbericht – G. Komm. Generalkommando – A . Armee – Off. Offiziere – b. Bayrische – B. Kr. Arch. Bayrische Kriegsarchiv – Bad. Badenser – Westf. Westfalen – Schles. Schlesier – Pos. Posener – Würt. Württemberger – pr. preußisch – d. deutsch – franz. französisch – Verl. Verlust – V. L. Verlustlisten – Als »Altonaer« zu verstehen 9. K. 9. R. K. – III/104. III. Bataillon vom 104. Regiment oder I/II/11. R . lies I/II. Bataillon 11. Reserveregiment. – R. Arch. Reichsarchiv. Hier und da, wo Mißverstehen unmöglich, steht J. statt Jg., A. oder Ar. statt Art., Br. oder B. statt Brig.; auch sind manchmal Buchstabenfehler in Ortsnamen unkorrigiert, falls sie sonst oft richtig stehen. Bei Maschinensatz, wo wegen eines Buchstabens die ganze Zeile neu gesetzt werden müßte, läßt sich nicht vermeiden, daß z. B. Verwechselung von m und n öfters übersehen wird. Kriegführen war ehedem eine Kunst, wurde dann mehr und mehr Wissenschaft. Der Weltkrieg stieß alle Formen um und unterwarf die Taktik der Technik. Die Führung funktionierte mechanisch, fand sich nicht mehr mit Geistesaugen zurecht und die Kavallerie als »Auge des Feldherrn« trat ihr Recht der Aufklärung an Flieger in den Wolken, an Horchposten in den Bäumen ab. Schon früh fiel alles einem Stellungskrieg anheim, der sich nur mit Berennung einer Festung und Ausfällen der Besatzung vergleichen ließe, wenn nicht endlose Länge der Front jede Zernierung ausgeschlossen hätte. General v. Alten urteilte, Vervollkommung der Feuerwaffen habe zentrales Durchbrechen noch mehr erschwert, ohnehin kenne »die Geschichte wenig Beispiele des Gelingens«. Letzteres Dictum beruht auf mangelhafter Kenntnis napoleonischer Schlachten, deren wahren Verlauf man später der Moltke-Methode anzupassen strebte. General v. Blume wollte selbst bei überlegener Truppentüchtigkeit zentralen Durchbruch nur bei ausnahmsweise günstigen Stärke- und Geländeverhältnissen gelten lassen. Er vergaß, daß gesteigerter Feuerwirkung des Verteidigers heute abnorme Angriffskraft der schweren Artillerie gegenübersteht, sie macht selbst die festeste Stellung sturmfrei. Gemäßigter drückt sich Freytag-Loringhofen aus, doch selbst einer verklausulierten Verneinung machte die Weltkriegerfahrung ein Ende, bei Durchbruchsschlachten überwog stets der Zentrumsstoß den Flügelangriff. Des Krieges Grundgesetze blieben unverändert. Stets besiegte Dynamit die Mechanik, Geist und »Moral« die Materie. Nie gaben Taktik und Bewaffnung den Ausschlag, immer Strategie und moralischer Faktor. Erst als letztere im deutschen Heer zusammenknickten, erwehrte es sich nicht mehr einer schon sehr zusammengeschrumpften Übermacht, der es früher ungebrochen trotzte. Berufsmilitarismus verwechselt vorsätzlich das Seelische mit Drillausbildung. Dreiviertel (wo nicht mehr) beider Parteien bestand aus ungedrillten Milizen, d. h. Kriegsfreiwilligen, ungedienten aktiviertem Landsturm aller neuen Infanterie- und Reserveregimenter, Landwehr. Dies allgemeine Volksaufgebot setzte das alte Gesetz in seine Rechte ein, daß »Gott immer bei den stärksten Bataillonen ist«, »die größere Masse die kleinere schlägt«. Dies wird nicht umgestoßen durch blöden Spott über » rage des nombres « oder dilettantischen Erguß »Hindenburg oder Napoleon« eines Spekulanten auf Tagesbedürfnis mit lauter falschen statistischen Daten, wie sie prüfungslose Nachschreiberei der landläufigen Militärschriftstellerei mit sich bringt, als frommes Erbe fortgeschleppt. »Die schöpferische Verzweiflung«, durch welche Minderzahl immer Mehrzahl besiege – geradezu verrückte Behauptung –, läßt höchstens zu, daß ein sehr großer Feldherr mal ausnahmsweise mit Minderzahl siegt, wie z. B. Napoleon bei Austerlitz, Eylau, Dresden und beinahe bei Aspern. Doch selbst bei Leuthen schwankte trotz meisterhafter Schlachtanlage lange der Sieg, der Blutverlust glich sich dort prozentual aus. Verlieren aber Über- und Minderzahl beide je 20% (Davout bei Auerstädt 27%), so schützen bessere Truppenqualität, Taktik und Bewaffnung nicht vor Mißerfolg, wenn Übermacht einheitlich ausgespielt, nicht kopflos verzettelt. Feldherrentum offenbart sich gerade darin, daß man bei eigener Minderzahl trotzdem am Entscheidungspunkt mit Übermacht schlägt. Wenn wir daher im Weltkrieg mit Minderzahl bei Angriff und Abwehr Triumphe errangen, so läßt sich solche Abnormität nur durch beispiellose nie dagewesene Überlegenheit des deutschen Kriegscharakters erklären, nur ausnahmsweise, wie anfangs im Osten, durch abnorm geniale Führung. Daß die Entente ihre Übermacht nie auszunutzen verstand, lag freilich später im Wesen des Stellungskrieges mit lückenloser Front von den Vogesen bis zum Kanal, von den Südkarpathen bis zur Dünamündung. Denn hier fiel weg das Wesen des Bewegungskrieges, die Umgehung, und ohne großes strategisches Manöver hat Übermacht ihren Beruf verfehlt. Philosophie und Psychologie der Kriegskunst bahnte man von Clausewitz bis Binder-Kriglstein an, ohne je reine Erkenntnistheorie zu gewinnen. Clausewitz erging sich oft in Hypothesen auf brüchigen Prämissen ohne richtige historische und statistische Grundlage, doch bestrebte er sich, Dynamik allein auf den Schild zu heben, d. h. den Krieg als leidenschaftliches Drama zu betrachten, in dem der Wille regiert. Seine mannhafte Ethik, oft mit blühender Beredsamkeit vorgetragen, wird von Loringhofen »Die Macht der Persönlichkeit« richtig betont. ) Jomini dagegen bewegte sich in reiner Intellektualität des Schemas, und als Moltkes »äußere« Linien zu hohen Ehren kamen, bauten Schlieffen, Schlichting, Bernhardi dies Dogma weiter aus, das übrigens uralt ist, sonst hätte nicht Napoleon stets dagegen gewettert. Die Regel doppelseitiger Umfassung brach im September 1914 endgültig zusammen. Doch grau ist nicht jede Theorie, grün nicht an sich der Baum der Praxis. Beim großen Genie, wie Friedrich und Napoleon fließt beides divinatorisch zusammen. Man muß seelische Energetik und die mathematisch kalkulierbare Stoffbewegung sorgfältig gegeneinander abwägen. Psychologie eines Feldherrncharakters kann wichtiger sein als seine intellektuellen Maßnahmen. Deutschland trat in den Existenzkampf unter ungünstigsten Bedingungen mit unzureichender Rüstung ein, dank einer verächtlichen Staatsleitung und einer widerborstigen Volksvertretung. Panzerkähne als kaiserliches Spielzeug verschlangen Unsummen, nur von U-Booten wollte Tirpitz nichts wissen. (Vergl. Persius.) Statt »schwimmender Särge« hätte man lebendige neue Korps gebraucht. Da die Friedensstärke der Franzosen im Sommer 1914 schon 883 500 betrug inkl. Afrikaner, die deutsche nur 761 000, d. h. 2,10% der Bevölkerung gegenüber 1,20, so liegt auf der Hand, daß jede Berechnung deutscher Übermacht, wie die Franzosen vorschützen, auf Wahn beruht. Joffre sprach vielmehr offenherzig von »unserer zahlenmäßigen Überlegenheit«. Dazu kamen noch 280 000 Belgier auf dem Papier, 132 000 des englischen Expeditionskorps, wovon die ersteren wohl schwerlich mehr als 150 000 aufbrachten, die Engländer erst allmählich im September sich sammelten. (Wenn Kuhl 100 000 Briten bei Mons meldet, so ist dies viel zu hoch.) Inkl. Reservedivisionen rückten die Franzosen mit 2 Millionen in 73 Divisionen (219 Brigaden) aus (2 Divisionen später dazu), die Deutschen exkl. Landsturm, Ersatz führten auf beiden Fronten anfangs auch nur 2 Millionen in 95 Divisionen (30 Res. 15 L. W.) zum Kampf (190 Brig., die französische Division war erheblich stärker). Nur durch Ersatzdivisionen wurde Ende August 1914 die deutsche Stärke im Westen den Verbündeten numerisch gewachsen. Wirft man einen Blick nach Osten, so kamen 57 österreichische Divisionen mit angeblich 1 470 000 Effektiv hinzu, dagegen drüben die Russen mit 3 460 000 in 118 Divisionen. Freilich kamen nicht sogleich all diese Massen ins Feuer, aber andere Ziffern sind viel zu niedrig, wonach Rußland im August mit nur 1 425 000 Mann 4800 Gesch. ausrückte. Gegen 875 000 mit 3000 Gesch. hätte dann Österreich sogar Überzahl gehabt: 510 000 Mann 1000 Gesch. östlich Lemberg, 490 000 Mann 1050 Gesch. am San. Dies würde sowohl Conrad Hötzendorffs »Genialität« als die kriegerische Leistung der k. k. Truppen sehr schmälern, dann war es keine Kunst, einige Erfolge zu erstreiten, wohl aber eine Kunst, so geschlagen zu werden. Allerdings nahm Conrad es auf sich, sogar den L. St. in geschlossenen Divisionen seinem ersten Aufgebot einzuverleiben, womit man gute Erfahrungen machte. Daß es mit der Artillerie, auf die allzeit Habsburgs Heer so stolz war, zahlenmäßig so schlecht bestellt war, verschuldete die ewig störrige Volksvertretung, was nachher das Volk selber auszubaden hatte. Deutscherseits ist die Berechnung der 1. bis 5. A. auf 1 078 000 mit 3350 Geschützen als Effektiv zu niedrig, der 6. und 7. A. mit 346 000 und 1100 Geschützen viel zu niedrig, wir erörtern später die Stärken. Daß man mit schärfster Ausnutzung der Reserven 1 575 000 mit 5200 Geschützen (das klingt schon anders) nach Westen wandern konnte, berücksichtigt nicht Nichtstreitbare; auch ohne sie bleiben 2 Millionen Streitbare im August auf beiden Fronten richtig. Wie wenig genau man es mit offiziellen Ziffern meint, zeigt Joffres Angabe; er habe 1 645 000 Mann und 4200 Geschütze gehabt, wovon 3., 4. und 5. A. 603 000 Mann 1800 Geschütze, 419 000 allgemeine Reserve und 100 000 Nachrückende auf beiden Flügeln hatten, demnach 523 000 für 1. und 2. A. Da die Reserven sehr bald einflossen (auch alle 7 Kolonialdiv.), so trat er, zumal er schon vor Kriegsbeginn auf Briten und Belgier rechnete, unter allen Umständen mit Übermacht in den Kampf ein, aber Foch gab später obendrein 2 300 000 »Bajonette« zu! Selbst wenn dabei alle Territorialen gerechnet, ist also unbedingt sicher, daß man mindestens 2 Millionen Bajonette, Säbel, Kanoniere hatte. Auch die Zahl ihrer Geschütze gibt die Entente zu niedrig an, indessen sind auch frühere offizielle Angaben der Mittelmächte hier falsch, da man deutsche 1260 leichte Haubitzen 2000 schwere rechnen muß und Österreich erheblich mehr Artillerie gehabt haben muß, obschon auch dann zu wenig. Die Irreführung hebt aber nicht auf, daß inkl. englische, belgische, serbische, 11 850 Ententegeschütze gegen 10 500 der Mittelmächte ins Feld zogen. So unsere Berechnung. Daß wir nach Osten inkl. L. W. K. Woyrsch über 248 000 Mann 750 Geschütze verfügten, ist entweder viel zu hoch für 6 aktive, 3 Res., 5 L. W. D. oder aber zu niedrig, falls 11. K. und G. R. K. im September mitgerechnet, auch die Geschützzahl paßt nur auf letzteres. Die Russenziffer gegen Österreich ist lächerlich schon nach Anzahl der Div. Freilich hielten sie noch viele Reserven zurück, so auch, in Warschau, wodurch sich notdürftige Wiedererrichtung der Narewarmee im September erklärt. Unsere Reserven kamen erst nach und nach, man muß eben rechnen, was überhaupt im August irgendwie unter Waffen stand, auch in Österreich. Infolge elender Zauderpolitik sah sich das waffenstolze Deutschland im August überall von Übermacht angegriffen. Gegen Österreich, das relativ flotter und früher mobilisierte, wälzten sich sicher sogleich über eine Million Russen heran nebst 285 000 Serben. Summa rund 3,5 Millionen der Mittelmächte, rund 6 100 000 Entente. Hierbei Kavallerieübermacht, da Rußland allein 40 Kavalleriedivisionen aufstellte, wie 54:22. Nun betrug zwar der wirkliche Mannschaftsbestand aller Jahrgänge in Frankreich 5 445 000 inkl. 550 000 Afrikanern, 10 Millionen resp. 14 (»minder taugliche«) in Deutschland, doch angesichts des russischen Massenreservoirs und unbegrenzter Möglichkeiten des britischen Weltreiches blieben die Mittelmächte stets numerisch weit im Rückstand, zumal Österreich seine 50 Millionen Einwohner nie militärisch genügend ausnutzte. Der spätere Hinzutritt von Italien und Rumänien zum Vielverband, von Amerika ganz zu schweigen, wurde nicht entfernt durch Beitritt von Türkei und Bulgarien zu den Mittelmächten aufgewogen. Morel macht sich in seinen Schriften über die Lügenpropaganda lustig, daß Deutschland seit langem den Eroberungskrieg vorbereitete, während Frankreich allein 1914 so viel Streiter besaß als Deutschland. Seine Ziffern bleiben aber noch hinter der Wahrheit zurück, da er 1914 nur über 5 Millionen Verbündeter rechnet. Die Rüstungskosten der Entente überstiegen unendlich die der Mittelmächte, so daß der Zweiverband allein 10 625 leichte Geschütze gegen angeblich nur 7368 (9500?) der Mittelmächte besaß, freilich nur 592 schwere gegen angeblich 732 (2200), was aber später im Westen mehrfach ins Gegenteil umschlug. Deutschlands große Artilleriemassen wurden geradeso wie die gegnerischen erst nach langem Kriegsverlauf geschaffen. Auch Morels Tabelle für spätere Ententestärken ist viel zu niedrig bemessen mit 13 375 000 für 1. Juli 1916 gegenüber 9 535 000 inkl. Türken und Bulgaren und mit 13 864 000 im Juli 1917 gegenüber 10 250 000. Denn da Rußland alleine den Mittelmächten überlegen war, England aber laut Wright bis zuletzt 10 Millionen bewaffnete, so kann das Gesamtaufgebot der Entente inkl. Italien nicht unter 25 Millionen allein in Europa betragen haben und trotz ihrer ungeheueren Verluste hielten sie wohl stets bis zum Ausscheiden Rußlands und Rumäniens 15 Millionen unter Waffen. Buat »Das deutsche Heer« schätzt das französische stehende Heer bei Kriegsausbruch auf 910 000 inkl. 63 000 Afrikanern, das deutsche auf 870 000 und spottet über unsere Schwäche, da wir bequem 600 000 mehr Friedensstärke in Divisionen hätten sammeln können. Ähnlich schrieb Repington verächtlich, »daß Deutschland kaum die Hälfte seiner dienstpflichtigen Söhne zum Heeresdienst hergibt«. 1911 sollen von 1,2 Millionen Dienstfähiger mehr als 700 000 zurückgestellt sein! Umgekehrt billigte Lloyd George 1908 und – man staune – noch am 1. Januar 1914, daß Deutschland rüste, um sich zu verteidigen, was der Schaumschläger später als Verschwörung gegen Europas Frieden brandmarkte! Dagegen bedeutete die dreijährige Dienstpflicht in Frankreich schon den Krieg (Belgischer Gesandter 12. Juni 1913). Naiv plaudert Paleologne seine Unterredung mit Witte aus, der schon im September den Krieg ein Verhängnis nennt, das nur im Interesse Frankreichs heraufbeschworen werde. Grey bezeichnet 1919 frivol lachend Cambon als den Mann, der England in den Krieg zog. Daß Poincaré je Rußland abmahnte, ist eitel Blendwerk, völlig beweisschließend das Telegramm des russischen Militärattachés nachts 31. Juli, der französische Generalstab sei zum Kriege fest entschlossen und hoffe, daß »wir all unsere Macht gegen Deutschland richten«. Churchill und Bonar Law versicherten sofort, man habe Belgiens Invasion schon seit 3 Jahren vorhergesehen, doch Grey hütete sich wohl zu erklären, er werde es als casus belli betrachten, denn Englands angebliche Neutralität war gerade die Falle für Deutschland. Ein noch größerer politischer Heuchler blieb aber Haldane, der als »Deutschenfreund« seit 1906 den Krieg vorbereitete und sich »die Frage stellte«, wie 160 000 Briten in Belgien konzentriert werden. Noch ehe die Erscheinungen des Grabenkrieges und Trommelfeuers sich entwickelten, legte die Fama beider Parteien besonderes Gewicht auf artilleristische Ausstattung. Laut der einen hätte unsere 12- und 21-cm-Haubitze, nach der anderen das französische 7,5-cm-Geschütz entscheidend gewirkt. Anfangs befand sich Frankreich mit schwerer Artillerie sehr im Rückstand (nur 58 Batterien zu 10–15 cm), während seine leichte, deren Schrapnells nur wenige Meter über der Erde platzten, dem Material der Deutschen teilweise überlegen war. Gleichwohl lebte hier die bekannte Überschätzung der materiellen Kanonadewirkung wieder auf, während die moralische nicht hoch genug eingeschätzt werden darf. Noch im Mandschurischen Krieg erwies sich die Zahl von Geschützgeschossen Verletzter als auffallend gering, 1870 trat nur einmal (67. franz. Reg. am Bois de Vionville) überraschender Verlust durch Granatsplitter ein. Selbst konzentrische Beschießung bei Sedan zerriß keineswegs französische Schlachthaufen, die nur durch Fußvolkkampf litten. Im Weltkrieg tat allerdings die Artillerie, obschon jeder statistische Ausweis fehlt, viel mehr Abbruch als früher. Manchmal wirkten Schrapnells verheerend, doch gerade die außerordentliche Verschiedenheit der Regimentsverluste zeigt dies als Ausnahme und durch bloßes Trommelfeuer, währte es auch eine Woche lang, sind nie viel Menschenleben zerstört worden, wie man wähnt. Das beweisen die V. L. aus jenen Tagen, wo bei Arras, Champagne, Somme langes Trommeln vorherging. Bei den höchsten Verlusten, wie des 37., 119., 125. bei Longwy, etwa einem Dutzend Regimenter in der Lothringer, 104. in der Marneschlacht, schuf dies nur die besondere Gefechtslage, sonst könnte nicht die Mehrzahl aller Regimenter mit mäßigen oder ganz geringen Einbußen überwiegen bei gleichmäßiger Kanonade. Einschneidender wirkten stets die Maschinengewehre, in deren Handhabung die Deutschen Meister blieben. Im übrigen entstammen die fürchterlichen Ententeverluste durchaus dem besseren Schießen mit besseren Gewehren deutschen Infanteriefeuers. Bei Ypern ging Div. Cooper wahrlich nicht durch schwächere deutsche Kanonade zugrunde, wie auch unsere Verluste vom Lebel-Grasgewehr herrühren, nicht vom 7,5-cm-Geschütz der Franzosen. Die Wunder, die man davon und der zerlegbaren Rimalho-Haubitze erzählt, sind um so weniger ernst zu nehmen, als französische Artillerie nur äußerst selten die deutsche niederhielt. Geschossen hat sie meist gut, doch im Manövrieren und raschem Aufspüren passender Stellungen war sie nie der unseren gewachsen. Für deren Überlegenheit spricht am klarsten die Longwyschlacht, wo langer Nebel die Schußwirkung beeinträchtigte und deutsche Granaten aus Talmulden ohne Sicht gegen Kuppen dennoch nie ihr Ziel verfehlten. Oft erlagen feindliche Batterien noch in Marschkolonne oder im Auffahren, die Masse zertrümmerter Geschütze zeigte wahrlich, was es mit der »überlegenen« französischen Feldartillerie auf sich hatte. Ein französischer Artillerieoffizier bezeugt ausdrücklich: am stärksten hätten die Schrapnells unserer leichten Artillerie gewirkt. Steilfeuer unserer leichten Haubitzen war natürlich sehr wirksam, doch handelt es sich bei schwerer Artillerie sonst fast immer nur um moralische Wirkung. General Wriesberg (»Wehr und Waffen 1922«) glaubt sogar an Überlegenheit unseres Feldgeschützes im Material. Die Generalstabsschrift über Mons nennt dort als harten Verlust der 12er, was im August 1870 nur ein üblicher Durchschnitt war. Sieben französische Regimenter und zwei Chasseurbataillone bei Wörth, sieben deutsche bei Mars la Tour und St. Privat litten prozentual in kürzester Frist mehr, als anscheinend irgend ein deutsches Regiment im Weltkrieg an einem Tage. Vervollkommnete Feuertechnik erhöhte also nicht den Verlust; der nur deshalb im ganzen unerhört hoch erscheint, weil er sich auf so langen Zeitraum und so große Massen verteilt. Jede friderizianische und napoleonische Schlacht hat höhere Prozentsätze, auch beim Offiziersverlust. Deutscherseits klagt man pathetisch, unser Offizierkorps im Weltkrieg habe anfangs zu freigebig sein Leben geopfert, doch genau Gleiches taten die Feinde, deren Offiziersverlust noch weit größer war. Französische Infanterie focht vordem oft wie der Teufel, man braucht nur Thiebaults Memoiren über Austerlitz, Marmonts über Leipzig nachzulesen, alle Gloire-Überlieferung fand man noch bei Wörth bestätigt und tapfrer kann man nicht in den Tod gehen als auch diesmal die Franzmänner bei Arras und Verdun. Wir räumen ihnen das gebührende Lob ein, denn die Wilhelminischen Militärschriftsteller schwindelten dem Volke vor, der Franzos sei ein kleiner Protz, nicht würdig unseres Stahls! Doch wie ich Ducques liebenswürdiger Widmung seines Wörthbuchs erwiderte: »Die Herren drüben glauben wohl, weil ich deutsche Lügen verpöne, dufteten französische Lügen mir lieblich.« Ducquet fußt auf der falschen Angabe des deutschen Generalstabs, die Franzosen hätten bei Wörth nur 4000 Tote und Verwundete verloren, obschon das französische Generalstabswerk unsere Ergründung 12 000 bestätigt, und möchte aus der falschen Ziffer die überlegene Gewandtheit der Franzosen folgern. Er begreift nicht, daß 9000 unverwundete Gefangene, die dafür das deutsche G.-St.-Werk fälschlich nennt, (höchstens 400), den »glorreich Besiegten« weit minder zur Ehre gereichen würden. Im Weltkrieg blieb den lieben Tartarins die Gascognegewohnheit, den Feind verächtlich zu machen. Am 27. August 1914 stellten sich 15 franz. Batterien im Artillerieduell a. d. Maas so gut, daß nur eine abfahren mußte: Flugs folgert Hanctaux, daß im gleichen Falle alle deutschen Batterien abgefahren wären! Die Unverschämtheit geht so weit, daß die erbärmliche Haltung der Kavallerie Sordet mit der Scheu unserer starken Reisigen vor persönlichem Handgemenge und dem Locken ritterlicher Gallier in Hinterhalte erklärt wird! Da wirft man zersplittert die Lanze der Unparteilichkeit fort, die man für den Gegner will. Schönschreiberei tiefsinniger Journalisten oder oberflächliche Einzelschritten des Generalstabs, solche Kost mundete bisher den guten Deutschen, wenn sie vom Weltkrieg erfahren wollten. Sie hassen jede Gründlichkeit und fröhnen blindem Autoritätsglauben. Wir bieten etwas anderes: Die Wahrheit , von der Shakespeare sagt, daß sie als Köter in der Ecke steht, indes man Schoßhündchen Lüge liebkost. Daß unsere strenge statistische Methode dem großen Haufen schwerlich gefällt, ändert nichts daran, daß ohne Stärke- und Verluststatistik kein Kriegsereignis gewertet werden kann. Shakespearische Ironie kichert aus der Erkenntnis: erst schlägt man die Wahrheit tot, dann schweigt man sie tot, zuletzt eignet man sie sich an, als fände man sie selber. Wenn einschneidende Kritik dem Polonius und anderen kapitalen Kälbern den Bart stutzt, so schreien sie über Beeinträchtigung ehrwürdiger Reservatrechte. Polonius muß aber doch zum Barbier wandern, sonst raufen ihm unsanftere Hände die Haare aus. Der Rest ist nicht Schweigen, sondern es gilt das andere Zitat: Jetzt, Freund, ist's Zeit zum Lärmen! Die 1. 2. deutsche Armee. Von Lüttich bis zur Oise und Marne. I. Lüttich, Charleroi und Mons. Als die ersten Kanonendonner über Lüttich rollten und Flintenschüsse fanatisierter Einwohner in den Grenzdörfern krachten, sollten in Gewitternacht zum 6. August 6 deutsche Friedensbrigaden (zwei von 1. Armee Kluck, drei von 2. Armee Bülow, eine von 3. Armee Hausen) den Fortgürtel durchschneiden. Dies mißlang in teils von Blitzen erhelltem, teils von Wolkenbruch verdüstertem Dunkel, weil für so weit gespannten Umklammerungsbogen die Kräfte fehlten. Auch die immer zahlreicher erscheinende Feldartillerie erwies sich anfangs unzulänglich, erst nach Auftreten der 42-cm-Geheimmörser fielen die Forts in Trümmer, erst am 15. das letzte der sechs am Ostufer. Am 7. drang die 34. Mecklenburgische Brigade in Lüttich ein, wo bald die weiße Fahne von der Zitadelle wehte und das deutsche Banner emporstieg. Doch die Schweriner Grenadiere, Rostocker Füsiliere und 9. Jäger befanden sich dort lange in mißlicher Lage, bis zum 10., förmlich nach außen abgeschnitten. Mit ihnen der Kommandeur des 10. Korps, Emmich, den dann General v. Einem (7. K.) als Leiter des allgemeinen Angriffs ablöste. Der Generalquartiermeister der 2. Armee Bülow, Ludendorff, der hier die Schwelle seiner weltgeschichtlichen Laufbahn betrat, suchte umsonst mit der 14. Brigade (4. K.) über die Karthause zu Emmich durchzudringen, berichtete am 8. in Aachen an Bülow über den Mißerfolg. Kavalleriekorps Marwitz machte sich erst allmählich nordwestlich Lüttich freie Bahn am Maasufer über Wegsperren, hochgezogene Schlagbäume und von Gendarmen geleitete Franktireurs. Indessen vermochten vier in den Forts und den 2 ½ km breiten Zwischenräumen aufgestellte belgische Brigaden das immer stärker entbrennende Geschützfeuer nicht zu ertragen und zogen sich aufs Westufer zurück. Da die höheren deutschen Führer überall vorauseilten, um ihren Mannschaften ein Beispiel zu geben, fiel ein Oberst der 11. Brandenburgischen Brigade auf einer Barrikade, General Hülsen soll an einer verrammelten Waldzunge durch Bajonettstich verwundet sein. Bei der 14. Brigade machte der Tod des Brigadegenerals Wussow und des Obersten der 27 er solchen Eindruck, daß hieraus ein mörderisches Gefecht erdichtet wurde. Draußen am Maasufer tötete die Kugel eines Heckenschützen den Kavalleriedivisionär Bülow. Wundfieberphantasien junger unerfahrener Offiziere in deutschen Spitälern verbreiteten den Wahn großer Opfer. Bei Beginn eines Feldzuges sehen Tagebücher immer Mord und Tod, bis nachher amtlich genaue Verlustlisten den Irrtum aufklären. Von »120 000« Stürmern, die »20 000« verloren, wie anfangs Ententeberichte fabelten, muß man, wie so oft bei ähnlichen Angaben, eine Null abstreichen: 12 000 Stürmer 2000 Verlust! Die am heftigsten und längsten fechtende 34. Brigade, die über Herstal und Pontisse in die Stadt drang, verlor nur 396 Mann, die 27. Westfälische 387, sie wanderte am 10. fast kampflos nach Lüttich. Solche Erstarrung lag auf den Belgiern. Ihre 11. Brigade will einen glücklichen Vorstoß beim mißlungenen Nachtangriff gemacht haben, drei Forts hielten sich wirklich wacker. Ft. Fléron hatte nur noch ein bedientes Geschütz, ein anderes Fort flog in die Luft. Jedenfalls sind sie nicht erstürmt, sondern »erschossen« worden, und antworteten zähe. Denn die deutschen von General Steinmetz, Chef der Artillerie der 2. Armee, versammelten Artilleriebrigaden litten verhältnismäßig mehr als die Infanterie: 234, wovon 124 allein auf die hannoversche Artillerie am Südende entfielen, 5 Offiziere der Wolfenbütteler 46. Art. bluteten. Hier verloren Hannoveraner, 74., 79. Reg., 10. Pioniere, auch nur 342, Oberst Graf zur Lippe fiel, die Fahne in der Hand, vor Ft. Flamelle erst bei späterem Angriff aufs Westufer. Brigade Wussow inkl. 4. Pioniere und 4. Jäger verlor gar nur 7 Offiziere 113 Mann, wovon 9 im Franktireurgefecht am Dorf Micheroux. Zählte sie angeblich nur 1500 Gewehre, so wird sie wohl schwerlich allein 1500 Gefangene gemacht haben! Von den Brandenburgern kamen anscheinend nur I/35. und III/20. nebst 4. und 6. Komp. ins Feuer, ihr Verlust kann höchstens 200 betragen haben. Von der Thüringer 43. Brigade scheint nur 83. Reg. etwas verloren zu haben, dazu kommen noch einige Einbußen von neueren Teilen des 7. und 9. K., die gegen das Westufer vorrückten, wo die Forts am 16. alle kapitulierten, nachdem Panzerfort Lorcin schon nach dem 25. Schuß in Trümmern lag. Die Reiterei verlor etwa 50 Mecklenburgische Dragoner, Torgauer Husaren, 2. Reservedragoner, 30 ihrer 7. Fußjäger nach Holland abgedrängt. Gegen sie focht anfangs das 12. belgische Regiment Schulter an Schulter mit Franktireurs, doch ließ der Widerstand bald nach. Die Heckenschützen trieben aber noch länger ihr Unwesen, 111 Tote und Verwundete des erst später nachrückenden 4. K., 4. Res. K. und Verwundung des Divisionsgenerals Kühne in Lüttich noch am 21. rühren davon her. Die Belgier verloren nach eigener Angabe 2–3000 Tote und Verwundete, außerdem 4000 Gefangene mit dem greisen Gouverneur, Lemans. Weder Eroberung noch Verteidigung Lüttichs verdienen militärisch des Aufhebens, das man davon machte. Den Vogel schießt Hanotaux ab, deutscherseits seien 42 000 Gefallene zugestanden! Wo, wann? Ebenso phantastisch scheint aber das amtliche Märchen, Ludendorff habe mit der 14. Brigade Lüttich erobert. Von heißem Gefecht kann hier gar keine Rede sein, falls nicht die Verlustlisten schon anfangs in chronologische Unordnung gerieten. Zwei Angaben verraten sich selbst: Emmich sei mit Ludendorff eingezogen, er befand sich aber allein schon am 7. in Lüttich, L. am 8. in Aachen. Der Bahnhof sei unbesetzt gewesen, er war aber verschanzt und trug Kugelspuren von lebhafter Schießerei mit den Westfalen, die dort eindrangen und denen dann die 14. Brigade später gemütlich folgte. Bülows amtlich trockene Daten zerstören den Scherz, der Wohl nur dem Imperator L. das erste Portal seines historischen Triumphzuges mit Blumen umwinden soll. Derlei Retouchen der Kriegsphotographie darf man nicht übelnehmen, solange nicht Phantasie-Kriegsfilme dem gaffenden Publikum sich entrollen, worin die französischen Berichte zur Bereicherung der Schönen Künste beitrugen. »Da schreibe einer noch Kriegsgeschichte!« rief Lettow-Vorbeck einst bezüglich Chlum-Königgrätz. Reiterkorps Marrwitz dehnte sich nun weiter aus, schickte die 9. Kavalleriedivision nach Süden, verfolgte mit der 2. K. D. den belgischen Nachtrab bei St. Trond, am 10. bei Diest. Halberstädter Kürassiere, Salzwedeler Ulanen und besonders Torgauer Husaren gingen vorauf. Die Belgier erzählen wieder Märchen, wie von 3 m hohen deutschen Leichenhaufen vor Lüttich. Bei Diest »machte man Jagd auf die Ulanen«, die fußfällig um Gnade bettelten, bei Haelen schlugen »250« Radfahrerschützen (450 und eine Velo-Pionierkompagnie) »6000« in die Flucht (eine Vorhutschwadron!), am 13. und 14. im Gefecht bei Haelen-Hasselt, auf das sie besonders stolz sind, vertilgten die Belgier 2/3 der deutschen Reiterei und begruben nachher 3000 Barbaren und Pferdekadaver! Diese Ziffer läßt eher tief blicken bezüglich eigenen Verlustes, den sie auf 22 Offiziere 1100 Mann angeben. Denn deutscherseits sind nur 300 Jäger (180 der 7. J.) und schwerlich mehr als 300 Reiter aus den Verlustlisten zu erkennen. Der Gegner brachte 6 2/3 Bataillone 20 Schwadronen ins Feuer gegen 2 Jägerbataillone 48 Schwadronen, die fast nur abgesessen die Schußwaffe brauchten und ihre Maschinengewehre spielen ließen, jedoch durch Granatfeuer von der Luxberger Mühle zum Abzug genötigt wurden. Angebliche Sturmritte gegen Gräben und Drahtverhaue mit Vernichtung ganzer Schwadronen fanden nicht statt, nur die 12. Torgauer Husaren verloren 80 Köpfe bis 15., 4. Kürassiere Münster 42. Die meisten Reiterregimenter hatten ihren Hauptverlust erst bei Monatsende. Indessen lief noch eine Reihe von Infanteriegefechten die Gettelinie entlang, von denen offizielle Berichte nichts melden, so am 13. bei Eschweiler seitens der 64 er als Vorhut des 3. K., das sich erst am 15. bei Tongres vollzählig sammelte, gefolgt vom 3. R. K., dessen 20. Reg. schon am 12. und 13. lebhaft bei Hecht und Wespelaer focht, wo auch Landsturmbataillon Burg schon auftauchte. Gesamtverlust dieser Brandenburger Vorhutkämpfer 800. König Albert erwartete mit etwa 80 000 Mann seines Feldheeres (Vollstärke 135 000, 4. D. in Namur) hinter dem Flüßchen Gette zwischen Aerschot und Tirlemont den Angriff, der lange auf sich warten ließ. Denn da die deutsche Mobilisierung beträchtlich den früher begonnenen französischen und belgischen nachhinkte, hatte man anfangs zu wenig Kräfte und hernach trat Verstopfung an den Maasbrücken ein, wo zwölf deutsche Korps defilieren sollten. Für die I. Armee wurden erst am 15. die Anmarschstraßen frei, vom 2. K. stand nur die 7. Brig. erst am 18. vor Aerschot, das Gros des 4. K. rückte erst am 14. von Aachen ab, 4. R. K. noch weit zurück. Als am 18. und 19. der Vormarsch gegen die Gette begann, mußte man 3. und 9. Korps südwärts und dann südwestwärts auf Mons wieder abdrehen, nur Teile der 18. Div. wirkten bei Tirlemont mit, wo das 9. R. K. die belgische Rechte aus den Angeln hob, deren Linke vom 14. Reg. und Landsturmbataillon Burg bei Aerschot und weiter südwestlich die Mitte vom 3. R. K. geschlagen wurde. Der Kampf war von kurzer Dauer, nur die 2. Brig der 1. Belg. Div. leistete bei Tirlemont namhaften Widerstand, wo aber laut Verlustlisten nur 76. Res., 31. und anscheinend auch ein Teil 75. Infanterie (17. Div.) nebst 24. und 45. Art. wirtlich stritten. Außerdem griffen noch 77. R., 20. R., Art. des 10. R. K. und 77. Landwehr der II. Armee Bülow ein. Hanotaux' Angabe, als ob hier große Massen der I. und II. Armee auf die armen Belgier gefallen seien, muß dahin berichtigt werden, daß überall nur Vorhuten genügten, den Gegner zu vertreiben. Deutscher Gesamtverlust etwa 1200, belgischer unbekannt, 8000 Verwundete wurden nach Antwerpen zurückgeschafft, auch hatten die Deutschen fast schon 8000 Gefangene in Händen. König Albert ging die Dylelinie zwischen Wavre und Löwen zurück, doch war auch dort seines Bleibens nicht lange. Er wählte nun eine neue Front weiter westwärts, gegen welche das 3. und 9. R. K. bisher sehr unvollzählig, doch jetzt gesammelt, eine Scheidewand aufrichteten. Seine Stellung schnitt sich in der Luftlinie im stumpfen Winkel mit dem bei Mons liegenden Englischen Hilfsheer, das schon jede Verbindung mit ihm verlor. Seine Div. Dufour war am 17. durch die Vorhut des 7. K. der II. Armee bei Rosières so eingeschüchtert worden, daß sie schon damals auf Wavre retirierte. Also riß auch jede Verbindung nach Südosten ab, wo die französische 5. Armee zur Sambre vorrückte. Bülow schloß gleichfalls nicht vor dem 18. auf und war noch nicht voll operationsfähig, weil sein Gardekorps noch erheblich zurückblieb und das Garde R. K. Gallwitz sich erst der kleinen Veste Huy südlich Lüttich näherte, die man geräumt fand. Erst am 20. vollzog es Uferwechsel bei Andennes. General von Einem trat mit dem 7. K. und der 14. R. D. den Vormarsch nach Südwesten an in Richtung Nivelles, Emmich befand sich weiter östlich mit seiner Vorhut III/73. und II/79. bei Gembloux, wohin 10. R. K. folgte. Gegen Namur deckten die Flanke ursprünglich die 25. Westf. und 40. Hannov. Brig., was zu leichten Gefechten bei Pepinster führte. Die 13. R. D. blieb bis 21. bei Lüttich, rückte dann gegen Namur ab, wohin auch die 14. R. D. wieder abschwenkte. Bülows Reiterkorps Richthofen führte schon früh eine scharfe Auskundung aus, indem er bis zum Maasübergang Dinant südwestlich Namur vorgriff. Man stieß hier im Verein mit Sächsischer Reiterei und den 12. sächsischen Fußjägern auf die Div. Deligny des 1. franz. Korps nebst der Brigade Mangin vom 2. Korps der Armee Langle, hierher als Flankenschutz entsandt. Richthofen hatte dort nicht seine ganze 5. und Garde-Kav. Div., wie man irrtümlich vermeinte, sondern nur die Gardeulanenbrigade und die 6. Brigade Graf Pfeil nebst den 1. Kürassieren, 10. Ulanen und Ersatzschwadron 1. Ulanen. Jäger und Reiterschützen benahmen sich sehr gewandt, versteckten ihre Maschinengewehre hinter Felsvorsprüngen, beschossen Monfort-Turm und Zitadelle, von der erst abends Oberst Doyen die gehißte preußische Flagge niederholte. Zuletzt mußte Richthofen insofern unverrichteter Sache wieder abziehen, als der wichtige Maasübergang in Feindeshand blieb, doch streiften seine Vedetten bis Philippeville und stellten das Vorrücken der Armee Lanrezac fest, die mit Teilen bei Thuin die Sambre am 20. überschritt. Die übrige Reiterei schlug sich östlich Namur in den Ardennen mit Kav. Korps Sordet (9 Brigaden) herum, das infolge schlechter Pferdepflege die Strapazen in sengender Augusthitze nicht ertrug und in seiner Leistungsfähigkeit von Stufe zu Stufe sank. Westwärts am 16. ausweichend, schickte es seine 5. K. D. nach Pervez, um den Belgiern die Hand zu reichen, diese mußte aber bald geschlagen zur Sambre abziehen, auch die engl. Kav. Brig. Chetwood, die mit gleicher Absicht bis Waterloo vor Brüssel vorauseilte, Frenchs Ankunft anzukündigen, hatte kein besseres Los, doch hat deutscher Heerbericht angebliche Zersprengung dieser Truppe für den Zweck aufgebauscht, ein glückliches Omen an den Schlachtnamen Waterloo zu knüpfen. Hier focht auch Marrwitz' 9. K. D., folgte aber bald den übrigen Geschwadern, die sich mit großer Schnelligkeit über Südbelgien ergossen, schon in der linken Flanke der Engländer. An ihre Stelle treten Richthofens sechs Brigaden, die sich jetzt ganz auf Bülows rechter Flanke sammelten und zwischen Lanrezac und French auf Sordet vordrückten. Am 19. stellten ihn die Gardehusaren bei Huet, am 20. und 21. wurde er ganz über den Fluß geworfen und retirierte bis zur Festung Maubeuge, wo er sich kampfunfähig erklärte. Man hatte ihm die Inf. Brig. Hollender des 3. franz. Korps zu Hilfe geschickt, doch im Gefecht bei Lobbes und Anderluis erlag sie völlig der 27. Br. (General Harbou, 25. R. Br. fiel), und verlor laut Hanotaux 1500 Mann, die Deutschen natürlich das doppelte, man muß nur wie gewöhnlich eine Null zuviel anhängen, die Westfalen verloren nämlich nur 300! Auch für Dinant schätzt jener Historiker den deutschen Verlust auf 3000, er betrug etwa 500, der französische muß beträchtlich gewesen sein, zwei Bataillone wurden fast aufgerieben. Richthofens Erfolg und weiteres Vordringen des westfälischen 7. Korps wirkten bedeutungsvoll auf French ein, dessen rechte Flanke entblößt schien, während Kluck schon seine Linke zu umfassen strebte. Das Pommersche 2. Korps Linsingen, erst am 15. bei Lüttich, ging weit nach Südwesten in Richtung Oudenarde, das Magdeburger 4. Korps besuchte am 20. das preisgegebene Brüssel und schlug ähnlichen Weg ein. Indessen hätte sichs besser strategisch gelohnt, mit dem allgemeinen Angriff zu warten, bis Übereinstimmung der drei Bülow unterstellten Armeen erzielt war, denn auch die 3. Armee Hausen sollte über Dinant dem Feind in Flanke und Rücken fallen. Lanrezac besetzte schon alle Sambreübergänge und schickte sich an, westlich des Flusses vorzustoßen mit dem 3. und 10. Korps, gefolgt von 19. Algerischen, während das 1. Korps sich südwestlich Namur entwickelte und drei Bataillone in den Platz warf. Die drei belgischen Brigaden in Namur sahen sich bereits auf den Fortgürtel beschränkt, nördlich und nordöstlich zernierte die 1. Res. Gardediv., während von Osten eine Vorhut des Thüringer 11. K., zur 3. Armee gehörig, den Ring schloß, im Westen 14. R. D. und Teile der sog. 2. Garde-Reservediv., die aber aus je zwei westfälischen und hannoverschen Reserveregimentern bestand und mit dem 10. R. K. marschierte. Nie verschwand dieser Name, die Division wurde nie in ihre natürlichen Bestandteile aufgelöst. Schwere Belagerungsartillerie ward bereitgestellt und begann die Beschießung unter Befehl des Generals der Artillerie von Gallwitz, Chef des Gardereservekorps, und später berühmter Armeeführer. Möglich, daß Bülow fürchtete, feindliches Vordringen nördlich der Sambre werde zur Aufhebung der Belagerung auf der Westseite zwingen. Er beschloß, schon am 21. kräftig vorzustoßen (statt am 24. wie verabredet) und sich der Sambreübergänge zu bemächtigen, ohne auf gleichzeitige Mitwirkung Klucks und Hausens zu warten. Wahrscheinlich, um diesen Übelstand zu verschleiern, schildert er selbst so, als ob erst am 23. die Hauptschlacht entbrannt wäre. Französische genaue Darstellung widerspricht dem durchaus. Jedenfalls verleidete er schon früh dem Gegner, der sich mit Offensivgedanken trug, das Festsetzen am Nordufer und erlaubte ihm nur Defensive am Südufer. Die gegenseitige Aufklärung ließ alles zu wünschen übrig. 3 Worte unleserlich. Re French erfuhr nichts, bis es zu spät war, über Marrwitz und Linsingen 1 Wort unleserlich. Re dämmerte es 1 Wort unleserlich. Re , daß er Front nach Norden nehmen müsse, vorher wollte er – unglaublich, aber wahr – ostwärts nach Wortteil unleserlich. Re eau rücken. Doch umgekehrt glaubte das große Hauptquartier am 20. noch, daß »englische Landungen in großem Umfange noch nicht erfolgten« und Bülow schätzte Lanrezac auf nur 3 Korps und schrieb an Hausen, daß er nur Kavallerie »und etwas Infanterie« vor sich habe! Tatsächlich hatte Lanrezac 6 Korps an der Front, denn auch das 18. K. Bordeaux und Res. K. Valabreque waren am linken Flügel im Anzug. Da die französischen Korps im allgemeinen 5 Brigaden und 2-4 Chasseurbat. zählten, jede Reservediv. 18 Bataillone, wälzten sich hier rund 200 Bataillone gegen höchstens 100 deutsche heran. Sogar General Baumgarten fällt auf die alte Täuschung herein, daß das 19. Korps aus Algier erst im September eintraf, weil jedes frühere Erscheinen unmöglich schien. Es focht jedoch vollzählig bei Charleroi, was zu recht unliebsamer Logik über Frankreichs Mobilisierungsvorsprung führt. 1 Wort unleserlich. Re Mobilmachung relativ und Aufmarsch absolut sich verspäteten, entnimmt man schon der Tatsache, über die Klucks Stabschef Kuhl in seinem »Marnefeldzug« wegleitet, daß Kluck bis zum 16. in Aachen blieb. Trotz 1100 leicht Fußkranken bis 14. beim 3. R. K. blieb die Marschfähigkeit ungetrübt erstaunlich und gerade hier wäre äußerste Schnelligkeit, mit allem Verfügbaren vorzustoßen, um so ergiebiger gewesen, als der Einmarsch den Gegner überraschte. Rechnete man aber irrig, weil Sordet schon am 4. im Hennegau streifte, mit baldiger Gegenmaßregel des Feindes, so hätte man erst recht früher als geschah, den Vormarsch auf Brüssel antreten sollen. Daß Kluck am 21. mit dem 4. Korps in Löwen einzog, war schon Abirren von der richtigen Bahn, alles hätte sofort südwestlich geleitet werden sollen, wenn man die große Umgehung im Auge gehabt hätte, wie sie der grundlegende Plan des früheren Generalstabschefs Graf Schlieffen vorschrieb. Über die Engländer zog man zu spät Nachricht ein, weil Marrwitz erst am 22. Ath erreichte. Ob diese erst am 18. Landung bei Rouen und Havre vollendet hatten, scheint fraglich, da ihre Vorhut schon am 20. Südbelgien betrat. Kluck erwartete sie aus Gent, um so mehr hätte er im Eilmarsch entgegenziehen müssen, um etwaiger Flankierung zu begegnen und French von den Franzosen zu trennen. Das wäre Operieren à deux mains gewesen; denn kam French statt aus Westen nun wirklich aus Süden, so wäre dann seine wirkliche Umfassung am 23. bestimmt erfolgt. Statt dessen legte Kluck »einen kurzen Marsch« ein: Gewaltmärsche kamen nach, als es schon zu spät war, einen Vollerfolg zu erzwingen. Gewiß sind Kuhls Aufschlüsse über mangelnde Fernsprechverbindung und unzureichenden Dienstbetrieb bei der Heeresleitung lehrreich. Doch die einst bis zum Überdruß gepriesene Selbständigkeit der Unterchefs ließ sich hier anfangs ganz vermissen, um später im ungeeignetsten Augenblick aufzutauchen. Auf Überblick der Lage bei der O. H. L. in Koblenz könnte nicht gerechnet werden, doch man wartete darauf. Alles ging planlos drunter und drüber. Unterstellung Klucks und des sächsischen A. Ch. Hausen unter Bülow brachte nicht wirklichen Zusammenhalt in die Operationen; hier beim ersten Vormarsch wäre rücksichtslose Selbsttätigkeit jedes Heerkommandos am Platze gewesen, nicht Warten des Einen auf den Anderen. Bülows Stabschef, Lauenstein, brachte die 2. A. auch zu spät an die Sambre. Entwicklung seiner fünf Korps zwischen Peroez und Namur verschlang zu viel Zeit; das Gardekorps war zu spät von Aachen verladen. Jetzt befürwortete Bülow Schwenkung der 1. Armee nach Süden statt Südwesten und zerriß damit den Schlieffenschen Umgehungsplan mit seiner üblichen Übervorsicht. Kluck schloß aber weder rechtzeitig nach Süden auf, noch setzte er einheitlich den Marsch nach Südwesten fort. Hätte er schon am 21. das 2., 4. und 3. K. genügend vorgetrieben und vor Mons nur mit dem 9. K. demonstriert, so wäre zuletzt French auf Maubeuge zusammengedrängt und dem Bereich auch der 3. A. unterworfen worden. Diese statt weiter abwärts auf Givet nur auf Dinant zu verweisen, gehörte zu Bülows Ängstlichkeiten, der sie nahe zur Hand haben wollte. General v. Kuhl schließt die glänzendklare Einleitung seines bekannten Buches, das im übrigen zu seiner eigenen und Kluck's Ehrenrettung dienen soll und daher von vornherein einer vorgefaßten Tendenz huldigt, mit der Erkenntnis, daß nur schnelle Schläge uns helfen konnten. Nun, der Wille dazu war da, das Heerinstrument über jedes Lob erhaben, so folgert einfach, daß die geistige Ausrüstung zu wünschen übrig ließ. Am 21. durchschritt das 10. R. K. Hülsen-Kirchbach die Chaussee bei Gosselies; 39 er des 7. R. K. Zwehl schlossen sich bei Fleurus an und gingen auf Gilly halbwegs Charleroi vor. Der Feind wurde dort geworfen und General Einem wandte sich hauptsächlich nach Thuin, wo die 56 er die Sambre schon am 21. überschritten mit wenigem Verlust. Diese Kolonne kam von Genappes her, und Schützen der 13. D. beunruhigten gleichzeitig englische Reiterei, die Fühlung mit Lanrezac aufnehmen wollte, doch südwestlich auswich, als westfälische Artillerie von Maisières her den englischen rechten Flügel kanonierte. Weiter traten die Westfalen nirgends mit den Briten in Berührung und ihr Anteil an der Charleroischlacht kann auch nicht erheblich gewesen sein, denn ihre Einbuße blieb sehr gering; nur auffallend viel Offiziere bei den Kölner 53 ern, dabei zwei Majore. Sie und die berühmten 16 er, die beide allein bei Lüttich fochten und dort beim Einmarsch lebhafte Schießerei am verschanzten Bahnhof hatten, waren auch an der Sambre voraus nebst III/57.; die Paderborner 158 er durchschritten am 22. Peronnes (nicht zu verwechseln mit Peronne oder dem Moseldörfchen), wo schon früh 11. Lothringer Ulanen plänkelten. Das Bordeauxkorps langte erst am 23. an. Was vom Feind bis Marbais vorrückte, war schon alles bei Thuin über den Fluß geworfen. Taktisch nicht bedeutend, stiftete Einems Kampf strategisch Verwirrung bei Franzosen und Engländern, deren Verbindung er zerschnitt. Am Ostflügel Bülows verblieb die 1. G. D. vorerst bei Spy neben 14. R. D. vor der Westfront Namurs, während die Vorhut der 2. G. D. schon am 21. auf den Übergangspunkt Auvellais vorging nebst drei Gardereiterregimentern. Auch die 6. R. Dragoner und 2. R. Ulanen zogen mit zum Streit, als Hülsens Vorhut mit aller Kraft auf Charleroi losging. Emmichs Vorhut, 77. Celle, schlug die französischen 70 er und 71 er bei Tamines; ihre voraufstürzende 9. Kompagnie ging aber dabei zugrunde. Es kam zu erbittertem Kampf längs der ganzen Flußlinie gegen das französische 3. und die Hälfte des 10. K. Hier geriet hannoversche 74. mit französischem Regiment gleicher Nummer aneinander, 79. Hildesheim im Verein mit 10. Res. Jäger trieb den Gegner durch die winklige Vorstadt von Charleroi, 91. Oldenburg warf sich auf Châtelet. Die Franzosen wichen mit sehr großen Verlusten ans Südufer; in der Nacht währte das Gefecht fort. Die Gardevorhut warf die französische Rechte mit ganz geringem eigenen Verlust; ihren Pionieren kostete der Übergang nur 5 Mann. Sieben Gardebatterien bearbeiteten am Arsimonthügel die 19. D. Brennier, deren 40. Rgt. floh, während ihr 71. allein 576 Tote und Verwundete (16 Offiziere) verlor. Sie wich 10 km bis zur rückwärtsstehenden 20. D. Schon am 22. kam Bülow mit Macht über den Fluß; die Schlacht entbrannte bei Charleroi mit größter Wut. Das 3. K. konnte die Wolfsbrücke nicht halten; der italienische Korrespondent Barzini schilderte das gräßliche Gemetzel in der lichterloh brennenden Bergwerksstadt. Während hier besonders 91. R. Göttingen und 10. R. J. vordrangen, warf Emmich bei Châtelet und südlich davon das ihm gegenüberstehende 10. K. über den Haufen; auch die Alexandergrenadiere drangen weiter südöstlich vor. Ein verzweifelter Gegenstoß der 38. D. auf Arsimont blieb erfolglos, fieberhafter Elan kühlte sich ab unter ungeheurem Blutbad durch verderblich spielende Maschinengewehre der Garde. Die 20. D. Boe, von der deutschen gleicher Nummer gesprengt, war nun auch erledigt; ihr Chef gab verwundet das Kommando ab, als er seine bisher unberührten 25., 47., 137. Regt. umsonst vorführte. Emmichs 10. Artillerie beherrschte das Schlachtfeld bis Mattet. Inzwischen rührte sich das 1. K. Esperet diesseits und jenseits der Sambre am Ostflügel fast gar nicht, nur darauf bedacht, Verbindung mit Namur zu unterhalten. Dort scheiterte ein Ausfall der Belgier. §§§ Der 23. wurde ein kritischer Tag erster Ordnung und zerfiel in vier verschiedene Kriegshandlungen, bei denen merkwürdigerweise die Belgier am besten abschnitten. Bis dahin tappten die Verbündeten im Dunkel, wußten nicht, wohin sie ihre Schläge austeilen sollten. Socdet als »Auge des Heeres« litt entschieden am grauen Star, trieb sich zulange östlich Namur herum und machte nachher zu eilig bei Fleurus kehrt, statt Richthofen etwas länger den Weg zu verlegen. Seine zwei Kürassierbrigaden leisteten so wenig, wie die 2. Kürassierdivision »Luneville« in Lothringen; überhaupt trat die Schwäche der französischen Reiterei erschreckend zutage. Auch die englische Reiterei wußte nicht ein noch aus, so daß French bei Mons durch Klucks Angriff völlig überrascht wurde. Er hätte laut Verabredung schon am 15. an der Schelde sein müssen, was tief blicken läßt für die lange Vorbereitung der Überschiffung (Bridges Enthüllung). Die Überlastung französischer Bahnen mit eigener Truppenbeförderung verzögerte seine Ankunft in Belgien; auch so bleibt erstaunlich, daß er am 20. bei Mons anlangte, wenn England erst am 4. mobilisiert hätte. Deutscherseits wäre zweckmäßiger einzugestehen, daß man sich politisch überrumpeln ließ, weshalb die Korps Gallwitz und Plüskow zu spät eintrafen, um operativ verwendet zu werden; denn selbst die amtlich angegebene Verwendung beider zur Zernierung Namurs, eine übermäßige Kraftvergeudung, ist sehr zweifelhaft, wenigstens in dem vorausgesetzten Sinne. Alle Dispositionen waren so schlecht berechnet, daß Bülow auch am 23. gegen gewaltige Übermacht rang und Kluck bei Mons desgleichen. Dessen verspätete Ankunft konnte durch wilde Gewaltmärsche nicht ausgeglichen werden, doch mußte er natürlich French fesseln, dessen Eingreifen gegen die Westfalen möglich schien. In Wahrheit war dies nicht zu befürchten, da French sich selber um seine rechte Flanke bei Binches besorgt zeigte. Er dachte nicht daran, Lanrezac Luft zu machen, der sich schon zu heftig verbiß, um die Schlachtfortsetzung einstellen zu können. Deutscherseits wäre ratsamer gewesen, erst am 24. den Hauptschlag zu führen, bis Kluck genügend Kräfte hatte und Hausen bei Dinant übergehen konnte. Wären die Verbündeten nicht schon am 23. abmarschiert, was sie sicher nicht taten, so wären sie bei Maubeuge zusammengedrängt worden. Unter obwaltenden Verhältnissen brachte es sie ohnehin in gefährdete Lage, daß Lanrezac noch am 24. um seinen Rückzug kämpfen mußte. Das Ringen dort am 23. führte zur Krise. Das 4. Garde und vier Kompagnien des 3. Garde gingen über, später folgte die ganze 1. Gardedivision, während Emmich das Osnabrücker 78. und ein Bataillon 74. ganz östlich verschob. Im Sambre-Maaswinkel vor Namur wurde hier die Hälfte der Brigade Mangin, die den Belgiern dort die Hand bot, zersprengt und aufgerieben. Esperet fühlte sich durch den von Dinant herüberschallenden Kanonendonner so erschreckt, daß ihm die Lust ausging, energisch gegen die Garde vorzugehen. 73. Alg. Brig. lief fruchtlos gegen das tiefgelegene Chatelet an, südlich Charleroi wich die 5. D. vor Hülsens Andrang. Dessen Verluste waren außer dem Göttinger Regiment mäßig wie die der Westfalen; gleichwohl gewann Bülow in seinem Hauptquartier Fleurus so wenig Übersicht, daß er abends an Hausen schrieb, der Feind habe dort »mit Erfolg« angegriffen! Indessen gibt der französische Bericht zu, daß die frischen vier Divisionen Bordelaisen und Reserven gar nichts ausrichteten und teilweise nicht ins Feuer zu bringen waren. Das 3. franz. K. wurde zuletzt völlig gesprengt, längs einer Bachschlucht vom linken Flügel abgeschnitten und wich ganz aus der Schlachtfront, nachdem es sich lange rühmlich wehrte. Das 10. K. befand sich schon im Abzug nach Mattet, nur die Algerier stellten sich noch zur Deckung des Rückzuges. Esperets Division Galtet flankierte endlich die Garde, die bei St. Gerard heftig ins Gedränge kam. Regiment Augusta besaß das in zweimaligem Sturm eroberte Waldstück Lanotte, und seit die standfesten Bretonen des 28. Regt. endgültig Arsimont verloren, faßte die ganze 2. G. D. am Südufer so festen Fuß in stetigem Vordringen, daß sich Laurezac im Hauptquartier Flourens südlich Mattet nicht mehr sicher fühlte, wo die südöstlich bis Fosse abgetriebenen Bretonen mit abgeschlagenen Tirailleurs Algeriens durcheinander wirrten. Ihre Generale Bloch und Schwarz (zwei so echtfranzösische Namen!) berieten sich, daß die 38. D. heute kaum noch zu ähnlicher Anstrengung fähig sei. Doch versuchte die afrikanische Infanterie wiederholt anzurennen. Nachdem das 1. Garderegiment ganz östlich die Moreimontbrücke überschritt, geriet es in scharfes Feuer. Esperet zwang mittags die Garde zum Halten, doch Meldung von Einnahme Dinants (verfrüht und irrig) bewog ihn zum Einstellen jeder Unterbrechung und Abfallen nach Süden, obschon seine Stellung nordöstlich Fosse bis zur Maasschleife nicht fern dem Fort Malonne förmlich einlud, die Garde zu umfassen. Diese, bisher bei Auvellais und Arsimont sehr wenig leidend, litt heute beträchtlich bei Mattet und St. Gerard, besonders 1. Garde, die vornehmste Truppe des Kaiserreichs. Mittlerweile drang Emmichs Mitte bis Farcinnes vor, wo 74. des franz. 3. K. und 129. des 10. K. zusammenschlossen. Sie wurden so gut wie aufgerieben und der Keil war so angesetzt, daß der Zusammenhang zwischen Mitte und Flügeln Laurezacs zerfiel. Zwischen Charleroi und Chatelet legten 79 er und 164 er den Feind in dichten Garben vor sich nieder; auch die zwei Braunschweiger Regimenter 92. Inf. und 78. Res. zeichneten sich aus. Nachdem früherer Nachtangriff des 3. K. nur zu unnützem Blutvergießen führte, sträubten die Flandrer der 10. und 12. Brig. sich noch hartnäckig gegen die Besiegung. Doch der wütende Anlauf der zu Hilfe gerufenen 37. Alg. D. erstickte in hochgetürmten Leichenhaufen. Das Bordeauxkorps begnügte sich mit Aufnahme der Geschlagenen durch seine 69. und 70. Brigaden; seine 10. Husaren bemühten sich vergeblich, die fliehende Kavallerie Sordet zum Stehen zu bringen. Da auch Esperet nicht ausgiebig unterstützte, sondern eiligen Rückzug antrat, zogen auch die Algerier ab, zuletzt Brig. Blanc mit 3. Zuaven und 2. Turkosen. Ihres Wörther Ruhmes nicht eingedenk, flohen sie aus dem Feuer, Vaterlandsliebe erwies sich als der festere Kitt. Die Bretonen des 41., 25., 136., schon so lange geprüft, deckten den Raubzug auf Flourens, wo das Hauptquartier nun wirklich ausgeräuchert wurde. Es erging Befehl zu allgemeinem Rückzug auf Fourneaux. Esperet schickte Div. Deligny schon nach Dinant fort, was Div. Gallet vorerst noch unterließ. Die Schlacht war verloren, obschon der gallische Leichtsinn mancher Offiziere sich dahin aussprach: »Das Heer ist schwer verwundet, doch nicht bezwungen«. So bluffte man, obwohl schon am 22. abends die Kunde umging: »Die Verluste sind sehr groß, man gibt die Schlacht verloren«. Ganze Bataillone warfen die Waffen weg; die algerische Reiterei hielt sich strammer, besonders 3. Ch. d'Afrique. Doch ermattete der Kampf am 24. im Osten ganz; nur die »Franzer« der Garde-Grenadiere verfolgten auf Fourneaux. Auch die französische Linke befand sich in vollem Rückzug. Richthofen war gleich bei der Hand, sich zwischen Thuin und Binche einzudrängen. Reservekorps Valabregue kam dem Befehl nicht nach, die linke Front zu schützen, das 18. K. gehorchte keinem Befehl zum Vorgehen mehr, nachdem es bei Merles von den Westfalen abgeschlagen. Seine Reserve (218., 219.) hinderte nicht Erstürmung der Valmontbrücke durch die 57 er schon gestern Abend. Verfolgungsfeuer aus der Fontinneschlucht begleitete den Rückzug der 35. und 36. D. So war auch dies Korps geschlagen, in die Niederlage verwickelt. Artilleriegeneral Roquerolle mußte seine von der Castreshöhe fliehenden Batterien durchs 123. Rgt. der Brig. Durand decken, sonst wären sie erwischt worden. Die Westfalen überschritten jetzt alle den Fluß zwischen Thuin und Marchiennes, doch nur III/16. und II/158. verfolgten bis südlich Valmont. Vielleicht irregeführt durch täuschende Berichte, erfuhr Bülow erst zu spät durch Luftaufklärung das fluchtartige Abfluten der französischen Marschsäulen. Um dies zu beschönigen, schrieb er von »ernsten Kämpfen« noch am 24., während Laurezacs Rückzug schon am 23. abends beschlossene Sache und am 24. früh in vollem Gange war. Man ließ sich von Nachhuten beschäftigen und verlor unbillig Zeit. Die bei Maubeuge angestaute Fluchtwoge konnte von Glück sagen, daß sie noch ziemlich unzersplittert an der Festung vorüberschäumte. So kam es, daß man erst 5 Tage später den Geschlagenen wieder »stellte«. Die zunächst zur Hand befindlichen Westfalen sputeten sich nicht, was auch Bülow unwillkürlich bestätigt, indem er die Schlachttrophäen nur seinem linken Flügel zuschreibt. Sie bestanden in 4000 Gefangenen, 35 Geschützen, 5 Fahnen und sonstigem Material. Bülow übersah erst spät die ganze Größe des Sieges; der Gegner hat das » desastre de Charleroi « selber nie in voller Schwere abgeleugnet. Das 3. K. verlor anscheinend die Hälfte seines Bestandes, beim 19. K. die 1. Zuaven 50 %, die Turkos 70 %!; darnach bemesse man das Übrige. Wahrscheinlich betrug der Gesamtverlust inkl. der Versprengten nahezu 30 000; der deutsche war nicht gering, doch sehr ungleich. Die Artillerie litt sogar auffallend wenig, auch die der Garde, bei deren 2. D. nur die Franzer einigermaßen litten, um so mehr bei der 1. D. das 1. G. Regt., dem zahlreiche Offiziere und 800 Mann bluteten. Im ganzen 11 000 Tote und Verwundete, davon 6500 Hannoveraner. Die Franzosen schlugen sich beim 3., 10., 19. K. gewiß sehr brav, fanden aber an den kernigen Niedersachsen ihren Meister. Werkwürdigerweise litten 91. Inf. und 91. R. in den zwei verschiedenen Korps am meisten. Ein Hildesheimer Bataillon verlor allein den Major, viel Offiziere und 400 Mann, auch Bataillon Aurich des 78. Osnabrück litt erheblich. Vermutlich bezieht sich darauf das Tagebuch eines Gefallenen, was natürlich für Hanotaux maßgebend als Phantasie über allgemein »großen Verlust« war. Diese Tagebücher, wo jeder moralisch Erschütterte seine Schwarzgalligkeit ausströmte, schadeten sehr; man hätte solche Privatschriftstellerei untersagen sollen, statt sie zu ermutigen. Von höheren Führern bluteten Generalleutnant Kirchbach und Artilleriebrigadechef Rüstow. Die an anderen Kriegsstellen ihren Ruf rechtfertigende französische Artillerie zeigte sich im Anfang wenig wirksam. Mächtig donnerte die deutsche über das flammende Kohlenrevier, wo man durch die Nacht das wüste Tigergeheul der Algerier vom anderen Ufer hörte. (Nicht der »Marokkaner und Senegalneger«, welche bis heute die Legende falsch dorthin versetzt). Die hannoverschen Batterien müssen sehr gute Deckung gehabt haben. So verlor z. B. 26. Art. Verden, von welcher einige Batterien schon der Kavallerie Sordet übel bei Peroez mitspielten, nur 10 Mann, obschon sie bei Chatelet im Brennpunkt feuerte. Allerdings hatten auch Bataillone, wie III/92. R. und I/164. Inf., minimalen Verlust, während 10. R. Jäger allein 300 einbüßten. Ob 15. R. Detmold bei Hülsen mitfocht, scheint zweifelhaft, seine Verlustliste verzeichnet »Namur«. – Lanrezac konnte also Joffres Geheiß, den Feind nördlich der Sambre anzugreifen – wohl um Namur zu entsetzen, lief doch sogar das törichte Gerücht um, die Lüttichforts hielten sich noch –, nicht ausführen. Dann hatte er, Verfasser theoretischer Arbeiten, ein bißchen Aspern und Katzbach spielen wollen, daher am 22. Befehl ausgegeben, den Feind »in den Fluß zu werfen«. Doch auch dies erwies sich untunlich. Nachdem alles selber hinter den Fluß geworfen, konnte man nicht mehr auf Spitzen herüberkommender Sturmsäulen fallen, denn die Deutschen waren gleich mit Massen drüben. Von French erfuhr er zuerst, dieser werde über den Monskanal vorrücken, wozu er aber noch gar keine Anstalten traf – und als nun nachmittags der Kanonendonner von Mons nach Thuin herüberschallte, mußte der Franzose notgedrungen standhalten. Sonst hätte ihn French beschuldigt, ihn im Stiche gelassen zu haben, was er ohnehin später höchst ungerecht tat, als habe erst Lanrezacs Rückzug ihn entblößt. Eine grobe Wahrheitsentstellung, da er gleichfalls gründlich geschlagen war. Indessen mag sein, daß er am 24. früh eiliger den eigenen Rückzug beschleunigt hätte, wäre ihm Lanrezacs vollständige Niederlage bekannt gewesen, die er nachweislich nicht so rechtzeitig wie nötig erfuhr. So geht es unter Alliierten, die sich sozusagen voreinander schämen und sich nie klaren Wein einschenken. Denn ebenso verspätet vernahm Lanrezac, daß es dem Kollegen nicht viel besser erging als ihm. Dieser erzählte natürlich, seine vier Divisionen seien von vier deutschen Korps überwältigt worden, wobei er das 7. K. lustig mitzählte, das nur mit einiger Artillerie bei Binche das 1. K. Haigh beunruhigte. Dies und drei Kav. Brig. ließ French Gewehr bei Fuß stehen; erst spät schickte von dort die 2. Div. anderthalb Brigaden zur Aufnahme der 3. D. Hamilton, wo schon nach Mittag die 17. Hanseatisch-Mecklenburgische D. am Bahnhof und Kanalschleuse Symphorien reinen Tisch machte. Die Bremenser und Hamburger sowie die Schweriner Grenadiere und 45. Rostocker Art. hielten hier den Feind gründlich nieder; erst abends kam das Gefecht auf dem alten Schlachtfeld zu Molplaquet zum Stehen. Viel später als die 17. griff die Vorhut der 18. D. vor 3 Uhr nachmittags die Linke Hamiltons an, warf sie über den Kanal und überschritt ihn mit seltener Unerschrockenheit. Sehr zu seinem Schaden hatte der Engländer die Linie Obourg-Maisières vor der Kanalfront besetzt; seine 8. Brig. wurde über das Wasser gejagt, Bahnhof und Brücke Obourg erobert. Um diese Zeit waren südlich davon bereits die 7. und die halbe 4. Brigade erschüttert, Regiment Royal Scots hart mitgenommen. French verliebte sich in seine »schöne Stellung«, die er für uneinnehmbar hielt, verkannte aber dabei ganz den Fehler ihrer Ungleichmäßigkeit. Haigh hatte eine viel kürzere Linie inne als 2. K. Smith-Dorien hinter Kanal Mons-Condé. Es vermehrte dies Unpassende, daß Hamilton den nordwärts vorspringenden Bogen des Kanals du Centre nordöstlich Mons hielt und westwärts D. Fergusson auf viel längerer Strecke die Aufstellung verlängerte. So fiel der deutsche Hauptstoß auf Hamilton allein, dem man erst umständlich von beiden Flügeln her Verstärkung senden mußte. Wurde aber seine Linie mit dem Schlüsselpunkt Mons durchbrochen, so war die Stellung von innen unterhöhlt und eingenommen. Schon bei Bülows Schlacht bildete sich ein Zentrumsstoß als entscheidend heraus; auch bei Mons wirkte weit weniger Flügelumfassung als Zentrumdurchbruch. Wenn es hier unter ungünstigen Verhältnissen glückte, so blamierte sich endgültig die »moderne« Theorie, daß frontale Durchbrüche wegen heutiger Feuerwirkung sich ausschlössen. Die Engländer gaben sich selbst auf 74 000 Streiter bei Mons an; Headquarter States zählen aber stets nur Gewehre und Säbel, ohne Artillerie, Pioniere, Offiziere. Ferner kann die Kriegsgliederung so aufgefaßt werden, daß nur 48 Bataillone vorhanden waren. Das ist aber unmöglich, denn jede Division à 3 Brigaden sollte bis zu 18 000 Mann zählen, und es gibt eine andere Lesart, wonach 37 Bataillone Haighs und 41 Doriens herauskämen, was weit eher der wahren Stärkeziffer entspricht. Die amtliche Deutsche Generalstabsschrift schätzt French auf 80 000 Mann; schwächer war er in keinem Falle. Dazu 230 Geschütze inkl. 5 reitenden Batterien der überstarken Kav. D. Allenby, deren 54 Schwadronen nur 18 deutsche gegenüberstanden. (3., 10. Husaren, 16. Dragoner als Korpsreiterei des 3., 4., 9. K.) Von 12 deutschen Artillerieregimentern der drei Korps kamen laut Verlustlisten und sonstigen Angaben schwerlich mehr als 3., 39., 9., 45. und die Hälfte von 4. und 74. zum Schuß. Was aber die Infanterie betrifft, so scheinen von 17. D. vier Bataillone nicht ins Feuer gekommen zu sein, bei 18. fehlte notarisch 31. Rgt., und nach dem minimalen Verlust halten wir für sehr unwahrscheinlich, daß die Holsteiner 84., 85,, 86. mit mehr als 6 Bataillonen mitwirkten, besonders den Füsilierabteilungen, die sich mit Ruhm bedeckten. Ebenso täuscht die Annahme, das 3. K. habe irgendwie vollzählig gefochten; vom 4. kamen ernstlich nur geringe Teile zum Schlagen. Weit entfernt mit Mindestzahl gefochten zu haben, erfreute sich French vielmehr während des Kampfes stets beträchtlicher Übermacht, selbst wenn wir 4 ½ Brigaden der D. Lennox und Monroe abrechnen, die keinen Schuß taten. Dies numerische Mißverhältnis gereicht der deutschen Führung nicht zum Lobe. Wegen zu spät ausgerufenem »Kriegszustand« mußte man schon darauf verzichten, den Belgiern sofort Vernichtungsschläge zu versetzen, und auch jetzt noch rächte sich Klucks zu später Aufbruch, so daß kein Korps vollzählig an den Feind gelangte. Das 3. K. brauchte 35 km Anmarsch in glühender Hitze, um erst vor 5 Uhr den Feind zu erreichen. 4. K. gar 75 km und setzte die Umstellung eigentlich erst am 24. früh durch. Der räumlich noch weiter vorgesehene Flankenmarsch des 2. K. gelangte damals erst bis in die Gegend nördlich Mons. Da das 4. K. einen endlos langen Weg zurücklegen mußte, wäre gewiß vorteilhafter gewesen, wenn Kluck am 23. Ernstkampf vermied. Hamiltons 8. Brigade flutete nun zerschlagen aus Obourg zurück; bei den R. Irish Rifles fiel die ganze Bemannung der Maschinengewehre, 4. Middlesex und R. Füsiliers wurden gesprengt. Monroe sandte in weitem Bogen seine 5. Brig. zur Hilfe, dabei die famosen Connaught Rangers, die lange auf ihren gelben Litzen ein Stück Trauerflor trugen zum Andenken ihres einstigen Chefs, des bei Waterloo gefallenen Picton. Doch die Holsten vom Nord- und Ostseestrand wurden auch mit ihnen fertig: Ihr Oberst, Major Seaford und fast alle Offiziere fielen. Die 9. Altonaer Artillerie wirkte hier mörderisch. 84 er erstiegen die alten Stadtwälle von Mons; zwei kühn voraustrabende Geschütze beseitigten die Sperre am Südausgang, um 8 Uhr verließ Jan Hamilton die Vorstadt, wo er Gefahr lief, abgeklemmt zu werden. Nur ein Vorstoß des berühmten 92. Regts. befreite die R. Welsh Füsiliere; nur mit knapper Not retteten diese Garde-Hochschotten ihre Walliser und Irländer Kameraden. Die Heldentat der Holsteiner ist ebenso außerordentlich, wie angesichts ihres mehr als mäßigen Verlustes unbegreiflich; das Massenfeuer aus großen und kleinen Gewehren tat ihren Schützenschwärmen gar wenig zuleid. Inzwischen wurde Hamiltons 9. Brigade aufs ungestümste von der 6. Brandenburger Division angerannt. Ihr fehlten die 35 er, von denen ein Bataillon bei Cartaux am Tiolemonttreffen teilnahm. Der Verteidiger sparte auf dieser Front nicht mit Barikaden und Sandsäcken, seine 8,4 und 12,8 cm Geschütze spielten gehörig. Doch der Brandenburger denkt: »Bangemachen gilt nich«. Der Engländer wurde alsbald übers Wasser geworfen. Das Ringen hob hier erst vor 5 Uhr an und wurde beim Dorf Jemappes blutig; doch schlugen 24 er den Gegner hinaus, dessen 57. Pionierkompagnie Mann für Mann sich opferte. Dagegen gelang nicht der noch später ankommenden 5. Division, die vorerst nur aus 12. Grenadieren bestand, weiter westlich bei Tertre und Gislain entscheidend einzudringen, wo sie auf die Rechte der engl. 5. D. stieß. Erst abends betrat I/52. die Feuerzone, I/8. den Kanalrand; das war alles, was General Wuchera hier heranbrachte. Der kommandierende General Lochow zog aber seine Artillerie vor, die mit gewohnter Unerschrockenheit sehr nahe ihr Fußvolk unterstützte und dem Feind schwere Verluste zufügte. Dieser Kampf zog sich bis 7 Uhr unentschieden hin, als sich plötzlich die Vorhut des 4. K. im äußersten Westen näherte, doch erst um 9 Uhr gruben sich zwei Vorhutbataillone südlich des Wassers ein, während man vor II/93. noch nicht die Hauptbrücke bei Hamsies räumte. Man kann nicht sagen, daß die Brandenburger 20., 24. und 64. an dem Schlachthaufen Cornwall, Manchester, Borderer (Grenzerschützen) entschlossene Gegner fanden. Als empfindliches Feuer aus Gehöften und Schlackenfeldern den Angriff nicht aufhielt und die weiter Stürmenden hinüber waren, entwichen die Geschlagenen zum Erebusberg. Gegen die 12 er entlud sich Massenfeuer von Maxim-Wickers-Mitrailleusen, doch sie blieben im Vorgehen; Rgt. Surrey East entzog sich kaum der Umschließung. Da stockte der Angriff zwischen wasserdurchfüllten Gräben und Hecken vor der Gislainhöhe; Fergusson's 13. Brigade hielt sich brav, besonders Leichte Yorkshire. Unsere Infanterie II/12. litt hier viel mehr als III/12. bei Tertre, bei dem die deutsche amtliche Schrift verweilt, weil dessen Major bei Einnahme des Dorfes fiel, über das man aber nicht vorwärts kam. Auch die Art. litt beträchtlich, da sie sich rücksichtslos bis in die Kampflinie einsetzte, um den bedrängten Bataillonen auszuhelfen. Es scheint, daß Dorian auch seine ganze 5. D. verbrauchte, denn er rief: »hätte ich nur noch ein einziges Bataillon, so wäre ich Sieger«, eine seltsame Auffassung, da doch seine stärkere Hilfe Hamilton unwiderruflich geschlagen war. In der Nacht währte das Schießen fort, doch French sah seine Linke durch 4. K. Armin umwickelt und ordnete am 24. früh allmählichen Rückzug an, zu dessen Deckung er vormittags den Kampf fortsetzte. Eine frische Brigade seiner bei Valenciennes ausgeladenen 4. D. mußte sich der linken Flanke angliedern, doch half es nichts; denn der sehr tüchtige General Sixt v. Armin entfaltete jetzt ruckweise sein Magdeburger Korps, dessen Regimenter vom Elb- und Saalestrand schon unter Friedrich d. Großen mit den besten Märkern wetteiferten. So groß die Marschermüdung, noch größer war der Eifer. Voraus die 26 er, schon bei Auerstädt und Ligny bewährt, und die ausgezeichneten 93 er der drei Anhaltiner Herzogtümer, einst Leibregiment des alten Dessauer. Hamilton hielt das Feld noch in rückwärtiger Stellung bei Frameries; die 12 er waren aber jetzt entlastet und die einst neben ihnen bei Ligny-Waterloo fechtenden 24 er nahmen den Kirchhof. Fergussons weitere Gegenwehr blieb ohne Erfolg; ein Todesritt der 2. Kav. Brig. Lisle bei Audrignies endete mit deren Zersprengung, die Hälfte der Reiter und Pferde blieben auf dem Platze. Die 9. Lancers, berühmt durch ihre Omdurman-Attake, persönlich geführt vom General de Lisle, brachten nur Wenige zurück, als die Trompeter zum Sammeln bliesen; den 5. Hussars und 4. Dragoons erging es etwas besser. Mehr Balaclawa-Steeplechase als Bredowritt; im hohen Gras von Drahtschlingen und Kugelspritzen belauert, rettete die Attake wenigstens die 119. Batterie. Die 26 er und I/153. Weißenfels umfaßten immer weiter im Westen. I. Abt. 4. und II. Abt. 74. Art. donnerten aus Westsüdwest. Sir Charles Fergusson ließ in Elonges zahlreiche Gefangene zurück, seine Truppen gingen nach hinten durch, Tornister und Mäntel abwerfend. Schon am Vorabend hatte III/93., obschon nur drei Kompagnien fochten, den Major, den Führer der Maschinengewehrkompagnie nebst 130 Mann verloren; heut war der Verlust nicht unbeträchtlich, für höchstens sieben ernstlich verwendete Bataillone (»7., 8. Div.« ist hier nie ernst zu nehmen). Die frische 13. Brig. Drummond deckte Sir Horace Doriens Abzug aufs Basisdepot Bavai, das man nicht verschanzt hatte, Rückzug für unmöglich haltend! So hatte auch French die Kanalbrücke unterminiert, doch nicht gesprengt, weil er vom eigenen Vorbrechen träumte. Das hätte den Deutschen nur lieb sein können. Er wußte jetzt besser Bescheid, wie zart man mit solchem Gegner umgehen müsse. Nachdem die Oxford Light Infantry und R. Welsh Kents sich Paturages westlich Frameries durch die 20 er entreißen ließen, flohen sie und 1. Lincoln nebst den Northumberland Füsilieren in wilder Unordnung. Umsonst vollzog 6. Brig. Davies der D. Monroe einen tapferen Gegenstoß bei Harmiguies. Die Brandenburger waren aber jetzt ebenso gut ausgepumpt wie alle englischen Bataillone außer der 1. D. Lennox, an welcher die Westfalen ruhig zur Sambre vorbeimarschiert waren, da Haigh sich täuschen ließ und stets Angriff bei Binches erwartete. Dieser übernahm jetzt den Schutz der unaufhaltsam auf Maubeuge weichenden Armee; seine ganz aus Garde bestehende 4. Brig. Karr mußte erst von einem Hügel an der Chaussee Binches–Mons vertrieben werden. 5. Kav. Brig. Chetwood und R. Engeneers opferten sich. Der englische Verlust darf auf 8000 geschätzt werden, davon etwa 1500 Gefangene mit einem ganzen Divisionsstab und viel Kriegsgerät, der deutsche 4400, wovon die Hälfte auf die Brandenburger fiel, deren 12 er allein 25 Off., 500 Mann einbüßten, die 64 er, 24 er und 20 er nicht weniger. Die Art. Klucks verlor 240 Mann, 3. Art. allein 95. Das Ergebnis war für, Tommy Atkins (Spitzname des britischen Söldners), der siegesgewiß auszog, um die Germans zu »verhauen«, recht niederschmetternd. Die auf beiden Flügeln verteilte Reiterei zeigte sich unbehilflich, die Artillerie nicht entfernt der deutschen gewachsen. Dorien jammerte über »300 deutsche Geschütze« die ihn zermalmt hätten; wir sahen, wie es damit stand. Auch rühmt er die Präzision des britischen Gewehrfeuers; die deutschen Verlustlisten reden anders. Dieser Herr ließ sich von seinen Landsleuten als »Ney« des Rückzuges preisen, als ob jene Großtaten des Tapfersten der Tapferen in Rußland auch nur entfernten Vergleich zuließen. Es geht nichts über britische Glory, die oft die französische Gloire aussticht. Ein Northcliffe-Korporal nannte in der Presse das deutsche Schießen »verächtlich«, die stets schrecklichen englischen Verluste antworten darauf. Man hätte sich besserer Dinge von Berufsveteranen versehen. Natürlich versicherte man, nur der glorreiche Tommy habe die übermächtigen Deutschen aufgehalten; als ob die tapferen Franzosen an der Sambre Männer der blassen Furcht gewesen wären. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Hinterm Kanal mit rasch aufgeworfenen Schützengräben unter Schlackenhügeln von Bergwerken fühlte man sich voreilig sicher und wurde aus der kostbaren Stellung im ersten Anlauf herausgeworfen. Ernstlich fochten deutscherseits nur etwa 35 Bataillone, also nicht ganz drei Divisionen. Man kann sich auf unsere Statistik verlassen, die sich auf Schritt und Tritt bestätigt; es ist nicht mal sicher, ob manche von uns Mitgerechnete wirklich fochten, denn nur I/III/64., II/III/24., I/III/75., I/II/76., III/90. verzeichnen Verluste, sehr möglich, daß die übrigen 6 Bataillone dieser Regimenter erst am 24. früh zur Stelle waren. I/52. verlor nur 70 Mann, auch I/III/12. viel weniger als das eine II/12., und die amtliche Schrift macht sehr zu Unrecht die 12 er zu den Helden des Tages, während nur der 6. Div. der Ruhm gehörte. Der Offiziersverlust blieb ganz normal, im Durchschnitt 1:20; so verloren 26., 93. und 153. zusammen 43 Offiz., 840 Mann, nur bei den 75 ern bluteten 378 bei nur 15 Offizieren. (Die 31 er bei Tirlemont verloren 2 Oberstleutnants, doch wenig Mannschaft; Ausnahmen bestätigen die Regel.) II. Verfolgung. – St. Quentin. Es ist ja Grund genug vorhanden, um die Geringfügigkeit der Kluckschen Streitmittel zu erklären. Ein gewisser »Historiker« läßt Marrwitz von der gewaltsamen Gette-Aufklärung befriedigt heimkehren, worauf Kluck absichtlich die Belgier unbehelligt ließ! Das wäre sehr tadelnswert, hier, wo jeder Tagesgewinn ins Gewicht fiel; doch der geringe Raumfortschritt bis 22. auf Strecken, die man mit Kurierzug in einer Stunde durchfährt, findet natürliche Erklärung dadurch, daß man anfangs nur über ungenügende Kräfte verfügte und sich später erst Aufmarschraum für die bei Lüttich verstauten Massen verschaffen muhte. Das rechtfertigt aber nicht, daß Linsingen erst am 23. von Brüssel aufbrach, und Marrwitz' 19. Drag, und 17. Hus. erst nordwestlich Mons lagerten, 16. Hus. erst am 24. Tournai erreichten. Am 25. hatten 2. Drag, und 3. R. Ul. ein Gefecht bei St. Hilaire. Das unbemerkte Hineinschlüpfen des Kluckschen Umgehungsflügels hätte zwischen die ungeschlossenen Lücken nordwestlich Mons um zwei Tage früher beginnen können. Was halfen Gewaltmärsche, »die ihn nicht erreichten«! Erst am 25. reifte unvollkommene Umfassung bei Valenciennes aus. Bei normaler Entwicklung hätte Belgien schon vor Ankunft Frenchs überflutet sein können. Auf dem Gelände zwischen Sambre und Dyle spielte sich einst das Drama Ligny–Wavre–Waterloo ab, das wir erst heute nach Entlarvung faustdicker Entstellungen richtig überblicken. Wo persönliche Interessen auf das Urteil der Handelnden abfärben, gebietet sich äußerste Vorsicht. So spendet Kluck, um sich zu ehren, Lobsprüche an die Engländer. Nun, wer Tommy aus eigener Beobachtung kennt, zweifelt nicht an seiner angeborenen Tapferkeit, doch sein Debüt bei Mons fügte seinem Lorbeer kein Blatt hinzu. Sich frontal in so günstiger Stellung übermannen zu lassen, war wenig ehrenvoll. Wenn man mit offenbarer Tartarennachricht das Reiterscharmützel bei Waterloo zu historischer Symbolistik aufbauschte, hätte man eher den Beweis deutscher Truppenüberlegenheit bei Mons nachdrücklicher betonen sollen. Doch erweist man der deutschen Sache den schlechtesten Dienst, wenn man die Sünden der Führung zudeckt und gewisse Personen oder Truppenteile verherrlicht, wo es ihnen nicht zukommt. Wenn French sich aus seiner erstaunlichen Niederlage noch ein Verdienst machte, so konnte kein Angriff schlechter angelegt sein als der Klucks, der sich von Ost nach West um 12, 3, 5, 7, 8 Uhr zerspaltete. Es gibt geborene Pechvögel und geborene Glückspilze. Seine unvergleichlichen Truppen, die nach Gewaltmärschen zum Schlachtfeld so Wunderbares vermochten, rissen ihn heraus; von Rechts wegen verdiente er gründlichen Mißerfolg. Um mit Bülow auf eine Höhe zu kommen, hätte seine Armee schon am 20. südlich abgedacht sein müssen und zwar schon damals im Eilmarsch statt der späteren Überhastung. Beinahe fiel die ganze Umgehung ins Wasser. Doch die späteren Marschälle Haigh und Allenby pflückten hier auch keine Lorbeeren. Es nimmt nicht für Haigh ein, daß er gleich anfangs die Hanseaten auf Dorians Flanke so tief hereinließ. Hamilton, der stets Unbelohnte, schlug sich zwar kräftig an seinem linken Flügel, doch seine Leute gaben am Kanal bedenklich rasch nach und das ganze Geschichtsblatt wäre unleserlich unverständlich, wenn man nicht die moralische Gewalt plötzlichem entschlossenem Ansturms veranschlagt. Eigentlich war Umgehung im Westen ausgeschlossen, der Kanal ist dort wie mit dem Lineal straff horizontal hingezogen. Armins Hinüberkommen glückte nur, weil Dorien, durch die Brandenburger in Anspruch genommen, sein von Truppen geleertes Westende vernachlässigte. Wie elend muß Allenbys Aufklärung gewesen sein! Der frühere französische Kriegsplan sah für die »Armee von Maubeuge« Stoß auf Koblenz vor, was doch gewiß Durchmarsch in Belgien und Luxemburg bedeutet. Delaisi sprach 1911 offen von den künftigen »belgischen Schlachtfeldern«: Am guten Willen fehlte es den Verbündeten nicht, Belgien mit ihrem Besuch zu beglücken. Ihre Führer riefen sich zu: Geh du zur Rechten, so geh ich zur Linken. Bei geteilter Arbeit ist auch geteiltes Leid nur halbes Leid. Nicht ohne geheime Schadenfreude erfuhren viele Franzosen, daß der englische Hochmut nun auch gedämpft sei, was den Schmerz über »Charleroi« etwas verminderte. Auch die Verbündeten hatten sich seit 20. nicht gesputet (Michel, Gouverneur von Paris, fiel als Sündenbock, weil er die Organisation der Armee Laurezac vertrödelt habe), doch trug dazu bei, daß die Belgier den Wahn verbreiteten, sie könnten allein den Feind aufhalten. Schwadronieren schadet stets im Kriege. Umgekehrt ließ man sich nicht angelegen sein, König Albert rechtzeitig über den Umfang des eigenen Mißerfolges aufzuklären, so daß seine aufgestachelte Energie den an sich zweckmäßigen Angriff auf General Beseler zu lange fortsetzte. Dieser Kommandierende des 3. R. K. und der vorläufigen Okkupationsarmee hatte erst jetzt sein Korps beisammen, auch das ihm anvertraute 9. R. K. kam erst nach und nach in die Schlachtlinie, gefolgt von einer Brigade der 4. Ersatzdivision Werder. Außerdem waren Teile der fünf Landwehrbrigaden Klucks und Bülows eingetroffen. Da jedoch Albert die Antwerpengarnison und zahlreiche Ersatzreserven an sich zog, befand er sich besonders anfangs in der Überzahl. Obschon später die schlechte Verteidigung Antwerpens unter die Märchen der Entente-Scheherezade von besonderem Heroismus der Belgier den Schlußpunkt setzte, muß man ihre jetzige Anstrengung anerkennen. »Ist Volkstrost in Leid, wenn die Herren fechten voran im Streit«, singt das Nibelungenlied, und die Haltung des Königs (deutschen Geblüts mit deutscher Gemahlin) verdient Bewunderung. Überall flog er mit seinem Auto in der Schlachtreihe herum und soll leicht an der Hand verwundet worden sein. Die dritte Kriegshandlung des 23. und 24. hob sogar vielversprechend für ihn an. Zwar ist falsch, daß 5. belg. D. der deutschen 5. R. D. zu schaffen machte, siehe den geringen Verlust; bei 6. R. D. verlor III/20. nur 30 Mann, und der durch Aufstand in Löwen unterstützte Angriff gegen die deutsche Rechte hatte nur vorübergehenden Erfolg. Dagegen leistete sich die nach rechts gestaffelte 6. belg. D. ein kühnes Vordringen; die dem R. K. Boehn beigefügte Aktivbrigade 162. Lübeck 163. Neumünster machte am linken Flügel bei Velworde eine rückgängige Bewegung. Man wollte sich dort nähere Verbindung mit French eröffnen, und es kam hier und weiter nördlich bei Campelaer-Overbevaert bis 26. zu vieltägigen langwierigen Gefechten, in denen besonders 86. R. bei Campenmandel einen schweren Stand hatte. 18. R. A. bei Rotselaer, gedeckt von 6. und 7. R. Husaren und 84 er R. bei Bootmanshoek behaupteten sich mühsam. Ebenso geriet 3. R. K. zeitweilig bei Sempst-Aerschot in einige Bedrängnis, wozu Volksaufstand in Löwen beitrug durch plötzliche Beschießung des 9. Landsturmbataillons und einiger Munitionskolonnen; 20. und 52. L. W. warfen ihn aber leicht nieder und bis 25. siegten die Brandenburger über die 2. und 5. belg. D., die dann am 27. und 28. auf der Löwener Chaussee eine gänzliche Niederlage erlitten. Viele nach Mecheln Fliehende ertranken im Kanal Löwen–Mecheln. 53. westfälische L. W. griff am Nordflügel mit ein. Im Zentrum warfen 5 Thüringer Ersatzbataillone bei Elewyth-Eppeghem die 1. belg. D. zurück; doch währte am Südflügel der Kampf bis 31. bei Velworde nördlich Brüssel fort. Endlich zog die tapfere 6. belg. D. auf Termonde ab (die bei Lüttich übel zugerichtete 3. D. war noch nicht wieder hergestellt und kampffähig), verfolgt von den erheblich gelichteten Ersatzbataillonen. Es blieb den Belgiern keine andere Wahl, nördlich auf Mecheln zurückgeschleudert und das gänzliche Mißgeschick ihrer verbündeten »Befreier« erfahrend. Diese langwierigen Kämpfe kosteten den Deutschen 4700 Mann und darüber (1. Komp. des 13. Ers.-Batl. allein 100, 9. R. K. 3000, dagegen in Löwen nur 17 L. W. und 24 von einer dorthin versetzten Abteilung 76. R.). Die Belgier litten bedeutend mehr. 3. R. J. und 2. R. Drag. streiften schon vor Mecheln. Die vierte Kriegshandlung am 23. und 24. gehört ins Bereich der III. Armee. Hätte Lanrezac, wie Bülow angibt, erst am 24. spät nachmittags den Rückzug vom rechten Flügel aus angetreten, so wären die Sachsen in abziehende Kolonnen hineingestoßen. Die französische Darstellung ist hier viel vertrauenswürdiger und genauer. Bülows falsche Angabe soll vertuschen, daß die Verfolgung zu spät angetreten wurde. Verwirrung in kriegsgeschichtlichen Daten ist nichts Neues, auch Aussagen Haupthandelnder bedürfen strenger Nachprüfung. Bülow rühmt außerordentliche Marschanstrengungen seiner Truppen; das gilt nur für die Hannoveraner. Die zunächst zur Hand befindlichen Westfalen blieben rückständig. Nachdem die Verbündeten beidseitig Maubeuge vorüberströmten, vollzog sich Laurezacs Rückzug durch die Ardennen mit großen Schwierigkeiten; der innere Zusammenhalt ging verloren, schon gelockert durch Absprengung französischer und auch englischer Teile in die Festung, so daß Maubeuge sich mit 45 000 Bewaffneten überfüllte. Hier ließ sich Gouverneur Fournier von einem Häuflein Westfalen (16., 39. Inf., 13., 16. R.) einschließen. Hanotaux schätzt die nachher unter General Zwehl vereinten Zernierungskräfte sogar zu bescheiden auf 14 000; es stießen noch 53., 56., 57. R. hinzu nebst vier Reservekompagnien der 24. und 25. Pioniere. Anfangs blieb die ganze 13. D. Einem's vor Maubeuge, nur die 14. D. setzte den Marsch südwestlich fort, ohne auf den Feind zu stoßen. Französische Rückzüge sehen manchmal aus, als sei alles zu Ende, doch die Gesammelten schlagen sich gleich wieder brav. So wand sich Lanrezacs entgeistertes Heer noch leidlich durch die Bergdefileen, was der deutschen Verfolgung ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Dem schwergeprüften 10. K. mutete sein Chef Defargues zunächst 40 km Marsch auf der Charleville-Chaussee zu, das war schon zu viel; nächtliche Panik trat ein. Am 26. ging es bei Hirson zur Ruhe über. Im überfüllten Ort drängten sich 3. und 19. K. in großer Unordnung. Die Afrikaner betrugen sich schlecht; 37. D. brachte sich in Sicherheit, ohne gemessenen Befehl zu beachten. 38. D. verlor am Rancewald die Fassung vor Richthofens Reitern, die jedoch westlich abbogen, um auf French zu fallen, dessen mürbe Reiterei nirgends mehr den Kolonnenmarsch verdeckte. Sordets Rheimser Brigade machte sich aus dem Staube, als man ihr zutraute, sich durch Frenchs Train hindurchzuziehen. Esperet entzog sich zwar schon früh den Sachsen; seine Nachhut (8., 110. und R. Chass.) blieb unbehelligt, doch die zwei Deckungsbrigaden Petain und Mangin (diese Brigade- 1 Wort fehlt. Re stiegen später zu Armeechefs auf) sanken von Tag zu Tag in ihrem Gefüge. Petain gehörte zur 35. D. des Bordeauxkorps, die anfangs French hinter Maubeuge suchte und angeblich die 57er übel zugerichtet haben soll, die sich zur Verfolgung aufmachten. Das läßt sich um so weniger verbürgen, als in gleicher Nacht Haigh aus dem Biwack geklopft wurde und die Gardekavallerie gleichzeitig die 53. R. D. einholte und schlug. Das 3. K. mußte ganze Batterien an Richthofen abtreten, zuletzt aber erreichte Lanrezac am 28. das Oisetal ohne besondere Fährlichkeiten und bezog eine starke Stellung, an welche später auch R. K. Valabreque nordwestlich heranrückte, das mit Sordet zusammen French seitwärts begleitete. Korps Hülsen kam den Westfalen so weit voraus, daß das 74. R. schon rechts von ihnen am 27. Etreux südwestlich Landrecies erreichte. Während Richthofen bei Avesnes verfolgte, lauerte Marrwitz' 9. Kav. D. nordwestlich Landrecies, die 2. und 4. Kav. D. verbreiteten Bestürzung von Lille bis Douai. Dagegen verlangsamten das 3. und 9. K. auffällig ihre Bewegung, wobei das dem Feinde nähere 9. K. sehr in zeitlichen Rückstand blieb, obwohl törichte Legende es Verfolgungswunder vollbringen läßt. Es hätte aber das rechts von ihm stehende 3. K. überspringen müssen, um nach Landrecies zu kommen, und jeder Blick auf die Karte lehrt, daß einzig das 4. K. dafür in Frage kam. Bülow hatte verlangt, 9. Korps Quast solle gegen Lanrezacs Linke bei Maubeuge wirken, doch auch dies geschah nicht, obschon damals möglich. Es ließ sich voraussehen, daß beide Korps zu etwaiger Entscheidungsschlacht im Oisetal zu spät eintreffen würden. Inzwischen fiel Namur, nachdem die 4. belg. D. auf alle drei Festungssektoren hineingedrängt war. Die Stadt wurde am 25. gewonnen, wobei man 5000 (6700?) Gefangene und 14 Feldgeschütze erbeutete; der andere Teil entkam nach Süden, doch 4000 (6000?) liefen einer sächsischen Schwadron und reitenden Batterie ins Garn, vor der sie kampflos die Waffen streckten. Andere stahlen sich schon früher aus der Festungszone fort und entwischten durch Belgien. Die Forts hielten sich bis zum 27., erst nach Zersplittern der Panzerkuppeln wurden sie von der Besatzung verlassen. Daß 5. Grenadiere und die Gardefüsiliere der 3. G. D. oder Teile der 38. D. des 11. K. Plüskow die Veste durch verlustreiche Stürme zu Fall brachten, erweckt starke Zweifel, da deren Septemberlisten sich offenbar auf die Masurenschlacht in Ostpreußen beziehen. Daß die Meininger 32 er als schneidige Angreifer genannt werden, verwechselt wohl damit die Verwundung zweier Prinzen von Meiningen, der eine Adjutant, der andere Chef einer Reservebrigade. Ein Verlust der Belagerer von angeblich 900 Mann kommt nur heraus, wenn man die früher genannten 4 Hannoverschen Bataillone und das 15. R. nebst der 20. Fuß-, Teil 20. und 19. R. Art. dorthin rechnet, die alle in ihren Verlustlisten »Namur« führen. Bülow selbst zitiert nur die 1. G. Res. D., diese verzeichnet aber ihren Verlust ausdrücklich nur für die Masurenschlacht. Auch spricht Moltkes Ordre, die jetzt einlief, von »verfügbaren« Teilen des G. R. K., da Gallwitz und Plüskow sofort nach Ostpreußen abgehen sollten. Das besagt doch deutlich, daß nur Teile vor Namur lagen zur Deckung der Batteriestände. So steigt der Verdacht auf, daß man dem später berühmt gewordenen Gallwitz gleich hier Lorbeeren für sein braves Korps winden will. Auch verbirgt sich darin die Verschleierung, daß beide Korps im August unbenutzt blieben. Das Abfluten der bei Lüttich verknäuelten Massen erlaubte schwerlich ein Eintreffen des ganzen G. R. K. vor Namur, da die früher von Aachen abgegangenen 2. und 4. K. erst Brüssel erreichten. Übrigens klingen die Siegeshymnen über rasche Überwältigung von Namur mißtönig, wenn man mit solchen Massen zernierte und doch die Besatzung entschlüpfte, die sich nachher im offenen Feld von einer sächsischen Streifpartie überrumpeln ließ. Es ist ja auch widersinnig, daß die 13. R. D. angeblich erst am 26. von Lüttich abrückte, da sie gleich darauf in Ablösung von Teilen der 13. Inf. D. vor Maubeuge lag. Offenbar hat wesentlich das ganze 7. R. K. Namur seit 23. zerniert, alles andere ist mehr oder minder Übertreibung. Sollte am Ende gar Anwesenheit der von uns der Vergessenheit entrissenen sogenannten 2. G. R. D., wozu das 15. R. gehörte, die des ganzen G. R. K. vorgezaubert haben? Hanotaux kennt sich wohl besser aus, wenn er Plüskow vor Namur ignoriert, er, der uns sogar mit Emmich bei Tirlemont beschenkt, d. h. sonst immer mehr und gewiß nie zu wenig deutsche Korps aufzählt. Man ist durch solche Unstimmigkeit umsomehr wie vor den Kopf geschlagen, als beide Korps schon am 26. nach Aachen marschierten, um eiligst nach Osten abzurollen. Da die letzten Forts erst am 27. kapitulierten, scheint hiermit die Frage erledigt. – Die Belgier sollen am 6. inkl. Namur 117 000 Mann Feldtruppen gezählt haben, sie ersetzten ihren Verlust durch Reservisten in Antwerpen; zur Entfaltung ihrer programmäßigen Streitmacht gelangten sie nie. Seltsame Auffassung Kuhls, daß die 4. Div. am 23. aus Namur »herausgezogen« und über Marienburg nach Antwerpen gebracht wurde, da sie doch in und bei Namur größtenteils zersprengt und aufgerieben wurde! König Alberts Vorstoß war verdienstlich, doch verspätete er sich, nutzlos zur Entlastung Frenchs. Ebenso war aber verspätet, daß Marrwitz, der auf Courtrai gehen wollte, östlich herangeholt wurde, um sich nicht zu weit von unmittelbarer Verfolgungssphäre zu entfernen. Das tat er ohnehin auch so noch. Die ganze bisherige Anlage der Umgehung war so unzweckmäßig, daß er nachher doch weit westlich Cambrai nicht auf French, sondern französische Territoriale fiel. Bülows Einladung, auf Maubeuge südöstlich abzurücken, bewog Kluck zu frontalem Anrennen gegen seine eigene Absicht; doch da Lauenstein sich zuletzt nur mit einer Division zur Unterstützung des 7. K. begnügen wollte, so konnte Kluck bei rechtzeitigem Entschluß dies formlose überstürzte Vorgehen sparen und einfach die Umgehung weiter in die Wege leiten. Stets fehlte das rechte Augenmaß für die strategische Lage. Übrigens hätte die französische Offensive bei Verdun und Mezières viel früher erfolgen können, wenn nicht durch Umdrehen ihrer 5. A. nach Norden und Einrücken der anfangs als Reserve gedachten 4. A. zwischen der 5. und 3. A. viel Zeit und Mühe vergeudet wären. Die »4. Reservegruppe« bei Laon (1. bei Vesoul gegenüber der Schweiz) verteilte sich auch so spät auf die 4. und 5. A., daß die Sachsen, falls sie früher die Maaslinie angriffen, dort nicht zwei Res. D. getroffen hätten, sondern das dann dort festgehaltene 1. K., das dann nicht mehr Namur decken konnte. Komödie der Irrungen! Nur der Zeitlücke des deutschen Aufmarsches bis zum 20. verdankte Laurezac die Möglichkeit, vereint aufzumarschieren. Seine Niederlage wird selbst von Palat düster geschildert, er selbst sprach von »abscheulicher Schwäche« einiger Truppenteile, was sich wohl nur aufs 18. K. bezieht, das laut Kühl »stark litt«, was wir bestreiten möchten. Die Mehrzahl schlug sich tapfer genug, doch der innere Halt war jetzt gebrochen. Unter solchen Umständen wirkt der Rückzug auflösend und es machte den Franzosen immerhin Ehre, daß sie trotzdem nochmals an der Oise Schlacht anboten und sogar offensiv verfuhren. Selbst Kühl kann nicht verwischen, daß Kluck den Monsangriff unglaublich ungleich ansetzte, was ohne die starre Unbehilflichkeit der Engländer zu schwerem Rückschlag geführt hätte. Zeitweilige Besorgnis vor Truppenansammlung bei Tournai war freilich nicht ganz unbegründet, da die 84. Terr. D. am 24. bei Valenciennes anlangte. Indessen genügte Marrwitz allein, am 24. und 25. auf Denain abbiegend, die 88. und halbe 82. Terr. D. bei Orchies zu zersprengen. Linsingen fand auf dem Vormarsch bis Cambrai keinen Gegner; die 84. T. D. entschlüpfte ihm bis dahin. Daß bis zum Antransport des 9. R. K., der sich bis zum 25. ungebührlich verzögerte, die Brig. Lepel vom 4. R. K. in Brüssel blieb, war schon etwas viel für bloße Etappendeckung; das 3. K., das aber auch zu langsam durch den Mormalwald ist durch nichts zu rechtfertigen. Bei der Verfolgung setzte sich jetzt das 9. K., zur Abschließung von Maubeuge bestimmt, hinter das 3. K., das aber auch zu langsam durch den Mormalwald marschierte, über Landrecies dem 4. K. folgend, das nur mit Vorhuten noch bei Solesmes das K. Haigh ereilte. Da dies bei Mons nur mäßig litt, müssen diese Rückzugsfatalitäten mörderisch gewesen sein, da es, ohne je ernstlich zur Schlacht zu kommen, fast ebenso viel verlor wie K. Dorian. Die Engländer machen viel Wesens davon, wie meisterlich Haigh der Umklammerung entronnen sei. Er wurde vom Generalleutnant zum »General« befördert (unserem Titel »General der Infanterie« entsprechend), weil er durch Nachtmärsche sich aus »ungewöhnlich schwieriger Lage« rettete. Das gelang nur infolge mangelhafter Verfolgung, die ihn trotzdem, obschon mit ungenügenden Kräften, übel zusetzte. Um nicht nach Maubeuge hineingezwängt zu werden, bog er südwestlich aus, mit welchem Umwandeln der Rückzugslinie er doch nicht hätte entwischen können, wenn Magdeburger und Pommern südlicher standen. Daß Kluck ihm keinen Vorsprung mehr abgewann, war dessen eigene Schuld, nicht Frenchs Geschicklichkeit. Ein Gewaltmarsch von 70 km machte zwar den langen Beinen der Briten alle Ehre, doch der Zustand des Heeres flößte Grauen ein. Tommys unwissende Einbildung hatte sich seit dem Burenkrieg, den man für eine große Leistung ausgab, so gegen die bloody Germans gebrüstet, daß die furchtbare Wirklichkeit ihn mit Betäubung schlug. Den Mantel schweigender Liebe lüftete die Londoner Presse später mit rauher Hand und malte die Zerrüttung recht schauderhaft. Frenchs Bericht vom 7. September vertuschte sogar wenig, erst später erholten sich seine Bulletins mit sportmäßiger Ruhmredigkeit. In Anbetracht der geringen Streitkräfte, die ihm auf der Ferse blieben, hätte er sich mindestens bei St. Quentin noch einmal stellen müssen und die Art, wie er unablässig rückwärts krebste, ohne sich um die französischen Bundesgenossen zu kümmern, entschuldigte er selbst damit, daß sein Heer zum Weiterkämpfen unfähig war. Überraschung sprach mit, da man überall Gespenster, d. h. deutsche Schlachthaufen aus dem Boden anwachsen sah. Es war wahrlich nicht so schlimm, doch man war außer sich vor Staunen, weil man nach den belgischen Depeschen, wo es von Tausenden deutscher Toten nur so rasselte, gemächlich nach Brüssel zu spazieren hoffte. Spukte doch auch später noch bei Unbelehrbaren die Vorstellung, daß Antwerpen unbezwingbar und eine Fallgrube für deutsche Massen sei. So dachte sich French die Lage, Kluck war ihm Hekuba und nun dies traurige Erwachen! Man sagt wohl, Tommy sei ein fighting animal , ein solches beißt aber, bis es umsinkt; doch auf die Kriegsware made in Germany wollte er nicht anbeißen. Deutsche Unteroffiziere betonten später gewichtig die Sporterziehung der Briten: die alte Überschätzung des Physischen im Krieg, das Napoleon nur wie 1:3 des moralischen Faktors berechnete. Die Franzosen wird man wohl als Athleten den Briten nicht ebenbürtig halten, hier aber zeigten sie eine stärkere soldatische Psyche, als dies wie ein Wrak von den Wellen hin und her geschüttelte Veteranenheer, das in Transvaal die hohe Schule des Krieges absolviert zu haben glaubte. Es fühlte kaum anders als die Franzosen nach Waterloo, die gleichen Preußen saßen ihm auf dem Nacken, die damals dem verendenden Britenheer beisprangen. Die »Wiederkehr des Gleichen« wiederholt sich in ewigem Wechsel, spöttisch waltet die Nemesis ihres unbeirrbaren Richteramtes. Doch den letzten Hauch von Mann und Roß setzte Kluck wahrlich nicht daran, das waidwunde Wild niederzuhetzen. Sein eigenes Buch verhüllte nicht die Mangelhaftigteit seiner Dispositionen. Als er am 26. früh im Auto bei Solesmes eintraf, war kaum noch viel zu hoffen, nach dem 27. bekam er French überhaupt nicht mehr in die Finger. Wohl spielten die Brandenburger bei Mons ein Vionville-Stücklein auf, doch ihr Nachstoßen ermattete sehr früh, selbst ihre Zietenhusaren verfolgten nur mäßig. Das Altonakorps benahm sich so schlaff, daß die 18. D. lange bei Maubeuge zauderte, die 17. wenig vorschritt. Trotzdem fabelte man, es habe sich bei Landrecies »neue Lorbeeren geholt«. Selbstredend war es Armins Vorhut, die dort dem ruhebedürftigen Haigh eine halbnächtliche Überraschung bereitete. Hier waren es die 27 er, die nach 30 km Marsch schon um 10 Uhr des hellen Sommerabends die 4. Brig. Kerr förmlich überfielen. Sie gab sich so sorglos der Ruhe hin, ohne Vorposten auszusetzen und zu schanzen, wie einst die Franzosen bei Beaumont; keine günstige Perle britischen Heerbetriebs. Was man hier von 1000 Toten der Angreifer faselt, löst sich in Wohlgefallen auf, denn wenn dort wirklich so viel Leichen lagen, müssen es britische gewesen sein. Was diese Nacht beim Schlaf gestört und aufgestöbert wurde, bekam auch am 25. keine Ruhe. Die 1. Gardebrigade lief Spießruten bei Solesmes entlang dem Feuer der 93 er, auch sie wurde so gut wie gesprengt. Haigh's Verlust war sicher bedeutend. Denn er verlor im August nicht viel weniger als Dorien, obschon er soviel weniger focht und nur hier ernstlichen Zusammenstoß hatte. Er hielt zwar diese schwachen Vorhuten auf, bis Dorian um 6 Uhr abends an Solesmes vorüberzog, verfolgt vom Dessauer Bataillon bis Beaumont, geriet aber in so fluchtartige Bewegung, daß er seinerseits ins Hintertreffen trat und Dorien am 26. bei Le Cateau vom nun endlich vereinten Armin ereilt wurde. Hier bei Troisilles war die Niederlage vollständig. Die 7. D. fiel besonders mit den 66. Merseburgern auf Fergusson, wo die Yorkshirer am längsten aushielten; bei Hamilton schmolzen die Gordons auf ein Zehntel. Armin verlor am 25. und 26. rund 2600 (700 am 25.) inkl. der 4., 74. und 75. Art., die 93er litten am meisten, der Offiziersmaßstab schwankte auffallend zwischen 1:18 bis 1:64 Gemeine. Dorien muß das Doppelte verloren haben. Die D. Shaw deckte seine Flucht nach Vermand westlich St. Quentin, von wo er in Auflösung weiter zur Somme und Aisne zurückeilte, ohne sich irgendwo zu setzen; auch Haigh hielt sich nicht auf, nach Ribemont vor St. Quentin abbiegend. Seine Nachhut lief bereits, weil er südwestlich abirrte, dem 74. R. Bülows am 27. bei Etreux ins Garn mit Verlust von 1000 Mann (700 Gefangene, 2 Geschütze). Dann machte er sich gleichfalls aus dem Staube und beschwerte sich über das ihm überwiesene Reservekorps Valabreque, das allerdings seine Rechte freiließ, sich aber jetzt bei Ribemont den Verfolgern entgegenstellte. Die Verwirrung und Zersprengung glichen der einstigen »Sporenschlacht« bei Guinegate in Flandern, wo Kaiser Maximilian die Briten und Franzosen vor sich her jagte. Die Reiterei irrte ratlos umher, schleppte sich müde hin, die 15. Husaren sahen sich beinahe durch einen Drahtverhau abgeschnitten. Die Artillerie opferte sich mehrfach, oft ohne Bedeckung; kaum rettete Hauptmann Reynolds die 57. Haubitzbatterie der D. Lonnax. Sordet kreuzte sich mit Trains und erklärte sich für »zu erschöpft«, um am 26. Doriens Flanke zu decken. Von irgendwelcher Großzügigkeit dieses im Selbstgefühl unübertrefflichen Meisters Dorien spürte man weiter nichts, als das er eilig schanzte, um Armin abzuwehren, was aber nichts half. Der Gesamtverlust seit 23. wird auf 15 000 Mann 80 Geschütze angegeben. Übrigens hatten selbst bei Cateau 3 1/3 englische Divisionen Übermacht gegen Armin, da von dem 3. K. nur sein Kommandeur, der zu Armin ritt, sonst kein Wann das Schlachtfeld betrat. Über so saumseliges Verfolgen darf man wohl den Kopf schütteln. General Maurice tadelt Kluck deshalb scharf und noch mehr, weil er überhaupt von French abließ. Somit teilen auch Engländer unsere abfällige Meinung. French gab Fersengeld bis Compiègne, wo er sich mit dem französischen Generalissimus Joffre besprach und Waffenruhe für sich auf mindestens acht Tage verlangte. Nur die D. Shaw stellte sich bei Seranvillers auf, um die Südwestflanke hinter St. Quentin zu decken. Die Verbindung mit Laurezac preisgebend, kümmerte sich der Brite nicht mehr um die französischen Waffenbrüder, die zu seiner Rettung die Schlacht zwischen St. Quentin und Guise anboten auf die Gefahr hin, ein Sedan zu erleben. Denn wenn Kluck jetzt mit aller Kraft nachsetzte, konnte er über Seranvillers den Rückzug verlegen. Nichts davon geschah. Man sollte denken, der siegreiche Armin sei unverzüglich Dorien gefolgt, doch Kluck wies ihn und Linsingen, sowie der Hälfte des endlich im Gewaltmarsch angelangten 4. Res. K. eine ganz exzentrische Richtung nach Süden an, nur die 7. R. D. blieb den Briten bei Seranvillers an der Klinge. Armin hatte in zwei Tagen 75 km marschiert, Linsingen am 23. auch 53, am 24. noch 47. Doch solche Kraftanstrengung ersetzte nicht den Zeitverlust zu späten Aufbruchs von Brüssel. Die 3. D. holte schon allzu weit aus auf Cambrai, als sie am 26. dort auf ungeahnte Gegner stieß, das frisch hergestellte Res. K. des Generals d'Amade aus Arras. Ihm verdankte French, daß er noch den Kopf aus der Schlinge zog, denn d'Amade warf sich entschlossen entgegen. Wieder war deutscherseits nichts vereint, die 4. D. noch nicht zur Stelle, von der 5. Brig., deren General Wieland getroffen niedersank, nur 9. Stargard (das berühmte Regiment Kolberg der Befreiungskriege); laut Verlustlisten fochten nur 9 Bataillone, allerdings dabei die 2., 36. und 38. Art., deren Stettiner und Swinemünder wohl den Ausschlag gaben. Auch hier großes zahlenmäßiges Übergewicht auf verbündeter, voller Sieg auf deutscher Seite. Nachdem die 6. Brig. bei Verny durchdrang, ließen sich die 84. und 62. D. in die Flucht treiben, scharf verfolgt von Marrwitz' 12. Hus. und 2. Kür. Die Pommern verloren kaum 1100 (inkl. I/2. bei Ramillies), d'Amade's dreifache Übermacht das dreifache. Man darf indessen nicht vergessen, daß es sich um eine eben erst fertig gestellte Formation mit unvollständiger Artillerie und geringer Kavallerie handelte. Die Territorialen der Region Lille und Dünkirchen (81., 82., 84. und 88. D.) nebst den Besatzungen von Lille und Arras musterten angeblich weit über 100 000, ihre Kampffähigkeit war aber auffallend gering. Viele rissen beim ersten Kanonenschuß aus. Angeblich fochten bei Cambrai nur die 84. Ter. D. und eine Brigade der 62. R. D. Selbst wenn letztere ganz dorthin kam, bedurfte es wahrlich nur der Pommerschen Artillerie, sie zu verscheuchen, und vielleicht lassen auch wir uns durch die Aufbauschung dieses Gefechtes im deutschen Bericht täuschen. Der Verlust Linsingens betrug vielleicht nur 500 Mann, alles übrige entfällt auf Nachfolgendes. Bei solcher traurigen Beschaffenheit des Korps d'Amade war es ein Kinderspiel, es am 27. und 28. zwischen Bapaume und Peronne nochmals fortzujagen. Die Territorialen flohen nachher auf Abbeville, Richtung Calais, die 62. D. auf Amiens, die neu auftretende 61. auf Arras. Hätte Kluck nur das 2. K. und Marrwitz zum Abbiegen auf Amiens verwendet, so ließe sich die Sache noch erträglich an, tatsächlich riß er aber drei Korps dorthin herum, selbst das 4. K., das doch selbstredend dem fliehenden Dorien hätte folgen müssen. Teile davon fochten bei Combles, das 4. R. K. sei laut Kuhl ganz auf Albert abmarschiert. Wir vermuten hier eine der vielen amtlichen Unstimmigkeiten. Denn, abgesehen davon, daß eine Verlustliste der 7. R. D. Seranvillers bei St. Quentin nennt, focht dort wirklich D. Shaw als Nachhut und wer als die bei Cateau in zweiter Linie nachrückende 7. R. D. kam in dieser Richtung in Frage? Sollten wir irren – Kuhl schweigt völlig –, so wäre Kluck noch tadelnswerter, der dann jede Berührung mit dem verfolgten French verabsäumt hätte. Die betreffende Verlustdifferenz müßten wir dann auf Westgefechte bis Amiens abwälzen. Jedenfalls zeigte sich Amade, indem er taktische Niederlagen für strategischen Zweck in Kauf nahm, als guter General, Kluck als schlechter, indem er sich völlig von French ablenken ließ, jede Fühlung verlor und sich von seiner Linken (3. und 9. K.) trennte. Er trieb die im Krieg so gefährliche Konjekturpolitik, indem er Lanrezac schon bei Laon annahm, während dieser sich weit nördlich davon zur Schlacht setzte. Treffend bemerkt Hausen, Klucks Verhalten sei »eigenartig und wohl von Sonderinteressen bestimmt«: Diplomatisch ausgedrückt das nämliche, was wir in unserem geliebten groben Deutsch sagen. Während Kluck lustig südwärts auf Montdidier abschwenkte, stand Bülow weit nordöstlich davon im Kampf, seine Linke Front nach Süden, seine Rechte nach Südosten. Mit unbegreiflicher Verkennung der Lage befahl nämlich Joffre dem unglücklichen Lanrezac Offensive, obschon seine linke Flanke von French entblößt, seine rechte den Sachsen gegenüber ungedeckt war. Statt nun alles zur Entscheidung nach St. Quentin heranzubringen, lenkte Kluck das ganze 2. und 4. K. und die 22. R. D. auf Arras ab, begleitet von Marrwitz, vor dessen Anblick die Territorialen bei Lille auseinanderliefen. Indessen sammelte Amade diese zersprengten Scharen und imponierte Kluck derart, daß er durchaus diese großmächtige Flankenbedrohung parieren wollte und bis Amiens billigen Lorbeeren nachlief, statt der Weisung Bülows zu folgen, die ihn nach St. Quentin rief. Er brauchte nicht zu gehorchen, denn auf seine Vorstellung hin hatte die O. H. L. ihn selbständig gemacht und dem Befehlskreis Bülows enthoben. Nie ist eine verhängnisvollere Erlaubnis erteilt worden. Als Joffre am 25. allgemeine Rückzugsordre ausgab, brauchte er die Wendung: »Die Bewegung wird durch Nachhuten gedeckt.« Neue Schlachten von der Meurthe bis zur Somme belehrten ihn, daß Nachhuten nicht zur Loslösung vom Feind genügten. So mußte Lanrezac sich für French opfern, dessen klägliches Auskneifen keine Mohrenwäsche weißbrennen kann. Es mag den Britenleuen kränken, doch seine Fluchtfähigkeit vor dem Jäger übertraf jede Erwartung. Football- und Golfübung kam den Söhnen Albions gewiß zustatten, als sie so lange Beine machten, daß sie aus dem Gesichtskreis ihrer treuen Bundesgenossen entschwanden. Gewiß mochte anfangs ständiges Ausreißen erforderlich sein, um nicht ereilt zu werden. Das Unglück braver Soldaten verdient Mitleid und wir glauben gern, daß viele schöne Züge von Aufopferung und Pflichtgefühl sich bei Offizieren und Mannschaften zeigten. Doch dies Entrinnen auf Kosten einer Zersetzung der Heermoral als Heldentat feiern, vermag nur britische Überhebung; ihr mit schroffer Wahrheit dienen ist gesund. Nachdem er bei Valenciennes die 4. D. an sich zog, würde French etatmäßig 85 000 Inf., 5000 Säbel und 6000 Art. gezählt haben, was eine Stärke erzielt, selbst wenn wir den Monsverlust abrechnen, mit der er die schwachen ihn einkreisenden Teile abschütteln konnte. Furchtsam sah er den Feind überall, gleichsam durch die Luft fliegen. Später warf er sich in die Brust, er habe seine natürliche Verbindungslinie zur Küste geopfert, um bei den Bundesbrüdern auszuharren. Der reine Blücher! Spaß! Weil er sich westwärts abgesperrt glaubte, machte er aus der Not eine Tugend und nagelte, südwärts rennend, Lanrezac zu seinem Schutz im Osten fest. Ja, man lächelt nicht, wenn der todwunde Iring vorm grimmen Hagen flieht; doch Frenchs schmählicher Rückzug auf glattem Gelände, nicht wie Lanrezacs durch Defileen, macht den gleichen schlechten Eindruck, wie der Wellingtons im August 1809 und November 1812. Hier steckt also ein allgemeines Symptom für britisches Söldnertum, das keine Niederlage verträgt. Bis Mitte September verlor Tommy jede Boxerlust nach so böser Erfahrung. Man muß es den Franzosen hoch anrechnen, daß sie ihren Bundesgenossen, die untreu bei St. Quentin davonrannten, standhaft den Schild vorhielten. Daß aber French so wunderbar entkam, belastet Kluck schwer. Armin und Linsingen hatten trotz aller Verspätung immerhin ihre Korps so weit vorgebracht, daß ihnen Dorien nicht entgehen konnte, jedenfalls nicht Lanrezac, wenn sie querdurch in dessen Rücken stießen, da er bis 31. im Oisetal aushielt. Während allein Bülow die Grundlage deutscher Erfolge im August schuf und Kluck für unbesonnenes unvereintes Losrennen bei Mons eher eine Schlappe verdient hätte, preist die Weltlüge seine Manöver, die ganz vom wahren Ziel abirrten. Französische Kritik spricht vom Scheitern des deutschen strategischen Plans, wobei sie um den heißen Brei herumgeht, daß die Übermacht der Alliierten oft taktische Ausbeutung des strategischen Manövers aufhob. Je tiefer man den Feind nach Frankreich hineinpreßte, desto enger schloß er zusammen, während die Deutschen sich von ihrer Basis entfernten und Kräfte für Etappenbewachung verschwenden mußten. Indessen erwies sich das strategische Übergewicht noch stark genug, um Zurückwerfung der Verbündeten bis östlich Paris zu erzwingen. Daß bei St. Quentin keine taktische Entscheidung fiel, verschuldet nur Kluck, der sich, wie später noch unheilvoller im September, durch angebliche Flankenbedrohung verblüffen ließ, zu deren Abwehr Marrwitz allein genügt hätte. Fünf Inf.-Div. dorthin zu werfen war ganz unangemessen, geradezu unverantwortlich. Man beschönigt es damit, schon sei die neue 6. Armee Maunoury entgegengetreten und zwar in damals ganz unmöglicher Stärke. Als d'Amade sich mit unverhohlener Geringschätzung von Frenchs Seite los und erneut von Arras nach Bapaume aufmachte, hatte er sich nur verstärkt durch etwa die Hälfte der Territorialen, deren Mehrzahl, schlecht ausgerüstet mit ungenügender Artillerie, schon vor den Lanzen der 13. Ul. Reißaus nahm. Das Reservekorps Lamaze wurde erst bei Monatsende von der Orne nach Paris verladen, desgleichen die 14. D. des 7. K. aus Belfort. Klucks treuherzige Verehrer lassen ihn schon jetzt die »13. D.« vernichten, offenbar weil diese im September nicht genannt wird, wie denn auch Bülow bei seinen wirren Angaben das franz. 7. K. vereint wähnt, dessen übrige Teile vorerst alle bei Epinal blieben. Die wahre Komik liegt aber darin, daß die 13. D. überhaupt nicht zum 7. K. gehörte, wie man naiv nach der Nummer annimmt, sondern zum 21. K. in Lothringen! So schreibt professorale Unwissenheit vom Katheder herab Geschichte »zum Ruhm der 1. Armee« und bläst die belanglosen Raufereien bei »Chambray« und »Combles«, unter welchem Sammelnamen allerlei Gefechte bei Bapaume und Amiens zusammengefaßt wurden, zu Großkämpfen auf. Sie kosteten der 4. Bromberger Division 950, der 3. D. inkl. 2. Art. 350 (237 vom III/2.), der 7. und 8. D., 22. R. D. 500, Marrwitz' 4. Naumburger Jägern bei Douai 170. Zu viel für zwecklose Episoden, zu wenig für ernstes Ringen. Das sind doch keine Verluste, um von einer großen Schlacht »in der Ebene von Santerre« gegen sieben Divisionen Maunourys zu fabeln, welchem französischen Kluck eine Pariser Schreiberei hier auch schon ein Kränzlein winden möchte. Dieser General, von der Orne herversetzt, befand sich aber noch hinter der Front, um seine neue Armee anzufertigen. Der immer geschlagene und doch nie loslassende Amade erkannte, daß hier nicht taktische Mißhelligkeit, sondern die strategische Lage zu berücksichtigen war und Kluck weiter verlockt werden mußte, von French abzulassen. Kluck aber rannte wie jeder mittelmäßige Haudegen dem taktischen Spatzen nach und ließ die strategische Taube entwischen. Ein gewisser »neutraler« Historiker ergreift die Gelegenheit, um der Manövrierkunst seines Lieblings Kluck ein Testimonium (eigener Paupertatis) auszustellen. Tatsächlich hatte Kluck gar keinen Flankenangriff zu gewärtigen, da d'Amade nicht mehr auf Arras, sondern auf die südliche Somme bei Bray und Maucourt zurückwich. Die Landsturm-Territorialen gaben sich in Gegend Bapaume noch einige Mühe, wanderten aber dann als Drückeberger nach Noyon oder Paris, wo man sie im September umherirren sah. Bei Amiens stand wohl die 63. Pariser R. Div. der 61. und 62. zur Seite, daraus macht man 3 ½ Korps, die auf 2 ½ durch Klucks Vernichtungsschlacht geschmolzen seien! Kuhl redet von Alpenjägern und Marokkanern, d. h. allen späteren Bestandteilen Maunourys, der unmöglich mit schon zerrütteter Macht die ihm für September zugedachte Rolle spielen konnte. Bei Proyart Tastversuche ohne Nachdruck, Angriff der gegen Noyon verladenen 55. R. D. blieb aus. Zum Überfluß spricht die deutsche Heeresmeldung selbst nur von » schwachen französischen Kräften bei Combles«. Über die alten Schlachtfelder von Proyart, Hallu und Bretonneux zogen die Deutschen in Amiens ein, zuerst besetzt vom 32. R., später vom 53. L. W., 39. L. W. besetzte Bray, 20. Brandenb. L. W. legte sich vor Arras. Denn bei seiner Extratour tat Kluck des Guten so viel, daß er auch seine zwei Landwehrbrigaden mitnahm, in Eilmärschen von Löwen her abberufen, ersetzt durch zwei L. W. Brigaden Bülows am Südflügel Beselers, die dritte lag vor Maubeuge. Der angenehme Ausflug nach Amiens schuf dem Sieger eine tüchtige Reklame, er bedrohe schon Calais. In Wahrheit entschädigte der schwungvolle Raumgewinn nicht für Frenchs Entwischen. »Völlige Vernichtung der englischen Divisionen, Fall von Paris« nimmt Maurice als sicher an, wenn der Plan »mit Geschick auf dem Schlachtfeld durchgeführt« wird! Der sogenannte Plan erhielt ein Leichenbegängnis erster Güte. Zur unteren Seine vorzustoßen, schloß sich von selber aus, denn jetzt wurde näheres Zusammenziehen zur 2. A. unbedingt nötig. Kluck sah zu spät ein, daß er in leere Luft stieß und sandte die 3., 7. und 8. D. in Richtung Compiegne, wo Oise und Aisne zusammenfließen, das 4. R. K. und die 4. D. setzten sich auf die mittlere Oise nach Senlis am 1. September in Marsch. Marrwitz, bisher ganz im Westen, breitete sich südöstlich aus; es ist aber Fabel, daß deutsche Reitermassen sich dauernd dem Abzug Frenchs vorgelegt hätten. Marrwitz kam ganz auseinander, seine Spitze scheint Hattoncourt südlich Albert erreicht zu haben, denn dort feuerten laut Verlustliste reitende Batterien der 35. Art. Eylau (sonst in Ostpreußen wirkend), 3. Grenadiere z. Pf. Bromberg treffen wir bei Heudicourt a. d. Somme auch tief im Süden, 12. Drag. Gnesen am 29. bei Bretonneux, Pommersche Leibhusaren nebst 9. Ul. und 2. R. Ul. Demmin bei Moislains. Dagegen streiften Halberstädter Kür. und 1. Schwere Reiter längs der Küste bis Ostende, wo deutsche Reisige zum ersten Mal das Kanalmeer schauten, von da nach Peronne, Pasewalker Kür. und Torgauer Hus. machten bei Cambrai mit. Bei dieser Zerfahrenheit eines immer Südwärtsrennens kam nie einheitliche Einwirkung auf Frenchs Rückzugslinie zustande. Marrwitz' Vorhut, Leibhusaren und 9. Ul. streiften später bis La Ferté Milon am Ourcq, 6. Ratiborer Husaren südlicher bis Trocy. Da war aber French schon über alle Berge. Nur Allenbys Nachhut wurde am 1. im Biwak bei Nery von Marrwitz überfallen (hauptsächlich mit 15. Hus. und 9. Ul.), 5. und 20. Husars zersprengt, 5. Dragoner und Gardedragoner in die Pfanne gehauen, fast alle Offiziere und Oberst Anson getötet, ihre reitende Batterie ihnen abgenommen. Ein anderer kühler Historiker hält Klucks Westgefechte keiner Erwähnung wert, läßt dagegen French am 26. bei St. Quentin statt bei Le Cateau fechten und am 28. zwischen Noyon an der Oise und La Fère nördlich der Aisne aufmarschieren! Das fiel ihm gar nicht ein, zum Aufmarsch fehlten Neigung und Möglichkeit, damals steckte noch ein gut Teil von ihm südlich St. Quentin. Dort kämpfte aber nur noch D. Shaw bis 29. abends gegen 36. R. Bernburg, 66. R. Weißenfels, nebst 26. R., dessen Major Häußler fiel, während sonst nur 80 Mann davon bluteten. Auch die 7. R. D. war also nicht beisammen, laut Klucks Buch immer noch Hälfte 22. R. D. in Brüssel zurückgeblieben. Dieses harmlose Gefecht bei Seranvillers war alles, was Kluck zur Einkreisung bei St. Quentin beitrug. Ohne Shaw wäre Lanrezacs Rücken völlig offen geblieben, der mit Front nach Osten, Norden und Westen schlug. Es bedarf keiner Erörterung, daß er nicht mehr geraden Rückzug auf La Fère behalten konnte, wenn Kluck mit zwei Korps über den Somme-Sambre-Winkel bis zum Kanal Crozat andrang, was zeitlich und räumlich leicht gewesen wäre. Die untrügliche Fama ließ ihren Günstling sogar bei St. Quentin den Sieg entscheiden! Sein Verfahren bleibt vielmehr beklagenswert für die deutsche Sache, diese verpaßte Gelegenheit zu schneller Entscheidung kam nie wieder. Hätte die 9. franz. Armee an der Oise ihren Untergang gefunden, was durchaus im Bereich der Möglichkeit lag, so gab es keine Marneschlacht und ihre Folgen, vielleicht fiel sogar Paris und ein rascher Friede war nahe. Lanrezac verließ sich wohl zu lange darauf, French werde ihm den Rücken decken; am 30. scheint er Umgegend von St. Quentin noch festgehalten zu haben, also wäre sein Abzug bestimmt zu spät erfolgt, wenn bei Seranvillers ein ordentlicher Sturmbock Klucks bis ins Herz seiner Schlachtordnung dröhnte. Am 28. plänkelten Schleswiger Husaren und hannoversche Dragoner bei Mesnil, östlich St. Quentin, 1. Gardedragoner bei Cornet d'Or. Die westfälische Kolonne 14. D. war noch nicht ordentlich heran, dagegen Hülsen schon im Kampf, bei welchem fortan die »2. G. R. D.« mit 15. R. voraufmarschierte. (Dieser Name taucht diesmal in Bülows Bericht auf, was der Leser wohl für einen der zahlreichen Druckfehler hält, was aber den von uns erörterten Sinn hat.) »St. Quentin–Guise« ist ein Sammelname für andere Kampforte östlich und südlich beider Städte. Das deutsche Publikum bekam durch den Heerbericht ein sehr unklares Bild und hielt St. Quentin für die Hauptschlacht statt »Charleroi«, wie man umgekehrt das Vorhuttreffen bei Neufchâteau als Hauptkampf der 4. A. mit der weit größeren bei Sedan–Mouzon vertauschte. Die Schlacht bei Guise trug bei weitem nicht mehr das stürmische Gepräge wie die an der Sambre. Am 28. rückten 10. R. K. und 14. D. an die Übergangspunkte der Somme und des Crozatkanals, das 10. K. stieß im Oisetal anfangs auf matten Widerstand, die Garde hing noch zurück. Indessen waren 13 franz. Divisionen, so schwer sie erschüttert und gelichtet, nicht gewillt, sich von 7 deutschen sprengen zu lassen. Am 29. unternahmen sie am Westflügel einen heftigen Vorstoß gegen K. Hülsen bei Essigny, wobei 91. R. und 20., 19. R. Art. einigermaßen in Gefahr schwebten. Dagegen ist irrig, daß am Ostflügel die Garde ins Oisetal zurückgeworfen sei, vielmehr erstürmte Emmich bis Abend die Gegend Mont Origny. Neben Hülsen nordwärts entstand bei Mesnil eine Lücke, die einige Kompagnien 13 er und III/158., der 25. Brigade (13. D.), die von Maubeuge unterwegs war, nebst einigen Batterien 22. und 58. Art. stopften. (Bülow sagt in solchen Fällen stets »Brigade«, »Divisionen«, wenn nur wenige Battaillone davon fochten.) Auch am 30. zeigten die Franzosen Tatkraft, standen aber von Vorbrechen über St. Quentin ab, als sie in der Ferne die Spitze der 17. D, (75 er) heranziehen sahen, von der jedoch nur Artillerie das Schlachtfeld betrat. Das 9. K. konnte natürlich nicht eintreffen, wenn das näherstehende 3. K. dies nicht vermochte, von welchem nur die 64 er als Vorhut ein lebhaftes Gefecht bei Belleglise hatten, vornehmlich nur ein Bataillon. Einziehung von 9. und 3. K. auf Kuhls Kartenskizze 4 für 29. ist unbegreiflich, bei Chaulnes südwestlich St. Quentin? Wie kamen dann die 64 er nach nördlich St. Quentin und 17. D. östlich davon? Offenbar waren diese Kräfte damals noch weiter rückwärts gestaffelt, und die Skizze soll nur verschleiern, daß Klucks Linke weit zurück abhing mit peinlicher Lücke zur Hauptmacht bei Noyon. Kuhl schweigt ganz von Eingreifen irgendwelcher Kluckscher Teile bei St. Quentin, obschon Bülow wohl halbironisch depeschierte: »Dank für geleistete Hilfe«. Kuhl weiß auch nur vom 29. als Schlachttag, während am 30. noch heftiger gestritten wurde. Vielleicht soll auch dies Etwas verschleiern, nämlich daß Kluck wegen Stillhalten Lanrezacs am 30. recht wohl in der Lage war, auch jetzt noch ihn an der Aisne flankierend zu überholen, ferner daß Vorhut 3. und 9. K. nicht schon am 29., sondern erst am 30. bei St. Quentin anlangten, was wirklich ein ziemlicher Skandal ist. Lanrezac griff zunächst nach Nordwesten an, immer mit Rücksicht auf Deckung Frenchs, mußte aber der örtlichen Lage nach dies Unternehmen seinem schwächsten Bestandteil, dem Reserve- und Bordeaux-Korps, überlassen und es daher bald abbrechen. Die Algerier schienen ihm ganz entglitten zu sein; das schon so hartgeprüfte 3. K. mußte Hülsen anfallen, während die bei Charleroi minder gelichteten 10. und 1. K. den Höhenrand nach Nord und Ost behaupten sollten. Am 30. entwickelte sich aber das Umgekehrte, indem 14. D. und Hülsen offensiv über die Oise drangen, dagegen 10. und 1. K. zwischen Vervins und Guise vorbrachen und die deutsche Nordfront im Flußtal einigermaßen erschütterten. Kuhl setzt dies auf 5 Uhr nachm. des 29., während es 5 Uhr morgens des 30. stattfand. Bei Richthofen scharmützelten ein wenig die 9. Jäger, deren Major Oelsnitz verwundet und vermißt, auch scheint die Kan. Brigade Neiße attakiert zu haben, deren General Graf Pfeil hier verwundet wurde. Am heftigsten entbrannte der Kampf am Nord- und Ostflügel; schon morgens früh stürmten 1. und 10. K. dicht an die Linie Emmichs heran, wobei 92. Braunschweig der 20. D. am stärksten betroffen, wurden aber nach fünfstündigem Ringen glatt abgewiesen. Ähnlich bei der Garde, wo Prinz Eitel eine Trommel ergriff und vor 1. Garde den Sturmmarsch schlug. Manche Riesen der Leibkompagnie bedeckten mit ihren Leichen den Höhenrand, als 1. und 4. G. die Bergchaussee bei Le Sourd erstiegen. Garden und Hannoveraner gingen erneut zum Angriff über und gewannen die Höhenlinie Courjoumelles-Housset. Hier fiel der Oberst der 74 er, doch hielt sich nur Lanrezacs äußerster rechter Flügel gegen die 2. G. D. Auf seinem linken Flügel lag weniger Druck; doch die Westfalen und 19. R. D. brachen bei Ribemont und Mesnil im Nordosten ein, ihre Artillerie wirkte stark mit Verfolgungsfeuer gegen die schon südwärts abströmenden Marschsäulen. 159. Mühlheim a. d. Ruhr drang bis Maisières am Kanal vor, wo 43. Art. Wesel auffuhr und die Rückzugsstraße nach La Fère bestrich, welches kleine Fortsystem aber selber weittragendes Fernfeuer mit empfindlicher Schärfe entgegensandte. Anscheinend verfolgten auch Gardedukorps und Gardekürassiere, deren summarisch angegebener Verlust sich aber meist auf September bezieht. Lanrezac mußte jetzt an raschen Abmarsch denken und brach die Schlacht auch im Osten ab, die er ja nur aus Rücksicht auf die Briten annahm. Nachdem auch die Gardegrenadiere mit schlagenden Tambours den Höhenrand erstiegen, trabte 4. G. Art. nach und legte kräftiges Verfolgungsfeuer »an der Somme« ein. Auf Außergefahrsetzen seines mürben Heeres bedacht, räumte Lanrezac am 31. La Fère, am 1. Sept auch die Forts bei Laon. Sperrforts Hirson und Givet kapitulierten schon am 31., wodurch die Beute an schwerem Geschütz sich vermehrte. Die Verfolgung brachte sonst nicht viel ein, eine Kompagnie Gardeschützen soll zuerst Soissons erreicht haben. Die in vollem Rückzug über Oise und Aisne befindlichen Alliierten wurden jenseits nur noch am 2. Sept. bei Cotterets eingeholt von den 35 ern und II/12.; die Coldstream- und Grenadierguards der Div. Lomax wurden zurückgeworfen. Indessen dürften Marrwitz' Leibhusaren und Mecklenburger Dragoner noch die englischen Marschsäulen hier und da umschwärmt und belästigt haben. Außerdem zerstreute die 5. Brig., vornehmlich II/III/9., am 2. bei Verberie und Fontaine eine Abteilung der Pariser Garnison, wobei auch etwas Alpenjäger und Provisorische Kavallerie, im Großwald von Compiègne. 1. G. Ul. verjagten die Nachhut des Bordeaux-Korps aus Château Thierry und erblickten hier zuerst die verhängnisvolle Marne. Marrwitz überschritt inzwischen schon südwestlich Noyon die Oise; Bülow hoffte aber von Kluck allzu vertrauensselig »volle Ausbeutung des Erfolges von St. Quentin«. Dieser meldete zwar am 31. das Einschwenken seiner Rechten zur südlichen Oise, vorläufig stand sie aber weit verzettelt. Klucks Verhältnisse kannte Bülow stets nur aus dessen unklaren Rapporten und machte sich daraus falsche Bilder. So glaubt er auch das ganze 2. K. am 3. bei Senlis a. d. Oise; es waren nur die 49er. Marrwitz hing sich keineswegs Frenchs Abzug über Meaux ans südliche Marneufer an, sondern ließ bald locker.     Am 1. Sept. befand sich, während im Osten die 5. A. viel südlicher voraus als 4. und 3., die 1. A. ungefähr in gleicher Luftlinie südlich bei Cotterets, später Ferté-Milon und Creil. Sie stand immer noch in Lanrezacs Flanke, dessen Abzug von Soissons auf Château Thierry das 9. K. unmittelbar in die Weiche fallen wollte. Dieser kräftige Entschluß des energischen Generals Quast kam aber nicht zur Ausführung, weil R. K. Valabreque »in beängstigendem Zustand« an der Marne auseinanderlief, das 18. K. nach Condéen Brie auswich, dessen nächste Division beim ersten Schuß deutscher Haubitzen das Weite suchte. Die Franzosen kniffen ohne jeden Widerstand südwärts aus zum Morin, gefolgt vom 9. K., das ihrer vorerst nicht mehr habhaft wurde, und Teilen von Marrwitz, die so den übrigen deutschen Heeresteilen weit vorauskamen. Lanrezacs Rechte behielt nur Rückzug südöstlich, über Dormans auf Montmirail abgedrängt. Wie wir heute die Dinge kennen, hätte sofortiges Nachstoßen Bülows zu allgemeiner Auflösung und Flucht bis zur Seine geführt. Er legte indessen am 31. einen Ruhetag ein, teils wegen Erschöpfung der Truppen, teils wegen unnützer Besorgnis vor dem veralteten Fort La Fère. Dies brachte mit sich, daß er erst am 2. sich Marne und Wesle näherte. Die Verfolgung brachte daher keine Früchte, während damals auch Foch und Langle den Sachsen nach Epernay und Chalons entkamen, French unangefochten von Nanteuil bis Coulommiers retirierte, Maunoury von Creil-Senlis bis Paris, Amade bis Rouen. Nach Nordwesten bis Amiens deckte Klucks Landwehr, wovon Kuhl nichts erwähnt. Schon Frenchs erstes Ausweichen auf Noyon und dann auf Compiègne und immer weiter südlich gab Lanrezac dem Eindringen Kluckscher Heerteile preis; French schilderte nicht nur am 29. vor Joffre seinen Zustand als verzweifelt, sondern Held Dorien hielt geradezu für nötig, nach England heimzukehren, worüber General Palat bittere Bemerkungen macht. Die Küstenbasis wurde von Havre nach St. Nazaire westlich verlegt. Erst Kitchener, persönlich nach Paris eilend, bewog French, wenigstens in der Linie südlich des Grand Morin zu verbleiben. Seine Entmutigung ist angesichts der traurigen Demoralisierung seiner Veteranen verständlich, nicht aber, daß er dabei noch prahlte, er wolle nicht zum zweiten Mal auf eigene Kosten die Franzosen »retten« (wo, wann?) und »sofortige kraftvolle Offensive« wünschte, während er ausruhte! »Mein Vertrauen zu den französischen Führer schwindet schnell«; Joffre dachte von ihm das gleiche! Die St. Quentin-Schlacht kostete Bülow 240 Offiziere, 5600 Mann, meist Hannoveraner. Die von Bülow hervorgehobene »13. D.« verlor nur 200, wovon 13er nur 22, dagegen 159. allein 565; sonst kamen nur noch einige Bataillone 56er und 57er ins Feuer. Die Brandenburger 64er und 7. R. D. verloren rund 1000, so daß die Gesamteinbuße inkl. Reiterei rund 7000 betragen haben mag. Die französische mindestens 12 000, davon 2000 Gefangene nebst viel verlorenem Kriegsgerät. French gab den Verlust Doriens auf rund 300 Offiziere, 9000 Mann an, den Haighs auf 8900, dabei fehlen aber Allenby und Shaw, und da man im September englischerseits plötzlich 35 000 angab, wovon schwerlich mehr als 10 000 auf September entfallen, dürfte sein wahrer Augustverlust 25 000 erreicht haben. Seit 20. heimste Bülow im ganzen 13 000 Gefangene ein. Obwohl Lanrezac, ungerechterweise des Kommandos enthoben und am 3. durch Esperet ersetzt, mit Ehren vom Kampfplatz abtrat, fühlte er sich so geschwächt, daß er alle Verteidigungslinien preisgab, als Bülow noch umständliche Angriffsdispositionen kundgab. Er verlor im August reichlich 50 000 (Verlust am 23. bei Dinant ungerechnet), dazu ebensoviel Belgier und Reserven Lille-Amiens. Diesen 125 000 stand gegenüber ein Verlust von 19 600 Kluck und 20 700 Bülow, Gefecht bei Nery und Verberie inbegriffen. Man ersieht hieraus, welche Armee am strengsten focht. 91. Inf. und 91. R. litten am meisten, beiläufig die Oldenburger 91er durchweg am meisten, während aus höfischer Liebedienerei für den Schwager des Kaisers stets die Braunschweiger 92er hervorgehoben wurden. Bei Kluck hatten nur 93er größeren Verlust. Am meisten litten die Hannoveraner (10 450), vornehmlich Emmich, das eine Garde- (4500) und 4. K. (4300), am wenigsten 2. K. (2650). Richthofen verlor etwa 600, Marrwitz 1200 Reiter, dessen Leibhusaren (121 mit 11 Offizieren), 9. Ul. und besonders 12. Husaren erheblich litten. Veranschlagt man die vielen Versprengten der Territorialen und die Abgesprengten in Maubeuge, die sehr große Beute an Festungs- und Feldgeschütz, sowie den gewaltigen Raumgewinn, so schien das Ergebnis für den deutschen Stoßflügel sehr glänzend. Es hätte aber viel größer ausfallen können, wenn Klucks schwächliche Verfolgung nach Mons und sein Abirren mit 5 Div. nach Süden die Einkreisung bei St. Quentin nicht verunmöglicht hätten. Das klingt unangenehm, ist aber um so wahrer. Wollte man das Umfassungsmanöver im Westen weiter fortsetzen, so mußte Verstärkung eintreten. Infolgedessen erhielt das 9. R. K. den Befehl, sich über Tournai nach Noyon heranzuziehen, da für Beseler zwei Ers.-Brigaden und die übrigen 7 Bataillone der Ers.-Div. Werder im Anmarsch waren. Außer Ausscheiden von Gallwitz fehlte Bülow für weiteren Vormarsch das 7. R. K. nebst 26. Inf.-Brig. vor Maubeuge, und es war ein Glück, daß diese Festung schlapp verteidigt wurde. Während die Belgier in Namur nach Zersplittern der Panzerkuppeln den Platz nach südwärts verlassen konnten (ihr großer Ausfall geschah nach Südwest; schon deshalb kann nur dort deutscher Verlust eingetreten sein, nicht im Nord- und Nordost bei Gallwitz und Plüskow), war Maubeuge allseitig umstellt und Fournier machte nach einem einzigen mißglückten Ausfall keine Miene, sich durchzuschlagen. Daß der Platz schon am 4. Sept. fiel, wurde hernach sehr wichtig, dies war ein unverhoffter Glücksfall. Kluck behauptet, sein Heer sei trotz der Gewaltmärsche in bestem Zustand geblieben. Garde und Hannoveraner, die bis zur Aisne den weitesten Marsch hatten, ließen aber sicher schon manchen Fußkranken zurück. Es wäre daher wohl besser gewesen, vorerst am mittleren Marnebogen Halt zu machen, die müde gesiegten Truppen rasten und ihre Bestände ergänzen zu lassen. Es ward indessen im Rat der Generalstabshalbgötter anders beschlossen, zumal Klucks und auch Bülows Rapporte optimistisch klangen und die zweifellose Demoralisierung des Gegners noch überschätzten. So sollte weiter zugeschlagen werden, vielleicht nur ein Schlag ins Wasser der Marne. Bei richtigem Zusammenwirken der 1., 2. und 3. A. hätte die ganze Linke der Verbündeten endgültig zertrümmert und hiermit schon Ende August der Feldzug gewonnen werden können. Was am meisten bezüglich des Mißlingens zum Fatalismus stimmt, ist folgendes. Trotz Joffres Klage, die Franzosen hätten in allen Augustschlachten »nicht die offensiven Eigenschaften gezeigt, die wir erwarteten nach anfänglichen Teilerfolgen« (wo?), schlugen sie sich durchweg mit wenigen Ausnahmen bisher recht gut, dagegen in der kommenden Entscheidungsschlacht vielfach nur mäßig, und die bisher so schlagend bewährte Überlegenheit des deutschen Soldaten trat sogar im September noch mehr hervor. Drollig erinnern Maleterre und Perris, statt allgemeiner Offensive »ohne bestimmtes Ziel« habe man warten sollen, »bis Rußland bereit war«. Ach, es war ja nur zu sehr bereit; schon am 20. gab es bei Gumbinnen Schlacht, schon Ende August erfuhr man bei der 1. A. den Tannenberger Vernichtungssieg, und trotz russischer Verschönungsmanier dürfte Joffre wohl durch eigene Quellen darum gewußt haben. Worauf sollte man warten? »Die offensiven Eigenschaften« der Deutschen hätte man dann erst recht kennen gelernt, wahrscheinlich planvoller gegliedert als bei den überstürzten Begegnungsschlachten. Jedenfalls trat aber auch nie ein Heer unter böseren Verhältnissen und in schlimmere Verfassung zur Entscheidungsschlacht an, als hier die Alliierten in der ersten Septemberwoche. Bei der 5. A. waren R. K. und das Algerische kampfunfähig, alles übrige in übelster Stimmung. Bei der 6. A. will man schon Zersetzung im bisher nicht engagierten K. Lamaze wahrgenommen haben. R. K. Ebener (61., 62. R. D.) zeigte sich noch am 3. »stark erschüttert«, Kavallerie Sordet und French unbrauchbar. Noch am 4. hätte tatkräftiges Handeln den Feind in moralischer Depression gefunden, die dessen Vorwärtsentwicklung ausschloß und Joffres »Anweisung 4« am 2. illusorisch machte, daß man wieder Offensive ergreifen wolle. Übrigens wurde dabei keine Silbe von Flankenangriff aus Paris gesagt, und falls man bis über die Seine wich, wie man vorhatte, wäre Vorbrechen über den Fluß erst recht schwierig geworden, wie Kuhl treffend bemerkt. Doch es kommt immer anders; unüberwindliche Mächte mischen sich ein, der Mensch nennt sie je nachdem Zufall oder Schicksal, und was man dem Augenblicke ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zurück. Die Armee Hausen. Von Dinant bis Rethel. Die 3. sächsische Armee (6 Div. und 1 L. W. Div. außer dem ihr unterstellten, aber bald abberufenen K. Plüskow) litt gleichfalls an verspäteter Ausladung und zu langsamem Vormarsch. Man ging aber deshalb viel zu viel mit Hausen ins Gericht; denn erstens hatte man die Ost-Ardennen zu durchqueren, zweitens war ausdrücklich befohlen, die Maas nicht eher zu überschreiten, bis nicht Bülow die Sambre überschritt, drittens ist überhaupt irrig, daß Hausen sich nicht rührte. Vielmehr währte seit dem Reitergefecht bei Dinant das Schießen am Maasufer bis 21. fort, immer mehr Bataillone aller sächsischen Divisionen, sogar Landwehr, sammelten sich dort. Die Kritik setzt hier an falscher Stelle ein; auch Hausens Verteidiger Baumgarten betont nicht, daß vom 19. K. sogar früher, als zu erwarten, I/106., I/181. (Oberst Stefani fiel) und I/II/134. den französischen Gewehren und Geschützen das Ufer streitig machten. 15. und 27. franz. Art. wollen 12 sächsische Geschütze, 51 Protzen demontiert haben; da aber die sächs. Art. damals nur 2 Offiz. 53 Mann verlor, wird es mit solcher Aufbauschung nicht weit her sein. Bei Houx erschienen 101., 133. R., 133. L. W., 12., 13. R. Jäger; III/104. erzwang später bei Haistières den Übergang gegen Choquets 348. Rgt. Auch pflanzten sich nacheinander noch 12., 32., 19., 64., 77. Art. am Ufer auf. Überschäumender Tadel redet also irrig von arger Verspätung Hausens, rechnet mit falschen Daten; beim damaligen Standort der Nachbararmeen wäre Übergang vor 23. unvorsichtig gewesen. Auf die 4. A. konnte man freilich lange warten; die kam erst am 26. auf gleiche Höhe. Am 23. holte indessen Bülow schon zu entscheidendem Schlage aus. Nun, am 23. standen bereit an drei Punkten 27 sächsische Bataillone, wovon 14 vor Dinant. Dort lag jetzt Laurezacs R. D. Bouttegourd; später schickte auch Langle, Chef der 4. franz. A., seine R. D. Choquet ab, um die Lücke zwischen sich und Lanrezac zu schließen. Zusammen 36 Bataillone (die franz. Reservedivisionen zählten 18 Bataillone), so daß die französische Darstellung irreführt, als hätte deutsche Übermacht erfolglos angegriffen. Hausen brachte nicht weniger als 6 Artillerieregimenter vor Dinant heran, so daß man nicht sagen darf, er sei nicht operationsfähig gewesen; freilich befand sich noch der größte Teil seiner Infanterie im Rückstand, was sich indessen durch Verpflegungsschwierigkeiten erklärt; eine vor einer Flußschranke angestaute Masse muß verteilt bleiben. Was man ihm aber wirklich zur Last legen sollte, ist das unglückliche Vergessen des Brückentrains, obschon er doch wahrlich Zeit genug hatte, an Vorbereitung des Übergangs zu denken. Infolgedessen mußte man aus Brettern Notsteige herstellen und konnte sich angesichts der tapferen Verteidigung nur mit wenigen Truppen am jenseitigen Ufer festsetzen. Trotz furchtbarem Feuer von 57 Batterien, deren Geschosse sogar die Ecken der Kalksteinfelsen absprengten, und hingebender Bravour der 23. D. gelang erst am 24. mittags der Übergang; ein sehr braver Gegenstoß Bouttegourds endete mit Vernichtung ganzer Kompagnien. Daß aber Esperet, sobald er den Kanonendonner in seinem Rücken hörte, mit D. Deligny zur Deckung antrat, schob zu raschem Vordringen Hausens einen Riegel vor. Ein Platzregen beiderseitiger Granaten hatte den blühenden Badeort in Asche verwandelt, dazu bedurfte es keiner Brandstiftung; die illuminierende und marseillaisesingende Bevölkerung büßte schrecklich ihren Leichtsinn, sich am Straßenkampf zu beteiligen. Ähnliches geschah in Löwen, Aerschot, Andennes und später Termonde; derlei »Greuel« lassen sich nicht vermeiden, es ist der Krieg ein roh gewaltsam Handwerk. Die Sachsen verloren seit 15. etwa 2300 Mann, da einige Nebengefechte stattfanden, der Gegner wohl bedeutend mehr. Hausen mußte ablassen, Lanrezacs Rückzug westwärts zu bedrohen, wie Bülow und Moltke wünschten, wobei Mangel an Kavallerie schwer ins Gewicht fiel. Ob die sächsische 8. Kav. D. schon zu Beginn des Feldzugs Hausen abgenommen und nach Lothringen verpflanzt wurde, wo ohnehin schon 2 Kav. D. zu viel waren, um gegen Vogesenpässe anzureiten, klingt unglaublich; Baumgarten unterstreicht es. Jedenfalls befand sie sich bald in Ostpreußen, statt daß man lieber die 7. Kav. D. aus Lothringen hätte abzweigen sollen. Auch diese Maßregel Moltkes stiftete später großen Schaden. Indessen besaß Hausen doch vier Husarenregimenter; auch zog Richthofen nicht vollständig am 15. ab, sondern beließ noch 3. G. Ul. und 4. Drag. an der Maas, die bis Monatsende bei Dinant und Rochefort streiften, siehe Verlustlisten. Hausens Verschulden liegt weder darin, daß er zu spät eintraf – im Gegenteil – oder zu wenig Kräfte an der Maas hatte – er hatte genug – sondern darin, daß er für Übergang nicht seit langer Zeit Vorkehrungen traf. Nachdem er sich schon so lange über das Flußgelände unterrichten konnte, wo blieb die nötigste Sorgsamkeit? Vergleicht man den schweren Pionierverlust der 4. A. bei Überschreiten des Chiers mit dem Nullverlust sächsischer Pioniere, so errät man deren Nichtdasein. Daß Hausen sofort die 4O. D. südwärts nach Fumay sendete, macht seiner Entschlußkraft alle Ehre, doch daß man auch dort nicht übersetzen konnte, weil Brückentrain fehlte, wiederholte den Dinantscherz. Pioniere der 24. Leipziger Division, die jetzt am Westufer entlang rückte, mußten eine Brücke entgegenschlagen. Nach Einnahme Dinants zauderte Hausen, wohin er vorgehen sollte. Wollte er warten, bis 4. A. die Maas erreichte? Gleichförmigkeit hat nur Sinn, wenn etwas damit zu gewinnen ist. 130 000 Sachsen – damals auch noch 11. K. in Reserve – trugen Wucht genug in sich, um sich allein zwischen Lanrezac und Langle hindurchstürzen zu können. Dabei hatte er einen viel kürzeren Marsch zu seinem nächsten Endziel Rocroi, als irgendein anderes Heer, auch sein späteres Ziel Rethel lag näher. Esperets Nachhut (Mangin und Kavallerie) schüchterte ihn am 24. ein; dieser zog längs der Front der 23. D. bei Rocroi vorbei. Div. Gallet schlug am 25. bei Marienbourg der 23. R. D. ein Schnippchen. »Schönes Gefecht« des Oberst Fenelon (127. Rgt.) dort ist nicht ernst zu nehmen; nur 102. R. verlor dort 50 Mann. Auch mörderischer Überfall im Hohlweg bei Fumay durch 58. Chasseurs von Choquet ist Sage, III/179. litt dort unbeträchtlich. Das 12. R. K., dessen Vorhut bei Houx schon lange sich am Ufer mit Schützen Choquets herumschoß, marschierte nun westlich der Maas auf Givet, dessen Festungsgeschütze auf 16 km Umkreis das Straßennetz beherrschten. Man hätte es durch rasches Heranschaffen der Mörser früher öffnen können, jetzt verplemperte man die ganze 24. R. D. mit Zernieren des kleinen Platzes. Da die Divisionen nie ordentlich in sich aufschlossen, kam man nie vereint an den Feind. Beim Schlußakt blieb 23. D. wieder allein, nur Teile der 32. erreichten den Feind, 24. D. des 19. Leipziger Korps überhaupt nicht mehr, nur 40. Außerdem bat die deutsche 4. A. beständig um Aushilfe bei Sedan, in pedantischer Besorgnis um ihre Flanke, so daß Hausen 3 Bataillone dorthin entsenden mußte. Sein Vordringen südwärts fesselte nur Langles Marokkaner und die D. Dumas nebst der 9. Kav. D., (Choquet zog sich nach Sedan heran) und brachte nicht die gehoffte strategische Folge; die 24. D. machte zweimal unnötige Ausbiegung. 25 stündiger Gewaltmarsch des Leipziger Korps (75 km) brachte nichts ein als fruchtlose Zersprengung von Teilen Choquets bei Haybes und Willerzie. Bei vorheriger Saumseligkeit war jetzt übergroße Eile vonnöten, doch der Zeitverlust war nicht einzubringen, Einwirkung auf Lanrezacs Rückzug unmöglich geworden. Gleich darauf nahm die 4. A. die 3. in Anspruch, so daß sie südöstlich kehrtmachte. Solche Irrfahrten brachten Gerüchte über Hausens Planlosigkeit in Umlauf, doch man muß ihm billigerweise zugute halten, daß ihn Weisungen Moltkes und Forderungen sowohl Bülows als Herzog Albrechts verwirrten, die ihn beide wie ein Anhängsel behandelten, mit dem sie nach Belieben schalten und walten konnten. Dies Kreuz und Quer mußte jeden zur Verzweiflung bringen, der nicht entschlossen ablehnte: Ich tue, was ich will, da ich meine eigene Lage besser übersehe. Daß bei sehr normalem Verlauf der Dinge Lanrezac-French in Gegend Maubeuge eingekeilt werden konnten, mag sein, doch auf so glattes Abspielen von Umwicklungen darf man im Krieg kaum rechnen. Man wußte doch vom 14. her, daß die Dinantfelsstellung außerordentlich verteidigungsfähig, also rasche Sprengung dieser Einfallspforte nicht zu gewärtigen war. Nur wenn Hausen mit mindestens 2 Korps am 24. bei Rocroi stand, konnte Abschneidung Esperets in Frage kommen, Einkesselung aller Verbündeten »bei Maubeuge« scheint damals schon ausgeschlossen; übrigens gehörte dazu auch größere Energie des 3. und 9. K. Umgekehrt läßt sich nicht in Abrede stellen, daß die Lücke zwischen der 3. und 4. A. gefüllt werden mußte, da sich französische Kräfte bei Charleville sammelten und daß es jetzt aussichtsreicher schien, gegen Langles Rückzugslinie zu wirken, der in scharfem Kampf nordwärts verbissen stand. Was soll man dazu sagen, daß Bülow bei so veränderter Sachlage immer noch am 27. Hausen nach Guise verlangte und Moltke ihm am 28. vorschrieb, nach Laon zu marschieren! 4. A. auf Epernay, 5. A. auf Chalons! Lauter phantastische Traumbilder, in keiner Weise der Wirklichkeit angepaßt. Hausen tat Recht, daß er dieser Schwärmerei zuwiderhandelte und die Lage ihm nahelegte, ob nicht etwas gegen Langle zu machen sei. Seine Bahn, die erst nach West, dann nach Ost einen Bogen schlug, lief jetzt Südost, doch um Langle in die Zange zu nehmen, hätten die Leipziger einen vollen Tag früher bei Signey stehen müssen. Sehr zur Unzeit schonte jetzt Hausen seine abgehetzten Truppen, doch es gehört eben unmenschlicher Wille dazu, von Truppen Unmenschliches zu verlangen, um ein großes Ziel zu erreichen. Man wäre vielleicht noch zeitig gekommen, wenn nicht der fähige Langle richtige Übersicht behalten hätte. Er zog vor, eiligst abzubauen und südwestwärts den gleichen Weg zu wählen, auf dem einst Mac Mahon nordwärts ins Verderben zog. Am 28. warf sich die Marokkaner Div. Humbert breitseitig mit Stirn nach Norden entgegen. Wenn früher Esperet kurz entschlossen sein Heil in der Flucht suchte, so hielten die Kabylen solch besonnenen Ausweg nicht für das Beste, sondern opferten sich für ihre französischen Zwingherrn. Sie sahen sich bei Fosse vom 106., 133. und 139. des Leipziger Korps umgarnt, Brigade Blond an Waldabtei Signey vom 102. und 103. der 32. D. des Dresdner Korps. Französische Ausschmückung, 178. sei bei seiner Feuertaufe geflohen, wird höchstens dadurch begründet, daß es fast gar nicht litt. Jedenfalls waren die Afrikaner froh, daß am 29. früh sich Oberst Coas mit einem Bataillon opferte, ihnen geordneten Rückzug offenhielt. Sie meldeten schon am 28. abends 3000 Tote und Verwundete, »viele Offiziere«, während die Sachsen nur etwa 1600 verloren. Hausen bog jetzt ganz südlich um, mit der 23. D. auf Rethel. Nochmals brachten am 30. die Kabylen Opfer, warfen sich in Schützengräben bei Bertincourt, die von den Leibgrenadieren und Freiburger 82ern mit dem Bajonett genommen wurden, schreckliches Gemetzel unter ihnen anrichtend. Ein auf der Bergstraße abziehendes Regiment soll von genau eingestellten Maschinengewehren weggeputzt sein. Doch fiel auch eine Husarenschwadron in Hinterhalt französischer Kürassiere. Bei den Leibgrenadieren bluteten der Oberst, Oberstleutnant Graf Kielmansegge und 600 Mann. Langle war nun schon bei Attigny in Sicherheit, wo er eine Leipziger Vorhut abschüttelte, ohne daß die südlich Tourteron lagernden Rheinländer irgendwie sich rührten, Schlachterschöpfung vorschützend. In diesen Schlußkämpfen litten das Schützenregiment 108 und die 32. und 48. Art. erheblich, doch betrug Hausens Gesamtverlust im August nur 6500. Er zog am 1. September in Rethel ein und wollte dort ausruhen; da platzte Funkspruch Moltkes herein, der ihn nach Reims vorwärtstrieb. Seine strategische Stellung war immer noch verheißungsvoll, doch Gehirnlähmung schafft zunächst Beinlähmung; wie der blinde Polyphem hatte er herumgetastet, ohne irgendwo den Feind ernstlich zu packen. Viele Reibungen entschuldigen ihn, man braucht ihn aber deshalb noch nicht in den Himmel zu heben wie sein Lobredner Baumgarten. Dessen Schilderung ist unvollständig und für Französisches ganz unzuverlässig. Auch er glaubt die Marokkaner bei Charleroi, versetzt nach Signey das Kolonialkorps und gar Marinefüsiliere, die nie dort waren, läßt bei Givet die 7. Div. fliehen, die natürlich bei Longwy focht, weiß nichts vom 18. und 19. Korps bei Charleroi, alles wie bei Stegemann, dessen stete Ahnungslosigkeit das 3. und 1. K. bei Charleroi im Standort vertauscht. »2. K.« bei Charleroi? Nur Brig. Mangin falsches Gerücht auf falsches Hinhören. – Der Verlust von Bouttegourd, Choquet, Humbert, Dumas in diesen Kämpfen ist unbekannt, dürfte aber 10B 000 betragen haben. Sie kamen mit einem blauen Auge davon. Die 4. Armee. Von Neufchâteau bis Raucourt. Die 4. franz. A. Langle und 3. Ruffey begannen am 20. und 21. ihren staffelförmigen Vormarsch über Semois und Chiers. Nach geographischer Lage südwestlich Diedenhofen, nordöstlich Montmedy, zunächst zum Entsatz der bereits umstellten kleinen Grenzfestung Longwy. Die deutsche 4. A. Herzog Albrecht v. Württemberg und 5. A. Deutscher Kronprinz schienen damals noch ziemlich entfernt. Das 6. schlesische K. gehörte zur 4. A., trat aber bald dauernd unter des Kronprinzen Befehlskreis, an dessen Longwyschlacht es teilnahm. In dieser Richtung brachten sich Kolonial- und 2. K. als Rechte Langles vor und fielen für dessen Kampf gegen Albrecht aus. Ebenso nahm dessen neugebildete Linke bei Mezieres-Charleville, zwei aus Lothringen geschickte Divisionen, nicht daran teil, nur anfangs die 17. D. Dumas. Was Langle dem rheinischen und hessischen Doppelkorps (8. K., 8. R. K., 18. K. und 18. R. K.) entgegenstellte, waren das 12. und 17. und das irrig als Heerreserve bezeichnete und angeblich erst im September fechtende 11. K. (Da es sich besonders hervortat, ersehe man daraus, was von fingerfertig rasch hingeklecksten Schilderungen zu halten ist, die nicht mal wissen, welche Truppen im Feuer standen.) Alle 22 Korps Frankreichs nebst 18 R. D. befanden sich schon am 15. im Vormarsch. General Carey de Langle hatte außerdem eine Reservedivision auf seinem linken Flügel, die andere (Choquet) marschierte als Bindeglied nach Dinant, eine Zeitlang durch die D. Dumas ersetzt, nach derem Anlangen später zu Langle zurückgerufen. Dieser verfügte also im ganzen über 14 Divisionen, von denen 8 den 8 schwächer formierten Albrechts gegenübertraten (rund 125 französische Bat. gegen 100 deutsche). Nach einigen Vorpostenscharmützeln zur Deckung des Aufmarsches, wobei die 7. und 8. Jäger z. Pf. (Trier) schon seit dem 7. weit vorn plänkelten und die 25. und 68. Inf. (Aachen, Koblenz) nebst der 44. und 59. Art. (Trier, Köln) an der Spitze marschierten, gab es bei Villon ein scharfes Geschützduell. Dem rheinischen R. K. Egloffstein gingen das 28. und 69. R. vorauf, die am 10. auf Feinde stießen, links davon am 14. die Spitze der Frankfurter Division I/88., noch weiter links marschierte 21. R. D. auf Neufchâteau, wo sie am 22. ihr Hauptquartier aufschlagen durfte. Seit dem 18. schlug sich die beiderseitige Reiterei bei Gedinne herum. Die 4. franz. Kav. D., später verstärkt durch die 9., vermochte nicht den Deckungsschleier der 3. deutschen K. D. zu durchstoßen. Die Dragoner von Hofgeismar, die Darmstädter Leibdragoner, die Kasseler Husaren (Oberst schwerverwundet) litten nicht unerheblich, der Gegner ward aber in die Flucht geschlagen; am 21. schon weiter südlich in lebhaftem Gefecht der Jamoigne-Wald von den 6. Jägern (Oels) behauptet. An diesem Tage führte General Eydoux sein 11. K. gegen das rheinische R. K., während Langle das 17. K. auf Neufchâteau ansetzte und gleichzeitig dazu die 2. Kolonialdivision heranholte. I/87. lag schon auf der Chaussee Bouillon-Neufchâteau in Schützenlinien bei Troyons, als die Franzosen vorrückten. Die Kolonialtruppen erhielten aus dem Großwald von Neufchâteau so heftiges Feuer, daß sie ihr Vorgehen einstellten. Eydoux' Rechte wurde von dem 25. und 28. R. abgeschlagen, seine Linke bei Paliseul stockte vor der Vorderlinie der 16. Inf. D. hinterm Bahndamm von Borchenesse. Die seit dem 20. weiter im Westen verlängernde D. Dumas tastete bei Bievre vor, ihr 135. bekam mit den 68ern zu tun. Am 22. war Eydoux' Mißerfolg entschieden, er gesteht großen Verlust zu, während deutscherseits das hier genannte 160. Inf. und 69. R., dessen hohen Verlust ein »Tagebuch« meldet, nach den Listen irgendwie litten. Es ist unwahrscheinlich, daß ihre chronologisch viel späteren Listen sich mit darauf beziehen. Das Gefecht bei Bievre verlief besonders ungünstig. General Dumas gesteht, er habe nur zwei rheinische Batterien gegen sich gehabt und sie am Semoyufer umsonst bekämpft, feindliches Fußvolk habe er fast gar nicht gesehen. Nichtsdestoweniger verlor sein 135. den Obersten, die Hälfte der Offiziere und ein Drittel der Mannschaft. Die Deutschen lagen also vorzüglich gedeckt und schossen noch besser. Diese ziemlich unbedeutenden Angelegenheiten rückt ein gewisser neutraler Historiker, der immer den Rheinländern ein Lob zuschanzt, in den Vordergrund. Allein, die Kampfschwere am 22. lag nur bei den Hessen. Dies war ein Schlachttag auf der ganzen Ardennenfront, bisher war Herzog Albrecht in der Vorhand neben dem noch nicht ganz aufmarschierten Kronprinzen, jetzt aber scholl dessen Kanonade gewaltig aus Osten herüber. Das 17. franz. K. verstrickte sich in förmlichen Hinterhalt. Die Hessen kamen in der Frühe so rasch aus dem Ourtetal herauf, daß sie beidseitig Neufchâteau den Feind über den Haufen warfen, ehe er zur Besinnung kam. Man spricht aber ihrem Reservekorps Verdienste zu, die wesentlich ihrem Aktivkorps zukommen, das sich überwältigend auf die Südfranzosen stürzte. Deren Linke, Div. Alby, wollte Eydoux bei Maissin helfen, wurde aber von den Hessendarmstädtern scharf geworfen, wobei allerdings 118. Worms einen schweren Stand bekam. Die Rechte, Div. Villemajone, durch den Herbaumontwald auf Ochamps heranziehend, wurde förmlich überfallen, ihre sorglos in Marschkolonne herantrollende Artillerie von Frankfurter und Mainzer Batterien vernichtet und teilweise erobert. Nachdem 88. Rgt. die Division durch Schnellfeuer erschütterte, führte Prinz Friedrich seine 81er vor, II/III machten viel Gefangene bei Luchy, I eroberte eine Batterie im Feuer, wobei aber zwei Kompagniechefs fielen und der Bataillonsführer v. Nostitz verwundet wurde. Die Toulouser wehrten sich anfangs in ihrer Not brav genug; Artilleriegeneral Scherbening mußte mit der 27. Art. und 3. Fußart. die standhaften Batterien, soweit sie zum Abprotzen kamen, bis zum letzten Mann und letztem Roß zusammenschießen. (Es war eine seltsame Fügung, daß im September diese so unsanft zerpflückte Artillerie sich eine glänzende Revanche holte.) Die 65. Brig. floh aus Bertrix, die 16. löste sich auf, 3 Obersten und 4 Majore dieser 33. D. waren getötet. Doch das dahinter nachfolgende 12. K. Roques suchte mit seiner linken Division die fliehenden Regimenter 11 und 25 herauszuhauen, bei denen allein 49 Offiziere gefallen waren. Seine Rechte erschien bei St. Medard, sah sich aber ans Waldefilee festgenagelt. Die 42. Brig. Frankfurt war hier am frühesten zur Stelle. Weiter östlich rannten die Vorhut des 2. K. Gérard und Kolonialbrigade Gouillet ins Verderben. Gegen Langles Anordnung hatten die Korps seiner Rechten am 21. zwecklos zu weit Vorhuten ausgeschickt, während ihr Gros noch bei Florainville steckte. Die 3. Chasseurs d'Afrique taten nicht ihre Aufklärungspflicht. Jetzt meldeten Gérards 25. Dragoner an die Kav. Brig. des 17. K. (9. und 21. Ch.), ihr Vorhutbataillon I/87. sei aufgerieben, der Kommandant und alle Hauptleute tot. Man ließ sich niederknallen, blind in die Waldung verirrt. Durch Marsch von 50 km sehr erschöpft, drangen schon am 21. abends das 21. und 23. Kol. Rgt. über die Querstraße Florainville-Tintigny in den Ostteil des Großwalds ein und wiederholten morgens den Versuch. Das 23. Kol. prallte vernichtet über die Bachbrücke bei Bevanne zurück, Oberst Naple fiel als Held. Die 21. R. D. Kassel ging nun auch gegen Roques' Rechte vor, doch scheinen nur das 80. R. Lahnstein (Verlust 400) und R. Art. Fritzlar ernstlich ins Feuer gekommen zu sein. Am 23. griff Roques nochmals an, doch die Mainzer Brigade genügte mit Hilfe der 61. und 63. Art., ihn bei Ochamps-Maissin zu fesseln. Nachdem am Walddefilee südöstlich Neufchâteau das III/87. und III/88. (früher Vorhutbataillon) etwas zurückgedrängt, schlug sich das ganze 87. mit Erfolg doch mit namhaftem Verlust. Sein Oberst v. Kirstein, ein Major, fünf Hauptleute bluteten. Die Hessen übertreiben sehr, daß sie vierfache Übermacht gegen sich hatten, das nach Bouillon abgedrängte 17. K. focht am 23. kaum mehr mit, doch ist es noch lächerlicher, von deutscher Übermacht zu reden. Die Franzosen verdecken ihr Mißgeschick oft mit hochtönender Tröstung, deshalb folgert Hanotaux aus einer farblosen Tagebuchbemerkung, diese Schlacht »rege zu Betrachtungen an«: »also war der Erfolg teuer erkauft«. Er weiß es genau, schätzt den deutschen Verlust aus freier Hand auf 1300 Tote, 3000 Verwundete, was schon sicher nicht »ein Drittel mehr« als der französische Verlust wäre, den man nach den vorliegenden Daten ruhig auf 4000 schätzen kann. Gewiß litten einzelne hessische Teile bedeutend, so die Wormser: 3 Majore, 3 Hauptleute, 20 Leutnants, 830 Mann; ein kurhessisches Bataillon bei Ochamps: 9 Offiziere, 410 Mann; das 87. Regt. 520 mit viel Offizieren. Die übrigen Regimenter litten aber so wenig, daß obige Angabe den Fingerzeig gibt, daß offenbar der Verlust vom 24. mitgerechnet ist. Hier geriet nämlich das Reservekorps bei Tremblois nordöstlich Carignan mit Roques aneinander, ohne ihn aufs Haupt schlagen zu können. Die 25. R. Art. wirkte kräftig, doch konnte man Roques' Linke bei Matron und am »Lindenhügel« nicht verdrängen; er zog trotzig und ungebrochen auf Carignan am 25. ab, nur weil seine linke Flanke entblößt. Denn sein Kollege Pollien meldete, daß er sein 17. K. nicht im Feuer halten könne, dem die Frankfurter Division nachdrängte. Die Darmstädter Division machte eine Rechtsschwenkung gegen Eydoux' Nachhut, dem sie 6 Geschütze abnahm. Dessen Abzug wollte Dumas bei Gedinne gegen die Rheinländer decken, sein 90. konnte aber Houdremont nicht halten, Brigade Moussy wich schon aus ihren Posten, als die 60. R. D. anrückte. Ihr 225. und 235. unterstützten Eydoux' dortige Nachhut (62. und 116.) beim unvermeidlichen Rückzug auf Bouillon. Dumas wich auf Mezieres. Dort riß Panik bei der 52. R. D. ein, deren 291. und 347. die sich geltend machende Annäherung Hausens spürten. Ein Nachtmarsch der verspätet anlangenden Marokkaner riß Dumas aus bedenklicher Lage, auch sie wurden aber zeitweilig in Unordnung gebracht durch wildes Zurückfluten des Kav. K. Espée, das weder deutsche Säbel noch deutsche Granaten ertragen konnte. Während nach eigener französischer Schilderung sich so Schmähliches am linken Flügel ereignete, erwies sich sonst die alte Tradition, der französische Soldat sei nur zum Siegen brauchbar und ertrage kein Mißgeschick, auch hier wieder als falsch. Die Franzosen hatten sich bisher teilweise nicht gut, teilweise brav, aber sehr ungeschickt geschlagen. Man baute deutscherseits darauf die Hoffnung, die kommende neue Schlacht bei Sedan werde so glücklich enden wie einst die alte, doch im Kriege kommt alles anders. War es Erinnerung an einstige Demütigung der Väter auf diesem historischen Schlachtfeld oder was immer, ein neuer Geist schien über Langles Scharen gekommen. Ihm und ihnen kann man Achtung nicht versagen, im Vertrauen auf jetzige starke Stellung hinter der Maas zeigten sie keine Spur von Entmutigung. Der mit schwerer Artillerie versehene Roques schlug sich sogar noch zähe nördlich des Flusses. Langles Absicht, einen Gegenangriff zu »akzentuieren«, scheiterte freilich, denn Pollien wich kopflos hinter den Chiers, um sich zu »reorganisieren«, und zog, als 15. rheinische R. Art. bei St. Hubert in seine linke Flanke wirkte, allmählich zur Maas ab. Links davon reihte sich Eydoux bis Donchery an. Bei Tremblois-Matron verloren 80. R. Wetzlar und 116. R. Gießen je 700 Mann. Überträgt man diesen Verlust aufs Ganze, so verloren bisher die Hessen allerdings 4300, die Rheinländer und die 3. K. D. höchstens 1000. Nur die rheinische Artillerie sowie 25. Pioniere beim Brückenschlag über den Chiers hatten verhältnismäßig nennenswerten Verlust. Am 25. wurde das Gefecht Polliens nördlich Carignan wieder sehr ungünstig, er schickte zwar die 20. nebst 17. Art. zu Hilfe nach Matron, wo Roques' 17. Brig. das mit Linden bestandene Hochfeld, viermal gewonnen und verloren, mit vielen Leichen ihrer ehrenhaften Streiter bedeckte. Auf mühsamem Waldmarsch »von Granaten überschüttet«, hörte Roques rechts seitwärts das Schlachtgetöse beim Kolonialkorps von Tag zu Tag ermatten. Nichtsdestoweniger setzte er sich noch einmal nördlich der Maas, ehe er bei Meuzon aufs andere Ufer ging. Langles Verlust seit 20. kann nicht unter 10 000 betragen haben, auch ging sicher viel Geschütz verloren. Um so mehr Ehre für ihn, daß er sich davon nicht anfechten ließ und ruhige Fassung bewahrte. Die Hessen trugen bisher allein die Hauptlast, jetzt kam die Reihe an die Rheinländer. Die 2. Komp. ihrer 8. Pioniere gesellte sich den 11. und 21. hessischen bei, die sich mit an die Spitze setzten, um den Strom bei Mouzon zu überbrücken. Doch man war noch nicht bei Mouzon, Schritt für Schritt machte Roques dem sich nähernden Andrang der Hessen die Umgegend streitig. Am 25. vermehrte sich die erhebliche Schwächung der französischen Reihen, an diesem Tage aber, wo die Hauptarbeit der Nachbararmee des Kronprinzen schon vorüber war, begann sie für die Rheinländer, als wollten sie die Opfer der Hessen mit einem Sprunge einholen. Schon warfen sich 65. und III/69. R., von Matron abschwenkend nordwestlich auf La Chapelle-Givonne und trieben Polliens Nachhut durch den historisch berühmten Garennewald übers Plateau von Sedan zurück. Doch dessen Batterien kränzten die Ufer bei Bazailles und diesmal endete der Geschützkampf anders als einst an dieser Stelle, wo umgekehrt deutsche Batterien am jetzigen Standort der französischen feuerten. Ein Major und ein Hauptmann der 15. R. A. brachen im Feuer zusammen, ihre 3. Batterie wurde arg zusammengeschossen. Als später die Artillerie des Aktivkorps auf dem kahlen Bergrücken von Floing auffuhr, wirkten Eydoux' Batterien scharf aus der Maasschleife nordwestlich Sedan. Zwar ritt eine Patrouille keck in die verlassene Festung ein, die Sperrforts bei Flize und Mezieres bereiteten wenig Hemmung, wohl aber schleuderte das große Grenzfort Les Avelles weittragende Geschosse in die rechte Flanke der Rheinländer bei Sapogne und beim Durchschreiten des Plateaus und Talkessels auf Remilly erhielt das Reservekorps empfindliche Geschützsalven. Dagegen bewies man gleichen Mangel an Fürsorge wie einst, man brachte es fertig, die Übergänge bei Donchery-Frenoies-Trocy fast unversehrt zu lassen, was 8. Pioniere sich zunutze machten, während 30. P. Brückenschlag über die Maasschleife bei Vigne aux Bois vollzogen. Dort entwickelte sich 68. Inf. nach kurzem Gefecht bei Floing. Doch behauptete Langle's Artillerie die Oberhand. Nicht die 16. R. A., die mit 6 Batterien nach Bazailles antwortete, »litt sehr«, wohl aber die aktive Trierer und doppelt so sehr die Koblenzer. Am 26. machte Eydoux längs der Maas Halt und hielt sich mit fester Entschlossenheit den Feind vom Leibe. Bei der 28. Inf. fiel Oberst v. Oppen, Sedan-Straßenkampf, doch siegten bei Donchery die 28., I/29. und III/25. über Eydoux' 21. D., die 22. schlug zwar anfangs 17. R. Kreuznach mit großem Verlust ab, doch wich bei Remilly vor 28., 69. und 65. R. Was von der 60. R. D. Choquet hier war (Teile davon noch den Sachsen gegenüber), gab vor der 16. D. bei Sapogne nach. Trotz des besten Willens schienen die Franzosen schon ausgepumpt. Doch Pollien schickte jetzt die 34. D. zum Gegenstoß auf Egloffstein bei Noyers, nicht ohne lokalen Erfolg, 16. R. D. mußte von den Noyershöhen wieder weichen. Am 27. zog Langle das Kolonialkorps, das seiner Leitung entschlüpfte und wo Verbindung mit Ruffey schon sich lockerte, nach Sommauthe näher heran. Vor allem lag ihm aber daran, den Druck auf seine Linke abzuschütteln, wo er in Besorgnis vor den Sachsen schwebte. Doch sicherten jetzt 17. und 52. D. mit Front nach Nordwest. Nicht am 24., wo ein gewisser Historiker mit gewohnter Oberflächlichkeit eine Kunstpause einlegt – Langles »Erholung« bestand da darin, daß er bei Carignan eingedrückt wurde, sondern am 27. trat ein wirklicher Einschnitt der Kämpfe ein. Denn jetzt erfolgte sein bisher unterbundener großer Gegenstoß. Zu diesem Behuf zog er fast das ganze 17. K. nach Noyers, es schlug sich jetzt glänzend. 68. R. wurde derart geworfen, daß es am 28. das Gefecht einstellte. Auch am 28. schwoll der Kampf mächtig an, bei der 28. R. geriet ein Oberstleutnant in Gefangenschaft, bei 29. R. sanken 29 Offiziere, es ging am 29. erschöpft aus dem Feuer; 65. R. am Givonnebach hatte es nicht besser, ihm sanken 27 Offiziere, diese drei Regimenter ließen 2200 Mann auf der Strecke. Auch das Aktivkorps hatte keinen guten Tag, die 22. D. gewann gegen Halbinsel Iges Boden, wo indessen II/III/29. und I/25. den Waffenbrüdern nur wenig beizuspringen brauchten, die sich auf der Westseite behaupteten, 65. warf das französische 65. Am Innenflügel verloren 17. R. und 28. Inf. zusammen 1600 mit 38 Offizieren, bei Vadelincourt an der Maasschleife bluteten bei 68. der Oberst, vier Hauptleute, elf Leutnants. Um sich aus der Einklemmung am Flusse Luft zu machen, suchte man die 21. D. Nantes ins Marféeholz hineinzudrücken, doch bravouröser Ansturm des 137., dessen Oberst Myrolles dabei fiel, stieß die 68er zurück, die dabei angeblich eine Fahne und 65 Gefangene verloren. Sehr heftig wurde auch das Gefecht der 69er am Waldhang und der Farm Chaumont, welche das 108. Quimper behauptete. Die bretonischen Schlachthaufen hielten fest, ein Bataillon 69er schmolz angeblich auf 100 Mann (wohl Übertreibung), 14 Batterien Eydoux' übergossen das Angriffsfeld der 16. D., die nicht vorwärts konnte. Die 15. D. auf der Westflanke hatte es leichter, die zum Vorsturm aufmarschierte 52. D. machte vor rheinischen Feuerschlünden Halt, hier floh auch eine als Reserve hierher verpflanzte Brigade der 33. D. vor Kanonade, unangenehm von der bretonischen Festigkeit abstechend. Doch Polliens andere Brigaden trieben die 18. R. D. über die Noyershöhe abwärts, die viermal den Besitzer wechselte, und 22. D. Brest drang vor. Auf der äußersten Westflanke bei Pont Mangis litten 161. und III/160. fast gar nicht, Egloffstein hatte 30. R. dorthin abgeben müssen, weil Herzog Albrecht fortwährend Umgehung von Les Avelles her befürchtete, weshalb er von Hausen eine Hilfsabteilung nach Sapogre entlieh. 202., 203. sowie 64. und 93. Nantes drangen zwar bis Pont Mangis, das Gefecht blieb aber so unbedeutend, daß 30. R. nur eine Handvoll Leute verlor. Da befahl Langle trotz günstigem Stand der Dinge am 29. schweren Herzens den unvermeidlichen Rückzug. Denn während nach Norden sein Himmel sich klärte, ballten sich im Osten Wetterwolken. Er vergaß zu lange, daß die Hessen dort zusehends seine Schlachtordnung aus den Angeln hoben und beachtete zu wenig das Abbröckeln seiner ihm abhanden gekommenen Rechten, wo er das schon bei Dieulet belästigte Kolonialkorps bis La Besace zurücknehmen mußte. Auch hätte er seinen zweitägigen Erfolg bitter gebüßt, wenn die Leipziger schon näher gewesen und die fahnentreuen Kabylen bei Signey nicht festgeblieben wären. Jetzt drohte Umfassung auf beiden Flügeln, Eydoux lief Gefahr der Abschneidung, als die Hessen in Polliens Flanke drückten und ihre 10,5- und 15,3-cm-Geschütze schon von Raucourt herüberdröhnten. Die Franzosen zogen in ungebrochener Haltung ab, man verfolgte kaum. Die 68. und 69. waren froh, endlich die Marféehöhe zu besitzen, Oberst Graf Lippe-Bisterfeld führte umsonst die 7. Husaren vor, 8. Kür. Deutz scheinen sich etwas mehr angestrengt zu haben. Vom Reservekorps verfolgten nur etwas das 28. R. Neuß, 2. schwere Reiter und 5. R. Ul. des Grafen Magnis. Egloffstein focht härter als Tschepe, dessen Aktivkorps sparsam haushielt und 8 Bataillone weniger verwendete. Wollte man etwa Eydoux zu weiterem Ausgreifen nordwärts verlocken, damit Umfassung durch die Sachsen wirksamer werde? Aus den Befehlen des Oberkommandos geht nichts derartiges hervor, wohl aber aus Korrespondenz mit Hausen bängliche Ängstlichkeit, daß Langle ihn bei Pont Mangis zu umfassen strebe. Statt so ungerechtfertigter Befürchtung konnte Langle von Glück sagen, daß die sächsische Umarmung ihn nicht erdrückte. Seine Lage war strategisch schon lange unhaltbar, er harrte entschieden zu lange aus, durch taktischen Erfolg geblendet. Doch handelte er jetzt mit einsichtiger Entschlossenheit, indem er sofort südwestlich abmarschierte. Es kam ihm aber dabei sehr zu statten, daß die Rheinländer zu spät und zaghaft nachfolgten, während Roques durch standhafte Abwehr der Hessen das Heer rettete. Dieser verdient weit mehr Lob als der gepriesene Eydoux, dessen Angriffsstellung bei Boulson er sogar noch mit einigen Bataillonen verstärken mußte. Wie sollte er da nach Norden und Osten den übermächtigen Hessen begegnen! Am 25. wandte sich die 50. Brig. von Eydoux' Nachhut ablassend, gegen Pollien 116. (nicht »117.