Sophie Haemmerli-Marti Mis Chindli   Mit einem Vorworte von Prof. Dr. Jost Winteler (1846–1929) Erstausgabe 1896   Digitalisat der 5. Auflage von 1926, erschienen bei «Verlag von Rascher \& Cie. A.-G.» Neu gesetzt durch Robin Schwab Vorwort Ohne Frage ist die neuhochdeutsche Schriftsprache gegenwärtig bestrebt, sich ein höheres Mass von Einheitlichkeit, weltmännischem Schliff und Geschmeidigkeit anzueignen. Es versteht sich das aus der in den politischen Verhältnissen liegenden Anforderung an sie, womöglich nicht bloss, wie bisher, eine Sprache für Dichter und Denker zu sein, sondern eine solche für den Weltverkehr zu werden. Sie sucht nachzuholen, was ihr das französische Idiom seit den Zeiten Richelieus vorgetan hat und was vor mehr als hundert Jahren die Gottschede und Wielande nur beginnen, unmöglich auch schon vollenden konnten. Die Berechtigung solcher Bestrebungen bestreiten, hiesse die Gegenwart gründlich missverstehen. Aber an derselben Gegenwart auf französischem Gebiete, wo umgekehrt die Sprache ihr höfisches Gewand jetzt abzustreifen trachtet, können wir auch lernen, dass die Richtung auf Glätte, Salonfähigkeit, Witz und Glanz des Ausdrucks ihre Gefahren birgt und zur Einseitigkeit führt. Die deutsche Sprache hat viel zu viel Anlage für Innerlichkeit, Natürlichkeit und Eigenart, als dass sie ohne Schaden für das, was den Kern ihres Wesens und ihren Beruf ausmacht, es vertrüge, nur in jener Richtung gefördert zu werden. Zu Gottscheds Zeiten traten Schweizer jener Gefahr entgegen, und die besten literarischen Kräfte ihres Zeitalters scharten sich um sie. Auch heute dürfte es vor allem wieder die Aufgabe der deutschen Schweiz sein, der hochdeutschen Sprache Charakterfestigkeit, schlicht treuherziges Wesen und gemütliche Innigkeit in der Farbengebung der Stammesart zu wahren. Die Kraft zu solcher Mission schöpft die Schweiz allezeit aus ihrer kerngesunden Entwicklung und deren Spiegelbild, ihrer Mundart. Diese echt und selbständig erhalten, heisst daher auch, dem wohlverstandenen Interesse des Hochdeutschen dienen, und darf nicht als eine diesem feindselige Bewegung missdeutet werden, auch wenn die Gegensätzlichkeit zu andern Bestrebungen nicht immer zu vermeiden sein sollte. Ich habe in einem Vortrage zunächst zu Handen der aargauischen Lehrerschaft Nur die Brugger Neujahrsblätter gaben bisher einige Nummern von ihr, die auch in der vorliegenden Sammlung enthalten sind. diesen Gedanken unlängst Ausdruck gegeben. Dadurch auf die tiefere Bedeutung ihres stillen, fast heimlichen Schaffens Ueber Volkslied und Mundart. Verlag vou Karl Henckell \& Co., Zürich 1896. aufmerksam gemacht, hat die mir vorher unbekannte Verfasserin des vorliegenden Zyklus von mundartlichen Liedern sich an mich gewandt und ihn meinem Urteil unterbreitet. Ich stehe nicht an, hier öffentlich zu sagen, dass diese kleinen humorvollen Gedichte mir geeignet erscheinen, jenem höhern Gedanken in ihrer Art vorzüglich zu dienen. Wir haben eine reiche mundartliche Literatur, aber gerade deren poetischer Teil leidet durchweg sehr an zu starker Anlehnung ans Schriftdeutsche. Unsere mundartlichen Dichter vergreifen sich meist im Stoff, in Stil und Diktion und in der Versifikation. Es ist schwer, gut mundartlich zu schreiben, doppelt schwer in gebundener Form. Diese schwierige Aufgabe hat unsere Verfasserin meines Erachtens gut gelöst. Ich zweifle nicht, dass zahlreiche junge Mütter in dieser eigenartigen und treffenden Schilderung eines Mutterglücks mit Genugtuung ihre innersten und heimseligsten Empfindungen wiedererkennen werden. Und solchen Gebieten der Seelenwelt als Organ zu dienen, das ist die ureigenste Aufgabe der Mundart, unsrer schweizer-deutschen Mundart weit vor allen anderen. Denn sie hat viel südliches Blut in sich, und dieses südliche Blut empfindet – man sage dagegen, was man sagen mag – feinsinniger, schalkhafter und graziöser in allem, was das Gefühlsleben angeht. Wer daran zweifelt, vergleiche doch einmal die Texte der Kinder-, Tanz- und Volkslieder Süddeutschlands und der Schweiz mit denen Norddeutschlands! – Hier ist also gerade der Punkt, wo wir einzusetzen haben, um die Virtuosität unsrer Mundart zur Geltung zu bringen und – indirekt auch dem Hochdeutschen zu nützen. Unsre Mütter sind ja in erster Linie die Hüterinnen unsrer «Muttersprache», das heisst in der Schweiz unsres Idioms. Mögen dieselben an der hiemit gebotenen Gabe auch für ihren sprachlichgeschichtlichen Beruf Anregung und Stärkung gewinnen! Aarau, im November 1896 Dr. J. Winteler Ufe Wäg Vill Schöns und Guets gits uf der Wält Und jedem mues mers lo: De freut en Helge, dise 's Gält, Eis luegt de Stärne no, Und mänge reist mit Müei und Not Wo fröndi Länder sind Mir gfallt halt nüt so, früe und spot, Wi eusers lieb lieb Chind. I sueche-n i der neue Seel, Und luege si z' verstoh, Bald findi wenig, mängisch vill. Gohts euch nid au eso? Ihr Müetterli im ganze