Noch funfzig Fabeln für Kinder von Wilhelm Hey. In Bildern, gezeichnet von Otto Speckter. Nebst einem ernsthaften Anhange.   Gotha. Friedrich Andreas Perthes. [ca. 1850]     Wir dürfen wohl die Eltern und Lehrer der lieben Kinder, für welche dieses Büchlein bestimmt ist, bitten, die Schlußbemerkung unsres vorigen Fabelbuchs einer erneuten Aufmerksamkeit zu würdigen. Hinzuzufügen haben wir nur Folgendes. Die Erfahrung einer zahlreichen Kleinkinderschule so wie anderer Kinderkreise hat uns überzeugt, daß die lieben Kleinen schon vom vierten bis sechsten Jahre an nicht bloß sehr gern singen, was man ja täglich hört, sondern daß sie auch Melodien, welche nicht zu schwierig, namentlich dem Umfange ihrer Stimme angemessen sind, sehr gut behalten. Es ist eine Freude, einen solchen Gesang zu Scherz oder Ernst aus dem Munde der Kinder mit anzuhören. Wie bildend aber muß es für sie selbst sein, wie sehr ihr Gehör, ihren Sinn für das Schöne schärfen! Doch soll Alles in den Schranken der einfachsten Uebungen bleiben, an frühreife künstlerische Leistungen nicht im mindesten gedacht werden. Um nun diesen Zweck zu fördern und auch den Ernst des Anhanges den Kindern desto lieber zu machen, ist sein Inhalt meist singbar dargestellt, auch eine Anzahl leichter Singweisen, älterer und neuer, beigefügt, bloß in der Singstimme, weil es eben nur darauf ankommt, daß sie den Kindern vorgesungen werden. Wenn es doch gewünscht wird, so wird der Tondichter, dem wir einige derselben verdanken, gern in einem besondern Hefte alle hier gegebenen und wohl noch mehrere mit angemessener Pianofortebegleitung ausstatten. Noch fordert der ausdrückliche Wunsch unsres Otto Speckter in Hamburg die Erklärung, daß nur die Bilder, nicht die Worte des Büchleins von ihm sind. Helfe nur Gott, daß beide an ihrem Theile dazu beitragen, die liebe deutsche Jugend recht frisch, fröhlich und fromm zu machen.     Schwalbe und Sperling.         S.  Hörst du nicht, Sperling, was machst du da drin? Sp.  Ich such' mir ein Haus nach meinem Sinn. S. Ach Sperling, dieß Nestchen ist ja mein. Sp. Doch künftig soll es für mich eben seyn. S. O Sperling, du Dieb, du böser Wicht, Und fürchtest du dich vor der Strafe nicht?      Sie besann sich: Und hat er mir's genommen, So will ich wohl zu einem neuen kommen. Giebt es ja Lehm und Grashalmen noch, Hab' ich ja meinen Schnabel doch. Schöner als jenes soll es seyn; Morgen schon zieh' ich wieder ein.     Frosch.          In dem Wasser ist's freilich kalt, Darum hab' ich's satt gar bald; Kommt nun die Sonne mit ihrem Schein, So sitz' ich hier auf dem breiten Stein, Sperr' weit und breit mein Mäulchen auf Und ruf' ihr großen Dank hinauf.    Da sieht einer her von der Brücke Rand; Dem Frosch ist schon der Knabe bekannt, Hat schon geworfen manchen Stein, Und traf er einmal, so that's nicht fein. Drum eh' er sich's denkt in seinem Sinn, Husch fährt der Frosch in das Wasser hin.     Dachs.            Hört er, Herr Dachs, wie liegt er doch So lange schon träg in seinem Loch! Nun kann er nur seine Glieder strecken, Ich schick' ihm jemand, der wird ihn wecken; Doch weiß ich kaum, ob's ihm gefällt, Wenn man ihm so in die Ohren bellt.    Die Hunde kamen und packten ihn an, Er wehrt sich mit Beißen so gut er kann; Doch drei der Klaffer sind ihm zu viel, Da hat er es satt das böse Spiel. Von dannen will er laufen schnell; Nun schießt ihn der Jäger auf sein Fell.     Miezchen.           K.  Miezchen, warum wäschst du dich Alle halbe Stunden? sprich! M.  Weil es gar zu häßlich steht, Wenn man nicht recht sauber geht; Köpfchen, Pfötchen, alles rein, Anders darf's bei mir nicht seyn.      Unser Miezchen, hört' ich dann, Stand in Ehren bei jedermann; Sie ließen es gern in die Stube kommen, Und haben's wohl gar auf den Schoos genommen. Ich denke, das Waschen und das Putzen Hat ihm gebracht so großen Nutzen.     Kind und Taube.         K.  Taube, wie muß dir das wehe thun, Zupfst aus der Brust die Federn nun. T.  Thut es auch weh, ich freu' mich dran, Daß ich ein Bettchen machen kann, Drinnen die Täubchen, mein Vergnügen, Können recht warm und weich dort liegen.      Da denkt bei sich selber gleich das Kind: Wie die Taube, so alle Mütter sind, Und sorgen gar treulich für ihre Kleinen, Daß sie nicht dürfen frieren noch weinen. So thut auch meine Mutter an mir, Das Allerbeste hab ich von ihr.     Katze.            Frau Katze, was schleichst du doch Dort auf dem Dach umher so hoch? Hast du das Schwälbchen sitzen sehn, Möchtest ihm gern zu Leibe gehn? Sachte nur! Schwälbchen ist klüger als du, Fliegt von dannen und du siehst zu.    Frau Katze war grämlich in ihrem Sinn, Sah nur so von der Seite hin, Dachte: das ist ein schlecht Vergnügen, Daß die Vögel so können fliegen; Ist dann hinab in den Hof gegangen, Hat sich bald eine Maus gefangen.     Wächter.           K.  Willst, Wächter, mit spazieren gehn? W.  Ich thät' es wohl gern, doch darf's nicht geschehn. K. Warum nicht? wir gehen nur ein Paar Schritt; Geschwinde, du Hundchen, komm nur mit! W. Ei nicht doch! da bliebe das Haus allein Und schliche wohl gar ein Dieb herein.      Wie sie da gingen und er dort lag, Da sah er ihnen so freundlich nach; Dann lief er umher eine halbe Stunde Um's Haus und auf dem Hof in die Runde. Doch als sie heimkehrten von ihren Wegen, Da sprang er ihnen voll Lust entgegen.     Ziege.         Kn.  Ziege, wolltest du mir wohl sagen, Warum du mußt Bart und Hörner tragen? Z.  Den Bart hab' ich, daß du kannst zupfen dran, So lange mir das Spiel steht an; Die Hörner, daß ich dich fort kann jagen. Wenn ich's nicht länger will vertragen.      Da lachte der Knabe: wir wollen sehn; Er faßt' sie am Bart, sie ließ es geschehn; Nun macht' er's zu derb, sie stieg in die Höh' Und stieß ihn recht tüchtig; er rief: o weh! Doch bald hat er wieder sein Leid vergessen, Und holt ihr ein Bündelchen Heu zu fressen.     Fuchs und Gans.         F.  Frau Gans, das Wetter ist so schön, Wir könnten zusammen spazieren gehn. G.  Herr Fuchs, ich bleibe doch lieber zu Haus; Erst sah mir es auch ganz heiter aus, Doch seit du da stehest vor dem Thor, Da kommt mir's wie böses Wetter vor.      Nicht draußen war böses Wetter eben, Nicht Sturm und Regen hat's gegeben; Der Gans nur war es nicht wohl zu Muth, Sie kannte den Herrn Fuchs recht gut. Hätte der sie einmal mitgenommen, Sie wäre wohl niemals wiedergekommen.     Sperling im Schnee.         Kn.  Vogel, wie ist es so kalt! Sprich doch, erfrierst du nicht bald? Sp.  Bin noch ganz munter in dieser Zeit, Hab' ein gar warmes Federkleid, Fliege gar fröhlich her und hin, Ist mir so warm als dir wohl drin.      Kind das dachte: so ist's schon gut; Faßte sich gleich einen frischen Muth, Hatte ja auch sein warmes Kleid, Lief und spielt' eine schöne Zeit, Fragte gar wenig nach Eis und Schnee; That ihm drum doch keine Ader weh.     Knabe und Esel.             Kn.  Esel, ein Räthsel rath' einmal: Es ist ein Thier gar grau und fahl, Hat kurzen Verstand und Ohren lang, Schreit Ya und schleicht mit trägem Gang. E.  