Joseph Christian von Zedlitz Der Königin Ehre. Schauspiel in fünf Aufzügen. 1828. Personen. Boadillin ,maurischer König in Granada. Gazul , Bruder der Königin. Muca sein Bruder., Albin Hamar . Malique Alabez . Vanega Almoradi . Vom Stamme der Abeneeragen. Reduan . Abidbar . Almansor . Gomel . Hamet Zegra . Mohadin Zegra . Vom Stamme der Zegris. Ein Page Albin Hamar's.   Don Rodrigo Tellez Giron , Großmeister des Calatrava-Ordens.   Don Manuel Ponce Leon .   Don Diego von Cordova , Alkayde von Doncellas.   Don Juan Chacon , Graf von Cartagena.   Don Alonzo d'Aguillar .   Alfänna , Königin von Granada.   Esperanca , eine Christensklavin.   Zelima .   Ein Herold .   Ein Diener des Königs.   Maurische und spanische Ritter. Krieger. Mauren. Ein Spanier.   Maurische Frauen. Volk.   Erster Aufzug. Freie Waldgegend. Erster Auftritt. Don Manuel Ponce Leon (leicht verwundet) und Don Juan, Graf von Cartagena. Spanische Krieger. Ponce. Hier laßt uns halten. – Don Rodrigo Tellez Gedenkt am Fuße des Gebirgs zu lagern, Gewärtig, ob dem Maurenheer gelüste, Vielleicht das Kampfspiel morgen zu erneun. Juan. So lasset uns die Nacht gerüstet bleiben. Ponce. Gerathner ist's. – Wir streifen hier nicht fern Vom Vegagrund, und wenn wir von dem Gipfel Darniederschauen, schimmern in dem Golde Der Abendröthe hell Granada's Thürme, Und von Alhambra's blüthenreichen Gärten* *Verbreitet sich der wollustvolle Hauch Des würz'gen Duftes bis zu diesen Höhn. Juan. So nah am Feinde ziemt uns weise Hut. Doch nun, Don Ponce, seht nach Eurer Wunde. Ponce. Sie ist besorgt, auch so gefährlich nicht, Als sie des tapfern Mauren guter Wille Mir zugedacht. Juan. Nun, desto besser, Herr! Ponce. Ein wackrer Ritter war's, ich groll' ihm nicht; Obgleich er nahe mir an's Leben wollte. Juan. Er ist gefangen, wenn ich recht vernahm. Ponce. Durch Don Rodrigo Tellez eigne Hand. Juan. Wohl keiner bessern konnt' er sich ergeben. Ponce. Mir bricht das Herz, ich muß es frei gestehen, Seh' ich, sehr werther Graf von Cartagena, Dieß Maurenvolk: so stark im Kampfe und So hochgesinnt, von hellem, regen Geiste, In allem Wissen wohlbewandt und tüchtig! – O Schmach für Spaniens ritterliche Ehre, Daß aus dem sonnentbrannten Afrika Ein Volksstamm herzieht, und mit Kriegsgewalt Eindringt, und heimisch wird auf dieser Erde! Wohl wär' es an der Zeit, daß unsre Mannheit Dem trägen Schlummer sich entrüttelte. Juan. Ich hörte heute, daß ein Mohrenfürst Umhergezogen, und mit frechem Spotte Die span'sche Ritterschaft zum Kampf geladen. Die Straße sperrt er nach Alhama hin. Ponce. Nun, bei St. Jakob! lange soll er nicht Auf einen Gegner warten. Morgen zieh' Ich ihm entgegen. Juan. Mit Vergunst, Don Ponce, Ein näher Recht zum Kampf mein' ich zu haben; Auch seyd Ihr ja verwundet. Ponce. Nicht so schwer, Daß ich den Uebermuth nicht strafen könnte. Wie ist des Mauren Name? Sprich! Juan. Azarque. Der Stärksten einer aus dem Maurenheer, Ein weit berühmter Kämpfer. Ponce. Desto besser! Juan. Horch! Kriegsmusik ertönt von jener Seite. – Das sind die Unsern. Don Rodrigo führt Sein siegreich Banner aus dem Treffen heim. Ponce. Noch keinen würd'gern Meister sah der Orden. Erhalt' ihn Gott! Juan. Von Herzen sag' ich Amen! Zweiter Auftritt. Die Vorigen. Der Großmeister Don Rodrigo Tellez Giron. Don Diego von Oltosa. Spanische Krieger. Großmeister. Dort jener freundlich wunderholde Hain Scheint uns zur Ruh so schmeichelnd einzuladen, Daß ich gemeint bin, nun die Schlacht vorbei, In seinen Schooß zu flüchten, unterm Dach Der Bäume dort, zu schnell erbauter Stadt Der Zelte leichte Linnen aufzuschlagen. (Die Krieger gehen ab.) Ja, laßt uns hier, vom Waldesgrün umschattet, Der Sonne neuerblühend Licht erwarten, Um mit des Frühroths erstem, matten Schimmer Das edle Kriegswelt wieder zu beginnen. – Der Mohr Azarque ist des Kampfs begierig, Und höhnend hält er in der Vega Ebne. Ponce. Ich such' ihn auf. Juan. Seyd doch verständig nur, Don Ponce Leon! Laßt den Heiden mir. Ihr seyd verwundet ja, und kaum den Arm Vermögt Ihr aufzuheben. Ponce. Unbesorgt Sey mir deßhalb, Don Juan. Will's der Himmel, Sollst du des Mauren Leiche morgen schaun. Diego (der indeß mit einem Krieger heimlich gesprochen). Indeß Ihr streitet, wer den Kampf soll wagen, Ist er beendet, und ein Andrer trägt Den Ruhm hinweg, nach dem ihr Beide geizet. Willkommne Botschaft meldet dieser Mann. Großmeister So laßt uns hören. Diego. Ausgesendet hatt' ich Bewaffnet Volk, den Umkreis unsers Lagers Rings zu umgeben; da gewahrt der Wächter Ein seltsam Schauspiel. Zwei erzürnte Krieger, Azarqu' der eine, wie die Rüstung zeigte, Der andere ein spanischer Hidalgo, Begegnen sich im Thal, Roß gegen Roß Im wilden Anlauf treibend. Wölfen gleich, Die hungrig um die blut'ge Beute ringen, Sieht man sie streiten; daß die Ebne weit Vom Klange ihrer Waffen wiederhallt. Lang' unentschieden blieb der Kampf; doch endlich, Von seines Gegners Stahl durchbohret, sinkt Vom Roß der Maur', und jenen Riesen gleich, Von denen uns verklungne Sagen melden, Liegt er, weit ausgestreckt, nun todt am Boden. Großmeister. Wer ist der Spanier, der ihn besiegte? Diego. Ein Unbekannter ist's, er naht dem Lager. Inau Kennt Niemand seine Farben und sein Wappen? Diego. Seht hier den heldenmüth'gen Ritter selbst. Dritter Auftritt. Vorige. Don Alonzo d'Aquillar. Hinter ihm Ritter die Azarque's Rüstung tragen. Ponce. Alonzo d'Aquillar! Großmeister. Du bist's? Juan. Alonzo? Alonzo. Ich bin's. Großmeister. Willkommen heiß' ich dich! Die Ritter. Wir Alle, Alle! Alonzo. Habt Dank, ihr Freunde! – O, ersehnte Stunde, Die mich zurückführt auf Hispaniens Boden! Juan. Von Ruhm umglänzet ziehest du hier ein. Ponce. Ein Heldenwerk verkündet deine Ankunft. Großmeister. Du hast vollbracht, was dir die Besten neiden. Alonzo. Wenn deine Huld mich hoch und stolz erhebt, Steh' ich beschämt zugleich, o Herr, vor dir, Mir wohl bewußt, daß ich sie nicht verdiene. Ponce. Laß uns von deinem Schicksal Kunde hören. Diego. Als du hinwegzogst aus Hispanien, Warst du von Granada zurückgekehrt, Wo du gefangen bei den Mauren lagst. Alonzo. Durch einen Maurenritter schwer verwundet, Trug mich derselbe Arm, der mich verletzt, Aus dem Getümmel, und mein edler Feind, Ein tapferer Abenceragenfürst, Ward bald mein Freund, als seines Hauses Hallen Mich gastlich grüßten, und die harte Wunde, Von zarter Hand gepfleget, schnell genas. Großmeister. Es ging die Sage, daß die Pflegerin Für jene Wunde, die sie bald geheilt, Dir eine neue, unheilbare schlug. Alonzo. Ruhmwürd'ger Meister – Großmeister. Rede ohne Scheu. Alonzo. Es ist so, wie du sagst, ich läugn' es nicht, – Nachdem, wie dunkler Todesnebel, dicht Und schwer, mich lang' der Ohnmacht Schlaf umfangen, Schlug ich die Augen wieder auf zum Licht; Da sah ich, als des Todes Fesseln sprangen, Vor meinem Lager eine Jungfrau stehn, Wie lebend nie ein Auge je gesehn. Noch halb dem Tode eigen, halb dem Leben, Dem mählig kehrenden, zurückgegeben, Schien, was ich sah, mich wie ein Morgentraum, In dem sich holde Zauber reizend weben, Im fremden Wunderlichte zu umschweben; Doch alle Himmel sah ich staunend offen, Und lichterfüllet um mich her den Raum, Als mich ihr Blick mit süßer Macht getroffen, Und, die Genesungsschale in der Hand, Sie wie ein Bild der Engel vor mir stand. Großmeister. Laßt uns der Dame Stand und Namen nennen, Daß wir sie kennen und bewundern mögen. Alonzo. Verzeih', o Herr, wenn ich verschlossen scheine, Doch was zu wissen du von mir begehrst, Hab' ich gelobt, nie einem Ohr zu nennen. Doch dürft' ich reden, wär' das Wort mir frei, Hätt ich nicht angelobt ein ewig Schweigen, Würd' ein so edler Name ausgesprochen, Daß, wie auch schmerzlich, was ich fühle, sey, Du doch bekenntest, Herr, vor diesen Zeugen: Es könne edlern Ruhm ein Ritter nie erjagen, Als endlos Leid für solch ein Weib zu tragen. Großmeister. Doch, sagt man, heil' Entfernung solche Wunden, Und was im Räume weit von uns gerückt, Steh' oft dann auch in unserm Herzen fern. Alonzo. Es ist ein eitel und vergeblich Streben, Das zu vergessen, was sich nie vergißt; Sey's, daß der Liebe Lust vergänglich ist, Der Liebe Schmerz lebt ein unsterblich Leben! Ponce. Wer fühlte nicht, daß deine Worte wahr. Alonzo. Nicht in der Freude wird es offenbar, Wie tief das Herz, wie heilig es empfunden; Doch nagt der Schmerz und brennen alle Wunden, Dann wird es bald dem innern Auge klar: Daß jene Saat am üppigsten gesprossen, Die reich mit Thau der Thränen wir begossen. Großmeister. Nicht ruhmlos, eitlen Klagen hingegeben, Laß deines Geistes Fittig müßig sinken. Was hohe Liebe edlen Herzen frommt, Soll, junger Freund, sich auch an dir bewähren; Entzünden soll sie der Begeistrung Gluth, Ein heilig Feuer dir im Busen nähren: Du sollst, was groß ist, üben, und was gut, Durch deinen Wandel deine Dame ehren, Zu ihrem Ruhm dich edlen Thaten weihn. Und fühlst du würdig dich, sie dein zu nennen , So hast du sie besessen, sie ist dein, Ob dich von ihr auch Meer und Länder trennen. Ein Spanier (tritt auf) Es bittet der gefangne Maurenritter Dich, hoher Meister, um geneigt Gehör. Großmeister Gazul? – Er nahe sich. (Der Spanier geht ab.) Alonzo (für sich) Vernahm ich recht? Gazul? Welch glückliches Ereigniß! Vierter Auftritt Vorige. Gazul Großmeister Mein edler Gazul, rede! Was verlangst du? Gazul Gefangen steh' ich zwar vor dir, o Herr, Doch fass' ich deine Hand mit Zuversicht, Und halte an der frohen Hoffnung fest: Du werdest meiner Bitte nicht dein Ohr, Dein Herz ihr nicht verschließen. – Laß mich frei, Und nimm zur Lösung, was du selbst begehrst. Großmeister. Es hat dein Schwert so manchem Spanier Die Rüstung aufgelöst, daß auf den Rasen Der Herzquell seines Blutes hingeströmt, Und du begehrst, daß ich dich frei entsende? – Gazul. Gespalten in zwei mordgesinnte Hälften Steht Granada sich feindlich gegenüber: Die Benceragen dort, die Zegris hier. Wo sich ein Zegris naht, fliegt aus der Scheide Sogleich des rüst'gen Gegners leuchtend Schwert; Kein Ritter der Abenceragen zog Noch jemals seines Weges ruhig fort, Daß nicht ein Zegris ihn zum Kampf entboten, Wenn er die gleiche Straß' entgegen kam. – Ich weiß, die Zegris sinnen auf Verrath, Und ausgezogen sind die besten Häupter Von unsrem Stamme, fern von Granada; Darum befürcht' ich Unglück für die Meinen, Indeß ich hier entfernt, gefangen weile. Daß ich mit ihnen Ruhm und Wunden theile, Entlaß, o Herr, mich und nimm Lösung an! Großmeister. Die Freiheit nicht