Land, Jung, alt, arm oder rich, Euch längi allne hüt mi Hand: Mir händs jo alli glich! Und wener ghöre, was mis Chind Tuet tribe Tag und Nacht, So lächled denn und säged gschwind: Jo, mis hets au so gmacht! Wiegechind Wiegechind Do lits as wines Roseblatt, Mis Chindli, chli und fin. Us sine blaue-n Äuglene Glänzt luter Sunneschin. Es het no nüt so wichtigs z' tue, Isch müslistill und frei, Und lost uf Tön wo niemer ghört As nume-n es elei. Jez streckts di runde Händli uf Und dreiht si här und he: «Gänd achtig», seit 's Grosmüetterli, «'s cha drin sis Bildli gseh!» Der erscht Spaziergang Am erschte warme Früeligstag Wo cho isch übernacht, Do hani mit mim liebe Chind Der erscht Spaziergang gmacht. Potztusig wi macht d' Wält e Gstat Im heitergrüene Rock! Es nieders Eschtli treit sis Bluescht Und jede Haselstock. «Gott grüess di», pfifts vom Lindebaum Und usem Schlehehag, Vill Geissegiseli stöhnd parat Und rüefe Guetetag. Du liebi, schöni Maiewält, Wi hesch mi du hüt gfreut! D'Sunne het eusers Chindli g'chüsst, Und Säge-n uf is gstreut. Muetterfreud Kei Freud dunkt mi schöner, Keis Glück eso gross, As wenn i cha wiege Mis Chindli im Schoos. As wenn 's mer tuet ligge So lind und so warm, Wines Öpfelbaumblüeschtli So früsch i mim Arm. I bricht em und sing em Und drückes a d' Bruscht: Jez ghörts halt nomine Und niemerem suscht! Taufi Du schneewisses Chindli Wines Blüeschtli gsehscht us. Bald lüte-n jez d' Glogge, Denn treitdi di Gotte Zum Gartetor us. Du schneewisses Chindli So lieb und so chli: Ame Sundig im Maie Ziehmmer schön i der Reihe Dur d' Chilegass i. Du schneewisses Chindli Blib immer so früsch! Gang im Liebgott etgäge Uf all dine Wäge Wi d' hüt gange bisch. 's erscht Trändli 's erscht Trändli hani hüt mim Chind Vom liebe-n Äugli g'chüsst; Es lächlet, vo sim chline Schmärz Hets weidli nüt meh gwüsst. «Das bringt em Glück», het 's Grosi gseit. Ich aber wett nid meh, As dass der jede Chumber chönnt Wi hüt das Trändli neh! Erwache Lueg, eusers Chindli verwachet, Ribt sini Äugli und lachet, Gugget n'om Müetterli us: «Jo, mis lieb Härzli, i chume, Mach mer keis Düreli nume, Gsehsch jo, i goh der nid drus! Bluttmüsli Chömed au und lueged gschwind Eusers tusigwätters Chind, Wi-se-si cha rode: 's Lintuech, d' Dechi, alles furt, D' Windle, d' Strümpfli und de Gurt Brägle-n ufe Bode. Und jez wird das Lumpegschirr Vo der Freud fascht z' hindefür, Weiht mit alle Viere, Chreiht haupthöchlige derzue: So, jez isches aber gnue, Tue di au schiniere! Zfride Lueged au do eusem Chindli zue: Gnagets bim Wätter nid a sim Schue! Spöter, do setts denn scho Zucker si, Aber so zfride wirds nümme derbi. Plange Mitem chline Händli Gablets nochem Pfänndli, Büschelet sis Müli, Grümselet, bhüetis trüli! Mit den Auge gluschtets, Mitem Züngli chuschtets, Zablet mit de Beine, Fallt schier us der Zeine. Alls, wo d nume bruchscht, mi Schatz, Het im Gütterli inne Platz. 's Liebscht Was meineder, was isch mim Chind, Am liebschte-n uf der Ärde? He, s Müetterli, dänkt jedes gschwind: Jo, chausch mer gstole wärde! Nei, s liebscht, wo s nume dänke cha, Isch ihm es süesses Schöppli. Sper s Müli uf, du muesch jo ha Bis gnueg, du hungerigs Chröttli! Chuderwältsch Langi, schöni, liebi Gschichte Tuet is eusers Chindli brichte, s goht as wi am Redli gspunne, s het si keis Minütli bsunne, s weis die gheimschte Wundersache, s macht is z briegge fascht und z lache, D Sunne lost durs Pfeischter zue: Ihr verstöhnds, das isch jo gnue! De Tröschter Ufem Bank und underem Tisch Lueged, wo de Nüggi isch! Oder het se no im Bett? Wenn i de verlüre sett, Säged, was müesst ich afo! O gottlob, do isch-er jo! Gispel Noch allem tuets gable, Noch allem tuets zable Und macht, bis s es het: Du Gispel, du Gaspel, Du ebige Haspel Marsch mit der is Bett. Gvätterle Lueged au dert, eusers Schätzli Gvätterlet mit-eme Blätzli, Schnufet derzue wines Bärli: Hesches so wichtig, du Närli? Errot Es isch so wiss wi Hälfebei, Es isch so hert as wine Stei, Es gügglet zumene Müli us, En Lärme gits im ganze Hus Und jedes wott das Wunder gseh. Was meineder, was hets do gge? D Grossmuetter schlot vor Freud i d Händ: «Nei lueged, eusers Chind het Zänd!» Flattierbüsi Flattiere cha mis Meiteli Mer wird so weich wi Anke. s cha niemer heusche so wi-n es Und keis so härzig danke: «Es Ärfeli, es Drückeli, Es Liebeli, es guets, Es Äli und zwöi Schmützeli » «Es tuets es tuets es tuets!» Im Bad Lueged wine grosse Fisch Do im Wasser inne-n isch, Winer gablet, winer schwablet Und mit alle Viere zablet! Flotsche chaner, nid zum Gspass, Macht is alle tropfetnass, Chreiht und juchset frei dernäbe, Mage gwüss schier nümm ebhebe. Und schwer ischer, guet zäh Pfund, Arm und Beindli chugelerund. Aber s bade macht em Durscht: Use mit dem läbige Burscht! So gross «Wi gross isch s Chindli?» «So gross». Es höcklet uf miner Schoos, Streckt d Ärmli so wit as s cha, Es meint si, mer gseht ems a. «Mach: bitti, bitti, mis