Nein Knabe, das ist mir zu schwer und fein; Was mag das für ein Thierchen seyn?      Da rief ihm der Knabe mit Lachen zu: Ei schäme dich, Esel, das bist du! Er hört' es, doch konnt' er's noch nicht fassen, Da hat ihn der Knabe im Zorn verlassen. Warum auch hat er nicht dran gedacht? Der Esel ist nicht zum Rathen gemacht.     Canarienvogel und Henne.         C.  Henne, wie häßlich gackerst du doch! Warum leidet nur der Herr dich noch? H.  Freilich, ich kann wie du nicht singen, Heiser wohl mag mein Gackern klingen, Doch meine Eier schmecken nicht schlecht, Darum loben mich Herr und Knecht.      Wer soll nun zuletzt den Streit entscheiden? Ich mag sie alle beide leiden, Das Vögelein in der Stube drin, Auf dem Hofe die Eierlegerin, Den Gesang für das Ohr, das Ei für den Mund; So, denk' ich, ist's allen beiden gesund.     Windhund und Dachshund.         W.  Hundchen wie bist du so klein! Was hast du für krumme Bein'! D.  Hund, wie bist du so groß und lang, Ach, und wie furchtsam auch und bang! W. Kann ich doch Hasen fangen im Lauf. D. Jag' ich den Fuchs aus dem Loche herauf.      Frieden gebot der Jägersmann; Bald auch ging's mit dem Jagen an. Ei, wie regte der Große die Beine! Ei, wie faßte den Fuchs der Kleine! Jeder in seiner Art und Kunst Hat sich verdient des Brodherrn Gunst.     Wolf vor der Gitterthüre.            Hast wohl rechten Hunger im Magen? Willst dir ein Schaf nach Hause tragen? Sieh nur, wie wird es ihm schon so bang; Geh doch und nimm's! was machst du lang? Ach nun merk' ich's, die Thür ist zu; Ei so bleib' draußen, du Schafdieb du!    Allzulange doch blieb er stehn, Konnte nicht satt an dem Schaf sich sehn. Eh' er es dachte, da kamen zwei, Bauern waren's, mit Prügeln herbei, Sie schlugen gewaltig auf ihn los; Kaum kam er davon; der Schmerz war groß.     Schwäne.             Lieben Schwäne, was rudert ihr Immer so still mit einander hier? Schw.  Können nicht singen, Können nicht springen; Darum ist's unsere Lust allein, Immer so still bei einander seyn.      Schwäne, wohl thut ihr Recht daran. Ob ich auch alles beides kann, Springen und Singen und andres noch, Hätt' ich an nichts meine Freude doch, Sollt' ich's nur immer thun allein, Nicht bei meinen Geschwistern seyn.     Puppe.             K.  Puppe, nun sieh, wie hab' ich hier Die größte Arbeit und Noth mit dir, Möchte was Kluges aus dir machen, Lehr' dich die allerschönsten Sachen; Aber du giebst dir keine Müh, Bist am Abend so dumm, als am Morgen früh.      Die Puppe hat nicht darum geweint, Das Kind hat's auch nicht so schlimm gemeint; Es wußte: sie kann ja nichts dazu. Da legt' es sie hin und ließ sie in Ruh, Ging fort und holte sich selbst sein Buch Und lernte daraus manchen guten Spruch.     Häschen.        Horch, Häschen, merkst du was? Hinterm Busche dort, was ist das? Spitze ja die Ohren recht, Häschen; sonst bekommt dir's schlecht. Jäger ist es; lauf nun, lauf! Schießt sonst mit der Flinte drauf.    Das Häschen legt die Ohren an Und läuft davon, so geschwind es kann; Und ehe der Jäger noch recht gezielt, Da hat er für dießmal schon verspielt. Er schoß die Flinte vergeblich los; Es kostete ihm das Pulver bloß.     Löwe und Hund.            H.   Herr Löwe, du bist so stark und groß, Man zittert vor deinem Namen bloß, In der Wildniß bezwingst du jedes Thier Und liegst noch drohend im Käfig hier; Das Hundchen nur lässest du da drinnen Dich necken und zausen und alles beginnen.    L.   Ich bin gefangen und so allein, Nicht Bruder noch Schwester kann bei mir seyn, Da haben sie mir das Hundchen gegeben, Ich freute mich dran und schenkt' ihm das Leben; Nun laß ich's spielen, so viel es mag; So bleibt es doch bei mir den ganzen Tag.     Schinken und Bratwurst.         Sch.  Bratwürstchen, du dort im Tiegel, sag', Was nur so schön hier riechen mag. Br.  Schinkchen, das weiß ich gut genug, Ich habe ja selbst den schönen Geruch. Ich schwitze hier auf dem Feuer ein wenig; Drum riech' ich so schön als wie ein König.      Dem Würstchen wird es im Tiegel heiß, Daß es nicht mehr zu bleiben weiß. Köchin, wo steckst du nur so lange? Feuer das brennt; ihm wird ganz bange; Köchin, so sei doch nicht so dumm, Komm nur geschwind und wend' es um.     Küchlein.            Küchlein, was lauft ihr so Alle zur Mutter froh? That sie dort einen Fund, Würmchen aus tiefem Grund, Ruft nun und locket gleich, Giebt es zum Futter euch?    Und die Henne freute sich sehr, Wie sie da pickten um sie her, Sah auf die muntern Dinger nieder, Scharrte dann, rief und lockte wieder, Bis sie alle zufrieden sah; Selbst erst das letzte nahm sie da.     Mops und Hofhund.         M.  Großer Hund, tölpisch Thier, Willst du gleich fort von hier? Wenn ich erst komm' an dich, Geht dir's ganz jämmerlich. H.  Still nur, du kleiner Wicht, Meinst es so schlimm doch nicht.      Großer Hund drehte kaum Seinen Kopf wie im Traum; Kleiner sprach nicht ein Wort, Lief in der Eile fort; Erst als er sicher war im Haus, Bellt' er gewaltig zur Thür hinaus.     Knabe und Esel.         Kn.  Esel, wie häßlich siehst du aus! Ohren so hoch fast wie ein Haus! E.  Hab' doch mit meinen Ohren Geduld! Glaube mir's, ich bin nicht dran Schuld. Es kommt ja von Gott, der weiß gar eben, Warum er sie mir so groß gegeben.      Der Knabe sah umher in der Welt, Da fand er's gar wunderlich bestellt, Hier groß dort klein, hier dunkel dort hell, Hier langsam zu kriechen, dort flügelschnell. Da sprach er mit Freuden: Gott hat an allen In ihrer Art sein Wohlgefallen.     Kind und Schwalbe.         K.  Schwälbchen, du liebes, nun bist du ja Wieder von deiner Wandrung da. Erzähle mir doch, wer sagte dir, Daß es wieder Frühling wurde hier? S.  Der liebe Gott im fernen Land, Der sagte mir's, der hat mich hergesandt.      Und wie sie so weit war hergeflogen, Da hat sie sich nicht in der Zeit betrogen. Der Schnee schmolz weg, die Sonne schien warm, Es spielte manch fröhlicher Mückenschwarm; Die Schwalbe litt keinen Mangel noch Noth, Sie fand für sich und die Kinder Brod.     Seehund und Möwe.         S.  Ei Vogel, hätt' ich doch Flügel wie du! Geschwinde der Sonne flög' ich zu. M.  Erst dacht' ich mir's auch gar schön dort oben; Doch als ich's versuchte, konnt' ich's nicht loben, Viel kälter noch schien's unterweges mir. Da ließ ich die Sonne und bleibe nun hier.      Viel kälter, und wärmt doch von fern so schön! Zu kraus ist's dem Seehund; er kann's nicht verstehn. Er streckt sich auf's Eis und denkt drüber nach, Schläft ein und liegt dort den ganzen Tag. Und hat er geträumt – ich will nicht lügen – So war's von der Sonne gewiß und vom Fliegen.     Wiesel.         K.  Ei, Wiesel, wo läufst du hin so geschwind? W.  Will schnell nach Hause zu meinem Kind. K. Sag', was du in deinem Schnäuzchen hast; Das gleicht ja einem Ei wohl fast. Nun merk' ich's: dir ist dein Leben lieb; Drum läufst du so, schlimmer Eierdieb!      