Christian Reuter Graf Ehrenfried Personen sind: Ehrenfriedt / ein Graf / Feuerfax / des Grafens Hauptmann / Fortunatus / des Grafens Capitain-Lieutenant . Friedenschild / des Grafens Fendrich. Hasenius / des Grafens Secretair , Mirax / des Grafens Stallmeister / Narruffsky / und Pamphylius / des Grafens 2. Cammerdiener. Cursino / und Culin / des Grafens 2. Läuffer / Marode / und Sylvester / des Grafens 2. Jäger Damastor / und Kilian / des Grafens 2. Heyducken / Mummelmärten / des Grafens ungetreuer Cammer-Junge. Grethe / des Grafens Köchin. Clare / des Grafens Haußwirthin / Leonore / eine Närrin / in Graff Ehrenfrieden verliebt. Servillo / ein Königl. Page / Leander / und Jucundus / 2. lustige Studenten / Injurius / ein versoffener Advocate . Herr Johannes / ein lustiger Weinschencke. Walpe / dessen Frau / Klunte / eine alte Trödel Frau / Thomas / ein Nachtwächter. Courage / ein lustiger Diener / in Grethen verliebt. (Hierzu kommen noch etliche masqvi rte Personen / welche Graf Ehrenfrieden in die Bad-Stube tragen. Täntze sind: Ballet von alten Trödel-Weibern. Ballet von Nacht-Wächtern. Ballet von des Grafen Hochzeitbittern. Vorstellungen des Schau-Platzes sind: eine Stadt / Graf Ehrenfrieds Audienz -Gemach. eine Gasse mit einem Weinkeller. Graf Ehrenfrieds Bad-Stube. Graf Ehrenfrieds Nachtlager. Graf Ehrenfrieds Lotterie oder Glücks-Bude. Erster Handlung Anderer Handlung Dritter Handlung Der Schau-Platz praesenti ret eine Stadt / und im Prospecte zeiget sich Graf Ehrenfrieds Audienz -Gemach. Erster Handlung Erster Aufftritt. Fortunatus / Marode / Sylvester. Fortunatus. J Ch wolte wündschen / daß Jhr: Excellenz und Hoch-gräffl. Gnaden zu Hause wären / vielleicht stündet ihr Jhm alle beyde an. Sylvester. Wird denn der Herr Graf lange aussen seyn? Fortunatus. Mein Freund / das kan ich nicht wissen; So bald Er aber von Hofe kömmt / will ich eurer bey Jhrer Excellenz und Hochgräfl. Gnaden schon bestens gedencken. Marode. Ey ja / mein Herr Capit. Lieutenant , Er sey immer so gütig / und rede bey dem Herrn Grafen unser bestes / wir wollen uns schon gegen denselben mit der Zeit danckbar erweisen. Fortunatus. Es hat davon gantz nichts zu sagen / denn mein gnädiger Herr muß ohndem noch zu seinem Staate noch ein paar tüchtige Jäger halten. Marod. Hält denn der Herr Graff ietzt gar keinen Jäger? Fortun. Er hält wohl einen / allein es ist ein alter Kerl / der sich nicht mehr mit dem Gesichte behelffen kan. Sylvest. Wo ist denn derselbe? Fortun. Mein gnädiger Herr hat ihn gestern in seine Graffschafft geschickt / da soll er ein wenig die Wild-Bahne recognosci ren / denn es wurde neulich her bericht / die Unterthanen schössen daselbst die Hasen so weg. Marod. Es hat uns gestern ein alter Jäger zwey Meilen von hier begegnet / vielleicht ist es derselbe gewesen. Fortun. Wie sah er denn aus? Marod. Er hatte einen alten Dachs-Rantzen auff dem Buckel / und einen erschrecklichen großen Barth. Fortun. Ja / denselben hat er / denn mein gnädiger Herr hat ihn immer damit geschraubt / und gesagt: Wenn er sich nicht würde den grossen Barth abscheeren lassen / so wolte Er selbst einmal her seyn / und ihn solchen mit einem Strohwische abbrennen. Sylvest. Sieh! sieh! ist dieser bey dem Herrn Grafen in Diensten? Fortun. Mein gnädiger Herr hat ihn bißhero nur das Gnaden-Brodt gegeben / und weil er ein alter Kerl ist / so