Chind!» Es tätschlet i d Händli gschwind, Und luegt mi gar chündig a, s möcht uf der Stell öppis ha. Wink mitem Füschtli: «chumm chumm» Wi schint das alles so dumm, Und doch chanis nie gnue gseh: s isch d Liebi, was wänder meh! Mim Chind sini Äugli Mim Chind sini Äugli Sind blau wi de See, So heiter und luter, Mer cha-si drin gseh. Und wemmer wett luege Was alles drin wer, So fund mer kei Bode: s isch teuf wines Meer. Bald schints drus wi Sunne Bald tröpfelets lis: Halb isches scho d Ärde, Halb no s Paredis. Maiebluescht Wi schint is hüt d Sunne So heiter und warm! I gohne dur d Matte Mis Chind ufem Arm. Es luegt ganz verstunet Is Öpfelbluescht ue, Ghört d Imbeli surre Und juchset derzue. Jez streckts sini Ärmli, Alles alles wetts ha: D Bäum, d Blueme, de Himel Mit de Wülklene dra! Sunnechind Wer tuet so fin fin mole Wis zRom kei Künschtler cha? Das isch im Früelig d Sunne! Chum längt si s Chindli a So hets em roti Bäggli Und guldigi Hörli gmacht, Und wärchet anem ume Vom Morge früe bis znacht. Es gspürt si Himelsmuetter Und stunet zuenere-n ue: Si git em s Härz voll Sunne s het siner Läbtig gnue. Im Traum Mis Chindli lächlet im Schlof. Es gseht halt im schlofe, im wache No luter fründligi Sache, Kei Chumber plogets, kei Strof. De Mon luegt zum Pfeischterli i: Er schmützlets uf d Stirne-n und d Auge, Am Morge, do wird s denn glaube En Ängel seig binem gsi. Was dänkt s Was dänkt ächt eusers Chindli Wenns still im Bettli isch, Und wenns tuet umeschnogge, Und gvätterle hinderem Tisch? Was goht im Chöpfli inne? Mer wärde s woll verneh Wenn s denn emol cha rede. Das wird es Gwaschel ge! Lehre laufe Chumm au, mis Schätzeli gschwind, s mues der nid förchte, mis Chind! Lueg, wi d eleigge chascht stoh! Nume-n en Alauf jez gno: Eis zwöi drü fall mer nid um, Meiteli, tue nid so dumm, Weidli mach no en Schritt: Gsehsch jo du chausches, wenn d witt! Es Wunder Mängs Chimli lit no zobe do Ganz still und tuet kei Schnuf, Um Morge chunt e Sunnestrahl Und weckts zum Läbe-n uf, Und was im Bode gschlofe het Und gläge isch wi tod, Das streckt di grüene Blettli us Und s Chröndli wiss und rot: So isch es Wunder jezig gscheh Am Chindli übernacht, Und het i siner chline Seel En ganze Früelig gmacht. Der erscht Schritt Der erscht Schritt eleigge, Der erscht Schritt durs Land, Wi tuet mer druf plange, Jez wills mer fascht bange, Und i geb der gärn d Hand. Der erscht Schritt is Läbe De hesch jez scho to. Wi lang wirds no dure So ziescht us de Mure Und mer luegeder no! Wer isches? Es trämpelet uf de Steine Mit chline dicke Beine, Es häderet übers Hübeli Und rugelet wines Chübeli, Es waschlet alles durenand, Bringt Stei und Blüemli i der Hand, Denn wider lit s ganz ful im Gras: Erroted, wer isch das? Muetterli I weis mer schier nid z' hälfe Vor luter Glück und Freud: Hüt het mer eusers Chindli s erscht Mol de Name gseit! Wenn Ängel tete singe, Es chönt nid schöner si, As wenns vom chline Müli s erscht Mol tönt: «Muetterli!» De Sunnestrahl I d' Stube chunt e Sunnestrahl Und tanzet a der Wand. Gschwind juchset s Chind und längt derno Mit siner chline Hand. Doch d Sunne lot si nid lo foh, Si zwitzeret hin und här, Und s Chindli luegt ere trurig no Und s Händli blibt em leer. s goht eusereim pretzis wi dir, Wer s Läbe kennt, verstohts: Grad was am allerischönschte wer, Wenn ds alängscht, so vergohts. Chuderwältsch Zwöi chlini Beindli zäberle Dur d Stube-n uf und ab, Es chlises Müli däderlet As wines Mülirad: Das waschlet und guschlet, s chunt niemer meh z schlag, Das gablet und juflet De ganz lieb lang Tag! E sones chrotte Trämpeli Het gwüss no niemer gseh: Du Chuderwältsch, du Stämpfeli, Tuet s Müli nonig weh? Sundigmorge I weis nid eb i wache, I weis nid ischs en Traum: Tuet scho s Bufinkli rätschle Duss ufem Birebaum? Es tönt so fin und lislig Wi useme frönde Land Dur euse Sundigmorge Vo äne-n a der Wand. s git nume-n eis uf Ärde Wo sones Stimmli het: Dert singt sis Morgeliedli Mis Chindli i sim Bett. Herr Maie Du liebe Herr Maie, Du machsch is vill Freud, Hesch is s Wägli und d Matte Voll Chriesibluescht gstreut. Hesch d Sunne lo schine Übers Fäld und durs Hus, Staffierscht jeden Egge Mit Viöndlene us. Und d Hase und d Rehli Händs au scho verno, De Gugger heigs gschroue: De Maie seig cho! Es schloft Mit rote Bägglene schloft mis Chind, Und sini Hörli falle lind Uf d Stirne-n über d Auge. Es schnufet lis. I glaube, De Schlof mues heilig si. So schloft im Winter Wald und Fäld, So schloft en ganzi neui Wält. Inwändig aber wibt und schafft Lislig e neui, fröndi Chraft, Denn stoht de Früelig do. Mit rote Bägglene schlof, mis Chind, Will d Zite no zum schlofe sind. Du lächlisch, ghörsch gwüss Himelstön. Isch d Nacht so gsägnet, o wi schön Mues erscht de Morge si! Schlofliedli Schlof, schlof, Wiegechind. Dusse goht e chüele Wind, Aber warm hämmirs do inne: s Grosi tuet am Ofe spinne, s Müetti singt es Lied derzue: «Schlof, mis Chind, tue