Jetzt wär' es dem Wiesel schlimm ergangen, Der Knabe hätt' es beinah gefangen; So gewaltig war er hinterdrein. Da huscht es noch schnell durch's Loch hinein. Er stand davor; ihm war es zu schmal; So ließ er es laufen für dieses Mal.     Rehe.            Rehlein, Rehlein unser vier Spielen gar schön auf der Wiese hier, Rupfen und hüpfen, naschen und springen, Wollen einander zum Spaß bezwingen. Ist ja hier niemand in der Nähe, Jäger noch Hund, der uns spielen sähe.    Siehe, da kam mit bedachtem Gang Eben ein Bauer den Acker entlang; Sie sahn ihn und dachten, der ist noch weit, Thut uns sobald wohl noch kein Leid. Doch als er kam an ihre Stelle, Da sprangen sie fort mit Blitzesschnelle.     Schmetterling.            Schmetterling, kommst du schon wieder Mit deinem bunten Gefieder, Flatterst mir immer näher an's Licht? Vögelchen, armes, hörst du nicht? Wirst dir die schönen Flügel verderben, Wirst dich verbrennen und elend sterben.    Dem Kinde that's um den Vogel leid, Es fing ihn noch eben zur rechten Zeit, Es setzt' ihn vor's Fenster hinaus ganz sacht; Da war's ihm erst frostig die lange Nacht, Doch am Morgen die Sonne schien rein und hell, Da regt' er sich, flatterte fort gar schnell.     Hühner.            Hühner, was droht euch für ein Leid, Daß ihr so gar erschrocken seid? Merkt ihr den Fuchs dort lauschen im Stillen? Seid ohne Sorgen um seinetwillen! Wächter, der treue, sah ihn schon Und jagt ihn davon mit Spott und Hohn.    Seitdem da ging es den Hühnern gut, Sie waren ja dort in sicherer Hut; Sie gackerten auf dem Hofe froh, Und legten manch weißes Ei in's Stroh, Und schliefen gar ruhig die ganze Nacht; Denn Wächter, der gute, hielt stete Wacht.     Hase.              Seh mir einer den Hasen an, Sitzt er nicht stolz da, wie ein Mann? Schaut sich so trotzig um und um, Zieht das bärtige Schnäuzchen krumm. Daß ja nur niemand ihm kommt zu nah, Er wäre wohl gleich mit Schlägen da.    Ja wäre er ganz allein in der Welt, Er bliebe gewiß ein rechter Held. Nun hört er von fern eine Peitsche schallen, Da ist ihm gleich der Muth gefallen, Sieht nicht erst noch einmal näher zu, Läuft auf und davon in einem Nu.     Dieb und Hund.         D.  Still, Hündchen, still und sei gescheidt, Bell' nicht! ich thu' dir ja kein Leid, Will dir eine schöne Bratwurst geben. H.  Mit Nichten; darum bell' ich eben. Ich seh's, du willst nur stehlen hier, Darum thust du so schön mit mir.      Der Hund, der treue, bellte mit Macht, Das hörte man weithin durch die Nacht; Es erwachten die Leute im Hause drinnen. Da schlich sich der böse Dieb von hinnen Und fürchtete sich und kam nicht wieder; Still legte der gute Hund sich nieder.     Katze im Schnee.            Kätzchen, wie hebst du die Pfötchen auf, Siehst so gar zu ängstlich drauf, Sinkst in den Schnee bis zum Halse bald; Nicht wahr, da geht sich's gar zu kalt? Besser wär' es ja wohl gethan, Hättest du gute Stiefeln an.    Freilich an Stiefeln war sie nicht reich, Half sich doch, wie sie's konnte gleich, Lief durch den Schnee in die Scheuer hinein, Schüttelte, leckte die Pfötchen rein, Hatte dann wieder gar frohen Lauf, Stieg zu den höchsten Balken hinauf.     Elephant.         K.  Elephant, du hast so große Gewalt, Wohl hundert Menschen bezwängst du bald, Und lässest dir doch von uns Kindern allen Das Ansehn und das Fragen gefallen, Thust Alles, was dein Herr befiehlt, Und freust dich, wenn er mit dir spielt.   E.    Ich weiß nicht, wie es ist zugegangen; Aber sie haben mich gefangen. Da denk' ich, ihr Menschen seid nur klein, Doch müßt ihr wohl viel klüger seyn. Auch Essen und Trinken bekomm' ich vom Herrn, Drum hab' ich ihn lieb und gehorch' ihm gern.     Bär und Klotz.         Wie ist das nur zugegangen? Hat sich ein Klotz an mein Bein gehangen. Warte, dich werd' ich schon wieder los, Trage dich dort auf den Hügel bloß, Werf' dich herunter mit aller Macht, Plumpst du in's Wasser, daß es kracht.    Doch dem Bären ist's übel bekommen; Der Klotz hat ihn mit herunter genommen, Ihm war von dem schweren Fall so dumm, Ging wie ein Rad ihm im Kopf herum. Dachte so sicher ihn loszukriegen, Mußte nun selbst halb todt dort liegen.     Füllen.           Kn.  Komm, Füllen, komm, laß mich hinauf! Wir wollen reiten bergab, bergauf. F.  Nein, Knabe, zu schnell ist dir mein Trapp, Ich würfe dich unversehens herab. Dort an der Ecke steht ein Pferd, Das ist solch eines Reiters werth.      Er wollt' es noch fassen mit seiner Hand, Da war's wie ein Blitz davon gerannt. Er rümpfte die Nase und trabte dann Mit dem Steckenpferde bergab, bergan; Wenn er groß wird – so hat er sich's vorgenommen – Will er doch noch auf das Füllen kommen.     Affe und Stiefeln.              Stiefeln, ei Stiefeln! hab' immer gesehn, Wie die Leute darin so stattlich gehn; Will sie doch gleich einmal probiren Und ein wenig herum spazieren. Wenn es nur schnell die Leute wüßten, Wie die sich wohl verwundern müßten!    Doch stille, da rauscht's hinterm Busche dort, Der Jäger ist es; nun Aeffchen fort, Geschwinde zieh' deine Stiefeln aus Und nimm auf jenen Baum Reißaus! O wehe, nun merkst du's, sie kleben an; Nun hat dich erhascht der böse Mann.     Hündchen.              Höre, Spitz, nun mußt du auch Deinen Kindern nach altem Brauch Jeglichem seinen Namen geben. Sp.  O nein! das thut noch so noth nicht eben. Sie hören doch alle gar geschwind, Wenn ich nur rufe: komm, liebes Kind!      Und wie er da nur nach ihnen sah, Schnell waren auch die Hundchen da. Doch als sie größer wurden, da kamen Die Leute und gaben ihnen die Namen; Und die Hundchen merkten's und hörten's gern Und folgten ein jedes seinem Herrn.     Bär und Bienenstock.            Ei wie riecht es doch hier so süß! Ja, da drin steckt Honig gewiß; Aber die häßlichen Bienen hier, Wüßt' ich nur, wer's erklärte mir, Wie sie gleich überall um mich sind, Wo ich ein Bißchen Honig find'.    Honig war drin, das wußt' er schon; Aber die bösen Bienen drohn. Da schöpft er sich einen großen Muth: Ich hol' ihn; er schmeckt doch gar zu gut. Ach aber die Bienen stachen sehr; Da klagt er: nie freß' ich Honig mehr.     Hund und Rabe.             H.  Rabe, du Schelm, du Spitzbube dort, Schleppst mir das schöne Stück Fleisch da fort! R.  Hündchen, nur nicht so böse sei! Weißt du? ich bin bei der Polizei, Muß nach den bösen Dieben spüren Und das Gestohlne confisciren.      Der Rabe hatte gewiß geloben, Den Hund um seinen Braten betrogen; Doch der hat ihn nicht darüber verklagt. Ich denke, er hat es nicht gewagt; Es sollte wohl nicht zu Tage kommen, Woher er ihn selbst erst hatte genommen.     Kind und Biene.         K.  Biene, du böse, dort, Gehe gleich von mir fort, Willst mich wohl gar noch stechen? B.  Laß doch nur mit dir sprechen! Bist du noch immer so böse mir, Und ich gebe doch Honig dir?      Als sich das Kind nun besser bedachte, Ließ es die Biene und ging ganz sachte, Sah, wie sie auf die Blumen flog, Drinnen sich regte und Honig sog; Freute an ihrem Fleiße sich sehr, Fürchtete nicht ihren Stachel mehr.     Fuchs und Hahn.         F.  Wer räth mir ein Räthsel? wer ist so klug? H.  