Funfzig Fabeln für Kinder von Wilhelm Hey. In Bildern gezeichnet nach Otto Speckter. Nebst einem ernsthaften Anhange.   Gotha, Friedrich Andreas Perthes. [ca. 1860]     1. Rabe.        Was ist das für ein Bettelmann? Er hat ein kohlschwarz Röcklein an Und läuft in dieser Winterzeit Vor alle Thüren weit und breit, Ruft mit betrübtem Ton: »Rab! Rab! Gebt mir doch auch einen Knochen ab.«    Da kam der liebe Frühling an, Gar wohl gefiel's dem Bettelmann; Er breitete seine Flügel aus Und flog dahin weit übers Haus; Hoch aus der Luft so frisch und munter »Hab Dank! hab Dank!« rief er herunter.     2. Vogel am Fenster.      An das Fenster klopft es: »Pick! pick! Macht mir doch auf einen Augenblick. Dick fällt der Schnee, der Wind geht kalt Habe kein Futter, erfriere bald. Lieben Leute, o laßt mich ein, Will auch immer recht artig sein.«    Sie ließen ihn ein in seiner Not; Er suchte sich manches Krümchen Brot, Blieb fröhlich manche Woche da. Doch als die Sonne durchs Fenster sah, Da saß er immer so traurig dort; Sie machten ihm auf: husch, war er fort!     3. Schneemann.            »Seht den Mann, o große Not! Wie er mit dem Stocke droht Gestern schon und heute noch! Aber niemals schlägt er doch. Schneemann, bist ein armer Wicht, Hast den Stock und wehrst dich nicht.«    Freilich ist's ein gar armer Mann, Der nicht schlagen, noch laufen kann; Schleierweiß ist sein Gesicht. Liebe Sonne, scheine nur nicht, Sonst wird er gar wie Butter weich Und zerfließt zu Wasser gleich.     4. Vögel vor der Scheuer.          »Im Felde draußen da giebt's nichts mehr; Der Schnee deckt alles weit umher. Da hörten wir euren Drescherschlag Und ziehen dem lieben Klange nach. Manch Körnlein springt wohl aus der Tennen, Das könnt ihr uns armen Vöglein gönnen.«    Die Drescher drin schlugen nach dem Takt, Manch Scheffel Korn ward ausgesackt; Das gab wohl Brot genug fürs Haus. Manch Körnlein sprang auf den Hof hinaus, Das ließen die Vögel auch nicht liegen, Sie holten es schnell mit Hüpfen und Fliegen.     5. Eichhorn und Wind.         E.  Huhu! wie bläst du kalt, Herr Wind! Mein Thürchen stopf' ich zu geschwind Und thu' mir ein andres auf da drüben. W.  Ich blase auch dort ganz nach Belieben. E. So mache ich jenes wieder zu Und rufe vergnügt: »Bleib draußen du!      Der Wind der machte ein bös Gesicht, Das Eichhorn sah es eben nicht. Der Wind der schüttelte an dem Baum, Das Eichhorn drinnen merkt' es kaum; Es ließ ihm draußen seinen Lauf Und knackte sich ein Nüßchen auf.     6. Knabe und Eichhorn.         Kn.  Eichhörnchen auf dem Baum! Bist so hoch, seh' dich kaum, Komm doch und spiel mit mir! E.  Gar zu schön ist es hier; Will doch lieber noch steigen Auf und ab in den Zweigen.      Knabe der lief wohl fort, Eichhörnchen hüpfte dort: Knabe der kam wohl wieder: »Höre, nun steig hernieder!« Eichhörnchen sprach: »Es thut mir leid Habe noch immer keine Zeit.«     7. Kätzchen.        »Kätzchen, nun müßt ihr auch Namen haben, Jedes nach seiner Kunst und Gaben:           Sammetfell heiß' ich dich,           Jenes dort Leiseschlich,           Dieses da Fangemaus,           Aber dich Töpfchenaus.«    Und sie wurden gar schön und groß; Sammetfell saß gern auf dem Schoß, Unter das Dach stieg Fangemaus, Leiseschlich lief in die Scheuer hinaus, Töpfchenaus sucht' in der Küche sein Brot, Machte der Köchin viele Not.     8. Hund und Katze.            »Ei, was bellst du denn, Packan, So gewaltig zum Baum hinan? Sitzt wohl Miezchen da oben still Und nicht herunter kommen will? Nun, ich kann es ihr nicht verdenken; Möchtest ihr doch nichts Gutes schenken.«    Miezchen saß lang dort auf dem Baum, Als schlief sie und hätt' einen schönen Traum. Packan der wollte nicht länger warten Und lief verdrießlich aus dem Garten. Da wachte geschwind das Miezchen auf Und eilte davon mit schnellem Lauf.     9. Schwan.            »Höre du, Knabe am Ufer da, Komm meinen Kindern nicht zu nah'! Du, laß das böse Werfen nun! Ich mag sonst niemandem übel thun; Doch nun lauf schnell; sonst sollst du sagen, Wie derb ich kann mit den Flügeln schlagen.«    Der Knabe sprang geschwinde davon, Er fürchtete sich vor dem bösen Lohn. Der Schwan lief ihm nach ein kleines Stück, Kam schnell dann zu seinen Kindern zurück; Er mochte sich lieber an ihnen freu'n, Als jagen so hinter jenem drein.     10. Schwan und Kind.          »Kind dort, was scheust du dich? Gar nicht so bös bin ich, Schwimme daher ganz sacht', Daß es kein Wellchen macht; Mochte dich nur fragen eben: Willst du ein Stückchen Brot mir geben?«    Das Kind trat zu dem Teich heran Und freute sich an dem schönen Schwan, Wie rein und weiß war sein Gefieder, Wie sanft er schwamm so hin und wieder; Es wurde bald mit ihm bekannt, Ließ das Brot ihn nehmen aus seiner Hand.     11. Hündchen und Böckchen.         H.  Hüte dich, Böckchen, jetzt beiß' ich dich! B.  Hüte dich, Hündchen, jetzt wehr' ich mich! H. Habe gar einen scharfen Zahn. B. Sind mir zwei Hörner gewachsen an. H. Böckchen, es war nicht so schlimm gemeint, Laß uns nur spielen und sein gut Freund.      Und so liefen den ganzen Tag Immer die zwei einander nach; Hündchen das bellte mit Gewalt, Böckchen das zeigte die Hörner bald; Sprangen dann wieder um die Wette. Wer's doch mit angesehen hätte!     12. Möpschen und Spitzchen.         M.  Hör, Spitzchen, ich will dich was fragen, Du sollst mir ganz heimlich sagen: Wo hast du den schönen Knochen versteckt, Daß ihn kein böser Dieb entdeckt? Sp.  Nein, Möpschen, ich schweige lieber still; Der Dieb ist's eben, der's wissen will.      Das Möpschen hat gesucht und gerochen, Bis hinter dem Stall es fand den Knochen; In seiner Schnauze hat es ihn schon, Da bekam es gar einen schlimmen Lohn: Herr Spitz, der faßt' es so derb am Kragen, Da lief es davon mit Schreien und Klagen.     13. Pferd und Sperling.         Sp.  Pferdchen, du hast die Krippe voll; Giebst mir wohl auch einen kleinen Zoll, Ein einziges Körnlein oder zwei; Du wirst noch immer satt dabei. Pf.  Nimm, kecker Vogel, nur immer hin, Genug ist für mich und dich darin.      Und sie aßen zusammen, die zwei, Litt keiner Mangel und Not dabei. Und als dann der Sommer kam so warm, Da kam auch manch böser Fliegenschwarm; Doch der Sperling fing hundert auf einmal, Da hatte das Pferd nicht Not und Qual.     14. Esel.         K.  Esel, du fauler, so geh doch fort, Schleichst ja wie eine Schnecke dort. E.  Laß doch! lauf' ich auch nicht mit Hast, Trag' ich doch redlich meine Last. Mancherlei Dienst der Herr begehrt, Mich für die Säcke, zum Laufen das Pferd.      Und wie die Tagesmüh' war aus, Kam auch der Esel sacht' nachhaus', Hatte sein Plätzchen im Stall beim Pferd, Fand sein Futter, wie er's begehrt', Streckt' auf die Streu sich mit Bedacht, Schlief gar ruhig die ganze Nacht.     15. Kind und Ochse.         K.  Ei, Ochse, worüber denkst du nach, Daß du da liegst fast den ganzen Tag Und machst so gar ein gelehrt Gesicht? O.  Hab Dank für die Ehre! So schlimm ist's nicht. Die Gelehrsamkeit, die muß ich dir schenken; Ich halte vom Kauen mehr als vom Denken.      