Johann Wilhelm Ritter Fragmente aus dem Nachlasse eines jungen Physikers Ein Taschenbuch für Freunde der Natur Der Herausgeber Da Ritter, wie das Titelblatt der Erstausgabe zeigt, in der fingierten Rolle des Herausgebers auftritt, schreibt er in dieser Einleitung über seinen eigenen Entwicklungsgang in der dritten Person. – Alle weiteren Fußnoten stammen von Ritter. Indem ich dem Publikum die gegenwärtige Sammlung von › Fragmenten aus dem Nachlaß eines jungen Physikers ‹ übergebe, übe ich eine Pflicht, die bestimmt war, meine erste dieser Art zu sein. Der Verfasser derselben war, nahe seit 1796 schon, enger und vertrautester Freund meines Wissens, wie meines Lebens; Der Tag, wo ich ihn eigentlich erst völlig kennenlernte, war der 26. Oktober 1797. Wir feierten an ihm den Geburtstag seiner Mutter – und die ältesten Fragmente dieser Sammlung sind von jenem Tage. ich verdanke dem fast ununterbrochenen Umgange mit ihm unendlich viel – und sollte man die in diesen Fragmenten vorkommenden Gedanken und Ideen mit meinen eigenen Arbeiten vergleichen wollen, so wird man finden, daß viele ganz allein durch ihn begründet wurden, und zu den meisten der erste Gedanke von ihm mir zugekommen sein mußte. Aber ich hatte die vollkommenste Erlaubnis zu einem solchen Gebrauche seiner Mitteilungen an mich. Er selbst wollte nie öffentlich auftreten, und widerlegte uns jedesmal, wenn wir versuchten, ihn dazu zu bewegen. Seine Gründe mußten schlechterdings überzeugen; freilich aber waren sie eben damit von der Art, daß ihnen schwerlich jemand beistimmen würde, der nie Gelegenheit gehabt hatte, ihn ganz kennenzulernen. Dagegen aber beschwerte er sich nie, wenn jemand, was er, meist mündlich, seltener in Briefen, über diesen oder jenen Gegenstand äußerte, für eine weitere Ausbildung aufgegriffen; im Gegenteile versicherte er, daß ihn dergleichen freue, soweit es nämlich wirklich etwa nötig sei, daß einiges von den Resultaten, die er erhielte, allgemeiner werde, indem er so auf die beste Art einer Pflicht entbunden werde, deren Erfüllung, ihm selbst, allemal schwerfallen würde. Uns nämlich gab er schuld, alle unsere Schreib- und Druckseligkeit komme eigentlich nur davon her, daß wir ›Brot‹ brauchten – womit denn freilich noch ein anderes gemeint war, als etwa das aus Mehl gebackene. Ebensowenig stellte er selbst viele Versuche an, so reich er auch an Ideen und Vorschlägen dazu war. Für ihn, meinte er, seien ihrer längst genug da, und die von der Natur selbst angestellten seien ihm noch überdies die liebsten von allen. Mir und anderen Freunden ging er aber dennoch hülfreich an die Hand, wenn er uns, was eben nicht selten vorkam, in Verlegenheit sah, besonders darum, wie wir es anfangen sollten. Viele der Bemerkungen in seinen Tagebüchern sind unserer wegen entstanden; in den Zeiten, wo er weniger mit uns zusammenkam, blieben letztere zwar nicht leer, aber sie hatten meist sehr viel anderes zum Gegenstande, und auch auf andere Art, als wie es für uns bereits gut genug gewesen wäre. Er selbst übrigens liebte die Zurückgezogenheit im höchsten Grade, und nichts war ihm mehr zuwider, als zu hören, daß unter seinem Namen die Rede von ihm gewesen war. Ich vielleicht besonders verstand ihn hierüber; er hätte am liebsten gar keinen gehabt; und so nenne ich ihn billig auch selbst da noch nicht, wo er mich nun nicht mehr schelten kann. Schon früher hatte mich unser Freund, doch immer noch erst mehr im Scherze – wenn ich ihn nämlich gar zu sehr darum bat – zum einstigen Erben aller seiner Tagebücher und anderer Papiere eingesetzt – bis endlich der 7. Mai 1809, früher, als wir irgend geglaubt, den heitern Scherz in finstern, herben Ernst verwandelte. Eigne Umstände traten zusammen, diesem Tage eine Feierlichkeit zu geben, die uns jedes kommende Jahr ihn mit besonderer Auszeichnung begehen lassen wird. Und soviel wissen wir ebenfalls, daß sein Geist uns nie verlassen wird; er war zu eng mit uns verbunden, als daß er jemals ganz von uns geschieden werden könnte. Ein eignes Denkmal forderte jener Tag durchaus, und es sei genug für mich, zu wissen, mit diesem Buche es ihm gesetzt zu haben, was irgend auch die Meinung anderer darüber sein könnte. Nicht alle kannten diesen Tag und können ihn kennen, noch weniger kannten sie den, der ihn feierlich machte; sei es erlaubt, einmal auch unverstanden öffentlich zu sein. Ich hatte mir eine besonders schickliche und eingreifende Vorrede zu den nachfolgenden › Fragmenten ‹ vorgenommen und wollte in ihr vor allem ihres Verfassers eigne innere Biographie, und vollständig, geben. Auch hatte ich, da ich es ziemlich imstande war, eine solche wirklich schon ausgearbeitet, und welche sicher interessiert haben würde – als es mir später doch bedenklich wurde, ob ich auch wirklich sie schon drucken lassen könnte. Nicht einer nämlich ist in der Welt, dessen Inneres von gar nichts Äußerem abgehangen hätte, und tausendmal mehr gilt dies von den widerlichen Schicksalen des erstern, als von seinen guten. Im gegenwärtigen Falle aber hatte ich so viel davon, wenn auch nicht eben allemal zu nennen, doch zu umschreiben, gehabt, daß, wie es alleweile steht, wenigstens ich mir , verschiedene Feinde unvermeidlich hätte machen müssen, die, wenn sie, nach dem Sprüchwort, auch als Freunde nicht nützten, doch allemal als Feinde schaden konnten. Denn sie würden sich doch herausgekannt haben; auch wären gerade die, die sich am ersten von der Wahrheit beleidigt gefunden hätten, solche gewesen, die unsereiner sich doch immer ›hegen‹ muß, weil sie a) bei fast jedermann in Ansehen stehen, und b) auch, weil, wie noch in diesem Sommer mich einer von der Mauth versicherte, ›man doch nicht weiß, wie man so ansehnliche Leute einmal noch brauchen kann‹. Somit besann ich mich, und nahm die ganze fertige Vorrede (die nun, bei besserer Zeit, einmal noch mit des Verfassers äußerer Biographie in eins verarbeitet, erscheinen soll) zurück – einen Gedanken, obschon mit Zwang, im großen beherzigend, welchen auch unser Verfasser zuweilen äußerte, den nämlich: ›daß diese ganze Welt zuletzt nichts weiter, als ein bloßes Mauthhaus vor der Ewigkeit sei, und daß man höchst darauf bedacht sein müsse, die Zöllner bei Güte zu erhalten, denn sonst visitierten sie gleich, und nähmen einem das beste weg von dem, was man in die Ewigkeit hätte mitnehmen wollen, oder könnten sie es nicht gleich finden, so arretierten sie einen gar, und das hielte denn vollends auf.‹ – Ich gebe nun sehr unvollkommen wieder, was unser Freund ausdrücken wollte, besonders haftet hier noch ein gewisser Anstrich von Gehässigkeit daran, der – in seinem Munde – völlig wegfiel. Wenn er eben bei Laune war, und andere, die sich mehr mit der Welt zu schaffen werden ließen, als er, um ihre bisweiligen Schicksale in ihr vexierte, lag allemal eine so reine Gutmütigkeit darin, daß selbst die es hätten anhören können, die am schlimmsten dabei wegkamen, ohne daß ihnen ein Arges daraus hätte entstehen können. – Überhaupt war sein Bestreben durchgängig dahin gerichtet, auch das Widrigste, sich Widersprechendste, in der Welt, in notwendige und zugleich erhabene Gesetzmäßigkeit aufzulösen. Er litt es zum Beispiel nie, daß man von etwas absolut Bösem oder Schlimmem sprach, beinahe so wenig, als auch von etwas absolut Gutem; zeitliche, beschränkte Rücksichten bloß machen etwas zu diesem oder jenem; von einem höhern Standpunkt aus löse alles sich wieder in Friede und Eintracht und gleich notwendige Mitgehörigkeit zum Allgemeinen Einen Organismus der Belebung unseres, und des Daseins überhaupt, auf; und stießen ihm in seinem eignen Leben zuweilen anfängliche Widerwärtigkeiten auf, deren Stelle im System der allgemeinen Ordnung ihm nicht sogleich klar war, so war das höchste, was er damit vornahm, aber auch nie unterließ, daß er, überall Physiker, eben bloß ganz ruhig suchte, bis er sie gefunden. Kein Mißverständnis, keinen Widerspruch, kein Widerstreben des anderen auch noch so feindlich unter sich Scheinendsten, duldete er in dem, was einmal seinem Gemüt als Kenntnis- oder Erfahrungsbestandteil, als Gegenstand usw. sich dargeboten hatte, und dieselbe Kühnheit, mit der er häufig in der Wissenschaft das Widerstrebendste dennoch auf Gleichungen glücklich zurückzuführen suchte, begleitete ihn auch im Leben und der Konstruktion seiner Verhältnisse, soweit sie von ihm abhing – wo er übrigens noch diesen Vorteil vorauszuhaben behauptete, daß er hier von Anfang an von einer, und einer ersten, Urgleichung ausgehen könne, die er dann, und recht eigentlich konstruktionsweise, immer bloß in gerader Richtung fortzuentwickeln habe; ja, für das sollizitierende Moment dazu sei ohnehin schon gesorgt, und so bleibe nichts übrig, als diese freie autonome Selbstfortentwickelung derselben bloß zu bewachen , daß sich ihr nichts in den Weg stelle, oder, was dies wirklich tue, nur immer dreist und kräftig wieder wegzuräumen. Freilich gab er begreiflich so selbst häufig Gelegenheit zu den mannigfaltigsten Mißverständnissen der Außen-, oft auch selbst der Innenseiten, seines Lebens; aber auch sie wußte er beständig voraus, selten war er einmal um die Rechnung betrogen, und traf das denn nun auch einmal, so suchte er die letzte Schuld davon allemal mehr bei sich selber, und sah nun andere Male nur um so schärfer nach. Von mehreren Entwickelungsrichtungen seines Lebens sah er ganz bestimmt voraus, daß sie den größten äußern Widerstand erfahren würden, lieber aber hemmte er so lange das dann unterdessen sehr leicht verhältnismäßig zu weit gehende Vorschreiten anderer , als daß er diese wieder zurückgenommen hätte, weil sämtliche Funktionen durchaus im Gleichgewicht bleiben sollten, und er Integrität des Lebens, auf wie niederer Stufe sie auch sich etwa nur behaupten könne, jeder noch so glänzenden Verzerrung und Verschneidung, als wozu man bloß sich der › Gesellschaft ‹ oder der › Konvenienz ‹ als Bildner, Pädagogen oder Gärtner zu überlassen brauche, vorzog. Die notwendig entstehenden Mißverständnisse seiner Bestrebungen und ihrer Produkte selbst aber überließ er meist ihrer eigenen Zurückkehr in Nichts, die, solange sie auch manchmal anstehen könnte, doch gewiß sei; denn, worin keine Wahrheit sei, das, meinte er, habe von sich selbst schon kein Prinzip einer Dauer in sich, und vergehe wieder, weil es nie bestanden habe. Es selber sei nichts, und so sei nicht einzusehen, wozu gegen Don-Quixotesche Windmühlengefechte von neuem solche Gefechte zu führen; das Ganze wäre ebenso eitel, als etwa die verschiedenen Potenzen von Null zu suchen. Ich habe bei den zur Mitteilung gewählten Fragmenten, soviel es nötig, und interessant, oft auch nur möglich, sein konnte, allemal das Jahr, auch oft den Monat, und zuweilen selbst den Tag, in und an welchem sie niedergeschrieben waren, gelassen. Er fand sich in den Papieren unseres Freundes fast beständig beigezeichnet, und jeder wird sich auf Verlangen bei mir von der Richtigkeit der Angabe überzeugen können. Bloß wo weniger wissenschaftliche Rücksicht herrscht, habe ich die Zeitangabe weggelassen, und hier fehlte sie auch in den Papieren selbst häufig. Vielleicht, daß einige der Leser, besonders solche, die den Verfasser persönlich kannten, sich die kleine Mühe wirklich nehmen, sämtliche Fragmente sich einmal nach der Zeitfolge zu ordnen, soweit das nämlich möglich ist. Ich sollte nicht zweifeln, daß sich aus ihnen, schon so , interessante Resultate über seine innere Geschichte ergeben würden. Welcher ungemeine Unterschied zum Beispiel ist nicht zwischen den Jahren 1799 bis 1802, und sodann der frühern, wie der spätem Zeit, zu finden. Hätte ich sie in diesem Augenblicke noch vor mir, so würde ich noch verschiedene andere gleich auffallende Unterschiede bemerklich machen können. Aber jene Zeit war auch eine vorzüglich eigne für den Verfasser. In ihr trugen sich Erfahrungen in seinem Gemüte zu, die auf die ganze folgende Zeit von Einfluß waren. Nur einigermaßen sei es mir erlaubt, sie zu bezeichnen, überzeugt, daß keiner ohne Teilnahme bleiben wird, der in jener Zeit ihn näher kannte. So finde ich aus dem Sommer 1799 ein Bruchstück von ›Nachtgedanken‹ (von ihm selbst so überschrieben) vor, was er einmal aufgesetzt hatte, als er, wie er damals oft zu tun pflegte, spät abends noch an einem einsamen Platze an der Saale vor Jena der Stadt gegenüber gesessen, wohl bis ein Uhr in stiller Betrachtung dort geblieben, und dann nach Hause zurückgekehrt war.   ›So ist es endlich kühle, und mein Geist fühlt sich gestärkt. Das heiße Getümmel des Tages hat sich gelegt, der Schlaf hat sie alle besänftiget. Nur ich allein ging dir voll Hoffnung entgegen, stille freundliche Nacht, und du hast mich nicht getäuscht. Dir gab der Herrliche die Macht, der Erde den Frieden zu geben, den sie selbst sich nicht erlauben wollte. Und hätte sich alles gegeneinander entzündet, siehe, da kommst du, und löschest den Brand, daß er nicht um sich greife. Gern, Allgegenwärtiger! möcht ich dich preisen dafür, aber du weißt die Schwäche des Sterblichen, und verkennest im Willen die Tat nicht. Ich trete vor dich mit reinem Gewissen, denn nichts hat mir den Tag getrübt; ich breite mein Leben aus vor dir, laß es dir gefallen, sieh herab, und sei mir gnädig. Ernst war dein Antlitz zur Zeit des Tages, denn gütlich gab sich keiner zur Ruhe. Die Furcht vor dir hat sie zum Schweigen gebracht, und nun erst sind sie, wie sie dir gefallen. Jetzt darfst du auch dem Sünder lächeln, auf daß er's wisse, auch mit ihm habest du's gut gemeint. – – – Hier war das Papier abgerissen, der Zusammenhang schon aber gibt es fast, daß es weiterging. Ich habe die Fortsetzung indes nicht finden können. Schwerlich kann etwas besser Zeugnis geben von der innern Ruhe und dem Frieden mit sich selbst, in welche, ohngeachtet so manchen Störungen am Tage, unser Freund doch so bald wieder zurückeilte, als ihm Zeit, und gleichsam die Erlaubnis , dazu wurde. Ich weiß bestimmt, daß er um diese Zeit (1799 und 1800) sich mit sich selbst unter seiner Umgebung völlig allein befand, und niemand unter ihr war, dem er in solchen freien Stunden sich dann ohne allen Rückhalt hätte hingeben können. Ich selbst lebte damals unter der völlig gleichen Umgebung, und kannte sie; vieles aus ihr wird mir unvergeßlich bleiben, und ich allein vielleicht bewahre das meiste noch auf, da teils der sogenannte, teils der wirkliche Tod, nacheinander fast alles hinweggenommen, was damals unsern jugendlichen Kreisen ein seltenes Leben gab. Unser Freund war mit beständiger Teilnahme dabei, wenige aber haben vielleicht bemerkt, mit welcher wirklichen er es war. Indessen hat er mir oftmals geäußert, daß er nicht wissen könne, was auch in ›ihnen‹ schweige, und warum es schweige; er aber, von sich, er wisse es wohl! – Immer dachte er nachmals an diese Zeit mit besonderer Liebe zurück. Völlig aus sich selbst hatte unser Freund sich zu dem gebildet, was er etwa war und wurde, und früh schon war er dazu genötiget. Später erzeugte dies mitunter ein wahres Abstoßen dessen, was sogenannt bildend, und meist wirklich bei recht guter Meinung, auf ihn einwirken wollte, und ich selber auch glaube, daß er Recht dazu hatte, denn widerliche Erfahrungen waren ihm vorgekommen. Zwei indessen hat er vorzüglich genannt, denen er unendlich viel zu danken habe, und um so mehr Wahrheit muß darin enthalten sein, als seine laute Bezeugung desselben fast erst mit ihrem Tode begann. Auch ich habe ein Recht, sie zu nennen: es waren Novalis – und Herder . Oftmals hat er sich an Novalis' ersten Besuch bei ihm mit sichtbarer Rührung erinnert. Er lebte damals in der größten Zurückgezogenheit in einer abgelegenen Gasse, in einem kümmerlich ausgestatteten Zimmer, und welches er oft vier Wochen lang nicht verließ; im Grunde, weil er nicht wußte, warum, und zu wem es übrigens auch der Mühe wert sei, zu gehen. Seine ganze Gesellschaft waren lange Zeit seine wenigen, aber guten, Bücher, dann sein alter wunderbarer Hauswirt, und er selbst, gewesen. In solcher Einsamkeit, und wo unser Freund gewiß nicht glaubte, daß jemand Ursache finden könne, sich um ihn zu kümmern, war es, daß einst ein Mann in sein Zimmer trat, der äußerlich äußerst unbedeutend aussehen konnte, aber kaum noch zu sprechen anfangen durfte, um jedem gleich wie ein uralter Bekannter, der alles um einen wüßte, und mit dem man im geringsten nicht Umstände nötig habe, zu erscheinen. Novalis und unser Freund verstanden sich den Augenblick; fürs erste lag auch nicht die geringste Merkwürdigkeit in ihrem Zusammenkommen; letzterem war schlechterdings nur eben, als wenn er einmal laut mit sich selber sprechen könnte. Solches aber war von jeher das Zeichen völliger Gleichgesinntheit, und einer Freundschaft von Echtheit und Dauer. Wo zwischen zwei Freunden viel Wesens zu bemerken ist und eine ganz besondere Lebendigkeit in ihrem Verkehr, da ist sicher selten viel dahinter; entweder haben sie Not, zu früh antizipierte Urteile über ihr Verhältnis zueinander mit Ehren zu behaupten, oder es ist überhaupt an der ganzen Freundschaft nichts, und jeder ist bloß froh, bei dieser Gelegenheit sich einmal laut recht geltend machen zu können. Werden sie zusammen gar sentimental, so ist vollends alles vorbei: es bedeutet dann, daß jeder Krautstrunk schon die zweite Person vertreten könne. Novalis , der unsern Freund nun öfters besuchte, sah bald, in welcher auch äußerlich verlassenen Lage er sich damals befand, die dieser indessen kaum empfand, vielmehr sie seinem ganzen Treiben höchst natürlich, und auch, in seinem Abstand von den übrigen Menschen, für gar nicht besser verdient, hielt. Novalis bot ihm Unterstützung nicht an , sondern drang sie ihm auf. Daß sie durchaus reines Geschenk bleiben sollte, setzte diesen in große Verlegenheit; es war die erste Hülfe, die er nicht suchte , sondern fand ; Novalis aber war schonend genug, ihn jener Verlegenheit nicht eher auszusetzen, als bis von einer Zurückgabe im Ernste die Rede entstand. So wurde Novalis von allen Seiten Stütze und Bestätigung unseres Freundes – und ohne einiges Geräusch! – Auf letzteren aber machte es, äußerlich, nie mehr Wirkung, als die einer bloß etwas größern äußern Lebensfreudigkeit. Er hing gewiß aufs zärtlichste an ihm; wer indes nicht wirklicher Herzenskündiger war, würde dies nie geschlossen haben, wenn er beide zusammen sah. So pflegt man auch dem Höchsten ergeben zu sein; ohne daß es äußerlich merkbar würde; bloß an dem Segen, der sich über das Leben und das Angesicht ergießt, erkennt der Eingeweihte, wohin das Herz des Sterblichen gerichtet sei. Kann es doch nie der Freund um dieses selber wegen suchen, immer tritt es mit ihm nur um das Höhere zusammen. Novalis' Bekanntschaft mit unserm Freunde blieb nicht verborgen, und verschiedene wollten nun sehen, was das wohl eigentlich wäre. Einer darunter gab sich ganz besondere Mühe, ihn näher kennenzulernen, und – dieweil es überhaupt gern seine Art so war – den noch sehr einfach scheinenden, und nur im tiefsten Innersten erst, jedoch hier allerdings schon ziemlich weit entwickelten, Jüngling auch nach andern Richtungen fortzubilden. Unser Freund hat immer mit der größten Achtung von diesem menschenfreundlichen Manne und seinen vielen Verdiensten um ihn gesprochen; zu jener Anhänglichkeit an ihn aber wollte es, was auch die Gründe sein mochten, hier nie kommen, die ihm früher gegen einen Novalis so bald, und ohne, daß es gleichsam merklich wurde, entstand. Er fühlte sich von ihm vielleicht ebenso durchkannt, wie von diesem, aber nicht sowohl stille Einstimmung in das verstandne Weiterstreben, und eine aus solcher Bestätigung allemal entstehende ungemeine innere Freudigkeit und Heiterkeit dafür, fand hier statt, sondern mehr ein fast zu heftiges, zu übereiltes, Anschließen an und Bemühen um ihn; Vorausverkündigungen und Versicherungen über das, was schon wirklich da sei, die unsern jungen Freund mehr drückten, als hoben, und als er ihrer gewohnter war, sogar verschiedene kleine Eitelkeiten zu erzeugen begannen, deren Unnützlichkeit ihm doch recht gut bewußt war, die aber immer gleich in der Geburt wieder zu ersticken, ihm zuletzt die Zeit fast nicht mehr bleiben wollte. Die, seinem bisherigen einfachen Gange, in welchem Novalis ihn nur überall bestärkt , fremdesten, oder eigentlich zur Seite, an den Grenzen des Details liegendsten, Gegenstände wurden ihm geboten, und immer hatte er die Pflicht über sich, sie mit Urteilen darüber zurückzuliefern, wo er doch unendlich überdachtere längst vorhanden wußte, es also bloße ›Schulübungen‹ waren, zu denen er doch eigentlich es jetzt am wenigsten schon Zeit für sich glaubte. Er wagte indessen die vielfache Verlegenheit, in die er hierbei kam, im geringsten nicht zu äußern; selbst eine wahre Furcht um sich entstand ihm bisweilen; aber er fühlte sich, zum Teil aus anfänglichem eigenem Versehen der Zulassung desselben, von einer Art von wahrem magischen Netze umstrickt, in welches jeder Versuch, sich aus ihm loszuwinden, ihn nur immer tiefer zu verwickeln drohte; ein rechter Segen dieser Art von Bildung, wobei er jedoch endlich Zweck und Mittel allemal unterschied, wollte ihm durchaus noch nicht einleuchten, und recht sehnlichst verlangte er im Tiefsten und Geheimsten seines Innern nach einer Erlösung, einer Zurückgabe seiner an sich selbst, die selber aber aufzufinden, ihm nicht mehr möglich schien. Er hatte seinem so überaus wohlwollenden Gönner unendliche Verbindlichkeiten, die er um keinen Preis jemals verletzen wollte, aber sie von der ihm lästigen Nebenbegleitung zu reinigen, war er nicht stark und geschickt genug, zumal sie fortfuhr, unwillkürlich von ihm ebenfalls noch mit gefordert zu werden, und es so gleichsam schon zu einer schuldigen Höflichkeit wurde, zu folgen. Unter solchen Umständen konnte nur die gütige Natur selbst Hülfe versprechen, und unser Freund, sonst von ihr nie verlassen, erfuhr sie auch, und diesmal ganz besonders – nur daß die Lösung freilich ebenso zusammengesetzt wurde, als die zu lösende Verwickelung es war, und auch, daß allerhand Strafen zu ertragen waren – Das bisherige Erziehungsgeschäft dauerte im Grunde fort, ging aber unvermerkt allmählig in ganz andere Hände über, und bekam auch damit selbst ganz andere Gestalt und Gegenstände. Statt des Kopfes hatte jetzt das Herz in die Schule zu gehen, und da dieses, sobald nur überhaupt eines da ist, in der Regel ungemein gelehriger zu sein pflegt, als jener, und hier es sich mit Leben zahlt, wenn dort mit bloßem Wissen (was auch angenehm, und selbst im Schmerze noch mit Wollust verbunden, ist): so kam hier unser Freund in kurzer Zeit ganz außerordentlich weit – fast zu weit, wie er mir nachmals ganz ehrlich vertraute. Ein Extrem aber sucht überall das andere, und nach und nach erst kommt ein einmal in Schwingung versetztes Pendel wieder zur Ruhe; eins wie das andere nach unverbrüchlichen Naturgesetzen. – Es ist hier weder meine Zeit, noch meine Absicht, einen Roman zu schreiben; es wird genug sein, anzuführen, daß unser Freund, dem in der frühern Periode seiner diesmalen Edukationsgeschichte lange Zeit Meisters Lehrjahre die liebste Unterhaltung war, jetzt plötzlich schon nach wenig Wochen den Don Quixote allen andern Büchern vorzog, (welchen er nämlich vorher schlechterdings nicht hatte leiden können), und bald darauf auch an diesem nicht mehr recht genug hatte, sondern dem Buche lieber die wahre Sache selbst vorzog. – Oft hat er, wie er endlich wieder in Freiheit war, noch mit mir darüber gescherzt: – ›wie die genannten beiden Bücher recht dienen könnten, zu erfahren, auf welchem Pole des Normals des Lebens man als junger Mensch von Fülle und Sinn sich soeben eigentlich befinde, und wie hoch oben an ihm. Für ihn zum Beispiel sei es eine bare Unmöglichkeit, früh nach dem einen auch dem andern viel abzugewinnen (sie ›in einem Zuge‹ nacheinander bis zu Ende zu lesen), sofern er überhaupt das eine oder andre ordentlich , und mit wirklichem Genusse und Verstände, gelesen, während er zur selben Zeit das gegebene eine fast unaufhörlich von neuem vornehmen könne, und jedes neue Mal zu neuem Vergnügen. Befinde man sich dagegen, und übrigens freilich am glücklichsten, in einer Periode, wo Leben und Wissen, Herz und Kopf, so eben in möglichst inniger Vereinigung und gegenseitiger Durchdringung wären, genössen, und wirkten: dann hören beinahe beide jene Bücher auf, das vorige Interesse zu haben, oder, und eher, sie wechselten ordentlich die Rollen, und Meisters Lehrjahre würden es, die einem höchst komisch und drollig vorkommen könnten, während einem dagegen aus dem Don Quixote überall der dumpfste, finsterste, schneidendste Ernst entgegenkäme. Man werde dann beinahe bis zu einer Art von Mitleid, man wisse selber nicht so recht, mit was, wem, und warum, bewegt, die ihm bei Shakespeare zum Beispiel nie begegnet sei, als den er überhaupt zu solcher Zeit wohl allem andern Neueren vorziehe. Doch könne er keinesweges behaupten, daß, was er da sage, von allgemeiner Gültigkeit sei; es komme sicher auch außerordentlich viel auf Gewohnheit, Jahre, individuelle Bildung, und besonders auf die Absicht , in der man lese, an. Er, seinesteils, gehe eigentlich nie mit einer solchen an dergleichen Werke; ihm sei es genug, zu wissen, daß es ihn jetzt nach diesem, jetzt nach jenem, gleichsam ziehe; selten irre er sich in dem, was er bedürfe, und dann lebe er gleichsam das Buch, indem er es lese. Was ihm überbleibe, wenn er so gelesen und fertig sei, würde ihm abermals schwer zu bestimmen sein; es wäre etwas ins Gemüt und Leben selbst Eingegangenes und mit ihm bereits Verwobenes; seine Gegenwart und Wirkung spüre er wohl, aber er habe sich gewöhnlich wieder um den besten Teil davon gebracht, wenn er es hinterher zu einer strengern Analyse mit Gewalt hervorgerissen habe. Nur bei wenigen Dichterwerken falle es ihm ein, sie wirklich zu studieren, dann geschehe es aber als Physiker; Werke dieser Art seien zum Beispiel der Prometheus von Aeschylus , dessen Eumeniden , Shakespeares Sommernachtstraum , und dergleichen; von solchen habe er dann ungemein viel gelernt, und – um was gewöhnliche Physiker ihn freilich am meisten belächeln würden, womit es aber doch völliger Ernst sein könne – besonders, wie gar sehr weit unser wirkliches bißchen Physik, auch nur schon ihrem Vorwurf in seinem bloß ersten Detail, und dann überhaupt ihrer ganzen Richtung nach, hinter der wahren , in sich ganzen , und doch schlechterdings möglichen , weit von Zeit zu Zeit in Wahrheit und ganz unverkennbar schon von Menschen begriffenen und eingesehenen, zurückstehe.‹ Doch, wie weit komme ich ab: – beinahe so weit, als unser Freund, wie er den Don Quixote so schnell lesen lernte – und so vieles andere noch dazu, daß er fast seinen sämtlichen früheren Bekannten verschwunden war, und wie in einer neuen Welt lebte. Gewohnt, sich entweder gar nicht , oder unbedingt , hinzugeben, hatte es diesmal sein Herz , und mehr wie je, getan; dessen Forderungen selbst auch hatten sich vergrößert, und ihre Form hatte vielleicht manches noch aus der vorhergegangenen Zeit mit herübergenommen, was hier ganz und gar nicht hergehörte. Ja, es ist zu behaupten, daß dies letztere schuld daran gewesen, daß überhaupt gesamte diese Forderungen sich verleiten ließen, ihrer Befriedigung dahin entgegenzugehen, wo der Schein sehr lange auf ihr Dasein täuschte, der höchste Rat der Herzen sie aber zuletzt als gültig doch nicht anerkennen konnte. Bei mehr Ruhe ergaben sich die mannichfachsten Entdeckungen – lange genug gefürchtet, aber eben darum vermieden. ›Lehrer und Schüler‹ bekannten, sich geirrt zu haben, und mehr, als hier bezeichnet werden kann, forderte auf, das ganze lehrreiche und so vielseitig kostspielig gewesene Verhältnis aufzuheben. Es gelang; herrlich war auch hier das Herz stärker als der Kopf, obschon es scheinbar gegen seine Interessen zu verfahren hatte, die indes auf niedere herabgekommen waren. Eine eigne Verbindung der Dinge, die oftmals alle unsere Scharfsicht übersteigt, brachte selbst noch mehr zustande: der Gefesselte wurde gänzlich frei. Die verschiedensten und verschiedenartigsten Personen (zum Beispiel vier Herzöge, ein Famulus, ein Buchhändler, ein geheimer Rat, ein Numismatikus, ein Schornsteinfeger, ein Historikus, ein Knabe, Voltas Säule, eine chemisierende Französin, und noch viele andere) waren in diese Erlösungsgeschichte auf das wunderbarste, und meist selbst unwissendste darum, verflochten, binnen wenigen Monaten aber war sie – glücklich beendigt . Unsers Freundes bitterste Erinnerung an die überstandne Zeit nur blieb, besonders in ihrer letzten Hälfte Novalis nicht mehr so wie früher im Auge behalten zu haben. Dieses Andenken, versicherte er mich mit Rührung, hätte ihm ein äußerst kostbares Jahr seines Lebens erhalten können! – Sein Gemüt wandte sich völlig wieder zu ihm zurück, aber Novalis – starb . Er wurde ruhiger, als ihm aus dessen hinterlassenen Papieren ein Brief zugestellt wurde, den dieser noch wenige Tage vor seinem Tode an ihn angefangen, aber nicht mehr hatte vollenden können. Er enthielt Ermunterungen an ihn, seinem bisherigen Streben treu zu bleiben, und mehrere Aussichten, die dann ihm ganz notwendig in Erfüllung gehen müßten. Über beide war hier ein Wort von außerordentlicher Bedeutung gesagt, und wie ein Heiligtum hat unser Freund dasselbe verwahrt und gepflegt. Um völlig sich selbst sicher zu bleiben, entfloh unser N. auf einige Zeit dem Orte, der ihm in äußerst mannichfacher Hinsicht bisher teuer geworden, und ich begleitete ihn. Nach kurzer Zwischenzeit führte ihn ein an sich höchst gleichgültiger Zufall zu Herder – und was hochsitzende Rezensenten auch auszusetzen hätten: – es wurde gewissermaßen der Gegenbesuch bei Novalis , fast mit dem einzigen Unterschiede, den das Alter des Würdigen machte, welcher indessen durchaus vorteilhaft war. Wohl wußte Er, wo jener herkam und gewesen sei, nie aber fielen Ihm Fragen darüber ein, und der Verdacht war ungerecht, den man ihm nachtrug, frühere Wohltäter verleugnet zu haben. Bald wurde unser N. Bekannter des Hauses. Wöchentlich, und täglich fast, stand es ihm offen, ihm selbst gedieh eine bisher noch ungekannte Offenheit, die der herrliche Greis mit orientalischer Zartheit pflegte; es entstand im stillen das Verhältnis des Sohnes zum Vater, so treu und reich es gedacht werden kann. – Wozu indessen suche ich den Verewigten noch zu verherrlichen! – ich, der ich schlechterdings nicht imstande bin, ein Wort zu sagen, was neben so vielem zu Seinem Preise auch seine Stätte verdiente! – Wer unsern N. in jener Zeit gesehn, mit ihm gelebt, ist ohnedem Zeuge jener glücklichen Tage gewesen, die, in dieser Art, für ihn wohl niemals wiederkehrten. – Er hatte einen großen Vorteil, als er Ihn kennenlernte, und ziemlich noch lange während seiner Nähe um Ihn, voraus: er hatte nie etwas von Ihm gelesen, und auch unter dem, was man zu seiner Bildung ihm gegeben, war nichts von seinen Schriften gewesen. – Somit hatte er nicht den Schriftsteller, sondern den Menschen Herder – Ihn, wie Er war – vor sich, – und es wird etwas sein, das Tausende zu bestätigen haben, wenn er meinte, auch die besten Werke dieses Autors werde niemand ganz verstehen, der nicht auch ihren Verfasser kenne, und indem er sie lese, sie von Ihm sprechen höre. Auch als bloßer Schriftsteller sei Herder häufig zu treffen gewesen, besonders in der Woche; als Menschen aber, weit über alle seine Werke erhaben, habe man ihn sonntags finden können, wo Er, seinem Schöpfer folgend, ruhte, und den Tag im Schooße seiner Familie verbrachte; nur ›Fremde‹ durften nicht bei Ihm sein. Gleich herrlich und göttlich sei Er erschienen, wenn Er, was Er sehr liebte, an einem schönen Sommertage eine ländliche Gegend, zum Beispiel das schöne Wäldchen an der Ilm zwischen Weimar und Belvedere, besuchte, wohin dann aber, außer Seiner Familie, Ihm nur folgen durfte, wen Er ausdrücklich einlud. An solchen Tagen dann, den einen oder andern, sei Er wirklich wie ein Gott erschienen, der von seinen Werken ruhe, nur doch als Mensch, die seinigen nicht, sondern die des Gottes selbst, erhebend und preisend. Mit Recht dann habe über Ihm der Himmel zum Dome sich gewölbt, und selbst des Zimmers starre Decke habe nachgegeben; aber der Priester darin sei nicht aus diesem Land noch dieser Zeit gewesen; Zoroasters Wort stand auf in ihm, und strömte Andacht, Leben, Friede und Freude in die ganze Umgebung; so ward in keiner Kirche Gott gedient, wie hier, – wo sich erwies, daß nicht das Volk, sondern der Priester, sie fülle. Hier, – wiederholte N. unzählige Male, – hier habe er gelernt, was die Natur, der Mensch in ihr, und eigentliche Physik, sein, und wie die letztere Religion unmittelbar. Sehr große Verkennung sei es, zu wähnen, diese bleibe dann ›nicht mehr heilig genug‹; auch die Natur erlange nur Wesen und Bedeutung durch den Gott, den wirkenden, in ihr, und schon von selbst ja rechne man bereits nicht bloß mehr, was man sähe, zu ihr. Mit einem gemeinen Kohlenbrenner aber sei freilich nicht viel über das Ganze zu rechten, und dieser tue außerordentlich wohl, an festgesetztem Tag und Stunde in die Kirche zu gehen, wie zuvor, damit er hinterher darin gewesen, und möglicherweise auch erbaut geworden, es sei, einerlei für ihn, zu wissen, was es getan, wenn's nur geschehe. Überhaupt war seine Klage, daß die Physiker jetzt ›so wenig mehr in die Kirche gingen‹; sie hätten es doch wahrhaftig nötig, meinte er, an den meisten spüre man gar keine Gottesfurcht mehr. Von diesem Jahre des nähern Umgangs unsers Freundes mit Herder an datiert sich unendlich viel Neues in seinem Gemüt, und selbst in seinem Leben, und dieses ganze letztere schien wieder in seine ursprüngliche, ihm natürlichste, Richtung eingesetzt. Gelesen hatte er in dieser Zeit wenig, aber viel: das Hauptwerk in derselben war ihm die älteste Urkunde des Menschengeschlechts , – wobei er den ausnehmenden Vorteil genoß, den Verfasser selbst zum Kommentator derjenigen Stellen zu haben, die ihm schwerer zu verstehen waren. Dieser selbst wurde hierdurch wieder ganz in jene Zeit, wo sie Ihm entstanden, und die Er immer als eine vorzüglich selige in Seinem Leben pries, zurückversetzt, und jede Mühe wäre vergebens, die Feuerhimmel der Vorwelt, die dann sich ihm, und wer ihn sah und hörte, auftaten, zu schildern. Er selbst beschrieb und schilderte nicht; Er führte bloß zur Stätte hin , und zeigte ; es auszusprechen , vermochte er nicht und unternahm es auch nicht. Aber Er selbst in diesem Augenblicke, Sein ganzes Wesen, Sein Auge, Angesicht und Sein, wurde zur lebendigen Hieroglyphe des Worts, für welches die Zunge das zureichende Organ nicht mehr war. So mußte man Herder sprechen sehen, um Ihn überhaupt zu hören und zu verstehen; so mußte man Ihn gehört – und schweigen gesehen – haben, um sagen zu können, man lese ihn. Man liest ihn aber schwerlich wo noch so, wie im vorhingenannten Werke. – Den zweiten Band der Urkunde bekam unser N. erst geraume Zeit nach dem ersten in die Hände, und als er ihren Verfasser nicht mehr zur Seite hatte. Dennoch setzte er ihn in mehrerer Hinsicht noch über den ersten, und meinte hier erst Herder vollständig wiedergefunden zu haben. Aus den Randnoten zu seinem Exemplar ergibt sich, daß er eine wahre Art von Übersetzung und weiterer Entwicklung vieler hier noch wie im Keime schlummernden Ideen zur kosmischen Geschichte des Menschen und der Erde, dabei in Gedanken hatte. Vielleicht, daß ich es bei gehöriger Muße einmal wage, einige solche Übersetzungen nach seiner Verzeichnung dazu auszuarbeiten. Ich bin dann überzeugt, Ansichten aus der Natur- und Menschengeschichte von einer Fülle, Vielseitigkeit, Lebendigkeit und Neuheit, als durch jenes Werk begründet und angezeigt, aufstellen zu können, wie sie noch kein naturphilosophisches Werk seit jener Zeit geliefert hat; Was wird zum Beispiel nicht schon ziemlich aus dem ganzen Buche selbst , sobald man die einzigen paar Zeilen am Schlusse des zweiten Abschnitts des zweiten Bandes (Quartausgabe, 1776, S. 154), und die wohl Tausende überlesen haben mögen, zurückanwendet! – Wer gar nichts damit anzufangen weiß, hat bestimmt das Buch noch nicht verstanden gehabt, am wenigsten den so ganz besonders reichen gedachten zweiten Abschnitt. Bloß das, was hier gesäet ist, zur Frucht gepflanzt, könnte alle unsere kurrenten Physiologien und Psychologien überflüssig machen. nur einer der mir bekannten Philosophen, und der selbst vielleicht am wenigsten daran denkt, nähert, zu seiner größten Unterscheidung von fast allen übrigen, sich einigermaßen der Herder schen Art und Tiefe und inneren Lebendigkeit der Erfassung entfernterer Gegenstände, erreicht ihn aber an Organ zu dieser Erfassung, an Zartheit der Behandlung des Gegenstandes, die oft nur aus Sorgfalt, ihn nicht zu verletzen, bloße Berührung bleiben zu wollen scheint, und an Umfang des Erfaßten selbst, bei weitem noch nicht, so sehr er ihn auch andrerseits an Strenge und Klarheit der Reflexion und an Positivität der Darstellung übertrifft. Bei Herder war es mehr das Herz , was sich der Welt erschloß und diese ihn, während man, Ihm gegenüber, gerade erst recht inne wird, wie arm diejenigen so vielen, sich und andern bleiben, die nichts, als einen Kopf , daranzusetzen haben, obschon sie, weil es ihr alles ist, vermeinen, das Herz, von dessen Gegenwart etwa ein paar sehr unschuldige Begegnisse ihres Lebens ihnen die ganz evidenten Beweise gegeben zu haben scheinen, sei schon von selber ebenfalls dabei. Wenige aber kennen das Herz! – und haben's auch nicht nötig, denn es ist genug, daß Gott es kenne. Wer aber in seinem Busen kein Geheimnis trägt, was ihn von seinem ersten Bewußtgewordensein durch sein ganzes Leben ununterbrochen, selbst noch im Traume , begleitete; wer nicht sich einer Treue bewußt, die er von seinem ersten Erwachen an bis zum letzten Augenblicke gegen irgend etwas, dessen Name fehlen, aber verschieden sein kann, übte, und zu deren Gültigkeit für ihn er niemals Menschenzeugnis bedurfte; wer Gott in seinem Innern nicht erfahren, und nur aus Treue gegen diesen eine jede andere, und unter Seinem Angesicht nur, übt: – der unterlasse , von etwas zu sprechen, was er dann bloß der Figur nach hat; außerdem versündiget er sich. Ein anderes, als ein sich so bestätigendes Herz, wird ihm auch für die Welt und die Natur nicht dienen können, denn Gott selbst ist dieses Herz, und nur in Ihm kann etwas ganz erfaßt – und verstanden werden. – Übrigens wird hiermit gar nicht behauptet, daß nicht schon ein solches , was zum Beispiel ein Korporal, ein Bettler, ein Spitzbube, oder ein Mädchen, so nennt (vier bloße Modifikationen dessen, beim Anatomen), hinreiche, in Zeiten, wo es beschäftigt oder nicht beschäftigt ist, zu erlauben, köstliche Versuche und Beobachtungen, die alle Welt, nur die Welt selbst nicht, interessieren, anzustellen, als zum Beispiel sind: mikro- und makroskopische über Himmel und Erde und das allerhand Gewürm, was auf beiden kreucht; andere über Branntwein, Bier, und Aerometer; exzellente optische, besonders, wenn dabei zu rechnen ist; verwundernde galvanische über 5000 verschiedene Klassen von Leitern; erhebende, wie schnell der Blitz einen treffen kann, und wenn man höchst wahrscheinlich, aber bestimmt nie, stirbt; dann wieder recht ernsthafte über die Lebensluft, wie hell Phosphorus in ihr brennt, und über die Zeugung; über Schießpulver, Äther, und Erd-Magnetismus; über die neuen Metalle, die Fragmente dieses Büchelchens, usw. So was zusammen kann allerdings Physik genannt werden, und wird es auch, und noch dazu schon eine in recht weiter Bedeutung; was und wieviel ›sie‹ aber damit besessen haben, wird ›ihnen‹, wenn nicht eher, in der Todesstunde klarwerden. Herder hatte unsern Freund völlig geheilt; sein Inneres aber wurde verschlossener, um, wie es schien, gesicherter zu sein, sein Äußeres dagegen tätiger. Er war in und nach dieser Zeit außerordentlich fleißig, und bis in die speziellsten Details physikalischer Gegenstände hinein; daß währenddessen aber auch sein Herz nicht ohne Beschäftigung, ohne direkte, blieb, darüber haben mir Papiere aus dieser Zeit, die ich erst später in meine Hände bekam, Zeugnis gestellt. So fand ich unter andern eine Reihe einer Art von Briefen, die auf zusammengehörigen Blättern fortliefen, deren ganzer Zusammenhang aber verriet, daß er sie nie abgeschickt, sondern daß sie unter einer gewissen Bedingung zu einstiger Überlieferung im Ganzen bestimmt gewesen waren. Über jedem stand das Datum, fast von jedem Tage war einer, und alle waren erst des Abends spät geschrieben. Nie habe ich erfahren, noch erfahren können, an wen sie gerichtet waren, denn, ob ich schon auch in jener Zeit fast immer um ihn war, so hat er mir doch nie auch nur das geringste von ihnen und ihrem Gegenstande entdeckt, und auch mich selber mußte er außerstand gesetzt haben, etwas zu entdecken. Noch in den Briefen selbst fand ich statt des Namens nur Sterne. Gleich der erste Brief, vom 22. Jun. 180*, fängt an: – ›An Dich, himmlische ***! sind diese Blätter gerichtet. Täglich abends, wenn ich ausruhen darf von dem Geschäft des Tages, will ich sie vor mich nehmen, Deiner allein gedenken, und etliche Worte an Dich schreiben. Wenn Du sie lesen wirst, ob Du überhaupt sie jemals lesen werdest: ***! dies Geheimnis ist noch nicht gelöst. Aber ich warte nicht darauf, denn ich liebe Dich, und würde Dich lieben, was ich auch wüßte. Usw. ‹ – Von den vielen folgenden schreibe ich den vom 27. Jun. ganz ab. ›Zwei Abende konnte ich nicht bei Dir sein, himmlisches Wesen! den dritten endlich kann ich, muß ich es. So heiter ist der Abend, so schön und erquickend; die Luft hält Geister aufgelöst, und mit jedem Atemzug füllt freies Leben die dürstende Brust. Die Seele fühlt sich losgebundener; sie hebt die Schwingen, möchte gern dem rauhen Boden entsagen, und in den Höhen ihrem Bestimmungsorte näher sein. Du bist nicht hier unten, wo man Dich sucht, und bei Namen ruft. Du liehst der Erde Deine Hülle, aber zu Hause ist sie hier nicht. Dich finde ich in des Äthers blauen Regionen; wo die Sterne funkeln, sprichst Du leuchtende Worte aus seliger Seele; des tiefen Himmels ungemessenes Gebiet umfaßt Dein Gottesgemüt. Unendliches Leben lächelt voll Liebe das All hindurch. Jegliches Wesen, das dem Tod entsteigt, dankt Dir dafür; Du bist die Angebetete, welche die Schöpfung preist. Auch ich bin Dein, Du gabst mir Leben, Deine Liebe erhält es mir. Wen sollte ich suchen, wen sollte ich finden, wenn ich in einsamer Nacht, vergessen der Unnützlichkeiten des ermüdenden Tages, die letzte Kraft, die edlere, zusammenfaßte, und mich mit Sehnsucht, glühender Sehnsucht, hinunterstürze in der Welten geheimen Bau; den Wohnsitz Deiner Allgegenwart. Ich weiß nicht, was und warum ich das will, was ich in solchen Augenblicken will; nur Du stehst vor mir unwandelbar, ich möchte Dich umarmen, und ganz Dein sein. Dann kommen Momente hoher Entzückung, ich verliere mich in unendlicher Wonne; Du hast mich erraten, Du hast mich gehört; ich fühle ganz die Gewalt Deiner liebenden Seele; ich erwache, und matt von der zu seligen Last strecke ich die Hände von neuem zu Dir hinan. O! in solchen göttlichen Träumen verstehe ich alles, ich weiß alles; ich könnte hinsterben in dem Augenblicke und fühlte den Tod nicht, des Lebens Pflichten wären alle erfüllt, nur Du wärst mein. – – – Ach, was weckt mich! – Kalter Umgebung höhnendes Gezisch! Ich zittere! Was ich früher eine Welt nannte, ist ein Dornengebüsch auf steinigtem Fels. Eine neidische Notwendigkeit treibt mich gewaltsam hindurch, mein blutiger Schmerz wird ihr zum ergötzlichen Farbenspiel, aber sie flucht, daß ich es stumm ertrage. – O, diese Wege waren mir längst schon bekannt; oft waren sie Prüfung meiner Beharrlichkeit und meines Glaubens. Der Glaube bestand, die Gewißheit wird vollends nicht zweifeln. Mit helfendem Zuruf stehst Du jenseits, den Lohn in der Hand, und – gibst mir ihn. O,***! Götterkind! Ja! ich litt viel um Dich; aber nun ist es vorüber, und ich bin wieder ganz bei Dir. In Deiner Liebe wird der Kranke ruhen, bis Deiner Morgensonne Gebot ihn zurückruft ins Licht, das Dich verbirgt. Der morgende Tag ist Dir gewidmet. Es ist ein Sonntag, der **te seit jenem, der mich Dir auf ewig verband. O, meine ***! sei mit mir, bei mir, in dieser Nacht, daß ich stark werde zum neuen Leben. – Schlaf, wohl, es ist Mitternacht!‹ – In einem der spätem Aufsätze fängt unser N. an, Besorgnis um sie zu äußern. Sie drückt sich so aus: – ›O, ***! was möcht ich entbehren, vermöchte ich nur eine einzige Stunde mit Dir allein zu sein. Wie unendlich viel habe ich Dir zu sagen, wie unendlich viel ist's, was Du wissen mußt. Himmlisches Mädchen, ich traure um Dich, Du bist's, die mich daniederdrückt. Du stehst daran, zugrunde zu gehen; die Welt soll für Dich verloren sein, Du sollst nicht wissen, welchen Sinn Leben und Liebe hat. Ach und das Schlimmste, liebe, unendliche liebe ***! ist, daß dies nicht eben jemand mit Absicht will ; aber alles um Dich hat gleichsam bewußtlos, unwillkürlich, sich dazu vereinigt. Selbst hast Du das Leben noch wenig gesehen, und die Liebe hast Du nur geahnet. ***! eine unendliche Welt ist Dir noch verschlossen; es ist nur* ein Kleines, und sie bleibt es Dir ewig. Göttliches Mädchen, werde aufmerksam; laß es niemand merken, aber sei stark, sammle die Kräfte und traue Dir. Ich weiß, wer Dein Retter sein könnte, sicher sein würde. Aber, ***! ist es denn möglich? – Darf ich's denn? – Und doch werde ich nicht ablassen, mutig zu sein; ich verzweifle noch nicht.‹ – Vermutlich hätte eine einzige Stunde, wie unser Freund sie sich von der zärtlich Geliebten erbat, sie und ihn für immer glücklich machen können, aber sie scheint – nicht ›möglich‹ gewesen zu sein. Ihrer Zuneigung war er bestimmt versichert, und selbst ihrer Erlaubnis dazu, wie es schien. Ein früherer, ganz kurzer, Abendbrief heißt: – ›Schnell noch die zwei freundlichen Worte. Gestern erschienst Du als täuschender, heute als wahrer Geist. Ich glühte voll Andacht an Dich, da trat der Engel zur Tür herein; ich stammelte in Gedanken, womit ich zu Dir reden wollte, wenn Du wieder gingst, aber Du schwandest dahin, und ich hatte nicht gesprochen. O, denk in diesem Augenblick an mich. Du darfst ja. Vater – Mutter – erlauben Dir's. – Ich habe heute den W. angefangen. Das war ein guter Gedanke, den ich der ***** verdanke. – O, jetzt habe ich nur einen Gedanken, und den verdank ich Dir. Du bist es selbst. Engel! Schlaf wohl. Ich küsse Dich innig. Schlaf wohl!‹ – Ein Zufall, der sich aus der Folge der Papiere verrät, hatte die Geliebte mehrere Monate von ihm gänzlich entfernt gehalten, denn sie war überhaupt nicht am Orte. Sie kam zurück; – er sah sie wieder; – seine schon frühere Ahnung schien, Täuschung, oder nicht, wahr geworden zu sein: – er kannte sie nicht mehr. Wer noch derselbe war, mag folgendes Blatt der mir gänzlich Unbekannten, sofern sie lebt und liebet, ausweisen helfen, was sich jenen Briefen ...., die bis den letzten Augenblick, doch unterbrochner, fortgesetzt waren, beigelegt fand: ›Trauer erfüllt die Brust: Verschwunden ist des lieben Wesens himmlische Verklärung – Wo ist sie hin? – War es einen Augenblick nur, Daß der große herrliche Gott sich Dir verkündigte, Durch Dich mit dem leuchtenden Licht anderen? – Einen allereinzigen nur, Daß Du er selbst warst; Daß, was sich Dir nahte, Du mit labendem Segen bis ins Tiefste erquickend erschüttertest. Erschüttern konntest? O! Traure tief meine Seele! Hülle Dich ein, mein Herz! in Asche der Nacht, Und weine! – – Gewelkt ist Deiner Hoffnung letzte Blume; Gift hat ihren Kelch heimlich beschlichen, Den zarten Stengel der Wind geknickt, Ihre Blätter verweht – – –‹ Dennoch konnte dies sein Andenken an sie so schnell nicht verlöschen. Noch vor sichtbar sehr viel späterer Zeit findet unter diesem Blatte sich zugeschrieben: ›Gute Seele, ruhe sanft! ich denke Dein!‹ – Herder starb. Einer seiner Söhne hatte unserm Freunde schon früher Novalis' getroffenes Bild geschenkt. Es ist das einzige gewesen, was er sorgfältig verwahrte, – und mir ein teures Vermächtnis von ihm. Von Herder aber wünschte er sich gar kein Bild; er meinte, niemand könne Ihn treffen. Einst befand sich unser N. in einer äußerst mißlaunigen und aufgelösten Stimmung, in welcher ihm alles, was er schon wußte oder kannte, überdrüssig, und beinahe zuwider, war. Er kannte indes ein Mittel, sich in solchen Fällen zu helfen; es war ein Haupt-Werk über einen ihm völlig neuen, seinem letzten Treiben aufs möglichste heterogenen, Gegenstand, – was er dann gewöhnlich bis zur völligen Durchdringung studierte. Er selbst wählte es nie. Auch diesmal half er sich auf solche Art; er wandte sich an Herder , – der ihn natürlich verstand; Er schickte ihm Winckelmanns Geschichte der Kunst. Früher hatten seine Bildner wahrscheinlich dieses Werk noch zu hoch für ihn geachtet, denn allerhand hatten sie ihm in die Hände gegeben, in der Regel aber bloß ›Tikes‹ ; für das Antike , war die Klage, fehle ihm der Sinn noch. Er fragte mehrere Male, worin der Sinn dafür denn eigentlich bestände , bekam aber nie eine Antwort, die er verstehen konnte. – Winckelmann machte ihn wie neu geboren. Ich habe eine lange Reihe von Anmerkungen zu ihm vorgefunden, aus denen zu sehen ist, daß gleich das erste Blatt, die erste Seite , ihn sehr beschäftigt, und er besonders lange bei ihm verweilt hatte. Er behauptete durchaus, es sei ein Werk, zu dem ein zweiter Band fehle, ohngeachtet ihn niemand so möglich gemacht haben könne, als eben Winckelmann selbst. Wenn mir einmal Gelegenheit erlaubt ist, jene seine Anmerkungen mitzuteilen, wird man finden, wie er das verstand, und daß allerdings Verstand darinnen war. Nur eins zu erwähnen, verband er gleich bei der ersten Seite die Winckelmannische Kunst, oder auch die Kunst im engern oder engsten Sinne, mit der viel allgemeineren der Erde und der Welt, und ihren Hauptcharakter, von dem er meinte, W. habe ihn verraten, er wisse selber nicht wie; den, daß sie ›monumentierte‹, verfolgte er bis zur großen gesamten Welt selbst herauf, und wieder herab bis zur Schaale des Wurms, die doch nicht liegen bleibe, sondern vom Künstler, den dieselbe Natur besorgt, zuletzt der. Erde schönste Form, die menschliche , noch, erhalte, gleichsam um anzudeuten, zu wem auch sie einst beigetragen hätte, und wer in ihr wirkte, ehe er geboren war. Und so weiter. – Nichts wünschte er mehr, als ein ähnliches Werk auch über die Baukunst , die ihn noch viel mehr interessierte, als die Plastik, und über die er sich eine Skizze ihrer Geschichte und Bedeutung entworfen hatte, von den ältesten und größten unterirdischen Werken bis zu den höchsten, spitzigsten, oberirdischen, und bis zum Kleidungsstück, der wechselnden Mode, und dem Ring am Finger, herab. – Auch hier blieb er im Grunde, was er war: Physiker ; von Magnetismus, Elektrizität, und Hydrogen und Oxygen, indessen, hat man ihn eigentlich nie dabei sprechen hören. Während, oder doch bald nach, jener Lektüre, muß er sich auch noch einmal besonders lebhaft an Novalis , und anderes kürzer zuvor sich Zugetragenes, zurückerinnert haben. Wenigstens fand ich ein Gedicht unter seinen Papieren, was ziemlich nur diese Beziehung haben kann. Ich setze es her, ohne seinen Wert beurteilen zu können. Er selbst schien kein Gedicht als solches dabei im Sinne gehabt zu haben, einzig nur dankbare Erinnerung; der ziemlich flüchtig hin geschriebene Brouillon ist ganz ohne Korrektur. »Freunde schien der Himmel mir zu geben, Einen gab er endlich wirklich mir; Aber kaum, daß er ihn mir gegeben, Nahm er wieder ihn hinweg von mir. Traurig Loos! wenn alles nur beginnet, Daß es fast beginnend noch zerrinnet. Liebe schien der Himmli mir zu geben, Liebe gab er endlich wirklich mir; Aber kaum, daß er sie mir gegeben, Nimmt er wieder sie hinweg von mir. Traurig Loos! wenn alles nur beginnet, Daß es fast beginnend noch zerrinnet. Rings verlassen seufz ich meine Klagen, Aber höret eine Seele sie? – Niemand höret, ich muß fast verzagen, Ausgestorbner war die Welt noch nie! Traurig Loos! wenn alles nur beginnet, Daß es fast beginnend noch zerrinnet! – Aber nein! ich will nicht fürder zagen; Einer hört die Klage wirklich noch! Er ist tot; dem Leben zu entsagen, Lebt er tot im höhern Leben noch. Seinem Geist allein war ich verbunden, In der Kunst hab ich ihn wiederfunden. Fahre, Leben, denn nur fort zu toben, Tot vernehm ich deine Plage nicht; Eins mit meinem Freund leb ich dort oben, Tu aufs Irdische fortan Verzicht, Meinem Freund allein war ich verbunden; In der Kunst hab ich ihn wiederfunden. Kunst allein ist wahrhaft echte Liebe, Sie bleibt treu, solang wir ihr nur treu; In der Kunst sei einzig, was ich liebe, Und die Kunst ist ewig, ewig, neu. – Freundschaft, Liebe, alles war verloren, Doch die Kunst hat alles wiederboren!‹ – Nach der schönen Zeit von Weimar, die noch vor Ende 1801 wieder aufhören mußte, verschloß sich unsers Freundes Inneres in dem Grade um so mehr, als er auch unter immer mehr Menschen der höchst verschiedensten Art geworfen wurde. Was bis etwa 1803 in ihm vorgegangen, können bloß einige seiner Fragmente bis zu dieser Zeit verraten. Daß er ernster und strenger gegen alle seine Verhältnisse wurde, war klar; daß er unbedeutende noch ebenso vernachlässigte, wie zuvor, gleichfalls; – indessen spricht ein Fragment, schon mit dem März 1802 angemerkt, sehr gut aus, in welcher Restriktion sein Gemüt sich bereits damals befand. Es scheint aus einem Briefe an jemand zu sein; eben aber, daß unser Verfasser es sich zurückbehielt, bedeutet, daß es ihn selber aussprach, denn so etwas bewahrt noch der Uneigennützigste gern. Verzeihe der mir gänzlich fremde Mann, der jenen Brief damals schon las, daß ich eine Stelle daraus drucken lasse, die eigentlich noch immer ihm gehört. Es mußte um eine eigene Verlegenheit die Rede sein, denn die Worte sind diese: ›– Gibst Du Dich doch wieder in Pension? – Wahrhaftig? – – Nein! – Ehre! – Achte! – Aber tue Deine Tat. Laß aufs naivste Dich gewähren. – Gehöre niemand! – Entschlage Dich sogar des Bewußtseins, Dir selbst zu gehören. Dann sei! – Dann lebe! – und in aller Bedeutung! – – Fürchte nichts! – Hoffe die Gegenwart! – Erwarte nichts! – Dann findest Du, daß Du alles hast. Es zu erhalten, hast Du in dem Augenblicke schon gelernt. – Bist Du nun, was Du bist, so findet sich Dir, was Du besitzen sollst. – Ich spreche von Liebe! – Uns erwartet alles. Sind wir da, so ist es auch da. Alles ist wirklich, was möglich war. Möglich ist etwas nur im Augenblick des Wirklichwerdens. – Aber vergiß auch dies! – – Schaue! – Sei! – Eins gibt das andere! Du bist ein Sprosse, den die Welt treibt; Blüten – Früchte – besorgt sie . – Dir kommt es nicht so vor? –, aber ihrer Tat entwehrst Du Dich nicht . Diese Tat ist Dein . Eine andre fürchtet sich vor Dir. – O! Du bist geborgen: die Welt verdirbt nicht! – Ist sie verdammt, so kannst Du stolz sein: Du bist es auch. Ist sie selig, o so werde wahnsinnig, denn Du bist es auch. Und das hat die Welt von einer Katze, daß sie sich mit dem Besten bedenkt!‹ – – Im Sommer und Winter 1802 war ich weniger um unsern Freund N. Er lebte und wohnte damals mit einem Freunde zusammen, der an Reichtum, Vielseitigkeit und innigster Redlichkeit oft mühsam und für Kopf und Herz gleich kostbar gewesener völlig eigner Bildung vielleicht der erste war, mit dem er in so vertrauten, beständigen, und recht eigentlich brüderlichen, Umgang kam; sie hatten sich schon früher von Person gekannt, lange aber ordentlich abgestoßen , – woran ein äußerst mißlungener Scherz eines sonst braven Mannes, der es auf seine Art mit beiden gut meinen wollte, nicht wenig schuld war, und dann auch der schlimme, böse Ruf, in welchem unser N. damals in einem achtungswürdigen Hause, vermutlich bloß seiner früheren Verbindungen wegen, die übrigens niemand angingen, als vielleicht die Magd darin, stand, Vergl. zu so etwas schon 1. Korinther I, 12, 12, der Lutherschen Übersetzung. – und in welches Haus N.s Freund damals noch viel hinein-, und wieder herausging. Ein Zufall, der indes notwendig verwunden werden mußte, brachte ihre Wohnungen dicht nebeneinander, und keiner wußte so ziemlich darum, bis einer einmal die Tür aufmachte, um zu sehen, was in den andern Zimmern wohl sei. Es schien, sie sollten sich näherkommen, und es fand sich auch, daß es nicht unrecht gewesen war. Sie machten, – anfangs von der Seite, – immer mehrere Entdeckungen aneinander, endlich traten sie sich einander gerade gegenüber, und eine Freundschaft entdeckte zwischen beiden sich begründet, die in das engste Vertrauen jeder Art, bis zur gemeinschaftlichen Andacht herauf, überging. Wirklich ging die Innigkeit ihres Übereinstimmens so weit, daß sie kein Geheimnis mehr voreinander haben konnten , selbst wo sie auch wollten . Jener Freund N.s wird, wenn ihm dieses anders zu Gesichte kommt, sich noch jetzt erinnern, wie dieser ihm einmal ein äußerst , und auch ein äußerst sonderbar , zusammengesetztes Geheimnis, was seinem Herzen unendlichen Kummer machte, und er schlechterdings niemand entdecken wollte, aus bloßer Teilnahme bis in die kleinsten Details, nicht erriet, sondern fast divinatorisch nach der Reihe offen vorlegte, – und ihn tröstete. Überhaupt hatte unser N. die Eigenschaft in hohem Grade, doch seit etwa 1801 erst mehr, um Personen, mit denen er im wahrhaft innigsten Verkehre stand, auch in der Ferne, und größer noch, fast jede Stunde, jeden Augenblick, wissen oder fühlen zu können, was ihnen Besonderes widerfuhr, und diesen ging es dann, wie durch Mitteilung gleichsam, mehr oder weniger gleichfalls so. – Nicht immer war dieses Mitgefühl gleich deutlich und klar, bei Hauptvorfällen aber fast jederzeit, und noch bis auf die letzte Zeit ist es ihm geblieben gewesen. Denn in welcher Zerstreuung sich auch sein Kopf und seine Reflexion befinden mochten: sein Herz, sein Inneres, blieb doch immer klar und ruhig, und er nicht fern von ihm. Eines von seinen Fragmenten über tierischen Magnetismus, was ich in dieses Buch mit aufgenommen habe, kann vielleicht mehr Aufklärung über seine Vorstellungen von solchem Mitgefühl und Mitwissen geben. – Auch mit dem sogenannten ›Wolf in der Fabel‹ war er äußerst bekannt; er behauptete es aber als Gesetz darüber, von dem ihm auch nicht eine Ausnahme vorgekommen sei, daß, sobald man über den hierher gehörigen Einfall .... zur Reflexion komme oder kommen könne (gleichsam, wenn man wisse, und es sich merke, daß man ihn habe, und dann also auch sehen wollen könne, ob er etwan eintreffen werde), er ganz sicher nicht echt , das ist nicht von Wahrheit , sei oder gewesen sei. Mit dem wirklich wahren gehe es nahe wie mit dem Traume; man wisse allemal erst um ihn, indem er sich bestätige , – wie dort, nachdem er (der Traum) einem im Wachen wieder einfalle –, wobei man aber, im einen, wie im andern Falle, ganz bestimmt wisse, daß er jetzt zum zweiten Male, also ein erstes Mal früher, da gewesen sei, und auch zu der und der Zeit. – Überlasse man sich seinem Gedankengange mit der Feder in der Hand, und wo man nun eben wahrhaftig nicht sonderlich über das reflektiere, was man schreibe, weil man ganz nur den Ergüssen seines Herzens und Gemüts, und mit möglichstem Wunsche nach Vollerhaltung derselben, folge, wie zum Beispiel in Briefen an eine zärtlichst geliebte Mutter, an den innigsten Freund, an die innigst Geliebte, – wo also nicht die Feder, sondern der Gedanke selbst, schreibe, und gleichsam erst geschrieben gedacht sein wolle, weil diesmal überhaupt nicht anders gedacht werden könne: – so sei es dann außerordentlich möglich, und ihm selbst sehr oft begegnet, daß auch das Papier dann Mitgefühle, Ahnungen, und ganz bestimmte Aussprüche von in demselben Augenblicke, in welcher Ferne auch, Geschehenem enthielte; aber hier käme es doch auch ebensowenig zu einer nachmaligen Reflexion darüber, als wo man nicht schriebe, denn auch innigster und wahrster Freundschaft oder Liebe unfehlbarstes Zeichen sei, daß sie für ihre Äußerungen keiner Kritik, also auch keiner Reflexion darüber, die ja überall nur der ›Kritik‹ wegen entstehe, und die nur das Unvollkommene fordere, bedürfe. – Vom sogenannten ›Lupus in fabula‹ bot sich ihm übrigens ein eigener, wohl weniger bekannter, Gebrauch desselben an. Der direkte verbietet sich von selbst, wie wir gesehen haben; interessant aber wurde es ihm, wie die Ferne , bis in die er, einen Tag um den andern, galt, oder auch, und eigentlicher, nicht die im Raum sowohl, als mehr die in der Zeit , allemal recht genau mit dem Grade der Ruhe, des Friedens, und des Wohlbefindens seines eignen Innern zusammenfiel, – obschon er das letztere nie, wie manche ihm, halb im Scherze, halb im Ernste, schuld geben wollten, allaugenblicklich mit Lackmus ›Kurkumäpapier‹, oder Schwefelleber, probierte, oder es sonst besah, ob es noch ›gut‹ sei, sondern erst abends, nach vollbrachtem Tageswerk, Gott für seine Gegenwart dabei dankte. Unser N. verlebte mit seinem Zimmerfreunde nach und nach ungemein fördernde Tage. (Man vergleiche auch diese Fragmente.) Allerhand drängte sich um diese Zeit wieder zu ihnen herbei; mehrere glaubten sich für ihre absoluten Freunde gehalten; aber sie speisten jeden mit dem, wonach er hungerte, und oft fiel ihnen die Geschichte mit den fünf Broten unter fünftausend Mann dabei ein. Überhaupt besaß unser Freund das leicht falschen Deutungen unterworfene Talent in ziemlichem Grade, Personen, die sich ihm näherten, sonst aber von mittelmäßiger Beschaffenheit waren, gleich das erste Mal so zu befriedigen, daß sie vermeinten, der engste ›Freundschaftsbund‹ sei nun geschlossen. Auch ließ er sie dabei, solange sie selbst keinen Anlaß zum ›Bruch desselben‹ gaben, und oft dauerte dies sehr lange an, obgleich sie sich dann nur um so bitterer, im Grunde aber über sich selbst, beklagten. Was ihn selbst dabei unterhielt, war, sie bis aufs letzte durchzukennen, und dann, was ihm ein innres Band war, doch meistenteils ganz unmöglich blieb, sie eigentlich nur immer zu berechnen , zur Probe nämlich, ob er den gegebenen Charakter auch völlig aufgefaßt habe. Zum wahren Werte angeschlagen waren sie dann bei ihm nur immer nach dem Grade von Ehrlichkeit und Redlichkeit , der sich an ihnen und ihrem Streben äußerte, oder dessen, wovon sie dann, selbst , das wenigste wußten, und auch nicht zu wissen brauchten, was aber meistens wegfiel, je mehr sie darum wußten, und vor Anstrengung gleichsam schwitzten, etwas Originelles, Großes, oder Dummes, zu sagen. Vorzüglich gefunden waren ihm Charaktere und Karikaturen, die als Extreme Tausende ihrer Art repräsentierten, selbst ›steinerne Gäste‹ waren ihm in diesem Fall gelitten; – die, mit denen er erst nach Jahren fertig werden konnte, versicherte er, seien ihm in der Regel die liebsten gewesen, Tremellen aber schaffte er sich den Augenblick wieder vom Leibe. So lernte er nach und nach fast alle Elemente menschlichen Bestands und menschlicher Entstellung kennen, und in vertrauten Zirkeln wußte er die Kompositionen von Menschen, die er auch nur ein einziges Mal gesehen und gesprochen, so treffend und einleuchtend darzustellen, daß man hätte glauben mögen, er rezitiere Analysen von Klaproth oder Vauquelin ; nie aber duldete er beleidigenden Gebrauch davon. Auffallend war es, daß er mit den Vornehmeren immer viel eher fertig wurde, als mit den Geringern; er meinte aber, es käme davon her, daß Leute, die so recht sich zum Bewußtsein von sich selbst erhoben, besonders wenn sie es bis zu Grundsätzen gebracht hätten, zwar an sehr viel mehrern litten , aber von unendlich wenigem geleitet würden, als solche, die noch gar nicht im Sandbade gewesen, sondern hätten bleiben können, wie sie Gott geschaffen, und höchstens etwa die ›Umstände‹ sie verändert hätten, die also noch ganze Organismen, keine bloße Parasiten von sich schon, wären. Er wußte hier manchmal komische Betrachtungen anzubringen –: von Misteln, hohlen Weiden, und Eingeweidewürmern, von fliegendem Sommer, gefüllten Levkojen und Gänseblümchen; Wasserjungfern, Rosenkönigen, und selbst von geheimen Räten. Es war gut, daß er nicht gleich alles drucken ließ, und überhaupt gar nichts; die respektiven Interessenten hätten es so nicht verstanden, ohngeachtet es ungemein richtig, und folglich gut gemeint , war; sie hätten sein Leben bis zum Jahr 1809 nicht kommen lassen. – Im Winter 1802–3, nach einer Resignation, die wenig Scherze zu ihrer Ruhe bedurfte, und durch drollige Zumutungen ebensowenig gestört werden konnte, – denn man war ihm gut, und hätte ihn gern einmal mit etwas Schicklichem bedacht gehabt, – in diesem Winter also wurde unser Freund, des Schnees und der großen Kälte ohngeachtet, ein – Mädchen gewahr, bei deren ersten Erblicken, und noch ehe er sie gesprochen, ihm – höchst unschicklich – einfiel, was ihm nirgends so noch eingefallen war, sie zu heiraten . Er wußte, daß er es der ganzen Welt nicht sagen dürfe, und hatte auch selbst nicht große Lust dazu; aber seinem Freunde sagte er es. Dieser freute sich, ohne zu staunen, und drohte bloß, ihn beim Worte zu halten. Eine lange Zeit hielt er seine Bekanntschaft mit ihr außerordentlich geheim, selbst seinem Freunde hatte er alles wieder ausgeredet (wenn es nämlich wahr ist), und schon wollte dieser ordentlich böse werden – bis er endlich einmal unversehens hinter die ganze Geschichte, wie sie war, kam, und nun auf drei Minuten im Ernste böse wurde, anders aber, und auch nicht länger. – Schönere Zeit war unser N. mit seinem Freunde nie zusammen gewesen, als von hier an, und mit aller seines Wesens Herrlichkeit und Tiefe erschien ihm letzterer jetzt. Hier wurden Dinge gesprochen und versprochen, die wohl von wenigen bei solchen Gelegenheiten so besprochen wurden; wer zugehört hätte, hätte unsere Freunde zuweilen für wahnsinnig gehalten, denn wenig würde er verstanden haben; dagegen aber hatte N. auch selbst noch gegen keine Geliebte so offen sein können, als gegen diesen seinen Freund ; es war eben, als wenn es Gott bloß hörte, und selbst mitspräche, – und was in diesen einzigen Stunden gut und wahr erschien, war der Art, daß es selbst in schlechteren behauptet werden mußte; dann war es möglich, in den bessern sich wiederzufinden. Auch blieb es dieses unserm Freunde, und spät noch dankte er ihm für Zeiten, die er, in dieser Art, noch mit keinem Manne gelebt, für treuen Zuspruch, wie er ihn von keinem Menschen noch erfahren. Verständigen erfuhr er zwar späterhin von jemand noch, aber er war auch so verständig, daß darin auch keine Ahnung davon lag, daß, über was das Herz aus seiner Tiefe entschieden, vom Verstand nicht mehr gerichtet werden könne. Und so wurde auch unser Freund immer unverständlicher, besonders, je mehr sein neues Verhältnis ›bekannter‹ wurde, wozu er nachmals die Gelegenheit immer weniger verhinderte, und man hätte ihn, ich weiß nicht, wohin , gegeben, wenn er nicht doch andrerseits in dem, was er wirklich bloß Verständiges in dieser Zeit trieb, und dessen viel war, noch einigen Verstand verraten hätte. Außer an jenen seinen Freund, der ihn indessen im Jahre 1803 verlassen mußte, vertraute er sich jetzt keiner Seele mehr, und seinen besten nachherigen Freunden, wenn sie ihn um die Ursache fragten, antwortete er bloß, daß es schlimm stehen würde, wenn er es nötig hätte. Gegen seine Freunde selbst wurde er anders; man konnte sagen, für alle sei er verloren gewesen, oder auch, gegen keinen sei er mehr ehrlich; die vertrautesten blieben es in der Regel bloß für wissenschaftliche Gegenstände, oder muntern Scherz. Diesen brauchte er aber jetzt mehr als je, um Zumutungen von sich abzuhalten, die, schon zu sagen , daß er sie nicht erfüllen könne, ihn in Verlegenheit gesetzt haben würden, und je mehr er sich ihm überließ, ein desto gewisseres Zeichen war es, daß er ihm bloße Maske innern tiefen Ernstes sei. Niemand also hatte jetzt mehr Zugang in sein Inneres; bloß in Briefen äußerte er etliche Male, daß er nicht mehr ›liebe‹, und noch weniger, verliebt sei; es sei etwas sehr viel und ganz anderes, und was er niemand nennen könne, der es nicht von selbst errate oder es selbst kenne; ebensowenig könne es ihm etwas helfen, es anerkannt zu sehen, oder nicht, denn es bestehe in sich selber, und werde bestehen, so wahr er überhaupt etwa so glücklich gewesen sei, seiner teilhaftig zu werden. Und hier, da es an allen weitern Akten und Mitteilungen fehlt, müssen wir überhaupt die innere Geschichte unseres Freundes, soweit sie diejenige seines Herzens ist, verlassen, als von der wir ohnehin nur Fragmente liefern konnten. Bloß äußere Beobachtung blieb denen übrig, die sich ferner um ihn interessierten. Man sah in großen Kämpfen mit einer verworrenen Umgebung, ihn, niemand zur Hülfe, allemal bis zum Siege beharren; dagegen sah man ihn nicht achten, und sogar verachten, was Tausenden genug gewesen wäre, nicht zu beharren, – und man begriff ihn auch nicht. Endlich ließ er sich förmlich trauen, und seine Gattin soll erst wenige Wochen zuvor erfahren haben, was einst bereits bei ihrem ersten Anblick schon sein erster Gedanke und eiserner Vorsatz war, – und dieses begriff man vollends nicht. Sein treuer Freund war der einzige, der, aus der Ferne noch, dem neuen Paare ein Hochzeitgeschenk sandte, und nichts wünschte er so sehr, als diesen noch einmal zu sehen: sie wollten sich ihre Kinder zeigen. Zweierlei hatte ihn beim Trauungsakte vorzüglich affiziert. Das eine war der Augenblick, wo ihnen der Priester die Hände auflegte. In diesem Augenblicke sei es gewesen, als habe der Himmel sich erschlossen, und die Zeit die Tore aufgetan; als sei erschienen , den er gesucht, wenn er die ›Urkunde‹ befragt; von diesem Augenblicke an erst sei er bestätigt worden, von diesem an erst wisse er, daß er es bleiben werde. Wie ein Metall, das lange auf der Kapelle gestanden, doch endlich, und nun schnell, zur Klarheit komme, so habe auch er den Blick nicht ertragen können, der wie ein Blitz sein Innerstes durchfahren habe. Seine Klarheit aber sei mit ihm vermählt geblieben, und er habe empfunden, daß der Welterlöser sein Werk verrichtet. – Das zweite, was aber einen ganz andern Eindruck machte, und dem er erst den Tag darauf die Äußerung erlaubte, war die, freilich etwas sonderbare, Klausel, die der gute Priester, ohne zu stottern, aus seinem Formular in geradem Zuge mit ablas, wo er an die Stelle kam: ›Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.‹ Die letzte Zeile nämlich hieß bei ihm: – »soll der Mensch, ›es sei denn aus wichtigen Gründen‹, nicht scheiden.« – Als ob es Fälle gäbe, wo der Mensch gescheuter sein solle, als Gott, meinte unser Freund. Die Schlange selber habe doch nur versichert, daß man höchstens ebenso klug werden könne, als Er. Er war entsetzlich böse, und verfluchte die neue Aufklärung; es war das einzige Mal, daß ich ihn fluchen hörte, er entschuldigte sich aber damit, daß Gott selbst einmal bei ähnlicher Gelegenheit geflucht habe. Gäste hatte er sich zu diesem Tage gar nicht gebeten, und überhaupt wußte noch den Mittag kein Mensch davon, was Nachmittag geschehen sollte. Er wollte diesen Tag mit seiner Frau am liebsten allein sein, und war dazu schon früher mit ihr aufs Land, in eine der schönsten Gegenden an der Saale, gegangen. Sein alter treuer Diener aber, der unterdes in der Stadt das Haus bewachte, hatte, völlig gegen seine sonstige Gewohnheit, an diesem Tage weder Ruhe noch Rast; es › müsse was mit seinem Herrn passieren‹ – und mich machte er gleichfalls bedenklich. Wir und ihr Hauswirt waren die einzigen, die sie zur Kirche begleiten durften. Es war ein ungemein schöner Sommersonntag; erst als sie in der Kirche waren, wußte das Dorf, schon lange gespannt, was geschehe. Einem Triumphzug gleich nunmehr des neuen Paares Rückfahrt nach ihrer Wohnung; an der Brücke empfing sie Musik, Kinder streuten Blumen, und brachten Früchte ins Haus; – und der Zolleinnehmer forderte den Brautzoll. Wie an diesem Tage habe ich unsern Freund nie wiedergesehen; er war nicht gerührt, – nicht entzückt, – aber tief bewegt, und still, und heiter. Seine Frau schwieg, küßte ihn, und weinte, aber bald erheiterte er auch sie. Abends, nachdem alles zur Ruhe, und nur noch der Mond sich über die Saale in seinem langen bewegten Strahl ins kleine Zimmer herüber spiegelte, hub unter den Fenstern, völlig ungedacht, ein uralter Mann mit kräftiger Stimme das Lied zu singen an: ›Mit Gott ist alles angefangen, mit Gott ist alles wohlgetan; etc.