Komm, sag' mir's; ich habe Verstand genug. F. Einen Kopf hat er voll von Hinterlist, Eine Schnauze, die gern was Gutes frißt, Jetzt kommt er gesprungen und packet dich. H.  O weh mir Armen! jetzt frißt er mich.      Der arme Hahn! er sollte sich wahren; Das gar zu gescheidt seyn bringt Gefahren; Er kannte den Fuchs, er hätte nicht sollen Ihm seine Räthsel rathen wollen. Nun hat's ihn gereut zu tausend Malen, Nun muß er's mit seiner Haut bezahlen.     Hirsch.            Ich bin doch so groß und hoch, Hab' auch ein starkes Geweihe noch; Will vor dem Hund nicht mehr erschrecken, Nicht mehr laufen und mich verstecken, Will ihn erwarten und mich wehren, Ihn ganz andere Sitten lehren.    Horch! da war es fern wie Gebell, Aengstlich wurde dem Hirsch gar schnell; Alle sein Muth fiel über den Haufen, Fort wie der Wind sah ich ihn laufen. Drinnen im dicksten Walde dann, Ich weiß nicht, ob er noch dachte dran.     Ruthe.           K.  Ruthe, was fang' ich mit dir an, Hast mir so viel zu Leid gethan! R.  Nicht doch! du darfst nicht böse seyn! Ist ja das alles zum Besten dein. K. Weiß wohl; aber es thut doch weh; Geh nur, du schlimme Ruthe, geh!      Es sah mit verdrießlichen Augen sie an: Ob ich sie los nicht werden kann? Da hört es so recht auf der Mutter Wort, War artig und freundlich in Einem fort; Die Ruthe dort hinter dem Spiegel verschwand; Ich glaube, sie haben sie gar verbrannt.     Mäuschen.        Husch, Mäuschen, husch, zum Loch hinein, Sonst holt dich gleich die Katze ein. Nun schnell zieh' noch das Schwänzchen an, Eh' sie's erschnappt mit scharfem Zahn. Jetzt ist sie da, – jetzt geht sie schon Beschämt mit leerem Mund davon.    Dem Mäuschen war's gar wohl zu gönnen, Daß es so hatte entwischen können. Nur fürcht' ich, die Freude währt nicht lang, Die Katze macht doch noch ihren Fang. Das kleine Mäuschen läßt nicht vom Naschen; Bald wird sie's unversehens erhaschen.     Küchlein.            Küchlein, ihr Küchlein, wo ihr seid, Lauft und versteckt euch! jetzt ist's Zeit. Hört ihr, wie bang die Mutter ruft? Seht ihr den Geier in der Luft? Dort ist der Schuppen, eilt mit Hast, Eh' er herabstürzt und eins faßt!    Wie sie da steckten still verborgen, Wie da die Henne lief in Sorgen, Bis daß im Garten ein Schuß geschah! Weg war auf einmal der Geier da. Mutter rief froh ihre Lieben heraus, Breitet' die Flügel über sie aus.     Schwein, Hund und Kuh.         K.  Pfui, was ist das für ein Geschrei? Schämt euch, Schwein und Hund, ihr zwei! d. A.  Kuh, du naseweise, sprich: Wenn wir uns zanken, was kümmert's dich? Geh' du nur deiner Wege fort; Sonst sprechen wir gleich mit dir ein Wort.      Die Kuh, die sagte nichts weiter drauf, Ging ruhig ihres Weges Lauf; Sie hatte am Zanken keine Freude. Nun lärmten nach eine Zeit die beide, Bis endlich der Knecht mit Peitschenhieben Auf einmal sie aus einander getrieben.     Affe und Knabe.         Kn.  Dort auf dem Apfelbaum. ei sieh! Affe, was machst du da? häßlich Vieh! A.  Knabe da unten, was schimpfst du mich? Sollst es schon fühlen; jetzt treff' ich dich. Kn. Affe, Herr Affe, wie bös bist du, Wirfst mir vor Zorn die Aepfel zu!      So trieben sie's eine Weile fort; Es rief der Knabe manch neckend Wort, Der Affe gerieth in Zorn und Wuth Und warf nach ihm manchen Apfel gut. Ein ganzes Dutzend hob jener auf, Nun ging er von dannen in schnellem Lauf.     Gänschen.            Gänschen, ein armes Kind bist du. Sprich, warum hast du nicht Strumpf und Schuh? G.  Freilich, die könntest du mir wohl schenken; Aber da kommt mir ein Bedenken. Wenn ich damit nun in's Wasser ginge, Würden nicht naß die schönen Dinge?      Ihm mochte der Bach viel lieber seyn; Mit bedächtigem Schritt trat's mitten hinein, Bald ist's geschwommen und bald gegangen, Und hatte weiter gar kein Verlangen. Es blieb darin stehen Tag und Nacht, Hat nicht an Schuhe noch Strümpfe gedacht.     Zwei Hunde.         D. Kl.  Sag mir einmal, was du verstehst; Ob du auch auf zwei Beinen gehst, Kannst hübsch aufwarten, tanzen, springen, Dem Herrn seine Pantoffeln bringen? d. Gr.  Nein, nichts von dem allen; doch geb' ich Acht, Daß niemand hier einbricht in der Nacht.      Ich denke, sie sind wohl beide gut, Wenn jeder nur recht das Seine thut. Der kleine kann euch viel Freude machen Mit seinen Künsten, daß ihr müßt lachen; Doch sollt' ich wählen von den beiden, So möcht' ich noch lieber den großen leiden.     Milchtopf und Wassereimer.         M.  Wassereimer, wie bin doch ich So viel schöner gegen dich! Gehe nur gleich mir aus dem Haus, Oder ich werfe dich hinaus. W.  Lieber Milchtopf, thu' das nicht! Weißt ja, wie bald ein Topf zerbricht.      Der Milchtopf hielt sich so schön und werth, Er stand gar zierlich auf dem Herd; Die Köchin stieß dran, da lief er aus, Nun warf sie ihn in die Gosse hinaus. Der Eimer hat lange noch Wasser getragen, Ich glaube drei Jahre nach jenen Tagen.         A dolph heiß' ich, Noch gar nicht viel weiß ich. Mutter, sag' mir ein Sprüchlein an, Damit ich's lerne, so gut ich kann. Wenn mich dann die Leute fragen, Kann ich doch zu ihnen sagen: Adolph heiß' ich, Manch gutes Sprüchlein weiß ich.                Wie eine Mutter bei ihren Kindern steht, So die Sonne am Himmel früh und spät. Ihre Kinder sind Blumen und Mensch und Thier Und was nur lebt auf Erden hier; Die wärmt und pflegt sie und sieht sie an, Und sich nicht satt dran sehen kann.            Jeder Baum und Strauch ist ein Gotteskind; Sieht der Vater nun, daß sie durstig sind, Da schickt er den lieben Regen hernieder; Gleich sind sie gar frisch und fröhlich wieder.                Wenn die Sterne so hell am Himmel stehn, Das ist, als ob die Engel herunter sehn, Und merken auf uns und meinen es gut, Und freun sich, daß Alles schläft und ruht.                Die Schnecke hat ein Haus, Ihr Fellchen hat die Maus, Der Sperling hat die Federn fein, Der Schmetterling schöne Flügelein. Nun sage mir: was hast denn du? Ich habe Kleider und auch Schuh', Und Vater und Mutter, Lust und Leben; Das hat mir der liebe Gott gegeben.                Warum wohl die Vögel fliegen können? Ei, das magst du ihnen schon gönnen. Auf der Erde sind der Thiere viel, Und haben hier und dort ihr Spiel, Da war kein Platz für die Vögel mehr; Das dauerte den lieben Gott so sehr, Drum hat er ihnen die Flügel gegeben, Daß sie dort oben in Lüften schweben; Da können sie spielen den ganzen Tag Und haben Platz, wie viel jedes mag.                Vöglein spielen in der Luft, Blümlein geben süßen Duft, Schmetterling schwebt leise fort, Kuh und Schäflein weiden dort, In dem Wald steht Baum und Strauch, Springen Hirsch und Rehlein auch; Gottes Auge sieht auf sie, Schützt und nähret spät und früh.                Das kleine Bienelein Fliegt immer fleißig hin und her, Als ob es niemals müde wär', Und trägt den Honig ein.    Wer hat's ihm denn gesagt, Wo's überall ihn finden kann, Für sich und dich und jedermann, Daß es gar niemals fragt?    Das that ja Gott allein; Der legt ihn in die Blumen hin, Da findet ihn das Bienchen drin Und trägt ihn fröhlich ein.              