Und als er noch gekaut eine Weile – er hatte nicht eben die größte Eile – Da spannten sie vor den Wagen ihn; Ein schweres Fuder sollt' er ziehn. Das that er auch ganz wohlgemut; Das Denken konnt' er nicht so gut.     16. Lamm.         K.  Lämmchen, was schreist du so kläglich dort? L.  Meine liebe Mutter ist fort. K. Fürchtest du dich, daß in der Zeit Irgendjemand dir thu' ein Leid? L. Fürchten? ich wüßte nicht was; ach nein! Möchte nur gern bei der Mutter sein.      Und wie die Mutter hörte das Schrei'n, Kam sie gleich aus dem Garten herein, Rief es nur einmal mit sanftem Ton; Siehe, da hört es das Lämmchen schon, Läuft, so geschwind es laufen kann, Drängt sich dicht an die Mutter an.     17. Vogel.        »Knabe, ich bitt' dich so sehr ich kann: O rühre mein kleines Nest nicht an! O sieh nicht mit deinen Blicken hin! Es liegen ja meine Kinder drin; Die werden erschrecken und ängstlich schrei'n, Wenn du schaust mit den großen Augen herein.«    Wohl sähe der Knabe das Nestchen gern, Doch stand er behutsam still von fern. Da kam der arme Vogel zur Ruh', Flog hin und deckte die Kleinen zu, Und sah so freundlich den Knaben an: »Hab Dank, daß du ihnen kein Leid gethan.«     18. Wandersmann und Lerche.       W.  Lerche, wie früh schon fliegest du Jauchzend der Morgensonne zu? L.  Will dem lieben Gott mit Singen Dank für Leben und Nahrung bringen; Das ist von altersher mein Brauch; Wandersmann, deiner doch wohl auch?      Und wie so laut in der Luft sie sang Und wie er schritt mit munterm Gang, War es so froh, so hell den zwei'n Im lieben, klaren Sonnenschein, Und Gott, der Herr im Himmel droben, Hörte gar gern ihr Danken und Loben.     19. Täubchen.         Kn.  Täubchen, du auf dem Dache dort, Sage, was girrst du in einem fort, Wendest das Köpfchen so her und hin? T.  Weil ich so gar zu fröhlich bin, Weil mich vom Himmel der Schöpfer mein Wärmt mit dem lieben Sonnenschein.      Droben das Täubchen girrte so, Unten der Knabe spielte froh, Mochten am lieben Sonnenschein Jedes sich recht von Herzen freu'n, Und vom Himmel der Schöpfer sah Gerne die Lust der beiden da.     20. Kanarienvogel.        »Vögelchen, ach da liegst du tot; Suchst dir nie wieder ein Krümchen Brot, Siehst mich nicht an mit den Augen hell, Hüpfst mir nicht auf die Schulter schnell, Singest nun nie mehr mit solcher Lust, Schmetternd dein Lied aus voller Brust!«    Bald sind die Kinder gekommen und haben Das arme Ding in dem Garten begraben Und drüber gepflanzt einen Rosenstrauch, Der trug dann schöne Blüten auch. Dort haben sie gar oft gesessen Und den lieben Vogel nicht vergessen.     21. Papierdrache und Vögel.            »Seht ihr den großen Vogel da? Ihr kleinen, kommt ihm nur nicht zu nah', Daß er euch nicht etwa ertappt Und zehen gleich hinunterschnappt.« V.  »Ach geh mit deinem großen Tier, Das ist ja gar nichts als Papier.«      Da legt' auf einmal sich der Wind; Zur Erde fiel der Vogel geschwind; Die Knaben bemühten drum sich sehr, Doch wollt' er nicht länger fliegen mehr. Die kleinen alle mit leichtem Sinn Sie flatterten um ihn her und hin.     22. Knabe und Hündchen.       Kn.  Komm nun, mein Hündchen, zu deinem Herrn, Ordentlich grade sitzen lern! H.  Ach, soll ich schon lernen und bin so klein; O laß es doch noch ein Weilchen sein! Kn. Nein, Hündchen, es geht am besten früh; Denn später macht es dir große Müh'.      Das Hündchen lernte; bald war's geschehn, Da konnt' es schon sitzen und aufrecht gehn, Getrost in das tiefste Wasser springen Und schnell das Verlorne wieder bringen. Der Knabe sah seine Lust daran, Lernt' auch und wurde ein kluger Mann.     23. Hund und Kinder.      »Du bist so groß und läßt dich doch zerren Und gar in einen Wagen sperren Und quälen ohne Unterlaß?« H.  »Von keinem andern leid' ich das! Doch das sind die Kinder meines Herrn, Von denen ertrag' ich alles gern.«      Nicht lange, da schlug die Essensstund'. Da spannten sie los den guten Hund Und nahmen ihn mit sich hinein. Er mußte doch auch bei Tische sein! Und jedes gab ihm ein Stückchen gern, Doch am liebsten nahm er's von dem Herrn.     24. Kind und Kätzchen.         Kind.  Kätzchen, du mußt nicht kratzen, Mach nicht so scharfe Tatzen, Gieb mir ein Pfötchen sanft und weich. Katze.  Kindchen, ja, das thu' ich gleich; Aber ich will dir auch was sagen: Mußt mich nicht erst zupfen und schlagen.      Zupfte das Kind nun auch einmal, Machte dem armen Kätzchen Qual; That nun das Kratzen auch nicht gut, Kam wohl gar noch ein Tröpfchen Blut; War's doch von beiden nicht bös gemeint, Blieben auch fernerhin gut Freund.     25. Kind und Buch.          »Komm her einmal, du liebes Buch; Sie sagen immer, du bist so klug. Mein Vater und Mutter die wollen gerne, Daß ich was Gutes von dir lerne; Drum will ich dich halten an mein Ohr, Nun sag mir all' deine Sachen vor.    Was ist denn das für ein Eigensinn, Und siehst du nicht, daß ich eilig bin? Möchte gern spielen und springen herum, Und du bleibst immer so stumm und dumm? Geh, garstiges Buch, du ärgerst mich, Dort in die Ecke werf' ich dich.«     26. Puppe und Püppchen.         Puppe.  Püppchen, so gieb dir doch endlich Müh', Du lernst ja wirklich das Sitzen nie, Streckst immer die Beine weit von dir; So mach es doch, wie du siehst an mir. Püppch.  Ich thät' es gar gerne; doch ich denk', Ich hab' in den Knieen kein Gelenk.      Da nahm sie das Kind und sagte mit Lachen: »Dem Streit will ich gleich ein Ende machen; Ihr Puppen beide, klein und groß, Seid arme dumme Dinger bloß.« Es warf sie schnell in den Kasten hinein, Da mußten sie wohl ganz ruhig sein.     27. Kuchen und Brot.     K.  Komm, liebes Kind, ich bin der Kuchen; Ich schmecke gar gut; mich mußt du versuchen. Das schwarze dort, das ist nur Brot, Das ißt man kaum in großer Not. Br.  Geh, nimm ihn nur; ich bin ohne Sorgen; Du kommst wohl zu mir noch heut' oder morgen      Das Kind war lange herumgelaufen; Es hatte kein Geld, sich Kuchen zu kaufen; Vor Hunger litt es große Not: Da kam es nachhaus', nahm schnell das Brot. Ei, wie schmeckt einem das so gut, Wenn man erst weiß, wie der Hunger thut.     28. Mäuschen.       Frau.  Mäuschen, was schleppst du dort Mir das Stück Zucker fort? M.  Liebe Frau, ach vergieb, Habe vier Kinder lieb; Waren so hungrig noch. Gute Frau, laß mir's doch.      Da lachte die Frau in ihrem Sinn Und sagte: »Nun, Mäuschen, so lauf nur hin! Ich wollte ja meinem Kinde soeben Auch etwas für den Hunger geben.« Das Mäuschen lief fort, o wie geschwind! Die Frau ging fröhlich zu ihrem Kind.     29. Pudel.            »Wer hat hier die Milch genascht? Hätt' ich doch den Dieb erhascht! Pudel, wärst denn du es gar? Pudel, komm doch! ei fürwahr, Einen weißen Bart hast du? Sag mir doch, wie geht das zu?«    Die Hausfrau sah ihn an mit Lachen: »Ei Pudel, was machst du mir für Sachen? Willst wohl gar noch ein Naschkätzchen werden?