braucht er ihn manchmahl zu verschicken / dafür hat er Jährlich 10. Rthlr. Marod. Ey das ist mehr als zu viel vor so einen Jäger / der nicht mehr schiessen kan. Fortunatus. Allein / wie seyd ihr denn in eurer Jägerey beschlagen? Versteht ihr denn euer Weydewerck auch recht aus dem Fundamente ? Sylvester. Ey dafür hat es keine Sorge / mein Herr Capitain Lieutenant , ich wolte / daß mir meine Büchse hier reden könte / da solte er mit grosser Verwunderung hören / wie viel Rephüner ich einmahl damit auf einer Weide geschossen / und wenn mir die Büchse dasselbe mahl nicht dreymahl nach einander versaget hätte / so wolte ich einen Schuß gethan haben / der dobbersche seyn sollen / so aber flogen von dem abgeschnappe die meisten fort / und traff also ihrer nicht mehr als siebenzehn. Fortunatus. Rephüner? Sylvest. Ja / mein Herr Capitain Lieutenant , Rephüner. Fortunatus. Auff einer Weide? Sylvest. Ja auff einer Weide. Marod. Was will sich der Herr Capitain Lieutenant darüber verwundern ! Habe ich doch mit meiner Büchse hier drey Hasen auff einen Schoß auff einer grossen Eiche geschossen; und wenn ich dazumahl nur gut Zündkraut hätte auff der Pfanne gehabt / daß es geschwinde wäre loß gegangen / so hätte ich auch wohl noch ein paar Füchse mit ergattern wollen / so aber brannte es langsam ab / und als die schlauen Füchse das Feuer rochen / marchir ten sie fort / die 3. Häßgen aber musten Haare lassen. Fortunatus. Füchse und Haasen auff einer Eiche? Marod. Ja / mein Herr Capitain Lieutenant , auff einer Eiche sassen sie / und spielten mit einander. Fortunatus. Je habe ich doch mein lebetage dergleichen nicht gehöret / und bin doch mit meinem Herren Grafen auf so mancher Haasen-Hetze und Fuchsjagt gewesen. Marod. Es ist in Wahrheit keine Lügen. Fortunatus. Das Ding muß ich meinem gnädigen Herrn / sobald er von Hofe kömmt / erzehlen. Marod. Das kan der Herr Capitain Lieutenant thun / und wenn uns der Herr Graf deswegen selbst zur Rede setzt / können wir ihn bey unsern Gewissen nicht anders berichten / alß daß dieses alles wahr sey. Fortunatus. Wenn ihr darthun könnet / daß diese Dinge mein gnädiger Herr sich einbilden kan / und hälts für keine Schraube / so wird er euch schwerlich von sich lassen / und absonderlich / wenn ihr die Historie mit den Hasen-schiessen auf der grossen Eiche beweisen könnet. Marod. Das muß mein Cammer-Rath hier mit guten Gewissen / wenn es verlanget wird / eydlich aussagen. Sylvest. Und wenns der Herr Graf mit den Rephüner-schiessen / auf der Weide mir auch nicht gläuben will / so kanst du mirs eben auch beschweren. Marod. Ja / hertzlich gerne / wenns verlangt wird. Fortunatus. Das wäre doch viel / wenn dieses wahr wäre. Marod. Ey wenn ich doch nur damahls gut Zündkraut hätte auff der Pfanne gehabt / es hätte mir wohl kein Fuchs weit springen sollen. So bald ich aber in des Herrn Grafens Dienste kommen werde / so will ich mir schon gut Pulver zulegen / das fix loß brennet. Fortunatus. Nicht allein gut Pulver / sondern ihr müßt euch auch auf tüchtigen Haasen-Schroot befleißigen / denn es giebt in meines Herrn seiner Graffschafft erschrecklich viel Haasen. Sylvest. Ey wir wollen sie schon wegputzen / denn auff meine Büchse kan ich mich so gut verlassen / als wie der Bock auff seine Hörner. Marod. Und mit meiner hier / will ich mit Willen auch wohl keinen Schuß verfehlen / denn es ist ein