Das Meer ist tief, das Meer ist weit, Doch gehet Gottes Herrlichkeit Noch tiefer als des Meeres Grund, Noch weiter als das Erdenrund.    So viele Fischlein wohnen drin, Der Herr sieht freundlich auf sie hin, Reicht allen ihre Speise dar, Führt ab und auf sie wunderbar.    So hoch die wilden Wogen gehn, Wenn er gebeut, sie stille stehn; Da führet seine treue Hand Das Schifflein hin in's fernste Land.                Die Lerche singt so hell ihr Lied, Und lobt den Herrn, Daß der vom Himmel niedersieht Und hört's gar gern.    Das Fischlein in dem Wasser schwimmt So stumm dahin, Und doch sein Schöpfer auch vernimmt Des Fischleins Sinn.    So hört er deiner Stimme Ton In Lust und Schmerz, Und kennt auch ohne Wort doch schon Dein ganzes Herz.              Thu' nichts Böses, thu' es nicht. Weißt du, Gottes Angesicht Schaut vom Himmel auf die Seinen, Auf die Großen, auf die Kleinen, Und die Nacht ist vor ihm Licht.    Sind auch Vater, Mutter weit, Er ist bei dir allezeit; Daß du ja kein Unrecht übest Und sein Vaterherz betrübest. Ach, das wär' dir künftig Leid!                Ich will Gott den Herren loben Durch mein ganzes Leben lang; Gern in seinem Himmel droben Hört er meiner Stimme Klang.    Seiner Engel Jubel schallen Wunderbar von Welt zu Welt, Doch ich weiß, daß auch das Lallen Eines Kinds ihm wohlgefällt.          Aus dem Himmel ferne, Wo die Englein sind, Schaut doch Gott so gerne Her auf jedes Kind.    Höret seine Bitte Treu bei Tag und Nacht, Nimmt's bei jedem Schritte Väterlich in Acht.    Giebt mit Vaterhänden Ihm sein täglich Brod, Hilft an allen Enden Ihm aus Angst und Noth.    Sagt's den Kindern allen, Daß ein Vater ist, Dem sie wohlgefallen, Der sie nie vergißt.                Zwölf Monat hat das Jahr, Und so viel Tage gar; Da mußt du tüchtig zählen, Wenn keiner dran soll fehlen.    Nun merke, liebes Kind: Wieviel der Tage sind, So oft hat Gott auf dich gesehen, Läßt seine Engel mit dir gehen, Daß nie ein Leid dir darf geschehen.            Gott im Himmel hat gesprochen: Sieben Tage sind in der Wochen, Sechs davon will ich euch geben, Schaffet da, was noth zum Leben; Doch der Sonntag bleibe mein, Da will ich euch unterweisen, Mir zu dienen, mich zu preisen, Gut und fromm vor mir zu sein. Liebes Kind, vergiß es nicht, Was der Herr vom Sonntag spricht.            Glockenton, du ernster Klang, Schallst die ganze Stadt entlang, Rufest Allen nah und fern: Hört, heut ist der Tag des Herrn, Ehrt ihn, kommt zur Kirche gern. Glockenton, wie lieb' ich dich. Freu' auf deine Stimme mich.                Wenn Morgens auf des Herrn Gebot Der liebe helle Tag beginnt, Wie da alle Wesen fröhlich sind! Vor Freuden wird der Himmel roth, Die Bäume regen ihre Wipfel, Die Luft spielt um die Bergesgipfel, Die Vögel fliegen auf und singen, Im Feld die jungen Lämmer springen, Auf jedem Grashalm steht der Thau; Komm, Kind, und all die Freude schau', Und liebe Gott und ihm vertrau'.            Wenn am Abend Mann und Kind, Thier und Vogel müde sind, Gott der Herr hat's schon gesehen, Sonne heißt er untergehen, Schickt die stille Nacht hernieder, Spricht zu ihr: nun decke du Alle meine Kinder zu, Bring' zur Ruh' die müden Glieder. Sieh, da kommt die liebe Nacht, Wieget uns in Schlaf ganz sacht; Nur der liebe Vater wacht.                  Jedes Thier hat seinen Namen, Jede Blume, jeder Strauch, Und die Vögel allzusammen, Und ich hab' den meinen auch.    Und die lieben Eltern beide Rufen mich zu Tisch in's Haus, Und es ruft zu Spiel und Freude Bruder, Schwester mich hinaus.    Ob wohl laut auch oder leise Jemand rufet Baum und Strauch, Lerch' und Lamm zu Trank und Speise Und zu Spiel und Freuden auch?    Daß die Vögel munter fliegen, Und so frisch die Bäume stehn, Und die Blumen all sich wiegen In dem Sonnenstrahl so schön.              Brüderlein du in der Wiege, Stille liege, stille liege; Will dir auch ein Liedchen singen, Das soll bald in Schlaf dich bringen.    Englein schweben dann ganz leise Um dein Bettchen her im Kreise, Daß sie dir die Bäcklein kühlen Und im Traume mit dir spielen.    Zeigen dir gar schöne Sachen, Lassen dich so fröhlich lachen, Küssen deine kleinen Hände, Lieben, herzen dich ohn' Ende.    Und im Himmel wendet Gott der Herr, der sie gesendet, Gar kein Auge von euch Allen, Hat so recht sein Wohlgefallen.            Brüderlein, getauft bist du, Gehörst nun dem Herrn Jesus zu; Den Namen hat er dir gegeben, Den du trägst dein ganzes Leben. Daran will er dich erkennen, Will sein liebes Kind dich nennen, Will dich rufen, will dich lehren, Will das Böse von dir wehren, Führt dich gar dem Himmel zu. Bruder mein, getauft bist du.                Die schwarzen Leute haben Mein Schwesterchen begraben Wohl in der Erde tief; Ich wollt' es munter küssen, Doch hab' ich's lassen müssen, Weil's gar zu fest noch schlief.    Doch wenn vom Himmel kommen Die Engelein, die frommen, Da wacht's wohl fröhlich auf; Dann fliegen sie geschwinde Mit unserm lieben Kinde Zum Himmel hoch hinauf.    Du, meine Mutter, weine Doch um die liebe Kleine Nicht immerfort so sehr. Der liebe Gott hat droben Gar schön sie aufgehoben, Da sieht sie freundlich zu uns her.              Mutter, in die Schule gehn Bruder, Schwester jeden Tag, Lernen manches Sprüchlein schön, Wie's ein Kind verstehen mag.    Liebe Mutter, laß mich nun Auch mit ihnen beiden gehn; Will schon Alles fleißig thun, Alles merken und verstehn.    Immer durft' ich spielen bloß, Gar zu klein erst war ich noch; Aber nun bin ich ja groß. Meine Mutter, laß mich doch.                Bist du böse, Schwester mein? Komm, ich will auch artig sein; Zürne nun mit mir nicht mehr! Ach, ich liebe dich so sehr.    Komm und laß uns einig sein, Daß sich unsre Eltern freun; Und Gott selbst weiß gar geschwind, Wenn wir gute Kinder sind.                Die Bibel ist ein heilig Buch; Es steht vom lieben Gott darin, Und wer es liest mit frommen Sinn, Dem bringt es Freud' und Glück genug.    Es steht darin von Jesu Christ, Wie er vom Himmel kommen war, Und Gut's gethan und immerdar So fromm und lieb gewesen ist.    Und auch vom Himmel steht darin, Wie ich hinein einst kommen kann, Und Gott zum Kinde mich nimmt an, Wenn ich einmal gestorben bin.    O meine Mutter, hilf du mir, Daß ich die Bibel lesen kann; Dann hab' ich meine Freude dran, Und Gott schenkt Segen mir und dir.     Morgengebet.        Gott im Himmel, es beginnt Jetzt ein neuer Tag; Hilf mir denn, daß ich dein Kind Heute bleiben mag;    Daß ich niemand thu' ein Leid, Fromm und folgsam sei, Meine lieben Eltern heut Immerdar erfreu'.     Abendgebet.        Lieber Gott, wenn Unrecht heut Hat dein Kind gethan, Siehe nun, wie sehr mich's reut; Nimm mich gnädig an.    Recht von Herzen bitt' ich dich; Meine Schuld vergieb, Selbst zum Guten stärke mich Und behalt' mich lieb.     Tischgebet.            Lieber Gott, du giebst zu essen Allen Wesen in der Welt; Was da springt in Wald und Feld, Niemals hast du eins vergessen.    