«) und überhaupt die Darmstädter Division setzte sich so in Bereitschaft, daß das 17. K. in Unordnung über die Maasbrücken zurückstürzte. Roques' 100. Rgt. schirmte seine rechte Flanke gegen das nur mäßig verfolgende Reservekorps, westlich davon drängte 80. Inf. Wiesbaden vor, Major Kayserlink fiel. Die Franzosen reden von gescheitertem Angriff einer Brigade, die von Kanonade hingemäht sei, doch folgt gleich der hinkende Bote, daß auch die Linke des 12. K. »einen Augenblick erschüttert war«. Indessen faßte es sich bald und die Wiesbadener müssen wohl zurückgeworfen sein, denn ihr III. Bat. Höchst erreichte erst am 28. Mouzon. Die Hessen mußten sich darauf gefaßt machen, daß sie, wie früher den Waldboden, jetzt die Maasufer mit ihrem Blute färben mußten. Am 26. sahen sich die Darmstädter bei Heraucourt-Autrecourt nördlich Mouzon in blutigen Kampf verwickelt, 116. büßte seit 24. schon 23 Offiziere ein, darunter den Major des II. Bataillons, das rechte Flügelbataillon der Frankfurter Division ließ bei Autrecourt 9 Offiziere 210 Mann auf dem Platze, seitwärts beim Nachstoßen auf Meuzon ihr linkes Flügelbataillon II/88. alle Offiziere. Am 27. wich Roques langsam über den Fluß, seine Linke fügte aber noch dem 115. Darmstädter Leibregiment furchtbare Verluste zu. Bei Mouzon gingen das Reservekorps und Teile der Frankfurter Division in Masse über, 80. und 88. hatten bereits 1300 mit 26 Offizieren verloren. Im Vergleich zur alten Beaumontschlacht kehrte sich die Lage so um, daß diesmal die Deutschen aus Norden statt Südosten kamen. Historische Punkte jener alten Schlacht fielen auch diesmal in der Kampfzone auf. Roques' Artillerie feuerte bei La Thibaudie, verstärkt durch herbeigerufene Kolonialbatterien, und richtete große Verheerung unter den aus Mouzon Vorbrechenden an, geleitet durch unterirdisches Telephon eines in Mouzon versteckten und erst spät entdeckten Artillerieoffiziers. Das 87. R. machte südlich Mouzon Halt, 88. R. gibt mit seiner Verlustliste ein Rätsel auf, denn es verlor bei 26 Offizieren (zwei Bataillonschefs) unverhältnismäßig wenig Mannschaft. Westlich Yoncq erhielt die 25. R. Art. Infanteriefeuer, Roques' 47. und 48. Brig. warfen bei Villemontry das 116. R. wieder von den Yoncqhöhen herunter. Erst nach schwerer Beschießung durch Mainzer Fuß- und 63. Feldartillerie gelang es der Frankfurter Division, den Feind von dort in wildem Handgemenge nach Beaumont hinabzutreiben »unter schwerem Verlust beider Parteien«. Roques hielt sich bei Harnoterie, die Schlacht nahm abends einen bedeutenden Umfang an und dehnte sich westlich bis Raucourt aus. Hier schlugen II/III/115. den Verlustrekord (23, 1000), auch III/116. verlor 420. Auch östlich hinter Beaumont war der Verlust stellenweise so groß, daß I/81. Frankfurt den Major, 14 Offiziere und 400 Mann verlor, III/87. den Major, 3 Hauptleute, 7 Leutnants, dagegen 80. nur 80 Mann, ein Beweis, daß 80., 88. und Reservekorps ermattet abließen. Erst als sich der Feuerkreis um sie verlängerte, gaben die braven Regimenter von Angouleme und Perigord den Widerstand auf, doch hielt Roques am 29. und 30. noch eine standhafte Nachhut bei Oches fest. Der hessische Verlust verminderte sich jetzt so, daß I/115. hier nur 100, III/115. noch 170 einbüßte, unterstützt von 61. Art. Das Reservekorps brachte jetzt auch das ihm beigeordnete 168. Inf. vor, doch blieben am 31. nur noch sein II/80., III/115. u. III/118. R. an der Klinge mit sehr mäßigem Verlust, 27. Art. mußte nochmals lästige feindliche Tirailleure ausräuchern. Die Hanauer Ulanen sprengten im Maastal vor, es wurde aber wenig Beute gemacht. Die Schlacht kostete den Hessen 7200 (115. allein 1300, 116. auch 940), den Rheinländern 8000. Langles Verlust dürfte an Toten und Verwundeten ungefähr das Gleiche betragen haben. Im Grunde entschied auch hier das Vorgehen des Kronprinzen, denn ohne sein Vorschnellen bis Dieulet wäre Roques erst später zurückgegangen. Da schlesische Artillerie schon vom Dieuletwald südlich Beaumont hinüberfeuerte, schlossen schon beide deutsche Heere aneinander und Langle wich schleunigst aus, um sich dem Kneifen dieser Scheren zu entziehen. Da er sich aber auch an Hausen vorbeischlängeln mußte, begreift man kaum sein Entkommen. Französische Historiker haben es leicht, alles Wunderbare auf Eigenschaften ihres Nationalnaturells zu schieben, doch gerade auf Rückzügen pflegen Franzosen nicht zu glänzen. Langle gewann einen ganzen Tagesvorsprung nur dadurch, daß bei den Hessen Erschöpfung, bei den Rheinländern Klein- und Mißmut herrschte, Herzog Albrecht sich nichts Großes mehr zutraute und auf weiteres Übermaß von Arbeit verzichtete. Wahrheitsforschung sieht die Dinge anders als die Fama, die einseitig und meist falsch hell oder schwarz färbt. Sowohl die Art, wie der Heeresbericht über die Sedanschlacht weghuschte und immer nur einen großen Sieg bei Neufchâteau betonte, als das tadelnswert matte Nachmarschieren der 4. A. verrät genügend, daß man ihr damals keinen wirklichen Sieg einreden konnte. Man empfindet eben die eigenen Wunden, ohne die des Gegners zu bedenken. Die Schlacht kostete bedeutend mehr als die bei Charleroi, ohne im geringsten ein ähnlich schönes Ergebnis zu bringen. Nur die Befürchtung, von Hausen aufgerollt zu werden, bewog Langle, sich nicht mehr bei Reims zu setzen. Anderseits war die Lage nicht danach angetan, daß seine Truppen sich »siegesbewußt« fühlten. Wohl ging er taktisch unbesiegt vom Schauplatz seiner Taten ab, doch seine losgelöste Rechte holte sich durch den Kronprinzen eine schreckliche Niederlage und mußte erst wieder zu ihm abgedreht werden, ohne rasches Ausbiegen nach Südwesten wäre sie weiter ins Garn gelaufen. Es gelang Langle an Hausen vorüberzuschlüpfen, doch das Kartenbild sieht unschön genug aus, wie er bei Vouziers knapp vorbeikam. Er zeigte zu lange nach Norden die Zähne, ohne Hausens Mißgeschick wäre es mit ihm aus gewesen, doch Glück muß der Mensch haben. Die deutsche Heerführung hatte kein Glück, es floh von ihr an der Oise wie an der Maas, nur die taktische Überlegenheit der unübertrefflichen Truppen erzwang Erfolge, die bei der 3. und H. A. obendrein ausblieben. Freilich machten sich äußerlich die Dinge immer noch gut, der von zwei Seiten durch 14 Divisionen angepackte Langle verfügte zwar über die gleiche Divisionszahl, seine Rechte war aber derart geschwächt, daß er vorerst nicht mehr das Feld hielt, sondern unaufhaltsam durch die Champagne bis Vitry und zum Marnekanal retirierte. Die 4. A. marschierte zu träge, um ihn noch am Ornain zu erreichen. Das Ansetzen der Hessen bei Mouzon war gewiß sehr richtig gedacht, doch wenn man bedenkt, daß am 27. ihre 52 Bataillone (6 L. W. überzählig) schon südlich der Maas kaum 30 französische Bataillone umkreisten und dennoch Roques nichts Entscheidendes anzuhaben vermochten, so muß es an der Führung gefehlt haben. Im ganzen bot diese Schlacht doch eine gewisse Revanche für die weiland Ereignisse bei Sedan-Beaumont und insofern durfte Langle darauf stolz sein. Die 5. Armee. Von Longwy zu den Argonnen. I. Longwy. Zum Kriegführen gehört erstens Glück, zweitens Glück und drittens nochmals Glück, doch man muß es zu erfassen verstehen. Es traf sich glücklich für die Franzosen, daß den Stoß von Langles Kol. und 2. K., die sich zwischen der 4. und 5. A. eindrängen sollten, und Ruffeys 4. K. vorerst nur 6. schlesisches und 5. Posener Korps auffingen; es schien möglich, daß Ruffeys 5. und 6. K. aufs weiter rückwärts anmarschierende 13. Württemberger K. fallen konnten. Dagegen fügte sich glücklich für die Deutschen, daß der Vormarsch des Gegners auf St. Vincent-Virton unvorsichtig erfolgte. Gegenhieb parierte den zugedachten Schlag derart, daß der Kronprinz umgekehrt seine Harste zwischen die Staffellücken des ungleichmäßigen feindlichen Angriffs einpreßte. Und da wir die fragwürdige Leistung der 4. deutschen A. vor Augen stellten, so sei gleich hier vorausgeschickt: welch leuchtendes Beispiel gab der Kronprinz, der nach viel härteren Kämpfen und örtlichen Mißlichkeiten und bei peinlicher Irrung seiner Linken dennoch sein Nachdrängen nie aussetzte und so schon am 1. den Argonneneingang erreichte! – Seine 6. Kav. D. Schmettow kundete schon früh weit südwärts aus bis Pillon-Manginnes westlich Spiucourt, wo es am 10. und später zu verlustreichem Gefecht kam. Deutscherseits totgeschwiegen, mag es ungünstig ausgefallen sein, was bei so weitem Vorprallen einer isolierten Truppe nicht Wunder nähme. Doch französische Ausschmückung ist nicht danach, Glauben zu erwecken. Selbst über das Datum wird man nicht einig. Am 12. und 13. seien die abgesessenen 21. badischen Dragoner »vernichtet«, 5. Fußjäger, 7. und 8. Dragoner in Panik verfallen, 1000 (!) Gefangene und eine Batterie den Siegern überlassend? Welche Aufschneiderei! 7. und 8. Dragoner waren überhaupt nicht da, 21. Dragoner litten gar nicht, die wohl gemeinten 20. Dragoner ganz unerheblich. Die Hirschberger Jäger melden allerdings in zwei Listen 7 Offiziere 207 Jäger als verloren, wovon sich aber nur die erste Liste auf dies Gefecht beziehen kann. Joffre erboste sich über unwahre deutsche Meldung, ein französisches Regiment sei bei Briey vernichtet worden. Warum erfand er denn selber? So war man quitt. Bald lohnte es sich nicht mehr, kleine Gefechte zu erfinden! Der tragische Ernst machte solchen Scherzen ein Ende. Französischerseits wird nicht etwa 6. Kav. Brig. Commercy, eine besonders ausgebildete Grenztruppe, hier genannt, sondern zwei Brigaden des K. Gérard und 130. Inf. des 4. K., also riesige Übermacht, vor der man notgedrungen das Feld räumte. Übrigens schwärmten noch andere deutsche Schwadronen aus, wie einige Verlustlisten lehren, so die Württemberger Ulanen des Herzog Urach, 1. Ul., 1. Königsjäger z. Pf. des Posener K., 11. J. z. Pf. Tarnowitz des schlesischen und bestimmt 12. J. und 14. Ul. des Metzer. An Verwogenheit fehlte es den deutschen Reitern nicht, doch lüfteten sie nicht den Schleier des feindlichen Aufmarsches, so daß die am 16. ziemlich versammelte 5. A. bis 21. Zeit vertrödelte, um keinen Luftstoß ins Leere zu machen. Gegen das kleine Felsnest Longwy spielten schon Mörser und Haubitzen, 121. Würt. berannten das Bergfort Martin. Im unübersichtlichen Wald- und Berggebiet versagte die französische Aufklärung vollends. Dem östlich Longwy vorrückenden 6. K. Chalons meldeten die 19. Ch. à Ch. nichts davon, daß das 16. Metzer K. Mudra bereits im Südosten auf Landres marschierte. Von ihm, mit besonders schwerer Artillerie (8. Fuß, 14. Mörserregiment) ausgestattet, versprach sich der Kronprinz sozusagen Breschewirkung auf Ruffeys rechter Flanke. Westlich davon näherte sich 5. K. Bronchin mit 46. Inf. Langwy, wo man den Belagerer donnern hörte; westlicher gestaffelt ging 4. K. Boelle auf Virton, 14. Hussards ritten voraus, fanden aber am 21. Virton von II/123. besetzt, offenbar mit einer Batterie 65. Art., deren Anfangsliste 2 Offiz. 6 Mann verwundet verzeichnet, das Bataillon 105 Mann. Die franz. 7. Kav. D. war vor ihm ausgewichen, jetzt ging es selber vor dem Auftreten solcher Massen nach kurzem Scharmützel rückwärts. Auch Schmettows Geschwader machten überall die Front frei, um den jetzt gleichfalls herandrängenden deutschen Angriffssäulen Platz zu machen. Beide Parteien tappten im Ungewissen, von wo der feindliche Stoß kommen werde; so entstand eine Begegnungsschlacht. Da Keiner so rasches Entgegenkommen in Betracht zog, widerlegt sich die Doppelsage, die Franzosen hätten vorbereitete Stellungen eingenommen oder umgekehrt die Deutschen vereint gelauert, um über den Feind plötzlich herzufallen. 6. R. K. Goßler, 5. R. K. Gündell und 16. K. Mudra berührten mit ihren Spitzen noch kaum die Kampfzone; rasches Vorbrechen Ruffeys hätte 5. und 13. K. allein gefunden bei seinem Vorsatz, den Kronprinzen von Longwy wegzudrücken. Langles ihm angeschlossene Rechte stieß aufs 6. K. Pritzelwitz, das am 21. noch mit der hessischen Vorhut bei Neufchâteau in Verbindung stand. Offenbar gibt man sich einer irrigen Vorstellung hin, als ob am 22. die Kronprinzenschlacht plötzlich und unvermittelt begonnen habe. Vielmehr belehren frühe Anfangsverlustlisten, daß Vorpostenkompagnien der 13. Posener Brigade und 5. Art. sich mit feindlichen Spitzen berührten; 5. Pioniere schanzten bei Ethe nördlich Virton. Schon am 20. hatte die 12. schles. D. bei St. Vincent Patrouillen, die 11. D. hatte III/38., II/10. und 6. Art. vorgeschoben, die hier 3 Kanoniere verlor. (Verlustausweis für all diese Scharmützel rund 120.) Offenbar stutzten 2. und 4. franz. K., geneckt und aufgehalten, und verloren so einen ganzen Tag, während auch Ruffeys rechte Flügelstaffel sich zu langsam vorbewegte, statt rasch den Belagerungsring zu sprengen, wo die Linke der Württemberger noch ungedeckt offenlag. Sarrails 6. K, griff zu weit nach Osten aus, beunruhigt durch die 5. Jäger Schmettows bei Audun; Bronchin tastete anfangs zaghaft vor und wartete so lange, bis sich das R. K. Goßler in seine rechte Flanke warf. Auch im Westen klappte nichts; das Kolonialkorps begegnete schon vor Rossignol der 12. D., dortige Gewehrschüsse wirkten wie ein Signal, das von West nach 0st die weite Linie entlang eine Entscheidungsschlacht ins Leben rief. Von Stund an suchten die sich vorher auf den Leib gerückten Feinde sich gegenseitig in die ursprüngliche Aufmarschlinie zurückzudrücken, die jeder bereits überschritt. Die französische Reiterei benahm sich ungeschickt, die deutsche 3. K. D. schob sich gewandt als Lückenfüllung zwischen Schlesier und Posener ein. Bei Arlon, 13 km östlich Tintigny, aufgerückt, hatte die 12. D. einen viel kürzeren Marsch als die 3. Kol. D. Raffanel, die 40 km marschieren sollte, um den Semoy bei Brevanne zu überschreiten und den Saum der Neufchâteauer Waldung zu berühren, von wo links von ihr die 2. Kol. D. schon geschlagen vor den Hessen abflutete. Statt dah sieben franz. Divisionen (Sarrail folgte ein Reservekorps in Richtung Landres) bloß aufs 13. K. bei Langwy stürzten, zauderten sie so lange, bis die 6 Divisionen der entfernter stehenden deutschen Linken eingriffen. Sechs andere franz. Divisionen aber erlitten durch vier deutsche solche Niederlage, dah man ohnehin nicht den Stoß auf Langwy hätte durchführen können. Der französische Plan war durch des Kronprinzen umsichtige Benutzung der dargebotenen Chancen von vornherein zum Scheitern verurteilt. 1. Kol. Brig. nebst 2. Art. Rgt. stieß im Rossignolwald zunächst nur auf I/157. als Vorhut der 12. D., das natürlich vor sechsfacher Übermacht wich und zugleich den Major nebst zwei Hauptleuten verlor. Bald aber gerieten im Walddunkel und Nebelflor alle Kompagnien der Brieger Musketiere an die bunten Turkos heran; 57. oberschl. Art. machte Luft, indem sie teils in Waldlichtungen auffuhr, teils draußen am Waldhügel Terms das 63. Oppeln-Ratibor unterstützte, wo 4. Kol. Brig. (14. und 22. Rgt.) seitwärts zu entlasten suchte. Der Kommandierende General Lefebvre wollte auch 7. und 9. Kol. heranholen, die sich aber nicht blicken ließen, vielleicht weil sie den Weg verloren und Anschluß verpaßten. Nur 3. Kol. mischte sich erfolglos ins Waldgefecht ein. Als dort auch Teile der 62er mitwirkten, erging es der 2. Kol. Brig. schlimm. Die schlesische Artillerie wirkte vernichtend. Umsonst liefen Turkoschwärme die weit vorausgeeilte 6. Batterie an; eine Geschützgruppe westlich der Neufchâteau-Chaussee schoß die Brevannebrücke entzwei, so daß die abgeschnittene Brigade den reißenden Semoy im Rücken hatte. Die Schwarzen hielten todesmutig aus. Divisionär Raffanel, der persönlich das Waldgefecht leitete, Brigadegeneral Rodony, Oberst Gallois des 1. Rgts. sanken nacheinander tödlich verwundet. Major Rey zerbrach das Banner und übergab Band und Ehrenkreuz einer Krankenträgerin zum Verbergen, fiel dann selber schwerverwundet in Gefangenschaft mit dem schwachen Rest der Brigade. Nur Wenige durchschwammen den Sermoy. Bei 2. Art. waren alle Stücke demontiert, alle Pferde getötet, die Hälfte der Bemannung niedergestreckt, dabei ein Enkel Renans, der als Reserveoffizier ein besonderes Vorbild gab. Aus der Waldsenke vorbrechend, warfen die Schlesier den Feind aus Baumdickicht und Feld ins überfüllte Rossignol hinein. Das Dorf gab 2600 Gefangene, 40 Geschütze und 200 Protzen her. (Die zwei »gefangenen« Generäle waren freilich »sterbende«.) Nachts suchte man die Trümmer des Kolonialkorps zusammen. Die 12. D. war vieler voranstürmender Führer beraubt, erkaufte aber den großen Erfolg billig mit 363 Toten (33 Offizieren), 939 Verwundeten, wovon 700 aufs 157. entfielen. Hanotaux erfindet den mageren Trost, die Schlesier hätten hier allein 5000 verloren, d. h. er verwechselt diese Division mit dem ganzen Korps, dessen 11. D. bedeutend mehr verlor. Gerade, als obige Siegeszeichen eingebracht, gewann auch letztere um 5 Uhr nachm. die Oberhand nach langem erbittertem Kampf gegen Korps Gérard, das nach Abgabe der Brig. Mangin (siehe früher) immer noch vier Brigaden zählte. Die Vorderbrigade Cordonier wurde in Virton beinahe umzingelt, einer anderen Gegenstoß zerschellte, ihr General fiel. Umsonst suchte man zwischen beiden schlesischen Divisionen einzubrechen, die berühmten 11er Königsgrenadiere ließen sich nicht umfassen; verirrte Durchbruchstrupps wurden abgefangen. Die 51er hielten sich bei Tintigny gegen das gleichnumerierte französische Regiment westlich Virton, wo 42. franz. Art. gleichfalls der 42. Schweidnitzer Art. gegenüber stand. Nachdem man fortwährend das Übergewicht der französischen leichten Artillerie ausprahlte, erwies sich auch hier die deutsche weit überlegen. Die 6. Art. deckte den linken Flügel der Gérardschen Batterien derart zu, daß sie 36 Geschütze in Trümmer schoß. Ostwärts bei Bellefontaine wollte man die 38er Glatzer Füsiliere überrennen und die 10. Grenadiere, nachdem sie den Bellefontainewald stürmisch nahmen, mit Umfassung bedrohten, wo eine 10 km lange Lücke zum Posener K. klaffte. Kurz entschlossen füllten die 6. Jäger Oels der 3. Kav. D. die Lücke, die Umgehung abwendend. III/10. litt erheblich, doch verlor dessen 10. Komp. nur 75, während vergleicherweise am Westflügel die 12. Komp. der 11er allein 3 Offiz. 100 Gemeine liegen ließ. Gérards Tirailleure drangen wiederholt an die Schweidnitzer Batterien heran, die sehr nahe vorn in den Schützenlinien feuerten. Doch verloren sie nur 60 Kanoniere. (57. bei Rossignol 90), 6. Art. 53 Mann. Selbstkritik steht manchmal den Franzosen so schlecht an wie vorlautes Absprechen über den Gegner; man rügt ungerecht, Gérards Artillerie sei schlecht gehandhabt worden. Trotz ihrer furchtbaren Heimsuchung durch die deutschen Feuerschlünde unterhielt sie gerade am linken Flügel ein mörderisches Feuer gegen die 21. Brig, die zuletzt stürmisch vordrang. Die amtliche Angabe, die 11. D. habe 110 Offiz. und fast 3000 Mann verloren (vergleiche das viel geringere Mannschaftsverhältnis bei 12. D. auf 72 Offiz.), scheint alle Offizierstellvertreter und Vizefeldwebel und überhaupt spätere Einbuße mitzurechnen. Bis 27. verlor die 21. Brig. etwa 1800, 22. etwa 1650, wovon auf heute schwerlich mehr als 2800 entfallen. Die Oelser Jäger verloren im Monat 94, hier sicher nur 40. Inkl. Art. dürften die Schlesier alles in allem hier 4300 verloren haben, welchen schmerzlichen Opfern aber gegenüber steht, daß das Kol. K. schrecklich mitgenommen und Gérard schwer erschüttert war. Was sagt die Erklärung des Artilleriegenerals Bon, daß nach der Schlacht durchschnittlich jede Kompagnie noch 200 Köpfe zählte? Da ein französisches Bataillon oft mehr als 1000 Gewehre zählte, die Chasseurbataillone bis zu 1700, so wäre dies ein Abgang von mindestens 4500, wobei wir bleiben wollen, obschon schwerer Artillerieverlust dabei ungerechnet. Das Kolonialkorps kann inkl. Gefangener nicht unter 6000 verloren haben. Dazu der riesige Materialschaden. Teile Gérards sollen sich auch gegen die 18. Brigade der 9. D. Below gewandt haben, die einen Seitenstoß auffing, welchen die 8. D. Lartigue des K. Boelle gegen die Schlesier richten wollte. Hier waltet aber sicher höfische Zurechtmachung, weil Prinz Oskar die 7. Liegnitzer Königsgrenadiere führte. Deshalb häuft man vor deren Front die Toten von neun französischen Regimentern! Gérard erübrigte wohl höchstens ein Regiment dorthin, und der Angriff war überhaupt so wenig durchgreifend, daß die Hälfte Belows fast gar nicht ins Feuer kam. Die Liegnitzer schlugen am brennenden Gehöft Bellevue in rasch aufgeworfenen Schützengräben drei heftige Angriffe bis zur Nacht ab. III/154., sich im Nebelflor vormittags durch Absingen patriotischer Lieder ankündigend, öffnete den Weg Nobelmont-Virton. Virton selbst betrat damals kein deutscher Fuß; nach bekannter Gepflogenheit wollen es die Franzosen »zurückerobert« haben, um doch irgendeinen Erfolg vorzuzaubern. Vielmehr vermochte Lartigues 15. Brig. sich nicht aus dem überfüllten Städtchen zu entwickeln. 19. Görlitz und 58. Fraustadt verloren zusammen nur 9 Offiz. 275 Mann, die 18. Brig. angeblich 48 Offiz., wovon wir nur 18 der Grenadiere in den Verlustlisten entdecken, und 700 Mann. Dagegen beklagten 5. Art. Sagan und 41. Glogau ungewöhnliche Opfer: 240. Aus welchem Grunde, wird nicht ersichtlich. Wahrscheinlich wirkten sie teilweise am rechten Flügel der 10. D. mit, die einen viel ernsteren Kampf bestand. In ihr Schlachtfeld reichten auch Teile Lartigues hinüber, wie diesen im Wirtengebiet zersplitterte Gruppen Gérards ablösten; sein 127. als linkes Flügelregiment vermischte sich mit Gérards 19. Rgt. Auch diese Division litt im ganzen bedeutend, am meisten am rechten Flügel nach Ethe zu: 20-25 Offiziere pro Regiment, was bei fünf Regimentern einem Mannschaftsverlust von mindestens 3000 entsprechen dürfte. Gegen Ethe rückte 7. D. Tertinian vor, in dichtem Nebel keine Fühlung mit dem rechts vorwärts gestaffelten K. Branchin fassend. 14. Hussards fanden Ethe schon von Pionieren und Lissaer 50ern besetzt; 56. Art. Lissa fuhr auf und arbeitete verderblich. Lartigue löste gerade seine mürbe Vorhut durchs 130. Rgt. ab, als es nebst der noch in Marschkolonne verbliebenen Divisionsartillerie im Virtonwald in bösen Feuerüberfall geriet. Das 130. Regt. wich, sein Oberst fiel. Das nachfolgende 124. klemmte sich im brennenden Virton ein, den Oberst Raymond tötete eine Kanonenkugel auf der Schwelle des Rathauses, die Soldaten mühten sich, aus den einstürzenden Gassen herauszukommen. Damals scheint auch Below gegen Lartigues Linke vorgestoßen zu sein, das 124. mußte durch Seitenstoß des 117. gerettet werden, alle seine drei Bataillonschefs wurden getötet. General Kosch ließ nun die 6. Grenadiere zum Sturm auf den Belmontwald antreten, sie nahmen ihn, wobei ihr Oberst den Soldatentod fand. Beim 46. niederschlesischen blieb das Gefecht stationär. Aus diesen Belegen ergibt sich, daß Lartigue nur mit drei Regimentern gegen Below focht, Gérard mit einem, daß also die phantastischen Berichte über die dortige französische Übermacht nur zu höfischer Liebedienerei für Prinz Oskar erfunden scheinen, dessen Grenadiere sich zwar sehr wacker, doch nicht hervorhebungswert schlugen. Boelles 31. Art. hielt sich übrigens gut bei Lartigue und mag der übergroße Verlust der Belowschen Artillerie diesmal wirklich vom berühmten 7,5-cm-Kaliber herstammen. Inzwischen wandte sich Tertinians 115. auf die Ethechaussee, es wankte, sein Kommandeur fiel. Die Lissaer in Ethe gerieten jedoch im Frühnebel schon unter Franktireurfeuer, was blutige Rache wachrief. Erst als 20. Art. Posen ihre Stimmen erhob, schritt das Gefecht vorwärts im angrenzenden Holz, aus dem die Chaussee herausmündet. Hier nisteten niederschlesische 47er sich ein, die auffallend wenig litten, während die Lissaer reihenweise sanken. Ihre 1., 6. und 8. Komp. ließen 3 Hauptleute, 8 Leutnants auf der Strecke. Doch Tertinian erging es noch schlechter als Lartigue. 103. deckte umsonst nach Belmont die Westflanke, 104. an Schloß Gerimont südlich der Bahnlinie sah zwei seiner vier Bataillone beinahe abgeschnitten, am Lafontwald in Auflösung zersprengt. Ein Todesritt der Hussards half nichts, ihr Oberst fiel, ein Major in Gefangenschaft, man sammelte nur Reste. Zwei Batterien, die südöstlich auffahren wollten, zertrümmerte die Posener Artillerie sofort, mußte sich aber oft auf kurze Entfernung feindlicher Schützen erwehren. Zwölf Batterien Boelles westlich Ethe machten nur unfruchtbares Getöse, mußten aufprotzen und das Weite suchen. Noch hielt freilich General Felinau mit drei Bataillonen tapfer Ethe, in das die Lissaer erneut eindrangen, doch 13. Brig. wagte nicht durch den Jungwald zum Entsatz vorzugehen, denn die Posener Artillerie hielt das ganze rückwärtige Gelände bis La Tour unter Sperrfeuer. Als der brave Tertinian persönlich die Reserve vorholte, sank die Hälfte seines Stabes. Noch deckte 101. die linke Flanke, wo Lartigue wich, doch niederschlesische Schützen schlichen durchs Lorgesholz gegen den »Thurm« heran. Schwerverwundet leitete der Chef der Posener Korpsartillerie den Granatsegen, der überall Entsetzen verbreitete, doch blieb dies am Westflügel nicht ungerächt, wo der Lissaer Artillerie ein Major, ein Hauptmann, ein Leutnant, ein Oberarzt bluteten. Gegen Abend erwuchs neue Gefahr, als die linke Hälfte des Nachbarkorps Bronchin vom Kampfplatz weggefegt. Denn hier stießen Württemberger bei Blaid querdurch in Boelles rechte Weiche, ein Bataillon vom 102. geradezu vernichtend. Boelle verausgabte sein Korps bis zur letzten Kompagnie, er wich in Unordnung, längs der Straße Gomery-Ethe lagen viele zerbrochene Lafetten, fast die ganze Bespannung vieler Batterien wälzte sich im Blute. Da sieht man, was man auf deutschen Pessimismus und französischen Optimismus über besondere Wirkung der 7,5 cm zu geben hat: überall triumphierten die deutschen Haubitzen, abends verstummten Boelles Batterien ganz. Dieser rühmte sich, das Feld behauptet zu haben, das war ja gar nicht sein Zweck, sondern Offensive und diese brach völlig zusammen. Div. Kosch gewann auch merklicher Boden als die 9. und 11. D. und wir bemerken ausdrücklich, daß die deutsche amtliche Darstellung über Erfolg bei Ethe viel zurückhaltender lautet als die eigene französische nach offiziellen Quellen. Hanotaux' krauses Gefabel, das Posener Korps sei wegen Verlust und Demoralisierung aus dem Feuer gezogen worden, entspringt wieder mal dem angerufenen Zeugnis eines Tagebuchs von 46. Reserve , das gar nicht dort focht und den Kampf bei Montois meint. Vernichtung »ganzer Regimenter« bezieht sich auf ein dortiges Regiment und bedeutet auch so eine Ausgeburt erfinderischen Kleinmuts. Die deutschen Verluste waren hoch, ohne Zweifel, doch sehr ungleichmäßig, besonders bei Kosch, wo 47. blutwenig, 46. und 6. wenig verloren, dagegen 50. allein 30 Offiziere, 730 Mann, die Artillerie 143, so wie bei Below nur 7. Gren. 550 einbüßten. Das Posener Korps litt vielmehr im ganzen auffallend wenig: rund 2700 (383 Art.). Tertinian verlor 124 Inf.-Off., inkl. Art. und Husaren sicher 3500, Boelle also 6500, dazu sehr viel zertrümmerte und unbrauchbar gewordene Geschütze. Acht deutsche Brigaden, von denen 10 Bataillone nicht ernstlich fochten, zerschlugen also vierzehn französische mit einem Verlustverhältnis von 7000 (rund 600 Artillerie) zu 17 000 und das ist niedrig bemessen, da der gewiß übergroße französische Artillerieverlust nirgends von uns entsprechend abgeschätzt. 100 Geschütze gingen verloren, genommen oder demontiert. Die Franzosen fochten mit großer Tapferkeit, so schlug sich Felinau bei Nacht durch, in die nahen Gehölze entwischend. Doch die taktische Überlegenheit der deutschen Infanterie trat ebenso überall hervor wie die der Artillerie. Unter der »schrecklichen Kanonade« brannten zwölf Dörfer im Umkreis bis ins Kampffeld der Württemberger, wo das Städtchen Barancy aufflammte. Vielfach beteiligten sich die törichten Einwohner am Kampfe, wofür gerechte Vergeltung nicht ausblieb. Man nennt dies französischerseits Terrorisieren der harmlosen Bevölkerung! Die Schreckensszenen in Ethe entsprechen der steigenden Erbitterung. Wir schließen nicht aus, daß die polnischen Bestandteile dabei Grausamkeiten begingen. Doch die Franzosen respektierten ja nicht mal das Rote Kreuz, eine ganze Sanitätskompagnie ging so bei Sedan zugrunde. Rascher wickelte sich Bronchins Niederwerfung ab. Wohl floß hier Blut in Strömen, die Schwaben büßten ihren Kampfzorn, die immer den Stier bei den Hörnern packten, doch der Erfolg war da. Zur Orientierung sei vorausgeschickt, daß die 10. franz. D. den Chiers in der Flanke hatte, 9. D. rechts davon auf Bel Arbre zustrebte, wo die 52. Würt. Brig. eine Außenverschanzung des Zernierungsgürtels besetzte. Auf Moussy losgelassen, konnte die 10. D. ihr Geschütz an steil ansteigendem Waldhang nicht in Stellung bringen, während ihr aus dem Montiswald ein Feuerstrom entgegenschlug. Trotz so ungünstiger Bedingungen verursachte das französische Gewehrfeuer den wütend draufgehenden Schwaben, die nicht zu halten waren, bitteren Verlust. Mit prächtigem Ungestüm warf die 54. Brig. Moser den Feind zugleich mit 53. Brig. aus Moussy und zugleich mit 51. Brig. Stuttgart aus Barancy. Das franz. 75. R. wich zuerst, 46. hielt sich etwas länger, dann kamen auch 54. und 131. ins Gleiten. Um 10 Uhr begonnen, gedieh der Württemberger Sturm schon mittags zu Siegesreife. Die 29., 65. und 13. Art. spannten in schönster Ordnung einen Halbkreis und donnerten den Feind nieder. Man mußte aber eine längere Erschöpfungspause einlegen und wurde mit Schrecken gewahr, wie Bronchins 9. D. sich auf der ungedeckten Ostflanke einnistete und gleichzeitig seine linke Flügelgruppe vor Longuyon die dort als Verbindungsfüllung bestimmte Ulanenbrigade lästig beschoß. Sie saß ab und bediente sich des Karabiners. Den 19. Ul. wurde ihr Oberstleutnant getötet, den 20. ihr Kommandeur. Dies war der einzige Punkt, wo Franzosen sich in Zwischenräume deutscher Korps eindrängten, während man ihnen sonst überall deutsche Sturmkeile in die Flankenrippen trieb. Erneuter Ansturm am Wald St. Paneré riß aus dieser Beklemmung, Bronchin zog abends ab und III/125. brachte eine überraschte Batterie als Trophäe jubelnd heim. Inzwischen fand die 9. franz. D. bei Bel Arbre heldenhaften Widerstand der 52. Brig. Teichmann, die freilich ihr Blut reichlich vergoß. Beim Bataillon Mergentheim der Heilbronner Füsiliere fielen fast alle Offiziere, 1. und 3. Komp. des 121. verloren allein 6 Offiziere, 180 Mann. Die franz. Artillerie fand auch hier keinen Platz zum Auffahren, verblieb teilweise unabgeprotzt in der Talsenke, das Fußvolk stieß auf Drahtverhaue und gut ausgehobene Schützengräben beim Kirchhof Romain. Plötzlich sah sich Bronchin gefesselt, da 6. R. K. ihm in die Flanke fiel. Dort hielt zunächst 39. Reg. mit Sarrail Fühlung und zog erst zuletzt ab, 67. vor Romain machte sich aus dem Staube. Abzug auf Longuyon mag traurig ausgesehen haben, ein Leutnant schrieb: »Ich habe geweint.« Gleichwohl müssen, nachdem sein Angriff zu Wasser oder richtiger zu Blut wurde, Bronchins Verteidigungslinien stark gewesen sein, durch geschickte Verwendung von Mitrailleusen tat er besonders der Stuttgarter Brig. viel Abbruch und schnitt insofern gut ab, als seine rechte Flügelbrigade auch noch mit Goßlers Schlesiern zu tun hatte. General Malone schreibt, sein 46. habe nur 3 Offiziere 300 Mann verloren, was beweist, daß unsere Rechnungsart von 25 Mann pro französischen Offizier allzu bescheiden den Verlust veranschlagt. Vielleicht hat Malone nur zu recht: »Der Feind hatte größeren Verlust«, doch Württemberger Listen ohne Datum lassen uns im Stich, nach deren chronologischer Reihenfolge das Korps wohl kaum am 22. den Hauptverlust hatte. III/122. verlor im Monat 670, I/121. nur 11, 270, III/123. allein 500. Auch bei 21 Offizieren, 570 Mann des 120. Ulm verlor am meisten das III. Batl. Dies Regt. in Stärke von 73 Offizieren 3100 Mann verlor indessen heut nur 3 Offiz. 18 Mann tot, auch III/127., das bei Barancy den Kampf entschied, nur wenig. Bei der Unbestimmtheit der Daten wissen wir nichts bestimmtes, doch dürfte die 27. D. nur 1000, dagegen Teichmann allein 1700 verloren haben, die Stuttgarter Brig. gar 2000. Die 26. D. Herzog v. Urach hatte also den weitaus größten Tagesverlust. Mit Artillerie (nur 163 im Monat) und Ulanen (153) also Korpsverlust etwa 5000. Heiliger Eifer vaterländischer Begeisterung erhöhte hier übermäßig die Opfer. Indessen läßt sich kaum glauben, daß Bronchin, unter Versagen seiner Artillerie, so viel weniger verlor. Der Schwaben flottes Auftreten, womit sie ihren Waffengang im Weltkrieg ruhmvoll eröffneten, erinnerte daran; daß sie zur Staufenzeit des Reiches Sturmfahne trugen und später des Schwäbischen Landknechts gefürchtetes Panier erhoben. Doch die Heilbronner hätten nicht am Schönen Baum wie ein Fels in der Brandung stehen können, wenn nicht gleichzeitig schlichte schlesische Reservemänner die Woge abgelenkt und abgedämmt hätten. Der Heldenkampf des R. K. Goßler ist um so höher zu bewerten, als es vielfach überlegene Gegner auf sich abzog und seine geringe Artillerie gegen übermächtige feindliche nicht aufkommen konnte. Dieser wurden nicht wie anderswo Bemannung, Bespannung und Geschütze zerschmettert, sondern sie trug selber den Tod in die Reihen der 11. und 12. R. D. Indem erstere gegen Bronchin Front nach Westen nahm, mußte sie gleichzeitig gegen Sarrails linke Staffel einschwenken, 12. D. Chalons, weiter östlich vorn 84. Brig. und andere Teile der später so berühmt gewordenen 42. D. im Anmarsch. Diese Mustertruppen von Garderang (das drei Divisionen zählende Chalonskorps galt für die Elite der Armee) fanden aber in den ober- und niederschlesischen Wehrmännern ebenbürtige Gegner voll rührender Pflichttreue. Auch Goßlers Führung muß man volles Lob spenden. Die dem 10. und 11. Res. Reg. beigegebene Aktivbrigade Götzen warf sogleich bei Maxy und Cutry die rechte Flügelbrigade Bronchins vor sich her, III/22. Inf. Neiße griff sogar Luzy nördlich des Chiersflusses an, während südlich davon Brig. Gallwitz den Lauromontwald von Schützen der 12. D. säuberte. Bronchins 89. Reg., nach Osten einschwenkend, und 23. Chalonsbrigade verwickelten aber bald besonders 156. Inf. in so heißes Feuergefecht, daß es sich verschoß und nur Opfermut einiger Fahrer Patronen in die Schützenlinie brachte. Sein Füsilierbataillon verlor den Major, 7 Offiz. und 550 Mann, III/22. litt ähnlich. Brig. Gallwitz behauptete den Südsaum des Waldes gegen die 23. und 84. franz. Brig. unter Beihilfe der weit vorgefahrenen 6. Batterie 11. R. A. Beim 11. R. sanken zwei Bataillons- und zwei Kompagnieführer. Zuletzt glückte der Gegenstoß vom 10. R. Striegau bei Caure-Farme und der Feind wagte dort nichts mehr zu unternehmen. Kaum minder blutig ging es weiter südöstlich bei 12. R. D. her. Die Gleiwitzer Brigade hielt Gehölze und Schluchten bei Doncourt. Französische Auffassung, als habe man dort in verschanzter Stellung den Feind erwartet, irrt sehr, Goßler verfuhr von Anfang an offensiv und stieß, kaum bis Doncourt vordringend, dort sogleich auf Teile der 42. D. Seine Gruppen flossen ineinander über, denn wir finden nach den Listen III/51. und I/22. R. neben II/23. R., II/III/22. R. neben II/III/38. R., die sich zur 11. R. hinübertasteten. In so zusammenhängender Schlachtlinie verteidigte man Dorf und Bach Baslieu. Da sah man sich auf der linken Flanke nach Norden über Joppecourt bedroht, so daß man abends das Biwak auf Höhengebüsche südlich Laix, zurücknehmen mußte. Dieser Umgehung durch 42. D. begegnete noch rechtzeitig 10. Posener R. D. auf Goßlers Hilferuf, sie brachte sogleich ihr Geschütz vor. Die braven Schlesier bluteten sehr, doch die amtliche Schrift rechnet wohl wieder aus Versehen den Verlust am 24. mit. Das Korps verlor nach den Listen im ganzen Monat 5000, wir halten für ausgeschlossen, daß es am 22. schon »123 Offiz. 4000 Mann verlor«. (Wir rechnen immer nur wirkliche Offiziere ohne Vizefeldwebel und Fähnriche.) Am meisten litten 156. Inf., 11. und 12. R., im ganzen dürfte Goßler 3200 verloren haben. Seine Haltung macht ihm viel Ehre. Indem er sich des Chiersüberganges bei Grandeville bemächtigte, breitete er sich auf beiden Ufern aus und schob einen Keil zwischen Bronchin und Sarrail. Hiermit brachte er die 24. Chalonsbrigade in gefährliche Lage. Sie sah sich am Nordufer abgeschnitten von den anderen Truppen Sarrails im Flußtal. Mit Mühe entwischte sie bei Nacht. Die zu Goßlers Entlastung einspringenden Vorderteile der 10. R. D., I/155. Inf. Ostrowo und I/III/46. R. drängten die Rechte der 42. D. zurück ohne wesentliche Opfer (etwa 425, sonstiger Verlust von 155. trat wohl erst später ein). Dagegen entstand große Schlächterei, als 37. Inf. und 37. R. die Hauptstellung Sarrails bei Monthois anfielen. Die Krotoschiner Füsiliere rieben sich hier frontal auf, im Sinne ihres hochseligen Regimentsinhabers Steinmetz. Der Angriff muß kopflos geleitet sein. Oberst, Oberstleutnant, die meisten Offiziere bluteten, nach verzweifelter Gegenwehr verdrängten die Füsiliere den Feind auf Boismont. Zur Wegnahme von Monthois trugen auch Teile der 9. R. D. bei, ihr 7. R. besetzte kampflos Bazailles (Verlust nur 19 Mann), geriet aber hernach in scharfen Kampf bei Boismont, wo wildes Ringen bis in die Nacht dauerte. Alle Dörfer brannten lichterloh, beleuchteten Trümmerhaufen und Leichenhügel. Der Abend wurde blutiger für 7. und dann 6. R. Muskau, dessen II. Batl. sich aber dem äußersten linken Flügel anschloß. Hier führte Oberst Prinz Reuß sein 19. R. Sprottau über Fillieres westwärts, vereint mit 67ern der Brigade Estorf, Vorhut des Metzer Korps. Die Sprottauer verloren nur 160, 10. R. A. nur 55, das sieht wahrlich nicht nach großem Durchschnittsverlust aus, auch 37. R. litt wenig, 6. und 7. R. können den Umständen nach nur die Hälfte ihres Monatsverlustes am 22. gehabt haben. Die 37. Inf. bildet hier gerade so eine Ausnahme wie je ein Regiment bei anderen Divisionen (157. bei 12., 10. bei 11., 7. bei 9. und 50. bei 10.), nur daß seine Einbuße ungewöhnlich und die größte das Tages war, angeblich 41 Offiz. 1400 Mann; wir entnehmen den Listen freilich 37 wirkliche Offiz., doch nur 1100 Mann. Die 7. und 8. Komp. verloren 5 Offiz. 180 Mann, III. Bat. 440, das sind nicht größere Einzeleinbußen, als wir sie bei anderen Bataillonen trafen. Gündells Gesamtverlust schätzen wir nur auf 2800. Die französische Darstellung liefert eine Kette von Unstimmigkeiten bezüglich Verteilung des K. Sarrail. Während Goßlers Linke leicht zurückwich, blieb eine französische Brigade vor Doncourt »in höchst kritischer Lage«, man wich dort beiderseits voreinander. Sie soll zur 40. D. gehört haben, diese stand aber östlich bis Fillieres. Keinesfalls kann diese Brigade bis 7 Uhr abends nordöstlich des Crusuebaches geblieben sein, als 12. und 42. D. schon südlicher abzogen. Sie entkam nach Arrancy, allerdings ließ Sarrail sein 132. isoliert vor Doncourt. Es wurde dort aufgerieben, als Sarrail am 23. früh seine ganze Stellung räumte. Seine Batterien schossen »mit vorzüglicher Wirkung«, protzten aber schon um 3 Uhr auf und fuhren abends weit rückwärts in neue Stellung bei Arrancy. Man will schon 22-cm-Haubitzen bemerkt haben, doch die 8. Fußart. des Metzer Korps traf erst am 23. ein. Hanotaux hält dies für ein Elitekorps und daher für dramatisch effektvoll, es dem Chalonskorps gegenüberzustellen, legt aber viel zu viel Gewicht auf dessen Mitwirkung, über die man ohnehin sehr verschiedener Meinung sein kann. Es hat, wie die ganze Lage ergibt, nur mit der 40. D., vielleicht nur derem rechten Flügel, der über Mercy le Haut angerückt war, und Teilen der 54. und 67. R. D. Händel bekommen, welch letztere sich anscheinend verspäteten. Man schreibt Mudra einen Großkampf zu, den er schon deshalb nie durchfocht, weil sein Korps im August weniger litt als irgendein anderes. Die amtliche Longwyschrift sagt einmal richtig: »Die eigenen Verluste waren gering«, dann wieder: »Die 34. D. hatte schwer gelitten.« Das Gegenteil ist wahr, richtig gelesen überzeugen die Verlustlisten, wie gering sein klar abzulesender Verlust bis 27. war. Auch war es schon ziemlich spät am Tage, als Brig. Estorff bei Fillieres anlangte. Jene auf Joppecourt vorgegangene Kolonne Sarrails kehrte eiligst um und überließ beinahe eine Batterie den 16. Pionieren. Noch später durchschritt Brig. Wischkau Audun, das die Vorhut der 54. R. D. vorschnell räumte. Hier schickte Mudras 33. D. Reitzenstein ihr 144. vor, doch nur eine Vorpostenkompagnie gelangte dorthin. Um 7 Uhr abends setzten sich die Vorderteile der 34. D. Heinemann auf Mercy le Haut in Marsch, das von I/III/145. Estorffs und I/173. Wischkaus dreiseitig erstürmt wurde. Der Widerstand war gering, ein tapferer Gegenstoß von Reservechasseurs auf Wischkaus I/30. diente nur zur Deckung des Abzugs. Großartige Beschießung durch Metzer Artillerie erfinden französische Berichte, nur I. Abt. 69. Feldart. rasselte südlich Fillieres heran. Um 8 Uhr war alles vorüber, das geringe Tagewerk Mudras getan. Die 33. D. figurierte nur mit zu weiter Umgehung auf Circourt, der sich Sarrail leicht entzog. Früher glaubte er, für seine Flanke nichts befürchten zu müssen. Die überrumpelnde fast kampflose Umklammerung seines Ostflügels bewog ihn, auf offensive Zurückdrängung der 9. R. D. zu verzichten, was ihm dienlicher gewesen wäre. Der später so bekanntgewordene Befehlshaber des Reservekorps, Maunoury, ließ heute jede Spannkraft vermissen, seine 36 Bataillone duckten sich, wo nur deutsche Helmspitzen und Mützen auftauchten, und duckten sich schon in Nachhutposten unter. Man merkt aus allem, daß nur wenige Bataillone des Chalonskorps, das sein Ansehen aufrechterhielt, gegen Mudra fochten. Man drückte sich deutscherseits glücklich aus, daß man den Feind aus seiner Stellung »herausmarschierte«, doch dies Marschieren von Vorhuten hätte wenig gefruchtet, wenn Maunoury mehr Festigkeit bewies. Des Kronprinzen Operationsbefehl erfolgte rechtzeitig, Mudras Ausführung aber nicht. Erschien sein ganzes Korps nachmittags bei Landres, so war Katastrophe für Sarrail unvermeidlich, besonders bei konzentrischer Wirkung der Metzer schweren Artillerie. Obschon das Reservekorps sich bis Domprix am Othein zurücknötigen ließ und auch die 7. K. D. Gislain östlich Landres gegen Schmettow spottschlecht versagte, verzögerte 33. D. mit unnützer Besorgnis matt ihren Umgehungsmarsch, was freilich wiederum zeigt, daß auch sie nur eine Vorhut zur Stelle hatte. Sie und die Artillerie verloren anscheinend Null, Estorff 477, Wischkau 530 (nur I/173. litt ansehnlich). Mit diesen 1100 kostete also dem Kronprinzen der Sieg rund 19 000. (Außerdem noch 140 von 6., 20. und 29. Pioniere vor Longwy.) Bronchin verlor schwerlich unter 4500, ein Mitkämpfer Sarrails schreibt: »Tausende unserer Infanteristen sind tot«, jede der drei Chalonsdivisionen verlor 20–23 %, die 40. war »hartgeprüft« und rettete sich spät abends und bei Nacht. Auch südlich Mercy lagen reihenweise Tote des Reservekorps, das aber zumeist Versprengte verlor. So dürfte der französische Gesamtverlust schwerlich unter 30 000 betragen haben. Wir übertreiben keinesfalls, laut Hanotaux war z. B. die Hälfte des Kolonialkorps »fast ganz vernichtet«. Der große deutsche Offiziersverlust wurde vom französischen noch weit übertroffen, manche Division verlor mehr Offiziere als ein deutsches Korps, drei Generäle und viele Obersten hatten sich töten lassen, um die erste Feuerprobe einzuweihen. Daß trotzdem das Ergebnis keine Entscheidung brachte, zeigt auch die Haltung der Geschlagenen. Während diese sich bei Charleroi sich eiligst loslösten, schien sich Ruffey des ihm versetzten Schlages nicht bewußt, stellte sich zu neuem Strauß. Selbst das hartgeprüfte Kolonialkorps überließ erst am 23. Rossignol nach wildem Straßenkampf dem Sieger. Das erneute Fortmachen Sarrails zeigt, wie unbefriedigend das Eingreifen Mudras blieb, der wahrscheinlich noch später eintraf, als wir annahmen. Denn hätte er am Spätnachmittag das Gebiet südlich Fillieres innegehabt, so konnte Sarrails Rechte nicht einer Abkneifung entgehen. Gerade wovon der Kronprinz sich am meisten versprach, Flügelumfassung versagte wie so oft im Weltkrieg, während im Zentrum entscheidender Vorteil errungen wurde. Die Lage beim 4. und 5. K. war derartig, daß Ruffey schon gleich hätte den Rückzug antreten sollen. Durch Joffres Befehl dafür sei dies ein strategisches Manöver geworden? Ein magerer Trost, der wahre Befehl ging vom Kronprinzen aus, der einen taktischen Zwang auferlegte. Es gehören französische Augen dazu, nicht einzusehen, daß nur sofortiger Rückzug zur Maas übrig blieb, auf gleicher Luftlinie mit Langle. Hoffte man, die Maas behaupten zu können? Mangelnder Überblick, denn früher oder später mußte Langles Stellung durch Hausen unterhöhlt und damit auch die Maasstrecke der Verdunarmee unhaltbar werden. Freilich rechnete Ruffey damit, daß Joffre für seine Verdunflanke sorgte, indem er mit Maunourys geschlagenen vier neue Reservedivisionen im Dreieck Briey-Conflans-Etain als »Lothringer Armee« zusammenschloß, dazu 72. R. D. als Verdungarnison. Drei blieben am Nordufer der Maas in den Côtes Lorraines verschanzten Uferhügeln, die anderen sammelte Maunoury an der Orne vor Verdun. Angesichts solcher Kraftanhäufung muß man sich geradezu blindstellen, um von deutscher Übermacht auch hier mal wieder zu fabeln. Der Kronprinz zählte 145 Bataillone. (Der unvollständig formierten 9. R. D. fehlte ein Regiment, das nur durch 5. R. Jäger ersetzt wurde.) Wir berücksichtigen nicht mal, daß manche französischen Regimenter vier Bataillone zählten, während nur selten zu den deutschen ein Ersatzbataillon stieß, doch auch so hatten die von Rossignol bis Fillieres aufmarschierten 13 franz. Divisionen (abzüglich 1 Brig. Gérards bei Ejperet) rund 210 Bataillone inkl. Chasseurs, R. D. à 18 Bat. Am 23. verbot gegenseitige Erschöpfung Fortsetzung der Schlacht. Ruffeys Selbstvertrauen kümmerte sich aber so wenig um Mudra, daß er für 24. Gegenangriff von Sarrail und Boelle anordnete. Hier schlüpft das Eingeständnis unter, daß auf K. Bronchin nicht mehr zu zählen sei. Man vergleiche damit den hochfahrenden und hochtrabenden Optimismus seines Brigadegenerals Malone über Abschmettern der Württemberger! Beim K. Gérard haperte es so mit der Moral, daß es in der Nacht zum 24. in Auflösung verfiel. Gérard lieferte ein Nachhutgefecht mit seiner 7. Brigade und verduftete unter Schutz von 8., 9. Ch. und 120. Inf. bei Orval nach Montmédy, von wo er so siegeslustig ausrückte. In den Waldungen auseinander gekommen, verließen diese entmutigten Truppen ohne Befehl die Schlachtlinie, faßten sich auch nicht im Festungslager und defilierten dort traurig an Chanzys Statue vorüber, um sich am 23. bei Stenay hinter die Maas zu verstecken. Die Kolonialen verließen dagegen nur gezwungen das Sornoyufer, Brigade Vollbrecht warf sie von den Butteshöhen in den Merlinvauxwald hinunter, wobei Oberst Zoller der 63er an der Spitze fiel. Am 24. bewahrten die Schwarzen ihre Stellung bei Walfory, denn die Schlesier gingen vorerst zur Ruhe über, unsichtiges Wetter verhinderte jede Bewegung. Boelle der Schwergeprüfte konnte natürlich Ruffeys Angriffswunsch nicht erfüllen, verteidigte sich aber noch drei Tage lang in Aufnahmestellung Failly-Marville, das Posener Korps setzte keinen rechten Willen in den Angriff. Die Württemberger zogen mit wehenden Fahnen zur Chiers und erstiegen das Südufer, wo Brand von Montigny unter zusammengefaßter Kanonade den Abzug Bronchins auf Longuyon begrüßte; doch bluteten hier 2 Offiz. 85 Mann der 13. Ulmer Pioniere, der Übergang machte also zu schaffen. Goßler lagerte todmüde im Talkessel des Cousnebachs, Gündell rastete ganz, Mudra marschierte kampflos auf Spincourt. Das 46. R. gab Gündell zur Zernierung Longwys ab, von wo Fabeck die 52. Brig. an sich zog. Ein eingetroffenes Mörserregiment stellte sich zur Beschießung Montmedys zur Verfügung, wozu es aber nicht kommen sollte. Joffre stellte anheim, auf diese Lagerfestung zurückzufallen, Ruffey wollte nicht, in unbegreiflicher Vertrauung der Lage. Aus beiden sich kreuzenden Absichten – denn die französische Linke wich ja wirklich auf Montmedy, die Rechte aber dachte noch nicht daran – ergab sich neue Reibung. Ein französischer Augenzeuge meint, die Deutschen hätten ihren »gestrigen Sieg« schlecht benutzt, sie bedurften aber der Erholung und der Gegner schien sich nicht besiegt zu bekennen. Unglaublicherweise mußte die unglückliche Div. Tertinian noch zweimal Angriffe machen, »war also sehr erschöpft, ihr Elan erlahmte bald«. In Ethe spielten sich angeblich Greuelszenen zur Züchtigung der Einwohner ab. Möglich, daß gewisse mit Polen durchsetzte Elemente die deutsche Gutmütigkeit verleugneten. Doch schnell fertig ist der Franzmann mit dem Wort und schneidet dem Gegner das Wort ab, so daß man den mit so üppiger Phantasie gesegneten Galliern aufs Wort glauben soll. Sarrail richtete das hochgelegene Arrancy als Bollwerk ein, spickte es mit Rimalhohaubitzen des 18. schweren Artillerieregiments und anvertraute es 106. Inf., 25. Ch. und 25. Feldart. Der oberste Armeeartilleriekommandant, General Herr, brachte bei Constantine Farm nach Osten eine mächtige Geschützfront zusammen, die alle Zugänge beherrschte, und unterhielt dort ein zweitägiges Donnerkonzert, in das im Westen 4. schwere Art. einstimmte. Vor Longuyon stellte sich Bronchins Artillerie auf. So erwartete man zuversichtlich die Deutschen, ohne zu bedenken, daß die drei Korps der linken Staffel sich schon allseits rückwärts bewegten. Am 24. floß bei den Schlesiern kein Blut, doch viel Schweiß. Wegeverstopfung im düsteren Waldschatten, wo Turkoschützen hinhuschten, verlangsamte das Vorwärts, man begab sich bei Sonnenuntergang zur Ruhe. Verlust beider Tage summierte sich nur auf 350 63er und 15 Kanoniere der 57. Art., die 12. D. schob sich immer westlich, um der 4. A. die Hand zu reichen. Boelles Abzug geschah unter Verlust, weil die Posener Artillerie die Schlucht südlich Marville unter Sperrfeuer hielt und sogar Flugzeug Bomben abwarf. Das auf einem Hügel gelegene Gartendorf Marville konnte aber erst am 25. genommen werden. Die 7., 8. und 12. Komp. der 6. Grenadiere verloren dort allein 4 Offiziere. Angeblich kam D. Below nicht mehr mit dem Feind in Berührung, wir widersprechen, denn auch gegen Lartigue wurde gekämpft, dessen 16. Brig. wohl kaum »grundlos« aus der Front wich. 19. Görlitz hatte hier neuen Verlust (160) und überzähliger Verlust der 18. Brig. (200) gehört hierher, dazu 100 der 41. Art., wovon vielleicht ein Teil auf 22. entfiel. Heißer machte es den Württembergern im engpaßartigen tiefliegenden Longuyonabschnitt, wo der Feind auf altbekanntem Artillerieschießplatz jeden Schuß nach markierten Zielen abmessen durfte. Während die Stuttgarter Brigade seitwärts auf Höhen sich eingrub, richtete sich auch R. Brig. Gallwitz hierher. Ihren Durchzug verstrickten draußen der Feind, drinnen die wütenden Einwohner in des Teufels Küche. Die franz. 10. D. hielt lange den Stadteingang am Nordufer des Chiers, Brig. Malone griff morgens energisch an, ohne jedoch die Stuttgarter brechen zu können. Schon seit 8 Uhr früh schoß 11. R. A. über den einstürzenden Ort hinüber in den Feind, der aber erst um 6 Uhr abends abbaute. Er mußte es nur deshalb, weil die Deutschen weiter südlich bei Arrancy siegten. Aus der Sackgasse von Longuyon riß Brig. Götzen die Schwesterbrigade heraus, während jenseits des Chiers Brig. Moser die Brig. Malone abdrückte. Das an sie angelehnte 67. gab nach, das 46. mitreißend. Die 9. D. bei St. Laurant flüchtete am 25. früh über den Othein, deutsche Maschinengewehre mähten 31. und 89. in Masse nieder. Die 10. D. focht noch lange standhaft, »doch litt sie sehr, die Leute fielen wie die Fliegen«. Indessen wurden den Stuttgartern, bei unvorsichtigem Nachstoßen in der Kugelfalle Longuyon mit Feuer übergossen, neue Opfer auferlegt, bis endlich 65. Art. den Feind verscheuchte. Ihr Oberst v. Sontag war gefallen. Verblümt wird eingestanden, daß die deutschen Haubitzen »auf das 5. K. außergewöhnlichen moralischen Eindruck machten«, zu deutsch: es wich in offener Feldflucht und sammelte sich erst am 25. abends bei Damvillers südlich Stenay, an die Maas gedrückt. Die Württemberger, deren Pioniere auch diesmal 5 Offiz. 33 Mann verloren, büßten bis 26. etwa 1400 ein, 11. R. D. vielleicht 600. Sechs gesammelte Beuthen-Tarnowitzer Kompagnien vom 156. schlossen sich noch spät abends dem Sturm der 12. R. D. Lüttwitz auf Arrancy an, wo 23. und 38. R. aus Norden, 22. und 51. R. aus Osten eindrangen, ebenso die erst jetzt angelangten 6. R. Jäger, während seitwärts Gündells Artillerie das Dorf faßte. Sarrails 12. D. ließ Arrancy fahren, Verfolgungsfeuer füllte den westlichen Hohlweg mit Leichen. Früherer Seitenstoß der 29. Ch. machte etwas Luft, doch fiel der Otheinübergang bei St. Laurant schon in deutsche Hände. Trotz der feindlichen Massenbatterie gelang die Wegnahme von Arrancy mit sehr geringem Verlust, 6. R. J. verlor nur 100, 38. R. nur 210, R. D. Lüttwitz litt nicht mehr als die Schwesterdivision bei Longuyon. Goßlers tapfere Reservemänner waren die Helden des Tages. Gleichzeitig floh die Linke der 42. D. über die blutgerötete Pillon-Chaussee, vorher glatt wie eine Diele, jetzt zerfahren von Geschützrädern, zertreten von durchbrennenden Bespannungen. Hier hielt indessen Gündell seine 10. R. D. meist im Rückhalt, griff mit 9. an, bei der er sich selbst befand, in möglichstem Anschluß an Mudra. Sarrail unternahm Gegenstöße, auf ein Bataillon Sprottauer östlich Rouvrois fiel ein Waffenstoß. Unter persönlicher Führung des Divisionärs Goretzky-Cornitz hielten aber 5. R. Jäger Schulter an Schulter mit den Musketieren den Andrang auf. Während sich Prinz Reuß behauptete, brachen die Liegnitzer 7. und Muskauer 6. R. Gernadiere aus Boismont vor, ins Deffoyholz ein, wo in jedem Wipfel Baumschützen hockten und herabschossen. Auch 155. drang jetzt im Westen neben Goßler vor, es beklagte manchen wackern Streiter. Sarrails Artillerie donnerte mit großer Gewalt, doch obschon sie Schlagkraft bewahrte, verließ 42. D. die Bahnlinie und Chaussee Longuyon-Spincourt. Der Kampf war freilich blutig genug, Goretzky verlor allein 1400 (760 von 19. und 5. R. J.), Gündell im ganzen wohl 2000 (bei 155. fielen im August 6 Hauptleute). Dagegen entbrannte die Schlacht am äußersten Ostflügel keineswegs so, als könnte Mudra im ersten Anprall den umfaßten Feind über den Haufen werfen, was im Vergleich zu anderen Korpsleistungen zu erwarten gewesen wäre. Bezeichnenderweise trat man erst um 1 Uhr zum Angriff an, eine unverantwortliche Verzögerung, die aber erneut beweist, daß Mudra erst dann vereint aufschloß. Sarrail fiel wiederholt heftig aus, besonders um die 33. D. loszuwerden. Indessen gab dort 67. R. D. anscheinend Fersengeld, nur 54. wird noch erwähnt, jedenfalls hatte Mudra auch heut leichtes Spiel. Fast kampflos überschritt 33. D. den Othein, doch erst im Abenddunkel; Verlust läßt sich aus den Listen nicht bemerken, auch nicht bei 33. Art., 144. und 130. verloren bei Heraucourt vielleicht 100 Mann. Dagegen machte 34. D. wenig Fortschritt, 69. Art. festigte die 67er am Bois Revaudel gegen einen Ansturm, in dessen Verlauf I/145. dem 20. Ch. das Gehöft Wicourt entriß. Bei Nachteintritt wurde zwar die Stellung Nouillon-Pont vor Spincourt gebrochen, doch nur durch Fortschritte Goretzkys, dessen Artillerie auch einen kühnen Seitenstoß auf Brig. Estorff glatt abwies. Mudra kann heut höchstens 800 verloren haben, größtenteils standen ihm nur die schlechten Truppen Maunourys gegenüber, sein Erfolg war aber gering. Somit deutsche Gesamteinbuße am 24. etwa 6200, der Gegner verlor sicher das Doppelte. Mittlerweile bereitete sich am Ostflügel, den ein Unstern verfolgte, ein peinliches Ereignis vor, durch das der Kronprinz dort zwei volle Tage verlor. Um Anlehnung an Verdun zu sichern, warf Joffre jetzt auch R. K. Durand (65., 72. und 75. R. D.) von Haut de Meuse heran, während K. Lamaze (55. und 56. D.) bei Etain aufmarschierte. Dies blieb der deutschen 33. R. D. Metz unbemerkt, die am 24. dorthin anrückte. Die O. H. L. hatte diese Südflanke beachtet, und noch 5 L. W. Brig. beigefügt, von welchen 3 als Div. Franke sogleich den Vormarsch begleiteten, 2 andere am 25. folgten. Nur 7 L. W. Batterien dabei, während 33. R. D. wenigstens 4 Abtl. Ers. Art. und 2. R. F. Art. bei sich führte nebst 7 Maschinengew. Abt. Das Ganze unterm Gouverneur von Metz als Korps Oven. Diesen 46 Bat. hatte Maunoury, der den Oberbefehl in Etain übernahm, mindestens 70 mit beträchtlicher Artillerie entgegenzusetzen. Nichtsdestoweniger ließ sich der Anfang glücklich an. Die L. W. kreuzte sich zwar nachmittags mit 6. Kav. D., zur Deckung der äußersten rechten Flanke bestimmt, die man unsicher spürte. Trotz solcher Verzögerung setzte die brave L. W. in sengender Hitze eifrig ihren Marsch fort und überrannte Maunourys linke Flanke. Thüringer, Württemberger, Bayern bahnten sich durch verdrahtete Sumpfwiesen und Waldgestrüpp den Weg zum Otheinufer, spät abends das brennende Eton mit dem Bajonett reinfegend. Die Württemberger, deren 124. L. W. nur mit 7 Kompagnien focht, eroberten fünf Geschütze, bei 27. Thüringer L. W. fiel der Oberst. Nach 12 km Sonnenmarsch eine schöne Leistung. Man machte »1000 Gefangene«, was alles das bayr. Kriegsarchiv den 6. und 7. bayr. L. W. zuschanzen möchte, die am allerwenigsten verloren. Solches historisches Übervorteilen der Waffenbrüder ist unpassend. Über Gondrecourt wollte man der 33. D. bei Gouraincourt die Hand reichen. Südlich davon gingen 67., 130. R. und R. Ers. Reg. Metz (4 Bat.) auf Etain vor, wo Maunoury nicht mehr viel Kräfte hatte, da seine 56. D. weiter östlich sich neben 72. und 75. D. vorschob, welche General Pol Durand im Ornetal mit Front nach Norden vereinte. Was von erbittertem Kampf der 66. Metzer Reservebrig. erzählt wird, widerlegt sich durch den geringen Verlust. Der franz. Bericht erwähnt nur 130. Regt., außerdem 4. bayrische L. W., die gar nicht da war; Verwechslung mit 4. bayr. Inf. südlich Rouvres. Die 8. bayr. Brig. Riedel, Garnison von Metz, schwenkte dort teilweise auch südwestlich ein, nur ihr 8. Inf. blieb mit Front nach Süden an der Orne, wo sich ihr 5. Jäger der Kav. Schmettow anreihten, deren Reiterschützen die Uferwaldung gegenüber Warcq beobachteten. Man trat dort abends in lebhaftes Schützengefecht ein, ohne daß Durands das Südufer bewachende Übermacht sich angriffsweise rührte. Vor Etain muhten 111., 112., 125. Brig. die Farmen Rose und Sebastopol und das brennende Rouvres verlassen. Daß die L. W. bei Eton »die aus Verdun verstärkte 67. D.«, nämlich die Festungsbesatzung selber, in die Flucht schlug, stimmt schwerlich. Maunoury hatte nie »7 Div.«; denn 54. und 67. waren von Mudra zersprengt, und nicht alle Truppen Durands fochten. Dessen über die Orne gesetzten Haufen wurden von Riedel bei Arecourt aufgehalten, wobei abgesessene Reiter Schmettows Munition brachten. So stand am 25. früh alles vortrefflich; es schien angängig, Sarrail von Verdun abzudrängen. Es war hohe Zeit, daß Ruffey eine passende Rückzugsstraße wählte. Zu beiden Seiten von Longwy weggestoßen und im Südosten eingeklemmt, besaß er immerhin noch verteidigungsfähige Flußlinien. Ging über den Chiers der Sturm hinweg, so mußte man wieder die Otheinfront mit Kernpunkt Spincourt berennen und dann tat sich eine neue Sperre an der Maas auf, deren dort geringe Breite (25 m) freilich raschen Bau von Übergangsstegen erlaubte, auch nach Sprengung der großen Steinbrücke von Stenay, deren Ufer aber doch mit Zeitverlust bezwungen werden mußten. Würde es glücken, den durchaus geschlagenen und erschütterten Feind noch am Ostufer einzuholen? Sein Staffelvormarsch, ungenau ausgeführt, knickte bald ein, ohne Longwy zu erreichen und die Einschließung zu beeinträchtigen, doch es geht nicht an, das Ringen in zwei Hälften zu spalten, als ob nach 24. eine Erschöpfungspause eingetreten wäre. Der Kronprinz drang ohne Unterbrechung vor, um den noch mehr erschöpften Gegner nicht Atem schöpfen zu lassen. Er wollte ihm nicht gestatten, sich hinter der Maas zu ordnen. Nur unliebsames Unvorhergesehenes am Ostflügel brachte das Nachstoßen zeitweilig zum Stehen, sonst aber drängte man Tag für Tag den Feind an die Flußschranke rückwärts. Ein Blick auf die Karte lehrt, daß der Kronprinz von Longwy bis Dun eine weitere Bahn durchquerte und raschere Arbeit vollführte als irgendein anderes Heer im August, wenn man bedenkt, daß Chiers, Semoy, Othein und Loisonbach überschritten werden mußten und die Franzosen sich grimmiger schlugen als an der Sambre oder in Lothringen. Man beachte, daß der Kronprinz unter sehr ungünstigen Umständen doch noch die mittlere Maasstrecke rechtzeitiger eroberte als die 4. A. und sogar im Süden die Argonnen betrat, als Herzog Albrecht noch weit im Norden gefesselt blieb. Und dies alles, trotzdem der Kronprinz durch bedenkliche Mißlichkeiten zwei Tage lang gelähmt wurde. II. Zur Maas und den Argonnen. Es erregt zunächst ein Schütteln des Kopfes, daß die Posener Korps plötzlich vom Feinde abließen. Dies wird damit erklärt, daß am 25. die Nachrichten von Mudra ungünstig lauteten, doch das konnte nur Gündell bestimmen und bleibt unerfindlich, warum Übervorsicht auch für General v. Strantz geboten schien, dessen Aktivkorps noch am 25. an den sauber befestigten Gartenmauern von Marville 20 französische Geschütze auflas. Gerade so jählings, wie Boelle jede Stellung verließ, den er vor sich hertrieb, stellte er jedes weitere Vorgehen ein. Innere Ursachen schlechter Truppenstimmung? So sagt man uns verblümt, und doch hatte dies Korps viel weniger gelitten als die unermüdlichen Schlesier. Daß ein so sonderbares Verhalten den französischen Vermutungen über »Demoralisierung« Tür und Tor öffnete, ist begreiflich. Strantz' Zurückbleiben setzte auch Fabeck in Verlegenheit, dessen Württemberger lustig zur Maas hinstrebten. 13. Pioniere bearbeiteten den Maasübergang bei Damvillers, wo besonders ihre 4. Komp. blutete. Gleichzeitig bereiteten 6. P. (Hälfte vor Longwy) den Schlesiern ihren Übergang bei Dun vor. Als die Garben der Posener Maschinengewehre und ihre Mörsergranaten nicht mehr den Franzosen nachflogen, spielte wenigstens Fabecks Artillerie, den Loisonbach durchfahrend, nachdem 27. D. bei Failly einbrach, bis zu den Dombrashöhen. Doch nur die Artillerie blieb Bronchin noch nahe, sonst brach man auch hier zeitweilig die Vorbewegung ab. Laut Regimentsgeschichte von 49. Art., die übrigens auch bestätigt, daß die Dörfler in Moussy aus dem Hinterhalt schossen, rissen die Franzosen bei Failly derart aus, daß sie 26 Geschütze und 60 Protzen stehen ließen, »bloß durch Batterien ohne Fußvolk aus ihrer Stellung herausgeschossen«. Nur am Nordflügel ließen die Schlesier nicht nach, ihre 11. Jäger zu Pferde setzten einigen noch feuernden Turkohaufen am Ivorwald nach; am 26. machten sich Farbige bei Malandry zur Uferverteidigung bereit und lieferten ein starkes Nachhutgefecht bei Martincourt nördlich Stenay, während Gérards Art. und 87. Brig. sich anschickten, von Ivor her den Übergang zu verbieten. Doch die 11. D. mit Breslauer Grenadieren und Glatzer Füsilieren voraus warf am 27. eine Schiffsbrücke hinüber; I/11. stürmte Lucy, wo im Bajonettkampf Major Prittwitz sank, und den Kirchhof von Cussy; auch 51er drangen jenseits bis in den Jaulnewald. Die Steinbrücke bei Stenay wiederherstellend, warfen sich die Schlesier auch auf Gérards Nachhut, dessen gesamte Artillerie aber am Maasrand erfolgreich feuerte. Dies Korps besann sich also teilweise wieder auf seine Pflicht, doch gehört zu den Zerfahrenheiten eines gewissen neutralen Historikers, die Franzosen hätten sich jetzt in ausgesuchtesten Stellungen und bester Gemütsverfassung kräftiger geschlagen als vorher. Im Gegenteil sank ihr Optimismus auf Zéro, sie machten aus der Not eine Tugend, die unheimlich emsigen Schlesier so lange aufzuhalten, bis das Gros notgedrungen in die Argonnen abfloß. Die Verbindung mit Langle, dessen Sedanschlacht stromaufwärts tobte, schien gesprengt, und Mudras Umgehung überführte, daß man aus gerader Richtung nach Verdun mehr daran vorüber über die westliche Maasstrecke ausweichen müsse. Da atmete Sarrail auf, weil Mudra zaghaft losließ, da Ovens Bewegung mißglückte. Des Kronprinzen Anweisung an ihn fiel in Hände der 3. Hussards, so daß Maunoury sich danach richten konnte. Am 25. sah man Massen von den Warcqhöhen im Laufschritt niedersteigen, Ovens bayrische Fußartillerie pfefferte aber kräftig hinein, und er war guten Mutes, obschon der Feind sich zusehends verdichtete. Eben sollten 67. und III/145. den Angriff Mudras durch Wafremontholz vortragen, Reitzensteins 130. und II/III/144. wollten sich entwickeln vor einem dreieckigen Gehölz bei Beraucourt südlich Spincourt, als plötzlich höherer Befehl eintraf, Reitzenstein solle bis Richcourt, Heinemann sogar bis Landres zurückgehen, d. h. das ganze seit 23. gewonnene Gebiet preisgeben! Das kam so: Oven in vollem Rückzug! Was war geschehen? Maunoury fesselte den Angreifer bei Etain, verfuhr dagegen angriffsweise an der Orne, wo schon eine neue Div. Durands überflügelte. Die Masse fiel zunächst auf Brigade Riedel, die ruhig standhielt, dann aber bei Bucy und Lanchères auf zwei sächsische und thüringische L. W. Brigaden. Schon bei Nacht von Landres aufgebrochen, sehr marschmüde, nahmen sie Front nach Süden, wie Riedel mehr nach Südwest und Ovens übrige Teile nach Nordwest. Man konnte gewärtigen, daß dreiseitiger Stoß Maunourys für Oven nicht gut ablaufen werde. Er rief daher, dem die feindliche Ansammlung im Ornetal nicht verborgen blieb, Frankes L. W. dorthin ab, die vorerst keinen Feind mehr vor sich hatte. Doch ehe sie sich an Ort und Stelle begab, brach das Unglück schon herein. Beiderseitige Schilderung des Treffens bedarf der Überprüfung, deutscherseits vertuscht man, französischerseits übertreibt man ruhmredig, um sich doch auch mal an einem »Erfolg« zu erlaben. Die sächsische L. W. bei Buzy war »restlos« verbraucht? Diese Beschönigung verschweigt, daß die Sachsen offenbar haltlos auseinanderliefen. Thüringer 32. und 83. L. W. entschuldigten sich mit »Mangel an Artillerie«? Tatsächlich wurden sie mit großem Verlust zurückgestoßen und zersprengt. Ebenso tadelnswert wie solche Schönfärberei ist Maunourys Prahlen, er habe nur ein paar Hundert verloren, ein höchst unglaubwürdiges Mißverhältnis, wobei absichtlich sein ungünstiges Gefecht am 24. übergangen und natürlich verschwiegen wird, daß er den teilweisen Erfolg nur riesiger Übermacht verdanke. Denn da Frankes 18 Bataillone heute ausfielen, standen nur 27 deutsche mindestens 75 franz. Bataillonen gegenüber. Der Erfolg war sehr dürftig. Maunoury mag wirklich »400 Gefangene« gemacht haben, doch unter dem Eindruck eines wirklichen Sieges hätte er Oven ernstlich unangenehm werden können; er unterbrach aber sofort seinen leichten Vorwärtslauf und rührte sich nicht weiter. Daß damals schon 55. und 56. D. nach Paris abberufen seien, ist Finte; erst am 28. erregte Klucks Vordringen Panik in Paris, früher kann die Abberufung nicht erfolgt sein, und bis dahin hätte man Metz beunruhigen können, wenn ehrlicher Erfolg vorlag. Es kam aber nur zu einem Tastversuch bis Conflans, wo der Metzer Artilleriekommandant mit einem Depothäuflein rheinischer L. W. so dreist und gottesfürchtig auftrat, daß der Feind respektvoll Kehrt machte. Oven zog auf Landres ab, I/4. Bayr., 5. Jäger und Schmettows Geschwader dienten als Flankenschutz, Ersatzregt. Metz deckte auf den Amel-Höhen. Die bei Lanhères geschlagene L. W. zerstreute sich freilich, Trainkolonnen flohen in Panik, bald trat aber Beruhigung ein. Maunoury verschwand wieder hinter der Orne, und es spricht nicht für Sarrails Entlastung, daß ihm Befehl Ruffeys zuging, nach Malancourt über die Maas zu weichen. Um so unverständlicher das grundlose Zurückzucken Mudras. Die deutsche amtliche Schrift weiß nichts, wie von so vielem anderen, von Umfang und Zusammensetzung der zwei Reservekorps Maunourys und läßt Oven »ohne erhebliche Verluste«. Die ungewisse Verwirrung erstreckt sich bis in die Verlustlisten, wo 100. und 102. sächs. L. W. hier überhaupt nicht vorkommen, wohl aber 162. sächs. L. W., von der auch Hanotaux redet, deren allerdings beträchtlichen Verlust wir sonst nirgends unterbringen können und die fortan aus dem Kriege lange entschwand, wohl aufgelöst und nur als Etappentruppe benutzt. Bezeichnenderweise meldet die amtliche Schrift nichts von heftigstem Kampf, den der 43. L. W. Brig. bei Lanhères, die nicht weniger als 930 verlor. Dagegen behauptete sie, Frankes L. W. habe 53 Offiz. 800 Mann verloren; wir finden nur 650 in den Listen, davon 440 Württemberger. 8. Bayern verlor 160, 130. R. 80, Ers. Art. 12, 5. J. zu Schmettow 35, Ers. Rgt. Metz 10, 4. Inf. und 67. R. anscheinend Null. Daß die Bayern »schwer unter Geschützfeuer litten« (Bayr. Kriegsarchiv), scheint unersichtlich. Summa inkl. 162. L. M. etwa 2600, nicht wenig; Maunourys Verlust war wohl wenig geringer. Wie wenig 33. R. D. erschüttert, entnahmen wir wieder den Listen. 8. Bayr. verzeichnet »Danevaux«, schloß sich also erneutem Vormarsch Mudras an, während 87. und 130. R. eine Woche später gegen Nancy mitwirkten. Was aber nicht auf die leichte Achsel zu nehmen war: Dieser kleine Mißerfolg zog Mudras trübseligen Rückzug nach sich ohne Sinn und Verstand. Des Kronprinzen Plan verfolgte, auch mit den von Metz abgedrehten Kräften die Otheinlinie aufzurollen. Sie konnten aber höchstens Maunoury im Schach halten, nicht zu einer Aufgabe beitragen, die allein Mudras Aufgabe bleiben mußte, der sich ihr so schwächlich unterzog und dafür noch Lob bei der dummen Fama erntete. Das übrige deutsche Heer sollte inzwischen Ruffey in der Front festhalten, dessen zu langes Festkleben an Arrancy diese Absicht eher begünstigte. Doch nirgends gelang, den Abzug über die Maas ernstlich zu verleiden. Am Nordflügel verhinderte mühseliges Marschieren talauf talab ein festes Zupacken; doch daß auch Ruffeys Südflügel krisenlos die Stromschranke zwischen sich und den Verfolger brachte, verschuldete nur Mudras überstürztes förmliches Auskneifen vor erträumter Bedrohung von Etain her. So vorzügliche Truppen wie die seinen genügten, um mit einer Seitenhut gegen Maunoury herumzuschwenken, zu welchem Behuf ja auch die ungeschlagene Div. Franke angehalten werden konnte, und im übrigen, verbunden mit Gündell, den Feind sofort über den Othein zu treiben und ihm keinen Anschluß an Verdun zu gestatten. Bei verdienten Generalen vertuscht man offiziell die Schnitzer, beweist aber stets zu viel und deshalb zu wenig. Denn wäre bisherige Wirksamkeit Mudras so erfolgreich gewesen, wie man vorgibt, wäre doppelt unentschuldbar, daß ihn bloße Möglichkeit einer Rückenbedrohung durch schlechte Reserveformationen außer Fassung setzte. Heinemanns Zurücknehmen spottet vollends jeder Entschuldigung. Anders sieht die Sache aus, wenn wir aus den Verlustlisten folgern, daß einfach seine Vorhuten wieder aufs Gros umkehrten, das noch gar nicht weit über Landres hinaus war. Warum werden in den Listen nur »Fillieres« fürs 67., »Mercy« fürs 173., »Baraucourt« fürs 144. Rgt. namhaft gemacht? Doch wohl, weil nur diese Regimenter vollzählig am Feinde waren. Seine jetzt möglichenfalls umgangene Umgehung wurde dann freilich aussichtslos. Tatsächlich erwähnen die Listen III/98. erst am 28.; 135. scheint erst am 31. gefochten zu haben, auch 145. Königsgrenadiere hatten wohl erst an der Maas ihren Hauptverlust. Nur das ja auch stets vornehmlich genannte 67. war bis 25. stark im Feuer (1 Major, 4 Hauptleute, 14 Leutnants, 765 Mann), vom 173. focht anscheinend nur III. Batl. bei Spincourt (120), nur I. bei Mercy. Die Artillerie war nur bruchstückweise im Feuer und zwar gerade die amtlich nicht genannte 34. (46), fädelte aber auch erst an der Maas ein scharfes Geschützduell ein, wo auch 16. Pion. (38) auftraten, 14. Ul. streiften nur anfangs bei Briey, dies gehört zu 357 Mann der Anfangslisten, die sich chronologisch nur auf Deckungsscharmützel des Aufmarsches beziehen können. Es ist also doch wahrscheinlich, daß ein totgeschwiegenes Gefecht bei Briey Zwischen Grenztruppen stattfand. Als Bindeglied zwischen 5. und 6. A. gedacht, war Mudras Grundstellung bei Aumetz vom Kronprinzen zu weit entfernt und getrennt; wäre denn bei so weitem Bogenmarsch undenkbar, daß sein Gros erst nach und nach bei Landres anlangte? Es ist aber natürlich etwas anderes, ob er sein ganzes Korps vom Othein zurücknahm oder nur zu weit vorgeprallte Vorhuten. Auch so verdient seine Verspätung strenge Mißbilligung, solch exzentrische Überraschungen glücken aber selten pünktlich. Jedenfalls trug seine Kampfhandlung kein entscheidendes Gepräge ohne besonderen Einfluß auf die allgemeine Lage, so gern die übliche Darstellung dabei verweilt. Sonst konnte Sarrail nicht so glimpflich davonkommen. Wäre Mudra rechtzeitig bei Spincourt übergesetzt, so hätte Sarrail nie für ungefährdeten Rückzug Zeit gewonnen. 7. Cav. d. Gislain wich schon bis Dombasle unter d'Urbal (späterem Armeechef); ihr früherer Kommandeur fiel in Ungnade. Warum? Fand am Ende doch ein Reitergefecht bei Brandeville statt, wie es die Listen der deutschen 3. Kav. D. erwähnen? Östlich Dun, südlich Montmédy war dieser Ort am 25. Boelles Hauptquartier, am 29. soll hier die abziehende Montmédy-Garnison, durch die Wälder entweichend und dabei überrascht, Ergebung angeboten und hernach durch heimtückische Salven eine Menge Pioniere und 5 Kav. Offiz. niedergeknallt haben, dann aber von III/123. gezüchtigt und entwaffnet worden sein. Nach anderer Lesart vollzogen aber zwei Dragonerregimenter dies Rachewerk, die einen großen Teil niederhieben. 120. J. und 49. U., die am Blutfeld vorbeizogen, sprechen von Spaten und Beilen einer Pionierkompagnie und hessischen Dragonern, letztere litten auffallend. Uns scheint wenig möglich, daß Infanterie, Pioniere, Kavallerie bunt durcheinander im Brandevillerwald lagerten. Wo blieb überhaupt die 3. Kav. D., die sich am 22. zwischen Schlesiern und Posenern befand und viel mehr verlor, als 6. Kav. D. außer den Jägern? Die Darmstädter Leib- und 24. Dragoner sowie andere Teile der Division führen ausdrücklich »Brandeville« für sich an, und es ist sehr möglich, daß Gislain dort mit ihr die Klingen kreuzte zu seinem Nachteil. Übrigens kapitulierte Longwy am 26. mit 3700 Mann nach einer Verteidigung, die der historischen von 1792 nacheiferte. Inzwischen blieb auch Goßler nach Gündells Beispiel stilliegen. Strantz, nach Ostpreußen bestimmt, marschierte ab, wieder Überstürzung der O. H. L. Denn ein Korps mehr oder weniger hätte die Gefahr im Osten nicht eingerenkt; ein Feldherr hat aber nicht rechts noch links zu sehen, sondern einzig an Ort und Stelle einen winkenden Vollsieg zu vervollständigen, mag hinter ihm die Welt aus den Fugen gehen. Ein solcher Sieg bringt alles wieder ein und zur Absendung des 5. K. wäre noch Zeit gewesen nach Sieg an der Maas. Hinterher unterblieb es obendrein, da Hindenburgs Blitz bei Tannenberg das Dunkel lichtete. So betrog man den Kronprinzen um die Früchte seiner Erfolge. Durch Mudras Schuld fielen drei Korps für die Verfolgung aus, nur 6. und 13. K. wanden sich langsam durch Engpässe und Wälder hin. Ersterem kosteten die Gefechte bis 27. nur 700, bei letzterem litten 13. Art. und 13. Pioniere (eine Kompagnie verlor allein 85). Die 12. D. ging bei Dun über, 11. D. bei Chimay. Während das Kol. K. zu Langle nach Somnauthe auswich, dessen beginnenden Abzug dort seine 8. Kav. D. unvollkommen verschleierte, nahmen Regimenter Oppeln und Kosel nebst 21. und 57. Art. die Spitze und schlugen Gérards Nachhut am Bois des Dames. Dagegen wehrte sich D. Tertinian bei Remagne südwestlich Dun merkwürdig lange. Fabeck marschierte über Stenay vor, Bronchin wich immer weiter, gleichwohl kam es bei Montigny westlich der Maas zwischen Dun und Stenay am 29.–31. zu scharfem Gefecht der Ulmer und Neckartaler Regimenter, sowie erneut der Stuttgarter Brigade. Goßler hatte sich wieder in Bewegung gesetzt, 6. R. J. irrten auf Dun ab, er brachte noch 22. R. vor. Endlich trat Mudra seitwärts ausbiegend erneut den Vormarsch zur Maas an. Ihn begleitete 8. bayr. Inf., 124. Würt. L. W. wandte sich nach Montigny. Sarrails 40. D. ging auf Azannes nordwestlich Verdun zurück, welche Festung am 30. den ersten Schuß ihrer schweren Kaliber abfeuerte, er rollte unheildrohend über die Maas dahin, wo später K. Gündell mit Belagerungsartillerie auftauchte. Fort Dioumont schloß seine Pforte, 255. Regt. besetzte Ormes im Norden, wo schon Vedetten Schmettows streiften. Maunoury war bereits in Amiens, wo er sein Hauptquartier aufschlug; Durand beobachtete mit vier Divisionen die Côtes Lorraines und schanzte im Schweiß seines Angesichts. Gestützt auf den großen Waffenplatz, bereitete Sarrail Verteidigung der Argonnen vor, wozu der lange Aufenthalt der Verfolgung durch die Maasstrecke bei Danevaux-Sivry ihm Zeit gewährte. Reitzenstein erreichte am 30. erst wieder mit III/98. (90) Gouraincourt, wo er schon am 25. stand, mit 135. am 31. Danevaux, das dort nur 14 verlor, dagegen erhielten 130. sowie Heinemanns 145. und I/173. dort noch heftiges Feuer. 30. (6 Offiz. 89 Mann), 67. nebst 34. Art. und 12. J. z. Pf. erzwangen bei Sivry den Übergang. Inkl. Pioniere schätzen wir den Verlust dieser Flußgefechte auf 900. Fortdauernder Kampf von 145. und III/67. nebst 70. Art. in den ersten Septembertagen (375 Verl.) zeigt, daß wir die Schwere des Übergangs nicht übertreiben. Die Septemberlisten sind überreichlich gefüllt mit Opfern des Metzer Korps, das entspricht so genau dem harten Argonnenkampf, daß wir keinen Mann als Augustnachtrag abziehen dürfen. Das Posener Korps galt seit Skalitz und Wörth als Mustertruppe, diesmal lief ihm aber das schlesische den Rang ab, bei ihm trat nie ein Schwächezustand ein. Es kam jetzt rasch vorwärts gegen Vaux mit III/62, und III/157. nebst 51., während 11. und 38. die Nachhut bei Romagne brachen, 63er rangen sich bis Dieulet südwestlich durch, wo sie hessischen Schützen von ferne zuwinken konnten und genaue Fühlung mit ihnen nehmen. Sie ließen I/157. (35) keine Arbeit mehr zu tun. Wütend setzten sich Teile Gérards und Boelles noch bei Vaux zur Wehr, konnten aber gegen 62. und besonders 23. nicht ausdauern, als III/11. und 6. Art. am 31. seitwärts den Feind vertrieben, der allseitig auf Montfaucon abzog. Die von Sarrail noch gehaltene südliche Maasstrecke war so in der Luftlinie umgangen. Was über Remagne vordrang, stieß bei Septfarges auf eine Kolonialbrigade, die mit ihren schwarzen Leibern und Leichen ein Kornfeld füllte. Fabeck sah sich lange bei Montigny aufgehalten, unaufhörlich platzten Schrapnells in die Reihen der Stuttgarter Brigade. 127., III/123. und 124. taten sich hervor, auch ein Bataillon 122. litt am 30. an der Maas und III/120. 53. Br. bei Dun, 54. bei Saffey sahen auch ihre 49. Art. durch die feindliche leiden, bei 2. Batterie sanken 21 Mann. Da 49. Art. am 1. Sept. weit voraus trabte, half sie am 2., freudig begrüßt, der 11. R. D., die aber nicht »fast verblutete«. Goßler trieb Brigade Gallwitz und Beuthener Infanterie seitwärts Romagne vor, I/156. klebte aber noch am 31. bei Fontaines südöstlich Dun, wo 12. R. A. heftig schoß. Schon vorher kämpften I/22. und II/23. R. den Feind bei Carmel vor Dun nieder. Gegen Montfaucon a. d. Argonnen drehten sich die Füsilierbataillone von 156. Inf., 11. und 22. R. und näherten sich fast verlustlos. Gündell wechselte beim Vorbeizug mit Mudra den Platz, d. h. ging jetzt links von ihm auf Verdun vor, 19. R. schob sich bei Consenvoy an den nördlichen Fortgürtel heran, während Mudra westlich der Bahn Verdun-Mezières sich ausdehnte. Die Verluste bei diesem letzten Ringen waren nicht gering: 2100 vom 6. K. (500 von II/III/23., 87 von 21. Art.), 2800 von 13. K. inkl. 124. L. W., 600 vom 6. R. K., 300 vom 5. R. K., dazu bei Mudra 8. bayr. (100), so daß inkl. Mudra 6800 herauskommen. 1. Königsjäger z. Pf. und 11., 4. R. Hus. Leobschütz und 2. Ul. verloren zusammen 115, Kav. Schmettow im ganzen nur 100. Monatsverlust inkl. 5. Fußjäger, Hess. Drag. Oven betrug 36 500 (7500 des 6. K., 5000 des R. K., 3200 des 5. K., 5100 des 5. R. K., 3200 des 16. K., 9000 des 13. K. usw.). Das 5. K. focht zeitlich am wenigsten, litt daher relativ mehr als das 16., bei dem überhaupt nur die zwei Vorhutregimenter 67. und 173. ansehnlichen Verlust hatten. Außerdem entfiel fast die Hälfte des Artillerieverlusts aufs 5. K. Das 13. K. litt ungeheuer, doch ganz ungleichmäßig, da die 26. D. allein 6000 verlor, wovon 3450 auf die Stuttgarter Brigade kommen. Das 119. schmolz bis Mitte September um 50 Offiz. 2000 Mann! Die 27. D. verlor 2400 Inf., die übrigen Waffengattungen 600. Inkl. 124. L. W. bei Montigny bluteten also 9400 Schwaben. Allein, wenn 24 Brigaden exkl. Oven binnen 8 Tagen rund 33 000 verloren, so 20 Brigaden bei Gravelotte 20 000, 10 Brigaden bei Vienville 15 000 an einem Tage, ebenso verlor die Artillerie des 9. K. bei Amanvillers prozentual viel mehr, als die Posener Artillerie in drei Tagen. Hiernach wird die Mythe von Verluststeigerung durch moderne Feuerwaffen wohl schweigen. Unsere Statistik nach sorgfältigster Prüfung halten wir auch im einzelnen unbedingt aufrecht. Es ist stets zu beanstanden, wenn Offiziers- und Mannschaftsverlustverhältnisse bei amtlichen summarischen Angaben nicht stimmen, das Normale ist immer 1:20-25. (So verloren 4 Lissaer Kompagnien 14 Offiz. 360 Mann usw.) Da bei den Franzosen die Gefahr den Todesmut eines vaterländisch begeisterten Offizierkorps hervorlockte, so lehrte die Folgezeit, daß Cadresschwächung den Beharrungsstand der Truppe nicht wesentlich herabsetzt, das seelische Gefüge eines Volksheeres zerbricht nicht so leicht. Da 33 Divisionen der 1., 2. und 3. A. (L. W. eingerechnet) 46 500, 23 D. der 4. und 5. A. 57 000 verloren, so errät man, wo man sich am ernstesten schlug. Entsprach das Ergebnis so schweren Opfern? Man schwärmte den Franzosen so viel von Überlegenheit ihrer »reformierten« Armee vor (siehe die famosen Artikel des Times-Obersten Repiergten über deutsche Friedensmanöver), daß sie baß erstaunten, nun doch wieder ihre Unterlegenheit mit Händen greifen zu können. Sobald sich das Ausmaß des Mißerfolges fühlbar machte, trat moralische Herabstimmung ein. Sonst lassen sich so tapfere Truppen nicht 100 Kanonen und wahrscheinlich 30 000 Gefangene abnehmen. Wenig fehlte, daß damals auch Verdun sich selbst überlassen blieb, und die Verdunarmee bis Bar le Duc zurückwich. Nur Sarrails Versicherung, der an Stelle des abgesetzten Ruffey den Befehl übernahm, er könne sich zwischen Maas und Ostargonnen behaupten, verhinderte das. Verduns Stärke lag nicht in den elf Hauptforts, sondern in seiner geographischen Lage. Das Rätsel, warum es sich gegen die Durchschlagskraft deutscher Geschosse hielt, löst sich dahin, daß die Feldbefestigungen des Umkreises die Annäherung des Bombardements erschwerten und stete bewegliche Verteidigung im freien Felde durch Anklammern der Verdunarmee an den Festungspfeiler ermöglichten. Später baute eifrige Befestigungskunst auch die Argonnen musterhaft aus, mit ausgiebigem Vorrat unterirdischer Geschützstände. Sarrail wie Esperet übernahmen eine greifbare, leichter zu überschauende Lage, nachdem das Schlimmste überstanden und die Ungewißheit geschwunden. Teils um den Neutralen etwas vorzumachen, teils aus eitler Selbstbespiegelung beglückwünschten sich in Briefen Offiziere und Soldaten zu ihrer »wunderbaren Leistung«. Der Kronprinz habe 5 Tage verloren? Von Longuyon bis Romagne sind es aber drei normale Tagesmärsche und diese Strecke wurde kämpfend über drei Flüsse und dichte Bergwälder zurückgelegt, also überraschend schnell durchmessen. Was wäre parteiischer Kritik unmöglich! Erst wird Longwy für eine alte Baracke erklärt, dann versichert, die Belagerung habe 7000 Mann gekostet, d. h. absichtlich damit die Entsatzschlachten bei Bel Arbre, Barancy, Doncourt verwechselt! Das aus dem Feuergehen des 5. R. K. wird mit der taktvollen Bemerkung garniert, kein französisches habe so etwas nötig gehabt! Erstens ist obiges unwahr begründet, zweitens wie steht es denn mit dem französischen 5. K. und dessen »ungewöhnlichem moralischen Eindruck« sowie mit dem Entweichen des K. Gérard? Wer sich gewöhnt, in allem Geschehen Vorbestimmung zu sehen, verkennt nicht, daß Maunoury an der Orne sich gleichsam für sein späteres Bluffspiel am Ourcq einübte. Trotz Mudras Schwäche und den anderen Widerwärtigkeiten handhabte der Kronprinz seine Massen so gewandt und rüstig, daß er zuletzt südlicher in der Luftlinie stand als irgendein anderes der fünf Heere. Jede kritische Unterstellung französischerseits schlägt die andere tot. Joffres Offensivbefehl habe die geplante deutsche Rechtsschwenkung zu allgemeiner Umfassung Langles durchkreuzt? Scherz! Bei solchem Manöver wäre Hausen ohne Aufmarschraum ins Hintertreffen gedrängt. Die andere Behauptung, 600 000! Deutsche hätten sich hinter Waldschleiern verborgen, um den Feind auf selbstgewähltes Schlachtfeld heranzulocken ist sinnlos, beide Parteien stießen unvermutet aufeinander. Als des Kronprinzen Rechte losschlug, war seine ganze Linke noch nicht in Stellung. Aufreißen der Lücke zwischen Lanrezac und Langle konnte nur Hausens Aufgabe sein, andererseits konnte aber der Feind von Etain-Landres her gegen Metz operieren, was der Kronprinz beim Aufmarsch zu beachten hatte, wo man über des Gegners Absichten noch im Unklaren schwebte. Die leitenden Anordnungen sind von allen Vollzugsorganen richtig in Tat übersetzt worden, nur nicht von Mudra. Die innere Umfassung der französischen Heerstaffeln wäre gerade zwischen Sarrail und Maunoury leicht und entscheidend gewesen. Mudra war als Berufspionier ein heller Fachmann, sonst aber kein besonderes »Licht«, wie man ihm zumaß. Der Kronprinz versäumte auch bei Verfolgung nichts, doch was hilft der beste Stil einer Disposition, wenn sozusagen ganze Blätter herausgerissen werden! Die vorschnelle Hauptquartiermeldung, der Feind sei von Verdun abgeschnitten, blamierte sich nur durch Mudras Haltmachen und Strantz' Ausschalten, sonst hätte Sarrail sich kaum am Argonneneingang ungefährdet durchquetschen dürfen. Da man Ende August 107 000 französische Gefangene zählte, so entfiel sicher die Hälfte davon auf die Ardennenschlacht. Französische Aufzeichnungen lassen keinen Zweifel: »Die Verluste waren schrecklich.« Bei jedem Regiment Ruffeys und Langles seien nur 20 Offiziere übriggeblieben. Das ergibt bei 100 Regimentern und den Chasseurbataillonen zwischen Sapogne und Spincourt mindestens 4000 Offiziere verloren, was 100 000 Mann entspricht, niedrig gerechnet. Bei den Gefangenen befinden sich natürlich erfahrungsgemäß wenig Offiziere. Inkl. großem Artillerieverlust darf man Verlust Ruffeys und Langles getrost auf 135 000 tot, verwundet und gefangen schätzen. Auch Proteste gegen Trophäenangaben verfangen nicht. Da auch die Württemberger 26 Geschütze eroberten, sind mindestens 100 erobert worden, 100 demontiert liegengeblieben. Die 4. A. hatte geringen Anteil an dieser Verlustzufügung, der Kronprinz allein setzte weit über 100 000 feindliche Streiter außer Gefecht. Einen solchen Sieg läßt man sich gefallen. Hätten Franzosen ihn erfochten, wäre er Anlaß zu endlosen Fanfaren. Die 6. und 7. Armee. Von Mühlhausen und Saarburg bis St. Dié und Nancy. I. Mühlhausen – Saarburg – Luneville – Mortagne. Als 1. A. Dubail mit 7. K. Belfort-Besancon und 14. Lyon in den Sundgau einbrach, traf man bei Altkirch eine Kompagnie, bei Mühlhausen das badische Garnisonregiment. Als die Kompagnie aus einer alten verfallenen Feldschanze vor zwei vollen Brigaden wich, machte das französische Kommuniqué daraus starke Befestigungen, die glorreich mit dem Bajonett genommen wurden mit nur 300 Mann Verlust. Ganz recht, die Kompagnie und ein Zug 14. Jäger verloren aber noch nicht 100! In Mühlhausen streuten die Fabrikantentöchter den »Befreiern« Blumen. Nichtsdestoweniger wurden die drei Divisionen des Belfortkorps am 7.–9. von einer Minderzahl wieder hinausgejagt. Die Vorstellung, als sei das ganze 15. Elsässer und 14. badische K. herbeigeeilt, täuschte sehr. Nach den Verlustlisten fochten nur 112., 114., 142., 169. und I/170. badische, die übrigen 17 badischen Bataillone befanden sich in Gewaltmarsch bei drückender Hitze, kamen aber erst an, als alles vorüber war. Der kommandierende General Deimling der Elsässer brachte persönlich nur 126. Würt., 105. der Straßburger Garnison, 14. Mecklenburger Jäger. Das benachbarte 132. Sennheim scheint seine Mobilisierung weiter rückwärts verlegt zu haben. Nachdem 50. Art. Karlsruhe und Breisacher Festungsstücke den Bahnhof zertrümmert, 169. Lahr an der Papierfabrik der Napoleoninsel gesiegt und die tapferen Württemberger bei Steinbach 4 Geschütze erbeutet, entzog sich die franz. 4. und 35. Art. durch eilige Abfahrt in der Mondnacht dem Gewaltstoß gegen die Rixheimer Höhen. Ein Württemberger und zwei badische L. W. Regimenter bei Zillisheim nahmen nicht stark am Kampfe teil. Als die 15. Ch. vom Col de Bussong her über Thann die zärtlichen Mühlhauser kampflos begrüßten, nach »Besiegung« des Altkircher kleinen Postens ein neuer Triumph, hatte man sich so rasches Ende der Herrlichkeit nicht geträumt. Vorerst hing aber der Himmel den Befreiern so voll Baßgeigen, daß sie bei jedem kleinen Erfolg mit unmöglichen Ziffern um sich warfen und dito bei jedem Mißerfolg. So sollen bei Mühlhausen nur 20 000 gegen »doppelte Übermacht« gefochten haben: das Belfortkorps zählte aber 45 000 Streitbare (14., 41. und 44. D.) gegen höchstens 30 000 Deutsche inkl L. W., mehr waren nicht anwesend und wo sollen denn die anderen 25 000 Franzosen gesteckt haben! Verabschiedung des kommandierenden Generals Bonneau bestätigte nach französischer Gepflogenheit die Niederlage, bei der seine Batterien in gestrecktem Galopp das Weite suchten. Die Deutschen verloren noch nicht 3000, die Franzosen vermutlich 4000 und darüber inkl. Gefangene. Sie blieben jedoch in der Nähe und es ist irrig, daß sie erst spät wiederkamen. Die Gefechte rissen nicht ab und der neue Befehlshaber General Pau verfügte jetzt über zwei frische Reservedivisionen, ging also mit fünf (nicht »sieben«) Divisionen erneut auf Mühlhausen los. Etwas später brach 21. K. Epinal über die Vogesen auf Lauterbach-Zell, Gebweiler südwestlich Colmar und Markirch vor. Ein kecker Vorstoß von Straßburger Besatzungstruppen (General Hopfgarten blutete mit 60./99. R. Zabern) scheiterte. Im Col de Saales wurden angeblich durch 3. und 21. Ch. 800 Zaberner Reservisten gefangen, nachher hieß es plötzlich nur 484. Ganzer Schirmeckverlust angeblich 33 Off., 1700. Am Col St. Marie widersetzte sich I/40. Rastatt dem franz. 149. Gegenüber Epinal und den Moselforts Remiremont und Rupt bildete sich ein notdürftiger Grenzschutz. Weiter nördlich besetzten franz. 14. und 21. K. die ganze Linie bis zum Bergkegel des Donon, im Markircher Tal gab es Scharmützel, an denen sich vielleicht 40., 110. und 113., sicher 8. Jäger und 8. R. J. beteiligten nebst eintreffender bayrischer und Thüringer L. W. Später trafen nach und nach 8 bayerische Ersatzbataillone ein. Das 15. bayr. R. als Vorhut einer Straßburger Festungsdivision mischte sich dort in die Schlachtreihe, als sich das badische K. rückwärts sammelte und Deimling sein Korps danebenschob. Sein 126. und 132. sowie die Hälfte 14. J. blieben bei Mühlhausen, wo nur 114. badische Konstanz und vielleicht ein paar andere badische Bataillone standen, da dort drei L. W. Brigaden unter General Gaede ablösten. Daß dort beim zweiten Treffen 17.-19. nur Landwehr focht, ist falsch, auch nicht nur »badische«, sondern sogar drei Würt. L. W. Regimenter dabei. Nachdem hier am 11. und 12. über Sennheim die Vorposten rauften, Laut »Die Bayern im Großen Krieg« aus Bayr. Kriegsarchiv dort auch Teile von b. 4. R. Schirmeck, wo man aller Geschütze beraubt, macht Chronologie der V. L. stutzig. rückte Pau seit 15. mit gewaltiger Übermacht vor: 83 Bataillone gegen etwa 30 deutsche (manche L. W. Regimenter hatten 4 Bataillone). Gaede wollte dem Stoß angriffsweise begegnen, doch die Kräfte reichten nicht aus, besonders gegen vierfach überlegene Artillerie. Seine Württemberger L. W. Batterien bei Brunstedt und Dornach bewegten sich ungeschickt, schon beim Auffahren vom feindlichen Feuer eingedeckt. 110. badische L. W. am linken Flügel hielt sich aber aufs bravste und wies sogar eine wilde Reiterattacke ab, von der ungewiß, ob sie von Lyoner Kürassieren der 6. Kav. D. oder von afrikanischen Jägern geritten wurde. (Das 19. K. war schon am 11. bei Belfort aus Afrika angelangt und mag ein paar Schwadronen anfangs dem Pau gelassen haben.) Die ganze L. W. Brigade Dame trat bei Tagsdorf glänzend auf, doch da die Württemberger nach Zerschießung ihrer Batterien in Unordnung wichen, trat Gaede den Rückzug an. Gleichwohl war dem Einarm Pau bei seinem »Sieg« so wenig geheuer, daß er seine Linke zurückbog, dort winkte man stets gefährlich mit dem Zaunpfahl oder richtiger dem Grenzpfahl des Schweizer Gebiets. Dort floh mancher Schweiß- und Blutstropfen in die Uffholzer Schlucht, Deimlings Aktivtruppen warfen dort den Feind von Hasbach bis Altkirch. Hier sollen sich 11. Ch. à cheval deutschen Reitern ergeben haben, Gaede hatte angeblich nur 3 Schwadronen, doch tummelten sich hier wohl 14. Drag. Deimlings, die 62 Mann verloren, und 22. badische. Der nicht übergünstige Ausfall des Treffens, den im Grunde nur seine Massenbatterie an der Morschweiler Lehne erschoß, berechtigte Pau nicht zu Triumphliedern, und ob er »24« demontierte Geschütze auflas, scheint fragwürdige Ziffer. Ob freilich die Deutschen 1300 Gefangene mitschleppten, sei dahingestellt als unglaubwürdig. Sie verloren 3300 (126. Würt. im August 1400), der Gegner schwerlich weniger. Märchen von »Vernichtung« des 112. oder 114. L. W. fanden damals in Baden gläubige Ohren, tatsächlich blieb der Feldzug im Oberelsaß stets nur Episode. Vor den weittragenden Geschützen des »Isteiner Klotz« bewahrten die Franzosen eine heilige Scheu, man konnte die deutschen Linien nur necken, nicht ihnen beikommen. Daß beim ersten Treffen ein deutscher Plan, den Feind unter den Isteiner Klotz zu locken, verraten sei, ist offenbar Fabel, da Deimling ja selber zum Angriff überging. Wohl aus anderen Gründen des Landesverrats wurde Dorf Rixheim niedergebrannt. Auch im Unterelsaß schrien die Franzosen Sieg, weil sie schwachen Grenzposten die Pässe abnahmen. Besitz der Diedolshauser Höhe erlaubte ihnen dauernde Bedrohung von Colmar und Schlettstadt. Doch endeten Gefechte bei Saales und Weiler am 16. und 19. nicht zu ihrem Vorteil. Weder das 13. K. Clermont-Ferrand noch eine R. D. aus Epinal drangen auf Schlettstadt durch, während das 14. K. das 21. im Breuschtal ablöste. Hier hatte 120. Würt. Reserve ein scharfes Gefecht, Major Alberti fiel, desgleichen bei Senones General Hammerstein, Chef der 56. Badischen Brigade. Das 14. R. K. brachte seine Badische Division jetzt neben der württembergischen heran, vor 20. war indessen sein Aufmarsch nicht beendet, 15. R. K. noch sehr unvollzählig. Deimling verteilte sich auf weite Strecke, 99. und 143. dürften den Reigen höherer Verluste eröffnet haben. Jedenfalls erlitt die 55. franz. Brig. bei Weiler eine gründliche Niederlage, auch 3. und 12. bayrische L. W. waren hier gleich bei der Hand. Seinen ersten Scheinerfolg durch fortgesetzte Anläufe auszunützen blieb Dubail versagt. Im Gegenteil war schon am 15. General Hammerstein bei Senones eingebrochen, wo 13. und 14. K. Dubails nordwärts ihre Vogesenlinie bei Raon–Celles–Raon l'Etaple spannten. Allerdings war das Elsaß der einzige Teil des großen Kriegstheaters, wo die Sachen sich günstig für Frankreich anzulassen schienen. Die Nachrichten sind aber beiderseits verworren. So soll bei Hasbach ein »Zuavenregiment« in böses Feuer geraten sein, nur Region Lyon enthielt aber Zuavenformationen und es ist wenig glaublich, daß solch ein Regiment 14. K. bei Pau verblieben sei. Der in Epinal kommandierende General Legrand soll großen Mobilisierungseifer entfaltet haben und 14. und 15. K. hatten schon im Juli ihr Friedensmanöver abgebrochen, zur Grenze eilend, durchaus kriegsbereit. Unzweifelhaft waren die Franzosen hier weit in der Vorhand, ihre Troupes de Couverture verwandelten sich schon früh in große Massen, man erkennt aber nicht, warum trotzdem jedes weitere Vorgehen Dubails erlahmte, obschon er bereits Belagerungstrains über die Vogesen schaffte, also von baldiger Berennung Straßburgs träumte. Er hatte bis 15. nichts gegen sich als Badenser und Elsässer Korps nebst ziemlich zahlreicher Landwehr, letztere war erstaunlich früh am Feinde, während die anderen Teile der 7. A. Heeringen erst im Sammeln begriffen. Mit 11 Aktiv- und 4 R. Div. war Dubail stark genug, um entschiedener vorzudringen, der entschlossene Widerstand bei Markirch und Col Marie machte ihn wohl stutzig. Jetzt trat er 21. und 8. K. Limoges an die Nachbararmee Castelnau ab für deren Offensive auf besserem offenerem Gelände. Sein Unterführer Pau wagte nichts mehr, zumal er bald Hiobsposten erhielt und eine Division des 7. K. nach Epinal, eine später nach Paris senden mußte. Sehr geschwächt, wich er auf Dammerkirch zurück und bekam am 27. noch einen Rippenstoß auf die Reise, so daß er förmlich über die Grenze flog bis Belfort, dessen Werke den Verfolger mit Fernfeuer begrüßten. Doch ist aus Verlustlisten der Mannheimer und Würt. L. W. nebst deren 1. L. W. Pionieren keine blutige Schlappe Paus erkennbar, sie verzeichnen nichts. Später verschwand hier auch franz. 41. D., nur 57. und 66. R. D. blieben übrig. Während sich dies bei Dubail zutrug, liefen nordwärts Vorpostengefechte längs der Front der 2. A. Castelnau entlang, im einzelnen nicht verlustreich, doch sich im ganzen erheblich summierend. Bei der deutschen Reiterei plänkelten 9. Hus., 3. Jg. z. Pf. und besonders 5. J. z. Pf. stärker, ohne daß wir wissen wo. General Radovitz blutete bei einer Kav. Brig. Man traf 2. franz. Kav. D. an der Seille, Chasseurs bei Blamont und am Parroy-Forst. Die drei bayr. K. schoben früh 3. Brig. Augsburg, 7. Würzburg und 11. Ingolstadt in schwacher Friedensstärke vor, sammelten sich aber erst bis 14. allmählich. 97. Inf. des Saarbrücker 21. K. wich nordöstlich aufs allmählich anrückende 1. bayr. K. aus, 3. bayr. L. W. aufs 2. bayr. K. Auch hier wurde Landwehr nicht verschont als Grenzposten. Schon am 11. stießen zwei Brigaden des 15. K. Marseille im Wald von Lagarde vor Luneville nicht nur auf »bayerische Deckungstruppen«, wie man liest, sondern auf Spitzen des 21. K. Fritz Below, dessen 59. Brig. jedoch tags zuvor weit südlicher focht, 2. Jäger, Aschaffenburg nebst bayerischer Ulanenbrigade sowie vier Tage später 80. hessische und 120. Würt. L. W. Die Marseiller 59. Brig. wurde gründlich geschlagen mit Verlust von viel Toten, 1467 Gefangenen, ihr General fiel, 8 Geschütze gingen verloren. Doch erhielten die Ulanen bei vorwitziger Attacke böses Mitrailleusenfeuer vom Kirchhof (16 Offiz. 219 Reiter bluteten), die Deutschen bezahlten den Erfolg bis 15. mit 1200 Mann (nur 166 Jäger), meist 17. Saarbrücker 15. Art. Da bald größere französische Massen folgten, räumten diese Deckungstruppen der 6. A. Prinz Rupprecht am 15. Lagarde und wichen ostwärts. R. Arch. erwähnt nicht mal die Ulanenattacke. Die bayrische und 7. Kav. D., 8. sächsische als 3. Kav. K. Fromnel, konnten hier gewiß nicht gegen Sperrforts anreiten, doch häufte auch Joffre auf so ungeeignetem Gelände unsinnig viel Kavallerie an, das ganze Kav. Korps Conneau begleitete die »Armee von Toul«, und 6. K. D. Lyon der »Armee von Epinal« ging später auch nach Norden ab. Während bei letzterer gleich D. Epinal und 14. K. auf Kriegsfuß waren, so bei ersterer außer dem 15. südfranzösischen K. das 20. K. Toul. In die Naturfestung der Vogesen paßten die Alpenjägerbrigaden von Grenoble und Nizza, die gegen Monatsende bei Dubail eintrafen, in die Kunstfestung des Mont Couronné vor Nancy die schwersten Geschütze. Dies Panzerfort und andere Befestigungen vollendete man im Frühjahr aus lauterer Friedensliebe und man täuschte sich deutscherseits bitter, daß 21-cm-Mörser dagegen ausreichen würden. Nur die »dicke Bertha« der Geheimhaubitzen, (wir wählen diese Bezeichnung der russischen Schuwalowhaubitzen im 7 jährigen Krieg) hätte dafür genügt. Bei Longwy putzten leichte Feldstücke, die nur auf 5 km schossen, am ersten Beschießungstag 300 Mann der Besatzung weg, in der Lothringer Schutzzone erlag auch das stärkste Sperrfort Manonweiler, doch die natürliche Stärke der Nancy-Höhenforts wurde sehr unterschätzt. Im Vertrauen auf diesen Zufluchtsort, zu dem er immer heimkehren konnte, trat Castelnau frohen Mutes die Offensive in Richtung Mörchingen–Saarburg an. Das 20. K. mit 9. K. als Rückenstaffel kam von Nancy her, 16. K. Montpellier und 15. von Luneville, rechts schloß sich Dubails 8. K. an und weiter rechts 21. K. am Donon. Hier aber, wo die deutsche 6. und 7. A. zusammenschlossen, konnte ein Stoß über Baccarat auf Magnières die 1. und 2. franz. A. auseinandertrennen und mit dieser Möglichkeit rechnete Castelnau so wenig, wie mit plötzlicher Ankunft drei bayerischer Reservedivisionen. Da sowohl 3. bayerische als 9. franz. K. zurückhingen, griff er mit 11 D. (70. R. D. bei 20. K.) 8 schwächer formierte deutsche an, wobei wir schon 5. bayr. R. D. rechnen, d. h. mit 170 Batl. nur 98 deutsche inkl. Jäger. Dies wurde dadurch etwas ausgeglichen, daß das 21. K. gefesselt blieb und eine badische Div. in die rechte Flanke der französischen Angriffslinie fiel. Immerhin fochten auch so inkl. 3. bayr. K. und franz. 18. D. und 68. R. D. rund 173 franz. gegen 124 deutsche Bataillone, so daß das Märchen von deutscher Übermacht sich selber richtet, obschon freilich bei Charleroi und Longwy die französische Übermacht viel größer war als hier. Dies Verhältnis muß für das Endergebnis umsomehr beachtet werden, als später große deutsche Verstärkungen eintrafen und Übermacht Castelnaus dann überhaupt nicht länger vorhanden war. Während der Druck des Vormarsches gegen den äußersten rechten Flügel Rupprechts (Vorhut 3. B. K. als 6., 21. Inf., 6. Art.) matt blieb, verstärkte er sich gegen die Vorhut des linken Flügels (16., 20. Inf., 1. Art.) was sich auf I/2. und II/3. übertrug und den Feind seit 12. bis 18. von Nehviller bis Gerbecourt brachte. 16. Passau wich auf Lörchingen. Allmählich reihten sich auch die bayr. Reserven unter General Faßbender bei Forchville und St. Johann ein, später bis Lauterfingen, Dahlheim, Liedersingen. Das in die Vogesen entsendete 14. R. scheint am 17. bei Coincy gelitten zu haben, doch läßt sich Zeitpunkt des Verlusts nicht feststellen, da die Liste lustig bis Mitte September läuft. Vergnügt fühlten die überall bedrängten Vorderteile sich nicht, die französische Impulsive sah eine Fülle der Gesichte und trompetete ihr blendendes Vorwärts in alle Winde aus. Das 20. Toulkorps kam über Château Salins, wo 22. Pfälzer am 10. und 19. erheblich litten, immer näher an Mörchingen heran. Trotz Maskierung durch Flüsse, Höhen, Wälder verfing sich nichts im deutschen Aufklärungsnetz, vielmehr spann Castelnau seine Maschen über Seille und Meurthe. Die 8. Drag. Couneaus schlichen sich an bayerische Vorposten bei Moucel heran. 3. und 20. Inf. hatten am 10. ein glückliches Gefecht bei Montreux, das Leibregt. schlug am 12. bei Badonweiler die 20., 21., 17. Ch., 17. J. des Epinalkorps, machte 800 Gefangene, doch verlor 21 Offiz. 388 Mann. Am 14. hielten 2. und 16. Park und Schleifmühle von Circy, dann erfolgte allgemeiner Rückzug hinter die Saar. Beim 2. bayr. K. war 5. R. Br. Landau eingefügt, ein 2. R. K. nominell nicht gebildet, Einzeldivisionen 1. und 5. als 1. R. K. lieferten am 18. bei Mittersheim (142. franz. gegen 2. R.) und am 19. bei Liedersingen im Fuchsholz und Conthil scharfe Nachhutkämpfe, wobei 5. R. 400 verlor. Nördlich schon des Saarkohlen-Kanals bei Saaralbdorf und Försterei Saarwald mußte es bald zwischen 15. franz. und 2. bayr. D. zu Begegnungsschlacht kommen. Auch 12. und 15. J. hatten laut Verlustliste früher Gefechte, ohne daß es offiziell erwähnt wurde. 9. Würzburg mußte bei Brehain, 18. bei Gerviller, eine Saarbrücker Vorhut von 138. und 166. bei Diauze weichen; jetzt aber zog sich am 20. das Heer Rupprecht in einer straffen Linie zurecht. Praktischen Nutzen hatte das unablässige Vormarschieren Castelnaus nicht, ermüdete die Stoßkraft der Truppe und entfernte sie weit von ihrer guten Basis. Was dachte sich wohl der alte Goltz bei seiner bedächtigen Unweisheit, Joffre habe von deutscher Methode gelernt? Dessen so frühzeitige Offensive in den Reichslanden blaguierte nur aus politischen Gründen, während sie an der Sambre richtig gewesen wäre. Umgekehrt blaguierte man deutscherseits, der Feind sei absichtlich so weit auf wohlbekanntes Manövergelände nachgelockt worden, solche Kinderei betrachtet den Krieg als Artillerieschießplatz. Die nackte Wahrheit bleibt hier wie anderswo, daß wegen nachhinkender Mobilisierung die Truppen erst jetzt vollzählig anlangten, deren Vorhuten bisher den reißenden Strom nicht eindämmen konnten. Auch die badische Vorhut II/170. und 76. Art. zog sich auf ihr Gros östlich Saarburg zurück. Trällernd und mit Hörnerschall zog 16. Div. Maudhuy des Limogeskorps am Saarburger Rebenberg daher, als Steilfeuer von Haubitzen in ihre Glieder, wie schon vorgestern in das Lager der 2. Kav. Div. einschlug. So begann die große Schlacht am 20. August. Bald bekam man das Bajonett der Bayern zu schmecken, die mit wildem Grimm Maudhuys 29. und 85. Regt. aus Saarburg hinauswarfen. Das 8. K. war heiter und sorglos im Marsche, als es plötzlich die 1. bayr. D. auf sich zustürzen sah. Mit unbezwinglicher Kampflust warf sich 1. Brig. München, eines mörderischen Feuers nicht achtend, auf die 16. D., schlug sie aus der angrenzenden Höhe heraus und richtete ein Blutbad an. 17. und 97. Saarbrücker nebst 15. Art. und 27. Pion. gliederten sich südöstlich an, eine losgelöste Gruppe Badenser (40., 110. und I/112.) fiel dem Feind in die rechte Flanke. Man stand also ziemlich kunterbunt durcheinander. Die Verwechslung, 1. bayr. D. sei bei St. Johann aufmarschiert, berichtigt sich schon durch örtliche Lage, da sie nachher viel weiter südöstlich auf Badenweiler verfolgte, dagegen 2. D. von St. Johann auf Avricourt. Die 1. D. entschied fast allein den Sieg mit Beihilfe der Badenser. Was sich vom Limogeskorps beim Abkochen befand, als sich um 11 Uhr vormittags das Münchener Leibregiment vorausstürzte, durch den Saaralb-Wald verschleiert, unterlag so noch mehr der Zermalmung durch Xylanders schwere Artillerie (1., 7. und 1. F.). Um 5 Uhr das ganze Saarufer räumend, wich das 8. K. mit Verlust von 2000 Gefangenen 30 Geschützen (inkl. 12 am 21.) auf Blamont, wo aber auch seines Bleibens nicht war. Es geriet schon abends und am 21. in die Sphäre der Badenser. Doch rangen 12. Neu-Ulm und II/III/15. Neuburg bis in die Nacht bei Zittersdorf. Mörser der 15. F. A. verscheuchten die französischen Batterien, besonders 1. A. Br. Prinz Luitpold machte sich dem Feinde furchtbar. Indessen verstrickten sich 1. Jg. bei Conthil, 5. R. bei Liedersingen, Pfälzer D. bei Bellevue, Gr. Mühlenteich und Mörchinger Höhe in schweres stehendes Gefecht. 6./5. A. galoppierte zwischen erschöpfte Schützen der 18. J. die Höhe hinauf, I/12. A. vertrieb Maschinengewehre auf dem Liedersinger Kirchturm. Am Mittersheimer Weiher und Großholz von Bisping stürmten 1. R. Jg. bei Stranhof (V. 250). Es war 5. R. Br. gemeinsam mit 9. Würzburg, die den Gerichts- und Roten Berg erstürmten. 4. und 11. Art. Würzburg faßten Fochs Art. so scharf in der Flanke, daß sie 2 schwere Batterien demoliert stehen ließ. Weiter nördlich führte General v. Gebsattel seine Franken unerwartet früh vor. Sie kamen über den Gelberg in den Serreswald bis zur Telegraphenhöhe vor Nancy. Die Franzosen hatten hier 68. R. D. sowie später 18. D., die 4 Geschütze ans 21. Fürth verlor. Nicht aber »70. R. D. Teile 20. K.«, die weit südlicher fochten. Ob die Franken einen Verlust von »2000 Toten« zufügten? Ihr eigener war mäßig: Man darf General Gebsattel zu diesem energischen Debüt beglückwünschen, das 1300 Gefangene einheimste. Am Südostflügel drückten jetzt die Badenser, die mit 113. Freiburg von Schreckenbusch her gegen Badonweiler seitwärts anliefen. Vor ihnen erlosch in der Dunkelheit ein kurzer Entlastungsstoß von Teilen der 43. D. Epinal. Auch 13. K. hatte als Flankenschutz weiter östlich dienen sollen, verirrte sich aber. Das 8. K. ging zwar in Unordnung zurück, schlug aber trotz eigener Schwerverwundung auch den Bayern empfindliche Wunden. Am Saarufer lagen viele Leichen der Münchener Leibbrigade. Am anderen Flügel wiederholte sich der gleiche Vorgang beim leichtfüßig durcheilten Mörchingen, wo das Toulkorps sich nicht auf plötzlichen Angriff der Pfälzer gefaßt machte. Wie wir sahen, war das 2. bayr. K. am stärksten vom feindlichen Vormarsch betroffen worden. Vom 3. K. erwartete es keine Unterstützung, dies marschierte erst später über Delme auf Nomeny in Richtung Nancy. Das franz. 9. K. bei Pont à Mousson mußte bald darauf seine 17. D. Dumas nach den Ardennen befördern, an deren Stelle dann zwei Reservedivisionen traten. Es liegt auf der Hand, daß die drei aktiven Brigaden des 2. K. unmöglich den fünf des gefürchteten Toulkorps hätten Mörchingen abringen können, auf dessen Ostseite auch noch 70. R. D. vorging. Fast jede bisherige Darstellung ist verkehrt, da sie die wirkliche Verteilung der bayerischen Reservebrigaden nicht berücksichtigt. Nur ein Teil von ihnen stand bei St. Johann, ein anderer neben der 7. Brig. des 2. K. Er warf die 70. R. D. über den Haufen und griff die 39. D. Toul seitwärts an. Diese mit Verlust fechtenden Reserveregimenter rühmen sich, dem Toulkorps Foch gegenüber gefochten zu haben, 5. R. stand neben 23. Inf., während 5. R. A. bei Dieuze am rechten Flügel der Saarbrücker feuerte. Es trifft also nicht zu, daß 1. bayr. R. K. nur links als Füllsel zwischen Saarbrückern und 2. bayr. D. stand, es focht auf eigene Hand ohne jede Beziehung zu den Nachbarn, außerdem wird vergessen, daß auch schon Reservetruppen außerhalb des Korpsverbands im Feuer waren. Diese Einzelheiten muh man für richtige Gruppierung der deutschen Schlachtordnung ins Auge fassen. Verfrühte Darstellung krankte auch daran, daß man das 16. K. Montpallier nicht berücksichtigt, als ob nur 15. K. das Zentrum gebildet hätte. Südöstlich von ihm rang gerade das 16. K. standhaft und tüchtig. Das Saarbrücker K. stand allein den zwei südfranzösischen Korps gegenüber, ist aber rechts und links von bayrischen Reserven gedeckt worden, auch dürften 2. B. D. und die nach Saarburg abgezweigte Saarbrücker Abteilung das 16. K. beschäftigt haben. Es scheint indessen, daß hauptsächlich nur 31. D. die Marseiller schlug. 42. D. brach vom Monacker Wald hervor, besonders 131. Mörchingen stürmte allen vorauf, obschon dessen Tote und Verwundete sich häuften. Jedenfalls endete der Andrang des 15. und 16. K., dem schon früher 137. und 138. bei Bliedersdorf entgegentraten, zuletzt damit, daß die Marseiller in Panik aus der Schlachtlinie wichen. Obschon sie schwere Artillerie verwendeten, wurden sie von den deutschen Haubitzen überwältigt, ganze Batterien zermalmt. Die Mörchinger Brigade verlor den General und beide Obersten, doch sie erstürmte Vergnaville mit äußerster Gewalt; der Sturm einer anderen Brigade der 42. D. ging über die Höhen westlich Dieuze weg. Der Verlust war auch bei 174. Bitsch schwer, doch die nach vorn durchgegangenen Sturmhaufen ließen sich nicht halten, bis wilde Abendpanik alle Bande in den französischen Reihen löste. Ihre Feuerschlünde schwiegen, neben erschossenen Gäulen und Maultieren blieben die Geschütze liegen, vernichtendes Verfolgungsfeuer besäte den ganzen Rückzugsweg nach Geblingen mit Leichen. Man hielt sich darüber auf, daß die Marseiller flüchteten, doch sie taten es erst, als der Tod zu schrecklich in ihren Reihen wütete, und daraus einen Wertunterschied nord- und südfranzösischer Truppen zu folgern, geht um so weniger an, als das 17. und 18. K. im September Hervorragendes leisteten und das 16. schon heut sich durch Standhaftigkeit bemerkbar machte. Es zog erst auf Blamont ab, als 8. und 15. K. links und rechts vollständig geschlagen. Als die Mitte riß, knickte auch die entblößte Linke ein. Jetzt erst kam die 39. D. (in deutschen Berichten mit der 11. »eisernen« verwechselt) ins Gleiten, der 11. »eisernen« konnten die Pfälzer nicht Meister werden. Erst abends ging dies Elitekorps (neben dem Chalonskorps hochgefeiert) unter schweren Verlusten (800 Gef.) vom Schlachtfeld nach Ch. Salins und Civry ab. Indessen war der Kampf hier lange nicht so blutig wie bei Saarburg und Dieuze; nur die Würzburger litten bedeutend. Inzwischen hatte links von den Saarbrückern 5. R. D. mühsam gesiegt, die 1. b. R. D. die Höhe St. Johann mit der 2. Brig., Waldsaum und Kanalschleuse am Wirtshaus Lauterfingen mit der 1. genommen. Sie schloß sich der 2. bayr. Aktivdivision am 21. in Richtung Avricourt an. Auf diesem Rückzug erklärte sich die von Dubail geschickte 6. Kav. D. für so erschöpft, daß sie ihre Pferde ruhen ließ, womit den Limogern nicht gedient war. Castelnau verlor Gefangene und Geschütze, doch wohl kaum schon in sehr erheblicher Zahl, nur die Marseiller ergaben sich scharenweise. Der deutsche Verlust mag auf 15 000, der französische auf weit über 20 000 Tote und Verwundete geschätzt werden; leider bedeckten viele Tote der Saarbrücker das Schlachtfeld, deren unwiderstehlicher Heldenmut in unnachsichtlichem Sturmlauf die Entscheidung brachte. Daß diese Lothringer Schlacht von der Legende besonders gefeiert wurde, dazu lag kein Anlaß vor. »Charleroi«, wovon damals die Öffentlichkeit fast nichts, und »Longwy«, wovon sie wenig hörte, bedeuten viel größere Siege über viel größere Übermacht. Daß der Schlag keineswegs ausgiebig Castelnau traf, zeigt sein Bestreben, sich auch fernerhin der Lawine entgegenzustemmen. Schon verlangsamte er seine Bewegung, die Mortagne im Rücken, als Joffres Befehl am 21. einlief, sich nur zwischen Meurthe und Mosel zu halten. Hochstrebende Siegeszuversicht verging ihm also sehr plötzlich; er fand das klassische Wort: »Die beste taktische Lösung war hier der Rückzug«. Solche Einmischung betrachten wir skeptisch. Große Massen lassen sich nicht pünktlich aufs Kommando aus der Ferne handhaben, Übereinstimmung läßt sich nicht leicht erzielen; Prinz Rupprecht schlug ja auch früher los als andere deutsche Heere. Am 25. schlugen Castelnau und Dubail beide Joffres Rückzugsbefehl in den Wind, weil er ihnen nicht angemessen schien. Jedenfalls war es jetzt zu spät für »strategischen Rückzug«, es wurde ein erzwungener, den Feind auf dem Nacken. Am 21. wollte 13. K. Allix die Deckung des 8. übernehmen, wurde aber von den Badensern zurückgestoßen, seine Rechte verlor ihre Artillerie, bei Walsch unentwickelt. Da sich 21. K. schon im Abzug befand, mußte Allix um so mehr zurückgehen, als sich jetzt auch eine Elsässer Division gegen Dubails Linke wandte. Beim Münchner K. stockte die Verfolgung mehrfach, gleichwohl sei es schon am 25. aus dem Glonvillewald herausgetreten, bei Bazin und Mesnil südlich Morvillers gelandet, den Feind bis St. Beroit zwischen Rambervillers a. d. Mosel und Etival zurücktreibend. So die offizielle Angabe. Das wäre eine gar lange Strecke, um sie fechtend in vier Tagen zu durchziehen. Vielmehr waren nach den V. L. 1. und Leibrgt. am 23. erst bei St. Pol in gleicher Luftlinie mit Fraimbois und am 25. bei »Chaynes«, soll heißen Roville aux Chênes. Es scheint vielmehr, daß Xylander sich erst am Ostufer der Meurthe befand, als am 22. die weit vorgeprallten Saarbrücker schon Luneville erreichten, während rechts davon die Pfälzer noch kaum die Seille berührten. Der Raumgewinn der Mitte betrug bis ins Meurthetal schon 40  km . Wie so oft im Weltkrieg war also wieder der Zentrumstoß entscheidend. Die 31. D. ließ sich nicht Nein sagen, als das 16. K. den Weg nach Luneville verlegen wollte, 131. zog angeblich schon am 22. abends, andere Teile am 23. nachm. mit klingendem Spiel in Luneville ein. Bald waren sie darüber hinaus, nachdem noch 70. Inf. und die hierher verschlagene 70. Lothringer L. W. nebst 122. Würt. L. W. scharf ins Feuer kamen. Am 23. erreichte 166. Bitsch die Mortagne bei Gerbeviller. Mittlerweile bemächtigte sich 12. b. J. des wichtigen vom franz. 95. verteidigten Blamont a. d. Vezouse; 1. R. K. kam Castelnaus Absicht zuvor, der Avricout südlich des Rhein-Marnekanals bewahren wollte. Das Münchner 2. R. erstürmte den Höhenzug bei Leintry; 3. und 6. R. Fürth über Autrepierre litten sehr wenig. Bei den Pfälzern vertrieb 5. Bamberg den Feind über Château Brehain, dagegen hatte 3. b. D. bald alle Hände voll zu tun, da K. Foch schon wieder stark bei Flainval-Dombasle auftrat. Es ist also bei Mörchingen nicht so arg zerfetzt worden, wie man glaubt. 23. Pfälzer stritt sich mit ihm bei Blainville herum. Am Nordflügel konnte Castelnau nicht daran denken, die Linie Marsal–Moucel zu halten. Denn 3. b. K., später von norddeutschen Ersatzbrigaden unterstützt, drückte jetzt gewichtig auf Hoeville-Serres und verwickelte sich später in heißen Kampf bei Maixe nördlich Luneville südlich Nancy, wo das im Weltkrieg nachher oft hervorragende 13. R. seine zweite Feuertaufe erhielt. Denn die früher links vom 2. K. angesetzten Reservebrigaden gingen jetzt rechts von ihm vor. Gleichzeitig dehnte sich die Front bis Remereville nordöstlich Nancy aus. Die über die 6. A. verstreuten Ersatzbrigaden begannen jetzt einzurücken, eine Gruppe über Moncel, eine andere im vielumstrittenen Champenouxwald vor Nancy, eine dritte bei Serres, eine Brandenburgische bei Einville am Kanal nordwestlich Luneville. Joffres Communiqué vom 22. abends, als sei nichts Schlimmeres vorgefallen, bezweckte nur Täuschung. Tatsächlich war Castelnaus Zentrum völlig durchbrochen. Beiläufig sollte man sich über Gelingen von Zentrumsstößen nicht wundern, da die Flügel stets bessere taktische Geländeanlehnung zu haben pflegen. Später zog sich hier die Schlacht mehr auf den Flügeln zusammen, doch wirkte Aufreißen der Mitte bei und südlich Luneville sich auch fürderhin bedrohlich aus. Daß das 20. K. im Norden möglichst Haltung bewahrte, glauben wir gern, doch gesteht Hanotaux zu, daß man auch dort bald 15  km Raum verlor, und ein Blick auf die Karte lehrt, daß sein Rückzug auf Nancy eine recht lange Strecke umschrieb. Dort wollte man sich am Berg gleichsam ein Adlernest bauen, von dem man sogleich wieder die Schwingen erhob. Platzkommandant Durand sollte mit 5 Res. Brigaden diese Stellung hüten, während General Ferrey mit 11. D. die Verfolgung aufhielt. Ihre 22. Brig. hielt brav stand, bis die Marseiller die Meurthe passierten. Man hätte sie noch am Ostufer einholen können, ehe sie fassungslos über die Brücken flüchteten. Die Verfolgung hätte auch hier mehr beschleunigt werden müssen. Die Pfälzer waren jetzt bald vor Doubasle. Sie hätten bei Überschreiten der Meurthe »enorm gelitten«, ausgerechnet durch Artillerie der Marseiller, die sich notdürftig in Reih und Glied hielten? Der Verlust war dort gar nicht so schwer, es wird schon so sein, dah dem 16. K. alles Verdienst zukommt, das Nachstoßen gemäßigt zu haben. Denn die 11. D. schlug vier bayrische Angriffe bei Flainval so »siegreich« ab, daß sie eiligst nach Doubasle abzog! Bedenklicher war es, daß 39. D. schon am 23. »in Reserve trat«, d. h. zunächst gebrauchsunfähig. Nur ihre 4. Ch. an der Moselbrücke von St. Nicolas bildeten noch ein Verbindungsglied zwischen Castelnaus Nord- und Südgruppe. Daß er schon am 23. wahrnahm, wie Rupprechs Rechte Nancy die rechte Schulter zukehrte, und daraufhin seinen famosen Flankenstoß begann, hat diese französische Behauptung irgendwelche Wahrscheinlichkeit? Daß 43. Kolonialrgt., 212., 290. R. und viel Artillerie angeblich einen deutschen Angriff abschlugen, beweist doch das Gegenteil. Damals verfügte er über gar wenig Kräfte für solche Unternehmung, es hieße die Bayern kränken, wenn sie damals nicht solcher Neuorientierung Herr wurden. Der Gegenangriff Castelnaus schon am 23. und 24. ist Mythe, Übertreibung, erfunden, um seine Erschütterung zu vertuschen. Erst am 24. meldete ein Flieger deutschen Linksabmarsch nach Südwesten und man war »sehr überrascht«, von vorbedachter »genialer« Berechnung, wie Hanotaux mit ermüdenden Wiederholungen erheiternd behauptet, war also gar keine Rede. Da Rupprecht hochmütig Nancy »links« (in diesem Falle rechts) »liegen« ließ, war es rein taktisch geboten, seine Flanke zu beunruhigen. So entstand Vorstoß der wiedergesammelten 39. D. bei Maixe und Fricourt. 7. b. R. litt hier beträchtlich, gleichzeitig griffen neben 13. R. auch 22. Inf., 2. und 5. Art. des 2. K. und 13. Inf. des 3. K. ein. Letzteres hatte 14. Inf. Nürnberg und 8. Art. bei Serres, 21. Fürth bei Hoeville, nördlicher 7. Bayreuth und 19. Erlangen gegen 18. D. und bei Champenoux pürschten die Aschaffenburger Jäger. 12. Brig. Regensburg vor Maixe. Man beobachtete die Reserve nördlich Nancy, wo sich bis 25. nichts rührte. Die Kämpfe waren hitzig, bei 7. Inf. sanken 21 Off. auf nur 430 Mann t. u. v. Am 25. nahm das wieder gesammelte 15. K. nebst 64. R. D. Front nach Nordost, desgleichen 16. K. und 74. D. Rückzug des franz. 8. K. über die Mortagne unter Orkan und Hagelschlag nach drückender Schwüle, behindert durch flüchtende Landbevölkerung. 2. Alpenjägerbataillon traf bei Maudhuy ein, der es auf seine linke Flanke setzte, wo die schneidigen Alpins in ihren schwarzen Uniformen und schwarzen Baretts sich, wie in den Vogesen vom Schnee, hier vom Feuerschein des brennenden Gerbeviller abhoben. Sie begeisterten die Dorfbevölkerung zu Marseillaise-Elan, sie mußte eben die Folgen tragen. Wer Franzosen kennt, wird aus vollem Halse lachen über die harmlose Unschuld der aus dem Hinterhalt feuernden Landleute. Dies »Martyrium« gemahnt an die Theatralik von Chateaubriands Märtyrern. Wir verweisen nachsichtig etwa vorgekommene Rachetaten der wilden Bayern nicht ins Märchenreich, doch wie würde ein französisches Militär spotten, wenn deutsche Dörfler sich ebenso bewähren und dann über Anwendung des Kriegsrechts lamentieren wollten! Natürlich, Franzosen ist alles erlaubt, sie üben bei Verteidigung des »heiligen Bodens« nur ihr gutes Recht und nur Boches-Barbaren verübeln ihnen solche schöne Geste. Nun hat sich aber jeder Historiker strenger Kontrolle zu unterziehen, nicht der Phantasie freien Spielraum zu lassen, bei Hanotaux ist das einzig Kontrollierbare Aufschneiderei. Er nennt »Brig. Clauß«, diese sei durch die Alpins »dezimiert« worden, wofür sie sich durch Massakre von Unschuldsengeln rächte! Bei Gerbweiler focht aber nur 17. Inf. Germersheim, die schwerlich mehr litt als bei voraufgehenden und nachfolgenden Kämpfen. Diese »dezimierten« Bayern überschritten ruhig die Mortagne, zwischen welcher und der Mosel sich südlicher die Saarbrücker vorbewegten. Die Bayern Xylanders stießen die 25. D. des 13. K. auf Domptail zurück, die 26. D. setzte sich aber noch auf den Höhen südlich Bacarat zur Wehr, rechts davon die 43. D. gegen die Badenser, 29. D. bei St. Barbe, 27. D. des 14. K. bei Senones gegen das deutsche 14. K. und 30. D. bei Raon, 28. D. am Ban de Rupt zurückgebogen bis St. Dié gegen R. K. Eberhardt, Alpenjäger und Reserveformationen am Südende gegen die bayrische Gruppe zwischen Markirch und Col Marie. Da das franz. 8. K. mehrere Tage ausfiel, ebenso die 13. D. des Epinalkorps, so wäre rasches Vordringen Xylanders geboten gewesen. Truppenübermüdung entschuldigt in solchen Fällen nicht, die Preußen waren am 17. und 18. Juni 1815 noch viel ermüdeter und »effektuierten große Dinge«, um mit Friedrich dem Großen zu reden. Saarburgverlust kann die Truppenstimmung nicht so getrübt haben, die tolle Übertreibung, Xylander habe dort 25, stellenweise 50 % verloren, überträgt Einzelfälle, die für den ganzen Monat gelten, fälschlich schon auf die Zeit bis 25. Auch die Metzer Bayernbrig. fesselte, ehe sie ins Ornetal abzog, bis 23. feindliche Kräfte beim brennenden Nomeny, wo die französische Suada wieder viel »Greuel« hinverlegt. Auf den Hügeln am brennenden Maixe gerieten 3. Chevauxlegers und 17. Germersheim in Bedrängnis, bis zwei Landauer Batterien schneidig hinauffuhren. Noch am 24. drangen die Pfälzer auf Remenonville, 4. b. D. durch Vitrimontforst überschritt die Meurthe bei Mont, wo aber die sehr störende feindliche Kanonade sogar die Kriegsbrücken zerschoß. Erst am 25. ermannten sich franz. 59., 68., 70. und 73. R., das neue d. Ersatzk. (4., 8. und 10. D.) über Hoeville zurückzudrücken; auch I/7., III/19. und I/14. wichen, während II/III/14. bei Serres standhielt. Vor Fleinval blieb 5. b. D. festgebannt, obschon 10. A. Erlangen kräftig wirkte. Bayreuther 10. Brig. hielt sich am Einvillewald, gelehnt an 1. Jg., 1. R. Jg. und b. Kav. D. bei Vitrimont. Da die Pfälzer südlich abrückten, trat 6. b. D. an ihre Stelle bei Maixe, 11. Brig. Ingolstadt bei Crevie ertrug lange weittragende Festungskanonade aus Nancy, angekämpft durch b. 3. A. und 3. F. Art., 10. J. litt furchtbar. Auch 1. b. K. stand nach Erzwingen des Meurtheübergangs ohne merklichen Kampf noch am 25. mit 3. Brig. und 16. Passau bei und im Glonvillewald, erst spät entlastet durch 4. Brig. bei Chateau Villers, 2. Rgt. nördlich Menil über das heiß umstrittene Bazien kam es auch am 26. kaum hinaus. 2. R. deckte angeblich bei Doucières die Flanke. 4. A. und 15. J. mußten sich gegenseitig aus der Not reißen. Die tapferen Neuburger halfen auch aus eigenem Antrieb des Brigadechefs bei Giriviller der 65. Saarbrücker Brig., wo man erstaunt Schwarze sich gegenübersah: eingetroffene Kol. B. Marchand. Bis 23. verloren I/II/15. allein 26 Off. 940 Mann, noch ärger schmolz 10. Ingolstadt bei Crevie allmählich auf ein Drittel. Den dauernd »unerträglichen« Nancykanonen entzog sich 3. b. K. durch Rückbewegung, 2. b. K. wich über die Mortagne bis Herimenil, das von sächsischer Reiterei besetzte brennende Luneville im Rücken. 11. A. deckte opferwillig den Abzug. Die Bayern wurden hier erheblich aufgehalten, während der angebliche große Flankenstoß Castelnaus nur auf taktische Gegenstöße gegen nicht nennenswert aufgehaltenes Vordringen hinauslief. Auf der Nordostflanke, wo doch ein großer Ausfall angebracht gewesen wäre, geschah bis 27. überhaupt nichts. Gewisse Historiker möchten auch hier einen Einschnitt als neues Stadium einlegen, als ob nach 24. die Franzosen sich verschnauft und erholt hätten. Das ist jedoch sehr trügerisch, die Kampfhandlungen folgten Schlag auf Schlag, ineinander verkettet. Nach französischer Darstellung sei Castelnau ja gar schon früher zum Gegenstoß übergegangen. Möglich? Nein, wie wir sahen, denn die deutsche Bewegung südwestlich von Nancy vorbei sprach sich nicht schon früher aus. So schien erst am 25. die Rechte Rupprechts in der Weiche freizuliegen, der südlich der Trouée de Charmes zwischen Castelnau und Dubail durchbrechen wollte, so daß jetzt Epinal statt Toul-Nancy das strategische Ziel wurde. Diese Idee versprach viel, doch der Moltkesche Grundsatz konzentrischer Einkreisung war hier auf die Spitze getrieben. Denn es mußte am Ende doch Anschluß an die 5. A. gewahrt bleiben, zwischen welcher und der 6. A. zur Zeit nur eine Metzer Res. Brig. und drei L. W. Regimenter die Verbindung aufrechterhielten. Der Weg nach Metz wäre sonst offen geblieben und auf Strecke Pont à Mousson–Verdun konnte der Feind sich eindrängen. Natürliche Logik der Dinge zwang daher später dazu, den Nachdruck wieder auf Toul-Nancy zu verlegen. Infolge der angeordneten Linksschwenkung gerieten jetzt 2. b. und 21. K. immer weiter von Nancy ab südwärts. Castelnau stellte vier R. D. zwischen Toul und Nancy auf, daneben 18. D. (9. K.) und das zähe 20. K. Seinen Gegen- und Flankenstoß mit diesen 6 Div. fing indessen das 3. b. K. nebst seinen Anlehnungstruppen auf. In scharfem Kampf bis 27. bei Maixe legten auch 6., 10., 13. und 5. R. Ehre ein, die Würzburg-Bamberg Brigade des 2. b. K. mußte aber gleichfalls eingreifen. 5. Art. Landau litt außerordentlich. General Ferreys »eiserne« Division hielt sich am längsten, ihre Chasseurs überließen erst spät Friscatihöhe den bayrischen Reservejägern. Südlich davon mühte sich das 16. K., das zerschlagene 15. in Sicherheit zu bringen, und Dubails Linke zeigte nicht übel Lust, mit Castelnau in gleicher Linie vorzugehen, doch die Bewegung erstickte im Keim. Beim 1. b. K. und 1. R. K. stoppte man zeitweilig den Vormarsch. Daß auch letzteres mit bei Bacarat focht, wo Xylander den Feind zurückwarf, ist wenig glaubhaft, es dürfte durch den Parroywald nördlich davon gefolgt sein, jedenfalls finden wir es jetzt in Gegend Luneville, 3. R. löste dort das 9. J. und 8. R. bei Herimenil ab, die bis Mont sur Meurthe gingen, Landwehrbrig. 13 lag vor Sperrfort Manonviller. Deutlich hebt sich davon ab 5. R. B., auf dessen 5. R. ein wahrer Granatschwall niederging, nebst zahlreichen Teilen 5. R. D. nördlich des Pfälzer Korps. Das Montpellierkorps opferte sich für die Marseiller, die fassungslos der Mosel zustrebten. Seine 31. D. litt ungemein, als sie bei Crion südöstlich Einville und im Vitrimontwald sich den Saarbrückern entgegenwarf. Die Pfälzer folgten damals den Marseillern bis Fraimbois westlich der Meurthe. Da das zerschlagene 8. K. gleichfalls vorerst zur Mosel wich, um sich zn »retablieren«, hatten 13. und 21. K. große Mühe, mit den Südfranzosen in Verbindung zu bleiben. Da inzwischen das 3. b. K. seine Rechte schon nördlich Nancy festlegte und später sogar bis nördlich Toul vorschob, so verschlimmerte sich Castelnaus Lage. Wir bezweifeln zwar, daß die Zahl der französischen Gefangenen in den Reichslanden schon 50 000 betrug, etwas wird aber daran sein, daß der unheilvolle Rückzug von Tag zu Tag Kräfte wegzehrte. Später litten auch die Reservedivisionen im Norden ähnlich wie das Epinalkorps am Südende. So groß der Verlust des 1. b. und 21. K., der französische war weit größer, das kann sich auch im letzten Stadium der Augustschlacht nicht wesentlich geändert haben. Von den Strebpfeilern Nancy-Toul waren 15. und 16. K. und Dubails Linke jetzt abgesprengt; diese fochten zugleich Rücken an Rücken mit Dubails Mitte im Vogesental. So unnatürliche Stellung mußte bersten, wenn sie in rückwärtiger Flanke bei Raon l'Etape bedroht war. Dann galt es, sich ganz südwestlich hinter die Mosel zu drehen. Schon wandten sich die Saarbrücker, deren 17. und 97. sich neben den Bayern südlich nach Domptail begaben, südöstlich auf Magnieres und machten den Pfälzern Platz, deren 9. und 18. nach opferreichem Kampf bei Fraimbois sich mit 17. vor Gerbeviller vereinten. Als Zeichen der Niederlage entstand wieder eine Gerbeviller Greuelhistorie. Die Weiße Schmach, barbarische Wilde auf Kulturmenschen loszulassen, die schändlichste Mißhandlung deutscher Gefangener zu betreiben, Nettoyeurmesser zu schärfen, alles noch ärger als die Schwarze Schmach in den Rheinlanden – das alles ist nichts neben den Kriegsverbrechen der »Barbaren«, wie man das gebildetste Volk Europas beschimpfte, weil in der Aufregung von Straßenkämpfen mit fanatischen Einwohnern nicht glimpflich verfahren wurde. »Von deiner Güte ist all die Burg hier voll« (Nibelungenlied). Amtlicher Tratsch aus Tagebuchnotizen toter oder gefangener Deutscher wurde zu Lügen für den Hausbedarf verwendet. Doch konnte Professor Bédier nur 13 solcher Zeugen für die ganze Kriegsfront herausfischen, wobei das Malheur passiert, daß einer von 9. J. als Angehöriger von 9. Pionieren zitiert wird, was doch sicher verdächtig aussieht, da jedes Tagebuch das genaue Signalement des Urhebers enthalten muß. Auch der Stil klingt manchmal so, als habe ein Franzose ihn verfertigt, der gut Deutsch kann, aber nicht gut genug, so daß gewisse Wendungen von einem nichtdeutschen Verfasser herzurühren scheinen. Doch selbst wenn es sich nicht um Fälschung handelt, selbst wenn sentimentale mieselsüchtige Michel hier echtdeutsch lamentieren, was einem rohen Briten und Franzosen nie einfallen würde, sollten die Gegner sich der Kriegsgreuel ihrer eigenen Geschichte erinnern und auch im Weltkrieg vor der eigenen Tür kehren. In Markirch, Weiler und Sulzbach hausten die »Befreier« aufs ruppigste, die Plünderer schleppten 1000 Zivilisten, Frauen, Kinder, Greise und Lazarettgehilfen als Geiseln fort. Überall schoß man auf Rotes Kreuz und Genfer Binde, um nachher die eigene Schande den Boches zur Last zu legen. Schnurren wie ein schmeichelnder Kater und zugleich die Krallen ausstrecken, um wehrlose Mäuslein abzutun, solch liebenswürdig ritterliche Großmut als Weltreklame aller Welschgänger stiftete den Rütlibund von Kongokannibalen und Gurka-Kopfabschneidern für Freiheit und Recht, allen Verbrechern soll vergeben und ein Deutschland nicht mehr sein. II. Heeringens Angriff und Schlacht bei Charmes. Am 18. hatten 30. R. D. (b. 10. R. Brig. und 5. Ers. Brig.) und 1. und 2. L. W. Brig, bei Weiler-Neukirch 8 Gesch. erobert, am 20. bei Steige, wo 11. und 14. R. erneut 4 Gesch. eroberten, den schönen Erfolg abgerundet, doch am 21. am Weinberg einen Rückschlag erhalten. Sobald am 20. der Gegenstoß auch bei Heeringen greifbare Formen annahm, stritten bei Col Marie und Markirch 1. und 9. Ers. Brig., I/II/15. b. R. und das dorthin geschickte 4. R. sehr heftig, schmissen 71. R. D. Hals über Kopf hinaus, auch 30. D. Knörzer eroberte am 24. den Weinberg. Im Ferchtal lagen 60., 70. R. und 60. L. W. des Lothringer Korpsbezirks am Kaisersberg der Alpenjägerbrigade Bataille gegenüber. Bei Diedolshausen wogte das Gefecht von 71. Thür. und 1., 2., 3. und 12. b. L. W. hin und her. Von hier wirkte der westlich Kolmar festsitzende Feind empfindlich in die Flanke der im Herbst als 39. R. D. Rekowski vereinten Gruppen, wurde aber zuletzt von 1. b. L. W. Brig. ins Gebirge zurückgeworfen. Dagegen versetzt ein gewisser Historiker mit seiner gewöhnlichen Unkunde bayrische und preußische L. W. zum Dononsturm, »württembergische L. W.« gab es nirgends auf dieser Front, auch Würt, 26. R. D. hatte dort keinen Hauptanteil, sondern Badenser 28, R. D. erzwang den Besitz des hohen Bergkegels. Als sie bei Verbruck zum Sturm antrat, schienen der Große und Kleine Donon ein zu harter Bissen, als daß man ihn rasch verdauen könne. Doch in 2 ½ Stunden erklommen Bruchsaler und Konstanzer die steilen 400 m, nachdem 29. R. A. die obere Plattform reingefegt. So mancher Brave im Geröll sank und nicht wieder aufstand, so viel Blut an den Felswänden klebte, brach doch ein Strafgericht über die allzu zähen Verteidiger droben herein, ihr 21. Rgt. wurde mit Stumpf und Stiel aufgerieben, nur 36. Brig. rettete sich nach Celles. Den zwei badischen Reserveregimentern, besonders 109. Bruchsal, bei dem 7 Hauptleute sanken, vergällt es ihr Verdienst, wenn man einen Seitenangriff vom 121. Württemberger R. als ebenbürtig erwähnt. Obwohl jeder Fußbreit steilen Bodens von Talstufe bis Spitze von Lebensnaß troff, erscholl jetzt jauchzendes Hurra auf allen höchsten Kuppen des Gebirgsstocks, auch alle anderen überanstrengenden Bergscharmützel endeten damit, daß die Pässe in deutsche Hände fielen, von wo man bisher die Zufuhrstraßen unter Feuer hielt. Beschwerlich mußte Dubail seinen Belagerungspark zurückschaffen und durfte nicht länger stolz auf die Rheinebene hinaus schauen. Die Erstürmung des Donon gehört zu den glänzendsten Feldzugstaten, kostete aber etwa 3500 Stürmer, wovon 2000 auf 109, und 110. R. entfielen, auch 8. und 14. R. Jg. stürmten mit Verlust. Doch des Feindes Tote füllten Gipfel und Abhänge, 1000 Erschlagene liegen droben begraben. Das 14. R. K. Schubert wandte sich am 23. in Richtung St. Dié, wobei diesmal Württemberger voraus. Nördlich davon gewannen Elsässer und Badenser unablässig Boden, ebenso Xylander südlich Bacarat, doch die Franzosen hatten nun überall gute Stellungen, an Wäldern und Hügeln, von denen ihre Artillerie mörderisch spielte. Die bayrische litt auch hier ungemein, selbst Munitionskolonnen wurden von Fernfeuer heimgesucht, da Dubail Festungsartillerie von Epinal an die Front schaffte. Nachdem das 21. K. in die Ebene hinabgeworfen, wurde es weiter übers hintere Vogesenplateau hinabgedrängt, seine am Donon zersprengte 13. D. in die Enge getrieben, während Div. 43. und Korps Allix bei Senoncs-Celles-Raon-Salles von Deimling hart gedrängt wurden. Dessen 99. und 172. hatten sich bei Badenweiler den Badensern angehängt, das übrige Korps folgte links gestaffelt derart, daß seine Rechte die Mitte der Badenser überhöhte. Teile des unvollständig mobilisierten 15. R. K. schlössen sich General Eberhardt an. Auch bei Diedolshausen wich jetzt das 14. K. Lyon. Nach langem schweren Ringen siegten die nacheinander am Col Marie eingesetzten bayrischen Ers. Batl. nebst 4. und 15. b. R., sie entfalteten unbändige bajuvarische Rauflust und trieben zuletzt die 71. D. und die Alpenjägerbataillone bei Fosse-Mandry in die Flucht. Der Württemberger General Knörzer brachte seine jetzt in Brig. München, Zweibrücken und Nürnberg vollzählige Ers. D. nach St. Dié durch neben Würt. R. Brig. Wundt. Dieser Gruppe fügten sich noch 8. rheinische und 14. Meckl. Jg. Deimlings ein, die sich stets getrennt von ihrem Korps im Süden aufhielten. Nun ging alles auf St. Dié los. Noch kurze Zeit und Gewinn dieser Vogesenstadt mußte den Sieg krönen, bis Dubail unter die Kanonen von Epinal wich. Indessen wurde in den letzten Augusttagen das Ringen vom linken Flügel Rupprechts äußerst blutig. Da General Xylander dort 7 Regimenter hatte (12. detachiert), so setzten ihm die 10 des Limogeskorps, das sich wieder geordnet hatte, nachhaltigen Widerstand entgegen. Besonders 15., 1. und Leibregiment kämpften mit schrecklichem Blutvergießen, das noch den sonstigen Rekordverlust der Stuttgarter Brigade beim Kronprinzen übertraf. Sie verloren im August alle die Hälfte, zusammen 4500. Überall sahen die Franzosen »Tausende deutscher Leichen«, zu ihren eigenen drückten sie die Augen zu. Sie schwärmen von »bemerkenswertem Plan« Castelnaus und Dubails, doch ersterer trug im Norden nichts weniger als Siegespalmen davon, zwischen Luneville und Nancy scheiterten Gegenangriffe blutig, und wenn sich die Hoffnung irrtümlich erwies, ihm Nancy rasch abzuringen, so gestaltete sich bis 1. September die Lage doch so, daß Möglichkeit eines Durchbruches bei Charnes nahelag. Am 26. kam freilich die Schlacht westlich und südlich Luneville zum Stehen, der entscheidende Erfolg des Saarbrücker Korps ließ sich nicht ausbeuten. Die französische Artillerie bekam ausgezeichnete Stellungen von Saffois bis Rozelieures. Auch Gefecht von Pfälzern und Reservetruppen bis nördlich Flainval rückte nicht vor, die Linke dieser Schlachtlinie lag bei Garbeviller in harten Strauß verstrickt, wo sich 74. R. D. den Marseillern zur Deckung vorschob. Da Xylander nicht in stürmischem Tempo vorwärtskam, blieben die Saarbrücker weit voraus isoliert. Gleichwohl sah es auf französischer Seite immer noch übel aus, was Hanotaux natürlich nicht Wort haben will. Die andauernde Flucht der Marseiller, von denen es in folgenden Tagen ganz still wird, schweigt er tot. Solche eines Historikers unwürdige Befangenheit setzt hinter »39. D. weicht schweigend« in Paranthese die kostbare Folgerung: »also in Ordnung«, während seine eigene Schilderung die Unordnung klarlegt. 11. D. ging von Hoeville auf St. Nicolas zurück. Indessen verfügte Castelnau jetzt über sechs Reservedivisionen. Während 64. und 74. südlich das Mortagneufer schirmten, lagerte 69. am M. Couronné, 70. bei Amance, 59. nördlich Nancy, wo 73. Toul am Priesterwald bei Pont à Mousson jetzt St. Geneviève besetzte. 34. und 35. Brig. der 18. D. setzten sich zwischen Ramaonville und Champonoux in Bereitschaft. Der später so welthistorisch gewordene Kommandeur des 20. K., General Foch, ließ die Linie Maixe-Dombasle fahren. So klaffte zum 13. K. eine Lücke, 16. K. verließ Einville, fand sich auf gleicher Luftlinie mit 8. K. zusammen, dessen 15. D. die vorgelagerte Waldung östlich Charmes a. d. Mosel verteidigte. Artillerie auf der 360  m hohen »Signalhöhe« überschüttete die Bayern, als sie den Rhein-Marnekanal überschritten. Xylander ließ 3. Fußart. dagegen auffahren, 1. Pion. schanzten bei Bazien, wo 1. R. D. nicht mehr als geschlossener Körper, sondern nur mit Teilen auftrat. Die französische Reiterei (2., 10. und 6. D.) meldete sich mal wieder als leistungsunfähig. 6. K. D. besetzte indessen neben 16. D. Maudhuy die Waldhöhen bei Charmes. Die deutsche 31. D. hatte die französische 31. zwar bei Crion eingeholt, doch das überfüllte Lazarett von Einville zeigte, wie wütend die Männer von Montpellier sich wehrten. »Sehr geprüft« wich diese Linke des 16. K. vorerst den Marseillern nach, doch durfte sich mit dem Nibelungenvers rühmen: »Es haben meine Hände wohl vergolten meinen Tod.« Die 32. D. stellte sich damals auf der Chaussee Luneville-Bayon auf und der 42. Saarbrücker D. entgegen. Couneaus Geschwader »manövrierten« hinter Einvaux, rissen aber aus mit Verlust einer ganzen Batterie, als 70. und 174. nebst viel Artillerie und 15. rheinische Ulanen auf der Chaussee anrückten. Nach allen verhüllenden Redensarten schält sich doch wieder das Ergebnis heraus, daß die Saarbrücker erneut 5  km gewannen. Dagegen ist nur zu richtig, daß Rimalhohaubitzen und reitende Batterien von der Belchamphöhe (413  m ) Halt geboten. Außerdem besaß man noch beherrschende Höhen bei Saffois im Moseltal nach Osten, bei Borville (342  m ) im Süden, an der Bahnstrecke bei Vallois und Essey nach Nordwest. Auch für die Nordfront muß man in Anschlag bringen, daß Fochs Artillerie von der Höhe hinter Flainval alle Zugänge von Luneville bestrich. Daß bayrische 3. D. und Reservetruppen ihren Vormarsch dort ohne ersichtlichen Grund eine Weile verzögerten, erklärt sich nur so. Denn jede etwaige Beunruhigung durch neue Kampferregung im Nordteil machten günstige Botschaften aus Süden wett, wo die immer siegreichen Saarbrücker als Sturmbock dienten. Für Castelnau blieb stets nachteilig, daß seine auf 60  km gereckte, gerissene und schlecht geflickte Front sich nicht geeignet massieren konnte, da sie einen zu weiten Durchmesser umschrieb. Wiederherstellung der Marseiller blieb unvollständig, nur »ein Teil 15. K.« war bereit für Offensive 16. K. auf Einvaux. Einheitliche Bewegung zwei in Nord und Süd örtlich getrennter Heeresgruppen schloß sich für Castelnau aus. Hingegen blieb das Kräfteverhältnis ihm günstig, im Norden 7 Divisionen gegen etwa 6 deutsche (inkl. Ersatzbrigaden), im Süden 9 (inkl. 43. D.) gegen höchstens 5 deutsche (inkl. Teile 1. R. K.), alle vorerst engagierten Reserveregimenter verlautbaren, sie hätten »bei Luneville«, d. h. nordwestlich davon, nochmals dem 20. K. gegenüber gestanden, was ganz richtig ist, sowohl bei Flainval als Maixe. Liegt da Grund vor, Siegessirenen in die Luft zu schreien, weil solche Minderzahl die Mosellinie nicht zerbrach? Man muß solcher Oberflächlichkeit auf Schritt und Tritt nachgehen, dann wird ein derber Schuh daraus, statt der koketten Pantöffelchen der schönen Marianne. Wie soll man es nennen, Naivität oder Dreistigkeit, wenn ein französischer Historiker deliriert: »Südlich der Meurthe geschlagen!, im Norden auf seiner Rückzugslinie bedroht, konnte Rupprecht vernichtet! werden, man hatte Hoffnung entscheidenden Sieges?!« Man glaubt zu träumen, »mich dünkt, die Alte spricht im Fieber«. In Deutsch, was ja eine plump Sprak, heißt dies: Im Süden überall geschlagen, im Norden bei Nancy bedroht, konnte Castelnau zwar nicht »vernichtet« (nur Franzosen nehmen den Mund so voll), wohl aber entscheidend besiegt werden. Und wodurch zerrann die Fata Morgana? »Sei es Zufall, seien es günstige Umstände«, die geschlagenen und bedrohten Boches schlugen und bedrohten die Franzosen! Im Norden ging es schlecht, dagegen vollbrachten 74. R. D., 29., 31., 32., 16. D. und die angelangte 2. Kolonialbrigade Toulon das Heldenstück, zwei deutsche Divisionen zum Stehen zu bringen, 85 Batl. gegen 24! Es läßt sich nicht anders auffassen. Die ganze Artillerie des 15. und 16. K. war auf der Borvillehöhe angehäuft und stiftete viel Schaden, doch die Saarbrücker Artillerie ließ nicht mit sich spaßen und hielt nach Südost das 8. K. derart nieder, daß es gar nicht zum Angriff kam. Sein kommandierender General Castelli machte sich Luft, indem er 13. J. und 46. Ch. mit acht »Gruppen« zu ihm bahnverladener Alpenjäger verstärkte und mit 6. Alpins Lamuth »erstürmte«, das gar nicht besetzt war, um einen Erfolg vorzugaukeln. Als aber Maudhuy einen Seitenstoß wagte, endete die Sache »nicht so günstig«, wie ein Beteiligter naiv schreibt. Der Fahnenträger des 95. fiel sterbend in Gefangenschaft, 10., 56., 134. und 210. mußten Montexay, Rozolieures und umgebendes Hochgelände vor Teilen der 42. D. und 2. b. D. räumen. Die entstandene Lücke schloß Conneau am Rande des Charonswaldes nur unvollkommen. Als die 1. Freisinger Jäger ans Lalauholz heranschlichen, hatte 6. Kav. D. »schweren Verlust«, ihre Radfahrkompagnie und 2. Ch. opferten sich für Behauptung des Waldes, die nicht von langer Dauer war. Sie sahen sich aber von Borville her erlöst und Maudhuy schöpfte wieder Mut. Denn jetzt schwang sich der Kommandeur des 16. K. General Taverna zu so starkem Vorstoß gegen die 31. D. auf, daß sie Essey und Pierrepont fahren ließ, sein General Vidal nahm Rozelieures mit Elan wieder. Man war aber »zu erschöpft, um zu verfolgen«. Gleichzeitig sah sich der rechte Flügel der 31. D. durch plötzlich wiedergefundenen Elan der 29. Marseiller D. gefesselt, deren Angriff jedoch durch verzweifelten Widerstand und eigene Ermüdung ein Ende nahm. Jedenfalls verloren die Saarbrücker nur einen Streifen früher eroberten Geländes, das war alles. Die bekannte Ausrede, Couneau habe wegen Ermüdung nicht verfolgen können, versteckt nur, daß die Franzosen auch hier nicht wirklich die Oberhand behielten. Immerhin darf man zugeben, daß den Deutschen die Hoffnung entscheidenden Sieges allmählich schwand. Wenn ein Deutscher schrieb: »Nun schließen wir die Mausefalle« und Hanotaux dementiert: »Nun saßen sie selbst in der Falle«, so klingt beides gleich kindisch. Hier gab es weder Fallen noch Mäuse, »metaphorisch« wie Hamlet sagt. Die Saarbrücker nahmen ihr Vorwärts gleich wieder auf, ihre V. L. sind deutlich genug, am 26. befanden sich 166. bei Damvillers, am 27. das 137. bei Moyen, 131. bei Vallois-Magniàres, wohin sich auch 97. von Domptail durchrang. Bei Damvillers rettete Maudhuy das 13. K. vor Umfassung. Das tapfere Mörchinger Rgt. bildete auch hier wieder die Spitze des Angriffskeils, es verlor hier nochmals 2 Majore, 14. Off. Früher war ihm das Forbacher 174. im Verlust noch über (1 350), jetzt aber wuchs er auf 49 Off. 1 600 Mann! Auch 137. Hagenau ließ sich nicht lumpen (1 140), 97. Saarlouis verlor 900 bei nur 27 Off. Beim 166. wurde eine Komp. ganz aufgerieben, selbst 27. Pion. litten mehr als irgendein anderes Batl. dieser Waffe im August. Nur 70. Inf. hielt sich auffallend zurück, wohl als Reserve, die Artillerie (11, 221) litt relativ weniger als die bayrische. Die Haltung des braven Korps ist bewundernswert, es blieb in unablässigem Vordringen, auf sich selbst allein gestellt. Jetzt erhielt es unerwartet Hilfe durch 98. und 99. R. (15. R. K.), die überraschend bei Moyen aufmarschierten. Keine Bayern fochten bei Moyen-Magniàres, wie Hanotaux wähnt, sie waren über Domptail noch nicht heraus. Was wirklich geschah, konnte den Franzosen, so tapfer sie sich schlugen, keineswegs das Herz erheben. Das 13. K. sah sich früher genötigt, mit dem 21. K. den Platz zu wechseln und sich nordöstlich gegen Heeringen zu wenden. Teile der 43. D., bei Mesnil belassen, wurden dort von 2. b. und 170. bad. gemeinsam hinausgeworfen, wo die Innenflügel der Bayern und Badenser aneinander hingen. Da das Epinalkorps sich nun auch nordöstlich drehte, blieb zuletzt 8. K. allein, nur auf Hilfe Couneaus und einiger Kolonial- und Alpinbrigaden angewiesen. Maudhuys Feuereifer, eines geborenen Metzers mit verbissenem Revanchehaß im Busen, beseelte die trümmerhaften Limoges-Scharen, denen man Achtung nicht versagen darf. Sie rührten sich wieder bei Pieremont, ihre Artillerie beschoß zwar nicht »Brigade Clauß«, die Hanotaux aus dem Handgelenk dorthin wirft, wohl aber das Leibregiment bei Dompierre nebst 4. Art. Augsburg, die soviel verlor als 1. A. München und 9. Landsberg zusammen, obschon deren Verluste auch schon groß waren. Dies betrifft freilich wesentlich folgende Kämpfe gegen Div. Delatrille des 13. K,, welche General Allix wieder gegen die Linke Xylanders vorschickte. Links von Maudhuy suchte Couneau anzureiten, doch seine Vorhut unter General Lapparin, einem Saharaveteranen, der sich in dieser Waldgegend nicht wohl fühlte, mußte zurück. Gegen die Waidlust der Freisinger Jäger vermochten seine Reiterschützen nichts. Heftig warf sich in die Lücke die 2. Kol. Brig. unter dem Faschodahelden Marchand, der einst so viel Racheschwüre gegen England heraufbeschwor. Bei Remanoville ging eine wahre Schlächterei vor sich, 3. Inf. Augsburg brauchte wütend die blanke Waffe, rechts davon drängten die Passauer und mit größerem Verlust 20. Lindau vor. Die Allgäuer gewannen aber wenig Boden. Nördlicher befahl Taverna neuen Anlauf der Div. Bouchez, ohne aber die Mortagne erreichen zu können. Man sandte ihm eine Brigade 73. R. D. aus Toul zur Auffüllung, doch die Linke der Saarbrücker behauptete sich siegreich gegen die Übermacht, ihre Rechte geriet am Schloßpark und Bahnhof von Einvaux mit Brig. Terris der 74. R. D. Bigot aneinander, während 147. R. Brig. eine Aufnahmestellung am Lamathholz bezog. Die Franzosen sahen überall »Bayern« und B. Kr. Arch. läßt durch Vorstoß der tapfern 3. Br. die Saarbrücker linke Flanke retten. Indessen haperte es noch sehr mit Vordringen Xylanders. Das 15. K., 16. Ch. vorauf, wollte durch Vitrimontwald debouchieren, es mißlang. Daß 64. R. D. früher die Mortagne behauptete, ist unglaubwürdig. Behauptet wird hier nichts als die löbliche Ansicht, daß ein deutscher Erfolg in französischer Darstellung nichts gilt. 9. Würzburg war hier schon früh bis Mont sur Meurthe vorgedrungen und hielt es fest, die 29. D. Avignon zurückschreckend. Am 27. abends nach unstreitig blutigem Tage sah sich die ganze Südgruppe in Verteidigung zurückgedrängt, raffte sich aber am 28. nochmals gewaltig auf. Diesmal nahm General Bigot mit 148. R. Brig. Gerbweiler mit Sturm, die Mortagne überschreitend, wurde aber in die Furth zurückgeworfen, dann Linienbrigade Gerald das gleiche Los bereitet. 9., 17. und 18. J., 12. Art. Landau, 8. R., 5. und 9. R. Art. und jetzt auch die übrigen früher südlicher postierten Teile des 1. R. K. hielten die Linie, zwischen Mont s. M. und Mortagne fest. Gerdweiler lag unter furchtbarer Kanonade, keine Partei konnte die Dorfruinen behalten. 148. Brig. flutete in Auflösung zurück, 230. und 233. »sehr geprüft« verloren viel Off. Die mit vorgegangene 147. Brig. soll sich nördlich der Mortagne behauptet und ein b. Rgt. durch Schrapnells ihrer Batterien, die dabei den letzten Schuß verbrauchten, zurückgeschlagen haben. Doch wird nicht verheimlicht, daß die linken Flügelregimenter 16. K., 26. und 69. an Farm Faisandrie, die linken 15. K., 18. und 61. bei Farm Quatre Vents »schrecklich litten«. Oberst de Cissey, Sohn des bekannten Generals und Kommuneschlächters, fand den Tod, sein Oberstleutnant sank schwerverwundet. Noch immer standen am rechten Saarbrücker Flügel 70., 136. und 138. ungebrochen, nördlicher unterstützt von 70. und 122. L. W., die über Luneville begleitet hatten. Am 29. suchten beide südfranzösischen Korps Fraimbois a. d. Meurthe zu nehmen, besonders 18. Landau wies den Angriff ab, der auf Verschanzungen stieß und beim 15. K. schon nördlich Harimenil zersplitterte. Hier setzten sich einige Ers. Brig. ein. Hanotaux sieht hier natürlich gleich »17«, es gab nur 18, wovon 9 bei Heeringen. Nach den V. L. erkennbar sind nur Ers. Batl. Aachen und später Garde Ers. Brig., die bei Herimenil stramm auf Posten zog. Herzoglich thüringische Ers. Batl. dienten als Rückhalt. Auch hessische 80. und 81. L. W. traten dem 13. K. entgegen, das sich am 30. völlige Niederlage holte. Umsonst schickte Foch seine 2. Chasseurs de Luneville zu Hilfe, das arme Bataillon starb Mann für Mann angesichts seiner Vaterstadt, mußte später ganz neu errichtet werden. Der Vitrimontwald ward eine »Höllenzone«. Vier Chasseurbatl. und 57. Brig, wurden südwärts ins Lamatholz gestoßen und dort von 222. R. Lyon und 229. R. Dauphiné aufgenommen. Division Bigot hatte fast keine Offiziere mehr, die sich in vorderster Linie opfernde erneuerte bis 4. Sept. fünfmal ihren Anlauf umsonst, 229. und 235. verbluteten. Bei Moyen arbeitete Taverna mit allen Mitteln, Brigaden Xanidel und Douvain »litten grausam«, am Lamatholz von den Saarbrückern weggejagt. Oberst Campion, ein wahrer Kämpe, wie sein bei Wörth gefallener Vater, starb an acht Wunden. Man konnte Farm Fréhaut nicht mehr halten, sie wurde ein Bollwerk der 42. D., deren Haubitzen so durchschlagend wirkten, daß Tavernas Kampfanregung sich traurig beruhigte. Das 8. K. machte Miene, auf Domptail vorzugehen, Div. Delatrille 13. K. berannte die Pucellehöhen, beschossen durch herbeigeschaffte Festungsstücke, Nach den Gefechten bei St. Pol (1. Brig.) und Morivillers (2. Rgt. Kronprinz mit mäßigem Verlust) waren die Bayern am Glonvillewald über Bazien vorgedrungen, wo die Feuerschlünde der Augsburger Artillerie gegen Delatville sprühten, die in scharfem Feuerkampf vor den Schützenlinien der Leibbrigade und 3. Augsburg lagen. 12. Neu-Ulm grub sich bei Chateau de Villiers ein, wo es durch Ansturm der Limoger nicht fortzubringen war. Am 26. und 27. stockte das Vorgehen, am 28. und 29. mußten endlich 48. Brig. und 16. Rgt. »mit großem Verlust« vom Angriff auf die Bayern absehen, Delatrille wurde bei Doncières völlig geschlagen. Indessen bemächtigte sich Maudhuy, der nicht kurz zu kriegen war, durch Seitenangriff des wichtigen Magnières und verschanzte sich dort. Die Freude währte kurz, erneut warfen ihn die Saarbrücken, die jedoch am 1. Sept. ihr Vorgehen einstellten, damit die Bayern rechts und links auf gleiche Höhe kämen. Das war freilich leichter gedacht als getan. Die Pfälzer hingen zurück und das Münchener K. kam mit der 2. D. nicht vorwärts, während die 1. gleichsam bei Heeringen hospitierte, indem sie sich auf die Badenser stützte. Bei diesem traf das vom Col Marie endlich abgezogene 15 b. R. ein und focht mit bei Nassoncourt. Auch der letzte Augusttag war kein Glückstag für die Gallier. Marchands phantastischer Rachedurst ließ seine Afrikaner gegen die Boches los, die weder seine noch Frankreichs Ehre gekränkt hatten, wie die Briten bei Faschoda, obschon deren Führer Kitchener einst als Freiwilliger bei der Loirearmee diente. Umsonst vergoß hier Marchand sein Blut, wie später nochmals in der Champagne, mit ihm mußten viele Offiziere sich verbinden lassen. Das 8. K. hatte keinen Erfolg, unverdrossen behaupteten die Saarbrücker Magnieres, so grausam sich ihre und Xylanders Reihen gelichtet hatten. Doch sicher noch mehr die französischen, die jetzt langsam auf Charmes und Ranbervillers abfluteten. Wenn so ein »Erfolg« aussieht, wie nennt man dann eine französische Niederlage! Es verdrießt, solches Geschwätz zu widerlegen, als mit ironischem Achselzucken. Die 30. Marseiller D. hatte sich am 27. nördlich am Kampf bei Dombasle beteiligen wollen, schnellte aber bald zurück. Das 15., 16. und 8. K., 64. und 74. R. D. und 2. Kol. Brig. waren gänzlich am Rand ihrer Kräfte. Doch ihre Kanonade blieb so überwältigend, daß 4. b. Art. am 28. nur nach hartem Nachtgefecht der 1. Brig. mit blanker Waffe mühsam ihr Material rettete. Die Schlacht im Süden war viel heftiger und blutiger als die im Norden, auf die man irrig das Hauptgewicht legt. Hanotaux, der auch bei Magniàres, sei es antipreußische Ranküre oder Unkenntnis, wieder »Bayern« sieht, begreift so wenig von den Kampfverhältnissen, daß er eine großartige Vermutung aufstellt, er fragt naiv, ob die fürchterlichen Verluste des Kronprinzen bei Longwy abgeschreckt hätten, die Schlacht an der Mosel fortzusetzen, und wiederholt hier den Unsinn, dort sei das Posener Korps deshalb aus der Front gezogen worden, ohne zu ahnen, daß gerade dies Korps so viel weniger litt als die anderen. (Vielleicht zählt er den weit größeren Verlust des Posener R. K. dem aktiven zu!) Was soll man mit solchen Unbelehrbaren anfangen!? Das plötzliche Ermatten der Schlacht bei Charmes Anfang September hatte ganz andere besondere Gründe, die ihm gar nicht unbekannt blieben. III. Bei Nancy. Statistik. Schlacht bei St. Dié. Auch im Norden wurde Castelnau seiner Lage nicht froh. Am 26. kämpfte freilich General Fayolle (später Armeechef), der auf der Nordflanke sein Reservekorps leitete, ziemlich glücklich unterstützt von 114. und 115. J. der 18. D. Am Kirchhof von Erbviller und im Foulxholz floß viel Blut, die Kanonade war stark, 70 vereinte Geschütze fügten den Regensburgern und Erlangern sowie der 3. Art. Prinz Leopold ansehnlichen Verlust zu. Indessen prallte schon vormittags die 140. R. Brig. halbvernichtet rückwärts (»furchtbarer Verlust«), am 27. mußten 34. und 35. Brig. wieder Remanonville aufgeben, die Erlanger Artillerie sparte auch nicht mit ihrem Granatsegen. Weiter südlich schlug sich 39. D. um die Höhe von Maixe, das bei Serres eingerückte Offenbacher Ers. Batl. verlor hier den Major, drei Hauptleute, sieben Leutnants und fast die Hälfte der Mannschaft. General Falkenhausen leitete seine eintreffenden Ers. Brig. in Richtung Nancy ab. 5. b. Art. verscheuchte allmählich den Feind, während südlicher bayrische Reserven gegen die »eiserne Division« eisern standhielten. Die 4. Ch. warfen das Ers. Batl. Neuruppin aus Dombasle, hier und bei Einville beteiligten sich 3 Brandenb. und 1 Bromberger Ers. Batl. Am 28. entriß Ferrey auch wieder die Signalhöhe Friscati den 1. R. Jg., bei Faïnval lichtete Fochs Artillerie die bayrischen Linien, doch ihre Bedeckung (79. J., 42. und 43. Kol. Rgt., das 20. K. jetzt sechs Brig.) wankte gleichfalls unter schwerer Kanonade. Foch reiste ab, um eine neue Stelle als Chef einer Armee anzutreten. Sein Nachfolger Balfourier verabredete mit Fayolle neue Angriffe für Abend des 1. Sept., doch schon zuvor ward Fayolle näher an Nancy herangezwängt, seine 70. D. in den Champenouxwald geworfen, wobei Ers. Batl. 42 Mainz und 54. Würt. sich auszeichneten unter namhaften Verlust. Im Zentrum stand die Schlacht, im Norden war Nancy bedroht, im Süden die Mosel beinahe erreicht. Niemand leugnet die herbe Einbuße der 6. A., doch Abschätzungen im französischen Tagesbefehl sind rein phantastisch. Wie wenig Kanonade im Norden ausgriff: bei Nomeny verlor 7. Chevaulegers Straubing nur 17! Bei Remanonville verloren »6 bayrische Bataillone« 3000? Die V. L. von 7. und 19. J. sind ein Spott auf solche Ziffer. 2500 Tote östlich Nancy? Bei wem? Soviel verloren kaum 2. und 3. b. K. zusammen im ganzen Monat! 4500 Leichen im Vitrimontbezirk auf 4  km Front? Man verschweigt weislich, ob dies deutsche oder französische Tote waren! Nach eigenem Geständnis handelt es sich doch gerade bei Vitrimont um riesige französische Verluste. Deutscher Monatsverlust im Norden bis zur Mortagne betrug nur 15 000, alles in allem. Eine andere Notiz überträgt Monatsverluste auf einen Tag (12 000 am 27. allein!), eine andere weiß, daß die Bayern 6000 bei Rezelieures verloren! Tagebuch eines Müncheners nennt den Verlust am 24. »enorm«, weil seine Kompagnie 30 Tote verlor, am 29. und 30. seien 1 Off. 8 Mann getötet? Jeder Kenner der Kriegsgeschichte lächelt zu so belanglosen und in ihrer Wertung ganz konfusen Angaben. Die Franzosen legen Wert auf »Dokumentierung«, verfahren gleichwohl nach dem Spruch: Exaktheit ist zwar eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr! Weil ihnen vor ihren eigenen Verlusten die Augen übergehen, saugen sie sich deutsche aus den Fingern und schwelgen in sauersüßen Hypothesen. Wir spenden ihnen mehr Dokumente als ihnen lieb ist. 70., 81., 122. L. W., 9. E. Brig., 8. E. D. (vier hannoversche und Holsteiner, gefolgt vom 44. der 10. E. D. waren erst im Anrücken) inkl. 45. Ers. Art. verloren rund 1900, die Bayern inkl. 5. L. W. und Pionieren, die tapfer am 27. Fort Manonviller (800 Gef.) zu Fall brachten, 27 000. Davon Xylander 9500, doch litten 2., 3. und 16. wenig, die Artillerie schwer (500). Sonst litten nur 5. Art. (240). 9. und 19. J., 7. R., 1. und 2. R. Jg. bedeutend, 10. mehr als alle (2000). Das 21. K. verlor 9300 exkl. 60. J. im Elsaß, dies und das Münchener Korps übertrafen also noch den Verlust des 13. K. bei Longwy, die Schlacht Luneville-Charmes war relativ blutiger als die bei Saarburg. Dazu 42 sächsische Reiter 300 der 7. K. D., also Summa 38 500. Wir gehen aber nicht fehl, den Verlust Castelnaus und der zum Befehlsbereich Dubails gehörenden Truppen bis Charmes auf 50 000 Tote und Verwundete zu schätzen. 8. und 15. K. verbluteten schier, auch 20. K. hatte übergroßen Verlust, so daß seine Spannkraft nachließ. Außerdem machte man 15 000 (nicht 50 000!) Gefangene und will 100 Kanonen erbeutet haben, wohinter wir ein Fragezeichen setzen. Die Lage der Franzosen hatte sich bis 1. Sept. nicht verbessert, sondern zusehends verschlimmert, umsomehr als die unmittelbar bei St. Benoit anschließende Schlacht Heeringens mit vollem Triumph der deutschen Waffen endete und Dubails Niederlage Castelnau strategisch entblößte. Als der deutsche Eisenstrom sich über den Grenzkamm ergoß und sich im jenseitigen Talgrund zu einem verbreiterten Überschwemmungssee niedersetzte, verflog zwar Dubails Invasionstraum, doch wußte er sich ohne Nachteil aus der Rückzugsschlinge loszueisen. Man mußte ihm eine regelrechte Schlacht liefern, um ihn auf Epinal zu zwingen. Das auf dem Donon gesammelte 14. R. K. begann zuerst den Abstieg. Auch hier füllten Ers. Brig. ein. Es waren bei 6. und 7. A. im Anrücken 19. sächsische, 23. D., Ers. D. Trier, 58. Ers. Brig. Düsseldorf, 17. Ers. Brig. Bromberg, 7. und 8. Batl. Posen schlossen sich den Brandenburgern bei Dombasle an, 51., 52., 53. und 54. Würt., vier hessische, neun norddeutsche Batl., sieben badische. Die Hälfte davon kam Heeringen zugut. (Später vermehrte sich auch die L. W. im Elsaß durch Zuzug aus anderen Gauen, ihre Denkmäler sind Reichsacker- und Hartmannsweilerkopf.) Dubail hatte jetzt zwei Reservedivisionen, eine Alpenjägerdivision, die Korps Lyon und Epinal, 112 Bataillone zwischen Bonhommepaß und Senones, wozu später noch 44. D. und Hälfte der 1. Kol. D. Toulon, zuletzt 41. D. stießen. Im ganzen rund 150 Bataillone. Bei Heeringen kamen außer 14., 15. K., 14. R. K. und der Bayerngruppe bei Markirch und Col Marie nebst 71. L. W. neu hinzu 5 badische, 6 sächsische, 1 Würt., 1 hessisches und 1 rheinisches Ers. Batl., wenigstens waren nur diese im Feuer und hatten Verluste, die anderen rückten erst im September ein. Zu 60., 70. R. und 60. L. W. gesellte sich 60. J. des Saarbrücker Korps, dem 15. R. K. als Stütze beigegeben, wie 180. Würt. J. dem 14. R. K. Ferner machten 98. und 99. R. bei Deimling mit. (Der Begriff 13. R. K. täuscht hier, die andere Hälfte war als 33. R. D. Metz weit nördlich verwandt.) Im ganzen, da die Hauptkorps stark und vollzählig waren (14. K. 30, 15. K. 26, 14. R. K. 29 Bataillone) 155 Bataillone inkl. der Gruppe am Kaisersberg, mit etwa 15 Artillerieregimentern. Auch hier gabs nicht deutsche Übermacht, so krampfhaft der Gegner das Umgekehrte versichert. Der bayerischen Ers. D. fehlten anscheinend anfangs noch 3 Bataillone, dafür wurde sie verstärkt durch 4 von 4. R. (11. R. nur 2 Batl.). 14. und 15. R. litten ansehnlich in den schon erwähnten Gefechten, von 1. L. W. D. nur 12. L. W. erheblicher, die übrigen drei L. W. Brig. vor Manonweiler oder hinter der Front im Norden. Die Ersatzartillerieabteilungen waren nicht komplett außer Karlsruher Ers. Fußart. und der große Verlust der Reserve- und Elsässer Batterien scheint anzudeuten, daß sie überlegenen Geschützmassen gegenüberstanden, wie es Nähe der Festung Epinal mit sich brachte. Man häufte beiderseits auf so unbequemen Gelände zu viel Massen an, das numerische Übergewicht Dubails wird noch dadurch vermehrt, daß die Hälfte seines 13. K. vor Xylander abzog und sich den Badensern entgegenstellte, deren Kämpfe man für sich betrachten muß, da sie eigentlich mehr ins Angriffsgebiet der 6. A. schlugen. Allerdings langten 43. und 41. D. erst später an, so daß bei Beginn der Offensive Heeringens die Kräfte sich fast ausglichen. Schon am 24. trafen 50., 80., 45. und 49. Ers. Batl. bei Deimling in Senones ein, der in voriger Nacht das erschüttert auf Celles zurückgegangene 21. K. aus dem Bett klopfte. Umsonst verteidigten 26. Brig., 20. und 60. Ch. den 0rt, 143. und 171. säuberten die Barrikaden, die 13. franz. D. wurde nochmals zersprengt, kreuzte sich südlich Raon l'Etape mit der 27. D. Lyon und schuf so ärgerliche Verwirrung. 17. Ch. opferten sich für den Rückzug. Am 25. befand sich 26. Würt. R. D. in seitwärtigem Vorgehen, während 40. R. Mannheim sich mit 136. J. und 84. Art. vereinte. General Legrand versuchte einen Gegenstoß, der sich im Sande verlief, denn Deimling stand nachher noch südlicher als zuvor über Rompatelize-St. Remy-Raon l'Etape hinaus. Der Kampf bei Raon war indessen blutig, 136. und 143. verloren 46 Off. 1635 Mann, bei nur sechs feuernden Batterien sanken 13 Off. 154 Kanoniere. An Deimlings rechten Flügel hatten 99. und 105. schon östlich Bacarat mit den Badensern zusammen gekämpft und drangen weiter auf die Rechte des Korps Allix ein. Die tapferen Sachsen des 105. verloren viel in einer Reihe von Gefechten, 99. weniger Mannschaft, doch viel mehr Off., beide 61 Off. 1700 Mann. Allix wollte dort die Badenser abhalten, sich dem 8. K. in die Flanke zu werfen, daraus entspannen sich längere Gefechte, sein Vorgehen endete kläglich. Ganz richtig fragt Oberst Hamon, wozu unnütze Opfer dienten, da die offene Celles-Ebene unhaltbar war. Um sich für dies Mißgeschick zu rächen, kam die gallische Muse wieder mit Greuel-Melodrama nieder. Wohlweislich wird verschwiegen, daß die Einwohner von Raon l'Etape aus Fenstern und Kellern schossen. Brand in einem von beiden Parteien umkämpften Ort läßt sich nicht vermeiden. Ein besonderes Steckenpferd des gallischen Pegasus »zur Bestrafung der Kriegsverbrecher« bot ein glatt erfundener, doch in Maschinenschrift überall verbreiteter und in jeder Kommune angeschlagener Befehl der Badischen 58. Brig. Stenger zu angeblicher Niedermachung von Verwundeten und Gefangenen. Jeder vernünftige Führer verpönt Entfesselung der Leidenschaften, was die Disziplin untergräbt. Nur Narren erscheint glaubhaft, ein General werde sich durch Verletzung der Kriegsgesetze unmöglich machen. Hinterher stellte sich heraus, daß Stenger lediglich befahl, heimtückische Baumschützen abzuschießen, eine einfache Kampfhandlung, und daß ein in Geistesstörung verfallener Major Crusius anscheinend (bewiesen ist es nicht) 3 – sage und schreibe 3 – Gefangene füsilieren ließ. »Darum Räuber und Mörder!« Leute zu töten, die sich tot stellen und von hinten schießen, ist ehrlicher Kriegsbrauch, die englische Gardebrigade Methuen tat es bei Tel-el-Kabir in Masse. Man muß erhitzten Heimkriegern und politischen Kindern ihr Toben zugute halten, noch entehrender für die Menschheit dünkt uns die weihevolle Heuchelei, womit die frommen Angelsachsen jede gallische Aufhetzung für bare Münze nahmen, obschon die englische Regierung einmal ehrlich zugab, die Hunnengreuel in Belgien seien Hirngespinste hysterischer Weiber zweierlei Geschlechts, und sowohl die Herzogin v. Sutherland als Miß Hobhouse und sieben amerikanische Journalisten feierlich bestätigten, es handle sich um groteske Erfindung oder Übertreibung. Doch es brüllt der See und will sein Opfer haben. Umsonst ging man dem Kindchen mit den abgehackten Händchen von Ort zu Ort bis zur Küste nach, wo es sich in Dunst auflöste. Es glich den Gespenstern und der wahren Liebe: jeder hörte davon und niemand sah sie. Doch ein englischer Feldgeistlicher erkundigte sich händereibend jeden Tag, wieviel Hunnen heut getötet seien, und ein Newyorker Hetzpfaffe schäumte auf der Kanzel, man müsse das ganze deutsche Volk ausrotten. Bei den Franzosen gilt wenigstens die psychologische Entschuldigung des eigenen Leides, das sie doch freventlich heraufbeschworen. Bei Sättigung ihrer seit 44 Jahren gepredigten Revanche belehrten sie alle Sehenden, was von ihrer Humanität zu halten sei. Das Empörendste ist aber, daß sie wirklich deutsche Gefangene und Verwundete in Menge niederknallten, schamlose »Nettoyeurs« zu diesem Zweck anstellten, als gelte es eine Bartholomäusnacht, Septembriseurmetzelei, Dezemberputsch und ähnliche schöne Traditionen des Nationalcharakters. Die unmenschliche Behandlung aller deutschen Gefangenen schrie zum Himmel und wären sie in Deutschland eingebrochen, dann wehe den armen Einwohnern! Dann wären die anderen edelen Traditionen der Mordbrennerei Melacs und Soubises (siehe den verächtlichen Brief Friedrichs des Großen an den Duc de Richelieu) wieder aufgelebt. Daß sie ihre eigenen Städte bombardierten und dies nachher den Boches zur Last legten, geschah im Geiste der »Versailler«, deren Granaten die Tuilerien anzündeten und dafür die »Petroleusen« erfanden, Kommunegreuel für jedes Konversationslexikon erdichtend statt der eigenen namenlosen Abwürgerei unzähliger Unschuldiger. Selbst wenn hier und da die erbitterten Deutschen grimmig wirtschafteten – was bei und nach Versenkung des englischen Hospitalschiffes vorfiel, macht uns erröten, – so hätte Frankreich darüber den Mund halten sollen nach dem Satze: Wie du mir, so ich dir, wir sind quitt. Doch in reuelosem Bewußtsein der eigenen erwiesenen Schandtaten (wozu auch die englischen Dumdum-Geschosse zu rechnen) vom entwaffneten Deutschland schimpfliche Bestrafung oder gar Auslieferung der »Kriegsverbrecher« zu fordern, selbst wenn die Anklagen besser begründet wären, ist eine Heuchelei, bei der die Tinte errötet und die unnützlich im Mund geführten »Freiheit und Recht« (zur Beraubung und Mißhandlung einer großen Kulturnation) sich schaudernd abwenden. Nun, die Welt will belogen sein, nur Gott läßt sich nicht belügen, selbst wenn Foch täglich in die Messe läuft. – Die 28. D. des Lyonkorps zog schon auf St. Dié ab, weil die Bayerngruppe am Bonhommepaß die 42. Brig. umging, südlich der Stadt stellte sich die frische 58. R. D. auf. Eine deutsche Spitze bei La Salle bedrohte schon Epinal, wohin die von den Bayern geschlagene 71. D. flüchtete. Bahr. 4. R. focht bei Wiesenbach, die L. W. bei Hoheneck, auch dort wich eiligst der Feind. 