Damascener -Gemächte. Fortunatus. Je nu nu / ich wills meinem gnädigen Herrn / wenn er nach Hause kömmt / so erzehlen / und euer Bestes gedencken. Wolt ihr nun so gut seyn / und etwan nach Mittage umb 2. oder umb 3. Uhr / vor meines gnädigen Herrns sein Zimmer kommen / so solt ihr für andern Audienz haben / und verhoffentlich mit einer erfreulichen Resolution begnadiget werden. Marod. Gantz gut / mein Herr Capitain Lieutenant , wir wollen uns hier nicht länger auffhalten / sondern die bestimmte Zeit schon in Acht zu nehmen wissen; Nur darumb bitte ich nochmahls / er rede unser Bestes / wir wollen dafür danckbar seyn. Sylvest. Ey ja / er thue es immer / wer weiß / wo wir sonst einander wieder brauchen. Fortun. Jhr dürfft deswegen keine Sorge tragen / ich wills schone machen. Marod. Nun wir wollen uns ohnfehlbar einstellen. Fortunatus. Das thut / und nehmt die gesetzte Zeit in Acht. Sylvest. Es soll geschehen. (Marode und Sylvester gehen ab.) Anderer Aufftritt. Fortunatus. (alleine.) Nun es kömmt auch alles zu mir gelauffen / und will durch mich bey meinem gnädigen Herrn Beförderung haben. Ja es ist auch fast kein einziger Diener bey meinem Grafen / der nicht sagen muß / daß er durch mich sey befördert worden / auch zum wenigsten meines Herrn sein so genannter Mummelmärten / der Cammer-Junge / hat mir sein Glücke zu dancken. Mit diesen beyden Jägern nun kostet es mir nicht mehr / als ein einziges Wort / so sind sie alle beyde Gräffliche Diener / zumahl / wenn ich meinem gnädigen Herrn die Historia von dem siebenzehen Rephüner-schüßen auf der Weyde / und das drey Hasen-schüßen auff der Eiche erzehlen werde. O mor pleu! wie wird Er die Augen verkehren / und das Kinn kratzen. An Leuthen fehlt es zwar meinem Grafen nicht / allein das Kost-Geld und die Besoldung bleibt immer bey Jhm gar zu lange in der Wäsche; Warumb? Der liebe Graf verthut selbst so viel / und wenn es denn nicht zulangen wil / so heist es : Herr Capitain Lieutenant , schafft Rath / geht / nehmt mein Kleid / meine Halßkrause / meinen Degen / meine seidenen Strümpffe / versetzt es / verschachert es / denn ich muß Geld haben. Ach wie manche schöne Nacht habe ich die alte Klunte / meines Herrn seine Trödel-Frau / aus dem Bette pochen müssen / daß sie mir bald auff meines Herrn seine verschammerirten Hosen / bald auf seine Weste / oder ein paar Hembden / Geld lehnen müssen; Und wenn es denn zu gesetzter Zeit hat sollen wieder eingelöset werden / so ist hernach bey meinem Herrn Grafen kein Mensch zu Hause gewesen. Jtzund stehen nun wieder ein hauffen Sachen versetzt / ich will gerne sehen / wenn Er Sie wieder wird einlösen lassen. Zwar fragte ich darnach auch nichts / wenn nur die Leute nicht immer zu mir gelauffen kämen / und qvälten mich so. Doch kan ich die guten Leute auch nicht drumb verdencken / weil sie wissen / daß ich meines Herrn seine Hand-Gelder alle unter mir habe / ja / es wäre gut zahlen / wenn wir nur allemahl was hätten. Dritter Aufftritt. Klunte und Fortunatus. Klunte. Glück zu! Herr Capitain Lieutenant , Glück zu! Fortunatus. Grossen Danck / Mutter Klunte / großen Danck. Was bringet denn ihr guts? Klunte. Was soll ich bringen? Jch wolte nur bey dem Herrn Capitain Lieutenant vernehmen / ob des Herrn Grafens seine Sachen nicht etwan heute oder Morgen wieder könten eingelöset werden. Fortunatus. Ja / Mutter Klunte / ich