Johann Wilhelm Ludwig Gleim Der Fuchs und der Hofhund.         In König Löwens Monarchie, (Aesop und Phädrus kannten sie) Bestellen allemal die Erben, Wenn ihnen reiche Vettern sterben, Zum Lobredner den Fuchs. Einst starb ein reicher Luchs; Da trat der Redner auf, Erzählte seinen Lebenslauf, Und sprach:                     » Bei diesem Trauerfalle Leidtragende! – Sie wissen's Alle, Was für ein Trost der Wittwen und der Waisen Der war, den uns're Thränen preisen; Denn Thränen sind die besten Lobredner! Ach, welch ein guter Luchs war er! Mit Thränen in den Augen kam Der Arme stets in sein ihm offnes Haus, Mit Thränen ging er nie heraus. Der allzu Gute nahm Die Lasten, die den Armen niederdrückten, Von seiner Schulter, Wort und That erquickten Des Armen Herz! Gerecht ist darum unser Schmerz, Und uns're heißen Thränen fließen Von unsern Wangen, wie ein Strom, Auf dessen Grab, Der so mitleidig und so fromm Der Welt ein Beispiel gab!« Ein Hofhund stand auf beiden Hinterfüßen, Und macht' ein hämisches Gesicht Dem rothen Redner, sagend: »Fuchs, Ich bitte, lüge nicht! Die Red' auf den wohlsel'gen Luchs Hielt ja vor einem halben Jahr Ein Mensch auf einen Menschen; ja, fürwahr! Ein Mensch hielt sie; ich hört' es, und lief fort! Warum? Er sprach kein wahres Wort! Was lobt man doch die Schelme nach dem Tode? Laß, Fuchs, den Menschen diese Mode!«