71. L. W. gliederte sich dem Vorgehen auf St. Dié an. Indessen war das Gefecht der Bayerngruppe nach wie vor blutig, 14. R. litt jetzt so sehr wie 15. R., die zur bayrischen Hauptmacht heimkehren wollte, doch unterwegs bei den Badensern Station machte. Ers. Batl. Passau und rheinische Jäger schossen sich bald bei Mandry herum. Am Kaisersberg und Ban de Rupt weiter südlich tobte ein langes zähes Gefecht zwischen Alpins und 60. I., die dort den Oberst und 800 Mann verlor. 60., 70. R. und 60. L. W. scheinen dagegen im Ferchtal fast völlig gefeiert zu haben. Dubail zog sich, so gut er konnte, aus der Schlinge, doch verleidete man ihm sogar den Aufenthalt an Gebirgsausläufen westlich der Mosel, wo R. K. Eberhardt immer näher an St. Dié herankam. An Dubails linkem Flügel war 43. D. auf Rambervillers zurückgeflutet, nachdem ihr im Glonvillewald und Mesnil Xylanders Angriff zuvorkam. (Nach Zeugnis des Pfarrers lagen dort »zahlreiche französische Tote und Verwundete« umher.) Sie vereinte sich jetzt mit der von Pau geschickten 44. D., unter deren Schutz sie sich wieder ordnete. Am 26. bog General Bonnet sein Lyonkorps rückwärts, weil links von ihm Allix nachgab und rechts von ihm 58. und 71. D. jede Stellung preisgaben, zu 63. Ch. flüchtend, die noch standhielten. Für Hanotaux' Bescheidenheit ist es schon »Sieg«, daß Dubail seine rechte Flanke nicht ganz durchbrechen ließ. Obwohl Bataille den 60ern zahlreiche Offiziere außer Gefecht versetzte, konnte er aber seinen Abzug nicht verschleiern, den er auf Epinal antreten mußte. Man kann darauf schwören, daß Dubail selber seine Lage nicht zuversichtlich beurteilte, denn auch seine linke Flanke schwebte in Gefahr durchbrochen zu werden. Die Badenser warfen Allix von St. Benoit auf St. Barbe und überwältigten bei Thiaville 157. I., 10. und 54. Ch., 6. Kol. Bisher hatten sie es ziemlich leicht, jetzt aber hatte Legrand sein Epinalkorps neu gesammelt und mit 44. D. verstärkt, so daß er am 27. gegen Menil (nicht zu verwechseln mit Mesnil bei Glonville im Norden) und St. Benoit stürmte. Gleichzeitig griff er Deimlings Rechte bei Laleuche an, wo das Kolmarer Rgt. ins Gedränge kam. Brig. Hamon eroberte mit 21. und 109. St. Benoit wieder, doch sicher nur vorübergehend, die Badenser blieben im Vorschreiten, ihr 109. warf das franz. Rgt. gleicher Nummer, der Mannschaftsverlust war hier lange nicht so groß wie vorher bei den Elsässern, obschon bei 110. (Oberst fiel) und 111. viel Offiziere sanken. 109. und 110. verloren zusammen 61, 1 650, wohl meist heut, denn die früheren Gefechte des badischen rechten Flügels östlich Badonweiler, Bacarat und weiter südlich können nicht groß gewesen sein. Härter war das Ringen gegen 44. D. bei Manil auch nicht, 113. Freiburg litt nicht übermäßig, 170. Donaueschingen noch weniger, nur 169. verlor unverhältnismäßig viel Mannschaft bei nur 12 Offizieren, darunter den Obersten. Zusammen 1 650 inkl. 14., 30. und 50. Art. bei Haybes, welche drei nicht mehr verloren als 84. und 51. Art. Deimlings, die noch tiefer im Kampfe waren. Der französische Angriff brach zusammen. 112., 114,, 142. und I/40, schlugen sich schon vor dem Chipotteberg bei St. Barbe am 28. machten sich 169., 111. und III/40. auf den Weg nach Nossoncourt. Hier kamen nun auch 16. und 20. Bayern im Hintertreffen an, so daß man dem Feind die Überraschung bereitete: gehörten die Bayern zu Heeringen oder die Badenser zu Rupprecht? Beide Armeen flossen dort harmonisch ineinander über, so daß man für die Gesamtfront wieder Zentrumstoß durchsetzte. Denn drangen Bayern und Badenser durch, so erweiterten sie breit die von den Saarbrückern gerissene Bresche und die beiden französischen Heere fielen gänzlich auseinander. Allix fand seine Lage so »beunruhigend«, daß Legrand ihm die 44. D. unterstellte, alles flutete durch Ranbervillers a. d. Mosel rückwärts. Das Epinalkorps (auch als Elite geltend wie 6., 7. und 20. K.) ging zum zweiten Mal aus dem Feuer, vom Feinde losgelöst, besetzte die großen Steinbrüche und die Papierfabrik. Es sah nicht danach aus, als ob Ranbervillers gehalten werden könne. Fiel es, waren Moselufer und Weg nach Epinal frei. Am 29. und 30. warfen die Badenser die hergerufene 2. Kol. Brig. vom Chipotteberg und senkten sich ins Moseltal, um 21. und 14. K. ganz vom 13. und 8. zu trennen, ihre Haubitzen spielten 7 km weit. Da fast das ganze Clermontkorps gegen die Badenser focht, waren zuletzt rund 180 Batl. Dubails gegen 140 Heeringens inkl. 60. J. im Kampfe. Davon noch 126. abzuziehen, das zweifellos bei Mühlhausen blieb, während 132. nach St. Remy abrückte. Bezüglich Pau's Schlappe am 27. ist möglich, daß etwas Verlust des 126. dorthin entfällt, auch möglichenfalls Teile der Kaisersberggruppe 15. R. K. und einige Ers. Batl. dort mitwirkten. Es kommt ja nicht darauf an, ob man auch Gaedes Verlust am 19. dann geringer berechnen muß. Bei St. Dié täuscht die Bezeichnung 26. R. D. als Eroberer des Ortes. Denn dort vergossen brüderlich gemeinsam ihr Blut auch drei sächsisch-rheinisch-hessische Ers. Batl., neben Elsässern in sehr gemischter Gruppe, später andere sächsische Schlachthaufen der 19. Ers. D. Tettenborn, vornehmlich zeichneten sich aus 51. Würt. Ers. Batl. und 32. Ers. Art. (Nach den B. L. ist nicht anzunehmen, daß Teile Tettenborns am 27. gegen Pau wirkten.) 28. R. Art. litt ungewöhnlich bei acht Batterien und einer L. Sturmbatterie. Schon am 29. zog General v. Knörzer in St. Dié ein, die Schlacht schien vorläufig beendet, doch westlich der Stadt leistete Dubail noch Widerstand und unternahm einen Gegenstoß in Verbindung mit schwerer Festungsartillerie. Seine Truppen, zu gründlich geschlagen, konnten nichts mehr durchführen. Tettenborns Sachsen drangen über Saale, die Bayerngruppe über Petite Fosse weiter. Die jetzt dort vereinte Alpindivision Soyer befand sich schon in übler Verfassung, ihr 81. Batl. schmolz auf 8 Unterleutnants 180 Jäger. Das diene als Maßstab für den ungefähren Verlust der länger und ärger als Soyer im Feuer befindlichen Teile vor Epinal. Zuletzt nahm Dubail auch noch 41. D. von Pau weg, dem Gaede fogar Furcht für Belfort einflößte. Am 30. schwoll der Kampf nochmals an, die Lyoner behaupteten La Salle und Bourgonce, 41. D. will am 31. einigen Erfolg gehabt haben, indessen wurden zwei Regimenter Lyon und Dauphins weiter südlich so gut wie vernichtet. Legrand hielt noch die Mortagnewälder vor Rambervillers. Den Chipottehügel wollen kernhafte Alpins wieder in Besitz gehabt haben, Allix beobachtete die Pucellehöhen, von wo Xylanders Feuerschlünde hinüberdonnerten, bei Nossoncourt entbrannte lebhafter Kampf, 98. und 99. R. auf dem Weg nach Mayen mischten sich hier ein, 99. litt beträchtlich. Unter gegenseitigem Eingraben schlief die Schlacht bis 4. Sept. auf Heeringens rechtem Flügel ein, sein linker konnte nicht daran denken, das Fortsystem Epinal durch Handstreich zu erobern. Wenn sich indessen die Franzosen beglückwünschen, daß bei Ranbervillers-Charmes noch kein Einbruch erfolgte, sollten sie ehrlich bekennen, daß dies nahe bevorstand. Wenn man diese große Unternehmung unter- und bald abbrach, so bedurfte es eben dazu aller Kräfte, die aber bald nicht mehr da waren und nacheinander in Masse ausschieden. Heeringens Augustverlust war bedeutend. Bei St. Dié holten die Württemberger den Verlust ihrer badischen Waffenbrüder am Donon ein. 120. und 121. R. verloren 1400, am meisten 180. J. Tübingen, Oberst Lincke schwerverwundet, 23 Off. 985 Mann, besonders I. Batl. Dazu 51. Würt. Ers. Batl. (380). Von den sonstigen Ers. Batl. litt 61. sächsisches am meisten, die Ers. Art. verlor nahezu 200 Mann. Der zuletzt stehende Kampf von 14. und 15. R. bei Col Marie bis Fosse war andauernd blutig, bei 14. R. entsprach sein neuer Verlust nur zu sehr dem neuen von 15. R. (740), mit dem es so lange in gleicher Zone focht, beide verloren bloß seit 20. voll 2300 (15. R. im Monat 1200). Dagegen büßten b. L. W. und Ers. nur 1200 ein. Erheblicher litt 71. L. W., die den Stoß auf St. Dié mitmachte. Der Offiziersmaßstab war wie überall sehr verschieden. So 11:280 bei 14. R. J., 4:83 bei 14. P., dagegen 13:800 bei 99. R., 22:1500 bei 109. R. Bruchsal (7 Hauptleute). Dem 14. R. K. verdankte man den Haupterfolg am Donon und St. Dié, es verlor 7000, Deimling (Mühlhausen bis St. Dié) sogar 8900, dem stets hervorgehobenen 14. K. kommt kein besonderes Verdienst zu, Verlust 5500, alle übrigen gemischten Verbände (15. R. K., Ersatz, L. W., 14., 11., 4. und 15. b. R., im ganzen etwa 80 Batl. inkl. Oberelsaß) 11 000. Im ganzen 32 500. Die Vogesenschlachten kamen den Deutschen verhältnismäßig billiger zu stehen als die Schlacht im Norden im Vergleich des Stärkeansatzes (dort im Feuer etwa 170 Batl., wovon 92 aktive, hier 165, wovon 62 aktive), wovon 7000 inkl. 60. J. für Oberelsaß abzuziehen. Dubail exkl. 8. K. dürfte inkl. Gefangene 55 000 verloren haben, dazu 10 000 im Oberelsaß. Protestiert man französischerseits? Da die deutschen Korpsverluste nur Tote und Verwundete betreffen, »Vermißte« gab es fast gar keine, die französischen aber viel Gefangene enthalten, so wäre nicht mehr als billig, für jede der 15 franz. D. inkl. Alpins 5000 Verlust zu rechnen, wir bleiben also noch unter dieser Ziffer. Was von Einzelverlusten bekannt wurde, entspricht unserem Maßstab. Jedenfalls darf man ruhig behaupten, daß 20., 15., 16., 8., 21., 13. und 14. K. um je 10 000 mehr oder weniger schmolzen, 7. K. (3 Divisionen) auch um 10 000, Alpenjäger und Koloniale um 5000, 18., 57., 58., 59., 64., 66., 68., 69., 70., 71., 73. D. um je 3000, 74. um 5000, Kavallerie ungerechnet, die auch beträchtlich litt. Das alles ist nicht hoch sondern niedrig. Wir haben uns gleichwohl mit 120 000 begnügt, denen 71 000 deutsche Tote und Verwundete gegenüberstehen. Während bei der 1. und 2. A. nur ein paar Regimentsverluste von 1000 erkennbar, bei 3. A. ein solcher nur bei 100. Grenadieren, bei 4. A. ähnlich für etwa vier Regimenter und für 115. bis 1300, bei 5. A. für 37., 119. und 125. sogar 13-1700, schlug bei 6. und 7. A. das 10. b. jeden Rekord mit 2000. Doch auch sonst verloren 174., 131., 126. J. und 109. R. sowie bayrische 1., 15. und Leibregiment bis zu 1600. Ferner 97. und 137. und bayr. 9. und 19. sowie 7., 14. und 15. R. bis zu 1200, dazu noch mehrere Elsässer Regimenter mit großer Einbuße. Also waren die Kämpfe der 6. A. stellenweise noch blutiger als die der 3. A., bei der 6. A. stritt sich Deimling mit Xylander und den Saarbrückern um den Vorrang im Monatskorpsverlust, nur daß 3800 seiner Einbuße vor 20. entfallen, das 14. R. K. litt gleichfalls bedeutend mehr als 5. und 6. R. K. des Kronprinzen, selbst wenn wir seine stärkere Formierung beachten. Der Ertrag für solche Opfer war erfreulich, dach keineswegs glänzend: Reinfegung des Elsaß, Zuschlagen der Tür zur Rheinebene, Besitz der Vogesenpässe. Wie man aus diesen unverrückbaren Tatsachen einen französischen Enderfolg ableiten kann, bleibt urfranzösisches Geheimnis. Der Schlag in Lothringen saß doch so in den Knochen, daß die auserwählten Grenzkorps Belfort-Epinal-Toul später kaum mehr gleiches leisteten wie im August. Dagegen fochten die am meisten leidenden Regimenter des deutschen 21. und 15. und 1. b. K. mit ungebrochener Kampflust im September an anderer Stelle. Schon früh schlich die Verleumdung herum, man habe die Bayern stets ins Vordertreffen gestellt, sie hätten daher reichlicher geblutet als andere deutsche Stämme. Das ist durchweg unwahr, sie stritten weder hier noch bei Arras, Ypern, a. d. Somme opfervoller als andere Deutsche. Das Münchener Korps litt sogar später bis zur Sommeschlacht auffallend wenig. Der bayrische Augustverlust verteilte sich auf mindestens 12 Divisionen inkl. L. W. und betrug alles in allem inkl. der außer ihrem Verband fechtenden Metzer Brigade nur über 30 000 inkl. Munitionskolonnen, die ungewöhnlich litten. Die schlesischen 4 Divisionen, dazu Jäger und die schlesischen Bestandteile des Posener Korps, verloren fast 20 000, die Württemberger 10 Linien-, 4 Res.- und 6 L. W. Rgt. vertraten 5 Div. und verloren nahezu 15 000, also prozentual mehr als die Bayern. Und das ging so fort. 126. und 180. Inf. außerhalb des 13. K. litten andauernd ähnlich wie die anderen Regimenter, besonders werden wir dem heldenmütigen 126. noch in später Zeit vornean begegnen und die Opfer der Schwaben in Rußland, standen denen im Westen nicht nach. Badenser und Hessen litten bis zum bitteren Ende hart, doch die Süddeutschen übertrafen keineswegs den Blutzoll der Preußen und Sachsen, vielmehr stehen Preußen und Württemberger im Gesamtverlust prozentual obenan, außer den Schlesiern haben Westfalen, Rheinländer, Thüringer und neben der Garde das Berliner 22. R. K. im Weltkrieg am meisten geblutet. Man hat bayrische Einzelverluste wie die der Ingolstädter verallgemeinert. Ebenso übertrieb man die Bedeutung der Bayernerfolge am 20. und später, bemerkenswert und höchst lobenswert sind nur die Kämpfe des 3. K. im Norden, womit wir natürlich nicht der gleichmäßigen hohen Tapferkeit aller bayrischen Teile zu nahe treten. Wir betonen dies nur deshalb, weil wir nirgends dulden möchten, daß die Fama Personen oder Truppen auf Kosten anderer Verdienste erhöht. Entscheidend und großartig war nur die Haltung des Saarbrücker Korps. – Indem Hanotaux den angeblichen großen Gegenstoß Castelnaus' um zwei Tage zu früh ansetzt, möchte er den Umfang der Niederlage am 20. beseitigen, doch Ort und Zeit widerlegen ihn. Manchmal ist man geneigt, ihm eine gewisse Offenheit zuzusprechen, doch er zerstört den günstigen Eindruck gleich wieder durch diplomatisches Verhüllen des Tatbestandes, den man doch bei ihm klar genug zwischen den Zeilen liest. Offensive in den Reichslanden kitzelte nur politisch die Eitelkeit, mußte aber ohnehin auf dem Glacis von Metz zum Stehen kommen und bei Mißlingen gefährlichem Rückzug über drei Flußlinien aussetzen. Je weiter man auf Metz losrannte, verbissen in blindwütiges Vorwärts, desto leichter schwächten sich die Flanken. Es war ein Glück für Castelnau, daß Prinz Rupprecht nicht schon am 21. auf der Nordflanke starke Kräfte versammeln konnte, sonst wäre der Rückzug Fochs viel schlimmer ausgefallen. Die Franzosen stritten tapfer, wie sich bei ihnen von selbst versteht, doch will man bemerkt haben, daß ihr Fußvolk sich sehr von Beihilfe der Artillerie abhängig zeigte. Ohne sie leerten sich die Schützengräben oft rasch, weil die Insassen es nicht gern auf Nahkampf ankommen ließen. Bayrische Rauflust bevorzugte das Handgemenge, als dessen Vorbote schon wilde Juchzer ein Grauen einflößten. Solcher Schneid flackerte nicht als verrauchendes Strohfeuer, sondern brannte als stetige Glut, deren Flamme vaterländischer Begeisterung nie verlosch. Fern sei es uns, die Taten des bayrischen Löwen zu bemängeln, der überall gewaltig seine Tatze eingrub. Nur trieb eben die Fama auch hier ihr Spiel, indem sie nur die Bayern gelten ließ, ohne die überragende Leistung des 21. K. zu beachten, das sich ja auch später im Osten erstrangig erwies. Der erstaunliche Verlust der bayrischen Artillerie (1400), größer als derjenige der Gesamtartillerie des Kronprinzen, zeigt doch wohl an, daß die französische stellenweise überwältigend wirkte. Sehr verrechnete man sich bei Nancy. Verschanzte Plätze sind nur gefährlich als Anlehnung der Kampffront. So half es später nichts, Fort Troyon a. d. Maas zu zerschießen, so lange die Umgegend vom Feind behauptet blieb. Bei Nancy ziehen sich beidseitig Höhen hin, im Rücken desgleichen südwärts überragend, nordöstlich der festungsmäßig ausgebaute Grand Mont, verstärkt mit zwei neuen Redouten, ein Frühjahrsgeschenk politischer Drahtzieher an den Kriegsgott. Daß Castelnau in diese furchtbare Schanzstellung zurückrannte, entsprach nur seiner Zerschlagenheit, nicht absichtlicher Falle. Als die schweren Kaliber der Panzertürme spielten, spürte man es auf 15 km Umkreis, gleichwohl traute Castelnau nicht bloßer Defensive, Einschnürung auf der Toulseite verbot passives Stillhalten, so stellte er sich in den Außenräumen vor und zwischen den Befestigungen und begann Ausfälle. Dies allein bedeutet sein sog. Flankenstoß. Nicht dort, nicht an Nancy–Toul erlahmte Rupprechts Vorgehen, sondern nach Süden zu in offener Feldschlacht längs der Mortagne. Wer sonst taktisch den Kürzeren zog, darüber streiten die Weisen nur, wenn sie französisch reden, denn die Tatsachen sprechen. Doch die 6. A. hatte jetzt eine Länge von 100 km, nachdem sie 60 km Durchmesser nach der Tiefe erreichte von Dieuze bis Moyen, ihr Keil fiel weit südlich unter Verdünnung der Rechten. Wohl lief Castelnau Gefahr, bei Charmes nach Norden abgesperrt zu werden, während Dubail nach Südwesten aufgerollt. Doch in der Vogesenlandschaft konnte Heeringen den Raumgewinn Rupprechts nicht in gleicher Höhe mitmachen und Offensive von solcher Tiefe war vielleicht etwas unbedacht und verfrüht, so lange das franz. 16. K. und 74. R. D. ein Vorrücken über die Mortagne erschwerten. Umfassung von Epinal war vorerst ausgeschlossen, doppelseitige Umfassung dort und bei Toul nach alt-moltkescher Schablone wäre nur bei numerischer Überlegenheit angängig gewesen; hier traf das Gegenteil zu. Selbst wenn es im September gelungen wäre, bei Charmes durchzubrechen, was im Bereich des Möglichen lag; wenn die Schlacht mit allen Kräften fortgesetzt wurde, wäre es richtiger gewesen, nicht diesem Traumbild nachzurennen, das insofern bald verflog, als der nötige rasche Einbruch sich nicht vollzog wegen viel zu spätem Vorwärtskommen Xylanders. Der wahrscheinlichste Erfolg winkte vielmehr im Norden, Zerschneiden einer Lebensader Castelnaus, nämlich der Wasserscheide Maas, die den Verbindungskanal zwischen Toul und Verdun bildete. Dessen spätere Verschüttung bei Mihiel isolierte beide Festungssysteme. Hätte Rupprecht von Anfang an solchen Druck geübt und statt eines südwestlichen Linksmarsches lieber einen nordwestlichen Rechtsmarsch ins Auge gefaßt, so wäre ein solides praktisches Ergebnis von großer strategischer Tragweite herausgekommen. Andererseits führte Heeringen zwar seinen Angriff vorzüglich aus, doch ließ sich voraussehen, daß Wegnahme von St. Dié strategisch nur ein Scheinerfolg sei. Es war mit Artillerie zu karg bestellt, während Dubail über das große Geschützreservoir Epinal verfügte. Nur fünf Ers. A. Abteilungen intonierten ins Vogesental, als zuerst Erf. Fußart. Karlsruhe ihre tiefe Baßstimme erhob. Damit war gegen Epinal nichts auszurichten. Statt überflüssig viel Infanterie, hätte man rechtzeitig Festungsgeschütze von Straßburg und Breisach heranschaffen sollen. Statt dessen traten Verhältnisse ein, die jedes Festhalten des Erworbenen in Frage stellten. Beide Parteien legten plötzlich das Bekenntnis ab, daß sie unnütz und übermäßig Kräfte zwischen Nancy und Epinal anhäuften, und entzogen sie nun ebenso maßlos. Castelnau behielt noch 4 aktive und 6 R. D. und Hanotaux erlaubt sich hier den Scherz, plötzlich diese Stärke von ursprünglich nahezu 200 000 auf 136 000 zu schätzen, wonach also der Verlust (exkl. 15. K. und 18. D.) noch größer gewesen wäre als wir schätzten. Er meint aber offenbar die Oktoberstärke, nachdem Castelnau selber schon nach Westen enteilte und neuerdings 2 Divisionen mitnahm, auch seine Kavallerie abtrat. Mit diesem Quidproquo soll verschleiert werden, daß Mitte September nach Abzug von 3 Inf. und 1 Kav. D. noch sicher 166 000 gegen die 6. A. standen. Dubail, der nachher den Oberbefehl der Front Epinal–Toul übernahm, soll Mitte September nach Abmarsch von 9 Divisionen noch 165 000 gehabt haben? Das ist umgekehrt unmöglich; die restierenden 130 Batl. nebst Art. und Kav. hatten nicht mal solche Anfangsstärke vor dem Kampf. Hier soll der Verlust verschleiert werden, offenbar sind spätere Reserven (neue Alpenjäger, Koloniale, neue Reserven im Elsaß) mitgerechnet. Jedenfalls zählte er etwa am 10. Sept. schwerlich 100 000. Waren etwas mehr als 250 000 Franzosen der 1. und 2. A. danach angetan, die 6. 7. A. zu schleunigem »strategischem«, nicht irgendwie erzwungenem Rückzug zu bewegen? Nein, auch dann nicht, als schon 8 Divisionen (1. und 2. b., 15. und 21. K. inkl. 60. Inf. und 70. L. W.) nach Westen abrollten (nach 35 000 Verlust etwa noch 85 000), dazu 7. und bayr. Kav. D. Die restierende Stärke, zumal jetzt alle Ers. Brigaden und außerdem 33. R. D. und neue Landwehr mitfochten, genügte vollkommen, den Feind niederzuhalten. Als aber dann noch ferner 3 Divisionen (1. b. R. K. und 26. R. D.) den Zug nach dem Westen antraten, war Offensive ausgeschlossen und als Ende Sept. nochmals 3 D. (14. K. und 28. R. D.) abgingen, Defensive geboten. Doch trat man längst zuvor den Rückzug an ohne jede wirkliche Nötigung. Nach 1. Oktober hatte Dubail vom Sundgau bis Toul freilich große Übermacht, da höchstens noch 135 000 Deutsche in den Reichslanden blieben. Übrigens entschwand sein 8. K. nicht völlig seinem Gesichtskreis, sondern versetzte sich nur auf die linke Flanke an den Côtes Lorraines, wohin nördlich auch das d. 15. R. K. ins Woevre östlich Verdun sich verpflanzte, ebenso 4. und 15. b. R. Die Ausleerung der früheren Heeringenfront von Truppen war derartig, daß nur noch L. W. und Ers. Batl. die Linie Bacarat–Mühlhausen füllten. Im Norden ebenso, nur bot dort noch 3. bayr. K. einen festen Kern. Dies Kriegstheater sank immer mehr zu Bedeutungslosigkeit herab, fern dem Kreis großer Operationen. Obschon aber Dubail mit der ganzen 1. Kol. Div. und 2 Alpindivisionen und ferneren 10 Divisionen numerisch durchaus die Oberhand hatte, haben die Franzosen keinen Grund, ihre Lothringer September- und späteren Kämpfe zu verherrlichen, im Gegenteil. Deshalb verweilen sie so liebevoll beim dortigen Augustkampf, mit dem sie sich hochbefriedigt erklären, weil die Niederlage nicht so offenkundig zum Himmel schrie wie an der Oise und Maas. Zuletzt wurde aus dem allen ein harter Stellungskrieg, der kaum vom Flecke kam. Castelnau, auf den man zu viel Ehre häuft, blieb Anfang September noch in unruhiger Bewegung und rang seinen erschöpften Truppen einen mißglückten Gegenstoß ab, erstarb dann zu bloßer Abwehr. September auf der Südostfront. Da der Septemberkampf sich eng an die Augustgeschehnisse anschloß und ein Abbrechen der Darstellung hier untunlich wäre, fügen wir gleich an, wieso es zur Preisgabe aller bisherigen deutschen Vorteile zwischen Nancy und Epinal kam. Bei den übrigen französischen Heeren war die Stimmung eine gedrückte. Bei French und Esperet Anzeichen der Auflösung, bei Langle viel Entmutigung, so daß auch das berühmte Kol. K. im September lange nicht mehr den früheren Kampfmut zeigte. Die Kluft zwischen 5. und 4. A. war so weit aufgerissen, daß Joffre sich bemüßigt sah, dort eine neue 9. A. einzuschieben, wobei er unverständlicherweise die Nummern 7 und 8 übersprang, wohl um zu bluffen. Zu diesem Behuf trennte er von Langle dessen 11. K. und 17. D., beide R. Div. und die Marokkaner ab. Sollte dies ein Mißtrauensvotum sein, so hatte es Langle wahrlich nicht verdient. Joffre ging in seiner Fürsorge für diese neue Armee seines Günstlings Foch so weit, daß er sogar noch von Sarrail die 42. D. forderte, eine unbegreifliche Maßregel, da doch gerade bei der 3. A. die Lage bedrohlich schien, falls der Kronprinz in raschem Tempo bis Bar le Duc durchstieß. Außerdem wurde Castelnaus 18. D. nach Troyes verladen, wiederum sonderbar, da damals Nancys Bedrohung bedenklich schien. Solchen Wert legte Joffre darauf, nicht auf der Hochfläche von Sezanne und bei Troyes in der Mitte durchstoßen zu werden. Die 14. D. war von Belfort nach Paris berufen, wo gerade die neue 6. A. Maunoury sich sammelte, wo auch 45. D. Oran aus Afrika anlangte. Die wahre strategische Gefahr lag aber garnicht im Westen, wohin alle Blicke sich richteten, sondern im Osten neben Verdun. Die Deutschen hörten immer nur von »St. Quentin«, ohne den wahren Hauptsieg Bülows bei Charleroi zu würdigen, und wissen bis heute nicht, wie gewaltig die Eisenfaust der 5. A. den Franzmann von Longwy bis zum Argonneneingang schüttelte. Im Gegenteil nahm die heimische Mieselsucht es kühl auf, daß der angefeindete Kronprinz solchen Erfolg erntete, jammerte über gräßliche Verluste und ließ sich dafür große Überschätzung der Lothringer Schlacht aufschwatzen, deren strategische Ausbeute ebenso unfruchtbar blieb wie die bei St. Quentin und deren unberechtigter Nimbus mit einem gleich grundlosen Katzenjammer endete. Für den viel wichtigeren Erfolg des Kronprinzen dankte bald Gemunkel und Genörgel, das ist der Lauf der Welt. Sein Druck währte aber noch im September so stark fort, daß die Argonnensperre sofort zerbrach und Sarrails Linke immer weiter südwärts wich und er so, da seine Rechte sich krampfhaft am Maasufer festhakte, sich schräg von Nordost nach Südwest umbog. Seine Lage mußte verzweifelt werden, wenn der Kronprinz um Verdun herumgriff längs der Côtes Lorraines. Dies geschah mit dem 5. K., dem angeblich aus der Front gezogenen, das so bald wieder seine Anwesenheit meldete, während 3. R. K. den Nordkreis um Verdun schloß. Mit dem 6. und 13. K. als Rechte, 6. R. K. als Mitte, 16. K. als Linke, setzte 5. A. unaufhaltsam ihren Südmarsch fort. Sarrails feste Haltung ist um so rühmenswerter, als Joffre ihm auch noch das ganze 4. K. entzog und nach Westen sandte. Erst als die Not aufs höchste stieg, langten 15. und 21. K. im Osten an, um Sarrail und Langle zu retten. Außer den für August schon verrechneten Truppen trafen frisch im Westen die 6. englische D. nebst Reiterei sowie 63. R. D. und 45. D. ein, da das zu Maunoury verladene K. Lamaze schon bei Etain gefochten hatte. Diese Verstärkung um 50 000 Mann fiel um so weniger ins Gewicht, als bei so gefährdeten Auszügen auch eine Unmenge Versprengter umherirrt, die erst später zur Fahne stießen. Deutsche Behauptung, die französischen Divisionen seien neu aufgefüllt worden, entbehrt jeder Begründung. Foch bezeugt ausdrücklich das Gegenteil. Auch der riesige Materialschaden war nicht ergänzt, nachdem außer so viel Festungsstücken etwa 450 Feldgeschütze in deutsche Hände fielen. Die Artillerie trat mit sehr verminderter Stärke in die Septemberschlacht ein, obschon bei Foch und beim 17. K. Langles mit vermehrter Tatkraft, was ihr große Ehre macht. Doch auch sehr viel Gewehre, Maschinengewehre, Munition, Ausrüstungsgegenstände gingen verloren und besonders das algerische Korps zeigte sich derart unlustig und unbotmäßig, daß Esperet es dauernd in Reserve verwies. French wagte wesentlich nur sein 3. K. Poultenay in die Vorderfront zu stellen, dessen Nerven nicht vom unheilvollen Rückzug angefressen. Vaterlandsliebe und Ehrgefühl halten eben den Kulturmenschen fester bei der Fahne, als rohe Kampfwut den Wilden oder Söldner, das zeigten hier viele wackere Teile des französischen Volksheeres. – – Bei mehrtätigem Ermatten der Vogesenschlacht gab es zwischendurch kräftige Einzelhandlungen der Badenser. Am 2. Sept. wurde die 25. Brig. Barbade des Epinalkorps wieder vom Chipottehügel hinabgeworfen. Ihr 17. Rgt. behielt nur noch zwei Hauptleute, die meisten Offiziere lagen in ihrem Blut. Andere »Badenser« – soll heißen 40. R., 8. und 14. R. Jäger sowie 4 badische Ers. Bataillone – warfen sich im Verein mit der bei Celles neuerschienenen 99. Els. L. W. aufs Lyonkorps und brachten es zwischen Rompatelize und Grand Jumeau in große Not. Es verlor diesmal auch La Salle, wo sechs sächsische Ers. Batl. eindrangen, und zwei bespannte Batterien. In der Nacht zum 4. brach ein großer Überfall durch 109., 110., 111., und 40. bad. Inf. los, Alpins und 44. D. wurden geworfen. Am 5. und 6. flammte die Schlacht nochmals heftig auf. 50. bad. Art. bahnte ihrem Fußvolk den Weg, fünf ihrer Offiziere und achtzig Kanoniere bluteten. Die Badenser, besonders deren Leibgrenadiere, die ihren Garderang im ganzen Weltkrieg aufrechthielten, drängten die 27. D. Grenoble über das Jaques-Plateau; die kräftigen Gebirgler der 28. D. Camberty versuchten starke Gegenbewegung, doch 22. Inf. und drei Chasseurbataillone sahen das Fruchtlose ihres Beginnens ein. Es stimmt indessen nicht, daß nur 14. deutsches das 14. franz. K. aus den Mortagnewäldern herausschlug; der Lage nach wirkten hier sicher 99., 132., 136. Elsässer von St. Remy her; 14. Jäger (früher am Col Marie und Mühlhausen) maßen sich hier mit 14. Chasseurs. Weiter westlich focht erbittert die dorthin verschobene 41. D. Belfort, um 8. Jäger und die Bayerngruppe aufzuhalten; ihre 22. Ch. verloren den Kommandeur und viele Leute, eroberten aber eine wichtige Höhe. Gleichzeitig entrissen links davon 14. Ch. den Mecklenburger Jägern einen Teil des Grand Jumeau, doch alle vier Chasseurbataillone der D. Grenoble waren nicht imstande, erneuten Andrang der Elsässer zu überdauern; alles wich, 41. D. verließ alle Höhen nördlich Mandry. Am 7. entschieden die badischen Leibgrenadiere den Kampf bei Vernies mit großem eigenen Verlust. Legrand mußte weiter zurück. Zusammengesetzt aus Bergbewohnern von Savoyen, Dauphiné, Hochburgund, wehrte sich das Lyonkorps in den Vogesen wie auf bekanntem Gebiet, doch kein Opfer fruchtete. Bei 17. Ch. blieben nur 7 Off. übrig mit der Hälfte der Mannschaft. Westlich St. Dié verloren 11. Ch. alle Kompagniechefs. Wir bitten zu beachten, daß diese als Elite geltenden Chasseurbataillone oft 1700 Gewehre zählten, was wir bei unseren Stärkeschätzungen nie in Rechnung brachten. Der deutsche Verlust war nicht unerheblich. Auch 63. sächs. Ers. Batl. litt ziemlich, doch daß eine sächsische Ers. Kompagnie auf 36, eine der 14. J. auf 64 schmolz, dafür geben die V. L. keinen Anhalt; Ausnahmefälle einer Kompagnie beweisen nichts. Nach diesen für Heeringen durchaus glücklichen Gefechten verstrichen vier Tage fast kampflos, was Dubail in Verwunderung setzte, der sich seinerseits mit Verladen seines Clermontkorps ins Pariser Oisetal beschäftigte. Diese Schwächung ließ der Gegner unbenutzt. Erst am 13. erkannte man, daß die Deutschen St. Dié und alle vorgeschobenen Posten längst räumten, denn drüben waren zuerst 122. R. und 180. Inf., dann das ganze Elsässer Korps in Richtung Trier–Maubeuge abgeleitet. Dubail empfing die Kunde der Marneschlacht, vermutlich in übertreibender Ausschmückung, und wollte nun die Siegesgöttin an der bekannten Stirnlocke packen. Doch er stürzte nur ins Leere oder dem Feind in den Rachen, der den Verfolger wiederholt auf die Finger klopfte. Die Deutschen blickten immer noch von Donon und Ban de Rupt in die jenseitige Ebene, behielten Senones und Raon. Die überraschten Franzosen begegneten bei Raon l'Etape und südlich Bacarat keinen Widerstand, dahinter aber wohl. Xylander war dort weg, doch eine tüchtige Nachhut blieb. 26. R. D. verschwand schon, 28. R. D. rückte hingegen nach Fricourt vor Nancy ab, wo Verstärkung nötig schien, Heeringen selber befand sich längst in Laon; von seiner 7. A. behielt er nur K. Deimling. Aus so freiwilligem Abmarsch zog Dubail keinen Vorteil, sein Epinalkorps war in Eile nach Nordwesten auf Brienne verladen, 8. K. gleichfalls nordwärts zur Maas. Die Niederlage des Lyonkorps bis 7. lehrte ihn auch Vorsicht. Man glaubt irrig, daß ganze Korps gleich abrückten, es blieben Nachhuten. 143. lag am 4. noch bei St. Dié, von wo damals noch 26. und 28. R. Art. lebhaft feuerten, 8. Jg. noch lange in scharfem Gefecht bei Fosse (270), 14. Jg. blieben fortan im Elsaß. Die badische Gruppe in Gegend Nossoncourt verweilte dort noch längere Zeit. III/169., III/170. wurden zu Gaede ins Oberelsaß entsendet, wo drei Lahrer Kompagnien am 9. fochten und bis 2. Okt. dort verblieben. Seinen Belfortflügel betrachtete Dubail nur als lästige Beigabe, verringerte ihn immer mehr; wetterharte Alpenjäger konnten's allein nicht schaffen. Was nochmals in den Sundgau einfiel, holte sich vom 6.–12. solche Schlappe, daß es nicht wiederkam. Schon am 6. griff Gaede die Brig. La Teuche der hier neu erschienenen 66. D. im Münstertal an. Indessen litt in ferneren Gefechten bei Kosbach, Bisel, Tann, Altkirch nur 40. L. W. erheblicher, 109., 110. und 111. Bad., 119. und 120. Würt. sehr wenig. Inkl. Ers. Batl. Sennheim und den zwei badischen Inf. Bataillonen sowie den bei Mühlhausen streifenden 14. Drag. und Teile der 14. Jg. verlor Gaede etwa 900. Der Verlust war zu gering, um den Umfang dieser Stöße für bedeutend zu halten, so gern wir der standhaften L. W. Kränze winden. Die Spaltung in Gruppen wurde vermehrt durch Einströmen neuer Ers. Batl., auch bayr. B. 12. L. W. und 2. und 10. Ers. bei Dreiähren, 2. L. W. bei Col Marie, 3. L. W. und 11. Ers. bei Saales, 3. und 4. Ers., 14. und 11. R. bei Mandry. Nach Menil detachiert 5. und 13. Ers. Zusammen verloren diese Teile 3000, es fanden also heftige Gefechte statt, von denen man nichts hört. Auch 60. und 70. R. Hagenau und Bitsch fochten am 14. bei Markirch. Die bei Rompatelize-La Salle bis 7. Fechtenden verloren 4200, wo 98. R. abmarschierte, das bereits auf Zuzug in die Woevre bei Briey voraus war. Ebenso eilten 15. und III/4. b. R. den I/II/4. R. nach, die in die Woevre gingen. Die badische Gruppe verlor 1450. Da die Einteilung in 6. und 7. A. hier aufhörte (Prinz Rupprecht ging gleichfalls nach Westen), darf man auch die Saarbrücker Nachhut den Obigen beirechnen. 60. Inf. rückte vom Ferchtal nach St. Benoit ab, um sich mit 21. K. zu vereinen, blieb noch bis 10. dort, III/70. bei Domptail, I/137. bei Vallois 67. Art. bei Woyen. 32. Brig. Saarbrücken rückte am spätesten ab, ehe sie den Seitensprung, der wahrlich kein Katzensprung war, zur Abrundung der schiefen Wetterecke im Oisetal machte. Auch hier 1450 Verlust. Von Xylander, der längst den Kampfplatz nach Westen verließ, blieb III/16. mit etwas Pionieren bei Bacarat (200). Summa 11 400. Der französische Verlust muß bis 8. sehr groß gewesen sein, wahrscheinlich 20 000 im Monat inkl. Gaedes Gefecht. Am Fuß der Pässe, zwischen Mandry und Markirch, hielt man Dubails erschöpfte und gelichtete Truppen im Zaum, die sächsischen und badischen Ers. Brigaden waren zwar bis Bacarat zurückgegangen, indessen erfolgte Ende September wieder eine ausgesprochene Vorbewegung, so daß Dubail bis an die Mortagne zurückwich. Der sonst bis 13. recht schweigsam und wortkarge deutsche Heeresbericht wob einen Glorienschein um Gaedes Landwehr als Verteidiger der Heimaterde, tat aber des Guten zu viel und verfiel in einen sozusagen französischen Stil, den man gern missen möchte. Bei Gebweiler habe ein ganzes französisches Korps »eine schon abgeschnittene Abteilung befreien müssen«? Im Südelsaß gab es überhaupt kein solches Korps. Bei Aspach setzten die Haubitzen den Franzosen so zu, daß sie 3000 Gefangene und 2 Batterien verloren? Möglich, klingt's auch wunderbar. Die Hauptsache blieb, daß den Eindringlingen jede Lust zum Einbruch verging, um nicht nach der Schweiz abgeklemmt zu werden. Es bleibt merkwürdig, daß Moltke und Joffre gleichzeitig zur Einsicht kamen, wie unnütz sie solche Massen bei Epinal–Luneville–Nancy zusammenpackten, während Entscheidung nur in Nord- nie Ostfrankreich zu suchen war. Der Entschluß zum Abwurf solcher Massen erfolgte beiderseits früh. Die herkömmliche Ansicht irrt sehr, Moltke sei durch die Marneschlacht zu solcher riesigen Umgruppierung veranlaßt worden, der größten, von der uns die Kriegsgeschichte meldet. Sonst wären die deutschen acht Divisionen, die Ende September im Westen eingriffen, der unstreitig am frühsten abgerückte Deimling sogar in Monatsmitte, zu spät gekommen. Da Joffre auf innerer Linie über ein ausgiebiges Bahnnetz verfügte, so kamen zwar sechs der von ihm aus Lothringen geschickten Divisionen früher in die Kampfzone, nicht aber die neugebildete 2. A. Castelnau, die im äußersten Westen umfassen sollte. Hier kam ihm Prinz Rupprecht, der doch den weitesten Weg hatte, zuvor. Genötigt, in weitem Bogen hinter der Front per Feldbahn solche Massen über Luxemburg–Brüssel–St. Quentin nach Südwesten zu richten, hat die deutsche Heermaschine hier Erstaunliches vollbracht. Schon am 2. gingen Castelnaus 15. K., 18. D. und 10. Kav. D. ab, dann Kav. K. Conneau, sie trafen aber erst am 8. und 9. auf ihren Bestimmungspunkten ein, während die wohl erst am 6. abrollenden Elsäßer schon nach acht Tagen in Mitte der noch unverlängerten deutschen Hauptfront zur Geltung kamen, nach dreimal so langer Wegstrecke. Das erst am 12. ganz abgerückte 21. K. focht schon am 21. im fernen Westen, eine erstaunliche Leistung. Dagegen leistete sich die O. H. L. etwas sehr Unerfreuliches, als sie sofort Rückzug über Mortagne, Meurthe, ursprünglich sogar Saille anordnete. Nicht die geringste Nötigung lag vor, denn selbst wenn Luftaufklärer versagten, muß sich die parallele Schwächung der Feindesfront drüben sehr bald bemerkbar gemacht haben. Es heißt auch, daß Pr. Rupprecht sich dagegen sträubte und nur murrend nachgab. Ist dem so, dann hatte er eben besseren Überblick. Jeder Rückzug ohne dringende Nötigung ist fehlerhaft, weil er den Truppengeist entnervt. Jede Truppe, die man nach stetem Siegen plötzlich zum Kehrtmachen zwingt, wird mißgestimmt und widerwillig. Jeder Musketier sagt sich: Die Stellung, die wir mit unserem Blut erkauften, behalten wir, erst soll uns der Feind daraus vertreiben, sonst war unsere Mühe vergeudet. Zu vermuten, der schwer erschütterte Dubail werde aus eigener Kraft St. Dié und Raon zurückerobert haben, ist lächerlich. Er geriet über den deutschen Abzug ins größte Staunen. Die eroberten Stellungen waren so gut, daß man sie deutschen Verteidigern nur mit schweren Opfern wieder entreißen konnte. Erst spät erhoben die Franzosen ein Siegesgeschrei und schrieben lärmend diesen unbegreiflichen Rückzug ihrer eigenen Waffenwirkung zu, folgten dann aber im Zentrum anfangs nur zögernd über Luneville, dann dreister. Auch hier entwickelten sich Nachhutgefechte, hitzig bei Harimenil, wo die G. Ers. Brig. mutig standhielt, und füllten den Monat, keineswegs taktisch zugunsten der Verfolger. Das 2. Pfälzer Korps folgte unmittelbar dem 1. Münchner nach Westen, nur Ersatz- und einige bayrische R. Brigaden besetzten die verdünnte Strecke, infolgedessen sich jetzt das badenser Korps ganz nach Norden verschob, um diesen Ausfall zu ersetzen. Es blieb größtenteils noch bis Monatsende bei Fricourt–Limay–Mamey; auch die 28. R. D. beließ dort vorerst eine Brigade. Im Norden bestand erst recht kein Grund, die erkämpfte Linie Dombasle–Maixe–Champenoux zu verlassen. Das nach Abzug des franz. 15. und bald auch 8. K. ganz isolierte 16. K. war nicht in der Lage, die Lücke der deutschen Schlachtordnung zwischen Dombasle und Garbeviller zu benutzen. Die 74. D. brannte schon ganz zur Schlacke aus, ihre erneuten heroischen Angriffe wurden blutig abgewiesen, wobei auch eine Pfälzer Nachhut mitwirkte. Daß man die weit vorgesprungene Spitzstellung westlich Luneville räumte, brauchte wahrlich nicht Aufgeben der Mortagne nach sich zu ziehen. Den bedauerlich verfrühten Rückzug wog es gleichwohl auf, daß das 3. bayr. Korps sich immer weiter nordöstlich Nancy ausdehnte und sich näher an Toul heranschob. Den Feind schüchterte vorhergehende Beschießung und Berennung von Nancy viel zu sehr ein, als daß er sich aus eigener Kraft zur Erzwingung des deutschen Rückzuges aufgerafft hätte. – Der Kampf im Norden, diesmal bedeutender als im Süden, zerfiel in zwei Teile. Schon vor längerer Weile entschloß sich Pr. Rupprecht, noch einen großen Schlager zu tun, und verharrte dabei, als er schon Befehl zum Abmarsch nach Westen in Händen hatte. Seit 1. wurde der Feind bei Nancy ruhiger, seit 4. war aber ernster Kampf zwischen Friscati und Champenoux im Gange, die Front erzitterte unter schwerer und vermehrter deutscher Kanonade. 136. Brig. der 68. Div. verteidigte den Wald vor Nancy, R. K. Durand schützte die Nordflanke, wo 14. und 21. bayr. Inf. bei Richecourt angriffen nebst einigen Ers. Batl. Von Serres und Einville her erfolgte ein Stoß auf die 39. D. Das Klatschbuch eines Metzer Franzosen quatscht von Attake weißer Lohengrinkürassiere, deren Uniform der Kaiser trage. Weder gibt es Lohengrinkürassiere noch konnten in solcher Gegend Reiterattaken stattfinden. Sind Gardedukorps gemeint oder die Halberstädter Seydlitzkürassiere, in französischer Lesart Bismarckkürassiere? Beide standen fern im Westen. Solcher Tiefstand historischer Wissenschaft – Hanotaux zitiert dies ernsthaft – kennzeichnet die Art, immer romantische Farbenklexe wie »Todesritte« auf die Palette zu setzen, um irgendeinen deutschen Mißerfolg glatt zu erfinden. Es ist auch falsch, daß 1. Garde Ers. Brig. (fünf Bataillone) von Pont à Mousson vorrückte, sie stand schon im August bei Herimenil. Dagegen rückten dort 30 km von Nancy andere Ers. Brig. des General v. Strantz vor, welchem Befehlshaber des Posener Korps, das jetzt an den Côtes Lorraines wirkte, der Oberbefehl im Norden übertragen wurde. Zunächst blieb es hier auf der Nordostseite bei Tastversuchen, während südöstlich von Nancy eine neue Schlacht auf 15 km Front anhob. Weiter südlich verfuhren beide Parteien nicht mehr angriffsweise. General Bigots brave Truppen waren erledigt und die Pfälzer rüsteten zum Aufbruch, um den weiten Spaziergang nach Westen anzutreten. Indessen blieben 18. und 22. Inf. noch bei Fraimbois in Stellung, 9. verschob sich nach Ch. de Villiers östlich in Ablösung der 2. b. D. Diese wichtigen Einzelheiten entnehmen wir den Verlustlisten. Die Franzosen mißverstanden diese Stille als Ermattung. Deutscherseits konnte man den Abzug des 15. K. und später 8. K. beim Feinde wahrnehmen, um so unverantwortlicher, daß man trotzdem am Rückzugsbefehl festhielt. Seit 5. kam es noch zu verschiedenen Zusammenstößen, der Kampf stand so ungünstig wie möglich für die Franzosen. Taverna wich von der Mortagne, 142. aus Gerbeweiler, 223. aus Mont s. Meurthe, in das man sich teilweise einschlich, 81. aus Heudoncourt. Umsonst verteidigte Brig. Xandel das linke Mortagneufer am Guiperholz. Am 6. unternahm General Castelli, ehe sein 8. K. abzog, noch einen Flankenstoß vom Gondelholz und Taverna trieb vom Lamathholz her die Bayern wieder über die Mortagne, 143. drang frontal »unter großem Verlust« erneut in Gerbeviller ein. Am 7. und 8. setzten 81. und 142. bei Fraimbois an, die Reste der 74. und 64. R. D. bei Herimenil. Fruchtlose Mühen eines halben Scheinerfolges. Am 9. hatten 139. und 140. Brig. Tavernas bei Heraucourt und Crevic nur ein stehendes Gefecht ohne Bedeutung, am 8. und 9. wurde das Gefecht auch wieder lebhaft gegen die Hagenauer und das Füsilierbataillon der Saarbrücker 70er, eine hier zugeteilte sächsische Ers. Batterie verlor allein 30 Kanoniere. Deutscherseits war längst Abmarsch beschlossen. Bei Fraimbois standen noch bayrische 8. und 4. R., welch letztere am 10. auf Abmarsch nach der Woevre kurz eingriff. Vorwärts Luneville, wo 70. L. W., die im August viel litt, das Saarbrücker K. nach Westen begleitete, füllten noch Frankfurter 81. und Würzburger 8. L. W. die schwachbesetzte Linie, anfangs auch Wiesbadener 80. L. W., die dann zum Roßberg vor Nancy abmarschierte. Um dem rührigen, wahrhaft verdienstvollen General Taverna gerecht zu werden, muß man veranschlagen, daß er ganz allein die große Lücke zwischen Vitrimont und Magnieres schloß, da anscheinend auch die 64. D. nach Norden abberufen. Er konnte daher dem Abzug über Luneville nichts anhaben. Die Pfälzer begannen erst am 12. abzurücken, Rgt. Landau verließ Fraimbois am 15., Rgt. Germersheim stand bis 16. an der Mortagne, deren Ufer sich immer wieder von Blut röteten, Rgt. Würzburg blieb lange bei III/16., das Bacarat bis 21. hielt. In dieser Richtung ging auch Deimlings Nachtrab ab, wir finden 132. bei Neuwiller, 136. verspätete sich sehr, denn am 23. tauchte es in der Maasschlacht bei Mudra auf. Hanotaux scheint zu glauben, Deimling und Eberhardt hätten damals noch in der Front gestanden, die längst fort waren. Nur Gaede, die jetzt vollzählige bayr. Ers. Div. sowie 19. Ers. D. Tettenborn bewahrten das Elsaß. 88. sächs. Ers. focht aber anfangs im Norden, trat erst spät bei Badonweiler auf. General Falkenhausen, der bis zur Mortagne kommandierte, hatte sogar Ers. Brigaden nach Norden an Strantz abgegeben, so fochten 10., 8. Ers. D. (4. nach Belgien abberufen) jetzt bei Nancy. Diese schwachen Kräfte imponierten Dubail so, daß sein Vorrücken allmählich wieder westwärts abfloß, obschon zuletzt nur noch 8. b. R. an der Meurthe stand und die L. W. von Luneville teilweise bis Avricourt wich. Sie verlor 530, die Garde Res. Brig. 600, alles zusammen 3000. Die Franzosen litten offenbar viel mehr, 74. R. D. ging fast gänzlich zugrunde, sie sollten also über diese Ereignisse nicht »Sprüche machen«, wie der Berliner sagt. Doch scheiden wir mit voller Hochachtung von Taverna und Bigot und ihren wackeren Truppen, die sich weit mehr auszeichneten als das gepriesene K. Foch. Man hört nichts von der »Eisernen Division«, doch muß sie es gewesen sein, nicht »ein Rgt. Bigots«, die bei Rheinviller von der Garde Res. Brig. abgewiesen wurde. Nördlich davon griffen 5. pommersche Ers. Brig. nebst der 55. badischen an, frische Truppen, man begreift, wie spät der Feind das Verdünnen der deutschen Front bemerkte. Eine Weile bis 12. stand hier noch 5. b. Inf. Bamberg, sonst bei Einville–Maixe 2., 12. und 13. b. R., 1. R. Jg. nebst acht Ers. Bataillonen, in Reserve Ers. Saarbrücken, Saarlouis, am Roßberg 80. L. W., drei Ers. Batt. und 15. els. Pioniere, die beim Abmarsch Deimlings dort festgehalten wurden. Sie schanzten neben Ers. Trier und Wesel, bloße Lückenfüller, während 50. Mainz (früher St. Dié) 247 verlor. Dombasle hielten 9. Ers. Gnesen, 10. und 11. Brandenb. Die so sehr geleerte Front nach Abzug der meisten bayrischen Reserveregimenter und des 22. und 23. Inf. hielt trotzdem fest zusammen, allerdings verloren 2. und 12. R. über 900 vom 7.–9,, auch packten schon am 7. hier 20. und 53. und später 54. würt. Ers. kräftig an unter namhaftem Verlust. 88. und 89. sächs. Ers. (früher St. Dié) erstürmten den Turm Dommayre, wobei der Kommandeur des 88. fiel, und es allein 320 verlor. 1. R. J. hielten Friscoli, 12. R. obsiegte bei Maix mit besonderer Beihilfe der noch hier verbliebenen 5. Art. des pfälzer Korps. Schon in der Nacht zum 5. erreichte die Schlacht bei Champenoux besondere Heftigkeit. Hier gingen Ers. Münster und Minden schärfer ins Feuer, als Ers. Osnabrück, Hannover, Hameln, Kassel und Köln, 2. b. Jäger stürmten, 1. P. Ingolstadt und Res. Komp. der 2. Speyer, von den abziehenden Korps vorerst hier verblieben, schanzten mit bedeutendem Verlust. Am 5. häuften sich Leichenberge vor der großen Waldbarrikade, die Franzosen machten verzweifelte Anstrengungen, auch ihre mehrfach demolierte Artillerie hielt brav aus. Man muß es ihnen lassen, daß sie freudig für ihr Vaterland ihr Leben dahingaben. Warum dann nur das ewige Prahlen und Entstellen, so daß der Unkundige ihnen nachher ihre wahren Heldentaten nicht glaubt! Es ist läppisch, den Deutschen hier großen Verlust aufzuhalsen, er betrug bis 12. rund 4000. Der Aderlaß war ziemlich einseitig, denn bei allen Blutbadfabeln geben die Franzosen zu, daß sie selber sehr schwer litten. 5. Art. richtete furchtbare Verwüstung an, sie deckte auch später den freiwilligen Rückzug, schlug aber den Rekord aller Artillerieverluste (300). Vorläufig wich aber General Balfourier überall, dem 20. K. mußten 64. D., eine Kolonialbrigade und ein Alpinregiment nachher einverleibt werden, da sein Hinschmelzen einer so ungewöhnlichen Auffrischung durch 7 Regimenter bedurfte, wohl ein untrüglicher Beweis, wie auch der Septemberkampf es mitnahm. Die Reservedivisionen auf der Nordflanke litten aber noch mehr, hier galt es den Amanceberg wegzunehmen, nach dessen Fall die Nancystellung nicht mehr haltbar gewesen wäre. Schwere Metzer Festungsartillerie bombardierte Tag und Nacht, bis das Panzerfort am M. Couronné wankte, die dortige Massenbatterie litt furchtbar und stellte wiederholt ihr Feuer ein. Durch Abmarsch der 18. D. geschwächt, wehrten sich die Generäle Fayolle und Durand verzweifelt gegen 3. bayr. K. und die eintreffende Metzer Reserve, ihre Linke wurde zwar nach Toul geschleudert, ihre Rechte zurückgedrängt, doch ließ sich kein durchschlagender, nachhaltiger Erfolg erzwingen. Erscheinen des Kaisers, um sich am Fall Nancys zu weiden, haben phantastische Franzosenköpfe ausgeheckt, sie finden so großes Gefallen an solchen Märchen. Am 5. abends lagerte das fränkische Korps zwischen Saill und Rhein-Marnekanal bei Remereville, 6. Ers. D. bei Mont. 2. b. K. bei Einville, das indessen bald abzog und nur noch mit einer Division zur Stelle war). Ein neuer Feind erschien vor Nancy am nördlichen Horizont: drei rheinische L. W. Rgt., ergänzt durch die nirgends genannte 30. Metzer L. W. und Hälfte 33. D., nicht ganze, wie man liest, ihre Brig. Riedel, nach kurzem Demonstrieren bei Novéant (Kriegsarchiv), stand jetzt im Woevre. Das angeblich zerschlagene K. Oven war also gleich wieder gefechtsbereit, seine würt. und bayr. L. W. schloß sich dem Kronprinzen in den Argonnen an, die Thüringer 13. und 43. Brig. (45. sächsische später in Rußland mit besserer Haltung) trat im Woere neben 32. R. D. des 15. R. K. Dort hatte sich Dubail schon am 13. mit Sarrail in Verbindung gesetzt, in dessen Befehlskreis das an der Mosel ausgeschiedene 8. K. übertrat zum Schutz der Maasufer. Die bei Pont à Mousson angetretene Gruppe wandte sich auf Nomery–Genevieve in Richtung Toul. Dies schien Castelnau so bedenklich, daß er 73. D. dorthin zurückberief nebst 2. Kav. D. am Westufer der Mosel, wo bereits am Ostufer Umgehung drohte. 8. F. Art. begann sogleich zu hämmern, begleitet von schwerstem Metzer Festungsgeschütz, das Bombardement gegen Amance steigerte sich auf beiden Ufern, an welchen acht Ers. Brig. der Heerabteilung Strantz aufwärts drangen. 59. D. glaubte sich in der Flanke gefaßt, infolgedessen Belfourier mit seiner dorthin geschickten Korpsreserve am 6. wieder Remereville anzuknabbern sucht. Die Nürnberger 14er hielten aber fest, Haubitzbatterien donnerten vom rechten Sailleufer hinüber, Ersatzbrigaden trieben sein 117. Brig. bis Marboche 10 km von Nancy. Inzwischen erreichte 67. R. in mäßigem Gefecht Blamod, doch »scheiterte« der Nachtangriff der rheinischen 68. L. W., Genevieve hielten 314. (59. Div.) und die halbvernichteten Batterie Langlade, gegen welche L. Sturmbatterie Neuß nicht aufkam. Angeblich griff auch 130. R. ein, ihr Oberst Rostock sei gefallen, dies Rgt. litt aber sehr wenig. Jedenfalls räumte der verwundete Kommandant Monteliebert den Ort, nur 232. hielt umliegende Höhen. Dies klingt schon anders als »gescheiterter« Angriff! Auf der Chaussee Nancy-Salins weiter südlich wurden 206. und 212. in die Flucht gejagt, bei letzterem fielen der Oberst und zwei Bataillonschefs. Französische Darstellung zitiert hier 38., 40. und 48. Ers., von denen überhaupt nur 38. Verluste hatte, und dazu 15! 17! Bayern! Sind vielleicht 19. und 7. gemeint? Ebenso konfus ist die Behauptung, die rheinische L. W. habe allein 1200 Tote verloren! 65., 68., I/25. L. W. und die Metzer Res. Brig. verloren nämlich zusammen 1200 Tote und Verwundete ! Möglich, daß Hanotaux dies Ergebnis der V. L. kannte und daraus aus freier Hand machte, was ihm paßte. Daß 67. R. bei Blamod vernichtet sei (es litt recht mäßig), ist geradeso glatter Aufschnitt, wie daß zwei Radfahrkompagnien sich durch Nachtirrtum gegenseitig aufrieben. Auf solche Weise könnte man jede Fälschung historisch machen, so versüßt man Kindern die bittere Pille der eigenen Aufreibungen durch Märchen über feindliches Unglück, vergißt nur dabei die bittere Schlußfolgerung: erging es den Deutschen so schlecht, warum errangen sie Tag für Tag Erfolge, warum vermochte man trotz aller (natürlich geleugneten) Übermacht nichts? Welch Armutszeugnis für Führer und Truppen und wie ungeheuer müssen die eigenen Verluste gewesen sein, die jede Tatkraft lähmten! Wie dem auch sei, 58. und 70. D. waren überall geschlagen, 68. hielt mühsam den Champenouxwald, 20. K. und 64 D. mußten Kräfte nach Norden abgeben. Auf dem Amanceberg waren 29 Festungsgeschütze schon zum Schweigen gebracht, eröffneten aber nochmals ihr Feuer. Auch die aus Toul heranziehende Festungsdivision Dantan wich, nachdem sie sich der fast zerstörten 70. D. angliederte, der man nun Wald und Dorf Champenoux ganz entriß. Die Trümmer bargen sich unmittelbar vor Nancy im Dorfe Cerceuil, unheimlicher Ortsname, der »Sarg« bedeutet. Er wurde ein Sarg für Viele. Barrés spricht bezeichnend von »heroischen Resten« und Hanotaux: »was von den Reservedivisionen noch übrig war.« General Farry erschien hier mit 41. und 44. Kol. Rgt. und 44. Ch., die frische schwarze Brig. und eine Res. Brig. opferte sich hier gegen die Bayern in der Gegend Richecourt. Diese verloren rund 1300 und es erheitert, wenn ein Farceur dort – 40 000 Deutsche abschlachtet. Ei, was für Helden sind die Deutschen, daß sie dem Kriegsgott solche Opfer darbringen! Vielleicht hörte man irgend etwas von 4000 Verlusten (525 L. W., 650 Metzer Brigade, 1500 Bayern, 1250 Ers. Brig.) und hing dann eine Null zu viel an, der beliebte Trick. Und dann wundern sich die Franzosen, daß man seit Thiers ihre Kriegsgeschichten nicht ernst nimmt. Die Mühe, deutsche V. L. durchzusehen, darf man natürlich von solcher Oberflächlichkeit nicht erwarten. Am 9. raste die Kanonade im Amancetal wie toll, überall schlug man sich wütend, an einer Südecke des Champenouxwaldes wurden die ganze Batterie Rivers vernichtet, schon zündeten deutsche Granaten in Nancy an der Cercenilhöhe. Am 10. erzielte der Gegenstoß aller vier R. D., verstärkt durchs Touler Marschregiment Bault, nur mäßigen Erfolg. Lauter Skelette, materiell und moralisch, das Rückrat herausgebrochen. Nochmals stürmten die arg gelichtete 2. Ch. der 39. D. durchs Hericourtholz nach Domeore, 11. Div. auf Maixe, doch 69. und 70. Inf., 43. Kol. kamen vor Hericourt nicht weiter. Am 11. warfen sich die Franzosen erneut auf den Champenouxwald südlich Nancy, in dessen Südsaum man erneut unentschieden raufte. Das Amancetal schwamm im Blut, »enormer Verlust« bei 155. (Toul), 168., 143., 206. und 212. Regt, und der 70. Div,, deren Rest sich um General Fayolle zusammenschloß. Ein Vorderregiment floh, Oberst Boult fiel, 286., 314., 315. und 325. zerstoben wie Blätter im Wind. An einigen Punkten der Salinsstraße machte Ferry etwas Fortschritte, doch die Lage war unverbesserlich. Da plötzlich sah man die Deutschen am 12. bei Nomeny abziehen, bald darauf lief Kunde ein, daß sie auch bei Luneville kampflos abbauten. Nach kurzer Verblüffung erhob der gallische Hahn den Schnabel, als sei dies ein Siegeszeichen seiner Krallen. Sein Gekrähe schwand erst später, als er die große Abwanderung nach Westen erfuhr. Bald standen nur noch Strantz' Ers. Brigaden im Felde, auch die 5. bayrische R. D. enteilte westwärts. Hier wiederholte sich die gleiche französische Logik wie bei der Marneschlacht: Der Gegner ist überall im Vorteil, gibt aber das Spiel auf, also muß er zu riesigen Verlust gehabt haben! Genau den gleichen Unsinn folgerte man in der Ardennenschlacht für K. Strantz und Mudra. Darf man dies verdenken? »Strategischer Rückzug« gehört mit zur Kategorie militärischer Fach-Euphemismen, wie »Verstärkung holen«, wenn ein General nach hinten durchgeht. Man will und kann nicht an die Möglichkeit glauben, daß Rückzüge aus höheren Gründen ohne irgendwelche taktische Nötigung erfolgen. Indessen ward Dubail, der die ganze Front übernahm, bald inne, daß es mit dem Rückzug nicht viel auf sich hatte, denn Prinz Rupprecht war jetzt persönlich hier und erachtete für angängig, auch jetzt noch nicht mit Bedrohung südlich Toul einzuhalten. Denn nunmehr erschien bei ihm das 14. Korps, das seinen Abschub nach Richtung Cambrai unterbrach, wahrscheinlich weil die Bahnen durch die anderen Massen belastet waren. Als daher Dubails Bestreben dahin ging, Touls Bedrohung aufzuheben und energisch gegen das fränkische Korps auszufallen, traf er plötzlich deutsche Kräfte ungeahnt sich gegenüber, die er früher in den Vogesen kannte. Die Bekanntschaft wurde auch hier ihm unangenehm. Die Badenser zerfielen in drei Gruppen und ihre V. L. bringt den Suchenden zur Verzweiflung, denn sie springt bis 7. Oktober und erschwert die Übersicht. Sie blieben wesentlich bis 28. hier, nur 50. und 76. Art. waren schon am 27. und 29. an der neuen Westfront, I/114. focht bald bei Cheppy, im Befehlskreis des Kronprinzen. Eine Tabelle, wie die Blutsopfer sich verteilten, würde ermüden, wir beschränken uns darauf, daß I., II. und IV/170. (4. Batl. eingetroffen) in langem Kampf bei Fliry–Limay 1120, 109. nach starkem Verlust im Süden bei Nossancourt hier nochmals bei Mamey–Fricourt 1055 verloren, die anderen Teile bei Menil la Tour litten nicht so erheblich. Immerhin betrug der Gesamtverlust etwa 5500. Bei Fricourt traten hinzu 111. R. (920), 110. R. (etwa 500). 9. L. W. Fußartillerie. Die Franken litten in dieser Phase nicht erheblich. 13. Inf. mehrmals bei Hattonviller, 21. bei Heudicourt nebst 10. Art. Erlangen (mit 2 Ers. Batt. 170), Summa 1500. Während die erste Monatshälfte hier 11 000 kostete, so die zweite 8500. Im französischen Bericht spielt die Stadt Thiaucourt eine Rolle, man unterstreicht, daß die Badenser südlich Thiaucourt–Pont à Mousson–Limay–Mamey gleichsam umkreist seien. Es war aber nicht so schlimm damit, es gelang nicht die Badenser aus ihrem Dreieck zu verdrängen. Die von Einbildung gefärbte französische Darstellung, als sei ein wirklicher Rückschlag erfolgt, weil der törichte Rückzug zur Meurthe den Raumgewinn nicht bewahrte, schließt die Augen davor, daß die Linie Donon–Vlamont–Avricourt noch völlig die linke Flanke der Badenser deckte. Ihr unstreitig gefährlicher und blutiger Kampf verhinderte nicht, daß mittlerweile das fränkische Korps, seine Linke mit 6. Art. und sieben Ers. Batl. bei Montser deckend, aus bis 21. erkämpfter Linie Hattenville– Heudicourt–Buxieres den Druck auf Toul nach Bois Brulé und Bois d'Ailly vortrug. Vor allem erwarb jetzt Pr. Rupprecht das Wichtigste, volle Fesselung von Toul, durch genialen Handstreich auf St. Mihiel a. d. Maas. Vielleicht erklärt Castelnaus Abberufung nach Arras das überrasche Gelingen, da Dubail sich wohl noch nicht in die ihm bisher fremde Lage einlebte. Fayolle eilte zwar mit 73. D. früh dorthin, doch nach rascher durchschlagender Beschießung durch 2., 3. und 8. F. A., 18. R. Mörser, 28. sächs. Ers. Batterie nahm die 6. D. am 25. Sperrfort Romains und am westlichen Maßufer die Vorstadt Chauvoncourt mit Sturm, gleichzeitig nordöstlich davon vordringend. Nicht ohne ansehnlichen Verlust, denn wenn 6. Inf. trotz heftigen Kampfs schon bei Hattonchatel nicht viel verlor, umso mehr I/lI/13. (III. schloß sich dem 13. R. zur Westfront an): 900 und III/11. allein 538. Wahrscheinlich Teile 8. K. suchten seitwärts bei Spada am östlichen Maasufer zu entlasten, wurden aber von 1. Jäger, 10. Inf. zurückgeworfen. Die Ingolstädter müssen nach ihrem neuen erheblichen Verlust zu bestehen aufgehört haben, der Rest, da das Rgt. im Oktober gleich wieder in blutigen Kampf verwickelt, wurde durch Ersatzrekruten neu errichtet. 1. Jg. der bayr. Kav. D, fochten dann im Oktober an der Westfront. Irrig hält man Eroberung des Forts und St. Mihiels für den Hauptkampf; ihn führten nur I/II/11. und II/III/6.; mit viermal größerer Einbuße rangen die 11. Ingolstädter Brigade, III/11. und I/6. bei Spada, ohne ihren Willen gegen Fort Perroches durchsetzen zu können, obschon 20. Posener Brig. in gleicher Gegend sich mühte. Den bis 150 m hohen Steilrand der Maashöhen ersteigend, konnte die 6. D. doch nicht zum Ufer durchdringen. Auch 5. D. wurde am 27. am Foret d'Apremont stark bedrängt, 7. und 19. hielten aber fest. Prinz Rupprecht befand sich selbst noch hier, ließ 1. K. bei Metz ausladen, um für alle Fälle dem Stoß Nachdruck zu geben, und eilte erst dann mit ihm wieder westwärts. Die Franken übten fortan im Mosel–Maaswinkel einen unermüdlichen Kleinkrieg und umlagerten Toul auf der Nordseite, immer näher herandrängend. Eine rasch gebildete Jägergruppe (2. und hierbelassene 2. R. Jg.) warf sich ins Bois Brulé, 2. R. Art. beschoß das Toul vorgelagerte Hauptfort Liouville, wohin sich auch die später verstärkte Artillerie vor St. Mihiel wandte. Doch gelang es nicht, die starke Befestigung in Trümmer zu legen. Später schanzte dort eine zahlreiche Pioniergruppe (3. Pionierregiment und der Hauptteil der beiden Pionierregimenter des Saarbrücker Korps, die nicht zur Westfront abgingen). Die Erstürmung des Romainsforts, das sich sehr tapfer verteidigte, bis es mit noch 458 (nicht 700) Mann kapitulierte, war ein glänzendes Manöver. Besitznahme des Sperrpunkts St. Mihiel zerschnitt jede Verbindung zwischen Toul und Verdun; die Pioniere zerstörten auch die telegraphische und telephonische Verbindung im Maastal. Die Entwicklung brachte es mit sich, daß bis 12. das Posener Korps die nördlichen Sperrforts berührte, dann aber vor dem aufmarschierten 8. K. Halt machte, das in heftigen Kämpfen die deutschen gemischten Gruppen (Magdeburg-Thüringer L. W., Lothringer Res. und später auch Elsaßlothringer L. W.) aus der Woevre-Ebene zu entfernen suchte, unterstützt von zwei Kav. Div. und Reservebrigaden. Der drohend eingeschobene Keil bei St. Mihiel wirkte natürlich dauernd auf den Nordostkampf an den Côtes Lorraines ein und verursachte dort zuletzt günstigen Umschwung für Strantz. Nach der sehr zurechtgemachten Ausmalung der »Schlacht bei Thiaucourt« erzählen die Franzosen von gescheiterten Vorstößen der Badenser auf »Rupt« und der Bayern im Airetal in Verbindung mit diesen Kämpfen. Das ist eine Konfusion, für die auch die V. L. keinen Beleg liefern. Solche Ablenkungsmätzchen von angeblicher Bedrängnis der Bayern sollen dem verbissenen Ärger die leidige Tatsache mundgerecht machen, daß Prinz Rupprecht, der noch persönlich die schöne Unternehmung einleitete, bei St. Mihiel einen eisernen Riegel vorschob zur Trennung von Sarrail und Dubail. Ihn zu sprengen gelang weder aus Toul–Nancy noch seitwärts über Spada–Regniville, wo die Bayern dauernd den Feind abschmetterten. Obschon nur eine Stimme darüber sein kann, mit welcher Energie von Monat zu Monat Dubail den Keil abzusplittern suchte, erschütterte man nie bis Ende des Weltkrieges diese strategische Stellung. Über das im Vergleich zu größeren Aktionen unscheinbare, doch überaus wertvolle Wirken des fränkischen Korps Gebsattel weiß die Kritik nur erfreulichen Bescheid. Auf ihm lastete fortan die ganze Wucht des Ringens in Westlothringen, während die Kämpfe südlich davon dauernd abflauten. 169., 170. und 40. Badenser entschwanden zunächst nach der Westfront, 114. hielt sich noch einige Zeit an der Maas auf. General Eberhardt, dessen 26. R. D. schon lange voraus war, wanderte auch mit den badischen Reserven bald nach der Westfront. Von 33. R. D. verblieb einige Zeit das Metzer Ers. Rgt. bei Mamay, ging dann auch ins Woevre, wo gleichfalls 98. und 99. L. W. erschienen. Nach so gründlicher beiderseitiger Ausleerung der Front verlor das Kriegstheater Nancy–Mühlhausen fortan jede Wichtigkeit, obschon Gaedes L. W. Gelegenheit fand, sich in winterlich vereisten Bergkuppen und verschneiten Hochwäldern als Bergkraxler unter erschwerenden Umständen zu bewähren. Dubail hatte fortan nichts anderes zu tun, als auf seiner Nordflanke zu hämmern, um die Bayernschranke zu brechen. Jeder Durchbruchsversuch ward vereitelt, die Franken behaupteten das ganze Waldgebiet bis Bois d'Ailly. Dubails Anrennen weiter östlich über den Priesterwald bis Pont à Mousson, um Strantz in der Flanke aufzurollen, ertrank in Blutbädern. Zuletzt richtete er sein Augenmerk ausschließlich auf die Côtes Lorraines bei Combres, doch kurze Freude über einigen Gewinn nach neun Kriegsmonaten wurde auch dort gedämpft, durch steigenden Riesenverlust, der seine zahlreichen Verstärkungen wegfraß. Auch im September muß sein Verlust am Nordflügel nach eigenen französischen Geständnissen sehr groß gewesen sein. Im Oktober klagte Paris, 40 000 der besten Soldaten seien in Lothringen beerdigt, was einer Gesamteinbuße von 200 000 entspricht. Was die Deutschen zwischen Magniàres und St. Mihiel verloren, in der zweiten Phase rund 11 700 inkl. 3300 bei St. Mihiel–Liouville, also ganzer Monatsverlust rund 34 000 bis Altkirch, betrug noch nicht die Hälfte des Augustverlustes und wurde sicher durch weit größeren französischen aufgewogen, der wohl kaum unter 60 000 zu stehen kam. Wesentliche Schmälerung deutscher Gewinnchancen trat also Ende September nicht ein. Mußte man auf Nancy–Epinal verzichten, so ersetzte dies die Bedrohung Touls. Indem Rupprecht jetzt seine Rechte so weit ausreckte und sich dort fortan das ganze Kampfgewitter zusammenzog, überführten sich beide Parteien, daß der endlos gespreizte Frontalkampf Epinal–Nancy strategisch wertlos gewesen war. So schwer es fällt, zeitgenössisch Feldherrnverdienste festzulegen, so scheint uns der hohe Ruf, der den Bayrischen Kronprinzen im ganzen Weltkrieg umgab, berechtigt. Denn daß er den unseligen Rückzugsbefehl der O. H. L. noch in einer Weise umsetzte, der dem Unsinn die Spitze abbrach und noch vor seiner neuen großen Aufgabe an der Westfront, von der er doch den Kopf voll hatte, die stärkste strategische Handlung vollzog, die der Weltkrieg je in Frankreich zeitigte, gibt uns eine hohe Meinung von seiner Entschlossenheit und Fähigkeit. Dies beweist zugleich, daß er den Rückzug überhaupt mißbilligte. Da später 14. und 20. und im Oktober auch 16. K. Taverna sich abmeldeten, so schieden nicht weniger als 18 Inf. und 3 Kav. D. (früher entsendete 17. D. ungerechnet) nacheinander aus der französischen Südostfront aus, während deutscherseits 14 Inf. und 2 Kav. D. (beziehentlich, sächs. nach Rußland) den Kampfplatz verließen. Um so weniger lag Nötigung zum Rückzug vor. Gewiß blieben im Oktober nur etwa 160 deutsche Bataillone gegen noch 220 französische übrig (inkl. 1. Kol. D. und ganzes Alpenkorps), doch bis 12. Sept. noch 270 inkl. Nachhut des 15. und 21. K., 4 Rgt. des 2. b. K. und 3. R. Rgt. sowie III/16. und Gruppe Genevieve gegen etwa 295. Ist das ein Kraftverhältnis für deutsche Truppen, um »strategische« Rückzüge anzutreten, nachdem im August 350 deutsche fast 500 französische Batl. ununterbrochen über den Haufen warfen? Und dabei muß man noch den viel größeren französischen Verlust bedenken, der die Kräfte nahezu gleich machte. Solche Statistik setzt den Punkt aufs I, um die unverantwortliche Schwäche der O. H. L. zu geißeln, die nach der Marneschlacht von zeitweiliger Panik befallen schien. Mindestens ein Korps zu viel ging nach der Westfront ab. Die »Schlacht bei Thiaucourt« fiel nur deshalb nicht ungünstig für Dubail aus, weil alle Badenser nacheinander abrollten. Daß man sich dies erlaubte, zeigt freilich, daß die angebliche Krise dort gar nicht eintrat. Von der 28. R. D. focht nur eine Brigade, die andere und die Artillerie waren schon weg nach Richtung Albert, wo bloß eine Division genügt hätte. Es ist wahr, daß die aktiven Badenser, die im September mehr (7500) als im August verloren, im Oktober auf der Westfront eine bedeutende Rolle spielten und dort rechtzeitig eintrafen, um Unannehmlichkeiten für die Westfalen zu verhüten. Doch das ist hier nicht die Frage, sondern ob sie dort nötiger waren als bei Nancy, ob es richtig war, sie dort zu verabschieden und überhaupt den ununterbrochenen deutschen Siegeslauf an der Mosel jählings zu unterbrechen. »Rückzug ist Niederlage« folgert großartig ein französischer Historiker, nur ein französischer Rückzug nicht, das verbittet man sich. Doch ein französischer Offizier spendet hier dazu den schmerzhaften Kommentar: »Scheinverfolgung gab uns Siegillusion«. Es wird zugestanden, daß die Truppen erschöpft und entmutigt waren. Uns besteht kein Zweifel, daß bei normalem Verlauf die Deutschen bis 10. September bei Charmes–Rambervillers durchgedrungen wären. Hatte man St. Dié, so hatte man auch Charmes; Isolierung von Epinal bedeutete die Möglichkeit, die Moselfront aus Süden aufzurollen, d. h. in dem Rücken von Toul–Nancy zu operieren, deren Fall dann nur eine Frage der Zeit war. Die eigenen französischen Aussagen lehren, daß die ganze französische Front bis Blenod hier unmittelbar vor dem Zusammenbruch stand. Glaubt man, ein so großer taktischer Sieg mit großer Beute hätte nicht weithin seine Schatten geworfen und die Ereignisse in Nord und Nordwest des Kriegstheaters nicht beeinflußt? Ganz von selber wäre Entlastung von Oise bis Argonnen eingetreten, wenn dann schon mal dort der noch dünnere und peinlichere Rückzug von Ourcq, Morin und Marnekanal erfolgte. Noch mehr: es wäre wahrscheinlich gar nicht zu diesem gottverfluchten Rückzug gekommen, wenn bei Joffre und Moltke die Kunde eintraf, die franz. 1. und 2. A. seien vernichtend geschlagen, wodurch Flanke und Rücken der franz. Hauptmacht entblößt. Unter allen Umständen waren dann Sarrail, Langle und Foch zu Abzug genötigt und Joffre hätte sich wohl gehütet, mit seiner Linken offensiv zu bleiben. Selbst die ärgste Willensschwäche Klucks und Bülows hätte sich auf solche Kunde ermannt. Die spätere geplante Umgehung auf St. Quentin hätte Joffre füglich unterlassen, so daß die Bildung der neuen 6. A. im äußersten Westen unnötig wurde. Daß die Umgruppierung nach Westen, die Moltke schon lange vor der Marneschlacht ins Auge faßte, an sich richtig war, tut nichts zur Sache. Das hätte man beiderseits vorher bedenken sollen, ehe man solche Massen im Süden anhäufte, wo auch die überlegene deutsche Manöverkunst nicht zur Geltung kam. Hat man aber beim Aufmarsch falsch disponiert, so soll man trotzdem dabei verharren, so lange noch irgendwelche Erfolgmöglichkeit winkt. Jede nicht unbedingt nötige Neu-Orientierung verschlingt nutzlos Zeit und Kraft. Als Joffre die Front Belfort–Toul derart entblößte, um Massen ins Marnetal zu werfen, geschah es wenigstens unter schwerem Zwang; es hätte ihm aber bitter aufstoßen können, wenn Moltke nicht gleiches tat, sondern den Stoß auf Nancy–Charmes dauernd fortsetzen ließ. Selbst französische Gefechtsberichte gestehen, daß Nancys Fall nahe bevorstand und bei weiterem Anprall des 1. b. und 21. K. die Korps Montpellier und Limoges überrannt worden wären. Wollte man die bayrischen Reserven und 2. K. zu westlicher Flankenbildung fortnehmen, meinethalben, obschon ja dazu sogar 4 K. der Hauptfront (2., 4., 18. und Garde) schon früher frei wurden. Auch Auswanderung Deimlings, was ja rein zufällig ein Glück wurde (Moltke ahnte natürlich am 2. nichts von der Lage vom 14.), hätte nichts geschadet; Heeringen war stark genug, um Dubail auch so niederzuhalten, der sozusagen kein Bein mehr rühren konnte. Doch ihm mitten im Siege sechs Divisionen zu rauben, war wirklich des Guten zu viel. Selbst so noch müssen wir den übereilten Abzug von St. Dié und Raon rügen; man war in den genommenen starken Stellungen in der Lage, sie mindestens länger zu behaupten und in vorspringendem Halbkreis den gänzlich erschütterten Feind an die Mosel festzuklemmen. Beim 1. b. und 21. K. war das schwerste getan, man brauchte nur die Früchte der großen gehabten Anstrengung zu pflücken; so aber gingen sie alle zum Teufel, die schweren Opfer waren umsonst gewesen. Auf die heldenmütigen Truppen wirkt derlei niederdrückend. Der schlichte Mann sagt sich: wir haben gesiegt und gehen doch zurück, also taten die Nachbarn nicht ihre Schuldigkeit, deshalb sollen wir die von ihnen versalzene Suppe ausessen! Später durchflogen Gerüchte einer schrecklichen Marne-Niederlage die Reihen der hiesigen Sieger; vielleicht glaubten sie nicht mal mehr an die früheren Siege der anderen Heere. Genau das Gleiche geschah in der Marneschlacht, wo jede überall siegreiche Armee wegen Rückzugsbefehl an irgendwelche schwere Niederlage der Nachbarn glaubte und Jeder nachher dem Anderen die Schuld zuschoben, er sei zuerst gewichen. Doch Keiner war gewichen, am wenigsten die siegreichen Sachsen, gegen die nachher alberne Fama stichelte; nur zwei Armeeführern rissen die Nerven. An dieser grauenvollen Eselei trug freilich Moltke nicht die Schuld, wie man verleumdet, doch Mißtrauen schlich sich ein; der gesunde Heerinstinkt spürt, daß es bei der höchsten Führung hapere. Der gleichfalls unentschuldbare Rückzug an der Meurthe fällt in ein anderes Gebiet der höchsten Strategie, und man kann billigerweise dem armen Moltke nicht vorwerfen, daß er geistig und charakterologisch nicht zum Feldherrn solcher Massen taugte. Der auf der Kriegsakademie geschulte Militär kam gemeinhin mit ein paar Phrasen der älteren Moltkeschule aus, sah alles Heil in doppelseitiger Umfassung wie bei Schlieffens »Cannä« (als ob wir etwas Authentisches von Cannä wüßten!), die theoretisch kriegshistorische Durchbildung war sehr vernachlässigt und nur die allergründlichste kann das Wesen der wahren Kriegskunst durchschauen. Strategie erlernen läßt sich aber nicht wie taktische Regeln, da sie nicht Wissenschaft, sondern Kunst ist. Was später in den Reichslanden vorfiel, Versumpfung in Stellungskrieg und Gebirgsrauferei, war eigentlich das Normale. Noch 1906 empfahlen französische Theoretiker die Räumung Nancys, erst später gewannen Offensivgedanken die Oberhand, von denen man sich versprach, was sie nicht halten konnten. Wohl schützte ein weitläufiges befestigtes Lager, hastig ausgerüstet, Lothringens Hauptstadt, doch was wurde aus Joffres Offensive? Sie erlosch in sich selbst, nichts hinderte die deutsche Zone, sich bis Toul auszudehnen und fortdauernde Beschießung der Umgegend in Angriff zu nehmen. Di« bayrischen Schützengräben, als Belagerungslaufgräben vor dem Fortgürtel gedacht, bekamen undurchdringliche Festigkeit, doch man führte den Feldzug hier mit so geringen Mitteln, daß er sich viele Jahre lang kümmerlich hinschleppte unter leichtem Vor- und Rückstoßen. In die Mortagne floß selten noch Blut und in den Vogesen duellierte man sich um den kitzlichen Ehrenpunkt einzelner Höhen. Das war das natürliche Ende beiderseitig weitausschauender Pläne. Aber trotzdem möchte man hier eine Vorlesung halten über Napoleons Grundsatz: »Ist der Entschluß einmal gefaßt, so muß man daran festhalten, es gibt kein Wenn und Aber mehr.« Hat man den Stoß falsch angesetzt, so bleibts dabei, denn selbst ein falscher Stoß, wenn er gelingt, ist besser als keiner. Wir gehen daher so weit, rundheraus zu versichern, daß überhaupt jede Truppenentsendung nach Westen damals von Übel war. Hat man den Feind derart am Kragen, wie die Deutschen hier noch am 10. Sept., so ist es immer eine strategische Todsünde, abzulassen und seine Schwerkraft mit riesigem Zeitverlust nach entfernter Stelle zu verlegen. Das ist ein einfaches Gesetz der Mechanik. Zwischen 10. und 25. Sept. haben vier deutsche Korps nirgendwo gefochten, ein fünftes (Deimling) seit 15. doch immer mit Verlust von 5 Tagen, während sie an ihrem vorherigen Standort einen vollen Sieg verbürgt hätten. Was riskierte denn die deutsche Hauptmacht, wenn sie hinter die Aisne und die Argonnen zurückging? Sehr wenig. Nach der Karte ließ sich bemessen, daß die ins Oise- und Sommetal entsendeten Korps niemals rechtzeitig ankommen konnten, weder um eine deutsche Niederlage an der Marne und Seine auszugleichen, noch um einen dortigen Sieg zu vervollständigen. Sie fielen für die ganze Krise vom 10.–25. Sept. auf dem Schachbrett so aus, als ob man dem Gegner eine »Vorgabe« gestatten wolle. Daher war unter allen Umständen besser, sie vorerst zu belassen, wo sie waren, bis der voraussichtliche Vollerfolg bei Charmes und Nancy errungen war, der jeden Mißerfolg an der Marne wieder gutgemacht hätte. Diese Auffassung ändert freilich nichts an der ursprünglichen Stümperei, rund 31 Div. in Elsaß-Lothringen hineinzuzwängen, während der entscheidende Stoßflügel im Westen zuletzt nur 20 hatte, ursprünglich freilich 28, was aber im Verhältnis auch noch zu wenig war. Tatsächlich spukte hier die moderne Lehre »Up to Date« von »doppelseitiger Umfassung«, die sich immer als falsch erweist, gegen einen tüchtigen Gegner. Soll Umfassung wirken, muß sie einseitig erfolgen durch einen starken Flügel. Man hätte deutscherseits geradezu auf die Revancheeitelkeit spekulieren und möglichst wenig Truppen vor Metz und Straßburg versammeln sollen, um mit desto größerer Masse im Westen durchzubrechen. Nach der Südfront gehörten höchstens 10, nach der Mittelfront 24 (die 5. A. hätte ein ganzes Korps stärker sein sollen), auf dem Stoßflügel 47 Divisionen. Allerdings waren ihm noch die ursprünglich 9 D. Hausens zugedacht, doch es ließ sich vorhersehen, daß dieser als Lückenfüllung zwischen 2. und 4. A. unmöglich zu weit westlich sich wenden durfte. Es war auch ein Jammer, daß man nicht zur Verstärkung Hindenburgs lieber zwei K. aus Lothringen schickte, statt sie Bülow und Hausen wegzunehmen, denen sie in der Marneschlacht bitter fehlten. Doch sollte man dies alles Moltke nicht zu hart anrechnen, man vergißt einen wesentlichen Fehler, die Kriegsüberstürzung, die durch politische Vertrauensseligkeit verspätete Mobilisierung. Der Informationsdienst war so unter aller Kritik, daß die lange Kriegsvorbereitung Rußlands verhüllt blieb und dessen rascher Aufmarsch alle schönen Dispositionen in den Aktenschränken des Generalstabs über den Haufen warf. Es wäre wahrlich vernünftiger gewesen, das 5. und 8. K. gegen Rußland zu belassen, statt daß man später zwei Korps von Aachen nach Eylau beförderte, die also tatsächlich im August den famosen Spaziergang Erlons am 16. Juni 1815 nachmachten, d. h. zwischen zwei Kriegszonen kampflos hin und her pendelten. Ludendorff behauptet, er habe gar nicht Unterstützung verlangt, was freilich sonderbar und schrullenhaft scheint, ohne Gallwitz und Plüskow hätte man die erste Masurenschlacht vom 7.–12. Sept. nicht siegreich durchführen können. Die Übereilung beim Aufmarsch erlaubte aber kein langes Besinnen und gebot, die Süddeutschen auf möglichst nahe Entfernung zu verwenden. Teile von ihnen zur Verteidigung Ostpreußens zu brauchen, verbot sich politisch und moralisch, so blieb untunlich, andere als die zurückgebliebenen Korps Gallwitz und Plüskow nach Osten abzuwerfen. So gab es eine Komödie der Irrungen. Moltke gehörte eben nicht zu den Fortunaten wie Moltke der Ältere und sein Glück. Weh dir, daß du ein Neffe bist! Nur napoleonisches Hellgesicht oder besonderes Glück hätten das Zauberstück bei Maubeuge aufführen können, das heut als sicher möglich vorgespiegelt wird. Doch »das Glück war niemals bei den Hohenstaufen«, nur selten bei den Hohenzollern, des alten Moltke berufenes Wort »Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige« (eine geradezu triviale Frivolität, da hier doch der äußere Erfolg gemeint ist, also waren Hannibal und Friedrich der Gr. vermutlich untüchtig) klingt scherzhaft in seinem Munde, den immer Schicksalsverkettung begünstigte. Nur solche hätte die unleugbaren strategischen Chancen der 3. A. ins Rollen gebracht, doch die den Deutschen nicht holde Glücksgöttin wollte es anders. Ob man beim Aufmarsch gegen Toul-Epinal weitgesteckte Ziele verfolgte, wie die Ententekritik unterschiebt, blieb zwar aktenmäßig ungeklärt, doch spricht Moltkes Direktive vom 5. Sept. allen Ernstes von Herandrücken der französischen Gesamtmacht an die Schweizer Grenze, eine ganz unglaubliche Träumerphrase. Da aber umgekehrt Joffre einen Sieg unter die Mauern von Metz tragen wollte, wird man, preisend mit viel schönen Reden, seinen großen Mißerfolg doch wohl nicht als Weisheitszeugnis bewundern dürfen. Der Gedankenkreis, in dem sich Moltke bewegte, wird aber erst recht nebelhaft, dadurch, daß er am 5. noch der 6. und 7. A. eine wichtige Rolle im Süden zudachte, während er doch schon früher deren Umgruppierung nach Westen anordnete. »Seine Basis wechseln kann die Tat eines Genies sein, meist ist sie die eines Verrückten.« »Man soll nicht immer erraten wollen, was der Feind tun könnte, mein Plan bleibt immer derselbe.« Gegenüber diesen goldenen Wahrsprüchen Napoleons war der so geläufig gewordene Begriff Umgruppierung im Weltkrieg oft ein Schwächezeichen, um durch verspätete Korrektur einen Fehler einzurenken. Verurteilen Moltkes bedeutet aber nicht Loben Joffres, dessen Dynamik-Oekonomie beim Aufmarsch den gleichen Schiefbau herstellte. Bis 4. Sept. gab er lauter unbrauchbar, von den Ereignissen überholte Direktiven. Über die Linien, die er einzuhalten befahl, war der Gegner immer bald hinaus, das nennt Hanotaux »Manövrieren«, während der sinnlos freiwillige Abzug der 6. und 7. A. natürlich »erzwungen« war: Ja, Bauer, das ist ganz was anderes! Es erheitert, wenn allerlei Dilettanten vor gläubigem Publikum orakeln und »Feldherrn« Ideen unterschieben, die diesen Herren ganz fern lagen. Mommsen nennt es den Fluch der Monarchie, daß kaum einmal in Jahrhunderten auf dem Throne Einer sitzt, der zum Herrscher geboren. Es ist der Fluch jeder Militärhierarchie, daß so selten Jemand Heere leitet, den eine Vereinigung verschiedener Eigenschaften dazu bestimmt. Ohne durchdachte Theorie und kriegshistorische Schulung bleibt jeder Kommandierende ein Stümper, doch der beste Theoretiker versagt als Armeeleiter, wenn ihn nicht gewisse Charakterelemente unbeugsamer Willenskraft zu Gebote stehen. Wir sehen es an Erzherzog Karl, das Umgekehrte an Blücher, dessen dämonischer Instinkt gegen Gneisenaus Widerstreben die Entscheidung bei Belle Alliance erzwang. Jedenfalls hat Foch kein Recht, absprechend über deutsche Strategie zu urteilen, da die Entente nur einen einzigen Feldherrn besaß, nämlich den Pechvogel Nikolajewitsch. Wenn Ludendorff (vergl. das Buch des späteren Französischen Stabschefs Buat) über Strategie spottet, so sägt er den Ast ab, auf dem er sitzt, wohl in unklarer Verkennung des Begriffs. Denn Hindenburg-Ludendorffs Maßnahmen waren stets ganz und gar von Strategengeist durchtränkt. Sonstige Entwicklung bis 5. September. Es gehörte zu Moltkes Mißgriffen, daß er am 27. August Kluck von Bülows Aufsicht entband. Ihm fehlte so sehr aus seiner Ferne in Luxemburg der Überblick, daß am 2. Sept. sein ganz unbegründetes Ansinnen an Bülow hineinschneite, Stützung Hausens durch Bülow bei Ch. Porcien sei dringend erwünscht. »3., 4. und 5. A. in schwerem Kampf gegen überlegene Kräfte«? Daß jeder Unterführer von überlegenen feindlichen Kräften fabelt, ist bekannt; ein Oberfeldherr sollte sich aber an Napoleons Donnerwetter gegen dies übliche Laster erinnern und gar erst nicht einem Unterführer durch solche Redensarten bange machen. 3. A. bedurfte gar keiner Unterstützung gegen mäßige Kräfte, 4. A. focht gar nicht mehr, 5. A. hieb den Feind vor sich her. Was denkt man von solcher Verkennung der Sachlage?! Verspäteter Funkspruch Hausens zerstreute denn auch jede Besorgnis, mittlerweile drehte aber Bülow schon nach Südost ab, wodurch die nötige Richtung nach Südwest aufgegeben und die Verbindung zu Kluck aufgegeben wurde. Für dessen Manöver fehlt uns das Verständnis. War es als exzentrische Fortsetzung riesiger Umgehung gedacht, durch welche Paris gleichsam schon mit den Augen zerniert wurde, so ließ sich voraussehen, daß mit dem Spatz in der Hand auch die Taube auf dem Dach entwischen werde. Denn die maßlose Verzettelung von Amiens bis Compiegne und weiter bis zur Marne verbot rechtzeitige Bereitschaftstellung für Flankenangriff. Marrwitz hing sich keineswegs Frenchs Abzug über Meaux an, sondern ließ schon im Oisetal locker und begrüßte nur über La Ferté Milon den aus Norden anreitenden Richthofen. Bülow, der Klucks Verhältnisse immer nur aus dessen Rapporten kannte, machte sich lauter unzutreffende Bilder. Wollte Kluck etwa über Abbeville einen Handstreich auf Calais unternehmen und die Küste für englische Landungen sperren? Dann mußte er sich wenigstens im Nordwesten zusammenhalten und selbständig operieren, d. h. sich von der Hauptmacht trennen, deren Flankenschutz ihm aber gerade Moltke befahl. Möglich, daß im Hauptquartier dilletantische Einflüsse mit Doppelbedrohung von Calais–Paris rechneten, uneingedenk der Lehre, daß nicht strategische Punkte, sondern Zerreibung der beweglichen Feindesmasse den Ausschlag geben. Besetzung von Calais wäre allerdings ein politischer Trumpf gewesen. Ob ein glücklicher? Es hätte England nur zu früherer Aufpeitschung seiner Freiwilligenarmee gereizt und selbst seine Neutralisten zu Kriegstrompetern umgewandelt, wenn man so den Teufel wirklicher Invasion an die Wand malte. Wer wie Müller-Brandenburg den Schlüssel des Erfolges in Calais sucht, rennt einem Schatten nach. Selbst bei Verhinderung englischer Landungen zwischen Dünkirchen und Dieppe hätte man die Ausschiffung westlicher verlegt, auch hätte die Entreißung der französischen Küste nur als Aufstachelung gewirkt, es an der belgischen zu versuchen. Ein so weites Ausrenken der Front würde ohnehin den ganzen deutschen Heeresaufbau auseinandergerissen haben. War es also nichts mit Calais, was suchte dann Kluck in Amiens? Seine Umkehr nach Paris hin hatte nur den Achtungserfolg, den Vater des Weltkrieges – der Stiefvater saß in Downing Street – aus der angeblich bedrohten Hauptstadt nach Bordeaux fern vom Schuß zu vertreiben. Als Poincaré floh, frohlockte ein Pariser Witz: Pas de gouvernement pas de bêtise ! Paris war aber noch nicht zum Falle reif. So lächerlich deutscherseits die Stärke Maunourys überschätzt wird (auch Bülow fabelt vom ganzen 7. K., Alpenjägerdivisionen, sechs Reservedivisionen usw.), so genügte sie doch, Kluck so im Schach zu halten, daß er zur Hauptentscheidung östlich Meaux nicht beitragen konnte. Wir wollen hier nicht die Legende im voraus erörtern, die von Klucks Auftreten am Morin bis heute fabelt. Tatsächlich war sogar seine Vorhutkavallerie bei Pontoise noch 30 km von Paris entfernt, erst am 4. stand die 4. Kav. D. bei Trocy. Tatsächlich war sein Heer in drei Gruppen zerlegt: 4. D. und 7. und 22. R. D. über Semlis, 3., 7. und 8. D. über Compiegne, 5., 17. und 18. D. getrennt davon am mittleren Marnebogen. 3. K. wandte sich am 2. nach Cutts–Vailly, 18. D. bei Courcy bleib von der 17. getrennt, weswegen unmöglich, daß ihr Hauptteil rechtzeitig den Morin erreichte, wohin die 17. D. weit voraus sich in Marsch setzte. Die 1. G. Ulanen hatten Nachhut franz. 10. K. aus der Vorstadt von Chateau Thierry vertrieben, am 3. überschritt aber erst die Vorhut 9. K. die Marne, nicht »kampflos«, denn 9. Art. und 9. Pion. hatten dort einigen Verlust, erst am 5. früh lagerte die Gardekavallerie bei Montmirail. Bülows erste Staffel, die Garde, war weit vorausgekommen, weit östlich auf Reims abgeirrt, wo sie nichts zu suchen hatte, Emmich folgte rechts davon über Dormans, 73er weit voraus, die sich in Richtung Montmirail bewegten. Bei Reims gab es noch Marschkreuzung der 2. G. D. und mißverständliche Beschießung mit den Sachsen, das alles verzögerte den Vormarsch. R. K. Hülsen, das alle Autoren ganz am Morin fechten lassen, machte Halt und bezog Quartiere westlich der Vesle, wie Bülow ausdrücklich angibt, also ist ausgeschlossen, daß es mit mehr als 74. R. und 10. R. Jg. bei Charleville ankam, später noch die Hülfen einverleibten 15. und 53. R. Einem befand sich noch im Vormarsch über Soissons, Bülow klagt, 9. K. habe sich vorgedrängt und das 7. K. paralysiert. Auch das stimmt nicht, die eine Brig. der 13. D. befand sich rechtzeitig bei Montmirail nebst 2 Artillerieregimentern, von der 14 D. langten aber nur 4 Bataillone bei Joches an, die erst, auf dem Rückzug fochten. Wenn Bülow verwirrend stets von 13. (die andere Brig. vor Maubeuge) 14. D. redet, so will er eben verhüllen, daß infolge schlechter Anlage des Marschtableaus und Erschöpfung der Truppen nirgendwo als bei der Garde die Korps zur Hälfte anlangten. Was Kluck betrifft, so macht die unausrottbare Legende seines Vorbeimarsches an Paris zum Morin und »glänzender Parade« seines Rückmarsches zum Ourcq sich nur lächerlich, obschon Bülow, der persönlich nichts davon wußte und dem sie zu seiner eigenen Entschuldigung paßt, und Kluck durch unklare Angaben seines Buches sich ihr anpassen. Am 2. glaubte Bülow das 2. K. bei Senlis, nur 49er hatten dort ein blutiges Vorhutgefecht (nicht bloß »Artilleriekampf«), von der 4. D. erreichte nur II/14. Meaux, das Korps focht nie bei Signey a. Morin gegen French (der vermutlich die pommerschen Schwadronen von Marrwitz für das Pommersche K. hielt, wie Ladmirault die Gardedragoner bei Mars la Tour für das Gardekorps!), sondern 4. D. rückte nach und nach bei Acy in die Linie 4. R. K. ein, 3. D. gleichfalls mit Teilen von Compiegne her, Kluck bestätigt unsere frühere Angabe, daß 2. Rgt. der 3. D. überhaupt nicht anlangte. Neu ist seine Angabe, daß sogar dem 4 R. K. eine Brigade weit zurück fehlte. 4. K. kann niemals sogar südlich des Morin bis Provins gelangt sein, Verwechselung dieser Stadt mit Dorf Les Provins nördlich des Gr. Morin. Denn es focht schon am 6. (nicht 7.) mit Teilen beim 4 R. K., sehr natürlich, weil es erst von Compiegne kam. Nur 93. erreichte Lizy im Weichbild von Paris. Vom 3. K. fochten schon am 5. vier Bataillone am Ourcq, die 6. D. ist nie wo anders gewesen, von der 5. D. erreichten nur 48. am 8. Montmirail, möglichenfalls scharmützelte II/12. am Petit Morin, sonst stand noch alles nördlich der Marne. So günstig früher die Verhältnisse lagen, so ungünstig jetzt für Eintreten in eine allzunahe Entscheidungsschlacht, die man hätte vermeiden und bis 10. verschieben sollen, wo die Hintertreffen aufschlossen. So ging das Verhängnis seinen Gang. Ein großer Aufwand schmählich war vertan. Schon bei St. Quentin vollzog sich das Geschick, denn nur dort wäre die Deutschland nötige Entscheidung zu holen gewesen. Es liest sich geradezu rührend, daß Bülow am 28. disponierte: »2. A. unterstützt Vorgehen 1. A.«, die nämlich laut Klucks Vorschlag jetzt French umkreisen wolle! Wie Lanrezac die Verpflichtung einlöste, French hinter sich vorbei zu lassen, so Bülow die seine, den Feind festzuhalten. Wo aber war damals Kluck? Bei Combles, 10 km nordwestlich Peronne und am 29. erfuhr French Klucks Vordringen bei Proyart vor Amiens! Kluck lud also Bülow auf ein Schlachtfeld ein, wo er das Rendezvous weder einhalten konnte, noch wollte. Sogar Marrwitz überschritt erst am 31. bei Noyon die Oise mit Vorhuten. Es kitzelte einfach Klucks Ehrgeiz, auf eigene Faust ein billiges Lorbeergemüse zu speisen. Doch die Lorbeeren waren welk und grau, wie Gräberefeu. Verlohnt es sich, den Gedankengang zu erfahren, in dem sich Joffre bewegte? Jedenfalls verriet er bis zum 4. keine Neigung zu Standhalten oder Offensive gegen das Ausrecken der deutschen Front. Nicht aus Erleuchtung entsprang das Bilden einer enger geschlossenen Mauer nordwärts zwischen Ourcq und Argonnen, sondern lediglich dem Zwang der Lage, um der völligen Niederwerfung zu begegnen. Obschon die d. 6. und 7. A. später aufgelöst wurden, als franz. 1. und 2. und einen viel weiteren Weg hatten, brauchte die erste deutsche Staffel (Deimling), die nicht vor 8. im Abrollen war, nur 6 Tage bis St. Quentin–Laon, sieben aus Lothringen in die Marneschlacht geworfene franz. D. (Abgang 18. D. am 2., Ankunft am 8. bei Troyes–Brienne, 14. D. Abgang Ende August, am 6. ins Feuer, die anderen Korps am 9. und 10.) auf weit kürzerer Strecke (oder wenigstens viel glatter auf dem Gleise Belfort–Paris) 7–8 Tage. So hatte das ursprünglich auch für Castelnau bestimmte 18. K. am 15. Lothringen verlassen und brauchte 8 Tage Verladung bis zur Sambre, 19. K. sogar 9 bis dort (am 11. bei Belfort, wo es natürlich nicht vor 30. hätte stehen können, wenn Frankreich erst am 2. in Afrika mobilisiert hätte, weshalb alle deutschen Autoren es naiv erst Mitte September fechten lassen). Bei so fragwürdiger Ökonomie seiner Dynamik konnte Joffre höchstens auf irgendeinen Pyrrhussieg hoffen, und nicht mal das, da bis 9. und 10. die Deutschen längst Langle und Foch überwältigt hätten, ehe die Verstärkungen eintrafen: vorausgesetzt nämlich, daß sie mit vereinten Kräften angriffen. Da Foch anschaulich schildert, wie »demoralisiert« durch Verlust, Strapazen, Besiegung sich die französischen Truppen fühlten, und Auffüllung ihrer gelichteten Reihen nur in sehr bescheidenem Maße erfolgt sein kann, so scheint Joffres Optimismus, noch gar Offensive ins Auge zu fassen, verbrecherisch konfus. Die Sache hätte bei normalem Verlauf mit einer Massenniederlage enden müssen. Unsagbar komisch schwadronierte ein gewisser fingerfertiger Dilettant, der Kriegsgeschichtsschreibung geschickt feuilletonistisch aufputzte, vom Heraufdämmern eines neueren Cannä. Hier dämmert gar nichts seiner eigenen Ahnungslosigkeit. An doppelseitige Umfassung dachte der gute Joffre wahrlich nicht, Sarrail schwebte selber in Umfassungsgefahr und Maunoury desgleichen. Nun wußten ja Friedrich d. Große und Napoleon sehr gut, warum sie weite Umfassungen verpönten, bei Torgau und Bautzen dafür bestraft, daß sie es mal mit Vereinung in statt vorm Feinde versuchten. Zu umgehen sucht man schon seit ältesten Zeiten, doch Erzherzog Karl prägte das Wort »Wer mich umgeht, ist selbst umgangen.« Nur Geschichtsfälschung hat außer Königgrätz und Sedan gegen völlig unfähige Gegner je etwas Ersprießliches aus Konzentrik abgeleitet, selbst einseitige Umfassung, wie die zufällige bei St. Privat fruchtet nur, wenn der Feind selber die Kehle anbietet. Das Schulbeispiel Wagram beruht auf falscher Zustutzung und reiner Unkenntnis, absichtlich die eigene Aussage Napoleons ignorierend. Im Weltkrieg kam der Zentrumstoß taktisch überall zu Ehren, auch in der Marneschlacht, Doppelumfassung blamierte sich bei Lodz, während strategisch der zentrale Einbruch glückte, selbst in der Winterschlacht bei Augustowo gelang sie nur wegen abnormer Leistung des 21. Korps. Wer auf derlei ausgeht, den werden unvermeidliche Enttäuschungen seines Irrtums überführen. Nur abnorme Lokalumstände, wie bei Tannenberg, berechtigen zu solchen Verfahren. Strategisch ist Doppeleinkreisung noch verfehlter als taktisch. Das alte Moltkeschema spukte wieder bei der Mackensenzange in Rußland, die bei Brest und Pinsk nicht kniff, während bei richtiger Kraftverteilung einseitige Umfassung durch Hindenburg bei Wilna den Feind entscheidend abgekniffen hätte. Reichten denn Joffres Kräfte aus, um überhaupt sich irgendwelche Umgehung im Westen zu gestatten? Er hatte bis 9. rund 52 Div., später 57, denen die Deutschen 42 entgegenstellen konnten. (5. K. und 5. R. K. vor Verdun abgerechnet). Das Mißverhältnis wurde obendrein aufgewogen, da die Deutschen viel weniger gelitten hatten. Nicht nur genügte dies nicht zu einer großen Umfassung, zumal 15. und 21. K. erst ankamen als die Entscheidung so gut wie gefallen war, sondern jeder Vernünftige müßte sich sagen, daß es nicht mit rechten Dingen zuging, wenn bei solchem Kraftverhältnis die bisher sieggewohnten und taktisch überlegenen Deutschen vor gleichen oder unwesentlich überlegenen Kräften das Feld räumten. Vernimmt man nun, daß sie sich obendrein großartig schlugen, so wird man staunen, welche Umstände denn vorlagen, die selbst den unfähigsten und schlechtesten Führer zum Rückzug bewegen konnten. Was nach Verpassen der Entscheidung bei St. Quentin noch zu verderben war, geschah redlich bei der 1. und 2. A. Wir sind nicht gesonnen uns die Kluck legende länger gefallen zu lassen, sie reizt zu unparlemantarischen Ausdrücken. Außerdem steht man sprachlos vor so wurmstichigen Zuständen, wo ein Generalstäbler zwei Armeechefs Geheimnisvolles ins Ohr flüsterte und diese gehorsamst darauf hereinfielen. Der Feind, der sich nicht auskannte, muß sich über das Krebsen in vollem Siege eigene Gedanken gemacht haben. Allerdings begann die Schlacht so überraschend, daß man deutscherseits von Anfang an keine lückenlose Schlachtlinie herstellen konnte, während der Feind dichtgeschlossen die Schlacht erwartete. Ähnliches fiel vor am 18. Aug. 1870, wo man Bazaine im Abmarsch nach der Orne wähnte, während er in falscher Stellung Schlacht anbot. Die gepriesene deutsche Kavallerieaufklärung lag damals so im Argen, wie hier. Von irgendwelchem bestimmten Schlachtplan war daher keine Rede, die O. H. L. gab nur allgemeine Direktionen aus, in welcher Richtung die 5 Heere sich bewegen sollten. Nur Schicksalsfügung stellt ein Genie an oberste Stelle, dessen rücksichtslos durchgreifende Denk- und Willensarbeit eine Operation vorausberechnet. Angeblich soll Napoleon sich mal zu Wrede geäußert haben, worauf sich Wellington berief: er habe nie einen Plan, man müsse sich den Maßnahmen des Gegners anpassen. Doch damit wollte er nur pedantischen Schematismus ablehnen, stets folgten seine strategischen Manöver und erst recht seine Schlachtenlagen einem unveränderlichen Plan, denn Empirismus bloß beobachtenden Herumtappens führt nie zum Ziel. Wenn aber kunstmäßige Absichten, wie die des Juni 1815 mit Napoleons Untergang endeten, so zeigt dies eben die Macht der Inponderabilien, den Einfluß des Ungehorsams von Unterführern, deren Selbständigkeit man zu einem modernen Grundsatz stempeln wollte. Eine gewisse Selbständigkeit ließ auch Napoleon bewährten Leuten (Brief an Massena im April 1809), doch Unarten wie die Klucks und Bülows in der Marneschlacht hätte er oder Friedrich unnachsichtlich geahndet. Daß klarer Wille verschiedene Gruppen einheitlich lenken kann, zeigten Hindenburg – Ludendorff . Der Fluch halber unreifer Feldherrn ist aber, daß ihnen zu spät eine Idee aufgeht, die ihnen früher hätte kommen sollen und deren Verwirklichungsmöglichkeit schon vorüber ist. Am 5. wollte Moltke strategisch die Zügel ergreifen, doch jetzt ließ sich Übereinstimmung der Bewegungen nicht mehr erzielen. Verführt durch optimistische Rapporte, ließ er feste nachrennen, ohne sich zu vergewissern, ob Aufschließen der zerstückelten Teile gewährleistet sei. Brach so das Unheil herein? Nein, auch so nicht. Die unvergleichlichen Truppen machten alles möglich, es bedurfte eines Kluck und eines Bülow , um den noch gar nicht im Dreck steckenden Karren gründlich zu verfahren. Statistische Übersicht und Joffres wirkliche Lage. Man erinnere sich, daß 7. R. K. und 26. Brig. vor Maubeuge lagen, 3. und 9. R. K. nebst allerlei Zubehör von Ers. und L. W. Brigaden vor Antwerpen. Ferner rechnen wir nicht Klucks westfäl. L. W. D. an der Somme , die sich während der Schlacht teilweise näherte und bei Creil gegen 61. D. scharmützelte, die man fälschlich der Ourcqschlacht zuzählt. Außerdem zog aber Kluck am 9. die Brandend. L. W. Brig. Schulenburg an sich und befahl dem 9. R. K. über Aloost–Tournai zu ihm heranzumarschieren, weil die Geringachtung der Belgier so weit ging, daß man 3. R. K. und 4. Ers. D. und zwei L. W. Brig. für stark genug hielt, sie zu fesseln. Gegen Ende der Schlacht berief Bülow schon 26. Brig. und L. W. nach Fismes an der Vesle. Diese Teile sowie 7. R. K. nahmen erst später am Kampfe teil. Es ziemt sich aber festzustellen, wie groß überhaupt die deutsche Streitkraft im Westen bis Oktober war. Hanotaux berechnet sie mit 34 K. eher zu niedrig, wenn man 47 L. W. Regi. und 84 Ers. Batl. einbezieht. Auch einige Reserveregimenter erhielten ein 4. Ers. Batl. Dies trifft erst recht bei den Franzosen zu, wo auch manche R. D. 20 Bataillone zählten. Inkl. 90 Chasseur- und Alpinbataillonen betrug die alliierte Masse, die bis zum 1. Sept. ins Feuer kam, rund 1450 Bataillone (1300 französische in 44 Aktiv- und 28 R. D. inkl. 3 Kol. D.), d. h. nach deutscher Rechnungsart rund 58 K. Demgegenüber brachten die Deutschen vorerst wenig über 1100 Bataillone in die Schlachtlinie, wovon zur Zeit 113 in Belgien und vor Maubeuge, demnach in Frankreich damals ein deutscher Truppenwert von etwa 40 K. gegen 55 alliierte. Beiderseits sind Pionierbatl. (40 deutsche) nicht gerechnet, auch nicht die verschiedenen 4. Batl., da sich sonst die Überprüfung ins Uferlose steigern müßte. Ebensowenig geht uns der Train an. Das ist die lautere Wahrheit, es war auch ominös, daß nur 28 Jägerbataillone vorhanden gegenüber 100 französisch-belgischen. In der vergeblichen Mühe, deutsche Übermacht herauszutifteln, wird zunächst der alte Trick angewendet, deutsche Verpflegungsstärke inkl. Train den alliierten Streitbaren anzupassen. Anders sind manche Angaben nicht zu verstehen, dies harmlose »Versehen« ist schlau genug berechnet. Auf solche Weise schwellen deutsche Korpsstärken bis 45 000 an, die R. K. werden über einen Leisten geschlagen, 35 0000, weil man nicht ahnt, daß R. K. wegen ihrer Jägerbat. sogar stärker formiert als die aktiven Korps, wahrend dem 3. R. K. sein 64. Regiment fehlte und dem 5. R. K. gleichfalls ein Regiment. Doch auf solche Spitzfindigkeiten lassen wir uns nicht ein, sondern berechnen einfach die Streitbaren jeder Armee, ohne uns um Train und Pioniere zu kümmern. Die bloße Summierung ergibt dann die Unzuverlässigkeit jeder gebotenen Ziffer, nur in einem Fall vielleicht noch etwas hoch für die Franzosen. Kluck inkl. L. W. und Ers. 199 Batl., 119 Esk. inkl. Art. (796 Gesch.) und Off. 230 000, nicht 240 000. Bülow 135 Batl., 82 Esk. (G. R. K. unberechnet), 698 Gesch. 170 000, wobei wir stets nur die Gefechtsstaffel der Batterien und nicht die Nichtstreitbaren rechnen. Ähnlich Laurezac mit 210 Batl., 120 Esk. inkl. Art. und Off. 250 000. Indem wir darüber hinwegsehen, daß manche französischen Infanteriebataillone 1300 Chass. Batl. bis zu 1700 zählten, die deutschen sehr selten 1200 auf Kriegsfuß, und stets nur 1000 pro Bataillon beiderseits rechnen, müssen wir French inkl. Shaw auf 95 000, die Belgier auf 105 000, Amades Reservemassen auf mindestens 100 000 schätzen, so daß 400 000 Deutsche 550 000 Alliierten gegenüberstanden. Hausen hatte 86 kriegsstarke Bataillone, inkl. 183. und bei ihm verbliebene 11. hess. Jäger, 24 Esk., 442 Gesch.: 100 000 ohne 11. K., nicht 130 000; 4. Armee mit 100 Batl., 56 Esk., 448 Gesch. nicht mehr als 120 000, nicht 160 000; 5. A. inkl. Oven 138 Batl., 75. Esk., 918 G. also mit 180 000 zu niedrig taxiert, inkl. Art. und Off. 230 000. Demgegenüber besaßen Langle und Ruffey inkl. Maunoury 460 Batl., 190 Esk. usw. = 520 000. Somit zusammen 850 000 Deutsche gegenüber 1 070 000 Alliierten. Freilich mag bei Hanotaux' Bezifferung der 4. und 5. A. mitspielen, daß er 6. K. zur 4. A. rechnet, was ja ursprünglich der Fall war, umgekehrt zählt er K. Oven zur 6. A., was nicht zutrifft, denn 6. und 7. A. auf 530 000 schätzen geht durchaus nicht an. Von diesen waren im August nur da 350 Batl., 116 Esk. usw., rund 400 000. Allerdings sind im September noch L. W., Ers., Art. (total 1700 G.) neu hinzuzurechnen, so daß die Maße etwa 400 Batl. und das Ganze auf rund 450 000 steigt. Doch man darf nicht vergessen, daß im September auch die Franzosen 3–4 Divisionen und die Engländer 1 D. Verstärkung erhielten, auch die Belgier sich nochmals aus Antwerpen verstärkten, so daß die gegenseitige Berechnung unbillig wäre, wollte man alle deutschen Schlachthaufen für August und dann im September nicht analog mehr Alliierte rechnen. Castelnau hatte 236 Batl. (20. K. 40 Batl.) 96 Esk. inkl. Festungsartillerie von Nancy–Toul 270 000, nicht 245 000 für 7 aktive und 6. R. D. Bei Dubail mit 11 aktiven und 4 R. D., Alpenjägern, 2 Kol. Brig. = 270 Batl., 84 Esk. ist »320 000« eher zu hoch, doch wohl das ganze Alpenk. gerechnet und Garnison von Epinal. Im ganzen also 1 300 000 Deutsche gegen 1 650 000 Alliierte. Hierbei, sind aber 50 000 in Maubeuge und Longwy nicht gerechnet, ferner kamen im August etwa 80 d. L. W. und Ers. Batl. nicht zum Schlagen, so daß nur anfangs rund 1 200 000 gegen rund 1 700 000 inkl. Maubeuge im Kampfe standen, da der Gegner den letzten Mann ins Feuer brachte. Und rechnen wir 80 000 alliierte Verstärkung im September, so betrug das ganze Aufgebot rund 1 800 000 gegen 1 315 000 Deutsche inkl. einer neueren Els. Brigade in Belgien. Nun sind aber 174 000 Deutsche und 385 000 Alliierte Augustverlust abzurechnen, wodurch sich das Septemberbild erheblich ändert, indem wir dies nun auf die Marneschlacht übertragen können. Wir möchten mit tabellarischer Begründung verschonen, nur das Ergebnis bieten, daß am 5. Sept. rund 800 000 Alliierte von Creil bis zur Maas in Reih und Glied standen, denen rund 600 000 Deutsche gegenüber stehen sollten mit zweifellos überlegener Artillerie nach so großem Materialverlust des Gegners. Wenn auch noch 50 000 Franzosen am 9. aus Lothringen hinzutraten, so ist dies ein Verhältnis, das deutsche Truppen nicht zu scheuen brauchten, die bei Charleroi mit 1:2, bei Longwy mit 2:3 siegten. Begreift man nun, welchen Nutzen Stärke- und Verluststatistik hat? Aus Obigem wird völlig klar, daß die Deutschen mit 6:8 nach jeder logischen Wahrscheinlichkeit schon in Anbetracht ihrer großen artilleristischen Überlegenheit siegen mußten, wenn die Sache normal verlief, ferner daß das eigene Zugeständnis der Entente, man habe große Übermacht gehabt, ganz unsinnig wäre. Es muß also eine andere Bewandnis haben. Und da lugt leider der Hinkefuß des deutschen Systems vor, lieber die Waffenehre der herrlichen Truppen verdunkeln zu lassen, um nur beileibe nicht ihre Generäle zu belasten. Denn die Wahrheit belastet sie in jeder Beziehung, mit Ausnahme des Kronprinzen. Dieser trat früh und vollzählig in den Kampf ein, sein Nachbar leistete aber schon Unglaubliches. Von Mezières bis Reims sind nur 75 km , Langle hätte eingeholt werden müssen, ehe er an Reims vorüber war, doch nur die äußerste Spitze Tschepes, 69. ereilte bei Somnepy südöstlich eine Nachhut Langles, der sonst ungefährdet über Oenain und Saulx zurückfiel und den Marnekanal zwischen sich und den Verfolger brachte. Letzterer berührte allerdings das Kanalufer am 6., doch nur mit Vorhuten, deren glänzende Tapferkeit zwar durchweg siegreich blieb, doch nichts Entscheidendes durchsetzen konnte. So unglaublich es klingt, sind von 45 rheinischen Bataillonen bis 10. nur 21 zum Schlagen gekommen, von 54 hessischen nur 19 inkl. 118. L. W. Das 18. R. K. hing lange ganz zurück, ferner kam 50. Brig. nur bis Souain, andere Teile nur bis Ville sur Tourbe, von 25. D. ging nur 116. ins Feuer. 15. R. D. überschritt nur mit 7 Bataillonen den Kanal, 16. R. D. blieb zurück, 15. D. dito, nur 16. D. focht westlicher. Von 12 Artillerieregimenten fochten nur 6. Bei Hausen blieb die L. W. D. ganz zurück. 24. R. D. traf nach Generalmarsch von Givet am 9. teilweise ein, das Leipziger Korps befand sich am längsten im Kampfe, kann aber bei richtiger Lesung der Verlustlisten auch nicht vollzählig gewesen sein, sein überzähliges 183. war noch abwesend. Das Dresdener Korps griff zunächst mit 32. D. Planitz ein. Auch hier scheint eine Brigade unvollständig gewesen. Bei der später anlangenden 23. D. geben Listen von 100., 108. und 101. zu denken, sie war sicher unvollzählig. Von 10 Feldart. Rgt. feuerten 8, zwei und dabei zwei Batt. blieben in Reims hängen, dagegen taten 3 F. Art. Rgt. gute Arbeit. Nach unserer Lesart fochten bis 12. höchstens 57 Bataillone. Das Gardekorps kam vollzählig, stieß weit voraus isoliert auf Fochs Rechte. Bei Reims, das am 4. die weiße Flagge hißte, gab es nicht nur Marschkreuzung mit den Sachsen, sondern Irrung bei Besetzung der Stadt, wobei Bülow und Baumgarten sich widersprechen. Tatsächlich beschoß sächsische Artillerie die Forts und hatte nicht unerheblichen Verlust. 2. G. D. schob sich vor Emmichs Linke, es scheint uns ausgeschlossen, daß 77., 79., 91. und 92. anders als mit ein paar Vorhutbataillonen die Kampfzone erreichten, wir finden ihr Gros noch bei Beine südlich Reims. Emmichs Rechte schob sich vor Hülsens R. K., das nach Bülows ausdrücklichem Zeugnis an der Wesle ausruhte. Obschon er nach seiner üblichen Gewohnheit das »10. R. K.« in der Schlacht nennt, wie alle übrigen Autoren, entschlüpft ihm das Geständnis »Teile der 19. R. D.« In der Tat nur 10 Batl. ohne Artillerie, von Emmich höchstens 15 Batl. und 3 Art. Rgt. Von Einem nur 25 Brig. und 4 Batl. der 14. D. als Lückenfüllung bei Joches, die erst bei begonnenem Rückzug etwas fochten, im ganzen 10 Batl. und 2 Art. Rgt., so daß von verfügbaren 99 Batl. und 14 Art. Rgt. Bülows nur 61 und 9 mitwirkten, dazu Gardefußartillerie. Der Zustand Klucks füllt ein besonderes Kapitel. Östlich Meaux focht vollzählig nur 17. D. mit Teilen der 18. D., deren 9. Artillerie bezeichnenderweise bei Chateau-Thierry hängen blieb, wo sie einen Major und einige Mannschaft verlor nebst einigen Pionieren, so daß die allgemeine Angabe, der Übergang sei dort trotz der sehr verteidigungsfähigen Ufer »kampflos« erfolgt, wieder mal falsch ist. Die Pioniere verloren 90 Mann, werden also wohl am Morin geschanzt haben. Im ganzen etwa 18 Batl. und 3 Art. Rgt. Die deutsche Hauptmasse stand am 5. noch 100 km östlich Paris, viel zu eng beieinander, es hätte also allgemeiner Rechtsschwenkung bedurft, um eine passende Linie festzustellen, da eine weite Lücke zwischen Montmirail und Meaux klaffte. Das Ergebnis der allgemeinen Verwirrung summiert sich also dahin, daß zwischen Revigny und Morin, wo Richthofen und Marrwitz mit 4 Kav. D. aufritten und 4 Jägerbatl. bei sich hatten, höchstens 180 Batl. und 26 Feldartillerieregimenter wirtlich ins Feuer kamen von verfügbaren 330 und 40, während ihnen 37 alliierte Divisionen entgegenstanden. Da kann man sich über nichts mehr wundern. Allerdings hatten die Alliierten sehr schwer gelitten, ihre Bataillonsstärke sank oft auf die Hälfte, so daß einiger Ausgleich stattfand, auch mögen beim Rückzug noch manche entlaufen sein. Am 3. warf ein Algirierbataillon beim ersten Kanonenschuß die Waffen weg, die Nachhut des bretonischen Korps ließ sich bloß vom 1. G. Ul. aus der Vorstadt Ch. Thierrys vertreiben, hinter Laon soll eine Brigade Esperets vor Vorhut Hülsens davongelaufen sein. Überhaupt sah es bei der franz. 5. A. so übel aus, daß Esperet seine Algirer und R. Divisionen nicht zu verwenden wagte, so daß von obiger Gesamtziffer gleich 82 Batl. abgehen. Bei der früheren Armee Langle, jetzt Langle und Foch, war die Haltung besser, doch entwirft Foch auch hiervon eine abschreckende Schilderung. Weilhin bedeckten Wagentrümmer und verlassenes Heermaterial die Rückzugsstraßen. Räumung des umfangreichen Fortsystems an der Wesle, schien ein Zeichen großer Entmutigung und man darf psychologisch entschuldigen, daß ungesäumtes Nachstoßen wünschenswert schien. Man verletzte dadurch aber allzusehr die übliche Methodik, den durch starke Märsche und Gefechte abgehetzten Truppen konnten die Proviantkolonnen nicht folgen, Mangel und Übermüdung stellten sich ein. Ob die Frontstärken durch Marodeabgang arg schmolzen, steht dahin. Kluck stellt dies für sein mit am meisten marschierendes Heer in Abrede, Baumgartens Ziffern für 3. A. sind offenbar aus der Luft gegriffen. Hier hatte nur 100. Leibgrenadiere im August über 1000 Mann verloren, selbst bei ihnen widerlegte aber ihr späterer Septemberverlust vollständig, daß sie in der Marneschlacht angeblich nur 500 pro Bataillon hatten, bei allen anderen sächsischen Regimentern ist so etwas unmöglich. Um solche irreführende Behauptung auch auf andere Heere zu übertragen, beruft sich Baumgarten auf eine spätere Äußerung des Kronprinzen nach der Marneschlacht, daß nur Mudra noch 14 000 Gewehre zähle, seine andern Korps nur 10 000. Dies beweist zunächst wieder mal, wie richtig unsere Darstellung von geringer Mitwirkung Mudras im August, da er also auch jetzt viel größeren Mannschaftsbestand hatte, obwohl er diesmal bis 12. Sept. schwer litt. Ferner zeigt der sächsische General seine Unkunde in Allem, was nicht 3. A. (besonders 12. K.) betrifft. Denn 6. und 13. K. und 6. R. K., auf die sich der Kronprinz bezieht, hatten Augustverlust von 21 000 Mann und wieder bis 12. September beträchtlich gelitten. Immerhin schmolzen sie von 70 000 Gewehren sicher nicht auf 30 000, solche maßlose Übertreibung führt nur Wasser auf die Mühle französischer Phantasien. Der Kronprinz hatte Gründe, der O. H. L. vorzustellen, daß er fortan defensiv außerhalb der Argonnen bleiben wolle, und übertrieb daher gewaltig, wie jeder Unterführer in solchem Falle tut; außerdem wird er bei beschwerlichem Rückzug durch die Argonnen weit mehr Versprengte und Nachzügler beim Sollbestand gehabt haben, die sich später wieder einstellten. Aus den V. L. über diese ganze Rückzugszeit ist freilich nur zu ersehen, daß Klucks 53. L. W. 100 Fußkranke in Amiens zurückläßt, die dort in Gefangenschaft fielen, für den Zustand am 6. September hat dies alles keine Beziehung. Baumgartens Addition der franz. Kräfte ist auch ganz verkehrt, indem er allen Ernstes deren Sollstärke am 15. August wiederhergestellt wähnt, wobei er obendrein tendenziös 7 D. Fochs gegen die sächsische Rechte berechnet, als ob Garde und Emmich, die in Wahrheit 4–5 Divisionen auf sich abzogen, nichts zu Fochs Niederlage beigetragen hätten. Solche parteiliche Einseitigkeit schadet nur, so sehr wir die Empörung der Sachsen würdigen, daß ihr ruhmvoller Waffengang nachher von der törichten Fama bekrittelt wurde. Baumgarten macht auch solche Schnitzer bezüglich der Aufstellung Bülows und verstrickt sich so gläubig in die Klucklegende, um nur Bülow und Moltke anzuschwärzen, daß wir ihm nur Wert bezüglich Ehrenrettung Hausens zusprechen. Daß er sogar von der Sachsenschlacht nichts genaues weiß, entnehmen wir der Erstaunlichkeit, daß er den Heldenkampf des 104. und den ganz ungewöhnlichen Verlust der Leipziger Artillerie mit keiner Silbe erwähnt. Selbst seine Beigabe des Hausenschen Verlustes beanstanden wir insofern, als er seinem geliebten 12. K. einen Hauptverlust zuschanzt, dem 19. K. einen geringen, was nach der ganzen Sachlage unmöglich ist und vermutlich darauf beruht, daß 104. einfach bei 23. D. vor Sommepuis mitgezählt wird. Dagegen ist diese amtliche Gesamtziffer insofern lehrreich, als sie sich aufs Haar mit unserer eigenen Tabellensumme deckt. Was beweist dies? Daß unsere Annahme der zum Schlagen gekommenen Kräfte richtig ist, d. h. nur die von uns nach den V. L. berechneten Teile fochten. Drei Kompanien von 100. verzeichnen z. B. nur 25 Mann, sie blieben also wahrscheinlich bei Sommesous, und derlei mehr. Da Baumgarten unverzagt das ganze 7. und 10. K. und 10. R. K. im Feuer wähnt, natürlich auch das ganze 3. und 9. K. Klucks am Morin, nebst allein andern Unfug der Klucklegende, so muß er schon verzeihen, wenn wir seinen Versuch, die sächsische Stärke durch angeblichen Strapazenabgang herunterzuschrauben aus Unkenntnis oder vorgefaßter Absicht erklären. Man hörte eben die Glocken läuten, mit welcher Minderzahl die Deutschen fochten, möchte aber den wahren Grund dafür nicht eingestehen, weil dabei die gebenedeite Führung schlecht wegkommt. Wir tragen bei unserer genauen Abschätzung allen Umständen genaue Rechnung und liefern das Ergebnis, daß unter Abrechnung des Augustverlustes ungefähr 190 000 (von hier verfügbaren 400 000) Deutsche gegen 600 000 Alliierte inkl. 21. K. und Kav. K. Conneau im Feuer waren. Unter Abrechnung von Algirern und drei R. D., außerdem der meisten Engländer als bloßen Statisten, summa summarum 500 000, was bescheiden ist. Die Übermacht war am erschreckendsten auf Linie Rebais–Gault, wo 35 d. Bataillone gegen 120 franz. fochten, ohne 72 englische zu rechnen, von denen nur etwa 12 ins Feuer gelangt sein mögen. Jetzt wird auf einmal vieles klar, und würde solche Statistik genügen, um einen ungünstigen Ausgang für Bülow zu erklären, während bei normalem Truppeneinsatz der verfügbaren Massen von Oise bis Maas das richtige Stärkeverhältnis von 6:8 den Deutschen sicheren Sieg versprach schon in Anbetracht ihrer schweren Artillerie. Doch der Schlachtverlauf war derartig, daß keine Sünde der deutschen Führung die Kriegstugend der deutschen Truppen lähmen konnte, und nur eine militärische Totsünde einen wirklichen vollen Sieg in Scheinniederlage verwandelte. Den braven Truppen blieb der Grund verborgen, warum sie sich gegen solche Überzahl opfern mußten, doch sie hätten Wellingtons Wort wahrgemacht: »Mache ich Fehler, so reißt mein Soldat mich heraus.« Der Vorwand riesigen Strapazenabganges ist um so unsinniger, als dies doppelt für den mühseligen Rückzug der Alliierten gelten müßte, was wir bei der Stärkesumme beiderseits nicht berücksichtigen. Ihre Stimmung war nichts weniger als schlachtlustig. Als die Deutschen keck drauflos marschierten, fanden sie am 4. nirgends Widerstand, obschon der Vormarsch mit schreiender Unregelmäßigkeit erfolgte. Nach dem Gefecht bei Sommepy, von dem kein Bericht meldet, das aber laut V. L. ziemlich lebhaft war, blieb 16. D. im Vorgehen längs einer Biegung des Marnekanals, von 15. D. war nichts zu sehen außer 160., das bei Maison de Champagne nordöstlich Chalons gleichfalls in Kampf geriet. Langle, obwohl für Foch geschwächt, war also der Einzige, der wenigstens mit seiner Linken den Feind aufhalten wollte. Doch zog er vor, das Waldgebiet von Vitry zwischen sich und den Verfolger zu bringen. Seine Nachhut bog offenbar auf Vitry aus, weil am 3. die sächsische Vorhut (12. Jg., 12. P. und 18. Ul.) bei Mourmelon und Moronvillers nicht ohne Verlust eine Seitenhut vertrieb und 106. und 107. des Leipziger Korps schon am 6. über Chalons lange Beine machten. Statt Verspätung eines Schneckengangs, wie die Fama munkelte, schlugen die Sachsen ein Sturmtempo ein, doch der lange Schweif ihrer Gruppenzerteilung schleppte sich erst hintereinander abrollend durch die Ebene. Die Leipziger 24. D. griff schon Vitry an, als das Dresdener K. sich erst weit nördlich Sommesous näherte. Das R. K. war überhaupt nicht zur Hand, noch weniger die L. W. D. Bei der 4. A. trieb man erst am 5. einige Spitzenbataillone zum Kanalrand vor, das Gros war noch in weitem Rückstand. 4 sächsische Schwadronen kundeten so keck südwärts aus, daß die Franzosen hier die sächsische »8. K. D.« glauben, die leider nicht da war. Man nahm regen Bahnverkehr auf der Linie Brienne-St. Dirier wahr. Hessische Schwadronsvedetten sprengten bis Heiltz le Mauropt, seltsamerweise machten auch Zietenhusaren einen weiten Ritt in die Champagne. Doch weder diese, noch Marwitz' 2. Dragoner, die La Ferti Gaucher am Gr. Morin berührt hatten, brachten richtige Aufklärung, daß der Feind zwischen Morin und Marnekanal schlachtbereit stehe. Die Reiterei löste ihre Aufgabe ähnlich schlecht, wie vor der Schlacht St. Privat–Gravelotte, wo Moltke den dicht vor ihm in ausgewählter Stellung lauernden Feind im Abzug zur Orne wähnte. Sein Neffe gab am 3. die Parole »Feind südöstlich von Paris abdrängen«, dessen Rückzug über die Seine er einfach voraussetzte. An diesem Tag überschritt Bülow die Marne bei Dormans; 1. G. Ul. öffneten den Weg am Petit Morin. Hülsen »blieb im Quartier«, wie Bülow schreibt, erst am 8. durchzog 79. R. Reims , und wenn Einems 14. D., der doch als Rechte Bülows den kürzesten Marsch zum Morin hatte, nur mit einer Vorhut später eintraf, liegt auf der Hand, daß nur Emmichs 19. D. rechtzeitig die Kampfzone erreichte, ihre 73er schon sehr früh bei Montmirail. 1. G. D. bei Epernay befand sich voraus im Vormarsch bei Vertus, 2. G. D. wegen Aufenthalt bei Reims weiter zurück. Da Marrwitz und 17. D. den nördlichen Marnebogen eilig überschritten, stießen am 5. zwischen Gondsumpf und Cressywald nur zwei Divisionen und 73er nebst den Kavalleriekorps auf die Armeen Foch-Esperet-French . Ein sauberer Anfang! Von Klucks 3. K. befanden sich erst am 8. die 48er bei Montmirail, wohl nur mit einer Spitze, denn sie verloren im ganzen Monat nur 147 Mann. II/12. scheint als Bedeckung der 5. Art. Brig. den Petit Morin überschritten zu haben; es hatte schon früher als Vorhut bei Cotterets gefochten und verlor im September 320 Mann, konnte also hier im Geplänkel mit Teilen der D. Petain höchstens 200 eingebüßt haben. Das Gerede von seinem heißen Gefecht bei Schloß Moncaux gehört zu den Phantasten des Romanschriftstellers Bloem , Hauptmann d. R., der nachher die »Trümmer« der 22. R. D. bei Trocy sah, die überhaupt nur 1200 verlor. – Dies Bataillon und Lotterer's Art. wandten sich südwärts zum Ourcq nach Trocy; vier Bat. der 6. D. standen dort bereits seit 4. bei Betz, die 6. D. blieb dauernd am Ouvry, die 5. D. »nördlich der Marne«, wie ein Heerbericht Moltkes ausdrücklich angibt. Da also die Sage vom 3. K. am Morin erledigt, darf man sich nicht wundern, daß das Phantom des 2. und 4. K. am Gr. Morin gleichfalls sich in Dunst auflöst. Sogar die Vorhut der 4. Kav. D. streifte erst am 3. bis Pontoise 30 km von Paris, man kann sich denken, wie weit dann noch das Fußvoll zurück war. Es liegt auf der Hand und der Karte, daß Kluck bestimmt nicht am 5. Meaux erreichen, geschweige denn jenseits südlich des Gr. Morin aufmarschieren konnte. Geradezu ergötzlich ist die Vorstellung, daß Korps Armin am 5. die Stadt Provins nördlich der Seine erreichte! Aus diesem groben Unfug amtlicher Angabe wucherte das Unkraut der Legende fort. 0b am Dorf Les Provins zwei Tagemärsche davon möglichenfalls II/27. angelangt sein mag, dessen Umkehr zum Ourcq gemütlich aufs ganze Korps übertragen wurde? Vielleicht verwechselte man auch Marwitz ' 4. Jäger bei Rebais mit 4. K. Nur ein naivster Laie hält für möglich, daß man, so weit südlich vorgeprallt, also zweifellos in heftiger Verschlingung mit dem Feind, sich sofort loslöste und an Frenchs Front vorbei am 7. den Ourcqkampf speiste nach einem Marsch von 50 km mit zwei Flußübergängen! Das schönste ist aber, daß Hauptteile Armins schon am 6. am Ourcq fochten, sie müßten also förmlich durch die Luft geflogen sein. Weiß doch auch keine Verlustliste vom Handgemeinwerden Linsingens mit French bei Saignets, was sich schon dadurch erledigt, daß Frenchs Nachhut bereits auf Haute Maison und Choisy weit südlicher zurückwich. Nur II/14. der Bromberger 4. D. erreichte am 5. Meaux und die Bromberger erschienen am 6. und 7. nach und nach in der Ourcqlinie bei Azy, übrigens nicht vollständig. Von der 3. D. langte 42. an, alles übrige später bataillonsweise; 2. Rgt. verlor 23 Mann, Kluck bestätigt, daß es nie eintraf. Das Rätsel löst sich aber sehr einfach, 4. K. und 3. D. lagerten südlich Compiegne, 4. D. war im Vorrücken zum 4. R. K., das weit voraus stand. Von Armin erreichte nur 93. bei Lizy das Weichbild von Paris, der ganze Vorbeimarsch an Paris ist Sage. Daß der Kanonendonner vom Ourcq her die Luft erschütterte, ist nicht verwunderlich. Hörte man doch später jahrelang das Geschützgetöse aus Noyon in Paris . – Ob Joffre sogar bis Morvan–Dijon–Besancon südöstlich retirieren wollte (Le Gros), sei dahingestellt. Schon Zurückfallen zur Linie Bar le Duc–Brienne bedeutete Aufgeben Verduns. Jedenfalls überwog Defensivtendenz. Daß der Rückgang unmittelbar vor entbrannter Marneschlacht gestoppt wurde, entsprang schwankender Beirrung durch Gallienis Hilferufe für Paris und der Hoffnung auf entlastende russische Erfolge, gestützt auf falsche Mitteilung, daß große deutsche Massen aus Belgien nach Ostpreußen verladen seien. Ob die furchtbare Niederlage bei Tannenberg , den deutschen Truppen schon früh bekannt und ihren Mut hebend, Joffre erst spät zu Ohren kam? Tatsächlich befand sich aber Rennenkampf auch schon im Rückzug während der Haupttage der Marneschlacht. Wir kennen in der Kriegsgeschichte keine mißlichere Lage und beklommenere Stimmung als die der Alliierten vor dem neuen teils unvermuteten, teils improvisierten Zusammenstoß längs der ganzen Linie Verdun – Paris . Die 6. A. bereitete sich auf ihre »entscheidende« Rolle damit vor, daß sie das bis Versailles geflohene C. C. Sordet auf 18 Esk. herabsetzen mußte (von 54). Es wimmelte von Nachzüglern, Drückebergern, Verratschreiern besonders bei 5. A., sie befand sich in unbeschreiblicher Unordnung und Erschöpfung mit bewegungsunfähigen Trains. »Viele Soldaten verließen die Fahne«; Laurezac erklärt geradezu, noch nie sei ein Heer in solcher elenden Verfassung gewesen. French schrieb früher, Dorien sei ruiniert, jetzt nannte er auch Haigh höchst »beunruhigend«. Obschon 9. und 4. A. nicht ein so krasses Bild boten, hatten doch auch sie schwierigen Rückzug hinter sich mit allen Folgeerscheinungen. Demgegenüber blickten die Deutschen zwar auf übermäßige Märsche, doch lauter Siege zurück und erstrebten erfolgsicher eine hoffnungsvolle Entscheidung. Man findet in der Geschichte kaum ein Beispiel, wie das Schicksal eine scheinbar unumstößliche Kausalität vorliegender Chancen ins Gegenteil verkehrte. Muß da nicht jeder Vernünftige von vornherein annehmen, daß nur unglaubliche Schwächen deutscher Heerführung etwas so Unglaubliches herbeiführten? Joffres »Anweisung 5« und Depesche an den Kriegsminister trösteten sich damit, die strategische Lage sei ausgezeichnet; doch beim Scheitern dieses letzten Versuchs ständen die schwersten Folgen bevor, darüber macht er sich keine Zweifel und verhehlt nicht, daß er Vabanque spiele. Nun, dem Kühnen hilft das Glück, warum? Weil jede Entschlossenheit mehr Aussicht hat als Unentschlossenheit, selbst wenn erstere die schlechten und letztere die guten Chancen hat. Wille der Führung, daran liegt alles. Willenlosigkeit des Führers wird Unwille der Truppe. Man staunt über die Zuversicht des Kriegsrats in Bar sur Aube, daß Maunoury die Deutschen überraschen und in eine Falle legen wollte, falls sie zur Seine vorrückten. Doch der ganze Plan gründete sich auf Irrtum, denn Moltke befahl bereits Einschwenken der 1. und 2. A. auf Paris, so daß Maunoury nie wirklich gegen »Flanke und Rücken« Klucks wirken konnte. Bei frontalem Abringen war selbst größte Übermacht voraussichtlich nicht imstande, auch nur ein deutsches Korps rechtzeitig zurückzudrücken, ehe ihm Hilfe kam. Daß Maunoury 140 000 gehabt habe, selbst inkl. das erst ganz zuletzt eingreifende K. Boelle, ist unhaltbar, denn seine meisten Truppen waren schon vorher arg mitgenommen, in den ersten Schlachttagen hatte er schwerlich ansehnliche Überzahl. Bei French schien nur das unvollzählige 3. K. noch operativ verwendbar. Le Gros gibt zu, daß Verspielen der Marneschlacht jedes Wiederaufrichten unmöglich gemacht hätte. Laut Pierrefin, der es wissen müßte, verschleierte Joffre grundsätzlich jede Niederlage. Galieni's Erinnerungen bestätigen es. Er hielt auch vor der Infanterie geheim, daß die »Munitionslage« kritisch sei. Beim 9. K. Dubris gab es Ende September keine Granaten mehr. Wie möchten Joffre und Gallieni vor sich selbst ihre plötzliche Hoffnungsfreudigkeit verantworten? Oder wars nur Maske der Verzweiflung? Bei Senlis sollen schon 56. R. D., Alpenjäger, »Marokkaner« (Kuhl, lies Zuaven) sich eine Niederlage geholt haben. Das ist, obschon es abends zu Häuserkampf kam, wohl übertrieben, da dort nur 49er den Feind warfen. Immerhin hatte Maunoury jetzt nur noch 45. D. frisch und im ganzen fochten von verfügbaren 137 Batl., 18 Feld- und 2 Fußart. Rgt. der 1. A. – inkl. L. W. Brig. Schulenburg, L. W. bei Creil ungerechnet – nur 77 Batl., 11 Feld- und 2 Fußart. Rgt., wovon etwa 26 mit 3 Art. Rgt. unter Bülow am Morin. Am 9. abends dagegen hatte Kluck nicht weniger als 100 Batl., 12 Art. Rgt. am Ourcq , womit er den ohnehin zerschlagenen Maunoury vernichtend erledigen konnte. Dessen Stärke wird deutscherseits lächerlich überschätzt; ein Neutraler redet von » 4 aktiven Korps «, soll heißen 4 Div.; Bülow weiß von »5 R. D., andern Formationen und Alpinbrigaden«. Dies alles schrumpft auf 4 R. D. ein, dabei Reste des K. Amade und der Liller Territorialen. Am 3. irrten Trümmer von solchen Divisionen in Paris umher, der unglaubliche Sordet soll bis hinter die Seine geflüchtet sein. Da 61. bei Creil blieb, nur 4 R. D. am Ourcq, davon 63. neu aus Paris, dazu eine Pariser Zuavenbrig. und anscheinend noch eine andere, sowie zwei Alpinbataillone, Sordet verstärkt durch eine provisorische Kav. Brig., das Ganze schwerlich stärker als 110 000; man vergißt wieder, daß 4 K., von Sarrail entliehen, erst ganz zuletzt eingriff und im August furchtbar litt, auch 14. D. nicht unberührt blieb, auch nicht Lamaze. Abzüglich des Augustverlustes waren die am 9. vereinten Teile Klucks ungefähr gleich stark. Es wäre also kein Heldenstück gewesen, diese bunt zusammengewürfelten Truppen gründlich aufs Haupt zu schlagen. Wenn Kluck sich für seine Leute in die Brust wirft, so bot man ihm ja dies Eigenlob auf dem Präsentierteller an. Man entblödet sich nicht, die Leistung der 1. A. als mustergültig zu preisen, teils aus reiner Unkenntnis, teils aus Reklamebedürfnis. Vergleicht man damit gefechtsstatistisch die Leistungen der andern deutschen Truppen, so kann man nur die Achseln zucken. Und da das 2. und 4. K. wahrlich vorzüglich waren, so lag es eben auch taktisch an mangelhafter Führung. Bedenkt man freilich, daß nur 30 Batl. des 2. und 4. K. bis 9. neben dem 4. R. K. fochten, so wundert man sich auch hier nicht sonderlich über das schwache Ergebnis, obschon die Deutschen an andern Stellen gegen viel größere Übermacht viel mehr ausrichteten. Wäre Kluck am 7. vereint gewesen, so war der Sieg aufgelegt, selbst am 8. hätte Bülow nicht die Ausflucht gehabt, Sorge um die 1. A. zwinge ihn zum Rückzug. Aus so abscheulichen Freveln gegen Grundgesetze des Krieges noch gar einen Ruhmesanspruch zu deichseln, blieb einer Tatsachenfälschung vorbehalten, die ihresgleichen sucht. Und da wagt Baumgarten noch von einer »schleichenden Legende« contra Kluck zu reden! Uns ist zwar nichts davon bekannt, aber es würde uns freuen, wenn es noch andere Klarblickende gibt. – Die große Lässigkeit der saumseligen Verfolgung Herzog Albrechts wird auch vertuscht. Nur so war es möglich, daß er und Hausen am 6. einverstanden waren, der Feind werde nicht standhalten. Sein Kavalleriemangel entschuldigt Hausen, daß er nicht schon früher die Lücke bei Mailly entdeckte, was der Schlacht sofort eine entscheidende Wendung gegeben hätte. Wenn Joffre als ungerechtes Zeichen des Mißvergnügens die ganze Linke Langles abtrennte und sie dem bisherigen Korpschef Foch zu selbständigem Kommando übergab, so verbürgt Teilung wohl handlichere Beweglichkeit, nicht aber Einheitlichkeit des Handelns. Langle mißachtete Joffres Rückzugsbefehl und verharrte zu lange bei Sedan, weil er taktischen Vorteil davon erwartete, und an Ruffeys längeres Behaupten der südlichen Maasstrecke glaubte. Vielleicht getäuscht durch optimistische Rapporte, ebenso schädlich wie pessimistische, im Krieg, verfängt immer nur Wahrheit. Hiernach war es unmögliches Ansinnen, wenn Joffre von Langle Festhalten der Vesle verlangte. Er mußte froh sein, Vitry zu erreichen, ehe sich die Sachsen durch die Champagne ergossen. Da aber seine Rechte am Ornain ungefährdet blieb, bezog er ungehindert seine neue Stellung. Seine Flanke hielt er für gesichert durch die Linke Sarrails, die aber bald durch den Kronprinzen bis zum Ornain zurückgetrieben wurde, eine peinliche Überraschung. Da aber die 4. A. sich nicht sputete, hielt sich Langles Linke länger als denkbar, da sie sonst im Nordwesten aus den Angeln gehoben sein würde. Er wollte im Camp d'Attila in den Katalaunischen Feldern keine historischen Erinnerungen gegen »neue Hunnen« heraufbeschwören und zog sich östlich zusammen, hob aber so den Zusammenhang mit Foch auf, der seinerseits Gond–Sumpf hinter sich ließ und eine zu gedrängte Aufstellung nordwärts bezog. Er verließ die napoleonischen Siegessäulen bei Vauxchaps-Champaubert, um sich in einem Bergtaltrichter zerklüfteten Geländes zu vertiefen, wo der alte Schlachtname Champenoise ein böses Omen bedeutete. Beide Heerführer handelten nach rein taktischen Gesichtspunkten und ließen die strategische Rücksicht außer acht, daß zwischen ihnen eine weite Lücke bei Mailly entstand, nur notdürftig durch 9. Kav. D. gestopft. Die voraussprengenden Husaren Hausens erkundeten diese klaffende Leere, doch vorläufig waren allein eilende Leipziger nach Vitry eingedreht und es brauchte Tage, ehe er Kräfte heranbugsierte, um bei Mailly durchzustoßen. Dies war nachher seine wohlerwogene Absicht, wieder hing sich ihm aber Bülow wie ein Mühlstein an. Wegen unzureichender Kenntnis der Marschlage ordnete Moltke am 4. an, 4. A. solle auf Chalons marschieren, an sich ganz richtig, da allgemeine Rechtsschwenkung nottat, doch unausführbar, weil die Schlacht so jählings anhob, daß man keine überdachte Schlachtlinie herstellen durfte. Ob auch Bülow den bestimmten Eindruck hatte, der Feind ziehe ab, ist fraglich, jedenfalls wurde er am frühesten eines Besseren belehrt. Nie gab es ein krasseres Beispiel improvisierter Begegnungsschlacht. Nur eins begünstigte die Deutschen: Frenchs beispiellose Schlaffheit. Am 20. Aug. noch 200 km von Paris entfernt, stand er nach neun Tagemärschen schon bei Coulommiers südöstlich von Paris. Nachdem er treuherzig funkte, er habe bei Mons nur 2000 (!) verloren, heischte er von Joffre , er müsse fortan einen Tagesmarsch hinter den Franzosen bleiben, um völlige Vernichtung zu vermeiden. Joffre vertröstet ihn mit Maunoury, nichtsdestoweniger bekannte er sich auch am 6. unfähig, die befohlene Vorbewegung auszuführen. Dies Datum stimmt, denn Foch und Langle erhielten erst am 5. abends Angriffsbefehl, Joffres Angriffsdisposition ist also dem Sinne nach apokryph, denn dies bezog sich nur auf Gallienis Eingebung, Maunoury vorstoßen zu lassen. Die Zusammenstöße am 5. waren gegenseitig Überraschungen. Jedenfalls wich French vor Richthofen noch weiter südwärts, wobei er die Gardejäger vielleicht für das Gardekorps hielt, denn was wäre bei dieser Nebelhaftigkeit nicht möglich, die allen Ernstes gewaltige deutsche Übermacht sah, als Marrwitz und 4. Jäger am Cressywald vorgingen und reitende Artillerie über die Morinufer zielgerecht das englische Lager beschoß. Später stimmte er solche Klagelieder an, daß er die Hälfte des Korps Boelle entlehnte, das doch zu Maunoury stoßen sollte, und es erst am 8. freigab. Von seinem 1. und 2. K. hatte er nach dem Rückzugsunglück eine so geringe Meinung, daß er später nur das frische 3. K. vorzuschieben wagte. Natürlich kam ihm später die Klucklegende sehr zu statten, die sein Zurückweichen vor 2., 3. und 4. K. entschuldigt, von welchen kein Mann je am Gr. Morin war! Man ergründet nicht, wer zuerst diesen Schwindel aufbrachte, ob Entente-Erfindungen, deutsche Berichterstatter oder deutsches Geschwätz die Ententehistorie dazu begeisterten. Fremde und eigene Interessen arbeiteten sich gegenseitig in die Hände. Aus Klucks unklarem Buch wird man nicht klug, Bülow paßt sich aus tendenziösen Ursachen so genau der Legende an, daß er es fertig bringt, auch noch die Hälfte 4. R. K. bei Meaux übergehen zu lassen, was nicht mal die kühnsten Phantasten sonst wagten. Wenn man so feststehende Tatsachen fälschen kann – daß 4. R. K. vereint in Richtung Dammartin stand, darüber besteht kein Zweifel –, darf man getrost weiterdichten. Besonders lieblich wird aber der Eindruck, daß die Kluck -Verehrer ihm lauter Dinge zu seinem »Ruhme« zuschieben, die höchst verwerflich und obendrein unmöglich wären. Wäre Kluck von Maunoury völlig überrumpelt worden, so wäre dies sträfliche Unvorsichtigkeit. Nun befand sich aber ein Hauptteil der 4. Kav. D. (Teile auch im Westen nebst 9. und 10. Jägern) westlich der Marnesehne, 6. Ratiborer Husaren voraus, und hätten natürlich längst das Vorhandensein einer Pariser Armee festgestellt. Das 4. R. K. ist weder überrumpelt worden, noch war es isoliert, sonst hätten nicht schon am 6. Teile des 2. und 4. K. bei ihm gefochten. Da aber Kluck die »Bedrohung« durch Maunoury hinreichend kannte, hätte er ein Kriegsgericht verdient, wenn er trotzdem an dessen Front vorbei gemütlich jenseits nach Süden gezogen wäre. Seine spätere Ängstlichkeit lehrt zur Genüge, daß solches Verfahren ihm fern lag. Doch es kommt noch schöner. Moltke hatte ihm ausdrücklich in Direktive für 5. befohlen, »zwischen Oise und Marne« zu bleiben und sich gegen etwaige Ausfälle aus Paris zu decken, seine Aufgabe sei dauernder Flankenschutz der ganzen deutschen Front. Er hätte also dem Befehl auf eigene Faust zuwidergehandelt. Jetzt stößt man wieder auf unlösbaren Widerspruch. Laut Bülow habe Kluck vorgeschlagen, sofort bis zur Seine durchzustoßen gegen Bülows Willen und als eigene Wurfziele Coulommiers–Saignet angegeben, auf Bülows Protest geantwortet, er könne seine Bewegung nicht mehr einstellen. Zitiert Bülow richtig, so scheint allerdings bewiesen, daß Kluck diese Absicht hatte, nur daß Bülow irrig die Marschziele als erreicht annimmt. (Man vergesse nicht, daß nur Truppen Klucks, nämlich Marrwitz und 9. K. in jener Gegend standen, Bülow also lediglich, selbst wenn er emsig nachforschte, auf Mitteilungen der 1. A. angewiesen war, die ihm gewiß nicht klaren Wein einschenkte). Das »Umkehren« Klucks erscheint also jetzt dahin geklärt, daß tatsächlich Teile 2. und 4. K. (14. und 26. J.) sich auf Marsch nach Meaux befanden, doch auf Hilferuf des 4. R. K. zu ihm eilten. Spitze 4. K. bei Rebais? Verwechselung mit 4. Jägern. Auf Kuhls Karte steht es schon viel nördlicher bei Ferté Gaucher, auch von dort konnte es bei solcher Entfernung erst am 7. am Ourcq eingreifen, geschweige denn von Rebais oder gar Provins, und zwar teilweise bei Betz im äußersten Westen. Tatsächlich kämpften aber schon am 6. Teile Armins am Ourcq. Keinesfalls befanden sich 2. und 4. K. am Gr. Morin, wenn sie am 6. schon 60 km nördlich davon fochten! So schrumpft die »glänzende Parade« auf reine Selbstverständlichkeit ein, die ohne jede Schwierigkeit auf nahe Entfernung eintrat. Es befremdet schon, daß Klucks Hauptquartier im Ferté Milon lag, also weit nördlicher als Bülows Hauptquartier Montmort. Wenn man so einschneidende Maßnahmen auf eigene Verantwortung ergreift, pflegt man sich in der Nähe zu halten. Klucks Stabschef Kuhl behauptet, das A. Kommando sei mittags in Rebais angekommen, meint aber offenbar nur sich selbst, zur Auskundung vorauseilend. Denn Kluck selber erzählt, er habe persönlich aus Ferté Milon II/24., Bedeckung seines dortigen Hauptquartiers, zum Ourcq abgeschoben. Dorthin marschierte überhaupt die 6. Div., denn Vorposten von III/35., III/64. und II/20. standen sogar schon am 4. bei Betz im äußersten Westen. Auf Kuhls Karte liegt Linsingen am 5. südlich Trilport, von dort im »Nachtmarsch« mittags Acy zu erreichen ist unmöglich, zumal er bestimmt erst morgens aufbrach, da man nicht früher sichere Kunde vom 4. R. K. erhielt. Trennung des 2. K. beidseitig 4. R. K. macht genügend klar, daß 4. D. von Senlis nach Acis, 3. D. über F. Milon nach Vareddes marschierte. Da ferner das am weitesten voraus befindliche 9. K. bei Esternay Halt machte, so ist sinnlos, 3. K. schon südlich des Gr. Morin zu glauben! Wir können uns daher nicht helfen, auch die von Bülow zitierte Mitteilung Klucks für irgendeinen Gedächtnisfehler Bülows zu halten, auch mag Kluck die mitgeteilten Marschziele sofort in Weisung an Armin und Linsingen widerrufen haben. Denn wie soll man vollends verstehen, daß er einem englischen Interviuer beteuerte, er habe sich dreimal geweigert, die Marne zu überschreiten! Weder Moltke noch Bülow befahlen ihm so etwas, wollten vielmehr das Gegenteil. Also erkennt Kluck die schwachen Punkte der ihm gewidmeten Reklame und will sich von einem Fehler reinwaschen, den er nie beging, indem er zugleich die Kritik auf den toten Moltke verweist. Diese Kritik, die seinen angeblichen Marneübergang schonend rügt, aber dafür sein fabelhaft schnelles Einrenken des »Fehlers« verherrlicht, sieht wieder den Wald vor Bäumen nicht. Denn hätte Kluck wirklich mit 2., 3., 4. und 9. K. vereint am Morin gestanden, so hätte er sich zwar groben Ungehorsams schuldig gemacht, doch sich Unsterblichkeit erworben, weil er mit genialem Instinkt das Richtige traf. Wir können seine Ansicht, wenn sie je bestand, keineswegs tadeln. Maunoury hin Maunoury her! Sein Bluffmanöver war ein reiner Verlegenheitsakt und gehört zu denen, von denen Napoleon sagte; »Geht der Feind dort vor, so würde ich ihm glückliche Reise wünschen, er wird schneller zurückkehren, als er kam.« Gingen 4. R. K. und 6. D. Schritt für Schritt fechtend zur Aisne zurück, wohin ja auch 9. R. K. im Anmarsch war, so würde selbst das entschlossenste Vordringen hier gar nichts genützt haben, falls inzwischen oer große Schlag gegen die verbündete Hauptmasse fiel. Noch mehr: Maunoury hätte sich eiligst nach Paris gerettet, um der Umgarnung zu entgehen, da er ganz in der Luft schwebte, wenn inzwischen Esperet zertrümmert wurde. Und das wäre geschehen, wenn Kluck vereint am großen Morin losschlug. French wäre natürlich wieder Hals über Kopf abgezogen, an Fortsetzung der Schlacht bei Foch und Langle war dann schon am 7. nicht mehr zu denken, die Marneschlacht wäre in ein verzweifeltes Rückzugsgefecht Joffres ausgeartet. Wenn also Kluck am Morin den Arm zum Schlag erhob und ihn dann kraftlos sinken ließ, dann beging er ein militärisches Verbrechen kleinlicher Mittelmäßigkeit, die nur am eigenen Wohlergehen klebt, ohne Rücksicht aufs ganze und auf entscheidenden Sieg Deutschlands verzichtet, weil ihr möglichenfalls ein Korps verloren gehen könne. Wir könnten uns nichts Traurigeres denken, als diese 35 oder 50 km Rückmarsch der abgehetzten Truppen gegen vermeintliche Gefahr. Aber wozu sich aufregen! Es ist ja alles nur ein Nebelstreif. Nie hat Kluck den Hin- und Rückmarsch ausgeführt, sintemal er der örtlichen Lage nach nicht mal Meaux am 5. erreichen konnte, seine »glänzende Parade« und sein divinatorisches Hellgesicht – so ähnlich schreibt der Schweizer Bircher, man glaubt zu träumen, – schrumpfen darauf zusammen, daß er bei Maunourys Angriff endlich seine Armee zu vereinen suchte, was ihm erst am 9. gelang. »Meine Armee war gerettet«, rühmte er sich. Ja, sie war gerettet, da sie keiner Rettung bedurfte und die Marneschlacht verloren zu unwiderbringlichem Schaden Deutschlands, das bis zuletzt an diesem Scheitern schneller Besiegung Frankreichs krankte. Fahr wohl für immer, schöne Leiche! Die Marneschlacht. I. Die Schlacht am Ourcq. Zufall war Trumpf, »Sr. Majestät der Hazard«. Joffre Lobsprüche erteilen, ist sehr unangemessen. Nichts berechtigte sein Hazardieren zu der Annahme, die Deutschen hätten sich müde gesiegt. Geschickte Verschiebung, die man ihm andichtet, beschränkt sich darauf, daß er Sarrail höchst unpassend um 3 Divisionen prellte, also von der strategischen Bedeutung seiner rechten Flanke keine Ahnung hatte, und daß mit Ausnutzung seines Bahnnetzes eine Umformung in Lothringen entstand, die ihm verderblich werden konnte, durch Entblößung der Mosel- und Maaslinie. Maunourys Auftreten als Retter von Paris soll im Zufallslicht als Berechnung gelten, es wäre aber eine falsche gewesen. Zufallsmäßig erwuchs aus Verbeißen deutscher Vorhuten eine regelrechte Schlacht, wobei jeder Teil einfach vom Fleck, wo er gerade stand, planlos loshämmerte. Erst spät witterten Esperet und French, wie geringe Streitkräfte ihnen die Spitze boten, bis dahin verrieten sie bänglich zauderndes Zagen. Joffres einziges Verdienst sehen wir in seinem Leichtsinn, den das Schicksal zur Standhaftigleit erhob. Seine Unterführer, die nur Böses zu melden hatten, werden ihn wohl kaum angelogen haben (nur von Foch weiß man das Gegenteil), dennoch wurstelte er unverzagt fort, » Something will happen «, wie der Brite spottet, man täuschte sich nicht, es ereignete sich Unglaubliches. Spielerglück! Vermutlich wußte Maunoury, in wieviel Bruchstücke Kluck sein Heer zerlegte, dagegen ist ausgeschlossen, daß er entschlossen am 6. geradeaus vorgerückt wäre, falls Kluck unter Vorbeimarsch vor Paris in seiner rechten Flanke stand, denn alles kam ja darauf an, daß der Franzose selber überflügeln wollte. Als Lamaze am 3. abends das 4. R. K. angriff, stand dessen 66. R. bei Montlyon. 36. R. schon seit 4. bei Acy , 22. R. D. mit 32. R. bei Etrepilly nordöstlich Meaux, 82. R. bei Vareddes, 71. und 94. R. kamen erst später. Dagegen vertrieb II/14. der im Anmarsch auf Antilly–Acy sich nähernden 4. D. eine feindliche Nachhut bei Rosey südlich Acy, 17. Art. und 18. P. nahe Antilly, 3. D. noch weit nordöstlich bei Oulchy, I/III/9. und I/IlI/34. an der Ourcq-Furth, bei Trasnes, 42. bei Vareddes südlich Acy westlich Trocy, wo 6. Husaren aufklärten. Armins 10. Husaren schlossen sich Marrwitz 12. Husaren an, bei Rebais nordöstlich Coulommiers, englische Berichte lassen durchblicken, daß die englische Nachhut sich nur mit Mühe und Not den Griffen der kühnen Reisigen entwand. Von Armin stand bereits 66. Inf. bei Monthyon, 72. bei Vareddes nebst 40. und 75. Art. und II/27. Somit fingen anfangs nur 12 Batl. des R. K., dagegen 12 Linienbataillone nebst 2 Artillerieregimentern sowie der 7. und 22. R. A., den Stoß auf. Er war am 6. heftig, Lamazes Reservisten kämpften mit der Hingebung von Vaterlandsverteidigern und nahmen am Südflügel Etrepilly den Thüringern ab, jedoch im Verein mit der 7. Marokkaner Zuavenbrigade, als Verstärkung aus Paris geschickt; am Kirchhof floß viel Blut von Afrikanern. Die Zuavenbrigade Ditte unterstützte Lamaze, doch K. Vautier (14. D. und 63. R. D.) kam am 6. fast gar nicht zum Schlagen. Kav. Brig. Gittet und Kav. D. Lucinieres blieben ganz rechts bei Claye und Meaux im Marnewinkel, während umgekehrt die deutsche 4. Kav. D. bei Nanteuil die Nordflanke deckte. Von Umfassung durch Vautier war nichts zu merken. Zwischen Plessis und Monthyon kam es zu heißem Kampf, dann ging 7. R. D. an die Therouanne westlich Etrepilly zurück, 22. R. D. zur Furt am Trasnes. General Gronau führte sein Korps sehr gut, kam anfangs sogar angriffsweise entgegen und warf Lamaze nach Dammartin über den Haufen, um eigenen Abzug zu verschleiern. Maunoury benahm sich schwerfällig und unsicher, ohne am 6. von seiner Waffe rechten Gebrauch zu machen. Das mitternachts alarmierte 2. K. marschierte hinter die Therouanne, wo Gronau in langer Front sich bis Acy dehnte, Linsingen übernahm schon 10 Uhr vormittags das Kommando. Hiermit war Maunourys Unternehmen eigentlich schon gescheitert, weil ein ganzer Tag für die geplante Umfassung verloren ging. Seine Reiterei sandte er endlich gegen Klucks rechte Flanke, doch Sordet war von angeblich 70 km Marsch wieder mal »zu erschöpft« und blieb bei Nanteuil. Gallieni schickte auch die neue 63. D., indessen erschien jetzt 140. Hohensalza der Bromberger D. am Nordflügel nebst vier Brandenburger Bataillonen und schlug den in »prachtvollen Stil« vorgetragenen Ansturm der braven Wehrmänner ab, In der Mitte mußten sich 66. R. schon am 5. abends eines übermäßigen Andrangs erwehren, sein Kommandeur fiel, Etavigny ging verloren. 27. und 72. wichen aus Trocy, so sagt französischer Bericht, jedenfalls gingen sie zugleich mit 42. wieder vor, denn ihr Gefechtsstand Vareddes liegt südlicher als Trocy. Da Maunoury sich erst am 7. vereinte, kann Joffre nicht am 4. eine große strategische Kombination vereinbart haben. Auch hier entwickelte sich alles jäh und zufallsmäßig. Daß Kluck sich noch immer nicht genügend versammelte, um den dreisten Gegner abzuschütteln, verurteilt seine Leistung, und daß er von Anfang an so depeschierte, als laufe er Gefahr, zeigt tadelnswerte Schwäche. Am 7. war er schon so weit: »Schwerer Kampf«, »Eingreifen 3. und 9. K. am Ourcq dringend erforderlich«, gleichzeitig aber: »Wo 3. und 9. K., wie dort Lage?«, wußte also selbst nichts vom Standort seiner Korps, auf seine wagen Sätze läßt sich nichts bauen, was die Legende ausnützen könnte. Die 6. D. hatte er selbst bei sich, hätte er das ganze 3. und 9. K. am Gr. Worin geglaubt, wohin er sie doch selbst geschickt haben sollte, würde er wohl schwerlich an Bülow das Ansinnen gestellt haben, sie sogleich nach dem Ourcq zu entfernen, denn sie waren zu Bülows Flankenschutz bestimmt, und er depeschierte an Moltke: »3. und 9. K. deckten die Flanke der 2. A.« Im ersteren Fall lies 6. und 18. D., im zweiten 5. und 17. D,, nur von letzteren konnte er glauben, daß sie Bülows Flanke decken, nur von ersteren, daß sie absendungsfähig seien, denn 17. D. berief er tatsächlich größtenteils nicht ab. Bülows Bericht überschlägt hier zwei Tatsachen und entstellt sie. Er stellt sich an, als ob er wirklich am 7. das 3. und 9. K. an Kluck preisgegeben habe, was bezüglich 3. K. ganz unsinnig ist, und verschweigt, daß Kluck die verstärkte Brigade Kräwel der 17. D. bei ihm beließ. Denn es paßt Bülow natürlich zu insinnieren, daß Kluck ihm jede Flankendeckung versagte, womit er seinen eigenen Rückzugswillen begründete. Wie schwächlich klingt freilich schon Klucks folgende Depesche: »Feind verstärkt sich beträchtlich«, das war richtig, jetzt erst griff General Vantier, Kommandeur des 7. K., mit 13. und 45. D. an, aber wären »2., 4. und 4. R. K.« wirklich vereint gewesen, dann hatte Kluck wahrlich nichts zu fürchten. Es fehlte aber viel daran, denn Armin und Linsingen, beide gleichfalls in Ferté Milon (ihre Korps hätten also ohne sie den Wagesprung zum Gr. Morin angetreten, welche schlagende Widerlegung!) brachten nur noch wenige Teile am 7. und 8. ins Feuer, so entfernt standen 3., 7. und 8. D. Armins halbe Feldartillerie, I/153., I/III/27., I/III/26. und II/III/165. langten nicht an, nur I/165. griff noch ein, sowie 93. beim Südflügel. Die Verluste waren überaus mäßig. Linsingen brachte nur noch 5 Batl. der 3. D. und 3 der 4. heran. Statt den ersten Andrang durch starken Gegenschlag abzuwehren, beschränkte sich Kluck auf Defensive, notgedrungen wegen so arger Verstreuung seiner Kräfte. Nicht mal Kav. ordentlich beieinander, 6. Hus. der 5. K. D. anscheinend bei 4. Kav. D. Garnier, Linsingens 12. Drag, streiften noch bei Amiens. Ebensogut 4. R. K. schon am 4. das französische Lager bei Dammartin kannte, wußte Maunoury, daß die Bromberger Division in der Nähe und westf. L. W. bei Creil war, schwebte daher bald in tausend Ängsten um seine eigene linke Flanke. Die Mythe der Umkehr vom Morin will verschleiern sowohl die Vereinungsunfähigkeit Klucks, als den überrasch schlechten Ausgang des Treffens. Denn es ist wieder Unkunde Bülows , Kluck sei vorwitzig dem Feind westlich des Ourcq entgegengegangen, tatsächlich wich er Tag für Tag ein Stück ostwärts. Möglich, daß er den müden Truppen Ruhe gönnen wollte, die durchschnittlich 50 km marschierten, was indessen Napoleon für eine normale Verfolgungsleistung 1806 bezeichnete. (Unter Bonaparte marschierte 64. Halbbrigade mal ausgerechnet 64 km, Division Friant focht bei Austerlitz nach unerhörtem Gewaltmarsch von Nikolsburg). Was Franzosen können, können Preußen erst recht, und dabei spricht Kluck noch vom frischen gesunden Zustand seiner Truppen. Sei dem, wie ihm wolle, die 1. A. rührte sich nur langsam ruckweise vom Fleck, statt der Wundertaten des 2. K., das erst French schlug, dann wieder 35 km zum Ourcq herankeuchte und wieder losschlug am Nordflügel! (Natürlich, weil es in Wahrheit aus Norden und Nordwesten kam). Man sollte sich einfach des Unfugs solcher wirr und wild durcheinanderstürmenden Ausschmückungsbilder schämen, auch Bülows »Bericht« gefällt sich in oberflächlichen Nachreden und besitzt nicht das geringste Zeugenrecht, da er nichts selbst beobachtete, was am Morin vorging. Wenn die aus Norden auf geradem Weg vorauseilende 17. D. frühestens am 5. früh den Gr. Morin erreichte, wie konnten dann die aus Nordwest nachfolgenden 2. und 4. K. nach schwierigem Marneübergang am 5. schon südlich davon stehen? Rattenkönig von Selbstwidersprüchen verschiedenster Autoren! Wenn laut Stegemann das 4. K. nicht wesentlich zur Ourcqschlacht beisteuerte, wieso focht es dort schon am 6. und was trieb es im Süden, wo es doch Null Verlust hatte? Wenn laut Kothe 2. K. am 6. mittags östlich Meaux Kehrt machte, wie konnte es am 6. schon »beidseitig« das 4. R. K. fechten? Laut Egli griff »die Masse der 1. A.« erst am 8. beim Rückzug über die Marne mit Teilen ein! Was heißt Masse, was Teile? Wäre 4. R. K. nicht schon am 6. unterstützt worden, so konnte es sich nicht halten. Daß Verschieden sich noch gegen Wissende vorlaut anmaßend gebärdeten, ändert nichts daran, daß sich durch uns der Fabel-Kluck von märchenhafter Schnelle in einen bedächtig Zeit vertrödelnden Herrn verwandelt, den ein strategisches Kanonenfieber befiel. Am 7. wich 32. R., doch 93er südöstlich Trocy umfaßten, die »Talons« (Zuaven) und 55. D. verließen in Auflösung die Schlachtlinie. Armins Fußartillerie brüllte verderblich, 4. Feldart. streckte die Stürmer scharenweise nieder, obschon sie selber bedeutend litt. Am Nordflügel ging General Villaret mit der Elitedivision Belfort zum Angriff über. »Fünf heroische Angriffe« scheiterten gegen die Bromberger bei Acy . Die schweren Haubitzen ihrer 15. Fußartillerie mischten sich grob ein. 63. D. über Etavigny bedrängte das brave 66. R., dem 5 Hauptleute bluteten, zuletzt warfen aber 66. Inf. und II/26. den Feind in die Flucht und aus Etavigny heraus, zwei Brandenburger Füsilierbataillone nahmen Thury in Maunourys linker Flanke. Gleichzeitig meldete 62. D. bedenklich aus Creil, wo auch 149. der Bromberger verblieben zu sein scheint, es verlor Null. Erst jetzt trafen aus Paris 45. und 61. D. ein, die ganze Mär von Joffres vorbedachtem Plan bricht so zusammen, denn sonst würde Maunoury doch wenigstens sein Heer vorher vereinigt haben im günstigsten Augenblick, wo Kluck angeblich im Vorbeimarsch an Paris begriffen! General Sixt von Armin bildete jetzt eine Flankengruppe mit 7. D. bei Antilly, neben den von Kuhl natürlich vergessenen vier Brandenburger Bataillonen und 4. D. bei Acy, während im Zentrum Teile der 8. D. beidseitig die 7. R. D. umrahmten. Hier hielt man sich kräftig gegen Vautiers Rechte und Lamazes Linke. Umsonst quälten sich die von General Drude frisch vorgeführte 45. D. Oran und die Zuaven rechts gegen die Front ab, wo Linsingens Haubitzen verderblich spielten. Troch brannte, doch die Schützengräben am Dorfe blieben ungeräumt, Vareddes blieb den Pommern. Nochmals erneuerte sich die Schlacht nach Eingreifen des R. K. Ebener, bis Armin nochmals vorbrach und 61. D. derart über den Haufen warf, daß sie sich erst weit westlich Nomtenil sammelte. 45. D. griff heftig am Südflügel an, die vernichteten Zuaven und 55. D. ablösend. 63. D. stellte sich dem deutschen Vordringen am Nordflügel entgegen, und abends reihte sich dort auch 7. franz. D. an, während 8. franz. D. in unsicherer Haltung Anlehnung an French suchte. Obwohl Joffre ihm solche Unterstützung zuwandte, stimmte Maunoury Klagelieder an, Kluck tat aber desgleichen. Am 8. verlängerte die vom langen Transport erschöpfte 7. franz. D. umsonst die Schlachtlinie im Westen, und den Wunsch, den Paris erschreckenden Kanonendonner bei Lizy zu dämpfen und dort mit Ourcqüberschreitung in Klucks linke Front zu fallen, verhinderten die erprobten 93er, während II/14. und vier Bataillone der 3. D. den Südpunkt hielten. Man sieht, Truppen des 4. K. standen überall bunt durcheinander, wie sie gerade anlangten, neuer Beweis, daß sie nie vereint im Vormarsch begriffen. Da 2. K. im August weniger litt, als irgendein anderes, und 4. R. K. fast unberührt blieb, so kann »ihr heldenhafter Widerstand« nicht gar hoch bewertet werden; ihr Ruhmestitel ist weit mehr ihr späteres Verhalten in der großen Hauptschlacht bei Nouvion. Die taktische Überlegenheit seiner Aktivtruppen, die sich zu den besten Deutschlands zählen, die furchtbare Gewalt seiner schweren Artillerie machten Kluck dem hastig zusammengestellten und erst nacheinander eingesetzten Heer Maunourys mehr als gewachsen. »Unbesiegt« zog er von dannen? Sollte er sich noch gar bei solcher Bewandnis besiegen lassen? Er meldete an Bülow, er stehe »westlich des Ourcq«, woraus Bülow schloß, er sei dem Feind angriffsweise nach Westen entgegengegangen und habe so die Lücke zu Bülow noch erweitert. Kluck stand aber von Anfang an westlich des Ourcq, Bülow zeigt nur wieder, wie wenig orientiert er war. Auch der 8. endete als französische Niederlage. Die kleine Brandenburger Gruppe drang über Betz ein, franz. 61. und 7. D. fühlten sich so unwohl, daß die 8. D., bisher am rechten Flügel temporisierend, am 9. zum linken herübergeholt werden mußte. Die Generäle Boelle und Vautier verständigten sich, daß es sehr schlecht stehe. Zeitweilige Erstürmung von Acy bezahlten 3. Chass. mit ihrer Vernichtung. Die Oran-Division richtete nichts aus, die seit 5. wacker fechtende 56. war todmatt. Birchers Aufstellungsskizze können wir nicht befürworten. Er verpflanzt 74. Art. nach Plessis, die schwerlich dort war, wohl aber 7. R. A., ebensowenig 53. Art. bei den Thüringern, wohl aber 22. R. A., er vergißt 42. und schiebt fälschlich 149. ein, verabreicht irrig 153. bei Etavigny als Zuspeise, hält dagegen 93. für unbeschäftigt, während die stets rühmenswerten Anhaltener die am 8. abends stürmende Division Lartigue tüchtig abwehrten. Noch immer spukt die Verirrung mancher Historiker herum, Kluck sei am 9. abgezogen. Das paßt Bülow als Wurzel der Sumpfpflanze seines Rückzugswillens, was wir aber auszutilgen wissen. Am 9. war vielmehr der Hauptkampftag. Erst jetzt traf 49. der 4. D. bei Acy ein, drüben durchfuhren Taxiautos aus Paris die Reihen und luden 60. und 65. Rgt. und 47. und 67. Alpenjäger ab. Doch die Sache ging noch schlechter. Auf den Flügeln fühlte man sich geschlagen, im Zentrum scheiterte ein Ansturm der Alpenjäger unter schwerem Verlust. Eine Weile war die teils anrückende, teils mit der Vorhut abrückende 5. brandenb. D. bei Trocy angehalten, um die anscheinend bedrohte 3. D. zu decken, zu deren Flankenschutz auch 9. Kav. D. herangezogen und so Marrwitz 2. Kav. D. am Morin vereinzelt wurde. Die 4. Kav. D. zur Rechten Klucks konnte freilich nicht hindern, daß französische Kavallerie weit im Westen umging und sogar Kluck gefährlich in seinem Hauptquartier beunruhigte. Sie wich aber eilig, als Teile der 18. D. dort auftauchten. General Quast versammelte eine neue Flankengruppe aus 6. und 18. D., zwei Landwehrbataillone des Oberst Schulenburg hängten sich den Brandenburgern an, während Brig. Lepel nebst Batterie der 10. L. W. Brig. gegen Boelles Rücken bei Baron aufmarschierte. Quast rüstete sich, über Nanteuil vorzubrechen. Maunoury hatte sich ganz verausgabt, Detachierung von Zuaven nach Creil blieb erfolglos, auch von dort drohte ihm weitere Umfassung, er bereitete Aufnahmestellung bei Montlyon vor für baldigen Rückzug, den die mit Autos aus Paris geschickte 62. D. decken sollte. Schon nahm die Gruppe Armin erneut Betz und wahrscheinlich mit 36. und 49. auch Nanteuil gemeinsam mit Quast, der den Feind vor sich hertrieb. (So behauptet Kuhl, doch ein Blick in Verlustlisten macht zweifelhaft, ob überhaupt Teile 9. K. dort ins Feuer kamen). Dagegen wich die Linke unter Linsingen unbemerkt hinter den Ourcq, um gegen French eine Abwehrflanke zu bilden. Das hätte genügt, dort jedes feindliche Vorrücken zu unterbinden, während Klucks Rechte festen Boden unter den Füßen gewann, um Maunoury vollaufs los zu werden. In diesem Hochmoment deutschen Übergewichts platzte eine Art geistiger Stinkbombe hinein, ein schon am 5. bei Rebais hinhuschender Bote der O. H. L., namens Hentsch, der allen Ernstes schon am 5. ohne jeden ersichtlichen Grund von »Mißlicher Lage« phantasiert hatte. Die unerfreuliche Vorstellung eines Parallelmarsches von 3. und 9. K. dicht nebeneinander nach Nordwesten, scheint auch phantomartig! 120 km zurücklegen und dann völlig übermüdet sogleich schneidig und begeistert am 9. früh vorstürmen, wie Kuhl beschreibt? Höchst unglaublich, daß die menschliche Natur so etwas verträgt, was z. B. die Taten der Brigade Wedel bei Mars la Tour bedeutend überbieten würde! Viel wahrscheinlicher, daß 6. D. sich dauernd ganz am Ourcq befand und ebenso ein Teil 18. D., der nie Anschluß an die Morinfront erreichte und auf halbem Wege umkehrte. Schon bog Maunoury seine ostwärts gerichtete Front südöstlich um. »Wahrhaft verzweifelte Gegenangriffe hemmten den Fortschritt des Gegners«, doch daß die im Laufe des Tages durch Lartigue verstärkte D. Tertinion »Boden gewann«, wird man umso weniger glauben, als Boelle die Lage als bedenklich ansah. Er hatte Grund genug. Mächtig donnerten die schweren Bamberger und Magdeburger Haubitzen. Wasser sowie Wiesen und Heuschober röteten sich, französische Erde trank reichlich französisches Blut, am wildesten suchten die Kerntruppen bei Acy die Landwehr- und Landsturmmänner auszustechen, die infolge übergroßer Verluste in Auflösung aus dem Feuer gingen. Kein Beeifern half, die Deutschen behielten durchweg die Oberhand. Von French war nichts zu erwarten, der fiel schon vor Schreck um, als deutsche Reisige auf ihn zukamen. Auch Fabriquetts schildert, daß Maunoury unmöglich länger standhalten konnte. Maurice schreibt, nur ein paar Stunden weiteren Kampfes hätten Kluck entscheidenden Sieg verschafft, nur der englische Vormarsch habe M. aus höchster Gefahr gerettet. Echt englisch! Nichts derlei! Frenchs träge Trödelei hätte Kluck nichts anhaben können. Von ernster Verwendung der frisch eingetroffenen Brigade Lepel, der L. W. Brig. Schulenburg, der 3., 6. und 18. D. (in falscher Lesart 3. und 9. K.), die er jetzt alle beieinander hatte, sah Kluck ab. Warum, wissen die Götter, aber auch Psychologen, die in der Seele lesen. Klucks Buch betont, daß er sich nun endlich stark genug fühlte, um den Feind endgültig abzuschütteln, warum verschob er es auf den Folgetag? Nach eigenem französischem Eingeständnis konnte er Maunoury geradezu den Genickfang geben, der völlig »fertig« war. Am 10. trat statt dessen Kluck schimpflichen Rückzug an, wofür er freilich Verantwortung ablehnt durch eine haarsträubende Mitteilung. Würde ein von der Fama Verfehmter wie Hausen solche Scherze vorbringen, so hätte er einen Heiterkeitserfolg der Ungläubigkeit, doch der »große Kluck« darf sich jede Unglaublichteit erlauben. Etwas Wahres ist ja unstreitig daran und das ist das Traurigste. Denn ein Heerbetrieb, in dem so etwas möglich, ist zum Untergang reif. Wir versparen uns Betrachtung der Affäre Hentsch für später. Dieser Oberstleutnant vom Großen Generalstab spielte sich als Sendbote Moltkes auf, ohne eine schriftliche Vollmacht aufweisen zu können, was jedem militärischen Dienstbetrieb widerspricht. Nichtsdestoweniger fand sein Unkengekrächze bei Bülow Gehör, der ihn vielmehr noch darin bestärkte und ihn zu Kluck schickte, geladen mit Rückzugswillen. Gewiß würde Klucks unverzeihliche Handlung durch Bülows verderblichen Einfluß einigermaßen gedeckt. Auch will er im Auto schon weggefahren sein als sein Stabschef und Hentsch hinter seinem Rücken sich vereinbarten. Ei, so geringes Ansehen genoß er bei seiner eigenen Armee? Wir werden ersuchen sich zu entscheiden, ob diese unerhörte und einzig dastehende Aufklärung stichhaltig verfängt! Unsere Untersuchung wird negativ ausfallen und lieber das Wort Ausflucht wählen. Mit Fug schreibt Müller-Löbnitz, Kluck habe durch Funkspruch recht wohl Bülows Rückzug aufhalten können. – Maunoury wuchs zwar nach und nach auf 150 Bataillone, von denen aber 45 der 7., 8. und 14. D. früher schon sehr schmolzen und die jetzt, nacheinander eingesetzt, so zerschlagen waren, daß man die R. Divisionen kaum mehr brauchen konnte. Boelle und Vautier waren mit ihm einig, daß man auf Paris zurück müsse. Seine Linke gab immer nach. Ein Raid der 5. K. D, im Westen erreichte angeblich Oulchy und den Matzwald bei Cotterets, wie der Vortrag eines französischen Generals nach dem Kriege behauptet, sicher sehr übertrieben. Klucks Buch verzeichnet, daß man beinahe sein Hauptquartier überfiel, die Räuber aber bald verscheucht seien. Unseres Erachtens befanden sich III. und II/84. der 18. D. im Anmarsch. I/84. zersprengte diese Kavallerie Sie hatte 300 Radfahrschützen nebst 12 Geschützen, die wohl das meiste taten, denn selbst ein Aufblaser dieser Raids gibt zu Kav. K. Sordet sei »durch Strapazen ermüdet« gewesen, so daß man eine provisorische Kav. Brig. neu errichten mußte. Wie kann da Bridoux so viel Kräfte aufgebraucht haben, um seine gewaltsame Aufklärung so weit vorzubringen? Man hob eine Munitionskolonne auf und überrumpelte Luftschiffer in ihrer Halle? Warum nicht? Doch von Einwirkung auf die Etappen wurde nichts bemerkt. Man versucht nur französischerseits, sich Klucks unerklärliche Haltung psychologisch zurecht zu legen. Von Umfassung Klucks durch solche Reiterscherze können nur Toren reden. Überhaupt wird unzulässig verallgemeinert, als ob beiderseits auf der langen Front von Nanteuil bis zur Maas bestimmte Absichten verfolgt seien. Planmäßiges Verfahren wird nur beim Kronprinzen erkannt, sonst ging es überall wie bei Spichern, Wörth, Vionville, Colombey: Wegen Einzelteilen, die nach vorn durchgingen, ließ sich nachher regelrechte Feldschlacht nicht vermeiden, ohne Plan und ohne Vereinigung, hätte Maunoury wirtlich die große Offensive gewollt, die man ihm zuschiebt, wäre er so anfangs bloß mit Lamaze vorgegangen? Dessen Kampf zog nun wie Magnet das Eisen alle folgenden Teile an, die erst nacheinander auf dem Schauplatz erschienen. Kuhl und Bergman wollen sich Hentschs Beeinflussung auf 1. A. lebhaft widersetzt haben. Kühl sagt nichts von Klucks angeblicher Abwesenheit, sondern daß er auf Kuhls Vortrag seine Einwilligung gab und die heftige Gegenvorstellung Quasts unbeachtet ließ. Mit unerschütterlicher Weisheit beharrte er bei seiner Erleuchtung und Bekehrung durch den Propheten Hentsch. Wer irrt hier, Kluck oder Kuhl? In der Nacht zum 10. depeschierte Joffre, Esperet »siege«, man müsse unbedingt Kluck fesseln. Er erhielt das Jawort, man wolle das Äußerste versuchen, doch ohne jede Aussicht auf Erfolg. So ging denn der Abgekämpfte am 10. Morgens schweren Herzens wieder vor, da am vorigen Abend Kluck sich merkwürdig untätig verhielt. Die ersten 300 Schritt, unter ziemlich scharfem Feuer durchstürmt, kennzeichneten sich durch französische Leichenhaufen, doch 150 Schritt vor den deutschen Schützengräben hörte dies plötzlich auf, man fand sie leer. Winzige Leichenhäuflein bezeichneten am Wege den deutschen Abmarsch (Barzini). Das grenzenlose Erstaunen der Franzosen verwandelte sich in Triumphgeschrei, als man entdeckte, daß Kluck außer 6 zertrümmerten Geschützen sogar einen Teil seiner Hospitäler zurückließ. Daß sind die 4000 (!) Gefangenen, die man bis zur Aisne aufgelesen haben will, wohinter wir ein dickes Fragezeichen setzen. Tatsache ist freilich, daß französische Kavallerie bei Nogent le Rotru einbrach und dort die Hospitalinsassen gefangen nahm. Es ist das schimpflichste Ereignis des Weltkriegs auf deutscher Seite, und es ändert nichts daran, das die Klucklegende in Umlauf setzt (Klucks Buch schweigt sich aus), man habe selber 4000 Gefangene und 50 Kanonen mitgeführt. Sehr fragwürdig, doch ebenso Maunourys Angabe, er habe nur 7000 Tote und Verwundete verloren. Laut Barzini bedeckten unzählige französische Leichen die Hochfläche und Niederung westlich der Marne. Nach Kampfverlauf und eigener französischer Schilderung muß er viel mehr eingebüßt haben, als Kluck, derselber über 7000 verlor, allerdings inkl. Gefecht bei Senlis (480) am 2. und etwaigem Seitengefecht von I/II/84. (170) 4. K. D. (250 inkl. Rückzug, besonders 17., 18 Dragoner Mecklenburg, auch 2. Kürassiere, 13., 16. und zugeteilte 6. Husaren litten ziemlich), welche am 10. nachts durch Waldüberfall ihre reitende Batterie verlor. Jetzt erst tauchte französisch-englische Reiterei im Waldgebiet südlich der Aisne auf, noch am 10. blieb angebliche Flankenbedrohung durch French rein platonisch. Daß Kluck für alle seine Unterlassungssünden noch einen Fabelkranz erhielt, zeigt historische Interessenfälschung, mit Kritiklosigkeit und Beliebtheitsmode in holdem Verein. Die viertägige Schlacht kostete ihn nur 6500. Nur 66. R. (15, 980), 7. R. A., 4. Art. und 4. R. Fußart, litten bedeutend, die ganze Artillerie verlor über 400. Bei Armin gab es Bataillonsverluste von 68-100 Mann, im ganzen 1200, Linsingen verlor 1450, 22. R. D. nur 1250, 7. R. D. hochgerechnet 2150, 6. D. 485. Die selten reinlich geschiedenen Listen laufen oft bis Ende September fort, so daß dem Takt, der sich auskennt, die Scheidung überlassen bleibt. Laut Kuhl, dessen BVuch in allem nicht auf 1. A. Bezüglichem oberflächlich und wenig brauchbar, verlor 4. R. K. 163 0ff. 4000 Mann. Das möchten wir beanstanden, da er unsern eigenen Ansatz um 765 Köpfe überspringt, denn sicher ist dabei der Rückzug inbegriffen bis 15. und ferner wohl 4. R. Jg. dazu, die vermutlich bei Marrwitz beschäftigt. Chronologie der Listen verbietet uns, zu viel auf den Ourcqkampf, zu wenig auf die spätere Morsainschlacht zu rechnen. Manche Listen sind zwar summarisch für den ganzen Monat, andere aber sehr deutlich getrennt für beide Monatshälften, mit ausdrücklich schweren Verlustangaben für die spätere und geringen für die frühere. Die Natur der Kämpfe selbst schließt aus, daß die meist auf Verteidigung beschränkten Deutschen mit überlegener Artillerie auch nur entfernt so litten, wie die Franzosen, deren Einbuße wohl auch nicht sehr erheblich war. Diese schlugen sich ungleich, Kerntruppen nicht besser als die Reservisten. Die Belfortdivision mußte durch tapferes Aushalten ihrer Artillerie unter Oberst Nivelle aufrechterhalten werden, der nicht ahnte, wie er einst als Generalissimus auf diesen nämlichen Gefilden gegen die Boches vordrängen werde. Daß der »Feind viel schwere Artillerie, anscheinend aus Paris« verwendete, wie man an Moltke berichtete, bezieht sich nur auf einige bei Meaux aufgepflanzte Batterien, die in der Tat die 3. D. in der Flanke beschossen und auch einen Marneübergang der 9. K. D. verhinderten. Wie wenig man am 6. über die feindlichen Kräfte wußte, zeigt die Angabe, daß meist Engländer und 5 (!) franz. K. gegenüberstanden. Verdunkelnde Fama übertrug spätere Hauptschlacht auf die Ourcqgefechte, wo Kluck nach eigener französischer Angabe den Sieg in Händen hatte, als sein Rückzug erst nur 5 km rückwärts, dann reißend unaufhaltsam ohne jede Nötigung vor sich ging. Und dennoch Lobpreisung dieses »Feldherrn« in wahnsinniger Verhimmelung, von der wir eine Blütenlese anlegen könnten, wenn uns nicht zorniger Ekel den Wund schlösse! II. Von Rebais bis Gault. Ursprünglich verordnete Joffre: French und Kav. K. Conneau sollten bis Melun und Montereau, Esperet bis Nogent, Foch bis Arcis zurückgehen hinter Seine und Aube, Langle hinter Marnekanal, Sarrail bis Bar le Duc. Noch am 6. mittags setzte Bülow voraus: »Nördlich der Seine nur Deckungstruppen: rücksichtslose Verfolgung erforderlich.