Götti und Gotteli. Berndeutsche Novelle von Rudolf von Tavel Anschließend an »Der Houpme Lombach«.     Bern. Verlag von A. Francke vorm. Schmid \& Francke. 1906.     I. Wie me-n-ungsinnet cha Götti wärde. Vo allerhand Lüte-n-änet dem Brämgartewald. Anno füfzächni, im Merze, het's ei Morge gchuttet überem Bärnerland. Der Föhn het bländigi Wulkefätze-n-underem blitzblaue Himmel düre dem Jura zue gjagt und derzue pfiffe-n-und gjutzet. Mit eigenütziger Hascht hei sech d'Aarewälle zwüsche de-n-eichige Pfyler vo der Neubrügg düre zwängt und im Übermuet ihre Schuum bis a d'Fueßbrätter ufe gworfe, währed der Luft da und dert e brödi Schindle-n-us em alte Ziegeldach ewäg zupft het, daß si wie-n-e schturme Nachtvogel dervo gflatteret 8 isch. Z'beidne Syte vo der Aare sy luschtigi Bechli dür d'Matte-n-ab gschosse-n-und hei de-n-erschte Schlüsselblüemleni über Miesch und dürri Bletter glitzerigi Tröpfleni znm Andänke zuegworfe. Dobe, im Brämgartewald, isch der Föhn de Tanne mit unerchannte Finger düre Schopf gfahre-n-und het se gschtrublet, wie ne böse Bueb. Die, wo am Bord vo der Schtraß gschtande sy, hei sech i Wällebewegung füre-n-und hindere boge. Bald hei si d'Chöpf us der Reihe füregschtreckt, wie wenn si wette luege was uf der Schtraß dahär chömi, bald hei si sech mit süüfze-n-und chüschele zrückboge, für dene, wo hinder ne gschtande sy, d'Neuigkeite wyter z'gä. Und doch gseh-n-i nüt appartigs uf der Schtraß. Wie vo Alters här, chunt si im Boge-n-us em fyschtere Wald abe-n-und lat zur Morgetoilette es dräckigs Bechli über sech ab brünnele. Halt! Wohl, was ghört me da? Di Tanne gseh doch, schynt's, öppis. Isch es nume der Föhn oder ghört me nes Horn? – Schtill! – Loset! – Wohl, wohl, es sy verwäiti Hornschtöß. Öppe scho-n-e Jagd? Öppe doch nid i der Jahrszyt. – Loset! – Es chunt nächer. Dür ds mächtige Ruusche vo de Tanne chlingelet öppis. Loset! Glung glung gulungung gulungung glung glung . . . . Trarara! D'Poscht isch es. Dert chunt e Schümmel füre-n-oder zwee. E e, das geit neue holperig da abe. Uf em Bock 9 sitzt der Ludi Bickhard mit schpiegelblanke Chnöpf und jagt mit Pfusibacke syni Gfüehl dür di churze Windunge vo sym Horn use. Aber, was hanget da hinde-n-a der Gutsche? No es chlyses, wüeschts Charrli mit mene Gassebueb drinne. D'Lüt, wo di Fuehr no nid gkennt hei, hei dem Poschtiljon albe zuegrüeft: »S'het Eine hinger aghäicht!« Aber der Ludi het nüt uf dä Zueruef gä. Im Fond vo der Gutsche-n-isch es nätts, jungs Herrli gsässe, i ganz neue Chleider. Es churzes blaus Chuttli mit großem Revers het er anne gha, so ungfähr, was me hüttigstags e smoking heißt. Di änge, graue Hose sy bis under d'Wade gange-n-und hei z'underscht uf der ussere Syte ne fingerlänge-n-offene Schlitz gha. Di wyß und schwarz gringelete Schtrümpf hei sech i zimlich vierschrötigi nideri Schnalleschueh verschloffe. Über e Rockchrage het sech e-n-ungschterkte, bländigwyße Hemlichrage gleit, dä vorne mit mene farbige, schön gchnüpfte Halstuech isch zsämebunde gsi. Ds Schönschte-n-aber isch der Möntsch sälber gsi. E zimlech große, schmale Chopf mit früsche Farbe-n-und e ghörige Schopf vo sydig fyne, bruune Haare. E großi boucle het sech wie-n-es ligends Fragzeiche-n-über der glatte Schtirne zu mene Huppi ufböumt. Di treuhärzige blau-graue-n-Ouge-n-und di liecht ufgworfene Lippe, wo sälte ganz gschlosse gsi sy, hei grad verrate, daß 10 me's mit mene liebe Möntsch z'thüe heigi. Das Wäse het er nid gschtohle gha, vo-wäge-n-er isch ds Chind gsi vom Ruedi Landorfer und schier no meh vo der schöne Frou Elisabeth. Der Karludi isch uf em Wäg gsi ga St. Blaise im Neueburgische, wo me ne bi nere Familie en pension ta het, für ihm der nötig Firniß la z'gä. Vor em Wirtshus a der Neubrügg het der Ludi no einisch ds Horn agsetzt und blaset, daß es de Roß nume so düre Rügge-n-uf gramslet isch. »Du wirsch däich wou warte,« het e chährigi Froueschtimm us em Ofehus gantwortet. Bald druuf isch e chächi Burefrou under em Türgwölb erschine-n-und het sech Teig vo de läderige-n-Arme gschtriche. »Es mangleti da nüt Pfurres, i ha di emel no nie vergässe,« rüeft si dem Poschtiljon zue und chunt cho z'watschle. »S'isch mer nid wäge däm,« meint der Ludi, wo mit der Wirti es Abkomme gha het, daß si-n-ihm uf nes gwüsses Zeiche, wo-n-er am Waldusgang blaset het, söll e Schnaps ga rüschte. – Das het me natürlech nume gmacht, wenn niemer giechtigs i der Gutsche gsässe-n-isch. – »S'isch nid wäge däm,« seit der Ludi no einisch, »aber i ha-n-ech neuis z'brichte. Wo isch der Alt ?« »I weiß nid.« »Suech ne!« 11 »I ha nid derwyl. – Was isch los?« »Gang suech ne, i mueß ihm das brichte. – He dert äne chunt er ja. – Chum los, Bänz! Oder weisch es öppe scho? – Er isch wieder use oder yne, besser gseit. . . .« »Was use? – Wo use? – Wär yhe?« räägget jitz d'Frou, vom Gwunder gschtoche, derzwüsche, währed ihre Ma vo der Schüüre här chunt cho z'trappe. »Der Näpi isch ne-n-ertrunne,« platzet der Ludi Bickhard füre. »Si hei's dä Morge-n-uf der Poscht gseit. Er marschieri wieder uf Paris yne.« »Du bisch nid gschyd; das wird aber öppis chönne,« meint der Wirt, e-n-ehmalige Chriegskamerad vom Ludi. »Miera wou,« seit d'Frou, »so syg er,« und geit mit dem lääre Glesli dervo. »Wei mer öppe wieder gah?« gschpasset der Ludi. »Nihnisgwüß« meint derWirt, »i bi jitz bas hie.« – »I o,« seit der Poschtiljon, »hü Buebe!« und trybt syni Schümmle-n-uf d'Brügg. Im Usgang us der Brügg blybt aber zu ds Karludis Verwunderung der Wage scho wieder schtah. Er schtreckt der Chopf use, für z'luege, was es gäbi. Da gseht er sy Götti, der Herr Major Lombach, sys Rytpfärd näbe ds Ludi's Schümmle pariere. Der Herr 12 Lombach het der Passagier nid gschine z'achte, sondere mit dem Poschtiljon abunde: »Weisch es öppe-n-o scho?« »Neue schier, weiß i's,« antwortet der Ludi. »Wär het der's gseit?« »O si hei neue dä Morge-n-uf der Poscht dervo gredt.« »Uf der Poscht? – Das nähm mi jitz o wunder, wohär si dert scho Bricht hei.« »E wär sött's de z'erscht wüsse, wenn nid die?« lachet der Ludi, »für das sy si ja da.« »Si meine's emel schynt's. – Ja nu, i wott jitz ga luege.« »Me sött schier meine, du wellisch wieder yne.« »Natürlech wott i yne. Was wett i sünsch?« Jitz schüttlet der Ludi der Chopf und seit: »Du bisch nid gschyd. – U de d'Frou?« »Die wird sech wohl so lang müesse lyde.« »Di Armi! – E, du wirsch di de wohl no chly anders bsinne.« »Was schtürmsch eigetlech? Si isch doch nid z'duure.« »Afin. Es weiß de niemer, wenn du ume chunsch. Oder wottsch se mit yne näh?« »Wohi yne?« «He i d'Garnison, ga Augsburg oder wo de de sünsch hichunsch.« 13 »Wär het dir jitz agä, i well wieder i Dienscht?« »He du seisch ja grad dä Ougeblick, du wellisch wieder yne.« »Ga Bärn wott i, ga Bärn, ga Bricht mache.« »Ja so? – Ja, vo was ga Bricht mache?« »He, daß es guet gange syg.« »Ja was eigetlech?« »I ha gmeint, du wüssisch das scho, si heige-n-uf der Poscht dervo brichtet. Mer hei e Buz übercho di Nacht, es Meitschi.« »Ja so, jitz begryfe-n-i. I felicitiere vo Härze. – I ha drum vom Napoleon gredt, wo wieder gländtet ha söll z'Frejus oder was weiß i wo.« »Was?« »Ja, ja, äbe. Vo däm hei si uf der Poscht gredt.« »Ja so! Potz Wätter! – Da mueß i ga frage, was me weiß. Adieu! – E, wän füehrsch du jitz da? – Bonjour, bonjour Karludi! Wo us!« Der Karludi schtreckt sym Götti d'Hand zue und gratuliert ihm. »Das trifft sech jitz luschtig,« fahrt der Major wyter, »du chönntisch mer doch de Götti sy. – Wottsch?« »Pärse! Gar gärn,« seit der Karludi mit lüüchtende-n-Ouge. I däm Alter dunkt's Eine no gar luschtig, Götti z'sy. 14 Der Lombach lachet häll uf und rüeft dem Ludi zue: »So mueß me d'Glägeheit bi'm Schopf näh. – Adieu, gueti Reis! – Au revoir bi der Toufi!« Glung – gulung – glungung isch d'Poscht der Schtutz uf, währed der Gwunder dem glückleche Major i d'Absätz und dür d'Schporre-n-i d'Weiche vom Roß gfahre-n-isch. Chuum hei d'Schümmle-n-azoge gha, so erschynt der Insasse vom aghänkte Charrli näbem Gutscheschlag und rüeft dem Poschtiljon zue : »Wart e chly, es isch da grad e schöni Ferggete, i wott die hurti näh.« »Ja, du bisch e chumleche du,« antwortet's vom Bock abe, »lue du, wie de mer nache chunsch.« Der Karludi het nid begriffe, um was es sech handlet, will der Bywage-n-erscht im Brämgarte-n-isch aghänkt worde. Übriges isch ihm die Sach ganz glychgültig gsi, vo wäge hinder syr glatte Schtirne hei sech d'Gedanke g'jagt, schier so läbig wie d' Wulke-n-im Föhnschturm. Ganz unvermuetet isch er Götti worde, und er het sech gmeint dermit. So jung no und scho Götti! Das het sech doch guet gmacht. Es isch da e so öppis wie-n-es Zuetrouesvotum drinne gläge, wo syr Pärson es gwüsses Ansähe het müesse verschaffe. D'Sach sälber isch ihm nid groß vorcho. Es Meitschi meh oder minder uf der Wält, das het dem Karludi 15 gar nüt gseit. »Überhoupt so Meitscheni!« het er dänkt. Aber ds Ansähe vo mene Götti, wo-n-ihm scho i dene Jahre zuegfalle-n-isch, das het ganz gschtimmt zu däm, was er überhoupt vo sich sälber und vo sym Läbe-n-erwartet het. Will d'Eltere dem Karludi ganz bsunderi Liebi zuegwändet hei, het er nah-ti-nah sech i d'Idee yne gläbt, me, das heißt i däm Fall – ganz bescheide-n-usdrückt – d'Republik, erwarti vo ihm alles und no chly meh derzue. Nume so us der Luft griffe-n-isch di Idee äbe-n-o nid gsi. Si isch sogar a mene-n-Ort uf em Papier gschtande. Der Karludi het einisch im Verschleikte-n-i Mamas Schregbüreau, mene prachtvolle Funkmöbel mit schwungvoller Bronze-Garnitur, g'nischtet und isch nere-n-über nes Kaländerli vo rotem Saffianläder mit Guldpressung cho, wo si allerhand müetterlechi Notize dry gmacht gha het. Und dert drinne-n-isch under anderem gschtande: » Discours de Mr. Lombach à l'occasion du baptême de Karloudi. « Us em Gedächtnis het d'Frou Elisabeth dennzumale notiert, was o ihre wohl ta het. Und dert het's ganz dütlech gheisse, der Töufling wärdi einisch Revanche näh für ds Grauholz. Frylech, es isch nid e-n-Ängel vom Himmel gsi, wo das gseit het, sondere der Herr Lombach. Aber wär het welle-n-i-n-Abred schtelle, daß o der Herr Lombach e prophetischi Mission hätti chönne ha? Es isch emel 16 es merkwürdigs Zsämeträffe gsi – da cha me säge, was me will – daß grad am Tag, wo der Karludi abgreiset isch, für ga wältsch z'lehre, d'Nachricht vo ds Napoleons Landung i Frankrych sech z'Bärn verbreitet het. Und de das Rencontre mit dem Herr Lombach und dä Föhnschturm! Churz, alles isch dem Karludi hütt ominös vorcho, und er het mit nere gwüsse Schpannnng i syr Diligeance ume gfägnäschtet. I settige-n-Ougeblicke verzablet me-n-albe schier. Wenn es großes Ereignis gscheh isch, wo vorussichtlech Wälle schlat, die eim bis a d'Fueßschpitze chöme cho z'chrüsele, wenn nid am Änd bis a d'Wade-n-ufe, so het me ds Bedürfnis na Möntsche meh als je. Und das hei üsi Reisende-n-o epfunde. Der Ludi uf em Bock, der Karludi i der Gutsche-n-und villicht sogar der Bueb im aghänkte Charrli, obschon dä einschtwyle no nid gwüßt het, was er sech under em Napoleon söll vorschtelle, öb er einisch da uf mene Weidlig d'Aar uf wärdi cho oder am Änd i der Aarbärgposcht; aber us ds Ludi's Wäse hätti me-n-emel sölle schließe, er chöm de angähnds nächschter Wuche ga Bärn. Uf der Höchi vo Schtuckishus het der Ludi e-n-Ougeblick syni Roß la verschnuppe, und vo däm Momänt het der jung Herr Landorfer profitiert, für dem Poschtiljon, vo däm er wohl gwüßt het, daß 17 er der russisch Fäldzug düregmacht gha het, z'säge, er chäm lieber zue-n-ihm uf e Bock. Niemerem isch das erwünschter gsi als dem Ludi, und flingg isch der Karludi zue-n-ihm ufegchlätteret. Bi der Glägeheit het der Bueb hinde sys Charrli abghänkt und isch dermit näbedsi gfahre, so daß der Karludi jitz begriffe het, was o geng hinder der Diligeance här g'gyxet het. Der Holzer-Bänzli – so het dä Bueb gheisse – isch z'sälbisch sibejährig gsi und ds Eltischte vo sächs Holzerli, die z'Hinderdettige, hert a der Aare-n-unde, errunne gsi sy. Das isch e-n-erschröcklechi Hushaltig gsi. Mit Angscht und Not het der Vatter Holzer ds Nötigschte zsämegchrauet, für sy Trybete Chinder fürz'bringe. Jitz lehrt bekanntlech d'Not nid nume bätte, sondere leider no gar mängs, wo dem Leumund minder zueträglech isch. Vatter, Muetter und Chinder hei der Natur und nid am wenigschte der Möntschheit gluegt Plätze-n-ab z'chähre-n-und hei sech derby nid sälte sälber Plätze-n-abgmacht. D'»Holzerei« isch hienache-n-und dertnache dem Wasser wohlbekannt gsi, berüchtiget darf me nid juscht säge, vowäge-n-eigetlech schlächts hei si nid tribe. Mit der Aare, dem Brämgartewald und dem ganze Land änenache, vo Rychebach bis übere zum Haarheuelgrabe, sy d'Holzerli vertrouter gsi als mänge-n-andere mit syr Schtube. Im Brämgarte-n-äne sy si de Füchs und Hase-n-uf 18 und nache gsi. Sogar der Uhu i sym Näscht a der Schtürlere-n-usse het gwüßt, wie höch Holzer-Bänzli d'Schteine ma bänggle. Natürlech het me-n-o der Chehr vo de Bawarte gkennt und zu jeder Tages- und Nachtschtund gwüßt, wo d'Waldobrigkeit nid isch. Dernäbe, mueß me säge, hei di Chinder e redleche Handel tribe mit Höpfeli, Söuchrut, Rapünzli, Morchle-n-und Beeri. Bi allem däm het me ne daheim scho mit der Muettermilch d'Überzügung bybracht, daß eigetlech jede Möntsch es gäld-, wenn nid gar bluetgierigs Wäse sygi, däm me nid gnue schlächts chönni zuetroue. Het irged e barmhärzigi Seel dene Lüte-n-öppis rächts bracht, was zwar sälte vorcho isch, so het der Vatter vorne düre gseit: »Dankheiget, der lieb Gott soll ech's vergälte«, und hinde-n-ume het er brummlet: »Der Tüfel söll's näh, da schteckt öppis Verfluechts derhinger, susch gäbte si's nid« oder »si mache's nume, für daß me meini, wie guet Lüt daß si syge«. Descht gschpässiger isch eim vorcho, was der Holzer-Bänzli gseit het, wenn er gfragt worde-n-isch, was er einisch wärde well. »Generalsälig«, het er albe-n-uf di Frag g'antwortet. »Was isch das, generalsälig?« het der Ludi Bickhard g'fragt, wo-n-er's zum erschte mal ghört het. Und der Bänzli het ihm's nid chönne-n-erkläre. 19 »Das weisch du dänk besser weder i«, het er dänkt und der Ludi mit Boll-Ouge-n-agluegt. Si sy-n-ihm du einisch dür ne Zuefall drüber cho, wo-n-er vo ds »Herr Lentulusse-n-ihrne schöne Helge« brichtet het. Zu der Zyt het nämlech i der Hahle, änet der Neubrügg, e Herr von Lentulus gwohnt, bekannt als der Herr Rittmeischter. Er het i Prüße dienet gha und sech na sym Abschid uf das Hahleguet zrückzoge. Und mit däm Herr Rittmeischter het üse Bänzli es abträglechs Händeli i Roßmischt tribe. Uf syne Gschäftsreise der Poschtschtraß na isch er du mit dem Ludi Bickhard bekannt worde. Dä het ne-n-agschtellt als Brämser, damit er nid jedesmal müeß abschtyge, für der Radschueh ga darz'tue oder wieder ga ufz'hänke. A de Poschttage het der Bänzli obe-n-im Brämgartewald passet, und wenn d'Poscht dahärcho isch, so het er sech zueche gmacht, der Radschueh abghänkt, undergschobe-n-und nachhär sys zwöirederige Mischtwägeli a d'Poscht aghänkt. So isch er mit der Schtutz ab und änenache wieder der düruuf gfahre-n-und het am Abe-n-undehär Herreschwande wieder uf d'Poscht gwartet, wenn si vo Aarbärg z'rückcho isch. Am Ludi het der Bänzli e guete Dienschtherr gfunde, dä-n-ihm mängs zuegha het, was däm arme Buebli het chönne vo Nutze sy. I der Hahle – dir kennet ja das heimelige, alte Landhus mit de höche, vergitterete Fänschter, wo 20 öppe füf Minute-n-Aar abwärts vo Schtuckishus a ds schtotzige Bord under Herreschwande-n-agchleipet isch – het der Bänzli sy War i d'Champignonsbett vom Herr Rittmeischter abglade, und a mene Samschtig isch er dert ga jätte-n-und Grien räche. Da het er de mängisch zwüsche de Gitter düre-n-e gwunderige Blick i di große, wohnleche Schtube tha, nametlech i ds Säli, wo i mene gschwullene Guldrahme-n-es prächtigs Portrait vo mene gar gschpäßig agleite Ma isch gsi. Er het e glänzige Bruschtharnisch agmalet gha, und e großi Chuderperrügge, und dä Harnisch het dem Bänzli gar schuderhaft imponiert. Und wo-n-er einisch ds Bäbeli vo ds Herr Lentulusse gfragt het, wär das vorschtelli, het das alte Meitli es fyrlechs Gsicht gmacht und het ganz, ganz wichtig gseit: »Das isch der Herr General sälig.« No albeneinisch het me vom Herr General sälig gredt und allimal mit mene settige Reschpäkt, daß der Bänzli je länger descht öfter dür das Fänschter yne gugget het. Und es het ne dunkt, dä Harnisch glänzi je länger descht schöner. Und troumet het er z'nacht dervo, zwüsche syne Gschwüschterti uf em verlägene Loubsack, und es het ne geng dunkt, wenn är o so ne Harnisch hätti, so hätt er alles, was me vo disem Läbe chönn verlange. Ja, so generalsälig, das müeßt verflüemeret schön sy, so glänzig, so suber gfiegget, daß d'Ouge druff etschlipfe. Und i der 21 Vorschtellung vom Bänzli isch trotz aller Ufklärung der Begriff sälig vo blank putztem Mösch eifach unzertrennlech blibe. Langsam hei ds Ludis Schümmle-n-azoge-n-und sy der Bärg uf gfahre, Herreschwande zue. Der Ludi luegt no einisch über d'Gutsche hindere-n-und rüeft: »Bänzli!« »He?« »Säg de dem Herr Rittmeischter vom Napoleon, gäll!« »Ehe.« Der Bänzli isch kei dumme Bueb gsi. Wenn er scho nid gwüeßt het, wär oder was der Napoleon isch, so het er doch der Name bhalte. Schträng na der Vorschrift, wo-n-er gha het, isch er der Hahle zue, düre Hof und um ds Hus umegfahre, für sy Ladung am agwisene Platz, nämlech ufem Komposthuufe näbe de Couches vom Herr Rittmeischter, ga abz'lege. Der alt Herr het de albe ds G'schrei ghört, wo d'Reder a ds Bänzlis Charrli – es sy nume zwöi leidlech rund gsageti Brättleni ohni Nabe gsi – bi'm Fahre verfüehrt hei, und so het er ohni Avis und Frachtbrief gwüßt, was im Gschäft ygeit. Er het de albe-n-i-der Fänschternische näbe sym Schrybtisch mit dem Ryßblei es Schtrichli a d'Wand gmacht, was jedesmal für ds Bänzli's Guethabe-n-e halbe Chrüzer bedütet het. Synersyts het der Bänzli 22 sys Guethabe mit mene Bitz Röthel unde-n-am Bode vo sym Charrli buechet, wenn er's z'underobe-n-ufem Komposthuufe gha het. Bi der monetleche-n-Abrächnung het er sech albe gwüßt z'wehre, wenn er meh Schtriche gha het als der Herr Rittmeischter. Dä het ne de albe gfragt: »Mistkäferle, sagt er die Wahrheit?– Wenn er lügt, reiß ich ihm 's Ohr ab.« Aber der Bänzli het gwüßt, wie zäj syni Ohre sy und het nid abgä, bis er sy Sach gha het. Bös gmeint het's der Rittmeischter nid, vowäge-n-er het sich sälber zu ds Bänzlis Gunschte für jede Fähler um ne Chrüzer büeßt. Hütt isch der Bänzli im Bewußtsy vo syr wichtige Mission a d'Hustüre ga chlopfe-n-und het gseit, er müeß dem Herr Rittmeischter öppis usrichte. Z'erscht het's gheisse, er söll der Chöchi säge, was er well. »Aber ää«, het er gseit, »das wott ig ihm säuber säge«. Da-n-er aber weder Schueh no Schtrümpf anne gha het, het me ne nid yne gla, und so het wohl ober übel der Herr Rittmeischter müesse-n-usecho. D'Erschynung vo däm große, breite Ma het dem Bänzli jedesmal z'erscht e chly der Ate gnoh. Der Herr von Lentulus het e graue Schlafrock annegha, us däm e rotsydige Naselumpe-n-useghanget isch. Sys Gsicht het öppis schelmisch-guetmüetigs gha. Hei di chugelig gwölbte, rote Bäckli und ds glatte, zwöiteilige Chini bewise, daß me nid 23 für nüd guet Sache zieht im Garte, so het di küehni Adlernase-n-unzwöidütig verrate, daß me scho ds sältmal i prüßische Dienschte nid viel uf Abstinänz gha het. Aber Ruusch het er sit dem sibejährige Chrieg keine meh gha. Vo däm Chrieg hingäge hätti eini no gwüßt z'erzelle, wo-n-ihm, allne Zytlöufte z'trotz, hinde vom Chopf abeghanget isch, sy längi, feschtgschnüerti Cadenette. »Na«, het er under der Hustüre gseit, »was gibt's denn wieder?« »Der Nap . . . . der Napi . .« – Unwillkürlech isch der Bänzli zwee Schritt hindertsi gange. – »Der Napolion isch ertrunne.« »Was? – Junge, wer hat ihm den Unsinn angegeben?« »Der Boschtelion, der Bickhard.« »Kerl, ist das wahr?« Di zitterigi Hand het plötzlech i ds Bänzlis Äcke-n-e mörderlechi Feschtigkeit übercho. »I weiß es nid. Si hei's uf der Poscht gseit. Der Bickhard het gseit, si heige's gseit und i söll Ech's cho ge säge.« »Na, dann muß wohl was dran sein. Thut nix, thut gar nix. Den werden sie nu mal ordentlich ran kriegen. So myn Jung!« Mit dene Worte het der Herr Rittmeischter der Bänzli uf ds Gländer vo 24 der Chällerschtäge gleit und ihm e kolossale Brätsch appliziert. »Nur, daß er seiner Lebetage dran denkt, Junge . . . Na, fui Deibel, Mistkäser, er hat wohl auf seiner Fracht gesessen, wie?« Der Herr Rittmeischter het der Bueb la fahre-n-und syni Grätteli-Händ am Schlafrock abgwüscht. Der Holzer-Bänzli isch verschwnnde gsi, me het nid gwüßt, wie und wohi. I däm Ougeblick isch nämlech der Suhn Lentulus i Hof cho z'ryte, und dä het der Bänzli gschoche wie Gift. »Papa, weißt du's Neueste?« het der jung Herr vom Roß abegrüeft. »Jawohl, mein Junge, weiß schon, weiß schon. Der Stinkfink hat mir die Nachricht gebracht.« Der jung Herr isch abgschtige-n-und mit sym Papa im Husgang verschwunde, währed der Chnächt ds Roß zur Schüüre hindere gfüehrt het. Der Papa isch syr Schtube zue gschtüüret, het druuflos syni Händ abputzt, mit dem Zopf gwädelet und vor sech ane brümelet: »Fui Deibel, fui Deibel, das is eine ekliche Geschichte – nee, nee – so was!« Der Suhn, e flotte, groß gwachsene, öppe nünzäche-n-oder zwänzgjährige Fäger vo arischtokratischem Profil, het ungeduldig d'Rytpöutsche gschwunge-n-und, ohni e-n-anderi Antwort z'übercho als »Fui Deibel«, 25 eis mal über ds andere gfragt: » Que ferons-nous maintenant? « I syr Schtube het sech der Herr Rittmeischter a ne große Tisch gsetzt, uf däm er-e-n-unbeschrybleche Märit vo Sämereie het uspackt gha. Und währed er mit syne zitterige, ruuche Finger Paquetli usgläärt und wieder gfüllt het, isch der Suhn am chalte-n-Ofe gschtande-n-und het mit der Pöutsche-n-uf syne Schtifle-n-umeguslet. Mit mene Blick uf di prächtigi Pariserpendule, wo schtumm und schtill a der Wand ghanget isch, seit der Herr Rittmeischter ändlech: »Ich sagt's ja immer, für den Uhrenflicker wär's noch zu früh.« Er het nämlech vor endlef Jahre der guete Pendüle us Töubi über d'Nachricht vo Jena ds Pändel usgrisse, und sithär hei di Uhr und ds möntschleche Gschlächt enandere nümme plaget. I der Schtube-n-isch überhoupt nüt meh vor sech gange, was irgedwie hätti der Fride vo ihrem Bewohner chönne schtöre. Wuchelang isch ds verroschtete Bschüttchännli unverrückt z'mitts uf em Schrybtisch gschtande, und der »Ziethen«, e-n-alte Moudi, het, im Papierchorb zsämegrollet, uf em glyche Papier gschlafe, wo me vor Jahre dry ta gha het. Was sithär a Papier i ds Hus cho isch, het me-n-als Fidibus i-n-es Vieux-Saxe-Vase-n-uf der Kaminsimse gschteckt oder zum afüüre bruucht. I schtiller Harmonie mit däm 26 Husfride het der Roscht ungschtört syni fyne Grüebli i di lätzi Syte vo ds Herr Rittmeischters Küraß gfrässe, wo mit anderem Waffegruscht vo der Wand abegluegt het. Was der alt Herr mit däm vom Uhremacher het welle säge, het der Suhn gar wohl gwüßt, und äbe so guet het er gwüßt, daß der Papa uf settigi Usschprüch e kei Antwort begährt het. Bald nam Tod vom Herr General sälig het der Herr Rittmeischter gfunde, es syg nümme ds glyche, wie früecher, und anschtatt neui Protäktion z'sueche, het er der Abschid gnoh us em Regimänt »Gensdarmen«, i däm ne der alt Fritz us Anerchennung für sy Vatter no sälber het placiert gha. Er het wohl gschpürt, daß me vo-n-ihm hinde-n-ume gseit het, es syg halt nid der Alt, und doch isch er e flotte-n-Offizier gsi. Er isch ga Bärn, wo-n-er öppis meh gulte het. Schpat het er ghüratet und schpat isch er no Vatter worde. Alles, was sithär i Prüße gange-n-isch, het ne-n-i der Idee vergwüsseret, daß es bachab gangi dusse. Bis zum Unglück vo Jena het's ne no albeneinisch im Schtille gwurmet, daß er quittiert gha het, will er öppe dänkt het, i där nütnutzige Generation hätti's Eine wie är doch no zu öppisem sölle bringe. Aber Jena het ihm di letschti Längizyti na de Prüße vertribe. Er het o nid welle, daß sy Suhn derthi gangi. Dem Napoleon het er 27 ne o nid welle gä; aber jitz isch me juscht dranne gsi, z'Paris öppis z'sueche für ihn. Es wär o di höchschti Zyt gsi, vowäge, i däm junge Bursch het der Herr General sälig gschpuckt, und so Eine-n-isch pärse nüt zum gartne. Me het ihm la Lätzge gä und ihm es Roß zuecheta, und sider däm het's der Autorität vom Papa vo Tag zu Tag böset. »Ich kriege das Luder gar nicht mehr unter«, het er öppe gchlagt. Nid, daß der Suhn mißrate wär, er isch e nobli Natur gsi, aber e-n-unbändige Fäger. Und het der Holzer-Bänzli alli Hoschtete wyt ume gkennt, so het der jung Herr von Lentulus gwüßt, wo irged a mene-n-Ort es nätts Meitschi gsi isch. Der Mama ihre Läbesfade-n-isch z'dünn gschpunne gsi für e Bärner-Bysluft und drum isch si früech gschtorbe. Me cha sech dänke, wettigi Verlägeheit dem Ludi Bickhard sy Nachricht i d'Hahle bracht het. Der Gwunder het ne nid Rueh gla, und am Namittag sy Vatter und Suhn Lentulus ga Bärn gfahre, für öppis Gnauers ga z'vernäh. 28     II. Us ds Henriette's Chinderjahre. E Triumphzug, e-n-Epidemie und e Schlacht. Ja, ja, mit dem Hürate-n-isch es e-n-eigeti Sach. Wie mängisch g'hört me doch, es syg Eine ganz e-n-andere Möntsch worde, sit däm, daß er ghüratet heig. Usse-n-um ma's ja so sy. Aber was der Chärne-n-isch, so blybt dä meischtes, was er geng gsi isch. Emel der schtercher Teil blybt sech ungfähr glych. Es isch nid schwär z'errate, wär im junge Menage Lombach der schtercher Teil gsi isch. Wär öppe meinti, der Herr Major syg mit der Hochzyt undereinisch duuch, rüejig und glychmäßig 29 worde, würd sech der lätz Finger verbinde. Z'erscht het me gjeukt und ghüschteret wie nid gschyd. Ds Blanche het sech sölle zur Amazone-n-usbilde, und wo me Roß und Gschirr het gchouft gha, wie wenn me wett e Zirkus eröffne, het me plötzlech alles wieder müesse dänne tue. Der junge Frou isch i ihrem Läbe nie öpper erwünschter cho als ihres erschte Töchterli, ds Henriette, wo se scho lang vor sym Ytritt i disi Wält vo der Kavallerie erlöst und zur Infanterie versetzt het. D'Eltere-Herrlechkeit isch groß gsi und het alles andere-n-überschattet. Vom Chrieg het me z'Bärn wenig gmerkt. Währed däm sech bi Ligny Gwitterwulke-n-über verschtampfete Chornfälder mit dem Pulverdampf vermischlet hei und d'Hagelchörner i d'Bluetlache gfloge sy, het me-n-under guldigem Sunneflimmer ds Henriette i d'Chilche vo Brämgarte treit, für's i der Toufi däm z'übergä, dä sy Troscht im Läbe-n-und im Schtärbe het sölle wärde. Wär's e Bueb gsi, so hätti me la aschpanne-n-und hätt ne nach altem Bruuch ga Bärn yne g'füehrt, für ne-n-im Münschter la z'toufe. Für nes Meitschi het me weniger Wäses g'macht. Es isch no viel gsi, daß sech der Vatter so wyt derangiert het, bi'm Verla vom Schloß ds üebleche Gebätt über sym Chind z'verrichte. Es isch aber o derna usecho. 30 Wahrschynlech het ihm d'Erinnerung a ne Fahne-Nagelung ds Motiv gä. Hätti me-n-im Münschter la toufe, so hätti me wäge ds Karludis Juged no müesse ne Schlottergötti aschtelle. Aber z'Brämgarte het me du füfi la grad sy. Der Karludi isch extra vo St. Blaise hei cho gsi. Zum erschte mal i sym Läbe het er sech dörfe ne Däge-n-umschnalle. Daß ihm der zeremoniell Zwöischpitz, wo-n-er ganz vorschriftsmäßig z'underobe-n-underem Arm treit und mit dem Ellboge-n-a d'Syte drückt het, im Momänt a Bode gfalle-n-isch, wo me-n-ihm ds Chind uf d'Arme gleit het, isch ihm nid übel z'näh. Er het sech e Momänt bsunne, öb er ds Chind well vor em Pfarrer a Bode lege, für der Huet ufz'läse. Aber e gueti Seel, wo das het gseh cho, het gschwind dä fatal Huet vo hinde wäg gnoh, bevor öppis Ungschickts het chönne passiere. Der Pfarrer het bi allem Ärnscht sichtlech Freud gha, wo der Götti mit syne große, no so chindleche-n-Ouge-n-ihm i ds Gsicht gluegt het, so härzig schtolz. Däm guete Bueb isch es z'erscht grusam peinlech z'Muet gsi i der Chilche. Und doch het's ne du wunderschön dunkt, wo-n-er ds Chind het i syne-n-Arme dörfe ha, währed Toufi und Säge-n-uf ihn's 31 cho sy. Es het ne schier greut, 's wieder müesse wyter z'gä. Und ds Henriette sälber? – Das isch da gläge wie-n-e Rosechnopf im Morgeschlaf und het i säliger Gedankelosigkeit i di graublaue-n-Ougeschtärne vom Götti gschtuunet. Als einzige Götti het der Karludi bi'm Toufimal im Schloß z'Rychebach müesse der Toast uf sy Schützling usbringe. Er het's nid schlächt gmacht. Di berüehmti Cadenette, het er gseit, wo ds erschte Band zwüsche de-n-Eltere bildet heigi, syg jitz ersetzt dür ne bessere Gägeschtand, dä me nid i Guld, sondere-n-i weichi, vo treuer Liebi bewegti Arme wärdi fasse. Vo mene Meitschi erwarti me nid, daß es ds Vatterland wärdi räche; aber es wärdi dem Vatterland dür syni wybleche Tugede meh gä als politischi Freiheit. Dür Anmuet, Heiterkeit und Liebi wärd es einisch di junge Helde zu große Tate begeischtere. Der Papa Lombach het uf de Schtockzähnd glachet und am Abe bi'm Usenanderegah dem Karludi gseit : »I laj de d'Mama la grüeße-n-und nere la säge, si heig di de guet inschtruiert.« Der Karludi het verschproche, er well's usrichte, obschon er eigetlech nid ganz erfasset het, was der Herr Lombach het welle säge. Ganz wie vor füfzäche Jahre der erscht, het hütt der erscht und einzig 32 Götti sys Dämpfli hei treit, aber doch i ganz bescheidene Dimänsione, so daß er i der Schoßhalde gar keini unagnähme Reminiszänze gweckt het. Papa und Mama hei sech nid chönne-n-ebha, no i schpäter Abedschtund i d'Visiteschtube ga z'luege, was ihre-n-Eltischte machi. I weiß nid, was schöner gsi isch az'luege, ds glücksälig Yvernähme, wo sech uf de Gsichter vo de-n-Eltere kundgä het, wo si da so fründlech-gwunderig vor ds Karludis Bett gschtande sy, oder der fridlech Usdruck vo däm fescht schlafende-n-Ängelschopf. Er isch nidemal erwachet, wo sech d'Frou Landorfer über ihn bückt und ihm es Müntschi uf sy harmlosi Schtirne gä het, und doch isch ihm derby e großi, chruusi Locke vo der Mama uf ds Gsicht gfalle. Was mag er troumet ha under der duftige Wulke vo Muetterliebi, Froueschtolz und Anmuet? Wenigi Tag nachhär het der Ludi Bickhard der jung Götti wieder ga St. Blaise gutschiert. Uf der Heifahrt het er im Potschtsack vo Neueburg di erschte Nachrichte vo Waterloo ga Bärn bracht. Bald druuf isch der groß Komet hinder St. Helena im Ozean verschwunde, und männiglech het sech ohni Chummer syr fridleche Beschäftigung ergä. D'Kanonerohr hei i de Züghüser z'reihetewys d'Wänd aginet und i Schtaat und Familie het me wieder z'grächtem gnischtet und brüetet. Di viele-n-Invalide, wo 33 brotlos im Land ume gschtriche sy, für irged i mene schtille Gadi ihre früeche Läbesabe z'verhöckle, hei o ghulfe d'Luscht na neue Chriegserläbnisse verringere. Der jung Herr von Lentulus het me ga Paris schpediert, sobald dert di bourbonischi Herrschaft für ne honorabli Kapitulation Gwähr botte het. Der Herr Major Lombach isch Oberschtlütenant worde-n-und het bald bärnischi Milizsoldate g'schuehriglet, bald Frou und Chind. Ds Jetti het, bevor es Mässer und Gable het chönne bruuche, es Möbel glehrt kenne, das no bis i di neuischti Zyt am Äßtisch vo mänger Bärner-Patrizierfamilie sy Rolle gschpilt het: d'Rytpöutsche. Me het sech übriges glehrt yrichte-n-und isch rächt wohl gsi derby. Dem Jetti het's emel o verwändt guet zuegschlage. Es isch es Meiteli worde, wo jedermann gärn gseh het, gsund, luschtig und manierlech. Es isch nid einzig Chind blibe. Wo ds zwöite sech agchündet het, isch d's Jetti so im Alter gsi, i däm me se i üser hygieinische Zyt i di schtoubigi Schuelschtube-n-yne zwängt. Rychebach isch zwar groß gnue gsi, für daß ds bevorschtehende-n-Ereignis sech ungschtört hätti chönne-n-abwiggle. Aber will di Buebe Landorfer scho lang geng gchähret hei, me söll ne doch einisch ds Jetti en séjour ylade, so het me vo der Glägeheit 34 welle profitiere-n-und het's i d'Schoßhalde gschickt. Der Transport isch zu mene wahre Triumphzug worde. S'isch ganz früech im Früehlig gsi, und es het no chuum taget, so hei di Buebe Landorfer afah schpektakle. Der Karludi, wo längschtes us syr Pänsion ume hei gsi und uf d'Hochschuel gange-n-isch, het ds Kommando übernoh. Der guetmüetig, dick Mäni und der loubfläckig Fädi hei sech a alte aber für d'Ewigkeit garbeitete, grüene Chindswage gschpannet, dä scho unzähligi Uschesslete-n-erläbt gha het. Der Yämi und der Mundi hei ds Gäßli uf gschtoße, und der Ruedeli het me ganz ohni Widerschtand zur Schonung vo syne Chreft i Chorb yne gsetzt. So sy si tatedurschtig über Worbloufe ga Rychebach und hei sech dert la ds Zächni gä, daß d'Schwarte gchrachet hei. Der Karludi het vo der Frou Blanche e Portion Ermahnunge-n-und Kommissione-n-a d'Mama übercho. Nachhär het er ys Gotteli sorgsam i das alt-bidere-n-Equipage gsetzt, sys Trösseli vorne dry packt und isch stolz wie-n-e Schpanier vo Rychebach uszoge. Eigetlech het er schier wöhler gläbt am Gfüehl vo syr Verantwortung als a der Prinzässin, die-n-ihm, trotzdäm er se möhrig gfunde het, nid viel bedütet het. Um so meh Gheje hei syni Brüeder mit dem Jetti verfüehrt. Der Schtutz ab sy si gfahre wie ds wild Heer. Aber änenache der Bärg uf 35 hei si der Karludi la mache, und wenn er mit ne-n-ufbegährt het, so hei-n-ihm di uverschante Kärlse g'antwortet, är söll nume wärche, är syg der Götti. Derfür hei si de ds Möntschemügleche gleischtet, für dem Passagier vo ihrer Schnäggeposcht zueche z'trage, was öppe d'Wägbörder botte hei. D'Bueche hei zwar no ihri roschtbruune Bäse sähnsüchtig zum hälle Himmel usgschtreckt und der Blick überall düregla uf di dürsichtig grüeni Aare, wo i winterlecher Bescheideheit zwüsche de wyße Grienbänk düre gloffe-n-isch. Aber i de Grashalde hei Schlüsselblüemli, Läberblüemli und Veieli füre güggelet. Und will jede vo dene Buebe Landorfer ds Schönschte het welle gfunde ha, so isch ds Jetti bald i mene wahre Salat vo Früehligsblueme-n-ybettet gsi. So isch me-n-o erscht gäge Mittag hei cho. Währed de nächschte Tage-n-isch dank dem Jetti i der hindere Schoßhalde-n-alles ds Gäggels gsi. Di Buebe sy ds ganz Jahr nie so artig gsi wie jitz. Jede het der liebscht welle sy. Aber o d'Ritterlechkeit het ihri zwo Syte; si het bald zu Yfersucht und Prüglete gfüehrt, bi dene sogar ds Jetti sy Teil übercho het. Unbewußt het d'Chinderschar d'Früehligspracht gnosse, die sech mit jedem Tag herrlecher etfaltet het. D'Chrone vo allem hingäge-n-isch doch d'Heubühni vo der Schüüre gsi, wo a Rägetage-n-e Schtock vo-n-es 36 paar Chlafter färndrigem Heu ds Eldorado vom Jetti und syne Verehrer bildet het. Aber a mene schöne Morge het ds Jetti verdächtigi Bybeli übercho, und di Chinderschtube-n-erfahreni Frou Landorfer het d'Diagnose-n-uf di wilde Blattere gschtellt. Me het ds Jetti i ds Bett gschtoße und de Buebe bi schtränger Schtraf d'Schtube verbotte. Aber gäb wie me-n-ufpasset het, am Zyschtig het der Yämi Blätterli übercho und am Mitwuche der Fädi. Am Donschtig isch ds Jetti wider ufgschtande, und het im Schpittel dem Mundi Platz gmacht. Am Frytig isch der Yämi ufgschtande, und derfür het me der Ruedi i ds Bett ta. Am Samschtig isch der Fädi druus gschloffe, und derfür het der Mäni gchlagt, es byß ne. Am Zyschtig druuf sy alli wieder dasumegschprunge-n-und hei vor Übermuet ta wie d'Unghüürli, wo me-n-isch cho säge, ds Jetti heig es Brüederli übercho. Es het dersälb Früehlig viel grägnet, so daß d'Frou Landorfer ihri liebi Not gha het mit dem Goume. Da isch ere du ihre liebe Karludi verwändt chumlech cho. Er het alli Tag emel zwo Schtund der Huslehrer gmacht und di ganzi Bande gkuranzet. Sogar ds Jetti het di erschte Löffeli voll Wysheit übercho. Uf ds Karludis Chneue het es glehrt syni Fingerli zelle, Bärsli ufsäge-n-und uf alte Schpilcharte d'Figure-n-useschtäche. 37 Weniger dankbari Erziehungsobjäkt sy de hingäge di jüngere Brüeder vom Karludi gsi. Mit dene het me de anders müesse rede. Fascht jedi Lätzge het mit nere Schtrublete-n-und mit G'hüül gändiget. Settigi Zuegabe würke-n-uf d'Längi nid erboulech, und so het es wyters kei Verdruß abgsetzt, wo me na vierzäh Tage ds Jetti wieder ga Rychebach gschickt het. Am Tag vor der Abreis het's nüt meh gmacht als chähre-n-und briegge. Erscht wo's wieder im alte, grüene Wage g'sässe-n-isch, het's ihm gwohlet. Das mal het me der Wäg dür d'Schtadt gnoh. Der Karludi het gmeint, er müessi sy Göttiherrlechkeit dür nes Abschidsgschänk manifestiere-n-und het am Wybermärit sym Gotteli es Mämmi gchramet, e schouerleche Doggel. Aber bekanntlech schließe Chinder vo Gmüet es Gfätterzüg um so tiefer i ds Härz, je wüeschter es isch. Der Karludi het es nasses Dankmüntschi abgwüscht und isch i ds Kolleg gange, währed Mäni, Mundi, Fädi und Yämi mit dem Jetti dem Aarbärgertor zuegfahre sy. Ds Jetti het der hölzig Repräsentant vo sym Götti a ds Härz drückt und für nüt meh sünsch Ouge gha. Es isch sech mit sym Mämmi uf der Schoß schtolzer und herrlecher vorcho als d'Mama Blanche z'Rychebach mit ihrem lombachische Schtammhalter. Es isch guet, weiß me 38 nüt zum voruus, sünsch hätti ds Jetti düre Brämgartewald ab no müetterlechi Träne vergosse, vowäge ds Verhängnis isch nid wyt gsi. Der Neubrüggschtutz ab het der grüen Chindswage di schwärschti Prob vo syr ganze-n-Exischtänzzyt düregmacht; aber er het se b'schtande. Blind für jedi Gfahr, het ds Jetti gjuhejet, wenn's ihns albe-n-einisch höchuf gschprängt het. Höchschtes für sys Mämmi, das me-n-underwägs zu Ehre vom Donator Charlotte-Luise het touft gha, isch es öppe-n-i d'Ängscht cho. So sy si übermüetig dür di alti, fyschteri Brügg grasslet und hei am andere-n-Ufer rächts abgschwänkt, der schtotzig Fueßwäg uf gäge ds »gfundne Ländli«. Da – im Ängpaß zwüschem sandschteinige Bord und dem Abschturz i d'Aare – begägne si dem Holzer-Bänz mit sym Mischtcharrli und dreine-n-andere, bluttfüeßige Schlänggle. D'Juged vo de Herrschaftsgüeter änet der Aare-n-isch mit de Ländli-Buebe scho lang i bitterer Fehde gläge, und uf beidne Syte het me jitz grad gwüßt, daß d'Situation e-n-üsserscht gschpanneti syg. Ohni guetwillig Konzessione het dem Bänzli sy wärtvolli Fracht nid am Landorfer-Equipage vorby chönne, und so het me grad afah parlamäntiere. »Uf d'Syte mit dym Schtinkcharre!« het der Fädi afah herrschele. »Wottsch oder wottsch nid?« 39 »Potz nu!« antwortet der Bänzli, »du hesch mir däich nüt z'befähle, du Grotzli.« »So? – He?« meint der Fädi, schtellt di linggi Achsle füre-n-und schtreckt di rächti Hand hindere, für ufz'zieh. »Probier nume!« meint der Bänzli, währed syni Begleiter necher chöme. »Hör uf!« mahnet der Mäni sy Brueder ab; aber er isch z'schpät cho. Na nere schtumme Verabredung hei Mundi und Yämi e Schtei under ds Hinderrad vom Chindswage gleit, daß er nid zrückrolli, sy i Linie grückt, und göb me drü zellt het, isch dem Bänzli sys schwärgladene Mischtcharrli über ds Bord us i d'Aare-n-abe grollet. Glychzytig het der Fädi dem Bänzli sy Chlapf appliziert und isch hindertsi überfloge, mit dem flinggere Gägner über sech. Uf ei Ruck isch alles im Handgmäng gsi und het sech am Bode-n-ume gwälzt, währed ds Jetti i Todesängschte gschroue-n-und ds Diechseli vo ds Bänzlis Charrli us de-n-Aarewälle-n-e wehmuetvolle-n-Abschidsgrueß zum Schlachtfäld ufe gwunke het, bis es under der Neubrügg für alli Zyte verschwunde-n-isch. Der Bänzli het der letscht Wunsch vo sym beredte Charrli verschtande-n-und förchterlechi Rach gnoh. Der Chindswage het er doch nid dörfe-n-überuus la. Derfür isch aber ds Charlotte syr Wuet anheim gfalle-n-und i wytem Boge, mit sym schwäre 40 Chopf vora, i d'Aare-n-use gfloge. Am Pfyler vo der Brügg, wo sech d'Wälle mit großer Gwalt bräche, het's zum Abschid no di »Schaumgeboreni« gschpilt, frylech mit de schtyfe, hölzige Bei obsig. Dem Jetti isch es bi däm Anblick gsi, wie wenn me-n-ihm nid nume ds Härz, sondere-n-alli Ygweid überhoupt us em Lyb grisse hätti. E Wält vo Glück und Freud isch mit dem Charlotte versunke. Di beroubti Muetter het gschroue, daß sech schier d'Wyde-n-a der Aare-n-ufgreckt hei, für z'luege, was es da obe gäbi. Ja, me weiß nid, zu was dä Jammer syni ergellschterete Beschützer no higrisse hätti, wär nid i däm Ougeblick als deus ex machina der Umbieter vo Mittelleue, der Herr Riesig, uftouchet, dä juscht vo Rychebach zrückcho isch. Er isch zwar es ganz, ganz chlys Mannli gsi und wüescht derzue wie d'Sünd; aber er het es immänses Portefeuille-n-underem Arm gha und het sech für e gwiegtischte Vorkämpfer vo der Restauration ghalte. Sy restaurative-n-Instinkt het ihm sofort di Bluttfüeßige-n-als der schuldig Teil bezeichnet. Er het se mit etrüschtete Worte z'rächtgwise-n-und der Wäg abgjagt. De Chnabe Landorfer und nametlech ds Herr Oberschte Tochter, het er läbhafti Sympathie bekundet und se gheisse-n-im Fride wyterzieh. Si sölle de daheim nume säge, der Herr Riesig heig ne ghulfe. » Votre serviteur, ihr junge Herrwschafte.« Mit däm 41 Balsam uf ihrne Höupter hei di artige Chnabe ds plärende Jetti wyterzoge. D'Schlänggle sy a der Brügg vorby und e Bitz wyt ds Bord ufgchräblet, für dert mit der Taktik vo Morgarte ds Gfächt wieder ufznäh, aber dasmal gäge Fridesschtifter. Wie-n-er zur Brügg abe chunt, hei si ne mit mene Hagel vo Mutte, Chneble-n-und Schteine-n-überschüttet, so daß dä guet Herr Riesig wie-n-e Schildchrott under sys Portefeuille gschloffe-n-und so i d'Brügg yne gschprunge-n-isch. Di Schlacht isch folgeschwär gsi. Afange der Herr Riesig het sech uf em Heiwäg under ihrem Ydruck gschwore, er well sys Läbe für d'Restauration ysetze und zwar für ne Restauration, die wieder Ornig i ds Land bringe-n-und dem Übermuet vo der Canaille eis für allimal es Änd mache sölli. Wenn afange Schtandespärsone-n-uf amtleche Gänge-n-ihres Läbes nümme sicher syge, het er sech überleit, so syg d'Republik z'nächscht am Abgrund. Däm müessi vorgsorget wärde. No größers Mißvergnüege-n-als der Herr Riesig het ds Jetti epfunde, will es der erscht größer Verluscht i sym Läbe-n-erlitte het. Aber am schwärschte-n-isch der Bänzli troffe gsi. Sys treue, alte Charrli, wo mit syne-n-usgloffene Schyberedli de Lüte sy Not im Kampf um ds Dasy so usdrucksvoll vorgyxet het und – je nachdäm 42 d'Redli unde grittet hei oder obe wie Ohre-n-ab-gschtande sy – völlig e so het chönne truurig oder heiter dryluege! Wie mänge Batze het er doch mit däm Wägeli verdienet gha! Und doch het er kei Rach brüetet. Es anders Mißbehage het ne meh plaget. Er het sech's nid welle-n-ygschtah, aber ds Jetti het ne-n-eigetlech duuret. Sys Gschrei und syni Träne hei ne verfolget. So gmeiner Härkunft und Erziehung der Bänzli gsi isch, so het ihm doch es männlechs Schamgfüehl vorgworfe, er heig a mene-n-uschuldige-n-und wehrlose Meitschi es schwärs Unrächt ta. Das Gfüehl het er sech zwar gar nid chönne klar mache; aber es isch ihm blibe-n-und isch no schtercher worde, nadäm ihm der Ludi Bickhard es »schtyfs« neus Charrli gschänkt het. Rychebach und bsunders ds Jetti het er vo däm Tag a ohni Haß gschoche. 43     III. Underschidlechi Gedanke-n-über d'Zuekunft vo Bärn. Was der Karludi z'Paris gseht. Di nächschte Jahr sy eini vo de sägesrychschte-n-Epoche-n-i der Bärnergschicht gsi. Wie di einzelne Familie sech nachem verheerende Schturm wieder erhobe-n-und us der Demüetigung ryche Nutze zoge hei, so isch es o im öffetleche Läbe gange. Di üsserschti Eifachheit i der Läbesfüehrung und der Trib zur vorsorgleche Wiederhärschtellung vom Wohlschtand het sech vom Einzelne-n-uf ds Ganze-n-übertreit. Gmeinnützigi Beschträbunge hei sech afah rüehre, und der erwachet Sinn für pärsönlechi Freiheit het neui, gsundi Schoß tribe. Na viele truurige Jahre 44 voll Usicherheit und Urueh isch me froh gsi, wieder Lüt am Schtaatsrueder z'gseh, die dür Tradition derzue beruefe gschine hei. Und doch isch es schynt's nid ganz gsi, wie's hätti sölle. Es isch ganz natürlech, daß e jede meint, so-n-e fridlechi Zyt müessi syni bsundere-n-Ideal erfülle. So het es halt damals näbe de-n-uninteressierte Schtaatsmänner o Lüt gnue gä, die gmeint hei, jitz müessi nah-ti-nah der status quo ante wieder härgschtellt wärde. Vor de-n-Ouge vo de-n-Alte, Unversöhnleche-n-und vor de junge-n-Arischtokrate-n-isch i rosigem Glorieschyn ds alte Bärn wieder ufgschtige-n-und het ne verloreni Privilegie vorgschpieglet. Und währed si d'Händ derna usgschtreckt hei, isch d'Angscht über di andere gfalle, die nid gärn hei la fahre, was di neui Zyt ihne verheisse het. Burger und Patrizier hei sech i de Zwänzgerjahre-n-e Zytlang kurios agluegt, bis du plötzlech e gmeinsame Gägner vor ne-n-uftouchet isch: ds Land im Gägesatz zur Schtadt. Vo Alters här sy Schwärt und Pflueg d'Grundelemänt vo der bärnische Republik gsi. D'Schtadt het ds Schwärt i der Hand gha und so nid nume ds tatsächleche, geischtige-n-Übergwicht treit, sondere verbriefti Vorrächt usgüebt. D'Revolution het der Landbevölkerung i d'Ohre gchüschelet, die Vorrächt müesse falle-n-und der Buur söll o uf e grüene Sässel. Und gäge das 45 hei sech d'Repräsentante vom Schtadtregimänt i guete Treue zur Wehr gsetzt. So isch es gschtande, wo der Schultheiß Fischer sy Residänz im Schtift ufgschlage het. Aber es isch no schtill gsi im Land. Der gwöhnlech Bürger isch no ohni Argwohn und Besorgnis syr Arbeit nache gange. Nume d'Politiker hei Änderunge vorusgseh. Anno achtezwänzgi ma's gsi sy, im Herbscht – di verschidene Funktionär, Kommissionspräsidente, Substitute, Sekretäre-n-und anderi Spezies vo Kanzlei-Chäfer, hei sech, wie alli Tag, über Pult und Tische-n-ynegchrümmt, bletteret, gchriblet, bütschiert und gschnupfet – da fahrt plötzlech e gwaltige Hornschtoß dür di gheimnisvoll-schtille Gäng vom Schtiftsgeböud. Di unvermueteti Schtörung het e verheerendi Würkung gha. Dert het eine-n-imene prachtvolle notarielle Schnörggel vor Chlupf es Hääggli nidsig, schtatt obsig gmacht und fluechet über das Mißgschick, da läärt e-n-andere sys Tintehüsi über ds Pult abe, und der Herr Riesig, wo juscht es Sigel het welle-n-under ne Beschtallungsbrief setze, fahrt mit de Finger a ds füürige Pütschierwachs und schlat mit dem Ellboge di großi Chachle mit blauem Schrybsand dür d'Schtube-n-us. Alli Türe schpringe-n-uf, und mit Flädermuusohre schtrecke di Tinteschläcker ihri Chöps i Gang use-n-und schieße-n-under 46 giftgrüene Liechtschirme füre verwundereti Blicke gäge d'Audiänzschtube. Mit gröschtem Erschtuune konschtatiert me, daß dä chriegerisch Lärme-n-us der Arbeitsschtube vom Herr Schultheiß chunt, us dere me jitz es famoses Trumpete-Solo ghört. Mit überlägener Miene bewegt sech e Ratsherr düre Gang hindere-n-und verschwindet i der Schtube vom Schtaatsoberhoupt. E fertige-n-Etwurf het ihm di agnähmi Glägeheit verschaffet, sy Gwundernase ga z'fuettere. Da schtande zwee Poschtiljone vor em Herr Schultheiß. Ihri schtattleche Silhouette hei sech vor em Fänschter scharf abzeichnet. Üse gwunderige Ratsherr geit hindere Fauteuil, i däm der Schultheiß mit schelmischem Lache sitzt und betrachtet di beide Manne. Der Trumpeter isch e schlank ufgschossene, hübsche Bursch gsi, der ander e gsetztere Ma mit zimlech läderigem Gsicht. Dir wärdet wohl scho errate ha, wär di beide gsi sy: Der Ludi Bickhard und sy Schützling, der Holzer-Bänzli. Dem Ludi isch es glunge, sy Brämser bi der Poscht az'bringe, und er isch ne sym pärsönleche Gönner, dem Herr Fischer, als dem Poschtpächter, ga präsentiere. Da het du ds Güegi der Herr Schultheiß gschtoche, syne Tintetrabante-n-eis la vorz'blase, und er het sy hälli Freud gha, a däm wackere, junge Trumpeter. Er het dem Ludi es Komplimänt gmacht für syni 47 Musiklätzge-n-und der Bänzli encouragiert, sech geng brav z'schtelle. Der Bänzli isch überglücklech gsi im Bsitz vo sym »generalsälige« Horn und schtolz mit dem Ludi abmarschiert. »U jitz, wie het er der gfalle?« fragt der Ludi uf em Münschterplatz unde. »O das isch emel no e freine, düecht's mi; weder dä weiß was er wott!« »Ja, schier! das wett i meine.« Der Schultheiß het no ganz andere Lüte-n-imponiert. Ds sältmal juscht i de beschte Jahre, isch sy großi, chreftigi Figur schön ufrächt gsi. Es isch niene nüt Chlys a-n-ihm gsi, weder i Geischt und Charakter, no am Lyb. Und trotzdäm er das wohl het müesse merke, het er's ohni Not niemer la gschpüre. A eim vo de nächschte Tage-n-isch nam damalige Bruuch der Usrüefer, e große Ma mit mene konische Schtrouzylinder mit breitem Rand uf em Chopf, d'Chramgaß uf gloffe, verfolget vo nere Schar Söubuebe, die jedi Glägeheit abpasset hei, für ihm e dumme Schtreich z'schpile. Er het mit nere Glogge d'Lüt under de Loubeböge füre glöckt und ne verkündiget: »Morn am Morge fahrt e Gutsche ga Neueburg, es sy no zwee Plätz frei.« Jedesmal, wenn er sys Gsatzli agfange het, isch der Chor vo de Gassebuebe-n-ygfalle: 48 »Morn am Morge, morn am Abe, Chascht allei dür ds Land us trabe. Wärisch hütt verreiset scho, Wär' i villicht mit der cho,« bis der Usrüefer sech umgchehrt und drüit het, er schlaj no eine vo dene Nütnutze mit syr Glogge z'tot. De sy si de usenanderegschtobe, für im nächschte Momänt wieder a sym länge, graue Chittel ume z'rupfe. Obschon sech das Schouschpil schier alli Tag wiederholt het, isch es doch eim nid glychgültig gsi, nämlech dem Holzerbänz, dä mit dem Hochgfüehl vo mene Seekapitän syr erschte Fahrt ga Neueburg etgägegseh het. Es het ne furchtbar wunder gnoh, wär sech syr Füehrung avertroue wärdi. Und er het sech nid wenig gmeint, wo am andere Morge näbem Karludi Landorfer, dä nüt Gringers im Biet gha het, als sy Fründ Lentulus ga Paris z'begleite, der Pfarrer L'Orsa und der Läheskommissar Tschiffeli ygschtige sy. Der viert Platz isch dem Herr Lütenant von Lentulus reserviert gsi, dä na mene churze-n-Urleb bi sym Vater i der Hahle wieder i d'Garnison zrück müesse het. Vo Härzesluscht het der Bänzli sys Horn blaset, und sobald me-n-über di chugelrunde Pflaschterschteine wäg und zum Aarbärgertor usgfahre gsi isch, sy o d'Passagier läbig worde. »Säget mer jitz o, Herr Pfarrer«, het der 49 Ratsherr agfange, »was isch Eui Opinion vo dene Dissentere da, wo i der Sulgenegg sech versammle?