‹ Sie konnten der Träne nicht mehr gebieten, und baten uns, sie zu verlassen. Noch acht Tage wiederholte der brave Nachtwächter alle Abende sein vernehmliches Lied, – und unser Freund dankte Gott, daß er sich nicht in der Stadt hatte trauen lassen, wenigstens hätte er da schon keinen so guten Nachtwächter gefunden. Wahrlich auch! Wer damals näher um alle äußeren Verhältnisse unseres Freundes wußte, und unbefangen sie mit dem zusammenhielt, was man ihm dem ohngeachtet doch zutrauen konnte, dem wird der ganze beschriebene Tag sein Ende, und der ganze Eindruck desselben auf ihn, gewiß verzeihlich erscheinen, – wenn er auch keine Spur vom einstigen Verehrer des Don Quixote, und selbst noch vom Verfasser der oben mitgeteilten Briefe, mehr in ihm finden können sollte, – und vielleicht – nur um so eher. Den Verfasser der ›Nachtgedanken‹ aber wird man wiedererkennen. – In seinen Tagebüchern bemerkt man um diese Zeit keinen sonderlichen Stillstand, wohl aber einen besonderen Ernst und Bezug in der Wahl und Behandlung der Gegenstände, und eine deutliche Vorliebe zu sogenannt ganz allgemeinen, mehr kosmischen, oder vieles, zumal geschichtlich, umfassenden. Mehrere dieser Fragmente habe ich gar nicht aufnehmen mögen, da sie, so wie sie dastehn, allzu kühn und anstößig erscheinen würden, – vollends eines, das ganze wenige Wochen vor seine Verheiratung fällt, und nach welchem man es gradezu für unmöglich halten würde, daß ein Mann von solchen Überzeugungen je heiraten konnte. Es enthält die Skizze einer Geschichte der Liebe und des Verhältnisses beider Geschlechter zueinander von den ältesten Zeiten herauf, und gibt namentlich für unsere Tage ein Durchschnitt eine Armut und Zerrissenheit des letzteren, dagegen aber eine Schilderung des Ideals seines Bestandes und der dann ihm von selbst zukommenden Formen, die beide, auch vor den liberalsten Richtern, gleich wenig Gnade finden würden, so streng auch die Beweise dafür zu führen wären. Man sieht deutlich, daß er einen großen Kummer, der gerade diejenigen am meisten drückt, die eben zu seiner Erhebung am meisten Anlaß geben, und der gleichsam nur im Namen des ganzen Geschlechts, in seiner Geschichte, erhoben werden kann, auch als Person noch mit sich teilte, und sich erst nochmals mit dem notwendigen Gesetze jener abfinden wollte, bevor er einen, sonst ja absolut nur von ihm abhängenden, Schritt tat, auf den er zwar längst vorbereitet und den er längst gewollt, der ihm doch aber in jeder Hinsicht als der wichtigste im Leben erschien, und den er nicht ohne das vollste, umfassendste, Bewußtsein seiner wagen wollte, weil er ihn, nach seiner Gesinnung zu schließen, nie wieder würde zurückgenommen haben. Daß übrigens hier nicht so sehr von ›Essen und Trinken‹ die Rede dabei war, versteht sich wohl von selbst. Es war die Anerkennung einer mit höchster Notwendigkeit allmählig herbeigekommenen, Schwäche oder Lahmheit des Verhältnisses beider Geschlechter zueinander (und damit auch ihres Verkehrs mit der Natur – Gott), die gegenwärtig, bis in fernen Zeiten einst sie mit der nämlichen Notwendigkeit sich, und von selbst, wieder heben werde, durchaus keines andern, vor der allgemeinen Ordnung der Natur gültigen, interimistischen Äquivalents des einst bestandnen und einst wiederkehrenden Ideals von Stärke und Wahrheit desselben fähig sei, als jenes durch das Gesetz gegebenen, und eine bloße Abbreviatur vom Ganzen, Vollen, und Erfüllten, ausmachenden: – der Ehe . Der gültigste Beweis dafür wurde ihm der überall gleichzeitig gewesene Eintritt eines Gesetzes, was Religion , was einen Gott, befohl , mit dem der Ehe , – oder mehr die eigentlich unmittelbare Verbundenheit beider, so daß sie zusammen ein bloßes Doppelgesetz ausmachen. Schon dieses zeigte, daß ungeheuer viel fehlen mußte, damit die Ehe, oder auch die Liebe im reinem Sinne, ein Vollkommenes, in sich Ganzes sei. Überhaupt könne diese unter keiner Bedingung je ein solches in sich Ganzes werden, obschon ein solches an sich allerdings gedacht werden könne, und einmal auch ganz notwendig schon dagewesen sein müsse; seine Form indessen sei eine sehr viel andere, zwar auch jetzt noch gekannt, aber zu einer Zeit im Fortgange der Menschennatur gemißbraucht, wo sie das Unheiligste, Verwüstendste und im strengsten Sinne Widernatürlichste gebe, was bei menschlichen Verhältnissen möglich sei. Es schütze nicht, daß ihre Verehrer ein außerordentliches Wohlbefinden dabei vorgeben; dann erst werden sie es in die Länge rühmen können, wenn der Gott so gut dabei sei, als in der Ehe, und zwar noch inniger und wahrer, nämlich nicht mehr äußerlich, als Gegen stand, sondern innerlich, als Mit bestand. Wie aber ein Verwegener, und im Grunde vielleicht nicht mit allzuviel Unrecht, alle Laster als bloße zur Unzeit geübte Tugenden zu behaupten imstande sein könnte, so sei der Fall es auch hier; man fordre, was die Zeit noch nicht leiste (oder auch nicht mehr , – denn alles, wer da war , kommt einmal wieder , – und eine echte Säkulargleichung gibt es in der höhern Menschengeschichte ebensowenig, als in der höhern Astronomie –), wozu es also in der Tat Unzeit sei; allerdings vermöge dies eine Art von äußerst reizendem Vorgeschmack zu geben, – (man könnte sagen: wenn das Falsche schon so ist, wie muß erst das Wahre sein?), indem man aber nie gesättigt werde, weil man im Grunde noch gar nichts genossen habe, bleibe hinterher zur Strafe ebensowenig zurück, als je dagewesen sei, das ist nichts , und nicht einmal man selbst ; man habe sich also durch das zu frühe Gelüst um alles gebracht, sowohl um die Frucht, als um den Genießer. Wogegen man im gesetzlichen Verhältnis, und seiner Bewahrung, beider sicher bleibe, und wenigstens versprochen behalte, was man gern entbehrte, solange man es zu einer Zeit genossen hätte, wo es noch Gift war; – wie ja schon der gewöhnlichen Früchte mancherlei die Eigenschaft haben, unzeitig giftig, und erst völlig zeitig nährend, zu sein. – Außerordentlich bedeutend sei bereits jenes schreckliche körperliche Übel, welches so leicht schon früh die auch den Rohesten noch fühlbar peinigende Strafe jener unglücklichen Antizipation werde, und welches seinen Ursprung einst ganz sicher nur aus dem allmähligen Unnatürlichwerden einer früher allerdings natürlich gültigen, aber, wohl zu merken, dazu auch von der Natur selbst noch mit Kraft und Gehalt erfüllt gewesen, organischeren Form des allgemeinen Geschlechtsverkehrs gehabt haben könne; – welche Betrachtung übrigens, wenn man sie weiter fortsetze, zugleich die einzig möglich wahre Konstruktion und Bedeutung dieses fürchterlichsten aller Gifte gewähre, die durch dasselbe hervorgebrachte Krankheit zu der wichtigsten und ersten aller körperlichen erhebe, und es wahrscheinlich mache, daß alle übrigen Krankheitsgifte zuletzt bloße Abkömmlinge und Modifikationen dieses ersten Einen sein. – Schon gesund zu bleiben, also, werde unwillkürlich dem Schwächern kein ganz überflüssiger Hülfsgrund, verlassen von der Natur am Gesetze zu halten, was nun freilich ihn selbst noch wenig fördre, indessen doch schon in die Anstalt der Natur mit gehöre, äußres gutes Beispiel zu vermehren; erst der aber werde sich wahre Gesundheit jeder Art und Ranges, des Körpers, wie des Kopfes und des Herzens, sichern, der dem Gesetz sich nirgends mehr aus Furcht , sondern aus innerstem Glauben , und damit eigner natürlicher Neigung dazu, füge, welche beide der völlig Besonnene allemal bei sich schon vorfinden, und um so lieber ihnen bleiben werde, als er sehr bald erfahre, wie unendlich Liebe von Treue übertroffen werde, und wie göttlich die Wiedergeburt und das völlig neue Leben sei, zu welcher durch diese dann auch jene wieder gelange. Mit nichts Besserem von dieser Welt lasse sich der auf der Stelle erfolgende Segen davon vergleichen, als mit der gewissen Zuversicht eines heitern und glücklichen Alters , während der Verächter desselben nur Tage voraussehe, die er fürchten müsse, nicht einmal mehr verfluchen zu können, sondern, wenn es noch sehr gut werde, in Verzweiflung, gewöhnlicher aber in bloßer trockener Verkümmerung, dahin zu bringen, bis der Augenblick dennoch komme, wo er, aller früheren Gegenanstalten ohngeachtet, doch noch einmal vor sich zurückgerufen werde, um kurzer ›Lust‹ Erinnerung fortan als ewige Last zu tragen. – Als Mensch indessen solle keiner sich zum absoluten Richter anderer, wie weit sie dem Gesetz gehören, und es halten, aufwerfen wollen; nichts sei so schwer, als hier der Sicherheit gewiß zu sein. Wohl könne man das System der möglichen Fälle , das Differentiat der Geschichte zu Hülfe, konstruktionsweise – der Natur gleichsam nach: – entwickeln, aber diese Natur pflege, ihres ewigen Wechsels ungeachtet, doch nie bis zu wirklichen Extremen zu gehen, vielmehr sei in allem Schwanken bloß ein relatives Übergewicht dieses oder jenes Pols .... zu bemerken, und zu jeder Zeit, in jedem Augenblicke, bleibe das System der unendlichen Formen ein Ganzes, alle Begreifendes, bloß zur einen Zeit diese, zur andern jene, hervorhebend, – und selbst dieses nur ›örtlich‹, denn zuletzt sei gar kein Wechsel in ihr, bloß in den Teilen. Auch projiziere sie anders, als wir, und ihre ›Geographie‹ sei von der unsern oft sehr verschieden. Richter also bleibe bloß jedem ›er selbst‹ , und glücklich sei, wer früher, als ihn Zwang dazu getrieben, es schon gewesen sei. – – Doch, wozu weiter, da schon dieses übrig genug, die Sorge oben, aus der ich sagte, daß ich mehrere Fragmente ähnlichen Inhalts absichtlich weggelassen hätte, zu rechtfertigen, und, in solcher Kürze, und unvollkommener Erörterung der Prämissen, ich ohnedem schwerlich schon verstanden, eher mißverstanden, werden würde (ja, selbst noch mißverstehen könnte), obgleich unser Freund, bloß sich selbst zum Notat, noch viel kürzer schrieb. – Über die im folgenden wirklich mitgeteilten Fragmente habe ich nun noch einige Worte zu sagen. In den Papieren des Verfassers folgten sie sich gewöhnlich in der buntesten Reihe, und zuweilen schien es, als habe er an einem Tage die ganze Schöpfung bedenken wollen, und keinesweges nach der Ordnung, sondern wie es ihm eben ein -, oder die Gegenstände in der Natur, selbst durcheinander liegend, ihm, menschlicherweise, eben auf -fielen; selbst Possen kamen mitunter vor, die indes bloß die Stelle von Punkt und Komma vertreten zu wollen schienen. Manchen Tag muß die Feder ihm gar nicht aus der Hand gekommen sein, denn vier und fünf, ja bis sieben Bogen, finde ich zuweilen an einem geschrieben, – die ich nun freilich nicht alle aufnehmen konnte. Es wird überhaupt bloß der fünfzehnte oder auch nur der zwanzigste Teil des gesamten vorgefundenen Vorrats sein, den ich hier mitteile, und ich muß gestehen, daß ich bei der Auswahl eben nicht sehr strenge war, und manche Fragmente aufnahm – ich weiß selbst nicht, warum. Nur um Ähnliches und Verwandtes etwas zusammenzubringen, habe ich alle 700 Fragmente unter 15 Abteilungen gebracht, aber auch diese Scheidung ist keinesweges scharf, und war auch so nicht möglich, da ein Fragment oft in die Gegenstände mehrerer Abteilungen überschweift, zerrissen aber der Zusammenhang verlorengegangen wäre. Am mindsten scharf sind die Grenzen der vorletzten Abteilung gehalten, und manchmal kann es wohl kommen, daß man dort manche Nachbarschaft ganz unverständlich findet; man verliert aber damit nicht viel; es kommt im Grunde bloß daher, daß ich nicht noch mehr Abteilungen machen wollte. Aber, manche Fragmente selbst wird man nicht verstehen. Mit mehrern ist es mir selbst so gegangen. Nicht, als ob Zusammenhang darin fehlt, sondern, um des Gegenstandes, und der Höhe und Art seiner Ansicht wegen. Auch kamen Worte und Ausdrücke darin vor, die ich weder bei Gehler , noch Fischer , zu finden imstande war. Aber gleich vor- und nach her standen oft wieder verwandt, die vollkommen klar waren, und so dachte ich, müßten es ihm wohl auch jene in der Mitte gewesen sein, und ich befände mich nur gerade nicht auf der Höhe der Prämissen, und in der sie von selbst herbeibringenden Stimmung des Gemütes, auf und in welcher der Verfasser war, als er sie schrieb. Mehrere zum Beispiel werden sicher nur, wenn man verliebt ist, andere, wenn man liebt, verstanden, andere bei der höchsten, einfachsten Naturandacht, wieder andere, wenn man eben, wie man spricht, philosophiert, usw. Von manchen sehr langen der einen oder andern Art lieferte ich auch nur Teile, Proben gleichsam. Dagegen habe ich wieder viele weggelassen, die zu verständlich, oder deren Gegenstände schon zu gemein geworden waren. Denn man kann denken, daß die eben kurrenten Gegenstände der praktischen Physik häufig am meisten, oder doch am umständlichsten, bedacht waren. Hier würde es öfters vorkommen, als bekäme man Abhandlungen wieder zu lesen, die man schon längst einmal gelesen hätte, und ohngeachtet überall noch Punkte, Rücksichten, darin vorkamen, die bis jetzt noch nicht beachtet waren, so sind sie doch mit dem anderen zu verwoben, und sie herausheben mochte ich darum nicht, weil ich diesmal schlechterdings kein Wort anders geben wollte, als wie es beim Verfasser geschrieben stand. Denn – der ganzen Sammlung gegenwärtiger Fragmente sollte auf das sorgfältigste eine Eigenschaft erhalten werden, die sie von vielen ähnlichen ins Publikum gekommenen unterscheiden wird. Kein Wort derselben war mit Bestimmung für den Druck verfaßt, oder für irgendeine einstige allgemeinere Mitteilung. Alles sind schlechterdings nur Privatstudien und Notate, einzig wie sie dem Verfasser selbst genügten, selbst da noch, wo sie in Briefen vorkommen. Er selbst auch hatte häufig nicht einmal den Zweck dabei, sie geschrieben zu haben; in den meisten Fällen kamen sie auf ein bloßes Denken auf dem Papiere zurück, was immer zu größerer Klarheit der Idee, ihrer Förderung und ihrer Durchführung, verhelfe, als das im bloßen Kopfe; auch fixiere das Resultat sich so besser, indem man es so wenigstens dreimal nacheinander vor sich bekomme. Selten las er daher auch solche Ausarbeitungen einst wieder nach, schon, weil er es nicht nötig hatte. Oft kam es ihm auch gar nicht auf das Resultat , sondern auf die bloße Übung in der Methode, es zu erhalten, an, denn nur letztere bereichere wahrhaft, vollends den Physiker. Es komme dann nur auf die gute Gelegenheit an, und jeden Augenblick entwickele sich das ganze System unseres Erfahrungsbesitzes wieder von selbst, und ohne eine Vorbereitung dazu, stehe wieder neu vor uns, und nicht einmal, ohne seine Entwickelung fortzusetzen. Man konnte ihn daher auch zuweilen in Stunden treffen, wo er fast nichts von dem, worüber man mit ihm sprechen wollte, gegenwärtig hatte, vielmehr ganz dumm schien, besonders, wenn der Frager recht konfus im Detail herumsprang, und um das Allgemeine sich gar nicht kümmerte. Sollte aber unter einer eigentlichen Bedeutung davon die Rede sein, so fehlte er nie; mit Blitzesschnelle stand das ganze hierhergehörige Gebiet da vor ihm und dem Freunde, und fand ebensoschnell gleich weiter, was zu ihm gehöre – vermöge reiner Forderung durch das Prinzip, die Grundgleichung, des Ganzen. Auf diese Art hatte er ein sehr glückliches Gedächtnis, einzelne Raritäten aber, vollends falsche Fakten, oder überhaupt, wo kein Zusammenhang darin war, zum Beispiel Zeitungsartikel, blieben ihm äußerst schwer. – Andere Fragmente waren schon mehr für ein einstiges Wiedernachsehen geschrieben, besonders, wo das Resultat sehr komponiert war, und ihm Mühe gemacht hatte, oder, wo zu viel Benanntes darin vorkam. Weiter aber ging ihre Bestimmung durchaus nicht, und meist war auch diese noch eine überflüssige für ihn geworden. Der Leser findet sich also mit diesen Fragmenten durchaus in die geheimere Werkstätte des Physikers geführt, – und kann da Dinge vorgegangen sehen, die ungemein menschlich sind, bei denen allen es doch aber schon von selbst ehrlicher gemeint sein mußte, als so leicht es gemeint ist, wenn man bloß für das Publikum , also öffentlich , arbeitet. Denn so sieht also eigentlich niemand zu, als, wenn es erlaubt ist, ihn zu nennen, der liebe Gott, oder, ist's anständiger, die Natur. Andere ›Zuschauer‹ haben noch nirgends viel getaugt, und auch ich habe mit vielen andern empfunden, daß es Werke und Gegenstände gibt, die nicht gelungener ausgeführt werden, als wenn man tut, als schreibe man für gar niemand , auch nicht einmal für sich selber , sondern eben für den Gegenstand selbst . Sobald man mit ihm, daß er sich sehen lassen könne, erst zum Schneider oder zum Friseur muß, bleibt er gewiß nicht mehr recht, wie er war; besonders sind jetzt die Titusköpfe sehr Mode in der Physik, und Simsons Schicksal ist ganz vergessen. Ich hoffe, daß unter unserer Sammlung wenig solche Titusköpfe zu finden sein werden. – Unter die Menschlichkeiten , von denen ich sprach, gehört zum Beispiel, daß mehrere Fragmente vorkommen werden, die einander sich widersprechen ; andere, wo erst während ihrem Verlaufe die Idee klarer wird, und sich oft mühsam durchzuwinden hat, und unterwegens nach dieser und jener Richtung abgleiten will, ehe sie zuletzt völlig erfaßt und festgehalten ist; einige Male fängt sogar eine falsche Annahme an, durchgeführt zu werden, zerstört sich aber nach und nach durch sich selbst, und das ganz Entgegengesetzte vom Anfang ist das Resultat des Endes. Letzteres ist dann das Allermenschlichste, weil man im Leben allaugenblicklich dergleichen trifft, und noch bei Elektrizitäts- und Magnetismus-Erregung der Prozeß mit dem Umgekehrten von dem anfängt, womit er endet; vielleicht aber läßt man es eben darum hingehen, – weil, so, ein allgemeines Naturgesetz dahinter sein muß. Möge aber nur jeder Forscher so bemüht sein, wie unser Verfasser, nicht zu ruhen, bis geendet ist, und so wird seine bisweilige Geschichte noch als Beispiel nützlich werden können, wie man das anzufangen hat. – Manchmal schrieb er auch ohne alle Rücksicht und Vorsatz, fast bloß wie zur Andacht, zur Erbauung, oder zum Zeitvertreib; diese Fragmente könnten dann etwa ›Sonntagskinder‹ heißen. Andere wieder habe ich bloß stehen lassen, weil sie zeigen, wie früh der Verfasser an nachher allgemein zur Sprache gekommene Gegenstände dachte, und wie er ihre Untersuchung entwarf; diese sind dem Historikus und dem Praktikus interessant. – Dann habe ich auch falsche Fragmente noch stehen lassen, zu denen gar keine Korrektur mehr vorkommt, vermutlich, weil der Verfasser nicht alles schrieb (oder auch, ich nicht alles zu lesen bekam), abgesehen davon, daß er auch die Feder nicht allemal bei sich haben konnte, zum Beispiel im Bette. Mitunter ist, außer dem Falschen, sogar etwas recht Ordinäres über den Gegenstand gesagt; aber ich ging hier nach meiner eigenen Erfahrung, daß einem recht schlechte Bücher über wichtige Gegenstände (und wie ich selber manchmal geschrieben), zu einer viel fruchtbareren Lektüre werden können, als die man in der Regel recht gute nennt. Hier ist man viel mehr in Gefahr, getäuscht zu werden, als dort, und wenns nicht anders ist, so ist's aus Bosheit , daß man oft einen gescheuteren Gedanken bekommt, als den man irgendwo gefunden hätte, und der Vorteil, auf den freilich viel ankommt, noch der, daß man ihn selbst gehabt hat. Das Katheder gibt die beste Erläuterung hierzu; der Professor muß , – es hilft nichts und ist absolut seine Schuldigkeit, – ein System vortragen, wo doch noch keines ist (weil sonst die Welt , und also auch der Professor , bereits zugrunde wären). Der junge Mann, der ein System wohl besser beurteilen kann, als sein älterer Professor, hätte er auch in seinem Leben noch von keinem gehört, merkt gleich, daß dieses nicht wahr sein könne, aber der Begriff von einem überhaupt ist ihm doch nun geweckt, und er selbst wird tätig. Je schlechter übrigens das vorgetragene System, desto nützlicher wird es dann sein; › gute ‹ haben noch immer mehr Leute verdorben; sie lernen es, und gehn nicht von der Stelle, lieber bekommen sie das Ringeldrehen. Exempla sunt odiosa . Von den strengern Wissenschaften aber behaupten sie, die sie lehren, ohnedem, sie können nicht gelehrt werden. Was die Fragmente des fünfzehnten Abschnitts betrifft, so würden viele meinen können, diese hätten nun wohl lieber ganz wegbleiben können; zumal sie einen Teil derselben schon im Morgenblatte gelesen, ich glaube, unter der Aufschrift: Funken , und daran bereits genug hätten. Auch viele aus den vorletzten Abschnitten schon hätten besser wegbleiben können; man sähe nicht ein, was sie unter und hinter so vielen ganz andern sollten. Das letztere lasse ich, ohne ein Wort zu sagen; sie sind einmal gedruckt, und können nicht wieder herausgedruckt werden; schneide man also heraus, was nicht gefällt oder stößt. Am Morgenblatte war unser Verfasser ganz und gar nicht schuld. Jemand hatte ihn einmal gebeten, sich einige dieser Fragmente, bloß um sie zu haben, abschreiben zu dürfen, und er erlaubte es ihm; dieser aber war nun gleich, schneller als einst der berühmte Hirsenbrei ging, damit ins Morgenblatt gelaufen, ohne ihm ein Wort zu sagen. Glücklicherweise erfuhr er nie etwas davon, und jener verriet es auch nicht weiter; er hatte dieses Blatt nie gelesen, und kannte es so wenig, daß er es einmal sogar für eine Literaturzeitung hielt. Überhaupt las er des Morgens wenig, und Literarzeitungen schon gar nicht. – Sonst kann man ziemlich die ganzen Fragmente der letzten Abteilung etwa ansehen, wie jene kleinen Bilderchen, die die Leute beim Bibellesen gebrauchen, sich die Evangelien und andere schönen Stellen damit zu zeichnen oder auch nicht, und wie ich auch in der meinigen habe. Zum Herausschneiden habe ich ohnehin schon geraten; man tue es also, und brauche auch jene Bilderchen so. – Daß diese Vergleichung übrigens passend sei, kann ich unter andern noch damit belegen, daß in den Tagebüchern des Verfassers die scherzendsten und ausgelassensten, oder auch barocksten und spottendsten, in der Regel gerade gleich nach recht ernsten und feierlichen Betrachtungen vorkommen, und die dann auf der Stelle wieder fortfahren, sobald der Spaß nur erst dasteht; oft hat er ordentlich gar nicht warten können, bis auch nur der Periode erst ausgeschrieben war, sondern man sieht deutlich, wie er abgesetzt, um auf dem Rande dem närrischen Einfall nur geschwind den Dienst zu tun, und er dann nun jenen erst vollendet hat, ohne daß jedoch die mindeste Störung im vorigen Ideengange selbst zu bemerken wäre. Ich habe bei weitem nicht alles dieser drolligen Art aufgenommen; oft hätte ich es geradezu mit den Aufsätzen vor und hinter selbst geben müssen, damit es ganz den Verstand und Unverstand gehabt hätte, wie dort; bloß von dem, was ganz für sich bestehen konnte, habe ich etliches herübergenommen. – Unser Freund klagte mir mehrmals, wie beim ernstesten Studieren ihn dergleichen necke, und auch nicht Ruhe werde, bevor er dem Schalk den Willen nicht freigegeben hätte. Zuweilen müsse er sich zusammennehmen, um nicht durch ihn ganz aus dem Gleise zu kommen, und dazu hätte er kein besseres Mittel gefunden, als nur geschwind den Schwank bis zur Vollendung und höchsten Lebendigkeit auszudenken; außerdem necke er kontinuierlich ohngefähr ebenso fort, als jenen Kantor der gotteslästerliche Streich des Chorbubens rechts neben ihm, der, als jener, im Glauben an die Strophe kam: ›Die ganze Christenheit auf Erden ‹, ihm vorsang: ›D.g. Christ, zu Pferde ‹, so, daß dieser vor der ganzen Gemeinde in lautes Gelächter ausbrach, und sich jeden Sonntag vertreten lassen mußte, wenn es an diesen so feierlichen Lobgesang kam; er hätte seine Stelle verloren, wenn der Pastor nicht gewesen wäre. Das Ganze, meinte unser N., müsse sich ziemlich auf das reduzieren, was in dem Sprichwort großes liege: ›Wenn die Katze nicht zu Hause ist, haben die Mäuse frei Tanzen‹, denn bei so recht ordinär verständigen Unterhaltungen und Arbeiten komme ihm dergleichen niemals vor; sondern allemal erst, wenn er einige Zeit in tieferen Betrachtungen fortgefahren habe. Am meisten plagte es ihn in der früheren Zeit, späterhin aber verlor es sich, und besonders vom Jahre 1803 an kommt wenig dergleichen mehr in seinen Diarien vor, oder wenn ja noch, anders. Er sagte, er sei es ziemlich in dem Grade losgeworden, als er in der Fertigkeit, das Lachen zurückzuhalten, weitergekommen sei, und wirklich konnte sich ihm später das absolut Lächerlichste, – etwa, was Lichtenberg so fand, – darbieten, ohne daß er gelacht hätte, wenn er nicht wollte. Er war froh darüber, und hatte Gelegenheit, großen Nutzen daraus zu ziehen, oder wenigstens doch großen Schaden zu verhüten. Es wird auffallen, daß aus den letzten drei oder vier Jahren so wenig Fragmente in dieser Sammlung sind. Es ist nicht, weil seine Papiere um diese Zeit leerer gewesen wären, statt Fragmente aber fanden sich wahre Abhandlungen vor. Er selbst arbeitete strenger aus, – und wenn die gegenwärtige Sammlung gefällt, so bin ich erbötig, auch diese größern Aufsätze zu liefern. Daß sie belehren und nützen können, kann ich versichern; es kommt bloß darauf an, ob man mit der Manier des Verfassers zufrieden ist. Auch aus den frühern Zeiten kann ich dann noch in besonderen Abschnitten vieles folgen lassen, und wohl noch zehn Jahre wäre ich imstande, jährlich ein Büchelchen, ohngefähr wie gegenwärtiges, zu liefern. Einen andern besondern Abschnitt würde ich dann bestimmen, die dunkler gebliebenen und doch wichtigen Stellen des Verfassers aufzuhellen, denn fast könnte man sagen, so viel Fragmente, so viel Themata zu ganzen Abhandlungen, oft Predigten, seien es auch. Ich war mit seiner ganzen Gesinnungsart vertraut, bin selbst gewissermaßen nur ein Sprosse von ihm, und glaube mich hie und da imstande, ihn seiner würdig fortzusetzen. Hätte ich Ihn nicht gefunden, so wäre ich vielleicht heute noch, was ich Ostern 1796 noch war: Astronom und Apothekergeselle. Hätte Er mich nicht begleitet, und ich würde die rauhen Pfade durch ein mannichfach beschwertes Leben nicht bestanden haben, an deren Ende ich mich noch nicht befinde. Ihm verdanke ich ein Glück und einen Besitz im Innern, um die mich wenige beneiden, und die mir wenige stören können. Sie werden mir bleiben, und nie wird man sie nach dem, was äußerlich gleichzeitig ist, schätzen können. Vergönne man mir also, dankbar zu sein, und die Früchte zur Reife zu fördern, deren Samen, noch von Ihm gesäet, ich verwahre; ich habe gesehen, daß einige nicht jeder Garten trägt. – Doch, ich habe nun lange genug zu denen gesprochen, für die die ganze folgende Sammlung von Fragmenten wohl zunächst am wenigsten bestimmt sein konnte, – denn nie doch würde ich genug mit ihnen sprechen können, um sie mit einem so wunderlichen Menschen, wie unserm Verfasser, auszusöhnen. Man wird es sehen. Sie werden ihn tadeln, vorn und hinten werden sie an ihm auszusetzen haben, und ich selbst werde einen sehr dummen Streich begangen haben, daß ich nicht wenigstens sehr viel strenger bei der Auswahl der Fragmente war, – und diese Vorrede wird nun vollends der dümmste sein. Allen aber konnte ich es nicht recht machen, – damit sie aber doch zu einem Teile für ihre Langeweile und den Verdruß dabei entschädiget sind, gebe ich noch einen längern Aufsatz, oder, wenn man will, eine ganze Reihe von Fragmenten, – der oder die etliche Extravaganzen in der Mitte abgerechnet, gewiß manches Gescheute enthält, was einleuchten kann, wenn anders vieles nicht zu kurz gesagt, und, was die ewige Klage sein wird, die Prämissen nicht zu unvollständig aufgeführt sind; indessen schrieb er ja nur immer für sich . Der Aufsatz selbst entstand auf Anlaß der Oerstedschen Tonabhandlung in Gehlens Journal, B. VIII. H. 2., und wird sich hinten am Ende, unter der Überschrift: Anhang , finden. Er kann zugleich ein Bild von der Ordnung geben, in welcher überhaupt in seinen Papieren die Fragmente sich folgten, wiewohl er diesmal nur in der Sphäre desselben Gegenstandes bald hier, bald dort, war. Das zu Spezielle habe ich ausgelassen. Er ist noch im März d. J. geschrieben, und zusammen binnen sechs Tagen. Erst vor kurzem bekam ich ihn und andere spätere Aufsätze in meine Hände, sonst hätte ich ihn gleich den übrigen Fragmenten, die sich auf Ton und Schrift beziehen, folgen lassen; auch zog ich ihn verschiednen andern vor, da auch der Verfasser, obgleich nie selber Musikant, mit großer Liebe an Schrift und Ton hing, und auch verschiedene darin aufgestellte Ansichten sogleich einer weiteren Ausführung und Verwendung fähig sind. – Und so fahrt nun alle darüber, – und über das ganze liebe Buch selber, – her: – vor allem aber ihr , ihr Guten! denen etwa gerade einmal der Stoff ganz ausgegangen , und die ihr doch ohnmöglich stillesitzen könnt! – Hier findet ihr desselben die Hülle und die Fülle , – zur beliebigsten Auswahl , – und ihr dürft es halbweg klug anfangen, so merkt kein Mensch, daß es euch einmal wo fehlte. Nur verdreht mir nichts: dies einzige bitte ich euch! – wüßte ich nicht, wie ihr mir's schon gemacht: wahrlich, ich wollte so nicht sagen. Nehmt nichts übel, und – lebt wohl! –   Aber zu euch, Edle, Freie meiner Nation, zu euch, zu denen die Rede sich schon etliche Male erheben wollte, doch, wie ihr saht, beständig wieder zurückgefordert wurde, sei mir jetzt noch ein kurzes, und nun ruhiges, Wort erlaubt. Euch habe ich dies Buch und den Verfasser anders vorzuführen, als denen, die nun weg sind, und mir vielen Kummer seinetwegen machten; euch aber zeige ich ihn, wie er war . Auch er war ein Deutscher . – Seht ein tiefes weiches Gemüt, bis weit noch in die Jahre des Jünglings herauf vor sich verschlossen geblieben, dann plötzlich sich öffnen, und von nun an mit der erdenklichsten Redlichkeit ununterbrochen nach einem Ganzen von Erkenntnis und Wahrheit ringen, dem kein kleinstes Glied fehle; seht es in schweren Kämpfen gegen seine eigne Unbehülflichkeit und Trägheit nicht ruhen, bis es sie besiegt, während es nach immer mehrern Seiten hin sich zu öffnen und offen zu erhalten in beständiger Sorge bleibt; seht es mit Kühnheit, die an Verwegenheit grenzt, entgegengehen, wo nur eigene Erfahrung Aufschlüsse geben kann, und es keine Gefahr für so groß achten, daß es nicht unversehrt, und der Beute allemal sicher, aus ihr zurückzukehren vermöge, eben weil es selbst sich in dieselbe begab. Bemerkt, in welchen fürchterlichen Stürmen einer rauhen von fast allen Seiten widrigen Umgebung es dennoch stand, und sich Fragen beantwortete, die schwerlich noch oft wieder so beantwortet werden, schon weil die Umstände selten so wiederkehren können, und es mit Vor bewußtsein der Folgen war, daß es ihnen, und aus eigener Bewegung, sich aussetzte. Gewahrt die fast nicht einmal wankend gewordene Überzeugung, einst doch glorreich am Ziele anzulangen, indessen viele Wege länger wurden, als sie anfangs schienen, das Ende einiger aber dennoch erreichen – freilich wie erste Nationen gleichsam nur. Seht Ihn beständig die im Tiefsten seines Wesens ihm entstandene Versicherung zum Grunde legen, daß nur ein völlig naturgerecht und frei entwickeltes Leben das zuverlässigste und allein ganz glückliche Organ zur Erfassung und Begreifung der Natur in jeder ihrer Größe sei, und daher keine Verbitterung und Verkümmerung achten, die man dem ersten, oft unwillkürlich und aus fast guter Meinung, bereitete, im Gegenteile als recht von ihm erfundne und somit fest gehaltene Beschlüsse dafür, mit einer Beharrlichkeit und Notwendigkeit behaupten und realisieren, die, da, aus bloßer Widersetzlichkeit zu handeln, ihm nie lohnen konnte, sich einzig aus dem Rang der Quelle , aus welcher sie ihm wurden, erklären lassen kann. Aber – seht dies ganze, an sich zwar höchst einfache, dennoch aber außerordentlich vielgliedrige Streben, von Zeit zu Zeit doch aufgehalten, ja hier und da zuweilen es sogar zurückgedrängt . Fast rühren kann es euch, wenn ihr die Sammlung der folgenden Fragmente durchgeht und findet, wie verschiedene Male er wieder auf eine niederere, beschränktere, Ansicht dieses oder jenes Gegenstandes, als der früheren, dieser wie vergessen, zurückkommt, und erst später wieder sich hebt, und er sie nun erst wie zum zweiten Male entdecken muß; seid dann allemal sicher, daß schwere, seinem Streben völlig fremde von ihm nicht verdiente, Kämpfe inzwischen vorfielen, die den Kämpfer, obschon Sieger, dennoch matt und der Erholung bedürftig zurücklassen mußten, wenngleich er nach und nach zu einer bedeutenden Fertigkeit gelangte, sie den Augenblick vergessen zu haben, daß sie vorüber waren. Ihr habt gesehen, wie er, nach mehr Kummer, als vorhin die Gesellschaft zu billigen imstande gewesen wäre, endlich dahin kam, dem Leben die letzte Versöhnung mit ihm und für immer abzugewinnen, und ungemein segenreich wirkte sie auf ihn zurück. Als Gatte und Vater , in der Familie erst, behauptete er mehrmals, für die Natur und ihre Wissenschaft sich vollkommen integriert zu fühlen, und versprach sich nun von Stund an ein völlig neues Leben für sie. Selbst die Ehe als solche war ihm in einem Sinne heilig dafür, mit dem wenige vertraut sein mögen; noch in der letzten Zeit schrieb er an einen ihm sehr verehrungswürdigen Mann, gegen welchen er gern offner war, wenn dieser Zeit dazu hatte: – ›daß mit ihr sich uns auch zu der Wissenschaft , und damit der Natur selbst , ein echt eheliches Verhältnis, statt jedes frühern (andern) leichtern , ja fast liederlichen , ergebe‹, – und vielleicht ist die hiermit gewollte, große, den höhern Geschichtsordner der Wissenschaft ungemein orientierende, und ihm oft seltene Überraschungen gewährende, Wahrheit in diesen paar Zeilen nicht jedem unverständlich ausgedrückt, – besonders, wenn man, was ich schon oben aus den Papieren unsers Verfassers über die Ehe unvollkommen wiedergab, dazunehmen, und es für diesen Bezug in noch besondre Übersetzung nehmen will, – als was ihn dann zusammen gewiß zu sehr ernsthaften und höchst beachtungswürdigen Betrachtungen führen wird. – Alles also versprach von da sich unser Verfasser, und einer Vollständigkeit seiner, die er früher selbst so nicht geahnet hatte, war er nun gewiß; aber noch verließen ihn die Kämpfe des äußern Lebens nicht, und sogar neue, eigner Art, gesellten sich hinzu, – an welchen letztern freilich auch bloß das veränderte Klima schon mit teilhaben mochte. Er war oft außerordentlich niedergedrückt, sich so von allen Seiten, deren Besorgung von ihm abgehangen hatte, zur Fortarbeit am Werke seines Lebens gerüstet zu wissen, und dennoch nur so langsam und so bruchstückweise noch es wirklich fördern zu können. In der Tat unterwarf er, einzig dieserwegen , in der letzten Zeit noch einmal sein ganzes innres Leben und Streben einer strengen Prüfung, ob er da vielleicht den Grund entdecken, und ihn also heben, könne, aber – fand ihn nicht. Ich habe große Ursache zu glauben, daß er fortan an äußerste und neue Mittel dachte, ihn, der nun anderswo liegen mußte, zu beseitigen, und kühnere Aufopferungen dafür beschloß, als er je geübt, aber die Gelegenheit – brach ab für mich, ihn ferner darüber zu hören. An Intensität stand seine Tätigkeit für die Wissenschaft zwar der in frühern und den besten Zeiten nie nach; ich habe eine ungemeine Menge oft sehr ausgeführter Studien, noch aus den letzten drei und vier Jahren, in seinen Papieren vorgefunden, aber die ›Disjecti membra Poëtae‹ zu sammeln , sie nach jenem organischen Urgesetz, was noch kein Buch gelehrt, sondern das überall nur schaffend , im Werke selbst , sich offenbaren mag, und in dessen Besitz er so bestimmt sich wüßte, zu ordnen , sie zum einen ›Tempel mit dem Gott darin‹ aufzuerbauen: – dazu gebrach ihm die würdige Ruhe und Muße; – und auch konnte er sich nicht etwa überzeugen, daß, was er wolle, und wie , unterdes durch andere geschehe, – sosehr er auch verschiedne interessante Regungen in der neuern Zeit geschichtlich zu schätzen verstand; er kannte so ziemlich, was um ihn herum geschah, und würde dann gern den Verlust desselben für ihn selbst (– denn nur selbst Geschaffenes besitzt man –) ertragen haben, wenn er überzeugt gewesen wäre, daß es überhaupt da sei. Und so erhaltet ihr mit gegenwärtigem kleinen Buch, und seiner Geschichte, im Grunde nichts, – als zu den vielen alten, – ein neues Bild des gewöhnlichen Schicksals alles Größeren auf Erden, was der schwache Mensch, der einzelne, sich zwar zur Sache seines Lebens machen, aber, wenn nicht alles ihn unterstützt, doch nie vollenden, höchstens kaum anfangen kann, – nur etwa, daß das diesmalige von besonderem Interesse sein kann, denn die Vorbereitung zur Arbeit schien keine gemeine. Nichts weniger, als ein Ganzes, auch nur von niederem Grade, nicht einmal meist erste Anfänge dazu, kann dies Büchelchen euch gewähren, und soll es, – wie ihr wohl versteht, – auf keinen Fall auch nicht einmal. Nur wie eine unvollkommene und höchst unvollständige Sammlung der häufig schon halb wieder vertretenen Spuren, die ein nach vielen Richtungen beschäftigtes, und doch ewig dabei gestörtes und seitwärts abgezogenes, Gemüt, auf interessanten, oft ungewöhnlichen, Wegen hinterließ, soll es euch erscheinen, und öfters werden diese Wege selbst belehrender sein, als was auf ihnen, als Mark- oder Denkstein gleichsam, niederliegen blieb. Auch der Scherz , der oft nur diente, eine Träne , nicht vom Gegen- , sondern dem Ent gegenstand dem Herzen entpreßt, im geheim verschlucken zu helfen, werdet ihr jetzt anders nehmen, und ihn leiden, denn obschon der Deutsche nicht weint, so wird das doch nur von den äußerlichen Augen verlangt, und das Herz blutet ihm eher , als vielen um ihn. Was es aber, daß ich eine völlig treffende Beschreibung gebe, eigentlich ist, was ich euch hier biete, wüßte ich selbst nicht in der Kürze zu sagen ..... Was es euch werden wird, wird es sein, – und vielleicht darf diese Vorrede auch dazu genommen werden. So viel nun weiß ich, daß ich es euch schuldig war. Denn aus eurer Mitte sind diejenigen , und die vielen , gewesen, die, als den Verfasser noch niemand kannte, und wenn er von aller äußern Unterstützung verlassen war, sich seiner hülfreich annahmen, und die Förderer der ganzen glücklichern und fruchtbarern Seite seines Lebens wurden. Nicht allemal zwar gab er euch Rechenschaft von der Verwendung der von euch ihm dargebotenen Mittel, – schon darum aber, weil ihr ihrer nicht bedurftet; oft auch wollte er euch mit Überraschungen danken, vorzüglich einer, sicher allgemeinen; – aber ihr habt gesehn, was seine schönsten Wünsche kränkte. Keinen von euch hat er je vergessen gehabt; ich bin Zeuge, mit welcher Dankbarkeit er eurer erwähnte und euch nannte. Hattet ihr zuweilen geglaubt, er habe euch verlassen, so irrtet ihr; bloß dann ließ er euch allein, wenn er sah, daß ihr Geschäfte hattet. Aber er nahm seine Verpflichtungen gegen euch noch höher ; – er erklärte: die Nation sei seiner Tage Schöpfer gewesen. – Und in Wahrheit! Ihr werdet es verstehen, ihr! die ihr gewußt, daß seine frommen, rechtschaffenen Eltern, – echt deutschen Geblüts aus alter Zeit, – ihn einst bei seinem Eintritt in die Welt mit nichts, als ihrem Segen , begleiten konnten; daß er schon früh den liebsten Wünschen seiner Jugend durch die Fügung in eine völlig technische Laufbahn entsagen mußte, die ihn fünf beste Jahre seines Lebens kostete, und der er nur mit äußerster Verwegenheit sich wieder entwand; – und daß er hierauf untergegangen wäre, ohne euch zu finden; – aber er hatte auf euch gerechnet , und sich nicht getäuscht. Hätte die Welt bloß aus euch bestanden, und von einem Nachlaß seiner würden wir noch nicht zu sprechen haben. Er hatte seiner Nation und euch einen Dank bereitet, der beider und seiner würdig war; – aber für die reifsten Jahre hatte er sich ihn aufgehoben, und auch, ›wenn wieder Friede in die Welt gekommen sein werde‹. – Wohl sah er ein, daß – er – allein – des vorgenommenen Werkes nicht mächtig sei, so zwar, daß es in Wahrheit als ein allgemeines Gut betrachtet werden könne, was überall , als auch im besten Falle erst bloß angefangenes Werk, sein ferneres Gedeihen finde. Er hatte den Gedanken, – verzeiht ihm, wenn er kühn erscheint, – euch , – was ihr noch nie gewesen, – als Nation zur Pflege der Wissenschaft einzuladen – euch einzuladen, – als solche zu einem festen Verein für sie zusammenzutreten, – und diesem Gedanken seit acht Jahren fast alle Ausbildung gegeben: so, daß er jeden Augenblick bereit gewesen wäre, wo es Zeit zu seiner Realisierung wurde, und die er allemal noch zu erleben hoffte. Obschon uralten Stammes, seiet ihr, in bezug zur Wissenschaft , im Grunde noch immer eine sehr junge Nation, und jünger, und vornehmlich kräftiger , noch, als alle eure Nachbarn; was Natur wissenschaft beträfe, nur diese meinte er hier auch eigentlich nur, wärt ihr deutlich noch in der Zeit derjenigen Studien, die man auch als einzelner erst abzutun pflege, ehe man die Hand selbst an die Arbeit lege: – gleichsam im Exzerpieren noch; – und ihr hättet dies länger, gründlicher, und tüchtiger, getrieben, als jemand vor euch. Der Augenblick indes sei nahe , glaubte er, wo ihr, auf eine völlig eigentümliche Weise, und dabei nicht minder für gleich eigentümliche Zwecke, praktisch in das große Werk der Natur eintreten wollen werdet, – um von ihr Entschädigungen zu genießen, die ihr von keiner weltlichen Macht mehr verlangen könnet, und die euch mit der höchsten in der Wissenschaft selbst krönen werden. Er hatte einen Plan entworfen, und oft mit mir sich über ihn unterhalten (weil er beständig an ihm bildete und nachtrug), der die Schicksale der Wissenschaft in Deutschland, und die von ihm mit größter Zuversicht gehoffte Wiedergeburt derselben durchaus, von allem Wechsel menschlicher Begebenheit und Laune unabhängig machte, und sie gänzlich in die Hände derer legte, die nie fielen, wo es wert war, zu stehen: in die eurigen . Dem Zufall wollte er die Herrschaft über das Gedeihen wahrer Wissenschaft, die er nunmehr Jahrhunderte genug geführt, ganz entreißen , und sie dahin zurückfordern , wo letztere nach neuen Gesetzen der Geschwindigkeit vorschreiten würde; er hatte in dieser Hinsicht die Geschichte um ihre ersten Geheimnisse belauscht. – Und war jener Plan organisch genug, damit die neue Anstalt einer dauernden Erhaltung und Erneuerung durch und aus sich selbst gewiß sei; da indes alles Menschenwerk, das höchste auch, nur eine Zeitlang zu bestehen vermag, so rechnete er mit Überzeugung darauf, daß schon doch zwanzig, vielleicht noch weniger Jahre, genügend sein würden, der Nachwelt ein Beispiel, und ein erstes seiner Art, zu hinterlassen, wie die Erforschung der Natur erfaßt und ausgebildet zu werden verlange, um überhaupt von beiden schon nur erst den ihrer würdigen Begriff zu wecken , – als wo da mit schon ein Großes gewonnen sein müsse. Aber, wie gesagt: er selbst erst wollte legitimierter vor euch sein, ehe er jenen Plan euch vorzulegen wagte, erst von allen Makeln, die eine mitunter noch so kindische, auch falsche, Welt aus Spiel und Büberei von sich auf ihn hinüberwarf, der Sitte unserer Väter treu, gereinigt sein, eh er in eure Kreise träte. – Eures Beifalls übrigens dann völlig gewiß, hatte er, sich selber , bloß zu einem geringen Mitglied jenes neuen Bundes bestimmt, in dessen Mitte er aber sich einer Freudigkeit und eines Glückes des Wirkens versprach, die ohne allen Zweifel alle um ihn her ergriffen haben würde. – Erst von da an wollte er öffentlich aufgetreten zu sein glauben, – und so begreift ihr, was er damit meinte, es, bisher , noch nie gewesen zu sein. Denn seine Art war nicht, zu schmeicheln, am wenigsten sich selbst. Werdet ihr Nachsicht mit ihm haben können? – Wird euch ganz mißfallen, was er euch beschloß? – Sicher nicht! – Aus einem Blut mit euch war er entsprossen; es für euch zu teilen, wie mit ihm ihr teiltet, war sein Wunsch und sein Gedanke. – Auch euch ohne ihn vereiniget zu sehen, wie er wollte, hätte ihm genügt; die alten zerbrochnen Flügel hätte er abgeworfen, – mit neuen hätte er sich aufgeschwungen, und kein listiger Jäger hätte ihn mehr erreicht. – Verzeiht ihm seine Fehler , – und denkt an ihn!   Und nun ist mir niemand mehr übrig, zu dem ich noch spräche, als – du, teilende ungekannte Zeugin der schönen glücklichern Tage seines geheimeren Lebens, du ihr Stolz und ihre Segnerin! – Du vor allen sollst dies Büchelchen wohl bewahren, und jedem deiner Kinder eins mit goldenem Schnitte aufheben, bis sie es einst verstehen, wenn du ihnen sagst, das habe der Vater geschrieben. – Mit welchen Worten aber begleite ich es dir, und welche hätte ich nötig? – Was soll ich dir erzählen von ihm, das du nicht wüßtest, – fühlest, – im Innersten deines Herzens du trägst? – Hat er nicht immer mit dir geteilt, sich selbst mit dir? – Er, der der Welt dich weder entriß , noch gab ; der dich besaß, indem er dich dir ließ , und dadurch glücklich war. – Der nie dir zugemutet, Kummer zu teilen, den du nicht verschuldet; der nie mehr forderte, als du selbst ihm gabst, – worauf du ihm mehr botest, als er je verstand, zu fordern; denn du schöpftest aus der Natur , und ihre Schätze hat noch keiner ergründet. – O! sei gewiß, so wahr ein Gott im Himmel lebt, er wird dich nie verlassen; du selbst kannst ihn nicht lassen. ... Fürchte dich nicht , Liebe! daß ich öffentlich spreche! Sie haben dich so wenig gekannt, wie ihn; sie verstehen uns nicht, sie denken es nur, – auch schlafen sie jetzt. .... Siehe! so sind wir ganz allein ; auf! laß es uns nützen. In dieser nämlichen Stunde, der ersten nach Mitternacht , ist dein jüngster Sohn, der herrliche Knabe, sein erstes Jahr alt; du weißt, du hattest ihn dem Vater zum Geburtstage geschenkt. Er schläft, der Engel! Du aber hast in solcher Stunde allemal treu über alle deine Kinder gewacht. Küsse ihn noch einmal, und sprich: das sei vom Vater . Er hört es nicht, aber er lächelte noch immer, wenn du im Schlafe ihn küßtest. Den Morgen hernach, wenn du ihn angezogen hast, – und heute putzest du mir ihn besonders! – erzähle ihm: der Vater sei dagewesen , und komme bald wieder ; er wird lachen und dir aus den Armen springen; – er war so gern bei ihm. Du aber, lasse die Träne mich wegküssen, die du im Auge noch hast, daß sie den Kleinen nicht weckte; treu bewahr ich sie dir, du weißt, wenn du sie wiederbekommst. Und so wollen auch wir nun ruhen; ich muß morgen früh aufstehen, denn heute hatte ich gar nichts getan, und es scheint, es will einen schönen Tag geben. Herze mir die Kinder zuvor noch einmal alle, dann schlafe, – und erwache, – wie sie!   Den 14. September 1809, früh nach Mitternacht.   ›Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge: da ich aber ein Mann ward, tät ich ab, was kindisch war.‹   ›Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, denn aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ichs stückweise: denn aber werde ichs erkennen, gleichwie ich erkennet bin.‹   ›Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei: aber die Liebe ist die größte unter ihnen.‹ St. Paulus (I. Korinther, XIII, II–13) Fragmente. Erstes Bändchen I. 1-177 1. Möchten wohl alle Körper ohne Wärme, möchte alle Materie ohne Wärme, vielleicht gar keine Verwandtschaft mehr untereinander haben? – Aber ohne Wärme möchte auch wohl gar keine verschiedene Materie, und keine überhaupt mehr stattfinden! 2. Sind die Körper vom größten spezifischen Gewicht auch die von der stärksten Kohärenz oder Kohäsion? – Man muß nie Zähigkeit mit Starrheit und Sprödigkeit verwechseln. 3. Zusammenhang, Kohäsion, muß sich notwendig verhalten, wie chemische Verwandtschaft und Bindung der Teile des Körpers, oder bestimmter, umgekehrt, wie seine Zerlegbarkeit. Es ergab sich überhaupt schon aus der Erfahrung, daß sich mechanische Anziehung verhalte, wie Zusammenhang, und dieser wieder wie chemische Anziehung. 4. Ist Eisen dasjenige Metall, aus dem alle übrigen entstehen, entstanden sind? – Was noch Bestandteile, oder einen, enthält und hält, den die übrigen Metalle, nachdem sie aus ihm entstanden sind, nicht mehr halten? – Was noch einen Bestandteil frei enthält, der jene gebunden enthalten? 5. Sind vielleicht Licht, Wärme, Elektrizität, Galvanismus, Magnetismus usw., sämtlich Dinge, Materien, die nur nicht gegen den Mittelpunkt der Erde angezogen werden? – Könnte ein endliches Produkt aus ihnen ebensogut entstehen durch abgeändertes Kraftverhältnis, als bei der sogenannt positiv schweren Materie? – Dieser Gedanke verdient Aufmerksamkeit! – Vielleicht ist diese feinere Materie so gegen die positiv schwere angezogen oder schwer, wie letztere dann gegen den Mittelpunkt der Erde. Etwa so wären leuchtende, wärmende etc., Körper alle in Vergleich zu setzen mit dem Weltsystem. Zum Beispiel ein Stein wird nicht (vorherrschend) gegen den Mittelpunkt der Sonne gezogen, wohl aber gegen den Mittelpunkt der Erde. Und doch ist der Stein so gut Materie, als die ganze Erde. So könnte wohl auch eine Materie gegen diesen Stein Anziehung, Schwere, haben, nicht aber gegen die Erde. Übrigens bemerken wir bei solchen partiellen Anziehungen eben die Gesetze, die Newton an der allgemeinen Schwere beobachtet hat. Und ohne solche partielle Anziehungen würde gewiß wohl keine chemische Verwandtschaft stattfinden, keine chemische Verbindung. 6. Wenn überall ursprüngliche Bewegung (dynamische, chemische) mitgeteilte (mechanische) zur Folge hat, und folglich auch bei Auflösungen, Zersetzungen usw., wenn ferner dabei der Fall eintritt, daß der flüssige Körper in den festen Zustand übergeht, so muß diese mitgeteilte Bewegung ihm notwendig eine bestimmte Richtung geben, und dies ist das ganze Geheimnis der Kristallisation. Durch Abkühlung einer Salzauflösung zum Beispiel, wo Wärme entweicht, entsteht Kristallisation; hier muß dynamische Bewegung statthaben, dies ist ausgemacht, – aber auch mitgeteilte mechanische; und diese ist es, die dem Kristall seine Form bestimmt. Alle Niederschläge, selbst die schnell geschehenden, müssen eine bestimmte Form haben, und haben sie, wenn immerhin zuweilen auch nur fast im unendlich Kleinen. – Vielleicht aber gibt es auch Umstände, wo die mitgeteilte Bewegung von allen Seiten her kommt, so daß der Niederschlag nicht bestimmt eckigt geformt, sondern mehr ohne Figur erscheint; sind dann seine Teile vielleicht rund? – Deckt etwa hier sich das Entstehen der Kügelchen in der Organisation auf? – Sie müssen eine sehr feste Bindung haben, da sie feuerbeständig sind. Aber entstand auf ähnliche Art der Erdball und jeder runde Körper? 7. Erscheinen Niederschläge dann als Pulver ohne Kristallform, wenn ihr Tätigkeitswinkel bei der chemischen Zersetzung über 90° war? 8. Möchte wohl von zwei Stahlfedern, von denen die eine krumm gespannt ist, und die bei gleichen Temperaturen gleichem Wasser ausgesetzt sind, die gespannte eher rosten? – Wenn durch geschwächten mechanischen Zusammenhang auch der chemische geschwächt wird, so möchte wohl die stärkere Zersetzung auf der gespannten Seite erfolgen. 9. Läßt sich wohl durch die Geschichte nachweisen, daß die chemischen Verwandtschaftsfälle vor Zeiten anders, als jetzt, gewesen sein mögen? – Schon aus damals anderer Temperatur muß dies folgen. Und so kann Metall einst in organischen Wesen enthalten gewesen, ja selbst ein solches gewesen sein. 10. Ist es nicht merkwürdig, wie das Wasser getrocknete tierische und vegetabilische Teile, die einen so festen mechanischen Zusammenhang haben, erweicht , ohne doch sie aufzulösen , so, daß sie neu einen weit schwächeren haben? – wirkt es hier bloß durch mechanische Adhäsion , und ist diese imstande, den innern Zusammenhang verhältnismäßig aufzuhellen? – Wie wirkt Wasser beim Weichkochen so mancher Substanzen? – Ist es die Wärme, die den Zusammenhang aufhebt, und das Reiben beim Kochen? – Warum wirkt dies letztere (das Kochen) vorzüglich so schnell? 11. Fällt ein fester Körper von bestimmter Größe in verschiedenen, chemisch verschiedenen, Flüssigkeiten, die aber einerlei spezifisches Gewicht haben, mit verschiedener Schnelligkeit nieder, und steht dieser Unterschied mit der chemischen Anziehung dieser Flüssigkeit zum festen Körper im Verhältnis? 12. Sollte das Zusammenvorkommen von Gips und Steinkohlen wohl darauf deuten, daß einst hier die Kohlensäure oder kohlensaure Kalkerde durch Schwefel auf ähnliche Art zersetzt worden sei, wie wir jetzt die kohlensaure Kalkerde durch Phosphor zersetzen? – Deutet nicht selbst der Schwefelgehalt der Steinkohlen auf diese Erklärungsart? – Gäbe wohl Holz, Schwefel und reine Kalkerde, oder auch Kohlensäure, etwas künstlichen Steinkohlen Ähnliches? 13. Ein rein dynamisches System wird gar nicht nach Stoffen .... fragen dürfen; alle Chemie und Physik wird bloß Bewegungsgrößen zu messen haben. Denn was sind chemische Zerlegungen und dgl. anders, als Bewegungen? 14. Könnte man nicht auch einmal die ziemlich chemisch reinen Stoffe so schmecken, daß man die ähnlichen Geschmack unter allgemeine Begriffe und Reihen brächte, damit man sähe, welche Übereinstimmung zwischen Geschmack und den chemischen und physischen Qualitäten der Körper stattfände? – Ebenso sollte man es einmal mit dem Geruch machen; auf ähnliche Art mit dem Gefühl , dann mit dem Gesicht (Glanz, Farbe, usw.). Alles verspricht bestimmte Ordnungen, die man dann wieder untereinander vergleichen kann. – Sollte nicht auch ein gewisser Antagonismus zwischen den Sinnen stattfinden, so daß das, was den einen am stärksten affizierte, den andern am schwächsten affizierte, und umgekehrt? 15. Wir sagen: die Kraft der Anziehung sei überall der Quantität der Materie proportional. Aber was ist denn Quantität der Materie? – Nach was bestimmen wir sie? – nach der Schwere? – Aber was ist Schwere selbst, als Resultat der Anziehungskraft? – Also: die Kraft der allgemeinen Anziehung ist überall proportional der Quantität von Materie, heißt eigentlich: die Kraft der Anziehung ist überall der Kraft der Anziehung gleich. Dies aber ist ein Zirkel, und nichts ist erklärt. Wie können wir daher sagen: quantitative Anziehung? – Alle muß qualitative sein. 16. Entwickelt sich leichter Wasserstoffgas aus Eisenfeile, wenn sie mit Wasser Übergossen, und das Ganze anhaltend elektrisiert wird? – Geht jede Auflösung usw. schneller vonstatten, wenn sie elektrischen Atmosphären und Strömungen ausgesetzt wird? – Vielleicht, daß Elektrizität eben die Wirkung auf Abänderung der chemischen Verwandtschaftsgrade hat, wie Wärme, und dies ist höchst wahrscheinlich! – Galvanische Versuche in elektrischen, dann magnetischen, Atmosphären, im starken Lichte und in der Finsternis. – Zeigen sich Unterschiede bei der Elektrizitätsentwickelung, nachdem die Erregung im Sonnenlicht oder im Dunkeln geschieht? – Welchen Einfluß üben die beiden letztern auf den Magnet? – Wirkt der Magnet verschieden durch Körper, die eben ihre Wärmekapazität beträchtlich geändert haben, zum Beispiel durch Eis und Wasser? – Wirkt er durch tierische Organe mit einer gewissen Leichtigkeit, besonders durch menschliche, und durch welche von diesen, wenn ein Unterschied statthat, am leichtesten? – und in welchem Zustande, in dem der höchsten Erregbarkeit oder dem der tiefsten Unerregbarkeit am stärksten? 17. Ein warmer Körper muß für eine ganz andere Materie angesehen werden, als ein kalter desselben Namens, nur mit dem Unterschied, daß er mit der Erkaltung wieder in den vorigen Zustand zurückkommen kann. Ein Metall nennt man eine andere Materie, als ein anderes, aber sie zeigen ja eben die verschiedne Verhältnisse, wie zwei ungleich warme Körper gleichen Namens. Man sieht, wie fehlerhaft der Begriff von Stoff in der Chemie bisher war. Warmes und kaltes Wasser zum Beispiel sind ganz eigentlich verschiedene Stoffe; sie wirken ganz verschieden, und oft kann hier größere Heterogeneität stattfinden, als bei von uns für wirklich heterogen erklärten Stoffen. 18. Gibt Wasser von 32° Fahrenheit mehr oder weniger Tropfen, als Wasser von 40° Fahr.? – Wahrscheinlich schon mehr; wie dann von 3 zu 5° weiter? – Wie Öl, wie Weingeist? – (Auf Veranlassung Lichtenbergs bei Deluc .) 19. Gibt eine bestimmte Menge Wasser im luftleeren Raum mehr oder weniger Tropfen, als im luftvollen, und, wie sich versteht, bei einer und derselben Temperatur? 20. Der spezifisch leichteste Körper hat die stärkste Verwandtschaft zum Sauerstoff, der spezifisch schwerste die geringste! (Wasserstoff und Piatina.) 21. Ist das ganze Phänomen der Kohärenz (Adhäsion) nicht dem partiellen dynamischen Prozeß, dem elektrischen, zu verdanken? – Möchten wohl diejenigen Körper die stärkste Elektrizität miteinander geben, die am stärksten miteinander kohärieren? – Geben nicht diejenigen die stärkste Elektrizität miteinander, die sich am nächsten chemisch verwandt sind? – Und kohärieren nicht auch diejenigen am stärksten zusammen, die die stärkste chemische Verwandtschaft zueinander haben? – Und so gehen Kohärenz und chemische Bindung in eins zusammen, jene ist Folge des partiellen, diese Folge des totalen dynamischen Prozesses. 22. Wie würde sich wohl die Stärke der Kohärenz und ihrer Modifikationen verhalten, wenn unsere Körper entweder in gerader Linie oder in geschlossenen Ketten miteinander kohärierten, und diese dann ferner ebenso mannichfach abwechselten, wie galvanische Ketten? 23. Materie ohne Schwere muß diejenige sein, die ihrem dynamischen Verhältnis nach von den andern gar nicht mehr verschieden ist, wo also auch kein Tätigkeitsmoment etc. bestimmt ist. Diese Materie aber ist das Resultat der Schwere selbst. Durch Schwere ist alles geeint, eine homogene Materie geworden, die nun selbst nicht mehr schwer sein kann, denn sie ist mit sich selbst eins, Thetische Einheit. Feuer, Licht, die Naturbande, Elektrizität, usw. So notwendig also, alles schwere Materie gibt, muß es auch nicht schwere geben, und umgekehrt. Jede Materie, in bezug auf sich selbst, ist nicht schwer, nur in bezug auf andere. Unsere Erde als Totum zum Beispiel ist gegen sich nicht schwer, sondern gegen die Sonne etc. Diese mit ihrem System nicht gegen sich, sondern ein höheres System, usw. Lauter Bewußtseinseinheiten, überfließend in höhere. 24. Feste Körper haben einen positiven, tropfbar flüssige keinen, und elastisch flüssige einen negativen Schwerpunkt. 25. Kann man sich einer Reihe elastischer Kugeln, von denen die folgende immer noch einmal so klein ist, als die vorige, zum Schnellschießen bedienen? 26. Beweis für die absolute Polarität in der Natur. Die Natur ist ein Handeln, und nur insofern ist sie Natur. Handeln erfordert aber ein Mannichfaltiges, denn nur dadurch wird ein Handeln, und mit dem Mannichfaltigen fällt auch das Handeln weg. Jedes Handeln also setzt Differenz voraus. Diese aber ist Gegensatz, Polarität. Und da Natur nur ist, wo Handeln ist, so muß deshalb auch überall Polarität sein. 27. Wenn der Sauerstoff, wie ich schon längst vermutete, selbst schon ein Oxyd eines Oxydierbaren ist, hat dann dies Oxydierbare in ihm gar keine spezifische Schwere, sondern gehört zum dynamischen Mittelverhältnis der Erde selbst? – So nähme zugleich dieses Oxydierbare unter allen möglichen verbrennlichen Körpern die größte Menge Sauerstoff auf, – welches es auch als der spezifisch leichteste schon tun müßte. Und dieses Oxyd wäre nur erst Oxyd für alle übrigen verbrennlichen Körper, und in jeder Verbrennung doppelte Wahlverwandtschaft. 28. Es ist merkwürdig, daß beim elektrischen Prozeß derjenige Teil der Raumerfüllungen, dessen größte Gravitation gegen den Mittelpunkt der Erde gerichtet ist, oder der für uns ponderable Teil derselben, als Residuum übrigbleibt, indes die eine höhere Ponderabilität habenden Teile des Körpers den dynamischen Prozeß beginnen. Vielleicht sind dieses die zunächst gegen die Sonne schweren Teile des Körpers. Und vielleicht einen sich beim Magnetismus die gegen den Zentralkörper (gegen den die Sonne wieder gravitiert) schweren Teile der Raumerfüllung. – Die Natur dieser Residuen ist für den Physiker höchst interessant. – Ist beim Lichtbrechen und Farbenentstehen auch ein solches Verhältnis, und verhält sich letzteres zum ersten, wie magnetischer zum elektrischen Prozeß? – Sind zwischen flüssig und fest, Dampf und Luft, Flüssigkeit und Dampf etc., ähnliche Verhältnisse? 29. Schon längst mußte ich glauben, daß beim Dianenbaum das Silber nicht da niedergeschlagen werde, wo das Kupfer sei, sondern da, wo es fortwüchse. Heute, den 11. Jul. 1798, fiel mir ein, ob wohl ein Tropfen Öl zum Beispiel, der mit einem Tropfen Silberauflösung grenzt, das Fortschießen des Baumes hemmen möchte? – Er tat es wirklich. Rings um den Tropfen Öl schoß Silber an, nie aber hinein, obschon derselbe dem präzipitierenden Kupfer weit näher war, als die übrige Silberauflösung. Weingeist hemmte ebenfalls, so auch Wasser, selbst in den dünnsten Schichten. – Übrigens schien es, als ob die Silbervegetation erst dann weiter schösse, wenn sich kein Silber in der die Dendriten umgebenden Flüssigkeit oder Auflösung mehr vorfände; nirgends wurde durch neues Messing, Kupfer usw. mehr niedergeschlagen, wo das alte schon niedergeschlagen hatte. – Salzsaures Zinn mit Zink, essigsaures Blei mit Zink, gaben durchgängig dieselben Phänomene. – Worin besteht nun aber hier das Wie des Niederschlagens? – Offenbar ist hier Wirkung in die Ferne . Ist dies bei jeder Präzipitation der Fall? – zum Beispiel bei Niederschlagung des Sauerstoffs aus der Atmosphäre, usw. Ist es ein allgemeines Präzipitationsgesetz? – So könnte ein Tropfen Silberauflösung mit einer Stecknadelspitze einst noch zu dem nämlichen Ruhme gelangen, als Newtons ›Apfel‹ für die Gravitationsgesetze. – Ist Verteilung bei der Elektrizität dasselbe, was hier Wirkung in die Ferne beim chemischen Prozeß? 30. Merkwürdig ist es, daß nur Elektrizitäts leiter bei ihren Niederschlagungen Dendriten geben, – Metalle nämlich, und das die Elektrizität auch leitende Braunsteinoxyd. Alle Dendriten schießen wahrscheinlich nach einerlei Gesetz an. Leiten die Braunsteindendriten auf Kalk usw. nicht? 31. Möchten wohl auch eine Menge physiologischer Erscheinungen sich mit meiner Entdeckung über Metallpräzipitationen verähnlichen? – Kann man schwitzen, ohne daß der Schweiß durch Röhren austrete, absorbieren, ohne daß es durch Röhren geschieht? – Gehört schon die Propagation des venerischen Gifts und anderer hierher? – Ferner: von Marums Oxydation der Metalle in Irrespirabilien? – So manche Erscheinungen in der Pflanzenphysiologie? – Ferner das bekannte Phänomen der Verähnlichung, zum Beispiel daß Milch in den Brüsten entsteht aus dem und dem, Knochenmasse in der Nähe von Knochen usw.? – Auch können eine Menge äußerlicher Mittel so wirken, daß sie, durch Leitung, innerlich Veränderungen hervorbringen. Der Assimilationsprozeß scheint sehr zu gewinnen, wo immer Homogenes sich an Homogenes ansetzt. – Die Reproduktion bei Tieren. – Das Fortwachsen der Metalle in Bergwerken. – Auch Salzkristallisationen scheinen eine Art ähnlicher Präzipitationen zu sein. – Wachsen zerbrochene Ramifikationen von Metallbäumen noch fort? – gewiß nicht! – Sind die Veränderungen, welche das Licht hervorbringt, nachdem es durchsichtige Medien durchgangen ist, ähnlicher Art? – Ist so das Entstehen der Wärme durch dasselbe gleichsam ein Anschießen derselben? – Reduziert sich darauf alles Sehen, – Riechen, – Schmecken usw.? – So wäre wahrscheinlich ein Körper, der dieser Wirkung Durchgang verstattete, durchsichtig für sie? – durchdringlich, nach meiner neuen Konstruktion des Begriffs der Durchdringung. – So ist gleichsam die Silberauflösung im obigen Versuche das Gehirn, das kristallisierte metallische Silber der Nerve, durchsichtig für die Einwirkung, und das Anschießen des neuen Silbers eine Idee, – gewirkt auf ähnliche Art, als die unseren. – Kann man wohl Brennspiegel für Elektrizität erfinden? – Reflexion innerhalb Metallebenen? – durch Spiegel? – Der Elektrizität ist wahrscheinlich das Glas zum Beispiel das nämliche, was dem Licht das Metall am oder als Spiegel ist, und der Elektrizität das Metall das, was dem Licht das Glas. – So ist die ganze Welt sich Auge, überall Retina und Lichtstrahl. Alles wird gesehen, gewußt. Wer faßt es? 32. Sollte wohl vieles Gold bei der Bildung der Erde durch die Zentrifugalkraft, welcher zufolge das spezifisch Schwerste sich am meisten vom Mittelpunkt der Erde entfernen mußte, unter die Gegend des Äquators gekommen sein? – Wirklich findet man auch in den nördlichen Gegenden die spezifisch leichtesten Metalle. Vielleicht war es im Anfang bloß nach seiner größern oder geringern spezifischen Schwere an seinen Ort gekommen, und so wäre es nicht unwahrscheinlich, daß die sich jetzt an diesen Orten findenden spezifisch leichteren Körper sich erst durch nachfolgende Zersetzungen aus jenen schwereren gebildet hätten. So könnte man vielleicht aus dem, was sich jetzt findet, zurückschließen auf das, was sich anfangs da fand, damit auf die Bestandteile der sehr spezifisch schweren Körper, usw. 33. Da wahrscheinlich auch die Kochsalzmasse des Meers durch Wahlzersetzung ihren Ursprung bekam, so müssen die andern, den Fall komplettierenden Glieder ebenfalls noch gegenwärtig sein, und zwar in der zu dieser Menge Kochsalz gehörigen Menge. Welches sind sie? – Und welches sind ferner die zersetzenden Potenzen zu diesen sekundären Körpern usf.? – Auf solchem Wege müßte man sicher zuletzt auf ein Radikal-Proportionalsystem über die absoluten Quanta der verschiedenen Qualitäten (Körper, Materien), und ihrer Verhältnisse zueinander, kommen. Man muß hier große Rücksicht nehmen auf die so häufig vorkommende Kieselerde, die minder häufig vorkommende Tonerde, Kalkerde usw. Welches waren hierzu die zersetzenden Potenzen? 34. Bei den Metallkalken ist es allgemeiner Grundsatz, daß sie schwerer schmelzbar sind, als die Metalle, aus denen sie entstanden. Gilt die schwerere Schmelzbarkeit des Oxyds bei allen verbrennlichen Körpern? 35. Nicht bloß in dieser oder jener bestimmten Temperatur äußern sich die chemischen Verwandtschaften. In jeder tun sie es, und ihre Wirkung, wo es nicht zum wirklichen chemischen Prozeß kommt, wird Magnetismus, Elektrizität usw. 36. Schon der Ausdruck: Vereinigung (union chimique) zeigt an, daß man den chemischen Prozeß schon längst sehr bestimmt definierte. 37. Bei Bestimmung einer neuen Maß- und Gewichtseinheit wird immer das Wasser den Kubus bilden müssen, dessen Seite das Maß usw., gibt. Es besitzt Eigenschaften, die jedem andern Körper mangeln. Es hat unter allen Körpern allein bei den Ausdehnungen und Zusammenziehungen, kurz den Umfangsänderungen, ein Minimum der Ausdehnung, nämlich bei 40° Fahrenheit. Kein Barometerstand kann Einfluß darauf haben, da es fast gar keine Kompressibilität besitzt. Es ist allenthalben zu haben, und die Destillation desselben ist eine der einfachsten Arbeiten. 38. Man sieht so oft bei chemischen Prozessen die Ziehkraft des einen Körpers A auf den andern Körper B die Bindung dieses B mit einem dritten C bewirken, zum Beispiel bei der Phosphore, den Schwefelalkalien usw. – Sollte jeder chemische Prozeß, wenigstens der der Oxydation und Desoxydation, auf ähnliche Art bewirkt werden? 39. Es ist äußerst merkwürdig, daß der luftleere Raum die Elektrizität isoliert, aber den Magnetismus nicht. – Auch die Schwere wirket im luftleeren Räume noch fort, und der Magnetismus ist die einzige bekannte Kraft, welche den Schwerpunkt verrückt. Wie sehr verraten auch hier beide ihren Bezug aufeinander! 40. Wenn es nach: ›Das Öl, ein Mittel, die Wogen des Meeres zu besänftigen, von J. F. W. Otto ‹, richtig ist, was in den allg. geogr. Ephemeriden 1798, II. 524 daraus steht, daß nämlich das Wasser zur Luft Verwandtschaft äußere, und deshalb diese jenes mit sich fortreiße, was beim Öl wegfalle, so müßte wohl ein Luftstrom von gleicher mechanischer Stärke zwar, aber anderer Luft, auch anders wirken, wenn man ihn über Wasser gehen läßt. Wie also Ströme von Kohlensaurem, von Stickgas, Sauerstoffgas, Wasserstoffgas usw.? Wie einerlei Luftstrom auf verschiedene Flüssigkeiten, und werden die Wirkungen immer bloß sich wie die mechanischen Verhältnisse verhalten, oder tritt noch ein verschiedenes dynamisches dabei hervor? – Auch feste Körper, die auf Wasser hinrollen, müssen Wirkungen hervorbringen, die noch etwas Dynamisches, Chemisches zu ihrer völligen Erklärung erfordern. Ebenso, wenn tropfbare Flüssigkeiten sich über tropfbaren bewegen. Selbst wenn feste Körper auf festen sich bewegen, muß die chemische Ziehkraft sich äußern. Eisenkugeln zum Beispiel werden sicher ein wenig langsamer auf sauerstoffhaltigen, als auf verbrennlichen Flächen, sich fortbewegen. Gehört schon manches, womit man Achsen und Pfannen bei Rädern usw. glättet, zur Hebung dieser Widerstände ? 41. Es ist bekannt, daß die Stärke der Kohäsion einer Metallplatte .... an Wasser, Weingeist, usw., nicht sowohl von der Adhäsion des Metalls .... am Wasser ...., als von der des Wassers unter sich, herkomme, da es ja das Wasser .... ist, welches reißt, und so, daß die Metallplatte naß bleibt; niemals trennt das Wasser .... sich vom Metall. Aber bei jedem andern aufliegenden Metall oder Körper überhaupt ist das zum Reißen nötige Gewicht verschieden, und doch reißt allemal dasselbe Wasser ....! Hier muß also der aufliegende Körper durch die angrenzende Wasserschicht auf die folgenden wirken, und die Kohäsion des Wassers modifizieren. In welchem Verhältnis steht diese Wirkung bei verschiedenen Körpern zu ihrer dynamischen Beschaffenheit? – Wie bei einerlei aufliegendem Körper zu derjenigen der verschiedenen Flüssigkeiten? – Es wäre die Frage, wie groß die Wirkung der aufliegenden Platte auf die Teile der Flüssigkeit in verschiedenen Entfernungen von ihr sei? – Dies müßte sich finden lassen, wenn man die Adhäsion einer und derselben Metallplatte auf einer Flüssigkeit erprobte, welche mit verschiedenen Höhen über einer andere Wirkung äußernden Platte, Schüssel usw. stände. Sollte auch wohl ein Unterschied stattfinden, wenn eine feste Platte auf einer Flüssigkeit ist, die wiederum auf einer andern Flüssigkeit steht? – Sollten ferner Prozesse vorgehen können, bei denen ein verbrennlicher Körper, zum Beispiel Phosphor, das Wasser zersetzte in einer Gegend desselben, die in gewissen Verhältnissen steht zu dem Metall ...., während diese Zersetzung in einem anderen Teil desselben nicht stattfände? – Welche Körper vermindern die Kohäsion des Wassers ...., welche vermehren sie? – Die sie vermindernden vermindern wieder die chemische Bindung der Bestandteile des Wassers, und erleichtern dadurch seine Zersetzbarkeit, diejenigen, die sie vermehren, erschweren seine Zersetzbarkeit. Wie verhält es sich, wenn Sphären ineinander wirken, die entweder beide schwächen, oder beide verstärken, oder von denen die eine schwächt, die andere verstärkt? – Dies alles muß partieller dynamischer Prozeß sein. Gibt es hier wohl Fälle, wo Flüssigkeiten besondere Leiter oder Nichtleiter dieses Prozesses sind? – Hängt dies dann mit der elektrischen Leitung oder Isolation dieser Flüssigkeiten zusammen? – 42. Kann sich wohl die Sphäre eines von uns angestellten Versuchs sehr oft zu der eigentlichen Sphäre desselben verhalten, wie die Gegend um die Spitze des fortwachsenden Silberdendriten bei der Metallpräzipitation zum ganzen Prozeß? – Mögen wir also häufig Glieder weglassen? – Gewiß sind wir fast bei jedem Versuch in diesem Fall, denn die ganze Natur konstruiert das Experiment, nicht bloß die enge Sphäre, die wir ihm zumuten. – Stoff ist dem Chemiker das Unbekannte, was sich zum Resultat verhält, wie die Kupferstange zum Silberdendrit. Hat er den Versuch ganz aufgefaßt, so weiß er nichts mehr von Stoff. 43. Wenn zwei Heterogene in eines übergehen, so gehen die zwei Ich's derselben in eines über. Der Grad der Einung ist die Intensität der neuen Ichheit, ihre Kohäsion. 44. Gibt es wohl aus den großen Schmelzungsprozessen auf und in der Erde her noch ähnliche Massen, wie die Glaskügelchen, die lacrymae batavae im kleinen sind? – Was geschieht, wenn sie zerspringen? – Gehört dahin wohl zum Beispiel die Erscheinung von dem Springen des Gebürges um Ternate bei de Loys (s. dessen chronol. Geschichte der Naturlehre, B. II, S. 262, 263)? – Selbst Weltkörper könnten auf ähnliche Art springen und brechen. 45. Aller künstliche Glanz und Politur sind eigentlich bloßer Trug, da hier Unebenheiten etc. im Auge eben nicht anders ineinander verfließen, als die geschwungene glühende Kohle zum feurigen Kreis. Daher echter Glanz alle künstliche Politur so unendlich hinter sich zurückläßt, zum Beispiel der Silberblick. 46. Es muß ewig gleich mit chemischen, gleich mit elektrischen, gleich mit magnetischen Prozeß, usw., in der Welt geben. In welchem Verhältnis steht dies alles zueinander? – Es müßte Stücke aus dem Fundamentalsystem der allgemeinen Stöchiometrie geben. 47. Wenn Körper schmelzen, so kommen sie erst zur Vernunft. Jetzt erst können sie einander begreifen. So auch ists mit uns. Je ›wärmer‹ wir sind, desto mehr können wir verstehen, begreifen, wir tauen auf. 48. Nach Wärme = Expansivkraft, und Kälte = Attraktivkraft, kann man die Beschränkung beider, die Materie, bezeichnen mit 49. Findet sich wohl bei den verschiedenen Zerreißungen von Metallfäden .... ein Unterschied, je nachdem die Zerreißung horizontal oder perpendikulär geschieht? – Und rührt dieser Unterschied, sofern einer statthat, von verschiedenen Einwirkungen des Erdmagnetismus her? 50. Kann aus der magnetischen Anziehbarkeit des Diamants ein neues Argument für seine Metalleität genommen werden? – Bis jetzt traf der Magnetismus nur das Metallische merklich. 51. Alle Stoffe auf Erden scheinen zerlegtes Eisen zu sein. Eisen ist der Kern der Erde, ›der sichtbare Quellgeist der Erde‹ ( Jac. Böhme ). Auch ist es ein Oxyd; es wird zerlegt in reinen Brennstoff und in reinen Sauerstoff, und in alle Mittelglieder dazwischen. Es ist der dynamische Äquator der Erde, unter ihm steht die Sonne des Magnetismus senkrecht. – Alle Stoffe auf Erden zusammengenommen, müßten zum Produkt Eisen geben müssen. Dieses ideale Eisen herzustellen, ist die Tendenz aller chemischen Aktion. Denn das dynamische Mittel der Erde muß sich immer wieder neu herstellen, der Repräsentant desselben aber ist das Eisen. Aller chemische Prozeß auf Erden ist Regenerationsprozeß der Erde; dieses drückt sich zuerst aus in der beständigen Regeneration der Schwere, und diese ist nur das Phänomen dieses Prozesses; so müssen sich alle Prozesse in Schwere auflösen. – Das Eisen im Blut und in organischen Substanzen überhaupt, sollte es nicht wirklich schon aus dem idealen Eisen, was überall konstruiert wird, bloß niederfallen? 52. Unter dem magnetischen Äquator muß das Eisen noch ganz sein. – Darum ist hier der chemische Prozeß, das ist die Zerlegung der Erde, noch am vollkommensten im Gange. Nach den Polen hin wird die Erde immer einseitiger, halber, und darum der chemische Prozeß gehinderter. Um den Äquator wird das Eisen mehr noch im idealen Zustande erhalten, um die Pole wirds schon mehr niedergeschlagen, weshalb in diesen Gegenden es häufiger ist. – Der Mensch steht unter dem organischen Äquator der Erde; alle übrigen Tiere etc. gehen nach den beiden Polen zu. – Je vollkommener die Organisation, desto weniger wird Eisen aus dem Idealen niedergeschlagen, je unvollkommener desto mehr. Mensch ...... Conchylien. Schon Buchholz fand im Menschenschädel das wenigste Berliner Blau. 53. Ein gutes Beispiel einer potenzierten Naturkraft geben das + und - E an der Leidener Flasche; sie binden einander, halten sich latent, scheinen Null, und doch sind sie keine. Erst mit der Entladung kommt Null zustande. 54. Werden Hohlspiegel die Ausflüsse riechender Substanzen konzentrieren? – Konvexspiegel sie verbreiten, schwächen? 55. (1800) Zu einer Untersuchung über die chemischen Imponderabilien muß ganz Lavoisiers Weg eingeschlagen werden. Was er durch Gewichts- Ab- und -Zunahme entschied, muß hier durch Bemerkung der Ab- und Zunahme anderer Kraftäußerungen ausgemacht werden. Was für Lavoisier Oxydation war, muß hier Wärmeerzeugung sein. Licht ist hier, was dort Sauerstoff war; die Wärme ist die Säure, das Oxyd. Das Oxydierbare im Körper aber ist ziemlich gleich dem Phlogiston. Von Wärmeerzeugung und Zerlegung muß ausgegangen, und dieselbe nach allen Rücksichten betrachtet werden. 56. Pflanzen und Tiere laufen um den Menschen, wie Planeten und Monden um die Sonne. Alles lebt nur durch und für den Menschen, er ist die Zentralsonne des Organismus auf Erden. 57. Man sollte das Wasser durchaus für eine Säure ansehen, und von Hydraten sprechen. ( Hydrates de potasse, de soude, de chaux, etc.) Was sind Hydrites? – Mittelsalze mit Kristallisationswasser wären dreifache Salze. 58. Das System des Oxydationsprozesses muß das System der Chemie sein. Es müßte sehr überraschend sein, durch eine vollendete Darstellung aller Oxydationsprozesse die Chemie zu erschöpfen. 59. Wie wichtig wäre eine Skale der Schmelzgrade durch alle Körper hindurch! – Gibt es permanente Festigkeiten, wie es permanente elastische Flüssigkeiten gibt? – Gibt es gas- und dampfartige Festigkeiten, und welche sind es? 60. Ist Wasser die ponderable Grundlage aller Erdmaterie, so sind alle Luftarten nichts als Dunst, und alle festen Körper nichts als so und so modifiziertes – gefärbtes – Eis. Bei den unmetallischen Elektrizitäts-Isolatoren .... ist die Färbung innerlich, bei den metallischen äußerlich. Gegensatz. Merkwürdigkeit desselben. 61. Merkwürdig ist die Metallfarbensteigerung nach den beiden Seiten des Eisens hin. Nach dem Gold zu rötlich und rot, nach dem Zink zu bläulich und blau. Es ist versteckt, aber doch deutlich. 62. Ist es allgemeines Gesetz, daß nur die Indifferenz leitet, die Pole aber isolieren? – So ist es sogar mit der Erde. Unter dem Äquator ist alles weit lebendiger, weit geleiteter. Was ists, das der Erdäquator leitet, und die Pole nicht? 63. Es gibt auch flüssige Kristallen. Jeder Wasser-, Weingeisttropfen usw., ist ein solcher, und das sind Kugeln. Also in jedem Zustand hat der Körper eine Gestalt, die positive Kugel im tropfbar flüssigen, die negative im luftartig flüssigen, die eckige oder gewöhnliche Kristallgestalt im festen Zustand. 64. Alles, was ist, erhält sich organisch. Jeder Stein entsteht in jedem Augenblick neu, erzeugt sich ins Unendliche fort. Nur sterben die Eltern des Kindes sogleich immer wieder, und so sieht man das Individuum nicht zunehmen. Kann man die Vernichtung aufheben, so schließt sich das Neue an das fortbestehende Alte an, und nun hat wirkliche Fortpflanzung, Mehrung, statt. 65. Das Wasser ist die chemische Oktave, ihre Töne die primären Stoffe, und ihre Verbindungen untereinander sind die Akkorde. 66. Schema: Die Oxydabilitäten, Affinitäten, verhalten sich wie die Abstände. 67. Die Potenz des Eisens als Punkt muß eigentlich eine Sphäre geben. So auch die dritte und vierte Potenz desselben. Die Erde ist ein solches potenziertes Eisen, darum ist sie rund. So alle Körper im Weltraum, denn sie sind Potenzen von etwas. Die Erde nach ihrer Organisation ist nichts, als die Organisation ihrer Potenzierung, – die Erde ist ihre eigene Gleichung. Sie ist- das vollständige System der Chemie. Jede Chemie muß sich in die Erde mit allem, was in und auf ihr ist, auflösen. So wird die Erdkunde erstaunlich wichtig. Man studiert die Erde, und hört auf, Chemie zu studieren, weil man nun überhaupt erst anfängt. Sonderbar wird es einst überraschen, wie das System der Erde das System der Chemie ist. – Jedes Sonnensystem ist ein höheres chemisches System; Planeten sind einzelne Stoffe in dieser Chemie. Ihre Verwandtschaften, ihre Übergänge. Trabanten sind abgeleitete Stoffe. Die Sonne ist das Eisen der Planeten. – Aber in jedem höheren System wiederholt sich das System der Erde. Selbst das Höchste ist doch nur System der Erde, – des Menschen ! 68. (1801) Jedes große analysierende Werk müßte nach dem Schema der Erde und ihrer Potenzierung ausgeführt werden. 69. Das Potenzenschema der Erde ist auch das Potenzenschema der Vegetation und Animalisation. Es muß Potenzen- Tiere und -Pflanzen geben, sind das die verschiedenen Klassen der Pflanzen und Tiere? – In jeder einzelnen Organisation muß es sich ebenfalls wiederfinden. Alle diese Schemata lösen sich auf in ein Potenzenschema der Elektrizität. 70. Um einen Stoff .... hervorzubringen, muß man den Gegensatz, die Geschlechter, gleichsam zurückversetzen in der Geschichte ihres Daseins, und in jene Zeit, wo er, wo sie, im Laufe der Welt wirklich entsprangen. Es ist ein wahres Aufheben oder Zurückholen der Zeit. Dergleichen aber ist schon jedes organische Erzeugen. Hier kommt die Natur ewig auf die Zeit der Schöpfung zurück. Je höher sie ging, desto weiter muß sie zurück. So gibt es also zweierlei Prozesse überhaupt, 1) rückgehend, wiederholende; dies sind die organischen, 2) vorwärtsgehende, – und diese? 71. Alles organische Fortschreiten und Bilden der Erde ist hydrogener Art, eine Entwicklung, ein Ausbilden, ein Individualisieren des Hydrogens. So kommt es, daß alle Mannichfaltigkeit in das verbrennliche Prinzip, und alle Einheit in das Verbrennende, den Sauerstoff, fällt. Der Sauerstoff ist das irdische, das der Erde, das herbe, das verschließende Prinzip, der Wasserstoff dagegen das Prinzip der Freiheit. – Daß die Erde jetzt allgemein im Desoxygenationsprozeß begriffen ist, zeigt sich auch aus der Verbrennlichkeit aller ihrer Mittelkörper. Das Eisen zum Beispiel konnte einst nicht verbrennlich sein, sondern wurde es erst nach und nach. Das Quecksilber ist es zwar wenig, aber doch auch; auch entstand es später. Neuer wieder ist das Kochsalz, dieses zeigt dafür seine Verbrennlichkeit nur erst noch in galvanischen und Lichtbrechungsversuchen. Endlich kommt das Wasser, das jüngste Verbrennliche. 72. Ist Oxygen zuletzt wohl das Schwerste, Hydrogen das Leichteste von Erdmaterie? – Jenes das Schwere, dieses das Leichte par excellence ? 73. Dazu, daß das Eisen nach und nach erst verbrennlich wurde, wurde erfordert, daß es ein oxygenierter Körper sei, und noch heute ist es ein solcher. Alle künstliche Oxygenation kann es nur bis zur Oxygenation des Eisens bringen, bis zur Oxygenation der Erd-Indifferenz, und zwar der jetzigen. Wenn der Wasserstoff derselbe bliebe, ließe sich behaupten, daß in 10 000 Jahren weit weniger Sauerstoff nötig sein würde, um ihn zu Wasser zu machen, als jetzt. 74. Bessere Zeichen als + und -, wären + und ; die Verbindung wäre 75. Eine neue Art von chemischem Prozeß. Es ist der Fall, wo ein verbrennlicher Körper zum Beispiel, einem verbrannten den Sauerstoff durch bloße Adhäsionsverwandtschaft entreißt, ihn aber nicht selbst bindet, sondern ihn gleichsam nur befreit. Als wirkte hinterher der Prozeß ihm selber über den Kopf. 76. Es gibt eine Polarität des Raums. Es sind die entgegengesetzten Figuren und , in der Verbindung oder . Es gibt eine Polarität der Zeit. Bei der Wasserzersetzung im Galvanismus usw. kommt sie vor. Hydrogen ist Zukunft, Oxygen Vergangenheit. Wie sind ihre Zeichen, als was drucken sie sich aus ? – Alle Gestaltung ist Polarität des Raums. Polarität der Zeit ist alle Qualitätspolarität. 77. Wie eine Polarität der Oxydabilität, so gibt es auch eine Polarität der Oxydation . Die Pole sind hier Säure und Alkali , jene das mehr Oxydierte, dieses das minder Oxydierte; oxydiert aber muß es sein, um eines oder das andere zu sein. Das mittler Oxydierte ist neutral. Alles Oxydierbare läuft bei seiner Oxydation die ganze Skale vom Alkali bis zur Säure durch, und auch noch darüber hinaus. Oxydüte und Süroxyde werden oft gleichsam zu unsichtbaren Alkalien und Säuren, so wie das Prismabild zu beiden Seiten unsichtbare Farben hat. – Vermißt man bei der Oxydation eines Oxydierbaren während der ersten Oxydationsgrade das Alkali, so ist die Frage, ob dies Oxydierbare in seinem Innern nicht selbst schon bis zu diesem Range oxydiert sei, ja selbst noch weiter. So zum Beispiel ist der noch sehr mit Sauerstoff zur Oxydation aufnehmende Stickstoff ausnehmend auf die Natur eines Alkali verdächtig, während die weniger Sauerstoff bedürfende Kohle, Phosphor und Schwefel sich in einer Menge Hinsichten schon wie halbe Säuren verhalten. Von hier aus lassen sich interessante Betrachtungen fortsetzen. 