Sorgest auch für mich und schenkest Heut mir wieder Speis' und Trank; Lieber Vater, habe Dank, Daß du so an mich gedenkest.                       Sonnenschein,           Sternelein Leuchten um die Wette.           Tag und Nacht           Sei bedacht, Daß du ihren Schöpfer kennst.           Lerche singt,           Lämmlein springt Morgens um die Wette.           Wenn du's weißt,           Sprich, wie heißt, Der sie so zur Lust erweckt?           Lüfte wehn,           Bächlein gehn Fröhlich um die Wette.           Merke drauf,           Wer zum Lauf So sie ausgesendet hat.           Mensch und Thier           Dort und hier Jauchzen um die Wette.           Denkst du dran,           Wer das kann, Daß er Allen Leben giebt?           Alle Stund'           Jeder Mund Lobt Gott um die Wette.           Folge auch           Ihrem Brauch, Singe deines Gottes Ruhm.                       Glöcklein klingt,           Vöglein singt, Wie ein jedes kann und weiß.           Kind, auch du           Sing' dazu Deines lieben Schöpfers Preis.           Bet' und sing'!           Gutes Ding Uebst du nimmermehr zu oft.           Schenket doch           Gott dir noch Täglich mehr, als du gehofft.           Sing' und bet'           Früh und spät; Kannst ja nimmermehr bestehn,           Wenn nicht treu           Täglich neu Gottes Huld will mit dir gehn.           Bist ein Kind,           Lern' geschwind Singen, beten alle Stund'.           Gott begehrt,           Hält gar werth Dank und Flehn aus Kindesmund.           Lern' es bald;           Bist du alt, Thust du dann von selber so.           In der Noth           Und im Tod Bist du dann getrost und froh.                Vöglein im hohen Baum, Klein ist's, ihr seht es kaum, Singt doch so schön, Daß wohl von nah und fern Alle die Leute gern Horchen und stehn.    Blümlein im Wiesengrund Blühen so lieb und bunt Tausend zugleich; Wenn ihr vorüber geht, Wenn ihr die Farben seht, Freuet ihr euch.    Wässerlein fließt so fort Immer von Ort zu Ort Nieder ins Thal; Dürstet nun Mensch und Vieh, Kommen zum Bächlein sie, Trinken zumal.    Habt ihr es auch bedacht, Wer hat so schön gemacht Alle die drei? Gott der Herr machte sie, Daß sich nun spät und früh Jedes dran freu'.          Die Lämmelein hüpfen Auf Rasen grün; Die Bienelein schlüpfen Durch Blumen hin.    Die Vögelein singen Die ganze Zeit; Die Luft muß erklingen So weit und breit.    Da schaut vom Himmel Gott selbst herein, Und sieht das Gewimmel, Wie sie sich freun;    Und gibt alle Tage Einem jeden sein Brod; Sie haben keine Klage, Sie leiden nicht Noth.              Weißt du, wie viel Sterne stehen An dem blauen Himmelszelt? Weißt du, wie viel Wolken gehen Weithin über alle Welt? Gott der Herr hat sie gezählet, Daß ihm auch nicht eines fehlet An der ganzen großen Zahl.    Weißt du, wie viel Mücklein spielen In der hellen Sonnenglut? Wie viel Fischlein auch sich kühlen In der hellen Wasserflut? Gott der Herr rief sie mit Namen, Daß sie all' ins Leben kamen, Daß sie nun so fröhlich sind.    Weißt du, wie viel Kinder frühe Stehn aus ihren Bettlein auf, Daß sie ohne Sorg' und Mühe Fröhlich sind im Tageslauf? Gott im Himmel hat an allen Seine Lust, sein Wohlgefallen, Kennt auch dich und hat dich lieb.              Bald ist wieder Nacht, Mein Bettlein ist gemacht, Drein will ich mich legen Mit Gottes Segen, Weil er die ganze Nacht Gar treulich mich bewacht.    Da schlaf' ich fröhlich ein, Gar sicher kann ich sein. Vom Himmel geschwinde Kommen Engelein linde, Und decken still mich zu, Und schützen meine Ruh'.    Und wird's dann wieder hell, Da wecken sie mich schnell; Dann spring' ich so munter Vom Bettlein hinunter. Hab' Dank, Gott Vater du. Ihr Englein, auch dazu.                    Frühlingszeit, schönste Zeit! Die uns Gott der Herr verleiht, Weckt die Blümlein aus der Erde, Gras und Kräuter für die Heerde, Läßt die jungen Lämmer springen, Läßt die lieben Vögel singen. Menschen, eures Gottes denkt, Der euch so den Frühling schenkt.    Sommerzeit, heiße Zeit! Sonne brennt wohl weit und breit; Aber Gott schickt milden Regen, Schüttet alles Feld voll Segen, Schenkt dem Schnitter volle Aehren, Brods genug, uns all' zu nähren. Menschen, merkt es, Gott ist gut, Daß er so am Sommer thut.    Herbsteszeit, reiche Zeit! Gott hat Segen ausgestreut, Daß sich alle Bäume neigen Von den fruchtbeladnen Zweigen; Schaut nun her mit Vaterblicken, Wie sich alle dran erquicken. Menschen, nehmt die Gaben gern, Aber ehret auch den Herrn.    Winterzeit, kalte Zeit, Aber Gott schenkt warmes Kleid, Dichten Schnee der kahlen Erde, Warmes Wollenfell der Heerde, Federn weich den Vogelschaaren, Daß sie keine Noth erfahren, Menschen, Haus und Herd auch euch. Lobt ihn, der so gnadenreich.                Kennst du den Ackermann? Darfst nicht sein Kleid betrachten, Nicht um die Armuth verachten; Gott der Herr wies ihn an, Daß er mit Fleiß das Feld Ackert und wohl bestellt.    Gott der Herr selber giebt Dann zu dem Werk das Gelingen, Lässet es Früchte bringen, Weil er den Bauer liebt, Schenket ihm Brod für sich, Und auch dazu für dich.    Kennst du den Handwerksmann? Hat wohl gar harte Hände, Arbeit und Müh' ohne Ende; Sieh ihn nicht scheel drum an; Gott der Herr ruft ihm zu: Geh', meinen Willen thu'.    Gott gab ihm ja die Hand, Gab ihm Geschick und Kräfte, Daß er kann sein Geschäfte Treiben recht mit Verstand; Und was er schafft und thut, Mir kommt's und dir zu gut'.    Kennst du den Hirten auch? Hütet draußen die Heerde Wohl mit vieler Beschwerde, Kennt nicht der Städte Brauch. Menschen verschmähn ihn gern, Doch er gefällt dem Herrn.    Ist ja der selbst ein Hirt, Alle Geschöpfe zu weiden, Sättiget sie mit Freuden, Wacht, daß sich keins verirrt, Nährt auch dich täglich neu, Führt dich mit Hirtentreu'.    Hast du den Bettler gesehn Mit zerrissenem Rocke, Hinkend an schlechtem Stocke, Vor deiner Thüre stehn? Kind, o erbarm' dich sein. Dann wirst du Gott erfreun.    Alles von Gott hast du; Sieh, nun schickt er den Armen, Schaut, ob du mit Erbarmen Ihm eine Gabe reichest zu. Und was du dem gethan, Sollst du von ihm empfahn.                  Singt Gottes Lob im Winter auch; Er ist so treu und gut, Er nimmt vor Frost und Sturmeshauch Die Saat in seine Hut.    Er deckt sie mit dem Schnee so dicht, So weich und sicher zu: Sie merkt den harten Winter nicht Und schläft in stiller Ruh'.    Singt Gottes Lob zur Winterszeit; Er ist so treu und gut, Er schenkt dem Sperling warmes Kleid Und warmes rasches Blut.    Er zeiget ihm sein Futter an, Ein Körnlein hie und da, Und führt ihn, daß er's finden kann, Auf Wegen fern und nah.    O lobet Gott den Winter lang; Er ist so treu und gut Und führt auch eurer Füße Gang Und giebt euch frohen Muth;    Und schenkt euch guter Gaben viel Für euren Leib und Geist, Schenkt Kraft zum Fleiß und Lust zum Spiel, Und Glauben allermeist.            Das Kind läuft in den Garten, Kam lange nicht hinaus, Der Winter hielt's im Haus; Nun will's nicht länger warten, Die Sonne scheint ja hell, Es springt von dannen schnell.    