gewähr' ich dir, Gazul; Doch gern, was außer ihr dich freuen kann, Und Alles, was ein gastlich Haus vermag, Es soll zu deinem Dienste, edler Held, Auf meinen Schlössern dir entboten seyn. Gazul. Sieh, ich bin reich an Schätzen, edlen Goldes, Es glänzen Perlen rings und Edelsteine Gleich goldnen Sternen an der Rüstung mir; Kein edler Roß trank noch des Genils Wellen, Als jenes Blutes, das ich auferzog: Was du begehrst, es soll dein eigen seyn; Wie hoch den Preis du stellst, ich will ihn zahlen, Ja, Alles biet' ich dir, gibst du mich frei. Großmeister. Mich lockt es nicht, und mehr gilt mir der Ruhm, Daß ich den Besten eures Heers gefangen. Alonzo (hervortretend) . Vergönn' ein Wort mir, hochgepries'ner Meister. Großmeister. Sprich! Gazul. Aquillar! Alonzo. Ich bin's, mein theurer Gazul. Diego. Wie, Ihr seyd Freunde? Alonzo. Hört mich an. Großmeister. Erzähle. Alonzo. An jenem Tage war es, Don Rodrigo, Da plötzlich uns die Kunde ward berichtet: Es töne Lorca's weite Ebne wider Von eh'rnem Klange maurischer Trompeten; Wie schnell gerüstet wir zum Kampfe flogen Und Lorca retteten mit unserm Schwert: Als mir ein Lanzenstich die Brust durchbohrte. Warm quoll das Blut mir unterm Panzer nieder, Die Sinn' entschwanden, Nacht umwölkt' den Blick Und sterbend meint' ich damals zu vergehen. Da trug mich dieser Ritter, mich, den Feind, Den Christen, er, der Maure, aus dem Treffen; In seinem Haus, auf seinem eignen Lager Kam mir die neue Jugendkraft zurück. Und als, genesen, ich zur Heimath zog, Verließ ich einen Freund in Granada, Dem ich verpflichtet war mit meinem Leben. Darum, du Leitstern von Hispaniens Rittern, Laß meine Bitte dir das Herz bewegen, Nimm reiche Lösung an und laß ihn frei. Großmeister. Wie. Maur'? ein Spanier dankt dir das Leben? Geh! – Du bist ohne Lösung frei gegeben. Gazul. Zweimal besieget steh' ich heut vor dir. Großmeister. Kein Wort davon! Laßt uns die Zelte suchen; Dir aber leuchte' durch die stille Nacht Des Mondes helle Fackel nach Granada. (Alle, außer Alonzo und Gazul, gehen ab.) Fünfter Auftritt. Alonzo. Gazul. Gazul. Heil, Heil dir, edler Held! – O, mein Alonzo! Welch ein ehrwürdig Bild! so edlen Stolzes, So männlich und so mild! Im Sturm der Schlacht Ein tödtend Feuer, und ein Kind im Frieden. Alonzo. Nicht Zeit zu leeren Worten ist es nun; Frei bist du. – Auf, zu Roß – und fort zu Ihr! Es brennt der Boden unter meinen Füßen, Fort, lass' uns eilen, fort! Gazul. Wohin, Alonzo? Alonzo. Hörst du denn nicht? Was stehst du zaudernd? – Auf! Kurz ist die Nacht. Bald steigt verrätherisch Der Sonn' unholder Morgenschein herauf. Und süß Geheimniß, dem verschwiegnen Dunkel Mit leisem Lispeln zitternd nur vertraut, Verräth des Tages Herold. Gazul. Ungewiß Scheint mir's, ob ich dich recht versteh', ob nicht. Wo willst du hin? Alonzo. Unnütze Frage! Wie, Ist denn ein Ort noch in der Welt als der, An dem Sie wandelt? – Wo ich hin will, fragst du? Nach Granada, hin in Alhambra's Gärten, Hin in den kerzenhellen Saal! – Doch nein! Nicht in den Saal, wo tausend farb'ge Lichter Die Nacht zum Tage wandeln; – In ihres abgeschiedenen Gemaches Vertraute Klause, wo ein flimmernd Lämpchen Verborgen dämmert, weiße Schleier rings Die Wänd' umwallen, wo kein Auge späht, Als das befreundete des lieben Mondes. Gazul. Versteh' ich recht? Alonzo. Zu Alfänna's Füßen In der Jasminenlaube dunklen Schatten! Sie sehen muß ich, ihren Athem fühlen, Damit ich lebe, der ich todt mich wähne! Ich muß zu ihr, damit den Tod ich finde Nach so viel Leben! – Wundersames Walten Der schicksalsmächt'gen Sterne! Ich muß sie sehn, will ich dem Tod entgehn, Und sterben muß ich – hab' ich sie gesehn. Gazul. Du willst es – nun wohlan! Hinweg dein Kleid! Verhülle dich in maurisches Gewand, Ein maurisch Schwert umgürte statt dem deinen; Die Zither nimm mit dir und laß uns ziehn. – Sey es zur guten Stund'. Ich will nicht zögern, Weil du es wünschest und des Dankes Pflicht Mich mahnt, dir zu willfahren; dennoch mein' ich: Gefährlich Wagniß ist's, was wir beginnen, Und leicht bringt Unglück die gewagte That. Alonzo. Wahrsage nicht! – Aus süßer Liebessaat Kann ich der Liebe Frucht mir nur gewinnen. (Beide ab) , Ende des ersten Aufzuges. Zweiter Aufzug. Garten zu Alhambra. Eine Terrasse, von Rosengebüsch umgeben. Tief im Hintergrunde ein erleuchtetes Gartenhaus, aus dem Musik schallt. Mondhelle Nacht. Erster Auftritt. Mohadin Zegri und Albin Hamar stürzen aus dem Palaste. Ihnen folgen: Malique Alabez, Almoradi Vanega, Gomel, Hamet Zegri und Almansor. Mohadin. Hierher, du Prahler, hier in's Freie 'raus! Das Schwert gezogen, das so feig Als deine Zunge keck und tapfer ficht! Albin Hamar. Bewähren soll es dir auf frischer That, Daß ich ein Mann sey, der dir Rede steht! Dein Drohen schreckt mich nicht und deine Stärke, Auf die du trotzest! Dir in's Angesicht, Stirn gegen Stirn sag' ich's noch einmal: Ja, Der beste Ritter dünk' ich mich zu seyn In Granada; den König, meinen Herrn, Der mir gebietet, einzig nehm' ich aus, Mohadin. Elender Sklave, den ein Bastard zeugte! Gomel. Erkenne in den Zegris deine Herrn, Die einst Cordova's Königskrone trugen. Alabez. Das lügst du, Gomel! Vanega. Könige sind wir! Hamar. Verleumder seyd ihr Zegris, Ritter nicht! Almansor (das Schwert ziehend) . Nimm den Verleumder hin! Mehrere Stimmen. Das Schwert gezogen! (Allgemeines Getümmel.) Zweiter Auftritt. Vorige. Muca tritt aus dem Palaste und stürzt sich zwischen die Kämpfenden. Die Musik verstummt im Palaste. Muca. Seyd ihr von Sinnen? Ras't ihr, Benceragen? Was ficht euch an, ihr Zegris? – Friede! – Fort! Die Schwerter in die Scheide! – Schreckt so wenig Des König« Näh' euch, daß vor seinen Augen Ihr Streit beginnet und die Schwerter zieht? Mohadin. Rühmt sich der Knabe keck in's Antlitz mir: Er sey ein Besserer als ich! Hamar. Ich bin's! Mohadin Du lügst! Muca. Zur Ruhe, sag' ich! – oder fürchtet Des Königs Zorn, der gegen euch entbrannt In heft'gem Eifer, weil des Festes Freuden Mit ungestümem Hader ihr gestört. – Geweihet war die Nacht der frohen Lust; Ihr aber habt der ritterlichen Art So ganz vergessen, daß mit Streit Die königlichen Hallen ihr entwürdigt; Entäußert jedes Anstands, der euch ziemt, Hat euch der Frauen holde Nähe nicht Den Muth gebändigt, Würde nicht gelehrt. Und dort, wo Sitte herrschen soll und Scham, Im Kreise zücht'ger Schönheit, milder Huld, Habt ihr ein störrisch mildes Wesen kund gegeben! – Euch dieß zu künden, sandt' der König mich Mit strengem Auftrag; denn fürwahr! es spielt Mit seinem Leben, wer des Streites Funken Noch einmal aufbläst, daß er Flamme wird. Geendet auf des Königes Befehl Der schnell den Saal verlassen, ist das Fest, Der Reigen ist verstummt, und scheu entflohn Aus dem Getümmel sind die zarten Fraun, Wo ihre Gegenwart sich nicht geziemt. (Zu den Zegris,) Doch ihr, die ihr die Schuld der Störung tragt, Und eures Königs Zorn verfallen seyd, Mögt morgen Gnade flehn zu seinen Füßen! Nun ziehet ruhig eures Weges fort! Alabez. Du sprachst ein weises und verständig Wort, Und viel gerathner acht' ich's, zu gehorchen. Hamar. Des Königs Wille treibt mich nun von hier, Dem ich mich füge, wenn auch freudig nicht; Doch ausgefochten wird noch dieser Streit, Wo Ort und Zeit sich uns gelegen zeigen. Mohadin. Und müßt' ich, deinem Schatten gleich, dir folgen, Du sollst und dein verderbliches Geschlecht Nicht meiner Rach' und meinem Haß entrinnen! (Muca geht ab, Die Abenceragen folgen.) Dritter Auftritt. Mohadin Zegri. Hamet Zegri. Gomel. Almansor. Almansor. Hört mich, ihr Zegris, Krieger, meine Freunde! Ergreift die Stunde; günstiger erscheint Als diese auch die kommende uns nicht. Ist, innern Lebens voll, die Frucht gereift, Und drängt und treibt hervor aus ihrer Hülse, So brecht sie ab; die überzeitige, Sie welkt, und eingeschrumpft fällt sie vom Baume. Hamet. Durchdacht ist unser Plan, ist reif zur That. Almansor. Säumt ihr noch länger, dorrt des Kernes Mark, Und nur die trockne Schale bleibt zurück. Hamet. Laßt Augenblicks uns fort zum Kampfe eilen, Es hüllt in günstig Dunkel uns die Nacht. Almansor. Das Blut so vieler edlen Zegris trieft Vom Schwerte der Abenceragen nieder; Mein tapfrer Bruder fiel durch ihre Hand. Sie häufen Schmach auf Schmach und Hohn auf Hohn! Hamet. Ihr Reichthum ist's, der sie vermessen macht, Almansor. Kommt, folgt zur Stadt mir. – Mohadin. Hört erst meinen Rath. Ihr kennt mich Alle, wißt, daß ich nicht zage, Wenn mich die Lanz' umsaust, wenn Schwerter blinken; Ihr saht im blut'gen Waffenspiel der Schlacht Wohl Manchen todt vom Rosse niedersinken, Dem ich die Glieder löste und in Nacht, Vom Leben abgethan, die Seele sandte. Gomel. Wir kennen deinen Muth, du gabst uns Proben, Mohadin. Deß Leib aus Felsensteinen nicht gehaun, Und der verwundbar ist dem blanken Eisen, Er mag sich nahn, ich will in's Aug' ihm schaun, Mich ihm ein Mann aus Lanz' und Schwert beweisen, Mir ist der Sturm der Schlacht willkommnes Spiel, Und dennoch rath' ich euch – es nicht zu wagen. Almansor. So sollen höhnend die Abenceragen Und ungestraft an uns vorübergehn? Mohadin. Nichts kann's uns nützen, einen Mann zu schlagen; Sie sind nicht todt, bis nicht der letzte fiel. Almansor. Soll ungesühnt mein tapfrer Bruder liegen, Kein Rächer ihm aus seinem Blut erstehn? Mich soll nicht kühlend mehr die Luft umwehn, Wenn ungebraucht ich dieses Eisen trage! Mohadin. Euch schlägt das Herz nicht feuriger als mir Für unsre Ehr' und unsres Stammes Macht; Was eure Brust entzündet und entflammt, Ist Feuer, das aus meinem Busen stammt, Ist Gluth, von meinem Odem angefacht! – Auf meinem Haupte, ich gesteh' es frei, Will ich Granada's Königskrone schauen, Mein Leben wag' ich, gilt es diesen Preis. Gomel. Erring' ihn dir, du bist der Würdigste, Und soll ein Zegris herrschen, mußt du's seyn. (Für sich.) Bis ich dir folge. Mohadin. Trugen Zegris doch Des Reiches Zepter von Uralters her. Das Anrecht unsres Stammes lös' ich ein. Gomel (bei Seite) . Für mich, den Erben. Hamet. Auch der Schätze viel Sind noch verborgen, die das Eigenthum Der königlichen Zegris einst gewesen. Mohadin. Was ihnen sonst gehört, es falle wieder An die beraubten Eigner nun zurück. Almansor. Wenn den Abenceragen es genehm. Mohadin. Sie leben nur, so lang' es euch gefällt. Almansor. Hemmst du allein doch den erhobnen Arm! Mohadin. Auf leichtrem Wege sichr' ich das Gelingen. Gomel. So laß uns hören, was dein Rath ersann. Mohadin. Dem Argwohn offen ist des Königs Sinn, Der, düstern