d Auge zue!» Schlof, schlof, Chindli mi, Chönnti allewil bider si, Chönnt di vorem Böse hüete, Chönnt der jedes Leid vergüete, Jezig und dur älli Zit, Muetterliebi längt jo wit! Schlof, schlof, Wiegechind, Dusse goht e chüele Wind, Risst is Blueme-n ab und d Bletter: Bhüet di Gott vor Wind und Wätter! Sunnig mues dis Läbe si. Schlof, mis Chindli, schlof jez i. I d' Schuel De Schuelsack a Rügge, En Öpfel i d Hand, Es früsch glettets Scheubeli, En gsunde Verstand, So reiset mis Chindli Luschtig dervo, Und loht mi eleigge. Wi wird s em ächt go? Liedli Mis Ditti Mis Ditti heisst Lisi, Het sidigi Hoor, Es roserots Röckli Und es Scheubeli dervor. Het Äugli wi Chralle, Und schneewissi Zänd, Het Bäggli wi Rösli Und munzigi Händ. Jez setzis a Bode Und lueges rächt a: Mis Ditti, mis Schätzli, Muesch es Schmützeli ha! 's Züpfli Juhe, i hanes Züpfli, Es Züpfli, erscht sid hüt! Es stoht mer bolzgrad ufem Chopf, Jez säg mer niemer chline Chnopf, Das isch jez nümme nüt! En Lätsch vo blauer Side, De bindt mer s Müetti dra! Er fäcklet uf bi jedem Schritt: I goh zum Ditteli dermit, Das wird e Meinig ha! 's Loch im Sack O je i hanes Loch im Sack! Was mues i ächt au mache? Wo tueni jez de Grümpel hi Und mini schöne Sache? I ha probiert und gchnüpft all Wäg, s will eifach nid verhebe. Wenn s amen Ort verwirflet isch So chrachets scho dernäbe. Jez gohni zum Grosmüetti ue Und will si goge froge, Die büezt mer gwüss de Bumpel zue Mit ihrer dicke Nodle. Ungfell O heie, mis Ditti, du arme Tropf, Wo hesch jez di guldgäl Chruselchopf? Do lit er am Bode, und isch verheit. Worum hesch nid gfolget? I ha ders gseit! Jez bisch halt e Schärb und keis Ditti meh. De Chopf wachst der nümme, du wirsches gseh. Troscht Mis Muetterli het briegget, Und i weis nid worum. Es sitzt und luegt zum Pfeischter us, Und gseht doch nume s Nochbers Hus, Und chehrt si gar nid um. I ha si zert und g müedet: «Nu, Müetti, lueg mi a » Es battet nüt do chunts mer z Sinn: Alls libermänts im Täschli inn, Das mues mis Müetti ha. I schleikes weidli füre: En Öpfel, schön und gross, Zwo Nüss, en Stei mit Chatzeguld: Gottlob, si lachet, i bi gschuld, Und nimmt mi gschwind uf d Schoos. 's Vatterli Es git doch im Läbe Kei schöneri Stund, As wenn wider zobe Mis Vatterli chunt! Er isch halt en liebe, Er isch euse Schatz, Und uf sine Chneune Isch mir de liebscht Platz. Denn tuenem flattiere Und luegene-n a, Und s Müetti chunt zuenis Will au öppis ha. Geburtstag Juhe, en Gugelhupf Het s Müetti bache! Drü Liechtli brünne druff Woni verwache. Es wisses Scheubeli, s Glöggli zum lüte, Roti Pantöffeli Was het s z bidüte? De Chueche Hüt bini früe verwachet I weis halt scho worum, Und ha verstole glachet Und ggüggelet zringselum: Schmöckts ächt no nüt vom Chueche Wo s Müetti bache het? I düssele zu der Türe s chunt öpper, gschwind is Bett! Obestärn Grosmüetterli im Himel, Wi hani di so gärn! All Obe wenns tuet dunkle Und fürchunt Stärn um Stärn, So suechi mir von allne De schönscht und heiterscht us, Er glitzeret us de Wulke Grad über eusem Hus. Er stoht für mi eleigge Dert obe uf der Wacht. Denn rüefi lislig ufe: «Grosmüetterli, guetnacht!» Kunterfei Amerei heb 's Chöpfli uf, Lass di Nodle trole! Lueg mi a und tue kei Schnuf, Will dis Portret mole: Schneewissi Hömmlisbruscht, Gfältleti Jüppe, Gstrichleti Scheube druff, Gschäggeti Züpfe, Hornigi Brülle, rumpfigs Gsicht, Rügge wine Stange, Gschwind für d Nase no ne Strich Au, das git en lange! D' Neiheri Müetti fädle d Nodle-n i Es pressiert erschröckli, s mues bis zobe fertig si Mis neu Dittiröckli. Gschwind es Fingerhüetli här Und es Fäckli Side, Und di roschtig Raggerischeer, As i s Züg cha schnide. Bändeli, Chnöpf und Rüscheli dra Vomene rote Blätzli: Lueged jez mis Ditti a, Isches nid es Schätzli? Neui Schue Hüt bini so froh, so froh, I chas gar nid säge! Neui Schüeli hani jo, Höckle-n uf der Stäge, Luege wie di gäle Chnöpf A der Sunne glänze, Und di lange Bändelzöpf Näenabe schwänzle. Jetz marschieri überue, Nime Schritt grossmächtig: O, di schöne neue Schue Girpse-n au so prächtig! Es Brüederli Alli Chinde, woni kenne, Händ es Brüederli übercho. Wenn i au so eis chönnt gschweige, Das müesst aber luschtig go: Wettem luege, wettem singe, Wettem mini Sache ge, Wetts im Wägeli umestosse, Wett em s Muetterli verseh. Und wenn s goss wer und chönnt springe Giengemer zäme uf und drus: s isch en Storch derhär cho flüge, Het en Boge gmacht ums Hus! Storeheini Store Storeheini Mit dine lange Beine, Will der cho es Liedli singe As d mer tuesch es Brüederli bringe, Wott der go ge Zucker streue, Wott es wisses Hömmeli neihe, Wott es Bettli härestelle, s Bäppli rüere mitem Chelle, Wott es Läufterli offe lo As d chausch hübscheli inecho. Mi Grossätti Grosvatter, Grosätti Mitem schneewisse Bart Mit der dopplete Brülle Goht mit mer uf d Fahrt. Er nimmt mi uf d Achsle, I rüefe «Trab trab», Denn gumpe mer d Stube Duruf und durab. Er tuet mi