« Da hing er den Schwanz bis auf die Erden Und heulte und schämte sich so sehr. Der naschet wohl so bald nicht mehr.     30. Hund und Igel.         H.  Igel da, hörst du, jetzt krieg' ich dich. I.  Hund dort, nicht gar sehr fürcht' ich mich. H. Sag doch, wie willst du dich denn wehren? I. Das werden dich meine Stacheln lehren; Gar mancher faßte zu schnell mich an, Dem hat es nachher sehr leid gethan.      Allzu schnell griff das Hündchen zu. »Pfui, welch stachlichtes Fell hast du! Wer dich streichelt, dem thut's nicht gut, Dringet ihm durch gleich bis aufs Blut.« Hündchen das zog ein krumm Gesicht: »Igel, geh hin, ich mag dich nicht!«     31. Schaukelpferd und Steckenpferd.         Sch.  Ei, was mach' ich für große Sprünge, Wenn ich mich auf- und niederschwinge! St.  Ei, wie mit meinem Herrn ich lauf' Immer den Garten ab und auf! Kn.  Pferde, werdet nur nicht zu stolz, Seid doch alle beide von Holz.      Durch den Garten ritt er das eine, Bis ihm müde waren die Beine; Setzte sich auf das andere dann, Schwang sich fast zu der Decke hinan. Doch wie er fortging, war's vorbei, Stocksteif standen sie alle zwei.     32. Kaninchen.            »Was sitzt ihr Kaninchen so lustig dort Und putzt euch das Schnäuzchen fort und fort, Und schaut um euch her mit frohem Mut?« Kan.  »Das macht unser Herr, der ist so gut, Der besucht uns des Tages drei-, viermal wohl Und streichelt uns freundlich und bringt uns Kohl.«      Da hörten sie was, da kam's gegangen; Sie spitzten die Ohren mit Verlangen, Ein Kopf sah herüber; es kam eine Hand, Die war allen dreien gar wohl bekannt, Und reicht' ihnen frische Blätter hin; Da zupften sie dran mit frohem Sinn.     33. Knabe und Schmetterling.         Kn.  Schmetterling, Kleines Ding, Sage, wovon du lebst, Daß du nur stets in Lüften schwebst? Schm.  Blumenduft, Sonnenschein, Das ist die Nahrung mein.      Der Knabe der wollt' ihn fangen, Da bat er mit Zittern und Bangen: »Lieber Knabe, thu es nicht, Laß mich spielen im Sonnenlicht, Eh' vergeht das Abendrot, Lieg' ich doch schon kalt und tot.«     34. Knabe und Vogel.         Kn.  Krieg' ich dich, Vogel du? V.  Hast du mich? greif nur zu! Kn. Ei, das ist ungezogen, Bist auf den Baum geflogen. V. Schaff dir doch Flügel an, Kommst du wohl auch heran.      Vogel saß oben drauf, Knabe sah lang hinauf; Erst gefiel der Spaß ihm schlecht, Dachte dann: es ist schon recht; Bleibe du oben, flieg und singe, Weil ich hier unten hüpf' und springe.     35. Vögel und Eule.         V.  Frau Eule, sieh, kommst du auch ans Licht? Hab nur nicht ein so grämlich Gesicht! Du machst uns sonst wohl Sorgen und Schrecken; Heut' laß dich einmal ein wenig necken. E.  O, schiene der Tag nur nicht so helle, Ich fräß' euch alle gleich auf der Stelle.      Dann spielten die andern, sie saß allein; Da fragte sie eins: »Was hast du für Pein Und machst ein Gesicht wie die teure Zeit?« Sie sprach: »Mich verdrießt eure Lustigkeit, Mich ärgert der helle Sonnenschein, Mich erbost dein Fragen da und Schrei'n.«     36. Fledermaus und Vogel.         Fl.  Komm doch, du liebes Vögelein, Laß mich deinen Gespielen sein! V.  Meinen Gespielen? nein, ich kenne dich nicht, Mir wird so bange vor deinem Gesicht. Fl. Ich dachte mir's wohl, ich armes Tier, Nicht Mäuschen, nicht Vogel will spielen mit mir.      Die Fledermaus saß nun ganz allein, Sie mochte von niemand gesehen sein; Im dunkelsten Winkel blieb sie versteckt, Wo sie den Tag lang kein Aug' entdeckt, Spät erst am Abend kam sie heraus, Flatterte einsam um das Haus.     37. Hähne.            »Seht ihr laufen den fremden Hahn? Den hab' ich ordentlich abgethan; Kommt mir auf meinen Hof daher, Als wenn alles sein eigen wär'. – Merkt es euch alle: wer mir's wagt, Der wird mit Schanden davongejagt.«    Herr Hahn war so bös und so gestrenge, Trieb Hühner und Gänse in die Enge, Und wer sich auf seinem Hof ließ sehn, Den hieß er gleich vondannen gehn. Doch als er sich auch an den Spitz will wagen, Da packt ihn der derb an seinem Kragen.     38. Bär.          »Was kommt denn da für ein Tanzmeister her? Willkommen, willkommen, du lieber Bär! Was du doch alles für Künste verstehst, Wie zierlich du auf zwei Beinen gehst! Nur schade noch, Bärchen, höre du: Du brummst so gar verdrießlich dazu.«    Dem Bären war's freilich nicht zum Lachen, Er mußte hier seine Sprünge machen; Viel lieber wär' er im Wald zuhaus' Und schliefe in seiner Höhle aus. Hier mußt' er hungern den halben Tag; Viel lieber ging er dem Honig nach.     39. Murmeltier tanzt.          »Ihr guten Leute, wer schenkt mir was? Geht gar zu betrübt mir, wißt ihr das! Meine Brüder die spielen den Sommer im Feld, Ich muß hier tanzen und hüpfen für Geld; Die schlafen den Winter lang ohne Not, Ich muß hier wachen und betteln um Brot.«    »Du armes Tierchen, du dauerst mich sehr Ich tanze wohl auch und spring' umher; Doch darf mich niemand im Käfig führen, Da würd' ich gleich alle Lust verlieren. Du Armes, wie schlimm ist dir's ergangen, Daß du dich draußen hast lassen fangen.«     40. Sau.                      »Kinder«, spricht die Mama, »Höret mir zu und folget ja. Müßt nur recht manierlich sein, Immer euch sauber halten und rein, Nicht euch wälzen auf allen Wegen, Nicht euch in jede Pfütze legen.«    Und wie sie selbst es stets gethan Und wie es von ihr die Kinder sah'n, So lernten sie's auch mit Fleiß und Müh' Und machten es ganz und gar wie sie. Sie wollten nichts Besser's, nichts Schlechter's sein: Es wurde ein jedes wieder ein Schwein.     41. Truthahn und Truthähnchen.            »Hört, Kinder, das will ich euch sagen: Ihr müßt euch artig betragen, Das Kollern und Zanken schickt sich nicht; Macht gleich auf der Stelle ein freundlich Gesicht; Das Lärmen laßt, das Schrei'n und Getös; Sonst, Kinder, das merkt, sonst werd' ich bös.«    Da kam auf den Hof von ungefähr Ein Knabe mit roter Mütze her. Da wurde so bös der Truthahn dort Und lärmte und schrie: »Die Mütze fort!« Der Knabe sprach lachend: »Herr Puterhahn, Was hat dir denn meine Mütze gethan?«     42. Fuchs und Ente.   F.  Frau Ente, was schwimmst du dort auf dem Teich? Komm doch einmal her an das Ufer gleich; Ich hab' dich schon lange was wollen fragen. E.  Herr Fuchs, ich wüßte dir nichts zu sage. Du bist mir so schon viel zu klug, Drum bleib' ich dir lieber weit genug.      Herr Fuchs, der ging am Ufer hin Und war verdrießlich in seinem Sinn. Es lüstete ihn nach einem Braten, Das hatte die Ente gar wohl erraten. Heut' hätt' er so gerne schwimmen können; Nun mußt' er ihr doch das Leben gönnen.     43. Hirsch.            »War das nicht des Jagdhorns Ton? Sieh, da kommen die Hunde schon! Ach und der Jäger dort hinter den Bäumen; Da ist keine Zeit zu versäumen. Jetzt an ein Laufen muß es gehn; Nun, ihr Beine, nun laßt euch sehn!«    Der Hund sprang nach mit großer Gewalt: »Warte nur, Hirsch, jetzt hab' ich dich bald!« Aber der Hirsch rief: »Sachte, mein Lieber, Hier ist ein Graben, ich spring' hinüber. Thust du mir's nach? Nein, nimm dir Zeit, Dir ist er wohl etwas zu breit.«     44. Mops und Jagdhund.         