« Der Karludi het d'Ohre gschpitzt. Die Frag het ne-n-interessiert, und will er nid vo dene-n-eine gsi isch, die sech ybilde, si syge's ihrem enorme Verschtand und ihrer wüsseschaftleche Reputation schuldig, nüt az'näh oder es chönni a der Wandtafele bewise wärde, wie der pythagoräisch Lehrsatz, sondere mit schlichtem Sinn o öppis Unbewises gärn als wahr zuegä het, so het er äbe vo Afang a Verschtändnis gha für di damals viel agfochtene-n-Ahänger vom Gänfer-Reveil. »Me mueß se la mache«, het der Pfarrer L'Orsa mit dem Gamaliel gseit. »Lueget, settigi Lüt wei sech nid la brichte. Si hei ihri Überzügung und wär wett ne's verarge, wenn si für das yschtande, was ihne rächt schynt.« »Jä–jä–jä«, fahrt der Herr Tschiffeli wyter, »scho rächt, aber da chönnt e jede cho. Mir hei-n-is o müesse la brichte. Was gäb das für ne-n-Ornig, wenn eifach e jede wett syni pärsönleche Schrulle ga gältend mache? Das geit nid.« »Was weit Der, Herr Läheskommissar, Dir chönnet niemer zwinge, öppis z'gloube, wo-n-ihm nid gloubwürdig schynt und chönnet o niemerem e bsundere Gloube-n-usrede. Das isch pärsönlechi Freiheit.« 50 »P-p–p-p-pärsönliche Freiheit! Was söll das? – Und de d'Chilche?« »Das tuet enandere nüt. Si lehre nid öppis anders als mir. Und wenn . . .« »Jä halt, Herr Pfarrer! Das fragt sech de no. Was i mer ha la säge, hei si neue da gar eigeti Theoriee.« »Nei, nei, Herr Läheskommissar, i bi-n-ech guet derfür, si lehre gar nüd anders als mir o, i kenne ja di Lüt.« »Herr Pfarrer, me sötti schier meine, Dir heiget o mit üe z'tüe?« »Und wenn, Herr Läheskommissar?« Jitz lähnt sech der Herr Tschiffeli a d'Gutschewand, so wyt als es müglech isch gsi, vom Pfarrer ewäg, und luegt ne vo z'oberscht bis z'underscht mit uffgrissne-n-Ouge-n-a: »Herrrr – Pf–arr–er? – Und üsi Chilche?« Das Etsetze het üse Herr Pfarrer luschtig dunkt, und e chly übermüetig seit er: »Wär seit Euch, daß grad üsi Chilchi di einzig rächti sygi?« »Ja potz tousig abenandere! Wenn Dir so öppis säget, Herr Pfarrer, was hei mer de no z'erwarte? Das isch ja e-n-offeni Häresie!« »Usi Chilche-n-i Ehre, Herr Läheskommissar, aber uf die chunt's nid a, sondere-n-uf di unsichtbari 51 Chilche, uf di würklechi, pärsönlechi Gmeinschaft mit üsem Heiland und Erlöser. – Was nützt es Euch, Suntig für Suntig im Münschter ga nes Wappe-n-i Eues höchscht ehrewärte – Fleisch ga abz'drücke, wenn Der nid i di pärsönlechi Gmeinschaft chömet?« »Pardon, Herr Pfarrer, je vous remercie de votre amabilité. – Würdet Dir das vor em Chilcherat o säge?« »E bhüeti's, warum nid? » En effet, mer sy afe wyt cho, un pasteur qui dit: »»Uf d'Chilche chunt's nid a.«« Potz Donnerli, Herr Pfarrer!« » Ne vous excitez pas, Herr Läheskommissar. Me mueß sech nid mit de-n-eigete Hände Schüüchläder mache. Was vor sech geit, das gscheht, mer möge luege-n-oder nid. D'Bure rede vo mene hölzige Himmel. D'Regierung chönnt vo mene schteinige rede. Aber es heißt nid für nüt: »»Gott wohnet nicht in Häusern mit Händen gemacht. – Der Wind wehet, wo er will, und du hörest sein Brausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er fähret.«« Me mueß nid dene welle ga d'Händ binde, die juschtemänt der Chilche ds Läbe gäbe.« »Ds Läbe gäbe! – I pfyfe ne druuf, wenn si äbe juscht druus loufe.« »Mit Zwang chönnet dir da nüt mache. Die mueß me jitz la loufe. Aber mer sötte derfür sorge, 52 daß es settige Lüte bi üs wohl isch, daß si ihri Befridigung i der Chilche finde. Wo's dem Läbige verleidet, da tötelet's. Uad wenn mer i der Chilche nid Luft mache, so erschtickt si z'letscht sälber. D'Chilche ghört de Läbige-n-und nid de Tote, und wenn si söll bschtah, so müesse mer is nam Bedürfnis vo de Läbige richte, nid na dene, wo sech nid im Schlaf wei la schtöre.« »He ja. Das isch sicher. Aber si sölle-n-i der Chilche läbe. Si bruuche nid ga z'dissänterle. Wie söll de der Schtaat no ds Volk in Egi ha, wenn er kei Chilche meh het?« »Äbe, lueget, da hei mer's. Dir meinet halt, d'Chilche söll füre Schtaat der Profos mache. Aber gloubet mer nume, Herr Läheskommissar, so lang der Schtaat d'Chilche gschirret, wird si ihri Ufgab nid löse. Erscht wenn alli Schtricke dürschnitte sy – und das chunt einisch, will's Gott rächt bald! – erscht de wird me de gseh, was d'Chilche-n-isch und was si verma. Niemer wird de meh dervo profitiere als e Regierung, die d'Wohlfahrt im Oug het. Es isch doch klar, daß e Freji meh leischtet als e Schklavin.« Jitz faltet der Herr Tschiffeli syni Händ überem Chopf und seit: »Aber, um ds Himmels Wille, Herr Pfarrer, als getreue Diener der Obrigkeit müeßt ig Euch ja dem Chilcherat denunziere.« 53 »Tüet's nume!« »Ja, aber . . . .« »Wohl, wohl! Tüet's nume!« »Dir heit nüt anders im Chopf als es Regimänt vo der Chilche-n-über e Schtaat.« » Pardon. Es wär mer leid, wenn i mi so ungschickt sötti usdrückt ha, daß es normal bouets Hirni us myne Worte settigi Schlüß chönnti zieh.« » Merci, Herr Pfarrer, merci de vos compliments. Dir wärdet ja de Glägeheit finde z'gseh, ob di Herre Chilcherät Eni Expektoratione besser verschtande-n-als my Wenigkeit.« Mit dene Worte het der Ratsherr der Disput abgschlosse, mit närvöse Finger der Schnupf us de Giletrümpf gwüscht und zum Fänschter usgluegt. Der Pfarrer L'Orsa het mit schelmischem Blinzle sy tabatière fürezoge-n-und sym erboste Gägner e Prife-n-offeriert: »Herr Läheskommissar!« Der Herr Tschiffeli het ta, wie wenn niemer näbe-n-ihm würdi sitze-n-und sys vis-à-vis agredt: »Dir reiset ga Paris, Herr Landorfer?« Di höflechi Antwort vom Karludi het der Klaps vo ds Herr Pfarrers Schnupfdrucke dürschnitte, und du het me nüt meh ghört bis Schtuckishus, wo der Wage ghalte het. Da het sech juscht der jung Herr von Lentulus, i der rote-n-Uniform vom französische 54 Garderegimänt Besenval us der Umarmung vom Herr Rittmeischter glöst und isch uf d'Gutsche zuecho. Dem Offizier sys Gsicht isch nid juscht heiterer worde, wo-n-er als vis-à-vis e Pfarrer i der Poscht gfunde het. Der alt, vereinsamt Herr Rittmeischter het sech mit sym rotsydige Naselumpe d'Ouge-n-abgwüscht, wo-n-er sym Suhn z'negrüeft het: »Leb' wohl, mein Junge! Halt mir deinen Degen blank!« Na nes paar Begrüeßungssätze-n-isch d'Konversation nah-ti-nah i ds Schtocke cho und jede Passagier het Zyt gfunde, syne Gedanke nache z'gah. Wo si über d'Höchi vo Uettlige gfahre sy, hei di vier Manne, jede-n-uf sy Art, mit der Zuekunft vo der bärnische Republik und mit der bsundere Rolle sech abgä, die si sech sälber dert drinne zuedänkt hei. Das ma di wunderbari Ussicht erwürkt ha. Wär wett o anders chönne, als patriotischi Tröum schpinne, wenn er dert obe düre geit und sech ds Bärnerland e so herrlech vor ihm usbreitet! Ygnischtet zwüsche-n-üppige Waldhuble-n-und saftig grüene Matte, Hoschtete-n-und Allee schtrecke di heimelige Dörfer ihri Chilchsturmhälme-n-i d'Luft. Alles isch e so herrlech groß und wyt. Und doch isch e kei dürre Fläcke z'gseh, vo der Aare-n-ewäg, wo da tief unde zwüsche de waldige Börder düre ruuschet, bis ufe zu de silberige Schneefälder und Gletscher. Wettigs Land 55 isch das! Und dert linggs im Mittelgrund, da luege di alte Türm zwüsche de zaggete Schanze füre. Dert sitzt si fescht und schtill uf ihrer grüen verwachsene Flueh, di alti Schtadt, wo das alles erschtritte het und's jitz mit Chraft und edle Gedanke beherrscht. Was isch scho alles da drüber gange? Was wird no drüber cho, bis d'Sunne zum letschte Tag über ds Fyschteraarhorn ufechunt? Mit schtill lüüchtende-n-Ouge het der Pfarrer L'Orsa a di Zyt dänkt, wo di volländeti Grächtigkeit ihres Regimänt einisch o i däm Land wärdi usüebe. Der Herr Tschiffeli het mit verlorene Blicke drüber nachegsunne, wie doch alles so cho syg und wie's gah wärdi, und sech gseit: »Me darf nid dra dänke.« Der Herr von Lentulus het i der wyte Landschaft d'Schlösser gsuecht, wo d'Landvogteie bezeichnet hei und dänkt: »Mer la nid lugg, bis mer se wieder hei.« Dem Karludi syni Chinderouge hei verrate, daß er z'fride gsi isch mit däm, was da isch. Ihm het d'Regierung mit ihrem groß dänkende Schultheiß alli Gwähr botte für ne glücklechi Zuekunft. »So sött's jitz blybe,« het er gmeint, »jitz chäm's guet.« Der Holzer-Bänz het i Tag yne ghornet und nüt dänkt. Der Wätterluft het flüchtigi Wulkeschätte-n-über d'Hochäbeni gjagt und di ganzi Landschaft i ihrem 56 Schlummer beläbt. Es het eine dunkt, si müeß atme. Bald het e Bärgzug di schöni Ussicht verdeckt. No einisch isch si erschine, uf em Rügge vor Frienisbärg, und du het sech e-n-anderi Gäged vor üsne Reisende-n-ufta, der Jura, überschattet vo nere riesige Gwitterwulke. I zimlech schläferigem Trab isch es bi brüetiger Hitz dür ds große Moos gange. Bald het der Herr Tschiffeli afah dusle-n-und isch je länger descht meh mit sym ganze Ratsherregwicht uf e Pfarrer grütscht, so daß dä alli Bott sy Ellboge-n-i d'Rüppi vo sym Nachbar het müesse bohre für sech sy Existenz z'sichere. Bi St. Blaise ändlech het der Jorat mit es paar wüetige Schtöß wieder Läbe-n-i d'Gutsche bracht. Im losbrächende Gwitter isch der Schlaf o de Roß abhandecho, und der Bänzli het müesse luege, wie-n-er sy edli Fracht glücklech a ds Zil bringi. Längs Bitze wys isch es under Blitz und Donner im Galopp gange, und männiglech het mit großer Erliechterung d'Türm vo Neueburg gseh uftouche. Acht Tag druuf sy üsi beide Jünglinge-n-i der Riese-Schtadt aglanget. Dem Karludi syni Erwartunge vo Paris sy wyt übertroffe worde vo der Würklechkeit. Uf der erschte Fahrt dür di ändlose Gasse het er alli Ougeblick sy wälterfahrene Kamerad gfragt: »Was isch da los?« – »He nüt,« het der Lentulus gantwortet, »was wett sy?« 57 »He di Hüüfe Lüt.« »Das isch hie geng e so, du Chind. – di Hüüfe Lüt!« seit der Lütenant, leit sech im Wage hindere-n-und gagglet gredi use. Je meh si gseh hei, descht schtiller isch der Karludi worde. Es isch ihm gsi, wie wenn d'Wälle vo mene-n-andere Läbeselemänt über sym Chopf zsämeruuschete-n-und, halb betöubt, het er sech gschpürt i öppis Undefinierbarem, Unbegryflechem versinke. Mit wyt ufgrissne-n-Ouge-n-isch er a Paläschte-n-und Dänkmälere vorby gfahre, ohni meh z'frage, was dises syg und wäm das ghöri. Undereinisch sy si a ihrem Zil gsi, wo der Lentulus sy Fründ ylogiert het. Es isch im dritte-n-Etage gsi vo mene Hus, nid wyt vo der Babylone-Casärne. O hie im Hus hei di neue-n-Ydrück um ds Karludis müedi Schläfe brandet, daß er nid us em Gfüehl use cho isch, er troumi nume. Di galanti Fründlechkeit vo der Wirti und ihrer Tochter und no viel meh ihri fixi, packendi, vo jeder Grobheit abdeschtillierti Beschtimmtheit hei uf der Schtell e mächtige Zouber uf e Karludi usgüebt. Der Lentulus het sy Fründ bald alleini gla, für sech bi sym Kommandant ga z'mälde. Z'erscht isch der Karludi i Ruehbett-Egge gsässe-n-und het vor sech abe gschtuunet. Aber es het ne nid lang dert 58 bha. Er isch a ds Fänschter und het bald uf ds Gwimmel vo der änge Gaß abe gluegt, bald über ds Wirrsal vo de Decher und Chemeni, us däm da und dert, wie unbekannti Bärggipfel, Kupple-n-und schlanki Türm sech zum rote-n-Abedhimmel ufgreckt hei. Bald het me-n-us mene Hof ufe-n-es Trumpetesignal ghört. Aha, dert wird dem Lentulus sy Casärne sy. Lang scho sy dem Karludi syni große graublaue-n-Ouge-n-uf däm eigenartige Bild ume gschpaziert. Da und dert sy hinder Fänschter und Lücarne Liechtli uftouchet. Da g'hört er plötzlech e gloggehälli Schtimm hert näbe sech: » Ça vous plaît-il, Monsieur? « Und mit luschtiger Ungeniertheit lähnt sech näbe-n-ihm der Wirtin Töchterlein über ds Balüster, merklech amüsiert dür e Chlupf vom neue Gascht. Si isch mager gsi, wie-n-e Hofgeiß, aber chic und duftig und ihri schwarzglänzige Blicke sy i ds Karludis Ougeschtärne gschprunge, wie Schteinli, wo me-n-i ne himmelblaui Alpeglungge wirft. Dem Karludi isch es nid agnähm gsi. Aber, was het er welle? Er het mit ere-n-afah brichte, so harmlos wie's ihm öppe müglech gsi isch. Na churzem Gschpräch het er na der Poscht gfragt und Tinte gheusche, für hei z'schrybe, daß er glücklech acho sygi. D'Pariserin isch höflech gnue gsi für ne z'verschtah und het ne-n-alleini gla. Aber chuum het er im Halbdunkel gschribe gha: » Chère Maman, « so 59 polderet's unerchannt a d'Türe, und gäb, daß er het chönne » entrez « rüefe, schteit e riesige Kärl i der Schtube-n-und mäldet sech »Grenadier Bandi.« S'isch der Ufpasser vo sym Fründ gsi, wo ne-n-isch cho reiche zum Souper bi de Schwyzeroffizier. Dert isch er mit offene-n-Arme-n-empfange worde, het alti Bekannti gfunde, neui Bekanntschafte gmacht und e luschtige-n-Abe mit syne Landslüte zuebracht. Chuum wieder i syr Schtube, het ne d'Masse vo de-n-Ydrück vo neuem überfalle-n-und ne trotz der Müedigkeit nid la schlafe bis d'Mitternacht übere gsi isch. Du isch es aber ersch rächt losgange. I wildem Häxetanz sy Lüt, Tier und Landschafte-n-um ds Karludis Chopf umegkreiset. Di ganzi Reis het er no einisch düregmacht, nume mit däm Underschid, daß Schtädt und Lüt im grüslechschte Chrousi-Mousi a-n-ihm vorby gange sy. I däm Chaos isch schließlech ds Jetti vor ihm erschine-n-und het ihm sys hölzige Mämmi etgägegschtreckt. Dür das Bild düre-n-isch ihm de wieder ufdämmeret, das Mämmi syg ja vor Jahre bi der Neubrügg ertrunke. »Briegg nid,« het er ihm zuegrüeft, »du muesch de nes anders ha und de no nes schöners.« Aber ds Jetti het mit däm Troscht nid gschine z'fride z'sy. Und plötzlech gange dem Karludi d'Ouge-n-uf, und d'Sunne schynt häll i d'Schtube, währed vo der Gaß Wagegrassel und Gschrei ufetönt. Flingg isch er uf, für kei Zyt 60 z'verlüüre. Und scho währed syr Toilette het er geng uf d'Gaß abegluegt, wo's wie zwee gäge-n-enandere loufendi Ameisezüg vo Möntsche gramslet het. Allerhand Lüt hei ihri War mit eigenartigem, läng zogenem Ruef feil botte. Chrüpple hei g'orgelet und sy uf hölzige Beine vo Hus zu Hus gschtäcklet. Bättelmönche mit Seck über de-n-Achsle, Soldate, Bedienti, Glehrti i schwarze Talar und wyßlockige Perrügge, Modenaffe-n-und Gamins mit verfotzlete Hösleni, Froue mit Fischchörb und Modiste mit bluemete Cartondrucke, so groß schier wie-n-e Regimäntspouke, e schmüselige Savoyard mit mene Murmeltierli uf em Arm und einisch sogar e lybhaftige Neger i-n-ere glahrige Livree, das alles het sech raschtlos zwüsche Gutsche-n-und Güeterwäge düre gwunde. Wettigs Läbe! Und i däm ganze Gschtüchel isch öppis gsi, wie di glychmäßigi Bewegung vo mene Mühlirad. Jedes het gschine z'wüsse, was es wott und wohi-n-es ghört und keis isch dem andere-n-i Wäg cho. Niemerem het me müeße z'wäghälfe. I de Morgeschtunde-n-isch der Karludi uf sich allei agwise gsi, vowäge sy Fründ het Dienscht gha. Er het sech bald uf d'Socke gmacht für sech sälber chly z'orientiere-n-und Etdeckungsreise z'undernäh, und kei Viertelschtund isch verschtriche, ohni daß er öppis Neus, Interessants gfunde hätti. Uf syne Wanderunge-n-isch üse junge Bärner 61 bald i Tuilerieegarte cho, und vo denn ewäg het er sech geng und geng wieder uf der Linie vom Louvre bis zum Arc de l'Etoile bewegt. Alli Abe schier isch er dert ga schpaziere, mängisch wyt use, i der Richtung vo Neuilly. Und jedesmal het er sech trotz Hunger und Müedigkeit nume mit Müej vo dene wundervolle-n-Anlage losgrisse. D'Silhouette vom Triumphboge vor em rotguldige-n-Abedhimmel, das weiche, duftige Liechtmeer uf de länge, großartige-n-Allee-n-und uf der boumryche Landschaft vor der Schtadt hei sech i syr Phantasie völlig ygäzt, so daß er se syr Läbtig nümme los worde-n-isch. Und bi aller der Pracht het er doch nie sys Bärn vergässe. Ihn het nume no ei Gedanke beläbt: öppis – nume-n-öppis vo dene große-n-Ideee, wo i der Herrlechkeit schlummere, hei z'bringe für sys Vatterland. Dert, uf syne-n-einsame Schpaziergänge, z'mitts im gröschte, frömde Gschtüchel, Grassel und Glöuf, isch der Karludi zum glüjende Patriot worde. Wenn je z'Bärn großi Gedanke chönnte-n-i ds Läbe gsetzt wärde, so wär's jitz, nadäm me dür di furchtbarschte Reinigungsprozässe gange sygi und einmüetig di wahri Wohlfahrt suechi, so het er dänkt. Der Fründ Lentulus het nid begriffe, wo das use söll. Er het gmeint, der Karludi heig Längizyti, will er geng so schtill gsi isch und nid ds gringschteVerlangezeigt het zu de Luschtbarkeite-n-und 62 Lumpereie, zu dene di junge-n-Offizier ne hei welle-n-amache. O di luschtigi Parisere, wo ne daheim umflatteret het, het nüt a-n-ihm abbracht. »I gseh scho,« het der Lentulus einisch zum Karludi gseit, »du reisisch mer no hei und hesch nüt gseh vo Paris.« »Nüt gseh! I cha doch nid meh als der ganz Tag luege.« »Ja, ja, aber das isch nüt, geng nume Hüser, Böum und Schprätzbrünne.« »I gseh da gnue derhinder. La mi nume mache!« Übriges isch es gar nid nume bi'm Schpaziere blibe. Der Karludi het viel Zytunge gläse-n-und isch sogar einisch a nere Chammersitzung ga zuelose, die-n-ihm e tiefe-n-Ydruck gmacht het wäge der fabelhafte Beredtsamkeit. Demokrat frylech isch er bi allem däm nid worde. Er het bi verschidene vornähme Familie verchehrt, wo-n-es unghüür korräkt zuegange-n-isch. Schtill, aber mit offene-n-Ouge-n-und Ohre-n-isch er dagsässe-n-und het sech alles zu Nutze gmacht. Da het sech meh und meh d'Überzügung in ihm feschtgsetzt, daß me-n-Unberuefeni nid dörfi zur Regierung la, wo öppis Großes söll z'schtandcho. Wenn bi de Lüte, mit dene der Karludi verchehrt het, öpppis kritisiert worde-n-isch, so sy's di schwache Maßregle-n-und d'Konzessione vo der Regierung gsi. Und nid am wenigschte het me-n-im Offizierskorps 63 vo de Schwyzer die Ansichte verträtte. Dert het me d'Schtilli vor em Schturm gschpürt und deßwäge di unerbittlechschti Disziplin und Schträngi düregfüehrt. Nüt het me-n-underwäge gla, was di unbedingti Zuverlässigkeit vo de Truppe hätti chönne fördere. Und jedes Nahgä vom Chünig i-n-irged ere politische Frag het bi de höchere Schwyzeroffizier es Chopfschüttle verursacht. Im Adänke-n-a Undergang vo der alte Monarchie hei di Offizier raisonniert: »Mer wei für alles guet schtah; nume söll me-n-is de o la mache.« Das, het der Karludi gmeint, sygi o für d'Bärner-Regierung ds richtige Raisonnement und so möcht er o sälber säge. Däm Gedanke het er a mene-n-Abe-n-i Gägewart vo mehrere Bärner läbhafte-n-Usdruck gä, so daß der Oberschtlütenant Rösselet ihm d'Hand uf d'Achsle gleit und ne gfragt het: »Weit Dir nid by-n-is blybe, Herr Landorfer?« »Nei«, het der Karludi gseit. »Das isch nid my Wäg. Aber daheim wott i mys Mügleche tue. Mer hei jitz e famose Schultheiß, und jitz isch es üsi Pflicht, dä z'underschtütze mit allne Chrefte. Jitz wei mer derhinder, und d'Nachwält söll üser Generation nüd chönne vorwärfe. Ds Volk söll alles ha, was ihm vo würklechem Nutze sy cha. Alles sölle si ha. Aber es darf nüt überschtürzt wärde. Eis söll sech us em andere-n-use-n-etwickle. Und drum müesse mer derfür sorge, daß keini unberuefene, ungschickte 64 Händ dry gryfe. Mir wei's mache. Mer wei zeige, daß me-n-is unrächt ta het, idäm me-n-is ds Vertroue-n-etzoge het. Mer wei's wieder gwinne, mer wei's dem Volk dür nes gwüssehafts Regimänt abzwinge.« Mit wachsendem Yfer het der Karludi gredt. Es isch gsi, wie wenn alles, was er i de letschte Wuche so schwygsam i sech umetreit het, plötzlech i gwaltsamem Usbruch sech wett etlade. Alli, wo derby gsi sy, hei sech gweidet a der jugedleche Begeischterung, und nid am wenigschte der Lentulus. Dä het dem Karludi gseit: »Wahrhaftig, wenn my Kapitulation mi nid würdi binde, i chäm mit der hei und wett der cho hälfe.« 65     IV. Vo Eigeligkeite, Gäzzischtile-n-und chrischtleche Tugete. Der Ludi Bickhard macht wieder einisch öppis Dumms. Im yfrige Schträbe, sech vom Ordinäre z'underscheide, hei üsi liebe-n-Altvordere vo der Restaurationszyt allerhand Mode-n-und 66 Maniere-n-agnoh, die zuglych graziös und lächerlech gsi sy. Vom klassische-n-Empirekostüme isch d'Frouemode dür verschideni Wandlunge düre-n-uf di abetürlechschte-n-Ufzüg verfalle. D'Chopfbedeckunge sy bald dem türggische Turban, bald der polnische Czapka abgluegt gsi, bald rund, bald viereggig und je länger descht meh mit Bouquets und Fädere, Cordons und Plämple verziert. Di eigetlechi Coiffüre-n-isch zu mene wahre Marterinschtrumänt worde, so chunschtvoll isch si gsi. D'Haar sy z'ringsetum us e Chopf use grisse-n-und i di ungloublechschte-n-Ornamänt vo Züpfe, Lätsche-n-und Boucles ufbyget worde, zwüsche die me Schträhle, Blueme, Chornähri, Bletter und anderi Sache-n-ufgschteckt het. A de Röck hei vo Jahr zu Jahr d'Plissés und Garniture-n-überhand gnoh. Schlanki Häls, Achsle, so abheltig wie-n-es Chilchedach, und schpitzigi Füeßleni hei bsunderbar viel gulte, und drum het me-n-alles agwändet, für sech das Ussähe z'gä. De-n-einte-n-isch es grate, di andere hei sech zu Karrikature-n-usbildet. Zu de-n-erschtere het ds Jetti Lombach ghört. Syni Eltere hei viel uf comme-il-faut gha und hei ihrem Töchterli nid ds gringschte Ghotsch düregla. Da-n-es halt o ohni alli Restaurationszuetate meh als nume präsentabel isch gsi, so sy d'Beschträbunge vom Elterepaar mit dem beschte-n-Erfolg 67 belohnt worde. Das Meitschi isch i allne Linie graziös gsi, wohlproportioniert und vo früschem Teint. Viel weniger i d'Zyt passet het sy Gmüetsart, vowäge ds Jetti het sech nid chönne verschtelle. Es isch gsi wie-n-e tiefe Brunne, i däm me d'Schteine-n-im Grund e so dütlech gseht, daß me meint, me mög se mit der Hand errecke, trotzdäm si chlaftertief lige. Ds hohle, gchünschtlete Wäse vo der Gsellscheft het ihm kei Befridignng botte. Natürlech het es sech da drüber nie Rächeschaft gä: es het nid gwüßt, warum ihm mängs e so gräßlech längwylig und dumm vorcho isch, a däm so vieli wohl gläbt hei. Aber äbe so wenig hei d'Eltere-n-erchennt, wo's fählt. Me het gmeint, ds Jetti wüssi z'guet, wie hübsch es sygi und es findi halt eifach, me tüej ihm nid schön gnue. Me het ihn's mängisch z'Red gschtellt und ihm d'Lätzge gmacht über sys Wunderlechtue, aber geng het me-n-am lätze Trom zoge, und das Meitschi isch je länger, descht eigeliger worde. Je länger descht meh Lüt hei über ds Jetti afah pülvere-n-und nid am wenigschte di junge Herre. Sys Charme het se vo wytem azoge. Sy si-n-ihm aber nächer cho, so sy ne d'Anforderunge, wo ds Jetti a ihri Konversation gschtellt het, grad uheimelig worde, und schtatt us em lutere Brunne vo ds Jettis Sinnesart z'trinke, hei si nume-n-i mene Wasserschpiegel ihri eigeti Physiognomie erchennt und hei 68 Ryßus gnoh. Das isch halt so, d'Lüt la sech viel liechter zueche bi eim, wo der Usdruck uf ne wohl gfüllte Mage-n-und es läärs Härz dütet, als zu eim, däm es großes Härz voll höchi Gedanke-n-us de dunkelärnschte-n-Ouge luegt. Wo d'Zyt cho isch, i dere me ds Jetti het sölle-n-i d'Underwysig schicke, isch du däm Töchterli der Irrtum vo syne Lüete z'guet cho. E wysi Vorsähung het de-n-Eltere-n-und Berater d'Hand vor d'Ouge gha, und si hei i ihrem Irrtum müesse blybe, bis gäge-n-ihre Wille Glychs zu Glychem, das heißt ds Jetti zu mene bsunders gedigene-n-Underwysiger, cho isch. Me het dänkt, jitz müeß me Sorg ha. Villicht daß e rächt e nüechteri und seriosi Underwysig däm eigelige Wäse der Boge gäb und däm Meitschi d'Ouge chönnti uftue über sys exigeante Wäse. Der Pfarrer Schaffter vo der wältsche Chilche het ds sältmal gar zoge, und wenn me-n-ihm vo gwüsser Syte vorgworfe het, er sygi nid ganz bumbefescht gäge d'Dissenter, so isch derfür de ds Wältsche gar schwär i ds Gwicht gfalle, »wo doch für d'Erziehung zum gsellschaftleche Läbe-n-enorm wichtig isch und der Frömmigkeit geng es aschtändigers Chüschtli git«. Niemer het sech über d'Wahl vom Underwysiger meh gfreut als ds Jetti sälber, und für ihns isch mit der erschte Schtund e glücklechi Zyt abroche. 69 Zur Verwunderung vo syne-n-Eltere-n-isch es albe mit glücksälig lüüchtende-n-Ouge-n-us der Schtadt cho hei z'fahre, voll Bewunderung für e Herr Schaffter. Me isch ihm du o öppe z'Predig gange, und d'Frou Blanche het schier gar mit ihrem Töchterli afah schwärme. Aber bald het si afah gschpüre, daß ds Jetti ihre-n-i religiöse Sache vorchunt, und vo denn a het si weniger läbhafte-n-Ateil gnoh a syne neue, tiefgründige-n-Interesse. Ja, mängisch het ere ds Glöuf vom Jetti afange-n-uf d'Närve gä. Der Herr Oberscht het sech nid ufgregt. D'Froue heige ja eigetlech der Wyl fromm z'sy, het er gmeint, ihne schadi's nüt, und wenn si d'Sach für sich bhalte-n-und nid anderi dermit gange ga längwyle, so chönn me ne nüt derwider ha. Was me du hingäge nid rächt het welle begryfe-n-und was d'Eltere schtutzig gmacht het, isch der unerwartet Glychmuet gsi, mit däm ds Jetti i sym Underwysigsjahr uf di gsellschaftleche Freude verzichtet het. Me het geng no gmeint, me wärd ihm ds üebleche Verbott vo dene Sache bis zur Admission uf irged e-n-Art müesse verzuckere, vowäge daß es flotts Meitschi, das, wie me ja wohl gwüßt het, trotz allem de junge Herre-n-imponiert het, so mir nüt, dir nüt uf alli Fêtes wärdi verzichte, isch doch chuum dänkbar gsi, um so weniger, als es räßi Zunge gnue gä het, die bhouptet hei, ds Jetti 70 syg es Heimlechseißes und laji syni Verehrer no so gärn Schturm loufe. Item, ds Jetti het nid mux gmacht. Und schtatt, daß me sech über di Willfährigkeit gfreut und d'Sach äbe so natürlech gnoh hätti, wie ds Jetti, isch me drob erchlüpft und het gförchtet, es chönnti dem Meitschi öppis dervo blybe. Sogar der Herr Oberscht isch ob der Wahrnähmung e chly inquiet worde, het doch ds Jetti scho meh als einisch verrate, daß »sys Mäß vo arischtokratischer contenance nid im équilibre mit sym gute Härz gschtande-n-isch, ja daß sy fatali Möntscheliebi glägetlech a ds Uschickleche gschtreift het.« Im Schpätherbscht het dem Herr Oberscht sy Lächema, für mit dem Drösche besser z'rücke, d'Schallewärcher uf d'Schtör gnoh. Der Herr Oberscht het's ungärn la gscheh; aber er het ygseh, daß me sünsch nid mögti gcho. D'Schloßjuged het sech für di schwarz und wyß gschtreifti Garnison läbhaft interessiert und isch der lieb läng Tag nid vo der Schüüre wäg z'bringe gsi, wo di zwöibeinige Zebra im hälle Schweiß – ei Bige-Bage-Boge-Boschtpapier, zwo Bige-Bage-Boge-Boschtpapier, drei Bige-Bage-Boge-Boschtpapier – dröschet hei, währed der Profoß mit der gladene Doppelflinte di lääre Zwätschgeböum aginet het. Ds Jettis Brüeder, zwee luschtigi Fägere, hei sech bsunders amüsiert a de sogenannte Gäzzischtile. 71 Das sy Halsyse gsi mit länge Schtile, die vom Äcke bis höch übere Chopf vom Schträfling ufgschtande sy und am abegkrümmte-n-Änd es Glöggli treit hei. Die Yse het me de bösere Zuchthüsler agleit, damit si nid liecht chönne dervo schpringe. Ds Jetti het hingäge nüt zum lache gfunde-n-a dene Gäzzischtile. Es het ei Schallewärcher gseh, dä under sym Halsring blüetet het. Ohni sech lang z'bsinne, isch es zum Profoß gange-n-und het ihm gseit: »Säget, loset! Dä dert het e böse Hals under sym Gäzzischtil.« Der Profoß, e-n-alte Dienete, isch ufgschtande-n-und het schier schlafschturm d'Hand a d'Chappe gleit und gseit »Mademoiselle?« »Lueget«, het ds Jetti repetiert, »dä arm Karli dert blüetet«. »O das macht nüt«, antwortet der Profoß, »das tüe si mängisch«. »Me sött ihm das Yse wägtue«, meint ds Jetti mit vorwurfsvolle Blicke. Da het der Profoß der Zeigfinger uf und seit mit Amtsyfer: »Das wett i nid probiere, Mademoiselle. Es chönnt mer schlächt gah.« »E bah. Nähmet dir ihm's nume wäg. Es gseht's ja hie niemer. Und wenn am Änd o – das nähm i de uf mi.« »Nei, nei, wäger nid, absolut nid.« Ds Jetti het nid länger insischtiert; aber ds Beduure mit 72 dem Gfangene het ihn's im Innerschte-n-ufguslet. Es het gwartet, bis di Lüt Fyrabe gmacht hei und dä mit dem gribsete Hals zum Brunne cho isch, und du het es sech zueche gmacht, nid ohni innere Kampf. Scho der ganz Namittag het es sech gseit, da sötti me jitz öppis mache. Hie wär jitz einisch e Glägeheit, sy chrischtlechi Gsinnnng z'zeige. Aber es het nid rächt gwüßt, wie und was. Ganz zaghaft isch es der Verbrächer ga arede, wie-n-ihm's im Ougeblick ds Härz diktiert het: »Tuet's Ech weh?« Es paar schtahlgraui Ouge hei ds Jetti mit dem glyche-n-Usdruck agluegt, dä me-n-öppe-n-unwillkürlech animmt, wenn me-n-i nere wildfrömde Schprach agredt wird. Dem Jetti isch es vis-à-vis vo däm glattrasierte, gräutschelige Verbrächerchopf rächt uheimelig worde; aber es het di erschti Glägeheit zu mene chrischtleche Zueschpruch nid so gschwind welle prysgä, dütet mit der Hand a sy eigete, wyße Hals und fragt e chly luter als vori: »Öb's Ech weh thüej?« Uf das hi het sech dem Schallewärcher sys Muul i d'Breiti zoge, und wie der letscht Tropfe-n-us nere lääre Guttere-n-isch es fürecho: »Chly wou.« »Söll ig Ech chly verbinde?« »Hm«, grinset der Schträfling unglöubig. »Chömet, i will Ech öppis umbinde.« 73 Der Schallewärcher blybt unbeweglech und seit: »S'wird Ech öppe nid ärscht sy.« »Wohl es isch mer ärnscht,« seit ds Jetti und lyret mit heimlechem Tschuder der lynig Lumpe, wo-n-es mitgnoh het, ume Hals vom Schallewärcher, ohni syni gwunderige Blicke-n-ufz'fah. Ds Härz het ihm gchlopfet. »Jitz, jitz! Red' jitz!« het's i sym Innere gseit, und mit Hascht het ds Jetti na mene passende Wort gsuecht. »Warum syt Dir im Schallewärch?« schtoßt's mit Härzchlopfe-n-use. E neue schpöttisch-unglöubige Blick trifft ds Jetti. »Hm?« erneueret es sy Frag. »Ho, vowäge!« seit der Schträfling. Dem Jetti sy Bruscht het garbeitet, schier zum Verschpringe, wo-n-es furtfahrt: »Gället, Dir heit halt dem liebe Gott nid gfolget? – Sünsch wäret Dir jitz nid da.« Es widerwärtigs Lache-n-isch über ds Gsicht vom Schallewärcher gfloge. Nüt descht-weniger het ds Jetti vo neuem agsetzt: »Dir müeßet Ech halt ihm ergä. Dir wüsset ja: Jesus nimmt die Sünder an.« Der Huefschlag vo mene Pfärd het dem Jetti ds Wort abgschnitte, und chuum het es umegluegt, rytet scho der Herr Oberscht Lombach zueche-n-und fragt, währed der Schallewärcher dervo trappet: »Was machsch du da?« 74 Ds Jetti het ohni wyters gwüßt, daß sys Undernäh d'Zueschtimmung vo sym Papa nid wärdi finde. Unwillkürlech het es mit syne schön modellierte-n-Achsle so Verlägeheitsmanöverli gmacht und du gseit: »O dä arm Gügger het e so weh gha am Hals und da ha-n-ig ihm e Lumpe zum umbinde gä.« Het es scho da nid gwagt, z'säge, daß es höchscht eigehändig der Schallewärcher verbunde heigi, so isch es vo der schlichte Wahrheit no wyter abtribe worde dur d' Frag vom Herr Oberscht: Wäm? Däm Zuchthüsler? Dem Jetti syni dunkelbruune-n-Ouge hei sech usgwytet zur schtumme Frag: »Warum hätti nid sölle?« Es het öppis a syne Händ ume gniffelet und isch hinderem Roß vo sym Papa här gäge ds Schloß gange. Mit mene möhrige Mäuggerli isch es a Pfoschte vo der Hustüre glähnt blibe, währed der Herr Oberscht abgschtige-n-isch und ds Pfärd dem Chnächt übergä het. Im Grund het dem Papa d'Barmhärzigkeit vom Jetti gfalle. Aber syni us df gsellschaftleche Läbe grichtete-n-Erziehungsprinzip hei ihm verbotte, das la z'merke. Wider sy Gwohnheit isch er am Jetti vorby gange, ohni's a sech z' zieh, und i der höche-n-Ygangshalle het er obem Abschtreife vo syne grobe Rythändsche halb ergerlech gseit: »Das macht me nid. I wott das nid ha.« »Aber, wenn's ihm weh ta het! Hättet Dir ne nume gseh, Papa . . . .« 75 »Das isch glych. Es schickt sech nid, und i wott's nid.« Mit dene Worte-n-isch der Herr Oberscht im dunkle Gang verschwunde. Ds Jetti isch e-n-Ougeblick unbeweglech im Vestibüle blybe schtah. Znm erschte mal het es sech e chly – eigetlech über Gebühr – Märtyrerin gschpürt und het drob mit der Flüchtigkeit vo mene Näbelschtreifli ds unagnähm beschämende Gfüehl vo syr Unufrichtigkeit vergässe. Mit anmuetiger Majeschtät het es sy Trotzchopf i ds Gartehüsi usetreit, ne dert uf syni schlanke-n-Ellböge gschtellt und mit troumhaft ufgrissene-n-Ouge-n-über d'Aare wäg gschtuunet. Wie Brieftube sy syni Gedanke-n-under de wuchtig usgschpreitete-n-Escht vo de-n-alte Cheschteneböum wäggfloge, übere Brämgarte, i d'Schtadt, zum Herr Pfarrer Schaffter. Däm hätt es jitz sy Chopf möge-n-a d'Bruscht lege. So het es nid gmerkt, daß d'Mama mit majeschtätischem Schritt über d'Terrasse cho isch. Und dür ihri Frag: » Qu'est-ce que tu as? « unagnähm ufgschreckt, antwortet's mit mene töubbelige Ranggle. » Qu'est ce que ça veut dire? « seit d'Mama mit rüejiger Überlägeheit. Jitz mueß me wüsse, daß ds Jetti sech nie gärn vo syr Mama het über inneri Aglägeheite la interpelliere-n-und am allerwenigschte-n-i religiöse Sache, will es bi ihre nid ds rächte Verschtändnis het 76 gmeint z'finde. Scho di bloßi Nächi vo der Mama het ihn's i däm Ougeblick ufgregt, und drum etfahrt ihm di deschpäktierlechi Antwort: » Ça ne vous reg . . . . « Der Räschte frylech isch ihm im Chlupf über sy eigeti Unartigkeit erschtickt. Aber, was het das ghulfe? D'Houptsach isch use gsi, und i der momentane Trotzverfassung isch es Zrücknäh und Abbitte-n-unmüglech gsi. Fatalerwys isch di Situation o der Mama Blanche unlösbar vorcho, so daß sech ihri Majeschtät bi mene Haar i ne gar nid restaurationswürdigi Tätlechkeit ufglöst hätti. Mit knapper Not het si sech ebha, derfür aber dem Jetti abeputzt, wie no nie, und ihn's i sy Schtube gschickt. Dert isch es i nere böse Verfassung acho. Vo Reui über sy Ungezogeheit kei Schpur. Descht meh trotzigi Vorsätz, sy chrischtlechi Läbesanschouung, ohni alli Rücksicht uf d'Eltere z'bhoupte-n-und derna z'läbe. Das isch einschtwyle ds Resultat vom Tag gsi. Jungi Chrischte sy geng Eklektiker. Si verschieße sech i einzelni Programmpunkte vom Evangelium und wei i dene-n-uf Uchöschte vo de-n-andere, villicht z'allerinächschtligende, glänze. Si grate liecht i quälendi Halbheit. E rächti Harmonie und öppis nach zueche Ganzes erschtryttet me gwöhnlech erscht mit de graue Haare. 77 So isch das guete Jetti halt o hüscht und hott gfahre, und uf d'Uschehrete wäge syne Samariterdienschte sy no vieli anderi cho. Je meh es i der Schuel vom Herr Schaffter vorwärts cho isch, descht empfindlecher isch es worde gäge jedi abchüehlendi Bemerkung vo syne Lüte-n-und no meh gäge Schticheleie, wie se grad der Oberscht im Bruuch gha het. Wenn er sys Töchterli bi guetem Luun a sech zoge-n-und ihn's gfragt het: »Und was mache dyni Zebra?« so het's nid welle Gschpaß verschtah, sondere-n-afah duble-n-und ds Duureli mache. Under dene-n-Umschtände het neue niemer welle ha, daß das Underwysigsjahr vo großem Säge sygi. Di Verwandte hei gfunde, i däm Rychebach syg no nie so viel gchäret worde wie das sälb Jahr. Im Schtille-n-und Verschteckte-n-aber het juscht under allem däm üssere Kampf öppis Großes i ds Jettis Härz Wurzle gschlage. Mit allem Necke-n-und Chaltwasser-Aschütte het me di Wurzle tiefer und tiefer ynetribe, und dermit het ds Jetti scho früech sälbschtändigs Wäse-n-übercho. Es het nah-ti-nah d'Schticheleje besser möge-n-erlyde-n-und isch ändlech sogar im Schtand gsi, se mit nere rüejige-n-Antwort heiz'wyse. Ds Jahr druuf – d'Admission isch übere gsi – het's einisch i der Gäged vo Heihuse brönnt, und me het gseit, es sygi vo mene-n-öfters gschtrafte Vagant azündtet worde. Da isch es du der Herr 78 Oberscht acho, wieder einisch sy Tochter z'necke. »Ähä, Jetti,« het's gheisse, »das git wieder eine für i d'Pänsion am Zwingelhof. Du chasch ne de ga tröschte.« » Tant pis, « lachet ds Jetti, »villicht wär er nid derthi cho, wenn er vorhär meh mit üsereim hätti chönne verchehre.« »He nu so de – tu promets, « het der Herr Oberscht gmeint, und dermit isch d'Sach zwüsche Papa und Tochter abta gsi, und me het nid dänkt, daß si de no ganz ghörig wärdi z'rede gä. Das isch e so cho. Der Ludi Bickhard isch a mene schöne Tag im Ougschte, wo alles schträng am ärnte gsi isch, mit nere wohl verwahrete Fracht vo Neueburg härcho. Me het se extra ihm als a mene-n-unzwyfelhaft zueverläßige Ma avertrouet gha. Wo-n-er z'Meichilche-n-ygfahre-n-isch, het sech im ganze Dorf nüt meh grüehrt, als die hässigere Hünd. Di mächtige Schtroudecher hei di ygheimseti Frucht und drunder, i fyschtere Schtube-n-und Gade, di müede Burelüt wie mit schwarze Säcke zuedeckt. Roß und Chüe sy i de Schtälle muusschtill gläge, da gseht der Ludi vom Bock us hinder der länggschtreckte Silhouette vom Heihusewald e rote Schyn ufgah. Es isch nid Zyt gsi füre Mondufgang, und bald isch es dem Poschtiljon chalt übere Rügge-n-ufgramslet: das isch e 79 Brunscht. Breiter und höcher isch d'Röti ufgange, und der Ludi isch i Gusel cho. Di Schwygsamkeit vom Dorf het ne-n-use gforderet. Er nimmt sys Poschthorn und blaset, daß d'Schwarte chrache. No einisch und no einisch setzt er a. D'Röti het d' Wulke-n-i glüjigi Suffite verwandlet, und himmelhöch isch d'Funkegarbe-n-us de schwarze Tanneschpitze-n-ufgschtige. Aber d'Bure hei gschlafe. Der Ludi isch vor em »Bäre« vorgfahre, wo-n-er gar wohl bekannt gsi isch. Er schpringt ab, chlopfet mit dem umg'chehrte Geiselschtäcke-n-a d'Hustüre-n-und brüelet, wie-n-er sit Polotzk nie meh het brüelet gha: »Fürio! – Fürio!« Da geit überobe-n-es Fänschter uf, und e Froueschtimm fragt: »Wo brönnt's?« »Dert nide,« seit der Ludi, im »Heihusewald.« Schier glychzytig chunt vo der andere Syte här e Ma i Holzböde cho z'schlarpe-n-und leit i allem Loufe no d'Chutte-n-a. Er blybt schtah, luegt und seit ändlech: »Das isch bi'm Goschteli.« Jitz chunt d'Bärewirti, e nätti, bravi Burefrou, under d'Hustüre-n-und seit: »E du myn Gott! Das isch bi ds Goschtelis. Gschwing, gschwing fahrit, Hannes.« Si schpringt um ds Hus ume, chlopfet d'Lüt füre-n-und kommandiert und hüschteret. 80 D'Hüser hei sech rot und röter gfärbt bis under d'Vorschärme-n-ufe. »Go lüte! Go lüte, Chrigu!« – Fürio! Roß! – Wär git Roß! – Wo isch es?« So ghört me jitz meh und meh Schtimme, und eis nam andere schnaagget vo de Loube-n-abe-n-und us de Chuchene füre. Zwüsche de Schräckesrüef ghört me langsameri: »Wie isch ächt jitz das agange?« »Ui, luegit, luegit! Das isch i de Garbe.« Es isch scho-n-e-n-ordlechi Kuppele Lüt binenandere gschtande. Alli hei i d'Röti gluegt, so daß me d'Gsichter erchennt het. D'Zahl het sech no um öppis vermehrt, wo jitz d'Glogge vom Chilchsturm mit eigenartige-n-Underbrächunge-n-i di wyti, schtilli Nachtlandschaft use gället und vo Chirchlindech här e wimmmerigi Antwort übercho hei. »Me mangleti z'fahre« het's gheisse. D'Manne hei alli enandere-n-agluegt; aber keine het's dem andere dörfe zuemuete, syni Roß härz'gä. Ändlech seit der Gmeindspräsident zu eim: »Du chönntisch sauft, Ueli.« »Ja däich wou däich! Wo-n-i afe zwöitusig Garbe-n-yhegfüehrt ha. Da cha e niedere so guet wie-n-i.« »Ihne sött haut fahre. – Wele wott?« meint der Gmeindspräsident. Uf das abe het me-n-undereinisch der füürig Widerschyn uf der Rüggsyte vo verschidene Bure 81 gseh. Und ds Hüüfli het abgnoh. I de nächschte Hüser sy sogar d'Liechter, eis um ds andere, erlösche-n-und d'Hustüre zuegfalle. Der Gmeindspräsident het afah flueche, und d' Bärewirti het ne sekundiert: »We der no lang zaaggit, so isch es de z'Bode. Seh, ma jitz keine zuehe?« Da fallt plötzlech eine-n-uf ds erlösende Wort: »Da sy ja Roß! Fahr du!« »– He ja, dä söu fahre, die mü's scho no verlyde, selig bravi Roß. Wenn i selig hätt, i füehr mi tüüri, so wyt as me wett.« So hei sech jitz d'Lüt ume Ludi ume la vernäh. Dä guet Ludi het scho lang mit sech g'kämpft und sech schier nid möge gmeischtere. »I cha di Fuehr da nid la schtah,« wehrt er ab. Aber d'Bure sy a-ne-n-anderi Schprach gwahnet gsi. Si hei dänkt, wenn's ihm ärnscht wär, so wär der Ludi scho lang gäge Bärn zue gfahre. Alles het ihm zuegredt, är söll syni Roß gä, di Poschtherre wärde-n-öppe wohl nid cho luege, wo-n-er blybi. Wo du volländs d'Bärewirti dryfahrt und seit: »Schpann du nume-n-ab, i will der scho zum Wage luege, du bisch ja grad danide. Lue, mer schtoße ne de da i ds Tenn yhe, da cha's ihm emel nüt gä,« da het's der Ludi nümme bha. »Wo heit der d'Schprütze?« fragt er, und dermit isch er verlore 82 gsi. Der ganz Huufe-n-isch zum Schprützehüsi grochlet, natürlech ohni Schlüssel. No einisch het d'Bärewirti z'Hülf müesse. »Schpring e chly, du chätzers Schlarppi!« het si dem Gmeindspräsident gseit, wo-n-er isch ga der Schlüssel sueche. Daheim isch ihm du no sy Frou agfahre: »A bah Dräck! Was brauche die jitz z'fahre? S'isch ja z'Bode bis si chöme.« »Jitz mueß gfahre sy!« brüelet er, »un i wott's, enangerena!« Er nimmt der Schlüssel und trappet dervo. Da fahrt sy Frou uf: »Haut, haut. Da wott i derby sy,« und schpringt ihm nache. Aber es het ere nüt g'nützt. Ihri Hanfbräche, wo si im Schprützehüsi het versorget gha, will's ere dert chumlecher gsi isch, sy scho drunder und drüber uf der Schtraß gläge, und d'Dorfjuged isch ds huufeswys uf di chlyni, füärrot agschtricheni Füürschprütze-n-ufgchlätteret, so daß si schier drunder zsamegchruttet isch. Der Ludi isch uf em Zuederhandschümmel g'sässe, und währeddäm d'Gmeindspräsidenti uf d'Bärewirti losgfahre-n-isch: »So, Liseli, i ha's wou däicht, du sygisch aber derhinger mit dyr Dängelilafere . . . .« isch di hülfstürschtigi Fuehr dervogrumplet. Es isch es Luege gsi zum Förchte, was di rot übergossene Schümmle hinder sech här zoge hei, e Trübel vo Chöpf, Arme, Buggle-n-und Bei, aghänkt a Schtäcke vo der vergitterete Rondälle, dere-n-Uschligschtumpe-n-es 83 zitterigs Irrliecht unterhalte het. Wie d'Arme vo mene-n-Unghüür het der Balancier di vorderi Gable-n-us em Knäuel füregschtreckt. Öppe halbwägs sy si a mene Ryter begägnet. Si hei gmeint, es syg e Füürryter, wo well cho Hülf reiche. Aber bald het di eleganti Silhouette ne verrate, daß es öpper anders sy müeß. Der Ludi het unwillkürlech ds Gsicht vo der Brunscht abgchehrt, bis di rätselhafti Figur vorby galoppiert gsi isch. Er het ds Gfüehl gha, es syg öppis nid Guets i der Luft. Aber für e-n-Ougeblick het d'Brunscht sy Hülf gforderet, und alles isch im Rolle gsi, öb er hätti welle-n-oder nid. Si sy vo der Schtraß ab, dem Wald zuegfahre. Di ganzi Luft het brändtelet und scho het me's hinder de Tanne ghöre schprätzle-n-und chnattere. Ds Füür het afah blände, und me het dem Inschtinkt vo de Roß ds Finde vom Wäg dür d'Waldfyschteri müesse-n-überla. Da lugget der Wald und uf eismal schteit ds Unglück i syr wundervolle Majeschtät vor ne-n-i der Blütti, es gwaltigs Burehus im volle Brand. Es riesehafts Schparrewärk het sech wie-n-e glüjigi Chräze-n-über ds Ganze-n-ufgreckt, und di Tuused und aber Tuused Flamme hei sech vereiniget zu der Füürsüüle, die, vom breite Funkeräge begleitet, dür schwarz ufballeti Rouchwulke gschloffe-n-und zum Nachthimmel ufgloderet isch. Und es tuusedfachs Schprätzle, 84 Chräschle, Chrache-n-und Rumple het es höllisches Konzärt derzue abgä. Üsi Manne hei aber kei Zyt zum Schtuune gha. Öb's no öppis nützi oder nid, het im Bann vo der furchtbare-n-Erschynung niemer gfragt, und unbsinnet het me Hand agleit. Rächt flingg hei si d'Schprütze-n-am Bach zwäg gschtellt und ihri Schlüüch agschrubt. Aber jitz het's gulte, d'Ufgabe z'verteile, was nid so glatt gange-n-isch, will eigetlech niemer het gha z'befähle. Niemer het welle-n-Eimer recke, niemer pumpe. Derfür isch e ganzi Kuppele mit dem Wändrohr dem Hus zuegschprunge, wo's em schönschte brunne het. Bekanntlech macht aber e Brunscht warm, und drum isch me-n-a mene-n-Ort blybe schtah, wo me's no het möge-n-erlyde. Drei, vier mitenandere hei welle ds Rohr füehre. »La mi!«, het's gheisse. »Nüt da! I bi z'erscht da gsi.« Der gröbscht het's gwunne-n-und sech i d'Position ta. Aber da hei di andere grad afah rate-n-und befähle. »Uf d'Egge ha!« het eine gmeint. E-n-andere het gmeint: »Dert yhe! Unger yhe!« E dritte het »obe-n-yhe« welle. Und eine vo Ortschwabe het gseit: »Heit Sorg, ds Sparrewärch chönnt si de bau uberlege.« Mittlerwyle hei sech doch du di Guetmüetigere-n-a di weniger dankbari Arbeit vom Wasserschöpfe-n-und Pumpe gmacht. »Meichilche Wasser! – Meichilche Wasser!« – het der Rohrfüehrer brüelet. Aber es isch nüt cho. 85 »Meichilche Wassööör!« »Es chunt. Es chunt ja wie ds Bolisdonner!« het's us em fyschtere Fäld g'antwortet. Ds Wändrohr het afah chlepfe-n-und chnattere, wie-n-es Rottefüür. Aber es isch nüt cho als Luft-blattere-n-und albeneinisch e halbe Schluck Wasser. »Es söu eine ga luege. Si het fautschi Luft«, het der Rohrfüehrer befohle. Aber a der Schprütze hinde het's gheisse: »Mer zieh ja so schträng mer möj.« Ändlech etdeckt me ds Hindernis i der Gschtalt vom Lättfuhre-Köbel, wo mit beidne Holzböde-n-uf em Schluuch schteit, z'nächscht bi der Schprütze, und Füür schlat, für d'Pfyfe-n-az'zündte. Sobald me dä het fürers gmüpft gha, isch es du cho z'schieße-n-und i höchem Boge – si hei no e halbe Schueh höcher möge-n-als die vo Uettlige – i dampfende Heuschtock gfloge. So wyt wär jitz d'Sach im Gang gsi. Da chunt plötzlech vom Fäld här es wüetigs Gschrei: »Heit se! Heit se! – d'Mohre! – Si wott ume dry! Heit se!« Und richtig chunt ventre-à-terre e großi Sou derhär, verfolget vo mene wahre Landschturm. Mit Geischtesgägewart het me ds Wändrohr gchehrt und dermit der wilde, verwägene Jagd chönne-n-e-n-anderi Richtung gä. Us em Gschtüchel use-n-isch frylech di Hülf mit dem Zueruef quittiert worde: »Schprützet lieber i ds Füür, dir Löhle!« 86 Mit Yfer het me sech vo neuem a ds Lösche gmacht. Aber unufhaltsam isch der Flammeschtrom us em glüjige Gripp ufgfahre, bis sech plötzlech ds Schparrewärk, uf der Firscht längschtes verbrönnt, ufrichtet, für under em warnende Gschrei vo allne Zueschouer sech mit dumpfem Chrache-n-und Rumple z'überschla. Jitz erscht het me sech nächer zueche gwagt, für der Trümmerhuufe ga z'bschütte. Es isch nah-ti-nah schtiller worde, und di abnähmende Füürsüüle hei sech geng meh trennt und sech im ufschtygende Qualm verschloffe. Der Ludi Bickhard het sech uf em Brandplatz nid lang versuumt. Sobald er d'Schprütze vo Meichilche het zueche gfüehrt gha, isch er wieder ufgsässe-n-und zum »Bäre« z'rückgritte, für sy Fracht ga z'reiche. Toteschtill und fyschter isch ds Dorf da gläge. Hätti nid der Mond, wo jitz gälblech über em Hohgant gschtande-n-isch, e schpärleche Schyn uf d'Schtraße gworfe, so hätti der Poschtiljon chuum sy Wage-n-umegfunde, dä keineswägs i mene Tenn, sondere bloß underem Vorschärme vom »Bäre« gschtande-n-isch. Kei Möntsch het sech zeigt. Vergäbe het der Ludi di fyschtere Fänschter vom »Bäre«, die me zwar ob de viele Geranium und andere Bluemeschtöckli chuum gseh het, mit vorwurfsvolle Blicke gmuschteret. »So«, het er dänkt, »si sy doch alle 87 glych; i hätt's aber nid gloubt«. Er isch sech nid rächt klar gsi, warum; aber daß grad d'Bärewirti, vor Jahre sy liebschti Schülerin z'Ittige – Dir bsinnet ech doch no a ds Schärme-Müllers Liseli, wo i der »Schlacht vo Trafalgar« so übel wägcho isch? – nid Wort ghalte het, das het ne g'ergeret und het ne geng vo neuem wieder beschäftiget. Mißmuetig het er syni Schümmle vorgschpannet, isch ume Wage-n-ume gange-n-und het gluegt, öb d'Blache niene glöst worde sygi. Da – was isch das? – ghört er e Huefschlag hinderem Wage. Heiß und chalt isch es dem Ludi dür March und Bei gfahre. Plötzlech underscheidet er im Fyschtere vo der Dorfgaß, öppe zwänzig Schritt hinderem Wage, e Ryter. Isch es ächt der glych, wo si uf der Fahrt zur Brunscht begägnet hei? Der Ludi het's vermuetet. Aber für ne z'erchenne, isch es z'fyschter gsi. D'Röti isch zu mene näbelhafte Schyn erbleichet gsi und der Mondschyn isch vo de mattsilberige Schindeldecher ufgfange worde. »Isch es eine, wo um my Fracht weiß? – Warum hei si mer se so bsunders anempfohle?« so het sech der Ludi gfragt. Da är sälber nid gwüßt het, was er under syr Blache-n-i schwäre, chlyne Chischte gfüehrt het, isch ihm di ganzi Sach furchtbar uheimelig vorcho. Wyter het er sech gfragt, ob er ächt Gäld glade heig, öb's um ne-n-Überfall z'tüe sygi. Es wär villicht sicherer gsi, 88 im Dors z'blybe-n-und der Tag abz'warte, da-n-er ja kei anderi Waffe by sech gha het als sy Geiselschtäcke. Vor allem aber het der Ludi ds Gfüehl gha, er dörf dem uheimelige Beobachter sy Uschlüssigkeit nid verrate. »I Gotts Name«, het er halblut gseit, »i wage's; es ma de gä, was es will, so ha-n-i de doch my Pflicht ta«. Er isch uf e Bock gschtige-n-und isch mit mene letschte Blick uf d'Fänschter vom »Bäre«-n-abgfahre. Öppe-n-e Schybeschutz vor em Dorf usse luegt der Ludi z'rück, zieht e chly ds Leitseil a, und richtig ghört er der Ryter hinder sech här cho. Wie gärn hätt er ne vor gla! Aber sobald der Ludi langsamer gfahre-n-isch, isch der Verfolger o z'rückblibe. Isch der Ludi abgschprunge, für der Radschueh under z'lege, so isch der Ryter blybe schtah. I der Hascht vo de Gedanke-n-isch jitz dem Ludi alli Ougeblick öppis i Sinn cho vo politische-n-Üsserunge, die-n-er i de letschte Wuche ghört, aber wyters nid g'achtet het. Mängs het jitz i syne-n-Ouge plötzlech Bedütung übercho, und geng sicherer isch es ihm worde, daß öppis im Gang sygi, däm är mit syr Fracht diene müeßi. Er hätti nid e-n-alti Chriegsgurgle müeße sy, hätt' ihm nid sölle-n-i Sinn cho, daß i Chischtleni vo däm Gwicht und der Größi chönnti Munition sy. Gäld hätti me doch chuum e so gschickt. Uf em Brüggfäld het sech der Huefschlag vom Verfolger 89 verlore. Aber bald nachhär het der Ludi gmerkt, daß zwee Fueßgänger im Schatte vo de-n-Alleeböum sy Wage begleite. Die sy o hinder ihm här dür ds Aarbärgertor yne cho, und er het se-n-o a der Brunngaß gseh schtah, hinder mene Loubepfyler, nadäm er Roß und Wage het versorget gha. Vom Münschterturm het's drü gschlage, und der Mond het d'Consigne der Tagheiteri übergä. Der ander Tag isch der Ludi Bickhard i d'Poschtremise cho, wo juscht grad der Holzer-Bänzli und e-n-andere-n-Agschtellte sech under der Ufsicht vom Poschtmeischter dra gmacht hei, di Chischtli uf mene Handwägeli i Erlacherhof übere z'füehre. Zu syr Verwundernng findt er ganz harmlosi Ufschrifte drusse. Uf eim het's gheisse: Décorations pour la chambre de Madame, uf mene-n-andere Salle à manger, uf mene dritte Candélabres pour le grand salon usw. Der Ludi het sech gseit, daß syg ihm doch wieder e neue Bewis derfür, daß me z'Nacht gärn Sache-n-errati, wo nid syge. Am Änd heig er sech o nume-n-ybildet, dä Ryter tüj ne verfolge.   