nid balge, Er tuet mi nid schlo, Und hätti gärn öppis, So seit er: «Jo, jo!» Und alles isch rächt, Was sis Meiteli tuet. Jo, bi mim Grosätti, Do hanis halt guet! Jäger Wer weiss mer es Gschichtli, Git s öppe hüt keis? O liebe Grosvatter Verzell mer doch eis. Vo Hase-n und Füchse, Vo Marder und Reh, Vo böse Wildsäune Und Ferte-n im Schnee! Und wenni denn gross bi, Darfi mit-der is Holz, Ufem tupfete Schimel, Graduf wine Bolz! De Hansli Mohr De bescht Bueb, wo mer finde cha, Im schwarze Chruselhoor, De wohnt bis Nochbers änedra Und heisst de Hansli Mohr. Am Morge, wenni ufcho bi So stoht er scho am Hag, Er lachet mitem ganze Gsicht Und rüeft mer Guetetag. Und immer het er i de Hand Es Gschänkli, wo mir freut: En Bluem, es Helgeli, en Stei Wi Silber drüber gstreut. Er het kei rächte Blätz am Lib, Nid Schue und Strümpf, s isch wohr, Doch s bescht Chind uf der ganze Wält Das isch mi Hansli Mohr! Barri De Barri, de Barri Springt hindermer no, Er isch euse Wächter s git keine eso. Cha bälle-n und gumpe Wi z hindefür, Und znacht tuet er schlofe Vor miner Tür, Het glänzigi Auge, Es Fäll wine Leu, Het vier Bei zum springe, Und ich nume zwöi. De Chemifäger De Chemifäger isch im Hus, Das git mer jez es Wäse! Er butzt is alli Öfe-n us Mit sim verstrupfte Bäse! Im Chemi obe singt er eis, Und pfift, de luschtig Fäger, Und wener obenabe chunt, So glänzt er wine Neger. Jetz goht er witer um es Hus, Schwänkt s Bäseli wine Flagge. Doch eusi Chöchi, s isch en Grus, Het ganz e schwarze Bagge! 's Schutzängeli De lieb Gott heig den Änglene gseit So hani grad verno, Si sele gschwind Zu jedem Chind Uf d Ärde-n abe goh. Si sele luege Tag und Nacht, As keim chönn öppis gscheh, Doch nume lis Uf ihri Wis, Und s dörf si niemer gseh. Jez chläderi zusserscht ufne Ascht Und schnellene wine Wid: «Schutzängeli, chum!» I glaube drum Do use trout s em nid!» 's bös Wort I weis es Wort, 's isch nume chli Und doch für mi no z schwer, I staggle, wenis säge sett, Und dreihes hin und här, Doch winis dreihe, s nützt halt nüt, Zletscht hanis doch no gseit, Und s isch mer fascht nid usegrütscht Das Wörtli: «s isch mer leid!» Es weis ke Möntsch wi drang as s goht, Wi weh as s eim cha tue! Und wenns au einisch dusse-n isch, So lots eim erscht ke Rue, Es brönnt und würgt eim s Hälsli uf: Nei, hättis doch nid gseit: O bis nid trurig, Müetterli, Gwüss, gwüss, es isch mer leid!» 's Paredis Hüt het mer s Müetti d Gschicht verzellt Vom Adam und der Eva. Das isch mer aber grüsli leid, As ich di zwöi nid gseh ha. Denn hätti zu der Eva gseit: «Du chausch mi gwüss verbarme, Jez muesch halt usem Paredis Mitsant dim Ma, dem arme. Du hättsch das Grätsch vo säber Schlang Halt gar nid selle lide, Denn müesst di jez der Ängel nid Zum Garte-n use tribe. Und zum Herr Adam hätti gseit: «Worum hesch du abbisse? Du hätsch de Gschiter selle si, Du hätsches chönne wüsse!» Jez nützt halt alles rede nüt, Si sind emol vertribe. Doch s Paredis, het s Müetti gseit, Seig brave Chindere blibe. Lehre schribe Ue – abe – ue, Jetz lueged mer zue: Es Tüpfli druf hi, Denn isches en i. Der n het zwöi Bei, Das weis i elei, Ganz rund isch der o, De wämmer lo goh, Zwöi Strichli druf ue, Und jez hani gnue! Lisme «Inestäche, umeschlo » Dänked, lisme chani scho, Han-en grosse Rugel Wolle Dörfe go bim Chremer hole, Lisme drus im Ditti Strümpf, Nodle hani au scho fünf, Tue no anderi schöni Sache, Denn fürs Wienechtchindli mache, Aber langsam gohts halt no. «Durezie und abelo!» Zusanneli 's Anneli Zusanneli, Ihr händ s gwüss au scho gseh: s isch nume chli und doch so gschickt, Alls wo verheit isch, het s is gflickt Und neus gmacht no vill meh. Am Morge stoht s Zusanneli Bezite scho parat, Es wüscht is d Stube, butzt is d Schue, Und git is Milch und Bröche gnue Und wäscht is d Bagge-n ab. s Anneli Zusanneli Blibt allwil im Hus! Und simmer einisch alli gross So leits denn sini Händ i d Schoos Und luegt zum Pfeischter us. D' Zit isch do Los Muetterli, jez weis is gwüss, Und heigs no Hüfe Schnee: De Früelig chunt doch uf der Stell, Du wirsches aber gseh. Grad vorig hanis wider ghört, s isch no kei Viertelstund, Do het mer s Spiegelmeusi grüeft: «Er chunt, er chunt, er chunt!» Und woni ganz verstunet bi, Tönts dert vom Bächli no; Was gilts, es isch s Bufinkli gsi: «Jezig, jezig isch-er do!» Jo, dänki, aber duss de Schnee De lit doch, säg was d witt. Do rüeft vom leere Birebaum D Gälämez: «Furt, furt mit!» Im Summer Blüemli uf de Matte Günni wiss und rot, Grueie denn im Schatte Bis de Tag vergoht. Wissi Wülkli jage Eis im andere no, Wett si möge froge: Darf i mit-ech cho? D Sunne luegt dur d Eschtli Ab der Gisliflue, s Finkepaar bim Näschtli Treit sis Fuetter zue. Göhmmer zobe-n ume Glitzeret scho en Stärn. Summer, liebe Summer, Wi hani di so gärn! 's Bächli Bächli, chlises Bächli, Nimm mis Schiffli mit. Hesch es grüsligs Sächli: Goht di Reis so wit? Träg mis grüen grüen Blettli Ines anders Land, Müessti nid is Bettli, Gienge-mer mitenand. 