zweiffele / ob es so bald wird seyn können / denn mein gnädiger Herr ist itzt gantz nicht bey Gelde. Klunte. Ey / ey / das ist ein schlechter Trost. Fortunatus. Ja ich wolte euch gerne helffen / wenn nur einige Möglichkeit da wäre. Klunte. Mein Herr Capitain Lieutenant , er kan mirs nicht gläuben / wie mich die Leute ängstigen / wo des Herrn Grafens Sachen stehen / sie kommen alle Augenblick zu mir in mein Hauß gelauffen / und geben mir die allerleichtfertigsten Wort. Fortunatus. Die närrischen Leute haben ja Pfand genug für ihr geliehen Geld / und warumb dringen sie denn so auf die Einlösung; Klunte. Sie sprechen dieses : Die gesetzte Zeit wäre umb / keinen Zinß bekämen sie weiter / und also müste auch das Wort gehalten seyn. Fortunatus. Das Wort gehalten seyn? als wenn sich ein grosser Herr / wie mein Graf ist / solcher Lappereyen halber eben an das Wort binden müste / ich dächte sie könten ja wohl noch ein acht oder 14. Tage warten. Klunte. Das habe ich ihnen alles schon gesagt / sie wollen sich aber durchaus nicht weisen lassen. Fortunatus. Und wenn sie nicht wollen / so müssen sie doch warten / biß mein gnädiger Herr Geld kriegt. Klunte. Davon habe ich ihnen auch gesagt / allein sie gaben mir zur Antwort : Das liessen sie wohl bleiben. Und wenn heute oder Morgen der Herr Graf seine Sachen nicht wieder bey sie würde einlösen lassen / so wolten sie sie Ubermorgen entweder verkauffen / oder auff den Trödel hengen. Fortunatus. Ey das wäre eine schöne Schraube / wenn meines Herrn seine versetzten Sachen solten vertrödelt werden. Klunte. Alleine mein Herr Capitain Lieutenant , was ist aber hierinnen zu thun? Fortunatus. Hört / ich will mit Jhr. Excellenz , meinen gnädigen Herrn / aus der Sache reden / kommt nur nach Mittage umb 2. oder umb 3. Uhr / vor sein Zimmer / da ist er zu Hause / und alsdenn solt ihr bey ihm Audienz haben. Klunte. Es ist gantz gut / mein Herr Capitain Lieutenant , ich will gleich hingehen / und die Leute so lange vertrösten / biß ich mit den Herrn Grafen selbst geredet hätte. Fortunatus. Das thut / und saget denen Leuten / daß sie / ohne Vorbewust meines Herrn / kein getrödele mit seinen Sachen vornehmen solten / oder mein gnädiger Herr würde sie auff öffentlicher Gasse in den Bock spannen lassen. Klunte. Gantz wohl / mein Herr Capitain-Lieutenant , ich will gleich hingehen / und nach Mittage umb 2. oder 3. Uhr dem Herrn Grafen auffwarten. (Gehet ab.) Fortun. Das könnt ihr thun. Jch weiß auch nicht / wie mein gnädiger Herr ist / daß Er vor gar nichts sorget. Er bekömmt doch so manchen schönen Ducaten / und so manch schönes Kleid von Jhrer Königlichen Majestät geschencket / allein es ist Jhm so viel nütze / als den Kindern ein spitziges Höltzgen / denn es weiß kein Hencker nicht / wo Er das Geld alle hinthut. Er hat zwar auff meine Recommendation einen Cammer-Jungen angenommen / welchen Er nur seinen Hauß-Dieb nennet / derselbe Vogel hat Jhn auch schon so viel verschleppt / daß er den Galgen wohl zehen mahl verdienet hätte / und mein Herr Graff ist so gnädig / und sagt der Kröte deßwegen nichts / ja Er heists ihn vielmehr / als daß Ers ihn verbiethen solte. Jch will noch gerne sehen / wie Er künfftig den Staat fort führen will / das Kost-Geld fällt auch nicht allemahl richtig / einen Diener nach dem andern nimmt Er an / und wundert mich nur / daß die pravsten Leute von der