Es sy öppe-n-acht Tag verschtriche gsi sit dene-n-Ereignisse, da sitzt der Karludi a mene schöne Vormittag im »Boumgarte«-n-underem pente-à-l'air vorem Hus a mene grüen agschtrichene Gartetisch 90 und schrybt, was ihm der Herr Schultheiß diktiert. Sit syr Pariser-Reis isch der Karludi als Volontär öfters vom Schultheiß verwändet worde. Der Herr Fischer isch juscht a mene-n-Abschnitt gsi, wo's ihm uf ne peinlech gnaui Redaktion acho isch. Er het mit syr große, vielsägende Hand d' pente-à-1'air -Schtange-n-umfasset und, e chly füre boge, mit sinnende Blicke-n-i nes Dalia-Grup yne gluegt, währed der Karludi mit der Gänsfädere der Fluum under syr Nase gschtrychlet und uf d'Furtsetzung vom Diktat passet het. Da geit zimlech zaghaft der Chlopfer a der Hustüre. Aber di resonierende Schleg hei der Schultheiß scho möge schtöre, so daß er halb uwirsch zrückluegt. Der Chammerdiener chunt und mäldet: »D'Jumpfer Henriette Lombach begährt zum Herr Schultheiß.« »Säget's der Frou Fischer. I ha jitz nid derwyl, Visite z'epfah.« »I ha nere scho gseit, der Herr Schultheiß epfaji nid; aber si wott absolut mit dem Herr rede.« Der Herr Fischer het der Chopf gschüttlet ob däm kategorische Verlange-n-und isch im Husgang verschwunde. Der Sekretär het sech natürlech läbhaft für di Audienz vo sym Gotteli interessiert. Er isch grad under de-n-offene Salonfänschter uf mene länge Gartebank gsässe-n-und het sech muusschtill under der Simse-n-a d'Muure glähnt, für z'lose, 91 was da inne gangi. Er het ghört, wie der Schultheiß mit vätterlecher Galanterie sy Nièce het uf nes Ruehbett gnötiget und wie-n-er nere güetig ghulfe het, di yleitende, vor Emotion halberschtickte Sätz fürez'borze. Erscht na nes paar Minute, die sogar dem Götti under der Simse schier äng gmacht hei, isch ds Jetti sowyt zu Schtimm und Ton cho, daß me vor em Fänschter der Zsämehang het chönne finde. Es het nah-ti-nah geng luter und wärmer g'redt, und der Schultheiß het's niene-n-underbroche. »I cha-n-Echs nume säge, Unggle«, so het me ds Jetti ghört peroriere, »es hätt eim chönne ds Härz z'underobe tue, wenn me ne ghört het.« »E myn Troscht«, het der Karludi dänkt, »wär ächt?« »Es isch doch sünscht e treue-n-und e gwüssehafte Möntsch. Wenn er's jitz no us Liechtsinn gmacht hätti oder i nes Wirtshus wär ga sitze. Aber er het's ja guet gmeint. Er het ds Gfüehl gha, er müessi ga hälfe. Und da-n-er ja, schynt's, der einzig Möntsch isch gsi, däm ds Härz uf em rächte Fläcke gschlage het, wär's eifach nid rächt gsi, wenn er nid gange wär. I der Bibel schteit, e guete Hirt tüej nünenünzig Schaf alleini la, für nes einzigs verirrts ga z'sueche. Wie viel ender isch es de erloubt, meh oder weniger wärtloses Guet la z'schtah, für dahi z'Hülf z'schpringe, wo villicht Möntsche-n-i der 92 gröschte Läbesgfahr sy! Di Bure sötti me i d'Chesi tue, wo nidemal ihri Roß hei welle härgä, für mit der Füürschprütze z'fahre. Wär hätti o dä Grümpel welle schtäle? Uad i wett no nüt säge, wenn würklech öppis verlore gange wär. Aber er het ja alles ga Bärn bracht. Uad jitz tuet me dä arm Möntsch zum Lohn vo syr edle Tat uf d'Gaß. Es isch doch gwüß nid rächt. Findet Dir jitz nid sälber o, das sygi e Grusamkeit?« »Het der Herr Fürschpräch sünscht no öppis vorz'bringe?« seit der Herr Schnltheiß. »Es isch mer ärnscht, Unggle.« »Ja, ja, das merke-n-i. Aber dä Yfer wär a nere bessere Sach würdig. Lue, mys liebe Jetti, es isch alles rächt, was du seisch; aber du vergissisch eis: Wäre Roß und Fracht ds Eigetum vom Bickhard gsi, so wär's unzwyfelhaft sy Chrischtepflicht gsi, z'tue, was er gmacht het. Aber avertrouts Guet – und wär es o wärtloses Guet gsi – darf me nie im Schtich la, am allerwenigschte, wenn me's i-n-amtlecher Schtellung z'verwahre het. Da git's e kei Usnahm, und mer chönne se o hie nid mache; denn was dem einte rächt, isch dem andere billig. Der Bickhard isch alt gnue, für z'wüsse, was es uf sech het mit avertroutem Guet. Und me het ihm's no bsunders anempfohle gha. Aber dä guet Ma isch halt schynt's vo je här geng ds Opfer vo syne dumme-n-Yfälle gsi.« 93 »Es isch aber doch truurig, wenn me däwäg um sys Brot chunt,« erwideret ds Jetti. »Ja, pärse. Ds fatalschte-n-isch, wenn me trotz aller Erfahrung dür di eigete Fähler um sys Brot chunt, aber das isch der Wält Lons. Da darf me de nid no ds Gmeinwohl ga uf ds Schpil setze. Wenn i na mym Härz dörfti urteile, so wett i der erscht sy, wo Pardon git. Aber wäm ds Gmeinwohl i d'Hand gleit isch, mueß i-n-Egi ha.« »Isch de gar nüt z'mache für ihn?« »Bi der Poscht chönne mer ne nümme bruuche. Aber mer wei luege, wie-n-ihm öppe sünsch z'hälfe-n-isch. I will de mit dem Papa no drüber rede.« »Ach ja, gället? Syd so guet, Unggle.« Der wyter Verlouf vom Gschpräch het sech verlore, und bald druuf isch der Schultheiß wieder use cho. Er het glachet und gseit: »Hinder däm Meitschi schteckt öppis.« » Elle a du cœur « seit der Karludi. » Et ce qui vaut bien mieux: du courage « meint der Schultheiß. Der Karludi het sech nid chönne-n-ebha, sym Schtolz Usdruck z'gä mit de Worte: »Es isch de no mys Gotteli.« – »So? – Ja, richtig, i bsinne mi no. I felicitiere-n-Ech.« Dermit het der Herr Fischer das Intermezzo gschlosse. 94     V. Der Karludi überchunt e wichtige-n-Uftrag. Er wird i eier Schtund bewunderet und verschpottet. Der Herr Riesig het e bumbemäßige-n-Erfolg. Z'ringsetum, ume-n-alt-ehrwürdige Lindedom vom Wittikofe hei sech, wie-n-es guldigs Meer, di ryfe Chornfälder vo der Byse la schtrychle, und als füürigi Tüpfli sy d'Pavots drin umegschwumme. Aber no viel schöneri und größeri Blueme hei Läbe-n-i d'Gäged bracht. Vo Muri, vom Mälchebüehl, vom Murifäld här und us der Schoßhalde-n-abe sy teilwys z'Fueß, teilwys i Equipages di junge Schönheite vo Bärn mit schträngem, elterlechem Gleit dahärcho zum Gartefescht, wo der Herr Oberscht Wurschtebärger gä het. Dä het sünscht nid grusam viel 95 uf Fêtes gha. Aber für sy Bytrag a ds gsellschaftleche Läbe z'leischte het er gseit, er well einisch das Gschtürm über sech la ergah, aber im Summer, wenn er d'Lüt bi sych chönni epfah. D'Idee vo mene Gartefescht isch neu gsi, und der Herr Oberscht het syni Gescht nid hinder de Züün bruuche ga z'sämez'läse. O vo der hindere Schoßhalde här isch Zuezug cho. Der Herr und d'Frou Landorfer hätte sech d'Freud, ihre Karludi cho uf ds Schachbrätt z'setze nid für tuused Chrone la näh, nadäm si ne z'Paris hei gha la zwägbürschte. Er isch aber o gsi, me hätt ihm möge-n-ume Hals falle, trotzdäm i sym sinnende-n-Usdruck scho rächt viel Feschts gläge-n-isch. Si sy vo der Morgesyte här dür ds schmale-n-epheuüberwachsene Tor i Hof cho, wo linggs im schier nächtleche Schatte vo mene-n-alte Cheschteneboum der breitmüülig Brunne-n-yschchalt vor sech ane brodlet het, im Wettyfer mit der Ägerschte, die i ihrer Volière druuflos Bläch gschwätzt het. E-n-Ougeblick vorhär isch vo der andere Syte-n-e prächtigi Calesche vorgfahre, us dere di vornähmschti Nachbarin, d'Frou Großfürschti Anna Feodorowna vo der Elfenau usgschtige-n-und der Frou Oberschti i d'Arme gruuschet isch. Me het uf em breite Grienplatz zwüschem Lindesaal und dem Schloß epfange. Dert sy uf länge Tische, zwüsche 96 chöschtlechem Porzellan und gschpässige Dragantufsätze-n-allerhand gueti Sache-n-usgschtellt gsi, und uf em kompakte Fläschewald hei d'Sunneblicke luschtig glitzeret. Scho het der Hof gwimmlet vo Gescht im schönschte Putz, was bi der damalige Mode-n-öppis het welle säge. Was bi de Froue für schön gulte het, hei mer scho früecher gseh. Was d'Herre-n-aghänkt hei, für de Froue würdig z'erschyne, isch nid minder gschpässig gsi. Dunkelfarbigi Fräck hei si treit, um d'Taille-n-und a de Handglänk äng, um d'Bruscht wyt, mit höche-n-Umelitzchräge-n-und Phantasiechnöpf. D'Hose sy äng und churz gsi, wie verwachse. Was d'Froue-n-ume Hals z'wenig anne gha hei, hei d'Herre z'viel gha, es schouerlechs Gwurscht vo Vattermörder und wyßsydige Foulards. Di jüngeri Generation het chunschtvoll gformeti Cylinderhüet mit Schnalle treit, di eltere Herre no der Grasboge-n-undere-n-Ellboge gchlemmt. Unnatürlich und verziert wie d'Mode sy o d' Maniere gsi. Di freiere-n-Umgangsforme vo der neuere Zyt het me dür d'Imitation vo de Brüüch us der klassische Zopfzyt welle verbessere. Alles het fyner und eleganter welle sy als me vo Natur uad Gwohnheit gsi isch. Der Herr Oberscht het zwar proteschtiert gäge ds üebleche-n-Arrangement vo der Fête, aber er het wohl gseh, daß me-n-i settigem 97 d'Froue mueß la mache. So het me du, wie sünscht i de Salons, uf em Grien usse d'Schtüel i nere länge Reihe-n-i Sform ufgschtellt. D'Froue hei sech dert nidergla und d'Huldigunge vo de Herre-n-etgägegnoh, die einzeln oder z'trüppeliswys a der Schtuelreihe vorby gscharwänzlet und na Beji-Manier vo Blueme zu Blueme gange sy. Hei alli welle der ganz Chehr mache, so het me niene lang dörfe blybe schtah, und so isch o niene-n-es vernünftigs Gschpräch z'schtand cho. Für di alte Herre-n-isch es e Plag gsi; si hei geng z'morndrisch Chrüzweh gha vom viele sech bücke. D'Großfürschti isch z'mitts inne gsässe, umschwärmt vo alte-n-und junge Diplomate. S'isch gar nid lang gange, so het nere der Karludi i d'Ouge gä, und si het sech na däm charmante jeune homme erkundiget. Der chevalier d'Horrer, däm der Karludi bekannt gsi isch, het flugs üse Held am Arm zueche gfüehrt und ne vorgschtellt. Er het nid übel roti Backe-n-übercho ob der fürschtleche Huld, währed syni Fründe vo wytem d'Chöpf zsäme gschteckt und schlächti Witze-n-über ihn gmacht hei. D'Mama Elisabeth isch ougeblicklech im sibete Himmel umegschwäbt. Es isch nid widerz'gä, was für schöni Sache si und d'Frou Großfürschti sech nachhär gseit hei. Da isch Hung no Sänf dergäge. Und der 98 Papa Ruedi isch im Grienwäg zwüsche de Gazons gschtande-n-und het gfunde, der Chäs laj sech guet a. Di großfürschtlechi Gunscht het nid ermanglet, dem Karludi bi de Töchtere Relief z'gä, was zwar nid emal nötig gsi wär, will er so wie so zoge het. Trotz aller Ahänglechkeit a d'Sitte het d'Froueschaar der Yladung vom schattige Lindesaal nid lang chönne widerschtah. Eini na der andere het sech vo ihrem Cavalier la hifüehre. Di Alte sy bald paarwys dem mächtige Läbhaag na promeniert, währed di Junge-n-uf de Gazons allerhand Schpil inszeniert hei. Jitz het sech scho ender Glägeheit zu mene längere Gschpräch gä. Uf mene Gang zum Büffet isch der Karludi zwüsche ne Kreis vo Dame grate, die sech bi nere Tasse Tee juscht am Allerwältstagestraktandum, der Maßregelung vo de Dissenter dür d'Regierung güetlech ta hei. Eigetlech hätti me us Takt nid dervo sölle rede, » parce que la chose touchait quelques personnages de la société be bien près. « Aber juscht das het der Konversation ihre bsundere Reiz gä. Da me gwüßt het, daß der Karludi als neu bschtallete Sekretär vo der akademische Kuratel über die Sache ganz gnau orientiert gsi isch, het me ne gärn i d'Underhaltung ynezoge. Der wybleche-n-Inquisitionschunscht isch dä Jüngling no nid gwachse gsi und het bald allerhand interessanti 99 Details zum beschte gä. Da der Name vo der Frou von Krüdener als Vorlöuferin vo däm drohende-n-Abfall us der Landeschilche gnennt worde-n-isch, het sech o d'Frou Großfürschti afah interessiere, und der Karludi het nere-n-i wenige Worte brichtet, wie sech es Trüppeli vo fromme Lüte, zum Teil us der vornähmschte Gsellscheft, zu gheime Versammlunge zsämeta heigi, will si angäblech i der offizielle Chilche-n-ihri religiöse Bedürfnis nid chönne befridige, wie d'Regierung e bedänkleche-n-Abfall gwitteret und ygriffe heig. Vo einezwänzig Verchlagte syge-n-elf usgwise, sächs i ihri Heimetgmeinde gschickt und di übrige-n-ihrne Familie-n-und Vögt zur Maßregelung überwise worde. Jitz wärdi's de scho bessere. Öppis anders als d'Ansicht vo der Regierung het dem Karludi mit der Vernunft und dem allgmeine Beschte nid vereinbar gschine, und mit wachsendem Yfer het er d'Irrtümer vo dene Dissenter widerleit, ermuetiget dür di offekundigi Bewunderung vo sym elegante-n-Auditorium. Da leit sech plötzlech e schwäri Hand vo hinde-n-uf ds Karludis Achsle. Ohni der eigetümlech Effäkt vo der Underbrächung uf de Gsichter vo syne Zuehörer z'merke, chehrt er sech um und schteit vor sym Götti, dem Oberscht Lombach, wo i Schtifel und Schporre-n-i der Gsellscheft erschine-n-isch. Gwüssi Froue hei sech über dä absonderlech, wenn o sehr elegant 100 Ufzug, chönne-n-ufrege-n-und wäffele, dä Lombach heig sech doch syr Läbtig meh usegnoh als ander Lüt. Jitz erscht isch dem Karludi ufgfalle, daß sy Götti allei da gsi isch. »Dir syd, gloub, alleini cho?« seit er. »Äbe ha-n-i müesse. – Es hanget mit däm z'säme, was du jitz da brichtet hesch. I hätti äbe-n-e Wunsch a di. Das d . . . . . s Meitschi, ds Jetti, tuet mer ds ganz Hus z'underobe. Es isch geng dene Separatischte da nachegloffe. Si hei mer's ganz verderbt. Jitz wott's undereinisch niene meh hi, tuet schperrig und wott sech vo niemerem la brichte. Wie meh, daß me mit ihm z'Bode schtellt, wie hinderheltiger wird's. Meinsch du, me hätti's dahäre bracht? Es het ta, wie wenn me's i d'Höll wetti schleipfe. Du het halt du ds Blanche o nid welle, und jitz duble si daheim z'säme, schtatt sech hie z'amüsiere. I bi halt einewäg cho, i wott wüsse, was geit i der Wält. Drum bi-n-i gritte. I fahre nid allei i der Gutsche, wenn's nid sy mueß.« Der Karludi het für sy Verwunderung über dä Bricht no nid der rächt Usdruck gfunde gha, so fahrt der Oberscht Lombach furt: »Und jitz, wo-n-i ghöre, mit wettiger Präzision du di Irrtümer vo dene Lüte widerleisch, chunt mer äbe d'Idee, du chönntisch doch einisch mit däm Meitschi – 's isch ja no dys Gotteli – cho 101 rede-n-und ihm di Sach klar mache. Lue, i bi halt nid für so öppis gmacht und weiß z'wenig Bscheid. Villicht ließ es sech no vo öpperem la brichte, wo e chly e-n-Yblick het.« »Aber um alles i der Wält,« meint der Karludi, »wie isch jitz das Jetti da derzue cho?« »Ja lue, di Gschicht isch nid vo hütt. Es isch da scho lang öppis los gsi.« »He nu, i will emel myni Überredungschünscht cho probiere. I ha chly i di Sippschaft yne gseh; villicht daß es de wieder zue sech chunt, wenn me-n-ihm d'Ouge-n-uftuet über di Lüt.« »Ja weisch, über d'Lüt lat es sech neue nüt säge. Das het äbe der Gugger gseh. Die chläbe-n-anenandere wie Nagelflueh. Aber wie du seisch, es sött afe-n-einisch zue sech cho. Es isch ganz i-n-ere-n-andere Gedankewält als vernünftigi Möntsche.« Under dene Gschpräche sy der Oberscht Lombach und sy Göttibueb langsam dür di mittleri Allee us träppelet und a ds Änd vo der Anlag cho, wo der Schultheiß Fischer sinnend am Zuun gschtande-n-isch und gluegt het, wie si uf em Fäld usse ds Chorn gmäit hei. Mit eim Ohr het er glost, wie si, ume nächschte Gartebank ume, politisiert hei. Wie-n-er aber Schritte hinder sech im Grien ghört, chehrt er sech um und chunnt zum Oberscht Lombach. 102 Alli drei hei sech jitz, d'Händ uf em Rügge, däm Etablissement zueg'chehrt, wo sech verschideni elteri Herre-n-über d'Politik eryferet hei. »Säget mer, was der weit,« het eine peroriert, »wenn mer is das leu la gfalle, so hei mer i zäche Jahre ne Große Rat voll Bure.« »Ja,« nimmt e-n-andere ds Wort uf, »und da wei mer is keini Illusione mache. Wenn einisch d'Bure Meischter sy, so chunt's de so use, daß d'Schtadt darf zahle, und di Herre Bure befähle.« »Nä-tä-tä-tä-tä. Das sy Flouse,« seit e Ratsherr und fahrt mit syr farblose, rembourrierte Hand i der Luft ume, wi wenn er e Rouchwulke wetti verschüüche. »Dir gseht Gschpänschter. Ds einzig Mittel, e natürlechi Furtetwicklung z'garantiere, isch daß me di akzeptable Postulat vom Land berücksichtiget. Was sy Berächtigung het, cha me nid hinderha; sünsch sammlet sech d'Unzufrideheit, und a mene schöne Tag wärde mer alli mitenandere-n-abegwüscht.« Es allgmeins Lache-n-und Chopfschüttle het da druuf g'antwortet, und du hei sech di fragende Blicke vo der ganze Gsellscheft uf e Schultheiß grichtet, dä bis jitz ohni e Miene z'verzieh, im Kreis gschtande-n-isch. Jitz seit er: »Das wär äbe no z'undersueche, was a der angäbleche-n-Unzufrideheit isch, und wie wyt di Postulat würklech us der Landbevölkerung 103 use chöme. Einschtwyle hei mer no keini sichere Bewise derfür. Es fragt sech nume, öb ds Landvolk di nötigi politischi Intelligänz het, für di Verschprächunge vo de Volksrächtler uf ihre wahre Wärt z'prüefe. Hätte si d'Ouge-n-offe für das, was di letschte Jahr ne bracht hei, so hätte mer nüt z'risquiere. Aber i förchte, me gsei nümme heiter. Mer wei nid vergässe, daß jedi Konzession d'Begährlechkeit weckt. Mer sy äbe scho sehr wyt gange und i gloube, es syg der Momänt, sech z'säge: certi sunt denique fines. « Der Herr Rittmeischter von Lentulus isch scho lang ungeduldig umenandere träppelet. Jitz isch er mit usgschtrecktem Zeigfinger i Kreis yne cho und het mit scharfer Schtimm losgla: »Und ich sag euch, wir sind schon viel zu weit gegangen! Die Konzessionen sind des Deibels Schlitten. Wenn die Kanaille nicht begreifen will, was ihr frommt, so muß man ihr uff de Fingerchens kloppen. Zündpfanne zujeklappt oder . . . . . na, Ludy Wurstemberger, jetzt wollen wir aber deinen Maison blanche probieren, was?« E Teil vo der chlyne Gsellscheft isch uf das hi dem Schloß zuegschtüüret, es paar wenigi sy no da blibe, drunder der Karludi Landorfer. Dä Ratsherr, wo sech uf sy furtschrittlechi Gsinnung öppis z'guet ta het, isch uf em Bank blybe sitze, het der 104 Karludi gheisse näbe-n-ihn cho sitze-n-und het ne vätterlech-fründschaftlech gfragt: »Und Dir, Herr Landorfer, was dänket de Dir vo dür Sach?« »Wenn's mer erloubt isch, my Meinung o z'säge, so gloube-n-i, es chöm viel weniger uf d'Verfassung a, als uf d'Regierung. Vo nere neue Verfassung verschpriche-n-i mer wenig. D'Houptsach isch e Regierung, die ihri Verantwortung gschpürt. Aber zu däm mueß me-n-erzoge sy, und drum chönnt i nie derzue schtimme, daß me Krethi und Plethi i ds Rathus ynelat. Di gägewärtigi Regierung bietet mir alli Garantie für ne wahrhafti Wohlfahrt. Si isch vo de beschte-n-Intentione-n-erfüllt , si wird furtfahre di berächtigte Wünsch z'erfülle. Si wird derby Ornig ha, und drum bi-n-i der Meinung, mer sölle vor allem us treu zue nere schtah, choschti's, was es well.« »Guete Fründ,« erwideret der Ratsherr, »wenn aber d'Verfassung e so isch, daß si di beschte-n-Elemänt nid lat zur Gältung cho?« »Das cha me-n-üser Verfassung nid vorwärfe. Und wenn o, ds Genie frißt sech dür alli Hääg düre-n-und wird um so gedigener, je dicker si sy. Gönnet nume-n-afange-n-üser Regierung ds nötige Vertroue, so wärdet Dir gseh, was me no Großes us üser Verfassung cha usechlopfe.« Di Herre hei g'merkt, daß si allei no i 105 de-n-Anlage hinde blibe sy und hei sech uf e Wäg gmacht zum Schloß. Der Ratsherr het sys Gilet abezupft und isch breitschpurig vora gange, währed di paar junge Lüt, wo no derby gsi sy, agfange hei, der Karludi z'zäpfle. »Ja, ja, Karludi,« het eine gmeint und ihm ironisch uf d'Achsle gchlopfet, »du wirsch no Großes us der Regierung usechlopfe.« »Säg mer's de,« fallt e-n-andere-n-y, »bevor dys Genie der letscht Haag düregfrässe het. Das Chäferfescht wott i de gseh.« »Da muesch di de schicke,« fahrt der erscht furt, »er isch ja scho bald düre. Er darf scho dem Schultheiß d'Gueterechnöpf ytue.« »Das isch alles no nüt,« hänkt e dritte-n-y, wo vor Jalousie fascht vergyblet isch »der Karludi wird überhoupt einisch no Großfürscht. Lueget de uume.« Der einzig, wo zum Karludi gschtande-n-isch, isch der jung Herr vo Werdt vo Toffe gsi. »Schwyget nume!« het er gseit, »mer wei ech de scho zeige, öb er rächt het oder nid. Aber wenn de d'Volksrächtler, nadäm dir se-n-yne gla heit, euch sälber am Hoseringge vor d'Türe setze, so chömet de nid cho bäägge!« Wo si under däm Gschpräch zum Hus chömet, hei sech juscht di eltere Herre welle-n-a d'Schpiltische setze, die me-n-im rot agschtrichene Peristyle het ufgschtellt gha, da chunt d'Frou Oberschti 106 Wurschtebärger dem Schultheiß cho säge: » On vous demande, Monsieur, il y a un employé vom Schtift qui prétend avoir un message très important. « »Ach was!« antwortet der Schultheiß, wo natürlech syni Pappeheimer gkennt het, ergerlech. »Schicket ne nume furt! Dä chunt nume cho sy Gwundernase fuettere. I ha ne doch eis für allimal verbotte, mer überall nache z'loufe.« D'Frou Oberschti isch sälber i hindere Hof gange, für dä Ruehschtörer ga z'verschicke. Da sinkt i schönem coup de chapeau e prachtvolle, heitergraue Zylinder abe, und drunder chunt der Herr Riesig mit fründlechem Grinse zum Vorschyn. »Dir dörfet der Herr Schultheiß jitz nid schtöre . . .« het d'Frou Oberschti chuum agfange gha, da fallt ere der Herr Umbieter i ds Wort: » Votre très obéissant serviteur, Frou Landvögti, aber das mal mueß es sy. Es isch usser-usser-usserordetlech wichtig.« »So gäbet!« meint d'Frou Wurschtebärger und wott dem Bott sy Brief abnäh. Aber der Herr Riesig macht e-n-elegante Tanzschritt rückwärts, schlat d'Absätz z'säme-n-und verschteckt mit mene schier landesvätterlech-fründlech-abwehrende Lächle-n-uf sym Chammerdienergsicht der Brief hinder sym Rüggeli im mächtige Huet: Je regrette, Frou Landvögti, il faut que je remette mon message 107 personellement entre les mains de Monsieur l'avoyer. Nüt für unguet, Frou Landvögti.« D'Frou Oberschti zieht sech mit mene dedaignose Blick zrück, blybt no einisch schtah und fragt: »Nähmet Der es Glas Wy?« Dadruuf drückt der Herr Riesig mit schtolzer Haltung d'Ouge zue und winkt mit sym Schtaatszylinder ab. Das het nid ghinderet, daß ne der Herr Schultheiß, wo-n-er du sälber cho isch, nümme näbem Tor, sondere nid wyt vom Chuchifänschter gfunde het. Der Herr Schultheiß isch mit mene-n-ussergwöhnlech ärnschte Gsicht umecho und het nach churzem Bsinne der Chevalier d'Horrer vo der französische Gsandtschaft uf d'Syte-n-use zoge-n-und ihn la ne Blick tue i dä wichtig Brief. Me het vo wytem gseh, daß der Franzos mit nere gwüsse, wachsende Hascht und Ufregung das Schrybe dürgeit. D'Ouge sy-n-ihm schier us em Chopf cho, und z'letscht het er vor Zittere der Brief schier nümme chönne zsämefalte. Di beide Herre hei sech e Momänt schtumm agluegt. Nachhär isch sech der Franzos mit haschtiger Höflechkeit ga verabschide-n-und isch na syr Gutsche-n-usgschprunge. Der Schultheiß isch no ne-n-Ougeblick sinnend blybe schtah, ohni uf di Herre z'achte, die sech um ihn gschaaret hei. Ändlech zeigt er sy Brief a mene Ratsherr, und du isch du bald 108 öppis zu de-n-andere düregsickeret. Z'Paris, het's gheisse, syg e-n-ärnschti Revolution usbroche, und me förchti, ds Militär mög's nid erwehre. Dä Bricht isch mit der Gschwindigkeit vo mene Troum dür d'Gsellscheft gfloge-n-und de Lüt wie-n-e chalte Tschuder der Rügge-n-uf und ab gramslet. Ganz abgseh dervo, daß fascht es jedes öppe ne Suhn, Brueder, Unggle-n-oder wenigschtes e-n- issu-de-germain bi der Schwyzergarde gha het, isch chuum öpperem unbewußt gsi, was e Rumplete z'Paris für Bärn bedütet het. Daß es dert inne scho sit dem Maje chly ghaperet het, hei d'Politiker wohl gwußt; aber nüt descht minder isch es ne jitz e chly schtotzig cho. Mit der Feschtschtimmnng isch es us gsi. Di länge Gsichter vo de-n-Alte hei d'Luscht vo de Junge verbrüjt wie-n-e Ryf es Daliagroup. Wän nid d'Amtspflicht i d'Schtadt grüeft het, isch vom Gwunder us em Wittigkofe vertribe worde. E guete Teil vo de Herre het sech am Abe-n-im Hôtel de Musique wieder zsämegfunde, für emel o wenigschtes de Muetmaßunge Luft z'mache, falls d'Poscht nüt neus sötti bracht ha. Ja, der sälb Tag isch der Holzerbänzli der ersähntischt Möntsch gsi z'Bärn. Er het gar kei Ahnung dervo gha, was für Zündschtoff i syne Poschtseck gläge-n-isch. Wohl het er vom Neubrüggschtutz us ds Liechtli i der Hahle-n-äne gseh, aber er het sech nid la ertroume, wie 109 der Herr Rittmeischter i syr Schtube vor luter Ufregung grümplet, alles fürezoge-n-und wieder furt ta und derby i eim yne lut vor sech ane gredt het, daß syni Dienschte gmeint hei, es syg nid ganz kauscher meh by-n-ihm. Im Hôtel de Musique hei di alte Herre d'Bschlüsi vo ihrem Gedächtnis abgschprängt und brichtet, wie's ds sältmal gsi syg, wo me-n-anno zwöienünzgi di erschte Nachrichte vom Tuilerieschturm übercho heigi. Anderi hei sech usgmalet, was jitz z'Bärn cho wärdi und sy derby i nes schtumms Brüete verfalle. Der Karludi Landorfer isch zwar mit sym vergängleche Teil o i mene-n-Egge vom Café gsässe, i syne Gedanke-n-aber atelos zwüsche de Tuilerie-n-und der Babylone-Casärne-n-umegrönnt, uf de Fueßschpure vo sym Fründ Lentulus. Mit glahriger Phantasie isch er im Tuileriegarte-n-uf und nider gange, da weckt ne-n-e Mißton us der allernächschte Nächi. Grad vis-à-vis vo-n-ihm het e muetlose, uf sy materielle Vorteil erpichte Bärnburger gseit: »I förchte, mer müesse zsämepacke. Me mueß nes halt i Gotts Name-n-überla.« Dem Karludi schießt's wie-n-e Raggete düre Chopf. Purpurrot schießt er zwäg, hout mit der Fuuscht uf e Tisch, daß alles Gschirr chlefelet und brüelet: »Nei und no einisch nei! Mir wehre-n-is.« »He he he! Was git das?« het's z'ringsetum 110 gheisse, und scho het öpper mit vorwurfsvollem Blick dem Papa Ruedi Landorfer zuegrüeft: »Dy Jüngling het, gloub, Büchsepulver im Lyb.« Der Karludi het di bändigende Blicke vo sym Vatter nid g'achtet, sondere, im Gfüehl, er heig e Rolle-n-übernoh, die jitz müeß usgschpilt sy, ds Wort vo neuem ufgnoh und g'yferet: »Entweder hei mer es Zil und es Ideal, und de setze mer is derfür y, oder de leu mer is mit Schimpf und Schand vor d'Türe setze. Aber mir Junge wehre-n-is!« Der Karludi isch ufgschtande gsi, und syni Blicke hei z'ringsetum Zueschtimmung gsuecht. Aber da het er di erschti bitteri, politischi Erfahrung müesse mache. Nüt als etrüschteti, ablähnendi Blicke vo dene-n-alte Herre-sy-n-ihm begägnet, und »mir Junge« sy underem Bann vo dene Blicke, ohni e Wank z'tue, blybe sitze. Der Karludi het tief i syr Seel gschpürt, daß di öffetlechi Meinung sys Ufträtte-n-als ungebührlech und insolänt verurteilt het. Sy eigete Vatter het ne müesse desavouiere, vowäge so öppis isch me vo mene »so junge Schnuufer« z'Bärn nid gwahnet gsi. Sobald di allgmeini Konversation sech vo der Underbrächung erholt het und wieder über d'Tische g'rislet isch, isch der Karludi verschwunde. Däm guete Möntsch sy d'Träne z'vorderscht gsi, wo-n-er us em Husgang i di hilbi Ougschtenacht cho isch und unwillkürlech e 111 troschtsuechende Blick über d'Firscht vo der alte Houptwacht zu de glitzerige Schtärne-n-ufe gschickt het. Aber er het no keini zäche Schritt ta gha, so chunt ihm der Major Fischer vom Eichbärg nache, nimmt ne fründschaftlech bi'm Arm und seit ihm: »Leut Ech nume nid erchlüpfe! Mer sy de üsere no es paar, wo's mit Euch hei. Emel afange der Fritz vo Werdt und der Houptme Wyttebach.« Arm in Arm sy du di beide d'Schtadt ab und hei sech ds Wort gä, sie welle zsämeschtah für ne Restauration vom alte Bärn i der gröschte-n-und idealschte-n-Uffassung. Bi der Undertorbrügg hei si sech mit Hi-n-und Härbegleite versuumt, bis der Papa Landorfer ne nache cho isch, und du sy Vatter und Suhn sälbander i d'Schoßhalde gwanderet. »Was isch di eigetlech acho?« fragt der Papa der Karludi. »Wyter nüt«, antwortet dä, »als e mordsmillione Töubi über di verdammti Höselerbande, wo jitz scho d'Flinte-n-i ds Chorn wirft«. »Nu, nu. Was sy o das für Redesarte? I bi's gar nid gwahnet, daß du so redsch.« »I cha nid hälfe. Es etwütscht eim halt.« »Eim – Eim! – Wär isch eim? Du söttisch wüsse, daß e wohlerzogene, junge Ma nid dry redt, wenn elteri Herre-n-umewäg sy. Das verbitte-n-i mer eis für alli mal.« 112 Der Karludi het uf der Zunge gha z'säge: »He nu, me cha ja schwyge.« Aber das mal het er's möge-n-ebha. Er het gschwige bis hei, het no z'morndrisch gschwige-n-und sech währed de nächschte Wuche-n-überhoupt zsämegnoh. Aber me het ihm's agmerkt, daß er a öppisem worgget. 113     VI. Der Karludi suecht Möntsche mit große Gedanke-n-und findt eine. Z'Paris sy d'Würfel gfalle. Ds Härz voll Groll und Chyb, sy di rote Schwyzer na rüemlech, aber nutzlos usgfochtenem Kampf i ihri Heimet z'rückcho. Erbitteret über d'Verschwändung vo ihrer Treui, voll flammendem Haß gäge di neui Schtrömung, sy di junge-n-Offizier hei marschiert, mit dem einzige Troscht, hinderem Jura villicht e besseri Ufgab z'finde. 114 Mänge het sech gschwore, vo jitz a well er Guet und Bluet nume no dem Vatterland gönne. Wenn dusse i der Frömdi d'Treui nüt meh söll gälte, so wärdi me se doch i ihrem Schtammland, i der Schwyz, no schätze. Dert gäb's doch no legitimi Verhältnis z'schütze. Aber chuum sy si i ihrer Neueneggschtimmung hei cho gsi, so hei si scho vo wytem es grauholzartigs Donnere ghört. Geng häller het's hinderem Grauholz g'wätterlüüchtet, vo Burdlef här, wo der demokratisch Geischt d'Luft erfüllt het. »So?« hei di junge Patrizier dänkt, »wott me-n-is jitz hie o der Bode-n-under de Füeße wägzieh? Da wei mer de o no nes Wort mitrede.« Das isch der Gedanke gsi, wo nametlich o der jung Herr von Lentulus beherrscht het. Keis Wunder, daß er sech je länger deschto besser mit sym Fründ Karludi verschtande het. I politischer Romantik sy si bald e so gsotte-n-und brate gsi, daß es de-n-Eltere Landorfer nah-ti-nah schier uheimelig worde-n-isch. Gärn hätte si di Fründschaft e chly brämset. Aber, wie hei's e so jungi Lüt? Vom Ougeblick a, wo si chönne-n-errate, daß me ne negativ antwortet, höre si uf frage, und wenn ihres Vorhabe ne lieber isch als d'Zueschtimmung vo de-n-Eltere, so la si's halt la druuf abcho. So het der Karludi vor luter Yfer für di legitime politische Verhältnis di vornähmschti und heiligschti Legitimität, d'Autorität 115 vo de-n-Eltere, afah mißachte. Er het fürgnoh, sech heimlech us em Schtoub z'mache, für mit syne Gsinnungsgnosse ga z'channegießere. A mene heitere Sunntigmorge-n-im Oktober gseht d'Frou Elisabeth Landorfer, daß der »Bayard«, ihres bidere-n-und nümme ganz jugedleche Gutschepfärd, uf däm di Buebe-n-alli hei glehrt ryte, gsattlet wird. Si ryßt am Lütiband und befiehlt: »Rüefet mer der Herr Karludi!« Dä het juscht d'Rytschtifel ag'chnorzet gha und isch wie vom Blitz troffe da gsässe, wo-n-ihm ds Meitli der Befähl vo der Mama bringt. I däm Ufzug am Sunntigmorge bi der Mama aträtte! Nei das hingäge nid. Er het sech müesse säge, er syg halt für dasmal z'schpät ufgschtande. Eis, zwöi, drü, sy d'Schtifel undere-n-Ofe gfloge, und na füf Minute het üse Held i der sittsamschte Prediggängermontur a d'Schtubetüre vo der Frou Landorfer pöpperlet. »Entrez,« het's gheisse. Di guldgäli Ulme het no dür di liecht agloffene Fänschterschybe ne ganz eigenartigi Belüüchtung i di vornähm-eifachi Schtube gworfe-n-und am meischte-n-uf d'Frou Elisabeth sälber, die – di legitimschti Majeschtät uf Gottes wyter Wält – am Fänschter vorne gschtande-n-isch. Uf der mittlere Schybe-n-isch der trüeb Bysehuuch i nere Handbreiti furtgwüscht gsi. 116 E-n-alti Fliege het dem Karludi bi däm Anblick i ds Ohr gsurret: » Il est difficile de tromper sa maman. « Der Jüngling het sech natürlich nid Rächeschaft gä, öb der Refläx vo der guldige-n-Ulme syr Muetter e so ne bsundere Schimmer gäbi oder was sünsch. Er het o ds verschteckte Lache nid gseh, wo um ihri Lippe-n-ume gschpilt het und o nid di schalkhafti Rueh uf ihrne gsänkte-n-Ougelieder. Aber sy unbewußti Bewunderung vo der wybleche Majeschtät het ihm vo Afang a jedi Sicherheit gnoh. »Guete Tag Mama«, het er gseit, »heit Der guet gschlafe?« Und du het ne ihres erwartende Schwyge zwunge, nere ds schuldige Müntschi cho z'gä. Und si het sy sydige Chruslechopf i beidi Händ gnoh und ihm es Müntschi uf d'Schtirne drückt. Druuf fragt si ne, mit elterlicher Schträngi gwappnet: »Was hescht du vor?« und wartet mit Angscht, ob der Karludi e Versuech wärdi mache, sech mit Unwahrheit use z'byße. Di herrlechi Frou het no zur Schtund nid gwüßt, daß es a mene halbwägs guet gartete Möntsch nid müglech gsi wär, si az'lüge, gschwyge de ihrem eigete Chind. Für ihri Frag verschtändlecher z'mache, het d'Mama ds Fänschter ufta und fragend zum Schtall übere gluegt, wo der Wallach mit de Huefe-n-uf d'Pflaschterschteine gchlopfet het. 117 Dem Karludi syni Blicke hei ds Fänschter gmide. Er rybt verläge-n-eine vo syne Metallchnöpf ab und seit: »I ha zum Lentulus welle, für e ganze Tag.« »E nu,« antwortet d'Frou Elisabeth, »da hesch de-n-emel früech gnueg la sattle.« Si gryft ihm a ds Chini, lüpft ihm sy schamrote Trotzchopf und fahrt mit fründlecher Neckerei furt: »Wie heißt ds vierte Gebot? – Hesch du je gseh, daß i Frideszyte dy Papa a mene Sunntig het es Pfärd la sattle-n-oder gschirre? Est-ce comme il faut, mon fils? – Oder wottsch du öppe ne neue Bruuch yfüehre? – Du bisch doch nid vom Zytgeischt . . . . . .« Der Karludi mueß lache-n-und geit mit komischer Etrüschtung e Schritt z'rück. »Jitz geisch uf der Schtell i Schtall übere-n-und tuesch sälber absattle-n-und abzöume, gäll? – I wott nid, daß der Hans wäge däm e Finger rüehrt.« Der Karludi isch wortlos abzoge, und d'Mama het ihm i Gang nachegrüeft: »Mer gange de hütt i ds Münschter z'Predig.« Der Frou Landorfer ihre Blick het druufhi zuefällig es chlys Portrait vom Unggle Mäni gschtreift, und das het ere d'Erinnerung a nes gwüsses Picknick i ihrer schönschte Jugedzyt gweckt. » Comme on devient sévère! « het si mit heiterer Miene halblut vor sech ane gseit. 118 Der Karludi hingäge het sech bi'm Abzöume vom »Bayard« ärnschtlech gfragt, ob er eigetlech ds Züüg heigi zu mene Staatsma, will ihm der Schpott vom Fründ Lentulus scho zum voruus i d'Ohre drunge-n-isch. So schwygsam der Karludi näbe syne-n-Eltere här der Schtadt zuegwanderet isch, so wenig andächtig isch er i der Predig gsi. Er het sech i mene große Chilcheschtuel verschloffe, für ungschtört syne Gedanke nache z'gah. Z'erscht het ihm sys eigete, chindleche Gebahre vo dä Morge no z'tüe gä. Er het sech gseit, ds Richtige wär gsi, eifach i Schtifel und Schporre zur Mama z'gah und ere graduse z'erkläre, so und so wott i und punktum. Er het zwar wohl gschpürt, daß sech so öppis im Chilcheschtuehl gar liecht lat la usdänke, daß de aber d'Usfüehrung ihri bedänkleche Häägge heig. »Aber so Froue,« het er wyter argumentiert, »hei keis Verschtändnis für politischi Frage, und drum mueß me se ganz uf der Syte la.« Währeddäm er das dänkt het, isch e hälle Liechtschyn uf nes gschnitzts Ängelschöpfli am nächschte Chilcheschtuehl gfalle. D'Byse het uf der Plattform usse d'Böüm gschtrublet, so daß dä Liechtschyn urüejig gflackeret und däm Chöpfli bald so, bald so e-n-Usdruck gä het. Und der Karludi het geng öppis Schelmisches drinne gfunde. Mängisch isch es gsi, wie wenn das Ängeli würdi fäckle. I nere 119 Sytekappälle vis-a-vis het er e Fründ etdeckt, dä-n-er de o het welle-n-awärbe. – Awärbe? – Zu was? – Ja der Karludi und sym Fründe – i verrate-n-ech's nume zwüsche de vier Wände vom Chilcheschtuehl – hei nüt Gringers vorgha, als heimlecherwys e-n-Art vo Lybwacht um d'Pärson vom Schultheiß Fischer z'organisiere, die de uf Läbe-n-und Tod sy Sach – das heißt eigetlech ender die vo dene Jünglinge, verfochte hätti. Üsserlech het me sech afange-n-i der Bürgerwacht vo der Schtadt zsämegschlosse, die me-n-i aller Schtilli, aber ohni's z'verschtecke, zum Schutz vo der Schtadt und ihrne Vorrächte-n-organisiert het. – Richtig, dä Namittag wär ja e Fête gsi bi'm Kommandant vo der Bürgerwacht, bi'm Herr Dokter Hahn. Abah, jitz isch nid der Momänt, sech mit Meitscheni ga z'amüsiere. Dumms Züüg! – Was schimmeret jitz wieder uf däm Ängelschöpfli so gschpässig? – Bumm! – Jitz het der Pfarrer de Dissenter eis la lige. Das isch ds erschte gsi, wo der Karludi vo der Predig ghört het. Er het ja ganz vergässe, daß er sym Gotteli het sölle ga der Chopf wäsche. Nu, das pressiert am Änd nüt. S'git de scho öppe Glägeheit. Vo da-n-ewäg het der Karludi übere Dissenterprozäß nachegschtuunet, bis ne wieder es Glitzere-n-uf em Ängelschöpfli gschtört het. Jitz isch's aber gsi, me hätti sech nid gwunderet, wenn dä hölzig Chopf lut glachet hätti, so schpuckig het er usgseh. Bald 120 isch der Karludi wieder z'Paris gsi mit syne Tröume, bald im Eichbärg, bald z'Toffe, und so isch es dür ds Singe-n-und ds Bätte düre gange, bis der Pfarrer im liturgische Schlußgebätt zum Satz cho isch: »Gib uns große Gedanken in den kleinen Sorgen des Lebens.« Dä het du i ds Karludis Härz e dankbari Saite gfunde. Ach! es git so wenig Lüt i der Wält, die ob große Gedanke di chlyne Sorge chönne la fahre. Mit Rächt het sech der jung Herr Landorfer dörfe säge, är sygi vo große Gedanke gleitet. Uf der fruchtlose Suechi na verwandte Seele-n-isch nah-ti-nah e gwüsse Druck uf sys Gmüet cho und het ne meh oder weniger unbewußt plaget. Zu sym Verdruß het er der Fründ Lentulus nid i der Hahle gfunde. Er het mit dem Herr Rittmeischter müesse vorlieb näh, dä-n-ihm di trüebe-n-Epfindunge wenigschtes für nes paar Schtunde mit allerhand Güntli us syr Dienschtzyt betöubt het. Er het ne-n-aber nid lang übere schwarze Kaffee use möge bha. Öppe-n-am drü isch er wieder furt, i der Absicht, no sy Fründ ga z'sueche. Es isch e wunderbar schöne Herbschttag gsi, e Farbepracht uf de Böume, wie wenn der abziehend Summer hütt no alli Farbräschte-n-us syr Maldrucke hätti welle-n-ufbruuche. Abschidsblicke schtimme-n-eine wehmüetig, chöme si vo de Möntsche-n-oder vo der Natur. Si löcke-n-us allem e Widerschyn. Und dä Widerschyn isch 121 dütlech uf em erschte Gsicht gläge, wo jitz der Karludi begägnet het, herbschtleche Purpur uf toufrüsche Majerysli! Ds Jetti isch näbe sym Papa d'Schtraß ab cho vo Herreschwande här. Liecht und graziös isch es näbe der martialische Gschtalt gloffe, me möcht schier säge gschwäbt. Aber i sym Usdruck isch trotz der früsche Gsichtsfarb öppis Melancholisches gläge, öppis Sähnsüchtigs. – Het äs nid o Möntsche gsuecht mit große Gedanke? – No meh als der Karludi. Aber am allerwenigschte het es so eine hinder sym Götti gsuecht, dä vo Härze ds gsellschaftleche Läbe gchüschtet het. Natürlech het der Karludi hinder sym Gotteli o keini große Gedanke gsuecht. Wie alli Lüt, het er dänkt, es syg doch ewig schad um das schöne Meitschi, daß es e so näbe-n-ab chömi. Derby isch es aber blibe. Na-n-ere fründlech-neckische Begrüeßung sy si, der Karludi rächts vom Oberscht Lombach, ds Jetti linggs vo-n-ihm, wyter gwanderet. Der Herr Oberscht het der Karludi ga Rychebach yglade-n-und het ihm afah erzelle, wie-n-er dem abbrönnte Buur syg e Tanne-n-us sym Wald ga awyse, als Schtüür a sys neue Hus. »Apropos«, hänkt hie der Karludi i der Erinneruug a ds Jettis Audienz bim Unggle Schultheiß a, »was isch eigetlech jitz us däm Poschtiljon worde, wo da mit de Poschtpfärd zur Brunscht gfahre-n-isch?« 122 »Aha, der Ludi Bickhard meinsch?« »Ja, präzis.« Der Herr Lombach lachet häll uf. »Ja, dä guet Ludi! Es nimmt mi nume wunder, was is dä no für Surprises wird verschaffe. – Däm het jitz di Brunscht no zu nere Frou verhulfe. – Nei, eigetlech, wenn i dänke, was dä afe hinder sech het! – Es schynt äbe, di Wirti z'Meichilche, wo ne-n-agmacht het, er söll fahre, heigi du Beduure gha mit ihm und heig ihm gä z'verschtah, si sieg nid nei, wenn er se tät heusche. Si hei äbe schynt's scho lang es Oug uf enandere gha. Scho als chlyses Chind het er se gkennt. Si isch by-n-ihm i d' Schuel gange z'Ittige. Si isch d'Tochter gsi vom Schärme-Müller. Als Schuelmeischter hätt er se natürlech nie übercho. Aber da gseht me grad, wie dä Kärli bi allem Päch no nes Gfell het. Dennzumale, wo si vermuetlech Prätensione gha het wie-n-e Prinzässin, isch si-n-ihm etgange-n-oder är ihre. Jitz isch si e rychi Witwe, het e schöne Hof und es Wirtshus, und der Ludi bruucht nume-n-yne z'hocke.« »He nu,« seit der Karludi, »däm isch es guet grate.« »Lue de nume,« fahrt der Herr Lombach furt, »dä chunt de no obe-n-uf, vo wäge hinder em Ludi schteckt öppis. Er het einisch gschtudiert, er het d'Wält gseh, und jitz g'kriegt er no di nötigi 123 Underlag. Es geit nid lang, so isch de der Chehr a üs, ys Fründschaft z'sueche.« »Das wei mer öppe nid hoffe,« meint der Karludi, und dermit hei si afah politisiere, so daß si ga Rychebach cho sy, ohni nume däm guete Jetti, daß se frylech o nid gschtört het, je es Wort z'gönne. Z'Rychebach isch ds Jetti plötzlech verschwunde gsi, me het nid gwüßt, wohi. Aber bald het me's a sym Lieblingsplätzli gseh, am Fueß vo der Schloßmuure, under mene Dechli vo bluetrote, amerikanische Räbe. Jitz het me-n-usgmacht, es wär der Momänt, mit ihm z'Bode z'schtelle, und der Karludi isch ab Schtapel gla worde, währed der Oberscht mit mene Bur us der Nachbarschaft öppis het gha z'schtucke. Der Karludi isch z'erscht es paar mal mit grunzleter Schtirne-n-uf der Schloßterrasse-n-uf und ab gange, für syni Argumänt z'wäg z'mache, und du isch er mit überlägene Blicke d'Schtäge-n-ab i Garte, dä sech under mene farbige Tapis vo abgfallenem Loub gäge d'Aare-n-usbreitet het. Aber chuum het ds Jetti Schritte-n-im Loub ghört, so isch es dervo düßelet, ohni nume z'luege, wär chömi, so isch es afange gwahnet gsi d'Möntsche z'flieh. Bösdings het ihns ds Karludis Ruef no am Egge vo der Schloßmuure möge-n-errecke, 124 »Jetti! Jetti!« rüeft er, »wart, i wott der nume cho adieu säge.« Was het's da anders welle? Es het sym Götti aschtandshalber müesse-n-etgäge gah. D'Händ uf em Rügge, isch es zwüsche de gschtumpete Buchshägli dahär cho bis öppe-n-uf zäche Schritt, und du blybt's schtah und seit ganz artig; » Au revoir, i la se de grüeße-n-i der Schoßhalde.« Aber der Karludi het nid Distanz bhalte, sondere-n-isch frank und frei uf ds Jetti zue cho: »Zeig, was hesch du da?« Das arme Töchterli wird so rot wie ds Räbeloub und lat fatalerwys ds Büechli falle, wo-n-es hinder sym Rügge verschteckt gha het. Wie-n-e-n Eidechs het es sech gchehrt und's ufgha. Aber der Karludi, nid minder flingg, het sech bückt, sys Gotteli zimlech fescht am Arm packt und ihm zu sym Erger ds Büechli wäg gnoh. »Christlicher Traktat oder der heilige Bund der drei größten Monarchen,« – – – – – – – list er, und inwändig, im Dechel, findt er der Name vo der Eigetümerin, »Augusta Ryhiner«. »So so, Jetti, bisch du dere-n-i ds Garn grate? – Jitz wunderet mi nüt meh.« Mit mene chreftige Ruck het ds Jetti sys Büechli wieder zrück eroberet und hinder sym Rügge-n-i Deckung bracht. »Was het die Euch z'leid ta?« 125 »Mir nüt. Aber es isch e mômière de première qualité und e so-n-e-n-unfaßbare spiritus rector vo de Dissenter.« »E Grund meh, daß i se chériere. Alle Reschpäkt vor dene Lüte! S'isch öppe truurig gnue, daß me se vo Schtaats wäge verfolget.« Wenn me dem Karludi öppis über d'Regierung gseit het, so het er allimal d'Ohre dopplet gschpitzt. »Alle Obrigkeit ist von Gott verordnet,« zitiert er schlagfertig. »Ja, aber dermit isch nid gseit, daß si sech dörfi Übergriffe-n-erloube. »Übergriffe?« Der Karludi het gmerkt, daß sys Gotteli offebar über die Frage scho zimlech viel het ghört rede-n-und daß e Widerlegung ihri Häägge wärdi ha. Drum het er sech afah überlege, wie-n-er der Schtryt uf ds Pärsönleche chönnti überezieh. I däm Beschträbe-n-isch er unwillkürlech gäge ds Jettis Sanktuarium, d'Räbloube-n-am Schloß, gange-n-und het sy schtrytbari Gägnerin mit sech zoge. Ds Jetti het sech uf sy Bank a der Muure gsetzt, der Karludi i ne grüen agschtrichene, hölzige Fauteuil. »I finde halt,« het ds Jetti ds Gfächt wieder ufgnoh, »wenn di Herre Regänte-n-öppis Guets wei tue, so sölle si ihri Macht bruuche, für di erweckte Chrischte z'beschütze. Das wär gschyder, als se ga z'wörgge, vowäge die trage d'Quelle für nes gsunds 126 Volksläbe-n-i sech. Ja, lueget mi nume-n-a! – Oder gloubet Dir nid, daß ds Evangelium d'Läbesquelle-n-isch?« »Wohl, natürlech.« »Äbe, und wär tuet's ächt besser i ds Läbe-n-übersetze, dir mit euer Schtaatsraison oder mir, wo üses Läbe wei opfere, damit emel öpper sech de große, göttleche Heilsgedanke zur Disposition schtelli, ohni mit möntschlecher Wysheit alles z'verderbe?« »Hm, dir und mir ,« het der Karludi dänkt, »das isch jitz scho dütlecher.« Was ihm aber ganz sympathisch i d'Ohre g'schlage het, das isch d'Idee gsi vo der Ufopferung vo sym Läbe für großi Gedanke und daß am Änd Gott no größeri Gedanke zuez'troue syge, als der bärnische Regierung, wär het das sölle beschtryte? »Wohär het ächt das Meitschi so öppis?« het er sech wyter gfragt. Aber es gwüsses Füür i ds Jettis große, bruune-n-Ouge het ne belehrt, daß er nid nume refläktierts Liecht vor sech het. Mit däm het dem Karludi sys Gotteli agfange-n-interessant wärde, und er het gfunde, es wär sech derwärt z'undersueche, wie das gmeint sygi mit der Ufopferung. »Das isch ja rächt schön mit der Ufopferung,« het er gseit, »aber da het euch niemer nüt druffe. Dir tüet ech Opfer uferlege, die weder euch no sünscht öpperem öppis nütze.« 127 »Pardon . . . .« »Pardon, das isch so, und grad zum Byschpil du, Jetti. Was i aller Wält söll jitz das nütze, wenn du i däm Ougeblick di geisch ga verschtecke-n-und vergrabe, wo du söttisch dy Entrée i d'Wält mache? Schtatt jitze di ga z'amüsiere-n-und under d'Lüt z'gah, schlüüfsch i dys Schnäggehüsi yne.« »Was söll i under de Lüt? – Ga hälfe Schtrou drösche?« »Dy Horizont ga erwytere. Se lehre kenne, lehre, wie me sech mit der Wält mueß umebalge.« »Ganget mer doch mit Euem Horizont! I gseh di interessantere Lüt als Dir. Enne Lüte-n-ihre Horizont isch der Rand vom Täller, uf däm sech ihres zytleche Läbe-n-abschpilt. Das verschtande si villicht besser abz'schläcke, als üsereis. Myni Lüt luege-n-übere Tällerrand use. Me mueß scho i däm Läbe lehre flüge, de macht's eim äbe de nüt meh, wenn eim scho ds Täller under de Füeß z'warm wird oder gar schpringt. Aber, wenn me halt geng mit allne Vieri wott i der Konfiture sy, so mueß me sech de nid drüber verwundere, daß me nie rächt lehrt flüge.« Über ds Karludis Gsicht het sech geng meh e fründlechi Verwunderung ergosse, die nume no um d'Muulegge-n-ume mit mene Räschtli vo altkluegem Schpott gkämpft het. Wie für Zyt z'gwinne, seit 128 er: »Jetti, du bisch der reinscht Himmelsgueg.« Im Tiefinnerschte-n-aber het er dänkt, sys Gotteli syg e härzige Chäfer. Ds Jetti het sech uf das Komplimänt hi a d'Wand hindere glähnt, d'Achsle füre gschnellt und es gschwulles Chini gmacht. Halb bös, halb heiter, wie wenn es usegschpürt hätti, was sech sy Götti dänkt het, seit's: »S'isch eifach absurd, geng no über ein z'schpotte.« Und mit wieder gwunnenem Ärnscht fahrt es furt: »Wüsset Der, es isch mer gar nid um ds gschpasse. Dir heit guet z'lache. Aber i cha-n-Ech nume säge, mir choschtet's mängisch gnue.« »Das gloube-n-i gärn,« meint der Karludi, »es wär o gar nid z'verschtah, wenn di das Opfer nüt choschteti.« »Nid das, nid das choschtet mi, bhüet'is. Aber, daß ein grad di Nächschte so gar nid wei begryfe. Wenn Dir nume wüßtet, wie das isch, wenn me Tag für Tag sy Überzügung gäge di eigete-n-Eltere mueß verteidige!« »Das mueß i o, Jetti – und wie!« Mit der Antwort het der Karludi d'Ouge vo sym Gotteli wieder groß uf sech zoge. »Aber, wie wär's,« fragt er, für wieder uf e-n-eigetleche Zwäck vo syr Mission z'cho, »wenn du einisch probiertisch, dyne-n-Eltere d'Freud z'mache und einisch ganz eifach und natürlech mit ne-n-öppehi giengsch? 129 – Du meinsch halt o, si sötte sech a di gwöhne-n-und a dyni Liebhabereie.« Schtatt e-n-Antwort z'gäh, chehrt ds Jetti sym Inquisitor der Rügge-n-und lähnt sy Trotzchopf uf d'Banklähne. Es het vori scho ghoffet gha, es findi a sym Götti e mitfüehlendi Seel. Descht meh het's ihm jitz weh ta, z'gseh, daß er sech uf d'Syte vo de-n-Eltere welli schla. Der Karludi het sech sälber nid wohl gschpürt i der Rolle vom Sitterichter und mit Verlägeheit di dunkle Locke vom Jetti betrachtet. Es isch ihm schwär und schwärer worde, das Leid und Weh, wo dert drunder gschlummeret het, no meh ufz'rüehre. Je länger, descht zuedringlecher het sech ds Mitgfüehl für das arme Meitschi i sys Härz gchrallet. Aber blamiere het er sech nid welle, und drum het er no einisch e-n-ungschickte-n-Alouf gnoh: »Weisch, Jetti, es heißt halt o: »»Ehre Vater und Mutter.«« Ds Jetti wirft e Blick über sy Achsle zrück, wie wenn es wetti säge: »Du wohl, du!