Victor von Strauß und Torney 1809 – 1899 Untertanenliebe Der Graf zu Schaumburg-Lippe, Herr Friedrich Christian, in seiner Wehr zu Rosse kommt er die Straß' heran; da tritt ein stiller Bürger aus seinem Haus hervor, sieht den gestrengen Herren und birgt ich hinterm Tor. Das hat der Graf gesehen, er hält und ruft: »Heraus!« Nichts kommt; er ruft's noch einmal, – es regt sich nichts im Haus; er ruft es laut zum dritten – und noch bleibt alles still. »Nun möcht ich doch erfahren, wer hier mir trotzen will.« Er zieht aus seinem Halfter das Schießgewehr und schießt, daß man am Loch im Holze noch heut das Zeugnis liest. Fast traf er den Versteckten; der birgt sich länger nicht, er stürzt hervor und neigt sich mit bleichem Angesicht. »Was birgt er sich?« ruft jener, die Stirn von Zorn gefucht. »Gestrenger Herr, ich sah Euch, da barg ich mich aus Furcht.« Da setzt der Graf den Sporn ein und fährt ihn donnernd an: »ihr dürfet mich nicht fürchten! Ihr sollt mich lieben, Mann!«