78. Alles bildet eine große Skale: Atmosphäre – Pflanzenreich – Tierreich – tote Natur. Das Tierreich hat weniger Individuen, mehr das Pflanzenreich. Das Atmosphärenreich unendlich viele, aber sie sind flüssig, und machen eins. Die tote Natur weniger als das Tierreich, aber sie sind fest, und machen so vielerlei, als ihrer sind. Die Atmosphäre bildet dem Tierreich ganze Opposition, dem Pflanzenreich und der toten Natur aber nur halbe, der letztern vielleicht nur das Vierteil. 79. Kommt nicht im Tier auch wieder Pflanze und tote Natur vor? – Etwa: Tier = Nerv und Hirn, Pflanze = Muskel, tote Materie = Knochen, Schaale, Schuppen usw. 80. Wenn Azot Alkali, und Kohle Säure ist, so ist es schön, wie in der Atmosphäre gleich die Faktoren von zwei Polaritäten da sind. (Stickstoff und Kohle, Wasserstoff und Sauerstoff.) Und da aus nicht mehreren, als diesen, oder durch nicht mehr, das Leben in der anorgischen, wie in der vegetabilischen, und in der animalischen Natur, bestimmt ist, so wird damit die Atmosphäre eingreifbar in alles . Merkwürdig ist nach der Atmosphäre die Pflanze. Sie hat nur 3 dieser Stoffe, also nur 1 ½ Polaritäten. (Wasserstoff und Sauerstoff, Kohle.) Hierdurch wird sie ganz vorzüglich eingreifbar ins Tier, als sollte sie bloß darein eingreifen. Die Pflanzenwelt wird gleichsam zur besondern Atmosphäre der Tierwelt, und soll bloß in den Stickstoff-Kohle-Dualismus eingreifen; die Atmosphäre greift schon in beide ein. 81. Metalle = Knochen einer alten Welt? – Vorrede zu der Organisation der neuen? – Zwischen toter und lebender Natur scheint doch ein scharfer Abschnitt zu sein. 82. Die Erden sind die Ahnen des jetzt Lebenden. Einst lebten sie , die eine nach der andern. Jetzt ruht ihr Leichnam, und Kinder spielen in den Blumen, die ihre Gräber schmücken. 83a. Newton verglich seinen Apfel mit dem Monde, und schloß von jenem auf diesen. Aber der Schluß läßt sich auch umkehren. Der Apfel ist ebensogut ein Trabant der Erde als der Mond. Alles, was die Erde anzieht, ist Trabant, ist Mond, und die ganze Erde ist Trabant von sich selbst. Jedes Raumindividuum ist Weltkörper; die Erde .... übt nur so große Störung darauf aus, daß es ganz nicht weiter kann. Alles ist Weltkörper-Störung, – von derselben Art, wie, Erde und Mars, Saturn und Jupiter sich stören. Das System dieser Störungen ist das System chemischer .... Verwandtschaften. Alle Chemie ist Astronomie. Jeder dieser kleinen Planeten hat seine Atmosphäre oder Schwersphäre so gut, wie ein großer Weltkörper; – dies ist schon faktisch. – Alles stört sich. Schönste Störung: – Liebe. Blume, Frucht, Pflanze, Saamen, Kind, Jüngling, Mann und Frau: – Weltkörper, – sie stören sich. 83b. Manches Transitorische hat die Erde. Feuerkugeln – Sternschnuppen – Kometen: – bei größter Störung der Erde Eigentum. Sie fallen herunter, sagen wir. Jeder Regentropfen ist eine Welt, der Tau ein wahrer Planetensegen; die Luft ein ganzes gegossenes Meer von Weltkörpern. Alles zieht sich, das Homogene sogar, und selbst aus der Ferne. Licht = Selbstwahrnehmung dieses Prozesses in die Ferne. Doch sind ja immer die Körper einander gegenwärtig. Jeder Schwerpunkt ein organischer Keim. Wie die Erde lauter Weltkörper, Mond, usw., so jedes Aggregat, jeder Stein, jedes Kontinuum, eine Masse von kleinen Planetchen. Der Schwerpunkt, ohne Sättigung mit Körpern, mit Massen, zu der er ohnehin nie ganz gelangt, ließe sich eine Monade nennen. Gibt es dergleichen selbst im größern Stil? – Sie könnten sogar wichtige Rollen spielen. Durch nichts zu erblicken, und doch da: – Welt geister . – Im Vakuum zum Beispiel bleibt dieser Weltgeist übrig. Wärme, Magnetismus usw., sind Modifikationen, die er erleidet und erleiden kann. Man sieht, es kann solche Vakuumsplaneten geben, und sie werden sich verhalten, wie die vollen. Aus jedem materiellen Planetenpartikelchen scheidet eine solche Weltmonade neuen Geist aus, indem sich der ihrige in ihm verfängt, und so bleibt immer Geist nach außen da. Doch ist noch auszumachen, wie weit dies fortgeht. – Die ganze Elektrizität scheint ein solcher monadenartiger Planet zu sein, – alle durchdringenden Kräfte. Alles, alles ist Planet. Eine Ansicht für alles ! 84. Jeder Körper ist noch außer sich da. Ebenso, wie der Magnet noch außer sich da ist. Jeder Körper ist kleiner Planet; (s. 83.). Jeder Körper läßt sich ebenso von aller Materie entblößt vorstellen; dann ist er bloße ›Monade‹. Beim elektrischen Prozeß zum Beispiel dürfen sich bloß die Monaden der Körper berühren, denn sie sind die eigentlichen Körper. Hierher Voltas Beobachtung, daß Körper schon bei bloßer Näherung sich gegenseitig erregen, elektrisieren. Mag wohl alles + und - E , was erregt wird, nur auf dem Wachstum dieser Monaden beruhen? – Das elektrische System der Körper ist das System dieser Monaden, der Gegensatz darin ihr Gegensatz. Gewöhnlicherweise sind alle dem allgemeinen Bindungsindifferenzgesetz der Erde unterworfen. Hierbei treten sie hervor, die negativen wie die positiven. Alle Körper sind versteinerte Elektrizitäten. Franklin schon sagte, man sollte denken, Glas bestünde aus weiter nichts, als Elektrizität. 85. Es gibt Körper, die gleichsam die Decke zweier, auch mehrerer, Planetenmonaden ausmachen; es sind die Komposita. Simplicia sind, die nur einer Monade zugehören, oder nur eine sind. 86. (1802) Was heißt Individualisieren, Individualisieren der Erdeinheit? – Entstehen, Bilden derselben, durch einen ihrer Faktoren mit einem andern, der aber mit fernerer Indifferenz oder Polarität verbunden ist. So wird sich a b individualisieren in α β. Es erhellt, daß alles Individualisieren in duplo vorkommen muß. a b sei die Einheit der Erde. Sie wird differenziert zu: Da nun a in [α] dasselbe Moment von b fordert, was es in a b befragt, und ebenso b in [β] dasselbe Moment a , so folgt, daß das Individualisieren notwendig ein Duplieren sei. So wie aber a b dupliert wird, so wird auch [α] [β] dupliert. Denn: α fordert in a ein entsprechendes Moment von β, β in b ein entsprechendes von α. Dadurch ist 1 (α β) zu 2 (α β), und ebenso 1 ( a b ) zu 2 ( a b ), erhoben. Die Umstaltung des a b in α a und b β, und so die Umstaltung des α β in a α und b β, ist zugleich eine Emanation. a b selbst emaniert, doch nicht durch einen Übersprung, sondern durch Überstaltung – Außer-sich-Eingestaltung. Das Individualisieren ist also das Begründende aller Kommunikation des Außereinander. Da dieses aber erst die Totalität in die Zahl der Individuen bringt, so ist ein Organisieren ohne Individualisieren nicht möglich, eine lebende Welt ohne Individualität nicht gedenkbar. 87. Alle Materie, alles was wiegt, ist in gleichem Grade schwer . Schwere aber drückt das Verhältnis der Materie zum Erdmittelpunkt, dem Erdschwerpunkt aus. Dieser aber ist derselbe . Das Verhältnis bleibt dasselbe , folglich muß auch das, was sich verhält , beständig dasselbe sein. Dies aber ist das Gewichtige in der Materie, und also muß es in allen Körpern dasselbe sein; – welches der einfachste Beweis der Identität aller Erdmaterie ist. Die Astronomie eben beruht auf dem Satz, daß alle Materie unseres Systems gleich sei, und sie irrt nicht. So geht es ins Unendliche fort. Alle Materie durchs ganze Universum ist gleich. Was ist dieses Ewig-Gleiche? – Es muß der höchste Thron alles Dasein, das letzte, ewige, einzige Dasein und Dableiben selbst sein! Die höchste Welteinigkeit, die universelle Indifferenz selbst! Die Indifferenz, die von den Polen ewig gezogen, ewig mit ihnen verbunden und an sie gebunden ist! – Schwerpunkte sind Pole. – Verteilungs weise geht alles aus ihr hervor. Franklins Fluidum und sein Magnetismus darin. Das Eisen folgt dem Magnet nicht, sondern seinen Polen. Die Indifferenz folgt nicht der Indifferenz, sondern ihren Polen. Sie folgt nicht beiden, sondern einem. Zwischen beiden steht sie still – im Ätherpunkt. Sind beide unterschieden, so wird die Indifferenz vom stärkeren gezogen, mit dem Unterschiede der Pole; – welches immer der erste Fall wieder ist, und zwar der Ausdruck des ersten unter allen möglichen Umständen. Nie zieht ein Pol allein, beständig der Unterschied, – der größer und kleiner werden, doch nie aus sich herausgehen, kann. Bei Null desselben Stillstand, nicht, weil nicht mehr gezogen, sondern weil gleich gezogen wird. Aus dem Zug im Winkel alle Tangential bewegung. Er kann gleich sein nach beiden Seiten. In Stillstand, in Bewegung. In diesen Fällen muß alle Mechanik des Himmels enthalten sein. 88. Alle Kraft hat sonach ihren Ursprung in der Polarität. Wie die Summe der lebendigen Kräfte dieselbe bleibt, so auch die Summe der lebendigen Polaritäten, und der Zahl nach nicht sowohl, als dem Dasein nach. Des Daseins Summe ist eine beständige Größe. So viel Pole, so viel Indifferenz. ist das Zeichen der Welt. Die Indifferenz dieser Freiheit ist das Leben im Dasein, ewig wie dies. Dem Endlichen ewig mannichfach in Raum und Zeit, dem Unendlichen ewig eins außer Raum und Zeit. 89. Wasserstoff und Sauerstoff innig verbunden = Eisen, locker verbunden = Wasser . 90. Volta fand, ›daß die Quantität elastischer (Wasser- und anderer) Dämpfe in einem Raum, er mochte luftleer oder mit Luft von was immer für einer Dichtigkeit gefüllt sein, dieselbe sei‹, (s. dessen Schreiben an den Abt Vasalli über die tier. Elektr. Herausgegeben von Dr. J. Mayer . Prag, 1796. 8. S. 64.) Gilt ein ähnliches Gesetz auch für die Sphäre der festen Aggregate? – Richtet sich die Menge von Wasser in einer solchen Raumerfüllung durchaus nicht nach der Natur des festen Mediums, sondern beständig nur nach der Menge des gegenwärtigen Calorique ? 91. Die Fläche ist ein halber Körper. 92. Die Lichtgebung einer Sonne, ihr Ausströmen von + oder - M(asse), sieht äußerst gleich dem Ausströmen einer Metallkugel nach allen Seiten, die von irgendwoher mit ± E geladen wird. Die Ladung scheint bei der Sonne durch den ewig wiedererstehenden Pol von + M, der den Schwerpunkt ausmacht, zu geschehen. Was der Schwerpunkt einleitet, strahlt der Körper als Licht aus. So muß auch die Erde leuchten. Auch sie strahlt ein entgegengesetztes Licht aus, und dieses Licht ist's, mit dem die Erde sieht. Durch und mit ihrem eigenen Licht sehen die Erde und der Mensch. Sie fangen damit das der Sonne in sich auf. Das durch den Erdpol frei gemachte - M, und sein dauerndes Freimachen, ist die Produktivität der Erde, ihr Erreg bares , das repräsentierte + M der Sonne ihr Erreg endes , die Indifferenzierung beider das Leben , – das sich selbst wahrnehmen kann. Höchste Stufe: – Mensch – Liebe. 93. ist der Ausgangspunkt des philosophischen Astronomen. Erklärt er, wie dieses übergehen kann in , so hat er alles erklärt. Obiges ist die Ruhe, dies das Leben der Natur. 94. Was ist das Individualisieren in der Natur, physisch ausgedrückt, und dem einfachsten Phänomene nach, wohl anders, als: Vergrößerung der Erdoberfläche? 95. Sollte das Altwerden wirklich nichts sein, als die Folge, der Ausdruck, des Fortschreitens der Erde, ihres Weitergreifens und Unterarbeitens des Altern? –Im Zeugungsakt scheinen die jüngsten neuesten Eingreifungsakte des -- M in das ± M des Äthers fixiert zu sein. Alle Organisation ist jünger als das Wasser. Wasser ist der Erde erstes Geschöpf, nach dem Begriffe, den wir heutzutage von der Organisation haben. Auch das Wasser wird einst sterben. Nach dem jüngsten Eingreifen der Erde folgen immer jüngere; der ältere Eingriff senkt sich tiefer ein in die Erdgefangenschaft, immer umstrickter wird seine Folge, bis endlich die Zeit der Daseinsänderung, der Daseins weisen änderung, kommt; dies ist der Tod. Er kann gefördert, er kann aufgehalten werden, aber immer beschränkt. In der Zeitgeschichte des -- M oder vielmehr der -- (Erde) liegt die Geschichte der Possibilität des Menschengeschlechts,, welches übrigens überhaupt nur in den kleinen Zeitraum vom Wasser an bis zu seinem Tode und des Kommens eines neuen Wassers fällt. Hier sind wirklich die Prinzipien einer echten Geschichte zu suchen, und einzig hier. Jedem später geborenen ist eine höhere Possibilität mitgegeben; die Skale dieser Possibilitäten ist die Skale zu einer Theorie der Menschengeschichte, und die Skale der Verwirklichungen derselben ist die Skale der Menschengeschichte selbst. Die Verwirklichungen setzen sich ebenso konsequent durch. Wo, wie viele Male, ist eins. Jeder neue Fortschritt hat vielleicht nur einen Autor. Bis zur Vorzeit kann der neue Mensch sich allemal erheben, an die Vorzeit die Gegenwart binden, das ist, voreilen. Dann ist er Mensch par excellence . Alles echte Leben ist indifferentistisch zwischen Sonne und Erde. Rein im Zeugungsgeschäft geht der materielle Eingriff in den Äther fort. Geschlechtsliebe ist die unwillkürliche Koinzidenz mit dem Tun der Erde, und somit Organwerdung des Moments seiner Propagation, und zwar des steigenden. Und durch jede Übung wird man wieder Kind, und wächst schnell wieder heran bis zum selbigen Jüngling usf., bis man zwischen Kind und Jüngling stehenbleibt, und nicht mehr Jüngling wird. Geschlechtsliebe mit geistigster zur einen ungeteilten ist das Möglichste. Hier reicht das Menschenpaar durch alle Welten. 96. Zeit ist der aufgefaßte Faden, den die Evolution, die Potension, des Eingreifens des -- M in das ∓ M der Welt (s. oben) ausspinnt. Unsere gewöhnliche Zeit ist irdische Zeit. Inmitten der Indifferenz aber werden wir Fortsetzung einer anderen Evolution; wir gravitieren gegen ein Höheres, dessen Faden nur neue Zeit für uns ist. In dieser Zeit lebt das Liebende und der Philosophierende. Außer Zeit heißt außer Erdenzeit , außer Raum heißt außer Erdenraum . Unser Raum sind wir selbst. Irdisch ist er, wenn wir irdisch sind, himmlisch, wenn wir himmlisch sind. Ebenso ists mit der Freiheit. Freiheit vom Irdischen ist Notwendigkeit im Himmlischen. Ebenso ist sterblich das Irdische, unsterblich das Himmlische. 97. Gasarten haben, eigentlich , gar kein spezifisches Gewicht, und nur aus Not haben sie welches. Ihre jetzigen spezifischen Gewichte deuten nur die Momente der unendlichen Protensibilität in ihrem Verhältnis zueinander an. Sie bedeuten hier recht eigentlich das Qualitative. Wasserstoffgas ist das allerleichteste, das allerunendlichste. Nur die ± M-Indifferenz kann schwer sein. Alle letzteste Indifferenz ist unendlich, sie expandiert sich ins Unendliche, – darum, weil sich das mit dem gegenwärtigen freien Äther ins Gleichgewicht setzt. Es steckt den ganzen Äther an, eigentlich nur mit dem äquilibrischen Prozeß. Und je weiter man öffnet, desto weiter steckt es an, desto mehr verdünnt es sich. Dasselbe ists mit dem Sauerstoffgas. Dieses ist dem Äther entfernter. Es ist schwerer und älter, während Wasserstoffgas die jüngste Indifferenz ist. 98. Es wird alles zu Eisen. Dieses ist die gebändigste ± M-Indifferenz, die jetzt werden kann. Darum fällt Eisen aus der Luft, aus Tieren, Pflanzen und Steinen nieder. Aus Eisen wird dann vielleicht immer mehr und mehr. Nur durch E - und In volution sind Produkte möglich. St...s weiß bloß von Evolution. Er wird aber immer nur stumme Reihen, nie etwas Lebendiges darstellen können. 99. Der Sauerstoff ist das - M der Erde mit dem ± M des Äthers verbunden. Der Wasserstoff ist dasselbe, nur aus einer anderen Zeit. Aller Gegensatz von Masse fällt allemal nur in das Frühere und Spätere. So ist Wasser Indifferenz von Zeitaltern. Daher auch das Erklärliche, daß immer nur ein Individuum gezeugt wird. Es ist in der Tat das Ganze. 100. Ich verliere immer mehr den Glauben an Reihen, die durch äußere Kennzeichen aufgefunden werden sollen, – darum, weil zu einem Phänomen sich immer alles im Körper vereinigt, zum Beispiel bei der Kohärenz die Dichtigkeit, die Festigkeit usw. Wer weiß, wie es selbst mit den chemischen Reihen ist, die doch noch zuerst etwas Gründliches sein sollten. Wichtiger und uranfänglicher sind ohne Zweifel die elektrischen oder galvanischen Reihen. Man muß zu allen diesen Reihen notwendig vom Innern kommen . Es kann keine Reihen geben, weil jede immer nur ein Glied hat. Metalle, etc., sind Grenzsteine gleichsam, was dazwischen von Land liegt, ist leer. 101. Vielleicht ist dies und jenes Metall in bezug auf ein anderes dasselbe, was zum Beispiel Salpetergas in bezug auf den Stickstoff oder Kohlenoxydgas in bezug auf die Kohle. Bei den immetallischen Combustibilien herrscht Reduzierbarkeit der übrigen durch das kombustibelste, ebenso bei den metallischen. Doch ich wollte etwas Tieferes andeuten, nämlich, daß die eigentlichen, die primären Metalle eine ebensolche Reihe machten, wie die Immetalle vom Schwefel herab bis zum Wasserstoff. Dasselbe, was erstern vom letzterm unterscheidet, unterscheide auch Piatina von Eisen etc. 102. Alles Unmetallische scheint aus der (Wechsel-) Wirkung der Sonne und der Planeten herzurühren. Das Metallische dagegen scheint weit höhere Beziehungen zu haben, welches auch schon die andere Ordnung der Metalle in den Richter schen Reihen der spezifischen Lebensluftstoffungen bezeugt. – In der Richter schen Reihe der unmetallischen Kombustibilien ist der Sprung vom Sauerstoff, (dessen spez. Lebensluftstoffung = 0), zum Schwefel, (dessen spez. Lebensluftstoffung = 1,381), merkwürdig, und hat Ähnlichkeit mit dem Sprung von der Sonne bis zu dem Orte, wo der nächste Planet möglich oder auch wirklich ist. Notwendig muß die Planetenreihe die Basis aller Zahlenordnung im Verbrennlichen sein, und verbrennlich ist alles Planetarische. Die Sonne dagegen ist es minder, und spielt darum die Rolle des Oxygenpols im Sonnensystem. 103. Die Erden scheinen verdorbene Alkalien zu sein. 104. Die Erden sind das Hauptsächlichste auf Erden, das am meisten Vorkommende; das was aller Erklärung am nächsten liegen muß, – worauf bei der Bildung die meiste Kraft verwandt wurde, – was den meisten Egoismus, – die größte Selbstständigkeit – behauptet. 105. Merkwürdig ist, daß kein einziges Metall so leicht , wie eine Erde, und kein einziges (kombustibles) Immetall so schwer , wie eine Erde ist. Sind die Erden wahre Indifferenzkörper, und Metall und Immetall Pole von ihnen? 106. Pflanze-Tiere = Erde-Metall = Indifferenz-Pol. 107. Es gibt Verbindungen von Körpern mit Wasser, von Festem mit Flüssigem, wo das Feste den Charakter gibt. Kristallisationswasser in den Kristallen. Es gibt Verbindungen von Festem und Flüssigem, wo das Flüssige die Oberhand hat, und den Charakter gibt. Auflösungen. Es sind dieses die beiden Sättigungspunkte zwischen fest und flüssig. – Es gibt Fälle, wo beide Punkte in einen zusammenfallen. Diese kommen nur in der organischen Natur, wie jene nur in der anorganischen vor. Die organische Natur wird hier zur Indifferenz der Pole der anorganischen. 108. Eine Sonnen-Erd-Physik wird nie weiterkommen, als bis zur Geschichte der Struktur. Das Begrenzende, Individualisierende, im Individuum nach Mannichfaltigkeit Zusammenbindende, liegt höher. Es verliert sich in eine Sonnen-Erd- Welt -Physik. 109. Der Satz bei Berthollet , daß, wenn sich ein Stoff in Gestalt eines Niederschlags ausscheidet, er einen Teil desjenigen Stoffs an sich behält, mit dem er vorher verbunden war, leidet eine herrliche Anwendung bei Mineralkörpern, wo die kleinere Mengen der Bestandteile andeuten können, aus welcher Auflösung der Niederschlag geschah. 110. Kohäsion, Elastizität etc., bei Berthollet , sind nichts als Individualisationen einer und derselben (chemischen) Verwandtschaft. Sie organisieren die Verwandtschaft. – Der Übergang eines Flüssigen in Luft ist eine Crystallisatio amorpha . 110. Löst eine Flüssigkeit ein Gas auf, oder hat sie es aufgelöst in sich, so tut sie dasselbe, was ein unendlicher Druck tun würde. Wie die Aufhebung der Kohäsion ein unendlicher Antidruck ist, der dem Wasser ... ein endlicher ist, indem es in jedem Punkte diesen Druck ausübt, so die Aufhebung der Elastizität ein unendlicher Druck , der dem Wasser wieder ein endlicher ist, indem es ihn gleichfalls in jedem Punkte ausübt. Unendlicher Druck auf endliche Oberfläche = endlicher Druck auf unendliche Fläche. Unendlicher Antidruck in endlicher Oberfläche = endlicher Antidruck in unendlicher Fläche. Diese Endlichkeiten sind die (chemischen) Verwandtschaften. 112. Die Organisation der Erde ist offenbar nur der eine Pol in der ganzen Kohäsionsskale der Erdindividualität. Die Indifferenz liegt jenseits des Granits, und kommt ganz und gar nicht reell vor, wie keine Indifferenz. Vielleicht, oder höchstwahrscheinlich, gibt es einen positiven und negativen Granit; der erste gehörte nach außen, und wäre der unsrige, der zweite gehörte nach innen, und wir hätten ihn noch nicht gesehen. Die Indifferenz, die ihm gegenübersteht, könnte reiner Quarz sein mit Eisen, als schon wieder einer weiteren Indifferenz, die zu der aus der ersten und den beiden Granitpolen. Der Indifferenzpunkt der äußern und innern Welt, (Erde), würde die eigentliche Erdoberfläche oder ihre Grenze beschreiben, und die Indifferenz der Erdindividualitätslinie sein. 113. Auf dem Monde muß sich gleicher Gestalt die Erdindividualitäts- (Erdreihenkohäsions-) Linie offenbaren. Aber der ganze Mond scheint nur eine Offenbarung derselben zu sein. An einer Seite scheint er die negative (innere) Erdorganisation, an der andern die positive (äußere) zu haben. So hat der Mond an zwei Seiten , auf zwei Hemisphären , was die Erde auf den beiden Seiten ihrer Oberfläche hat. Seine Mitte scheint der Indifferenzpunkt zu sein, der bei uns an der Oberfläche zwischen + und - Granit herumläuft. 114. Wenn einst das Azot respirieren, und keine Atmosphäre mehr sein wird, dann wird alle Individualität auf Erden zur höchsten Pracht gelangt sein. Dieses scheint mit dem Monde der Fall. Er scheint der Körper, wo unmittelbar aus dem Äther geatmet wird. Darum ist er auch trocken. Darum ist auf ihm die Kohäsionslinie der Erde zu einer neuen Potenz erhöht, und somit eigne neue Schwere begründet. 115. Licht ist äußere Anschauung der Schwere, Liebe innere. 116. Ist die Flußspathsäure das Oxygen der alten Welt, (wie Kiesel ihr Hydrogen)? – Eben weil sie so fast ganz verschwunden ist. – Die Erden sind vielleicht nur flußspathsaure Neutralsalze. Aber was sind dann flußspathsaure Neutralsalze, wie wir sie noch komponieren? – Merkwürdig jedoch bleibt es immer, daß Flußspathsäure eigentlich die einzige ist, die die Kieselerde auflöst. Man betrachte auch die Kristalle aus flußspathsaurer Kieselerde. – Schön ists, daß nach der Flußspathsäure die Salzsäure die einzige ist, die einige Wirkung auf den Kiesel hat. Das Oxygen einer neueren Zeit, zu der das Natron als Hydrogen gehört. Das Kochsalz, als ehemaliges Wasser, bleibt sehr merkwürdig. Wer weiß nicht, entdeckt man noch im Meerwasser Spuren von Flußspathsäure. 117. In Sickingenschen Versuchen würde geben: a) Große Kohäsion mit großer Rigidität .... Höchstschweres Reißen, gleichsam schon Springen, mit wenig Dehnung. b) Große Kohäsion mit geringer Rigidität .... Leichteres Reißen mit viel Dehnung, – Hämmerbarkeit. c) Kleine Kohäsion mit großer Rigidität .... Schweres Springen. d) Kleine Kohäsion mit kleiner Rigidität .... Leichtes Springen, – Bröckeln. Zu a gehört Stahl. – Zu b Eisen, Zinn, Blei. – Zu c Diamant. – Zu d Glas, Harz, Schwefel, Eis. Kohäsion ohne alle Rigidität gäbe bloß und allein Flüssigkeit mit ihren Graden. Ist also das hämmerbare Eisen nichts als ein in minderem Grade flüssiges Eisen? – Wie es hämmerbarer wird, wird es immer flüssiger, bis endlich im völligen Fluß es absolut hämmerbar ist. Hier aber tritt nun schon die Schwere als Hämmerndes ein, und nach jedem unsrigen Hämmern hämmert sie die Flüssigkeit sogleich selbst wieder in die ihr angemessenste Form. Die Schwere übt dieses ihr ›Hämmern‹ auf alle und jede möglichen Kohäsionsgrade, abstrahiert von der Rigidität, aus. Daher liegt sich Eisen nach Jahren krumm, so Zinn, Blei, Wachs, selbst Glas. Es werden hiermit auf einmal alle die Übergänge von fest zu flüssig, die zuweilen so schwer zu fassen waren, begreiflich. – Schnelle Übergänge von fest zu flüssig, die durchaus einen Hiatus zu machen scheinen, sind nicht Übergänge der Kohäsion, sondern der Rigidität. Nur die Rigidität hat plötzliche Wärmekapazitätsänderungen, die der Kohäsion an sich geschehen kontinuierlich. In der Kohäsion widerfährt jede Veränderung dem Ganzen ; daher unendlich kleine Momente für unendlich viele Punkte. In der Rigidität hingegen widerfährt jede Veränderung dem Teil , dem Punkt . Daher endliches Moment für unendlich kleine Fläche, oder endliches Moment für den Punkt als unendlich kleiner Fläche. – Die Gasarten hämmern sich selbst. Das Tropfbarflüssige wird von der Schwere gehämmert, das Feste von der Rigidität. – Man sollte denken, die Rigidität wäre eine Art von Schwere, die höher läge, als die unsrige, so wie der Gaszustand eine Art Schwere, die tiefer läge, als die unsrige. 118. Alles in der Welt bleibt so groß, als es einmal ist. In der elektrischen Kette ist ; wenn ich aber Z + und Z -, oder S + und S -, zusammenaddiere, habe ich die alte Größe wieder. Es kommt aber ein Metall nie über diesen Zustand heraus, folglich bleibt es jederzeit sich selbst gleich. So mit dem Magnetismus, so überall. Alles Endliche in der Welt bleibt sich selbst gleich. Die Welt ist , und was in ihr ist, ist von Ewigkeit her und in Ewigkeit . Hier das Urindividualitätssystem der Welt. Hievon wird nie etwas zu-, noch abgenommen, noch etwas darin geändert. An sich würde dies System ein totes sein, aber die Gemeinschaftlichkeit der Individuen erhebt jenes und diese zu einer neuen Geburt. Dies ist indes abermals eine beständige Größe; die durch die Gemeinschaftlichkeiten begründeten höheren Individualitäten sind ebensowenig zu-, noch abnehmbar, noch veränderlich, ihrem absoluten Dasein nach. Und so alles mögliche, was noch weiter geschehen könnte. 119. Die Dichtigkeitsskale der Körper ist nichts, als ihre magnetische Linie. Diese Linie selbst ist starr, ideell starr, ideell rigid. Die ideelle Rigidität ist die Behauptung der Dichtigkeitslinie durch die Körper hindurch. Die reelle Starrheit, reelle Rigidität, ist die Behauptung der Dichtigkeit im einzelnen Körper, die im Individuum durchgebrochene Rigiditätslinie. Sie bricht durch, wenn differente Dichtigkeiten in einem Individuum indifferenziert sind. – Vielleicht ist das reinste Eisen ohne alle Rigidität, und erst Zusatz von Wasserstoff oder Kohlenstoff, oder Wasserstoff + Kohlenstoff, macht die Rigidität heraustreten. 120. Rigidität ist das Resultat einer Indifferenz, einer Indifferenz zweier bloß Kohärenter. Also gibt es zweierlei Kohäsion, + und - Kohäsion, und + und - kohärente Körper. 121. Was beim Tiere Gestalt, und beim Menschen Schönheit ist, ist beim Metall der Glanz. 122. Kohäsion = Dichtigkeit. Aber Rigidität = Indifferenz zweier und entgegengesetzter Kohäsionen. Wir indessen kennen bloß die erste Kohäsion und erste Dichtigkeit. Wo ist die zweite? – Die Oxydation scheint einige Erläuterung zu geben. Hier wird die Rigidität ausdrücklich vermehrt. Aber es geschieht durch Sauerstoff. Folglich wäre die als Differenz die andere indifferenzierende Kohäsion oder Dichtigkeit die des Oxygens, und die uns bisher bekannte bloß die des Hydrogens. Als Dichtigkeit scheint erstere uns gerade nicht offenbar zu werden, durch was aber sonst? 123. Da jede Polarisationslinie sich so: oder so: usw., ausdrücken läßt, so kann man die Intensität einer Polarität sehr füglich durch den Winkel wiedergeben, den die Differenz vom alten indifferenten Zustande in γ macht. Der Winkel βγb = αγa gibt die Intensität der Polarität. 124. Die Metalle sind die stumpfen Pole des Eisens. 125. Wie Licht zu Wasser sich verhält, so Eisen zu den Erden. 126. Die Metalle sind die Diener des Lichts, die Priester der Sonne; aus ihnen leuchtet das Licht abermals. Sie ersetzen das Licht auch wo sie sind, und ihr Gespräch sind Farben. – Die Erden bewahren die Mysterien. Sie sind ihr geschloßner Bund mit Gott (= Sonne II). Sich selbst vergessend (durchsichtig) glüht Liebe in ihnen in neue höhere Sehnsucht auf, damit ihre Stillung nie ende. 127. Das, wonach man bei physikalischen Hauptversuchen zuerst greift, ist in der Regel allemal das Wichtigste und Richtigste, wenn man es auch selbst im Augenblicke nicht gleich weiß. So zum Beispiel ließe sich aus einem einzigen Brechungs- und Farbenversuch mit einem Prisma von Wasser unser ganzes Verhältnis zur Welt entdecken. Auch die Leidner Flasche wurde zuerst mit Wasser konstruiert. 128. Das Eisen muß zum leichtesten Metalle werden. Metalle, die leichter als das Eisen, dürfen nicht gelitten werden. 129. Das Leben ist die Anschauung der spezifischen, die Liebe, die der reinen, absoluten Schwere. Leben = relative Indifferenz, Liebe = absolute. 130. Die Theorie der Effloreszenz ist die Theorie der Vegetation. Die Effloreszenz ist der Versuch, spezifisch leichter zu werden, hinanzusteigen, wo die Schwere geringer ist, ohne Änderung des Volumens, die nicht möglich sein soll. 131. Das bestimmte Wiederkommen einer und derselben Steinart usw., deutet auf ein organisch-individuelles Verhältnis derselben hin. So viele feste Steinarten, so viele Individuen von Geschlechtern gibt es gleichsam unter den Mineralien. Man muß das organische Reich der Steine etc. recht als solches betrachten. Hier hat auch die Kontinuität einen großen Sinn, denn jedes Stück wird anders, wenn es zerbricht. Das Zerbrechen ist hier geradezu ein weitergehendes Individualisieren, und nie kann man das Ende des Individuellwerdens erreichen. Alles der anorganischen Natur hat diese Eigenschaft. Zertrümmerung heißt hier Vermehrung, Individualisierung. In der organischen Welt hingegen ist es anders. Man kann verfolgen, wie sich die Zertrümmerungsfähigkeit auflöst in Gleichgültigkeit der Zertrümmerung im Wasser, in Einschränkung derselben bei den Polypen usw., bis zuletzt in totales Verbotensein in den ausgebildetsten Organisationen. 132. Die ältesten Steine sind auch die härtesten, festesten. Als wäre die Zeit das Härtende, und sähe man in der Rigidität die Geschichte; – das Rigider-, und immer Rigider-, Festerwerden, – Oberhand der Form, Zunahme derselben. Das Flüssige wird fest, das Feste fester. In der Starrheit der Körper liegt ihr Alter. Alles Festwerden ist ein Prozeß der Zeit, der Geschichte. (Vergl. hier Spallanzanis nachwachsenden Sandstein, Winckelmanns Wiederwachsen des Traventino, das Steinbrechereisen in afrikanischem Marmor, und die goldene Münze Augusts in Porphyr, bei ihm usw.) Die Wiederverfließungen sind Nutationen in der Zeit, – die ohnehin keine reine Linie beschreibt, sondern selbst nutiert, und dadurch sich abteilt . Daß Wärme wieder flüssigt, bedeutet die Vorzeit in ihr, das Gute, die Gesundheit, das Paradies. Die Kälte ist die Zukunft, und notwendig muß alle Geschichte auch eine Geschichte der Temperatur werden; das (magn.) östliche Prinzip ist das warme, das westliche das kalte. (Die älteren Naturforscher nannten das Gehen der Nadel nach Osten: Graecissare , das nach Westen aber: Magistrissare .) Zugleich bedeuten Wärme und Kälte: Flüssigkeit und Festigkeit. – Überhaupt wird es immer nötiger, den Einfluß der Zeit anzuerkennen. Wir können nur durch die Geschichte eine Physik haben. Und das Moment aller Prozesse ist bloß das Moment der Zeit in ihnen. Was wir vornehmen: unterwürfen wir es nicht der werdenden Zeit, es geschähe nichts. Überall ist es das alte formende, trennende Moment der Erde überhaupt, was wiedererscheint – in jedem Prozeß, und in der ganzen Natur sehen wir nichts, als diesen Prozeß. Die ganze Physik muß darauf ausgehen, ihn nachzuweisen. 133. Zu bemerken ist, wie die Erden nie rein vorkommen, sondern immer Verbindungen mehrerer etc. Aber die Metalle kommen für sich vor. Oder vielmehr: die Erden oder die terrestrischen Individuen sind zerlegbar, die metallischen Individuen aber unzerlegbar. Es ist dies ein ordentlich organischer Charakter, und bezeichnet Violabilität und Inviolabilität , erster der Steine, letzter der Metalle. Aber auch noch mehr: Sterblichkeit und Unsterblichkeit . 134. Da ein bloß mechanisches Aggregat endlich zum dynamischen Continuum werden kann, und hierzu nichts mitwirkt, als die Zeit, dasjenige aber, was sie immer stärker macht, die Adhäsion oder die allgemeine Anziehung ist, so sieht man, daß Kontinuität das Produkt ist aus Kontiguität und Zeit. Die Zeit muß alles erhöhen, was durch Nähe, Berührung, Druck, Reibung etc. zweier Körper gegeben ist. Ein Punkt von großer Wichtigkeit ist hier berührt, der durch die ganze Lehre vom Zusammenhang, von Wärmeerregung, von Elektrizitätserregung und derselben Spannungsmoment u. dgl. durchzuführen ist. 135. Alle Vergleichungen in der ersten Zeit der Geschichte eines Gegenstandes können, wenigstens provisorisch, für Identitäten gehalten werden. So wurde früh das Leuchten des gestoßenen Zuckers mit dem elektrischen Licht verglichen, die elektrische Anziehung mit der des Zusammenhangs schon von William Gilbert usw. 136. Gaseität ist die dynamische Gestalt, Rigidität mechanische. Spezifisches Gewicht = Dichtigkeit = Kohäsion = Indifferenz von dynamischer und mechanischer Gestalt: Gestaltlosigkeit. – Die Polarität von Rigidität und Gaseität ist auch die am Magnet; der eine Pol nimmt an Gestalt zu, der andere ab. 137. Es gibt nur einen Körper, der der festen Gestalt fähig ist, das Wasser. Alle Körper sind nur durch das Eis in ihnen fest. Das Wasser kann unendlich fester gefrieren, als im bloßen Eis, so wie es unendlich zersetzbarer werden kann, als im bloßen Wasser. Alle Materien sind nur zersetzbar durch das Zersetzungswasser in ihnen, alle nur zusammensetzbar, kristallisierbar, durch das Wasser, das Kristallisationswasser , in ihnen. So geht alle Form und Unform, Kristall und Gas, allein vom Wasser aus, und das Wasser ist das einzige Bildungsfähige in der Natur. Auch alle Flüssigkeit, als Mitte von Form und Unform, kommt vom Wasser her, und das Wasser kann unendlich flüssiger werden, als es im Wasser ist. – Alle Bildung dreht sich um das Wasser herum. Es gibt Kristallisations eis und Kristallisations gas . Zwei Gasarten (Hydrogen und Oxygen) gibt es nur, durch die alles andere Gas, ein Eis gibt es nur, durch das alles andere Eis. 138. Die verschiedenen Körper bedeuten oder bezeichnen die verschiedenen Sphären der Erde. Diese Sphären sind dieselben, auf welche die Betrachtung der Planeten nach Sack zuletzt führt. Jeder Körper, der eine dieser Sphären anzeigt, verschwindet, wenn er bis an das Ende dieser Sphäre gebracht wird (er löst sich ganz in Funken etc. auf). Da nun die Erde nur in einer von allen diesen Sphären rotiert und rotieren kann, so bedeutet das, daß die Erde gleichsam eines Körpers auf und in ihr wegen, der ein gewisser ist, rotiert. Dieser Körper scheint das Eisen zu sein. Und der Magnetismus verrät nur, was mit dem Eisen selbst für Veränderungen bei seiner Rotation vorgehen. Verschiedene Körper zu einerlei Höhe erhoben, müssen verschieden am Gewicht abnehmen. Eine Waage, die mit ihnen an der Meeresfläche im Gleichgewicht steht, muß 10 000 Fuß höher es nicht mehr tun. Auf diese Weise müßten sich selbst die Körper in eine Reihe bringen lassen. Ferner, da nur die Eisensphäre durch die Sonne affiziert wird, so muß das Eisen Schwankungen in seinem Gewicht erleiden, und zwar allein. Ein Körper mit Eisen zugleich an einer sehr empfindlichen Waage aufgehangen, muß beständige Schwankungen an dieser Waage geben. Diese Schwankungen müssen sich verhalten, wie Tag und Nacht, wie Sommer und Winter, usw. Die Schwere gegen die Sonne affiziert das Eisen . Das Wasser aber beschließt seine Sphäre gegen den Mond zu. Das Wasser muß an der Waage die Mond perioden angeben, leichter und schwerer werden nach dem Stande des Mondes. Es wäre nichts als Ebbe und Flut auf die Waage gebracht. Im Falle des Eisens wäre die Ebbe und Flut des Eisens auf ihr. Rotierte die Erde mit einem andern Körper, als dem Eisen, so würde dieser andere Körper den Magnetismus zeigen. 139. Eine Polaritätslinie scheint um so kürzer zu sein, je größer die Intensität dessen war, was sie bewirkte. Daß also die Länge einer Polaritätslinie sich umgekehrt verhält, wie ihr Spannungsmoment. 140. Nicht Geschichte der Physik, sondern Geschichte = Physik = Geschichte. 141. Die beiden Pole aller körperlichen Gestalt sind das Tetraeder und die Kugel, jenes der positive, diese der negative Pol. Bei jenem ist die meiste Fläche gegen die mindeste Masse, bei dieser die wenigste Fläche gegen die meiste Masse. 142. (1803) Metalle, Erden usw., wie sie natürlich vorkommen, sind Indifferenzen, und alle Analyse ist Differenzierung, bei der der eine Pol gleichsam abgeleitet wird. Die Ableitung aber kann nie absolut werden, folglich auch die Trennung nicht. So läßt zum Beispiel das eine Scheidungsmittel in Silber x Prozent, das andere x – y, das dritte x – y – z Kupfer zurück. Ja man weiß nicht einmal, ob reines Silber, oder irgendein reines Metall etc., je darstellbar, und ob es nicht bloß in und durch seine ›Beimischung‹, Vermischtheit oder Unreinheit, darstellbar ist? 143. Bei Gelegenheit der Kristallisation des Wassers als Schnee usw., kommt man auf die Idee von sechs Weltgegenden. Es sind die sechs Richtungen, nach denen es in Form tritt. 144. Es muß auch Schwere-Zersetzungen geben, wie Wasserzersetzungen usw. Hier muß aus dem Nichts etwas hervorzuspringen scheinen, oben zum Beispiel Hydrogen, unten Oxygen. 145. Haben nur gewisse Salze Kristallisations wasser , andere aber ›Kristallisations‹- Hydogen oder ›Kristallisations‹- Oxygen ? 146. Schema der Zustände der Körper: Wie der Dampf in entgegengesetzte Gase polarisiert, so der Kristall in Glas und Alkohol. Aber im letzten Fall ist es eine andere Polarität als im ersten. Übrigens erhält man auf diese Art die bekannte Hieroglyphe wieder, und die Sieben in ihr. 147. Ob bei Gebirgen und deren Lagern nicht eine bestimmte Anzahl Schichtungen anzutreffen sind, aus der man die Anzahl der Niederschläge ...., und folglich der Perioden der Erde abnehmen könnte? – Denn es muß möglich sein, an der Erde die Jahre und dergleichen ebensogut abzulesen, als an den Ringen der Pflanzen, der Bäume, den Enden der Hörner, den Ringen der Knochen der Tiere, usw. 148. Wir können weder durch das Torricelli sche Vakuum, noch auf andere Weise, ein wahres Vakuum zustande bringen. Wir kommen beständig auf die nämliche Indifferenz zurück, die zwischen Sonne und Erde da statt hat, wo die Schweren gegen beide im Gleichgewicht stehen. Es wäre die Frage, ob, wenn jener Punkt weiter hinausrückt, die Schwere auf der Erde, oder (gleichviel) das Schwere, auf einem bestimmten Punkte derselben zunimmt, nicht auch im Torricellischen Vakuum wiederum Materie erscheine. Es ginge daraus eine ganz neue Untersuchung des Vakuums hervor. Es ist dasselbe sehr möglich nur periodisch zugegen. An Barometern müßte sich wohl am ersten etwas darüber ausmachen lassen. 149. (1804) Wenn Bildung = gehemmter Differenzierung, so ist vollendete Trennung = Über-bildung, Aus-bildung. Die Erde ist gebildet, indem sie differenziert wurde. Differenzierung = Individualisierung; Differenzierung = Bildung; folglich Individualisierung = Bildung = Differenzierung. In der größern Natur fällt es in differente Individuen, die keinen räumlichen Zusammenhang mehr haben, auseinander. In der organischen Welt aber nicht; es bleibt eine Kontinuität; dies sind die organischen Gebilde. – In den Vegetabilien ist die Differenzierung am höchsten; es liegt alles auseinander. In den Animalien ist sie geringer, und wird immer mehr durch Indifferenzierung beschränkte Differenzierung: voller ganzer Galvanismus. – Hier zeigt sich endlich eine Brücke aus dem Grabe zum Licht herauf. Die Erde das Getrennteste, das Licht das Verbundenste. So vermählen sich Sonne und Erde zur pulsierenden Mitte zwischen Ein- und Zweiheit, Einung und Getrenntheit. 150. Auflösung = Vereinigung = Entformung. Auflösung = Tod im Organischen. Auflösung = chemischem Prozeß. So steigt mit dem Übergange der Einheit in die Mehrheit das Lebendige aus dem Grabe der Identität hervor, kommt zum Genusse seiner in der höchsten Differenzierung = Lebendigkeit, und kehrt mit sinkender Differenz in seinen Ursprung zurück. 150 b. Es muß in der toten Natur sehr viele Ausgangspunkte einer Differenzierung geben. Aber sie haben sich in Zahl und Art unkenntlich gemacht, weil sie in den zerstreut liegenden Gliedern verlorengegangen sind. Diese Punkte aber sind es, die im Organischen noch vorhanden sind, und die Centra aller Tier .... Klassen, Gattungen und Arten, auch Varietäten, ausmachen. Es dürfen auch nicht dieselbigen sein, nur ähnliche . Sie gehören alle zu einer Reihe, sind eines Ranges, aber in der toten Natur zerfällt nur der eine Teil davon; in der organischen ist der andere enthalten, und macht sie aus. So bedarf es auch für die Erde einer organischen Ansicht, und die Mineralogie hat bereits Ahnung davon. Die ganze Erde selbst ist ein solcher Ausgangspunkt. Aber er kann sich leicht wieder in viele teilen, und von diesen einige wieder öfterer in viele, als andere. Der erste beste Metalldendrit gibt ein schönes Bild davon; einige Zweige an ihm stehen nach, andere bilden sich weiter fort, und unter diesen wieder welche am meisten. 151. Wenn etwas aus der Einheit übergeht in die Mehrheit, so muß diese Mehrheit doch wieder eine neue andere Einheit sein. Und in dem Schwanken dieser beiden Einheiten, ihrer Energie, muß alles enthalten sein. Stehengebliebene Prozesse sind Indifferenzen jener beiden Einheiten. – Wenn etwas aus der Mehrheit in die Einheit geht, so muß diese Einheit wieder nur eine neue Mehrheit sein. Stehengebliebene Prozesse sind Indifferenzen dieser beiden Mehrheiten, – folglich Indifferenzen beider Einheiten und Mehrheiten zugleich. 152. Indifferenzierung = Kontraktion, Differenzierung = Expansion. Kontraktion und Expansion kommentieren sich schon durch die Analyse des Worts: a) Kon -traktion, das ist dem Mehreren widerfährt ein Gemeinschaftliches, ein Zug, eines durch und mit dem andern. Übereinkunft, b) Ex -pansion, Auseinanderschlagung, ›Treibung‹. Ein Ausstrecken der Glieder. Gliederung. – Ebenso bedeutend sind: Ad -häsion, An ... Neben ...., und Ko -häsion, Mit .... Zugleich ..... 153. Da Kohäsion, Indifferenzierung, Kontraktion = chemischem Produkt, Differenzierung, Expansion aber = Bildung = Zerfallen in differente Individuen, so muß Kohäsion mit Bildung im umgekehrten Verhältnis stehen. Nennt man Bildung Rigidität, so stehen Kohäsion und Rigidität in umgekehrtem Verhältnis. – Die kohärentesten Körper müssen die bildungslosesten, bildungsunfähigsten, die wenigst kohärenten Körper die bildungsfähigsten, die gebildetsten, sein. – Ist ferner Kohäsion = Dichtigkeit = spezifischem Gewicht, so ist von neuem das Schwerste das Unbildste (und Unzerlegbarlichste), und das Leichteste das Bildbarste (und Zerleglichste). 154. Mein Zustände-Schema (s. 146) läßt sich, noch einmal, so darstellen:   A   Gas   Gas   Dampf Flüßigkeit Krystall   Alkohol   Glas   B   Auf der Seite A verläßt die Differenz immer mehr die Form, und wirft sich endlich bei bloß graduell verschiedener in völlige Verschiedenheit des Wesens, des Stoffs. Auf der Seite B hingegen verläßt sie immer mehr das Wesen, und wirft sich, bei bloß graduell verschiedenem Wesen, in völlige Verschiedenheit oder Gegensatz der Form. Kristall = gehemmter Differenzierung = Individualisierung. Alkohol = absoluter Differenzierung = Individualisierung. Absolut heißt hier unendlich. Glas = absoluter Formlosigkeit mit absoluter Kontinuität. Die echte Definition des Glases ist noch schwer. Wie es Apparate gibt, welche die gleichzeitige Bildung des Oxygens und Hydrogens (+ und - Gas), und die notwendige Gleichzeitigkeit darin, zeigen, so muß es Apparate geben, welche die Gleichzeitigkeit einer Bildung von Alkohol und Glas lehren. Vielleicht, daß sie nur in der Natur vorkommen, wo die Produkte ihre Herkunft im Nebeneinander verraten müssen. Glas wird alles heißen, was hart ist, Durchsichtigkeit hat, und nirgends Form verrät. Porzellan ist schon nicht mehr Glas, sondern ein durch Alkohol getrübtes Glas. Nur Glas muß verglasbar sein. Nie muß Alkohol verglasbar werden, es sei denn, daß chemische Veränderungen erst Glas aus ihm machen. Gibt es einen Zustand der Härte, der ohne Rigidität da sein kann? – Gibt es folgende Korrespondenz:   Flüssigkeit   Kohäsion     Kristall = Rigidität   Alkohol Glas   Milde   Härte Ist das Effloreszierte die anfangende Trennung von Glas und Alkohol? 155. Kann sich wohl empirisch je eine absolut gerade Linie, Fläche usw., darstellen? – Man glaubt, im Winkel bei der Kristallisation. Aber Kristallisation soll gleich sein chemischer Repulsion ( Weiß ). Nun leitet W. den Kristallisationswinkel der ein ebener oder körperlicher sein kann) von der chemischen Repulsion ab. ›Sind aber bei einer bestimmten Materie die in der Kristallisation sich repellierenden Edukte stets gewisse bestimmte, so werden sie sich auch mit einem bestimmten Grade von Kraft abstoßen, und bei einem bestimmten Grade der Abstoßung von der chemischen Vereinigungskraft zurückgehalten werden, das ist, es wird der bestimmte Kristallisationswinkel gegeben sein, usw.‹ Aber eben, daß ein Winkel entsteht, beweist das Dasein eines außerhalb beiden Dritten, Vierten, oder so weiter, gelegenen. Denn außerdem würde es bloß zu kommen. (Daß es nicht zu kommen kann, liegt schon in dem Polarischen dessen, was auseinandergeht.) Daß aus wird, gibt den Beweis des Dritten. Ferner: die chemische Anziehung muß sich, wie alle, verhalten umgekehrt, wie die Quadrate der Entfernungen, folglich auch die chemische Repulsion. Und es muß eine Zeit vergehen bis zur Vollendung der Repulsion. Im ersten Moment wird die Repulsion die größeste sein, also bei daseiender außerhalb liegender dritter Ursache sich mehr dem in etwa nähern müssen; aus diesem geht es mit Abnahme der Repulsion über in usw. Aber dieses gibt im Verfolg der Zeit als Niederlage ihrer Produkte keinen mathematisch scharfen Winkel, sondern eine Hyperbel oder . Folglich sind die Ebenen und Winkelschenkel bei Kristallen unmöglich gerade Flächen, Linien, usw., sondern bloß die Schenkel von ungeheuer weit ausgeführten Hyperbeln. Es kommt am Kristall keine einzige mathematische Spitze vor, sondern alle Spitzen sind rund, und die ganze Kristallographie fällt mit der dynamischen Ansicht sogleich ganz in das Gebiet der sphärischen Geo- und Trigonometrie. Merkwürdig ist es, daß es sogar schon Kristalle gibt, wo die Linien und Flächen sich als krumme darstellen. Übrigens ist sehr die Frage, ob sich bei der Kristallisation wirklich die Masse differenziert oder differenzieren will, wenn nämlich auf der Seite B im zuletzt gegebenen Zustands- Schema immer mehr das Wesen identisch gelassen, und bloß die Form differenziert wird. Man kommt auf die Idee, daß es, wie es eine Chemie der Massen gibt, auch eine Chemie der Formen geben müsse, oder überhaupt eine Physik der Formen , so wie es eine Physik der Massen gibt, wo die Formen fast sekundär sind. In letzterer Chemie (oder Physik) kann es heißen: Corpora non agunt nisi fluida , in jener: Corpora non agunt nisi solida . In wie vielen Fällen werden wir es mit beiden zu tun haben! – Vielleicht daß Qualität , oder was wir so nennen, eben in die Chemie der Massen , Individualität in die der Formen , gehört. Unsere ganze zeitherige Chemie scheint es bloß mit der Qualität zu tun zu haben. Sie liegt auf der Seite A des angeführten Schemas allein: In der Physik des Flüssigen müßte die Verkettung des Dualismus und Organismus nachgewiesen werden. Denn das Flüssige ist die Identität = Indifferenz des Wesens und der Form. Noch einmal wäre obiges Schema als ein Magnet zu betrachten, mit Form am untern, und Zustand am obern Pole. Denn diese beiden, Form (Gestalt) und Zustand, sind sehr zu unterscheiden. Schon das Wort : Zustand bezieht sich auf etwas anderes; Form betrifft bloß das Äußere. Dampf und Gase sind formlos, so wie man von Kristall usw. sagen könnte, sie wären zustandslos. Auf Qualität hatte die Chemie bisher nur zwei Reagentien: Oxygen, und später Hydrogen dazu. Immer konnte sie bisher mit dem einen nur das andere, und umgekehrt, entdecken, weiter reichte sie nicht, und weiter wird sie nie reichen. In der Tat sollte man also dreist das System des Dualismus vollenden; es wird das System der Qualität. Dann wird das System der Individualität zu bearbeiten sein. Jedes wird in Abhängigkeit von andern gefunden werden, Alkohol und im immer wiederkehrenden Dualismus wird man die Unendlichkeit des Organismus, so wie in letzterm die ewige Wiederkehr des erstem finden. 156. Das Feste verdampft. Man sieht es am Eise, am Kampfer, am Ammoniak, und vielem andern. Vielleicht, daß selbst der Metallgeruch eine Metallverdampfung, der Geruch beim Reiben von Kieseln eine Kieselverdampfung usw., ist. 157. Ob Gas arten verdampfen? – Ob Dampf ganz auszustreichen wäre aus dem Schema der Zustände? – Versuche darüber sind schwer. Der Erfolg müßte sich durch Abnahme des Gasvolumens unter Niederschlagung von Flüssigkeit, Kristall, usw., verraten. 158. Es ist eine große Frage, ob der Dampfzustand nicht primärer, als der Flüssigkeitszustand ist? – Ob darum das Feste verdampft, und erst der Dampf sich zur Flüssigkeit niederschlägt. Ohne Luft....druck würde ja alle Flüssigkeit Dampf sein, dieser Luftdruck aber ist etwas Sekundäres. 159. Daß Flüssigkeit und Dampf sich ersetzen und vertreten, scheint besonders das zu beweisen, daß es Materien gibt, die unmittelbar aus dem Dampfzustand in den festen übergehen. Wie zum Beispiel Wasserdampf unter 0° R. wie oxygeniert salzsaurer Dampf, zwar über 0° R., aber immer gewiß noch unter seinem Gefrierpunkt. Bei höherer Temperatur geht bei Kompression die oxygenierte Salzsäure sicher erst in den Zustand der Flüssigkeit über. 160. Die Blasen- oder Bläschengestalt der Dünste, des Nebels, des Rauchs usw., muß notwendig noch etwas Näheres über den Mechanismus des Übergangs des Dampfs zur tropfbaren Flüssigkeit verraten. Es scheint beinahe, als wolle das Tropfbarflüssige nur die runde Hülle, und nicht geradezu den Kern, als welcher etwas Sekundäres wäre. Wenn die Welt sich aus Äther, wie Wasser aus Dampf, niederschlug, so sollte man den Nebel für das erste Phänomen davon halten, und die Weltkörper wären große Nebelbläschen. Vielleicht, daß in den Nebelbläschen ein großes Bildungsgesetz, was sich weit allgemeiner und in höherem Stile übt, sich offenbart. 161. Ist nicht, weder Indifferenz (= 0), noch ebensowenig Differenz (= + und - völlig getrennt), der natürliche Zustand eines Gegensatzes, sondern relative Differenz aus ›Steigerung‹ zu zween relativen Indifferenzen bestehend? – In der Natur sehen wir primär alles im Verteilungszustande vorkommen, so zum Beispiel den Magnetismus, die Elektrizität, die Körperreihe usw. Gleich scheinen sich je zwei in halber Differenz = halber Indifferenz zu sein, und eine absolute Indifferenz ist etwas ebenso Widernatürliches, als eine absolute Differenz. Sie existieren nie für sich, sondern nur in und während Prozessen. 162. Ob, wenn Gold unter dem Brennspiegel teils verdampft, teils verglast, nicht eine ähnliche Zersetzung beim Verdampfen mit ihm vorgeht, wie mit den fetten Ölen bei niederer Temperatur? 163. Ohne Beschränkung durch Druck usw., würde alles Dampf sein, und dieser würde sich ins Unendliche ausdehnen, und dabei endlich auch in seine Elemente (Gase) auseinandergehen; es bestände keine Komposition. Hieraus folgt sehr einfach, daß weit mehr Materie im Raume ist, als nach Realisierung ihrer eingebornen Kräfte und Expansionen darin sein könnte. Es erfolgen Beschränkungen daraus, und aus diesen Beschränkungen gehen die Bedingungen der Welt, wie sie ist, hervor. 164. Gas, Elektrizität und Magnetismus verhalten sich zueinander, wie Festes, Flüssiges und Dampf. 165. Wie es anorgische Zustände gibt, so muß es auch organische geben. Und allererst hätte man sie im Blute aufzusuchen, wo sie gewissermaßen alle beieinander sein müssen. Die Indifferenz von fest und flüssig scheint der Schleim, die Lymphe etc., die Indifferenz von fest und Dampf die Blutkügelchen mit Nebelbläschenform, die Indifferenz von flüssig und Dampf vielleicht die ›Luftbläschen‹, welche Spallanzani noch in den Gefäßen selbst antraf. 166. (1805) Daß die Schwere bloß Adhäsion in die Ferne sei, bestätigt sich am besten an den Versuchen über die Abweichung der Pendel vom Perpendikel in der Nähe von Bergen, usw. Sie sind Bertier sche Versuche im Großen . Auf diese Weise lassen sich alle Gesetze der Schwere auf die Adhäsion und alle Gesetze der Adhäsion auf die Schwere anwenden. 167. Ist Schwere = Involutionsgesetz = Wille, so ist sie Kontraktionsphänomen und eigentlich Kants Attraktivkraft. Nicht das Homogene wird angezogen, insofern es homogen ist , sondern insofern es homogen wird und erhalten wird, wird es angezogen. Alle Homogeneität ist schon Involutionsprodukt, und die Schwere, die Involution homogenisiert . Es muß etwas der Schwere Entgegengesetztes vorhanden sein, welches = Evolutionsgesetz = Wider wille, Expansionsphänomen, und eigentlich Kants Repulsivkraft, ist. Hier ist das Phänomen der Elastizität der Gase und Dämpfe, der Elektrizitäten usf., zu suchen. Denn was ist Elastizität anders, als ein Fliehen der Schwere, ein Streben nach unendlich geringer Kompression muß das Phänomen der Involution geben, indem sie Evolution hemmt. Kants Kräfte sind somit Evolution = Repulsiv-, und Involution = Attraktivkraft; negative und positive Schwere. Beider Konflikt gibt die Erscheinungsstufe des Materiellen. Ersteres ist die ›Force, pour arrêter l'union‹, letzteres die ›Force, pour la favoriser‹. Damit sind nun aber die beiden Prinzipien ...., welche getrennt oder geeint werden, noch nicht gegeben. Mit den letztern aber hat man die Kant schen Kräfte verwechselt. 168. Der Organismus ist ein Phänomen der Schwere, ein Gravitationsphänomen. 169. Die Physik ist eine Eductio e medio , wo Gott der Cicerone ist. – Das a priori verhält sich dazu wie Pol zur Indifferenz, und ist ein Lückenbüßer. Vom a posteriori soll die Physik auf wenig Notiz nehmen. 170. Die Physik bringt in die Hände, was in der Natur geschieht, nur aber das Phänomen. Das hatte man aber schon früher. Alles andere fehlt also noch. Man lernte bloß, wo man suchen solle, allenfalls auch wie , nicht aber, was man finde. Lernte man im Kleinen donnern usw., so lernte man es in der Tat nur auf Art eines Professionisten. Die Natur war allerdings der Meister, sie hielt den Schüler aber zu nichts, als zu der bloßen Arbeit an. Eigentlich ist die ganze Physik eine Art Technologie, und zwar im besten Falle noch, und erst . 171. Die Physik sollte nur in einer treuen Geschichte derselben vorgetragen und gelehrt werden. Sie fing in der Tat da an, wo sie für eine Bibel enden könnte, aber es ist ihr nicht durchgegangen, und sie hat sich in ein Detail verloren, was nahe zu seinem Maximum gekommen ist. Aber wie auch die Pflanze sich erst in die Blätter verliert, ehe sie sich zur Blüte sammelt, so wird auch die Physik aus ihrem Detail den Rückweg finden, und göttlich enden. Die Physik hat die Ansicht des Schönen in der Natur, nachdem sie anfing verlorenzugehen, wiedererobern wollen. Die Experimente suchen sie, und finden's nicht. So wird die Physik negativer weise wieder darauf zurückführen. 172. Ein Zickzack, wie der Blitz, ist jeder Körper in seinem Innern. Wie in den Gebirgen, ruhen auch hier gar viele Regionen, Lager, übereinander, und von verschiedener Mächtigkeit. Daß es gleichsam die steckengebliebene Mannichfaltigkeit, die nicht zur Evolution kam, sei, weiß ich recht gut, – (Das Evolvierteste hat die mindesten Regionen –), aber welcher Herkules gehört dazu, aus dem Evolvierten das Evoluble zu dechiffrieren, und wie muß man das Evolvierte selbst dazu kennen! 173. + ist zugleich Symbol der Evolution, O Symbol der Involution. Wirklich herrscht auf der evolubelsten Seite der Natur + E (Sauerstoff), auf der involubelsten aber O E (Wasserstoff) vor. 174. Eine genaue Vergleichung der Chemie auf nassem , und der auf trocknem Wege, ist einmal wieder recht notwendig. Die auf nassem Wege geschieht fast beständig innerhalb 80° R., die des trocknen aber hat gar keine Grenzen durch die Temperatur. Hat nun der nasse Weg vor dem trocknen den Vorzug, daß man hier das Wasser , das ist dessen Oxygen und Hydrogen , mitwirken lassen kann, so sind noch außerordentliche Dinge zu erwarten, wenn man höhere Temperatur wird anwenden können. Dies kann bei erhöhtem Druck der Luft usw., zum Beispiel im Papinianischen Topf, oder auch in Priestleys und Guytons Glasröhren, die zugeblasen sind. Hier müssen wir noch eine Menge Zersetzungen, selbst der Metalle, entdecken können, die uns bisher verborgen blieben. Nur sehr lange Bearbeitung bei unserer niederern Temperatur von und unter 80° R. könnte etwas von dem geben, was höhere schnell bewirkt. Es ist durchaus einmal zu rubrizieren, was der nasse Weg bisher getan, seine Grenzen, und was analogisch weiter zu erwarten ist. Den nassen Weg machte eben die Wirkung des Oxygens und des Hydrogens auf ihn so merkwürdig und so vorzüglich, als welches die beiden auf schließendsten Dinge in der ganzen Natur sind. Auf dem trockenen Wege fallen sie fast ganz weg. Dieser wirkt auf homogene Substanzen entweder wie auf Öl , – dekomponierend, – oder wie auf jede schmelzbare oder auch verdampfbare Substanz, – schmelzend und verdampfend. Das Verdampfen aber ist überall früher, als das Zersetzen (wenigstens begleitet das letztere ersteres nur äußerst partiell). Auch auf dem trockenen Wege also muß verstärkter Luftdruck noch von Nutzen sein, um die Verdampfung zu arretieren, bis die Zersetzung eintreten kann. 175. (1806) Im Großen ist X das Feste, Starre, und das Gas. Ich möchte hinzusetzen: der ›Mensch‹, – als Zustand, Fleisch, genommen. Jeder Prozeß aber geht den Weg des ›Fleisches‹ , ist ein ewiges Anfangen von Menschenschöpfung, ein Mensch werden , meist jedoch ohne endliches (– Enden in) Menschgeworden sein . 176. Die Erdentwicklung beschreibt einen Kreis, oder eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt. Erst Luft, dann Wasser, dann Erde, dann Pflanze, dann Tier, zuletzt der Mensch. Unterwegens überall Dualismus des Guten und Bösen. Bei der Luft das Böse vielleicht das Azot, beim Wasser das Hydrogen, bei der Erde das Metall, bei den Pflanzen die Giftpflanzen, bei den Tieren die Miasmen, endlich beim Menschen erscheint das Böse aller Stufen in einer Kontinuität als Teufel selbst. Sonst ist der Mensch hier noch das Phänomen, wo das Tier nach der Luft noch den Gott atmet, den Äther, dessen erste Verkörperung früher die Luft war. Hiermit tritt er zugleich ins Zentrum zurück, und wird Herr der gesamten Peripherie. 177. (1808) Meteorsteine . Kommen in ihnen nicht die Radikale oder doch die Säuren .... aller Glieder der Richter schen Reihe der unmetallischen Kombustibilien vor? – Salzsäure, Kohle, Schwefel, sind schon da. Ausdrückliche Frage nach Flußspathsäure. Dann Erinnerung an Kali, Natron, Ammonium? Baryt, Strontian, usw. würden sie bestimmt nicht gefunden, so könnten sie wohl durch die allemal mit vorhandenen Metalle metallisiert, und in dieser Form, ihrer Flüssigkeit wegen, davongegangen sein. Ob überhaupt der gediegene Teil der Meteorsteine nicht bloßer Rückstand des ›Reduktions‹-mittels der Alkalien und Erden .... ist? – Im erdigen Teile finden sich bloß Oxyde. Vielleicht werden anfangs nur gediegene Metalle erzeugt, und die Hitze bewirkt zwischen ihnen und den Alkalien und Erden wahre Gay-Lussac sche Prozesse. Übrigens wird nie aus den Augen zu lassen sein, daß die Meteorsteine durchaus kosmische Erzeugungen, Nachahmungen der Erde im Kleinen, – Terrellen – sind. Ob der Erde wohl im Großen geschah, was der Erde im Kleinen? – Man weiß nicht, ob sie nicht einmal sehr heiß war, und auch kommt noch die Wirkung des Papinianischen Topfs dazu, oder des Drucks; so konnten viele Alkalien und Erden metallisiert werden. Kali kommt im Granit vor, und Eisen als Oxyd; es scheint, ein Teil des Kali sei metallisiert fortgegangen. Fände sich nicht, daß die Alkalien nur Erden im umgekehrten Verhältnis ihrer Hydrogenierbarkeit auf Erden vorkommen? – wie auch in den Meteorsteinen. Ist einst eine ganze Menge metallisierter Erden und Alkalien förmlich entwichen ? – Wohin? – Kann sich die Erde zur größern oder Sonnenatmosphäre, und mit ihr, nicht ebenso verhalten, wie der Meteorstein zur Tellurischen Atmosphäre? – Ist wohl der Mond eine Ansammlung alles auf diese Art Entwichenen? – Hydrogener Natur muß er ja ohnedem sein. II. 178–215 178. Verstärkt ein Zusatz von Stahl- oder Eisenfeile auch die Wirkung des auf gewöhnliche Art entzündeten Schießpulvers ebenso bedeutend, wie bei der Entzündung durch Elektrizität? 179. Sehr merkwürdig ist es, daß nur diejenigen Metalle beim Durchleiten von Wasserdämpfen im Glühzustande durch sie Wasserstoffgas geben, welche bei der Auflösung in Schwefelsäure Wasserstoffgas geben. Die mit Schwefelsäure bloß schwefligte Säure oder schwefligtsaures Gas geben, geben unter jenen Umständen, statt Wasserstoffgas, Stickgas. Wieder geben nur die Metalle mit Wasserdämpfen Wasserstoffgas, welche mit Schwefelsäure auflösliche Verbindungen geben, die welche unauflösliche geben, liefern dort Stickgas. Doch gilt dies nur bei der Schwefelsäure. 180. Körper entfernen sich um so mehr von der sauren Eigenschaft, je mehr sie Sauerstoff enthalten. Man halte zum Beispiel die so wenig Sauerstoff enthaltende Schwefelsäure gegen die an ihm so reiche Kohlensäure, und das noch mehr von ihm enthaltende Wasser. Welche Eigenschaft würden Körper haben, die auf eine gegebene Quantität verbrennlichen Stoffs noch mehr Sauerstoff, als selbst das Wasser, enthalten? – Würden sie Alkalien sein? – Wird in solchen Verbindungen der Sauerstoff wohl gar Stickstoff, Oxygene zu Alkaligene? 181. Da alle erdigten Salze in Säure zwar auflöslich sind, nie aber neutrale Verbindungen damit geben, sondern immer von Überfluß von Säure, so dürfte man wohl auch rückwärts schließen, daß solche Erden, die mit Säuren keine neutralen Verbindungen geben wollen, bereits Neutralsalze, nur mit Säuren sind, die keine Kunst bisher aus ihnen noch frei darstellte. 182. Wenn es ausgemacht ist, daß in den Versuchen, wo Wasserdämpfe, durch glühende, irdene Röhren getrieben, Stickgas geben, das Stickgas von eindringender atmosphärischer Luft, der, die das Verbrennen der Kohlen unterhalten hat, herrührt, so muß bei einem Feuer, was mit ganz reinem Sauerstoffgas unterhalten wird, gar kein Stickgas übergehen. Nur müssen auch die Kohlen vorher gut ausgeglüht sein. 183. Wenn Wasser Stickstoff in sich aufnehmen kann (zum Hydrure d'oxygène azoté), warum nicht auch Kohle? – Sie hat es ja ohnehin mit dem Stickstoff gemein, weniger Sauerstoff zur Sättigung zu bedürfen, als der Wasserstoff. – Sonach möchte sich vielleicht die Umänderung der Kohlensäure durch Wasser in atmosphärische Luft erklären lassen. Vermutlich geht dabei der Sauerstoff der Kohlensäure mit dem im Wasser fast immer mit enthaltenen Stickstoff zu atmosphärischer Luft zusammen, während ihr Kohlenstoff dafür ins Wasser übertritt, der demnach nicht verloren oder umgeändert wäre. Gibt es Mittel, ihn in solchem Wasser zu entdecken? zum Beispiel durch Salpetersäure, welche Kohlensäure erzeugte? – Möchte solches Wasser vorzüglich der Vegetation günstig sein? 184. Sollte wohl Phosphor im Wasser auch oxydiert werden, ohne daß ihn das Licht unmittelbar beschiene, sondern nur die über ihm stehende Flüssigkeit? – Ich denke hier an die Meßier schen Versuche über Quecksilbersublimation durch Licht in der Torricellischen Leere. – Sollte so über oxygenierter Salzsäure stehendes Stickgas schon sauerstoffhaltig werden, wenn das Licht auch nur das Gas beschiene? – Sollten Pflanzen schon Sauerstoffgas geben, wenn das Licht auch nur die umgebende Luft träfe? – Sollte überall, wo das Licht als chemisches Agens wirkt, nur das Medium erleuchtet zu sein brauchen? = Wird dann das Licht um so besser durch das Medium hindurchwirken, je weniger es elektrisch isoliert? 185. Da das Docht mitten in der Flamme des Lichts beständig schwarz bleibt, also nicht brennt, und nicht einmal glüht, sollte da wohl brennender Phosphor, brennender Schwefel usw., geschickt in die Mitte der Flamme gebracht, eben auch verlöschen? – Besser dann noch ein Stück glühende Kohle? 186. Die wechselseitigen Ziehkräfte der Erden gegeneinander müssen gerade da von vorzüglicher Wichtigkeit sein, wo wir am wenigsten daran denken, weil die Sache alltäglich ist, bei der Maurerei. Von dieser Seite her muß sie noch ganz eigener Verbesserungen fähig sein. 187. Wie verhält sich wohl mit Sauerstoffgas geschwängertes Wasser als Auflösungsmittel für Erden, zum Beispiel der Kalkerde? – Schon nach Volta soll der Sauerstoff die Auflösung der Kieselerde im Wasser vermitteln, und das sauerstoffhaltige Regenwasser führt auch Kalkerde mit sich. Wie verhält sich mit Sauerstoff geschwängertes Wasser als Auflösungsmittel von Metallkalken? – Wie würde sich mit andern Gasarten geschwängertes Wasser in beiden Fällen verhalten? 188. Daß sich Stickstoff mit den Alkalien verbinden kann, gleich Kohlensäure (s. Journ. de la Soc. pharm, de Paris, p.173), reiht sich sehr schön daran, daß beide Verwandtschaft zum Sauerstoff haben. Dies läßt auf Sauerstoff in den Alkalien schließen. – So wäre denn am Ende Sauerstoff das Gemeinschaftliche aller Basen, die mit Säuren Salze bilden, der Metallkalke, der Erden, der Alkalien. – Hierher gehört auch die Auflöslichkeit der Erden in der Luft, die gewiß nur durch den Stickstoff derselben vermittelt wird. 189. (1799) Wenn es wahr ist, daß beim Verglasen (Glasmachen) Alkali zersetzt, und eine Verbindung aus Kieselerde und Stickstoff gebildet wird, sollte dann wohl in mehreren Steinen ...., neben der Kiesel- und Tonerde nicht Alkali, sondern Stickstoff enthalten sein, der nur sich bei der Behandlung im Feuer .... für die Analyse verlöre? – zum Beispiel im Bimsstein, in der Lava, im Zeolith usw. – Kieselerde kann übrigens selbst schon ein stickstoffhaltiger Körper sein; so würde sich dann Kieselerde mit Alkali etwa auf ähnliche Art miteinander verbinden oder zersetzen, als ätzender Sublimat mit Quecksilbersalpeter. 190. Bei der Wirkung der konzentrierten Schwefelsäure auf vegetabilische und animalische Substanzen scheint sie nicht sowohl schon fertiges, vorhandenes Wasser einzusaugen, als erst die Bildung desselben zu veranlassen. Und so werden Weingeist, animalische und andere Substanzen vielmehr so durch sie zersetzt, daß ihnen Wasserstoff und Sauerstoff, die vorher ganz andere Verbindungen machen mochten, entzogen, und aus diesen im Moment der Entziehung erst Wasser gebildet wird. 191. Sollten nicht dieselben Erden, die den Sauerstoff der Luft so stark absorbieren, auch Metalle regulinisch niederschlagen können? – Zum Beispiel stark gebrannte Kalk-, Baryt-, Strontianerde u. dgl. – Sollten daher viele Reduktionen im Mineralreich kommen? 192. Daß Feilen usw. an weichen Dingen stumpf werden, während an harten nicht, kommt daher, daß die weichen Dinge die Spitzen, als Hervorragungen, polieren, indes die harten Substanzen immer wieder nur Risse in die Feile reißen, diese also jeden Augenblick gleichsam von neuem gehauen wird. 193. Daß der Diamant durchsichtig, ein durchsichtiges Metall ist, darf nicht sonderbar scheinen. Vielleicht ist die Kohle das eigentliche Metall, und alle Metalle sind bereits oxydierte Körper. Vielleicht daß alle Metalle, noch weiter reduziert, einen durchsichtigen Körper, einen Diamant ihrer Art geben. Der Analogie nach müßte er übrigens noch spezifisch schwerer, als das Metall, aus dem er entstand, sein. Was sind doch dies für Materien? 194. Kann man faules Trinkwasser durch oxygenierte Salzsäure verbessern, die man, nachdem sie zu gewöhnlicher geworden, mit ganz kohlensaurem vegetabilischen oder mineralischen Alkali sättigt? – so müßte das wiederhergestellte Wasser überdies noch einen angenehmen schwachen Selterwassergeschmack erhalten. 195. Will man künftig richtig sprechen, so muß man sagen: Diamantsäure , statt Kohlensäure. Und überhaupt: Diamant = Diamant Oxyde de diamant = Reißblei Acide diamanteux = Kohle Acide diamantique = Kohlenstoffsäure Acide diamantique oxygèné = übersaure Kohlenstoffsäure Diamanture de fer = Guytons Stahl Diamanture de cuivre = Kupferkohle Diamantite d'hydrogene = kohlenstoffhaltiges Wasserstoff Diamantite de potasse etc = Kohlenleber Diamantate de potasse = kohlensaures Kali Gaz acide diamantique = kohlenstoffsaures Gas Gaz acide diamanteux = Kohlenstoffgas usw.     Diamantite d'hydrogène ist die Basis des Humus, der tierischen Teile, usw. Übrigens ist das Phänomen des Lebens wohl brillant genug, um einer diamantnen Basis wert zu sein. 196. Kann sich wohl Kohle im Zustande des Diamants in manchen Verbindungen aufhalten? – Gibt es ein diamanthaltiges Wasserstoffgas? – Verbinden sich Erden mit Diamant? – Sind die, die keine Kohlensäure aufnehmen, solche Verbindungen? – Aus der Tonerde hat man schon so oft Kohle abgeschieden, sollte hier Diamant zugegen gewesen sein, der sich weiter oxydierte? – Wird auch bei der Vegetation der in den Erden enthaltene Diamant zu Kohle umgeändert und geht so in die Pflanzen über? – Sollte so selbst Kieselerde zur Vegetation und Animalisation beitragen? – Bei der Umbildung der Kieselerde in Kalkerde in Vauquelins Versuchen mit Hühnern spielte sicher der Diamant eine der ersten Rollen. – Und ist die Oxydation der Erden wohl eine bloße Oxydation des Diamants in ihnen? 197. Kann wohl der Temperatursgrad, bei welchem der Phosphor in der atmosphärischen Luft zu leuchten anfängt, eine Art Eudiometer abgeben? – Man erführe hier sehr schnell, wieviel sehr nahe Sauerstoff in ihr sei. Bei durch andere Eudiometer angezeigtem absoluten Sauerstoffgehalt der Luft könnte jenes Verfahren auch noch dartun, wo der Sauerstoff dem Stickstoff etwa schwächer oder stärker verbunden ist. Wo stärker, wird der Phosphor bei höherer, wo schwächer, bei niederer Temperatur zu leuchten anfangen. – Nur müßten zu allem die Röhren gleich weit sein, da in engern der Phosphor früher leuchtet. 198. (1807) Ähnlichkeit, die das Wasser mit dem Azot hat. Es erstickt, und ganz rein negativ, bloß durch Privation. 199. Merkwürdig ist, daß alle in mehr als zwei Bestandteile zerlegte Säuren die Kohle zum Bestandteil haben. Sollte man nicht in allen noch unzerlegter Säuren-Grundlagen ebenfalls Kohle vermuten? 200. Wenn die Hydrothionsäure, als Säure ohne Sauerstoff, eine so ungemeine Ausnahme von den übrigen macht, und doch gerade dabei eine der zerlegbarsten ist, so könnte wohl auch das Ammoniak, als Alkali ohne Sauerstoff, und dabei gleichfalls sehr zerlegbar, eine ähnliche Ausnahme von den übrigen Alkalien machen, die sicher sämtlich ebenfalls Oxyde sind. 201. Alle Oxyde sind eigentlich Hydrates , das einzige Wasser ausgenommen. Bei der Desoxydation wird ihr Wasser wieder zersetzt. Die oxydierbaren Körper dagegen sind alle Hydrures , den einzigen Wasserstoff ausgenommen. 202. (1802) Aus der gleichen Ausdehnbarkeit aller Gase und Dämpfe durch Wärme schon folgt, daß es der Gasarten nicht über zwei geben könne, weil es in der Natur der Pole liegt, zur Wärme ein gleiches Verhältnis, als zur Indifferenz, zu haben. 203. Die einzige Art, wie man Stickstoff und Kohlenstoff als Pole tolerieren kann, ist, sie als Pole des Wasserstoffs anzusehen, – als Pole des - M. 204. (1803) Stickgas ist Einheit des Wassers und der Sonne, wie das Wasser ist die Einheit der Erde und des Mondes in ihr. 205. Das Kristallisationswasser scheint der erste Sättigungsgrad des Salzes usw. mit Wasser zu sein, das zur Auflösung nötige Wasser der zweite. Beide scheinen, der Quantität nach, in umgekehrtem Verhältnis zu stehen. – Tun das diese beiden Sättigungsgrade überall, oder nur bei indifferenten Lösungsmitteln? 206. Stickstoff gibt mit Sauerstoff Säure, mit Wasserstoff Alkali. Kohle gibt mit Sauerstoff Säure; sollte sie mit Wasserstoff in dichterer Verbindung nicht ebenfalls ein Alkali, ein vielleicht noch unbekanntes geben? 207. Eine Menge sogenannter irreduzibler Metalle (Metalloxyde) mögen längst reduziert sein. Die Redukte werden aber vielleicht keine Metalle sein, sondern zu den unmetallischen Körpern zu gehören scheinen, und durch Oxydation erst werden sie wieder Metall. (Schwefel und Phosphor werden durch Oxygenation Säuren, diese aber haben Metallrang.) Auf der andern Seite werden Körper durch Hydrogenation Metall; zum Beispiel Diamant mit Wasserstoff gibt Reißblei und Kohle. So sind alle Metalle selbst nur die Punkte in der Polaritätslinie eines Metalls. Der eine Pol kommt durch Hydrogen, der andere durch Oxygen, zur Indifferenz zurück. So hat das Mittelmetall Ähnlichkeit mit dem Wasser. 208. Das Gold ist eine versteinerte Flamme, – die der Rotglühhitze, wenn die Piatina sich in der Weißglühhitze befindet. 209. Mit Lavoisier hat sich die Chemie in die Oxydation verloren. Er blieb beim Oxygen (bei seiner Zeit). Der andere Pol der Chemie aber, die Hydrogenation ist dadurch total zurückgesetzt worden. Von Lavoisier wurde sie im phlogistischen System kultiviert, aber einseitig. Nach Vollendung der Oxygenation erst kann die Hydrogenation mit neuen Augen richtiger betrachtet werden. Es läßt sich aber zeigen, warum sie ewig zurückstehen wird. Ebenso, warum der ›Funken‹, welcher die Körper auf Hydrogen zündet, noch nicht unter den Menschen ist, und nie unter sie kommen wird. Denn das Hydrogen nimmt ab auf Erden. Die ganze Erde befindet sich im Zustande einer am einen Ende abgeleiteten Säule oder Kette. Daher das Oxygen in der Atmosphäre. Das Oxygen muß sich auf immer weniger Hydrogen werfen, dieses wenigere muß also immer mehr verbrennen, und gibt die Geschichte des fortgehenden Kombustionsprozesses auf Erden. Immer oxygenreicher muß die Luft werden; immer leichter muß der Körper zünden. Es gilt für die ganze Erde, daß das bereits Oxydierte und Oxydiertere sich immer leichter und leichter oxydiert. Man muß bis auf den Augenblick zurückgehen können, wo der erste Funken vom Himmel zur Erde herabkam, nachdem vorher das Feuer der Kälte ausgegangen war. 210. (1803) An der Elektrisiermaschine, dem Elektrophor usw., hat man nichts als den chemischen Prozeß, nur in seiner höchsten Langsamkeit bei hohen Spannungen. Von der Elektrisiermaschine an verliert er sich durch galvanische Batterie und Kette immer mehr herab bis in den alten bekannten chemischen Prozeß, und hier gilt alles fort, was oben fortgalt. Man vergleiche die Fulhame schen Versuche. Weingeist, Äther etc., bringen Isolation in den Prozeß, und darum hat er so langsam statt. Je größer die Leitung der Flüssigkeit, desto schneller der Prozeß, – und diese höhere Leitung ist, wie bei der Batterie, nichts als größere Zersetzbarkeit des Wassers in ihm. – Konzentrierte Säuren greifen Metalle oft darum so wenig an, weil sie in ihrer Wasserfreiheit zu sehr Leiter der ersten Klasse sind, und ohne Duplizität der Klassen hat auch kein chemischer Prozeß statt. Dies ist ein Grundgesetz für den chemischen Prozeß. 211. Gibt es nicht, wie edle Metalle, auch edle Erden? – Analogisch möchten es die durch Säuren unangreifbarere sein, wie Kieselerde ...., kurz, was die Haupterde der Edelsteine macht. 212. Da die Luft bei der Hitze des weißglühenden Eisens nur um das Vierfache ausgedehnt ist (vergl. Robins, Lambert u. a.), so begreift sich recht gut, woher in sehr großer Hitze noch immer die nötige Menge atmosphärischer Luft zur Oxydation herkomme. 213. (1804) Da oxygeniertsalzsaures Gas das Hydrogengas nach 24 Stunden verzehrt (Cruikshank), so diente ersteres vielleicht besonders zu einem guten Hydrogenometer , – nachdem man nämlich erst sicher wäre, daß dasselbe auf das Stickgas und die atmosphärische Luft als solche ganz ohne Wirkung wäre. 214. Ein guter Weg, Hydrogenmetalle auf anderem, als galvanischem Wege, in fester Gestalt und Masse darzustellen, müßte sein, die metallhaltigen Wasserstoffgase gehörig tief zu erkälten . Das Pulver, was sie dann absetzen, muß hydrogeniertes Metall sein. 215. Oxydationsprozesse mit und ohne Licht unterscheiden sich so, daß bei den ersteren bloß Sauerstoff mit dem verbrennlichen Körper zusammentritt, bei den zweiten aber wieder ebensoviel Äquivalent von oxydierbarer Substanz gebildet wird, als die oxydiertwerdende beträgt. Im letzten Falle werden bloß die Werte von Verbranntem und Verbrennlichem gewechselt; im ersten aber wird überhaupt Verbranntheit erst gestiftet und Verbrennlichkeit gehoben, nur hier ist Licht. Wo dennoch keines dabei ist, ist der Prozeß bloß zu schwach, wie bewiesen werden kann aus der Erscheinung des Lichts, wenn der Prozeß, der nämliche, akzeleriert wird. Übrigens ist hier nicht zu vergessen, daß nur die Verbrennung, die in isolierenden und durchsichtigen Medien vorgeht, leuchtet. Nur der gehemmte Prozeß leuchtet. Dies ist eine neue Sache von Wichtigkeit. Der ›Funken‹ muß ›überspringen‹, so wenig dies auch sei. Interessant auch ist es, daß das Entzünden nur bei Isolatoren notwendig ist, und daß selbiges die Verbrennung nur durch Temperaturerhöhung beschleunigt, – wodurch höhere Kombustibilität und Verdampfung entsteht, vorzüglich aber Leitung. Darum zündet auch bloße Glut, und jeder glühende Körper. Alles, was eine temporäre Glut bewirkt, zündet. III. 216–233 216. (1797) Würde wohl eine Quantität Wasserstoff, oder irgendeines andern verbrennlichen Körpers, in Sauerstoffgas bei ihrem Verbrennen mehr oder weniger Wärme entwickeln, als in der atmosphärischen Luft? – Wird man mehr Wärmeentwickelung bei Verbrennung eines Körpers in hoher äußerer Temperatur, als in niederer, finden? – Gibt es Verbrennungen, wo sich unter gewissen Umständen mehr Luft entwickelt, als ein anderes Mal; und gibt es Gesetze dafür? – Findet Änderung in der entbundenen Wärme statt? 