Welt bey Jhm so gerne in Diensten seyn wollen. Jch will mich meiner Qvalitäten halber zwar nicht rühmen / und es meinem Herrn Grafen auch nicht vorgeworffen haben / dennoch aber muß Er selbst gestehen / daß ich Jhn vor etlichen Jahren unter den Lüneburgischen commandi ret habe. Er war anfänglich mein Musqvetirer / hernach mein gefreyter Corporal / und ich war sein Fendrich. Jtzund aber ist Er mein gnädiger Herr / und ich bin sein getreuer Capitain-Lieutenant . Was Er itzund mir befiehlt / das muß ich thun. Jch kan aber sagen / daß ich alle Libert ät bey Jhrer Excellenz und Hoch-Gräflichen Gnaden habe / und was Er seinen Geheimbden Räthen nicht wissen lassen will / dasselbe vertrauet Er mir. Warumb? Er weiß wohl / daß sein Herr Capitain-Lieutenant verschwiegen ist. Vierdter Aufftritt. Mummel-Märten / Fortunatus. Mumm. M. Mein Herr Capitain-Lieutenant , Er soll geschwinde / geschwinde nach Hofe zu dem Herrn Grafen kommen. Fortunatus. Wo ist denn der Herr Hauptmann und der Herr Fendrich? Mumm. M. Sie sind auch bey Jhrer Excellenz dem Herrn Grafen. Fortunatus. Soll etwan bey Hofe eine Bären-Hetze angestellet werden? Mumm. M. Das weiß ich nun nicht; Alleine das weiß ich wohl / daß der gantze Schloß-Hoff mit lauter Haasen-Netzen umstellt ist / und wie ich oben neben dem Herrn Grafen zum Fenster heraus guckte / so sahe ich auch schon ein hauffen Haasen in der Bestallung herumb lauffen. Fortunatus. So / so / es wird eine Haasen-Jagd angestellet werden / und da wird der Herr Graf haben wollen / ich soll dieselbe mit ansehen. Mumm. M. Jch dencke wohl / daß ich den Herrn Capitain-Lieutenant deßwegen habe ruffen müssen / drumb halte Er sich nur nicht lange auff / daß Er noch zu rechte kömmt / sonst möchte der Herr Graf schmälen / und mir wohl gar die Schuld geben / daß ich so langsam in ausrichten wäre. Fortunatus. Die Haasen-Jagd wird doch ietzo nicht gleich angehen? Mumm. M. Man kan nicht wissen / denn mein Herr der hieß mich geschwinde / geschwinde nach euch lauffen / und rieff mir hinden nach : Wenn ich nicht alsofort würde wieder kommen / und Euch mitbringen / so wolte Er mich drey Tage nach einander lassen in den Bock spannen. Fortun. So werden sie gewiß mit dem Haasen-Hetzen warten / biß ich komme? Mumm. M. Ja freylich warten Sie auff Euch. Fortun. Weil das ist / so komm nur. Mumm. M. Jch werde dem Herrn Capitain-Lieutenant folgen. (Geht ab.) Fünffter Aufftritt. Courage und Grethe. Grethe. So hast du mich gleichwohl rechtschaffen lieb? Courag. Ja / liebes Gretgen / von Grund der Seelen / und ich wolte / daß ich nicht Courage hieße / wenn ich dich nicht tausendmahl lieber habe / als mich selbsten. Grethe. Die Worte sind wohl gut / allein es ist dem hunderten Kerl nicht zu trauen / und der tausende meynet es mit einem ehrlichen Mägdgen nicht allemahl auffrichtig. Courag. Das ist alle wahr / Gretgen. Allein ich wolte nicht mehr wüntschen / als daß du nur in mein Hertze gucken köntest / da soltest du sehen / wie lieb ich dich hätte. Grethe. Jst das wohl möglich / hast du mich recht von Hertzen lieb? Courag. Ja / Gretgen. Grethe. Wie lieb aber denn? Courag. Ach so lieb / so lieb / ich möchte dich flugs für lauter Liebe auff-fressen. Grethe. Gar auff-fressen? Das wär auch eine abscheuliche Liebe. Courag. Du Hertzes-Kind / man redet nur so / wenn eines das andere recht lieb hat. Grethe. Ja so / das ist ein