« Als die Morgenglocken den Sonntag einläuteten, schreckte französischer Geschützdonner die »vornehmen Herren von der preußischen Garde« im Biwack bei Montmirail auf. Die Gardekavallerie ist gemeint; das »vorzüglich geleitete« Feuer tat gar keine Wirkung. Schon fuhren 62. hannoversche und anscheinend auch schon 22. wechf. Art. auf, Schützenschwärme der 73er schoben sich vor, Mecklenburger und 60. Art. südwestlich. Am 6. warfen auch die Hanseaten und 24. Art. (nicht »20. hannoversche«) das 3. franz. K. gänzlich über den Grand Morin und besetzten die Waldhöhen bei Esternay. Gleichzeitig kanonierte das 1. franz. K. sehr unglücklich vor Montmirail und wich vor der aufmarschierten 25. Brig., deren II/158. schon Marchais südlich der Stadt besetzte. Am 7. breitete sich die Schlacht weiter aus; das 18. K. Maudhuy suchte die 17. D. westlich zu umfassen. Wie die Sonntagsschauerromantik von Montmirail, erweist sich umgekehrt auch großer Brandenburger Kampf bei Montcaux als Wahngebilde. II/12. stand dort anfangs mit mehreren Batterien; jetzt griff aber 18. D. mit den Schleswigholsteinern 85. und 86. ein, die sich in den Morindörfern mit den Bordelaisen herumschossen, 122. und 123. der Div. Petain wichen eilig. 39., 74. und 129. der Div. Mangin waren zu nichts Ordentlichem fähig. Ein Gewaltstoß der Hanseaten sprengte die 3. franz. D. und ließ sich von der 6. nicht beirren. Das 1. K. wollte den Mecklenburgern in die linke Flanke fallen, doch die Rostocker Füsiliere und ihre Artillerie führten einen wahren Heldenkampf aus guter Höhenstellung, vor der das 63. Rgt. Esperets zu Grunde ging. Barzini nennt die Angriffsstrecke der Franzosen einen Calvarienweg, den man von jenseitiger Waldhöhe herabkommen und eine Anhöhe erklimmen mußte, aus deren Schlüften Maschinengewehre grausam spielten. Es ist daher wenig glaubhaft, daß Esperet es am 8. über sich gewann, auf seiner ganzen Front Sturm zu laufen. 18 Stunden behaupteten nach Barzinis Bericht die 89er den Bezirk nordöstlich der Sezannechaussee, was unmöglich war, wenn 1. oder gar 3. K. sich schon Montmirail näherten. Die deutsche so äußerst schwache Front wurde gestützt durch die gewaltig wirkende Artillerie; laut Bülow ging die anwesende westf. Artilleriebrigade (22. und 58.) zur Unterstützung der 17. D. vor. Ungestüm und dann nachhaltige Standhaftigkeit gaben dem Angriff solche Wucht, daß Esperet am 7. überhaupt noch nicht an ernste Offensive dachte und auch am 8. nur Gegenstöße überlegte. Am 6. abends hatte er Eingraben befohlen, um »jedem Angriff, kostete es, was es wolle, zu widerstehen«. Treffend bemerkt Kuhl : »Das sieht nicht unternehmend aus«, fügt aber irrig unserem 9. K. das 3. K. hinzu, das den Feind in die Verteidigung gedrängt habe. Selbst dessen paar Vorhutsbataillone (II/12. und möglicherweise I/48.) bei Monteaux genügten, um das 18. K. abzuschrecken, und die 17. D. allein betäubte damals Esperets Hauptmasse so, daß sie sich nicht rührte. Wer daran zweifelt, den verweisen wir auf den Zustand stumpfer, blöder Herabstimmung, der in diesem Heer herrschte, wie früher angegeben. Unter solchen Umständen klingt Joffres Befehl am 7. unglaublich: »Die Deutschen scheinen sich vor den Armeen unseres linken Flügels nach Nordosten zurückzuziehen.« Kav. K. Conneau stand bei Courtacon vor Richthofen unbeweglich, Allenby und etwas englische Infanterie kamen erst am 7. bis La Ferté Gaucher gegen Marrwitz. General Connange tadelt French heftig, weil er sich gegen alle Ermahnungen Gallienis sträubte und erst am 7. den Grand Morin überschritt, statt sich über Meaux in die Ourcqschlacht einzumengen. Ihm stand nie etwas gegenüber, als die zwei Kavalleriekorps. Ob Marrwitz über 4 Jägerbataillone verfügte, wie Kuhl schreibt? Erkennbar sind 4. Jäger und 4. R. Jäger, nicht 3. und 10., die sich früher im Westen tummelten und eben dort erst in zweiter Monatshälfte Verluste melden. Ein früh verwundeter Oberjäger der 10. R. Jg. sagte uns, daß sie mit der Reiterei am Morin marschierten; sie fochten nachher aber bestimmt bei Charleville. 4. Jg. wichen langsam am Crecywald, hinter den sich French duckte, vor dem 3. engl. K., das erst am 8. Hautemaison erreichte. Richthofen wies Conneau bei Sablonières ab, der am 7. früh die Gegend um La Ferté Gaucher vom Gegner freifand. Am 7. früh will man deutsche Kolonnen im Rückmarsch von Esternay wahrgenommen haben. Das bedeutet aber keineswegs einen phantastischen allgemeinen Rückzug des 3. und 9. K. über Ferté sous Jouarre, wie die Legende glaubt, sondern höchstens Abzug der kleinen Brandenburger Vorhut nach Trocy und Ableitung der zu weit vorn exponierten 17. D. zum Petit Morin. Die Vorstellung, daß an Stelle des ganzen 9. K. jetzt »die 13. Inf. D. in breiter Front von Fontenelle bis Montmirail« eingesetzt sei und sie am 7. »nicht angegriffen wurde«, scheint geradezu laienhaft in ihrer Unmöglichkeit. Es gab dort keine westfälische Division, sondern nur eine Brigade. Obwohl Kuhl dies recht gut weiß, sagt er genau wie Bülow stets absichtlich Division , aus durchsichtigen Gründen. Denn eine Brigade kann den von einem Armeekorps freigelassenen Platz nicht besetzen, selbst die rückwärts verkürzte Front erfordert mehr Truppen. Und so niedrig man Esperets und seiner Leute Unternehmungslust anschlagen mag, so darf man ihm nicht zutrauen, daß er den befohlenen Angriff ganz lahmlegte, zumal ihm Joffre ausdrücklich Nachdruck an seinem linken Flügel befahl, und gar den angeblichen Abmarsch »zahlreicher Kolonnen« nicht benutzte. Uns ist daher sonnenklar, daß mindestens 17. Division am 7. noch bei und nördlich Esternay focht, und die Westfalenbrigade bei Montmirail einfach deshalb »nicht angegriffen« wurde, weil der Feind sich noch lange nicht bis zu dieser rückwärtigen Staffelstellung vorarbeitete, hiermit bricht aber die ganze Mär von Versammlung des 9. K. vor Nanteuil am 9. zusammen; denn wenn es am 8. früh noch größtenteils südlich des Petit Morin stand, so hätte Quast wohl Mühe gehabt, es im Laufe des 8. zum Abmarsch zu vereinen, und ganz unmöglich war es, am 9. vorm. bei Nanteuil zu stehen. Entweder focht 18. D. nie am Morin oder nie bei Nanteuil. Nachweislich finden wir aber mindestens 7 ihrer Bataillone in den Morindörfern Berny, Nauroy, Trefols, die übrigen nicht, d. d. sie befanden sich noch im Anmarsch, als Kluck sie zu sich berief; nur sie erreichten rechtzeitig den äußersten rechten Flügel. Daß 6. D. »auf Crouy« marschierte, könnte nur mit ihren längst in der Ourcqschlacht engagierten 4 Bataillonen geschehen sein. Wo liegt aber Crouy? Durchaus nördlich des Petit Morin; hier ist die Kilometerzahl wahrlich nicht erschreckend, von dort kann sie hinter der Front leicht nach Betz gezogen sein, wie auch 5 D. von Ferté sous Jouarre nach Trocy . Das alles beweist nur, daß 3. K. nie den Morin erreichte, größtenteils nicht mal die Marne überschritt. Das frühe Wegziehen des 9. K. vom äußersten linken zum äußersten rechten Flügel unter Bloßlegung eines wichtigen Gefahrpunkts wäre eine Ungeheuerlichkeit, die in der Kriegsgeschichte ihresgleichen sucht. Nun erfährt man vollends durch Kuhl, daß Kluck sich am 8. mittags »schweren Herzens« entschloß, zwei Brigaden des 9. K. nebst 2 Artillerieregimentern zur Verteidigung der Marnelinie bei Marrwitz zurückzulassen. Quast soll dies nicht ausgeführt, sondern nur eine Inf. Brig. und 1 Art. Rgt. mit der nordöstlich Ferté sous Jouarre verbliebenen Korpsreserve am nördlichen Marnebogen vereint haben, hier haben wir also den Beweis, daß bestimmt nicht das ganze 9. K. die Marne überschritt. Quasts von Kuhl gerühmter Entschluß würde nur dartun, daß er sich rücklichtslos über Klucks Anordnung und Bülows Bestimmung wegsetzte, um sich nur rasch aus unerquicklicher Stellung zu befreien, wo keine besonderen Lorbeeren zu holen waren, wie er dann persönlich nach Westen voraufeilte . Wer bürgt dafür, ob Kuhl sich nicht irrt! Jedenfalls muß der Abzug des 9. K. nur allmählich erfolgt sein, da wir auch am 9. noch I/III/86. am Morin im Feuer finden, dauernd Teile der 17. D. Mit der ihnen eigenen Zähigkeit hielten die Männer von der Waterkant sich auch am 9. die Feinde vom Leibe, als sie, mehrfach umzingelt, von Esternay abzogen. Barzini behauptet, daß diese Tapferen völlig unbezwungen blieben. Auch daß eine Batterie verloren ging, die jeden Pardon verschmähte, bis alle Kanoniere im Blute lagen und die Geschütze im Sumpfe stecken blieben, ist keine Räubergeschichte; die 17. D. verlor wirklich 6 Geschütze. Die Mythe von Abberufung des ganzen 9. K. zum Ourcq widerlegen schlagend die V. L. Die Mecklenburger zogen am 9. ab, die Hanseaten blieben dauernd als Nachhut Bülow zur Seite, II/86. focht noch am 9. bei Nauroy (I. am 6. bei Berny), hatte bis 14. Rückzugsgefechte; II/III/85. rückten seit 9. weg, doch scheinen diese Bataillone noch bei Coulomb Nachhutkämpfe gehabt zu haben. 24. Art. feuerte bis zum 12., wo die Verfolgung aufhörte. I/31. scheint bei Trefols gefochten zu haben, anscheinend traf auch III/84. ein. Des Rätsels Lösung liegt darin, daß die übrigen 5 Bataillone der 18. D. überhaupt noch nicht Château Thierry überschritten, daher eilig nach dem Ourcq zu Kluck umkehrten; die anderen fechtenden folgten nacheinander, doch ist unwahrscheinlich, daß die ganze 18. D. am 10. früh oder gar 9. sich schon am Ourcq befand. Alles was Bülow von Kluck erzählt, muß mit größter Vorsicht genossen werden. So zitiert er Klucks Meinung, »daß er die für 5. angeordnete Bewegung nicht mehr anhalten könne«, daß »entgegengesetzt den Weisungen der O. H. L. die Verfolgung bis zur Seine fortgesetzt werden müsse«, keineswegs im Originaltext. Leicht möglich, daß dieser bloße Wunsch Klucks der Vater der Legende wurde, er sei wirklich nach Meaux aufgebrochen. Kluck meinte aber offenbar nur sein 9. K. und Marrwitz, deren »Vorgehen über die Marne« (d. h. den mittleren nördlichen Marnebogen) möglichst weiter südwärts anordnete. Gewiß, vor Tische las man's anders, da herrschte bei ihm mehr Über- als Kleinmut, doch zwischen Lipp' und Kelchesrand ...! Bülow, der nichts bei der 1. A. aus Selbstschauen kennt, nimmt ebenso wie alle bisherigen Autoren Klucks von Bülow verneinten und verpönten Vorschlag schon für vollzogene Handlung. Dagegen war psychologisch natürlich, daß Kluck, dessen zuversichtliche Stimmung sich schon am 6. in Beklemmung umwechselte, seine südöstlich der Marne fechtenden Teile möglichst zu sich berief, denn jetzt erinnerte er sich an Moltkes bestimmte Weisung, zwischen Oise und Marne zu bleiben. Wer hat in der Streitfrage, das ganze 9. K. sei zum Ourcq marschiert, Recht? Kluck oder Bülow? Keiner von beiden, auch Kluck drückt sich so unklar aus, daß man glauben muß, er habe die deutsche Linie am empfindlichsten Punkt gänzlich geschwächt, wie Bülow ihn beschuldigt. Von dieser Schuld sprechen wir ihn frei, denn er beließ wenigstens die »gemischte« Brigade Kräwel dort (offenbar mit 16. Drag, und 45. Art.) und verwies 5. D. zur Aufnahme an Bülow. Der sagt davon kein Sterbenswörtchen; entweder weiß er es nicht oder er will es nicht wissen. In beiden Fällen durchschaut man die Unzuverlässigkeit seiner Angaben, er habe 3. und 9. K. zu Kluck geschickt; denn dessen Wunsch »mußte entsprochen werden«. Mußte? Je ne vois pas la necessité! Gehörte sich das, nachdem Kluck selber 9. K. dem Befehl Bülows unterstellt hatte? Wenn Bülow sehr richtig meinte, Kluck sei am Ourcq schon stark genug, so war es seine Pflicht, solche Entblößung seiner Flanke zu verweigern. Es kam ihm aber gerade recht, um seinem eigenen Rückzugswillen Nahrung zu geben. Bülow kräftigt noch alle Irrtümer durch eigene Nachfärberei. Das 3. K. sei bei Sancey südlich des Grand Morin heftig angegriffen worden? Das 3. K. verlor im ganzen Monat nur 2500, wovon bestimmt das allermeiste auf den Aisnekampf entfällt; es ist schon deshalb undenkbar, daß es der Marneschlacht anders beiwohnte als mit den wenigen von uns erwähnten Bataillonen, selbst wenn alle anderen Gegenbeweise nicht stichhaltig wären. Wenn Bülow so flüchtig arbeitet (sein »Bericht« strotzt von falschen Zahlennamen), daß er French die rechte Flanke Klucks bedrohen läßt, so werden die Franzosen staunen, daß das 9. K. sich schon am 6. »in ziemlich schwerer Lage« befand, als es so glücklich vordrang. Doch man riecht sofort den Braten, daß diese Lage durchs »10. R. K.« verbessert sei, welchen Kollektivbegriff er nachher in »Teile 19. R. D.« vermindert: Bülows Truppen mußten sogleich das von Kluck so unklug vorgeschickte 9. K. retten! 9. K. schon am 7. hinter den Dollan gewichen? 10. R. K. bei Montmirail und 13. D. (lies 25. Brig.) dahinter gestaffelt? Kein Mann Hülsens focht in Montmirail, das allein die Westfalen bis 9. abends verteidigten, darüber besteht nicht der geringste Zweifel. Wie er übrigens von Richthofen allein Behauptung des Petit Morin erwartete, wenn schon die ganze Infanterie hinter den Dollan ging, wäre unfaßlich. Dessen G. Drag. attakirten noch am 7. erfolgreich, 1. G. Ul. warfen englische Lancers, am 8. verteidigten Gardedukorps und G. Kür. erfolgreich Sablonieres. Marrwitz' 4., 7. Kür., 19. Drag. tummelten sich schon früh südlich des Grand Morin, 2. Drag. bei Fertè Gaucher und 13. Ul. neckten die englischen Garden. Die 4. Jäger in ihrer so exponierten Stellung bei Rebais und am Cressywald hatten noch am 10. ein Nachhutsgefecht bei Chippy. Drei Tage stand die englische Masse ehrfürchtig vor den paar Jägern und Reiterschützen still, French starrte hypnotisiert nach Meaux, von wo der Feind kommen sollte und niemals kam. Erst am 8. abends gab er großmütig die franz. 8. D. an Boelle zurück, die er bisher als Flankenschutz begehrte. Da hat man den untrüglichsten Beweis in Händen, daß er frühestens am 9. morgens vorrückte. Es ist richtig, daß Luftflieger am 8. abends ein Vorrücken Frenchs bei Choisy beobachten konnten, dieser Ort liegt aber noch weit südlich des Grand Morin. Die Geschwader taten ihr bestes für ihre Schutzbefohlenen der 17. D., doch selbst Zauberkünstler wie Zieten und Seidlitz würden nicht allzu lange das Kunststück besorgen, allein ohne Fußvolk eine solche Masse (6 Inf. und 4 Kav. D.) festzubinden. Die Keckheit mußte aufhören, sobald Esperet sich dem Petit Marin nördlich näherte. Ging nun die Reiterei am 8. abends über den Grand Morin zurück, so kam als nächstes Verteidigungsobjekt der Petit Morin in Frage, den die neu erscheinenden Briten doch erst am 9. erreicht haben können, da sie unterwegs nach eigener Angabe noch allerlei Aufenthalt hatten. Richthofen bog sich daher erst am 10. hinter den Dollan zurück, da der in gleicher Höhe bleibende Marrwitz noch am 10. Nachhutsgefecht mit den sehr langsam folgenden Briten hatte. Deshalb sagt Kothe diesmal sehr richtig, daß Montmirail erst am 9. nachts geräumt wurde, nicht am 8. nachts, wie Espere vorschützt und Bülow bereitwillig annimmt, weil jede französische Datumverschiebung ihm für seine Umnebelungszwecke paßt. Es ist aber ein wahrer Skandal, daß er auch noch die handgreifliche französische Fälschung adoptiert, 3. K. sei am 9. nachts in Château Thierry eingedrungen. Erstens kann es der Lage nach überhaupt nur das 18. K. gewesen sein, das 3. war 9. nachts in Montmirail, wo nie ein achtstündiges Gemetzel stattfand, wie sein General Hachet phantasiert. Sie mußten erst aus Marchais vertrieben werden, dann räumten die Westfalen, die zuvor lange die Übermacht abwehrten, die Stadt und gingen hinter den Dollan. Das Gemetzel war sehr einseitig, denn auch 1. K. gesteht die furchtbare Wirkung der deutschen Artillerie. Das 13. K. folgte der Brig. Kräwel, die Schritt für Schritt auf Coulomb zurückging, trefflich sekundiert von Marrwitz. Es ist hauptsächlich dieser Rückzug, den ein französischer General klassisch nannte. Aufgenommen von 5. D. ging diese Nachhut ziemlich unbehelligt über die Marne, jede Zeitberechnung aus obigem ergibt, daß dies frühestens am 10. abends geschehen konnte. Die Jäger und Kavalleriebrigade Thumb traten den von Coulomiers Kommenden entgegen, 9. Kav. D. mußte wieder auf Lizy zur 2. heranrücken, die angeblich am 8. die Marne verteidigte und feindliche Kavallerie abwies. Der südliche Flußbogen bei F. S. Jouarre ist gemeint, aber offenbar spukt hier wieder die Zeitverdatierung aus alliierten Quellen. Am 8. konnte 9. Kav. D. nicht von Lizy abrücken, sonst wäre ihre ganze Bestimmung zwecklos geblieben. Und da Richthofen noch den Petit Morin hielt, so mußte sich Marrwitz ungefähr in gleicher Höhe halten. Er meldete abends »Marne noch gehalten«, meint aber offenbar die Gegend südlich der Marne, wo die Abteilung Thumb plänkelte. Klucks Befehl an Kräwel lautete, die Marne zu halten und die Brücken zu zerstören. Das englische 1. und 2. K. kamen erst am 8. abends dem Petit Morin nahe und nicht hinüber, infolge »starken Widerstandes« Richthofens, das 3. K. konnte den südwestlichen Marnelauf nicht überbrücken. Die fernere Verteidigung des Flußbogens verlief freilich ungenügend, die Brücken wurden nicht rechtzeitig gesprengt, nur bei F. S. Jouurre hinderte man die Engländer lange und schlug einen Rückenstoß der bei Mery in der nördlichen Stromschleife übergegangenen Div. Hamilton ab. Laut Kuhl sei Richthofen schon am 8. abends auf Château Thierry und Condé zurückgegangen. Das ist die übliche Vordatierung für 9., anscheinend verteidigte 5. D. nur schlapp die unversehrt stehenbleibende Brücke und Vorstadt Château Thierry. Am 9. früh standen die Westfalen noch ungebrochen bei Montmirail, ihre Zurücknahme auf Marny nordöstlich, wodurch 35 km Lücke zu Kluck entstanden sei, war ebenso unnötig, wie unberechtigt. Die Lücke ist freilich Fabel, da damals noch die ganze Kavallerie und 5. D. die Strecke bis Lizy ausfüllten. Als die Westfalen am hellen Tage schanzend frisch und fröhlich jedem Angriff entgegensahen, hatten der Kommandierende von Einem , der Divisionär v. d. Borne, die Generalstäbler Caprivi und Platen alle den gleichen erhebenden Eindruck. Sie erhielten gerade »zwei Batl. der 14. D.« zur Verstärkung (53er nach unserer Meinung), als der allgemeine Rückzugsbefehl »wie eine Bombe einschlug«. Daß diese Unnatur auch an vorgeblichem Gefahrpunkt, wo laut Bülow bei längerem Zögern Zerschmetterung drohte, so übel aufgenommen wurde, daß man den Braven es nicht mundgerecht machen konnte, setzt den Punkt aufs I. Ein Kommentar für Bülows Betragen überflüssig, doch selbst er hatte sich empört, daß Hentschs Bericht die 2. A. als »Schlacke« bezeichnete. Da er nirgends dies Bild gewonnen haben kann, so steht man vor bewußter Lüge. Kuhl verteidigt seinen Freund schonend, er habe eben sehr zu Pessimismus geneigt, doch seine Entschuldigung gilt nichts, da Kuhl hier selbst Partei ist, weil er auf Hentschs Entstellung hereinfiel. Moltke und Tappen bezeugen beide, daß Hentsch keinerlei Befugnis hatte, rückzügige Bewegungen anzuordnen. Obendrein weigerten sich Quast, Kluge (Chef der 18. D.) und der im Lager anwesende Großherzog Meckl. Schw. dem Unsinn zu gehorchen, doch Kluck blieb unabänderlich dabei. Was wird nun aus seiner Ausrede, man habe hinter seinem Rücken gehandelt? Er und Kuhl verstecken umsonst ihre schuldvolle Nachgiebigkeit. Auch Kuhl gesteht, daß jedes Nachstoßen bei Montmirail ausblieb. So sah es an der einzigen Stelle aus, wo Bülow nicht unbedingt siegte. Doch sogar eine anonyme »Kritik des Weltkrieges« macht sich das Schlagwort Schlacke für 2. A. zu eigen, und wenn sie fälschlich Maunoury schon am 6. hoffnungslos festgefahren sein läßt, so entstellt Kuhl pro domo umgekehrt, Kluck sei am 6. schwerbedrängt gewesen. Denn nach seiner eigenen Darstellung genügten die eintreffenden Verstärkungen zu voller Erleichterung, es lag keine Nötigung vor, die sonstige Front am Morin zu schwächen. Mögen wir angebliches Verschieben des ganzen 3. und 9. K. für irrige Auffassung der örtlichen Lage halten, jedenfalls tat Kluck nichts, um wie ihm vorgeschrieben, die Flanke Bülows zu stützen, erst bei dessen Rückzug spielte er die 5. Div. aus. Auch die von Kuhl übernommene französische Angabe fälscht, daß Esperet zwei Korps zum Schutze Fochs abgab und nur zwei andere Korps gegen Montmirail übrig hatte, 3 K. blieben ihm stets verfügbar. Damit soll die erstaunlich matte Leistung der 5. A. bemäntelt werden, die selber nicht wußte, wie sie zu ihrem »Siege« kam. Auch am einzig gefährdeten Punkt der ganzen deutschen Schlachtlinie war dieser Sieg illusorisch, nicht erkämpft, sondern auf dem Präsentierteller angeboten. Alle Angaben Kuhls dienen dem Zweck, den »Ruhm der 1. A.« zu erhöhen und sie von eigener Schuld rein zu waschen, daher auch mangelhafte Würdigung des steten siegreichen Vordringens der anderen deutschen Heere, durch dessen Vergleich alles zwischen Nanteuil und Montmirail so grell beleuchtet wird. Richthofen mag 250 Gardereiter verloren haben, Marrwitz 400 und 450 Jäger. (Garniers 17. Drag., die zuerst bei der Verfolgung nur 30 Mann verloren, jetzt 78); 2. Drag., 13. Ul., 1. Kür. und Leibhusaren verloren viel, auch an Offizieren, wie Garniers 18. Drag., doch wird aus den Listen nicht klar, wieviel sich davon auf späteren Septemberkampf bezieht. Auch Emmichs 17. Braunschweiger Husaren als Geschützbedeckung bei Montmirail litten. Gardejäger und G. Schützen scheinen kaum mitgewirkt zu haben. Summa 1100. Bei Montmirail kamen am 8. Teile an, die sich bei Rückzugsdeckung nach Norden beteiligten, und wir wollen großmütig sein, noch 100 Mann Verlust von Bloems II/12. zu rechnen. Die westf. Infanterie (13. und 158.) verlor höchstens 425 (im ganzen Monat 825), Artillerie 160. Während 26. Brig. Münster erst am 16. bei Reims stand, von Maubeuge auf Fismes dirigiert, hatte 27. Brig. Köln am 9. ihr Quartier in Joches hinter Emmichs Front, ein Beweis, daß am 9. dort auch keine rückgängige Beugung stattfand. Von der 14. D. Düsseldorf langten hier an, wenn wir die Listen richtig lesen, I/II/53., III/16. sowie III/57., letzteres will auf Montmirail vorgerückt sein befand sich aber am 13. schon hinter der Aisne, erstere am 12. nördlich Thierry, neuer Beweis, daß der Feind dort nicht früher einzog. Allem Anschein nach fochten diese Bataillone nur beim Rückzug, und zwar mäßig. Kein deutscher Bericht spricht von einem ernsten Kampf der Westfalen, 7. Pioniere verloren nur ein paar Mann. Für etwaige Ankunft von 159. liegt kein Anhalt vor, all diese Regimenter hatten erst bei Reims ihre großen Schlachttage. Summa für 7. K. vielleicht 800. Was das 9. K. betrifft, so vermögen wir die Sicherheit, mit der Bircher seine Teile an Ort und Stelle aufzählt, nicht zu teilen. Die Listen variieren hier sehr, besonders die bis Monatsende ungetrennten von 75. und 76., fest steht nur, daß 89. bis 14. rund 630 verlor. Gewöhnlich pflegen nebeneinander fechtende Bataillone ziemlich gleich viel zu verlieren, doch litten I/31. und III/90. sehr wenig, für I/II/90. fehlt jeder Ausweis für diese Zeitspanne, vielleicht waren auch sie nicht da. Mutmaßlich 800 der 18. D. und 2200 der 17. D., davon 136 Art. Totalsumme Rebais–Montmirail inkl. Brandenburger rund 5000. 45. Art. meldet für 9. »Montmirail«, 24. A. noch für 12. »bei Montmirail«, 13. Inf. bis 11. Dies besagt, daß nördlich Montmirail noch recht lange das Gelände umstritten war, daher sowohl französische als Bülows Angaben falsch sind. Eine gewisse Verwirrung beim Rückzug läßt sich nicht bestreiten. Die bei Montmirail postierte 45. Rostocker Artillerie wurde zur Aisne abgedrängt, wo sie am 19. feuerte, gemeinsam mit 76. Hanseaten, die sich in die Brandenburger Linien verirrten. 13. Inf. und 24. Art. zum äußersten linken Flügel Bülows, ein Bataillon 53. dagegen ganz westlich zum 9. K., wir finden es bei Vassens. (Vielleicht klingt ein Echo dieser Episode nach, wenn Kothe herrlich vom Katheder debütiert, Bülows »schöner« Rückzug sei so rasch erfolgt, daß das 7. K. schon am 10. im Compiegnewald ankam! War es am 9. bei Montmirail vereint, wie natürlich diese Unkunde wähnt, so müßte es wohl per Luftschiff befördert sein!) Die 85er standen am 12. bei Vic sur Aisne, also noch ohne Anschluß ans 9. K. Mittlerweile ergeben sich östlicher nicht ganz erfreuliche Dinge. Am 6. machte Esperets 10. K. einige Frotschritte gegen die 73er, 10. Pioniere schanzten bei Chatillon. Am 7. erschien aber 74. R. bei Charleville, erzwang den Übergang über den Petit Morin und behauptete den Ort sehr tapfer gegen übermächtige Angriffe gemeinsam mit 10. R. J. Da Emmichs Artillerie gegen die Hochfläche von Sazanne wirkte, hielt man sich auch am 8. noch. Da alles Gerede von »Staffelung« des 7. K. oder Haken-Flanke des 10. R. K. aus der Luft gegriffen, so wäre das bretonische K. gegen so winzige Kräfte bald durchgebrochen, wenn nicht 15. und 55. R. anlangten und aus dem Gaultwald den Feind vor sich aufrollten. Man muß sich erinnern, daß das 10. franz. K. bei Charleroi fürchterlich litt und auch seither sehr schmolz, um seine Leistung nicht kläglich zu finden. Endlich aber ging es nicht mehr, aller Starrsinn der Niederdeutschen erlag der Übermacht, da wahrscheinlich auch Teile 1. K. gegen sie wirkten. 74. R. wurde aus Charleville hinausgeworfen mit erheblichem Verlust. Daß es 1000 Gefangene verlor, ist abgeschmackte französische Erfindung, 1500 verlor es im ganzen Monat an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Mit 10. R. J. (150) und der ihm zugeteilten Westfalenbrigade 15. und 55. (etwa 700) verlor Hülsen 1400. Für Eintreffen des 73. A. liegt kein Anhalt in den Listen vor, es befand sich auf dem Marsche und mag beim Rückzug nach Vauchamps auf halbem Wege halt gemacht haben. Wann erfolgte dieser Abzug, das ist die Frage. Sicher nicht am 9., da Emmich erst am 10. abzog. Wäre Esperet, wie er behauptete, am 9. oder gar 8. in Vauchamps gewesen, so hätte Emmich sich schon im Rücken bedroht gesehen. Die Unmöglichkeit dieser Lage überführt, daß wieder um einen Tag vordatiert ist, und das franz. 1. K. erst am 10. auf Vauchamps antrat. Esperets pomphafte Proklamation auf den alten Siegesfeldern Napoleons wirft offenbar Champaubert und Montmirail mit Vauchamps durcheinander. Daß am 9. ohnehin ein Stillstand eintrat, ergibt sich daraus, daß das französische 10. K. östlich verschoben werden mußte, um Fochs aufgerissene Flanke zu decken und die abmarschierte 42. D. dort abzulösen, zu welchem Behuf Esperet auch eine seiner R. D. heranholte, die jedoch Gewehr bei Fuß nur Statisterie trieb. Er nahm natürlich sogleich nach französischer Art den Mund voll, nachdem er fünf Tage lang in tausend Ängsten schwebte, der Feind werde große Reserven einschieben, denn er war sich nach und nach als erfahrener Führer wohl klar geworden, daß er nur mit lauter Vordertreffen zu tun hatte, deren Gros bisher nicht eintraf. Erst als er sich überzeugt, der Gegner bleibe defensiv aus offenbarer Schwäche, ging er zum Angriff über, nachdem seine zaudernde Cunctatorvorsicht den Deutschen zwei Tage schenkte. Denn bei entschiedenem Vorgehen am 7., wo die deutsche Linie noch dünner war, hätte er mehr erreicht und nicht gestattet, daß mittlerweile Emmich die Linie Fochs über den Haufen warf. Sein 1. und 3. K. litten schwer, auch das 10. ansehnlich, sicher überstieg sein Verlust bedeutend den deutschen. Dies erklärt sein zaghaftes Nachstoßen, das Bülow ausdrücklich betont. Nur der 25. Brig. sei man etwas nachgedrängt, doch erfolglos. Als man Vauchamps angriff, schlugen es die 73er, die sich Hülsens Nachhut angeschlossen hatten, gründlich ab, wahrscheinlich am 11. Übrigens stimmt Kuhl mit uns überein, daß Esperet erst im Laufe des 10. bis zur Marne gelangte, womit hier der mittlere Marnebogen verstanden sein soll. Warum erteilt er denn den falschen französischen und Bülowschen Zeitangaben nicht eine schroffe Absage? Tatsächlich standen Esperets 3. und 18. K. am 9. abends erst bei Montigny–Viffort, d. h. weit südlich der Marne, können also erst am 10. abends die Brücke von Château Thierry erreicht haben. Sein 1. K. war am 9. abends noch nicht mal bei Champaubert, einem Katzensprung von Vauchamps, das am 8. abends erreicht zu haben sich Esperet brüstet! Es bog sich am 10. rechts zurück zur Deckung des 10. K., das gegen Hülsen und 73er bei Thoult nicht vorwärts kam. Uns scheint daher sehr unglaubhaft, daß 1. und 10. K. sich am 10. abends schon Vertus näherten. Bülow aber schmeißt die Zeitdaten so durcheinander, wie es ihm paßt, um seine fixen Ideen durchzudrücken, seine Rechte sei am 9. oder gar 8. eingedrückt und Kluck daher von ihm abgeschnitten gewesen, so daß 1. und 2. A. eiligst retirieren mußten. Ist denkbar, daß sein Hauptquartier keine genauen Rapporte von den verschiedenen Gruppen empfing? Wie konnte er träumen, er habe schon vor 10. 12. allenthalben die Marne zwischen Dormans und Epernay überschritten, da doch laut V. L. bestimmt noch am 12. westfälische Nachhuten bei Dormans und Condé feuerten und Gardenachhut noch am 12. bei Chalons stand. Wenn die Franzosen vier Tage brauchten, um über den Morin zu kommen, so werden sie wohl die dreimal längere Strecke bis Château Thierry nicht im Lauftschrittempo als athletische Schnellrenner zurückgelegt haben, selbst wenn das Feld vor ihnen leer und keine kühl gelassene Nachhut im Wege gewesen wäre! Schlichen sie geheimnisvoll in Tarnkappen zwischen Marrwitz und Richthofen durch? Und selbst nach Bülow kamen die Franzosen (18. K.) erst am 12. an die Vesle, dann hätte der feurige Maudhuy von Château Thierry her drei Tagemärsche dorthin gebraucht, wenn er am 9. über die Marne ging, das hieße ihn wahrlich beleidigen. Nach unserer Meinung überschritt er überhaupt erst am 13. die Vesle, was ganz in der Ordnung ist, da die Deutschen erst am 12. sich am Marneufer entfernten. Daß Franzosen kühl lächelnd niederschrieben, Esperet sei schon am 12. in Reims eingezogen, was selbst dann unmöglich wäre, wenn er am 8. nachts in Montmirail war, gehört zu ihrer Prestige-Zurechtmachung. Doch was soll man zu einem deutschen Obergeneral sagen, der diese Fälschungen entgegenkommend begrüßt, weil sie in den Kreis seiner persönlichen Entschuldigungstaktik passen. Wenn man ihm vorwirft, warum er nicht eine Hakenflanke gebildet und sich langsam an die Marne gedreht habe, so sieht man erstaunt, daß dies im Grunde ja durch Richthofen und die bei ihm befindliche Westfalengruppe geschah, was den Beweis erbrachte, daß dies Verfahren völlig genügt hätte, den Feind aufzuhalten, bis Kluck seinerseits Maunoury niederhieb. Nichts wäscht von Bülow die Schuld ab, daß er Kluck durch Schwarzseherei beeinflußte, und er wälzt sie umsonst allein auf Kluck ab, ja vermehrt den Unwillen des unbefangen Urteilenden durch seinen bis zur Unkenntlichkeit verzerrenden »Bericht«. Dies ist also die berühmte Schlacht Montmirail–Rebais, wo eine Handvoll Deutscher, deren mutige Artillerie Wunder tat, zwei feindliche Heere von 19 Divisionen fünf Tage festhielten, und dann gelassen abzogen, ohne daß ein Bataillon abgeschnitten wurde. French zählte die Häupter seiner Lieben und siehe es fehlte kein teueres Haupt, wenigstens sehr wenige, doch sicher nahezu 20 000 Franzosen lagen tot und verwundet von Nanteuil bis Gaultwald gegenüber 13 000 Deutschen. Auch dies höchstens ein Pyrrhussieg, wie aber stand es auf der Hauptseite der Deutschen von Gaultwald bis zur Maas? III. Die Schlacht bei Champenoise. Foch wollte angeblich am 5. auf Vauchamps angreifen, doch 1. G. D. nagelte ihn auf der Jochesstraße fest? Ist dies glaublich? Foch wußte, daß seine Nachbarn nicht an Vorgehen am 5. denken konnten, er mag eine Marokkanerbrigade zur Erkundung vorgeschickt haben, über die der Gardesturm dahinrollte, und am 6. kam ihm längst der unaufhaltsame deutsche Angriff zuvor. Foch hütete sich, seine feste Stellung zu verlassen, von deren Stärke bei St. Gond und Talou er eine hohe Meinung hatte. Die vorgeschickte Aufklärungsbrigade wurde von Vertus her überrannt und mit fabelhafter Schnelligkeit in die Grundstellung eingebrochen. Die über Montmort anrückenden Hannoveraner waren aber noch nicht zur Stelle, sonst wären sie bei Champaubert in die Marokkaner hineingestoßen. Daß Bülow am 5. »Front nach Paris schwenken« wollte, ist eine sonderbare Phrase, tatsächlich schwenkten alle seine Marschsäulen südlich ohne jede Biegung westwärts. Bei Champaubert suchten Marokkaner die Gardevorhut anzufallen, ihre Tigersprünge fanden kühllächelnde Ablehnung, die Garde durchschritt den Gondsumpf, ohne nennenswerte Einbuße durch Fochs die Gegend beherrschende Artillerie, sofort fuhr 1. G. Art. auf, der Geschützkampf begann stark. Bei Bannes, wo einst Div. Pacthod unterging, konnte auch Div. Dumas den Gondsumpf verfluchen. 3. G. faßte bei Morains festen Fuß am Morinufer. Am 6. zog auch 2. G. D. herauf und geriet bei Normée mit K. Eydoux aneinander, 3. G. Brig. vorn, schon fiel 2. G. Brig. in die Flanke bei Ecurie, wo 21. D. die aus Talon fliehende Division Dumas entlasten wollte. Kaum griff deren 77. an, als es auch schon zerstäubt zurückströmte, 20. Rgt. verlor hier allein 1200 Mann, nur 32. hielt zusammen, gestützt auf 135., bei dem Dumas seine Scharen sammelte. Der Sieg war keinen Augenblick zweifelhaft, gleich das erste Kampfstadium am 5. und bis 6. mittags ergab die Aufrollung der ganzen ersten Verteidigungslinie Fochs, der sich hastete, in seine zweite Verteidigungslinie zu kommen. Die 1. Gardebrigade schoß an Dumas vorbei, weitere Teile umreißend, während Eydoux Rechte sich bei Clamanges der 4. G. Brig. entgegenwarf. Mittags hatten die Franzer Grenadiere diesen Stützpunkt, den Eydoux nicht verlieren wollte als Ausfallstor nach Sommesous. Hier währte es noch lange, bis der Widerstand im Somnetal gebrochen. Obwohl der Länge nach von Fochs Batterien bestrichen, durchzog 1. G. D. gleichzeitig die kahle Ebene westlich der Waldschluchte und südlich der Sezanner Hochfläche, ihr Stoß rollte an Eydoux linkem Flügel vorbei. In glänzendem Gegenstoß zersprengte 4. G. die franz. 41. Brig., während 3. G. den Vormarsch gegen die Allemandhöhen begann, wo Dumas seine fünf geschlagenen Regimenter sammelte. Hier mußte pausiert werden, bis die Gardeartillerie der dortigen Massenbatterie Fochs einen Dämpfer aufsetzte. Schon sangen aber auch Emmichs 10. und 62. Art. ein kräftiges Lied, während 26. Art. noch weiter westlich zugleich gegen Esperets Rechte feuerte. Im herzhaften Anlauf entrissen 74. und 78. Hannoveraner das verschanzte St. Prix, den linken Flügelstützpunkt Fochs, der 42. D. Die Sieger von Charleroi und St. Quentin zeigten sich unüberwindlich, am 7. erstürmte 164. Hameln, bisher im Feldzug ziemlich gespart, das Sumpfdorf Oyes nördlich Schloß Mondemont, wo Humberts Marokkaner Raum geben mußten. Ihre bei Champaubert geworfene Vorhut scheint sich zu Eydoux gewandt zu haben, wenigstens wird ein Zuavenbataillon am Bahnhof von Normée gerühmt, daher wohl Baumgartens Irrtum, daß er die starkformierte Marokkaner Division gegen die Sachsen kämpfen läßt. Der mit Wucht geführte Stoß der 2. G. D. wäre am entschlossenen Widerstand Eydoux zerschellt, wenn nicht rasches Auftreten der sächsischen 32. D. Planitz günstigen Umschwung erzielte. Diese brauchte indessen dazu einen Generalmarsch von 40 km in brandiger Hitze. Wir bitten dies zu unterstreichen, weil es auf die erschreckende Ungleichmäßigkeit der Marschverhältnisse ein grelles Licht wirft. Es ist niemals empfehlenswert, aus der Marschkolonne heraus gefechtsmäßig zu entwickeln, doch natürlich gibt es Zwangsumstände, wie bei Prag, Kunersdorf, Torgau, Lützen, Craonne-Laon, wo ein Feldherr sein durchschwitztes Heer nach einem Gewaltmarsch in die Schlacht führte oder wo einzelne Umfassungsdivisionen (Friant bei Austerlitz, 38. Brig. bei Mars la Tour) aus der Marschkolonne heraus an den Feind kamen. Das Ergebnis war freilich in fast allen genannten Fällen ungünstig. Doch daß man ohne jede Nötigung, keineswegs aus strategischen Absichten, sondern aus reiner Nachlässigkeit so gegen den Feind marschiert, daß drei Divisionen isoliert auf lange Fronten stoßen und die nächsten 40 km Marsch brauchen, um sie zu unterstützen, ist ein trauriges Unikum. Natürlich erledigt sich hiermit auch, daß Planitz unmöglich mit mehr als einer Vorhut am 6. abends eingreifen tonnte. Bis dahin stand die Garde allein gegen Eydoux und Dumas, drei Divisionen. Desgleichen schlugen drei hannoversche Regimenter zwei Elitedivisionen in die Flucht. Umsonst tobten Humberts Kabylen sich vor Mondemont aus, die Niedersachsen erwiesen sich seßhaft, ließen sich auf keinen Ortswechsel ein. Wir ziehen in Betracht, daß 42. D. in den Ardennen auf die Hälfte ihres Bestandes schmolz, doch die hannoversche Brigade, vor der sie St. Prix fahren ließ, hatte im August selber reichlich geblutet. Daß 164er am 9. früh nur 65–100 pro Kompagnie, also 900 Gewehre zählten, ist freilich ebenso unwahrscheinlich wie daß sie bei Charleroi mit 79ern die höchsten Verluste hatten (Heydemann). Unsere Verlustliste weiß es anders, auch ihr Verlust seit 6. kann nicht bedeutend gewesen sein. Wir dürfen nicht kritiklos die Angaben der Regimentsgeschichten hinnehmen, die stets geneigt sind – man kennt's ja gleichfalls aus französischen Historiques –, eigenen Verlust zu übertreiben. Daß nachher nur ein Häuflein von 250 Gewehren Mondemont hielt, ist ebenso irreführend wie daß es am 9. abrückte, was der Feind doch bemerkt hätte, der erst am 10. vormittags die Räumung wahrnahm. Offenbar paßt man sich hier Bülows Zeitversicherung an, dabei geschieht manches auf Befehl, wie einst alle Akten über Mars la Tour verbrannt worden und die Offiziere sich das Wort gaben nicht aus der Schule zu plaudern (Hoenig). Dafür hatte sie freilich ihren Siegesstolz seit Charleroi und ging von der Ansicht aus: wo der Deutsche hintritt, darf der Franzose nicht stehen. Gewisse neutrale Historiker, französische Empfindlichkeit schonend, lassen St. Prix erst am 8. verloren gehen, man liest aber von der Karte ab, daß dieser Punkt unhaltbar war, sobald der Gaultwald in deutschem Besitz, was damals eintrat. Auch Prof. Kothe schafft hier wie immer Verwirrung, 20. D. Esperets habe 42. D. unterstützt (während erstere erst letztere später ablöste), mit der naiven Begründung, das 10. franz. K. sei durch Abzug des 9. d. K. entlastet worden, das überhaupt nie dem franz. 10. K. gegenüberstand. Außer dem unmöglichen 77. steuert Bircher noch I/79. und I/92. zu Emmichs Kampflinie bei, über ein paar Bataillone mehr oder weniger wollen wir uns nicht streiten, doch der Gedanke kann einem Ununterrichteten nicht kommen, wie unmöglich gering Emmichs späterer Verlust in der langen Reimsschlacht ausfallen müßte, wenn seine ganze 20. D., die dort am schwersten kämpfte, schon bei St. Prix stritt und litt. Es blieb für uns dabei, daß wesentlich nur Teile Emmichs diese Heldentaten vollbrachten, und wem es wunderbar klingt, daß drei Regimenter zehn französische warfen, bedenke gefälligst, daß die nämlichen Hannoveraner schon bei Charleroi dies Wunderbare wirklich machten. – Hausen ging in drei Heersäulen vor, alles übrige blieb noch stecken. 23. D. verspätete sich so sehr, d. h. war bei Rethel so zurückgeblieben, daß das Leipziger Korps zwei Tage lang allein kämpfte. Sofort hing sich ihm die 16. D. bei Vitry an und heischte Deckung, so daß General Laffert sich links ziehen mußte, statt sogleich mit 24. D. bei Mailly vorgehen zu dürfen. 32. D. schenkte Hausen sofort an Bülow, was allerdings nötig schien, um den gefährlichsten Gegner Eydoux zu beseitigen. Um 5 Uhr nachmittags baten die Franzer Grenadiere um Entlastung, man entsprach dem zunächst artilleristisch. General d'Elsa ließ die schwere Artillerie 12. K. auffahren, man wurde bald inne, welche Gewalt dieser Waffe innewohnte. 21. franz. D. fing an zu wanken, indessen ist franz. Bericht nicht unbegründet, daß Eydoux Rechte in Richtung Sommesous die Garde überflügelte. Obschon Baumgarten nichts davon weiß, muß die bis Moronvillers vorgeprallte Spitze Eydoux schon früher die sächsische Vorhut bös beschossen haben, denn 12. Pioniere litten auffällig (256). Außer 9. Kav. D. schickte Foch auch Teile 52. D. vor, um den langen Geländestreifen von 20 km zu füllen, der ihn von Langle trennte. Wo die Enden Beider bei Sommesous zusammenstießen, empfand auch später noch die anmarschierende 45. Br. die Sicherheit des feindlichen Fernfeuers. Nichtsdestoweniger erkämpfte der rührige General d'Elsa rasch den Eintritt ins Gebiet südlich Chalons. Husaren und Ulanen maßen sich nicht ohne blutige Berührung erfolgreich mit der numerisch weit überlegenen 9. Kav. D., die auf Coole zurückging, 52. D. zur Reservestellung der 60. D. Baumgarten kommt es nur darauf an, möglichst viel Massen gegen die Sachsen vorzuspiegeln, doch focht zunächst nur Eydouxs Rechte gegen 32. D., deren I/II/102. abends die dort noch sehr schmale Somme (von hier in weitem Bogen über St. Quentin nach Westen laufend) durchwateten. Sie warfen den Feind vom Bahndamm nach Lenharée hinunter. General Planitz ging unerschrocken ans Werk, doch konnte die Garde nur wirksam entlasten, wenn er neue Kräfte heranbrachte. Auch hier also größte Unregelmäßigkeit des Vormarsches. Vorerst rangen am 6. nur Garde und drei Regimenter Emmichs nebst Planitzs Vorhut gegen fünf Divisionen Fochs. Am 7. brach Eydoux aus Lenharée vor, die Elisabether in Normée hatten es schwer, Major Bredow fiel. Daß heute schon 23. R. D. anlangte, ist wieder vordatiert. Bülow legte am 8. sofort darauf Beschlag, mit einer lumpigen Division gab er sich nicht zufrieden, heischte gleich die halbe 3. A. für sich! Dies unbefugte Hineinkommandieren, »Einladen« von Kollegen zu eigner Verfügung, sollte unbedingt untersagt sein, dürfte in keiner guten Hausordnung vorkommen, überhaupt »Selbsttätigkeit« Bülowscher und Kluckscher Art nie zugelassen werden. Doch die O. H. L. hinten in Luxemburg zur Bequemlichkeit des Kaisers ließ die Zügel am Boden schleifen, jedes Gespann ging nach Willkür durch. Wenn man Foch bald überwältigte, hob dies Bülows Angst vor Esperet auf? Jedenfalls sorgte er nur für eigenen Sieg und eigene Sicherheit, beschnitt eigensinnig Hausens wirkliche Aufgabe, zwischen Foch und Langle durchzubrechen, was ohnehin Fochs Stellung unterhöhlt und schlechtweg die Schlacht entschieden hätte. So wurden Kräfte im Fontelangriff verplempert, die man hochnötig zur Umgehung auf Coole brauchte. Hausen hätte sich weiterer Kraftentziehung widersetzen sollen, doch wie gewöhnlich bei derlei Konflikten, schloß er einen Kompromiß, überließ Bülow auch noch 12. R. K. und behielt sich selber nur seine Kerntruppe, 23. D., vor. Diese Zerreißung der 3. A. in drei Gruppen war durch Bülows Nichtvereinigung verursacht, wie denn Baumgarten von 7 Div. Bülows redet statt 8, womit er wohl Ausfallen der Hälfte Emmichs meint. Denn 7. K. und 10. R. K. hält er offenbar für vereint und bereichert uns dabei mit der Entdeckung, Emmich sei von Esternay auf Montmirail zurückgeworfen und Einem habe nachher rechts von den Reiterkorps gefochten, dagegen Hülsen gegen Foch!! Es scheint wirklich schwer, sich von Truppenaufstellung Rechenschaft zu geben, harmoniert dieser Unsinn doch mit dem eines andern »Historikers«, der Mecklenburger bei Gault sieht! Angesichts so haarsträubender Unkenntnis, die natürlich auch alle Klucksagen nachbetet, finden wir auch die Angaben für 3. A. nicht durchaus vertrauenswürdig. Er schweigt von den wichtigen Dingen, z. B. welche Teile zuerst in Vitry eindrangen und wann es aufgegeben wurde. Seine Liebe gilt nur dem 12. K., das 19. läßt ihn kalt, dessen stiefmütterlich behandelte Leistungen wir ins rechte Licht stellen. Es hatte sich bei Sommepy mit Tschepes Vorhut gekreuzt, der sich dann südöstlicher wandte, zwei Flußläufe (Saulx und Kanal) überwand und Vitry auf der Nordseite anfiel. Die Leipziger 24. D. war am 5. schon über den Suippebach hinaus. 107. und III/133. drückten die Mitte des franz. 17. K. aus der Vitrywaldung weg, worauf am 6. das 134. der 40. D. den Feind aus Vitry hinausstieß. Am 7. entbrannte aber ein furchtbarer Kampf um das rückwärtige Waldgebiet zwischen Sommepuis und Glannes. Während Bülows Linie sich zuerst auf 25 km verengt – neuer Beweis, daß er nur 4 ½ D. im Feuer hatte, da für mehr die Kampffront nicht Raum gab, erweiterte sich die Hausens auf 50 km , die er nicht ausreichend besetzen konnte, selbst wenn er all seine Schlachtkörper vereint zur Stelle gehabt hätte. Es war und blieb also ein Fehler, die Hälfte dicht bei Bülow anzuhäufen, nur 23. D. als Verbindungsglied zur Vitrygruppe, also am schwächsten, wo man am stärksten sein sollte. 23. R. A. trabte schon nachts vor, stellte sich östlich Sommesous bereit. Um am 8. diese R. D. westwärts eindrehen zu können, sammelte Hausen Teile von 100. R. bei Coole, dazu II/134., das erst am 7. von Chalons eintraf: Eine Beweisepisode dafür, daß überall Bataillone fechtender Regimenter noch weit zurück waren, warum also nicht auch ganze Regimenter wie nach unserer Lesung der V. L. 178., 179. und 181? Die Artillerie war vollzähliger, weil die armen Gäule sich vorwärtspeitschen ließen, wenn die Bedienungsmannschaften nicht mehr weiter konnten. Nie trat ein Heer in so ungenügender Verfassung in eine Feldschlacht ein, wie hier das deutsche, ausgepumpt durch stete Kämpfe und Märsche. So hoch stand aber die sittliche Spannkraft, daß grade Truppen, die am meisten litten und marschierten, am erfolgreichsten ihre Pflicht taten. Doch erfordert die Gerechtigkeit zu erwägen, daß die Franzosen sich durch aufreibenden Rückzug und Nachwirkung ständiger Niederlagen nicht in neuer Aufopferung behindern ließen. Nur French traute seinen zu Tode marschierten Leuten nichts zu, weil sie ja im Grunde die Sache weniger anging, noch war Altengland nicht bedroht. Eydoux ließ am 7. den alten Ruf gallischer Tapferkeit nicht zu Schanden werden. Er kränzte das Westufer der Somme mit rastlos rauchenden Feuerschlünden, der von 23. R. Art. versuchte Fernkampf endete natürlich erfolglos bei einem Minus von 4500 Schritt (7500:12 000), bei Planitzs Batterien und drei dort verbliebener Leipziger 19. F. A. desgleichen. Während die Gardegrenadiere jetzt Eydoux Linke fortwährend vor sich hertrieben, sah Planitz sich festgebannt durch Kraftansammlung zur Rechten. Doch kam Eydoux entschlossener Vorstoß vor Sommesous zum Stehen, ohne daß man sich dort beiderseits auf nachdrückliches Gefecht einließ. Bei 3 Batterien 32. Art. (anscheinend erst diese angelangt) fielen alle drei Batteriechefs, auch die der 19. Art. litten sehr. Doch für 8. früh trug Hausen dem Fußvolk auf, die lästigen Geschütze Eydoux mit dem Bajonett zu nehmen, so lange deren genaues Zielen in der Dämmerung ausgeschlossen. Eydoux hatte jetzt auch Teile der 60. D. bei sich, deren 374. sich abendlichen Vorstoß 60. und 80. Inf. anschloß. Doch 103. nebst 13. Jägern warf sich entgegen und schoß die Angreifer zusammen. Am 8. wollte Foch Offensive gegen den sächsischen Wetterwinkel, zog Teile 52. D. auf die Lenharéehöhen und verstärkte bei Coole durch Teile 60. D. Aber noch ehe er Eydoux auf Clamanges losließ, das die Franzer festhielten, stürmten 102., 103. und 177. die ganze 21. D. über den Haufen und durchbrachen die Artillerievorstellung, wobei 22 oder 32 Geschütze erorbert. Es kommt auf die Zahl nicht an, weil man wegen Pferdemangel nur 7 als Trophäen bergen konnte. 52. D. wurde aus Lenharée geworfen, das Waldgebiet südlich der Somme und die Höhenwellen bei Connantry im Flug durchmessen, am dortigen Kirchhof 15., 62., 162. und 316. zersprengt. Linien- und Reserveregimenter rissen einander in die Flucht mit fort. Unstreitig wirkte 4. G. Brig. dabei mit. Baumgarten läßt seine Sachsen immer alles allein tun. Aber Mitwirkung von 23. R. D. an diesem Tage denken wir skeptisch, besonders über Decken von Planitz' linker Flanke durch 100. R., denn nach unserer Lesung der V. L. verlor es Null, war vielleicht nur mit ein paar Kompagnien da, wohl Umstellung mit 103. R., dem einzigen Divisionsteil neben 12. R. Jg., der überhaupt ernstlich litt. Letztere Truppe drang bis Haussimont und Montreux vor, südlich der Straße Coole–Connantry–Champenoise, I/101. R. nahe bis Zum Lager Mailly, in Luftlinie schon weit südlich Vitry–Champenoise–Sezanne. Ein Schrecken ging vor diesem Häuflein her, offenbar wirkte schneidig mitfahrende Artillerie. Die 60. D. floh unter Zurücklassung vieler Gefangener, wie sie auch Eydoux einbüßte. Damit war die ominöse Lücke zwischen Foch und Langle aufgerissen, weiteres Vordringen mußte auch die Linke des 17. K. südlich der Römerstraße aufrollen. Die Schlacht war strategisch gewonnen. Keine noch so weit gedehnte Schlachtfront hält so starkem Zentrumsdurchbruch stand. Leider ist »23. R. D.« hier wieder nur ein leerer Begriff, höchstens ihre Hälfte war am entscheidenden Punkt zur Hand, und fast ganz südwestlich am Mauriennebach. Infolgedessen konnte die überraschte 9. Kav. D. sich wieder südöstlicher aufhalten. Nm diese Zeit hatten die Gardegrenadiere die 22. D. südlich Normée die Champenoise-Chaufsee hinabgejagt. Dumas wurde von 1. G. D. durch die Waldung westlich Normée auf Allemant zurückgerissen, Fochs Artillerie fuhr teilweise ab. Bülow hatte 2. G. D. dem kommandierenden General des R. K., Kirchbach, unterstellt, der auf Vereinbarung den Oberbefehl der ganzen Gruppe übernahm, entzog sie ihm aber jetzt; sie schwenkte am 9. (nicht 8.) gegen Champenoise ein, wohin 1. G. D. schon am 8. durchbrach. Hausen tadelte Kirchbach milde: » Kleine Schwenkung westlich schadet nicht«, weil dieser sich durchweg Bülows Ansichten unterwarf, als sei er nicht Hausens Untergebener. Statt auf Camp de Mailly loszumarschieren, wußte er nichts besseres zu tun, als bloß zu eigener Flankendeckung einige Bataillone und Batterien dorthin abzuzweigen. Er hätte die endlich aus 26 km Entfernung eintreffende 24. R. D. unverzüglich südöstlich in Marsch setzen sollen, statt dessen verplemperte er auch sie für Bülows maßlose Ansprüche. Auch hier bedeutet der Begriff Division, amtlich und halbamtlich stets oberflächlich angewendet, nur Teile. Immerhin irrt Unkunde, nur Hausen sei mit einer ganzen »Division« rückständig gewesen, während dies bei 1., 2. und 4. A. erst recht zutrifft. Während Fochs Rechte (4 Div.) ganz durch die Waldschluchten südwärts geschleudert, konnte Ankunft der bei Troyes ausgeladenen 18. D. sein Zentrum nicht schützen. Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Foch würdigte die Gefahr, versetzte sein Hauptquartier rückwärts ins Aubetal und rief 42. D. vom linken Flügel her nach Champenoise, zu deren Ablösung sich Esperets 20. D. dorthin zurückbiegen mußte. Fochs Weichen bei St. Prix und Mandemont hatte schon die 19. franz. D. verhindert, aus ihrem Einbruch bei Charleville in der Nacht zum 8. Früchte zu ziehen. 73., 74. und 78. Emmichs hämmerten lustig weiter nordwestlich Champenoise. Humberts Marokkaner berannten umsonst unter mühsamer Deckung der Allemanthöhen Schloß Mondemont, von II/164. am 9. früh in Besitz genommen, vom schwerverwundeten Hauptmann Purgold gegen drei Angriffe von Afrikanern und 77. Inf. gehalten. Die Franzosen machen daraus eine deutsche Brigade, schweren Kampf am 8. (Erinnerungsfeier) und »glänzenden Erfolg« der Marokkaner als Wiedereroberer, die »endgültig« alles deutsche Vordringen aufhielten. So ließ sich General Dubois des 9. K. vernehmen, obschon er am besten wußte, daß er grade Champenoise verlor, den wahren Ankerpunkt von Fochs Linie. Nichtsdestoweniger fabelte nicht nur Poincaré von »diesem historischen Hügel als Schlüssel zum Marnesieg«, sondern Foch bestätigte die Fabel, daß die Schlacht sich um diese Achse drehte, als ob er dann die 42. D. von dort weggerufen hätte! Freilich war Mondemonts Verlust der Schlußstrich unter Bülows Siegessumme, doch tolle Übertreibung, daß dies die »bewegteste und dramatischste Episode der Schlacht« gewesen sei. So phantasiert selbst der nüchterne Foch sich ein Schlachtbild zurecht, wie es ihm paßt; der Franzose kann Übertreiben oder Erfinden nicht lassen. Andererseits wissen wir aber aus den Napoleonischen Kriegen, daß die Meinung, französische Kriegshistorie lüge gradezu, selten zutrifft, die deutsche Darstellung läßt sich daher vielleicht doch damit insofern zusammenreimen, als nach anderer Angabe das Schloß schon am 7. abends in deutscher Hand war und wirklich am 8. zurückerobert wurde, worauf es dann wieder unbestritten die deutsche Fahne trug. Die Franzosen lügen also nicht ganz, verschweigen aber das Wesentlichste. Emmich konnte Mandemont erst sichern durch gleichzeitige Wegnahme des Mont d'Aout. Dies geschah jetzt durch neuen Vorstoß der Niedersachsen. Bisher zu kurz gekommen, wollten die Hameler es diesmal durch besondere Tatkraft wettmachen. Jede auch nur vorübergehende Eroberung des Schlosses am 9. und 10. durch die Kabylen ist ebenso Schwindel wie die »3000« Leichen im Schloßhof, dann waren es sicher nicht deutsche Leichen! Die Garde aber ging unaufhaltsam auf Champenoise vor, das franz. 9. K. beiseite schiebend. Die 18. D. will Foch ursprünglich in Richtung Sommesous haben, ein absichtlich irreführender Ausdruck, da er höchstens Normée sagen durfte. Auf halbem Wege dorthin hatte sich schon ein Vorderregiment am 8. abends der Garde entgegengestellt, damals entspann sich noch ein zähes Gefecht mit Dumas längs der Landstraße, wo 1. G. D. sich aus Norden Champenoise näherte. Sollte man für möglich halten, daß deutsche Täuschungsversuche zu amtlichen Zwecken den Ort schon am 8. fallen lassen, während dessen Einnahme ausdrücklich auf 10 ½ Uhr vormittags angesetzt wird, d. h. natürlich am 9. Auch Planitz kam am 8. abends nicht sehr weit vor, hielt nur die Höhen nördlich Euvy. Grund genug für Bülow, um frische Verstärkung zu heischen. Hausen gewährte ihm, daß 24. R. D. neben 2. G. D. auf Gourgazon vorgehe. Nur 23. R. D. bestimmte er zu fortgefochtenem Südstoß, wenig genug von ihr war da, dafür aber bei ihr die schwere 1. und 3. Fußart. des R. K. teilweise eingetroffen. Sie besetzte Höhen südlich Mailly, zog am 9. früh eine Mörserbatterie auf eine südöstliche, um weiter nach Trouan Bresche zu schießen, bis wohin man die französische Reitermasse vertrieb, weit südöstlich. Die übrigen R. Batl. kamen bis Herbisse südlich der Salonemulde, in welche 12. R. Jg. Trümmerreste der Div. Choquet hineinjagten. Diese befand sich in heller Feldflucht und ließ alle Hügelgehölze leer, sonst wäre unglaublich, was alles die 23. R. D. seit der Morgenfrühe leistete. Angeblich nahm Eydoux in verzweifeltem Gegenstoß die Höhen nördlich Euvy zurück, doch die Vorhut 24. R. D. nahm in raschem Anlauf Dorf und Höhen wieder. Das ganze R. K. staffelte sich ganz westlich statt östlich, wenn es nach Hausens Sinn gegangen wäre. Bülow befahl aber allgemeine Schwenkung nach Westen, um seine »bedrohte« Rechte zu entlasten. Wie dachte er sich das, wenn angeblich Montmirail schon in Esperets Hände gefallen wäre? Jawohl, deshalb muß er natürlich auch am Ostflügel vordatieren und Ereignisse des 9. auf den 8. verlegen. Man begriffe nichts mehr, wenn man ihm Glauben schenkte. Er betrieb doch offenbar noch ganz offensive Maßregeln, oder ließ sie wenigstens zu. 24. R. D. (was von ihr da war) lehnte ihre Rechte an einen Windmühlenhügel südöstlich Euvy und ging vom Fleck aus, am Gurgazon vorbei, gegen südöstliche Höhen, um ihre Artillerie dort aufzupflanzen. Planitz stürmte das Südgelände des Mauriennebaches bis Samoin. Die Garde schwenkte nach Wegnahme von Champenoise durch I/2. und 1. Alexander als Spitze beider Divisionen ganz westlich auf Connantre und nahm auch diesen Ort. Sieh da, das kann doch nur am 10. geschehen sein, denn Champenoise war erst in der Nacht zum 10. endgültig in Händen der Garde. Nach atemraubend raschem Quermarsch von 24 km , den Foch mit Recht rühmt, ersetzte nämlich der später bei Ypern berühmt gewordene General Grosseti mittags die abgekämpfte 18. D. mit der 42. und griff angeblich die Garde sogleich an. Sie konnte nicht aus Champenoise herauskommen, das sie erst nach zweimaliger starker Bemühung der 1. und 2. G. Art. hatte der 18. D. entreißen können. Grosseti tat sein Möglichstes, doch mußte unter schwersten Verlusten von seinem Beginnen absehen. Als er auf Counantre abging, hatte seine Division keinen Stabsoffizier mehr. Es ist echtfranzösische Legende, daß die 42. D. den Tag rettete und »Niederlage in Sieg (!) verwandelte«. Laut Civrieux wäre überhaupt Legende, daß sie »sich im richtigen Augenblick auf die Flanke der deutschen Massen stürzte«, wie der gallische Galimathias lautet. Vielmehr sei sie völlig erschöpft bei Pleurs ins Biwak gegangen, ohne kämpfen zu können. Indessen scheint sicher, daß sie irgendwo einen opfervollen Sturm wagte, und wo konnte dies anders sein, als bei Champenoise, da doch ihr berühmter Abmarsch dorthin feststeht? Poincaré gab zu: »Noch ein Druck und die Bresche klaffte«, das 9. K. im Maraissumpf, im Rücken gefaßt, entscharte sich auf Linthes. Cannonge beteuert, daß sich »selten ein Heer in so kritischer Lage befand«, Civrieux kann nicht umhin beizupflichten, daß der Feind nahe daran war, Foch nach Westen auf Esperet zu drängen und bis zur Aube durchzustoßen. Fochs völlige Niederlage wird nicht bestritten, seine Schlachthaufen strömten in wilder Flucht von Mont d'Aout herab, seine Batterien mußten sich dreiseitigem Schrapnellfeuer in beschleunigter Gangart entziehen. Es ereignete sich aber jetzt das Eigentümliche, daß eine Reservedivision, die sich bei Sedan wenig rühmlich betrug und von der schon Teile neben Eydoux geschlagen waren, jede Aktivtruppe ausstach durch hingebende Aufopferung. 52. D., wieder gesammelt, wurde von Foch vom rechten, wie 42. vom linken Flügel, gegen Champenoise vorgezogen, wo er trotz so arger Niederlage seiner Rechten die Gefahr für noch dringender hielt, denn hier war seine Linie mitten durchsägt. Unter Blasen aller Hörner mit lautem Feldgeschrei und Marseillaisengesang warfen sich die braven Reservemänner abends auf die brennende Stadt. Die Bravour war so groß, daß dem 4. G. noch das bei Charleroi so schwer gelichtete Leibbataillon I/1. Hilfe bringen und die schwere G. Fußart. den Ort in Schutt und Asche schießen mußte. Westlich wirkte 78. mit und östlich beteiligten sich auch Planitz' 13. Jäger herzhaft an diesem Ringen. (Deshalb verlegten wohl einige naive Schriften »die Sachsen« nach Champenoise. Stegemann stellt das ganze 12. K. nach dieser Richtung, auch Birchers Einteilung der sächsischen Schlachtreihe ist unangemessen voll Unstimmigkeiten). Zweimal wogte der Ortskampf unter Flammen und Ruinen hin und her, dann verschlang die Nacht mit wohltätigem Dunkel die Trümmer der abflutenden braven Division. Man konnte nicht tapferer sein, doch Fochs Niederlage war so vollständig, wie sie nur sein konnte. Dreimalige wütende Stürme der Kabylen, unterstützt durch zwei Chasseurbataillone Dumas, fochten die heldenmütige Besatzung von Mondemont nicht an, obschon 6. Batterie der 49. Art. auf 500 Schritt die Seitengräben im Park beschoß und man zuletzt das schöne Schloß in Asche legte. Erstürmung um 7 Uhr abends ist glatt erfunden, dagegen ominös, daß erst spät abends Räumungsbefehl kam, während man natürlich diesen vorgeschobenen Posten am frühsten geräumt hätte, wenn Bülow schon am 9. allgemeinen Rückzug beschloß. Um diese Zeit sahen die deutschen Sieger noch am Mont d'Aout die französischen Haufen in wilder Flucht sich abwälzen, ihre Artillerie fuhr im Galopp ab, um nicht genommen zu werden, während Batterien des Art. Rgt. Scharnhorst noch unverzagt bei Oyes die Mandemontgegend bestrichen. Als es ihm schon sehr schlecht ging, drahtete Foch an Joffre: »Lage vorzüglich«. Jetzt aber war seine Lage verzweifelt. Sein Hauptquartier Pleurs hatte er mit Arcis sur Aube vertauscht. Flüchtlinge von 11. K. und 60. D. füllten das Aubetal. Die fortwährende Umgehung durch 23. R. D. beschleunigte die Flucht über Höhen und Wälder, die Garde stieß 9. K., 42. und 52. D. vor sich her aus Connantre. Hätten doch Bülow und Kluck Fochs sanguinische gallische Ader besessen! Wohl hat es etwas Komisches, daß die französische Fama ihn, den am ärgsten Geschlagenen, als Helden des Tages pries. Und er täuschte sich nicht, der bon Dieu de France werde das Kind schon schaukeln. Denn da geschah das Wunderbare. »Mit dumpfem Staunen und bitterem Schmerz« hörten die Sieger den Rückzugsbefehl, den sie anfangs auslachen wollten, bei den Besiegten kam es »allen unerwartet«. Nachdem man 10 km in der Tiefe verlor, stellenweise noch mehr, sah man mit unaussprechlichem Staunen rückgängige deutsche Bewegung zunächst bei Mondemont. Dort imponierte 164. so, daß Poincaré in Festrede es für »Garde« hält, es klingt so besser. Ohnmächtig in der Umgegend verschnaufend, fand man am 10. vorm. die Schloßruine geräumt, ein Generalstäbler sah von der Höhe bei Linthes durchs Fernglas, wie jenseits die Hannoveraner in bester Ordnung abrückten. Warum? Allgemeine Verblüffung! »Zu unserer größten Überraschung waren die Deutschen nicht mehr da«, das ist gesprochen am 10 . und ebenso überzeugend, wie Maunourys offizielle Angabe für Klucks Abzug am 10. Also sind alle deutschen Angaben, die beide Vorfälle auf 9. vordatieren, nachweislich falsch. Woraus denn aber weiter folgt, daß auch alle französischen Angaben über Einnahme Montmirails am 8., Château Thierrys am 9. und Vauchamps am 9. erstunken und erlogen sind. Bei solcher Bewandtnis hätte Bülow mindestens eine Nachhut opfern müssen, behielt aber völlig freien Abzug. Es ist nicht ohne symptomatischen Wert, daß auch französische Berichterstatter so nebelhafte Vorstellungen von Truppenverteilung in den eigenen Reihen haben wie deutsche Autoren sowohl von deutschen wie von französischen Standorten. (Wie Stegemann bei Charleroi beständig 3. und 1. franz. K. verwechselt, so hier 11. und 9.). Eine französische Fabel läßt nämlich auch 42. D. ihren Bretagner Bauernstolz zusammennehmen und Mondemont stürmen. Die Deutschen »wichen aus dem Schloßpark«. Spaß! Wenn sie von zwei Elitedivisionen berannt wurden, wozu noch 5 Bataillone Dumas (77. Inf., 16. und 19. Ch.) gestoßen sein sollen! Nur können leider die Bretagner nicht gleichzeitig an zwei Punkten gefochten haben, denn sie waren vor Champenoise, wie Foch selbst bezeugt. Die südlich St. Prix an ihre Stelle tretende 19., 20. und 51. D. Esperets hingen kümmerlich zurück, ihr angeblich glücklicher Flankenstoß verlief im Sande. Wie sinnlos Bülow die Dinge verwirrt: Hülsen sei auf Le Theult zurückgewichen; dieser Ort liegt aber noch südlich des Petit Morin! Es ist völlig klar, daß der Rückzug Emmichs und Hülsens, für den Bülow allein verantwortlich, durch keinen höheren Befehl dazu ermächtigt, erst am 10. nachmittags wirklich im Gange war. Der Gegner konnte vor Erschöpfung nicht verfolgen. Man erzählt phantastisch, daß die Verteidiger von Mondemont sich nicht ergeben wollten und nichts den »Bajonetten« entrann! Nein, wenn Leichen über Leichen die Umgegend bedeckten, so sah man dreist Franzosen für Deutsche an! Bajonette blitzten hier überhaupt nicht, nur Schüsse. Bei dem von Bülow zurechtgepinselten Bild berührt er natürlich nie die Frage, warum sein teils überstürzter, teils verlangsamter Vormarsch seine Kräfte zersplitterte. Empören aber muß es, daß er den Sieg seiner Linken absichtlich verkleinert. Am 8. »war entscheidender Erfolg noch nicht erzielt«, den Angriff am 9. »mit aller Kraft« will er nur angeordnet haben, um gleichzeitig den Rückzug einzuleiten. Auch hier lauter Widersprüche. Die Sage von Rückwärtsstaffelung 7. K. gewinnt bei ihm die sonderbare Aufklärung, »14. D.« sei in einer Lücke zwischen Garde und Emmich »eingesetzt« worden. Täuschender Ausdruck, soll heißen »eingeschoben«, denn niemand hörte je von Einsatz dieser Division in die Feuerlinie. Bei passiver Lückenfüllung handelt es sich einfach um die Jochesgruppe von 4 Bataillonen, die höchstens auf dem Rückzug mitwirkte. Wäre 14. D. vorhanden gewesen, so wäre frevelhaft, daß sie nicht sogleich der 25. Brig. bei Montmirail zu Hilfe kam, was den allgemeinen Stand der Dinge sehr verändert hätte. Dann hatte also Bülow, was er angeblich entbehrte, eine ausreichende Reserve für seine Rechte? Eben nicht . Doch das Einzige, was seinen hassenswerten Rückzug halbwegs entschuldigt, darf er ja nicht verraten: das Fehlen ganzer Divisionen. Darin taten es ihm freilich die andern Armeechefs gleich, die alle außer dem Kronprinzen an gleichen Gebrechen litten. Eher als daß sie die bruchstückartige Verwendung ihrer Kräfte durch schlechte Marschberechnung eingestehen, versündigen sie sich an den unvergleichlichen Truppen. Hätten wirklich 7., 10. K. und 10. R. K. vollzählig zwischen Montmirail und Mandemont gekämpft, so wären sie spielend mit Fochs linkem Flügel fertig geworden, das wirklich eingetretene Ereignis wäre umgekehrt für sie wenig ehrenvoll, die gleichen Truppen, die unter viel ungünstigeren Umständen gegen noch ungeschlagene große Übermacht bei Charleroi so Großes vermochten. So wird aus ruhmvollem Heldenkampf gegen erdrückende Übermacht durch solch offiziöse Geschichtsklitterung eine keineswegs hervorragende Leistung. Den Franzosen kann es ja recht sein, wenn deutsche Generäle gewissenlos aus selbstischen Gründen ihnen in die Hände arbeiten, die Wahrheit zu entstellen. Was der unparteiische Forscher dabei empfindet, läßt sich mit parlamentarischen Ausdrücken nicht vertreten. Was wirklich am 9. vorfiel, sah nur erfreulich aus. Was sich Foch als seinen Sturmflügel dachte, die Linke, lag schlaff am Boden, Esperet mußte sein 1. K. dorthin eindrehen, konnte also um so weniger nach Vauchamps vorrücken, als sein 1. K. damals noch Hülsens Bataillone in der Flanke gehabt hätte. Überhaupt waren Emmich und besonders Garde bis Connantre so weit vorgeprallt, wie es sehr unvernünftig gewesen wäre, wollte man dann gleich Rückzug antreten, der sich dann so doppelt verlängerte, ein sträfliches Unterfangen, wenn Esperet schon in Vauchamps und Château Thierry gestanden hätte! Daß schon »im Laufe des 8.« 24. R. D. eingriff, ist ein laienhafter Einfall. Truppen, die in unaufhörlichem Gewaltmarsch von Givet herkeuchten und noch unmittelbar vorher 26 km zurücklegten, kann man nicht sofort einsetzen. Bülow selbst sagt ja, daß er erst am 9. »mit aller Kraft« vorging. Natürlich war diese Division noch weniger vollzählig als 23. R. D., die schon allein zwei Bataillone in Reims zurückließ, aus V. L. und Gang der Handlung geht hervor, daß sie erst auf dem Rückzug genügend Kräfte beisammen hatte. Hier kommen nun wieder Selbstwidersprüche. Also am 9. nachmittags stand der Rückzugsentschluß fest, aber die Garde begann schon um 1, Emmich und »14. D.« um 2 Uhr nachmittag den Abmarsch? Wenn ein Entschluß sich nachmittags verdichtet, kann er nicht schon nach Mittag in Ausführung sein! Jeder, der eine Ahnung von Truppenbewegungen hat, und gar unter Loslösung vom Feinde, wird lachen. Erstens ist die Vordatierung nachweislich erdichtet, denn Mondemont, welches verrammelte und verschartete Bollwerk man wohl schwerlich mehr zu verteidigen brauchte, weil der Feind abgezogen wäre, wurde erst am 10. vorm. geräumt. Zweitens stimmt die Vordatierung nicht mal zu Fochs eigener Angabe, daß er in der Nacht zum 11. in Champenoise einzog, wo man noch am andern Morgen Nachzügler der Garde aufgriff. Es ist blanker Unsinn, daß die gar nicht bedrohte Garde früher abzog als Emmich. Natürlich war überhaupt kein Rückzug geboten, längs der schrägen Linie Mondemont–Montepreux, gleichsam ein strategisches Leuthen, wobei Versagen eines Flügels nur günstig wirkt. Es war gleichgültig, ob die taktisch ungebrochene Rechte bis zur nördlichen Marne wich, da hatte man die genügende Hakenflanke, besonders wenn Kluck am 9. und 10. siegte. Bei dieser Lage war kein Vordringen Esperets gefährlich. Wäre Napoleon bei Wagram ein Bülow gewesen, so hätte er nach wirklicher taktischer Aufrollung seiner Linken die Schlacht verloren, statt sie zu gewinnen. Er bildete ruhig eine Hakenflanke, ließ die Österreicher nachrennen, und vollendete seinen Erfolg an entscheidender Stelle. Hier zeigt sich so recht der Unterschied des genialen vom subalternem Kopf. Letzterem fehlt natürlich auch das Selbstgefühl des Genialen, er weiß innerlich, daß er unter allen Generalstressen nur Hans Schnok der Schreiner ist, kein böser Leu fürwahr. Was versteht er denn von Kriegskunst als Manöverspäße? Man muß lächeln, wenn man die strategische Weisheit hört, womit Bülow Moltke belehrte: die Armee werde sonst aufgerollt. Ein paar Pedantenbegriffe sind der Vorrat solches mittelmäßigen Gehirns. Selbst wenn Kluck eine Niederlage drohte, wovon er weit entfernt war, so lassen sich deutsche Truppen nicht ohne weiteres »aufrollen«. Traurig genug, daß deutsche Generäle so wenig vom Wert ihrer Mannschaften wissen, da ihr Kastendünkel sich nie mit den »Gemeinen« gemein macht. Erheiternd aber berührt, daß solche Mittelmäßige wie Bülow und Kluck bei allen naiven Laien gläubiges Gehör und Lobredner finden, weil die Offiziere natürlich nicht Wort haben wollen, welche Esel Vorgesetzte sind, da sie doch selber ähnliche »Vorgesetzte« werden möchten. Nie war ein Sieg taktisch vollständiger und strategisch entscheidender, als der Bülows, d. h. seiner herrlichen Truppen und der ebenbürtigen Sachsen. Foch war gänzlich erledigt. (Wieder Unkenntnis Baumgartens, daß Foch die 42. D. noch als frische Reserve hatte; sie war am 6. und 7. bei St. Prix völlig geschlagen und brannte nun bei Champenoise zur Schlacke aus.) Dies leugnet Bülow nicht einmal, denn plötzlich gibt er zu, der »Feind war überall geworfen«; es sei der »überall« siegreichen 2. A. (auch bei Montmirail?) schwer angekommen, zurückgehen zu müssen. (Kein Muß lag vor.) Wie entspricht es aber der geflissentlichen Vordatierung, daß Hausen erst am 10. abends Depesche erhielt: »Feind marschiert gegen Front und vor allem Rechte 2. A.«, der unmutig antwortete: »Bitte rechte Flanke 3. A. nicht entblößen«. Bis dahin war also Hausens Flanke noch nicht entblößt. Vorher benachrichtigte Bülow: »1. A. geht zurück,« ohne Motivierung mit Zusatz: »Rückzugsbefehl an Kirchbach ergangen.« Dazu hatte Bülow nach militärischer Etikette kein Recht; er gebärdet« sich, als sei er schon Feldmarschall. Hausen durfte sich diesen Dank für kameradschaftliche Gutmütigkeit verbitten, Bülow stellte sich an, als gehöre Kirchbach zu seinem eigenen Befehlskreis. Dieser empfindliche Über- und Eingriff in Hausens Rechte stellte ihn vor geschaffene Lage, ohne sich um Hausens eigene Entschlüsse zu kümmern. Kirchbach meldete zugleich, er trete ½ 5Uhr nachm. den Rückzug an mit »linkem Flügel«. Dort war allerdings das weite Vorschieben der 23. R. D. auf Sieg, nicht Abbrechen berechnet. Unwillig über Bülows Preisgabe solcher Erfolge, ging sie erst bei Nacht zurück; dagegen marschierte gerade Kirchbachs rechter Flügel früher ab, Planitz bis angeblich nördlich Normée, 24. R. D. gar bis Tracon weit nordwestlich Clamanges. So behauptet Tagebuch der 3. A., auch 23. R. D. sei nachher weit nördlich über Vatry zurückgegangen. Allein, 12. R. Jäger blieben bei Sommesous, ist es denkbar, daß die Sachsen so schnell und weit davonrannten und zwar auf Bülows Geheiß, der dann seine Garde in der Flanke entblößt hätte? Man bemesse die Entfernungen mit dem Zirkel: so schneller Abzug marschmüder und im Kampf verbissener Truppen übersteigt menschliche Leistungsfähigkeit. Selbstredend verwickelt sich Bülow in neue Widersprüche wie jeder, der die Unwahrheit sagt. Französische Berichte wissen absolut nichts von deutschem Abzug am 9. nachm.; Champenoises Räumung bemerkte man sehr spät, Bülow schweigt von Rückzugsgefechten am 9. und 10., als habe der Feind ihn ganz aus den Klauen gelassen und überhaupt nicht zu folgen gewagt. Er beansprucht wohl ein Lob für diesen prächtigen Rückzug, ein Echo von Klucks klassischem Selbstlob: »Die Armee war gerettet«. Ja freilich, die 2. A. war davor gerettet, einen entscheidenden Sieg davongetragen zu haben! Es heißt aber Foch und Esperet viel zumuten, daß sie überhaupt nicht nach Nordosten verfolgt hätten, das ist auch unwahr. Allerdings waren Fochs Linke und Mitte derart entkräftet, daß sie liegen blieben. Wie man unumwunden zugibt, stand Foch am 10. früh noch zwischen Salon und Connantry, überall überschritten die Deutschen den Mauriennebach; ein Gegenstoß von 18. und 42. D. um 4 Uhr nachm. ging spurlos vorüber. Der leidlich zuverlässige Dauzet erklärt, daß die Wegnahme der Hochfläche zwischen Aube und Morin einer Zerspaltung der ganzen Schlachtordnung Joffres gleichkam. Wir sehen keinen Anlaß, dies französische Urteil fallen zu lassen. Kothe zweifelt, ob die Sachsen wirklich bis Salon 5 km südlich Connantry vordrangen. Nun, die Zerrüttung auf Fochs rechtem Flügel, wo alles drüber und drunter ging, gestattete ein paar Bataillonen der 23. R. D. ein fast kampfloses Marschieren fast in Fochs Rücken. Man mag sich denken, mit welchen Gefühlen die Deutschen angesichts ihres völligen Sieges zurückwanderten. Kirchbach machte es aber nicht so schlimm, wie man ihm zuschiebt, das zeigen die Standorte. Nach 3 Uhr nachm. lag seine Nachhut in Connantry, man ging also nur bis Euvy zurück, Planitz' Nachhut unter General Wilhelm blieb in Lenharée, 2. G. D. zog in gleichem ruhigen Tempo ab, das zeigt Befehl an General Plettenberg von 10 Uhr nachts: »Linker Flügel Gardekorps« solle am 11. abgehen in Richtung Marne. Das ist ein dehnbarer Begriff; jedenfalls stand die 4. G. Brig. noch am 12. südlich der Marne bei Avice. Foch machte sich am 11. früh auf und sandte einige gesammelte Teile von 18., 22. und 60. D. von Connantry vor. Sie ereilten Kirchbachs Nachhut (107. R. und 13. R. J.) nördlich Ecurie und bei Pierre Morains (133. R.), also noch am Petit Morin, und sollen sieben wütende Stürme ausgeführt haben. Das Nachtgefecht endete sehr zugunsten Kirchbachs. Vier erst jetzt bei Tracon angelangte R. Bataillone stürmten herbei, der Feind wurde überrannt, um 11 Uhr nachts von Clamanges nordwärts abgerückt, nachdem glatte Loslösung ermöglicht war. Kirchbach hatte abends gemeldet, er werde durch eine Kolonne von Bergères her umgangen; es war aber leerer Alarm. Hülsens Nachhut und 73er hielten noch am 10. Champaubert, hatten wohl erst am 11. Gefecht bei Vauchamps. Esperets Nachdrängen ist also leeres Hirngespinst. Am 12. zeigte sich wieder sein Vortrab, doch Regiment Augusta schlug ihn bei Avice ab. Den V. L. entnehmen wir, daß Planitz' 103. noch am 13. bei Chalons stand. Man beherrschte noch ganz das Marnetal. Emmichs Stabsquartier war in Epernay, wo er wahrscheinlich seine fehlenden Bataillone vorfand. Vermutlich vereinte Einem an der Marne die anmarschierende 14. Division. Es hat keinen Zweck, auseinanderzusetzen, wie wir die hier sehr zerhackten verwickelten V. L. lesen, wenn wir glauben, daß von 39 Batl. Kirchbach und Planitz 17 erst am 14. und 16. ernstlich in die Gefahrzone traten. Planitz verlor 2600 (125 Art., 280 Jäger), 23. R. D. 670 (70 Art., 175 Jäger), 24. R. D. 930 (350 von III/104. R.). Bei Emmich liefert 78. Rgt. genaue Daten: 3. bis 6. am Morin, 9. Champenoise, 74. Rgt. anscheinend nur bis 8. (beide wohl je 600), 73. Montmirail und Vauchamps (415), 164. (670–10.) 10. P. (70), 10., 26. und 62. Art. etwa 200 (62. verlor bis 24. allein 15 Off.). Damit ist unsere Tabelle erschöpft; wir verschmähen die Sicherheit, mit der Bircher andere Teile anführt. 79. kam so wenig wie 79. R. über Reims hinaus; 77. verlor im ganzen Monat so wenig, daß es unmöglich am Morin mitgefochten haben kann; 91. und 92. waren wohl auch bei Beine, chronologisch kann sich ihre V. L. nur auf die spätere Reimser Schlacht beziehen. Wir wollen aber Bircher den Gefallen tun, 200 für etwaige Vorhutsbataillone zu rechnen, und schon das tut weh, weil es den V. L. widerspricht. Summa: 2800. – Die Garde, bei der Rückzug und Reimser Gefechte unterschieden werden müssen, verlor bis 12. rund 3500 (1. Div. 1675, 2. Div. 1850), am meisten Elisabeth und Augusta, I/III/1. und der Hauptteil Alexander blieben in Reserve. Summa der 2. A. inkl. 9. K. und Marrwitz 12 800, bloß Kampf gegen Foch von 2. und 3. A. 10 700. Fochs Verlust inkl. Gefangenen schätzen wir auf reichlich 20 000. »2. A. stellt langsam fortschreitenden Angriff ein,« das nennt Bülow langsames Fortschreiten, wenn die Garde bei Connantry und Kirchbach bei Salon stand! IV. Schlacht bei Vitry. Wir verließen das Leipziger Korps beim Vordrängen auf und über Vitry. Es dachte sich hier in stürmisch begeistertem Andrang die Sache leichter, als sie war. Das 17. K. setzte sich mörderlich zur Wehr; unaufhörlich prasselte Schrapnellhagel in den Waldkessel. Wer ohne statistische Grundlage arbeitet, ahnt nicht den wahren Brennpunkt der Sachsenkämpfe bei der 24. D., die sich dort am längsten hinzogen, wo sie am frühsten begannen. (Schon diese Zeitumstände beweisen das Fehlerhafte in Baumgartens amtlichem Verlustausweis; diese Amtlichkeit addierte anscheinend sehr liederlich.) Noch Bircher verbreitet die Sage von allgemeinem Rückzugsbefehl der O. H. L., die Sachsen hätten am 8. ihn schon erhalten. Sie erhielten nie dergleichen, fanden nur (siehe oben) üble Beeinflussung durch Bülow am 10. Seine grämlich verdrießliche Hoffnungslosigkeit lähmte Hausen, der ihm die Hälfte seines Heeres abtrat, auch auf der Ostseite bei 23., 24. und 40. D. Dieser stimmte durchaus nicht mit Bülows Schwäche überein und überzeugte den Unheilstifter Hentsch, als dieser bei ihm erschien, daß die 3. A. sehr günstig stehe, was den sauberen Herrn aber keineswegs in seinen Absichten beirrte. Allerdings mußte General Laffert, am 7. früh in festem Besitz von Vitry, sich vorerst auf größtes Geschützduell beschränken, wobei er den Kürzeren zog. Man konnte gegen Linie Courdemanges–Glannes nicht glatt vorgehen, das feindliche Feuer war zu mörderisch. Hausen wußte jetzt durch Radfahrpatrouillen und Luftaufklärer, daß sich feindliche Massen bei Brienne im Abtransport befanden. Er paßte sich daher nicht Bülows Eigenmächtigkeit an, der damals allen Ernstes vorschlug, die ganze 3. A. aus der Chalonsebene wegzuziehen und alles westwärts zu schieben, immer in selbstischer Angst um seine rechte Flanke am Morin. Weil er sein Heer so unvollkommen instradierte, sollte Hausen es ausbaden. Kam aber von Vitry später ein starker Feind, so konnte er zwischen 3. und 4. A. durchbrechen. Wahrscheinlich sollte letztere nach Bülows Meinung den Kampf bei Vitry übernehmen, Hausen belehrte sich aber bald, daß von ihr nichts zu erwarten sei. Jede anhaltende Südwestbewegung mußte Laffert in üble Lage bringen, da der Feind schon bis Sommepuis seine rechte Flanke zu überflügeln drohte. So nahm er Front nach Ost und Südost, insbesondere reckte sich 104. südöstlich. Dort sollte 23. D. anrücken; vorerst blieb Laffert allein mit drei Brigaden, denn von 40. D., noch meist zurück, kam nur 88. Brig. zu wirklichem Kampfe. Wie überall verwischt die deutsche Darstellung der Marneschlacht auch hier, wie unheitlich 3. A. ins Gefecht trat. Am 6. fochten schon erhebliche Teile der 1. und 2. A., als nur Vorhut 32. und acht Bataillone der 24. D. am Feinde waren; erst am 9. waren offiziell alle Divisionen da, doch viele Teile erreichten nicht das Schlachtfeld. Man vergesse aber nicht, daß die Entfernung von Reims bis Vitry viel größer war, als bis Petit Morin, daher Bülow natürlich früher auf den Feind stieß. Um so anerkennenswerter, daß gerade Lafferts Vorhut bei Vitry schon am 5. soweit voraus war. Verhältnismäßig brachte Hausen doch noch kompaktere Massen an den Feind als Bülow, zumal die Sachsen im August noch kein Drittel soviel verloren als Bülows vier verfügbaren Korps, ihrer Mitwirkung also besondere Bedeutung zukam. Es ist zwar irrig, daß die Sachsen bisher durch längere Märsche erschöpft waren als Bülows Scharen; das glich sich aus, wohl aber machte sich Bülow jetzt die Sache bequem, außer der Garde sputete sich nur Emmichs 19. Div. (Nur diese meldete nachher ihr Stabsquartier in Vauchamps; unsere Divination, daß 20. D. wesentlich nicht anlangte, gewinnt also neuen Beleg.) Hausens Vorhut und 19. K. waren allerdings schon am 3. in vollem Gange, 12. K. aber ruhte entschieden zu lange bei Rethel und alle verbrauchten daher mehr Marschkraft als 1., 2. und 4. A., um den Feind zu erreichen. Nicht fällt dies Hausen zur Last, der vielmehr jetzt das Äußerste an Pflichterfüllung tat, sondern der allgemeinen Liederlichkeit des völlig ungeregelten Vormarsches. Die Schuld dafür Moltke aufzubürden, ist unverständig; er verließ sich eben auf Bülow, wie sich Napoleon 1815 auf Grouchy verließ. Mit letzterem Marschall genießt Bülow eine gewisse ominöse Ähnlichkeit; denn man zeihte Grouchy irrig der Unfähigkeit, der nachher beim Rückzug bewies, daß Napoleon sich keineswegs in ihm irrte. Bülows Verdienste im August betonten wir genug. Doch wie Grouchy litt er an Eigensinn, hörte auf niemand, so verrannt in vorgefaßte Meinung, daß auch seine Rechtfertigungsschrift wunderbar derjenigen Grouchys gleicht, da auch er sich nicht scheute, mit falschen Zeitdaten seine Sache zu schützen. Wer weiß, ob nicht eines Tages ein Aktenforscher wie bei Grouchy enthüllt daß er absichtlich falsch zitierte! Dagegen darf man Hausen nicht vorwerfen, daß er nicht von Anfang an sich Bülows Bevormundung schon am 6. verbat. Dazu gehört ein unbeugsamer Wille gegenüber Bülows traditionellem Ansehen. Wenigstens leitete Hausen doch 23. D. in die rechte Bahn, die am 6. totmüde und verschwitzt nördlich Sommesons anlangte. Vor Zurückdrückung Eydoux' südlich am 8. früh war dort ihr Vormarsch nicht gesichert; von dort bis Sommepuis (nicht zu verwechseln mit Sommepy nördlich Chalons) ist noch eine weite Strecke. Wir halten daher angeblichen Gefechtseintritt der 23. D. schon am 7. für ausgeschlossen, außer vielleicht mit I/182. und drei Kompanien 100. laut V. L. Das konnte nicht Lafferts 104. erleichtern. Es lag Front südwärts gegen Grenoble Farm, während 106., 107. und 133. nach Südost feuerten. Die 89. Brig. war isoliert. Seit 8 Uhr morgens stockte der Angriff, die Leipziger Artillerie litt schwer. Glücklicher wirkte sie weiter links bei Huison, wo 134. und 139. einen Massenstoß abschlugen, der nordwestlich Courdenanges die rechte Flanke des 8. K. bedrohte. Die Rheinländer brachten dort den Sachsen keine Unterstützung, sondern bedurften ihrer selbst. Der Gefechtsstand der tapferen 24. D. war ungünstig, das Fußvolk fühlte sich unter beklemmender Artillerieeindeckung förmlich erlöst, wenn man den unsichtbaren Feind fassen konnte: wenn es die deutschen Linien reif zum Überennen hielt, bekam es dem 17. K. übel. Beim 104. gestaltete sich das Ringen in sengendem Sonnenbrand besonders furchtbar, der ungeheure Verlust des heldenmütig ausharrenden Regiments beweist klar, daß ihm am 7. noch keinerlei kameradschaftliche Entlastung kam. An einem Tage litt bisher kein Regiment ähnlich außer 37er bei Monthois, deren Verlustziffer wir für etwas überschätzt halten. Nordwestlich Sommepuis aus 5 km Entfernung schallte dieser Schußlärm zu General d'Elsa hinüber, der um 5 Uhr persönlich mit seiner Vorhut erschien und nordwestlich der Bahnstation die Haubitzen der 19. Fußartillerie auffahren ließ. Doch ungedämpft raste die feindliche Kanonade. Aus südwestlicher Waldung und Humbauville längs der alten Römerstraße schlug vernichtendes Kreuzfeuer aus großem und kleinem Gewehr entgegen. Am 8. entwickelte sich 23. D. südlich, man gewann Boden, besonders die tapferen Freiburger. Der bei Dinant kontusionierte d'Elsa blutete, doch leitete ruhig im Sattel weiter. Das 104. hielt standhaft aus, Laffert drang jenseits Vitry weiter vor trotz des rasenden Feuers. Wir wissen von Elsas Mitkämpfern, daß in seiner Feuerlinie häufig Ablösung erfolgte. Dies Ab- und Zustreuen erklärt vielleicht die geringe Einbuße der einzelnen Teile. Wir bleiben dabei, daß beim neuen Gewaltmarsch manche Bataillone unterwegs und bei Sommesous zurückblieben. So verminderte Gefechtskraft (es hätten sonst 14 Bataillone sein müssen inkl. 11. hessische Jäger) erschwerte Vorgehen durch die Gehölze südlich Sommepuis, trotzdem nistete man sich nach Abschlagen eines großen Angriffs doch noch am Südrand des großen Waldstücks ein. Bei höllischer Schwüle erfrischte eher hitziges Raufen im Baumschatten. 104. drang jetzt über Grenoble vor, 47. Brig. geriet aber wieder in Kreuzfeuer, dagegen gewann 48. Brig. viel Boden bis nahe Schlößchen Raould westlich Courdemanges. Ein Gegenstoß zerschellte, die Lage des 17. K. wurde bedenklich, besonders wenn durch 23. D. umfaßt und durch 23. R. D. ganz von Foch abgezwängt. In der Nacht zum 9. wollten 48. und 88. Brig. die verderbliche Artillerie bei Les Rivieres südlich Raould überfallen, doch der um Beihilfe ersuchte General Tschepe lehnte wie bei ihm üblich ab, da er selber südlich Huiron wenig ausrichtete. Die 47. Brig. ärgerte besonders Batterien an den Hügeln nordöstlich Certine Farm, zu deren Wegnahme das brave 104. sich gestern nachmittag entschloß, doch nur Bahnlinie Sommepuis–Vitry überschreiten und sich dort eingraben konnte. Während Schrapnells unablässig über deutschen Schützengräben platzten, fand die Leipziger Artillerie im Waldgebiet keine genügenden Stellungen für Versendung ihrer Granaten. Das 17. K. hielt sich vermöge seiner trefflichen Batterien, die vorzügliche Deckung wählten, mit rühmlicher Festigkeit, doch in Bedrängnis auf beiden Flügeln. Gab es früher nach, so blieb die Schlacht für Frankreich verloren trotz Bülows und Klucks unentschlossenem Kleinmut. Sehr zustatten kam den Südfranzosen, daß das 8. K. sich schwächlich verhielt und ihre rechte Flanke nicht erschüttern konnte. Die Sachsen hatten den Rheinländern nichts zu danken, durften sich nur auf sich verlassen, zum Dank, wofür die Fama sie benörgelte und die Rheinländer belobigte. So ist der Lauf der Welt. Dagegen kam die Linke des 17. K. südlich des Mauriennebachs ins Gleiten. Die Schlacht stand damals nach Westen großartig, 20 km über Fochs Anfangsstellung Talon–Sommesous hatte deutscher Wille den Sieg vorgetragen. Obwohl die wie rasend feuernden französischen Geschütze, darunter schwere Kaliber, bei Sommepuis nur kargen Raumgewinn zuließen, schwächte sich am 9. um 5 Uhr nachm. die Kanonade zusehends ab, als habe man allzuviel sein Pulver verschossen. 23. D. atmete auf, seit Sonnenaufgang lag sie unter schwerer Beschießung. Am 10. früh war nach erbittertem Feuerkampf das ganze Waldgebiet behauptet, weiteres Vorgehen aber unmöglich, wenn nicht das R. K. endlich ablösende Kräfte vorbrachte und zwingenden Einfluß übte. Das blieb aus; wir sahen, daß Kirchbach 24. R. D. bei Planitz anhängte, 23. R. D. aber ganz südwestlich operierte. Ihre schwere Artillerie hatte indessen am 9. eine anrückende Feindesmasse bei Trouan so eingeschüchtert, daß sie Halt machte. Es war die linke Flügeldivision des Epinalkorps, die aus Lothringen eintraf, bei Brienne ausgeladen. Am 10. griff es die 23. D. an, drang an einer Ecke bei 11. Jg. ein, wurde aber von 12. Jg. abgewiesen und dann durch westliche Überflügelung über Soudé geworfen. (Man nennt hier wieder 108. Schützenregiment, was wir bezweifeln). Um 3 Uhr nachm. vergrößerte sich der Kampf gegen Laffert durch neu auftretende afrikanische Infanterie. Langte betrachtete nämlich die 4. A. als so ungefährlich, daß er eine Kolonialdivision und eine andere entsandte und so mit »6 Divisionen« einen Rammstoß ansetzte. Dieser famose, überall gewichtig betonte Stoß hatte so geringe Wirkung, daß die Sachsen ihn kaum empfanden, auch nahm die linke Division des Epinalkorps daran nur spärlichen Anteil, da sie fortwährend durch ein paar Bataillone der 23. R. D. und stärkere Artillerie gefesselt wurde, 23. R. A. verschob sich nämlich jetzt neben die schwere Fußartillerie dorthin. Was Langles sechste Division betrifft, so soll sie vom 2. K. Gerard gewesen sein, was wir aber dem früheren Standort nach kaum glauben, da es eine beschämende Geringschätzung der 4. A. voraussetzt. Wahrscheinlich war es eine seit Mouzon äußerst geschwächte des 12. K. Von 5 Uhr nachm. nahm die Schlacht ab, die so günstig für Hausen stand, daß man sich anschickte, in der folgenden (nicht voraufgehenden) Nacht den Feind bei Sommepuis zu überfallen. Den verpuffenden »Rammstoß« bemerkte man sächsischerseits gar nicht als wesentliche Handlung. Vorstoß der 43. Epinaldivision von Les Efforts östlich Trouan fiel nach kurzem Waldeinbruch sehr schwächlich aus, und die vor Mörsern und Haubitzen ausweichende 13. D. blieb ehrfürchtig südlich des Mauriennebachs stehen. Langle sah seine Lage am 10. abends für sehr bedrohlich an, sie wäre bei energischem Vorgehen Herzog Albrechts ohnehin rettungslos gewesen. Da sah er am 11. den im Morgengrauen, nicht »bei Nacht«, unter plötzlich strömenden Regen angetretenen Rückzug der Sachsen vor sich die Waldebene leeren. Nach Kirchbachs Abzug ließ sich die schon nördlich in der Flanke überhöhte Linie der 23. D. nicht behaupten. Der oft in unsere Fußstapfen tretende, doch stets in Halbheit befangene Bircher (der beiläufig allen Ernstes schon am 9. Sommepuis verloren gehen läßt) nennt dort 101. und 108. als Nachhut, für beide liegt kein Ausweis vor, wohl aber fürs 104., das laut V. L. noch am 11. auf seinem Posten stehen blieb. Nicht am 9., sondern am 11. bewog das Epinalkorps die Nachhut zum Abzug. Wann 107. und 133. Vitry verließen, sagt uns kein Baumgarten, vor 11. mittags zog Langle in Vitry ein, wahrscheinlich überzeugt, sein »Rammstoß« habe gewirkt. Natürlich stellte sich überall vom Ourcq bis zu den Argonnen die alte Finte ein, übergroßer Verlust zwinge die Deutschen, vom Angriff abzustehen! Denn außer allenfalls bei Esperet ließ sich ja der wunderliche Rückzug nur durch irgendein Geheimnisvolles erklären. Ach, wir kennen dies dunkle Geheimnis! In der Mitte zuletzt eingedrückt, links umfaßt, rechts nach St. Dizier zurückhängend, wären die an Waldrändern und brennenden Gehöften sich so wacker wehrenden Südfranzosen schon am 8. weggequetscht worden, wenn die weit stärkere 4. A. rechtzeitig Langles Rechte aus den Angeln gehoben hätte. Dann hätte selbst Bülows Angsthaberei sich wohl oder übel zur Fortsetzung der Siegesschlacht verstehen müssen. Natürlich war verhängnisvoll, daß Moltke erst am 11. persönlich in Reims erschien, doch kein Unterführer klärte ihn auf, weder über die Unordnung des Vormarsches, noch über Entbrennen einer Hauptschlacht, was schon am 6. klar zu Tage lag. Lange wiegte er sich im Wahn, Joffre ziehe zur Seine ab. Man darf aber nicht sagen, daß er nicht durchschaut habe, wie günstig am 9. alles stand. Der Unglücksrabe Hentsch hatte Hausen am 9. halb überredet, so daß er Vorkehrung zum Rückzug traf, doch am 10. die Schlacht fortsetzte, aus welchem angeblichen Schwanken böswillige Kritik schloß, er habe wieder mal den Kopf verloren. Nichts weniger als das! Noch weniger erhielt er widerspruchsvolle Befehle Moltkes, wie die Sage raunt. Vielmehr klärte ein Funkspruch ½ 11 Uhr nachts Hausen über die wirkliche Auffassung der O. H. L. auf: »3. A. bleibt südlich Chalons, Angriff am 10. sobald wie möglich wieder aufzunehmen «. Darauf erhielt 19. K. Gegenbefehl, es solle in seiner Stellung verharren, was mit Jubel aufgenommen wurde. Bei Hausens Rückzugsanordnung vom 9. abends kam ihm natürlich nicht in den Sinn, daß Bülow, der doch wohl zwingenden Gründen folge, ohne jede Zustimmung Moltkes handele. Für Hausen wurde Hentschs Unheilgekrächz vom Siegesruf der begeisterten Truppen übertönt, jetzt überzeugte er sich, daß man an höchster Stelle ganz anders dachte als Bülow, wiederholter Befehl riß aus jedem Zweifel, was Moltke wünsche. Er hätte nur sofort auf Kirchbachs vorlaute Meldung ihm verbieten sollen, einen Schritt zu tun, ohne Genehmigung seines rechtmäßigen Vorgesetzten. Am 11. aber fiel er wieder aus den Wolken, als er nun wirklich von Moltke zu weiterem Rückzug aufgefordert wurde. Traurig schied er von seinem Siegesfeld, schmerzlich nahmen die Sachsen Abschied und durchwanderten 60 km, ehe sie die erste Ruhe fanden. Zweimal störte die Abgehetzten nicht etwa der Feind auf, sondern krankhafte Rückzugssucht Bülows und auch höchst unnötigerweise Herzog Albrechts, so daß man umsonst schanzte und weiter zurückkrebsen mußte. Das empört umsomehr, als der Feind nicht etwa alles zusammenraffte, wessen er zur Verfolgung habhaft werden konnte, sondern sich ganz untätig verhielt, sterbensfroh und erstaunt über die eigene Rettung. Nur 21. K. holte sich blutigen Kopf, als es am 13. zaghaft vortastete. Wo ? Bei Chalons. Denn dort standen laut V. L. noch am 13. das 107. und 134., grade so, wie eine Nachhut von Planitz. Nur 106. ging vorzeitig bis Perthes zurück, 104. und 133. fochten noch am 11. und 23. R. A. verzeichnet noch für 11. »bei Vitry«. Den Abzug der 23. D. auf Sommesous hat man sicher falsch vordatiert. Rückte sie schon am 9. abends ab, was half dann der Widerruf des Abendbefehls? Man wird sie durch Adjutanten angehalten und zu ihrer Nachhut zurückgeleitet haben. Sonst wäre undenkbar, daß Langle nicht die offene Lücke benutzt hätte. Indem wir Verlusttableau anschließen, wird doch wohl offenkundig, daß die Leipziger es am schwersten hatten und daß die viel später fechtende 23. weniger verlor, als 32. D. Sehen wir nach, so waren kontrollierbare Einzelverluste bei 12. Jg. (50). 11. Jg. (100), 12. Art. (50) und I/182. (25!) äußerst gering. 108. verlor den ganzen Monat sehr wenig, 101. am 10. nur 220, Denn 285 von 108., 210 von 102. und 40 der 48. Art. am 1. und 2. verrechneten wir noch für August. 3 Kompagnien 100. verloren 200. Andererseits dürfte 100. nicht später bloß bei Auberive so gelitten haben, wie wir es eigentlich der betreffenden Liste entnehmen müßten, und II/III/182. litten bestimmt erheblich. Also inkl. Pioniere und mit Zuhilfenahme späterer Listen 1600. Somit 12. K. inkl. 155 Kav. sowie 60 Art. bei Reims rund 4400. Beim 12. R. K. zählt Baumgartens Liste offenbar den Verlust der 23. R. D. auf dem Wege nach Reims mit, der unverhältnismäßig viel Mannschaft auf wenig Offiziere betrug. Das Mißverhältnis der von Baumgarten gespendeten Liste, wo Verlust 12. K. an oberster Stelle prangt, zum wirklichen Kampfverlust wird umso schreiender, als schon allein der enorme Artillerieverlust 19. K. nahelegt, hier einen gründlichen Umtausch vorzunehmen und den Platzwechsel an erster Stelle für 40. D. zu vollziehen. Artillerie und 104. verloren allein fast so viel als die amtliche Angabe fürs ganze Leipziger Korps. Der Unfug wird nur dadurch verständlich, daß man 104. im Verband d'Elsas mitrechnete. Und dabei nehmen wir noch an, daß 179., 181. fast gar nicht da war, 19. Art. nur mit 3 Batterien. Auch hier verstärkt sich der Verdacht, daß außer II/133. noch 3 Batl. vom 134. und 139. fehlten. Wir beruhigen uns damit, daß 40. D. etwa 3000 (180 Art.), 24. nur 1850 (250 Art.) einbüßte, Summa 4850 (430 Art.). 78. Art. verlor 8 Off., 104. Inf. vom 7.–11. volle 1700. In der Marneschlacht steht dieser Verlust erst recht einzig da. Am Schweigen der Autoren über diesen Sonderfall erkennt man ihre – Genauigkeit! So werden die größten Heldentaten übergangen, auf gleichgültige oder fragwürdige Leistungen wie die am Ourcq sinnloses Lob gehäuft. Wer die Karte jener Waldkämpfe studiert, begreift, daß die Gewalt und Furchtbarkeit sich gegen jenes lückenfüllendes Flügelregiment 104 entlud, die viel weiter zurückliegenden Schützenlinien d'Elsas nicht entfernt so litten. Die Sachsen schlugen sich prachtvoll, das lange Ausharren Lafferts ermöglichte ein Verschanzen der neuen Schlachtlinie Moronvillers–Souain und Vorbereitung auf neue Schlacht. Erst in der neuen Linie waren nun die fehlenden Truppenkörper gegenwärtig. V. Schlacht am Marnekanal. Es läßt sich nicht ausdenken, was geschehen wäre, wenn die 4. A. mit der 3. gewetteifert hätte. Man müßte über sie den Stab brechen, wenn wir nicht ergründet hätten, daß sie kaum die Hälfte ihrer Kräfte heran hatte. Bei Vitry wurden die Rheinländer fälschlich in den Vordergrund gestellt. Brig. Reuß der 16. D. sah sich aber nach anfänglichem Eindringen in Vitry, so unsanft abgeschüttelt, daß sogar Kürassiere eine abziehende Kompagnie 29er verfolgten. Zum mehrfach gepflegten Sport, das 8. K. in der Marneschlacht herauszustreichen, ermächtigen weder V. L., noch Tatsachen. Es konnte zwar den Feind am Kanal zunächst wegdrücken, blieb aber nordöstlich Vitry erfolglos bei Glannes, nachdem die Sachsen als Hauptkämpfer, nicht Handlanger, die Stadt eroberten und jenseits anliefen. Nachher in der Hauptschlacht bei Souain brüderlich an Seite der Sachsen ringend, bereiteten sich die Rheinländer mit hervorragendem Schneid auf ihren späteren Frühlingsruhm vor, hier aber hatten sie keine glücklichen Tage, auch nicht 8. R. K. Sie können den Sachsen ihr Verdienst gönnen und bedürfen keiner Vorschußlorbeeren. 15. D. meldete sich erst am 8. zur Stelle und bot sich am 9. an, die linke Flanke der Sachsen zu decken, nur ihr gleich zu Anfang in der Champagne vorgehendes 160. (siehe früher) focht aber wirklich. Als 16. D. aufs östliche Kanalufer übertrat, wobei 8. P. ziemlich litten, schwenkte das franz. 17. K. gewandt nach Nordosten herum und begegnete dem Angriff bei Huiron. Hier setzte sie ihr 69. kräftig ein, bei dem 14 Off. und 750 Mann bluteten. 59. Art. feuerte hier bis 13. im Zurückgehen neben den Sachsen, während 83. Art. sich links der 16. R. A. anschloß, die jenseits des Kanals bis Schloß Buisson feuerte. Ihr Fußvolk folgte nicht, nur 15. R. D. überschritt das Gewässer mit 17. und 30. R., wobei letzteres nur ausgerechnet 30 Mann verlor, so sorglos gab der Feind den Übergang frei. Weiter nördlich kamen noch 65. und I/25. R. bei Domremy ins Feuer, letzteres figurierte anscheinend nur, doch könnte dies Regiment von übergroßem Verlust in später Hauptschlacht vielleicht noch etwas hier abgeben. Keinesfalls verlor das R. K. mehr als 1500 (98 Art.), das aktive Korps 2500 (185). Bircher zitiert allerlei Regimenter bei Marolles, wir lesen die Listen anders. Die Artillerie unterhielt freilich ein überlegenes Feuer und litt entsprechend. Das bei Mouzon sehr geschwächte K. Roques schmolz in dieser Ecke durchs Kreuzfeuer der sächsischen und rheinischen Artillerie so, daß es nachher nur noch in Stärke einer Brigade gesammelt werden konnte. Es hatte auch mit 118. Darmstädter L. W. zu tun, das nachher weiter nordöstlich Vitry focht (drei Listen, lang anhaltendes Gefecht bis 10., 474 Verlust). Man irrt ungewöhnlich, wenn man die Rheinländer, wie bei Vitry vor den Sachsen, so beim Erobern der nördlichen Uferdörfer die Vorhand gibt. Kein rhenisches Regiment »nahm Maurupt« (Bircher) und an Einnahme von Pargny a. Saulx (südlich von Heiltz, nördlich von Maurupt) waren sie herzlich unschuldig, jedenfalls kamen ihnen dort die Hessen zuvor. Nur das 8. K. hatte ein unstetes erfolgloses Gefecht, K. Roques wich schon am 7. beidseitig des Kanals, das Kolonialkorps schlug sich schlecht bei Domremy und Blesnes, doch gelang es dem 8. R. K. nicht, es bis Vauclerc abzudrücken, weil eben so wenig Infanterie drüben war. Wesentlich ein heftiger Geschützkampf, doch auch nur mit unvollzähliger Artillerie. Möglich, daß ein paar Reservebataillone nach Pargny hinstrebten, – gewiß nicht nach Sermaize, wohin man sie großartig versetzt, mit Kopfsprung über die Hessen, doch ihr Sehnen blieb unerfüllt. Pargny und Maurupt schnappten ihnen gerade 87., 88. und I/116. Hessen vor der Nase weg, doch fiel auch diese Arbeit leicht. Das bei Longwy erschütterte K. Gerard zeigte auch hier keinen Schneid. Der mit ungenügenden Kräften unternommene Stoß dünkte Langle so ungefährlich, daß er seine ganze Aufmerksamkeit auf Vitry richtete. Die hessische Artillerie muß aus weiter Ferne und mit geringen Teilen gefochten haben, ihr Verlust war minimal. Trotzdem gingen die Eroberer von Pargny keck auf Sermaize vor, die Afrikaner wichen so schnell, daß man ihren Anteil kaum erwähnt, Gerards 72. und 129. gaben Blesnes preis, gegen das von 126. nebst 18. Ch. verteidigte Sermaize wandte sich jetzt auch die Vorhut der 21. R. D. aus Nordost. Der wichtige Punkt erlag gemeinsamem Ansturm. Gerard wagte am 8. noch einen Gegenstoß, warf sich dann in den Wald Trois Fontaines zurück. Bei Fontenay folgten ihn 168. Inf. und 88. R., das war alles, was vom 18. R. K. wirklich ins Gefecht kam, dazu erschien I/116. R. als Spitze der völlig abwesenden Darmstädter R. D. Beim aktiven K. stand es nicht besser, von 80. focht nur eine Vorhutskompagnie (Verlust 10 Mann), von 81. ein Bataillon. (Oberst Prinz Hessen verwundet), von 115. gleichfalls nur die Spitze (5 Off., 6 Mann; ein Unikum). 25. D. war erst am 9. in fernem Anrücken, nur ihr 116. war weit vorausgeeilt. Im ganzen fochten nur 10 aktive Bataillone (1300), beim R. K. sind nur 11. R. P. nennenswert, die bei Revigny am Ornain der 5. A. die Hand reichten. Gesamtverlust inkl. 118. (Bircher verschreibt 110) L. W. und Reiterei (56. 6. Ul. usw.) 2700. Man darf hier nicht darauf verweisen, daß die Rheinländer mehr verloren, denn nur 8. R. K. kommt für den Kanalkampf in Betracht. Auf 40 km Front fochten also 40 Batl., noch nicht 40 Prozent dieser Armee! Es ist zu viel verlangt, wenn man solche Merkwürdigkeit nicht geißeln soll. Am 9. schien auch hier die Schlacht unrettbar für Frankreich verloren, nur am 7. abends begegneten die Hessen ernstem Widerstand, die Franzosen schlugen sich matt, die Schwarzen flohen in den Wald von St. Dizier, es hätte ein Leichtes sein können, den Feind in den Dreibrunnenwald zu zersprengen. Doch des Pudels Kern stak wieder darin, daß Albrechts Hauptmasse noch nicht mal den Ornain erreichte. Der Kasus macht aber nicht lachen, sondern stimmt traurig. (Bircher zitiert bunt durcheinander Regimenter, die gar nicht da waren, verschweigt andere, die er an erster Stelle hätte nennen sollen, halt nirgends die Kampfschwere auseinander. Übrigens hätten auch nach seiner falschen Aufzählung nur 4 aktive, 4 R. Regimenter der Rheinländer, 5 aktive, 4 R. der Hessen gefochten, die Differenz beträgt also nur wenig, er läßt eben außer acht, daß von »Regimentern« nur Einzelteile fochten. Übrigens haben wir beim Verlust 8. K. den bei Sommepy und M. d. Ch. mitgerechnet.) Langle machte sich so wenig aus dieser Zentrumschlappe, daß er sogar Truppen von dort für seinen pompösen Rammstoß entlehnte. Um seine Rechte sorgte er sich nicht mehr, da am 9. das Marseiller K. aus Lothringen eintraf und angeblich schon abends eine Flankenbewegung gegen 168. Inf. bei Andernay unternahm. Es führte zu nichts, dagegen wandte sich die 30. D. (nicht »33.«) seitwärts auf Vassaincourt, wo es am 10. und 11. zu stürmischen Auftritten kam. Die Franzosen wollen das Dorf gestürmt haben, jedenfalls wich aber dann das 15. K., nachdem es sich zwischen Langle und Sarrails Linke einschob, unter dem Druck des Kronrinzen (Württemberger und des Kav. K. Hollen) bei Revigny. Von angeblich günstigem Gefecht bei Contrisson sagen die V. L. nichts, am 11. stand 88. R. noch bei Fontenay, am 12. blieb Sermaize besetzt (natürlich nicht »von Württembergern«, Verwechselung mit Sommaisne). Die Armee ging aber auf Linie Suippes–Manehould zurück. Einen zwischen dem Herzog und dem Kronprinzen verabredeten Nachtangriff untersagte Moltke, befahl noch am 10. in den Stellungen zu verharren, gab aber dann klein bei, weil Bülow ihm jede Wiederaufnahme der Schlacht verunmöglichte. Denn da er mit neuer Versündigung den Marneabschnitt kampflos aufgab, setzte er 3. und 4. A. außer Stand, ihre vorgeschobene Stellung zu sichern. Wir wollen aber bei seinen Verfehlungen nicht vergessen, daß er seine verwerfliche Absichten nicht so durchgeführt hätte, wenn ihn nicht Klucks Schweigen beunruhigte und ihm dessen Gefährdung vorspiegelte. Siegesmeldung Klucks vom 9. abends hätte Bülow wohl zu sofortigem Einstellen der Rückzugsbewegung – damals erst Einleitung – veranlaßt. Daher hätte Klucks Sieg am 9. und 10., an den er selber glaubte, den unbedingten Gewinn der Marneschlacht zur Folge gehabt. Sein Betragen ist daher noch unentschuldbarer, als das Bülows, zumal ihn Moltke zu energischem Handeln drängte. Rücksichtnahme auf Bülow? Daß wir nicht lachen! Er war doch sonst nicht so! Die mißmutig niedergeschlagenen Truppen unterwarfen sich natürlich vertrauensselig der »höheren« strategischen Einsicht. Die 2. A. hörte, die 1. sei geschlagen, die 3. hörte gleiches über die 2., die 4. über die 3. Den Letzten beißen die Hunde, sagt ein schönes Sprichwort, deshalb vernahm ausgerechnet der Kronprinz, daß er verspätet in die Schlacht eintrat und verfrüht retirierte. Man stellte alles auf den Kopf. Tatsächlich zog Klucks Rückzug den aller andern Heere nach sich, Bülow motivierte den seinen damit, und markiert seinen Unmut über Klucks Handlungsweise, doch bemäntelt dabei, daß seine Suggestion dazu den äußeren Anlaß und Antrieb gab. Seine zarte Besorgnis um Klucks Gefährdung durch French rührt umsomehr, als er besser als Kluck wußte, daß der Brite sich fein behutsam erst am 9. einigermaßen rührte. So ergibt sich das Ergötzliche, daß beide Dioskuren sich aufeinander beriefen. Kluck auf Bülows Rückzugsabsicht, Bülow auf Klucks durch ihn inspirierten Rückzug. Die Schärfe gegen Bülow darf nicht einseitig werden, muß sich gleichzeitig auf beide Instanzen verteilen. Rückzugsbeginn bei 1. A. am 10. früh, bei 2. am 10. nachmittags, bei 3. am 11. früh, bei 4. am 12. Die Rückzugswut ging also um wie das Hundebeißen, setzte sich im Kreis von einem zum andern fort. Auch 5. A. mußte vor dem tollen Hund einer strategischen Panik die Flucht ergreifen. Die Wasserscheu vor der Wahrheitstaufe erlaubt aber erst heute, die Verantwortlichkeiten zu sondern. Der Kronprinz war außer sich über den Rückzug. Dem Herzog aber ließ sich nicht das Rückgrat stärken, so unangenehm berührt er sich äußerte. Er ging ohne jeden Zwang weiter zurück als nötig und entblößte die Flanke der Nachbarn. 3., 4. und 5. A. hätten die Schlacht ruhig fortsetzen können, wenn Bülow wenigstens an der südlichen Marne blieb. Gesamtverlust der 3. und 4. A. gegen Langle 13 500, der wohl schwerlich unter 16 000 verlor. Somit kostete die ganze Marneschlacht den Deutschen rund 37 000, den Verbündeten 56 000, eher zu niedrig, als zu hoch berechnet. French sagte bescheiden aus, er habe bis zur Aisne 1300 Gefangene aufgelesen, Joffre möge wohl 6000 gemacht haben. Wir vermögen zwar selbst diese Ziffer von rund 7000 nirgends in den V. L. zu entdecken, doch da man natürlich alle liegengebliebenen Schwerverwundeten und Hospitaliter dazurechnet, mag sie bestehen bleiben. Die Franzosen hingen aber einfach eine Null an und diese lachhafte Ziffer fand sogar in deutschen Gauen Glauben, zumal der deutsche Heeresbericht sich völlig ausschwieg. Die sonstigen Trophäenangaben sind nach gewohnter Sitte kolossal aufgeschnitten, doch mögen viele demontierte Stücke, besonders in der Leipziger Artillerie, liegengeblieben sein. Als »erobert« sind nur nachzuweisen 18 Geschütze Klucks, meist demontiert. Er und Bülow warfen sich in die Brust, wie kunstvoll sie sich vom Feind loslösten, der sich hier des Satzes erinnern konnte: »Mein Gefangener läßt mich nicht los«. Das danke ihnen der Teufel, daß der angebliche Sieger als wahrer Besiegter nicht besonders drängelte. Für Bülow war die Marne die natürliche Schranke zum Feind, doch wozu der Lärm, daß er diesen vorzüglichen Verteidigungsabschnitt krankhaft opferte, da Kluck nacheinander Ourcq, Oise, Aisne preisgab und selbst H. Albrecht den Saulx und Ornain, hinter denen er sich vorteilhaft vom mürben Feind abscheiden konnte. Unkundige schienen verschworen, der 4. A. Verdienste anzuhängen, die ihr nicht zukamen. Wir mögen aber durchaus nicht leiden, daß man dem Verdienst seine Krone raubt und billige Scheinerfolge anschwärmt. Daß die Marseiller etwas Luft schafften, konnte nicht lange vorhalten. Die Hessen bildeten eine teils schräge, teils halbkreisförmige Linie heraus, nördlich an den Kanal gelehnt, südlich an den Ornain bei Revigny, wo des Kronprinzen Kavallerie bereits das Flußtal überschwemmte. Es ließ sich voraussehen, daß Langle und Sarrail sich nicht die Verbindungstür zueinander zuschlagen ließen, ohne sich ernstlich dagegen zu stemmen. Doch ihnen fehlte die Kraft dazu, falls bei längerer Fortsetzung der Schlacht endlich das Gros der 4. A. ins Feuer gerückt wäre. Dann würde die ohnehin unausbleibliche taktische Niederlage sich zu schwerem strategischem Unglück für Langle und erst recht für Sarrail ausgewachsen haben. Wäre die 4. A. auch nur am 9. vereint gewesen, so rettete kein Gott Langle vor Auflösung, Sarrail vor Abschneidung. Es hat nicht sollen sein; doch vor solcher Führung muß man sein Haupt verhüllen. VI. Die Argonnenschlacht. Als 4. A. erst drei Tage stillstand, dann in beschleunigtem Tempo abmarschierte, hatte 5. A. schon vollständigen Sieg neben ihr errungen. Der Kronprinz griff frühzeitig bei Varennes an, jagte das K. Bronchin Tag für Tag südwärts bis Loupy und Laimont. 3. und 6. Kav. D. erreichten Revigny mit 5. Fußjägern, 7., 8. und 13. Jägern z. Pferd, 9., 20. und 23. Drag., 13. und 14. Husaren voraus. 13. franz. K., dessen Hälfte Langle an Sarrail abtrat, hätte die Lücke auf die Dauer nicht stopfen können. Auch dort riß Rückzugsmahnung aus allen Siegeshoffnungen. Freilich tobte die Schlacht im Nordosten nicht ganz so glücklich. Hier warf sich Sarrail entschlossen auf das Metzer K., doch 6. R. K. fiel ihm in die Flanke. Bei Haippes-Ippecourt ballte sich der Kampf zusammen. Zeitweilig bedrohte schon Sarrail Mudras Maasbasis Dannevoux, auch Verduns Garnison fiel aus und es würde Mudra schlecht ergangen sein, wenn nicht Teile 5. R. K. abgeriegelt hätten. Allmählich wich Sarrail auch dort zurück, zugleich im Rücken bedroht, wo 5. K. in die Cotes Lorrains griff und Fort Troyon zerschoß. Noch am 10. legte Moltke in einer Übersicht Wert auf diese Teilhandlung. Zwar blieb der Vorstoß zunächst lau, hätte aber bei Fortsetzung der Schlacht Früchte gezeitigt, die für Sarrail sehr sauer und bitter geschmeckt hätten. Jedenfalls erwog er sofortigen Rückzug längs der Maas, um sich von dreiseitiger Umfassung loszueisen (aus Süden bei Laimont, aus Westen bei Ippecourt, aus Südosten an den Cotes), als zu seinem Staunen im Süden der Kronprinz nachgab und ihn so vom unerträglichsten Druck befreite. Sarrail entschloß sich auch erst zum Nachrücken, als der Gegner am 12. durch die Argonnen auf Menehould abzog, von da weiter nach Montfaucon, wo der Kronprinz die richtige Verteidigungsstelle bezog, nachdem er allen Gewinn seiner Angriffsstellung für lange Jahre verlor. So warfen auch über die Argonnen der Mephisto Hentsch und sein verzauberter Faust Bülow ihren gespenstigen Schatten. Die Kronprinzenschlacht war wiederum außerordentlich heftig und blutig. Man mußte Sarrail und seiner Hauptmacht am Maasflügel alle Hochachtung zollen, daß sie nach solcher Augusterfahrung so zäh und kühn ihren Standpunkt behaupteten. In den ersten Septembertagen konnten die Deutschen nicht kampflos nach den Argonnen durchschlüpfen, die verwahrte Eingangspforte Varennes mußte am 3. entriegelt werden durch 10. und 11. R. Daran nahmen auch teil die Vorhut des 6. K. mit II/38. und 57. Art.; beide schlesischen K. marschierten dann nebeneinander bis Menehould, worauf Goßlers Linke ostwärts einschwenkte zu Mudras Entlastung. Am 7. vertrieb I/23. und I/157. den Feind aus Lahaycourt nordwestlich Bar le Duc, II/III/31. am 8. aus Loupy; nördlich davon blieben 62. und III/63. nebst 6. P. und 42. Art. bei Isle en Barrois bis 10. hängen. Die Schweidnitzer Batterien litten dort ungewöhnlich (10, 204); indessen verlor das 6. K. im ganzen nur 2700, und Bronchin wurde in diesen andauernden Gefechten bis Leimont vor Bar le Duc zurückgedrückt. Die Linke des Chalonskorps behinderte mit Front nach West den Südmarsch; die Württemberger und R. D. Breslau hatten hier einen kräftigen Feind aus dem Wege zu schleudern. Die Vormarschbahn der ersteren wird nicht klar erkennbar, die löffelweise eingehenden V. L. (oft 6 des gleichen Regimentes), meist ohne Zeit- und Ortsangabe bis Mitte September, erschweren tabellarische Sammlung. Feststehen nur 124. bis 11. (620), sowie II/III/122. (120), 119. (123) am 7. bei Rollicourt. Nehmen wir sie als Maßstab sowohl der größten als geringen Verluste, so erhält man ungefähr 3650. Noch am 1. verlor I/120. allein 32 Tote; bei Romagne am 2. mußte 54. Brig. der 11. R. D. beibringen; bei Durchschreiten der Argonnen litt man durch Spionage und Hinterhalte. Am 6. besetzte 26. D. Clermont; ihr 125. rang um die Höhe bei Pretz. 120. kam herbei und verlor 12 Off. 340 Mann. (Dieses Rgt. behauptet, in den ersten zwei Kriegsmonaten 27 Off. 840 Mann an Toten verloren zu haben; wir vermögen aber eine so hohe Ziffer in den V. L. nicht zu erkennen, es sei denn, daß die meisten Verwundeten starben.) Die Schlacht bei Triaucourt und Grandcourt am 7. und 8. endete gut, worauf Fabeck südlich zum Ornain weiterzog und sich rechts vom 6. K. setzte, am 10. bei Sommaisne. 13. P. litten am Ornain (135), Brig. Teichmann verlor viel, unverhältnismäßig die Art. (465, dabei 190 für sechs Batterien 29. Art.), die wohl für die fehlende hessische am Kanal eintrat. Inzwischen rückte das Gefecht der Breslauer R. D., deren Brigade Schweidnitz vorerst unberührt blieb, wenig von der Stelle; 11. R. Art. feuerte noch am 9. bei Narrecourt. Bei Souilly und Beaucé am Air wich das französische 6. K. langsam; Goßlers 6. R. K. mußte die Ehre, ihm gegenüberzustehen, erst auf dem Rückzug teuer bezahlen. Am Maasflügel waren am 2. jetzt 145., III/67. nebst 70. Art. drüben (Verlust 375), II/30. und II/135. nebst 12. Jg. z. Pf. erkämpften weiteren Raum zum Vorgehen nordwestlich Verdun, wo Gündell die Festung umlagerte und mit schweren Belagerungsgeschützen die weite Fortumwallung beschoß. Dies Bombardement gegen Nord- und Ostforts ließ Sarrail kalt, peinlicher war schon, daß auf der Westseite ein Geschützkampf gegen Forts St. Mare und Bourrus begann. (Kothe schreibt Bois Bulé, wie er auch franz. 21. K. hier erscheinen läßt und d. 11. statt 16. K., welche – Schreibfehler gar sehr die professorale Wissenschaft trüben.) In zu ausgedehnter, doch guter Stellung hielt er sich für stark genug, den hier verfügbaren 16 Brigaden der 5. A. bei Montfaucan Trotz zu bieten. Um drei Divisionen vermindert, hatte er immerhin noch 10 Linienbrigaden und 15 der R. D. 65, 67, 75, 54, 72 und 2 K. D. Er steckte gegen Mudra eine stolze Miene auf, hat ihn aber nie umfaßt, wie man behauptet; dazu kam es nicht, wohl aber zur Umfassung seiner eigenen Innenflanke. Mudras rechte Kolonne ging östlich Varennes am Hessenwald vorbei, während D. Reitzenstein links davon nordöstlich auf Haippes nachschwenkte und dort bis 11. standhielt. Am 7. massakrierten die Franzosen eine Sanitätskolonne (90, siehe V. L.), bei ihnen untrügliches Zeichen von Niederlage. Da ihr großer Landsmann Voltaire sie die »Tigeraffen« nannte, so darf man wohl ruhig sagen, daß boshafte Grausamkeit alle Blätter französischer Geschichte besudelt, verbunden mit heuchlerischer Lügensucht für »Freiheit und Recht«. Da geht Barrès süßlich sentimental in Berenices Garten spazieren und frißt nachher jeden Morgen einen gebratenen Boche zum Gabelfrühstück. Zum Speien! Revanche ist ihr Leibgericht und Vae Victis des alten Galliers Brennus ihre Parole. Fern sei es uns, auch liebenswürdige Züge des Nationalcharakters zu bestreiten, doch eine gewisse joviale Gutmütigkeit erstirbt sofort unter hemmungsloser Wut, wenn Haß und Übermut gereizt werden. Der Rheingau weiß ein Lied davon zu singen, daß der Geist Louis XIV. noch immer als Schutzpatron die Trikoloren umweht. Anfangs ging es also schief, am 8. war Ippecourt in Reitzensteins Händen, Heinemann am 6. in Fleury, dehnte seine Rechte ins Airetal, wo gerade das Chalonskorps bei Beaucé auswich, was Mudras Entwicklung erleichterte. Bis 10. stand er mit 34. D. günstig bei Saraucourt, Rubecourt, doch 33. D. blieb empfindlichem Vorstoß der Verdunbesatzung ausgesetzt, verhielt sich defensiv gegen bedeutende Übermacht und ließ ihre schwere Artillerie arbeiten. 130. verlor hier 800, der Gefechtsstand war lange ungünstig, doch mußte sich jetzt Sarrail aus anderer Klemme ziehen, weil sich Strantz' Betretung der Maashöhen ankündigte. Er deckte sich dort unter Sprengung aller Maasbrücken mit 2. und 7. Kav. D., »Brig. Toul« marschierte von westlich Mihiel dorthin, 8. K. befand sich im Anmarsch. Seine Front war am Südende bei Laimont schon unterhöhlt, die anfangs tief gestaffelte 5. A. entrollte sich, nach Durchziehung der Argonnen bei Clermont, zusehends breiter. Doch scheint am rechten Flügel nur Frontraum für eine Hälfte 13. K. gewesen, denn nur 121., 122., 124. und 127. und die Artillerie kamen nochmals ernstlich ins Feuer. 120. behauptet für sich das Gleiche bei Sommaisne, wo der von O. H. L. untersagte Nachtangriff dennoch stattfand und der Feind südlich der Bahn wich, doch Verwirrung bei 54. Brig. einriß, deren General am 7. verwundet. Da das 120. in allen späteren Monatslisten der 27. D. obenan steht, so wird man wohl unserer Lesung der V. L. beipflichten, daß es bis dahin geschont blieb. Die V. L. lassen wohl keinen Zweifel, daß R. D. Neiße zu Reitzenstein nach St. André abmarschierte, so daß dort der eigene deutsche Flankendruck eindringlicher wurde. Den Verdunausfall fingen Gündells 37er und I/154er auf, die Garnison suchte wieder den Schutz ihrer Festungsmauern, gegen die soeben 16. Fußartillerie donnerte. Am 8. verschlechterte sich Sarrails Lage, als die Oberschlesier im Verein mit 130. und 144. südlich bei Cuisy vordrangen. I/III/22., I/156. Inf. und I/II/22. R. reihten sich an, auch 136. Deimlings, das gerade hinter der Front vorbeizog, wurde angehalten und bei Ippecourt eingesetzt. Es focht energisch. Die polnischen Bestandteile der Oberschlesier taten ihre Soldatenpflicht so gut wie die deutschen, niemand ahnte damals, welche Teufelei die Pollacken später ihrer Heimat bescheren würden, zur Sättigung alten Neidhasses gegen die rassefremden Kameraden. Das Gefecht der 33. D., die diesmal im Gegensatz zum August mehr stritt und litt als die 34., blieb dauernd hart, die Franzosen fochten ingrimmig, 20. P. schanzten jedoch erfolgreich (285), 33. Art. hielt sich, auch Heinemanns 34. Art. feuerte bei St. André (86) nebst 16. P. (90). Der Druck wurde so stark, daß man rasches Abbauen Sarrails erwartete. Am 10. verfügte Moltke noch, 3. A. solle die gewonnene schräge Front von 50 km behaupten, erst am 11. fiel er um und auf die in voller Blüte stehende Entscheidung ein Mehltau der Rückzugsangst. Gleichwohl ging der Kronprinz nur langsam vom Schauplatz ab, nur sofortiges Weichen Albrechts, der seine Hintertreffen bei Servon wiederfinden wollte, zwang ihn wie Hausen zum weiten Abzug. War dieser ernstlich begonnen, mußte man sich bemühen, die Argonnenpässe zwischen sich und den Feind zu bringen, um nicht Defileen im Rücken zu behalten. Noch steckte der hintere Schweif der Vorstoßkolonne in den Argonnen, während der Kopf sich im Feind verbiß. Es heißt, Albrecht habe vorgeschlagen, er wolle den Ornain entlang bis nördlich Bar marschieren, d. h. dem Kronprinzen südwestlichen Vormarsch abnehmen, damit dieser nordöstlich über Pierrefitte Sarrails Rücken abriegeln könne. Gewiß, wäre dann später Strantz bei Troyon, die Bayern bei Mihiel über die Maas gesetzt, so war Sarrails Schicksal besiegelt. Ist dem so, ehrt solcher Initiativtrieb den Herzog, doch bei Mihiel rührte sich nichts. Strantz benahm sich lau, als halte er diese Diversion für verfehlt, und vor allem, wo waren Albrechts eigene Kräfte für so schneidiges Beginnen? Wohl erschien der Kronprinz vollzähliger als jede andere Armee, ein Zeichen zielbewußter Führung, doch waren seine Anmarschlinien auf Bar le Duc zu lang und mühselig, als daß er bis zum 10. bei weiterem Vortreiben seiner Südspitze genug Kräfte durchbringen konnte. Vom 13. K. lassen sich höchstens 12 Bataillone als wirklich im Vorderfeuer erkennen, beim 6. K. nur 11 oder mit anderen Figuranten wie II/62. Kosel höchstens 15. Noch war außer dem Kav. K. nichts zur Hand, um die Operation auf Pierrefitte zur Einkreisung Sarrails durchzuführen. Man sah sich auch durch Ankunft des Marseiller K. gebunden und was helfen die schönsten Anschläge, wenn sie Papier bleiben, denn wo blieb 18. R. K., das von den Württembergern ersetzt werden mußte? Aus zutreffenden Gründen verwarf der Kronprinz daher ein weiter südliches Stehenbleiben, wie es Moltke vorschlug, ließ seinen Südflügel sich divisionsweise an den Argonnen durchwinden, bis 13. K. bei Binerville, 6. K. bei Varennes vereint in Stellung gingen. Er zeigte sich ebenso besonnen und vorsichtig an rechter Stelle, wie bisher rastlos kühn, doppeltes Merkmal einer Feldherrnnatur. Viele gehen dahin einig, daß Prinz Rupprecht hetvorragte, für den Deutschen Kronprinzen will man es nicht einsehen. Doch unbekümmert, wie der Mond um das Bellen der Köter, zieht die Wahrheit ihre lichte Bahn. Sarrail besann sich ziemlich lange, den Abzug aus Süden vor sich her zu stoßen; baß erstaunt, selber so glimpflich davon gekommen zu sein. Nachher hatte auch er einen großen Mund, und Joffre schämte sich nicht zu deklamieren, daß man den Abzug der 5. A. »in Flucht verwandelte«. Dieser Scherz trug wohl dazu bei, daß in Deutschland die Sage raunte, der Kronprinz sei am Verlust der Schlacht schuldig wie Hausen, d. h. die beiden, die sich – der letztere höchst wacker, der andere geradezu hervorragend – allein unter allen Armeechefs ihres Amtes würdig gezeigt hatten. Lüge, dein Name ist Welt. Seltsamerweise entging der bayrische Kronprinz dem Verdacht, daß er als Fürst notwendig ein Stümper sein müsse; dem deutschen Kronprinzen aber, der im Argonnendunkel fern der äußeren Fama seine stille heimliche Arbeit verrichtete, wie sie vorzüglicher nicht gedacht werden kann und dem sehr berechtigterweise nachher ein Großkommando übertragen wurde, dichtete man eine Rolle an, wie 1809 dem Fürsten Rosenberg: »Wo der steht, kriegen wir Schläge«. (Beiläufig gleichfalls eine schnöde historische Ungerechtigkeit). Als Mudra widerwillig den Rückzug antrat, behauptete Reitzenstein mit 144. den Hessenwald bei Vaucquois, mit 130. und dem Elsässer 136. (zog dann zur Aisne ab) Very an der Maas. Die Füsiliere von 22. und 23. R. hielten St. André bis 14., 38. R. blieb bis 13. auf dem Posten, während 51. R. die südliche Nachhut bis Vaubecourt übernahm. Sarrails Nordflügel scheiterte sogleich am Argonnendorf Apremont, wo 124. würt. L. W. verlustreich standhielt (480), während 6. bayr. L. W. bei Chippy leicht ein Näherkommen am Montfauconwald erschwerte (100). Wir rechnen alle Verluste der 5. A. bis 14., denn wie bei ihr keine Kampfpause bis 5. stattfand, wie bei den anderen Heeren, so auch nicht wie dort seit 11. früh bis 15., wo die neue Hauptschlacht begann. Es ist irrig, daß die Metzer über die Maas wichen, sie klemmten sich noch an dem Ufer fest. Von »vernichteten ganzen Batterien« war auch nichts zu sehen, 70. Art. verlor sogar nur 42 Mann, Mudra 4000, Goßler 2900, das Kavalleriekorps 365, (6, 100 Fußjäger, 145 von 9. Drag. und 13. Hus. bei Revigny). Inkl. L. W. und 136. (600) Summa rund 14 000, weit mehr als jede andere Armee verlor. Außerdem beide Posener K. 950 inkl. Belagerungsartillerie, wovon nur 255 auf »10. D.« entfallen, welcher Begriff sich nur auf II/III/153. beschränkt, die am 10. bei Chatillon an den Maashöhen einen Angriff abschlugen. Weshalb Strantz seinen Auftrag, in Sarrails Rücken zu stoßen, als bloße Demonstration behandelte, ist unbekannt. Im Woevre beobachteten 99. R. und Bayernbrigade Riedel die Stromschranke neben 26. und 36. L. W. (135), im Vorbeiziehen half I/114, mit (100). Mit diesen insgesamt 16 000 rundet sich der deutsche Totalverlust von Ourcq bis zur Maas auf rund 53 000 ab, der französische dürfte mindestens 73 000 erreicht haben, wobei Sarrail sehr niedrig berechnet. Darum Räuber und Mörder! Darum ein Geschrei erheben, als sei der glorreichste Sieg aller Zeiten erfochten, wohlgemerkt erst après Coup, nachdem die Wogen der Überraschung geglättet. Denn anfangs verschlug der »Sieg« den Siegern die Sprache. Wohlbegründet aber ist der Ausdruck »das Wunder der Marne«. Ja, ein Wunder war es, wie die Abkehr Attilas von Rom durch Engelsvisionen. Doch leider retteten die heilige Stadt Paris weder Engel noch Gänse des Kapitols, sondern zwei kapitale Kälber. Schlußbetrachtung. Die Franzosen schöpften natürlich mancherlei Sagen aus den Tiefen ihres Gemüts, als sie sich nachher dies Wunder zusammensetzten. Als die Garde auf sanft ansteigender Ebene den Gondsumpf durchzog, soll längsseitige Bestreichung sie niedergemacht haben? Tatsächlich hemmten die Sümpfe den flotten Anmarsch nicht, die Garde spazierte förmlich zwischen Fochs zu weit vorgeschobene Vorposten hinein. Daß dieser Edle die »Garde nachher in den Gondsumpf warf«, entstammt der Requisitenkammer der Gloire: Reminiszenz an die famosen Teiche von Austerlitz. Die dort angeblich versunkenen russischen Geschütze werfen hier Junge in einer angeblich im Sumpf ersäuften Gardebatterie, während die Gardeartillerie weniger litt als die aller anderen Korps. Die französische Darstellung verwirrt jeden unkritischen Kopf, sie wirft mit Orten um sich, die in keiner V. L. vorkommen, denn Ferté Gaucher und Sezanne waren nie Kampfplätze. Foch soll am 8. Sezanne zurückerobert haben? So scharf schießen selbst die Preußen nicht, Sezanne erreichten sie nie. Es soll bloß wieder ein französischer Bettelerfolg vorgespiegelt werden. »Der heiße Kampf bei La Ferté Gaucher wandte sich zugunsten Esperets und Frenchs«? Wäre Esperet am 8. noch bei Ferté Gaucher gewesen, so hätte er Montmirail schwerlich vor 10. erreicht. Jedenfalls erfüllt mit Bitterkeit, die franz. Auffassung kennen zu lernen, daß die Deutschen nur deshalb weichen mußten, weil Kluck 2 K. zum Ourcq abberief! Er hatte natürlich große Massen am Grand Morin, sonst würden die großen Feldherrn Esperet-French nicht so lange nicht vom Fleck gekommen sein! Klucks »Fehler, nur ein Korps vor Paris zu lassen«, wurde die überlegene Strategie Joffres gleich gewahr! Leider zerrinnt »der am Ourcq erzielte Erfolg« durch Maunourys eigenen Bericht. Blickt man auf die Karte, so fragt man die Unbelehrbaren: wie durfte er bei Damartin liegen, wenn Kluck bei Meaux schon in seinem Rücken stand? Die Pariser Stimmung war wahrlich nicht danach, sich auf solche Tollkühnheit einzulassen. Und doch der Angriff, obschon man Kluck noch westlich der Marne wußte, worüber sich Maunoury unmöglich getäuscht haben kann? Doch das unklare Bild erhellt sich, sobald man sich in die wahre Lage versetzt, daß er nämlich zu gut unterrichtet war über Klucks Rückwärtsstellung, er also vorerst wenigstens einen Vorstoß wagen konnte. Die ganze Mythe hält dazu her, angebliche Feldherrnkunst Joffres als Ursache deutschen Rückzugs anzukreiden. Auch Vitry ist nie »zurückerobert« worden, die Leipziger räumten unbemerkt den Ort. Eine »Lücke« zu »Armee Einem« (Hausen, die Nachfolgerschaft im Kommando ist vordatiert), in die sich »Foch hineinstürzte«, bestand nie: Wie wir sahen, grenzte die Gardenachhut bei Chalons unmittelbar an Planitz und andere sächsische Nachhut. Fochs Hineinstoßen der Garde in den Gondsumpf ist tragikomische Illusion. Nackte Prosa der Tatsachen überzeugt vielmehr, daß Garde, Emmich und Montmirailgruppe nicht so ganz unbelästigt entkommen konnten, wie geschah, wenn die französischen und Bülows Ort- und Zeitdaten nur einen Schimmer von Wahrheit hätten. Das alles steht auf gleicher Höhe wie die 7000 Leichen bei Montmirail und die 3000 bei Mondemont, ein kalter Aufschnitt in Pariser Sauce als Ragout fein erfinderischer Gloirekochkunst. French schickte sich erst am 9. an, den Kavallerieschleier vor ihm zu lüften. Er war am 5. und 6. sicher um einen Tagemarsch hinter Esperet, wie er sich von Joffre ausbat. So schließt sich von vornherein die Fabel aus, daß Linsingen je östlich Meaux mit drei englischen Divisionen anband, da diese weit südlich des Grand Morin standen. Desgleichen beweist die Marschentfernung, daß French bestimmt nicht vor 9. den Grand Morin überschritt, wobei ihn der Übergang bei Tretorin »großen Aufenthalt« bereitete und seine Marschleistung höchstens 12 km betrug. Er erzählt, daß seine Vorhut am 9. abends »La Ferté« erreichte, wo sie nicht Brücken schlagen konnte. Doch welches La Ferté? Kothe hält sich darüber auf, französische Oberflächlichkeit rede hier von F. Milon. Doch solcher planmäßigen Entstellung, um weiteres Vordringen Frenchs vorzutäuschen, halten wir entgegen, daß es sich nicht mal um L. F. s. Jouarre handelt, wie French angibt, sondern höchst wahrscheinlich nur um F. Gaucher, wie eine französische Angabe sich auch gelegentlich entschlüpfen ließ. Nach der Marschferne ist unmöglich, daß er F. s. Jouarre vor 10. abends erreichte, auch hier wieder die geflissentliche Vordatierung. Diesen Tag erklärte er übrigens unverfroren für das Ende der Marneschlacht, weil er nämlich überhaupt nichts mehr tat. Hier überführen Joffres eigene Direktiven, wie toll man die von Tag zu Tag schwankende Stimmung in einen vorbedachten Plan überbrüht hat. Am 1. gab er nämlich die Weisung aus: »Man wird bis zur Aube und wenn nötig bis zur Seine zurückgehen«, was sich speziell auf Esperet und Foch bezieht. Am 3. fordert er French auf, sich 30 km weiter zurückzuziehen, um hinter der Seine (man möchte spotten: hinter der Szene!) Stellung zu nehmen. Sieht das nach »Vorbereitung einer Offensive« aus? Wenn man am 5. alles am 4. Befohlene widerrief, wer soll sich aus solcher Verworrenheit ein Bild machen? Was änderte sich denn seit 24 Stunden? Eins ist jedenfalls klar: daß er damals kein Überschreiten der Marne durch Kluck voraussetzte, sonst hätte er jeden Angriffsbefehl an Esperet unterlassen müssen, zumal an French, der sich natürlich Joffres Konzession vom 3. zu Nutzen machte, also am 5. sich schon der Seine näherte. Joffre wußte , daß Kluck noch zwischen Marne und Oise stand, sein Angriffsbefehl vom 5. ist ein neuer indirekter Beweis für die bodenlose Leichtfertigkeit, Klucks Anwesenheit am Morin für möglich zu halten. Wir wiederholen, daß Marrwitz' Vorhut erst am 3. bei Pontoise 30 km von Paris streifte, das Fußvolk also sicher noch 50 km weiter zurückstand, konnte also niemals am 5. nach Überschreitung verschiedener Flüsse am Grand Morin stehen. Daher konnte Joffre niemals die ihm angedichtete Absicht haben, Klucks Vormarsch über Meaux zuvorzukommen und ihm keinen Anschluß an Bülow zu gestatten. Er wußte Klucks Hauptmassen noch südlich Compiegne und jenseits der Marne, der angeblich von Gallieni gemeldete Vorbeimarsch an Paris bezog sich auf eine Spitze 4. D. (II/14.) und möglichenfalls eine der 7. (II/26.), erst später mag Frenchs Angst ihm zeitweise suggeriert haben, Kluck sei mit einem übermenschlichen Purzelbaum über Maunoury nachgesprungen. Vielleicht verwirrten auch 8. K. und Marrwitz, die aber aus ganz anderer Richtung bei Ch. Thierry die »Marne überschritten«. Später muß man französischerseits den Unsinn durchschaut haben, ließ aber die Legende schlendern, um Frenchs Untätigkeit damit zu decken. In Paris vernahm man Kanonendonner bei Lizy-Meaux überhaupt erst am 7. (93er), sonst warf nur eine »Taube« Bomben als Visitenkarten ab. Daß man deutsche Kolonnen im Weichbild von Paris vorüberwogen sah, ist Mythe; kein Pariser Fort löste einen Schuß. Wahrscheinlich erfuhr Joffre aber am 5. die Zersplitterung der 1. und 2. A. an den verschiedenen Standorten, und disponierte daraufhin vorläufigen Gegenstoß auf deren Vorhuten. Das ist die wahre Schöpfungsgeschichte der Marneschlacht. Geisterseher French verbreitete lange Nebel, am 9. aber vergewisserte sich Esperet, daß die deutschen Teile vor ihm keine Reserve hätten und Angriff auf Montmirail durchführbar sei. Selbst dieser Anlaß zu Optimismus fiel weg, wenn Kluck nur am 7. vereint zwischen Acy und Meaux stand. Joffre muß also die wahre Lage gekannt und weder südlich, noch nördlich der Marne Vereinung Klucks befürchtet haben. Es ist, rundheraus gesagt, eine Frechheit der Klucklobredner, daß sie aus seinen Sünden eine Tugend machen und seine Skandalosa als vorbildlich empfehlen. Durch zwei Dinge konnte er entscheidend einwirken: entweder am Morin schlagen oder Maunoury über den Haufen werfen. Gerade hierdurch hätte er Bülow entlastet, weshalb Moltke es ihm am 10. befahl. Er tat weder das Eine, noch das Andere. Der Unheilknoten wurde schon geschürzt, als Kluck eben nicht zum Morin abrückte und herzhaft loslegte, ohne sich um Maunoury zu kümmern. Dann gab es keine Marneschlacht, Joffre wäre auf Troyes retiriert, wie er früher ins Auge faßte. Denn wie wir French und Esperet kennen, hätten sie fassungslos das Spiel aufgegeben. Dies wäre kühne weitsichtige Selbsttätigkeit gewesen, auf eigene Verantwortung, obwohl mit bewußtem Ungehorsam gegen Moltkes Direktive, »zwischen Oise und Marne« zu bleiben. Da in der Wirklichkeit die Dinge anders zugehen, als in Kleists »Homburg«, so hätte man ihn dafür sozusagen zum »Herzog von Magenta« ernannt, welche Anspielung ein Geschichtskundiger verstehen wird. Wie wir sehen, fallen er und seine Korybanten von einer Unwahrheit in die andere, weil eben hier alles faul ist, alles Legendenschwindel. Erste Begriffsstellung: der törichte Moltke befahl Vormarsch zum Morin, weil er in harmloser Unschuld von einer Pariser Armee nichts ahnte, während des weisen Kluck Seherinstinkt das schon vorher wußte. Antwort: letzteres ist nur zu wahr, deshalb blieb eben Kluck hübsch dieseits der Marne; wäre dem aber nicht so, dann steht aktenmäßig fest, daß nicht Moltke, sondern er selbst den Vorsatz ins Auge faßte, bis zur Seine an Paris vorbeizumarschieren. Zweite Begriffsstellung: obschon er diesen »Fehler« beging, (wohlbemerkt auf eigene Faust gegen Befehl der O. H. L.), machte er ihn sofort gut, indem er schleunig kehrtmachte und mit Vergeudung kostbarer Marschkraft seine armen Truppen den langen Weg zurückführte, den sie gekommen waren. Antwort: so entblößte er Bülows Flanke, d. h. sein eigenes 9. und angeblich 3. K., und wäre vermutlich schon zu spät angelangt, nachdem 4. R. K. überrannt war. Also nicht sein Marsch zum Morin wäre der grundlegende Fehler, sondern seine Umkehr zu »glänzender Parade«, die so wenig glänzend ausfiel, daß er sich zu viel auf seine Truppen einbildet und ihre mittelmäßige Leistung triumphierend herausstreicht. Nun, Gottlob, sprechen wir ihn hier frei, sintemal ja alles nur Chimäre. Er blieb gehorsam »zwischen Oise und Marne« (außer 9. K., 5. D.), deshalb konnte Maunourys Bluff schon am 6. pariert werden, obwohl ungenügend. Exposition: Verstreuung der 1. A. in getrennte Gruppen; Peripetie: Einstellen jeder Offensive, sei es bei Meaux, sei es bei Nanteuil; Ende des Trauerspiels: sinnloser Rückzug. Es hätte genügt, wenigstens bei Meaux gegen Frenchs Flanke zu demonstrieren, was diesen und Esperet stillgelegt hätte. Selbst noch am 10. wäre er zurecht gekommen, jede Bedrohung Bülows zu vereiteln, wenn er nur Maunoury gründlich schlug, Gott schütze ihn vor seinen Freunden! Die Schwätzer wissen wirklich nicht was sie tun. Selbst angebliche Abberufung des 9. K. soll ihm noch zum Ruhm gereichen, woran sich Bülow eiligst klammert, um das Untunliche dieser rücksichtslosen und unverantwortlichen Maßnahme darzutun. Es ist aber auch dies Chimäre, und wir befinden uns in der ebenso angenehmen wie unerwarteten Lage, auch hier als Verteidiger Klucks aufzutreten, sintemal er weder das ganze 9., noch das 3. K. in eigentlichem Sinne nach dem Ourcq berief, sondern nur deren Hälfte. Immerhin schwächte er in Bülows Meinung dessen Flanke im kritischsten Augenblick, denn eins bleibt doch bestehen: wenn er auch nichts abberief so schickte er doch auch nichts, 6. und 18. D. am Petit Morin hätten natürlich Bülows Lage sehr gestärkt. Kluck tat aber weder das Eine, noch das Andere, weder stärkte er Bülow, noch benutzte er die eigene Stärkung. Wie, er stieß Bülow vor den Kopf, um nur selber recht stark am Ourcq zu siegen, und dann kniff er vor sicherem Siege aus? Wie, er selbst rühmt sich jetzt in seinem Buch, er habe Maunoury überwältigen können, und im selben Atem heißt es, er habe durch schleuniges Abbrechen und unanständig eilfertigen Abzug sein Heer gerettet? Solche Selbstwidersprüche überzeugen doch wohl den Verblendetsten, daß hier unsagbare Haltlosigkeit schwarmgeistert. Früher glaubte man allgemein, pessimistische Rapporte hätten Moltke zu Rückzugsbefehlen begeistert, heute wissen wir das genaue Gegenteil. Wäre dem aber so, so war es Klucks Pflicht, solcher Übereilung nicht zu gehorchen und vorstellig zu werden, denn daß er Nichtgehorchen aus dem Grund verstand, bestätigte er sonst oft und später nochmals. Auf Bülows Urteil aber, das Hentsch als gute Gabe überbrachte, nahm er sonst nie Rücksicht. Um daher seine neue erstaunliche Ausrede zu würdigen, er sei im Auto weggefahren und Hentsch habe über seinen Kopf hinweg nach Konferenz mit Stabschef v. Kuhl den Rückzug veranlaßt, fragen wir: widerspricht diese Abscheulichkeit etwa Klucks bisherigem Treiben? Tag für Tag tiftelte er in Furcht um seine rechte Flanke, um Bülows Flanke kümmerte er sich nicht. Und nun rannte er davon in Heidenangst vor wem? Nicht vor Maunourys zerrütteten Scharen, sondern vor eingebildeter Umgehung durch French! Böswillige könnten folgern, daß er just wie Bülow sich überhaupt nicht schlagen wollte, sondern von Anfang an nur Rückzug im Auge hatte, aus sogenannten strategischen Gründen von pedantischen Nichtstrategen. Er begrüßte förmlich den durch Hentsch erschwindelten Rückzugsbefehl als Befreiung von einem Alpdruck, und so mitschuldig Bülow, müssen wir über die Vorstellung lächeln, ihn sozusagen als Verführer Klucks zu betrachten. Das sah Kluck wenig ähnlich. Und siehe da, wir müssen ja auch alles zurücknehmen, denn er will ja überhaupt nicht von Hentschs Suada gehört haben. A la bonne heure! Das nennt man preußische Zucht. Wirtschaft, Horatio, Zustand, sagt der Berliner! Pflegen sonst Armeechefs den Einflüsterungen eines Oberstleutnants mit Karmosinhosenstreifen gehorsamst Ohr zu schenken, der ohne jede schriftliche Vollmacht sich als Vertrauensmann des Generalissimus einführt? So etwas gibt es in keiner Armee, und wenn es leider eine solche damals gab, dann verurteilt sie sich selber zum Tode. Das Kriegsgericht über Hentsch, den Friedrich und Napoleon ohne Erbarmen füsiliert hätten, verduftete und verschloß seine Akten; Hentsch muß einen hohen Hintermann gehabt haben, aber nicht seinen Vorgesetzten. Denn die Tatsachen beweisen, daß Moltke nie solche Vollmacht erteilte, da alle Direktiven und die Übersicht vom 10. schnurrstracks den festen Willen zur Schlachtfortsetzung ausprägen. Wenn Kluck so wenig einverstanden war, warum fuhr er seinen dreisten Stabschef, der etwas so Entscheidendes verfügte, ohne Genehmigung einzuholen, nicht hart an, warum stellte man diesen Herrn nicht auch vors Kriegsgericht? Weil er natürlich ausgesagt hätte, Kluck habe, ob im Auto weggefahren oder nicht, die Maßregel gern gebilligt. Wäre dem nicht so, warum hob er sie nicht auf, wie Hausen dies unverzüglich tat, als er Moltkes den Hentsch desavouierende Weisung vom 9. nachts erhielt? Bekam er nicht am 10. vorm. Befehl, kräftig anzugreifen, um Bülow zu entlasten? Er tat nichts dergleichen, wo er doch behauptet, er habe am 9. Siegeswillen gehabt. Erzähle er daher andern die Autolegende, nicht uns. Denn Auto hin, Auto her, dem Sinne nach ist es Legende und faule Ausrede. Er wollte den Rückzug und hatte ihn nun, just wie Bülow. Im Gerichtssaal pflegen die Schuldigen die Alleinschuld sich gegenseitig zuzuwälzen, der trockene Richter aber urteilt, daß der Rabbi und der Mönch: siehe Heines schnöden Witz. Hentsch selber sagt aus: »Ich hatte nicht das Gefühl, daß man dort vom ausschlaggebenden Erfolge des Armeeflügels überzeugt war!« Man? Wer? Da haben wirs. Lauter verwandte Seelen. Es wirkt daher nur drollig, wenn ein gewisser geistvoller Journalist bei allgemeiner Verdammung solcher Begebenheiten Kluck als weißen Raben zupinselt, dessen feurigem Schwung (o weh) Hentsch aus dem Wege ging und sich lieber an Herrn v. Kuhl hielt. Das ist wirklich ein rechter Kohl. Daß Hentsch zunächst den ihm befreundeten Stabschef aufsuchte und mit ihm beriet, ist ganz verständlich, es versteht sich aber nach militärischer Etikette von selber, daß er sich dem Kommandierenden vorstellte, ohne dessen hochmögenden allein beschlußfähigen Willen überhaupt nichts geschehen darf. Die Autogeschichte ist daher so schwer verdaulich wie Eisbein mit Sauerkohl. Götzendämmerung einer Phantasieschlacht! Wahre Methodik bestätigt immer eine das Dunkel lichtende wahre Divination. Auf Schritt und Tritt begleitet uns die Logik der Tatsachen selber. Es ist das Verhängnis der Klucklegende, daß sie ihn erschwerend belastet, wenn sie ihn feiert, auf Urteilslosigkeit der Menge bauend. Das zuerst von Stegemann ausgepinselte, dann allgemein kopierte Luftgebilde des Morin-Kluck wird schon beeinträchtigt durch den sonderbaren Zusatz, 2. K. habe Verbindung mit 4. R. K. fest aufrechterhalten. Wie konnte es das, wenn schon von Meaux eine Lücke von 10 km klaffte, 2. K. aber »nördlich Coulomiers« 20 km fern stand, die Marne und Maunoury dazwischen. Wenn aber Bülow noch gar das halbe 4. R. K. in Text und Karte südlich Meaux verlegt, so macht solche Ungeheuerlichkeit all seine tendenziösen Angaben verdächtig und schieben wir daher den wichtigen Einwand beiseite, Bülow sei ja ein neuer Gewährsmann für die Legende. Ja, das paßte ihm so. Alle V. L. entheben uns jeglichen Zweifels, nur Liederlichkeit der Einsichtnahme verführt zu solcher Phantasmagorie, »Provins« in einer Liste bedeutet eben das Dorf Les Provins, nicht die ferne Seinestadt. Selbst wenn dort irgendein vorwitziges Spitzenbataillon wie II/26. je anlangte, beweist dies nicht das geringste für Vormarsch Armins, der selber ruhig beim Ferté Milon saß, über die Marne, noch gar für seinen unmöglichen Rückmarsch längs Frenchs Front. »Das erlauben die Kiebitze nicht«, sagt man in Schachkreisen, das erlaubt selbst Grouchy nicht, um einen kriegshistorischen Vergleich zu ziehen. Bezüglich 2. K. betonen wir nochmals, daß sein Gefecht mit French schon deshalb glatt erfunden ist, weil sein angeblicher Aufmarsch bei Saignets nördlich Coulomiers ihn nicht mit den Briten in Berührung bringen konnte, die schon südlich Coulomiers zurückgingen. Wenn das Papier vom Fett oder Sonne glänzt, bekommt man metaphorisch eine glänzende Schrift, wenn Unwissenheit und Parteilichkeit das Papier satinieren, bekommt man glänzende Zeugnisse. Mit dem Mangel an Logik, dem man so oft begegnet, wird übrigens vergessen, daß »die Lücke bei Rebais« ja nie bestanden hätte, wenn dort angeblich 3. und 9. K. vereint standen. Dann wäre es ein Armutszeugnis für so famose Truppen, wenn sie mit den seit August moralisch erschütterten Truppen von Esperet-French nicht schon bis 7. fertig geworden wären. Zumal sie außer bei Mons nirgends stritten und litten. Wir müßten alle Register von Hohn und Spott ziehen, wellten wir aufs Neue breit enthüllen, daß rein nichts davon stimmt. Nein, trotz Bülows nachgebeteten und Klucks verworrenen Angaben hat man das 4. R. K. nie allein, nie solche Lücke gelassen. Eine ehrgeizige Promenade über die Marne, wie früher die Extratour nach Amiens, hätte zwar Kluck ähnlich gesehen, wir sparten uns keineswegs als Trumpf und Gnadenstoß auf, daß Moltke ausdrücklich das Gegenteil befahl, denn Insubordination wäre bei Kluck nichts psychologisch Überraschendes. Verletzte er aber dieses ihm anvertraute Amt des Flankenbeschützers mit grober Gehorsamsverweigerung, dann mußte er durchhalten. Nun, mag er sich trösten, diese Sünden beging er nie, sondern nahm vielmehr Moltkes Befehl einer rückwärts »Staffelung« nur zu wörtlich. Doch es gibt auch eine Joffrelegende, als ob sein Tagesbefehl vom 4. Ouvertüre der ganzen heroischen Oper bedeutet hätte. Er fußt auf Gallienis Irreführung, Kluck marschiert auf , nicht über Meaux, welche Scheinbedrohung von Paris ihm mehr blendend, als solid erschien. Aber Maunoury selber kann nicht entgangen sein, daß 4. R.K., 4. D., 4. Kav. D. vor ihm standen, also von wirklichem Flankenstoß keine Rede sein konnte. Daß er zur Rettung von Paris etwas wagen wollte, war sozusagen ein grober Buchstabe. Ein nur aus örtlicher Not geborenes Unternehmen galt nachher als feiner Kalkül. Selber noch ganz unvereint, schickte er Lamaze vor, denn er betrachtete seine Manöver nur als keckes Unterfangen. Joffres angebliche Absicht, Kluck und Bülow im Marnebecken zusammenzupressen, ist spätere »Interpolation«, Mönchslatein von Texteinschiebungen, Jägerlatein militärischer Münchhausiaden. Deutsche Verfolgung aufhalten, darauf schrumpft die ganze strategische Bedeutung der Joffreschen Maßregeln ein, und man erkannte es auch so ursprünglich: erst nachher fielen den Interpreten »Ideen« ein. Zum Schlachtverlauf zwang nicht eigene Geistesarbeit, sondern Verbeißen deutscher Vorhuten, deren südöstlich gerichtete Front unvermutet an einer Stelle (Montmirail) nordwestlich einknickte. Hier »dämmert« vorlautes Geschwätz, das vor Erstaunen den Atem stocken macht. Kotau vor Moltke d. Ältercn und Schlieffen empfiehlt beim Generalstab. Diese hätten auch bei Minderzahl Umfassung für den Stein der Weisen gehalten? O si tacuisses! Als ob Umfassungsmanöver je anders geglückt wären, als nur bei nicht nur numerischer oder qualitativer Übermacht (Hinterlader gegen Vorderlader bei Königgrätz), sondern vor allem bei Unbehilflichkeit des Gegners. Auch verwechseln nur Anfänger die heut verhimmelte Autorität von Clausewitz, der bei Lebzeiten seine Werke nicht veröffentlichen durfte, mit Unfehlbarkeit. Als Kriegshistoriker um so weniger ein Orakel, als seine Statistik von Stärken und Verlusten nur von Nachschreiberei ohne Quellenforschung zeugt. (Der so überaus kriegskundige Eugen von Württemberg urteilt herbe über Clausewitz' Unzuverlässigkeit als Historiker.) Seine Sprüche nachleiern, ist ganz verfehlt; so ist sein Diktat, Napoleons Zentrumstöße seien Legende, selbst nur Legende. Umgehungen, diese urälteste Taktik, als »modernes« System angestaunt, blamieren sich oft, so auch in der Marneschlacht. Denn aus solchen schwach aczentuierten Absichten der franz. 6. und 3. U. wurde bald ein Selberumfaßtwerden, während der deutsche Zentrumsstoß zwischen St. Prix und Vitry allein Durchschlagskraft besaß. Wir können Journalstrategen nur warnen, sich aufs Glatteis der Theorie zu wagen und aus gemeinplätzlichen Clausewitzzitaten eine Eselsbrücke darüber zu bauen. Witwe Clausewitz mußte die heut als Sybillenorakel geltenden Schriften aus dem Nachlaß hervorholen; darin sind ihm andere Fingerfertige über, denn bei Deutschen kommt das Bedeutende nie bei Lebzeiten zu Worte. Nicht in Schönfärberei, die sich der Masse einschmeichelt, schwelgt der Kriegsforscher, er unterzieht die Vorgänge scharfer Prüfung der Einzelheiten, deren Zusammenfügung dann erst Urteilsuntersuchung gestattet. Geradheit gegen Freund und Feind machte nicht beliebt, diplomatische Zurückhaltung macht sich vornehmer. Man spendet Joffre unverdiente Anerkennung, hütet sich aber, der deutschen Führung ein scharfes Wort zu sagen. Die O. H. L. bezweckte auch hier, durch harmonisches Zusammenfließen aller Heere Joffre einzukeilen; die geplante Konzentrik kam aber nicht heraus, gemäß Napoleons Verwerfen all solcher weitschichtigen Operationen, »weil man sonst mehrere gute Generäle statt eines braucht.« Dem Takt des Teilführers bleibt da so viel überlassen. Übrigens ist auch verbindliche Verbeugung vor militärischem Vorurteilen wegen Qualitätswert eines Kasernendrills, wie es schlaue Zivilschützen immer belieben, hier gar nicht am Platze. Die Franzosen hatten die längere dreijährige Dienstzeit, ihre vom Pflug und Werkstatt hergerufenen Reservisten schlugen sich aber teilweise besser, als die Aktivtruppen, besonders Sarrails Reservetruppen mit erstaunlicher Energie, und deutscherseits haben 4. und 8. R. K. und was vom 10. R. K. da war, sich so gut gehalten wie das beste Armeekorps. Erstaunlich war der allgemeine Artillerieverlust: rund 3300 (420 von 1., 650 von 2., 700 von 3., 350 von 4., 1200 von 5. A). Für den abnormen Verlust der Württembergischen gibt es keine andere Erklärung, als daß sie sich für die Hessen aufopfern mußte. Gerade die unverhältnismäßigen Opfer der Artillerie beweisen, daß sie mit besonderer Anteilnahme wirkte, um die Geringfügigkeit der Fußvolkmasse auszugleichen. »Reserven hatte Bülow nicht mehr zu erwarten«, schrieb Baumgarten naiv; oh ja, noch 6 unverwundete Brigaden. Doch er brauchte sie nicht; schon sauste der Hammerschlag auf Foch nieder. In diesem Augenblick brach Bülow ab und zwang seine Kollegen seinem Beispiel zu folgen, obschon seine Angstmeierei nur bei Kluck Gegenliebe fand. So wird mit dem Schicksal eines großen Volkes Schindluder gespielt, die mit kostbarem Blute getränkten Siegesgaben warf man wie verwelkten Müll in den Kehrichteimer und auf die Landstraße. Wir halten Bülow zu gute, daß er von Anfang an den weiten Vormarsch nicht billigte, daß Moltkes Direktive, seinen Gedankengang verwirrend, ihn keine Wahl ließ. Er wußte, daß auf Einems und Hülsens Gros nicht in absehbarer Zeit zu rechnen sei, ihn trifft die Schuld, daß er den leicht zu überschauenden Stand der Dinge Moltke verheimlichte. Wir wollen ihm sogar die höhere Einsicht zusprechen, daß er früh erkannte, der Feind biete große Feldschlacht an, während andere sich im Wahn wiegten, er liefere nur Rückzugsgefecht. Für solche landet man nicht frische Massen bei Brienne und Troyes. Der deutsche Stoßflügel kam so in Rückstand im Nordwesten, daß man, die deutsche Linke verschiebend, fast mit verkehrter Front schlug; da konnte Ungewißheit über die wahre Lage der 1. A. wohl bedenklich stimmen. Doch nicht ungewiß war der glänzende Erfolg der Linken Bülows und der Rechten Hausens an entscheidender Stelle. Daß er angesichts dieser Tatsache schon am 9. nachm. Rückzug beschloß, dafür gibt es keine Entschuldigung, denn diese Negation lauerte bei ihm stets im Hintergrund, er atmete seit Schlachtbeginn weinerlich verdrossenen Mißmut aus persönlicher Kränkung, daß man Kluck von ihm freimachte und deshalb das geplante »Sedan« bei St. Quentin in Luft zerging. Indem der Ärger über Kluck an ihm nagte, den er sozusagen zu allem fähig hielt; geschah's, daß man ihn über die Lage am Ourcq täuschte. Jeder Optimismus wäre vorteilhafter gewesen, als Klucks Getue, als ob er in Gefahr schwebe. Hier redete Kluck dem Bülow und Bülow dem Kluck vor, es gehe ihm schlecht, denn das wahre Führermerkmal gebrach ihnen, sich veränderten Umständen anzupassen. Als bei Sharpsburg alle Unterführer Lee bestürmten, sofort bei Nacht abzurücken, hörte der hohe Mann schweigend zu und brach kühl ab: »Sie können auf ihren Posten zurückkehren, wir gehen nicht über den Potomac.« Als alle Marschälle bei Eylau abziehen wollten, blieb Napoleon stehen, weil er eigenen Rückzug der Russen voraussah. Dort handelte es sich um ziemlich ungünstige Kämpfe, hier aber stand Bülow groß da, seine Siegespreisgabe befand sich in vollem Widerspruch zu Hausen, der sich Sieger fühlte. Bei Wagram fertigte Napoleon den Boten Massenas, die Schlacht sei verloren, kühl ab: die Schlacht sei gewonnen, weil die Niederlage seiner Linken nicht den wichtigeren Erfolg seiner Rechten aufwog; ähnlich bei Bautzen. Bülow aber mißachtete den vollkommenen Sieg seiner Linken wegen kleinlich pedantischer Sorge um seine Rechte, deren Zurückbiegung gar nichts schaden konnte, bei nur einigermaßen anständiger Haltung, angesichts tödlicher Verwundung der französischen Mitte. Er ließ alles fahren, zwang auf eigene Hand seine trübselige Ansicht Hausen auf, bestimmte Kluck zu gleicher Schwäche, und retirierte dann weiter als irgend nötig war. Ein verdienter Heerführer mag seine schwarzen Stunden haben, doch dies ist militärische Todsünde wider den Heiligen Geist des Krieges, gegen den von Napoleon so hoch geschätzten moralischen Faktor. Hätte er sich wenigstens seither zu seiner Schuld bekannt, so könnte man Nachsicht üben. Doch Veröffentlichung seines »Berichts« von Dezember 1914 zeigt ihn verstockt in seinen Sünden, nach dem Satze: Qui s'excuse, s'accuse . Die Lanze, die wir zu seiner Verteidigung brechen wollten, werfen wir zersplittert aus der Hand. Nein, ebensowenig, wie er der Alleinschuldige nach Meinung Unberufener ebensowenig Kluck allein, wie wir früher glaubten. Beide waren einander würdig. Bülow hatte es eilig, jedermann die Siegesfreude zu vergällen, daher sein heimtückischer Rückzugsbefehl an Kirchbach, ohne Hausens Einwilligung einzuholen. Nach allen Seiten verbreitete er unheilschwangere Gespensterseherei. »Rückzug 1. A. operativ und taktisch erzwungen«, drahtete er an Moltke. Woher wußte er denn das? Und warum griff er Klucks Aussage vor? »Ohne Nachricht von 1. A.«, gewiß ein netter Dienstbetrieb Kluck, der auch Moltke ganz im Unklaren ließ, seit 5. nicht mal Zeit fand, die O. H. L. auf dem Laufenden zu erhalten. Er trieb Privatstrategie in ungesunder Selbstgier, eigenen Erfolg zu ernten. Unter allen Bemerkungen Bülows, so oft er sich an Kluck reibt, hat wenigstens die eine Hand und Fuß: » Wenn tatsächlich 1. A. so starke Kräfte gegen sich hatte, daß 2., 4. und 4. R. K. nicht allein mit diesem fertig werden konnten«, so hätte sich Kluck einfach näher an Bülow heranziehen sollen. Dann hatte er zwar »auf Möglichkeit eines taktischen Erfolges verzichtet«, wäre aber »seiner Hauptaufgabe treu geblieben«. Schutz der Hauptflanke, wie Moltke vorschrieb. Die richtige Problemstellung liegt solcher Betrachtung fern, weil sie immer von falscher Voraussetzung ausgeht, Kluck habe sich irgendwie bedroht gefühlt. Wenn aber Bülow von Klucks wahrer günstiger Lage nichts wußte, dann durfte er auch nicht der O. H. L. ins Handwerk pfuschen und ihr seine unmaßgebliche Ansicht aufdrängen, Kluck müsse zurückgehen, während Kluck das Gegenteil wußte. Unsere Empörung steigert sich durch die schandbare Hetze, die den unglücklichen Moltke als Sündenbock erkor, dem beide sozusagen das Schwert aus der Hand schlugen. Als Moltke am 13. zurückkehrte, machte er den Eindruck eines tieferschütterten Mannes, »die Umgebung des Kaisers hielt ihn für krank. Von diesem Augenblick an führte Falkenhahn, ohne den offiziellen Titel zu haben, den Oberbefehl.« (Steiner.) Laut Falkenhahns eigenem Bericht ist er dagegen schon offiziell am 14. zum Nachfolger ernannt worden. Man hat also Moltke in geradezu beleidigender Form des Kommandos enthoben, obschon nicht er das Grundübel veranlaßte, daß Majestät, der »Sonne brauchte«, sich den peinlichen Eindrücken des Schlachtfeldes 200 km hinter der Front fernhielt. Generalquartiermeister Stein, der weiteres Annähern des Hauptquartiers vorschlug, hätte lieber dafür sorgen sollen, daß nicht der Telegraphendienst versagte und nur eine Aufnahmestelle für drahtlose Meldungen zu Gebote stand. (Unglaublich, aber wahr). Bedeutende Meldungen sollen sich so 12–18 Stunden verspätet haben, demnach hatte Moltke, als er am 11. in Reims eintraf und sich mit Bülow besprach, ein sehr unklares Bild und ließ sich von Bülow beschwatzen, der nach der Marne auch noch die Vesle hinter sich brachte. Daß er in helle Verzweiflung geriet, zeigt sein trauriger Abgang, er soll geseufzt haben: »Wir verloren den Krieg«. Das wäre an sich eine tadelnswerte Hypochondrie, doch leider erwies sich die schwarzgallige Grille prophetisch. Denn trotz lächerlicher Übertreibung der Bedeutung hat die Laienwelt recht, wenn bei ihr das Schlagwort kursiert, durch die Marneschlacht sei alles zerstört worden. Denn die Möglichkeit durch rasche Entscheidung den Feldzug zu entscheiden, kam im Westen nie wieder. »So glänzend die alliierten Heere an der Marne fochten, es waren die Deutschen selbst, die mit Überlegung abzogen, obschon sie Aussichten auf entscheidenden Sieg haben mochten.« Wer urteilt so? French! Sein Heer focht jedenfalls nicht glänzend »und die Überlegung« war nichts als unverantwortlicher Nervenzusammenbruch einiger verantwortlicher Personen; aber es verdient Beachtung, daß sogar Frenchs eigener Eindruck so skeptisch für die Alliierten ausfiel, obschon ihm aus weiter Ferne kein Ahnungsblitz die völlige Niederlage Fochs enthüllen konnte. » Am Abend des 8 . war unsere Bewegung nach Osten mißlungen. Anstatt die deutsche Rechte zu umgehen, suchte Maunoury nicht selbst eingekreist zu werden. Überall hatte sich die Lage weiterhin verschlimmert, deutsche Truppen wurden bei Barron gemeldet, bedrohten also unsern Rückzug auf Paris.« So amtliche französische Darstellung, aus der übrigens hervorgeht, daß am 8. abends kein Fortschritt Esperets fühlbar, er daher bestimmt erst am 9. nachts in Montmirail war. Gleichwohl scheut Bülow sich nicht, spätere nebelhafte Ort- und Zeitfälschungen Esperets sich zu eigen zu machen, um seine verwerfliche Schwäche zu bemänteln. Doch er muß gewußt haben, daß seine Angabe über Montmirail und Château Thierry den Tatsachen ins Gesicht schlug und daß die 2. A. erst am 11. sich in wirklichem Rückzug befand. Für einen solchen »Bericht« fehlt uns zwar nicht das psychologische, sondern das ethische Verständnis und seine spätere Ernennung zum Feldmarschall ist wohl darauf zurückzuführen, daß Moltke sich so heftig über Bülow aussprach wie über Kluck, doch sein Nachfolger sich mit Bülow verständigte, dessen Prestige zu retten. Übrigens hat Steiner, dessen Auslieferung direkt falscher, sowohl für Moltke als für Deutschland peinlicher Tatsachen an den Matin-Sauerwein uns so sauren Wein einschenkte, daß der Anthroposophenprophet entweder erstaunliche Dummheit oder boshafte Ranküne verrät, auch eine Niedlichkeit eingefügt, die willig dem historisch feststehenden Verlauf widerspricht. Moltke habe bei einem Friedensmanöver Kluck gewarnt: wenn er so im Krieg nach vorn auf Paris ausreiße, würde man den Feldzug verlieren. Als nun Kluck trotzdem so handelte, »wurde Moltke von schrecklicher Ahnung ergriffen«. Bezieht sich dies auf Klucks amüsanten Ausflug nach Amiens, so würden wir gewiß damit einig gehen, auch mag Moltkes bestimmter Befehl zum Verbleiben »zwischen Oise und Marne« darauf hindeuten. Dagegen liegt nicht das kleinste Anzeichen vor, daß Moltke während der Marneschlacht sich irgendwelcher Besorgnis um Kluck hingab, obschon ihn dieser absichtlich ohne jede Aufklärung ließ. Zweimal depeschierte er am 10. vormittags und später, Kluck solle mit aller Kraft eingreifen. Kluck ließ sich nicht herab zu antworten: »Ihr Vertreter Hentsch hat ja Rückzug hinter meinem Rücken angeordnet«, klareres Symptom schlechten Gewissens gibt es nicht. Und die militärisch unglaubliche Behauptung, dies sei ohne Klucks Genehmigung geschehen, taucht ja erst in Klucks wertlosem Buche auf, der sich auch nicht scheute, seinen »hochgeschätzten Gegner« French durch einen Interviewer verbindlich grüßen zu lassen und von der durch seine Schuld entschlüpften englischen Armee mit besonderer Hochachtung zu reden! Die einzige Gegenmitteilung, die Moltke empfing, war am 11. die angenehme Anzeige: »1. A. geht über die Aisne zurück.« – Eine Napoleonshand hätte durch die beiden Atouts Revigny–Loupy und Connantre–Salon jede Spielchance des Feindes abgestochen, doch die Deutschen hatten eben keine »Veine«, das Spiel um so hohen Einsatz ging verloren, weil die Bank keine »Reserven« hatte, oder vielmehr der wirkliche Bankhalter Bülow dies vorgab. »Reserven hatte er nicht mehr zu erwarten« (Baumgarten). Wirklich? Es unterliegt keinem Zweifel, daß am 12. und 13. längs der Marne alle fehlenden Teile der 2. und links der 3. A. bei Chalons eintrafen, also die Schlacht in Linie Chalons–Dormans sofort wieder aufgenommen werden konnte. »Das Wunder der Marne« war allerdings ein Mirakel kopfloser Verworrenheit, doch für Joffre nur das, was man in der Theatersprache einen »äußeren Erfolg« nennt. Es ergab nur Einschmieden der Deutschen in unzerreißbare Stellungen, wo er sich nachher den Schädel einrannte. Daß er den Feind sich nachlockte, um ihn unter günstigen Bedingungen zu fassen, ist kindliche Legende. Erwartete man nicht früher so viel vom Reimser System (9 Hauptforts wie bei Verdun), unter dessen Schutz man eine stärkere Stellung gehabt hätte, links fortgesetzt vom Marnebogen mit so verteidigungsfähigem hohem Südufer, rechts von den Argonnen? Wer ein Zentraldepot mit mächtigen Vorräten (auch für Aviatik) aufgibt, gibt die Partie auf. Darin, daß Joffre sich bis 5. kampfunfähig fühlte, liegt psychologische Berechtigung des rastlosen Vormarsches, durch den Moltke den Feind mit einem letzten Schubs über die Seine bis aufs Plateau von Nevers zu werfen und dann die Zange der 8. und 7. A. über Nancy und St. Dié anzusetzen hoffte. Denn seine Direktive bekennt unumwunden, daß er sich mit so vielverheißenden Gedanken trug. Nun, das stand ihm gut an, wenn die Voraussetzungen stimmten, obschon wir theoretisch die Anwendungen doppelseitiger Umfassung im größten Stil als einen Irrtum der Moltkeschule verwerfen. Daß man die Demoralisierung der Franzosen überschätzte, war ein Rechenfehler in Nationalpsychologie. Ein Feldherr oder Staatsmann müßte stets ein erfahrener Historiker sein, der seine Pappenheimer kennt. So widersprach Wilhelm I., durch Jugenderfahrung belehrt, als man nach Sedan den Krieg für beendet hielt. (Die Rasse ändert sich nie, das bewies auch nachher Amerikas erstaunlich rasche Kriegsorganisierung, die selbst wir bezweifelten, obschon wir die Erfahrungen der Sezessionskriege gründlich kannten). Deshalb hätte man jede Möglichkeit vermeiden sollen, daß der auf Zero gesunkene Thermometer des gallischen Temperaments durch irgendwelchen Scheinerfolg in die Höhe schnellte. Man zwang Joffre dazu, das Waffenglück nochmals zu versuchen, mit der Parole »Rettung von Paris«. Um so weniger durfte man sich darauf einlassen, in unvereinter Überhastung den jetzt Vollvereinten anzurennen. Den Berliner Generalstab verließ seine gepriesene Methodik. Aus vernünftiger Prüfung der Marschtableaus ließ sich folgern, daß nichts klappen würde. Daß großartige Truppenleistung alles ausgleichen werde, mit solchen Chancen spielt kein Feldherr. Bloße Konjunktur verkennt notwendig eintretende Reibungen, was Napoleon stets im Anschlag brachte, mehr als feindliche Gegenzüge. (Bernadotte bei Jena und Eylau, Brückenriß bei Aspern usw.). Einzelheere lassen sich nicht streng überwachen, wo nur ein starker Wille lenken soll. So lange man den einzelnen Armeechefs überläßt, nach eigenem Gutdünken sich untereinander zu verabreden, werden daraus Kraut und Rüben. Klucks Verhalten ähnelt auffällig dem Neys bei Bautzen und Quatrebras, wo gleichfalls ganze Korps durch Trödelei paralysiert wurden; sein Verhältnis zu Bülow, der seit St. Quentin sicher mit ihm innerlich auf gespanntem Fuß stand, scheint an dasjenige Nays zu Soult zu erinnern. Selbst Vergleich mit Grouchy ist am Platze, in dessen Fall gleichfalls die Dinge lange entstellt und die Schuldigen reingewaschen wurden. Grouchys heut entlarvte Dokumentfälschungen ähneln einigermaßen der Klucklegende, an deren Märchen der General selber teilweise unschuldig sein mag, so daß seine Darstellung sich hin und her dreht, um seinen Freunden den Gefallen zu tun, ihren Erfindungen sich halbwegs anzupassen. Moltke der Ältere übernahm von Clausewitz die Grundidee, den Feind nach Norden von Paris abzudrängen, sie lag nur im Bereich des Erfüllbaren, wenn Bazaine und Mac Mahon ihm geradezu in die Hände arbeiteten. Moltke der Jüngere entnahm von Schlieffen die Phantasie, den Feind südöstlich an die Schweizer Grenze zu drücken, eine Großspurigkeit, deren Durchführung schon die übermäßige Stärke der 6. und 7. zuwider war, da diese doch nur den über Nevers zurückgestoßenen Feind auffangen sollten, und im Gegenteil nur besondere Stärke der 1. und 2. A. die Einkreisung im Westen vollziehen konnte. Bülows Abbiegen auf Reims schädigte ferner die leitende Anschauung, er selbst vergrößerte die so peinlich empfundene Lücke zu Kluck , dessen Abschieben von 9. K. und 5. D. und Marrwitz auf Château Thierry hierdurch nötig wurde unter Beeinträchtigung der Direktive »zwischen Oise und Marne«. Der seiner Kavallerie beraubte Hausen erhielt nur laue Versprechungen, er hätte sonst vielleicht durch Raids weit voraus die Bahnstränge zwischen Vitry und Troyes unterbrechen können. Und entzog ihm Bülow nicht so viel Kraft, wäre ihm schon am 8. auf Strecke Mailly–Sommepuis der Sieg erblüht. An allen Versehen trug die O. H. L. keine unmittelbare Mitschuld. Sie hatte keinen Anlaß, Klucks Lage anders als gesichert und günstig anzusehen. Wenn sie nach Napoleons Grundsatz: »Ich sehe nur eins, die Massen«, Paris liegen lassen wollte, um die lebendige Feindmasse von Paris abzutreiben, vernachlässigte sie dabei »die Armee von Paris«? Diesen unberechtigten Vorwurf zerstört Moltkes Direktive am 5. Er zog Ausfälle aus Paris sehr wohl in Betracht, wie ja nicht anders angängig, weil Kluck die Anwesenheit von Massen bei Paris nie verhehlte, weshalb die Vorbeimarschlegende ihn zu einem Verrückten stempelt. Er war nichts dergleichen, sondern nur allzu vorsichtig und bedächtig, wie alle seine Entschlüsse zeigen. »Seine Armee« war ihm alles, die brachte er nicht unnötig in Gefahr. Moltke legte sein Augenmerk auf den Kronprinzen, wie sein Heerbericht am 10. zeigt, und erwartete von Strantz an der Maas viel Schönes. Wenn dieser auf sich warten ließ und sein Vorgehen zunächst schwächlich ausfiel, so ist nicht gesagt, daß es nicht am 12. wirksam geworden wäre. Der Kronprinz soll unbändig gegen den Rückzug getobt haben, mit vollem Recht. Am 12. hätte er Kraft genug entfaltet, um Sarrail abzuschnüren und ihm seine Verdunstellung zu verleiden. Mudras Beweglichkeit bei Ippecourt trug zur Möglichkeit bei, Sarrail sogar von Verdun abzusperren, daß für gleichzeitige Rückenumfassung bei Laimont und südlich der Maas durchschlagender Erfolg winkte. Durch Rückzug verlor man für immer die Aussicht, Sarrail einzupressen, Ippecourt–St. André wurden nie wieder erreicht, Mudra geriet seitwärts ab, Flankierung Sarrails trat nie wieder ein, ein unersetzlicher Verlust. Wie aber sollte sich Moltke auskennen nach so mangelhaften und verwirrten Rapporten? So ist z. B. Anwesenheit des 3. K. am Morin reine Fabel, doch Moltke wußte es nicht anders aus Klucks täuschendem Rapport, daß 3. und 9. K. die Flanke Bülows deckten. Wenn wir wissentliche Unwahrheit ausschließen, so scheint eben Kluck weit rückwärts in Compiegne und später F. Milon vom Verbleib seines linken Flügels nichts gewußt zu haben. Später erfuhr dann Moltke die angebliche totale Umgruppierung am Ourcq, konnte also nie an Gefährdung der nun vereinten 1. A. glauben, während Bülow sich anstellte, als ob sie in Todesnöten schwebte. Baumgarten meint, daß Moltke »überrascht war vom Wegziehen des 3. und 9. K., von dem er erst erfuhr, als die Bewegung schon im Gange war.