217. Je mehr die Wärmekapazität eines Körpers zunimmt, zum Beispiel des Wassers, wenn es zu Dampf wird, desto spezifisch leichter, und desto chemisch zerlegbarer , wird er. 218. Sind nicht allgemein tierische Stoffe schlechtere Wärmeleiter, als vegetabilische, und diese wieder schlechtere, als die mineralischen? 219. In welchem Zusammenhange steht die Beobachtung, daß Metallmischungen häufig leichtflüssiger sind, als sie der Berechnung nach sein sollten, mit der, daß Metallmischungen im Volumen zu- oder abnehmen? – Der Vermutung nach sollten wohl die an Volumen zunehmenden die am leichtesten schmelzbaren sein, indem ja dadurch ihr mechanischer Zusammenhang lockerer wird, sie folglich auch leichter flüssig werden können. 220. Mag wohl im luftleeren, (nicht luftdünnen), Raum, die Atmosphäre eines warmen Körpers völlig konzentrisch sein? – Es müßte sich dies mit der gehörigen Anzahl Thermometer sehr leicht ausmachen lassen. 221. Ist es Gesetz, daß überall, wo mechanischer Zusammenhang aufgehoben wird, Wärme erzeugt wird? 222. (1798) Ist es nicht merkwürdig, daß gerade das Oxyd desjenigen Körpers, dessen brennbares Prinzip die größte Menge von Sauerstoff aufnimmt, das Wasser , dasjenige ist, welches die größte Kapazität für Wärme hat? – Möchte dagegen das Oxyd desjenigen Körpers, dessen brennbares Prinzip den wenigsten Sauerstoff bedarf, die geringste haben? – Die Reihe der unmetallischen Kombustibilien hindurch verhält es sich genau so. 223. Würde man feuerbeständige Alkalien in hoher Glut leichter zersetzen können, wenn man sie in Berührung mit Metallen dem zersetzenden Einfluß aussetzte? 224. Kommt der kühlende Geschmack mancher Körper, welche doch die Temperatur der Atmosphäre haben, daher, daß sie von großer Wärmekapazität sind? – Sind die nicht sehr kühl schmeckenden solche von schlechter, das ist geringer Wärmekapazität? – Auch die wärmeleitende Kraft des auf die Zunge kommenden Körpers muß hier mitbestimmen. Da sich nun am Ende die Wirkung der Arzneimittel auf ihre Wärmekapazität reduzieren möchte, so kann allerdings der Geschmack, bezogen auf Kälte und Wärme, etwas über die innerliche Wirkung des Mittels entscheiden, und diejenigen hätten nicht ganz unrecht, die dem Geschmack zufolge Kampfer und Säuren mit Helmont u. a. für kühlend hielten. Auch kann die Wärme beim Geschmack ein Mittel werden, die ohngefähre Wärmekapazität eines Körpers zu bestimmen, sobald man erst seine Wärmeleitungsfähigkeit kennt. 225. (1801) In der Ausdehnbarkeit durch Wärme scheint das Alter der Dinge verborgen zu sein. Metalle dehnen sich wenig und gleichförmig aus; sie sind das Älteste. Dann Salze, dann Wasser, dann Luft, dann Wasserdampf. Hier ist jugendliche Kraft, dort steifes Alter. 226. (1802) Es gibt eine Ansicht der Wärmeerscheinungen, die ganz empirisch, fast bloß äußerlich ist, und doch dem Innern äußerst parallel geht. 227. Sollte sich am Turmalin das Geheimnis der Erwärmung der Körper verraten? – Der Turmalin ist elektrisch mit dem Differential seiner Wärme-Zu- oder Abnahme. Alle Körper scheinen während der Erwärmung und Erkältung Turmaline zu sein, nur daß die beiden (elektrischen) Pole beständig wieder zusammenfahren. 228. (1805) Es scheint mir, als ob die Körper nur aus Not erwärmbar wären, während sie flüssig, oder auch fest sind. Denn eigentlich sollte und würde sich alle Wärme darauf verwenden, den Körper zu verdampfen, wenn nur der Körper durch und durch verdampfen könnte. Aber nur seine Oberfläche kann verdampfen, und das Innere, was die Wärme doch auch ergreift, ist durch die Decke isoliert. Selbst die Decke und ihre Oberfläche werden durch die Rückwirkung des schon vorhandenen Dampfes oder Gases partiell oder auch total isoliert, und dann muß die Hitze steigen. Es muß einen Druck geben können, wo das Wasser bis 1 000 und 5 000°R. erhitzt werden könnte, ohne Dampf zu sein. Eigentlich wollen alle Körper bei der ›Erwärmung‹ und ›Erkältung‹ bloß den Zustand ändern, und dies ist das Primäre . Erwärmung etc. ist das Sekundäre . Und da es keinen Körper gibt, der wahrhaft unverdampfbar wäre, so gilt dies von allen Körpern. Selbst die Gase würde die Wärme wohl eigentlich nicht erwärmen, wenn sie dieselben frei expandieren könnte. Expansion aufs Doppelte und Elastizitätserhöhung aufs Doppelte müssen gleiche Werte haben. 229. Wasser verliert 140°F. Wärme, wenn es Eis wird oder nimmt so viel ein, wenn es Wasser wird. Es verliert dadurch 1/10 seiner Wärmekapazität, oder bekommt 1/9 Zuwachs. Man hat also einen Punkt, wo man anknüpfen kann, um das Null von Wärmekapazität eines Körpers zu finden. Verlöre ein Körper 140° × 10 F. = 1 400°F., indem er fest würde, so würde er gar nichts von Wärmekapazität mehr übrigbehalten. Entstünde ein Körper aus nichts, so würde er ebensoviel Wärme verschlucken. Dies Letztere scheint der Fall mit den Meteorsteinen. Und dies erklärte zugleich, warum diese Steine nicht wärmer sind, und daß vielleicht alle ihre Wärme bloß von der Reibung oder Bewegung in der Luft herkommt, – und warum der elektrische Funken nicht an sich warm ist, denn alle seine Wärme geht in der Kapazität der Produkte verloren. Erst wo er keines stiften kann, wie bei der Leitung usw., tritt Wärme im leitenden Körper hervor. 230. Cavallo sah Wasser (durch Äther abgekühlt), im Sommer erst bei 15°F. unter 0°R. frieren, im Winter aber oft schon bei 2°F. darunter. Lichtenberg meint, dies sei höchst merkwürdig, und sei sonst alles richtig zugegangen, so sei die Sache nicht so leicht zu erklären. – Man muß hierbei bedenken, daß der gewöhnliche Gefrierpunkt, obgleich ein konstanter, doch nur ein durch einen zufälligen Umstand hervorgebrachter ist. Wasser als völlig homogenes Kontinuum läßt sich sehr tief erkalten, ohne zu gefrieren. Der Grad, bis zu dem , mag dasienige sein, was mit der Jahreszeit wechselt. Von da an steigt es plötzlich wieder bis zum gewöhnlichen Schmelzpunkt, der aber nicht das Variable ist. Mit dem Kochpunkt könnte es etwas Ähnliches sein. Auch er, wie er gewöhnlich dafür genommen wird, ist zufällig. Ohne Luft, ohne fremde Körper, läßt sich Wasser weit mehr erwärmen. Wie weit, das scheint wieder von der Jahreszeit abzuhängen. 231. Ob nicht sehr heiße Körper mit sehr kalten zusammengebracht, wahre Entladungen geben möchten? – zum Beispiel weißglühendes Eisen mit möglichst erkältetem Eisen. Es scheinen allerhand Facta zugegen zu sein, die bereits auf so etwas deuten, zum Beispiel die Detonation beim Eingießen glühender Metalle in kalte oder doch nicht sehr heiße Formen, das Eingießen des geschmolzenen Kochsalzes in kaltes Wasser, welches mit Knall und Licht begleitet ist, usw. – Leiter fürs erste müssen sich hierbei elektrisieren, und vielleicht zu sehr hoher Spannung gelangen. Schon dies gibt Möglichkeit für Fünkchen. 232. Wie würde sich der bekannte Leidenfrost sche Versuch mit dem Wassertropfen etc. auf sehr kalten Körpern ausnehmen? – Ob hier, statt der Kristallisation auch eine Zersetzung erfolgte? – Und in was? – Etwa in atmosphärische Luft? – Das würde für die Veränderung des Wassers in kalten Höhen äußerst viel zu sagen haben. Sieht man doch bei Priestley bei jedem Gefrieren des Wassers schon sich atmosphärische Luft ausscheiden. 233. Das Quantum absoluter Wärme ist das Quantum der Materie selbst. Findet sich in allen Gasen gleich viel Wärme, (Vermutung von Gay-Lussac und Humboldt ) so ist es auch gleich viel Materie, folglich auch dieselbe Materie. Hier ist der Punkt, wo alle Materie = Wasser ist. Wärme gibt also nichts Spezifisches. Das Spezifische muß in dem liegen, was die Wärme einschränkt, das ist, was die Volumina anomalisch macht, also vorzüglich in der Ursache der Zustandsgebung, und diese fängt beim Dampfe an, indem sie ihn zu Wasser macht, und ferner indem das Wasser zu Eis wird. Hier gehen alle Verschiedenheiten erst an. Bei Dampf und Gas liegen sie vielleicht bloß im spezifischen Gewicht, so daß gleiche Volumina gleich viel Wärme haben. Hier ist die Ursache des spezifischen Gewichts das Spezifizierende. Kurz, in der Kohäsion muß das Spezifizierende liegen. IV. 234–286 234. (1797) Möchte wohl, wenn man im Pictetschen Wärmespiegelapparat die Wärme von Körpern von bestimmter Figur in dem Fokus des entgegengesetzten Spiegels wieder parallel bräche, und sie nun aufs Auge fallen ließe, dies diesem eine bestimmte Vorstellung von jener Form geben, obgleich ganz und gar kein Licht vorhanden wäre? – Der nämliche Versuch ließe sich mit strahlender Kälte wiederholen. 235. Steht die Durchsichtigkeit eines Körpers mit der Lichtbrechung desselben im Verhältnis? 236. Licht scheint überall zu erfolgen, wo die Übergänge aus einem Grad der Temperatur, des Zusammenhangs etc. in den andern, aus beträchtlichen Differenzen, nicht aus so kleinen, wie bei bloßer Wärme, erfolgen, d. i. dieselben aus einem Grade in den andern weit schneller geschehen, als bei der Wärme. Wird ein Körper, der bei der gewöhnlichen Temperatur eben aufgehört hat zu glühen, von neuem zu glühen, zu leuchten, anfangen, wenn man ihn in sehr starke (künstliche) Kälte bringt? 237. (1798) Steht die Schallfortpflanzungsfähigkeit der Luftarten mit ihren Durchsichtigkeiten in Verhältnis, und ist Sauerstoffluft am durchsichtigsten? – Bricht sie auch das Licht am wenigsten? – Denn sie enthält ja selbst das meiste Licht, und homogene Körper geben keinen chemischen Prozeß. Brennbare Luftarten werden, wie brennbare Flüssigkeiten, das Licht gewiß deshalb stärker brechen, weil sie Verwandtschaft zum Lichte haben, d. i., mit ihm Wärme erzeugen wollen. 238. In einem hohlen Kugelspiegel macht ein Körper gar kein Bild, wenn er im Mittel- (im Brenn-) Punkt der Kugel ist. Man wende dies auf Philosophie, Physiologie, Astronomie usw., an. 239. Die beständige Lichttemperatur im Auge (s. Ritters Beweis usw. 1798) kann Toleranz veranlassen über Vorhandensein von Licht und Nicht-Licht. Es ist sehr wahrscheinlich, daß jeder Lichtgrad, der niedriger als diese Temperatur ist, nicht beobachtungsfähig ist. Und so könnten wohl alle Körper in einem beständigen Zustande des Glühens sich befinden, ohne daß wir es imstande wären zu bemerken. Glüht doch der Bononische Stein auch am hellen Tage, nur wir bemerken es nicht. Zu untersuchen wäre, ob nicht, während des negativen Lichtzustandes im Auge (a.a.O.), dasselbe manche Lichtveränderungen bemerken kann, die ihm außerdem nicht bemerkbar sind. Und so würde überhaupt das Auge um so empfänglicher für äußeres Licht sein, je niedriger seine eigene Lichttemperatur, und um desto weniger, je höher sie ist. Sieht doch die Eule noch, wo wir nichts mehr sehen; sehen wir selbst, geblendet, doch Gegenstände nicht mehr, die wir sonst vortrefflich bemerken. Ist nicht jedes Licht eine Glut, ein glühender Körper? – Sind wir nicht selbst ein glühender Funken des Lebens? – Die Lichttemperatur des Auges ist das Maß dieser Glut, Bewußtsein ist ihr Charakter. Und so muß alles, was uns endlich ist, in einem Zustand des Glühens sein. 240. Mag die strahlende Wärme in Pictets und anderer Versuche wohl schon solches für mich unsichtbares Licht sein, was ich bloß wegen der beständigen Lichttemperatur meines Auges nicht sehe? 241. Kann mancher Fehler des Auges von verändertem Brechungsvermögen der Flüssigkeiten .... desselben herkommen? – Läßt sich daraus für die Ärzte folgern, welche Mittel sie anwenden zu haben, jenes Brechungsvermögen wieder so und so zu modifizieren? 242. Parallele: 243. Weiß ist die Farbe, die dem Auge so wohl tut, die es gesund erhält; weiß ist das Licht der Sonne. Darum ist der natürliche Mensch dem Weißen so hold; es stellt Reinheit, Unschuld, Liebe, Harmonie usw. vor. Blau ist die Farbe des Leidenden, um sein Rot, das schwächer brechbare zu neutralisieren; Rot die Farbe des Tätigen, um das stärker gebrochene Violett zu sättigen. Um wieder Harmonie herzustellen, sehnt sich das Auge nach langer Ermüdung durch Blau nach Rot, nach langem Gelben nach Blau, auf Purpur nach Grün, auf Grün nach Purpur, auf Schwarz nach Weiß. Auch das Wasser ist weiß, die Harmonie, die Reinheit, die Unschuld, die Quelle von allem auf Erden. 244. Licht ist jene Tätigkeit, die durch die Tiefen des Weltalls reicht, und zurück zum Atom, das Band, was alles und jegliches bindet. Aber es würde nicht reflektiert, ohne Wärme (s. oben), die es zurückwürfe. Sein eignes Produkt wirft es zurück. Nun erst begreife ich den Organismus der Natur ganz. 245. Je größer die Kapazität eines durchsichtigen Körpers für Wärme ist, desto weniger wird er auch durch das Licht erwärmt werden, aber um desto schwächer bricht er auch das Licht. Also: die Größe der Erwärmbarkeit eines Körpers bestimmt auch die Größe der Brechung des Lichts durch ihn. 246. In den Prevost schen Lichtversuchen werden Metallplättchen um so langsamer vom Lichte bewegt, je minder oxydierbar sie sind. Zinn bewegt sich geschwinder als Kupfer, dieses geschwinder als Silber und Gold. Dies ist auch die Folge, in der die Metalle von der Wärme ausgedehnt werden. 247. (1799) Wenn man ein vielfach durchstochenes oder durchlöchertes Papier schnell über eine Schrift, ein Bild, weg-, oder hin und her, zieht, die man nicht lesen, nicht erkennen könnte, wenn das Papier ruhig darüber läge, so wird man auf diese Weise dennoch lesen und sehen können. Der Grund ist derselbe, wie bei dem Kreis von der geschwungenen glühenden Kohle. 248. Das Licht bei Verbrennungsprozessen etc., ist gleichsam ein Loch in andere Welt. Als öffneten die Himmel sich, so ist die Flamme. Man sieht hier mehr, als man begreift. 249. Sollte es magnetische, elektrische, Teleskope geben können? – Spiegel für Magnetismus, Elektrizität? – Linsen, Teleskope und Spiegel für alle Kräfte? – In welcher Ordnung mögen wohl die Körper die Elektrizität, den Magnetismus, brechen? – denn gewiß gibt es hier ebenso Ordnungen, wie beim Licht. Auch achromatische Linsen mag es für jede Kraft geben, so gut wie für das Licht. 250. Jeder tönende Körper, oder vielmehr sein Ton, ist gleichsam der gefärbte Schatten seiner innern Qualität. 251. Wird man wohl nicht auch für den Schall noch ›Gläser‹ erfinden können, die seine Strahlen zum Fokus zusammenbrechen? – Schon mechanischer Stoß muß der Vereinigung in einen Fokus fähig sein. Sind Erfahrungen da, welche die Beugung der Schallstrahlen erweisen? 252. Wenn sich die Farben einst noch weiter werden zerlegen lassen, so kann das Produkt weder Licht noch Farbe mehr sein, sondern etwas Unsichtbares. Nur mehrere dieser ternären Lichtstrahlen im Konflikte erst würden von neuem Farben geben. Vielleicht rühren hiervon schon manche sonderbare Farben her, die im Prismabilde usw. sich nicht finden. Als solcher unsichtbarer Farbenstrahl scheint das Licht innerhalb den Körpern enthalten zu sein, und erst beim Konflikte mehrerer entsteht das so oder so gefärbte Licht, mit dem alle Körper verbrennen. 253. Läßt sich wohl ein Elektrometer empfindlicher (für Elektrizität durch Verteilung) machen, wenn man über der Spitze desselben eine Lupe von Metall anbringt, deren elektrischer Fokus dann die Spitze trifft. Dies würde besser, wie alle Kondensatoren, sein. Auf gleiche Art müßten sich auch (mit Linsen von Eisen oder Stahl) Magnetoskope konstruieren lassen. 254. (1800) Das vollkommenste Prisma des Lichts ist die Erde, sie zerlegt das Licht in unendliche Farben. Was ist, was sind alle Materien, Stoffe etc., anders, als körperliche Farben? – Zusammensetzungen sind Mischungen von Farben. Wer diese oder jene gewöhnliche Farbe vornehmlich liebt, dem entspricht gewiß auch diese oder jene körperliche Farbe am meisten. Gesundheitslehre = Farbenlehre. – Auf der Erde wird jede Farbe gleich zu Materie. 255. Die Optik ist eine transzendentale Chemie. Man sieht hier die Stoffe. 256. Alle Kraft bricht sich in der Natur, denn alle eint sich; überall gibts brechende und gebrochene. Die Brechung verhält sich genau wie die Einung, beide haben einerlei Moment. Begegnen indes beide Kräfte sich in gerader Linie, so wird sie sich als bloße Akzeleration äußern, und zwar in derselben Linie, – wie zum Beispiel, wenn das Licht senkrecht auf eine brechende Fläche fällt; erst beim schiefen Einfall äußert sich das Phänomen als Richtungsänderung. Auch hier noch werden beide sich entgegenstehende Kräfte akzeleriert, nur mit verringertem Moment, und dieses letztere in dem Maße, als der Winkel, unter dem sie sich begegnen, schiefer wird. In zum Beispiel wirken die Strahlen α und α schon in a und a aufeinander. Das Moment von α wird notwendig vergrößert durch diese Anziehung. Wenn α in der Zeit t den Weg x durchlief, so durchläuft es im künftigen Augenblick in derselben Zeit t den Weg x + y. Ist y aber die Zugabe für die gerade Linie, so wird bei dem Winkel ab die Diagonale beschrieben, und diese die Diagonale eines Parallelogramms, wo die beiden Kräfte die Seiten sind. Die anziehende Kraft aber nimmt zu, und so wird das Parallelogramm immer breiter, indes die eine Seite dieselbe bleibt, bis zuletzt die zweite Seite, welche die anziehende Kraft ausdrückt, in Verhältnis zu jener unendlich groß wird, und im letzten Augenblick vor dem Ankommen im einen Punkte die beschriebene Linie genau mit der Anziehungslinie übereinkommt. So geschieht alle Brechung. – Alles einzelne in der Natur ist Brechungsmedium für alle Strahlen des Universums. Im Menschen brechen sich göttliche Strahlen. Sie zerlegen sich, und ihre Farben sind das harmonische Spiel seiner Gedanken. Man könnte sprechen von Gedanken, die durch geradlinigtes Begegnen, und andern, die durch schieflinigtes entständen. Das Herz wäre der Strahl Gottes, der senkrecht auf den Menschen fiele; alles übrige fällt schief. Oder auch: der eigentliche Mensch ist das Herz, das Innere, am Menschen, in diesem bricht sich alles Äußere. Das Leben ist das Farbenspiel, was dadurch im brechenden Medium entsteht. – Der Mensch soll keine Farbe einzeln nehmen; alle in der Vereinigung nur geben das vollendete Bild Gottes in ihm, welches erscheint in der Liebe, welches nichts ist, als die Freude, die sie an und über sich selbst hat. ›Gleichwie, als wann der Blitz inmitten der göttlichen Kraft aufgehet, da alle Geister Gottes ihr Leben bekommen, und sich hoch freuen, da ist ein liebliches und heiliges Halsen, Küssen, Schmecken, Fühlen, Hören, Sehen und Riechen – und umfängt ein Geist den andern, wie in der Gottheit.‹ ( J. Böhme , Morgenröte XII. 39.) 257. (1801) Es sind zwei Polaritäten zu unterscheiden im Licht, die der Länge und die der Breite. Denn das Licht geht verteilungsweise durch die Körper hindurch. Offenbar ist das, was durchgegangen ist, nur der eine Pol von denen, wovon jedes Glas etc. zwei haben oder bieten können muß, und das Farbenbild ist bloß die Expansion jenes einen. Welches ist der andere Pol? – Es muß wohl das Ponderable, die Masse, sein, da jener das Imponderable ist. Wären dann durchsichtige Körper solche, wo zwischen dem Ponderabilien- und Imponderabilien-Pol Indifferenz da ist? – Entsteht Undurchsichtigkeit aus dem Übergewicht des einen oder andern? – Alsdann gäbe es zweierlei Undurchsichtigkeiten, eine + - und eine - - Undurchsichtigkeit. – Ist der Längendualismus des Lichts wohl eigentlich der der Kohäsion ? 258. Licht ist subjektives Eisen, Magnetismus die objektive Polarität des Lichts. 259. Sind wohl die undurchsichtigen Flüssigkeiten doch für die unsichtbaren Farben noch durchgängig? – Quecksilber und fließende Metalle überhaupt. – So würde und bliebe es wirklich allgemeines Gesetz, daß alles Flüssige durchsichtig sei. 260. Merkwürdig ist es, daß die Körper beim ersten Glühen rot, dann gelb, dann weiß glühen. Bloße Wärme ist gleichsam eine dunkle Glut, hier emanieren nur unsichtbare Strahlen des Lichts, und je minder warm der Körper ist, desto mehr bloß warme Strahlen emanieren aus ihm. Man könnte so den absoluten Kältepunkt dahin setzen, wo ein Körper gar keine Wärme mehr von sich gäbe, um das aber probieren zu können, müßte es freilich einen geben, der sich noch tiefer erkälten ließe, – was nie der Fall sein wird. Also bloß die Unmöglichkeit, noch tiefer zu kommen, wäre der Beweis seines Daseins. 261. Gibt's in Herschels Spektrum außerhalb oder über die warmen und oxydierenden Strahlen hinaus nichts weiter? – Und ebenso auf der andern Seite des Spektrums über die desoxygenierenden Strahlen hinaus? – Wird der Sonnenstrahl durchs Prisma ins Unendliche bis zum Winkel von 180° zerstreut, und kennen wir bis jetzt nur noch einen sehr kleinen Teil dieses Winkels? 262. Im Lichte ist Rot Steigerung von Gelb, Violett Steigerung von Blau. Blau ist kein verdünntes Violett, und Rot kein konzentriertes Gelb. Im Magnetismus, wie in der Elektrizität, scheint die Kraft anders verteilt. Hier ist bloßes Wachstum, bloßes Mehr und Weniger; bloße quantitative Steigerung im Gegensatze der qualitativen im Licht. Indessen muß es doch auch für die Elektrizität und den Magnetismus eine qualitative Steigerung geben können. Ist das (chemische, elektrische) Körperspektrum eine solche Skale? – Ferner muß es auch eine quantitative Lichtskale geben; wo ist sie? 263. Wenn die Sonne auf die Erde und andere runde Weltkörper scheint, so muß es ihrem Lichte ebenso gehen, wie in Broughams und Pictets Versuchen dem Lichtstrahl, der auf eine Metallsaite usw., fällt, und dabei in Farben auseinandertritt. Hierdurch muß eine eigne Polarität zustande kommen. Ist hier der Magnetismus zu Hause? 264. (1802) Wie der Eindruck im Auge einige Zeit bedarf, um wieder zu vergehen, so auch einige Zeit, um zu entstehen oder sich zu bilden. Man könnte das Auge in Hinsicht des Sehens einen Halbleiter nennen. Kann diese Eigenschaft des Auges wohl soweit gehen, daß man Ursach hat, bei astronomischen Beobachtungen und sonst darauf Rücksicht zu nehmen? – Es ließen sich darüber besondere Versuche anstellen. Gleichzeitig mit einer schnellen Lichtentwickelung leitete man dem Beobachter einen mäßigen elektrischen oder galvanischen Schlag zu. Hat er letzteren eher, als den Blitz im Auge von dem Sehen des Feuers usw., so ist wirklich etwas entschieden. 265. Ist das Auge eine Art von Leidner Flasche für das Licht? – Wird dasselbe in ihm kondensiert, nach denselben Gesetzen, wie die Elektrizität im Kondensator etc.? – Dann möchte oft die Aufgabe sein, das Kondensationsvermögen des Auges zu vergrößern, oder zu verringern. Das Verfahren hierzu muß sich dann rein physikalisch auffinden lassen. Die Tensione luminare wird im Auge so groß, wie außer ihm, sein. Aber die Coibenza accidentale wird sehr modifizierbar sein, und zwischen Hunderten, ja Tausenden, hin- und herspielen können. 266. Das Licht ist die allgemeine Weltmaterie des Astronomen, der Äther. Der Farben-Dualismus ist der seinige. Das Licht wird nur von sich selbst gebrochen . ›Im Verhältnis der Dichtigkeit brechen die Körper‹, heißt: ›Im Verhältnis des gegenwärtigen Lichts wird das kommende gebrochen.‹ Was sind alle Massen anders, als ein gefesseltes Licht! Im dichtesten Körper ist das meiste Licht zusammengedrängt. Alle Weltkörper sind nichts als Lichtkonglomerat. 267. Die rechte Erkenntnis des Prisma, oder der Spitze, ist in der Tat die Erkenntnis der Welt. Ist nicht alles durch prismatische Bedingung da? – Der Schwerpunkt der Welt das höchste Prisma? – Alle magnetischen Linien jeden Ranges bedeuten die Gegenwart eines gegliedert haltenden Prismas. 268. Es müßte eine besonders lohnende Arbeit sein, alle diejenigen einfachen Körper, welche durchsichtig ohne Farbe sind, zusammenzustellen. Dann die durchsichtigen mit Farbe, nach beiden Seiten hin. Die ganz farbenlosen liegen doch gewissermaßen mit der Weltmaterie in einem Niveau, die farbenhaften aber nach den beiden Polen hin. 269. Das Hydrogen wie das Oxygen im Kreise der galvanischen Batterie sehen im Augenblicke ihrer Entstehung. Aber sie sehen nur einen Augenblick lang, und leben so lange nur. So ist alles anorgische Leben: – momentan! 270. Aller Indifferenzkörper Alter muß nach ihrem Lichtbrechungsvermögen geschätzt werden können. Die ältesten brechen am meisten. – Diamant? 271. Nichts löst sich in Säuren auf, was nicht erst durchsichtig geworden. In jeder Auflösung sind beide Faktoren jederzeit durchsichtig, und das Medium auch. Alles muß erst indifferent werden, bis es sich auflöst, nur das Indifferente bildet Auflösungen. Zuerst ist hier von Auflösungen auf dem nassen Wege die Rede. – Auflösungen sind sehr verschieden von Oxydationen etc. Bei Oxydationen verbindet sich { - + E mit - M(asse) { - + E ;oder - M { - + E mit + M { + E ;oder - M { - E mit + M { + - E ; - M ob { - E mit + M { + E , - M weiß ich nicht. Das scheint bloße oxydative Ad häsionen zu sein, wenn jenes oxydative Kohäsionen sind. Bei der Auflösung aber scheint allemal ein { - + E mit einem + - M { + - E sich zu vereinigen: Indifferenzen indifferenzieren sich. – - + M Vielleicht gibts auch Verbindungen { - E ; + - M { + E ; usw. - + M Säuren und Alkalien dergleichen mehr oder weniger sind. Säuren sind in dem Maße dem Wasser verwandt zur Auflösung, als sie oxydativ von ihm verschieden sind. Diese Auflösungen sind aber schon oxydativ, nicht indifferentiv. Gesetz bleibt es: Auf nassem Wege kann nur das Durchsichtige Prozesse beginnen. Alles ist hier Lichtprozeß. 272. Das Licht ist ein Contagium. Es steckt den Raum an, und er wird Licht. Es ist die höchste Organisation in der niedrigsten Individualisation. Es gibt nur Einheiten mit Intensitätenveränderlichkeit. 273. Nur das Individuum sieht, die Gattung nicht, denn diese ist eins mit dem Licht. Das Individuum sieht mit seiner Differenz vom Licht. Mit der Indifferenzierung aber steht die Gattung dem Licht gleich, und sieht es nicht mehr, sondern fühlt es. Alle Sinne scheinen bloß fürs Individuum berechnet zu sein, sie sind Organe seiner Indifferenzierung mit dem Gegensatz. Aber das eigentliche Organ der Liebe bleibt das Auge. Wenn zwei Augen ineinander verschwinden, ist Liebe da. – Hierher auch alle Kunstanschauung, das Mehr-Sehen, als man sieht. Alles Konstruktion der Liebe, der Schönheit. Das Licht ist die reinste Liebe. Darum sucht die Liebe die Nacht. Alle Liebe ist durchsichtig wie das Licht selbst. Daher alle Indifferenzen durchsichtig. Das Durchsichtigste ist das schönste Bild der Liebe: der Diamant; so wie das Gold das schönste Bild der Geliebten, – durch seine Farbe. Von dem Allerindifferentesten würde das Licht gar nicht in Farben auseinandergehen, so wie es an sich selbst nicht in dergleichen auseinandergeht. 274. Jede Kohäsionslinie, jede Polarität muß ihr Grün haben. Dieses Grün ist nur die Klage um den Purpur, dessen Faktoren auf den Polen verteilt liegen, – freilich mit der Hoffnung, es einst doch wieder zu bekommen. Es ist die Anzeige des Vakuums, was durch die Verzehrung des Weißes entstanden ist in der totalen Summengrenzen Einheit. Das Licht wird hier wie ein Gefäß betrachtet, was durch die Polarisierung in gewissem Grade lichtleer geworden. Was beschreibt dieses Ganze? 275. Im Lichte herrschen noch viele Geheimnisse. Was ist zum Beispiel der dunkle lichtverzehrende Rand in Grimaldis Beugungsversuchen? – Er scheint jede Lichtgrenze zu begleiten. Sogar in den chemischen Lichtversuchen kann ich dergleichen nicht verkennen. Im einen sieht man auf dem Papier hinter dem höchsten Violett noch einen hellen Nebel, der die Wirkung des umgebenden Tageslichts sehr gedämpft hat. Hier scheint dieselbe Lichtverzehrung stattgefunden zu haben. – Diese Art von Lichtpolarität scheint noch ganz unerforscht, und mit dem Phänomene seiner Brechung, abgesehen von der Farbenzerstreuung, zusammenzuhängen. 276. Ich sagte einst, (s. 271) daß nur das Flüssige, nur das Durchsichtige, Prozesse begönne. Die undurchsichtigsten Körper, die Metalle, werden erst Dampf, durchsichtiger Dampf, beim Verkalken. Aber freilich wird der Dampf sogleich bei dem Entstehen jeder kleinsten Partikel wieder verzehrt. 277. (1803) Schwarz ist die absolute Nacht, das ewig Verschlingende, in dem der Blick sich verliert und den ganzen Körper mit hinabreißen möchte. Es ist der absolute Schatten, der zermalmte . Weiß = zerstörtem Tag, Schwarz = zerstörter Nacht. – Es ist eine besondere Anschauung, das Schwarz recht als Schatten zu nehmen. Wirklich ist der schwarze Körper da, wie der Schatten seines Innern, da hingegen das Durchsichtige dem Licht gar kein Inneres entgegensetzt, also gar keinen Schatten macht. 278. Ein Körper, welcher farbig sieht, muß erst Farben zerstreuend wirken. Dazu gehört, daß der Körper eine Mitte von Schwarz und Weiß sei, eine Grenze, für die er zugleich Prisma ist. An diesem Prisma zerstreut sich das Licht; die eine Farbe wird verschluckt, und der Körper steht als Schatten dieser Farbe da, der mit der entgegengesetzten, vom Körper nicht verschluckten, Farbe leuchtet. Daraus folgt, daß alle farbige Körper halbdurchsichtig sein. Und da Schwarz keinen Glanz geben kann, weil es nicht reflektiert, Weiß aber auch nicht, weil es alles reflektiert, so muß kein Glanz ohne Farbe sein. Wodurch man auch einsieht, wie man im Glänze im Licht mit Differenz steht. Farbe und Glanz sind Synonyme. Es ist also Duplizität im Glanz. 279. Da der brasilianische Topas doppelte Strahlenbrechung, und zugleich Turmalinseigenschaft hat, wie umgekehrt der Turmalin wieder doppelte Strahlenbrechung ( von Herbert ) so kommt man auf die Frage, ob nicht am Ende alle turmalinartigen Steine doppelte Strahlenbrechung besitzen, und umgekehrt mit doppelter Strahlenbrechung überall auch Turmalinnatur verbunden ist. 280. Ob wohl ein (elektrisch) geladenes Stück Glas doppelte Strahlenbrechung hat? – Ein Quadrat von Glas, etwa 1 Quadratzoll groß, und etliche dick, wäre gut zum Versuch. Dann wäre auch ein Prisma von solchem Glase zu wünschen. Es bedürfte dazu bloß eines Dreiecks von ½ Quadratzoll Fläche, und etlichen Linien Dicke. Zeigt sich so nirgends nichts, so muß man das Glas erhitzen, und während dem Erkalten untersuchen, und schon auch beim Erwärmen. Dabei steigt und fällt die Spannung. 281. Die Metalle haben die mindeste Wärmekapazität = größter Erwärmbarkeit, und damit auch die größte Lichtbrechung. Unter allen Metallen müßte das Quecksilber die größte Brechung zeigen, da es die größte Erwärmbarkeit besitzt. 282. Verhält sich die Lichtbrechung umgekehrt, wie die Wärmekapazität, so wird ein Körper um so lichtähnlicher, je größer seine Wärmekapazität, und das Licht gleichsam zu reiner Wärmekapazität selbst. 283. Setzen spezifisches Gewicht (Dichtigkeit) und Verbrennlichkeit die Lichtbrechung eines Körpers zusammen, so vertritt das eine das andere, und spezifische Schwere wird gleich latenter Verbrennlichkeit. Hier wird ein Verhältnis von Freiheit und Latenz gefunden, wo man es nicht gesucht hätte, obgleich es längst schon auffallen konnte, daß die dichtesten Körper in der Regel die mindest verbrennliche sein. 284. (1804) Wenn Licht = Galvanismus ohne Spannung, Materie (Erde) = Galvanismus mit Spannung (und zwar höchster), und Durchsichtigkeit die Mitte zwischen Licht und Materie, gleich der Indifferenz zwischen einem + und - ist, so müssen die schwersten Körper, da sie bloße Materie, Erde sind, die undurchsichtigsten sein. Sie haben Mangel am andern Faktor, dem Licht, neutralisieren es also zu Null für das Auge. Die leichtesten müssen die durchsichtigsten sein. Die Wirkung des Lichts auf Körper muß mit ihrer Undurchsichtigkeit im geraden Verhältnis stehen. Folglich auch mit ihrem spezifischen Gewichte, ihrer Dichtigkeit. Folglich auch mit ihrer Farbenzerstreuung. Spezifisches Gewicht also ebenfalls mit Farbenzerstreuung. Gesetz für die Farbenzerstreuung. Es kann aber nur für dieselben zwei Faktoren, in verschiedenem Verhältnis gepaart, gelten. 285. Sind, nicht die Licht- Leiter , sondern die Licht- Isolatoren durchsichtig? – Die Elektrizitäts isolatoren sind es allerdings. Vielleicht wird in den Metallen etc. das Licht als Elektrizität fortgeleitet, und das Phänomen der Durchsichtigkeit ist ein Phänomen des Funken -Überspringens. Diese Ansicht ist sehr festzuhalten. Was ist das Licht der Sonne, als ein Strahlenpinsel, der aber erst im widerstehendem Medium zum elektrischen, (elektrisch-) leuchtenden wird? – Nur ist die Ausströmung nicht polar, sondern zentral. 286. Daß die Licht verschluckenden, Licht ›isolierenden‹ Körper, die eigentlichen Licht leiter sind, beweisen schon die Augen . Hier fällt das Licht unmittelbar in Nerven ein, und diese sind unter allen tierischen Teilen die besten Elektrizitätsleiter , und, wie der Effekt schon zeigt, zugleich die besten Lichtleiter . V. 287–321 287. (1797) Der elektrische Funke, was ist er anders, als Materie von einem sehr großen Volumen? 288. (1798) Könnte nicht mit einem Uhrwerke ein elektrischer Apparat so verbunden werden, daß nach dem Ablaufen desselben ein Funken es von neuem aufzöge, d. i. sein Aufziehen veranlaßte? – Also eine Art von Perpetuum mobile. 289. Hat der elektrische Funken eine andere Farbe, wenn er durch einen Magnet in diese oder jene Luftart überströmt oder schlägt, als wenn er durch ein ganz ähnliches Stück unmagnetisches Eisen oder Stahl in dieselbe übergeht? – Und wie modifiziert die Temperatur der Luftart, die Aussetzung derselben ans Sonnenlicht usw., die Farbe des Funkens? – Vergleiche damit die Farbe des Funkens, nachdem er aus diesem oder jenem Körper ausströmt. 290. Verdient es Aufmerksamkeit, daß schwache elektrische Funken bei Maschinen usw., einen Phosphor geruch geben, der stärkere Blitz aber einen Schwefel geruch? – Der letzte ist der Geruch eines Körpers, der weniger Sauerstoff zur Verbrennung einnimmt, als der erste. 291. Im luftleeren Räume soll keine Abstoßung gleichnamiger Elektrizitäten mehr stattfinden. Also stoßen sich auch gleichnamige Elektrizitäten nicht ab, sondern nur gleichnamig elektrisierte Körper entfernen sich voneinander. 292. Bei der Elektrizitätserregung muß notwendig Wärme zerlegt werden, oder, was gleich viel ist, Licht. Sehr merkwürdig ist schon das, daß zwei Körper, die sonst gleichen Namens sind, von denen der eine aber wärmer als der andere ist, schon Elektrizität miteinander geben. 293. Kommt das bessere Laden erwärmter Leidner Flaschen nicht sowohl von der weggetriebenen Feuchtigkeit, als vielmehr von der durch die Wärme vermehrten Kapazität des Glases, durch die es sich schon mehr den Halbleitern nähert? – Vergleiche die Phänomene beim Kondensator. 294. Sollte alles elektrische Anziehen und Abstoßen magnetische Wirkung sein, die doch in jedem elektrischen Prozesse auch vorhanden ist, und hier gleichsam durchblickt? 295. Ich könnte den Sinn meiner ehemaligen Ausdrücke über Elektrizitätserregung sehr gut auch so geben: bei der Elektrizitätserregung wird Wärme zerlegt, und alle Elektrizität ist zerlegte Wärme. 296. Van Marums neue Versuche beweisen sehr schön, daß zur elektrischen Abstoßung zweier Körper durchaus gehöre, daß ihre Kontinuität unterbrochen sei. Mayers Versuche ( Grens Journ. VII. 232) zeigen, daß die Unterbrechung durchaus eine ponderable Materie enthalten müsse, denn im luftleeren Raum stoßen sich gleichnamige Elektrizitäten nicht ab. Hier gleicht also das Vakuum dem Kontinuum. Es muß ihm, wie diesem, eine Bedingung zur Abstoßung fehlen. 297. Wärme scheint für den elektrischen Prozeß das zu sein, was Wasser für den chemischen. 298. Sollten nicht alle Tiere dieselbe elektrische Polarität besitzen, wie die Katzen bei Chladni und so vielen schon vor ihm? – Wie würde sich dies an den Magnetismus vom Kopf nach dem Rücken, und das Aufheben der vorigen Wirkung bei Streichen nach entgegengesetzter Richtung anschließen? – Und wenn elektrische Polarität bei Tieren, wie bei den Pflanzen? – An die Beobachtung bei Katzen reiht sich Cotugnis Beobachtung an der Maus vortrefflich an. Wahrscheinlich ist die Schwanzgegend aller Tiere + E, und der Kopf - E. So verbreiten sich schon die Nerven vom Rückenmark aus + E-artig, während das Gehirn der - -Knopf. Lichtenbergsche Figuren! – Übrigens könnte man nach dem vorigen sagen: alle Geschöpfe seien Turmaline, und die Welt selbst ein in unendliche Glieder zerspaltener! 299. Wenn etwa der menschliche Körper sich zu der Atmosphäre verhält, wie das Metallblättchen an und zu Humboldts Glasröhre (s. Versuche über die gereizte Nerven- und Muskelfaser, Bd. II, S. 454), verhält sich die Oberfläche des Körpers als leitend und einsaugend, und träten Umstände ein, wo sie diese Funktion nicht mehr verrichten könnte, so müßte man den Körper mit andern einsaugenden Massen in Verbindung setzen, zum Beispiel mit großen Massen Metall. Man erinnere sich hier an Mesmers magnetisches Baquet, an Thouvenels Erz- und Wassersucher. Vielleicht sind Bäder in der See und andern großen Wässern darum so heilsam; das Weltmeer ist für die Erde das nämliche, was das Metallblättchen für die Glas- oder Siegellackstange. Vielleicht stehen Sternensysteme zum Weltraum in dem nämlichen Verhältnis. – Saugen wohl entgegengesetzte Geschlechter Entgegengesetztes ein? – Und eint sich dann, zum Beispiel beim Magnetisieren? – Was würde es für Wirkung haben, wenn man eine ganze Menge Männer, und eine ganze Menge Weiber, sich an große, geschiedene Metallflächen entladen, und letztere dann zusammen auf einen Menschen influieren ließe? – Dem Tiere ist der Blitzableiter gleichsam auf die Seele gebunden, als ob im Blitze etwas Göttliches läge! – Auch die Elektrizität leitende verdünnte Luft in den Höhen der Atmosphäre steht in dem Verhältnis zu der Erde, wie oben das Metallblättchen zum Glase; sie bildet eine Metallhülse um die Glaserde. Eine Menge atmosphärischer Phänomene mögen hieraus ihren Ursprung haben, zum Beispiel Nordlichter. Findet für die Sonnenatmosphäre etwas Ähnliches statt, so kann das Zodiakallicht dahin gehören. So können ganze Sternensysteme ähnliche Erscheinungen geben. Minima von Dichtigkeit tun hier dasselbe, was in S.'s Abhandlung Maxima der Dichtigkeit als Nerven der Erde. 300. Musschenbroecks Beobachtung, daß Glastafeln auf Metall schwach oder gar nicht betauen, indes Glas auf Glas stark betaut, ferner, daß um Metall herum, was auf Glas liegt, ein mit ihm konzentrischer Ring auf diesem unbetaut bleibt, beweist, daß Glas und Metall, auch ohne daß sie gerade elektrisieren, sich in der Berührung dennoch wechselseitig modifizieren. 301. Über die Kraft mancher Fische, den elektrischen ähnliche Schläge zu geben, könnte man sicher sehr entscheidende Versuche anstellen, wenn man frisch präparierte Froschschenkel und Nerven auf gehörige Art in die Kette brächte, d. i., sie in eben die Verhältnisse zu ihr setzte, wie bei schwachen Elektrizitäten und beim Galvanismus. Im günstigen Falle wären dann die Leiter und Isolatoren der Wirkung genau zu untersuchen, und mit denen des Galvanismus und der Elektrizität zu vergleichen. Wo Wirkung im Augenblicke der Schließung wegfiele, müßte man den Einfluß der Fortdauer des Geschlossenseins der Kette prüfen. Alle diese Versuche ließen sich auch beim tierischen Magnetismus anwenden, um über die Tätigkeit in demselben Licht zu erhalten. Beschränken sich vielleicht der Gehalt der galvanischen und der tierisch-magnetischen Kette untereinander? – Ob wohl auch bei Würmern und Insekten Wirkungen vorhanden sein möchten, die gut präparierte Froschorgane in Kontraktion versetzen könnten? – Zum Beispiel beim Aufspringen der Carabi ? 302. Jean Paul nennt die Erde den Aschenzieher unseres warmen Staubes. Aber eigentlich wird alles, was schwer ist, von der Erde als Turmalin gezogen, und Schwere selbst ist dieses Phänomen. Die Sonne zieht den Staub der Erde, diese das Aschenstäubchen des Mondes ebenso an, wie eine Milchstraße die andere. – Die Natur ist Asche und Zieher zugleich. 303. Wenn man eine Nadel aus Glas verfertigte: , und an a und b eine kleine Metallbelegung brächte, und durch diese Belegungen sie lüde, ganz wie eine Leidner Flasche, oder eine Beccaria sche Glastafel, von welcher sie ohnehin nur ein gleichsam herausgenommenes Stück oder Element ist, und dann die Belegungen von den Seitenflächen a und b abnähme, so hätte man eine Nadel, an deren Polen die entgegengesetzten elektrischen ebenso haften würden, wie an der Magnetnadel entgegengesetzte magnetische. Aber wird diese elektrische Glasnadel sich ebenso nach Weltgegenden richten, wie die magnetische aus Eisen oder Stahl? – Und welcher Pol, + oder -, wird zum Beispiel nach Norden stehen? – Wird auch Inklination sich zeigen, und welcher Pol wird inklinieren? – Vielleicht hier der südliche, statt beim Magnet der nördliche? – Wird die Deklination die magnetische, oder von ihr verschieden sein? – Welche Körper wird diese Nadel in größerer Ferne und Menge ziehen? – Wird sie auch im luftleeren (nicht luftdünnen) Raum noch ziehen? – Wird das + -Ende bloß - -Körper, zum Beispiel Harz, das – -Ende bloß + -Körper ziehen, zum Beispiel Glas? 304. Wenn ich von zwei Substanzen jede allein mit einer dritten reibe, zum Beispiel durch ein Sieb in Kortums Versuchen, wird dann wohl jede derselben die Elektrizität erhalten, die sie erhalten hätte, wenn man beide direkt aneinander gerieben hätte? – Werden, wenn sie in dem Gradverhältnis zueinander stehen, wohl b mit c gerieben, und a mit c gerieben, beide zum Beispiel +, oder -, werden, nur b schwächer als a, und wird folglich beim unmittelbaren Reiben aneinander im ersten Falle a + und b -, im zweiten a - und b +, werden? – Dies ließe Gesetze entwickeln. Stehen die Körper , so müssen unmittelbar a und b notwendig dieselben Elektrizitäten bekommen, als mit c gerieben, nur beim unmittelbaren Reiben in stärkerem Grade. Nach diesen drei Fällen müssen sich alle Körper ordnen, und die erschöpfenden Schemata werden sein: a   b   c unmittelbar a b + \> +   - + - a   b   c " a b - \> -   +   + a   c   b " = a b - ∓   +   - + a   c   b " a b +   ∓   -   + - Mit einem vollständigen Reihensystem muß sich dies alles ergeben. In der Reihe: kommen bereits alle diese Fälle vor. 305. (1800) Eine magnetische Eisen- oder Stahlnadel mit zwei sehr dünnen Stahlfäden muß ein gutes Elektrometer abgeben. 306. (1802) Im Kombustionsprozeß scheint das Licht nichts als ein angehaltener elektrischer Funken zu sein. Die Rechnung muß zeigen können, daß so viel Elektrizität da sei, als zu so viel Funken nötig ist. Als Maßstab dessen, was die Verbrennung geben könne, muß das Licht bei der Verbrennung im Sauerstoffgas dienen können. Hier hat das Licht schon ohnehin allen Glanz des elektrischen. 307. So ist auch alle Wärme elektrischer Art; bei Verbindung verschiedener E erscheint Wärme. Auch hier muß die Rechnung die Zulänglichkeit der vorhandenen Elektrizitäten zu den Verbrennungswärmen beweisen. – Je größer die Wärmekapazität eines Körpers, desto mehr neutralisiertes ± E hat er schon. – Alles Licht elektrisches Licht, alle Wärme elektrische Wärme. 308. Es liegt etwas unendlich Großes in dem Voltaischen Spannungsgesetz heterogener Leiter. Könnte man zwei Stücke Zink und Silber in Berührung bringen, jedes so groß wie das Universum: sie würden nicht ruhen, bis diese beide Universa zu der nämlichen Spannung gekommen wären, als zwei Nadelköpfe von Zink und Silber. 309. Die Unendlichkeit der Elektrizitätsquellen ist nichts als zutage gelegte Quelle des Seins. Das Geheimnis der Natur ist aufgetan. 310. Die Elektrizität ist das Phänomen der zerlegten Schwere, Sonnenschein das Phänomen des Schwere-werdens. 311. Wenn der elektrische Funke schwer ist (Winterl), so sind alle Körper eigentlich nur elektrische Funken. 312. Die höchste Tendenz des Galvanismus muß sein, das Metall ganz in Funken aufzulösen. Es würde dies geschehen, wenn das ganze Innere des Metalls nach außen gewandt werden könnte. 313. Wenn ich einen Körper aus gewisser Entfernung von der Erde ihr näher bringe, so wird er schwerer, er wird mehr Materie. Wenn ich einen Körper, der noch gar nicht wiegt, der Erde näher bringe, muß er etwas Gewicht bekommen. Dieses aber ist der Fall beim elektrischen Funken. Sollten umgekehrt hoch geworfene Körper sich wieder in elektrische Funken auflösen, die sodann verschwinden? – Und zwar verschiedene Körper in verschiedenen Höhen? – so, daß jeder Körper dafür seine Höhe hätte? 314. Interessant ist es, daß, wie überall, so auch in der Geschichte der Elektrizität, man, sobald man eine Sache etwas kennt, gleich in den luftleeren Raum damit lief. Die Gegenwart der Luft wird überall für eine Sache von äußerster Wichtigkeit anerkannt, als ob sie gleichsam überall herrschte. 315. Geriebener Diamant leuchtet im Dunkeln. Der Sonne ausgesetzter Diamant leuchtet im Dunkeln. Somit tut Reiben mit Heterogenem dasselbe, als Aussetzen ans Licht, und umgekehrt. Die Körper elektrisieren sich am Licht, und ihr nachheriges Leuchten im Dunkeln ist das bloße Wiederaufheben ihrer Elektrizität, – ein stiller langsamer Funken. 316. Die Elektrizität wurde am Bernstein entdeckt, an einem negativ elektrischen Körper. Also die negative Elektrizität wurde zuerst entdeckt. Auch am Himmel wurde diese zuerst entdeckt. 317. Merkwürdig ist der Gang der Geschichte der Elektrizität. Zuerst wurde die negative entdeckt, – darauf die positive, damit der Dualismus. Diese Duplizität wird darauf als eins genommen, und es entsteht der Franklinismus. Damit ist aber wieder erst der eine Pol des elektrischen Schema entdeckt: der Licht - oder der Sonnenpol . Noch fehlt die Anerkennung des andern Pols, in welchem ebenfalls Duplizität ist, die dann als Einheit genommen wird: der Wasser - oder der Erd pol. Er ist anzuerkennen, und damit die höhere Duplizität: L(= M) .... o .... W(= E), und in jedem dieser Pole wiederum die Duplizität. 318. So wie es Radikalphänomen für den Magnetismus ist, daß eine Eisenstange in der Inklinationslinie magnetische Polarität zeigt, so mag es Radikalphänomen für die Elektrizität sein, daß eine jede Kupferstange elektrische Polarität erhält, wenn sie in der Schwerlinie aufgehangen wird. Die Polarität vom Zentrum der Erde bis in die Höhe der Atmosphäre ist die elektrische , die vom einen Pol der Erde zum andern die magnetische . 319. So wie ± E durch den Zustand der Ladung in den der Indifferenz übergehen, so müssen sie auch aus der Indifferenz durch den Zustand der Ladung in die Differenz übergehen. Schon hieraus der Beweis, daß berührendes Zinksilber sich im Zustande der Ladung und dem einer kleinen Leidner Flasche darstellen muß, daß jede Körperdifferenz eine Ladung setzen muß, wo die Grenze der geladene Körper ist. Wichtigkeit der Ladung für alle und jede elektrische Phänomene. Mit ihrer Aufklärung muß sich die gesamte Elektrizitätslehre zu einer ganz neuen Wissenschaft aufklären. Bis jetzt war sie bloß in einzelnen Fällen beobachtetes Gesetz, konstruiertes allgemeines Gesetz aber noch nie. 320. (1803) Je wärmer eine Mischung von Wasserstoff- und Sauerstoffgas ist, desto schwächer kann der Funken, der sie zur Detonation bringt, sein. Es muß einen Punkt geben, wo schon die Berührung von nur einem Paar Zink und Silber zünden muß. Je kälter hingegen die Mischung, desto stärker wird der Funken nötig. 321. Vielleicht ist die atmosphärische Elektrizität nichts, als eine Elektrizität, die die Luft zufolge ihrer Berührung mit der Schwere (= dem Schweren) hat. VI. 322-352 322. Vielleicht findet galvanische Zirkulation auch da statt, wo ein tierisches Organ ihn nicht entdeckt, zum Beispiel in der anorgischen Natur. Noch haben wir keine Reagentien dafür. Vielleicht ist das hier zirkulierende Fluidum eben dasjenige, was die Verkalkung des Quecksilbers befördert, wenn es mit Quecksilberkalk gemischt ist, dasjenige, was die Verkalkung des Bleies usw. verursacht, wenn es mit Silber, Gold usw. in Berührung ist, so wie auch, nach entstandenem Kalk von jenem, dadurch die Verkalkung dieser Metalle selbst veranlaßt wird. 323. Wird durch alle galvanischen Aktionen Wärme ausgeschieden? – Vielleicht ist dies hier nichts besonderes, sondern ebenso gewöhnlich, als zum Beispiel bei der Mischung von gebranntem Kalk mit Säuren, der Bittererde mit Vitriolöl usw., Wärme und Hitze entsteht, die sich wohl gar als Feuer zeigen kann. 324. Ist das galvanische Fluidum der Grund aller chemischen Verwandtschaft? – Und dann zugleich äqual latenter Wärme? 325. Was mag es wohl für ungeheure galvanische Ketten im Innern der Erde geben? – Was mögen sie für Wirkungen nach sich ziehen? – Mögen sie zu Metallerzeugungen beitragen etc.? – Sind etwa die von Humboldt entdeckten Ziehkräfte im Innern der Erde schon etwas hierher Gehöriges? 326. Unter den großen galvanischen Ketten im Innern der Erde, könnte es nicht eine von ihnen sein, welche dem Magnet seinen Lauf bestimmte? – Gesetzt, ein kleiner Stein höbe die Wirkung jener Tausende von Meilen habenden Kette auf, – oder ein Fleck Wasser, welcher vertrocknete, höbe die Wirkung der Kette durch Trennung auf, – was sich leicht denken läßt, – und den Augenblick würde der Magnet stillstehen, und alle Kraft würde man an ihm vermissen. Welches Wunder würde dies sein! 327. Würden wohl Pflanzensaamen eher keimen, in Wasser, welches galvanisiert wäre? – Würden Pflanzen schneller darin wachsen? – Würde in bloßer Eisenfeile und Wasser ein Saame nicht so schnell keimen, als in Eisenfeile mit Zinkfeile, mit Kohlenstaub usw., und Wasser, gemischt? – Würden überhaupt in einer Mischung von Feilen von verschiedenen Metallen, mit Wasser befeuchtet, die Saamen schneller wachsen, als in bloßen einfachen Metallfeilen mit Wasser? 328. (Nov.) Methode, die Richtung des Metallreizes, und sein Dasein in der anorgischen Natur, zu beweisen. Man benutze die Asch sche Zinkverkalkung, und stelle den Versuch an, wie beistehende Figur es zeigt, und wo Z Zink, S Silber, m irgendein Metall, w Wasser, und l einen feuchten Leiter bedeutet. Man gebe genau acht, ob auf dem linken SwZ die Verkalkung häufiger anders geformt, kurz: anders modifiziert ist, als auf dem rechten SwZ. Dann wiederhole man den Versuch, lasse aber m zwischen beiden SwZ weg, behalte es, lasse aber Z und S oben offen usw. 329. Wenn drei Metalle von gleicher Temperatur keine wirksame galvanische Kette bilden, möchte sie doch gebildet werden, wenn man eines davon beträchtlich erhitzte? 330. Leitet eine Kohle in voller Glut den Galvanismus, und wie exzitiert sie? – Dies muß interessant sein; da die Flamme isoliert, wie wird sich da wohl ein in Flammen stehender Körper verhalten? – Und wie wird dessen Exzitationskraft durch die Glut abgeändert? 331. Je dichter ein Körper ist, desto stärker bricht er das Licht. Schon warmes Wasser bricht schwächer als kaltes. Wie verhält sich warmes Wasser in den galvanischen Versuchen? – Die Schwefelleber bricht bestimmt das Licht sehr stark, ist aber auch im Galvanismus sehr wirksam mit Metallen. Wasser bricht schwächer, ist aber auch dort schwächer wirksam. Alle Salzauflösungen brechen das Licht stärker als Wasser, aber auch in den galvanischen Versuchen sind sie sämtlich wirksamer wie dieses. Möchte überhaupt die Exzitationskraft der den Galvanismus leitenden Flüssigkeiten mit einem bestimmten Metall, in gewissem Verhältnis stehen mit der Brechung des Lichts durch diese Flüssigkeit? 332. (Dez.) Bricht Wasser, was einer galvanischen Strömung ausgesetzt ist, das Licht anders, als ihr nicht ausgesetztes? – Sicher wird ein Unterschied statthaben, und auch die Direktion des Stromes von Einfluß sein. 333. (1798) Zieht ein in einer galvanischen Kette befindlicher Magnet noch ebensoviel Eisen an, als vorher, und wenn, zieht er mehr oder weniger? – Welcher Pol erleidet unter diesen oder jenen Verhältnissen zu den übrigen Gliedern der Kette die größte Veränderung, welcher zieht zum Beispiel mehr, und welcher weniger, als vorher? 334. Erhält sich in negativ galvanisch gereizten Organen und Nerven die tierische Wärme länger oder kürzer, als in positiv gereizten? 335. Auf welcher Seite ist im galvanischen Versuche N. Metall a. Metall b. M. die Kontraktion, wenn a weiches, b gehämmertes Metall desselben Namens ist? – Sehr wahrscheinlich auf der Seite des letztern, denn es ist zugleich minder verbrennlich geworden. 336. Leitet Quecksilber dampf den Galvanismus und die Elektrizität? – Wahrscheinlich nicht. Hier würde also ein Metall zum Nichtleiter, ohne Sauerstoff. Und dann könnte man Mitchill nicht mehr einwerfen, der Stickstoff (das Stickgas) sei schon darum kein Metall, weil er die Elektrizität nicht leite. 337. (1799) Überall, wo drei Individuen eine Figur bilden, deren gegenseitige Einwirkung aufeinander nicht bloßer Grad einer , identischen Ordnung, ist, ist Galvanismus. Auch überall, wo differente Ordnungen des Systems der allgemeinen Gravitation aneinander grenzen, als gleichsam verschiedene Voltaische Klassen, ist er zugegen, und bildet gleichsam das Heftpflaster für die Wunden der Natur. Ein wahrer Janus bifrons inversus! Weltkörper verhalten sich hier wie Metallstangen, eine Sonne bildet den Wassertropfen; Sternensysteme und Nebelflecken sind die Dunstbläschen im Atem der Natur, wenn sie den Hauchversuch im Großen konstruiert, – sie selbst die Kette. So hat sich die Natur das Sternbild des Galvanismus selbst an den Himmel gesetzt. Wie noch so manches andre mag mit sanftem Licht seit Ewigkeiten schimmern, ohne den Sterblichen zu rühren! 338. Der galvanische Funke setzt die ganze Natur in Brand, und ihre Asche ist wieder Natur! 339. Mögen wohl organische Körper, Pflanzen und Tiere, das galvanische Wasser für mehrere Systeme zugleich sein? Ist die höchste Organisation, – der Mensch, es für alle? 340. Im Auge des Menschen hat eine beständige Lichttemperatur statt, warum nicht also auch im Auge der Erde? – So wäre die Erleuchtung der Erde durch die Sonne bloß eine Erhöhung dieser Lichttemperatur, ihr Tag, – Nacht Verminderung derselben. Alles Sonnenlicht gliche einem galvanischen Strahl, und Licht käme überhaupt nur durch Galvanismus ins Universum. 341. Die Vermischung des Sauerstoffs in der Atmosphäre mit Stickstoff deutet auf die Nützlichkeit des letztern zur Bildung eines Galvanismus bei der Respiration hin. Er erst kann wahrscheinlich den Sauerstoff auf eine Stufe erheben, wo er Qualitäten äußert, die, ohne ihn, wegfielen. Er ist notwendig eines von den Gliedern des Schema C, und dies Schema wird hier von der nämlichen Wichtigkeit sein, wie in der ganzen Chemie. 342. Die ausnehmende Wichtigkeit der wirklichen Berührung zweier Metalle unter sich, um in der galvanischen Kette Wirkung hervorzubringen, muß selbst dem Mechaniker von Interesse sein können, indem letztere ihm zum Mikrometer auch für die kleinsten Entfernungen werden kann. 343. Wird eine galvanische Kette in perpendikulärer Fläche anders wirken, als in horizontaler? – Werden selbst Nerven in perpendikulärer Lage anders affiziert, als in horizontaler? – Pulsieren doch Herzen anders in perpendikulärer, als in horizontaler Lage, und nicht bloß in Humboldts Versuchen. 344. (1800) Nachdem galvanische Anziehung erwiesen ist, gibt's auch wohl galvanische Nadeln mit Deklination und Inklination, so wie es elektrische geben muß, und magnetische wirklich gibt. 345. (1802) Die Metalle sind in der galvanischen Kette gleichsam das Subjektive, das Wasser das Objektive. 346. Ob nicht aller Sinnengegensatz nur von der Empfindung der Säure und des Alkali, was der Galvanismus erzeugt, herrührt? – Auf der Zunge schmeckt man die wirkliche Säure, das wirkliche Alkali. Im Auge sieht man die Säure und das Alkali. Im Ohre hört man sie. Im Schlage fühlt man sie. 347. Der Galvanismus der Individuen auf Erden wird im Sternensystem Galvanismus von Weltkörpern, und umgekehrt. Der der Individuen wird auf niederer Stufe Galvanismus der Organe. 348. Nur für das Organische dauert die Wirkung in der galvanischen Kette fort, fürs Tote nicht. 349. (1803) Im Galvanismus kommt die Erde über sich selbst zur Reflexion. 350. Eine galvanische Batterie aus erkaltenden, oder auch aus heißwerdenden Turmalinen. 351. In jedem Körper-Individuum kommt vor: Oxyd Hydrogen Sind die Metalle das ausgeschiedene Hydrogen dieser Prozesse? – Nicht aber die Metalle, wie wir sie rein haben, sondern die Vererzungen .... derselben, die damals rein waren, den damals einfachen reinen Metallen gleich gelten. – Das Oxyd kann leicht die Erde sein, das Gestein, das erdigte Salz, mit dem der Kies .... vorkommt. Auch diese, dieses, kann damals einfach gewesen sein. Jedes auf seine Weise hat den Differenzierungsprozeß von neuem aus sich begonnen. Dies hat in den Kiesen ...., den Erden ...., die Zerlegbarkeit begründet. Bis endlich nun die Metalle mit dem Wasser im Galvanismus, das Hydrogen, wie es unsere Chemie hat, darstellen, und das Oxyd derselben. Diese Zeit kann auch die regulinischen und dabei edlen Metalle in der Natur, und dabei die oxydierten unedlen, die beide gleich neu sind, hervorgebracht haben. – So wird der Galvanismus geognostisches Prinzip. 352. Ein Körper wird überhaupt der fruchtbare. Es scheint wirklich einen Fundamentalkörper gegeben zu haben, aus dessen Entwickelung alles entsprang, – dieser sei nun Granit, oder Quarz, oder wie er immer heiße. VII. 353–366 353. (1798) Gäbe es Blasinstrumente, wo mit Wasser , so wie bei den gewöhnlichen mit Luft, geblasen werden könnte? – Gehört das Singen oder Pfeifen der Teekessel usw. schon hierher? 354. (1799) Erschütterungen scheinen Oxydabilität vermehrend auf den gegebenen Körper zu wirken. Cantons Phosphor leuchtet beim Schlagen an die Eisenstange, die er überzieht. Und wohin gehört das Leuchten so vieler Mineralien und des Bononischen Leuchtsteins beim Kratzen? – Geht bei diesem keine Erschütterung vor, und ist jenes Leuchten kein schwaches Verbrennen? – Selbst der Funken von Stahl und Stein kann noch hierher gehören. – Werden oft geläutete Glocken früher blind, als seltner oder nicht geläutete von der nämlichen Komposition? – Gespieltere Metallsaiten früher, als ruhiger gebliebene? 355. Zu meiner Idee über eine dynamische Theorie des Schalls gehört vortrefflich die Erfahrung Morhofs über die Anziehung eines aufgehangenen Glases durch seinen Mund, wenn er einen mit dem des Glases gleichen Ton schrie. 356. Merkwürdig sind Mersennes Beobachtungen, in welchen bei gleichen Längen, Dicken und Spannungen, die Zahlen der Schwingungen verschiedener Metallsaiten sich ziemlich zueinander verhalten, wie ihre Oxydabilitätsunterschiede oder ihr Abstand in der galvanischen Exzitatorreihe voneinander. Indes ist die Reihe derselben auch die ihrer Wärmekapazitäten, und ebenso die ihrer spezifischen Gewichte, und auch wieder die ihrer Kohäsionen. Gold 100 ½ \> Silber 76 ½ \> Kupfer 69 ½; \> Messing 69 \> Eisen 66. 357. (1801) Der Begriff, Diskant: Baß = -:+ zeigt: daß alle rechte Musik nichts sein könne, als eine Potenzierung beider Gegensätze. Die vollständigste Musik ist die, welche vom Eisen bis zum Menschen geht. Es mag welche geben, die nur bis Quecksilber, bis zum Salz, zum Wasser, zur Luft geht, die höchste aber geht bis zum Licht, d. i. zum Menschen. 358. Das Gehör ist ein so äußerst reichhaltiger Sinn. Es fehlt noch an irgendeiner Anleitung, ihm näherzukommen. Vom Lichte sehen wir, Herschels und Ritters Entdeckungen zufolge, nur die Hälfte, und vielleicht noch weniger. Aber es soll ein Sinn sein, der uns alles beibringt. Direkt, dynamisch, geht es nicht; mechanisch muß es geschehen. In jedem Körper ist alles, so auch das Unsichtbare, enthalten. Bei der Oszillation, Vibration, usw., schwingt alles. Alles wirkt nach einem Schema samt und sonders zugleich. Darum kommt's auf diesem Wege ganz in den Menschen. Die Ortsveränderung bringt tausend chemische, elektrische, magnetische Prozesse hervor. Alles, was nur irgend erregt werden kann, wird hier erregt. So klingt hier alles, alles wird gewußt, gefühlt. Das Hören ist ein Sehen von innen, das innerstinnerste Bewußtsein. Darum läßt sich auch mit dem Gehör tausendmal mehr ausrichten, als mit irgendeinem andern Sinn. Der Gehörsinn ist unter allen Sinnen des Universums der höchste, größte, umfassendste, ja es ist der einzige allgemeine, der universelle Sinn. Es gilt keine Ansicht des Universums ganz und unbedingt, als die akustische. 359. Gibt es ein Ton prisma? – Wie wird es konstruiert? – Welches ist sein Spektrum? – Welches sind seine Potenzen? – Es muß das vollständigste sein, was es irgend gibt; –wie aber wird es dargestellt? 360. (1802) Töne entstehen bei Schwingungen, die in gleichen Zeiten wiederkehren. Die halbe Zahl der Schwingungen in der nämlichen Zeit gibt den Ton eine Oktave tiefer, der vierte Teil zwei Oktaven, usf. Zuletzt kommen Schwingungen heraus, die einen Tag, ein Jahr, ein ganzes Menschenleben, dauern. Vielleicht sind diese von großer Wichtigkeit. Die Umdrehung der Erde um ihre Achse zum Beispiel mag einen bedeutenden Ton machen, d. i., die Schwingung ihrer inneren Verhältnisse, die dadurch veranlaßt ist; der Umgang um die Sonne einen zweiten, der Umlauf des Mondes um die Erde einen dritten, usw. Hier bekommt man die Idee von einer kolossalen Musik, von der unsere kleine gewiß nur eine sehr bedeutende Allegorie ist. Wir selbst, Tier, Pflanze, alles Leben, mag in diesen Tönen begriffen sein. Ton und Leben werden hier eins. Unser Ton ist multipliziertes, oder in Potenzen von zwei potenziertes Leben. Es wird einst hohes Interesse haben, das Verhältnis des Tones, den Schlucken, Schlingen, Pulsschlag, usw., und ebenso die Voltaische Säule, in uns hervorbringen, zu jenen größeren Grundtönen, oder doch einem von ihnen, zu erhalten. Die Saite jenes Grundtons wird die Erde sein; ihre Dichtigkeit und Geschwindigkeit etc. wird das Moment ihres Tones geben. Diese Musik kann, als Harmonie, wohl nur in der Sonne gehört werden. Der Sonne ist das ganze Planetensystem ein musikalisches Instrument. Den Sonnen bewohnern mag sein Tönen als bloße Lebensfreude erscheinen, dem Sonnen geist selbst aber als höchster wahrester Ton. 361. C ... E ... G ... c. – C= Einheit des Daseins; E = Erinnerung; G = Hoffnung, Zukunft; c = neues Dasein, Auferstehung. 362. Bei Chladni leiten die Gasarten den Schall im nämlichen Verhältnis, als bei Morgan die Elektrizität. Sicher geht diese Korrespondenz durch alle möglichen Körper hindurch, sobald man erst alle auf gleiche Massen reduziert hat. 363. Diamant, als härtester oder rigidester Körper, muß unter allen auch den höchsten Ton geben. 364. Die Chladni schen Klangversuche sind geschickt, Untersuchungen anzustellen über allen Einfluß der Erschütterung auf chemische und andere Prozesse. Zum Beispiel Metallplatten mit Säuren benetzt, Glasplatten mit Auflösungen kristallisierbarern Auflösungen, mit Silberauflösung, feuchtem Silberoxyd, feuchtem Hornsilber, usw. 365. (1803) Merkwürdig ist, daß zum höchsten und zum tiefsten hörbaren Ton die Saite ohngefähr im Verhältnis von 365 ¼:1 schwingt; 32 × 365 ¼ = 11 688. 366. Könnte man die Schwere zum Tönen bringen, so wäre ein unendlicher Schritt getan. Gehören wohl die Schweizer .... versuche mit sehr langen im Freien ausgespannten Saiten schon hierher? Fragmente. Zweites Bändchen VIII. 367–388 367. (1798) Ist es nicht sonderbar, wie das Eisen das einzige Metall ist, welches organisch-tierische Körper in sich dulden? – Aber Eisen ist auch das einzige magnetische Metall, wenigstens von allen magnetischen das stärkste. Magnetismus aber halte ich für das organische Band des Erdkörpers, und im Tierkörper muß er sich notwendig wiederfinden. 368. (1799) Der Magnetismus ist gleichsam das Tor aus der Welt in die unendliche Natur. Schon, daß der Magnet eine bestimmte Richtung hat, deutet es an. 369. Kann man wohl den Magnetismus zur Konstruktion eines immerwährenden Gewichts bei Uhrwerken benützen? 370. Die Untersuchung des Erdmagnetismus wird Aufklärung über die chemische Natur der Erde geben. Durch die große Nähe der magnetischen Pole der Erde an ihren geographischen tritt die chemische Qualität auf Erden mit den allgemeinen Schwerkräften in Zusammenhang. 371. Kommt wohl, daß wir keinen auf elektrische Art Mitteilungs-, leitungsfähigen, Magnetismus haben, bloß daher, daß aller Magnetismus bloß von der Erde, und verteilungsweise, herstammt? – Was würde geschehen, wenn jemand die Erde am einen Pole magnetisch ableitend berühren, und sie dann aus dem Wirkungskreise dessen, was sie magnetisch erhält, plötzlich und weit genug entfernen, könnte? –Würde schon ein Stück Eisen, zuvor von der Erde durch Verteilung magnetisiert, am einen Pole ableitend berührt, und dann schnell von der Erde weit genug weggebracht, bloß mit dem andern Pole, und durchgängig, geladen sein? 372. (1800) Sollte nicht schon bloße Berührung mancher Körper mit Eisen ebenso anziehbar für den Magnet machen, wie ein Metall einem andern Körper im sogenannten Galvanisieren der Metalle seine Qualität mitteilt. Wird Eisen mit verschiedenen Substanzen in Berührung wohl verschieden vom Magnet gezogen? – Cavallos Versuche mit Eisen und Schwefelsäure oder Salpetersäure, wo die Anziehung stärker wurde, sind noch nicht erklärt. Vielleicht geschähe bei Alkalien gerade das Umgekehrte. 373. (1801) Auch der Magnet würde Funken geben, wenn man nur vor dem Eisen an ihm gehörig dazu , (d. i. die magnetische Pole unmittelbar schließen), könnte. 374. Chemischer Magnetismus ohne Eisen. Dies ist für die Lehre von der Erde ungemein wichtig. Vielleicht hat jedes seinen besondern Ursprung, und schließt sich hinterher nur quasi aneinander an. Ja vielleicht darf der Magnetismus selbst gar nicht an Eisen vorkommen. Für einen Eisenmagnet ist die Erde doch wirklich ein zu schwacher Magnet. 375. Sollte jede Landeinheit ihren eignen untergeordneten Magnetismus haben? – Dies muß die Ansicht der In- und Deklinationstafeln lehren. 376. (1802) Wäre das Eisen am Magnete flüssig, so würde in der Mitte keines übrigbleiben; die Pole würden es um sich versammeln. Weltkörper sind solche Pole, welche Indifferenz um sich versammelten. Dies ist im flüssigen Zustand, erst der Pol macht sie fest. 377. Es ist sehr merkwürdig, daß die Nullinien der Abweichung, d. i. diejenigen, welche gleichsam die Mittellinien derselben sind, – daß diese, entweder, in die Mitte der See , oder, in die Mitte des festen Landes , fallen. Vergl. Halleys u. a. Karten. Als wäre das feste Land dem Nordpol der Nadel gleich, so daß es abstieße, und in der Mitte der Abstoßung Null wäre, weil sie zu beiden Seiten gleich. Als wäre die See Südpol usw. Ist ohnedem doch Land und Wasser auf Erden fast genau gelagert, wie eine ebensogroße Magnetnadel. 378. Man muß Magnete konstruieren können, die es sind, und doch kein Eisen ziehen , – indem man ihnen nämlich im hinlänglichen Grade die Form: gibt. Denn hier zieht jeder magnetische Pol schon alles das Eisen seiner eigenen Masse, was er ziehen kann. Auf die Magnetnadel wird ein solcher aus zwei Eisenbirnen zusammengesetzter Magnet wohl dennoch wirken. Die Form ist eben darum für die Äußerung des Magnetismus die günstigste, weil hier das wenigste Eisen an den Polen der Nadel schon befindlich ist, also das meiste noch hinzu gezogen werden kann. 379. Der Magnetismus scheint das Farbenbild des Lichts einer andern Welt zu sein. 380. Der Magnet ist ebensogut Prisma für sein Licht, als das Glas für das seinige. Bei letzterem aber ist die Masse, gleichsam die Schwere, das Prisma, bei dem Magnet aber die Rigidität. Es spricht das wieder für das, daß Rigidität eine höhere Art von Schwere ist. 381. Das Magnetisieren (des Eisens, Stahls usw.), ist nichts als eine Benutzung der magnetischen Trennungsphänomenen. Das nach der Trennung Bleibende ist der zurückgebliebene Magnetismus. So hat also jedes Stück Eisen seine Schließungs- und Trennungsphänomene. 382. Die magnetischen Perioden sind die Krankheitsperioden der Erde und des besondern Organismus. 383. Könnte der Magnetismus wohl für die Erde das Differential ihrer Kontraktion sein? – Das Differential ihrer Geschichte? – So daß man an ihm ihre innere Energie, ihre Spontaneität, messen könnte? – Eine solche Untersuchung ist über alle Polaritäten zu halten, – d.i., ob sie etwa alle nichts sind, als Ausdruck des Differentials eines geschichtlichen Vor- oder Zurückrückens, einer E- oder Involution. 384. Sind schon genaue Versuche darüber angestellt, ob ein Magnet wahrhaft senkrecht zu Boden fällt? – an einem langen Faden wahrhaft senkrecht hängt? 385. (1803) Bei dem Magnetismus kann kein Lichterscheinen. Licht erscheint nur an Isolatoren, und diese müssen durchsichtig sein. Der einzige Isolator des Magnetismus nun ist das Eisen (oder sonst die paar für magnetisch gehaltenen Metalle noch), und dies ist undurchsichtig , folglich muß das Licht fehlen. An durchsichtigen Isolatoren des Magnetismus, wenn es welche gibt, müßte sich allerdings Licht entdecken lassen. Wer weiß, wo das Leuchten des Diamants und dergleichen, was von Elektrizität unabhängig scheint, schon hingehört! 386. Der wahre Magnet aller Weltkörper muß ein Herz sein, und im Menschenkörper, u.a., ist das Herz der Magnet. In der Erde pulsiert der Magnet, im Menschen das Herz. Die wahre Gestalt des Magnets, wie des galvanischen Metallpaares ist oder , oder die Schlange. Diese Figur ist angedeutet durch die Bezeichnung der Nadel mit . Dies ist wieder die Schlange, und mit beißt sie sich in den Schwanz. (Galvanische, magnetische Kette.) Es ist das umgebogene Herz, und die Herzform muß in allem wiederkehren. – Die Form des Magnets ist die Form des Festen, die Form des Flüssigen. Die Indifferenz oder Mitte beider Formen ist oder das Herz. – Bei den Metallen wird das Dendritenprinzip. 387. Wie in der Geschichte der Kunst und Unkunst, so muß auch in der Geschichte der Gesundheit und Krankheit, – denn Kunst = Gesundheit und Unkunst = Krankheit, – die Östlichkeit des Magnetismus mit Gesundheit oder minderer Krankheit, die Westlichkeit desselben aber mit Krankheit oder mehrerer Krankheit, in Verbindung zu finden sein. Prinzip für eine allgemeine Krankheitsgeschichte. 388. (1805) Der Magnetismus scheint geradezu eine andere Seite der Natur zu sein, der Weg nach der Unterwelt . Es ist das total Umgekehrte von allem übrigen Regen der Natur, das jenseits Liegende. Doch ist die Hoffnung noch nicht aufzugeben, alle Körper zu Eisenrang erhoben zu sehen. Wir hätten sie dazu nur bis über den Daltonschen absoluten Kältepunkt, oder das Null von Wärme, zu erkälten, d. L, bis unter -1 541°F. = -699°R. Magnetismus [...] sind in der Tat Gegensätze. Wärme ist der rege Magnetismus der heißen , Magnetismus die Wärme der kalten Zone. Eigentlich ist der Eisenrang nicht das rechte Bild dessen, was ich wollte, sondern der Erdmagnetismus. Jeder Körper muß, (von selbst), magnetisch polarisieren , sobald er unter -1 541°F. erkältet ist. Ich möchte sogar glauben, daß die Erde aus der Ursache magnetisch polarisiere, weil sie irgendwo wirklich bis unter -1 541°F. erkältet sei. IX. 389–461 389. (1797) Ist wohl das, was in der galvanischen Kette die Empfindung veranlaßt, und aufwärts fortgeschickt wird, gleichsam ein Medium zwischen Materie und Geist? 390. Wie, wenn der Geist bestände aus einer Kraft, im Kraftverhältnis der Materie enthalten, und noch etwas anderem, was ich nicht begreifen kann, weil ich es selbst bin? 391. Sollte man wohl deshalb das Quecksilber immer verkalkt geben müssen, um es so sicherer, als im metallischen Zustande, an Ort und Stelle bringen zu können ? – Es gäbe dann seinen Sauerstoff ab, wirkte aber nicht hierdurch, sondern nur als Reiz, vermöge seiner unendlich kleinen, überall verteilten, Kügelchen. Sind darum unvollkommene Quecksilberkalke so wirksam, weil sie ihren Sauerstoff leichter abgeben? – Minder der vollkommene Quecksilberkalk, der wohl nicht durch Abgabe von Sauerstoff wieder zu Metall hergestellt wird, sondern, indem er aufgelöst wird, und ein reizendes Mittelsalz gibt. Sollten diesem daher nicht schon fertige Mittelsalze vorzuziehen sein? – Und möchten so alle Mercurialmittelsalze wirken? 392. Sollten vielleicht solche muskulöse Teile, deren Nerven durch Ganglien unterbrochen sind, bei der Reizung mit Metallen über den Ganglien unbeweglich sein? – Und durch Reizung unter denselben, wird da noch auf die Empfindung gewirkt? – Ganglien wären also eine Art von Untersuchungen von ähnlicher Wirkung, wie Unterband, Durchschnitt, der Nerven. Aber mag demohngeachtet durch diese Ganglien etwas fortgepflanzt werden können, es sei auf- oder niederwärts, was nicht auf Empfindung oder Bewegung, aber doch zu guten Zwecken, nötig ist? 393. Solange wir keine strengeren Beweise haben, daß chemische Kräfte es nicht allein sind, die im lebenden Körper wirken, solange dürfen wir auch keine neuen Kräfte dafür annehmen. 394. Das Übergehen eines toten Körpers in Fäulnis darf uns ebensowenig berechtigen, anzunehmen, vorher sei diese Materie nicht chemischen Gesetzen, oder wenigstens ihnen nicht allein, unterworfen gewesen, als das Verwittern eines Eisenkieses, die Verkalkung eines Metalls, eine Salzzersetzung, oder eine ähnliche Erscheinung, die häufig und oft genug vorkommt, ohne daß es uns dabei je eingefallen wäre, daß diese Körper zuvor nicht chemischen Gesetzen unterworfen gewesen sein. Beim einen dieser Prozesse, zum Beispiel beim letztern, findet wirklich nichts mehr und nichts weniger statt, als beim andern. 395. Sollte man nicht alle Krankheiten einzuteilen haben, in solche: Aus Mangel an Sauerstoff, oder zu wenig Sauerstoff gegen zu viel oxydierbare Masse; Aus Mangel an oxydierbarer Masse, wo also zu viel Sauerstoff da ist; Aus Überfluß an beiden; Aus Mangel an beiden? 396. (Beim Lesen von Brandis' Versuch über die Lebenskraft. 1795.) Wo steckt denn aber die Lebenskraft, wenn sie sich nur schwach äußert. – Nach Brandis , S. 15, No. 2, soll sie eine ursprüngliche Kraft sein. Sie muß also doch da sein, und also der Teil, der jetzt gerade nicht tätig ist, muß gebunden sein. Aber, wenn wir nun immer sehen, daß die Lebenskraft sich in gleichem Grade äußert mit dem phlogistischen Prozeß, so sollte man doch wohl denken, daß es eine und dieselbe Kraft sei, die den phlogistischen Prozeß, und das Leben, bewirke, denn die vermehrte Lebenskraft gibt sich ja nur durch vermehrten phlogistischen Prozeß zu erkennen, (s. Brandis , S. 128), dieser ist also ihr Produkt. Nun gehn aber außer dem Körper doch auch solche phlogistische Prozesse vor, und ihnen muß doch auch eine Kraft zum Grunde liegen. In beiden Fällen, im lebenden und toten Körper geschieht dieselbe Verbindung mit Sauerstoff. Aus was irgend für Ursachen nimmt man denn nun da zwei Kräfte an? – Ich denke, hierdurch beweist es sich gerade, daß die Kraft der ›toten‹ Chemie auch die hier wirksame sei! 397. (Desgleichen.) Sind Muskelfibern, Nervenfibern, solche Organe, die zwar auch durch Brandis' phlogistischen oder einen ähnlichen Prozeß erhalten werden, aber nicht unmittelbar, sondern indem erst eine niedere Art von organischer Materie entsteht, zum Beispiel etwas mit dem Zellgewebe Analoges, – eine Verbindung von Sauerstoff mit einem oxydierbaren Stoffe, – so, daß nun in der Muskel- und Nervenfaser bei Kontraktionen usw. dieser schon vorbereitete Stoff verbraucht wird, nicht aber, wie etwa im Zellgewebe, unmittelbar der Sauerstoff? – Es scheint dies der Natur gemäß zu sein, indem diesen Organen einigermaßen Vorrat für den Notfall versichert ist, wenn ja einmal die Quelle des Sauerstoffs nicht gleich da sein könnte. 398. Ist nicht alle Materie um so fähiger, in die sogenannte Organisation einzugehen, je mehr sie Verwandtschaft zum Sauerstoff hat? – Sind Wasserstoff, Stickstoff, Kohlenstoff, nicht solche? – Geht deshalb noch Eisen und Braunstein in die Organisation ein? – Wirklich trifft man in den vorzüglich organisierten Teilen des Körpers auch Wasserstoff und Kohlenstoff in vorzüglicher Menge, auch haben sie die größte Menge Sauerstoff nötig. 399. Die Beobachtung, daß in der Jugend das Hirn, (und wohl alle Teile), sehr weich, im Alter härter ist, (sind), fällt sehr gut damit zusammen, daß Wasserstoff einer der vorzüglich organisierbaren Stoffe, zugleich aber auch sehr starke Verwandtschaft zum Sauerstoff hat. Da nun eben deshalb in der Jugend bei viel zugeführtem Wasserstoff auch der Lebensprozeß schleuniger vor sich gehen muß, so wird dabei auch viel Wasser erzeugt, was vielleicht nicht den Augenblick nach seiner Entstehung wahrgenommen wird. Bei Stumpfsinnigen und Wahnwitzigen ist das Gehirn widernatürlich trocken. 400. Da Kant Wasserzersetzung als Vehikel der Seelentätigkeit vorschlägt, und es fast bewiesen ist, daß im Wasser die beiden Grundkräfte, welche das Lebensprinzip konstituieren, im gleichsam ruhenden Zustande liegen, so wäre es wohl möglich, und im Grunde mit dem Sinn der Kantischen Hypothese ganz gleichstimmend, daß das Ich bei seiner Tätigkeit zunächst auf diese Kraft, (die Wasserzersetzung), in und mit ihr, wirkte. 401. Versuche anzustellen, den Darwin schen Augentäuschungen ähnlich, aber mit Wärme ; – auf der Hand oder wo es sonst sei. In A sei a ein Stück Metall usw. von etwa 1 Zoll Seite und 140° Fahrenheit, b aber eines von mehreren Zollen Seite, aber kalt, zum Beispiel von 10 – 20 – 32° Fahrenheit. Beide lege man über- oder ineinander auf einen gleichförmigen Ort, zum Beispiel auf den Arm, und lasse die Wärme in ihn übergehen. Nach einiger Zeit nehme man sie ab, und lege das durchgängig gleich temperierte Stück B von gleicher Größe auf den Fleck, so wird vielleicht es in der Mitte jetzt kälter scheinen, als an den Seiten. Auf ähnliche Art mache man auch den Versuch mit C, wo a kalt, und b heiß ist. – Hiermit vergleichbare Versuche müssen sich auch über den Geruch in der Nase, den Geschmack auf der Zunge, das Gehör im Ohre usw. anstellen lassen. 402. Da der galvanische Geschmack auf der Zunge stärker ist, wenn der Strom einwärts geht, sollte man da, in Vergleich mit den Kontraktionsversuchen und nicht glauben, daß die Sinnesnerven zwar ebensolche Beschaffenheit hätten, als die Bewegungsnerven, aber in umgekehrter Lage? – So daß Sinnesnerven ebenso von außen herein, als Bewegungsnerven von innen heraus, gereizt würden? – Daß sie also auf dieselbe Art, nach denselben Gesetzen, aber in umgekehrter Richtung, wirken? 