Geistes, Schlimmes stets besorgt. Im tiefen Grunde seiner finstern Brust Wälzt unaufhörlich sich das Rad der Zweifel, Vom Strome bösen Blutes umgetrieben; Furchtsam und vor dem eignen Schatten bebend, In scheuer Sorge über Freveln brütend, Die nur die Angst vor seine Blicke malt, Sinnt er auf Rache schon für arge Thaten, Die noch zur Stunde nicht geschehen sind. Gomel. Doch unentschlossen ist er, gilt's Gewalt, Mohadin. Nicht, wenn ein starker Rückhalt ihm gewiß. Zwei Güter sind's, die ängstlich er bewacht, So wie verborgne, unterird'sche Schätze Der immer wache Kobold sorgsam hütet: Die Herrschaft und sein Weib. Dort greift ihn an, Zugleich an Beiden. Schreckt ihn auf. Es lähmt Der jähe Blitzschlag Geist ihm und Besinnung. Werft einen Brand in den gehäuften Zunder, Macht eure Feinde zu den seinen: dann Leiht euren Arm dem Feigen! Ruft in's Leben Die blut'gen Träume seines heißen Hirnes, Und, beim Propheten! Wunder sollt ihr sehn. Gomel. Ein kühner Anschlag, würdig deines Geistes. Mohadin. Dieß wohl bedenkend, mein' ich morgen schon, Wenn anders Ort und Zeit sich günstig zeigen, Vor seines Thrones Stufen mich zu stellen, Und der Abenceragen ganzen Stamm, Sie Hochverrathes und versuchten Mordes Auf Leib und Leben zeihend, klag' ich an. Almansor. Nicht beifallswerth scheint mir dein Vorsatz. Gomel. Ei! Strebt man nach Oben, bleibe Rücksicht fern, Die in den Staub uns zieht, am Niedern haftet. Wer eine Krone will, greif' auch nach ihr. (Zu Mohadin.) Dir stimm' ich bei. (Für sich.) So denk' auch ich's zu halten. Hamet. Doch höchst gefährlich scheint mir das Beginnen. Gomel. Doch ist der Preis wohl werth, daß man es wage. Was Jeder will, entschlossen werb' er d'rum. Du willst die Schätze der Abenceragen – Nach Rache dürstest du für schwere Kränkung: Nun – nehmt, was euch gelüstet! Kriegsstand ist, Und gilt es, Todesfeinde zu verderben, Ist List erlaubt wie offene Gewalt. Mohadin. Bist du so strengen Glaubens nun, Almansor? Hast du den Tag vergessen, wo durch List Dich Albin Hamar um den Preis betrog In dem Turniere? Du zum Spott den Lachern, Ein Hohnbild, standest vor den Fraun und Rittern? Hast du's vergessen? – Rache schwurst du da; Und heute scheust du dich, ein feiger Knabe, Sie dir zu holen auf dem nächsten Wege? Almansor. Beim Allah! – Nein! Mohadin. Und war es nicht geheim Verübter Mord, in dem dein Bruder fiel? Almansor. Im Blute räch' ich ihn der Benceragen. Gomel. Das heißt gesprochen wie ein Mann! Hamet. Bedenkt Die Königin! Vom Stamm der Benceragen, Wird sie gelassen sehn der Ihren Mord? Mohadin. Sie selbst auch klag' ich an; sie falle mit! Das erste Opfer und das nöthigste. Hamet. Doch habt ihr – Gomel. Stille! – Seht, was regt sich dort? Almansor. Ich höre Stimmen. Hamet. Menschen nahen. Mohadin. Fort! Nah' an dem Ufer ist ein stiller Ort, Wo nichts uns stört; laßt dort uns, im Gebüsch Verborgen, still, das Künftige besprechen. Willkommen ist ja Dunkel dem und Nacht, Der ausgeht, hohe Beute zu erjagen. Es hält der Schütze in der Dämmrung Wacht; Am Ufer landet, eh's beginnt zu tagen, Mit starkbewehrtem Arme der Korsar; Im Schutz der Nacht naht sich der Krieger Schaar, Und pflanzt das Banner auf des Feindes Wällen. Ja, rauschen Quellen nicht in Silberwellen Aus finsterm Erdschacht, aus der Tiefe Schooß? So wachs' auch unsre That im Dunkel groß; Bald wird die Nacht zum Tage sich erhellen! (Sie gehen ab.) Vierter Austritt Die Königin Alfänna, Zelima, Esperanca treten aus dem Palaste. Königin. Wie lieblich ist es hier, so lau und mild! Die Blumen duften rings im stillen Dunkel, Nur von den süßen Sternen angeschaut, Erschließt die Rose, liebend und vertraut, So holden Augen ganz des Busens Fülle. Laßt uns die warme Luft, die buhlend spielt Um Blatt und Blüthe, laßt sie uns genießen; Lustwandeln gehn: dort, wo die Wasser fließen Des schönen Genils, wo die Schwäne singen, Auf klarem Spiegel monderhellter Fluth, Auf der die Nacht mit tiefem Schweigen ruht. Zelima. Gesteh', o Königin, so schönes Fest, Wie heut, so wackre Ritterschaft, An Adel und an Ruhm so hochbegabt, Solch einen Kranz von wunderholden Frauen Wird nicht so bald Alhambra wieder schauen. Königin. Des Festes Störung hat dich hart betrübt, Denn ein verbundner Freund der zarten Liebe Ist ja der Tanz. Er läßt die Saiten rauschen, Daß freundlich tauschen die geheimen Triebe So Blick als Worte, wo nicht Späher lauschen; Unruh' dem Herzen gab des Festes Ruh', Des Festes Unruh' wünschest sehnlich du. Zelima. Ich muß gestehn, zu tadeln find' ich sehr, So frohe Stunden ungeschlachtet, roh Durch Zank zu stören. Doch fürwahr, So sind die Männer alle, rauh und wild. Königin. Doch deine Augen, meine Esperanca, Sind auch, wenn Alles fröhlich, feucht und trübe. Esperanca. O, du hast nie geliebt, kennst nicht die Qual. Königin (ihre Augen trocknend) . Die Thräne straft dich Lügen, Esperanca! Komm in die Laube dort. – Aus meinem Munde Erfahre dann von deinem Herzen Kunde. (Alle drei ab.) Fünfter Auftritt Gazul. Dann Alonzo in maurischer Tracht. Gazul. Hier ist der Ort, dieß sind Alhambra's Gärten, In denen heut zu festlichem Gelage Der Adel Granada's versammelt ist. Wohl manchen edlen Ritter siehst du hier Und manche Dame in den dunklern Gängen Sich still begegnen, flüchtig Wort und Gruß Und Liebesblicke tauschend, oder hörst Zu der Guitarre süß und schmelzend klagen. So stell' auch du dich an zu gleichem Spiele, Ich such' im Innern des Palast's indessen, Ob mir's gelingt, die Königin zu sprechen. Leicht wird des Bruders Bitte sie bewegen, Daß sie lustwandeln geh' in lauer Nacht; So kann's geschehn, wenn günstig dir das Glück, Daß du sie siehst. – Doch, Freund, bei deinem Leben Sey mir beschworen: nicht ein einz'ger Laut, Kein Zug des Athems, nicht des Laubes Beben Verrathe dich! Ein Auge, das dich schaut, Und dem Verderben bist du übergeben! Alonzo. Schließt euch zum Tode denn, glücksel'ge Augen! Könnt ihr nur einmal in die Sonne blicken, Erblinden mögt ihr dann! – O, süß Entzücken, Sich ew'ge Nacht aus so viel Lichte saugen! (Gazul geht in den Palast.) Sechster Auftritt. Alonzo (allein). Nein, nicht länger kann ich's ruhig tragen, Dir so nah', dich, Holde, doch zu meiden. Sollt' ich heute noch vom Leben scheiden, Sollt' ich mich durch Wog' und Flamme wagen, Meiner Liebe soll es freundlich tagen, Deine Schönheit soll mein Auge weiden, Liebesblüthen sollen hold mir keimen! Liebesblüthen sollen hold mir keimen; O ihr süßen Lichter, Sterngebilde, Helle Augen, die ihr klar und milde, Glänzend wandelnd in den dunklen Räumen: Lampen, die der Nacht Gewand umsäumen, Goldne Funken auf dem dunklen Schilde, Leuchtet mir auf meinem Liebeswege! Leuchtet mir auf meinem Liebeswege: Denn ihr seyd vertraute stille Zeugen, Zart Geheimniß wißt ihr zu verschweigen. Rausche, Quelle, Lüfte, säuselt rege Durch das blühend duftende Gehäge, Daß, gibt Herz und Seele sich ihr eigen, Uns kein fremder Lauscher möge hören! Uns kein fremder Lauscher möge hören; Denn es späht der Neid mit arger Tücke Nach dem scheu verborgnen Liebesglücke, Möchte gern die zarten Freuden stören, Die der Nacht und Stille angehören! Daß ich dich zum Wonnetempel schmücke, Berge mich, du Blüthenwald der Rosen! (Er verbirgt sich hinter das Rosengebüsch. Man hört den Klang einer Zither.) Siebenter Auftritt Königin Alfänna. Esperanca. Zelima. Königin (rasch hervortretend) . Horch! Klang der Zither? O, holdselig Spiel, Wie dringst du lieblich durch die traute Stille! O Quell der Sehnsucht, du versiegter Strom Des alten Glückes, wirst du wieder wach? Du Welt der Wonnen, strahlst du wieder neu, Von heitrer Liebessonne angelacht? Regst du die Flügel, o Erinnerung, Brecht ihr hervor, ihr sel'gen Schmerzen all'? (Sie bleibt in horchender Stellung stehen.) Wie ist mir? – sind's Träume? Wiegt gaukelnd die Seele In Schlummer sich ein? Verschwanden die Räume? Die Zeit seh' ich fliegen, Weit hinter mir liegen Die Stunden der Pein! – O, seyd mir willkommen, Ich höre euch wieder, O himmlische Lieder, O Töne der Lust, Von neuem entglommen! – – Ihr glühenden Klänge, O Liebesgesänge, Zieht ein in die Brust! Zelima. Was ist dir, Königin? Dir selbst entrückt Seh' ich dich plötzlich. Esperanca. Sprich, was dich entzückt? Königin (sie anblickend, nach einer Pause). Habt Dank, daß ihr mich mahnet an mich selbst, Und erdwärts wieder ziehet aus dem Himmel Die trunkne Seele in die Wirklichkeit. (beide umschlingend.) 's gab eine Zeit, ihr Lieben, lang' entflohn, Wo Alfänna weilt' auf schönern Sternen; Nun war es mir, als ob, aus weiten Fernen Herüber zitternd, sich ein leiser Ton Verklungner Lust mir an den Busen schmiege. So – fort mich schaukelnd aus des Fittigs Wiege – Trug des Entzückens Lichtstrom mich davon. Ich schwang mich auf mit leuchtendem Gefieder; Doch schnell geendet war der kurze Flug, Und in der trüben Heimath bin ich wieder. Zelima. O, rede deutlich, daß ich dich verstehe! Esperanca. Den treu verbundnen Herzen gib Vertrauen, Und laß uns hell, was dich betrübet, schauen. Königin (an Esperanca's Brust sinkend). Mir war, als fühlt' ich Don Alonzo's Nähe. Achter Auftritt. Vorige. Alonzo stürzt zu der Königin Füßen. Er ist's, er ist bei dir! – O hehre Nacht, Die mich umschließet, nein, du trügst mich nicht! O Lust der Himmel! ihr zu Füßen lieg' ich, Umfasse ihre Knie – Königin. O Gott! ist's möglich? Zelima. Verwegne That! Esperanca. Ihr seyd verloren, Ritter! Zelima. Verloren bist du selbst, o Königin! Esperanca (Zelima fortziehend). Fort! laß uns lauschen, daß sich niemand nahe. (Beide gehen ab.) Neunter Auftritt Königin. Alonzo. Alonzo Ich athme wieder eine Luft mit dir, Die Steine gießen ihre Strahlen wieder Auf Alfänna's Antlitz, das ich schaue. Königin O Leben, laß mich los! Entzücken, tödte! Alonzo Zurückgekehrt ist mir des Glückes Sonne, Des Baumes welke Krone grünet neu, Aus jungen Knospen dringt der Zweige Laub Und wieder Mark fühl' ich im Kern des Stammes Erzeugend treiben, Leben ist in mir! Königin O Gott, wo bin ich? Alonzo (will sie umschlingen) . An der Liebe Brust! Königin Barmherz'ger Himmel! was beginnst du? Alonzo Rede! Den alten Klang der Stimme laß mich hören. O, laß mich träumen, weil doch nur ein Traum Dieß kurze Glück, den flücht'gen Schaum Der Stunden laß mich schlürfen, nicht zurück Zieh' mir den Becher, aller Wonnen voll! Königin O, Don Alonzo! Alonzo Ja, dein Herz ist mein! In seinem heil'gen Räume wohnt die Treue, Die ewig frei ist, auch in Kett' und Banden! Nicht recht' ich mit dem