« Doch Kluck ließ während der ganzen Krise überhaupt nichts von sich hören; Bülow beklagte sich: »2. A. hat keinerlei Nachrichten von 1. A.«, wir unterstreichen nochmals Moltkes verwunderte Anfrage: »Wie Lage, welcher Feind gegenüber?« Im Dunkeln ist gut munkeln, Kluck der verschleierte Prophet, ließ sich nicht herab, seine Schlachtresidenz anzugeben, er verschleierte geheimnisvoll, was hernach die Reklame für ihn entschleiern durfte. Bülow winkt spöttisch: »Auf Eingreifen der O. H. L. rechnete ich nicht mehr«, nämlich am 8. und 9., doch wie sollte sie da noch eingreifen? Sie hatte keine Reservepfeile mehr zu versenden. Baumgarten wirft Moltke vor, er habe angeblichen Rückzug des 9. K. nicht verhindert, wie sollte er das, nachdem Kluck schon so verfügte? An Bülow war es einzuschreiten. Was er nicht zu wissen vorgibt, bleibt darum doch wahr, nämlich daß Abzug des 9. K. in diesem Sinne nicht erfolgte, erst recht nicht am 7. Insofern griff aber Moltke wirklich ein, als er die hoffnungsvolle Auffassung Hausens teilte. Dieser scheidet für die Schuldfrage glatt aus; Baumgartens Reinwaschung sagte uns nichts Neues, die Sachsen empfanden den Rückzug förmlich als persönliche Beleidigung. Sie wurden auch der durch Bülow verfahrenen Lage gerecht, und waren nahe daran, Langle von Foch abzuschneiden. Es gehörte die Dreistigkeit der Unwissenheit dazu, Hausen verantwortlich zu machen. Bei Egli hat sich der Unsinn so verdichtet, schon am 6. sei Rückzug angeordnet worden! Doch vernunftgemäß setzten auch wir voraus, so weit unsere Anklage gegen Kluck gedieh, irgendwelcher formale Rückzugsbefehl der O. H. L. habe doch vorliegen müssen. Wenn laut üblicher früherer Legende dies am 8. erfolgte, so gehorchten also die 3., 4. und 5. A. nicht, denn sie fochten, wie wir sahen, bis 11. Doch wir konnten uns das Hin- und Hererwägen sparen, denn Moltke dachte selber nie vor 11. an Retirade. Zuletzt verschworen sich Bülow und Kluck gleichsam, als ob sie sich mit des Gegners Zeitfälschung verständigen wollten, ihren Rückzug auf den 9. vorzudatieren, während er am 10. und 11. begann. Da die Botschaften von 3., 4. und 5. A. zuversichtlich lauteten, durfte aber Moltke sich durchaus nicht zum Rückgang verstehen, so lange er Fassung bewahrte. Sein Abwinken an 4. und 5. A. bezüglich des Nachtangriffs war schon ein Umfallen aus seiner offensiven Haltung. Am 10. noch voller Siegeshoffnung, warum steckte ihn am 11. Bülows Rückzugsfieber so an, daß er sich überwunden bekannte? So band ihm Bülow noch nicht die Hände, daß er nicht mit 3. und vor allem mit 4. und 5. A. forthämmern konnte, da die Aussichten bei Revigny–Laimont glänzend waren. Wozu übertriebene Verzweiflung, statt Bülow mit Strenge in seine Schranken zurückzuweisen? Dieser hätte noch am 11. kehrtmachen und die südliche Marne samt der Vesle behaupten können. Blieben die Sachsen bei Chalons, wozu sie willens waren, hätte man jeden Anprall überstanden. Albrecht wiegte sich lange in dem Wahn, die Schlacht werde siegreich durchgekämpft, um so peinlicher traf ihn der plötzliche Abmarschbefehl. Dann hätte er eben Vorstellungen erheben und nicht so weit retirieren sollen, wodurch er Hausen zweimal aufscheuchte. Moltkes Schwäche ließ das zu. Auch entgeht er dem Vorwurf nicht, daß er keinerlei leitende Idee für die Schlacht ausgab. Der Zentrumsstoß auf Hausens rechten Flügel entstand zufallmäßig durch mechanische Kausalität. Ist das die Art, wie Feldherrn sich auf Entscheidung vorbereiten? Man vergleiche Friedrich und Napoleon vor ihren Hauptschlachten. Die Ausrede mit modernen Massenverhältnissen verfängt nicht, bei Hindenburg sehen wir das Unveränderliche der wahren Grundsätze. Wir wollen die O. H. L. nicht weißbrennen, nur bezüglich angeblichen Rückzugsbefehl führt die Untersuchung zu überwältigender Ehrenrettung Moltkes, dem Bülow-Kluck das Heft aus der Hand wanden und den anmaßenden Pfuscher Hentsch nur als Handlanger ihrer eigenen bösen Absicht unterstützten. »Bösen«, denn daß sie natürlich von sich aus nach bestem Gewissen ihren Unfug trieben, ist belanglos und unerheblich, das können auch Ney und Grouchy für sich sagen. Bülow läßt durchblicken, er habe von Anfang an die Einfädelung der Schlacht mißbilligt. Das mag schon sein, doch im Grunde war er ja selbst der Urheber. Laut ihren V. L. berührten 73. und 78. Emmichs schon am 3. den Petit Morin, also vor der Garde. Konnte man am 5. daran zweifeln, daß Foch und Esperet sich auf Sezanner Bildfläche in Schlachtbereitschaft setzten, zumal schon die Gardevorhut bei St. Goud starke Kanonade spürte. Die Ungleichmäßigkeit solchen Vorgehens mußte unter solchen Umständen verboten werden. »Am 4. fand keine Berührung mit dem Gegner statt«? Was sagt Bülow denn zu obiger Vorhut Emmichs und zur Kavallerie, die als Auge des Heeres sicher sah, welche Massen sich drüben sammelten? Bülow verfuhr also sehr unvorsichtig, er hätte vernünftigerweise stehen bleiben und das Eintreffen seiner Reserven abwarten sollen. Der Feind hätte eine Falle gewittert und keine ernstliche Offensive gewagt. Jeder Tag war ein Gewinn, weil man der Vereinigung näherkam. Wenn Bülow mit Rückzugsgedanken schwangerging, so durfte er nicht Garde und Emmich frühzeitig sich verbeißen lassen, wodurch er Hausen zu Gewaltmärschen zwang und ihn von seiner eigentlichen Aufgabe (Mailly) ablenkte. Gerade Bülow ist also für verfrühte Schlachteinfädelung verantwortlich, geradeso wie er bei Charleroi verfrüht wider die Abrede losschlug. Und doch hatte er dort gleich wieder Bedenklichkeiten (Meldung an Hausen), darin blieb er sich jetzt auch in der »Marneschlacht« treu. Seine Ängstlichkeit steckte alles in seinem Bereich hypnotisch an. Während d'Elsa und Laffert freudig ihren Braven vertrauten, verleumdete Kirchbach seine 24. D., die sich doch gut herauswickelte, sie habe keinen Kampfwert mehr! (Sie schlug sich gleich darauf bei Moronvillers vorzüglich). Bülows dumpfer Pessimismus schlug auch Moltke bei der Reimser Aussprache in Bann, er impfte ihm seine zurückhaltende Skepsis ein, sicher erfuhr Moltke erst später, welchen gewaltigen Erfolg Bülow preisgab. »Loslösung vom Feind geschah ohne jede Schwierigkeit«? Jawohl, Emmichs Loslösung hätte aber große Schwierigkeit gehabt, wenn Bülow schon am 9. seine Rechte zurücknahm. War auch Foch im Abgleiten nach der Niederung des Mauriennebachs, so wäre doch Esperet auf Vauchamps Emmich in den Rücken gefallen, wenn die Lage so war, wie Bülow und der Feind vortäuschen. »Vor Mitte und linken Flügel folgte der Feind überhaupt nicht«, am 9. nämlich? Spaß! Weil damals überhaupt noch kein Rückzug im Gange war. Erst am 11. früh meldeten Flieger, Esperet ziehe ostwärts. »Auch am 10. ward die Bewegung ohne Störung fortgesetzt«? Welche, die der Linken? Also war Esperet nicht mal am 10. in Nähe von Vauchamps, wo doch eine erhebliche »Störung« stattfand. »Erst im Laufe des 11. gewann er die verlorene Fühlung wieder«? Sehr wahr, aber daß der Feind überhaupt am 9. und 10. ohne Fühlung war, ist ja reinster Aberwitz, denn Bülows Karte, »9., 10 Uhr vorm.« vermehrt eine direkte Fälschung der wirklichen Stellung. Was geschah nun mit der westfälischen Brigade und Richthofen, d. h. allem, was aus Montmirail nordwärts abzog? Nicht der »ganze rechte Flügel«, wie Bülow an Moltke mitteilte, denn Hülsen und Emmich gingen über Vauchamps ostwärts. Fortwährend stellt er sich an, als ob »der nicht angelehnte rechte Flügel« keine Seitenwehr gehabt hätte, während Marrwitz, Hauptteil 17. D. und später 5. D. in Aufnahmestellung dauernd deckten. Letztere scheint anfangs bis Condé en Brie südöstlich Thierry vorgegangen zu sein, was unmöglich, wenn Esperet dort schon am 9. nachts (oder gar 8. nachts) die Marne überschritt. Ein Kuddelmuddel von lauter Widersprüchen. Allerdings litt 5. D. so minimal, daß wohl nur 48er in Frage kommen. Da wohl niemand den Brandenburgern Pflichtvergessenheit zutraut, wird offenbar, daß sich General Wuchera noch »nördlich der Marne« befand, wie Moltkes Tagesbefehl am 10. ausdrücklich sagt. (Daraus folgert, wie saumselig Kluck sich rückwärts gestaffelt hatte, denn ungefähr auf gleicher Höhe standen anfangs 2. und 4. K.). Wie schon erwähnt, müßte der rührige Maudhuy unglaublich getrödelt haben, wenn er, am 9. in Thierry, erst am 12. bei Fismes an der Vesle ankam. Setzte sich hingegen Esperet erst am 11. (Fliegermeldung) in Bewegung, dann wird auf einmal alles klar, d. h. die Unhaltbarkeit jeder Bülowschen Angabe. Falls er wirklich am 9. seine Trains über die Marne zurücknahm, so beweist dies zwar seine Rückzugsabsicht, nicht aber Zurücknahme der Truppen. Möglich, daß er am 9. nachmittags den ungeheuren Erfolg Champenoise–Salon nicht kannte. Verlegte er wirklich am 10. sein Hauptquartier nach Epernay an der Marne, so pflegt ein solches ja weit hinter der Front zu sein, wie zuvor Montmort. Lag aber dort nach seiner Angabe damals »14. D.«, so beweist dies nur, daß sie erst jetzt mit ihrem Gros dort anlangte, denn die Jochesgrnppe, um die es sich nur handeln kann, wird doch wohl Hülsens Nachhut bei Vauchamps am 11. unterstützt haben, nach Bülows Angabe sogar noch westlicher bei Champaubert. So wird lediglich falsch ausgelegt, was nur unsere Divination des Zurückbleibens bestätigt. Gleichzeitig bekräftigt Bülow hier unsere Auffassung, daß keine Vorhut der 14. D. bei Montmirail mitfocht (wie noch Bircher glaubt), denn er sagt ausdrücklich, daß nur 13. D. (immer dieser irreführende Ausdruck für eine Brigade) Montmirail verteidigte. Was sind das nun für Zustände, daß Einem bei Epernay war, seine 25. Brig. aber isoliert auf Dormans zurückging! Dadurch entstand ja eine richtige Lücke, in die Esperet durchstoßen konnte, wenn die Lage Bülows Bilde entsprochen hätte. Wenn der Feind am 9. früh, »mit zahlreichen Kolonnen« den nördlichen Marnebogen überschritt, dann konnte die Besatzung von Montmirail einem bösen Schicksal nicht mehr entgehen, falls sie auf Dormans abrückte, und hätte nie die Vesle decken können. Militärs in hoher Stellung setzen bei den Lesern völlige Urteilslosigkeit voraus, denen sie jeden Bären aufbinden können. Wie konnte ferner die Gardenachhut am 10. abends bei Avize–Flavigny südlich Chalons stehen, wenn sie erst in der Nacht zum 11. Champenoise räumte, wie wir unwiderlegbar festlegten? Die 4. G. Brig. hatte ihr Nachhutgefecht erst am 12. »bei Chalons« laut V. L.: hier hat man genaue Fixierung eines Zeitbetrugs von zwei vollen Tagen. Bülow, Hausen um alle Siegesfrüchte prellend, beschuldigt sich eines ebenso unentschuldbaren, wie unmöglichen Rückzugs am 9., der tatsächlich erst am 11. wirklich im Gange war. (Räumung des vorgeschobenen Postens Mondemont am 10. vorm., hat dabei nichts zu sagen, den Umständen nach mußte Emmich früher abrücken als die Garde, was er aber auch nur sehr langsam tat, ohne irgendwie von dem zermürbten Feind belästigt zu werden). Und warum belastet er sich so? Um dem schweren Vorwurf zu entgehen, daß er völlig grundlos in einem Zug bis hinter die Vesle zurückrannte und schon am 9. mittags Kluck durch Hentsch bearbeitete, gleichfalls auszureißen. Er muß die Lage verwirren, um seinen Unfug verständlich zu machen. Das aber übersieht er, daß auch seine nordöstliche Rückzugsrichtung ihn in groben Selbstwiderspruch verwickelt. Denn gerade hierdurch erzeugte er gründliche Unterbrechung der Verbindung mit Kluck, was zu verhindern ja gerade sein angeblicher Vorsatz beim schandbaren Rückzug war. Ursprünglich redete er von Unterstützung des angeblich umgangenen Kluck »nördlich der Marne«; kaum verließ sich Moltke darauf, als Bülow schon eine entgegengesetzte Richtung einschlug. Allerdings verlor Moltke jetzt selber den Kopf, denn am 11. in Reims befahl er selber: »2. A. geht hinter die Vesle«; dies geschah aber nach persönlicher Rücksprache mit Bülow, der bereits solche Maßregeln traf und ähnliche Klucks hervorrief, daß die O. H. L. gar nichts mehr daran ändern konnte. Dieser erste und einzige Rückzugsbefehl ist von ihr geradezu erpreßt worden. Es hat etwas Bemühendes, wie allerhand Autoren sich früher das Unbegreifliche zusammenreimten. Egli vermutet als Rückzugsgrund (wohlbemerkt schon am 7.) mangelnde Betriebsfähigkeit der Feldbahnen zu rechtzeitiger Truppenbeförderung nach dem bedrohten Kluckflügel, weshalb man vorzog, »der Gefahr auszuweichen.« Erstens war der Flügel nicht bedroht, zweitens erfuhr Moltke überhaupt nichts davon, wegen Klucks wunderbarer Schweigsamkeit trotz späterer Redseligkeit dieses großen Schweigers. Drittens waren die Bahnen so leistungsfähig, daß schon am 12. das K. Deimling aus Lothringen bei St. Quentin ausgeladen wurde. Nach eigener Darstellung Klucks traf er ja auch am 9. keinerlei Anstalten zum Rückzug, sondern zum Gegenteil, bis ihn Hentsch heimsuchte. Stegemann verlegt den angeblichen Rückzugsbefehl auf 8. wegen böser Nachrichten aus Osten, sowie des belgischen Ausfalls aus Antwerpen. Letzterer begann erst am 12.; am 8. wußte man schon, daß Hindenburg auch gegen Rennenkampf erfolgreich sein werde, und die große österreichische Niederlage reifte noch lange nicht aus. Übrigens sollte diese erst recht zu siegreichen Schlägen in Frankreich gereizt haben. Die Franzosen wollen einen Tagesbefehl des 8. K. aufgefangen haben, der für 8. eine Hauptschlacht voraussah, und triumphieren: also hätten die Deutschen Entscheidung gesucht und dabei den Kürzeren gezogen. Dem General Tschepe stand der Drang nach Entscheidung um so weniger an, als er erst am 9. sein Korps notdürftig vereinte. Wie sehr trübt man das wirkliche Verhältnis, wenn man diesen Drang bei anderen als bei Hausen und dem Kronprinzen voraussetzt. Ausgesprochene Rückzugsneigung aber konnte am 8. noch bei niemand bestehen, obschon Bülows Entstellungen dies für sich selber andeuten. Weder gab es planmäßige Einleitung einer Hauptschlacht, noch planmäßiges Abbrechen, was immerhin scharfe Kritik herausfordern und Moltke das Brandmal der Schwäche aufdrücken würde, doch nie hat er es gut geheißen, alles ist allein Bülows trostloses Werk. » Vous avez ruiné la France «, herrschte am 17.6.1815 Napoleon den Ney und Erlon an: Moltkes Verzweiflungsausbruch entstammt herber Enttäuschung und gerechtem Zorn. Politische Rücksichten dürfen keinen militärischen Augenblicksakt beeinflussen; ein neuer Sieg hätte ja die politische Lage von Grund aus gebessert, doch wer hinten in Luxemburg am grünen Tisch saß, war sich wohl nicht bewußt, daß gerade jetzt Rückzug auch politisch der größte Fehler war? Doch! Moltke ahnte deshalb ein böses Ende, ein Finis Germaniae. – Klucks Rückzug, dessen herrliche Ordnung die Fama preist, sah recht unschön aus. Er verließ eine Stellung nach der anderen, obschon Moltke ihm ursprünglich vorschrieb, südlich der Aisne zu bleiben. Er zeigte die Haltung eines Demoralisierten; was den Franzosen sonst nirgends, auch nicht bei Bülows Abzug, nach ihrer eigenen Aussage begegnete. Erschöpft wie er war, verfolgte Maunoury Armins Nachhut über Laval und stieß am 12. hinter I/27. Aufklärungstrupps in Richtung Nouvron vor. Indessen zeigen die V. L., daß am 13., 14. nur Scharmützel stattfanden. Bei Cotterets hielten 35er die Verfolger auf und hatten 66. R., das wahrscheinlich noch als Nachhut Opfer brachte, I/III/49. Berührung mit dem Feinde. Daß der 4. Kav. D. alliierte Reiterei durch Überfall ihre Batterie abnahm, zeigt die sorglose Liederlichkeit des Abzugs. Jeder weitere Rückzug bedeutete weiteres Sinken der Wage, Verzicht auf schnelleres »Matt«, nur »Remis« war noch möglich, ein »Patt« der festgerannten Offensivlinie der Verbündeten. Als der Rückdruck die deutsche Front in eine einzige straffe Mauer verwandelte, wo alle Einzelheere, die bisher teilweise vermißte innere Fühlung gewannen und alles besser in einen einheitlich gespannten Rahmen zu passen schien, hatte man sich allerdings taktisch verbessert, doch um so mehr Grund zu strategischer Niedergeschlagenheit. Eine Horizontallinie statt einer gekrümmten bedeutet eben reine Frontalaufstellung. Als Joffre hier wie einst Grant gegen Lee zu »hämmern« begann, hatte er nicht Grants Entschuldigung, daß die gewaltige Überlegenheit der Nordstaaten an Menschen und Material ihm jedes Blutbad erlaubte, wenn nur die Südstaaten dabei auch geschwächt wurden. Vorerst war Frankreich auf sein eigenes Menschenreservoir angewiesen, und das war wahrlich nicht unerschöpflich, erst 1916 warf England ein großes Gewicht in die Wagschale. Die »unzählbaren Bataillone des Zaren« und seine ausgeschrienen Reiterhorden, die sich in der Wirklichkeit jämmerlich blamierten, schmolzen schon 1914 wie Schnee in der Sonne. Es hatte lange den Anschein, als ob Deutschland auf beiden Fronten nur den linken Arm gegen Rußland und den rechten gegen Frankreich zu erheben brauche, um beide niederzuschlagen. Das unmittelbare Fortsetzen der Marneschlacht in allgemeiner vermehrter Hauptschlacht kann man nicht als Fehler Joffres bezeichnen, sondern als psychologisch richtig, doch eben nur unter der falschen Voraussetzung, daß die Deutschen durch übergroße Verluste »demoralisiert« sein müßten, denn warum hätten sie sonst, überall Sieger, unaufhaltsam Rückzug angetreten? Daß sich nachher die Sage bildete, die wundersame Berliner Strategie habe absichtlich den Feind sich nachgelockt, um ihn sich an der neuen starken Linie verbluten zu lassen, begreift sich angesichts des Ergebnisses, obwohl jeder Wahrheit entbehrend. Doch dies sind alles rein taktische Auffassungen. Strategisch glaubt man sich in die altersgraueste rohe Empirik zurückversetzt, wo man frontal auf einander losklopfte. Aus solchen ungeheuren Schützengräben von 150 km Länge gibt es keine gelenke Entwicklung, keine Dynamik entfalteter Bewegung. Grade diese bessere taktische Stellung erklärte strategische Trauben für zu sauer, dem Feind allein fiel jetzt die Initiative zu, erst im Westen mußte man sich das Gesetz des Handelns wieder erwerben, wo es aber Joffre gleichzeitig den Deutschen aufzwingen wollte. Beharrliches Schweigen des Heeresberichts über die Marneschlacht und ihre Folgen ermöglichte dem Gegner, unbeanstandet ein Legendengebäude zu errichten, das zu schwindelnder Höhe anwuchs. Erst behandelte man selber unter dem Eindruck der Wirklichkeit das Ganze als gelungene Abwehr deutschen Übermuts, doch immer greller umflammte Reklame diese Walstatt und stachelte durch Glorienplakate den Siegeswillen der Nation, der bisher den französischen Führern unter der eisigen Douche ernüchternder Niederlagen abging. Das hielt auch dann noch vor, als alle Einsichtigen das wahre Wesen des Pyrrhussieges erkannten. Denn dauerndes Totschweigen der Marneschlacht deutscherseits stützte den falschen französischen Amtsbericht. Dieser schrieb Maunoury die bestimmende Rolle zu, die er nur in Bülows Wahngebilden spielte, denn Kluck an Ort und Stelle kann sich unmöglich so getäuscht haben. Ein General Pelissier hielt nach dem Krieg einen Vortrag, der angeblich glänzende Raid der Kavallerie Bridoux am 9. habe Kluck zum Rückzug bewogen. Klucks eigenes Buch leugnet aber jede Einwirkung auf ihn, obwohl er die Episode seines Stabsquartiers zugibt. Jede Entstellung der obwaltenden Verhältnisse, die man auch heute in Paris nicht zu kennen scheint, blieb aber sonst unangefochten. Da errät wohl der Dümmste, die O. H. L. habe besondere Gründe zum Schweigen gehabt. Warum nicht offen darlegen, daß nur die Hälfte der Heere doppelter Übermacht ausgesetzt wurde und der Mißerfolg sich durch »Irrtümer« einiger Führer trotz gewonnener Schlacht erkläre? Ja, das hätte eben das blinde Vertrauen in die Leitung erschüttert, und dies zu bewahren war Suprema lex und regis voluntas. So ließ man auch zu, obschon alle Eingeweihten das Gegenteil gewußt haben müssen , daß die Klucklegende sich herausbildete. Es scheint ziemlich sicher, daß ihr Ursprung in ausländischer Phantasie wurzelt, French und Esperet bedurfte dringend zu ihrer Reinwaschung der Täuschung, der fürchterliche Kluck habe sie am Morin scharf angefaßt. Deutsche Bänglichkeit im Westen befremdet aber um so mehr, als Abmarsch der Armee Ruprecht dorthin schon beschlossene Sache war. Was hatte man also dort von Umgehung zu fürchten, deren Parierung von Woche zu Woche näherrückte. So wenig wie bei Montmirail lag je am Ourcq ein triftiger Beweggrund zu Bedenken vor, erst recht nicht wegen Verlusterschütterung. Wir wiesen ja nach, daß dort die 1. unendlich weniger litt, als 2., 3., 5. A. Leider lassen die Einzelschriften des Generalstabs über den Weltkrieg fast durchweg bezüglich Gefechtsstatistik im Stich. Wozu die gut ist, ahnt der Leser wohl jetzt, sie allein führt den wahren Weg unter Fußangeln zerfahrener Berichte. Sollte man für möglich halten, daß Kothes lächerliche Schrift zum »Ruhme der 1. A.« das Märchen der 7000 (!) deutschen Leichen bei Montmirail nachbetet. Ein selbst für französische Verhältnisse ungewöhnlicher Luxus im Lügen, da hier nicht einmal das Abstreichen einer Null hilft! Doch vielleicht liegt auch hierin Absicht, um eine grause Niederlage Bülows vorzuspiegeln, die natürlich Kluck zu dessen Leidwesen um gewissen Sieg brachte. Die Kämpfe an dieser Front hörten ganz auf, weil Kluck einen zu großen Vorsprung gewann? Das ist falsch, es gab Nachhutgefechte, »Loslösung vom Feinde glänzend gelungen«, »strategische Tat, wie wenige in der Weltgeschichte verzeichnet«!! »Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber«. So stellt laienhafte Unkunde es noch so dar, daß man Kluck dafür danken solle, weil er den Feind losließ! Wohl aber stellten wir über jeden Zweifel fest, daß er noch am 10., 11. nicht die geringste Gefahr durch French lief, worauf man sich jetzt hinausredet, nachdem das Maunoury-Märchen durch eigenes Zugeständnis dieses Heerführers entlarvt. Dabei spotten die Phantasten ihrer selbst und wissen nicht wie: Wenn Klucks Zurückgehen bloß bis Grepy en Valois, 5 km von Neuilly genügte, um ihn »loszulösen«, und seine Nachhut noch am 10. vorm. bei Nanteuil stand, dann drohte ihm also gar nichts und es beweist zugleich, daß weder French noch Esperet damals schon die Marne überschritten, sonst wäre so geringe Loslösung unmöglich gewesen. Selbst wenn er nur stehenblieb und demonstrierte, konnte noch alles gutgehen. Maunoury war abgetan, French stockte wieder und Esperet hätte sich besonnen, nur einen Fuß über Château Thierry nachzusetzen. Die anderen Heere konnten ruhig ihr Heldenwerk vollenden, dem Joffre sicher erlegen wäre. Dieser adoptierte oder erfand die herumspukende Klucklegende aus Frenchs naiven Spiegelfechtereien, weil es Blendwerk der eigenen offiziellen Legende von Joffres »meisterhaftem« Flankenangriff so paßte. Lieber ein »brillantes Manöver« Klucks, dessen wunderbare Ausführung dann übrigens nur Linsingen und Armin gutzuschreiben wäre, – hinten in F. Milon konnte doch Kluck nichts davon überwachen – bombastisch anerkennen, als eingestehen, daß Maunourys »Flankenstoß« nie wirklich auf eine Flanke, sondern eine zwar schüttern, spärliche, aber zusammenhängende Front stieß, also von vornherein zur Unfruchtbarkeit verurteilt war. Da so geringe Kräfte der 4. A., was immer vertuscht wird, zur Einkneifung von Langles Kanalstellung genügten, wäre vorteilhaft gewesen, auch 8. R. K. gegen Vitry einzudrehen, dagegen 3. A. nur zwischen Mailly und Ecurie. Die Innenflanken von Foch und Langle zu sprengen, wo die Einfüllung der 9. Kav. Division dem ersten Stoß nachgegeben hätte, war die wichtigste Aufgabe und Hausen hätte Abgabe von drei Divisionen zu Bülows linker Flanke von der Hand weisen sollen. Eine 2. G. D. war Manns genug, sich allein zu behaupten, und wer hieß Bülow den Angriff so weit östlich verlegen, da er doch durchaus nach Westen zum 9. K. aufschließen wollte. Statt dessen dehnte er sich auf 46 km aus, östlich bis zur Chalonchaussee, der passenden Anmarschrichtung der Sachsen, denen er so teilweise den Weg ersparte. Der Frontalangriff auf St. Gond war auch taktisch verfehlt, viel richtiger hätte die Garde unter Umgehung der Sümpfe südwestlich auf Vauchamps weitermarschieren sollen, wodurch Emmich westlicher geschoben wurde und so die Stellung Gault–Montmirail verstärkt hätte. Nicht dem ehrgeizigen und doch so unfesten Bülow stand der Angriff zu, sondern Hausen, der sich bei richtiger Verwendung seiner Sachsen für immer mit Ruhm bedeckt haben würde. Die ungaren Verhältnisse des Anmarsches ließen aber keinerlei planmäßigen Einsatz der nacheinander auf den Feind prallenden Teile zu. Daß die unvergleichlichen Truppen, die sich alle, Sachsen, Garde, Hannoveraner, über alles Lob erhaben schlugen, den Zentrumsdruchbruch erzwangen, war reine Zufallskausalität, wenn man es nicht kausal bedingt nennen will, daß solche Truppen alles über den Haufen warfen, wohin man sie auch stelle. Für Bülow schien dieser Sieg ganz wider die Abrede, so daß er sich bemüht, ihn zur bloßen Verschleierung eines Rückzugs zu degradieren. Er wird uns aber nicht vormachen, er habe schon früh solchen Pessimismus aufsteigen lassen, dann wäre doppelt strafbar, daß er sozusagen den schlummernden Löwen weckte, und schon am 5. vom Fleck aus, wo gerade die Garde den Feind vor sich fühlte, eine Schlacht anbandelte. In rasenden Gewaltmärschen dem Feind wie toll nachrennen, in der Einbildung, man brauche nur noch den Genickfang zu gehen, unbekümmert, ob man nur mit der Hälfte des Verfügbaren ins Feuer komme, und nach erfochtenem Siege wieder wie toll auf und davon rennen, das ist denn doch eine Führung, die sich nicht gewaschen hat! Man lasse nicht aus den Augen, daß Bülow durchaus selbständig handelte, nicht etwa gehorsam einem Gebot Moltkes folgte, der ahnungslos erst an der Seine Schlacht erwartete. Wer trägt dafür die Verantwortung? Einzig die 1., 2. A., deren unvollkommene Meldungen ihm die Ungleichmäßigkeit der Anmärsche verheimlichten, an denen das Schicksal des Ausgangs hing. Nicht Kluck war am 5. kompromittiert, wie Joffre sich einbildete, wohl aber Bülow mit weitem Zurückhängen von Einem und Hülsen. Die Krise seiner Rechten wäre viel früher eingetreten, wenn nicht vor Marrwitz ein French stand, den schon kecke Schwadronen in Schrecken setzten. Den Rückmarsch des ganzen 9. K. von 80 km , welche neue Todsünde die Kluckverherrlicher ihm schnöde andichten, führte er zwar nie aus, doch haben Failly bei Wörth (den übrigens Duquet heraushaut) und Bazaine bei Spichern sich nicht unkollegialer benommen, als Kluck überhaupt gegen Bülow. Man werfe uns also nicht vor, wir sähen sein Verhalten Ende August mit zu scheelen Augen, es sind immer die gleichen Symptome, alles aus einem Guß. Und ihm, als den herrlichsten von allen, hat man noch Kränze zu Füßen geschüttet! Bei Frenchs verworrenen Angaben fragen wir: wenn er angeblich hinter Maunoury über Meaux folgte, wozu brauchte er dann neuen Brückenschlag bei L. F. S. Jourre? Und wenn er Kluck verfolgte, wozu östliche Umbiegung nach Tardenois? Unsere Abänderung der Daten macht klar, daß »Rückzug 1. A., durch strategische und taktische Lage erzwungen«, aufgelegter Schwindel war. Nachdem ihm Moltke ans Herz legte, 2. A. durch Angriff zu entlasten, meldete Kluck trocken zurück: »1. A. geht am 11. über die Aisne«. Neue Sachverwirrung, die Bülow für sich ausbeutet, die aber erneut dem armen Moltke das Heft aus der Hand wand. Denn am 11. ging Kluck noch keineswegs über die Aisne, die V. L. lehren, daß noch am 13., 14. Nachhutscharmützel südlich des Flusses stattfanden. Daß am 13., nach Bülow sogar am 12., allgemeiner Angriff der Verbündeten begann, gehört zum Inventar der legendären Ausschmückung. Als die Briten frech geworden, zogen endlich sie nach Norden, vorwärts mit Trompetenschall ritt der Generalfeldmarschall Sir John Falstaff French. Sofort erbettelte er aber ein Korps als Seitendeckung von Esperet, es dürfte wohl das 18. gewesen sein, das schon deshalb nicht früh an der Vesle anlangte. Daß Kluck einen englischen Interviewer verbindliche Empfehlung an seinen hochachtbaren Kollegen und bedeutenden Gegner auftrug, krönt das Ganze. Wie konnte aber French am 11. (denn am 10. ist sinnlose Vordatierung) sich von Kluck in der Flanke bedroht fühlen, wenn dieser schon hinter die Aisne rückte. Lauter Untiefen der Tatsachenwidersprüche, in die jeder Blinde hineinpurzelt, nur nicht der Sehende. Man sollte sich schämen, diesen typischen John Bull, der jenen unpassenden Gruß wohl mit hochmütigem Achselzucken entgegennahm, noch zu schmeicheln. Das ist derselbe Herr, der sich bei Ypern erdreistete, seine Leute seien Mann für Mann den Deutschen überlegen. So kam seine prahlende Anmaßung seiner Unfähigkeit gleich, bei jeder Gelegenheit beschimpfte er schwadronierend das deutsche Heer, um sich für seine steten Niederlagen zu rächen. Jetzt, nachdem er die Frenchies (Franzosen) allein fechten ließ, hütete er sich auch peinlich, gegen Kluck weiter vorzukommen, trotzdem in dessen Rückzug nirgends Ruhe und Würde erkennbar wurden. Er hatte keine andere Sorge, als sich in neuer selbsterdachter Linie weit nach Westen einzurichten. Naive Übersichtskarten wie die Stegemanns lassen jedes Korps fein säuberlich am festumgrenzten Platze stehen, doch Entrinnen dieser kopflosen Retirade war nicht so leicht. Das 9. K. bugsierte man mit Gottes Hilfe vom linken auf den äußersten rechten Flügel, die neben ihm stehende 6. D. auf den äußersten Linken! Das 2. K. gravitierte schon zum 9., so daß 4. D. sich allmählich von 3. D. trennte. 4. und 4. R. K. schoben sich ineinander. Dies alles kann nicht ohne Marschaufenthalt und ohne Kreuzung geschehen sein, alles verlief sich durcheinander, richtiges Bild regellosen Rückzugs, wo nichts mehr an ursprünglicher Stelle in der Schlachtlinie blieb. Nie vollzog ein ungeschlagenes Heer einen unordentlicheren Abzug. Was nicht gefochten hatte, ließ jetzt die angeblich Geschlagenen durch, so daß jetzt im Vordertreffen standen 26., 27., 153., 165., 2., 149. Die V. L. gaben hier die lehrreichsten Aufschlüsse. Das am meisten am Ourcq gelichtete 4. R. K. war so ungünstig aufgestellt, daß der Feind es sich zum besonderen Angriff aussuchte. Neben diesem Rückzug sieht selbst der Bülowsche wie ein Xenofontischer aus, doch blindgläubige Schwafler ließen sich nicht nehmen, aus ihrer Umnebelung heraus Klucks Ruhm auch hier noch in feurigem Wagen zum Himmel fahren zu lassen. Da aber 17. R. D. schon am 12. bei Peronne gemeldet wurde, schwoll dem großen Anführer wieder der Kamm, zudem er vernahm, Prinz Rupprecht solle später westlich von ihm die Hauptarbeit verrichten. Jetzt wollte er, wieder gegen ausdrückliche Weisung der O. H. L., sich selber auf eigene Hand etwas Lorbeergemüse servieren. Dagegen haben wir nichts, sobald es auf die rechte Tafel gestellt wird, nur ist bemühend, daß just er, der Hauptschuldige, die Marnescharte auswetzte. Er stand schon im allgemeinen gesicherter hinter Aisne und Morsain, als irgendein anderes Heer, erhielt als Zuwachs ein frisches und starkformiertes Korps und besaß für später die Gewißheit der Anlehnung an Prinz Rupprecht. Kein Heer litt verhältnismäßig so wenig, wie das seine, obwohl einen gewissen Historiker sein dichterischer Schwung hinreißt, Tausende der Kluckschen bei Nanteuil in den Tod sinken zu lassen. Die beiden Korps, die allein am Ourcq und Morin bluteten, 4. R. K. und 9., grade auf den bedrohten Westflügel zu stellen, war übrigens sehr unvernünftig und vor dortiger Eindrückung rettete ihn nur Boehns baldiges Eingreifen. So entstand sein Erfolg, der einzige positive in dieser Hauptschlacht, durch Verkettung glücklicher Umstände. Es gibt eben vom Glück Auserwählte, die sozusagen immer auf die Füße fallen. Den Überschuß des für 1. A. summierten Marneschlachtverlustes muß man für Rückzug bis 14. rechnen, die in glühenden Tönen besungene Ourcqschlacht selber kostete sicher noch lange nicht 6000, sie war die zahmste auf der ganzen deutschen Front. Der geringe Verlust liefert neuen Beweis, wie unsinnig man Kluck eine Doppelschlacht zumutet, nämlich noch eine frühere am Morin. Wieviel größer müßte denn sein Verlust gewesen sein! Allerdings bereiten sich der Überführung insofern Hindernisse, als manchmal die V. L. öfters summarisch alle Kämpfe bis Monatsende umfassen. Doch alle minder summarischen Listen mit genauen Zeit- und Ortsdaten zeigen z. B. deutlich beim 2. K., daß der weitaus größte Hauptverlust auch beim 4. R. K. erst seit 15. eintrat, das gleiche gilt bei allen Heeren. Zudem liegt bei allem die Verlustbegründung in den Verhältnissen selber, die bei Kluck, wie an mancher andern Stelle festlegen, daß man in vier Schlachttagen am Ourcq oft nur ein Drittel dessen verloren haben kann, wie in der dreizehntägigen viel furchtbareren Schlacht, wobei man von Rechts wegen noch 9. R. K. abziehen müßte, um den richtigen Vergleich zu ziehen. Wir gaben sogar manchmal etwas zu und gingen über das Wahrscheinliche hinaus, um nicht die Marneschlacht als bloßes Vorhut- und Nachhutgefecht erscheinen zu lassen, wozu man sie deutscherseits öfter herunterdrücken wollte. Das war sie nicht und wir verwahren uns gegen den Verdacht, als ob wir sie tendenziös unterschätzten. Die Franzosen freilich malen sie umgekehrt als Riesenpanorama, weil sie mit der wirklichen Hauptschlacht nichts für ihren Gloireglanz anzufangen wissen. Wir tragen nochmals nach, daß der eitle Esperet sich erst am 9. abends in Tagesbefehle berühmte, er stehe auf dem alten Siegesfeld von Montmirail. Die Hinzufügung »Champaubert« bedeutet offenbar nur eine rhetorische Phrase, ein Aufwaschen für alle napoleonischen Siegesdenkmäler der Umgegend. Wir tun ihm nicht die Unbill an, er würde nicht Bülows Rückzug arg belästigt haben, wenn er sich am 9. bis Vauchamps vorwagen konnte. Wir verwerten dies Dokument also nur als Geständnis, daß er erst am 9. abends in Montmirail war, ganz wie wir sagten. Nur ein Bülow kann diese Vordatierung auf Vauchamps ernstnehmen, ein echt französisches corriger la fortune . Daß Michel jede ausländische Wahrheitsfälschung demütig hinunterwürgt, ist ganz in der Ordnung, echtdeutsch. Doch Bülow verfolgt bei eigener Vordatierung besondere Privatinteressen. Das berühmte Verwischen von Schlachtstundenterminen (klassisches Beispiel Mars la Tour) wird hier auf ganze Tage übertragen. Ja, Kriegsgeschichte ist kein billiges Vergnügen. Dem General Lettow-Vorbeck entpreßt sich angesichts des preußischen G.-St.-W., kein Österreicher habe je wieder Chlum nach dessen erster Einnahme betreten, der Ausruf: »Da schreibe einer noch Kriegsgeschichte«. Gelogen wird intra und extra Ilium. Wer alle Franzosen für geborene Lügner hält, begeht einen psychologischen Irrtum. Eitelkeit durchsättigt all ihr Dichten und Trachten, die nationale Einbildung geht als phantasievolle Einbildungskraft mit ihnen durch, sie erfinden gläubig und verüben eine Selbsthypnose, wodurch die eigene Erfindung zur eidlich beschworenen Wahrheit wird. Und so wird jeder Durchschnittsfranzose sich darauf totschlagen lassen, die Deutschen seien in der Marneschlacht geflohen, denn sonst ging es ihnen schlimm! Und doch irrt man, wenn man dies verallgemeinert. Selbst für 1870 gab es nur einen Dick de Lonlay, der tausend infame Verleumdungen zusammentrug, die Bücher von Lehautcourt und sogar das französische G.-St.-Werk befleißigen sich maßvoller Objektivität, schießen sogar in Verdammung sämtlicher französischer Generäle übers Ziel hinaus, und wir bezeichnen es als skandalös, daß man deutscherseits gar noch diese kühle Wissenschaftlichkeit mit Anwürfen belohnte, denn alles was nicht blind vor Moltke und jeder preußischen Geschichtsfärberei Kotau machte, zieh man der Verleumdung. Die deutschen Historien der Befreiungskriege strotzen von Entstellungen, während Thiers keineswegs den Ruf eines bloßen Chauvinistenschwätzers verdient, den man ihm aufbürdete, und seine Stärke- und Verlustangaben viel beherzigenswerter sind, als die der Napoleonsgegner. (Wir haben dies nach Archivtableau toter und verwundeter Offiziere des Kaiserreichs von Martinian Punkt für Punkt festgestellt). In maßlosem Prahlen und Entstellen sind weit mehr Briten und Russen Meister. Man sollte die Kriegsgeschichtsschreiberei jeder Nation in Volapück nebeneinander drucken und darüber den vermittelnden Kommentar eines wahren Forschers, dann würde man sein Wunder erleben. Uns berührten die Kluck- und Bülowlegende viel empfindlicher, als die französische Übertreibung, denn wenn letztere nur in majorem Franciae gloriam arbeitete, so erstere ad usum Delfini zum Schaden deutschen Heeresruhms. Die Wahrheit wird oft unglaubhaft, wie jeder Geschichtsschreiber weiß. Wer stellte sich einen Hentsch vor, der als deus ex machina das Schicksal Deutschlands bestimmt, ohne jede schriftliche Vollmacht, – so etwas gibts einfach nicht beim Militär, – doch wahrscheinlich mit Berufung auf eine unverantwortliche Instanz, gegen die keine Widerrede gilt. Eine Armee, die solche »legitimen« Verhältnisse zuläßt, ist wurmstichig nach oben. Über Hentsch schloß sich das Grab, die Akten des Kriegsgerichts bekommt man nicht zu Gesicht, der Mann muß gegen den aufgebrachten Moltke hohe Deckung gehabt haben. Versicherte er vielleicht Bülow amtlich, Kluck sei geschlagen, was Bülow auf Treu und Glauben hinnehmen mußte, da er von Kluck so wenig wußte, wie die O. H. L. selber? Daß Kluck sich systematisch ausschwieg, gibt sehr zu denken. Divination, die sich auf nichts schriftliches oder gedrucktes bezieht, sondern allein auf die innere Logik, wird wie gewöhnlich Recht behalten. Auch in der nur von uns angeschnittenen so hochwichtigen Frage der Unvollzähligkeit und Nichtvereinung. Am 9. forderte Bülow von Hausen einen noch größeren Schlag als Fernwirkung für die Montmirailflanke, als ob hierdurch der nötige Rückhalt gewährt worden wäre. Mehr konnte Hausen für Bülow nicht tun, doch wozu der Lärm? Stand nicht alles sehr gut bei Garde und Emmich? Die Westdrehung der Garde und die Aufforderung an Hausen verraten aber offenbare Offensivtendenz. Wenn also am 9. abends nach besonders großem Tageserfolg plötzlich Rückzug für Bülow feststand, so muß solch nervöser Stimmungswechsel besondere Gründe gehabt haben, nicht nur Hentschs Einrede. Und siehe da, er meldete an Moltke, »infolge Verluste« (tolle Übertreibung) schätze er sich nur auf drei Korps. Das ist unfreiwilliges Geständnis, daß er eben seine vier K. nicht beieinander hatte, die Ausrede »infolge Verluste« verbrämt nur die Nichtanwesenheit von 23 Bataillonen Hülsens und Einems und wahrscheinlich 10 Emmichs. Vermutlich erfuhr er erst am 9., daß er auf Zufluß von Norden noch lange nicht rechnen könne. Ähnlich würdigen wir Baumgartens verzweifelte Versuche, die Schwäche der 3. A. im Feuer mit ungeheurem Strapazenabgang zu erklären. Da bei keiner andern Armee gleiches vorfiel, so müßten die Sachsen ja wirklich schlapp geworden sein, welches Gerücht sie sich verbitten dürfen. Ein Monatsabgang von 20 Prozent durch Strapazen wäre erfahrungsgemäß schon anormal, hier aber müßte man bataillonsweise umgesunken sein, wenn von 83 000 Inf. nur 37 000 in die Marneschlacht eintraten. Da nun die Sachsen im September 28 500 verloren, so müßten von ihnen nur schmale Reste übriggeblieben sein, was um so lächerlicher, als sie im Oktober lustig fortkämpften. Die Behauptung, daß nur 27 000 Inf. fochten, ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, denn wer im Verlust auf 133 Off. des 19. K. nur 2584 Mann, dagegen auf 168 des 12. K. volle 4784 rechnet, der ist schreiend unzuverlässig in Zahlen. (Bei 168 Off. 12. K. sind unstreitig die von 104. fälschlich mit eingerechnet). Wohl aber nehmen wir gern das unfreiwillige Geständnis entgegen, daß sehr viele Bataillone bei den Gewaltmärschen zurückblieben, und erst am 14. in der neuen Stellung standen, also höchstens 40 bis 45 000 Inf. Hausens wirkten. Da man unsere eigene Berichtigung in Einzelverlusten nicht beanstanden darf, weil sie zu gleichem Gesamtergebnis kommt, so müssen auch unsere Voraussetzungen stimmen. Hausen brauchte ein Korps mehr, nämlich das ihm abgenommene Thüringer? Nein, wie die Wertmaßstäbe sich herausstellten, brauchte er nur Vollzähligkeit seiner Masse, ergänzt durch die ihm entsprechende Kavallerie, deren Abgang nach Ostpreußen nötiger war, als ihre vorherige Vergeudung in Lothringen, eine technische Unbehilflichkeit, von der nichts die O. H. L. reinwäscht. In der Hauptschlacht schieden 12., 18. K. aus der 3., 4. A. aus, dennoch vermochten Langle, der jetzt sechs Korps zählte und Fochs Hauptteil nichts gegen die ihm gegenüberstehenden 5 K. auszurichten. Warum? Weil letztere jetzt endlich vollzählig waren. Das in der Marneschlacht gar nicht hervortretende 7. K. spielte in der Reimser Schlacht die Hauptrolle. Warum? Weil es endlich vereint focht. Was zu beweisen war. Um seine Unmöglichkeit riesigen Strapazenabgangs durchzudrücken, scheut Baumgarten nicht die tollsten Entstellungen. Scherzhaft klingt der Vergleich, Napoleon habe 1812 schon bis Witebsk zwei Drittel verloren, eine durch Fabrys Archivfunde längst entkräftete Fabel. Märsche in Frankreich mit deutschen Trains oder im damaligen Rußland sind grundverschieden. Militärs schöpfen ihre falschen Vergleiche aus nachgeschriebenen Vorträgen der Kriegsakademie, die mit der Forschung nicht Schritt halten, und Laien beugen sich vor unwahren Ziffern, weil sie nicht nachprüfen können. Hier aber liegt der Unsinn auf der Hand. Hatte das 12. K. nur 270 Off. in der Marneschlacht, so mußte es schon 430 auf der Strecke gelassen haben, obwohl es bis dahin keine 100 Off. im Gefecht verlor und erfahrungsgemäß nur wenig Offiziere auf Strapazenabgang kommen. Im ganzen Weltkrieg gingen 39 Prozent des Offizierkorps verloren, inkl. Vermißten. Da wird man wohl schwerlich glauben, daß in der verhältnismäßig harmlosen Marneschlacht (im Vergleich zu späteren Schlachten) 66 Prozent Offiziere des 12. und 50 Prozent des 19. K. bluteten. Höchstens könnte dort ein Drittel Verlust gerechnet werden, was bei rund 300 Off. Verlust beider K. eine Stärke von 900 anwesenden Offizieren ergibt. Aber auch das wäre natürlich viel zu wenig, da von mindestens 1300 Inf. Off. beider Korps dann schon 400 im August abzustreichen wären, ein völliges Unding. Wenn ferner das R. K. nur 77 Off. verlor, so beweist dies vollends, daß kaum seine Hälfte ins Feuer ging. Kurz, wenn manche Regimenter nur mit 1500 Gewehren (statt mit 3000 zu Anfang) fochten, so ergab sich dies allein durch die von uns gebotene Aufhellung, daß eben mindestens ein Bataillon fehlte, und wenn Baumgarten weiß, daß die 3. A. mit ungewöhnlich schwacher Gewehrzahl kämpfte, so hat man ihm natürlich den wahren Grund verschwiegen, daß nach unserer Meinung sogar ganze Regimenter fast völlig fehlten. Wie übrigens mancher Mann, z. B. Bircher, Verlustlisten liest, ohne Verständnis für Orts- und Zeitdaten, macht lächeln. Wir weigern uns, Truppenkörpern Gefechtstage und Einbußen aufzuladen, von denen nichts gebucht steht. Die prächtige Gefangenenziffer, die von Monat zu Monat in der gallischen Phantasie anschwoll, erledigt sich sehr einfach auf die übliche Art; man muß eine Null von »70 000« abstreichen, nur um so ergötzlicher, als der deutsche Gesamtverlust nicht entfernt heranreichte. Baumgarten leugnet andere als lokale Schwierigkeiten beim Rückzug; auch gaben die Sachsen später eine besondere Sammelliste ihrer sämtlichen Gefangenen heraus, nur 3000, meist Verwundete. Wo wollen die Verbündeten die Gefangenen gemacht haben? Jawohl, in den Hospitälern von Kluck. Wo 150 eroberte Geschütze herkommen sollten, weiß wohl nicht einmal der bon Dieu de France . Ob die Sachsen viel demontierte Stücke ohne Bespannung liegen ließen oder ob sie selber 70 Geschütze eroberten, von denen wohl nur wenige wegen Bespannungsmangel in die deutschen Linien wanderten, und 10 000 oder 5000 Gefangene mitschleppten, sei dahingestellt. Um großen deutschen Verlust vorzuzaubern, warfen die Franzosen wirr und wild die Marne- mit der folgenden Schlacht durcheinander. Wir haben jedoch nur mit Verlusten bis zum 13. zu tun; die eigentliche Schlacht endete am 10., 11., nicht am 9., wie die übliche Datumfälschung beliebt. Verluste des Argonnenrückzugs sind jedoch mehr beizurechnen, wodurch (51. R. bei Vaubecourt) vielleicht 7000 statt 70 000 Gefangene im ganzen herauskommen mögen; liegengebliebene Schwerverwundete natürlich inbegriffen. (Wir kennen persönlich solche Fälle.) Hausen, den ein Ruhranfall, d. h. Kummer, aufs Krankenbett warf und dem ein gnädiges kaiserliches Handschreiben die sofort einsetzende ungerechte Verkennung versüßte, konnte wegen der ihm zugestoßenen Widerwärtigkeiten sein umsichtiges Bemühen nicht durchsetzen. Der Kronprinz aber, frei von Bülows Einfluß, wie anders wirkt dies Zeichen auf uns ein! Nur hier war die deutsche Führung sicher und zielbewußt. Kam Hausen nach Troyes, der Kronprinz nach Bar le Duc, so gab es für Joffres Aufstellung keine Rettung mehr; in zwei Teile gespalten, Langle und Sarrail abgeschnitten, der Feldzug ging schon dann verloren. Der Kronprinz allein ließ es an nichts fehlen. Sein Vormarsch begann so pünktlich und schwungvoll, daß Bronchein schon am 5. aus Nettoncourt vertrieben wurde, dann Tag für Tag südwärts gestoßen. Eigentlich scheint unangebracht, die Argonnenschlacht mit den andern nur mittelbar davon berührten Vorgängen in eins zusammenzufassen. Ihr lag ob, Sarrail so zu umfassen, daß er bei Rückzug Joffres kaum mehr südwärts abdrehen konnte. Unter entschlossener Mitwirkung des 5. K. wäre seine Einschließung in Verdun wohl erzwingbar gewesen. Zu diesem Zweck mußte man seine Linke möglichst eindrücken, was in vollem Maße geschah. Hierdurch wurde seine Linke ganz abgeschrägt, die Mitte nach Südost geschraubt, während seine Rechte sich noch nordwärts spreizte. Mit seiner rückwärtigen Maasfront nach Osten entstand so ein offenes Dreieck ohne Hypothenuse, in das er stoßweise hineingezwängt. Anfangs zu enggedrängt, gewann der Kronprinz nach Öffnen des Argonnendefilees bald gesunde Entfaltung durch möglichste Ausbreitung seiner Rechten. Allerdings konnten auch hier die Hintertreffen nicht rasch genug folgen, doch irrt Stegemann, daß nur eine schlesische R. D. focht; Goßler brachte beide Divisionen ins Feuer. Der Kronprinz spielte im Gegensatz zur Schlamperei der anderen Armeechefs immerhin rund 72 von verfügbaren 99 Bataillonen aus. Das Umbiegen des Südflügels verlief so günstig, daß man in der Nacht zum 10. die störende Marseiller Artillerie zu überfallen plante: bei Vassaincourt, ein Ort, der in der V. L. nicht vorkommt, den also die Franzosen nicht großartig erstürmt haben können. Dies Hilfskorps wäre sicherlich nach Eintreffen der 23. R. D., die aber ausblieb, den Württembergern erlegen. Doch nach anfänglicher Billigung unterbrechen Moltkes sich kreuzende Widerrufe den Siegeslauf; er hatte schon Bülows schwarzen Zaubertrank im Leibe und sah Schönheit in jedem Rückzug. Das Unterbleiben eines letzten Schlages auf Laimont rettete Sarrail und Langle vor sicherster Gefahr. Die Abberufung mitten im vollen Erfolg machte den übelsten Eindruck auf die Truppen und rief beim mühseligen Rückzug anscheinend einige Panik bei Goßlers Nachhut hervor. Bei 4., 5. A. bestand nicht der kleinste Anlaß zu so einschneidendem Schwächebekenntnis. Die bösen moralischen Folgen im In- und Ausland wogen eine wirkliche Niederlage auf; denn was sollte man daheim angesichts so endlosen Rückzugs anders schließen, als daß man völlig geschlagen sei? Jede Armee tröstete sich zwar, daß sie gesiegt habe, doch wie schlimm mußte es bei den andern stehen! Allgemein hörte man, daß die 1. A. im schweren Wundfieber darniederläge, während die siegessichere 1. A. das Unglück der 2. A. bedauerte, die freilich, wie die Fama ganz genau wußte, nur wegen Versagens der 3. A. so böse Erfahrungen machte! Es ist zum Heulen. »Die Meinung« ( l'opinion ) sei im Krieg das Wesentliche, lehrte Napoleon. Was Bülow grundlos vermeiden wollte, kam nun erst recht heraus. Überstand auch deutsche Manneszucht in der endlich festgestellten deutschen Linie die harte Prüfung, so war vorerst die Stimmung herabgedrückt, die des Feindes gehoben, der nach kurzem Stutzen das Unbegreifliche einem Erfolg seiner Waffen zusprach. Darf man ihm das verdenken? Kaum, auch nicht, daß Mythen über riesigen deutschen Verlust als Erklärung festhielten. Der gesunde Menschenverstand schließt bei jeder Wirkung auf natürliche materielle Ursachen und ahnt nicht, daß Oxenstjernas Hohn, »mit wie wenig Weisheit die Welt regiert wird,« auch beim Militär gilt. Man kann nicht Kriegsfälle beurteilen, ohne hinter die Front zu blicken und dort den Schlüssel zum Allzumenschlichen zu finden. »Er ist nur General, er hat keinen Geist,« urteilt Napoleon über Wellington und sprach es aus: »Ein Feldherr muß Genie haben, und einen großen Charakter .« Letzteres ist fast noch wichtiger; wir sehen es bei Blücher im Gegensatz zu Gneisenau am Waterlootag und in erhabener Form bei dem großen Friedrich, dessen wahres Genie als Gründer der napoleonischen Vernichtungsstrategie, seinen Zeitgenossen weit voraus, sich durch starre Heldengröße verständlich machte. »Die Kriegskunst ist die schwerste (?) aller Künste, man setzt dabei seinen eigenen Ruf und den seines Volkes aufs Spiel.« Alle Künste sind gleich schwer und unerlernbar, poeta nascitur non fit , der Feldherr wird geboren, wie bei Cromwell und so manchem Generalzivilisten des amerikanischen Bürgerkriegs, so manchem Freiwilligen der französischen Revolution (Färberlehrlinge, Notarschreiber, Hausierer, Schmuggler, Handelsgehilfen später Marschälle Napoleons) ersichtlich. In stehenden Heeren findet selten wahre Auslese statt, höfische Gunst und Mißgunst der Vorgesetzten heben oder knicken die »Karriere«; eines der sinnbildlichsten Symptome des Weltkrieges lag in dem schlimmen Anfangswort: »Für Hindenburg keine Verwendung«. Wer in Kunst oder Wissenschaft das Echte unterbindet und den Charlatan krönt, begeht nur eine Sünde wider den heiligen Geist, wer schlechte Reichskanzler ernennt, gegen den Staat, wer aber im Kriegswesen die Fähigen unterdrückt und die Unfähigen fördert, gegen die ganze Nation, die ihre Haut zu Markte trägt. Man darf nicht verlangen, daß Armeeführer genial seien? Wozu ernennt man sie denn auf Kosten des Steuerzahlers? Im Kriege ist das Beste gerade gut genug. Stets sträubte sich deutsches »Prestige«, Bazaine in seiner wahren Gestalt zu sehen, obwohl man die Metzer Schlachten und die Kapitulation nie verstehen wird, ohne als Psychologe hinter die Kulissen zu sehen. Hier bekam man die Strafe der Verblendung, als ob nur französische, nie deutsche Generäle dem Feind in die Hände arbeiten könnten. In der Marneschlacht hätte Bazaine an Stelle Joffres unbedingt am 8. den Rückzug angetreten, doch ebenso sicher Bülow bei Vionville in wirklich peinlicher Lage. Prinz Friedrich Karl, der dort nicht vom Platze wich, und mit stärkerem Willen Bazaine zum Abzug bewog, verlangte Kriegsgericht gegen Goltz und Manteuffel nach der nutzlosen und schädlichen (in deutschen Legende natürlich genialen) Colombey-Rauferei; gegen Bülow und Kluck würde er infame Kassierung, gegen Hentsch den Tod auf den Sandhaufen beantragt haben. Der Generalstab trug aber mit keiner Silbe zur Beruhigung von Volk und Heer bei durch offenes Bekenntnis, in welchem Zustand der Nichtvereinigung die braven Truppen den Kampf aufnehmen mußten. Das hätte den moralischen Faktor gehoben, doch Zweifel an der unfehlbaren Führung aufkommen lassen, und dies Prestige zu wahren, war die einzige Sorge der Halbgötter. Auch 4., 5. A. hatten Anspruch und Aussicht auf entscheidenden Sieg, zumal Joffres falsche Kraftökonomie zu viel Masse nach Westen verlegte und Sarrails bogenförmige Ausdehnung um drei Divisionen schwächte. Zwar trieb er den napoleonischen Grundsatz, alles Verfügbare zur Entscheidung zu vereinen, auf die Spitze durch Ausleerung der Lothringer Front, doch 15., 21. K. kamen schon zu spät und wären nur in die Niederlage verwickelt worden, wenn den Deutschen ausreichende Truppenzahl zu Gebote stand zu raschem Ausfechten. Es ging aber auch ohne dies, wenn die Schlacht nur an gleichen Punkten fortging; die bisher siegreichen Teile waren sich selbst genug. Das zaghafte Verhalten des 15. und 21. K. lehrt, wie wenig Langle auf wirkliche Besserung rechnete. Wie deutscherseits Kluck, so galt französischerseits Foch als Größe, der unrettbar Geschlagene. Eher disponierte Langle großzügig, indem er eine dichte Gruppe auf den Hauptgefahrpunkt schob, doch auch die Gefahr seiner rechten Flanke war zu dringend, als daß das 15. K. sie beschwören konnte. Seine Gleichgültigkeit gegenüber der ihm bekannten 4. A. zeigt, daß er sich von ihr keineswegs eines stürmischen Tempo versah. Ihre Rolle hätte aber bedeutend werden können, wenn sie östlich des Ornain Langle von Sarrail trennte. Auf H. Albrecht lastete das Bewußtsein der Verspätung seiner Hinterstaffeln. Man wird so glänzende Truppen wie den Rheinländern und den Hessen wohl nicht zuschieben, daß sie nicht sofort im Handumdrehen mit so moralisch und materiell geschwächten Schlachthaufen wie denen des 2., 12. und Kolonial-K. fertig geworden wären, wenn sie nur einigermaßen vereint waren. Und doch hätten selbst die ungenügenden eingesetzten Teile auch am 10. gesiegt, wenn nicht die böse Fee, deren Patengeschenk so oft Deutschland niederdrückte, einen Hexennebel um deutsches Sehvermögen gebreitet hätte. Noch nach 100 Jahren gelten die gröbsten Sachentstellungen als »Geschichte« napoleonischer Kriege, vielleicht vergeht wieder ein Jahrhundert, bis die Pariser Archive sich öffnen. Dann werden sie, wenn Auskramen so unliebsamer Wahrheiten gewagt wird, wahrhaft erschreckende Verlustziffern für diesen September zum Besten geben. Deutsche Quellen fließen bisher dürftig und spärlich, französische trübe und schlammig. Deutschfreundliche Neutrale kleben doch noch an französischen Schriftsätzen, deutsche Autoren an eigenen liebgewordenen Täuschungen, ein Mitstreiter wie Baumgarten huldigt ehrerbietig dem Fabelkluck und macht einseitig nur gegen Bülow und Moltke scharf. Angesichts der Direktiven der O. H. L. müßte man an vorgefaßte Parteilichkeit glauben, die sich blind stellt und nicht sehen will, daß Moltke als unmittelbarer Schuldiger gänzlich ausscheidet. Den sächsischen General, dessen sämtliche Angaben außerhalb der 3. A. unbrauchbar, entschuldigt Erbitterung über Bülows Ausnutzung Hausens, doch damals, als er sein Buch schrieb, war sein Anklagematerial gegen Bülow äußerst dürftig, noch war sein »Bericht« nicht veröffentlicht, der so wunderbar den Satz illustriert: qui s'excuse, s'accuse . Wer sich über Verleumdung Hausens empört, soll überlegen, wie so etwas tut, und weder das Andenken Moltkes zu schwer belasten, noch einseitig nur einen Hauptschuldigen suchen, wo es doch zwei gibt für jeden, der Moltkes Akten (Direktiven) und Bülows Bericht in Händen hat. Wenn Moltke die Dinge schlendern ließ, so verließ er sich eben auf die Armeechefs, die ihn über ihren unvollkommenen Aufmarsch keinen Aufschluß gaben. Was soll man aber mit Kluck anfangen, der grundsätzlich keine Nachricht sendete! Als bloßer Günstling verrufen, was er keineswegs war, genoß der unglückliche Scheingeneralissimus keine so nötige Autorität, dafür kann er nichts, sondern wer ihn an die Spitze stellte und sich wohl schmeichelte, selbst der Spiritus rector zu sein. Kluck behandelte Moltke geradezu mit Mißachtung, da er ihm überhaupt nichts meldete: Wir erinnern nochmals an das Telegramm: »Wie Lage, welcher Feind gegenüber?« Wir wollen die Klucklegende um so weniger triumphieren lassen, als sie das Verbrechen begeht, zu phantasieren, daß der hellsichtige Kluck gleichsam Moltkes »Fehler« wieder gut machte. Ob dieser jemals vor Armin und Linsingen die Zukunftsmusik »Nogent-Provins« aufspielte? Ein Umgehen des klaren Wortlauts »zwischen Oise und Marne« war doch ausgeschlossen, sonst konnte ein Donnerwetter kaiserlicher Ungnade dreinfahren, wenn er nicht Ordre parierte. Sein angeblicher Vorschlag auf die Seine loszumarschieren, zeigt höchstens, daß er mit der ihm zugedachten passiveren Rolle nicht zufrieden war. Für das Wahngebilde erzwungenen Wiederabzugs vom Grand Morin lassen schon die Zeitumstände keinen Raum. Also 2., 4., 3., 9. K. aufmarschiert zwischen Cressy und Esternay auf 85 km Breite, Marrwitz südlicher bei Courtacon? Nun sind es von Conlomiers bis Lizy 25 km , von Esternay bis Nanteuil 80 km, von Provins 100 km. Danach konnte ein am 6. vormittags oder mittags von Morin abgerückter Linsingen unmöglich am 8. nachmittags bei Acy sein nach 35 km Marsch mit Flußübergang, noch weniger ein am 8. von Esternay verschwindendes 9. K. bei Nanteuil, sondern nur dessen Hintertreffen, das erst im Anmarsch zur Marne war. »Das von der Südfront zurückgenommene 4. K.«, wie Kluck sich ausdrückt, erhielt einfach Gegenbefehl, als seine Vorhut (93., II/26., II/27.) sich anschickte, bei Lizy-Meaux in Maunourys Flanke vorzugehen. Südfront heißt doch nicht gleich südlich der Marne. Wir wiederholen bis zum Überdruß, daß schon am 6. Teile 4. K. beim 4. R. K. fochten, und da es angeblich noch südlicher stand als 2. K., ist seine kampflose Loslösung vom Feind ebenso unmöglich, wie sein baldiges Erscheinen am Ourcq, wenn an der Fabel ein wahres Wort wäre. Es müßte mit Wunderdingen zugehen, wenn hinter so unklarem Ausdruck »von der Südfront zurückgenommen« etwas Genaueres stäke, als in der Rapportwendung: 3. K. »deckte rechte Flanke 2. A.«, wo doch damals 6. D. sich bei Betz dem Ourcq näherte und 5. D. im Heerbericht vom 9. abends » nördlich der Marne« genannt wird. Wie der Kluckkult alles verdrehen muß, zeigt uns Baumgartens drollige Behauptung: 9. K. sei schon am – 6. abkommandiert worden, damit der Unsinn vom Ourcq-Gefecht, 9. K. am 9., etwas an Möglichkeit gewinne. (80 km mit den Flußübergängen!) Wer focht denn bei Esternay als Ersatz? Ach so, das 10. K.! Man wird geradezu mitleidig gestimmt, wenn man diese schreiende Unkenntnis eines Generals vernimmt, der sich natürlich nie die Mühe nahm, die V. L. einzusehen, wo man Schwarz auf Weiß hat, wer bei Esternay am 6., 7., 8. focht. Den historischen Gasnebel, der aus Frankreich aufstieg und die Wahrheit verhüllte, begrüßt Bülow freudig für seinen Bericht, der wohlbemerkt erst im Dezember niedergeschrieben wurde, nach Joffres pomphafter Darstellung. »Erzwungener« Rückzug Klucks am Morin wie am Ourcq! Zusammenwirken verschiedener Interessenpolitik, um den Giftpilz einer Geschichtsfälschung zu züchten! Es liegt uns fern zu glauben, Bülow habe sich vollbewußt wider besseres Wissen die Kluckdinge so zurecht gemacht, daß Kluck als wirrer Hitzkopf erscheint, dem anfangs der Himmel voller Geigen hängt und der beim Wetterwölkchen aus allen Himmeln fällt, von Tag zu Tag seine Ansichten ändernd, und dessen Ehrgeiz immer nur eigenen Interessen nachrennt, ohne Rücksicht auf Kollegenbedürfnis. Das letztere ist wahr, doch Bülows Zeugnis ist überhaupt keins, da er nach nichts mehr als Klucks unklaren Funksprüchen urteilt. In der Klucklegende besteht eine förmliche Verschwörung zur Wahrheitsumdunkelung, wobei Deutsche und Franzosen sich in die Arbeit teilen. Ihr tragikomisches Verhängnis besteht darin, daß sie ihn immer belastet, wo sie ihm preist. Wer nach dem Urheber des Rückzugs forscht, den belehre der amtliche französische Bericht: »Am 10. mittags wich der Feind auf der ganzen Linie; er erfuhr offenbar, 1. A. sei im vollen Rückzug und war wegen seiner Flanke beunruhigt.« Also der Feind selber gesteht, nur Klucks Rückzug habe den aller andern nach sich gezogen. Und zwar erst am 10. mittags , wodurch Klucks und Bülows Darstellung glatt zu Boden fällt. Brauchen wir weiter Zeugnis? Alle Franzosen gestehen, Maunourys Lage sei »schlecht«, Klucks Rückzug »eine Überraschung« gewesen. Diese vernichtende Verdammung Klucks, dessen Benehmen der Feind sich nicht erklären kann, wird mit unerschütterter fixer Idee umgebogen und unterdrückt. Links und rechts wird mit Zeitdaten nach Belieben jongliert. Die elende französische Angabe, French sei am 9. bei Fère en Tardenois gewesen, widerspricht sogar dessen eigener Angabe. Da er aber stets nur mit Marrwitz in Berührung kam, so kann er überhaupt nur erst am 11. nördlich der Marne gestanden haben, denn Marrwitz ritt am 14. südlich der Aisne auf. Kluck wußte aber bestimmt durch Marrwitz, wie fern ihm French noch war. General de Bonal urteilt, daß Maunoury schon am 8. abends seine Ohnmacht empfand, Kluck mit Gewalt zu werfen, dessen Abzug »eine unerwartete freudige Überraschung« war. Wir betonen nochmals, daß Klucks Autofahrt ihm historisch nichts helfen wird. So unwahrscheinlich sie klingt, mag sie an sich richtig sein, aber unerbittlich erhebt sich eine Frage. Also Hentsch belehrte, die allgemeine Lage sei ungünstig, besonders 7. K. (die eine Brigade bei Montmirail!) sei zurückgeworfen, Bülow wünsche Rückzug, er entledige sich dieses Auftrags und habe unbedingte Vollmacht – mit dem Munde. Solange nicht Moltkes Genehmigung vorlag, an den man ja depeschieren konnte, hatten die gefeierten Unheilstifter kein Recht, auf Sirenenlieder Unberufener zu horchen, mündliche Vollmacht, das kann jeder sagen! Und siehe da, schon in der Nacht zum 10. lief Angriffsbefehl der O. H. L. ein, am 10. vorm. bestimmte Weisung: »Kampf auf ganzer Front günstig , Sicherung rechte Flanke 2. A. durch Eingreifen 1. A. unbedingt erforderlich .« Am 10. war nun zwar der angeblich Kluck unbekannte Rückzug (er muß langer Nachtruhe gepflogen haben!) im Gange, konnte aber natürlich sofort aufgehalten werden. Stand die Schlacht auf ganzer Front günstig, dann log also Hentsch und nicht nur Gehorsam und Pflicht, sondern einfacher Anstand geboten, dem Vorgesetzten zu willfahren und an das Vaterland zu denken. Um uns diplomatisch auszudrücken, fehlt uns für Klucks Seelenzustand ebenso jedes parlementarische Wort wie für die Kluckträumer, die aus reiner Unwissenheit schwärmen, sich aber doch einigermaßen unterrichten sollten, ehe sie ihre Böllerschüsse verknallen. Schon nachts durch Moltkes ersten Angriffsbefehl belehrt, daß er oder sein Stabschef auf mündliche Vorspiegelung eines Pseudo-Bevollmächtigten hereinfielen, ließ er sich also auf klaren schriftlichen unbedingten Befehl nicht ein, sondern sandte die trockene wie Hohn klingende Anzeige zurück: er retiriere bis hinter die Aisne! Auf diese Provokation folgte Moltkes Peitschenhieb: »Sr. Majestät befehlen, 1. A. wird dem Befehl 2. A. unterstellt!« Deutlicher konnte man Ungnade nicht ausdrücken. Berief sich also Hentsch vor dem Kriegsgericht auf hohe Personen, die mit Stimmungsumfall launenhaft hereinpfuschten, so ward dies jedenfalls verleugnet, freilich auch der arme Moltke, der den Laufpaß erhielt. Und er erlebte noch den Schmerz, daß er den Bock zum Gärtner machte. Bülow, mitschuldig an Klucks Rückzug, führte den seinen derart aus, daß einem die Haare zu Berge stehen. Franzosen heckten aus und Deutsche schrien nach, daß Montmirail am 8. abends und Reims gar schon am 11. von Esperets stolzem Siegergang erdröhnte. Das stimmt nicht mal zu Bülows Rapport, den sich der Heeresbericht zu eigen machte, wonach 2. A. am 10. abends zwischen Dormans a. d. Marne und Avice südlich der Marne gestanden habe. Wie gewöhnlich, eilte Bülow den Tatsachen voraus, denn sie stand dort noch am 11. und die Nachhut bei Chalons am 12. Wenn nach eigener französischen Angabe die Deutschen erst am 10. mittags wichen (»auf der ganzen Linie« ist unwahr, immer sind nur 1., 2. A. gemeint), so konnten sie am 10. abends nicht schon südlich der Marne stehen. Diesen Rattenkönig von Täuschungen entwirrten wir früher, halten aber die dreiste Vorausdatierung von Esperet am 11. bei Reims für symptomatisch, was man alles mit Herumschmeißen falscher Daten wagte. Bülow sprach von Stützen der 1. A. »nördlich der Marne«, kaum aber übergab ihm Moltke den Oberfehl über Kluck in Erwartung mannhafterer Haltung, als sie Kluck zeigte, so befahl Bülow Rückzog »hinter die Aisne«, welche »wichtigste Aufgabe« er dadurch ergänzte und erfüllte, daß er selber hinter die Vesle auskniff! »In Übereinstimmung mit dem Vertreter der O. H. L.« berief er sich zwar auf Hentsch, jetzt aber ließ er nur sein eigenes Ingenium selbstständig leuchten. Obschon er Moltke über die wahre Lage der 1., 2. A. dauernd im Unklaren ließ, befahl dieser im Vertrauen auf günstige Nachrichten von 3., 4., 5. A. deren Festhaltung alles Raumgewinns am 10. abends und dennoch weist Baumgarten mit dem Finger auf Moltke, als habe er an Klucks und Bülows Rückzug den geringsten Anteil! Erst am 11. erließ er Rückzugsbefehl an 3., 4., 5. A. nach der lähmenden Aussprache mit Bülow, der seinen verderblichen Einfluß schon durch drastische Mittel unterstützte, indem er auf eigene Verantwortung immer weiter retirierte. Wir erkennen hier eine wahre Frivolität. »Stützte« er etwa Kluck, indem er ostwärts über die Vesle davonrannte? Nein, er entblößte dessen linke Flanke, ärger, als Kluck angeblich Bülows Rechte entblößt hatte. Indessen trug auch hierbei Kluck ein vollgerüttelt Maß der Mitschuld. »Nördlich der Marne« Widerstand zu leisten, trugen sowohl Bülows Vorschlag, als der Heeresbericht ihm auf, statt dessen wich er weiter in unanständiger Eile. Damit lieferte er Bülow den besten Vorwand zu eigenem Retiradebedürfnis. Ein psychologisches Gesetz will, daß Verteidigungsschriften dort, wo wirklich etwas hapert, zur Selbstanklage werden und so Bülows Verkehrungen von Zeit und Ort erst recht auffällig und verdächtig. Man sehe sich doch auf der Karte an, welche Form Bülow wählte, um seine Rechte zu sichern. Die Aufstellung der deutschen Mitte erhielt so eine sehr tiefe Einbuchtung nach Osten, ohne irgendwie auf gleicher Höhe mit 3., 4., 5. A. zu bleiben, die mit Front nach Süden fochten, 2. A. nach Westen. Schon hierin jeder gesunden Regel hohnsprechend, opferte Bülow vollends die 1. A., die natürlich dann nicht südlich der Aisne bleiben konnte, ohne jede Anlehnung an 2. A. Doch selbst Rückzug hinter die Aisne half nichts, denn zwischen Vailly und Orinville nordöstlich Reims, bis wohin Bülows Aufstellung am 13. nur reichte, klaffte eine lange, breite Lücke. Er lud also förmlich den Feind ein, zwischen 1. und 2. A. einzubrechen, was fast wie eine unedle Rache an Kluck aussieht: Wie Du mir, so ich Dir! Du ließest mich (angeblich) im Stich, jetzt tue ich Dir das Gleiche. Doch lassen wir keineswegs unser Mißfallen über Bülows unerhörtes Betragen so weit gehen, daß uns deshalb Kluck entwischen soll. Wir haben keinen romantischen Knalleffekt umständlich vorbereitet, sondern folgten stets ruhig dem Gang der Dinge, doch wir unterstreichen nochmals, daß Moltke am 9. nachts funkte, Kluck solle Umfassung Bülows »durch Angriff verhindern«, und dies dringendst am 10. vormittags wiederholte. Es fehlt also jede Ausflucht, Kluck sei nicht rechtzeitig vom Willen der O. H. L. unterrichtet worden, der jeder Meinung Bülows und Hentschs schnurstracks zuwiderlief, zugleich mit der entscheidenden Begründung, die Schlacht stehe günstig auf der ganzen Front. Kluck aber stellte sich taub und tot, ließ überhaupt nichts von sich hören, außer der freundlichen Botschaft er retiriere lustig weiter hinter die Aisne, – wohlgemerkt noch ehe er Bülows Weisung hierzu erhielt. Für das Vorkommnis, daß angeblich sein Stabschef hinter seinem Rücken den Rückzug einleitete und er dagegen gar keinen Widerspruch erhob, gibt es kein zweites geschichtliches Beispiel. Daß Grouchy und sein Stabschef, der notorische Verräter Senecal, am Waterlootag auf »Bleistiftzettel« lasen: » La bataille est gagné «, während das Original im Pariser Archiv deutlich mit Tinte sagt: La bataille est engagée , ist harmlos dagegen. Wir sind überzeugt, daß fleißige Akteneinsicht noch allerlei Schriftliches aus Klucks Hauptquartier entdecken könnte. Es kommt also nicht wesentlich in Betracht, daß Bülow endlosen Rückzug Klucks für unvermeidlich hielt, um seinen eigenen ebenso grundlosen zu entschuldigen, der übrigens lange nicht so überhastet erfolgte, das fingiert er nur absichtlich. Bülows Rückzug vollzog sich anfangs in anständigen Formen, seine Nachhuten (Teile Hülsens mit 73ern, 24. R. D., Gardegrenadiere Augusta und Elisabeth) klopften dem Verfolger derb auf die Finger. Bei Kluck aber waren selbst die notwendig werdenden Nachhutgefechte matt und leblos. Er war von vornherein schon willens, so weit das Feld zu räumen, ohne daß er sich bei Bülow nach dessen Maßregeln erkundigt hätte. Er bedurfte nicht Bülowscher Anregung, zwei Seelen und ein Gedanke! Allerdings machte Bülow ja schon am 9. sich zum Mitschuldigen des traurigen Ereignisses. Geteiltes Leid ist halbes Leid, er wünschte förmlich eine Parallele zu seiner eigenen unwürdigen Retirade, wobei die zwei erhabenen Heerführer sich gegenseitig mit ihrer wohlerwogenen tiefen Einsicht deckten: Wenn zwei Größen den gleichen unrichtigen Beschluß fassen, dann muß er wohl richtig sein! Das war schlimmer als ein Fehler, schlimmer als ein Verbrechen, zugleich Verbrechen und Fehler. Nach dem Heergebot jedes Staates hat kein Unterführer das Recht, etwas so entscheidendes wie Rückzug aus günstiger Lage gegen den Willen der O. H. L. zu wagen. Ja, hier lag wirklich etwas Ungewöhnliches vor, doch im übelsten Sinn, während alles Übrige bei 1. A. höchst gewöhnlich und mittelmäßig ausschaut. Joffre handelte »genial«, indem er aus lauter Verzweiflung vor Paris bluffte, Kluck »genial«, weil er sich notgedrungen diesem Bluff entgegenstellte und ohne Ursache pflichtwidrig beugte. So leicht wird der Ruhm eines Kriegsmanns erworben oder besudelt. Kluck »erwachte eines Morgens und fand, daß ich berühmt war« (Byron), er hatte Unsagbares auf dem Gewissen, flugs hieß es, er habe das Vaterland gerettet. Baumgartens Gereiztheit gegen Bülow wegen dessen operativem Eingriff bei Hausen verhindert ihn, der Wahrheit mehr als eine sehr schmale Gasse zu brechen, indem er vor Klucks Schuld die Augen schließt und sich der Legende unterwirft. Merkwürdigerweise weiß er selber plötzlich, daß bei St. Quentin nur 2 Div. Klucks mitwirkten, was freilich auch noch zu viel ist, doch wenigstens das einstige Gerede von Klucks dortigem großartigen Umfassungsmanöver aufhebt, wie denn Bülow unverkennbar Mißtrauen gegen Kluck aus dessen Augustscherzen schöpfte. Bircher, der bezüglich 2., 4. K. auf der rechten Fährte war, belobigte später, um zu verwischen, daß er errötend unsern Spuren folge, Klucks hellsichtiges Feldherrntum. Man will der Sache nicht auf den Grund gehen, um nicht die Führung um ihr Ansehen zu bringen. Gegen »Prestigen« aufzumucken sei unpatriotisch, lehrte vorsorglich schon der Onkel des Neffen, des alten Moltkes Unfehlbarkeit anzutasten war Landesverrat, dagegen des Jüngeren Fehlbarkeit aufzudecken ist heute beliebter Sport und die Klucklegende zerstören steht wohl auf gleicher Stufe der Verwerflichkeit wie vor den schriftlichen Übungen der hochseligen historischen Abteilung des Generalstabs nicht den Hut ziehen. Klucks Offenbarung seiner Autofahrt, während sein Stabschef den Rückzug besorgte, ruft nach doppeltem Kriegsgericht; die Franzosen würden in solchen Fällen kurzen Prozeß machen. Das verfängt nicht und mildert in nichts seine Verantwortung, da er ja den Unfug billigte, trotz gegenteiligen Befehls. Aus solchem Traum der Weltlüge, wo man einen Schwachmatikus als Heros umjubelt, erwacht man mit Lettow-Vorbecks früher zitiertem empörtem Ausruf. In seinem Ludendorffbuch spottet General Buat: Die Bedrohung durch Maunoury sei nur Schein gewesen, man habe sich dort sogar eine Schlappe geholt, doch schon die Scheinflankierung habe genügt, die Deutschen in Angst um ihre rückwärtige Basis zu versetzen. So baut man theoretische Folgerungen über Wichtigkeit jeder Flankierung auf Unkenntnis der wirklichen Ursachen. Moltke wußte überhaupt nichts davon, selbst Bülow meint nicht Klucks rechte, sondern linke Flanke, deren Aufrollen durch Esperet und French bevorstehe als Abdrängung von der Hauptarmee. Maunourys Umgehung würde ja umgekehrt die 1. auf die 2. geworfen haben, durch Bülows eigene Maßnahmen war die 1. A. jetzt tatsächlich von ihm abgedrängt. Bei solcher allgemeinen Verwirrung der Begriffe wundert man sich nicht über den französischen Anspruch: »Der zähe französische Wille siegte«, nein, der deutsche Nichtwille verschaffte den Geschlagenen den äußeren Sieg. Wie beschämt hier Foch, der »fühlbar zurück« mußte, (Euphemismus für gänzliche Niederlage) und doch nicht den Mut verlor! Ganz zu Unrecht wurde Müller-Löbnitz' »Wendepunkt« als grundlegend gepriesen. »Es war ein Kannä, das Joffre anstrebte, ähnlich dem, das Hindenburg und Ludendorff errungen haben«!? Empörender kann wahre Großstrategie nicht entwürdigt werden, das seit Schlieffen stereotypierte Kannäbeispiel paßt in nichts. Sarrail bot ja selbst seine linke Flanke dem Kronprinzen und Maunourys Umgehung war Schein. » On se battra sur la Marne « war eine Tirade Joffres auf Grund falscher Voraussetzung, man schlug sich ja gar nicht an der Marne, richtiger hieße das Ganze »Morinschlacht«. Klar ergibt Joffres Disposition, daß er die Deutschen viel nördlicher vermutete, als sie schon auf ihn zukamen. Müller weiß nichts von Demoralisierung der Gegner; weil man sie unsererseits nach verschiedenen Anzeichen noch überschätzte, bleibt doch bestehen, daß viele Teile sich in Auflösung ihrer Spannkraft befanden. Allerdings zog das französische Naturell Angriffsversuche weiteren Rückzügen vor, immerhin blieb die Lage der 5., 9. A. bedenklich, die Seine im Rücken. Für den Mißerfolg nimmt auch Müller ein Hinschwinden der Frontstärken durch Strapazen auf; unsere triftigere Erklärung, daß überstürzte Vorbewegung die Einheit der Heereskörper lockerte, paßt den Herren vom Generalstab natürlich nicht: daß 1., 2. A. »jeder Tiefe entbehrte«, ist Rederei, sie hatten nur zu viel rückwärtige Staffeln, ebenso 3. A. nach 330 km Märschen. Neu ist freilich die komische Enthüllung, daß der famose Hentsch sich schon am 3. bei Kluck befand und rasches Zurückwerfen des Feindes über die Seine empfahl: dieselben unklaren Köpfe sind abwechselnd verwegen oder zaghaft immer an falscher Stelle. »Notwendiger Flankenschutz schwächt Offensivkraft« meldete Kluck an Moltke? Da hört doch alles auf! Jede Offensive, die nicht für Flankenschutz sorgt, ist schon verurteilt. Oberst Müller vom Gr. G. St. weiß aus eigner Anschauung nicht das mindeste über 1. A., schreibt also einfach nach, was darüber gefabelt wurde. Für Wertung der allgemeinen Lage bleibt sein Buch gradso unfruchtbar wie das von Kuhl oder Baumgarten. Nur eins begrüßen wir, daß er nämlich nur 19. R. D. von Hülsen fechten läßt, und zwar geschwächt um »zwei Drittel, die zur Bekämpfung von Versprengten ins Etappengebiet rückwärts entsendet«. Von solcher Bestätigung unserer These, daß so viele nicht mitfochten, ist nur ein Schritt zur andern, daß 14. D. viel zu spät anlangte, zeitliche und räumliche Gründe dafür sind aber beim 3., 2., 4. K. die gleichen; daß ausgerechnet 6. D. bei Montcaux in schwerem Kampf gegen franz. 3., 18. K. gelegen hätte, ist öde Nachschreiberei, unmöglich wegen minimalem Verlust des ganzen K. Lochow und früher Mitwirkung von 4 Batl. der 6. D. am Ourcq. Völlig haltlos ist Müllers seltsame Vorstellung, die schwachen anwesenden Kräfte Hülsens und – 14. D. seien bis – Mondemont vorgegangen; keine V. L. verzeichnet Mondemont außer für 164. Inf. »Lage ernst, doch nicht hoffnungslos« meldete Hentsch über 2. A., damals war sie also noch nicht »Schlacke«, wie er vor Kuhl verleumdete! Nur 25. L. W. Brig. bei Fismes? Laut V. L. fochten unstreitig dort noch Teile Einems. Daß »4« Jägerbatl. von Marrwitz östlich des Ourcq durch Engländer litten, ist nur für 4. Jäger nachweisbar. »Schmerzliche Verluste« bei Klucks Rückzug über F. Milon bis nördlich Cotterets können wir nur bei 66. R. vermuten. »Die menschlichen Unzulänglichkeiten der Persönlichkeiten« steigen in Müllers Schrift »Die Sendung des Oberst Hentsch« zu der Anklage, »daß eine Reihe von bewährten Männern versagt hat«. Anscheinend rechnet er auch Kluck dazu; doch geht wie die Katze um den heißen Brei herum, möchte selbst dem seligen Kameraden Hentsch nicht wehtun. Gewiß war dieser durch vorherige schwere Krankheit gebrochen und pessimistisch, Stabschef Lauenstein krank und apathisch, dann sollten solche Leute zu Hause bleiben. Der Augenzeuge Hauptmann König sagt, daß erst durch Hentsch der Stab Bülows und er selber so bänglich wurden. Umsonst lachte Einem ihn aus: »Der Feind ist ja im Rückzug«. Sehr richtig bezeugt General Tappen: »Die O. H. L. hatte keine Veranlassung zum Eingreifen«. Er und Dames stimmen überein, »daß rückgängige Bewegungen unbedingt vermieden werden sollten«; Moltke beauftragte Hentsch, bei 1., 2. A. zu » verhindern , daß sie zurückgehen«. Hentsch selbst gesteht, ihm sei nur befohlen: falls Kluck zurückgehe, soll er ihn auf Fismes instradieren, um die Lücke zu schließen. Auch hierin hat Kluck den unnützen Rückzug in wissentlich Moltke zuwiderer Richtung durchgeführt. »Irgendwelche Vollmacht, Rückzug seitens O. H. L. anzuordnen oder gutzuheißen« habe Hentsch nie gehabt, bezeugt Tappen. Hiermit schließen wir die Akten, Kluck und Hentsch sind gerichtet, Moltke freigesprochen. Die zweite Argonnenschlacht bis in die Champagne Des Kronprinzen Argonnenrückzug vollzog sich unter vielfältigen Schwierigkeiten, natürlich der Mudras am leichtesten, und auf kürzester Strecke, so daß die Fama wieder mal kindisch dessen Artillerie geopfert werden läßt. Die andern Korps erreichten ihre nördlichen Standorte, ohne ernstlichen Nachteil befürchten zu müssen, nur Goßlers Nachhut wurde bei Vaubecourt eingeholt. Auch 13. Jäger z. Pf. machten einen seltsamen Irrgang. Sie plänkelten nämlich am 7. bei Briay, da man im Woevre etwas Kavallerie gegen die französischen Reitermassen brauchte, schlugen sich aber später zur Deckung des Rückzugs an der Maas herum, bis sie Montfaucon erreichten. Verlust 120, viel für ein Reiterregiment. Die jetzt entbrennende große Schlacht bis 28. verlief eintönig unter wiederholten großen Anläufen Sarrails, der sich weidlich anstrengte. Schon rangen Teile 33. D. um den Übergangspunkt Danevauz gegen französische Verstärkungen, zuletzt mußte Sarrail davon abstehen, und am Montfauconwald bei Cheppy und Apremont holte er sich blutige Schlappen, während Gündell Verdun in Schach hielt und die Belagerungsartillerie unverdrossen ihr Werk tat. Heftige Angriffe des Marseiller Korps auf die Württemberger zwischen Apremont und Binarville scheiterten unter gewaltigem Feuer der heroisch ausharrenden schwäbischen Artillerie. Im Rücken Sarrails schallte wieder Kampflärm an den Maashöhen, wo das verstärkte 8. franz. K. stellenweise weit ins Moevre vordrang, jedoch von Heerabteilung Strantz zuletzt von Ville en Woevre bis nach Combres zurückgeschlagen wurde. Sarrail zog sich zwar den Dorn St. André aus der Ferse, hatte aber sonst wenig Glück. Vor der deutschen Geschützlinie bei Varennes brechen alle Anstürme nieder, dort ließ der Kronprinz schon am 17. die 11er Grenadiere zum Sturm vorgehen, trat also wieder aus der Defensive heraus und bezeichnete das Ende des Rückzugs, der bei Goßler einen schlimmen Tag brachte. Am 17. stellte sich Brigade Gleiwitz bei Gercourt und Grandpré den Verfolgern entgegen ohne sonst erhebliche Einbuße, doch 51. R. mußte sich bis 21. aufreiben lassen, so daß die »Schlacht bei Vaubecourt« wenigstens diese Bedeutung für ihren Verlust hatte (2100). 38. R. am andern Flügel will erst am 19. von Cuisy auf Varennes abgezogen sein. 145. zog unter heftigem Kampf von Ippecourt ab, Landwehr nahm 173. bei Cheppy auf. Die in den Argonnen heftige Verfolgung ließ selber Tausende Verwundeter in den Waldschluchten liegen, und als sie vor der Linie Varennes–Binarville landete, knackte man zu harte Nüsse. Teile des K. Bronchin drangen in den Montfauconwald ein, wurden aber hauptsächlich von II/III/51. der Schlesier (I. verlor nur 67 Mann) hinausgeworfen, »Lothringer und Württemberger« führt irre, hauptsächlich stand hier und bei Cheppy süddeutsche L. W., allerdings auch Teile der 34. D., die aber weniger litt. Dagegen hatte 98. Reitzensteins einen heißen Strauß bei Four de Paris, einem Eckpfeiler der Argonnenstellung. 130. behauptete Very, bei Apremont gliederten sich zwei Württemberger Aktivregimenter nebst 49. Art. an, bei Varennes 29., 65. Art., letzte litt schwer (205). 5. R. Fußart. Posen donnerte neben den Württembergern. Die Schlachtreihe bei Varennes war buntgemischt, Teile 6. K. und Goßlers standen dicht nebeneinander. Am 18. stieß das Chalonskorps auf den Arocourtwald, am 22. zwischen Vaucquois und Malancourt vorabgeblitzt unter furchtbarer Kanonade! Stegemann sieht so irrtümlich, wie 3. R. K. an den Côtes statt 5. K., bei Malancourt 6. K. Dort lagen aber nur 6. Jg. und 22., 23. R., ihr geringer Verlust lehrt, daß nichts Ernstliches dort vorfiel. Südwestlich davon ließ Mudra den Feind nicht durch. Sein Gegenstoß bei Avocourt blieb freilich auch erfolglos, der verschanzten Front Berthincourt–Vaucquois kam er nicht bei. Die Kämpfe an Mudras Front, wo 23., 29. Pioniere den Montfauconwald verschanzten, der also seine eigenen Pioniere anderwo hatte, kosteten inkl. L. W. nur 4000. 1400 von 98., 800 von 145. werden also in ihrer Bedeutung überschätzt. Sarrail erkaufte seine geringen Lokalerfolge sicher viel teurer. Auch beim 6. K. litten Einzelteile lächerlich wenig, nur 51. viel (957), außerdem entsandte der Kronprinz noch 62., 63. nebst 57. Art. nach Sillery bei Reims. Bei Varennes verlor 6. K. nur 3550 (150 Art.), Goßler im ganzen 4500 (100 Art.). Blutiger ging es bei Binarville–Cerny her, wo die über Triaucourt zurückgegangenen Württemberger bei Sarvon neben den Hessen in die Hauptschlacht mündeten und vier dort stehende Regimenter nebst 13. Feld, 13. Fußartillerie 3000 einbüßten, dazu ihre Apremontgruppe 2100. Wieder litt 52. Brig. am meisten, wieder verloren 120. Ulmer laut V. L. nur 39. Gleichwohl will 54. Brig., erst zuletzt nach Binarville abrückend, am 23. Varennes erobert haben, was nur Sinn hätte, wenn es den Schlesiern wieder verloren ging. Regimentsgeschichten darf man eben nicht unbedingt vertrauen. Hätte auch 120. so gelitten wie die Schwesterregimenter, so würde Monatsverlust des 13. K. sich unverhältnismäßig steigern, er war groß genug: 9000 Goßler 7400, Mudra 8000. Wieder entrichteten die Schwaben den schwersten Blutzoll, dies Verhängnis begleitete sie oft. Summa seit 12. Sept. 17 400, im Verhältnis zu ihrer Schwere hört man blutwenig von diesen Kämpfen, besonders sollte man wissen, wodurch die harte Einbuße der Schwaben entstand, diesmal an unscheinbarer, der Fama verborgener Ecke. Die Angriffe des Marseiller Korps scheiterten zwar, doch seine Geschütze spielten verderblich. Die dem Kronprinzen mittelbar unterstellte Gruppe Strantz verlor nur 2900, die Kämpfe werden lebhafter geschildert als sie waren, erst im Oktober schwollen sie dort heftig an. Was vom K. Limoges ins Woevre ausbrach, kam am 17. bis Briey und Etain, wohin 98. R. und Thüringer L. W. zurückgeworfen, von 25.–28. prallte aber die ganze Franzosenlinie unter dem Stoß des 5. K. rückwärts. Zwölf Posener Bataillone und die Metzer Bayernbrigade drangen bis Frasnes und Les Epargues vor, 4. bayr. angeblich bis Combre, nur 8. bayr. verzeichnet aber mäßigen Verlust, während die 47er seit 24. volle 850 verloren und 50. Fort Troyon einschloß, bei 5. P. bluteten 10 Off. auf nur 29 Gemeine. Die Franzosen reden hier vorzugsweise von »Bayern und Badensern«, was keinen Sinn hat, denn Vorgehen der 6. bayr. D. auf Mihiel war ein getrennter Akt und dies mit der sogenannten Schlacht von Thiaucourt der Badenser in Verbindung zu bringen, ist französische Voreiligkeit. Dagegen scheinen zwei Bataillone 114. des 14. K., das jetzt nach dem Westen unterwegs war, sich der Metzer Bayernbrigade angeschlossen haben. Östlich und südlich Verdun, wo einige R. Brig. zwischen Forts durchmarschierten und das franz. 8. K. unterstützten, endete auch dies Gefecht günstig für die Deutschen. Die 4. A. sandte hessische Regimenter (115. Inf., 116., 118. R.) nach Binarville, offenbar war dort Verstärkung nötig. Bei Cerny am linken Flügel feuerte 21. R. A., 116. R., 116. L. W. lösten 87. Inf. dort ab, da das ganze aktive K. aus dieser Front gezogen wurde behufs anderweitiger Verwendung. Es verstreute seine Gruppen, trat weder vereint bei Reims, noch später bei Roye auf. 88. Inf. verirrte sich bis Sommepy ins Schlachtfeld der Sachsen. Am rechten Flügel bei Servon hatte 25. R. A. bei sich 168. Inf., bisher geschont, jetzt hart im Feuer (1160). 88. R. verlor viele Offiziere außer jedem Verhältnis zum Mannschaftsverlust. Etwa 5000 Hessen bluteten, die Schlacht war auch hier ernst wie bei Binarville. Langle muß Verstärkungen erhalten haben, sein 2. K. mühte sich neben 15. K. ab, ein Erfolg war ihm nirgends beschieden. Die Rheinländer hingen sich bei Ripont–Tahure den Sachsen an. Das R. K. Egloffstein bekam einen Vorgeschmack der künftigen Champagnekämpfe. 25. R. besetzte am 15. Tahure, und ließ bis 19. schon 1088 auf der Strecke, später noch 480. Sein Schwesterregiment 69. R, blieb rückwärts bei Ripont in Reserve, 17. R. behauptete Maison de Champagne, wo 15. R. Art. bis 14. feuerte, dann bei Rouvroy nordöstlich Tahure, 30. R. mußte von dem Kolonialkorps aus Septsaulx bis Massiges zurückgedrängt werden (1100). Dort schloß 16. R. D. mit 29. R. (12, 720) an, 68. R. litt auch, 65. R. weniger. In dieser Gegend nordöstlich Perthes ging man bis 23. wiederholt zum Gegenangriff über. Verlust 4500. Das aktive K. verlief sich in die sächsischen Linien. Am linken Flügel westlich Tahure hatten 25. 160, keinen schweren Stand, dagegen warfen sich 65. und 161. schon am 14. nach Souain, worauf und Perthes sich auch 28. und 29. der 16. D. verteilten, deren 23. Art. sich hinter Perthes aufopfernd ins Feuer setzte. Acht Offiziere fielen bei nur drei Batterien. In der Krise fuhr die ganze Artillerie Tschepes nach Souain ab, rheinische und sächsische Linien flossen ineinander über. Das den Sachsen gebührende Lob muß man hier auf die Rheinländer ausdehnen, sie hielten als unzerreißbarer Damm den Einbruch in Schranken, auch hinter dem zertrümmerten Souain, das die Leipziger am 21. räumten. Ihr Verlust war aber ohne jeden Vergleich zum sächsischen, nur 2900. Die Sachsenschlacht tobte mit besonderer Gewalt. Während das Kolonialkorps mit großer Wut – ganz anders wie früher am Kanal – die Strecke Massiges-Tahure berannte, griffen das 17. und das Epinalkorps sowie Foch die Strecke Souain-Souplet sehr energisch an. Wer wüßte nicht, welch prächtige Soldaten die Sachsen sind! Hier übertrafen sie sich selbst, indem sie gewaltiger Übermacht der Furia Francse standhielten. Ihre Vaterlandsliebe wurde von der Fama übel belohnt, die dumme Märchengerüchte über ihr schlappes Vorgehen verbreitete. Von Binarville bis Tahure trug die Schlacht den gleichen Charakter schweren, doch nicht krisenartigen Ringens. Hier bei Souain aber griffen die Franzosen mit dem Wunsch an, unter allen Umständen einzubrechen, koste es, was es wolle, als ob sie wüßten, daß die 3. A. um das ganze 12. K. geschwächt sei. Diese Trennung vollzog sich nicht reinlich und glatt; Jäger, Pioniere, Artillerie 12. K. fochten stark und teilweise andauernd bei Auberive am rechten Flügel. Auch einzelne zur Aisne abziehende Regimenter machten wieder lehrt und griffen noch längere Zeit in die Schlacht ein. So Teile 100., 101., 102., 182. bei Prosnes–Thuisy im Bereich der 2. A. Die Verluste steigerten sich in der zweiten Monatshälfte. So verloren 12. J. nur 100 bis 19., dann aber 285 inkl. Radfahrschützen, 13. J. bis 19. nur 50, bis 24. dann 85, bis 29. gar 137; 12. P. bei Moronvillers 45 bis 17., bis 26. aber 265. Die Radfahrer der Ersatzjäger begleiteten die Nachhut bei St. Hilaire, Leibgrenadiere besetzten Souplet, ehe sie zur Aisne abgingen. Teile der Freiburger blieben bei Sommepy, auch 103. scheint die Hälfte seines großen Verlustes hier und nicht später an der Aisne gehabt zu haben. Die Gefechte bei St. Hilaire–Auberive waren hartnäckig; der wirkliche Angriff begann überall erst am 16. Die 24. R. D. bei Vaudesincourt sandte ihr 107. R. nach Thuisy zur Flanke der 2. A,, wo 23. R. D. bei Prosnes wenig litt. Um so mehr ihre Artillerie, die sich in die Linie der 24. R. D. stellte. Für die nach Nordwesten umgebogene Front Thuisy–Vaudesincourt läßt sich unschwer ein Zentrumpunkt finden: Moronvillers. Ehe der Feind dort den Hauptkampf wünschen konnte, hatte er lange zu tun, um die Vorderstellung Auberive–St. Hilaire zu brechen, wo d'Elsas Nachhut und seine sonst auf dieser Front verbleibenden Bataillone und Batterien etwa 2700 verloren, Kirchbach nebst der diesmal bei Moronvillers gut verwendeten L. W. 3300, doch mit ungewöhnlicher Einbuße der tapferen Artillerie: 24. R. Art. verlor 243 und als 23. R. Art. in neue Reservestellung nach Sommepy abfuhr, zählte sie 310 Kanoniere außer Gefecht! Auch Kirchbachs Verlust war bis 18. gering, dann kam er so ins Gedränge, daß 133. R. sich des Feindes durch Gegenstoß erwehren mußte; Major Jordan fiel. General Laffert sandte 179. nach Souplet zur Beihilfe, auf ihm lag aber die Hauptlast bei Souain–Perthes. In wildem Gemenge ging alles so drunter und drüber, daß Korps, Divisionen, Brigaden, Regimenter sich untereinander mischten. So lag 8. Komp. 106. bei Moronvillers, 9. in Farm Perthes neben II/104.; 106., 181 fochten mit mäßigem Verlust bei Marie à Py, dann mit großem bis 22. bei Souplet, wohin sie zu Kirchbach abmarschierten. Das neu angelangte 183. Chemnitz litt wenig bei Perthes, wo neun Kompagnien 134. nur 25, ein hierher verschlagenes Bataillon von 102. nur 24 Mann einbüßten, dagegen schmolzen 133. und besonders 139. zwischen Souain und Sommepy in einem bis 20. mäßigen, dann aber immer blutigeren Kampf um 3000! Die 12. Dresdener hielt neben der 69. Art. bis 20. bei Souain stand, auch dort war der Artillerieverlust groß (216). Die Schlacht war so furchtbar, daß das Leipziger Korps viel mehr als in der Marneschlacht verlor: 7200 (im Monat also 12 000, mehr als bisher irgendein anderes Korps in 20 Kampftagen). Rechnet man zu 13 200 Gesamtverlust der Sachsen die 12 400 der 4. A. hinzu, so kostete die Schlacht Servon–Souain–Souplet 25 600. Da der Blutverlust beim Angreifer naturgemäß noch gewaltiger sein mußte, bluteten Langles und Fochs unablässige Angriffe sich endlich aus, obschon sie sich vom 20.-26. zur äußersten Kraftanstrengung steigerten. Die Gloiresüchtigen strichen heraus, daß sie Dorf Souain in einen Trümmerhaufen verwandelten und dortigen Aufenthalt unmöglich machten, doch was half dies Vorschieben der Schützengräben im Zentrum, da sie doch unter Kreuzfeuer von Sommepy und Tahure her lagen und sich auf die Dauer nicht behaupten ließen. Traurig betrachtete Langle die Leichenmassen, besonders bei Marquesan Farm. Joffre nahm bereits Fochs 11. K. für die Westarmee weg, später auch im Oktober 9. K. 42. D. Langle mußte 21. K. nach Arras schicken, nach Fochs Ausscheiden zur neuen Westfront kommandierte nur er noch in der Champage, zu geschwächt, um weiter etwas zu versuchen, obschon beim Gegner die gleiche Veränderung stattfand. Armeekommando Albrecht verschwand nach Nordwesten, 21. R. D., 9. L. W. D. traten unter das Kommando des Kronprinzen, 18. K., 25. R. D. gingen ab, desgleichen 19. K., nur Rheinländer und Kirchbach bildeten die neue 3. Armee Einem. Das Ergebnis dieser harten Schlachten zwischen Maashöhen und Souplet (deutscher Gesamtverlust 46 000) blieb für Joffre durchaus negativ. Nur die Denkunfähigkeit der Massen konnte noch an »Sieg an der Marne« glauben, obwohl man die Stirn hatte, diesen »Sieg« noch im Dezember in phantastischen Farben auszumalen. Möglich, daß Joffre, der ja nicht dabei war, sich selber grundfalsche Vorstellungen machte, denn den unerwarteten deutschen Rückzug erklärte man sich einfach mit irgendwelcher innerer Zerrüttung aus unbekannten Ursachen, die man durch sofortiges Nachstoßen ausnutzen müsse. Wir lassen Joffre die Gerechtigkeit widerfahren, dies als lobenswert anzuerkennen, doch die Enttäuschung muß bitter gewesen sein. Dabei wird noch übersehen, daß die Deutschen zwar den allzu üppigen Überschuß ihres Raumgewinnes verloren, aber trotzdem viel weiter südlich standen, als am 1. Sept. Die Linie Moronvillers–Servon–Varennes war diejenige, wo während der Marneschlacht die Hintertreffen standen. Auch den Eingang zu den Argonnen und die volle Verdun-Einschließung hatte der Kronprinz behauptet, stand fest zwischen Montfaucon und Malancourt, den Unglücksstoß auf die Maasübergänge bei Sivry–Danevaux dürfte Sarrail nie mehr wiederholen, sogar das Bombardement gegen Verdun verstärkte sich. (Dieser Artilleriekampf kostete der schweren Artillerie des 5. und 5. R. K. 180 Kanoniere, ein Beweis, daß die Beschießung näherrückte). Der Druck an den Cotes hatte sich eher verstärkt als geschwächt, die Wegnahme Mihiels machte die Lage erst recht ungemütlich sowohl für Sarrail als Dubail. Im Norden war der anfängliche September-Raumgewinn etwas mehr beschnitten, doch wir werden sehen, daß dafür ein beträchtlicher nach Westen hinzukam. Ehe wir uns aber diesem Thema zuwenden, müssen erst zwei Unteraffären behandelt werden. Vor Antwerpen und Maubeuge. Schon am 6. beunruhigten Gruppen Beselers zwischen Antwerpen und Gent die Belgier, Scharmützel bei Melle und Landerziel endeten mit Erstürmung von Dedermonde (Termonde), wo noch 9. R. Jg. mitwirkten und einige Mordbubenerschießung angeblich deutsche Waffenehre befleckte. Als ob Franzosen und Briten laut Kriegsgeschichte sich nicht tausendmal Schlimmeres zu schulden kommen ließen! Denn von systematischer Zerstörung und Verwüstung hielten die Deutschen gänzlich die Hände frei. Selbst der Timeskorrespondent gab zu, daß sie beim Einmarsch strenge Manneszucht bewahrten und erst gegen Bandenunwesen zu Repressalien griffen. Einem unternehmungslustigen Gegner durfte man solche Raufereien unter Antwerpens Kanonen nicht bieten. Erst am 12., 13. näherte sich aber ein neuer großer Ausfall auf 2 km dem Bahnhof von Löwen und die Einwohner erlabten sich aus der Ferne am Anblick belgischer Reiter. Dem kriegerischen Instinkt König Albrechts schien der Zeitpunkt gekommen, zum »großen Sieg an der Marne« beizutragen, doch verspätete er sich und band wenig Kräfte. Auf 20 km langer, dünnbesetzter Front wichen Feldwachen und Vorposten, als 2., 6. D. auf Aerschot, 3. auf Overbevaert, 1. auf die bei Elewyth eingebuchtete Mitte Beselers sich einwühlten. Anfangs konnten die Löwener sich süßer Hoffnung hingeben, doch der Scherz kostete der Besatzung einen , ihrer Artillerie keinen Mann! Schon am 12. ging alles schief, am 13. war der Spuk vorüber. 2. D. riß 6. in Flucht mit sich, 3. wankte, 5. vor Eppeghem blieb hängen. Bei Aerschot siegte 5. R. D. zusammen mit dem braven L. St. Batl. Burg (310) und den hierher geworfenen Teilen von 105., 171., 172. Els. nebst Batterien von 50., 80. Art., im Zentrum die neue Ers. Brig. Magdeburg-Hameln (180). Bei Wespelaer und Thieldonk 73. Hann. L. W. (380). Am linken Flügel verlor Ers. D. Werder lächerlich wenig, ihr frisch angelangtes 9. Batl. Küstrin bei Operdorp. Summa des ganzen 1600, dazu Nebengefecht der Marinedivision bei Heest op den Berg (5, 300), der 39., 52. L. W., 2 Rheinl. L. W. Schwadron. Mit ihrer L. St. Batterie lagerte 12. L. W. schon vor dem Fortgürtel vor Lierre, 6. R. D. in der Nethe-Front bis Fort Wavre. So drang man westwärts bis zur Schelde. Obwohl die ihnen bei Löwen helfenden Elsässer und Ers. Teile alsbald südwärts abmarschierten und 9. R. K. längst an der Oise focht, hielt man Beselers schwache Kräfte für ausreichend, während Feldmarschall Goltz in Brüssel als Etappenschutz nur L. St. Batl. besaß. Ein geringschätzigeres Urteil über belgische Großtaten kann nicht gesprochen werden. Nach belgischer Angabe sollen diesmal 120 000 dem König zum Kampf gefolgt sein, selbst wenn wir dies für Übertreibung halten, war eine sicher doppelte Übermacht nicht imstande, das immer engere Zuziehen der Schlinge um Antwerpen zu hindern. Der genügsame Stegemann ist auch mit dem »tapferen Kommandanten« von Maubeuge zufrieden, die Pariser Untersuchungskommission war nicht so befriedigt, daß 45 000 sich »14 000« Deutschen nach vierzehntägiger Einschließung ergaben und sich vorher drei Werke und das geschlossene Panzerfort Brussois nehmen ließen. Der Erfolg war größer als bei Lüttich und Namur. Allerdings bemißt man Zwels Belagerungskorps zu niedrig. 7. R. K., 26. Inf. Brig. und zuletzt noch 25. L. W. Brig. nebst vier R. Kompagnien 24., 25. Pioniere zählten sicher nahezu 35 000, welche jetzt für die Aisneschlacht frei wurden. Ihr Verlust war sehr gering, etwa 1200. Bülows Augustbeute von 116 Feld- und 232 Festungsgeschützen stieg damit ins Ungemessene. Viel englische Dumdum-Munition fand sich hier und der gefangene Oberst Gordon zuckte die Achseln, die Londoner Regierung habe ohne Wissen der Offiziere (?) die verbotenen Patronen so geliefert. Man kann den Deutschen nicht verargen, wenn sie angesichts solcher Vorkommnisse wie der schlappen Maubeuge-Verteidigung ihre Überlegenheit hoch anschlugen. Dachte Joffre bei seinen wütenden Angriffen an Entsatz von Maubeuge, wie er auch großartige Umfassung im Westen plante, um Antwerpen zu entsetzen, das man freilich noch für unbezwinglich hielt, während es Beseler als reife Frucht in den Schoß fiel? Nun, wer in der Marneschlacht sich schlug, mußte jetzt betreten gestehen, daß der ungeheure Ansturm vom 16.–26. doch den deutschen Linien höllisch zusetzte. Solchen gebieterischen Einfluß hat jeder Erfolg auf den Heeresgeist, selbst Scheinerfolg genügt; die am 5. Sept. noch matten und hoffnungslosen Franzosen waren am 15. nicht wiederzuerkennen. Sie hatten den Rücken der Deutschen gesehen, das machte sie trunken vor Freude und Stolz, »der böse Zauber ist gebrochen«. Bei den Deutschen war hingegen die Stimmung verärgert und verbittert, Mißtrauen in die Führung schlich sich ein. So dringend hat sich jeder Feldherr vor nicht unbedingt nötigem Rückzug zu hüten. Für den gemeinen Mann kommen Rückzug und Niederlage auf dasselbe hinaus. So war Bülow-Klucks Rückzug ein unsühnbares Verbrechen. Alles deutsche Elend stammt aus diesem Keim. Nie kann ein Volk zu vorsichtig in der Wahl seiner Führer sein. Doch leider steht ihm ja keine Wahl zu und der Philister beruhigt sich mit dem vorgeplärten alten Lied, daß die Regierung schon alles am besten besorge. So oft Joffre fortan Unmenschliches an Opfern und Anstrengungen heischte, immer wirkte der Hinweis: Denkt an die Marneschlacht! Die Schlacht bei Reims. Gemäß seinem Zeitvermischungssystem verlegt Bülow den Anfang der neuen Schlacht schon auf 13. Seiner durchsichtigen Absicht entspricht die Irreführung durch Ententeangaben, die natürlich bezwecken, die Ankunft an Aisne und Vesle möglichst früh anzusetzen. Tatsächlich gab es am 13., 14. überall nur Tastversuche, wie es den Raumverhältnissen nach nicht anders sein konnte. So bezieht sich ein leichter Vorstoß des Epinalkorps nur auf Planitz' Nachhut, Teile 103. standen nämlich noch am 14. in Gegend Sommesous, anscheinend auch Teile 101., so langsam vollzog sich der Abzug, während man uns einreden will, Hausen sei plötzlich am 11. in Gewaltmärschen enteilt. Diese Angaben sind nicht ernst zu nehmen, denn das vorausmarschierte 12. K. hatte seine Nachhut am 13. noch bei Auberive, obschon es zur Aisne abziehen sollte. Bülow gibt nun an, der Feind (nämlich 18. K. unter seinem neuen eifrigen Chef Maudhuy) habe die Vesle am 12. bei Fismes überschritten. Laut V. L. ging aber III/56. erst am 13. von Fismes zurück. 26. Brig. hatte durch Nachtmarsch von Maubeuge her Berry an der Aisne erreicht, vereinte sich mit 25. Brig., beide laut Bülow mit der 14. D. bei Cernay les Reims am rechten Flügel der 2. A. (»Der 3. A.«, einer der vielen Schreibfehler Bülows, der sich dabei erinnert, daß 14. D. früher bei Epernay stand). Unverständlich wie vieles andere ist die Räumung der Reimser Forts, die doch sicher gute Schlachtanlehnung gewährten. Besitz der F. Brimont und Pompelle kam nachher Esperet sehr zu statten. Wieder die reine Panik ohne Zweck und Sinn. Denn Bülow selbst gibt zu, er sei am 13. »ohne Nachdruck« angegriffen worden, d. h. es gab überhaupt keinen ernsten Angriff. Hülsen stand noch westlich Reims, sei aber schon am 12. (abends?) durch die Stadt auf Cernay retiriert, um nicht von Fismes her umgangen zu werden. Schon dies würde zwar unsere Meinung bestätigen, daß Esperet nicht vor 13. in Reims einziehen konnte, verrät aber wiederum Bülows kopflose Überstürzung. Denn vor 13. drohte Hülsen nichts von Fismes und verweisen wir hierbei auf Früheres, daß Maudhuy sicher erst am 11., 12. den Vormarsch zur Vesle begann, wobei ihm doch auch Richthofen und 25. Brig. im Wege standen. Er kann also erst nach ziemlich langem Flußgefecht gegen 25. L. W. Brig. den Übergang erzwungen haben, wobei 16. L. W. Köln und III/56. mäßig litten. Von da aber wandte sich Maudhuy sogleich nördlich zur Aisne, bedrohte also niemals Hülsen östlich in der Flanke. Das nächstbefindliche 3. K. langte schwerlich vor 14. gegenüber Hülsen an. Während an erneuter absichtlicher Vordatierung Bülows nicht zu zweifeln ist, bleibt freilich die Tatsache bestehen, daß Hülsen am 14. bis östlich Reims zurück war. Neue Kopflosigkeit dieser ekelhaften Panik Bülows. Grade Aufstellung westlich Reims hätte Maudhuys gefährliche Schwenkung nordwärts verzögert, da dann ihm Bülows Rechte in der Flanke stand. Ungeheuerlicherweise rückte aber die jetzt vereinte 13. D. südöstlich auf Brimont ab, nur 25. L. W. Brig. über Berry, welchen Schlüssel der Aisnestellung also Bülow blindlings preisgab. Und dieser Mann hat die Verwegenheit, sich über Kluck zu beschweren, weil dieser nicht die Lücke Craonne–Berry füllte, räumlich und zeitlich ein Ding der Unmöglichkeit. Er selbst lud den Feind förmlich ein, nordwärts in die leere Aisnelücke zu stoßen, andererseits blieb so Hülsen durch Einem völlig nach rechts gedeckt. Also ist hohle Ausflucht, er habe wegen Umgehung Reims räumen müssen. Warum blieb nicht wenigstens Fort Brimont besetzt, das doch nordöstlich Reims wahrlich nicht umgangen war? Rückwärts, rückwärts, allzu bescheidener Cid! Als Esperets Vorhut mit Hörnerschall ins verödete Reims einzog, mußte dies grundlose Aufgeben wichtiger Positionen wohl die Franzosen überzeugen, die Deutschen seien »demoralisiert«. Nicht die braven Truppen, das sollte man bald innewerden, doch ihr seelisch entmannter Führer. Bülow war ein alter Herr, die Anziennität in militärischer Hierarchie ist ein Krebsschaden stehender Heere, denn Anfälle von Altersschwäche können unendlich schaden. Hiermit wollen wir den Nervenzustand Bülows vom 9.–15. entschuldigen und die Gerechtigkeit gebietet zu betonen, daß er hernach plötzlich Geistesfrische wiedergewann. An seiner Leitung der neuen langen Schlacht ist nichts zu tadeln, sie war sogar stellenweise vortrefflich. Doch dies konnte die sinnlose Preisgabe der Forts und all die anderen Torheiten nicht wettmachen. Hätte Grouchy 1815 nur ein Zehntel der Einsicht und Tatkraft, die er auf seinem Rückzug von Wovre bewies, am 17., 18. Juni bewiesen, so wäre Napoleon nicht untergegangen; hätte der Bülow von St. Quentin und Reimser Schlacht am 9.–15. bessere Haltung gezeigt, dann wurde nicht Verderben über Deutschland heraufbeschworen. Das eben ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Nach unserer Zeitaufhellung ist unmöglich, daß Esperets 1. K. sich am 12. Reims unmittelbar näherte, seine Vorhut kann erst am 13. die Turmspitzen der Kathedrale im Abendsonnenglanz erblickt haben. Hatte Emmich erst am 13. sein Stabsquartier hinter der Front in Epernay, so hatte er sicher, dort die 20. D. findend, die 19. D. noch westlich der Marne. Esperets 3. K. kam offenbar am 12. über Condé en Brie, die richtige Linie zum Aisnekanal nördlich Reims, kann ihn also unmöglich schon am 13. überschritten haben, wie Bülow vordatiert. Reservekorps Valabregue (und die ganze englisch-französische Reiterei) folgten Maudhuy zur Aisne, was bei dessen entferntem Stand viel Zeit erforderte. Ferner wurde das Algierkorps nach Amiens abgeschickt, auch dies beweist, wie spät sich Esperet entfaltet haben muß, denn vor 15. disponierte Joffre schwerlich darüber: Die Algierer würden schon früher nachgezogen sein, wenn Esperet weit nordöstlich vordrang. Wie soll Foch, nachdem seine Rechte von 24. R. D. heimgeschickt und am 12., 13. noch bei Chalons aufgehalten wurde, am 13. die Garde bei Prosnes angegriffen haben! Daß sie sich laut Bülow mühelos behauptete, heißt zu deutsch, daß es sich höchstens um Vorpostenscharmützel handelte. Am 15. stand laut V. L. die 1. G. D. noch bei St. Leonard südwestlich Reims. 78. R. am 12. bei Nogent l'Abbesse. 92. Inf. aber viel später noch bei Beine südlich Reims, so daß Fochs Angriff auf Bülows Linke erst sehr spät erfolgt sein muß, die von Beine in Linie Prunay–Sillery zurückging. 3. G. scheint bis 18. St. Leonard gehalten zu haben (90). 1. G. verlor auf dem Rückzug nur 15 am 15. bei Leonard, Elisabeth am 13. 14. nur 120, also ist ganz sicher, daß die Garde noch lange Vorstellungen südlich Reims innehielt und Fochs Angriff auf die von Bülow angeblich vom 13. bezogene Stellung nicht vor 17. erfolgte, wo und am 20. die 2. G. mäßigen Verlust angibt. 4., 5., 6. Batt. 1. G. Art. verloren 53 Kanoniere am 13., also beim Nachhutgefecht »bei Chalons«. Es verdient noch Erwähnung, daß beim 7. K. die Verhältnisse des Rückzugs sich sehr verwirrten. Wir fanden III/56. bei Fismes, II/53. war sogar anfangs zum 9. K. abgeirrt, die Joches-Gruppe schloß sich der Montmirail-Gruppe an und ging gleichfalls auf Fismes zurück. Die übrigen 8 Bataillone der 14. D. kamen teilweise, wenigstens III/57., von der Marne südlich ab bis Suippes in die Chalonsebene, ehe sie sich bei Epernay sammelten. Wir werden uns nicht wundern, ihr 56., 57. nachher am äußersten rechten Flügel zu finden, wo bereits III/56., III/57. bei der 13. D. gelandet waren, denn wahrscheinlich hat sich das Korps ursprünglich nicht bei Brimont vereint, Hülsens ursprünglicher Basis, sondern am rechten Flügel, so daß nicht 13. D. zur 14., sondern 14. zur 13. marschierte. Daher konnte Einem auch nicht vor 14. bei Brimont vereint sein, also nicht das franz. 3. K. auf Brimont zurückwerfen, was höchstens für dessen Vorhut am 14. zutreffen mag. Der 15. ist der Tag, an dem Esperet und Fochs Linke auf der ganzen Linie Bülow angriffen. Wo Foch und 10. K. bei Prosnes–Prunay die Linien der Garde und Emmichs berührten, blieben sie in fünf Tagen ganz erfolglos. Auf dieser Strecke gewann die Schlacht nur südöstlicher einige Wichtigkeit, wo Foch zwischen 2. und 3. A eine Ecke abzubiegen suchte. Verschiedenste sächsische Regimenter stützten dort Bülows linke Flanke bei Thuisy, wie schon erwähnt. Auch Hülsen hatte anfangs leichte Tage. Dagegen brauste im Norden die Schlacht hoch auf. 3. franz. K. setzte über den Aisnekanal und griff die 14. D. bei Oreinville–Bourgogne an, mußte aber eiligst auf Bernericourt weichen. Das Ringen dauerte bis 17. blutig fort, 14. D. (nicht 13., Bülow verwechselt augenfällig) hielt sich ohne erhebliche Einbuße bei Brimont, dagegen richtete sich schwere Kanonade gegen 13. (nicht 14.) D., die sich ganz verausgabte und am 15. mitternachts über den Bahndamm zurückgedrängt wurde, der zwischen Loivre und Aquilcourt läuft. Der Feind drang seitwärts bis Marlet bei Orainville, 13. D. warf ihn aber westwärts zurück, unterstützt von 57., 16. R. bei Mabel Farm, die mit der 26. Brig. von Maubeuge gekommen waren. Dies harte Gefecht setzte sich nördlich bis über die Aisne fort, wo Bülow rechtzeitig am 14. ein Detachement unter Artilleriekommandant Steinmetz bildete. Es bestand aus abkömmlichen Reserven aller drei Korps, nämlich nach unserer Ermittlung aus Einems 57., Emmichs 164., 73., Hülsens 55. R. nebst 22. Art. Münster. Die Gruppe arbeitete sich bei Menneville bis Guiguicourt vor und drohte den Übergangspunkt Berry von Süden her zu sperren. Dies durfte der Feind (Balabregue rechts von Maudhuy) nicht dulden und lief wiederholt Bülows Rechte an. Mittlerweile wechselte anscheinend Hülsen zwischen Cernay–Witry les Reims den Platz mit Emmich, dessen bisher frische 20. D. den großen Gegenstoß von Bourgogne her mitmachen sollte, zu welchem Bülow das ihm zur Verfügung gestellte Hessenkorps dort in Bereitschaft setzte. Klug und energisch gehandelt, denn am Nordflügel lag die taktische und vielleicht strategische Entscheidung. Während des folgenden Hauptkampfes demonstrierte Hülsen vor Reims, seine Artillerie spielte stark, und 2. G. D. löste die bisher allein im Vordertreffen stehende 1. ab. Am 19. früh traf eine Brigade ein, die sich der Kronprinz für Bülow vom Munde absparte (62., 63., nicht die ganze 12. D., wie man überall liest). Jetzt vereinte sich das ganze Gardekorps östlich des Forts Witry les Reims als Heerreserve. Bülow schreibt wieder summarisch »18. K.«, es waren aber nur Teile davon, die mit den Westfalen in der Linie Loivre-Courcy-La Neuvilette langsam, doch erfolgreich sich festsetzten. In der Nacht zum 18. (17. vordatiert) und bei Tagesanbruch brechen die Oldenburger und Braunschweiger der 20. D. nach Überschreiten des Kanals gegen die angrenzenden Höhen vor, wo das franz. 1. K. angriffsweise entgegenkam. Der Kampf bei Courcy wurde ernst und opfervoll, auch Kurhessen wirkten dort mit, während das 7. K. Loivre nahm und im Verein mit Darmhessen das Hauptfort Brimont erstürmte, 3500 Gefangene erwischend. Auch Hülsen bedrohte Reims, das er bis 20. abends beschoß. Jetzt endete das Ringen vorläufig unter Erschöpfung. Die Korps verschoben sich auch hier ineinander, von den Hessen fochten wahrscheinlich nur I/II/81. bei Courcy (470, III. blieb bei Sarvon), 116. (480), 117. (300), 21. P. bei Orainville, schon am 16. angelangt und anscheinend bis 27. dort verharrend, 61. Art. parkierte am 20. in Reserve, Teile 25. P. gingen zu Steinmetz nach Guignicourt (62), Hülsen behielt 92. R. Osnabrück und das im August schwergeprüfte 91. R. anscheinend im Rückhalt, während 77., 79. R. am linken Flügel bis 19. ziemlich litten, dazu 20. R. A. (100). Dagegen scheint die ursprünglich bei Nogent l'Abbesse stehende 19. R. D. nordwärts abmarschiert zu sein, denn 78. R. war am 21. bei Orainville (490), 74. R. (besonders III.), dort in besonders heftigem Kampf. Es verlor 940, davon freilich seit 20. nur 68, so daß Bülows Behauptung sich hier bewahrheiten würde, daß die Schlacht wesentlich am 20. endete. Das trifft aber bei anderen Teilen durchaus nicht zu. 73. R., das Bircher auch am Morin fechten ließ, verlor im September so gut wie Null. Aus Bülows Schreibart werde ein anderer klug. Danach wurde später 1. G. D. zwischen 2. G. D. und 19. R. D. eingesetzt. Ist dies zweimal wiederholter Schreibfehler für 19. D. Emmichs oder wurde 19. R. D. später aus der Nordfront hinausgenommen und wieder bei Witry les Reims als Reserve aufgespart? Griff aber 2. G. D. später rechts von der 1. an, so stand nichts »zwischen« und anfangs stand Emmich, nicht Hülsen, rechts von der Garde wie früher. Deshalb schanzten 10. P. bei Witry, 10. Art. feuerte bei Nogent neben 3. G. Art., 74. Inf. blieb bei Cernay in Ruhestellung. 73. rückte nach Aquilcourt ab, es ist fraglich, ob außer 78. nebst Ers. Batl. Aurich sonstwer am linken Flügel blieb. Vom 79. focht nur 8. Komp., die vernichtet wurde (4 Off., 150). Inkl. 26., 62. Art. bei La-Mark (160) verlor Emmich in der Reimsstellung nur etwa 2700 (164., 73. bei Aquilcourt natürlich ungerechnet), da bei 91., 92. in allzu summarischer Gesamtliste (2900) viel für anderes abzuziehen wäre, übrigens die des 91. bis 12. Okt. läuft. Hülsen verlor 2600, was den Umständen entspricht. Daß 74. R. von seinem Monatsverlust (rund 1500) die größere Hälfte früher bei Charleville verlor oder gar zwei Drittel, ist ganz unwahrscheinlich in Anbetracht des feststehenden mäßigen Morinverlustes von 73. Inf., 10. R. Jg., die mit ihm fochten. Die Hessen (1350) stützten zwar ausgiebig die 14. D., waren aber für den Ausschlag nicht maßgebend, auch gab es nicht einen von Stegemann markierten großartigen Angriff Hülsens auf Reims, wo vielmehr Emmichs 91., 92. zu nennen wären, sondern die Westfalen (bisher im Feldzug wenig hervorgetreten) waren die wahren Helden der Reimsschlacht. Sie bereiteten dem vom Schloßberg Brimont herabgeworfenen 3. K. zunächst eine vollständige Niederlage. Dies war die 14. D., von Bülow fast stets im Text mit 13. verwechselt trotz richtiger Karte. Sie stand zwischen Orainville und Bourgogne, also nicht »nördlich Condré«. Obwohl er das Gegenteil sagt, hatte nur 13. D. durchweg einen schweren Stand. Abgesehen von neuem Druckfehler »1. D.« verwirrt er den Leser, wenn er 14. D. die Nordstrecke einnehmen und durch Eingriffe aus Süden schwer leiden läßt, sie hatte erst nur Angreifer aus Westen. Dies war die 13. D., gsie lag wirklich unter schwerer Kanonade, wie die Einbuße ihrer Artillerie zeigt. Sie wurde nicht nur bis , sondern über den Bahndamm zurückgedrängt; die Bahn streicht westlich Brimont vorbei, das damals noch vom Feind besetzt war, der Damm wäre also der Länge nach bestrichen worden, eine unmögliche Gefechtsstellung. Man mußte sie verlassen oder darüber hinausdringen, wie später geschah. Daß am 16. die 13. D. (nicht die 14.) »stark erschüttert« wurde, geht schon daraus hervor, daß das nächstgelegene Regiment des vorüberziehenden Dresdner Korps nach Mitternacht alarmiert und im Gehölz westlich Orainville–Merlet zur Verfügung gestellt wurde. »Dem Kommandeur der 14. D.« schreibt Bülow schon wieder, nachdem er vorher 13. D. grade nach Orainville versetzte. Sie dehnte sich von dort nach Menneville und drang noch nordwestlich vor bis Condé, (nordwestlich Berry, nicht zu verwechseln mit Condé en Brie oder Fort Condé an der mittleren Aisne) in steter Verbindung mit Gruppe Steinmetz, also mit ihrer Rechten schon jenseits der Aisne. Man begreift jetzt, warum auch Regimenter Hülsens und 73. Inf. nach dieser Richtung verstärken mußten. Die Schlacht war hier und bei Aquilcourt weitaus am heftigsten und blutigsten, laut V. L. überträgt Bülow oberflächlich das Abflauen der Schlacht am 20. im Zentrum auf die Rechte, die fortdauernd in bitterer Verstrickung lag. Nur die früher bei Montmirail fechtenden zwei Regimenter scheinen mehr im Rückhalt geblieben. Die schon am 16. »bei Reims« fechtenden 57., 16. R. verloren 1750 (970 von 16.), sie marschierten später zu Zwehl ab. Da von »verstärkter 25. Brig.«, »verstärkter 26. Brig.« die Rede ist, so können nur diese Regimenter gemeint sein, die mit 26. Brig. von Maubeuge kamen. 53. Inf. stand bei Marlet bis 26. im heftigsten Feuer (1400, wovon anfangs nur III. furchtbar litt: 620), mit 58. Art. Minden (130). Nach 20. machte auch 158. einen heftigen Vorstoß (540 bis 3. Okt.), nachdem 159. bis 20. schon 400 verlor. Nun ist freilich nicht zu leugnen, daß 14. D. jetzt Brig. Schwarte nordwärts hinüberschickte, deren 56. bis 28. bei Condé in hartem Kampf stand (890), desgleichen I/II/57. (430), III. 520. Obschon der Kampf von Steinmetz eigentlich zur Aisneschlacht gehört, muß er doch hier einbezogen werden, da diese Gruppe und 13. D. sich die Hand reichten bei Condé, über welches Steinmetz bis Aquilcourt südwestlich vordrang. Der tapfere General selber fand den Heldentod, auch hier war die Einbuße groß, weniger bei 55. R. Soest (500) als bei 164. (700), und dem erst später eintreffenden 73. (900), 22. Art. (145). Die bei Marlet nordwestlich Orainville aneinanderstoßenden westfälischen Divisionen hatten dort beide einen Brennpunkt, denn III/16. neben III/15. litt auch erheblich (440), I/II. erstürmten Brimont (520), wo 43. Art. Wesel feuerte (105, Oberst v. Beaulieu verwundet). 53. bei Marlet und Orainville (580)., dazu das später aus Rampcel eintreffende Battaillon (250). 7. Pioniere bei Brimont litten nicht sehr. Selbstverständlich machte der Feind im Einfallwinkel zwischen Aisne und Laivre die stärksten Anstrengungen. Bei ihrem Vordrängen nordwestlich sah sich 13. D. vom 3. K. aus Süden angegriffen, während der nach Nordosten fechtende Valabregue nach Osten gegen sie einschwenkte, um den Schlag zu parieren, freilich auch gegen Schwarte. Das 18. K., von dem bereits Teile nach Westen unterwegs waren, rollte über La Fère hinter der Front am 23. ab, ebenso die Gardekavallerie. Dies geschah auf Vorschlag Bülows nach Besprechung mit Falkenhahn, er wollte schon damals mit neuer Armee nach Westen übersiedeln. Diese richtige Einsicht löst für Böswillige leider den Verdacht aus, daß er sich von längerem Verweilen bei Reims persönlich keine Lorbeeren versprach. Mochten Heeringen, Einem, der Kronprinz auf ihren für die Fama unfruchtbaren Posten verharren, ihn zog neuerwachte ehrgeizige Tatenlust nach Westen. Er ließ sich auch vom Oberbefehl der 1., 7. A. entbinden, nachdem er aus der Ferne allerhand irrige Anforderungen stellte, die durch die Ereignisse überholt wurden. So erhob er den Anspruch, Kluck solle mit zwei K. das 7. R. K. unterstützen, was sich durch die wirklichen Verhältnisse ausschloß. Also immer wieder der Trieb, andere für seine Interessen zu verbrauchen. Früher war er doch so innig um Kluck besorgt, dieser könne im Westen umfaßt werden. Das wäre jetzt natürlich eingetreten, wenn Kluck sich östlich ausgedehnt hätte. Bei Reims wollte Bülow schon Feierabend machen, die O. H. L. war jedoch der Ansicht, der Feind müsse durch 2., 7. A. gefesselt werden, damit er nicht dauernd Truppen zur Verstärkung seines Westflügels herausnehme, was man schon seit längerer Zeit beobachtet haben wollte. (Wahrscheinlich sind aber 9., 11., 21., K., 42. D. wesentlich erst bei Monatsende abgeschoben worden.) Die von Bülow beabsichtigte Entsendung des Gardekorps unterblieb daher vorerst, zumal der Feind durch wiederholte Vorstöße, die für ihn blutig und zwecklos verliefen, die gleiche Absicht verriet, deutsche Verschickungen nach Westen zu hindern. So wurde am 25. die Schlesierbrigade bei Sillevy angefallen. Am 26. früh wollte Bülow angreifen. Esperet kam ihm aber schon bei Nacht zuvor und brachte 13. D. nebst Gruppe Steinmetz in Unordnung. Dagegen drangen 14. D. und die hannoverschen Teile, die bis 19. das 1. franz. K. bis über die Landstraße nördlich Reims geworfen hatten, schneidig bis über Courcy–Neuvelette und die sie verbindende Straße vor. Dieser mit großer Wucht geführte Stoß bewog Esperet, von weiterer Offensive am Nordflügel abzusehen. 2. G. D. und Teile 19. R. D. beobachteten Reims, während 1. G. D. am Südende der Stellung den Schlesiern bei Sillery zu Hilfe kam. Das bretonische 10. K. und Teile Fochs waren tags zuvor bei Fort Pompalle vorgeprallt über Thuisy und Sillery hinaus. Jetzt trug General Huthier (der spätere Armeechef) den Angriff seiner 1. G. D. stürmisch bis zum Kanal östlich Sillery; Fochs Linke wich erschüttert »unter großen Verlusten«, doch aus dem Waldstück südlich Sillery schlug Flankenfeuer entgegen, ebenso aus Thuisy südöstlich, wo Kirchbach angeblich nicht nach Verabredung von Souplet vorgehen konnte. Inzwischen warf 2. G. D. die Bretonen bei Pompalle, mußte aber wegen Kreuzfeuer ihr Vorgehen einstellen. Am 27. erlosch die Schlacht. Dies alles erzählt Bülow. Doch am rechten Flügel focht man noch bis 28.; die Angriffsbewegung der Garde wird in V. L. nicht erkennbar, vielmehr meldet 3. G. nur bis 24. Verlust, 2. G. nur 50 am 29.; nur 2. G. Fußart. bei Witry verzeichnet am 27. Verlust. Es ist schwerlich richtig, daß die Sachsen (107. R. und Teile mancher Linienregimenter sowie 23. R. D.) nicht von Souplet vorgingen, vielmehr scheinen sie und die Schlesier Thuisy erreicht zu haben und alles der 1. G. D. Zugesprochene weit eher auf sie zu passen. Wir behaupten nicht, daß alles hier von Bülow Erzählte apokryph sei, wenigstens nicht Kampf der 2. G. D. bei Pompalle (richtiger das Rgt. Augusta), doch handelt es sich sicher um starke Übertreibung zu dem Zweck, die 3. A. als ohnmächtig und die 2. A. als überall großmächtig auszugeben. Die Garde verlor seit 13. nur 1750 (186 Art.), Hülsen inkl. 55. R. 3000, Emmich inkl. 73., 164. rund 4300, 7. K. inkl. Abt. Steinmetz und 16., 57. R. »bei Reims« 8250, so daß inkl. Schlesier bei Sillery und Hessen die Schlacht Bülows 19 000 kostete. Der Feind muß wie überall auf der langen Front bei seinen Einbruchsversuchen, die noch gründlicher scheiterten als in der Champagne, weit mehr eingebüßt haben. Die erkennbare Wirkung blieb eben vollkommener Mißerfolg Esperets, dessen 3., 1. K. einen schweren Schlag erhielten; 3. K. verabschiedete sich nach Westen. Am 28. ging die Kavallerie des Gardekorps (Husaren und 2. Ulanen), des 7., 10. K. (16. Ul., 17. Hus.) nach Westen; bis 2. Okt. folgte das ganze G. K. General Plettenberg ließ jedoch einige Teile laut Oktoberlisten zurück, die erst später nacheilten. Am 5. Okt. befand sich 13. D. schon auf dem Weg nach Cambrai, am 8. auch 14. D. Nur die Hannoveraner blieben vor Reims, die Heeringen zur 7. A. übernahm. Der Feldzug stagnierte fortan auf dieser ganzen Front, wobei sich indessen immer wieder rächte, daß Bülow in unentwegter Retirade-Liebhaberei die Forts geräumt hatte. Daß man eine solche Ausleerung der Verteidigungsfront wagte, zeigt deutlicher als alles, wie sehr man Esperet für erledigt hielt. Gegenüber Langle hatte man den gleichen Eindruck. Nachdem 19. K., das noch einige kleine Bruchteile bei Souplet beließ, und 25. R. D. nach Westen abdampften, blieben also von ursprünglich 32 Div. auf der Strecke Reims–Maas nur noch 19. Denn auch der Kronprinz gab 26. D. zur 6. A. ab, wozu später noch 9. R. D. kam. Der Feind behielt von analogen 35 D. zuletzt noch 25, fühlte sich aber unfähig zu weiterem Hämmern, ein Beweis, wie furchtbare Blutbäder ihn schwächten. Schlacht an der Aisne. Der Rücken Antwerpen–Maubeuge war nun frei und gesichert. Man rechnete auf Einspringen der neuen 7. A. Heeringen (15., 12. K. und freigewordenes 7. R. K.) zwischen 1. und 2. A., wo ein leerer Raum sich zu öffnen schien. Bülow depeschierte fortwährend an Kluck, er solle seine Rechte gestaffelt zurückbiegen, weil er sonst umwickelt werde, als ob gute Truppen sich nicht immer loswickeln könnten, und verlangte dafür große Linksschiebung bis Craonne, wo zur Zeit völlige Leere bestand durch Bülows eigene Schuld, der noch keinerlei Truppen nordwärts entsendete. Kluck verweigerte Beides. Es macht einen bemühenden Eindruck, daß Bülow seinen Kollegen vorher nur lau tadelt, wo er schärfste Verdammung verdient, ihn jetzt aber mit schärfsten Rügen bedenkt für sehr vernünftiges lobenswertes Verhalten. Esperets linkes Flügelkorps Maudhuy, gefolgt von C. Valabregue, wandte sich von Fismes unmittelbar nordwärts auf Berry und Pontavert, die Aisneübergänge. Da Flußüberschreitung für zwei Armeekorps viel Zeit erfordert, zumal hier, wo französisch-englische Geschwader sich in die Marschsäulen eindrängten und an die Spitze stellten, so ist schlechterdings unmöglich, daß Maudhuy am 14. bei Craonne sich entwickelte. Dies muß Bülow natürlich behufs allgemeiner tendenziöser Vordatierung aufrecht halten, und es wurde allgemein »Geschichte«. Das Gegenteil beweist sich leicht. Am 14. machte sich die bei Neufchâtel gebildete Truppe Steinmetz nach Berry auf und legte sich dem alliierten Kavalleriekorps vor, das laut Bülows eigener Angabe erst am 14. bei Sissonne–Malmaison vorstrebte. Bis Amifontaine vorgedrungen, mußten diese Geschwader und reitenden Batterien eiligst zurückgehen, »um nicht abgeschnitten zu werden.« Wieso, wenn damals schon die beiden französischen Corps sich in voller Entwicklung nördlich der Aisne befanden? Zum Überfluß sagt Bülow selber, daß der Feind erst am 14. auf dem nördlichen Flußufer Fuß faßte. Wie er damit reimen will, daß Maudhuy schon am 13. mit aller Kraft bei Craonne angriff, bleibt das Geheimnis dieser Zeitkonfusion, der man kriegsgeschichtlich so oft begegnet und die nur dem aufmerksamen Forscher nicht entgeht. Man könnte derlei verzeihen, wenn nicht die Absicht verstimmte. (Alle Stundenfälschungen, wie die von uns für Aspern, Wagram, Borodino und Mars la Tour enthüllten, haben ihren bestimmten besonderen Zweck, um eine unangenehme Wahrheit zu verdunkeln.) Es ist möglich, daß am 14., nicht 13. eine Vorhut Maudhuys das Plateau Corbeny-Craonne erreichte. Hier stand die über Laon angelangte 27. (nicht 26.) R. Brig. nebst Hälfte 14. R. Art. und Hälfte 7. R. Pioniere und bildete sich hier eine neue Legende, deren künstlerische Ausmalung man wieder Stegemann verdankt. Hiernach stürzte sich Zwehl opfermutig, ein neuer Curtius, in den Abgrund, um die Lücke zu schließen; es »dämmert« fürs 7. R. K. ein Tag unsterblichen Opfermutes. Wir müssen mit rauher Hand den Schmelz von den Schmetterlingsflügeln dieser Heroenpsyche abstreifen. Denn tatsächlich geschah am 14. nichts außerordentliches; 13., 53. R. hielten auf den Craonnehöhen ganz wacker aus, möglichenfalls verdichtete sich dort zusehends eine feindliche Übermacht, sicher keine beträchtliche, da Maudhuy am 14. schwerlich viel mehr als eine Vorhutdivision einsetzen konnte. Ging er doch sicher später als das Kavalleriekorps über den Fluß und hatte schwierigen Anstieg aufs Plateau. Die alliierten Geschwader stießen übrigens auf Richthofen, der seine 5. Kav. D. unnötigerweise an die Grenzecke zwischen 2., 3. A. abgeben mußte, dafür aber Marrwitz' 2. Kav. D. erhielt. Sie und die Gardekavallerie zwangen den an Zahl sehr überlegenen Feind zur Umkehr unter beträchtlichem Verlust durch Steinmetz' Gewehr- und Geschützfeuer. Das Kav. K. floh in Unordnung über die Aisnebrücken auf Nimmerwiederkehr, wo indessen Balabregue überzugehen begann. Ferner lassen die V. L. keinen Zweifel, daß Deimling nicht am 14., geschweige 13., sondern 15. den Hauptkampf begann. Dagegen stand Zwehls R. Brig. ohnehin nicht ganz allein; denn merkwürdigerweise waren dort bald ein sächsisches Reserve- und ein L. W. Rgt. im Anmarsch, außerdem focht mit 16. L. W. Köln; auch war der R. Brig. II/39. Inf. beigegeben. Nur bei diesem Aktivbataillon traten Szenen besonderen Opfermutes ein; denn es verlor allein 760, dagegen die 6 R. Bataillone zusammen nur 950, und die Artillerieabteilung, deren Opfermut man verklärt, litt nicht mehr als andere westfälische Artillerie, unendlich weniger als die Batterien Kirchbachs und Fabeks. Übrigens erstrecken sich obige Verluste bis Monatsende, nur noch ein drittes Regiment Zwehls griff später ein; die zwei bei Mabel Farm stießen erst nachher hinzu. Die Winkelriedherrlichkeit des 7. R. K., wovon die Legende phantasiert, zerstiebt angesichts einer Gesamteinbuße von höchstens 2300 inkl. Kölner L. W. Es spielte im großen entbrannten Plateaukampf keine hervorragende Rolle, sondern wehrte sich mühselig seiner Haut bei Carny rechts von Deimling und genoß dabei noch den Schutz von Marrwitz' 9. Kav. D., die von Soissons dorthin abschwenkte. Es ist bezeichnend für diesen angeblichen Thermopylenkampf, daß 7. R. P. nur 28 Mann verloren, die Artillerieabteilung 65, erst später die Gesamtartillerie Zwehls inkl. 9. R. Fuß Art. 125. Stegemann hat gehört, daß Zwehl nur 10 000 Gewehre hatte, das stimmt auffallend. Inkl. 56. R. Wesel, das erst später kam, im ganzen 10. Batl. Glücklicherweise ist die ganze Krise, für deren »Entdeckung« man den Feuilletonhistoriker feierte, ein Luftgebilde, obschon Bülow ein Interesse daran hat, um sich an Kluck zu reiben. Es ist aber nicht einmal richtig, daß dieser gar nichts tat, um die »Lücke« von seiten der Brandenburger zu schließen. Denn letztere sandten das frisch eingetroffene 31. Pionierbataillon (aus Gardeersatz gebildet) nach Heurtebise zum Schanzen, wo sie 92 verloren, also über dreimal mehr, als 7. R. P. Laut Bülow sei der »Rest« Zwehls am 13. abends eingetroffen, wirklich ein sogen. schäbiger Rest, da dies nur ein Regiment war, nebst Deimlings ersten Abteilungen. Schon früh protestierten wir gegen die ganze Legende auf Grund der V. L., wonach Deimlings Vorhut erst am 14. abends eintraf. Was war sie? III/136. (100), I/172, bei Corbeny (100), 105. bei Craonne (140), 15. Pioniere (11), 86. Art. (10). Nun wird wohl niemand glauben, der Kampf auf Westseite des Plateaus bei Cerny sei so heftig gewesen, wie bei Craonne. Wenn also Deimlings Vorhut am 14. abends nur 360 verlor, so kann das Gefecht am 14. überhaupt nicht ernst gewesen sein. 50. bad. Art. verlor sogar nur 5 Mann bei Heurtebise, dem aus Napoleons Craonneschlacht bekannten Vorwerk, das also damals noch in deutschen Händen war. Somit ist reine Fabel, daß die westf. R. Brig. in langem schwerem Kampf vom Craonneplateau hinabgeworfen wurde. Vermutlich hat man 16., 57. R. zu Zwehls Verlust gezählt, die bestimmt »bei Reims« so schwer litten und erst später bei Zwehl eintrafen, als der Kampf vorüber war. Gingen sie, die viel früher von Maubeuge abmarschierten, aber erst »bei Reims am 16.« ins Feuer, so schrumpft die ganze Mythe wohl dahin ein, daß das niederrheinische Füsilierbataillon als Vorhut am 13. abends bei Craonne einige Feinde vor sich sah, und einige Batterien isoliert das Feuer eröffneten, was dann am 14. zu ungleichem Kampf mit Maudhuys Vortrab und kurzer Bedrängnis führte, bis vier Bataillone Deimlings das Gefecht herstellten. Da Zwehl am 12. abends bei Laon eintraf, Deimling erst 12. mittags bei St. Quentin, so ist nur natürlich, daß Zwehls Vorhut früher bei Craonne eintraf als die Deimlings. Doch andererseits wird von Bülow selber festgelegt, daß Deimlings Vorhut und Zwehls »Rest« gleichzeitig ins Gefecht traten, was für erstere bestimmt den 14. bedeutet. Da Maudhuy den Übergang der Reitermasse abwarten mußte und diese erst am 14. sich ausbreitete, so ist unmöglich, daß er am 14. mehr als ein oder zwei Vorderbrigaden bei Craonne entwickelte, wo die Westfalen das Plateau nicht leer, sondern 25. L. W. Brig. und 31. P. vorfanden. Eine bedrohliche Lücke bestand also nie, denn am 13. war der Feind noch nicht da, am 14. erst spät mit geringen Teilen, gegen die bereits genügende deutsche Kräfte zur Hand waren. Es ist hingegen unwahrscheinlich, daß in den am 15. beginnenden Hauptkampf schon Teile der Sächsischen 23. D. bei Steinmetz eingriffen. Wir sahen, daß bedeutende Teile 12. K. und grade der 23. D. am 15. noch weit zurück im Schlachtfeld der 3. A. verweilten und in der Nacht zum 17. noch Kräfte 12. K. hinter Orainville vorbeizogen. Bülow treibt wieder sein altes Spiel mit »23., 32. D.«, als ob diese Truppenkörper vereint gewesen wären, während sie offenbar nach den V. L. erst nacheinander regimentweise und niemals vollzählig eingriffen. Der so schwere Kampf des Detachement Steinmetz beweist, daß es gegen bedeutende Übermacht focht, und nehmen wir an, daß Maudhuy mit zwei Divisionen über Pontavert vorging, eine neben 3. K. südlich Berry blieb. Der nächste Kampfakt war hier der, daß Richthofen, nachdem er sich auf die feindliche Kavallerie stürzte und sie ganz vom Schlachtfeld fortfegte, sich bis Chavignon a. d. Lette heranschob, östlich Corbeny kräftig kanonierte und seine Gardejäger zum Waldsturm bei Ville aux Bois berief. Auf dem Craonneplateau war auch am 15. noch nichts von besonderer Bedrängnis zu verspüren. Das lehren die geringen Verluste: I/171. bei Craonelle 200, III/136. bei Craonne 225. Erst im Laufe des 15. durfte Maudhuy daran denken, seine Masse anzusetzen, ehe man nicht links von ihm den Aisneübergang Soissons fest in der Hand hatte. Wie wir ihn schon in Lothringen kennen lernten, zeigte der befähigte Führer die größte Entschlossenheit, seine bisher wenig glücklichen Bordelaisen taten es jetzt den Südfranzosen des 16., 17. K. gleich, sie enthielten ja auch die kraftvollen Bergbewohner der Hautes Pyrenées. Am 16. wurde der Kampf schon sehr heftig und endete keineswegs, wie Bülow sagt, am 19., sondern setzte sich bis 28. und sogar 1. Okt. fort. Mit rücksichtsloser Hingebung warfen sich die bei Aiselles nacheinander eintreffenden Elsässer Regimenter auf den gefährlichen Feind. Voraus die 60. Brig. Straßburg, bei Kriegsbeginn am ersten auf dem Kampfplatz, die heldenmütigen Württemberger 126er, 61. Br. brachten wieder die bittersten Opfer (1450), auch das Straßburger Regiment 143 verlor 900. Sie trieben bei Chevreux und Bouconville den Gegner ins Ailettetal nach Pontavert. Auf der Craonneseite stellte 172. sein Vorgehen allerdings am 19. ein, ebenso 132. und 8. Jäger (200), die bei Juvincourt und Ville aux Bois sich der sächsischen Schlachtreihe mischten, doch 171. (nochmals 700, meist I.) und 103. (nochmals 580) fochten bis 27. Das 99. und sieben andere Bataillone waren noch nicht da. Im ganzen betrug Deimlings Verlust 4800 (I/II/136. bei Mudra abgerechnet). Der Umschwung einer für die Franzosen anfangs aussichtsreichen Lage machte sich bald geltend, ihre Verluste wuchsen, Tag für Tag kamen mehr Elsässer und Sachsen. Was bei Heurtebise den Abhang erstieg, ward abgeschmettert auf Courteron und Mabel Farm. (Hier marschierte zuletzt auch 16., 57. R. auf, es ist aber unwahrscheinlich, daß sie dort noch einen Teil ihres für Reims berechneten Verlustes hatten). Aus dem tiefer liegenden Craonne suchte Maudhuy am 29. nochmals durchzudringen, wurde aber bei Craonelle und Corbeny abwärts geschleudert. Dort suchte früher die verbündete Reiterei übermütig anzureiten, was man gebührend bestrafte und ihre reitenden Batterien zusammenschoß. Daß jemals wegen ungestopfter Lücke »Untergang« drohte, solche geschwollenen Ausdrücke sollte man vermeiden. Deutsche Truppen geben sich nicht so leicht und die Lücke war zu schmal, um Einbruch größerer Massen zu gestatten. Immerhin blieb es für Heeringen peinlich, daß der Feind am Nordufer festen Fuß faßte. Die Elsässer dürfen mit Stolz auf ihre Leistung blicken, gegen einen so zähen und tapferen Feind. Sie opferten sich, nicht Zwehls Reservisten, deren ganze Artillerie man wegen einer zerschossen liegengebliebenen Batterie preist. Ob sie bis zuletzt ihre Maschinengewehre spielen ließen, sie begünstigte die Stellung und zu Gegenstößen rafften sie sich nicht auf. Die Hekatombe Zwehls schrumpft auf das eine aktive Füsilierbatl. zusammen, dessen Aufopferung wir ehrfurchtsvoll begrüßen. Andere Reservekorps, wie besonders das 4., 6., leisteten ungleich mehr, auch Zwehls R. Brig. bei Reims. Neben den Heldentaten des westfälischen Aktivkorps bei Reims und später erst recht im fernen Westen verdient dies R. K. keinerlei Hervorhebung. Wir unterstreichen derlei immer, weil wir überall beherzigen: Ehre, dem Ehre gebührt. Schaurige Denkmale von eigenen und Feindesleichen gab es weit mehr bei Ailles und Abtei Vaucler, aus der alten Napoleonsschlacht bekannten Orten, wo Württemberger und Elsässer sich ins Getümmel stürzten und vernichtet nicht abglitten, sondern auf ihrem Posten starben und den wütigen Gegner abwärtsdrängten. Der Schlag bei Ailles, wo Teile von Planitz seitwärts mit ins Aillettetal eindrangen, betäubte Maudhuys Rechte, doch zerbrach sie nicht, zu ihrer Ehre sei es gesagt. Obwohl Division Hohenborn viel Boden gewann und mit der Straßburgerbrigade bis Monatende ernst machte, flaute die Schlacht bei Div. Kathen ab und Zwehl verhielt sich bei Cerny passiv, von Maudhuys linkem Flügel eingeklemmt. Respekt vor Maudhuy, daß er sich doch ständig an die Ränder des Plateaus klammerte und sich nicht in die Aisne werfen ließ. 104. R. griff schon am 19. bei Corbeny ein, 104. L. W. finden wir dort bis l9. in heftigem Kampf (580). Bei Monatsende erschienen sogar Teile von 104., 139. Inf., 19. Art. bei Ville aux Bois, als Vortrab des Leipziger Korps, das hinter der Front nach Lille abwandern sollte. Auch hier ist irrig, sich den Hauptkampf vom l6.–19. vorzustellen. Erst später traten etwas ernstere Verluste ein. So hatte 101. noch nicht ein Drittel seines Verlustes (870) bis 19., das meiste erst am 28. Auch ist irrig, daß 23. vor 32. D. angriff, vielmehr näherte sich das Spitzenregiment 177. der 32. D. schon am 16. Juvincourt, um Verbindung mit Deimling herzustellen, und litt gleich anfangs erheblich. Gruppe Steinmetz, deren Zusammensetzung wir mühsam aus den Listen zusammenklaubten, genügte im Verein mit Richthofen, Valabreques Angriff in Schach zu halten, und als d'Elsa in Aktion trat, wäre unbegreiflich, daß die Franzosen, die auch hier mit großer Bravour fochten, sich immer am Nordufer behaupten konnten. Der gut angelegte Angriff d'Elsas erfüllte seine Aufgabe nicht, ihnen den Rückzug abzuschneiden. Doch unser warum verweist auf Ausbleiben vieler Teile im Champagneschlachtfeld, die erst im Oktober ihr Korps erreichten. Die Artillerie versäumte meist den Anschluß, 48. wirkte wenig, 12. (120) erst nach 20. (vorher bei Sommepy), überhaupt hatten nur 101., 177. ernsten Verlust, 103., 178. offenbar nur vorher in der Champagne. Im ganzen verloren die Sachsen inkl. L. W. etwa 3700. Das Schützenregiment verlor wieder nur 90, ein Häuflein Leibgrenadiere sehr wenig (seit Dinant 2000 mit nur 29 Offizieren), als sie sich an Wegnahme von V. a. Bois beteiligten. Anfangs ging das Gefecht flott, der Feind mußte sich vor Juvincourt östlich Corbeny nach V. a. B. werfen. Hier stockte der Angriff. Da brachen am 17. Richthofens Gardejäger vor und nahmen das Walddorf, ihr Major Krosigk sank schwerverwundet, außerdem bluteten 2 Hauptleute, 5 Leutnants, 480 Jäger. Was Richthofens Garde-Kavallerie verlor, ist unerkennbar, 2. K. D. verzeichnet hier nichts, wahrscheinlich hier 4. Drag. (35) und 3. Gren. z. P. Somit Gesamtverlust der neuen 7. A. Heeringen rund 11 500. Das Ergebnis war unbefriedigend für beide Parteien. Joffres Zentrumstoß mit zwei Korps und dem Kavalleriekorps, das schneller verschwand als es kam, war ernstgemeint, doch mußte er schon am 17. jede Hoffnung aufgeben, zwischen 1. und 2. A. durchzubrechen. Umgekehrt, wenn die Sachsen bei Pontavert und Berry den Rückzug sperrten, konnte für Maudhuy eine Katastrophe erblühen, doch strammes Fortschreiten auf die Aisne litt unter Vereinzelung und Unvollständigkeit der sächsischen Angriffe. So erleichtert nur Statistik das Verständnis für die unklare Lage. Ein Bülow glaubt natürlich das ganze 15. K. im Feuer, die Daten ergeben jedoch, daß außer 99. auch vier Batl. 132., 136. (siehe letzteres bei Mudra) und drei nebst Artillerie bei Beseler (siehe früher) noch nicht anlangten, so daß nur 15 Batl. Deimlings im September bei Craonne fochten, daher die großen Einzelverluste auch bei 105., 171. Wir veranschlagen dabei, daß Deimling und d'Elsa seit Beginn 16 000 verloren, während die hier fechtenden Franzosen entschieden bisher viel weniger litten. Doch müssen diese bisher untauglichen Truppen, besonders die wenig vertrauenerweckenden R. D. (die bei Dinant ausgenommen), sich ausgezeichnet geschlagen haben. Jedenfalls gelang auch im Oktober, wo 70 Batl. Heeringens zwischen Cerny und nördlich Berry lagen, kein Vertreiben des hartnäckigen Gegners vom Aisneufer, und als bei Monatsende die Elsässer ausschieden, war an Offensive nicht mehr zu denken. Vielmehr gruben die Franzosen sich geschickt am Plateaurand in Kalkgruben ein. Andererseits genügten 45 deutsche Bataillone zur Defensive für diese Front, der Feind behielt Berry, verlor aber Pontavert. Wir sind nicht bereit, Kluck die Alleinschuld für den Horror vacui der leeren Lücke zuzuschieben. Sie mußte entstehen, als er sein 9. K. von der linken auf die rechte Flanke versetzte, also einen Pfeiler gerade dort herausnahm, wo er stützen sollte. Doch wer hieß Bülow unablässig ostwärts statt nordwärts zu retirieren und so seine rechte Flanke selber zu vernachlässigen, um die sich doch all sein Sinnen gedreht hatte. Von Berry zog einst Napoleon aufs Laon-Abenteuer aus, ein böses Omen. Die Alliierten dachten wohl, das Plateau des »Damenwegs« säubern zu können, wie Napoleon damals von den Russen. Doch Deutsche niederzuringen ist ein schwieriges Unterfangen. Man kannte sie schlecht, wenn man auf Überraschung vertraute, ehe die Aisnelinie recht besetzt sei. Im Gegenteil erlebte French recht unliebsame Überraschung. Sein nächtlicher Übergang bei Soissons wird von englischen Augenzeugen in dustern Farben gemalt, die Verluste waren auch hier sehr groß, wie überall auf der verbündeten Front, und als er sich gegen die Hochfläche südlich Laon zum Sturm entfaltete, brüllten ihm allwärts deutsche Feuerschlünde entgegen. Die Engländer eröffneten selber vom Südflügel her eine ungeheure Kanonade, bei der auch Schiffsgeschütze verwendet sein sollen. Unter deren Schutz bewerkstelligten sie den Uferwechsel mit schwerer Mühe und schweren Opfern. Am 13. arbeiteten noch 2. Pioniere bei Soissons und am 14. stand Marrwitz noch südlich der Aisne und 9. Kav. D. schlug sich mit Geschwadern Allenbys herum, die auch hier wie bei Berry den Vormarsch begleiteten und zuerst übergingen. Ihr Einbruch nördlich des Flusses blieb ohne jeden andern Erfolg als Verluste, ohne daß sie den Gegner zu sehen bekamen. Daß vor 15. kein ernstlicher Angriff drohte, zeigt das ruhige Ausdehnen der Brandenburger bis Vailly ostwärts ohne die geringste Störung. Hier drang French endlich am 15. westlich des »Damenwegs« vor, General Lochow hatte aber die 6. D. so gut aufgestellt, daß sie die Briten südwärts zurücktrieb, wobei sie freilich auch ostwärts gegen Maudhuys Batteriefront einschwenken mußte. Die Brandenburger hatten in wahren Kalksteinfestungen bombensichere Unterstände, 3., 54. Art. feuerten mit Erfolg bei Vailly, 18., 39. bei Fort Condé. French ließ sich bald abschrecken und nur seine Geschütze spielen, die aber den Verteidigern in ihren Steinhöhlen wenig Schaden taten. 5. D. reichte scherzhafte Verlustlisten ein, so I/12. mit 30 Köpfen. Umsonst suchte das 3. engl. dem deutschen Korps gleicher Nummer etwas anzuhaben, umsonst 1., 2. K. den »Damenweg« zu ersteigen, die »verstärkte 6. D.« genügte da wieder. Verstärkt womit? Mit den braven 76er Hanseaten, auf dem Rückzug abgedrängt, die bei Andignicourt und Moulin Rouge die 35er bei Ostel und Soupir unterstützten. Beide Regimenter verloren je 700, auch die abgedrängte 45. Art. feuerte kräftig aus dem Flußwinkel bei Vic sur Aisne (57). Die Briten mußten davon abstehen, bei Ostel das Plateau zu ersteigen, 35er, 76er lagen fast allein in der Feuerlinie, 64er verloren nur 68 Mann, das ganze Korps Lochow nur 1850 (270 Art.). Westlich davon war Linsingen auf die Hochfläche Cuffy–Crouy–Vregny gestiegen, jedoch nach längerem Nachhutkampf. 34er fochten bis 17. noch bei Soissons, d. h. in und an den Vorstädten, I/III/49. scharmützelten noch am 13., 14. neben den Pionieren südlich des Flusses, sie stellten sich jetzt bei Margny auf, wo die Pommern jeden Sturmversuch des 3. engl. Korps unterbanden. Umsonst bliesen die Dudelsackpfeifer der schottischen Kerntruppen den Pibroch zum Avancieren, das mörderische deutsche Feuer wirkte merkwürdig abkühlend, als 2. Art. bei Pont Rouge die Flanke bestrich. Die 3. D. verlor in diesem seit 19. abflauenden Kämpfen nur 1250. Allerdings sind auch Teile Armins hier mitzurechnen. 75. Art. (95) feuerte bis 27. »vor Soissons«, III/36. ging erst am 16. aus dessen Umgegend zurück, 93. behauptete sich bis 24. bei Pesly nahe der Aisne (267). Außer Brig. Reichenau scheint 8. D. auch I/II/153. unter Oberst Herzog Ernst v. Altenburg dorthin entsendet zu haben (660) und 22. R. D. ihr 32., 82. R. nach Chavillecourt a. d. Aisne, wohin Maunourys Rechte reichte. Dessen 45. D. unterstützte das Vorgehen des Korps Poultenay, des aufs brennende Soissons zurückwich, wo die prächtige Kathedrale schon Kugelspuren trug. Die Orandivision trug ihren Elan bis Cuffies vor, versagte dann arg gelichtet. Am 17. mutete Bülow den Brandenburgern zu, Heeringen nach Südost zu unterstützen, während er gleichzeitig von Klucks rechtem Flügel erneute Rückbiegung verlangte, beides völlige Verkennung der Sachlage. Statt daß er Hilfe für Zwehl erwartete, schien es, als ob Lochow selber Hilfe bedürfe. Die Lage war eine eigentümliche, als gewaltige Massen aus Soissons herausquollen, das Aisneplateau schien gegen French nicht genügend besetzt. Doch die Brandenburger standen günstig den Abhang des Damenwegs entlang am felsigen Rand bis Ostel. Ihre Artillerie konnte freilich englischen Marine- und Pariser Festungsgeschützen, die man mit heranschleppte, nur mäßig antworten, weil die O. H. L. in besonderer Weisung vor jeder Munitionsvergeudung warnte. (Man sah sich so wenig auf den Krieg vor, daß der Schießvorrat ausging). Doch ihre Granaten »saßen« in den tiefen englischen Massen, die aus dem Flußdefilee hervorstrebten. So viel Schwergeschütze French den Sturmsäulen beigab, fanden die großkalibrigen Geschosse doch nicht die Schlupfwinkel der Kalksteinstellung. Als englische und französische Sturmscharen gegen Vregny frontal anliefen, krachte und knallte Flankenfeuer der Magdeburger und Thüringer in sie hinein. Östlich davon beim K. Haigh schlugen die Trommeln der Garde umsonst zum Sturm, man konnte bei Courteron und Soupir nicht emporklimmen, scheiterte schon vor der 5. D., die hinter Fort Condé völlig gedeckt lag. Noch weiter östlich versuchte sich K. Dorien an Vailly, hier war die Niederlage vollständig. Was in die Kalksteinrinnen eindrang, ward niedergemacht. Der geringe Verlust aller andern Teile auher 35., 76. zeigt, daß man nur mit diesen angriffsweise verfuhr, ganz angemessen gegenüber Bülows Ansinnen allgemeiner Offensive, wo Defensive sich von selber gebot. Mißmutig lagerten die Briten unterhalb der Hochfläche, den Fluß im Rücken; hier erstarb die Schlacht am frühesten. Und daß sie im Westen auch nicht früher begann, wird aus vielen Daten klar ersichtlich. Allerdings schienen 1., 2. A. zu wetteifern, wer am schnellsten zurückkrebse. Wenn man nur begriffe, warum nicht wenigstens das nördliche Marneufer verteidigt wurde, wie Moltke es sich dachte. O wie konnte man das, da doch der kluge Kluck sein Heer fliehend »retten« mußte. Hätte er damals zwischen F. Milon und Crepy frontgemacht, so hätte er Maunoury und French sofort Halt geboten, während Brigade Kräwel, die Westfalengruppe und 5. D. durchaus fähig waren, Esperets Linke abzuschlagen. Hier lief nun gleichsam ein Rottenfeuer von Lügen die Front entlang. Denn ebenso wenig wie Bülow schon am 11. hinter der Marne, war ebenso wenig Kluck hinter der Aisne. Am 12. schlugen 18. Pioniere (Bromberger D.) noch bei Ferté Milon, 4. P. noch am 13. bei Compiegne Brücken. Hier wurde 32. R. angegriffen, verlor aber nur 65, am 14. hatten 27., 72. R. nebst 5 Kompagnien 165. Inf. ein Nachhutgefecht, das nur 305 kostete. Daß Kluck schon am 12. von Maunoury überall »heftig angegriffen wurde«, ist also glatte Erfindung. Erst am 15. waren die Verbündeten mit ihren Vorbereitungen fertig, bis 20. tobte hier die Schlacht am Flusse, die deutschen Stellungen blieben unversehrt. Angriff des K. Lamaze auf die Thüringer und Anhaltiner verlor jede Wirkung. Mit Verlust von 5750 Mann inkl. 1900 Thüringern und 76. Hanseaten war der Angriff von neun alliierten Divisionen glatt abgeschlagen. Die Engländer ermatteten bald, denn Frenchs selbstische Gleichgültigkeit schien nur darauf bedacht, seine kostbaren Söldner möglichst geschont nach Bethune westwärts zu bringen, wo ihn ein frisches 4. K. und Division Lahore im Oktober erwarten sollten. Er erklärte rundweg, daß er nun nach seinen großen Rettertaten wieder seine natürliche Basis, Rücken nach dem Meer, aufsuchen wolle. Joffre konnte ihn nicht halten, ließ ihn also ziehen, niemand sah voraus, daß diese ohne jede strategische Absicht getroffene Entscheidung Frenchs tatsächlich ein Gewinn sein werde. Die Schonung seiner Truppen gelang ihm bei Soissons aber nicht, denn er meldete Ende September einen Gesamtabgang von 35 000, so daß er, da sein Verlust in der Marneschlacht sich der Ziffer Null bedenklich näherte, 10 000 beim mißglückten Aisnestoß einbüßte. Wahrscheinlich aber sind diese Ziffern viel zu niedrig, denn wer fertig brachte, sich anfangs Monsverlust von 2000 zuzusprechen, darf auf kein Vertrauen zu seiner Wahrheitsliebe rechnen. Jedenfalls litten die Angreifer auf der ganzen Aisnefront, wo die Deutschen rund 17 500 verloren (die Artillerie litt durchweg weniger als an den andern Fronten), ungleich mehr. Stegemanns phantastischer Bericht über Bedrängnis der Brandenburger widerlegt sich durch die Tatsachen. An den Kanten des großen Plateaus Craonne–Vregny lagen die verbündeten Streiter in großen Haufen, aber nicht Lebender. Maudhuys fanatischer Deutschenhaß verdoppelte seine Schlagkraft und verdiente sich die Ernennung zum Armeechef an Seite Castelnaus, ein unglaublich rasches Avancement in zwei Monaten, was freilich Joffres Bevorzugung der Tüchtigen ein schönes Zeugnis ausstellt. Vor seiner Beförderung hatte er den Schmerz, auf den Damenweg (Chemin des Dames) der Hochstraße ganz verzichten zu müssen. Die Franzosen nisteten sich aber hartnäckig unterhalb des Plateaus ein und waren von ihrer Minierarbeit nicht abzubringen; dieselben Truppen, deren laues Vorgehen im August nur Spott erregte. Solchen Einfluß hat auf Franzosen jeder Erfolg, und sei er noch so sehr Schein, er entflammt sie zum Äußersten. Man sage auch nicht, daß Mißerfolg auf deutsche Gemüter nicht einwirkt. Gewiß schlugen die siegreichen Besiegten der Marneschlacht überall den begeisterten »Sieger« heldenhaft ab, doch nie im Weltkrieg trat das Übergewicht des deutschen Soldaten so wenig in die Erscheinung. Nur das frische 9. R. K. errang einen wirklichen Offensiverfolg, weil unangekränkelt vom Rückzugsgefühl. Und da die Briten kein Siegesgefühl im Busen trugen, wie die Franzosen, so schnitten sie am schlechtesten ab, so bestimmend wirkt der moralische Faktor. Sogar die Pariser Zeitungsschreiber mäßigten ihr hysterisches Keifen, weil naiv gläubiger Siegesrausch sie herablassend stimmte, sie bescheinigten, daß die »Barbaren« sich in Epernay und Creil anständig aufführten. Daß durch eigene sträfliche Unachtsamkeit beim Brückensprengen Großfeuer in Creil ausbrach und die Boches mit gewohnter Gemeinheit wie in Löwen das Feuer löschten, war betrübend, weil man es nicht als Brandstiftung auslegen konnte. Tut nichts, der Deutsche wird verbrannt, nachher prangte Creil mit auf der Wiedergutmachungsliste wie die andern durch verbündete Granaten zerstörten Städte. Peinlicher als Brandgeruch stieg der Blutgeruch aus dem Marne- und Oisetal bis zur Aisne den kriegsfrohen Parisern in die Nase. Dafür mußte man besonders neue schwarze Horden auf die Schlachtbank schleppen, die sehr unwillig gingen und heimlich ihren Bedrückern Rache schworen, was einst grause Früchte tragen wird. Sie kennen die weiße Schmach und machen innerlich zwischen den weißen Teufeln wenig Unterschied. Die Schlacht bei Nouvion–Noyon. Klucks «Rückzug »in bester Ordnung« vollzog sich, wie wir schon sahen, in lauter Unordnung. Alles wirrte durcheinander. 6. D. mußte weit nach Osten marschieren, um sich bei F. Condé mit 5. D. zu vereinen, 9. K. weit nach Westen, um rechtes Flügelkorps zu wenden, 2. K. früher rechter Flügel, kam in die Mitte neben 3. K., rechts davon 4. K. bei Almont und Paesly, 4. R. K. ging bis Nouvion zurück und dort in Stellung. Später marschierte 4. D. wieder weit westlich ums 9. K. herum, 4. R. K. schickte gleichfalls Kräfte dorthin, zugleich aber an die Aisne, 9. R. K. war noch im Anmarsch über Nesle. Maunoury, der hinter Armin bei Fontenay nachstieß, erwartete am linken Flügel (Boeile) das 13. K. aus Lothringen und war überzeugt, daß die neue Armee Castelnau rechtzeitig die deutsche Rechte umfassen werde, ohne die Bildung der deutschen 6. A. bei St. Quentin, zu ahnen. Daher der siegesgewisse Schwung auf dieser Angriffsfront. Als sich schon sein Nachbar French in der letzten Septemberwoche leidend verhielt, hämmerte er noch einmal drauf. Er erhielt Ersatznachfüllung aus Paris für seine Reserveformationen, dagegen dürften 41., 44. D. des 7. K., die aus Lothringen heranrollten, an Castelnau überwiesen sein. Jedenfalls griff der »Sieger am Ourcq« (!) mit besonderer Lebhaftigkeit an, besonders 9. K. auf Linie Vassens–Autreches–Rampcel. General Quast wußte dort 9. R. K. Boehn hinter sich im Anmarsch, neben sich hatte er westfälische L. W., 4. Kav. D. deckte bei Noyon seine Flanke. Marrwitz Kav. K. war also damals in drei Stücke auseinander gerissen, doch sammelte es sich später vereint im Westen. Kav. Sordet wollte gegen die Anmarschflanke Boehns operieren, wurde aber bei Noyon daran gehindert. Dagegen meldete Kluck schon am 15. »Kolonne aller Waffen mittags Compiegne«, Bülow hält dies für das 13. K. Ein Ausweichen nördlich, um sich vom Feind loszulösen, hielt Kluck sehr richtig für bedenklich und verlängerte lieber seine Linke mit weggeholten Teilen (36. R. und Anfang 4. D.) bis Carlepont. Wieder der Fall Grouchy: hätte er nur früher so viel Festigkeit und Geschicklichkeit gezeigt wie hier! Im Vertrauen aufs Nahen der 6. A., deren Führer kein Miesmacher wie Bülow war, nahm er die Schlacht auf Tod und Leben an. Wir bleiben ehrlich und Zorn über den erschwindelten Klucknimbus beirrt uns nicht in dem Zugeständnis, daß diesmal Klucks Entschlossenheit, allen schwächlichen Weisungen Bülows zuwider, wesentlich zu kommenden Erfolgen beitrug. Seine Standhaftigkeit ermöglichte Prinz Rupprechts Eingreifen am geeigneten Orte. Gegen Klucks Zentrum hatte Maunoury eine solche Masse aufgestellt, daß seine Reserven bis zum Ourcq rückwärts standen, Pariser Neubildungen. Seine früher entmutigten Scharen zeigten anfangs wenig Kraft zum Nachstoßen. Daß Kluck schon am 13. oder gar 12. auf der ganzen Linie mit aller Gewalt angefallen sei, ist Bülows Erfindung. Am 15. aber ließ Maunoury sein Heer los, das sich jetzt hochgemut in Siegeshoffnung schlug. Der Anprall war äußerst heftig, doch am 20. war auf Klucks 25 km langer Linie ihm noch kein Stück entrissen. Auf dem von Cuffies abfallenden Westplateau stand 165. Quedlinburg bei Vingre in stark erschütterndem Kampfe (I/430, III/475). Weiter westlich 72., III/153. der 8. D. (650), 4. P. (97), 40. Art. (155). Die Batterien konnten sich hier nicht in Höhlen verstecken, wie an der Aisne, litten daher entsprechend. 26., 27., 66. der 7. D., über Laval zurückgezogen, blieben bei Almont und Anglecourt, nordwestlich Soissons näher dem Kampffeld der 8. D. mit sehr mäßigem Verlust (237 von 66). Im ganzen verlor Armin 3400, dagegen 7. R. D. allein schon mehr. In der Hauptstellung Nouvron–Nouvion 4. R. Jg. (290), 7. R. A., 27., 72. R., ersteres wurde auf Morsin zurückgedrängt (767 bis 25.), neben 72. Inf., während 72. R. (975 bis 24.) nach Rampcel abmarschierte, 26. R. nach Autreches (383), 36. R. ging ganz westlich ab. Die 22. R. D. hatte die Hälfte östlich zur Aisne entsendet, bei Nouvion verharrten 71. R., 22. R. Art. sowie neu eingetroffene 11. R. Jäger, die außerordentlich litten (11, 350), was dies tapfere Bataillon später im Westen bei sich zur bitteren Gewohnheit machte. 72. R. hatte bei Monatsschluß nochmals blutigen Kampf an seinem neuen Standort Rampcel (790). Summe des R. K. 6100 (1750 von 72.), wovon für Gefechte beim 9. K. abzuziehen. Es schmolz außerordentlich bis 1. Okt. inkl. Marneschlacht und stellte sich so in die Reihe der größten Monatsverluste. Seit Kriegsbeginn verlor 66. R. 1600 (mit nur 20 Offizieren), 27. R. 1100, 36. R. 1500 und nun schlug 72. R. den Rekord in nur 14 Tagen. Die Hauptstellung Nouvron–Nouvion wurde behauptet. Die französischen R. Brig. stürmten fortwährend mit wilder Entschlossenheit, konnten aber nichts ausrichten. Abzüglich der Entsendungen nach West und Ost bluteten auf dieser Strecke 5700 Thüringer. – Die allgemeine strategische Lage veränderte sich freilich, jede schöne Aussicht für 3., 4., 5. A. schwand, desgleichen jede strategische Gefahr Joffres, der nun große Umfassung der deutschen Rechte ins Auge faßte. Ihn hätte aber warnen sollen, daß 7. Kav. D. als Vorbote Rupprechts mit Teilen bis Amiens streifte. Trotzdem sah O. H. L. die Dinge so trüb an, daß sie am 14. nachts anheimstellte, bis Laon oder gar La Fere zurückzubiegen. Welcher neue Kleinmut! Wie sollte denn Kluck seinen Abschnitt nicht halten können! Der feindliche Andrang war kaum begonnen und schwach, eine Brig. 9. R. K. biwakierte schon im Oisetal. Allerdings finden wir hier wieder den übervorsichtigen Tifteler am Werke, in den sich der Fabelkluck unter den Händen der Forschung verwandelt, denn er meldete, eine von Clermont kommende Kolonne bedrohe schon rückwärtige Verbindung. Wie konnte sie das angesichts 9. R. K. und wer diese Kolonne? Bülow nennt das 13. K. Auch äußerte Foch, Klucks Abzug hinter die Aisne sei durch Teile der 1. A. Dubail veranlaßt worden, was sich nur aufs 13. K. beziehen kann, das also wohl schon am 13. da war. Es wurde bei Creil ausgeladen, was heißt da Clermont noch so weit im Süden! In Gegend von Clermont stießen die Saarbrücker auf Castelnaus rechten Flügel und mit einer so viel westlicheren Kolonne kann nur das Castelnau überwiesene 4. K. gemeint sein. Sollte am Ende die Verwechslung sich nicht einschmuggeln, daß 13. K. selber »Clermont–Ferrand« hieß? Wir schätzen uns glücklich, hier zur Abwechslung Kluck uneingeschränktes Lob zu erteilen, weil er dem Stoß angriffsweise begegnete. Natürlich fand Bülow dies nicht unbedenklich, weil den Weisungen der O. H. L. widersprechend, d. h. er deckt seinen eigenen Wunsch dahinter, als ob er in der Marneschlacht nicht die O. H. L. sich untergeordnet hätte. Statt dessen wünschte er umgekehrt, »eingreifen linken Flügels in Kampf 7. A., die bedrängt ist«. Auch dies griff fehl, denn obschon Heeringens Einfüllung noch unsicher schien, hat man hier den Krebsschaden, daß jeder Unterführer seine Lage zum Maßstab des Ganzen nimmt. Als Oberführer von 1., 2., 7. A. (Dank Falkenhayns für so ausgezeichnete Dienste zur Entfernung Moltkes!) dachte er doch immer nur an seine 2. A. Strategisch drohte aber anscheinend im Westen viel ernstere Gefahr als bei Craonne, deshalb mußte Kluck seine ganze Sorgfalt auf diesen Punkt wenden. Da ihm Bülow »ausdrücklich solche Offensive untersagte« schlug er es in den Wind. Fürchtete die O. H. L. ähnliche Escapaden Klucks wie in den letzten Augusttagen? Jedenfalls zeigt dies an die Stränge Binden, daß Klucks bisherige Führerproben nicht derart schienen, um ihm freie Hand zu lassen. Am 16. befahl man ihm, 9. R. K. »nur in Zwangslage« einzusetzen »nur zum Zweck einer Loslösung der Armee«. Gegen feindliche Flankenwirkung sollte nördlich ausgewichen und rückwärts gestaffelt werden. Falsche Lehren der Marneschlacht wirkten nach, mißverstandene Erfahrung lag der O. H. L. in den Gliedern. Immer wieder der Spuk Maunoury. Napoleon hätte einen Marschall derb angefahren, daß man nur bei Defensive umgangen werde. Kluck hatte daher recht, daß er dem Feind entgegenging, und der mit Spitze gegen Kluck als weises Lumen gefeierte Bülow hatte das Nachsehen. »Die Schlacht bei Noyon«, wie die Franzosen sie nennen, war zunächst für Korps Quast wenig bedrückend, I/31. verlor nur 75 (Major Houwald fiel), II/84. Hadersleben 90, I/85. bei Autreches 80. Erst als man sich ganz auf Autreches–Vassens zurückzog, litt 86. bei Vassens bedeutend (845). Bei 17. D. (ohne 76.) erholten sich 89er von ihrem Esternay-Heldenkampf in Reserve, die Schweriner Grenadiere und die von der Aisne später abgefahrene 45. Art. Güstrow wandten sich westlich nach Carlepont, doch 75. Hamburg, (Oberst fiel) und 24. Art. (früher in Richtung Reims abgekommen) hatten bei Rampcal einen schweren Stand, die Artillerie litt ungemein (200). Am 20., 26, scheint sich hier Maunoury mächtig angestrengt zu haben, doch gelang ihm umso weniger, diese Front zu brechen, als auch »zwei Landwehrbrigaden«, wie Kluck richtig meldete, hier verstärkten. Die eine brandenburgische (Schulenburg), blieb hier wie am Ourcq in Reserve. Dagegen hatte 27. L. W. Brig. Düsseldorf seit 15. ihr Quartier in Vassens, wo auch II/53. Inf. (siehe früher) eine Zeitlang verweilte, dann »hinter der Aisne«, bis es endlich vor Reims bei seinem Regiment landete. 53. L. W. litt wenig, 55. L. W. opferte sich aber brav bei Rampcel (750). Diese Truppe hatte schon allerlei Schicksale hinter sich, nach Arras abgeirrt, wo es 35. L. W. bei Athis traf. Beide hatten schon am 6. ein lebhaftes Gefecht gegen Besatzung von Atras, und Territoriale (320). Inkl. 1000 L. W. 1200 von 4. R. K. kostete die Abwehr bei Vassens (Rampcel ging zunächst verloren) 5200, eine unfruchtbare Schlägerei, wobei der Angreifer jeden Fußbreit Bodens teuer erkaufte. Ein schärferer Kampf entbrannte bei Carlepont auf der Westflanke. Zurückgehen Klucks hätte Prinz Rupprechts Entwicklung beeinträchtigt. Es war, als ob er sich der Ourcq-Schlamperei schämte und sich nicht mehr weder von Maunoury noch Bülow einschüchtern ließ. Er brachte bei Carlepont eine Verteidigungsgruppe zustande aus 90. Inf. (680), 43. Art. (67) und 36. R. Bernburg am Medardus-Wald (700), welche den Feind so lange aufhielt, bis 9. R. K. am 16. nacheinander anlangte. Am 11. von Tournai anmarschiert, zogen die Männer von der Waterkant mit klingendem Spiel durchs altehrwürdige Nesle, doch ihre baldige Heimreise nach ihrem früheren Hauptquartier Alost schien bevorzustehen, wenn die Wetterwolke in ihrer Flanke von Amiens her platzte und Feuer regnete. Castelnau verständigte Boelle, der seinem Heerbefehl unterstellt wurde, daß er ihn weiter westlich unterstützen werde, und lud ihn ein, auf beiden Ufern der Oise vorzudringen. Nach kurzem Scheinerfolg war der Schluß völliges Fiasko. Doch Bülow tut so, als ob Klucks Rechte schon bis 19. siegte, das harte Ringen, bis der Feind allmählich auf Tracy la Mont zurückgeworfen wurde, dauerte indessen bis Monatsende. Daß auch andere Leute als 9. R. K. von Carlepont bis Crapoumesnil–Roye mitsprachen, scheint er nicht zu wissen. Es ist Spielerei, überall die große Gesamtschlacht in genaue Kampftage zerlegen zu wollen. Es war das in Lothringen abgekämpfte 13. K. Clermont, auf das hier das Altonaer R. K. fiel, das allerdings schon in Belgien einige namhafte Verluste hatte, aber inkl. der beigegebenen Aktivbrigade volle Gefechtskraft hatte. Hier grassieren wieder verschiedene Irrtümer. Die Carlepontgruppe ist nicht als »18. R. D.« aufzufassen, nur 84 R. (615) 18. R. A. schlugen die Richtung östlich der Oise ein, wo Quast jetzt zum Angriff überging. Vielmehr focht diese schon meist westlich der Oise, 31. R. zog am 15. in Noyon ein, 86. R. stand in hartem Kampf bei Brauvraignes (86U), wo bereits die Bromberger Division sich näherte, am 18. fiel Briqadechef Ompteda, 85., 89. R. fehlten, noch nicht abgesendete. Die Flensburger Brigade stieß hier bereits auf 4. K. Boelle, das von Lassigny her angehen wollte, doch es nun nicht mehr ausführen konnte. Von diesem Augenblick an war die Partie im Westen für Frankreich verloren, da alles drauf ankam, wer im Wettlauf nach dem Meere den andern einen Vorsprung gewann. Schon erschien aber Rupprechts 7. Kav. D,, nachdem die nordwärts ausgeschwärmte Heereskavallerie Sordet bereits in unserer 4. Kav. D. und 7. Fußjäger im Oisetal ihren Meister fand. Da am 16. auch 2., 9. Kav. D. nach Westen abrückten, die bayr. Kav. D, sich näherte und im Oktober auch die Gardekav. in Richtung Lens auftauchte, unterband schon allein diese Überschüttung des Nordwestens mit so zahlreichen Geschwadern jede freie Bewegung Castelnaus. Während die Schlacht vor der übrigen Front des 9. K. erst später infolge des günstigen Umschwungs bei Carlepont vorwärts ging, brach der Hauptspektakel im Westen los, wo 17. R. D. ihren Kampflärm immer westlicher dehnte. 17. R. A. feuerte bereits nordwestlich bei Roye, wo Spitzen der 6. A. sich näherten. Die Linke des 13. K. und die Rechte Boelles mußten den Andrang nachgeben, der bis Pontalize–Ribecourt reichte. III/76. R., 162. Inf. brachten den Feind bei Bethincourt eher zum Weichen, als 163. (870) bei Ellincourt–Dreslencourt nordwestlich Roye. 9. R. J. warfen sich in den Pantalizewald. Inzwischen griff Marrwitz südlich aus; seine 9. Jäger rauften sehr blutig (500) nordöstlich Roye bei Cressy. Am 25. war der Sieg entschieden; 31. R. drang am 30. bis Pontoise vor. General Boehn erinnerte «in Jahr später im Tagesbefehl seine Braven, daß sie doppelte Übermacht schlugen; indessen waren 4., 13. K. im August hart mitgenommen und empfingen schwerlich genügende Ersatzmannschaft. Außerdem diente die 4. D. als Seitendeckung bei Crapanmesnil ganz westlich in Kämpfen, deren Blutigkeit auffällt. Da es eine Weile schien, als ob die Brandenburger Hilfe bedürften, blieb 7. Brig. noch bis 17. bei Vregny gegenüber Soissons, später blieb 140. bis 22. bei Laury im Morsaingebiet, vereinte sich dann mit dem Gros bei Crapanmesnil, wo 149. erheblich litt. 49., 14. nebst 15. Fußart. bei Valmy bekamen wahrscheinlich mit General Vauthier (7. K.) zu tun. Die Division verlor 2150, Boehn 3700, mit Carlepontgruppe und 9. Jg. 7800. Diese Überwindung der französischen Linken war also kein Spaß. Wir konnten die Bemerkung nicht unterdrücken, daß der Rückmarsch aus der Marneschlacht so verworren aussah wie der Vormarsch. Zerreißen und Auflösen der Verbände, Verändern der ursprünglichen Reihe der Schlachtordnung unmittelbar vorm Feind, wie wir es beim 2., 9. K., 4. R. K. sahen, ist kein gutes Zeichen. Doch muß zugestanden werden, daß dies Zerfallen in verschiedene getrennte Gruppen aus zureichenden Gründen von Kluck verfügt wurde, den wir diesmal aufatmend nach so vielen bedauerlichen Entgleisungen unbedingtes Lob zollen. Jetzt wurden bis 1. Okt. die Korpseinheiten wieder hergestellt, unter dauernder Verdünnung der alten Front, um nördlich nach Westen der 6. A. neue Gruppen anzureihen. Wie bei Bülow wurden auch bei Kluck zwei Korps herausgelöst, 2. und 4. K. Außerdem schickte man, was niemand zu wissen scheint, 4 Brandenburger Linienbataillone zu Beseler, sowie eine Brigade der 7. R. D., nur die andere blieb im Morsain, denn auch 22. R. D. rückte westwärts, während 76. R. und L. W. Schulenburg nach Lille auf die Reise gingen. Somit blieben nur 3., 9. K., 9. R. K. auf der langen Strecke Vailly-Pontoise. Obwohl French ausschied und Maunoury allein die ganze Strecke Soissons–Tracy le Val übernahm, besaß er immer noch bedeutende Übermacht. Auf Tracy am linken Flügel zurückgedrückt, blieb er fortan in schräger Verteidigungsfront und jeder weitere Angriffsversuch, wobei er durch frische Marokkaner unterstützt wurde, bekam ihm in der Folgezeit übel. Joffres Offensive war hier noch handgreiflicher gescheitert als auf der übrigen Front. Daß man überall solche Schwächung sich erlauben konnte, (um rund 6 Div. bei der 1., um 4 bei der 2,, um 2 bei der 3., um 3 bei der 4., um 2 bei der 5. A. – 17) zeigt deutlich, wie die riesige Offensive Joffres die deutschen Linien gefestigt statt erschüttert hatte. Deutlicher konnte man nicht machen, daß man den Feind für ungefährlich und niedergerungen hielt. So endete Joffres Bestreben, aus der Marneschlacht Kapital zu schlagen, mit Unterbilanz. Sein Hammer wetzte so ab, daß ihm beinahe der Stiel zerbrach. Die Schlacht im Westen. Inzwischen spielten sich Vorhutgefechte von Reitern und Jägern im Nordwesten ab, 7. Jäger bei Douai (13, 200), bei Dompiere 4. (75), 10. (200), 8. Hus. von Cambrai bis Biaches im Sommetal (130), 13. Ul. (55), mit reitenden Batterien 35. Art. bei Hattoncourt (35). Nachdem 6. R. Hus. (13), 6. R. Drag. feindliche Vedetten vertrieben, fand bereits 7. Kav. D. den nötigen Aufmarschraum. 39. L. W. Geldern besetzte Bray a. d. Somme (130), auch 39. R. war dorthin dirigiert. Was Marrwitz' Reiterei vorher verlor, ist nicht genau festzustellen, 4. Kür. 7, (38), 3. Gren. z. Pf. bei Anglecourt a. d. Aisne (62), seine Mecklenburger, Holsteiner, Hannoveraner Regimenter mögen 170 verloren haben. Gesamtverlust von Marrwitz kann mit 500 Reitern, 1000 Jägern eingestellt werden, derjenige der L. W. seit 6. bei Arras und a. d. Somme mit 600. Somit Gesamtverlust der 1. A. 27 000, berechnet auf hiesige Stärke von 12 Div. und 3 L. W. Brig. nebst 3 Kav. D., die bis 15. im Feldzug minder litten, als prozentual jedes andere Heer. Das 9. K. (4500 inkl. 76) litt nächst 4. R. K. am meisten. 72. R., 9. Jg. 11. R. Jg. 153. 165. 163. 86. 75. 49. Inf. sind dem Verlust nach die hervorstechendsten Heldenbilder, wie auf der übrigen Front 55., 57., 56., 73., 16. Inf., 74. 16. R. bei Reims, Württemberger 126. und II/39. bei Craonne, 133., 139., 168. und 25. R., 23., 24. R. Art. in der Champagne, 51. R. und Württemberger Art. in den Argonnen. Es ist halt bequemer, schöngeistige Schlachtbilder mit lauter falschen Einzelheiten zu erträumen, als mit saurem Fleiß die Wahrheit mosaikartig zusammenzustellen. Nur Statistik sagt, wo Bedeutendes vorfiel. Wenn man beiderseits zum Sturm ansetzte, geschahen die gleichen Taten der Hingebung bei Freund und Feind. Dem Forscher allein bleibt vorbehalten, den Ehrenpreis für Außerordentliches zu erteilen. Boehn gab seinem Angriff um so mehr Nachdruck, als vor Roye sich bereits eine hessische Vorhut anreihte und 7. Kav. D. mit der Württemberger Dragonerbrigade in Richtung Compiegne bei Lassingny–Ognolles streifte. Um diese Zeit schien die Lage nicht unbedenklich, da das franz. 