403. Sind wohl Miasmen, Pockengift usw., eine Art von organischem, organisch sich fortpflanzendem, Stoff, etwa in Parallele zu stellen mit den parasitischen Pflanzen? 404. Da Licht entsteht in dem Momente, wo tätige Körper in Ruhe kommen, bei chemischen Verbindungen zum Beispiel, oder da diese die Bedingungen dafür sind, und die Erscheinung sich uns unter gewissen Umständen als Licht zeigt, unter andern aber ebenfalls eine Erscheinung hervorbringen müssen: so möchte es wahrscheinlich sein, daß in unserm Körper, wo beständig Mischungen, Verbindungen usw., vorgehen, die Ursache des Lichts ebenfalls vorhanden sei, nur daß sie sich nicht als Licht äußern könne, weil niemand sie sieht. Wie aber wird es, wenn ich vorstelle? – hier kann ich mir doch auch Licht vorstellen! – Also: bei Vorstellung sichtbarer Gegenstände nehme ich sicher mit der Materie solche Veränderungen vor, unter denen, wenn es äußerlich geschähe, ich Licht sehen würde, und ich habe jetzt das innerlich, was ich im Gegenteile außer mir hätte. Stelle ich mir nichts Sichtbares vor, so mag ich vielleicht solche Tätigkeiten der Materie vornehmen, unter denen, wären sie äußerlich, ich kein Licht, aber Wärme, fühlen würde, denn ich kann entweder sehen oder fühlen; unter das letzte gehören Gehör, Geruch, Geschmack, Gefühl. Wirklich sind aber zu meinem Vertrieb solche Materien bestimmt, die mit heftiger Anziehung auf einander wirken, (s. oben), die Verbindung muß also schnell vor sich gehen, und viel Wärme und Licht dabei frei werden können. – Wie muß doch le Cat darauf gekommen sein, dem Lichte Bewußtsein zuzuschreiben (Memoires, p. 19)? 405. (1798) In welchem Verhältnis steht die Bildung in den beiden organischen Reihen mit den chemischen Qualitäten, mit der Nahrung, dem Geschrei, der Feinheit dieses oder jenes Sinnes, der Farbe, den chemischen Bestandteilen des ganzen Organs oder einzelner Teile desselben, dem schnellen oder langsamen Atmen, dem Aufenthalt, dem schnellen oder langsamen Wachstum, dem Zeitverlauf bis zur Mannbarkeit, der Tragezeit der Weibchen, dem Klima, welches jedem Tier und jeder Pflanze das angemessenste ist usw., und dem Verhältnis aller dieser Umstände unter- und zueinander? 406. Sind diejenigen tierischen Teile, in denen der Lebensprozeß am langsamsten vor sich geht, nicht gerade auch die spezifisch schwersten, die, deren Teile am stärksten untereinander zusammenhängen? – Vergl. Knochen, Nägel, Zellgewebe, Muskeln, Nerven, usw. Je spezifisch leichter sie werden, desto stärker und rascher geht auch der chemische und der Lebensprozeß in ihnen vor sich. 407. Bei vollkommener Gesundheit würden wir, höchst wahrscheinlich, nicht mehr leben, sondern tot sein. Es wäre absolute Einheit, nichts zum Vergleich, nichts Beschränktes, sondern bloß ideale Tätigkeit. Also auch aus zu großer Gesundheit kann man sterben, und zum Leben gehört immer einige Krankheit. 408. Kann die Methode bei Cavallo (Vollständige Abhandlung der Lehre von der Elektrizität. A. d. Engl. Vierte Ausgabe, Bd. I, S. 280, 281), die Penetrabilität des elektrischen Lichtes zu zeigen, nicht dazu dienen, Verletzungen oder organische Fehler innerer Teile in chirurgischen und andern Fällen aufzusuchen? 409. Ist wohl die Pflanze jenes Wesen, was beide Pole der Sauerstoffmodifikation enthält und übt? – Die Wurzel zieht Sauerstoff an , und die Blätter stoßen ihn ab . Auch hier mag es keine mechanische Leitung geben, sondern dynamische, analog der bei Metalldendritenerzeugung. Überhaupt scheint schon diesem nach die Vegetation nicht die Quelle des Sauerstoffs in der Atmosphäre zu sein, da er ja immer wieder von der Wurzel aufgenommen wird. 410. Es ist durchaus allgemeines Gesetz, daß wir nie den Reiz, sondern überall nur die Reizung, die Tätigkeit, fühlen .... 411. (1799) Aus der Möglichkeit der Zersetzung des Wassers in Sauerstoff und Stickstoff würde sich die Quelle des Stickstoffs im tierischen Körper erklären. Vielleicht gibt es Krankheiten, wo statt des Stickstoffs Wasserstoff ausgeschieden wird, wenigstens beides zugleich. 412. Auch im Tierkörper muß der Galvanismus alle Assimilation, alles Wachstum, nach denselben Gesetzen und Formen bewirken, wie bei den Metallpräzipitationen. Nie aber wird der Körper ein fertiger Dendrit, immer nur ist er in der Bildung begriffen. Beständig kommt neue ›Silberauflösung‹ und neues ›Kupfer‹ hinzu, beständig wird zu- und abgeführt. Durch Galvanismus selbst, durch einen Galvanismus zweiter Potenz, wird der Körper gehalten, daß er beständig im Prozesse bleibt, und nur insofern Produkt wird. 413. Meine Schemata von Leben, Erregung und Erregbarkeit in organischen Körpern, .... ....,erhalten durch den Galvanismus viele Erläuterung. Nur dadurch, daß a b und c aus verschiedenen Klassen sind, ist es möglich, daß überhaupt, bei der Wirkung von c auf a und b, eine neue Differenz zwischen a und b entstehen könne, mit welcher innere Tätigkeit begründet ist. Haben a und b ein gemeinschaftliches Medium, und ist dies nichts als Grad von c, so wird weder a noch b sich ändern, denn beide fallen in gleiches Verhältnis gegen c, welches gegen a + b ansteigt. 414. Das Gehirn ist bei den Tieren der Schwerpunkt des Organismus, nach ihm gravitiert alles. Auch hier zeigt Entfernung vom anziehenden Mittelpunkt dieselbe große Differenz, wie bei der Erde. Ein Stein fällt zur Erde, und eine Empfindung gelangt zum Bewußtsein: – derselbe Akt. 415. Die Dexterität in der Natur kommt daher, daß bei der Schöpfung alle Wesen diesseits des Äquators standen. Die Sonne ging von der Linken nach der Rechten, alles war damals Sonnenwende, und folgte der Sonne. 416. Merkwürdig ist's, daß alle Kunstprodukte der Tiere idio-elektrischer Natur sind. Seide, Puppe, Conchylie, Haare, Nägel, Knochen, Bienenzelle usw. Auch die anorgische Natur isoliert, sie ist das Kunstprodukt der organischen. 417. Was die mindeste Kohäsion hat, ist am lebendigsten. Es ist hier die wenigste Individualität zu überwältigen. Die Gasarten gehören hierher. Die gasfähigen Stoffe sind die Basen der Lebenserscheinungen in der Tier- und Pflanzenwelt. 418. (1800) Ist im Tiere die (galvanische) Kette geschlossen, wie W. meint, so ist das Mineral ein einzelnes Glied, die Pflanze aber besteht aus zweien. Ersterem entspricht der Magnetismus = Duplizität in der Homogeneität, letzterer die Elektrizität, dem Tiere der chemische Prozeß. Zwei Mineralien in Berührung geben Elektrizität = einem vegetabilischen Produkt, drei verschiedene geben Galvanismus = einem tierischen Produkt. Ist aber Galvanismus nur ein gedehnter elektrischer Prozeß, so ist auch das Tier vegetabilischer Art, und die Pflanze animalischer Natur. Selbst ist im homogenen Körper noch Duplizität, er gilt gleich zweien in der Berührung. Folglich auch hier tierisches Leben. So lebt alles, und alles Leben ist identisch. Der ganze Unterschied liegt darin, daß im Magnetismus, d. i. im Mineral, die Identität absolut, in der Pflanze aber relativ, und im Tiere doppelt relativ, ist. Wie das absolut Identische relativ wird, reißt es sich in höherem Grade vom Ponderablen los, und noch mehr bei der doppelten Relativität. Je höher die Relativität, desto größer die Regbarkeit; Regbares ist Raumerfüllungs- Individuum nur in dem Grade, als das Imponderable leichter an das Ponderable gebunden ist. Das Tier regbarer, als die Pflanze, diese regbarer, als das Mineral. So müßte unter den Mineralien der Kiesel die innigste Verbindung zwischen Ponderablem und -lmponderablem sein, so auch Platin, Gold usw. Im Tode reißt sich das Spiel der höhern Kräfte los vom Ponderablen, wie ein schöner Ton, einstimmend in die Musik der Sphären. 419. (1801) Das Individuum ist die Wiederholung des Ganzen. Doch nur für die erste Menschen-Zeit; später ist es immer mehr sich selbst überlassen. Zu werden, wie der große Mensch, die Menschheit, ist seine Bestimmung. – Auf zwei Wegen gelangt es dazu. Der erste: auf den Gebrauch seiner Willkür zu resignieren, und sich in den Willen der Natur, des Herzens, Gottes, zu ergeben. Der zweite: Es aus der Geschichte zu werden. Nationen finden sich wieder bei ihm als einzelne Anlagen, beide werden sich auf gleiche Weise bilden. Der erste Weg wäre der natürliche, oder auch kindliche, der zweite der künstliche, oder auch heroische. Die physische Geschichte des Individuums wird die physische Geschichte des Ganzen. Das Studium des Individuums führt auf eine Prophetik des Ganzen. In welcher Periode lebt gegenwärtig die Menschheit? – Ist sie noch Kind, oder Jüngling, – Vater, Mutter? – oder so weiter. 420. Die Erde ist um des Menschen willen da. Sie selbst nur ist sein Organ – sein physischer Körper. Die Erde selbst ist Mensch. Erdbeschreibung, physische, chemische etc. wird Menschenbeschreibung, Erdgeschichte – Menschengeschichte. Das physiologische Schemades Individuums ist das physiologische Schema der Erde. Die ganze Welt muß sich im Menschen en miniature wiederfinden. Seine Anatomie, und die des Erdkörpers, und die des großen Menschenkörpers, sind eine. 421. Es wäre zu untersuchen, was sich ergeben möchte, wenn man, was echte Geschichte über Völkerabstammung usw. gibt, mit der körperlichen Größe der Individuen vergliche. Das Alter der Menschen nimmt ab, und somit auch die Zeit ihres Wachstums. Die frühern und ersten Menschen mußten in Verhältnis zu uns notwendig Riesen sein. 422. Möchten nicht die Ungewißheiten über die wahren Weltalter, und alle verschiedenen Angaben darüber, wirklich mit einer wahren Verschiedenheit des Alters verschiedener Menschenläufte und Erdausbildungen zusammenhängen? 423. Das chemische Spektrum: Hydrogen .... Eisen ... Oxygen, findet sich im Farbenspektrum der Menschheit wieder. Die Stämme in Asien mit unverwüstlicher Individualität sind das Eisen. (Auch haben sie den Magnet zuerst gehabt.) Und wie Hydrogen und Oxygen selten frei erscheinen, so wird es auch hier sein. Wo sie sind, ist alles revolutionär, alles ändert sich schnell, ja aller Individualitätswechsel kann nur durch sie vermittelt werden, wie in der Chemie alles durch Wasserzersetzung. – Sonst gibt es noch ein Eisen, ein Quecksilber, ein Salz, ein Wasser, der Menschheit. (Vergl. oben.) 424. Sind die ätherischen Öle der Pflanzen wohl gleichsam flüssige Nerven und Hirne derselben. 425. Eine galvanische Batterie hat, solange sie wirkt, ± E; hat sie ausgewirkt, so ist keine mehr da. Auch kranke Tiere erleiden in ihrer Elektrizität Änderungen und Schwächungen; Buniva fand, daß dergleichen Tiere, besonders kranke Katzen, gar keine Elektrizität mehr zeigten. Auch kranke elektrische Fische geben viel schwächere Schläge. So ist ein krankes Tier, ein kranker Mensch, gleichsam eine ausgediente Batterie, und eine matt gewordene Batterie eine kranke. Der Vergleich wird noch gerechtfertigter dadurch, daß Vassalli beim Menschen Teile fand, die + -, und andere, die - - elektrisch waren. 426. (1802) Wie das Auge auf das Licht, so bezieht sich das Ohr auf die Schwere. Mit dem Auge steht, um zu sehen, der Mensch auf , mit dem Ohre, um zu hören, in der Erde. So legt man sich, um weit zu hören , mit dem Ohre herrlich symbolisch auf die Erde nieder; um weit zu sehen aber, tritt man auf die Höhe . Der Geschmack wie der Geruch mögen sich auf Mittelzustände (von Licht und Schwere), gleichsam auf die beiden Neutralitäten, die hier analogisch möglich sind, beziehen. 427. Merkwürdig ists, wie im Tier- und Pflanzenkörper alle unmetallischen Kombustibilien vorkommen, von den metallischen aber nur wenige, nämlich Eisen und Braunstein, – als wenn diese Metalle gleichsam an der Grenze von Metall und Immetall lägen. 428. Alles, was wir wahrnehmen im Leben, ist Grenzwahrnehmung an unserem Körper und der Außenwelt. Unsere Wahrnehmung fällt in die Synthesis beider. Darum nichts außer uns, alles in uns. Der Wille ist der oberste Vultus divinus , der oberste Gottespol selbst. Liebe die oberste Indifferenz. Schicksal der latente – Pol. 429. Wie Gesicht zu Gehör, so Geschmack zu Geruch. Der Geruch ist eine Art Gehör. 430. Pflanzen, die ganze Vegetation, sind die Sprache der Natur. In der Pflanze ist alles ausgesprochen. Die Pflanze hört nicht, aber das Tier hört, und spricht weniger oder nicht, – durch sein Wesen nämlich. Je mehr das Tier hört, desto höher seine künstliche Sprache, die hörbare. – Die Musik ist eine höhere Vegetation. 431. Die Individuen eines und desselben Geschlechts oder Gattung (bei Tieren) nähern sich einander um so mehr, ihre ›Kohäsionslinie‹ hat um so geringere Differenz, je niedriger die Stufe der Animalisation. (Bei den Pflanzen ist nicht einmal eine solche Linie, sondern alle sind sich durchaus gleich, und bloße Einheiten der Zahl nach.) Je weiter man herauf kommt, desto größer wird die Differenz, desto schwerer wird es dem einzelnen, das seinige zu finden, – beim Menschen am allerschwersten. Die Polypen als ungetrenntes Geschlecht zeigen uns, daß die beiden Geschlechter, Mann und Weib zusammen, eine Kohäsionslinie bilden. Dies bleibt das Schema bis ganz herauf. Und darum ist es Aufgabe, daß sich die Individuen finden, die für einander geboren sind, die zusammen das Glied in der Kohäsionslinie ausmachen. Vier Geschlechtsindividuen bilden eine Kohäsionslinie oder ihren Anfang, wenigere bestimmen nichts. Hier kommt das Schema der Verzweigung , die doch wieder nur höheres Geschlecht ist, – wo es denn ungetrennte und getrennte geben kann. Die Verzweigung bildet eine horizontale Kohäsionslinie, wenn die Individuenlinie eine perpendikuläre ist. Diese Verzweigungslinie kann polypenartig sein, mit ungetrenntem Geschlecht, oder sie kann getrenntes Geschlecht haben. Im ersten Falle ist die Reihe im zweiten wird sie oder sein. Das Individuen trennende Prinzip scheint eine neue Kohäsionslinie zu sein, die die alte in jedem Individuum durchschneidet: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, usw., sind die abschneidenden Kohäsionslinien; beim Polyp gehen sie der Linie AB parallel. Und erst sind Summen von Tieren, dann immer mindere, dann endlich nur eins, durch sie abgeschnitten. Die bloße Gallerte hat gar keine solche Linie; sie ist eigentlich das ganze Tierreich in concreto . Sie wird dargestellt durch , wo AB die perpendikuläre Individuenlinie und BC die horizontale Verzweigungslinie gibt. Aus wird und . In demselben Maße tritt auch die Individuenverschiedenheit ein, und ihre Trennung. Der Gang der Individuentrennung in der ganzen Linie ist so: Bei B sind die Individuen einzeln, bei A zusammen. 432. Auffallend ist es, daß am ganzen Menschen nichts Blaues ist, als etwa das Auge. 433. Überall sehen wir unser eigenes Licht. Gegen was wir negativ sind, sehen wir blau, gegen was positiv, rot. Daher blau die Farbe der Eifersucht, rot die Farbe der Liebe. Im Rot verlieren wir uns, vom Blau finden wir uns abgestoßen. Es geht dies auf alle Farben überzutragen, bei Blumen, Tieren usw., an der Farbe werden wir noch alles erkennen. 434. Die Pflanzen sind durchaus nichts, als Organe der Erde . Alle Pflanzen sind eines, ein Tier; aber sie sind es durch die Erde, mit der sie es sind. Die Pflanze hat zwei Geschlechter, die beiden andern sind in der Erde. Alle vier machen den Vermählungsakt aus. Indem die Pflanze sich begattet, begattet sich diese Begattung wieder mit der Erde, und alles ist eins. Die Vegetation ist die Erde, die Erde die Sonne; jene das Weib, diese der Mann. Das Tier hat diesen bei sich; es ist gleich der Pflanze, mit einem Stück Boden aus der Erde herausgehoben. Das Gehirn der Pflanze ist die Erde, der Boden. Die Pflanze hat das sensible System in der Erde; diese selbst ist es, jene das irritable. Die Indifferenz ist irritabel, das Indifferenzierbare, sensibel. Irritation macht sensibel, Sensation irritabel. Die ewig neue Indifferenz von Irritation und Sensation ist Leben. 435. Die tote Natur im Steinreich hat auch vierfaches Geschlecht. Es gibt dort einen Boden, und Pflanzen darauf. Die Metalle sind dann die Tiere dieser Gegend. Der Mensch dieses Reichs ist das Ganze selbst. Diese Tiere aber sind wiederum Pflanzen, und jenes der Boden. Jetzt kommt unsere Vegetation und macht die Tiere. Das Ganze ist wieder der Mensch. Diese Tiere sind wiederum Pflanzen, und Vegetation + Boden ihr Boden. Das Tier hierzu ist der Mensch, der jetzige. In der Mehrheit dieser Tiere wird der Mensch zur Menschheit. Wie alle Pflanzen mit ihrem Boden ein Tier, einen Menschen machten, so jetzt alle Tiere mit ihrem Boden einen Menschen, und so ferner jetzt alle Menschen mit ihrem Boden eine Menschheit. So viel einzelne Menschen, so viele Wiederholungen jenes Bodens, welcher = Tier + (Vegetation + Boden). Alle Wiederholungen sind Individualisationen, Glieder der Menschheit, Organe derselben. Der Mensch, der einzelne, kann sich zur Menschheit erheben; er muß dieselben Stufen zurück, die er herauf kam. Es gibt drei Erkenntnisstufen für ihn: die der bloßen Pflanze , die er vom übrigen ist; die des Tieres , was er ist, indem er sich als Pflanze und Boden zugleich findet; die des Menschen , indem er sich zugleich als alles Untergeordnete wiederfindet, und als Gott , indem er selbst die Menschheit, als einzelnen Menschen im Sonnensystem, wiederfindet. 436. Das Sonnensystem nach dem Schema des Granits betrachtet, werden die Planeten = Feldspat, die Kometen = Glimmer, die Sonne = Quarz, und das Eisen ist der Mensch durch alle. 437. Den Menschen mit dem Eisen verglichen, werden die Affen = Zinn. An beiden Orten ist das nämliche geognostische Verhältnis zueinander. 438. Das ganze Katzengeschlecht ist Menschengeschlecht, und der Mensch bloß die edelste Katze, gleichsam die Sonne derselben. 439. Die Insekten sind die Eingeweidewürmer der Pflanzen. Sie kommen äußerlich vor, weil die Pflanze das umgekehrte Weib ist. Die Fische sind Pflanzen, und zwar Wasserpflanzen. Das Wasser läßt aus höhern Gründen nie weiter als bis zur Vegetation kommen. Die Würmer scheinen die Eingeweidewürmer der Landvegetation, die Amphibien die der Wasservegetation. Die Erde selbst ist hier das Tier. 440. Alles hat seine drei Zeiten: Auch im Keimen des Saamens muß Geschlechtsaufhebung da sein, so auch im Kommen der Blüte. Sind nun jedesmal vier Geschlechter, so spielen im Ganzen zwölf Geschlechter, denn drei Begattungen haben statt. Merkwürdig ist, daß die Periode, wo die Pflanze absolut wieder in sich zurückkehrt, diejenige ist, wo die Erde gleichsam der Kelch wird, in welchem die ganze Pflanze als Saamenkorn reift. Denn: Blume – empfangener Saamen Boden – Hülle des Saamens – Keim, der die Pflanze wird, die die Blume gebiert. Boden – Pflanze – Blume – Saamenempfängnis Am Augenblick der letztern steht die Pflanze im unmittelbarsten Konflikt mit der Erde selbst, oder kommt dazu. Es ist der Begattungsakt der Pflanze mit der Erde, in welchem die Pflanze selbst wieder empfangen wird. Im Begattungsakt der Blüte wird die Erde die Saamenhülle, denn die Erde selbst ist nichts, als der gediehene Keim des Saamens. Solange der Keim noch von der Erde geschieden ist, hat die Begattung statt. – So ist also jede Rose schon ein Rosenkönig, und was man jetzt so nennt, ein König des zweiten Grades. Alle Blumen sind Blumenkönige. Die Erde selbst ist aller Kelch oder Blume. 441. Die Pflanzen ziehen den Sauerstoff aus der Erde, die Tiere aus der Luft. Den Tieren ist die Luft Boden, den Pflanzen die Erde . Alles also bildet einen Magnet, der so aussieht: 442. Es gibt zwei Sensibilitäten, eine untere und eine obere. Aber nur eine Irritabilität; sie ist das Mittlere. Denn nur die Indifferenz ist irritabel, des Differenten, Sensiblen, aber gibt es von jedem Indifferenten zwei. – Was oben stärkt, muß unten schwächen. 443. Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack, scheinen eine Skale zu bilden, – sie sind alle äußere Sinne, – sie liegen nach außen. So fallen die Sinne des untern Körpers wahrscheinlich nach innen . Denn alles dreht sich hier ja um. Am Menschen sind die beiden Organisationen, (Außen und Innen der Erde), abgebildet. Der Kopf entspricht dem Innern der Erde, der Unterleib dem Äußern. Die Knochen bedeuten die Indifferenz zwischen beiden, gleichsam den Granit am Körper, – die Indifferenz-Zirkumferenz der Erde, – ich will sagen: ihre Oberfläche. Diese bedeckt das Innere der Erde, vom Äußern derselben aber wird sie bedeckt. So mit den Knochen: am Gehirn bedecken sie die Nerven, unten werden sie von den Nerven bedeckt . Oben die Knochen das Äußere, unten das Innere. Das oben Äußere wird in dieser Hinsicht unten beständig das Innere. – Ist der Körper eine Linie, so scheinen die Sinne so zu folgen: 444. Von einer andern und wohl richtigem Seite her scheint der Mensch die Kohäsionslinie von Erde und Mond zu bedeuten. Die beiden Partieen an ihm sind Erde und Mond. – Die Erde mit ihrer innern und äußern Organisation (Kopf und Arme), der Mond mit seiner innern (vordem oder hintern) und äußeren (hinteren oder vorderen) Organisation (Geschlechtsteile und Füße). Der Kopf dreht sich um seine Achse, wie die Erde. Die Geschlechtsteile nicht, sie wenden der ›Erde‹ beständig dieselbe Seite zu. Merkwürdig ist, wie beim Weibe am Unter-System der expansive Pol weit größer ist, als beim Mann; der kontrahierte dagegen ist weit kleiner. Auch oben ist bei jenem der expandierte Pol größer, und damit die Brüste. Doch scheinen die Arme kleiner in der Regel, wie die unsrigen, und dafür unsre Brüste kleiner. Daß das untere System den Mond bedeutet, zeigt schon das Monatliche der Weiber. Aber eben bei ihnen ist auch der Mondanteil weit gediehener, dem Monde zur Willkür überlassener. Liebe ist die Indifferenzierung der quantitativen Indifferenz, die durch Erde und Mond in den Menschen kam, zur einen Kohäsionslinie, die mit der Sonne nun in unmittelbaren Konflikt tritt. Dadurch, daß das Weib unten indifferenziert ist in der Schwängerung, tritt die obere Indifferenz auseinander, und die Pole unten am obern System auseinander, und geben Milch, – das umgekehrte Monatliche gleichsam. Das Weib hält sich indifferent dadurch, daß sie säugt; dadurch bleibt die Indifferenz oben offen, und die untere geschlossen. 445. Das Medium des Hörens ist das Wasser . Es ist in allen Gehörorganen vorhanden, und seine Erschütterung wird die des Nervens, der in ihm liegt. Das Medium des Sehens ist das Wasser gleichfalls, denn insofern Pole hervorgerufen werden, wird gesehen, indifferenziert. Das Medium des Schmeckens ist es ebenfalls, auch das des Geruchs , und das des Fühlens abermals, nur hier mehr innerlich. Also ist das Wasser die Brücke alles Möglichen von der Welt zu uns. Sogar im Geschlechtsakt hat es die Hauptrolle. 446. Die drei organischen Perioden jedes Wesens sind gleichsam die drei Personen in der Gottheit, die in der endlichen Abbildung Gottes, in der Zeit , erscheinen. Zusammen machen sie die Rotationsperiode Gottes aus. Rotation ist für das Endliche, was Reproduktion für das Unendliche. Im Embryo regiert Gott der Vater, im Kinde Gott der Sohn, im Jüngling, in der Jungfrau, Gott der heilige Geist, – die Sehnsucht. Auch die ganze Menschheit muß solche ebenso charakterisierte Epochen haben; die erste Zeit die des Embryo, die zweite die des Kindes, die dritte die der Sehnsucht. Sie stirbt in Liebe, oder – lebt sich aus wie der Greis. Oder, sie stirbt mehrmals in Liebe, und endlich vor Alter, wie der Greis. 447. Die zwei Mittel-Epochen des Organischen scheinen überall das Herrschen zweier Differenzen zu bezeichnen, die dritte – wieder die erste – ist die Zeit, wo die Indifferenz herrscht. Eben darum, weil die Indifferenz sie macht, ist sie die Hauptepoche. Symbole sind: Zink, Silber und Wasser. Im Wasseralter blüht alles aus und empfängt sich neu. Die galvanische Kette wird Bild des Lebens. Ihre Glieder sind die Indifferenzen, bei denen das Leben einkehrt, die Grenzaktionen, die Übergänge aus dem einen Alter in das andere. 448. Die anorgische Natur als Ganzes hat auch ihre drei Alter: das magnetische, das elektrische, und das chemische, – oder: das des Embryo, das des Kindes, und das des Jünglings .... oder der Sehnsucht. Hierauf Zusammenstürzen, wo von neuem Magnetismus empfangen wird. 449. In der Gesundheit ist der Körper ein absolut guter Leiter für das, was er eben leiten soll. Im Leben ist er also ganz Sinn . Alle Krankheiten sind nichts, als Eintreten des Sinnes nach innen, – wie bei der (elektrischen) Kommotion der Schlag nichts ist, als der nach innen getretene Sinn. Darum ist auch dieser Schlag schon Krankheit. 450. Die Vegetation ist die Algebra der Natur. 451. Wie das Wasser dem Hydrogen näher steht, als dem Oxygen, also steht das Eisen dem Zink näher als dem Gold, der Platina usw. Gleicherweise bildet auch die Organisation eine Linie, wo der Mensch den Indifferenzpunkt macht, und die Vögel auf der Hydrogenseite liegen, unendlich viel mehr aber auf der Oxygenseite. Überhaupt muß sich in den Tieren die Metallreihe wiederfinden, so daß die Vögel zum Beispiel der Zink sind. Der Mensch ist das Eisen unter den Tieren. Er nimmt an Masse zu, und die ganze übrige Tierschöpfung daran ab. Was ist dies anders, als daß die Indifferenz größer wird, während die Differenz sinkt. Alle Tiere an der Indifferenz müssen daher im Zunehmen der Zahl nach, und alle an der Differenz in Abnahme sein. So muß es überall durch die Organisation sein. Es scheint, daß zuletzt Menschen allein übrigbleiben werden. Eigentlich wird alles Mensch. Die Menschen- Zu nahme geht parallel der Eisen- Zu nahme auf Erden, und beides der Wasser- Ab nahme. Wie in der animalischen Welt alles zu Mensch, so wird in der anorgischen alles zu Eisen. Das Wasser wird zu allem, nur nicht zu Wasser; es ist die Indifferenz aus Mensch und Eisen. 452. Epidemische Krankheiten scheinen vorzüglich mit dem Frühling auszubrechen. Sie leben, als Tiere ...., in dieser Zeit so gut auf, als die andern Organismen. Die Ansteckung muß man als einen Begattungsprozeß, und die Krankheit selbst als das Junge, betrachten. Manche dieser Ehen mögen auch unfruchtbar sein, und es ist zu untersuchen, wie diese Unfruchtbarkeit für diese oder jene Krankheit mit der gewöhnlichen Frucht- oder Unfruchtbarkeit zusammenhängt. 453. (1803) Der Mensch ist die Mitte von vier Weltgegenden. oder und eigentlicher: In der Mitte steht der Mensch. Zugleich kommt man hier auf die heilige Zahl sieben. – Dem biblischen Mythus nach, schuf Gott wirklich Fische und Vögel an einem Tag, Gewürm, andere Tiere und Vieh, am folgenden wiederum einen. Der Mensch ist gleichsam der Sonn-, der Feiertag, unter den Tieren; in ihm ruhte Gott aus. Hier ist Zeit , Gott zu dienen. – Im Manne hat das Quadruped, im Weibe das Amphibion, die Oberhand. 454. Es ist der Satz einmal recht streng durchzuführen, daß im Grade der Permanenz einer Sensation erregenden Aktion die Wahrnehmung selber möglich wird, und sich deutlich charakterisiert. Alles Stumme, was wir haben, ohne daß es seinen näheren Charakter angäbe, muß durch Permanenz der Ursach zur Deutlichkeit erhoben werden können. So geht es selbst mit Geistesoperationen. Flüchtige Ideen sind elektrischen, anhaltende galvanischen gleich. 455. (1804) Unter den Lufttieren ist der Mensch das edelste. Der Mensch ist das einzige der Lufttiere, von dem es heißt: ›Füllet die Erde.‹ Erst von den Wassertieren heißt es wieder: ›Füllet das Wasser im Meer.‹ Ist unter letztern wieder eines das edelste, und hat Menschenrang? – Es müßte eines sein, was in allen Gewässern, unter allen Zonen, vorkäme. Oder sind die Wassertiere zusammen disjecti membra Poetae? 456. Süßmilch bemerkt, zufolge der nahen Gleichheit des männlichen und weiblichen Geschlechts der Zahl nach, auf Erden, daß weder eine Polyandrie, noch eine Polygamie, Naturzweck sein könne. Hierin hat er auch recht, aber eine Verbindung beider, polyandrische Polygamie, ist noch übrig. Es bleiben die beiden Fälle: monandrische Monogamie und polyandrische Polygamie, und diese beiden sind es, welche die Geschichte will. 457. Daß gegen 20 Söhne 21 Mädchen geboren werden, muß ein sehr wichtiges Zahlenverhältnis durch die ganze Natur sein. Vorzüglich in den Pflanzen, in der Klasse der Polyandristen und Polygamisten, muß es wiederkehren. Und es ist nachzusehen, wo gerade dieses Verhältnis am schönsten zum Hervortritt kommt. 458. Gibt es, so wie epidemische Krankheit, auch epidemische Gesundheit? – Hat in Jahren, wie 1744, und andern, Gesundheit grassiert? – Übergroße Gesundheit muß ebensogut vom Übergewicht eines besonderen Prinzips herrühren, als übergroße Krankheit oder Sterblichkeit. 459. (1805) Alles Leben scheint in Leuchten ausbrechen zu wollen. Es wäre eine Ordnung der Tiere aufzusuchen, vom Immerleuchten, Bisweilenleuchten, nie lebendig Leuchten, sondern nur im Tode, bis zum unter keiner Bedingung Leuchten. Auch scheint es, als läge das Leben mit einem Prozesse in einer Linie, der nach dem ›Tode‹ zu nähme, und erst mit dem völligen Anorgismus und dem Gleichgewicht mit ihm aufhörte. Das Maximum des Lebens ist vom Maximum des Lebens prozesses sicher ebenso verschieden, wie bei der Säule das der physiologischen oder der chemischen Wirkung von dem des Funkens. 460. Bauholz muß im Herbst geschlagen werden. Denn im Frühjahr wird alles Holz trächtig, und treibt seines ganzen Wesens Kraft in Laub und Jahresfrüchte. Erst nach der Geburt alles dessen, treten die Säfte wieder zu ihm selbst zurück. Auch die schwangeren Weiber werden nicht für gesund erachtet (Vitruv) . – Herrliche Ansicht. In den Normalgegenden der Erde ist die Erde ebenso ¾ Jahr schwanger, wie der Mensch. Ist es die befruchtende Kraft des Jahreslaufs, die noch bis diesen Tag im menschlichen Organismus sich offenbart? – Hat auch der Mensch vom Keim bis zur Frucht 9 Monat wie der Baum? – Überhaupt gleicht der Mensch mehr einem Baume, als einer Pflanze. Er perenniert, und treibt jährlich frische Knospen. Ursprünglich hatte also auch wohl der Mensch nur ¼ Jahr Winter. Im Frühjahr zeugte, und im Herbst gebar er. Die Wöchnerin stärkte sich mit Früchten , – des Pflanzenreichs. 461. Was Muskelkontraktionen seien, war schon früher da: – das Verhalten eines Voltaischen Leiters erster Klasse, der mit Dimensionsveränderlichkeit versehen ist, im Kreise einer galvanischen = elektrischen Aktion. Der eine Pol, den dieser Leiter erster Klasse hierbei erhält, kontrahiert sich, und echt, der andere expandiert sich, und echt, beides aber kompensiert sich zu bloßer Dimensions veränderung des Ganzen , die jedoch allerdings aus wirklichen Volumens veränderungen der Teile besteht. Worin näher aber diese Expansion und diese Kontraktion bestehen, zeigen andere Leiter gleicher Art. Quecksilber wird offenbar flüssiger am negativen oder –Pol und fester am positiven oder +-Pol. Ebenso leichtflüssiges Metall. Also am einen Pol wird expandiert = fluidisiert , am andern kontrahiert = rigesziert . Der Muskel selbst aber ist ein Festflüssiges, ein Halbfestes, gleichsam ein Bruch vom Festen. Überall ist er fest und flüssig zugleich , und kann somit noch fester und noch flüssiger werden. Zunächst indessen wird bloß mehr fest, und mehr flüssig. Auf der einen Seite setzt sich die Gestaltung fort, und auf der andern die Entstaltung oder Fluidisierung. Ist aber endlich das Gestaltbare auf der einen Seite konsumiert, so wird sich dann der ganze Prozeß erst als bloßes Festerwerden an diesem Pole äußern, und so auch als bloßes Flüssigerwerden am andern. Eigentlich sieht man hierbei ganz den Prozeß der Fäulnis , die überall trachtet, das Organische in völlig geschiedene physische Zustände zurückzubringen. Wirklich auch ja faulen galvanisierte, elektrisierte, Organe früher, als nicht galvanisierte ...., folglich ist der Anfang der Fäulnis hier schon durch die Kontraktion begonnen worden. Man sollte einmal den Versuch auch über die Kontraktionserscheinungen hinaus fortsetzen, um ganz deutlich in der Kontraktion nur den herausgehobenen Verwesungsprozeß selbst zu sehen. Anmerkung 1. Alle Verwendung des organischen Leibes und seiner Gliedmaßen ist Verwesung , – Zerstörung ihres Wesens durch Realisierung dieses Wesens selbst. Der Anbau des Leibes allein ist (Vor-) Verwesentlichung. Dieser läßt wie eine Tension, eine Spannung, eine Sperrung, der gewöhnlichen Naturkräfte, (Evolution), während jene – Aufhebung dieser Tension, Spannung oder Sperrung, (Involution), ist. Anmerkung 2 . Muß man aber nicht den organischen Leib selbst schon als ein bereits um etwas hinter der Evolution, auf der Rückkehr zur Involution schon Liegendes, betrachten? – Und dann wird er schon Fäulungstypus . – Sollte nicht alles Organische in seiner Fäulnis die Grundbestandteile der Hauptorgane des Körpers wieder liefern? – ein deformiertes Organisches? – Freilich mit verschiedenem Verhältnis der Bestandteile. – In jedem Teile eines Organischen muß alles enthalten sein, was überhaupt im Ganzen vorkommt. Gibt es einen ›Teil‹ des Körpers, der das getreue chemische Abbild des Ganzen ist? – Der Samen vielleicht, minder dann Gehirn , Nerven usf. – Muskelkontraktionen sind also Bildungsblitze , Kristallisationsschüsse. In der einfachsten Kontraktion muß der ganze Kristallisationstypus ausgedrückt sein, und alles von Durchgang, Winkel usw., was bei ihm vorkommt. Sie ist damit durchaus etwas Stereometrisches . Doch auch noch mehr. Bloß auf ihrem einen Pole ist sie Bildung, auf dem andern Entbildung. Es ist der ›Schreck des Lebens‹, der hier herausgehoben ist, – zum Schrecken des Lebens. Hier Quelle des Schaudernden, was heftige Konvulsionen geben usw. Früher dachte man, am Quecksilberphänomen im Kreise der Säule die Muskelkontraktion zu studieren. Jetzt kommt hinzu, daß man hier Bildung im allgemeinen, Kristallisation , studiert. Erst Bildung , dann Scheidung (Trennung, Heterogeneisierung). Und zwischen Bildung und Scheidung selbst gibt es noch Stufen, – wohin zunächst das Individualisieren des Quecksilbers im Kreise der Säule gehört. Schon bei rascher gewöhnlicher Kristallisation müssen alle Quecksilberphänomene wiederkehren können. Und was tut Erschütterung zum einen Teile wohl anderes, als daß sie eben diese Bewegung setzt. X. 462-480 462. (1799) Eine Eisenstange, die senkrecht steht, erhält verschiedene magnetische Pole, warum nicht auch die Pflanze, das Tier, der Mensch? 463. Sollte wohl das Totscheinen mancher Tiere bei der Berührung, bloß von mechanischer Reizung herrühren? – Sollte nicht vielmehr hier etwas dem tierischen Magnetismus Ähnliches vorgehen? – Sind alle Körper gleich gut zur Hervorbringung dieses Totscheinens, oder tun es bloß Elektrizitätsleiter, und diese wieder bloß, wenn sie in menschlicher Berührung sind? Kann ein zweites, abgeändertes Berühren die Wiedererweckung bewirken? 464. Wird beim Taufen das Taufwasser magnetisiert? – Auch das Becken ist gewöhnlich von Metall. 465. Wenn schon die nächtlichen Handlungen der Fledermäuse nach Wienholt durch ihre Lebenssphäre so sehr unterstützt werden, warum sollte das nicht bei allen nächtlichen Raubtieren und Raubvögeln, und so vielen fast immer im Dunkeln tätigen Insekten und Würmern, der Fall sein? – Wo kommt in Bergwerken, in Eingeweiden, das Tageslicht her? – Wo den Flöhen, den Wanzen, den Maden im Obst, den Holzwürmern, den Fischen in tiefem trübem Wasser und Schlamm usw.? – Und endlich, kann man nicht auch allen Pflanzen eine solche Wirkungssphäre zuschreiben? – Ist schon ihr Geruch bloßer Ausdruck einer solchen Wirkungssphäre für uns? – Das Neigen der Staubfäden bei vielen nach dem Pistill? – Ihr Neigen nach dem Licht? – – Merkwürdig ist's, daß bei den Klapperschlangen besonders das Auge das Organ ist, durch welches sich ihr Einfluß auf äußere Dinge verrät; gerade wie beim Sehen. Fixierung des geliebten Gegenstandes durch das Auge, als wären alle Verliebte Klapperschlangen, und alle Klapperschlangen Verliebte. Überdem haben beide noch das gemein, daß beide so ihren Fraß finden. 466. (1800) Ist tierischer Magnetismus bloß ein Spiel der Zeugungskräfte, so müssen sie, durch Batterien gesammelt, Wunder tun, zum Beispiel wirklich befruchten, durch bloße Berührung. Gibts nicht schon in der Natur Befruchtung durch bloße Berührung? – Was ist überhaupt menschliche Berührung verschiedener Geschlechter zum Teil schon anderes? 467. Ob wohl beim tierischen Magnetismus Anziehen und Abstoßen zu bemerken ist. Der magnetisierende Arm ist doch gleichsam nur als der eine Pol zu betrachten. Dieser muß anziehen, Homogenes abstoßen. Tierische Polarität. 468. (1801) Gibt es tierische magnetische Nadeln? – Wahrscheinlich geschieht beim tierischen Magnetismus so was, wie solche Nadeln machen. 469. (1802) Wenn am Tage das Tier durch Willkür sich ergänzt, und dieses eben sein Leben ist, so muß in der Nacht die Ergänzung geschehen ohne Willkür. Es ist eine andere Willkür, nicht die meinige, welche hier eintritt. Die Nacht wirkt daher auf den Menschen, wie der Silberpol der galvanischen Batterie: kontrahierend. Im Tage, oder beim Nachlassen der Nacht, tritt die Expansion ohne Sättigung durch Willkür hervor, und fordert diese. Es ist die Aufforderung zur Tat. Der Tag, das Leben, ist somit ein Trennungsphänomen, die Trennung aus der Nacht. So der Sommer das Trennungsphänomen des Winters; etc. 470. Die Medicina magnetica (vergl. zum Beispiel Van Swietens Analogie etc. T. II, p. 354-367) ist höchst interessant, und besonders ihre Prinzipien nach Maxwell (I. c. p. 366). Sie beruft sich auf die Einheit des Lebens und ihr Bleiben bei aller möglichen Verteilung des Körpers im Raum, so wie schon wir die Toten nicht verdorben glauben, wenn etwas von ihnen hier, das andere dort, verwest. Es ist die rechte eigentliche Unsterblichkeit, die sie voraussetzt. Alles was gelebt hat, lebt noch, und wird ewig leben; alles, was noch leben wird, hat seit Ewigkeit gelebt. Wo die Teile im Raume sich befinden, tut nichts, und alle Körper bis zur schönsten Gestalt sind potentia überall da. Auf was führt nicht schon die nähere Betrachtung des Ernährens, des gewöhnlichen Medizinnehmens usw.? 471. Es ist schon eine Art von Hell-Sehen (Clairvoyance) , daß wir unsern eignen Körper sehen. Wir selbst gehen weiter, als dieser Körper, und sind eigentlich das Universum selbst; indem wir sehen, sehen wir schon Teile unseres Innern. Im Somnambulismus wird unsere Anschauung mannichfacher, wir sehen das Innere unseres Körpers wieder als Äußeres. Das Ideal ist, daß wir unsern Körper bis in seine kleinste und feinste Organisation und Struktur erkennen und sehen. Wir bekommen gleichsam einen neuen Körper. Damit muß sich auch die äußere Welt erweitern; was an den Dingen Inneres, muß uns Äußeres werden. Die Aussage einer guten Somnambüle muß jederzeit die Resultate einer guten Physik bestätigen. 472. Das Merkwürdigste im tierischen Magnetismus ist die Anschauung der Zeit. Folge ist hier Nebeneinander. Im Erwachen wird das Nebeneinander wieder Folge. 473. Im tierischen Magnetismus muß das bildende Leben das Übergewicht haben, so wie schon im Schlaf, – und wie der Schlaf alles bildende Leben herunter bis zum Schmetterling und zur Häutung der Puppe begleitet. Wohlgefühl des Somnambulismus, wie jedes bildenden Lebens. 474. (1803) Vitalmachung erloschner Organe durch Berührung mit lebenden. Totenerweckung durch Berührung von Lebendigen in Masse, besonders von Rabdomanten. Sollte wohl die galvanische Batterie schon wie ein Lebendiges wirken, und Berührung von ihr, Teilnahme an ihr (ihrer Aktion) schon dadurch Leben mitteilen können? 475. (1806) Im Schlafe sinkt der Mensch in den allgemeinen Organismus zurück. Hier ist sein Wille unmittelbar der der Natur, und umgekehrt. Beide sind jetzt eins. Hier ist der Mensch wirklich physisch allmächtig, und wahrer Zauberer. Alles gehorcht ihm, und sein Wille selbst ist das allem übrigen Gehorchen. Hier wird jeder Wunsch befriedigt, denn er hat keinen andern, als den er haben soll und muß. Ein solches Dokument davon ist der Traum . Sein Gehalt ist nicht unmittelbar der jener Einheit mit dem allgemeinen Organismus, als welcher an sich nie Gegenstand künftiger Erinnerung werden könnte. Aber er ist der Übergang zu ihm, ein Zwischenzustand zwischen Schlaf und Wachen: partielles Begriffensein in jener Einheit, mit Selbstgegenwart genug, damit es Eigentum des Individuellen sei und scheine. Nur um so mehr aber erscheint der Mensch hier als Zauberer usw. 476. (1807) (Nach dem Besuch bei einer Somnambüle.) – Wie klar löst sich vor solchen Erscheinungen die Bestimmung des Physikers in diese auf: Herr des Lebens zu werden! – Wie ungeschickt und wichtig sieht man dann so vieles angegriffen, was hier aufhört! – Auch dem Physiker ist für sein Treiben das Bild der Liebe erlaubt; das Leben ist seine Geliebte. Bedeutend ist es, daß es auch in seinem Leben einen Punkt gibt, wo die Sehnsucht bricht – zur Resignation, denn nun erst findet die Himmlische Stätte, – wie ja alles Sehnen nur die Bedeutung hat, daß wir nie finden, wo wir suchen; – welches bis auf den Gott herauf gilt. Wie mag wohl jenes Umgekehrte heißen müssen, was dem Glauben früher, und immer, vorauszugehen pflegt? – Es weitläuftiger zu beschreiben, ist es allerdings die Anstalt, uns selbst weg zu beweisen. 477. Im tierischen Magnetismus kommt man aus dem Gebiete der Willkür heraus, und ganz herüber in das der Unwillkür, oder dem, wo der organische Körper sich wieder als anorgischer verhält, doch aber so beider Geheimnisse veroffenbart. Es gibt ein Bewußtsein, was dazu des Willens und seiner Übung nicht mehr nötig hat. Es ist eben das im Schlafe, im gewöhnlichen, wie im magnetischen, das Bewußtsein des Unwillkürlichen. Wille ist hier nicht einmal möglich. Höchst merkwürdig ist, daß hier auch das Gewissen wegfällt, und daß mit seinem Wegfallen das größte leibliche Wohlbehagen eintritt, was es gibt. Weiter interessant ist, wie sich hier guter und böser Wille des Magnetiseurs , an der Somnambüle ausnimmt. Sie ist ganz dem Willen des Magnetiseurs unterworfen. Alles Reine, Gute, jede Tat, zu der sie der Magnetiseur auffordert, und die gut ist, erhöht nur jenes Wohlbehagen; jede schlechte unreine, aber, auch in der bloßen Zumutung schon, stört dasselbe, und bringt Krämpfe, Zuckungen usw., hervor, obgleich die Somnambüle das Gute vom Bösen durch nichts, als aus diesen körperlichen , Zeichen zu unterscheiden weiß. Dies erklärt auf der Stelle, wie Magnetismus, auch als Heilmittel angewandt, nur dann wirksam und heilbringend sein kann, wenn er vom Magnetiseur mit reinem Herzen und Willen, und rein gehalten während seiner Übung, unternommen wird. Der Somnambüle, (oder auch dem , da usw.), fällt die Willkür gänzlich weg, wie schon gesagt. Der Magnetiseur hat fast keine andere Rolle, als dieselbe für sie zu übernehmen , für sie zu wollen. Er will für sie, und er heilt sie; aber dazu muß er rein wollen , und Reines . Erscheint hier nicht die Krankheit recht offenbar als Willensverderbnis, als Verderbnis durch unreinen Willen? – Und ist es nicht herrlich, daß Heilung möglich ist, dadurch, daß die Kranke allen Willen aufzugeben genötiget ist, daß er ihr wirklich wegfällt, und dagegen die Verbindungsmöglichkeit fremder Willkür mit ihrer Unwillkür eintritt? – Wo man nicht mehr selbst wollen kann, muß man sich durch andere wollen lassen. – Der Magnetiseur bekommt hier Priester würde, und alle, die wir für andere wollen und zu wollen berufen sind, sind gewissermaßen Magnetiseurs, und damit Priester, Absolutoren. Wir verrichten ein Hochamt ; wirklich ein hohes Amt . – – Ferner ist es interessant, wie die Somnambüle, nachdem sie erst zu einem Maximum von Willkürlosigkeit gekommen, (in der Clairvoyance ), (indem sie gleichsam sich erst von allem Willen, worunter auch der böse, falsche, reinigt), dann nach und nach wieder Willen bekommt , wie vom Magnetiseur herüber, und reinem, bessern, auch körperlich gedeihlicheren, als sie zuvor hatte. Dies nimmt zu, und endlich ist sie durch nichts mehr in eine Spur von Somnambulismus zurückzubringen, womit sie aber eben nun geheilt ist. – Hier fällt mir ein, ob nicht der natürliche Schlaf schon nichts anderes, als eine Anstalt ist, den Willen des vorigen Tages abzuwaschen, worauf des Morgens neuer, reiner wieder wächst. Hier ist Gott der natürliche Magnetiseur, und wir scheinen von einer großen allgemein verbreiteten Naturanstalt bloß speziellen Gebrauch für einzelne Fälle zu machen, wenn wir magnetisieren. Gebe man nur selbst einmal genau Achtung, mit welcher Gemüts- und Gewissensstimmung man einschläft, und wie man dagegen wieder erwacht, – nach einem gesunden Schlafe nämlich. Weiter kann man diese Betrachtung fortsetzen, wenn man alles, was gleiche Wirkung mit dem Schlafe hat, in Erwägung zieht, zum Beispiel die Liebe. Hier findet sich das nämliche Aufgeben des Willens wieder, und die nämliche Wiederkunft eines neuen, reineren. Erst will man die Geliebte für sich ; aber es kommt eine Zeit, wo dies aufhört und man ohne Willen ist (resigniert), worauf man dann nur für die Geliebte , und um der Geliebten willen, will. Hier ist zugleich der Magnetismus gegenseitig; beide Teile sind sich Magnetiseur und Somnambüle. So kommt, das vorige dazugenommen, auch in die Liebe von neuer Seite etwas sehr Hohes, Heiliges. – Doch ich will nicht alles vorgreifen, was hier noch folgt. 478. Die Somnambüle kann sich alles irgend Vergangenen erinnern, sobald sie im Schlafe ist, im Wachen nachmals aber bloß des wachenden Lebens. Auch die Zukunft sieht sie im Schlafe voraus, aber als Unwillkürlichkeit, und auch aus ihr das Unwillkürliche nur; diese Voraussicht hört mit dem Wachen auf. Erinnerung muß etwas Vermitteltes sein: Aufnahme des Speziellen, Willkürlichen, ins Unwillkürliche, Allgemeine. Am Unwillkürlichen erinnern wir uns. Gedächtnis ist schon eine Art von Orakel; es spricht das (uns) Geschehene aus. Des Unwillkürlichen selber aber erinnern wir uns nicht; es würde dazu ein höheres Unwillkürliches, und daß das Unwillkürliche selbst den Schein der Willkür annähme, gehören. Schein aber entsteht überall durch Äquivalent; Schein und Wahrheit unterscheiden sich durch die bloßen Beziehungen. Und so ist allerdings noch ein Wissen und Bewußtsein möglich außer jenem, was durch den erklärten Willen zustande kommt; von dieser Art ist das somnambulistische. Die an sich außer allem Bewußtsein stehende Unwillkürlichkeit wird zu in ihrem System nicht liegenden Aktionen bewegt durch Hervorrufung unter der Form der Frage, durch gewöhnlich nicht vorkommende, also in ihr System noch nicht aufgenommene oder eingewohnte Reize usw. Jenes Bewußtsein ist Bewußtsein aus Herrschen, dieses Bewußtsein aus Dienen, Folgen, Geleitetwerden. Dieses Bewußtsein aber gehört ganz dem Unwillkürlichen an, und kann nie wieder, als von ihm – dem gleichen, wenn es wiederkehrt, aufgenommen werden. Da aber das willkürliche Bewußtsein ohnehin immer am Unwillkürlichen als seiner Matrix vorkommt, so kann natürlich auch das unwillkürliche Bewußtsein sich selbst und das Willkürliche begreifen, da das Willkürliche bloß sich wiedergibt. Hier tritt der seltene Fall ein, wo Menschen, Reize, außer sich Bewußtsein schaffen können, und damit Dasein. Wenn etwa nun der Tod in nichts bestände, als im Wegfallen des willkürlichen Bewußtseins, so könnte dem Verstorbenen noch immer wieder Bewußt- und Dasein, – Leben – hervorgerufen werden, und ein Leben, was alles Vergangene enthielte, und auch die Zukunft aufschließbar vor sich hätte, – durch das bloße Andenken der zurückgebliebenen Lebenden. Hier enthüllte sich die Bedeutung so vieler Anstalten, dieses Andenken zu feiern und es zu unterhalten: der Sinn des Monuments , – der vielleicht das einzige war, was nie von Menschen wich. Denn das Monument erhält geradezu im Leben und gibt Leben dem, dem es gesetzt ist. Wen wir für unsterblich erklären, wird unsterblich; sich unsterblich gemacht zu haben, ist das Höchste, was man für sich getan haben kann. Sich Namen gemacht zu haben, heißt, sich Dasein gesichert zu haben. Man zitiert hier das Leben, wie Shakespeare und die Alten die Geister. Daher der unwiderleglich tief begründete Trieb in uns, uns Andenken zu stiften, denn eben in diesem Andenken werden wir uns selbst von neuem an-ge-dacht . Denken wir an jemand, so denken wir ihn an ihm , wir denken ihn , und er selbst ist da. Die Lebenden geben den Toten die Unsterblichkeit; ein übles Andenken muß ihm ein Leben voll Hölle , wie ein gutes ein Leben voll Himmel , geben. Die Lebenden bilden das Totengericht. Hier die Macht der Phantasie , des Gedankens . Alles an etwas Denken, ist Denken dieses Etwas selbst . Wir geben Dasein, eben aber, weil zum großen Teile es dem Gedachten gehört, läßt es uns nur jenen schwachen Grad der Gegenwart desselben zurück, der das Gedachte uns immer noch vom Wirklichen unterscheidet, genau, wie die zweite Person, die ich sehe, doch für mich noch bei weitem den Grad der Wirklichkeit nicht hat, die ich mir selbst. – Um und um sind wir Lebensspender und ›Verbreiter‹. Unser Leben selbst ist nur die Ernte von unserer Saat . Hier Theorie der Kraft der Freundschaft, auch der Liebe von neuem. Man denkt für und an andere, diese, demzufolge, an und für uns; uns selbst , und so können wir reiner das Leben zurückerhalten, was wir uns, unmittelbar, so rein nie geben könnten. Wohlbehagen in diesem allen. Der Freund, die Geliebte, denkt somnambulistisch zurück, also nur das Behagliche, das Gute , – und dies macht uns selbst gut. In den Freund herein denkt man abermals nur das gewählteste Gute. Aber aus Willkür entsprungen ist seine vollkommene Reinheit nie garantiert, wohl aber die desjenigen, was der Freund zurückgibt, weil es aus belebter Unwillkürlichkeit entsprang. Hier auch alle Kraft des Segens , der Weihe , der Sakramente . Das hier ins Leben Gerufene erweist sich nicht am Bewußtsein unmittelbar. Es wird zu einem Teile geläuterter, zur Erfreulichkeit gebrachter, Unwillkürlichkeit. Aber das Licht des willkürlichen Bewußtseins überblendet es noch, und es erweist sich bloß aus der Leichtigkeit und dem Mute, (eins vielleicht), gewissenhaft zu sein. Und hierdurch kommt die Freude des Tieferen im Höheren zum Mitgenuß. Wir könnten eigentlich nichts Höheres, als mit dem geläutertsten Willen, (wozu sogar der Willen so oft schon gegen sich selbst angewandt werden muß), nur Äquivalente dessen, was auch unwillkürlich so ausfallen würde, zu liefern. Aber eben, weil es doch durch Willkür zustande kam, kehrt alle Freude und Wohlbehagen vollendeter bewußter Unwillkürlichkeit hier ein, und die der erweckten Unwillkürlichkeit dient überhaupt nur zum abermals wiederglänzenden Grunde. Eben in dieser Einheit des Äußern und Innern geht die Freude, die Seeligkeit, tiefer auf; sie fühlt sich an unendlich mehr Gliedern, und wird überhaupt zum allgemeinen Wonnegefühl im besondern. Ein solcher Segen, wie auch zugekommen, gibt allem folgenden Bewußten Grund und Boden und Nahrung, während der Fluch nur Angst, d. i. Grund- und Bodenlosigkeit, Irren in der Wüste, Verlorenheit und Verzweiflung erzeugt. Halte dich recht und bleibe redlich, (d. i. daß du davon reden kannst), so wird dir's wohlgehen (wohl und glücklich gehen, du wirst vorwärtskommen). 479. Dem Gewissen liegt das Unwillkürliche zum Grunde. Gewöhnlich ist der Fromme nur Frager an ihm, und dieses, als allgemeines Orakel, antwortet. Dreht der Frager die Frage selbst in Antwort um, und handelt somit ohne Gewissen, ohne Unterwerfung unter den Gottesausspruch, so ist Leidenschaft, Laster, Sünde, da. Greift aber der Frager die Gottesantwort als seinige auf, so fällt er ab von Gott, und eben dieses Erheben des Besondern zum Allgemeinen gibt den Teufel. Der Abfall selbst muß möglich sein, weil er wirklich sein konnte; er muß es daher immer sein. Hier noch im Unwillkürlichen die Hut, Gott anzuerkennen, Gottesgenuß selbst. Mißbrauch der Allmacht zur sündlichen Magie, zur teuflischen. Wirklich entsprang die Sünde damit, daß der Mensch Gott selbst werden wollte, wie das hier sich genau so ergibt. 480. Willen und Reiz sind gleicher Dignität, also nur stufenweise verschieden. Der Wille ist mehr äußerer, peripherischer Reiz, als der innere nur dem Phänomen nach äußre der Natur. – Der Wille ist ohne Macht über das Pulsierende. Dies müßte sonach innerlicher sein, als das Willkürliche, nicht Pulsierende. Wie alles Licht, so erkennet auch das des Willens sich erst am größeren Detail der Gegenstände oder des Äußeren; er findet zu wenig Widerstand, um schon am Innern, minder detaillierten, sich zu erkennen. So ist er sich im Äußersten erst offenbar, im Innern aber geheim. Er ist das eingewelkte Pulsationsprinzip. Wo Wissen, ist Willen. Gewissen, als die Grenze des Wissens, liegt an dem Übergange des Unwillkürlichen, Pulsierenden, ins Unwillkürliche nicht Pulsierende. Es selbst kann klarer werden, und dies gibt die Möglichkeit der Offenbarung. In dieser aber hört das Phänomen des Willens auf, – wie bei den Somnambulen schon, damit zugleich die Erinnerung, die notwendiges Element des Wissens hiermit wird. Die Einheit in der Zeit ist verlegt. Gerade, daß hier die Zeit selbst objektiv werden kann, { Wirkliches bestätigt es). XI. 481–504 481. (1801) Die beiden großen Dinge, der Hydrogenprozeß der Erde, und der Oxydationsprozeß derselben, scheinen das Gute und das Böse derselben auszumachen. Oxygenation ist die Quelle alles Irrtums, aller Hemmung, alles Stillstands, aller Angst und Qual. Das organische Treiben des Hydrogens dagegen ist freies Kunstgefühl Gottes, die Quelle des Guten. Nur das Organische ist gut; nur Liebe ist schön und herrlich. Alles Böse ist nur das Phänomen der Hemmung des Triebs zum Guten, der Verzehrung des Guten. – Das Weib ist gut; der Mann allein hat das Böse in sich zu überwinden. 482. Der Mann entbindet nur. So stolz sei er nicht, zu glauben, sein Kind sei seine Frucht. Er gibt allein dem Weibe ihre Natur zurück, er löst die Fesseln der Frau, und treibend gebiert die Erde durch sie. Sie ist die Fortsetzung der Erde. Der Mann ist das Fremde, die Frau das Einheimische auf Erden. Sie zu ehren ist sein Geschäft. Es ist daher nichts schrecklicher, als einseitige Unterwürfigkeit des Weibes; es heißt von ihrer Seite, der Erde ihr Recht vergeben. Man liebt nur die Erde, und durch das Weib liebt uns wieder die Erde. Darum findest du in der Liebe aller Geheimnisse Enträtselung. Kenne die Frau, so fällt das übrige dir alles zu. 483. (1802) Daß das Weib das Gebärende in der Natur ist, zeigt die höhere Stufe an, auf der es steht. Das Weib eigentlich ist die letzte Grenze der Erde, und der Mann steht durchaus eine Stufe niedriger. 484. Fähigkeiten und Neigungen werden nicht anerzogen, sondern angeboren. Im Moment der Zeugung werden sie erzeugt. – Die Geschichte des Embryo ist Mittel zu einer Theorie der Organismen; hier sieht man der Deduktion , die das Tier deduziert, zu ; die Theorie aber will nur diese wiederholen. – Erziehung hat Einfluß auf Vernachlässigung und völliges Einwelken mancher Anlagen. Die hauptsächlichste Erziehung geschieht durch die Mutter, solange sie das Kind in sich trägt, und nachher säugt. Das Anfangsmoment dieser Erziehung, und zugleich das wichtigste von allen ist die Mutter selbst in der Stunde der Empfängnis. Hier an der Quelle haben alle Eindrücke die größeste Gewalt. 485. Die Stelle in Goethes Tasso: ›Willst du genau erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen nach; .... Und wirst du die Geschlechter beide fragen: Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nach Sitte‹; – gibt ganz vortrefflich den Ort des Weibes in der natürlichen Welt an. Die Erde in ihrer höchsten freiesten Erscheinung ist die Sitte selbst; das Extraplanetarische auf Erden ist im Manne verklärt. Das Weib wird immer Indifferenz sein, der Mann dagegen Differenz, Pol. 486. Vegetation und Animalisation scheinen eine Skale zu bilden, – eine Linie mit den verschiedenen Verhältnissen von Mann und Weib. Je mehr das Weib hervortritt, desto mehr tritt der Mann zurück. Wie der Mann hervortritt, tritt das Weib zurück oder konzentriert sich. Das Menschenweib ist die konzentrierteste Pflanzenindifferenz (Indifferenz der beiden Pflanzengeschlechter) auf Erden, hier aber wird auch der Mann am freiesten. Daß der Mann nicht in reellen Auseinandergang, (wie das Weib, wenn es freier wird, in der Pflanze), liegt an der Erde als Erde. Auf der Sonne wird es allerdings der Fall sein, – so wie sich überhaupt Sonne und Erde durchaus entgegen stehen müssen. Die Sonne fängt an, wo die Erde aufhört. Auf ihr geht der Mann in Pole auseinander, oder ist in sie auseinander gegangen, und das Weib ist das Konzentrierteste, indem bei der Expansion (Polarisierung) des Mannes das Weib ganz verschwindet. – So wie es bei uns weibliche Kryptogamien gibt, so auf der Sonne männliche. – Merkwürdig ists, daß, je mehr die Pflanzen sich in Kryptogamien verlieren, sie desto tierischer werden, so wie die Tiere immer vegetabilischer werden mögen, je mehr sie sich den Pflanzen nähern. – Übrigens offenbart sich das doppelte Geschlecht im Manne schon durch seinen innern Zwiespalt , den das Weib nie kennt. Erst und nur im Weibe kommt der Mann zur Ruhe. 487. Freiheit ist Organ der Kunst. Ihr Mißbrauch wird Prinzip der Krankheit. Alle Krankheiten kommen vom Menschen her. Daher nur erkrank, – und die wenigen Tiere, die mit seiner Lebensweise in Kollision kommen. Haustiere. Wilde Tiere sind beständig gesund, und verfolgen die reine Linie von der Geburt bis zum Tode. – Das Krankheitsprinzip ist zugleich Individualisierungsprinzip. Spekulation ist Krankheit. Was beim Menschen die Spekulation, ist in der Natur das Individualisieren. Dieses sind die Ideen der Natur, die Äußerung ihrer Freiheit, die hier Kunst bleibt. Freiheit ist Individualisierungsprinzip im Menschen wie in der Natur. Krankheitsprinzip durch Mißbrauch kann sie nur im Menschen werden, oder in der Natur doch erst auf einer weit höheren Stufe. Der Mensch bliebe gesund, wenn er ewig ein Künstler bliebe. Merkwürdig ist, daß so vieler wahrhaft großen Künstler einzige Krankheiten nur örtliche waren, d. i. solche, die man so leicht nicht selbst verschuldet. 488. Das reine Leben ist eine ewige Gleichung. Was irgend Gleichungssetzung in unsern Geschäften ist, wird an die Gesundheit erinnern, sie selbst sein. Daher der Genuß, den selbst die Mathematik gewährt: Gesundheitssetzung. So ist in allem Treiben das Bleiben der Gleichung mit Wohlbefinden und Behaglichkeit verbunden. Eine Gleichung durch das ganze Leben wäre das Ideal desselben. Die höchste Gleichung die der Kunst. 489. Der Mensch ist ein perennierendes Tier. Er stirbt in der Liebe, zum Teil, ganz im Tode. Daß er die Liebe überlebt, ist ein unendlich merkwürdiges Faktum. Alle Liebe ist das Zurücksinken in die Erdmondkohäsionslinie so wie der Tod das Einsinken in die Erdsonnenkohäsionslinie; so geht es unendlichen Tod fort bis in Gott hinein. Auf dem Jupiter gibt es vier Stufen der Liebe, wenn alle Liebe auf Erden zusammen nur eine bildet. Vier Monde sind dort zu identifizieren. Auf dem Saturn noch mehr, und auf dem Uranus wieder noch mehr. Auf einem Planet, der keinen Mond hat, stirbt man in der Liebe, oder mit ihr. Die Sonne aber hat ungezählte Feierfeste der Liebe. Die Streifen auf dem Jupiter etc. sind bloße Gruppen von Liebenden. 490. Beständig findet man in der Geschichte der Ideen, daß die erste Idee über einen Gegenstand jedesmal die richtige war; aber sie wurde mißverstanden, in unendliche Specialia zersplittert, bis endlich das erschöpfte Detail auf die erste Idee zurückführte. Das ist das nämliche, was mit einem organischen Wesen, welcher Art es auch sei, geschieht. – Die Idee der Befruchtung bei den Pflanzen ist die Blüte . Die par excellence vollkommene Pflanze wäre die ewig blühende. Die Blüte will sich rekonstruieren. Aber nur in einem Momente fällt dieser Akt ganz in sie allein; im zweiten schon äußerlich. Das Samenkorn .... wird nach und nach diese sich aus sich heraus verloren habende Blüte. Der Samen ist die verkörperte Idee der Blüte über sich selbst. Und Ideen sind überall die außer das Individuum herausfallende Rekonstruktion desselben. Ideen konsumieren demnach gewaltig. Das Individuum verzehrt sich darüber, es stirbt ab. Über der Ausbildung des Samens stirbt die Blume, über dem Keimen des Samens die Hülle, über dem Kommen der Blüte der gekeimte Samen oder die Pflanze, ab. So am Embryo die Mutter, am Kind der Embryo, am Manne das Kind, am Tode der Mann. Den Tod wollte das empfangene liebe Kind, aber der Tag zergliederte seine Nacht, und stufenweise fällt es nun in ihn zurück. Das empfangene Kind teilt mit der Mutter eine Nacht und Liebe; immer unabhängiger aber wird es von ihr; der Tag und der Neid, – der Tag und die Eifersucht, – ergreifen es immer mehr und mehr. In der Geburt fällt es in seine eigene Nacht zurück, Liebe ist das zarte Geschöpf, wie es geboren wird; aber es erblickt das Licht des Tages, und dies löst die Liebe von neuem in Leben auf. Die Indifferenz wird immer mehr zur Differenz gestaltet. In Sehnsucht wird das ganze Wesen aufgelöst, es fällt zurück in Nacht, und liebt . Aber die neue Liebe geht in höhere Sehnsucht über; eine unsichtbare Sonne entfaltet die Liebe in unendliche Farben und Blätter; ganz in Sehnsucht aufgelöst fällt es abermals zurück, und stirbt . So wird jede Liebe zu Leben, jedes. Leben fällt in höhere Liebe zurück, und aus Abend und Morgen wird der andere Tag, – die Nacht nach beiden. So geht jedes Wesen in Nacht hinunter. Gott selbst ist die tiefeste Nacht, und das Leben des Endlichen ein Kampf derselben mit dem Tage, in dem sie siegt. Die Nacht ist der innere Tag, das Sehen fremder Nacht der äußere Tag. In zween Nächten besteht die Welt, aus ihrem Wechselspiel wird Leben und Liebe in Ewigkeit erzeugt. Die Indifferenz jener Nächte ist die Nacht der Nächte. Drei Nächte gibt es, und ihr Zentrum – ihre Peripherie zugleich – die große Nacht Gottes selbst. Hier die Dreieinigkeit des Höchsten, und die Dreifaltigkeit des Niedersten. Das Individuum hat eine Geschichte, nur bei ihm wechselt Tag und Nacht; in Gott ist keins von beiden. 491. Schlaf ist Liebe, Wachen Leben. Im Leben ist man des Tages, im Lieben der Nacht. Liebe ist Schlaf im Wachen – der Tag auf Erden , da der gewöhnliche der Sonne dienen muß. Im Tage hält das Licht die Liebe aufgelöst, wie Wasser Salz. In der Nacht schlägt sich die Liebe nieder, weil das Auflösungsmittel verdünstet. 492. Das liebende Paar wird im Tode wieder Individuum , aber Kind . Die Liebe ist der Embryo, der im Tode als Kind geboren wird; der Tod ist die Geburt desselben. Es bleibt Kind, aber das Kind entwickelt sich, und wird Jüngling, Jungfrau. Es ist die Geschlechtsentwickelung der Erde. In der Umarmung mit der Sonne flammt neue Liebe empor, – die wieder Embryo ist, der im folgenden Tode als Kind geboren wird. Die Sonne mit der Erde entstirbt, das Kind bekommt neues Geschlecht, und feiert mit der Sonne II neue Liebe, – die mit dem Tod der Individuen [(Sonne + Erde) und Sonne II] wieder als Kind auftritt – usw. 493. Das Individuum auf Erden scheint erst im Tode die irdische Liebe zu empfahen. Die irdische Liebe in bezug auf die himmlische gebiert Sehnsucht. Es wird dies eine neue Art von Individuum, und alle seine Geschichte eine besondere, eigene . Stirbt von der Gattung ein Individuum, so ist es Sehnsucht der Liebe nach der Bekannten . Stirbt das Individuum als solches, so ist es Sehnsucht der Liebe nach der Unbekannten . 494. In der Zeugung wird der ganze Körper Herz. Beide Körper schlagen einige Augenblicke; sie tun gleichsam die ersten Schläge für den Embryo. Schlagend wird er empfangen, schlagend lebt er fort. 495. (1803) Die Kunst scheint das Gebären des Mannes zu sein, das Trennungsphänomen vom Koitus, von der innigen Vereinigung der Liebe. Das Weib gebiert Menschen, der Mann das Kunstwerk. Sehnsucht wird nie ein Kunstwerk darstellen, nur die Ruhe der Schwangerschaft. Der Mann geht aus der Liebe schwanger mit dem Kunstwerk, das Weib schwanger mit dem Kinde, hervor. Menschheit und Kunst sind zwei Geschlechter. 496. Nur in der Kunst besteht der Mensch, nur im Menschen die Kunst. Als Gebärerin ist das Weib Künstlerin, als Künstler der Mann ein Gebärer. So begleitet die Kunst den Menschen durchs Leben. 497. Die Kunst im Manne ist das Phänomen der Wiedergeburt der Sehnsucht, so das Kind im Weibe ebenfalls, nur mit dem Unterschied, daß sie hier objektiv wird. 498. (1804) Die Unendlichkeit der Gerüche und der Arten von Geschmack scheinen von dem Prinzip der Individualität herzukommen. Wo sie ganz daheim sind, bei den Pflanzen, scheinen sie, besonders die Gerüche, unmittelbare Emanationen des formenden Prinzips selbst zu sein: Ausstrahlungen von die Masse oder Materie nichts mehr angehenden Bildungstendenzen, nur daß sie beim Geruch erst ein Medium durchgangen, beim Geschmack es aber noch nicht getan haben. Kann sich indes das formende Prinzip ganz vom Materiellen trennen? – Gibt es Zustände, die wir noch nicht kennen, und gehören diese Emanationen hierher? – Ist der Zustand, in den Eis zunächst übergeht, wenn es verdampft, in der Tat der gewöhnliche Dampf? – Gibt es noch andere Zustände, die zum Gas das nämliche Verhältnis üben, als der Dampf? – Die sich also durch die Luft verbreiten können, ohne von ihr mechanisch sollizitiert zu werden? – Haben die Prevost schen Erfahrungen über die Emanationen geruchstarker Substanzen mit der Bildung der Nebelbläschen einerlei Prinzip zum Grunde? – Dies scheint eine sehr wichtige Frage zu sein. 499. Der Saamen scheint eine noch weit höhere Dignität im organischen Reiche zu haben, als das Blut. Da selbst Pflanzensaamenstaub dem menschlichen an Mischung .... ähnlich ist, so muß man glauben, daß im Saamen das ganze organische Reich sich identischer ist, als im Blut. Überhaupt aber ist der Saamen wichtiger, als das Blut; im Saamen kommen die organischen Individuen zum chemischen Prozeß, d.i., der Saamen repräsentiert das ganze Individuum: die Totalitäten der Individuen begegnen sich in ihm. 500. Unendlich interessant muß für die höhere Physik die Biographie des Kindes sein. Die Empfängnis. Das Leben des Kindes ohne Respiration, wo die Mutter noch für das Kind mit respiriert; Geburt ist eigentlich bloß Differenzierung der Respiration. Eintritt der Milch mit der Geburt des Kindes. Bestimmung des Kindes für die Brust der Mutter, natürliches Hingehören dahin. Aufhören der Milch mit dem Tode des Kindes. Mitwissen der Mutter um den Tod des Kindes, solange sie es säugt. Sorgenlosigkeit des Kindes durch die Fürsorge der Mutter. Freilassung, Übergebung zur eignen Sorge, mit der Zeit der Pubertät. Denn nur Liebe kann Sorge tragen; alle Sorge Sorge aus Liebe. Sorge für sich der Sorge um des andern willen. Geschlechtsunterschied Grund aller Sorge, alles Bedürfnisses. Echtheit alles Bedürfnisses erst mit der Liebe oder Sehnsucht. Bis zur Pubertät bleibt und bleibe das Kind der mütterlichen Sorgfalt. – Die Geschichte der Empfängnis und Geburt etc. ist eigentlich die Geschichte des Trennungsprozesses überhaupt. Empfängnis = erste Differenzierung, die die Hemmung immer mehr überwindet, bis die Differenzierung in leiblicher Hinsicht absolut wird, und nach der Geburt auch in höherer immer weiter schreitet. Schwangerschaft = Schema des Magnetismus. Geburt – Schema der völligen Differenzierung. Polarität muß Schema der Familie, und umgekehrt Familie das Schema der Polarität, werden. Am Menschen und dessen Geschichte studiert, erkennt und versteht man es am besten. 501. Das Weib in Sehnsucht = Indifferenz. Das Weib auf dem Wege zur Erfüllung = beginnender Differenz. Das Weib in vollendeter Erfüllung = totaler Differenz. Der Mann differenziert; das Verlangen darnach ist seine Sehnsucht; sie ist auf dem Wege der Erfüllung mit der Gewißheit des Differenz-veranlaßt-Habens; sie ist vollendet, wie die Differenz absolut geworden ist. Eigentlich wird dem Manne in der vorschreitenden Differenz des Weibes bloß seine Erfüllung gewiß, gleichsam durch die äußere Erscheinung bewiesen. Das Gefühl ihres Daseins war schon von Anfang in seiner Befriedigung zu ihm gelangt, so wie dem Weib die ihrige durch ihre Befriedigung, – und das Weib muß bestimmt sagen können, seit wann sie empfangen hatte, denn von da muß ihr jede folgende Vereinigung nur Erinnerung scheinen, statt daß früher jede für sie Hoffnung war. So etwas muß auch beim Manne vorkommen und kommt vor. Merkwürdig ist, daß die Tiere nur die Hoffnung (im Instinkt), aber nicht die Erinnerung (in der Vernunft), haben. Merkwürdig die Menstruation beim menschlichen Weibe, – als wenn sie eine unvollkommene Differenzierung zu sehr niederer Stufe wäre, doch auf demselben Wege, als nachmals die höhere, oder die auf allen Stufen geschehende. Sie (jene) hört auf, indem das Weib sich freier differenzieren kann; sie hört aber nur scheinbar auf. denn sie wird jetzt unterstützt durch die übrigen Stufen, zu einem höhern Zweck verwandt. Offenbar zeigt der Typus der Familie die Triplizität in jedem (hier organisch-) chemischen Prozeß. Nur als Differenz kann das eine Geschlecht (das Weib) eingehen in die Differenz mit dem Mann. Der Mann wird indifferent im Eingang in die Differenz der Frau. Das Weib gibt ihre Individualität auf ; die Einheit geht zur Zweiheit über, und Sehnsucht nach Aufgabe derselben ist überhaupt die Sehnsucht des Weibes. Welche Trennung aber wird im Manne in der Liebe aufgehoben? – Ist es der so oft genannte Kampf zwischen Wissenschaft und Liebe? – besser: zwischen Wissenschaft und Sehnsucht? – Der Mann sucht Individualität. Erst wenn er als Mann in die Familie eingeht und in derselben steht, hat er Individualität gefunden, und ist eins geworden. So ist denn keine Einigung ohne Trennung. Die Trennung selbst geschieht für die Einigung, und diese für die Trennung. Mit dem vollen Verständnis des Übergangs von 1 in 2 wird erst das Wahre gefunden sein. Zu bemerken ist ferner: wie das Weib in höchster Trennung vom Kinde doch wieder indifferent wird; wie der Mann wieder different wird nachher; wie sie wieder ganz die vorigen werden. Daß jedes wieder wird, was es war, – es wird, indem es eben aufhörte, zu sein, was es war, – ist vor allem merkwürdig. Weil das Weib wieder indifferent wird, steht und kommt es in höchste Differenz vom Kinde. Man könnte sogleich im allgemeinen sagen: der eine Pol kehrt überall wieder zur Indifferenz zurück, und gibt dadurch beständig von neuem wieder den andern her. Der eine Pol ist gleichsam überall das Kind, der Sohn, vom andern, welcher die Mutter ist, aber der Vater liegt nicht hierin. – So ist denn das Verhältnis von + und – nicht das der Liebe der Geliebten, sondern das der Liebe zwischen Mutter und Kind. Doch ist von diesem Verhältnis nur die Rede, insofern + und - sich nebeneinander erhalten. Insofern sie in Indifferenz gehen und gehen können, ist es das Verhältnis der Liebe der Geliebten oder der Einigung, der sogenannten Indifferenzierung. Hier ist der Wohnsitz tiefer Geheimnisse. Bis sie indes gelöst sind, bleibt die Madonna mit dem Kinde das schönste Symbol der Polarität. Johannes daneben ist gleichsam das Differenzierende, so wie die Madonna mit dem Kinde das in der Differenzierung Begriffene. 502. Wenn organische Berührung (= tierischem Magnetismus) organisch- elektrischer Prozeß, und Koitus organisch- chemischer , ist, so kann man alle Gesetze der elektrisch-galvanischen Kette auf Organismen bequem übertragen. Eine Reihe Individuen in bloßer Berührung werde eine Klasse ausmachen. Man setzt aber zwischen zwei Gliedern in dreigliedriger Kette chemischen Prozeß (Koitus), und man hat eine organisch-galvanische Kette mit verstärktem Koitus. Man wiederholt diese Kette viele Male , und man bekommt eine (tierisch-magnetische) galvanisch-organische Batterie, mit überall in steigendem Verhältnis verstärktem Koitus, und die Möglichkeit, so wie Wasser durch Gold und Gold differenziert (geschwängert) wird, ob es sich gleich nur in bloßer Berührung mit ihm befindet, auch ein weibliches Individuum durch bloße männliche Berührung zu schwängern. 503. (1805) Das Bildende, oder der Grund der Individualität. Eine kosmische Eigenschaft, – bloß geschichtlich zu kennen und zu verehren. Prometheus, – biblische Schöpfungsmythe. Beweis ihrer Gültigkeit. Vom Zeugen. Daß die Individualität der Körper mit dem Leben gleiche Verhältnisse zeige. Man kann sie nicht einsetzen, wohl aber aufheben. Sie ist durchaus organisch, pflanzt sich organisch fort in der organischen Natur, erhält sich organisch in der toten Natur. Sie ist das Unsterbliche am Sterblichen, offenbart sich nur an ihm. Sie bildet (gestaltet) das Wasser und stellt sich an ihm dar, wie die Schönheit am Marmor, ohne doch dort das Wasser, wie hier der Marmor nicht, selbst zu sein. 504. (1807) Liebe – herausgetretener innerer Erhaltungsakt des Individuums. Wie Kunst, wie Bienenzelle, wie Gespinst, nimmt er sich hier aus. Zeugung – ist allerdings Sekretionsphänomen, Phänomen der Sekretion seiner selbst. So beim Manne. – Die Frau scheint hier eher zu assimilieren, aber sie scheint es auch nur, denn sie sezerniert sich selbst ebenfalls, nur als Materie , während der Mann als Geist , als Idee , und so wird das Beseelte formiert. Der Mann in der Liebe ist Maler, Musiker, die Frau Plastiker. Die Frau bleibt geistiger, der Mann körperlicher, zurück. Die Frau ent wickelt, und der Mann ver wickelt, sich. Bei der Zeugung – Kraft der Phantasie. Nichts als bloßes Gebilde des andern. Magie, wegen Wirkung der Chiffer, der Form, des Buchstabens (des organischen). Denn beide geben, keines eigentlich empfängt. Die Gestalt des Mannes muß ideell wirken, denn sie ruft dem Weibe die Materie hervor, die Gestalt der Frau materiell, denn sie ruft den Geist, die Idee, hervor. Beide vermählen sich, wie schon gesagt, zur Seele , zum Lebendigen . Der Mann ist der Frau ein Gott, die Frau dem Manne eine Natur . Gott und Natur gehen zu Welt zusammen. – Alles zeigt, daß das Wesen der Zeugung durchaus tiefer zu suchen ist, als in den bloßen Gesetzen der Materie. XII. 505–556 505. (1797) Wenn der Schweif der Kometen eine ähnliche Entstehung mit der gedehnten Flamme auf der Zentralmaschine haben soll, so muß im Himmelsraum etwas Widerstehendes da sein, was die Stelle der Luft vertritt, oder eines resistierenden Fluidums überhaupt. 506. Würde der Weg, den ein Weltkörper auf einer Ebene zurücklegen würde, auf der man ihn so viele Male umdrehte, als er selbst es während eines Umlaufs um seinen Zentralkörper tut, genau so lang, als seine Bahn, sein? – Die Grenze des konkreten Teils eines Weltkörpers ist bei weitem noch nicht seine Grenze überhaupt. 507. (1798) Wenn, wie man sagt, Kometen die Sonnensysteme verbinden, indem sie von einer Sonne um die andere, und wieder zurück um jene, oder irgendeine herumlaufen, könnten dann nicht Feuerkugeln das nämliche mit den Planeten tun? 508. (1799) Kometen sind die Korkkügelchen, die vom einen Konduktor des Universums zum andern spielen, von einem Sonnensystem zum andern. Und alle Weltkörperbewegung reduziert sich auf solches Korkkügelchenspiel. – Man stelle sich das Wasser als nicht schwer vor, und man hat in dem Versuch, wo es sich um eine Glasröhre, wegen der Anziehung des Glases zu ihm, biegt, und zwei Glasröhren sich denkt, das Schema der Kometenbewegung. Es komme der Komet hin, wo er wolle, immer trifft er endlich die Attraktion einer Sonne, die ihn um sich herum zieht, und ihn irgendwohin zurückschleudert, wo er von neuem angezogen wird. Vielleicht beschreiben die Kometen Bahnen wie diese: und auch noch vielfachere. 509. Entdeckte man einst über dem Uranus noch einen Planeten, so würde er wahrscheinlich bloßer Ring sein, und seine Trabanten würden anfangen wieder Trabanten zu bekommen. Der letzte Gedanken darf am mindesten stören; ist nicht zum Beispiel schon unser Mond ein Trabanto- Trabant der Sonne? 510. Weist wohl der Umstand, daß Kometen auch umkehren, ehe sie um die Sonne sind, auf eine der elektrischen .... analoge, Abstoßung zwischen dem Kometen und der Sonne? 511. Sonderbar, daß sich keine Weltkörper in Dendriten finden. Oder ist unsere Milchstraße, als von der Form eines λ, ein solches abgebrochenes Dendritenstück? – Vielleicht die runde Bildung der Sonnensysteme dennoch innerlich wahrhaft dendritisch. Dendriten sammlungen können auch rund sein, und sind es. Sternensysteme sind meist Scheiben, die Rotation bestimmt dies. Vielleicht bekommt auch ein in Silberauflösung rotierendes Stück Zink, Kupfer usw., einen Silberdendritenäquator. Sind alle Sonnensysteme, und Milchstraßen etc. selbst zuletzt noch wieder nach Dendritenschemen gehäuft und geordnet? – Nach meiner Ansicht müssen die Weltkörper ordentlich wachsen können. Es springt ein Punkt aus dem Universum hervor, eine Weltknospe, und wächst. Vielleicht ist der Mond noch im Wachsen, vielleicht alle Planeten noch. Vielleicht wachsen sie im Verhältnis ihrer Entfernung von der Sonne usw., und der Abnahme ihrer Schwere dagegen, so daß diese an Extensität mehr oder weniger wiedergewinnt, was ihr an Intensität abging. Licht wäre der Akt dieses gegenseitigen Prozesses. Vergleiche einer meiner altern Ideen über Metallniederschlagungen, wo das, was vom Kupfer bis an die Spitze des Silberdendriten, welche fortwächst, zugegen ist, auch Licht wird. Kurz man sieht sich nach und nach immer mehr berechtigt, die Phänomene des chemischen Prozesses im kleinen auf das ganze Universum anzuwenden. Die Form ist überall dieselbe, und muß es auch, denn ein Geist ist, der sie denkt. – Es mag Gesetz sein, daß alle Planeten, die keine Trabanten haben, noch im Wachsen sind; haben sie Trabanten, so nehmen sie ab, oder wenigstens nicht zu. So etwa unsere Erde, indes der Mond zunimmt. Vielleicht nimmt aber auch die Erde noch zu, indem ihr von der Sonne mehr ersetzt wird, als sie an den Mond abtritt. So ist der Polyp gleich einer Welt, und das Arterien .... System des Körpers das Symbol des Universums, der Mikrokosmus des Makrokosmus. – Abstoßungen ganzer Dendritenäste untereinander mag im Universum ebensogut vorkommen, wie beider Metallpräzipation, – vornehmlich muß solche Abstoßung zwischen den homogenen Endspitzen der Geweihe des Metalls anzutreffen sein. Hier scheinen die Zwischenräume zwischen ganzen Systemen, wie zwischen den einzelnen Gliedern derselben, herzugehören. 