's Müsli Chlini Mus i der Falle Wi durisch mi du! I ha-n au nid gfolget, Ha gschneugget wi du. Chlini Mus i der Falle Lueg nid trurig dri: I läng der mis Zobig Zum Gitterli i. 's Jugedfescht «I Gotts Name nidergange» (O i chas Schier nid erplange!) «Bhüetmer Gott mi Lib und Seel» (Weis vor Freud nid, was i will, Cha fascht nüm s Gibättli säge) «Gäll, Du schicksch is morn kei Räge? Liebe Gott im Himel, gsehscht Morn isch eusers Jugedfescht, Morn han-ich es wisses Röckli, Und es Chränzli uf em Chöpfli, Darf im Zug i d Chile goh, Darf a Taufstei fürestoh, Hole dert en neue Franke, Goh uf d Schützematt go tanze, D Schüeli stöhnd schön i der Reihe, Und en grosse Nägelimeie Het mer au scho s Müetti gmacht: Jezig, liebe Gott, guet Nacht!» D' Höll I weis nid was i mache sell: Wer nid tüeig folge, chöm i d Höll, Und d Tüfel plogede miter Zange Und rode s Für mit isige Stange. Es isch mer gar nid rächt derbi: Bi wider meischterlosig gsi, Ha lo mis Chacheli verschärble, Ha lo de Meiestock versärble, Ha zobe mis Gibätt vergässe, Ha grüeni Chruselbeeri gässe, Bi uf der Stross go umetätsche, Bi go mis Schwöschterli verrätsche. I gsehne scho, es gieng mer schlächt Do mit der Höll! s isch nume rächt, As ichs bizite ha verno, Jez mues s bim Wätter andersch cho! Im Winter Im Winter, im Winter Goht s bodeluschtig zue: De Schlitte go sueche Ufe-n Eschterig ue, D Pelzchappe-n uf d Ohre Und Händsche-n agleit, Denn heidruff a Schlossbärg: «s het gschneit, es het gschneit!» Märli I wett i wer e Königin Denn hätti guldigi Röckli, Es Scheubeli vo Silberzüg, Es Chröndli ufem Chöpfli, En langi Schleppe hindeno, So wetti grad z wisite go. I wett i wer e Königin Denn chönnti Chüechli ässe, I miech e ganzi Zeine voll Und tet kei Zucker mässe, Und alli Chinde näbena, Die müesste vo de Chüechlene ha. I wett i wer e Königin Denn chönnti Gutsche rite, Und kummidiere linggs und rächts: «He, wänder ächt uf d Site?» Und gieng de Hansli juscht verbi, So seit i: «Wottisch König si?» De Sundig De Sundig, de Sundig, Wi freuemi druf: Am Morge tuets lüte, Denn stöhmmer gschwind uf, Und s Müetti git füre Was jedes mues ha: Es schneewisses Hömmeli Leggemer a. De Sundig, de Sundig, Stoht scho vor der Tür, Denn darf mer nid lärme, Aber singe derfür. Und d Sunne, si schint is No einisch so schön, Mer folge gar ordlig, Mache gar niemer höhn. De Sundig, de Sundig, Hani dorum so gärn, Er schint eim dur d Wuche Wiene fründlige Stärn. Mer wänd nid go rite Mer mache kei Reis: De Vatter, de Vatter Blibt de ganz Tag bi eus! De Götti Mi Götti isch e grosse Ma, Er chunt fascht a der Türe-n-a, Er het e Bart chumm lueg und gschau s So prächtig wi de Sämichlaus! Mi Götti isch e glehrte Ma, s git nüt, wo-en-er nid wüsse cha, Er lehrt di gross und chline Lüt Und macht no mänge Dumme gschidt. Mi Götti isch e guete Ma, Das stoht em no am beschten a, Er isch so luter wine Schib Und geb eim s Hömmli abem Lib. Sämichlaus Sämichlaus, du liebe Ma, Gäll, i mues kei Ruete ha? Gäll, du tuesch nid mit mer balge? Will denn allewile folge, Will im Müetti ordlig lose, Will denn nümme d Milch verchosle, Will denn d Scheube nümm vernetze, Nümme mit der Türe schletze, Will nid mit de Chinde zangge, Will bim Tisch nid umerangge, Will jez nümme d Nuss ufbisse, Will au nid de Rock verrisse, Alli böse, wüeschte Sache Will i gwüss jez nümme mache! Sämichlaus, du guete Ma, Gäll, i mues kei Ruete ha? 's Wienechtchindli Jez gohts nume no es Stündli, So chunt eusers Wienechtchindli, Flügt mit sine Ängelsfäcke Lislig, as mer nid verschräcke, Tuet sis Bäumli härestelle, Tuet is d Heilandgschicht verzelle, Füert mi zuemene Chindebänkli, Zeigt mer mini Wienechtgschänkli, Lächlet underem Schleier füre, Stoht scho wider a der Türe, Schüttlet sini guldige Löckli: s chunt, es chunt, i ghöre s Glöggli!   Müschterli Balge Hüt hani mis Meiteli balget: «Wart, i will der folge dir! Do hesch Tätsch, du wirsch dra dänke, Und jez chum und sitz zu mir!» Doch mis Chind verdrückt sis briegge, Schlückt, und luegt mi ärnschthaft a: «I will folge aber nume Tue-n au nid so wüescht, Mama!» D' Bäsi «Es isch doch trurig», chlagt is d Bäsi, «Wi gli sind dMöntsche wüescht und alt! Chum isch de Summer rächt vergange, So chunnt de Winter, ruch und chalt!» «Bis zfride», het si s Chindli tröschtet, «Wenn d jez au grumpfig worde bisch, So gseht mer doch no a de Schärbe, Wi s Chacheli ame schön gsi isch!» Spiegeläffli Spiegeläffli, Spiegeläffli Was gsesch ächt do inne? Wisses Scheubeli, ghüslets Röckli, Spärberäugli, Chruselchöpfli, Bagge wo fascht brünne. Spiegeläffli, Spiegeläffli Abe vo dim Stüeli! Wart i wills im Müsli säge, s sell der s Lätschli go verträge, Und di rote Schüeli. Sagmähl Mis Chindli het sis Ditti verheit Wo s allewil wieget und umetreit. Es briegget ufs Sagmähl underem Tisch: «I ha welle gseh was drininne isch !» Jo briegg jez nume, du wirsch denn gschidt, Und merksch, was mer underem Gwunder lidt! Lueg schöni Sache vo witem a, Denn weisch, es chönnt Sagmähl drininne ha! 