M.  Möcht' ich doch nicht so immer zu Laufen durch Wetter und Wind, wie du! I.  Möcht' ich doch nicht in der Stube stecken Tagelang in den staubigen Ecken! M. Kann ich doch auf dem Sofa liegen. I. Springen und Laufen, das ist mein Vergnügen.      Jagdhund lief fröhlich durch Feld und Wald, Fragte nicht: »Ist es warm oder kalt?« Mops, der blieb gar bedachtsam zuhaus', Ruhte den halben Tag lang aus; Ach und sein Fett das plagt' ihn sehr, Hatte nicht Kraft noch Atem mehr.     45. Pferd und Füllen.        »Springe nur, Füllen, mein fröhlich Kind, Her und hin, hurtig wie der Wind; Bist noch ein Weilchen frank und frei. Wirst du erst groß, dann ist's vorbei, Hast dann Müh' und Arbeit genug, Trägst den Reiter, ziehest den Pflug.«    Das Füllen sprang mit frohem Sinn So hurtig neben der Mutter hin Und durfte spielen und scherzen bloß; So wurd' es gar schön und stark und groß. Dann hab' ich's gesehen nach drei Jahren, Da konnt' es den schwersten Wagen fahren.     46. Küchlein.            »Küchlein, Küchlein! leichtsinnig Kind! Wohin läufst du nun wieder so geschwind? Durchkriechst gleich alle Winkel und Ecken, Willst immer gern etwas Neues entdecken; Und siehst du dann deine Mutter nicht, Gleich schreist du so kläglich, du armer Wicht.«    Das Küchlein lief in den Garten hinein; Bald hört' es die Mutter ängstlich schrei'n; Da suchte sie's auf mit Müh' und Not; Vor Ängsten und Schrecken war's halbtot. Schnell unter die Flügel kroch's ihr nun Und denkt: ich will's nimmermehr wieder thun.     47. Fischlein.          »Fischlein! Fischlein! du armer Wicht, Schnappe nur ja nach der Angel nicht; Geht dir so schnell zum Halse hinein, Reißt dich blutig und macht dir Pein. Siehst du nicht sitzen den Knaben dort? Fischlein, geschwinde schwimme fort.«    Fischlein mocht' es wohl besser wissen, Sahe nur nach dem fetten Bissen, Meinte, der Knabe mit seiner Schnur Wäre hier so zum Scherze nur. Da schwamm es herbei, da schnappt' es zu. Nun zappelst du, armes Fischlein du.     48. Knabe und Eule.               Kn.  Ente, du gute, nun sag einmal: Wie groß ist deiner Jungen Zahl? E.  Hab' leider nicht recht gelernt zu zählen; Doch denke nur nicht, du willst mir eins stehlen, Gar sorgsam geb' ich auf alle acht, Weil jedes mir große Freude macht.      Und sie ruft sie herbei geschwind, Da kommen sie alle, so viel ihrer sind, Sie schauet recht mit frohem Sinn Auf die lieben kleinen Dinger hin; Ins tiefste Wasser schwammen sie fort, Der Knabe saß lange am Ufer dort.     49. Störche.          »Ihr lieben Störche, was habt ihr im Sinn, Warum fliegt ihr alle zur Sonne hin?« St.  »Es wird so kalt und schaurig hier, Uns friert; drum ziehen vondannen wir.«    »Fliegt hin denn mit eurem leichten Gefieder; Doch Störche, das bitt' ich, kommt recht bald wieder.«      Und sie waren fortgeflogen, Da kam der Winter hergezogen. Das leere Nest auf dem Dache droben, Das streut' er mit Federn voll bis oben. Doch mocht' es ein kaltes Lager sein, Da konnte sich wohl kein Storch dran freu'n.     50. Storch.            »Die Sonne scheint, der Sommer ist nah; Nun sind auch wir Störche wieder da. Wir haben im fernen Land unterdessen Nicht unser liebes Nest vergessen. Da steht's noch; nun wollen wir's putzen und hüten, Und still drin wohnen und fröhlich brüten.«    Sie bauten es aus mit Holz und Stroh, Sie waren so eifrig dabei, so froh. Frau Störchin saß drauf drei Wochen lang, Da hörte man bald gar mancherlei Klang; Fünf Störchlein reckten die Köpfchen herauf Und sperrten die hungrigen Schnäbel auf.     Anhang            Zwei Augen hab' ich, klar und hell, Die drehn sich nach allen Seiten schnell, Die sehn alle Blümchen, Baum und Strauch Und den hohen blauen Himmel auch. Die setzte der liebe Gott mir ein, Und was ich kann sehen, ist alles sein.    Zwei Ohren sind mir gewachsen an, Damit ich alles hören kann, Wenn meine liebe Mutter spricht: »Kind, folge mir und thu' das nicht!« Wenn der Vater ruft: »Komm' her geschwind, Ich habe dich lieb, mein gutes Kind.«    Einen Mund, einen Mund hab' ich auch, Davon weiß ich gar guten Gebrauch, Kann nach so vielen Dingen fragen, Kann alle meine Gedanken sagen, Kann lachen und singen, kann beten und loben Den lieben Gott im Himmel droben.    Hier eine Hand und da eine Hand, Die Rechte und die Linke sind sie genannt; Fünf Finger an jeder, die greifen und fassen. Jetzt will ich sie nur noch spielen lassen; Doch wenn ich erst groß bin und was lerne, Dann arbeiten sie alle auch gar gerne.    Füße hab' ich, die können stehn, Können zu Vater und Mutter gehn, Und will es mit dem Laufen und Springen Nicht immer so gut, wie ich's möchte, gelingen, Thut nichts; wenn sie nur erst größer sind, Dann geht es noch einmal so geschwind.    Ein Herz, ein Herz hab' ich in der Brust, So klein und klopft doch so voller Lust, Und liebt doch den Vater, die Mutter so sehr. Und wißt ihr, wo ich das Herz hab' her? Das hat mir der liebe Gott gegeben, Das Herz und die Liebe und auch das Leben.     Morgen.          Wie fröhlich bin ich aufgewacht, Wie hab' ich geschlafen sanft die Nacht! Hab' Dank, im Himmel du Vater mein, Daß du hast wollen bei mir sein. Nun sieh' auf mich auch diesen Tag, Daß mir kein Leid geschehen mag.     Abend.      Will nun schlafen gehen, Liebes Bettchen mein; Kann ja nicht mehr sehen Mit meinen Äugelein.    Meine Mutter decket Mich so freundlich zu, Gute Mutter wecket Morgen mich aus der Ruh.    Vater und Mutter, beide Kommen bald herein, Sehn an mir ihre Freude, Schlafen mit mir ein.    Doch vom Himmel nieder Noch ein Vater wacht, Dessen Augenlider Schlummern keine Nacht.    Sieht auf all' die Seinen Freundlich immer zu, Großen all' und Kleinen Giebt er die süße Ruh.    Vater droben, siehe Auf mich diese Nacht, Nimm auch spät und frühe Vater und Mutter in acht.     Abend.        Guter Vater im Himmel du, Meine Augen fallen zu; Will mich in mein Bettchen legen: Gieb nun du mir deinen Segen, Lieber Gott, das bitt' ich dich: Bleib' bei mir, hab' acht auf mich.            Du lieber Gott, Vater und Mutter sagen: Du hörst, was wir dich bitten und fragen. Da ist kein Kind so gering und klein, Du hältst es gar wert im Herzen dein. Du Gott im Himmel, auch mich hab' lieb, Und was ich brauche, mir freundlich gieb.            Du lieber Gott, du bist so gut, Dein Auge nimmer schläft noch ruht, Auf all' die Deinen giebst du acht So still und treulich Tag und Nacht. Willst du auch auf mich wohl sehen, Daß mir kann kein Leid geschehen?            Du liebes Schwesterlein, Wir wollen immer recht artig sein: Haben dann Vater und Mutter beide An uns Kindern ihre Freude. Sieht's auch droben im Himmel fern Gott der Vater und hat es gern; Spricht: »So mag ich die Kinder sehen; Denen soll nie ein Leid geschehen«; Und alle die Engelein um ihn her, Die hören es auch und freu'n sich sehr.     Für die kranke Mutter.                Du lieber Gott, du kannst alles thun: So hör' auch des Kindes Rufen nun. Meine gute Mutter liegt krank zu Bette, Was sollt' ich wohl thun, wenn ich sie nicht hätte? O sieh' von deinem Himmel nieder, Und gieb mir meine Mutter wieder!     