Glück; von seiner Gunst Den bessern Antheil hat es mir gewährt. Und wie der Stern am Pol, ein ewig Urlicht, Nicht kreist am Himmel, wie die andern Lichter, Nein, festgeheftet strahlt, unwandelbar; So glänzt die treue Lieb', ein ew'ger Schein, Durch meiner Nacht verhängnißvolles Dunkel. Königin So sprichst, du deiner würdig, Aquilar, Und wieder find' auch ich nun Kraft und Muth! Nicht mehr zu Lebenden sind wir gezählt; Auf zwei entfernten Sternen angesiedelt, Ist unsre Heimath weit getrennt im Räume, Doch unser Auge reicht von Welt zu Welt! Du kannst mich sehen, Theurer, wie ich dich, Die Schwüre hören treu verbundner Liebe, Die Perle schauen, die im Auge blicht; Nur meine Hand erfassen kannst du nicht. Alonzo O Herr des Himmels! Königin Ohne Abschied nicht Ziehst du von dannen, Thränen nimmst du mit, Dich zu geleiten. Zieh' in Frieden nun! Alonzo Wohlan, ich scheide; von dem Leben scheid' ich! Nichts bleibt mir übrig als Erinnerung. Doch gib ein Pfand mir dieses Augenblicks, Ein Angedenken in der Todesstunde Des ird'schen Glücks, daß eine Blume doch Ich mit mir nehme in die neue Heimath, Wahrzeichen des verlornen Paradieses; Daß ich den heißen Mund auf etwas drücke, Das deine Hand berührt, dein Athem küßte. Königin O Gott! – Alonzo 's ist ja so wenig, was ich flehe, Und doch mein einz'ges, ganzes, einz'ges Glück! Nicht grausam einem Sterbenden versage Die letzte Bitte, seinen letzten Wunsch! O, gib ein Zeichen dieser Stunde mir! – Das Pfand des Schmerzes werde mir zur Lust, Denn alle Lust fortan nur bleibt der Schmerz. Zehnter Auftritt Vorige. Esperaza. Selima. Esperanza Um Gottes willen, flieht! Zelima Ihr seyd verloren! Esperanca Menschen nahen dort. Königin Nimm, Aquillar! (Sie nimmt den Schleier vom Haupte und reicht ihn Alonzo'n. In demselben Augenblicke entfällt ihr eine Kette mit einem Bildnisse, die sie um den Hals trägt. Die Frauen entfliehen,) Alonzo O halte meine flieh'nde Seele auf, Du Schleier, wenn ich sterbe! (Er entflieht gleichfalls; die Kette bleibt am Boden liegen) Eilfter Auftritt Mohadin. Gomel. Almansor. Hamet. Mohadin Seht, wer sprang Dort in's Gebüsch? Gomel Frauen sah ich fliehn. Almansor Wer war der Ritter? Gomel Nicht erkannt' ich ihn. Hamet Vielleicht ein liebend Paar, das scheu entwich, Gestört durch unsre Ankunft. Gomel (die Kette aufhebend) Was ist das? Mohadin Des Königs Bildniß? Dieß Geschmeide kenn' ich. Es trägt's die Königin an ihrer Brust. Gomel Ein sonderbarer Umstand. Almansor Traun! höchst sonderbar! Mohadin Beim Allah! seltnen Werths ist diese Kette. Dieß Bild , seht her, mit Perlen ist's umwunden, Und Perlen, wißt ihr selbst, bedeuten Thränen. Nun denn, fürwahr! ich setze hohe Wette: Nicht lange wahrt es, und in Granada Wird man sie fließen sehn aus manchem Auge; So schön ist keines, daß es thränenfrei! (Sie gehen ab.) Ende des zweiten Aufzuges Dritter Aufzug Großer Saal im königlichen Schlosse zu Alhambra, mit Thron Erster Auftritt König Boadillin auf dem Throne. Zunächst steht Muca sodann die Vornehmsten der maurischen Ritterschaft, unter diesen: Abidbar, Mohadin, Gomel, Almansor und Hamet König Um mich versammelt seh' ich die Geschlechter Der Großen meines Reichs, nur eins vermiss' ich: Wo sind der Benceragen stolze Fürsten? Muca Im Strahl des Frühroths zogen sie bereits Auf ritterliche Abenteuer aus. König Nicht wohlgefällig ist ihr stolzer Sinn Dem Könige, dem er allein geziemt, Wo er allein nur Herr ist. Hoch erheben Sie, gleich den stolzen Cedern, ihre Häupter; Sich wahren mögen sie vor meinen Blitzen, Denn ihr hochfahrend Herz beleidigt mich. (Er sieht im Kreise umher) Du hier, Abidbar? – Ei, willkommen mir! Du machtest deine Reise schnell, und wackre Rosse, Ich weiß, erlagen auf dem flücht'gen Ritte. – Führt ihn zum Tobe! Abidbar Herr! verzeih' – König Verräther! Dich vor mein Antlitz wagen kannst du noch, Von Schmach entstellt? Abidbar Ein böser Unfall. Herr, Nicht eigne Schuld, hat den gewissen Sieg, Den schon erfochtnen, mir geraubt. Es zeugen Von meinem Muthe ehrenvolle Wunden. Darum, o König, strafe nicht an mir Gleich dem Vergehn mein widriges Geschick. König Aus eignem Antrieb hat er sich erboten, Die Spanier anzugreifen. Eines, Pinatar, Ja, Cartagena selbst will er verwüsten, Bei tausend Ritter folgen seinen Fahnen, Und nichts gebricht dem wohlversehnen Zuge; Nun kehrt er schmählich aus dem Treffen heim, Geschlagen, in die Flucht gejagt vom Feinde. – Führt ihn zum Tode! Abidbar Herr – König Dort find' er ihn, Dem auf dem Schlachtfeld er entgehen wollte. Abidbar O Herr –! König Nichts helfen deine Worte; fort! (Abidbar wird abgeführt) Zweiter Auftritt Vorige ohne Abidbar König (zu den Zegris) Und ihr, die ihr gesenkten Blicks bang Den Boden sucht, wohl habt ihr Recht; denn traun! Euch wäre besser, in der Erde Schooß Begraben liegen, als daß Euer Blick Begegne meinem Grimm. Elende Sklaven! Verworfne! Kennt ihr eure Schuld? – Ihr wagtet Streit zu beginnen und das Schwert zu ziehn In eures Königs Gegenwart, bestrahlt Von seiner Hoheit Sonne? Wißt ihr nicht, Daß eures Lebens trübe Fackel lischt Vom Hauche meines Mundes? Mohadin Herr – König. Wer spricht? Auf deine Knie! Und wenn erzürnt mein königlicher Fuß Auf deinen Nacken schreitet, er dich tritt, Dich, der dem Hunde gleich an Niedrigkeit – Mohadin. Ich wage deinen Zorn, o Herr, und rede. König. Du wagst – ? Mohadin. Für deine Ehre Gut und Blut, Und mein ruhmloses Daseyn adl' ich sterbend, Fall' ich in deinem Dienst. – Erlaub', o Herr, Daß ich erzähle, ohne Kunst und Schmuck, Der Sache Hergang. Hab' ich ausgeredet, Und findest du mich unwerth deiner Gunst, So hau' ein Sklave mir das Haupt vom Rumpfe. König. Wohlan, so rede! Mohadin. Nicht vor Zeugen, Herr; Denn Dinge von so großer Wichtigkeit, So nah' betreffend deine Hoheit selbst, Sind meiner Red' unsel'ger Inhalt: daß Ein dichter Schleier sie bedecken muß Für Augenblick', ob auch vielleicht in Kurzem Schon des erstaunenswürd'gen Vorfalls Kunde Gleich einem offnen Brief dein Reich durchläuft. Doch du allein, mein König, kannst bestimmen, Wenn du mich angehört, ob es gerathener, Daß öffentlich ich rede, ob Verstummen In solchem Falle nützlicher dir scheine. Darum vergönne mir geheim Gehör; Nur Gomel, Hamet und Almansor mögen, Der Worte Wahrheit zu bekräft'gen, bleiben. König Entfernet euch, bis ihr berufen werdet. (Die Ritter, außer den Zegris, entfernen sich) Dritter Auftritt Der König. Die Zegris König Wir sind allein. Nun red', und wenn du kannst, Entzieh' dein schon verfallen Haupt der Strafe. Mohadin Daß ich in deiner Gegenwart, mein König, Mit heft'gen Worten sträflich mich vergangen, Mit Zank des Festes schöne Lust gestört, Daß ich mein Schwert entblößt in deiner Nähe, Auf Albin Hamar fechtend eingedrungen – Ich läugn' es nicht; der That nenn' ich mich schuldig, Mich und die wackern Ritter hier vor dir; Doch tragt hier Recht das Antlitz des Verbrechens. Verbrecher wären wir an Ehr' und Treue, Wenn wir unthät'ge Zeugen nur geblieben So schwarzer Wort' und Thaten, als mit Ohr Und Auge wir in dieser Nacht erfahren. König. Was sagst du, Zegri? Mohadin. Ein verborgner Anschlag Ward aufgedeckt durch mich. König. Was werd' ich hören? Mohadin. Um Kron' und Leben wird dir nachgestellt. König. Verrath! Mich morden wollen sie, mich morden, Mich, ihren wohlgeneigten König? Gomel. Herr – Sey unbesorgt. Almansor. Es stehn die Zegris hier Zu deinem Schutz. Gomel. Entferne jede Furcht. König. Nicht also, würd'ger Gomel. Fürchten? Nein! Abscheu nur ist es vor geheimen Freveln, Die feig das Dunkel suchen, nächt'ger Weile In ihres gnadenreichen Königs Busen Die Mörderdolche stoßen. – In dem Schutze Des Himmels steht mein königliches Haupt; Ich fürchte nichts. – Sprich weiter, Mohadin! Mohadin. Zum frohen Fest erschien ich in Alhambra, Der allgemeinen Freude mich gesellend. Der süße Duft, der mir entgegenschwimmt, Die Harmonien, die mein Ohr berauschen, Des Saales Pracht, der tausend Kerzen Licht, Der Perlen und der Edelsteine Glanz, Unschätzbar reichen Werthes, und was sonst Geschmack erfindet an Gewand und Kleidern, Vor Allem doch der Frauen schöner Kreis: Weckt auch in mir der Lust gesell'ge Regung, Und mit Vergnügten will ich mich vergnügen. Ich schau' umher in dem Gewühl der Gäste: Da dünkt mich unter den Abenceragen Ein seltsam Treiben plötzlich zu bemerken, Geheimes Flüstern, Hin- und Wiedergehen, Gedankenvolle Unruh', sorgenschwerer Ernst Im Widerspruche mit des Tages Freude, Nachtdüstre Blicke, Stirn und Antlitz schwarz Wie, ein Gewitterhimmel, rings umzogen. So find' ich Jeden, den aus ihnen ich Erblicke. – Alles dieß scheint Großes mir Vorzubedeuten, König Recht! so ist's. – Erzähle! Mohadin Ich rufe Gomel, Hamet und Almansor, Erzähle, was mir dünkt – sie sehn dasselbe. Indeß der Tanz den Zauberreihen schlinget, Und Frohsinn überall nur scheint zu weben, Mehrt der geheimnißvolle Eifer sich, Der uns befremdet. Nach kurzer Weile sehn wir aus dem Saale Sich Albin Hamar, Maliqu' Alabez, Vanega, Almoradi still entfernen. Wir folgen. – König Sonderbar! – Doch weiter – weiter! Mohadin Fern – in ein abgelegenes Gemach Ziehn die Abenceragen sich zurück; Der Eingang wird verschlossen – nicht genau Läßt, was sie reden, sich vernehmen; doch Aus jenen Worten, die wir deutlich hören, Wird bald ein fürchterlich Verbrechen klar. Dein Name wird genannt zu öfternmalen, Und, »sterben muß er! – Fort mit ihm vom Throne!« König Entsetzlich! Welche Gräu'lthat! Mohadin Diese Worte, Oft wiederholt, vernehmen wir mit Schrecken. König Ich bin verloren! Mohadin In der Rede Eifer Ruft Albin Hamar mit erhobner Stimme: »Euch danken will ich, wenn ich König bin, Und Alfänna mein!