« Und der Karludi het dä Vorwurf ghört, lut und dütlech, ohni daß er über möntschlechi Lippe cho isch. Druuf isch es so schtill worde, me het jedes dürre Blatt, wo gfalle-n-isch, ghöre chräschle. Da sy si gsässe, di beide-n-us Überzügung ufölgige Chinder, so wyt usenandere-n-im Alter und so nach anenandere-n-im Dänke-n-und Schträbe. Si hei nume gar nid 130 gmerkt, wie d'Sunne-n-erbleichet und wie der Aarenäbel über ne nächer und nächer a ds Schloß zueche gschliche-n-isch. Dem Jetti isch ändlech der Gwunder z'schtark worde. Es luegt und gseht, wie der Karludi der Chopf vor abe gsänkt het und i ds Grien schtuunet. Es schynt, er erwarti kei Antwort meh vo-n-ihm. Ohni nume-n-ufz'luege, seit er ändlech: »Jetti!« Das chehrt sech ihm zue und luegt ne-n-a, ohni Lut z'gä. »I möcht jitz doch eigetlech no wüsse, was di e so zu dene Lüte zieht,« fragt der Karludi. »Das isch nid so liecht z'erkläre. Dir söttet se halt o kenne, de würdet Der se o besser begryfe. Mi het's halt vo Chlynem uf zu settige Lüte zoge. Warum, weiß i sälber nid. Aber daß es nid e so müessi sy, wie bi üs daheim, wo geng es jedes meint, es müessi ds andere mache z'folge-n-und jedes wieder sech wehrt, das ha-n-i wohl gschpürt. I bi i mängi anderi Familie cho, wo's mi dunkt het, es syg e so heimeliger drinne, will d'Lüt nid wäge jedem Gufepick es Gheje verfüehre. Bi üs daheim sötti geng alles schuderhaft comme-il-faut sy, und für das dürez'füehre, macht me sech gägesytig schier z'hinderfür, wenn me's scho guet mitenandere meint. Aber, daß es uf der Wält Lüt gäbi, die däm nüt nahfrage, will si viel höcheri Interesse hei, ha-n-i 131 halt doch erscht erfahre, wo-n-i mit dene verbrüelete mômiers intimer worde bi. Gott Lob und Dank ha-n-i nid vorhär ghört, was me-n-alles über se-n-usschtreut, sünscht hätt'i se myr Läbtig gschoche, wie d'Pescht. Aber i cha-n-Ech nume säge, mir isch es ganz wohl byne. Dir müesset nid meine, me rütschi bi dene der ganz Tag nume-n-uf de Chneue-n-ume. Im Gägeteil, si sy geng heiter und z'fride, trotzdäm oder juschtemänt will si nid geng uf und nache sy, für emel ja zu ihrem Rächt z'cho. D'Wält chönnti ganz anders sy, wenn alli enandere so d'Sach gönnte wie die. Wenn o nume d'Lüt sech nid ybildete, es müeß eis e Leu sy und brüele, sünsch schtecki nüt hinder ihm. Es läbti sech doch gwüß besser zwüsche de Schaf als zwüsche Leue-n-und Elefante. Es isch äbe nid für nüt, daß der Heiland amene Lamm vergliche wird, wenn er scho der Löwe aus Juda isch. Und gloubet mir nume, je meh daß eis zum Lamm worde-n-isch, descht meh isch es de o am rächte-n-Ort Leu. Dänket Ech doch, wie das wär, wenn alli Lüt das würde begryfe-n-und derna täte! Das wär es Glück und es Läbe! – O, und de tuet me's eim de no wehre, wo me nume cha. Lueget, es verdräit ein fascht.« Der Karludi het sys Gotteli agschtuunet. Mängisch het's ne schier nid bha, ihus mit nere-n-Ywändung z'underbräche. Aber, es hätti ne duuret, di herrlech 132 naivi Begeischterung nume-n-im Mindischte z'truebe. Es isch e settige Glanz i ds Jettis Ouge cho, daß er nume dänkt het: »No meh, no meh! Di Lüüchtfreudigkeit tuet mer i d'Seel yne wohl.« Nid minder het sech ds Jetti drüber gfreut, daß ihm einisch e Möntsch us em gägnerische Lager glost het – und de no so eine, so-a-e füürige Patriot! Da het's gheisse, ds Yse schmide, so lang es glüjt. Scho het es errate gha, vo wo nache me der Karludi müeß näh, und drum het's zum zwöite Gägeschtoß agsetzt: »Heißt es nid: »Wer unter euch der Vornehmste sein will, der sei euer Diener?« Das weiß öppe no es jedes. Aber, wär tuet derna? Emel nid die, wo ihrer Läbtig schperze-n-und ellbögle für z'oberscht ufe z'cho. Schtellet Ech doch nume vor, a mene schöne Tag würde-n-alli, alli Lüt sech vornäh, es jedes well dem andere-n-ufrichtig diene. De chäme ganz vo sälber di rächte Lüt a d'Regierung, di wahre Leuenature; schtatt dene wo nume brüele-n-und der Wädel im Sand ume schlängge.« Der Karludi lachet und nickt, wie wenn er wetti säge: »Scho rächt, aber . . . .« »I weiß scho, was Der weit säge,« chunt ihm ds Jetti derzwüsche, »das syge Tröum, und es wärdi nie da derzue cho, so lang, daß d'Wält schtandi. Aber der Ungloube het no nie öppis Guets gschaffe. Hingäge-n-isch alles müglech »»dem, der da glaubt.«« 133 Cho mueß es ja einisch, vowäge der lieb Gott wott's. Warum geit me de die ga plage-n-und verfolge, wo bi sich sälber afah und der erscht praktisch Schritt tüe, für's müglich z'mache?« »Es tuet se doch niemer wäge däm verfolge.« »Afin, wenn me di einte verbannet und di andere-n-i d'Chefi tuet!« »Das isch aber nume wäge der Separation vo der Chilche gscheh. Es tät dene guete Lüt niemer nüt z'leid, wenn si sech wette dry schicke, na de Gsetze z'läbe.« »Öppis Neus Guets schaffe-n-und sech i ds Alte, Schlächte schicke cha me nid. Entweder – oder! Und was glych dänkt und gloubt, ghört zsäme. Und drum ha-n-i's mit dene Lüt und schtande zue ne, gschej, was well! Und wenn si mi grad vo daheime furt jage, i blybe derby und weiß, warum.« Schön und fescht isch ds Jetti währed dene letschte Worte näbem Tisch gschtande. Aber derby hei sech syni Ougelieder grötet, und plötzlech isch Träne-n-um Träne-n-us syne glänzige-n-Ouge fürebroche. Es het sech abgchehrt und afah briegge. Da nimmt ihm der Karludi d'Hand und seit: »Aber, Jetti, warum brieggisch?« Es het aber nume no meh gschluchzet. »Säg mer, Jetti, was brieggisch?« 134 »Ach, wenn Dir nume wüßtet, wie das isch, wenn ein daheim niemer wott verschtah und me-n-eim geng nume no alles lätz usleit.« – – – – – – – – Und de – – – – und de, wenn me de meint, me heig ändlech öpper gfunde, wo – – – – – wo ein begryft, so isch doch alles wieder nüt.« Der Karludi fasset ds Jettis Hand e chly feschter und seit: »Aber Jetti, wär seit dir, i begryf di nid? – Du muesch mer's nid übel näh, wenn i öppe da und dert e-n-Ywändung mache. – Begryf, i bi als dy Götti zue der cho; aber i gschpüre's ganz guet, i gange-n-als dy Fründ vo der wäg.« Unwillkürlech het er ds Jettis Hand e chly nächer a sech zoge, und es isch ihm derby ganz anders z'Muet gsi, als sünsch, wenn er öppe sym Gotteli d'Hand gä het. Uf di letschti Zuesicherung vom Karludi, het o ds Jetti kei Widerschtand gleischtet. Ds Schluchze het gschwind nagla, und wo-n-es fragt: »Isch es de wahr? – Begryfet Der mi e chly?« isch scho wieder ganz e hälle Schyn uf sys fyne, schöne Gsicht cho. »Nid nume chly,« het der Karludi gseit, »ganz begryfe-n-i di, Jetti. Bhalt nume, was de hesch, i will der's hälfe verteidige, gang's gäge wän es well, vowäge-n-i gseh, du wirsch o dä Möntsch sy, 135 wo mi under allne-n-am beschte verschteit, wenn mer scho einschtwyle nid i allem eis sy.« »Gwüß? – Gloubet Dir das?« »Ja, Jetti, i gloube das – und i gloube no öppis anders – i gloube, mer wärde-n-is no nächer cho.« Dermit het er ds Jetti uf syni Chneu niderzoge, het ihns a sech drückt und ihm dür di dunkle Locke-n-i ds Ohr gchüschelet: »Gäll i bi der de o nümme bloß der Götti?« Ds Jetti het vor Glück und Süligkeit schier nümme gwüßt, was mit ihm geit. Ändlech es offes Härz für sys Härz! – Es het sy Chopf dem Karludi zuetroulech uf d'Achsle gleit und gar nüt derwider gha, wo der Götti sym Gotteli mit de Lippe-n-es paar gueti Pfläschterli uf di verbrieggete-n-Ouge ta het. * * * D'Frou Oberschti Lombach isch underdesse hei cho gsi und het ihres Töchterli im ganze Schloß gsuecht. Zimlech greizt isch si z'letscht i d'Halle-n-abecho und het halblut vor sech ane gseit: »Es wird doch nid bi däm Näbel . . . .« Mit dezidierte Schritte-n-isch d'Frou Blanche düre Hof a d'Brüschtung vo der obere Terrasse gange, uf dere sit olims Zyte di ehrigi, wyß agschtricheni Diana »an Ort« trappet 136 isch, und het sech näbe der Göttin über di breiti, schteinigi Ballustrade füre greckt. Fascht isch nere-n-e Göiß etwütscht. Aber si het sech ebha. Nume-n-ihri schlanki Hand het gredt, idäm si chrampfhaft ds Bei vo der Diana umchlammeret het. »Ds Jetti, di petite sainte nitouche dans les bras d'un jeune homme – et comme il l'embrasse! « Di überraschti Mama het der Ate verha vor Schpannung und uf ihrem Uslueg so wenig, wie die im Garte-n-unde, gmerkt, daß düre Näbel ganz e-n-aschtändige Räge nidergange-n-isch. Si schtande-n-uf. Si gange. – Wie uf Fäcke verschwindet d'Mama im Schloß, d'Schtäge-n-uf, dür Gäng und Türe bis i ne Schtube hinde-n-use, vo wo me zum Fährhus übere gseh het. Richtig, da unde gange si dür di grüeni, vo farbige Bletter übersäiti Mulde, über ds Brüggli, und luege nid rächts und nid linggs, und derby rägnet's ganz währschaft. No bevor si zwüsche de-n-alte Böum bi'm Fährhus verschwinde, luegt der Karludi zuefällig zrück. »A! – Dä isch es. – E nu, neue-n-e-n-aimable Götti!« so chunt's mit mene räße Chüschtli über d'Lippe vo der Frou Blanche, währed si vor ds Karludis etferntem Blick unwillkürlech e Schritt vom Fänschter zrück tuet. Trotzdäm me bald ds Paar vom Schloß us nümme het chönne gseh, isch d'Mama 137 wie-n-e Schildwacht a ihrem Fänschter blibe. Es eigenartigs Gmisch vo Epfindunge-n-und Gedanke het ihre Chopf dürschtürmt. Si isch lang nid eis worde mit sech sälber, wie si di Sach söll ufnäh und öb si das Gheimnis für sich welli bhalte. Mit dem Jetti het sech di ganzi Landschaft verbündet und im heilige Name vo der Liebi e Schturm uf ds müetterlech Härz undernoh. »Schwyg, schwyg, wie der Wald cha schwyge!« hei di alte Böum übere gruuschet, »bisch du nid o einisch froh gsi über üses grüene Dach?« Und di fallende Bletter hei z'huufeswys gchüschelet: »Nume-n-einisch ischme jung und grüen.« Schelmisch het sogar ds Brüggli sech dry gmischlet und gseit: »I ha der o einisch dargha, daß de dym Schatz hesch chönne nache schpringe. Gönn's jitz dym Meitschi o!« Am ydringlechschte het d'Aare gmahnet: »Ha-n-i di nid dym Glück i d'Arme treit?« Und dür alles düre het ds gschpräglete Grastapis dem alte-n-Efeu a der Schloßmuure zuegflismet: »Reck di, reck di! Tue-nere d'Händ und d'Füeß umwinde, daß si sech bsinne mueß, tryb nere nes dicks, saftigs Härzblatt vor d'Zunge!« S'isch nid gsi, daß d'Mama dem Jetti das Echo i mene Mannehärz nid gönnt hätti. Wär hätti das besser chönne verschtah als grad si und de no i der Umgäbung, wo so ihri allerschönschte-n-Erinnerunge gweckt het? Und o der Karludi isch ere gar nid 138 z'wider gsi. Daß aber, nadäm alles und alles nüt abtreit het, was si am Jetti probiert het, für's i d'Wält z'bringe, das Chrottemeitschi, wo nume no nie sy Nase härgä het, für am Bouquet vom gsellschaftleche Läbe z'schmöcke, jitz so wohlfeil uf sy Rächnung söll cho, das isch ere chly z'schtotzig cho – » parce que évidemment ce n'étaient pas seulement des tendresses comme-ça paternelles. « – » Attends, « het si gseit, » je t'apprendrai à te servir de la piété pour nous jouer de pareils tours. « . . . . . »Wo blybt jitz di . . . .?« »Und de däm Karludi, wolle! Däm wei mer de syni Götti-Experimänt um d'Nase rybe. – Und der Fritz überchunt de o öppis z'ghöre, dä cha jitz de o sym Göttibueb ga d'Lätzge mache.« So het d'Frou Blanche der erscht Ydruck verwärchet, währed – für si e-n-Ewigkeit – ds Jetti underem Trouf vo de glichtete Lindechrone-n-a der Ländti sym Götti nachegluegt het, bis er am andere-n-Ufer us em Fährschiff gschprunge-n-und hinderem Ufergschtrüpp verschwunde-n-isch. Jitz hätti's gärn e Schpiegel gha, vowäge na de-n-erschte nid verwandtschaftlech motivierte Müntscheni het me gwöhnlech ds Gfüehl, es syg öppis a der Toilette defraichiert. Ahnungslos isch es über ds Schußfäld vo de müetterleche Blicke-n-i Garte z'rück gschprunge-n-und i sy Schtube, sech ga ändere. Bi'm z'Abetrinke-n-isch ds Jetti schtill gsi, wie 139 gwöhnlech. Nume het es d'Mama dunkt, es heig sech i de Züge vo ihrer Tochter öppis e chly usenandere gla. Dem Jetti hätti nam z'Abe, wo-n-es mit ihre-n-und de Brüeder allei gsi isch, müesse-n-uffalle, daß d'Mama schtiller isch als gwöhnlech; denn si het schier gar Quale-n-usgschtande für sech z'verschtelle. Si het sech aber doch geniert, ds Jetti irgedwie la z'merke, was si gseh heig. Het si vor em z'Abe no gfunde, der Karludi syg e-n-Art Tämpelschänder, so hätt si sech jitz sälber es Sakrilegium müesse vorwärfe, wenn si dem Jetti sys Gheimnis ufdeckt hätti. Aber chuum sy d'Chinder zur Rueh bracht gsi, isch d'Frou Blanche i ds Cabinet gschobe, wo ihre Herr Gemahl am Kaminfüür tubaket het. Da si us guete Gründe gförchtet het, mit nere-n-eisytige Denunziation vom Jetti chönnti si der Herr Oberscht zu mene-n-unüberleite Dryfahre verleite, het si ihri Achlag houptsächlech uf e Karludi als Göttibueb vom Herr Lombach zuegschpitzt. Zu ihrer Etrüschtung leit sech uf dä Bricht hi der Herr Oberscht i Fauteuil hindere, schtreckt alli Vieri vo sech und lachet, lachet, lachet, wie nume-n-e-n-alti Chriegsgurgle cha lache. »Famose Fäger, dä Karludi!« seit er ändlech und blaset es paar mächtigi Rouchwulke-n-us syr Pfyfe, »i begryfe halt dä Gout.« 140 » Mais.... « »Dä Läcker het das gar nid dumm agschtellt, ha, ha, ha.« »Ja, meinsch du, er heigi das gsuecht vo Afang a?« »Das weiß i nid. Jedefalls het er's verschtande, vo der Glägeheit z'profitiere.« »Aber und jitz? – Findsch du, me söll ne das so dürela und nüt derglyche tue?« »E mer wei öppe luege. Villicht bringt er's jitz de derzue, öppehi z'gah. Es bruucht mängisch nume so-n-e Barriere z'falle. D'Houptsach isch jedefalls, daß me-n-einschtwyle gar nüt derglyche tuet. Jitz heißt es schwyge, bis me gseht, wo's use wott. Tue di de nid verschnäpfe!« »Es dunkt mi nume,« meint d'Frou Blanche, »däm Kärli ghörti eigetlech öppis. Het me je ghört, daß e Götti däwäg mit sym Göttichind umgeit?« »Ja nu! – Es isch ja öppis z'säge; aber g'wöhnlech sy si de doch im Alter no chly wyter usenandere-n-als die Zwöi. I bi der Meinung, mer welle jitz der Effäkt abwarte. Richtet er nüt us, so hei mer de geng no d'Weli, ne chly bi de-n-Ohre z'näh.« 141     VII. Was der Grandpapa vom Hürate dänkt. Der Herr Riesig hütlet sech, und der Karludi mueß ga Canossa. Trotz allne-n-Errungeschafte vo der neue Zyt isch der Grandpapa Vilbrecht mal-à-son-aise gsi, pa-pa-parce que le Bonapartisme avait abrogé la pe-pe-perruque et qu'on avait pe-pe-perdu toutes ses dents – toutes ses dents – oui, ce qui n'est pas-pas-pas-du-tout agréable. 142 Da het äbe-n-alles nüt ghulfe. Me het doch welle-n-uf der Höchi vo der Zyt blybe und da het me halt d'Perügge la fahre et en renonçant à ce symbole des temps passés on fit la fatale découverte que que que la chevelure naturelle vint à manquer, et il fallut s'accommoder aux bénédictions du nouveau régime pa-pa-par une suite d'affreux rhumes-aeh! D'Haar hei sech vor der Dänkerschtirne-n-ehrerbietig zrückzoge bis under ds Hinderhoupt, wo si sech nume no inere verschteckte Guirlande vo eim Ohr zum andere zoge hei. Da me, wie gseit, o keini Zähnd meh gha het, so het me-n-o nümme-n-oratorisch glänzt, mais on pa-pa-parlait quand-même comme une pie, heig me's verschtande-n-oder nid, was ja nid so viel het z'bedüte gha, da me meischtes dem Kaminfüür ohni wyteri Zuehörer prediget het. Uf das glänzige Houpt het d'Frou Elisabeth e prächtigi, rot und schwarz gflammeti und à la Rousseau mit Pelz verbrämti Chappe, Façon Jakobinermütze, glismet gha. Ja, so isch der Herr Vilbrecht i sym Schtadtlosamänt vor em Kamin gsässe-n-und het mit der Zange di glüjige Schyter mißhandlet, wo der Karludi zue-n-ihm cho isch. Wie alles, was vo syr Tochter härgrüehrt het, so isch natürlich o der eltischt Großsuhn mit offene-n-Arme-n^epfange worde. Er het müesse zum Füür cho zueche 143 sitze-n-und cho lose, wie scho ehedäm alli Lüt bekanntlech ihm hei müesse lose. Er het gschumpfe-n-über di politische Zueschtänd und geng und geng wieder gseit, es hätti chönne guet cho; aber jitz syg alles lätz, will me's äbe nid e so und e so gmacht heigi. E guete Fade-n-isch geng gsi a syne-n-Idee; nume hei si alli der groß Fähler gha, daß si absolut unusfüehrbar gsi sy. Der Karludi het sech aber wohl ghüetet das z'säge – nid will ne der Grandpapa scho einisch im Zorn mit der Kaminzange-n-i d'Finger gchlemmt het, – aber will er ihm nid unnötigerwys het welle syni alte Tage vergälle. Er het ihm im Gägeteil verschproche, wenn är einisch zu Yfluß sötti cho, so well er's de so mache, wie der Herr Vilbrecht meini. I der löbleche Willfährigkeit het der Grandpapa sy Schwiegersuhn umegcheunt und druus Anlaß gnoh, dä afah z'rüehme. Am meischte Genie aber, het er dem Karludi gseit, heig sy Papa bewise-n-i der Wahl vo syr Frou. Dermit isch der Herr Vilbrecht uf d'Froue-n-überhoupt cho z'rede. Es syg zwar eigetlich nid am Platz, ihm, dem Großchind da dervo z'rede (dem Grandpapa isch es gar nid i Sinn cho, daß der Karludi altershalber scho hätti chönne Familievatter sy), aber er chönnti de doch einisch i Fall cho z'hürate, und är Großvatter wüssi nid, wie lang er no z'läbe heig. Item, es sygi wahr, e Frou 144 ohni Ma sygi wyters nüt als e-n-aimabli Dasynsform. Aber andersyts, und das söll sech der Karludi la gseit sy, syg e Ma ohni Frou e Bitz Brot ohni Hebi. Jede heig öppe sys Ministerium und das syg nume-n-under der Mitwürkung vo nere Frou, und zwar vo nere ganz beschtimmte, richtig usz'üebe, und die Mitwürkung machi sech i der Art vo mene chemische Prozäß und nid öppe nume-n-als mechanischi Parallele. E Ma müessi sy Frou als e blybend sälbschtändigi Exischtänz völlig i sech ufnäh. Drum syg's aber o wichtig, daß di rächte Gschpane z'sämechöme. Ganz alles het der Karludi sym Grandpapa nid gloubt; aber syni Ansichte vom Hürate hei-n-ihm im Gedanke-n-a gwüssi Erläbnis ganz akzeptabel gschine. Ds Jetti als Ferment i sech ufz'näh, het etschide-n-öppis für sech gha, nametlich im Hinblick uf d'Läbesufgab, die der Karludi sech gschtellt het. Us em Wohlbehage, mit däm er sech i die Epfindung het la ysinke, het ne leider gar bald der Ratsherr Tschiffeli ufgschtört, dä na syr Gwohnheit zum Grandpapa isch cho ne Dampete-n-abändle. Er het sech bsunne, der Karludi uf der Fahrt ga Neueburg gseh z'ha und het's i zweene Gümp fertig bracht, ne mit der politische Situation i Verbindung z'bringe. »Dir syt ds sältmal ga Paris, nid wahr, Herr Landorfer?« 145 »Ja.« »Dir heit no der guet Momänt erwütscht.« » Et nous en p-p-profiterons, je vous assure, « het der Grandpapa sech dry gmischlet, »my petit-fils het öppis begriffe vo däm, was er gseh het, und mer wärde d'Freud ha z'gseh, wie-n-er das einisch sym Vatterland zu Nutze macht.« »I förchte, i förchte,« meint der Ratsherr, »mer chöme nümme derzue. Es duuret mi für di junge Lüt. Ma foi, mer hei o ne truurigi Juged gha. Aber me het sech rehabilitiert. Hingäge hüttzutag isch es würklich schad für alli guete-n-Intentione vo de junge Lüt. Wenn ig Euch wär, Herr Landorfer, i gieng i Handel. Lueget, mer gange troschtlose Zyte-n-etgäge. Es drüejt is z'ringsetum, im Jura, im Ämmetal, sogar im Oberland. Es isch e Schkandal, wie si's trybe, di Volksrächtler. – Und jitz plane si ja schynt's no ne Volksversammlung z'Münsige, für ne neui Verfassung z'poschtuliere. – I frage-n-Ech – wo söll das use?« Es Längs und es Breits het der Herr Tschiffeli gmacht über di einzelne Programmpunkte vo de Demokrate und jede dervo zu mene Gschpänscht usgmalet, würklech zum förchte. Was der Karludi der sälb Winter am meischte plaget het, das isch e fieberhafti Ungeduld gsi, 146 chönne-n-aktiv i d'Politik yz'gryfe. Wie, darüber isch er mit syne nächschte Fründe scho lang einig gsi. Aber der einzig Wäg derzue isch d'Wahl i Große Rat gsi. Uf die hi isch o i aller Schtilli g'arbeitet worde und zwar under mächtiger Protektion. Einisch im grüene Sässel, hätti üse junge Patriot nid uf sech la warte. Er het brönnt vor Verlange, sech mit de-n-Anforderunge vo der Zyt abz'finde und di demokratischi Opposition, die-n-er sech frylech viel z'chünschtlech und chraftlos vorgschtellt het, hätti ne nume no greizt. Überzügt und dürtränkt vom Legitimitätsgedanke, het er sech gar nid chönne vorschtelle, daß e-n-unberuefeni Partei inneri Chraft sötti chönne ha. Der nächscht Früehlig hätti d'Wahle sölle bringe, und je nächer der Termin, für ihn d'Schwelle zu nere gloriose Loufbahn, cho isch, descht ungeduldiger isch er worde, und jede, dä o nume ne Schatte-n-uf d'Wahrschynlechkeit vo mene guete-n-Usgang het la falle, het mit ds Karludis Zorn gha z'rächne. Ahnungslos het der Herr Tschiffeli sy Harfe tiefer und tiefer gschtimmt und je länger, descht meh di junge Lüt beduuret, dene-n-eifach jedi Zuekunft abgschnitte wärdi, bis plötzlech der Karludi höch ufschießt und zum Etsetze vo sym Großvatter der Herr Tschiffeli abrüelet: »Himmelhagelsdonnerwätter! Git's eigetlech keini Kanone meh im Züghus? Schießet doch 147 di Canaille zsäme, bevor si-n-ech d'Hut über d'Ohre zieht! Mit euer Feigheit tüet der alles z'Schande mache. Ließet dir üs zueche, mer wette scho luege.« Der Grandpapa het zwäg gmacht für öppis z'säge; aber vor Ufregnng het er z'Muul nid gfunde. Derfür het er d'Kaminzange-n-i sy usdorreti Hand gnoh und Miene gmacht, dem ertrunnene Großsuhn mit der große Schtimmgable wieder welle zum rächte Ton z'verhälfe. Er het sünsch viel uf ihm gha, aber sy höchscht ehrewärte Fründ vo däm Grüenschnabel la z'beschimpfe, das isch doch du vom Mehbessere gsi. P p p p – t t t – veux tu tu tu te taire, béjaune! isch es ändlech cho z'schtaggle. Der Karludi het gschine-n-erscht jitz wieder z'merke, daß er bi sym Grandpapa isch. Er het sech hindere nächschte Tisch z'rückzoge vor der Zange-n-und vo dert us ds Wortgfächt wytergfüehrt. Si sy i zimlecher Verschtimmung usenandere gange. Ds Fatalschte für e Karludi isch aber gsi, daß der Grandpapa vo der Ufregung schier chrank worde-n-isch und i Folg dervo d'Eltere-n-alles vernoh hei. Es het e höchscht unerboulechi Szene-n-abgsetzt, die schtatt zu nere-n-Abklärung nume zu tieferer Verschtimmung gfüehrt het. Derfür hei i de glyche Tage dem Karludi syni Aktie z'Rychebach e churzi Hausse erläbt. Ds Jetti het nämlech ganz ohni Widerschtand e-n-Yladung a 148 ne Soiree agnoh, was me-n-usschließlech dem Yfluß vom Karludi zuegschribe het. Dä Gloube het sech o gschine z'beschtätige, het me doch beobachtet, daß sech der Karludi a däm Fescht längeri Zyt mit dem Jetti abgä het und daß si i mene-n-Egge-n-öppis zsäme gredt hei. Zum Glück het's niemer ghört. Ds Jetti het nämlech sym Götti erzellt, bi ihrem letschte Zsämeträffe z'Rychebach heigi äs dummerwys das Büechli vo der Frou Ryhiner im Garte-n-uf em Bank la lige, im schtrömende Räge, und jitz gsei's halt e so us, daß es es gar nid dörfi umegä. »E da chouft me halt es anders. I will der das scho bsorge,« het sech der Karludi anerbotte. »Ja mit däm isch mer nüt ghulfe. Ds alte-n-isch drum ganz voll Ryßbleinotize.« Da isch e guete Rat tüür gsi, und o der Karludi het keine gwüßt. Ds Jetti het bi der Glägeheit der Karludi bschtürmt, er söll doch einisch zu der Frou Ryhiner cho, für se lehre z'kenne. Er überchäm gwüß ganz e-n-andere Begriff vo dene verschüpfte Dissenter. Aber der Karludi het einschtwyle no nid ds mindischte Begähre na däm andere Begriff gha. Im schtille het er vielmeh druuf schpekuliert, daß mit dem Tod vo der sehr alte Dame-n-o ihre-n-Yfluß uf ds Jetti wärdi verflüge, und um so ender, het er gfunde, chönn er sech dä Gang ga Canossa erschpare. Es anders Resultat het vorläufig di Soiree nid ergä. 149 Der Winter het über Arischtokrate-n-und Demokrate syni Schneewulke-n-usgschüttet und über Huble-n-und Chräche sy froschtige Fride-n-usbreitet, me hätti emel vorusse nüt gmerkt, daß under em Volk d'Urueh Tag für Tag zuegnoh het, ja, daß me beidersyts im Verschteckte sogar Waffe z'wäg gmacht het, für sy Meinnng mit Gwalt dürez'setze. Nume-n-ei Tag hei o d'Chräje-n-uf de blutte Böum i der Muri-Allee chönne merke, daß öppis bsunders los isch. Am zächete Jenner nämlech isch alles, was Verlange na Volksrächte treit het, düre höche Schnee ga Münsige-n-use gschtampfet. Aber, was isch das? Dert arbeitet sech ganz es chlys Mannli düre Schnee. Es treit e prachtvolle, heitergraue Zylinder à la Louis Philippe und uf der Achsle wie nes Gwehr e mächtige Rägeschirm. Isch das nid üse Herr Riesig? – Er isch doch nid öppe Demokrat worde? – Eh, was dänket dir; er geit nume-n-als politische Wättergschouer ga Münsige. Z'Bärn, im Schtift, het er gseit, er well doch ga luege, ob wärklech di Demokrate d'Unverfroreheit heige, z'Ärnschtem a der Verfassung z'rüttle. Gedankeschwär het er ds Burgerezil passiert, da ghört er hinder sech es luschtigs Gschäll, und wie-n-er umeluegt, chunt i schwärem Trab e schtattleche Bureschlitte dahär. Der Herr Riesig blybt schtah und muschteret mit scharfem Oug das Gfährt. 150 »Was? – Isch das nid dä Poschtiljon, wo d'Poschtroß mißbruucht het, für de Meichilchener ihri Füürschprütze z'füehre?« – Richtig, der Ludi Bickhard isch es, wohl ypackt uf sym eigete Schlitte, und näbe sech het er der Gmeindamme vo Meichilche. »Das ischt doch schtarche Tubak,« dänkt derHerr Riesig juscht, da haltet der Schlitte näbe-n-ihm, und wohlgluunet rüeft ihm der Ludi zue: »Weit Der o uf Münsige, Herr Riesig? Hocket Dir uf! Dir wärdet süsch de no gnietig bis dert use.« Sofort het sech i der minime Portion Bärnervolk, die der Herr Riesig vorgschtellt het, e Schpaltung bildet. Uf mene Demokrateschlitte-n-i d'Volksversammlnng fahre? – Nei – nei – das nid. – Aber di churze Bei und der höch Schnee! – Am Änd chönnte's ja o konservativi Bure sy. – »He nu, wenn der so fründlech syd, mi ufz'lade. I säge nid nei.« Si hei ne zwüsche-n-yne gnoh, daß er guet warm heigi. – Schpäter het einisch öpper, wo se ds Allmedinge het gseh vorbyfahre, der Ludi gfragt, für was si o ne Herre-Huet zwüesche sech inne gha heige, und er het müesse-n-erkläre, es syg nid nume-n-e Huet gsi, der Herr syg halt underem Schprätzläder gsi. Item, z'Münsige-n-isch me vor der Versammlung no ygchehrt. Der Herr Riesig isch uf ne Bank 151 a der Fänschterwand cho z'sitze, ygchäset zwüsche begeischtereti Volksrächtler. Vor sech het er der Tisch gha, isch also wohl verwahret gsi. D'Schtube-n-isch voll gsi wie-n-es Ei. Und göb's lang gange-n-isch het eine sy Red nümme möge-n-ebha und het agfange ds demokratisch Programm etwickle. Me het mit Schpannung glost. »Nicht nur,« het er gseit, »sondern auch und hinwiederum ganz schpeziell, was dä Punkt betrifft, so gloube-n-i dene verehrte Mitbürger zu Schtadt und Land chönne z'versichere, daß bi unetwägter Inangriffnahm des Verfassungsprogramms der Volkswohlfahrt am beschte gedient wärde wird.« Dem Herr Riesig het's i Äcke zoge. Er het sech umgchehrt, isch uf e Bank ufe borzet und het der Chopf dür ds Löufterli usegschteckt, für ds Flügeli zue z'zieh. Wo-n-er der Chopf wieder yne zieht, blybt sy Schtaatshuet dusse-n-und fallt i Schnee abe. Er het probiert usem Bank usez'chnorze, für ne ga z'reiche. Aber me het ne gheisse warte, bis usgredt sygi. Däm Huet wärdi öppe nüt gscheh. Mit verdrücktem Zorn het sech der Herr Riesig i sy Gfangeschaft ergä. Aber nid lang isch es gange, so git's e Bumbs a d'Fänschterschybe. Über di andächtige Gsichter louft e heitere Schyn, währed der Herr Riesig zwüsche syne beide Nachbare rangglet und rangglet. 152 »I möcht niemerem z'nach trätte,« het der Volksredner gseit, »aber i mueß denn doch mit allem Nachdruck dra erinnere, daß di arischtokratischi Regierung . . . .« Bumbs! tönt's am Fänschter, und wieder flügt es Lache dür d'Schtube. ». . . . . daß di arischtokratischi Regierung dem Volk syni Rächt i-n-ere-n-Art und Wys vorethaltet, dere nid länger meh müessig zuegeschout wärde darf. Bärnervolk schtand uf!« . . . Bumbs! »Gedänke der Vätter, die dert a der Wiegle der Freiheit, Ehr und Läbe, . . .« »My Huet!« ghört me plötzlech vo der Wand här es chybigs Schtimmli. »Pscht! – Pscht!« »Guet und Bluet uf ds Schpil gsetzt hei . . .« »Leut my use! – My Huet!« »Schtin dahinger!« »Mitbürger zu Schtadt und Land!« »Jitz leut mi nse! Si mache mer my Huet kaput.« Bumbs! flügt dä arm Huet wieder vo der Schtraß a d'Schybe. Es paar übermüetigi Bursche hei ne-n-im Schnee gfunde. »Lueget da, dä Arischtokratechübel!« het's gheisse, »ländtet ne-n-uf ds Dach ufe!« Und vo Fueßschpitzi zu Fueßschpitzi isch dä schön Zylinder uf der Schtraß und a der Huswand 153 ufe gumpet, es isch e Gruus gsi. Me weiß nid, was no gscheh wäri, hätti nid der Ludi Bickhard mit der Geisle-n-i der Hand di Buebe verjagt und sym Fahrgascht der Huet grettet. So isch ds üssere Wahrzeiche vo ds Herr Riesigs politischer Gsinnung scho vor em Afang vo der eigetleche Volksversammlung meh oder weniger zerschtört gsi, und er het sech i sym Verdruß müesse-n-überlege, ob es sech räntieri, e neue, so untrüegleche Huet z'choufe. D'Volksversammlung het ihm darüber Klarheit verschaffet. Als überzügte Demokrat isch der Herr Riesig am Abe hei gwanderet. Wo-n-er obe-n-a große Murischtalde cho isch, het er di bluetroti Sunnechugle hinderem Chünizbärgwald gseh versinke. Da isch der Herr Riesig blybe schtah und het mit prophetischem Blick uf d'Junkeregaß übere – e letschti arischtokratischi Anwandlung, die ne bi däm Anblick acho isch, het er hie siegrych überwunde – gseit: »Jitz git's ander Wätter.« Im Gedanke-n-a di verschprocheni Preßfreiheit, die Große-n-und Chlyne wärdi zum Wort verhälfe, isch er trotz syr Müedigkeit ganz walzermäßig der Schtalde-n-ab beinlet. Bi jedem Alleeboum isch ihm e neue Punkt vom demokratische Programm i Sinn cho, und z'letscht isch er, pöutscht vo der »Wahlfähigkeit aller zu allne Schtelle«, d'Schtadt us g'chüüchet, sür sech uf em weiche Polschter »der schrankelose 154 Volkssouveränität« ga z'erhole vo de lybleche-n-und seelische Schtrapatze. Der moralisch Chatzejammer, wo z'morndrisch dem Herr Riesig vor sym Arbeitstisch im Schtift über ds Härz gloffe-n-isch, het ihm ganz nnnötigerwys der Luun verderbt. D'Revolution isch i vollem Gang gsi und wär ohni Bluetvergieße nümme-n-us'zhalte gsi. Das imposante Schiff vo der arischtokratische Verfassung isch, anno achtenünzgi läck gschosse, unufhaltsam der Schtund etgägegfahre, i dere der Wälleschuum vo der neue Zyt über syr ruehmryche Flagge het sölle z'sämeruusche. Scho isch a syr Syte mit küehnem Bueg di neui demokratischi Fregatte mit de Maschte »Freiheit«, »Glychheit« und »Brüederlechkeit« dahär gsäglet, und d'Opportunitätspolitiker hei sech mit allerhand philosophische Schwümmgürt vom alte-n-uf ds neue Schiff grettet, währed di überzügt Konservative, i ihrer Mitti der Schultheiß Fischer, sech freiwillig etschlosse hei, ds Schicksal vo der alte Flagge z'teile. I ihrne-n-Ouge-n-isch ds Glück vom Bärnervolk nid z'trenne gsi vom arischtokratische Prinzip. Uf der Grundlag hätte si mit sech la rede, und tatsächlech hei si sit sächzäche Jahre sech alli Müej gä, de Wünsche vom Volk etgäge z'cho. Aber so wenig wie si, hei d'Demokrate-n-öppis Halbs welle, und drum sy di beide Parteie-n-i dene 155 Tage-n-enandere mit trotziger Schtirne gägenübergschtande. Mit ateloser Schpannung hei am dryzächete Jenner der Karludi Landorfer und syni Kamerade, drunder nametlech der Lentulus, der Fritz vo Werdt vo Toffe-n-und der Houptme Wyttebach, im sogenannte Chräjebüehlleischt usse-n-ufe-n-Usgang vo der Großratssitzung gwartet. Für si alli het der Tag d'Etscheidung für ihri Zuekunft müesse bringe. Es isch lang gange, und si hei scho e Zytlang fascht nüt meh mitenandere gredt. Eine-n-ume-n-andere-n-isch a ds Fänschter gange-n-und het ds Biecht vo de Schybe g'huuchet, für z'luege, öb der Major Fischer vom Eichbärg, dä ne der Bricht het sölle bringe, no nid der Ängischtutz uf chömi. Uheimeligi Ahnunge sy mit ihrne blaue Knaschterwülkli dür d'Schtube gfloge. Alli ihri Hoffnunge hei sech a d'Widerschtandschraft vom Schultheiß, dä erscht geschter am Abe vo der Bundesversammlung z'Luzärn heicho isch, g'chlammeret. Und doch, daß är der gröscht und herrlechscht Etschluß, dä villicht di bärnischi Gschicht ufzwyse het, wärdi fasse, het ihm keine vo dene junge Verehrer zuetrouet, will si's no nid verschtande hei, ihri pärsönleche-n-Interesse ganz vom Schtaatsinteresse z'trenne. Es isch scho gäge Mittag gange, da heißt es plötzlech: »Er chunt.« Alli schpringe-n-uf. »Wie schteit's? 156 – Wie luegt er dry?« frage si, und i ängem Trupp schtande si scho mit ufgrissene-n-Ouge bi der Türe, wo der ersähnt Bott yne chunt. Aber o wetsch, wie luegt er dry! Er cha vor Emotion schier nid rede. »Was isch? – Wie schteit's? Heimer's möge?« »S'isch alles futsch. D'Regierung het abdanket,« isch di churzi Antwort, die so mängi glänzendi Carriere zerschtört het, als Lüt i der Schtube gsi sy. Ja, der letscht Schultheiß vom alte Bärn isch syr Überzügung unerschütterlech treu blibe-n-und het mit sym großhärzige Verzicht dem Land unermäßlechs Unheil erschpart. Was er ihm dermit Guets bracht het, verschtande mir hüttigstags ender. Är sälber het zum Bittere, wo d'Abdankung fär ihn gha het, erscht no di gründlechschti Verkennung vo Fründe-n-und Gägnere z'trage-n-übercho. Na der erschte, gränzelose Verblüffung isch us allne dene-n-ettüüschte, junge Patriote der Unmuet fürebroche. Keine het meh öppis a der Sach welle begryfe. Ihri Gmüeter hei sech afah uflähne, und bald het se-n-ihres gmeinsame-n-Unglück zu trotzigem Etschluß tribe. Heißglüjig vor Zorn isch der Karludi Landorfer uf e nächschte Schtuel gschprunge-n-und het losgä: »Kamerade, was i vorusgseh ha, isch ytroffe. Di Alte hei der Muet verlore. Si hei-n-is prysgä mit üser ganze Zuekunft. Mer sy verlore, wenn 157 mer is das leu la gfalle. Jitz isch es a üs, dem Verderbe z'trotze. No ha-n-i Zuetroue-n-i ds Bärnervolk. Gwinne mir sys Vertroue, idäm mer Muet zeige! Etschlosseni Tat het no geng Byfall gfunde. Möge di Müede-n-und Muetlose verzwyfle, mir verzwyfle nid. Kamerade, mer wei üses heilige Rächt z'rückerobere. Mer gryfe zu de Waffe. Wär hilft? Es gilt dem Vatterland, üsem liebe, heilige Bärn!« Alli hei sech zueche gmacht, und ei Fründeshand na der andere het der Karludi chreftig zum Treuschwur gfasset. Jede het sy Mannesehr verpfändet für absoluti Verschwigeheit. Und druufhi het me-n-uf der Schtell d'Rolle-n-und Ufgabe verteilt, für d'Gägerevolution vorz'bereite. Einschtwyle het me's no nid für opportun erachtet, dem Schultheiß der Plan vorz'lege, trotzdäm me nid dranne zwyflet het, daß er nume der Gwalt gwiche syg. Me het doch z'erscht e chly über syni Absichte welle-n-orientiert sy. Villicht würd' er ja sälber d'Initiative zu nere-n-abermalige Restauration ergryfe, und de chönnti me sech eifach ihm zur Verfüegung schtelle. Z'Rychebach het natürlech d'Demission vom Unggle Schultheiß o der Horizont verdüschteret und derfür gsorget, daß me ds täglech Brot nid juscht i optimischtische Gfüehl dunket het. Derby het me-n-aber Zyt gnue gha, für über allerhand nachez'dänke. Me het 158 neue geng no nüt welle merke vo nere-n-Änderung i ds Jettis Benäh, isch im Gägeteil alli Bott uf Widerschtand gschtoße by-n-ihm und het gfunde, es sygi eigeliger als je. I syr Not het sech ds Jetti je länger, descht meh zur Frou Ryhiner gflüchtet und het nere ds Härz gläärt. Ihre, die ja verschwige gsi isch, wie-n-es Grab, het me-n-alles chönne-n-avertroue. Bald het nere ds Jetti o bybracht gha, sy Götti hätti o no Verschtändnis für das, was d'Frou Ryhiner im Jetti pflegt het, und es wetti grüslech gärn, si gsäch ne-n-einisch. D'Frou Ryhiner isch merkiger gsi, als ds Jetti gmeint het, und da ds Jetti ihres geischtige Chind gsi isch, het sie uf der Schtell es läbhafts Interesse gnoh a däm Götti. Ei Abe, gäge-n-Änds Jenner, überchunt der Karludi zwöi Briefli. Ds einte-n-isch e-n-Yladung gsi vo der Frou Ryhiner zum z'Morge. »Ach was!« isch's ihm etwütscht, »das het mer jitz das guet Jetti agreiset.« Nie isch ihm e-n-Yladung vüriger gsi als die. Was het er o sölle ga mache bi der alte mômière , wo ne-n-eigetlech vo Hut und Haar nüt agange-n-isch, und de no jitz, wo me der Chopf voll schtürmischi Plän gha het? Jitz het me sech lieber bi politische Pärsönlechkeite zueche gmacht und zwar nametlech bi settige, vo dene sech het la erwarte, daß si eventuell Verschtändnis hätte für – nu für e chly forcierti Lösunge vo politische Frage. Sech 159 da zwüsche-n-yne vo fromme Seele la az'huuche, het der Sach doch gwüß nume chönne schade. – Ja, er hätti jedefalls abgseit. Aber ds zwöite Briefli isch vo ds Jettis Hand cho und het i jedem Chribel es Widerhääggli gha. Es het gjammeret, wie me-n-ihm daheim wieder ufsetzig syg. Er söll um ds Himmels Wille vo der Glägeheit profitiere-n-und cho. Es wärd ne-n-übriges gwüß nid reue, der Frou Ryhiner ihri Bekanntschaft gmacht z'ha. Däm Notschrei het der Karludi d'Ohre nid chönne verha. Mit Widerschträbe het er sech ufe Wäg gmacht. Es isch e heitere Wintertag gsi, bitterchalt, so daß der Schnee under de Füeße grugget het, aber derby doch fründlech. Wie riesigi Chrüzgäng us Filigran sy d'Allee-n-i-ihrem Biecht dagschtande, aghuuchet vo rosigem Wintersunneschyn. Dem Karludi isch trotz der Chelti schier der Angschtschweiß uf der Schtirne gschtande, wo-n-er zwüsche de Tore-n-acho isch und der schwär Chlopfer a der Hustür vo der Frou Ryhiner glüpft het. Und trotz sym schwäre Mantel isch er sech bi'm Gedanke-n-a di großi Frömmigkeit vo der Frou Landvögti so uf ne-n-Art blutt vorcho. Es het ne dunkt, scho ds bider gscheitlete Meitli mit sym fläckelose, wyße Fürtech heig öppis a sech wie-n-e Chloschterpförtnere. Derby het es de no so öppis vo usurpierter Ygweihtheit i sym wohlwollend lächelnde Gsicht gha. Item, 160 einisch hinder der massive Hustüre, het der Karludi o keini kritische Blicke vo der profane Welt meh uf sech gschpürt und het sech nume no mit der beschtmügleche Verhüllung vo syr geischtleche-n-Armsäligkeit gha z'gmüeje. Jitz sy di wahrhaft etscheidende-n-Ougeblicke-n-im Möntscheläbe nid die, wo me mit allne sibe Glogge-n-ylütet und mit Posuneschtöß der Verwandtschaft und de-n-umligende-n-Ortschafte-n-akündiget, sondere si träffe mängischt under de-n-unschynbarschte-n-üssere-n-Umschtänd y, und drum sött e Möntsch, wo d'Fäde vo sym Schicksal i de-n-eigete Hände wott ha, nie mit offene-n-Ouge schlafe. Gschyder isch es aber, me well nid Roß und Gutschner zuglych sy. Wär sys Schicksal i d'Händ vo Däm gleit het, dä über de Zuefäll schteit, isch am wöhlschte. So Eine verpasset o blinzlige nüt. Es git aber o Lüt, die däwäg zwäckmäßig gfüehrt wärde, göb daß es ne bewußt worde-n-isch, wär ihres Leitseil i der Hand het, und zu dene het der Karludi Landorfer einschtwyle no ghört. Für ihn isch e-n-etscheidende-n-Ougeblick cho, wo-n-er im Gang vo der Frou Ryhiner sy Mantel ufghänkt und zum letschte mal der Schweiß vo der Schtirne gwüscht het. Wär er jitz druuf us gsi, sech der Aschyn vo mene bsunders fromme Möntsch z'gä, so hätt er sech für schpäter i ne-n-unmüglechi Situation bracht; denn daß er sech mit dem Jetti über dä Punkt einisch het 161 müeße-n-i ds Reine setze, het er sech längschtes überleit gha. So isch ihm nume-n-überblibe, entweder mit kritischer Opposition ufz'marschiere-n-oder de ohni vorgfasseti Meinung sech i di gförchteti Situation z'begä. Zu sym große Glück het er unüberleit i der Hascht vo syne Gedanke der zwöit Wäg usgläse. Me het ihm d'Tür ufta zu mene ganz altmodisch-eifache Salon, wo zwöi unverhänkti, großi Fänschter gäge di chlyni Schanz use gha het. Da isch gar nüt vo Tapis z'gseh gsi am Bode, aber derfür tadellos g'wichsti Chrüz uf peinlech subere Carreaux. A de Wänd isch nid viel ghanget, bloß es paar dunkel ghalteni Familieporträts, drunder das vom Herr Oberscht Ryhiner, wo anno achtenünzgi dem fanatisierte Landschturm zum Opfer gfalle-n-isch. Di breite, ynladend solide Sitzglägeheite sy alli im Chrüzlischtich brodiert gsi, pflartschigi Bouquets uf schwarzem Grund. Zwüsche de Fänschter het es Kaminfüür gschprätzlet und mit der hälle Sunne g'wettyferet, für d'Schtube gmüetlech z'mache. D'Frou Ryhiner und ds Jetti sy näbenenandere-n-uf mene Ruehbett vis-a-vis vo der Tür gsässe-n-und hei brodiert, wo der Karludi ynecho isch und e gschmeidige Serviteur gmacht het. D'Frou Ryhiner isch ihm fründlech etgägecho und het ne gheisse sitze, nadäm ds Jetti mit mene Schelm i de-n-Ouge sym Götti e-n-üsserscht korräkti Révérance gmacht gha het. 162 D'Frou Ryhiner het use Karludi vom erschte Momänt ewäg e beruehigende, zuglych aber reschpäktgebietende-n-Ydruck gmacht. Warum, hätt' er nid gwüßt z'säge. Er isch zum erschtemal a so mene Wäse gägenüber gsässe. Di Frou hätti nämlech der Name vo nere Säherin verdienet, nid öppe will si gwahrsaget hätti, sondere will si e penetrante Blick gha het für di geischtigi Verfassung vo de Lüt. Und wär i d'Lüt yne weiß z'luege, dä gseht o heiter i de-n-Ereignisse. Me het ere's übriges o üsserlech agseh. Trotz de silberige, schön coiffierte Haar – si het natürlechi Röschtiwys-boucles treit – het ihres fyne Gsicht i jugedlecher Früschi gschtrahlet, und under der lüüchtend-reine Schtirne hei Ouge, so schwarz wie bodelosi Zyschtärne, mit sicherer Rueh alles verfolget, was um se-n-ume vor sech gange-n-isch. Schtill und rüejig wie der Blick, isch di ganzi Haltung vo der Frou gsi. Wenn si g'arbeitet het, het sech nüd a-n-ere grüehrt, als ihri schpindeldürre, wyße Händ. Us alter Gwohnheit het si ihri Arbeit, wie bi'm Ässe ds Täller, nume mit eim Oug agluegt, währed ds andere zwar offe blibe-n-isch, aber us aller Tätigkeit usgschaltet gschine het. D'Chleider sy so eifach gsi wie müglech, e heitergraue Rock, mit nere mehrfache Collerette. E-n-alti 163 Cameebrosche-n-und e längi, guldigi Sautoir-Chetti hei ihre-n-alltägleche Schmuck bildet. D'Frou Ryhiner isch mit der Wält schynbar fertig gsi und het da i ihrem Ruehbettegge gwartet, scho sit Jahre. Wär zue nere cho isch, het ganz sicher öppis profitiert, und die, wo's nötig gha hei, sy o nid mit lääre Hände-n-usgange. Zu ds Karludis Verwunderung het me bis zum Ässe keis Wort über religiösi Sache verlore. D'Frou Ryhiner het vielmeh dür nes paar Frage d'Verwandtschaft vom Karludi feschtgschtellt und derby zeigt, daß si da drüber natürlech besser Bscheid gwüßt het, als ihri junge Gäscht. Nachhär het si Beidi la brichte-n-und nume vo Zyt zu Zyt mit nere Zwüschefrag a ihrem Gschpräch teilgnoh. Wenn der Karludi sech nid di ganzi Zyt mit dem Gedanke: »Es chunt de allwäg no,« sälber plaget hätti, so wär's ihm bi der Visite so wohl gsi, wie nume möntschemüglech. Wo me zueche gsässe-n-isch, het du d'Frou Ryhiner der Karludi gmacht usz'packe, was er vor heigi. Er het ds Gfüehl gha, dür Frou dörf me syni Gedanke getroscht prys gä und het ere gchlagt, wie übel daß er jitz dranne sygi. Derby sy-n-ihm bitteri Wort über d'Demission vom Schultheiß Fischer ertrunne. Für e-n-Ougeblick het d'Frou Ryhiner di Vorwürf nume mit Schwyge beantwortet, und si het e so lang derzue g'schwige, bis der Karludi ds 164 Gfüehl übercho het, er fahri mit sym Schlitte-n-uf trochenem Bode. Nam Ässe het me sech wieder im Salon nidergla. Währeddäm ds Jetti zuefällig no hinderem Schtuehl vo sym Götti schteit, leit d'Frou Ryhiner ihri schmale Händ i d'Schooß und richtet e Blick uf e Karludi, dä-n-ihm es Gfüehl verursacht het, er hätti emel nid gwüßt, wie's usdrücke. Halb het er sech vo müetterlecher Liebi umwobe gschpürt, halb het er Angscht gha, me well ihm syni tiefinnerschte Härzchammere-n-ufschpränge. Ds Jetti het ihm ab em Gsicht abgläse, daß er dänkt het: »Hälf mer Gott, was wott si ächt?« und het es boshafts Lache nume mit gröschter Müej chönne verschtecke. Es isch ihm aber grad vergange, wo d'Frou Ryhiner het afah rede: »E nu, Herr Landorfer, Dir heit Ech vori beklagt über d'Demission vo üser Regierung. I begryfe-n-Ech rächt guet, und es duuret mi o für euch, jungi Herre. Es isch schier, wie wenn me-n-ech würdi d'Türe vor der Nase zueschletze-n-im Ougeblick, wo dir yne söttet. Aber me mueß sech halt o a Platz dänke vo dene Herre. Es isch frylech di vornähmschti Art sym Vatterland z'diene, wenn me's guet regiert. Das isch sicher. Aber, was weit Der? Sobald me-n-Ech's unmüglech macht, ds Land e so z'regiere, wie-n-Ech's Eues Gwüsse befiehlt, so isch 165 es gschyder, me gangi und luegi halt sym Land uf ne-n-anderi Art z'diene. Findet Dir nid o, im Grund gnoh, sygi eigetlech der alleribescht Schtaatsdienscht dä, daß me-n-i der Schtilli vo sym Privatläbe Schritt für Schritt yschteit für d'Grächtigkeit? Dir begryfet, i meine für die, vo dere-n-es heißt: »Gerechtigkeit erhöhet ein Volk?« Der Karludi het sy Zueschtimmung dür nes Chopfnicke kundgä, das äbe so guet de Blicke vom Jetti gulte het, i dene-n-er dütlech het chönne läse, was es dänkt het, nämlech: »Gället, si het rächt und i ha rächt gha, Ech dahäre z'füehre?« »Und gloübet mer nume, liebe Fründ,« fahrt d'Frou Ryhiner furt, »di einzigi Manier, der Grächtigkeit Bahn z'bräche, isch und blybt halt, daß me ds Volk derzue bringt, der Heiland wieder a-z'erchenne-n-als das was er isch. Nadäm me-n-is d'Müglechkeit gnoh het, als Obrigkeit ds Volk zu sym Glück z'füehre, chönne mer nüt Schöners meh mache, als üses Läbe-n-yz'setze für dem Rych Gottes hälfe Bahn z'bräche. Probieret das, Chinder, und dir wärdet alles andere drüber vergässe. Dir wärdet kei möntschleche Lobschpruch, kei möntschlechi Anerchennung meh erwarte und frei sy, wie üsi Altvordere nie sy frei gsi. I säge-n-ech nume: probieret's! Machet ech jung uf e Wäg! Dir wärdet's nie bereue. Einisch chunt's ja, öb mer welle-n-oder nid. 166 O was wird das für nes Gfüehl sy, wenn mer is de denn dörfe säge, daß mer üses Läbe derfür härgä heige!« Mit gfaltete Hände het di schöni Greisin das gseit, und derby hei ihri Ouge-n-öppis gschine-n-az'luege, das Andere-n-unsichtbar blibe-n-isch. Unwillkürlech het sech ds Jetti uf d'Achsle vom Karludi glähnt und mit hällem Blick d'Frou Ryhiner agschtuunet, währed der Karludi, ohni sech z'verrüehre, vor sech abe gluegt het. Jedi Antwort wär ihm jitz ungschickt, ja sogar unerloubt vorcho. Wo-n-er na nere Minute d'Ouge-n-ufschlat, falle syni Blicke grad uf ds Porträt vom Oberscht Ryhiner, wo hinder der Frou a der Wand ghanget isch, und es isch ihm gsi, wie wenn das tote Gesicht afieng rede, für z'bherte, was d'Frou Ryhiner gseit het. »Loset nume, was si seit,« het das Porträt gschine zmahne, »so isch es, und mi het di verräterischi Chugle müesse vo ihrem Härz wägryße, damit ihre d'Ouge-n-ufgange-n-und di Wort, wo si-n-ech gseit het, chönne frei wärde. Achtet mys Bluet! Leut's nid vergäbe gflosse sy.« Ändlech het d'Frou Ryhiner ds Wort wieder ufgnoh und gseit: »Ja, gäb ech's der lieb Gott, Chinder, daß dir ech für dä Wäg chönnet etscheide!« Im wytere Gschpräch sy si du uf e-n-Übergang cho z'rede, und di beide Junge hei sech gärn la 167 erzelle vo de schwäre-n-Erläbnisse vo der Frou Ryhiner. Dem Karludi isch derby frylech ufgfalle, daß di Frou ganz anders über di vergangene Zyte g'urteilt het, als di meischte-n-andere Lüt. Er isch nid mit allem yverschtande gsi. Ihri Idee, daß der Übergang für nes heilsams Schtrafgricht sötti agluegt wärde, het ihm nid rächt yne welle, und so het er o di schtummi Predig vo ds Herr Oberschte Porträt lätz verschtande. Er het se für ne-n-Ufforderung zur Revanche gnoh, die sech frylech uf d'Usfüehrung vo der Frou Ryhiner schlächt grymet het. 168     VIII. Ds Jetti tanzet, und der Karludi bruucht der Mantelschrage-n-als Schüüchläder. E nächtlechi Heerschou und e halbe Tag Bataillonsschuel. Mitti Horner isch es gsi. Di ehrigi Diana z'Rychebach het e höchi Schneechappe treit und di blutte Füeß tief im glitzerige Schnee verschteckt gha. D'Familie Lombach isch juscht am z'Morgenässe gsi, da ghört me dusse – rill rill rill rill rill rill rill – e Schlitte. Zwo Minute druuf chunt ds Chammermeitli cho säge, der jung Herr Landorfer laj d'Jumpfer Henriette fründlech ylade zu nere Schlittepartei. A alles het me-n-ender dänkt, als a die Überraschung. 169 Alli Ouge hei Fragzeiche gschpeut, und niemer het welle syni Gedanke verrate. Ds Jetti het vor Freud der Appetit verlore-n-und doch nüt welle derglyche tue. D'Eltere hei sech vor der pinleche Wahl gschpürt, ihres Töchterli de Götti-Experimänt vom Karludi prysz'gä oder der Götti abz'schüssele, uf d'Gfahr hi, ne vor e Chopf z'schtoße. Bis jitz frylech het me vo ds Karludis Erziehungsversueche no so wenig Erfolg gmerkt, daß me gfunde het, er verdieni kei neue Vertrouesbewis. Und doch het's d' Frou Blanche gluschtet, 's no einisch la druuf abz'cho. Ds Gchähr isch nere scho lang verleidet gsi, und vo öpper anderem als vom Karludi het sech ja ds Jetti doch nid welle la hälse. Schtatt länger z'wärweise, isch si i Hof abe, der Karludi ga z'Red schtelle. Sobald si du vernoh het, daß e ganzi Gsellscheft vo junge Lüte di Schlittepartie arrangiert heigi und daß me sech, höchscht konvenabel chaperonniert, z'Worb Rendez-vous gä heigi, isch ihre-n-Etschluß fertig gsi. Me het ds Jetti mit sym jubilierende Härz i sibenezwänzg Shawles, Mäntel und Dechene-n-yglyret, näbe Karludi i d'Schafspelze gsetzt und ne gueti Reis gwünscht. D'Frou Blanche frylech het sech, währeddäm di Glückleche zum Tor us gfahre sy, gschwore, wenn's aber jitz de nid welli guete, so bheig si's de nümme länger, ihres Gheimnis, und der Karludi well si de 170 i sy Achillesfärsere chlemme, daß er d'Schtärne-n-am heiterhälle Tag gseji. Ds Herr Landorfers »Bayard« isch bekanntlech kei hüürige meh gsi. Nüt descht weniger sy Böum und Hüser a ds Karludis Schlitte verbygfahre, me het nid gwüßt wie. Worbloufe, d'Papiermühli, d'Wägmühli, Rörswyl, Deißwyl, Schtettle, Vechige, sy dürschnuusset gsi, und ds alt-trotzige Schloß Worb het uf se-n-abe gluegt, gäb daß di Zwöi derna gfragt hei. Vor em »Schtärne« sy scho d'Schlitte vo de-n-andere Teilnähmer i Park ufgfahre gsi, und bald isch dem Karludi syne läär dernäbe gschtande. Mit großem Triumph het der Karludi sys Gotteli i d' Herreschtube-n-ufe gfüehrt, und es dröhnends »Bravo« het se-n-epfange. Di ganzi Gsellscheft isch mit mene jubilierende Hohngschrei übere junge Lentulus härgfalle, will er mit nere Tochter gwettet gha het, der Karludi wärdi z'Rychebach mit Glanz abfahre. »Allwäg bi-n-i mit Glanz abgfahre,« het er sym Fründ gseit, wo-n-er's vernoh het, »aber anders als du's gmeint hesch.