Das kranke Kind.        Der Kopf thut mir weh, ich bin so krank, Muß nehmen den braunen, bittern Trank! Die Mutter sieht so betrübt mich an, Daß ich immer nicht aus dem Bette kann. Herr Gott im Himmel, ich bin ja dein, O laß mich bald wieder besser sein!     Genesung.        Hab' Dank, du Vater im Himmel, hab' Dank! Bin nicht mehr im Bette, bin nicht mehr krank. Noch schneller, als ich es selbst gedacht, Hast du mich wieder gesund gemacht. Nun will ich dich recht von Herzen lieben, In meinem Leben nicht mehr betrüben.     Wunsch.        Ein gutes Kind gern wär' ich nun Und wollte nie was Böses thun, Daß Vater und Mutter und alle hier Sähen ihre Lust und Freude an mir. Du lieber Gott, der alles thut, O hilf auch mir, und mache mich gut!     Versprechen.        Herr Gott, sie sagen, daß du uns liebst, Und dich in deinem Herzen betrübst, Wenn eins von uns etwas Böses thut. Du lieber Gott, und bist du so gut, So will ich auch immer an dich denken, Nie mehr dein Herz betrüben und kränken.     Engel.          Wie froh wohl in ihrem Himmel droben Die Engel den lieben Gott Vater loben? Ach, ich bin vom Himmel noch gar zu fern; Doch weiß er's ja auch und hört es gern, Wenn ich zu ihm bete hier auf der Erde; Macht auch, daß ich einst ein Engel werde.                Es ist kein Mäuschen so jung und klein, Es hat sein liebes Mütterlein, Das bringt ihm manches Krümchen Brot, Damit es nicht leidet Hunger und Not.    Es ist kein liebes Vögelein Im Garten draußen so arm und klein, Es hat sein warmes Federkleid; Da thut ihm Regen und Schnee kein Leid.    Es ist kein bunter Schmetterling, Kein Würmchen im Sommer so gering, Es findet ein Blümchen, findet ein Blatt, Davon es ißt, wird froh und satt.    Es ist kein Geschöpf in der weiten Welt, Dem nicht sein eignes Teil ist bestellt, Sein Futter, sein Bett, sein kleines Haus, Darinnen es fröhlich geht ein und aus.    Und wer hat das alles so bedacht? Der liebe Gott, der alles macht Und sieht auf alles väterlich, Der sorgt auch Tag und Nacht für mich.                Ich wollte, ich könnte so weit zählen, Daß mir kein einz'ges sollte fehlen Von den Tierchen, von den vielen, Die im Garten draußen spielen.    Jeden bunten Schmetterling, All' die Käfer, wie sie brummen, All' die Bienen, wie sie summen, Jedes Würmchen, armes Ding.    Wer kann alle zählen und nennen, Wer kann alle sehen und kennen, Wer hat allen gar gegeben Speise und Trank und Lust und Leben?            Kleine Biene, wer sagt es dir, Daß die Blumen blühen hier? Wer hat drin dir den Tisch gedeckt, Daß es dir so lieblich schmeckt? Weißt du, wer so an dich gedacht? Gott ist's, der alles hat gemacht.            Keinem Würmchen thu' ein Leid; Sieh', in seinem schlichten Kleid Hat's doch Gott im Himmel gern, Sieht so freundlich drauf von fern, Führt es zu dem Grashalm hin, Daß es ißt nach seinem Sinn; Zeigt den Tropfen Tau ihm an, Daß es satt sich trinken kann; Giebt ihm Lust und Freudigkeit; – Liebes Kind, thu' ihm kein Leid.                Wer merkt's am Samenkorn so klein, Daß drin ein Leben könnte sein? Kaum hab' ich's in das Land gesteckt, Da ist auch seine Kraft erweckt, Da dringt es aus der Erde vor, Da steigt es in die Luft empor, Da treibt's und wächst und grünt und blüht; Da lobt den Schöpfer, wer es sieht.            Wer hat die Blumen nur erdacht, Wer hat sie so schön gemacht, Gelb und rot und weiß und blau, Daß ich meine Lust dran schau'?    Wer hat im Garten und im Feld Sie so auf einmal hingestellt? Erst war's doch so hart und kahl, Blüht nun alles auf einmal.    Wer ist's, der ihnen allen schafft In den Wurzeln frischen Saft, Gießt den Morgentau hinein, Schickt den hellen Sonnenschein?    Wer ist's, der sie alle ließ Duften noch so schön und süß, Daß die Menschen groß und klein Sich in ihren Herzen freu'n?    Wer das ist und wer das kann Und nicht müde wird daran? Das ist Gott in seiner Kraft, Der die lieben Blumen schafft.          Armes Bäumchen, dauerst mich: Wie so bald Bist du alt! Deine Blätter senken sich, Sind so bleich, Fallen gleich Von des kalten Windes Wehn, Und so bloß dann mußt du stehn.    Bäumchen, nicht so traurig sei! Kurze Zeit Währt dein Leid. Geht ein Jahr gar schnell vorbei. Bist nicht tot, Grün und rot Schmückt dich wieder über's Jahr Gottes Finger wunderbar.                Wo sind alle die Blumen hin? Schlafen in der Erde drin, Weich vom Schneebettchen zugedeckt, Stille nur, daß sie niemand weckt. Über's Jahr mit dem Sonnenschein Tritt der liebe Gott herein, Nimmt die Decke hinweg ganz sacht', Ruft: »Ihr Kinder, nun all' erwacht!« Da kommen die Köpfchen schnell herauf, Da thun sie die hellen Augen auf.     Am Geburtstag.        Lieber Gott, die andern schenken Alle zum Geburtstag mir, Was sie sich das Liebste denken. Sieh', ich weiß, daß du mich liebst Mehr als all' die andern hier, Mir so gern was Schönes giebst.    Lieber Gott, darf ich dir sagen, Was ich gerne haben will, Heut und an den andern Tagen? Mache mich zu deinem Kinde, Wie die Engel fromm und still, Daß ich Gnade vor dir finde.    Laß mir meine Eltern leben, Stets gesund und froh wie heut', Alles Gute wollst du geben, Und daß sie mich immer lieben, Nie in ihrer Lebenszeit Um ihr Kind sich mehr betrüben.     Sonntag.          Heut' ist's Sonntag, heute sind Gar so fröhlich Mutter und Kind.    Wenn die hellen Glocken klingen, Geht die liebe Mutter fort In die schöne Kirche dort, Wo sie beten, wo sie singen;    Wo von Gott dem Herrn sie hören Und vom lieben Jesus Christ, Wie so treu und gut er ist, Wie ihn alle Welt soll ehren.    Kommt nun meine Mutter wieder, Lang' schon sah ich aus nach ihr, Tritt sie schnell herein zu mir, Setzt sich freundlich bei mir nieder;    Saget mir, was sie gesehen Und gehört hat alles dort, Und von Gott manch gutes Wort, Wie ein Kind es kann verstehen.    O wie hör' ich das so gerne, Und wie gerne sagt sie's mir; Welche Freude macht es ihr, Daß ich recht drauf acht' und lerne!    Heut' ist's Sonntag, heute sind Gar so fröhlich Mutter und Kind.              All' die ganzen langen Wochen Hat der Vater viel zu thun, Darf nicht rasten und nicht ruhn; Hat ein Wörtchen kaum gesprochen Früh zu seinem armen Kind, Muß er wieder fort geschwind.    Auf den Sonntag muß ich hoffen Durch die ganze Woche lang; Bei dem hellen Glockenklang Stehn mir schnell die Äuglein offen, Bleibe nicht im Bette mehr, Laufe schnell zum Vater her.    Darf dann immer mit ihm gehen, In den Garten, auf das Feld, Und die ganze schöne Welt Rings herum läßt er mich sehen; Sagt mir, wie Gott alles schafft Durch sein Wort und seine Kraft.    Sonntag, o von allen Tagen Hab' ich keinen lieb wie dich; Weckt der Klang der Glocken mich, Und ich hör' die Mutter sagen: »Heute ist der Tag des Herrn«, O wie hör' ich das so gern!            Ich bin noch klein, ich kann noch nicht Mit in die Kirche gehen Und muß mit traurigem Gesicht Hier hinter'm Fenster stehen. Die andern gehn mit frohem Sinn So allzusammen immer hin.    