anders. Nun / wenn ichs wüste / daß es dein rechter Ernst wäre / mich zu heyrathen / und daß du mir hernachmahls auch getreue verbleiben woltest / und nicht irgend extra gehen / so wolte ich gantz kein Bedencken nehmen / dir diesen Augenblick noch mein Ja-Wort zu geben. Courag. Ja / Gretgen / da hast du meine Hand / und ich bin nicht ehrlich / wenn ich dich nicht von Hertzen lieben will; aber – – Grethe. Und was aber? Courag. Das Extra -gehen wirst du ja so genau nicht nehmen? Grethe. Was? extra -gehen? Nein / Courage / das stünde mir zum wenigsten nicht an / zu leiden. Courag. Weswegen aber nicht? Es ist ja heutiges Tages Grand mode ? Grethe. Ey / Grand mode hin / Grand mode her / wenn ich soll einen Mann nehmen / so muß er entweder mein Leib-eigen seyn / oder ich habe die Brieffe von so einem Schatze. Courag. Je nu / nu / ich frage endlich nichts darnach; Wilstu es nicht haben / daß ich manchmahl mit andern Frauenzimmer reden soll / so must du mirs hingegen auch versprechen / niemand anders / als mich alleine / zu lieben. Grethe. Das will ich auch thun. Courag. Ja / ihr Frauen-Volck thuts manchmahl mehr als zu viel. Grethe. Das erfordert auch ihre Schuldigkeit / daß Sie ihre Männer rechtschaffen lieb haben sollen. Courag. Ja / Sie solten wohl; aber – – Grethe. Mit deinem Aber. Es wäre nicht gut / wenn das Weibsen ihr Gewissen nicht besser bedencken solte / als das Mannsen. Courag. Es solte wohl / ja / wenn Sie es auch thäten ; allein Sie thuns manchmahl mehr als zu viel / daß hernach der arme Mann wider sein Wissen und Willen muß Gevatter-Briefe schreiben lassen. Grethe. Du redest wohl närrisch Zeug / Courage / wenn du mir dieses nun mit Eydlichen Zeugen beweisen soltest / wie schöne würdest du mit der Lügen in Drecke sitzen bleiben? Courag. Je Närrchen / wer wird denn solch Ding beschwehren können? man redet nur so / wie es manchmahl pflegt im Stande der geflickten Hosen her zu gehen. Grethe. Laß uns davon nur stille schweigen / und von unserer Heyrath reden. Courag. Was wollen wir lange reden / du darffst nur Ja sagen / ob du mich haben wilst oder nicht. Grethe. Es läßt sich ja flugs nicht so thun / und wenn ich gleich lange Ja spreche / so muß ich doch erstlich meines gnädigen Grafens seinen Consens haben. Courag. Alle recht / Gretgen / allein du kanst ja nicht eher dem Grafen davon gedencken / biß wir mit einander richtig sind. Grethe. Je nu / nu / wenn du mich rechtschaffen lieben wilst / und auch für gut halten / so hast du hiermit meine Hand / ich sage Ja / du solst mein lieber Schatz seyn. Courag. Du darffst dir deswegen keine Sorgen machen / ich will dich schon lieb und werth halten ; allein halt du mir auch nur feine gute Farbe. Grethe. Das verspreche ich dir hiermit / so wahr ich noch ein ehrliches Mädgen bin / daß ich dir biß in den Tod treu verbleiben will. Courag. Das ist viel geredt. Grethe. Das will ich auch halten. Courag. Nun weil du das thun wilt / so hast du hiermit meine Hand auch / und verspreche / dich so lange zu lieben / zu ehren / zu caressi ren / zu honori ren / zu charmi ren / und zu contenti ren / biß ich nolens volens werde sprechen müssen: Hier liegt Courage nun Bey seinem lieben Weibe / Mit seinem Zeit-Vertreibe / Er kan nicht mehr das Seine thun / Hier liegt Courage nun. Grethe. Ey das ist ein schön Stückgen / das möchte ich wohl gerne von dir singen