512. Jedes Sonnensystem ist ein Elektrometer des Weltalls, nur mit dem Unterschied, daß die Natur auch selbst die Kügelchen dazu gemacht hat. 513. Jeder Punkt im Universum ist eine Natur en miniature , nur hat der Künstler in jedem das Original von einer andern Seite kopiert. 514. Sind wohl Algol, und andere Licht wechselnde Weltkörper, solche, die bald wachsen, bald abnehmen, indem sie zu Magazinen für einzelne Systeme dienen, gleichsam die Tara auf der großen dynamischen Waage der Natur? – Alle Weltkörper sind ja im beständigem Ab- und Zunehmen. Vielleicht gibt das Moment ihrer Reproduktion das Moment ihrer Schwere. So vom Größten bis Kleinsten. – Die Seltenheit solcher Phänomene übrigens, wie einst ein Stern in der Cassiopeja gab, übertrifft bei keinesweges die Jahreszeiten der Natur. Wie selten mag eine Sonne ihren Frühling feiern, und, wer weiß, ist das Blühen einer Sonne im großen Garten der Natur nicht eine ebenso seltene Erscheinung, als das Blühen einer Aloe im kleinen Garten der Kunst! 515. Mögen wohl ganze Wolken, ganze Gewitterzüge, in dem nämlichen Verhältnis zueinander stehen, als zwei sich auf Wasser bewegende und abstoßende Kampferstückchen. Die Wolke rudert in der Atmosphäre, wie der Kampfer auf dem Wasser. So könnten Weltkörper und Sternensysteme Kampferstückchen auf dem Ozean des Weltalls sein. 516. Der absolute Pyrophor ist die Welt, die Natur. Sie zündet sich in und durch sich selbst, ist Entzündendes und Entzündetes zugleich, – der eigentliche Selbstzünder. 517. (1800) Wenn das echt Qualitative im Sauerstoff das Licht ist, und nur Sauerstoff den Menschen, das Tier, die Pflanze, nährt und erregen kann, so ist das Licht die einzige Nahrung alles Lebendigen, der einzige äußere Faktor im Reiz alles in Erregung gesetzten. Bloß durch Licht wird die Erde erregt; die Wärme wird das Leben der Erde; sie ist die Erregung selbst, das Produkt aus der erregbaren Erde und der erregenden Sonne, der Indifferenzpunkt des Sonnensystems. Im Menschen lebt nicht bloß die Erde, sondern durchaus das Sonnensystem. Alle Planeten sind Phlogistonbehälter, die Sonnen Lichtbehälter. Die Sonne lebt nur, indem die Erde lebt; es ist ein Leben; die Sonne nimmt die Erde auf und die Erde die Sonne. 518. Alles Leben ist ein Kuß, den die Sonne der Erde gibt, wie die Liebe ist der Indifferenzpunkt des Menschengeschlechts. Wenn sich das Lebendige küßt, dann geht ein Leben im Leben auf, es ist der Auferstehungstag des himmlischen Gottes im irdischen Menschen. Mann und Weib sind die Symbole der Dualität im Sonnensystem. Wer bedeutet die Sonne, und wer die Erde? – Aus der Ribbe des Mannes ist geschaffen das Weib, so auch aus einer Ribbe der Sonne die Erde. Die Sonne leuchtet, auch der Mann strebt vorwärts, wie das Licht. So ist es auch das Licht der Sonne, das im Uterus der Erde den Embryo des Lebens ewig frisch erzeugt. In der Liebe kommt er an das Licht der Welt , und freut zum erstenmal sich seines Daseins. Drum wird er auch mit Tränen geboren. Die Sonne und der Mann beherrschen den Tag, in der Nacht trägt die Erde und das Weib den schönen Sieg davon. Der Mond ist ein geheimes liebliches Billett der Sonne an die Erde, der reflektierte Liebesdrang des höhern Mannes an die irdische Geliebte, und wie der Jungfrau sehnsuchtsvoller Blick im Spiegel gern und lieber auf des Jünglings Auge tröstlich weilt, so ist es auch bei Mondenglanz, wo sich der Erde schönes Weib den Busen freier lüftet, und hoffnungsvoll die Tränen um Erhörung rinnen läßt. Drum stillt auch lebhaft Dankgefühl für gnädige Erhörung diese Tränen plötzlich. 519. Die Planeten leuchten dem Monde sämtlich als kleine Sonnen, die Trabanten wie uns Monden und Planeten, kurz durch reflektiertes Licht. Was wird aus der Milchstraße für den Mond? – Eine aus Sonnen schwerlich, vielleicht eine aus Monden, die ihm aber freilich Sonnen sein müssen, kurz aus dem, was für das, was wir von der Milchstraße sehen, Planet, (Mond), ist. So geht es auch mit den Nebelflecken. Die planetarischen großen Weltkörper (Herschel) werden dem Monde durch reflektiertes Erdlicht leuchten, oder durch Licht, was von allen den Körpern herrührt, die mit der Erde gleiche Dignität haben. Jeder höhere Körper wird für den Mond durch das Licht erleuchtet, was von allen seinen Planeten zusammen auf ihn fällt, und davon reflektiert wird. – Aber, hätte die Sonne keine Sonne, wovon sollte sie erleuchtet werden? – Das Licht der Planeten zusammengenommen, würde ihr so wenig viel helfen, als uns. Überdies würde, dieser Analogie nach, uns ja der Mond durch eigentümliches Licht leuchten müssen, wovon wir aber nichts wissen. Oder – wird für die Sonnen der ganze Himmelsraum zur herrlichen Lichtsphäre? – Oder – hat der Sonnenbewohner keine Augen ? – Ist er nur innerlich selig, und die Sinnenwelt nichts für ihn? – Die Sonne, ein Sammelplatz von auserwählten Geistern, – im Innern selig, durch das Licht der Welt verklärt? – Die ganze Sonne eine herrliche Gemeinde? – die freigesprochen von des Sinnes Täuschung ewig nichts als Wahrheit wahrhaft schaut? – Des Mondes Welt nimmt zu an Umfang; so zum Beispiel seiner Sonnen Zahl ist unvergleichbar größer, als der Erde ihre. Wie? wenn hier nie der innere Sinn erwachte, und alles Spiel des äußern bloß als Traum den Schlummernden umgäbe? – Und so wär's denn die Erde , der hochgepriesner Halbgott der einzig es genoß, das Glück, im Traum zu wachen, wachend hinzuträumen! – Den Traum zu deuten, gab ihm Gott Vernunft; dies ist sein Ziel, und ewig glücklich ist er, wenn es ihm gelingt, in jenem nichts als den gedämpften Widerschein des Glanzes aufzufinden, den, unmittelbar zu schauen, wohl das schwache Auge sterblicher Geschöpfe nicht vermögend wäre. So wird ja auch das Spiel der Mücken reger, wenn nach dem Untergange der Sonne mildes Abendrot den Horizont umgibt, und einem künftigen schönen Tag bedeutungsvoll vorangeht! 520. Wenn die Welt eine Pflanze ist, so sind sämtliche Monden die äußersten Schößlinge an den Zweigen derselben. 521. Der Mond hat keine Äquator-Peripherie, sondern nur einen Äquator- Punkt Dieser verrückt sich im ganzen nie. Alle Planeten haben vielleicht einmal einen solchen bloßen Äquator punkt , kurz nach ihrem Entstehen, gehabt. Finden sich zum Beispiel auf der Erde noch Spuren davon? – die ewige Tagseite des Mondes muß schreckliche Hitze haben, die Nachtseite schreckliche Kälte. Werden um den Mondäquatorpunkt die Vulkane häufiger? – Das wäre Analogie mit dem Äquator der Erde, und bewiese zugleich, daß nicht die Sonne, sondern die Erde, die Sonne des Mondes sei. – Dieser Äquatorpunkt des Mondes möchte zugleich der magnetische Indifferenzpunkt des Mondes sein. Wohin treffen die beiden Pole des Mondes? – Läßt sich das aus der Vulkaneität auf ihm abnehmen? 522. Aus der Farbe, mit der die Planeten leuchten, muß man schließen können, mit welcher Stärke sie verbrennlich sind. Die verbrennlichsten müßten wohl das röteste Licht, die minder verbrennlichen gelbes, die es noch weniger sind, weißes, und die es am wenigsten, oder die am oxydiertesten sind, bläuliches Licht geben. Daß die Sonne weiß scheint, ist interessant. Sie ist in bezug auf die Erde weder oxydierbar noch oxydiert, kurz das Mittel. – Mit den Farben der Planeten muß man auch noch die für sie berechnete Dichtigkeit zusammenhalten. – Zieht sich übrigens nicht im allgemeinen alle Bläue des Lichts der Planeten auf die Sonnenseite, und alle Röte desselben nach der Uranusseite der Erde hin? 523. (1801) Könnte, wenn die Erde, wie so wahrscheinlich, flüssig ist, wohl die ganze Erdoberfläche schon als bloßer Ring um ihren Kern, und damit weit langsamer, rotieren, als der Kern um sich selbst? – Vielleicht, daß die Erde im Centro in 5–6 Stunden, hundert Meilen von ihm weg in 8–10 Stunden, noch weiter davon in 15–18 Stunden, usf., sich um ihre Achse dreht. Und so kann es am Ende allen und jeden Planeten, ja der Sonne selber, gehen. Könnte gar auch im Mond und den übrigen Planetentrabanten der Kern rotieren, und nur die Hülle desselben fixiert sein mit demselben Punkte gegen den Planeten? 524. Der Mond kommt von der Erde. Alles chemische und organische Leben ist zuletzt nichts, als Folge, Begleiter, des Mondbildungsprozesses der Erde. Die Masse der Erde wird gleichsam freigelassener von ihr selbst. Alle Materie muß durch die Organisation hindurch, ehe sie Mond wird. Die Organisation der anorgischen Natur ist von der höchsten Wichtigkeit; ihr Schematismus muß notwendig auch das der organischen sein. Es muß Skalen, Grade, der Loslassung der Materie von der Erde geben, und ein merkwürdiger Punkt muß es sein, wo das Anorgische überspringt in das Organische. Dieser Punkt muß immer weiter zurück rücken; immer mehr Organismus muß entstehen – sogenannter, wahrscheinlich auch immer mehr falscher Anorgismus. Bis endlich die Erde reißt, und alles dieses mit sich fortführt. Jüngster Tag. Tod der Erde. Auferstehung im Monde. Er selbst ist anfangs tot, wird aber durch die Erde immer mehr entlöst, sich selber entlöst. Mond des Mondes; – dies wird des Mondes Leben. So rückwärts mit der Sonne. Die Sonne hat so viel Menschen- oder organische Epochen gehabt, als Planeten aus ihr entsprangen. So sind ganze Menschheiten wieder nichts, wie einzelne Planeten, und einzelne Planeten, Monde usw., ganze Menschheiten. So wird das Sonnensystem organisch, und so geht's bis zum Äußersten, und heraus bis zum Innersten. 525. Die Rotation ist Grund aller Organisation, ohne sie keine. So organische wie anorgische Individualität um den Äquator größer, ausgebildeter. Je schneller die Rotation eines Planeten, desto mehr Organisation auf ihm, besonders bei beträchtlicher Größe. Nur auf rotierenden Weltkörpern kann individuelles Leben sein. 526. Chemische Prozesse sind Mondschwankungen. Wirklich ist der Wasserstoff eine Mondtendenz, die nur durch den Sauerstoff wieder unterdrückt wird. Alles Verbrennliche ist mondsüchtig, das Wasser ein oxygenierter Mond. Mondbildung – Desoxygenierung der Erde. Die Erde mußte ehedem weit oxygenierter gewesen sein, zum Beispiel kurz nach der Mondablösung. Das Hydrogen ist gleichsam der Mond par excellence . 527. Respiration der Erde. Sie atmet Sonne und haucht Mond aus. 528. Kepler fand, daß die fünf regulären Körper in die Zwischenräume der sechs damals bekannten Planetenbahnen paßten ›Ad rei memoriam ascribo tibi sententiam, ita uti incidit, et co momento verbis conceptam: Terra est Circulus mensor omnium: Illi circumscribe Dodecaedron: Circulus hoc comprehendens erit Mars. Marti circumscribe Tetraedron: Circulus hoc comprehendens erit Jupiter. Jovi circumscribe Cubum: Circulus hunc comprehendens erit Saturnus. Jam Terrae inscribe leosaedron: Illi inscriptus Circulus erit Venus. Veneri inscribe Octaedron: Illi inscriptus Circulus erit Mercurius . Habes rationem numeri planetarum.‹ – S. Prodromus dissertationum cosmographicarum, continens mysterium cosmographicum de admirabili proportione, etc. – a M. Joanne Keplero , Tubingae, M.D.XCVI 4. pag. 10. – ›und wirklich stimmen ihre Abstände nach neuern Beobachtungen sehr gut mit dieser Regel. Aber leider, bemerkt Prof. Wurm , ließen Euklid und die Natur für den Uranus keinen regulären Körper, und ich setze hinzu, auch für die Ceres, keinen mehr übrig, und damit wurde auf einmal Keplers sinnreiches Ideal ganz vernichtet.‹ ( Von Zach . Mon. Corr. 1801, I. 598.) – Ist's zu lächerlich, zu fragen, ob ein Ideal der Geometrie nicht noch andere Hauptkörper habe, als jene fünf, und diese andere dennoch passen? 529. Schön und groß ist Laplaces (in s. Abhandlung: Sur les équations séculaires des mouvements de la Lune, de son Apogée et de ses Nœuds), geäußerter Vorschlag, den er den Astronomen aufs dringendste empfiehlt: die Planeten (und Trabanten) unseres Sonnen-Systems so oft als möglich untereinander und mit der Sonne zu vergleichen. (Das weitere s. Mon. Corr 1801, II. 119.) Laplace empfiehlt seinen Vorschlag, um über die Sekulargleichungen des Mondes ins reine zu kommen, aber er hat wohl noch einen höhern Sinn. Es ist das Non debet fieri per plura etc . im höchsten Sinne, und noch viel mehr! 530. Bedeutet das Phänomen verlöschender Sterne wohl, daß sie aus der Rolle der Sonnen in die der Planeten übergehen? – So umgekehrt müssen Planeten, deren Sonne wegfällt, zu Sonnen werden. – Sind wohl eine Anzahl Kometen nichts als Planeten, die ihre Sonne verloren? 531. (1802) Haben Venus, Merkur und Mars darum keinen Mond, weil sie vielleicht eine Mond hülse haben? – Ohne Mond scheint nichts von Planet existieren zu können. – Hier Reich der Finsternis. Sonnenschirme. Schattenreich. Innerlich hervorbrechende Sonne. 532. Was sind die Atmosphären, die bloßen Atmosphären, der Weltkörper schon, als Monde derselben! 533. Ob wohl Nebel und Schweif die verschiedenen Mondarten der Kometen sind? – Der Schweif der kontrahierte, der Nebel der expandierte Mond kurz + und - Mond? – Daher Kometen mit einfachem, doppeltem etc., Schweif, und so mit den Nebeln. 534. Der Mond ist ein Tier. Alles was auf Erden Individuum ist, ist dort Organ. Überhaupt was auf einem höheren Weltkörper Individuum ist, ist auf dem niederen Organ. 535. Der Mond ist ein Kunstwerk der Erde. Die Geschichte der Kunst auf Erden ist die Geschichte des Mondes, den die Erde sich setzt, oder der Reihe solcher Monde. 536. Sollten eine Menge kleiner Kometen wohl etwas anderes sein, als irrende Kometen-Monde? – die wieder welche sein müssen? – Ihren dynamischen Ort behalten sie, wo sie auch sind, und innerlich bleiben sie noch immer Monde ihres Hauptkörpers, sie mögen sich befinden, wo sie wollen. Es ist dies gleichsam die unsichtbare Kirche unter den Weltkörpern. 537. Nimmt man an, die Sonne bewege sich nach dem λ des Herkules, so ist die Bewegung von 22 Sternen unter 29 erklärt. Sollte man nicht die 7 unerklärten zu allererst auf Brüder der Sonne ansehen? 538. Merkwürdig ist, daß das Verhältnis der Fallhöhen auf Erde und Sonne zueinander genau das Verhältnis der Gewichte des Äthers und der Piatina, also des leichtesten konkreten Körper zu dem des schwersten, ist. Ferner, daß, bei gleichem Gewicht, das Volumen des Oxygens zu dem des Hydrogens sich umgekehrt verhält, wie die Oberfläche des Monds zu der der Erde. Es mag sein, daß dies bloße Zufälligkeiten sind, aber auch als solche sind sie wichtig. 539. Hydrogen und Oxygen scheinen die zwei Weltkörper Mond und Erde machen zu wollen, und sinds im Grunde auch selbst. Überhaupt sind die (primären) Gasarten nichts, als die Weltkörper selber. 540. Die Wasserabnahme auf Erden bedeutet, daß der Mond immer mehr von ihr weicht. Das Hydrogen geht durch Leitung (durch die Kohäsionslinie) beständig nach dem Monde über. Daher wir nach und nach aus dem Wasser auch immer weniger Hydrogen erhalten müssen, und zuletzt gar keines mehr erhalten werden. Darum ist das Zahlenverhältnis des Hydrogens zum Oxygen im Wasser auch ein chronologisches. 541. Merkwürdig ist, daß die Gewichte des Oxygens zum Hydrogen im Wasser sich fast genau verhalten wie die Fallhöhen auf Erde und Mond, denn 85,7 : 14,3 ist nahe dasselbe als 15,08 Fuß : 2 3/8 Fuß. 542. Sauerstoffgas ist die Indifferenz von Erde und Sonne, Hydrogengas die Indifferenz von Mond und Sonne. Wasser ist die Indifferenz aus ( Erde ) Mond und Sonne. 543. Die ganze Erde ist gleichsam der +-Draht einer großen Voltaischen Säule, zu welcher der --Draht außerhalb liegt, – (im Monde?) – Nicht die Körper geben den Sauerstoff zur Erneuerung der Atmosphäre her, sondern die Erde selbst. An ihr, wie am + -Poldraht der Säule, erscheint Sauerstoffgas, und wird in Oxydation verschlungen, immer aber tritt wieder neues hervor. 544. Das Hydrogen scheint noch mehr zu sein, als der bloße Mond, der auf der Erde lastet, d. h. mehr Mond, als auf der Erde ist. 545. Auf dem Monde fehlt sicher der Funken für Wärme (Oxydation), und der für Kälte dagegen ist da. 546. (1803) In den gewöhnlichen Gewittern .... wird anorgische Masse gebildet; man könnte sie anorgische Gewitter nennen. Gibt es auch organische? – Man sah schon mehrmals schleimigte Materie als Residuum von Sternschnuppen, Irrlichtern u. dgl., oder hielt sie doch dafür. Sollte sich diese Gallerte nicht nach und nach mehr ausbilden, und endlich sogar wahrhaft Lebendiges im Feuer herniedersteigen? – Wird so der neue Christus am Weltgericht erscheinen? – Den Nachrichten zufolge, die wir haben, scheint das Gewitter eine spätere Erscheinung zu sein. Vielleicht werden sie im ganzen häufiger. Auch sind sie lokal. In Ägypten zum Beispiel gibt es jetzt noch selten oder gar nie Gewitter. 547. Das Eisen in den Feuerkugelmassen deutet an, daß sie mit der Sonne in Verhältnis stehen, da die Sonne das Eisen regiert. Alle Gewitter, hohe und niedere, scheinen in der Eisensphäre der Erde vorzugehen. So wie Wasserbildung, Regenprozesse, in der Wassersphäre der Erde. Somit gibt es Eisen- und Wassergewitter, Gewitter erster und zweiter Klasse. – Im galvanischen Prozeß spielen die Eisen- und die Wassersphäre zugleich, die drei Körper sind Sonne, Mond und Erde. 548. Die Sonnengewitter erzeugen Eisen usw., die Mondgewitter Wasser. Insofern nun das Eisen des Feuers Sohn ist, und das Organische die Indifferenz von Feuer und Wasser, insofern ist es auch wahr, daß organische Gewitter, solche, wo sich Organisches erzeugt, Sonnenmondgewitter sein müssen. Es ist die Aktion der galvanischen Kette, welche einen Leib annimmt. Das Licht im Sonnengewitter wird zu Eisen, die Finsternis im Mondgewitter zu Wasser. War das Gewitter ein Begattungsprozeß von Licht und Finsternis, so wird aus dem transparenten Funken Organisches. 549. Der Nordwestwind ist der herrschende bei uns. Er kommt eben daher, wo die Magnetnadel hinzeigt. Er wird am stärksten während dem Herrschen des östlichen Prinzips der Deklination, erreicht mit ihm sein Maximum, nimmt dann mit dem Eintritt des westlichen ab, und ist im Maximum desselben, wo die Nadel stillsteht, am seltensten. Der Südostwind befolgt das umgekehrte Verhältnis. 550. Die Sonne schwängert die Erde, der Mond geht hervor. Er saugt noch an der Mutter, denn er kehrt ihr noch beständig dieselbe Seite zu. 551. Ob wohl der Oxydationsprozeß bloß an der Oberfläche der Erde, wo die Individualisierung herrschend ist, statt hat? – Und in den Höhen der Atmosphäre der Hydrogenationsprozeß, als Generalisierungsprozeß, herrscht? – Ob somit über der Region der Oxygenation eine Region der Hydrogenation steht? – und der Eingriff beider ineinander Prozesse erzeugt, die den höchsten meteorologischen Begebenheiten zum Grunde liegen? 552. (1804) Ist die Atmosphäre wohl Gesetz für jedes Körper- Individuum, insofern es eine kleine Erde darstellt? – Die Atmosphäre der Erde ist über 800 mal dünner, als Wasser, und dieses noch dazu bloß an der Oberfläche der Erde, wo sie am dichtesten ist. Ist nun die mittlere Dichtigkeit der Erde 5 mal größer, als die des Wassers, so ist die Luft sogar über 4 000 mal dünner, als die Erde, – und wie lange bleibt sie von bemerkbarer Dichtigkeit! – Was will die Höhe, bis zu der sie noch eine beträchtliche hat, sagen gegen den Erddurchmesser? – Wie klein also können und dürfen von Rechts wegen jene kleinen Atmosphären der einzelnen Körper sein! – Kein Wunder, wenn wir sie noch nicht bis zum Handgreiflichen bemerken, so etwa, daß wir für die Atmosphären der einzelnen Körper-Individuen schon Barometer, Manometer usw. hätten. 553. Auch im Geistigen ist die Atmosphäre Gesetz. Jede Wahrheit, jede Idee, ist mit Ahndung, Meinung usw., umgeben, die aber geradezu Irrtum ist. Jede Wahrheit ist von Irrtum umgeben, wie die Erde von der Luft. Und so ist auch die Luft und jede Atmosphäre ein Irrtum in bezug auf die Wahrheit des Körpers selbst. Irrtum scheint durchaus notwendig zu sein, so gut als Wahrheit, und das böse Prinzip, die böse Seite der Natur auszumachen, wie die Wahrheit die gute. 554. Sollte jeder Weltkörper, als Ganzes, keine, oder wenigstens nicht die Atmosphäre, haben, die wir als solche in unsere Versuche ziehen? – Sollte diese ganze Atmosphäre nichts sein, als die Ansammlung oder Anhäufung aller einzelnen Körperatmosphären, oder der Überfluß dieser Atmosphären, den die Körper in ihrem Arrangement zur einen Erde nicht mehr einzeln um sich fassen, halten, fixiert halten, können, – zu einer gemeinschaftlichen Atmosphäre, die nur das Ganze umschließt? 555. (1805) Die Entfernungsänderung der Erde von der Sonne, das Elliptische ihrer Bahn, ist Pulsationsphänomen der Erde. So das Elliptische in allen Bahnen von Planeten, Kometen usw. Die Exzentrizität der Erdbahn nimmt ab, d.i. ihre jährliche Pulsation nimmt ab. Dies stimmt vortrefflich damit, daß die Erde bei ihrer gegenwärtigen Involution die Pulsation an die besondern Individuen übergibt. – Alle Planeten, deren Bahn-Exzentrizität abnimmt, müssen in Zunahme der Involution; alle, wo jene zunimmt, in Abnahme dieser, oder auch in Evolution, begriffen sein. 556. Sollte der Mond äußerst kalt , und etwas daran sein, daß konzentrierte Mondstrahlen Kälte erzeugen? – Ist das schwache selbsteigene Licht des Mondes Kälte licht? – Das Toben auf ihm Phänomen von Kälte prozessen? Dann würde der große Einfluß des Monds auf die Erde etc. recht gut begreiflich. XIII. 557–598 557. (1797) Wer alles Vernünfteln bei Untersuchungen über die Natur schlechterdings verwerfen will, scheint anzudeuten, daß er selbst wenig Vernunft haben müßte, um sich dadurch zu dispensieren, sich ihrer bedienen zu dürfen. Denn stellen wir, ehe wir einen neuen Versuch machen, nicht erst Räsonnement an? – Und ist dieses vom wirklichen Versuch nicht bloß durch Mangel des Tätigen verschieden? – Und endlich, zu was soll uns alle Vernunft, wenn wir sie nicht brauchen dürfen? 558. Der Begriff von Kraft widerspricht keinesweges dem der Gottheit und der von ihr angenommenen Eigenschaften. Allgegenwart ist ihr Charakter. Sie bleibt sich überall gleich, nimmt nie ab, nie zu; alles das legt man auch der Gottheit bei. Sie soll die Welt regieren; dies geschieht nach Gesetzen; von der Gottheit gilt das ebenfalls. Sie soll allweise sein, d. h., sie soll zu den besten Zwecken die besten Mittel wählen; aber in jedem nach Naturgesetzen Erfolgenden waren die Tätigkeiten, die durch kein freies Wesen abgeändert werden, die einzig möglichen Mittel zum erhaltenen Zweck, d.i., zu ihrem Produkt. Sie konnten nur ein Mögliches in einem bestimmten Augenblick geben, dies mußte also das beste sein, es mußte absolut gut sein, denn es konnte nach derselben Tätigkeit unter denselben Gesetzen kein anderes erfolgen. Und unter denselben Umständen war schlechterdings zu demselben Produkt keine andere Tätigkeit möglich, sie war also absolut gut. Kurz: es findet sich im Begriff der Kraft alles, was man der Gottheit beilegt, und nicht einen Augenblick sollte man zögern, das Tätige in der Kraft Gott zu nennen. 559. Haben die Menschen, die das schlechteste Rückerinnerungsvermögen besitzen, auch zugleich das schlechteste Vermögen, entfernte Gegenstände zu unterscheiden? – ihre Gestalt zu bestimmen usw.? – Denn es scheint, als ob bei der Bestimmung der Form, der Größe, usw., eines Gegenstands, man Schlüsse machen müßte, wozu die Prämissen den Augenblick erst einfielen. Lassen sich solche Personen am leichtesten durch Gemälde täuschen? 560. Zu untersuchen, wie ich auf den Gedanken komme, Attraktion und Repulsion durch eine Kraft vorzustellen in folgender Figur: wo die Attraktiv- und die Repulsivkraft bedeutet. Daß nämlich dieselbe Kraft, indem sie sich, als Anziehungskraft, im Mittelpunkte, oder Centro, durchkreuzt, auf der entgegengesetzten Seite repulsiv wird und wirkt. 561. Urteilskraft zu Gedächtnis verhält sich wie Raum zu Zeit. 562. Man gewöhne sich alles Sprechendenken, Denken in Worten, ab, man vergesse die Sprache, und überlasse sich ganz sich selbst; so wird man reines Bewußtsein, reines Entstehen, haben, wenn man immerhin auch so in einen Zustand käme, über den man sich eben nicht wörtlich Rechenschaft zu geben wüßte, und welchen man auch den schwärmerischen nennen könnte. Er allein ist es, den man Ideenzufluß nennt, und diesen fasse man fest, ohne immer gleich nach Worten zu begehren. Liest man, so bilde man sich von jedem gegebenen Wort erst den Begriff, dann halte man ihn, vergesse das Wort, gehe weiter, und fahre so fort; auf diese Weise wird man den Verstand einer Sache am besten ins reine bringen, und allerdings gibt es Werke, die nur so gelesen werden dürfen. Aber nun denke man sich dieses Denken des Begriffes abermals, vergleiche das Denken beider Begriffe, und gebe acht auf ihre Differenz; sie wird sich dir von selbst ergeben, denn noch weißt du sie nicht, du kannst sie daher nicht wollen, du kannst sie nur innewerden, sie finden, dich so und so modifiziert finden. Hätte ich ein sprachloses System auf diese Art im Kopfe: gewiß, ich würde es nie verlieren. Auch würde sich auf diese Art das Ideal einer Sprache aufstellen, ja finden, lassen. 563. Würde der Gottesverehrer die Bibel verstehen können, wenn er nicht, was in der Bibel stände, in sich selbst fände? – Denn Worte geben ihm nichts als Worte, wie schon das Nichtverstehen fremder Sprachen beweist. Ideen müssen in ihm geweckt werden; diese aber könnten wahrlich nicht geweckt werden, lägen sie nicht vorher schon in ihm. Durch sein Wollen konnte er sie nicht wollen, da er sie sonst schon gekannt haben müßte. Er mußte nicht wissen, daß sie ihm gegeben waren, bis er sie fand. Christus war also der größte Philosoph, den es je gegeben. Und er fand es in sich, wie ich in mir, nur früher. Er war ein Teil der Gottheit, wie ich, nur in höherem Grade. Und Geben der Sinne setzten ihn in den Stand, frei zu handeln. Die Gottheit handelt in sich selbst notwendig, allweise, allgütig, – nicht frei. Wir sind frei, und eben durch diese äußere Einwirkung; die Sinne geben den Menschen. Je weniger Sinne, je weniger Mensch, je weniger Freiheit. Die schlechteste Kreatur mag der Gottheit am nächsten stehen. Ihr war der Grad der Freiheit eingeschränkter, als uns; sie konnte minder schlecht handeln, als wir. Im Kristall handelte sie am konsequentesten, im Polyp minder, minder in der Pflanze, minder im Insekt, wieder minder im Tier, und am mindesten im Menschen. Hier aber waren auch der Gebrauch der Freiheit, und ihre Begründung, am größten. Wer sie am meisten gebrauchte, wer ganz nur sie gebrauchte, war ganz Sinnenmensch, mußte, dieser Einförmigkeit wegen, es nach und nach satt bekommen, sich nach dem Gegenteil sehnen, – und dies war Handeln nach Notwendigkeit. So wie aber nun diese Notwendigkeit des Handelns, dies Handelsgesetz, in jedem vernünftigen Wesen dasselbe ist, so müssen auch alle überein handeln, und damit entsteht Harmonie. Der Mensch und die Menschen machen nur eines, sie machen die Gottheit im Ebenbild aus. 564. (1798) Was ist die Welt anders, als ein Denken unendlicher denkender Wesen? – Ein wechselseitiges Beschränken der Gedanken? – Alle diese Denkenden, sind sie wohl Organe eines absolut Zweckmäßigen, des absolut Denkenden, – Gottes ? – Er ist das durch sich selbst Bestehende, Ewige, aber seine Teile erleiden Veränderungen, um eben dadurch seine ewige Existenz zu sichern. 565. Der Begriff von einem Besten, zum Beispiel einer besten Welt, entspringt aus der Natur eines endlichen Bewußtseins. Im Unendlichen kann es weder etwas Gutes, noch etwas Böses geben. Erst durch uns entsteht Gutes und Böses. 566. Einheit im Mannichfaltigen soll die Schönheit, die Harmonie, geben. Völliges Nachkommen nach dem Moralgesetz gibt mir so hohe Harmonie mit mir selbst; woher diese Harmonie? – Wie kann ich über etwas Gleichförmiges so viel Vergnügen haben? – Wird durch diese Übereinstimmung meines Sinnes mit dem Sittengesetz eine Kette (auf Art der galvanischen) hergestellt, ein Glied in eine Kette von mir unbekannten Gliedern gebracht? – Stelle ich dadurch eine Verbindung her, die nur Harmonie erweckt, die ich nur als Glied, so wie die übrigen, aber nicht allein für mich, ohne jene Glieder fühle? – Ist dies Gemeinschaft mit Gott ? – Hier muß ich notwendig an ein höheres Wesen geknüpft sein. Hier ist der Beweis geistiger Anschauung; es muß ebenso eine geistige Welt, eine geistige Anschauung, geben, als eine empirische. Und so gut, als es möglich ist, daß ich die Gesetze dieser auffinde, die einzig möglich wahre Theorie derselben finden kann, ebenso muß ich auch die einzig möglich wahre Theorie jener finden können! – Welche Aussicht! – O hätte ich dies erreicht, wie ewig glücklich wäre ich! – Aber dazu muß ich mich gewiß erst auf dem Gesichtspunkt befinden, auf den mich bloß Harmonie mit mir selbst durch das Sittengesetz und dessen Befolgung bringe! 567. Möchte wohl die Idee von einem Ding außer uns, einem Ding an sich, und die Meinung, man kenne es, bloß daher gekommen sein, daß man zuerst das Objekt eines sinnlichen Begriffs nur in einer Beziehung, die man an ihm wahrnahm, und zwar mit einem Wort, was Subjekt und Prädikat zugleich in sich begriff, ausdrückt, nachher aber genötigt war, mehrere Prädikate zu unterscheiden, wobei man aber vergaß, daß das Subjekt überhaupt nur aus diesen Prädikaten bestände? – Die jene Begriffe zuerst trennen mußten, hatten wohl kein Ding an sich dabei im Kopfe, wohl aber die folgenden, denen, mit einem besonderen Wort, was alle Prädikate in sich begriff, noch etwas außer diesen Prädikaten gegeben zu sein schien. 568. Mag ich beim Spekulieren sehr vieles so zusammensetzen, wie ich mir ohngefähr √ - 1 vorstellen, eigentlich nur zusammensetzen, kann? – Und ist es nicht vorzügliche Pflicht, auf dergleichen Zusammensetzungen besonders zu achten, und sie zu vermeiden? 569. Skeptiker, welche sagen, daß man von nichts behaupten könne, daß man es mit Gewißheit gewisse, vergessen, daß ihrem Ausspruch nach auch dieser nur Schein sei. 570. Entspringt wohl aus dem moralischen Handeln, indem ich mit Freiheit die Natur beschränke in beständiger Rücksicht auf mich selbst, ein höheres Bewußtsein? –ein höheres Ich? – Sollten hier andere Gesetze stattfinden, als beim empirischen gemeinen Bewußtsein? – Vereinigt sich mein Bewußtsein mit dem eines Höheren absolut konsequent handelnden? 571. Wenn ich, nach Vernunftgründen, etwas durchaus nicht anders denken kann, als so und so, so werde ich mir, wenn es wirklich in der Erfahrung vorkäme, in alle Ewigkeit es nicht anders denken können, und wenn es so nicht zu denken möglich ist, werde ich es überhaupt nicht denken können, und es wird gar nicht für mich sein, – ich weiß nichts, und nie, davon. Und so zeigt sich, wie ich mit dem System des möglichen Denkens auch das des wirklichen, der Erfahrung, bestimmt habe, und wie sich alle Erfahrung a priori darstellen lassen muß. Weshalb man sich denn gar nicht zu wundern hat, daß die Erfahrung mit der Vernunft so übereinstimmt. 572. Mit dem Bewußtsein ist schlechthin Licht verbunden. Ich weiß mich im Licht; mein Wissen ist Licht; so weit Licht ist so weit weiß ich; wo es aufhört, wo Undurchsichtigkeit angeht, da weiß ich nicht mehr. So sagt man also ganz der Natur getreu: es geht mir ein Licht auf, – ich werfe einen hellen Blick wohin – usw. Wo mein Wissen begrenzt ist, da ist Undurchsichtigkeit; ich durchbreche diese Beschränkung, und es wird Licht, oder auch die Natur durchbricht sie. Bei fremder Erleuchtung fließt das Wissen eines andern mit dem meinigen zusammen, und dies Wissen ist eines. Hier Grund des Gefühls größerer Scham im Licht, als im Finstern, was sich von der frühesten Kindheit an äußert. Und so muß auch mein geistiges Wissen, im Licht, das Zusammenfließen meines Lichtes mit anderem sein. Alles Wissen begrenzt sich durch einander, so auch das Licht, und so entspringt moralische Scham, jedem von der Natur eingepflanzt. Alles Wissen aber ist identisch, somit auch alles Licht, somit auch die Begrenzung eines jeden voneinander. Hier Einheit des Sittengesetzes. Harmonie mit sich selbst, damit nichts zu tun, dessen man sich schämen darf. Aber nur der Disharmonie schämt man sich. 573. Eines falschen Schlusses, einer Inkonsequenz, scheint die Vernunft völlig unfähig zu sein. Nur die Prämissen waren falsch, wenigstens falsch aufgefaßt. 574. Licht = Wissen homogener Qualität, Wärme = Gefühl der Einung heterogener Qualität. Und so muß jedem Wechsel der Materie Licht (Bewußtsein der Identität) und Wärme (Bewußtsein der Heterogeneität) korrespondieren. – Durchsichtigkeit = Identität, Undurchsichtigkeit = Heterogeneität. Am undurchsichtigen Körper wird Licht zu Wärme. Wo man beim Denken großen Widerstand zu überwinden, das innere Licht mit Heterogenem zu kämpfen hat, sagt man daher höchst richtig: es wird mir warm im Kopfe, es hat Hitze gesetzt, den Kopf heiß gemacht usw. 575. Es muß sich erweisen lassen, daß der gegenwärtige Zustand der Welt allen andern möglichen an Vollkommenheit gleiche, daß diese Welt zum Himmel geschaffen werden könne, und daß es wider alle Religion sei, dieses Leben gegen ein künftiges schlecht zu nennen. Wie viele haben diese Idee, in übler Anwendung aber! Wichtig ist indes, daß sie da ist! 576. Was ich nicht kenne, kann ich nicht wollen. (Das Unbekannte kann ich nur unter diesem allgemeinen Begriff, im Gegensatz des mir Bekannten, wollen.) Wenn ich also nichts kenne, kann ich auch nichts wollen. Da aber zu jedem Wollen ein begehrtes Objekt gehört, dieses aber per hypothesin fehlt, so kann ich überhaupt nicht wollen. Dennoch kann ich wollen, ich will zum Beispiel wirklich. Es muß mir aber etwas gegeben sein, was ich wollen kann, ja daß ich überhaupt wollen kann, denn sonst würde ich jetzt nicht wollen können. Vor allem Wollen mußte mir also etwas ohne mein Wollen mir Gewordenes vorhanden sein, denn das Gegenteil ist unmöglich. Mit diesem mir-Werden mußte aber zugleich das Werden des Bewußtseins verbunden sein, denn auch mein Bewußtsein kann ich nicht wollen, denn dazu hätte Bewußtsein gehört, und dies sollte ich doch eben erst wollen. Selbst mein Wollen konnte ich nicht wollen, ich mich selbst nicht, denn auch das Vermögen zu wollen, und das erste Wollen, mußte ohne mich werden; nun erst konnte ich mein Wollen wollen, und mir war damit Freiheit gegeben. – Das also mir ohne mich Gewordene, durch was ich selbst erst wurde, (mein Bewußtsein nämlich), dies ist das, was ich Kenntnis a priori nenne, – deren Formen Raum und Zeit sind, die aber auch nicht durch mich (freier) entstanden sind. Und alle Erfahrung bringt sich in diese zwei Formen. Alle Erfahrung, denn so nenne ich das mir ohne mich Gegebene, Gewordene, ist also der Form nach mit der Kenntnis a priori dieselbe, und die letzte ist nur das erste Moment, wodurch ich mir, und damit Bewußtsein, und damit Objekte, und damit Vermögen zu wollen, wurde. Meine Erscheinung, Ich , ist also selbst Produkt eines Nicht-Ichs. (Ursprung des Gesetzes vom Gegensatz.) Anwendung auf Gewissen, Reue, Sittengesetz, Trieb nach Wahrheit, Funken der Erleuchtung usw. 577. Es muß gut sein, die Vordersätze zu untersuchen und aufzusuchen, die man so häufig bei so manchen und vielen Behauptungen zum Grunde legt. So würde man oft auf interessante allgemeine Sätze zurückkommen. Der absolute Major ist der Grundsatz der Wissenschaftslehre. 578. Ist das Leben ein Traum, in welchem ich mir des vorhergehenden nicht mehr bewußt bin, mir dessen aber mit dem Erwachen (im Tode) von neuem bewußt werde? – So könnte ich allerdings von Ewigkeit her sein. 579. Bei meiner Bildung zum Embryo ging ideale Tätigkeit über in reale, und damit entstand ich. Ich entsprang aus einem Höhern überall vorhandenen, und gehe endlich in dasselbe zurück. 580. Muß nicht meine ursprüngliche Tätigkeit notwendig in Zusammenhang stehen mit dem beständigen Sollizitieren der Schwere, welches doch in jedem Teile meines Körpers, und auch in den edelsten, statt hat? 581. (1799) Sicher muß eine Welt statt haben, die sich zur sinnlichen verhält, wie Pol zu Pol, oder die der Sinnenwelt das Gleichgewicht hält, sie erst integriert. 582. (1800) Die Zentralsonne der Natur ist = Spinozas Gott – nirgends und überall – das letzte wahre Natur-Ich. Sie existiert ohne Körper. Ihr Körper ist das All. Alles kreist immer ihr. Sonnen .... sind Keime aus einer unendlichen Wurzel. In der Liebe sieht der Mensch die Zentralsonne. Er schaut sie dann an, wie sie ist, ohne Gestalt, klar wie der Äther. 583. (1802) Das Universum ist ein Körper Voltaischer zweiter Klasse, die Weltindifferenz nämlich. Körper der ersten Klasse sind erst ihre Pole, – nicht beide, sondern Heterogeneität in einem Pole. Es kann ein Galvanismus mit Körpern einer dritten Klasse möglich sein, die nämlich dem, dem unsrigen entgegengesetzten, Weltpole zugehören. 584. Eine Theorie, welche unser Sonnensystem so eben erklärt, für die äußere unendliche Welt aber nichts übrig hat, wird nie die Theorie der ganzen Welt sein. Eine geschlossene Theorie des Sonnensystems zu erwarten, ist lächerlich. Das Sicherste, die Formel zu entdecken, nach der es in die Welten hinaus geht, ist immer noch, sich, resignierend, ganz einer tüchtigen Physik zu ergeben. Der Mensch ist die Idee des Uni versums, und es kommt ihm als Sklaverei vor, sich zwischen Sonne und Erde bändigen zu lassen. In den schönsten Stunden bleibt die Sonne niederes Objekt. Sie regiert die Erde , aber der Mensch erkennt die Gewalt, die endlich wieder beide auch regiert. Die Millionen Sterne .... liegen vor ihm, unter ihm; er läßt sich herab zu ihrer Würdigung. Im endlichen gibt es nur physikalische Deduktion, oder, alle physikalische Deduktion ist endlich. Und ersetzbar durch Reduktion. Die Reduktion ist nicht weitschweifiger, als die Deduktion. Der wahre Physiker aber kennt nur das Mittel beider, die Exposition , das Produkt der Gesamtanschauung. Die höchste Deduktion a priori ist ein Mißverstand, und der Mensch ist nicht ihr Herr. Sie ist , aber einmal nur; sie ist die Welt selbst . Der Künstler ist ihr Organ, sie selbst im einzelnen. Die Kunst ist der einzige Ort, in dem sie erscheint, – nicht als Wieder- sondern als Selbsterscheinung. Zum Bewußtsein kann sie nie kommen. Sie ist wie die Gesundheit, man weiß nichts von ihr, und – ist gesund. 585. Der Erd geist erscheint im Menschen. Geschichte beider dieselbe. Tausendfach erscheint der Erdgeist als Mensch. Und alle diese Erscheinungen sind zusammen doch wieder nur eine von den tausendfachen eines höheren Geistes, des Sonnen geistes. – Planeten sind die Individuen des Sonnenstamms, Monden die Individuen des Planetenstamms. Sonnen sind wieder Individuen, tausendteilige Erscheinungen, – eines höhern Geistes, gleichsam die einzelnen Menschen dieser großen Erde. Solche Sonnen systeme sind dasselbige wieder für noch höhere, für Sternensysteme, und so fort, – bis zu einer gewissen Zahl. Denn alles Rückwärtsgehen hält doch wahrscheinlich bei einer gewissen Zahl, – einer heiligen, – inne. Das höchste, letzte, solche System = Weltgeist = letzter Identitätspol = Vultus divinus Kepleri. – Hiermit kann die äußere Welt geschlossen sein, und diese äußere Welt ist endlich . Aber sie ist der Anfang und Grund innerer Unendlichkeit . 586. Je näher die gegebene Ordnung der Weltkörper der Gottheit, desto weniger Individuen. Je entfernter von ihr, desto mehr. Und mit den Individuen wächst wiederum die Mannichfaltigkeit der Individualität auf dem einzelnen Individuum. Diese mannichfache Individualität zeigt sich in der Organisation. Auf der Sonne muß weit einfachere Organisation statt haben, als auf der Erde; alles daselbst von und in riesenhafter Gestalt. Und so weiter zurück. Dies gibt Götter , – und von den Göttern herab bis zu den Menschen .... die mannichfachsten Stufen. – Die Monde sollten eigentlich das individuellste Organisierteste sein; – unendliche Mannichfaltigkeit, – gleichsam die gordischen Knoten, die das Universum unmittelbar zerhauen muß, weil sie nicht mehr zu lösen sind. Vielleicht dort nur momentanes Dasein des Individuellen; – unendliche Ansätze zur Organisation, nichts Dauerndes: – die entfaltetste Organisation, die es gibt, – die höchste, aber die elendeste, unglücklichste. Ewiger Geburtstod. Auf der Sonne dagegen langes Leben, höhere Kunst, – ewige goldene Zeit. 587. Magnetismus ist die Polarität der Zeit, Elektrizität die Polarität des Raums. Der Konflikt beider gibt den chemischen Prozeß. Sch–g hat immer nur noch die Polarität des Raums, er ist eigentlicher philosophischer Elektriker und elektrischer Philosoph. Es fehlt noch die magnetische Seite, ein magnetischer Philosoph. Wer beides verbindet, wird ein chemischer Philosoph sein, und der höchste. – Die magnetische Polarität ist eine Polarität des ›Willens‹, des ›Werdens‹, die elektrische eine Polarität des Seins. In die erste gehört Religion, Kunst usw. 588. Philosophie ist durchaus nichts als Physik. Hat sie ihre Deduktion vollendet, wie etwa der Physiker eine Deduktion der Voltaischen Säule aus ihrem Prinzip vollenden kann, so bleibt ihr wieder nichts übrig, als, wie der Physiker, zu experimentieren – im Glauben. Religion ist ein Experimentieren dieser Art, und es wird den Geist auf selbige Weise eine Stufe oder Potenz höher heben, als gegenwärtig die Entdeckung des Ichs. Sch-g's Philosophie geht nicht über das Sonnensystem hinaus, und doch tat sie ihr Mögliches. 589. Alles ist , aber das Sein wird . 590. Ideen = Ebendieselben, mit mir dieselben, – der bloße Pluralismus von Idem. 591. Es ist ein schöner Ausdruck: bloß vegetieren. Es ist die Vegetation, zu der wir der Boden sind. Animalisieren ist mehr. Hier Ideen, Anschauungen, ›Tiere‹. Beim Vegetieren verhalten wir uns zu unserer Produktion, wie die Erde zu den Pflanzen; im Animalisieren verhalten wir uns, wie die Erde + Vegetation zu den Tieren. 592. Alles in der Welt wird rekonstruiert. Bleibt die Rekonstruktion ganz in sich selbst, so ist es Behauptung der Individualität. Ist sie genötigt, aus sich herauszutreten, in ein anderes über, und ebenso die eines andern in dieses über, so entsteht dadurch eine Gemeinschaft, – ein Gesamtsein beider von dem Grade, als der Grad ist, um welchen die Rekonstruktion eines jeden aus sich heraustrat. Im chemischen Prozesse lösen sich die Rekonstruktionen ganz in eine auf. 593. Alle Indifferenz zeigt auf sich beschränkte Rekonstruktion. Alle Polarität zeigt veräußerte Rekonstruktion, Sein in einer höheren Einheit. Alles Endliche im Universum muß sich im polarischen Zustande befinden, das Unendliche allein nicht. 594. (1803) Schellings System ist ein Fragment aus der Physik. Seine ›Vernunft‹ ist die Indifferenz der Erde und Sonne oder die magnetische Linie des Sonnensystems; er konstruiert aus ihr alles heraus. Aber das Leben darin ist erkünstelt. Es gebricht ihm, wie den Astronomen, noch an einer echten Sekulargleichung; er bedarf noch eines belebenden Dritten. Mit dem Geständnis von diesem aber hörte seine Identität auf, absolut zu sein, und wäre nichts weniger als Philosophie. Dieses dritte aber ist nicht mehr Sache des Wissens, sondern des Glaubens. Alles, was die Sonne übersteigt, muß überhaupt nur geglaubt werden. Und hier ist der Anfang der Religion. – Im strengsten Sinne also ist Sch-g Atheist, aber eben damit ist er der Religion selbst näher, als ein anderer. In ihm müßte der Atheismus sich eigentlich selbst zerstören. 595. Es gibt keine theoretische Religion. Was man so nennt, ist bloß negativ. Es schließt alles andere aus, und führt auf die Notwendigkeit der praktischen Religion. Diese selbst, als Aktivität, wird eben dadurch das Organ der Passivität; die Mitte ist Gott, oder das höchste Gut. Dies kann nur praktisch errungen werden, von ihm selbst aber ist nicht mehr zu sprechen. Es ist da , und wem dies nicht alles ist, bei dem ist es überhaupt nicht. 596. (1804) Die Geschichte des Menschengeschlechts ist auch die seines Verhältnisses zu der Natur. Polygamie = Herrschaft des Organismus, Monogamie = Herrschaft des Dualismus. Polygamie Zeit der Vernunft, Monogamie Zeit des Verstandes. Dualismus bloßes Verstandesgesetz, eine bloße Polizeinorm. Es soll die Natur zusammenhalten, wie das Gesetz die Menschen. 597. Alles Gegenwärtige muß als Kopula des Vor und Nach betrachtet werden. Es muß dieses sein Vor und Nach an sich tragen. Aber eben weil es Vor und Nach ist, kann es nicht absolute Gegenwart, und eben weil die Gegenwart doch das Vor und Nach verbindet, nicht absolutes Vor und Nach sein. Alle Polarität, alle Differenz muß als zeitlich betrachtet werden, als Geschichte und Differential derselben. Alle Gleichung ist geschichtliche. Und damit zwei Dinge sich gleich sind, müssen sie ungleich sein; nur in dieser Ungleichheit sind sie sich gleich. Absolute Indifferenz wäre Ausschluß der Zeit, absolute Differenz Ausschließung der Gegenwart. Heißt der Unterschied zweier Dinge Spannung, so wird sie sich verhalten müssen, wie das Moment der Zeit; das Moment der Zeit aber gibt zugleich das Moment des Widerstandes, folglich das der Isolation, und dies eben das Moment der Spannung. Die Voltaische Säule bestätigt dies alles aufs schönste. 598. Alle Trennung ist mit dem umgekehrten Abdruck dessen, was bei der Schließung geschah, begleitet. Sie hat somit überall Gehalt, und dieser, im Leben, wird das Material der Erinnerung. In ihr, wie in den Trennungsphänomenen, bleibt die Vergangenheit gegenwärtig, und dies so wirklich und buchstäblich, daß gar nichts Mystisches mehr übrigbleibt. XIV. 599–624 599. (1801) Der Wendepunkt der Schöpfung war der des Eintritts der Oxydation . Das Leben ist Kultus, das Leben ist Oxydation, folglich Oxydation = Kultus. Atmen wird religiöser Akt. Des Menschen Atmen ist sein Leben, die Art seiner Gottesverehrung. Gottesverehrung aber ist Sein in Gott, Erkennen Gottes. In der Verbrennung führen wir ein göttliches Leben, ja jedes Leben ist göttlich. Der Funken , der in Ewigkeit fortzündet, ist das Sinnbild der Unsterblichkeit , und die Flamme das Sichtbarwerden Gottes, so wie er im Leben fühlbar wird. – Flamme und Leben sind die beiden Pole des Wassers. Das Wasser ist der gegenwärtige Gott und die Mitte zwischen seiner Sichtbarkeit und Fühlbarkeit. Taufe = Gottesweihe = Deifikation. – Höhere Konstruktion der Taufe im Abendmahl, als Abend - oder Nacht mahl, Leben und Flamme zusammengebracht: Leben im Brot und Wein, Flamme in der entzündeten Kerze. Wasser = Mitte von Licht und Leben. – Dritte Potenz des Wassers oder Gottes in der Liebe . Man atmet die Geliebte, und dieses Leben, mit dem Besseren der Flamme , gibt die noch höhere Mitte. In der Liebe versteht man den Sinn der Flamme noch höher als im Abendmahl. 600. Unsere Aufgabe ist, erste Menschen zu sein. 601. (1802) Wenn man die Lebensjahre sämtlicher Patriarchen, wie sie 1 Mos., Kap. 5, angegeben sind, addiert, und mit der Zahl der Individuen dividiert, so erhält man zum damaligen Normalalter 8575/10 = 857,5; eine Zahl, die ganz in die Nähe der Burkhardtschen größern magnetischen Variationsperiode von 846 Jahren fällt, und vielleicht sie selbst ist. Ebenso nahe liegt ihr die in der spätem Geschichte sich beständig wiederholende Periode von 800 Jahren und darüber – so daß dort Individuen ganze Geschichtsperioden, höhere Menschen-Einheiten, zu sein scheinen. – Untersucht man, wie sich das antidiluvianische Normalalter zum gegenwärtigen verhält, so findet man 857,5 : 71 1/9 = 12 :1. Ferner: Henoch wurde bloß 365 Jahre alt, und ›dieweil er ein göttlich Leben führte: nahm ihn Gott hinweg, und ward nicht mehr gesehen‹. So läßt sich auch übersetzen, was von Christus geschrieben steht, und schon andere haben Henoch mit einem antidiluvianischen Christus verglichen. Wieder aber verhält sich 365 : 33 nahe wie 12, oder wenigstens doch schon über 11 : 1. – Interessant ist weiter, wie Adam den Henoch, der im Jahr der Welt 622 geboren wurde, noch erlebte, und Henoch wieder den Noah, der 959 geboren wurde, während Henoch erst 987 starb. Adam selbst erlebte noch den Methusalem, der 687 geboren wurde, während jener erst 930 starb; Methusalem starb erst im Jahre der Sündflut. So fällt Henochs Leben genau in die Mitte der antidiluvianischen Menschengeschichte, und Methusalem konnte noch im Jahre der Sündflut Adams Geschichte und alle frühere aus unmittelbarer Überlieferung, so wie die spätere aus eigenem Erleben, erzählen, und Noah, der die Sündflut 350 Jahr überlebte, war noch Zeuge von Henochs ›Himmelfahrt‹. – Kann eine Patriarchengeschichte einfacher und harmonischer sein, als diese? – wenigstens wäre sie schon als bloße Komposition ein Meisterstück. 602. Eva war ein weiblicher Christus; sie erlöste die Tiere, und sündigte als Mensch. – Alle Geburt Sünde, aller Tod Erlösung. Es ist hier aber von höheren Individuen, deren Gliedmaßen bloß sichtbar sind, die Rede. Es ist aber ein Christus zukünftig, welcher Androgyn sein wird. Eva war ohne Weib vom Manne geboren, Christus ohne Mann vom Weibe, der Androgyn aber wird von beiden geboren werden. Aber sie werden im Glanz zerfließen ganz und gar, das wird das Wunder sein, und der Glanz in einen Leib sich bilden, in einen Leib ohne Geschlecht, und also unsterblich;–gleich dem Golde, welches Fleisch würde, – wie wenn die ganze Alchymie nur Trauer um das Irdische, und ihr eigentlicher Zweck, ein Lebenselixier, ein Trank der Verjüngung, die Verkündigung des Himmlischen, die erste Prophezeiung des Androgyns, ist. 603. ›Das Wasser auf Erden nimmt ab, die Menschen dagegen nehmen zu‹, – heißt mit andern Worten: das Wasser wird Blut . Hieraus könnte man eins der Worte des Abendmahls deuten. Doch sagt Christus: Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut. Eher also zeigte er damit seine Identität mit dem höhern Organismus an. Die Erde selbst scheint Christus zu sein, und in Christo die Erde zu erscheinen. 604. (1803) Christus konnte nicht schön gewesen, und deshalb auch nie ein Ideal der bildenden oder malenden Kunst sein. Er war durchaus nur dem Gemüt nach schön, und nur in der Religion herrlich. Darum ist seine Geschichte so schön, er selbst aber nicht. Auch war niemand gegen Christus sinnlich entzückt, alle Liebe zu ihm war um sein Gemüt. Er bedurfte der Glorie, die sein Antlitz verschleierte. 605. (1804) ›Als der Mensch Gott werden wollte, sündigte er.‹ Hierin die Theorie der Sünde. Der Mensch war Gott, dieses Gottes Bestimmung, Mensch zu werden. Also Versuche einer Rückkehr zu Gott auf diesem Wege Sünde. Auch gelangen sie, wie keine Sünde, nie. Als der Mensch Mensch geworden war, wurde seine Bestimmung die umgekehrte, nämlich wiederum Gott zu werden. Dem Wesen nach also ist die alt-testamentalische Sünde = neu-testamentalischem Guten, und die neu-testamentalische Sünde = alt-testamentalischem Guten. Sünde ist überall das Retrograde in der Zeit. Das System der Zeit ist das System des Guten wie des Bösen. Und alles Gute, wie alles Böse, ist relativ . Was dem Menschen als Individuum Gutes ist, wird ihm als Menschheit Sünde, die Sünde des Individuums das Gute des Menschen als Menschheit. Und so viele Stufen (Staffeln, Himmelsstaffeln) hindurch. Der Kampf des Guten mit dem Bösen. Der Zweifel zwischen gut und böse. Die Unruhe der Seele, bis sie begnadigt ist, – bis die Sünde entsündigt ist. Denn die Sünde (der niedern Stufe) wird zum Guten (der höheren). 606. Nach I Mos., Kap. 3, V. 5 u. 7, ging das Auge mit der Sünde auf. Die Sünde führte in die Erscheinungswelt ein. Das Sehen muß retrograde Aktion sein. Das frühere Leben mußte in innerer Anschauung bestehen. 607. I Mos., Kap. 3, V. 15. Feindschaft zwischen der Schlange und des Weibes Samen. Des Weibes Same soll der Schlange den Kopf zertreten. Christus = Rückkehr der Individualität zum allgemeinen, des Menschen zu Gott. Schlange das Individualitätsprinzip, Christus der Töter desselben. Die Zeit von Adam bis Christus muß angesehen werden, als rückgängig in eine höhere Periode; die Zeit von Christus bis *** aber als einstimmend mit ihr. Die neue Zeit also wird weiter führen, als wo die ältere begann. Adam erscheint wieder, und das Paradies, und das Paradies geht in Gott höher ein. 608. (1806) Der erste Buchstabe aller Alphabete ist Menschenleben selbst, – der Odem . Erst am ›letzten‹ geht dieser über – zum Echo , und wird hörbar, – (dem Autor wie dem Publikum). ist auch beste Symbole des Tons . Man darf allenfalls rein akustisch konstruieren. wirft zurück nach a , was von a ausging. Muß nicht zu dem Laut dem Odem ein Widerstand gesetzt werden, – seine ewige Konsonante? – Der Selbstlauter eben weil er › selbst Laut‹ ist, bedarf derselben beständig; – und so gibt es nur Silben, wie in der Musik nur Akkorde. 609. Gott der Vater, die Natur die Mutter, der Mensch das Kind. Adam aber war Bild Gottes; Eva, die erste Mutter, entsprang aus einer seiner Ribben; so also auch die Natur aus einer Ribbe Gottes. So war Gott schon Vater seiner Frau, die Natur seine Tochter, der Mensch Sohn der Natur, und Enkel Gottes. So ist noch heute jeder, Vater seiner Frau, das Kind der Sohn der Mutter und des Vaters Enkel. 610. Merkwürdig ist, daß Evas erster Sohn der böse war (Kain), der zweite aber war der gute, und wurde vom bösen erschlagen. So, kann man sagen, war der erste Sohn Gottes und der Natur der Teufel, und dieser schlug, weil seines Bruders Abel Opfer dem Herrn wohlgefiel, Abel, d. i. den guten Sohn Gottes in ihm, tot. Hier Ursprung der Sünde und des Unglücks des ganzen Menschengeschlechts, das Unglückliche aller Menschentendenz. In der Bibel kommt dieser Böse unter dem Namen: Schlange , vor. 611. Höchst merkwürdig ist es, daß man gerade ›vom Herrn zu predigen anfing‹, als Adam Großvater wurde. Wahrscheinlich predigte er selbst vom Herrn. Denn er sah nunmehr das Wunder der Schöpfung, das Vaterwerden, Kinderzeugen, usw., vor sich, gänzlich objektiv, ohne einen Schein von eigner Tat dabei. Spät noch muß die Fortpflanzung für höchste Gotteserinnerung gehalten worden sein; daher überall sogleich die Geschlechtsregister. Sie waren Gottesverherrlichungen, Aufzählungen seiner Werke, – Gebete . 612. (1805) Wenn die Patriarchen Androgyns waren, (schon wegen ihres hohen Alters), so werden sie auch auf weit minder sinnliche Weise gezeugt haben, als wir. Und so könnte der Ausdruck noch im heutigen Sinne wahr sein: Adam erkannte sein Weib. Zwar könnte es auch heißen, er erkannte sie für sein Weib, zum Beispiel daß sie geschickt sei, ihm Weib zu sein, und zwar gerade ihm ; es könnte seine Liebe zu ihr andeuten sollen. Aber für jene Beziehung auf die Zeugung ist mehr da. Auch kommt das Beispiel eines solchen Erkennens noch einmal in der Bibel vor, bei Christus. Maria, von ihrem bloßen Brautstande mit Joseph wurde schwanger. Maria erkannte den Joseph; was wohl von dem verschieden sein könnte, daß Adam die Eva erkannte. Adam war hier mehr Magiker, mehr aktiv, Joseph hingegen passiv; wieder Eva passiv und Maria aktiv, soweit das nämlich ein Weib sein kann. Auch kann man glauben, daß ersten Menschen ein weit größerer Genuß des Zeugens gewesen sein muß, als später, und wieder, daß dieser gerade darin lag, daß alles bloß Liebe war. Bei uns ist eben das Fehlende in der Liebe das, was beim Zeugungsgeschäft, in Materie gehüllt, stumm vor uns, für uns, vorübergeht. Wir sind nachher beruhigt, aber ohne eigentlich erfahren zu haben, wodurch und warum? – Hierin liegt der vorzüglichste Grund, daß dieser Akt beständig wiederholt wird. Die Tiere wiederholen ihn in der Regel nicht, hier aber ist die Ursache die ganz entgegengesetzte. Alles fällt bei ihnen in die Materie, und der Genuß ist bloß körperlich. 613. Der Unterschied von fest und flüssig muß einer der allerwichtigsten sein, weil er das erste war, was die älteste Urkunde Gott bei der Schöpfung ausführen läßt. Auch wurde zuerst das Feste als Denkmal, als Verehrung, gebraucht: der Stein . Es ist das Dauernde. Steine waren die ersten Denkmäler der Welt und Weltschöpfung (das Feste schied sich zuerst vom Flüssigen). Sie blieben daher auch überall Denkmal, und waren so doppeltes: Denkmal eines Denkmals selbst schon, noch vor weiterer spezieller Anwendung. 614. Was ist religiöseste Handlung, Sakrament, bis diesen Tag noch, als bloße Erinnerung, zu-Gemüte-Führung, dessen, was man so eben tut! – Das Gewöhnliche wird sacra mente vollzogen. – Die Handlung bei den Sakramenten ist gewissermaßen ein Auszug aller möglichen, und die selbst so eben geheiliget wird. So zum Beispiel das Abendmahl die Heiligung der Unterhaltung des Leibes, des Individuums, die Ehe Heiligung des Geschlechtsakts, der Gattungserhaltung usw., Geschichte der Sakramente. 615. ›Der die Berge festgestellet, als erhabne Himmelsstützen , als vorragende Säulen .‹ – Als ob Tempel Berge, die das Himmelsgewölbe trügen, vorstellten. Rund ist der Himmel, eben die Erde. Diese wird durch eine Linie, jene durch einen Kreis, gemessen. Das Verhältnis des Diameters zur Peripherie ist also ziemlich das von Erde zu Himmel, und eines wie das andere ein irrationales. 616. Merkwürdig, daß, (nach der Genesis), unmittelbar nach der Landbildung, (der Scheidung des Wassers vom Land), sogleich, und als wie unzertrennlich davon, die Vegetation begann. Als wäre sie eine Mitte von fest und flüssig, von Wasser und Erde. 617. Die Altäre müssen niedriger, als der Gott sein, daß man zu ihm hinaufsehen müsse, und je höher der Gott, je höher zu ihm hinauf. (Vitruv.) Das Knien und Sich-Niederwerfen ist zur Vergrößerung dieses Verhältnisses erfunden. Je höher der Gott ...., je tiefer die Beugung, endlich die Hinwerfung. 618. Licht = Gott. Sehen = Gottesanschauung. Auge = Gottessinn. Licht das Gute, der gute Gott, die Güte. Finsternis das Böse, Gottesabwesenheit, Sünde. 619. (1801) Zweck der Kunst: Vergegenwärtigung des Abwesenden, Monument. Die Geliebte selbst aber ist mehr als ihr Bild. 620. Bildhauerei zu Malerei wie Körper zu Schatten. Ein ausgemaltes Gemälde ein Schattenkörper. 621. Grabmäler sind Kunstwerke, sie vergegenwärtigen das Abwesende. 622. Mumien sind erhaltene Tote, natürliche Statuen. 623. (1805) Von allem sichtbar Gewordenen ist der Mensch das Höchste und Gott Nächste. Eben darum ist er Ideal der Kunst, die auch wieder nur Sichtbares darstellen kann. 624. ›Die Mechanik selbst ist von der Natur der Dinge erfunden, und von dieser Meisterin und Lehrerin uns in der Umdrehung des Himmels gelehrt worden.‹ (Vitruv.) – Die ersten Maschinen waren also Kopien des Weltsystems: Orrerys oder Planetarien. Die Maschinenlehre mußte zurückkommen auf den menschlichen Organismus, und den Organismus selbst als Orrery oder Planetarium darstellen. So greifen das kleine, und das große in der Natur, wie Räder ineinander ein, und die Idee der Nativitätsstellerei entsteht. XV. 625-700 625. Eine Menge großer Künstler und Dichter neigten sich mit der Zeit zur Physik. So neuerdings noch Winkelmann, Goethe u. a. Aber die Erde selbst war erst Künstler und Dichter, ehe sie Physiker wurde, und das Individuum wiederholt nur die Geschichte des Ganzen. 626. Die Sehnsucht nach der Kenntnis der Dinge ist bloß das Ringen nach der Kunst zu lieben. Die Geliebte zu schaffen, und im Schaffen innig, ewig, mit ihr verbündet zu werden, ist unsere Absicht. Wem sie erschien , war sie gefunden: ein Gott hat sie ihm geschenkt. Die Liebe in jener Sehnsucht ist höher als diese. Jene bringt mit dem Verständnis die Liebe zugleich und ihren Genuß, diese Liebe und den Genuß allein. 627. Der Mensch verhält sich zu den Mineralien des Tierreichs, wie das Eisen zu den Mineralien des Mineralreichs. Wie nur das Eisen einer höhern Kraft gehorcht, die gleichsam Himmel und Erde verbindet und scheidet, so der Mensch einer Kraft, die Welt und Gott verbindet. 628. Wir haben einen innern Sinn zur Welterkenntnis, der noch ganz zurück ist. Er sieht nicht, hört nicht usw., aber er weiß , weiß nicht, warum? –, weiß es ganz gewiß, weiß aus allen Welten, und das alles so, wie das Auge sieht, ohne zu wissen, warum? – Es sieht eben, und muß sehen, oder ganz und gar nicht. Jener innere Sinn sollte wohl mehr hervorgerufen werden. 629. Nur die Gattung ist ewig. Darum soll der Mensch lieben. Sterben und Lieben sind Synonyme. In beiden wird die Individualität aufgehoben, und der Tod ist die Pforte des Lebens. Beides ist Vermählung mit der himmlischen Jungfrau, nur daß sie im Weibe incognito erscheint. 630. Noch heute bildet sich jedem Mann das Weib aus ›seiner Ribbe‹. Nicht jeder aber läßt es sich nachmals von Gott zuführen. 631. Wer in der unendlichen Natur nichts als ein Ganzes nur, ein vollendetes Gedicht, findet, wo in jedem Wort, in jeder Silbe, die Harmonie des Ganzen wiedertönt, und nichts sie stört, der hat den Preis errungen, der unter allen der höchste, und das ausschließliche Geschenk der Liebe ist. 632. Es kann Fälle geben, wo es keine unedle Schwachheit des Naturforschers mehr ist, immer von sich selbst zu sprechen. Er ahmt die Natur nach, die ewig nur sich selbst ausspricht. 633. Scientia vitae, theoria vitae, – würde eine künftige vollendete Physik heißen müssen. Erstere würde durch letztere gegeben sein. Vom Leben muß mein künftiges Buch handeln; es faßt alles in sich. 634. Richtung nach irgend etwas (zum Beispiel der Magnetnadel nach Norden), ist Frage . Daß die Antwort nicht fehlt, ist natürlich. 635. Wärme, Licht, Mensch usw., sind Synonyme. Die Wärme ist das Leben der Erde, im Menschen bricht sie ganz zu Tage. Pflanzen sind lau, Tiere heiß, und der Mensch glüht. 636. Das Weib ist das Oxygenierbare, und der Mann das Oxygenierende. Darum nimmt auch das Weib in der Liebe am Gewicht zu, wie alle sich oxydierenden Körper. Gegeben sind damit weiter: leichteres spezifisches Gewicht, größere Wärmekapazität, schwächere Lichtbrechung, höhere Durchsichtigkeit etc., alles wie anderwärts. 637. Das Leben gleicht einer Eisfahrt. Wir springen von einer Scholle zur andern, nur haben wir uns in acht zu nehmen, nicht zwischen hinein zu treten. 638. Die platonisch Liebenden sind Juden gleich: sie bekommen in der Liebe den Messias derselben nicht zu sehen. 639. Der Mensch ist unter den Tieren, was der fliegende Fisch unter den übrigen ist. Er kann sich bisweilen über das Wasser erheben, immer aber fällt er bald wieder herunter. 640. »Heus! Heus! Christophore! expergiscere! tempus est eundi in scholam!« – So sprach Gott, als er den Menschen schuf. 641. Sähe mancher das System ein, welches in der Unordnung eines Gelehrten herrscht, fürwahr er würde sagen: Gott habe das Licht zweimal geschaffen. (Vergl. Pope auch Newton .) 642. Alles, was der Mensch erfährt, ist nur die Anschauung seines Wachstums. 643. Niemand ist so leicht in Gefahr, Taschenspieler zu werden, als ein Chemiker, der seine eigene Theorie hat. 644. Wir sollten es recht bedenken, daß es für alles, was wir begraben, auch einen Auferstehungstag gibt. 645. Die schönsten Gedanken sind oft nichts, als Seifenblasen; mit dem Hydrogen unserer Phantasie gefüllt steigen sie schnell empor, und man denkt nicht daran, daß all der ergötzende Wechsel ihrer Farben bloß der Abglanz ihres trüglichen Innern sei. Mit dem Oxygen der Wirklichkeit in Berührung ist ein einziger Strahl der Vernunft hinlänglich, entzündend sie im Wasser zu wandeln; das große Geräusch dabei ist nur der warnende Zuruf an die anderen, die noch zurück sind, und ein bläulicher Schein leuchtet dem Irrtum in das dunkle Nichts zurück. 646. Dem Satz, daß das Unendliche, die Natur als Totum, nur dadurch gesund sei, daß alles Endliche in ihr krank sei, könnte unter andern auch das zur Bestätigung dienen, daß die Erde selbst, und alle Planeten in beständigem Fieber begriffen sind. Sommer und Winter sind die Perioden der Hitze und des Frostes. Sehr richtig geschieht der Anfang des Jahres mit dem Frost; auch bei Menschen beginnt das Fieber mit dem Frost. 647. Aus dem Abgang und dem, was Gott zu dem, was er vorher schuf, nicht-brauchen konnte, daraus schuf er zuletzt noch den Menschen. Daher auch jenes entsetzliche Gemisch von Widersprüchen in seinem Wesen. 648. Die Welt ist bloß die Porte-chaise, die uns aus dem Himmel in die Hölle bringt. Die Träger sind Gott und der Teufel; der Teufel geht voran. 649. Kein Gift kann einen jungen Menschen niederer Herkunft so schnell zerrütten, als die Liebe zu einem Mädchen, der ihr Stand eine nähere Verbindung verbietet. In Plenks Toxikologie fehlt dieser Artikel ganz, und noch keine einzige Pharmacopoea pauperum hat an ein wirksames Gegenmittel gedacht. 650. Liebe ist das Bedürfnis, mit dessen Befriedigung alle übrigen wegfallen. Sogar des Leibes kann der Sterbende entbehren. 651. Von Zeitschriften erscheint alle Vierteljahre, Monate usw., ein Stück, von Ewigkeitsschriften dagegen alle Ewigkeiten nur eins. Bis jetzt hat bloß Gott dergleichen herausgegeben. Kenntlich ist's am Umschlag, an der Natur. Von der Zeit wird's gedruckt, und im Raume verlegt. 652. Naturforscher und Savoyarden-Jungen gehören zu einer Zunft. Beide spielen schön Schattenspiel an der Wand, nur mit dem Unterschied, daß die Wand des letztern mit Kalk angestrichen ist. 653. Was niemand gehört, dazu hat jeder gleiches Recht. Hätte ein Spitzbube dabeigestanden, als die Welt aus nichts entstand, und sie gestohlen: kein Mensch hätte ihm etwas sagen können. 654. Die Alchimisten wollen aus Steinen Gold machen. Nun dient das Gold selbst nur dazu, um Brot daraus zu machen. Richtiger also ist die Aufgabe der Alchemie eigentlich die, aus Steinen Brot zu machen. Eben das aber war's, womit der Teufel Christum in der Wüste versuchte, und worunter auch er nichts verstehen konnte, als daß dieser aus seinem Stein Gold machen sollte, weil man letzteres schon damals seit längerem in Brot zu verwandeln wußte. Nun spricht aber der Teufel zu Christo: ›Bist du Gottes Sohn‹ etc., (Luc. 4,3), – welches voraussetzt, daß das Goldmachen ein Familiengeheimnis Gottes sein müsse. Und so wird wohl alle menschliche Bemühung, es auszuforschen, immer und ewig vergeblich sein. – Ein schlechter Trost für die Alchemisten. 655. Der Mensch steht vor der Natur wie ein Fragezeichen, seine Aufgabe ist, den krummen Strich daran gerade, oder ein Ausrufungszeichen daraus, zu machen. 656. R*** wurde geboren den 2ten J., und starb den 4ten. Nun ist 4 das Quadrat von 2, folglich ist der Tod das Quadrat vom Leben. 657. Die Tiere bei den Evangelisten bedeuten, wie sie sich selber objektiv geworden. 658. Der Körper ist der Einband des Geistes, das Gesicht der Titel, und das Auge der Name des Verfassers. 659. Nur die ganze Natur ist die Gattung; bei jeder Begattung zeugt die ganze Natur. 660. Der Mittelpunkt des Universums ist das Sensorium commune der Gottheit, die Weltkörper ihre Muskeln und Nerven etc. 661. Was der Mensch nicht versteht, sieht er für Druckfehler im Buche der Natur an. Naturforscher sind ihm Korrektoren in der Druckerei Gottes. 662. Alles Gute besitzt den Charakter der Gattung; es bringt ewig wieder Gutes hervor. Darum ist auch der Rechtschaffene unsterblich. 663. Es gibt verschiedene Arten von Güte: theologische, juristische, medizinische usw. In der religiösen sind sie alle vereinigt. 664. Die Kunst, Gold zu machen, besteht in der Kunst, es zu entbehren. Dann hat man immer so viel, als man braucht. 665. Als Ballast mitgegeben ist der Leib des Geistes Schifflein auf dem Strom der Zeit; bei Sturm und Ungewitter wird er über Bord geworfen, daß das Schiff nicht scheitre, und heiter folgt der Wogentanz dem leichten Spiel der freien Elemente. 666. Im Spiel des Lebens ist der höchste Trumpf das Herz. 667. Man wird wahrhaftig nicht eher verstanden, bis einen etliche, und überhaupt die gewisse Quantität, ganz und gar nicht mehr verstehen. 668. Mit verbundenen Augen führen unbekannte Hände uns den dunklen unterirdschen Gang durchs Leben. – Wir sind hindurch, es fällt die Binde, Gott in aller seiner Herrlichkeit steht vor uns, um uns, Sternen ähnlich, selig glänzend, scheinen wir uns selbst dem Gott des Himmels gleich geworden, und – – dies nennt man Tod ? 669. Der Mensch ist eine schwingende Saite, das Leben der Ton. Aber erst zwei Töne geben einen Akkord. 670. Auf den Menschen reimt sich die ganze Natur. 671. Blind führt uns die Natur den Weg zu den größesten Wahrheiten; darum ist es so schwer, ihn wieder zu finden, und sehend mit andern zu gehen. 672. Arbeit ist, was man nicht gern tut. Tun, was man gern tut, heißt müßiggehen. 673. Wie im Verbrennungsprozeß die Sonne hervorbricht, so im Dichter das allgemeine Naturlicht. 674. Man handelt überall aus Instinkt. Gründe sind klar gewordener Instinkt. 675. Engel – Wesen aus Liebe entstanden, der geeinte vom Körper geschiedene Geist. 676. Daß die Sonne nicht zu schnell verbrenne, begießt sie Gott von Zeit zu Zeit mit Wasser, und das gibt die Sonnenflecken. 677. Die Mädchen sind geborne Hexameter; wenn sie Weiber und **** werden, werden Pentameter draus. 678. Es ist gut, Feinde zu haben. Sie zeigen uns gleich, wo wir geirrt haben, und was drüber ist, tut uns ja nichts. 679. Fehler im Wählen des Zeichens des Begriffs sind Druckfehler des menschlichen Geistes. 680. Im Weinen tritt der Urin in die Augen, im Lachen die Träne in die Blase. Sanchica läßt vor Freuden ihr Wasser fahren, die kleine Kinder lächeln dabei, und die Pferde versetzt man durch Pfeifen in eine angenehme Stimmung dazu. Urin und Träne gleichen sich auch in den Bestandteilen sehr. 681. Bei schlechten Gedichten usw. wäre eine ›Erinnerung an den Buchbinden gut, alles zuvor auch in rechte Ordnung zu bringen, das Schlechte wegzulassen, und das Gute hinzuzufügen. Man würde aus so etwas wenigstens den guten Willen des Verfassers erkennen. 682. Wenn die anorgische Natur in Fäulnis übergeht, so entsteht Leben. Der Todestag jener ist allemal der Geburtstag der organischen, ein Übergang in eine andere Welt, und unser Geist schwebt über beiden Welten. 683. Ein Physiker, der ein Schelm dabei ist, ist keiner. Die Natur lehrt alle Tugenden; sie ist das wahre Liber de officiis . Glaube, Liebe, Hoffnung, alles kann sie gewähren; wem sie es gewährt, der ist der Glückliche. 684. Der Mensch ist eine Vorrede zu der Natur. Der Autor hat darin einen hübschen Begriff von letzterer gegeben; er ersucht daher den gütigen Leser, sie ja zuerst zu lesen, es werde eine kleine Erläuterung geben. 685. Alle Menschen haben etwas Tierisches an sich, nur der Apollo von Belvedere nicht. So haben auch alle Tiere etwas Menschliches an sich, nur Madame ** zu *** nicht. 686. Alle historischen Porträts, Büsten, Statuen usw., müssen Ideale sein. Sie haben anzuzeigen, was der Mensch .... in dem Augenblicke hätte sein müssen, wenn er äußerlich genau das war, und weiter nichts, als was er innerlich war. Die Alten haben diesen Grundsatz befolgt, und die Neueren sollten ihn befolgen wollen. 687. Nur daß Unsterbliches entstehe, darf der Mensch die Hand an etwas legen. Fleiß auf das Vergängliche zu wenden, ziemt ihm nicht, und Schande bringt's ihm, wenn er selbst es ist, der, was er schafft, mit eignem Zahn zernichtet. So ist zum Beispiel jede Küche eine Kirche und jeder Herd ein wahrer Hochaltar des Teufels. Bei jedem Bissen, der gekocht, gebraten, unsern Gaumen kitzelt, läßt der Fürst der Hölle sich Te Deum singen, und die bösen Geister alle halten Schmaus. 688. Ist es wahr, daß die Erde ein Blutkügelchen des Universums ist, so könnte auch sie auf ihre alten Tage noch fett (Fett) werden, wenn einst der Stickstoff und Sauerstoff der Atmosphäre zu Salpetersäure zusammengingen. 689. Aus Steinen Brot machen, und sich selber helfen, muß schon zu Christi Zeiten gleich schwer gewesen sein, denn in beiden Fällen heißt es: ›Bist du Gottes Sohn‹, etc. 690. Über vielen Zitaten wird man selbst zum Zitat. 691. Die Zeit ist edler, als die Menschen. Denn sie macht die Geschichte, und die Menschen kompromittieren sich dran. 692. Musik in den Gedanken eines Gedichts, – verschieden von der in den Worten eines Gedichts. 693. Animalische Trigonometrie. 694. Trigonometrie des Ichs. Sinus, Cosinus, Tangente, Cotangente, usw. 695. Leidenschaft ist, was uns Leiden schafft. 696. Wehmut ist Mut, der wehe tut. 697. Lebendig wird man, wenn das Leben endigt. 698. Auch im Tode geht um 12 Uhr schon der neue Tag an. 699. Mond in der Nacht des Todes. 700. Unsre irdische Hülle ist nur eine Anmerkung, die der Schöpfer zum geistigen Text gemacht hat. Man liest sie zuletzt, überschlägt sie auch wohl. Anhang Oersteds Klangfiguren haben mich wahrhaft erfreut; seine Behandlungsart des Gegenstandes ist außerordentlich interessant, und die Resultate sind es fast noch mehr. – Was das Elektrische dieser Figuren betrifft, so wünschte ich nun recht sehr, meinen alten Gedanken ausgeführt zu sehen, daß nämlich mit chemischen Mitteln experimentiert würde. Hierher gehören Glastafeln mit feinem Hornsilberbrei ganz dünn überzogen, mit Frage nach Schwärzung an gewissen Stellen wärend lange fortgehaltenen Tönens; Silbertafeln mit Silberauflösung mit Frage nach Reduktionen; Kupfer ... tafeln mit schwachen Säuren benetzt, mit Frage nach stärkerem Angreifen an gewissen Stellen; und dergleichen in diesem Sinne Angelegtes mehr. Hierher zu rechnen wären auch Glastafeln mit Salzauflösungen, wobei zu sehen, ob das Salz nicht zersetzt, und, auf Davy .... sehe Art, die Basis nach dem einen, die Säure nach dem andern Orte, ordentlich übergeführt würde. Ferner schon, wo eine gesättigte Salzauflösung zuerst kristallisierte. – Vergiß nicht, daß die Eisenstange, die mit Bologneser Leuchtstein überzogen ist, leuchtet , während sie tönt , und daß dieses Leuchten von Oxydation herrührt. Zwar leuchtet sie sicher nur oszillatorisch, und oxydiert sich also auch nur in diskontinuierlicher Folge, während in den Zwischenaugenblicken wohl das Umgekehrte statt hat, aber, wo die Produkte liegen bleiben, und vorzüglich eins mehr , als das andere, muß es doch zu so etwas, wie einer chemischen Klangfigur, kommen können. Interessant wäre es, oder wenigstens amüsant, eine Metall- oder Glastafel mit Leuchtsteinpulvermasse zu überziehen (wie oben den Eisenstab); hier müßte sich die Klangfigur als Lichtfigur ausnehmen. Zugleich möchte man hier von Anfang an die wahre Klangfigur haben. Der Versuch ist so einfach, daß ich ihn wohl selbst bald anstelle; er muß sich notwendig recht überraschend ausnehmen. Begierig wäre ich auch, ob die schwingenden Stellen, oder die Linien der (äußern) Ruhe, leuchten würden; im ersten Falle bliebe die Chladnische Figur finster . Noch wünschte ich auch Versuche mit Pulver gemischen , wie zu Villarsis Versuchen. Die beiden Pulver würden sich hier aneinander elektrisieren, und leicht würde die Klangfigur zugleich doppelt-elektrische. Vorhin, statt Leuchtsteinpulvermasse, könnte auch geradezu Phosphorauflösung, und in gehöriger Temperatur, genommen werden; auch wirkliche bloße Phosphorüberzüge ließen sich konstruieren. – Schön wäre es, wie, was hier äußerlich klar würde, genau auch wäre, was uns die. Klangfigur innerlich ist: – Licht figur, Feuerschrift . ›Die elektrischen die Tonentstehung im Ohre begleitenden Prozesse sind zur Hälfte auch Oxydationsprozesse , – und sind sie zur andern dann auch Desoxydations - oder Hydrogenationsprozesse , so sind wir noch nicht sicher, daß auch diese am Ende nicht gleichfalls mit Licht begleitet sind. Es ist einseitig, bloß Oxydationen Verbrennungen zu nennen; es gibt auch welche durch Hydrogen .