Christian Morgenstern 1871 – 1914 Der Saal Eugen, der Juwelendieb, stahl auch Stiefel oder Hemden, ohne daß ihm ein Befremden über sich zurücke blieb. Eines Tages aber stahl er (man wirds nicht glauben wollen) einen ganzen wundervollen grade nicht benutzten Saal. Mitten in dem Häuserblock einer sehr belebten Gegend, drin kein Mensch war Argwohn hegend, lag der Saal im ersten Stock. Durch den Boden einer Stube, die darüber lag, ersann einen Zugang er, und dann stieg er einfach ein, der Bube. Auf der Spree, da lag ein Kahn, drein der Saal zunächst verbannt ward. Freundlich lächelte der Strandwart, sah er Eugens Karre nahn. Eines Tags im Juli fuhr er gen Hamburg ganz vergnüglich, und von da gings unverzüglich übers Meer nach Baltimur. Dort lief Eugen nach Attesten für den lustigen Skandal – und bereist seitdem den Westen mit dem hier gestohlnen Saal. Wer jedoch beschreibt den tristen Reiz der Sache hier zu Haus! Selbst die ältsten Polizisten wissen nicht mehr ein noch aus. Nichts mehr ist zurück vom Saale. Das nur, was dahinter war, beut, wie eine wüste Schale, sich dem Bürgerauge dar.