13. K. sich nochmals zu erbitterten Streiten bei Dreslincourt ermannte und Castelnaus rechter Flügel tatkräftig vordrang. Doch schon am 20. erstürmten 117. (280), 118. (170), die schon andere Verluste bei Servon und Reims hinter sich hatten, Roye und die 18. P. der Bromberger D. warfen sich hinein, in diesen jahrelang unbewegten Wetterwinkel unterschlüpfend und Jahr für Jahr dafür einen hohen Blutzoll entrichtend. Aus seinem Hauptquartier Amiens warf Castelnau seine Korps in Richtung Cambrai–Douai vor und dachte bei St. Quentin in deutschem Rücken durchzustoßen. Kaum machte er indessen sein Vorrücken bemerkbar, als er mit Spitzen der 6. A. aneinander geriet. Als Marrwitz über Beauvais auf Dompierre sich vorschob, tauchten schon Spitzen des 1. Münchner K. auf, und eine Fortsetzung des Boehnschen Oise-Angriffs verlief bald glücklich für die deutschen Waffen. Prinz Rupprecht und Castelnau prallten aufeinander. Jeder überrascht, den anscheinend überflügelten Gegner frontal vor sich zu haben. Marrwitz hielt den heftigen Anprall der französischen Mitte nicht auf, bis die Bromberger zwischen Valmy und Crapaumesuil entgegentraten. Dies konnte nicht von langer Dauer sein, falls Castelnaus Rechte sich über Roye spreizte. Doch hilfreiche Kameraden waren in der Nähe, schon am 21. nahmen Spitzen des Saarbrücker Korps Fühlung bei Dreslincourt. Die Hessen hatten jetzt auch 87er, 11. Jg., 21. P. zur Stelle und trieben den Feind bis Ognolles. Die Saarbrücker 166., 174. verbanden sich am 27. mit den Bayern, die derb ihre Hand darreichten, zwischen St. Quentin und Valenciennes ausgeladen, gegen Peronne aufmarschiert, packten sie schon am 23. Castelnaus Linke auf Cartigny und warfen sie bis 29. auf Lihons vor sich her. Dies waren 2., 3., 16., 20. Inf., nachdem schon vorher 15. Inf. das Nahen Xylanders anmeldete. Ein Bataillon Passauer und ein Bataillon Forbacher – so flossen auch hier die Linien durcheinander – befreiten später vor Arras den dort abgeschnittenen Landwehrposten. Inzwischen verlängerten Pfälzer 18er bei Maricourt nach Norden die Linie und zogen sich höher hinauf, um Xylander Platz zu machen. Am 26. rückten 23er, bis 31. die 17er, 22er ein, 9. (nur 200) bei Longeval, 5. bei Fricourt, 2. Jäger bei Mametz. Dort feuerte auch 2. Art. mit besonderer Anstrengung und schon erschien am 26. rechts von ihnen 8. R., am 27. gefolgt von der nirgends im Kr. Arch. erwähnten 5. R., die indessen über Montauban heftiger kämpfte als alle übrigen Bayern. Xylander hatte 4. Br. vorausbefördert, sie löste schon am 21. bei Lassigny III/163. ab, wobei 15. Neuburg unter Oberst Tutschek, dem späteren Alpenkorpsdivisionär, sich wieder auszeichnete. Viel später erschien 3. Br., die Augsburger überrumpelten anfangs französische Kürassiere, bald gesellte sich starken Reitergeschwadern auch algierisches Fußvolk. Bei Fay stockte das Vordrängen eine Weile, eine Batterie 9. Art. fand »ruhmreichen Untergang«, als die bayrische Schlachtlinie weiter gegen Amiens heranging, von wo 4 (?) Territorialdivisionen sich aufmachten. Die 2. Brigade nahm mit den Passauern den Schloßpark von Chaulnes, die 1. das Gelände zwischen Lihons und Vermandovillers. Das Kr. Arch. hebt hier besonders das 1. Münchner im Waldstück südöstlich Progart hervor und Leib-Rgt. am Sternwald. Letzteren blutigen Kampf bestätigen die V. L., dagegen hatte 2. Rgt. es viel schwerer als 1. und das Kr. Arch. verlegt dies Ringen offenbar sehr verfrüht schon auf 25. Auch ist grade genug, wenn das afrikanische Korps und so zahlreiche Territoriale den Bayern den Weg sperrten, man braucht nicht noch »14., 20. und vielleicht 3. K.« zu bemühen, von denen damals höchstens Spitzen die Amiensgegend erreichten. So viel Feinde konnten die Bayern nicht allein auf die Hörner nehmen, unpassender Ehrgeiz im Herausstreichen eigener Truppen verführt oft zu häßlichem Undank. Denn die Saarbrücker, die weit mehr litten, zogen einen Hauptteil Castelnaus auf sich ab. Die Jäger der 2., 9. Kav. D. deckten sehr brav die Peronneflanke, bis endlich Pfälzer und Würzburger bei Maurepas und Transloy ablösten. Castelnau sah sich zunächst im Süden überrannt bis in den Sommebogen hinein. Bei Chilly schleuderten Forbacher und Weißenburger, bei Liaucourt über Clermont 70., 138. ihn rückwärts, 131., 137. erreichten Hattoncourt–Chavatte, den südlichsten Angelpunkt, wo das Korps auf viele Monate Anker warf. Nördlich davon schlug das Münchener K. eine erste Sommeschlacht von Herbaucourt und Fay auf Soyecourt, Foucaucourt, Vermandovillers: Orte, die zwei Jahre später bei der großen Sommeschlacht eine traurige Berühmtheit gewannen. In einer Reihe von Gefechten, die man als Schlacht bei Lihons bezeichnen mag, brachen Saarbrücker und Münchener, brüderlich gesellt, vollkommen Castelnaus Stoßentwicklung und vereitelten jede Überflügelung. Die Münchener Brigade ging wieder mit besonderer Energie an die Arbeit. Auch die Pfälzer rangen hart am hochgelegenen Maricourt, im Schloßwald Mann wider Mann, täglich und nächtlich. Vor der Würzburger Brigade ergriffen Territoriale die Flucht, doch vor Pozières und Trônesholz – zwei Hauptpunkten der späteren Sommeschlacht – kam das Vorwärts zum Stehen, im Mametzwald schlug man sich mitternächtlich mit dem Bajonett. Obschon das 2. bahr. K. 800 Gefangene einbrachte, 1. K. sogar 2000, fühlten sie Erschöpfung nach 50 km langen Anmärschen zur neuen Kampfsphäre. Obschon amtliche bayrische Darstellung nur Beihilfe von 4., 9., 10. Jg. und preußischen Geschwadern bei Dompierre erwähnt, erleichterte 21. K., dessen Druck auch den Hessen erst am 30. endgültige Behauptung am Roye ermöglichte, wesentlich Xylanders linke Flanke. Als Teile der 17. Forbacher sogar bis Arras promenierten, wo der Feind bisher nur schwache Besatzung hatte, war für dort schon eine neue 10. A. Maudhuy in Bildung. 2. A. Castelnau wurde bereits auf Linie Albert–Amiens, wo sie sich gesammelt hatte, auch vom 14. R. K. über Orvillers–Fricourt ruckweise zurückgedrängt. Die Saarbrücker zwangen die Rechte von Roye weg bis weit südlich Albert, Xylander die Mitte über Bray–Curlu bis ins Avretal. Je mehr Truppen Rupprechts anlangten, desto breiter gliederte sich Stück für Stück die neue Westfront, die sich mit der bisherigen südwärts gerichteten bei Roye in stumpfem Winkel schnitt. Sie setzte sich nordwärts bis westlich Peronne fort, wo das Pfälzer K. nun auch der Linken Castelnaus die Möglichkeit einer Umfassung abschnitt. Inzwischen richtete sich die Vorhut 1. bayr. R. K. über Douai schwungvoll auf Arras. Hier suchte ein neuaufgestelltes R. K. Bruyère mit starker Reiterei unter de Mitry (früher Sordet) zu überflügeln, es wurde aber beiseite geschleudert und aus dem Weg geschoben. Das spielte schon in die ersten Oktobertage hinüber, wo es dem 1., 2. bayr. K. erneut mißlang, Lihons und Maricourt zu erwerben. Der Feind behauptete vorerst beide Orte, obschon er dabei 600 Gefangene verlor. Vom 1. R. K. erschien zunächst III/1. R., doch zersprengte erst die fränkische Brigade der 5. R. D. vier Territ. Rgt. bei Douai und die Ingolstädter Brigade siegte am 2. Okt. am Bois Bernard. 1. R. D. überwältigte bei Gavrelle und Oppy nur mühsam die 70. R. D. Verluste und Trophäen (1000 Gefangene, 5 Geschütze) gehören aber wesentlich zum Oktober. Die Bayern wandten sich hier zunächst auf Athis, 5 km östlich Arras. Das Ringen des 2. bayr. K. war blutig, 5. R. verlor 980 Mann, es wirkten auch 23er, 17er bei Curlu mit samt ihrer Artillerie. Rupprechts Linie ward immer dicker, die Lücken schlossen sich, schon strebte auch die Spitze der über Charleroi verladenen 26. R. D. nach Albert a. d. Ancre mit 122. R., die ein heftiges Gefecht hatte (580). In Richtung Compiegne bedrohte die 7. Kav. D. mit 7., 15., 25., 26. Drag. (65) bei Ognolles Boelles linke Flanke, der auch Lassigny unter gemeinsamem Druck der hessischen Vorhut (8 Batl.) und der 17. R. D. nicht mehr halten konnte. Die Verbindung zwischen Castelnau und Maunoury lockerte sich, es entstand ein eigentümlich spitzer Winkel. Denn die von Craonne bis Bray 100 km lückenlos, obwohl in allerlei Krümmungen, fortlaufende deutsche Front (von Craonne nach Reims–Souain im Zickzack südöstlich umgebogen, dann wieder östlich bis Verdun und von da südlich bis Mühlhausen) sprang von der Somme immer weiter nach Norden um. Die 6. A. hatte mit 4 D. schon Front nach West, mit nordwestlicher Verlängerung durch Pfälzer und Reservekorps. Ein gut Teil Hessen gliederte sich südlich vor Fresnoy an, wo Castelnaus äußerste Rechte sich einbuddelte. Immer neue Korps füllten nach Norden ein (7., 14., 19.), südlich Arras verdichtete sich, während die Pfälzer sich langsam nördlich schoben, die Angriffslinie durch Einfügung von Garde 4. K., 14. R. K., so daß zuletzt rund 12 Div. südlich Arras, 14 Div. (nach Erscheinen von 26. D., 25. R. D.) nördlich Arras fochten, ohne noch 4 andere Reserve Regimenter, 4 L. W. Rgt. zu rechnen. Allmählich sammelte sich auch die gesamte Reiterei in 4 Kav. K. im Westen unter Oberbefehl von Marrwitz. Schon plänkelten 6. Jäger (4. 100) bei Moyenneville halbwegs Arras, 3. G. Ul. bei Ham, 2. G. Drag, bei La Bassée in Richtung Bethune (zusammen 100). Dieser große Nordwestflügel rührte sich in dauernder Bewegungstätigkeit. Jetzt endlich war der Nordwestflügel überstark gemacht, sogar eine neue 4. A. von 103 Batl. befand sich in Vorbereitung in Richtung Ypern–Yserkanal. Doch es war zu spät, um rasche Überschwemmung des Gebiets zwischen Paris und Calais zu erzwingen. So klug war Joffre auch, dem neuen Feind neue Kräfte entgegenzustellen, eine neue 2., 10., 8. Armee und French mit 7 Div. bei Bethune, im ganzen 29 Divisionen, später noch 5 andere, dabei vier ganz neugebildete Korps. Davon waren im September nur 6–8 zur Stelle, deutscherseits nur 5 vollzählige und sonst etwa 37 Bataillone. Das franz. 20. K. erschien damals schwerlich schon von Nancy her, auch bei »14. K.« liegt wohl teilweise Verwechslung mit 4. vor, 3. K. focht noch bei Reims, mit Sicherheit ist nur 19. Algier zu erkennen neben 4. K. Dem 1. bayr. K. hatte der Feind es leichter gemacht, das Leibrgt. aber verlor 820, 2. Kronpr. 720, die Bayern der 6. A. überhaupt 6400. Der Verlust ihrer 2. Art. (274) erinnert an die schlimmsten Zeiten der Lothringer Augustkämpfe. Auch die Saarbrücker verloren wieder sehr viel (4500, diesmal mit 60. Inf., 70. L. W. ergänzt). Inkl. 780 Hessen usw. Summa 12 600 (Marrwitz' Reiter und Jäger schon bei 1. A. berechnet). Somit kostete die Riesenschlacht in ihren sechs Teilen rund 116 000, dazu der Kampf von Altkirch bis Verdun und vor Maubeuge und Antwerpen, also rund 153 000, nach oben abgerundet. Inkl. Marneschlacht und Nebengefechten der ersten Septemberhälfte Monatsverlust rund 207 000. Autoführer (160 Verw. der westfälischen Kraftwagenkolonne) sind bei unsern summarischen Ziffern einbegriffen, nicht aber gewöhnlicher Train oder an Krankheit Gestorbenen. Davon nach früherer Zusammensetzung inkl. Elsässer 6., 7. A. rund 49 200, 5. A. inkl. Abteilung Strantz 37 200, 4. A. 21 300, 3. A. inkl. 12. K. 28 500, 2. A. inkl. 7. R. K. 31 800, 1. A. inkl. Beseler 39 000, d. h. relativ weniger als 2., 3., 5. A. Unter den Korps litten am meisten 13., 19., 12., dann 4. R. R., 7. K., 6. R. K., 16., 15. K. Die Garde, von deren Vernichtung die naiven Franzosen schwärmten, verlor nur 5300 und die ganze bayrische Armee von rund 13 Div. inkl. L. W. nur 20 600, übermäßige Blutopfer hatten also die Bayern in beiden Kriegsmonaten nicht zu beklagen. Seit Kriegsbeginn litten am meisten 13., 21., 15., 19., 12., 14., 10., 6., 18., 1. bayrische sowie 6. R. K. Am wenigsten 2., 3., 5., am allerwenigsten 7. R. K., also gerade besonders gepriesene Teile, von den preußischen Korps hatten sonst nur 7., 16., 8., 9., 4. K., 4. R. K. ansehnlichen Verlust. Da aber auch die Garde im August beträchtlich litt, war es blinde Verleumdung, daß man die Nichtpreußen ins Vordertreffen stellte, während das Verlustausmaß doch nur vom Schicksal und Zufall der Kampfumstände bestimmt wird. Übrigens vergesse man nicht, daß 15., 16., 21. K. viel norddeutschen Ersatz hatten. Diese Korps abgerechnet, bluteten etwa 125 000 Bayern, Württemberger, Badenser, Hessen-Darmstädter, Sachsen von 381 000 in beiden Monaten, 126., 105. eingerechnet. Da sich dies auf rund 35 Divisionen erstreckt (Ers. Brig. einbegriffen), so ist der Verlust von rund 46 preußischen Divisionen im Westen (37 500 des 15., 16., 21. K. exkl. 105., 126. abgerechnet) mit 218 500 wahrlich nicht geringer! Wer sich über solche Verluste entsetzt (der Septemberverlust ist deutscherseits kaum wieder im Westen erreicht worden), den verweisen wir auf das Gegenstück, daß 200 000 Verwundete im Marne- und Oisetal lagen, natürlich nicht gerechnet die vielen Leichtverwundeten und Transportfähigen, die zur Heilung nach Paris gingen oder, wie in allen deutschen Listen gewissenhaft verzeichnet, »bei der Truppe verblieben«. Das entspricht mindestens 50 000 Toten. Diese Berechnung ist aber noch zu niedrig, denn Frankreich gesteht bis Neujahr 340 000 Tote zu, was einem Gesamtverlust von 1 ¼ Million entspricht, Gefangene ungerechnet. Da nur noch bis 15. November große Verluste eintraten, ist anzunehmen, daß der französische Septemberverlust ungeheuer war und allein in der Hauptschlacht 200 000 von 15.-30. betrug, so daß die Gesamteinbuße der Verbündeten von Altkirch bis Antwerpen 350 000 erreicht haben mag, 45 000 Maubeuge-Gefangene ungerechnet. Um übrigens der englischen neuen Armee – nicht der alten Frenchs – gerecht zu werden, verzeichnen wir zum Vergleich, daß sie im Juli 1916 allein 8749 Off. 187 871 Mann verlor, in 10 Märztagen 1918 sogar 8840 Off., wofür 164 881 Mann offenbar viel zu wenig gezählt. Ferner 1918 im April 6709 Off. 136 469, im Mai 3452, 65 597, offenbar wieder zu wenig angegeben, da auf 3500 Offiziere doch allermindestens 70 000 zu rechnen sind. Das macht in 90 Tagen rund 28 000 Off. 550 000 (wahrscheinlich 600 000) Mann bloß auf einen Teil des Kriegstheaters. Danach erscheinen obige deutsche Verluste in 55 Tagen auf den ganzen Radius Antwerpen–Altkirch gewiß nicht übermäßig. Ihnen stand damals immer noch eine mehr als doppelte feindliche Einbuße gegenüber. Kurzlebiger Scheinerfolg endete für Joffre mit nachhaltiger Schlappe. Der Geländeverlust war deutscherseits mehr als ausgeglichen durch Fall von Maubeuge und Mihiel und Besitz der Linie Peronne–Somme bis zur Avre. Doch der moralische Rückschlag war nicht gutzumachen. Auf der Hauptfront gegen Paris–Verdun–Nancy statt Entscheidungssieg nur erfolgreiche Defensive eintauschen blieb Verschlechterung auf lange Sicht, endlose Verlängerung des Krieges, den man mit ein paar großen Schlägen zu beenden hoffte. Zum Siegen gehört Glück, ein Unstern verfolgte die deutschen Waffen. Bülow fabelt, seine Infanterie sei auf ein Drittel geschmolzen, während sie seit 4. August kaum 40 Prozent verlor, die Klucks noch nicht 25 Prozent, nur die des Kronprinzen über 40 Prozent. Bei ihm gab es kein Klagen und Stöhnen; Klageweiber von Bülows Art sind aber leider symptomatisch für deutsche Charakterschwächen! Kritisches Nörgeln mißtraut sich und anderen. Etwas mehr waghalsige Festigkeit und die Gloire-Schulbücher würden die Marneschlacht schamhaft verschweigen! Ohne Hausens Mißgeschick nicht ohne Bülows Schuld wären im August entweder Lanrezac oder Langle nicht so heil entkommen, ohne Mudras Schwäche hätte Sarrail nicht Anschluß an Verdun behalten, ohne Klucks Abirrung wäre der Feind bei St. Quentin nicht dem Verderben entgangen, ohne Klucks und Bülows Irrungen wäre die Marneschlacht glänzend gelungen trotz aller ungünstigen Vorbedingungen. Die Glücksgöttin hat ihre Launen, sie gibt und nimmt. Frenchs unerhörtes Versagen war eine Lotterienummer zu deutschen Gunsten, doch das Trumpfaß gegen Deutschland spielte ein Hentsch aus in Partnerschaft mit Bülow, eine Art historischer Falschspielerei. Fünf Monde lang erstarrte jetzt die Hauptfront im Winterschlaf, unterbrochen von französischen Offensivträumen, und es währte nicht lange, so versank die neue Westfront in gleiche Lethargie. Versumpfen im Stellungskrieg war das übelste, was man den Deutschen bescheeren konnte. Es erlaubte dem Gegner, seine überlegene Materialmasse nebst amerikanischer Sympathiemunition – Marke »neutral, Achtung! zerbrechlich!« – auszunutzen, und beraubte sie ihres taktischen Hauptvorzugs, ihrer überlegenen Manöverierfähigkeit. Weil diese anfangs zwischen Roye und der Lys im Norden verwertet werden konnte, daher der anfängliche Erfolg, der blieb aber strategisch zuletzt wertlos, denn als noch einmal das Schicksal die Hand bot, an der Yser eine große rasche Entscheidung herbeizuführen, verdarb zögernde Pedanterie verspäteten Entschlusses alles. Hatte man überhaupt im Anhäufen solcher Massen im Westen eine glückliche Hand? Bülow schlug vor, Kluck keinerlei Verstärkung zu senden und die ganze 6. A. statt bei St. Quentin erst bei Amiens zu versammeln. »Diesem Vorschlag wurde nicht entsprochen«. Er war etwas kühn, was wir an sich Bülow anrechnen, es zeigt wieder, wie Erfolg – so faßte Bülow seine Reimser Schlacht schon am 20. auf – selbst Bedächtige anfeuert. Am 22. reifte sein Wunsch so weit, sofort mit Garde und Hessen abzureisen, um den Westkampf möglichst entscheidend zu gestalten. Nach seiner Berechnung sollte die Garde am 25. bei Ham sein. Hätte der Erfolg ihm Recht gegeben? Behielt angesichts solcher Massen Castelnau keine Beharrungsmöglichkeit und kam dann Aufrichten neuer Schutzwehr bei Arras–Bassée zu spät? Das ist sehr fraglich. Zunächst zog Bülow, was der Brite »übereilte Schlüsse« ( foregone conclusions ) nennt. Von den Hessen waren schon früher Teile unterwegs, als er angibt, doch schon am 20. stießen vier ihrer vorauseilenden Bataillone bei Roye auf den Feind. Es war also Castelnau schon am 20. in Bewegung, und da die Hessen erst Anfang Oktober ziemlich vollzählig anlangten, so rechnet Bülow höchst konfus mit Eingreifen der Garde am 25. Natürlich benutzte Joffre leichter sein Bahnnetz und ausgiebige Autodepots zur Massenbeförderung auf kürzestem inneren Wege, während die Deutschen auf Umwegen durch Nordfrankreich anrollten. Bis Garde, Hessen und gar 4. K., 14. R. K. eintrafen, war der Feind stark genug geworden. Versammlung der 6. A. bei Amiens unter den gegebenen Umständen war ein phantastischer Traum, gleichsam, als ob man am 5. Sept. die Losung ausgegeben hätte, die 1. A. solle ihren Sammelpunkt auf den Boulevard des Italiens oder nach Notredame verlegen. Außerdem mußte Sicherstellung der Etappen berücksichtigt werden, die durch Frenchs baldigen Aufmarsch bei Bethune schon überholt waren. Die O. H. L. verfügte daher Abschiebung der Badenser dorthin, die sich jedoch verspäteten, nur ihre Artillerie (siehe früher) erschien bei Liovin, wir glauben nicht an dortigen Gefechtseintritt von 40., 169., bislang vor Nancy, deren V. L. bis 1., 2. Okt. läuft, für welche beiden Tage man ihren Verlust berechnen muß. Um die Lücke zur Lys zu schließen und Offensivwerden Frenchs zu hindern, mußten also 7., 19. K. Hals über Kopf nach Lille. Statt von Versammlung bei Amiens zu träumen, hätte man der 6. A. von vornherein eine mehr nördliche Richtung geben sollen, zumal sie den Ausladepunkten näher lag. Saarbrücker und Hessen hätten vorerst genügt, um Castelnau festzubannen. Da sich die L. W. bei Bray und vor Arras festsetzte, so war von vornherein ein solider Rahmen gespannt, den man später nach Belieben ausfüllen durfte, die Bayern hätten sich sofort mehr nördlich ausdehnen sollen, um möglichst schnell an den Basséekanal heranzukommen, die Ankunft der Badenser erwartend. Es war strategisch gleichgültig, ob man bei und südlich Albert in Richtung Amiens vordrang, woraus unter den jetzigen Umständen, mit French in der Flanke, ja doch nichts werden konnte. Übrigens gaben die im Oktober noch gesteigerten und nach dem stürmischen Septembererfolg nicht vom Fleck kommenden Kämpfe der Saarbrücker sehr zu denken; Castelnaus Stellungen müssen taktisch sehr gut und schon genügend stark besetzt gewesen sein. Ja, wenn man schon am 20. gemeinsam mit Bahn einen Masseneinsatz hätte ausspielen können! Doch vor 25. war Prinz Rupprecht nicht in der Lage, kräftig loszugehen, es fand also auch hier wieder mal Verspätung statt. Was bedeutet das? Wenn Deimling, der am weitesten entfernt stand, am 12. bei St. Quentin war, hätten Saarbrücker und Münchner sicher spätestens am 18. das südliche Sommetal erreichen können. Dann freilich hätte sich vieles geändert. Es ging also, wie es bei zweifelhafter Umgruppierung zu geschehen pflegt, es blieb in der Ausführung eine Halbheit, man zögerte zu lange mit dem Aufbruch aus Lothringen, den wahrscheinlich Rupprecht mißbilligte. Nun hätte aber die nächste Sorge sein müssen, möglichst schnell auf Bethune auszugreifen, um die Verbündeten an der Lys von Belgien abzusperren. Statt dessen entstand anfangs eine unnütze übermäßige Anhäufung zwischen Fresnoy und Arras. Das lange dortige Abringen blieb strategisch wertlos und bedeutete Verzicht auf jede wirkliche strategische Offensive. Als eine solche an der Yser zu reifen schien, war es schon zu spät. Aus leerer Kommißpedanterie verschob man die Frontverwendung der vier begeisterten Freiwilligenkorps von Woche zu Woche, wodurch die Belgische Feldarmee aus Antwerpen entkam und der Feind Zeit gewann, sich bei Ypern aufzubauen. Die geradezu widersinnige Einschiebung von Garde und Armin südlich Arras rechnen wir zu den größten Mißgriffen Falkenhayns, der nach eigener Aussage schon seit 14. amtlich an Stelle Moltkes trat. Selbst ein taktischer Erfolg, der ausblieb, hätte nichts wesentliches bewirkt. Es scheint aber, als ob Falkenhayn dort wirklich eine strategische Entscheidung suchte, nämlich Abdrängen der Franzosen nach Norden – Schema F nach Clausewitz –, also wieder doppelseitige Umfassung, indem Rupprecht aus Süden, Beseler aus Norden, H. Albrecht aus Osten »einkreisen« sollten. Daraus wird erfahrungsgemäß (für solche, die sich nicht durch mißverstandene Beispiele blenden lassen) nie etwas. Dagegen hätte einseitige innere Umfassung, d. h. Eintreiben eines Keils nördlich Bethune unter völliger Absperrung der Belgier, die bei Beschleunigung des Aufmarsches der 4. A. zwischen Gent und Yser hätten kapitulieren müssen, French zu sofortigem Rückzug nach Calais und wahlscheinlich Einschiffung genötigt. Das ganze Ringen bei und südlich Arras, wo im ganzen 16-18 Divisionen verplempert wurden, war reine Kraftvergeudung. Hier gebot sich, nachdem Castelnau bis Fresnoy-Albert zurückgenötigt, hinhaltendes Gefecht mit mäßigen Kräften, denn selbst glückende französische Offensive hätte sich im Sommetal verfangen, während im Norden die absolute Entscheidung fiel. Wären Garde und Armin gleich anfangs nach Lille verladen worden, so hätten sie French bei Bethune ausgeräuchert, noch ehe er zum Aufmarsch kam. Das war der eine Weg, den anderen betonen wir aber immer wieder, ihn wies Wegnahme von Mihiel: großer Durchbruch zwischen Toul und Verdun, ein strategischer Zentralstoß, der unter allen Umständen die größte strategische Wirkung haben mußte, indem er in den Rücken von Sarrail, Langle, Esperet führte und Dubail von ihnen abschnitt. Der Zug nach dem Westen, auf welchen Einfall ja auch Joffre anbiß – der Durchschnittsmilitär denkt immer nur an »Umgehung« –, scheint dem Laien »genial«. Tatsächlich entzog diese maßlose Umgruppierung vom 6.-23. dem an der Marne leichtverwundeten deutschen Gesamtheer die Kraft von 10 Divisionen (Deimling und Badenser ungerechnet) in einer Fieberkrise, wo jede Kraftverminderung tödlich werden konnte. An Ort und Stelle verblieben, hätten sie einen überwältigenden Sieg in Lothringen errungen, was jede fragwürdige Marneschlappe (wenn sie eintrat) mehr als ausglich. Da die Hauptfront 7., 9. R. K. als frische Verstärkung erhielt, so hätte sie bei einigermaßen anständiger Führung sich längs der Marne halten müssen, auch hat ja trotz elender Dispositionen allein das 15. K. als Verstärkung dort genügt und gegen Castelnau waren 2., 18. K., die man ja nicht aus Lothringen holen mußte, Mannes genug, die Flanke zu schützen, diese Front war sich selbst genug. Doch die O. H. L. starrte hypnotisiert nach Westen. Diesmal waltete aber nicht das Glück des alten Molkte, diesmal blieben Fehler nie unbestraft, nur weil das deutsche Heer das beste war, das ja die Waffen schwang, durfte man bis zuletzt an Sieg glauben. Doch Ludendorff übernahm dort das Kommando, als schon alles versehen war und die Glocke Mitternacht schlug. Je länger man England Zeit ließ, seine Massen flüssig zu machen, desto schwieriger wurde Frankreichs Niederwerfung. Amerikas Kriegseintritt wäre nie gekommen, konnte man im September Schläge führen wie die bei Charleroi–Longwy. – In dieser Riesenschlacht, der größten aller Zeiten, fehlte beiderseits geistiges Durchdringen. Hätte Joffre den Zentrumstoß Craonne–Berry von vornherein als Leitmotiv gewählt, hätte er sicher dafür stärkere Massen angehäuft, während er im Grunde wahllos die ganze Front abklopfte, ob er irgendwo hohle Töne von zersprungener Füllung erhorche. Er schenkte dem Gegner drei Tage, um sich in neuen Linien einzurichten, denn wir wiederholen, daß diese erst am 15. angegriffen wurden. Sah der törichte Rückzug auch manch vergessenes Beispiel stiller Heldengröße, so beschleunigte ihn doch nirgends ungestümes Nachdrängen. Der Abgang der 3., 5. A. glich dem eines verwundeten Löwen, bei der 2. beschämte die gediegene Ruhe der Truppen das Bibbern und Zappeln des Führers. Angesichts des heillosen Wirrwarrs, wo die Kraftwagen des 7. K. einen weiten Bogen umschrieben, aus dem sich das Kreuz und Quer bei Vor- und Rückmarsch ablesen läßt, überrascht um so mehr die feste Ordnung der Sachsen. Die Franzosen mußten froh sein, ihre weidwunde Meute überhaupt zu weiterem Anpacken anzuspornen. So brav sie sich aber zu vielfachem Ansturm fortreißen ließen, so hielt die deutsche Eisenfaust sie doch gründlich nieder, auf lange erlosch der Angriffstrieb großen Stils. Gleichwohl zeigte Frankreich, aus allen Siegeshimmeln gerissen und auf vier Jahre verdammt, die deutschen Kanonen nahe vor Paris zu hören, eine hartnäckige opferbereite Geduld, die man nur höflich bewundern kann. In Deutschland aber brüllt die blinde Menge mit blinden Anklagen, weil diesmal nicht das Glück des alten Moltke seine alten Fehler verhüllte und der verrückte Moltkekultus nicht länger die Unfehlbarkeit deutscher Strategie dem Laienverstand aufschwätzen durfte. Rien ne réussit que le succès der äußere Erfolg bestimmt allein das Urteil der Unwissenden. Unsere Schärfe aber entbehrt jedes Beigeschmacks überschäumender Gehässigkeit, sobald wir wie bei dem unglücklichen Manne, den romantische Laune bloß seiner Namenserbschaft wegen an die Spitze des Heeres stellte, mildernde Umstände erkennen. Daß er sich durch Bülow ins Bockshorn jagen ließ, hing wohl auch mit höfischer Schranzerei zusammen, da gewißlich der Kaiser ihm dreinredete. Das ersehnte allgemeine Rendezvous aller Heere war zwischen Maas und Somme glücklich erzielt, doch allgemeine strategische Berechnung in die Brüche gegangen. Man lag fest. Das beste Beispiel liefert die jetzt unbefriedigende Stellung des Kronprinzen, die nur noch Deckung der Scheinbelagerung von Verdun schien. Man umstellte den Platz zwar in Nord, Ost, teilweise Südost, doch ohne einen einzigen Punkt des Vorgeländes zu besitzen, es schwand vorerst jede Hoffnung, im West und Süd die Verbindung mit dem Innenland zu zerschneiden. Das Duell der Belagerungs- und Festungsgeschütze blieb schaal und unersprießlich, Gouverneur Coutenceau handhabte beweglich die Garnison, obwohl Stegemann gewaltig den Nachteil übertreibt, den seine Ausfälle je bereiteten. Er bewahrte nicht mal Außenstellungen, wie Malancourt vor dem Fall; Sarrail selber stand unter Pressung Mudras, obschon dessen Flankenspitze Ippecourt verloren ging. Die östlichen Ausläufer der Joffre-Offensive schlugen fortan hier nur matte Wellen, es blieb für Sarrail mißlich, daß er dauernd an den Côtes empfindliche Rückenbedrohung spürte, was zu den späteren Massenstößen Dubails zwang. Doch was wog diese Unannehmlichkeit im Vergleich zum 10. September, wo ihm der Kronprinz schon Vernichtung ansagte! Gewiß war dessen südliche Spitze bei Loupy etwas weit von ihrer Basis Varennes entfernt und eigene Seitenbedrohung durch den festen Drehpunkt Verdun durfte nicht vernachlässigt werden, gerade deshalb hätte man zwei der aus Lothringen abrollenden Korps dem Kronprinzen übergeben sollen, statt daß dieser 136., 114. bei ihrem Vorbeizug anhalten mußte, um sich zu stärken. Hier hätten sehr wichtige und große Ergebnisse von strategischer Tragweite erzwungen werden können, während drüben Sarrails so vollblütig sich gebärender Angriffszorn an der Maassenke schon gleich einen hippokratischen Schwindsuchtskeim verriet. Joffre verhieß sich nichts davon, sonst hätte er Sarrail nicht gleich um drei Divisionen geschwächt, beiderseits legte man ungebührliches Gewicht auf den Westflügel, wo weder Deutsche noch Franzosen damals ernstlichen strategischen Vorteil erzwingen konnten. Nichts bezeichnender für die Unklarheit der O. H. L. als die Gleichgültigkeit, mit der man die Lage der 5. A. betrachtete und alles Verfügbare nach Westen abdrehte, wo ein greifbarer Erfolg nur dann gewährleistet war, wenn man rechtzeitig, was nicht geschah, im Norden und nicht im Süden operierte. Noch bezeichnender aber für die unerbittliche Logik der Tatsachen, daß man sich 16 Monate später nun doch entschließen mußte, dem Kronprinzen die an Truppenumfang größte bisherige Unternehmung – die überhaupt größte bis zu Ludendorffs letzter Offensive – gegen Verdun anzuvertrauen. Nicht nur Falkenhayn, sondern auch Ludendorff verteidigten diese von der Fama angepöbelte Tat und sie haben recht. Nie seit der ersten Panik hat Frankreich so gezittert wie während dieser Sechsmonatsschlacht, das deutlichste Zeichen, daß dort strategischer Knicks und Knacks die französische Rüstung in allen Fugen lockerte. Doch die Ablenkung aller Kräfte nach Westen machte auch unmöglich, den Mihielkeil zu schärfen, Jahr für Jahr warteten wir umsonst auf Verständnis dafür. Joffre erkannte viel besser, wie ihn dort der Schuh drückte, er wollte dies Zwicken und Zwacken mit Massenopfern beseitigen, die bei Combres abgeschlachteten Hekatomben dienten doch wenigstens einem vernünftigen strategischen Zweck. Es empört, neben den ungeheuren französischen Verlusten auch die des 5. K. und der Metzer Bayernbrigade zu sehen, die dort allein neben schwerleidenden Teilen des 15. R. K. auf so wichtigem Posten standen. Wo immer man die Kraftverteilung wahrnimmt, war sie unpassend: Entblößung strategisch ausschlaggebender Punkte, unbehilfliche Massenhäufung wie bei Ypern, als dort schon nichts mehr zu hoffen war, immer verspätet. Man ist froh, erst 5, dann nochmals 10 D. für November und Frühjahr nach Rußland abrollen zu sehen, wo sie teils in Meisterhand entscheidende Einwirkung übten, teils wenigstens (Mackensen) strategisch unfruchtbare, aber blendende taktische Erfolge ernteten. In Frankreich herrschte fortan die richtige Ermattungsstrategie, die es verlockend findet, wenn der Feind sich unsanfte Beulen holt, ohne die eigene moralische Schwächung durch Offensiverschütterung feindlicher Initiativen zu bedenken, und im übrigen den Gott der Schlachten einen guten Mann sein läßt. Man soll nicht verlangen, daß gewöhnliche »Feldherrn« napoleonisch denken oder Unterführer das Ganze sehen statt des eigenen bestimmten Befehlskreises, doch es war wenigstens ein Segen, daß nachher ein Bülow und Kluck nicht mehr glänzten und andere Unterführer mehr hervortraten, denen bescheidenere Unterordnung gegeben war. Doch die Dürftigkeit der O. H. L. versteifte sich teils auf rein taktische Gesichtspunkte teils gebrach ihr rechtzeitige Einsicht für strategische Belastungspunkte. Es ist wieder bezeichnend, daß man später selber unsere Rüge betreffs falscher Massenanhäufung südlich Arras bestätigte und nacheinander 6 Divisionen von dort entfernte. Das Muß der Wirklichkeit korrigiert so die Schnitzer, wenn es zu spät ist. Wie oft konnte großer Zeitverlust ohne merklichen Gewinn bei unrichtiger Gruppierung vermieden werden. Wie sehr hätte Joffre sich gehütet, sein Westmanöver auszuführen, wenn ein einheitlicher Wille zwischen Argonnen und Mihiel zum Schlage ausholte! Wie Großes hätten dort die beiden fürstlichen Heerführer, die einzig wirklich befähigten auf dem westlichen Kriegstheater, zusammen erwirkt! Wir wiederholen zum Überdruß: Absendung von 4 D. zur Hauptfront hätte als Verstärkung genügt, mit den übrigen 12 dorthin verschickten hätte man in Lothringen einen großen Sieg errungen. So erscheinen die Mißgriffe der Marneschlacht nicht als einzelnes »Pech«, sondern allgemeines Symptom für schwankende Unklarheit. Joffres Entblößung der Lothringer Front gerade im kritischsten Augenblick hätte ihm glatt den Feldzug kosten können, statt dessen fing er zwei Fliegen mit der Klappe, da auch dort grundloser Rückzug alle bisherigen Früchte preisgab. Er? Wahrlich nicht, sondern die allgewaltige Vorbestimmung, welche die scheinbar zufällige Kausalität geheimnisvoll aus innerer Notwendigkeit entspringen läßt. Dies unvergleichliche deutsche Heer mußte nach Heldentaten, wie die Welt sie nie gesehen, einem geisttötenden »legitimen« System erliegen. Vielleicht gehörte es auch mit zum System der Generalstabshalbgötter, daß die Klucklegende sich immer weiter spann, wie im Singsang eines Amerikaners auf Herrn Kluck » who won´t be turned «, als dieser schon ausgeschaltet auf dauernden Urlaub ging, ohne »Eichenlaub«, wegen angeblich schwerer Verwundung verabschiedet und im langen Weltkrieg nie wieder mit irgendwelchem Posten betraut. Dies sollte Autoritätsgläubige lehren, wie man an maßgebender Stelle dachte. Bülow freilich erhielt beim Abtreten unberechtigterweise den Marschallstab, eine hohe nur Hindenburg gebührende Würde, die auch noch durch Verleihung an Mackensen und gar Eichhorn entwertet wurde. Die hartnäckige Verbissenheit der Briten und die wilde Leidenschaftlichkeit der in Ehrenpunkt reizbaren, obwohl sonst kühlskeptischen Franzosen ist weit eher geeignet, jusqu´au bou the knok – out durchzuhalten in Erraffung selbstischer Zwecke. Das Säbelrasseln vor Jena, die persönliche Tapferkeit in der Schlacht, dann der schmähliche Zusammenbruch – das sind leider typische Züge deutscher Generale und Beamten, denen Ruhe die erste Bürgerpflicht und die sofort den Kopf verlieren, sobald die übliche Ordnung gestört wird. Ein genialer Ludendorff, den man für einen eisernen Mann hielt, bekam in der letzten Krise einen Nervenkollaps wie jeder Jena-General, der vor Schatten kapitulierte. Ohne dämonische Persönlichkeiten wie die zu früh weggerafften Einheitsstreber Moritz v. Sachsen und Wallenstein oder den nach unsäglicher Mühe das Deutschelend überwindenden Bismarck kann den Deutschen nicht geholfen werden. Ohne Blücher, den sachlich ganz untauglichen, aber seelisch mächtigem Dämon der Vaterlandsliebe, wären Scharnhorst und Gneisenau ohnmächtig geblieben. Sein Wort »den Hundsfott hat jeder im Leib, doch nur ein Hundsfott läßt ihn rauskommen«, das klassische »Grouchy steht mir im Rücken? Gerade recht, er kann mir!« – das ist die Gesinnung, die deutschen Führern nottut. Kühle Bedächtigkeit hat der Teutone schon zu viel, er braucht den Furor Teutonicus und den »Zorn der freien Rede«, wie der ehrliche Arndt ihn als Geschenk pries vom Gott, der Eisen wachsen ließ. Doch lakaienhafte Liebedienerei nach oben und Mißverstehen von Manneszucht als Kadavergehorsam hat eine heilige Scheu vor wahrer Kritik. Denn wie Altmeister Moltke so hübsch sagt: »Die Prestigen müssen geschont werden«. Die sonst an kritischer Mieselsucht kranken Deutschen ächteten Jeden, der sich nicht in Militärfrommheit den Mund verbinden ließ. Wer den übergroßen Zufalls- und Schicksalsanteil an Moltkes Triumphen aufdeckte, wer vor Geringschätzung der französischen Soldaten warnte, wer die Schäden stehender Heere durchschaute und das im Weltkrieg überall ausschlaggebende Milizsystem eines Volksaufgebots empfahl – den Krieg gegen Rußland führte man überwiegend mit milizartigen Gebilden und die 9 Freiwilligendivisionen bei Ypern, die wahrlich keinen Drill hinter sich hatten, lehrten sofort den Wert solcher begeisterten Scharen – der handelte als vaterlandsloser Geselle! Hätte man doch lieber auf ihn gehört! Der Halbgott mit karmoisinenen Hosenstreifen wandelte auf dem Alsenplatz wie ein Professor ins Kolleg, und eine militärische Besprechung glich keinem französischen Marschallkonseil, sondern einem Konsilium von Oberlehrern, das Jedem, der gegen die »Schule« und Schema F frevelt, das Consilium Abeundi erteilt. Doch eigenständige Charaktere werden so nicht großgezogen. Friedrich Karls Spruch »der Wille zum Siege siegt« verkehrte sich an der Marne in »der Wille zum Nicht-Sieg erliegt«. Di« Franzosen werden dort gewiß neue Siegessäulen errichten, die alten noch überstrahlend. Wo Foch sich zum Fliehen anschickte, wird eine Viktoria segnend die Hände breiten über das Wunder der Marne, und wo Maunoury verzweifelt gen Himmel schrie, wird eine Kapelle für Notredame les Victoires zum Himmel schauen. Jetzt sträubte Chanteclair den Kamm, seine Krallen wetzten sich, sein Krähen gellte schärfer, er witterte Morgenluft. Oktober. I. Eroberung von Antwerpen. Süd- und Mittelfront. Die Windstille nach Septemberstürmen unterbrach ein Donnerschlag, Antwerpens Fall. Die Entente wird nie glauben, wie geringen Kräften die »stärkste Festung der Welt« erlag. Die Angaben konnten zwischen 50 000 und 80 000 des Belagerungsheers schwanken, doch am wirklichen Angriff nahmen kaum 30 000 teil. Seitenhuten 4. Ers. D., 10., 37., 38. L. W. Brig. und 20., 26., 66. R. Zum Belagerungspark stießen 18. hess. Fußartillerie, 7., 9. sowie 3. bayr. R. F. Art. nebst Küstenmörsern, wie man jetzt die 28 cm nannte, und Skoda-Motorhaubitzen, dazu 3., 24., 25. Pioniere, 3. hess. L. W. P. nebst zwei bayr. L. St. P. Komp., wie aus Verlustlisten ersichtlich. Nachdem schon am 1. die Netheforts vom Bombardement zertrümmert, trugen Beselers Brandenburger den Sturm bis ins Innerste; die fliehenden Belgier gaben 82 Feldgeschütze ab. Die 40 kg schweren Granatgewichte der Mörser lockerten Granitblöcke und Zementschichten, rissen die Panzerwände auf. Als der Frontgürtel gesprengt, führte Kommandant de Guise eine laute Sprache, kapitulierte aber am 9. ohne Sang und Klang. 8000 gelandete Matrosen der englischen Marinedivision Paris schlugen sich noch elender als die Belgier, prahlten noch damit, daß sie nur 300 T. und V. verloren, Churchill gestand aber außerdem 1000 Vermißte zu; ihre Haupttätigkeit übten sie bei Versauung des Hafens. 25 000 Belgier liehen sich in Holland internieren. »5000 Gefangene« (Egli) sind wohl zu wenig! König Albert soll von 100 000 Bewaffneten noch 65 000 (48 000 Gewehre) zur Yser gerettet haben. Einst schuf Ingenieurgeneral Brialmont diese »befestigte Region« mit ausgesprochen deutschfeindlicher Absicht, wie er dem Kollegen Stavenhagen offenherzig bekannte, nun zerstob dies Phantasieschloß der Entente – Fata Morgana –; noch lange nachher wollten gefangene Russengeneräle nicht daran glauben, denn die Verbündeten verheimlichten sich gegenseitig kleinlaut ihr Mißgeschick. Nicht Antwerpen war »unbezwinglich«, sondern die Brandenburger. Der neutrale Berner Bündler läßt die Stürmer wie Fliegen fallen; die untrüglichen V. L. wissen es besser. Inkl. Seitengefechte an der Schelde höchstens 1700 (340 L. W., 203 Art., 192 P.). Außerdem ist Gefecht von 66. R. am 7. bei Stade zu vermerken, auf dem Weg nach Courtrai–Ypern. Dies bedeutet Entsatzversuch, wie denn in Egli's Mißverständnis »12 000 englische Infanteristen bei Antwerpen« sich Anspielung auf 7. D.Copper verbirgt, von deren Irrfahrt nur englische Spezialberichte wissen. Außerdem 6000 franz. Marinefüsiliere im Vormarsch auf Gent; ihnen begegnete die aus Antwerpen entkommene 4. Belgierbrigade Collin, während König Albert in mehreren Kolonnen über Brügge und Ostende zur Yser abzog. Coppers Engländer, bei Dünkirchen gelandet, wußten nicht ein noch aus, wohin sich wenden, beteiligten sich aber bei Abwehr einer buntscheckigen Gruppe, deren wirkliche Zusammensetzung man wie gewöhnlich nicht ahnt. Für 1. Ersatzdivision lies 1. ostpreußische Ers. Brig., für 1. L. W. Brig. nur 2. bayr. L. W. Rgt., am 5. hier angelangt, sowie wahrscheinlich 73. L. W. und laut V. L. ein Bataillon hessischer 87er. Das nie gebührend hervorgehobene Gefecht an der Bahnstation Quatrecht, wo am 10. beide Gruppen sich kreuzten, endete mit Abzug des französischen Admirals Ronach von Gent, wo am 15. schon 210. R. Rgt. als Spitze des anrückenden 23. R. K. Kleist eingriff. Außerdem brachte schon am 9. bei Moerbeke I/1. b. L. W. einen Truppenbahnzug zur Entgleisung, so daß 300 Belgier, 1000 (?) Engländer sich ergaben. Gesamteinbuße dieser Gefechte 1800. Mittlerweile zog Beseler in Ostende ein, wo früher 3. engl. Kav. D. landete; sie suchte nun Copper im Osten. Ihrer Ein- und Ausschiffungsbasis beraubt, bogen die Briten südöstlich auf Ypern ab. Wer ahnte, das man den Schauplatz vierjähriger Schlacht betrat! Schon nahten ihnen fern von Nordosten 26., 27. R. K. der neuen 4. A. Herzog Albrecht, während 22., 23. R. K. sich Beseler anreihen sollten. Diese frische Masse von Kriegsfreiwilligen wollte über Ypern French an der Lys überflügeln. Joffre wußte nichts davon, setzte aber zum Entsatz von Antwerpen eine neue 8. A. d'Urbal in Marsch: 42. D., Territorialcorps Bridon, voraus eine Masse von 19 Kav. Brig., Kav. K. Mitry und Conneau. French versprach, sein 1. K. dem 4. K. (7. D., 3. Kav. D.) nachzuschicken; Ronach und die Belgier verschanzten sich hinter der Yser. Es drohte also Zusammenstoß zwischen 13 bis 14 verbündeten Divisionen, von denen freilich sechs belgische kaum mehr Nominalwert hatten, und 11 bis 12 deutschen. Der 6. R. D. gehörte 26. R. an, auch erhielt sie Zuwachs durch 4 Bataillone 20er, 35er, wovon die amtliche deutsche Generalstabsschrift nichts weiß. Foch, dem Joffre das Tor zu historischer Scheingröße öffnete, begab sich als Oberführer der ganzen neuen West- und Nordfront persönlich nach Ypern. Ehe wir dies sorgfältiger Betrachtung unterziehen, sei erst die übrige Gesamtfront im Oktober erledigt. Auf beiderseitigen Heeresbericht ist kein Verlaß, aus den V. L. genug für allerlei Aufschlüsse erkennbar. »Heftige Kämpfe unter großen Verlusten« (sehr kleinen) am 11., 18. bei Bisel, Borsell, Altkirch waren so unbedeutend wie die der hessischen und bayrischen L. W. bei Erkinger Höhe; bei Fosse und Senones rauften noch die bayrischen Ers. Bataillone nebst 11., 14. R. und dort neu erschienene 15. L. W., jetzt als 3., 5., 1. bayr. Ersatzregiment der 39. D. umgebildet. Am 3. Oktober standen noch Reste 14. R. K. südlich St. Dié, bis 20. noch 110. badische in festem Kampf bei Nossoncourt; sogar ein Teil 31. Saarbrücker Artillerie feuerte noch bei Moyen, 8. bayr. L. W. vor Luneville, 12. bei Maix nebst 12. Art. Bei Thiaucourt, wo ein Oberst der 9. Ersatz Brig. fiel, bei Flirey-Essey, wo 5., 6., 7., 8. pommerschen die badischen Ers. Batl. unterstützten, bei Champenoux, gegen das man von der Seille (60. R.) und Montfer wieder anging, erneuter Kampf. 3. bayr. K. verteilte sich auf Apremont und Buscerolles nordöstlich Toul (7., 14., 19., 21. Rgt., 7. 6. Art.) und auf Mihiel (6., 11., 10.), von wo 1., III/13. nach Valenciennes zur 5. R. D. abbefördert, während vorerst sogar I/1. mit 3. Fußart. bis 29. vor Toul verblieb. Solches Auseinandertrennen von Einheiten zerreißt unnötig die Kommandoverhältnisse. – Die Franzosen haben recht, daß am Brückenkopf Mihiels, Vorstadt Chauvoncourt, heftiger Kampf wogte; aus deutschem Bericht nicht ersichtlich, wohl aber aus V. L. Bei Bois Brulé bis Toul hin lag 10. Inf. in langem hartem Kampf nebst 2. R. Jg., 4., 15. R., 2. Art., 3. P.; vor Mihiel und Lionville noch 56., 57. Bad. Ers. (als »28. Ers. Rgt. mit 3. b. R. Brig. als 30. D.« vereint), 20. L. W., 2., 8. R. Art., 27. P. des Saarbrücker Korps, Magdeburger L. W. P. Gesamteinbuße von Altkirch bis Mihiel 13 500; im ganzen die Lage seit 10. Sept. wieder hergestellt. Dubails 16. K. ging um Monatsmitte nach Ypern ab. Im Woevre 8. K. und Kav. K. Sarrails von Marcheville bis Combres am 23. zurückgeschlagen durch Lothringer und Magdeburger L. W., 7., 19. J. des 3. K., besonders 15. R. K. aus Aulinois und Maucourt. Noch zeichneten sich hier nicht Dubails künftige Gewaltstöße ab. Summa 2800. Dagegen waren bei Mudra, während 5. R. K. nördlich Verdun außer Schußweite blieb, Stoß und Rückstoß viel härter, als man nach deutschem Bericht glauben sollte. Besonders für 144. (1000); 135. verteidigte bis 13. den Maasübergang Dannevaux. 10. F. A. feuerte gegen Four de Paris, 20. P. schanzten südwärts am Wald Consenvoy, 6. B., 124. W., 83. Hess. L. W. unterstützten bei Cheppy. Schlesier sehr unbehelligt; tiefer konnte der Verlustsatz nicht sinken, nur 11. Grenadiere verloren 600 bei Vorstoß über Varennes. 27. D. vertrieb den Feind von verschanzten hohen Bergrändern. Summa 7900 inkl. 21. hess. und Teile 22. sächs. P., die in den Argonnen hängen blieben. Obwohl die Schlesier früh Feierabend machten, erhielt die neue Argonnenarmee Gerard (2., 5. K., 1. Kol., 1. Marine D.) im Bergwald noch grausame Lehren. Die Wacht an den Argonnen war wohlbestellt; der Kronprinz schickte sich an, die kunstgerecht aufgebaute Stellung bei Vienne anzuschneiden. Stegemann ist so schlecht unterrichtet, daß er 5. R. K. hervorhebt, das noch weniger focht als schon im September, und es an den Platz des 5. K. versetzt. Auch irrt er sehr, wenn er die andauernden Kämpfe um Ailly- und Priesterwald zu den blutigsten des Feldzugs zählt. Hier werden spätere Vorgänge verallgemeinert, auch bei Flirey. Beim mäßigen Verlust in der Maasebene ist kaum möglich, daß Dubail schon Ende Oktober über Pont à Mousson in den Rücken fiel. Zwischen Mihiel und Apremont entstand freilich ein permanentes Leichenfeld auf französischer Seite, doch die Bayern hatten noch keinen aufreibenden Dienst. Wie 26. D., 6. P. und reitende Abt. 21. Art. nach Ypern abgingen, so zur Westfront die Garde, von der am 10. noch Kompagnien I/II/4. volle 12 Mann bei Sillery verloren und Leipziger, von denen Bruchteilchen des 104., 134., 139. bei Auberive noch ein Weilchen verblieben. Umschau und Überblick der Mittelfront ergibt, daß sie sich beiderseits sehr verdünnte und wenigstens in der Champagne nur noch Stellungskrieg gestattete. Hier saß Langle im Wurstkessel, durch peinliches Festkleben unter überhöhender Beschießung. Artilleriekampf hier stark, 23. Art. verlor 8 Off., 80 Mann, wie auch 13. Art. in den Argonnen 95, sonst mäßiger Verlust. 2350 Rheinl., 950 von R. D. Kassel, die allein noch die beiden Hessenkorps hier vertrat. Bei Sillery 62., 63., 23. Schlesier 245. Hier scheint auch das vielgeprüfte 91. R. (1400) verlustreich mitgewirkt zu haben. 92. Inf. am andern Flügel der Reimser Stellung bei Courcy (1500). Sonst ziemliches Schweigen der Listen, also Schweigen ernsten Kampfes. Mit 3900 Hannoveranern und ganz wenigen Sachsen betrug der Gesamtverlust von Servon bis zur Aisne rund 7700. Auch hier Durchkämpfen lokaler Erfolge, Langle wich aus Mesnil und Ville s. Tourbe. An der Aisne lösten die Dresdener (2400, besonders 101. Inf., 12., 48. Art.) jetzt die Elsässer ab, die zu anderweitiger Bestimmung abgingen, doch teils bis 13., teils bis 27. noch dort beließen: 126. bei Bouconville (742 in zwei Listen), 99. bei Heurtebise usw., auch halfen noch Gardepioniere dort aus. Bei Courteron-Cerny nur 16., 56., 53., R., 16. L. W., dagegen in der Anfangswoche noch 159., 16., 53. Inf., 7. P. bei Aquilcourt, 15. Inf. bei Condé. So wenigstens lasen wir die V. L., jedenfalls trafen die genannten Teile 7. K. damals noch nicht im Westen ein. Selbst beim 3. K. (4 Batl. nach Flandern ab) ging es ernster her als im September, der H. B. erwähnte nur, daß man am 30. das ganze Vaillyplateau dem Feind wieder entriß (1250 Gefangene). Dies taten Teile beider Divisionen, 24er, I/III/48er, während das vom H. B. hervorgehobene Leibrgt. anscheinend Null verlor, doch mögen hier Novemberlisten in Betracht kommen. Auch 76. Hanseaten immer noch bei Vailly von 9. K. getrennt. Es gingen noch andere Abwehrkämpfe bei Soupir und F. Condé vorher, auch blieben noch Teile der 3. Pommern D. bis 22. bei Vregny. Summa an der Aisne 9800, die Franzosen bissen sich die Zähne aus, und erzählten Unheimliches von unterirdischen Festungen. Wie aus Front Reims–Aisne 7., 15. K., war 4. K. aus der Morsain-Linie weg. Spärlich weit ausgereckt, deckten hier 7. R. D., Hälfte 149. 9. K. südwestlich bis Aurin, Tracy le Val, 3. Ar., 48. entsendet nach Carlepont, 9. R. K. bei Roye, wo 36 vom Stab der Flensburger Brigade bluteten und 90. R. allein 1440 verlor, bei Lastigny 9. R. Jg., 46. R. Kav. Ludwigslust sowie 25. Drag. (150), 15. Drag. der 7. Kav. D. Bei Ognolles die Frankfurter D., bei Roye–Lambron 22. R. D. Summa dieser Kämpfe inkl. 18. P. 6800. Die Pommern verteilt vor Noyon (53. Art.), Crapaumesnil und Beauregnes (49.) bis Amy und Loges (140., 149. Inf., 38., 17. Art.) sowie noch westlicher bis Adinfer (14.). Die 3. D. mischte sich mit 34. und Teilen 42. ein, marschierte dann am 25. zur Lys ab, 4. D. folgte im November. Als ob die Pommern die Geringfügigkeit ihrer Anfangsverluste im Sturmschritt einholen wollten, bluteten hier 4500. Dazu Ersatzregiment Hameln bei Amy 440 und 9. Jg. bei Beaureignes 728. Somit Gesamtverlust von Altkirch bis Roye rund 54 000. Wobei Lothringer (4700) und Pommern (5250 inkl. 149. am Morsain) den größten Korpsverlust hatten. Die Franzosen, denen noch Angriffsfieber im Blute steckte, litten unverhältnismäßig mehr. Viel blutiger gestaltete sich aber das Kriegsbild längs der neuen Westfront, ruckweise zusammengefügt, während die Süd- und Mittelfront lange zu episodischer Nebensächlichkeit herabsank. Der Feind hatte noch ein Interesse daran, Risse in die eiserne Mauer zu stoßen, die Nordfrankreich umklammerte, doch die Deutschen dachten nur daran, sich so zu sichern, daß man dauernd Kräfte nach Rußland abdampfen ließ. Progrès Militaire gestand Hilflosigkeit vor deutschen Masch. G. oder 21 cm Haubitzen, sauber versteckt auf holzreichen Höhen oder in Weinberge eingegraben. Eine andere Form des Stellungskriegs begriff zuerst der deutsche Kronprinz in den Argonnen, dessen Pioniere sich unverdrossen mit Minen und Handgranaten vorarbeiteten durch fünffache Drahtverhaue, im Zickzack angelegte Laufgräben, Schanzen mit mehreren Stockwerken, unterirdischen Batterieständen, verdeckten Rollbahnen zwischen den Waldforts. Scharfschützen in Körben an Baumgipfeln mußte man ausräuchern wie eine Affenbande im Urwald. Gegen alle Künste französischer Erfindungsgabe griff der Kronprinz zum Spaten und erwarb so, nachdem er vorher nur am Nordring der Argonnen hing, die beherrschenden Vauquoishöhen der Ostseite. Noch belagerten sich aber beide Parteien nicht wechselseitig zwischen Amiens und Lysfluß, wo noch Bewegungskrieg sich abspielte und Fachs operative Kolonnenmärsche von 40 km pro Tag auf deutsche Parallelmärsche stießen, so daß unsere Gegenlinie automatisch auf gleiche Weite wuchs. Auf Prinz Rupprecht richtete sich jetzt alle Hoffnung. Seine bisher bis Peronne nordwärts umgebogene Linie spaltete sich, um die neue 1. A. (Garde, 2., 4. K.) einzulassen, Kavallerieverbindung bis Mercatel, während bayrische R. D. nördlich bis ins Scarpetal verlängerten, bei Douai und Cambrai ausgeladen. Zur Deckung dieses Aufmarschs plänkelte nordwestlich nach Lens die Reiterei Richthofen, während Teile der 10. A. Maudhuy schon bis zum Basséekanal ausschwärmten und French sich bei Bethune sammelte, am 1. plötzlich aus der Aisnefront sich loslösend. Schon am 8. schien Überflügelung durch die Verbündeten sich bis nordöstlich Lille zu erstrecken, als plötzlich 19. K. bei Lille auftauchte und diese Festung dem Feind vor der Nase wegschnappte. Etwas später hing sich dort 25. R. D. bei Armentières an und 2. A. schob sich allmählich ein. Doch verfügte Bülow nur über 7., 14. K., sein Tatendrang blieb daher unbefriedigt, als ob Falkenhayn nachträglich doch ein Haar in Bülows Suppe der Marneschlacht gefunden habe und den später gespendeten Marschallstab als genügende Abschlagszahlung für zweifelhafte Verdienste betrachte. Indessen wurde seinem Hauptquartier St. Quentin später auch Leitung der Südgruppe (1. bayr., 21. K., 14. R. K.) anempfohlen, da die 6. A. nordwärts umgebildet wurde. Inzwischen hob Joffre neue Jahrgänge aus. 200 000 Mann Ersatz mußten sogleich nach Paris, weil »am 6. Okt. großer Verlust« bei Roye und Hattoncourt–Chavatte. An diesem gefährlichsten Posten der Wetterecke knickte unsere Front nicht ein, doch konnte sie auch nicht wieder die französische auf Compiegne zurückrollen. Wie man die Skelette vieler deutscher Regimenter immer wieder aufpolsterte, entzieht sich unserer Kenntnis, jedenfalls erschien als neue Verstärkung im Westen nur 24. R. K., das eine hessische Brigade neben den Westfalen bei Aubers aufstellte, sowie die aus Freiwilligen hergestellte 6. bayr. R. D. in Belgien. Wer die eindringliche Bewegung im Westen aus Vogelperspektive hätte überschauen können, der hätte die strömende Waffenflut bald zu Eis erstarren gesehen. II. Von der Somme bis zur Lys. Am Südende gewährte 25. D. bei Parvillers nur kurze Unterstützung, tat dann einen großen Sprung zum Nordende der Schlachtlinie, wohin sich alle Aufmerksamkeit lenkte, daher der dürftige H. B. uns völlig im Dunkel läßt über heftigen Kampf der Saarbrücker schon bis 8. bei Chavatte (166., 60., 174.), Fronsart (137., 138.), Chilly (70.). Von Quesnoy dehnte man sich über Lihons aus, seitwärts begleitet von 70. L. W. Verlust 4000. Billigerweise beachten wir die unaufhörlichen Blutopfer dieses braven Korps, das sich später in Rußland besondere Lorbeeren holte. Die verstärkte 1. Münchner Division (man sollte nicht immer von 1. K. hier reden; 2. D. trat südlich der Somme bald ganz in Reserve) machte bei Lihons den Saarbrückern Platz und nahm den früheren der Pfälzer bei Maricourt ein, nördliche Verschiebung über Peronne, denn das 2. bayr. K. befand sich in allmählichem Abmarsch zur Lys. An 3. 20. bayr. Inf. bei Bray schloß sich 39. R. an, nordwestlich davon drang 26. R. D. auf Thiepval vor, wobei das Tübinger Inf. Rgt. von 6.–8. bei Richecourt blutig kämpfte. Erst spät erschienen Teile 28. R. D. Weiter nördlich befanden sich noch Pfälzer 23er bei Herbecourt bis 27. im Kampf, 9. bei Longeval, 17., 22. nebst 2. P. fühlten sich von der Arrasschlacht magnetisch angezogen und machten dort Station. Nur 18. zog schon am 7. von Heudoucourt ab, erst am 24. erfolgte Aufbruch zur Lys. Es ist schlechterdings ausgeschlossen, daß außer 5., 18. Inf. dies Korps vor 1. Nov. vereint bei Ypern focht. Gesamtverlust aller vom Südende bis nördlich der Somme Fechtenden 11 500, (3850 Bayern vom 1., 2. K.). Castelnau will durch mächtigen Gegenangriff Linke und Mitte der 6. A. gefesselt haben, ihn von Maunoury abzusprengen gelang nicht. Zwischen Ancre und Oise floß viel Lebensnaß dahin, doch selbst die größere Schlacht bei und um Arras fand nicht so viel Aufmerksamkeit, als ihrer Bedeutung entsprach. Denn das Auge des Vaterlandes ruhte vornehmlich auf den mit teurem Blute gefüllten Becken der flandrischen Ebene. Unsere ununterbrochen nordwärts geschobene Linie ließ eine Lücke südlich Arras. Sobald sie von Garde und Armin gefüllt, stand jetzt die Front straffgeschlossen bis nordöstlich Arras, doch von dort bis zur Lys war noch alles leer. Das in zwei Staffeln verladene 7. Korps mußte sich teilen, eine Gruppe nördlich werfend, eine andere nach Souchez zur Speisung der Arrasschlacht. In der leeren Mitte zwischen beiden wendete sich Kav. Richthofen nach Bassée, während Marrwitz nur 2. Kav. D, südlich beließ, wo 2. Kür., 12. und Leibhusaren bei Adinfer zugleich die 40. Art. Armins bewachten. 4., 9. Kav. D. nebst 4., 10. Jg. waren schon an der Lys, das neue Kav. K. Stetten (Bayr. und 3., 7. Kav. D. nebst 1. bayr. 6., 9. Jg.) desgleichen. Erst in der zweiten Monatshälfte entspann sich hier, was die Entente »Schlacht bei Lille« nennt, der Name deckt sich nicht ganz mit der Lage. Dagegen erhob die Arrasschlacht schon früh ihre furchtbare Stimme, während südlich davon Castelnaus Kampf mehr und mehr einschlief. Er verlor ganz das Sommetal – hier gleichsam für größere künftige Schlacht vorgetauft, wobei die Allgäuer 20er sich ebenso auszeichneten, wie im September die »Leiber« – und wollte umsonst bei Albert die Flanke anfallen. Die Württemberger R. D. hielt ihn rechtzeitig auf und bezog fest den Ehrenposten an der Ancre. Inzwischen überbrückte Armee Maudhuy die Lücke zwischen ihm und French, Castelnaus Linke bekam aber wohl noch mit neuem Feind zu tun: Das auf St. Quentin basierte Korps Armin kam nordwärts angriffsweise Maudhuy entgegen, der den Pfälzern und bayrischen Reserven in die Weiche fallen wollte, südlicher aber schob sich schon die Garde ein. Mit ihrer Linken verband sich 1. bayr. F. Art. bei Pusiaux, diese verlor 140 und 3., 4. G. Art. 152, der Geschützkampf war also hart, während 2. G. D. dort bei Achiet und Ficheux weit weniger litt als ihre Schwesterdivision bei Hebuterne und Gommecourt. Hier erschien 2. G. am 2. zuallererst auf dem Kampfplatz und reichte später nebst 2. G. Art. (98) bei Les Essarts der 8. D. die Hand. Die Garde verlor 5000, doch der Zusammenstoß bei Armin wurde sogleich viel mörderischer. Bis 14. verloren 66., 165., 153. schon 2750. Der über Mercatal angesetzte Stoß stockte, doch Armins Rechte drang mit gewaltigem Anstoß über Croisilles bis Ecurie südwestlich Arras und bis Neuville ins Weichbild der Festung, gegen welche 75. Art. (99) kräftig donnerte. Das kostete 7200, größter Korpsverlust im Oktober. Es befremdet, im amtlichen H. B. so wenig von solcher Tat zu lesen, man gewöhnt sich aber daran, daß man sich nie aus H. B. ein richtiges Bild machen kann. Da General v. Plettenberg bald mit 1., 4. G. Brig. nach Ypern abging, so blieb die ganze Strecke südlich Arras fortan Armin überlassen. Seine Rechte faßte schon Fühlung mit den Bayern in der südöstlichen Vorstadt St. Laurent, er nahm die Festung unter schwere Beschießung mit großen Brandschäden. Weithin Flammenschein, Kanonenkugeln flogen in die Zitadelle. Seit 3. raste hier die Schlacht und fraß um sich wie ein Waldbrand, da immer mehr Bayern nördlich der Scarpe eindrangen. Zunächst setzte sich 13. Inf. (siehe früher) bei Thelus fest, 10., 13. R. über Bois Bernard, 3., 12. R. dehnten sich südlicher bis Vimy, Atbis, Neuville, wo 1. R. F. Art. bei Farbus auffuhr, 7., 6. R. am rechten Flügel bei Souchez. 5. R. Art. verlor dort 155, der Kampf war so heftig, daß zuletzt plötzlich die Mindener Brigade der 13. Westf. D. einspringen mußte, was keine Darstellung erwähnt, so undankbar bei deren großer Einbuße. Durch ihre Hilfe versagte Maudhuys Vorstoß zwischen den Straßen nach Lille und Bethune, nur seine Artilleriestellung gebot deutschem Gegenstoß Halt, der schon Ablain–Carency in seine Gewalt brachte. Bis 22. verebbte hier die Schlacht. Sie begann damit, daß 5. R. D. den Vimyrücken mit 9. und das Straßenkreuz westlich Arleux mit 11. Brig. nahm. 7. R. Bayreuth drang zuerst über Vimy durch, »zumeist ohne Schuß«; mit dem Bajonett überrannten Nordfranken und Ingolstädter um Mitternacht zum 5. die Turkos der Orandivision. Inzwischen ging 1. R. D. mit Münchner Brig. auf Atbis, mit Brig. Augsburg auf Roclincourt. So bildete sich eine 18 km lange Front, gegen die erst seit 8. feindliche Gegenwirkung einsetzte. Man trotzte ihr so zuversichtlich, daß 3. R. Kav. Straubing sogar schon bis Lorettohöhe 2 km nordwestlich Souchez preschte, bis zu deren Fuß 6. R. folgte. Bei Carency trotzten 7. R. und Westfalen opfervoll einem großen Gegensturm. Am Südflügel brachen die Münchner gegen Wegkreuz und Höhen bei Maison Blanche vor und schlugen noch am 27. bei Roclincourt eine Brig. Senegalneger nieder. Daß diese, »etwa 6000«, von 2. R. »fast völlig aufgerieben« sei, übertreibt wohl der etwas selbstgefällige Bayernstolz. Um Lorettohöhe ist nicht, wie man meint, schon im Oktober gerungen worden. Weithin flammte Feuersbrunst der Zitadelle, als 1. R. nach dreitägigem Raufen am Rathaus des Vororts St. Laurent die Löwenfahne aufsteckte. Mehr Hervorhebung laut Verlust verdient aber 13. R., dessen stürmischem Andrang bei Targette der Feind in Neuville erlag, und 2. R., dem man am 23. das blutbeströmte Weiße Haus östlich Roclincourt überlassen mußte. Beim linken Flügel halfen die früher genannten Pfälzer Teile mit, bei Athis die endlich abgelöste wackere 35. L. W. Verlustsumma über 8000 (1962 Westfalen), Gesamteinbuße der Arrasschlacht 20 300. Die bayrischen »Reserven« warfen den Feind mit einer Tapferkeit, die alles Bisherige bayrischer Aktivtruppen überbot. Das Blutopfer entsprach aber nicht dem lokalen Gewinn, so lange Maudhuy die Waldschlucht nördlich Loretto-Höhe behauptete. Dieser martialische Herr wollte umsonst einer Überflügelung nördlich und südlich Arras offensiv zuvorkommen mit seinen 8 Divisionen: 21. K. Linke bis Bassée, 11. K., 45. D. Mitte, 33. K. (3 Res. D.) Rechte. Sein Unterführer Petain, auch ein »neuer« Mann mit jüngeren, neueren Truppen, schlug sich brav gegen so erstrangige »alte« Armins und der Garde. Der kleine, schneidige Castelnau hielt seine Front an der Ancre noch fest zusammen, obwohl er 9. K. nach Ypern schickte und mit 4. K. seitwärts Maunoury half. Viel zu viel deutsche Kräfte waren zwischen Roye und Ancre gebunden, es war höchste Zeit, daß 2. K., 25. D. dort losgelöst wurden. Schon früh lief die Kunde ein, daß die Leipziger Lille erstürmten; der Gouverneur mit 4500 kapitulierte. Die nicht als Festung, aber als Industriezentrum wichtige Stadt nahmen nur Teile der Brigaden Löwensprung und Saydewitz; wesentlich warfen nur Bataillon Süßmilch vom 181. und eine Batterie 69. Art. die Garnison nieder. Der ganze Spaß kostete dem 139., 179. nur 452. Hier blickten auch 300 braune Spahis in roten Burnus neugierig auf die Nordländer, denen sie ihre Säbel aushändigten. Übrigens machten auch hier Bayern sich verdient, nämlich Ulanenrittmeister Fürst Wrede durch kühnen Aufklärungsritt und der aus Prinz Rupprechts Stab entsendete Generalstäbler Major von Xylander durch selbständig kühne Befehle. Schon früh durchritt die Bayrische Kav. D. die Umgegend und plänkelte nach Belgien bis Courtrai; ihr folgten 6. K. D. mit zugeteilten 1. b. R. Jägern und 3. K. D. mit I/1. R., welche bayrischen Fußtruppen leichte Gefechte hatten im Verein mit der hier auftauchenden L. W. Brig. Schulenburg. Am 7. streiften deutsche Reiter bei Dickebusch und Kemmel vor Ypern. Prinz Rupprecht beabsichtigte mit klugem Feldherrnblick, sofort seine Rechte bis nach Kemmel zu werfen, doch die O. H. L. hielt ihn davon ab; verhängnisvolle Kurzsichtigkeit. Die Leipziger, hintereinander in Teilen eintreffend (II/134. schon am 2., 179. erst am 12.), bauten mit unglaublich rascher Flottheit die Nordecke der Westfront aus, kaum daß sie in der Champagne abbauten. Gegen sie befand sich das 3. engl. K. (3 Div.) im Vormarsch; kam zum Entsatz zu spät, eröffnete jedoch scharfen Kampf nordwestlich Lille bis zur Lys. Bis zur Ankunft der Sachsen war die Besetzung der Nordlinie äußerst dünn. Zunächst schlug sich nur Richthofen in den Bergwerken von Lens und bei Bassée herum, er erreichte den Zweck: als er die Front freimachte, nahte endlich die Vorhut der Badenser. Richthofens Verlust war nicht so schlimm, wie Stegemann gruselig macht, auch focht die Gardekavallerie nicht allein, sondern bei ihr waren fünf Regimenter von andern Unterteilen (4. Drag, verloren ihren Obersten), sowie 17., 27. Pioniere des Saarbrücker Korps (200) und 1. G. A. (130) inkl. reitende Batterien von 8., 15. Art, betrug bis 14. die Gesamteinbuße des zweimaligen Gefechts 813, wovon nur 325 Reiter, hielt sich also in mittlerem Maß. Abgesessene Reiterschützen, deren Masch. Gew. aus Bergwerkgängen sprühten, und Gardejäger hielten sich rühmlich gegen eine Alpenjägerbrigade und schlugen schon am 12. die anrückende 15. englische Brigade. Als Teile 21. K., linke Schulter an den Bassée-Kanal gelehnt, gegen Richthofens Linke vorgingen, riß ihn Eintreffen der Badenser heraus. 28. D. hier die übliche Verwechselung, nur deren Vorhut, die verspätete Masse kam nur regiments- und bataillonsweise an. So 114., 142., bis 21. am rechten, 169., II/170. am linken Flügel, II/170. litt sehr, wie stets isolierte Einheiten. Erst nach 20. rückten 40., 113., später 142. nordwärts zum Anschluß an die Westfalen über Loos und Lens nebst 14., 30. Art., 14. P. Die Westfalen waren früher da, doch nur vier Regimenter deckten zunächst die lange Strecke von Lievin, wo 8. Husaren plänkelten (3. 34), bis Festubert. Wir sahen, daß anfangs Oktober noch Teile bei Reims standen. 13. J. traf erst am 16. bei Lievin ein; Teile 53. vor Bassée. Als die erste Staffel der Badenser dort erschien, marschierten die abgelösten Westfalen nach Richebourg nördlich Bethune, wo 16., 56., 158. nebst 7. P. (105) bei Givenchy einen wahren Heldenkampf gegen das von St. Omer aufgerückte neu aufgefüllte K. Dorien führten, Hier bluteten 3375, bei Lievin 1500 (inkl. Souchez 6850 Westf.). Die drei angelangten Regimenter der 13. D. hatten zwischen Souchez und Angres einen recht einsamen Aufenthalt, bis sie nach Ankunft der Badenser sich den ebenso im Norden vereinsamten drei der 14. D. gesellen durften. Das erklärt den großen Verlust, prozentual noch größer als bei den Magdeburgern, da noch mindestens 10 Batl. fehlten. Den im September schon so Hartgeprüften schuldet man besonderen Dank für ihr opferwilliges Einspringen. Übrigens half ihre 22. Art. bei Arras–Vimy, 43., 58. Art. entsendet nach Seringhem zu den Leipzigern. Tapfer zogen hier auch 11. hessische Jäger auf Posten (228) und ließen sich Richebourg nicht entreißen. Dagegen wäre nördliche Flankendeckung bei Aubers durch 221. Res. Darmstadt, 223. Frankfurt belanglos geblieben, wenn nicht die Leipziger rechtzeitig zur Seite traten. Die Badenser hatten es leichter, da sie schon eine etwas eingerenkte Lage trafen, doch sind von ihren 30 Batl. nur 20 in V. L. ersichtlich. Da sie notgedrungen so lange in Lothringen verweilten, kamen sie später als alle andern und natürlich bruchstückweise an. 28. D. zog sich mit Rückschwenkung links an die Bayern heran, Gefechte bei Lorgies-Noulette, bis wohin am 18. schon die 13er vorgerückt waren, waren hitzig genug. 29. D. zog sich möglichst weit rechts zur Verbindung mit den Westfalen. Zwischen beiden Flügeln erstürmten III/112., I/109. und anlangende Teile von 110. Vermelles, die Rechte nahm Bassée, worauf sich alles über Hulluch und Loos bis Festubert durchrang. Hier bluteten 3650, auf der schwächeren linken Seite 2350 inkl. 50. Art. Der Erfolg war groß, Maudhuys Linke und Doriens Rechte mußten das ganze Kohlenrevier verlassen, umsonst strengten Engländer sich an, das zerschossene Bassée zurückzugewinnen, man jagte sie in die Flucht über den Kanal. Zeitweilig ließ Maudhuy auch die in Trümmer geschossene Lorettokapelle, Wallfahrtsstätte auf beherrschendem Plateau nördlich Arras, am Monatsende fahren, weil die deutsche Kanonade vom Vimyrücken unerträglich wurde. Doch nur einige westfälische Schützenschwärme erklommen die Plateauränder; an den Ostausläufern feuerten zwei bayrische hinaufgeschleppte Geschütze, die Iliade dortiger Kämpfe begann viel später. Gardejäger dorthin versetzen ist grober Irrtum, sie fochten damals schon im Lysgebiet. Die Reiterei war nämlich nach Richthofens Abzug nicht müßig geblieben, 6. Jg. der 3. Kav. D. unterstützten den Angriff auf Arras, Stettens 7. und bayr. Kav. D. warfen sich der nach Ypern vorbeiziehenden Reitermasse Mitry-Conneau entgegen. Letztere behauptet, sie habe Marrwitz an die Lys geklemmt, die deutsche Reiterei umgekehrt, sie habe den Feind geworfen, ihm zahlreiche Gefangene abgenommen. Dies soll schon am 10., 11. geschehen sein, bei Hazebrook, welcher Name aber in den V. L. nicht vorkommt, sondern Neuve Chapelle. Dort belästigte 9. Kav. D. die linke Flanke Doriens. Dort und bei Laventie bluteten 240 Reiter, dazu 140 von 10. Jg., 10. R. Jg. Den Verlust der 1., 2. bayr. Schweren Reiter können wir nicht hierher rechnen, sondern zu späteren scharfen Lysgefechten. Übrigens ließ 7. Kav. D. ihre Württemberger Dragonerbrigade bei Ognolles, obschon 9. Jg. von dort mitkamen. Jedenfalls sollte man nicht auf »Hazebrook« stolz sein, der Zweck wurde gänzlich verfehlt, man ließ K. Haigh vorbei nach Ypern und sperrte auch Mitry nicht von der Lys ab, auch Kav. K. Allenby zog unbehindert nach Messines südlich Ypern. Das Kavallerie-Oberkommando Marrwitz verlegte sein Augenmerk ganz östlich ans Lysufer, die Bahn nach Norden blieb für die Verbündeten frei. Bamberger Ulanen und 6. Bayreuther Chev. setzten freilich bei Merville der 7. franz. Kav. D. scharf zu, im Ganzen mußten aber die bayrische und auch die 3., 6., 7. Kav. D. hinter die Lys ausweichen. Zunächst lag der in großem Stil gehandhabten Operation ob, den Aufmarsch des 7., 14., 19. K. zu schirmen, dies gelang, doch umsonst prallten die Geschwader früh und weit vor, erst bei Monatswende überschritten sie teilweise wieder die Lys, als der Feind deren Nordufer schon längst innehatte, jede Aufklärung über die Lage bei Ypern wurde verabsäumt. Zwar steht in den V. L., dieser Stenographieerklärung der Wirklichkeit, daß 13. Drag, ausgerechnet am 13. in Ypern einrückten. Doch 13 ist nun mal eine Unglücksnummer, diese unbekannte Episode zerrinnt in Nebel. Kav. K. Richthofen nebst Gardejägern näherte sich jetzt gleichfalls nordwärts der Lys. Inzwischen befanden sich die Leipziger im flottesten Vordringen. Ehe das englische 3. K. Poultenay längs der westfälischen Flanke vorbeikam, war 40. D. schon da, die nördlich von Lille vorbeiging. Am 18. warfen 104., 133. die englische Vorhut bei Frelinghem, 106. wandte sich nordöstlich nach Rue de Bois, 24. D. brach von Lille so rüstig auf, daß die Engländer bei Ennetieres, südwestlich bei Promesque, Pont Rouge, Epinette gründlich geschlagen wurden, dann nördlich nochmals bei Radeghem. Hier wurde der Erfolg kostspielig: 179., 181. verloren 1290. Seit 21. stellten sich als Schutzwehr der westfälischen rechten Flanke die 13. Jg. (280) bei Epinette auf. Die Briten verloren 2800 Gefangene, 8 Geschütze, und wo sie angeblich in einem Graben eine sächsische Fahne auflasen, wissen wohl nur die Götter Altenglands. Sie bis nördlich Bethune zurückzuschlagen, kostete den Sachsen nur 3200 (inkl. Lilleverlust), doch bisherige Darstellung verschwieg, daß sie bei dieser erheblichen Dienstleistung ganz gehörig von Hessen und Württembergern unterstützt wurden. Die 26. D., die man erst bei Messines im Feuer denkt, marschierte in der sächsischen Schlachtreihe auf und an deren rechten Flügel griff 25. R. D. bei Armentières kräftig ein. Hier erschienen aber auch 168. J.; 83. R. als Linke der R. D., sie fochten in dem Weißen Holz und bei Radeghem, vereint mit der Stuttgarter D., die über Englos, Château de Flanders am 27. bis Aubers vorkam. Außer diesen sechs Regimentern, die den Sieg der Sachsen vollenden halfen, fanden sich bei Lille seltsamerweise noch 76., 119. R., 87. L. W. und anscheinend auch Teile 76. L. W. ein, ein unnützer Aufwand zur Bewachung Lilles. Nun stand Poultenays Linke schon am Lysufer, in Verbindung mit Allenby, den zahlreiche Artillerie und Riflemen verstärkten. Sie wollten den Hessen den Aufenthalt am Ufer verleiden, bei Le Quesnoye entbrannte ein mörderisches Gefecht, das natürlich auch die amtliche G. St. Schr. über Ypern nicht kennt. Gottlob sind wir da, um den Verdienst zu historischem Recht zu verhelfen. 25. R. D. und vor allem das aus Parvillers am Südende der langen Front hierhergeworfene 116. J. (1900 bis 2.) behaupteten sich heldenhaft unter Strichfeuer der englischen Massenbatterien. 116. R. vereinte sich am wichtigen Lysübergang Warneton mit 106. Sachsen, begleitet von 77. Art., die von Farm Cholera über ein langwieriges Reitergefecht bis Werwicq wegfeuerte. Hier hatten die Hessen schon zwei aktive Feldart. Reg. und zwei Fußart. (3. Mainz, 22. Kassel), denen Fliegerwurf auffälligen Schaden tat. Mit 4500 Toten und Verwundeten erkauften alle anwesenden Hessen ihren ruhmvollen Anteil, wofür man sie wahrlich nicht mit Schweigen übergehen sollte. Totalverlust zwischen Angres und Armentières 22 000 (1100 Württemb.) Es tritt aber viel Reiterverlust hinzu. Die Übergänge Wervicq und Comines sperrten verbündete Geschwader, doch die Hauptmasse Mitrys, deren Vorbeizug Marrwitz umsonst anzufallen versuchte, marschierte schon längst im Weichbild von Ypern auf. Allenby besetzte die westliche Strecke im Rücken von Ypern vom Kemmelberg bis Messines–Douve–Plogstert. Noch aber klammerte sich Poultenays Linke bei Armentières fest, alles Übrige war weit zurückgedrückt über Erpinghem–Laventie–Rouge Croix nordöstlich Bethune, wo man sich auf gleiche Höhe mit den Westfalen vorarbeitete. Als French sein Hauptquartier in Bethune aufschlug, hatte er 7 engl. Div., 4 indische Brigaden. (Letztere natürlich nicht erst nach 4. August mobilisiert! Sie hätten sonst die Versammlung in Indien nebst Instandsetzung des Militärtransports für Pferde, Geschütze, Munition, sowie die Seereise bis Southampton oder Marseille, für einen Schnell dampfer 27 bis 30 Tage, in 56 Tagen erledigt! Ein Wunder, das dem ebenbürtigen der Senegalneger verständnisinnig die Hand schüttelt, denn die Afrikaner machten den kleinen Katzensprung von der Sahara bis Belfort in – 9 Tagen!). Jetzt war er eingeengt und mit der Linken festgeklemmt, Haigh und Rawlinson weit nordöstlich von ihm getrennt in notdürftiger Verbindung. Umgekehrt hielt Marrwitz für die Hauptsache, unmittelbaren Verkehr mit der 4. A. herzustellen. Als Ravlinson, der anstandslos Roulers östlich Ypern besetzte, auf Menin marschierte, machte er bald Bekanntschaft mit Kav. K. Stetten, das am frühesten (1. Schw. Reiter sogar bis Gent) über die Lys kam, 14. Husaren des Fürsten Schaumburg, 23. Hess. Leibdragoner streiften bis Menin, 1. bayr. Fußjäger hatten Gefecht bei Courtrai. Stettens Linke schlug sich aber noch westlich bei Comines mit feindlichen Geschwadern. Dort 9. Drag., 11., 15. Ul., 9. Hus., 4. R. Drag, in lebhaftem Getümmel, in das die bayrischen 2. Schw. R. 7. Chev. und Bamberger Ulanen eingriffen, während 4., 6. Kav. D. und Teile 3., 5. Kav. D. von Radeghem nach Warneton zogen. Des Kronprinzen 6. Kav. D., ohne 3. Fußjäger, stieß nämlich auch noch zu Marrwitz, 2. Kav. D. kam von Mercatel, auch sächsische leichte Reiterei verfolgte bei Steenwerk, 9. bayr. Chev. bei Baseville. Man nestelte sich an Mitrys Nachhut an, wo man ihrer diesseits der Lys auch habhaft wurde, bei Wervicq manöverierte reitende Artillerie geschickt auf dem Uferplateau der Farm Cholera, hier sind 4. Kür., 13., 14. Drag, erkennbar. Bis Warneton hin pirschten 4., 7. Fußjäger verlustreich (300), 4., 9., 10. Jg. waren als Rgt. Petersen vereint Stetten beigegeben, dessen 1. bayr. Jg. bei Estaires die 7. franz. Kav. D. abschlug. Bei 30 Off., 717 der bayr. Kav. D. offenbar die Jäger einbegriffen, da sie nur 242 Pferde verlor (Kriegsarchiv). Es ist indessen sicher, daß schon früher deutsche Schwadronen nördlich der Lys streiften, 8. Jäger zu Pferd melden für sich am 14. »Bailleuil«, auch 15. Drag. waren vielleicht bis 22. drüben, siehe früher 13. Drag. Jetzt schickte sich 25. R. D. an, auf Ypern vorzurücken, eine bayrische Vorhut überschritt den Fluß und Teile der Sachsen bezweckten über Woulverghem gegen den Kanal anzugehen. Mit 1900 Reitern, 800 Fußjägern der Kav. K. betrug somit Gesamtverlust der Westfront 56 500, dazu 3500 bis 18. in Belgien. Exkl. Flandernschlacht 114 000 Monatsverlust. Stimmt es, daß deutsche Schwadronen bei Ypern und Bailleul am 13., 14. ihre Vedetten hatten, so scheint ausgeschlossen, daß die O. H. L. nichts, so schlecht ihr sonstiger Informationsdurst war, vom Anrücken Haighs und d'Urbals am Ypernkanal erfuhr. Hinüberwerfen der zwei Hessen-Darmstädter Divisionen nach Armentières zu ziemlich früher Stunde scheint darauf hinzudeuten, daß man verschieden Glocken läuten hörte. So oder so hätte großzügige Leitung keinen Augenblick zögern dürfen, sobald man Antwerpens Fall erfuhr, Massen sofort in Richtung Bethune zu schicken. So viel wußte man in jedem Fall von Richthofen, daß nördlich von Maudhuy damals noch breite Lücke klaffte. Der gesunde Menschenverstand mußte sich sagen, daß es darauf ankam, den Erfolg Beselers und Ankunft der 4. A. möglichst rasch durch Verbindung über Lys und Ypernkanal auszubeuten. Wie anders würde sich die Lage entwickelt haben, wenn man – die Verspätung des 14. K. war vorauszusehen – Garde und 4. K. nicht südlich Arras, sondern nördlich davon auslud. Diese Kerntruppen hatten gegen Petain nichts zu suchen, während es reine Zeitvergeudung und Verwirrung gab, das 2. bayr. K. statt dessen nordwärts zu schicken. War es einmal südlich Arras, so mußte es da bleiben, zumal derlei Lösungen nie glatt gelingen, und wir ja 6 Pfälzer Bataillone noch unentwegt bei Arras im Feuer finden. Xylander genügte vollkommen, Petains Angriff abzuschlagen, die Saarbrücker und 14. R. K. desgleichen gegen Castelnau, übrigens konnte man die am Südzipfel sonst unnötige 25. D. in solchem Falle dort belassen, statt sie auf endlosem Umweg zur Lys zu befördern. Vielleicht weil sich dort die andern Hessen-Darmstädter befanden? Solche Kinkerlitzchen wären der O. H. L. zuzutrauen. Hätte man Garde und Armin sofort auf Lens eingedreht, so wäre Maudhuy von French abgedrängt worden, der dann entweder den Rückzug antrat und so die Fühlung mit dem Ypernheer verlor oder unter sehr gefährlichen Verhältnissen ausharren mußte, bis die dann förmlich im Rücken abgeschnittenen Ypernkorps sich über den westlichen Lyslauf retteten. Dann gab es keine Schlacht bei Ypern, die Yserlinie Dixmuiden–Nieuport wurde von Süden aufgerollt, French auf Dünnkirchen–Boulogne zurückgeworfen. Das wäre damals durchaus möglich gewesen, freilich gehörte dazu noch etwas anderes, nämlich rechtzeitiges Anlangen der 4. A., rasches Anrennen Beselers an der Yser. Doch nichts, gar nichts klappte einheitlich, nirgends brachte man Zeit und Raum in richtigen Einklang. Statt dessen setzte man Westfalen und Richthofen ungleichen Gefechten aus und ließ zu, daß die Verbündeten ihre Nordfront lückenlos schlossen. Es fällt schwer, solche Unzulänglichkeit feldherrlichen Überblicks zu verstehen. Vermutlich glaubte man, die eigene Front südlich Arras möglichst stark machen zu sollen, um einen taktischen Sieg zu erzwingen, der strategisch bei Arras geringe Folgen haben konnte und den Feind höchstens aus der Vorder- in eine Hinterstellung trieb. Diese Form, wobei die Arbeit immer von neuem anhebt, ist sehr beliebt, wo Begriffe fehlen. Immer Taktik, nie Strategie. Oder befürchtete man einen Rückschlag südlich Arras gegen die Pfälzer, so war dies völlig gleichgültig, falls man im Norden einbrach, Petain wäre dann von selber zurückgegangen. Man sage also nicht, daß sich derlei hinterher leichter überschauen läßt. Nichts da! Es lag klar auf der Hand, daß nach Fall Antwerpens die Entscheidung im Norden lag, man also sich dorthin nachschieben und die äußerste Eile anwenden mußte, um rasch auf Linie Ypern–Lys einen allgemeinen Flankeneinbruch zu übernehmen. Das könnte ein strategischer Anfänger sehen, doch was heißt hier Anfänger! Es gibt nur geborene Strategen mit natürlichen klaren Augen und solche, die weder Augen noch Ideen haben. Deshalb änderten Luftdienst und Telegraph nicht die wahre Aufklärung. Denn wenn sich frühere Feldherrn nur auf Reiterrapporte verließen, so wären diese unverständlich geblieben – ohne jene seherische Divination, die allein den Feldherrn macht. Die wahre Aufklärung sitzt im Gehirn des strategischen Denkers. Auch ist sie kein bloßer spontaner Genieblitz der Intuition, sondern einfach die Fähigkeit »schneller« zu denken als andere, doch viel richtiger, die ein Kriegskommissar an Bonaparte entdeckte. Dies schnellere und doch richtige Denken beruht auf Anwendung der Logik. Ein Sherlock Holmes würde ein trefflicher Stabschef sein, wenn er seine Detektivfunktionen auf Beurteilung von Kriegslagen anwenden dürfte. Der Einwand, man könne bei historischem Überschauen nachher leicht klug sein, entbehrt gleichfalls der Logik. Denn auch hier ists wieder das hellsehende Auge, was im Nebel absichtlich und künstlich vertuschender und »appretierender« Berichte die Dinge richtig überschaut, so daß man den Finger auf die erspähte Wahrheit legen darf. Theoretische Kritik ist divinatorisch geradeso schwer und so leicht, als das Handeln im damaligen Augenblick, wo man wenigstens zutreffende Meldungen erhält, die heute in den Archivakten schlummern und die ein Profaner nie zu Gesicht bekommt. Die Schlacht an der Neufront wurde wieder frontales Anringen, strategischer Fehlschlag. Daß Armin, nachdem er Petain weiteres Heraustreten aus Arras untersagte, ein gewaltiges Verteidigungssystem aufbaute, kräftigte nur spätere Offensive. Für so Unvollkommenes hatte man kostbare Kräfte vergeudet, die anderswo entscheidend gewirkt hätten. Übrigens nahm die Reiterei ihren Mund zu voll über ihre Aufklärungsarbeit. Die Generalstabsschrift »Ypern« bekennt nämlich offen, daß 2. Kav. K. sogar schon den Kemmel besetzte. 13. Drag. waren also wirklich schon in Ypern, siehe früher, wir finden sie später neben 9. Drag., 13. Hus. bei Warneton, wohin sie also auswichen. Wie tadelnswert statt ostwärts! Der 6. Kav. D. fehlte anscheinend die badische 28. Brig., doch 33., 45. Brig. waren stark genug, vollends 4., 9. Kav. D. mit ihren Jägern, um sich entweder gegen Mitry zu behaupten und Haighs Anmarsch zu belästigen oder ostwärts den bei Ladeghem stutzenden und anhaltenden Copper vollends zu verwirren und zu umgarnen. Wußte Graf Schmettow, dessen 6. Kav. D. hier wohl am nächsten in Betracht kommt, nichts vom Nahen Herzog Albrechts? In solche wichtigen Grundlagen müßte jeder aufklärende Reiterführer eingeweiht werden, damit er sich danach richte. Begriff der so befähigte Marrwitz nicht, daß ein Stand seiner Geschwader, Jäger, Batterien am Kemmel unschätzbaren Vorteil bot, den Ypernkanal möglichst lange zu sperren? Mußte man den Kemmel räumen – wir sehen nicht ein warum –, dann müßte das Kavallerieoberkommando wenigstens jedes vorzeitige Räumen der Kanalränder verweisen. Mochte es dadurch von der übrigen Reiterei getrennt werden, so wußte 2. Kav. K. doch wohl, daß Kleist über Gent im Anzuge war und 66. R. bei Stade stand. Im Notfall konnte es also nordwärts ausweichen und welcher Notfall drohte denn? Mindestens die Hälfte der verbündeten Reiterei wendete sich nach Werwicq gegen Stetten oder nach Warneton gegen Richthofen. Bridons Territoriale scheinen kaum vor 18. angelangt. Vielmehr ist wahrscheinlich, daß rascher Rapport aus Ypern die 4. A. aus ihrer Duselei aufgerüttelt und jedenfalls den unternehmenden Kleist sofort vorwärts getrieben hätte. Er würde belgische Spitzen aufgerollt und den Kanalkopf, Die Grachten, besetzt haben mit unberechenbaren Folgen. Leider achtet ein Abteilungschef auf seine eigene, nicht die allgemeine Lage. Doch woher sollte Marrwitz sie kennen, kannte die O. H. L. sie doch selber nicht! Die 4. A. rückte auf Roulers–Menin nicht, um eine Schlacht zu schlagen, sondern um sich mit Beseler und dem rechten Flügel der 6. A. zu vereinen, nichts schwante ihr von Feindesversammlung bei Ypern. Heißt eine Aufklärung! Wäre auch nur 33. Kav. Brig. (9., 13. Drag.) auf Langemark ausgewiesen, – statt daß das ganze 2. Kav. K. den Kemmel so lange als möglich wie recht und billig behauptete, – dann wäre 4. A. erst endlich alarmiert und in Eilmarsch gesetzt worden, um jene Stellung zu besetzen, die sie nachher blutig erkämpfen sollte. Die alte Geschichte: Widerliche unverantwortliche Rückzüge in falscher Richtung à la Bülow, wo Standhalten größten Erfolg versprach, oder verspätete nervöse Überhastung des Angriffes. Taktische Coups, die nichts einbringen, strategischer Bankrott. Es war alles falsch disponiert, weil die O. H. L. nur taktischen Gelegenheitschancen nachlief. Ihr Hin und Her macht den Eindruck überstürzter Verlegenheit. 25. R. D., 2. bayr. K. waren schon ziemlich abgekämpft, als sie den Sturmkeil auf Ypern aus Süden ansetzen sollten. 3. D. gleichfalls, 26. D. nur etwas weniger; jetzt sollte noch 15. K. im Gewaltmarsch von der Aisne anlangen. Daß diese der 6. Armee überwiesene Gruppe unter Fabeck aus den sich fremdesten Verbänden zusammengestellt wurde, wird wohl niemand als Vorteil erachten. Daß diese 7 Div. nicht alle Ende Oktober eingreifen konnten, sondern nur mit Vorhuten, lehrte ein Griff mit dem Kartenzirkel. Trotzdem möchte man uns dies einreden. Obendrein wurde die Anmarschstraße, wo die Verbindungsader zur 4. A. entlanglief, erst sehr spät geöffnet. Da jede Spur strategischer Berechnung fehlte, folgte die Riesenschlacht im Westen und Norden den einfachsten naivsten Grundlinien: Zunächst Entsatzbewegung Joffres für Antwerpen, dann beiderseitige Kraftbindung im Westen, um die Schlacht im Norden vor Eingriffen zu schützen. Der Berg, verwickelt umständlicher Umgruppierung, gebar eine Maus oder richtiger einen Rattenkönig von Unglaublichkeiten. Operation in Flandern. Wir verließen die engl. 7. D. Copper auf ihrer Irrfahrt ohne Rundreisebillet auf unbekannten Stationen. Sie stieß bei Stade auf 66. R. und anscheinend schon 18. R. J., schlug den Weg nach Ypern ein, hielt diesen Ort für besetzt, – was sehr zu denken gibt, – rückte ostwärts und stieß dabei am 15. auf 209. R. bei Ladeghem östlich Keiberg. Diesen Vorfall erwähnt die von Unklarheit und Unbestimmtheit strotzende amtliche Ypernschrift des G. St. natürlich nicht; er ist aber bemerkenswert. Denn in dieser Richtung hätte Copper Vorhuten des 26., 27. R. K. begegnen sollen, doch sie waren noch weit entfernt. 23. R. K. Kleist zog sich offenbar breit auseinander zur Aufmarschdeckung zwischen Gent und Roulers. Copper wurde bedenklich und wich auf Ypern, wo er sich mit der unter Korpschef Ravlinson planlos umherirrenden 3. K. D. vereinte. Der Feind vor ihm verschwand anscheinend nordwestlich, so daß er wieder nach Roulers im Nebel herumtappte. Damit gab man sich zufrieden und wartete auf Haigh. Diesen konnte French nicht abschieben, wenn rechtzeitig deutsche Massen an der Lys auftauchten, was bei früher Beförderung ein Leichtes gewesen wäre. Immerhin fühlte French sich nicht behaglich, aus seiner 40-km-Front Bethune–Armentières teilweise hinausgedrängt und mit Armee d'Urbal unsicher vertröstet. Ein strategischer Dunst erhob sich, der bis in den Novembernebel hinüberqualmte. Keine Partei erwartete Hauptschlacht bei Ypern, herkömmliche Auffassung dortigen Oktobergroßkampfs geht gründlich fehl, während die Tradition nur oberflächlich bei dem viel größeren blutigen Ringen um Arras und Lille verweilt. Einfache Logik der Umstände lehrt, daß erst im November eine Haupthandlung im Norden beginnen konnte. An sich war vermessen von Joffre, eine so weit östlich vorgespreizte Stellung zu beziehen, während French südwestlich bei Bethune zusammengepreßt und nordwestlich die Yserschranke von Beseler mit Beschlag belegt. Obendrein war's offensiv gemeint, da man allen Ernstes ins Leere hinter die deutsche Front zu stoßen glaubte und die Deutschen nur aus Norden, nicht aus Osten vermutete. Unvorsichtigkeit und Torheit standen also zur Ypernschlacht Pate; die Verbündeten konnten sich selber sagen, daß wir unsere Etappenlinien nicht zerschneiden lassen würden. Noch am 18. ahnte French nichts von A. Albrecht, obschon am 17. Kleists Vorhut (210. R., 45. R. Kav. nebst schwerer Artillerie) die Belgier aus Kortemark nordwestlich Stade vertrieb. Doch hätte er Verdacht geschöpft, was dann? Am 14. stand Albrechts Hauptmasse erst bei Oudenarde, Beseler bei Brügge–Thuilt, dessen Seitentrupps angeblich die Rechte der 4. A. verschleierten. Er hielt die Yserufer für unbesetzt. Ja, das wären sie außerhalb Dixmuiden gewesen, wenn er nicht unglaubliche Zeit vertrödelte. Als er endlich die Yser bei Schore erreichte, belehrte ihn die belgische Nachhut eines Bessern. Sie wehrte sich noch östlich des Flusses, um Zeit zum Ausbau der Brückenköpfe zu verschaffen. Wenn aber König Albert den Abzug längs der Küste bis Nieuport in guter Ordnung vollzog, so verdankte er dieses Entkommen einer unbegreiflich schlappen Verfolgung. d'Urbal gab 42. D. und Turkobrigaden an Albert ab, marschierte nördlich Ypern zwischen Bixchote und Houtholst-Wald auf mit dem Kav. K. und Bridons Territorialen; 9., 32. K. erst später im Anmarsch. Ballte sich am 17. die ganze 4. A. gegen diese Franzosen und nach Haighs Ankunft die drei englischen Div., so konnte die Sache für Copper nur schlimm ablaufen, der isoliert weit östlich stand, während Haigh nach Nordwest aufmarschierte und daher vom deutschen Anmarsch über Roulers umwickelt worden wäre. Albrecht kam aber so verspätet, daß der rechte Augenblick verpaßt und Foch schon mit 9. K., 31. D. angelangt war. Jetzt vollzog sich ein Platzwechsel, indem Haigh zu Copper herumschwenkte und 9. K. bei Langemark einrückte. Man muß Ententeberichte zu Rate ziehen, wo die Logik für sie spricht. Sonst aber blieben stets das sicherste Fundament die Verlustlisten mit ihren genauen Daten von Zeit und Ort, die sich überraschend bewahrheiten. Nur wer sie zugrunde legt, hat nicht auf Sand gebaut. Sobald wir den gespannten Rahmen der Statistik mit dem Leben genauer Ausmahlung füllen, waltet stets Übereinstimmung unserer Methode mit den Tatsachen. Unsere Ergründung sagt: das Pfälzer K. konnte nicht vor 1. Nov. zur Stelle sein, außer mit Vorhut, 15. K. konnte trotz dreitägigem Gewaltmarsch nicht rechtzeitig aus Craonne eintreffen, wo noch am 27. Teile davon fochten. Wohl aber bürgt frühe Entfaltung 23. R. K. dafür, daß 26., 27. R. K. viel früher als geschah auf gleiche Höhe kommen konnten . Im Krieg, der »Bewegung im schwierigsten Element« (Moltke) liegen freilich die Dinge an Ort und Stelle nicht so klar, wie am Studiertisch, hier aber mußte 4. A. mit äußerster Schnelle vorbewegt werden, wenn sie im Wettlauf nach dem Ypernkanal dem Feind den Vorrang ablaufen wollte. Allem Anschein nach hing aber das Zögern mit Schema F zusammen, der akademischen Pedanterie des Kommißmilitarismus: wahrscheinlich fehlten noch diverse Knöpfe und die Freiwilligen hatten noch nicht genug »Griffe gekloppt«. Doch hier galt es keine Drillstudien, sondern möglichst früh eine Masse Gewehre nach Belgien zu setzen, hätte man auch nur ein vollzähliges R. K. am 10. auf Alberts Rückzugslinie Brügge–Gent gestellt, so wäre er nicht zur Yser entkommen. Das schnöde Marnespiel wiederholte sich: seit 20. trafen vom 26., 27. R. K. nur Vorderbrigaden ein, und wären sie früher einheitlich angesetzt, so wäre die furchtbare Stellung östlich Ypern schon vor Ankunft Fochs in ihren Händen gewesen. Deren Stärke lag in großen und kleinen Wasserläufen, in Becken, Buschparzellen, ein unübersichtliches Gelände durchziehend. Große Geschützmassen, besonders am Kemmelberg zusammengebracht, darunter Schiffskanonen schwersten Kalibers, beherrschten auf 17 km den Anmarsch. Nirgendwo waren Artillerie und Pioniere nötiger als hier, doch dem jungen R. K. waren nur zwei statt vier Art. Rgt. beigegeben, an Pionieren nur je zwei Kompanien pro Korps. Indessen begleiteten den Vormarsch der 53. R. D. besondere Haubitzenbatterien; den der 45. R. D. die 23. hessische Fußart., während 26. R. K. erst im November ein Thür. Art. Rgt. erhielt. Vernachlässigung der Geschützausstattung also nicht ganz so groß wie man meint, der Antwerpener Belagerungspark kam wenigstens Beseler zu gute, der ihm wertvolles Material entnahm. Mangel an Pionieren machte sich aber so fühlbar, daß im November vier bayrische L. W. P. Kompagnien und Teile 19. Straßburger P. beim 26., 27. R. K. eingefügt wurden; zwei sächsische bei Deimling, bei den Pfälzern sogar Gardepioniere. Vor Ypern und an der Yser bluteten bis Ende November 2000 P., während Artillerieverlust sich in gelinderen Grenzen hielt: 1600. Beseler wenigstens war ausreichend mit drei starken Pionierbataillonen versehen. Man hätte von Rechts wegen erwarten sollen, daß die so schwach mit Hilfswaffen ausgestatteten Freiwilligen der vier Reservekorps schlecht abschneiden würden. Im Krieg kommt aber alles anders, weil der moralische Faktor unberechenbar. Vermutlich hält man amtlich außer andern Gründen auch deshalb an der Fiktion fest, daß im Oktober zwei ganze aktive Korps ausschlaggebend mitwirkten, damit der Ruhm dieser Volksmiliz nicht zu hell leuchte und den Kasernenmilitaristen peinliche Gefühle erwecke. Man kann die dumme Raffiniertheit solcher Kreise nicht hochgenug veranschlagen, ähnlich dem »Zentralrindvieh« (Fürst Münster) der Wilhelmstraße, die ungeheuren Wahnsinn mit überlegener Weißheitsmiene für Diplomatie hielt. Dies System blieb sich immer gleich von oben bis unten, es war Methode im Wahnsinn versteckter Anmaßung; man fälschte die Tatsachen um, wie es der heilige Knackstiefel der Hierarchie verlangte. Über die Marneschlacht kein Wort; über Ypern zu viel. Von da ab wurde Grundgesetz, jeden feindlichen Angriff regelmäßig in den ersten zehn Tagen für erledigt zu erklären, während das blutigste Ringen erst später anhob. Denn erstens täuschte man so des Feindes Ohnmacht vor, zweitens die geniale Fürsorge der O. H. L., die immer rechtzeitig alles vorhersah. Nach militärischen Begriffen machte man mit der am 16. August gegründeten Res. A. einen Sprung ins Dunkle, doch hätte man dann wenigstens die ungedrillten Freiwilligen nicht vor besonders undankbare Aufgaben stellen sollen. Durch ununterbrochene Fehler brachte man es so herrlich weit, daß man jetzt 6 Div. gegen 7 feindliche vor sich hatte, davon 5 aktive kriegsgewohnte, mit Veteranen durchsetzte. Ehe das Durcheinander der Übergangskolonnen an der Lys sich entwirrte, mußte das Freiwilligenheer allein sich opfern. Hätte Beseler genügende Streitkräfte gehabt, so hätte die zwischen Holland, Meer, Schelde eingeklammerte demoralisierte Belgiermasse nicht den Küstenweg behalten, sondern nur Durchschlupf an der Westerschelde. Hätte dort ein R. K. sie aufgefangen und nach der Schelde zurückgeworfen, so blieb ihr nur Kapitulation. Wir sind zur Kritik berechtigt, daß die O. H. L. jede sinnreiche Vorkehrung unterließ, um Beselers am 1. Okt. angemeldeten Angriff zu großem operativen Ende zu führen. Kam die im Elsaß stehende 1. bayr. L. W. Brig. schon am 5. in Belgien an, so konnte dies ebenso jede beliebige größere Masse, zumal Truppenabfluß über Brüssel sich glatter bewerkstelligen ließ, als durch Fußmarsch südlich der Lys, wo man auf lokale Hemmnisse stieß. Vor Messines mußten, unter Mitmachen der neuen Grabenmode als Triumph der Technik und Ende der Kriegskunst, Richthofens Geschwader in Schützengräben, wo sogar die schweren Gardekürassiere Spaten und Karabiner zur Hand nahmen, lange ausharren. Denn die Württemberger, obschon doch viel näher als die Pfälzer, gingen erst am 30. über die Lys und waren erst am 31. so weit, um anzugreifen. So war nichts ordentlich vorgesehen weder im Süden noch im Norden von Flandern. – Nach dieser Untermalung entwerfen wir nun das Schlachtgemälde. Die Schlacht an der Yser. Beseler, früherer Generalinspektor des Ingenieur- und Pionierkorps und des Festungwesens, zeigte sich vor Antwerpen als erprobter Fachmann seiner Waffe, doch auch seit langem als sachgemäßer Handhaber der Infanterie. Die Verfolgung zur Yser ließ aber viel zu wünschen übrig. Zunächst folgte nur die Thüringer- und Magdeburger Ersatzbrigade längs der Küste, bis Werder endlich vor Lombardzyde östlich Nieuport auch die Hanseatische Ers. Brig. ins Feuer brachte. Die Gefechte bei West- und Ostende waren unblutig genug (113). Die amtliche Schrift vor- und nachdatiert, wie es offiziösen Absichten entspricht, verlegt daher Ankunft in Westende auf 18., während die Brandenburger schon am 18. bei Schore die Yser erreicht hätten. Konnten sie fliegen? Sonst wären sie bestimmt erst am 20. dort gewesen. Siehe da, die V. L. sagen deutlich »Westende am 17.« (Es scheint, daß Teile 5. R. D. noch oben 100 gegen die belgische Nachhut verloren, aus Listen bis 18. abgeschätzt). 48. R. warf später den Feind bei Mannekensvere. Am 17. 18. erschienen Batterien der 18. Ers. Art. und 2. R. Drag, bei Snyppe vor der Yser. Die 5. R. D. kam bis auf 1 km vor dem Flusse allmählich an, 3. R. J., 48. R. warfen am 19. die Nachhut aus St. Pierrekapelle. I/48. wandte sich neben Ers. Batl. Hamburg, Lübeck, Flensburg gegen Nieuport. Man unterscheide diese Nebengefechte, aus deren Rahmen sich die Yserschlacht abhebt. Sie begann am 16. nach Ententemeldung? Keine Spur. Schore-Brückenkopf schon am 18. abends in Beselers Besitz? O nein, Beseler fand noch am 20. bei Schorbake langen Widerstand der 1. belg. Div., die erst spät in den arg zerfetzten Brückenkopf von Nieuport zurückging. Am 19., von wo man die Schlacht rechnen mag, verjagte die 6. R. D. weiter südlich mit 35. R. und den vier Aktivbataillonen 2. Belg. D. aus Keyem und nahm den Übergangspunkt Lake. Noch schien der reißende Kanalfluß unüberschreitbar; der Feind lag in vier Grabenlinien hintereinander in den Deichen eingegraben, seine starke Artillerie sah sich links vom Flankenfeuer der englischen Flotte wenigstens moralisch unterstützt. Denn daß die Strandbestreichung durch ziellos drauflospulvernde Schlachtschiffe und Kreuzer dem deutschen Vorbeizug nennenswerten Verlust bereitete, widerlegen die V. L. der Ers. D. Die Engländer müssen sehr schlecht geschossen haben. Herbeigeschaffte »lange« Kanonen mit Flachbahnschuß bändigten bald die Meerungetümer. Hessische Küstenmörser machten dem Spektakelkonzert ein Ende, die Flotte verzog sich ins tiefere Gewässer. Man verscheuchte sogar die an der Ysermündung verankerten Kanonenbote. Immerhin schob man die Ersatzdivision südlicher an 5. D. R. hinan, um mit ihrer Brandenburger Brig. die Sturmlinie zu verstärken, sobald man drüben war. Das dauerte aber hier noch lange, man konnte den Widerstand nicht brechen, obschon unkundige Historiker die 5. R. D. zuerst übergehen lassen. Die V. L. belehren genügend, daß erst die 6. R. D. Erfolg hatte, dies schildert die G. St. Schr. richtig. Am 20. ging gegen sie General Michel mit 4. und Teilen 5. belg. D., vom rechten belgischen Flügel hierher verschoben, energisch vor, um sie von Keyem zu vertreiben. Dies mißlang völlig, zumal schwere Belagerungsartillerie, von Antwerpen nachgeführt (9. rheinische) donnerte und vorausgetrabte Batterien der 44. R. A. Jüterbogk vom 22. R. K. Falkenhayn (Bruder des Generalstabschefs) ein saftiges Flankenfeuer sendeten. Daß eine Brigade Ronachs dabei gewesen, ist gedankenloses Nachschreiben; die Marinefüsiliere wichen am 19. von Baerst nach östlich Dixmuiden und warfen sich dann in den Ort. Den nächtlichen Morgengruß Michels, mit dem er noch im letzten Nachtdunkel die achtsamen Brandenburger bedrohte, lehnten sie unsanft ab in Schnellfeuer und wütendem Handgemenge. 24. R. lag schon bei Lake unmittelbar am Ufer. Dagegen konnten 5. R. D., 9., 13. Ers. Brig. noch nicht daran denken, über Schorbake nach Ramskapelle am Westufer vorzustoßen, wie man vielfach annimmt, Verwechslung mit St. Pierrekapelle am Ostufer. Selbst 6. R. D. warf erst am 22. früh den Feind endgültig über den Deich und unternahm jetzt den Flußübergang. Die Verluste waren nicht unerheblich, bei den Belgiern groß, wegen der vielfachen Gegenstöße. Sie fochten viel tapferer als bisher und müssen wir hier eine unliebsame Betrachtung einschieben. Nur durch Beselers Säumen erreichten sie die Yser als kampffähige Truppe, Ers. D. Werder und Marined. Schröder, die südwärts Schelde und Dünen bewachten, hätten den Abzug nach Ostende rechtzeitig bemerken und derart zwacken können, daß die Belgier in Auflösung über die Yser flohen, ohne die Gunst der Stellung wohlgemut ausnutzen zu können. Erst am 22. erschien hier franz. 42. D. Grosseti. Hätte Beseler sofort einen Parallelmarsch nach der Mitte des Yserbogens angetreten, so hätte er mit gewonnenem Vorsprung den Fluß überschritten, ehe 1., 2., 6. Belg. D. von Nieuport her das Westufer bis Keyem ausgiebig besetzten. 4., 5. D. östlich Dixmuiden befanden sich vorläufig ohne Anschluß; 3. D. und Kav. K. de Wet sollten dahinter im Rückhalt bleiben. Sie mußten jetzt aber eilig herangezogen werden, weil 4., 5. D. von der Seite Bridons am Ypernkanal entwichen, um sich den andern Belgiern anzureihen. Die G. St. Schr. irrt also, wenn sie 4. D. gleich anfangs nach Keyem versetzt; dort stand am 19. vorerst nur 2. D. Jedenfalls war es nur eine Frage weniger Tage, daß man Alberts Abzug verhindern oder gleichzeitig mit ihm in die Stromschranke überschreiten konnte. Er zog freilich schon am 7. mit der Hälfte von Antwerpen ab, doch da es am 9. endgültig kapitulierte, so behielt Beseler Zeit genug, bei rastloser Verfolgung über Gent am 17. vor Keyem einzutreffen, statt sich langsam längs der Küste zu nähern. Allerdings bedrückte ihn immer noch das Ausbleiben der 4. A., doch K. Kleist deckte ihm genügend die Flanke. Den bisher seit Mons nicht mehr bewährten Kriegsruhm der Brandenburger riß er nun freilich glänzend heraus. Doch Großtaten der Truppen entschädigen nicht für Missetaten der Strategen, die sich nie wieder gutmachen lassen. Kriegskunst ist, abstrakt betrachtet, die Lehre von Raum und Zeit. »Raum läßt sich wiedergewinnen, verlorene Zeit – nie.« (Napoleon). Ob auch Albert entkam, d'Urbals und Haighs Einrücken nicht bemerkt und frühzeitiges Sammeln großer Kriegskräfte an der Lys statt bei Arras verabsäumt wurde, – etwas mehr pflichtgemäße Beschleunigung, etwas mehr berechnender Überblick und gemeinsam rascher Angriff am 18. fand immer noch den Feind in ungünstiger Lage. Die Problemstellung, ob der Yserstoß dringend nötig war, fällt dahin. Denn er hätte nur gedacht sein sollen bei gleichzeitigem Angriff über die Lys. Isoliertes Vorbrechen Beselers ohne diese Beihilfe taugte wenig; bloßes Stehenbleiben in Brückenköpfen übte schon einen Druck auf die Bahnausladungen bei Poperinghe, was den Feind in Besorgnis versetzte. Wie aber erst, wenn statt der eingeschlagenen falsch kalkulierten Angriffsrichtung längs der Küste, wo bei solcher Nähe der englischen Flotte ein Durchbruch auf Nieuport–Dünkirchen ausgeschlossen, der wahre Durchbruchspunkt, sonst den Feind nur neckend und beschäftigend, bei Woummen gewählt wurde. Dazu konnte man das ganze 22. R. K. und Teile des 23., 26. über Merkem verwenden. Denn nicht Überschreiten der Yser, sondern des Ypernkanals auf dessen Westufer war das Wichtigste; eine wahre strategische Umgehung des ostwärts orientierten Gegners. Dorthin schob sich aber nur 202. R. vor. Grossetis später Abmarsch auf Merkem zeigt, wie schwere Gefahr aus jener Richtung drohte. Doch alles geschah ohne planvolle Überlegung, mit Verspätung oder Überstürzung. Die G. St. Schr. fabelt von erheblichen Aufklärungsgefechten der 6. R. D., um das völlige Versagen ihrer Märsche bis 18. zu verhüllen. Die V. L. beweisen, daß höchstens 90 Mann vom 13. bis 18. dort bluteten; offenbar wird das Keyemgefecht am 19. damit vermengt. Den nötigen Aufschub gewährte den Belgiern allein der unerträgliche Stillstand in Beselers Verfolgung. Auch er konnte wie die Quatrechtgruppe am 10. mit dem Feind handgemein werden, die Ers. D. erreichte aber erst am 15. Ostende auf ganz geringe Entfernung; verhältnismäßig wurde die weit größere Strecke Middelkerke–Ostende rascher zurückgelegt unter Gefecht, doch immer nur der Vorderbrigade. Der Vormarsch 3. R. K. hatte freilich den Kanal Ostende–Brügge und den von diesen auslaufenden Kanal Brügge–Nieuport zu überschreiten, doch so geringe Geländeschwierigkeiten, die ja ebenso den belgischen Rückzug behinderten, entschuldigen nicht so unglaubliche Marschverzögerung. In gerader Luftlinie beträgt der Raum Antwerpen–Yser drei Tagemärsche. Beseler brauchte neun. Die G. St. Schr. braucht sonderbare Wendungen. Copper sei vor Beselers »Verfolgungskolonnen« zurückgegangen? Vor welchen und wohin? Copper, der sich verlassen und vereinsamt fühlte, bog schon vor schwachen deutschen Posten aus. Vom 66. R. hat die G. St. Schr. nie gehört; es steht aber fest, daß 26., 66. R. und anscheinend laut V. L. Kleists 18. R. J. gr. am 9. bei Stade ein Gefecht hatten, das nur Copper betreffen kann, der mit Beseler nie in Berührung kam. Dieser habe den Aufmarsch der 4. A. verschleiert? Wie konnte er im Norden verschleiern, was aus Osten kam? Wäre er je bis »westlich Thielt« gelangt, wären 22., 23. R. K. förmlich in seine angebliche Armeestraße Thurould–Roulers hineinspaziert. Bei diesem sinnlosen Manöver hätte er das ganze belgische Heer in der Flanke gehabt, das damals noch zu Energie aufgelegt schien, zunächst vier Divisionen, die man bei Dixmuiden an den Fluß zurückführte. Er sollte dann haltmachen, um nicht frühzeitig die Aufmerksamkeit des Feindes auf diese Gegend zu lenken? Und um dies zu vermeiden, eine durchaus exzentrische Richtung, die garnicht an die Yser, sondern nach Ypern führte? Warum denn Haltmachen, wo rasches Vorrücken zum damals noch unbesetzten Ypernkanal höchst vorteilhaft gewesen wäre? Dann brauchten 22., 23. R. K. nicht weit nördlich auszugreifen und konnten Langemark vor Haighs Ankunft besetzen. Solch wirre Unklarheit legt den Verdacht nahe, daß solche Fabulierung ebenso künstlicher wie unverständlicher Manöver nicht den Aufmarsch Albrechts – diese Sorgen nahm Kleist dem Beseler ab –, sondern die Umwölkung der sonstigen Glanzleistung Beselers »verschleiern« soll. Von Antwerpen bis Schore sind rund 100 km. Beseler marschierte durchschnittlich 11 km pro Tag auf lauter Ebene und guten Straßen, das nennt G. St. Schr. »unaufhaltsam«! Bei solchem Schneckengang ließen sich die Belgier natürlich nicht mehr diesseits der Yser ereilen. Am 14. war man in Gegend Brügge? Das stimmt leider, da man am 11., 12. dort stehen konnte, damit fällt aber der Zusatz »und westlich Thielt« ganz dahin. Daß Beseler seine drei Divisionen derart auf endlose Strecke bis zur Küste auseinanderzog, wo doch der Feind noch stark diesseits der Yser stand, darf man kaum einem Neuling zumuten. Bei dieser Absurdität hätte er wohl erneut südwestlich marschieren müssen, um die Yser zu erreichen mit unglücklicher Marsch- und Zeitvergeudung. Will man ihn damit also gegen Kritik seiner sträflichen Langsamkeit schirmen, so belastet man ihn wieder in anderer Hinsicht, als hätte er sich förmlich verabredet, seine braven Truppen in die Irre zu führen und ihnen jedes rechtzeitige Überschreiten der Yser zu verunmöglichen. 23. R. K. hatte natürlich einen weiten Bogenmarsch zu vollbringen, wenn es erst am 19. gegen Houtholst-Merkem vorrückte, doch 22. R. K., das sich rechts von ihm setzte, hätte viel früher über Thurutt die Dixmuidengegend erreichen können. Was bedeutet der neue Zeitverlust, daß die 4. A., am 14. bei Oudenarde versammelt, erst am 19. den Vormarsch antrat? Die Belgier wehklagten über die Freiwilligenkorps: »Welche Beute (!) versprach man ihrer tierischen Wut!«, die ihre Heldentaten durch Flandern trug. Der nie neutrale König hatte ja längst Partei ergriffen und blieb zum Äußersten entschlossen. Da die Verbündeten einen näheren Gang nach Ypern–Yser hatten, mit ungeheurer Bahnbelastung von 230 Zügen pro Tag und Verwendung erstaunlich vieler Kraftwagen, so brachte d'Urbal sogar sechzig schwere Geschütze mit, French noch viel mehr. Ein Teil davon spickte die Yserufer; doch Beselers Belagerungspark kam auch heran, sodaß ein artilleristisches Übergewicht der Verbündeten hier nicht wie vor Ypern sich entlud. Auch genügten 41 Batl. Beseler, 26 Falkenhayn »65 000« (? wohl zu hoch gegriffen), Belgier 20 000 (vielleicht mehr) Franzosen zu überwältigen. Daß die G. St. Schr. andauernd besondere Ehren aufs 22. R. K. häuft, ist wohl ein Kompliment für des hochvermögenden Falkenhayns Bruder. Wir sind die Letzten gerade diesem Berliner Freiwilligenk. seine unsterblichen Verdienste zu schmälern, die sich in Galizien, Rußland, Serbien so vermehrten, daß wir es neben der Garde für die Mustertruppe des Reichs im Weltkrieg halten. Doch wir möchten der Legende steuern, daß gerade hier das Ringen um Dixmuiden als das Hauptmonument deutschen Heldenmuts in der Oktober-Novemberschlacht in bengalische Beleuchtung gesetzt wird. Denn das bleibt eine schwere Ungerechtigkeit gegen andere bei Ypern fechtende Nichtpreußen, deren ruhmvolle Aufopferung wir noch höher werten. Es sind gewisse romantische Umstände der Yserschlacht, die ihr ein solches Relief der Tradition geben. – Ronachs Marinefüsiliere wollen am 15. Baerst, 2 km vor Dixmuiden, zurückerobert haben, als die Deutschen noch garnicht drinnen waren. Am 20. abends verjagte sie dort 205. R. mit ganz geringem Verlust. 43. R. D. folgte östlicher am 21. über Bovekerke mit 201., 204. R., während links davon der rechte Flügel 23. R. K. sich gegen Brückenkopf Die Grachten vorschob, wo Yser und Ypernkanal sich mischen. Ursprünglich stand dort 5. belg. D. und sollte gegen Baerst ausfallen, während 3. D. sich nach der Mitte zog und Dixmuiden besetzte. Die Deutschen handelten aber zu schnell: 202. R. eroberte Woummen weit südlich Dixmuiden und faßte so die 4. D. in der Flanke, die sich eiligst weit westlich zur Uferfront bei Keyem warf. Teile 5. D. folgten. Die Linke des Territorialk. Bridon bezog jetzt den Kanalposten, den die Belgier verließen. Noch lag die schäumende Yser zwischen beiden Parteien, doch als die Deutschen das düstere Gewässer zum ersten Mal erblickten, hatten sie sozusagen noch keinen Blutgeschmack im Munde. Bei Keyem litten nur die vier Aktivbataillone, 33. R. verlor nur 119 inkl. Masch. G. Komp. Schore hatte 12. R. auch billig genug erstürmt (209), 205. bei Baerst (105). 202. R. bei Woummen (240) bekam einen Vorgeschmack des Kommenden. 201., 204. bei Bovekorke und Wadslo litten mäßig, ebenso die Gruppe vor Nieuport. Daß der General Werder sich rückwärts bis Ostende staffelte, ist völlig unglaubhaft, da doch sicher die Marinediv. Sicherungsposten aufstellte, aus Besorgnis vor englischen Landungen, die nie geschahen. Unrichtig ist auch, daß nur 33. Ers. Brig. bei Lombardzyde blieb: vielmehr 9., 13., 33., 36., 81. Ers., I/48. R., die G. St. Schr. irrt, daß Beseler mit fast allen Ersatzbataillonen jenseits der Yser vordrang; sie läßt auch im Dunkel, wann eigentlich 42. D. Grossetti eingriff, jedenfalls nicht dort bei Nieuport, da sie später ganz am rechten Flügel stand. Nur ihre Chasseurs und 51. Inf. schloffen sich König Albert an, als er am 24. sein 9. Rgt. und 1. Ch. wiederholt gegen das vom Hamburger Ers. Batl. erstürmte Lombardzyde vorriß. Man wies ihn regelmäßig kaltblütig ab. Während 5. R. D. sich noch lange bei Schorbake abquälte, ohne den Übergang erzwingen zu können, nahm 6. D. die Vorhand. Am 22. überschritten fünf Kompagnien von I/II/26. R. den Fluß unter Benutzung eines gesprengten Brückenstegs, wobei die hessischen 25. P. ihr rühmliches Tagewerk begannen. In der Stromschleife südlich Keyem eingenistet, schlugen fernere sechs Kompagnien von 24. R. nebst ihrer Masch. G. K. drei belgische Nachtstürme am Westufer ab. Da die eigenen Batterien am Ostufer das umfassende feindliche Feuer niederhielten, kam auch dies Wagnis nicht teuer zu stehen. 26. R. verlor bis 1. Nov. nur 160! Als zehn weitere Kompagnien hinüberkamen und in der Nacht zum 23. auch Teile von 206. R., der 44. R. D., mußten die Belgier sogar ihren Flankierungshort Tervante fahren lassen. Ergoß sich erst die ganze deutsche Sturmwelle über Deich- und Bahndämme, so konnte nichts sie aufhalten. Denn schon berichtete General Michel aus Hauptquartier Pervyse, daß auf seine 4. D. nicht mehr zu zählen sei. Die 1. D. zerbrach in langem Kampf bei Schorbake, die bei Tervante zersprengte 2. sammelte man wieder bei Nieuport neben der 6. Die Deutschen lagen dort in bösem, aber unwirksamem Kreuzfeuer und selbst die englischen Torpedoboote entfernten sich immer weiter, nachdem es mehrere Proben deutsche Treffsicherheit absetzte. Noch wollte der 5. R. D. kein Übergang glücken, doch am 23. abends dehnten sich 5 Bataillone und am 24. die ganze 6. R. D. im Yserbogen aus. Am kräftigsten fochten hier die vier Aktivbataillone, deren durch die Listen bezeugte Anwesenheit die G. St. Schr. so wenig zu kennen scheint, wie natürlich Stegemann, sie und 24. R. gingen jetzt allen andern voraus. – Falkenhayns Freiwillige hofften mit der Zuversicht jugendlichen Leichtsinns den Durchbruch auf Calais. Der Mensch denkt, Gott lenkt; doch die Begeisterung trieb sie vorwärts. 207. R. überschritt am 21. den Nordwestteil des Handzaemekanals, und nötigte so die Dixmuidenverteidiger aus der Flanke in den Ort zurückzufallen. Es folgte dann 206. R. von westlich Kastelhoek nach Styvekenskerke ans Ostufer und dann ans Westufer gekommen. 43. R. D. begleitet zu lange nordöstlich die 45. R. D., zwang aber so die 3. belg. D. die Linie Merkem–Woummen freizugeben, und wirkte auf die Moral des Territorialk., das sich westlich des Ypernkanals umgangen glaubte. 43. R. D. beließ 202., 203. R. südlich Dixmuiden, lehnte die Rechte an die Yser. Erst sehr spät dachte man daran, Dixmuiden von rückwärts beizukommen. Der Artillerieleutnant Müller begründet den Mißerfolg mit allem Möglichen, nur nicht mit dem einzig Richtigen, daß nur für Angriffswege aus Süden Erfolg winkte. Er reißt die Artillerieleitung herunter, obschon diese doch für schwerstes Geschütz folgte. Seine 43. R. Art., von deren Standpunkt wie auf einer Protze thronend er urteilt, strengte sich freilich wenig an, siehe V. L., während 44. R. Art. sich opferte und oft im Straßenkampf auf 100 m an den Feind heranfuhr. Der kritische Müller weiß nicht den Weizen von der Spreu zu sondern und verübte in Polemik gegen uns, daß nur seine geliebte 43. D. um Dixmuiden rang, allerlei Fechterstreiche im Verwirren von Zeitdaten. Wir billigen ihm aber gern zu, daß wenigstens das Spandauer Rgt., das er garnicht hervorhebt, das Menschenmögliche tat und schon beinahe die Yserbrücken erreichte. Die wilde Tapferkeit der Freiwilligen, oft Studenten und Primaner, mußte aber immer wieder den Sturm einstellen, so oft die Heranschleichenden mit plötzlichem Hurrah aus dem Heidesumpf aufsprangen. Inzwischen bog 6. R. D. ihre Linke etwas rückwärts, um sich mit 44. zu verknüpfen. 5. D. kam mit 3. R. J., 12. R. später am weitesten vor bis Ramskapelle, deren Vollbesitz später zeitweilig verloren ging. 10., 11., 12. Brandenb. Ers. nahmen den Bahndamm südlich davon mit dem Bajonett. Ohne das auffällige Steigen des Grundwassers im Lehmboden einer Beachtung zu würdigen, strebte man immer vorwärts. Mörderisch feuerte 18. Ers. Art. nach Furnes, wohin die durchbrochene belgische Linie zurückfiel. Sobald Beseler in der Flußschleife jenseits Fuß faßt, spitzte sich die Entwicklung sofort zur Krisis zu. Denn wer könnte stürmende Märker aufhalten! Gewiß nicht die Belgier, obschon sie sich mehrfach recht wacker schlugen, um sich nicht vor den Franzosen zu blamieren, deren berühmte 42. D. aber auch nicht den furchtbaren Brandenburgern im freien Feld standhielt. Doch Beselers Train-Nachschub kam nicht mehr durch, plötzlich erkannte man die unheimliche Ursache der Wassernot. Man hätte die Wagenburg durch Boote ersetzen und die Unterbrechung dann nicht so nachteilig werden können, wenn man schon früher südlich und westlich des Bahndamms auf trockenem Boden stand. So rächte sich bitter die Verspätung der Flußüberschreitung. Nicht mal Dixmuiden war sturmreif geschossen, noch sonst zum Falle reif. G. St. Schr. und Müller-Brandenburg, auf dessen Notizen sie sich wahrscheinlich hier stützt, unterschlagen undankbar die bedeutende Mitwirkung der 44. R. D. bei Berennung Dixmuidens. Nicht nur beteiligten sich 16. R. J., 208. R. unmittelbar am Dorfsturm, wo ihre Linke sich zwischen Handzaeme- und Yserkanal spannte, sondern ihr rechter Flügel jenseits der Yser drückte so gefährlich auf dies Bollwerk, daß die Besatzung sich seiner durch verzweifelte Stöße zu entledigen suchte, wobei nach belgischem Geständnis Bataillone auf Kompagnien schmolzen. Bei 43. D. verlief bisher der Kampf gemächlicher. 5. belg. D. wich in Panik bei Bevekerke und Woummen. Von 22. bis 24. suchten Ronach und 3. belg. D. die Umgegend wieder reinzufegen, sahen sich aber am 25. endgültig ins Städtchen hineingedrängt. Dort schwor die »eiserne Brigade« Meiser – auch so was erfanden sich die Belgier – bis zum letzten Mann auszuharren. Ihr Todesmut macht den Verteidigern um so mehr Ehre, als der inzwischen stetig fortschreitende Ansturm Beselers jenseits der Yser sie in der Luftlinie abschnitt. 20 km von Ypern dröhnte hier eine mächtige Kanonade, in die auch die »dicke Bertha« hineinbrummte, die weit über das Ysergelände den Boden erschütterte bis Poperinghe, Bahnbasis der Verbündeten Armee für Vormarsch und Rückzug. Sie legte Dixmuiden in Trümmer, doch nicht den hartnäckigen Widerstand. Artilleriegeneral Zieten brachte die Ers. Art. über den Fluß und bombardierte die Bahnlinie Nieuport–Bixchoote zwischen Ramskapelle und Verwyse. 5. R. D. erzwang endlich ganz das Westufer, 8. R. an der Spitze der 9. Brig. bei St. George litt minimal (nur früher bei Mannekensvere etwas mehr). Man kann schätzen, daß Beseler bis 24. nur 1500, Falkenhayn wenig über 500 verlor. Diese Vorgefechte fanden am 25. ihren Beschluß, was G. St. Schr. offenbar um einen Tag vordatiert. Denn Dixmuidens Besatzung wird wohl nicht den stürmischen Ausfall gegen 206., 207. nordwärts gewagt haben, wenn gleichzeitig schon der Sturm im Osten begann. Indessen möchten wir nicht darüber streiten, ob 15. R. Jäger am 25. oder 26. mittags in Dixmuiden eindrangen. Jedenfalls begann jetzt der berühmt gewordene Angriff. Seit 43. D. am 21. den Handzaemekanal bei Cessen überbrückte, trotzdem 80 Geschütze das Anmarschfeld bestrichen, stieß sie erst jetzt auf vorerst Unüberschreitbares. Dieser Kanal fließt mit dem großen Yserkanal bei Dixmuiden zusammen und spaltet die Verteidigungsstellung in zwei für den Angreifer unbequeme Abschnitte. Nachdem die Brandenburger Kriegsfreiwilligen vom Wladsloe her, wo ihre Reiterei auskundete, Woummen südlich Dixmuiden erreichten, seit 20. von Baerst her die Marinefüsiliere vor sich hertreibend, umklammerten sie diesen Brückenkopf schon aus Südosten ein Uferschloß erstürmend. 206., 207. schwenkten südwestlich ein schon ans Westufer. Gegen ihre Südflanke wogte ein großer Ausfall von drei belgischen Regimentern und einer Marinebrigade am 25. heran, zerschellte zwar unter schwersten Verlusten, hielt aber die Angriffsbewegung auf. Trotzdem gründliche Artillerievorbereitung sogar 42 cm verwendete, konnte man auch am 26. noch nicht Sturmreife für das heldenmütige Fußvolk erzielen, das morgens nach schrecklichem Blutbad wieder den Saum von Dixmuiden verließ. Neue Beschießung richtete furchtbare Verheerung unter dem Feinde an, den eine Brigade Senegalneger verstärkte. Neuer Sturm am 28. kam aber nur am Südrande vorwärts, so daß der kommandierende General Falkenhayn jeden Frontalstoß aufgab. Acht Bataillone der 43. Div. überschritten nun auch den Yserbogen, um den Ort nur von Süden her im Rücken zu fassen. Nur 205. R. blieb im Osten als Beobachtungsposten bis 31. stehen. Mittlerweile änderten sich die Verhältnisse beim Korps Beseler zugunsten des allgemeinen Angriffs. Am 25. war die 5. Div. nebst 10. Ers. Bataillon nach Wegnahme des Weilers St. Georges zum Einbruch in die feindliche Stellung übergegangen. Vorher hatten die sechs Ersatzbataillone vor Nieuport, ohne die aus den Dünen herkommende Marinedivision zu bemühen, am 24. die wiedergesammelte 2. belg. Div. und 151. Grosettis erneut nach Lombardzyde hineingeschleudert, doch drei belg. und eine halbe franz. Div. erwiesen sich noch zu stark, um etwas gegen sie auszurichten. Als aber Beseler seine ganze Feldartillerie, bisher am Ostufer den Feind eindeckend, durch aufopfernde Tätigkeit der Pioniere ans Westufer schaffte, gewann er den nötigen Halt, um die Bahnstrecke Ramskapelle–Perwyse zu erzwingen, obwohl Flankenfeuer aus Norden und Südosten rasches Vordringen erschwerte. In Geringschätzung des Gegners erlaubte er sich, nur schwachen Rückenschutz am Ostufer stehen zu lassen, seine ganze übrige Masse (32 Bataillone) schob sich auf Ramskapelle–Perwyse vor, 6. R. Art., 18. Ers. Art. begleiteten bis nahe an den Feind. Dagegen marschierte 37. L. W. Brigade, bisher als Rückhalt vor Nieuport aufgestellt, nach Broodseinde ins Zentrum der Ypernschlacht ab. Laut G. St. Schr. hätte jetzt auch 52. R. mitgefochten. Darüber gibt es nur eine Novemberliste, die kein Wort von sonst einem Yserort sagt, sondern nur für Dixmuiden im November. Das Rgt. blieb wohl teilweise noch als Garnison in Antwerpen oder folgte nur im Rückhalt. Noch hielt sich Dixmuiden, doch es schien, als ob die sich vereinzelt einschleichenden Trupps von Turkos und Territorialen die sichtlich unter zermalmender Kanonade zusammenschrumpfende Besatzung nicht retten könnten! Immer mehr Sturmscharen setzten ans linke Ufer. Auf Kähnen, Flößen, Schiffsbrücken kamen immer neue Beherzte hinüber. Schon in der Nacht zum 23. gewann ja an Falkenhayns rechtem Flügel 206. R. Anschluß an die 6. R. Div. am jenseitigen Uferdamm, wo es die Belgier vertrieb. Wahrscheinlich wandten sich auch Teile vom 207. R. gegen den Dixmuidener Bahndamm, während die übrige 44. und die 43. Div. frontal am Ostufer den Ort bestürmten. Letztere stellte 203. R. ins Vordertreffen. Unsere Gardefreiwilligen (die Division hatte Aushebung fürs Gardekorps) stürmten singend durch Nebel, Regen, Grundwasser, Sumpfmoore. Welche Truppen außer Marinefüsilieren im Ort lagen, ist ungewiß, gewiß nicht bloß die 3. belg. Div., anscheinend jetzt Brigaden der schon sehr in ihrer Haltung erschütterten 5. Div., außerdem hineingeworfene Schwarze und Territoriale. Die Stellung war so ungeheuer stark, daß sie dem heftigsten Bombardement widerstand, auch war die belgisch-französische Artillerie am andern Ufer sehr zahlreich. Sie schoß überquer nach Osten und Norden. Über den Zuwachs französischer Hilfe herrscht Unklarheit, indessen scheint richtig, daß außer der 42. Div. Grosetti, den Marinefüsilieren und zwei schwarzen Brigaden noch Territoriale die Linie Nieuport–Dixmuiden besetzten, doch mag letzteres erst im November voll geschehen sein, als die Belgier schon ihren Kampfodem so gut wie verhauchten. Sie litten ungemein, ihr Effektiv sank schon Anfang November auf 40 000 (siehe ihre mehr als doppelte Stärke bei Antwerpen), nachher auf 25 000. Die belgische Artillerie tat, was sie konnte, sah sich aber weggefegt, eine belgische Batterie wurde binnen einer Viertelstunde, kaum daß sie auffuhr, buchstäblich in Stücke gerissen. Die Brandenburger Batterien wetteiferten in Treffsicherheit. 21 cm Granaten schlugen vernichtend ein. Oberst Meiser fiel, die Eiserne Brigade zerschmolz in der Glut dieser Kampfhölle, eilig traten schwarze Tirailleurregimenter für sie ein, die es aber hier heißer fanden als am Senegal. Immerhin blieb die verbündete Übermacht groß. Obschon die Belgier allmählich fast zur Hälfte ausfielen und die Franzosen an ihrer Stelle den Bahndamm besetzten, focht doch noch die belgische Linke bei Nieuport und drei französische Divisionen (inkl. Marinefüssiliere) waren nach und nach zur Stelle. Gleichwohl ließen sie sich die Umgegend von Dixmuiden endlich entreißen, konnten auch den Bahndamm nicht halten. Deutsche Flieger kundschafteten regelmäßig den Standort feindlicher Batterien aus. Beide Parteien verwendeten gepanzerte Autos. Mit unsäglicher Mühe pirschten die Jäger über das Moor und morastige Sumpfwiesen heran, wo man oft bis zum Gürtel einsank und auf dem Bauche kroch. Die Brücken wurden bald zerstört, bald wieder geflickt, deutsche Pioniere taten Wunder der Tapferkeit. Südöstlich von Dixmuiden schlugen die hessischen Pioniere mit Todesverachtung unter ungewöhnlichem Verlust (358†) Pontonbrücken über den Kanal, wo sogleich neue Brandenburger Heersäulen hinüberwogten. In der Nacht zum 30. gingen zuerst wenige, später zehn Bataillone bei St. Jaques über, nördlich von Nieukapelle, wo sich ihnen die bewährte 42. Division entgegenwarf und sie aufhielt. Es gelang aber doch südlich der Stadt Brücken zu schlagen und jetzt wurde das Ringen fürchterlich. Seit 25. erfolgten fünfzehn deutsche Stürme. Wäh- Fehlende Zeile. Re Jäger, Musketiere, Pioniere von Norden in Dixmuiden eindrangen (die Jäger verloren 400), entspann sich beim Dorfe Jaques la Chapelle jenseits ein wilder wüster Strauß auf nahe Entfernung. 203. R. (Spandau) schlug sich wie rasend, 207. R. (Prenzlau) weiter nördlich gegenüber ging jetzt stark ins Feuer bei Caeskerke, 206. bei Oostkerke. Die Spandauer bestanden einen Kampf sondersgleichen mit steigender Erbitterung. Laut französischer Darstellung sei Dixmuiden am 30. erobert worden, vielleicht hielten sich dort in der Nähe belgische und französische Teile so lange, es kommt wenig darauf an, da die Franzosen zugeben, ihre Linie sei durchweg hinter das Westufer geworfen worden. Deutscher Bericht ist bescheidener. Der Feuerschein flammender Kirchdörfer und Kapellen beschien hier noch nicht einen Endsieg. König Albert benahm sich übrigens wie ein Held. Am 26. wiederholte er Vorstoß bei Nieuport, der schon matter ausfiel als am 24. Auch hier wird erzählt, daß er ein Gewehr im Schützengraben ergriff, um durch persönliches Beispiel die Seinen aufzumuntern. Als Deutschstämmling mit deutscher Gattin voll echtdeutscher Französelei mit Leib und Seele dem Wallonentum ergeben, haßte er als Liberaler den deutschen Feudalismus. Persönlich verdient er Hochachtung. Doch griff er, wohl auf Drängen der Alliierten, die sich einen Pfifferling um Belgiens ausgeschriebenes Unglück scherten, zu der unlauteren Taktik, auf Kosten seines wohlhäbigen Landes die hochgezogenen Schleußen zu öffnen und das Meer zum Besuch einzuladen. Daß aber schon am 27. Überschwemmung hereinbrach und fortwährend das Gewässer stieg, ist Nachschreiberei aus oberflächlichen Berichten, denn es wäre Beseler dann unmöglich gewesen, weiterzukommen. Andererseits geht die deutsche Generalstabsschrift allzu summarisch über die letzten Kampftage weg und verlegt auf den 30., was teilweise schon am 28. geschah. Die Franzosen behaupten, die 5. Div. habe Ramskapelle erst am 30. genommen, das scheint aber ebenso nachdatiert, wie früher deutscher Bericht es vordatierte. Wahrscheinlich fiel der Punkt größtenteils schon am 27. und tagszuvor, da der Durchbruch bei Perwyse nicht so gelungen wäre, wenn die 3. Div. nicht auf gleiche Höhe kam. Jedenfalls nahm die 11. Brigade, besonders 24. R., schon am 28. den Bahnhof von Perwyse. Gleichfalls erstürmten nochmals, wie schon früher zeitweilig, 3. Jäger und II/III/48. R. Ramskapelle und hielten den Punkt im Laufe des 29., 30. gegen das 6., 3., 14. belg. Rgt. und franz. 16. Chasseurs nebst einer Turkobrigade. Erst spät im Eifer des Gefechts sah man die schaurige Wahrheit, die unheimlich gurgelnde Wasserwüste. Man verbiß sich auch dann noch in den Besitz von Perwyse, als man bis zum Knöchel in Schlamm und Wasser watete, was man anfangs, nachgerade an solches Fechten auf diesem Moorboden gewöhnt, für etwas Ständiges und Natürliches hielt, ohne der Erscheinung besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Doch versteht sich von selber, daß sich der Bahndamm erst am 30. zur Flut verwandelte, da man sonst nicht Zeit behalten hätte, sich über den Yserdeich des Westufers nach drüben zu retten. Erst dann gab man es auf, nach Furnes weiter zu stoßen, wohin bereits deutsche Geschütze donnerten. Rückzug war hier ein ebenso großes Heldenstück wie der Angriff. Man hat hier nochmals der heldenmütigen Aufopferung des hessischen 25. Pionierbataillons zu gedenken, welches die G. St. Schr. nicht mal namhaft macht. Wie der tapfere Stromübergang vom 26. R. überraschend wenig kostete, so verlor 24. R., das nebst 11. Ers. Batl. den Abzug deckte, nur ein Fünftel seines Verlustes (972) beim Rückzug. Schwer litt nur die Ersatzartillerie, links gedeckt von I/12. R. Die grausamen Schrecknisse werden im Gedächtnis weiterleben, doch fester Mannesmut triumphiert auch über die Natur. Bange machen gilt nicht! sagt der Berliner. Die Schreckensbilder, welche gegnerische Phantasie der Welt vorzauberte und in deren schadenfroher Ausmalung sie schwelgte, wären nur Wirklichkeit geworden, wenn Entsetzen die Märker ergriff und Panik um sich griff. Doch nirgends eine Spur davon. Mit eiserner Kaltblütigkeit wurde die tödliche Gefahr überwunden, als die Hochflut bis zum Knie, ja bis zur Hüfte stieg. Mochte sie auch über Kanonenräder und Sanitätswagen aufspritzen, kein Geschütz, kein Verwundeter, kein Gewehr ging verloren! Wäre das Korps Falkenhayn nur einige Tage früher erschienen, so wäre man längst über die Gefahrzone hinaus gewesen und dann schadete es nichts, ob man im Rücken durch die Wasserwüste abgeschnitten, da man sich dann an die Westseite des Ypernkanals heranschieben und im Verein mit 23. R. K. dessen sonst stets mißglückenden Sturm auf dem Westufer zum Erfolg führen konnte. Auch dort wäre spätere Überschwemmung zu spät gekommen. Als French seinem Kollegen Foch vorschlug, bei Ypern eine große Schlacht zu schlagen, war dies in Anbetracht der Lage eine tollkühne Dreistigkeit. Ohne die Deich-Durchstechung und Schleußenöffnung wäre die ganze Linie südlich der Yser im Rücken Frenchs verloren gegangen, während die Ypernschlacht tobte, und was dann? Wäre aber Falkenhahn schon vor 20. bei Dixmuiden gewesen und früher, als er tat, südlich davon über die Yser gegangen, dann fiel dies Bollwerk sicher viel früher, da damals noch nicht so ausgiebig besetzt. Obwohl der verzweifelte Widerstand sich dort zu Ende neigte, konnte man jetzt den Erfolg nicht ausbeuten und die lange bestehende Auffassung, als ob man Dixmuiden im Oktober je besessen habe und nur durch die Flut daraus vertrieben sei, irrt leider sehr. Die braven Freiwilligenjungen opferten sich umsonst, wieder mal stieß rührender Idealismus sich an der Materie wund, viel junge Blüte der Mark lag hingemäht. Immerhin war das Nordende der feindlichen Schlachtordnung gänzlich erschüttert. Obschon es zunächst darauf ankam, wie dort die Dinge sich entwickelten, und alle deutschen Augen sich gespannt dorthin richteten, um sich dann betrübt zu senken, machte schon der Druck am Südende von Ypern sich bemerkbar. Dies will erwogen werden, um sich in die Lage der Alliierten zu versetzen, wenn Beseler und Falkenhayn dauernden Erfolg gehabt hätten. Am 30. morgens erreichte die Rechte der 44. R. Div., während ihre Linke sich noch westlich Baerst an den Fluß lehnte, beinahe den Bahndamm bei Oostkerke, der übergangene Hauptteil der 43. arbeitete bis Caeskerke, besonders bei St. Jaques, welchen Punkt die G. St. Schr. nicht zu kennen scheint. Rechts davon erstieg damals 12. R. Brig. den Bahndamm bei Perwyse, dessen Ostteil die 11. erstürmte. Da merkte man dort vor Mitternacht ein eigentümliches Steigen des Wasserspiegels, anfangs achtete man wenig darauf. Die 9. Brig. hatte nun nördlich die Bahn überschritten, die 10. Ramskapelle bis zum Westrand genommen. Hier wo 12., 48. R. am weitesten voraus waren und das 17 km ins Land hineinreichende englische Schiffsfeuer ihnen wenig Schaden tat, war aber auch der Rückzug zur Yser am weitesten, als sich dort die drohende Gefahr aufdrängte: Sprengen der Kanalschleusen! Jetzt nachdem alle Gegenangriffe gescheitert und das Tor zu siegreichem Vollenden der Yser-Ypern-Operative entriegelt, zwang der unfreiwillige Bundesgenosse, den ein verzweifelter tückischer Feind in seinen Dienst beschwor, zu unvermeidlichem Rückzug. Beseler führte ihn mit solchem Geschick durch, daß man drüben erst spät am 31. merkte, wie rasch die Deutschen das schützende Ostufer gewannen. 5. Div. bei Mannekensvere, 6. bei Kastelhoek, vor Nieuport nur noch das Hamburger Ers. Batl. Noch bewahrte eine Nachhut westlich des Kanals die Strecke Stuyvekerke–St. Georges, wo es noch trocken gangbaren Boden auf umflutet aufragenden Schlamminseln gab, eine Kompagnie unter Leutnant Buchholz behauptete sogar noch lange Perwyse und rettete sich glücklich. Bis 1. November abends versuchte Falkenhayn von Süden Dixmuiden zu nehmen, die Wasserflut vereitelte es. Nach dunkelbewölkten Nächten ging jetzt der Mond auf und beleuchtete ein trübes Bild, doch seine Helle begünstigte den Abzug, der auch hier ohne jede Einbuße sich vollzog. Kein Geschütz, kein Verwundeter blieb zurück, obschon kindliche Einbildung oder bewußte Verlogenheit der Ententepresse schauerliche Sagen erdichtete. Die Märker zeigten sich des Kriegsruhmes würdiger denn je, den Jahrhunderte um ihre Fahnen wanden; ohne das politisch erlaubte, wirtschaftlich rücksichtslose, militärisch unanständige Herbeirufen der Meereswogen hätte die Yserschlacht eine entscheidende Wendung erzwungen. Natürlich war das Rettungsmittel zweischneidig, da seine Aushilfe auch den Gegner seiner Aktionsfähigkeit beraubte. Fortan überwachte nur Ers. Div. Werder das eigentliche Überschwemmungsgebiet, wo der Feind sich nicht rühren konnte, während drüben neue französische Brigaden die gänzlich erschöpften Belgier in Dixmuiden ablösten. Falkenhayns Korps, das für so junge Truppen Übermenschliches leistete, pausierte vorläufig, zur Beobachtung des Brückenkopfes bestimmt. Beselers Artilleriegeneral Zieten beeiferte sich den Feind in Atem zu halten und Verschiebung von Kräften nach Ypern zu hindern. Dagegen zog man Korps Beseler, das schon so lange blutig focht, aus der Yser- nach der Ypernfront herum, nicht um zu rasten, sondern als Elitereserve bei Poel Kapelle zu dienen, wo seine kernhaften Mannen bald genug zu tun bekamen? Nur die Hälfte, schon Anwesenheit seiner Artillerie vor Dixmuiden zeigt die Übertreibung. Die ursprüngliche Schwäche der Yserfront vor Grosettis Ankunft würde wohl zu früherem deutschen Vorstoß eingeladen haben, wenn man die von Frenchs prahlerischer Offensivprotzigkeit diktierte Verschwendung aller Hauptverstärkungen im Ypernraum gekannt hätte. French wollte dort um jeden Preis eine Angriffstendenz aufrechterhalten, sehr zwecklos, da Vordringen in Richtung Roulers unmöglich gesunde strategische Folgen haben konnte, während Vorbrechen über die Yser gegen Antwerpen die deutschen Etappen empfindlich berührt hätte. Man hatte aber Verteilung der deutschen Anmarschkolonnen schon so gründlich vorgenommen und sie gedieh so weit, daß nichts sich ändern ließ. Und leider blieb man zeitlich im Rückstand. Denn hätte man sofort das 22. R. K. benützen können, um südöstlich Dixmuiden durchzubrechen, so wäre die Yserlinie gesprengt und Dixmuiden unhaltbar, hiermit aber auch die Ypernstellung aufgerollt worden. Hier, nur hier lag damals die Entscheidung, nicht bei Ypern, vor allem nicht bei Grachten–Bixschoote. Das erwies sich im Laufe endloser Begebenheiten bis zuletzt als Kraftvergeudung. Und was schadete es, wenn Haigh ostwärts vorrückte und einen Luftstoß tat, während die aus Südost und Süd anrückenden bedeutenden Gruppen ohnehin Rawlinson zum Abzug nötigten! Man hätte auch noch das ganze 23. R. K. damals über Merkem westlich des Yserkanals ansetzen sollen, dann wäre ihm durchschlagender Erfolg beschieden gewesen. Doch der Gott der Schlachten verhüllte dies den Augen der deutschen Heeresleitung und man sage nicht mehr, daß irgendwo das Glück die deutsche Sache begünstigte. Es huldigte ihr so wenig, daß auch hier eine verhältnismäßige Kleinigkeit genügte, um den Endsieg dauernd in Frage zu stellen, den Krieg endlos zu verlängern. Das 22. R. K. nur drei Tage früher an der Yser und die Ypernschlachten wären nie geschlagen worden. French hätte schleunig verlustreichen Rückzug antreten müssen, wenn er Verbindung zur Küste wiederherstellen wollte. Ob es ohne die Überschwemmung möglich und ob es der Mühe wert gewesen wäre, mit fünf schon sehr geschwächten Divisionen den Stoß gegen Frenchs Rückzugslinie in Richtung Poperinghe weiter zu tragen? Das heiße Bemühen, dem nationalen Feldgeschrei »nach Calais« zu entsprechen, konnte zu Trugbildern verlocken. Auch das Beharren dabei, Dixmuiden in die Hand zu bekommen, wäre angesichts der großen Blutopfer später vielleicht besser zu vermeiden gewesen, da ein Heraustreten des Gegners nicht zu befürchten war. Ob man nicht besser getan hätte, von vornherein die Yser nur als Verteidigungsabschnitt zu betrachten? Da doch die Schleusenöffnung, einst von den Holländern oft angewandt, immer im Bereich des Möglichen lag? Wir werden stets daran festhalten, daß Stoß auf Ypern aus Süden, minder prätentiös weitgesteckten Zielen nachlaufend, methodischer und sicherer war. »Das Simpelste ist immer das Einfachste«. Das schien die Oberleitung einzusehen. Denn noch ehe Entscheidung im Nordwesten zu erwarten war, stellte man schon zuvor jene neue Heeresgruppe zusammen, die aus Süden anpacken sollte. Im übrigen verführte der romantische Nimbus der Yserkämpfe, der sich unverwüstlich einprägt, zum Wahn, hier seien besondere Blutbäder ins tückisch schäumende Gewässer geflossen. »Schwer litt die Ersatzdivision«? Durchaus nicht, sie verlor nur 1500, 5. R. D. nur 1600, 6. R. D. allerdings 3000, Pioniere 535, (3. R. P. mehr als die rheinischen), 44. R. D. 2400, 43. D. 3450, wegen enormen Verlust der Spandauer, den die G. St. Schr. ebenso wenig erwähnt wie die rührende Pflichttreue der Pioniere oder die heroische Standhaftigkeit der 18. Ers. Art. beim Abzug, zum Dank wofür sie amtlich vergessen wird. Summa 12 500, nicht gerade wenig für 67 Bataillone, (41 Beselers 6670), doch nicht soviel, um ein Lamento aufzuschlagen, wie in Berlin geschah. Es gab wahrlich schon größere Kriegsverluste, bei Longwy, in der Champagne, in den Argonnen, bei Reims, südlich Arras und nordwestlich Lille, auch litten zwei andere Korps von Kriegsfreiwilligen in den Ypernschlachten bedeutend mehr. Damit soll natürlich nicht die Leistung verkleinert werden, es war kein Spaß, das sprungweise Vorgehen auf Sumpfwiesen und aufgequollenem Lehmboden, durch verdrahtete Hecken und Wassergräben. Doch die Regimentsverluste waren meist auffallend gering. Bei Ramskapelle verlor die beigegebene Radfahrerkompagnie der 3. Jäger mehr als das ganze Bataillon 3. R. Jg. Hier litt nur 12. R. einigermaßen, weil es den weitesten Rückzug hatte. Indessen ist dies kein Kriterium, denn 35. R. verlor beim Rückzug auf Klosterhoek nur 75 Mann, 24. R. noch nicht 200, während es beim Vordringen am Bahndamm, wo es sich zur Fühlungnahme mit 206. seitlich zurückbog, am meisten litt. Verhältnismäßig ebensoviel I/II/35. Inf. bei Perwyse und vorher Kayem (791), während 20. R. überhaupt nur 372 und 35. R. erst bei späterem Vorgehen mehr verlor. Auch das den Abzug am rechten Flügel der Angriffslinie deckende 11. Ers. Ball, litt nicht erheblich, 6. R. Art. verlor zwar nur 7 Kanoniere, 44. R. Art. in so langem Mitwirken seit 24. nur 41, dagegen 60 beim ersten Vorgehen. Die Liste von 203. läuft bis 3., die des 12. R. bis 5. Nov., es macht aber nichts aus, weil vom 1.–10. an der Yser, kaum gekämpft wurde. Es ist sehr fraglich, ob vom harten Blutzoll der Spandauer (2000, zwei Drittel) viel auf den Rückzug entfällt. Mit obigem dokumentären Nachweis wird also jede Phantasie über den argen Abzug über dies rote Meer zerstört. Ja, ja, die V. L. sind schon so, die Sonne bringt es an den Tag. Diesen Rückzug soll mal ein anderer den Deutschen nachmachen. Hätten Briten oder Welsche ihn vollbracht, man würde Prahlen hören bis zum jüngsten Gericht. Die Ententepresse aber hielt großen Gerichtstag über die durch Gottes Finger Ertränkten, die Tausendundeine Nacht dieser Lügenscheherezade spann weiter ihre Schauermärchen durch dick und dünn, durch Blut und Wasser, rächte die Niederlage ihrer Waffen durch teuflischen Hohn ihrer feigen Dunkelmänner über den »Todessang der Hunnen«, nachdem dos brausende »Deutschland über alles« der stürmenden Jungmannschaft sie das Gruseln lehrte. Ist dies auch Wahnsinn, hat es doch Methode. Der Tod hauste ganz anders fürchterlich in den verbündeten Reihen, weshalb die aus ihrer Not erlösten Belgier sich völlig untätig verhielten. Offiziere gab es fast nicht mehr, das Waterloobekannte 7. Rgt. hörte auf zu sein, schweren Herzens sammelte der König die Reste seines Heeres. In drei Tagen sollen 10 000 Belgier getötet sein, unzählige wurden vermißt. Mit 25 000 wird die Einbuße der Verbündeten eher zu niedrig als zu hoch geschätzt. General Grossetti schob sich längst südöstlich, er wird es gewesen sein, der dem Lt. Bergholz in Perwyse Kapitulation anbot. Jetzt aber marschierte er, wie einst vor St. Prix nach Champenoise, flugs nach Nordosten fort. Die Franzosen bestärken den früheren deutschen Irrtum, Dixmuiden sei Ende Oktober gefallen, indem sie sich eine Waffentat andichten, 42. D. habe es uns wieder entrissen. Solche Vervollständigung des ruhmlos unwürdigen Wassersiegs gönnen wir ihnen. Tatsächlich marschierte Grossetti viel weiter, nämlich auf Merkem am Ypernkanal und mag dort Erfolg gehabt haben, trotz gegenteiligen deutschen Berichts. Jedenfalls trat er im November ganz ins Yperngebiet über. Freilich gehört guter Wille dazu, überhaupt etwas zu glauben, was Franzosen auftischen, die Anekdote » vouz en avex menti «, »Ich habe ja nichts gesagt«, »Aber sie wollten etwas sagen«, liefert leider die treffendste Selbstpersiflage. Diese Ausschmückungslust ließ tausende von Württembergern ersaufen!!! In Tausendundeiner Nacht ihrer geistigen Verdunklung kräht solche Scheherezade zu mißtönig in den Aufruhr der Elemente. Die Lage bei Ypern. Ursprünglich den andern Korps zeitlich und räumlich weit voraus, hatte K. Kleist nicht mehr die Vorhand, es wartete bis rechts und links ein Aufschließen möglich. 45. R. D. war am 19. bei Kortemark, Vorhut der 46. erst am 20. wieder bei Stade, erreichte zwar obsiegend den Ostsaum des Houthoulstwaldes und entrang den Territorialen schon am 21. das ganze Waldgebiet über dem Steenebekebach, kam aber dann wenig mehr vor. Die Stettiner Schwesterdivision lehrte den im Aufmarsch begriffenen Belgiern bald Mores, nahm das verschanzte Merkem und nördlicher Laghem mit 209., 210. R. Griff Kleist nur einen Tag früher an, ehe Haigh ausmarschierte, so hätte der Angriff nie gestockt. Und hätte Falkenhayn gleichzeitig früher angegriffen, so bekam der Stoß über Merkem solche Stütze und Bedrohlichkeit, daß French schwerlich Schlacht östlich des Kanals fortsetzen konnte. Jetzt war es zu spät, frontales Anrennen der 4. A. mit zersplitterten Kräften konnte nichts wesentliches erzwingen. Den Bogen im Osten und Südosten zu spannen war unnütz. Machten die damals noch sehr unvollzähligen Briten Miene, über Roulers–Menin in die scheinbar offene Südostflanke vorzugehen, wo ja das 3. engl. K. nicht mehr wie gehofft hinreichen konnte, so genügte 27. R. K. sie aufzuhalten und jeder Schritt nach vorn entfernte sie weiter von ihrer Rückzugsbasis, 26. R. K. hätte besser dorthin gehört, wo jetzt die Linke des 23. stand, es konnte von Poel schon Haigh in die Flanke fallen, brauchte sich nicht so breit auf Paschendaele zu entfalten. Doch natürlich gehörte zu dieser ganzen Kombination rechtzeitiges Eingreifen einer starken Südgruppe. Dann Ade! Die alten Illusionisten French und Foch konnten dann das Wort beherzigen »Klappe zu«! Doch das ominöse Wort »rechtzeitig« gewann hier traurige Bedeutung. Die Verstärkungen der großen Westverschiebung kamen der 4. A. erst im November zu gute, wo es wieder zu spät und falsch war: da sie im Oktober ihre Aufgabe nicht erfüllte, so war dies im November gegen den verstärkten Gegener ebenso unmöglich und man hätte nur die Südgruppe bis aufs äußerste verstärken sollen. Jedes Glanzstück der Truppen zerrann durch strategische Rechenfehler und gedankenlose Stärkeverteilung. Es bleibt traumhaft schön, daß die Begeisterung der Freiwilligenkorps noch mancherlei Erfolge pflückte, trotz anscheinender Unmöglichkeit bei zeitlicher Ungleichmäßigkeit des so schlecht angelegten Vorgehens. Das Übermaß zwecklos verbrauchter Mechanik südlich Arras sollte nun ganz nordwärts verlegt werden, im November trat eine wahre Verstopfung sich ineinander schlingender Massen bei Ypern ein, doch die Schicksalstage zu angemessener strategischer Schürzung und Lösung des Knotens waren unwiderbringlich dahin. Jetzt kam der um viele Tage verspätete Angriff obendrein noch um 10 Tage verfrüht, denn an Einwirkung der Südgruppe über die Lys, was Rupprecht und Falkenhayn persönlich am 14. vereinbarten, war noch gar nicht zu denken. Man vergegenwärtige sich, daß French schon am 14. seine Lage kritisch nannte. Der selbstgefällige Dorien sah seine Bahn durchkreuzt, Poultenay sich durch General Lafferts Operation beiseite gedrängt, Rawlinson hing bei Menin ganz in der Luft. Unter solchen Umständen war es alles Mögliche, daß French seinen letzten Pfeil aus dem Köcher und Haigh dem Zickzackkurs Coppers nachsandte. Auf ausführliche Polemik lassen wir uns nicht ein, die Feststellung bleibt aber unerläßlich, daß Copper erdrückt worden wäre, wenn rechtzeitig vereint 27. R. K. auf ihn fiel, während 4. Kav. K. Stetten ihn über Courtrai einkreiste. Wenn gleichzeitig 26. R. K. aus Osten dem nordwärts aufgestellten Haigh in die Flanke fiel und 23. R. K. die 87., 88. Territ. D. vor sich her trieb, war großer Erfolg möglich, ehe Foch sein 9. K. heranführte. Auf 32. K. (31., 38. D.) war vollständig erst bei Monatsende zu rechnen, auf 16. K. erst am 1. Nov., auf 22. K. erst am 3., 5. Deutsche Angaben über Mitwirkung dieser Korps sind alle falsch, zu dem Zweck vorgetäuscht, um nicht eine Fundgrube für unangenehme Entdeckungen zu liefern. Denn nur so begriffe man, daß bei Eingreifen von etwa 70 Bataillonen der Südgruppe so wenig glückte, und selbst dann würden 150 Bataillone (inkl. 66. R. und Jäger), von denen man stets das Höchste erwarten darf, über 170 Herr geworden sein. Es ist aber beides falsch. Lange fochten im Oktober bei Ypern nur 66 englisch-französische, dann vielleicht 110, erst ganz zuletzt etwa 125. Daß Winston Churchill von »vierfacher deutscher Übermacht« faselte, daran tragen deutsche Berichte selber Schuld, indem sie 13., 15. K., 2. bayr. K. zählen. Selbst die amtliche Schrift verfällt wie Stegemann in den Ausdruck »13. K.«, weil dessen Generalkommando Fabeck anwesend, doch nur mit 26. D. Umgekehrt führt auch die Ausdrucksweise irre, daß 7 deutsche Korps 8 feindliche angriffen, denn lange waren nur 3 englische, 2 franz. Divisionen vorhanden, später dazu 2 bis 3 franz., man muß divisionsweise zusammenrechnen. Diese mögen ihren Septemberverlust ergänzt haben; D. Copper schmolz aber schon erheblich durch Strapazen und das Territoriale war von geringer Qualität. Dagegen waren unsere Freiwilligenkorps vollzählig und frisch, diese »unmögliche Miliz« schlug sich über alles Lob erhaben. Ihre 77 Batl. hätten allein genügt, vor Ankunft des 9. franz. K. alle Stellungen zu überrennen, sie würden auch so noch obgesiegt haben, wenn rechtzeitig und vollzählig eingesetzt; wir behaupten aber laut Ausweis der V. L., daß höchstwahrscheinlich 20 ihrer Batl. im Oktober nicht eingesetzt, d. h. noch in zeitlichem Rückstand. Sie fochten stets gegen Übermacht und Lobpreisung der 26. D. bei Messines verdrießt, weil sie nur Reiterschützen und einige Bataillone des 3. engl. K. gegen sich hatte. Wäre 2. bayr. K., 13. K. vollzählig Ende Oktober im Kampf gewesen, so wäre ihre Leistung erbärmlich, denn es ist unwahr, daß sie schon 16. 22. franz. K. gegen sich hatten, von denen höchstens 15 Batl. am letzten Oktobertag mitwirkten. Nach unserer Ergründung fochten aber nur eine bayrische Vorhut und nicht mal die Hälfte Deimlings. Nun ist aber ergötzlich, daß die amtliche Schrift zwar alles mögliche fechten läßt, (auf franz. Seite gar noch ein anderes unbekanntes Korps), dafür aber meint, 25. R., 3. D. seien erst im November ins Feuer gekommen. Laut V. L. fochten gleichwohl 3 Pommersche, 2 Hessische Regimenter am 31. Oktober. Im ganzen etwa 40 Batl. der Südgruppe, aber erst ganz zuletzt, sie taten am wenigsten. 37., 38. L. W. Br. marschierten von der Yser erst Ende Oktober zur 4. A. Daß die G. St. Schr. sie und »1. Ers. D.« dort im Oktober mitzählt, widerspricht den V. L. (Übrigens gingen 1. Ers. Rgt. und 1. bayr. L. W. Brig. nach der Champagne, wo auch 224. R. Weimar eine Zeitlang hospitierte). Selbst wenn 6 Batl. dieser Einheiten mitwirkten, standen bei Ypern bis 31. Okt. nur wenig über 100 Batl. im Kampfe gegen starke Stellung überlegener Kräfte mit weit überlegenem Geschütz. Denn auch das stimmt nicht, daß die Fabeck beigegebene stattliche Menge schwerer Artillerie vor 1. Nov. wirkte. Dagegen ist bei 6 belg., 2 franz. Div. an der Yser zu vermerken, daß erstere kaum die Hälfte ihres Bestandes und Romach nur Brigadestärke hatte, 5 deutsche Divisionen (2 davon frisch, die andern sehr wenig geschwächt) sehr wohl imstande waren, sie zu brechen. Möglich, daß zum Schluß noch etwas Territoriale und Turkos mitwirkten, auch fehlte 52. R. nach unserer Meinung der 5. R. D., doch man sollte nicht ewig von »Dixmuiden« schwärmen und darüber die unglaublichen Heldentaten der Sachsen, Badenser, Rheinländer der andern Res. K. vernachlässigen, die man auch insofern stiefmütterlich behandelt, als die Pommern Kleists über Gebühr gepriesen wurden, obschon sie lange nur schlechtere Truppen gegen sich hatten. Ist auch hierin System? An Kavallerie waren die Gegner sich gleich, je 9 Div. (4 franz., 3 engl., 2 belg.), da auch 2. Kav. D. die Gruppe Fabeck begleitete. Ihr schlossen sich 3. Husaren des 3. K. an, da Reiterei an der Aisne unnütz wurde; sie und 3. Ul. gesellten sich zu den Pfälzer Chevauxlegers, als sie über Houthem gegen Ypern vorritten. Bemerkenswert ist die französische Angabe: 14 000 Reiter der 4., 5., 6., 7. Kav. D. seien erst am 25. östlich Ypern aufmarschiert, wahrscheinlich um Lücken zwischen Haigh und Ravlinson zu schließen. Da noch ein erheblicher Teil bei Comines–Wervicq focht, endeten dortige Gefechte schwerlich vor 25. Dies Datum wirft ein vorüberzuckendes Licht. Denn danach scheint 9. franz. K. noch nicht am 25. bei Langemark eingetroffen, worauf erst Haighs Umgruppierung nach Osten neben Ravlinson erfolgte. Wie dann? Also hätten seit 20. sechs frische deutsche Divisionen gegen fünf, von denen eine mürbe und zwei minderwertig, nichts ausgerichtet? Das glaube ein anderer! Wir folgern unverzagt, daß dann eben nicht diese 6 Div. vereint fochten, ihr Hauptangriff auch viel später als 20. erfolgte. Die V. L. geben uns recht. Die G. St. Schr. scheint zu glauben, daß Ravlinson bei Menin Poultenay suchte. Doch diesen alten Bekannten konnte er dort nie finden, was der beauftragte Autor erkannt hätte, wäre ihm der Hessenkampf bei Le Quesnoye geläufig gewesen, wovon er anscheinend kein Sterbenswörtchen weiß. Da sollte er doch lieber nicht den Tempel einer welthistorischen Schlacht betreten, wenn er schon auf der Schwelle stolpert. Daß der Feind die Lys bei Warneton freigab, war wesentlich durch Zurückdrücken der Briten auf Armentières veranlaßt. Als Copper seinen Vormarsch einstellte, fürchtete er nicht Gefahr von Menin, sondern von Roulers. Vom Nahen des 27. R. K. war ihm nichts bekannt, weil es eben noch gar nicht erschien. Wenn aber Copper früher Ypern besetzt gefunden haben will, – Kav. Vorhut und vielleicht 18. Randsburger Jäger, die mit dem Rostocker R. Rgt. als Vorhut Kleists schon am 9. bei Stade standen, – so ist dies doppelt ein Fingerzeig, daß die 4. A. dort hätte stehen können. Vielleicht suchten sie dort Mitte des Monats die bei Ypern und Balleuil vorgepirschten Schwadronen. Man dachte dem bisher wenig glücklichen Herzog Albrecht eine schöne Rolle zu mit dem Feldgeschrei Calais für die begeistert eifrigen Freiwilligen. Ein hübscher Traum, hübscher wäre die Wirklichkeit gewesen, wenn am 18. Albrecht bei Ypern und Beseler jenseits der Yser gestanden hätten, was ganz im Bereich der Möglichkeit lag. Für beide Parteien war der Zusammenstoß eine Überraschung. Dem König Albert, der selber alles Unglück über sein Land hinaufbeschwor, im Gegensatz zum Premierminister und früher weitsichtig warnenden Diplomaten, versicherte man treuherzig, diesmal würden die Deutschen mit Fußtritten über den Rhein getrieben. Die Deutschen hofften ebenso treuherzig auf militärischen Spaziergang über Ypern. Krieg ist aber, wie Napier bezüglich Massenas Portugalfeldzug bemerkt, keine Konjekturalpolitik. Man glaubt es mit lauter Kindsköpfen zu tun zu haben. Foch und French fielen aus den Wolken, als ein frisches deutsches Heer auf sie zukam. Doch es bewegte sich so langsam, daß nicht mal der verschüchterte Copper sich aus dem Staube machte. Kommst du heute nicht, so kommst du morgen, in einer Krise, wo jeder Tag kostbar. Das Entkommen der Belgier zu Lasten der O. H. L., die nicht Beseler zu rechter Zeit verstärkte, war ein Skandal; die Verspätung der 4. A. ein anderer. Hätte sie am 20. den Ypernkanal erreicht, so wären die Folgen unberechenbar gewesen. Mit unerhofft rascher Einnahme von Antwerpen und Lille holte man sich nichts als strategische Nackenschläge. Der Mordskampf bei Arras war eine Ungeschicklichkeit, weil man damit nicht mal Maudhuys Anschluß an French verhinderte und in öder Frontalrauferei die besten Truppen vergeudete. Die Front Arras–Roye war so unbehilflich überlastet, daß man sie Ende Oktober und Anfang November um 4 Div. verringern konnte. Nur das elegante Manövrieren der Sachsen bot einen Lichtpunkt. – – Für den von Wervicq zu durchschreitenden Raum kam zunächst Houthen in Betracht, dahinter Hollebeke, westlich Wytschaete, dahinter der Kemmel, wo sich drohend eine englische Massenbatterie erhob. Nun ist zwar erwiesen, weil durch V. L. belegt, daß bayerische und preußische Reiter am 31. bei Schloß Hollebeke streiften und bei Houthen ein kleines Gefecht hatten, da hier offenbar nur schwache englische Posten standen. Daß wir aber dort das ganze Pfälzer K. begrüßen sollen, ist aus der Luft gegriffen, da wir zwei Drittel davon noch lange zwischen Arras und Somme fechtend trafen. Selbst die Vorderstaffel 5., 18. Rgt. hatte längeren Aufenthalt, bis die Reitergefechte den Übergang über die Lys freimachten. Wann diese endeten, ist ungewiß, da doch Richthofen sich erst am 28. vor Messines eingrub, nachdem der Kampf mit blanker Waffe zum Vorteil seiner Schwadronen ausschlug. Kein nennenswertes bayrisches Fußvolk kann am 30., 31. bis Hollebeke gelangt sein; in solchem Falle pflegt Reiterei nicht im Vordertreffen zu stehen wie bayr. 2. Schweren Reiter, 6. Chevauxlegers bei Houthen, 3. Hus., 2. Drag. bei Hollebeke nebst 2. J., 2. P., 5. Art. des 2. b. K., die richtige Vorhutzusammenstellung. Da 26. D. sich erst am 31. vor dem viel südlicheren Messines entwickelte, wie soll da »3. bayr. D.« am Messines vorbei bis nahe an Ypern gelangt sein! Vielleicht Verwechselung mit 3. pommerschen D., die am 31. ihre Vorhut vor Wytschaete brachte. Da 25. R. D. gleichfalls überging, den Umständen nach früher am Platz, als die Bayern, so verstopfte dies doch auf längere Zeit das Flußdefilee. Mal vordatieren, mal nachdatieren, wie es gerade den Offiziösen paßt; wen sollten die Pfälzer »mit großem Erfolg angreifen«? Damals bewachten nur schwache Posten des 3. engl. K., das langsam nach Norden absplitterte, diese Strecke. Man würde den Pfälzern, die sich später höchst ruhmwürdig verhielten, ein Armutszeugnis ausstellen, wenn sie dann nicht gleich bis Ypern vorgedrungen wären. Warum kreidet man Moltke so an, daß er zwei Korps Ende August nach Rußland sandte? Hier entzog man der Südgruppe im November geradeso vier Divisionen, als ob man sie nicht besser der andern Schlachtfront entnommen hätte. Schlagender Beweis, daß die O. H. L. nie begriff, daß nur die Südgruppe sich entscheidend auswirken konnte, wie auch die Folgezeit lehrte. Für den Oktober aber steht fest, daß die 4. A. sich bis 30., 31. allein schlug. Man stelle sich vor, daß Fabeck nur zwei Tage früher mit vereinter Macht angegriffen hätte. Wenn er und Beseler sich im Rücken von Ypern rührten, war die Einkesselung fertig. Mag man über diese Form denken wie man will, French war nicht der Mann, ihr auf der innern Linie rasch entgegenzutreten. Es hätte betäubend gewirkt. Doch wie gewöhnlich drohte man nur mit der gepanzerten Faust, mit taktischen Schlägen ohne einheitlichen Gedanken. Durch ununterbrochene Schnitzer die herrlichen Truppen opfernd, machte man die Kanalschlacht zu – Wasser, obschon sehr blutigem. Man muß sich noch über manchen Punkt einigen, ehe man diese Schlacht malen oder auch nur untermalen kann. Wäre die 4. A. einheitlich hereingebrochen, so standen die Verbündeten auf viel zu weiter Front. Für Ravlinson schien die Luft geklärt, als Haigh nordwärts von ihm lagerte. Erst spät ward er sich seiner Isolierung an der Meninchaussee bewußt, weil eben K. Carlewitz erst allzu spät sich fühlbar machte. Behielt Haigh seine Umschwenkung nach Nordosten bei, so zielte K. Hügel unmittelbar in seine rechte Flanke. Hier drängt sich die Frage auf, an der die G. St. Schr. achtlos vorübergeht: Fochten wirklich Engländer gegen 46. R. D., wurde Langemark je ein Brennpunkt deutsch-englischen Nationalhaders, wie die Fama wähnt? Die Meinung, dies sei eine britische Hochburg geblieben, irrt völlig; die tapferen Verteidiger waren dort immer Franzosen. Doch deren 31. D. kam erst sehr spät, wenn überhaupt im Oktober. Wann aber rückte 9. K. de Moussy auf? Hier haben wir das Datum, daß Kav. K. Mitry-Conneau am 23. vor Langemark aufritt. Conneau wandte sich dann nordwärts, Mitry südöstlich bis über die Bahnstrecke Roulers-Menin, d. h. vor Morslede, um die Lücke neben Ravlinson zu füllen. Hiermit zerfällt aber die ganze amtliche Darstellung über Beginn der Schlacht in nichts. Denn unter solchen Umständen könnten 26., 27. R. K. erst höchstens im Laufe des 25. angegriffen haben. Jedenfalls wird hiermit der Zeitpunkt festgestellt, wo die Reitermasse sich teilte, um das 9. K. in die Front zu lassen. Klarheit gibt es nicht, auch nicht über die Angabe, daß General de Moussy das K. Haigh in die Witte nahm, die 2. englische D. bei Langemark mit 17. D. ablöste und die 1. D. mit der 18. bei Morslede einrahmte. Jedenfalls kann alles, was bis dahin im Osten vorfiel, nur Vorhutscharmützel gewesen sein. Wären am 19., 20. vier frische deutsche Divisionen vereint auf drei schon früher abgekämpfte englische gefallen, so wären diese sozusagen zerplatzt in völliger Überraschung. Denn erst am 18. erfuhr French, dessen Zickzacklinie von Bethune bis Menin schief und krumm durcheinander lief, durch Abfangen einer Radfahrpatrouille etwas über die 4. A., anscheinend aber nur als aus Norden kommend. Was an Verstärkungen auf dem Wege war, ward von French nach Norden dirigiert, von Foch noch Ende Oktober. Klar genug, daß er nicht so verfahren wäre, wenn damals schon starker Druck aus Süden auf Ypern lag. Nur im Norden scholl vom 19. bis 22. Kampfeslärm, wo bereits die Belgier von der Bildfläche verschwanden; der Angriff aus Ost und Südost kam ganz unerwartet. Ja, die Oktoberschlacht wäre wenig ehrenvoll für uns, wenn die amtliche Darstellung nicht auf Ungründlichkeit oder planmäßiger Irreführung fußte. Sie stürzt wie ein Kartenhaus zusammen, sobald wir die Ausdrucksweise »Korps« in Divisionen und Brigaden berichtigen, und die Phantasmagorie deutscher- und feindlicherseits schon fechtender großer Massen zerstören. Dies Zahlenbild betrifft auch das Elsässer Korps. Man rechnet nicht damit, daß die Furchtbarkeit des Craonnekampfes zwar nachließ, doch keineswegs ausbrannte, also Deimling erst nach und nach seine Truppen loslösen konnte. Bezeichnenderweise führt die G. St. Schr. nur ein Bataillon 143. an, das wir obendrein in den V. L. nicht finden, und nur zwei Bataillone 105., die tatsächlich bei Gheluvelt fochten; gerade diese zwei stehen in den Listen. Für die Vertrauenswürdigkeit des Offiziosus ist aber lehrreich, daß er ausgerechnet die fünf Bataillone nicht nennt, die notorisch am letzten Oktobertag bei Zandworde fochten: 172., I/II/171. Dafür wirft er mit 30., 39. D. um sich, als seien diese Einheiten je zur Stelle gewesen. Wir kennen diese Art ja sattsam aus Bülows Marneschlacht. Nicht mal Artillerie war genügend da, nur 84. Art. vollzählig. Wir wissen von Mitkämpfern, wie man darüber klagte, und wie überstürzt die Vorderbataillone ins Gefecht traten. Die G. St. Schr. redete von »am 20. beginnenden Angriffen der 6. A.« Herr, dunkel ist der Rede Sinn. Was haben die Kämpfe bei Lille und Armentières mit der Ypernschlacht zu tun? Die Irreführung verdutzt um so mehr, als Prinz Rupprecht sich erst am 19. mit Falkenhayn besprach, als angeblich 4. A. schon zur Schlacht antrat. Erdichtete Vollwirkung Deimlings am Monatsende schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe; erstens, um dies geniale Disponieren der vorsorglichen O. H. L. zu veranschaulichen, zweitens, um so frühe Eroberung Gheluvelts vorzuspiegeln. Wir sind aber nicht geneigt, Ententeberichte grundsätzlich abzulehnen, falls sie nicht der Wahrheit offensichtlich ins Gesicht schlagen. Der Spruch, »wer einmal lügt, dem glaubt man nicht,« erfährt durch die Einschränkung »und wenn er auch die Wahrheit spricht«, eine unmoralische Korrektur. Die Vorbestrafung vor Gericht ist eine der morschen Eselsbrücken der blinden Justitia; denn auch ein wegen Meineid Vorbestrafter oder ein Gewohnheitslügner spricht gelegentlich Wahrheit; nur Denkträgheit verbietet, jeden Fall kühl nachzuprüfen, welche Aussage sich mit Wahrscheinlichkeit deckt. Die Engländer sagen hier, Gheluvelt sei zwar am 31. erstürmt, doch sofort zurückerobert worden. Der allgemeine Gefechtsstand bis 7. Nov. bestätigt dies. Wäre nun Deimlings ganzes Korps am Werke gewesen und dazu das ganze 27. R. K., so wäre unerfreulich, daß die zwei englischen Div. nicht von ihnen bewältigt werden konnten und daß sie sogar bald darauf selber in Bedrängnis gerieten. So zieht eine Unstimmigkeit immer die andere nach sich. Indem man die Oktoberschlacht mit einem Erfolg beschließen will, bemakelt man zugleich den Ruf braver Truppen und arbeitet der Aufschneiderei des Gegners über deutsche Übermacht in die Hand. Halten wir dagegen fest, das laut V. L. höchstens 10 (wahrscheinlich 7) Bataillone Deimlings und 14 des 27. R. K. fochten, so klingt die Sache anders. Auch bezüglich der Pfälzer bekommt alles erst ein verständliches Aussehen, sobald man bedenkt, daß auch Richthofen bis 30. allein war. Besonders hübsch läßt die G. St. Schr. auch noch 6. bayr. R. D. auf Wytschaete los, nachdem sie vorher bei Dadizeele nordöstlich Menin aufmarschiert sei und obendrein ihr 16. R. großartig bei Gheluvelt die Elsässer heraushieb, die überhaupt alle möglichen Verstärkungen nötig hatten! Und das alles gegen zwei englische Divisionen, denn mehr waren nicht zur Stelle gegen zwei ganze deutsche Korps! O sancta simplicitas! Si tu tacuisses! Mit nötiger Abbiegung auf Wervicq und Flußübergang marschierte also diese Division am 31. mindestens 50 km und griff dann abends Wytschaete an. Vielleicht flog 16. R. auch noch durch die Luft nach, alles am nämlichen Tage! Solche Verworrenheit ist schwerlich unabsichtlich; der Verfasser gehörte nämlich selbst zur Artillerie dieser Division und möchte gerne seinen Truppenteil aus freier Hand einen Ehrenkranz flechten. Die ehrlichen V. L. verbannen den Spuk, wie die Kodakplatte die Hypnosebilder der indischen Fakire. Was melden sie? Null, nichts! Kein Teil 6. b. R. D. blutete im Oktober, 16. R. selbst im November nur wenig. Mitry wäre wohl nicht seelenruhig nach Norden abmarschiert, wenn er Nahen großer Fußvolkmassen an der Lys bemerkt hätte. Es gab eine Begegnungsschlacht bei beiden Parteien. Teilte French die Illusionen Fochs über Möglichkeit hiesiger Offensive? Aber er nennt ja selber zuvor seine Lage kritisch; jedes Vorwärtsgehen entfernte ihn erst recht von seiner Basis. Beharren selbst des Dickköpfigsten bei solcher Verkehrtheit wäre unmöglich gewesen, wenn am 30., 31., wo die Strecke Wytschaete–Ypern faßt völlig entblößt war, große deutsche Massen dort vorrückten. Das bayr. Kr. Arch. entfaltet freilich solche Unkunde, daß es am 30. Württemberger »um Wambeke« ringen läßt, also mit Messines in Flanke und Rücken. Wenn deshalb die bayrische Linke »zurückhing«, so ist der Fall erledigt, sintemal die Würt. noch am 31. vor Messines standen. Den magern Hinweis, daß die Bayern am 31. »mühsam etwas vorwärts kamen«, d. h. nichts Ernstes vorfiel, ergänzt die Zauberei, daß Teile von engl. 1., 2. D., franz. 9. K. gegenüberstanden, die damals alle zwischen Zonne- und Zillebeke in bitterstem Kampf lagen! Nur mit 1., 2. engl. Kav . D. hat es seine Richtigkeit, deren Hauptteil aber mit Würt. und Richthofen zu tun hatte! Im Gegenteil begrüßen wir das Geständnis, daß man nirgends Teile 3. engl. K. bemerkte, denn dies wären die einzigen gewesen, die allenfalls für Besetzung von Wytschaete–Wambeke in Betracht kämen. Es bleibt also dabei, daß höchstens einige Allenby zugeteilte Bataillone den Bayern »gegenüberstanden«, ihre Leistung daher unter aller Kritik wäre. In Wahrheit gab es aber am 30., 31. hier sozusagen weder Angreifer noch Verteidiger. Laut b. Kr. Arch. sei 3. D. am 30. »südlich Lys« angetreten, abends im Besitz des Schloßparks Hollebeke, 4. D. »westlich Zandvorde«. Dort »starker Verlust« des 5., 9. Rgts.? Laut V. L. nicht mal stark in November-, für 9. Rgt. sogar erst in Dezemberliste. Von 3. D. erkennen wir nur 18. Rgt. allenfalls hier an; auch vom 3. Fußart, wissen V. L. nichts, nur von 5. Art., der Vorhut. 21. R. trat erst am 31. abends »den Vormarsch über Houthem an«; warum denn, wenn die Pfälzer schon am 30. über Hollebeke hinaus waren? Sehr einfach, weil eben nur jene Reiter- und Jägervorhut über Houthem bis 31. abends bei Hollebeke. Der Verbündeten unglaubliche Verblendung erinnert an Sedan-Mac Mahon; doch damals kam Kapitulation heraus. Was hier? Weil damals das Schicksal es so wollte, und diesmal anders? Ja, doch der würde die geheimnisvolle Macht mißkennen, wer sie mit »Glück« verwechselt, als ob ihre Beschlüsse nicht strenger Kausalnotwendigkeit folgten. Wenn sich Scipio und Wellington als Besieger Hannibals und Napoleons blähen oder Moltkes Triumphe über Trettel als Strategenwunder gelten, so lächelt man zwar über eitle Glückverwöhnte, verkennt aber die viel subtilere gerechte Schicksalsfügung. Hannibal erlag den Sünden Karthagos, Napoleon den Erbschaftsschulden sowohl der Revolution als des Roi Soleil-Imperialismus, deren moralische Haltlosigkeit ihm den Boden unter den Füßen wegzog; seinen sog. Neffen führte katilinarischer Cäsarismus ganz logisch nach Sedan. Innere Kausalgründe bestimmen den Gang weltgeschichtlicher Entwicklung. Wenn wir das Verhängnis der Marneschlacht wiederholt sahen, indem man aus der Gunst der Ypernlage keinen oder nur äußeren Nutzen zog, so muß ein Knacks nicht in äußeren Bedingungen, sondern im Gehirn des neupreußischen Systems die Ursache sein. Deutschlands Untergang trotz beispielloser Herrlichkeit seines Heeres war vorausbestimmt nicht durch »Laune« des Schicksals, das nur Toren als blind waltende Zufallsmechanik auffassen, sondern durch die ganze Mischung von wohlweiser Schneidigteik und professoraler Charakterschwäche, die seinen häckeligen Materialismus innerlich entwaffnete, weil entgeistigte. Mit dem Professor und Offizier, beide Symptomtypen des gleichen Philistertums, als Lehrmeister, gewinnt man keine Weltkriege um Sein oder Nichtsein. Die Uniformdrillung auf allen Gebieten ist das Gift, das man auch dem urwüchsig-genialen Bismarck kredenzte. Er kannte die » Halbgötter .