Johann Wilhelm Ludwig Gleim Das alte Pferd und der arme Mann.       Ein vortrefflich schönes Pferd, Wegen seiner Kraft und Tugend Tausend goldne Thaler werth, That in seiner muntern Jugend Eines großen Königs Sohn Manchen Dienst; aus mancher Schlacht Hatt' es ihn gesund gebracht. Was dann aber war der Lohn, Als es alt war? Füllte man Etwa täglich seine Krippe Dankbar noch mit Futter an? Nein. Ein mageres Gerippe Dient' es einem armen Mann, Der mit ihm sein Brod gewann. Als es da in seiner Krippe Wenig magres Futter fraß, Und sein Herr ihm nahe saß, Voll Empfindung seiner Noth, Und ein Bischen trocknes Brod Aus der Hand zum Mittag aß, Da, da sprach's mit ernster Miene: »Lieber Mann, dem ich itzt diene, Der mir itzt mein Futter reicht, Wärst du reicher, ach! vielleicht Gäbst du wohl bis an den Tod Mir ein wenig Gnadenbrod!«