« – König Wollt ihr mich tödten? Mohadin Wir schaudern! – Auf schließt man die Thüre nun, Und die Verräther treten in den Vorsaal. Da, meiner nicht mehr mächtig, hingerissen Von dem gerechten Grimm, ein wüthend Thier, Fall' ich sie an. Die Freunde helfen mir, Und so entstand der Kampf, den Muca trennte. Erkenn' nun selbst, o Herr, ob deiner Huld Die Zegris würdig sind – ob deines Zorns. König. Ja! ihre schuld'gen Häupter sollen fallen! Ihr Blut soll fließen! Wie ein breiter Strom Durchrausch' es Granada in dunklen Wogen! – Mir Thron und Leben rauben wollen sie? O, unerhört! entsetzlich! Mohadin. Und doch nur Der klein're Theil von dem Entsetzlichen! Die Zunge weigert sich, versagt den Dienst, So gräuelvolle Kunde auszusprechen. Noch such' ich Worte, einen Schleier möcht' ich Verhüllend werfen um des Frevels Blöße. König. Nicht zaudre länger, sage, was du weißt! Mohadin. Als wir des Nachts im Garten uns ergehn, Gemeinsam uns besprechen und bedenken, Was nun zu thun, wie deine Hoheit wir Erretten aus der drohenden Gefahr: Da regt' in einer Rosenlaube sich's Dicht hinter uns. – Vertrautes Lispeln tönt, Sehnsücht'ges Seufzen, Wechselschall der Küsse, Wie schmachtend Tändeln der Verliebten pflegt. – Wir lauschen – Da, aufgeschreckt durch unsre Nähe, flieht Das überraschte Paar, und es entwindet, Erschreckt, aus Albin Hamars Armen sich Die Königin! König. Hilf, Allah! Almansor. Du erbleichst! König. Die Königin aus Albin Hamars Armen? – Gomel. Sie Beid' entflohen, als wir uns genaht. Mohadin. Und so untrügliche Wahrzeichen, Herr, Füg' ich zu meiner Klag' und lege sie Der Königin vor Augen, daß, besiegt, Sie vor der Wahrheit Macht verstummen muß. König. Verrath und Treubruch! Krone, Leben, Weib – Gomel. Mein König, fasse dich! König. Verrath und Treubruch! – War's nicht so? – Nein, nein! Treulos sind Königinnen nicht! Ihr lügt! Was euch bedrohen mag daheim, Betrug Und fremde Buhlschaft eurer Frau'n, mich nicht, Mich kann's nicht treffen. Gomel. Hätt' das Aug' es nicht Gesehn, wer glaubte, daß Untreue sich Dem Bette nahen könne deiner Hoheit? König. Und dennoch, Gomel! – Falsch ist das Geschlecht, Und Lüge, Trug, Verrath, Gift, blut'ger Mord: Dieß alles schlummert in der schönen Hülle Des zarten Busens, der so ruhig wogt, Daß seine blüthenweise Decke scheint Unschuld'ger Kinderschlaf empor zu heben. Beim Gott des Himmels! Ist sie nicht ein Weib? Wenn eines Königs auch, was hindert das? – Wo ist denn Treue? wo? – Ist treu der Schnee, Wenn ihn die glühnden Sonnenstrahlen schmelzen? Der Bäume zitternd Laub, vom Wind bewegt, Ist es beständig? – Habt ihr nie gehört, Daß Augen Kuppler, und empörtes Blut Ein ungestümer Gläubiger? So ist's! Verbotne Frucht schmeckt süßer. – Was, ich bitt' euch, Was ist die Burg der Pflicht, wenn die Begierde Sie einschließt und belagert? – Pflicht ergibt sich, Ein Narr ist, der an Frauentreue glaubt! Ich bin betrogen! – Nun, wohlan! So soll Die Treue sterben, und Beständigkeit Brenn' auf dem Holzstoß! Mohadin. Herr, gerechte Strafe Für das Vergehen ist's, wofern du nicht Gerechtigkeit nachstellst der Milde, und Die Schmach bedecken willst mit deiner Güte, König. Ihr wollt mein Leben, meinen Thron, mein Weib, Abenceragen? Hoch steht euer Sinn; Fürwahr, nicht wenig ist's, was euch gelüstet. Ihr wagt den Kampf mit mir? Nun denn! So laßt uns sehn, ob ihr die Stärkern, Ob ich. – Ruft meinen Hof! Man sende nach der Königin sogleich! Vor Unserm Thron erscheinen möge sie Und der Versammlung unsrer Ritterschaft. Dort, ist mein Wille, werde sie von euch Der schnöden Untreu' und verletzter Pflicht Auf Leib und Leben peinlich angeklagt! – Verfallen ist ihr Haupt dem Tod zum Raube, Erwiesen ist die Schuld, weil ich sie glaube . (Die Zegris gehen ab.) Vierter Auftritt. Der König (allein). Nicht eures Zeugnisses bedarf es mehr, Wo mir ein Zeuge laut im Innern spricht. Mich hat sie nie geliebt. Ja, ist es wahr, Daß Liebe sich in sehnsuchtsvollem Schmachten, In trunknen Blicken, ungestümem Wogen Des jungfräulichen Busens kund gibt, daß Das Aug' unwiderstehlich dem Geliebten folgt In willenloser Treue; daß das Herz In seiner Näh' unruhig zittert, und durch Thränen Oft des Entzückens Lächeln selig schimmert, Wie Sonnenschein durch warmen Frühlingsregen; Wenn Lust und Bangen, Beben und Erröthen, Und alle jene süßen Tändeleien, Die, Kinderspielen gleich, den Liebenden Doch wicht'ger sind, und mehr als Gold und Kronen: Wenn, wie die Dichter in den Liedern singen, All' diese Zeichen die beständigen Geleiter sind der holden Liebe – dann, Bei meinem Haupt! hat sie mich nie geliebt, Dann war sie treulos, einem Andern eigen; Denn Jugend bleibt ja ohne Liebe nicht! Wie ohne Nachtigallen nicht der Lenz. Betrogen bin ich – darum sterbe sie! Verflucht, daß ich der Benceragen Blut Vermählt dem meinen! Mir vom Haupt die Krone Abreißen wollen sie? – Es soll mein Weib Zur schnöden Mitgift sie dem Buhlen bringen? Man naht! – Hinab, Empörtes Herz! – Mir schwimmt es vor den Augen! (Er bleibt, an die Wand gestützt, hinbrütend stehen.) Fünfter Auftritt. Der König. Die Königin erscheint, von ihren Frauen begleitet. Sie neigt sich vor dem Könige, der sie nicht bemerkt, und besteigt dann den Thron zur Seite des etwas erhöhten königlichen. Ihr zunächst stehen ihre Frauen. Muca stellt sich auf die andere Seite des Königs. Die Ritter bilden einen halben Kreis. Dem Throne gegenüber stehen die Zegris: Mohadin, Hamet, Gomel und Almansor . Nachdem sich Alles geordnet, besteigt der König den Thron. Bei dem Anblick der Königin fährt er zurück; doch sucht er Fassung zu gewinnen, die er auch die ganze Scene hindurch behält. Man sieht in seinem Mienenspiele, daß ungestüme Aeußerungen der Versammlung jedesmal seinen Willen bestimmen. Königin. Zu ungewohnter Stunde, mein Gemahl, Hast du geboten, daß in diesem Saale Vor deiner Hoheit ich erscheinen möge. Was ist dein Will'? Ich harre deines Winkes In Ehrfurcht, wie der Gattin es geziemt. König (zu der Versammlung). Als Zeugen eines Schauspiels seltner Art Hab' ich euch herbeschieden. Ich, eu'r Herr, Bin der Beleidigte, und Richter In meiner eignen Sache muß ich seyn. O furchtbares Ereigniß! Ich, der König, Der aller Ehren Hort und Eigner ist, Von dem die Ehre ausgeht, wie der Tag Vom Glanz der Sonne: ich bin Ehren baar, Und Schmach bedeckt mein königliches Haupt. Mehrere Stimmen. Was sagst du, Herr? – Ist's möglich? König. Zegri, sprich! Mohadin. So ist's. – Ich, Mohadin und diese Ritter: Almansor – Hamet – Gomel, zeugen das, Und klagen vor dem Adel Granada's Dich, Alfänna, unsre Königin, Mit Albin Hamar, dem Abenceragen, Von uns betroffen in geheimer Lust, Verletzter Ehre und des Treubruchs an! Muca. Elende Lügner! Ha! wer kann es wagen, Die blüthenreine Königin zu schmähn? Unschuldig ist sie, und Verleumder ihr! Die Perle, aus dem tiefen Grund der See Heraufgeholt, in der verschloss'nen Muschel, Ist makelloser nicht. – Wenn Tugend lebt, Und wandelnd geht auf Erden, Antlitz trägt Und Züge menschlicher Gestalt, nun denn, Beim höchsten Gott! so sind dieß ihre Züge, Ihr Antlitz dieß. – Sie schweigt, die hohe Frau; Ja wohl, sie schweigt! – Was braucht die Sonne Wort' Und einen Herold, ihren Glanz zu künden? Wohlan! ein Pfand des Kampfes werf' ich hin Vor meines Königs Thron; der nehm' es auf, Der Alfännas Ehre wagt zu schänden! Mohadin. So hätt' auch ich gesprochen gestern noch, Wir Alle. – In gerechtem Zorn entbrannt Wär' auch mein redlich Herz so wie das deine; Doch sah mein Auge, was mein Mund bekannt, Und Wahrheit ist's – ob's auch unmöglich scheine. Königin. O schändliches Gewebe frecher Lüge! Schamlos erdachter Bosheit! – Sprich, Was Hab' ich dir gethan, grausamer Zegri, Daß du gekommen bist, mein Herz zu tödten? Was hab' ich dir gethan? wie dich beleidigt, Daß solche Rache du vermagst zu nehmen? – O mein Gemahl und König, glaube mir, Dem reinen Golde meiner Worte traue! Wann sahst du, mein Gemahl, wann sah mein Hof, Wann sah Granada einen Blick des Auges, Den strenge Sitte tadelnswürdig fände? Sind meine Frauen nicht um mich? hält nicht Des Hofes Brauch mich streng geschieden, nicht In des Palastes Säle mich gebannt? – Seit deine Hoheit mich zu sich erhoben, Auf dieses Thrones Höhe mich gestellt, Liegt mir in weiter Ferne ja die Welt, Und wie, wenn uns vom Land die Wellen tragen, Die Lüfte weiter stets vom Strand uns wehn, Wir nur die blauen Berge noch ersehn, Die, dicht von Nebeldämmerung umwoben, Wie Riesenschatten in die Wolken stehn – So seh' ich aus der Jugend frohen Tagen Kaum noch die sonnenreiche Küste ragen; Und nach dem innern, blumenhellen Raume Trägt selten nur Erinnrung mich im Traume. König. Und dennoch stehn vier Zeugen hier zur Klage. Königin. Du weißt es, Herr, und die, die mir verwandt, Daß, eh' mich deine Hoheit sich verband, Des zarten Mädchens jungfräuliche Neigung Sich einst an einen edlen Jüngling schloß; Doch rein, wie körperlose Geister sich In dem besonnten Himmelsraum vermählen, Verbanden sich die kindlich weichen Seelen, Da war es ja noch anders! – damals drückte Ja keine Krone diese Stirne noch! Nun ist er todt für mich und muß es seyn! Von jeder andern Liebe blieb ich frei, Und niemals brach ich meine Pflicht und Treu! – Ich habe Albin Hamar nie gesprochen, Unwahrheit sagen sie. Beim Gott des Himmels! Beschwören will ich es mit allen Eiden, Ich habe Albin Hamar nie gesprochen. Sie sollen reden, Zeit und Ort mir nennen, Beweise führen, die zu widerlegen Unmöglich; denn die Worte gnügen wohl, Mich zu verleumden, zu verdammen nicht. Muca. Gerecht ist, was die Königin begehrt. Mohadin. In der vergangnen Nacht, nachdem das Fest Jählings geendet, dort auf der Terrasse, Die nach des Genils Ufern hin sich breitet: Sahn wir, von Rosen und von des Jasmins Verschlungnem Laubgewinde dicht umhägt, Im Dunkel der verborgnen Grotte, dich An Albin Hamars Brust, in seinen Armen. (Die Königin erschrickt heftig.) Mohadin (fährt fort) . Als wir genaht und du dich, aufgeschreckt Durch das Geräusch, entwandest deinem Buhlen: Entfiel dir dieser Halsschmuck. (Er zieht die Halskette hervor.) Sage selbst, Ob dies Geschmeide mit des Königs Bildniß Nicht gestern Abends deine Brust geziert? Königin. Weh' mir! (Sie sinkt in Ohnmacht.) König (die Kette ergreifend) . Dies ist mein Bild! Muca (zur Königin) . Du taumelst – sinkst – (Unruhige Bewegung unter den Anwesenden. Die Frauen Alfänna's halten die Ohnmächtige in ihren Armen.) König. Erwiesen ist die That! des Todes schuldig Erkenn' ich sie. – Sie sterbe heute noch! Muca. Nicht so, mein Bruder! – Angeklagt ist sie, Doch schuldig nicht; erwiesen nicht! – Was wäre denn erwiesen und womit? Ist's ein Beweis, wenn die gekränkte Scham Die schwachen Kräfte übermannt, wenn Schmach, Verleumdung, Bosheit das empörte Herz Erstarren macht für Augenblicke? – Nein! Ein Tag sey festgesetzt von dir, o Herr, Wo um die Ehre soll der Königin Gestritten werden in den offnen Schranken; So ist es Brauch und Sitt', und hat zu Recht Gegolten seit Uralters her. Ich setze Für ihre Unschuld Blut und Leben ein, Ich fechte für die Königin! (Ungestümer Tumult,) Viele Stimmen. So sey es! Es muß der Kampf, das Schwert muß hier entscheiden! Muca. Bin siegreich ich, so ist die Edle frei, Und ihre Kläger sind des Todes schuldig. Fall' ich im