's Morgerot O lueg das prächtig Morgerot, Wo wines Für am Himel stoht! Was tüend si ächt dert obe mache? Gwüss s Wienechtchind het Güetzi bache! En Frog Mis Chindli will jez schlofe. s het sis Gibättli gseit, Und sini chline Händli Im Schlof no zämegleit. Uf einisch lüpfts sis Chöpfli Und luegt gäg eusi Bett: «Tüend ihr au zäme bätte Wi s Meiteli bättet het?» Silveschterobe Es fallt en wisse Schleier Ganz hübscheli ufs Land, De händ is d Ängeli gwobe Mit ihrer sine Hand. Si händ mängs guldigs Stärndli Zäntume dri verstreut, Und hie und do im Zettel En schwarze Fade gleit. Es nieders Möntschechindli Verwütscht en Teil dervo: I wett, du hätsch von allne s schönscht Blätzli übercho! Nachspann Worterklärungen Abelo = herunterlassen. ächt = etwa, wohl. äke = anhaltend bitten. Äli = eine Liebkosung. Ärfeli = Umarmung. allewil = immer. allwäg = jedenfalls. ame = ehemals, jeweilen. Anke = Butter. as = dass. balgen = schelten. Bändelzöpf = Bandenden. batte = nützen (es battet nüt = es hilft nichts). bhüetis trüli = Ausruf des mitleidigen Erstaunens. bis = auch: sei. bitzeli es = ein bisschen. bizite = bei Zeiten. Blätzli = ein Stückchen Blüeschtli = Baumblüte. blutt = nackt. Bluttmüsli = nacktes Mäuschen. bodeluschtig = sehr lustig. bolzgrad = steif wie ein Bolzen. brägle = herunterfallen, herumliegen. brichte = berichten, erzählen. briegge = weinen. Bröche = Brotbrocken in der Milch. brote = braten. Brülle = Brille. brünne = brennen. Bufinkli = Buchfink. Bumpel = Tasche. Burscht = Bursche. büschele (sMüli) = das Mündchen spitzen. Chäber = Käfer. Chacheli = Tongeschirr, Tasse. chauscht = kannst. Chemi = Kamin. Chimli = Keim. Chneu = Knie. Chralle = Glasperle. chreie = krähen, jauchzen. Chriesibluest = Kirschenblüten. Chrömli = kleines Backwerk. chrotte = niedlich (von Kröte.) Chröttli = kleine Kröte. Chruselchöpfli = Krausköpfchen. Chrütz = Kreuz, Kummer. Chumber = Kummer. Chüechli = kleine Kuchen. Chuderwältsch = Kauderwelsch. chum = kaum. chumm = komme. chündig = schelmisch. chuschte = eine Speise kosten. Däderle = plappern. Dank heigisch = du sollst Dank haben. dervo = davon. Ditti = Puppe. drang = schwierig. dure = dauern (im doppelten Sinn). Düreli, es Düreli mache = das Gesichtchen zum Weinen verziehen. durezie = hindurchziehen. düssele = schleichen. Ebhebe = festhalten. ebig = ewig, immerwährend. echli = einwenig. Eggeli = Ecke. eisder = immer. eismols = auf einmal. eiswägs = sofort, im Nu. eleigge = allein. em = ihm. erplange = ersehnen. Eschterig = Estrich. etgäge = entgegen. eusers = unser. Fäckli = Tuchfetzen. Ferte = Wildspuren. flattiere = schmeicheln. Flattierbüsi = Schmeichelkätzchen. flotsche = im Wasser patschen. frei, es isch frei = zufrieden, brav. frei, es juchset frei = sogar, von ganzer Seele. fund = fände man. fürchunt = hier: hervorkommt. Gable = hastig und unsicher nach etwas greifen. Gälämez = Goldammer. gäll = gelt. gänd = geben. (3. Pers. Plur.) ge = geben (Inf.) ghüslet = karriert. Gispel = von Gisple = ziellos herumfahren. girpse = knarren, von Schuhen. gleitig = schnell. gluschte = gelüsten, sehnsüchtig verlangen. gnage = nagen. gnue = genug. goge = gehen um zu. göhmmer = gehen wir. gohni = gehe ich. Götti = Pate. grad = sofort, soeben; auch: genau so. Grätsch = Gerede, Schwätzerei. Grosi = Grossmutter. grote = geraten, sich ereignen. grueie = ausruhen. Grümpel = Gerümpel. grümsele = wimmern. grumpfig = verrunzelt. grüsli = sehr. gschägget = gesiegt, zweifarbig. gschnellt, ufeschnelle = hinaufschwingen. gschweige = ein kleines Kind warten, zum Schweigen bringen. gugge güggle = spähen, gucken. Güezi = kleines Zuckerwerk. gumpe = hüpfen. günne = pflücken. Gutsche = Kutsche. Gütterli = Fäschchen. guschle = undeutlich sprechen. gvätterle = spielen. Gwaschel = lustiges Geschwätz. Hälfebei = Elfenbein. hämmirs = haben wirs. hampfelewis = ganze Hände voll. Händsche = Handschuhe. Haspel = Garnwinder, hier lebhaftes Kind. haupthöchlige = so laut man kann, sehr. he = hin. hert = hart. heidruff = mit Halloh, schnell. Helgeli = Bildchen. heusche = demütig um etwas bitten. höckle = sitzen. Holz = auch: Wald. höre = aufhören. hübscheli = sachte. im Hans = dem Hans. Imbeli = Bienen. is = uns. Isebahn = Eisenbahn. jufle = hastig arbeiten. juchse = jauchzen. Jüppe = bäurischer Trachtenrock. Ke, kei = keine. kumidiere = kommandieren. Kunterfei = Porträt. Lach = alte Form für lass. Läbtig = Lebtag. Läufterli = Fensterteil. libermänts alls = alles zusammen. Liebeli = Liebkosung. linggs = links. lislig = leise. lisme = stricken. lit = liegt. lost = horcht. luege = schauen. Lumpegschirr = Nichtsnutz. luter = klar, lauter luter = nur, alles. Mänge = mancher. mängisch = manchmal. Meie = Blumenstrauss. meint si, es = es ist stolz. meischterlosig = übermütig. mer = wir und man. miech = würde machen. mole = malen. müede = anhaltend, bitten. Müedi = Müdigkeit. Mul, Müli = Mund, Mündchen. munzig = winzig. Müschterli = Anekdoten. ne = ihnen. nieders, es = jedes. Niemerem = niemandem. niene = nirgends. nonig = noch nicht. Nüggi = Schnuller. nume = nur. nümme = nicht mehr. oeppe = etwa. oepper = jemand. ordlig = ordentlich. parat = bereit. Pfeischter = Fenster. plange = sich sehnen. Plunder = Kram. pretzis = genau. Puteheieli = Wickelkindchen. Raggerischeer = abgenutzte Schere. Risblei = Bleistift. rite = hier: ausfahren im Wagen. rode = bewegen. Rugel = Knäuel. rugele = sich kugeln. Rüschele = eine Garnitur frz. ruche. rütere, umerütere = herumtollen. säb = jenes. Sächli = wichtige Geschichte. Sagmähl = Sägemehl. Sack = hier: Tasche. Schärbe = Scherben. schärbis = schief. Scheube = Schürze. Schib = Fensterscheibe. schier = fast. Schöche = Heuhaufen. Schoppe = gefülltes Milchfläschchen. schleike, füre schleike = hervorzerren. schletze = Türe zuschlagen. schlo = schlagen. schmöcke = riechen. Schmützli = Kuss. schneugge = naschen. Schnuf = Atemzug. schnufe = atmen. schröckli = schrecklich. schwable = schwadern. schwänzle = baumeln, herunterhängen. se, do se = da nimm, da sieh. seig = sei. sett = sollte. sorg ha = Sorge tragen. Spiegelmeusi = Spiegelmeise. spore = strampeln. staggle = stottern. Stämpfeli = Trampetierchen. stif = steif. Storeheini = Storch. suscht = sonst. surre = summen. Summervogel = Schmetterling. Tätsch = Schläge. tätschle = klatschen. teuf = tief. Trämpeli = von trämpele = trotten. treisch = trägst. trolen = fallen. trout 's m (Dat.) = jemand getraut sich. ue = hinauf. überchunt = bekommt. übercho = bekommen. überue = in den oberen Stock. umege = zurückgeben, erwidern. umerangge = hin- und herrutschen. umeschnogge = auf dem Boden kriechen. umetetsche = herumtrampeln (im Morast). undereinisch = auf einmal, plötzlich. Ungfell = Unfall. use grütscht = herausgerutscht. Verchosle = beschmutzen. verhebe = zuschliessen, halten. verheit = zerbrochen. vernetzen = nass machen. verrisse = zerreissen. verrode = bewegen. versärble = verwelken. verstunet = erstaunt. verstrupst = zerzaust. vertue = ausbreiten. verwirfle = flicken. verzellt = erzählt. Viere, mit alle V. = mit Armen und Beinen. Viöndli = Veilchen. vorus = voran. Waschle = plappern. wämmer = wollen wir. wätters Chind = Tausendsassa. was wänder meh = was wollt ihr mehr. weidli = schnell. Wienechtchindli = Christchind. Wid = Weidenrute. witt = willst. wott = will. würkli = wirklich. wüescht tue = Lärm machen, sich unfein benehmen. Zäberle = mit schnellen Schrittchen gehen. zable = zappeln. Zänd = Zähne. zangge = sich zanken. zäntume = überall. Zeine = Korb, Korbwagen. zerscht = zuerst. zhindefür = drunter u. drüber, aus dem Häuschen. zobe = am Abend. Zobig = Vieruhrbrot. zwäg = hier: bereit, (sonst auch gesund). zwitzere = schnell hin und her fahren. Urteile über «Mis Chindli» Otto von Greyerz (1863–1940) Die Verfasserin hat das Glück (aber es ist nicht bloss Glück, es ist auch Einsicht und Verdienst), auf einem engen Gebiet der Poesie Meisterin zu sein. Sie singt das Glück der jungen Mutter, sie singt es warm, innig, in den wahrsten Tönen, weil es ihr eigenes ist. Aber noch mehr: Obgleich eine Frau von feinster Geistesbildung, verschmäht sie die schlichte Sprache des Volkes nicht, aus dem sie selbst hervorgegangen ist. Ihre Poesie adelt die Mundart, wie es Hebels Poesie getan hat, wie es Reinharts und Lienerts Lieder tun. Wie bei diesen, so ist auch bei ihr die Mundart nicht bloss gewollte oder gesuchte Form, sondern natürlicher Ausdruck. Daher bleibt sie auch ganz in der einfachen Form des Volksliedes, kurze Strophen, einfache Reime, jeder Vers ein Ganzes, der Ausdruck anschaulich, die Empfindung wahr, ungebrochen, ungemischt. Wer mit so einfachen Formen Poesie schafft, leistet ein Höchstes in seiner Art. Die Kritiker, die über Mundartliedchen dieser Gattung wohlwollend lächelnd hinweggehen, ahnen nicht, was Meisterschaft heisst, sie denken auch nicht, was es bedeutet, dem einfachen Volk Mutterlieder zu schenken, die kein Getändel und keine Phrase, sondern Poesie sind. (Mitteilung über Jugendschriften des Schweiz. Lehrervereins, 31. Heft.)   Hans Thoma (1839–1924) Von Sternen und Blumen«Da ich gerade von Blumen spreche und vom Dialekt, so kann ich nicht unterlassen, von einem gar schön geformten bescheidenen Blümlein zu sprechen, das ich auf Schweizerboden gefunden habe, auf Muttererde gewachsen, davon ist es so zart geworden, aus der Muttersprache gebildet, davon klingt es so lieblich. Ich will aber von meiner bildlichen Sprache abgehen, indem ich sage, dass ich mit diesem Schweizerblümlein ein kleines Bändchen Gedichte meine, betitelt: \<Mis Chindli\> v. Sophie Hämmerli-Marti, im Aargauerdialekt, und zeigen, wie melodisch dieser Dialekt klingt, wenn die zarte Mutterliebe in der Freude an ihrem Chindli ihn spricht.» (Propyläen, München 1910.)