hören. Courag. Je das kan ich dir ja wohl leicht zu gefallen thun. Grete. Hast du denn auch eine gute Stimme zu singen? Courag. Ey ich kan vortrefflich schlingen / denn ich bin vor diesen in vierzehen Capellen gewesen. Grete. Nun so laß doch hören / was du kanst. Courag. So gieb mir Audienz , und bringe mich nicht aus dem Thone. Grete. Ey sing du nur / ich will gantz fleißig zu hören. Courag. Gleich solls angehen. (Hustet und macht närrische Praeparatoria.) singet: Hier liegt Courage nun / \&c. Nun / wie hat dir denn das Stückgen gefallen? Grete. Ach überaus wohl! und wann ich dich bitten darff / so singe mirs noch einmahl. Courag. Warte / ich will den andern Verß auch singen / der geht eben auch auff die Melodey. Grete. Ey ja / mein Schatz / du wirst mich hoch obligi ren. Courag. Alsobald. (singet:) Hier liegt Courage nun / Der arme Fincken-Ritter / Und spielet auff der Zitter. Er lasset Ring und Lantze ruhn. Hier liegt Courage nun. Grete. Ey das Stückgen must du mir zukommen lassen. Courag. Was wilst du denn damit thun? Grete. Jch wills den Herrn Grafen weisen / denn er hält überaus viel auff curiö se Sachen. Courag. Das kan ich wohl thun / alleine wenn er die Melodey nicht weiß / wie ers singen soll / so ist es ihn eben so viel nütze als nichts. Grete. Ey wenn gleich. Ob ers schon nicht singet / so liest er doch gerne solche Dinge / und zumahl weils von dem Fincken-Ritter mit drinne stehet. Courag. Je nu nu / komm nur hernach wieder zu mir / so solst du es haben. Grete. Wenn sprechen wir denn einander wieder? Courag. Weiß ichs doch selber nicht / auff den Abend etwan. Grete. Es wird halt ich wohl auf den Abend das Beste seyn / daß wir ein wenig wieder zusammen kommen. Courag. Je nu / wie du wilst ; ich habe am Tage eben auch nicht gar zu wohl Zeit / allein welche Zeit treffe ich dich wohl wieder an? Grete. Die Zeit kan ich dir nun eben nicht versprechen / wenn? Sobald sich aber der Herr Graf mit seinen Leuten hat zur Ruhe geleget / so will ich wieder hie seyn / und deiner warten. Courage. Wo schläfft denn dein Herr? Grete. Er schläfft in der Stube auf einer Straputzke. Courage. Hat er denn kein Bette? Grete. Er hat wohl eins / allein er darff sich ietzo nicht hinein legen. Courage. Warum aber nicht? Grete. Er hats durch seinen Capitain-Lieutenant versetzen lassen / und ist noch nicht wieder eingelöset. Courage. Er wird ja nicht ein Narre seyn / und die Betten versetzen. Grete. Ey es ist davon nicht viel zu sagen / er läst wohl das Kleid vom Leibe versetzen wenn er kein Geld hat. Courage. Wo schlaffen aber seine Leute? Grete. Du hertzes Kind / die liegen nun alle umb den Grafen auff der Straputzke herumb / und decken sich mit ihren Röcken zu. Courage. Jch dächte aber / der Herr Graf könte unmöglich so ruhen. Grete. Ach ja / er schläfft sehr wohl. Denn er hat einen Cammer-Jungen / den heist er nur Mummel-Märten / der muß ihn / wenn er sich niederleget / so lange die Füsse krauen / biß er einschläfft. Courage. Wenn stehet er aber wieder auff? Grete. So bald als der Wächter hat 1. oder 2. geruffen / ist er allard , und weckt seine Leute auff / wenn sie denn nun nicht geschwinde auffstehen / so nimmt er eine Hose mit Wasser / und begiesset sie alle miteinander. Courage. Ey das stünde mir zum wenigsten nicht an / und wenn mich mein Herr mit Wasser begiessen wolte / wenn ich nicht flugs auffstünde / so er