Johann Wilhelm Ludwig Gleim Der Tropfen. 1754. An – – –         O Freundin, die du weiser, Als Sokrates und Solon, Dich selbst erkennst, wir hörten Dich, o du Weise, sagen: Was bin ich in den Wirbeln Der Sonnen? Was im Raume Der Himmel? – Hör', o höre, Was neulich eine Muse Mir sang, es dir zu singen! Sie sang: Ein klarer Tropfe Fiel hoch aus einer Wolke Tief in das Meer, und sahe Neptunus Reich, und sagte: Was bin ich hier im Brausen Der Wasserwogen? Götter! Ein Nichts bin ich, ein Tropfe! Schnell aber schwamm hinüber Zu dem bescheid'nen Tropfen, Bescheid'ner, eine Muschel, Und trank den klaren Tropfen. Da ward er in der Muschel Zur allerschönsten Perle, Ward aufgefischt und pranget Nun in der großen Krone Des persischen Monarchen!