« Dem Jetti het di Wett e-n-epfindleche Schtich gä, so daß es im Afang e chly Müej gha het mit der Feschtschtimmung. Zu sym Etsetze het di ganzi Gsellscheft bereits usgmacht gha, me müessi sech uf ne-n-anderi Art d'Füeß werme, will d'Chauffe-pieds der Dienscht nid heige möge tue. Ds 171 Hülfsmittel isch o bald erschine i der Form vo nere Handharfe. Under de chährende Süüfzer vo däm Langnouerbalg isch di guetmüetigi Dame patronesse mit de Tische-n-und Schtüehl a d'Wand gschobe worde, für de läbesluschtige Paar Schpilruum z'mache. Ja und jitz ds Jetti? – Das het di glücklechi Idee gha, das mal ds folgsame Gotteli z'schpile, und het i aller Harmlosigkeit mitghopfet. Derby het es sech usegschtellt, daß sy Grazie-n-under de guete Prinzip o nid im mindischte Schade glitte gha het. Im Gägeteil, währed alli andere Töchtere dank ihrne Tanzlätzge-n-und Ballexerzizie-n-öppis g'Günschtlets gha hei i ihrne Maniere, het ds Jetti dür sy ganz frei gwachseni Anmuet e so guet abgschtoche, daß es nie um ne Kavalier i Verlägeheit cho isch, trotzdäm meh Töchtere-n-als Herre da gsi sy. Es het di luschtigi Gsellschaft dunkt, si heige chuum agfange, so het scho d'Abedsunne dusse d'Schneefälder mit Guld und Purpur überschüttet, und es isch vo Ufbräche gredt worde. Für emel ja nüt z'verderbe, het der Karludi z'allerierscht la aschpanne-n-und isch der glych Wäg gäge Rychebach zue gfahre, wo si här cho sy. Jitz isch es ja ganz glych, öb me hinderem Däntebärg oder vor em Däntebärg düre fahri. Der Schleipf isch uf beidne Schtraße glych guet gsi, d'Abedsunne glych guldig, d'Liechter i de schneevergrabene 172 Burehüser glych heimelig und ändlech d'Schtärne-n-am dunkelpurpurfarbige Nachthimmel glych grüenlech und bläulech. Aber währed hindedüre-n-es uschuldigs Paar i gottsäliger Verliebtheit gäge hei zue gfahre-n-isch und sech über ne vergnüegte Namittag gfreut het, ohni nume-n-a di andere Lüt z'dänke, hei vorne-düre-n-es halbs Dotze schpitzigi Zunge hinder ihrne Cache-nez gwäffelet über di Zwöi, wo äne düre gfahre sy. Het me scho der ganz Winter düre sech nid chönne-n-erschöpfe-n-i kritische-n-Erörterunge-n-über ds Jetti, will es im gsellschaftleche Läbe nid het welle mitmache, so het me sech jitz ergellschteret drüber, daß es trotz aller Frömmigkeit »ab der Chetti gsi sygi, wie keis anders und tanzet heigi wie-n-e Zwirbel.« Da gsej me's jitze. Wenn me meini, so eis chönni nüt als singe-n-und bätte, so etdeck me de undereinisch, daß es de »sündleche Vergnüege« um keis Haar minder zuegänglech sygi als irged es anders. Und das hei di glyche gseit, wo villicht no der Tag vorhär gseit hei, si gseje-n-emel nüt sündhafts a mene-n-uschuldige Walzerli. Di fahrendi Hechlete-n-änet dem Bärg het zum Glück üsem Päärli weder chalt no warm gmacht. Wohl aber het ds Jetti sym Kavalier nah-ti-nah afah warm mache. Sobald der Bayard Schritt gange-n-isch, het es dem Karludi mit Frage-n-afah zuesetze. 173 »Wie het Ech d'Frou Ryhiner eigetlech gfalle?« »Sehr guet. Es isch e herrlechi Frou.« »Gället, i ha rächt gha? – Was säget Dir zu däm, was si-n-Ech grate het?« »O, es git mer z'dänke. – Aber i ha der Wäg no nid rächt gfunde derdür.« »E, wieso nid?« »Si ma scho rächt ha, wenn si seit, mer sölle-n-is zrückzieh und i der Schtilli blybe. Aber erschtes gäbe mer der Kampf halt no nid uf und zwöites begryfe-n-i nid, wie si das meint mit däm Privatläbe. Was söll üsereine-n-aschtelle? I cha doch nid ga predige.« »Das meint si aber o nid. Dir wärdet der Wäg scho finde, für Eni Ideal im Privatläbe z'verfolge.« »Das isch gschwind gseit. Wär söll mer ne zeige?« Jitz nimmt ds Jetti e-n-Alouf, wo-n-es scho lang vor gha het. Für sys Läbe gärn hätt es nämlich no chly ne tiefere Blick i ds Karludis Seeleläbe ta. Es probiert, ihm i d'Ouge z'luege, so guet das öppe z'mache-n-isch, wenn me näbenenandere-n-im Schlitte sitzt. »Dir müeßet halt drum bätte,« seit es mit Härzchlopfe. Aber der Karludi het ihns nid la yne luege. Er het der Mantelchrage wie nes Schüüchläder ufezoge 174 gha und, ohni e Wank z'tue, sys Roß i de-n-Ouge bhalte. Antwort het ds Jetti keini übercho. Für sich sälber und dem Götti d'Verlägeheit abz'chürze, fahrt es wyter: »Ohni das chunt me halt nid düre. Wüsset-Der, i tue's alli Tag für die wo mer lieb sy.« I däm Ougeblick isch dem Karludi bewußt worde, daß er gar nid bruuchi z'frage, ob är o zu dene ghöri, wo dem Jetti lieb syge, und das het ne ganz merkwürdig ufgrüehrt. Es eigenartigs Schamgfüehl het zwar sy Verlägeheit no verdopplet. Aber di härzig-chindlechi Art, mit dere ds Jetti sech i syne Worte-n-usgä het, het ne möge. Voll Rüehrung leit er der eint Arm um sys Gotteli und git ihm, ohni es Wort z'säge, es Müntschi uf sy chalti Backe. Und es paar Minute schpäter seit er: »Das ha-n-i nid verdienet. – Du bisch doch es Liebs, Jetti« und versiglet syni Wort mit mene zwöite, härzhaftere Müntschi. Ds Jetti het gäge das Genre vo Antworte gar nüt gha yz'wände. Aber es het sech du o ds Rächt druus abgleitet, Bedingunge z'schtelle, und drum het es, währeddäm si vo Worbloufe der Aare nah abegfahre sy und vo wytem scho d'Liechter vo Rychebach e Momänt sichtbar worde sy, no einisch probiert, öppis us em Karludi use z'bringe: 175 »Aber gället, jitz heit Dir mer de Gägerächt. – Dir wüsset, was i meine?« »Ach, wenn i wüßti, daß i Ghör fänd und daß es dir z'guet chäm, Jetti,« seit er mit mene Süüfzer i di byßig chalti Nachtluft use, »i wett gwüß myni Chneu nid schone.« »E warum wettet Dir nid Ghör finde?« »Will i halt nid so-n-e-n-Ängel bi wie du.« »Ängel bi-n-i afange-n-e keine. Und wenn der lieb Gott nume die wett erhöre, wo scho e Zytlang sech mit syne bsundere Sache-n-abgä hei, so gsäch's bös us i der Wält. Nei, so isch es äbe nid. Er lost uf jedes, wo-n-ihm zutrouet, daß er ihm hälfe chönni.« »Nu, de darf i o, und i verschpriche der's.« Im schtille het dä Schtrick dänkt, für so ne Noggischatz z'bätte gang jedefalls ring, und er het rächt gha. Underdesse sy si i Wald yne gfahre-n-und hei gschwige. Niemer het gseh, wie ds Jettis Ouge glüüchtet hei, als di häll glitzerige Schtärne-n-am Himmel, die zwüsche de schwarze Tanneschpitze füre gflimmeret hei. Beidne-n-isch es wohl z'Muet gsi, herrlech wohl, dem Karludi im Gfüehl, daß er e-n-Etschluß gfasset heigi, dä ne het müesse-n-i d'Höchi trage, ds Jetti, will es wieder e wichtige Sieg dervo treit het. 176 Z'Rychebach isch dersälb Abe-n-o gueti Schtimmung gsi. Sünsch isch es zwar nid agnähm, wenn me-n-i nere heimelig dürwermte Schtube so rächt under sich sitzt und de undereinisch öpper vo usse-n-yne chunt und so ne chalte Tschuder mit ynebringt, wie's hie ds Jetti und der Karludi gmacht hei. Aber, wo ds Jetti syr Mama seit: »Erratet, Mama, was mer gmacht hei! – Tanzet!« – wolle, da het me der Tschuder vergässe. Me het der Götti no bis schpät da bhalte, für ihm mit unändlecher Holdsäligkeit z'bewyse, wie dankbar me-n-ihm derfür sygi, daß er ds Jetti zum trülle bracht heigi. Wär er nid scho so tief i di politische Vorgäng verwigglet gsi, so hätti der Karludi sicher vo däm guete Luun profitiert, für ds Jetti z'heusche. Uf was hätt er no welle warte? Aber z'erscht het er doch müesse heiter gseh i der politische Sitnation. Er isch chuum abgfahre gsi, so het d'Frou Blanche i ihrem Optimismus agfange di ganzi bärnischi Jungmannschaft taxiere. Si het sech frylech müesse säge, ds allererscht Rächt uf ds Jetti hätti der Karludi Landorfer, und daß er dadruuf zili, het me ja völlig chönne gryfe. Aber eigetlech sygi mit däm Müntschi vom Herbscht no nüt verschribe, und im Grund hätti me wohl o chly e glänzenderi Partie für ds Jetti dörfe beanschpruche. Wenn ihm würklech jitze der Cherzeschtumpe sötti ufgah, warum sötti me 177 nid profitiere? Wär ne-n-azündtet heig, das sygi am Änd glych. Me müessi jedefalls jitz nume derzue tue, daß er nid wieder ergangi. Der Karludi het, wenn o z'erscht mit innerem Widerschträbe, dem Jetti Wort ghalte. Äber dermit isch er a mene Kampf verfalle, dä ne währed de nächschte Wuche z'zytewys ganz erschöpft het. Mit unwiderschtehlecher Gwalt het sech der Gedanke-n-a sy Gottelischatz i syr Seel ygnischtet. Er isch verliebt gsi bis über d'Ohre, und es het ne nume so gschrisse gäge Rychebach zue. Und de het sech de doch wieder es gwüsses Gfüehl i-n-ihm gwehrt, gäge di fascht zuedringlechi Frömmigkeit vom Jetti. Wär si nid e so chindlech und guldluter gsi, so hätt der Karludi dervor sy Rückzug aträtte. Ja, mängisch isch ne schier der Wunsch acho, wenn er nume druus und dänne wär. Aber wie schterker der Widerschtand worde-n-isch, wie tiefer isch ihm das Meitschi i ds Härz yne gschloffe. Syne-n-Eltere-n-isch's afe bald uheimelig worde-n-um ihn ume. Gredt het er grad gar nüt meh. Alli Bott het me ne müesse ga hudle, will me däm Gschtuun eifach nümme het möge zueluege. D'Frou Elisabeth het aber afah vermuete, es chönnti ihrem Suhn am Härz fähle, und drum het si einschtwyle no nüt derglyche ta und ihre Ma zur Geduld gmahnet. Ändlech isch das Wäse dem Karludi sälber 178 verleidet, und er het by sech beschloffe, es müeß öppis gah. Der Schnee isch gschmulze gsi. De Hääg nah hei sech allerhand Blüemli füre gla, und dür di alti Ulme-n-uf het es hübscheli afah gruene. Da het der Karludi a mene heiterblaue-n-Aprille-Namittag der »Bayard« gsattlet und isch Rychebach zue gritte. Für sy Toilette z'perfektioniere, het er der Wäg dür d' Schtadt ygschlage. Vor em Aarbärgertor het es arms Froueli Veieli feil gha. Der Karludi chouft ihm es paar schöni Büscheli ab und bindet se, für d'Händ frei z'ha, dem Roß i ds wüehlige Chammhaar. Im Wyterryte het er, ohni 's sälber z'merke, schtill vergnüegt vor sech ane pfiffe-n-und weder linggs, no rächts gluegt. I syne Gedanke-n-isch er scho lang änet der Neubrügg gsi. Grad het er sech überleit, wie-n-er, ohni Sätz z'mache, dem Jetti chönnti gä z'verschtah, daß er ihm Wort ghalte-n-und je länger, descht dütlecher gschpürt heigi, wie guet si sech gägesytig wärde verschtah, da jagt ne der Zueruef vo nere bekannte Schtimm us syne Tröume: »He, Großfürscht, wo us e so schön?« Es vielfachs Glächter begleitet di übermüetige Wort. Si sy us em Garte vom Chräjebüehlleischt cho. Zu sym Erger gseht der Karludi hinderem Gartehaag e ganzi Zylete jungi Lüt, i ihrer Mitti e junge »Napolitaner« 179 im Urleb, e gwüsse Lütenant Dittliger. Dä het da under verschidene Bekannte ds groß Wort gfüehrt und isch grüslech usem Hüsi gsi. No het der Karludi nid gantwortet gha, so rüeft e zwöite: »Wottsch öppe wieder ga Göttipflichte-n-usüebe?« »Was?« fragt üse Ryter und tuet, wie wenn er's nid verschtande hätti. Hätt' er nume gschwige! Vowäge mit alkoholisiertem Schpott antwortet's us em Garte: »Öb de wellisch ds Jetti Lombach ga karessiere?« »Schtöret ne nid,« fahrt der »Napolitaner« furt, »er mueß sech sammle für d'Chinderlehr.« – »Lueget, wie-n-er bleich wird! – E! e! Karludi! – Das sy sündlechi Begierde! Chehr um!« So tönt's under räßem Lache hinder ihm här, währed er sym Roß d'Schporre-n-yne drückt und's i Trab setzt. Halb schturm, und würklech chrydewyß im Gsicht, rytet er dem Brämgarte zue. Chochig vor Wuet isch er dür d'Brügg, und schtatt rächts abz'biege, schprängt er linggs der Schtutz uf, a der Hahle verby, über Herreschwande-n-use, bis i Wald. Dert schwänkt er vom Wäg ab und rytet, sowyt ne d'Böum düregla hei, und wo's nümme wyter geit, schpringt er ab, rupft dem Roß d'Veieli us em Chamme, schtampfet se-n-i Mieschbode-n-yne-n-und leit sech der Längi nah druuf, wie wenn er sys etweihte Gheimnis o vor Tanne-n-und Himmel wetti verschtecke. Us em 180 Wirbelschturm vo Epfindunge-n-und Gedanke, wo dä arm Jüngling dürtobet het, isch geng und geng wieder d'Frag obe-n-uf cho: »Wär het das chönne? – Wär het is verrate? – S'isch ja niemer ume Wäg gsi als ds Jetti und i. Und wie chunt's zu dene-n-infame Nütnutze?« – Mit wilder Hascht het der Karludi syni Erinnerunge sit dem Herbscht dürgange, für usfindig z'mache, bi weler Glägeheit öppis hätti chönne-n-uscho. Vergäbe het er ganz Rychebach mit syne Bewohner dürmuschteret. Er het e kei Schpur chönne-n-etdecke. Es isch ihm kei andere Züge-n-i Sinn cho als d'Diana mit ihrne schtärnlose-n-Ouge-n-und gußysige-n-Ohre. Schließlech het er sech aber doch müesse säge, ds Schloß heigi Ouge gnueg und es syg halt doch uvorsichtig gsi, so under freiem Himmel ds Jetti a sech z'zieh. Also isch di erschti Schuld uf ihn sälber z'rückgfalle. – Aber wär het's gseh? – Wär het's ustreit? – Weiß ächt ds Jetti scho öppis dervo, daß es uscho isch? – Es het ne bi däm Gedanke dunkt, er sött i Bode-n-abe schlüfe. Das arme Jetti! – Wenn es syr Mama z'Ohre chäm, es wär eifach schouderhaft. Und volländs der Oberscht Lombach sälber! – Was söll i mache? – Was söll i mache? – Wenn's di Kärlse wüsse, ihrere so mänge, so weiß es di ganzi Schtadt. E-n-Ougeblick het er sech bsunne, öb er zum Lentulus i d'Hahle well, für ne ga z'sondiere, für 181 ihm am Änd sys Leid z'chlage-n-und ne-n-um Rat z'frage. Aber nei, der Lentulus nähm so öppis nume-n-uf di liechti Achsle. Er hätti no sys Gschpött dermit. Was zellt bi däm es Abetüür mit mene Meitschi? – Und sött er's no nid wüsse, so wär's ja dumm, wieder eine meh dry z'zieh. – Was mache? – Was mache? Wenn i nume-n-afange wüßt, öb ds Jetti . . . . Was isch das? – Wär chunt? A 's isch nume-n-e Herrevogel dür d'Böum gflatteret. Lang no het er bald i ds Miesch, bald zwüsche de Tannäschte düre-n-i blaue Himmel ufe gschtuunet. Ändlech het er sech gseit, ohni öppis Beschtimmters z'wüsse, gang er nid hei. Er tät di Nacht keis Oug zue. No halb im Unklare, wo use, daß es jitz söll, fasset er ändlech d'Zügel und füehrt der »Bayard« uf d'Schtraß z'rück. E Momänt no het er uschlüssig i rötleche-n-Abedhimmel gluegt, und du het er sech i Sattel gschwunge-n-und isch uf em chürzischte Wäg, das heißt über Matte-n-und Hääg, gäge ds Birchiguet gritte-n-und vo dert der Bärg ab, gäge Rychebach. Es isch ihm schwär worde. Aber er het sech geng wieder gseit: »I mueß eifach wüsse, öb ds Jetti öppis dervo weiß, daß mer verrate worde sy.« Ganz vo sälber het der »Bayard« dür ds Hoftor yboge-n-und isch vor der Schloßporte blybe schtah. Es het der Karludi sälber dunkt, d'Huusglogge töni wie-n-e Notschrei dür di großi Halle. E Chnächt, 182 wo-n-ihm ufta het, isch cho mälde, der Herr Oberscht syg furt, und, göb daß der Karludi nume wyter het chönne frage, het er bygfüegt: »Und d'Frou Oberschti lat la säge, si wünschi der Herr Landorfer nid z'gseh.« Derzue het dä guet Bursch e Dienschtmiene gmacht wie-n-e-n-alti Patrontäsche. Der Rapport isch churz und dütlech gsi und het der Karludi um di letschti Hoffnung bracht. Langsam isch er dür e Hof us gritte, dasmal gäge Worbloufe. D'Zügel mechanisch i der Hand, het er bi jeder Lücke-n-im waldige-n-Abhang zrückgluegt, wie wenn er no irged e-n-Ufklärung suechti. Aber schtill isch ds Schloß da gläge, wie-n-es riesigs Mausoleum. Uf em Brämgartewald isch der Abedschimmer erlösche, und chalt und grau sy d'Ächer vo der Landgarbe vor em Ryter usbreitet blibe. Wär i de nächschte Tage dem Karludi begägnet isch, het nachhär gwüßt, wie-n-e mißtrouische Möntsch dryluegt. Syni Eltere het er verfolget mit Blicke wie Füürhäägge. »Wüsse si's oder wüsse si's nid?« Die Frag isch ihm Tag und Nacht nid us em Sinn cho. Ja, si hei's gwüßt; aber es isch abgrundtief verschteckt blibe-n-underem Beduure vo Vatter und Muetter. Descht liechtsinniger und grusamer hei dem Karludi syni Brüeder ihm a mene schöne Tag vorgha, er heig derglyche ta, wie wenn er sys Gotteli nume so chönnt äne-n-umelüpfe, und du heig es ne 183 du mit es paar Müntscheni tête baissée i d' mômerie yne gjagt. Wo hei's di Buebe här gha? – »Gäll, wenn d's wüßtisch!« het's ihm überall etgäge glachet. Und bald gnue het er erfahre, wie dankbar di ganzi Schtadt für das Gschichtli gsi isch, bald gnue, wie guet me sech uf ds dekoriere verschteit, wenn so öppis mueß härha, für ne g'längwyleti Gsellscheft ufz'chlepfe. Und ds Ergschte vo allem isch ds Grücht gsi, me wärdi ds Jetti nächschtes mache z'verschwinde. Das Grücht het ihm der Major Fischer vom Eichbärg, dä mit der Familie Lombach verwandt gsi isch, beschtätiget. Aber dä isch o der einzig gsi, wo der Karludi ufrichtig beduuret und ihm es voluminöses Fründeshärz ufta het, scho will er's mit dem Jetti sälber gar guet chönne het. A ihn het sech der Karludi uf der Schtell gchlammeret. Um jede Prys, het er gmeint, müeß ihm der Herr Fischer zu mene Rendez-vous mit dem Jetti verhälfe, damit er emel vor der gwaltsame Trennung no nes Sicherheitsseili um sy Schatz chönni binde. Jitz, wo d' Gfahr vo der Trennung so nach gschtande-n-isch, het er erscht rächt afah gschpüre, wie tief es ne packt het. Jitz wohl, jitz het er der Rank gfunde. Jitz het er bättet, i weiß nid wie mängisch ds Tags, und i der Nacht dem yfrigschte Mômier z'trotz. Aber er het möge bätte, was er het welle, so isch 184 wie-n-es Früehligsglüt us Majeglöggli e härzbewegende-n-Akkord dür alles düre gange: »Gäll du gisch mer's; gäll i überchume's?« Ändlech het me-n-i-n-Erfahrung bracht, daß ds Jetti am erschte Juni ga Gänf söll verreise, i ne schträngi und vornähmi Töchterepänsion. Vo Mitti Mai a het der Karludi uf nes paar Tag mit sym Bataillon z'Thun i nes Uebungslager sölle-n-yrücke. Drum het ihm der Major Fischer gseit, er well de ds Jetti grad na däm Dienscht zu mene Hänkermähli i Eichbärg ylade. Und für dem Karludi müglechscht bald us syr peinleche Situation use z'hälfe, het me ne i Eichbärg en Séjour yglade. Mit tuused Freude het er sys Göfferli packt und isch Hals über Chopf abgreiset. Ds Ehepaar Fischer het ne mit großer Liebi ufgnoh, und bald het me-n-agfange Plän schmide für das Rendez-vous, das natürlech mit der gröschte Vorsicht het müesse vorbereitet wärde. D'Frou Fischer, e fyni, heiteri und liebeswürdigi Dame, het sech rych a erfinderische-n-Yfäll erwise-n-und mit mit ihrem Yfer dem Karludi sys troschtbedürftige Härz gwunne. Albeneinisch aber isch ne de schier e-n-Angscht acho, si chönnti de vor luter welle guet mache-n-öppis verderbe. Si sy schließlech uf ds Romantische verfalle-n-und sy eis worde, der Karludi müessi sech de der sälb Tag als Gärtner verchleide, damit me-n-ihm ds Jetti, ohni der Argwohn vo de-n-Eltere z'erwecke, i Gköchgarte chönni zueschiebe. 185 Für emel nüt z'versuume, het me-n-a mene schöne Namittag, wo me vo der prächtige, schattige Terasse-n-us mit de Lünettes dem Oberscht Lombach syni Heerschaare-n-uf der Thuner-Allmänd het gseh manöveriere, e Prob agschtellt. Der Karludi isch i verribsetti, älbi Hose-n-und ne grüene Gärtnerschurz gschteckt worde-n-und het mit mene Räche müeße-n-uf em Gazon umehandtiere. Er het sech Müej gä, 's müglechscht handwärksmäßig az'chehre. Aber, wo-n-er zrückluegt, gseht er syni guete Gaschtgäber, wie si sech uf em bhäbige, grüene Bank am Hus verdräje vor Lache. »Was heit dir jitz e so z'lache?« fragte er, halb ergerlich. »Nei – nei, das geit nid eso,« fasset sech ändlech der Major, »du bisch e kei Tauner, du.« Und vo neuem het e Lachchrampf ne ghudlet. »D'Verliebtheit schteit Ech ja uf em Buggel gschribe,« meint d'Frou Fischer, »mer müesse's anders probiere.« »Abah,« macht der Karludi und wirft sy Räche-n-i ds Grien use, »das isch e dummi Komedi. – Überhoupt, i fahre lieber gredi us und rede mit ne z'Bode. Entweder bi-n-i ne guet gnue und de gäbe si mer ds Jetti, oder de sölle si's halt la sy.« »Ja und de?« meint d'Frou Majöri. Statt e-n-Antwort z'gä, ryßt der Karludi sy 186 Schurz ab, wirft ne-n-uf e Tisch und setzt sech näbe syni Gaschtgäber uf e Bank und faht a, vor sech abe schtuune. Zwüsche Lache-n-und ufrichtigem Beduure, hei si alli drü afah wärweise-n-und schtudiere, wie und wo me di zwöi Verliebte chönnti z'sämereise, da ghört me plötzlech Hueftritte-n-im Grien, und, gäb daß me nume Zyt gha het ufz'schtah, chunt mächtig und imposant der Oberscht Lombach i voller Uniform ume Husegge cho az'ryte. »Bonjour, wo hesch dyni Lüt?« Alli drü sy nume so z'wäg gschosse. I länge Gumpischritte-n-isch der Karludi dür d'Terrasse-n-us pächiert und het sech uf em üssere Wägli chneulige-n-i ds Grien gworfe, sys Sackmässer füre grüblet und uf Mord und Tod afah jätte, wo nüt z'jätte gsi isch. Scho het ne der Oberscht mit mene gwunderige Blick verfolget und welle frage, was das für ne neui Chnächtedressur sygi; aber der Major isch ihm derzwüsche cho und het ihm gseit, er söll nume i Hof zrück ryte, er chöm grad mit ihm zum Schtall. Und d'Frou Fischer het mit graziösem Grueß sy Ufmerksamkeit i B'schlag gnoh. Chuum sy si ume-n-Egge verschwunde gsi, isch der Karludi ufgschprunge-n-und im Hus verschwunde. Der Oberscht het nidemal la abzöume, sondere-n-isch na mene churze Visitli wieder abgritte. Er isch galant und sogar fründlech gsi, und scho hei ds 187 Herr Fischers sech mit der Vermuetung tröschtet, er heigi nüt gmerkt. Aber si hei nit mit syne Falkenouge grächnet und sy drum descht verblüffter gsi, wo-n-er im Abryte zum Herr Major seit: »Wenn i de z'Rychebach öppe ne Gärtner nötig ha, so gisch mer de d'Adresse vo dym, gäll? Das Bürschtli macht verfluecht gueti Gattig. Adieu«. Mit ufgrissne-n-Ouge hei si dem Ryter nachegluegt, wie-n-er dür d'Allee ab trabet isch und du hei si so eige glachet und mit de Händ e so gmacht, wie wenn me-n-öppis wott furtschlängge, wo eim achläbt. Was me jitz sölli mache, het me-n-im Eichbärg weniger gwüßt als je; aber der Herr Oberscht het sy Plan fertig gha, gäb er z'Thun aglanget isch. * * * Na däm glücksälige-n-Abe, wo se ds Jetti mit dem Bricht überrascht het, es heigi würklech und wahrhaftig tanzet und de no mit Luscht und Freud, het d'Frou Blanche e-n-urüejigi Nacht gha. Es isch ere mängisch gsi, wie wenn ere der Karludi mit syne treuhärzige, graue-n-Ouge würdi flattiere. Und si het di Vision gar nid chönne-n-abschüttle. Aber si het sech nid ergä. Si müeßti nid e Wältdame gsi sy, wenn si nid di küehnschte Hoffnunge-n-uf d'Ereignis vom letschte Namittag ufbouet hätti. E was 188 git me nid alles dra, was taet me sech nid für Plage-n-und Laschte-n-uferlege, für i der Gsellscheft öppis z'gälte! – I mitternächtlicher Heerschou het d'Jeunesse dorée vor der Frou Blanche müesse defiliere. Höcher und höcher sy ihri Aspiratione gange. Scho am eis öppe-n-isch dem Karludi Landorfer sy Schtärn i-n-ere Dunschtschicht versunke. Und wo ds Jettis Mama na churzem Schlummer erwachet isch und d'Sunne scho übere Brämgartewald yne zündtet het, isch's ere gsi, wie wenn si d'Schwigersühn nume so bruuchti ab de Schpalierböum ga abz'läse. Ds Jetti het di besseri Nacht gha, villicht di beschti sit de Zyte, wo-n-es albe mit sym Mämmi im Arm ygschlafe-n-isch. Ihm isch di ganzi Wält im Schlagschatte vom Karludi verschwunde. Der Freudebächer vom gsellschaftleche Läbe, us däm es geschter mit unsäglecher Erlabung gsürgget het, hätt' ihm scho hütt nüt meh gulte, wenn nid der Karludi ihm ne darbotte hätti. Sit Jahre sy Muetter und Tochter nie meh i so säliger Eintracht gsi, wie hütt, wo si ob em Dejeuniere-n-abwäsche, jedes für sich, hei afah singe. Daß aber di Eintracht es Trugbild gsi isch und es jedes amene-n-andere Trom zoge het, chei si sech erscht afah ygschtah, wo jedes uf d'Verwürklechung vo syne Tröume-n-usgange-n-isch. Da hei si du plötzlech etdeckt, daß si nid der glych Kompaß hei, und um so 189 gräßlecher isch d'Ettüüschung vo der Mama gsi. Sobald nämlech d'Frou Blanche ds Jetti irged wohi het welle dirigiere, so isch es bockschtill gschtande, het der Chopf ufgsetzt, es Mäuggerli gmacht, dublet, ghässelet, ufbegährt, und z'letscht afah hüüle. So sy d'Sache gschtande, wo einisch d'Frou Blanche a mene Namittags-Café mit der Frou Elisabeth Landorfer zsäme cho isch. Da chunt's e-n-anderi gueti Fründin a, der Frou Elisabeth es Tybi z'gä und si fragt se, öb ihre Suhn nid dra dänki, sech na nere Frou umz'tue. D'Frou Elisabeth het sech nid gärn la interpelliere-n-und antwortet, ihre Suhn sygi vo de politische Gschichte so erfüllt, daß er zu ihrem eigete Verdruß für d'Töchtere gar keis Oug schyni z'ha. Das isch du frylech e chly wohl viel gsi für di armi Frou Blanche. » O o, ma chère, si tu savais ce que je sais... « Me het sech zwar der sälb Namittag no ebha. Aber d'Lunte het glüjt, und der Gwunder het viel Visite ga Rychebach gfüehrt. Atom für Atom isch ufeg'chnüblet worde, und groß ward die Diana von Reichenbach. Wenigi Tag nachhär isch der Oberscht himbeerirot vor Zorn us em Leischt heicho und het d'Versetzung vo syr Tochter ga Gänf ygleitet. Ds Härzeleid isch groß gsi bi'm Jetti. Aber für nes Zytli vom Schouplatz z'verschwinde, het ihm de o wieder erwünscht gschine. Hingäge der Karludi 190 vor der Abreis no einisch z'gseh, da derfür isch es parat gsi der Chopf yz'setze. Mit ateloser Schpannung sy dem Jetti syni Blicke-n-uf e-n-Eichbärg g'richtet gsi, und es het alle-n-Ufwand a contenance bruucht, für nid i Freudeträne-n-usz'bräche, wo ändlech e Brief vom Papa vo Thun us disponiert het: » Vous irez prendre congé à Eichberg le 25 mai. « D'Schtunde-n-und d'Minute het ds Jetti zellt bis zu däm Tag. Daß der Karludi im Eichbärg sygi, het es ja gwüßt und das Gheimnis mit romantische Plän umschpunne. Aber eis het's nid gwüßt, was sy Papa gwüßt het, das Guete, nämlech, daß der Karludi bis zum sächsezwänzigschte Maje ga Thun i Dienscht het sölle! Eh, wie isch däm Töchterli doch ds Bärnerland so groß und wyt vorcho, wo-n-es a däm schöne, warme Majetag mit syr Mama und de beide Brüeder i Eichbärg gfahre-n-isch! Gäge de-n-Elfe-n-ändlech isch me-n-i d'Allee ygfahre. Mit Härzchlopfe het ds Jetti linggs und rächts jede Boum und jedes Gschtrüpp gmuschteret, will es wohl dänkt het, der Karludi wärdi d'Nase nid grad z'vorderscht ha. Es het ganz e-n-eigete Reiz für ihn's gha, sech usz'dänke, i welem romantische Verschteck sy Götti uf ihns warti. Der Wage chnarret i Hof und haltet vor em Herrehus. D'Husglogge chüntet d'Visite-n-a, und fascht glychzytig mit 191 de dienschtbare Geischter, erschynt ds Ehpaar Fischer vor der Hustüre zum fründleche-n-Epfang. Ds Jetti buechschtabiert uf de Gsichter vo beidne. Öppis vo däm, was es suecht, ligt druffe, aber nid ganz alles. Bi'm Sirop, wo me-n-im heimelige Sääli serviert het, für der Schtoub abez'schwänke, het sech dem Jetti sy Schpannung verschterkt. D'Erwartunge hei sech ghobe, vowäge der Herr Fischer het brichtet, der Papa Lombach machi hütt z'Thun Inschpäktion, er wärdi de öppe düre Namittag use cho. »Emel eis weniger, wo-n-is ufpasset«, het ds Jetti dänkt, währeddäm syni Brüeder hei afah chähre, si möchte d'Inschpäktion ga luege. Nam Ässe-n-isch me du zum »Eichli« ufe, uf nes schattigs Plätzli, wo me di ganzi Gäged vom Heimbärg bis zum Schtockhorn i ihrer Früehligspracht het chönne-n-überluege. D'Mama isch ganz enthusiasmiert gsi. Aber ihrne Chinder hei weder di lüüchtende Schneebärge, no der himmelblau Thunersee, no ds trotzige Schloß über der alte heimelige Schtadt öppis gseit. Ihri Blicke sy nid gwiche vo der sunnige-n-Allmänd. Dert, im sunnige Dreiegg, zwüsche de länge-n-Allee, het müesse zum Vorschyn cho, was si gsuecht hei. Im Ufecho het nämlech der Cousin Major dem Jetti verrate, daß der Karludi o heigi müesse ga mutteschtüpfe. Aber es söll sech derfür nid la der Luun verderbe. Si wärde bi der gsägnete 192 Wermi wohl nid so lang mache und de chöm er de no. Das isch e wohlfeile Troscht gsi, und d'Ussicht, der Karludi i der Uniform z'gseh, het d'Ungeduld nume no größer gmacht. Es isch e Chehr gange, bis me-n-uf der Allmänd unde-n-öppis Läbigs gmerkt het. Ändlech het e liechte Föhn der Schall vo Trummle dahär treit. Und du het's im Schpitz vom Exerzierfäld, wo d'Boumreihe vor em Schtadttor z'sämechöme, afah gramsle. Der Trummelschall isch verfloge. Derfür aber het me's gseh glitzere, und ds Gschtüchel het sech zu nere länge, länge, dunkle Linie-n-etwicklet. Me het einzelni Rüter chönne-n-underscheide, und di beide Buebe Lombach hei afah ziggle mitenandere, wil geng beidi zuglych hei dür ds Fernrohr welle luege. Chehri um het e jede b'houptet; er gsei der Papa, und wenn dä, wo ds Fernglas grad gha het, mit dem beschte Wille nüt gfunde het, will er bald am Niese, bald im See, bald im Kandergrien umegfahre-n-isch mit sym Röhrli, schtatt uf der Allmänd, so het der ander gseit: »Gib häre, du channsch nüt«, het ihm's us de Finger grisse-n-und isch dermit a de Sigriswylflüeh umeg'gogeret. Nid viel besser isch es dem Jetti gange, wo gfunde het, si gseye-n-ungfähr alli glych us, di Soldate. »E ja,« het d'Frou Blanche gseit, »aber der Papa isch doch uf em Roß; es dunkt mi, das sött me doch usekenne. 's isch allwäg nid mängs so schöns dert unde wie üse »Soliman«. 193 Was het doch ds Jetti dem »Soliman« nagfragt! Sobald es ygseh het, daß der einzeln Ma nid z'erchenne-n-isch, het es dem Manöver nümme viel nagfragt, sondere sech vom Cousin Fischer la vertörle. Derwyle het sech di schwarzi Linie-n-uf der Allmänd langsam gäge Tierachere zue bewegt und het sech i verschideni chlyneri Schtriche-n-ufglöst, i nes Carree verwandlet und anderi Evolutione düregmacht, und drüber isch es drü worde. »Aha«, seit der Herr Major sachkundig, »lueget, Buebe, jitz formiere si d'Marschcolonne-n-und gange hei.« Ds Jetti atmet uf, wie wenn es sälber mit manövriert hätti. Langsam, langsam isch di dunkelblaui Roupe Thun zue gschnaagget. Ds Jetti het geng dänkt, öb ächt jitz dä arm Karludi wieder bis i d'Schtadt zrück marschiere müeßi, für de no einisch der ganz Wäg über d'Allmänd z'mache. Der Papa hätti ne wohl z'hinderscht uf der Allmänd chönne la loufe! Aber äbe, er wärdi halt nume nät dervo sölle merke, daß der Karludi o i Eichbärg welli. Es isch öppe halbi vieri gsi, wo ds Bataillon im Schpitz vom Exerzierfäld aglanget isch. Aber es isch nid i der Allee verschwunde, sondere ganz glych ufmarschiert, wie vor anderthalber Schtund, und wieder het sech dä läbig Lineal i der Richtung vo Tierachere vorwärts bewegt, haarglych, wie ds erscht mal. Dem Jetti isch es bi der Etdeckung 194 wunderlech z'Muet worde, und es het ganz gäl glachet, wo der Cousin seit: »Aha, Gyger, mach uf, si wotte no ne Walzer näh.« E qualvolli Halbschtund isch verschtriche, bis der Schatte vo der Tierachere-n-Egg di blaui Gramslete verschlunge het, und es isch Vieri vorby gsi, wo me ds Bataillon i Pelotonskolonne het gseh z'rückschnägge. »Wenn er es guets Roß findt, so git's es villicht glych no,« het ds Jetti dänkt. Ändlech sy si wieder im Schpitz vorne. Si bräche-n-ab. D'Colonne blybt schtah. Näbe der dunkle Linie bildet sech e chlyne Trupp. Das sy gwüß d' Tamboure, wo a d'Tête füre sölle. Nei si blybe vor de Berittene. Ah, das isch d'Kritik! »Er het ne neue viel z'säge,« meint der Cousin Fischer na mene Chehrli, und tuet e schpöttische Blick uf d'Frou Blanche. Uf ds Jettis Schtirne chunt je länger descht meh e närvösi Schpannung füre. Da – ändlech löst sech das Trüppeli vor de Berittene wieder uf. »Jitz isch's erläbt. Jitz dörfe si hei,« tröschtet der Herr Major. Aber, was söll jitz das? – Schtatt, daß ds Bataillon i der Allee würdi verschwinde, schwänkt es wieder rächts, und zum dritte mal avanciert di breiti Front gäge Thierachere. 195 Schöner und farbiger wird di ganzi Landschaft. D'Bärge röte sech, und us em See schtygt der Dusem unmerklech use, währed d'Schatte läng und länger uf d'Allmänd use schnaagge. Am Schtockhorn obe chöme-n-im Abedsunneschyn d'Fluehbänder so scharf füre, daß es ein dunkt, me sötti d'Gemschi vo bloßem Oug gseh grase. Währeddäm di chlyni Gsellscheft im Eichbärg a ds Schtockhorn ufe gluegt het, isch ds Bataillon im Schatte vo der Egg verschwunde, und wo me wieder abeluegt, isch d'Allmänd ganz tot und schtill da gläge. S'isch Zyt gsi zum ufbräche. Mit verworggetem Erger sy si alli zsäme-n-i ds Hus abe, für no mitenandere ga ne Tasse Tee z'trinke vor der Abfahrt. Währed dem Abegah het me-n-ändlech d'Trummle vom heimarschierende Bataillon us der Allee ghört. Nid am wenigschte het sech d'Frou Blanche über ihre Ma g'ergeret. Aber si het nüt la merke. Si isch vo ihm längschtes derzue erzoge gsi, i settige Fälle sälbschtändig z'tue. Ohni e Mux z'mache het si befohle-n-az'schpanne-n-und abz'fahre. Me het sech härzlech b'hüetet, und ds Herr Fischers hei dem Jetti allerhand gueti Wünsch uf sy Reis ga Gänf mitgä. Da – isch ds Unglück gscheh gsi. Ds Jetti het syni Träne nid länger möge g'meischtere. Das arme, bitter ettüschte Chind wirft sech der Frou Fischer um e Hals und briegget zum erbarme. 196 Die het ds Jetti e so guet verschtande, daß es se-n-o schier gnoh het. D'Frou Blanche isch scho ygschtige gsi und da gsässe wie-n-e Bitz karrarische Marmor. Für sech nüt z'vergä, het si nume no mit schtumme Blicke kommandiert. Der Herr Major het dem Jetti i Wage ghulfe. Es het ihm schier ds Härz verdräit, wo-n-es i Sitz hindere gläge-n-isch, der Naselumpe vor ds Gsicht drückt und gschluchzet het: » C'est trop, c'est trop . . . « Sittig isch der Landouer d'Allee abgfahre-n-und verschwunde. D'Frou Fischer aber het zu ihrem Ma gseit: »Er isch e-n-Uflath, der Fritz Lombach.« »Es glychet ihm,« het der Herr Major g'antwortet und isch sech zur Besänftigung ga ne Pfyfe schtopfe. »Was macht ächt der Karludi, dä arm Gügger?« het er derzue vor sech ane grurret. Z'morndrisch het's vom früeche Morge-n-a gschüttet, was abe möge het. Gäge de Zächne-n-öppe-n-isch vo Uetedorf här e Char-à-banc der Bärg uf cho. Me het grad errate, wär drinne sygi und het sech nid trumpiert. Mit mene Heft wie sibe tüüri Jahr isch der Herr Houptme Landorfer usgschtige-n-und, ohni Lut z'gä, i sy Schtube-n-ufegange. »Es geit neue-n-uwirsch zue da obe,« het d'Frou Majöri gseit, wo si bi der Vormittagsarbeit zu ihrne Höupte der Karludi het ghört poldere. Sobald es gschtillet het, isch si ufe, ga luege, öb 197 si-n-ihm nid öppis chönni serviere. Da findt si ne ganz desperat im Ruehbettegge. »S'isch is lätz gange, gället, arme Hudi!« het si-n-ihm gseit und ne fründlech bi der Hand gnoh. Di Teilnahm het ne du erscht rächt no möge, so daß er z'erscht gar keini Wort gfunde het, für nere z'antworte. »Ach, myn Troscht!« het d'Frou Fischer furtgfahre, »chömet Dir e chly abe, mer cho Gsellscheft leischte. Das Rüminiere-n-und Duble treit Ech glych nüt ab.« »Ja, Dir heit rächt,« seit der Karludi mit mene dankbare Blick uf sy Tröschterin und macht sech fertig, für nere z'folge. Überunde het er nere du erzellt, wie's ihm bi der Inschpäktion ergange sygi. Er heigi bald gmerkt, daß es dasmal uf ihn abgseh sygi. Als Kommandant vo der erschte Füsilierkompagnie heig er d'Richtung müesse-n-agä. Da syg der Alt – der Name Lombach het er i däm Z'sämehang gar nid welle bruuche – scho na der erschte-n-Evolution hinder ihm här cho z'ryte: »Herr Houptme Landorfer, Dir chömet mer z'wyt rächts use!« Scho denn heig er gmerkt, was er dermit well säge, vowäge d'Richtung syg ganz korräkt gsi. Bi'm zwöite-n-Ufmarsch syg er wieder di ganzi Zyt hinder der erschte Füsilier här gsi, und göb's lang gange syg, heig er ihm 198 über d'Front zuegrüeft: »Herr Houptme Landorfer, i ha-n-Ech d'Thieracherenegg als Diräktionspunkt agä und nid der Eichbärg.« Geng und geng wieder heig er öppis a der erschte Füsilier gha ume z'rupfe, und doch syg ds Manöver besser gange-n-als öppe mängisch. Ihm, Karludi, syg's afange penibel gsi wäge de Kamerade. A allem heig är sölle d'Schuld sy, und er heig wohl gseh, mit was für Ouge me ne z'letscht afe-n-agluegt heigi. Eine vo syne Soldate heig er nachhär ghört säge: »Üse Hupme-n-isch afe schier blihe gsi.« Er gloubi's wohl, me heig ihm's agseh. Es syg wahr, am liebschte hätt er dem Oberscht e Granate-n-under ds Roß gschosse. Syni Blicke wärd er wohl verschtande ha. »Aber bhüet is!« het der Karludi sy Bricht gschlosse, »was macht sech so eine druus, wo no d'Mulegge zum lache-n-usschpennet, wenn si bataillonswys afange Gfräser schnyde wie d'Papple-n-im Bysluft? – Nei, für so chlynlech und tüfelsüchtig ha-n-i ne bis jitz nid agluegt gha. Aber dä söll nume nid meine, i la nid lugg.« Das Raisonnement isch eigetlech gsi, was der Oberscht Lombach mit syr usöde Plagerei us em Karludi het welle-n-use presse. Er isch würklech größer gsi i syne Gedanke, als der Karludi gmeint het. Dem Oberscht Lombach isch es e wahre Verdruß gsi, daß er sy Tochter nid het chönne-n-i Eichbärg ga grüeße. Aber, nadäm er dem Karludi uf syni 199 Schliche cho isch, het er sech fescht vorgnoh, das Liebesverhältnis unerbittlech uf d'Prob z'schtelle. Er het im Grund gar nüt derwider gha und isch der Sach viel günschtiger gsi als sy Frou, die us Yfersucht e verwandtschaftlechi Annächerung mit der Familie Landorfer nid gärn gseh het. Nume-n-isch ihm am blybende Glück vom Jetti e so viel gläge, daß er sech gseit het, er dörf nid nagä, bis daß im Karludi ds purlötige Guld zum Vorschyn chömi. Und drum het er sich sälber di Herti uferleit und e gwüssehafti Dienschterfüllung benutzt, für sy Tochter vor nere-n-unüberleite Verbindung mit dem Karludi, dä sys Vertroue no nid völlig gha het, z'bhüete. Frylech, di Prob isch dem Herr Oberscht sälber über ds Härz gwachse, und wo-n-er am Abe na der Inschpäktion di verbissene-n-und cholderige Gsichter vo syne Soldate gseh het, isch's ihm leid worde, und er het sech di ganzi Nacht druuf di bitterschte Vorwürf über sy villicht lätz abrachti Schträngi gmacht. 200     IX. Es chunnt öppis a di lätzi Adresse. Im Familierat wird e Bärehut verchouft, göb daß me weiß, wo der Bär isch. D'Frou Elisabeth Landorfer het under Assischtänz vo ihrem Jüngschte-n-i ihrer Schtube Garn gwunde-n-und derby ihri Blicke-n-albeneinisch über di sächs Hyanzintheschtöck la schtreife, wo zwüsche de Vorfänschter, dem Früehlig vora, ihri farbige Chölbe-n-ufgschtreckt hei. E jede het der Name vo eim vo ihrne sächs Buebe treit, und nie het d'Frou Landorfer se-n-agluegt, ohni a ihri Schprößlinge z'dänke, vo dene nume no zwee daheim gsi sy. Der Karludi het sit dem Herbscht e Schtube bi'm Grandpapa 201 Vilbrecht am Chornhusplatz bewohnt, angäblech für däm e chly Gsellscheft z'leischte, i Würklechkeit aber für ungenierter syne Sache chönne nache z'ga. Der Mäni und der Fädi sy i frömde Dienschte gschtande. Vo allne Sühn het der Frou Elisabeth der Eltischt am meischte Sorge gmacht, und si het ne-n-eigetlech gar nid gärn allei la wohne, will si syne politische Beschträbunge wenig trouet het. Si het juscht bi'm Ablick vo syr Hyazinthe-n-a-n-ihn dänkt, da geit d' Husglogge, und me mäldet der Herr Oberscht Lombach. D'Frou Landorfer het ihre Jüngschte-n-i ds Wittigkofe-n-abe gschickt, der Papa ga reiche-n-und underdesse der Oberscht im Salon epfange. Däm grauhaarige Läcker het's grad hütt no di gröschti Freud gmacht, wenn er sy Jugedfründin allei troffe het, und wär weiß, öb er a däm hüttige Zuefall ganz uschuldig gsi isch? Wie vo Alters här, het me sech z'erscht allerhand nätti Sache gseit und na der Familie gfragt. Druufhi fragt der Oberscht nam Karludi, und der Frou Landorfer isch es e so chly eige z'Muet worde bi däm Thema. Für Luft und Zyt z'gwinne seit si: »Pardon, i mueß doch dem Ruedi ga Bei mache; dä Bueb isch e gräßleche Treissi.« Der Ruedi het aber chuum der Mama ihri Jupons ghöre dür ds Schtägehus ruusche, so het er scho gwüßt, was es gschlage het und isch i de hälle Gümp uf ds Gäßli use gfloge. 202 Gar gärn hätti d'Mama e Versuech gmacht, für bi ihrem alte Fründ zugunschte vo ihrem Eltischte z'interveniere. Si isch mit Härzchlopfe-n-i ds Salon z'rückgange, ohni no rächt z'wüsse, wie asetze. Da chunt ere der Oberscht z'vor. Er het es chlys Päckli Briefe-n-uf e Tisch gleit gha, und wo d'Frou Elisabeth wieder erschynt, schtreckt er nere das Päckli zue und seit: »I ha-n-Ech da öppis mitbracht zum Läse.« »Eh, was isch das? – Vom . . . .« Di gueti Frou isch verläge worde. Es sy alles Briefe-n-a ds Jetti gsi vo ds Karludis Handschrift. »Wenn Der erloubet, so will i se de hinecht mit mym Ma düreläse,« seit si und wott ds Päckli uf d'Syte lege. »I hätti lieber, Dir würdet se jitz grad läse, so chönne mer de grad über di Sach rede,« antwortet der Oberscht und leit sech i sy Fautenil z'rück, für sym schöne Vis-à-vis z'verschtah z'gä, daß er d'Lektüre nid schtöre welli. »Pardon«, fragt d'Frou Elisabeth no, bevor si sech dra hi macht, »wie chömet Dir eigetlech zu dene Briefe?« »D'Directrice het se dem Jetti alli mitenandere-n-us em Buvard gnoh und se mir zuegschickt.« »Nei gwüß, wie grusam!« seit d'Frou Landorfer. Si vertieft sech i erschte Brief. Da het's drinne gheisse: 203 Bern , den 3. August 1831. Liebes Jetti! Schon zwei Monate sind verstrichen, seitdem man uns mit grausamer Strenge um die ersehnte Entre-vue gebracht und Dich aus meiner Portée verbannt hat. Nun habe ich endlich durch die Gefälligkeit der Frau von F. Deine Adresse erfahren, worüber ich mich unbeschreiblich freue. Ich habe mich en attendant bemüht, den Verdruß zu vergessen, den man mir angetan, aber umsonst. Mir das Glück repräsentierend, dessen ich heute in Deiner lieben Gesellschaft genießen würde, kann ich meinen bittern Groll nicht verwinden. Ein unbeschreibliches Gefühl läßt mich ahnen, daß Deine reine Seele mich umfängt, obschon wir so weit auseinander gerissen sind. Ich danke Dir für das, was ich ahne und bitte Dich, mit Deiner heiligen Unschuld für mich einzustehen. Ich bedarf dieses Trostes um so mehr, als die Aussicht, meine Pläne in die Tat umzusetzen, mit jedem Tage trüber wird. Vielleicht hast Du durch Deine Eltern erfahren, daß die neue Staatsverfassung vom Volk angenommen worden ist. Man möchte heulen über den Erfolg der demokratischen Wühler. Nun ist unsere liebe, stolze Stadt Bern ihrer Privilegien beraubt und der mindersten Dorfgemeinde gleichgestellt. Das ist 204 das Werk der eingedrungenen Fremdlinge. Welcher Berner hätte seiner Vaterstadt diese Schmach antun mögen? Aber dem Rausche der Volksrechtler wird bald genug die Ernüchterung folgen, und dann wird man auch uns wieder hören. Unsere Blicke sind fortwährend auf den Schultheißen von Fischer gerichtet, dessen Prestige noch immer eine mächtige Wirkung ausübt. Es wird uns auch bei den bevorstehenden Wahlen zum Großen Rat, für die wir tüchtig arbeiten, zustatten kommen. Dein Herr Papa wird in Wohlen vorgeschlagen, meiner in Belp, wo unser Name vom Steinibach her noch guten Klang hat. Laß mich bald wissen, ob du diesen Brief erhalten hast; denn mich verlangt sehr nach der beglückenden Gewißheit, daß unsere Rapports wieder hergestellt seien. Ich versiegle ihn mit einem innigen Kuß und verbleibe Dein treuer Freund und Pate C. L. L. E verschtohlene Blick het der Frou Landorfer zeigt, daß ihre Gascht zum Fänschter usluegt, ohni se z'beobachte, und so het si haschtig der zwöit Brief usenandere gfaltet und wyter gläse: Bern, den 31. August 1831. Liebes Jetti! Da ich bis heute ohne Nachricht von Dir geblieben bin, beunruhigt mich der Gedanke, du 205 werdest durch eine Espèce Zensur verhindert, mir zu antworten. Noch ist mir, als hörte ich, in dichte Nebelwolken gehüllt, von ferne eine silberhelle Glocke klingen. Das bist Du, das ist Deine Liebe zu mir, um deren Willen der liebe Gott Geduld und Gnade an mir übt. Mich plagt manchmal das Gefühl, als zürnte mir Gott. Warum, weiß ich nicht. Bin ich doch fester als je entschlossen, meine Lebensaufgabe so zu erfüllen, wie Frau Ryhiner es als das richtige mir angeraten hat. Ich bin bereit, mein Leben für unsere Sache einzusetzen. Aber es bedarf eines außergewöhnlichen Vertrauens, um bei dem Verlauf, den die Dinge zu nehmen scheinen, weder rechts noch links nachzugeben. Der schlechte Ausfall der Wahlen ist zwar für unsere Bestrebungen eher günstig. Je kläglicher der neue Rat sich darbietet, desto eher wird das Volk zur Besinnung kommen. Herr Schultheiß von Fischer hat die auf ihn gefallene Wahl abgelehnt, da er sich nicht entschließen kann, unter der seiner Überzeugung widersprechenden Konstitution im Rate mitzumachen. Er hat öffentlich erklärt, die Pflichten eines seinem Vaterland ergebenen Mannes werde er zu erfüllen trachten; vielleicht sei es in unseren Zeiten nicht das kleinste Verdienst, ohne Begehrlichkeit dem Gesetze gehorsam und allem Bösen fremd zu leben. 206 Mich frappiert die Ähnlichkeit dieses Gedankens mit den Anschauungen der Frau Ryhiner. Man wäre versucht, auch hier in einem gewissen Sinne zu sagen: » Les extrêmes se touchent. « Es sind viele Politici, welche die ablehnende Haltung des alt-Schultheißen verurteilen, besonders unter den Lauen, welche zuvor durch ihre Feigheit seine Position untergraben halfen und nun, da es ihnen ungemütlich wird, froh wären, ihn das Staatsschiff wieder aus dem Strudel steuern zu sehen. Der tollste Streich – und das berührt dich ganz persönlich – ist die Wahl des Bärenwirts von Meikirch, des ci-devant Postkutschers, in den souveränen Rat der Stadt und Republik Bern, gegen welchen dein Herr Papa unterlegen ist. Das ist auch ein Zeichen der Zeit. Was werden aber die Demokraten für Augen machen, wenn gerade derjenige Bezirk, in welchem das geschehen konnte, sich als die Operationsbasis des Revanchezuges herausstellen wird? Also, mein Engelchen, sorge dafür, daß auch im Brausen des heraufziehenden Gewitters das tröstliche Geläute Deiner Stimme immer an mein Ohr schlage! Es grüßt und küßt dich innig Dein Freund und Pate C. L. L.« Mit lysem Chopfschüttle het d'Frou Elisabeth sech a dritte Brief gmacht, dä vom 18. Septämber datiert 207 gsi isch und agfange het: »Dein Message durch Frau von Fischer habe ich erhalten. Habe tausendmal Dank dafür, lieber Schatz! Die Freude, welche mir dieses Lebenszeichen bereitete, läßt sich in Worten nicht ausdrücken. Freilich, es war nur ein Gruß, nur ein vom Winde hergetragenes Blatt; aber es genügt, um in meiner Einöde den Glauben an einen Frühling wieder zu wecken. Zu gerne aber wüßte ich, ob Du meine Briefe erhalten hast.« »Ja, das möcht i eigetlech o wüsse, öb es di Briefe-n-übercho het«, het sech d'Frou Landorfer da underbroche. »Läset nume!« antwortet der Oberscht, ohni der Chopf z'dräje. »Versuche doch bei nächster Gelegenheit mir durch Frau v. F. eine Andeutung darüber zukommen zu lassen. Bis dahin will ich an Deinem Gruße zehren. Nun hat auch die Stadt sich eine demokratische Verfassung gegeben und von der Regierung ihre Sanktionierung erwirkt. Da unsere Vertreter im Stadtrat in starker Mehrheit sein, und den Herrn alt-Schultheißen von Fischer zum Präsidenten wählen werden, so wird der Konflikt zwischen Stadt und Staat nicht lange auf sich warten lassen. Wir bereiten uns in aller Stille vor, um im gegebenen Moment schlagfertig zu sein. Ich arbeite in der Stadt, Lentulus wirbt im Seeland, von Werdt im 208 Seftig-Amt und Wyttenbach mit Fischer im Oberland. Verzeihe, daß ich Dich mit diesen politischen Dingen unterhalte.« »Ja«, seit d'Frau Landorfer halblut, »es dunkt mi neue-n-o gschpässig.« »Ich würde es nicht tun«, het's wyters gheisse, »wüßte ich nicht, mit welcher Teilnahme Du immer meine Bestrebungen verfolgtest. Von ihrem Erfolge hängt ja übrigens unsere gemeinsame Zukunft ab, und ich bin dessen gewiß, daß Du auch im Fall eines unglücklichen Ausganges mein Schicksal zu dem Deinigen machen wirst. In diesem seligen Gedanken grüßt und küßt Dich Dein Freund und Pate C. L. L.« Währeddäm si e wytere Brief usenanderefaltet, etwütscht's der Mama: »Dumme Bueb!« Und der Oberscht fragt: »A welem syd Der?« – »Da isch eine vom zwöiezwänzigschte-n-Oktober.« »E nu, läset nume! Es chunt no besser.« Und si list: »Liebes Jetti! Welch' unsägliche Freude mir Dein Brief bereitete, kannst Du Dir nicht vorstellen. Du mußt es geschickt angestellt haben mit seiner Expedition, denn, wie Du siehst, ist seine Flucht über die »Klostermauern« 209 auf's beste gelungen. Und überdies traf er auch im allerbesten Augenblick hier ein. Ich erhielt ihn nämlich gestern, als ich eben in der dunkelsten Verstimmung von der formellen Übergabe der Gewalt an die neue Regierung, der ich als Sekretär der akademischen Kuratel beizuwohnen Gelegenheit fand, zurückkehrte. Sollte ich wirklich Frau von Ryhiner mißverstanden haben? Wenn ich mein Herz darüber zu Rate ziehe, möchte ich freilich auch auf diesen Schluß kommen; denn Satisfaktion haben mir meine Bemühungen in Politicis noch nicht gebracht. Das ist wahr. Aber man muß doch erst den Erfolg abwarten. Jeder Sieg erfordert harte und mühselige Vorbereitung. Du scheinst an der Berechtigung unseres Vorhabens zu zweifeln. Aber Du darfst nicht vergessen, daß es sich bei uns darum handelt, der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen und Heiliges den profanen Händen der Usurpatoren zu entreißen. Deine Befürchtung, daß wir die Zustimmung der älteren Herren nicht haben, trifft leider zu und noch Schlimmeres: Ich habe durch das rücksichtslose Erfassen meiner Ideale auch die Sympathie meiner Eltern eingebüßt. Es ist ja ganz natürlich, daß es den Alten widerstrebt, sich nun selbst der Revolution zu bedienen, die sie bisher nur als die illegitime Waffe ihrer 210 Feinde kennen lernten. Auch wir Junge greifen erst in der äußersten Not dazu, weil uns wohl bewußt ist, daß die Revolution als selbsttätige Waffe weiter wirken kann, auch nachdem die Hand, welche sie ergriffen, zurückgesunken ist. Aber wir haben nun einmal den Mut, alles einzusetzen. Läßt man uns unseren Beruf, kraft höherer Einsicht und idealen Zuges das Bernervolk den höchsten Stufen der Wohlfahrt entgegenzuführen, nicht erfüllen, so hat das Leben absolut keinen Wert mehr für uns. Das Regiment in die Hände des lieben Gottes niederlegen! Lieber, herziger Schatz, nimm mir's nicht übel; aber so kann nun wirklich nur ein Kind reden. Was sollten dann wir? Wir wollen ja gar nichts anderes sein als Werkzeuge Gottes. Ach lieber, lieber, innigst geliebter Schatz, ich fühle aus jedem Deiner Worte, wie Du mit mir lebst und sorgst. Deine Warnungen sind mir erquickende Beweise der Teilnahme. Dein reines, unbefangenes Herz für unsere Sache schlagen zu hören, erfüllt mich mit weihevoller Zuversicht. Auf den nächsten Boten aus der »Klosterpforte« gespannt, sendet Dir Gruß und Kuß Dein C. L. L.