Kampf, nun, dann hat Gott entschieden! Dann sterbe sie und find' im Grabe Frieden. (Stürmisches Rufen der Ritter.) So sey's! – Ich kämpfe für die Königin! – Ich auch! König. – Wohlan! den Kampf erlaub' ich. Doch du, mein Bruder, kannst ihn nicht bestehn. Du selbst sollst Richter in den Schranken seyn; Dies ehrenvolle Amt bestimm' ich dir. Auch die Abenceragen nicht; denn schwer Verschuldet sind sie selbst bei dieser That, Und schwere Ahndung schwebt ob ihren Häuptern. Wer aber sonst für den gekränkten Leumund Der Königin gemeint ist und geneigt, Das Schwert zu ziehen, er erscheine bis Zum Sonnenuntergang des dritten Tages, Gezählt von heut. – Das nächste Morgenroth Soll sie gereint dann finden – oder todt! Ende des dritten Aufzuges. Vierter Aufzug. Platz Zacatin zu Granada. Erster Auftritt. Malique Alabez und Banega mit Gefolge (kommen aus verschiedenen Seitenstraßen und begegnen sich auf dem Platze). Malique Alabez Willkommen, tapferer Banega! Banega. Sey Gegrüßt mir, Alabez! Alabez. Durch welches Thor Zogst du zur Stadt? Banega. Durchs Thor von Alcacava. Alabez. Ich kehrte durch den Thurm von Azeytnno, Der auf die Straße schaut nach Quadix hin. Die Maca's fand ich dort gerüstet halten, Und Thor und Thurm besetzt von ihren Kriegern. Banega. Ein Gleiches fand auch ich. In dem Quartier Der Gomel stehn wohl bei Fünfhundert, alle In Waffen eingehüllt bis an die Zähne. Alabez. Was geht hier vor? Banega. So frag' ich dich, mein Freund. Oed' sind die Plätze und wie ausgestorben Scheint mir die Stadt. Nur Zegris, Maca's, Gomels, Und was befreundet hält zu diesen Stämmen, Zieht durch die menschenleeren Straßen, späht Besorgt umher mit scharfen Blicken, grad', Als wären schon die Spanier in den Mauern. Hat Granada ein Tag denn so verändert, Daß ich's nicht mehr erkenne? Alabez. Wo, Banega, Wo ist der frohe Lärm, wo die Musik Von Hörnern, Pfeifen, Zimbeln, die von weitem Dem Kommenden entgegen sonst geschallt? Wo sind die Chöre jener jungen Ritter, Die unaufhörlich sonst mit Sang und Klang Die Stadt durchzogen? Banega. Die Balkone leer, Kein weiblich Wesen sieht man weit und breit, 's ist unbegreiflich. Alabez. Kreißend liegt die Zeit In Mutterwehen, und verhängnißvolle, Unsel'ge Frucht ringt sie ans Licht zu bringen. Banega. Graunvolle Bilder zeigt der Himmel selbst, Der nächtliche. Seit dreien Tagen droht Ein blut'ger Stern herab auf Granada, In dunklem Roth, doch lichthell glänzt sein Bart Stets auf die Seite Spaniens hinüber. Raubvögel ziehn durchs Land in wilden Schwärmen, Nicht ein Granatbaum blüht im ganzen Land, Indeß der Lenz ringsher auf Thal und Höhn In farb'ger Fülle bunte Flocken weht, Und allwärts Busch und Bäum' in Blüthen schimmern. Wahrsager, die der Zukunft dunkle Decke Empor zu heben und der Sterne Lauf, Und der Natur geheimnißvolle Spiele Vermögen auszudeuten, weise Männer, Voll tiefer Wissenschaft und Kunst, verkünden, Daß dieses Reiches Umsturz kommen werde. Alabez. Wahrsager sind's, wahr ist, was sie verkünden! Nicht kommen wird, gekommen ist die Zeit. Die Pracht zerfällt, die Hoheit wird verschwinden; Von all' der Größe, die das Aug' erfreut, Wird Trümmer bald der stumme Wandrer finden, Ruinen nur der alten Herrlichkeit. Granada, das die Spanier nicht besiegen, Wird bald im Krieg bei eignen Söhn' erliegen. Wie eine Sonne glänzend aufgegangen, Du edle Magd, du königliche Braut! In süßem Reiz, in jugendlichem Prangen, Hat dich der Mohr, dein Bräutigam, geschaut; Nun sind entfärbt wie bleiches Gras die Wangen, Dein milder Blick von Todesnacht umgraut! Fahr' wohl, mein Lieb! – Das Brautlied ist verklungen, Fahr' wohl! – Nu wirst zum Grabe eingesungen. Banega. Wie, eine Thrän' in deinem Auge, Freund? Alabez (ihm die Hand reichend) . Auf meiner Heimath Aschenkrug geweint! (Indem Vanega abgehen will, begegnet ihm ein königlicher Diener.) Zweiter Auftritt. Vorige. Ein Diener des Königs. Diener. Kannst du mir sagen, ehrenwerther Herr, Ob Ritter Alabez bereits zur Stadt Zurückgekehrt? Banega. Da ist der Ritter selbst. Diener. Des Königs Hoheit sendet mich zu dir, Und heißt dich ungesäumt vor ihm erscheinen. Im Löwenhofe zu Alhambra harrt Der König dein. Alabez. Der König harret mein? Diener. So ist's, wenn du Malique Alabez, Aus dem erlauchten Stamm der Benceragen. Alabez (für sich) , Was will der König mir? (Zum Diener.) Schon gut, ich komme. Geh' nur voraus, ich folge dir sogleich, Zu seiner Hoheit Füßen mich zu werfen. (Der Diener geht ab) Dritter Auftritt. Vorige, ohne den Diener. Alabez. Was dünkt zu dieser Sendung dir, mein Freund? Der König schickt nach mir. Vanega. Im Löwenhofe, Wenn ich den Diener recht verstanden, war's Nicht so? Alabez. Ganz recht. Vanega. Ein Fall besondrer Art, Ein Bencerage und nach der Alhambra Zu ungewohnter Zeit berufen. Sind Doch dort die Zegris Herrn, und nur allein Beim König wohl gelitten. Alabez Lebe wohl. Mich treibt's, des Königs Auftrag bald zu wissen. (Er will abgehen) Vierter Auftritt Vorige. Ein Page des Albin Hamar kommt athemlos entgegen gestürzt. Page Um Allah's willen, Herr, wo willst du hin? Alabez Wer bist du, Knabe? Vanega Sprich, was ficht dich an? Page Auf meinen Knieen, Herr, beschwör' ich dich, Geh' nicht von hier! Alabez Bist du bei Sinnen, Kind? Page Geh' nicht von hier! Beim Allah, geh' nicht weiter! Wenn dir dein Leben lieb ist, keinen Schritt; Du bist des Todes, wenn du weiter gehst. Alabez Du bist verwirrt. (Zu Vanega) Ich kann nicht länger weilen. Aus Wiedersehn! Wir sprechen uns noch heut, Sobald ich von Alhambra kehre. Page Geh' nicht hin! Nicht lass' ich dich! – Geh' nach Alhambra nicht, Nicht in den Löwenhof, du bist verloren! Ermordet wirst du dort! Vanega Ha! was ist das? Alabez Sey ruhig, Knabe, sammle deinen Geist! Wer bist du? sprich! Page Ein Page Albin Hamars. Erschlagen ist mein Herr. Alabez Unmöglich! – Wie? Von wem? – O rede schnell! Vanega Erzähle, was du weißt. Page Heim gezogen früh am Morgen Kommt der Ritter Albin Hamar, Bringet Siegesraub getragen, Reiche Beute, die den Feinden, So sein tapfrer Arm erschlagen Vor der Burg von Antequera, Er im Kampfe abgewann. Wie an seines Hauses Pforte Steigt vom Roß der edle Ritter, Harret dort des Königs Bote, Meldet flugs ihm diese Worte: »Nach Alhambra eil', es wartet In dem Löwenhof der König Bei dem Marmorbrunn auf dich.« – Page, komm! rief Albin Hamar, Schnell gehorchend – und wir gingen. – Angelangt am Löwenhofe, Auf die eh'rnen Riegel springen Seiner Thore; schließen aber Hinter uns sogleich sich wieder Zu im selben Augenblick. O Entsetzen! – furchtbar Grauen! – Stehen dort die Zegris alle. Wie den Ritter sie erschauen, Wird er übermannt, ergriffen, Hingeschleppt zum Marmorbrunnen, Und mit scharfgeschliffnem Stahle Abgehaun sein edles Haupt! – An der Mauer stand ich schaudernd, Sah noch viel Abenceragen, An dem fürchterlichen Orte All' ihr adlig Blut verspritzen. Endlich, als des Hofes Pforte Wieder aufklang, schnell gewahrt' ich Meines Vortheils – und entsprang. Alabez. O unerhörte Gräulthat! Vanega. Welch ein Frevel! Auch dich zu locken, kam des Königs Bote. Alabez. Grausame Zegris! – Unbarmherz'ger König! Fünfter Auftritt. Vorige. Gazul, von Kriegern begleitet. Gazul. Habt ihr's gehört? Alabez. Ermorden ließ der König Die besten Ritter unsres Stammes? Gazul. Ja! So ist es. – Dreißig Benceragen liegen Am Marmorbrunnen todt. Vanega. O, schütz' uns, Allah! Gazul. Die Argwohnslosen lockte nach Alhambra Der König einzeln hin zur blut'gen Schlachtbank. Gefangen ist die Königin: der Untreu' Bezichtigt, angeklagt auf Tod und Leben. Vanega. Unmöglich! Nimmer –! Gazul. Einen offnen Brief Erließ der König, schreckenvollen Inhalts: Des Reichs verwiesen sind auf immerdar Die Benceragen, Hochverrathes schuldig Nennt sie die Schrift. Alabez. Und Allah's Donner schweigen! Gazul. So ist die Königin entblößt von Freunden; Getödtet sind, verbannt, die mächtig waren, Sie zu beschützen; jene, die noch übrig, Sind, wenn auch edel und an Tapferkeit Nicht unberühmt, doch keine gleichen Gegner Für Mohadin und Gomel, und Almansor, Die stärksten Ritter in dem Maurenheer. Verloren ist die edle Frau; sie sinkt Ein blutig Opfer dem Verrath der Zegris, Die nun erreicht, wonach sie lang' gestrebt. Alabez. Granada ist in ihre Hand gefallen, Vernichtet der Abenceragen Macht, Todt Alfänna, und das Vaterland, Beraubt der besten Arme, die es schirmten, Wird bald der Spanier gute Beute seyn. Gazul. Bedacht sey jeder, wo er hin sich wende, Nun ihm die Heimath wehrt der Mutter Boden, Ich zieh' nach Aragon. Don Ferdinand, Der edle Ritter, ist des Reiches Haupt; Ihr kennet seinen Ruhm. Die Sonne selbst, Sie strahlt nicht heller! Diesem will ich dienen, Er wird ein gnäd'ger Herr mir seyn und König, Und ehren den, der Ehre sich verdient. Mein Vaterland ist Granada nicht mehr! Ich kenn' es nicht, ich kenn' nicht maurisch Volk, Nur Zegris kenn' ich und nach Rache dürst' ich! Vanega So halt' auch ich's. – Verstößt mich Granada Aus seinem Schooße, such' ich mir hinfort Ein neues Vaterland auf span'scher Erde; Doch geh' auch ich nicht ungerächt von hier. Gazul. Warum noch zögern? Seht die Gomels dort! Auf, greift sie an! Zum Schlachtfeld macht die Stadt! – Wie auch die blut'gen Würfel immer fallen, Nicht schlechter wird's mit unsrer Sache stehn. Vielleicht gelingt es, mit Gewalt der Waffen Der Königin noch Rettung zu verschaffen; Wo nicht – wird sichre Rache doch uns allen! Vanega. Auf, ins Gefecht! Dann fort nach Aragon, Und zu den Füßen König Ferdinands Legt eure blutgefärbten Waffen nieder! (Vanega und Gazul mit ihrem Gefolge ab.) Sechster Auftritt. Malique Alabez (allein). Zieht fort! – ich folg' euch nicht. – Mir scheint nur hier die Sonne warm, und hier Nur wölbt sich blau der Himmel über mir. Zu euren Feinden wollt ihr fliehn? Weh' euch! Wollt Lieb' in Haß verkehren, Haß in Liebe? Wollt die bekriegen, die ihr einst beschützt, Und in die Reihen jener wollt ihr treten, Die ihr mit blut'gem Grimme sonst bekriegt? – O schmähliche Verirrung, trunk'ne Blindheit! Heilt mit Empörung ihr der Königin Verletzten Ruf? wird ihre Ehre besser, Wenn eure schlechter wird durch solche That? (Man hört aus der Ferne das Geklirre der Waffen und den Lärm des Gefechtes.) Horch! – Waffenlärm, Trompeten schmettern wild In das Geklirr der Schwerter! – Aneinander Sind schon die Kämpfenden! – O Raserei, Die sinnlos in den Eingeweiden ihr Der eignen Mutter wühlt mit Mörderhand, Und von dem blut'gen Leichnam dann entflieht! – Wohl wirst