« Die Schlacht bei Ypern. Das mit Kanälen, Bächen, Gehölzen, Hügelwellen, Pachthöfen, Wiesenzäunen durchsetzte Weichbild spaltet sich, von der Meninchaussee durchschnitten, in zwei ungleiche Hälften, nördlich von Becelaere bis Langemark und von da zurückgebogen zum Kanalpunkt Steenstrate, südlich von Gheluve bis Groh-Zillebeke östlich des Kanals, dann westlich des Wassers bis Kemmel. Ein Halbkreis, an den man nur südwestlich, wo das Kanalnetz sich vereinfachte, leichter herankommen konnte. Wir verstehen uns nicht dazu, Ostangriff nicht voreilig zu finden, sobald man durch Augenschein Einsicht in diese Gelände-Fallgrube erhielt. Doch wo war Einsicht? Man hielt sich an den ebenso einfachen, wie unausstehlichen Wahlspruch: Feste druff! Deimlings Vormarsch stieß anscheinend, wenn wir V. L. richtig lesen, auf englischen Vorposten südöstlich Menin, denn seine Vorderbrigade (171., 172.) verlor extra 100 Mann. Die hybride Zusammensetzung, die sich 4. engl. K. nannte, streckte also noch weiterhin seine Fühler aus. War dies möglich, wenn es schon seit 21. in hartem Kampf gegen das ganze 27. R. K. verstrickt lag? Die Engländer stellten sich so an, und selbst bayr. Kr. Archiv begünstigt die Fabel aus durchsichtigen Gründen, daß 54. R. D. stark mitwirkte. Doch von den vier Marschsäulen des Generals von Carlowitz gelangten nur die zwei der 53. R. D. richtig an den Feind; wann, ist keineswegs so ausgemacht, wie die G. St. Schr. diktiert. Wir behaupten unverzagt, daß laut V. L. die drei Württemberger Regimenter der 54. R. D. erst im November fochten, wahrscheinlich auch 244. Rgt. der 53. D. Ein Irrtum liegt um so weniger vor, als wir Württemberger Pioniere und 54. R. Art. ebenso bereitwillig in den Oktoberverlust aufnehmen, wie Sächsische 245. R. 26. R. Jg. der 54. D. Die V. L. sind ganz genau im Datum. Desgleichen verwendete Korps Kleist, obgleich es früher im Felde stand, als die andern, 215., 216. R. nicht. G. St. Schr. sagt natürlich das Gegenteil; die argen V. L. verlegen aber den bedeutenden Verlust dieser Regimenter auf November, wo auch 213., 214. R. erst schwer litten. Here hangs a tale , sagt Kipling, denn die Amtsschrift schwärmt nur deshalb von sehr unwahrscheinlichen Heldentaten des 215., 216. im Oktober, um deren wirkliche Novembertat, die allein ihren Verlust erklärt, einer andern Lieblingstruppe zuzuschlagen. Beim 26. R. K. steht unbedingt fest, daß 240. R. überhaupt nicht und 238. erst am Schlußtag mitfocht, vermutlich nur mit einem Bataillon, nach dem schwachen Verlust zu schließen. Mitwirkung von 235. entdecken wir gleichfalls nicht, nur für 234. schwingen wir uns allenfalls dazu auf, es wenigstens in der Feuerlinie anwesend zu glauben. Die ungeheure Einbuße von 239. und erhebliche von 233., 236., 237. R. verweist auf deren lange Vereinsamung ohne Unterstützung. Die Ungleichmäßigkeit der Verluste entspringt der Ungleichmäßigkeit der Angriffe. Da alle Teile mit höchster Tapferkeit fochten, so würden 80 Batl. (inkl. 66. R., das freilich dann bei Stade stehen blieb nach blutigem Kampfe) zweifellos die 36 englischen, 36 französischen glatt überrannt haben, wenn sie seit 20. vereinigt angriffen. Da die Territorialen bald geschlagen waren, so wäre das ziemlich passive Ergebnis eine Schande der deutschen Waffen, besonders wenn noch 25 Elsässer Bataillone und ungezählte L. W. und Ers. Batl. mitfochten. Die G. St. Schr. macht hier wieder üppigen Gebrauch von ihrer Verrechnungssucht, denn von der L. W. D. Mayer befand sich die eine Brigade noch im November vor Nieuport, die andere war von dort am 26. nach Broodseinde abmarschiert und langte daher sicher nur mit der Hälfte noch in der Feuerzone an, was wir für 73. L. W. den Listen entnehmen. Von der 2. Ers. Brig. entdecken wir nur 3. Ers. Rgt. als im Oktober blutend. Aus allem obigen geht hervor, daß statt 126 Batl., die man nach den Annahmen der G. St. Schr. summieren müßte, nur 72 wirklich zwischen Merkem und Gheluvelt fochten, während der Gegner durch 9. und Hälfte 32. K. zuletzt auf 120 stieg. Das macht auf einmal wieder alles verständlich, nämlich daß es sich hier nur um Ehre der braven Truppen, doch um Schwäche der oberen Führung handelt. Denn wenn wir behaupten, daß 8 Regimenter Albrechts im Oktober kaum Verlust hatten, so denken wir keineswegs an Aufspannung von Reserven, – sonst hätte man nicht L. W. und Ers. Batl. eingesetzt, – sondern einfach um Nichtdasein wie in der Marneschlacht. Lägen die Dinge nicht so wie wir sagen, so wäre Zermalmung von Rawlinson und Bridon bis zum 25. sicher gewesen, sodann hätte die Schlacht nach Eintreffen de Monssys nie einen kritischen Charakter annehmen können. Ein Blinder sieht, daß es mit der amtlichen Darstellung überall einen Haken hat. Sie tut, als sei die Schlacht am 19. gleichzeitig überall entbrannt, doch Logik und Listen verneinen das. Es widerspräche schon sehr, daß Carlowitz früher bei Menin vorrückte, ehe Stetten sich als Flankendeckung heranarbeitete. Dessen Gefecht mit blanker Waffe bei Comines nördlich La Quesnoye endete angeblich am 23., doch obschon Mitry dabei den Kürzeren zog, scheint er gelassen abgezogen zu sein und es scheint kaum glaubhaft, daß 2. bayr. Schwere Reiter, von Stetten kommend und sich der Pfälzer Vorhut anschließend, schon am 24. weit jenseits der Lys westlich der Kanalstrecke Comines–Ypern bei Houthem standen. Wenn Stegemann dortiges Gefecht schon auf 22. verlegt, als wären »Comines-Houthem« eine einheitliche Handlung, so merkt man die beginnende Zeitverwischung zu dem Zweck, baldigen Angriff der 6. A. vorzuspiegeln. Die Listen sagen deutlich »Houthem 24.«, doch teilen keineswegs mit, wann das Vorhutgefecht endete. Von da ist es ein Katzensprung bis Hollebeke und es wäre ein Skandal, daß man sechs Tage dazu bedürfte, denn selbst die G. St. Schr. läßt erst am 30. die Pfälzer dort sich aufpflanzen. Doch die Lösung ist einfach. Es war eben nichts da als ein Vorhutbataillon des 5. und 18. Rgt. nebst 2. Pionieren, schwache englische Posten reichten aus, das Scharmützel hier zu halten. Das ganze offenbar ein Reitergefecht, in das bis 31. die frühergenannten Brandenburger der 2. Kav. D. sich einmischten. Da die Bayern notorisch erst im November bei Oosttaverne nördlich Houthem fochten, handelt es sich bei Schloß Hollebeke am 31. nur um seitwärtiges Vorgehen jener Schwadronen. Daß deutsche Massen vor 30. über Wervicq und Warneton (südlich Messines) vorgingen, kann schon deshalb nicht sein, weil der spätere Marschall Allenby, ein bisher wenig bewährter Herr, noch am 28. einen starken Ausfall gegen Richthofen unternahm. Dieser ausgezeichnete Reiterführer, der bald darauf in Rußland seine besondere Tüchtigkeit zeigte, hielt sich trefflich mit Hilfe der Gardejäger. Hier brachten 2. G. Drag. ihre Schießkunst an den Mann, wie früher bei Dinant die hinter Kreidefelsen versteckten G. Ulanen und im Röhricht des Morin die vornehmen Hünen der G. du Corps mit dem Adlerhelm. Erst am 29. marschierten die Württemberger des Herzogs v. Urach vor Messines, ohne vor 31. anzugreifen. So liegt auf der Hand, daß erst am 31. abends an Messines vorbei anderes Fußvolk der 6. A. vorgehen konnte, und das war eben die Vorhut der 3. Pomm. D., Teile von 2., 9., 42., sowie der 25. R. D., Kompagnien von 168. Inf., 118. R., welch letztere an dem blutigen Kampf ihrer Division und 116. Inf. bei Le Quesnoye nicht teilnahm. Von alledem weiß die G. St. Schr. nichts, welchen Undank gegen die Hessen wir bitter vermerken. Jenseits der Lys lag eine Feldschlacht in der Luft, doch erst nach langer gewaltsamer Auskundung der Reiterei, ganz gemäß der üblichen Theorie. Von der Flußüberschreitung unter feindlichem Widerstand bis zum Erscheinen vor Ypern war noch ein weiter Weg und auch Verschiebung Stettens nordöstlich nach Menin erforderte Zeit. Aus obigem ergibt sich, daß die französische Angabe über Mitrys Aufmarsch am 25. vor Ypern genau der Wahrheit entspricht, also auch jede Schlußfolgerung daraus. Laut englischer Angabe ist Haigh erst am 22. zwischen Roulers und Langemark zurückgegangen, also erst damals die Vorhut 26. R. K. sichtbar geworden. Nach Süden liegt nur für Oberflächlichkeit die Entwicklung so klar, wie Stegemann sie aus dem Stegreif entrollt und G. St. Schr. für 21. fixiert. Zwischen 22. und 25., wo ein neuer Schlachtabschnitt begonnen haben würde, liegen drei Tage, über die man fast nichts erfährt. Wie aber, wenn überhaupt erst am 25. Hauptschlacht begann? Alles deutet darauf hin und eine schlimmere Verdammung des 4. Armeekommandos gibt es nicht. Das heißt nämlich, daß man richtig so lange wartete, bis K. Moussy im Gewaltmarsch anlangte und verfügbare numerische Überlegenheit sich ins Gegenteil verkehrte. Obwohl Kleist am 13. bei Gent viel früher hätte vorgehen können, blieb sein endliches Vorgehen im Norden am 19. noch ohne jede Unterstützung aus Osten. Den Überfall von Roulers durch die 51. R. Div. können wir in Form eines ernsteren Gefechts nicht aus den V. L. entnehmen. Die großspurige Angabe, daß 234., 235. R. dort rangen, ergänzen wir leider durch die Feststellung, daß sie fast keinen Oktoberverlust hatten. Ebensowenig leuchtet ein, daß schon der 19. bei Staden ein ernster Kampftag war, nach Ententeangabe der 20. und nach V. L. gleichfalls. Natürlich erwähnt die G. St. Schr. nicht dortiges Scharmützel am 18., wobei 66. R. 85 Mann verlor. Es stand also dort immer noch recht treulich auf Posten und es ging Angriff des K. Bridon vorher: der Gegner riß bereits die Initiative an sich und befand sich im Vormarsch, statt daß H. Albrecht spätestens am 16., 17. hätte vor Ypern stehen sollen. Stade, dieser wichtige Straßenknotenpunkt, seit 7. deutscherseits besetzt, mußte also erst wieder erobert werden, eine traurige Kraftvergeudung. Aber war Kleist dort wenigstens vollzählig im Anmarsch? Leider erzählt G. St. Schr. wieder Märchen. Erst bei Dunkelwerden des »19.« kam Vorhut 46. R. D. vor Stade, bitterer nächtlicher Straßenkampf entbrannte, doch nicht geführt mit »Holsteinern, Mecklenburgern, Hannoveranern, Oldenburgern«, sondern nur mit 214. R., 18. J. und hauptsächlich wieder 66. R. Rostocker und Rendsburger litten dabei recht mäßig, die schon am Ourcq so braven Thüringer dagegen sehr (875). Ein Irrtum laut Liste ist unmöglich, niemand wird glauben, daß 66. R. bei früheren kleinen Stadegefechten, die wir ja genau registrierten, besonders litt. Und wo wir jemals irren sollten, wer trägt die Schuld? Vom so wichtigen »Quatrecht« hört man so gut wie nichts, von wiederholten früheren Stadegefechten überhaupt nichts. Wir buchen stets nur das aus den Listen Beweisbare und sind getrost, daß unsere Divination stets Recht behält, so amtlich sich Unkunde aufspielt. Der blutige Kampf dürfte erst am 20. abends geendet haben, sonstiges wird über diesen Tag nicht gesagt. Inzwischen warf 45. R. D. Stettin ihr 210., 211. heran, die Handzaeme und Kortemark besetzten; das leichte Gefecht öffnete Verbindung zur 43. R. D. bei Bovekerke. Dies war am 21., es ist daher unwahrscheinlich, daß der feindliche Widerstand bei Stade vor 21. endgültig gebrochen wurde, da erst damals die Korpskavallerie nördlich davon über den Handzaemekanal streifte. Es scheint ausgeschlossen, daß 45. D. am 23. über Clerkem das verschanzte Merkem nahm, Einnahme von Bixschoote am 22. ist geradezu lächerlich, die Ententeangabe »28.« unendlich wahrscheinlicher. Der Houtholster Großwald enthielt drei verteidigungsfähige Schlösser; auf so unübersichtlichem Gelände muß der Kampf viele Tage gedauert haben, ehe man am 21. angeblich den Ostsaum erreichend, den Franzosen das ganze Waldgebiet entriß. Was von früherem Überschreiten des Steenebekebachs geredet wird, kann sich nur auf dessen Ostende beziehen. Die G. St. Schr. tut nur summarisch die Kriegsgliederung der 4., 6. A. ab, so daß alle von uns gebotenen Einzelheiten sich nur aus den V. L. herausschälen, so Beigabe hessischer Fußartillerie an Kleist, die ihr Steilfeuer auf die Kanalränder richtete. Deren rasches Verlassen seitens der Belgier erklärt sich durch Verschwinden ihrer 4. D. zum Schutz der Yserschleife und ihr Bestreben, vor allem Dixmuiden zu halten. Druck auf die Yserflanke wäre wirksamer geworden, wenn auch 46. R. D. den Stoß südwestlich fortsetzen durfte, sie mußte aber südöstlich einschwenken, um dem K. Hügel zu helfen, das auf viel zu ausgedehnter Front gegen Haigh zum Angriff schritt. Wir bestehen darauf, daß nur die Hälfte der Division wirklich focht und von jetzab am Waldsaum bis zur Bahn Kortemark–Boesinghe als Deckung deffensiv stehenblieb. Das war das Vernünftigste, da ihre Artillerie so in die Flanke des nordöstlich gegen Poel umgebogenen Feindes spielte. Erst die Novemberlisten verweisen verlustreichen Großkampf nach Mangelaere zwischen Houtholst und Langemark, während man laut G. St. Schr. längst über diesen Punkt hinaus war, man müßte also bis dorthin zurückgewichen sein, offenbar wurde er erst im November genommen. Allerdings laufen Oktober-Novemberlisten etwas durcheinander, doch bleibt hinreichend klar, daß auch 213., 214. R. sowie 45. R. D. erst im November ihren Hauptverlust hatten. 214. verlor etwa 500, die Jäger 240, 213. anscheinend nur 100. Alles was von »beispielloser Tapferkeit« am Kortebekbach posaunt wird, bezieht sich auf wirklich großartigen Novemberanlauf von 215., 216. R. Um für deren mindestens unbedeutende Oktoberrolle irgendeinen Nennverlust unterzubringen, schätzen wir Monatsverlust Kleists (Artillerie 100, auch beigegeben 9. Pioniere hatten zu bluten) inkl. Vorhutgefechte am 15. und 66. R. bei Stade auf 3000. Davon nur ein Drittel für 45. D., bei der nur 211. einigermaßen litt. Es verlor schon 370, ehe man so weit war, Bixschoote anzufassen. 210. verlor anscheinend nur 200, 212. nichts. Wir sind überzeugt, daß nur die Vorderspitzen der 46. D. je den Kortebekbach überschritten, geschweige Chaussee Bixschoote–Langemark, jedenfalls wichen sie wieder – vergl. Ententebericht – in den Großwald aus, wo die Güstrower R. Art. an der Südwestecke mit sicherer Wirkung schoß, wohl gelegentlich unter Infanteriefeuer, denn sie verlor mehr als 45. R. A. trotz großer Geschoßverschwendung der verbündeten Massenbatterie bei Nordschoote westlich Merkem (in gleicher Luftlinie wie Neukerke, südlich der Yser), die das ganze Dreieck Kanal–Vaartbach–Bixschoote bestrich und bis Mangclaere wirkte. Unter solchen Umständen schließt sich frühe Wegnahme von Bixschoote aus, erst mußten hessische schwere Haubitzen die Verteidiger ausräuchern. Kleist kam schon in Linie Merkem–Kortebek zum Stehen, K. Bridon war aber so erschüttert, daß neu einsetzende französische Angriffe nur durch Eintreffen der franz. 38. D. erklärt werden können. Jetzt wanderte Bixschoote von einer Hand in die andere, die Franzosen wollen es am 30. wiedererobert haben. Den Punkt zu behalten ließ sich Foch um so mehr angelegen sein, als man hier die Kanalchaussee Boesinghe–Elverdinge deckte, wo die Bahn ihm seine Trains zuführte. Hätte Haigh am 23. gegen Kleist gefochten, so bewiese dies nur, daß bis dahin K. Hügel sich nicht blicken ließ, was wir gerne glauben. Indessen wandte Haigh bestimmt am 25. sich südwärts, um Verbindung mit Copper herzustellen. Wie undenkbar ist aber der Vorgang, daß er mit Front nach Norden ein langes schweres Gefecht zwischen Kortebek und gar Bixschoote geführt hätte, wenn ihm seit 20. die 51. R. D. von Roulers her östlich in der Flanke stand! Und wie trieb er denn die Kraft auf, gleich nachher im Süden eine wilde Offensive zu unternehmen? All die romantische Ausmalung eines Heldengroßkampfes der ganzen 46. R. D. zwischen Houtholst und Kortebek, wobei »einige Regimenter« nur die Hälfte ihres Bestandes behielten (was nur für 214., 215. R. nach beiden Monaten zutreffen würde), die Briten aber »furchtbare Verluste erlitten«, färbt allgemeine Novembergerüchte ab. Haighs Mannen mögen noch so sehr reckenhaft gewesen sein, (bisher zeigten sie sich nicht so), doch das traut ihnen wohl selbst John Bull nicht zu, daß sie erst im Norden furchtbar litten und dann im Süden ihren Hauptkampf mit frischem Berserkergrimmen führten. Die Wahrheit sieht offenbar anders aus. Erst am 24. können Holsteiner und Mecklenburger den Südsaum des Großwaldes überschritten haben, die Pommern den Ypernkanal bei Merkem. Um diese Zeit befand sich Haigh schon in ständiger Bewegung, um dem nahenden Korps Moussy Platz zu machen. Daß vielleicht ein paar seiner Bataillone bis zu ihrer Ablösung noch Front nach Norden hatten, ist möglich, im Ganzen aber hatte Kleist nur mit Bridon und Kav. Conneau zu tun. Man mißverstehe nicht, als ob wir diesen braven Freiwilligen, die sich geradezu überraschend gut schlugen, wie die Falkenhayns, ihren Ruhmesanteil schmälern wollten, da sie im November, wo Foch einen Hauptdruck dahin verlegte, mit großen Opfern ihre Stärke zeigten. Nur einen Löwenanteil sprechen wir dem 23. so wenig zu wie dem 22. R. K., den ihnen zuzusprechen die G. St. Schr. versessen scheint. Wohl aber behaupten wir, daß Kleist, bei dem die Hauptschlacht erst am 24. begann, bis dahin so gut wie allein blieb. Denn 26. R. K. machte seine Einwirkung erst am 22. irgendwie bemerkbar. Bei der amtlichen Vordatierung fällt zunächst auf, daß »Franzosen« Roulers verteidigten. Welche? Damit fällt sogleich die erste Mythe von dem großen Gefecht, für das die Amtsschrift an 233. R. nicht genug hat, sondern auch noch Koblenzer und Kurhessen bemüht, die noch in weiter Ferne waren. Denn da Bridon gewiß nicht seine Rechte bis Roulers ausdehnte, so könnten nur einige vorgeschobene Feldwachen dort gelegen haben, die halt überrumpelt und aufgescheucht wurden. Geschah dies aber am 19., dann stießen die Verfolger bei Ramseke bestimmt damals auf Haigh, keineswegs Franzosen und erst recht nicht bei Roosebeke, und zwar eine ganze Division Aktivtruppen, die sich wütend wehrten. Unzweifelhaft kann dies nur Moussys erste Staffel gewesen sein, die aber sicher nicht vor 24. da war, wenn am 25. erst das französische Reiterkorps vor Langemark auftritt. Man vergleiche nur die flagranten Selbstwidersprüche der Daten. Kam Moussy schon am 22. an, dann marschierte also Haigh schon damals ab und jede Möglichkeit fehlt, daß auch nur ein Bataillon von ihm gegen Kleist focht. Erfolgte dagegen der Zusammenstoß bei Roosebeke schon am 20., so konnten nur Engländer dort fechten. War es hingegen eine gute französische Division vom 9. R., dann fand der Kampf nicht vor 24. statt und so wird es mehr oder minder wohl sein. Roosebeke wurde zwar natürlich nicht am 20., sondern am 22. erobert, wahrscheinlich war aber nur irgendeine Spitze Moussys eingetroffen und das Gefecht, wohl gegen abgesessene Schwadronen und Chasseurs de Mitrys, war auch nur ein Vorhutscharmützel. Dagegen wird am Poelbahnhof nun wohl wirklich ein heftiger Kampf entbrannt sein, nämlich gegen die aufmarschierende 17. D. am 24. Da nur 236., 233. dort fochten nebst 23. R. Jg., so hatte der Gegner offenbar noch nicht seine fünf Regimenter beisammen, doch mußte man sich von da ab natürlich auf Festhalten des Gewinnstes beschränken. Das herzhafte Nachstoßen war nur deshalb geglückt, weil damals Haigh sich schon im Abzug und Moussy teils noch im Anmarsch, teils im Aufmarsch befand. Der Bahnhof liegt nordöstlich Poel, südlich der Houtholster Landstraße. Man hätte Haigh also richtig in der Flanke aufgerollt, wenn er je vor dem Großwald stand. Daß dem nicht so war und auch kein harmonisches Überfließen ins Gefecht der 46. R. D. vorlag, lehren die Ereignisse. Bezeichnenderweise nennt die G. St. Schr. nicht 236. R. Köln, das die Hauptarbeit tat. Die Goslarer Jäger hielten Poel mit so mäßigen Opfern, daß besonders Lobpreisen ihrer Haltung wohl wieder mal auf Verwechslung mit den Marburger Jägern bei Morslede beruht, wie denn Stegemann bezeichnenderweise den Platz beider Bataillone vertauscht. Die 10 wirklich fechtenden Bataillone der 51. D. verloren nur 1500. Von wirklichem damaligen Weitersteuern auf Langemark kann keine Rede sein, weder von 51. noch 46. D. Die Bahn Ostende–Staden–Ypern läuft durchs Ende des Kortebekbachs vorbei und berührt Langemark. Dort gleichzeitiges Vordringen der 46., 51. D. aus Südost und Nordost hätte diesen wichtigen Punkt damals fällen müssen, wovon aber nicht entfernt etwas zu spüren war. Wären die Zeitdaten nicht gründlich gefälscht, dann wäre Haigh schon am 21. in solche Verstrickung geraten, daß er unmöglich selbst bei Ankommen Moussys so rasch sich lösen konnte, um Rawlinson zu Hilfe zu eilen, der dann sicher erdrückt worden wäre. Denn gegen ihn entluden sich nach der Phantasie der G. St. Schr. 52. D. und 27. R. K. gemeinsam schon am 20., 21. O Wunder, nichts von alledem trat ein! Doch selbst wenn wir dies garstige Spinngewebe von Zeit- und Ortfälschung beiseite schieben, würde für den Kampf bei Langemark bestehen bleiben, daß nur die 17. franz. D. sich erfolgreich und sogar offensiv jedes Andrangs erwehrte, obschon links von ihr das Territorialkorps so ziemlich zerbrach. Für deutsche Truppen und gar so glänzende wie diese Freiwilligenmiliz mit ihrem stürmischen Vorwärtsdrang gibt es da nur eine Ehrenrettung, nämlich die von uns gebotene, daß 46., 51. D. vorerst nur mit ihren Vorderbrigaden im Feuer waren. Sonst hebt hier eine Unstimmigkeit die andere auf. Focht Haigh gegen Kleist, was wurde aus Copper, wenn er frühzeitig aus Ost und Südost umgarnt wurde? Denn will man der G. St. Schr. trauen, die sich jetzt völlig verwirrt, so stieß 52. D. am 20. (!) bei Paschendaele auf Engländer? Wir dachten, die standen bei Langemark? Doch schon recht, unfreiwilliges Eingeständnis, Kleinigkeit von 4 Tagen, denn laut V. L. am 24. gingen 237., 239. R. dort vor, als Haigh gerade einrückte, wenigstens mit seiner ersten Staffel. Denn daß Copper seine schwachen Kräfte von Dadizeele, wohin G. St. Schr. ihn verweist, bis Paschendaele ausgespreizt haben sollte, ist allzu abenteuerlich, aber wenn so, welche Schande für 52. D., 27. R. K., daß sie ihn nicht sofort zerquetschten! Am 24. erreichte dort der Kampf seine Höhe? O nein, er begann erst wirklich. Bezeichnenderweise streiften am 21. nur Teile Stettens (23. Drag.) von Menin her bei Morslede, heftiges Reitergefecht, wie soll da Anrücken der 52. D. am 20. dort möglich sein! Die konfuse Schrift verweist sie ja auch nach Keiberg, wo es nicht der V. L. bedarf, um ohnehin zu folgern, daß sie dort die Bahn der 53. D. gekreuzt hätte. Hügels linken Flügel bildeten stets 24. R. J. bei Morslede. Die Straßen Morslede–Ypern und Paschendaele–Gheluvelt kreuzen sich bei Zonnebeke, gegen die verschanzte Stellung östlich davon schmolz das Mannheimer Rgt. wie Schnee in der Sonne. Selbst ausführliche französische Darstellung sagt nicht genau, wann 9. K. vollzählig da war, doch entscheidet dies für Beurteilung der Lage. Wir nehmen an, daß die vom persönlich erschienenen Joffre befohlene Offensive am 26. Ankunft und Bereitstellung der 18. D. am Südflügel bedeutet, während G. St. Schr. schon von allen möglichen anderen Feindeskorps in rührender Unkenntnis träumt. Aus V. L. ersehen wir, daß jetzt 26. R. Art., 26. F. Art. (Thüringer) bei Hügel eintrafen, sie kam aber gegen die zahlenmäßig weit überlegene Kanonade Joffres nicht auf. Sicher ist, daß die Verbündeten aus dem gewonnenen Gelände wieder herausgestoßen wurden. Bei 52. D. gingen die Stöße zwischen verscharteten Bauten und Drahtfeldern unfruchtbar hin und her, nur daß sich am 31. die Kanonade aus Ypern verdoppelte. Wir sind in der angenehmen Lage, unbedingt sicher zu wissen, daß 238. R. erst am 29. eintraf, 240. überhaupt nicht. Über die fechtenden 7 Bataillone brach schon am 26. gewaltige Übermacht herein, die frische 18. D. nahm Paschendaele, am 27., 28. suchte man zwischen Keiberg und Morslede die Innenflügel von Hügel und Carlowitz einzukeilen, wo die Marburger Jäger noch am 30. blutig rangen. Das zeigt wieder die Unzuverlässigkeit der G. St. Schr., wonach die Offensive schon am 27. abgeschlagen sei. Sie wurde freilich von General Mayer bei Broodseinde aufgefangen, dach daß er fiel, erhöht noch nicht den Verlust seiner L. W. und Ers. Bataillone, den die V. L. meist durchaus auf November verweisen, wo bei Broodseinde der furchtbare Kampf tobte. Der Feind kam wohl erst zum Stillstand, als sich das frische Karlsruher Rgt. entgegen warf, und ebbte dann langsam zurück. 52. R. D. verlor 3000, wovon zwei Drittel auf die Mannheimer entfallen, dazu Mayers Truppen etwa 500. Haigh, den anscheinend die Franzosen anfangs in die Mitte nahmen, zog sich ganz heraus und verzog sich auf Coppers Linke, die gleich anfangs von 241. R. 25. R. Jg. überrannt war, die Mitte bei Becelaere von 242., doch naturgemäß alles viel später als G. St. Schr. meint, da Haigh sonst Copper schon als durchbrochen vorgefunden hätte, der indessen bei Gheluvelt seine Linie wieder herstellte. Die auf 24. bis 27. im Süden vordatierte Offensive begegnete dem sächsischen Vorstoß erst am 27., als Haigh sich dort angliederte, bis dahin währte nur Wiedereinrichtung des Gleichgewichts. Das Gefecht war bis dahin so unblutig, daß 243. nur 83 verlor. Als aber die Engländer ihren wilden Stoß fortsetzten, häuften sich beiderseits die Verluste. Hier wird amtlich doppelt entstellt und übertrieben. Weder brauchte 53. R. Art. je allein die Lücke nördlich Keiberg füllen, noch schlug sie den Stoß ab, der vielmehr über Keiberg weiter brandete. Andererseits gedieh sonst die Gefahr nicht mal so weit, daß 244. R. eingesetzt werden mußte, das nur östlich Broodseinde als Verbindungsglied verschoben wurde. Die 2. englische D. blieb zwar lange im Vorgehen, die tapferen 25. R. Jg. (380) opferten sich im energischen Widerstand, doch 242. und jetzt 243., das sich kräftig einmischte, nahmen Becelaere der schon sehr entkräfteten 1. engl. D. wieder ab und arbeiteten sich nördlich der Menin-Chaussee an Gheluvelt heran. Dagegen halten wir für tendenziöse Übertreibung, daß sie in der alten Linie Pozelhoek und Straßenkreuz östlich Zonnebeke standen, diese Punkte erreichten sie weder jetzt noch vorher, besonders nicht letzteren, wo stets 239. R. in heroischem Einzelringen focht und nur Einzelteile sächsischer Jäger sich dorthin verirrten. In dieser zweiten Phase verlor 242. nochmals 560 (im ganzen 1100), 243. sogar 745, 53. D. überhaupt 3100 (160 Art., 68 Pioniere). Wir brauchen kein weiteres Zeugnis, wo der Brennpunkt der Ypernschlacht lag; 17 Batl. der 52., 53. D. bedeckten sich hier mit Ruhm, die Freiwilligenregimenter der Sachsen und Mannheimer und die kräftigen hessischen Jäger sollen ewig mit Stolz an solche Leistung zurückdenken, wie sie kein Garderegiment je besser machte. Die Konfusionsschrift weist obige »alte Linie« dem ganzen 27. K. zu, glaubt 54. D. ganz eingerückt. Da wäre wirklich sonderbar, daß Haigh nicht viel gründlicher heimgeleuchtet wurde und er so lange sich bis Morslede austoben konnte. Eingreifen der Württemberger scheint reine Erfindung, nicht nur hatten 246., 247. R. erst im November ihren gewaltigen Verlust, sondern 248. R. nicht mal dann, sondern erst im Dezember, woraus zu schließen, daß das Gros 54. D. verspätet und erst nacheinander eintraf. Sonst wäre unverständlich, daß Haigh noch bis 2. November forthämmern durfte. Und wie steht es mit der anwesenden Vorhut 245. R., 26. R. J.? Auch ihr schwaches Gefecht bei Gheluve kann erst am 26. wirksam gewesen sein, weil westlich dieses Straßenkreuzes (Straße Wervicq–Dadizeele und Menin-Chaussee münden ineinander), das die G. St. Schr. überhaupt nicht nennt, erst am 26. Stetten die englische Kavallerie aus dem Felde schlug. 54. R. Kav. streifte bis Moldenhoek, 54. Württemberger R. Art. fuhr auf der Chaussee gegen Gheluvelt vor, wo sie – aufgepaßt! – noch bis 10. Nov. feuerte. Die Jäger beteiligten sich etwas lebhafter am Gheluveltkampf, die Division verlor jedoch höchstens 500 (80 Art. und Pioniere), da diese Teile bis 8. Nov. nur 600 einbüßten. Somit Totalverlust der 4. A. von Merkem bis Meninchaussee 11 500. Nachdem wir mit andern Mythen aufgeräumt, berührt ebenso neu wie eigenartig die Verpflanzung der erst am 25. bei Lille ausgeladenen 6. bayr. R. D. nach Dadizeele als Reserve der 4. A., zu der sie nie gehörte, und ihr kühner Luftsprung von da ans äußerste Westende. Wir lassen sie fliegen als Phantom. Mitwirkung von L. W. Schulenburg bei Stetten ist offenbar Verwechslung vom Hörensagen, sie stand bei Richthofen, im Oktober verlustlos. 4. Jg. wirkten zwar bei Comines, begleiteten aber Stetten schwerlich, sondern blieben bei 7. Jg. an der Lys. Dagegen dürften 6. Jg. (170) doch wohl bei 3. Kav. D. geblieben sein, als sie bei Kruiseke die englische Division gleicher Nummer schlug. Lies also bei Zandvorde 6. statt 4. Jg. Daß sie da waren, zeigt ihre V. L. im November. Die 1. bayr. Jg. hatten schon zwischen Lille und Courtrai 140 verloren, jetzt nochmals so viel, ihr starkes Auftreten reizte wohl dazu, dort noch andere Bayern in ein Phantasiegefecht zu bringen. Die hervorgehobenen 5. R. Drag. sind in V. L. kaum erkennbar, dagegen 7., 8. Jg. z. Pf. (147), 14. Hus. (40), 15. Drag, bis 31. (100), 23. Drag. (92). Dazu 500 von 1. bayr., 6., 9., 10. Fußjäger. Summa etwa 1000, inkl. bayr. Reiter. Stettens gewandtes Anpacken, zunächst mit 22., 25. Kav. Brig., den Anmarsch des R. K. verschleiernd, dann nordwestlich einschwenkend, lähmte Rawlinson und lenkte ihn so südwärts ab, daß er schon bald vor 53. D. nachließ. Wie sehr die Fama täuscht durch Üertreibung oder Übergehung, zeigt die Überlieferung, als ob die Württemberger bei Messines besonderen Blutzoll entrichteten im Stil ihrer furchtbaren August- und Septemberkämpfe. Dazu kommt noch der Irrtum, als ob sie dort gleichsam für sich jungfräulichen Kriegsboden betreten, d. h. sich spornstreichs von den Argonnen vor Messines versetzt hätten. Auch diese Division verspätete sich ungemein, landete aber vom 23. bis 27. in der Lillegegend unter hitzigen Gefechten, wie wir sahen. Diesen Verlust scheint die G. St. Schr. auf Grund summarischen Monatsrapports auf den Messineskampf zu beziehen, da sie dem 122. eine besondere Rolle zuschiebt. Es verlor aber seit seinem Verlust bei Radeghem jetzt am Oktoberende anscheinend Null und erst im November etwas, dagegen hatte 121. Verluste, kann also nicht in Reserve geblieben sein, offenbar liegt Verwechseln beider Standorte vor. Im Verhältnis zu ihrer hervorragenden Beteiligung litten selbst Artillerie und Pioniere wenig, mehr als 1100 verlor D. Urach keinesfalls bis 31. mitternachts. Der geringe Verlust (775) der Wambekegruppe rechts davon lehrt, daß es sich nur um ein Vorhutgefecht handelt, 42. Pommern bildete die Spitze, trat aber für November in Reserve. Wir verstehen uns nicht dazu außer 2. P., 2. Jg. (250), 5. Art. (30), 2. Schw. R., 6. Chev. (150), mehr als 5. Inf. (100) und möglichenfalls noch ein anderes Batl. vom 18. Rgt. als Bayerngruppe vor Hollebeke zu betrachten. Dazu preußische 2. Drag., 3. Hus. (50), reitende 35. Art. der 2. Kav. Div., sowie ein Teil 19. Straßburger Pioniere, von Deimling herverirrt. 9. J. entsendet Zandvorde. Summa höchstens 950. Die »39. D.« des Generals der Infanterie Kathen (die 30. D. führte ein Generalmajor) hätte sich schwerlich so rasch nördlich Zandvorde aufhalten lassen, doch nur fünf anwesende Bataillone mit ungenügender Artillerie vermochten nicht mehr. Sie verloren 560, am rechten Flügel I/II/105. nur 367, obschon zwei Kompagnien allein 185 verloren. Dazu vielleicht 100 von I/126. Summa inkl. Pioniere und Artillerie 1150. Daß die letzte der drei Monatslisten ohne Datum des bis 27. an der Aisne fechtenden 126. sich auf Gheluvelt bezieht, ist um so unwahrscheinlicher, als es auch im November bei Ypern nicht focht. Daß Angehörige der Zabener 99er aus Süden vorgehen »sollten«, heißt vorsichtig zu deutsch, daß sie nicht eingriffen, nicht da waren. Richtig ist dagegen die Wendung, daß man am 31. auf »bisher unbekämpften Feind stieß«, denn die 1. engl. D. nahm in den Steintrümmern jetzt die Stelle der 7. D. ein, die als ganz ausgebrannte Schlacke auf Zwartelen auswich. 1. D. wich aber erst eine Woche später in den Herethage-, 2. D. in den Polygonwald. Um die Zeit, als 13. Fußart. das fest ummauerte Messines mit Brandgranaten ansteckte und Pioniere das Innere mit Sprengpulver niederlegten, war Gheluvelt wieder in Haighs Händen. Daß es seit 31. an von uns behauptet wurde, macht sich natürlich patriotisch besser. Doch nicht nur Ententebericht, sondern jede Wahrscheinlichkeit spricht dawider, da die bis 8. November fortdauernde Offensive den rechten Flügel Deimlings lange warf. Davon schweigt des Generalstabs Höflichkeit, doch, man liest zwischen den Zeilen nachher das Eingeständnis. Nicht mal im November war das ganze K. Deimling hier. Überall reden die V. L. eine aufklärende Sprache. Dem ums sagenhafte bayr. 16. R. bemühten Verfasser halten wir vor, daß es selbst im November bei Oosttaverne weniger als irgendein anderes verlor, also unmöglich, daß es auch noch bei Gheluvelt ernst focht. Daß ferner die bayr. Vorhut südlich Hollebeke fein behutsam liegen blieb, dafür spricht 6. bayr. Art., das nämlich noch im November auf Höhenrücken Messines–Wambeke feuerte, also war das Gefecht nicht weiter vorwärts gegangen. Endlich kann auch nur 211. R. die Bixschooteruinen verteidigt oder wiedergewonnen haben, denn nur dies Regiment Kleists litt im Oktober und erst recht im November entsprechend, die V. L. sind völlig klar, sogar mit genauen Tagesfixierungen, daß auch im Verhältnis zu 213., 214. das 216. für beide Monate viel zu wenig verlor, als daß es überhaupt im Oktober ansehnlich gefochten haben könnte, geschweige denn bei Bixschoote. Die 6. A. verlor also 5000 mit all ihren auf Ypern angesetzten Teilen. Daß die Bayern sich unter »Einsatz der letzten Reserven« (!) des feindlichen Andrangs am 31. erwehren mußten, ist kalter Aufschnitt mit Paprikasauce. Der Feind mußte damals froh sein, die wenigen zur Hand befindlichen Kräfte zusammenzuraffen, um Wytschaete und Hollebeke zu besetzen. Selbst Besatzung von Messines kann nicht stark gewesen sein, da doch 125. Rgt. Kaiser Friedrich am 31. vormittags allein den Ort genommen haben soll. Wir glauben freilich, daß zuletzt auch 119., 121. sich größtenteils in den hochgelegenen Ort hineinbegaben, nachdem dessen Hälfte mit Gassen und Höfen den Schwaben gehörte. Daß ihre 52. Brig. nicht bei Wambeke, ihre 51. Brig. nicht am nordöstlichen Höhenrand sich am 30. entwickelten, wird aus den Standorten klar. 119. stand nachher südlich der Warnetonstraße, 52. Brig. zwischen den zwei Straßen nach Gaspartmühle und Wytschaete, d. h. südlich Wambeke. Wäre daher nicht die von uns gekennzeichnete pommersch-hessische Vorhut aufgetaucht, so hing die bayrische Vorhut bei Houthen frei in der Luft. Obschon die Württemberger auf kahlem Hang anliefen, wirkte das Streichfeuer von Kemmel her wenig verheerend. Daß trotzdem Allenbys Rückzug, Straße nach Woulverghem, unbedroht blieb, obschon er auch 1., 2. Kav. K. auf dem Halse hatte, zeigt deutlich, wie volle Freiheit der Bewegung er noch behielt, d. h. wie wenig Raum nach Westen die Fabeckgruppe noch am 1. Nov. gewann. Am 30. vollends war im Westen die deutsche Waffengewalt noch wüste und leer. Hiermit entschlüpfte wieder Näherrücken schneller Entscheidung. Die Ypernhandlung zerfiel in zwei ungleiche Hälften zeitlich und räumlich. – Es scheint sehr vordatiert, daß 46. D. schon am 20. den Houthoulsterwald vom Feinde säuberte, die 45. nördlich des Steenebekbaches vordrang. Wir sagen genauer, daß General Bridon später bis über Janhoek und Dreibank zurückgeworfen wurde, dagegen ist reine Übertreibung, daß die 43. Div. bis über Woummen vorstieß, um dort der 43. R. Div. zu helfen. So schnell schießen selbst die Pommern nicht. Da die 43. R. Div. noch am 20., 21. bei Bovekerke focht, ist kaum anzunehmen, daß die Pommern schon am 21. sich bis weit südlich davon wagten, offenbar ist hier vieles vordatiert, da 43. R. Kav. erst am 21. über Kortemark vorging. Wieso 209., 212. zuallererst fochten, bleibt das Geheimnis der G. St. Schr., die Listen sagen nichts davon, dagegen von Rendsburger Jägern und 214. Rostockern über Staden, worauf 213. R. weiter verfolgte. Für angebliches Gefecht des 209., 212. bei Vaart am 22. besitzen wir keinen Anhalt, auch kann nicht stimmen, daß 210. schon an diesem Tage Luyghem angriff und später die starke Stellung von Merkem nahm; der Widerstand kann nicht »verzweifelt« gewesen sein, denn das Regiment verlor wenig. Es wird dann von neu eingeschobenen Teilen des 209. geredet und damit verraten, daß dies Regiment anfangs gar nicht da war, womit seine östliche Entsendung (Ledeghem, siehe früher) an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Wir können aus den Listen nicht ersehen, daß 212. Bixschoote nahm, sondern 211. und allerdings jetzt auch 209. Unmöglich kann dies schon am 22. geschehen sein, wo 210. erst weit nördlich Merkem stand. Es ging erst am 26. seitwärts längs dem Kanal vor, wo die verbündete Artillerie bei Nordschoote heftig feuerte. Richtig wird denn auch die bekannte Geschichte von mißverstandenen Befehlen und Rückwärtssammeln der Sturmtruppe, ehe Ablösung eintraf, hier vorgebracht. Und daß Bixschoote von Engländern – es möchte dann wohl deren 2. Div. gewesen sein – verteidigt wurde, ist eine sehr gewagte Behauptung, da dies den Territorialen zukam, wie auch der französische Bericht sagt. Ihre 87. Div. floh tatsächlich auf Bixschoote aus dem Houtholstwald, wo die 1., 2. belg. Kav. D. die Kav. Conneau unterstützen wollten, doch fluchtartig das Feld räumten. Die 4. belg. Div. war anscheinend schon am 19., 20. nach dem Yserkanal abberufen worden, die 5. wurde in Richtung Dixmuiden abgedrückt, und obschon die 3. allein noch außer der 4. sich kampfmutig zeigte, mußte sie über Merkem den gleichen Weg gehen. Angeblich soll später dort die franz. 38. Div. angriffsweise aufgetreten sein, doch schweigt die franz. Darstellung über Zeitdaten, die deutsche G. St. Schr. läßt die französischen Einheiten auf der Nordfront überhaupt im Dunkel, sie liebt Allgemeinheiten, wo sie nichts weiß. Übrigens wird dann später richtig 211. als Eroberer von Bixschoote am 30. genannt. Hier drang am 29. auch 209. ein, dagegen scheint 210. hier erst ganz zuletzt und am 1. Novembertag gefochten zu haben. Von irgendwelcher Anwesenheit des 212. ist nichts verzeichnet, und was die 46. R. Div. betrifft, so vermögen wir nur deren Anteil am Houtholster Wald und Janhoek festzustellen mit einem Gesamtverlust von 830 des 213., 214. nebst 18. R. Jg. und Pionieren. Da die 45. Div. nach unserer Rechnungsart nicht 1000 in der Schlacht verlor, obschon sie um Bixschoote rang, so wäre ersteres nicht auffällig, zumal der große Verlust vom 66. Rgt. bei Staden hinzutritt. 46. Div. brach aus dem Houtholster Wald mit dem Rostocker und Altonaer Rgt. stürmisch vor, angeblich bis Mangelaere und sogar Kortebek oder, wie Franzosen schreiben, Knoke. Mitwirkung vom 215., 216. erkennen wir aus den Listen nicht, und wenn Oberst Grothe des 216. bei Mangelaere fiel, so kann das ja überall einem auskundenden Regimentschef begegnen, aber wahrscheinlich fiel dies erst im November vor, wo das 216. tatsächlich »westlich Langemark« die Gegend südlich Mangelaere nahm und hielt. Dies rühmen die Engländer mit Recht als glänzende Waffentat, aber wohlgemerkt im November , als sie gar nicht mehr dort fochten, die Übertragung auf Oktober soll nur den eigenen Ruhm der 1. engl. Div. erhöhen, deren hiesiger Oktoberkampf gar nicht bedeutend war. Diese Fabel, auf welche die G. St. Schr. hereinfällt, wäre ja handgreiflicher Unsinn, denn am 22. war laut G. St. Schr. der Angriff unseres 26. R. K. auf Langemark schon in vollem Gange, so daß Haigh seine 1. Div. natürlich östlich fortschwenken ließ und die 2. dazu, da das franz. 9. K. bestimmt erst am 24. und mit der Hauptmasse wahrscheinlich erst am 25. anlangte. Deutscherseits aber übernimmt man die Fabel, um Großartiges über das 23. R. K. zu erzählen, das in Wahrheit meist nur spottschlechte Truppen gegen sich hatte und in Anbetracht dessen nichts so Hervorragendes leistete. Die 46. R. Div., d. h. 213., 214. R. scheint überhaupt erst spät die Kortebekhöhen genommen und in wechselvollem Kampf, nachdem sie über den Bach zurückgeworfen, endlich behauptet zu haben am Monatsende. Schon hier Heldentaten aufzubauen hat keine genügende Grundlage. Erst am 31. nisteten sich Pommern in den Trümmerhaufen Bixschoote ein, räumten ihn aber, angeblich weil das Dorf in einer Vertiefung lag, von feindlicher Kanonade beherrscht. Die französische Angabe, außer der 38. sei auch die 42. Div. von der Yser her eingetroffen und habe bei Knoke die Deutschen bedrängt, vordatiert augenscheinlich, da laut gleichem Gerücht die 52. Div. in Dixmuiden einrückte! Von dort mag sie ja wohl im Novemberanfang gegen die 45. R. Div. gewirkt haben, weshalb die 44. R. D. später dort eine Schutzmauer bilden sollte. Daß die Pommern sich wieder Merkem abnehmen ließen, was man für 38. Div. beansprucht, wäre wenig erbaulich gewesen, da das R. K. Kleist damals nur mit dem zerschlagenen Territorialkorps zu schaffen hatte. Daß Engländer in das Gefecht westlich Langemark (keinesfalls Bixschoote) etwas eingreifen, ist möglich, in der Hauptsache aber unantastbar, daß sie so gut wie nicht gegen Kleist fochten. Haigh war unangenehm genug erstaunt, als 26. R. K. plötzlich bei Paschendaele auftauchte und ihm die rechte Flanke abzugewinnen drohte. Er war nicht nördlich Kortebek, sondern nordöstlich vorgegangen, wo er eine Lücke neben dem 23. R. K. wahrzunehmen glaubte. So sagt ausdrücklich der Ententebericht. Seine Aufklärung mag sehr schlecht gewesen sein, wenn er die Deutschen wirklich nur nordwärts vermutete, als ob sie im weiten Raum bis zur Lys ihre zwei Kampftruppen getrennt halten würden. Diese naive Voraussetzung bekam ihm übel. Doch wäre die ganze Mär nicht untergeschobene Finte, wenn wirklich das 26. R. K. schon am 19. bei Roulers vorgedrungen wäre? Dies Gefecht der 51. R. Div. ist uns in den Listen entgangen, 233. R. (Gotha-Meiningen) soll eine blutige Erstürmung der verbarrikadierten Stadt vollbracht haben, wobei sogar Minen losgingen? Dies Rgt. verlor bis 8. Nov. zu wenig, als daß wir noch an besonders starkes Gefecht vor der Hauptschlacht glauben können, 234., 235. litten überhaupt nicht und wir meinen vielmehr, daß diese Truppen, die erst im November Verlust an bekannten Kampforten verzeichnen, überhaupt nicht rechtzeitig anlangten, um in die Schlacht einzugreifen! Ebenso unglaublich ist frühes Eintreffen der 52. R. Div. bei Morslede, dann wäre ja die verbündete Schlachtordnung aufgerollt gewesen, ehe sie sich bilden konnte. Übrigens beträgt die Entfernung von Roulers 10 km , die laut obigem fechtend durchmessen werden mußten. Dort englische »Heereskavallerie«? Es müssen Schwadronen einer Vorhut gewesen sein, jedenfalls kam es erst am 21. nur zu einem Reitergefecht der hessischen Leibdragoner (3. Kav. D.), so daß wir Ankunft des Fußvolks auf ganze Tage später annehmen können. Tatsächlich ist Morslede erst viel später besetzt worden, und zwar von 24. R. J., während 237., 239. R. sich erst dann auf Paschendaele richteten. Es ist wahr, daß 236. R. (aber nicht die ganze 51. Div.) Westroosebeke nordöstlich Langemark an sich riß und die »sich verzweifelt wehrende französische Division« (offenbar die 17.) nach vier Uhr nachmittags bis über den Bahnhof nordwestlich Poel Capelle auf die 1. engl. Div. zurückwarf. So weit gut. Doch dies alles soll schon am 20. geschehen sein? Vernünftigerweise wird man wohl annehmen, daß es sich auf die ganze Zeit bis 24. verteilte. Paschendaele wurde genommen, in die Kapelle warfen sich 23. R. Jäger. Die 51. Div. kam aber nicht weiter, die 52. vermochte das Straßenkreuz östlich Zonnebeke nicht zu überschreiten. Auch verwechselt die G. St. Schr. das 26. mit dem 27. R. K., indem es ersteres Keiberg nehmen läßt. Es stand nie dort, sondern die 53. R. D. Am 24. war der Angriff nordöstlich und südöstlich Langemark so ziemlich gescheitert. Von den Zonnebekerhöhen kam vernichtende Kanonade, die geschickt hergestellten verdrahteten Gräben waren nicht zu nehmen, die Verluste beim 237., 239. wuchsen beständig, während 233., 236,, die sich bei Poel vereinten, viel weniger litten. Also kann der Widerstand grade in jener Gegend, wo angeblich die anschließende 46. R. Div. so schwer litt und stritt, nicht so bedeutend gewesen sein wie südöstlich von Langemark. Laut G. St. Schr. sei das franz. 9. K. schon am 22. angekommen und ins Feuer getreten, gewiß vorsätzlich vordatiert, um das Scheitern dieses Angriffs zu begründen. Unnützerweise, denn niemand macht den braven Rheinländern und Badensern einen Vorwurf daraus, daß sie eine so furchtbare, von »Engländern« verteidigte Stellung nicht nehmen konnten. Daß man dort auf Engländer stieß, wie sollte man das verstehen, wenn der Angriff vor 24. erfolgte? Vollends wenn laut irriger Annahme Haigh so lange im Norden stand? Dies ist die klarste Überführung, daß Hügels Angriff erst sehr spät ausreifte, als der Feind sich schon neu einrichtete. Maschinen- und Kleingewehrfeuer sprühte mörderisch in die Reihen der Mannheimer und Trierer. Das Ringen auf Linie Houtholst–Bixschoote war ein Kinderspiel dagegen sowohl wegen des minder verteidigungsfähigen Bodens als der minderwertigen dortigen Gegner. Denn nur am 23. können dort noch Engländer teilweise am Kortebach gestanden haben. So ist nur normal, daß Kleist so sehr viel weniger als Hügel verlor. Die Lage war trotzdem auch dort am 31. nicht erfreulich. Korps Kleist hielt mit Hilfe der erheblich leidenden Rostocker und Pommerschen Artillerie die wütenden Gegenstöße der Franzosen aus und vermochte den Kampfzorn der 38. D. kaum standzuhalten, obwohl die Territorialen zeitweilig das Flügeldorf Bixschoote verließen und wiederholt in Auflösung verfielen. Hätte Kleist seine ganze Macht eingesetzt, so wäre er schneller vorwärts gekommen. Vermutlich fand am 24. abends der Platzwechsel Haighs statt, der südwärts in die Linie gegenüber Becelaere–Morslede einrückte, während das 9. K. Langemark und die Anschlußlinie Paschendaele besetzte. Zugleich war dies das Signal zur späteren gegnerischen Offensive, da der Feind die Deutschen für erschüttert hielt. Allerdings trug auch das 27. R. K. Carlowitz anfangs Erfolge davon, wohlgemerkt nur seine 53. Div., denn aus den Listen scheint unumstößlich hervorzugehen, daß die 54. R. D. noch nicht da war (siehe früher). Die Vorhut (Jäger und Artillerie) hatte die engl. Kav. D. bei Rolleghemkapelle vertrieben, was auch nicht so frühe geschehen sein kann, da sonst French die gegen Ravlinson heranziehende Gefahr früher erkannt hätte. In »vier Kolonnen«, d. h. brigadeweise kam das Korps bei Keiberg an den Feind? Die 54. Div. rückte überhaupt nicht auf Keiberg, sondern Gheluve aus Südost heran. Wie die G. St. Schr. mit Zeitdaten herumwirft, zeigt der Satz, daß man am 21. Verbindung aufnahm mit der deutschen 3. Kav. D., die soeben östlich Kruiseke anstürmte. Letzteres geschah aber höchstens am 25., da Kruiseke erst am 26. fiel. Unwillkürlich schlüpft hier die Wahrheit durch daß nämlich Becelaere nicht am 21., sondern frühestens am 24. der Div. Copper entrissen wurde und zwar von Sachsen, nicht von »Württembergern«, die gar nicht da waren. Wahr ist nur, daß zwei sächsische Regimenter (244. als Sicherung in Reserve, hinter Broodseinde Verbindung mit der 52. Div. herstellend) fechtend über Keiberg vordrangen in Richtung Becelaere–Zonnebeke, und daß ihr Sieg nicht am 21. endete, sondern erst begann, indem nur 241. R. rasch bei Keiberg durchdrang, sonst aber das Vordringen über Becelaere schwer und blutig fortdauerte. Die G. St. Schr. nennt nie Zonnebeke als Kampffront, doch scheinen die 25. R. J. dort vergebliche Versuche gemacht zu haben. Außerdem wird Gheluve (westlich Menin weit südöstlich Gheluvelt) vergessen, von wo die Spitze der 54. R. Div. sich näherte, nämlich 245. R., 54. R. Art. Nach anscheinend kurzem Gefecht wich hier der Feind in seine Verteidigungsstellung Zandvorde–Gheluvelt. Die drei Reservekorps bildeten jetzt eine zusammenhängende Linie mit ihren bisher nur anwesenden Vorderbrigaden, nach Süden zu besonders schwach, wo indessen die erschöpfte Div. Copper nicht zu ausgiebiger Gegenwehr fähig war. Wenn aber Stegemann träumt, daß über ihn das ganze Korps Carlowitz herfiel, so betonen wir mit Bestimmtheit, daß erst drei sächsische Regimenter damals im Feuer waren. Als das franz. 9. K. sich zwischen Langemark und Zonnebeke einfügte, besaßen die Alliierten entschiedenste Übermacht. Sowohl bei St. als der G. St. Schr. verschwimmt dies alles im Dunkel; man glaubt überall ganze deutsche Korps bis Monatsende im Gefecht, was sich erst recht beim Elsässer und Pfälzer Korps wiederholt. Die G. St. Schr. verschweigt übrigens das Gefecht bei Houthem und vertraut uns nicht an, wo und wie eigentlich die Pfälzer anrückten, da wir sonst verführt werden könnten, Marschberechnungen anzustellen. Obwohl die Übermacht sich bis zuletzt vermehrte, blieb bisher der Vorteil den Deutschen. Denn French hatte seine Vorderstellungen halten wollen; sie gingen verloren. Eine Ententestimme bekundet, daß am 24. abends die verbündete Linke sich in Unordnung befand, versteht aber wohl meist darunter die Belgier, die bei Drie Grachten endgültig Fersengeld gaben und nichts zum Entsatz Dixmuidens beitrugen, das damals schon westlich bei Terwaete und südlich bei St. Jaques umklammert war. Der persönlich herbeigeeilte Foch fürchtete jedoch vielmehr für seine Rechte, erkannte die Gefahr aus Südost als dringlichste und verabredete mit French eine Offensive dorthin und nach Osten, um sich dem wachsenden Druck entgegenzustemmen. Die Nachrichten vom Yserkanal lauteten damals noch nicht so trübe, und das ahnte er nicht, daß die deutsche Heeresleitung eine neue Gruppe im Süden zusammenstellte: 2. bay., 15. K., 3., 26. Div., 25., 6. bayr. R. Div., das Ganze unter Fabeck, Kommandierender des württembergischen Korps. Diese kam jedoch im Oktober fast gar nicht zur Geltung und man verfällt in Täuschung, sobald man es anders glaubt. Die Dinge wären viel entschiedener verlaufen, hätte man jetzt schon solche Kraft ausspielen dürfen. Die Schlachttage bis 25. waren außer im Zentrum überwiegend blutig für die Alliierten gewesen, gleichwohl schritten sie jetzt nach Bereitstellung der 17., 18. franz. Div. zu großem Gegenangriff, wobei Haigh sich südwärts nach Becelaere verschob, um die abgekämpfte 7. Div. mit der 1. abzulösen. Die 2. und das frische franz. 9. K. warfen sich aufs Korps Hügel; die schon bei Ypern gemeldete 31. Div. wurde anscheinend nordwärts verschoben, so daß auch hier, ohne daß wir an damalige Mitwirkung der 38. D. vor 30. oder gar der 42. am 1. Nov. glauben, drei (zuletzt vier) gegen zwei deutsche Divisionen fochten, im Zentrum drei gegen zwei, zur Rechten zwei gegen eine, da wir bis zum Überdruß wiederholen müssen, daß die drei Württemberger Regimenter der 54. D. nicht mitfochten, anscheinend auch nicht 244. R. Danach wird wohl das englische Märchen von deutscher Übermacht endgültig zerrinnen. War noch der 24. (keinesfalls 22.) ein Unglückstag für French gewesen, der baß erstaunte, als vom Straßenkreuz Gheluve und von den Keiberghöhen zwei neue deutsche Sturmsäulen auf ihn zuströmten, so wollte er dies am 25. gründlich wettmachen. Starke Stöße begannen von Poel bis östlich Zonnebeke, die sich links bis Bixschoote, rechts bis Keiberg fortsetzten. Der 26. war ein besonders kritischer Tag, an welchem laut G. St. Schr. sich auch 37. L. W., 2. Ers. Brigade ins Feuer stürzten, deren Führer, General Mayer, abends fiel. Für das 3. Ersatz Rgt., 73. L. W. können wir dies festhalten, für die 74. L. W. nicht. 73., 74. L. W. waren erst am 23. und 26. von der Yser abmarschiert; jedenfalls bezieht sich der wahre Kampf und Verlust der 37. L. W. Brigade nur auf November, wo die Schlacht an ihrem Standort besonders tobte. Daß sie gerade dort amtlich nicht erwähnt wird, gehört mit zu den vielen Merkwürdigkeiten, wie angebliche Mitwirkung von »Teilen der Marinedivision und 38. L. W. Brigade«, die doch notorisch gleich darauf vor Nieuport standen, übrigens ganz geringen Verlust hatten. Vielmehr beweist dies, daß Eingreifen eines Ersatz- und L. W. Regiments erst am 30. erfolgte, wie auch eine V. L. bezeugt. Wie dem auch sei, das Ringen um Paschendaele–Broodseinde war äußerst hart; das Mannheimer Reserveregiment opferte sich und scheint mit den rheinischen Waffenbrüdern zuletzt doch noch Paschendaele gehalten zu haben, ebenso die Vorderbrigade der 51. Div. (obschon der Bahnhof nordwestlich davon angeblich verloren ging) Poel, welchen inneren Flankenposten zwischen Kleist und Hügel die Goslarer Jäger mit geringem Verlust verteidigten. Die Jäger spielten überhaupt bei Ypern eine hervorragende Rolle. Die 24. verteidigten rühmlichst Morslede, die 25 sächsischen warfen sich nach Keiberg, von Zonebeke zurückgeworfen, um den Durchbruch am Innenflügel zwischen Hügel und Carlowitz aufzuhalten. Hier schloß auch sächsische 53. R. Art. heldenmütig die Lücke, wo die Innenflanke beider Korps zu sprengen dem Feind als Ziel vorschwebte. Die beigegebene schwere Haubitzbatterie, schon lange am Koelberg aufgefahren, schleuderte ihre wuchtigen Geschosse zielgerecht. Mit großer Wut warf sich Haighs 1. Div., die Elite der englischen Veteranenarmee, auf das 241. R. westlich Becelaere, bislang nur mäßig unterstützt vom 243. und gar nicht 244., das hinter Broodseinde (einen Kampfort, den die G. St. Schr. nicht zu kennen scheint) zusah, wie sich dort das Flensburger Ersatzregiment unter General Mayer ins Getümmel stürzte. Die Sachsen überschritten gerade den Reutelbach, da erfolgte ein Gewaltsturm, der sie in einem Ruck bis Morslede trieb. Diese Stoßrichtung entspricht derselben Absicht wie bei Keiberg. Becelaere wurde umzingelt und keineswegs von »Bajonetten der Württemberger« befreit, sintemal es weder befreit wurde noch Württemberger dort waren, was nach der Sachlage nicht anders sein kann. Denn die 54. R. Div. bildete bisher die äußerste Linke mit ihrem Vortrab bei Gheluve, der Stoß richtete sich aber ausschließlich gegen die rechte Flanke des Korps Carlowitz, wo es an Korps Hügel anschloß. Die Listen lügen nicht, wenn sie die Ankunft der Württemberger erst auf November ansetzen, vielmehr bestärkt jede Nachprüfung der Lage die Richtigkeit der Listen und die Unkenntnis gewisser Autoren. Nur 54. R. P. Komp. grub sich bei Hollebosch ein, 54. R. Kav. Rgt. streifte voraus bei Moldenhoek. Div. Copper war in so schlechtem Zustand, daß schon am 24. die Sachsen (wohl 242.) den Flecken Reutel vor dem Reutelwald ihr vor der Nase wegschnappten, aber sie wurden jetzt von Haigh bis über Becelaere zurückgeworfen. Ob Morslede sich hielt, ist zweifelhaft. Zwei Mannheimer Bataillone hatten sich nach Poel gezogen, vielleicht deutet dies an, daß Paschendaele zeitweilig verloren ging. Und dennoch, selbst wenn d'Urbal wirklich Kleist mit der frischen 38. D. zuletzt aus Bixschoote und Merkem wieder verdrängte, war der große Gewaltstoß mit schweren Opfern gescheitert. In drei Tagen gewannen die Verbündeten noch nicht 2 km Boden. So sehr die 52. Div. bei Broodseinde in Gefahr schwebte, die 53. bei Becelaere, wo Haigh entschieden vorwärts kam; gesprengt war die deutsche Linie nirgends. Am 27. kam Haighs Vorstoß zum Stehen; seine Linke wich sogar nach Ententenachricht, also muß die 2. Div. doch wieder südlich Paschendaele verdrängt worden sein. Auf der Becelaere-Heide floß viel Blut, doch nicht entfernt so grausig, wie Stegemann malt, der das 244. und seinen übergroßen Novemberverlust dorthin versetzt, so wie er auch Marburger und Goslarer Jäger im Standort verwechselt. Zehn Sachsenbataillone waren allein Mannes genug, des Anpralls Herr zu werden. Am 28. trat eine Pause der Erschöpfung ein; wahrscheinlich drückte auf Frenchs und Fochs vorheriges Siegesbewußtsein eine Menge schlechter Botschaften. Am 26. hatte Reiterkorps Stellen den Ort Kruiseke südlich von Zandvorde in glänzendem Gefecht den dortigen Teilen Ravlinsons abgenommen, nicht ohne erheblichen Verlust; die 5. Thüringer R. Dragoner sollen besonders glänzend attakiert haben mit Beihilfe der 9., 10. Jäger (nicht der 4., wie die stets ungenaue G. St. Schr. sagt; diese standen noch an der Lys und folgten erst später). Auch bayr. Reiterei und 1. b. Jäger zeichneten sich dabei aus. Daß 600 Engländer dort gefangen wurden, dürfte vielleicht übertrieben sein. Jedenfalls übte dies bedenklichen Druck auf Ravlinson, der auf Zandvorde abzog, gefolgt von den Jägern, zu denen sich jetzt die sächsischen 26. R. Jäger der 54. Div. gesellten sowie 245. R. Zugleich dürfte aber French Kunde erhalten haben, daß ein neuer Gegner im Süden nahte: das Elsässer Korps kam nach dreitägigem Gewaltmarsch ohne Bahnbenutzung von der Aisne zur Lys, noch folgte ihm nicht genügende Artillerie, doch das Unwetter mußte sich bald gegen Zandvorde entladen. Dazu Hiobspost aus dem belg. Hauptquartier Pervyse. Am folgenden Tag war man wohl auch über Vorrücken deutscher Teile auf Messines–Wytschaete unterrichtet. Man stelle sich vor, was geschehen wäre, wenn die Bayern schon Ende Oktober in Massen bei Hollebeke einbrachen, wodurch sie Messines–Wytschaete schon in rückwärtiger Flanke faßten, zu einer Zeit, wo die Alliierten weit östlich verstrickt lagen. Und wären die Elsässer vollzählig erschienen, so wäre der Feind, während er noch bei Becelaere sich abmühte, schon damals auf Hooge geworfen worden. Das gibt den richtigen Maßstab der Notlage. Wer unsere Statistik anficht, schmälert den Ruf der Pfälzer und Elsässer, deren Oktoberleistung dann keineswegs anzuerkennen wäre, sondern die Ententeprahlerei rechtfertigen würde, daß man geringeren Schaden tat, als zu erwarten. Nun waren freilich die Reservekorps, obschon nicht so davon entblößt, wie die Fama verbreitete – jedes Korps erhielt schwere Fußart. als Beigabe –, nicht genügend mit Geschütz versehen. Die gewaltige Geschützüberlegenheit des Gegners fraß am Mark der in Grabenbau und Schanzen so ungeübten Freiwilligen, mit Jünglingen zu knabenhaften Alters durchsetzt. Erst am letzten Oktobertag kam nicht Antwerpener Belagerungsartillerie (Stegemann), die angeblich eine ebenbürtige Kanonade eröffnete, sondern eine Masse schwerer Heeresartillerie bei Gruppe Fabeck. Innerhalb eines Kreisdurchmessers von zehn Kilometer um Ypern herum beuteten die Verbündeten das Gewirr von Gewässern jeder Art (Fluß, Kanal, See, Teich, Bach), Wald und Busch, Hügel und Vertiefung in dieser feuchten Landschaft vorzüglich aus. Solche mit Geschütz überreichlich gespickte Lagerfestung zu stürmen schien ein kühnes Unterfangen, und späterer Aufmarsch des franz. 16. K. teils bei Wytschaete teils schon bei Zwartelen hinter der Front Zandvorde–Gheluvelt brachte eine Masse zusammen, die der Gruppe Fabeck wohl einen Riegel vorschieben konnte. Spätere deutsche Darstellung unterschätzt die bange Stimmung jener Tage, wo man über mangelnde Artillerie, schlechte Pionierarbeit, zugleich Verspätung und Überhastung murrte. Ententedarstellung zollt der Begeisterung unserer Freiwilligen mitleidige Achtung, baut aber falsche Siegesbilder auf. Diese Freude war von kurzer Dauer, die Stimmung wieder nebelig und trübe, als verstärkter Kanonendonner ein plötzliches strahlendes Sonntagswetter am letzten Oktobertag einläutete. Am 29. lagen beide Parteien im Norden und Osten festgebannt; im Süden aber kam der deutsche Angriff in Fluß. Wohl brüllten englische Langrohre vom Kemmelberg und Wytschaetenhügel, doch schon pochten derbe Fäuste mit wahrhaft homerischen Proben alten Schwabenzorns an die Südkante der Stellung, und die Vorderdivision des franz. 16. K. mußte sich als schützenden Schild den Resten Ravlinsons vorlagern. Ungleich der landläufigen Fama, die ja stets am falschen Punkte ihre Gaben von Lob und Tadel ausspricht, sprechen wir den Preis der Schlacht den tapfern Sachsen zu, über welche übelwollendes Vorurteil so oft grundlos stichelte. (Schon nach der Marneschlacht, wo sie sich opferten, gab es dummes Gerede.) Ebenso gewandt wie mutig fingen sie den Stoß Haighs auf, nachdem sie Rawlinson überwältigten, ihre Artillerie leistete Großes. Am Ende der Schlacht schanzten ihre Pioniere bei Osthoek vor Zonnebeke, auch Becelaere blieb nicht mehr den Engländern, weil die Ereignisse bei Zandvorde-Gheluvelt zum Abmarsch auf Veldhoek zwangen, wahrscheinlich behauptete 242. R. den Landweg nach Poezelhoek nördlich Gheluvelt, 241., 243. drangen zuletzt in den verschanzten Reutelwald vor. 242. war offenbar im Vorrücken über den Reutelbach nordöstlich Gheluvelt gewesen, in Fühlung mit 245. am Straßenkreuz Gheluve, und wandte sich jetzt gegen die Linie Gheluvelt–Poezelhoek. Jedenfalls leisteten 242. und 25. R. J. ganz außerordentliches. Zur Entlastung der Letzteren traten die Marburger Jäger bei Keiberg ein, die sächsischen scheinen sich südwärts gerichtet zu haben. Übrigens scheint den Listen zu entnehmen, daß die Marburger, wie auch Goslarer Jäger bei Poel, erst am 30. stärker in den Kampf traten, Morslede also nicht von ersteren verteidigt wurde, sondern diese nur ihre Ankunft dort verzeichnen, nachdem der erbitterte Kampf bei Brodseinde–Morslede gegen 3. Ers. Regt. 73. L. W. und 25. R. J. endete. Wahrscheinlich sind am 28. beide Orte verloren gegangen, auch Paschendaele in Besitz der Franzosen übergegangen, aber am 29. von 287. R. und 1. Bat. der Mannheimer erneut genommen worden, sowie wir später die Marburger und Sachsen wieder bei Keiberg finden. Am 29. – so genau vermögen wir jedes Datum festzustellen – griff endlich auch das Karlsruher 238. ein und nun scheint General v. Hügel auch am 31. einen Gewaltstoß unternommen zu haben, der Paschendaele–Morslede–Broodseinde völlig sicherte, so daß die Sachsen sich erneut zwischen Reutel und Gheluvelt entfalten konnten in neuem Vollbesitz ihrer früheren eroberten Linie Keiberg–Becelaere. Im wesentlichen flaute die Schlacht nur am 30. im Norden und Osten ab, am 29., 31. wurde noch heftig gekämpft unter dem Einfluß der im Süden hitzig entbrennenden neuen Kämpfe. Am 28. siegten die Leipziger bei La Gher und verhinderten bei Woulverghem das 3. engl. K. an Unterstützung Allenbys. Marwitz' Reitergefechte zwischen Warneton, Houthem und Kruiseeke, zu unserem Vorteil endend, verschleierten den Anmarsch der hierher verpflanzten sechs Divisionen der Armee Rupprecht, denen noch alle Bromberger und später nichts geringeres als eine Gardedivision von der 1., 2. Armee folgen sollte. Beide Parteien entblößten also die Linie Roye–Arras von Kräften, um stark bei Ypern auftreten zu können. Auch die beiderseitige Heereskavallerie war dort vollzählig versammelt, der Feind vermehrte später seine drei englischen, vier französischen, zwei belgischen noch um die 9. franz. Kav. Division, so daß er auch in dieser Waffe die Überzahl hatte. Die deutsche Reiterei wies zwar mit ihrem 1., 2. K. auf schlechtem Gelände in mühevollem Fußgefecht englische Vorstöße aus Messines–Douves ab, ihre Linke (2. K. K.) kam aber gegen Plogstreetwald nicht vorwärts, während ihr 4. K. Stetten nach dem Erfolg bei Kruiseeke gegen Zandvorde vorging, um Carlowitz von Süden her zu entlasten und den Elsässern Deimlings die Hand zu bieten. Daß die Gruppe bei Gheluve (etwa 7 km westlich Menin) rechts von Stetten bei Zandvorde mitwirkte, ist unmöglich; offenbar beobachtete sie längs der Chaussee Gheluvelt (nördlich Zandvorde südwestlich von Pozelhoek–Becelaere). Die G. St. Schr. stellt ferner die überraschende Behauptung auf, die 6. b. R. Div., diese neugebildete Truppe, sei bei Dadizeele (östlich Becelaere, dort stand früher Ravlinsons Mitte) mit den Sachsen in Verbindung getreten, als man am 29. anfing, langsam Gheluvelt zu umringen, wenigstens 16. b. R. Die Listen offenbaren aber nicht das Geringste von Einsatz dieses Regimentes im Oktober und später heißt es plötzlich richtig, daß die Division noch bei Wervicq lag, also gar nicht mitfocht! Von Wervicq war aber der Weg nach Wytschaete, wo die Truppe am 1. Nov. stand. Wie sollte sie auf so riesigem Umweg von Dadizeele dorthin gelangt sein, da sie dann erst einen weiten Südmarsch bis zur Lys zurücklegen mußte, um von da neuerdings nach Norden vorzurücken? Übrigens wäre auch arge Verstopfung der Straße Wervicq–Houthem eingetreten, wenn sich nur dort acht Brigaden (Pfälzer Korps, 3. Div., 6. R. Div., Vorderbrigade der 25. R. Div.) durcheinanderdrängten. Der dieser bayerischen Division zugehörige Verfasser der G. St. Schr. sollte doch am besten die Wahrheit kennen, hat aber als Artillerieleutnant sich einen Bären durch Infanteriekameraden aufbinden lassen, da ihm anscheinend jeder Überblick fehlte. Sonst wäre nur zu folgern, daß er solche Geschichten erzählt, um den Ruhm seiner Division zu erhöhen. Wer aber von Hörensagen urteilt, kann bloß Verwirrung stiften, Richtiges und Falsches bunt durcheinander werfen. Denn es ist richtig, daß die bayer. R. Div. sich erst am 31. zwischen Pfälzer und Württemberger einschob, das würde aber ein unmögliches Gefechtsbild geben. Der Gegner müßte ja ein wahrer Trottel gewesen sein, wenn er dann nicht in dieser Lücke durchgebrochen wäre und die Pfälzer gründlich abgefertigt hätte. Aber es ist falsch, solche Lücke anzunehmen, denn die Pommern kamen nicht am 1. Nov., sondern schon am letzten Oktobertag vor Wytschaete im Verein mit 168. Inf., 118. R. Die Hessen hatten ihren blutigen Sieg bei Le Quesnoye hinter sich und waren frei zum Vormarsch über die Lys, es ist daher grobe Unkenntnis, sie erst am 10. Nov. eingreifen zu lassen (siehe Listen). Doch was soll man von einer Abhandlung sagen, die weder wie Stegemann etwas vom blutigen Hessenkampf an der Lys weiß, noch den wichtigen Reiterkampf bei Houthem berücksichtigt, welcher allein erklärt, daß die Straße nach Hollebeke geöffnet war! Es wird auch nur undeutlich erwähnt, daß bestimmt nicht das Pfälzer Korps, sondern nur die 4. b. Div. im Vormarsch war, was aber auch nicht stimmt, denn das bei Houthem aufgetretene 3. Regt. und 4. D. fochten nachher östlich des Kanals; was bei Hollebeke-Eloi stritt, gehört im Gegenteil zur 3. b. Div. Übrigens wird immer vergessen, daß das Pfälzer Korps nur 3 Aktivbrigaden zählte (die vierte bei Metzer Reserve), also »4. D.« nicht die Stärke besaß, um sich gegen vorausgesetzt zahlreichen Feind allein weit vorn zu behaupten, wenn sie nicht sofort fünf pommersche und hessische Regimenter oder wenigstens Bataillone neben sich gehabt hätte. Letztere rückten offenbar nicht über Vervicq, sondern auf der Straße Warneton vor, die unmittelbar vor Wytschaete führt. Es trat also keine Überlastung der östlichen Straße ein, die am Westufer des Yserkanals entlang führt, und die 6. R. Div. mag dort vielleicht noch später angelangt sein. Was von Bayern in den letzten zwei Oktobertagen focht, waren augenscheinlich nur wenig Bataillone mit Jägern, Pionieren, Artillerie. Dagegen gibt die Überweisung der 2. Kav. Div. an Fabek den Wink, daß wenigstens ein Teil der zwischen Comines und Houthem fechtenden Schwadronen sich aufmachte, um gegen Schloß Hollebeke auszuschwärmen und Spitzen vorzutreiben. Was auch geschah, wie wir sehen. Daher läuft die ganze Hollebeke-Affäre im Oktober auf eine Art Vorpostengefecht hinaus und so wird verständlich, daß nur Pioniere und 2. Jäger nebst den Reitern dort Verluste hatten. Vom 5. Regt. focht wohl nur ein Bataillon, vom 17. oder 18. vielleicht keins. Die erbitterten Nahkämpfe, welche die G. St. Schr. sich dort abspielen läßt, sind anscheinend ebenso Mythe wie angebliche Erstürmung von Dorf und Schloß Hollebeke. Daß man auch nur die Umgebung dieser Punkte erreichte, wäre erklärlich, da der Feind sich dort, so wenig km von Ypern, noch keines Angriffs versah. Auch wurden die schwachen Kräfte schon am 30. zurückgetrieben, wie die Angabe verrät, ihr linker Flügel sei nördlich des Wambeekebaches von einer englischen Division (so arg wirds wohl nicht sein, doch scheint das 3. K. eine halbe Division jetzt nördlich der Lys zwischen Messines und Wytschaete herangeführt zu haben) und Allenbys Reitern angefallen worden! Nördlich Wambeekebach, weit südlich Ostaverne, womit jede Möglichkeit dahinfällt, die Bayern hätten damals nur die Umgebung von Hollebeke erreicht. Wie hätten sie dies können, solange Ostaverne in Flanke und Rücken lag. Wir beharren dabei, daß die Listen fast stets den Tatsachen entsprechen, daher ein Nachtrag in den Novemberlisten für 5. (das überhaupt wenig verlor) und 17. oder 18. Rgt. schwerlich vorliegt. Weder der neblig trübe Sommerabend noch der klare sonnige 31. waren Kampftage für die Pfälzer, wohl aber am Sonntag für jene von uns genannten Pommern und Hessen. Diese allein verwehrten, daß der Feind nicht aus Wytschaete nach Osten vorstieß und die Anmarschstraße der Pfälzer durchschnitt, die dann an den Westrand des Kanals Comines–Ypern abgedrängt worden wären. Denn auch der angeblich harte Kampf der 122. Württemberger neben den Bayern schenkt uns zunächst ein Fragezeichen, da die Heilbronner Füsiliere tatsächlich damals Null verloren, dann aber Heiterkeit, weil wir erneut die wirre Verbastelung durchschauen. Was melden die Listen davon? Nichts, wohl aber von erheblichem Kampf von 2., 9., 42., 168., wozu noch 118. R. stieß (zusammen etwa 800). Sie waren es, die Dorf Wanbeke südlich des Baches eroberten und feindliche Angriffe abschlugen. Wir sind nicht gesonnen, zuzulassen, wie Abwesende oder Scharmützelnde mit dem Verdienst anderer geschmückt werden. Teils werden hier Kämpfe des 31. Okt. auf den 1. Nov., teils solche des 1. Nov. (Bayern) auf 30., 31. Okt. fälschlich übertragen. Diese unerquickliche Hin- und Herschieberei trifft auch für die Württemberger bei Messines zu, wo gleichfalls der Dorfkampf des letzten Oktobertages in den ersten Novembertag hineinspielte. Schwere Geschütze hatten diesen stark verschanzten Stützpunkt und die beiderseitigen Anschlußgräben erschüttert, als 125. Stuttgarter von Osten eindrangen, angeblich südlich davon 119., dahinter 121., nördlich 122. Die V. L. enthüllen wieder den Irrtum: 122. in Reserve, 121. möglichenfalls nördlich bei Gaspardmühle die Flanke der Wanbeke-Gruppe deckend. Ein Teil von ihnen warf sich in den Nordrand von Messines hinein, vielleicht durch feindlichen Vorstoß abgedrängt, es werden aber wohl auch Teile des 119. den Südrand berührt haben. Die Olgagrenadiere hielten den Feind nach Nordwest in Schach, dem gegenüber die Reiterei Richthofen am Douve-Ufer nichts anrichtete, während 2. Kav. Korps südlich gegen St. Yvo (Ostrand des Plogsteertwaldes ) auch nicht weiterkam. Recht begreifen kann man diese Verhältnisse nicht, denn sächsische Reiterei streifte bei Neuve Eglise westlich des Waldes und kann dort schwerlich vertrieben sein, weil die Sachsen sich bis Woulverghem westlich Messines vorarbeiteten, das also schon westlich und nördlich unter Umfassung lag. Indessen scheint die furchtbare englische Massenbatterie von Kemmelberg nordwestlich Woulverghem, die mit ihren weitreichenden Kanonen die ganze Höhen- und Talgegend vor Wytschaete–Messines beherrschte, jede Ausnutzung dieser günstigen Bedingungen unterbunden zu haben. Am Höhenzug, der nördlich Messines nach Wytschaete streift, konnten die 121er (angeblich 122er) nicht hinauf, da die englischen Geschosse in die Tiefe hinabreichten, litten aber nicht sehr, wie die G. St. Schr. für diese Stelle behauptet. Auch die Olgagrenadiere hatten im Süden keinen so schweren Stand. Offenbar hat der Verfasser den Gesamtverlust der Division bloß für Messines gerechnet, ohne nachzusehen, daß sie schon früher bei den Leipzigern ernste Kämpfe hatte. Heut trug natürlich 125. den Hauptverlust (500), die Gesamteinbuße hielt sich auf erträglicher Höhe, und entfällt natürlich teilweise auf den 1. Nov. seit Mitternacht. Daß Artillerie und Pioniere daran einen guten Anteil hatten (4. Komp. 13. P. allein 55) ergab sich aus den Verhältnissen. Denn Letztere sprengten Haus nach Haus in die Luft oder hieben mit Beilen und Pickeln die Mauern ein, alles im schwersten Straßenkampf! Erstere aber fuhr teilweise nahe hinein, 6./65. Art. schoß mitten in der Hauptstraße, ohne Pferde durch Begleitmannschaften die Geschütze heranschleppend, das am Südrand liegende Kloster in Brand. Es vertrat die Bedeutung einer Zitadelle, von da kam schärfstes Flankenfeuer eingegrabener Maschinengewehre, dessenungeachtet die braven Stürmer den Nordostsaum und zwei Barrikaden eroberten und die zwei Querstraßen entlang stürmten, die östlich nach Gaspar, nördlich nach Wytschaete führen. Bei Messines laufen nämlich vier Straßen zusammen, südlich von Plogstreet, westlich von Woulverghem. Dies Wegekreuz gestattete rasches Heranbringen von Verstärkungen, so daß der zähe Verteidiger das Gefecht noch die ganze folgende Nacht fortsetzen konnte. Allerdings noch ohne volle Entscheidung; doch die Stuttgarter würgten sich immer tiefer ins Innere hinein. Ein Leutnant durchschlich tollkühn die Trümmer von Hinterhöfen und Seitengärten und besetzte ein Eckhaus am Markt, wo er sich unverzagt hielt, bis sich zu ihm spät abends neue Kameraden gesellten. Des Klosters dicke Türme und Mauern, von denen so schweres Feuer herabkam, stürzten jetzt zermalmend auf die hartnäckigen Verteidiger herab, die mit wildem Schlachtruf für Alt-England starben. Als die Dunkelheit einbrach, riß der tolle Häuser- und Straßenkampf nicht ab, sondern tobte unermüdlich bis zum Morgengrauen. Die 125er erwiesen sich hier wie immer als ein wahres Eliteregiment. Solche echten Taten soll der Geschichtsschreiber festhalten, nicht falsche erfinden, noch gar Beeinträchtigung wahren Verdienstes durch Aufbauschung unbedeutender Nebensachen erlauben. Mit allem Heldenmut der Seinen war freilich dem Herzog Urach nicht gedient, solange er den Ort nicht fest in Händen hatte, am Ausläufer des auf der Ostseite steil abfallenden Kemmelberges gelegen und daher ein Schlüssel zur englischen Artilleriestellung. Wenn die Eroberung von Messines einer solchen Elitedivision so viel Zeit kostete, ist erst recht unglaubhaft, daß die Pfälzer sich sofort bis Osttaverne durchrangen, zumal zugegeben wird, daß ihre Linke zurückging, das wäre aber grade dort gewesen, falls die Rechte bei Hollebeke lag. So taumelt man von einem Widerspruch in den anderen, wohl in dem Bestreben, den Bayern recht viel Schönes anzudichten, deren viele wirkliche Taten Vermehrung nicht bedürfen. Natürlich übersieht man, daß dann der weitere Novemberkampf wenig rühmlich für das Pfälzer Korps wäre, das trotz Besitz von Hollebeke und Osttaverne (beides unwahr) fernere acht bis zehn Tage brauchte, um sich bis zum nahen St. Eloi durchzuringen! Umgekehrt wäre freilich auch unrühmlich, wenn die angeblich schon anwesende 3. b. D. (4. westlich Zandvorde) nicht am 30., 31. schon Osttaverne genommen hätte, was aber natürlich der von uns festgestellten kleinen Vorhut unmöglich war. Denn es ist entschieden unrichtig, daß damals schon bedeutende feindliche Streitkräfte bei Hollebeke standen, höchstens war die Hälfte 16. K. am 31. dort anfangs aufmarschiert, rückte aber eiligst nach Osten ab, wo ihre Gegenwart zur Rettung von Gheluvelt–Zwartelen–Kl. Zillebeke unbedingt nötig schien. Sie scheint nach 1. Nov. durch das 22. K. abgelöst zu sein, außerdem schob French am Kemmel eine oder später zwei indische Brigaden ein, wodurch sich das Zünglein numerischen Übergewichts erst recht auf Ententeseite neigte. Durch das falsche Mitkämpfen des Pfälzer Korps schon im Oktober, sei es auch nur mit einer Division, wird lediglich die Ententefabel von deutscher Übermacht gestärkt, während in Wirklichkeit jetzt am 1. November schon acht französische, mindestens vier britische Divisionen gegen höchstens neun deutsche unvollzählige oder nicht voll eingesetzte fochten. Die Ententeberichte zählen einfach fast alle im November aufgetretenen deutschen Truppen schon Ende Oktober mit, naiv oder absichtlich, doch an jedem Punkt hatten die Deutschen sich damals einer Überzahl zu erwehren. So arbeiten deutsche Oberflächlichkeit und fremde Ruhmredigkeit Hand in Hand, um Wasser auf die Mühle des Gegners zu treiben, so schreibt man amtlich Kriegsgeschichte. Selbst bezüglich der Geschützüberlegenheit des Feindes an Zahl und Wirkung wird nicht die volle Wahrheit gesagt. Die Ypernschlacht ist die einzige im Weltkrieg, wo eine bessere Beschaffenheit unserer Artillerie nicht in Erscheinung trat. Die mit schlauer Findigkeit eingebauten und versteckten feindlichen Batteriemassen behielten im ganzen die Oberhand. Es war grausam unüberlegt und geradezu unverantwortlich, daß man junge Truppen nicht durch besonders reichliche Zugabe von schwerem Geschütz kräftigte, uneingedenk des Napoleonischen Wortes: »Eine Infanterie braucht um so mehr Artillerie, je schlechter sie ist.« Schlecht war diese wahrlich nicht, doch zu jung an Alter und Ausbildung, aller Heldenmut schützte diese bewundernswerten Freiwilligen nicht vor Folgen ihrer Unerfahrenheit im Grabenkrieg, den die Ententeveteranen, besonders die Briten seit dem Burenkrieg, aus dem Grunde verstanden. Um so ruhmvoller die Haltung besonders der Sachsen. Doch selbst hier gibt man nicht der Wahrheit die Ehre, sondern vertuscht im Interesse des Generalstabs, daß auch die Elsässer ohne ausreichende Artillerie eingriffen. Tatsächlich trafen nur 84. und Teile der 80. Artillerie ein, während zwei andere Elsässer Batterien nach Poel hinter der Front herum abfuhren, ein schlagender Beweis, wie man auch dort genügender Artillerie entbehrte. Statt dessen wird lang und breit erzählt, daß Fabecks schwere Heeresartillerie schon am 30. bombardierte. Da wir jedoch nach den Listen jeden Artillerieverlust sogar batterieweise, z. B. der sächsischen Haubitzenbatterie feststellen, so können wir ruhig sagen, daß alle in Frage kommenden schweren Batterien Fabecks, z. B. vom 1. bayer. oder 4. Magdeburger Fußartillerieregiment nur für Novemberverlust verzeichnen. Wie sollen wir also an Ankunft der schweren Artillerie schon am 30. glauben, da die Überlieferung doch ausdrücklich den Verdruß der Elsässer über Artilleriemangel betont? Bei den Bayern feuerte nur die schon bei Houthem den Vortrab begleitende 5. Art., nicht die 6. bayr. R. Art., die doch gewiß zur Stelle gewesen wäre, wenn ihre Div. focht. Daß zum ersten Mal ins Feuer gehende Truppen leicht unterliegen, soll die bayer. R. Div. in der Nacht zum 1. Nov. erfahren haben. Ihr 17. R. warf sich plötzlich auf Wytschaete? Obwohl rote Leuchtkugeln vom Feind her durch mondhelle Luft flogen, gelang überraschender Anlauf, ohne einen Schuß zu tun? An der Windmühle vor Wytschaete vorbei stießen die braven bayrischen Reservisten bis zum Westrand der Ortschaft durch, gerieten aber nicht nur ins Feuer der eigenen Artillerie (welcher? Ihrer 6. R. Art., die noch gar nicht da war?), da diese Wytschaete auch bei Nacht beschoß, sondern auch des aus Süden anrückenden 21. R., und es war sechs Uhr vorüber, als am ersten Novembermorgen sich sechs französische Regimenter (von welchem Korps?) auf 17. R. stürzten und es aus dem Höhendorf trieben? So ungefähr, wenn auch mit andern Worten, lautet die Erzählung, gegen welche wir an sich nichts einzuwenden hätten, da der Verlust beider Regimenter ja diesmal richtig in die November listen fällt. So scharf wir ein Aufstellen dieser Division bei Dadizeele und Mitwirkung vom 16. R. bei Kruiseke und Gheluvelt bestreiten – focht dies Regiment auf eigene Hand außerhalb des Divisionsrahmens? So schlägt immer eine Unwahrheit die andere tot –, glauben wir doch gern, daß sie am 31. abends vor Wytschaete zwischen Pommern und Pfälzer aufmarschierte. Doch die Einzelheiten sind unwahrscheinlich. Die sechs französischen Regimenter könnten wohl nur vom 22. K. sein, da das 16. bereits ganz nach Osten abmarschierte, und es scheint fragwürdig, ob letzteres ganz schon am 31. Oktober anlangte, sicher aber, daß 22. K. erst seit 3. Nov. ins Feuer ging und zwar nur mit der ersten Staffel. Andererseits wäre doch wohl wahrscheinlicher, daß General du Trossel, dessen Pommerndivision vollzählig am 1. früh zur Stelle war, den Angriff eröffnet hätte, als die unter allen Umständen später anlangende bayrische Reservedivision sofort nach ihrer Ankunft nach langem Marsch. Wir folgern, daß die offizielle Schrift fast durchweg das schwere Ringen am 1. Nov. auf 31. Okt. überträgt, wo die Schlacht auf 17 km Front wesentlich wie am 30. Artillerieduell blieb mit Ausnahme gewisser Brennpunkte, wo die gegnerische Infanterie sich zu sehr ineinander verbiß, um sich pausierend loszulösen. Wir kommen jetzt zum Elsässer Korps, das sich in Gewaltmarsch besonders gesputet hatte, also eher noch vollzähliger angelangt sein müßte, als etwa die 4. b. Div. Wir gaben aber bereits an, welche Bataillone nachweislich laut den Listen zur Stelle waren; denn was in solcher Krise keinen Verlust hat, war gewiß nicht anwesend, im ganzen 172., I/III/171., I/II/105. und wahrscheinlich I/126. Mit ihrer gewöhnlichen Ungenauigkeit schweigt die G. St. Schr. ganz vom 171., 172. und bewegt sich in Allgemeinheiten, fügt aber dem I/II/105. (diesmal mit den Listen übereinstimmend) noch I/143. und 99er hinzu. Warum sollten wir aber glauben, daß deren Verlust aus den Novemberlisten nachzutragen sei, während bei den andern obengenannten die Sache richtig stimmt? Möglich, daß I/143., I/99. am 31. anlangten, jedoch in Reserve blieben, vielleicht auch 8. Jäger, obwohl die Schrift letztere nicht erwähnt, sondern nur die Jägerbataillone des Kav. K. Stetten. Man vergesse nicht, daß Div. Copper schon sehr übel zugerichtet war, und es wiederum die deutsche Waffenehre schmälern würde, wenn mehr als höchstens zehn Elsässer Bataillone mitwirkten, da gleichzeitig sieben sächsische und drei Jäger-Bataillone auf die erschöpften Engländer loshämmerten, alle noch frisch oder so gut wie frisch. Hätten noch gar die Württemberger Reserveregimenter mitgewirkt, so wäre der Erfolg unrühmlich und im Ergebnis unbefriedigend gewesen. Wahrhaftig, daß man sich Minderzahl andichtet, ist eine bekannte Gepflogenheit, aber daß man sich Überzahl andichtet, ist wirklich neu. Und das alles nur aus Oberflächlichkeit, gewiß nicht aus bösem Willen. – – Am 30. sollten Fabeck und Herzog Albrecht gemeinsam zum Angriff übergehen, nachdem Frenchs Offensive gescheitert, doch bei Fabeck blieb es bei der guten Absicht ohne Ausführung, weil die Kräfte noch nicht vereint. Die hessische 25. R. Div. wurde von der Lys herangezogen, abgelöst bei Warneton von der 11. Brandenburger L. W. Brig. Schulenburg, die ihrerseits wieder die 26. Div. vor Messines später ablösen sollte. Natürlich nennt die G. St. Schr. nicht ein Pfälzer Regiment, das wirklich die Feuerzone betrat, sondern erwähnt nur ganz allgemein 4. b. Div., Spitze bei Wambeke (wo die Pommern standen). Und 11. L. W. Brig. verweist sie nach Gheluvelt, obschon deren Novemberliste deutlich widerspricht. Derlei ermutigt uns gewiß nicht, wenn sie wie Stegemann die Ankunft des ganzen Elsässer Korps voraussetzt, uns ihrer Flüchtigkeit anzuschließen. Wie Aussagen beteiligter Offiziere uns verrieten, warf sich Deimling überstürzt in den Feind, je wie seine Teile nacheinander ankamen. Daraus ist ihm kein Vorwurf zu machen, denn die Umstände drängten zu rascher Tat. Die Kavallerie Stetten soll ausgeschieden sein als Lückenfüllung; indessen müssen wir auch dies einschränken, denn 7. Jäger zu Pferd hatten Verluste bei Gheluve, rückten also mit der dortigen Gruppe vor (245. R., 26. R. J., 54. Würt. Art.), gemeinsam mit den Jägerbataillonen 9., 10. und 1. bayr. Da an diesem Tage weder die 4. und Gardekavallerie Div. bei St. Yvo gegen den Ploogstreetwald vorkamen, noch der Herzog von Urach seine 52. Brig. nach Ersteigung nordöstlicher Höhenwellen weiter gegen Messines vorbringen konnte und den auf den Abend befohlenen Nachtsturm aufschieben mußte, kam alles darauf an, daß wenigstens Deimling den Angriff auf Zandvorde vorwärts trug. Wir betonten bereits, daß wir von dem angeblichen vor acht Uhr früh einsetzenden Bombardement Fabeckscher schwerer Artillerie nichts wissen wollen; Augenzeugen versichern das Gegenteil. Es wird dann auch kleinlaut beigefügt, das Wetter habe Beobachtung und Wirkung erschwert. Allerdings herrschte dunstige Unsichtigkeit, die beiläufig auch beim Gegner die Fliegeraufklärung verhindert haben muß, denn wir haben den Eindruck, als ob die Annäherung frischer Truppen für French ziemlich überraschend kam. Um neun Uhr schritt Deimling zum Angriff und besaß nach zweistündigem Gefecht Zandvorde nebst der westlich und vor allem nordöstlich anstoßenden Höhe, welch letztere als Beobachtungsposten der englischen Artillerie gedient hatte. Ihr 40 m hoher Hang wurde von den Jägern erklommen, worauf Batterien der 84. Straßburger Artillerie dort auffuhren, und ihre Geschosse schleuderten, um das Gefilde nach Gheluvelt reinzufegen. Von sechzig Batterien Feldhaubitzen und neun Mörserbatterien, die man Fabeck beigab im Gegensatz zur ärmlichen Ausstattung der Reservekorps mit dieser Gattung, war aber weder heut noch am Folgetag etwas zu spüren. Denn Gheluvelt widerstand der Kanonade, und ein abends dorthin gerichteter Vorstoß blieb ganz erfolglos. Zandvorde sei von der 39. Division genommen worden? Das gibt wieder ein schiefes Bild, nur das 172. Rgt. genügte dazu. Der Ort ist wahrscheinlich nur von der 3. engl. Kav. Div. verteidigt worden, von der ein Halbregiment vernichtet auf der Strecke blieb und seine Maschinengewehre liegen ließ. Noch war aber das wichtigere Gheluvelt nicht unser, vor dem die genannten vier sächsischen Bataillone und einige Schützenschwärme der Div. Hohenborn sich abmühten oder auch nicht, wie der geringe Verlust von 245. lehrt. Nur 54. R. Art. unterhält auf der Chaussee ein scharfes Feuer. Umsonst setzte der schneidige Korpschef seine Person aus, wie allseitig bezeugt wird. Wo keine Truppen sind, kann der bravste General nichts erzwingen. Sir Copper, dessen von Unglück verfolgte Division abgelöst werden sollte, mußte hier verharren, brauchte sich aber am Folgetag nicht allein mit der eigenen gebrochenen Kraft zu behelfen, sondern wurde links durch Teile des franz. 16. K. und rechts durch die von Becelaere abziehende 1. engl. Div. gedeckt. Wenn die G. St. Schr. hier die ganze 54. Div. und die 30. Div. angreifen läßt, so leugnen wir umso zuversichtlicher jede Mitwirkung der schwäbischen Reserveregimenter, als die Schrift selber nur jene vier sächsischen Bataillone zu nennen weiß. Wahrscheinlich fand ernstlicher Angriff auf Gheluvelt heut überhaupt nicht statt. Haigh hatte seinen Angriff gegen die 53. D. nicht zu erneuern gewagt; ähnlich sah es bei der 51. Div. aus, sie blieb defensiv, was ganz zu den Listen stimmt, da sie kaum die Hälfte litt als die 52. Diese gewann an strahlendem Sonntag Boden südöstlich Langemark, was jedoch fünfhundert Schritt kaum überstieg. General v. Hügel vermochte den vom frischen Karlsruher Regiment vorgetragenen Anlauf nicht durchzuführen. Die Karlsruher verschwendeten sehr wenig ihr Blut, wohl kaum vom Anblick der hingemähten Mannheimer angefeuert. Der persönlich eingetroffene Generalissimus Joffre wollte sogar seinerseits Offensive nochmals veranstalten, zu welchem Behuf er ein neu eingetroffenes Korps für November bereitstellte. Dies soll das »2.« gewesen sein, das aber unseres Wissens noch nicht von den Argonnen weggezogen wurde; ein französischer Bericht nennt das berühmte 20. K., was uns eher möglich scheint. Doch kommt ja wenig darauf an, welches, denn ein frisches Korps verstärkte jedenfalls die Langemarklinie, doch sicher erst im November. Verwechslung mit dem 22. oder 32. K. liegt schwerlich vor; denn da das 16. K. erst am 1. Nov. notorisch zwischen Voumerzele und Zwardelen aufmarschierte und ebenso sicher dann starke französische Massen bei Wytschaete standen, sind bestimmt außer dem 16., 22. K. noch zwei andere Korps im November auf der Nordostseite frisch eingetroffen. Diese traten seit 1. Nov. nacheinander in volle Tätigkeit. Unter solchen Umständen konnte auch dem General v. Kleist kein besseres Los beschieden sein. Er führte die Pommern erneut gegen Bixschoote, Altonaer und Mecklenburger auf die Chaussee nach Langemark. Äußerer Erfolg war nur scheinbar da. Wie 216. R., in dessen Tätigkeit die G. St. Schr. sich verfrüht an unrichtigem Ort verliebt, nach Bixschoote mit dem 211. gekommen sein soll, wissen die Götter; war denn der Divisionsverband ganz zerrissen, 45., 46. Div. durcheinandergewürfelt? Auch hier grübeln wir nicht lange über die Unmöglichkeit. Lösung: der Verfasser hörte oder weiß, daß 216. R. schwer litt, nämlich im November, darf aber den wahren Punkt, wo dies stattfand, nicht angeben zugunsten einer neuen Fabel, da er andere Teile dorthin versetzt. Jedenfalls konnte das völlig zerschossene Kanaldorf, wie schon erwähnt, vom 209., 211. nicht besetzt gehalten werden, weil sein lehmiger Vertiefungskessel keine Deckung bot. 209. ging auf die rechte Kanalflanke zurück, angeblich frühere Eroberung vom 22. ist Verwechslung mit 29. laut franz. Bericht. Zu fünfstündigem vorherigen Dorfgefecht stimmen wieder die Listen nicht, die ja sonst durchaus angemessene Einbuße der andern Reservekorps verzeichnen. Auch das scheint willkürliches Vorrücken des Stundenzeigers auf späteres. Und bei angeblicher Eroberung Gheluvelts am 31. begegnen wir auf Schritt und Tritt Unstimmigkeiten. – Der Urheber jener G. St. Schr. scheint als Bayer darauf versessen, überall süddeutsche Landsleute im Vordertreffen siegreich zu erschauen. Niemand will diesen ihren Lorbeer rauben, aber zerpflücken müssen wir den bloßen Papierlorbeer der Theatergarderobe. Wir sprachen schon über die Undenkbarkeit, daß die 6. b. R. Div. über Dadizeele in so weitem Umweg auf der Chaussee Menin–Wervicq nach Wytschaete kam, gleichzeitig aber ihr 16. R. vereinzelt im Osten focht. Nun soll es vollends am 31. in den Kampf bei Gheluvelt eingegriffen haben. Nehmen wir mal an, erstere Behauptung sei richtig und die 6. R. Div. etwa am 30. früh nach Wervicq abmarschiert, so könnte 16. R. als Nachtrab bei Gheluve kehrtgemacht und nordwestlich ins Feuer marschiert sein. Dann konnte es aber bestimmt nicht später am heftigen Kampf seiner Division bei Osttaverne–Wytschaete teilnehmen, das aber ist Tatsache nach den Listen. Sobald man deren chronologische Reihenfolge und ihre ausdrücklichen Zeitdaten zur Richtschnur nimmt, hellt sich jede Unwahrscheinlichkeit auf, und wie sollte sie nicht, da stets jede Logik dafür spricht! So z. B. redet jener Verfasser vom »breiten« Gefechtsstreifen der Pfälzer in den letzten Oktobertagen; er war aber gar nicht breit, sondern zwischen Kanal und Wambekebach sehr eingeengt! Einfach Verwechslung mit späterer Entfaltung zu beiden Seiten des Kanals. Vermutlich stammt der ganze Scherz von Kampf des 16. R. im Osten daher, daß die Überlieferung von »Bayern« bei Gheluvelt spricht. Ja natürlich, 1. b. Jäger! Auch sah man dort wirklich »Württemberger«, doch nur Teile 126er des Elsässer Korps könnten gemeint sein, was wir indessen bezweifeln, sonst gab es dort nur schwäbische Kanoniere der 54. R. Art. Die Listen der Württemberger R. Regimenter verzeichnen stets nur Zonnebeke–Polygonwald und Umgegend, wo erst im Nov. gefochten wurde, weshalb ihr Verlust ja auch nur in Novemberlisten vorkommt. Durch solches Gestrüpp muß man sich den Weg bahnen, um ins Klare zu kommen. Was übrigens der Verfasser unter »preußischen Landsturm« versteht, der einen Sturm auf Gheluvelt mitmachte, bleibt sein Geheimnis. Landsturm gab es hier nicht, meint er hannoversche Landwehr? Die stand auch im November bei Broodseinde. Wären so viel Kräfte vereint gewesen, so war Wegnahme Gheluvelts keine besondere Heldentat, auf welches »Bayern« und »Württemberger« mit stolz sein dürften. Es würde wieder nur die deutsche Leistung herabdrücken. Allein, es ist ja alles Phantasterei. Weder waren diese da, noch das ganze Elsässer Korps, und was vom 54. R. Div. geredet wird, bezieht sich einfach auf ihre vier sächsischen Bataillone, die von Gheluve herkamen, bezeichnenderweise weiß die Schrift auch keine andern namhaft zu machen, und endlich ist auch Gheluvelt an diesem Tage nicht genommen worden, was die Engländer ganz richtig leugnen. Die deutschen Kräfte waren viel zu schwach, um dies zu leisten, da Rawlinson zuletzt in Verbindung mit der Vorhut des 16. fr. K. und mit der 1. engl. Div. focht. Dagegen bringt man wieder die Sachsen um ihr Verdienst, da nur bei diesen die Entscheidung lag. Aber nicht bei 245. R., das sehr wenig litt, sondern beim 242. der andern 53. Division. Während 243. mit ernsten Opfern die Front der 1. engl. Div. im Reutelwald festhielt, brach 242. südlich Poezelhoek durch und bedrohte Gheluvelt im Nordosten, fortschreitend schon aus Norden, Verbindung zwischen Haigh und Ravlinson teilweise durchschneidend. Dies bewog Haigh zum Zurückweichen, da die 1. Div. immer mehr in Verstrickung hineinwirrte, früher noch weit vorwärts zwischen Keiberg und Zonnebeke stürmend, als schon seine rechte rückwärtige Flanke durch Deimlings Anmarsch bedroht. Bei seinem jetzigen notgedrungenen Rückzug auf Veldhoek gingen die schottischen Füsiliere zugrunde. Von diesem allein wichtigen Vorgang sagt die G. St. Schr. kein Wörtchen, um dafür von glanzvoller Eroberung Gheluvelts schwärmen zu können, wo 1000 Gef. (17 Off.), 3 Geschütze erbeutet worden seien. Diese Ziffer widerspricht, wie auch »600« bei Kruiseke, der niedrigen im Heeresbericht, vielleicht liegengebliebene Verwundete mitberechnet, doch so viel Gefangene konnte man nach dem ganzen wirklichen Gefechtsgang überhaupt nicht dort, sondern nur beim Rückzug Haighs machen. Den Sachsen allein gebührt der Ruhm. Die 53. Div. exkl. 244. R., das seine Verlustlosigkeit im November erschreckend nachholte, verlor auf zehn Bataillone (Artillerie und Pioniere bluteten auch entsprechend ihrem tapfern Verhalten bei Keiberg und Hollebosch) weit mehr als das mit mindestens zwanzig fechtende Korps Kleist. Sie litt noch mehr als jede brandenburger Division an der Yser. Für solche Opfer bei solchem Erfolg – denn nur sie brach die beste feindliche Division – soll ihr der gebührende Preis versagt werden? Mit nichten. Wir winden den tapfern Sachsen den gebührenden Lorbeerkranz mit dem selben Eifer, mit dem wir Aufblasung unscheinbarer Begebenheiten ablehnen. Da sie nun aber zehn Tage im allerheftigsten Feuer standen, darf man da verzeihlicherweise den Elsässer Verlust im zweitägigen viel ungefährlicheren Gefecht höher anschlagen als er wirklich war? Auch solcher logischer Schluß hat Wert, selbst wenn nicht alle Listen auf unserer Seite wären. Er wäre viel größer, wenn die in der Schrift genannten 99., 143. mitfochten, geschweige das ganze Korps. Inwiefern I/143. der Div. Hohenborn dem Oberst Oldershausen vom 105. als besondere Sturmtruppe unterstellt gewesen sein soll, klingt ziemlich unglaubwürdig. Wie kam 105. auf die Ostseite, wenn 99. Hohenborns angeblich von Süden stürmte, war ersteres von seiner Division abgetrennt? Lauter Sonderbares! Vielmehr ist bezeichnend, daß Oldershausen »stark vermischte Teile der 54. R. Div.«, nämlich »besonders« von 26. R. J. mit sich hatte, denn dies Bataillon und sogar 25. R. J., deren früheren Platz jetzt 24. R. J. bei Keiberg einnahmen, scheinen sich südwärts zu Div. Kathen gezogen zu haben, weil ihr Mitwirken gegen Klein-Zillebeke in den Listen notiert wird. In dieser Richtung führte General Kathen sein 171., 172. vor unter den Augen des persönlich erschienenen obersten Kriegsherrn, kam aber gegen die aus dem Waldstück westlich Gheluvelt heftig feuernden Vorderteile des fr. 16. K. nicht auf. Die Waldecken umgab ein Wall von Erdwerken und Stacheldrahtfeldern, ebenso fest lag Rawlinson beim Dorfe eingebuddelt! Während Kathens Linke im ganzen nur fünfhundert Meter Raum gewann, nahm Hohenborns 105. im Dorfkampf die Vorhand, ohne aber die zerschossenen Hausruinen nehmen zu können. Unter Heckenzäunen und Büschen entstand ein wildes Ringen, wobei die britischen Scharfschützen die mitstürmenden Divisionäre Hohenborn und Schäfer aufs Korn nahmen. Des Letzteren 54. Div. war im grunde nur durch ihre Jäger vertreten, dazu eifrige Kanoniere und Pioniere, ebenso bedeutete I/126. die einzigen »Württemberger«, die hier Schwabenstreiche vollführten. Alles was von Sturmtruppe unter Oberst v. Hügel hier geredet wird, fällt auf dem 1. Nov. Dagegen beweist ihr Verlust, daß 54. Würt. R. Art. sich äußerst brav benahm, Geschütze bis in die Schützenlinie vorbewegend. Die Anwesenheit der Artilleriechefs beider Divisionen im vorderen Schützenstand giebt uns den Fingerzeig, daß hier von Osten her fast nur Artillerie- und Pionierkampf stattfand. Deimlings 15. Pioniere litten erheblich, auch die Würt. R. P. K. arbeitete vornean. Den Korpschef Deimling, der sich erneut persönlich einsetzte, verwundete ein Artilleriegeschoß, anscheinend blutete oder erkrankte auch General Hohenborn, denn ein anderer führte nachher seine Division, wie auch Korpschef Carlowitz ausschied (Ursache unbekannt) und General Schubert sein Kommando übernahm. Es war eine Stunde vor Mittag, als General Kathen seine Rechte nach Gheluvelt warf und um drei Uhr soll allgemeiner umfassender Angriff mit 99ern Hohenborns von Süden her den Widerstand gebrochen haben. Tatsächlich figurierte Div. Hohenborn lediglich mit ein paar aufmarschierten Bataillonen, nur Teile ihrer 80. Artillerie feuerten etwas, nur die 84. Kathens ununterbrochen. Daß eine Batterieabteilung Rainer dicht am Dorfe feuerte, mag schon sein, doch die weit überlegene englische Artillerie hielt ein Durchdringen des Vorstoßes nieder, während eine Anzahl Maschinengewehre das Feld unter Schuß hielten. Die Verteidiger benutzten jeden Trümmervorsprung und verwendeten ihre geübten Schützen in den Baumwipfeln des Parks, wie dies auch im verdrahteten Reutelwald das unaufhaltsam vordringende 243. Sächsische spürte. Nun erhalten wir wieder einen unfreiwilligen Wink durch die Angabe, daß die Deutschen nördlich Gheluvelt vorbrechen wollten. Unsinn, wenn es sich um Erstürmer des Dorfes handelt, die durchaus Front nach Westen haben mußten und sonst einem verheerenden Flankenfeuer aus Veldhoek und Groß-Zillebeke die linke Seite geboten hätten. Jawohl » nördlich am Dorf vorbei«, doch eben 242. bei Poezelhoek, die Linke der 1. engl. Div. vor sich hertreibend, die sich südwärts zurückzog, während die 2. Div. in Richtung Reutelwald abrückte. (Da die Listen ausdrücklich »Gheluvelt« für 242. R. verzeichnen, so wird die Vergeßlichkeit der G. St. Schr. geradezu peinlich). Ein mit pünktlicher Schnelle einsetzender Gegenstoß kann nur von der abziehenden Rechten der 1. engl. Div. erfolgt sein, da die 7. D. überhaupt keine Kraft mehr dazu hatte und die Franzosen bei Klein-Zillebeke durch Kathen gefesselt wurden. Britische Kerntruppen können viel und dieser Stoß warf die schwachen Abteilungen im Dorfe, wo II/105. am meisten litt, hinaus. Daß die Deutschen in Grabenhandgemenge sich für angeblich unüberwindlich erwiesen, nimmt den Briten gegenüber doch einigermaßen Wunder, und wenn wir auch einen Teil der überrannten Gräben und vielleicht das Schloß, aus dem vorher so viele Maschinengewehre spielten, behalten haben mögen, so lesen wir klar zwischen den Zeilen, daß Gheluvelt ganz oder bestimmt der Nordteil den Briten blieb. Aus einem Datum der Listen könnte man sogar folgern, daß ein Teil sächsischer Jäger bis Gheluve zurückgingen, vielleicht um von dort sich wieder dem Standort ihrer Division anzuschließen. Die drei Jägerbataillone des Kav. K. fochten wohl auch am Südende des Dorfes (keineswegs 99er), doch diese am Dorf fechtenden zehn Bataillone waren wirklich nicht stark genug, allein Rawlinsons 7. Inf., 3. Kav. Div., mochten sie noch so geschwächt sein, samt zwei Brigaden der 1. Div. zu überwältigen. Dagegen zwang 242. nördlich Haigh zum Abzug auf Veldhoek und Herenthage, wo er sich eingrub. (Da deutsche Berichte überall Engländer sehen, so muß streng unterschieden werden, daß bis Broodseinde hin jetzt nur Franzosen standen). Die Legende vom Gegenstoß des 16. b. R. (siehe früher), dessen Oberst dabei fiel, scheint dem Zweck zu dienen, einen Zusammenbruch des englischen Angriffs vorzuzaubern. Da überrascht die seltsame Übereinstimmung, mit dem nämlichen Vorfall bei Wytschaete (siehe früher): deutsche Artillerie habe bayrische für britische Mützen gehalten und von hinten auf sie gefeuert. So etwas kommt natürlich vor, obschon eine Nichtansage eines eigenen Infanterieangriffs zu den Seltenheiten gehört. Aber daß der nämliche Vorgang sich zweimal am gleichen Tage (bei Wytschaete wenigstens in der Morgendämmerung des 1. Nov., hier am hellen Tage bei besonders klarem Wetter) abspielt, klingt doch sehr gesucht. Sollte man beide angeblichen Erlebnisse der 6. R. Div. etwa blind durcheinander werfen? Die Sterne lügen nicht, sagt Wallenstein, die Listen auch nicht und damit scheint der Fall erledigt. Nicht so ad acta legen können wir, daß das Schicksal des Tages auch hier peinlich schwankte und der Erfolg, wenn ein solcher vorlag, jedenfalls nur ein halber war. Die Engländer litten stark, doch ihre Stellung einzuknicken gelang nur der 53. R. D. nördlich Gheluvelt. Die große Aufnahmestellung in der verdrahteten Waldung, die östlich Kl. Zillebeke vorspringt und deren Südecke einer ausgebauten Bastion glich, nördlich die Meninchaussee nach Ypern östlich Gr. Zillebeke berührend, machte ein Heraustreten aus Gheluvelt schwer, sobald es genommen. Aber es war nicht genommen, außer vorübergehend und am Schluß vielleicht nur am Südrand. Da am 1. November große Offensive von Joffre angesagt war, so muß man sich auf noch viel härteren Kampf gefaßt machen. Die deutschen Batterien konnten sich jetzt näher heranschieben, die Elsässer Artillerie fand einen guten Posten in Höhe 40 bei Zandvorde, von wo man schon Hooge, den Sitz der englischen Oberleitung, bestrich. In einem dortigen Gebäude tötete eine Granate einen General und einige Generalstabsoffiziere, was aber schwerlich auf die Gefechtsleitung bei Gheluvelt eingewirkt hatte, wie deutscherseits vermutet. Bei so wildem Durcheinander von Dorf- und Waldkampf ficht jede Abteilung auf eigene Hand und folgt ihrer eigenen Eingebung. In der Nacht langte die Hauptmasse der Elsässer an, ebenso am linken Flügel die 6. b. R. D. und nacheinander fünf Regimenter des Pfälzer Korps, 25. R. und 3. D. wurden vollzählig. Im Zentrum rückten jetzt 2. Ers., 37. L. W. Brig. vollzählig ein, desgleichen östlich Langemark die 9. R. D. und am rechten Flügel, der einer Unterstützung zu bedürfen schien, Teile 3. R. K. und ein noch kleinerer Teil 22. R. K., welche Gelegenheit die G. St. Schr. zu neuer Legendenbildung benutzt. Somit standen jetzt am rechten Flügel etwa 4 ½ D. gegen 4 (später 5) feindliche, im Zentrum rund 6, da die zurückgehaltenen oder erst jetzt angelangten Teile des 23., 26., 27. R. K. alle die Vorderbühne des Kampfplatzes füllten, gegen 7 inkl. Frenchs »Spezialreserve«, im Süden 8 gegen 8, was sich bald deutscherseits auf 7 durch Ausscheiden der Württemberger minderte, von denen eine Brigade schon gleich in den Ruhestand trat. Umgekehrt steigerte sich die Zahl im Zentrum später auf 8 durch Beitritt zwei neuer Divisionen. In Summa genau gleiche Kräfte, doch auf verbündeter Seite ein Mehr an Artillerie und Kavallerie, besonders nachdem drei Kav. Div. zu Hindenburg abgingen, also 5:10. Später erhielt Deimling noch eine aus Linien- und Reservebrigaden zusammengesetzte hannoversche Div., d'Urbal aber Zuaven- und Turcobrigaden, so daß auch dies sich ausglich. Dagegen schieden nach Mitte November nochmals drei Divisionen nach Rußland aus, so daß nachher nur 31 deutsche Infanteriebrigaden gegen 38 standen. Die Behauptung, daß 40 verbündete Divisionen bei Ypern erschienen und nur 25 deutsche, ist unverständlich. Selbst wenn wir merken, daß mit üblicher Ungenauigkeit »Ypern« als die Strecke bis Nieuport gemeint ist (dort inkl. Marinediv. im November etwa 10 deutsche Brigaden gegen 6 französische, 15 belgische, letztere aber nur noch mit einem Stärkebestand von 6 Brigaden) und wenn wir nachtragen, daß 42. franz. D. nun zum Bixschooteflügel stieß, so daß jetzt vor Ypern 40 verbündete Brigaden (von verschiedener Stärke) herauskommen, sind dies noch lange nicht im ganzen 40 alliierte »Divisionen«! Im höchsten Stand am 10. November fochten allerdings sogar 52 deutsche Brigaden inkl. Marinedivision gegen 30 alliierte Divisionen, von denen aber die 6 belgischen nur als 2 zählten! Wo kommen die andern 10 her? Darüber fehlt es an richtigem Ausweis. Sind etwa die Kavalleriedivisionen mitgerechnet? Möglich, daß später auch das 2. (?) franz. und das ganze 3. englische dort standen, macht aber stets nur 34 Divisionen und soviel neue schwarze Brigaden kamen doch schwerlich. Vermutlich ist auch das kanadische Korps mitgezählt, das erst im Frühjahr hinzu kam. Übrigens geht uns dies für November nichts an, sondern nur die Feststellung, daß es allerdings einen Augenblick gab, wo die Deutschen im Zentrum Übermacht hatten, was aber nur kurze Zeit dauerte, und daß auch damals im ganzen vor Ypern nur 20 deutsche gegen etwa 20 alliierte Divisionen standen, daß aber sonst in jedem Stadium die Übermacht durchaus auf Ententeseite lag. Ende November standen im Süden noch 12, im Zentrum 12, im Norden 8–9 deutsche Brigaden, also 32 gegen wahrscheinlich 42; am 31. Oktober aber waren, um es nochmals herauszuschälen, vor Ypern schwerlich mehr als 80 (höchstens 90) Inf.- und Jägerbatl. ernstlich im Feuer, d. h. eine Stärke von 13–14 Inf. Brig. gegen kaum weniger als 10 Div. nach Eintreffen der franz. 38. und einer Div. 16. K., womöglich auch noch der 31. und einer vom 3. engl. K. Wir sind freilich weit davon entfernt, daran zu glauben, daß die letztgenannten vier Div. sich am 31. schon richtig auf ihren Posten befanden, immerhin Teile davon. 16. K. war freilich am 30. im An- und Aufmarsch begriffen, doch anscheinend am 31. nur mit einer Vorhutbrigade im Zillebekewald, mit einer andern bei Woumerzele gegenüber Hollebeke im Vorbeizug nach Osten, bis 3. von Indern und 22. franz. K. abgelöst. 31. D. löste später 17. D. bei Langemark ab. 9. K. stand jetzt zwischen Polygonwald und Zonnebeke. Die G. St. Schr. phantasiert für Monatsende im Süden : »2. und 9. franz. K. waren hier neu aufgetreten.« 9. K. focht schon zuvor und zwar nicht im Süden, mit schwerer Verworrenheit heißt es daher gleich an anderer Stelle: »An der Nord front waren zwei und 9. K. neu aufgetreten.« 9. K. war nicht neu und nie im Norden, was nun wieder Verwechslung mit 32. K. ist. »2. K.« ist franz. Sinn- oder Druckfehler nachgeschrieben; daß es zwischen Argonnen und Flandern hin und her sprang, ist ziemlich unglaubwürdig, da es später anscheinend wieder beim Argonnenheer Gerard focht. Indessen vermuten wir nach einer Darstellung französischer Herkunft, daß vielmehr 20. K. aus Nancy-Amiens hier im November eintraf. Eine feindliche Oktoberstärke, wie sie nie bestand, wird deshalb von G. St. Schr. aufgestellt, weil laut ihr alle deutschen Korps vollzählig erschienen, damit man sich nicht über Führung und Generalstab böse Gedanken mache. Geschieht dies leichtfertig oder bewußt rücksichtslos, da es dann für die trefflichen oder richtiger unübertrefflichen Truppen ein Schimpf wäre, daß sie mit solcher Stärke den Feind nicht überwanden? Die Entente behielte also Recht, wenn sie von deutscher Übermacht fabelt, und mag triumphierend auf die Amtsschrift verweisen als Bestätigung, indem sie natürlich im gleichen Atem die falschen Angaben für ihre eigene Stärke im Oktober auslacht. Letzteres hilft ihr nicht, denn eins ist ebenso falsch wie das andere in dieser Tendenzschrift. Gottlob sind wir da, um dem Unfug zu steuern, in der Hand die V. L. als Beweisdokumente. Beide Parteien entstellen in gleicher Weise, indem sie das beiderseits im November neu Erschienene schon im Oktober rechnen, und zwar die verbündeten einseitig nur das deutsche, ohne die Falle zu sehen: wenn die deutsche Übermacht im Oktober so wenig erreichte, warum dann auch die verbündete Übermacht im November weniger denn nichts? Es muß eben ein für allemal unterstrichen werden, daß nicht die Oktober-, sondern die Novemberschlacht die wahre »große« war, mit unvergleichlich größeren Opfern. Die ganze Oktoberschlacht kostete den Deutschen nur 16 500, den Verbündeten sicher sehr viel mehr. D. Copper war von 400 Off. 12 000 (?) Gewehren auf 40 Off. 2 000 gesunken. Inkl. Yserschlacht 29 000 Deutsche, 50 000 Verbündete, ganzer deutscher Monatsverlust 143 000, der feindliche darf um fast 100 000 mehr inkl. Gefangene geschätzt werden. Nur unsere Ergründung erklärt das Mißlingen der Ypern-Unternehmung, bei der rein nichts herauskam als taktische Einzelerfolge, trotz der jede Erwartung weit übertreffenden Leistung der Freiwilligenkorps. Übrigens darf man auch die Aktivtruppen beiderseits kaum sehr verschieden bewerten, da die ungeheuren Verluste überall den Stamm der Cadres einschrumpfen ließen, oft auf ein Minimum. So verlor z. B. 125. Stuttgart bis Witte Sept. 50 Off. 2 000, also war bei Messines nicht mehr sehr viel davon vorhanden, doch die eingestellten Ersatzrekruten schlugen sich wie »Alte«. Diese Schlacht blamierte alle Milizverächter um so mehr, als die hartgeprüften Freiwilligenscharen nach so heißer Feuertaufe jetzt im November eine noch viel schlimmere Schlachtbrandhölle überstanden und neue Wunder der Tapferkeit den erstaunten Militaristen vorführten, wie gleichzeitig 25. R. K. bei Lodz fast noch die Garde an Opfermut übertraf und später bei Limanova die 47. R. D. die besten K. K. Aktivtruppen in Schatten stellte. Als im November die Garde neben dem 27. R. K. focht, wurden Teile von ihr mächtig beschämt durch die wilde Kampflust der Freiwilligen, und so glänzend sich Elsässer und Pfälzer schlugen, wird wohl niemand behaupten, daß sie so furchtbar ringen mußten wie die Freiwilligenkorps vom Polygonwald bis Merkem. Avis au lecteur! Der Truppenzusammendrang im November war ungewöhnlich und ist auf einem bestimmten Schlachtfeld nur von der Verdunschlacht später übertroffen worden. Wir verrechnen die deutsche Ypernmasse auf 285 Batl. Sie brigadenweise herauszubekommen, im Vergleich zum Gegner quält man sich eigentlich umsonst, da die französischen Divisionen so viel stärker formiert als die deutschen. Die Franzosen zählten hier allein 230 Batl., ohne Turcobrigaden zu rechnen, die Engländer und Inder mindestens 75. Rechnet man die Yserarmee inkl. 42. D., die jetzt bei Ypern mitfocht, auf 55 franz., 45 (d. h. 90 mit halber Stärke) belgische, so standen wahrscheinlich von Nieuport bis zur Lys inkl. Turcos 420 Batl. gegenüber 352 deutschen. Selbst hiermit kommen wir nicht weiter, denn deutscherseits waren nur 103 Freiwilligenbataillone vollzählig und frisch, im November aber auch schon abgenutzt, als etwa 100 franz. und engl. (22., 32. K. Inder und Spezialreserven Frenchs) als neugebildete und aufgefüllte Truppen den Kampf verstärkten. Alle Aktivtruppen und 3. R. K. hatten im September-Oktober bedeutend gelitten. Selbst die geringe Stärke der Belgier hebt nicht auf, daß im November abzüglich beiderseitigen Oktoberverlusts schwerlich mehr als 300 000 deutsche Gewehre gegen mindestens 400 000 Verbündete standen. Nach eigener Angabe hatten 340 000 Verbündete (40 000 Inder) längs Yser und Lys gestanden, also inkl. 3. engl. K. Das dürfte sich aber nur auf Oktober beziehen, vor Eintreffen der neuen Verstärkungen. Begreifen solche Rechner nicht, daß jede zu geringe Stärkeangabe unweigerlich Vergrößerung der vorherigen Verlustsumme nach sich zieht. Die notorisch fechtende Masse betrug inkl. Art. und Kav. etatmäßig sicher 550 000 exkl. 3. engl. K., hätte also schon weit über 200 000 verloren, wenn sogar noch 3. engl. K. in 340 000 einbegriffen wäre, und da 40 000 Inder noch keinen Mann einbüßten, wäre der sonstige Verlust prozentual noch viel größer. Und doch wird ausdrücklich erwähnt, daß viele Korps neu aufgefüllt waren, etwa 7 franz. Div. waren ganz neugebildet. 9., 16. K. litten freilich bisher schon ungemein, ihr starkes Auftreten bei Ypern beweist aber, daß sie Neuauffüllung erhielten. Somit ist unser Ansatz 400 000 exkl. Hauptteil 3. engl. K. noch bescheiden. Die Unwahrhaftigkeit der Ententeangaben wird auch aus folgendem klar: Verloren die Verbündeten bei Ypern bei den meisten Teilen nach eigenem Geständnis 50 %, so würde dies bei ihrer eigenen Stärkeangabe doch schon 150 000 ausmachen. Wenn French also amtlich anfangs nur 57 000 bis 1. Nov. seit August, bis 15. »über 70 000« verloren haben wollte, so wies ihn Lord Newtons Oberhausrede schon früher 80 000 nach. Keinesfalls verlor er bei Ypern »50 000«, da er selber Ende September schon 35 000 angab. Nun verloren aber drei englische Regimenter »in einigen Stunden« 80 %, und wenn zwei Divisionen von »zusammen 37 000 auf 5300« schmolzen, so sind das schon 85 %, und wenn zwei Divisionen allein fast 32 000 einbüßten, so denke man sich das Übrige. Offenbar sind dies 1., 7. gewesen, stimmt aber dazu, daß 7. D. von »12 000« auf »2 000« schmolz? Allerdings sind damit Gewehre gemeint, doch inkl. Off., Art., Pion., Train ergibt sich doch höchstens 15 000, sodaß 1. D. allein 22 000 gehabt haben müßte. Das ist kaum denkbar, wohl aber richtig, daß jede englische D. durchschnittlich 18 000 zählte. Hiermit wird aber bewiesen, daß sie bei Ypern wirklich ihre etatmäßige Stärke wieder hatten, d. h. teils neu aufgefüllt waren, teils wie Copper, Inder, Spezialreserve überhaupt bisher den Feldzug nicht mitmachten. French also bei Ypern, inkl. Allenby und Teile 3. K. sicher 120 000 zählte. Belgier abgezogen würden von »340 000« also nur 160 000 für 300 fr. Bataillone und 5 Kav. D. nebst starker Artillerie zu rechnen sein, was rein unsinnig ist. Vielmehr besteht dringender Verdacht, daß 450 000 verbündete Gewehre (etatmäßig 500 000) bei Ypern feuerten und das Gerede von deutscher Übermacht selbst im November sich ins äußerste Gegenteil verkehrt. Wie traurig stimmt es, daß Ende Oktober 200 000 deutsche Gewehre auf etwa 160 000 Verbündete hätten stoßen können, was einen Vollsieg verbürgt hätte. Für obige Schätzung macht einen Unterschied die Zahl der Regimenter, wobei es durch V. L. neue Überraschungen gibt. Bei Deimling erschien nämlich merkwürdigerweise ein Lothringer Regiment, 130. Mudras, wahrscheinlich nur ein Bataillon, während anscheinend 132. noch im November ausblieb. 9. R. D. hatte nur drei Regimenter, doch »2. Ers. Brig.« auch drei. Bei 4. bayr. D. ergänzten 5., 8. R. die fehlende Metzer Brigade, doch 4. Pomm. D. erschien unvollzählig. 66. R. schied aus, dagegen erschienen drei rheinische Regimenter, wahrscheinlich aber nur mit vier Bataillonen. Bei Nieuport zwei neue L. W. Ers. Rgt., ebenso die Marinedivision, die jedoch nur Brigadestärke hatte. Später traten noch 142. Badische zu Hügel, 89. zu Kleist über, vier hannoversche Regimenter zu Deimling. Der Zuwachs im November betrug allein an neu auftretenden Kräften etwa 32 Rgt. exkl. Marine, dazu aber die ganze Fülle der im Oktober nicht wirklich engagierten Teile. Die G. St. Schr. rechnet 25 deutsche Divisionen, es sind aber offiziell nur 24 erkennbar, während nach regimentweiser Abschätzung inkl. 16 Jägerbataillone sogar 26 ½ exkl. Marine herauskommen. Die gleiche offizielle Angabe, daß bis 14. Nov. 40 verbündete Divisionen in den Yser-Ypernkampf geworfen seien, stimmt absolut nicht. Etwa 6 anglo-indische, 18 französisch-afrikanische ( hoch gerechnet), 6 belgische von Halbstärke, macht nach Adam Riese nur 30. Sollen aber 3 engl., 5 franz., 2 belg. Kav. Div. mitgerechnet werden? Nein, auf so verstohlenem Seitenweg kann man keine verbündete Übermacht von erheblichem Umfang einschmuggeln, sondern nur auf der geraden, statistischen Straße die Dinge klären. Nach 15. Nov. verschwanden allmählich 90 Batl., neu hinzu 6, sodaß zu Neujahr wirklich bedeutende verbündete Übermacht auf »dem Papier« vorhanden war, doch so erschöpft und verblutet, daß vielleicht noch 200 000 (wahrscheinlich mehr) Gewehre gegen 150 000 blieben. – Die Verbündeten behaupten sehr übertrieben, sie hätten im Oktober nicht eine ihrer Hauptstellungen eingebüßt. Ihre Vorderstellungen waren alle gefallen: Gheluve, Keiberg, Morslede, Roosebeke, Poel, Houtholst. Hauptstellungen Zandvorde, Becelaere, Paschendaele, Bixschoote, Merkem, Messines; doch diese fielen alle, obschon einige nicht unbedingt. Doch dies auch noch durch dauernde Eroberung von Gheluvelt und Hollebeke ergänzen wollen, ist ein zuchtloses Phantasiebegehren. Es wäre ja unmöglich gewesen, daß die Verbündeten erneut ihre Offensive bis über Becelaere vortrugen, wenn Gheluvelt in deutschen Händen war, von wo Flankenfeuer ein Vorbrechen über Veldhoek vereitelt hätte. Umgekehrt war entscheidendes Vorgehen über Wambeke unmöglich, solange Allenby nicht Messines abtrat und daher auch Festsetzen bei Hollebeke untunlich, solange man nicht über Wambeke die beherrschenden Punkte Wytschaete–Osttaverne gewann, von wo scharfes Flankenfeuer auf der bayrischen Linken lag. Ganz abgesehen von allen andern Gründen, ist also größerer Angriff der 6. A. westlich des Kanals vor 1. Nov. ausgeschlossen. Das Wettlaufen von Hessen, Pommern, Bayern über die Lys muß ein durcheinander gewesen sein, ehe der Knäuel sich entwirrte, während bei Messines die Flammen gen Himmel schlugen. Nachdem die Reiterei, zuerst die Württemberger durchließ, mußte die Pommernvorhut kurz vor Torschluß erst den Weg Wambeke–Houthem für die Bayern freilegen. »Die Sterne lügen nicht«. Die V. L. sind wahr, obschon nicht immer klar; Irrtum vorbehalten. Die G. St. Schr., eines Stegemann würdig, leistet der Ententefabel von deutscher Übermacht Vorschub und bemakelt die Truppen. Niemand darf bezweifeln, daß 55 Batl. inkl. Stettens Jäger in einem Zug die viel schwächeren Engländer bis Groß-Zillebeke überrannt hätten. Aus französischer Darstellung steht fest, daß nur Moussys Res. Brig. sich entgegenwarf. Copper war schon früh verloren, wenn Carlowitz mit vereinten 26 Batl. über ihn herfiel. War plötzliche Erkrankung dieses Generals eine »diplomatische«, weil O. H. L. ihm Mißfallen über verspäteten Anmarsch zu erkennen gab? Doch wir brauchen nicht äußere Bestätigung unserer Divination, die allein des Rätsels Schlüssel liefert, warum trotz aufopfernster Tapferkeit das Ergebnis nur sehr bescheidenen Erwartungen entsprach. Sie waren aber nicht bescheiden gewesen und hätten es von Rechts wegen nicht sein sollen bei richtiger Erkenntnis und Ausnutzung der Lage. Zur Entschuldigung schieben die ahnungslosen Einfälle der G. St. Schr. dem Feind größtmöglichste Stärke zu, unterschieben den Theatereffekt unwahrer Erfolge, um die Oberleitung vor verdientem Tadel zu sichern Man täuscht zweckdienlich den Leser. Ja, man betrog die braven Jungen der Volksmiliz um den Sieg: nur wenige Tage früher einheitlich eingesetzt, hätten sie die weitgespreizte Front auseinandergesprengt. Umsonst verströmte das Blut junger Helden, die es zwar dem Feind bitter heimzahlten, doch nichts Wesentliches einheimsen konnten. Ein taktischer Erfolg läßt sich nicht absprechen, doch innerhalb natürlicher Grenzen zu geringer Machtentfaltung. Ein sichtbarer, doch unausgereifter Sieg von bescheidenem Umfang. Ein Ruhm der Truppen und eine Unehre der obersten und oberen Führung. Den Herren Joffre und French dürfen wir aber auch den Hohn anhängen, daß sie wohl selber nicht wußten, was sie wollten. Oder doch? Reklamespektakel für politische Ausbeutung. Sie konnten doch beim besten Willen nicht hoffen, hier nach Maas und Rhein durchzubrechen, während ihre rückwärtige Verbindung schon in größter Gefahr schwebte und nur ein Gewaltmittel wie die Überschwemmung, sie vor unmittelbarem Rückenstoß rettete. Besonders der große Stratege Foch, der dreist und gottesfürchtig im Norden bis Januar weiterwurstelte, ist eine wunderbare Erscheinung. Blickt man auf die Karte und zugleich auf die am 30. noch völlig leere Südflanke, so glaubt man es mit Verrückten zu tun zu haben. Doch das unterscheidet eben den Krieg von jeder andern Kunst, daß ein Verrückter, der mit seinem Eisenkopf an die Wand rennt, auch nicht dümmer handelt, als der Vernünftige, der sich zu lange besinnt, die Mauer zu übersteigen. Selbst die G. St. Schr. leugnet ja nicht, daß die »6. A.«, soll heißen deren schwache Vorhuten, erst am 30. eingriff. Wäre die Schlacht schon am 20. entbrannt, so würde also die 4. A. zehn Tage lang zwecklos gerungen haben, und obschon wir dies Zeitenmaß auf die Hälfte verkürzen, ist auch dies noch viel zu viel für isoliertes Frontalringen. Beruhen alle Verwischungen der G. St. Schr. auf Unkunde oder System? Jedenfalls wird verschleiert, daß sich das Beispiel der Marneschlacht wiederholte: Ungebührliche Verspätung vieler Teile und trotzdem verfrühter Angriff ohne Vereinung. Um vorwitzigen Fragen vorzubeugen, wird dann später die mächtige Ententeoffensive der ersten Novemberwoche unterschlagen. Hätten die vielen deutschen Waffenströme, die sich zum Ypernkanal hinwälzten, gemeinsam ihre klirrenden Wogen ergossen, so trat bildlich eine eindrucksvollere Überschwemmung ein, als die wässrige der Yser. Man mußte nur Plan und Geduld haben. Den feuerspeienden Kemmelberg, dem Schlüssel der Stellung, war nur durch Umgehung beizukommen (wie 1918 bewiesen), man hätte also besser getan, nicht den Stoß über die Lys so weit östlich anzusetzen, sondern alles Verfügbare aufs 3. engl. K. zu wälzen und sich weit westlich im Rücken Yperns durchzuringen. Dort wo General Laffert, dessen Tatkraft wir schon bei Vitry sahen, schon Bresche hieb, daß die Splitter umherflogen, mußte strategischer Durchbruch glücken. Daß die Leipziger schon bei Woulverghem westlich Messines dem K. Poultenay in die Flanke fielen, verdeutlicht klar, wie viel dort auszurichten war, wenn fünf andere deutsche Divisionen noch nordwestlicher vordrängten. Dieser Stoß war auch geeignet, die Verbindungslinie Bethune–Poperinghe zu zerschneiden, von wo der Feind seinen Nachschub ununterbrochen nachholte. Die Reiterkorps längs der Lys unterhielten ja genügend Verbindung mit der 4. A., zu der ohnehin Deimling sowie 9. R. D., 2. Ers. Brig. und hannoversche L. W. im Anzug waren. Sie konnte ihre eigene Schlacht schlagen. Mußte sie trotzdem nachgeben, so konnte sie elastisch ausweichen, den Feind ostwärts sich nachlocken, damit sich das strategische Netz um so sicherer um ihn zusammenziehe. Wenn man ihm gleichzeitig südwestlich und nordwestlich durch Beseler und Fabeck bedrohte, war sein Rückzug ja doch unvermeidlich. Bei solcher Gruppierung konnte nicht zweifelhaft sein, daß jedes wilde Ausgreifen der Verbündeten nach Osten nur zu ihrem Verderben ausschlug. Auch hätte man so viel Zeit für 6. A. erspart, deren operativer Eingriff dann viel früher erfolgen konnte, als so weit nördlich mit langwieriger Freimachung der Lysübergänge. Doch wie so oft dachte man nur an vorwärts um jeden Preis, das so oft verspottete Steinmetz-Manöver. Das unglaublich durchschnittene Gelände östlich Ypern sprang doch schon topographisch auf der Karte ins Auge, trotzdem hetzte man die »jungen« Truppen, denen man doch nicht recht traute, zu unangenehmen Frontalstürmen. Man gibt vor, der Feind sollte gefaßt werden, ehe er Verstärkungen bekam. Die hätte er gar nicht mehr durchgebracht, wenn die 6. A. über Rue de Bois vorbrach, ohne sich vorerst um Ypern zu kümmern. (Zur Flankendeckung genügten Marwitz und 25. D.). Wahrscheinlich herrschte wieder das Pedantensystem der lückenlosen Front, als ob Lücken nicht oft Sackgassen für unvorsichtig hineinstürzende Feinde wären. Solche Stellungen greift man nicht blindlings an, man manövriert den Feind hinaus. Sollten etwa die »unmöglichen« Freiwilligen sich kräftig und gesund austoben? Kräftig fiel es aus, doch ziemlich ungesund für die armen Jungen, die sich eine Woche lang allein die Zähne ausbissen, denn die gewünschte Stützung durch 6. A. blieb aus. Und doch wußte man, daß englische Veteranen vom Burenkrieg her das Einbuddeln aus dem Grund verstanden und Fachleute den französischen Sappeurs bessere Ausbildung als den deutschen zuerkannten. Ob mit Recht oder Unrecht, da später das Plus eher auf unserer Seite lag, doch gewiß nicht bei diesen unerfahrenen Milizpionieren; hier vor ein schlimmeres Kampffeld gestellt, als je ein deutsches Heer. French sah seine Lage nicht rosig an, fabelte von »großer Übermacht« des Feindes, fand sich zu »ausgedehnt«. Wer hieß ihn Haigh den abenteuernden Rawlinson nachzuschieben wie einem verlorenen Sohn, ihn heimzuholen! Doch da traut man French viel Bescheidenheit zu. Als er und Foch sich persönlich nach Ypern als jetzigen Hauptbrennpunkt begaben, betrachteten sie das Bild nur im unklaren Umriß und glaubten am besten nach vorne auszureißen. Spukte immer noch der Wahn, Belgien sei noch nicht erdrückt? So heißhungrig man allen Lügenkram verspeiste, belehrte doch Antwerpens Fall, wie wenig auf belgische Waffen zu bauen sei. Man erlaubte sich ein unmögliches Spiel. Schlacht liefern mit großer Wasserscheide im Rücken ist schon an und für sich gefährlich; berühmte Beispiele warnen, besonders gefährlich, wenn rücklings ein anderer Feind lauert, um dort am Wasser angekommenen Rückzug abzufangen. Jeder andere als Napoleon hätte an der Beresina den Untergang gefunden. Warum wir hier auf einmal die von uns theoretisch verpönte Einkesselung gutheißen? Es gibt eben Ausnahmefälle (Sedan zwischen Grenze und Maasschleife), wo die Natur selber die Einschließung übernimmt, sodaß der Angriffsring weniger Truppen braucht. Dies lag hier vor, die Kanalschranke wäre Rückensperre geworden, wenn Foch noch lange nach Osten das Feld hielt. Nie ließ das Schicksal so tolle Fehler so gnädig unbestraft, als stände geschrieben: Die Entente darf jede Tollheit wagen, ohne die Bilanz zu ziehen, doch jeder Fehler Deutschlands wird auf der Tat ertappt, bis die blanke Rüstung abgenutzt und verrostet. – Lage bei Ypern am 1. November 1914. Die beste deutsche Stoßrichtung aus Süden unterschied sich auch taktisch vorteilhaft von sonstigem Holz- und Wasserrevier, nordöstlich des Ypernbogens, dortigen Einbruch sah aber French nicht vor, nur Allenby stand dort Posten und empfand ihn offenbar noch Ende Oktober nicht als gefährdet, sonst hätte er Messines nicht noch am 1. Nov. gehalten. Denn waren früher deutsche Massen bei Wytschaete–Hollebeke erschienen, so war seine Stellung überhöht und unterhöhlt, ein neuer Beweis, daß dies damals noch nicht vorlag. Nun wohl, obschon wir eine noch westlichere Stellung empfahlen, würden wir uns doch selbst direkt mit dem Angriff über Hollebeke zufrieden geben, wenn letzterer nur zeitig erfolgt und hartnäckiger durchgeführt worden wäre. Doch man muß noch mehr mißbilligen. Dieser Stoß, der den Feind in Kern und Herz traf bis in Ypern hinan, an dessen wünschenswerter rascher Besetzung Ende Oktober nichts abgehalten hätte, wurde er wenigstens noch im November mit aller Kraft fortgesetzt? Ja und nein. Schon ließ man dem Gegner Zeit, etwa 4 bis 5 Div. gegen 6 ½ deutsche aufzubieten, doch letztere wäre auf die Dauer durchgedrungen. Statt aber zwei weitere Divisionen dort nachzufüllen, was bestimmt Entscheidung brachte, schob man sie in den immer frontaler werdenden Südostteil auf Zillebeke ein, in blinder Besorgnis, der erstärkte Feind könne irgendwo nach Osten durchbrechen. Und wenn er das tat? Dies konnte uns nur recht sein, während wir ihm aus Süden die Kehle zuschnürten, und den strategischen Lebensodem auspreßten. Also wieder ein blinder Schreckschuß wie der am Ourcq, und wieder das trügerische Gespenst doppelseitiger Umfassung (Moltke) durch Gewichtlegen auf den Druck aus Norden, der nur beim Abbauen des Gegners unter Druck aus Süden Chancen bot, denn sonst ließ sich der Kanal dort nicht umgehen; auch schränkte die Überschwemmung den Raum ein. Gleichwohl versteifte man sich noch monatelang darauf, immer wieder unfruchtbar dort anzupacken, wo man doch nie so tief in des Feindes Zentralstellung hineinfassen durfte, wie am Süden. Dieser Grundfehler entsprang der aussichtslosen Keilerei im Osten, wo man im Doppelsinne »grundlos« durch Moräste und Blutbäder watet. Von Anfang bis Ende wäre Defensive im Norden und Osten, äußerste Offensive im Süden die richtige Haltung gewesen. Statt dessen Wegreißen von 3 D. der Südgruppe nach Rußland. Allzuviel ist ungesund. Das für Rußland Nötige konnte man ebensogut und viel zweckmäßiger der Mittelfront entnehmen, statt grade hier auszusetzen, wo schon die schwere Artillerie ein Loch schoß. Die vorgefaßte Tendenz geht so weit, die Novemberschlacht nur wie ein Anhängsel der Oktoberschlacht, gleichsam eine Nachgeburt zu behandeln. Denn es ist natürlich peinlich zu gestehen, daß 4., 6. Art. nicht ineinandergriffen. Deshalb läßt die G. St. Schr. überall schon schwere Artillerie losdonnern, wo man noch keinen Ton von ihr hörte. Am 1. Nov. war keine entscheidende Wendung in absehbarer Zeit zu erwarten, weil der Feind die Gefahrlücke mit frischen Waffen schloß. Immerhin gab es theoretisch keine schlimmere Lage, als die der Verbündeten; überblickt man die schlechtesten der Kriegsgeschichte. Je weiter sie ostwärts hämmerten, desto näher rückte der Rückschlag, daß deutsche Artillerie aus Nord und südlich Ypern den Kanal in einem Engpaß beschoß, wo die schmale Durchschlupfpforte nach Südwest sich gerade durch die Überschwemmung verengte. Man tadelte Napoleon, daß er am 17. Okt. 1813 nicht von Leipzig abzog. Genau die gleichen Verhältnisse, wie an jenem 19. Oktober wären hier am 19. Nov. eingetreten, falls French–Foch den strategisch selbstverständlichen Rückzug endlich antraten. Es war so, als ob damals Ginlay, statt aus dem Weg geworfen zu sein, in Lindenau und Blücher schon in der Hallischen Vorstadt gestanden hätten. Und dennoch rückten die Verbündeten nicht ab, und wieder rettete sie die so beliebte Umgruppierung, die uns im September den entscheidenden Sieg in Lothringen kostete, auch bei Ypern. Hier lag jetzt die Entscheidung; aufs äußerste zu durchkämpfen; mochte darüber die recht wacklige russische Dampfwalze über die schlesische Grenze rollen. Brauchte Hindenburg Verstärkung? Warum ließ man es dazu kommen, daß die Flandernschlacht 10 Tage später begann, als angemessen? War die Angelegenheit am 1. Nov. erledigt, dann brauchte man nicht solche Massenanhäufung und die Verstärkungen rollten viel eher nach Rußland. Der gleiche Rechenfehler wie im September. Russische Langsamkeit stand schwerlich vor Anfang Dezember bei Hohensalza und wenn schon! Bis dahin war Entscheidung bei Ypern längst erzwungen; schlimmste Niederlage der Verbündeten hätte ihre Stimmung so niedergedrückt, daß kein russischer Vormarsch mit Hindenburg im Hintergrund sie heben konnte. Krieg ist kein Lotteriespiel, hier spielt man selber Trümpfe aus, so gut man kann. Über den Vergleich mit Schachspiel machte sich Tolstoi lustig, weil im Krieg oft der Turm ein Bauer und der Bauer ein Turm sein kann. Ein leidenschaftliches Drama ist kein Hantieren am Schachbrett. Gleichwohl muß man die »Eröffnungen« kennen und dem Schachmeister ist in beschränktem Maße gegeben, was des Kriegsmeisters Kombinationsgabe ausmacht. Simultan- und Blindspiel zeigt etwas von dem, was der Feldherr haben muß. Geistesgegenwart divinatorischen Hellgesichts das »hinter die feindliche Front sieht« und das Ferne sichtbar überschaut. Als ödes Hämmern auf beiderseitige Truppenwände in den Nebelmond hinüberspiegelte, umqualmte Nebel der Ungewißheit die Flandrische Ebene, die kein Sonnenstrahl sieghaften Hellblicks durchbrach. Statistik, allgemeiner Überblick. I. Als Amphibien im Wasser zu kämpfen, brachten die Brandenburger nicht fertig, doch das Angstmittel der Überschwemmung beraubte auch den Gegner der Bewegungssicherheit. Gleichwohl ging das nutzlose Ringen im Norden fort und erst recht im Osten. Nur tiefe Unkenntnis zeitigt Blüten wie die der G. St. Schr., daß 4. A. bald zum Sappenkrieg überging. Auch ist kindisch, bei der durchaus nebensächlichen Rolle der 26. D. nach Wegnahme Messines zu verweilen und dafür nichts von großartigen Heldenkämpfen des 26., 27. R. K. auch im November zu wissen. Sie nebst ihnen zugeteilten Ers. und L. W. Brigaden verloren allein 16 800 (5 ½ D.), die Nordgruppe (6 D.) 10 200, die Süd- und Südostgruppe 22 500 (11 ½), auf viel weiterer Strecke, prozentual viel weniger. Daher ist unwürdig, die andern Gruppen in der Darstellung zu bevorzugen, und als Bagatelle nebenher zu behandeln, was jedem Ententeberichterstatter als Hauptkampf im Gedächtnis lebt. Kein Erfolg an anderer Stelle war möglich, wenn die heldenmütigen Zentrumtruppen nicht die Feindesklinge an ihrem Schild splitterig abgenutzt hätten.     Daß im November die ganze Herbheit des Ringens sich bei Ypern zusammendrängte, veranschaulicht die hier anzuhängende Monatstabelle. Nirgendwo hatte man sonst den Willen schwächere Punkte mehr als abzutasten. Im Elsaß bloße Scharmützel bei Thannach usw., wobei viel L. St. (800), vor Nancy und Toul das übliche Getümmel von 6. b. D. bei Mihiel, 5. am Bois Brulé, b. Ers. D. bei Ailly, 10. Ers. D. bei Apremont (2 600). Heftiger rüttelte Dubail bei Combres gegen die Metzer Bayernbrigade auf den am 25. Sept. von den Posenern leicht genug erstürmten Höhen, die Magdeburger L. W. fing den Querstoß über Pont à Mousson auf. Hier tauchte 219. R. Bielefeld auf, um bald nach Galizien zu verschwinden. Von der Maas bis zur Servon ziemliche Windstille. Im ganzen 5 400. In Champagne (224. R. 500, dann nach Rußland) und Reims 4 900. Die Katze läßt das Mausen nicht. Langle und Esperet versuchten Feuerüberfälle, da sie wohl inne wurden, daß rheinische und hannoversche Regimenter nach Ypern abgingen. An der Aisne ging es hoch her; am 1. glänzender Sieg bei Soupir, doch mit herbem Verlust der Brandenburger (ein Bataillon verlor 680). Außerdem Sachsen und 4. bayr. L. W. bei Ville au Bois, 7. R. K. und L. W. am Mittelplateau, Summa 3 950. Der Feind suchte umsonst aus Entfernung Deimlings Nutzen zu ziehen. Bei Roye Div. Frankfurt (außer 88.), beide Altonaer Korps, anscheinend noch I/II/14., I/III/49. (nicht klar, ob sie später nach Ypern abrückten), Summa 3 000. Maunoury, der den Kirchhof von Trach le Val als Eckpfeiler festhielt und ihn reichlich mit Blut begoß, soll einen kräftigen Ausfall gemacht haben, was den erheblichen Verlust der vier Bromberger Bataillone erklären würde. Ebenso habe laut französischer Meldung Castelnau das Dorf Quesnoy zurückerobert und seine sonstige Stellung unnachgiebig bewahrt. Deutsche Meldung schweigt darüber, wie über das meiste Unangenehme, ganz nach französischem Muster; die V. L. bestätigen, daß er 17., 137., 174. hart anfaßte. 3 460 inkl. noch hier verbliebener hessischer Bataillone, bayr. Leibregiment bei Curlu, 39. R. bei Bray, 14. R. K. bei Thiepval, (dabei neu 6. G.), Magdeburger bei Monchy, Garde bei Gommecourt, dazu 217. R. Halberstadt (bald Galizien), 75. R. (bald Elsaß), Summe südlich Arras 2 800. Maudhuy gewann es über sich, eine zweite Schlacht anzuzetteln, Petain stürzte sich in die Vorstadt St. Laurent und hißte erneut die Trikolore am Rathaus, doch sie sank nieder vor B. 1., 12. R., eine Woche lang zog sich der Straßenkampf hin, dann aber brüllte der Bayernlöwe so patzig, daß der gallische Kampfhahn verstummte. Lange ruhten hier die Waffen. Im Norden ging die Oktoberkrise glatt vorüber; Kampfwille der Briten fiel nur in die ersten neun Tage, milderte sich zusehends. Als die 6. A. das Lysufer übersprang, folgte ihr die Bewegung des nordwärts verschobenen K. Poultenay teilweise. Doch dessen Einschieben bei Wytschaete konnte nur auf Umweg geschehen, und daß K. Dorien hinter ihm aufrückte und seinen Platz einnahm, ist erfunden; denn es hatte genug mit Westfalen und Badensern zu tun. Verlust bei Arras 2200, (10., 13. R. bei Ecurie 850, 35. L. W. immer noch treulich auf ihrem alten Posten). Vor Loretto war es noch ziemlich still; 14., 30., 76. bad. Art. verloren zusammen nur 39, das zeigt die Abdämpfung des Artilleriekampfes. Die Badenser sicherten Besitz von Loos und Lens in Gefechten bei Hollegarde und Mouchin, am meisten litt 114., das mit 113. ins Westfalengebiet bei Festubert übertrat. Summa 3400 inkl. 118. Hessen bei Loos. Das Westfalengefecht hatte schon mehr zu sagen; 13., 56. verloren 1900 bei N. Chapelle, bei Richbourg neben 16. J., 7. P. die tapferen 11. Hessenjäger, die hier Monat auf Monat, Jahr an Jahr aushielten, diesmal besonders opfervoll (485). Bei Aubers 57. im Anschluß an jene Brigade des überallhin verstreuten 24. R. K. Gerock, das nun bald vereint nach Osten abdampfte. Hier auch noch O. R. Jg. Bückeburg. Im ganzen 4900 (3800 Westfalen inkl. des bei ihnen bis 8. hospitierenden II/19. P.). Die Sachsen bei Epinette und P. Rouge hatten 106., 134. bei Wulverghem, II/134. und Teile 22. P. bei Deimling. Vor Lille 87. L. W. bei Le Quesnoye neu 88. J., 63. Art. Zusammen 2550. Total vor Arras bis Wulverghem 13100, ganze Westfront 19350, weniger als Mittel- und Südfront (20550). Nur bei Laffert Raumgewinn, der dem 3. engl. K. nachdrängte, da French sich immer näher nach Ypern einschob. 2. engl. K. nebst Indern der Div. Merut und neuen Territorials suchte umsonst die westfälischen Eichen zu knicken. Was 7. K. seit Mitte September leistete, ist jeglichem Lobe zu groß, und der Gipfel war noch nicht erreicht; der erwuchs erst im Frühjahr. Westfalen und Niederrheinländer brauchten nicht zu verkünden, daß sie zu Preußens allerbesten Kriegern zählten, aber schön ist's doch, daß alle Regimenter von Mars la Tour und Beaune la Rolande ihre Ruhmannalen im Weltkrieg verdreifachten. Jetzt entrollen wir ein blutiges Bild der großen Ypernschlacht, wobei wir am Südende beginnen. 1., 2. Kav. K. bei Warneton–Douve, zu denen sich noch 2. Schles. Ul. und 6. Bayr. Res. Kav. gesellten, verloren nur 84, Gardejäger am 3. schon 220, ein Teil der kombinierten Gardediv. Winkler beigefügt. Bei L. W. Schulenburg erschien III/20. Inf. später 35. L. W. aus Athis. Das Gefecht in Ablösung der Württemberger war erheblich. Schulenburg verlor 1000, Allenby und Poultenay schienen zum Angriff übergegangen; die am 1. Nov. einsetzende große Offensive Joffres schlug bis hierher ihre Wellen. Offenbar wurde die deutsche Front von Messines auf Warneton eingedrückt. II/134. erschien zuerst dort (100), rückte dann zu Deimling ab. Württemberger 51. Brig. – 9. (250), 52. – 13. (220). Wytschaete: 25 R. D. mit I/II/11. P. 2100, wovon 1065 der 168. Inf. sehr dem Verlauf entspricht. Verlust – 12. sogar ganz mäßig, sogar bei 168. nur 100, dies zerstört von vornherein den Irrtum, die Schlacht habe wesentlich am 10. oder 14. geendet. 3. D. gleichfalls – 13. nur 800 von 9., 34., II/42. 183 v. 2. P., dagegen nochmals später 708 von 2. P., 34., 9., 1260 – 18., inkl. 38. Art. zusammen 3000. Oosttavarne: 6 B. R. D. 2450, hier focht 17. R. (1175) blutiger in der zweiten Monatshälfte. Ferner – 14. die nirgend erwähnten 5., 8. R. am linken Flügel der Pfälzer. Summa inkl. 6. bayr. Art. für die ganze linke Seite der Südgruppe 10 000. Bei Hollebeke 2. B. K., 2. Jg., 5., 11., 12. Art. nebst 1 F. (von südlich Arras her, zusammen 174), 1., 2. P. (156), zusammen 3750. Hier fochten 18. Rgt. – 23. (1130), 22. bis 30. Dazu 58 Reiterei, 100 von 13. F., 13. R. F. Straßburg, 1. G. F., 4. Feld Art. 25 G. P, (außerdem 136. Elsäßer). Summe nur 3955. Schon hierdurch ausgeschlossen, daß die Pfälzer auch noch am 30., 31. Okt. schweren Kampf hatten. Total der Süd gruppe rund 13 900 für 81 fechtende Bataillone, 5 Pionierbatl. 13 Art. Regimenter. Südost : 15. K. 4045 inkl. 130. Lothringer (175, wohl nur ein Bataillon), 4 Pionierbatl. und 136., das sich am linken Flügel bis Hollebeke durchrang. 143. (1280), das – 11. noch bei Veldhoek focht, erst dann seinen ganzen Hauptverlust – 30. hatte. 8. Jäger – 18. Zandvorde (420), 80., 84., 51. Art. verloren 213, und dazu II/134., zwei Komp. 22. P., 2. Hess. L. W. Komp., 6., 10., 4. Jg. Summe 4850. Später 10. bis 26. Hannov. 77., 78. (1100), 73., 74. R. (200). 4. D. verlor nur 285 von II/14. I/49. 140.; 149. Null. Das harmoniert zueinander, sodaß der große Verlust jener 4 Batl. bei Crapaumesnil nicht hierher paßt, dagegen sehr wohl der geringe der Gardegrenadiere Augusta (75) als einziges Gardergt. der südlichen Menin-Chaussee. Also Total 6500. Die Garde gehört zur Ost gruppe, sie focht frontal nördlich der Chaussee, angeblich nur 1., 4. Brig., doch 2. G. litt unverhältnismäßig mehr als die Gardegruppe im Sommetal und wird wohl eher bei Ypern gewirkt haben. Franzer 670 – 19., 1. G. 950 – 29. auch 1., 2., 3. Art. – 29. inkl. 2. G. zusammen – 2100. Gegen Polygonwald (246), Zonnebeke (247. bis 28.), bei Gheluvelt (R. Art. – 10. dort , verlor 105) 4250 der 54. R. D. Bei Kaiberg und Broodseinde (25. R. Jg. gegen Zonnebeke 400) 3700 der 53. R. D. (93 P., 71 Art.). Dazu bei Bezelaere Masch. G. K. Gardejäger, 9. Jg., 78. L. W., 2. Ers. Rgt. I/73. bei Kaiberg, vier bayr. L. W. P. Komp. bei Broodseinde. Ferner 3. Ers. Flensburg – 26. 4. Ers. 74. L. W., zusammen 3160. Total inkl. 26. R. F. Art. rund 11 100. Bei Morslede (24. R. Jg. – 10.), Paschendaele bis Zonnebeke (238., 239.); Kersclaere-Langemark (237.) 3450 der 52. R. D. inkl. 16. F. Art. Mühlheim. Bei Poel viel Geschützkampf der R. Art. Kassel usw. bis 29., hier 1850 der 51. R. D., dazu 26. R. Jg. nach Poel abmarschiert, zwischen 52., 53. R. D. Teile 26. Art., 26. R. Art. (208). Summa der Linie Morslede–Poel 5700. Total der ganzen Ost front 18 900, wovon 16 800 allein für 68 Batl., 10 P. Komp., 8 Art. Rgt., also prozentual viel mehr als für 110 Batl., 29 P. Komp., 16 Art. Rgt. der Süd-Südostgruppe. Dazu noch 590 an 35. R. bei Paschendaele entsendet. Den Rekord schlug 54. R. D. mit 4430 inkl. 26. R. Jg. bei Poel für nur 10 fechtende Bataillone, denn allem Anschein nach griff 248. R. erst im Dezember ein, ebenso auch 235. R. Koblenz erst dann. Denn 240. R. verlor auch diesmal – 30. nur 90, also blieben überall Teile in Reserve. Den größten Monatsverlust hatten 246. (1800), 244. R. (1880). Nordgruppe : nordwestlich Langemark 3. R. K. 2000 inkl. 24., 25. P. (298) bei Mangclaere, hauptsächlich 26. R. nebst Ers. Batl. und 20. J. sowie I/35. I. bei Ostnieukerke – 21. Anwesend 13 Batl. inkl. 35. R. bei Paschendaele. Ferner 9. R. D. bis 12. hier 700. Westlich Langemark bis Bixschoote 46. R. D. 3050 inkl. 9. L. St. P. Komp. (135 Art., 1000 von 215. R. Osnabrück, 214., 216. fochten – 26). Bixschoote bis Merkem 45. R. D. 1870 (39 Art., 1205 von 211. Stargard – 17.). Dazu bei Bixschoote 12., I/II/8. R. hier 930 – 16. Ferner 9. R. D. hier rund 1000 – 25. inkl. reitende Abt. 6. Art. Summa der 9. R. D. 1700 (des 3. R. K. an drei verschiedenen Punkten 3450, des 23. R. K. 4900), 5. P. verloren 161, 6. R. 975 an zwei Punkten. Bei Merkem und Dreisbank 205., 207. R., 16. R. Jg. nur 365. In Reserve 25., 29., 161. Rheinische nur 350. Total der Nordgruppe 10 750. Yserfront vor Nieuport: Marine 500, neu L. W. Rgt. Weber und Rosen, nebst 77., 78. L. W. 455. Bei Schorbeke 12. Ers. 20., 48., III/8. R. nebst 7. R. F. Art. bei Middelkerke 700. Dixmuiden: 43. R. D. 1250 (201. R. 780 – 16., 204. nur 50). Dazu 208. R. 1060 – 14., 44. R. Art. 14. Dazu 14. Ers. Batl. nur 27, dagegen 52. R., 3. R. Jg. – 16. nebst II/35. I. »an der Yser« 1465, nebst Teilen 24. P. (97), 25. P. (75). Also noch 12 Batl. Beselers an der Yser. Total bei Dixmuiden rund 4000, ganze Yserfront 5650. Summa der ganzen Flandernschlacht 58 300, Monatsverlust der Heeresfront 98 200. Vierzehn Regimenter verloren bei Ypern 33 bis 66 Prozent, im ganzen aber die stürmende Infanterie schwerlich mehr als 15 Prozent, nicht allzuviel für einen ganzen Monat erbitterten Ringens, denn unsere Tabelle zeigt ja durch bestimmte Zeitdaten, daß die Schlacht nicht am 14. endete, sondern bis Monatsende weiterging. Diese Statistik ist beschämend für Londoner Redaktionsstuben, die sich gegenseitig aus Kopenhagen telefonierten, sich manchmal drollig widersprechend, wobei auch Additionsfehler als geistige Lähmung auftraten. Die 50 Prozent Verluste, die ihre hoffnungsreichen Phantasie allemal für uns voraussetzte, sind wertvolles Eingeständnis, nämlich aus eigener bitterer Erfahrung gepflückt. Ententemären über schauriges deutsches Wassergrab an der Yser verbreiteten Unruhe in der belgischen Bevölkerung, was Unsicherheit im Rücken schuf, zwar überfielen nicht länger wallonische Freischützen die Sanitätskolonnen, um ihr Mütchen zu kühlen, durch schwere Vergeltung gewitzigt. Doch die ursprünglich deutschfreundlichen Vlamen reizte jetzt auch die notgedrungene teilweise Einäscherung von Termonde. Generalgouvernement Brüssel, jetzt vom ehrwürdigen Goltz, später vom schneidigen Bissing geleitet, besaß meist nur Landsturm, um Ordnung zu schaffen. Ausgedehnte Spionage half der alliierten Artillerie, deutsche Stellungen ausfindig zu machen, so wie im September auffallend genaues Schießen belgischer Geschütze durch Signale mit einem Schloßuhrzeiger bei Elewith gelenkt wurde. Im November brauchten wir die Yser nicht mehr stark zu besetzen, doch erfolgte Heranziehen Beselers und Falkenhayns ins Yperngebiet nicht entfernt so stark wie G. St. Schr. annimmt, die auch nichts von Yserfront-Einrücken zwei funkelnagelneuer L. W. Ers. Regimenter weiß. Daß man dem Frieden nicht traute, zeigt Entsendung der Garde Kav. D. zur Yser, wo überhaupt jetzt inkl. Marine noch 64 Batl. blieben. Das war wohl des Guten zu viel, denn die Belgier ließen sich durch Erhitzung von Ersaufungsmärchen aus ihrer Lethargie kaum aufpeitschen; allerdings scheinen jetzt neue Turko- und Territorialbrig. sie verstärkt zu haben. Wieviel Franzosen neu zuströmten, läßt sich nicht genau ermitteln. 31. K. wohl Verwechselung mit 31. D. Nach Joffres Aussage versendete er am 18. Oktober und November ununterbrochen Divisionen, leerte seinen Köcher unter Zerreißen aller Armeeverbände. French schickte anscheinend eine Div. »Spezialreserve«, zwei indische Brigaden, neue Teile 3 K., zu Allenby stieß. 9. fr. K. D. Erst im Dezember (nicht November) führte Mitry seine Geschwader zur Yser ab, wo er den Oberbefehl bekam. Mehr als eine volle Div. Poultenay darf man wohl bei Wytschaete nicht annehmen, da er bei Woulverghem und Sailly genug mit den Sachsen zu tun hatte, zwischen 3. und 8. kam das 22. Fr. K., eine Div. 16 K. bei Woumerzele ablösend, die im Vorbeizug den Bayern die Stirn zeigte, dann aber eiligst nach Zillebeke weiterzog. Im Norden schloß 42. D. mit dem jetzt vereinten 32. K. zusammen; 9. K. jetzt einheitlich bei Zonnebeke, möglichenfalls 20 K. bei Langemark. Statt das Augenmerk auf Süden zu richten, wollte Foch der Einschnürung im Norden begegnen, man kam ihm deutscherseits bereitwillig entgegen, Himmel und Hölle in Bewegung setzend, um den Kanal ostwärts zu überschreiten. Man hätte aber dort und vor dem bastionartig aus der Nordwestfront vorspringenden Langemark richtiger den Flügel versagen und auch im Zentrum sich auf Abwehr bescheiden sollen, um nun mit ganzer Wucht im Süden aufzutreten. Auf lokale Vorteile versessen, verzichtete man selbst dann nicht auf Kanalumgehung über Merkem, als der Feind dazu schritt, auch dort die Landschaft unter Wasser zu setzen. Diese künstliche Wasserscheide schirmte vielmehr unsere Achillesferse nach Belgien, ein kläglicheres Zeugnis verzagter Schwäche gab noch keine Kriegführung zum Besten. Und umgekehrt das starre Festklammern an Ypern! Nur sich nicht geschlagen bekennen, ob auch das Heer darüber kaputt geht! Man fühlt sich in die alte Zeit versetzt, wo man sich um einen Fleck Erde schlug, weil »Ehre auf dem Spiele stand«. Hier paßt Soults naiv witziger Ausruf nach Albuera: »Die Engländer sind schlechte Soldaten, ich umging ihre Flügel, durchbrach ihr Zentrum, dennoch blieben sie stehen, als wäre nichts geschehen«. Eine düstere Bulldoggenart steckt in diesem Starrsinn: verbiß man sich, läßt man nicht wieder los, eher sterben. Und gestorben wurde unmäßig. Schon Mitte November beichtete die Londoner Presse, French habe bisher bei Ypern 50 000 verloren. Inder kamen in den Listen selten vor; Abschätzung »5500« für sie ist viel zu gering. Später hieß es, die Verbündeten verloren durchschnittlich 50 Prozent. Divisionen die Hälfte, drei Viertel, fünf Sechstel. Da die Franzosen gemäß ihrer Stärkezahl das 3- bis 4fache einbüßten, so betrug der alliierte Gesamtverlust in Flandern im Oktober und November anscheinend 200 000, dazu 40 000 Belgier gegenüber 85 000 deutschen Kriegsbeschädigten. French sprach von seinen Stellungen südlich der Meninchaussee, als er schon keine mehr hatte, im Süden sei »wenig« gekämpft worden! Wieso? Weil er dort nichts tröstliches zu berichten hatte. Er gefiel sich im Wahn, »die Garde« sei dort gemetzelt worden, er spürte noch im Dezember ihr Fortleben, wobei diesmal Rgt. Augusta gehörig ins Zeug ging. Die künstliche Überschwemmung zwischen Ypern und Ypernkanal benahm beiderseitigen Angriffen dort jede Nachhaltigkeit, deckte ebenso die deutsche als verbündete Flanke. 22. R. K. wurde später für die Ypernkanal-Nordfront ganz verwertet, zwecklos genug, während die Bayern im Süden sich selbst überlassen blieben. Dort schlang sich immer noch eine Kette mächtiger Batterien vom Kemmel bis Poperinghe, die einem zu siegesgewissen Angreifer wohl Achtung einflößen mochten. Aus diesmal wenig übertriebener Ententeschätzung »100 0O0«, des deutschen Flandernverlusts bis 1. Dezember sprach gleichwohl schlechtes Gewissen, indem man den eigenen viel größeren Verlust nicht eingestand. Bald wagte sich aber sogar an französischer Seite die Schätzung vor »80 000 Engländer, 75 000 Franzosen, 60 000 Belgier«. Offenbar hierbei die Franzosen viel zu niedrig, die Belgier viel zu hoch gerechnet, obschon deren 1., 3. D. zu bestehen aufhörten und sie behaupteten an zwei Novembertagen 10 000 »Tote« verloren zu haben. Jedenfalls wird hiermit unser eigener Verlustsatz für die Alliierten bestätigt und zwar »seit 22. Oktober«, womit ganz in unserem Sinne der wahre Schlachtbeginn fixiert wird. Der englische Verlust wird dabei wohl etwas zu hoch taxiert, jedenfalls durfte man mit Umwandlung eines Friderizionischen Wortes sagen: »Bei Ypern fielen die Säulen der Englischen Infantrie«. Mehr als das, French gestand später, daß im ersten Halbjahr die ganze alte Home-Army mit Mann und Maus unterging, wobei natürlich auch alle übrigen Kämpfe inbegriffen. II. Statt die deutsche Schlachtreihe gerade im Süden zu vervollständigen, verringerte man sie um die Hälfte. Das hieß auf wirklichen Erfolg verzichten. Eigentlich waren alle folgenden Monate ruhmvoller für die deutschen Waffen als der November, denn später stand man wirklich großer Übermacht gegenüber, die man bändigte und im Zaum hielt. An der Yser gedachte der Feind seiner früheren Abfertigung und blieb lahmgelegt mitten im Wassermatsch liegen, bei St. Georges steckten die Belgier unter dem schmalen Dammweg in Laufgräben, wo man sozusagen schwimmen mußte. Diesen einsamen Posten nahmen die Franzosen sehr spät als leeren Scherbenberg mit verbogenem Drahtverhau. »Vier Kolonnen«, d. h. 4 Batl. Seesoldaten, durch Schlammbänke herwatend, weil sie den wertlosen Punkt für einen Ehrenpunkt hielten, wurden dabei aufgehalten? Unnötig, weder Freund noch Feind brauchten sich zu rühren in dieser unfreiwilligen Neutralzone von 50 Quadratkilometer. Diese breite Flut beeinflußte auch die Anfeuchtung des Ypernschlachtfeldes, wo es naß aus den Wolken rieselte und naß aus der Tiefe sickerte. Die Erde wurde Sumpf, der Sumpf wurde Wasser, dennoch zitterten die jungen Freiwilligen nicht in ihren Granattrichtern oder, sie konnten mit jenem historischen Bonmot aufwarten: »Ich zittere? dann ist's vor Kälte.« Die abgehärteten Kriegsknechte drüben wehklagten noch lauter über Liegen im Wasser und Feuer. Dies behalte man im Auge zur Huldigung der braven Milizkorps, an denen nachher Militaristen herummäkelten, sie hätten Strapazen nicht ertragen können und sich ungeschickt geschlagen, mit Bravour allein sei's nicht getan, die armen Jungen hätten nach »Mama« geheult. Das ist gemeine Verleumdung. Alle alte Truppen, die ja die Ypernhölle betraten, murrten und fluchten erst recht verzweifelt, schrumpften unter solchem Elend zusammen. Gewiß muß man bisherige Kriegserfahrung der Reste von 1. englischen 9., 16., 32. fr. K. und 42. D. in Anschlag bringen, die Masse dieser Korps bestand aber sicher aus Ersatzmannschaften. Den bloßen Drillmangel der Kriegsfreiwilligen erachten wir für nichts, aufgewogen durch ihre edle Hingebung. Gerade ihnen gegenüber gingen die Feindesverluste ins Große, 1., 7. engl., 17., 18. fr. D. konnten Mitte November als erledigt gelten, vom K. Bridon ganz zu schweigen.     Kraftvergeuden erschien auf beiden Seiten das einzige Bestreben bei ewigen Vor- und Gegenstößen. Allerdings gestaltete sich der deutsche Angriff einheitlicher und wuchtiger, das Näherrücken konzentrischer Beschießung nahm erschreckend zu. Man will aber nicht Wort haben, daß die im November erkämpfte Linie doch nie in sicher unangefochtenen Besitz blieb. Eigentlich war die Schlacht für French-Foch schon verloren, ehe sie begann, sobald erst die 6. A. freien Zutritt südlich Ypern gewann, die viel zu weit ostwärts vorgeschobenen Linien der Verbündeten wurden sofort unhaltbar, sobald deutsche Waffen sich in Ypern festsetzten und von dort sowohl Hooge als Boesinghe im Rücken beschossen. Ein etwa deutscherseits befürchteter Durchbruch zwischen Dixmuiden und Kortemark schwebte vielleicht dem Feinde vor, als er nur Beseler vor sich zu haben glaubte, später war dies aussichtslos und alles hätte sich schon Ende Oktober spielend abgewickelt, wenn – ja wenn damals schon deutsche Waffen vor Ypern gelegen hätten. Die G. St. Schr. treibt nur Wasser auf Ententemühlen, derlei nimmt der Gegner dankbar entgegen wie die Kluckfabeln. Aha, die Deutschen planten schön und weise, doch blieben sieglos gegen die Ententehelden. Wir sind aber so frei zu behaupten, daß 12 deutsche Divisionen, die man zur Not wirklich Ende Oktober ansammeln konnte, 7 bis 9 verbündete einfach vernichtet hätten, sintemal man schon bei Gleichzahl allemal auf deutschen Erfolg wetten durfte. Doch im November genügten schon 20 Divisionen nicht mehr, um 20 feindliche aus so furchtbarer Stellung früh genug zu werfen, ehe man notgedrungen soviel Kräfte nach Rußland abschob. Beiderseits wollte man nachher die Schlacht abbrechen, doch die Gruppierung geschah nun mal und man gewöhnte sich an das Ungemach und bildete sich beiderseits immer wieder ein, die Schlacht werde ein schnelleres Tempo annehmen. Doch ging dies nicht an, obschon englische Militärs die deutsche Tapferkeit »wunderbar« »über alles Lob erhaben« nannten. Als wirke solch Beispiel ansteckend, schlugen sich auch Franzosen und Briten ausgezeichnet, doch Verwendung der Gurka-Bluthunde gegen die Bayern steigerte die Erbitterung, bei denen kamen die braunen Marder gerade an die Rechten. Den Treffpunkt des gekrümmten Doppelbogens Nieuport-Lys bei Merkem zu durchbrechen, lockte trügerisch, obschon die Wasserschranke beiden Parteien jede richtige Umgehung verschloß, schon von der Karte ließ sich ablesen, daß nur das offene Gelände südlich Ypern ein Einstellen größerer Massen gestattete. Immer wieder klopften die Deutschen bei Steenstrate und Langemark an, wo das Tor zu Ypern nicht zu entriegeln war, und der Gegner ließ nicht ab, dort auf eigenen Durchbruch zu hoffen. Man wollte gegenseitig die eiserne Mauer einrennen, doch die aufprallenden Sturmböcke zersplitterten aneinander. Ehe wir die Schlacht schildern, müssen gewisse Grundlinien gezogen werden, um das Verständnis zu erleichtern. Die immer und auch dann in Rußland so prächtige Darmstädter R. D. hielt sich diesmal zurück, nur 168. Inf. pflückte sich ein besonderes Ehrenreis. Wahrscheinlich glaubt deshalb die G. St. Schr. an erst spätere Mitwirkung, das ist irrig, dagegen natürlich, daß nach den so überaus heißen Lysgefechten die Hessen sich nicht darnach drängten, erneut im Vordertreffen zu stehen. Die Württemberger, nachdem Messines am 1. mittag endgültig fiel, überschritten erst abends den Höhenrücken südöstlich Wytschaete, die Engländer den Hang entlang ins Westtal abtreibend, verfolgt von Artilleriefeuer. Wenn umgekehrt scharfe Kanonade vom Kemmel auf der deutschen Linken lag, so merkte man nichts davon. Ihr Verlust war sehr gering, auch 52. Brig. nahm keineswegs den Kampf gegen den Kemmel auf und folgte am 8. der 51. Brig. zu ihrer neuen Ostbestimmung. Wenn der Herzog Urach zeitweilig die Pommern mit führte, so belächelt man solch unnötiges Zugeständnis an prinzliches Vorrecht und G. St. Scht. zeigte sich dienstbeflissen, die Truppen Sr. Hoheit in den Vordergrund zu rücken. Ironie des Schicksals will, daß die gewaltigen Kämpfe und Verluste der Schwaben sich im August-September für die Fama in Nebel hüllten, aus denen das Messinesgefecht wie ein Sonnenblitz, aufleuchtete. Es gehört dem Verlust nach zu den unbedeutensten im Weltkrieg; gleich darauf bei Lowicz fochten sie mit ungleich opfervollerer Tatkraft. Die Einnahme des festen aber mäßig besetzten Ortes war eine schöne Waffentat, doch alle Ortskämpfe bei Ypern waren großartiger und blutiger. Dafür scheint der Feind sich energisch gegen Schulenburgs L. W. gerührt zu haben, wovon G. St. Schr. nur weiß, daß sie schon am 2. in Ablösung Urachs den Flankenschutz übernahm. Auch dies ist falsch, denn nicht nur 52. sondern auch 51. Brig. hatten in der ersten Novemberwoche Verluste, die L. W. Brig. aber doppelt so blutige, wobei auch II/134. eingriff. Das Ringen der Pommern bei Wytschaete war sehr heftig, doch wenn der feuerspeiende Kemmelberg hier das Plateau mit seinen Garben überstreute, so tat er offenbar wenig Schaden, denn die Artillerie dieses Flügels litt wenig, dagegen die Pioniere ungemein (545, wovon 291 der Pommern), was lediglich auf hartnäckigen Ortskampf schließen läßt. Die deutsche Massenbatterie von 6 F. Art. Regimentern jagte den Beobachtern und Feuerlenkern auf Yperntürmen nach; ob sie aber sonst durchschlagende Wirkung übte? Dickebusch und auch Hooge, wohin man zugleich von Höhe 60 bei Zwartelen hinüberschoß, müßten von solchem Geschoßorkan weggeblasen sein, doch nichts dergleichen geschah. Kanonade hat eben mehr einen moralischen als materiellen Wert. Dagegen wird stimmen, daß im Sperrfeuer deutscher Haubitzen alte Sturmscharen der Verbündeten niederbrachen, nachdem Wytschaete gefallen. Das Handgemenge dort und im Park war grausig, verzweifelte Verteidiger verschmähten jeden Pardon.     Man erschlug viele, andere nahm man gefangen, doch gewaltige Gegenstöße trieben wiederholt die bayrischen Kriegsfreiwilligen rückwärts; sie gerieten zweimal in Unordnung, als der Stoß im freien Felde auf sie fiel, beleuchtet von brennender Kirche und Windmühle. Die riesige Geschoßverschwendung der Kemmelbatterien erzeugte betäubenden ohrzerreißenden Lärm. Erst als die Pommern in Wytschaete reine Arbeit machten, hielt man nordöstlich davon die wiederholten Massenstürme aus, die den Bayern böse Stunden bereiteten. Anfangs hielten Gewinn und Verlust sich hier die Wage. In solch homerischem Häuserkampf lebte sich das historische »Dat flutscht besser« der Pommerschen Kolbenschwinger aus. In die Wette damit stach das bayrische Bajonett die indischen Messerhelden über den Haufen. Wo von Granathagel niedergeschlagene Bäume ins Dickicht sanken, da liegt neben ihnen manch braver Pommer und Pfälzer begraben. Die 6. b. R. D. bei Oosttaverne schlug sich glänzend, doch als Eroberer von Wytschaete kommen nur die Pommern in Betracht, die sich auf ihre Haupttaten in Rußland vorbereiteten. Daß am 10. allgemein deutsche Offensive anhob, trifft für die Südfront nicht zu. Als die Hessen stärker einfüllten, gab es kleine Verschiebungen nordwärts, doch weiteres Vorgehen östlich Kemmel hielt man für unstatthaft. Freilich endete das Ringen sehr ungünstig für die Verbündeten. Daß die Pfälzer, bis zum Kanalknie nördlich Hollebeke vorgedrungen, wiederholt in den ersten Novembertagen vor feindlichen Anlauf zurückgingen, glauben wir der Entente, dach der linke Flügel der Bayern blieb in ruckweisem Vordringen, und daß man im Raufen mit den Indern Sieger blieb, versteht sich von selber. Als man im ständigen Vordringen zuletzt die Höhen von St. Eloi erstieg und Yperns Türme vor sich sah, glaubte selbst der Bedächtigste, bald werde der Jauchzer ertönen »Stadt gewonnen!« Nein, Ypern wurde ein mytisches Troja, das man endlos belagerte. Doch blieb der Deutsche auf der ganzen Südfront Meister, wo immer bei sinkender Sonne oder scheidender Mondnacht beiderseits Stöße her und aufeinander rollten. Man sollte aber nicht zur Erhöhung eigener Leistung die feindliche Truppenzahl erhöhen: »Zwei frische feindliche Divisionen« waren eben 22. fr. K., das die G. St. Schr. schon vorher anrechnete. Feindliche Übermacht lag auf dieser Front nie vor und man kann ehrlicherweise kein besonderes Triumphlied über das Endergebnis anstimmen. Das Südende des 3. englischen K. wurde bei Woulverghem von 106. Sachsen abgedrückt; auch brachte 9. fr. Kav. D. keinen Umschwung in die langsam fortschreitenden Reitergefechte bei Douve und Ploystert. Ebensowenig gelang dem Einsatz frischer Reserven (die erst am 8. vorgehende zweite Staffel des 22. fr. K.) ein Einbruch bei Oosttaverne, wo bayrische 22. Inf. und 22 R. aneinanderstießen. Doch wenn die feindliche Offensive vom 1. bis 10. nur anfangs vorwärts kam, dann ganz zersplitterte, so trugen die Bayern ihren Angriff zwar bis St. Eloi, doch konnten Dickebusch nicht behaupten, sodaß das wahre Endziel Ypern noch in einiger Ferne lag. G. St. Schr. bricht hier mit 17. ab. V. L. beweisen aber Fortdauer der Schlacht auch bei 2. Pomm., 168. Hessen, die also vorerst ihren abgerufenen Divisionen nicht folgten und daher bei Lodz Ende November noch nicht mitfochten. Sie und bayr. 18. Inf., 17. R. litten allein sehr, keines aber so wie vier Freiwilligenregimenter im Zentrum. Man muß es Deimling hoch anrechnen, daß er, obschon Wälder und Wiesengehöfte ihn selber aufhielten, sein 136. aufs Westufer des Kanals nach Hollebeke übertreten ließ, wodurch er Linksziehen der Bayern ermöglichte. Sein Korps schlug sich sehr rüstig, bekam aber wiederholte Rückschläge. Daß die deutsche Gegenoffensive sich erst am 10. als neuer Akt abzeichnete, darin irrt G. St. Schr.; schon am 8. gab es erneute Vorbewegung. Bis dahin brandete der am 1. 2. einsetzende Feindesangriff mit aller Gewalt gegen die Südost- und Ostgruppen. Daß die verstärkt kehrtmachenden Briten grimmig vorwärtsstrebend Gheluvelt und Veldhoek überfluteten und Div. Hohenborn in schwere Bedrängnis brachten, gibt G. St. Schr. zwischen den Zeilen zu, obschon sie Nichtbesitz von Gheluvelt nicht Wort haben will. Wir aber fügen hinzu den Nachweis, daß man Div. Kathen bis Zandvorde zurückwarf. Die kühne Behauptung, der Feind habe Fabeck gegenüber Systemwechsel vollzogen, weil dessen eigene Angriffe French jede Aussicht auf Gelingen seiner geplanten großen Angriffsbewegung genommen hätten, verhüllt die Wahrheit. Sie wurde nicht blos geplant, sondern auch kräftig ausgeführt. Deimling förmlich überrumpelt. Daß die Unordnung stieg, zeigte das Ineinanderirren der Elsässer und Bayrischen Linien. Ein Bamberger Bataillon taucht bei Zandvorde auf, wie umgekehrt 136. bei Hollebeke. Hohenborn hielt sich zuletzt, weil offenbar 245. R. seitwärts bei Pozelhoek Luft machte. Was hier von »Landwehr der 54. R. D.« geredet wird, ist ebenso schleierhaft wie früher »preußische L. W.« bei Gheluvelt, die V. L. wissen nur von L. W. bei Broodseinde oder bei Warneton, wo sie G. St. Schr. selber als 37., 11. Brig. hinverlegt und L. W. der 54. D. gibt es nicht. Wiederaufnahme des Angriffes, unter aufmunterndem Anstimmen der Regimentskapellen und Mitfahrern der diesmal schwer leidenden (215) Artillerie, brachte jedenfalls Div. Kathen erst am 8. in Zillebeke angrenzende Waldparzellen vor. Die seit 7. von General Suren befehligte 30. Div. Hohenborn avancierte beherzt eine Strecke weit, dann stockte der Angriff und der Verlust von 99., 143. steigerte sich von Tag zu Tag. Erst als die Artilleriebeobachter nach Hooge hinübersahen und das Feuer dorthin lenkten, kam Beunruhigung in die feindliche Linie. Übrigens läßt French ausdrücklich »die 30. badische (!) Div.« erst Anfang November angreifen, bestätigt also unsere Ergründung. Wenn man uns so manch schauriges Rätsel aufgibt, so verraten wir gern, warum man Abwesende im Oktober Taten vollbringen heißt: weil sie da noch weit von jener Stelle entfernt, wo sie hätten stehen sollen . So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, schleppt Truppen auf ein Oktoberschlachtfeld, wo ihr Fehlen die Führung belastet und läßt sie dort schon ihren Novemberkampf ausführen. Der redliche Historiker muß aber Vertuschungsschreibern auf die Finger klopfen. Die G. St. Schr. verheimlicht den ganzen Rückschlag und unterschlägt den Tatbestand, daß es sich deutscherseits nur um Gegenoffensive handelt, nicht um bloßen neuen Auftakt in fortgesetztem Gewaltakt deutschen Vordringens. Deimling soll mit eisernen Griffen den Feind angepackt, seine Linke bis östlich Zwartelen ununterbrochen vorgeschoben haben, während er in Wahrheit den sehr ernstgemeinten Vorstoß des 16. fr. K. bis Zandvorde kaum parierte. Daß er nach 8. wieder Herr wurde, hing offenbar mit Anrücken des K. Plettenberg zusammen, das er in der Nähe wußte, obschon erst am 7. bei Roubaix ausgeladen; daß es dann aber erst am 11. kampfbereit war, verstehe wer will! Unbegreiflich bleibt die schlappe Haltung seiner 4. D. südlich der Chaussee. Sie mag, wie wir annehmen, nur aus einem Torso bestanden haben, auch so bezeugt aber ihr winziger Verlust, daß sie sich traurig wenig anstrengte, was für Gelingen des Gardeangriffs Vorbedingung war. Wir lassen offen, ob der fast fünfmal größere Verlust von vier Bromberger Bataillonen bei Crapoumesnil sich nicht mit auf den Ypernkampf bezöge, doch die G. St. Schr. selber geht mit einem kurzen Satz schonend darüber weg, die 4. D. sei auf Waldhindernisse gestoßen, so wie sie das Versagen des Regiments Augusta mit angeblich überwältigenden Feuer entschuldigt, das doch die Franzer sogar über Kreuzfeuer nicht aufhielt. Dem Offiziosus selber scheint also die Sache nicht geheuer mit der 4. D. und unsere Verlustangabe wird wohl Recht behalten; sie genügt vollkommen für Beurteilung dieses schwächlichen Angriffes. Möglich, daß die schweren Verluste vergangener Monate den moralischen Stand der Bromberger nicht unberührt ließen, die indessen später bei Lodz tapfer genug fochten. Die Stoßrichtung der Garde von Südost nach Nordwest war prachtvoll kühn, doch ganz unangemessen, wenn nicht entsprechende Reserven folgten. G. St. Schr. verwirrt wieder, indem sie aufs wesentlich erfolglose Gefechte der Franzer Hauptnachdruck legt, statt aufs viel blutigere erfolgreiche Prachtgefecht von 1. G. nördlich davon. Prinz Eitel, hier persönlich anführend, durchbrach unzweifelhaft die englische Front. Das erstrittene Wäldchen wird allgemein als Nonnebosch ausgelegt, doch paßt nicht dazu, daß French sagt, die Garde sei dort isoliert und umzingelt gewesen. Wieso, da man dort rechts Anlehnung an 3. (und wahrscheinlich 2.) G. am Südwestrand des Polygonwaldes, links an die Franzer noch hatte? Nein, das kann nur das Bellegarder Holz gewesen sein. Daß French dies nicht deutlich sagt, – doch » hinter unserer Schanzlinie« paßt nur dazu – verdenken wir ihm nicht. Man sollte aber deutscherseits die Karte genauer ansehen. Mal beschönigen, mal den Erfolg verkleinern, ist dies Unkunde oder auch hier System? O ja, denn die deutsche Führung kommt wieder bei unserer Ergründung schlecht weg. Linsingen verriet hier wenig vom später in Rußland bewiesenen Feldherrntalent, auch 48 schwere Geschütze kamen erst später zur Geltung; nachher ging alles flotter, sobald er mit den Brombergern ausschied und Deimling, nun beschenkt mit Hannoveranern, allein kommandierte. Der Stoß von 1. G. gehört zu den herrlichsten Waffentaten des Weltkriegs, so auch vom Feind gewürdigt. Daß man im ominösen Wäldchen »700 Tote« zurückließ, solche Phantasien Frenchs pflegte er auch in späteren Fällen bei N. Chapelle und in der Sommeschlacht. Jedenfalls blieb es aber verlorene Liebesmüh, mit einem Regiment das feindliche Zentrum sprengen zu wollen, sei es auch das beste der Welt, wie einst die 1. Grenadiere der alten Garde Napoleons. Nur die Hünen der kaiserlichen Leibwächter ernteten diesen Erfolg, die sonst so sieggewöhnten Kerntruppen der 4. Grenadierbrigade keinen, festgerannt vor Hemmnissen, die sich später als brechbar erwiesen. Die Lage war nur durch schlechte Handhabung verfahren. Wäre 54. R. D. dem Vorstoß gefolgt, so war ein bedeutendes Ergebnis möglich. Entsetzen ergreift uns angesichts so wirrer Führung, die ihre besten Leute zwecklos opfert. Das Schönste ist aber, daß diese Führung noch viel verdammenswerter wäre, falls die falsche Darstellung stimmte, die Deutschen hätten sich dauernd ohne Rückschlag im Vorgehen befunden. Immerhin bleibt der Skandal bestehen, daß der für 10. angeordnete Generalangriff schon am 8. von Deimling und erst am 11. von Plettenberg unternommen wurde. Dichte Nebelschwaden am 10. haben anderswo den Angriff nicht verhindert und am 11. bekam man noch Sturm und Regen als Zugabe. Man muß beim besten Willen über Linsingens Leitung den Kopf schütteln und die Verwendung der 54. R. D. bleibt auch sonderbar. Wir fragen hier wieder: Wo bleibt 248. R., dessen Mitkämpfen die V. L. auf Dezember verweisen? Feierte es, wo jedes Gewehr in die Front gehörte, oder war es noch nicht da? So schwer es uns ankommt, müssen wir wie bei 235. Koblenz das letztere glauben. Die beiden anderen Württemberger Regimenter 246 und 247 waren sehr eifrig im Kampfe mit gewohnter schwäbischer Aufopferung. Daß sie etwa am 6. bei Becelaere reinen Tisch machten, verlegt G. R. Schr. aus durchsichtigen Gründen auf Oktober. Tatsächlich verebbte erst spät der neu aufschäumende Anprall zwischen Gheluvelt und Broodseinde, nach dessen endlichem Mißlingen die 1. engl., 18. fr. D. als ausgebrannte Schlacke gelten konnten. Hier war es erneut die 53. D., an deren Sachsen und dann am 243. sich der furchtbare, am 1. abgedämmte Anprall zum zweiten Male brach. Es ist daher lächerlich, die Taten der Elsässer hochtrabend auszumalen, weil sie später Raumgewinn hatten, und die weit härteren Kämpfe des 27. R. K. zu übergehen. Die Sachsen ermöglichten endliches Festhalten von Gheluvelt und Vorgehen der Garde, indem sie erneut den Feind über Reutel zurückwarfen. 