« Für e letschte Brief z'läse, isch d'Frou Elisabeth a ds Fänschter gange, wie wenn si a ihrem Platz nid heiter gnueg gsäch. I Würklechkeit aber isch's 211 ihre nume drum z'tüe gsi, uf irged ne schicklechi Manier dem Oberscht chönne der Rügge z'chehre. Was het si chönne wüsse, was de i däm letschte Brief schteit? Er isch vom zächete Jenner zwöiedryßgi datiert gsi und het gheisse: »Liebes Jetti! Es sieht aus, als ob Du die schweren Stunden, die ich zu passieren habe, zum voraus fühltest. Sollte so etwas möglich sein? Nach Deinem Glauben wäre es eigentlich ganz logisch, wenn doch unsere Herzen verbunden sind durch ihren Zug zu einem Gott, der unser beider Geschicke in seiner Hand hält und das Ende aller Begebenheiten kennt. Jetti, welch' ein Gedanke! Aufschreien möchte ich vor Wonne darüber. Ich glaubte längst klar zu sehen, und nun fange ich, wie mir scheint, erst an, die Herrlichkeit der Liebe zu ahnen. Deiner geistigen Nähe bedarf ich mit jedem Tage mehr, denn bald wird der Sturm losbrechen. Hat nicht soeben die Regierung, nachdem sie im September die Stadtverfassung ausdrücklich sanktionierte, auf die Anzeige der Konstituierung des Stadtrates, mit dem alt-Schultheißen als Präsidenten, geantwortet, indem sie dem Stadtrat durch den Regierungsstatthalter (als wären wir eine simple Dorfgemeinde!) mitteilen ließ, sie habe keine Kenntnis von der Stadtverfassung! 212 Das ist eine mutwillige Kriegserklärung, welche der Beantwortung nicht lange harren wird. Aber nun Dein Neujahrsbrief! Ja, möge der liebe Gott Deine Wünsche erfüllen! Ich nehme auch den Tadel, den Du mir erteilst, mit Entzücken in den Kauf. Was ich am Schluß meines letzten Briefes sagte, ist mir zwar entfallen. Aber, daß ich mich mit unserer Sache ganz identifiziere, hat seinen guten Grund, und so kann eben Dein Herz nicht für mich schlagen, ohne es auch für unsere Bestrebungen zu tun. Darauf kann ich nicht mehr verzichten. Gerade weil ich in Deinem Herzen einen Anker außerhalb des Strudels geworfen, fahre ich desto dreister dem Sturm entgegen. Wir wollen auch hier das Eigene dem Allgemeinen, das Kleinere dem Größeren unterordnen. Ich bitte Dich nicht, auszuhalten. Das hätte keinen Sinn, denn jede widerstrebende Zuckung Deines Herzens wird den Widerhacken meines Ankers tiefer eindringen machen. Daß es zwischen uns ohne Zerreißen kein Lösen mehr gibt, weiß ich nun und bin darüber einfach selig. Säume nicht, mir neue Nachricht zu geben – – – –.« D'Frou Landorfer het dä letscht Brief scho lang fertig gläse gha, isch aber, ohni e Wank z'tue, am Fänschter blybe schtah und het derglyche ta, si läsi geng no. Daß di beidsytige-n-Eltere sech ihri 213 Meinung über ds Verhältnis vo Jetti und Karludi scho lang hei gmacht gha, isch klar. Aber kei Partei het z'erscht welle derglyche tue, daß ihre-n-öppis a der Hürat gläge sygi. Ändlich ryßt dem Oberscht sy Geduldsfade, und er fragt: »Und jitz?« D'Frou Elisabeth lat ihre Brief sinke-n-und tuet e Süüfzer. Sähnlech luegt si zum Fänschter us, ob ihre Ma no nid bald chömi. Aber no bevor er erschine-n-isch, chunt der Oberscht i d'Fänschternische. Si het grad gschpürt, daß syni Blicke mit nere gwüsse Manns-Brutalität i ihrem schöne Gsicht hei afah grabe-n-und sueche, und si het probiert, so guet wie müglech sech z'verschließe. »Wei mer usrüte, was mer gsäit hei?« fragt der Oberscht mit boshafter Heiteri. Da fahrt e schtolze Schyn dür ds Gsicht vo der Frou Elisabeth, und si antwortet ihrem alte, verwägene Fründ: »Was mer gsäit hei? – Wär het gsäit, Herr Lombach?« Er het sech sälber müesse-n-ygschtah, daß wenn öpper di beide Junge-n-a-n-enandere greiset heig, är's gsi sygi, da är der Karludi zum Götti vom Jetti gmacht und ihm der Uftrag gä heigi, mit dem Jetti ga z'Bode z'schtelle wäge der Dissenterei und so wyters. Und daß bi allem däm sy alti Liebi zur Frou Elisabeth ihres Rölleli gschpilt het, wie hätt 214 er sech das welle-n-usrede? Aber er isch no geng nid dä gsi, wo gärn syni Fähler zuegit. »Ja nu«, seit er e chly verläge, »gsäit« isch villicht chly viel gseit. Es isch halt i üsne Chinder errunne, was mer sälber nid hei la wachse.« »Das will i ender la gälte«, meint d'Frou Elisabeth, »und drum wär' i der Meinung, mer sötte-n-is drüber freue. Was zsämeghört, chunt z'säme. Hei mer rächt ta, usenandere z'ha, was nid z'sämeghört het, so wei mer jitz dem andere nüt i Wäg lege-n-und dänke, wenn die zwöi z'sämechöme, so syg das der Lohn für di bravi Haltung vom Herr Oberscht i syne jüngere Jahre. Gäbet mer nume zue, daß Ech das scho lang vorgschwäbt het.« »I merke scho«, wehrt sech der Oberscht, »Dir syt geng no di Glychi. Aber Dir wärdet mer jitz o nid welle-n-usrede, daß der Karludi Landorfer jedefalls vo syr Mama nid juscht isch gwarnet worde vor em Jetti Lombach. Und di Mama wäri, gloub', dank ihrne-n-Erfahrunge gar wohl im Schtand, ihrem Suhn begryflech z'mache, was es für ne jungi Tochter isch, sech e so lang la der Hof z'mache, ohni daß es zu mene-n-etscheidende Schritt chunt. Oder nit?« »Wie wär's, Herr Oberscht«, meint uf dä Usfall hi di agfochteni Mama, »wenn Dir glägetlech würdet mit Euem Göttibueb rede? Dir verschtandet Ech neue besser druuf, e so mit junge Manne z'Bode z'schtelle-n-als i.« 215 Däm Scharmützel het ds Schletze vo der Hustüre-n-es Änd gmacht. Der Papa Landorfer isch erschine, und währeddäm er sech i d'Briefe vo sym Suhn vertieft het, isch d'Frou Elisabeth dene Herre ga ds Zächni reiche. Zwüsche dene beide Vätter isch di ideali Syte vo der Sach nümme wichtig zur Sprach cho. Me het bloß no mit Resignation konschtatiert, daß di gägesytige Chinder verliebt syge, was aber erscht i zwöiter Linie vo Bedütung sygi. Der Oberscht het Ufschlüß und Garantiee verlangt, und der Papa Landorfer het gseit, me müeß halt luege, öb's z'mache sygi. I däm Ougeblick isch d'Frou Elisabeth mit mene Cabaret erschine-n-und het es Glesli vom Mehbessere-n-ygschänkt und Läckerli ufgschtellt. D'Läckerli het niemer gwürdiget, und der Wy hei si behandlet, wie wenn er nume für d'Ouge da wäri. Lang, lang hei si i d'Gleser ynegschtuunet und se nume so mit de Finger uf em Tisch umedräit. Na längem Schtuune seit der Herr Landorfer: »Es dunkt mi, es sötti z'mache sy.« »Ja, mi o«, meint der Oberscht und läärt plötzlech sys Glas uf ei Schluck, »aber offe gschtande, troue-n-i halt dem Trybe vom Karludi nid rächt. Wo söll das use? Was het de mys Meitschi dervo, wenn dene Jünglinge der Schutz hinde-n-use geit und si de am Änd no i d'Schpinnschtube müesse? I möcht' 216 ihm halt doch d'Bedingung schtelle, daß er das Züüg ufgit.« »Me cha ja mit ihm rede«, seit der Herr Landorfer, »aber – aber – – –.« Er het wohl gwüßt, öb der Karludi sech settigi Bedingunge würdi la gfalle-n-oder nid. »Das nützt nid viel«, chunt jitz d'Frou Elisabeth ihrem Ma z'Hülf. »Ds Gschydschte-n-isch, mi laj se-n-afange hürate. Wenn er uf öpper lost, so lost er uf ds Jetti. Het er einisch sys Froueli, so mueß de ds Vatterland hinde-n-abnäh, und bis es ne de wieder achunt, gseht me de o besser, wo's use wott.« »Jä – jä – jä«, proteschtiert der Oberscht. »Das isch es gfährlechs Manöver.« »Me merkt, daß Dir nümme jung syd, Herr Lombach«, fahrt d'Frou Elisabeth furt. »Dir syd sünsch nid dä gsi, wo lang Garantiee gsuecht het. Meinet Dir öppe ds Blanche heigi meh Garantiee gha als jitze ds Jetti? Bi-n-ig Ech nid Garantie gnue für my Bueb? Er schlat mir na i allem, und es Bitzli vo der Rächtschaffeheit vo mym Ma wird er wohl o erwütscht ha.« Uf das hi het me verläge glachet und es wyters Gsatzli gschwige. »Allons«, schtüpft ändlech d'Frou Elisabeth wieder und chlemmt heimlech ihre Ma i Arm, »machet e keis Gchnorz! Me mueß öppis wage.« 217 »He nu, so wei mer«, meint der Oberscht, »aber itz möcht i halt doch no gärn wüsse vo wägem Chümi.« »Äbe-n-äbe!« süüfzet der Herr Landorfer. »E bhüet' is, es isch Saches gnue da«, tröschtet d'Frou Elisabeth, »mir zwöi hei z'erscht o nid großi Gümp dörfe näh, und es isch emel glych gange.« Me isch du rätig worde, me well zum Grandpapa Vilbrecht und dert luege, was z'mache sygi. No am glyche Tag isch ds Elterepaar a Chornhusplatz und het dem alte Herr Vilbrecht erklärt, es wäri Zyt, daß der Karludi würdi hürate. » Co co co comment se marier  – – – –?« het der Grandpapa afah raisonniere; aber sy Tochter het ihm schwarz uf wyß vorgrächnet, wie alt daß är sälber gsi sygi, wo-n-er ghüratet heig und wie alt sy Schwigersuhn gsi sygi und no dise-n-und jäne Bekannte. Jitz wäri füre Karludi e brillanti Partie z'mache. Das dörf me nid verpasse. Der einzig Haagge sygi nume dä, daß me nid gärn sy Bueb e so blutt ane schtelli, wenn doch d' Frou viel ybringi. Me syg's doch sym Name-n-o schuldig, nid e so armsälig ufz'rücke, und es sygi nid guet, wenn e so alles vo der Frou nache chömi. Der Grandpapa het währed däm Aschturm geng mit dem Chifel gwaggelet, isch aber niene zum Wort cho. Und däwäg het sy Tochter mit ihm exerziert, 218 bis si-n-ihm het begryflech gmacht gha, für was me cho sygi. Erscht, wo-n-er zum Büreau trappet isch und der Lade fyrlech abegla het, isch es schtill worde-n-i der Schtube. So lang dä Lade dunde gsi isch, het me müesse schwyge, sünsch hätti's de chönne fähle. Der Herr Vilbrecht het us eim Schublädli es Ryßblei füregsuecht und us mene-n-andere nes gheimnisvolls Buech, i däm für di sächs Buebe Landorfer keini Hyazinthe, aber derfür anderi Andänkeli gsi sy. Nadäm er e Zytlang d'Nase-n-i das Buch gschteckt und füretsi und hindertsi drinn ume bletteret gha het, luegt er plötzlich ume-n-und fragt: » Est-ce qu'elle est jolie? « So verwunderlech di Frag gsi isch, so het si doch wie-n-e Sunneschtrahl i ds Härz vo de-n-Eltere zündtet. »Aha«, hei si Beidi dänkt, »es het emel möge-n-ahänke«, und d'Frou Elisabeth het gseit: » Elle est bijou. « Währeddäm jitz der Grandpapa abgsässe-n-isch, für uf mene Blatt Papier verschideni Additione, Subtraktione-n-und Divisione dür sächs vorz'näh und der Papa Landorfer mit ergäbener Andacht und Geduld sech usdänkt het, was under der pelzverbrämte Jakobinermütze vor sech gangi, isch sy Frou us der Schtube verschwunde. Si isch i ds Karludis Schtube-n-ydrunge-n-und het dert richtig gfunde, was si gsuecht het; es 219 Daguerrotyp vom Jetti. Im Triumph het si's abebracht und 's bi der nächschte-n-Underbrächung vo der Rächnerei ihrem Papa under d'Nase gha: » La voilà. « Dem Grandpapa Vilbrecht isch e so-n-es Daguerrotyp e-n-ergerlechi neui Erfindung gsi. Mit mene bitterböse Gsicht isch er dermit a ds Fänschter füre gange, het das Portrait agluegt, vo vorne, vo linggs, vo rächts und vo hinde-n-und gseit: » Mais, was isch das Dumms? Je ne vois rien du tout. « D'Frou Elisabeth het wohl gwüßt, daß ihre Papa mit settige Sache-n-äxpräß geng e chly dumm gmacht het. Si het ihm ds Daguerrotyp e so häregha, daß er ds Bild het müeße gseh. Aber er isch derby blibe: » Je ne vois rien. – Afin, vous me la présenterez aussitôt qu'elle sera de retour. – Est-elle gentille? « » Elle a beaucoup de grâce, elle est gentille, pieuse et à la fois amusante «, het d'Frou Elisabeth grüehmt. Und dermit het si dem Grandpapa zum Etschluß ghulfe. Er het du gseit, er heig doch viel Längizyti, bsunders albe-n-im Summer, im Oberried. Da tät's ihm doch wohl, e so nes heiters und doch duuchs Wäse-n-um sech ume z'ha. Und so isch du usgmacht worde, me söll se la hürate. Är, der Grandpapa, welli de für ds Nötige luege, under der Bedingnng, daß si ihn i ds Menage nähme. 220 Me isch dür dä Etschluß sehr erliechteret gsi. Me het vermuetet, der Oberscht Lombach wärdi nid viel dergäge ha, da ja d'Nächi vom Herr Vilbrecht dem Karludi ender wärdi guet tue. Was di Junge derzue wärde säge, het na damaligem Bruuch niemer gfragt. Es paar Tag druuf isch ds Elterepaar Landorfer ga Rychebach gfahre, wo me zu allsytigem Wohlbehage beschlosse het, ds Jetti uf e Früehlig hei z'reiche. Bis dahi het alles no sölle Gheimnis blybe. Ds Jetti het o nüt sölle-n-erfahre, damit es emel ja no z'grächtem vo sym Gänfer-Ufethalt profitieri und nid öppe dür vorzytigi Präokkupation us em Hüsi bracht wärdi. Und so het me du natürlech o der Karludi müesse-n-im Ungwüsse la. Wär meh glitte het, di beidsytige Mamane-n-under der Muulschperri, wo me-n-über se verhänkt het, oder di beide Junge vom Warte chönnt me sech frage; i gloube-n-aber, di Junge heige's liechter ertreit, will si beidi no gar nid g'ahnet hei, wie nach daß d'Erfüllung vo ihrne Tröume düre-n-elterleche Bschluß g'rückt worde-n-isch. Nid lang na der Verabredung z'Rychebach hei di politische-n-Ereignis d'Ufmerksamkeit nid nume vom Karludi, sondere vo allne Herre so uf sech zoge, daß me-n-einschtwyle nid Zyt gfunde het, ds Jetti ga z'reiche. Der Regierung isch ds burgerleche 221 Prinzip i der Gmeindsorganisation e Dorn im Oug gsi. Drum het si dür ihre Machtschpruch Ywohnergmeinde gschaffe-n-und drüit, se uf Chöschte vo de Burgergmeinde mit dem nötige Sackgäld z'versorge. Das het du aber d'Bärnburger nid übel i d'Sätz bracht. Si hei proteschtiert und a nere sibechöpfige Kommission der Uftrag gä, mit allne Mittel Rächt und Eigetum vo der Burgerschaft z'verteidige. Sobald das der Regierung bekannt worde-n-isch, het si, für emel ja ne zwöite Schtäcklichrieg z'verhüete, dür ne wytere Machtschpruch di burgerlech gsinneti Bürgerwacht ufglöst. Grad sövel het es no bruucht, für dem Karludi und syne Kamerade-n-ihri romantisch-patriotische Härz zum Überloufe z'bringe. D'Töubi vo de-n-alte Herre het ihrem Füür no gschaltet, und d'Bedächtigkeit vo de Sibener, wie me de Mitglider vom burgerleche Landesverteidigungsusschuß gseit het, het se zu sälbschtändigem Dryfahre greizt. Di übersünige, junge Lüt hei sech am Tag na der Uflösung vo der Bürgerwacht versammlet, und zwar i ds Karludis Schtube, am Chornhusplatz. Währed der Grandpapa Vilbrecht schlaflos i sym Bett gläge-n-isch, e neue Kompromiß mit de Zytlöufte gschlosse-n-und sech mit schier jugedlecher Phantasie vorgschtellt het, wie schön es de wärdi sy, wenn einisch wieder e jungi, luschtigi Frou Läbe-n-i ds 222 Oberried bringi, sy di hitzige Patriote-n-uf de Fueßschpitze d'Schtäge-n-uf düßelet und hei zu syne Höupte bis über Mitternacht use bluetigi Reaktion verabredet. Ds erschte praktische-n-Ergäbnis isch e Deputation zum alt-Schultheiß gsi, däm me-n-als Präsident vo de »Sibener« het welle ga syni Dienschte-n-abiete. Scho am andere Morge sy der Karludi und der Lentulus im »Boumgarte«-n-erschine-n-und hei der alt-Schultheiß über d'Absicht vo de »Sibener« interpelliert. Der Bscheid isch aber nid gar usgiebig gsi. Ds einzige, was si mit Sicherheit us em Herr Fischer hei chönne-n-usebringe, isch gsi, daß di Herre-n-offebar a gar nüt anders als a ne papierige Chrieg dänkt hei. Der alt-Schultheiß het dene Beide bald a de Gsichter abgläse, daß si mit sym Bscheid nid zfride gsi sy, und jitz het är sech a z'interpelliere gmacht. »Dir schynet mer nid yverschtande z'sy mit üsne-n-Intentione?« het er gfragt. Der Karludi het g'antwortet: »Mer wette-n-is da drüber e keis Urteil erloube; aber mer hoffe, der Ougeblick wärdi bald cho, i däm e neui Gwaltmaßregel vo der Regierung is ds Rächt git, der Gägeschtoß z'füehre-n-und wieder z'näh, was me-n-is gschtohle het.« E länge, verwunderete Blick het der Wortfüehrer 223 troffe. Der alt-Schultheiß het der Chopf gschüttlet und wyters gfragt: »Ja, wie schtellet dir ech das vor?« Jitz hei si müesse-n-userücke. »Mir schtelle-n-is halt vor«, seit der Karludi, »uf em sogenannte Rächtswäg richti me gäge d'Willkür vo der Regierung doch nüt meh us.« »Das isch sogar sehr wahrschynlech«, seit der Herr Fischer halblut für sich. »Und da me wohlwyslech d'Burgerschaft etwaffnet het, so sy mer etschlosse, uf ne-n-anderi Manier derfür z'sorge, daß me grüschtet sygi, wenn's zum Usserschte cho sötti.« »Nämlech?« »Mer hei i aller Schtilli Lüt gworbe-n-und verfüege bereits über nes reschpäktabels Kontingänt, das uf e-n-erschte Wink a verschidene Punkte wird under d'Waffe trätte.« »Under d'Waffe? – Wo nähmet dir d'Waffe här?« »Es isch für ds Nötigschte gsorget, und der Räschte wärde mer de im Züghus finde. D'Munition ligt o parat. Mer hei d'Schlüssel zu dere-n-i der Hand, die synerzyt für d'Bürgerwacht isch bschtellt worde. Alli, wo drum wüsse, sy-n-is eidlech verpflichtet.« Znr Beschtätigung vo däm, was der Karludi gseit het, zieht der Lentulus Lyschte-n-und Plän 224 füre-n-und schpreitet se vor em erschtuunte-n-alt-Schultheiß us. Ohni e Blick dry z'tue, leit der Herr Fischer di Papier z'säme, git se dem Lentulus z'rück und seit: »Dir söttet besser wüsse, was i vo settige Sache dänke. I ha's bi mym Rücktritt öffetlech gseit, und derby blybe-n-i. Mer wei luege, was uf em Bode vom Rächt für üsi Sach z'mache-n-isch. Richte mer nüt us, so blybe mer, was mer jitze sy: eifachi, schtilli und gwüssehafti Bürger. Villicht wird e schpäteri Zyt is einisch Grächtigkeit la widerfahre. Machet, was dir weit, i cha-n-ech nüt verbiete; aber wenn i grad es Kaminfüür da hätti, so würd ig ech rate, di Papier dry z'wärfe.« Wie bschütteti Pudle sy di beide junge Manne mit däm Bscheid hei gange. Mit däm isch dem Karludi wieder e Bitz Halt verlore gange, und das Mal e wichtige. Wohl isch ihm no einisch i Sinn cho, i was für Punkte der alt-Schultheiß mit der Frou Ryhiner und also o mit dem Jetti überygschtimmt het. Aber er isch scho z'tief i syni eigete Plän verhänkt gsi, als daß er no ne-n-anderi Meinung hätti la gälte. Und ds Jetti! Wär het ihm überhoupt derfür bürget, daß er's je wärdi übercho? Wie-n-e wüeschte Qualm isch der Groll gäge-n-Oberscht Lombach vo neuem i-n-ihm ufgschtige. Scho bald na der Muschterig uf der Thuner-Allmänd het er d'Sünd, vo der Unzufrideheit vo einzelne 225 Soldate z'profitiere, begange-n-und gwüßt, ihri ougeblicklechi Verschtimmung gäge-n-Oberscht i nes Mißtroue gäge di neui Regierung z'verwandle. Er het se-n-i ds Netz zoge-n-und het mit syne Gsinnungsgnosse nes Muttfüür agmacht, desse Rouch sys ganze, innere Läbe je länger descht meh verpeschtet het. Schwär het er dranne treit, daß er mit syne-n-Eltere-n-übereggs isch gsi, schwär am Gfüehl, daß syni Absichte-n-im Gägesatz zu ds Jettis reiner Seel gschtande sy. Aber das alles het er sich sälber nie welle zuegä. Wie-n-es Laschter het ne sys egoischtische-n-Ideal bändiget, und drum isch sys Bätte geng ohni Antwort blibe. Mit geng größerem Fatalismus isch er i syni Undernähmunge-n-yne grönnt. Je länger, descht meh het er di neui Regierung mit ihrem Ahang ghasset, will si ihn und syni Kamerade-n-um ne glänzendi, traditionelli Karriere bracht het. Und verachtet het er Alli, wo sech mit der neue Zyt uf fridlechem Fueß hei welle-n-abfinde. De-n-Eltere-n-isch der Usdruck vo dür allmähleche-n-innere Zerschtörung nid etgange, und i-n-Angscht und Chummer hei si dänkt, wenn ds Lombachs doch um ds Himmels Wille nume würde fürers mache. Aber dert het eis Hindernis ds andere-n-abglöst, und di ersähnti Reis ga Gänf isch erger vertröhlet worde-n-als hüttigstags e Prozäß. 226 Mit verwägene Gedanke-n-i der Bruscht und gladene Pischtole-n-under de Chuttesäcke-n-isch a mene trüebe Summerabe der Karludi über d'Neubrügg use. Es het gwätteret gha der sälb Tag, und e glychmäßigi, schtahlblaui Wulkedechi het der ganz Himmel deckt. Aber juscht, wo-n-er über di alti Brügg gange-n-isch, het d'Sunne-n-ob em Undergah e großi Bresche-n-i d'Wulkewand grisse-n-und mächtigi Gluetschtröm verschüttet. D'Aare-n-isch gsi wie-n-e Fluß vo glüejigem Yse, daß me schier nid het chönne dry luege. Und über alli Wälder z'beidne Syte-n-isch e guldige Dusem cho, währed i der Nächi di grüene Matte glüüchtet hei wie Fälder vo luter Smaragd und Diamante. Undehär Wohle, i der Tiefi, wo d'Aare-n-am dämmerig violette Waldbord vo der Schtürlere vorbyruuschet, isch alles i purpurfarbigem Dunscht verschwunde. Da het der Karludi doch en Ougeblick müesse blybe schtah. Er luegt dür d'Wandlücke vo der Brügg i di Abedpracht und luegt i d'Wälle-n-abe, und dür ihres Ruusche düre ghört er vo der andere Syte ds Fyrabeglüt vo Brämgarte. Wie das fridlech und fründlech tönt! Dem Karludi chunt i Sinn, was er dem Jetti het gschribe gha. Es isch ihm, wie wenn er sötti umchehre. So lang es glütet het, isch er nid vom Fläck cho. Er het sech bsunne, bsunne. – Da ghört me plötzlech nume no d'Wälle 227 ruusche, und dermit rünnt's wie ne chalte Tschuder über d'Landschaft. D'Sunne-n-isch versunke gsi, und der Karludi erwachet wie us mene Troum. Juscht wott er sech wieder uf e Wäg mache, da schteit Eine näbe-n-ihm, e verwahrlosete, uheimelige Kärli, und redt ne-n-a: »Guete-n-Abe, Herr Hupme.« Jitz isch's mit dem Bsinne-n-usgsi. Der Karludi het eine vo syne Mitverschworene näbe sech gha und het mit däm wyters müesse. I der Pinte, änet der Brügg, sy-n-ere no Zwee gsässe, wo derzue ghört hei. Si hei sech dem Karludi welle-n-aschließe. Aber er het se gheisse hundert Schritt vorusgah, damit das Trüppeli niemerem uffalli. Ob der Hahle hei si abboge-n-und sy uf em Fueßwäg gäge Wohle zue gange. Aber hienache dem Dorf sy si dür nes schmals Wägli der Bärg uf und du zwüschem obere-n-und dem undere Dorf düre gschländeret, jede für sich allei. Wo der Karludi us em Wald füre chunt, gäge ds obere Dorf zue, het's scho e chly gfyschteret gha. Der Himmel isch no ganz deckt gsi. Nume grad hert obem düschtere Bannholz isch e länge, gäle Schtreife düregrisse gsi, vor däm di schwarze Tanneschpitze sech scharf abzeichnet hei. Dert usse, ufem einsame Bödeli ob Wohle, isch e chlyne Burehof, wytab vom Wäg und hert am Wald anne. Uf dä isch der Karludi zuegschtüüret. Öppe hundert Schritt hienache zieht sech 228 e Läbhag der Guetsgränze na. Dert derhinder isch verabredungstreu Eine gschtande. Me hätti ne gar nid gseh, wenn me scho hert a-n-ihm vorby cho wär. Im Gschtrüpp näbe sech het er di gladeni Flinte verschteckt gha. Ohni d'Hand dervo z'la isch er jedesmal, wenn er Eine-n-über ds Fäld het gseh cho, us em Zuun fürecho und het halblut gfragt: »Wo us Mano?« »I schwarze Wald«, hei di Ygweihte g'antwortet, und de het er se la passiere. Hätt' Eine sech dür ne lätzi Antwort verrate, so hätt's ihm chönne fähle. Der Karludi het mit der Schildwacht es paar Wort gwächslet, und du isch er, schtatt grad zum Hus, i der Dämmerung no der March na gschliche, gäge-n-obere-n-Egge vom Bannholz, vo dert i Wald yne, i Grabe-n-abe, wo sech änet dem Hus gäge d'Aare-n-abe zieht, und het gluegt, ob alli Schildwache-n-uf ihrne Pöschte syge. Da-n-er alles a sym Platz gfunde het, isch er vo der Waldsyte gäge ds Ghöft zue und het am Schpycher drü mal der Schueh über d'Schwelle gschleipft. Uf das hi het me-n-ihm ufta, und er het di meischte vo syne Manne bereits versammlet gfunde. Si sy uf Seck, Fesser und Trög ghocket und hei dem Herr von Lentulus zuegluegt, wo mit dem Houptme Wyttebach bi nere Latärne di ygloffene Brichte-n-erläse het. Di meischte 229 Teilnähmer vo dem nächtleche Rapport sy usdienti Soldate-n-oder Underoffizier gsi. Jede het irgedwo i der Umgäged sys Trüppeli organisiert gha, und hütt hei si sölle d'Befähle für di planeti Überrumpelung vom Züghus cho etgägenäh. Der Tag isch no nid usgmacht gsi. Me het vorlöufig nume d'Konzäntration uf d'Schtadt berate-n-und ne Wysung gä, wie si's sölle-n-achehre, für, ohni ufz'falle, bewaffnet yne z'cho. Eine nam andere het g'mäldet, wie viel Lüt er zwäg heig und was ihm öppe no fähli a Waffe-n-und Munition. Währeddäm der Herr vou Lentulus sech houptsächlech mit dene Rappört beschäftiget het, hei der Karludi und der Houptme Wyttebach d'Etwürf zu Proklamatione dürgange-n-und ihri Meinung drüber ustuuschet. Druufhi het der Lentulus e Plan uf em Tisch usgschpreitet und alli gheisse zueche cho, für a mene jede z'zeige, wo-n-er de düre söll. Wo si am beschte dranne sy, chlopfet's drümal a der hölzige Dili. Flugs isch d'Latärne glösche gsi, und i der Toteschtilli ghört me nume no ds Chräschle vo de Papier, wo der Herr von Lentulus zsämewüscht und i Sack schtoßt. »Was isch?« fragt der Karludi. Und dür nes Loch i der Dili antwortet e Schildwach, wo im Dach obe-n-usgugget het: »Es isch öpper umewäg. I ghöre loufe.« Lang, lang isch es muusschtill blibe, so daß me der Chänel het ghört tropfe. 230 Ändlech wird öppis gchüschelet, und du isch öpper use, um e Schpycher ume düüsselet und verschwunde. Erscht na nere halbe Schtund öppe ghört me ds verabredete Chraue-n-a der Schwelle, und der Usgschickt isch cho mälde, er heig niene nüt Verdächtigs gmerkt. D'Latärne-n-isch wieder azündtet worde, und d'Inschtruktion het wieder agfange. Si het under allerlei Frage-n-und Erörterunge furtduuret bis über Mitternacht use. Me het e neue Rapport verabredet, und du isch me-n-ufbroche. Alli paar Minute het me-n-eine-n-usegla, und z'alleriletscht sy di drei Herre gange. Es isch schtockfyschteri Nacht gsi und e liechte Landräge-n-isch nidergange. Si sy dem Wald na, vo Schildwach, zu Schildwach, und hei se-n-etla, und du sy si sälbdritt gäge d'Hahle zue, wo si bim Fründ Lentulus der Räschte vo der Nacht hei welle verbringe. Ihre Wäg het se der Aare na gfüehrt. Öppe-n-e Chilchsturmhöchi geit er hert überem Wasser a mene felsige Bord düre. Wilds Gschtrüpp git ihm rächter Hand es natürlichs Gländer, dür das me-n-aber mit der gröschte Liechtigkeit cha i d'Aare-n-abe pürzle. Linggs zieht sech ds Bord dür schtotzigi Halde-n-ufe, die teilwys mit Wald deckt sy. Zu gwöhnleche Zyte-n-isch dert ussert öppe dene Holzer-Buebe kei Möntsch z'nacht düregange. Aber für di Komplottherre-n-isch es juscht der gäbigscht Wäg i 231 d'Hahle gsi. Si hei ne-n-afange gkennt und sech o z'nacht ganz guet düregfunde. Aber hinecht isch er no bsunders gfährlech gsi, will me-n-i der Fyschteri d'Escht nit gseh het, die, vom Räge schwär, drüber yne ghanget sy. Der Lentulus und der Karludi sy Arm in Arm vora, und der Houptme Wyttebach het sy Haaggeschtäcke dem Lentulus i Arm ghänkt, will er d'Gäged am wenigschte gkennt het. Der Karludi isch neue-n-i syne Gedanke bim Jetti gsi und het nid viel gseit. Der Wyttebach het hie und da über ne nasse-n-Ascht ufbegährt, wo-n-ihm, vo de Vordere zrückboge, i ds Gsicht gfloge-n-isch, währed der Lentulus sech drüber luschtig gmacht het. »Warum isch ächt der Holzerköbel nid erschine dä Abe«, fragt der Lentulus. »Äbe frage-n-i mi o«, antwortet der Wyttebach. »I ha ne hütt i der Schtadt gseh, bi der Poscht.« »Ja, i weiß scho«, seit der Karludi, »er het e Brueder bi der Poscht, und däm mueß er albeneinisch ga hälfe.« »Das gfallt mer äbe nid rächt«, meint der Lentulus, »vowäge-n-i troue däm vo der Poscht nüt.« Druuf sy si wieder schwygsam wytergange, nume no mit dem Sueche vom Wäg beschäftiget. Da – es isch a nere ganz änge-n-und bsunders fyschtere Schtell gsi – ghöre si plötzlech Schritte vor sech. 232 Wie uf Kommando schtande si alli drei schtill und lose. Aber bevor nume-n-eine nes Wort het chönne säge, fallt us allernächschter Nächi der gräll Schyn vo nere Bländlatärne-n-uf se. Ohni e Ton vo sech z'gä, füehrt der Lentulus mit sym Schtäcke-n-e wuchtige Hieb gäge d'Latärne, so daß si verschmätteret a Bode fallt. Völlig erblindet vo däm churze Bländschtrahl und der neue Fyschternis, hout o der Karludi instinktiv dry, wird aber vo nere ruuche Hand a der Gurgle packt und i ds Gschtrüpp z'rückgworfe. Rätsch – chnätsch – tätsch! Es Chraue-n-am Bode-n-ume. Es Chräschle-n-und Bräche vo Escht und es Gluntsche vo Schteine-n-i der Aar unde. Das isch d'Sach vo-n-es paar Sekunde gsi. Und druufhi ghört me flüchtigi Schritte. Keine het me gwüßt, wo syni Kamerade sy und wär näbe-n-ihm schteit. Me het der Ate verha, für z'lose, wär und was umewäg sygi. Jede-n-isch vom Gedanke glähmt si, es syg eine-n-i di ryßendi Aare-n-abe gfalle, wo jedi Rettung unmüglich gsi wär. Keine het z'erscht welle Lut gä, für sech ja nid z'verrate. Vowäge, daß me's mit Schpione z'tüe heig, hei si grad gwüßt. Der Karludi isch würklech dür ds Gschtrüpp use gfalle gsi; aber er het sech a mene-n-Ascht chönne ha, göb daß er a ds Wasser cho isch. Chrampfhaft het er sech a sy Ascht gchlammeret und mit de Füeß feschtere Halt gsuecht. Es isch lang gange, bis er 233 sech trouet het, ufe z'chlättere. Er het gwüßt, daß jede trüegerische-n-Ascht sy sichere Tod het müesse wärde. Dobe hei sech ändlech der Wyttebach und der Lentulus erchennt, nadäm sie enandere-n-e Zytlang mit ufzogene Schtäcke gägenübergschtande sy. Ohni e Name z'nenne, hei si jitz i ds Gschtrüpp grüeft: »Wo bisch? Hesch di?« Schtatt z'antworte, isch der Karludi langsam und mit gröschter Müej usegchlätteret und ändlech am Wäg abgsässe. Jitz erscht sy di Drei zur Überzügung cho, daß si allei syge. Si hei dem erschöpfte-n-und zimlech übel zuegrichtete Karludi wieder ufghulfe, hei ne zwüsche sech yne gnoh und sy no mit größerer Sorgfalt als vorhär wyters, bis si ändlech zur Hahle cho sy. Bim Liecht het me du feschtgschtellt, daß der Karludi a sym Hals es paar bedänklechi Abdrück vo demokratische Fingerschpitze gha het und überhoupt arg verschunte gsi isch. Er het no dütlech dä chreftig Griff gschpürt und ihm isch gsi, er müeßti di Hand scho kenne. Er schtuunet nache, und ändlech seit er: »Es sy zum Teil Finger gsi ohni Negel.« – »He z'donschtig, i weiß, wär das isch«, rüeft plötzlech der Lentulus und schlat sech mit der Hand vor d'Schtirne, »das isch der Bärewirt vo Meichilche. – Da sy di Holzere derhinder. Die sy wahrschynlich by ihm 234 gsi; denn es sy ihrere zwee oder drei gsi. Und wär wett der Wäg besser kenne-n-als di Holzere?« »Drum, drum«, meint der Houptme Wyttebach, »jitz begryfe-n-i, daß er nid cho isch, der Holzer-Köbel.« »Ja, das gschpasset aber nüt«, seit der Karludi. »Da frage-n-i mi, ob mir nid hie beobachtet wärde?« Und chuum het er däm Verdacht Usdruck gä gha, so ghört me ne Türe-n-und druufhi schlychendi Tritte-n-im Gang. Zu andere Zyte hätti sech niemer im Bett umdräit wäge däm Lärmeli; aber i der sälbe Nacht het jedi Muus d'Ufregung gschteigeret. Der Herr von Lentulus isch ufgschprunge gsi und wott ga luege, was los syg, da geit d'Türe-n-uf, und der Herr Rittmeischter schteit da, ds Liecht i der zitterige Hand, und fragt mit Glotzouge: »Aber zum Kuckuck! Kinder, was tut ihr denn da?« Er isch würklech ds Bild gsi vo mene Geischt us em vorige Jahrhundert, dä guet alt Ma i sym schröckleche Schlafrock, mit sym ehrwürdige Zopf über e Rüegge-n-ab und de blutte Füeß i de Schlarpipantoffle. Der Papa Lentulus isch i d'Plän vo dene Herre meh oder weniger ygweiht gsi. Er het se zwar nid billiget, aber d'Satisfaktion drüber, daß wenigschtes öppis gäge d'Demokratie gangi, het ne chly dermit versöhnt. 235 Chrümmer und schlächter het's i syne-n-Ouge mit der Wält ja nümme chönne cho. Sy Suhn het ne-n-a Tisch zoge-n-und ihm erzellt, was gange sygi. Da het der Papa du doch es längs Gsicht gmacht. Er het d'Händ uf d'Chneu gschtützt und es Zytli undere Tisch gluegt. Bis dahi het er neue d'Sach nid e so ärnscht gnoh. Er het dem Trybe vo dene junge Herre zuegluegt, wie me-n-öppe-n-a mene Schpil zueluegt. Aber jitz, wo alles het afah Form und Wäse-n-übercho, isch's ihm doch uheimelig worde. Ändlech seit er: »Kinder, die Sache sieht schlimm aus. Jetzt gilt's entweder rasch zuhauen und die Demokratenbagage über'n Haufen werfen oder zusammenpacken und das Weite suchen.« Das het dene junge Herre hingäge doch du zue pessimistisch gschine. »Ich fürchte«, het der Herr Rittmeischter wyter gseit, »man kommt euch zuvor. Ihr habt noch keine rechte Grundlage. Es fehlt noch an der genügenden Zahl zuverlässiger Kerle. Womit wollt ihr euch zur Wehr setzen, wenn sie euch mit Truppen auf den Leib rücken, bevor ihr konzentriert seid?« Der jung Herr von Lentulus het sy Papa dermit welle beruehige, daß gägewärtig ds bärnische Militärwäse für di politische Vorgäng zerrüttet sygi und daß es a Offizier fähli, die zuglych populär und tüechtig syge. Übriges wärdi e große Teil vom Volk, 236 däm's underem alte Regimänt lang wohl gsi sygi, sech uf der Schtell uf ihri Syte schla. Aber je meh der alt Herr drüber nachedänkt het, descht meh het er ds Vertroue-n-i d'Gägerevolution verlore. Es isch ihm es frömds Gebiet gsi, i däm er sech nid het chönne z'rächt finde. Albe-n-einisch het er de sy Suhn e so eigetümlech agluegt und schier füechti Ouge-n-übercho. Me het ihm wohl agseh, daß ihm di Sach schwäre Chummer macht. Aber, schtatt ihm z'lose, hei sech di junge Herre-n-etschlosse, vo jitz a bi-n-enandere z'blybe-n-und sobald wie müglich losz'schla. Grad am andere Morge, hei si usgmacht, welle si Lüt i Eichbärg und ga Toffe schicke mit Befähle zur Konzäntration. 237     X. Me suecht am Glasbrunne Lorbeere-n-und findt Bachbumele. Es geit überhoupt allerlei lätz. Im Schloß Rychebach het vo der Frou Blanche bis zum letschte Chuchimeitli, ja sogar bis zum Güeterbueb i der Schüüre-n-äne, alles i feschtlecher Schtimmung glüüchtet. Der Äßtisch isch mit Blueme garniert worde-n-und us der Chuchi sy di herrlechschte Düft dür ds Hus uf gschtige. – Me het uf dä Abe ds Jetti erwartet. Ändlech – ändlech het sech der Papa uf e Wäg gmacht gha ga Gänf. Er het syni beide Buebe mitgnoh. Und hütt bim 238 Zabe het sech d'Familie na länger Trennung zum erschte mal wieder vollzählig ume Tisch sölle versammle. I de letschte Sunneschtrahle-n-isch di vollpackti Reisgutsche vo Gümmene här der Schtutz ufgschnaagget, und ds Jetti het's vor Ungeduld nümme bha. Es isch mit syne Brüeder näbem Wage här gloffe, für syni schtyfe Glider e chly z'schtrecke, und mit großem vätterlechem Wohlbehage het der Herr Oberscht sy graziös ufblüiti Tochter gschouet. Es het ne nüt greut, daß er ds Jetti ga Gänf het gschickt gha; er het im Gägeteil gfunde, es heig i jeder Hinsicht gwunne. Aber ds Schönschte-n-a-n-ihm, der Usdruck, isch jedefalls nid der schtränge Gänfer Erziehung gsi z'verdanke, sondere de-n-Eröffnunge, wo der Papa dem Jetti scho ds Gänf gmacht het. I Gedanke-n-isch es scho lang daheim gsi, im Salon, im Gartecabinet, i syr Räbloube, a der Aare, im Brämgarte, i der Schoßhalde, überall im intimschte Gschpräch mit dem – Karludi. O wenn es nume hätti chönne flüge! D'Gutsche-n-isch ihm vo Schtund zu Schtund meh zur Galeere worde, und a jedem Schtutz het's ihn's dunkt, es sött ga schtoße. Ja, wenn me-n-a mene-n-Ort e Halt gmacht het, so het's de Roß chier nid möge Zyt la für der Haber z'cheue. Es het scho g'nachtet, wo si bi Frouechappele wieder i Wage-n-ygschtige sy, für jitz ändlech i mene 239 brave Trab gäge Brünne zue z'fahre. Vermuetlech hei sech d'Gedanke vo dene Passagier geng meh uf ds vorschtähnde, solide Bärner-Zabe-n-und uf di duftige, ruuche Lylache vo de früsch azogene Bett konzäntriert, da haltet nudereinisch d'Gutsche bi de-n-üsserschte Böum vo der Murteschtraß, dert ufsehär Weyerma'shus. »Was isch? – Was git's? rüeft der Herr Oberscht dem Gutschner zue. Me ghört öppis wie Schritte vo mene große Huufe Lüt. »I cha nid fahre«, seit der Gutschner. »Um Gott's Wille! Was isch? – E Huufe Militär! – Was mache die da?« so tönt's i der Gutsche. Und juscht wott der Oberscht Lombach, däm e düschteri Ahnung dür d'Haar gfahre-n-isch, der Gutscheschlag uftue, für ga z'luege, was es gäbi, da zündtet öpper mit nere Latärne-n-i d'Gutsche-n-yne. »Wär isch i däm Wage?« fragt me. Der Oberscht Lombach kennt di Schtimm und fragt: »Syt Dir da, Herr Houptme Chittig?« »Ja« het's gheisse. »Was mueß das gä, da?« Me ghört dem Oberscht Lombach sy Name nenne-n-und druuf abe ne Schtimm: »Dir chönnet wyterfahre.« Der Wage rollet a mene Piquet Scharfschütze vorby und verschwindet im Fyschtere. 240 Der Houptme Chittig het Befähl gha, mit syr Kompagnie der üsser Teil vom Brämgartewald abz'sueche-n-und sech de gäge d'Neubrüggschtraß zrückz'zieh. Di Expedition het de Verschworene vom Bannholz gulte, die sech angäblech di Nacht bim Glasbrunne hei sölle versammle, für de gäge d'Schtadt z'operiere. Bis jitze hei di usgschickte Patrouille nüt gwüßt z'mälde. Wohle-Brügg het's ds sältmal no keini gä, über die der Find hätti chönne-n-amarschiere, und so het sech der Houptme Chittig etschlosse, mit syr chlyne Heeresmacht vom Bätlehäm-Egge här diräkt uf e Glasbrunne zue z'marschiere. Mit großer Vorsicht isch me düre Wald vorg'rückt. Niemer het sölle ds Muul uftue, damit me sech nid verrati. Me het gar nüt Verdächtigs gmerkt, bis me-n-a Hasliwäg cho isch. Da chunt e-n-Usschpäher zrück und mäldet, me ghör se bim Glasbrunne. Und richtig, der Houptme Chittig ghört mit eigete-n-Ohre Schritte-n-und ds Chlevele vo Waffe. Uf der Schtell lat er d'Tête vo syr Kompagnie halte, und – schlädäräpätsch! pütsche di Hindere-n-a di Vordere, bis alles a mene dicke Chlumpe schteit. Es het gulte d'Schtadt Bärn vor mene-n-Überfall z'rette. Isch das dem Houptme Chittig grate, so het er sys Dänkmal uf der Plattform sicher gha. Wenn er jitz hie di ganzi Verschwörerbande chönnti umgarne-n-und i Glasbrunnesumpf jage! 241 Er füehrt di ganzi Kompagnie ussehär dem Hasliwäg so wyt gäge d'Aare zue, daß er völlig vom Aarebord här het chönne der Find uf e Glasbrunne zue trybe. Mit vielem Chüschele-n-und Müpfe het me di eiglidrigi Linie härgschtellt. Mit underdrücktem Zuerüefe het me di Linie-n-i Bewegung gsetzt, und bim Vorrücke het si sech nah-ti-nah i ne Schwarm verwandlet, will me bald d'Solidität vo de Tschaggo a Tanne-n-und Bueche probiert het und halbdotzeswys i d'Brambeerischtude-n-ynetrohlet isch. Obe-n-am Bord vom Glasbrunnegrabe ghört me plötzlech vo änenache halbluti Schtimme: »Si chöme, si chöme. Losit, wie's räblet! Söi mer schieße? – Wo söu me da schieße, we me nid d'Hang vor em Muu gseht! – Nüt da schieße! – Mit dem Bajonett hinger se!« Unwillkürlech isch d'Kompagnie Chittig i ds Schtocke cho. E Momänt isch es toteschtill worde, und druuf gället, scho meh wie-n-e Verzwyflungsschrei, vo der andere Syte der Ruef düre Wald: »Haut! Wär da?« Da donneret der Houptme Chittig i d'Fyschternis yne: »Hie Bärn, hie Rächt!« »Potz Tüüner!« antwortet's vo änenache, »das sy se, si chöme.« Und us em Lärme z'schließe, sy o dert verschideni Bärnerschädle-n-am Burgerholz probiert worde. 242 »Uf se mit Grien!« hei dem Houptme Chittig syni Manne brüelet und hei sech ds Bord abgschtürzt. Und wieder ghört me vom Find här e Schtimm: »Haut! – Wartit mer! Myner Schueh! – I ha myner Läderschueh verlore.« Göb me nume rächt Zyt gfunde het z'lache-n-über dä Jammer, verratet der Lärme, daß o d'Kompagnie Chittig i de Bachbumele-n-aglanget isch. »Tätsch, tatsch, plattsch, pätsch! isch es plötzlech losgange, und richtig hei emel es Dotze Scharfschütze d'Verfolgung baarfueß müesse furtsetze. Aber si isch trotz allne Hindernis und der chrisdicke Fyschternis übere Drackaugrabe-n-und übere gschuntne Hubel bis a d'Neubrüggschtraß tapfer düregsetzt worde. Dert ändlech het me di Fliehende möge »ebsie« und het du etdeckt, daß es e Patrouille gsi isch, die vo der Neubrügg här het sölle ga d'Verschwörer sueche. Me het du gfunde, es syg bi der Fyschteri und baarfueß i de Brambeerischtude neue nid guet z'mache, bis morn wärde si öppe wohl no warte, und isch hei marschiert. Aber scho vor Sunnenufgang het me d'Mannschaft wieder ufgjagt und d'Expedition erneueret, das mal mit dem Befähl, über d'Neubrügg z'marschiere-n-und ds Hahlegute ga usz'näh. Der Herr Rittmeischter het di sälbi Nacht e kei 243 Rueh gha und isch i große Sorge gsi um sy Suhn und syni Fründe. Chuum es Schtündli het er i sym Bett duslet gha, so het ne d'Morgesunne wieder gweckt. Er isch a ds Fänschter ga luege, was ds Wätter well, da etdeckt er, daß änet der Aare-n-öppis im blaugraue Schatte vom Wald gäge d'Neubrügg abegramslet. Er het sech nid lang bruuche z'bsinne, was das z'bedüte heigi. Mit zitterliger Hascht leit er sech a und nimmt es Schtilet zur Hand, für mit flügendem Zopf i ds Bannholz hindere z'loufe. Dert sy d'Füehrer vom Komplott i Permanenz versammlet gsi, so daß ds arückende Militär mit Liechtigkeit di ganzi Gsellscheft hätti chönne-n-abfah. Di erschte-n-Usschpäher sy scho der Schtutz ufcho, wo der alt Herr d'Hustüre hinder sech zuegschletzt het und hinder der Schüüre düre gäge Hinderchappele dervogschtürmt isch. Obschon er schier der Schnuuf verlore het, het er lut vor sech ane gredt und der Demokratie ihre-n-Ehreplatz i der underirdische Päch- und Schwäfelchuchi agwise. Je länger, descht chriegerischer isch er worde-n-uf sym einsame Wäg, und ändlech het er sys Schtilet fürezoge-n-und d'Schnydi gfingerlet. Si het edefalls no ghoue. Es paar Lufthiebe, Schtiche-n-und Parade hei ihm bewise, daß sy bald achtzigjährige-n-Arm no nid ganz schtyf worde-n-isch. Plötzlech ghört er e Göiß, und er gseht vor sech im Wäg e-n-alti Frou, wo im 244 Gang vo nere flüchtige-n-Änte vor ihm Ryßus nimmt. Es isch d'Weggefrou vo Hinderchappele gsi, wo mit ihrer früsche War de Landgüeter na welle het. Wär hätti's der arme Seel welle verarge, daß si gmeint het, der Herr Rittmeischter sygi verhürschet? Sogar är sälber het dä Irrtum grad begriffe-n-und hätti gärn syr guete-n-alte Lieferantin der Schräcke-n-und d'Angscht abgchürzt. Er het se grad gkennt und het ere nache grüeft: »Aber, was läuft sie denn so? – Ich bin's ja. Kennt sie mich denn nich mehr?« Mit Schnuppe-n-und Chyche sy si beidi der Wäg us pächiert, so gleitig als ihri schittere Bei 's erloubt hei. »Aber, so – wart' – sie – doch! – Kennt sie denn – den – ollen – Lentulus nich mehr? – – – – – – – – – – – – – – – – Dummes Biest! – Sie – sät – ja – ihre – Wecken.« D'Weggefrou het 's aber möge-n-und het nah-ti-nah Distanz gwunne, währed der Herr Rittmeischter mit chreftige Schtiche d'Weggli a sys Schtylet ufgschpießt het, wo nere-n-ob allem Schpringe-n-us der Hutte gfalle sy. Z'Hinderchappele-n-isch no niemer uf gsi als der Beck und d'Hünd. D'Hünd sy cho z'schieße, daß si sech a ihrne Chettene schier erwörgget hei, und der 245 Beck het mit offenem Muul zum Fänschter us gluegt, wie der Herr Rittmeischter syni neuischte Produkt mit dem Schtilet de wüetige Hushünd zuegschpickt het. Ohni Rascht isch dä arm Rittmeischter über Wohle-n-i ds Bannholz gloffe. Na mene churze Wortwächsel mit der Schildwacht isch er mit dere zum bewußte Schpycher cho und het mit mene Schyt ab der nächschte Schyterbyge-n-a d'Türe gchlopfet. Aber erscht, wo-n-er sym Suhn mit dem Name grüeft und me dinne sy Schtimm gkennt het, sy si cho uftue. Der Suhn Lentulus und der Karludi Landorfer sy mit mene-n-eltere Dienete-n-allei da gsi. Si hei uf e Houptme Wyttebach gwartet, dä Nachrichte-n-us der Schtadt hett sölle bringe, und sy, vom viele wache müed, drüber ygschlafe. Der Bricht vom alte Herr Rittmeischter het nume no dem Chlupf nacheghulfe, wo sy ungwahneti Erschynung a däm Ort bewürkt het. »Kinder«, het er gseit und isch usser Ate-n-uf ne Trog abgsässe, »Kinder« – – – si hei müesse förchte, der Schlag träff ne no, so het er gchychet – »macht, – daß – ihr – fort – kommt!« »Was ist los?« frage di beide junge Herre glychzytig. »Ihr – seid – ver – verraten. – Fort! Fort! – Die – Truppen aus der Stadt – sind – sind schon – herwärts – der Brücke.« 246 »Und der Wyttebach?« Der Herr Rittmeischter schüttlet nume der Chopf, für z'säge, er wüssi nüt vo-n-ihm. »Aber, macht, daß ihr fortkommt!« fahrt er furt, »will gar nicht wissen, wohin, wo ihr seid. Aber fort müßt ihr. Geht nach Neuchâtel und weiter! – Wenn ihr schreibt, so schreibt nicht an mich! – Irgend an einen Unverdächtigen – an eine Dame – oder sonstwen.« »Wei mer nid probiere, Alarm z'schla und is zur Wehr setze?« fragt der Karludi. »Unsinn!« seit der alt Herr, »Ihr seid zu schwach, und hier ist doch nirgends eine anständige Gefechtsstellung. Fort müßt ihr!« Das het dem Karludi nid rächt i Chopf welle. Er hätti's lieber uf ne Kampf la abcho, o uf d'Gfahr hi, daß er's mit dem Läbe hätti müesse zahle. Aber der Fründ Lentulus het d'Situation besser begriffe-n-und vorgschlage, sie welle-n-ihri Lüt heischicke-n-und flieh. Villicht lai sech d'Sach vo mene-n-andere Punkt us wieder ufnäh. D'Fäde vo ihrem Netz sy verrisse worde, bevor der letscht Chnopf isch gchnüpft gsi. So het me di verschidene-n-Afüehrer uf de-n-andere Poschte-n-ihrem Schicksal müesse-n-überla, und das het dem Karludi schier ds Härz im Lyb umdrait. Wie mängisch het er sech doch gäge-n-innere Vorwurf, si wärde mit ihrem Undernäh no anderi 247 i ds Unglück ryße, gwehrt! Das Verantwortungsgfüehl isch jitz, im Ougeblick, wo-n-er gseh het, daß ds Netz lat la gah, über ihn cho, wie-n-e Schturzwälle. Jitz hei plötzlech d'Tatsache gäge-n-ihn und syni Plän afah züge. Wie Batteriee sy si a sym Horizont ufgfahre, z'ringsetum, und hei ihm syni Hoffnunge-n-und syni Rächtfertigungsargumänt z'sämegschosse, daß Gott erbarm. Gärn hätt er sys Läbe-n-ygsetzt, wenn er dermit der Sach hätti chönne-ne-n-andere Dräj gä. Aber di junge Herre hei wohl gwüßt, daß e-n-offene-n-Alarm mit ihrne wyt zerschtreute Verbündete-n-o di findlech gsinnete Lüt z'säme-gfüehrt hätti, und e schäbigi Niderlag isch alles gsi, was me hätti chönne-n-erwarte, ja villicht e grusame Tod under Sägesse-n-und Dröschflegle. Aber ds Bitterschte vo allem isch e fürchterlechi Scham gsi, die der Karludi im Gedanke-n-a ds Jetti acho isch. Er het gwüßt, daß es i dene Tage het sölle heicho. Wär es ächt nid doch no aschtändiger, sys Bluet under de Mordwaffe vo erboste Bure la z'verrünne-n-und dermit z'bewyse, daß es ihm Ärnscht gsi sygi mit sym Ideal? So het er sech fragt. Ratlos und verwirrt isch er da gschtande-n-und het nid Miene gmacht, vom Platz furt z'welle. Eismal über ds ander-n-isch er mit der Hand dür sys verschtrublete Haar gfahre, und je länger, descht gräßlecher isch ihm sy Schand vorcho. Ds Jetti, d'Eltere, der 248 Schultheiß Fischer, di alti Frou Ryhiner, syni Fründe, alli bekannte Gsichter hei ne mit vorwurfsvolle Blicke-n-umringt, anderi mit unerträglechem Hohn. Er wär o sicher nid ab Fläck cho, hätt ne nid der Fründ Lentulus, wo unterdesse di letschti Schildwacht isch ga etla, bim Arm packt und über d'Schwelle-n-usezoge. Mit Träne-n-i de-n-Ouge het der Herr Rittmeischter sy Suhn umarmet und o der Karludi schier zärtlech bhüetet. Druuf hei si mit läbige Schritte der Wäg dür ds Bannholz ygschlage. Wo si am Waldsoum no einisch zrückluege, öb ne niemer nache chömi, hei si der alt Herr von Lentulus einsam bim Schpycher gseh schtah. Er het ne nachegluegt und mit sym rote Foulard d'Ouge gwüscht. Di Jagd am nüechtere Morge het dä alt Ma härgnoh. Trüebsälig isch er uf ne Schtägetritt ab-gsässe-n-und het uf di abgärntete Stoppelfälder use gluegt. E großi Wehmuet isch über ne cho. Ändlech het ne d'Büri vom Hof gseh dasitze-n-und isch ne cho frage, öb er öppe-n-es Chacheli Milch well. Gärn het er's agnoh. »Ja, ja, gute Frou«, het er nere gseit, »sie soll zufrieden sein. Sie hat jetzt geerntet vom Fleiß ihrer Hände. Sie hat eine volle Scheune und mag sich's wohl sein lassen, und ich bin ein verlassener, einsamer Mensch, der keine bessere Hoffnung mehr hat als den Tod.« 249 »E öppe doch nid«, het d'Büri gmeint. Aber der Herr Rittmeischter het sech nid wyters mit ere-n-ygla. Mit mene-n-eigetümlich truurige Süüfzer isch er ufgschtande, het ere danket und isch waggelig a sym Schtiletschtäcke gäge hei zue gwanderet. Wo-n-er gäge d'Hahle zue cho isch, het er nume no ei Gedanke gha: Ga ablige-n-und, wenn müglech für geng yschlafe, vowäge vo däm Läbe het er meh als gnue gha. Ja, dä guet Herr! Schtatt dem fridleche, Grien verschperzende Hüehnervolk findet er im Schatte vo sym Hof e Zug Soldate, die, uf ihri Gwehr glähnt, ne-n-aginet und über sy altmodische-n-Ufzug, bsunders aber über sy Cadenette, sech luschtig gmacht hei. Ohni lang z'frage, was das z'bedüte heig, geit er yne-n-und findt alli Schtubetüre-n-offe-n-und uf allne Böde d'Schpure vo unputzte Schueh. Im Plainpied isch niemer umewäg gsi; aber überobe het me ghört dasumeloufe. Ganz zufällig schtreift sy Blick im Salon e Kommode, und da etdeckt er, daß die versiglet isch. »Tant pis« seit er halblut und geit i sy Wohnschtube. Dert isch di glychi Beschärung. Alli Schäft und Schublade verpütschiert. Ja, sogar es schöns antiks Möbel, halb Schrybtisch, halb Schaft, isch mit Schnüer vermacht gsi und Amtssigel druff, wahri Omelette vo Pütschierwachs. Bi däm Ablick wird der Herr Rittmeischter rot 250 wie-n-es Chirsi. »Dumme Luders!