Da sieht es ringsum stehen Der Blumen mancherlei, Und Baum und Strauch dabei, Und kann sich satt nicht sehen. Wie freut sich da das Kind, Daß sie so lieblich sind.    Nun fangen sie zusammen Gleich um die Wette an, Wer besser loben kann Den Herrn, von dem sie stammen, Den lieben Gott voll Macht, Der auch an sie gedacht.      Die bunten Blumen lachen Dem Kinde freundlich zu; Nun sage: weißt denn du, Wer uns so schön kann machen, So viel und mannichfalt An Farben und Gestalt?    Das ist des Herrgotts Finger, Der hat der Farben viel, Und hat da wie zum Spiel Uns arme kleine Dinger Einmal hinein getaucht Und Leben drauf gehaucht.    Nun stehen wir und blühen, Recht wie er's haben will, Die einen blaß und still, Die andern, daß sie glühen; Und alle, groß und klein, Sind doch nur Kinder sein.      Da ruft der Baum herunter Mit sanftem Flüsterton: Und sahst du mich denn schon? Die Blumen wohl sind bunter; Doch, sieh, die Blätter grün Mich ringsum überziehn.    Mit diesem grünen Kleide Hat mich der Herr geschmückt, Daß, wer nur auf mich blickt, An mir sein Auge weide, Und gießt in Sommers Lauf Mir Thau und Regen drauf;    Und schenkt in Frühlingstagen Mir Blüthenherrlichkeit, Und läßt in Herbsteszeit Mich süße Früchte tragen; Die Aepfel weiß und roth Gibt all' der liebe Gott.      Da regt sich's in der Ferne, Da plaudert gar der Wind: Du siehst mich nicht, mein Kind, Doch komm' ich her gar gerne Und sage mit Bedacht, Wie schön mich Gott gemacht.    Von seinem Odemzuge Geh' ich in alle Welt, Und wo mir's wohlgefällt, Da bin ich gleich im Fluge, Und trage Blumenduft Umher durch alle Luft;    Und trage Gottes Regen, Wie er mich ausgesandt, Herbei auf's dürre Land Und gieß' ihn aus zum Segen, Und freue mich, wie gut Die Labung Allen thut.      Nun noch die Vöglein singen: Auch wir sind nicht zu schlecht; Betracht' uns nur erst recht. Wir hüpfen, fliegen, springen; Der Herr macht uns so leicht, Und Weg und Steg uns zeigt.    Und hat uns gar gegeben Den lustigen Gesang, Daß wir den Sommer lang Ihn rühmen und erheben; Und wer nur hören kann, Hat seine Freude dran.    Dann schenkt er uns im Neste Die Jungen lieb und klein, Daß wir daran uns freun; Die nährt er uns aufs Beste, Und hält uns all' in Hut Und ist so treu, so gut.      Das Kind, das hört von Allen Das Lob des guten Herrn, Und hört es gar zu gern, Und hat dran sein Gefallen, Und lobt ihn auch fortan, So gut es immer kann.          Wenn ich in Bethlehem wär', Du Christuskind, Lief' ich zur Krippe her, O wie geschwind.    Drinnen du liegst auf Heu, Auf hartem Stroh, Blickst uns doch an so treu, So lieb und froh.    Und wer nur recht dich liebt, Groß oder klein, Der ist nie mehr betrübt, Soll stets sich freun.    Kann ich denn nicht zu dir, Zur Krippe gehn, Kommst du doch gern zu mir, Kannst hier mich sehn.    Sieh in mein Herz hinein, Ob's recht dich liebt, Mit allen Kräften sein Sich dir ergiebt.          Alle Jahre wieder Kommt das Christuskind Auf die Erde nieder, Wo wir Menschen sind;    Kehrt mit seinem Segen Ein in jedes Haus, Geht auf allen Wegen Mit uns ein und aus;    Ist auch mir zur Seite Still und unerkannt, Daß es treu mich leite An der lieben Hand.              Warum zur Erde nieder, Wo Schuld und Trübsal sind, Kehrst du alljährlich wieder, Du liebes Jesuskind?    Und deine Augen wenden Nach uns sich für und für, Und winkst mit deinen Händen Uns immerfort zu dir?    Das macht ja deine Liebe; Wir sollen glücklich sein, Daß keins mehr Unrecht übe Und komm' in Schuld und Pein.    Du Jesuskind, so stehe Auch mir nun freundlich bei, Daß ich zum Himmel gehe, Einst mit dir selig sei.                Hab' ich's recht und wahr vernommen? Jesus Christus spricht: Laßt die Kindlein zu mir kommen, Wehret ihnen nicht; – Hält sie dann so fest An sein Herz gepreßt, Schenket ihnen seinen Segen, Der sie führt auf allen Wegen.    Sieh, geschwinde will ich kommen, Bin ja auch ein Kind, Weil so freundlich aufgenommen Doch die Kleinen sind. Jesu, laß mich dein Nun auf ewig sein, Dein im Leben und im Sterben; Deinen Himmel laß mich erben.                  Herr Jesu, liebst du uns so sehr Und blickst vom hellen Himmel her So mild auf alle Kleinen: Herr Jesu Christ, so bitt' ich dich, Sei auch mit mir und sieh auf mich Und nimm mich zu den Deinen.    Ich bin noch klein, weiß noch nicht recht, Was schön und gut, was bös' und schlecht; O lehr' mich Gottes Willen. Ich bin noch immer gar zu schwach, Ich weiß, und thu' doch nicht darnach; Hilf du mir ihn erfüllen.    Du warst ja selbst ein gutes Kind, So folgsam und so fromm gesinnt, Als du noch gingst auf Erden. O Jesu mein, du kannst es ja, Hilf nun auch mir und sei mir nah Und laß wie du mich werden.     Charfreitag.          Habt ihr gar ans Kreuz geschlagen Jesum, euern lieben Herrn? Und er half in seinen Tagen Euch in aller Noth so gern. Ach, das habt ihr nicht bedacht, Euch um euer Glück gebracht. Wenn er nun euch nicht mehr liebte, Nicht mehr Gutes an euch übte!    Jesus, Heiland, ach gedenke Länger nicht an unsre Schuld; Bist so gut ja, komm und schenke Wieder neu uns deine Huld; Mach' uns selbst von Sünden frei, Mach' uns Herz und Leben neu, Daß die Großen und die Kleinen All' es redlich mit dir meinen.     Ostern.            Ist denn der liebe Heiland todt Und ist er gar begraben? O hört's, wir dürfen keine Noth Um seinetwillen haben. Heut ist das liebe Osterfest, Wo lebend er das Grab verläßt.    Sterb' ich nun auch, wer weiß wie bald, Und nimmt der Tod mein Leben; Mein Heiland hat noch mehr Gewalt, Der wird mir's wieder geben, Der weckt mich aus des Grabes Nacht Und führt mich in des Himmels Pracht.                Himmelfahrt ist heut. Alle sehn erfreut Zu dem Himmel hell hinan, Sehn die Pforten aufgethan.    Weil ja Jesus Christ, Der vom Himmel ist, Heute wieder ziehet ein, Will bei seinem Vater sein.    Und die Englein all' Gehn mit lautem Schall Froh entgegen ihrem Herrn, Daß er nun nicht mehr so fern.    Und wir Kinder stehn, Wollen's auch mit sehn, Weil ja der Herr Jesus Christ Unser lieber Bruder ist.    Will vom Himmel nun Uns viel Gutes thun, Nimmt uns einst zu rechter Zeit Auf in seine Seligkeit.                  Pfingsten ist es: Kinder, hört, Was uns dieser Tag bescheert. Jesu Jünger, still verborgen, Machten sich gar große Sorgen Um der Menschen Haß und Spott; Doch da hat der liebe Gott Seinen Geist auf sie ergossen, Daß sie nun gar unverdrossen, Stark und frei sind ausgegangen, Recht mit Eifer angefangen, Viele Menschen treu belehrt Und zum lieben Gott bekehrt.    Geist des Herrn, ich bitte dich, Pfingsten ist's, komm auch auf mich; Laß von nun an mich auf Erden Einen Jünger Jesu werden; Lehre mich und steh' mir bei, Daß ich recht verständig sei, Daß ich recht auf Gottes Werke Und auf seinen Willen merke, Recht mit Freuden ihn vollbringe, Und mich keine Sünde zwinge. Geist des Herrn, o mach' mich fromm, Daß ich in den Himmel komm'!              Wen Jesus liebt, Der kann allein Recht fröhlich sein Und nie betrübt.    