54. R. D. verteilte aber ihre 10 anwesenden Bataillone derart, daß 245. bei 53. D. mitwirkte, 246. den Polygonwald mit seiner verschanzten Rennbahn und eigenartig gebauten Blockhäusern angriff, 247. weiter nördlich 52. D. gegen Zonnebeke unterstützte, 26. R. Jäger bei Poel. Doppeltes Zupacken der Württemberger und der strahlenförmig nord- und südöstlich auseinander gezogenen Garde vermochte den Polygonwald nicht zu erraffen. Der Flankenangriff kostete dort wenig, der Frontalangriff von 246. forderte ungeheure Opfer, also hätte man ihn unterlassen sollen. Das Mißverhältnis im winzigen Verlust von 3. G. ist aber so auffällig, daß es unsere Vermutung bestärkt, auch 2. G. habe dort mitgewirkt. Daß G. St. Schr. nichts davon sagt, ist um so weniger maßgebend, als sie sich ja auch irriger Vorstellung über Rgt. Augusta hingibt. 2. G. soll am 3. noch bei Arras gefochten haben. Warum sollte es aber nicht auch der D. Winkler gefolgt sein, da doch im Dezember die ganze Garde nach Ypern wanderte? G. St. Schr. verweilt lang und breit beim Gardesturm, nicht beim viel wichtigeren Ringen um Zonnebeke. French gesteht zwar, daß die Garde an drei Punkten einbrach »bis zu einem Wäldchen hinter der britischen Linie«, entstellt sonst den Vorgang nach seiner Manier; deutscherseits aber wird verschwiegen, daß der Stoß unfruchtbar bleiben mußte, solange Polygonwald nicht fiel. Nichtbesitz dieses wütend verteidigten Waldstückes verhinderte auch Festsetzen in Zonnebeke. III. Auch hier waren die verzweifelten Anstürme der 52. D., bei denen der Rest des heldenhaften Mannheimer Freiwilligenregiments zugrunde ging, sehr unangebracht. Den Stier bei den Hörnern fassen, war allzeit gefahrvoll und ungesund. Kühne Abteilungen erstiegen die Schanzhöhen, so wie Teile 3. R. K. die Verhaue von Langemark überkletterten, doch kein Enderfolg war da, konnte auch nicht ersprießen, wo ein frisches französisches Korps die 31. D. in Langemark verstärkte. Nachdem 2. engl., 17. franz. D. aus Broodseinde nach schrecklichem Ringen zurückwichen, verloren sie sicher Paschendaele. Ohne dessen Besitz konnten die Deutschen nicht ihre wilden Angriffe auf Polygonwald und Zonnebeke ausführen, die man als einheitlichen aber unklugen Akt betrachten darf. Trotz aller Kampfbegeisterung der Freiwilligen mußten sie wieder abwärts, zumal das Berennen von Langemark ganz mißglückte. Diese vorgeschobene spitze Bestie der großen Lagerfestung, mit Yperns Vorstädten als Zitadelle blieb unbezwungen. Aus Schloß, Gasfabrik, Brauerei und Speicher sprühte verheerendes Feuer, man kann den Ort gewissermaßen mit Eßling vergleichen, Steenstrate mit Aspern. Wie dort Napoleon sich ans Marchfeld und den alten Deichdamm zwischen Aspern und Eßling klammerte, um nicht in die Donau gestoßen zu werden, so mußten hier die festen Punkte der Ypernebene von Foch um jeden Preis gehalten werden. Die eingedrückten Linien ziemlich gradlinig wieder herstellend, unter großen Opfern auch der Hannoverschen L. W. und der Ersatzregimenter Hameln und Flensburg sowie schweren Gefechtsstand der 26. R. Fuß-Art, vermochten die braven Milizen ihren nördlichen Gewinn bis Poel nicht zu erweitern. Zwischen Langemark und südlich Poel gingen alle Franzosen zu Gegenangriffen über und drängten, wie wir glauben, 51. und 6. R. D. erheblich zurück. Nirgends behielt K. Hügel Oberwasser trotz Anstrengungen, die der Feind am höchsten einschätzte, obschon G. St. Schr, sie stiefmütterlich mit ein paar Worten abtut. Beselers Angriff auf Langemark war nicht einheitlich wie G. St. Schr. wähnt, für 6. R. D. lies wesentlich nur 26. R. für 5. R. D. nur 12. R. Diese erprobten Regimenter und 20. Inf. hatten nur kurzen Erfolg. Dagegen erschütterte der Stoß kerniger Niedersachsen und Friesen westlich Het Sas die feindlichen Linien, erfolgte aber gewiß nicht isoliert. Aus Zeitdaten und Ortbewegungen finden wir hier heraus, daß gleichzeitig 9. R. D., 213., 214., I/II/8. und 211. R. südöstlich Bixschoote vordrangen. Die Reihenfolge wechselnder Handlungen im Norden bleibt in G. St. Schr. sehr unklar. Kleists auf Nordschoote vordrückende Rechte wurde am 14. zweifellos geworfen. Stetes Hervorheben von Zuaven und Turkos, als seien dies alles neue vor Kleist aufgebaute Brigaden gewesen, ahnt nicht, daß 38. D. eben aus Algeriern bestand, was bei Neuzusammensetzung des 32. K. sich wohl kaum änderte. Möglich, daß auch 37. D. Alg. eintraf, denn im Süden gegen Deimling werden auch einmal Zuaven erwähnt. Beide Parteien verhüllen sorgsam, daß die Schlacht bis Monatsende an vielen Stellen weiter raste, beide möchten den Gegner am 14. oder 19. (French) für gebrochen erklären. Das immer ungünstigere Wetter, es windete und regnete nach Noten, unterbrach nur zeitweilig den Kampf. Aus deutscher Darstellung entnimmt man, daß alle feindlichen Gegenangriffe scheiterten, das ist eben so unwahr wie die Ententefabel von vollem Erfolg bis 10., wobei absichtlich nur Osten und Norden berücksichtigt. Dort mag man den Schnittwinkel der Ost- und Nordfront bei Poel zeitweilig eingedrückt haben. Doch berührten ja oft die Deutschen die feindlichen Linien, legten auf Geschütze ihre Hand, schleppten 5800 Gef. fort, wenn man verschiedene Ziffern addiert. Doch gibt immer Anlaß zu historischer Veruntreuung, wenn man die Feststellung umgeht, daß es erst allmählich gelang, sich Luft zu schaffen. Die verbündeten Flieger hätten wegen Nebel ihren Dienst nicht versehen? Dafür blies den Deutschen der Wind ins Gesicht. So zählte jede Partei die Nachteile auf, unter denen sie arbeitete, und übertrieb errungene Vorteile. Nur am Südflügel hielt unsere schwere Artillerie schon hintere Reservestellungen Frenchs unter Feuer. Die Briten kannten in ihrer Geschichte keine größere Schlacht, am 11. hätten wir ein Bombardement eröffnet, wie es noch nie erlebt: Das sagte man schon bei Wagram, Sedan, Leipzig, welche unbedeutenden Scharmützel freilich britischer Beachtung unwert, weil dort kein kühner Brite focht! Ein Schneesturm zwang, wie auf Verabredung, die Schlacht zu unterbrechen, doch am 15. machte man noch allseitige Ausfälle um Ypern herum, versuchte trotz abscheulichen Wetters bei Wytschaete nächtliche Nahkämpfe. Tag und Nacht lärmte Kommando im Schneegestöber und Dunkel hinaus, angebliche Ruhepause bis 22. widerlegen die V. L. French selber bezeichnet den 19. als kritischen Tag. Am 25. eroberten die Unsern noch einige Pachthöfe nordwestlich Langemark, die man früher den Franzosen überließ, ein Beweis, wie weit sie früher vordrangen. Am 28. kämpfte man bei Zandvorde oder wenigstens den Weg dorthin. (8. Jäger), doch nur vorgeschobene Punkte wurden uns im Norden wieder abgeknipst. Die bekannte oft gebrauchte Wendung, Irrtum bei Ablösung habe Räumung der ersten deutschen Linie bei Bixschoote verführt, verschleiert umsonst den Rückschlag, den schon spätere Ortsangaben der Regimenter bestätigen: zurück bis Dreibank. Auch 9. R. D. verzeichnet so, daß sie bei St. Julien auf der Chaussee südöstlich Langemark aus Beselers Linken losgelöst und dann dessen Rechte geworden sei, ist wohl Verwechslung mit 35. R., das über Paschendaele vorstieß. Es gibt nichts Unwahrscheinlicheres als solchen Spaziergang einer Division von einem zum anderen Flügel inmitten einer Großschlacht, mag man sich auch an Fochs 42 D. bei Champenoise erinnern. Das waren aber ganz andere zwingende Umstände. Wieder widerspricht sich die offiziöse Darstellung, denn wenn die ganze 44. R. D. zur Rechten Beselers stand, was brauchte er dann dort 9. R. D. Erstere stand eben dort nie, letztere immer. Im Norden erlosch die Schlacht erst bei Monatsende, im Osten ermattete sie nur allmählich. Im Norden verwandelte sich die Erde weithin in Schlamm und die Gefechtslage gestaltete sich um so schwieriger, als den unermüdlichen 24., 25. P., die man zum Kanal berief, Brückenschlag auch später nicht glückte. Sie trugen hastig hergestellte Pontonbrücken herbei, um sie ins Wasser zu schieben, mit gleichem Opfermut wie an der Yser. Es ist empörend, daß die Amtsschrift diese zwei Heldenbataillone nie erwähnt, die wahrlich den unsterblichen Beresina-Pionieren nicht nachstanden. Das beliebt der amtlichen Phantasie, die nach Laune Lobsprüche verteilt, ja auch für 203., 208., 239. und so viele andere Freiwilligenregimenter, die mindestens schon ihrer Opfer wegen ihre Hervorhebung verdienen. Der Officiosus, einerseits als Bayer die Bayern herausstreichend, steht andererseits der Quelle nahe, die ihn mit Rapporten und Notizen über 22., 23. R. K. allein beglückte. Offenbar hatte er sich bei Müller-Brandenburg Rat geholt, der unsere Kritik der G. St. Schr. als persönliche Kränkung empfand, als sei er dafür in Sachen Dixmuiden verantwortlich, dagegen, schwieg er über den Unfug, 44. D. nach Het Sas zu verpflanzen, wäscht sich also darüber die Hände in Unschuld. Nun, 22. R. K., überreich an Taten und Verlusten im Weltkrieg, bedarf keines Lorbeerzweiges, der die Stirn anderer Kameraden krönen sollte. So wenig wir den Märkern ihren Ruhm mißgönnen, so lassen wir doch nicht zu, daß man Verdienste zugunsten anderer raubt. Hörte man irgendwoher, daß Märker westlich Langemark angriffen, kann man zwischen 12. R. und 8. R. wählen, erstere fochten aber nordwestlich Langemarks, letztere bei Bixschoote. Die ganze Lage ergibt, daß nur 215., 216. R. an der Chausseestrecke Langemark–Bixschoote stehen und angreifen konnten in schräger Richtung auf Het Sas. Wahrscheinlich hörte man auch von großem Verlust von 208. R. und schloß daraus ohne weiteres, das müsse sich auf Het Sas beziehen. Da hätte man sich lieber erst vergewissern sollen, daß die übrige 44. R. D. äußerst wenig verlor und zwar bei Merkem und Dreibank, wie es die für sie natürliche Stellung links von 43. R. D. war. 208. R. bekam seinen Verlust höchst legitim, nämlich beim neuen Angriff auf Dixmuiden am linken Flügel der 43. D., die dort weniger verlor als dies eine Regiment. Herr Müller belehrt uns, daß auch im Oktober nur 43. D. Dixmuiden berannte, der mit windigen Fechterstreich etwas bestreitet, was gar nicht in Frage stand. (Am 23. Oktober habe 44. R. D. erst am Handzeemekanal gestanden? Erstens wurde Dixmuiden am 23. überhaupt noch nicht angegriffen, zweitens hörte er vermutlich nur von 205. R., das tatsächlich bei Baerst blieb, drittens griffen 206., 207. R. Dixmuiden sehr ernst aus Südosten an, viertens beteiligten sich 16. R. J., 208. R. unmittelbar am Ortskampf.) Uns wird das so wenig irremachen wie eine Amtsschrift, die erst 5. R. D. auf dem linken Flügel Beselers vorlegt, dann wieder (richtig) auf dem rechten, weil ihr jeder Überblick wegen Unkenntnis der V. L. fehlt, dem von nur 10 Batl. (24. R. focht nicht, 35. R. anderswo) unternommenen Angriff Beselers nördlich und nordwestlich Langemark kommt keine Bedeutung zu, wie die Schrift sie ausschreibt. Er scheiterte naturgemäß gerade so wie die noch viel verlustreicheren Anstürme des K. Hügel und 247. R., 25. R. J. auf Zonnebeke und wurde später erheblich zurückgedrängt, wie die Stellung von I/35. bei Nieukerke lehrt. Nicht nur bei Stegemann, der es nicht besser weiß und nur vom Hörensagen urteilt, verschwimmt alles in unsichere Konturen. Wir räumen nicht ein, daß die mit Sicherheit vorgetragenen schiefen Darlegungen der G. St. Schr., die mit leichten Strichen über Bedeutendes weggeht und Unbedeutendes unterstreicht, irgendwie erkennen ließen, wie sehr die Oktober- durch Novemberschlacht übertroffen wurde. Dem eigentümlichen Trick des H. B. vorzeitig große Aktionen für beendet zu erklären, werden wir noch oft als typisch begegnen. Diese scheinbare Monomanie war darauf berechnet, Sand in die Augen zu streuen. Die Schachpartie »Ypern« endete trotz deutschem Figurengewinn als »Remis«, weil man sich gegenseitig »patt« setzte. Keiner konnte sich recht rühren, man saß fest im Schlammkessel. Größtmöglichste Massen festzubannen und eigene Kräfte zu anderweitiger Verwendung frei zu bekommen, war dies der Zweck der deutschen Übung? Nein, dies Manöver schob man erst später unter, weil die Trauben so sauer waren, man hatte einen großen Schlag führen wollen und dies mißglückte gründlich. Wenn freilich Firma Joffre-French sich gebärdete, als hätten sie die O. H. L. an der Nase herumgeführt, so erzielt solche Fanfarenade durchschlagenden Heiterkeitserfolg. Sie selber wünschten nichts sehnlicher als jusqu' à bout eigene Offensive, das gab ihnen bis 8. November Durchbruchsgedanken ein. Nun, dies prätenziöse Leibgericht wurde so versalzen, daß sie jetzt seelensfroh waren, ihre steifen Knochen im Flandernschlamm auszuruhen. Warum stieß ihnen nichts Schlimmeres zu? Nie war eine lokale Lage unglücklicher, hier könnte man einem Bülow verzeihen, wenn er in Fochs Schuhen den Knieschlotterer bekommen hätte. Doch Foch konnte mit Gambetta frei und frank bekennen: »Nie nahte sich Verzweiflung meiner Seele.« Ententeschilderung verweilt am ausführlichsten bei den Zentrum-Kämpfen. Bedenkt man, daß 26. R. K. im Oktober-November rund 10 000, 27. R. K. rund 11 800 verlor, dagegen die über alles gepriesenen 22., 23. R. K. nur 8700 und (exkl. 66. R.) 7000, so gehen einem doch die Augen auf, wo am heldenmäßigsten gefochten wurde. Außer beim 22. R. K., wo lange Pausen eintraten, wurde ohne Unterlaß gestritten und gelitten, so daß ein Verlust von 37 500 für acht Freiwilligendivisionen in wesentlich vier Wochen wohl einzig dasteht, während elf Divisionen der 6. A. nur 27 500 verloren, was freilich auch schon recht anständig ist. Rechnet man die übrigen im Rahmen der 4. A. verwendeten Körper hinzu, so verlor man seit 20. Okt an der Yser 18 000, im Norden und Nordosten etwa 13 250, im Osten aber 26 000 für nur 5 ½ Divisionen. Das redet doch wohl eine deutliche Sprache. Auf dies Ringen bezog sich die bittere Äußerung eines englischen Stabsoffizieres, die Herren Journalisten hätten die deutschen Freiwilligen gemustert und sie als Greise und Kinder befunden, er wisse nur, daß diese Kinder sich großartig schlugen. Den verbündeten Kämpfern war so übel zu Mute, daß sie die Prahlberichte der Zeitungen erbittert zerrissen. Wir verübeln French nicht, daß er sich und England durch schnoddrige Bemerkungen Mut zu machen suchte, doch mit Ekel liest man das schadenfrohe Gekicher der Northcliffe-Banditen über das »Todeslied« der Freiwilligen, deren »Deutschland über alles« die Feinde erzittern ließ. Wenn die Londoner Zeitungsignoranten von einem neuen Waterloo faselten, so klang dies für den Kenner doppelsinnig, denn auch Waterloo gilt als englische Schlacht, während norddeutsche Hilfsvölker die Hälfte des »englischen Heeres« ausmachten und Wellingtons völlige Niederlage so lange verzögerten, bis die Preußen ihn herausrissen. Bei Ypern rettete nur Bravour französischer Bundesgenossen French vor Vernichtung, die Franzosen mußten überall die mürben Briten ablösen, doch daß man deutscherseits viele Truppen in Ruhe verlegte und die Schlachtreihe durch Abtrennung zahlreicher Körper schwächen durfte, zeigt die Erschöpfung und Verblutung auch auf französischer Seite. Ein Hauptgewinn lag darin, daß die deutsche Artillerie jetzt meist genügend geeignete Stellungen fand und den ganzen Ypernbogen beherrschte. Poperinghe lag schon unter ihrem Feuer. Indessen erweiterte sich der deutsche Erfolg sehr ungleichmäßig. »Zu spät« und »zu früh« sind im Krieg peinliche Gegenpole, Übervorsicht und Überstürzung schaden beide, Vorsicht und Kühnheit gelten als richtig nur von Fall zu Fall. Erst sollte Beseler warten, bis Albrecht auf gleiche Höhe kam, und verlor damit rasche Yserüberschreitung; dann wieder wartete der verspätete Albrecht nicht auf Mithandeln Fabecks, ohne sich zu vergewissern, ob er im Oktober ihn stützen könne. So alarmierte man nur selber den Feind, den ihm zugedachten Streich durch Anhäufung von Widerstandsmitteln zu parieren. Ein Glück für uns, daß French-Foch und ihr Schutzpatron Joffre mit unverdrossener Naivität Entscheidung im Osten suchten und kaum den eigenen Gefahrpunkt deckten. Von der G. St. Schr. erwartete man umsonst Aufschluß, ob die Sage stimmte, Ypern sei einmal erstürmt worden. Ein Major erzählte anregend davon in den »Münchner N. Nachrichten«, er habe nur einen Gefangenen zu machen erlaubt, um den Kerl nach Feststellung von Dumdum zu füsilieren! Die Briten hätten dann die Stadt zurückerobert und hierbei alle deutschen Verwundeten erstochen. Das Gerücht lief um, daß man mal tief in Ypern eindrang. Andererseits paßt aber ähnliche englische Schilderung, Deutsche hätten bei Regensturm, den Wind gegen sich, lautlos herankriechend die Besatzung überrumppelt, indem man frühere Behauptung zurücknahm, Langemark sei unangetastet geblieben, nur auf diese einzige Stadt der Umgegend. Britische Massen hätten morgens die rauchende Stadt zurückerobert, doch mit welchem Verlust! »Regimenter schmolzen auf Kompanien«. Doch wie kamen im November Engländer nach Langemark? Deutscher H. B. schweigt und tut wohl daran, denn kurze Lichtblicke wie vorübergehende Besitzergreifung von Langemark oder Ypern bringen keine Erfolgsonne. Alles in Allem sah die Lage am Schluß nicht so rosig aus, wie man uns weismachen möchte, aber auch durchaus nicht so schlecht, wie die Ententeberichte täuschen. Unstreitig wurden die ganze nördliche und nordöstliche Seite der deutschen Schlachtordnung mehr oder minder aus ihrer bis 14. gewonnenen Linie Steenstrate, Het Sas vor Langemark verdrängt, doch gewann und behauptete man Dixmuide und Merkem, obschon fr. 38., 42. D. bis Knocke und nahe vor Merkem vorrückten. Auch die Poelstellung wurde teilweise behauptet. Im Zentrum war zwar den Stürmen auf Zonnebeke–St. Julien kein Glück beschieden, doch die Linie Paschendaele–Reutel ging erneut in deutschen Besitz über, und obschon Polygonwald unangetastet blieb, muß betont werden, daß die Garde zwar jenes ominöse Wäldchen verlor aber nicht Nonnebosch, denn sie ging später erneut im Herethagewald vor und eroberte ihn im Dezember ganz. Deimling machte nicht sehr nennenswerte Fortschritte gegen das tapfere (von Lothringen her wohlbekannte) 16. K. und die Reste der 1., 7. engl. Div., immerhin wurde Frenchs Stellung Gr. Zillebeke peinlich eingeengt. Obschon wir mit den Fortschritten der Gruppe Gerock nicht so zufrieden sein können, wie der schwärmende Offiziosus, so gab es doch hier eine regelrechte Niederlage der Alliierten, gekrönt durch Wegnahme von St. Eloi. Damit man uns nicht unterschiebe, wir verkleinerten die Leistung der so oft ruhmvoll bewährten Pfälzer, so wollen wir voraufschicken, daß sie und 6. b. R. D. sich von da ab, wo sie allein die ganze Last der Südfront trugen, erhebend benahmen. Ihr wahrer Ruhm beginnt erst im Dezember und ist unlöslich an diese Stätte gekettet, die sie bis Jahre hinaus trotzig und mit wunderbarer Geschicklichkeit gegen übermächtigen Andrang festhielten. Um die Wahrheit zu erfaßen, müssen wir vorher noch einen Blick auf die gegnerische Darstellung werfen. Admiral Tschitschagof sagt in seinen ungedruckten Memoiren, daß Lügen zum russischen Kriegssystem gehören, doch es schmerzt uns in der Seele, als Forscher zu erfahren, daß im Schwindeln die britische Glory allen Andern über ist. Verwundern wird unsere Meinung, daß die Franzosen, die es im Privatleben nicht so ernst nehmen wie die Briten, trotz aller Glorienschminke kriegsgeschichtlich am wenigsten aufschneiden, sobald sie » sérieux « sein wollen. Thiers und alle Berichterstatter der Napoleonsfeldzüge tischten weniger »patriotischer« Fälschungen auf als die Österreicher über Aspern, die Preußen über die Befreiungskriege. Wir behaupten nicht, daß die französischen Ypernberichte wahrheitsgemäß seien, doch verdunkeln sie die Tatsachen minder als die englischen und teilweise die deutschen, die dem Volk glänzende Scheinbilder vorführen. Allzumenschliches spielt mit hinein. Die G. St. Schr. verweilt bei belanglosen Vorfällen der Württemberger, um recht oft den königlichen Prinzen Urach nennen zu dürfen, der ein gnädiges Gefallen daran finden soll, dafür werden die wichtigsten Zentrumkämpfe im November totgeschwiegen. Von Rückschlägen erfährt man so gut wie nichts. Wenn French dreist die Südkämpfe ableugnet, so ist dies kaum lächerlicher, als wenn der amtlich zu schriftlicher Übung kommandierte bayrische Offizier die Bayern in den Vordergrund rückt, als ob sie Wunder verrichteten, und das Wichtigste im Zentrum obenhin übers Knie bricht, nur um's Ansehen aller Bayern und aller Brandenburger besorgt, die beide dessen nicht bedürftig sind. IV. Verknüpfen wir die Ententeangaben mit unparteilicher Betrachtung vom deutschen Standpunkt, so machen wir darauf aufmerksam, daß nach den V. L. das Oberkommando der 4. A. seit 3. Nov. in Poel Kapelle, das Stabsquartier der 54. R. D. in Mildenhoek lag, deren Ankunft erst Ende Oktober ihre vorausstreifende Kavallerie ebendort ankündigte. Diese Standorte deuten an, daß man die Front schon für hinreichend gesichert hielt. Dies war sie nicht und die Hauptquartiere mußten später sicher zurückverlegt werden. Wahrlich, diese Schlacht ist zu bedeutend, als das wir uns mit Allgemeinheiten begnügen dürfen, man muß sehr ins Einzelne gehen, um das richtige Maß zu finden. Für die Gruppe Deimling liegen die Verhältnisse klar genug, daß man die lange Strecke der Meninchaussee von Gheluve bis über Herethagewald Ende November inne hatte, der Feind im Westwinkel des Chausseedreiecks Menin–Roulers–Ypern bei Zillebeke–Hooge zusammengedrückt war. So lange aber Zonnebeke, Schnittpunkt der Landwege nach Langemark, sich hielt, konnte man am Polygonwalde nichts durchsetzen und auch der Gardeerfolg nördlich der Meninchaussee änderte vorerst nichts daran. Daher messen wir an sich dem heroischen Angriff von 238., 239., 246., 247. R., 25. R. J. große Bedeutung bei, doch er war eben voreilig und deshalb verfehlt, weil beim damaligen Stand der Dinge die großen Opfer umsonst verschwendet wurden. Der unübertrefflichen Tapferkeit der Milizregimenter widerstanden die Verbündeten vermöge ihrer vorzüglich ausgebauten Stellung und vorerst überlegenen Artilleriewirkung mit anerkennenswerter Entschlossenheit. Während dessen hofften sie erneut bei Broodseinde-Morslede durchzubrechen, an der Ecke, wo die Ost- in die Südfront überlief. Morslede liegt noch viel östlicher als Broodseinde und daß sie ihren Keil zwischen Paschendaele lange wieder so einzwängen konnten, war bedenklich. Man stelle sich die gegenseitige Schlachtlinie als vielfach gebrochene Zickzackkurve vor. Die Franzosen gaben zu, ihr 9. R. sei schon am 3. geworfen, am 7. ihr 66. Rgt. bei Paschendaele aufgerieben worden. Auch darin haftet kein Zweifel, daß sie am 12. Broodseinde wieder verloren, und behaupten sie, es am 13. zurückerobert zu haben, leugnen aber nicht, daß in späteren Tagen die ganze Linie Poel-Broodseinde erneut und diesmal dauernd in unserem Besitz blieb. So umschrieb die verbündete Front von Gr. Zillebeke einen Bogen bis Dickebusch mit östlichen Vorsprung St. Eloi und lief dann ganz südlich hinab, paralell zur deutschen Front. Auf der anderen Seite buchtete sie sich von Zonnebeke bis Langemark aus, wo die deutsche Linie sich bei Poel am Schnittpunkt der Landwege nach Lichterfelde und Dixmuide etwas zurückbog, und teilte sich von dort in dem Winkel zwischen Poel und Bixschoote. Daher an beiden Zentrum-Brennpunkten die gegenseitige Gefahr, die einerseits deutsche Abwehr drohenden Einbruchs erforderte, andererseits den Feind unter konzentrische Umklammerung bei Langemark setzte und jeden seiner Vorstöße dort doppelt verlustreich machte, während auch sein Zurückfluten bis 10. aus der gewonnenen Offensivlinie rückwärts nach Reutel–Herethagewald durch Druck von Südost her in Flankenfeuer geriet. Der erste Anprall richtete sich offenbar ganz nach Broodseinde, weshalb Beselers 35. R. nach Paschendaele abging und von dort wohl einigermaßen flankierend wirkte. Dann benahm Vorgehen der Garde und 54. R. D. jede Möglichkeit, den Durchbruch fortzusetzen, und zwang zu schleunigen Abzug, um nicht umwickelt zu werden. Das wäre eingetreten, wenn nicht die Garde so sehr verspätet erschien. Nunmehr verlegte Foch seinen Angriff gegen Poel. Daher Abmarsch verschiedener deutscher Teile nach Poel, wo jeder Zuwachs willkommen war. Trotz so rechtzeitiger Verschiebung scheint man dort bis Monatsende verschiedentlich dem Ansturm des frischen französischen Korps (2. oder 20.) nachgegeben zu haben. Angriff und Gegenangriff mußten aber hier beiderseits behutsam ausgeführt werden, um sich nicht wechselseitigen Kreuzfeuer auszusetzen. So starr sich Foch in Langemark festsetzte, so war es doch stets von Kerselaere her bedroht und im Westen durch jedes Vordringen der Gruppe Kleist. Dort drang man im Dezember bis Pilkem südwestlich Langemark vor, dagegen konnte St. Julien südöstlich nicht genommen werden, so lange Zonnebeke nicht fiel. Kann sich der Timesbericht, daß die Deutschen »nur weniger 100 Yards« vor den Langemarksschanzen vom Boden aufsprangen und die überrumpelten Briten dort Mann gegen Mann kämpften, auf Beselers Novemberangriff beziehen? Allem Anschein nach kämpfen nur Franzosen dort oder sollte Haigh seine 2. D. so weit von sich entfernt haben und wie ist dann angeblicher Rückzug auf Bixschoote zu verstehen? Wahrscheinlich wirft man hier frühere und spätere Vorfälle durcheinander. Die Nordgruppe, Front nach Süden, hatte vor sich Steenstrate westlich Langemark, südwestlich dem Kanal und Bahnstrecke Dixmuide–Everdinghe. Die erste Feindeslinie wurde erobert doch südlich Boesinghe fand Foch gute Aufnahmestellung am Schnittpunkt der Bahn Lichtervelde–Ypern, dort den Kanal überschreitend. Nach langem Hin und Her behauptete er ein Wäldchen am Kanal, von wo er Bixschoote unter Feuer hielt, und trieb Kleist seitwärts über Korteker zurück, die V. L. geben dieser Angabe recht. Zwar hatte 46. R. D. bessere Aussichten westlich Langemark im Anschluß an 6. und 211. R., doch das Ende war augenscheinlich auch hier Zurückweichen aus dem tiefen Einbruch bei Het Sas südlich Steenstrate. Mitry nahm Aufstellung beim Gasthaus Korteker, 42. D. am Wirtshaus Knocke, Steenstrate blieb ihnen unangetastet, nachdem sie anfangs in Richtung Nordschoote aufs Westufer getrieben. Daß nach berühmten Muster zur Schlacht, »für die man nie stark genug sein kann«, im Süden auch einige Sachsen die Ypernzone betraten, hob nicht auf, daß zwischen Meninchaussee und Merkem 150 Bataillone sich in unnützen Angriffen erschöpften. Diese Ziffer trägt ihre Kritik in sich selbst. Daß die Deutschen sich einen wirklichen Sieg zuschieben, war Irreführung, daß die Verbündeten es taten, eine Unverschämtheit. »An der Marne wurden die Deutschen Truppen 1. Linie geschlagen, bei Ypern die der 2. Linie«, wahrscheinlich waren es also Truppen 20. Linie, die im Sommer 1918 den Kemmel erstürmten! Ein Kommentar ist überflüßig. Frenchs amtlicher Bericht leidet an Unklarheiten. Er vermeidet anzugeben, wieviel englische Verstärkungen er an sich zog. Seine Division »Spezialreserve« fügte sich bei Haigh ein und dürfte im Herethagewald gefochten haben. London Scotch Rifles und die sogenannten Post Office Rifles sollen sich ausgezeichnet haben. Sein 3. K. stieß längs der Bahnstrecke Bailleuil–Hatzebrock gegen Höhen nördlich Armentières erfolglos vor. Sachsen und Marrwitz unterbanden jedes Umklaftern der Linie Messines–Wytschaete. Woraus ersichtlich, daß keinesfalls der Hauptteil 3. K. zur eigentlichen Ypernschlacht gerechnet werden darf. Erst in der Nacht zum 1. wogten französische Marschsäulen (16. K.) auf Ypern heran, wo mehrere indische Brigaden sich schußfertig machten. So stießen die Deutschen auf eine gesicherte Front, wo sie am 31. hätten alles vor sich niederrennen können. »Südlich der Meninchaussee kam es nicht zum Angriff«, während der Zwartelenwald schon vom Kampflärm wiederhallte? Solch unnötige Ableugnung macht mißtrauisch gegen alles Weitere. »Die Garde griff nahe der Straße an.« Nonnebusch liegt aber nicht nahe der Straße. »Südöstlich gab es nur Kanonade«, das wird sowohl den Elsässern als den Südfranzosen ebenso schmeichelhaft wie überraschend sein, die einander auf Tod und Leben bekämpften. Doch über solche Foreigners, ob Freund oder Feind, schaut der britische Löwe gleichgültig weg! Sir Thomas Copper war mit dem schäbigen Rest seiner vernichteten Division hinter der Front zur Ruhe übergegangen, und wo keine Briten sichtbar wurden, da passiert überhaupt nichts! Laut French geschahen alle gefährlichen deutschen Angriffe »nördlich von uns«, d. h. gegen die Franzosen, im Gegenteil hatten diese einige Erfolge, während Haigh auf Hooge zurückgeworfen wurde. Lieber verweilt sein Gedächtnis beim bayrischen Herandrängen auf St. Eloi, weil dort Franzosen den wichtigen Posten fahren ließen. Die Garde »avancierte stellenweise diagonal zu unserer Aufstellung«, daher in der Flanke beschossen, also mit Schwenkung nach Norden. Er gesteht ehrlich, daß sie »sich in unseren Schützengräben behauptete «, d. h. bei Nonnebosch, also kann dies nicht das Gehölz »hinter unseren Verschanzungen« sein, von wo sie zuletzt vertrieben wurde. Französischer Bericht plaudert aus, daß es damals eine »Affäre von Hügel 60« bei Zwartelen und eine »von Schloß Hooge« gab. Also näherte sich offenbar die Garde hier schon durchs Bellewarder Holz. Besichtigung der Karte bringt bald heraus, was es war, wie wir bereits andeuteten. Warum keine Vervollständigung des Durchbruchs durch bereitgestellte Reserven? Um Antwort wird gebeten. Unsere Glosse richtet sich dagegen, daß French so tut, als ob die Meninchaussee straks nach Osten liefe, sie läuft schräg nach Südosten, »südlich« von ihr kann man Zankvorde und allenfalls Gheluvelf nennen, die Verbündeten hatten zuletzt nur noch Stellungen westlich der Chaussee. Übrigens behauptet French, daß am 12. zum erstenmale deutscherseits erstickende Gase angewendet seien. Natürlich schweigt deutscher Bericht davon, es muß aber doch mal gesagt werden, daß dies wohl stimmen mag. Gewöhnlich wird es nur für die spätere Frühjahrsschlacht bei Ypern im Norden zugestanden, laut unserer Nachforschung probierte man es aber zuerst bei Deimling, wo der betreffende Geheimrat-Erfinder mit Militärbehörden in Konflikt geriet, weil er Vergasung der ganzen Front für richtig hielt, nicht bloß an Einzelpunkten, was Unzuträglichkeiten mit sich brachte. Ob mit oder ohne Übelstände, jedenfalls wurden die Alliierten bald gelehrige Schüler ihrer bösen Lehrmeister und priesen ihre eigenen Gifte marktschreierisch an. Pfui wie schön! Turpin-Gas wurde begeistert angemeldet. Aber daß die deutschen Untaten sich als viel tauglicher erwiesen, da lag der Hase im Pfeffer ihrer Gemeinheit! Lydittbomben verbreiteten ja auch pestilenzialischen Gestank, möglichenfalls entstand hierdurch der Irrtum, die Briten seien mit Stinkbomben glorreich vorangegangen. Das stimmt nicht, dagegen fand man überall, wo Tommy in verlassenen Gräben unachtsam Munition verschleuderte, Dumdumgeschosse. Da hat Keiner dem Anderen etwas vorzuwerfen. Wenn French unwahr übertreibt, am 12. sei das verlorene Terrain zurückerobert worden, so vertuscht der H. B. nicht minder die Wahrheit, daß feindliche Gegenstöße oft in unsere Linien eindrangen. Anfangs wurde unser Angriff empfindlich abgeschüttelt und ein so nahes Heranbringen an Ypern, wie man es vorzaubert, trat auch später nicht ein. Aus manchem Dezember-Standort schließen wir, daß die Fortschritte nicht dauernd behauptet wurden. Wenn French die Schlacht am 19. in voller Stärke wieder aufleben läßt, so widerspricht dies zwar deutschen Bericht, ist aber dennoch wahr. Die V. L. zeigen erst jetzt Hauptverlust der am meisten leidenden Regimenter, außerdem kommt Angriff der Hannoverschen Div. Hoffmann hinzu, selbst im Norden war der Schlußakt bei Steenstrate mit am blutigsten. Nur im Zentrum ermattete die Schlacht aus reiner Erschöpfung, ohne daß sie aber in Sappenarbeit so einschlief, wie G. St. Schr. behauptet. Man bemerke die auffällige Verstrickung, daß die Verbündeten im Norden noch das Ostufer des Kanals beherrschten, während die Deutschen im Süden schon weit westlich des Westufers standen. Dort hätte sie Ende Oktober das Glück begünstigt, doch wer sich verspätet, kommt nie zuerst. Was man der Minute ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zurück. Das Churchillmärchen von riesiger deutscher Übermacht war Nationalgut, Made in England! Das machten die Franzosen nicht mit. Sie rechnen zwar das ganze 13. und Gardekorps und Teile 5. K., die nicht da waren, doch wissen dafür nichts von den zahlreichen Hannoveranern usw., lassen auch ehrlich 5 französische Linienkorps kämpfen. Außerdem 42. D. die nach französischer Angabe Anfang November in Dixmuiden lag und erst dann zum Ypernkanal abrückte. Die Franzosen legen natürlich Gewicht darauf, daß Kleist und seine Verstärkungen dort zuletzt stillhalten mußten. Es wäre sicher besser gewesen, sich dort defensiv zu verhalten. Der geringe Verlust der bei Merkem zusammenschließenden Pommern und Brandenburger zeigt, wie leicht man die Kanalränder am Ostufer festhielt. Statt dessen schickte man immer mehr Truppen dort hin, um am Westufer durchzustoßen, was taktisch so wenig Sinn mehr hatte, da sich auf diesem Flügel jede Umfassung durch die Uberschwemmungswüste verbot. Gegen die französische Darstellung läßt sich hier nichts erinnern, nur daß die Nordecke für Kleist gesichert blieb und Merkem schwerlich ja auch nur vorübergehend in französische Hände fiel. Auch die sonstige Schilderung der Vorgänge macht den Eindruck der Richtigkeit. Schon taktisch unentschiedene Schlachten galten einem so gewaltigen Gegner gegenüber als Siege, man quittiert dankend für dies Kompliment. Und doch wollen die Franzosen den englischen »Sieg« bei Talavera oder Albuera nicht gelten lassen, obschon sie dort keinen Zoll breit Boden gewannen und nach allen abgeschlagenen Angriffen den Rückzug antraten, was den Siegel aufs Ganze drückt. Die Deutschen aber dachten hier nicht nur nicht an Rückzug, sondern blieben in bedrohlicher Nähe dicht vor den feindlichen Stellungen, da sie sich als Sieger fühlten. Nun, ein Sieg in eigentlichem Sinne war es nicht, das schien blos so nach den amtlichen Meldungen, die Absicht vernichtender Einkreisung hatte sich nicht erfüllt, ein Teil der errungenen Vorteile ging wieder verloren. Aber umgekehrt fordert die läppische französisch-englische Prahlerei, die ein Triumpflied anstimmte, zur trockenen Abfertigung heraus, da selbstredend der Ausgang mehr einen deutschen als einen gegnerischen Erfolg bedeutete. Im gewöhnlichen Sinne hat man gesiegt, wenn man den Feind auch nur einen Teil seiner Stellung entreißt. Die Gegner leugnen garnicht, daß Dixmuiden, Merkem, Bixschoote, Broodseinde und zuletzt auch St. Eloi in sicherem deutschen Besitz blieben. »Mais ils ne depassèrent ces points.« Auch das ist zweideutiger Unsinn, denn »sie überschritten« Tage lang diese Punkte, sie kamen bis Steenstrate, sonst hätte man nicht zeitweilig bis Het Sas weichen müssen, sie kamen mal über Zonnebeke bis Hooge, sie hatten vielleicht auch mal teilweise Langemark und meist Paschendaele inne, und wenn sie von diesen Punkten wieder zurück mußten, so wußte jeder: sie kommen wieder! Solange Bixschoote zehn Kilometer südlich von Dixmuiden und Poel in deutschen Händen, war die Stellung Langemark gefährdet; solange Broodseinde, dann auch die Stellung Paschendaele–Becelaere; solange Eloi, Kl. Zillebeke, Zandvorde, dann auch die ganze Linie Dickebusch–Hooge, selbst wenn wir Hollebecke zeitweilig aufgeben mußten, was keineswegs feststeht. Dies war unstreitig ein »Sieg« im taktischen Sinne. Ferner pflegt man bei abgeschlagenen Angriffen natürlich ein Gewicht darauf zu legen, daß der Angreifer weit mehr durch Verluste geschwächt wurde als der Verteidiger. Das war einst so, wie die Briten behaupten, bei Talavera, Albuera, Busacco, Sauroren, Waterloo, obschon das alte Vorurteil, der Angreifer müsse immer mehr verlieren als der Verteidiger, sich selbst bei diesen gescheiterten und schlecht geleiteten Frontalangriffen nicht im vorausgesetzten Maße bewahrheitete. Bei den eigentümlichen Verhältnissen des heutigen Stellungskrieges bedingt aber jeder Rückzug aus verlorenen Stellungen erst recht große Verluste, da der eingeschossene Gegner systematisch das ganze rückwärtige Gelände bestreut, und jedes konzentrische Heranrücken führt eine vernichtende Kannonade herbei, wenigstens in verschärfter »moralischer« Nervenwirkung. Alle Phantasie über deutsche Verluste, wobei Ausnahmefälle bei einzelnen Regimentern ungeniert als Gesamtmaßstab genommen und z. B. »Vernichtung der preußischen Garde« glatt erfunden wurde, hielt die eigene Erkenntnis nicht auf. Ein Blick auf ihre schrecklich gelichteten Reihen belehrte die Verbündeten, wer den schwersten Schlag empfangen habe. Als die Wahrheit über die Verluste durchsickerte, befiel England ein lähmendes Entsetzen. Da machten die Franzosen reinen Tisch, sie gestanden anfangs überhaupt keinen großen Verlust zu, strichen übrigens in ihren Berichten nur sich selbst heraus und schwiegen von den Engländern, während die englischen Berichte nach gewohnter englischer Sitte nur von obenherab und gelegentlich naserümpfend die Bundesgenossen erwähnten. Sie hatten natürlich alles allein getan. In Wahrheit hatten die Franzosen den einzigen wesentlichen Erfolg: im Norden, das Zurückwerfen der Deutschen vom Westufer. Am Schluß der Schlacht hatten Mitry und der rechte Flügel des 32. K. sich Bixschoote wieder genähert. Ein frisches Franzosenkorps ersetzte das abgekämpfte 9. Im Zentrum mußte das 1. engl. Korps vom 16. französischen abgelöst werden, weil es ganz zerrüttet war. Dies soll jedoch erst nach einem heftigen Angriff der Deutschen am 19. geschehen sein, was zu deutscher Meldung nicht stimmt. Tatsächlich wurde »die 3. Division Haighs aus ihrer Front hinausgeworfen«, »die 2. zog sich westwärts auf Bixschoote (?) zurück«, die erste scheint noch am Polygonwald gestanden zu haben. Als »dritte« ist hierbei wohl die »Spezialreserve« zu verstehen, die sicher Divisionsstärke hatte. Foch hatte auch noch die 9. fr. Kavalleriedivision auf die rechte Flanke geschickt, so gefährdet erachtete er jetzt endlich die Linie südlich von Ypern. Zu großen Kavalleriegefechten wie im Oktober scheint es aber auch dort nicht gekommen zu sein. Noch manches bedarf der Aufklärung. Denn wie stimmt es zu den sonstigen Lokalangaben, wenn ein englischer Fachbericht ausdrücklich hervorhebt, daß man am Dorfe Dickebusch auf sechzig Meter mit Handgranaten und Maschinengewehren feuerte, die Franzosen aber schließlich sich behaupteten trotz erstaunlicher Tapferkeit der Deutschen? Ist dies wahr, und wir haben keinen Grund zu zweifeln, so ist das französische 22. Korps völlig geworfen und bis Dickebusch verfolgt worden, das unmittelbar südwestlich vor Ypern liegt. Die tapferen Pfälzer (offenbar 17er) werden den glücklichen Angriff abgebrochen haben, weil man sie ohne Unterstützung ließ. Hier war also die Pforte geöffnet, doch man trat nicht ein. So gewinnen die seltsamen Einzelberichte – in deutschen amtlichen Meldungen steht kein Wort davon – über zweimaliges Eindringen von Deutschem in Ypern etwas mehr an Wahrscheinlichkeit. Novemberkampf an der Yser. Vor Nieuport genoß die Ers. Div. (nicht bloß »33. Brig.«) nicht weitgehende Unterstützung, durch 38. L. W. Brig., die am 9. meist nach Poel abmarschierte, sondern durch Ersatzregimenter Rosen und Weber und noch ansehnliche Teile Beselers. Natürlich weiß G. St. Schr. nichts davon. Die Ers. D. trat in Reserveverhältnis und figuierte bei Dixmuiden nur als Flankendeckung mit ein paar Bataillonen. Mit wieder mal vorgegriffener Ernennung Mitrys zum Kommandanten der Yserfront hat es erst im Dezember seine Richtigkeit, wo er seine Dragoner und Chasseurs ins Schlammbett der Uferinseln führte. Dagegen schickte d'Urbal eine frische Territorialdiv. nach Nieuport, auch scheint eine frische Marinebrigade eingetroffen. Er verließ sich nicht mehr aufs feuchte Element, sondern getraute sich jetzt, feurig an den Nieuportbrücken vorzustoßen. Es wäre daher toll gewesen, das ganze 3. R. K. nach Poel zu verschieben, wie G. St. Schr. wähnt. Es war gut, daß 48. R. auf dem Posten stand, als die Belgier am 4. mit Waffengewalt längs der Küste vorkommen wollten. Man ließ sie bei Abenddunkel in Lombardzyde hinein, da die L. W. sich außerhalb in starkverschanzten Fabriken einquartierte und nur bei Nacht die Ostende-Chaussee sperrte. Kaum spazierten sie hinein, als man auch schon die Brücken bombardierte, um ihnen den Rückzug zu verlegen. Trotzdem ließen sie sich einfallen, am 7. nochmals mit einer Brigade loszugehen. Da wartete ihrer ein böser Empfang. Sie flohen in Panik. 850 Mann mit 27 Off. sollen gefallen sein, indessen war das Gefecht kein Scherz und kostete dem Sieger ziemlich viel. (Siehe Verlusttabellen). Die Listen beweisen einem so manches, was sozusagen nicht im Buche steht! Vielleicht hätte beherztes Nachstoßen die Brücken in deutsche Hände gebracht, doch erst seit 9. deckte seitwärts Marinediv. Schröder die schmale Dünenlücke, ihre Schiffsgeschütze spielten nach dem offenen Meer, wo in der Ferne die dicken Ölrauchwolken aus englischen Kreuzerschloten aufstiegen. Das Verstummen deutscher Kanonade hatte die Belgier zu Vorstoß verlockt, nachher erklärte man's für eine Kriegslist, es hatte aber eine sehr natürliche Ursache. Ja, es war wirklich so: Der Schießbedarf ging aus. Die Entente fabelte von unerschöpflicher Munition als Beweis für Deutschlands Kriegswillen, teilweises Versagen der Kriegsmittel bei den Verbündeten beweise ihre Friedensliebe. Das steht auf gleicher Höhe wie die Versicherung, Deutschlands bessere Rüstung sei zu verbrecherischen Friedensbruch berechnet – die schlechte der Entente verbürge ihre harmlose Unschuld. Jedes Glied dieser Beweisführung ist eine Fälschung, die Drahtzieher lügen in ihren Hals hinein und zwinkern sich zu mit Augurenlächeln. Sie rüsteten Tag und Nacht seit langen Jahren, Rußland so umfassend, wie nie auch nur entfernt zuvor in seiner Geschichte, alle ebenso gut sie konnten. War dies nicht gut genug, so konnte man einfach nicht der besseren deutschen Organisierung ebenbürtig werden. Auf so ungeheuren Geschoßverbrauch, wie der Weltkrieg es forderte, sah sich freilich auch die deutsche Verwaltung nicht vor. Dagegen verschaffte sich die Entente auf Umwegen über Amerika und Japan Mengen von Munition, das ergab sich grade bei Ypern. Der Munitionsmangel der Russen trat lediglich durch wahnsinnige Geschoßvergeudung ein, womit sie ihr schlechtes Schießen ausgleichen wollten. Die neutrale Sympathiemunition der edlen Yankees ersetzte jeden Ausfall so reichlich, daß 1915 in der Champagne und bei Arras ungeheure Munitionsmassen von den Franzosen verpulvert wurden. Bei den Deutschen konnte man solchen Wettbewerb der Welt, wer am meisten Mordwerkzeuge gegen die »Hunnen« fabrizieren könne, nicht nachkommen. Jedenfalls war die O. H. L. schon bis Neujahr 1915 darauf bedacht, sparsam mit der Munition hauszuhalten. Als am 10. 11. eine französische Territorialdivision nordöstlich Lambarzyde zum Durchbruch entschlossen schien (wohl schwerlich eine Marinedivision, wie man liest), trat bei den Seebataillonen Schröders ein anderes Übel ein. Man hatte Kammern und Rohre der verschleimten Gewehre und Maschinengewehre gerade noch nicht vom umherfliegenden Dünentrielsand reinigen können, dies zwang die Matrosen zur blanken Waffe zu greifen. Sie gingen seelenruhig ans Werk, des Feindes Vorsatz mit dem Bajonett zu durchkreuzen. Eine entrollte Fahne voraus, stürzten sie sich in den Feind. Was todesfrohe Kampfeslust vermag, zeigten bald Massen von Niedergestochenen, die sich in ihrem Blute wälzten. Die Territorialen verließen das Schlachtfeld, auseinandergesprengt und 800 Gefangene mit vielen Offizieren dem Sieger abtretend, der freilich selber 14 Offiziere 125 Marinesoldaten tot auf dem Platze ließ. Auf Defensive durfte es der Admiral nicht ankommen lassen, weil die Schießmöglichkeit fehlte, dies wilde Draufgehen war aber eine ebenso drastische wie kostspielige Methode. Hier wirren wieder Ziffern herum, die einander widersprechen. Die Seebataillone hatten nur Halbstärke, nach früheren kleinen Verlusten belief sich die Stärke Schröders wohl nur auf 5500 Gewehre. Auf ebensoviel wird aber die Brigade geschätzt, die man deutscherseits zersprengte, wobei unklar bleibt, ob dies eine belgische oder französische sein soll. Offenbar sind die am 7. abgetanen Belgier gemeint, denn eine französische Territorialbrigade zählt etatmäßig 9000 Gewehre. Dauernde Kanonade aus der Flußmündung zwang eben tagsüber zum Verlassen der Kantonements, was die Gegner dreimal zu Ausfällen benutzten, aus denen sie regelmäßig als Trümmer heimkehrten. Sie verrieten keine offensiven Absichten? Die G. St. Schr. erwähnt diese heftigen und keinesfalls unblutigen Gefechte ganz oberflächlich und redet von ein paar hundert Gefangenen. Fortan unterblieb auf lange jede Küstenbehelligung. Die amtliche Darstellung würde aber vermuten lassen, daß der Feind sich ganz untätig verhielt, trotzdem er seinen Wassersieg ausposaunt hatte. Man konnte sich doch selber sagen, daß ein L. W. Rgt. und »33. Ers. Brig.« nicht ausreichten, um die Batterien gegen Nieuport zu decken. Selbst die neue L. W. Ers. Brig., deren Dasein den G. St. Verfasser so unbekannt wie vieles andere, hätte nicht genügt, doch wir finden 48. R. in verlustreichen Kampf bei Dorpswede und Lombarzyde, dazu III/8. R., gleichzeitig wurde 20. R. bei Schorbake belästigt. Man muß eben Statistik kennen. Was III/35. Inf. von 6. R. D. hier belassen »an der Yser« betrifft, so focht es just bis 11. verlustreich; es ist also ziemlich sicher, daß es am Dixmuidenkampf am 10. teilnahm. Vielleicht sperrte es längs der Baerststraße nach Norden den Austritt aus dem umlagerten Ort und ging bis zum Strom vor. Jedenfalls mutet komisch an, diese ernstgemeinten und mit beträchtlichen Gefangenen gesegneten Kämpfe zur Bedeutungslosigkeit herunterdrücken zu wollen, während die G. St. Schr. oft anderswo mehr Gefangene aufzählt als der offizielle Heeresbericht, z. B. 1400 in Dixmuiden, während Spezialbericht nur von 500 weiß. Auf derlei geben wir nichts. Sein Gedächtnis läßt den Offiziosus so oft im Stich, wie er ja umgekehrt die in der Ypernschlacht namhaft gemachten Gefangenen vergißt. Möglich, daß Spezialberichte für die Nieuportgefechte den Mund zu voll nehmen, doch steht unbedingt fest, daß sie sicher weit blutiger waren, als das lang und breit besprochene ganze Messinesgefecht. Wacker nahm man weiter west- und südwärts der Yser den Kampf gegen die Überschwemmung auf, schob Strohbündel und Bretter in die Wassermassen, stellte Flöße her, flickte zerstörte Schiffsbrücken und schuf sie neu, sammelte Kähne und Boote für Pionierarbeiten. Vor dem anderen Endpunkte Dixmade traf man sorgsam Vorkehrungen für den losbrechenden Sturm. Im Oktober führte achttägiger Andrang zwei frischer Divisionen zu nichts; im November soll eine einzige schon verbrauchte, diese seither noch stärker befestigte Stellung, in der man täglich schanzte, samt ihrer Massenbatterie an der Furnes-Chaussee allein überwältigt haben! Jeder Vernünftige sieht ein, daß dies nicht mit rechten Dingen zugeht. Verlust der 43. R. D. stimmt nicht entfernt zu so ernsten blutigen Ortskampf; die G. St. Schr. zeigt sich wieder als sehr schlecht unterrichtet. Am 10. rollte in der Luftlinie südlich der Yser das Schlachtgetöse westlich des Kanals entlang. Nun siegte man endlich auch bei Dixmuiden nach dreistündiger Beschießung und dreistündigem Straßenkampf, nachdem der Sturm aus Norden, Nord- und Südost einsetzte. Durch Umfassung zersprengt, brach die Feindeslinie im Bollwerk nieder und sobald der Verteidiger über den Fluß wich, erklomm man das jenseitige Ufer und trieb ihn noch weiter zurück. Sachlichen Beleg für den Vorgang liefert die G. St. Schr. nicht, es bedarf genauer Erörterung. Da die Belgier für sich bedeutenden Novemberverlust zugestehen, so stimmt dies zwar zu unserer Auffassung der Nieuportkämpfe, läßt sich aber nicht allein durch sie erklären; die 3. belg. D. gab also wohl kein Fersengeld, sondern ihre Reste beteiligten sich an Verteidigung Dixmuidens. Ronachs Marinefüsiliere litten sicher schon stark, doch mindestens zwei Negerbrigaden und wahrscheinlich Territorialtruppen verstärkten die Besatzung, die im Vertrauen auf zahlreiche Artillerie am Deichdamm hoffen durfte, den stark verschanzten Posten gegen das 22. R. K. zu halten. Hatte es doch im Oktober fruchtlos mit schweren Opfern den festen Ort berannt. Nichtsdestoweniger wird vorgeschützt, daß diesmal 43. R. D. allein Dixmuiden zu Fall brachte! Wir berührten schon die Verfänglichkeit einer so unwahrscheinlichen Behauptung, müssen aber jetzt Bestimmteres hinzufügen. Als Unterstützung dienten zwei Ersatzbrigaden Werders, die hart auf der Nordseite kämpften? Wirklich? Sie verloren nämlich – sage und schreibe – 27 Mann des 14. Ers. Batl. das möglichenfalls als Geschützdeckung irgendwo dort stand. Also wieder leicht zu entkräftende Scherze, wie so oft bei dieser Sammlung offiziöser Entstellungen. Aus Polemik mit Müller-Brandenburg erfuhren wir, daß die amtliche Schilderung sich auf Rapport und Angriffsdisposition der 43. D. selber stützt, die auch 202. R. stürmen läßt, für das wir in den V. L. überhaupt keinen Verlust treffen. Also nahmen 10 Bataillone den Ort, Mitwirkung der in der Disposition erwähnten Ers. Brig. ist laut V. L. unwahr, sie figurierte höchstens als Rückhalt. Indessen war 43. D. nicht verpflichtet, andere außer ihrem Befehlskreis fechtende Truppen zu erwähnen, so daß triumphierendes Vorhallen ihrer Disposition gar nichts beweist. Angesichts Müllers ungeheuerlicher Behauptung, 44. R. D. habe im Oktober nur nördlich Handzeemekanals Statisterie getrieben, lassen wir uns nicht verbieten, die Wahrheit zu sagen, auf die Gefahr hin, die Gefühle eines Reserveartillerieleutnants, der für die Glorie seiner Division böllert, oder das auf ihn bauenden Verfassers der G. St. Schr. zu verletzen. Müller kannte den Infanteriekampf ja gar nicht aus eigener Anschauung. Wir lassen einfach die Logik reden. Wie stände es um das in grellsten Farben gemalte und zweifellos mörderische Ringen, wenn eine einzige, schon sehr gelichtete Division solche Zwingburg feindlichen Elitetruppen entriß mit Verlust von 750 Mann! Denn bei 201., das einen angemessenen Verlust verzeichnet, entfallen zwei Drittel davon auf späteren, von G. St. Schr. richtig erwähnten Kampf jenseits der Yser bis Monatsende. Daher begreift man, daß von besonders blutigem Kampf des 203. R. die Rede ist, denn dies im Oktober auf ein Drittel geschmolzene Regiment, dessen Rest erneut voranzustellen man die Grausamkeit hatte, verlor am 10. tatsächlich mehr wie 201. Doch auch diese Einbuße gehört zu den geringsten der Novemberschlacht. Das ist doch schlechterdings unmöglich, daß ein besonders bitterer und blutiger Straßenkampf so überaus wenig kostet und würde dies freilich der handgreiflichen Ententeunwahrheit entsprechen, die Verteidiger hätten nur ein paar Hundert verloren! Dann wäre also das ganze Aufgebot beiderseitiger Ausschmückungen eines fürchterlichen Ringens aufgelegter Schwindel? Es scheint durchaus nicht so; ein ernster französischer Militär, dem man obige Fälschung vorhielte, würde die Achsel zucken: »Was wollen Sie? Im Krieg wird soviel durcheinandergelogen, natürlich war unser Verlust sehr groß, wie sich aus der Sachlage ergibt. Es wäre ja wenig ehrenvoll, wenn die Unseren sich bei so geringen Opfern herausschlagen ließen.« Für 43. D. als Stürmer wäre es ja ehrenvoll, mit so geringen Verlust eine so große Übermacht überwältigt zu haben, aber allzu wunderbar, und ein Kriegsforscher, der seine Pappenheimer aus geschichtlicher Erfahrung kennt, glaubt nie an Wunderbares, ungläubiger Thomas! Wenn er aber seine Hand in die Wundenmale legt, nämlich die V. L., da baut sich ihm plötzlich ein anderes Bild, wie es der Sachlage entspricht. Denn siehe da! 52. R., 3. R. Jg., 208. R. nennen Dixmuiden als Stätte ihres großen Novemberverlustes (zusammen rund 2300). Für uns ist völlig klar, daß nördlich des Handzeemekanals nicht angebliche Ers. Bataillone, sondern 52. R., 3. R. Jg. anrückten, im Süden aber 208., das nach der Oktoberlage als rechtes Flügelregiment der 44. D. focht und sich jetzt der 43. anhing, zumals es ja den Straßenkampf in Dixmuiden schon aus Oktobererfahrung kannte. Daß die anderen Teile 44. D. schon bei Merkem und Dreinbank standen, als äußerster linker Flügel der Kleisttruppe, paßt ganz gut dazu, da sie aber äußerst wenig litten (207. verlor nur 75 Mann), so ist undenkbar, daß 208. an dieser Stelle focht, angesichts seines großen Verlustes. Bestände selbst nicht der Vermerk »Dixmuiden«, tragen die genannten 7 Bataillone ohnehin das Merkmal eines dortigen Kampfes, denn sonst würde bei 208. Merkem oder bei 52. irgendein anderer Yserort genannt sein. Auf sie allein paßt die unzweifelhafte Tatsache blutigen Ringens. Mit dieser Kleinigkeit, dem Dreifachen des Verlustes der 43. Div., wächst die Einbuße inkl. Pioniere auf rund 3500 für 14 fechtende Bataillone, (denn 204. focht fast so wenig wie 202). Ganz angemessen, da die ausschlaggebenden Flügelangriffe südlich und nördlich des Ortes naturgemäß blutiger waren, als das Hineinstürmen der 43. Div. in das keiner Flankenbestreichung ausgesetzte Häuserchaos. Daß 44. R. D. somit nicht ganz müßiger Zuschauer bei Dixmuiden blieb, beeinträchtigt den Alleinruhm der 43. D., andererseits hat man wohl irgendwoher vernommen, daß 208. R. schwer litt: dies begeistert den amtlichen Konfusionarius, die braven Truppen durch die Lüfte an einen anderen Platz Het Sas zu entführen, wo man wieder ein Märchen erfinden kann. Dort soll die ganze 44. R. D. angegriffen haben, hierfür gilt das Gleiche wie bei Merkem; solch Mißverhältnis der Verluste, wo ein Regiment 1100 und das Übrige noch nicht 400 verliert, ist bei gemeinsamen Angriff unnatürlich, d. h. unmöglich. Und hätte 208. je allein solchen Heldenstoß geführt – H. Bericht sagt »Junge Regimenter« in Plural – würde es sich wohl nicht verkniffen haben, in seiner V. L. »Het Sas« zu vermerken, wie die anderen Teile der 44. D. »Merkem«. Man komme uns nicht mit Einreden, die jeder Logik spotten. Wenn Dixmuiden im Oktober vom ganzen K. Falkenhayn nicht genommen werden konnten, so gewiß nicht im November, eher stärker besetzt und verschanzt als früher, von zehn schon sehr geschwächten Bataillonen. Die Ers. Brig. fochten so wenig »hervorragend« wie 202., das offenbar im Rückhalt bei der Artillerie blieb und für das man einfach 208. lesen muß. Wer soll dann den als besonders heftig geschilderten Kampf an der Nordecke und am Yserdamm geführt haben, da die irrig dorthin versetzten Ers. Brig. sich laut V. L. als bloße Figuranten erwiesen? Ist nicht höchst bezeichnend, daß die mitwirkenden Pioniere, bei Ortskampf besonders wichtig, alle zu Beseler gehörten, und fällt nicht wieder die Unkenntnis der G. St. Schr. auf, die auch jetzt wieder die heldenmütigen 24., 25. P. übergeht, deren Gros bei Mangelaere–Langemark und später am Ypernkanal wirkte, deren Res. und Ers. Kompagnien aber neben 3. R. P. wieder mit beträchtlichen Verlust bei Dixmuiden auftraten? Sie waren es, wahrlich nicht die der 43. D., die mit Minenwerfern und Handgranaten dem Ort zu Leibe rückten und den Angriff stärkten. Am 10. um ½ 10 Uhr vorm. brach er aus Osten und Norden los. Die Verteidiger versahen sich dessen nicht, weil der durch langen Regen aufgeweichte Boden bis dahin keine rasche Annäherung erlaubte. Während die 10 Sturmbataillone der 43. D. sich rüstig vorbewegten, erhielt 208. (nicht 202.) im Südost terassenförmiges Doppelfeuer. Teils vom Deich des Ufers, der dahinter entlang läuft, teils vom Bahndamm, der mit Krümmung von Ost nach West am Stadtsüdstrand vorüberstreift. Infolgedessen verschob sich 208. weiter südlich, überschritt die Ypernchaussee, erstürmte das Südende des Bahndammes, wandte sich gegen die Yser und griff das Südufer an, das stückweise dem Feind verloren ging. Bei diesem prachtvollen Gefecht tauchte angeblich auch hier ganz südlich die angeblich ganz nördlich an der Landstraße stehende Ers. D. auf! Was von schwachem Flankenschutz des 204. geredet wird, ist unerheblich. Dies Regiment litt auch so gut wie nicht, folgte nachher 203. in die Stadt. Die braven Spandauer kamen im Südteil schwer vorwärts. Ihnen, auf kaum Bataillonsstärke geschmolzen, hätte man dies erneute Stellen ins Vordertreffen ersparen sollen. Sie empfanden es aber nicht als Rohheit, sondern Auszeichnung. Für sie gilt mit die allgemeine Ehrung durch einen englischen Zeugen: Die Deutschen hätten im November so freudig gestritten wie am ersten Oktobertag. (Wer englische Verhältnisse kennt, würdigt mit bitterem Lächeln, daß die anständigsten und nobelsten Urteile im Weltkrieg über das deutsche Heer von einzelnen Gentlemen ausgingen, wie auch zwei vornehme Engländerinnen verächtlich gegen die Greuellügen protestierten, während die gemeinsten, schmutzigsten und giftigsten Schmähungen und Verleumdungen die Londoner Zeitungen füllten). Jeder deutsche Kommißkritiker, der je über die Leistung dieses unsterblichen Freiwilligenaufgebots die Nase rümpft, verdient Züchtigung mit Reitpeitschen und Deutschland Verachtung, wenn es zuläßt, daß »eine Rotte niederer Stinktiere« (Blücher) mit sogenannten Pazifismus die Selbstaufopferung der edlen Jünglinge höhnend begräbt. Das Vaterland, das vergißt wie seine jungen Söhne hier ihr hoffnungsreiches Leben dahingaben, wäre wert, daß es zum Schuhputzer des Auslandes sich erniedrigt. Gern ziehen wir den Hut vor den Franzosen, die das alte Girondistenlied »mourir pour la patrie« wahrmachten, und den Briten, die mit dem Tipperary-Singsang dem Tode Trotz boten. Doch mit weihevoller Rührung und Scham gedenken wir daran, daß all die braven Jungen, die mit ihrem »Deutschland über alles« sich ein besseres Karma schufen, die kommende Schmach ihrer großen Nation nicht zu erleben brauchten. Süß ist für das Vaterland der Tod, doch bitter das Leben in einem durch sich selbst entehrten Vaterland. In Dixmuiden brannten alle Baulichkeiten weniger durchs deutsche als französische Geschützfeuer, das schonungslos ins Getümmel hineinschoß, unbekümmert, ob es Freund oder Feind umbringe. 15. R. Jg., 201. unter General Seydewitz, der als Held an der Spitze fiel, berührten schon das Innere der Nordstadt, nachdem sie Bahnhof und Kirchhof erstürmten, und schwenkten um ½ 4 Uhr südwärts, um den 203. aufzuhelfen, wozu es hohe Zeit schien. (Vermutlich verlegt aber die G. St. Schr. mit gewohnter Nichtkenntnis den Oktoberverlust der Spandauer hierher, es hat stark den Anschein). Häuser- und Straßenkampf hätte noch lange fortgedauert, wenn 208. nicht den Yserdamm erstürmte und zugleich die Nordwestgruppe von 3. R. K. sich durchgearbeitet hätte. (Vielleicht auch III/35. »an der Yser«, auch dies lichtet das Rätsel des Unsinns, Dixmuiden von wesentlich 7 Bataillonen mit mäßigen Verlust erstürmen zu lassen). Trotzdem der schmale, ganz versumpfte, Nordteil des durch den Kanal geteilten Städtchens besondere Hemmnisse in den Weg stellte, erstürmten diese anderen Brandenburger einen wichtigen Häuserblock und überschritten die Yser am versumpften Westrand. So sah die Massenbatterie jenseits an der Furnes-Chaussee sich bloßgestellt. Da 208. südlich schon die Westbrücken bedrohte, die Rückzugspforte der Besatzung, so drückte diese Doppelumfassung so gefährlich, daß der Feind den Abzug einleitete. In der Dämmerung mehrten sich die Brände, der ganze Ort schwamm in Blut und Feuer, zerfiel in Trümmer. Am Markt gesammelt, warfen die Märker zuletzt den Feind über den hochangeschwollenen Strom, er drängte eilig über die Brücken und sprengte sie nach fruchtlosem zweimaligem Gegenstoß von Negern und Chasseurs. Hier ließ die Senegalbrigade vier Fünftel ihres Bestandes; die zur Schlachtbank geschleppten Neger ahnten damals nicht, daß sie mit ihrer schwarzen Schmach im sogenannten Frieden den Rheingau verpesten würden. Vom überhöhenden Westufer er unterhielt man noch Kanonade, doch im Ort blieben nur Gefangene zurück. Vor der halbzerstörten romanischen Kirche am Marktplatz ergaben sich 500 Marins mit 9 Masch. G., außerdem scheinen 900 Verwundete aufgelesen zu sein (daher 1400 Gefangene). Franzosen und Neger wehrten sich brav Mann wider Mann, doch ist wohl Phantastik, daß man sich tief im Wasser stehend oder schwimmend einander an der Kehle faßte und würgte. Schon am 12. holte sich 201. noch eine wichtige Feldstellung der Furnes-Chaussee, wobei es seinen Hauptverlust hatte, und da 208., 52. sowie 3. R. J. und III/35. alle bis 13. 14. litten, so nahmen sie sicher auch an diesem Gefecht teil. Fortan herrschte Ruhe. Die Knaben der Märker Freiwilligenregimenter ertrugen die Unbilden der Wasserzone wie Männer. Obschon man ihnen – im Vergleich zu 26., 27. R. K. – zu viel Glorie spendete, muß man bewundern, daß sie im Dezember und Januar am Westufer des Ypernkanales neuen Kampf aufnahmen, wo nach Hauptgefechtstagen am 3., 5., 10., 17. Dez. Falkenhayn zurückgedrückt wurde, Kleist ebenso erneut bis Korteker. Daß die ungeheure seeähnliche Wasserfläche sich in einen stehenden Salzmorast niedersetzte, beengte zusehends auch die Ufer des Yserkanals bis Bixschoote. Infolgedessen zog sich Korps Falkenhayn später mehr südöstlich und suchte dem Korps Kleist die Hand zu reichen, bis die Franzosen auch hier das nasse Element zu Hilfe riefen. Eine Zuavenbrigade hinderte dann bei Poesele, wo drei Vorhutkompagnien sich festsetzten, die Deutschen am Überschreiten des Kanals nach Westen. Hinter dem verlassenen Sumpfgebiet baute der Feind Verteidigungsflanken, die trotz zermalmender Beschießung nie durch gemeinsames Wirken des 22. und 23. R. K. zu brechen waren. So blieb der Kampf im Norden fortan ganz unfruchtbar, so oft man hier wieder zu handeln versuchte. Im Dezember wagte der Kavalleriegeneral de Mitry, der seit lange den Befehl der Yserfront übernahm, noch Kämpfe um halbversunkene Dorfinseln. Auf seiner Rechten führte er Zuaven, Territoriale, abgesessene Dragoner, zur Linken die Reste der 2., 4. belg. Div. und der Marinefüsiliere mit neuer Auffüllung. Diese warf er am 16. gegen Lombardzyde, doch unsere in den Dünen neben Strandbatterien eingegrabene Marinedivision brauste in sieben Sturmwellen daher über die Dünen bis zur Yser. Dagegen konnte zwar, wie schon gesagt, ein Seebataillon das rings umspülte St. Georges bis 28. behaupten, trotz umfassender Beschießung; doch räumte den umzingelten Punkt, als Radfahrer, Füsiliere, Chasseurs, Dragoner, in Pontons verladen, auf den feuchten zertretenen Dünen heranschlichen. Man fand »300 Leichen« der unglücklichen Landbewohner, echtfranzösische Zweideutigkeit. »4000 Granaten« machten den Aufenthalt ungemütlich, daß die »Erstürmer« sich wieder in ihre Erdlöcher verkrochen. Jedes weitere Nachdrängen Mitrys erwies sich als untunlich, das Ende der Yserkämpfe als so ungünstig, daß die Verbündeten im Januar nichts mehr hier begannen. Sie besaßen nur noch so geringe Gefechtskraft, daß nach Ankunft der L. W. und Ersatzregimenter Weber und Rosen das 22. R. K. kaum mehr zum Schutz der Ufer nötig schien und sich wiederholt südöstlich (L. W. zwischen Nieuport und der Westseite des Ypernkanals) frei bewegte, um sich aus Westen den Yvernkanal in Luftlinie Bixschoote zu nähern. Obschon man von diesen Kämpfen nichts oder wenig hört, schließen wir aus den Verlusten, daß sie Ende Januar bedeutend waren, mehr als im Dezember, wovon hauptsächlich berichtet wird. Offenbar versuchte man deutscherseits hier allerlei, was mißglückte. Kleist hatte nicht eben glückliche Kämpfer; die Märker, auf zu engem Raum beschränkt, wurden seit 15. Dez. immer wieder von 38., 42. D. südlich Merkem am Westufer vertrieben. Nach früherer, breiter Untersuchung entrollen wir nun das Bild der Hauptschlacht fortlaufend genau. Die zweite Schlacht von Ypern im Süden und Südosten. Als der 1. Nov. anbrach, währte der Straßenkampf in Messines noch lange fort; endlich warfen die braven Schwaben die Engländer über den Westrand der Höhenwand hinab. Letztere müssen dabei schwer durch Verfolgungsfeuer der 6. bay. Art. gelitten haben und buddelten sich erst in die Senke des Wambeckebaches wieder ein. Es war darüber Abend geworden. Dichter Morgennebel hatte, als das Dunkel wich, die beiderseitige Kanonade erschwert, doch sahen unsere Beobachter von Süden her ein und so eröffneten die Württemberger Artillerieregimenter wirksam ihr Feuer. Die 51. Inf. Brig. soll sich immer südwärts verschoben haben, ziemlich unwahrscheinlich, da sie früher zuerst die nordöstlichen Höhenwellen bei Messines erstieg. Vielmehr durften südwärts gerade die Heilbronner Füsiliere, welche die G. St. Schr. nach Norden versetzt, anfangs ein Verbindungsstück zur Heereskavallerie gebildet haben, der es jetzt am Plogsteetwald etwas besser glückte. Richthofen nahm man übrigens bald die Gardejäger ab und versetzte sie zum Korps Carlowitz. Die Heilbronner, von denen die Schrift schwärmt, verloren im Oktober bei Messines Null und blieben in Reserve. Da also das angebliche Flankenfeuer dort gar keinen Einfluß übte, wird damals auch der ansehnlichere Verlust der Olgagrenadiere wohl daher rühren, daß sie am Ortskampf teilnahmen, und sie werden nicht davon erbaut sein zu lesen, daß sie Gewehr bei Fuß standen. Jedenfalls kann vorher nur 121., nicht 122., gleichsam als Belagerungsdeckung nördlich (heißt besser nordöstlich) Messines gestanden haben; jetzt erst schob sich 122. vor und sah sich heut einem Angriff ausgesetzt, der seine Linke nach Messines wegdrückte. Erst bei vollem Dunkelwerden ward angeblich der Höhenrücken nordwestlich Messines besetzt, wenig wahrscheinlich, so lange Messines nicht fiel. Wohin nahmen die Engländer sonst ihren Rückzug? Hier zwischen 51. und 52. Brigade zu unterscheiden ist nicht angebracht, denn 119., 121., 122., 125. hatten gemeinsam in nächsten Tagen Verluste (kaum 550, wobei die Heilbronner erst jetzt einen mäßigen Blutzoll entrichteten), bis sie von L. W. Brigade Schulenburg abgelöst wurden und dem Schlachtfeld Lebewohl sagten, um auf ein ebenso großes nach Osten zu rollen. Ihr Gefecht ging noch einige Zeit erfolglos fort und verdient keine besondere Beachtung, da sie hier nur noch als Lückenbüßer figurierten. Der Herzog von Urach brauchte sich durchaus nicht anzustrengen, denn die Höhenchaussee zwischen Messines und Wytschaete, die er angeblich besetzen sollte, hielten schon die Pommern des Generals du Trossel. Der nächtliche Angriff der 6. b. R. Div. beruht vielleicht auf Verwechslung mit einem ähnlichen Pommernversuch. In seiner Begeisterung für die Kriegsfreiwilligen seiner eigenen Division läßt der Verfasser der G. St. Schr. sie auch am 1. Nov. mittags aus Süd und Ost auf Wytschaete losstürmen und den Ostrand nehmen, ihn aber um fünf Uhr wieder fahren lassen, wegen Flankenfeuer vom Kanal und Gegenstoß zwei (?) feindlicher Divisionen (welcher Nationalität?) Da das franz. 22. K. erst am 3. eintraf und das 16. K. höchstens eine Div. noch hier hatte, die wahrscheinlich auch schon im Abmarsch nach Zwartelen begriffen, so bedeutet Obiges eine Übertreibung, die alles verdächtig macht. Zwar steht fest, daß die Bayern dort einen Häuserkampf hatten, doch gewiß nicht allein. Wer soll glauben, daß die Pommern müßig zusahen, wenn derlei vorfiel! Vermutlich würde ein Pommer, der die Sache beschriebe, genau das Umgekehrte erzählen. Das von der amtlichen Schrift hervorgehobene Gefecht des Herzogs von Urach war völlig bedeutungslos; auch litten die Württemberger, 13. F. und R. F. Art. nebst 14. Straßburger F. Art., hier jene früher bei Messines feuernde andere Würt. Art. ablösend, so wenig, daß die Kemmelbatterien, sonst das ganze Gelände zwischen Wytschaete und Hollebeke mit ihrem Feuerregen übergießend, nach dem Messiner Höhenrücken wenig Aufmerken gerichtet haben dürften. Dagegen erfährt man aus den Listen, daß schon wieder bei Warneton gekämpft wurde, also das 3. engl. K. und Allenby wieder Eroberungsversuche machten. Sie blieben erfolglos, doch Reiterei, Gardejäger, sowie 4. J. jetzt hier, III/20. und die märkische L. W. Brig. nebst dem hier gelandeten III/134., verloren in diesen Gefechten zwischen Plogsteertwald und Messines 1400; bis 5. focht man dort hitzig, dann ließ der Feind nach. Doch flackerte auch südlich der Lys der früher dort so große Schlachtbrand noch etwas nach; 88., 116. Inf., 63. Art. schlugen einen Vorstoß ab und so eng wurde schon die Verbindung des Leipziger Korps mit der Ypernschlacht, daß II/134. bei Warneton mitfocht und dann ins Bereich der Deimling-Gruppe nördlich übertrat. Bei Wytschaete tobte am 1. wohl nur Artilleriekampf, außer irgendeinem mißglückten Sturmversuch. Bayr. 11. Art., 1. F. sandten Batterien dorthin, während sie sonst bei Hollebeke wirkten, 6. bay. kam von Messines, wo sie bisher feuerte, erst später dorthin, ebenso pflanzte Pommersche und später Darmstädter Artillerie sich auf, schwere Magdeburger Haubitzen stellten sich ein. (Monatsverlust dieser Teile 246). Dagegen standen die bayerischen 2., 5., 11., 12. Art., 1. F. in Masse bei Hollebeke, dazwischen die 38. pommersche bei Osttaverne. Die deutsche schwere Artillerie hielt sich gut gegen die Kemmelbatterien, deren Wirkung man entschieden überschätzt, denn die Verluste auf der ganzen Linie Hollebeke–Messines hielten sich zumeist in ziemlich bescheidenen Grenzen bis Monatsmitte. Bei 4. b. D. blieb anscheinend laut Chronologie der V. L. noch ihr 9. Rgt. aus, dagegen traf die ganze 3. Div. heut ein und erstürmte jetzt wirklich Dorf und Schloß Hollebeke, 17er voraus, denen 18., 22. folgten. Das 23. stieß mit dem 34. pommerschen bei Kapellerie zusammen; wir haben jedoch den Eindruck, als ob selbst Osttaverne, wo sich seltsamerweise auch ein Teil 6. schlesische Jäger meldeten, heut noch nicht in deutsche Hände fiel. Hier standen mehrere Tage bayrische 16., 17., 20. R. in heftigem Kampf, 17. R. war von Messines-Straße hergekommen, focht also zeitweilig mit den Württembergern am Höhenrücken. Alles, was die G. St. Schr. vom Fortschreiten der Bayern erzählt, muß immer um einen Tag nachdatiert werden, so weit es überhaupt richtig ist. Am 2., 3. hatte der Gegner hier das indische Korps und zwei französische Divisionen zur Stelle und begann einen starken Gegenstoß. Es ist durchaus möglich, daß Hollebeke und Osttaverne wieder verloren gingen, zuletzt aber behaupteten 17., 18. b. Inf. mit opferwilliger Kraft beide Punkte und in den folgenden Tagen säuberten sie das Waldstück westlich Hollebeke, den sogenannten Sternwald nordwestlich Osttaverne, wo die Inder von rückwärts ihre Messer schleuderten und so die Bayern zu wilder Erbitterung reizten, vielleicht verdoppelt durch Entrüstung über unlautern Mitbewerb, da die Bayern sich bisher für die bewährtesten Messerhelden hielten. (Die G. St. Schr. erzählt dies für das Gebüsch westlich Osttaverne, dort fochten aber gegen die 6. R. D. schwerlich Inder.) Pardon ward nicht viel gegeben, die Gurkas und die Braunen von Lahore werden sich wohl lange der Bayern erinnern; Osttaverne ward vom 16., 20. R. besetzt und wir genießen die angenehme Überraschung, daß das angeblich allgegenwärtige 16. R. den allergeringsten Verlust aller hiesigen Regimenter hatte. (Wie es damit bei Kruisecke, Gheluvelt und Osttaverne vornean fechten konnte, bleibt das Geheimnis ihres Anpreisers und des bayr. Kr. Ar., das natürlich auch Wytschaete durch die Bayern erobern läßt; ein Ungläubiger schließt nur daraus, daß diese Truppe teils gar nicht, teils sehr mäßig mitwirkte.) Dagegen berannte Brigade Kiefhaber sehr tapfer den Abhang der Wytschaetehöhen. Ihre Kriegsfreiwilligen entfalteten löbliche Hingebung, als sie am 2. seit Tagesanbruch sich vorbewegten. An welchem Tag Wytschaete wenigstens teilweise genommen wurde, läßt sich nicht erkennen, am 2. sicher nicht, da damals die feindliche Offensive auf der ganzen Linie einsetzte. Daß die Pommern die 6. R. D. in ihrer Stellung ablösen sollten, bedeutet wohl, daß letztere nach hartem Kampf in Unordnung war, doch ließen die Eifrigen sich nicht halten, sofort wieder mitzumachen, als die Pommern losbrachen. Ihre Linke erstieg über den Steenebekebach weg den Höhenzug südwestlich Wytschaete und nahm dort ein feuerspeiendes Gehöft. Das waren die 2. Grenadiere. Dann zogen sie sich rechts, um den Anlauf gegen das wichtige Höhendorf zu beginnen. Nicht die Württemb. 52. Brig. (G. St. Schr.), sondern die Hessen schlossen hier an, da sie, wie die Listen lehren, schon damals einigen Verlust hatten und eine Brigade nicht genügte, die lange Lücke bis Messines abwärts über Wambeke zu füllen. Es ist richtig, daß am 2. seit 7 Uhr früh schreckliche Kanonade auf beiden Seiten raste, wobei, wie wir hinzufügen, die bayrische Artillerie ihr altes Ansehen behauptete. Es ist auch wohl richtig, daß Brigade Kiefhaber in das brennende Dorf eindrang, obwohl beim 17. R. ganze Reihen sanken. Dagegen zweifeln wir, daß eine entgegenkommende englisch-französische Angriffswelle sie an der Windmühle vor dem Ostrand nicht aufhielt, ebenso daß General du Trossel erst um 3 Uhr nachmittags den Bayern Luft machte, d.h. mit dem Angriff zauderte, was nicht preußische Art und hier unverzeihlich gewesen wäre. Der gewaltige Verlust seiner 2. Grenadiere deutet viel eher darauf hin, daß er südwestlich Wytschaete sich umsonst abmühte und der Angriff der 9er scheiterte. Wenn er gelang, so wird es am 3. geschehen sein, wo Stettiner und Kolberger sich bis zum Westrand durchwürgten. Abends vor 6 Uhr war Wytschaete unser, wo alles brannte und rauchte von der Kirche bis zur Windmühle. Daß die im Rückhalt harrenden 42er nicht mehr gebraucht wurden, ist richtig, nur muß man nicht glauben, daß sie nicht später in die Feuerlinie traten und Verluste hatten. Wahrscheinlich nur II/42. hier, ähnlich wie es wohl bei der Bromberger D. stand, die allem Anschein nach viele Teile bei Crapaumesnil zurückließ und bei Ypern keineswegs vollzählig focht. Inzwischen wehrten die Pfälzer starke französische Angriffe ab, ohne jedoch vom Fleck zu kommen. Westlich Hollebeke können sie unmöglich vorgedrungen sein, so lange Wytschaete nicht endgültig fiel, was nicht mal jetzt ganz der Fall war. Denn der Feind bewahrte den dortigen Park, eine mit allen Listen und Kniffen der Verteidigungskunst bereicherte Stellung unmittelbar am Westrand des niederbrennenden Dorfes. Wenn nach der Heftigkeit der beiden ersten Kampftage eine gewisse Beruhigung des Schlachtorkans eintrat, weil die gewaltige verbündete Gegenoffensive ihre Kraft verausgabt hatte, so darf man dies nicht als Pause auffassen, als ob das tosende bayrische Feldgeschrei in Ruhe erstorben und infolgedessen die erste Ypernschlacht durch diesen Einschnitt bis 2. abends zu rechnen sei. Nicht nur wäre dann jede korrekte Monatsverlustrechnung unmöglich, sondern es ziemt sich, den Oktober einheitlich als die Zeit zu behandeln, wo die Deutschen noch in arger Minderzahl waren. Dies als Abschnitt und Schlacht für sich war nun beendet, im Gegenteil hatten wir hier jetzt volle fünf Divisionen gegen wahrscheinlich nur vier feindliche auszuspielen, da die fehlende Brigade des 4. b. D. durch Ankunft vom 5., 8. b. R. ersetzt wurde. 8. R. wandte sich neben 22. J. gegen Kapellerie, das somit nicht von 4 D. laut Kr. Arch. genommen wurde. In der folgenden Woche verfloß unsere Vorwärtsbewegung in sehr verlangsamtem Tempo. Die Bayern streckten ihre Rechte (jetzt 9. Rgt.) bis östlich des Kanals Comines–Ypern und traten dort später in enge Verbindung mit den Elsässern, ihre Linke mag jetzt das Wäldchen westlich Hollebeke erworben haben, Schloß Hollebeke hatten sie wohl am 2. abends nicht fahren lassen, obwohl nach Ententebericht feindliche Massen das Dorf überfluteten. Auch bei Wytschaete zeigte sich der Feind nicht gesonnen, die Deutschen in unbehelligten Besitz zu lassen. Seine schwere Artillerie rächte sich durch ständige Beunruhigung der Besatzung dafür, daß er das Dorf nicht mehr berühren durfte, nachdem er am 3., 4. es beinahe wiedernahm, um aber zuletzt Hals über Kopf verjagt zu werden! Dafür bewahrte er das am Nordausgang vorgelagerte Hospizkloster (Kapellerie), von dessen Dach Maschinengewehre den Talgrund bestrichen, und nordwestlich den Park, dessen Wälle, Gräben, Drahtzäune noch lange trotzten, als am 6. die 34er (vielleicht unter Beihilfe von 22. b., doch gewiß nicht »4. D.«) endlich das Hospiz erstürmten. Aus dichten Büschen sprühte Feuer nach Süden gegen die Pommern, nach Osten und Norden gegen die Bayern. Die Hessen (nicht Württemberger) richteten gegen die Ostseite des Kemmel so wenig aus, daß sie zur Sappenwühlung griffen, um sich am Westrand des Wytschaeter Höhenzuges durch den Bachgrund vorzubereiten. Die 11. und die pommerschen Pioniere verloren hier über 200 Mann, die bayrischen vor St. Eloi sehr viel weniger, was die Verschiedenheit des Geländes kennzeichnet. Die Pfälzer (laut b.Kr. Arch. auch die Würzburger) Regimenter des 2. b.K., im Norden voraus, entfächerten sich jetzt von Groene Linde bis Kanal in breiter Front. Wo der Kanal ein Knie bildet, setzte sich der Feind, an dieser Krümmung nordöstlich vom Schloß Hollebeke südlich Kl. Zillebeke floß noch viel Blut. Doch der Feind mußte rückwärts hinüberspringen und die Bayern vermischten sich auf der Ostseite mit der Elsässer Linken, von der sogar ein Regiment (136) aufs Westufer nach Hollebeke übertrat, während ein Bataillon 5. b. Rgt. nach Zandvorde geriet. Merkwürdigerweise, denn die zwei andern Bataillone dieses Regiments waren es, die am äußersten linken Flügel die »beilförmige« Waldung (»Bayernwald« getauft) am Schnittpunkt der drei Wege von Warneton, Messines, Comines nach Ypern mit Sturm nahmen. Dies bestätigt unsere Meinung, daß es sich Ende Oktober nur um ein Einzelbataillon 5er bei Houthem handelte, während die von ihm getrennten zwei andern Bataillone beim Aufmarsch eine nordwestlichere Richtung einschlugen. Die 4. b. D. verschob sich nach links im Platzwechsel, während 5. B. (22., 23.) die Höhen von St. Eloi nahm. Die allerdings nur teilweise Wegnahme von St. Eloi gelang der 5. Brig. am 9., nachdem sich hier schon am 8. nicht weniger als 1000 Franzosen mit 3 Masch. G. ergaben. French wollte den Bestürmer so nahe bei Ypern nicht dulden und unternahm dort schon seit 8. unablässige Gegenstöße, anscheinend mit unzureichenden Kräften. Seine Massenbatterie am Kemmel verwendete sogar schwerste Marinekaliber, ihre Beobachter lenkten von den Yperntürmen das Feuer. Man mußte sie mit Granaten dort oben herunterholen, es ging nicht anders, wodurch die herrliche alte Kirche und das Rathaus ihren Untergang fanden. Durfte man bei der hochgelegenen Häusergruppe von St. Eloi festen Fuß fassen und Geschütz hinaufschaffen, so besaß man von dort überschauenden Rundblick auf den weiten Ring verbündeter Batterien östlich von Ypern. Es mußte dem Gegner alles daran liegen nicht zuzulassen, daß man von dort seine Oststellungen artilleristisch im Rücken fasse. Er sparte daher nicht mit Angriffen und es ist wunderbar, daß die Bayern dort oben beharren konnten, da sie den Feind bei Voumerzeele westlich und bei Schloß St. Eloi nördlich der Höhe am Kemmel nordwärts sich gegenüber hatten, während der Besitz von Schloß Hollebeke rechts rückwärts der Höhe nicht immer gesichert blieb. Wie 6. R. D. die Eckhöfe östlich Eloi und doch am 15. die Holländsche Schurfarm nordwestlich Wytschaete erstürmen konnte, mag b. Kr. Arch. vertreten. Nichtsdestoweniger dehnte der bayrische Angriff sich weiter aus, wobei nochmals 200 Franzosen in die deutsche Linie wanderten, dagegen auf der übrigen Schlachtfront im Osten und Norden zunächst nur 500 buntscheckig gemischte Verbündete. Die französische Kampflust schien schon so geschmälert, daß sich bei Warneton 600 Überläufer meldete: »Sind wir da, uns für die Engländer totschießen zu lassen?« Bei Warneton wich Allenby um so schleuniger, als am 2. das 1. Kav. K. in Fußgefecht den Gegner vom Pachthof Douve westlich Messines vertrieb. Am 4. trat diese rührige Reiterei vom Schauplatz ihrer Taten ab, an ihre Stelle traten die 3., 7. Kav. Div., während die 2. zur Fabeckgruppe übertrat und die bayerische Reiterei sich hinter den Elsässern aufstellte. Die Gardejäger nahm man weg zur 54. R. D., auch ging III/20. nach Poel ab. Von Lille versetzte man den Kommandierenden 24. R. K., Gerock, nach Wytschaete, er übernahm die Leitung der ganzen Gefechtsgruppe. Dort rückte das stehende Gefecht nicht von der Stelle, der Verlust war bei den Hessen sehr gering, die also hinter dem Höhenzug Deckung fanden, bei den bayrischen Reserven unerheblich außer bei 17. R., dagegen größer bei den Pommern, als bei den Pfälzern, obschon deren 17. und besonders 18. Rgt. bedeutend litten. Am wenigsten das siegreiche 5., man muß also nicht glauben, daß es allein den Sieg am »Bayernwald« errang, derlei fällt oft in den Schoß, nachdem andere die Hauptarbeit getan. Im ganzen war der Erfolg befriedigend, man befand sich nach Norden nur einige Kilometer von Ypern, und wenn erst der Park von Wytschaete fiel, konnte man die drei Divisionen, die bisher Front nach West und Nordwest hatten, größtenteils nach Norden herumwerfen, da die Südflanke genügend gesichert. Leider scheint nichts davon geschehen, und wenn die Pfälzer allein blieben, konnte man nicht erwarten, daß die Stellung Voumerzeele-Dickebusch je genommen wurde. Hier, hier allein lag die Entscheidung, alle Verstärkungen mußten hierher geworfen werden. Von dem allem trat das Gegenteil ein, man schwächte obendrein die Front um die Hälfte (von 24 Regimentern zogen 12 ab, Württemberger eingerechnet, was durch 20., 35. L. W. gewiß nicht vollwertig ersetzt wurde). Hier saß der Keim des Übels, daß aus allen Hoffnungen nichts wurde. St. Eloi blieb fortan für endlose Monate und Jahre der Brennpunkt, und was dann (nicht jetzt) die Bayern, auf sich allein gestellt, hier geleistet haben, ist jeglichem Lobe zu groß. Doch bei so zerfahrener Oberleitung mußte ihnen der Endsieg versagt bleiben. Statt gerade dort 3., 26. D., 25. R. D. wegzunehmen hätte man lieber Garde, 9. R. D. und D. Hofmann nach Rußland schicken sollen, statt sie unnütz östlich Ypern zu vergeuden. Deimlings Angriffe, aufdringlich in den Vordergrund geschoben, als sei hier allein eine Entscheidung zu holen gewesen, hatten nur dadurch indirekte Bedeutung, daß er mit den Bayern auf gleiche Höhe kam und so deren Rechte vor Flankierung schützte. An und für sich konnte sein eigener Stoß niemals sich auswirken, weil vorherzusehen, daß die Hauptstellung Gr. Zillebeke–Hooge nie von dieser Seite zu brechen war, selbst wenn frische ausgewählte Kräfte und günstige Umstände den Ansturm ermöglichten. Sein wirklicher Erfolg blieb daher dürftig trotz aller Tiraden über die tatsächlich prächtige Haltung seiner Elsässer. Von ihnen sagt die G. St. Schr. bezeichnenderweise gar nichts für 1. November, weil nämlich noch um das angeblich eroberte Gheluvelt gekämpft wurde. Deimling, der verwundet das Kommando weiterführte, griff mit Div. Kathen längs der Straße Ypern–Zandvorde an, ohne viel Erfolg, während Div. Hohenborn sich im Vollbesitz von Gheluvelt zu setzen suchte. Auch jetzt noch scheinen beiden Divisionen 132., 126. gefehlt zu haben. In der Tat gingen nach unserer Auffassung jetzt die Zaberner 99er energisch aus Süden vor, 105., 143. aus Südosten, 245. R. aus Osten, 242. aus Norden, seinen gestrigen halben Erfolg vervollständigend. Haigh konnte Rawlinson keine Unterstützung mehr gewähren, weil er gleichzeitig in Richtung Veldhoek vom 246. Württ. R. aufs heftigste angegriffen wurde und 241., 243. R. nebst den von Deimlings Bezirk abmarschierenden 25., 26. R. Jg. im Reutelwald vordrückten, hinter welchen 247. R. sich bereitmachte, längs der Straße Gheluvelt–Bezelaere nordwärts auf Zonebeke vorzugehen. Dem neuen Druck vermochte Rawlinson nicht zu entgehen, er wich unter neuem schweren Verlust in den Herenthagewald. Daß Hohenborn sich schon an dessen Nordostzipfel eingenistet habe, ist eine Gedankenlosigkeit der G. St. Schr., da das 143. noch nicht mal Veldhoek nordöstlich davon hatte. Div. Kathen umfaßte die Waldparzelle nördlich Zandvorde und erwischte manche Versprengte in den Büschen, wobei man erfuhr, daß Briten sich gradeso ergaben wie andere Leute, denen ihr Leben lieb ist. Deimling wollte sich zwischen Zwartelen und Gheluvelt den Weg nach Gr. Zillebeke bahnen, fand aber im Waldgebiet östlich Zwartelen eine harte Nuß zu knacken. Und nun tritt plötzlich beredtes Schweigen ein, überbrückt mit dem Geständnis, daß man seit 2. November nicht vorwärts kam, weil – man höre – der Gegner sich auf zähe Verteidigung beschränkte. Das ist nun wirklich ein starkes Stück, denn kein Wort wird davon gesagt, daß eben am 2. eine allgemeine Offensive von Bixschoote bis Messines tobte, wie sie Joffre persönlich befohlen und angeordnet hatte, gestützt auf neue Verstärkungen, und daß diese noch manche Wellen in folgenden Tagen schlug. Gleichsam nach dem Satze, daß auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört, begegneten sich beide Stöße inmitten des am letzten Oktobertag verlorenen oder gewonnenen vielumstrittenen Geländes, denn deutscherseits sollte ja mit Fabecks Eintritt in die Schlachtzone ein entscheidender Angriff beginnen. Es muß aber leider gesagt werden, daß der deutsche Sturmbock sich jetzt nicht als der stärkere erwies, beide Stoßhörner sozusagen aneinander absplitterten. Wir sahen ein Hervorbrechen des Feindes aus Wytschaete auf Osttaverne, vom Kanal gegen Hollebeke, auf der ganzen Front trat am 2. das Nämliche ein. Und wie am 3. und noch in der folgenden Nacht in Wytschaete der Dorfkampf forttobte, so war es auch anderswo und nirgends dauerte die Gefahr länger als bei Delmling. Wer vielleicht zweifeln sollte, ob eine amtliche Schrift fähig sei, so wichtige Dinge zu unterschlagen, den erinnern wir an das literarische Herausnehmen des gar nichts besonderes leistenden 16. R. durch phantasievolle Seitenattacke. Man stelle sich vor, daß ein Regiment in zwei schweren Gefechten sich auszeichnet, sogar als Retter in der Not erscheint, dann in einer Hauptschlacht mitwirkt und bei dem allem 230 Mann verliert! Einen so billigen Preis für so viel Anwesenheiten auf dem Felde der Ehre pflegt man nicht zu bezahlen und wir müssen geradezu als Ehrenrettung des später sehr verdienten Regiments vermuten, daß die Schrift und auch die des bayr. Kr. Arch., das überall Bayern im Vordertreffen als Hauptsieger sieht, einfach aufschneidet. Denn da es bei Gheluvelt allein mindestens so viel verloren haben müßte, könnte man nur folgern, daß es bei Osttaverne ausriß oder Gewehr bei Fuß stand. Das stimmt natürlich nicht, es nahm eben seinen sehr bescheidenen Anteil am Kampfe, ohne auf verflossene Heldentaten zurückblicken zu können. Dagegen vergossen die Pommern ihr Blut in Strömen, besonders die Stettiner Grenadiere, ganz wie es den wahren Gefechtsverhältnissen entspricht, aber darüber schweigt die Schrift. Desgleichen macht sie große Worte über die Gruppe Urach am Höhenzug bis Wanbeke ohne die geringste Ursache, deren geringer Verlust verrät aber auch, daß die englische Kanonade nicht allzu grausam wirkte. Der unter bayrischen Regimentern hier einzig dastehende Verlust vom 17. R., wie der vom 2., 168. und nächstdem vom 18. bayr., 35. pomm. rührte durchaus von Infanteriegefecht und Nahkampf her. Nun läßt die Schrift schon am 30. Fabecks schwere Artillerie bei Deimling auffahren mit der durchsichtigen Absicht, rechtzeitiges Ankommen und Anschließen Fabecks vorzutäuschen. Warum nicht! Wenn man unwahrerweise Pfälzer und Elsässer schon früh vollzählig da sein läßt, dann auch die begleitenden Haubitzen. Doch das eine ist so unwahr wie das andere. Die Klagen der Elsässer, ihre Artillerie sei anfangs nicht ordentlich dagewesen, beweisen genügend, daß schon deshalb Gheluvelt nicht im Oktober fiel und erst am 1. November ein Bombardement der feindlichen Stellung möglich war. Aber die Listen verraten uns nicht nur, daß die Fußartillerie erst im November feuerte, sondern auch daß kein Teil von ihr Deimling begleitete. Sie fuhr fast insgesamt auf innerhalb der mächtigen Batteriegruppe bei Hollebeke, Teile bei Wytschaete und die Straßburger Festungsartillerie südlich am Messiner Höhenrücken. Bei Deimling langte nur seine 80. Art. und noch ausstehende Teile der 51. an, die jedoch sich von ihm trennten und ins deutsche Zentrum abgingen. Die 80. Art zeichnete sich jetzt in der Tat aus, doch bei einer Veranlassung, welche die G. St. Schr. wohlweislich nicht Wort haben will, nämlich beim Zurückwerfen Deimlings bis Zandvorde. Nicht am Abend des 31. Oktober, wie die Schrift behaglich vordatiert, doch am 2. November früh war die Lage der Verbündeten mißlich. In der Zwischengegend zwischen Lys und Messines bildete die Brandenb. L. W. Brig. ein festes Bindeglied, der Ausfall gegen Warneton erlahmte schon, wo übrigens auch bayrische Reiterei nebst 6. Art. mitwirkte, die Verschiebung der Reiterkorps zeigt, daß Marrwitz völlig freie Hand hatte. Wytschaete war zwar schwerlich schon in deutschen Händen, doch schwer bedroht, die Pfälzer machten große Fortschritte, auf der sonstigen Gesamtfront hatten die Deutschen überall Gelände gewonnen. Dafür kamen aber jetzt bedeutende Verstärkungen an. Ob die im Westen neu fechtenden Franzosen zum 16. oder 22. K. gehörten, daraus kann man nicht klug werden, obschon die G. St. Schr. ohne weiteres sechs Regimenter 16. K. bei Wytschaete fechten läßt. Dies Korps muß unbedingt schon Anfang November seine Hälfte bei Zwartelen gehabt haben, das 22. kam erst am 3. an die Front. Vielleicht teilten sich beide Korps in Hälften, die teils gegen die Elsässer, teils bei Wytschaete-Voumerzeele aufmarschierten. Wenn das 3. engl. K. schon jetzt Teile nach Norden in die Ypernschlacht verschob, so muß es auf Umweg hintenherum am Kemmel geschehen sein. Denn die früher erwähnten Novemberverluste für Messines-Warneton deuten an, daß dort in heftigem Gefecht ein Riegel vorgeschoben wurde. Anscheinend muß auch neue englische Kavallerie angelangt sein, denn die bei Zwartelen erwähnte Gardebrigade wird doch wohl Allenby nicht geschickt haben, der noch zwischen St. Yoo und Douve mit Marrwitz im Kampfe lag. Jedenfalls sehen wir auch den neuen Angriff gegen die deutsche Linke von frischen Kräften getragen. Die starken Massen, mit indischen Brigaden untermischt, im Südwesten hatten jedoch nicht den geringsten Erfolg bei ihrem Ansturm, mögen sie auch mal wieder durch Wytschaete und auf Hollebeke vorgedrungen sein. Am 6. spätestens waren sie zurückgeflutet und ließen den ganzen Wytschaete-Höhenrücken in deutschen Händen, nur der berühmte Park hielt sich unerschüttert. Auch dort freilich läßt sich die feindliche Offensive deutlich erkennen, die eroberte Stellung wurde von uns keineswegs in einem Zuge ohne Rückschläge, sondern stückweise genommen. Die verschiedenen Kämpfe schieden sich nicht so klar, wie die amtliche Darstellung die Sachen übers Knie bricht, die immer nur beliebige Glanzmomente herausgreift und sie auf beliebige frühe Tage verlegt. Immerhin blieb hier der Erfolg unbestritten bis zum Ende. Nicht so an andern Stellen der Front, besonders nicht bei Deimling. Die G. St. Schr. behilft sich hier mit Allgemeinheiten, doch in einer papiernen Welt, wo ein bayrisches Regiment in Ost und West gleichzeitig herumspukt, muß der Forscher jeder Einzelheit nachgehen und werden wir da noch viel Verwunderliches entdecken. Haigh, von den Sachsen zurückgeworfen, hatte an sie noch Gelände zwischen Poezelhoek und dem Ostrand des Herenthagewaldes verloren unter beiderseitigem schweren Verlust, wie denn beim jetzigen Ringen um Gheluvelt weniger die Elsässer als diesmal 245. R. blutete. Je enger der Kreis sich zog, desto mehr schrumpfte die Front ein, die aber bald wieder 20 km umspannte. Daß Deimling allein 6 km davon beherrschte, ist eine vertrauensselige Behauptung, die wieder willkürlich vor- oder nachdatiert. Da die amtliche Darstellung sich mit fester Besitzergreifung Gheluvelts im Oktober vergaloppierte, weiß sie eben nichts mehr von Kämpfen Deimling bis 6. zu berichten, dessen Rührigkeit doch gewiß weiter vorgekommen wäre, wenn nicht allerlei dazwischen kam. Sie schützt vor, das bewaldete Gebiet östlich Zwartelen habe der Div. Kathen allerlei Hindernisse entgegengestellt, was zwar richtig ist, doch erst recht nicht erklärt, warum trotzdem am 6. hier Erfolg plötzlich eintrat. Die Entfernung zwischen Zandvorde und KI. Zillebeke ist so gering, daß letzterer Punkt längst gefallen sein müßte von Süden her, wenn nicht aus Osten (Zwarteler Wald). Der unerquicklich lange Strauß bei Veldhoek wäre natürlich auch abgekürzt worden, wenn Gheluvelt früher fiel. Doch damit haperte es eben. Leider sind die Ententeberichte hier zuverlässiger und man schwärme nicht von Wahrheitsliebe deutscher Amtlichkeit, wenn wir das Vertuschen und Schönfärben noch weiter fortgesetzt finden. Nachdem erfunden, Gheluvelt sei längst gefallen, stellt man sich an, als sei es nie mehr angetastet worden und Deimling überhaupt in stetigem Fortschreiten geblieben. Nichts davon ist wahr. Gheluvelt, am 1. endlich erstürmt, ward am 2. wieder verloren, von Haigh zurückgeholt, dann von diesem erneut abgetreten; doch noch lange der Westeingang behauptet. Erstürmt und verloren, verloren und erstürmt, so ging es hin und her. Hier war es die 54. Div., d. h. endlich ihre Württemberger, deren Artillerie die Engländer so bearbeitete und deren Fußvolk so kräftig auf Veldhoek drückte, bis es dem Korps Haigh und der auf seiner Front verteilten »Spezialreserven«, einer seit 2. angelangten Reservedivision Frenchs, so ungemütlich wurde, daß man Veldhoek und auch die Umgegend von Gheluvelt bis 9. völlig räumte und sich in den Herenthagewald zurückzog. Mittlerweile war aber bis dahin noch manches geschehen, was nicht erbaulich für den deutschen Angriff aussah. Die 53. R. Div. hatte sich nördlich verschoben, um der ganzen 54. Platz zu machen, die zwischen Poezelhoek und Reutelwald aufmarschierte. Erstere sah sich seit 2. in ihrer alten Stellung Kaiberg–Becelaere in schwersten Kampf verwickelt; letztere hatte gegen den Polygonwald keinen Erfolg. Nicht nur aber blieb Deimlings Rechte zwischen Gheluvelt und Veldhoek gefesselt, sondern seine Linke wurde gänzlich zurückgeworfen. Das 16. K. (französischer Bericht nennt ausdrücklich dies Korps) deckte am 1. Rawlinsons Abzug auf Zwartelen und stellte das Gefecht wieder her, zu welchem Behuf aber General de Moussy, Kommandierender des 9. K., seine Reservebrigade abgeben mußte, wodurch seine eigene Front nach Osten sich schwächte. (Deshalb stockte jede Offensive auf Poel und westlich Langemark wurde eine gewisse Erschütterung wahrnehmbar, wie wir folgern.) Indessen bleibt es grober Schwindel, daß die amtliche deutsche Schrift den großen Gegenstoß verschweigt, der am 2. anhob und zwischen Frezenberg (westlich Zonebeke nordwestlich Polygonwald) bis St. Eloi die verbündete Schlachtordnung wieder mächtig vorwärts trug. Am 1. abends scheint sich unsere Kampfreihe wirklich über Zone-, Kl. Zille-, Hollebeke hingespannt zu haben, obwohl die flüchtige Schrift nichts von zeitweiliger Besitznahme von Zonebeke sagt, um dafür andere imaginäre Erfolge vorzutäuschen. Am 2. aber drang Moussy vor bis Zandvorde ! Da wir uns von keiner Seite etwas vorreden lassen, so könnten wir daran zweifeln, wenn nicht die Listen eine beredte Sprache führten: »Zandvorde« im November für 8. Jg., 80. Art. und die dorthin von der Lys verschlagenen 22. sächs. Pioniere, die hier schanzten. Daß der Stoß sich keineswegs schnell brach, zeigt der Verlust aller Teile, die ihn auffingen. Die Bedrängnis stieg so, daß man Beihilfe eines bayrischen Bataillons erbat, das gleichfalls »Zandvorde« in der Liste führt. Erst am 6. konnte sich Kathen wieder ruckweise vorschieben um endlich über Kl. Zillebeke bei Zwartelen zu landen. Die Verbündeten fochten hier mit Energie und Elan, wir sind nicht sicher, ob nicht auch Div. Hohenborn zeitweilig bis Gheluve zurückflutete, um freilich gleich wieder vorzugehen, weil von der 54. R. Div. nördlich bei Veldhoek so kräftig unterstützt. Offenbar verlor Moussys und Haighs Offensive ihre Spannkraft, weil aus der Ost- und Nordfront zuletzt der Erfolg ausblieb. Am 6. trat ein günstiger Umschwung ein. In prachtvoller Ordnung stürmte Div. Kathen Kl. Zillebeke, wo 400 Franzosen sich ergaben und warf sich gegen Zwartelen. Die Elsässer stritten mit so frohem Mute, daß ihre Regimentskapellen ihnen beim Sturm vaterländische Weisen vorspielten, 172. vorauf. Man holte die zerschlagene Div. Copper wieder vor, was ihren völligen Untergang besiegelte, und englische Gardereiterei attakierte. Dieser Todesritt wischte das Dasein der 1., 2. Life Guards weg; Roß und Reiter bedeckten in Haufen das Blachfeld. Am 7., 8. hatte ein mit Zuaven verstärkter Gegenstoß zwischen Zwartelen und Veldhoek nur bei Veldhoek vorübergehenden Erfolg. Hier hatte 143. den Westrand inne, bei Abwehr seiner Umrennung, wobei sein Kommandeur fiel, soll »Landwehr der 54. Div.« mitgewirkt haben? Was sind das wieder für Scherze? Sie hatten keine L. W., höchstens könnte hannoversche gemeint sein, die ganz wo anders focht. Dagegen ist diesmal richtig, daß »Württemberger« entschlossen eingriffen, deren Kampf bei »Veldhoek« die Listen klar machen (nie bei Gheluvelt). Vermutlich nahm aber auch 245. hier entscheidenden Anteil. Indessen schont Veldhoek doch zeitweilig in feindlichen Besitz geraten, infolgedessen die 54. Div. ihren Angriff am Polygonwald wohl bis 10. verschob, nachdem endlich ihre Linke und Div. Hohenborn bei Valdhoek Meister wurden. 248. R. hat übrigens laut Novemberlisten nicht mitgewirkt, es verlor überhaupt viel weniger als die zwei anderen Regimenter. Übrigens litt 143., von dessen besonderer Gefahr phantasiert wird, bis 11. sehr wenig, erst nachher bis Monatsende sehr viel, beim 99. steht es kaum anders. Denn es ist Verdrehung der Tatsachen, als ob nach dem großen deutschen Gegenangriff am 10. die Schlacht mehr oder minder eingeschlafen sei. So macht man sich die Sache bequem, damit man sich um historische Genauigkeit herumdrücken kann. Bei Div. Kathen blieb der Verlust überhaupt gering, nur 172. blutete etwas mehr; das Waldgefecht war also mehr anspannend als aufreibend. Auf Wiesen und Waldwegen fuhr die Straßburger Artillerie in vorderste Reihe, weil häufig Morgennebel das Zielen erschwerte. 15., 19. Pioniere verloren manchen Braven bei ihrer Waldarbeit sollte man denken, doch die Listen wissen es anders! 18. P. waren ins Zentrum entsendet. Im ganzen ging es aber jetzt flotter vorwärts an den vereinzelten stark verschanzten Gehöften von Zwartelen, deren Besatzung nur teilweise entwischte. Div. Kathen wechselte jetzt insofern den Platz mit Div. Hohenborn, als letztere sich um sie herumschob und später die Linke bildete. Ihr 136. war angelangt und bildete die äußerste linke Flanke, indem es sich in schwerem Gefecht an die Bayern östlich des Kanals anreihte. Der Grund dieser Verschiebung ist augenfällig: zwei neue deutsche Divisionen rückten zwischen Deimling und 54. Div. ein, man mußte für ihren Aufmarsch Raum schaffen. Im allgemeinen blieb das Endergebnis nicht ungünstig: Gheluvelt, Veldhoek, Kl. Zillebeke und die Umgegend von Zwartelen waren in unsern Händen. Doch ließ sich dies nicht mit den Hoffnungen vergleichen, mit denen man Deimlings Eingreifen begleitet hatte. Erst nach achttägigem Kampfe näherte er sich Zillebeke und entlastete die Pfälzer. Der errungene Vorteil im Südwesten war ungleich ausgedehnter: Messines, Wytschaete, Hollebeke und jetzt noch St. Eloi. Die Schlacht in Osten und Norden. Über alle Kämpfe der Armeee Albrecht, sagt die G. St. Schr. nichts ordentliches, erzählt nur, das hierher verpflanzte ganze 8. R. K. sei dicht an den Westrand von Langemark gelangt neben sich 44. R. Div., welche kühne Behauptung wir bald entkräften werden. Die alten Kämpfer Beselers sind schwerlich schon am 3. erschienen und am 5. angerannt. Vielmehr waren es viel später 215., 216. R., bisher gespart und letztere vom G. St. Schr. mit allerlei unwahrscheinlichen Kämpfen im Oktober begnadet (vom 215. wird geschwiegen, wer soll aber glauben, daß diese Brigade, wenn sie focht, es nur zur Hälfte tat!), die hier mit niedersächsischer Zähigkeit über Mangelaere und Korteker stürmten (nicht im Oktober). Bei Bixchoote fochten 210., 211., 214. R. ziemlich erfolgreich, 211., anfangs bei Janhoek zurück, litt sehr. Dagegen konnte man sich nie richtig bis Langemark durchringen. Es lag freilich als umbrandete Festung unter konzentrischem Feuer von Nordost bis Südwest, die Verteidiger waren ihrer Lage nicht froh. Doch ihre Zitadellen (Schloß, Kloster, Brennerei, Speicher, Gasfabrik) spien Verderben; viel junges deutsches Leben wegraffend. Man opferte sich umsonst, am 4. erlosch vorerst die Angriffskraft. Doch konnte auch der Feind nicht angriffsweise verfahren, sodaß die tapfere Verteidigung von Poel durch die Goslarer Jäger wohl überhaupt auf Verwechslung mit den Marburger Jägern bei Morslede hinausläuft. Die 51. R. Div. verlor wie im Oktober weniger als die 52. und wurde jetzt durch Teile 3. R. K. (so viel davon da war) sowie 9. R. Div. abgelöst. Um so heftiger ging der Feind auf Paschendaele und Kaerselaere los und die seewärtigen Anschlußlinien, am heftigsten gegen Keiberg, Becelaere, Morslede–Broodseinde, hier röteten sich Heide und Hügel erneut von Blut; doch »blutiger als Wort« sagen« ist maßlose Übertreibung Stegemanns, der obendrein 244. bei Broodseinde mit 245. bei Becelaere als Hauptverlust verwechselt und nicht ahnt, daß nicht die Rechte des Korps Carlowitz, sondern die Linke (Württemberger) am allerschwersten litt. Von alledem sagt die G. St. Schr. kein Sterbenswörtchen. Man hat den Eindruck, als ob dem Verfasser (Offizier der b. 6. R. Div.) nur Einzelrapporte bestimmter, meist bayrischer Teile vorgelegen hätten, ohne daß er je allgemeinen Überblick gewann. Schon die ihm freilich wohl unbekannte Tatsache, daß auf der Ostfront der Verlust ins Große stieg und dort ja auch viel größere Massen fochten, hätte ihn belehren sollen, daß er zu ausschließlich bei den Südkämpfen verweilte. Jedes Erweitern der feindlichen Offensive nach Osten entfernte sie vom Südflügel, wo jede deutsche Lücke zum Leipziger Korps jetzt ausgefüllt und dem 3. engl. Korps nähere Verbindung mit der Ypernschlacht nur auf Umwegen zu finden glückte. Diese Erwägung hätte wahrlich bestimmen sollen, jede Verstärkung den Pfälzern nachzusenden, deren Linke bei Kapellerie mit den Pommern, die Rechte mit den Elsässern so nahe zusammenhing, daß Teile des 5. bayr. bei Abwehr des Zandvorde-Stoßes mitwirkten. Gegenseitige Unterstützung war also verbürgt, wie lange sollten aber fünf bayrische Regimenter so weit auseinandergezogen nach Norden vordringen ohne genügenden Rückhalt! Nichtsdestoweniger bewog anscheinend die Sorge um feindliche Durchbruchsmöglichkeit im Osten die Heeresleitung, die Bromberger Div. von ihrer Pommerschen Schwesterdivision zu trennen, sie nicht nach Wytschaete–Hollebeke, sondern an den Herenthagewald zu schicken und die Gardedivision, beide am 9. zur Stelle, den gleichen Weg gehen zu lassen, als ob Frontalangriff nördlich und südlich der Meninchaussee auch nur entfernt den Einfluß üben könne wie Einbohren des Keils bei St. Eloi unmittelbar auf Ypern. Allerdings mag die Lage im Südende der Ostfront eine Zeitlang bedenklich erschienen sein, doch sie renkte sich von selber wieder ein und konnte auch nie bedrohlich werden, wenn der Stoß im Süden von Ypern durchdrang, der ins Herz des Feindes hineinführte. Seit 2. scheint der Feind Paschendaele genommen zu haben, wo II/III/237., II/III/238. R. blutig genug rangen und Kerselaere bis 6. behaupteten. Hier erschien auch Beselers 35. R., später Teile 51. Art., 19. P. vom Elsässer Korps waren hierher abgeirrt; neues Zeichen dortigen Wirrwarrs. 73. L. W. hielt wacker stand wie links davon 74. L. W. bei Broodseinde, wo indessen I/237. und 3. Ers. Rgt. unerheblicher litten; ein hierher verschlagenes Bataillon vom 73. Inf. noch weniger. Furchtbarer raste der Kampf zwischen Morslede und Broodseinde, die 2. engl., 18. fr. Div. drangen also erneut über Keiberg vor bis nahe der Chaussee Roulers–Lille. 4. Ers. Rgt. Marburger Jäger und vor allem das bisher gesparte 244. R. wichen nach schwerem Kampf; Haigh drang auch bei Becelaere durch, die obengenannten sieben Bataillone verloren über 3000, d. h. fast die Hälfte. Auch 78. L. W., 242., 243.. 241. R., 25., 26. R. Jg. und 245. hatten es schwer zwischen Keiberg und Becelaere (3300), die schon im Oktober sehr gelichteten 25. Jäger schmolzen auf ein Häuflein. (Beim 245. freilich etwas vorheriger Kampf bei Gheluvelt abzurechnen, auch litt es erst seit 8. stark, 242. verlor im Oktober und November 1600). Ob bis 10. der wütige Gegner aus allen eroberten Punkten wieder wich, ist zweifelhaft. Die Franzosen gaben es nur für Broodseinde zu, das sie gleichwohl später zurückerobert hätten, aber es ist kaum denkbar, daß die Garde ihre Vormarschrichtung einschlug, wenn Becelaere noch in Feindeshand. Vor allem aber zeugt dagegen, daß tatsächlich ein neuer Gewaltstoß aus Zonnebeke stattfand, wobei I/239., I/238. und Teile 240. (frisch im Feuer, doch immer meist im Rückhalt) sich von Norden mit 247. R. von Süden her verknüpften. Erstere kamen unstreitig von der Kreuzung der Bahnlinie Roulers–Ypern mit Chaussee Gheluvelt–Becelaere–Zonnebeke, letztere von deren Südstrecke, wo sie sich mit der Straße Keiberg–Ypern schneidet. Es ist also völlig ausgeschlossen, daß dies geschehen konnte, solange Paschendaele und Becelaere in Feindeshand. Ebenso kann ein Angriff der 9. R. Div. in Richtung St. Julien (südlich Paschendaele, nordwestlich Zonnebeke) schwerlich an Paschendaele vorbei erfolgt sein, falls sie aus diesem Ort in rückwärtiger Flanke noch beschossen werden konnte. Alles spricht dafür, daß der Feind bis 9. all seine Vorteile aufgeben mußte und in die Linie Langemark–St. Julien–Zonnebeke–Frezenberg–Westhoek zurückfiel, wobei ihm die sächsische und 26. F. Art. aus Osten, 16. F., 51. R. Art. aus Norden verderblich das Geleit gaben. Wahrscheinlich drangen Deutsche in Zonnebeke ein, ohne aber diesen Zentralsitz der feindlichen Hauptmacht brechen zu können. 26. F. Art. litt dabei ungewöhnlich, auch 31. R. Art. nicht wenig. Übrigens sehen wir hier, daß die schwere Artillerie nur bei Hollebeke und Paschendaele–Broodseinde wirkte, nicht bei Deimling, wo die amtliche Schrift sie aufpflanzt. Die verbündete Artillerie arbeitete mit großer Geschoßverschwendung, die deutsche mußte knapp haushalten, wählte aber jetzt so gute Stellungen, daß das feindliche Geschützübergewicht nicht so ins Gewicht fiel wie im Oktober. Zweifellos fügte sie den auf Zonnebeke Enteilenden furchtbare Verluste zu, wie der Feind ja auch bei Wytschaete seine Angriffe äußerst teuer bezahlen mußte und seine Angriffsstärke von Tag zu Tag schwand. Auf Linie Morslede–Broodseinde–Becelaere verloren wir inkl. des wenig eingesetzten 2. Ers. Rgt., Artillerie und Pioniere, bei denen sogar zwei bayrische L. W. Kompagnien erschienen (warum erwähnt der bayrische Urheber der amtlichen Schrift dies nicht?) ungefähr 7800, und wenn wir die Zonnebeke- und Paschendaelegruppe (inkl. 247. R.) mitrechnen, 11 300. (Natürlich bis Monatsende gerechnet). Diese Kämpfe sind viel bedeutsamer und wichtiger als die Beselers und Kleists, von denen die G. St. Schr. allein weiß. Fortan unterließ der Gegner jeden Massenausfall aus seiner Lagerfestung gegen diese Linie und beschränkte sich teilweise auf Verteidigung (wohlgemerkt erst jetzt, nicht seit 2., wie die Schrift irreführt), jede Lust verging ihm, die Ost- und Südostfront einzurennen. Der Eintritt neuer Kräfte in die große Feldschlacht machte sich vom 1. bis 6. sehr fühlbar, die englische »Spezialreserve« ermutigte Haigh, der jetzt drei Divisionen handhabte, zu seinen Anläufen, obschon besonders seine 1. Div. schon sehr durch großen Blutverlust entkräftet war. Jedenfalls ziemt sich festzuhalten, daß die Engländer Becelaere lange wieder besaßen, bezeichnenderweise standen die Marburger Jäger bei Morslede, also war der Feind schon über die Keiberger Höhen hinaus, bis wohin sie früher vorrückten. Auch Paschendaele ging bestimmt mal verloren; bezüglich Zonnebeke wird die Frage wohl ebenso ungelöst bleiben wie die, ob die Deutschen je Langemark erstürmten, und sei es nur für Stunden. Ein merklicher Fortschritt war also nicht vorhanden. Stoß und Gegenstoß ließen alles beim Alten, es wogte hin und her, unentschieden, für keine Partei ungünstig. Auch Bixschoote gehörte uns nicht mehr. Korps Kleist lag jetzt nördlich davon im bösen Feuer; der Norden blieb uns nicht hold; im Süden ging es viel besser. Von Kampfpause am 9. kann man kaum reden, denn dies heißt nicht, daß nicht noch an vielen Stellen Erfolg und Mißerfolg heiß umstritten worden. Doch lehren die Verlustlisten, daß erst seit 10. die Schlacht in ihrem Höhepunkt stand. Die Stimmung war so verschieden, daß die Verbündeten sich im Norden und Nordosten Sieger fühlten und sich darauf versteiften, dort immer noch Angriffe durchzusetzen, eine sonderbare Verstocktheit, da der Gegner schon die Linie Zwartelen–St. Eloi teilweise inne hatte, also ins Innere der Ypernstellung hineingriff. Ein letzter Vorstoß am 9. gegen das bei Poel ablösende »verstärkte Korps Beseler« (9. R. Div. und Teile 3. R. K. ohne die angeblich unterstellte 44. R. Div.) scheiterte sehr blutig, indessen ließen die Franzosen es sich nicht nehmen, über Bixchoote – jetzt ein nur durch Trümmer bezeichneter Begriff – das Korps Kleist zu bedrängen. Der 10. Nov. sollte nun ein kritischer Tag erster Ordnung werden. Gardediv. Winkler und die 4. Bromberger Div. als Korps Plettenberg unter dem Kommandierenden des Gardekorps und Deimlings Divisionen führte jetzt zusammen der später so berühmt gewordene Pommernchef Linsingen. Dies Durcheinanderwerfen der Führerstellen, stetes Auftauchen neuer Gruppenkommandanten wie des bisher nirgends hervorgetretenen Gerock, der seinerseits die andere Pommernhälfte unter sich hatte, scheint etwas willkürliches. Es wirkte sicher eigentümlich auf Deimling, daß er dem Befehl eines gleichrangigen Kollegen untergestellt wurde. Freilich mag nach Aussage von Mitkämpfern bei ihm allerlei Unregelmäßigkeit vorgekommen sein, die seine persönliche Schneidigkeit kaum gutmachte. Überhastung und Überstürzung bei Anmarsch und Angriff ohne hinreichendes Geschütz sind ersichtlich, um so mehr beharren wir dabei, daß im Oktober nur sieben, höchstens zehn Elsässer Bataillone anwesend, die daher Gheluvelt nicht genommen haben können. Über die Bromberger Div. herrscht Unklarheit, warum sie auf völlig andern Punkten erschien als ihre Schwesterdivision, d. h. ob dies schon früher ins Auge gefaßt oder erst jetzt unter dem Eindruck des feindlichen Durchbruchsversuchs bei Broodseinde verfügt wurde. Jedenfalls leistete sie überraschend wenig, übrigens fehlt bei ihrem geringen Verlust das 149., also wohl abwesend. Vielleicht nur Teile von drei Regimentern. Ob Haigh sich am 9. wieder in Besitz von Veldhoek und Poezelhoek setzte, ist zweifelhaft. Jedenfalls waren sie am 11. in deutscher Hand, als der Gardeangriff begann. Für Deimling war der 8. ein glücklicher Tag gewesen; die siegesfrohe Stimmung der Elsässer hob sich, stieg noch beim klingenden Spiel, womit sie jetzt in Zwartelen vordrangen und Gegenstöße abschmetterten, die nur Auflösung des Gegners zu vollenden schienen. Wo anreitende Schwadronen fast sämtlich die Walstatt deckten, schien man des Feindes Niederlage sichtbar vor Augen zu haben. Dem war aber nicht so, nur Copper mußte seine Reste rückwärts sammeln, auch von der wackern 3. engl. Kav. Div. war nicht mehr viel übrig. Doch über das aus umbuschten Einzelhöfen bestehende Wiesendorf Zwartelen, wo die elsässer Vorderschützen lagen, konnten sie nicht hineinstürmen. Da Deimlings Schlachtreihe mit der linken Schulter den Kanal berührte und genau Fühlung mit den Bayern hielt, sollte Linsingens Aufgabe sein, alles über den Haufen zu werfen, was östlich des Kanals stand. Als am 10. früh Armee Albrecht und Gruppe Linsingen und Gerock gemeinsam zum Angriff antraten, reifte die Schlacht in die höchste Krise. Die bisher bei Deimling schwachen Pioniere hatten starken Zuwachs bekommen und die schwere Massenbatterie westlich des Kanals unterstützte durch Flankenfeuer, da Linsingen mit vorgewandter linker Schulter avancieren wollte. (Von solch staffelförmiger Ordnung vermögen wir aber nichts zu entdecken, falls die Raumangabe für die Garde auf Wahrheit beruht, auch Deimlings Rechte im Zwartelenwald hat eher die rechte Schulter vorgenommen). Da die Offensive mit Falkenhayns Dixmuidenerfolg zusammenfiel, schien alles zum Besten zu stehen und es erweckt wirklich Staunen, daß der voraussichtliche Sieg sich nicht voll auswirkte. VIII. Die Krisis der Schlacht. Während die Gardekavallerie sonderbarerweise in weitem Bogen zum Yserschutz entsendet, deckte Heereskavallerie von der 2., 3., 7. Div. nebst der angegliederten L. W. Brigade dauernd die linke Flanke. Die Württemberger waren jetzt fort. Weiteres Vorgehen machte Kreuzfeuer zwischen Plogsteert und Kemmel unmöglich. Das zusammengesetzte Korps Gerock, dem schon die 52. Württemb. Brig. abhanden kam, schob die Hessen zwischen Pommern und Bayern ein. Erstere rauften noch um den Wytschaeter Park, wo Maschinenschützen festgebunden an Baumkronen hingen, sonst aber ging es in den nördlichen Gebüschen gut vorwärts. Pommern, Hessen, Bayern vermischt oder nebeneinander. Die Hessen trugen am 11. die Hauptlast des Kampfes und gewannen fünftausend Schritt Boden nach Norden. Die bayr. 5. Brig. vervollständigte ihren Erfolg bei St. Eloi, auch erzielten in Verbindung damit die bayrischen Reserveregimenter einen andern durch Wegnahme eines Wäldchens fünfhundert Schritt nordöstlich Wytschaete. Hier stand also alles gut; die 4. b. Div. hielt östlich des Kanals starke Angriffe aus, dank der vorzüglichen Artillerie, von der eine Gruppe acht schwerer Batterien über den Kanal weg am 11. günstig auf Deimlings Gefechtsfeld einwirkte. Dessen ungeduldige Kampflust hatte schon am Vorabend sich in gleiche Luftlinie mit den Bayern gebracht; heute wand er sich mühsam durch die Zwartelenwälder hindurch und besaß einen guten Stützpunkt für Artillerie in »Höhe 60« an der Bahn Ypern–Comines südlich Zwartelen. Weiter aber konnte er nicht, sein 136. linker Flügel litt beträchtlich, auch bei 99., 143. wuchs der Verlust, dagegen hatten die Gefechte seiner andern Regimenter südlich des Herenthagewaldes wenig zu sagen. Dies bezieht sich auf 11., denn am 10. hatte Linsingen die Vorbereitung zum Angriff noch nicht beendet. Damals müssen Veld- und Poezelhoek endgültig den Württembergern zugefallen sein, denn die Gardedivision entwickelte sich von dort nördlich der Meninchaussee, die Bromberger Div. südlich der Chaussee. Ihr Stoß in den Südteil des Herenthagewalds fiel so lahm und kümmerlich aus, daß man sich über den geringen Verlust nicht wundert. Die Leistung war so schlecht, wie sie sonst nirgendwo bei Ypern vorkam. Man möchte die Ursache gern wissen! Tiefausgehobene Gräben und dicke Verhaue bewirkten, daß auch Rgt. Augusta von jeder Anstrengung abstand? Die G. St. Schr. erzählt hier Räubergeschichten von dreimaligem An- und Aussetzen des Sturmes wegen übergroßer Verluste, bis der rechte Flügel des Regiments unmittelbar auf der Chaussee entlang drang, das rasche Vorgehen der Franzer ausnutzend. Wir brauchen aber kein Beileid an dies am Nordostzipfel des Waldes festhängende Rgt. zu verschwenden, sintemal es nur 75 Mann verlor, also müßig feierte. Stegemann weiß so wenig vom Aufbau der Schlachtordnung, daß er Div. Winkler als 1. Gardediv. bezeichnet, während sie zur Hälfte aus der 4. Gren. Brig. bestand. Den Listen müssen wir außerdem entnehmen, daß auch das 2. G. oder Teile davon mitmachten, nicht nur 1., 3. G., wie die G. St. Schr. angibt. 2. litt wenig, 3. noch weniger, ziemlich im Einklang mit Rgt. Augusta, das erst im Dezember Opfer brachte. Wer hat nun Recht? Sicher nicht die Schrift! Nicht weil ihre Autorität bei uns Null ist, da wir so zahlreichen Proben ihrer Unzulänglichkeit begegnen, denn wir prüfen stets von Fall zu Fall und hier könnte ja Dezemberliste des Rgt. Augusta sich mit auf November beziehen, also unser Zweifel fehlgehen. Aber der Vergleich mit der Bromberger Div. beweist, daß aus unbekannten Gründen das Gefecht am Herenthagewald weder heftig noch verlustreich war, und woher sollte Rgt. Augusta »Flankenfeuer« erhalten haben, auf beiden Flanken durch Bromberger und Franzer gedeckt? Es benahm sich einfach schlapp oder blieb im Rückhalt; das ist alles. Dagegen scheint die wenig optimistische Schilderung des Kampfes vom 1. G. und Franzern uns umgekehrt den Erfolg zu verkleinern. Ententeberichte machen klar, daß beide den Feind aus dem Wald hinauswarfen, vor allem 1. G. aus dem Nonnenbusch noch weiter stürmte und erst später umkehrte. Daß die Schrift uns nicht gut unterrichtet, lehrt ihr ausschließliches Verweilen bei Verlust und Bedrängnis der Franzer während 1. G. einen viel verlustreicheren und daher bedeutenderen Kampf bestand. Zwischen Veldhoek und Schloß Poezelhoek aufmarschiert, zog die Garde ihren Angriff stralenförmig auseinander von Nordnordwest bis gradlinig West, heftig beschossen, doch begleitet vom Granatorkan der 2. G. Art., der in Haighs eingebaute Stellung zwischen Polygon- und Herenthagewald hineinfegte. Die Garden traten hier den besten englischen Truppen entgegen, und so furchtbar Haighs Korps schon schmolz, so half ihm jetzt die frische »Spezialreserve« auf die Beine. 3. G. ließ kaum ihren Sturmstand hinter sich, als sie im ersten Anlauf das Zwischenholz nahm, das südlich des Polygonwaldes zum Reutelwald vorspringt, aus welchem die Württemberger frontal vorgingen. Es war wenig über zehn Uhr, als 1. G. die Schützengräben bei Farm Varbek südlich des Nonnebusch eroberte. Das Handgemenge dauerte kurz, da die Artillerie seit halbacht Uhr früh gewaltig unter den Verteidigern aufräumte. Unter Führung von Prinz Eitel Fritz stürzte sich das vornehmste kaiserliche Leibregiment in den Nonnenbusch, dessen Besitz den Polygonwald unmittelbar im Rücken bedrohte, an dessen Südrand 3. (und 2.) Garde schon Front nach Norden hatte. Nördlich der Chaussee, die den großen Herenthagewald durchquert und ein kleines Stück davon nach Norden abklemmt, stießen die Franzer die englische Vorderstellung vor sich nieder. Beide Regimenter hatten vorher freie Ebene durchzogen, viele blieben liegen, ehe man zum Ziele kam, nachdem man aus dem Halt Sprünge nach vorne wagte. Der Feind überschüttete das Vorfeld mit Geschossen jeder Art. Doch unverzagt stürzten auch hier die Grenadiere sich ins Walddickicht, an dessen nordwestlichem Ausgang Schloß (vom Dorf zu unterscheiden) Veldhoek lag. Wiederholt im Waldinnern abschwenkend, wann der Feind Flankenfeuer losließ, richteten die Franzer ihren Stoß gut ein, der endlich zum Stocken kam. Ein plötzlicher Rückschlag erfolgte. Als die Signalhörner die Aufspringenden zum Sturme riefen, dachten die Franzer nicht, daß sie auf so viel Drahthindernisse stoßen würden, die kein Faschinenmesser leicht durchhieb, von Granaten selten durchrissen und weggeräumt. Ihr Füsilierbataillon blieb vor Schloß Veldhoek unter Sumpf, Hecken, rasendem Feuer aus Fenstern, Flankengräben, Baumwipfeln liegen. Kühner Gegenstoß des 1. Bataillons rettete nur wenig Versprengte der vordersten Füsilierkompagnie, doch vermochte allgemeiner Vorstoß des erbosten Feindes die Franzer nicht zu sprengen. 1. G. setzte sich in der englischen Vorderstellung fest. Um 5 Uhr schlug Prinz Eitel, der sich unerschrocken benahm, einen gefährlichen Angriff ab, den besonders Liverpool Royals gegen die Innenflanke beider Regimenter richtete. Die englische Artillerie beschoß aus Versehen die eigenen Leute und der Feind war froh, die kühnen Stürmer in den Nonnenbusch zu bannen, aber eigenes Vorgehen mußte die Garde angeblich einstellen, so daß nach solcher Auffassung der berühmte Gardekampf ziemlich ergebnislos geblieben wäre. Das steht in Widerspruch zu englischen Berichten, wonach die Garde bis hinter die englischen Schanzen gelangte, was für Nonnenbusch schwerlich paßt. Wir glauben, daß am 12. die Garde aus dem Busch hervorbrach und bis ins Gehölz von Hooge gelangte, wo es dann freilich hieß: rückwärts, stolzer Cid! Da die Franzer in viel ungünstigerer Lage viel weniger verloren als 1. G., so kann letztere diesen großen Verlust wohl kaum bloß im Nonnenbusch sich zugezogen haben. Das vierseitige Waldgefecht stellte an die Garde große Anforderungen. Der Feind unterhielt ein mörderisches Feuer auch am Polygonwald, in dessen Südostzipfel die Gardejäger, nebst ihrer Maschinengewehrabteilung, den Württembergern überwiesen, beherzt eindrangen. Am Ostsaum entbrannte ein überaus blutiger Kampf, wo die Württemberger ihre Anstrengung vereinten, als wollten sie ärgerlich ihre notgedrungene Untätigkeit im Oktober wettmachen. Blockhäuser und Stacheldrähte des unheilvollen Waldes spotteten der hingebendsten Begeisterung. 246. R. schlug den Verlustrekord im blutigen Nebelmond. Umsonst erwiesen die Garden sich als echte Waldläufer, der aus Süden und Südwest umfaßte Wald hielt sich auch dann unversehrt. Die Verhältnisse änderten sich hier nicht bis Monatsende, auch nicht vor der Front der in Richtung Zonnebeke im Feuer liegenden Sachsen. Fügt man den ungeheuren Verlust der sechs Schwabenbataillone (3150) und den der Garde (2100) dem von 238., 239. R., 25. R. J. hinzu, so tobte der blutigste Kampf der Novemberschlacht von Veldhoek bis Zonnebeke. Das Ergebnis war gering, nicht einmal der Herenthagewald in seinem Hauptteil konnte erworben werden. Man stand im Wesentlichen da, von wo man am 10. vorrückte. Korps Carlowitz war zufrieden, seinen alten Posten wieder zu haben. Korps Hügel hatte sich mehr südlich verschoben, um Beseler Platz zum Einrücken in die Schlachtlinie zu verschaffen, und griff nochmals über Paschendaele an, konnte aber über unzerstörte Drahtverhaue nicht weiter und stellte jeden weiteren Vorstoß auf Zonnebeke ein. Dagegen tobte rechts von ihm zu beiden Seiten von Langemark ein von der G. St. Schr., die Paschendaele–Broodseinde ganz vernachlässigt, bevorzugter Kampf. Beseler hatte die ihm unterstellte Posener Div. Cornitz östlich Langemark auf St. Julien vorgehen lassen, offenbar über den Strombeekbach, sie geriet jedoch in Kreuzfeuer, vielleicht am Haanebeekbach von Höhe 56 her, wie wir aus Prüfung der Karte ableiten, und kehrte unverrichteter Sache am 12. heim nach Poel, sodaß Angriff östlich von Langemark sich untunlich erwies. 6. R. hatte ziemlich gelitten, ebenso die beigegebenen 5. Pioniere; dagegen blieben 7., 19. R. im Hintertreffen, auch dann als Beseler die Division aus seinem rechten Flügel abberief. Sie stand dort bis 25. bei Dreisbank (einen Punkt, den Teile der 46. R. Div. schon früh im Oktober erreichten), ohne etwas anzurichten. Beseler soll inzwischen angeblich mit der 6. R. Div. von Norden, mit der 5. von Westen Langemark angegriffen haben. Letztere mußte nach einigen Fortschritten den Vorstoß wieder einstellen, erstere lief tapfer an wie immer; links mit 26 R. an Poel gelehnt doch Langemark blieb unüberwindlich. Der Feind hatte dort ein frisches Korps (2. oder 20) versammelt, um seinerseits vorzubrechen, hatte also genügend Kräfte beisammen, als der Angriff ihn überraschte. Man bekam nur den magern Vorteil daß darob der feindliche Vorstoß unterblieb, der wohl ebenso erfolglos geworden wäre. Wir müssen hier wieder etwas Wasser in den Wein üppiger Einbildungskraft schütten. Denn der Begriff 5., 6. R. Div. ist gar nicht am Platze, auch standen deren anwesende Teile nicht mal einheitlich beisammen. 33. R. war nämlich nach Paschendaele entsendet, wo es den letzten Anlauf des Korps Hügel mitmachte, dessen dortiger Verlust hierdurch um 500 Mann steigt. Bei Poel stand nur 26. R. in heftigem Kampf schon bis 7., sodann mit seinem Ersatzbataillon bis 13., doch 24. R. und ein paar Kompagnien vom 35. R. verloren hier nur 100 Mann, somit stellt der ganze Angriff der 6. R. Div. sich als mythisch heraus. Immerhin mögen dort, nicht »westlich«, I/35. und 20. Inf. mitgefochten haben (770). Mit anderen Worten: von »6. R. D.« fochten hier ernstlich nur jene zugefügten andern Bestandteile, von deren Anwesenheit besonders für 20., 35. Inf. die amtliche Schrift überhaupt nichts weiß. Nicht mal seine Artillerie hatte Beseler mitgebracht, an deren Stelle die 51. R. Art. Kassel zwischen Poel und Paschendaele arbeitete und allein so viel einbüßte, wie die zwei obengenannten Reserveregimenter, die nur als Statisten figurierten. Ernster sah auch nicht der Vorstoß westlich Langemark aus, wo nur 12. R. zur Stelle war, überhaupt kaum eine Brigade der 5. Div., was hier noch weniger sagen will, weil 8. R. (nur 2 Batl.) nach Bixchoote entsendet. Übrigens stand I/35. Inf. zuletzt bei Ostnieukerke nordwestlich Poel nahe Westroosebeke, was leider andeutet, daß man bis über den Bahnhof nordwestlich der Kapelle zurückgeworfen wurde, wenn auch Poel selber vom Magdeburger 26. R. noch aufopfernd gehalten wurde. Wenn also bezüglich Gegenwart des ganzen 3. R. K., dessen andere Teile wir ja alle noch an der Yser trafen, bloß Unkenntnis besteht, so wird die Erfindungsgabe unerträglich, wenn man vernimmt: Die 44. R. Div. als rechter Flügel Beselers sei mit durchschlagendem Erfolg bis Het Sas südlich Bixchoote durchgestoßen. Darauf soll sich der Satz des Heeresberichts beziehen: »Westlich Langemark brachen junge deutsche Regimenter in die erste Linie des Feindes ein unter dem Gesang »Deutschland über Alles«. Das kommt von der pedantisch lächerlichen Geheimniskrämerei, mit der man alle näheren Angaben über fechtende Truppenteile vermied, als ob der oft nur zu gut unterrichtete Feind daraus etwas ihm Nützliches lernen könne. So wird natürlich jeder beliebigen Auslegung Tür und Tor geöffnet. Nun wohl, die 44. R. Div., von der wir 208. am gleichen Tage mächtig bei Dixmuiden kämpfen sehen, würde schon wegen ihres sonstigen Verlustes (365) sich am wenigsten zu heldenhaften weitem Vorstoß eignen, sie stand aber überhaupt nicht dort, noch hatte sie je etwas mit Het Sas zu schaffen, sondern westlich des Ypernkanals und bei Luhghem–Merkem mit den neuhinzugetretenen 17. R. J., 205., 207. bei Dreisbank, wo die 9. R. Div. sich in Reserve aufstellte. Stammt die rein aus der Luft gegriffene Verlegung bloß aus obiger Kundgebung des Heeresberichts? Müssen die Brandenburger alles allein getan haben, soll die 44. Div. nicht leer ausgehen, wo die 43. bei Dixmuiden angeblich allein ihren Sieg holte, hat man vielleicht vom Hörensagen, daß Teile der 44. sich großartig opferten und erdichtet nun, weil man in holder Ahnungslosigkeit nicht weiß, daß sich dies auf 208. bei Dixmuiden bezieht, eine ebenso blanke Unmöglichkeit? Auf diese Stachelfrage wird es wohl keine Antwort geben. Wir halten nicht etwa offen, sondern erklären bestimmt, daß es sich beim Vorgang »westlich Langemark« einfach um 215., 216. R. handelt, deren Niedersachsen und Friesen hier unter dem vaterländischen Gesang stürmten. Wir wären gewiß der Letzte, Brandenburgern ihren Ruhm zu mißgönnen, den sie schon überreichlich genießen, doch gerade deshalb ist man geneigt, sie überall zu vermuten, wo Hervorragendes geschieht. Wir sagen frank und frei: das 22. R. K., das später auch bei Lemberg und vor Verdun sich opferte, hat unter allen deutschen Korps den ersten Anspruch auf eine Ehrennische in der Regensburger Walhalla. Aber besser, wir bestreiten diesen Helden ein Verdienst, dessen sie nicht bedürfen, als daß man zwei sonst unbekannten braven Regimentern ihren Lorbeer entzieht und gerechten Groll erzeugt. Ob wir irren oder nicht, sie standen unbestreitbar bei Mangelaere und wenn »westlich Langemark« auch ein recht vager Begriff für Het Sas am Ypernkanal, so ist so weiter Vorstoß von Mangelaere aus immerhin denkbarer als gar von Merkem her und an sich nicht unmöglich, weil 213. R. des Korps Kleist bis Steenstrate vorstieß. Übrigens läuft Verlust von 205., 207. nur bis 10., 11. und der Vorstoß auf Steenstrate, identisch mit dem auf Het Sas, entfällt auf den 12. Ob man dort 1 168 (14 Off.) Gefangene machte, können wir nicht prüfen; 1 000 andere soll Korps Kleist erwischt haben. Bei allgemeinem Wirrwarr solcher amtlichen Angaben sind wir auch nicht sicher, ob der Mißerfolg des später bei Verdun bekanntgewordenen Generals Goretsky-Cornitz wirklich östlich Langemark erfolgte und Beseler ihn hinter der Front herum auf seine Rechte versetzte, eine Maßregel, die taktisch Bedenken erregt. Bei so gefährlichem Abenteuer hätte man sicher mehr als 700 verloren wie diese Division bis 12. Wir beanstanden es um so mehr, als die Listen hier nichts von St. Julien, sondern nur von Poel, Dreisbank, Bixschoote sagen. In dieser Gegend standen auch Teile des 161. Rheinischen, während Bataillone vom 25., 29. Rgt. vielleicht am Yserkanal südlich Dixmuiden die Lücke füllten. Korps Kleist hatte zunächst Erfolg, errang die Höhenwelle südwestlich Bixschoote am Ypernkanal, trat dann gegen Nordschoote nordwestlich an und säuberte so den ganzen Ostrand des Kanals. Trümmer und Tiefenkessel Bixschootes jetzt mutig durchschreitend, jagte man am 11. den Feind bis Het Sas–Steenstrate, wobei 213. die Spitze nahm, wohl in Verbindung mit 215., 216. Inzwischen hatten 209., 210., 212. Nordschoote genommen, den großen Kanal erreicht und überschritten. »Eine Brigade 45. Div. und schwache Teile der 46.« ist jedenfalls ungenau, die 46. war jetzt vereint in Gegend Bixschoote nebst 8. R., von dem jedoch ein Teil, wie wir sahen, bei Mannekensvaere an der Yser stand. Die bei Merkem–Nordschoote vereinten Teile Kleists und Teile 44. R. Div. sollten die Kanallinie am Westrand aufrollen und Ypern im Rücken fassen. Da zeigte sich, daß die Überschwemmung auch dorthin übergriff. Eine peinliche Überraschung, die auch für später üble Folgen hatte. Die geplante Umgehungsbewegung unterblieb daher. Wenn Beselers Befehlskreis von Poel bis Dreisbank reichte, so gab es dort weder Erfolg noch großen Verlust (Gesamteinbuße 3. R. K. 2 650, zumeist bei 26. R. inkl. 35. R. bei Paschendaele), man focht wesentlich nur bis 13. abends, die Posener Division (rund 1700 inkl. Pioniere) war noch 17. bis 21. bei Dreisbank etwas im Feuer, ging dann in Richtung Bixschoote vor, wobei 6. R. erheblich litt, die anderen Teile noch minder als früher. Mit 24., 25. P. bei Mangelaere und 205., 207. bei Dreisbank als Lückenfüller kostete Beselers Unternehmungen noch nicht 5000. Wesentliches kam nicht dabei heraus, man band nur bedeutende feindliche Streitkräfte und hinderte sie, bei Steenstrate zu unterstützen. Joffre dürfte jedoch seine neugekommenen Verstärkungen mehr östlich angesetzt haben, sodaß Beseler schwerlich auf besondere Übermacht stieß, dafür aber auf Stellungen, die selbst Brandenburger nicht nehmen konnten. Inkl. Ers. Batl. vom 26. hat Beseler nebst 9. R. Div. nur 21 Batl. bei Langemark ins Feuer gebracht, denn 24. R. mit 60 Mann Verlust blieb doch sicher in Reserve und 8., 35. R. waren außerhalb entsendet. Man sollte also von diesem Kampf kein Wesens machen, dagegen erregt Aufsehen der Vorstoß vom 215., 216. R., ersteres hatte freilich seinen Hauptverlust schon früher, aber wir sind überzeugt, daß sie hier den Ausschlag gaben. Unstreitig errangen 211., 213., 214., 215., 216. hier einen großen Erfolg, unterstützt vom 8. R. und Teilen 24. P. sowie der opferwillig eingesetzten Mecklenburger 46. R. Art. Der heftigste Kampf dauerte hier bis 13. fort, wobei 211. ungemein litt; am 17. trat Abdämpfung ein, dann offenbar Zurückfluten bis 25., wo 214. sich bis Langewade zurückzog, dann erfolgte am 27. nochmaliger Angriff, an dem 6., 7. R. teilnahmen, sodaß wahrscheinlich 800 ihres Verlustes hierher entfallen, und vielleicht auch ein Rheinisches Bataillon 161. Gesamteinbuße 4700, ohne den großen angeblich früheren Verlust vom 215. zu rechnen. Wir sind in der Lage zu unterscheiden, daß 211., 213. bis 9. nur 670, dann bis 17. fast 1300 verloren. 211. machte späteren Kampf nicht mehr mit, auf den wahrscheinlich noch 1160 (170 vom 214.) inkl. Posener und Rheinländer entfallen, sodaß inkl. 216. die ersten Novemberkämpfe bei Bixschoote–Mangelaere etwa 1900, das Hauptringen vom 10. bis 17. nahezu 2650 kostete. Das Ergebnis war Rückzug und dann wieder Vorgehen, Geländegewinn zuletzt ziemlich Null, Steenstrate und Het Sas blieben den Franzosen. Wir können die Tatsachen nicht anders lesen. Übrigens mag 205. R. von Dreisbank her am letzten Angriff teilgenommen haben mit dem kolossalen Verlust von – 75 Mann. Wer immer »westlich Langemark« singend in den Tod ging, Brandenburger Freiwillige waren es sicher nicht. 207., 205., 17. R. J. fochten bei Merkem westlich des Kanals neben 209., 210., 212. bei Grachten, 835 Gesamtverlust. Das Gefecht war glücklich, man vertrieb den Feind aus Nordschoote, vielleicht mengten auch zwei Rheinische Bataillone sich scharmützelnd an den Kanalrändern ein. Man stieß hier wohl immer noch auf fr. 38. Div. Bei Monatsende gab der Feind den Punkt, der einst Bixschoote war, endgültig preis; am 14. wurde die durch Versehen der Ablösungsabteilungen verlassene Bodenwelle südwestlich Bixschoote aus eigenem Antrieb der erzürnten Mannschaften ohne Befehl zurückerobert. Manchmal reizt Ärger zu Heldentaten. Das war alles schön, man mag auch im ganzen 2600 Gefangene am Nordflügel erwischt haben, das Territorialkorps befand sich in übelster Verfassung, aber damit kam man der feindlichen Hauptstellung um keinen Schritt näher. Nur die jetzt gesicherte Behauptung der Kanalstrecke von Nordschoote bis westlich Bixschoote war unleugbarer Gewinn. Geradeso stand es auf der Ostfront, die seit 17. zum Sappenangriff überging. Im allgemeinen nahm hier der Hauptverlust seit 13. ein Ende, obschon hier und da einige Reibung stattfand. Deutscherseits hört man ungern von der zweiten Monatshälfte, weil hier nichts Günstiges zu berichten scheint und die Angriffswelle zeitweilig etwas zurückebbte. Sobald unsere Front sich durch Abzüge ganzer Divisionen schwächte, raffte sich der Feind an einigen Stellen zu neuen Angriffen auf, die wüst und wild daherrasten und alles überfluten wollten, aber allmählich verschäumten. Jeder beiderseits geplante Schlag blieb auf verschlammtem Boden sozusagen im Dreck stecken, Ausführung blieb aus. Nur darf man sich nicht anstellen, als ob alles beim Alten geblieben sei, wie es am 11. abends aussah. Französischer Bericht verlegt nach Broodseinde nochmaligen schweren Kampf, erst nach langem Hin- und Herwogen wurde auch unser Besitz von Becelaere nochmals außer Frage gestellt. Daß zu Neujahr alle genommenen Punkte fest in deutschen Händen blieben, ist wohl sicher. Doch die feindliche Hauptstellung Langemark–Zonnebeke–Polygonwald– Hooge–Zillebeke blieb unberührt; die Garde behauptete schwerlich den Nonnenbusch, weil der Polygonwald nicht anzubeißen war und von Hooge her die englische Artillerie ihre Feuerwellen ergoß. Dagegen gelang es der Garde am 14. den ganzen Herenthagewald zu säubern und im gleichnamigen Schloß eine Menge englischer Riflemen (Scharfschützen) abzukneifen. (Möglichenfalls griff hier 2. G. ein). Haighs 1. Div. die Blüte englischer Armee, befand sich jetzt in gleichem Zustand wie die 7., nichts als Schlacke. Während Herzog Albrecht seinem Heer bei stürmischem Regenwetter Ruhe gönnte, riß Fabeck immer noch die Initiative an sich. Am Südflügel gibt zwar unser Artillerieverlust (318) einen Begriff von der Heftigkeit des Zweikampfs mit den Kemmelbergbatterien, doch hatten die Bayern verhältnismäßig wenig zu leiden, die Hessen noch weniger. Letztere rüsteten sich schon zum Abzug, der wohl spätestens am 15. begann, denn 118. R. hatte nur Verlust bis 13., die andern Regimenter litten noch viel weniger, mit Ausnahme von 168. das vorerst noch hier zurückblieb. Hier aber ist bezeichnend, daß es bis 12. nur 100 Wann verlor, später fast tausend! Die Schlacht währte hier bis Monatsende fort, doch hatten freilich nur 2., 168. sowie 17. R. noch ansehnlichen Verlust. Ententebericht spricht noch den 19. als kritischen Tag erster Güte an. Am 17. stellte Albrecht jeden Bewegungskrieg ein, nur Pioniere mit Minenlegern und Batterien hatten das Wort, doch trug Deimlings Linke am gleichen Tage einen hübschen Vorteil davon, besonders als die hannoversche 77., 78. Inf. mit frischer Kraft den Sturmbock weiterschoben. Die neugebildete ihm gegebene provisorische Div. Hofmann (77., 78. Inf., 73., 74. R,) begann aber tatsächlich den Angriff am 19. nicht am 17., wie die stets ungenaue G. St. Schr. sagt, die Hannoveraner fochten bis 26. (die Reservebrigade kam nur zum Ferngefecht) und verloren immerhin 1 125, jedenfalls ein Beweis, daß der Kampf nicht abriß. 99., 143. und das ins Bayerngefecht sich einmischende 138. steigerten bis Monatsende ihren Gesamtverlust auf über 3 000. Die Hauptstellung mit starkgebauten Blockhäusern, Schanzgräben, Unterständen im Zwartelenwald niederzwingend, konnten die Deutschen gleichwohl noch lange nicht Gr. Zillebeke erreichen. Der Wytschaeter Park fiel endlich am 13., bayrische Reserveregimenter schmetterten einen Gegenstoß kräftig nieder. Der Feind hatte in dieser Gegend stets ungewöhnliche Verluste, doch die der Pommern waren auch nicht gering. Der Ellenbogenraum erweiterte sich immer mehr, die 168. Kurhessen eroberten ein Gehöft samt einer Batterie und vier Maschinengewehren und warfen drei französische Regimenter, ein Vorfall, den die G. St. Schr. auf den 11. verlegt, was durch den minimalen Verlust des 168. bis 12. widerlegt wird. Es dürfte am 19. geschehen sein und ist lehrreich, daß das 168. jetzt 445, doch bis Monatsende nochmals 530 verlor: schlagender Beweis für stete Fortdauer des Kampfes an diesem Brennpunkt. Wir beharren stets auf unserm Standpunkt der Logik und scheren uns keinen Deut um offizielle Geschichtsklitterung. Im Grunde hatten beide Parteien sich abgekämpft, doch der Feind verschaffte sich neuen Kraftzuwachs und scheint das Wäldchen westlich Hollebeke zurückgenommen zu haben. Indessen war man seit 20. so weit, fortlaufende Höhenlinie gegenüber Kemmelberg in die Hand zu bekommen, aus der unsere Artillerie jede feindliche Angriffsbewegung niederhielt. Die Bayern blieben später erneut Meister nach Nordwesten und scheinen sogar Dickebusch mit Handgranaten beworfen zu haben. Der erschöpfte Feind ließ zu, daß die Deutschen endlich ihre unvollkommenen nassen Gräben flicken und mit Draht umgaben, Ruhebedürftige rückwärts behagliche Quartiere suchten. Der Gesundheitszustand war kein guter, Grundwasser zwang oft die armen jungen Freiwilligen, in freiem Feld deckungslos der Kanonade zu trotzen. Wenn auch manche Muttersöhnchen, Helden beim Sturm, über so viel Mühsal weinend nach Mutter riefen, so fluchten und jammerten auch wetterharte englische Veteranen herzbeweglich. Die Stacheldrahtfelder vor Ypern rötete noch viel Blut, bis Maisonne sie und siegausstrahlende deutsche Bajonette beschien. Bis dahin zerriß den Nebelvorhang nie mehr das Brüllen einer Hauptschlacht, wo bei Nachtangriffen gespenstiger Feuerschein die Luft färbte, weil das Heidegestrüpp, mit Petroleum begossen und angezündet, um den Stürmern die Bahn zu weisen, ein grell unheimliches Licht verbreitete. Lange tönte nicht mehr das »Deutschland über alles«, mit dem todesmutige Freiwilligenscharen sich verewigten. Das Anstimmen der Nationalhymne beim Sturm war hier so allgemein, daß britische Berichterstatter genau das gleiche wie für Langemark für Dixmuiden melden. Unter »Gesang und Hörnerklang« gingen die Sturmharste der Freiwilligenkorps allenthalben mit unübertrefflicher Unerschrockenheit dem Feinde an den Leib. Wo immer aber die englischen Vettern auf ihre engeren Verwandten, die Niedersachsen und Friesen der »Wasserkante«, stießen, da wurde ihnen zu Gemüt geführt, woher sie selber ihre kostbaren Eigenschaften unbeugsamen Willenstrotzes erbten, als die altdeutschen Worte Hengist und Horse (horse – Roß) die Herzoge ihrer Altvordern zierten. Ermattung bis Februar. Trotz einzelner kräftiger Kampfmomente sogar im Elsaß trat längs der ganzen Front eine Ruhepause ein, was sich deutlich in nur 45 000 Verl. bis Mitte Januar offenbart, während die Presse phantasierte, Dezember sei der blutigste Monat gewesen. Unablässiger Landregen lockerte den trügerisch morastigen Boden. Grundwasser stieg, die Insassen der beiderseitigen Gräben duldeten Unsägliches. Wassergüsse durchweichten die ohnehin wässrige Tiefebene, daß kein Einbuddeln mehr half, die jungen Freiwilligen schutzlos dem Sturmwind und Geschützorkan preisgegeben lagen. Doch nach englischer Schilderung litten die Tommies in ihren von Unsauberkeit strotzenden Gräben noch grausamer, weil sie, dem Kanal näher, noch mehr Grundwasser faßten. Ja, das helle Sonntagswetter des letzten Oktobertages, das mit Glockengeläut eine neue erhebende Schlacht eröffnete, kam nicht wieder. Damals war das englische Feuer aus Drahtfeldern und Trümmerhaufen erschreckend, heut schlugen nur selten Schiffsgranaten vom Kemmel auf hartgefrorenen Schlamm, denn Frost begann früh, der Winter war da. Jede Partei besserte an ihren unvollendeten oder zerstörten Gräben, in denen man zu überwintern sich anschickte, man brauchte beiderseits nicht vorbrechende Schützenschwärme unter Schuß zu nehmen. Die mit Wickelgamaschen praktisch ausgerüsteten Briten, an Feuchtigkeit ihres Inselklimas, nicht an schneidende Kälte gewöhnt, fluchten nicht wenig. Die Südfranzosen erst recht und gar erst die Schwarzen. Die Lazarette überfüllten sich bei den Alliierten sicher noch mehr als bei den germanischen Nordländern. Um den unerträglichen Stillstand unter so aufreibenden Umständen zu vermeiden und den Bann der Einkreisung zu brechen, schwatzte man den Tommys vor, die bloody Germans siechten dahin. Doch Ausfälle am 19. Dezember und am Weihnachtsfeste genossen einen so heißen Empfang, daß man lieber in eiskalte Gräben heimkehrte. Seit Neujahr begannen Wolkenbrüche, orkanartige Gewitter rüttelten an allen Einschanzungen, die Lys bekam Hochwasserstand mit 800 Meter Breite. So stockte »die blutigste Schlacht der Weltgeschichte«, wie die Briten dekretierten. Nach dem Ton ihrer Prahlberichte eigentlich nur von ihnen geschlagen, während die Bundesgenossen die Hauptlast trugen. Die Franzosen bereiteten auch gehässige Neujahrsgrüße, man lehnte solche Festlichkeit gebührend ab, während Äroplane am 10. Januar der Festung Dünkirchen ein Geschenk von 50 zündenden Explosionsbomben verabreichten. Attentate verbündeter Flieger auf Luftschiffhallen und U-Boot-Depot Zeebrügge versetzten in Alarm, doch nicht in Schrecken bei mäßiger Wirkung. Das deutsche Publikum erwartete täglich Yperns Fall, das noch nie wieder ein deutscher Fuß betrat. Umgekehrt reizten die offiziellen Beschönigungen Joffres nachher die Londoner und Pariser zu Spott und Lachen, da man täglich Aufhören der »Belagerung« voraussetzte. Doch die Deutschen zogen so wenig ab als die Verbündeten, bis Kriegsende floß immer neues Blut in diese klebrige Erde. Uns will bedünken, daß jedes Wecken und Einbürgern falscher Vorstellungen im Kriege schadet, getäuschte Hoffnung gerinnt zu ärgerlichem Mißtrauen. Beide Parteien erfanden sich einen Sieg, weil sie eine Niederlage vermieden. Im Dezember schob sich die Lage so zurecht, um Abfluß vieler Teile nach anderen Schlachtfeldern zu gestalten. Stetes Gehen und Kommen von Kräften. Was hat es für einen Zweck zu verwischen, daß der Kampf bis Neujahr nicht abriß! Die V. L. stufen es chronologisch ab. Unser geringer Verlust bis Mitte Januar lehrt, daß eben dem Feind der Atem ausging. Der famose Oberst Repington schrieb: »Unsere Offiziere und Mannschaften sind schrecklich gelichtet, die Deutschen haben zwar 20 000 Tote, doch sind immer noch zahlreicher als wir.« Man sei nicht im Stande regelmäßigen Ersatz zu bekommen. Hört! Hört! Wären die Deutschen zahlreicher gewesen, so sollte er lieber als Grund dafür auf die übervollen Grabhügel der Verbündeten blicken. Der deutsche Ring schmolz aber immer mehr, bald ging außer der 3., 4., 26. D., 25. R. D., auch das 3. R. K. nach Osten, die rheinischen Regimenter nach dem Elsaß. Bei 52. D. trat 142. badische, bei 46. D. das 89. Rgt. als Auffüllung ein. Das war alles, zuletzt blieb von der ganzen Herrlichkeit prächtiger Massenentfaltung nur ein Schatten übrig. French meldete offiziell 88 000 Verl. von August bis Neujahr, doch man hielt ihm vor, dies sei viel zu niedrig. Bei der absichtlichen Unvollständigkeit der amtlichen Listen ergänzte die Presse auf eigene Hand den Offiziersverlust, Geständnisse von Wissenden ergaben 20 000 Tote im Oktober, 24 000 im November und eine Weihnachtsbescherung von ferneren 3000. 47 000 Tote multipliziert mit je 4 Verwundeten liefern rund 235 000. Beim Unterschlagen aller französischen Listen bleibt man auf die zugestandene Ziffer von 20 000 verlorenen Offizieren angewiesen, tatsächlich gesteht man heute 340 000 Tote bis Neujahr, was 1 360 000 Verwundeten entspricht. Jedenfalls verlor die Entente bis Neujahr inkl. 100 000 Belgier seit Kriegsbeginn nicht unter 2 Millionen inkl. Gefangene. Die Ypernschlacht endete sozusagen zu beiderseitigem Nachteil, doch wird offenbar, daß Foch-French nur mit schwerer Mühe ihr Ypern-Rondel bewahrten. Sie hüteten es nur aus Prestigegründen und lockerten doch nie den pressenden Eisenring. Man hielt sie in eisernen Schrauben und als im schönen Monat Mai die Reifen nicht sprangen, sondern noch enger einklammerten, dachten sie da nie daran, daß wir in Ypern sein konnten, ehe sie sichs versahen, bis der Rückzug einen Stich ins Beresinahafte bekam? Selbst wenn Abschneidung mißlang, konnten sie dann nur ein kampfunfähiges Heer zur Lys retten. Soll man solche Zuversicht hochachten oder belächeln? Was berechtigte zu solch unbegreiflichem Selbstgefühl nach so trüber Erfahrung? Joffre nahm Einsicht in diese Schöpfung seiner Dichtkunst und siehe da, sie war sehr gut nach seiner sehr unmaßgeblichen Meinung. Wiegte er sich in der Hoffnung, seine kriegsgehärteten Scharen würden mit milizartigen Gebilden fertig werden? Da sah er sich bitter getäuscht. Kannte er die Deutschen nicht endlich genug, daß er in des Teufels Küche saß, wenn der Ring in seinem Rücken sich schloß? Wohin der Rückzug, den man durch die Überschwemmungen mehr schädigte als schützte? Doch wir zerbrechen uns nutzlos den wirren Kopf der Herren, denn der Erfolg gab ihnen ja recht, sie hielten Ypern, obschon es nach Bericht kühler englischer Offiziere 3 Jahre lang eine Hölle wurde, wo jede Woche Tausende wegfraß. Im Frühjahr schaufelte die frische kanadische Division sich hier selber ihr Grab, kaum daß sie kam. Nach Frenchs eigener Klage liegt Englands Veteranenheer im Yperngraben, es wurde ein verlorener Posten, wo sich von Halbjahr zu Halbjahr riesige Opfer summierten. Nur sich nicht als überwunden bekennen! Solcher Starrsinn wird verbrecherisch, wenn er mit dem Leben von Hunderttausenden spielt. Man kann den Briten Achtung nicht versagen, die sich hier in Massen töten ließen wie bei Waterloo. Nein, tapferer, denn der Waterloomut ist eine Legende, über die Wellingtons eigene Bitterkeit und das Manuskript des Rittmeisters Hamilton das Nötige sagen. Gern werden wir der stolzen Standhaftigkeit gerecht, mit der die Briten hier Jahr für Jahr den Todesregen über sich ergehen ließen, wohl aber verwerfen wir den frivolen Leichtsinn ihrer eingebildeten Führer, die mit unbekümmertem Vabanque das Dasein ihres braven Heeres aufs Spiel setzten. Dachten sie: Kommen wir erst hier ins Gleiten, so gibts kein Halten mehr bis Calais, schlimmer als es schon ist, kann es nicht werden? Manchmal ist Torheit Instinktklugheit, begreife wer mag des Schicksals Unberechenbarkeit! Wollte Deutschland den Krieg gewinnen, mußte es bis Ende Oktober geschehen. Hernach verstrich die Gnadenfrist, die Hindenburgs erstes Zerbrechen der russischen Dampfwalze gewährte. Zwar errang man zuletzt trotz Österreichs Schwäche den Vollsieg im Osten, doch im Westen, wo man leichtes Spiel zu haben glaubte, ging alles schief trotz günstiger Anfangschancen. Wegen besonderer Unfähigkeit der O. H. L. oder gar irgendwelcher Fähigkeit der gegnerischen? Nein, nach Schicksalsbeschluß gegen ein verzopftes System voll pedantischer Marotten. Etwas mehr Beständigkeit und die Marneschlacht wurde ein Entscheidungssieg unseres unbesiegbaren Heeres, d. h. der Truppen. Etwas mehr Einsicht und die letzten Strahlen der scheidenden Oktobersonne beschienen einen Entscheidungssieg bei Ypern, ehe Kitchener seine Milizmassen ins Rollen brachte. Glück? Als es spöttisch vorbeihuschte und damit die letzte Hoffnung auf schnellen Erfolg, wie wir ihn brauchten, da kicherte es den alten Römerspruch: Nur den (geistiq) Kühnen hilft das Glück! Ergänzende Anmerkungen. Erst nach Drucklegung lasen wir »Reichsarchiv, Grenzschlachten«. Das amtliche Werk gesteht ausdrücklich, daß »einwandfreie« Verlustangaben nicht möglich seien. Nun, wir halten uns eben an die V. L. Danach ist z. B. unmöglich, daß 34. Brig. bei Lüttich »30 Off., 1150« verlor; offenbar sind Einbußen bei Tirlemont und Nebeneinbuße 9. K. überhaupt einbezogen. Daß 14. Brig. bis zur Karthouse zum Stillstand kam, wird zugegeben, dabei aber an unbehindertem Einzug festgehalten. Daß Leman kampflos die Maasbrücken räumte, wäre aber unverständlich, wenn nicht ein Hauptteil 34. Brig. dauernd in Lüttich blieb und später 27., 11. und teilweise 38. Brig. eindrangen. Den minimalen Verlust der 14. Brig. ermittelten wir chronologisch nach den Listen, daher bleibt mehr als unwahrscheinlich, daß sie irgendwie entscheidend auftrat. Ungenauigkeit der ersten Verlustlisten ohne Zeit- und Ortdaten stiftet notwendig Unklarheit, man muß sich aber auf die innere Logik der Verhältnisse verlassen. Bei unserer Bewunderung des Feldherrn Ludendorff wären wir die Letzten, ihm ein Blatt seines Lorbeers zu rauben; doch Bülows trockene Angabe, daß Ludendorff am 8. in Aachen persönlich einen halben Mißerfolg meldete, genügt für Richtigstellung der Legende, daß er und Emmich zuerst in Lüttich gemeinsam kampflos einzogen. Wenn ferner die Aachener 25er nachher die Stadt besetzten, so gewiß nur mit Teilen, denn sie besetzten zuerst Luxemburg und stießen nachher zum 8. K. in den Ardennen, ihre kleine V. L. Mitte August kann sich nur darauf beziehen. Nun versicherte aber damaliger amtlicher Protest gegen wahnwitzige Übertreibungen, daß der Lüttichkampf nur etwa 2000 kostete, dies stimmt genau zu unserer Abschätzung aus den V. L. Es kommt also nicht darauf an, ob wir möglichenfalls übertreiben und die Episode Ludendorff-Emmich in gewissem, beschränkten Sinne stattfand, sondern daß die amtliche Darstellung nach den Umständen unglaubhaft erscheint und nicht nur 34., sondern auch 27., 11., 38. Brig. am meisten zur Einnahme der Stadt beitrugen. Beiläufig soll Reitergeneral Bulow von eigener Hand gefallen sein, nicht durch Heckenschützen, was neuer Beweis wäre, daß manches nicht Erwähnte vorfiel. Eine spätere V. L. des 27. Rgts. bezieht sich chronologisch schwerlich auf Lüttich, auch so aber würde 14. Brig. keinerlei »schweren Verlust« gehabt haben. Leman aber könnte unmöglich geglaubt haben, er müsse Zitadelle und Brücken den Deutschen überlassen, wenn nur Auftreten der 14. Brig. ihn dazu bewog. Das Haelengefecht führte wesentlich Garnier, gegen dessen Attackenbefehl sich Graf Schimmelmann sträubte, womit durchschimmert, daß nicht blinde Sturmritte dort ungewöhnliche Opfer kosteten. Daß bei Tirlemont nur 18. D. ernstlich focht, ist nach den hier deutlicheren V. L. falsch, nach welchen auch nirgends erwähnte Teilgefechte der Brandenburger seit 13. die Getta entlang liefen, sowohl bei 3. K. als 3. R. K. und sogar schon L. W. Teile mitfochten. – 10. R. K. führte bei Charleroi anfangs Graf Kirchbach, der aber gleich verwundet austrat. Es stimmt wohl kaum, daß 2. G. R. D. (»Garde« nur insofern, als General Süßkind und sein Stab aus Gardekreisen stammte) allein am rechten Flügel die Suppe ausaß, wohl aber verspätete 19. R. D. sich dreimal. Am linken Flügel blieb 1. G. D. zu lang, außer Spiel; französische Darstellung über großen Verlust 1. G. Rgts. dürfte aber zutreffen, er trat schwerlich bei St. Quentin ein. Ein Skandal war's, daß 2. G. D. am 23. aufs Nordufer zurück sollte zum Unmut des Generals Gontard nach dessen eigenem Bericht. Der Korpschef Plettenberg, ein diensteifriger, aber nervöser Herr, widerrief dann freilich noch an der Brücke seine Schwäche. »Unsere Operation war sehr kühn« schrieb Lauenstein; ihn und Bülow würden wir an der Marne nicht wieder erkennen, wenn eben nicht auch an der Sambre ihnen Schwächeanfälle zustießen. Bülows Ansinnen an Hausen, ihm bei Mettet zu helfen, beeinflußte dessen Dinant-Zögern und zu späte Verfolgung. – French will am 24. nur 2600, am 25. nur 1600 verloren haben, um so unglaubhafter, als er für Cateau 7812 zugesteht. Kluck verdankte den relativen Erfolg nur Armin, dem er für 23. Rast gebot, der aber unaufhaltsam weiterstrebte, obschon am 26. seine voraufeilenden 72er in Schwierigkeit gerieten. Fortdauernd hielt sich Kluck weit hinter der Front auf. Zwischen den Zeilen verurteilt »Reichsarchiv« all seine Maßnahmen , auch Marrwitz' wenig zweckentsprechendes Verhalten. Darf man vorhersehen, daß es auch unsere Verdammung der Amiens- und Ourcqmanöver billigt? Bezüglich Namur halten wir aufrecht, daß zwar Handstreiche einiger Gardekompagnien, worüber ja Einzelnotizen bekannt, doch keine größeren Stürme bei 3. G. D., 11. K. stattfanden. Keine V. L. im August sprechen dafür, im September nur für Ostpreußen, an bloßen Nachtrag für Namur ist dabei nicht zu denken (außer vielleicht für 56 Köpfe 11. K.), auch so aber würden nie 990 Verl. herauskommen. So besteht wenigstens kein Zweifel, daß die nirgends dafür erwähnten 4 hannoverschen Bataillone, die »Namur« in der Liste tragen, dabei mitgezählt und möglichenfalls 15. R., das gleichfalls »Namur« angibt, sowie Art. und mitwirkende 24., 25. P. Stand 11. K. auf Südseite, so konnte die Garnison nicht entkommen. Inkl. 14. (wahrscheinlich auch 13.) R. D. bedurfte man 5 Einschließungsdivisionen? Dann müßte man solche Kraftvergeudung bitter tadeln, unsere Auffassung dient also zur Entlastung Bülows. Wir beharren dabei, daß G. R. K. und 11. K. nur mit den Spitzen bis Namur gelangten, dagegen 13. R. D., wo Harbou schon am 21. fiel, schon früh vor Namur rückte, da sie gleich darauf vor Maubeuge erschien. In all solchen Fällen kann nur logische Divination den Aktennebel zerstreuen. Wenn wir uns täuschten, so trüge Verworrenheit der Vorgänge daran die Schuld. Jeder Kriegsgeschichtskenner weiß, wie sehr Tatsachen oft künstlich verwischt werden. »Reichsarchiv« arbeitet durchweg großzügig summarisch ohne Eingehen auf Einzelheiten, geschweige denn mit unserer mühevollen Genauigkeit. Dies geht so weit, daß es über ernsten blutigen Belgiervorstoß Ende August mit ein paar nichtssagenden Worten weggeht. Selten befinden wir uns mit ihm einig bei Stärkeangaben. In der Anlage zählt es 9. R. K. und 5 Ers. Batl. bei 1. A. nicht mit, die doch seit 24. fochten, die Reiterk. werden nicht auf die Heere verteilt, wodurch erst die richtige Stärke herauskommt. Zwar fehlten anfangs je 1 Batl. von 17., 30., 69., 23., 51., 94. R.; wir beachteten dies gewissenhaft, doch trafen die Bataillone später richtig ein, vor allem ist fehlerhaft, bei Tabelle für 21. August die L. W. wegzulassen, die seit langem überall mitfocht, anscheinend auch bei 3. A. (Gefecht bei Ch. Porcien). Daß 120 Batl. Klucks am 22. vorrückten, ist deshalb falsch, weil 4. R. K. erst am 26. in der Linie war, andererseits 5 Jg. Batl. fehlen, die richtige Ziffer also 101 beträgt. Am 24. wirkten höchstens 52 deutsche gegen angeblich 52 engl. Batl., wenn letztere Schätzung nicht ohnehin der Sollstärke jeder engl. D. widerspräche. Seit 26. treten im ganzen 100 Terr. Batl. hinzu. Hätte obige Tabelle Sinn, fiele sie vernichtend gegen Kluck aus, der seine anfänglich verwendbare Übermacht so schlecht benutzte. Auch Bülow hatte bei Charleroi wahrlich nicht 137 Batl., da G. R. K., 7. R. K. wegfielen. Offenbar schätzt R. Arch. jede franz. R. D. nicht zu 18 Batl., obschon sie die bei Dinant ganz richtig zu 17 rechnet, und vergißt 8 überzählige Chasseurbatl. des 1., 3., 10., 18. K., ferner focht auch Langles R. D. Choquet anfangs gegen Hausen. Wie darf man daher 205 Batl. Franzosen und Belgier gegen 2., 3. A. rechnen, es waren 240 (24 belg.). Auch 3., 4. franz. A. sind um 83, 1., 2. A. um 86 Batl. zu niedrig gerechnet. R. Arch. führt die Erzählung nur bis 27., die seit 25. tobende Sedanschlacht zeichnet sich nicht in ihrer Schwere ab. Übermäßiger Optimismus bei O. H. L., wo Oberst Tappen klassisch prophezeite »In 6 Wochen alles erledigt«, entsprach Herzog Albrechts Zuversicht, die später vielem Zagen und Zaudern Platz machte. Beim Kronprinzen, der im Gegensatz zu andern Heerführern sich direkt in die Front begab, soll Mudras Irrung, dem ausdrücklichen Befehl zum Standhalten zuwiderhandelnd, durch Mißverständnis eines Ordonanzoffiziers entstanden sein – als ob dies Mudras Mangel an Überblick entschuldigte. Des Kronprinzen Erlebnisbuch verbirgt seinen Unmut nur unter höflichen Komplimenten für Mudras »hervorragende« Eigenschaften, die wir ja für September anerkennen. Man darf uns auch hier nicht zu schroffen Tadels zeihen. In allen Meldungen Sarrails heißt seine Lage »besorgniserregend«; wie konnte Maunoury gegen energisches Nachdrängen Mudras einwirken, zumal Franke am 24. selber schon dessen Flanke bedrohte. Bei Mühlhausen wirkte angeblich 44. franz. D. nicht mit, doch heißt es ausdrücklich, Bonneau sei aus Belfort verstärkt worden. Sonst wäre wenig ehrenvoll, wenn auf ihn unser ganzes 14., 15. K. fielen. Für 14. K. bleibt es unbedingt bei unserer knappen Aufzählung (wesentlich 58., 84. Brig.), für 15. kam außer den von uns genannten (Oberst des 105. fiel) vielleicht noch 99., 143. ins Feuer, doch im ganzen sicher nur Teile 60., 61., 85. Brig. Die V. L. 132. paßt chronologisch nur zum 19. Da außerdem noch L. W. mitfocht, so hätten wir große Übermacht gehabt ohne entsprechenden Vollerfolg. Wie stimmt dies zur stürmischen Bravour der Truppen und im Vergleich zu Longwy und Charleroi? Hält man daran fest, ganzes 14., 15. K. sei am 7. versammelt gewesen, in krassem Widerspruch zur noch nicht Versammlung aller andern Heere, so möchte man wieder die Führung retten. Daß am 19. L. W. allein 2300 verlor (Aktivgruppe mit 1500 wird übergangen, als habe nur L. W. einen »Ruhmestag« gehabt), scheint ebenso übertrieben wie, daß man bei Lagarde volle 2300 Gef. machte oder daß 2. b. K. im August ¾ des Fußvolks einbüßte, höchstens 7000. – Wie in Charleroi und Longuyon, beteiligten sich auch in den Vogesen die Einwohner hinterhältig am Kampf, die Bergwege waren so schlecht, daß 19. Ers. D. gleich 2000 Marode verlor. Dies beachte man für zu langsamen Fortschritt von 26. R. D., 30. b. und Ers. D., die wiederholt Unfälle erlitten. Vielleicht kommt Deimling bei uns etwas zu kurz, dessen starkes blutiges Ringen den Badensern Auflesen von 48. franz. Geschützen ermöglichte und selbst am 26. gegen französischen Vorstoß bei Badonviller 2 Batterien eroberte. Oberst Tappen überrascht heut damit, Moltke selber habe Umgruppierung nach Westen mißbilligt, ganz im Sinne unserer Kritik – warum fiel er dann doch in selbstgegrabene Falle? Wieder unheilvoller Einfluß von Kluck-Bülow? Bezüglich Sachsen der Marneschlacht sei dahingestellt, ob Fehlen von Bataillonen und Regimentern genau so vorlag, wie wir behaupten, doch sind wir sicher, daß bedeutende Teile zwischen Reims und Sommesous zurückblieben. Überstürzte Zerteilung zeigte sich schon darin, daß zunächst 48. Brig. angriff, später links davon 89., zwischen beide 47. sich einschob, 88. aber mit 104. Rgt. die äußerste Rechte zur Verbindung mit 23. D. bildete (Liste »Sommepuis«, nur dort dafür möglicher übergroßer Verlust), somit 24., 40. D. durcheinandergemengt: 89., 47., 48., 88. Brig. Für Planitz' 28., 64. Art. entdeckten wir keinen bestimmten angemessenen Verlust, daher ist wahrscheinlich, daß 32. Art. der 40. D. im Vorbeizug über Sommesous angehalten wurde, und auch der Leipziger Teil der 19. F. A., alle in der Nähe befindlichen Batterien, um gegen Eydoux' Geschützoberhand zu decken. Daß von letzteren nur je 3 Batterien litten, scheint Neubeweis für Nichtversammlung. Überhaupt sehen wir Widersprüchen gegen unsere Angaben um so gelassener entgegen, als auch amtliche Gliederung der R. K. unsicher bleibt. Denn 26. R. focht anscheinend bis Oktober beim 4. R. K., gehörte erst dann zum 3. R. K., anscheinend marschierten 26., 66. R. zusammen nach Stade. Dem 9. R. K. fehlte freilich 89. R. (im Osten), doch 85. R. dürfte später nachgekommen sein. Beim 7. R. K. befand sich 39. R. bald entsendet im Westen, 159. J. muß sich aber schon bei Reimser Schlacht der 13. D. angeschlossen haben, denn es focht zweifellos mit ihr im November. Zwehl verfügte also nur über 6 Rgt., wofür L. W. eintrat; im September kamen offenbar nur »bei Reims« 16., 57. R. zum Schlagen, anfangs getrennt von Zwehl; ihr Verlust wäre sonst viel zu groß im Vergleich zu 13., 53., 56. R. Es dürfte schwer halten, unsere Ermittelung zu widerlegen, daß Zwehls schwache Kräfte seit Beginn des eigentlichen Craonnekampfes schon Deimling zur Seite hatten, und das allein ist der springende Punkt der Streitfrage. Der treffliche General Schwarte erklärt, 14. D. habe ein Dorf (nahe bei Mondemont) besetzt, was Bülows Angabe entspricht, 14. D. sei in eine Lücke neben der Garde eingerückt. Beweist dies ihren ernsten Kampf und zwar vollzählig? Kam ein erheblicher Teil ihres Verlustes auf die Marneschlacht, so wäre ihr Verlust bei Reims viel zu gering für ihre dortige Tatkraft, die höchste Anerkennung verdient. Jede Wahrscheinlichkeit spricht für unsere Auffassung. – 2. b. Jg. litten am 31. Oktober besonders an Offizieren, so daß der Bataillonsadjutant das Kommando übernahm, der aber auch in Privatpolemik gegen uns behauptet, die ganze 4. D. habe schon damals gefochten und besonders 9. Rgt. »auf Höhen westlich Zandvorde«. Peinliches Dilemma, 9. verzeichnet nämlich nur Dezember verlust, die chronologische Reihenfolge müßte also ausnahmsweise falsch sein; gleiches trifft auch für Rgt. Augusta und 248. R. zu und deren Verlust könnte also wegen plötzlicher Nachlässigkeit der sonst so sicheren Listen auf November entfallen. Aber was sagt die Schlachtstatistik dazu? Wenn 4. pomm. D. im November unzweifelhaft so wenig litt, wie könnte dann daneben Augusta schwer gelitten haben? Wenn 9. bayr. nahe Zandvorde schon Ende Oktober focht, warum sagt dies sonst kein Bericht? Daß 2. Jg. tatsächlich am 31. Oktober so litten, bezeugt doch klar genug ihre Vorhut-Isolierung. Möglich, daß 2. b. K. sich am 31. meist im Aufmarsch befand, doch sein heißer Kampf ist unmöglich aus den von uns erbrachten Gründen und wäre wenig ehrenvoll, da ihm schlechterdings nur schwache Posten gegenüber gestanden haben können. Desgleichen: hätten 246., 247. R. im Oktober eingegriffen, so wäre es ein Skandal, daß 1., 7. engl. D. so lange sich hielten und vordrängten. Möglich ist nur, daß diese Württemberger – auch 248. R. behauptet dies – im Anmarsch begriffen, einige Schützenschwärme vorschoben. Irrig mag sein, daß wir den großen Verlust 244. R. nur auf November verlegen; konform den V. L., doch sicher bleibt, daß der eigentliche blutigste Broodseinde-Becelaere-Kampf erst vom 1.–8. November tobte. – Über die Stabschefs der Heere läßt sich nichts Abschließendes äußern. Der durch tüchtige Schriften bekanntgewordene Kuhl befindet sich in Abwehrstellung für Kluck, an dessen Fehlern er doch wohl ein vollgerüttelt Maß trägt. Indessen anscheinend beim Ourcqrückzug schwer überredet, wo Kluck selber entschied im Gegensatz zur Autowegfahrt! Prinz Rupprecht besaß einen ebenso vorzüglichen Fachmann in Krafft v. Delmensingen. Einem Stabschef Herzog Albrechts werden Mängel nachgesagt, was wir nicht beurteilen können, Bülows Lauenstein erwies sich als etwas problematische Natur von gemischten Eigenschaften zwischen kränklicher Bänglichkeit und gutem Mut. Beim Kronprinzen schlich eine Krise umher, die erst vor Verdun ihren Abschluß fand; er konnte sich mit dem sehr angesehenen Stabschef Knobelsdorff nicht leicht verständigen. Beim großen Führertalent des Kronprinzen dürfte er so wohl meist richtig geurteilt haben, wie dies für Verdunschlacht bewiesen, doch scheint der vielangefeindete Knobelsdorff oft unternehmend und scharfsinnig gewesen. Den Vorwurf übermäßiger Schärfe lehnen wir ab. So galt z. B. Herzog Albrecht als besonders tüchtig und liegt uns fern, seine Entschlossenheit bei Neufchâteau, wo er persönlich eingriff, und Ypern zu verkennen, wohl aber versagt er zwischen Maas und Ornain und verbiß sich bei Ypern in unfruchtbare Nordkämpfe. Unsere hohe Meinung von Linsingen darf uns nicht abhalten, seine Leistung bei Ypern und Lodz zu bemängeln. Andererseits sind wir gleich bei der Hand, Kluck zu loben, wo er es bei Noyon verdient, erst recht Bülow bei St. Quentin und Reims. In der Armee selber blieb das Urteil über die Armeechefs ungefestigt. Während der energische Morgen und Feldherr Linsingen nicht gebührend in den Vordergrund treten, und indem Gallwitz (man sagt: ein tafelliebender Herr) und gar Eichhorn ungebührlich beweihräuchert. Deimlings gekränktem Ehrgeiz darf man heute nichts vorwerfen, denn er hätte ebenso gut Armeechef spielen dürfen wie mancher andere. Nur wegen Erkrankung Eichhorns erhielt Kronprinz Wilhelm die 5. A., also keineswegs aus dynastischen Gründen, ihm gab es ein glücklicherer Zufall. Sein Verdienst ins rechte Licht zu stellen, war uns besondere Aufgabe, zumal seine vornehme Bescheidenheit nie die Ansprüche erhob, die ihm zukamen. Daß uns dabei wahrlich kein byzanthinisches (allerdings patriotisches) Gefühl leitet, brauchen wir nicht versichern. Wenn wir den kindischen Nimbus des »großen Kluck« zerstören, so muß man es, wo persönliche Motive ganz ausgeschlossen, uns zu gute halten, angesichts des unberechenbaren, angerichteten Schadens. Da er schon nach 3 Monden für immer abtrat, schien ihm nie mehr versöhnende Sonne nach strategischer Umnachtung, das mag man bedauern, doch das Vaterland hat sich nur mit Ingrimm der Folgen zu erinnern. Historische Kritik richtet sich nie gegen die Privatperson, sondern deren geistige Mißbräuche. Sonst dürften blamierte Generale noch gar zum Kadi laufen, wie man einst dem Hauptmann Hoenig die Uniform aberkannte, weil er sich wegen wissenschaftlicher Kritik nicht duellieren wollte. Noch 1806 begünstigte der König jede objektive Rüge gegen unfähige Generale; heute möchte man als geschlossene Klasse jede öffentliche Beurteilung schadhafter Heerführer ablehnen. Vermutlich gilt auch jede Antastung eines berühmten Rivalen von Hindenburg und Ludendorff im Osten als Sakrileg und doch erlaubten sich Unberufene, Ludendorffs rechtes unermeßliches Verdienst in den Staub zu treten. Wir sind nicht unfehlbar. Sind unsere Divinationen falsch, so widerlege man sie gründlich mit der Feder. Man wird sich aber höchstens bemühen, durch Neben- von Hauptsachen abzulenken. Waren z  B. 2., 3., 4. K. am Grand Morin, so täuschten uns die V. L. Ändert dies etwa daran, daß kampflose Loslösung dann unmöglich, wenn man schon so weit südlich stand? Und wenn so, war angeblicher Vorbeimarsch an Paris nicht grobe Gehorsamsverweigerung gegen Moltke und Rückmarsch ein grober taktischer Fehler mit Zeit- und Kraftverschwendung, war denn nicht vielmehr Losschlagen am Morin geboten? Wir handeln also eher in Klucks Interesse, wenn wir diese Legenden für Spiegelfechterei erklären. Ist unsere Ausstellung falsch, daß der Feind nicht am 9. abends oder 10. früh die nördliche Marne überschritt, entschuldigt dies bei vorhandener Deckung durch Kav. K. 5. D. 34., 25. Br. den sinnlosen Rückzug Klucks? Selbst wenn wir im Einzelnen Irrtümer begingen, was wir nicht glauben, bleibt im Endergebnis der Kritik alles beim Alten. Kluck und im höheren Sinn ein von äußeren Erfolg begleiteter Matador im Osten mögen persönlich die vortrefflichen Kriegsmänner sein, deshalb aber noch keine Feldherrn! Sie ließen sich den Scheinlorbeer gefallen, daher dürfen wir ihn zerzausen, wie es sogar das R. Arch. am »berühmten« Bülow tat. Wir tun einfach unsere Pflicht als vaterländischer Historiker.