« brüelet er und waggelet i Gang use, wo juscht d'Exekutore d'Schtäge-n-abchöme, zwee Offizier im Gleit vom Herr Riesig, dä ne brönnige Cherzeschtock und e Drucke mit Pütschierwachsschtängle-n-und mene pfündige Sigel treit. Hinder ne här isch, i Träne badet, ds Herr Rittmeischters Chöchi cho. Bim Ablick vom vermißte Herr isch es ganz us em Hüsi cho, und nid viel hätti gfählt, so wär's ihm ume Hals gfalle. Aber es het wägem Herr Riesig nid düre chönne, dä vor ihm gschtande-n-isch und i-n-Ermangelung vo anderwytiger Größi es müglechscht breits Muul gmacht het. Bi der Begägnung gryft der Herr von Lentulus i di graui Vergangeheit zrück und nimmt uf ne-n-Ougeblick der Rittmeischter füre. »Was soll denn die verfluchte Komödie?« schnarret er, so guet's no geit. »Wer hat Ihm denn das Recht gegeben, in meinem Haus rumzuschnüffeln?« »Mit Verloub, Herr e Rittmeischter«, antwortet, chly verdatteret, der Herr Riesig, »ich em e habe oberkeitliche Vollmacht und Befähl, Eure Bapiere zu versiegle, bis di em e Undersuchungskommission kommt.« »Wozu denn?« fragt der Herr Rittmeischter. »Ja, halt äben, von wägen weil Ihr an dem Komblott gägen die Oberkeit verdächtiget seid.« 251 »So? – Wie kommt man denn auf den Verdacht, was?« »Ja, da müeßt Ihr halt dann die Herren Undersuchungskommittierten fragen, Herr Rittmeischter.« »Na also! Wird schon besser sein. Aber warum versiegelt er mir denn meinen Tabak und meine Pfeifen, impertinente Demokratenkröte, he?« Ds Gsicht vom Herr Riesig isch nid intelligänter worde-n-ob der Frag. Er het no nid gwüßt, wie antworte, so nimmt ne der Herr Rittmeischter bim Arm und füehrt ne vor sy Schrybtisch. »Reiß Er mir gefälligst die Schweinerei da herunter! – Was Er an Papieren drin findet, mag Er gleich mitnehmen. Aber meinen Tabak will ich frei haben.« Der Herr Riesig het syni Siegel wieder abgchnüblet, und du het ihm der Rittmeischter alli Ghältleni vo sym Schrybtisch ufta. Es malitiöses Lache-n-isch über d'Gsichter vo dene beide-n-Offizier gange, wo im mittlere Fach, i däm sünscht öppe ds Ufgabebuech und der Zinsrodel ihres verborgene Dasy füehre, es Liqueurier mit verschidene halbvolle Flacons zum Vorschyn chunt. Alli andere Ghälter sy voll Tubak, ganzi und verbrocheni Pfyfe-n-und Sämereje gsi. Di Herre-n-Exekutore hei natürlech o nachem junge Herr von Lentulus gfragt, vowäge juscht grad 252 däm het di ganzi Expedition gulte. Aber der Papa het se-n-uwirsch agchnurret, sie sölle ne sälber ga sueche, das syg nid sy Sach. Wo si furt gsi sy, het du no ds Chöchi los gä und brichtet, wie di »Uflät« alles dürschnouset und verdräcket heige. Nid emal der Chatz heige si Rueh gla. Die het nämlich, wie alli ihre Vorlöufer sit dem »Ziethen«, ihri Bhusig im Papierchorb gha, und sogar dä het me-n-erläse. Si sälber, d'Chatz, het sech i Fauteuil vo ihrem Herr gflüchtet gha und het dert, behaglech z'sämegrollet, der Wält ihre Louf gla. Der Herr Rittmeischter het se bim Äcke gnoh, se vor sech anegha und nere gseit: »Na, alte Susel, womit haben wir zwei wohl das verdient, he?« Druuf het er sech, völlig erschöpft, i sy Fauteuil nidergla, d'Chatz uf d'Schoß gnoh und isch na wenige Minute-n-i-ne tiefe Schlaf verfalle. Der Tag vorhär het me no zwo anderi Expeditione-n-abgla, di einti vo Bälp us, ga Toffe, für der Herr vo Werdt ga z'päckle, di anderi vo Bärn us i Eichbärg, für der Herr Major Fischer ga z'verhafte. Aber es isch ne-n-übel ergange. Z'Toffe, wo si gäge ds Schloßguet zuecho sy, isch di ganzi Guetsmannschaft mit Mischtgable-n-und Dröschflegle-n-uf se z'dorf cho und het se-n-i d'Flucht g'schlage. Der Herr vo Werdt isch uf mene Boum obe g'sässe-n-und het der Schlacht zuegluegt. Nachhär het er 253 sys Cöfferli packt und isch verreiset. Nid besser isch es der Expedition im Eichbärg ergange. Si isch uf nes Alarmzeiche hi vo mene chlynere Landschturm überfalle-n-und us em Guet gjagt worde. Da aber der Herr Fischer no im Eichbärg blibe-n-isch, het me-n-unverzüglech e zwöiteVersuech gmacht und underem Kommando vom Major Chempeler e chlyneri Belagerungsarmee z'sämegschtellt: es Dotze Rüter, e Kompagnie Scharfschütze, e halbi Füsilier und z'lescht no ne Vierpfünderkanone. Däm guete Major sy Ufgab isch nid liecht gsi. Sitdäm daß d'Mehrzahl vo de höchere-n-Offizier us Verdruß über di politischi Umwälzung der neue Regierung der Eid verweigeret het, isch alles e chly i-n-Unornig cho, und di bärnischi Armee isch nüt wenigers als schlagfertig gsi. Grad das Expeditionskorps isch, i aller Hascht mobilisiert, schlächt organisiert und no gar nid rächt diszipliniert gsi. No bi Schtärneschyn isch es vo Bärn ufbroche. Bis ga Allmedinge-n-isch me ganz ohni Schtörung cho. Aber wo si der Bollholzschtutz ab gäge Rubige zue marschiert sy und undereinisch di ganzi Alpechetti i ihrer wunderbare Morgepracht zum Vorschyn cho isch, da hei di guete Soldate di obligatorischi Schtimmung plötzlech vergässe-n-und hei us vollem Hals afah jutze-n-und singe: »Niene geit's so schön u luschtig, wie daheim im Ämmetal.« Giechtig isch der Major Chempeler cho z'träble: »Wär singt da? – Weit der schwyge?« Aber er isch dem guete Luun nid so gleitig Meischter worde. Het er se vorne gschweigget, so hei si hinde gholejet, und het er se hinde-n-agschnouzt, so hei si vorne wieder agfange. Für se z'kuranze, het der Major la Schritt marschiere-n-und d'Tamboure mache z'schla. So bösdings isch es gange, aber me het der Täxt chönne verschtah: »Räbedi, räbedi Burgerchrach, Das isch halt doch e fuli Sach Räbedi, räbedi, Ploueli, Wett lieber hei zum Froueli. Räbedi, räbedi pumm! Mir isch es gar nit drum. Z'Rubige het er sech vor em Wirtshus ufpflanzt, bis der letscht Ma vorby gsi isch, damit ihm ja keine-n-ychehri. Das wär rächt gsi; aber du het du sys Roß nid vom Wirtshus ewäg welle, bis ihm e Buur mit nere Geisle z'Hülf cho isch. Du isch er du cho z'galoppiere, daß schier d'Kanone drob erschoche-n-isch. Vor em Dorf Münsige het du der Herr Major linggs und rächts eine vo syne Draguner näbe sech gnoh, bis si am »Leue« vorby gsi sy. Aber richtig, öppe hundert Schritt wyter merkt er scho, daß der groß Magnet d'Queue vo syr Exekutionsarmee ab der Schtraß und uf d'Wirtshusschtäge zieht. Jitz, 255 was mache? I Hof vom »Leue« zrückryte, isch mit däm Roß nid ratsam gsi, wenn me hütt no het über Münsige-n-use welle cho. Und der Insubordination het me doch o nid dörfe-n-ihre Louf la. Er schickt der nächscht Lütenant hindere, ga Ornig mache-n-und donneret e ganzi Kartätscheladig Arräschte-n-über d'Chöpf vo der Kolonne wäg. Aber löset e so ne Kompagnie, wo sech a nere Wirtshustüre-n-agsoge het, los! Da git e Bluetsuger ringer ab. Ändlech nimmt der Major doch ds Härz i beidi Händ und rytet z'rück. Wo-n-er mit Donnerprall zum »Leue« chunt, flüchte sech d'Soldate d'Schtäge-n-uf. Si hei wohl gwüßt, daß er ne dert ufe nid nache chunt. Ds ganz Offizierskorps het du Hand agleit und mit Müej und Not chönne-n-Ornig schaffe. Derwyle hei si aber a der Tête o nid welle Löhle sy und hei, ohni es Kommando abz'warte, di schöni reglemäntsmäßigi Evolution »von vorne Distanz genommen« usgfüehrt, bis zwee Schritt vom »Ochse«. Da isch du guete Rat tüür gsi, bsunders i dene Tage, wo me hinder jedem Mischthuufe füre vo Volksrächt brüelet het. Glücklecherwys hei si d'Kanone z'hinderscht gha. Mit dere hei si du afah fahre-n-und dermit di ganzi Heerschar vor sech här zum Dorf use drückt, wie ds Ghäck us nere Wurschtmaschine. Aber ds ergschte vo allem isch dem Herr Major Chempeler gsi, daß es paar Patrizier vo 256 de-n-umligende Landsitze – ehemaligi Offizier – der Komedi zuegluegt hei. Gäge Mittag ändlech hei si der Eichbärg i Sicht übercho. Der Major isch mit de Rüter vorus und het rekognosziert, währed ds Gros unde-n-am Bärg isch blybe schtah oder, besser gseit, blybe lige, vowäge, sobald si d'Gwehrpyramide hei gmacht gha, isch eine hie use, der ander dert use trohlet und hei afah schnarchle. Öppe ne Halbschtund lang isch der Major mit syr Rüterei um ds Guet umegschtriche, und du het's bi der Infanterie gheisse: »Heit uf! Er chunt.« Öppe d'Hälfti het uf möge, bis er da gsi isch, und der Räschte het me mit Brüele-n-und Schtüpfe-n-o no uf d'Bei bracht. Druuf het der Major dem Expeditionskorps no einisch der ganz Ärnscht vo der Situation klar gmacht und e komplizierti Fäldwachtorganisation vorgnoh. I wytem Kreis het ds ganze Guet mit nere wohlberächnete Chetti vo Schildwache, eifache, Doppel-, Houpt-, Näbe-, Passier-, Alarm-, Signal- und andere Spezialpöschte sölle-n-umschtellt wärde. »Heit der's begriffe?« fragt der Major. Es het emel niemer nei gseit. »He nu also. Und jitz, Manne, wird nüt meh gsoffe, verschtande?« Zur Sicherheit hei si alli müesse d'Fäldfläsche-n-uftue und uslääre, was gar nümme nötig gsi wär. Es isch kei Tropf meh usecho. 257 »So! Ouf Eure Poschte! Marsch!« Di Herre Subalternoffizier hei sech drahi gmacht, ihri schlafschturme Füsilier und Scharfschütze-n-a ihri Pöschte ga z'schtelle. Na de-n-Erfahrunge vo der erschte-n-Expedition isch der Ygang zum Hof der gfährlechscht Punkt gsi, und drum het der Herr Major Chempeler sys grobe Gschütz e so welle-n-ufschtelle, daß es dä Ygang het chönne-n-under Füür näh. Aber jitz het es sech befunde, daß niene kei Kanonier umewäg isch. Der Schtuckfuehrme het gseit, er heig scho sit Chiltderf e keine meh dervo gseh, si heige sech allwäg verlüffe. Item, under dene-n-Umschtände het der Major uf d'Mitwürkung vo der Artillerie verzichtet. Er wär gärn no einisch ga d'Vorposchte-n-abryte; aber es het ihm schier gruuset vor em Erger, wo-n-er de derby chönnt erläbe. Und so het er sech, vo nere schtarke Patrouille begleitet, uf e Wäg gmacht zum Herreschtock. Zu aller Sicherheit het er e-n-Anzahl Schütze so ufgschtellt, daß si der Hof hei chönne beschtryche. Es isch alles schtill gsi. Aber het das nid chönne-n-e Schtilli vor em Schturm sy? Me lütet a der Husglogge, und uf das hi erschynt es fründlechs, alts Meitli und fragt: »Das wärde di Herre vo Bärn sy?« »Wo isch der Herr Major von Fischer?« schnouzt der Herr Chempeler. »Es isch mer leid«, antwortet ds Meitli, »ds 258 Herr von Fischers sy dä Morge verreiset. Si la de di Herre no fründlech la grüeße. – Sie hei äbe du schier nümme Zyt gha ne la Bscheid z'mache.« Aber so het sech der Herr Major Chempeler nid welle la heischicke. Er seit: »Das sy Flänz« und schtoßt ds Meitli uf d'Syte für uf der Schtell e Hussuechung vorz'näh. Syni Lüt sy-n-ihm nache gschtürmt, und d's Meitli i panischem Schräcke schpringt i Hof use, zieht d'Chnächteglogge-n-und brüelet: »Fürio! Mordio! Schelme! Mörder! Z'Hülf!« Uf das hi chunt's us allne-n-Egge füre, Chnächte-n-und Tauner, e große Huufe. Di ufgschtellte Schütze hei nid gwüßt, sölle si schieße-n-oder nid. Aber will niemer befohle het, hei si's la sy. Der Major het öppis ghört vo däm Schpektakel und wott cho luege, was es gäbi. Da begägnet ihm under der Hustüre der Mälcher mit mene Munizähm i der Hand und fragt: »Was mueß das gä, he?« Dem Major isch es nid heimelig z'Muet gsi. Er probiert z'erscht d'Autorität fürez'chehre-n-und seit mit erhüüchleter Rueh: »Das isch, dänk, my Sach«, und wo der Mälcher e kei Wank wott tue: »Nähmet ech nume-n-in Acht, was der machet! Mer sy im Uftrag vo der Regierig da.« »Das geit mi nüt a«, drüit der Mälcher, »wenn der Gröubi weit, so säget's! U süsch machet, daß 259 der use chömet! Dir heit nüt z'sueche da inne, so lang der Herr furt isch.« Jitz isch es uf d'Gnepfi cho. Der Major Chempeler isch kei Momänt im Zwyfel gsi drüber, wär da inne Meischter würdi, wenn me's ließ la druuf abcho. Trotz allem Patriotismus het er sech gseit, er wüßti eigetlech nid für wän und für was er sech da ließ abschmiere-n-und het vorzoge, e Kompromiß yz'leite. »Wenn Dir d'Verantwortung weit uf Ech näh, so cha me ja di Hussuechung underwäge la. Lat is nume-n-use! Aber Dir müesset Ech de nid öppe-n-ybilde, Dir tüejet Euem Meischter e guete Dienscht leischte dermit«, seit er. »Das isch däich de üsi Sach. Sie söui de nume-n-uehe cho, di Fäderefuchser. Su gaht!« raisonniert der Mälcher. Der Herr Major antwortet: »Nu nu, ganget Dir afange vora!« Der Mälcher het du der Wäg frei gla, und der Major isch mit syne Lüte-n-use. Sobald si zum Hof use-n-und d'Allee ab gange sy, isch di ganzi renitänti Bsatzung losbroche-n-i nes Hohngebrüehl: »Gaht ume, dir Schtadtfötzle, Regierhüng, Bättler, Schelme!« und so wyters. Der Herr Major het d'Belagerung ufghobe-n-und isch gäge Seftige-n-abmarschiert. Jitz isch aber sy Mannschaft uwirsch worde. So für nüt und 260 wieder nüt hei si de doch nid welle-n-usgrückt sy. Sech la usfötzle, hei si gmeint, hätti me z'Bärn nide-n-o chönne. Für das hätti's nüt gmanglet, se da ufe z'schpränge. Der Kommandant het wohl use gschmöckt, wo's muttet und het uf em nächschtbeschte Platz la abchoche-n-und fuettere. Da-n-er mit der Gsellscheft nit der Versuech vo nere-n-Yquartierung het welle wage, het er se bis gäge-n-Abe la leue. Wo si du gässe-n-und trunke gha hei, hei si du wieder gfunde, es syg doch schön i der Schwyz. Der Herr Major het di gröbschti Hitz la vorbygah und ändlech mit Zuerede-n-und Ufbegähre sys Korps wieder uf d'Bei bracht. Aber der Heiwäg het er du dür ds Gürbetal gnoh, für Münsige z'vermyde. Gäge Mitternacht isch er mit der Houptsach dür ds Murtetor yne marschiert. Der Räschte het me gsäit und für hinecht sym Schicksal überla. So isch überall, wo me nüt het gha z'verlüüre-n-und nüt z'gwinne, di bewaffneti Underdrückung vo der Gägerevolution müglechscht harmlos abgloffe, nid z'rede dervo, daß e kei Fingerhuet voll Heldebluet uf e-n-Altar des Vatterlandes isch gschprängt worde. Viel giechtiger, wenn o ganz unbluetig, isch i der Schtadt gfuehrwärchet worde, wo di Meischtinteressierte dick ufenandere gsi sy. Juscht, wo der Major Chempeler ohni Sang und Klang i d'Schtadt ymarschiert isch, het sech e 261 großi ufgregti Volksmasse-n-a ds Gitter vom Erlacherhof drückt und i der Fyschteri di sünsch so schtilli Junkeregaß, bald mit Ufbegähre, bald mit Lache-n-erfüllt. Z'gseh isch eigetlech nüt gsi, als es paar Schildwache, wo ds Gitter und di verschidene Türe ghüetet hei. Aber me het geng gmeint, es gäb de no öppis und es müeß no öppis ganz Appartigs zum Vorschyn cho, will ds Grücht gange-n-isch, d'Patrizier heige der Erlacherhof i nes gheim's Züghus verwandlet und vo dert wärdi d'Gägerevolution de plötzlech usbräche. Aber ds einzige, was zum Vorschyn cho isch, sy di paar Chischtli gsi, die synerzyt der Ludi Bickhard ga Bärn gfüehrt het. Er het allerdings dennzumale gar nid schlächt errate gha. Es sy weder décorations pour la chambre de Madame, no candélabres, no sünscht öppis e so, drinne gsi, sondere Munition, die me für d'Bürgerwacht het la cho, wo d'Schpannung zwüsche Schtadt und Land yträtte-n-isch. Di Bürgerwacht isch aber gar nie ufbotte worde, und so isch di Munition eifach da blybe lige. Jitz frylech het si als corpus delicti der Regierung famosi Dienschte gleischtet. D'Gaß isch ändlech du dür ds Militär gruumt worde, und du isch es schtill blibe. Derfür aber isch gscheh, was di vorsichtige Lüt vorusgseh hei. Dür ds verwärfleche Komplott vom Bannholz, desse-n-Afüehrer mit 262 wenige-n-Usnahme-n-etwüscht sy, isch alles mit i Schtrudel vo Verdächtigunge-n-und Verlümdunge-n-yne grisse worde, was Hand botte het zur Verteidigung vo der Burgerschaft gäge d'Übergriffe vo der Regierung. Und so isch e ganzi Mängi vo Lüte verhaftet worde, die gar nüt Böses im Schild gfüehrt hei und drum o nid gwüßt hätte, warum si sötte flieh. Der alt-Schultheiß Fischer und syni Kollege vo der Sibenerkommission sy, di einte z'mitts i der Nacht, abgfasset und im Erlacherhof i schträngi Undersuechungshaft gsetzt worde. D'Regierungsjurischte hei mit großer Chunscht Belaschtungsmaterial zsämeg'chrauet, alles schtyf dürenandere grüehrt und dermit e Monstreprozäß agrichtet, wie-n-es z'Bärn weder vorhär no sithär eine gä het. 263     XI. E schmärzhafte Sieg. A mene trüebe-n-Oktobermorge het der Guetsschaffner uf der St. Petersinsel, wo-n-er de Räbe na gange-n-isch, am Waldsoum obe-n-e nätt agleite Herr gseh, dä mit großer Ufmerksamkeit der südlech Teil vom See het gschine z'beobachte. Dere Schpaziergänger sy öppe mängisch cho, und drum het der Schaffner wyters nid Achtung gä uf ne. Es isch e fröschtelige Wätterluft gange. Der See het sech gchrüselet, di mächtige Papple-n-am Ufer hei ihri Höupter boge, wie riesigi Husareschtrüüß im scharfe 264 Ritt, und ihres flatterhafte Loub het ohni Sunneglanz gflimmeret. Im Eichewald obe het's gruuschet wie Meeresbrandung. Es isch gsi, wi wenn me der Näbelschtrom ghörti ruusche, wo mit breite Schwade dem bruune Chasseral na gschtriche-n-isch. D'Landschaft isch geng trüeber worde. Ds Schilf het melancholisch pfiffe, und i planloser Flucht sy gäli Wydebletter über d'Herbschtzytlose gfloge. Schließlech isch es übere Jolimont ab cho wie-n-e graue Schleier, und bald het e fyne Räge di herbschtleche Bletter firnisiert. Ob der einsam Wanderer im Wald obe der Räge nid g'achtet het? Mit gsänktem Chopf und düschterer Schtirne-n-isch er über e ganze Chamme vo der Insel hi-n-und här gange-n-und het sech nid um ds Wätter gschore. I der alte-n-Abtei unde het niemer a-n-ihn dänkt, bis er ändlech gäge Mittag sech zueche gla und öppis z'ässe bschtellt het. Me het ihm ds Wenige, was er gheusche het, uftreit und ne nachhär wieder sym Schicksal überla. Di wenige-n-Inselbewohner hei alli Händ voll z'tüe gha für d'Zuerüschtung vom Läset, und so het niemer uf ihn g'achtet. Gäge-n-Abe het er sech wieder zeigt und es Schiff gheusche. Aber der Luft het um d'Husegge gchutet, daß es e Gruus isch gsi, und niemer isch schnitzig gsi, mit ihm z'fahre, und a so mene rätselhafte-n-Unbekannte nes Schiff avertroue, 265 uf di bloßi Verschprächung hi, er bring's de z'morndrisch ume, het der Schaffner o nid welle. Er het ihm grate, über Nacht uf der Insel z'blybe, wenn er doch well umecho. Dadruuf isch der Frömdling ygange. Me het ihm e großi, heimeligi Schtube zwäg gmacht. Und jitz het er sech du zur Beruehigung vom Schaffner o gä z'erchenne. I glöufigem Französisch het er brichtet, er heig mit öpperem es Rendez-vous verabredet und syg halt offebar wägem schlächte Wätter im Schtich gla worde. Er heissi Villars und syg im Neueburgische hüslech. Am andere Morge-n-isch ds Wätter nid viel besser gsi; aber der Räge het nagla, und der Inselfischer het de Fisch welle-n-agmerkt ha, daß es bald wärdi ufheitere. Der Herr Villars het gseit, er wüssi, daß di Lüt, wo-n-er erwarti, am nächschte ganz schöne Tag wärde cho, und da är nüt z'versuume heigi, blyb er halt hie. Wie geschter isch er bald dem Ufer na, bald dobe-n-im Wald umegschtriche-n-und het d'Gäged vo Gerolfinge nid us em Oug gla. Er het e so schwärmüetig usgseh, daß di ganzi Schaffnersfamilie mit ihm Beduure gha het, und sys fründleche-n-Ufträte-n-isch mit Gselligkeit erwideret worde. Düre Namittag isch d'Sunne chly fürebroche. Der Herr Villars het sech am Waldsoum ob de Räbe-n-uf nes Bänkli gsetzt und de Räblüte zuegluegt. Na mene Cherli zieht er e Brieftäsche-n-us 266 em Sack und vertieft sech i syni Papier. Öb er drüber ygnickt isch oder was, er het's emel nid gschine z'merke, daß ihm der Luft es Zeddeli i d'Räbe-n-abe treit het. E-n-Arbeiter het's uf und git's dem Schaffner. Dä het e Blick druuf gworfe-n-und gseh, daß es e Brief isch. Ohni ne-n-usenandere z'falte, het er grad der Schluß chönne läse: » ... si tu réussissais à la rattraper là-bas. Que Dieu bénisse votre rencontre! Quant-à moi, je t'ai tout pardonné et tu me sauras à travers toutes les adversités ta fidèle, tendre et très taciturne Maman. « Wo der Schaffner zum Bänkli chunt, gseht er, daß sy Gascht i nes Namittagsschläfli versunke-n-isch. Näbe-n-ihm sy no anderi Papier gläge, under anderem emel o-n-es bärnisches Amtsblatt, und dert drinne-n-isch e-n-Artikel blau agschtriche gsi, so öppis wie-n-e Fahndung. Der Schaffner het sech nid chönne-n-ebha, e flüchtige Blick dry z'tue. Aber us Angscht, der Herr Villars chönnti erwache, het er di Papier wieder zsämegschobe-n-und e Schtei druuf gleit. Da drob isch er du richtig erwachet und het der Schaffner erschtuunet agluegt. Dä het sech etschuldiget und gseit, der Luft heig ihm syni Papier dervotreit. Der Herr Villars het nid juscht erbouet gschine-n-ob 267 däm Bricht, het aber doch danket und syni Papier versorget. Bi'm Wyterarbeite het der Schaffner über di wenige Wort nachedänkt, wo-n-er het chönne läse. Und das Signalemänt, wo i der Zytung blau agschtriche gsi isch, het, sowyt er's e so mit eim Blick het chönne läse, mit der Erschynung vom Herr Villars gschtimmt. Er het Verdacht gschöpft und sech vorgnoh, sy Gascht e chly under de-n-Ouge z'bhalte. Am Abe het me zur Fürsorg alli Weidlige-n-a ds Malletschloß gleit und der Herr Villars, ohni daß er's gmerkt het, im obere-n-Etage vo der Karthause-n-ybschlosse. Am dritte Tag ändlech het sech im Bielersee e duftig blaue Himmel gschpieglet. I fründlechem Sunneschyn sy z'ringsetum d'Dörfer zwüsche de gäl-grüene Räbe gläge. Ds vielfarbige Loub vom Inselwald het prächtigi Bouquets gmacht und mit syne glüejig rote Fläcke zum milde Blau vo Himmel und und See luschtig kontraschtiert. Scho bi Zyte het der Herr Villars syni Beobachtungs-Schpaziergäng wieder ufgnoh und dermit dem Schaffner sy Schpannung no vermehrt. Me het sech am Morge scho gfragt, öb me-n-ächt nid dem Schtatthalter z'Erlech äne sötti Bscheid mache vo däm merkwürdige Frömde. Aber me het sech doch nid welle blamiere-n-und het's emel einschtwyle la sy. 268 Um di elfi ume het sech bi Gerolfinge-n-es Ruederschiff vom Ufer glöst. Vo däm Ougeblick a isch der Herr Villars merklech läbhafter worde. A der Urueh, mit dere-n-er syni Usluegpöschte gwächslet het, het me chönne gseh, daß er mit Ungeduld uf d'Landung vo däm Schiff wartet. Di ganzi Schaffnersfamilie het der Gwunder plaget, was ächt jitz da wärdi zum Vorschyn cho, und meh als einisch het sech ds eint oder ds andere vo der Arbeit gschliche, für vo mene freie Punkt us ds Schiff z'beobachte. Wo-n-es afange so nach zueche cho isch, daß me d'Insasse het chönne-n-underscheide, isch der Herr Villars i ds Gschtrüpp näbe der Ländti füre cho und du mit urüejigem Schritt wieder zum Hus ga warte. Der Schaffner het sech i de Räbe verschteckt und d'Ländti uf ds Chorn gnoh. Es paar Minute no sy verschtriche, und du het me d'Schiffschetti a der Ländti ghöre rassle. Jugedlechi Schtimme hei agnähmer Überraschung Usdruck gä, und mit liechte Schritte-n-isch di chlyni Gsellscheft der Wäg ufcho, vora zwo schlank gwachseni Töchtere, di einti mit nere Guitarre bewaffnet, jedefalls e-n-Ängiländere – emel der Alegi und der pedantische Coiffure na – di anderi es Landschind, sehr schön gwachse und schön vo Gsicht, aber ender e chly melancholisch. Ufgfalle-n-isch a dere, daß si ohni Eztravaganz i ihrem Derhärcho der Mode Trotz 269 botte het. Schtatt der üebleche, gfältlete Battiste-Collerette het si es Fichu à la Marie Antoinette treit, was ihrem prächtige Hals verwändt guet gschtande-n-isch. Ihre Gang isch degagiert und ihri ganzi Haltung ender schtolz und beschtimmt gsi. Hinder dene beide Töchtere chöme zwee Buebe, der eint ma füfzächni, der ander öppe zwölfi gsi sy. Undereinisch blybe di beide Töchtere schtah. Die, wo der Schaffner für ne Bärnere-n-agluegt het, packt, wie i mene große Chlupf, ihri Fründin bi der Hand und wird bald rot, bald bleich. No het der Schaffner sech dä Schräcke nid erklärt gha, so schteit sy Herr Villars vor dene Beide, o dunkelrot im Gsicht. Er breitet wie zum Epfang d'Arme liecht us und seit: » Ne vous effrayez pas, Mesdemoiselles, je viens prendre congé de vous. « D'Bärnere git ihm, sichtlech verläge, aber doch fründlech d'Hand und schtellt ne-n-ihrer Fründin vor. Di beide Buebe hei der Herr Villars ungeniert grüeßt, wie ne-n-alte Bekannte. Druuf sy si alli mitenandere zur Abtei gange. Si hei sech es Z'mittagässe bschtellt und sy bi-n-enandere blibe. Währed dem Ässe hei si nid grad gar läbhaft brichtet, alles wältsch und ender glychgültigs Züüg. Meh als einisch het d'Ängiländere der Herr Villars öppis gfragt über di politische-n-Ereignis vo Bärn; aber jedesmal het er nere gseit, er wüssi nüt und het öppis anders afah brichte. 270 Mhm, het der Schaffner dänkt, jitz gang ihm es Liecht uf übere Herr Villars. Aber als Kastellan vo nere bärnburgerleche Korporation het er jitz der Gedanke-n-ufgä, dem Schtatthalter z'Erlech Bricht z'mache. Im Gägeteil, er het sy Gascht mit größerem Flyß bedienet als vorhär. I syne Vermuetunge-n-isch er no gwüsser worde, wo-n-er nachem Ässe d'Bärnere, die vo de-n-Andere mit »Jetti« isch agredt worde, dem Herr Villars ghört zuerüefe: »Monsieur Landorfer«. Si het gschine sech verschnäpft z'ha, vo-wäge, si isch ob ihrem Zueruef erschrocke-n-und rot worde, währed är mit mene verwysende Blick g'antwortet het. Di jungi Gsellscheft isch i Wald use gschpaziert, d'Ängiländere, e Pänsionsfründin vom Jetti, wo z'Rychebach en séjour gsi isch, mit dene Buebe Lombach vorus, ds Jetti mit dem Karludi langsam hindedry. Er het sym Göttichind erzellt, wie-n-er z'St.-Blaise underem Name Villars bi syne-n-alte Bekannte-n-i schträngem Verschteck es ungmüetlechs Dasy füehri. »Aber wieso syd Dir de dahäre cho?« fragt ds Jetti. »I ha dür ne Brief vo myr Mama erfahre, daß Dir es Pic-nic uf d'Insel vorheiget und jitz ha-n-i mi dahäre gschliche-n-und sit dreine Tage-n-uf Ech gwartet.« 271 »Ach!« seit ds Jetti, »das isch hingäge meh als touchant.« »Es isch leider Gotts nume no my Pflicht und Schuldigkeit«, fahrt der Karludi furt, »vowäge, wie-ni der scho gseit ha, bi-n-i cho, für der cho adieu z'säge. Das ha-n-i mer hingäge doch nid welle la näh«. Druuf sy si e Zytlang wyter gloffe, ohni daß eis es Wort fürebracht hätti. Ds Jetti het sys Naselümpli vor ds Gsicht gha und nume mit Müej sy Fassung bhalte, währed är sech uf d'Lippe bisse-n-und uf e See use gluegt het. Ändlech wird er sym Weh wieder Meischter und seit mit erzwungener Schtimm: »My Mama meint zwar, es wäri nid nötig. Mer bruuchte-n-is nid la z'fahre. Aber di gueti Seel weiß halt allwäg nid alles. Si weiß villicht nid, daß i usgschribe-n-und verfolget bi »»wäge hochverräterische-n-Umtriebe«« – da channsch es sälber läse.« Er git dem Jetti ds Amtsblatt mit der Usschrybung. Ja, da het's es druckt chönne läse. Alles, was dem Jetti a der üssere-n-Erschynung vo sym Schatz e so lieb worde gsi isch, di nätti Schtatur, sys schöne, regelmäßige Gsicht mit de treuhärzige, graue-n-Ouge, de liecht ufgworfene Lippe, sy sydige bruune Schopf, isch da vor aller Wält syne Verfolger als Merkmal agä gsi. »Si weiß halt nid«, fahrt er furt, »was das uf 272 sech het. Si weiß no nid, daß ihre-n-Eltischte, wo nere so am Härz ligt, g'ächtet isch, heimetlos, und daß ihm Verbannung oder Zuchthus wartet. O, di liebe, liebe-n-Alte daheim! – Dir müesset ech z'säme tröschte. Dir müesset halt eifach anäh, i syg nümme, i syg dürgschtriche-n-und fertig. – Briegg nume nid, Jetti. Es isch jitz halt so, und da chönne mer nüt dranne-n-ändere. Aber verzieht mer, um Gott's wille, vergäbet mer's, daß i nid meh a euch alli dänkt ha. I bi halt myne-n-Ideal nachegschtürmt und ha geng nume der Himmel vor mer gseh, wie-n-i mer ne vorgschtellt ha. I ha gmeint, es chönni und dörfi nid sy, daß di Volksrächtler ds Hefti i de Händ bhalte. I ha mi der Eterbung welle widersetze, und hätte-n-üsi Lüt nid der Muet verlore, so wär's nid so wyt cho. – Wohär chunt's o, daß si so ihres Vertroue verlore hei? – O lue, du weisch nid was i düregmacht ha. Aber jitz hani's düregkämpft. Jitz bi-n-i fertig mit allem. Und um kei Prys wett i no einisch da düre. I ha nume no ei Wuusch, und das isch dä, daß weder du, no sünsch öpper, e Versuech machi, mi vo mym Etschluß abz'bringe. Ds einzige, was mi tröschte chönnti, wär, z'gseh, daß i dys Glück nid verschtört ha. Lue, du bisch no jung. Du channsch no glücklech wärde-n-und – glücklech – mache.« Wieder het sech der Karludi uf d'Lippe bisse-n-und sech abgchehrt. 273 »Was weit Der de jitz mache?« fragt ds Jetti. »Weiß nid.« »Wär's nid besser, Dir würdet Ech z'Bärn ga schtelle-n-und Begnadigung verlange?« »Bi der neue Regierung? – Ender ließ i mi hänke. – I bi dene nüt schuldig, und sech ihrer Justiz uslifere, wär so viel wie Sälbschtmord. – Nei, so wyt bi-n-i de doch no nid. Was i no ha, isch mys Läbe, und über das wott i verfüege, i ganz allei, und i wirde de scho no öppis druus mache. Das wirfe-n-i dene-n-Usurpatore nid under d'Füeß.« »Aber loset«, underbricht ne ds Jetti i sym zornmüetige-n-Alouf, »es verwunderet mi e chly, Euch e so ghöre z'rede. Eues Läbe ghört doch nid Euch allei. Oder?« »Es isch es einzigs Wäse-n-uf der Wält, däm i's freiwillig gä hätti. Das bisch du, Jetti. Aber jitz isch es nümme müglech.« »Aber und – – – –?« »I weiß scho, was du wottsch säge. Du meinsch wägem Vatterland. Aber i kenne keis Vatterland meh. Es wär mer e Sünd, mys Läbe-n-i Dienscht vo dene ga z'schtelle, vo dene-n-i weiß, daß si ds Volk mit ihrem Eigenutz um sys wahre Glück bringe.« »Das wüsset Dir doch eigetlech nid. Die hei villicht o ihri Ideal, und wär weiß – – –« 274 Da lachet der Karludi hässig uf und seit: »Ja, die! – Suberi Ideal! Dä Patriotismus isch es dürsichtigs Mänteli. – Nei, nei, i sueche mer jitz halt e neui Heimet. Der lieb Gott, wenn er mi nid ganz het prysgä, – –« »Wie redet Dir o!« »wird mer ds Land scho zeige, wo me mi no z'bruuche weiß. Dert isch es mer de glych i niderer Schtellung z'diene. Wenn me mi de nume myni Gabe lat la bruuche.« »Aber das chönntet Dir ja hie o, sobald Dir uf ne leitendi Schtellung verzichtet.« »Nei, uf Bärnerbode wott i däm Bruef läbe, dä mir vo Gott und Rächtswäge zuechunt, oder nüt; aber das chunt jitz gar nümme-n-i Frag. I bi expatriiert und g'ächtet, vo mym eigete Vatterland wägg'worfe, und drum het es o keis Rächt meh uf mi.« Dä Trotz isch dem Jetti vorcho, wie-n-es dornigs Schlinggwächs, i däm es weder füretsi, no hindertsi het chönne-n-ab Fläck cho, und drum sy-n-ihm di melodische Klimpertön, wo jitz vom weschtleche Waldsoum här sech i ds lyse Chräschle vo de fallende Bletter gmischlet hei, e-n-erwünschti Ablänkung gsi. Schtumm und schtill sy si Beidi dene Töne nachegange, düre vielfarbige Waldwäg uf em oberschte Rügge vo der Insel, bis si uf di Andere gschtoße sy. Die hei sech vor em Wald, uf mene sunnewarme 275 Mätteli glageret gha, d'Ussicht gluegt, und d'Ängiländere het zum Etzücke vo de Buebe Lombach mit nere volle, weiche-n-Altschtimm allerhand schottischi Lieder gsunge-n-und uf der Guitarre klimperet. Ds Jetti het sech näbe syr Fründin nidergla, währed der Karludi, a ne-n-Eiche glähnt, mit troumverlorene-n-Ouge-n-uf e See abegschtuunet het. So schön dä Ougeblick gsi isch, so toub sy dem Jetti syni Ohre blibe. Es het zwar syr Fründin na jedem Lied danket und se gheisse wytersinge; aber das isch alles nume gscheh, für Zyt zum Überlege z'gwinne. Hütt hei si sech villicht zum letschtemal für vieli Jahr begägnet, und jitz het me müesse schlüssig wärde. Eigetlich isch zwar ds Jetti mit sech ganz im Reine gsi. Wo-n-es vo Gänf hei cho gsi isch, tiefer ergriffe vo de Reveil-Idee-n-als je vorhär, da het's es paar bösi Momänte düregmacht. Us der höchschte Freud isch es dür ds Karludis Schicksal i di furchtbarschte-n-Ettüüschunge-n-abe gworfe worde. Ganzi Nächt düre het es briegget. Ja, es isch e so abecho, daß es mehreri Tag het müesse d's Bett hüete, und daß me gförchtet het, es wärdi z'grächtem chrank. Da, i der Schtilli vo sym Chrankebett, het es du nah-ti-nah sech wieder z'rächt gfunde. Natürlech het me-n-ihm vo allne mügleche Syte gseit, es müessi sech halt der Karludi us em Chopf tue. Aber da het's nüt druuf gä. Im Gägeteil, jedes Abrate-n-isch bim 276 Jetti schröcklech übel agange, und es het sech i Gedanke je länger, descht meh a sy Götti agchlammeret; isch är doch dä Möntsch gsi, bi däm es geng gloubt het, einzig chönne Verschtändnis z'finde. Är het ihm's ja mängisch gnue bewise, und wo-n-er öppe no lätz drinne gsi isch, da het es ne de mit Liebi welle-n-uf ds rächte Trom bringe. Wie het es sech doch da druuf gfreut! No uf der Reis vo Gänf hei het es sech das alles so herrlech usgmalet gha. Aber du, nachem erschte Schturm, wo's schtiller worde-n-isch um ihn's ume-n-und niemer meh ihn's zum Widerspruch greizt het, da het es sech du sälber afah frage, öb es nid ufem Holzwäg sygi. Eigetlech heig es ja scho us de Briefe vom Karludi gseh, daß er ihn's juscht i de wichtigschte Frage mißverschtande heigi. Und z'vollem heig der fatal Usgang vo sym Undernäh bewise, wie wenig er eigetlech mit sym Gott i nes pärsönlechs Verhältnis cho sygi. Alles heig er lätz usgleit und niene welle-n-ygseh, daß er ganz verchehrt drinne syg und hübscheli näbenab chömi. Dür das Nachesinne-n-übere Karludi isch ds Jetti uf di unglücklechi Idee grate, d'Resultat vo syr yfrige Fürbitt für e Karludi welle feschtz'schtelle. Das isch du frylech nid ermuetigend gsi. Im Gägeteil, es isch ihm vorcho, wie wenn di ganzi Etwicklung vom Karludi trotz allem Bätte nume no hindertsi 277 gange wär. Und sy Beteiligung a däm verunglückte Komplott het klar gschine z'bewyse, daß alles für nüt gsi isch. Also het i der ganze Fürbitt für ihn öppis müesse chrumm sy. Und richtig, ei Morge, wo ds Jetti bim Erwache syni Grübeleie wieder ufnimmt, da fallt's ihm plötzlech wie-n-e Dechi vo de-n-Ouge: es heig im Grund bi däm ganze-n-Yträtte für e Karludi eigetlech egoischtische Zwäcke verfolget. Ds Jetti het, ohni e-n-Usdruck derfür z'finde, etdeckt und epfunde, was e psychischi Undermischung i nes religiöses Schträbe-n-isch. Da drob isch es erschrocke, het gmeint, es heig sech bös versündiget, und undereinisch isch ihm di gwaltsami Zerschtörung vo syne Tröume, vo sym ganze, doch so reine Liebesläbe vorcho wie-n-e-n-Erlösung. Und jitze het es dem liebe Gott uf de Chneue-n-afah danke für di glychi Füehrung, die-n-ihm vor wenige Wuche ds Härz verrisse het. Dermit isch sy Etschluß o gfasset gsi, uf d'Verbindung mit dem Karludi z'verzichte. Es het ne nid welle la falle, jitz weniger als je, vowäge jitz het dä arm Möntsch d'Fürbitt nötiger gha als irged einisch i sym Läbe. Jitz wär es e Sünd gsi, ne la z'falle. Aber jitz het es o mit guetem Gwüsse für ihn dörfe-n-yschtah. Es het sech vo-n-ihm losgrisse gschpürt. Kei bloß seelischi, kei sündhafti Neigung meh het ihre Schatte-n-uf sy Liebi dörfe wärfe. Wenn es im möntschleche Läbe wahrhaft säligi 278 Schtunde git, so sy's gwüß die na so mene Verzicht. O wie isch's eim da wohl! Es isch eim z'muet, wie a mene guldige Summermorge-n-uf mene höche Bärg, wo me sech seit, wenn i nume myr Läbtig nie meh wieder abe müeßti! Ja, so isch es dem Jetti na däm siegrych düregfochtene Kampf gsi. Fertig, losgrisse, frei, sieghaft het es sech gschpürt, und so wenig wie der Karludi di böse Tage vom Losryße no einisch hätti welle düremache, so wenig hätti ds Jetti sy Sieg wieder welle prysgä. Ja, es isch nume no druuf us gsi, alles z'vermyde, was irgedwie di errungeni Position hätti chönne-n-erschüttere. Um so peinlecher isch dem Jetti ds unerwartete Zsämeträffe-n-uf der Insel gsi. Sy Fründin, d'Ängiländere, het es bis zu mene gwüsse Schtrich i sys Härz la yne luege, und si het ihns mit großem Verschtändnis i syne Vorsätz underschtützt. Z'Rychebach het si dem Jetti so mängisch prediget, » qu'il sherait un vrai crime d'exposer un être shi délicieux et shi pur aux passions d'un homme, « daß es nere da drinn bereits het afah rächt gä. Nume-n-es gwüsses, unbeschtimmts Gfüehl het ins no verhinderet, syr Fründin öppis über d'Pärson vom Karludi und sys Verhältnis zue-n-ihm z'verrate. Und drum het es jitz o sy ganzi Chraft zsämegnoh, für sym Verchehr mit dem Götti e harmlose-n-Aschtrich z'gä. 279 Was dem Jetti jitz d'Verteidigung vo sym Etschluß schwär gmacht het, isch ds Härzweh gsi, wo dem Karludi us allne Pore füregluegt het. Was het's da sölle mache? Sym Trennungsvorschlag eifach zueschtimme, hätti das nid müesse der Schyn erwecke, als hätti's ne gar nie z'grächtem gärn gha? Ywänd mache wär no verchehrter gsi. I völliger Ratlosigkeit isch ds Jetti näbe syr Fründin gsässe. Es het nid ghört, was si gsunge het; aber di schwärmüetige Melodiee hei sy Etschließungschraft erscht no glähmt. Eis mal um ds andere hei sech ds Jettis Gedanke-n-i blaue Himmel use gflüchtet und Hülf gsuecht bi'm Einzige, wo höch über de Schtimmunge schteit. Der Karludi het a sym Eicheschtamm Quale-n-usgschtande, vowäge di guldigi Herbschtsunne het mit Grusamkeit der Gägeschtand vo syne zerschtörte Plän vor syne-n-Ouge belüüchtet. Es het ne dunkt, er gsej erscht jitz, was er i de Hände gha heigi und was ihm jitz für alli Zyt verlore gangi. Hätt er sym Härz dörfe folge, so hätt er sech näbem Jetti i ds Gras gworfe-n-und hätt' ihn's a sech drückt und ihm gseit, er chönn's nid über sech bringe, vo-n-ihm z'la. Aber er het sy Situation lang gnue überleit gha, für sech wieder la z'gah. Aber di Marter het er nümme möge-n-usgschtah. Er düüßelet wieder i Wald yne. Derby mueß ihm e Süüfzer etwütscht sy; denn ds Jetti het sys 280 Verschwinde grad gmerkt. Und jitz het es sech gseit, syg der Momänt cho. Ohni no z'wüsse, was es eigetlech wott, geit's ihm nache. Da schteit er vor ihm, im Waldwäg, luegt i d'Böum ufe, beidi Händ a Chopf drückt, wie wenn er sech d'Ohre wetti verha. »Herr Jeses Gott, du arme Möntsch,« het sech ds Jetti gseit, »wenn i der nume wüßti z'hälfe.« No einisch es gheims Schtoßgebätt, und mit läbigem Schritt geit's ihm nache. Er ghört's, chehrt sech um – und – di Beide falle sech under härzbrächendem Schluchze-n-ume Hals, zwöi, drümal, und nachhär hei si sech d'Hand drückt und sy, ohni es einzigs Wort meh z'finde, usenandere gange. Mit haschtige Schritte-n-isch der Karludi im Wald verschwunde, währed ds Jetti i sym Leid und Weh näbe nere mächtige-n-Eiche-n-isch blybe schtah. Mit der einte Hand het es sech a dä Schtamm gschtützt, di anderi het's uf d'Bruscht preßt. Lang het es gmeint, es well ihm ds Härz verschpränge, so daß es sech gar nid het dörfe rüehre. Vor em Wald usse hei si gschwige. Ohni z'wüsse, was sech hinder ne, zwüsche de Böume, abschpilt, hei si Sang und Klang la verschtumme. Es isch e so öppis, wie-n-e Verdunkelung vom Sunneliecht über se cho. Ds Jettis Fründin het ihres Inschtrumänt i ds dürre Gras abgleit, und o ihre-n-isch es gsi, wie wenn si sech nid rüehre dörfti. Unfaßbar, aber bannend 281 sy di weiche Schallwälle vom letschte Lied allne-n-über d'Seel gschtriche. Toteschtill isch es worde, so daß me dütlech ds lyse Chräschle vo de fallende Bletter ghört het, grad e so wie denn, ach ja, wie dennzumal, wo's agfange het zwüsche dene Beide. Ds sältmal het di läbesluschtigi Aare-n-i ds Falle vo de Bletter gruuschet; jitz het me-n-i der große, truurige Schtilli tief unde di liechte Wälle vom See a der Schtrandmuure vo Rueh und Fride ghört chüschele. Tuuseti hei ihri Pärlechrönli gäge di mieschgrüene Muure gworfe, ohni bim Jetti Ghör z'finde, bis ändlech e früsche, fröhleche Luftzug ne z'Hülf cho isch, dä zuglych dem Jetti di dunkle Haar fründlech gschtrychlet und di brönnige-n-Ouge-n-abgchüehlt het. »Rueh und Fride,« »Rueh und Fride,« het's ihm vo allne Syte zueghuuchet, und nah-ti-nah isch ds Härz o schtiller worde. Ganz, ganz hübscheli het sech e vornähmi Freud über e glücklech b'schtandene Kampf i di müedi Seel ygschliche-n-und sech meh und meh drinne-n-ufgla, so daß ds Weh sech einschtwyle-n-i di dunkleri Tiefi het müesse zrückzieh. No einisch zwar het es gäge ds Siegesbewußtsy i ds Jettis reiner Bruscht wild ufbrandet. Wo-n-es ändlech wieder us em Wald cho und zu de-n-Andere gschtoße-n-isch, het ihm sy Fründin meh oder weniger ab em Gsicht abgläse, was öppe chönnti gscheh sy. 282 Si het ds Jetti zärtlech a sech zoge-n-und isch Arm i-n-Arm mit ihm schwygsam wyter gange bis uf e-n-üsserschte Vorschprung vom Bärgrügge, wo me so schön über d'Chüneli-Insel wäg gäge-n-Erlech übere gseht. Da chunt hinder nere Boumgruppe-n-am Ufer es Schiffli zum Vorschyn. Bald hei si der Karludi erchennt, wo mit chreftige Ruederzüge-n-i See use gfahre-n-isch. Er mueß di beide Frouegschtalte-n-am Abhang erchennt ha, vowäge-n-er het plötzlech d'Rueder la fahre-n-und ne gwunke. Und währed ds Jetti sech vo syr Fründin losmacht, für ihm mit sym tränefüechte Naselümpli z'antworte, fahrt d'Ängiländere-n-i ächt angelsächsischer Gmüetsfreiheit mit ihrne schmale, wyße Finger i d'Saite vo der Guitarre-n-und singt: Behold the hour, the boat arrive Thou goest, thou darling of my heart Ah! sever'd from thee can I survive? – But fate has will'd, and we must part. I'll often greet this surging swell, Yon distant isle will often hail; E'en here I took the last fare-well, There latest mark'd her vanish'd sail, Das heißt uf dütsch ungfähr: Jitz mueß es sy. Lue, ds Schiff wott fahre, My liebe Schatz, und du muesch gah. O würd' is ds Gschick doch das erschpare! Wie söll i's ohni di usschtah? Wie mängisch wird mys Härz mer blüete, Winkt mir das Ufer öppe no! Hie han'di z'letscht mal müesse bhüete, Hie bisch mer us de-n-Ouge cho.                           (Nüt für unguet, Herr Burns!) 283 bis plötzlech ds Jetti der Hals vom Inschtrumänt umfasset und mit lysem Druck de Saite der Ton nimmt. I ds Jettis Blick hei Opferflamme gloderet. Wo ds Schiffli us em Gsichtskreis vo der Gsellscheft cho isch, hei si gmerkt, daß o für si der Momänt für d'Abreis cho isch, und si hei sech wieder uf Gerolfinge-n-ygschiffet. Z'Töuffele hei si, wie verabredet, der Papa Lombach mit dem große Landauer gfunde. Bi'm Sunne-n-Undergang hei si sech uf der Höchi ob Frienisbärg no chly versuumt, so daß du der Herr Oberscht gäge Meichilche-n-abe der Gutschner chly läbiger het gheisse fahre. Jitz het's ds Päch welle, daß underwägs eine vo de große Tragrieme-n-a der Gutsche het la gah, so daß me di letschte zäche Minute bis Meichilche z'Fueß het müesse ga. Da isch nüt anders gsi z'mache, als z'Meichilche-n-um ne Sattler us oder a mene-n-Ort es Seili ga z'heusche. So het ds Schicksal di Reisende vor e »Bäre« gfüehrt, was dem Herr Oberscht höllisch 284 unagnähm gsi isch. Er het sech uf ne-n-Uswäg bsunne. Aber wo der Herr Großrat Bickhard mit mene schelmische Zucke-n-i de Muulegge-n-under der Hustüre-n-erschynt, dänkt er, er well lieber nüt la merke, und so hei sech di beide politisch verfindete, alte Kamerade mit gägesytigem suursüeßem Lache-n-über ihres Zsämeträffe grüeßt. Der Ludi het nid lugg gla, bis er di ganzi Gsellscheft het i di hinderi Gaschtschtube-n-yne glootset gha. D'Frou Bickhard isch i d'Sätz cho, für ne z'däsele-n-und öppis Bravs ufz'schtelle, währed di beide-n-alte Soldate hei ghulfe zueluege, wie der Gutschner mit dem Sattler der Schade wieder guetgmacht het. Der Ludi het mit nere Latärne zündtet und zum Oberscht gseit: »Dä Wage hätte mer z'Wilna sölle ha, he? – Oder wie het's scho gheisse?« »Wär weiß,« meint der Herr Lombach, »mer wäre de mitsamt dem Wage-n-umcho. Wär nüt het, däm nimmt me nüt.« Nah-ti-nah sy di Zwee doch du no z'grächtem i ds Gschpräch cho, und währeddäm me d'Umemacher zu mene Schoppe gschickt het, hei si sech vor em Hus uf mene Bank nidergla. Da seit emel du der Bärewirt zum Oberscht: »Das sy aber nid beides dyner Töchtere?« »Nei, b'hüetis nei, di anderi isch e-n-Ängiländere.« 285 »Äbe, es het mi de no düecht, es chönnti öppis e so sy. Aber Dyni isch de nahdischt di schöeri. Ohni Komplimänt, es isch di schönschti Bärnere, wo-n-i kenne.« »Das wett i jitz nid grad säge, aber si het sech guet z'wäggla, 's isch wahr.« »Wohl, wohl, es isch es sufers Meitschi, würde-n-öppe d'Bure säge. Mir het si vo Chlynem uf guet gfalle.« »Ja, my Liebe, wenn du wüßtisch, was de nere-n-anegmacht hesch!« »I? – Dyr Tochter öppis anegmacht?« »Ja, ja, Ludi,« seit der Oberscht und chlopfet sym Kamerad uf d'Achsle, »du hesch se-n-um ihre Schatz bracht.« »Das wird öppe nid sy?« »Äbewohl isch es.« »Wieso de?« »He du hesch ja d'Regierung hinder se greiset, wo si da im Bannholz taget hei oder nid?« »O o, isch er dert derby gsi? Das isch mer leid. Aber da het me halt nid d'Weli gha. Me het hinder se müesse, breich's Wän's well.« »Jä, lue, so geit's halt, Du gsehsch jitz o, was d'Politik mit sech bringt. – Übriges mueß i säge, i hätti's nid juscht erwartet vo dir, daß du-n-is e so a Chrage giengisch.« »Was ha-n-i anders welle? I ha's nid gsuecht. So wahr, daß i hie bi nid. Aber, begryf! Vom Momänt a, wo si mer sy cho brichte, daß da e Verschwörung gäge d'Regierig im Gang sygi, ha-n-i doch müesse derzue tue; sünsch hätte si mi ja sälber müesse-n-i Verdacht näh. Weisch, me mueß de halt o säge, daß si's dumm agreifet hei. Me het ne ja müesse drübercho.« »Das wohl.« »I cha der's nume säge, i ha mi nid gärn dry yne gla; es het mi öppe gnue gchoschtet. Aber i ha eifach müesse.« »E ja, aber hättisch du di nume nie i d'Politik ynegla! Was wott doch Euereine da drinne? Dir syd gar nid derfür gmacht. Das isch eifach üsi Sach.« »Das meinet dir äbe,« seit der Ludi und lachet häll uf, und der Oberscht antwortet äbe so heiter: »Äbe, und dir meinet's halt anders; da git's jitz nüt meh z'chähre.« Wo si ufschtande, für wieder la az'schpanne, seit der Ludi Bickhard: »Nei, das wär mer jitz doch leid, wenn i dyr Tochter so öppis anegmacht hätti. – Isch es de gwüß wahr?« 287 »Ja, ja.« Der Ludi schüttlet der Chopf ergerlech und seit: »Nei gwüß! – Wenn i das gwüßt hätti! Das isch mer jitz wäger nid rächt. – Darf i wüsse, wär es isch?« »Me seit neue, du heigisch ne gwörgget.« »Was? – Gwörgget söll i Eine ha? – Aha, ja so, ja, jitz weiß i scho. So, so, isch das eine vo Dene gsi? – Aber doch nid öppe der Lentulus?« »Nei, nei.« »I weiß drum o nid wele, daß i erwütscht ha. Jedefalls het der sälb e chreftige-n-Arm. I ha bim Donnerli e Schnatte hei treit, i wett nid all Tag e so. – Isch es öppe dä jung Landorfer?« »Du hesch es errate.« »So, so? E nu, für dä duuret's mi de no chly. S'isch e nätte Bürschtel. Aber zu mene Verschwörer het dä ds Züüg nid.« »Nei, i gloub es o nid.« »Ja nu, dä wird sech de öppe wieder zuechela, wenn der Schturm vorby isch.« »Das chönnt sech de aber i d'Längi zieh.« D'Gutsche-n-isch underdesse wieder i Schtand gsetzt gsi, und so hei der Ludi und der Fritz Lombach für hütt ihres Gschpräch müesse-n-abbräche. Wo der Wage-n-abgfahre gsi isch, het der Ludi syr Frou bychtet, 288 was er, ohni's z'wüsse, agrichtet heigi, und d'Frou het nid abgä, bis er nere verschproche het, er well öppis luege z'tue für e junge Landorfer, wenn sech e Glägeheit sötti biete. »Aber einschtwyle-n-isch da nüt z'mache,« het der Ludi gseit, »er isch ja furt und me weiß nidemal, wohi.« 289     XII. Wie Zwöi drüber chöme, daß si sech wüescht verrächnet hei. Di tränerychi Verzichtleischtung uf der Bieler-Insel het ändlech e wohltuendi Fridesschtimmung i ds Schloß Rychebach bracht. Ds Jetti het nid viel la merke, und me het sech wohl ghüetet, syni Gedanke-n-irgedwie uf ds verlorene Glück z'bringe. D'Ängiländere-n-isch wie-n-es lybhafts Gedicht i Schloß und Garte-n-umenandere gschwäbt und het mit ihrem bsundere Charme di ganzi Familie dür di melancholische Herbschttage düre glootset. Me het brav änglisch glehrt, und ds Jetti het ganzi Abede mit ere-n-am Klavier zuebracht. Zwüsche-n-yne hei di beide Fründinne sech gägesytig ds Härz gläärt, und derby isch ds Jetti geng 290 meh zur Überzügung cho, daß es allei dür ds Läbe sölli schtüüre und daß es sy großi Liebi, schtatt se-n-a ne Ma z'verschwände, dä das große, heilige Kapital doch villicht nid ganz richtig g'würdiget hätti, a mene ganze, große Kreis vo Lüte sölli la z'guet cho. Nume het es mängisch nid rächt gwüßt, wie-n-es das praktisch söll achehre, vowäge ds sältmal het me no gar wenig wohltätigi Vereine-n-und Anschtalte gha. Solang d'Ängiländere da gsi isch, het me neue nie Längizyti gha. Aber, wo du Die verreiset isch, het's dem Jetti wieder afah böse. Sy Zueflucht isch ume d'Frou Ryhiner gsi und öppe no es paar anderi glych dänkendi Lüt. Und da het emel du ds Jetti vo neuem müesse-n-erfahre, wie schwär es isch, grad juschtemänt da sy chrischtlechi Liebi z'bewähre, wo me higschtellt isch, und nid nume de Glychgsinnete gägenüber. Ganz vo sälber het es sech wieder meh de Dissenter agschlosse-n-und syni Nächschte la merke, daß es ihm Müej choschti, artig z'sy mit ne. Natürlech isch de albe ds Echo bi Dene-n-o dernah gsi. Me het sech das aber eifach dermit erklärt, daß halt im Grund der Karludi no geng i ds Jettis Härz läbi, um so meh, als d'Frou Blanche ganz vergäblech anderi Tröschter zueche zoge het. Vo de junge Herre het keine-n-öppis gwüßt az'schtelle mit dem Jetti. Da isch plötzlech e-n-Umschlag yträtte. Usgähnds Winter isch d'Frou Ryhiner zu ds Jettis 291 unergründlechem Leid gschtorbe. Der Kreis vo ihrne Verehrer het sech e chly afah lockere, und dermit isch ds Jetti innerlech uf eigeti Füeß gschtellt worde. Wohl het d'Frau Ryhiner, wie me so seit, e Teil vo sym Härz mit i ds Grab gnoh. Aber es isch grad gsi, wie wenn der Räschte descht schöner würd uswachse. Jitz hei o d'Eltere-n-und d'Gschwüschterti ds Jettis liebrychi Seel z'grächtem glehrt kenne. Linggs und rächts het es usteilt, was es im Heiligtum vo sym verborgene Läbe diräkt und ohni Zwüschehändler a unvergängleche Schätze-n-usghobe het. Und nid lang isch es gange, so het es o ne ganz e bsunderi Ufgab gfunde, es Uebungsfäld für sy überschtrömendi Liebi. Uf mene Landguet i der Nächi vo Bougy im Wältschland het e-n-einsami, chränklechi Tante gwohnt, die vor Längizyti vo Tag zu Tag wunderlecher worde-n-isch und der ganze Verwandtschaft viel Sorge gmacht het. A mene schöne Tag, wo der Papa wieder e Chlöhnibrief vo der Tante-n-übercho und allerwälts nümme gwüßt het, wie hälfe, seit ds Jetti, äs well ga Bougy, die Tante ga goume. Z'erscht het me das Anerbiete nid ärnscht welle näh, und niemer het dem Jetti das Opfer welle zuemuete. Aber es isch derby blibe-n-und het's düregsetzt. Me het ihm gseit, es wärdi Schtärne gseh bi der wunderleche Drucke. »Nu, so gsej i!