‹ A.d.Verf. Jeder Ton hat somit seinen Buchstaben immediate bei sich; und es ist die Frage, ob wir nicht überhaupt nur Schrift hören, – lesen , wenn wir hören, – Schrift sehen ! – Und ist nicht jedes Sehen mit dem innern Auge Hören , und Hören ein Sehen von und durch innen ? Die so innige Verbindung von Wort und Schrift, – daß wir schreiben, wenn wir sprechen, und das Geschriebene lesbar, – hörbar, – ist, – hat mich längst beschäftigt. Sage selbst: wie verwandelt sich uns wohl der Gedanke, die Idee ins Wort; und haben wir feinen Gedanken, oder eine Idee, ohne ihre Hieroglyphe, ihren Buchstaben, ihre Schrift? – Fürwahr, so ist es; aber wir denken gewöhnlich nicht daran. Daß einst aber, bei kräftigerer Menschennatur, wirklich mehr daran gedacht wurde, beweist das Dasein von Wort und Schrift. Ihre erste, und zwar absolute, Gleichzeitigkeit lag darin, daß das Sprachorgan selbst schreibt, um zu sprechen. Nur der Buchstabe spricht, oder besser: Wort und Schrift sind gleich an ihrem Ursprünge eins, und keines ohne das andere möglich. Auch in der Erscheinungswelt noch sieht man Wort und Schrift beständig unzertrennlich. Alle Elektrizitätserregung ist mit Oszillation begleitet, wenn sie immerhin auch beiden Isolatoren nur äußerlich scheint. Im Grunde aber ist keine, auch die innere, ohne äußere. Alle Oszillation aber gibt Ton, und damit Wort. Aber die erregte Elektrizität projiziert sich überall sogleich Gestalt -formierend, ja die Gestalt geht ihr selbst voran , und wohnt schon ihrer Erregung bei; sie findet sie in dem Maße vor, als sie selbst auftritt. Es ist direkte Klangfigur, und beinahe könnte man sagen, sie sei nur zufällig zugleich elektrische; wiewohl umgekehrt jede Klangfigur eine elektrische, und jede elektrische eine Klangfigur ist. Die Lichtenberg 'sehen Figuren sind nichts als Klangfiguren in der Normalerscheinung. Ich habe dir schon längst einmal geschrieben, wie (oder ) und sich in den ältesten Alphabeten als Anfangs- und Endbuchstabe derselben vorfinden. Dies sind die beiden Lichtenberg schen Figuren in ihrer einfachsten Gestalt; ich wollte hierauf also die Ur - oder Natur schrift auf elektrischem Wege wiederfinden oder doch suchen, fand aber in der Tat schon von (Abbreviatur von ) bis (Theta, Menschen-, Gottesbuchstabe), in jenen alten Alphabeten mehr dendritische, Pflanzen - Figuren, und von bis mehr gerundete , Tier -Figuren. Zugleich sind und auf die Extreme der Oktave , – die, in der Sprache , sich als Verhältnis des Selbstlauters zur Konsonante ausdrückt. Und da nur beide zusammen einen Ton geben, so erhält die Chiffre desselben: , sogar bildliche Bedeutung. Der Hauch wird von zurückgeworfen; ist Selbst-, Mitlauter; von wird wieder nach dem Zentrum oder Ausgangspunkt c zurückgeworfen, und sich selbst offenbar. Es gilt hier die völlige Konstruktion des Bewußtseins, und einst war alles Bewußtsein Laut oder Ton, wie vornehmlich Herder ganz herrlich zeigte. Daß wir jetzt denken und bewußt sind, ohne dabei laut mitzusprechen, ist eine Abstraktion aus bloßer Konvention, – (auch mag uns hindern, daß unsere Sprache nicht mehr die natürliche ist, wir also lieber stottern und schweigen), – und seitdem denken wir auch gar nicht mehr so energisch. Den noch völligen Naturmenschen hören wir wirklich noch jetzt überall zugleich mitsprechen, singen, schreien, usw., und selbst der Gebildete lobt, zur Erweckung seines höchsten Bewußtseins, Gott laut . (Kirchengesang, usw.) – Bis hierher scheint der Aufsatz Stelle aus einem Brief zu sein, weiterhin aber für sich bestehen zu sollen. – Wie das Licht, so ist auch der Ton Bewußtsein . Jeder Ton ist ein Leben des tönenden Körpers und in ihm, was so lange anhält, als der Ton, mit ihm aber erlischt. Ein ganzer Organismus von Oszillation und Figur, Gestalt, ist jeder Ton, wie jedes Organisch-Lebendige auch. Er spricht sein Dasein aus. Es ist gleichsam Frage an die Somnambüle, wenn ich den zu tönenden Körper mechanisch affiziere. Er erwacht vom tiefen, gleichsam Ewigkeits-Schlafe; er antwortet; und im Antworten ist er nicht sowohl sich seiner, sondern, das Leben, der Organismus, der oder das in ihm hervorgerufen wird, ist sich seiner bewußt. Dies Bewußtsein steht zum allgemeinen in dem nämlichen Verhältnis, wie das unsere; so wird jeder Ton, nachdem er Geister spruch ist, zugleich auch Gottes spruch, dasselbe, was menschliches Bewußtsein auch ist. Töne sind Wesen, die einander verstehen, so wie wir den Ton. Jeder Akkord schon mag ein Tonverständnis untereinander sein, und als bereits gebildete Einheit zu uns kommen. Akkord wird Bild von Geistergemeinschaft, Liebe, Freundschaft, usw. Harmonie Bild und Ideal der Gesellschaft. Es muß schlechterdings kein menschliches Verhältnis, keine menschliche Geschichte geben, die sich nicht durch Musik ausdrücken ließe. Ganze Völkergeschichten, ja die gesamte Menschengeschichte, muß sich musikalisch aufführen lassen; und vollkommen identisch. Denn der hier sprechende Geist ist derselbe, wie der unsere, und seine Verhältnisse zu seinen Geschwistern sind dieselben, wie die unsrigen zu unsern Geschwistern. Außerdem aber, daß wir am Tone und an der Musik unser Bild und Ebenbild haben, haben wir auch noch unsere Gesellschaft, eine Begleitung, an ihnen, denn im Tone gehen wir mit unsersgleichen um. Dieser Umgang kann zum höchsten für uns werden, da hier darstellbar ist, was im Leben so schwer: ein idealisierter Umgang mit unserer Umgebung. Er kann uns für alles entschädigen, was wir im Leben vermissen, und so ist die Musik auch längst schon überall unsere Trösterin und Erheitererin gewesen, wie unsere Erheberin . – Wie sie Lehrerin sein könne, ist gleichfalls begreiflich, – so gut, als sie auch unsere Verführerin werden kann. Denn auch der Geist des Tons kann gut und böse sein. Der Ton ruft uns hervor, wie irgendein Wort, ein Befehl. Aber wir müssen unterscheiden, wo wir ihm dienen dürfen, und wo wir ihn meiden müssen. Komponisten können zu einer unendlich hohen Würde gelangen. Sie verwalten ein ganzes dem Menschen verwandtes Geschlecht; seine Diener und seine Engel lassen sie erscheinen, und auch seine Teufel können sie aufrufen. Aber das letzte wird ihnen nie zu jenem Grade gelingen, wie das erste; und so sind der herrlichen, guten Erscheinungen in der Musik bedeutendere und weit mehrere da, als der verachtungswürdigen. Ein schönes Beispiel ist von der Musik, von der Forderung eines Tones und Akkordes durch den andern, zu nehmen. Einer trete mit seinem Leben in der Gesellschaft regelrecht und gut auf, und unvermeidlich wird er alles übrige harmonisch und melodisch dazu Gehörige fordern und hervorrufen. Er wird die Gesellschaft organisieren, harmonisieren, melodisieren, und so wird diese endlich darstellen, was die Musik. Alles Leben ist Musik, und alle Musik als Leben selbst – zum wenigsten sein Bild . Nur einzeln, und wie im geheim, ist in neuerer Zeit das Wesen des Tons und der Musik aufgefaßt und angewandt worden. Aber sie müßte zum absoluten Komplement des Menschengeschlechts erhoben werden können, und jedem wäre ihr Verständnis leicht zu öffnen. Alles, was in eines Menschen Gedanken kommen kann, vermag er auch auszusprechen, und was der Mensch aussprechen kann, spricht auch der Ton aus. So bleibt das Höchste, Heiligste, selbst Gott und das Gebet nicht, hinter seiner Mächtigkeit zurück. Ein Mensch, der sich ganz ausspräche, würde auch den Schöpfer ausgesprochen haben; eine Musik, die den Ton ganz ausspricht, hat das nämliche getan. Mensch und Ton sind durchaus gleich unerschöpfbar, und gleich unendlich in ihrem Werk und ihrem Wesen. Des Menschen Wesen und Wirken ist Ton, ist Sprache. Musik ist gleichfalls Sprache, allgemeine ; die erste des Menschen. Die vorhandenen Sprachen sind Individualisierungen der Musik; nicht individualisierte Musik, sondern, die zur Musik sich verhalten, wie die einzelnen Organe zum organisch Ganzen. (Pars est, quae non est Totum, und Totum est, cui nulla pars est.) Die Musik zerfiel in Sprachen. Deshalb kann noch jede Sprache sich der Musik zu ihrer Begleiterin bedienen; es ist die Darstellung des Besondern am Allgemeinen; Gesang ist doppelte Sprache, allgemeine und besondere zugleich. Hier wird das besondere Wort zur allgemeinen Verständlichkeit erhoben, – zunächst dem Sänger selbst . Die Völker aller Sprachen verstehen die Musik, alle (Sprachen) werden von der Musik selbst verstanden, und von ihr in die allgemeine übersetzt. Und doch bleibt der Mensch selbst der Übersetzer. Merkwürdig, daß ihm jene allgemeine Sprache nicht ausgeht. Aber sie ist mit seinem Bewußtsein selbst gegeben, und tritt mit dieses grade selbst hervor. Denn nur ausgesprochen ist der Mensch sich bewußt; dieses geschieht allemal zunächst in der allgemeinen Sprache, und die besondere folgt. So ist jedes von uns gesprochene Wort ein geheimer Gesang, denn die Musik im Innern begleitet ihn beständig. Im lauten Gesänge erhebt die innere Stimme sich bloß mit . Gesang wird Schöpferlob, er spricht den Moment des Daseins ganz aus. Nur das Sprechende, das in besonderer Sprache Sprechende, hat Gesang, wo Sprache mit Musik begleitet ist: der Mensch. Die anorgische, oder gerade die allgemeine Natur, hat bloß die allgemeine Sprache: die Musik, den Ton. So hat das unvollkommene Tier gewissermaßen bloß Sprache, oder eigentlich mehr verdorbnen Ton, ein Mittelding zwischen Ton und Wort, der Übergang von jenem zu diesem, und darum keines für sich. Tiersprache ist wie unvollkommene Musik oder Ton, und so selbst bei den Singvögeln noch, wo dies beinahe am deutlichsten wird; es ist geradezu, als wollten sich hier Ton und Sprache schon trennen; auch kann man gerade mehrere Vögel schon sprechen lehren, was bei den übrigen Tieren nicht so vorkommt, welches ihre Nähe am Sprechen beweist. So sieht man durch die ganze organische Schöpfung herauf Musik und Sprache noch in Verbindung, – diese Verbindung selbst vom niedersten Grade und Ausgedehntheit bis zum obersten, – und endlich nahe am Menschen, in den höheren und höchsten Organisationen an ihm, zerfällt die Verbindung beinahe schon, im Menschen endlich ganz . Merkwürdig ist auch das Sprache verstehen , was man bei den höheren Tierklassen bemerkt, zum Beispiel bei Hunden, Pferden usw. Auch dies deutet ihre Nähe am Sprechen an. Man könnte vielleicht eine ganze Ordnung der Tiere konstruieren nach der Folge, in der in ihnen die Verbundenheit (gleichsam gegenseitige Latenz) von Musik und Sprache sich immer mehr löset, bis zur völligen Scheidung. Noch scheinen auch hier die Vögel einen eignen Gegensatz zu den Vierfüßern usw. zu bilden. Hier unvollkommene Sprache, dort unvollkommene Musik; – so sähe man auch im großen dasselbe, bis endlich im Menschen Musik und Sprache sich völlig trennen, und die Sprache wieder in Sprachen. Vielleicht, daß in der Tierwelt die Charaktere der einzelnen Sprachen in den einzelnen Tierlauten vorhanden sind, – wie das schon sein muß, wenn der Mensch die Vereinigung der gesamten Tierwelt sein soll. Geht alle mitgeteilte Bewegung vermittelst Oszillation in Wirksamkeit über, und gibt dies Ton, so gibt es ein Quantum von Tönen in der Welt, was eine ebenso beständige Größe ist, als die der Bewegung durch Mitteilung. Aber auch alle innere Bewegung ist oszillatorisch, und keine innere Veränderung ist ohne äußere; also auch hier Ton. Das Quantum dieser Bewegung ist ebenfalls ein beständiges, damit auch das des Tones. Wie keine innere ohne äußere Bewegung, so auch keine äußere ohne innere. Ginge also auch irgendwo mechanische Bewegung verloren, oder irgendwo ›chemische‹,. so ist dies nur Schein, und das Gesamtverhältnis beider wird nie geändert. Es gibt also eine ewig gleich große Summe von Ton in der Welt, und da die Oszillationen aufs mannichfachste in Stärke und Geschwindigkeit verschieden sind, so ist damit die Möglichkeit von Melodie und Harmonie in ihr gegeben. Zur Wirklichkeit wird sie durch die direkte Beobachtung. Merkwürdig ist hier für die Erde besonders das Verhältnis von 365 ¼ : 1. Auffallend ist es, daß die erste Zahl nur sehr wenig von 2 √2 X 2 8 ist, denn die letztere ist 362,038 .... Wie immer aber, so ist doch dieses Verhältnis auf Erden empirisch, und hier die Sphärenmusik, die kosmische, nach ihm abgeteilt. Andere Planeten müssen andere Verhältnisse haben, die wieder zueinander in sehr harmonischen Verhältnissen stehen mögen. So wäre es möglich, daß ganze Systeme von Rhythmus und Perioden, ›ganze Konzerte‹, sich, höher, wieder in bloß einen – höheren – Ton auflösten, so wie ja schon jeder unserer Töne ein System von Tönen (Tonelementen) ist (s. Oersted ). Dies gäbe dann höhere Ganze, die wieder zu einzelnen Tönen für noch höhere würden, und so weiter. Zuletzt mag diese ganze große Musik sich zu einer noch allgemeinern, oder einer zweiten, sich wieder bloß wie Sprache zu Musik verhalten, und so wie diese im Menschen getrennt vorkommen, so auch bei und in Gott , dessen Ebenbild der Mensch ist. Ist zum Beispiel in der Sonne die Musik aller Weltkörper, die zu ihr gehören, nur Sprache, oder – hat von unten herauf, wie bei uns in der Tierreihe, noch immer Verbindung von Sprache und Musik statt, die erst in der Sonne sich völlig trennt? – Dieser Punkt ist noch besonders zu verfolgen – bis herauf zur höchsten Reinigung des › Worts ‹, des ausgesprochenen der Schöpfung . Wirklich ist die ganze Schöpfung Sprache und buchstäblich durch das Wort geschaffen, und das geschaffene und schaffende Wort selbst . – Das Ganze kann eine große und schöne Ausbildung erlangen. Diesem Wort ist aber auch im großen der Buchstabe so unzertrennlich verbunden, als im kleinen. Die Welt , soweit sie sichtbar ist, und werden kann, ist dieser Buchstabe , diese Schrift . Das Wort schreibt, der Buchstabe tönt; beides in seiner Unzertrennbarkeit ist das Sein, das Bewußtsein, das Leben ; so herauf bis zum Gott. Schrift, Wort, Licht und Bewußtsein fallen in eins . Das Auge der Sinn für Schrift , die nur am und durch den Ton erkannt werden kann. Der Ton selbst aber ist Licht , das ohnehin einem anderen Sinne, als dem Auge , gehören mußte, weil das Auge das Licht nicht sieht, sondern nur vermittelst des Lichts = Tons. So organisiert ins Unendliche, als das Wort, der Ton, muß auch der Buchstabe dargestellt werden. Ein gutes Beispiel gewährt hier schon der Kristall, dann die organischen Gebilde, usw. Aller Buchstabe ist Klangfigur. Hier zuerst Unzertrennlichkeit des Organismus des Raums von dem der Zeit. Denn im Tone, dem Wort, der Sprache, der Musik, ist sie, die Zeit, ganz augenscheinlich organisiert, und die Gestalt im Räume ist nichts, als die Klangfigur dieses Tons usw., seine von ihm selbst geschriebene Note .... Zurückkunft auf die Pythagoräer .... und ihre Zahlen. Rücksicht auf Kepler . Klangfiguren, welche von Akkorden hervorgebracht werden. Verschiedenheit desselben Tons, nachdem die dazu genommene Saite von verschiedener Dicke ist, – weil dann die Longitudinalschwingungen in ein anderes Verhältnis zu den Transversalschwingungen treten oder kommen. Wie die mechanische Bewegungsmitteilung völlig akustisch ist, so muß es auch der Fall sein bei allem Zerstoßen, Zerbrechen, Durchlöchern, usw. Hier muß der Fall eintreten können, wo der Körper nicht mehr en masse , sondern bloß, oder doch zu sehr, en partie , schwingt. Dann kommt der Fall, wo die Schwingung so wird, oder der Bogen dabei, daß der Körper etc. reißt und springt, und hierbei kommt es wieder auf die Gewalt des erst en Anstoßes an, d. i. auf die Raschheit bei schneller Schwingung. Außerdem wird diese Raschheit, das Moment der Schwingung, sich noch immer mit ihrer Schnelligkeit selbst verbinden. Ob man nicht auch im die Klangfiguren die Masse übereilen kann, insoweit, als man nun andere Töne, und damit andere Figuren, bekommt? – So etwas scheint hie und da schon stattgehabt zu haben. Zu den Versuchen mit Salzauflösungen (s. oben), die sich zersetzen sollen, werden doch wohl Metall tafeln nötig sein. Denn die einfache Kette zersetzt Salz nur, wo das eine Metall, das positive, sich mit der Säure des Salzes selbst verbinden kann, und mehr wirkt hier im besten Falle nicht, als einfache Kette. Kann das Alkali sich ebenfalls mit dem Metall verbinden, so muß der Prozeß noch rascher gehen, weshalb salzsaures und salpetersaures Ammonium auf Kupfer von besonderer Wirksamkeit sein möchten. Zu den Versuchen über Metallpräzipitationen werden ebenfalls Platten genommen werden müssen, die von selbst schon präzipitieren. Da eine zitternde Voltaische Säule oder galvanische Kette das Wasser schneller zersetzt, als eine ruhige, so zeigt dies schon, daß Schwingung die Wasserzersetzung befördert. Da nun alle Oxydation durch Wasserzersetzung vor sich geht, so müssen häufig gespielte Saiten, und bei Orgeln die häufiger tönenden Pfeifen sich früher oxydieren, als andere. Zugleich ist hier allemal der Hydrogenort ein anderer, als der Oxygenort, und sehr leicht könnten hier schon merkwürdige Dinge über den Ort, wo Oxyd, und wo Glanz ist, gefunden werden. – Wie es eine allgemeine Sprache , und wieder besondere gibt, so muß es auch eine allgemeine Schrift , und wieder besondere geben. Ihr nächstes Verhältnis zueinander wäre das von Note zu Buchstabe . Überall aber muß die Schrift das von der Sprache, dem Ton, dem Worte, selbst , Geschriebene, sein. Hier erhält man dann für die Musik, oder die allgemeine Sprache, die Hieroglyphe , oder die völlig vollständig den ganzen Ton, den ganzen Akkord, usw. ausschreibt. Das Sprechende ist dem Ausgesprochenen gleich, da alles nur sich selbst ausspricht. Die Sache selbst ist also hier die Schrift, die Note. In solche Schrift und Nachschrift, Ab schrift, gehört vornehmlich alle bildende Kunst: Architektur, Plastik, Malerei, usw., und was ihr in der Natur vorherging und -geht, als zum Beispiel der Bau der Erde, der Organisation, der einzelnen Organisationen, usw. Und so wie in der Pflanzenwelt das Innere der Tierwelt äußerlich geworden, in der Tierwelt dagegen das Innere der Pflanzen äußerlich, so wird die Pflanzenwelt zum Ideenschatz der Tier- und Menschenwelt und ihrer Schrift, die Tierwelt dann zur Ausschrift ihres Äußeren. – Doch ist durchaus der Hieroglyphe noch weiter nachzudenken. Dann der besonderen Schrift, in der der nämliche Sinn gefunden werden muß in bezug zur Hieroglyphe, als in der besondern Sprache in bezug zur allgemeinen. Alle Schrift zusammen muß sich zur Hieroglyphe wie Organ zum organischen Ganzen, (wie die Partes zum Totum ; vergl. oben) verhalten. Auch ist noch etwas zu suchen, was sich zu Schrift überhaupt verhält, wie Gesang zu Sprache überhaupt (vgl. oben). – Ob man überall nur so viel hört, als man versteht , also wirklich alles versteht, was man hört (nur aber wirklich hört)? – Es scheint hier, beim Ohr, genau zu sein, wie beim Auge, was auch nur immer so viel sieht von dem, was da ist, als es beachtet d. i. mit dem Auge versteht . Es kann unendlich viel da sein aber nur immer so viel wird gesehen, als man versteht. Hierher als Beispiel der Bauer vor der Antike, Newton vor Damen, der Esel vor dem Hebräischen usw. Oft aber kann man wissen, fühlen, daß man nicht alles hört, nicht alles sieht; hier aber kommt es durch bloße Schlüsse , noch von wo anderwärts her gegebenen Prämissen, zustande. Übrigens kann man alles verstehen, wenn man nur will , und so läßt sich, in höchster Willensfreiheit und Übungsmut desselben, jede , auch die fremdeste Sprache, verstehen, so wie ein Ähnliches auch von der Schrift statt hat. Man darf nur erst alles sehen wollen , und man sieht es, und damit alles, was es bedeuten soll. Denn alles recht Gesehene ist darum verständlich, weil es ja direkter Abdruck des zu Verstehenden, Produkt desselben, Contemporan desselben, ist. Auch alles recht Gehörte wird verstanden, weil es Aussprache des zu Verstehenden, Selbst aussprache desselben, ist, und die Normal-Chiffer immer dabei ist. Aber wir sind auch selbst so weit, daß wir, in einer Sprache geboren, die anderen nie völlig verständlich sprechen lernen können, ja selbst die angeborene Sprache sprechen wir nur im Anfange des Sprechens völlig rein und verständlich. Darum will Swedenborg die Bibel am liebsten von Kindern vorgelesen wissen – und diese werden überhaupt jede Sprache am besten aussprechen, d. i. am verständlichsten –so wie gerade auch sie es sind , die fremde Sprachen am leichtesten verstehen, d. i. lernen. Ja, sie verstehen alle Sprache früher, als sie sie sprechen. Wie verständlich die Sprache der Kinder sei, weiß jeder Vater, jede Mutter, jeder Kinderfreund; ihr Wort ist voll Seele. Die Kinder überhaupt beweisen am ersten, daß jede Sprache verständlich sei, weil sie wirklich alle verstehen; sie beweisen, daß das Wort, zu Folge eines tieferen Grundes, absolut verständlich – der Gedanke selbst unter gewisser Form, – sei. Daß hier nicht gar so viel durch andere Sinne, vornehmlich durch das Gesicht, geliefert werde, können blinde Kinder beweisen, die doch auch verstehen und sprechen lernen. Wir Älteren verstehen äußerst wenig mehr vom Gesprochenen, und hören also auch viel weniger und schlechter, als früher, oder als unsere Kinder. Weshalb wir so außerordentlich viele Worte brauchen, und es uns so äußerst schwer wird, zu verstehen, wo bestimmt nur das Nötige gesagt ist. Da wird denn auf der Stelle von › Studieren ‹ u. dergl. gesprochen, was allemal anzeigt, daß wir hier große Not und Mühe haben. Wie wenig wirklich zum Verständnis vom Gesprochenen nötig sei, d.i. wieviel Verständliches schon in wenigem Gesprochenen liege, zeigt deutlich sich in den Verhältnissen der Liebe, der Freundschaft usw. Wie wird hier verstanden! – Wie reich ist hier das Wort! – Man werfe keine Prädestination, prästabilierte Harmonie, harmonischen Instinkt, oder dergleichen, ein; denn gerade dies alles ist es ja, was überall gleichfalls Grund gegenseitigen Verständnisses ist. – Dasselbe was vom Wort, gilt auch von der Schrift, dem Sehen, dem Blick, der Miene, der Gebärde, usw. Mehr wird nicht verstanden, als Verständliches da ist, aber in Wenigem ist so ungemein viel vorhanden! Welche Bewandtnis hat es endlich mit dem Sich-Selbst- Verstehen ! – Der Organismus, selbst noch in der grassesten Bedeutung genommen, braucht sich bloß wahrzunehmen, und wir sind alles, was wir werden können! – Und dieser ganze Organismus selbst ist nichts, als Sprache und Schrift . Und alle Schrift und Sprache wiederholt sich an der unsrigen bloß, und so wird sie verstanden. Zugleich entdeckt sich hier, daß die Sprache und Schrift, in und an der wir soeben selbst leben, am schweresten von uns verstanden wird: was hervorgerufen werden soll, ist schon da . So ist überall das uns Nächste das Schwerstverständlichste, weil wir es selbst sind. So müssen wir uns selbst verstehen, um dies zu verstehen! – Noch ist der tönende Körper nicht in Hinsicht auf Wärme und Kälte untersucht. Die schwingende Saite zum Beispiel wird in den Lagen: und: wärmer sein, als in der Lage: . Sie expandiert sich aber ebenso schnell , als sie sich wieder kontrahiert , und so kompensieren Wärme und Kälte sich wieder zu Null. Beide aber müssen für den Moment von großer Intensität sein, da Expansion und Kompression beide sehr schnell vor sich gehen. Diese Expansion ist aber selbst eigentlich Kompression, diese Kompression Expansion. Die Saite in der Lage: (oder: ) muß spezifisch schwerer sein, als in der Lage: , genau wie das Stück elastisches Harz bei der Dehnung spezifisch schwerer ist, als wenn es wieder zusammen ist, und bei der Dehnung im Grade ihrer Schnelligkeit warm , und beim Zurückschnellen im Grade desselben kalt wird. So ist alle Oszillation zugleich eine Oszillation oder ebenso schnelle Abwechselung von Wärme und Kälte, – und dabei auch wieder von verschiedenen spezifischen Dichtigkeiten. Daß beides sich kompensiert, macht, daß die Luft etc. durch den Schall nicht wärmer wird. Ein fester schallender Körper aber kann insofern wärmer zurückbleiben, als bei den vielen wiederholten Expansionen er nie wieder ganz in den vorigen Zustand zurückkehrt, sondern jedesmal ein wenig dahinter zurückbleibt. Auch wenn die Veränderungen eines Körpers bei der Schwingung diese: und diese: (etc.) sind, hat gleicher Wechsel statt. Hier wird die Achse des Streifens unverändert bleiben, aber zu beiden Seiten wird komprimiert, und darauf wieder dilatiert. Da Wärme und Kälte überall gesetzt wird, wo Oszillation statt hat, so könnte schon von bloßer solcher Expansionskälte es herrühren, daß Wasser auf Erschütterung gefriert, Salze darauf kristallisieren, usw. Auf diese Wärmen und Kälten ist überhaupt bei schwingenden Körpern sehr große Rücksicht zu nehmen; sie müssen alles wirken, was sonst Wärme und Kälte wirken; – auch chemisch , zum Beispiel wahre Dekompositionen. Ob hiervon schon mancher Geruch beim Reiben von Körpern herrührt, wo auch Oszillation, und sehr schnelle, vorhanden? – Ob äußerst schnell schwingendes Wasser Knallgas geben müßte? – Wie ist es anzufangen, dies zu bewerkstelligen? Wenn Körper äußerst schnell schwingen, so leuchten sie. Ist hier die Wärme in den Kompressions augenblicken groß genug, daß dieselben hindurch der Körper glüht ? – Und sieht man dies Glühen dann ohngefähr in eben der Kontinuität, als ein geschwungener Feuerbrand einen Kreis .... zu geben scheint? – So müßten solche Körper erst rötlich leuchten, dann immer gelber und heller, bis endlich zum Weißglühen oder dem Leuchten mit weißem Lichte. Und doch wäre darum der Körper hinterher noch (oder wieder) so kalt, als zuvor. Auch beim Leuchten durch elektrische Schläge muß hierauf Rücksicht genommen werden, d. i., ob es nicht Leuchten aus Oszillationsglut sei. Ebenso beim Leuchten durch Aussetzung ans Licht. Denn ist im Lichte selbst Oszillation, wie so notwendig, so teilt sie sich allem mit, was das Licht bescheint, und kann hinterher anhalten. Ein aus Oszillationsglut leuchtender Körper muß eigentlich in dem Augenblicke schmelzen , in welchem jedesmal die Kompression statt hat, und erst später (bei der Expansion) wieder bestehen, – sofern er nämlich überhaupt gehörig leicht schmilzt. Hierher gehört wohl schon manches Springen und Reißen schnell (stark) angeschlagener Körper. Durch diese momentanen Schmelzungen und Wiederfestwerdungen müssen Änderungen von Bedeutung im schwingenden Körper hervorgebracht werden, besonders in der Konstellation seiner Teile. Ob hierher schon das sogenannte Ausspielen von Instrumenten gehören mag? – Das Gläserzerschreien ist auch wohl Folge eines Brechens wegen Schmelzung. – Beim Tone übrigens, wo Diskontinuität in der Zeit doch Kontinuität erzeugt, wäre am ersten zu fragen, ob in bloßer Zeit aneinander grenzende differente Qualitäten .... nicht doch auch Prozesse , und Prozesse eigner Art, untereinander erzeugen mögen? – Schon in jeder Fortpflanzung von irgend etwas liegt dergleichen, da nämlich hier doch wirklich eine Zeit vergeht, bis der Prozeß etc. von a in b, von b in c, usw. angekommen ist. – Wenn ein Körper so schnell oszilliert, daß die Kompressions- Wärmen Glühhitzen werden, so leuchtet er; währenddessen müßte er sich aus eben dem Grunde warm anfühlen, aus welchem er leuchtet, obschon er nur moment weise leuchtet und glüht. Selbst sehr heiß müßte er sich dabei anfühlen, und empfindliche Dinge sogar entzünden und verbrennen können, sofern die Wärme nur Zeit genug hat, sich mitzuteilen. Ein bis zur Glühhitze schwingender Körper müßte zum Beispiel Knallgas entzünden können, wenn nur der gegebene Teil Gas lange genug an ihm verweilt. In einer Pfeife von äußerst hohem Tone ... müßte sich dies Knallgas bei gleicher Schwingung noch leichter entzünden können, wenn mit ihm geblasen würde, denn hier kommen die Kompressionswärmen ursprünglich im Gase selbst vor. So müßte auch atmosphärische Luft, und atmosphärische Luft mit Sauerstoffgas unter gleichen Umständen, nur schwerer, zu Salpetersäure zusammengehen. Besonders leicht aber würde sich wohl eine Mischung von oxydiertsalzsaurem und Wasserstoffgas durch sehr schnell schwingende Körper, oder durch eigne solche schnelle Schwingung, zersetzen, vornehmlich unter Mitwirkung des Lichts. Kurz, alle Verbindungen ...., die durch Wärme hervorgebracht und befördert werden, müssen auch durch Schwingungen, durch Oszillation beschleunigt, entzündet, hervorgebracht etc. werden, (und zum wirklichen Versuche, damit er bequemer wird, kann man absichtlich dasjenige Körper- oder Gasgemisch wählen, was bei der mindesten Wärme schon zusammengeht). Hieran reiht sich die Wirkung, die Ton, und zwar je höher er ist, desto mehr, auf uns selbst , und alle Organismen , haben muß, schon von Seiten der Wärme , die er hervorbringt. Dann der Einfluß der Erschütterung auf Gärung , und so vieles. Auch sieht man, wie Erschütterung elektrische, galvanische Aktion, usw. beschleunigt; denn es geschieht durch die Wärme, die alle diese Aktionen beschleunigt. Dies Feld ist groß, und fordert alle mögliche Umsicht. – Da sehr schnell schwingende Körper leuchten , so müssen auch Chladni sche Licht-Klangfiguren möglich sein. Ein Täfelchen Diamant zum Beispiel würde die Chladnische Figur: so geben, daß das Kreuz dunkel wäre, und die Viertel a, b, c, d leuchteten, und wo die Schwingung am höchsten wäre, am meisten. Es müssen sich auf irgendeine Art diese Figuren wirklich darstellen lassen. Sie müßten sich schon auf bloßen Kugeln etc. beim Anschlagen verraten, und die licht leeren Stellen würden die Schwingungsknoten sein. (Gehört das Leuchten geriebner Kiesel, was selbst noch unter Wasser fortdauert, wohl schon hierher, und leuchten sie also mit wahren Licht-Klangfiguren?)– Die elektrische Zerschmetterung dekomponiert (zum Beispiel schon Glas, s. Simons Versuche; dann Metallgemische und vielleicht Metalle selbst, s. van Marums Abbildungen von elektrisch geschmolzenen und zerstiebten Metallen etc.). Ich vermute, daß sie es durch Wärme tut, die bei gehöriger Höhe auch dekomponiert. Da hier der Schock ungeheuer, und die Schwingungen folglich äußerst schnell sind, so müssen hier fürchterliche Kompressionswärmen entstehen, die also auch fürchterliche Zersetzungen zustande bringen. So darf es nicht wundern, wenn hier selbst Metalle dekomponiert werden können. Alles elektrische Leuchten nach (elektrischen) Schlägen mag auch von den Wärmen dabei kommen, und davon, daß Zusammenhang aufgehoben wurde, wodurch die Kompression verhindert wurde, in Expansion zurückzugehen. Doch, dieser Punkt ist genauer zu untersuchen. Die Teile müssen nach dem Schlage fort schwingen. Alles Leuchten beim Kratzen, Reiben , usw., von rigiden Körpern muß auch von Kompressionsglut herrühren. Alles solches Licht kann daher auch nie blau sein, sondern rot, gelb, höchstens weiß (Weißglühhitze). Zerschmetterung durch den elektrischen Funken ist verschieden vom elektrischen Schmelzen , oder von dem gewöhnlichen. Überhaupt wird elektrisches Schmelzen vom gewöhnlichen verschieden sein. Es schmilzt hier in den Augenblicken der Kompression; mechanische Gewalt kommt hinzu: und so wird zerrissen und zerstäubt. Erst was gehörige Kohäsion hat, daß es nicht gleich reißt, sondern sich dehnt, schmilzt förmlich, aber wohl aus gleicher Ursache. Alle elektrischen Schmelzungen müssen viel niedriger liegen, als die gewöhnlichen. { Franklin und andere, welche die Schmelzungen durch Elektrizität für kalte hielten; Berthollet , später, nicht viel anders, usw.) Übrigens bleibt hier Wärmekapazität, und alles sonst in Rechnung Gebrachte, von Wert. – Eine senkrecht gehaltene Eisenstange, an die man schlägt, wird magnetisch . Während der Schwingung wird sie momentan sehr heiß, und der Magnetismus, wegen vergrößerter Kapazität, wohnt sich ebenso ein, wie in heißes Eisen; nach dem Erkalten ist der Magnetismus darin, und tritt, wegen jetzt wieder verminderter Kapazität des Eisens, mit höherer Spannung hervor. Das Ganze reduziert sich auf das Ablöschen glühenden Eisens etc. in der (magnetischen) Mittagslinie. – Ebenso wird bereits magnetisiertes Eisen durch Schwingung desselben sehr geschwächt. Es ist wieder wegen der Wärme, und der Versuch gleicht dem Glühendmachen eines Magnets. – Der erste obige Versuch sollte am instruktivsten in Sphären starker künstlicher Magnete vorgenommen werden. Man kann kleine Eisen- oder Stahlsaiten in diesen Sphären schwingen lassen, und bei verschiedenen Spannungen. Bei der höchsten, also bei den schnellsten Schwingungen, oder die den höchsten Ton geben, wird gewiß am stärksten magnetisiert . – Äußerst schnelle Schwingungen, in die man schmelzbare Körper versetzt, müssen genau die Wirkung elektrischer Funken haben, d. i. zerschmettern, und dabei auch dekomponieren. Kann Ammoniakgas schon durch starke Schläge dekomponiert werden, oder wenn es in Pfeifen gehörigen hohen Tons .... geblasen wird? – Es müssen sich noch ganz neue – mechanische – Körperanalysen entdecken lassen, und schon die vorhin erwähnte elektrische ist im Grunde bereits ganz mechanisch. – Wärme könnte wirklich nur in Oszillation bestehen. Alle Aktion ist von welcher begleitet, und diese Oszillation nimmt sich für den Körper wie Wechsel von Expansion und Kontraktion aus; diese (letztere) bringt dann die Wärme fürs Gefühl, denn das übrige zeigt nur Ausdehnung an, wie zum Beispiel das Thermometer. Jeder Körper ist eigentlich noch einmal so warm , als er sich anfühlt; wir fühlen bloß seine Wärme und seine Kälte addiert und dividiert durch 2. – – Wird die Oszillation im Körper erhöht, so wird es damit notwendig auch die (momentweise) Expansion , und diese gibt das letzte uns Phänomen werdende Volumen des Körpers. – Merkwürdig wird hier, daß warme Körper strahlen , und endlich Licht selbst . Als wären es Schallstrahlen , da es doch Lichtstrahlen sind. Pflanzen sich wirklich alle Schallstrahlen gleich schnell fort? – die sehr tiefen noch, wie die sehr hohen? – Oder ist der Unterschied, der wirklich statt hat, nur innerhalb der Sphäre unserer Beobachtung noch nicht groß genug, um bemerklich zu werden? – Es ist notwendig , daß sich die tiefern Schallstrahlen langsamer fortpflanzen, als die höhern, – und die Lichtstrahlen und die Übergänge zu ihnen (Wärmestrahlen etc.) unterscheiden sich von den Schallstrahlen gewiß nur durch die ungemein viel schnellere Oszillation in ihnen. Nur daß die Lichtoszillationen so unendlich viel schneller sind, als die Tonoszillationen, macht es vielleicht, daß das Licht sich so viele Male schneller fortpflanzt, als der Schall. Und sicher pflanzen auch noch alle Lichtstrahlen sich nicht gleich schnell fort, so wie auch die Oszillation in ihnen verschieden sein muß. – Bei den Metallschmelzungen durch Elektrizität scheint doch wirklich im umgekehrten Verhältnis der Leitungskraft zerschmettert und geschmolzen zu werden. Kommt ein elektrischer Schlag auf ein Metall, so wird die Resistenz um so größer sein, je schlechter es leitet, folglich auch damit Kompression und Expansion, oder überhaupt die mechanische Affektion des Metalls; damit wird auch die Wärme wachsen müssen. Die schlechtleitendsten Metalle müssen am leichtesten schmelzen, – unter übrigens gleichgesetzten Umständen nämlich. – Am leichtesten eigentlich ein Medium von Verbindung von Leitung und Isolation, wo die Wirkung ein Maximum haben muß, dieses aber scheint auch bei den schlechtst leitenden Metallen noch immer nicht erreicht. Vielleicht liegt es mehr in der Gegend der Halbleiter , die ohnedem bereits am stärksten und ersten durch den elektrischen Schlag leuchtend werden, was allerdings schon ein Beweis von hier ganz besonders großen Kompressionswärmen während der durch die Elektrizität veranlaßten Oszillationen derselben ist. – Auf ein äußerst merkwürdiges Resultat komme ich noch. – Ich dachte nämlich daran, ob man nicht Klangfiguren ganz eigner Art bekommen könnte, wenn man auf eine recht gute, leer gelassene, Glasscheibe Sonnenlicht senkrecht einfallen ließe, sie dann in ein reines Tönen versetzte, und währenddessen das Licht hinter ihr wieder auffinge. Das durchgegangene Licht hätte dann vielleicht, solange die Scheibe in Schwingung war, die sonst gewöhnliche Klangfigur durch Wechsel von Licht und Schatten, Hell und Dunkel, und mit prismatischen Färbungen dabei, gegeben. Damit dachte ich dann zugleich alle Veränderungen, die im Innern der Scheibe während dem Schwingen statt hätten, am charakteristischsten verraten, und bis zur Benennung und Messung kopiert, zu sehen. Zugleich hätte das Ganze wohl auch noch recht schön ausgesehen, – und daß ich mit ganz schlechten Stücken Fensterglas etc., die weder eben noch von parallelen Flächen waren, und die ich in der bloßen freien Hand hielt und mit dem Bogen anstrich, wobei die Scheibe selbst bald hier bald da war, noch nichts erhielt, kam mir höchst begreiflich vor, und sprach mir gegen die Möglichkeit eines besseren Erfolgs unter günstigem Umständen im mindesten noch nicht. – Ich fing also an, alle Umstände genau zu beachten, die einer solchen schwingenden Tafel widerführen, und ihren Einfluß auf das Licht zu berechnen, um so noch vor dem Versuche zu wissen, wie er sich ausnehmen würde. Die Arbeit war mühsam; um so mehr wurde ich überrascht, zu finden, daß, trotz der scheinbar so vielfach entstehenden Werte von Prismen, Konvex-, Konkavgläsern, usw., zuletzt doch nicht der geringste Grund für auch nur eine Spur von dem Erwarteten übrigblieb. Alles, was günstig Scheinendes vorkam, kompensierte sich immer durch ein es aufhebendes Entgegengesetztes wieder, und meine Tafel blieb durchaus, solange sie schwang, und für welchen Ton .... und für welche gewöhnliche Klangfigur ich sie auch schwingen ließ, ein völlig immer sich geschlossenes System von Modifikationen, dessen Endwert an jeder Stelle der Tafel derselbe war, so daß das Licht auf sie einfallen mochte, wo es wollte, ohne daß es durch sie die geringste Veränderung, die nach dem Wiederheraustritt desselben aus ihr noch fortgedauert hätte, erlitt. Es kam mir zugleich vor, als müßte ich wirklich alles von Umstand in Anschlag gebracht haben, was zu der Rechnung nötig war, weil ich sonst wohl unmöglich ein so vollendetes Resultat erhalten hätte. – Also: Ton und Licht stören sich nicht !– Wie aber im Grunde auch könnten sie es, da sie ja eins sind? – Und kaum wird ein Versuch erfunden werden können, der diese Einheit und Einerleiheit ihres Wesens noch unmittelbarer dartäte, als dieser. Ich hatte mich selbst vergessen, als ich meinte, er könnte ›gelingen‹. – Noch gegen vieles andere muß der Ton auf ähnliche Weise in Untersuchung kommen, denn noch vieles ist, was mit dem Lichte gleich ist, also auch mit dem Ton ...... Anhang Johann Wilhelm Ritter. Die Physik als Kunst Ein Versuch, die Tendenz der Physik aus ihrer Geschichte zu deuten Zur Stiftungsfeier der Königlich- bayerischen Akademie der Wissenschaften am 28. März 1806 Wenn die Natur dem Lebensbedürfnis aller übrigen Geschöpfe vor seiner Entstehung schon durch eine Ordnung begegnete, die dem Genießer seiner Befriedigung keine Sorge darum mehr übrigläßt, und dessen Tage mit einem Glück erfüllt, was Unterbrechung selbst kaum trüben kann, weil am gefühlten Bedürfnis erst die Nichtbefriedigung zum Unglück wird; wenn dies schon unsere Bewunderung in Neid verwandeln, und fast uns mit der Schöpferin rechten machen konnte, warum sie uns allein den Mangel und sein Gefühl gelassen: so hat daran nichtsdestoweniger die Gütige das Köstlichste gewählt, was sie zur Mitgift höchst zu beglückender Wesen in ihrem Schatze fand. Denn eine Welt voll Leben, dessen Göttlichkeit sich nur in ihr empfand, war ihrer Verherrlichung letztes Ziel noch nicht. Erst durch ein Wesen, gleichen Seligkeitsgenusses fähig, beschloß sie selbiges erreicht zu haben; mit dem Geschöpf den Schöpfer zu vereinigen, war ihr noch übrig. Und siehe! Alle übrigen hat sie vollendet, nur ihr letztes nicht. Selbst soll es sich vollenden, und damit es dies vermöge, setzt sie ihm ihre eigne Schöpferkraft zum bleibenden Vermächtnis ein. Mensch ist der Name dieses Glücklichen; es bis in das Unendliche zu werden, ist er fähig. Denn Schöpfungswonne selbst soll seiner Tage Werk – und er allein hat eins – begleiten. Nicht sie: der Mensch und seine Schöpfung, sollen die ihrige vollenden und sie krönen. Von den ältesten Zeiten her hat der Mensch diese seine erhabene Würde und Bestimmung gefühlt, und selbst in denen, die wir seine schlechtesten zu nennen pflegen, sie nie ganz aus den Augen verloren. Zwischen den soeben erwähnten Zustand seiner Unvollendung , bei welchem die Natur abbrach, und den mit ihm begründeten andern seiner Selbstvollendung , den herbeizuführen sie ihm überließ, und das Vermögen dazu mitgab, fällt alles, was wir je von seinem Tun und Streben vorgefunden haben, und noch finden; ja selbst sein Irrtum wird zu einem solchen nur durch beständige Beziehung auf das ihm vorgesteckte Ziel. Das Aufsehen nach diesem ist überall seine Andacht, das zu dessen Erreichung auserkorene Geschöpf – er selbst – der Gegenstand, der ihn zu selbiger erweckt, gewesen. Nicht bis zu seiner Vollendung nur, als etwas nur für ihn allein, erhebt er seinen Blick; eine unendliche Schöpfung soll durch ihn erst Zentrum und Peripherie erhalten, die Natur zu integrieren ist seines Daseins Zweck. Wohl aber, und nur um so mehr, ist jene seine Vollendung Mittel, und das einzige, dazu, und in dem Maße, als er dieses Mittels sich mit Treue bedient, wird auch die Harmonie, die sich von ihm aus um ihn her verbreitet, ihn selbst in ihren Kreis aufnehmen, und seiner Seligkeit teilhaftig machen, die jener der Natur selbst gleicht, und die, für ihn auch, diese nur darin zu finden wußte, daß sie das höchste Glück im Mitgenuß desselben erst entstehen läßt. Nicht von Anbeginn indes war glaublich immer die Aufgabe des Menschen und seines Geschlechts, dieselbe und die große, die sie heute ist. Die ältesten Urkunden stimmen sämtlich dahin überein, daß auch der Mensch einst mit der Erde und der Welt in einer Eintracht und Verbindung sich befunden habe, die, ihrer Innigkeit und Geschlossenheit nach, derjenigen nicht nachsteht, in die wir jetzt erst gleichsam wieder zurückzukehren streben. Laßt uns demohngeachtet aber den großen Unterschied, der zwischen beiden statt hat, nicht verkennen. Dieselben Urkunden schildern uns jenen frühesten Stand des Menschen fast mit denselben Farben, die wir noch gegenwärtig für ein jedes andere Geschöpf, was doch so weit von uns entfernt ist, wählen würden. Auch unser Geschlecht scheint also die Natur einst in dem nämlichen Sinne vollendet zu haben, in welchem wir oben alles übrige auf Erden, nur dieses nicht, dafür erkannten. Aber diese Vollendung war nicht diejenige, die in ihrer Dauer der letzten Absicht der Natur bei ihrer Schöpfung entsprochen hätte, und deren wir uns schon erinnert haben. Unvollendung des Menschen war die Bedingung für ihre Erreichung, und nach und nach hat sie ihn in dieselbe übergeführt. Allmählig sollte ihm die Aufgabe eigner Aufhebung derselben entstehen, daß unter der zu großen Lösung er nicht erliege. So nämlich würden wir uns auszudrücken suchen, wenn die Natur nicht einen noch viel höheren Zweck dabei gehabt hätte, den: die Lehrerin des Menschen zu sein. Und über welchen Preis erhaben ist nicht ihre Anstalt, es ihm durch die Geschichte seiner selbst zu werden. Von dem Gipfel einer Vollkommenheit führt sie ihn aus, die ihrer eignen gleich sein würde, wenn sie nicht mit der ihrigen unmittelbar eins wäre. Er selbst beginnt, das Ideal zu sein, was ihm für alle Zeiten letztes werden soll – denn noch ist's ihm dies nicht. Nur wie an sich vorübergehend aber läßt sie ihn dabei verweilen; sie führt ihn weg von ihm, indem er aufhört, es zu sein. Nunmehr erst bricht der Morgen eines eignen Lebens in ihm an, und er erwacht . Erinnerung ist seine Weckerin, Entfernung von sich selbst sein erster Schmerz, und Hebung ihrer seine erste Hoffnung. Denn vor ihm steht sein Ziel , und die Entfernung von ihm wird zum Wege zu ihm . Zur Tat ist er gerüstet: sie betritt ihn . Rücknäherung zu seinem Ausgang folgt ihr auf der Spur, und leuchtend strahlt die erste Freude zu ihm nieder. Wer möchte einen solchen Weg nicht fortzusetzen wünschen! Und er setzt ihn fort, – denn nimmer würde ihm die Freude g'nügen, wenn nicht mit jeder, neuer Weg zu ihr bereitet wäre. Mit jedem Morgen kehrt sein erster wieder, und bringt, was dieser erste, mit. Nicht aber bloße Wiederholung, neue höhere Tat, soll er mit ihm beginnen. In immer weitere Fernen führt sie ihn vom Ziel, aus immer größerer Tiefe hat er aufzusehn zu ihm, und – bald würde er genug getan zu haben glauben, wenn jedes neue Tagewerk nur endete, wo er das vorige angefangen hatte. Aber er erreicht dies nicht mehr; neuer tiefer greifender Schmerz bemächtigt seiner sich, und verzweifeln müßte er über der Schuld der vorigen Tage, verkümmern in ihr, wenn dies nicht eben seinen Blick zum zweitenmal, und wie noch nie, zurück in die Vergangenheit leitete. In lichten unverlöschlichen Zügen liegt seine Geschichte hier vor ihm aufgeschlagen, denn seine Versuche, den Pfad, den die Natur ihn abwärts führte, aufwärts zurückzugehen, sind es selbst, die sie beschrieben haben. Jedes dieser Versuche Grad des Gelingens wie seines Nichtgelingens, bringt der Erinnerung ewig ernstes Buch ihm vor die Augen, und lehrt den Grund ihn kennen und – vermeiden, aus dem so gern die Tat der klaren Einsicht in den Zweck zuvoreilt und so hinter ihm zurückbleibt. Von neuem faßt er seine Kraft zusammen; schärfer, einziger, richtet er sie allein dem Ziele zu; inniger begleitet er die Tat als Hüter selbst: und er erreicht, was ihm noch nie gelang, Gewißheit aus Erfahrung von der Möglichkeit, in Wahrheit einst da wieder anzulangen, wo er ausging. Von nun an trübt ihn keine Ferne mehr, im Schmerze selbst erkennt und pflegt er nur den Keim der Freude; schon hat sie ihn mit Segnungen erfüllt, die ihm die erste Ahnung jener Hohen geben, die die Natur mit ihm zu teilen sich erkoren hat: und wie sich ferner auch der Weg verlängere, er wird ihn nie verlieren, denn die Geschichte seiner selbst ist ihm die Leuchte, in deren Schein er sich ihm aufhellt, und die seine Schritte leitet. Gewinn wird ihm, was vorher Last ihm dünkte, und – bald ist er gewohnt, im stärkeren Andrang seiner Pflicht › das mutige Leben nur doppelt rasch zu fühlen ‹. Sein Ideal desselben aber bleibt durch alle Zeit das nämliche: er selbst . Sich zu vollenden, ist, was ihm allein obliegt: was die Natur damit bezweckt, folgt dann von selber, – und keiner unter uns wird sein, der beides nicht bereits an sich erfahren hätte. So erhaben und mit hoher Bewunderung erfüllend, uns aber auch diese Einrichtung der Natur schon erscheinen muß, durch welche sie dem Menschen Lehrerin wird: so sehr steigt unsere Verehrung dennoch, wenn wir sie in der neuen Würde einer Erleichterin seines viel umfassenden Geschäfts betrachten. Wohl würde er noch immer in Gefahr sein, ihm endlich doch zu unterliegen, wenn sie in einem Individuum für alle Zeit ihn fort erhalten, und Mensch und Menschheit in einer Person vereiniget gelassen hätte. Aber sie gab bei seinem ersten Eintritt in die Welt bereits, ihm den seitdem in so reiche Erfüllung gegangenen Segen seiner Vermehrung bis zu ungezählten Individuen mit. Im Grade dieser Erfüllung seiner, – die man als eine systematische Gliederung des einen Ganzen, was von nun an nicht durch das Individuum mehr, sondern durch die ganze Menschheit, fortbestehen sollte, anzusehen hat, – wurde die Aufgabe des einzelnen selbst eine minder große, und auch eine minder schwere; denn nicht allein, daß es nicht mehr Forderung war, sich bis zum Ganzen unmittelbar herauf zu vollenden, – indem die nächste nur auf Ergänzung zu dem Gliede , was jeder einzelne von diesem ganzen sein soll, ging, – wurde, außer der eignen Geschichte seines Weges, auch die aller seiner Mit-Bewerber um das Ziel desselben noch, für ihn zum lehrenden Beförderer seines Wandels auf ihm. So bildete sich mitten in der Sorge, die jeder einzelne zunächst nur für sich selbst zu tragen hatte, schon eine Anstalt der Vereinigung aller zum ganzen, und dieses Ganze selbst gedieh im selben Maße, als seinen einzelnen Gliedern es, ihrer Bestimmung ferner nachzukommen, gelang. Nicht bloß das Glück des Menschen wußte die Natur so zu vergrößern, indem sie ihm das Vorgefühl des Höchsten, was ihm werden kann, im Mitgenusse dessen eines Glieds von einem Ganzen, was selbst wieder Glied von jenem Höhern, dem mit der Natur, ist, gab und stärkte: auch die Genießer dieses höhern Glückes selbst , hat sie bis ins Unendliche vervielfacht, –gleichsam, als wollte sie den höchsten Teil erst dann daran nehmen, wenn sie vom Ganzen der Geringste wäre. (Wer hier die große Absicht jener Scheidung in Mensch und Menschheit, Staat und Individuum , nicht sähe und verehrte, wäre wohl kaum würdig, je sie zu erkennen, und noch weniger, sich ihrer zu erfreuen .) Bis daher folgten wir dem Menschen bloß noch in seiner einzelnen Geschichte, sofern er Schüler ihrer war. Ganz unausbleiblich aber muß bald die Geschichte seines ganzen Geschlechts zu einer zweiten Lehrerin ihm werden. Auch hat er wirklich früh auf sie zurückgesehn, – und nicht vergebens. Nicht, daß sie ihm allein von allen Seiten her Zurechtweisungen für den eignen Lebenslauf gewährte: was sich ihm darbot, war nützliche Lehre für sämtliche Glieder des Geschlechts , von welchem er sie genommen hatte, und dankbar empfing dieses sie von ihm zurück. Er selbst erhielt den Namen eines Gebers der Gesetze , und in der Tat, was sind Gesetze anders, als was zum Wohle aller dient! Auch finden wir die Gesetzgebung der frühesten Zeiten sich fast nur auf Ratschläge für das individuelle Wohl beschränken. Bald aber mußten ihrer Befolgung mächtig sich häufende Früchte, eine neue und höhere, sie alle überschattende, aus sich erzeugen. Mit der beschleunigten Kultur der Individuen , schloß nämlich auch das Ganze , dessen Glieder sie zu sein, sie selbst einst von ihm ausgegangen waren, sich immer inniger und enger: der Staat gedieh. Noch nie gefühlter Segen goß auf jedes Individuum sich von ihm aus; zur Menschheit fühlten seine Glieder sich vereinigt; von nun an war ihr Werk bloß ein gemeinschaftliches noch, und glänzender als jemals leuchtete die letzte Bestimmung des Ganzen , dem sie sich immer enger zu verbinden strebten, ihnen jetzt entgegen. Von neuem höher steigendem Dank erfüllt, erteilten sie dem Geber jener dahin führenden Gesetze, den zweiten Namen eines Staats-Begründers und Bewahrers ; – und wie auch seitdem das Geschlecht des Menschen sich vermehrt, und, auf den runden Erdball ringsum ausgestreut, fast der Zentrierung in nur einem Punkt der Oberfläche sich entzogen hat: noch immer ist ihm jene eine Einheit höchstes Ideal, und was nicht mehr im Ganzen zu erreichen steht, sucht es in Teilen wenigstens noch würdig darzustellen. Noch gegenwärtig, ja nur um so mehr, ist seine Überzeugung, daß möglichste Kultur des Individuums allein das Mittel sei, in jene Harmonie den Eingang sich zu öffnen , aus der man nimmer wieder auszutreten wünschte; und wer von oben seine Hand ihm dazu bietet, ist wie sie selbst ihm heilig . Es begeht ein Institut am heutigen Tage seine Jahresfeier, das bestellt ist, sich mit dem zu beschäftigen, was durch Vermehrung der Kultur der Individuen, sie selbst dem Glücke der Vereinigung zu einem höhern Ganzen immer fähiger und würdiger zu machen hat. Erhabne Stiftung! Das Haupt des Staats selbst sieht in ihren Gliedern nur die Erräter seines eignen Willens! Sie, die gewürdigt sind, an sich zuerst ihn zu vollziehen, sollen einer Nation die Zeugen seiner Vortrefflichkeit, und Beispiel sein. O daß, ein Mitglied dieses schönen Bunds, ich fähig wäre, seiner Erneuerung Fest so mitzufeiern, wie ich wünschte. Vollende Treue, was der Tat gebricht! Von der Physik, und ihrem Wert im Leben , will ich kürzlich sprechen, – und ich ersuche gleich zu Anfang, beide in derselben weiteren Bedeutung zu nehmen, die ihnen die Akademie der Wissenschaften , in der ich aufzutreten hier die Ehre habe, in der Benennung ihrer einen Klasse (als Inbegriff der Glieder, die sie bilden), selbst zuerkannt hat. Auch werde ich, um anzuzeigen, was die Physik in dieser ihrer allgemeineren Bedeutung sei, kaum mehr noch nötig haben, als bloß anzuführen, daß diese nämliche Verbündung, nächst jener ersten Klasse, nur noch eine zweite in sich unterscheidet die historische), und damit das Gebiet der Wissenschaft, d. i. desjenigen, was Wissen überhaupt schafft, ganz umfaßt hält. Denn während jene aufsucht, was dem Individuum zu seiner Selbstvollendung lehrreich sein mag, stellt diese auf, wie aus Befolgung letzterer der Staat erwuchs und zunahm, die Nichtbefolgung aber beiden schaden müsse. Was bleibt, wenn jene säet , diese erntet , übrig? – Das Gedeihn gibt die Natur. Ich komme jetzt auf meinen Gegenstand unmittelbar zurück. Doch verdenkt's mir nicht, wenn ich am festlichen Tag das Werkzeug auf die Seite lege, und euch das Werk selbst zeige. Vollendet seht ihr es noch nicht, wohl aber mögt ihr sehn, wie es vollendet werde . Nicht ohne Absicht trat ich oben aus den Säulen der Vergangenheit zu euch hervor. Wer nie weiß, was er war, wird auch nie wissen können, was er werden soll. Ihr habt den Menschen zu allem Anfange in einer Vereinigung mit der Natur gesehen, die köstlich und alles gewesen wäre, hätte er ihrer sich als seines Werks erfreut. Aber er war, was Millionen von Geschöpfen um uns jetzt noch sind: ein Geschöpf, Bild der Natur, wie sie ; – vollendet , aber durch die Natur , – Natur im Kleinen selbst . Doch in diesem Zustand, der ihm selbst nichts war, ließ sie ihn nicht; und wir haben die Geschichte seiner Entfernung von ihm uns schon vergegenwärtiget. So kam er, durch das Nicht-mehr- Sein des, was er war , im Streben, durch sich selbst es wieder erst zu werden , zu einem eignen Dasein für sich selbst , was zunahm, wie er auf jenem Rückweg zu dem, was er wieder werden sollte, glücklich vorschritt, und zu gleicher Zeit der Weg selbst sich verlängerte. Nicht aber glaube man hier, das, was er suchte und noch sucht, sei nichts, als bloßer höchster Grad seiner sinnlich darstellbaren, und an seinen vorigen Mitgeschwistern noch so dargestellten Vollkommenheit. Was er verlor, ist die harmonische Einheit des Innern dieses äußerlich Vollkommenen mit dem der übrigen unendlichen Natur ; eine Einheit solcher Innigkeit, daß in ihr, selbst was eins war, sich nicht unterschied. Und diese nämliche hohe Harmonie mit der unendlichen übrigen Natur, ist es auch, in die durch eigne Tat er sich wieder zurückzuversetzen strebt und streben soll, – nur daß bei dieser zweiten Ankunft an ihr, sie nicht vor sich selbst wieder ins Dunkel und in die Verborgenheit zurückgehn wird; denn der Natur letzte Absicht mit dem Menschen ist eben, sie durch ihn zur höchsten Gegenwärtigkeit und Selbstempfindung in sich und allem, was an ihr teilnimmt, aufzuläutern, indem durch ihre Wiederherstellung durch das Geschöpf selbst überhaupt, und auf eine Art, die vorher noch nie da war, und auch in ihren Folgen so neu und besonders ist, ein Wesen entsteht, was ohngeachtet der völligen Wiederherstellung jener Harmonie, durch die Art dieser Wiederherstellung, selbst ein gänzlich neues Verhältnis zu allem übrigen, und damit eine ebenso gänzlich neue Verknüpfung mit ihm, herbeiführt, welche (Verknüpfung), als harmonische Einheit im allgemeinen, höher ist, als die ältere durch den Menschen zunächst wieder herzustellende, die vielmehr jetzt selbst als ein bloßes Glied in letztere eintritt, und in ewig unverlöschlichem Lichte sich an ihr, in ihr, forterkennt. Während der Mensch zunächst nichts will, und sich bestrebt, als jene seine ältere Harmonie zwischen der Natur und sich, schaffend wieder zustande zu bringen, und in dem Grade, als ihm dies gelingt, findet diese neue, in keiner Erinnerung ihm noch vorgekommene, auch ihm so völlig neue, höhere Harmonie sich bei ihm ein, und erfüllt sein Werk mit einem Segen, der selbigem nur immer rascheres Gedeihn, und seinem Schöpfer neue Stärke, gibt. Ja man muß eingestehen, daß, ohne diesen höhern Segen, das Werk dem Täter, und der Täter selbst sich, noch geheim geblieben wären; – genau, wie dies noch heute mehr oder weniger der Fall wird, sobald der letztere aufhört, nach ihm aufzusehen, und seine eigene Existenz ihm dankbar ferner zu vertrauen. Wir haben im vorigen das Gemälde entworfen, dessen Züge wir jetzt nur einzeln weiter zu verfolgen haben, um zu entdecken, bei welchem wir für diesmal uns besonders zu verweilen aufgefordert sind. – Wenn die Unvollendung, in welche die Natur den Menschen aus einem Zustand, der, obgleich von diesem spätem fast das gerade Gegenteil, für ihn doch noch kein ihm selbst eigener, und überhaupt nichts, war, allmählig überführte, in einer Aufhebung seiner harmonischen Einheit mit der Natur bestand, und diese Einheit von einer solchen Innigkeit gewesen war, daß aller Gegenstand oder Unterschied in ihm vertilgt war, an dem sie sogar selbst sich hätte erkennen mögen: so wird mit diesem Übergang des Menschen in jene mindere Vereintheit mit der Natur, ihm überhaupt erst eine Natur als Gegenstand , so wie er selbst ihr gegenüber Etwas , werden und entstehen, und jene wird sich seinem Blick wie seinem Wesen in demselben Maße erweitern, als er von ihr zurückgeführt wird. Die Aufgabe seiner , durch die Unvollendung, in welche er sich versetzt befand, ihm vorbereiteten Selbstvollendung , löst sich somit in eine andere auf, in die: sich mit der von ihm (und immer mehr) sich trennenden Natur von neuem zu vereinigen , d. i. die alte Ordnung zwischen ihr und sich wieder herzustellen, die vormals stattfand, und die keinem Zwiespalt beider Raum zurückließ. Diese Natur, mit der in solche Ordnung zurückzukehren, seine Aufgabe war, bestand in allem, außer ihm allein nicht. Einer Welt den Frieden wiederzugeben hatte er; durch sich sie zu versöhnen, war das einfache, aber auch das große und viel lohnende Mittel, und er der zum Genuß der schönen Mitte selbst Ersehene. Wollten wir die Geschichte jener, alles dies begründenden Trennung des Menschen von der Natur: so würden wir fast nur auf die seiner Wiedervereinigung mit ihr, und des Gelingens dieser, zurückzusehen haben. Was zuerst getrennt war, wird gewiß das sein, was nachmals erst zuletzt sich wieder vereinigen kann; zugleich wird es für das zu erreichende Höchste geachtet werden. Überhaupt wird die Folge, in der die Trennung vor sich ging, vollkommen die umgekehrte der Wiedervereinigung des Getrennten, und durch alle Stufen hindurch, sein. Die nächste Sorge des Tages wird überall auf das zuletzt erforderlich Gewordene gehen müssen, und je weiter dieses von dem zuletzt erst zu Erreichenden abliegt, je höher wird dies letztere, als Höchstes, selbst, geachtet werden. Oft ist auch ein und dasselbe Geschäft, für lange Zeit das täglich zuerst zu Bedenkende geblieben, und bloß sein Umfang hat zugenommen. Ja, es gibt ein solches, was von Anfang an das täglich erste war, und es bleiben wird, solange überhaupt noch Menschen sind, und ein Ziel, nach welchem sie zu trachten haben. Fast alles, ja in Wahrheit alles, was seit der Zeit hinzukam, ist nichts, als fernere Entwickelung desselben einen, und sind seiner Vollziehung Folgen, mit der Anzahl ihrer Stufen selbst, zu unzähligen, und dabei immer höheren, zuletzt zu aller Ideale Ideal aufsteigenden und darin sich verlierenden, geworden, so spricht das nur aus, was Unendliches auf ihm beruht, und wieviel Aufforderung an uns ergehe, ihm nachzukommen. Kaum wüßte ich seine Wichtigkeit mit etwas würdiger zu bezeichnen, als daß die älteste, durch alle folgende Zeit wiederkehrende und durch auf sie bezogene Gebräuche wie in heiliger Erinnerung verbliebene, Sage selbst, in ihm den Menschen seinen ersten Fehltritt tun läßt. Das Geschäft der Selbsterhaltung also ist's, von dem ich rede. In diesem wird sich zunächst, und für alles übrige, der Grad der wiederkehrenden Vereintheit mit der Natur, zu erkennen geben müssen. Worin auch konnte sich die frühere vollkommne Harmonie mit ihr wohl anders auszudrücken haben, in was drückt rings um uns sie noch sich aus, als in aus einer Vollendung (hier durch die Natur ) hervorgehenden Erhaltung seiner selbst . Nur das Vollkommene ist bleibend, und hat seines Bestehens Grund in ihm allein. Das Unvollkommene aber ginge unter, wenn ihm nicht Mittel in die Hand gegeben wären, sich zu ergänzen. In diesem Fall befindet sich der Mensch, und Selbst- Vollendung folgt für ihn unmittelbar aus Selbst- Erhaltung . Man würde uns ohne Zweifel vielerlei Stufen, oder Gesichtspunkte vielleicht, zu nennen imstande sein, auf und aus denen wir den Menschen in dem Geschäfte dieser seiner Selbsterhaltung betrachten könnten, und wir haben ihrer großen Mannichfaltigkeit auch bereits erwähnt. Schon aber durch alles Vorige darauf geführt, in sämtlichem, was er tut und tun kann, ihn doch immer nur demselben einen und letzten Ziel zustreben zu sehen, würden wir auch seine noch so verschiedenen Bemühungen darum, doch gleichfalls nur als in eine letzte allgemeine auf sich lösend, wiederzufinden, und alle einem gemeinschaftlichen Stamm als nur so viele Zweige entsprossend, anzusehen haben, deren Zahl, Art und Gedeihen von der Pflege dieses allen einen Stammes selbst abhängt, und sie unmittelbar voraussetzt. Wir bleiben somit, wo wir kurz sein wollen, und vor Mißverständnis sicher, bei demjenigen ›Teile‹ menschlicher Selbsterhaltung stehen, der unsere körperliche Existenz betrifft; überzeugt genug, daß mit einer naturgerechten Unterhaltung und Verwaltung ihrer, auch alles übrige gegeben, ja ohne die beständige Beziehung auf dasselbe und ihre Verbindung mit demselben, diese selbst nie wahrhaft glücklich sei, im Grunde also mit ihm ganz in eins zusammenfalle. Auch ist die edlere Bedeutung, die wir hier einem, bisweilen allerdings wohl für geringer ausgegebenen, Geschäft des Menschen, das ihm nichtsdestoweniger zunächst obliegt, und dessen Sinn er niemals ohne Nachteil aus den Augen ließ, vorzubehalten suchen, so alt, als menschliche Geschichte selbst. Fast wiederhole ich, wenn ich dafür an die, durch Opfer, Weihe und Entbehrung, schon von den frühesten Völkern hoch bescheinigte, Großachtung seiner zurückerinnere. Um einen völlig klaren Begriff von dem zu haben, was einst in ersten Zeiten des Menschengeschlechts das Geschäft der Selbsterhaltung seinen Individuen gewesen, werden wir kaum nötig haben, mehr uns zu vergegenwärtigen, als daß es ihnen, wie das Leben selbst – was doch durch eben jene ununterbrochne Wiedererneuerung seiner nur bestand, – Kultus unmittelbar war. Noch hatten sie von ihrem Ausgang wenig sich entfernt; seit kurzem war die, später erst so zugenommene, Scheidung ihrer von der übrigen Natur begonnen; die Hebung derselben durch die eigne Tat war noch bei weitem die viel fordernde und so fern vom Ziel anknüpfende nicht, die sie uns jetzt ist. Wenigen Individuen stand eine ganze Erde offen; selten erst bestimmte sie vorkommende Ungewißheit zum freien eigenen Entschluß, der, kaum durch Irrung schüchtern schon, die gebrochene Bahn mit einem Glück betrat und forthielt, das seiner Unerschrockenheit fast gleich war. Das Gefühl der eingebornen Schöpferkraft war ihrem Gebieter noch durch keiner Mißverwendung Druck getrübt und dunkel; der volle Segen seiner Schöpfung, die er selbst war, ruhte noch auf ihm: in einem so gekrönten Werk erkannte er notwendig mehr, als sich: gebietend – diente er. Und wird je Menschen-Würde höheres Bestehn erreichen? – – Wie er ›das fast Verlorne ‹ wieder zu gewinnen strebt, will ich soeben dartun. Dann mag des neuen Besitzes Glück, und seine Vorahnung , entscheiden, ob sterblicher Natur überhaupt ein höheres zu wünschen möglich ist. Es kann nicht an mir sein, von Wort zu Wort hier die Geschichte alles des zu wiederholen, was das menschliche Geschlecht von jeher unternahm, der immer steigendem Unzulänglichkeit der Mittel zu dem selbst immer schwerer zu erreichenden Zweck, abzuhelfen. Eine lange Zeit bestanden, scheint es, diese Mittel fast nur in Vermeidung dessen, was die Erfahrung schädlich, und Haltung an das, was sie als nicht schädlich, ausgewiesen hatte; ein Verfahren, welches doch auch, wo es auf freundschaftlichen Verein mit einer ganzen Natur ankam, nach und nach selbst schädlicher, als nützlich, werden mußte. Ja man war wirklich sogar bald genötigt, zur Hebung manches, was die Übergehung Schädliches erzeugte, gerade was man übergangen hatte, als wenigstens nun nützlich, anzuerkennen, und sich seiner zu bedienen. Auch dies geschah indes nach einer nicht viel anderen Erfahrung, als der durch Zufall, und mußte ebenfalls bald hinter dem Bedarf zurückstehn. Das Letzte, was man noch auf diesem Wege vorzunehmen wußte, war, den Zufall selbst der Prüfung auszusetzen, um allenfalls voraus zu wissen, was bei wiederkehrender Verlegenheit aus ihr erlösen könne. – Habe ich noch nötig, diesen ganzen Gang samt seinen Früchten, bei ihren wohlbekannten wirklichen Namen zu nennen? – Doch war ein anderer kaum möglich, und fast möchte man über ihn mit der Vergangenheit ausgesöhnt sein, wenn man bemerkt, daß seiner Unvollkommenheit Gefühl selbst zur Erinnerung wurde, das wenige, was er doch immer noch gewährte, nur in so steterer Beziehung auf des Lebens höchsten Grund und Ziel erhaltend, zu verwenden, und was wir noch von schönen, besten Zeiten preisen, alle hat sie das Geschlecht, was sie uns darbot, diesem höheren Bezug allein zu danken. Aber vollkommen ausgesöhnt mit dem nicht mehr zu Ändernden, entschädiget für alles, was aus jener Vergangenheit sich ›Schlimmes‹ auf uns übererben mochte, und selbst zu einem Dank entzündet, der sich in tiefe Ehrfurcht und Bewunderung verliert, sind wir, wenn in Jahrtausenden erlittnen Mängeln und nicht halb gelungener Bemühung, wir doch zuletzt nur – eine – große – Anstalt der Natur erkennen müssen, den Menschen aus sich selbst auf die Entdeckung des höchsten und einzigen aller Wege zu leiten, der ihn auf die sein eigenes Glück vollziehendste Art dem letzten Ziele des ihm auf gegebnen Strebens ohnfehlbar zuführt; und eben jene schönen Zeiten – von denen wir, wodurch sie schöne wurden, nicht vergessen dürfen – haben sie empfangen und geboren. Daß, um sich einer früher getrennten Natur mit Erfolg von neuem zu vereinigen, das sicherste Mittel dieses sei, sich, und dann diese Natur selbst, zu kennen, woraus sofort die Vereinigung sich ohne weiteres ergebe, ist eine Wahrheit, die sehr einfach scheint, demohngeachtet aber erst erfunden werden mußte, bis sie zu der gewöhnlichen werden konnte, für die man jetzt sie ansieht. Auch fand man bald nach ihr die Bedingung auf, unter der allein der Mensch zu einer Kenntnis der Natur gelangen könne, die: daß sie ihm selbst gleiche; – wie sollte ohne dies der, der, um er zu bleiben, sich nicht verlassen durfte, sie wohl fassen? – Eine viel bedingtere und spätere Entdeckung aber war, von wo für die Verfolgung einer solchen Gleichung zwischen der Natur und sich, er auszugehen habe, und dann: – in was der so gegebene Punkt des Ausgangs wohl zu finden sei? – Was dieser Frage ersten Teil betrifft, ist von den Weisesten durch Wort und Tat auf eine Art entschieden worden, deren Sinn vollkommen der ist, dem auch wir hier folgen, dahin: daß von dem sichtlichen Bestehen beider, und dem, worin sie hier sich gleich sind, müsse ausgegangen werden, indem ununterbrochene Erneuerung und Reintegrierung dieses auch des Menschen nächste Sorge sei. Die Antwort auf die zweite Frage aber gab, sobald sie selbst nur erst entstanden war, ein Phänomen, in welchem längst Natur und Mensch wie ihresgleichen sich zu begegnen pflegten: – das Feuer . Wo dies hervorbrach, fand im befreundeten Lichte das Leben unmittelbar sich wieder; es selbst erkannte sich erst ganz an ihm, und ward sich heller. Des engen Kerkers Türen, in welchem, vorher eingeschränkt, es fast am Widerscheine, um sich selbst gewahr zu werden, fehlte, öffneten mit ihm sich, und eine Welt stand aufgeschlossen da in Licht und Leben, seinem eignen gleich und einig. In ein unendliches Gemüt verloren ruht sein inneres Auge eins jetzt mit dem äußern und gestärkt so, auf ihr: o daß das seinige es in Bewegung brächte, in allen Gliedern sich ihm zu vereinigen, damit aus einem Leben auch nur eine Tat hervorgäng. Doch – wird er erst das seinige mehr im Innern kennen, so wird auch die Natur das ihrige ihm immer mehr aufschließen; und dazu ist der Weg nur der, sie tiefer zu erforschen. Im gleichen Maße, als ihm dies gelingt, geht ihm sofort sein eigenes Erkenntnis auch stets lichter auf, und wird er sie erst ganz verstanden haben, so ist dann, was er wünschte, von sich selbst erfüllt. Dies sind die Hoffnungen gewesen, mit denen fast noch alle, die der Ergründung der Natur, in alter und in neuer Zeit, sich widmeten, begannen. Daß leben – brennen –, Licht und Leben eins sein, hat sie überall zuerst ermuntert. Vom Feuer sind sie sämtlich ausgegangen, und in fester Überzeugung, das Leben hier an seiner Quelle zu belauschen, und das Geheimnis seiner Unterhaltung und Beförderung, zur eigenen Anwendung, glücklich auszuspähen. Sogar die Erde selbst schien ihnen nur im großen, was das Lebendige im kleinen, – sie eine kleine Erde. Und wie auch hieran erster Begeisterung kühne Phantasie geirrt und nicht geirrt hat, die Kühnheit gab dem Mut, die Phantasie dem Willen Flügel und, das Werk selbst gewann auf jeden Fall. Wieweit bis gegenwärtig diese Feuerwissenschaft , die Lebenswissenschaft zugleich, und ganz dasselbe, was Physik in ihrer allgemeineren Bedeutung sein kann, auch ist, vorgeschritten sei? – ist eine Frage, die man mit gleicher Ungeduld jetzt an uns tun wird, als noch vor kurzem ihre Antwort schwer war, indem man zugestehen muß, daß etwas, was sonst nicht so wahr zu sein pflegt, als es meistens scheint, in unsern Zeiten wirklich stattgefunden habe, daß nämlich wenige letzte Jahrzehende, ja wenige letzte Jahre nur aus ihnen, in die zu fast unübersehbaren Maßen angehäuften Entdeckungen vieler voriger Jahrhunderte, ja Tausende fast, ein Licht und eine Ordnung gebracht haben, die nie so kurze Zeit in so viel Früheres noch brachte. Denn allerdings ist überall damit angefangen worden, die ersten Bedingungen desjenigen Prozesses, der uns das Phänomen des Feuers gibt, zu suchen, und man hat sie auch mehr oder weniger gefunden. So ebenfalls erkannte man die nämlichen Bedingungen für das Bestehn des Lebens wieder. Allein bald zogen eine Menge anderer Vorgänge, die, ohne von Feuer begleitet zu scheinen, mit jenen dennoch sichtlich zusammenhingen, den Blick des Forschers gleichfalls auf sich, und nicht lange, so war das Gebiet dieser dunklen Vorgänge größer und sehr viel größer geworden, als das der hellen. Und obgleich auch das Leben seinem Inwohner allein ein lichtes, dem Fremden aber derselbe dunkle Vorgang war, wie soviel andere außerhalb dem Leben und dem Feuer gleichfalls, und es, wie wir jetzt meinen, leicht gewesen wäre, sie nur als solche, wo das Feuer innerlich geblieben wäre, und so gewissermaßen als eine bloße Fortsetzung des ersten, wo es äußerlich sich zeigte, zu betrachten, alle Vorgänge der Natur überhaupt demnach als Prozesse von doch wesentlich nur einer Art anzusehen: so störte dennoch auf der andern Seite, daß mit dem Unterschied im Phänomen, auch die Bedingungen des Prozesses selbst verschiedene schienen. Zu gleicher Zeit gewährte schon dasjenige, was sich bei dieser ersten unvollkommnen Durchsicht der Natur darbot, so vieles, was, wenn auch nicht unmittelbar zu Aufschluß über Leben, doch zu Schirm und Zier für selbiges, auch zu Geschäft abkürzendem und es verbesserndem Instrument bei seiner bisherigen Unterhaltungsweise, diente, daß bald dieser bloße Teil des Ganzen von manchen fälschlich für das Ganze selbst genommen worden wäre; so sehr es übrigens auch in der Ordnung ist, auch ihn nie zu versäumen, vielmehr im Gegenteil in ihm ein Geschenk aus derselben Hand anzuerkennen, die einst ihre höchsten Gaben in nicht viel anderem Gewand erteilen wird; wozu indes, um ihrer würdig und empfänglich sich zu halten, die Rücksicht auf die Art, die jene ersten nach sich zog, und ihre Unterhaltung, nie in Vergessen kommen darf. Von neuem diese Rücksicht aufzunehmen nun, und reiner, gründlicher, als mehrmals seitdem, ist eben das die letzte Zeit so sehr vor langer voriger Auszeichnende. Viel war ihm vorangegangen. Eine Kraft, die Welten ihre Richtung gab, und überhaupt bestimmt nur schien, Weg überall zu weisen, wurde aufgefunden, ein grauer Stein verriet sie: der Magnet . Wie Schüler um einen mit fremder Weisheit Ausgerüsteten, versammelten sie sich um ihn, ihm zu folgen; auch ihnen könne sichrer Weg auf diese Art nicht fehlen. Und wirklich schloß er ihnen ein noch völlig unbekanntes Land auf; einen neuen Quell des Feuers lehrte er sie kennen, den elektrischen . Wie ein zweiter prometheischer, den ersten selbst noch übertreffender Raub, wurde dieses Feuer von den Sterblichen empfangen. Nicht Donner und Blitz dem Himmel abgelernt zu haben, war, des man sich erfreute: die große Frage um das Leben erhielt jetzt neues Leben. Denn nicht nur einiges, wie vormals, alles war imstande, in Feuer aufzugehen und zu brennen. Ein Licht und Leben schien die ganze Schöpfung zu erfüllen, und wo man es nicht sah, nur im Verborgenen zu glühen. Der Erdgeist selbst trat aus des alten Hauses Schranken, und mit Entsetzen nahm sein Kündiger das angetastete Geheimnis wahr. Um eine Krone wünschte einst er es nie wieder zu berühren; es war selbst einer Krone wert, es nur berührt zu haben. Nicht aber bloß die größere Allgemeinheit dieses neuen gleichsam reineren Feuers, – zufolge welcher sein Entzünder selbst an sich es darzustellen, und so das eigne innre Leben, zu äußerer Schau Gestalt des Feuers anzunehmen, zu bewegen fähig war, – und dann die völlig neue Weise, auf die dies Feuer auch noch andern Sinnen, als dem Auge, sich als lebensgleich und ähnlich darwies, – blieben, was selbiges für alle künftige Zeit so wichtig und zum Gegenstande fernerer Untersuchung machte. Ein fast noch tieferes Geheimnis, als alles dieses schon war, ging an ihm in Offenbarung, darin: daß, was der Mensch bis dahin bloß in seinem Innern , als seines Lebens wesentlichsten Satz und Typus anerkannt, hier äußerlich und sichtbar als ein nämliches Gesetz des Feuers vor ihm auftrat. Denn auch dies Feuer, fand sich, sei pur Wiedervereinigung vorher Getrennter , und daure nur so lange, als noch Getrenntes – und so notwendig sich zugleich Entgegengesetztes – zum Zurückgang in die Einheit da, und in der Einigung selbst begriffen, sei. An Verehrung grenzt die Innigkeit, mit der er diesem Bilde seiner selbst anhing, und, als sich wiederfindend an ihm; es, einem Orakel gleich, gehegt hat, alles noch von ihm erwartend. Und in der Tat, seit dieser Zeit hat es noch jedem gesprochen, der einer Antwort würdig fragte. Fast alles, was sich Herrliches seit ihr gezeigt hat, dankt man seiner Leitung. Die erste Untersuchung, die auf sie begann, war, ob nicht alles Feuer, auch das › nicht -elektrische‹, desselben Ursprungs und Gesetzes wäre, wie das wirklich solche? – Ob nicht das chemische, im übrigen dem elektrischen ohnehin schon gleich, in einer Einigung getrennter Entgegengesetzter sein Bestehen ebenfalls auch habe? – Und vielen von uns ist es noch erinnerlich, wie glänzend damals diese Untersuchung ausfiel, und welch neues Leben sich von ihr aus allem, was Erforschung der Natur betraf, mitteilte. Denn aus zween Verschiedenen brach auch hier , indem sie sich vereinigten, die Flamme hervor, und zum zweitenmal begegnete der Mensch im Bilde seines eigenen Geschäfts sich selbst. Schon glaubte er, es seien diese zwei die nämlichen, die auch ihm zur Einung nur befohlen sein, und er die Mitte. Daß wirklich es nur diese sein, von denen auch sein Leben einzig abzuhängen schien – wie bald sich fand – vollendete die Überzeugung. Wer möchte auch fragen, was ihr noch gebrach, nachdem man wußte, der ganze Himmel sei erfüllt vom einen seiner Elemente, die ganze Erde fließe über von dem andern. War doch von jeher Erd und Himmel zu versöhnen, seines Daseins Zweck! So nahen Friedens Hoffnung indes blieb ihm nicht. Zwar waren es weit bedeutendere Zwei, die für das chemische wie für des Lebens Feuer sich verbanden, als beim elektrischen es schien. Wenn dort sich Geister einten, konnte man hier sagen, daß es Körper wären, und die Koexistenz des Leibes war erklärlich. Auch war schon eingesehen, und nach vielem Beispiel, auf welchem kleinen Umstand es beruhe, daß nicht das Leben selbst in Flammen aufschlug, sondern innerhalb nur glömme, damit es überhaupt sich selbst so näher bliebe. Sogar, daß allen körperlichen Feuers eines Element nur eins und einfach, das andere aber von fast jedem, was die Erde darbot, zu vertreten, und so unendlich vielfach, nur in seiner Summe eins war, hatte man, und mit nicht wenig Glück, des menschlichen Körpers ähnlichem Verhältnis zu der Luft verglichen. Eine Chemie, die man organische nannte, hatte sich gebildet; fast war in kurzem nichts ununtersucht mehr, was von Stoff zum Menschen ein- und ausging, und in ihm zurückblieb. Der lebendige Leib war offenbar nichts als der Feuerherd, auf dem, was Nahrung hieß, durch eingesognes Lebensgas, nur mit nach innen gekehrter Glut, verbrannte, ja was von Regung an ihm vorkam, das bloße Wogenspiel erwähnter Glut selbst, und – schon war eine Diätetik, die, so was gänzlich andres sie auch vorgab, doch rein chemisch und verbrennungsmäßig handelte, in den gewiß für immer merkwürdig und voller Bedeutung bleibenden Irrtum zu verfallen fähig, Abbreviaturen am Lebensprozeß anbringen zu wollen, indem sie ihn, statt mit so großen Massen doch nur mäßig kombustiblen Stoffs, wie der gewöhnliche ihr vorkam, unmittelbar gleich mit dem Kombustibelsten, was nur zu finden wäre, und wovon sie dann ganz kleine Portionen nötig haben, auch das Leben selbst dabei gewinnen würde, zu unterhalten hoffte. Doch über noch ganz anderer Hoffnungen so nahe Erfüllung, war man im Irrtum, und es ist wahrhaft lehrreich, der Enthüllung dieser Täuschung zuzusehen. Gerade, was am meisten, und von neuem, in ihr zu bestärken schien, hat dienen müssen, selbe aufzuheben. Während man über der Fortverfolgung und Verwendung des Studiums des chemischen Feuers für das Leben, fast, was nach langer Zeit doch endlich wieder zu ihm hingeleitet, vergessen hatte, das elektrische , trat dieses selbst zum zweitenmal in einer Würde auf, die an Höhe seine vorige noch übertraf. Ein Klima an Feuer und Leben längst gleich reich, gebar es wieder, und am lebendigen selbst, als ob vor einem neuen Vergessen es gleich von Anfang an sich sicher stellen wolle, gab es zuerst sich zu erkennen. Was es zunächst vor seinen früheren Erscheinungen auszeichnete, war, daß, um es hervorzubringen, keine Arbeit nötig sei, die in den seltensten Fällen natürlicherweise schon geschieht, und auch im Leben. Die Ruhe setzte es in Bewegung, und unter Umständen, von denen auch nicht zwei Individuen auf Erden, groß oder klein, je ausgeschlossen sind; die bloße Berührung reichte hin dazu. Ein solches Feuer mußte durch die ganze Natur, und in stets reger nie verlöschender Glut, zugegen sein. Auch das Lebendige mußte bis in seine feinsten Glieder voll von ihm sein, und daß diese wirklich, selbst nach ihrer Trennung von dem Ganzen, es noch gewährten, erhöhte die Gewißheit. Abermals fand überall das Leben sich nur mitten seinesgleichen, und verschwunden auf immer, war jeder Schein von Tod aus der Natur. Fast aber wäre über der neuen höhern Entzückung, – wie Sterbliche denn oft zu wanken pflegen, zumal wenn sie dem Ziele sich am nächsten wähnen – auch wieder in Vergessenheit geraten, was kurz vorher sie noch so glücklich machte, hätte nicht die Kraft, die diesmal überhaupt nur, um zu orientieren , gekommen zu sein schien, selbst auf dasselbe zurückgeführt. Was Kinder vorher oft schon, unbeachtet von den Eltern, in stiller Einfalt spielend aufgebaut, und ebenso wieder niedergerissen haben mochten, ohne zu erfahren, was sie sich damit selbst bereitet hätten, fand jetzt ein Mann , dem vierzig Jahre unverdroßner Arbeit doch nur Vorbereitung waren, und ohne die er nimmer, ihm den Sinn zu leihen, imstand gewesen wäre. Wie eine Säule ragt er aus dem Schutte jener Zeiten vor, wo das elektrische Feuer noch in seiner ersten Achtung stand; als alles es verließ, blieb er allein ihm treu, und es ist ihm vergolten worden, daß er auf das, was um ihn vorging, fast des Blickes sich enthielt: Was er erfand, trägt mehr als seinen Namen, denn allen Zeiten wird es, was er selbst war, bleiben. Ich würde Mühe haben, kurz zu sein. Doch spreche ich von jüngst sich Zugetragnem, und ihr werdet mich verstehen. Was jene Säule erstlich lehrte, war, daß chemisches Feuer , und elektrisches, demselben Gegensatze ihren Ursprung danken. Der einzige Unterschied war dieser, daß im elektrischen extremisiert ist, was im chemischen aus minderer Trennung in die Einheit übergeht. Das chemische Feuer ist jederzeit elektrisches zugleich , ja es ist Feuer überhaupt nur in dem Grade, als es elektrisches genannt zu werden fähig ist; und es gilt dies von allem Feuer, dem hellen wie dem dunklen. Das zweite, was sich fand, war, daß dies Feuer, was früher schon sich mehr als einem Sinn dem Leben gleich gezeigt, jetzt, bei getroffenerer Prüfungsmöglichkeit, durch alle Sinne ohne Ausschluß sich als solches dartat. Indem es, noch getrennt, dem Menschen dargeboten, dieses eigne Einheit trennte, um gliederweis mit ihm in neue Einheit einzugehen, und so in oder an dem Körper selbst erst Feuer herzustellen, was dann mehr oder weniger mit dessen anderm ungetrennten Leben zusammenfloß, und mit und in ihm vorkam, ward diese neue Einheit, entstehend nur zur Hälfte aus des Lebens, zur zweiten aber aus des Feuers einem Element, nichts weniger vom Leben als volle wahre Vernehmung seiner selbst erkannt, und je nachdem der Sinn, in welchem dies geschah, ein andrer war, war auch die nähere Bestimmung des so Wahrgenommenen für jeden die auch sonst ihm eigentümlich zugehörige. Ein und dasselbe Feuer ward dem Auge Licht , dem Ohre Ton , sodann den übrigen Organen nach der Reihe Geruch, Geschmack, Gefühl, Bewegung, Wärme ; je was und wie es diese Sinne in jedem andern Falle nur vernehmen mögen. Ja man kann sagen, daß durch dies so entstandene System ›äußerer‹ Lebensvernehmung, das einerseits die Basis des ganzen je möglichen Gebäudes sinnlichen Lebens und Lebensvernehmens überhaupt, andrerseits aber, und eben darum, den vollständigsten Beweis, daß alle Sinne nichts als Feuersinne , und alle Vernehmung durch sie nur Feuervernehmung ist, bildet, die Lehre von den Sinnen und des durch sie Vernommenen selbst erst Ordnung und Begriff erhalten habe. Zu diesen beiden schon so großen Resultaten, fand sich bald noch ein drittes, das vollends alles zu gewähren schien, was jene etwa noch zu wünschen übriglassen mochten. Denn in welchen Gestalten man auch bis jetzt das Leben und das Feuer, und bis in welche Tiefen ihres Innern sie noch immer eins sein, untersucht, gefunden, und betrachtet hatte: so war das Leben selbst doch einem Wechsel unterworfen, der, als in des Lebendigen eigner Hand nicht stehend, längst den ihm Untergebenen genötigt hatte, in ihm das Walten einer höhern Macht anzuerkennen: – der Zeit . Ihr, der er alles, was er hatte, und sich selbst, verdankte, vertraute er von jeher auch die fernere Hoffnung; ihr Gesetz zu kennen, hieß, statt zu gehorchen, über sie zu herrschen . Was macht allein die Tat auch wahrhaft glücklich, als eine heitre Zukunft ?