Doch stille nur, die Zeit ist nah', Bald werd' ich groß, wie meine Brüder. Dann bin ich auch mit ihnen da, Und singe mit die schönen Lieder, Und höre recht und merk' und lern' Von Jesus Christ und Gott dem Herrn.     Neujahr.            Ein neues Jahr hat angefangen, Der liebe Gott hat's uns geschenkt. Viel hundert Jahr' sind hingegangen, Seit er an seine Menschen denkt, Und hört nicht auf für uns zu sorgen, Und wird nicht müde, was er thut, Und weckt und stärkt uns alle Morgen Und giebt so viel und ist so gut.    Und sieht auch heut' vom Himmel nieder Auf mich und jedes kleine Kind, Und hilft auch dieses Jahr uns wieder, So lang' wir gut und folgsam sind. Du, lieber Gott, kannst alles machen, Willst du mich machen treu und gut, Willst du mich dieses Jahr bewachen, Daß nie dein Kind 'was Böses thut?     Neujahr.      Zeit vergeht und Jahr um Jahr, Gottes Huld bleibt immerdar, Sein getreues Auge wacht Über mir in jeder Nacht, Seine Liebe gehet auf Neu mit jedes Morgens Lauf. Seine Vaterhand erhält Sonn' und Mond und alle Welt, Sieht, bewahrt, erhält auch mich Liebet mich so väterlich.     Weihnachten.                    Die schönste Zeit, die liebste Zeit, Sagt's allen Leuten weit und breit, Damit sich jedes freuen mag, Das ist der liebe Weihnachtstag.    Den hat uns Gott der Herr bestellt, Den herrlichsten in aller Welt, Daß jung und alt, daß groß und klein So recht von Herzen froh soll sein.    Das beste Kind, das liebste Kind, So viele rings auf Erden sind, Kommt her und hört, damit ihr's wißt, Das ist der liebe Jesus Christ.    Wie der sich freundlich zu uns neigt, Mit seinen Händen nach uns reicht, Und wer sein Auge nur gesehn, Will nimmer wieder von ihm gehn.    Zur Weihnachtszeit, zur Weihnachtszeit, Da kam er von dem Himmel weit Zu seinen armen Menschen her, In einer Krippe schlummert' er.    Das Christuskind in einem Stall, Und ist doch von den Kindern all' Kein andres diesem einen gleich Auf Erden und im Himmelreich.    Vom Himmel hoch, vom Himmel hell, Da gehet aus ein Glanz gar schnell, Der scheinet in der Mitternacht Viel heller als der Sonne Pracht. Und in den Lüften überall Ertönt ein lauter Freudenschall, Da hören sie's wohl fern und nah': »Das liebe Christuskind ist da.«    Die Engelein, die Engelein, Die singen alle froh darein Den Hirten zu herab auf's Feld: »Geboren ist der Herr der Welt«    Geboren ist das Christuskind, Durch das die Menschen selig sind, Das alle so von Herzen liebt Und ihnen Himmelsgaben giebt.    Das hören froh, das hören gern Die Menschen alle nah' und fern, Und denken nicht an Weh und Leid Und freuen sich der schönen Zeit;    Und jedes ruft dem andern zu: »Mein Bruder, Schwester, hörest du, Was uns vom Himmel diese Nacht Hat für ein großes Heil gebracht?«    Du Kind so lieb, du Kind so gut, Das allen Menschen Gutes thut, Komm' bald einmal nun auch zu mir Und meiner kleinen Schwester hier.    Nimm von uns Angst und Weh und Schmerz, Gieb uns ein frohes, frommes Herz, Laß uns auf Erden gut und rein Und einst im Himmel bei dir sein.     Christus, der Helfer.        Es zog ein guter Mann durch's Land, War allen Leuten gar wohl bekannt.    Durch welche Stadt er ging, da kamen Die Armen all', wer krank und wund, Und all' die Blinden, all' die Lahmen, Und riefen: »Herr, mach' uns gesund!«    Und er mit freundlichem Erbarmen Blieb gleich auf seinem Wege stehn Und sprach so liebreich zu den Armen: »Was ihr begehrt, soll euch geschehn.«    Da konnten gleich die Blinden sehen, Vorüber war der Kranken Leid, Die Schwachen und die Lahmen gehen So froh von dannen, nah' und weit. Und alle danken laut und loben Den Mann, der solche Hilf' erweist, Der zu uns kam vom Himmel droben, Und daß er Jesus Christus heißt.    Drum ist umher im ganzen Land Sein Name längst auch wohl bekannt.     Jesus segnet die Kinder.            Jesus Christus ist so gut, Wer von ihm was will begehren, Daß er's keinem läßt verwehren, Daß er's stets mit Freuden thut, Daß kein Kind auch ist so klein, Stets soll's ihm willkommen sein.    Seht ihn dort im Volke stehn, Um ihn her die dichte Menge, Und wie mitten durch's Gedränge Fromme Mütter zu ihm gehn, Und wie viel' es ihrer sind, Jede bringt ihr liebes Kind.    Jede will von ihm so gern Für ihr Liebstes einen Segen; Doch die Leute stehn entgegen, Lassen nicht sie zu dem Herrn. Und die Armen können nicht Kommen vor sein Angesicht.    Doch der Herr mit treuem Sinn Hat ihr Rufen längst vernommen, Spricht: »O laßt die Kindlein kommen, Weil ich ja ihr Helfer bin. Wehret sie nicht ab von mir, Denn das Himmelreich ist ihr.«    Und er nahm sie an sein Herz, Sprach so sanft: »Ich will euch segnen, Nimmermehr soll euch begegnen Angst und Sorge, Not und Schmerz.« O wie froh dann waren sie Und vergaßen seiner nie!    Meine liebe Mutter du, Komm' geschwinde, laß uns gehen, Laß auch mich den Heiland sehen, Führe seiner Huld mich zu, Daß er mich auch küßt und liebt Und mir seinen Segen giebt.     Was ist das für ein Mann, dem Wind und Meer gehorsam sind?            Das Meer ist groß und wild der Wind, Der Herr ist mehr als alle beide. Nie thun sie mir etwas zuleide, Bleibt er nur stets bei seinem Kind.    Im Schifflein fuhr er auf dem Meer, Ein wenig war er eingeschlafen, Da braust der Sturm, die Wellen trafen Das schwache Schifflein allzusehr.    Den armen Jüngern wird so bang, Die denken schon, sie müssen sterben, Sie rufen: »Herr, Herr, wir verderben!« Da hört er ihrer Stimme Klang;    Da wacht er auf und tritt empor, Und wie er mit dem Finger winket, Schnell wird der Sturmwind still und sinket; Das Schifflein fähret wie zuvor.    Wenn nun einmal ein Leid mir droht, Schnell will ich den Herrn Jesus bitten, Da kommt er gleich herbeigeschritten, Dann fürcht' ich mich in keiner Not.     Christus speiset die Tausende.            Jede gute Mutter giebt Brot dem Kinde, das sie liebt; Jeder Vater giebt den Seinen, Daß sie nicht vor Hunger weinen.    Mehr als eine Mutter kann, Mehr noch als der reichste Mann, Will der Herr den Seinen geben, Speis' und Trank und Lust und Leben.    In der Wüste sitzet er, Wohl fünftausend um ihn her; Wollen alle von ihm hören Trostesworte, Himmelslehren.    Haben nicht daran gedacht, Daß so nah schon ist die Nacht, Haben's gar bei ihm vergessen, Daß sie nun auch müssen essen.    Aber er hat dran gedacht; Er nimmt alles wohl in acht, Lässet keines Mangel leiden, Keines hungrig von ihm scheiden.    Hat er auch nur sieben Brot', Er macht darum sich nicht Not; Seine Hand hat Macht und Stärke, Thut gar große Wunderwerke.    Seht, dort sitzet Schar an Schar; Seht, nun reicht er's ihnen dar. Alle essen, alle haben Satt von seinen reichen Gaben.    Seht, nun gehn sie fröhlich fort, Alle die Fünftausend dort, Denken wohl an ihn noch lange, Danken ihm auf ihrem Gange.     Der gute Hirte.            