du niedersinken, Land des Ruhms, Von deiner Höhe, weil's der Himmel will. Schon naht die Stunde, – doch verhüt' es Gott, Daß meine Hand zum Tode dich verwunde! – Ich bin verbannt, nun denn, so will ich fliehen. Doch weiter sey's, als über dieses Reiches Beschränkte Grenze. – Dorthin, wo Kein Roß vermag, kein Schiff uns hinzutragen, Bring' du mich hin, du mein viel wackres Schwert! Du gutes Eisen, treu und ehrenwerth, Du wirst den letzten Dienst mir nicht versagen. (Geht ab.) Siebenter Auftritt. Gemach der gefangenen Königin im Thurme Gomares. Die Königin. Esperanca. Zelima. Muca. Muca. Sey ruhig, Königin, besorge nichts! Den Frieden stellt' ich her; zwar sonder Müh' nicht Und vielem Blutvergießen. Furchtbar rächten Im Tod der Zegris die Abenceragen Der Ihren Blut, so jene jüngst erschlagen. Fünfhundert Zegris knirschen in dem Staub, Gefallen in den blutigen Gefechten Des heut'gen Tages. Selbst das Leben war Boadillins in drohender Gefahr; Denn sinnlos ras'te, jeder Mahnung taub, Entfesselte Empörung, und es scheute Die wilde Wuth, nur gierig nach der Beute Der blut'gen Rache, des Gehorsams Pflicht, Ja selbst des Königs zürnend Antlitz nicht; Voll trotz'gen Muthes, Mitleid nicht begehrend, Und dem besiegten Gegner nicht gewährend. Doch nun des Aufruhrs Stürme sich gelegt, Laß uns bedenken, wie dir Rettung werde. Königin. Umsonst ist all' dein Mühen, edler Freund, Beschlossen hat der König meinen Tod – Ich trag' ihn willig. Muca. Nein, du sollst nicht sterben. Das Ärgste wag' ich, gilt's dich zu befrei'n. Königin. Was kannst du retten, edler, treuer Freund? Des Lebens Dauer , nicht des Lebens Glück. Wohl mag es hart seyn und ein traurig Loos, Wenn von des Lebens freundlichen Geschenken Der Glückliche muß scheiden. – Güter gibt es, Das glaub' ich gern, ein seliges Besitzthum, Das zu verlassen schwer wohl fallen mag. – Wer auf der Wünsche Fluth sich eingewiegt, Und findet beim Erwachen sich im Hafen, Und sieht die Bilder der bewegten Seele Fest stehn, der, was sein glühend Herz begehrt, Sein eigen nennen kann – ja, der mag weinen, Wenn er sich trennen muß vom süßen Leben, Denn reichen Segen läßt er ja zurück. Mir aber sind des Lebens Morgenstunden In Sehnen nur und Thränen hingeschwunden; Ich sah die Lust nur, um sie zu entbehren, Durch Leid nur fühlt' ich, daß auch Freuden wären. Daß ich ein Glück gewünschet, war genug, Um schnell in bitt're Qual es zu verkehren, Ja selbst das Herz, das ich im Busen trug, Nur weil es schmerzte – wußt' ich, daß es schlug. Zelima. O arme Königin! Muca. Unglücklich Weib! Königin. Nicht Furcht zu sterben bleicht die Wange mir, O meine Lieben! Was verlier' ich denn Mit diesem Leben, um es zu beklagen? Doch daß ich unverdiente Schmach muß tragen, Daß meine Ehre über's Grab hinaus Befleckt soll bleiben – (In Thränen ausbrechend.) Und daß selbst der Tod, Der alle Leiden endet, meine mehrt, Das bricht mein Herz – das ists, was mich beschwert. Muca. O, fasse dich! sey muthig, Alfänna! Königin. Mein Leben, edler Muca, rette nicht, Nur meine Ehre rette, und den Tod Ertrag' ich freudig! Meine Ehre laß Gereinigt werden für die künft'ge Zeit! – O, wüßtest du, wie böser Leumund brennt, Wie Schmach und Schande nagt am Herz der Frauen. Das wissen Männer nicht! Sie haben Waffen, Ein Schwert, das ihres Ruhmes Kränkungen Vermag zu rächen, in der Feinde Blut Hinwegzuwaschen der Verleumdung Makel; Doch welche Waffen haben Frauen wohl, Um den verletzten Namen herzustellen? Welch Mittel, welchen Balsam, um die Wunden Zu heilen der erkrankten Ehre? Muca. O fasse dich, sey muthig, Alfänna! Die neusten Thaten dieses blut'gen Tages Vermehrten noch des Königs Wuth. Vertrieben Sind deine Freunde, die dem Tod entgangen, Und fruchtlos späht Gazul für dich um Hülfe. Zwar will der wackre Reduan den Kampf, Und Zaradin und Almoradi wagen; Doch sind den starken Zegris sie nicht gleich. Dein Unglück hat den Muth der edlen Herzen Weit über ihre Kraft hinaus getrieben, Sie können fallen wohl für dich – nicht siegen. Esperanca. Vernimm, was Gott mir in die Brust gelegt! Ein Mittel weiß ich, das dich retten kann. Muca. O rede! Zelima. Rede, Freundin! Esperanca. Einen Brief Send' in das span'sche Lager – Königin. Was verlangst du? Esperanca. Dort sind der edlen, tapfern Ritter viel, Die stark genug sind, Mohadin zu schlagen. Gonzalvo und Diego von Cordova, Porto Carrero und Don Ponce Leon, Don Juan Chacon, Graf von Cartagena, Und jene Helden alle, die erhaben Am Hofe glänzen König Ferdinands. Künd' ihnen deine Noth, dein unverdientes, Schuldloses Unglück, und sie retten dich. Königin. (ist in Nachdenken versunken) . Muca. Der Rath ist gut, ich eil', ihn zu vollziehn. Ich send' in deinem Namen an den Meister Von Calatrava, Don Rodrigo Tellez, Sogleich ein Schreiben. Königin (wie zuvor) . Wundersames Schicksal! Nach Spanien – Muca. Gleich muß mein Bote fort; Und eh' der Morgen noch beginnt zu tagen, Sey seines Rosses flücht'ger Hufschlag dort. (Geht ab.) Achter Auftritt. Vorige, ohne Muca. Zelima. Der frohen Hoffnung öffne deine Brust, Es wird die Unschuld einen Schützer finden. Königin. Unschuldig bin ich und doch schuldbewußt. Die Pflicht ist unverletzt, Treu' ist gebrochen, Die Zucht bewahrt und Unrecht doch verübt. O grauser Unstern, der mich fortgerafft! Der Haß bestrafet, was die Liebe schafft; Doch nimmer gibt der Haß so arge Schmerzen, So tiefes Weh, – als Liebe gab dem Herzen. (Sie gehen ab.) Ende des vierten Aufzuges. Fünfter Aufzug Freier Platz. Vorn zur Rechten eine Estrade für de» König, links eine für die Königin, schwarz behangen. Ganz im Hintergrunde der mit Schranken eingefaßte Kampfplatz. Erster Auftritt Maurisches Volk Erster Maure Naht sich der Zug? Zweiter Maure Er naht. Vor kurzer Frist Verließ ich ihn am Platze Zacatin; Oft mußt' er halten. Von dem ungestümen Andrang des Volkes wird der Weg gehemmt. Nie sah ich solch ein thränenwerthes Schauspiel! Die Straßen, Fenster, die Balkone, ja, Die Dächer selbst sind rings erfüllt mit Menschen, Und so durchschneidet Jammer bang die Luft, Und laute Wehklag' aller Schauenden, Als ob sein liebstes Kind ein Jeder säh' Zu Grabe tragen. – Wahrlich, in Granada Gibt es kein Auge, das in Zähren nicht Des weichen Mitleids heut zerflossen wäre. Laut schluchzend winken mit den weißen Tüchern Die Fraun von den Balkonen Grüße zu Der unglücksel'gen Königin. Sie aber Dankt mit gefälliger Geberde, hold Den Grüßenden, und sieht so mild und trägt Das arge Unrecht mit so großer Seele, Daß alle Herzen brechen bei dem Anblick. Dritter Maure. Die Mitleidswürdige! Erster. Grausamer König! Dritter. Fluch, Fluch den Zegris! Erster. Horch! – Es tönt Musik. Zweiter. Es naht der Zug. Dritter. Macht Platz! Erster. Zieht euch zurück. Zweiter Auftritt. Vorige. Ein Herold. Diesem folgen Gewaffnete. Spielleute, die einen Trauermarsch blasen. Die Stämme der maurischen Ritter, in ihre Farben gekleidet. Der König. Schwarze und Pagen in seinem Gefolge. Muca. Die Königin mit ihren Frauen. Stämme maurischer Ritter. Gewaffnete schließen den Zug. Der König besteigt die Estrade, dicht um ihn stellen sich die Stämme der Gomel's, Maca's, und die sonst zur Partei der Zegris gehören. Die Königin auf der anderen Estrade. Ihre Frauen, die Reduan's, Zarazine's, Almoradi's und andere Anhänger der Abenceragen stehen auf ihrer Seite. Muca und die Gewaffneten nehmen die Mitte, das Volk den Hintergrund ein. Zuruf des Volkes (bei dem Erscheinen der Königin). Heil Alfänna! Heil der Königin! Muca. Herold, beginn' dein Amt! Herold. Vernehmt mein Wort! Erlauchte Ritter und du, edles Volk Von Granada! – Gott schütze unsern Herrn Und der Prophet! – Mit lauter Stimme fordr' ich Vor diese Schranken nun die Kläger her, Und ruf' und nenne dich bei deinem Namen, Mohadin Zegri, Hamet Zegri und Almansor dich, und dich, du tapfrer Gomel! Ihr habt die Königin von Granada, Die Gott erhalt', an ihren Ehren und An ihrem Leben – wie euch wissend ist – Des Treubruchs angeklagt mit Albin Hamar. Erscheinen sollt ihr nun, und mit den Waffen Im ehrlich offnen Zweikampf es bewähren, Daß euer Zeugniß recht und ohne Falsch. Tretet hervor, so ihr wahrhafte Ritter. (Trompetenruf.) Dritter Auftritt. Vorige. Die vier Zegris treten gewaffnet auf. König. Seyd euer Wort gemeint ihr zu behaupten? Die Zegris. Wir sind's! Königin. So straf' euch Allah, wie ihr unwahr sprecht, Vom blut'gen Hasse wider mich getrieben! Von solchem Frevel bin ich frei geblieben, Und harre hier gelassen, daß zu Recht Der Himmel meiner Sache Ausgang lenke. Volk. Heil Alfänna! Heil der Königin! Fluch den Verleumdern! Fluch den Zegris! Fluch! Almansor. Stehn wir zum Hohne hier dem feigen Volke? Gomel. Die Königin ist schuldig jener That! Mein Mund sprach's aus und mit dem Schwert behaupt' ich's! Mohadin. Und nun, mein königlicher Herr, begehr' ich: Wo nicht ein Kämpfer mir erscheint zur Stelle, Der für die Angeklagte ficht, so werde Entschieden gegen sie und mir zu Recht Sey meine Klage echt und wahr befunden. Dann steht zu ahnden oder zu vergeben Allein in deiner königlichen Macht, Und niemand tadl' es, so es deiner Huld Geliebt, von Strafe frei sie zu entsenden; Doch frei der Schuld spricht Allah selbst sie nicht, Bevor nicht mit den Waffen in den Händen Ein Gegner sich vor meinem Schwerte fand. – So lange bleibt, wie Rost am blanken Stahle, Ihr Ruf befleckt, entstellt von einem Male, Und ihr ein schändend Makel eingebrannt. König. Gerecht befind' ich eure Forderung Und nicht geziemend ist es, wie ich meine, Wo meine eigne Ehre schwer gekränkt, In weichlich Mitleid weibisch hinzuschmelzen. Darum erklär' ich hier vor allem Volke: Des sichern Todes bist du, Alfänna, Wenn deine Kläger siegen! Unverrückt Bleibt mein Entschluß, ihn ändert nichts, Und was ich ausgesprochen, wird vollbracht. Trifft aber Tod die Zegris und bekundet Dich schuldlos des geziehnen Frevels: lebe! Doch fern von meinem Bett und meinem Thron; Denn eine andre Gattin wähl' ich mir, Die nie Verdacht befleckt und übler Leumund, Auch selbst schuldloser nicht; du aber meide Den schönen Garten dieses Landes, fort Auf fremden Pfaden der Verbannung ziehend Mit dem Geschlechte, dem du angehörst, Und das verwiesen bleibt auf immerdar! Eh' dieses Tages Sonne niedersinkt, Ziehn die Abenceragen fort aus Granada; Der lebt nicht mehr, der morgen hier noch weilt Von den Empörern, die ihr blutig Schwert Selbst gegen mich gezücket, ihren Herrn. So stell' ich her die Ruhe meines Reiches Durch wohlbemess'ne