« het's g'antwortet und isch verreiset. 292 »E nu, das lat sech emel nid schlächt a,« het ds Jetti dänkt, wo-n-es gseh het, wettigi Freud es syr Tante macht. Zwee, drei Tag isch Die würklech z'oberscht im Juhe gsi. Aber nachhär isch si mit ihrer härzige, junge Dame de Compagnie jede Tag um ne Schtägetritt abe. Und wo si z'underscht aglanget gsi sy, het ds Jetti würklech d'Schtärne-n-afah gseh, und zwar nid nume z'Nacht. Aber item, es het usghalte. Und bald het es wieder ufgläbt i der Wahrnähmung, daß es ändlech i d'Lag cho sygi, sys Läbe-n-i wahrhaft chrischtlecher Art nützlech z'bruuche. O das sy herrlechi, glücklechi Tage gsi. Es het ds ganz Hus und no d'Lüt i der Umgäged mit syr Liebi glücklech gmacht und je länger, descht meh z'gschpüre-n-übercho, wie lieb es de Lüte worde-n-isch. Es het hei gschribe, es tuuscheti mit niemerem meh. Jitz heig es ds rächte Trom gfunde, und jitz ändlech wüssi's, für was es uf der Wält sygi. Wenn me so ne Gedanke-n-i ne Brief gsetzt het, so isch er emel de afange-n-a-mene-n-Ort ufgschribe-n-und blybt dert, wie-n-er isch. Aber im Chopf oder im Härz vom Briefschryber faht er sech mängisch afah verändere, göb daß der Brief uf der Poscht isch. So het o ds Jetti erscht rächt über das afah nachedänke, was es hei gschribe het, wo der Brief scho underwägs gsi isch. Am Abe, wenn sy Tante d' Patiences gmacht und ihri Charte schön uf em Tisch 293 z'wäg gleit het, so het äs ob syr Brodierete syni Gedanke-n-i Hüüfleni näbene-n-andere gleit und gfunde, es schtimmi pärfäkt. Und doch het ihm das Schpil nie rächt gfalle; es isch nume nid drüber cho, warum. * * * Mittlerwyle-n-isch ds Urteil ergange gsi und bekannt worde. Nid nume sy di flüchtige Verschwörer alli in contumaciam zu mehrere Jahre Gfangeschaft und schwäre Gäldschtrafe verurteilt worde; sondere sogar über d'Mitglieder vo der Sibnerkommission und no vieli anderi sy Freiheits- und ander Schtrafe-n-usgschproche worde. Z'St. Blaise het me, sit daß der Schnee gschmulze-n-isch, hie und da der Herr Villars uf einsame Wäge gseh zum Chaumont ufeschtyge. Syni Fründe-n-und Hähler hei ne mängisch gwarnet und ihm gseit, er wärdi no welle, bis daß ne-n-öpper etdecki und usliferi. Aber er isch i syr freiwillige Haft fascht vor Längizyti gschtorbe, und, so guet und lieb syni Quartiergäber gäge-n-ihn gsi sy, het er's eifach nümme-n-usghalte. Es isch ihm gsi, wie wenn unsichtbari Wäse ne der Bärg ufjagte. O uf d'Gfahr hi, daß es einisch mit nere Verhaftung chönnti ändige, isch er je länger, descht öfter uf sy liebe Chaumont gange. Und was het er dert obe gsuecht? – Ach, nüt als e Blick i ds Bärnerland übere. Und wie 294 meh, daß er isch ga überluege, wie schwärer isch es ne-n-acho, wieder i sys Verschteck abe z'gah. Mit jedem Tag isch es däne grüener und schöner worde. Hätt er übere dörfe, so hätt's ihm villicht nid halb so viel gseit. Aber e so a der Schwelle vo sym liebe Bärnerland z'läbe, und nid yne z'dörfe, sys Volk vo wytem hinder em Pflueg z'gseh und nid by-n-ihm z'sy, nid der chly Finger dörfe z'rüehre für syne Zile zuez'schträbe, das isch ihm unändlech schwär worde. Het er i der erschte Zyt vo sym Exil nüt als zürnet und grüblet über syni truurige-n-Erläbnis und di fatali Wändung vo de politische Zueschtände, so het er jitz, na monetelänger Einsamkeit, sech mit dem Gedanke vertrout gmacht, daß halt e-n-anderi Zyt abroche sygi und daß me sys Läbe-n-und syni Gabe nid dörfi der Vergangeheit opfere, sondere, daß alles Läbe-n-eigetlech öppis Zuekünftigs sygi. Nah-ti-nah isch i ds Karludis Seel wieder e lyse Hoffnungsschimmer ufdämmeret, di große Gedanke, wo einisch syni Fäcke gsi sy, der Troum vo nere-n-Arischtokratie, i dere-n-öppis Höchers als Rychtum und Name sötti der Usschlag gä, i ne Form z'bringe, die der Zyt agmässe wäri. Und wie dusse-n-i warme Früehligsnächte-n-alles ufgschosse-n-isch zu neue Tribe-n-und neue Bletter, so het's afah trybe-n-i syne Gedanke. Aber no isch dem Karludi nid klar worde, a was me de eigetlech i sym neue 295 Schtaat sötti erchenne, wär zur Regierung qualifiziert sygi. Mängs het er sech usdänkt, und z'letscht isch er uf d'Liebi zum Volk verfalle. Wenn me der Wäg fändi, die Lüt usez'sueche, wo, wie är fälber, ganz erfüllt wäre vom Trib, dem Volk z'diene, so wie's einisch ds Jetti gmeint heigi, de wär bald alles gwunne. Aber, het er sech müesse säge, es welli ja eigetlech Jede der Name ha, er meini's guet mit dem Volk, und di glyche Lüt, wo das dem Schultheiß Fischer abgschproche-n-und dermit juscht grad ds Bärnervolk um eine vo syne beschte Fründe bracht heige, bhoupte-n-alli z'säme, si, und nume si meine's guet mit dem Volk. So het der Karludi mängisch schtundelang gschtudiert; aber es isch ihm gange wie dem verloffene Buebli im Wald; er isch geng im Kreis umegfahre-n-und geng wieder uf e glyche Punkt cho. Und vo Zyt zu Zyt isch er de drüber erwachet und 's isch ihm wieder i Sinn cho, daß für ihn um ds Bärnervolk ume-n-e mächtige Zuun gschtande-n-isch und daß ne sys unglückleche Bärnerhärz nume für e Narre gha het. De isch es de wieder ganz schwarz über ne cho, und er het gjammeret, wenn er doch o um ds Himmels wille-n-us däm Ghürsch use chäm. Wo-n-er am wenigschte meh a ne-n-Uswäg gloubt het, zeigt ihm e Brief vo syr Muetter eine. Si het ihm under anderem gschribe, ds Jetti sygi vor nes 296 paar Wuche ga Bougy gange, für sy alti Tante ga z'goume. Z'erscht het er da nid viel druus gwüßt z'mache. Und i syr Lag het es nid viel gha z'säge, öb ds Jetti ga Bougy gangi oder i d'Türggei. Aber eis isch i sym Chopf blybe hange: Ds Jetti – ja ds Jetti! Isch äs nid ds einzig Härz gsi, wo ne verschtande het? Er het sech lang Müej gä sech's usem Chopf z'schla. Aber dä Brief het wie mit eim Schlag ds Füür wieder zum Usbruch bracht. Er isch ihm nümme Meischter worde-n-und het syne Gedanke freie Louf gla. Ohni Zil und Ornig sy si über ihn gschtürmt. Er het nid gwüßt, mit welem Rächt und wie-n-er syni Aschprüch söll erneuere, und no weniger, was für Ussichte-n-er dem Jetti sölli mache. Aber welle het er's. Das Härz het müesse sys wärde. Es isch ihm plötzlech ganz unzwyfelhaft vorcho, daß är es heiligs Rächt druuf heigi und daß eifach öppis i der göttleche Regierung vom Möntschegschlächt fähli, solang er nid sys Härz i das vom Jetti chönni usschütte. Dert isch sy Platz gsi, dert het er sech müesse ga ynischte. Und wie meh, daß er sys Begähre het la schieße, descht dütlecher isch es ihm worde, daß das doch di großi Lösung vo aller syr innere Not sygi. Im Jetti ersch hei syni Ideal chönne Gschtalt anäh. Jitz het er afah begryfe, daß är sälber di Ufgab nümme wärdi löse, die ihm vo Chindsbeine-n-uf vorgschwäbt het. Aber e neui 297 Generation isch offebar beschtimmt gsi, ds rächte Liecht z'übercho und d'Frücht vo der gägewärtige, gärende Zyt dem Bärnervolk darz'biete. Und d'Muetter vo der glückleche Generation het niemer anders chönne wärde-n-als ds Jetti. Ja, jitz isch's dem Karludi klar worde, daß är als es Chind vo syr Zyt het müesse hälfe, ds Guete-n-us de vergangene Zyte-n-überetrage-n-i ne neui Zyt, ohni sälber dörfe d'Lorbeere vo der neue-n-Ära z'bräche. Aber nüt descht weniger hei di künftige Gschlächter ne sölle sägne mit allne syne gsinnungsverwandte Zytgenosse, will si, ohni der Ruehm dörfe zwüsche-n-useznäh, ihne dür e Schturm und Drang düre ds Guete-n-us de Trümmer vom Überläbte grettet hei. Jitz het der einsam Wanderer brönnt vor Verlange nam einzige wybleche Wäse, i desse Vermählung sys Läbe, sys Wäse der Zwäck het chönne-n-erfülle. Jedi versuumti Schtund het ihm gschine ne z'verchlage. Und so isch halt einisch a mene-n-Abe der Herr Villars nümme vom Chaumont abecho. Me isch erschrocke-n-und het nüt anders dänkt, als jitz heige si ne-n-erwütscht. Wo-n-er na dreine Tage geng no nid zum Vorschyn cho isch, het me de-n-Eltere Landorfer gschribe, ihre Karludi sygi verschwunde, me vermueti, er sygi gfange worde. Der Karludi aber isch im Schturmschritt über Neueburg und Iferte Bougy zuegschtüüret. 298 Es isch ender chalts und näbligs Wätter gsi, und me het sech bi Zyte-n-im Salon ygrichtet, für der Abe bi heimeligem Lampeschyn i der üebleche, schtille-n-Art zuez'bringe. Da underbräche di dumpfe Schleg vom Chlopfer a der Hustüre di lutlosi Schtilli. Schier gar gförchtet hei sech di Froue-n-ob der ganz ungwahnete Schtörung. Wär aber cha sech ihres Erschtuune vorschtelle, wo me chunt cho mälde, es syg e Herr da, wo na der Jumpfer Lombach fragi. Me het scho ne bösi Nachricht vo Bärn vermuetet, da chunt o der Name vo däm schpäte Gascht zum Vorschyn und bald druuf är sälber. Dem Jetti het's nid übel ds Härz zsämedrückt, wo der Karludi höflech und galant d'Tante chunt cho grüeße-n-und sech etschuldiget, wäge der ungwahnete Schtund. Er het ender chly verwahrloseti Gattig gha und e-n-Ufregung verrate, die dem Jetti gar nid gfalle het. Es het sech natürlech gfragt, was da derhinder schtecki; aber der Usdruck vo sym Götti het ihns so verwirrt, daß es sy Grueß mit gedankeloser Fründlechkeit erwideret het. Me het der Gascht gheisse sitze-n-und ne gmacht z'brichte, wohär er chömi und was er vor heig. Aber sy Uskunft isch trotz aller Förmlechkeit, mit dere-n-er se vorbracht het, unklar gsi, so daß ds Jetti vermuetet het, er sygi uf der Flucht. Nah-ti-nah het es sech aber chönne-n-überzüge, daß das nid der Fall isch gsi, 299 und es het afah ahne, daß e-n-andere Grund der Karludi dahäre tribe heigi. Da druuf het emel o sy Blick dütet, dä na der erschte-n-Ufregung geng meh rüejigs Füür i sech treit het. Ganz dütlech het ds Jetti usegschpürt, daß der Karludi uf ne Momänt passet, für allei mit ihm z'rede, und über der Wahrnähmung isch es unwillkürlech je länger descht eisilbiger worde. I verworrener Hascht hei sech syni Gedanke-n-afah jage. E-n-erwünschti Underbrächnng het d'Frag na ds Karludis Nachtquartier bracht. Er het wyters welle; aber ds Jettis Tante het's nid zuegä. Si het befohle, e Visiteschtube z'rüschte, was dem Karludi lieber gsi isch, als dem Jetti. Da-n-äs d'Hushaltig gfüehrt het, isch es o sy Sach gsi, dem unerwartete Gascht d'Schtube zuez'wyse. Es het ne mit der Tante-n-alleini gla und isch verschwunde. – Mit chlopfendem Härze het es dem Chammermeitli ds früsche Bettzüg füregä und d'Schtube gmuschteret. Und wo-n-es der letscht Blick dry wirft, sy-n-ihm d'Träne cho z'schieße. Es isch ihm e so gsi, wie wenn es a mene heimetlose Schiffbrüchige, dä nüt me z'verlüüre het, ds schützende-n-Obdach würdi z'wägmache. Es isch alles pärfäkt i der Ornig und suber gsi, so daß sech gwüß der verwöhntischt Möntsch gärn dert inne zur Rueh gleit hätti. Und doch het dem Jetti no öppis gfählt. 300 Wenn es ufgwüehlts Härz sech i ne Freischtatt flüchtet, so sött es de doch öppis läbigs, wenn müglech es fründlechs Gsicht finde, sünsch nimmt es de der Schturm mit sech i schtille Hafe-n-yne. Ds Jetti het i syr Schtube-n-es Vase mit früsche Gloggeblueme, wo-n-ihm d'Chinder vom Räbme g'chöhlet gha hei, greicht und's uf e Tisch gschtellt. Druuf isch es z'mitts i der Schtube blybe schtah. Syni schöne bruune-n-Ouge hei sech zur Dili grichtet, d'Händ hei sech unwillkürlech uf der wallende Bruscht verschlunge-n-und chuum merklech hei di schmale Lippe sech bewegt. »La-n-ihm's wohl sy, däm arme Möntsch, under üsem Dach! Gib ihm Rueh und Fride-n-und mach, daß es alles na Dym Wille geit!« – So het es bättet und isch gange! – Es hätti viel drum gä, wenn es jitz hätti dörfe sech i sy Schtube ga zrückzieh, für dert i der Schtilli der Kampf mit syne Gfüehl ufz'näh. Aber es het sech überwunde und isch i ds Salon zrückgange. Ändlech isch der Momänt cho, wo me sech guet Nacht gseit het. Wenn di gueti Tante ne-n-Idee dervo gha hätti, wettige Lanzeschtich si dem Jetti versetzt, wo si ihns harmlos fragt, ob es welli so guet sy und dem Herr Landorfer ga sy Schtube zeige! Ja, würklech mit Zittere het es der silberig Cherzeschtock gnoh und isch vor em Karludi här d'Schtäge-n-uf gange. Es 301 schtellt ds Liecht uf e Tisch und wott juscht no ne Fänschterumhang zwäg zupfe, da ghört es hinder sech d'Schtubetüre-n-i ds Schloß falle. E Pischtoleschutz hätt ihns chuum meh erchlüpft. Es chehrt sech um und wott schtracks uf d'Türe zue, aber der Karludi isch wie-n-e Schildwacht dervor gschtande-n-und het ihns mit syne schier wilde Blicke gschtellt. Dem Jetti isch es wie-n-e Schtoubwirbel um d'Ouge gfahre, und haltlos isch es näbem Tisch i ne Fauteuil gfalle. Es het e Momänt gar nid gwüßt, was vor sech geit. Da g'schpürt es syni beide Händ i ds Karludis Hände, und wo-n-es d'Ouge-n-ufschlat, falle syni Blicke-n-i ds Karludis seelevolli Ougeschtärne. Er het zitteret und mit großer Überwindung gschine syni Wort z'sueche. »Jetti,« het er gseit, »gäll du weisch, warum i chume? – Gäll, du hesch es errate? Es isch mer leid, daß i dir so viel Emotion mache, aber – i cha nid anders. – I ha's nümme-n-usghalte-n-ohni di. Und i cha nümme sy, ohni di. S'isch fertig!« – Er het vergäblech uf ne-n-Antwort gwartet und du wyter gfahre: »I weiß wohl, daß es e-n-unerhörti Zuemuetung isch, wenn i heimetlose, g'ächtete, verfolgete Möntsch di zur Frou heusche. Aber es isch ds Einzige, was mi no rette cha. Wenn du mer d'Hand gisch, so hilfsch mer use für geng, i weiß es. 302 Und darf es nid sy, so isch es us mit mer. – I halte's nümme-n-us.« Der Karludi merkt, daß ds Jetti nid zu nere-n-Antwort z'bringe-n-isch und daß er ihm mit wyterem Zuesetze nume no der letscht Halt nähm. D'Ouge-n-unbeweglech uf ihns gheftet, isch er e Schritt zrückzange, wie für ihm Luft z'la. Da-n-es Aschträngunge gmacht het ufz'schtah, het er's bim Arm gnoh, ihm ufghulfe-n-und's sälber zur Türe gfüehrt, die-n-es mit verwirrte Blicke gsuecht het. Er het ihm no düre Gang zündtet, bis zur Schtäge, und sobald er gseh het, daß es gnue Feschtigkeit het, für d'Schtäge-n-ab z'gah, isch er i sy Schtube z'rück, sälber e so ufgregt, daß er chuum meh gwüßt het, was er macht. Für das arme Jetti isch e Nacht abroche wie-n-es bi wytem no keini erläbt gha het. Es het nid e mal meh bis zu sym Bett möge, so isch es der Längi na z'Bode gfalle-n-und, ds glöschte Liecht i der Hand, im Fyschtere blybe lige. Wo-n-es wieder zue sech cho isch, het es gar nid begriffe, wo-n-es isch, bis es i der Schtube zu syne Höupte mit der Regelmäßigkeit vo nere Pendüle Mannsschritte ghört het. Jitz isch ihm wieder ufdämmeret, was gange-n-isch. Nah-ti-nah isch ihm d'Situation klar worde, und es het sech, ohni wieder Liecht z'mache, i de Chleider uf ds Bett gleit. Dumpf und schwärmüetig 303 sy d'Schritte vom Karludi hi-n-und här gange, lang, lang. Ändlech isch ds Jetti ufgsässe, het d'Chleider abgschtreift und sech mit verschlungene Hände-n-a d'Wand glähnt. Di Schritte da obe sy gsi, wie-n-es dumpfs, beharrlechs Chlopfe-n-a sys Härz. Schtundelang het es no der Gedanke fescht ghalte, daß si Beidi uf trennte Wäge ga müesse-n-und daß das peinleche-n-Erläbnis nüt anders sygi als e furchtbari Füürprob für sy Treui a däm Wäg, wo-n-es jitz ändlech mit so viel innerer Befridigung het aträtte gha. Aber hei di Schritte dobe nid d'Schtimm gha vo nere-n-Uhr, wo prediget het über e Täxt: »Alles Ding hat seine Zeit?« Isch es nid am Änd doch di gröschti Ufgab vo nere Frou, sech mit mene würdige Ma z'verbinde, für mit vereinte Chrefte gmeinsame-n-Ideale zuez'schträbe? Sötti würklech e so-n-e reini Liebi chönne-n-i Abgrund füehre? – So het sech ds Jetti gfragt, und geng dütlecher het es afah gschpüre, daß juscht o ihm öppis gfählt het, das dür alli Wärk vo Barmhärzigkeit und Möntscheliebi nid ganz z'ersetze-n-isch. Es het ihn's eifach dunkt, i syr Bruscht schreji öppis na Erfüllung, und es unbeschryblechs Gfüehl het i-n-ihm ds Verlange gweckt, sech a ne-n-anderi Bruscht z'wärfe-n-und es anders Härz a sys Härz la z'chlopfe. I heissem Gebätt het es Frag um Frag gschtellt und 304 um Füehrung grunge. Und du het sech der Schturm i-n-ihm e chly gleit. D'Schritte hei ufghört, und der Schlaf het ändlech sy chüeli Hand uf di fieberige-n-Ouge gleit. Plötzlech schla wieder di dumpfe Schritte-n-a ds Jettis Ohr, dasmal aber läbhafter und unregelmäßiger. Dür di agloffene Fänschterschybe-n-isch es froschtigs Morgeliecht ynedrunge. Ds Jetti fahrt uf. Es ghört dobe d'Türe zuefalle, und druufhi hei sech d'Schritte düre Gang verlore. Atelos isch ds Jetti uf sym Bett gsässe-n-und het glost. Me het nüt ghört als d'Amsle, wo dusse düre Näbel ufe na Sunneschyn pfiffe hei. – D'Hustüre gyret. – Er isch use! Ds Jetti düüßelet zum Fänschter. Richtig, da geit er! Er zieht sy wyte Mantel änger um sech und, ohni e Blick uf ds Hus z'rück z'tue, schlat er under de Nußböum, die juscht ihres erschte, rotbruune Loub trybe, der Wäg y zum Signal de Bougy ufe. »Was het er im Sinn? – Wo wott er hi?« so het sech ds Jetti mit Angscht gfragt. »Het er ächt gmeint, i begähri nüt meh vo-n-ihm?« – Da het's keis Bsinne meh gä. Jitz oder nie! Flingg het es agleit, was grad zur Hand gsi isch, und di verhürschete Haar mit nere-n-Agraffe-n-ufgschteckt, ohni se no lang z'schträhle-n-und z'flächte. Und du isch es düre Gang gschliche, zur 305 Hustüre-n-us und het dur di schmale Räbgäßleni uf der Karludi verfolget. Es isch chalt gsi, aber der Näbel het sech langsam glöft. I der Höchi het er scho ne ganz e liechte, bläuleche Schimmer düregla. Aber, ds Jetti het's nid g'achtet, es het nüt gseh als di graui Gschtalt vo sym Götti, dä geng langsamer, aber ohni blybe z'schtah, dem Signal zuegschtige-n-isch. Er isch ufe cho, ohni öppis vom Jetti g'merkt z cha. Jitz, wo-n-er dobe schteit und z'rückluegt, falle di erschte Sunneschtrahle-n-ufe Bärggipfel, und i Zyt vo wenige Minute-n-isch er näbelfrei im duftige Morgerot gschtande. O, was isch es doch um di heiligi, chalti Morgeschtilli uf mene Bärg, wenn d'Wält mit ihrer Sünd, und Not tief under Eim, under de Näbelwulke z'rück blibe-n-isch! Atelos isch ds Jetti dobe-n-acho. No het ihn's der Karludi nid gseh. Da schteit's undereinisch, wie us em Bode gwachse, näbe-n-ihm, fallt ihm i d'Arme-n-und zieht ne mit sech i d'Chneu nider. Da sy si, Bruscht a Bruscht, uf de Chneue gsi, und der Karludi het sy Mantel um di gschmeidigi Gschtalt vom Jetti gschwunge. Ihri Blicke-n-aber sy der Sunne zuegchehrt gsi, die über de Walliserbärge-n-us mene riesehafte Wulkepalascht fürebroche-n-isch und mit verschwänderische Schtröme-n-ihres Guld über di 306 dunkelpurpurfarbige Hörner, Türm und Schluchte vo der Dent du Midi usgschüttet het. Der silberig Chamme vo der Dent d'Oche het ufblitzet, und i-n-unermäßlecher Breiti sy di rosige Liechtwälle zwüsche de mattblaue Bärgzagge düre-n-über ds Näbelmeer dahär cho z'schieße. Der Jura het violett ufglüüchtet, und z'ringsetum, im ganze, schöne Waadtland, sy d'Näbelfätze-n-us de Hoschtete-n-und Bosquets dervogschliche. Heimeligi Dörfer, Schtädtli und Schlösser sy us em Dunscht uftouchet, und bald hei d'Chilchsturmschpitze der Sunne-n-etgägeglitzeret. Di beide Möntschechinder sy e-n-Ougeblick völlig übernoh gsi und hei ihri Blicke zum blaue Himmel erhobe. Ds erscht Wort, wo lut worde-n-isch, isch vo ds Karludis Lippe cho. »Vatter im Himmel,« het er gseit, »Du bisch doch luter Liebi.« Er het sys Brütli fescht a sech zoge-n-und langsam und fyrlech wytergfahre: »Wie herrlech und groß bisch du, Gott, i Dyne Wunder.« Ds Jetti het sech ganz vergässe. Schlag für Schlag het es ds Karludis Härz gschpürt chlopfe, und es isch ihm gsi, wie wenn e jede Schlag e Niete würd i ihre Härzesbund trybe. Höcher und prächtiger isch d'Sunne-n-ufgange, und nah-ti-nah isch o di blaui Flächi vom Gänfersee frei worde. Es isch e so-n-e wundervolle Morge 307 worde, daß di Beide sech fascht nid hei chöne-n-etschließe, der Bärg z'verla. Si hei sech uf ne Felsblock gsetzt und ändlech ihrer Säligkeit o im Gschpräch afah Luft mache. »Gäll, mer ghöre doch z'säme?« fragt der Karludi, und ds Jetti het ihm g'antwortet: »Ja, wahrhaftig, die Nacht ha-n-i's jitz erchennt. Gället, Dir verzieht mer, daß i mi nid ender ergä ha?« »Red mer nid vo verzieh, sunsch darf i di nümme-n-aluege. Wär es drum z'tüe mitenandere-n-abz'rächne, so chäm, weiß der Himmel, d'Reihe z'erscht a mi abz'verdiene. Aber lue, Jetti, es dunkt mi juscht grad descht schöner, je tiefer i mi bi dir i der Schuld gschpüre, will i dyr Liebi dermit Schpilruum gibe. – Aber jitz los! Jitz sy mer nümme Gotteli und Götti, sondere Brut und Brütigam, und jitz seisch mer vo hütt ewäg »du«. »Guet,« het ds Jetti gseit und mit heiterem Lache sech i sy Arm yghänkt, »also du, Karludi – weisch, eigetlech Name hesch du de ne schüzleche, aber item – du – du – du, was wei mer eigetlech jitz aschtelle?» »Äbe,« meint der Karludi mit mene liechte Schatte-n-uf em Gsicht, »vo däm ha-n-i nume no gar nid dörfe rede. Weisch, i gloube, es gäb jitz de no öppis dürez'mache; aber jitze sy mer de Zwöi, und i ha so dütlech ds Gfüehl, mer heige sölle 308 zsämecho, daß i gloube, der Räschte wärdi sech de o gä. – Was meinsch, wenn mer einschtwyle no chly i ds Ußland gienge, bis sech der Schturm daheime gleit het?« »Es wird wohl nid viel anders z'mache sy. S'isch ja am Änd glych, wo me sys Glück chüschtet.« No lang sy si da obe gsässe, ds Jetti im Mantel vo sym Brütigam, und hei sech im guldige Sunneschyn verdampet. Erscht, wo se der Hunger hei tribe het, isch dem Jetti z'Sinn cho, daß es eigetlech i däm Ufzug niemerem dörfi under d'Ouge cho. Si hei sech uf e Wäg gmacht, für ga z'luege, wie si sech müglechscht ungseh chönnte-n-i ds Hus schlyche. Da gseh si zu ihrem Etsetze ne Landouer bi'm Hus vo der Tante vorfahre. Ds Jetti het grad errate, wär's sy chönnti. »Das isch gwuß der Unggle Schultheiß.« Und so isch es gsi. Na syr Undersuechungshaft im Erlacherhof isch der alt-Schultheiß Fischer gäge Bürgschaft uf freie Fueß gschtellt worde-n-und het sech du meischtes z'Gänf und im Waadtland ufghalte. Jitz isch er uf der Heireis ga Bärn gsi, für sy unverdieneti Gfangeschaft z'Thorbärg ga az'trätte. Underwägs het er no Bekannti und Verwandti ufgsuecht, und so isch er o ds Jettis Tante-n-oder villicht no ender dem Jetti sälber, cho ne Visite mache. Er isch 309 dem junge Paar i däm Ougeblick ender chly ungläge cho, bsunders dem Karludi, dä syni Gründ het gha, ne chly z'schüüche. Aber, was hei si welle! Natürlech het ja der Herr Fischer scho erfahre gha, daß der Karludi geschter hie acho isch. Und so het me sech doch aschtandshalber müesse ga zeige. Übriges isch villicht e guete Rat vom alt-Schultheiß o nid z'verachte gsi. Luschtig ufgleit, wie di Beidi jitz gsi sy, hei si bschlosse, sech grad als Brutpaar ga vorz'schtelle. Es isch ja de grad i ei Chlupf gange bi der Tante-n-o. Glücklech hei si sech Jedes i sy Schtube chönne däreschlyche für ga Toilette z'mache. Und du sy si Arm i-n-Arm i ds Salon gschtürmt, wo d'Tante dem Herr Fischer es Glas Marsala het ufgschtellt gha. D'Tante-n-isch uf em Schprung gsi ufzbegähre-n-und z'frage, öb me-n-eigetlech de z'mittag welli cho déjeuniere. Aber wolle, der Guete-n-isch ds Schmählis schön im Hals blybe schtecke, wo ds Jetti mit graziösem Grueß a nere vorby dem Herr Schultheiß geit ga d'Révérance mache, sech umchehrt, der Karludi bi der Hand nimmt und im hällschte-n-Übermuet seit: » J'ai l'honneur de vous présenter mon fiancé «. D'Tante het ihre-n-Underchifel schier nümme zuebracht vor Chlupf und gseit: » Comment, ton . . .? « » Fiancé! Fiancé! « het ds Jetti wyter jubiliert. 310 » Pensez! – Uf em Signal hei mer is dä Morge bi Sunne-n-Ufgang verschproche.« »Es isch e so, Herr Schultheiß!« het der Karludi dem erschtuunete Herr Fischer gseit. Dä het der Chopf gschüttlet und der Brütigam mit fragende Blicke niderghalte. Ds Jetti isch underdesse syr Tante-n-agumpet und het se mit Embrassades gluegt zum Bewußtsy z'bringe. »Ja nu,« seit der Schultheiß, »i gseh, da isch nüt meh yz'rede,« git Beidne d'Hand und wünscht ne vo Härze Glück. Und du het me se du gschickt ga déjeuniere. Das isch es Tête-à-tête gsi! Si hei ta wie di chlyne Chinder und sech gägesytig d'Confitüre mit Löffle-n-ygschoppet. Aber du isch du öppis anders cho. Währeddäm ds Jetti bi'm Abwäsche vom Déjeuniere der Tante het müesse Red und Antwort schtah über d'Erschtürmung vom Signal de Bougy, het der Herr Fischer im Salon äne der Karludi i ds Gebätt gnoh wäge sym unbegryfleche Liechtsinn, sech im Ougeblick ga z'verschpräche, wo me-n-i der »papierige Gutsche« dür d'Wält fahri. »Heit Dir Ech eigetlech überleit, was es wott heisse, es Mariage yz'gah? Es macht mer nid juscht 311 Gattig,« het der alt-Schultheiß mit schträngem Blick gseit. Der Karludi het ihm du sy ganzi Läbeslag usenanderegsetzt. Und wo der Schultheiß gseht, daß alli syni vätterleche Zueschprüch a toubi Ohre schla, so seit er: »Ja nu, es isch Eui Sach und geit uf Eui Verantwortung. – Es nimmt mi nume wunder, was de der Herr Oberscht Lombach derzue wird säge. – Aber jitz öppis anders! Wie weit Dir Ech zur Justiz schtelle? – Dir kennet doch Eues Urteil?« »Ja frylech. I kenne's. Aber i wirde mi nid underzieh. Der gägewärtig Zueschtand cha nid lang duure. Und so ha-n-i im Sinn, mit myr Frou de einschtwyle-n-i ds Ußland z'gah.« Uf das hi het der Schultheiß e-n-Ougeblick gschwige-n-und mit de Finger uf e Tisch trummlet. Druuf fasset er sy junge Fründ fescht i d'Ouge-n-und fragt ne: »So säget mer jitz, bi-n-i schuldiger als Dir?« Jitz isch ds Verschtumme-n-uf ds Karludis Syte gsi. Er het sech gäge niemer so schwär i der Schuld gschpürt, wie gäge Schultheiß Fischer, vowäge das het er so guet ygseh, wie nume-n-öpper, daß ohni ds Komplott vom Bannholz di sibe Verteidiger vo der Burgerschaft, die dermit gar nüt z'tüe gha hei, nie wäre verchlagt worde. Mit ihrne 312 romantische-n-Umtribe hei di Junge der Vorwand zur Inszenierung vom ganze, große Prozäß gä und der Regierung d'Vorussetzung zum rücksichtslose-n-und allgmeine Dryfahre verschaffet. »Nei, Herr Schultheiß,« het er g'antwortet, »Dir syd überhoupt nid schuldig. I hingäge weiß, daß i d'Schtraf, die me-n-Euch uferleit het, no zu myre verdienet hätti. Es isch zwar wohlfeili Münz, na mißachteter Warnung Abbitt z'tue; aber i tue's einewäg. Gället, Herr Schultheiß, Dir verzieht mer?« Der Herr Fischer git dem Karludi d'Hand und seit: »Wie chönnt i anders, wo-n-i doch sälber weiß, uf wie ne herti Prob der nüechter Rat vo de-n-Alte der jugedlech Yfer um di gueti Sach schtellt? – Also Dir gäbet zue, daß i nid schuldiger bi als Dir? – He nu, warum, gloubet Dir de, daß i my Gsangeschaft gangi ga absitze? Ha-n-i nid e Familie, ha-n-i nid Chinder, für die's bitter isch, zwöi gschlagni Jahr Verchehr mit ihrem Vatter müesse draz'gä? – Aber wüsset Dir, my Liebe, grad dem ungrächte Gägner darf me-n-am allerwenigschte-n-öppis schuldig blybe. Für sy Überzügung z'lyde, syg's Rächt oder Unrächt, bringt sicher kei Schade. Drum würd i Euch rate, mit mir ga Bärn z'cho, Ech de Bhörde z'schtelle-n-und Eui Rächnung mit ne z'balanciere. Heit Dir Ech im Vertroue-n-uf Gottes Hülf, trotz de trüebe-n-Ussichte verlobt, und's uf Ech gnoh, e Frou dür di 313 große Schwierigkeite dürez'füehre, so ganget jitz o mit Gottvertroue vor e Richter.« Underdesse sy di beide Froue wieder ynecho gsi und hei dem alt-Schultheiß syni Wort ghört. »Syd Dir nid o my'r Meinung?« seit er no zum Jetti. Und der Karludi chehrt sech o dem Jetti zue und seit: »Wohl, wenn's dir rächt isch, so folge-n-i däm Rat.« »Was wettisch bessers tue?« fragt ds Jetti. »Üs Beidne cha's nümme fähle, gang's wie's well.« »Mer wei's hoffe,« nimmt der Schultheiß no einisch ds Wort, »gäb ech's der lieb Gott! – Es wird jedefalls sy Würkung nid verfähle, Herr Landorfer, wenn Dir Ech freiwillig yschtellet. Aber, a Euem Platz würd' i de es Begnadigungsgsuech ygä.« »Das hingäge, Herr Schultheiß . . . .« fahrt der Karludi zwäg. Aber der Herr Fischer het ne nid la usrede. »Gället, dä Rat heit Dir vo mir nid erwartet. Das begryfe-n-i. Aber lueget, da trenne sech üsi Schicksalswäge. I gloube, hie ghöri mir e Vorzug, dä Dir nid ohni wyters dörfet für Euch i-n-Aschpruch näh. Ei Demüetigung meh als mir ghört Euch. Und isch si o bitter, so wird sie-n-Ech doch nüt schade. Dir sühnet Eues Unrächt dermit und – syd's Euem charmante Brütli schuldig.« 314 Dä Rat isch vo Syte vom Herr Fischer e-n-Art Hochzytsgschänk gsi. Er het mit sym gwichtige Wort der Karludi gäge ne-n-allfällige Vorwurf vo Mangel a Ehrgfüehl welle decke. Aber im Gedanke-n-a syni flüchtige Kamerade het der Karludi nid welle druuf ygah. Und so isch die Frag no unglöst gsi, wo-n-er für einschtwyle vom Jetti Abschid gnoh het und mit sym vätterleche Fründ ga Bärn verreiset isch. 315     XIII. Freudeträne-n-und »generalsäligi« Hornschtöß. Dem Karludi hilft e guete Fründ us der Chefi und es alts Schprüchli uf ds rächte Trom. Wie vo Chindsbeine-n-a het sech der Karludi mit läbhafter Phantasie usgmalet, was ihm gwartet het, wie si uf ihn wärde schtürze-n-und ne-n-under mene Volksuflouf i d'Chefi schleipfe. Drum isch er bi Weyermashus us der Gutsche vom Herr Schultheiß usgschtige-n-und isch am Glasbrunne vorby gäge d'Neubrügg zue. Daß me ne dert nümme suechi, het er rüejig dörfe-n-anäh. Er isch gedankeschwär Rychebach zuegwanderet, für pflichtschuldigscht es schwigervätterlechs Pränumerandodonnerwätter über sech la z'ergah. Uf däm schwäre Gang het ne-n-am 316 meischte ds Bewußtsy tröschtet und ufgchlepft, daß ds Jetti z'Bougy uf de Chneue für ihn Schturm lüti. Er het du der Oberscht Lombach und sy Frou unerwartet murb gfunde. Es het e so-n-e mildi Henusode-Schtimmung gwaltet. Nume dem Karludi sy Protescht gäge nes Begnadigungsgsuech isch mit »Dumms Züüg!« beantwortet worde. Die Demüetigung heig er sech sälber ybrochet. Ergerlech syg's frylech, und under andere Verhältnisse wetti me ja nüt säge; aber jitze hätti eim ja niemer nüt druffe, wenn me sech hinder sym Ehrgfüehl vergrabe würdi. Me wär nume der Narr im Schpil. Dem Karludi het es nid übel g'wohlet, wo-n-er d'Hustüre vom Schloß hinder sech het zueta gha und mit läbige Schritte der Wäg i d'Schoßhalde het chönne-n-aträtte. Sit dem Bricht vo St. Blaise, wo's gheisse het, der Karludi sygi schpurlos verschwunde, hei d'Eltere Landorfer nüt meh vo ihrem unglückleche Suhn vernoh gha. Vergäblech het me sech z'ringsetum erkundiget, öb er villicht ufgfange worde sygi. Kei einzige Brief het e beruehigende Bscheid ybracht, und so het sech e dumpfe Chummer uf alli Familieglider gleit. Am sälbe-n-Abe het me sech juscht wieder der Chopf verbroche, wäm me-n-öppe no chönnti schrybe, da dröhnt mit wahre Donnerschläge der Chlopfer a der Hustüre. Der Frou Elisabeth isch uf der Schtell 317 der Gedanke dür ds Härz gfahre: »Wenn das ne wär!« – Eine vo de Buebe-n-isch usegschtürmt, ga luege, wär so unerchannt für yne heuschi. Chuum het er der Rigel zoge gha, so fallt ihm öpper ume Hals, er het nume nid Zyt gha z'luege, wär es sygi. »Wo sy si? – I der Äßschtube?« fragt der Karludi und rönnt düre Gang und i di offeni Äßschtube: »Mama! Mama!« Und er het se-n-a sech drückt und nere-n-eis Müntschi über ds andere gä. Uf e Lärme hi isch o der Papa d'Schtäge-n-abcho und nid minder schtürmisch begrüeßt worde. D' Mama isch, wie schturmgschlage, i ne Schtuehl gfalle-n-und het na Worte gsuecht. Jitz erscht etdeckt der Karludi d'Schpure vom Gram uf de Gsichter vo syne-n-Eltere und der weich, schneeig Schimmer i de duftig-chruse Haar vo der Mama. »Das ha-n-i agrichtet,« het er sech agchlagt, und bitteri Träne sy-n-ihm über d'Backe-n-ab grunne. D'Mama het ihm zuegluegt und gseh, wie's ne zwägnimmt und wie-n-er sech aschträngt, für d'Fassung z'bhalte. » Viens, mon enfant, mon pauvre enfant! « seit si mit dem ganze Zouber vo ihrer weiche Schtimm. Er isch ere zu Füeße gfalle, het sys Gsicht uf ihri Schoß gleit, und si het ihm mit ihrne dürsichtig-rosige Hände d'Haar glatt gschtriche, bis si sälber wieder e chly zur Rueh cho isch. Der Papa Landorfer het ob däm Bild sälber e chly der Halt 318 ybüeßt und isch dür ds Fänschter i di schtilli Nachtlandschaft ga useluege. Nah-ti-nah hei si alli ds Trom wieder gfunde, und me het sech gägesytig syni Lyde-n-afah erzelle. Natürlech het der Bricht vo der Verlobung bald alles andere gmacht z'verschtumme. Und mit großer Befridigung het schließlech ds Elterepaar o der heroisch Etschluß vom Karludi, sech z'morndrisch dem Gricht z'schtelle, vernoh. D'Mama het ihri ganzi Heiterkeit umegfunde-n-und bi'm Guetnachtsäge sogar zu ihrem Ma gseit: »Es isch mer schier lieber, ne dem Richter usz'lifere, als ne wieder sünscht a nes Ort gseh z'gah; me weiß emel de o, wo-n-er isch.« – »Ja,« het der Ruedi Landorfer gseit, »i gloub, er sygi kuriert, und das gründlech.« Na nere glücksälige Nacht under em elterleche Dach, i syr alte Schtube, im eigete Bett, het sech der Karludi tapfer uf e Wäg gmacht, für sech dem Polizeidiräkter ga vorz'schtelle. »Wenn i nume-n-ungschore zue-n-ihm chume!« het er sech gseit, »die wärde-n-Ouge mache, wenn si my Name ghöre.« Zu syr Verwunderung het aber bis zur Büreautüre kei Chatz umegluegt wäge-n-ihm. Er chlopfet. »Yne!« het's gheisse. Er geit yne, zieht der Huet ab und wartet. Zwo Fädere hei uf em Papier gyxet, und i nere 319 Vogelchrätze-n-am Fänschter isch e Gügger mit sym dicke, rote Buuch dasume ghopset; sünscht het sech nüt grüehrt. Ändlech het e Schryber der Chopf uf und fragt: »Was sött sy?« »I bi der Karl Ludwig Landorfer.« »Was heit Der welle?« »I chume mi cho schtelle.« »Für was?« »He, i bi ja verurteilt.« »Syd Der zitiert?« »Nei, i chume sünscht.« »Ja,. der Herr Diräkter isch halt jitz nid da. – Chömet de öppe ire Schtund ume! Oder, wenn Der weit, chönnet Der hie warte.« Uf das hi isch der Karludi uf e Chilchhof ga schpaziere. »Also nid interessanter als so bi-n-i dene Lüte! Da hätt' i eigetlech o z'Bougy chönne blybe.« Er het aber nümme lang bruuche z'warte. Undereinisch sy verschideni Landjeger uftouchet und di beide Chilchhofportal sy zur Verwunderung vo de wenige Schpaziergänger und de schpilende Chinder bschlosse worde. Eine vo dene Landjeger chunt bald zum Karludi: »Wie heisset Dir?« Er syg dä und dä, seit er, und wo-n-er gseht, daß der Landjeger mit nere Chetti hantiert, seit er ihm: »Bhüetmi! Tüet das nume dänne! I chume sünscht mit Ech.« 320 E Halbstund nachhär isch der Karludi i eim vo de Torhüsi am Aarbärgertor hinder Schloß und Rigel gsässe. Natürlech het me du bald druuf im Blettli gläse: »Nach verzweifelter Gegenwehr wurde letzten Freitag auf der Plattform der in das Werbkomplott verwickelte Hauptmann Landorfer festgenommen usw.« Drum het du der Grandpapa Vilbrecht im Familierat, dä me by-n-ihm zsämetrummlet het, uf di erschti Nachricht vo der Verlobung gseit: » Pa-pas-po-possible. – Je viens de lire que que qu'il a été arrêté à la Platteforme. « Aber sy Schwigersuhn het ne du gwüßt z'calmiere. Es isch frylech e chly e schtarki Pryse gsi für dä guet alt Herr, daß sy Großsuhn ei Tag sech sygi ga verlobe-n-und der ander sech guetwillig heig la yschperre. Aber er het schließlech gfunde, es gangi zum Räschte, i syne-n-Ouge sygi überhoupt di ganzi Wält meh oder minder verrückt. Es sy-n-ihm e chly viel Ydrück düre-n-andere cho, und das Aprilwätter vo Schtimmunge het ne z'letscht gmacht z'briegge. Er wärdi's gwüß nümme-n-erläbe, daß di Zwöi zue-n-ihm i ds Oberried chöme, het er gjammeret. Me het gluegt ne z'tröschte, was ändlech sym Schwigersuhn grate-n-isch. Er het gseit, i settige Zyte, wo öppis Neu's müessi erborzet sy, richti sech gwöhnlech der gröscht Haß vo de Macher nid gäge die 321 Widersacher, dere Schuld am Tag ligi, wie bi dene junge Verschwörer, sondere gäge die, wo's verschtande, legitimi Gründ gäge d'Neuerung i ds Fäld z'füehre. Drum würdi's ihn nidemal so grüslech verwundere, wenn schließlech überem Schturm gäge Schultheiß Fischer und syni Kollege di eigetlech Schtrafwürdige verhältnismäßig weniger schträng agluegt würde. D'Folie zur grächte-n-Etrüschtnng heige si gä, und jitz gfalli me sech de villicht no i großmüetigem Gnadenerlaß gäge die, wo nüt meh chönne schade. So syg's o i der große Revolution gange, und so mache's di regierende Parteie no gärn. E glücklechere Schachzug hätti der Ruedi Landorfer nid chönne tue, als däwäg ds Ergäbnis vo syne Beobachtunge-n-und Schtudie sym Schwigervatter vor d'Ouge z'ha. Der Herr Vilbrecht het ihm rächt gä und vo Schtund a mit dem gröschte-n-Interesse der Begnadigung vo sym Großsuhn etgäge gluegt. Er het di Ansicht vom Ruedi Landorfer philosophisch erwoge-n-und sech dermit d'Zyt vertribe. Der Oberscht Lombach aber isch ei Morge ga Meichilche-n-ufe gritte-n-und het dem Bärewirt mit der Rytpöutsche-n-a d'Fänschterschybe pöpperlet, ganz e so, wie-n-er ihm's albe z'Ittige-n-am Schuelhus gmacht het. Hütt het sech der Ludi Bickhard nid mit widerhaarige Schuelchinder abgmüejt: sondere-n-er het sech juscht dermit vertörlet, syni 322 Füflibere-n-i gattlechi Bygetli z'bringe-n-und isch derby seelevergnüegt gsi. Wo-n-er der Fritz Lombach gseht, leit er sech breit i ds Fänschter und seit: »So, so, chunsch du o wieder einisch cho ge pfäischtere? – Was bringsch Guet's?« »He nüt bringe-n-i. Du hesch Sache's gnue da inne,« lachet der Oberscht, wo-n-er d'Früehligssunne-n-uf ds Ludis Mammon het gseh schimmere. »Nei, i ha der nume welle cho säge, der jung Landorfer, weisch my künftige Schwigersuhn, syg sech cho schtelle. Er sitzt bi'm Aarbärgertor. Und geschter hei mer ds Begnadigungsgsuech ygä. Du dänksch de a mi, gäll?« Der Ludi grinset über sys glattgschabete Vollmondsgsicht und seit: »Ä, ä, a di nid, aber a dy Tochter.« Der Oberscht drüit ihm zum Gschpaß mit der Pöutsche-n-und wott abryte. Aber der Ludi het ne nid la gah. Er het nid abgä, bis der Oberscht abgsässe-n-isch und ds Roß het la i Schtall füehre. Und du het er ne dür d'Schtäll und d'Schpychere gfüehrt und ihm ds ganz Heiwäse zeigt. »Aber weisch, ds Beschte vo allem isch doch da inne,« het er gseit und sy alte Chriegskamerad zur Frou yne gfüehrt, wo ds Ludis verschpätete Schprößling gschweigget het. »Ja, ja Ludi,« het der Oberscht gmeint, »du bisch o eine vo dene, wo nid 323 umz'bringe sy. Du gheisch eis mal über ds andere, aber du gheisch geng gsellig. Jitz mach de, daß i vo dym Gfell o öppis z'gschpüre-n-überchume. »He, mer wei öppe luege,« antwortet der Großrat, »wie sech di Sach lat la agattlige. Weisch, me mueß nid z'hert pressiere. Wenn me de cha säge, er syg afe-n-ordli lang ghocket, so isch o ender öppis z'mache.« Ja, der Groß Rat het sech Zyt gnoh, und der Karludi isch mittlerwyle ga Thorbärg gfüehrt worde, wo der Herr Fischer mit syne Lydesgfährte scho sit Wuche gsi isch. Ds Jetti hingäge het me du ga Rychebach la cho, für ihm afange-n-uf guet Glück hi der Trossel la z'mache. Ändlech, na länge-n-Umtribe-n-undVerschiebunge-n-isch der groß Tag cho. D'Familie het sech im lääre Schtadtlogis vom Herr Vilbrecht z'sämegfunde, für uf ds Ergäbnis vo de Verhandlunge z'warte. Aber, wo na zwone Schtunde voll ängschtlecher Schpannung no kei Bscheid cho isch, sy si d'Metzgergaß ab bis zum Rathus und hei uf d'Plattform welle ga warte. Da luegt a der Chrüzgaß ds Jetti z'rück und gseht es paar älbi Ratsherre-n-uf d'Rathusschtäge-n-use cho. Me isch blybe schtah, und gseht der Herr Riesig i hälle Gümp d'Schtäge-n-ab cho z'schpringe. Er het 324 offebar d'Metzgergaß uf welle. Der Papa Lombach schpringt ihm nache-n-und rüeft ihm. »Eh, Herr Oberscht,« seit der Herr Riesig, »grad ha-n-ig Ech welle cho mälde, der jung Herr Landorfer sygi begnadiget worde. I ha mer e-n-Ehr druus gmacht, Ech di erschti Nachricht z'bringe.« »Ganz?« fragt der Oberscht. »Emel us der Gfangeschaft. Nume d'Gäldbueß hei si la schtah. »Und d'Ehrefähigkeit?« »I die isch er wieder ygsetzt. – I gratuliere, Herr Oberscht.« »Wär het g'redt?« »Neue nid mänge. Aber der Bickhard vo Meichilche het e Red ghalte, i säge-n-Ech e Red, Herr Oberscht, i ha no nie so öppis ghört. Dä het ne-n-useglüpft. Me het gmerkt, daß a däm e Pfarrer verlore gange-n-isch. – Wüsset Der, Herr Oberscht, dä Bickhard het einisch Pfarrer gschtudiert und du isch er du neue da i Verchehr cho mit liederleche Lüte, die ne zum Chriegsdienscht agmacht hei und i dür Gsellscheft isch er du ganz abecho.« »Und du?« fragt der Oberscht, wo ds Lache nume no mit Müej het verha. »Ja, und du – und du . . . .« Wyter isch der Herr Riesig mit syr Belehrung nümme cho, vowäge-n-underdesse sy du di Froue 325 zueche cho und hei sech under hällem Jubel der Bricht vom Herr Riesig no drü, vier mal la gä. Druuf het me dem chrutige Mandli es währschafts Trinkgäld zuegschteckt und us der Schar vo de Großrät, di jitz uf e Platz abe gschtrömt sy, der Ludi Bickhard usegsuecht, für ihm ga z'danke. Aber der Ludi het gwüßt sech heimlech dervo z'mache. Da chunt der Holzer-Bänzli juscht vo der Poscht här übere Platz. Ds Jetti het ne kennt und räblet ne-n-a, öb är der Großrat Bickhard niene gseh heigi. »Er isch scho hei,« seit der Bänzli, »aber jitz ha-n-i Euch welle cho frage, öb i dem Herr Landorfer dörfi der Bricht uf Thorbärg use bringe. Dir wüsset, i bi no i Euer Schuld, Jumpfer Lombach, will ig Ech einisch Eues Bäbi i d'Aare-n-use tribe ha. Es het mi sider geng duuret u jitz wär's mer e Freud, wenn i dä Bricht dert use dörfti bringe. I ha das so mit dem Bickhard abgmacht. We's Ech rächt isch, so ga-n-i grad.« Ds Jetti isch ganz übernoh gsi, vo däm Anerbiete, het dem Bänzli d'Hand gschüttlet und ihm danket. Der Oberscht het ne gfragt, ob er de das vo Poschtdienscht wäge dörfi. »Da lat mi nume la mache, Herr Oberscht,« het er gseit, »i luege scho für nes Roß.« 326 Me isch du uf ds Poschtbüreau d'Freudebotschaft ga zu Papier bringe-n-und het dem Bänzli under vielem Dank Grüeß a di Gfangene-n-uftreit. Gäld het er absolut keis welle-n-anäh. Sys Horn het er umghänkt und isch ganz »generalsälig« dervogschprängt. Bald het es luschtigs Echo a de Felse vo der alte Bärgfeschti im waldige Lindetal uf ds Bänzlis Trara g'antwortet und di Gfangene-n-a d'Fänschter füreglöckt. Dem Roß isch der Schuum vo de Weiche tropfet, wo der Poschtiljon i Schloßhof gritte-n-isch und im guldige-n-Abedsunneschyn no einisch sys Horn het la töne, daß d'Ratte-n-im Chornschpycher zsämegfahre sy. Sobald der Bänzli sy Botschaft het usgrichtet gha und mit ds Karludis glückschtrahlende Blicke-n-im Gedächtnis der Bärg abgritte-n-isch, het der begnadiget Brütigam vom Schloßverwalter d'Erloubnis gheusche, dem alt-Schultheiß e Visite z'mache. Er isch sym ehrwürdige Gönner no einisch ga Abbitt tue und het ihm mit warme Worte danket für syni guete Rät. Der Karludi het no chly müesse Geduld ha, vowäge bis der amtlech Etlassungsbefähl ytroffe-n-isch, sy no es paar längi Tage verschtriche. Und wo-n-er ändlech aglanget isch, het der alt-Schultheiß dem Verwalter gseit, er söll der Karludi no ne Nacht 327 z'rückha und derzue uf de Schtockzähnde glachet. Ihm isch nämlech für z'morndrisch d'Visite vo der Großfürschtin Feodorowna agchündiget gsi. Der gfange Brütigam het töubbelet und ufbegährt, daß me ne nid no am glyche-n-Abe het la loufe. Um so größer isch du d'Freud gsi, wo-n-er der Grund erfahre het. D'Großfürschti het sech no ganz guet a-n-ihn bsunne-n-und het sech e bsundere Jux druus gmacht, der Karludi mit sech i ihrer vierschpännige Gutsche hei zfüehre. Bi'm Wittigkofe het si ne la usschtyge, nadäm si-n-ihm ds Verschpräche-n-abgnoh het, er well ere de sy Brut i d'Elfenau cho vorschtelle. Das isch du es paar Tag schpäter o gscheh, und ds Brutpaar het's nid gha z'bereue. * * * Änds Augschte-n-isch es gsi, wo d'Tochter vom Oberscht Lombach und der Suhn vo der Frou Elisabeth Landorfer i der Chilche z'Bälp vor em Altar sech d'Hand gä hei. A tout prix het der Grandpapa Vilbrecht d'Hochzyt im Oberried welle ha, und me het ihm müesse nagä. Damit er nid z'wyt umenandere müessi fahre, het me du d'Trouung o ga Bälp use verleit. D'Chilche-n-isch mit fründlechem Sunneschyn erfüllt gsi, und di eltere Hochzytsgäscht hei schtillvergnüegt i schöne-n-Erinnerunge gschwelget, so daß d'Schtimmung vo der ganze Gsellscheft 328 überus feschtlech gsi isch. Uf ds Verlange vom Brutpaar het der Pfarrer der Täxt gnoh gha: » Also ist die Liebe des Gesetzes Erfüllung. « Na allem, was ihm d'Brutlüt vo ihrne Freude-n-und Lyde-n-erzellt hei, het sech d'Troured ganz vo sälber ergä. Na der Trouung isch me ganz schlicht im Zügli zum Oberried ufe gwanderet und het sech im große Salon a ne-n-einzige, rych dekorierte Tisch gsetzt. Na damaligem Bruuch het me gar keis großes Wäse gmacht. D'Yladunge sy uf e-n-ängschte Familiekreis beschränkt blibe. Der Großrat Bickhard frylech isch o yglade gsi; aber er het sech geniert z'cho und isch nid gsi derzue z'bringe. So het me sech dermit müesse z'fride gä, uf ihn Gsundheit z'trinke-n-und ihm z'morndrisch ne prachtvolle Maje zuezschicke, i dä ds Jetti eigehändig di schönschte Blueme-n-us sym Brutbouquet gschteckt het. Allerhand luschtigi Rede hei gschilderet, was vora gange-n-isch, und sech i di überschwänglechschte Glückwünsch verlore. Für ja niemer z'blessiere-n-und nüt Ungschickts z'mache, het me sech ds Wort gä, nid vo de politische-n-Ereignisse z'rede. Das isch frylech liechter verabredet als ghalte worde, vowäge-n-uf di läbesluschtige junge Lüt het halt doch gar mängs Wahrzeiche-n-us vergangene, glorryche Zyte vo de Wänd abegluegt. Und wenn scho niemer nüt 329 dervo gseit het, so hei doch d'Familieporträts mit ihrne glänzende-n-Insignie, Schultheisseschtäb, Schtaatssigelseck und Ratsherredäge, e Schprach gfüehrt, die me ds sältmal no besser verschtande het. Der Karludi frylech het sech hütt o nid i nes schtumms Gschpräch mit dene-n-alte Herre-n-ygla, het er doch läbhaft epfunde, daß er i syr herrleche Brut meh gwunne het als di ganzi etschwundeni Pracht mitenändere wärt gsi isch. Aber na allne syne vergäbleche-n-Alöuf isch er doch schtill worde-n-und het demüetig i d'Zuekunft gluegt, die dunkler vor ihm gläge-n-isch als mängem andere, villicht weniger glückleche Brütigam. Zum Tanze-n-isch es no wohl warm gsi, und drum het me sech nam Ässe-n-im schattige Garte, zwüsche de-n-üppige Bluemegrup und de glitzerige Schpringbrünne mit allergattig Schpil amüsiert, het gjeukt und gwildelet, gsunge-n-und Musik gmacht. Währeddäm di Junge-n-i däm luschtige Trybe-n-ufgange sy, het sech ds Brutpaar dür di großi Allee us verzoge-n-und isch obe düre zrück, dem Bord na gäge d'Gloriette zuegange. Si hei gmeint, si syge wyt und breit allei. Da ghöre si i der Gloriette-n-inne nes lyses Lache, und, wo si zwüsche de höche Buchsböum düre chöme, was gseh si: Der Papa Landorfer, wo d'Frou Elisabeth zärtlech obe-n-yne gnoh het und ere juscht es härzhafts Münschi git! 330 Ds Elterepaar isch erchlüpft und het sech la fahre. Aber z'schpät. Der Karludi seit: »Bravo! Mer hei's scho gseh.« »He nu, so gschej nüt Bösers,« meint der Papa, »dir dörfet scho merke, daß üsi Liebi no nid erchaltet isch. – Lue, Karludi, hie het si ihre glücksälige-n-Afang gnoh. Gsehsch, da sy no d'Schpure dervo. Das Schprüchli söllisch du jitz o verschtah. – Das het mer doch über mängs ghulfe.« Der Papa Landorfer het sy Suhn zueche zoge-n-und ihm zeigt, was no i der Wand isch ygchritzet gsi: » L'amour est plus fort que les principes. « »Schryb du der jitz das o i ds Schtammbuech,« meint d'Frou Elisabeth, »was ligt am Änd a de politische Grundsätze? D'Liebi zu Land und Lüte heit der i di neui Zyt übere grettet, und das isch d'Houptsach.« »Ja,« seit der Papa, »d'Liebi het de neue no geng dankbari Lüt gfunde. Und wär weiß, dür si tüet dir Junge-n-am Änd no einisch d'Wält erobere.« »Das wär jitz emel no z'probiere,« seit der Karludi zum Jetti, »oder meinsch nid?« Und ds Jetti antwortet: »Das ha-n-i ja geng gseit. Es heißt doch nid für nüt, d'Liebi höri nie uf. Die überduuret alli Gsetz und Verfassunge, und wär viel Liebi het, däm folget me-n-o gärn.« 331 »Du hesch rächt, Jetti, mer wei d'Liebi zum Leitschtärn vo der neue Zyt mache.« Mit däm Gedanke-n-im Härz het der Karludi sy Frou wieder abegfüehrt, und da drüber isch er wieder ganz heiter worde, währed der Längebärgschatte-n-über ds Oberried här gfalle-n-isch. Me het Müej gha, sech vom Aberot z'trenne; aber vom Ougeblick a, wo hinder de-n-offene Salonfänschter d'Cherze gflimmeret hei und d'Musikante ne Hochzytsmarsch i Garte-n-use hei la töne, sy di junge Gescht wie Papillons dem Liecht zuegfloge-n-und hei i graziöse Menuette-n-und chunschtlose Walzer ihrer Luscht Ruum gä. Und di Alte hei sech o zueche gla, z'erscht nume zum Luege. Aber undereinisch isch es dem Oberscht Lombach i d'Bei gfahre. Er het d'Frou Elisabeth liecht zu mene Walzerli bewoge-n-und der Papa Landorfer het se mit syr schöne Gägeschwähere-n-uf leidlech flingge Füeße, i luschtigem Wirbel verfolget. Es isch sogar no der Grandpapa acho. Aber si hei ne-n-am Chuttesäcke gha. I nere Pouse hingäge het er nid lugg gla, bis sy neui Großtochter zum unerschöpfleche Gaudium vo der ganze Gsellscheft mit ihm es Menuett het afah gümperle. Er isch mit syne gschtabelige Beine waggelig dasume träppelet und het possierlechi Révérences mit altmodische Geste gmacht. Aber nid lang. Der Grandpapa het bald 332 ygseh, daß alti Bei und jungi Musik nid liecht mitenandere-n-i ds Greis chöme. Er het dem Karludi sy luschtigi Frou wieder zuegfüehrt und ihm under Chyche gseit: »I gseh scho, ça ne va plus, mer müesse ds Fäld de Junge-n-überla.«