Im Himmel noch, Auf Gottes Thron, Liebt Gottes Sohn Die Seinen doch;    Und giebt und schenkt Der Gaben viel Ohn' Maß und Ziel, Und sorgt und denkt;    Und liebt auch mich, Giebt auf mich Acht; D'rum Tag und Nacht So froh bin ich.                Jesu lieb, Jesu mein. Du sollst mir das Liebste sein. Ist doch niemand sonst Dir gleich, Keins so gut, so gnadenreich, Daß du auch zum kleinsten Kind Kömmst so freundlich und so lind, In die Arme es zu fassen, Treu zu führen, nie zu lassen.    Jesu lieb, Jesu mein! Du sollst mir das Liebste sein. Immerfort denk' ich an dich, Bitte: nimm zum Kinde mich. Leib und Leben, Herz und Sinn Geb' ich dir mit Freuden hin, Will nun ganz dein eigen bleiben, Daß mich nichts soll von dir treiben.     Gottes Hand.            Wer hat Gottes Hand gesehn?             Starke Hand,             Die umspannt Erd' und Meer und Himmelshöh'n; Schöpferhand, die einst die Welt Hat erbaut auf ihrem Grunde, Die sie wandellos erhält, Nimmer matt bis diese Stunde; Saget mir, wenn ihr sie saht, Ihr Gebieten, herrlich Walten, Rasch Ergreifen, starkes Halten, Ihres Winks gewalt'ge That.    Siehst du dort auf weitem Meer?             So geschwind             Treibt der Wind Wie zum Spiel ein Schifflein her. Wind und Flut hat wildes Spiel, Heute hieher, dorthin morgen, Und so fern ist Schiffleins Ziel, Und der Schiffer steht in Sorgen. Doch zuletzt kommt's froh ans Land; Sturm und Flut hat's nicht berühret. Weißt du, wer es hat geführet? Merke, das ist Gottes Hand.    Schaue jenen Säemann!             Er bestellt             Sich das Feld Klug und sorgsam, wie er's kann, Streuet guten Samen hin, Wünscht, der soll ihm Früchte bringen. Sprich: wer läßt nach seinem Sinn Nun ihm alles so gelingen? Sage, wer ihm hat gesandt Sonnenschein und Thau und Regen, Daß es wachsen kann zum Segen? Merke, das ist Gottes Hand.    Deine gute Mutter weiß,             Was dir Noth,             Giebt dir Brod, Kleidet, decket dich mit Fleiß. Würmlein draußen auf dem Feld, Keine Mutter hat's gesehen, Muß allein auf weiter Welt Immer seine Wege gehen. Weißt du, wer so unverwandt Auch das Würmlein tränkt und weidet, Sicher führt und nährt und kleidet? Merke, das ist Gottes Hand.    Siehst du dort am Himmelsplan             Sonn' und Stern'             Nah und fern Immer wallen ihre Bahn? Schauest du des Sturmes Gang Und des kleinsten Bächleins Fließen, Jedes seinen Weg entlang? Läßt sich keins die Müh' verdrießen. Weißt du auch und hast erkannt, Wer gezeigt hat ihnen allen Ihre Wege so zu wallen? Merke, das ist Gottes Hand.    Gottes Hand, ja merke drauf!             Dort und hie             Schaust du sie, Schauest ihres Wirkens Lauf; Starke Hand, die Welten schafft, Sonn' und Stern' in ihrem Lichte, Die sie auch mit ihrer Kraft Morgen machen kann zu nichte; Vaterhand, die treulich führt, Schirmt und nähret all' die Seinen, All' die Großen und die Kleinen, Daß kein Unfall sie berührt.     Gottes Auge.            Gottes Auge, heilig klar,             Siehst du nicht             Mild und licht Auf uns nieder immerdar? Siehst auch auf mich schwaches Kind, Auf mein Thun, auf Weg und Schritte, Und was für Gedanken sind Tief in meines Herzens Mitte. O wie gerne möcht' auch ich Dich in deinem Glanze schauen, Recht dich lieben, dir vertrauen. Auge Gottes, zeige dich!    Schaust du aus der Morgenglut,             Wenn sie weit,             Himmel breit Ueberströmt mit rother Flut? Wenn mit Golde hell und rein Rings sich alle Wolken malen, Nur der lichte Widerschein Ist es wohl von deinen Strahlen? Doch das Morgenroth vergeht; Kaum begonnen, ist's verschwunden; Aber du zu allen Stunden Wachest, schauest treu und stet.    Oder bist in Nächten still             Du ein Stern,             Der von fern Meinem Auge leuchten will Gleiches Lichtes immerdar? Wolken kommen, gehn vorüber, Du bleibst immer rein und klar, Wirst nicht heller und nicht trüber. Doch auf weiter Himmelsflur Sind ja ungezählte Mengen All' der Sterne, die sich drängen; Aber du bist Eines nur.    O so ist's der Sonne Licht,             Darin du             Kehrest zu Mir dein heilig Angesicht? Und es ist dein Glanz so hell, Daß ich nicht ihn kann ertragen, Muß vor deinen Strahlen schnell Scheu mein Auge niederschlagen. Doch die Sonne schauet bloß, Was zu Tage draußen stehet; Aber deine Klarheit gehet Tief bis in der Erde Schooß.    Nein, dieß alles bist du nicht.             Doch es schafft             Deine Kraft Ihnen allen Glanz und Licht; Mild im Morgenrothe du Weckst uns auf zu Lust und Leben, Winkst im Abendroth uns zu: Rastet nun von Müh' und Streben! Führest in der Sonne Glanz Sicher uns auf Tages Wegen, Wachest treu und sendest Segen Nieder aus der Sterne Kranz.    Auge Gottes, heilig du!             Wo ich geh',             Was ich seh', Ueberall winkst du mir zu, Siehest jeden Tritt und Schritt, Was ich thue, was ich lasse, Gehst auf allen Wegen mit, Daß mich nie ein Unheil fasse. Auge Gottes, hell und klar, Schauest tief in meine Seele, Siehest, wo ich irr' und fehle; Hilf mir, nimm mein treulich wahr!     Gottes Ruf.                Wo hör' ich Gottes Ruf? Hörst du des Donners Allgewalt Das weite Himmelsfeld entlang, Und wieder mit geschwindem Gang Noch mächtiger aus Thal und Wald? Hörst du den Sturmwind, wie er saust, Daß dir's im Herzen bangt und graust? Das ist ein Ruf vom lieben Gott: »Ihr Menschen, macht mich nicht zum Spott; An meinem Drohen hört's und Schelten: Ich bin der Herr, ich kann vergelten.«    Wo hör' ich Gottes Ruf? Gedenkst du an den Frühlingshauch, Wie er durch alle Fluren gehet, Daß Feld und Wiese lauschend stehet, Und jeder Baum und jeder Strauch? Das ist ein Ruf von Gott dem Herrn, Sie alle hören ihn so gern, Verstehen freudig, was er spricht: Ihr Knospen, Blüthen, kommt ans Licht. Der Winter darf euch nicht mehr drücken; Ihr sollt mit Lust die Erde schmücken.    Wo hör' ich Gottes Ruf? Einmal aus deinem Morgentraum, Noch war nicht Tag noch Licht zu sehen, Vernahmst du wohl ein flüsternd Wehen. Die zarten Blätter rührt' es kaum, Doch all der kleinen Vögel Schaar Hat es verstanden wunderbar. Des Vaters Ruf ist: »auf! erwacht! Vorüber ist die Schlummernacht.« Da schütteln froh sie das Gefieder Und jauchzen ihre Morgenlieder.    Wo hör' ich Gottes Ruf? Kind, siehest du die Bibel dort? Das ist ein heilig ernstes Buch, Da stehet Segen drin und Fluch, Daraus ruft Gottes wahres Wort, Giebt jetzt ein heiliges Gebot – Bewahr's und flieh' den ew'gen Tod! – Jetzt tröstet's dich mit Liebesmund Und macht dir sein Erbarmen kund, Und sagt: er selbst will dich erlösen, Der treue Herr, von allem Bösen.    Wo hör' ich Gottes Ruf? O rufe du nur selbst ihn an Mit frommen Flehen und Gebet. Antworten wird er früh und spät, Ob's auch kein Andrer hören kann. Doch du in deiner stillen Brust Vernimmst sein Vaterwort mit Lust, Wie treu es warnt, zum Guten weist, Wie mild es tröstet und verheißt, Und ruft: o komm, ich will dir Leben Auf Erden und im Himmel geben.