Strenge. – Muca. Herold, auf! Und frage weiter: ob für Alfänna Ein Ritter in den Schranken wolt' erscheinen? Herold. Wer ficht für Alfänna, unsre Frau? Er tret' hervor, und schütz' ihn Gott im Kampfe. (Trompetenruf. Ein Trompetenruf von außen antwortet.) Muca. Auf, Herold, geh' und schaue, wer es sey, Der hergezogen kommt und seine Nähe Verkündet mit so kriegerischem Zeichen? (Herold geht ab) Esperanca (heimlich) . Fass' Hoffnung, Königin, die Ritter nahn, Die Gott dir zugesandt in deiner Noth. Der Herold (kommt zurück) . Vier Spanier von edlem, stolzen Wesen, Und ritterlich mit Waffen angethan, Sind vor den Schranken und begehren Einlaß Und sicheres Geleit, und was zu Recht Bestehet nach der Ritterschaft Gesetzen: Dieß alles aus dein königliches Wort! Dann wollen sie beweisen auf ihr Schwert, Auf Ehr' und Leben und ihr ewig Heil, Daß schuldlos uns« königliche Frau An dem Verbrechen, deß sie angeklagt. Königin Dieß sind die Kämpfer, die ich mir erwählt, Mir Recht zu schaffen gegen meine Feinde. Verleih', o Herr, Gewährung ihrer Bitte, Die auch die meine ist; ich darf es hoffen, Denn da gespielt wird um mein schuldlos Haupt Mit blut'gen Würfeln, sey es mir erlaubt, Zu meinen Helfern jene zu ernennen, Die mich von Schuld und Frevel rein erkennen, Die nie mich sahn, und doch an mich geglaubt. Mohadin Du thatest recht, die Helfer dir zu rufen Aus fremdem Lande: denn fürwahr, du hättest In Granada umsonst sie aufgesucht. Reduan und drei maurische Ritter in Waffen treten hervor, Reduan Das lügst du, Zegri, auf dein ruchlos Haupt! (Die Ritter lassen sich vor der Königin auf's Knie) Glaubst du, o edle Königin, uns würdig So hoher Ehre, unsre guten Waffen In diesem Streit zu prüfen, so gebiete! Und bei dem Grabe Mahom's schwören wir: Für dich zu siegen, und selbst wenn des Abgrunds Verworfne Geister uns entgegen stehn! Königin. Nehmt meinen Dank, und lohn' euch, wie ich flehe, Der Himmel euer edles Anerbieten. Nicht stärkern Armen könnt' ich mich vertraun, Und Männern nicht von bessrer Sitt' und Adel. So hab' ich beifallswerth euch stets erkannt; – Doch meine Ritter hab' ich schon ernannt. Muca. Frei ist die Königin in ihrer Wahl, Und offen stehn die Schranken jedem Kämpfer, Der für die Unschuld will sein Leben wagen. Drum, Herold, geh', den Rittern anzusagen, Was des Gesetzes Will' ist und des Königs. (Der Herold geht ab.) Mohadin. Was braucht es hier der eitlen Worte noch! Dieß Schwert begegnet jedem, der es sucht. Ob Maur', ob Spanier, gleichviel! – Laßt einen Tiger los aus Libiens Wüsten, Vor Hunger rasend, und ich will ihm stehn. Almansor. Mich schützt mein Muth und dieser starke Arm. Gomel. So denkt auch Gomel. Hamet. Hamet Zegri auch, Almansor. Was wir begonnen, fechten wir auch aus! Vierter Auftritt. Vorige. Der Herold. Don Rodrigo Tellez Giron. Don Ponce. Don Juan und Don Alonzo, mit herabgelassenem Visir, treten auf. Sie verneigen sich vor dem König und der Königin. Großmeister (das Visir lüftend) . Erhabner Herr! Rodrigo Tellez Giron, Des Calatravaordens Meister, naht Mit Ehrfurcht sich dem Throne deiner Hoheit. König. Ich heiße dich willkommen. Deiner Züge Bin ich aus frühern Zeiten eingedenk. Großmeister. Als du die Zierde einst maurischer Fraun Zu deiner Gattin dir erkoren, drang Die frohe Kunde bis nach Spanien, Und rings verbreitet war der hohe Ruhm Der königlichen Braut. – Da trieb mich rasch Des Herzens Muth, zu Ehren solcher Herrin Im ritterlichen Spiele meine Waffen, Die wir im blut'gen Kriege oft versucht, Zu messen mit den Rittern Granada's. Vergönnt hat damals deine Hoheit mir Dieß mein Begehr, und dreimal macht' ich siegen In dem Turnier die Farbe Alfännas; Die tapfern und erlauchten Ritter aber, Sie ehrten mich gleich einem würd'gen Freund, Und jedem war ich ein willlommner Gast. Nun steh' ich wieder hier, dein Antlitz seh' ich, Versammelt ist, wie damals, so auch heut Granada's Adel; doch die Königin, Die hehre Braut, die ihrer Jugend Rosen Geschlungen in dein fürstlich Diadem, Sie steht in Thränen nun, gekränkt, verleumdet, Auf Ehr' und Leben schmählich angeklagt. – Unschuldig ist die Königin! Ich und die Ritter, Die du hier siehst, wir wollen es beweisen, Daß Alfänna schweres Unrecht dulde! Wie für die Ehre ich der Königsbraut In jenen Tagen einst zum Scherze focht, So auch um ihre Ehr' und um ihr Leben Im vollen blut'gen Ernste fecht' ich heut! Königin. Nehmt Dank, o edler Herr! Ponce das Visir aufhebend) . Don Ponce Leon Erbietet sich zu gleichem Dienste. Juan (ebenso) . An Beide Schließt sich Don Juan, Graf von Cartagena. Alonzo (ebenso) . Wo sind die Ritter, die den Platz hier halten? Mohadin. Du siehst sie hier vor dir. Mir brennt im Busen Das muth'ge Herz, und dürstet nach des Kampfes Sieg bringender Entscheidung. Alonzo. Bleicher Schurke! In deinen Busen stoß' ich bald mein Schwert, Und schleudre, Lügner, dich der Hölle zu. Königin. Gott! Don Alonzo! Alonzo (hebt das Visir auf). Ja, Alonzo heiß' ich! Mohadin. Ich kenne dich. Ein Sänger bist du, weißt Anmuth'ge Lieder zu der Zither Saiten, Im Mondschein wandelnd, schmachtend hin zu girren. Im Kampfe zählst du wenig. Bleibe fern, Ich rathe gut dir, oder bald zerbrochen Auf immerdar wird dir dein Saitenspiel Von meiner Hand, die Stärk're auch bezwingt. Alonzo. Hier knie' ich vor des Himmels Aug' und schwöre: Daß Alfänna wie die Sonne rein! Gib meinen Waffen Kraft, o Gott! erhöre Die Stimme, die dich ruft! Dein Gnadenschein Strahl' auf mich nieder! Stark bist du allein, Ich nur ein schwaches Werkzeug deinen Händen, Und wie der Pfeil folgsam und sicher fliegt, Wohin der wackre Schütz' ihn will versenden, So trifft mein Schwert und Mohadin erliegt, Willst gegen ihn du meine Waffen wenden, Denn du allein bist stark, und der nur siegt, Den du, o Herr, mit schönem Ruhm willst krönen. – Herold, mach' Platz! – Laßt die Trompeten tönen! Gomel. Sey du mein Gegner, Don Rodrigo Tellez. Ponce (zu Almansor) . So bist mein Gegner du. Juan (zu Hamet) . Und du der meine. Muca. Folgt in die Schranken mir! (Die Ritter verneigen sich vor dem Könige.) König. Wahrt euer Recht. (Die spanischen Ritter verneigen sich vor der Königin). Großmeister (zur Königin) . Mein Herz weissagt mir Glück. Alonzo (hält den von der Königin erhaltenen Schleier in die Höhe). Dieß reine Banner Soll mich zum Tode führen oder Sieg! Volk. Heil, Heil der Königin! (Der Herold, Muca und die acht Ritter gehen in die Schranken. Trompetenzeichen. Der Kampf beginnt, doch so, daß er nicht immer und nur theilweise sichtbar wird, da die Schranken in die Scene hinein verlängert gedacht und vom Volk und den Gewaffneten umgeben sind, Die Königin, von ihren Frauen unterstützt, steigt von der Estrade und bewegt sich gegen den Vorgrund). Königin. Ein kalter Schauer rieselt durch mein Blut Wie Graun des Todes! Blutig schweben Ob meinem Haupte alle bangen Schrecken, Die mich bedrohn! – Ein doppelt Leben hängt Jetzt furchtbar an des Zufalls dünnem Faden; Wenn er zerreißt – Weh mir, wenn er zerreißt! Wenn diese Sonne, die dort untergeht, Mit ihren Strahlen ein geschändet Grab Beleuchtet, und das reinste Blut, das je Ein Herz durchströmte, fruchtlos fließt! Mohadin (in den Schranken) . Das traf ins Leben! Mein, mein ist der Sieg! Alonzo. Noch nicht! Noch sink' ich nicht! Königin (im höchsten Affekte). Weh' mir! Durchdringt die Wolken der beschwingte Pfeil Der frommen Bitte, gibts ein Ohr dort oben, Zu hören der Verzweiflung mächtig Flehn, Ein Auge des Erbarmens, das vermag Auf die Geängsteten herab zu sehn In ihrer Noth: so höre, blick' auf mich! (Trompetenklang.) Zuruf des Volkes. Dort Gomel fällt! – Almansor ist verwundet! Königin.       Löse die Bande,       Die mich umgeben, Lichte das Dunkel, das mich umhüllt, Daß sich die Brust, die der Wahnsinn erfüllt,       Frei möge heben,       Athmen und streben Aus dem erstarrenden Nebel der Nacht, Wieder zur fröhlichen Sonne erwacht! (Trompetenklang.) Freudiger Ruf des Volkes. Sieg! Sieg! – Heil Alfänna! Heil! Die Schranken werden ganz von dem zuströmenden Volke gedeckt, so daß sie den Zuschauern nicht mehr sichtbar sind.) Zelima. Du bist befreit! Esperanca. Gerettet deine Ehre! Muca (tritt auf) . Du bist gereinigt, königliche Frau, Von aller Schuld. Königin. O Dank dir, Himmel! Dank! Bin ich befreit? Bin ich es wirklich? Muca. Ja! Doch fürcht' ich sehr – um einen hohen Preis, (Königin sinkt, von Entsetzen ergriffen, an Esperanca's Brust.) König. Ein Ritter, dünkt mich, sank getroffen hin? Muca. Den schwer Verwundeten bringt man hierher. – Und nun, mein königlicher Bruder, lasse Des unbewahrten Eifers heft'ge Worte Verweht seyn in die Luft! Verstoße nicht Die Gattin, die Abenceragen nicht! Die besten Pfeiler brich nicht unbedacht, Die deines Reiches Bau gestützt, getragen. König. Umsonst spricht du für sie, sie sind verbannt. Muca. Bald folgt die bittre Reue dieser That. König. Die mir getrotzt, jag' ich aus meinem Reich. Muca. Und Alfänna? – König. Gleiches Loos trifft sie. (Man hört aus der Ferne Musik.) Blick' auf die Straße hin! Dort ziehn sie fort, Die Trotzigen, und stolz, wie sonst, weht hoch Ihr Banner in der Luft und lust'gen Klanges, So wie zum Reigen, tönet die Musik. Die spanischen Ritter. Gefolge. In der Mitte der schwer verwundete Alonzo, seine Wunde mit Alfänna's Schleier bedeckend.) Königin. Schützt mich, ihr guten Geister! Todtenbleich Sein edles Antlitz! Alonzo. Du bist frei – gerettet! An Ehr' und Leben ungekränkt – wohl mir! Königin. Dein edles Blut – Alonzo. Es fließet freudig! Königin. Weh! Sein Auge bricht! – O Himmel! Alonzo. Alfänna! (Er stirbt.) Königin. O schwinde hin, mein Leben, wie das seine! (Die Umstehenden gruppiren sich um den Leichnam.) Fünfter Auftritt. Vorige. Gazul und Vanega treten auf. Gazul. Die Schwester such' ich, die wie wir verbannt. Königin. (an Gazul's Brust sinkend, zeigt auf die Leiche.) Dort blicke hin! König. (mit verhaltenem Grimme.) Nehmt sie mit euch. Muca. O, Granada! Du sinkst, dein Ende naht! Großmeister. Nehmt dieses edlen Ritters Leichnam auf, Und bringt ihn fort von hier nach Spanien, Daß ihn der Heimath leichte Erde decke. –       Dort auf des Grabes schirmendem Wall,       Und in der Nacht vertraulichem Schweigen       Sing' aus den duftenden Blüthenzweigen Ueberflötend die Nachtigall! Daß man wisse in später Zeit: Dieser Boden, er sey geweiht Und geheiligt diese Erde – Also der Tapfre geehret werde! (Das Orchester fällt mit einem Trauermarsch ein.) (Der Vorhang fällt.) Ende.