–Ist nicht ein jedes Mißgelingen nur die Folge ihrer Dunkelheit? – Wo wird je menschliches Bemühen Früchte tragen, wenn es zur falschen Stunde sich an dem erschöpft, was jetzt gerade ihr entgegenwirken muß? – Und danken wohl die schönsten ihr Gedeihen etwas anderm, als daß Natur und Mensch jetzt einem Ziele zueilt? – Fürwahr, wenn die dem letztern aufgegebene Vereinigung mit ihr, auch eine Tat nur sein soll, wird er nie dazu gelangen, wenn › Zeit und Stunde ‹ nicht die rechten dazu sind! Auch dieser Kenntnis Anfang bot sich ihm auf eine Weise dar, die alles noch von sich erwarten ließ. Eine Wissenschaft, die seit Jahrtausenden sie vorbereitet hatte, bekam, statt oft versuchter fehlgeschlagner, nunmehr wahre Deutung. Ungeheurer Arbeit Mühe ging jetzt ihrem Lohn entgegen, und fast möchte es Gewinn zu nennen sein, daß die, die erstre übernahmen, – und noch lange, ungestört durch eine Rücksicht, sie für uns fort zu übernehmen, bereit sein mögen, – von letzterm kaum noch Kunde haben. Der Sternenlauf entschied die Zeit des Irdischen und des Menschen ; sie, die Getrennte, zu vereinigen, war jetzt das lösungsfähige Geheimnis seiner Tat. An was der Landmann längst und immer glaubte, was ganzer Menschenleben tag- und nächtliche Beharrung nicht ergründen konnten, schien jetzt auf einmal dem schon zweifelnden Gemüt sich aufzuschließen. Und haben wenige noch Zeit gehabt, die Höhe und Gewißheit ihrer neuen Ahnung laut euch mitzuteilen, so kann ich euch aus eigener Erfahrung sagen, daß sie alles gab. War je die Aussicht noch so groß und so verheißend, als die eben dargestellte? – Schien je es leichter, nach gehobnem Hindernis des Raums, auch das der Zeit zu heben, und so alle Elemente des Lebens und der Tat dem letzten Ziel, vereinigt, zuzuführen? – Kaum! – Und dennoch war, das, was gehoben schien, es weniger , als das, was, sich zu heben , erst begann . Gerade dasjenige Resultat, was ihm am allergünstigsten schien, ward in der weitern unvermeidlichen Verfolgung das, was ihm sehr bald den meisten Schaden brachte. Schon früher (s. oben) glaubte man entdeckt zu haben, daß nur der eine Faktor alles Feuers und Lebens eins und einfach, der andere aber, unendlich mannichfacher Art und Abkunft, nur in seiner Summe so zu nennen sei. Der später gefundne innige Zusammenhang des chemischen mit dem elektrischen Feuer, und des letztern ewig rege Verbreitung durch die ganze Natur, erhöhte jenen Schein der Ähnlichkeit der gesamten anorgischen mit der besondern organischen, die ohnedies sich gegeneinander wie völlig ihresgleichens verhielten, nur immer mehr. Ganz unerwartet war daher die bis zur Zeit, wenn auch Gelegenheit dazu sich vorgefunden hätte, noch überall mit einer Art von geheimer, gleichsam heiliger Scheu, sorgfältig umgangene, nun aber doch nicht ferner zu verleugnende Entdeckung, daß ebenso einfach, wie das eine Element des Feuers, das andere es ebenfalls auch sei. Dem einen Oxygen stand überall nur ein und dasselbe Hydrogen entgegen. Vorhandenem Hydrogen allein zufolge, brannten Körper, vorhandenem Hydrogen allein zufolge wurden schon verbrannte, von den verbrennlichen in den gleichen Zustand der Verbrennlichkeit zurückgeführt. Das ähnliche widerfuhr sofort auch den Elektrizitäten , denn Oxygen und Hydrogen waren selbst ja dies nur in dem Grade, als sie es durch die eine oder andre jener Elektrizitäten waren. Wir wissen, daß schon längst die Chemie nicht mehr, bloß bei den Erscheinungen des hellen freien Feuers, stehngeblieben war. Eine Menge Prozesse hatte man aufgefunden, bei denen es nur innerlich zugegen war, und eine fast noch größere Menge, von denen man auch das kaum sagen wollte. Nicht ein Prozeß von allen diesen blieb zurück, der sich nicht als ein bloßes Spiel von Oxygen und Hydrogen erwiesen hätte; selbst der am wenigsten darauf verdächtige, der bloßer Lösung , trat als solches auf. Der große Verräter von allem diesem war – das Wasser . Dieselbe Säule , ›auf deren Tönen ein Universum widerklang‹: wenn sie es ansprach, tat sie es nur durch das Wasser : von diesem pflanzte sich sodann die Wirkung weiter. Und was sie weiterpflanzte, war abermals nichts, als eben – Wasser . Dies zu entzweien, um es wieder zu vereinen, war ihr einziges Geschäft, und was sie noch so Glänzendes bis jetzt gezeigt: hierdurch allein hat sie es ausgerichtet, und über dies hinaus hat sich noch keine ihrer Wirkungen erstreckt . Und doch! – wo ist der chemische , der elektrische Prozeß , den sie nicht gleichfalls dargestellt, – wie viele sind nicht, die sie überhaupt zum ersten Male vorgeführt? – So hatte man denn fast in demselben Augenblick, wo man das Leben ganz begriffen wähnte, es › ganz verloren ‹. Was half's, zu wissen, daß alles in der Natur nur ein modifiziertes Wasser sei? – Viel weniger um dieses Wasser, als um das, was es modifizierte , was die unendlichen Gestalten ihm eingeprägt, in denen die bunte Natur, so wunderbar geordnet, es ringsum zeigt, mit denen allein dem gesunden Gemüt sie volle wahre Lebensähnlichkeit verrät, – darum war es zu tun gewesen. – Und nicht das einzige war dies. – Auch das Lebendige, er selbst, der Mensch , der sich des eignen Lebens Wiederholung schon so hoch erfreut, und, in Vereinigungsversuchen mit jener Säule Feuer, das ganze Gebäude eigner Lebensmannichfaltigkeit, bis auf seinen Grund erschlossen eingesehen hatte: auch ihn hatte es nur durch das Wasser angesprochen, auch ihm nur immer, was von diesem er enthielt, bewegt. Der ihm sein Innerstes erquickende Atemzug, er ward zur bloßen Anstalt, Wasser zu erzeugen; und alles Verkehr seines lebendigen Leibes mit der unendlichen äußeren Natur, dem er sein Leben selbst verdanken, und in welchem allein er es vollenden sollte, – die glänzende noch jeder Hoffnung leuchtende Feuergemeinschaft , ging stumm in dunkle Wassernacht zurück. Wie hin zu einer letzten Hülfe eilt er noch zu dem, der ihn sonst nie bei Frage um den Weg verlassen; auch dieser aber schweigt, denn selbst der Magnetismus ist ein bloßes Spiel des Wasserelements , und hat von jeher nur auf dieses hingewiesen. – Ihr fragtet oben, ›wieweit bis gegenwärtig jene Feuerwissenschaft , die Lebenswissenschaft , und was Physik in allgemeinerer Bedeutung wäre, auch sein sollte, vorgeschritten sei‹? – Die Antwort liegt jetzt vor euch. Zu einer Wasserwissenschaft verloren hat sie sich; ein Ausspruch, der so hart scheint, daß ihn viele noch nicht werden glauben mögen. Ich selbst bin nicht der erste, der ihn tat, und seine Härte fühlte. Ein Mann, den mehrere hätten hören sollen, hat ihn bereits mit einer Kühnheit und Entschlossenheit gewagt, die ihn , und seinen Schmerz, in gleichem Grade ehren. Das Wort nur unterscheidet ihn von mir: der Sinn der Klage ist vollkommen der der unsrigen, und alle werden uns und ihm noch folgen müssen. – Ist aber keine Hoffnung übrig, dem Dunkel, in welches hier das Licht selbst führte, wieder zu entrinnen? – Wird ewig alle Weisheit über die Natur und sich nur negativ erworben positiv, und positiv erworbne negative, bleiben? – Wird nie der Mensch und sein Geschlecht von anderem sich nähren dürfen, als von dem, was ihm vor allem Studium des Feuers und des Lebens schon zu Gebot stand, und er bis auf die neueste Zeit allein mit Glücke fortgesetzt? – Wir müßten uns selbst widersprechen, wenn wir die Möglichkeit der Hoffnung eines Gegenteiles leugneten, ja wenn wir sie als wirklich unser schon, nicht zugestehen wollten. Erlaubt mir, daß ich's wage, die Art euch mitzuteilen, auf die ich die Erfüllung dieser Hoffnung möglich und einst wirklich halte, weil in der Tat sie deutlich so bereits beginnt . Was eben das Schicksal der neuern Chemie .... zu dem ›so zu beklagenden‹ gemacht hat, ist, daß, während sie das Leben in der unendlichen Fülle seiner innern Mannichfaltigkeit, den Organismus selbst , zu erfassen wähnte, sie statt der Form, den bloßen Stoff zurückbehielt, und daß sich ihre ganze Entdeckung darein endigte, daß Natur und Mensch aus einem Stoff geformt sein. Im Grunde aber ist auch dieses etwas, das nicht ganz zu verschmähen ist. Derselbe Stoff muß auch derselben Form empfänglich sein, und ist das , so entsteht damit auch Aussicht, die Identität genannter Formen, wenigstens auf anderm Wege, einst noch zu entdecken. Wie nun, wenn für den chemischen Prozeß, oder überhaupt für den, der endlich so zu nennen, und welcher nirgends etwas anderes, als Feuer , ist, der Stoff das alles, was von Form ihm eigen, aufzugeben, und gleichsam in nur einer allgemeinen zu verbergen, genötigt wäre? – Wenn wirklich Hydrogen, in welches alles auch noch so verschiedne, im Feuerprozeß sich doch auflöst, nichts als unter diese allgemeine eine Form gebrachter Stoff, und Oxygen nichts, als unter die allgemeine, jener entgegengesetzten, zweiten Form, befindlicher Stoff wäre? – Wenn nur das Hydrogen das vor und außer dem Prozeß, oder, da es niemals völlig außerhalb desselben ist, im Maße dieses nicht -totalen Darein-begriffen- Seins, die allgemeine Form Verlassende, und in unendliche andre besondre Formen sich Kleidende, wäre, – während das Oxygen erst im Prozeß die Allgemeinheit seiner Form verließe, und nach demselben, eigentlich im bloßen Grade des Nachlassens seiner, sich der nun auch, und zwar von neuem, entfaltenden Form des Hydrogens, und diesem selbst, erst anschloß: – so daß das Feuer nur die Wurzel des Lebens, und der Organismus der Natur und der des Menschen, bloß auf gemeinschaftlichem Boden in nun verschiedene oder gleiche Zweige und Blätter, Blüten und Früchte, aufgeschoßnen Stämmen zu vergleichen wären, beide also aus demselben Licht und Feuer ihren Ursprung hätten, und hier gerade nur so einfach, und bloßen Wasser -Gewächsen zu gleichen, schienen? – Und wäre dieses, müßte man dann nicht, um mehr als das Bekannte zu erfahren, den Stoff am instruktivsten › außer dem Prozeß‹, ( vor oder nach ihm), da wo er möglichster Autonomie genießt, verfolgen? – Denn eben dieses Autonome ist es, welches im Prozeß, den wir einleiteten, und der in reine Heteronomie sich auflöst, beinahe so ganz aufgehoben wird. Wie wird sich mitten aus der Heteronomie, doch wieder die Autonomie und zwar die höhere, zu der wir selbst bestimmt sind, bilden können, wenn nicht die höchste Heteronomie, in welcher wir mit der Natur zu stehen haben, nur in der Identität der Autonomie uns beider besteht? – Und wie wohl werden wir imstande sein, der Autonomie der Natur uns anzuschließen, wenn wir nicht unsre eigne ihr gemäß so zu beherrschen wissen, daß sie bald unsre, bald wir ihre Stelle, oder vielmehr, einem Dritten gleich, wir beide zu vertreten vermögen? – Wozu notwendig aber die Kenntnis dessen, was die Natur in der ihrigen, und wie sie dazu gelangt ist, erfordert wird, weil die Vereinigung gerade da am meisten zu geschehen hat, wo wir und sie der höchsten genießen; obgleich auch hierzu , und nur um so mehr, die Quelle und der Boden beider, (den wir im Feuer fanden), möglichst gleich sein und erhalten werden müssen. Eine Wissenschaft nun, die wirklich auf das ausging, was wir hier verlangen, und zu einer Zeit, wo wir fast ihren Sinn noch nicht verstanden, ja sie vielleicht ihn selber nicht,– wie denn das wahrhaft Nötige vom Menschen immer anfangs unbewußt, und erst, nachdem er schon darin begriffen, für ihn selbst , der Absicht nach, bemerkbar, und als jetzt vollkommen seine Tat erst vorgenommen wird, – ist ohne Zweifel die Geognosie , in demjenigen Geiste, in dem ein großer Deutscher, wie man sagen kann, ihr Stifter wurde. Hier ist der Erde völlig der Begriff des Lebens dargeliehen. Sie wird in ihrer Mannichfaltigkeit, und Folge dieser, ganz wie ein Lebendiges , – zum wenigsten für jene Zeit, in der sie sie erzeugte, – angesehen. Man sucht die Ordnung auf, und ihre Regel, in und nach der das Individuelle sich in ihr entfaltet und verbunden. Das Gesetz des Lebens und des Organismus selbst ist es, was man aus seiner Übung hinterlaßnen Zeichen zu entziffern sucht, und allerdings ist schon die Deutung dieser Felsenschrift hinlänglich vorgerückt, um ihren letzten Sinn bald jedem zu entdecken. Nicht lange mehr, so wird sich finden müssen, daß in der Tat die Erde einst einem großen solchen ihr eigenen Gesetz des Lebens nachgehandelt, und alles, was von seiner Wohnung unversehrt noch steht, Organ und Körper sei, die dies Gesetz sich schuf. Auch dieses selbst wird man somit gefunden haben, und es nur vermöge seiner Gleichheit mit dem nämlichen des eigenen Lebens, verstehen, und an dessen Leibe nachmals es vollkommen wiederfinden. Man hatte dieses, und mehr als jedes andre frühere noch, lohnende Studium der Erde, vornehmlich deshalb eingegangen, um hier den Stoff mit Ruhe › außer dem Prozeß‹ (dem Feuer ) zu verfolgen, weil, in ihm, alle Mannichfaltigkeit der Form verschwindet, um deren Kenntnis doch für die des Lebens und des Lebendigen es so sehr zu tun war, und die auf dem bloßen Wege einer Untersuchung des Prozesses , in die sich alle frühere Chemie auflöste, nie zu erhalten war. Allein auch noch in einer andern , und fast merkwürdiger, als die vorige, werdenden Hinsicht , hatte man den Stoff hier außer dem Prozesse untersucht. Denn es ist notwendig, daß ein zweites großes Resultat der neuen Untersuchung werde, daß, was so offenbar die Erde einst gewesen war , ein vollkommenes Lebendiges , sie gegenwärtig nicht mehr sei . Was alles Lebendige im Leben hält, und ihm Beginn und Schluß gibt, ist doch derjenige Prozeß von neuem, den wir auch an uns nur Feuer nennen, und dieser, wie ungeheurer Herrschaft in vergangnen Zeiten rückgelaßne Spuren wir auch an und in der Erde finden, zur Zeit ihr doch nichts weniger beinahe gänzlich fehle . Wie ein großer verloschner Feuerbrand, an dem nur selten hie und da noch einzelne Funken sichtbar werden, und der sich bloß noch von der wenigen aus jener Zeit ihm innerlich zurückgebliebnen Glut ernährt, erscheint sie jetzt; ein Feuer an ihr, was, übrigens hell oder dunkel, seinen Bedingungen nach, dem gliche, was das Leben ausmacht und erhält, ist ihr fast gar nicht mehr natürlich, und noch werden wir uns zurückerinnern, daß, als wir früher einzig aus dem Feuer , und zwar dem chemischen , Lebensauskunft zu erhalten suchten, es in den seltensten Fällen von sich selbst da war, und fast beständig wir erst künstlich es vorbereiten, dann entzünden, mußten. (Vom elektrischen freilich könnten wir dies weniger sagen; allein auch hier bewies die Erfahrung, daß, seiner allgemeinen Ausbreitung ohngeachtet, es ebenfalls doch nur in wenigen Fällen, dem vollen Werte seiner Größe nach, dem eingeschränktesten chemischen gleichzusetzen sei, und überhaupt, wie wir es jetzt ausdrücken können, nur noch ein Spiel aus alter Zeit der Erde zurückgebliebener schwacher und bloß innerlicher Glut, sei.) Wo ist dies Feuer hingeschwunden , was die alte Erde selbst sonst in so reichem Maße nährte und belebte? – Was soll der scheidende Koloß bedeuten, der nun, fast leblos, da zu euren Füßen liegt? – Wird ›nie er wieder seine Glieder rühren, und kräftiger der Puls des Lebens seinem Innern schlagen‹? Oder : – – hat diese große Erde , die du Natur nennst, nur für dich den Tod erfahren, und sollst du es sein, der einst, nach langer Trennung, neu sich einigend mit ihr, ihr Wiederwecker wird? – Sollst du es selbst sein, in dem jene Erde und du der von ihr Getrennte nur ein Leben feiert? – Soll eine ganze Schöpfung werden, was bis dahin du allein dir aufgegeben glaubtest: Mensch , und du sie selbst . O dann sieh nicht mehr unter, über dich: sieh hin auf das, was um dich täglich dich umgibt. Bist du der Feuerträger und Vollender der Natur, so lerne von den Ahnen deines eigenen Geschlechts . Vom Grün des Mooses an dem Stein des Bachs, bis zu der Gemse, der der Felsen, und dem Adler, dem der Himmel noch zu niedrig, des Feuers Luft in Duft des Lebens zu verhauchen: sie alle sind, was du gesucht und nicht gefunden, du selbst in deiner Frage. Was die Natur von dir verlangt, ist hier in ungezählten Stufen von ihr selbst vollzogen. Hier also lerne die Vereinigung , wo nicht, so sicher nirgends. Was dich, gesehn in seiner Trennung, so bekümmerte, es ist dein eigen Bild; was du bewundert als Vereinigung, dein eignes nächstes Ideal. Dein nächstes: denn sie alle gingen dir voran, und hören auf, wo du beginnen sollst. Sie lerne kennen, und mit ihnen das Gesetz , nach dem du fortfährst . Sie sind beschlossen, auf daß du es werden könnest. Du selbst warst's einst, und in welch höherm Grad, als sie! Was du zur Trennung kommen lassen, ist nur deine Schuld. Die Zeit der Büßung aber ist vorüber, und du kannst sie heben. Doch glaube nicht, daß dir ein andrer Weg je dafür offenstehe, als der, durch den du selbst in sie versankst. Die ganze belebte Schöpfung siehe an als das, was du, in Schmach gebracht, – wie dich – von ihr erlösen sollst. Sie war das angefangne Werk, was du vollenden solltest. Vollende sie , und du wirst ebenfalls es werden. Fahre fort dann Feuers heilige Flamme, die deinen Händen wie in letzte übergeben ist. Entzünde ganz, was Licht und Leben ferner bringen kann. Es wartet eine Welt, sich deiner Einung zu erfreuen. Die Erde selbst will sich dir öffnen, die Befehle deines Lebens zu vollziehen. Ein Kreis des Lebens, ein lebendiges allein , soll sich auf ihr befinden, – sie nur Organ desselben. Was von Geschöpf sich übrigens noch auf ihr rührt, soll wie des Menschen eigener Beschluß zu seinem Wohl erscheinen; sich selbst beherrschend soll er Herr und Herrscher einer Erde, einer Welt, und einer Schöpfung , sein. Es ist ein alt Herkommen, schwerer Rede Sinn vor ihrem Schlüsse noch an einem Beispiel zu verdeutlichen. Ich habe dieses ganz besonders nötig, und deshalb soll die Sache selbst mein Beispiel sein. Vor allem habe ich bemerken lassen wollen, wie alle Physik, als Erforschung der Natur und des Natürlichen, von jeher ausging von der Sorge für den Menschen , und wo sich günstige Gelegenheit noch fand, auch immer wieder auf diesen zurückkam. Ich habe den jetzigen Schein der großen Entfernung eines beträchtlichen Teils derselben hiervon, doch nachgezeigt als ein notwendiges Stück der Bahn, die, einer Ellipse gleich, der Mensch zu durchlaufen hat, um wieder anzulangen, wo er ausging. Endlich habe ich selbst über die Art Vermutungen gewagt, wie diese Rückkehr möglichst fruchtbar aus dem schon zurückgelegten Teil der Bahn, gewissermaßen rechnungsweise, sich ergebe; und wären sie auch vielleicht gerade das, wo mich die Gegenwart am wenigsten zu billigen vermöchte, so habe ich es eines so festlichen Tages, als der heutige uns ist, nur um so würdiger achten wollen, die Rückerinnerung an ihn und das, was ihn veranlaßt, durch etwas mitbefestigen zu helfen, was kommender Jahrhunderte deutende Entscheidung noch zu genießen haben wird. Doch kann ich diese Stelle nicht verlassen, ohne noch kurz zu einer Betrachtung aufzufordern, die mir bei allem, was ich scheu euch vortrug, am meisten Mut gegeben hat, mich eurer Nachsicht zu versichern. Ist Wiedervereinigung mit einer getrennten Natur, Zurückgang in die vorige Harmonie mit ihr, das, was den Menschen überall zunächst beschäftigte, nach welchem all sein Sinnen und sein Trachten, von jeher jeden Morgen neu sich richtete, – und diese Wiedervereinigung mit ihr, die Folge einer Einsicht und Gewalt in die Natur, die aus allem Willen gleichsam einen nur, aus allem Leben nur ein Leben, aus aller Sorge um dasselbe nur eine einzige macht, deren Lenker und Führer der Mensch allein, die Zahl des mit ihm zugleich Beglückten aber unendlich, ist –: so wird daraus eine Vollkommenheit des Lebens und seines Genießers entstehen, die ebenso, und in aller Hinsicht, unendlich sein muß, als die dem Menschen früher einst wirklich schon eigne, es in einiger erst war. In diesem Zustand aber wird sein Leben und seine Tat ohnfehlbar die höchste Wahrheit und Schönheit selbst darstellen müssen. Er selbst in seinem Leben wird das Kunstwerk sein, des Künstler mit demselben eins und gleich ist, statt daß in aller früherer Kunst, die ebenfalls nie etwas anderes, als auch den Menschen nur, zu ihrem letzten Ideal gehabt hat, sie immer noch, und sehr, getrennt, gewesen sind. Wie aber man von einer Kunst schon dann zu sprechen pflegt, wenn sie die letzte Höhe auch noch nicht erreicht hat, die Physik in ihrer Gesamtheit aber nie etwas anderes bezweckt, als die Realisierung jenes höchsten Lebens und Tuns: so wage ich es ohne Anstand, ihr selbst den Namen einer Kunst zu geben, und einer höhern, als alle übrige. Denn alle sind sie selbst nur dieses Namens würdig, insofern sie sich auf jene höchste aller möglichen bezogen; und was sie noch Entzückendes gewährten, es ist nur die geheime Rückerinnerung an das, was einst der Mensch in frühern Zeiten schon gewesen, und die daraus erfolgende Hinerinnerung an das, was einst weit schöner es wieder zu werden, mit Hoffnung er auf dem Wege sich befindet, der er alles zu danken hatte. So sieht man in der Baukunst höchster Periode nur des Menschen eiliges Bemühen, die Kraftgewalt seines ersten Geschlechts durch Häufung ungeheurer Massen des Dauerhaftesten auf Erden, für alle folgende Zeit der Vergessenheit zu entreißen, und noch erscheint ihr Ordner selbst an ihnen, nur im als Hieroglyphe veräußerten Ebenmaße seiner eigenen Gestaltung. Erst in der Plastik wird der Täter selbst verewigt, und steht im selben Vorgewichte über die Tat, als in der Baukunst diese über jenen, da. Nach einer langen Pause dann, binnen der der Mensch beinahe müßig stand, und zwischen Erinnerung und Hoffnung fast gleich unentschieden, dem bloßen Strom der Zeit allein gehorchte, worauf dann aber doch die Hoffnung siegte, die seitdem fast die Erinnerung verdrängt, und allen Blick der Zukunft zugelenkt, erschien auch – in der Malerei – nunmehr die Tat allmählig wieder, indem ihr Werk der Fläche , ob es gleich, wo sie das höchste leistete, mehr auf den Täter, als die Tat gesehn (ja nur sehn konnte), doch durch den Betrachter erst zu einem vollen Körperlichen wird; wodurch sie gleichsam, in der Aufforderung an ihn, es zu ergänzen, ihm das Beginnen neuer eigner Tat verkünden will. Noch inniger zieht die Tonkunst dann den Menschen in den Kreis der Tat hinein, und ist selbst solche: so daß sie für die neue, oder für die Zeit der Zukunft , ganz zu sein scheint, was einst die Baukunst für die ältre oder für die der Vergangenheit ; indem, wenn jene die Tat veräußernd, diese sie immer verinnernder , aufführt, und auch übrigens jener noch darin gleicht, den Täter selbst als bloßen Ordner oder Gliederer der Tat, durch ganz den nämlichen bloß hieroglyphischen Gebrauch des Ebenmaßes seiner eignen Glieder, in sich aufzunehmen. Ich wüßte nicht, was nach dieser Kunst der letzten Zeit, – von der, ob sie den höchsten Gipfel schon erreicht, oder ihn erst noch erreichen solle, hier unentschieden bleiben muß, – wohl noch für eine zu erwarten sei, die mit den vier genannten eine Reihe bildete, allein diejenige ausgenommen, die höher als sie alle sein wird , und deren Wesen ich bereits hinlänglich angedeutet habe. Daß aber diese höchste aller Künste bis jetzt noch immer mehr den Namen einer bloßen Wissenschaft getragen, ja daß die Vorbereitung ihrer, beinahe, was von Wissenschaft nur überhaupt zugegen, in sich faßt, hilft bloß die Ahnung dessen, was sie, einst am Ziele angekommen, sein muß, ganz vollenden. Was ist ein Wissen , welches nicht der Übung fähig ist, und was ist diese Übung sofort selbst ? – Und ist, was Wissen schafft, unendlich , so wird nach diesem Wissen auch das Können , wofür es einzig da ist, ebenso unendlich sein. Nicht aber bloß nach innen unendlich, Kunst überhaupt erst , ist, wovon wir sprechen: in jedem Sinn unendlich – allgemein – wird sie einst sein. Ihr nächster Gegenstand zwar ist das Individuum in ungetrübter eigner Wahrheit, Lebenskraft und Schönheit. Ein jedes Individuum aber ist sich solcher Gegenstand, und was eines Eigentum geworden, muß es allen sein. Mehr als irgendeine der früheren, ferner, wird die jetzige Kunst, die Kunst des Lebens – sich lehren –, und wie jedes was nur recht wahrhaftig wahr ist, (schiene es dem Menschen sonst auch noch so fern), sich von ihm – lernen – lassen; zumal was hier zu lernen, Befriedigung des ihm angeborensten Bedürfnisses betrifft. Wir wissen noch, wie von den ältesten Zeiten her derjenige vom Volk geehrt war, der ihm Lehrer wurde, und von wie etwas sehr viel Höherem ist hier die Rede. So wissen wir auch noch, welche große neue Frucht schon aus dem Grade des damaligen Gedeihns der Individuen durch Lehre, doch aus ihrer Mitte alle überschattend, schützend, schirmend, sich erhob. Und wieder wie so sehr viel höher muß nicht jetzt die Frucht des so viel größern schleunigem Gedeihns derselben werden, wo sie aus Quellen genährt wird, die man fast die Hoffnung nicht mehr hatte, einst noch zu erschließen! Der sonst nur Staats- Bewahrer hieß, ist jetzt ein Staats-Verjünger , und einmal neuer Schöpfung seiner Zeuge, sieht man zu ihm, dem nie Veralternden, als einem Staats- Verewiger hinauf. Und hielt auch das Geschlecht des Menschen sich längst für allzu ausgebreitet, als daß es des Begriffes seines Ganzen in nur einen fähig wäre, so geschah, was solcher Art nicht möglich war, nur um so mehr auf eine andre, höhere, und hoch über aller Staaten Häupter hob, als höchste alle heiligende Vereinigung, die Kirche jetzt das ihrige empor. Sie, als von welcher sich noch immer jeder letzte Segen auf die ihrem Geschäfte treu Nachgehenden ergoß, indem sie, dieser höchste Segen selbst, von jeher in dem Maße zunahm, als die Menschen eines Staats und ihrer würdiger wurden, und so überhaupt erst da war: Sie ebenfalls , ja sie vor allem , weil alles andre durch sie, in ihr, wird mit der neuen Kraft des Individuums, und keins soll ausgeschlossen sein, in neuen höhern, jeden früheren, als bloßes Vorbild dieses, überblendenden Glanz aufgehen, und alles und sich selbst, ihn ewig mehrend , damit erfüllen. Denn während der Sterbliche wähnt, zu der Natur zurückzukehren, die er einst verließ, ist es ein Gott , der ihm entgegenkommt, und ihn jetzt in sich aufnimmt. Ihn durch die Schöpfung schaffend wieder zu verkündigen, ist er gesandt, Gottheit verbreitend selbst der Mitgenießer ihrer Göttlichkeit zu sein, sein Segen . Kröne, Gott ! mit deinem reichsten Segen dann das Haupt desjenigen , der uns und alle, die ihn Vater nennen, dir entgegenführt. Laß sein ganzes königliches Haus erfahren, was er uns erfahren läßt. Gib Kraft dem Dank, der heute zu ihm aufsteigt, daß er wisse, wir erkennen ihn . Uns aber stärke, seiner Huld und Obhut immer würdiger zu sein. Viel hat er unsern Händen anvertraut, und wenig darf es nicht sein, was wir wiedergeben. An Millionen soll es sich verkündigen, – sie dich in ihm , – – wir ihn ! – Wilhelm Ostwald: Johann Wilhelm Ritter (Rede, gehalten auf der ersten Jahresversammlung der Deutschen Elektrochemischen Gesellschaft am 5. Oktober 1894 in Berlin) An dem heutigen Tage, wo die Deutsche Elektrochemische Gesellschaft zum ersten Male sich als Ganzes vereinigt hat, und der daher in vielen Beziehungen vorbildlich und maßgebend für ihre Zukunft sein wird, glaube ich, daß es angemessen und richtig ist, wenn wir nicht nur der Arbeiten des Tages gedenken, sondern auch einen Blick rückwärts in die Ferne der Zeiten werfen und uns der Anfänge bewußt zu werden suchen, aus denen das entstanden ist, was sich heute so hoffnungsfreudig und frisch entwickelt. Zwar weiß ich, daß trotz einer erheblichen Zahl von Männern, die sich der Wissenschaft als solcher gewidmet haben, diese Versammlung, zu der ich zu sprechen die Ehre habe, zum größeren Teile aus Vertretern der Praxis besteht. Ich glaube aber nicht, daß von diesen der Gegenstand meiner Mitteilung, obwohl er der Praxis völlig fern steht und sich auf Personen und Arbeiten bezieht, über welche sich bald ein Jahrhundert geschlossen haben wird, als nicht hierher gehörig empfunden und daher abgelehnt werden wird. Ich glaube aus den Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, die Überzeugung entnehmen zu dürfen, daß dem heutigen Praktiker nicht mehr jenes Mißtrauen gegen die Theorie innewohnt, welches früher so verbreitet war und so sehr den Fortschritt der Praxis selbst aufgehalten hat. Aber – könnte man mir einwenden – Theorie wollen wir gerne hören und lernen und daraus zu entnehmen suchen, was für die Praxis geeignet erscheint; was soll uns aber eine geschichtliche Darstellung längst abgetaner Dinge, die wir alle auswendig wissen und die uns nichts Neues lehren können? Ist das nun aber wirklich der Fall, kann uns die Geschichte nichts lehren, wenn sie sich auf Dinge bezieht, die in unseren geistigen Besitz mehr oder weniger vollständig übergegangen sind? Ich stelle diese Frage ohne alle Beziehung zu den idealen Zwecken der Geschichtsforschung, ganz von dem Standpunkt des eifrigen und intelligenten Praktikers, der hierhergekommen ist, um etwas zu sehen und zu lernen, was er früher oder später verwerten könnte. Als Antwort darauf möchte ich Ihnen eine Erfahrung erzählen, die ich vor einiger Zeit an mir selbst gemacht habe. Sie haben alle eine Vorstellung von der ungemeinen Bedeutung, welche die mechanische Wärmetheorie für die gesamte Industrie gehabt hat, und Ihnen ist auch bekannt, daß die Anwendungen derselben sich um zwei Hauptsätze gruppieren, von denen alle einzelnen Ergebnisse durch unmittelbare Schlüsse ableitbar sind. Der erste dieser Hauptsätze ist einfach und wohlbekannt: es ist der Satz von der Erhaltung der Energie, dessen Entdeckung wir J. R. Mayer , und dessen Durchführung durch das ganze Gebiet der exakten Wissenschaft wir Helmholtz verdanken. Heute ist dieser Satz, um dessen Anerkennung sein Entdecker seinerzeit einen langen und heißen Kampf kämpfen mußte, eine so allgemein bekannte Wahrheit geworden, daß jeder vorgeschrittene Schüler ihn kennt und sein Ausspruch uns wie eine Selbstverständlichkeit, eine Trivialität vorkommt. Dagegen schwebt über dem zweiten Hauptsatze, der schon viel früher durch das Sadi Carnot ausgesprochen war, ein gewisses geheimnisvolles Dunkel, das um so geheimnisvoller erschien, je mehr man sich von den außerordentlich weitgehenden Konsequenzen überzeugte, welche die wenigen, die ihn verstanden und anzuwenden wußten, wie Clausius , Thomson und Kirchhoff , aus ihm zogen. Mir persönlich wenigstens ging es so; ich habe, wie Jakob um Rahel, sieben Jahre um ihn geworben, ohne näher in sein Verständnis eindringen zu können. Zwar die Rechnungen, die mit ihm verknüpft waren, ließen sich verstehen; – aber der tiefere, anschauliche Sinn, der in diesen Rechnungen versteckt lag und den jene Männer offenbar erfaßt hatten, da sie ja vermocht hatten, jene Formel zum Sprechen zu bringen und ihre bewunderungswürdigen Entdeckungen ihr zu entlocken, dieser Sinn wollte sich mir nicht offenbaren. Ich glaube gern, daß die Schuld wesentlich an mir lag; aber ich weiß auch, daß damals, vor etwa fünfzehn oder zwanzig Jahren, viele mit mir an dem gleichen Übel litten. Heute glaube ich nicht mehr daran zu leiden; ich glaube den wesentlichen Inhalt des zweiten Hauptsatzes begriffen und die so sehr ersehnte Freiheit in dem Gebrauche desselben in dem Umfange der mir beschiedenen Kräfte erworben zu haben. Und wie bin ich dazu gekommen? Durch das einfachste und nächstliegende Mittel der Welt; dadurch, daß ich jene Arbeit von Carnot , in welcher der Satz der Welt zum ersten Male mitgeteilt worden war, im Originale las. Hier ging mir mit einem Male die ganze einfache Größe dieses Gedankens auf; hier sah ich endlich, wie die analytischen Formeln, die mir immer stumm geblieben waren, nur einseitige Ausdrücke einer viel allgemeineren Beziehung waren: hier begann der Gedanke desselben, der mich bisher immer wie eine tote Form angestarrt hatte, Leben zu bekommen, und eine Fülle von neuen Einsichten tat sich mir auf. Und dies war nicht das einzige Mal, wo ich diese Erfahrung machte, wenn mir auch später keine so auffällige entgegentrat; sooft ich mich mit den grundlegenden Arbeiten unserer großen Meister unmittelbar vertraut machte, hatte ich einen Gewinn an Einsicht und Verständnis zu verzeichnen, der weit über das hinaus ging, was aus den sekundären Quellen, den Lehrbüchern und dergleichen zu entnehmen war. Das ist also der sehr reelle Nutzen, welchen das Studium der Geschichte, und insbesondere ihrer Quellen, mit sich bringt. Vielleicht darf ich Ihnen noch eine andere persönliche Erfahrung mitteilen. Ich habe ein ziemlich großes Unterrichtslaboratorium zu verwalten, und infolge der besonderen Verhältnisse desselben wird es vorwiegend von vorgeschritteneren Chemikern und Physikern besucht, welche sogenannte selbständige Arbeiten machen, d. h. wissenschaftliche Untersuchungen, zu denen ich ihnen das Thema und die Grundzüge der anzuwendenden Methoden zu geben habe. Dadurch entsteht ein großer Verbrauch von wissenschaftlichen Problemen und Gedanken, und ich würde um solche oft in Verlegenheit geraten, wenn ich nicht ein unfehlbares Mittel hätte, mir davon zu verschaffen, wieviel ich brauche. Das Mittel ist wieder das gleiche, von dem ich vorher sprach: das Studium hervorragender Originalabhandlungen. Hier bin ich sicher, immer wieder neue Gedanken zu finden. Denn jeder Pfadfinder in einem neuen Gebiete ist gezwungen, indem er seinen Weg verfolgt, zahllose Dinge, die wohl des Verfolgens wert wären, beiseite zu lassen, um von seinem Hauptziel nicht abgelenkt zu werden. Die Zeitgenossen folgen ihm aber so schnell als möglich zu diesem Hauptziel und richten dort ihre eigene Arbeit ein; die auf den Nebenwegen verbliebenen Sachen werden kaum bemerkt, und erst viel später, wenn die wesentliche Orientierung in dem neuen Lande bewerkstelligt ist, denkt man daran, jene vergessenen Schätze zu heben. Zu diesen hat aber wieder nur der Zugang, welcher jene Arbeiten unmittelbar kennenzulernen weiß; in die Lehrbücher geht meist nur das über, was auf der Heerstraße liegt und allgemein bekannt und anerkannt ist. Soviel über den unmittelbaren Nutzen geschichtlicher Studien. Über den unvergleichlichen intellektuellen Genuß, welchen sie vermitteln, über die Erweiterung des Gesichtskreises, die Befreiung des Urteiles, die man auf diesem Wege reichlicher als auf jedem anderen findet, will ich nichts hinzufügen; diese Dinge sind zu leicht der Gefahr ausgesetzt, daß man darüber Phrasen macht, und davon möchte ich mich heute mehr als je freihalten. Und nun, meine Herren, bitte ich Sie, sich mit mir um ein Jahrhundert zurückzuversetzen in die Zeit, wo eben Galvani seine merkwürdigen Beobachtungen veröffentlicht hatte, welche seinen Namen durch die Jahrhunderte tragen. Es mag wenig andere Entdeckungen geben, welche in gleichem Maße wie diese das Interesse weitester Kreise wachgerufen und erhalten haben. Schien es doch, als wäre das Rätsel des Lebens gelöst, als wäre für die ›Lebensgeister‹ der damaligen Physiologie ein reales Wesen in der Elektrizität gefunden, deren Vorhandensein und Tätigkeit Galvani bei den anfangs so rätselhaften Zuckungen seines Froschpräparates nachgewiesen hatte. Unter dem Einflüsse dieser Bewegung brachte der Mann, von dem wir hier reden wollen, seine Jünglingsjahre, die Zeit der lebhaftesten Empfänglichkeit zu. Denn Johann Wilhelm Ritter ist im Jahre 1776 geboren, er war also zur Zeit, wo Galvanis Entdeckung in Deutschland bekannt wurde, 1792, sechzehn Jahre alt. Über seine Jugend habe ich wenig in Erfahrung bringen können. Er ist in einem kleinen Städtchen, Samitz bei Hainau in Schlesien, geboren und ist dann Pharmazeut geworden. Seine Verhältnisse scheinen ziemlich dürftige gewesen zu sein, wenigstens waren sie auch später, wo wir ihn in Jena studierend und bald darauf lehrend wiederfinden, nichts weniger als glänzend. Wir werden uns daher wohl eine zutreffende Vorstellung von seinen Schicksalen machen, wenn wir annehmen, daß er als Pharmazeut mit jenen alle Welt erfüllenden Entdeckungen bekannt geworden ist, und von dem unwiderstehlichen Drang des echten Forschers getrieben, mit den geringen Mitteln, die er sich in seinem Berufe hat erwerben können, nach Jena gegangen ist, um dort an der Quelle seinen Wissensdurst zu stillen und sich der Forschung hinzugeben. In einer aus Wahrheit und Dichtung gemischten Skizze seines Lebens- und Entwicklungsganges, seinen ›Fragmenten aus dem Nachlasse eines jungen Physikers‹, wo er in den Tagen der Bedrückung – 1809 – seine glühende Vaterlandsliebe zum Ausdruck bringt, schreibt er, indem er sich zu seinen hilfreichen Freunden wendet: ›Aber er nahm seine Pflichten gegen Euch noch höher; – er erklärte, die Nation sei seiner Tage Schöpfer gewesen. – Und in Wahrheit! Ihr werdet es verstehen, Ihr! die Ihr gewußt, daß seine frommen rechtschaffenen Eltern – echt deutschen Geblütes aus alter Zeit – ihn einst bei seinem Eintritt in die Welt mit nichts als ihrem Segen begleiten konnten; daß er schon früh den liebsten Wünschen seiner Jugend durch die Fügung in eine völlig technische Laufbahn entsagen mußte, die ihn fünf beste Jahre seines Lebens kostete und der er nur mit äußerster Verwegenheit sich wieder entwand; – und daß er hierauf untergegangen wäre, ohne Euch zu finden; – aber er hatte auf Euch gerechnet und sich nicht getäuscht.‹ In Jena fand Ritter , was er suchte, und entwickelte sich sehr schnell zu einem selbständigen und überaus originalen Forscher. Über seine inneren Erlebnisse gibt die lange Vorrede jener Fragmente reichen Aufschluß, über seine äußeren dagegen nur mehr oder weniger rätselhafte Andeutungen. Er fand Verständnis und Förderung, geriet aber bald in Widerspruch zu einem besonders tätigen älteren Freunde, vermutlich dem Hofrat Voigt , und ergriff daher mit Freuden die Gelegenheit, Jena zeitweilig zu verlassen und nach Gotha überzusiedeln. Seine einigermaßen rätselhaften Andeutungen darüber sind folgende: ›Bei mehr Ruhe ergaben sich die mannigfaltigsten Entdeckungen – lange genug gefürchtet, aber eben darum vermieden. ›Lehrer und Schüler‹ bekannten, sich geirrt zu haben, und mehr als hier bezeichnet werden kann, forderte auf, das ganze lehrreiche und so vielseitig kostspielig gewesene Verhältnis zu lösen ... Eine eigene Verbindung der Dinge, die oftmals alle unsere Scharfsicht übersteigt, brachte selbst noch mehr zustande: der Gefesselte wurde gänzlich frei. Die verschiedensten und verschiedenartigsten Personen (z. B. vier Herzöge, ein Famulus, ein Buchhändler, ein Geheimer Rat, ein Numismatikus, ein Schornsteinfeger, ein Historikus, ein Knabe, Voltas Säule, eine chemisierende Französin und noch vieles andere) waren in diese Erlösungsgeschichte aufs wunderbarste und meist selbst unwissendste darum verflochten, binnen wenigen Monaten aber war sie glücklich beendet.‹ In Gotha ist er, wenigstens was seine wissenschaftlichen Hilfsmittel anlangt, in bessere Verhältnisse gekommen. Schon vor Entdeckung der Voltaschen Säule hatte er die Gesetze der Kette klar erkannt und war daher nach dieser Entdeckung mehr als andere befähigt, sie zu verstehen und zu erweitern. Der Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha und Altenburg stellte ihm die Mittel zur Errichtung einer Säule von 600 Paaren zur Verfügung, und in eine kurze Reihe von Jahren, –1798 bis 1804 – die er abwechselnd in Jena, Weimar und Gotha verbrachte, drängt sich eine solche Fülle von Arbeiten zusammen, daß es fast unbegreiflich erscheint, wie ein einziger Mann, und dazu noch von schlechter Gesundheit, dies alles hat leisten können. Dazu waren noch persönliche Unerfreulichkeiten zu überwinden. Mir liegt ein Brief des Herzogs Karl August von Weimar vor, in welchem dieser einen Jenaer Professor ermahnt, den Widerstand der philosophischen Fakultät daselbst gegen Ritter zu beseitigen. Ritter war von einer Anzahl Studierender gebeten worden, Vorlesungen über den Galvanismus zu halten, und die Fakultät hatte ihm das Recht dazu verweigert, weil er nicht promoviert hatte. ›Ich bemühe Sie daher mit dem Auftrage, der philosophischen Fakultät bemerklich zu machen, daß sie doch nicht gerade jetzt ihre Formen entgegensetze, besonders da es dem Ritter für den Moment schwerzufallen scheint, das Geld daran zu wenden.« Im Jahre 1804 besserten sich die äußeren Verhältnisse Ritters , indem er als Mitglied der bayrischen Akademie der Wissenschaften nach München berufen wurde. Doch konnte er diese bessere Lage nicht lange genießen, denn schon im Januar des Jahres 1810 erlag er einem langwierigen Lungenleiden. Ritters gesamte wissenschaftliche Tätigkeit zu schildern, fehlt heute die Zeit und der Anlaß. Denn wenn diese sich auch so gut wie ausschließlich auf die galvanischen Erscheinungen bezieht, so ist doch ein großer, und vielleicht der merkwürdigste Teil derselben der physiologischen Elektrik gewidmet, die uns heute nicht beschäftigen kann. Doch ist gerade dieser Seite von Ritters wissenschaftlicher Tätigkeit durch Emil du Bois-Reymond in dessen Hauptwerk eine so eingehende und feinsinnige Würdigung widerfahren, daß ich mich mit um so größerem Rechte auf die uns naheliegende Seite, seine elektrochemischen Arbeiten beschränken darf. Ein Bild von Ritters wissenschaftlicher Persönlichkeit gewinnt man am ehesten aus der erwähnten Schrift, die in seinem Todesjahre anonym erschien, den Fragmenten aus dem Nachlasse eines jungen Physikers . Unter der durchsichtigen Verkleidung, als sei er, Ritter , nur der Herausgeber der nachgelassenen Aufzeichnungen eines jüngst verstorbenen Freundes, schildert er zunächst in einer eingehenden Vorrede seinen Entwicklungsgang, aus dem oben einiges mitgeteilt worden war, und gibt dann unter fünfzehn Abschnitten nicht weniger als siebenhundert Aphorismen, Ideen, Bemerkungen, Vorschläge zu Versuchen und dergleichen, welche sich über Physik nicht allein, sondern über die mannigfaltigsten anderen Gebiete der Wissenschaft und des Lebens erstrecken. Um Ihnen eine Vorstellung von der Art dieser Bemerkungen zu geben, will ich gleich den ersten Satz anführen: ›Möchten wohl alle Körper ohne Wärme, möchte alle Materie ohne Wärme, vielleicht gar keine Verwandtschaft mehr untereinander haben? – Aber ohne Wärme möchte auch wohl gar keine verschiedene Materie, und keine überhaupt mehr stattfinden.‹ – Und der letzte lautet: ›Unsere irdische Hülle ist nur eine Anmerkung, die der Schöpfer zum geistigen Text gemacht hat. Man liest sie zuletzt, überschlägt sie auch wohl.‹ Sie haben, meine Herren, in diesen Worten unseren Mann, wie er leibt und lebt. Kühnheit des Denkens, die ihn zu Schlüssen führt, welche die Wissenschaft erst viel später in ihren Bestand aufzunehmen gewagt hat, ist eine ausgezeichnete Seite seines Wesens, und die aus dem letzten Spruch hervorleuchtende Mißachtung des eigenen Körpers steht nicht nur auf dem Papiere, sondern er hat sie in einer Weise betätigt, die sich in der Wissenschaft nicht bald wiederfindet. Wenn ich Ihnen nur das eine Beispiel anführe, daß er, um die Wirkung eines andauernden intensiven Lichtes auf die Gesichtsempfindung kennenzulernen, eines seiner Augen, das er durch eine künstliche Vorrichtung offen hielt, dem direkten Sonnenlicht durch zwanzig Minuten ausgesetzt hat, und um sich zu überzeugen, ob die dabei beobachteten Erscheinungen zufällig oder nicht gewesen sind, alsbald auch das andere daran gewagt hat, und daß er diese gefährlichen Versuche mehrmals wiederholt hat, so sehen Sie, in welchem Maße er es mit der Wissenschaft ernst nahm. Und diese Geschichte ist nicht die einzige. Er hat unter anderem geprüft, wie stark die galvanischen Schläge sind, die man noch eben ertragen kann, und welche Empfindungen sie in den verschiedenen Körperteilen erwecken. Hierbei hat er sich nicht auf Hände, Augen, Nase und Mund beschränkt, sondern auch Körperteile galvanisch mißhandelt, die man sonst nicht zu Experimenten in Anspruch nimmt. Neben diesen großen Vorzügen stehen freilich auch große Fehler. Als den Mann, der den größten Einfluß auf ihn gehabt hat, nennt Ritter Novalis , den Dichter, und nach ihm Herder . Von wissenschaftlichen Vorbildern meldet er nichts. Genoß er dadurch den Vorzug des durch eigene Kraft Emporgearbeiteten, daß seine Anschauungen nicht durch den Einfluß anderer beschränkt waren, so läßt er auch den Nachteil erkennen, den eine solche Entwicklung nur zu leicht mit sich bringt. Es fehlte ihm die Schulung des kritischen Denkens, welche mitten in der Freude des Schaffens sich immer wieder die Frage stellt: kann das Geschaffene auch die strenge Prüfung bestehen, ohne welche in der Wissenschaft nichts Bestand hat? Er verfügt über einen solchen Überschuß von Ideen, daß ihm nicht die Zeit bleibt, trotz fast übermenschlicher Anstrengung sie alle zur Ausführung zu bringen, und so gewöhnt er sich leider mehr und mehr daran, die Ideen für die Hauptsache und ihre Prüfung an der Erfahrung für entbehrlichen Ballast zu halten. Gegen das Ende seines Lebens ist dieser Zug bereits pathologisch geworden; Ritter erklärt, daß er im Besitze eines höheren Kalküls sei, der ihn der Arbeit im einzelnen enthebe und ihm höhere Einsichten der Natur verschaffe, als sie dem gewöhnlichen Physiker eigen seien. Im höchsten Maße wird dieser verderbliche Zug durch eine mächtige Strömung jener Zeit unterstützt, welche nicht nur dies eine Opfer gefordert hat und unter deren Folgen die deutsche Naturwissenschaft noch ein halbes Jahrhundert gelitten hat. Es ist dies die Naturphilosophie unseligen Andenkens, jene Anschauung, nach welcher die Natur sich a priori durch die Tätigkeit der ›Vernunft‹ erkennen lasse, so daß alle physische Erkenntnis als bloße ›viehische‹ in den Hintergrund zu treten habe, wo jene höhere Stimme spricht. Ritter war dieser geistigen Pest nicht von vornherein verfallen. Seine ersten Arbeiten lassen zwar mancherlei erkennen, was uns Naturphilosophie in jenem schlechten Sinne zu sein scheint, doch zeigt ein Vergleich mit zeitgenössischen Arbeiten, daß wir es hier wesentlich mit stilistischen Unarten zu tun haben, welchen fast alle Zeitgenossen huldigten. Der experimentelle Teil dieser Arbeiten ist noch mit Geduld – zuweilen ganz außerordentlicher Geduld – ausgeführt, und die weitreichenden Schlüsse, die er aus ihren Ergebnissen zieht, haben fast alle mehr oder weniger später ihre Rechtfertigung durch die Erfahrung erhalten. Aber nach und nach macht sich, wohl gleichzeitig mit dem Fortschreiten der heimtückischen Krankheit, welcher er so früh zum Opfer fiel, eine Wendung zum Schlimmeren geltend. Immer schwülstiger wird der Stil, immer unvollständiger die Versuche und immer hastiger die Schlüsse, und zuletzt sehen wir den feinsinnigen Beobachter, der die verwickeltsten Erscheinungen der Nervenerregbarkeit bei dem zu seinen Versuchen dienenden Froschpräparat in einer Weise zu deuten wußte, die ein halbes Jahrhundert später den genauesten Kenner dieser Dinge, Emil du Bois-Reymond , zur Bewunderung hinriß, wir sehen diesen Mann Dinge behaupten, die der einfachste Versuch als irrtümlich erweist. Dieser Wandel fällt ungefähr mit der Zeit seiner Übersiedlung nach München zusammen, und die Verhältnisse, in welche er dort eintrat, waren nur zu geeignet, ihn in der Verirrung zu bestärken. Denn dort geriet er unter den unmittelbaren Einfluß des Schöpfers der Naturphilosophie, Schelling , und die Frucht dieses Einflusses erkennen wir in seinen dort betriebenen Bemühungen, der Lehre von der Wünschelrute, den Wasserfühlern und Erzsuchern eine wissenschaftliche Begründung zu geben. Wir können somit für die eigentlich wissenschaftliche Tätigkeit Ritters nur die Zeit von 1797, wo er seine erste Arbeit über den Galvanismus der Naturforschenden Gesellschaft zu Jena vorlegte, bis zum Jahre 1804, wo er nach München übersiedelte, also die kurze Spanne Zeit von sieben Jahren, rechnen. Von der Fülle der Arbeit, welche er in diese Zeit zusammenzudrängen gewußt hat, will ich versuchen, Ihnen, meine Herren, eine Vorstellung zu geben. Jene erste Abhandlung enthält wesentlich eine auf eigene Versuche gestützte Kritik der Hypothesen über die Ursache der Galvanischen Erscheinungen, welche ihn zu dem Ergebnisse führte, daß von allen vorgeschlagenen Anschauungen allein die von Volta haltbar sei, daß es sich um Elektrizität oder ein dieser sehr ähnliches Agens handele, welches nicht durch die organische Beschaffenheit des Froschpräparates, sondern durch die Berührung verschiedenartiger Stoffe erregt wird. Insbesondere war aus den Erörterungen über diese Fragen hervorgegangen, daß auch sehr geringe Unterschiede in der Beschaffenheit der sich berührenden Stoffe genügen, um an einem empfindlichen Frosche Zuckungen hervorzurufen. Daraus zog Ritter alsbald den Schluß, daß überall, wo verschiedene Stoffe sich berühren, auch galvanische Ströme vorhanden sein müssen, daß also auch der Organismus, in dem überall verschiedene Stoffe aneinander grenzen, der Sitz zahlloser elektrischer Ströme sein müsse. Soweit ist alles einwandfrei, und Sie wissen, daß der Aufgabe, diese Mannigfaltigkeit zu entwirren, ein Mann, der eine der glänzendsten Zierden der hiesigen Universität ist, sein ganzes Leben gewidmet hat. Aber nun zeigt sich alsbald die andere Seite Ritters , seine Neigung zu den weitgehendsten Schlüssen: ›Gesundheit ist also zweckmäßige Harmonie der Aktionen dieser Ketten?‹ ›Krankheit – Disharmonie?‹ – ›Die Kunst des Arztes, was ist sie anderes, als – Wiederherstellung der vorigen Harmonie, indem er die Aktion dieses oder jenes Kettensystems vermehrt oder vermindert?‹ – In dieser Schrift befindet sich bereits die Andeutung einer fundamentalen Entdeckung, die allein Ritters Namen unsterblich machen würde. Genauer findet sie sich ausgesprochen in dem auf Grundlage des eben erwähnten Vortrages ausgearbeiteten Buche vom folgenden Jahre: Beweis, daß ein beständiger Galvanismus den Lebensprozeß im Tierreich begleite. Es ist Tatsache, daß die von Volta aufgestellte elektrische Spannungsreihe der Metalle mit der Reihe ihrer chemischen Verwandtschaft für Sauerstoff zusammenfällt . Diese Tatsache war genügend, um den galvanischen oder vielmehr Voltaschen Erscheinungen für immer ihre chemische Grundlage zu sichern, und mit dieser Entdeckung war der Anfang der wissenschaftlichen Elektrochemie gegeben . Um die ganze Bedeutung zu würdigen, welche diese Tatsache für die Wissenschaft gehabt hat, muß man wissen, daß Volta jenen Zusammenhang mit den chemischen Eigenschaften der Metalle nicht nur nicht gesehen hat, sondern auch in der Folgezeit von einem solchen Zusammenhange nie etwas hat wissen wollen. Ja, er hat mit einer ihm sonst nicht eigenen Heftigkeit wiederholt allen und jeden derartigen Zusammenhang in Abrede gestellt, und wenn es nach ihm gegangen wäre, so gäbe es heute keine elektrochemische Gesellschaft, wie überhaupt keine Elektrochemie. War Ritter hier in einen – übrigens erst viel später zutage tretenden – Gegensatz zu dem von ihm über alles verehrten Volta gelangt, so fand er sich mit ihm um so enger zusammen in seiner nächsten größeren Arbeit, seinem ›Beweis, daß der Galvanismus auch in der anorganischen Natur zugegen sei‹, welcher wieder erst als Vortrag vor der Jenaer Gesellschaft und sodann in sehr erweiterter Gestalt in seinem zweibändigen Werke: ›Beiträge zur näheren Kenntnis des Galvanismus‹ mitgeteilt wurde. Galvani und mit ihm die meisten seiner Zeitgenossen hatten die Erscheinungen am Froschpräparat als Äußerungen einer besonderen tierischen Elektrizität angesehen, und Volta war seinerzeit fast der einzige, welcher ihre allgemeine Beschaffenheit behauptete. In Deutschland hatte insbesondere Alexander von Humboldt eine Meinung mit großem Erfolge zur Geltung gebracht, die sich von der Galvanis nur dadurch unterschied, daß er die elektrische Natur des galvanischen Fluidums leugnete. Hiergegen war Volta mit physikalischen Versuchen aufgetreten, indem er das Vorhandensein elektrischer Spannungen bei der Berührung verschiedener Stoffe, insbesondere Metalle, mit Hilfe eines Kondensators erwies. Ritter ergänzte diesen Nachweis auf das glücklichste, indem er das Auftreten chemischer Vorgänge in Fällen, wo die Bedingungen der galvanischen Wirkungen vorhanden waren, und ihr Ausbleiben, wo letztere fehlten, auf das überzeugendste nachwies. Sein Hauptversuch ist folgender: Auf eine Glasplatte werden zwei Stück Zink und Silber oder Kupfer gebracht, so daß jedes Paar der ungleichen Metalle gleichzeitig in einen auf der Platte vorhandenen Wassertropfen tauchte. Eines der Metallpaare ist durch einen darübergelegten Leiter der Elektrizität verbunden, das andere nicht. Wenn der Versuch so etwa vier Stunden gestanden hat, so findet man das Zink, welches mit dem anderen Metalle verbunden war, stark oxydiert, das andere, das im übrigen unter ganz gleichen Bedingungen sich befunden hatte, ist dagegen kaum merklich angegriffen. Die Bedeutung dieses Versuches, den Ritter noch mannigfaltig abänderte, liegt besonders darin, daß er im Jahre 1799, also noch vor Entdeckung der Säule, angestellt und richtig gedeutet worden ist. Denn ich will daran erinnern, daß zu jener Zeit nur die einfache Kette bekannt war, daß die Wissenschaft also über keine größere elektromotorische Kraft als etwa ein Volt verfügte. Unter solchen Umständen war es allerdings keine geringe Sache, die chemische Wirkung der Elektrizität zweifellos nachzuweisen, und die Sicherheit, mit der Ritter seinen Beweis führte, verdient unsere ganze Bewunderung. Im folgenden Jahre teilte nun Volta seine grundlegende Entdeckung mit, daß die elektromotorische Kraft der Kette sich durch den Aufbau zur Säule bis in das Unbegrenzte steigern läßt. Niemand war besser vorbereitet als Ritter , die ganze Tragweite dieser Entdeckung zu erkennen, hatte er doch selbst in seinem eben genannten Buche das Prinzip der Addition, auf dem die Säule beruht, mit aller nur wünschenswerten Klarheit ausgesprochen und nur versäumt, die praktische Anwendung davon zu machen. In seiner ersten Mitteilung über die Säule schilt er sich selbst weidlich wegen dieses Mangels an Weitblick, aber, und das ist charakteristisch für seine selbstlose Art, nur darum, daß dadurch die Wissenschaft einige Jahre länger dieses außerordentliche Hilfsmittel der Forschung hat entbehren müssen. Kein Wort des Neides gegen Volta , keine Spur einer Prioritätsreklamation entstellt seine Äußerungen; immer ist es nur die Wissenschaft, die er im Auge hat. Mit dem größten Eifer wurde nun ›batterisiert‹. Die Zersetzung des Wassers an den Poldrähten, das rätselhafte, erst in unseren Tagen ganz verstandene gleichzeitige Auftreten des Sauerstoffes und Wasserstoffes an zwei fast beliebig weit getrennten Orten, die Zerlegung der Metallsalze, – alle diese Entdeckungen, welche die Namen Nicholson und Carlisle , Cruikshank , Davy berühmt gemacht haben, sind fast gleichzeitig und völlig unabhängig von Ritter beobachtet worden; nur durch den Umstand, daß Volta seine Entdeckung zuerst dem damaligen Präsidenten der Royal Society, Banks , mitteilte, welcher seinerseits Voltas Brief monatelang bei seinen Bekannten und Freunden zirkulieren ließ, bevor er ihn veröffentlichte, hatten die Engländer den zeitlichen Vorsprung vor Ritter , welcher ihnen gestattet hat, ihren Namen mit jenen wichtigen Tatsachen zu verbinden. Bei dieser Gelegenheit erscheint auch der erste Fall, wo Ritter sich, durch theoretische Vorstellungen geleitet, in einen Irrtum verwickelte, der auf ungenauer und zu hastiger Arbeit beruhte. Er glaubte, in der konzentrierten Schwefelsäure ein Mittel gefunden zu haben, welches den Übergang des elektrischen Stromes von einem Metall zu einem Leiter ohne gleichzeitige Zersetzung möglich macht. Indem er nun zwei Wassermassen durch konzentrierte Schwefelsäure und einen Golddraht trennte und dann der Elektrolyse unterwarf, erhielt er auf der einen Seite Wasserstoff, auf der anderen Sauerstoff, ohne daß die beiden Wassermassen miteinander in Austausch treten konnten. Die beiden Gase konnten somit nicht von demselben Wasser stammen, und die Annahme, daß bei diesem Versuch Wasser zersetzt wird, war unrichtig, vielmehr war das Wasser einerseits ganz in Sauerstoff, andererseits ganz in Wasserstoff verwandelt. Nun, meine Herren, wir wissen jetzt, daß Ritters Voraussetzung falsch war, daß auch die Schwefelsäure wie jeder andere Elektrolyt nur unter gleichzeitiger Zersetzung leitet, und Ritter versäumte nicht, seinen Versuch zurückzunehmen, als ihm dessen Unrichtigkeit nachgewiesen wurde. Seine Schlußfolgerung, daß Sauerstoff gleich Wasser plus positiver Elektrizität und Wasserstoff gleich Wasser plus negativer ist, hielt er freilich aufrecht und verwickelte sich hierdurch in eine ausgedehnte Polemik. Die Schwierigkeit, über die er nicht hinweg konnte, war das einzelne Auftreten der beiden Produkte an den Polen; weder er, noch seine Zeitgenossen, konnten sich ein Bild davon machen, auf welche Weise z. B. der Wasserstoff des Wassers, welches am positiven Pole seinen Sauerstoff abgegeben hatte, unsichtbar an den negativen Pol gelangen konnte, um erst dort als Gas zu erscheinen. Es ist dies allerdings keine geringe Schwierigkeit; auch die einige Jahre später von Grotthus aufgestellte Theorie der abwechselnden Verbindungen und Wiederzersetzungen im Elektrolyt ist, wie Clausius nachgewiesen hat, mit den Tatsachen in Widerspruch, und erst die von diesem Forscher angedeutete, von Arrhenius in aller Konsequenz entwickelte Theorie der freien Ionen war imstande, uns ein zutreffendes Bild von den Vorgängen zu geben. Aus der Erkenntnis des Zusammenhanges der chemischen mit den galvanischen Erscheinungen versäumte Ritter nicht, alsbald die weitreichenden Schlüsse zu ziehen, die für ihn so charakteristisch sind, und er sprach es alsbald aus, daß künftig das System der Chemie und das des Galvanismus identisch sein würden. Auch diese Voraussage hat er in das ihm gewohnte Gewand naturphilosophischer Theoreme gekleidet; wenn auch deren Beweise von uns als Schein geachtet werden müssen, so bleibt dennoch die Tatsache bestehen, daß er die wissenschaftliche Entwicklung, welche die Chemie bald darauf für ein halbes Jahrhundert nahm und jetzt wieder genommen hat, als der erste richtig vorausgesehen hat. So weite Ausblicke forderten zu eifrigster Arbeit auf, und Ritter war nicht der Mann, andere Sorgen als die um die Entwicklung der Wissenschaft zu hegen. Mit glühendem Eifer wurde weiter geforscht, und eine flüchtige Aufzählung der gewonnenen Ergebnisse wird Ihnen, meine Herren, zeigen, wieviel von dem, was jetzt unser geistiges Eigentum ist, zu jener Zeit von dem einen Manne geschaffen wurde. Zuerst wurden die elektroskopischen Verhältnisse der Säule klargelegt und das Verhältnis der Wirksamkeit zur Polspannung erforscht. Ritter kam hier zu gleichen Ergebnissen wie in einer gleichzeitigen Arbeit der Berliner Professor Erman . Dann wies er die polare Zersetzung der Elektrolyte durch den Strom der gewöhnlichen Elektrisiermaschine nach. Zwar hatten schon lange vorher die ›Amsterdamer Chemike‹ die Zerlegung des Wassers auf gleiche Weise nachgewiesen; sie hatten aber beide Gase gemengt an beiden Elektroden erhalten, und erst Ritter zeigte, daß sie sich getrennt erhalten lassen, wenn man den Versuch angemessen einrichtet. Noch überzeugender wird der Versuch, wenn man statt des Wassers Metallsalzlösungen zersetzt; insbesondere zeigte Ritter die Ausscheidung des Silbers an der Kathode und die Oxydation von Messingdrähten an der Anode. Gewöhnlich wird bei diesen Versuchen nur der Name Wollaston genannt, der gleichzeitig ähnliche angestellt hat; doch muß man Ritter das gleiche Recht an ihnen zusprechen, da beide unabhängig gearbeitet und gleichzeitig publiziert haben. In diese Zeit fällt noch eine andere grundlegende Entdeckung Ritters : der Nachweis unsichtbarer Strahlen außerhalb des Violetts des Sonnenspektrums. Er entdeckte diese ultravioletten Strahlen mittelst Chlorsilber, nach einer allerdings noch sehr primitiven photographischen Methode. Sie alle wissen, daß auch noch heute kein besseres Mittel bekannt ist, in dies Gebiet des Unsichtbaren einzudringen, als die Anwendung lichtempfindlicher Schichten. Doch liegt diese Sache zu weit von unserem heutigen Zwecke ab, als daß ich dabei verweilen könnte. Außer den genannten Arbeiten brachte das Jahr 1801 noch zwei lange Abhandlungen in der Form von Briefen an den Herausgeber der Annalen der Physik, Gilbert , in welchen zahlreiche einzelne Beobachtungen und noch mehr theoretische Auseinandersetzungen enthalten sind, aus denen sich indessen für unseren Zweck nichts Besonderes herausheben läßt. Wir können sie um so eher übergehen, als wir alsbald wieder Wichtigeres zu betrachten haben werden. Ritter war durch seine Arbeiten schnell genug aus dem unbekannten Apotheker zu einem namhaften Forscher geworden, dessen Ruf vielleicht durch das, was uns an seinen Schriften heute abstößt, die naturphilosophische Einkleidung, zu jener Zeit besonders gewonnen hatte. Als der den Wissenschaften besonders geneigte Herzog Ernst II . zu Sachsen- Gotha daher den Wunsch hegte, sich durch eigene Anschauung mit den alle Welt erfüllenden Wundern der Volta schen Säule bekannt zu machen und dabei das Seine für den Fortschritt dieses vielversprechenden Gebietes zu tun, fiel seine Wahl auf Ritter als den geeignetsten Mann dazu, und er berief ihn nach Gotha, um dort auf seine Kosten Säulen zu bauen und Versuche mit ihnen anzustellen. Ritter nahm mit Freuden an; es ist dies ein Ereignis, von dem wir vorher die Andeutungen aus den Fragmenten kennengelernt haben, und die Zeit, die nun folgte, ist ohne Zweifel die arbeitsreichste und glücklichste seines Lebens gewesen. Er bemerkt selbst später, daß die Veröffentlichung aller seiner Ergebnisse, die er in zwei Monaten fast ununterbrochener Arbeit Tag und Nacht gewonnen hatte, ihm etwa zwei Jahre Schreibarbeit kosten würde. Leider dauerte dieser glückliche Zustand nicht allzu lange. Der Herzog starb bald, nachdem eben eine sechszöllige Säule von 600 Paaren hergerichtet war, und Ritter kehrte nach Jena zurück, mit der Bearbeitung seiner Ergebnisse beschäftigt, und wie es scheint, nicht ohne Sorgen um seinen Lebensunterhalt, die durch seine in diese Zeit fallende Verheiratung sich noch dringender gestalteten. Seine wissenschaftliche Tätigkeit litt darunter nicht. Die erste Frucht seiner Arbeiten in Gotha war die Erfindung der trockenen Säule . Gewöhnlich wird diese Erfindung de Luc oder Zamboni zugeschrieben, doch sind deren Mitteilungen zehn Jahre später gemacht. Auch ist Ritter seinen Nachfolgern darin überlegen, daß er die Theorie dieser Säule vollkommen klargelegt hat; er wußte ganz genau, daß die trockene Säule nur wirkt, solange sie eben nicht trocken ist: sie ist nichts als eine gewöhnliche Volta sche Säule mit sehr großem Widerstände, in welcher die Spannungserscheinungen unvermindert vorhanden sind, dagegen die von der Leitung abhängigen nur in verschwindend geringem Grade. Besonders beachtenswert ist, daß es sich hier nicht um eine Zufallsentdeckung handelt, sondern Ritter hat seine trockene Säule mit der ausgesprochenen Absicht gebaut, die Abweichung ihrer Wirkungsweise von der der gewöhnlichen Säulen zur Aufklärung der Gesetze beider zu benutzen. Unter den weiteren Ergebnissen erwähne ich weiter eine Untersuchung über die Bewegungserscheinungen des Quecksilbers im Kreise der Batterie. Es sind dies dieselben Vorgänge, welche Lippmann zur Konstruktion seines so überaus empfindlichen und brauchbaren Kapillarelektrometers geführt haben; Ritter hat sie, nachdem Volta eine flüchtige Bemerkung darüber gemacht hatte, zum erstenmale wissenschaftlich untersucht und die Bedingungen der Erscheinung klar erkannt. Diese Arbeit ist von um so größerem Interesse, als später gerade an diese Erscheinungen sich die Lösung der fundamentalen Aufgabe der Elektrochemie, die Bestimmung der wahren Spannungen, die zwischen den verschiedenen Bestandteilen der Volta schen Kette bestehen, hat knüpfen lassen. Den Hauptbestandteil der Arbeiten Ritters aus dieser Zeit bilden seine Untersuchungen über den Einfluß des elektrischen Stromes auf die verschiedenen Sinnesorgane, die ich schon vorher als Zeugnisse für die Rücksichtslosigkeit angeführt habe, mit der Ritter auch seinen eigenen Körper zu experimentellen Zwecken in Anspruch nahm. Wir können auf diese Arbeiten, deren eigentlichen Wert vielleicht erst eine ferne Zukunft wird schätzen können, hier nicht eingehen; bei ihnen macht sich zudem die naturphilosophische Neigung Ritters in so hohem Maße geltend, daß eine gewisse Selbstüberwindung dazu gehört, ihm durch den Wust von Polaritäten und dynamischen Wirkungen zu folgen, unter denen er seine Versuchsergebnisse begraben hat. In das folgende Jahr 1803 fällt die Entdeckung, welche am engsten mit Ritters Namen verknüpft ist, die der Ladungssäule, oder, um einen Ihnen geläufigeren Namen zu gebrauchen, des Akkumulators oder elektrischen Sammlers. Die Geschichte dieser Entdeckung ist merkwürdig genug. In den oben erwähnten Arbeiten war Ritter unter dem Einflüsse des Schlagwortes der Naturphilosophen, Polarität, auf den Gedanken geraten, daß sich alle physiologischen Wirkungen der Säule dahin formulieren lassen, daß bei der Öffnung des Stromes gerade das Entgegengesetzte von dem eintritt, was bei dem Schlüsse stattgefunden hatte. Es scheint unzweifelhaft, daß Ritter nicht selten den Tatsachen Zwang angetan hat, um sein Schema durchführen zu können; in dem Falle aber, der uns beschäftigt, ließ ihn sein Schema erwarten, daß, nachdem er einen Strom durch ein Leitersystem durchgeleitet hatte, nach dem öffnen desselben ein entgegengesetzter Strom wieder aus dem Leiter heraustreten müßte. Bei rein metallischer Verbindung geschah nichts davon, wohl aber, wenn in dem Kreise eine Abwechslung von Leitern erster und zweiter Klasse vorhanden war. Ganz neu war Ritters Entdeckung nicht; die Tatsache der Polarisation war etwas früher schon von einem französischen Forscher namens Gautherot beobachtet worden, indem dieser fand, daß zwei Platindrähte, die zur Wasserzersetzung gedient hatten, hernach auch ohne die Anwendung verschiedener Metalle auf der Zunge die bekannten galvanischen Geschmacksempfindungen hervorriefen. Diese waren zu jener Zeit neben dem Froschpräparat das einzige empfindliche Galvanoskop. Gautherot schloß aber nicht, daß es sich hier um eine neue Klasse elektrischer Erscheinungen handelt, sondern daß die Erscheinungen von einem Agens herrührten, das von der Elektrizität verschieden sei, da es am Metall haften bleibt, auch wenn dieses ableitend berührt wird. Ritter warf sich mit gewohntem Feuereifer auf das neue Gebiet und benutzte insbesondere die Lehre, welche ihm Voltas Entdeckung der Säule gegeben hatte; er baute alsbald auch eine Säule aus Kupfer und feuchten Pappscheiben und erhielt, wie erwartet, mit dieser viel deutlichere Ladungserscheinungen als mit einem einfachen Plattenpaar. Er stellte eine ganze Reihe von Eigenschaften seiner Ladungssäule fest, ermittelte, daß die Ladung zwar einige Zeit, aber nicht dauernd an den Metallen haften bleibt, wodurch gleichzeitig Voltas Auffassung widerlegt wurde, daß die Erscheinungen nur von der Bildung von Säure und Alkali an den Platten herrühren, fand, daß die Metalle um so besser sich laden lassen, je mehr sie sich dem negativen Ende der Spannungsreihe nähern, und verfehlte nicht, alsbald auch sehr weitreichende Erörterungen über die dadurch gewonnene Möglichkeit, die Wirkung der Säulen ins unbegrenzte zu steigern, anzustellen. Ritters Entdeckung erregte verdientermaßen bedeutendes Aufsehen und hätte wohl den von Napoleon gestifteten galvanischen Preis verdient, um den er sich damals bewarb. Übrigens scheint auch Ritter zu jener Zeit einiges aus seinem Aufenthalt am Gothaer Hofe gelernt zu haben, denn er wußte seine Entdeckung durch einen überaus ›eleganten‹ Versuch, wie wir heute sagen würden, dem allgemeinen Interesse näherzubringen. Er ließ sich ein Goldstück geben, ›galvanisierte‹ dieses durch die Einschaltung in einen Stromkreis zwischen zwei nassen Pappen und gab es dann dem Besitzer zurück, der es zu den anderen, die in seinem Besitze waren, tun mußte. Nach einiger Zeit bat er sich den ganzen Vorrat an Goldstücken wieder aus und prüfte eines nach dem anderen mit Hilfe des präparierten Froschschenkels. Hierbei bewirkte nur das polarisierte einen Strom und dementsprechend eine Zuckung des Präparates, so daß er den galvanisierten Louisdor unter beliebig vielen anderen herauserkennen konnte. Die Sache machte in dieser Form einen großen Effekt und ging in die verschiedensten Zeitschriften über. Das folgende Jahr bringt eine Entdeckung, von der die wenigsten wissen, daß sie von Ritter herrührt. Ihnen allen ist bekannt, daß eine ganz außerordentlich kleine Menge Zink genügt, um einer großen Menge Quecksilber die elektromotorische Stellung des Zinks zu geben. Dies ist zuerst von Ritter beobachtet und untersucht worden, und zwar bei Gelegenheit einer Arbeit über die elektromotorische Stellung der Legierungen im Verhältnis zu der der Bestandteile, die durch das Palladium veranlaßt war, welches damals gerade von einem englischen Chemiker Chenevix als eine Verbindung von Quecksilber mit Platin ausgesprochen wurde. Die interessanten Nebenumstände, welche mit dieser Sache verknüpft sind, kann ich hier nicht auseinandersetzen, zumal ich dies an einem anderen Orte bereits getan habe. Zu derselben Zeit beschäftigte sich Ritter mit einer anderen Erscheinung, die von dem Chemiker Buchholz zufällig entdeckt, von ersterem als galvanische erkannt worden ist und ihm zu einer ganzen Anzahl feinsinniger Bemerkungen Anlaß gibt. Auch in diesem Falle finden wir unseren Forscher mit einem Vorgange beschäftigt, an welchen sich später eine außerordentlich folgenreiche Entwicklung angeschlossen hat. Denn dieser selbe Versuch von Buchholz ist derjenige, an welchen Helmholtz seine theoretischen Untersuchungen angeschlossen hat, in deren Verfolg er lehrte, aus den Dampfspannungen der angewandten Lösungen die elektromotorische Kraft der entsprechenden Konzentrationskette zu berechnen, und so den Weg zeigte, auf welchem gegenwärtig das Problem der Volta schen Kette im wesentlichen gelöst worden ist. Der Versuch besteht in folgendem: Man schichtet über eine konzentrierte Lösung von Zinnchlorür eine verdünnte Lösung desselben Salzes, oder auch verdünnte Salzsäure, und taucht einen Stab von Zinn in die Flüssigkeiten so, daß er die Grenzfläche der beiden Lösungen durchschneidet. Ist dies geschehen, so sieht man in kurzer Frist in der konzentrierten Lösung metallisches Zinn sich ausscheiden, während sich in der verdünnten Zinn auflöst. Dies dauert so lange, bis beide Lösungen von gleicher Stärke sind, und die Ursache des Vorganges ist, daß das ursprüngliche System für sich nicht beständig ist und erst zur Ruhe gelangen kann, wenn die Konzentration überall gleich ist. Da nun durch den galvanischen Vorgang dieser Endzustand schneller erreicht werden kann als durch die Diffusion, so tritt eben der erste ein. Ritter hat nun die elektrische Natur dieser ihrem Entdecker höchst rätselhaften Erscheinung richtig erkannt und dabei das höchst wichtige, noch heute nicht genügend beachtete Prinzip ausgesprochen, daß ein chemischer Vorgang, um elektrisch wirksam zu sein, in zwei voneinander räumlich geschiedene, aber zeitlich aneinander gebundene Prozesse zerlegt werden muß. So ist z. B. im Daniell schen Element der chemische Vorgang die Ausfällung von Kupfer aus seiner Salzlösung durch metallisches Zink; damit dieser Vorgang aber elektrisch wirksam wird, darf man nicht die Ausscheidung des Kupfers und die Lösung des Zinks an einer und derselben Stelle stattfinden lassen, wie das beim einfachen Eintauchen des Zinks in die Kupferlösung eintreten würde, sondern beide Prozesse finden an verschiedenen Orten statt, die Auflösung des Zinks an der einen und die Fällung des Kupfers an der anderen Elektrode. Die Gesamtheit seiner aus unzähligen Versuchen gewonnenen Anschauungen faßte Ritter im Jahre 1805 in ein umfassendes Werk zusammen, welchem er den Titel ›Das elektrische System der Körper‹ gab. Bei der Durchsicht desselben nehmen wir wahr, daß er den Höhepunkt seines Schaffens bereits überschritten hat. Zwar enthält es wieder eine Fülle wertvoller Beobachtungen, und an Weite und Größe seiner Gesichtspunkte übertrifft es die vorhergegangenen; aber – und darin merkt man den Verfall – die Selbstkritik, welche die schweifende Phantasie immer wieder zügelt, daß sie die Bahn der Wirklichkeit nicht verläßt, ist ihm unter dem narkotischen Einflüsse der Naturphilosophie und unter dem Fortschreiten der Krankheit, die ihn verzehrte, mehr und mehr verlorengegangen. Und so sehen wir, daß der gesunde Grundgedanke seines Werkes, welcher der Leitgedanke seines ganzen wissenschaftlichen Arbeitens war, – daß nämlich die chemischen Eigenschaften der Stoffe in engstem Zusammenhange mit ihren elektrischen stehen – ein Gedanke, welcher bald hernach in dem elektrochemischen System von Davy und Berzelius seine teilweise Verwirklichung fand, – wir sehen, daß dieser Gedanke durch unrichtige Behauptungen, durch fehlerhafte Schlußreihen verdeckt und der Mißachtung preisgegeben wird, und daß auf diese Weise Ritter selbst für lange Zeit den Acker zerstört, für dessen Urbarmachung er früher und mehr als irgendeiner seiner Zeitgenossen gearbeitet hatte. Über die letzten Lebensjahre Ritters lassen Sie mich kurz hinweggehen. Er kam nach München, wurde dort in der mystischen Richtung, der er ohnehin zuneigte, bestärkt und griff die ihm von seinem Freunde Weiß gesandte Nachricht, daß sich in Gargnano am Gardasee ein Mann befinde, welcher die Fähigkeit besäße, unter der Erde verborgene Wassermengen und Erzlager zu fühlen, mit Begierde auf. Er veranlaßte den Minister Montgelas , ihm die Mittel zur Prüfung der Sache zu bewilligen, und brachte bald hernach den Mann, Campetti mit Namen, nach München. Durch die geheimnisvolle Art, mit der die Sache behandelt wurde, ward bald die Neugier weitester Kreise rege gemacht, und ein Spuk, der auf das lebhafteste an das Treiben der Tischrücker und Spiritisten gemahnt, begann sein Wesen zu treiben und, wie man gestehen muß, unter tätiger Mitwirkung Ritters , der von der Realität der Erscheinungen völlig überzeugt war und mit seiner gewohnten rücksichtslosen Selbstaufopferung für das eintrat, was er für wahr hielt. Zerwürfnisse mit der Akademie blieben nicht aus und verbitterten die letzten Lebenstage Ritters . Am 23. Januar 1810 ging der Mann, der im Leben sich nie Ruhe hatte gönnen mögen, zur ewigen Ruhe ein. Er hatte nur ein Alter von 33 Jahren erreicht. Meine Herren! Das Bild, welches wir eben an unserem Auge haben vorüberziehen sehen, ist nicht das eines jener Heroen der Wissenschaft, deren Arbeit und Persönlichkeit in geschlossener Ruhe, in klassischer Strenge vor uns steht und an deren Größe wir staunend emporblicken, ohne den Mut zu haben, es ihnen gleichtun zu wollen. Nein, wir sahen einen Mann, der zeitlebens an den Schwierigkeiten getragen hat, welche die Ungunst äußerer Verhältnisse, die Unausgeglichenheit einer in stetem Kampf um das bloße Leben erworbenen Bildung ihm in den Weg gelegt haben. Kein Buch hat er hinterlassen, das man dem Schüler in die Hand geben kann mit der Weisung: hier findest du das, was du brauchst; – kaum eine seiner zahlreichen Entdeckungen hat er in eine Form prägen dürfen, welche unverändert die Jahrhunderte zu überdauern fähig wäre. – Und dennoch nehmen wir von ihm mit dem Gefühle Abschied, daß wir einem großen Manne begegnet sind. Was unzulänglich an ihm war, ist der Schwierigkeit seiner Verhältnisse, seinem Kampf mit der verzehrenden Krankheit zuzuschreiben. Aber über alle Unzulänglichkeit erhebt sich die Gestalt des Helden, der seine ganze Person einsetzt für seine Ideale, dessen ganzes Leben nur den einen Zweck kennt: die Erforschung der Wahrheit.