Du lieber Heiland Jesus Christ, Wenn du ein guter Hirte bist Und merkst so treu auf deine Herde, Daß keins davon verloren werde; So will auch ich dein Schäflein sein, Will fröhlich folgen dir allein, Will stets auf deine Stimme hören, Will nie mich wieder rückwärts kehren. Christus, mein Helfer und mein Hirt, Der treulich für mich sorgen wird, Und mich behüten, führen, weiden, In Ewigkeit nicht von mir scheiden.     Christus weckt den Toten auf.                Wem auf seinen Wegen Jesus Christus kommt entgegen, Weint er erst auch noch so sehr, Dann fließt keine Thräne mehr. –    Aus der Stadt mit Klagen Wird ein Sarg hervorgetragen Nach dem Gottesacker hin, Und ein Jüngling liegt darin.    Und mit wehem Herzen Folgt die Mutter voller Schmerzen; Ach, es war ihr einz'ger Sohn, Mußt' so frühe sterben schon.    Nachbarn, Freunde gehen Alle trauernd mit und sehen, Jetzt der armen Mutter Not, Jetzt im Sarg den Jüngling tot.    Sieh', auf einmal schreitet, Von der Jünger Schar begleitet, Auf dem Wege her von fern Jesus Christ, der hilft so gern.    Der auch kann das Leben Selbst dem Toten wiedergeben, Sieht die Mutter an und spricht Voll Erbarmen: »Weine nicht!«    In dem Sarg erblasset Liegt der Sohn; doch Jesus fasset Seine Hand und ruft ihm zu: »Jüngling auf, erwache du!«    Wie der da erwachte, Wie er ihn zur Mutter brachte, Wie sie da sich hat erfreut, Gott gepriesen allezeit!    Und wie gern noch heute Fröhlich rühmen alle Leute: Unser Heiland ist so gut, Der so große Wunder thut;    Der uns nicht will sehen Gar in Leid und Not vergehen, Der uns auch vom Tod erweckt, Daß nicht Sarg noch Grab mehr schreckt!                Wo wohnt der liebe Gott? Sieh' dort den blauen Himmel an, Wie fest er steht so lange Zeit, Sich wölbt so hoch, sich streckt so weit, Daß ihn kein Mensch erfassen kann; Und sieh' der Sterne goldnen Schein Gleich als viel tausend Fensterlein: Das ist des lieben Gottes Haus, Da wohnt er drin und schaut heraus, Und schaut mit Vateraugen nieder Auf dich und alle deine Brüder.    Wo wohnt der liebe Gott? Hinaus tritt in den dunklen Wald; Die Berge sieh' zum Himmel gehn, Die Felsen, die wie Säulen stehn, Der Bäume ragende Gestalt; Horch, wie es in den Wipfeln rauscht, Horch, wie's im stillen Thale lauscht. Dir schlägt das Herz, du merkst es bald, Der liebe Gott wohnt in dem Wald. Dein Auge zwar kann ihn nicht sehen, Doch fühlst du seines Odems Wehen.    Wo wohnt der liebe Gott? Hörst du der Glocken hellen Klang? Zur Kirche rufen sie dich hin. Wie ernst, wie freundlich ist's darin! Wie lieb und traut und doch wie bang'! Wie singen sie mit frommer Lust! Wie beten sie aus tiefer Brust! Das macht, der Herr Gott wohnet da. Drum kommen sie von fern und nah', Hier vor sein Angesicht zu treten, Zu stehn, zu danken, anzubeten.    Wo wohnt der liebe Gott? Die ganze Schöpfung ist sein Haus. Doch wenn es ihm so wohl gefällt, So wählet in der weiten Welt Er sich die engste Kammer aus. Wie ist das Menschenherz so klein! Und doch auch da zieht Gott herein. O halt' das deine fromm und rein, So wählt er's auch zur Wohnung sein, Und kömmt mit seinen Himmelsfreuden, Und wird nie wieder von dir scheiden.     Sprüche. Der Sohn Gottes sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes. (Mark. 10, 14.) Sie sollen mich alle kennen von dem Kleinsten bis zum Größten. (Hebr. 8, 11.) Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse? (Matth. 16, 26.) Ein jegliches Haus wird von jemand bereitet; der aber alles bereitet, das ist Gott. (Hebr. 3, 4.) Selig sind die Gottes Wort hören und bewahren. (Luk. 11, 28.) Der Herr, unser Gott, ist ein einiger Gott, und du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und von allen deinen Kräften. (Mark. 12, 29.) Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3, 16.) Seht, welche Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir sollen Gottes Kinder heißen. (1 Joh. 3, 1.) Ich bin der Anfang und das Ende, spricht der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. (Offenb. 1, 8.) Du hast vorhin die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, aber du bleibest; sie werden alle veralten, wie ein Gewand; sie werden verwandelt wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibest wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. (Ps. 102, 26.) Ich bin der allmächtige Gott: wandle vor mir und sei fromm. (1 Mos. 17, 1.) Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen? (Ps. 94, 9.) Ein Mensch siehet, was vor Augen ist; der Herr aber siehet das Herz an. (1 Sam. 16, 7.) Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege. (Ps. 139, 1.) Er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns; denn in ihm leben, weben und sind wir. (Ap.-Gesch. 17, 28.) Weißt du nicht? hast du nicht gehöret? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. (Jes. 40, 28.) Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Du hilfst beiden, Menschen und Vieh. (Ps. 36, 6. 7.) Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. (Klagl. Jer. 3, 22.) Niemand ist gut, denn der einige Gott. (Matth. 19, 17.) Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen, alle Lande sind seiner Ehre voll. (Jes. 6, 3.) Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde. (1 Mos. 1, 1.) Und Gott sahe an alles, was er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut. (1 Mos. 1, 31.) Tag und Nacht ist dein; du machest, daß beide, Sonne und Gestirne, ihren gewissen Lauf haben. Du setzest einem jeglichen Lande seine Grenze; Sommer und Winter machest du. (Ps. 74, 16.) Aller Augen warten auf dich und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du thust deine Hand auf und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen. (Ps. 145, 15.) Kauft man nicht zween Sperlinge um einen Pfennig? Noch fällt derselben keiner auf die Erde, ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählet. (Matth. 10, 29.) Wir wissen, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen. (Röm. 8, 28.) Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir auch die verborgenen Fehle. (Ps. 19, 13.) Wer Sünde thut, der thut auch Unrecht, und die Sünde ist das Unrecht. Kindlein, lasset euch niemand verführen. (1 Joh. 3, 4 u. 7.) Wer seine Missethat leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennet und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen. (Spr. Sal. 28, 13.) Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretung. Gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit. (Ps. 25, 7.) Das ist je gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Jesus Christus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. (1 Tim. 1, 15.) Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr. (Luk. 2, 10.) Ich bin ein guter Hirte; ein guter Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Ich bin ein guter Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen. (Joh. 10, 12.) Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Matth. 11, 28.) Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan. Denn wer da bittet, der nimmt; und wer da suchet, der findet; und wer da anklopfet, dem wird aufgethan. (Luk. 11, 9.) Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. (Ps. 50, 15.) Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. (Ps. 37, 5.) Hoffet auf Gott allezeit, lieben Leute; schüttet euer Herz vor ihm aus. Gott ist unsre Zuversicht. (Ps. 62, 9.) Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. (Ps. 103, 1.) Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. (Ps. 107, 1.) Saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater, in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi. (Eph. 5, 20.) Ihr esset nun oder trinket oder was ihr thut, so thut es alles zu Gottes Ehre. (1 Kor. 10, 31.) Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. (Ps. 63, 7.) Herr, lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen; denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. (Ps. 143, 10.) Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Mich. 6, 8.) Das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer. (1 Joh. 5, 3.) Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. (Mark. 12, 31.) Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. (Röm. 13, 10.) Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden. (Röm. 12, 15.) Ihr Lieben, lasset uns unter einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennet Gott. Wer nicht lieb hat, der kennet Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. (1 Joh. 4, 7.) Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. (Matth. 5, 7.) Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes thut, der bleibt in Ewigkeit. (1 Joh. 2, 17.) Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. (Röm. 14, 8.) Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei nur seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. (Joh. 17, 24.) Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein, denn das erste ist vergangen. (Offenb. 21, 4.)     Nachschrift an die Eltern. Dieses Buch ist zunächst für Kinder von vier bis sieben Jahren bestimmt. Wenn wir die rechte Wahl und den rechten Ton getroffen haben, so zweifeln wir nicht, daß auch Größere, Kinder und Nichtkinder, es in die Hand nehmen und sich daran erfreuen werden. Das wahrhaft Kindliche hat ja einen Reiz für jedes Alter. Ungern wollten wir, daß es mit der Menge gewöhnlicher Bilderbücher auf eine kurze Zeit die Kinder beschäftigte und dann hingeworfen würde. Es sollte vielmehr auf lange hin ihr Liebling bleiben und dadurch ihnen für Sinn und Gemüt wahrhaft bildend werden. – Darum vorzüglich der ernste Anhang, wiewohl ja auch der Inhalt der Fabeln ihm nahe verwandt ist. Doch insbesondere um jenes willen noch einige Worte zur Rechtfertigung und über zweckmäßigen Gebrauch. Der ganze Anhang ist ausdrücklich zum Auswendiglernen bestimmt. Dabei ist zweierlei zu fragen: Sollen die Kleinen schon in diesem zarten Alter ihr Gedächtnis so anstrengen! – Nein, da ist kein Anstrengen. Gerade jetzt ist es am frischesten und empfänglichsten, wie es denn in der That zehnmal mehr Neues faßt und behält, als zu irgend einer andern Zeit des Lebens. Jetzt besonders kommt es darauf an, ihm Festigkeit und Treue zu geben. Das geschieht am besten, indem es gewöhnt wird, anziehende und faßliche Gegenstände in bestimmter Gestalt aufzunehmen und für immer zu behalten. – Also wörtliches Lernen und öfteres Wiederholen . Deshalb ist es so wichtig, daß den Kindern etwas angeboten werde, was wirklichen Wert hat, ihn also auch behält. Möge das von unserer Gabe gesagt werden können! Aber ist sie nun auch passend für die kleinen Empfänger? Sollen sie schon jetzt von Gott und göttlichen Dingen hören? – O hier laßt euch von niemand irre machen. Die Hand aufs Herz. Was hierin dem kindlichen Verstande unbegreiflich ist, das bleibt so auf immer auch für den unsrigen, eben weil es überirdisch ist. Wir müssen es glauben. So alle die täglichen Wunder um uns her, den ganzen Zusammenhang zwischen der sinnlichen und geistigen Welt, zwischen unserm eignen Leib und Geist, zwischen der Welt und ihrem Schöpfer; so auch die Offenbarung von Anfang bis zu Ende. Laßt denn eure Kinder mit euch glauben, bald an das glauben, was einst der Trost und die Kraft ihres Lebens sein soll. Sie nehmen ja täglich einzig auf euer Wort hundert Dinge von jeder Art an, die ihr ihnen noch nicht erklären könnt oder wollt. Wie viel williger werden sie es thun in dem, was zwar ihr Verstand nicht faßt, aber wovon sie in eurer Liebe zu ihnen, eurer alles bedenkenden Sorge für sie, steten Wachsamkeit über sie das schönste Gleichnis haben! O laßt sie bald den lieben Vater im Himmel, bald den treuen Heiland, der auch für sie auf die Erde gekommen ist, kennen und lieben. Wir werden uns freuen, wenn unsere kleinen Liedersprüche und Gedichte hier eine Lücke ausfüllen. Manche derselben und ähnliche, die aber zu sehr in besondere Verhältnisse eingingen, haben schon die Probe bestanden. Ein kaum fünfjähriges Kind lernte sie mit großer Leichtigkeit und Lust und trieb die Mutter jeden Tag an, den »Brief« des Freundes zu holen und ihm daraus vorzusagen. Nun noch unsern Rat, wie ihr Mütter das Buch gebrauchen mögt. Durch die trefflichen Bilder wird das Kind gewiß angezogen; laßt es mit ihnen allen vertraut werden, doch gebt ihm das Buch nicht zu viel in die Hände. Leset ihm dann eine oder die andere Fabel vor, wenige auf einmal, bis es sie selbst ohne Anstrengung lesen kann. Will es gern, so laßt es sie auswendig lernen, aber macht ihm das Buch nicht zur Qual. Was es einmal gelernt hat, wiederholt zu rechter Zeit; es soll nichts vergessen. Aus dem Anhange sagt ihm täglich einen kürzeren Vers vor, oder von längern Liedern eine Strophe nach der andern; und täglich, oder mit jenen abwechselnd, einen Spruch; – so lange es nämlich nicht in die Schule geht. Möchte das nicht so bald sein, und selbst, wenn das, möchtet ihr Mütter euch namentlich diesen ersten christlichen Unterricht nicht nehmen lassen. Die passende Wahl werdet ihr schon selbst treffen. Auch dabei, und noch viel mehr als bei den Fabeln, haltet darauf, daß nichts wieder vergessen werde. Noch ein Wort über die Bibelsprüche. An ihnen werdet ihr wohl sehen, wie schön die heilige Schrift auch zu den Kindern zu reden weiß. – Hier ist nur einiges von vielem. Manchen schönen Spruch findet ihr gewiß selbst oder hört ihn und denkt: den kann mein Kind verstehen. Wollt ihr ein Buch, worin schon eine treffliche, sehr reiche Auswahl für kleinere und größere Kinder ist und daneben auch absichtlich freigelassener Raum, daß ihr selbst noch an passender Stelle eintragen könnt, was euch anspricht, so kauft die »Biblische Weihnachtsgabe für Alt und Jung« (Hamburg, bei Perthes). Mit dieser, wenn ihr noch eine gute Auswahl biblischer Geschichten habt, werdet ihr lange Zeit eure Kinder lehren, zu Gott führen können. Wenn unser Buch euch und ihnen gefällt, so sagen wir gern, daß wir von solchem Scherz und Ernst in Bild und Wort noch mehr Vorrat haben. Möge Gott eure Lieblinge fröhlich gedeihen lassen!