mich weckte / da müste er viel zu thun haben. Allein / was ein kluger Herre ist / der wird auch dergleichen Narren-Possen mit seinen Dienern nicht so fürnehmen. Grete. Das ist wahr / der Herr Graf nimmt manchmahl närrisch Zeug mit seinen Leuten vor. Courage. Ja / wenn er klug wäre / so thäte ers nicht. Grete. Neulich so bin ich recht drüber erschrocken / ich dachte / es wäre gar Feuer da. Courage. Wie so denn? Grete. Er hatte seinen Stallmeister in den Bock gespannet / und hieng ihn an eine Wand / und karbatzschte ihn braun und blau / der Kerl schrie / wie ein Zahnbrecher. Courage. Was ist denn das für ein Ding / das Bock spannen? Grete. Er nimmt einen grossen Brügel / den steckt er ihnen in die Knie-Kehlen / und bindet die Hände forne auf die Knie-Scheibe mit einem Stricke an den Brügel an / so können sie hernach weder sitzen noch stehen / und damit hängt er sie nun an die Wand / und karbatzschet sie ab. Darüber hat er nun gröste Freude. Courage. Die Freude stünde mir zum wenigsten nicht an. Grete. Ey bißweilen ist der Herr Graf sehr gut / nur wenn es ander Wetter werden will / so ist er keinmahl nicht recht zu Hause / drümb sehe ich gerne / daß ich einmahl mit Ehren von ihm käme. Courage. So gehe nur hin / und hole deines Grafen seinen Consens , ich will gleich auch zu meinen Herrn gehen / ob ers zu frieden ist / daß ich dich nehmen soll / damit nur einmahl ein Ende draus wird. Grete. So bald mein Herr Graf nach Hause kömmt / will ichs ihn gleich sagen / und auff den Abend so solstu es wieder erfahren. Adjeu . Courage. Adjeu Gretgen. Grete. Adjeu . Courage. Adjeu . (Machen Complimente gegen einander / und gehen an unterschiedenen Orten ab.) Der Prospect eröffnet sich. Sechster Aufftritt. Graf Ehrenfried / Feuerfax / Fortunatus / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius / Mummel-Märten / Damastor / Kilian / Cursino / Culin. Ehrenfr. (Hat die Hände in beyden Schübesäcken / siehet sich in herausgehen umb / und spricht:) Da kömmt der Hertzog von Tolle. Puff! Alle. Puff! Puff! puff! Ehrenfr. Das war eine Schraube / ey Herr Capitain-Lieutenant , das war eine erschreckliche Schraube! Fortunatus. Ja / Jhr. Excellenz und Hochgräffl. Gnaden / die Schraube war gut. Ehrenfr. Aber saget mir / wie euch bey Hofe die Haasen-Hetze gefallen hat. Fortunatus. Sehr wohl / Jhr. Excellenz . Ehrenfr. Wie denn das Fuchsprellen? Fortunatus. Auch sehr wohl / Jhr. Gnaden / wenn nur mehr Jäger wären bey der Hand gewesen. Ehrenfr. A propos , mein Herr Capitain-Lieutenant , wie stehts denn umb die beyden Jäger? Fortunatus. Jhr Excellenz , ich dencke / Sie werden wohl vor dero Zimmer stehen. Ehrenfr. Du Hauß-Dieb / sieh zu / ob ein paar Jäger draussen stehen. Mumm. M. Ja / Jhr. Gnaden / ich will gleich darnach sehen. Fortunatus. Jhr. Excellenz werden sich erschrecklich über die Dinge verwundern / so die beyden Jäger-Pursche mit schüßen vorgenommen haben. Ehrenfr. Das ist ja brav / denn gute Leuthe muß ich zu meiner Jägerey haben. Fortunatus. Es ist wahr / Jhr Excellenz , Jäger brauchen sie höchst nöthig. Siebender Aufftritt. Mummel-Märten (zu den vorigen.) Mumm. M. Jhr Gnaden / es stehen ein paar Jäger draussen / und fragen nach dem Hn. Capitain-Lieutenant . Fortunatus. Jhr Excellenz , das werden dieselben seyn. Ehrenfr. Laß Sie doch herein kommen / Sie sollen Audienz haben. Mumm. M. Sie wollen nicht / Jhr Gnaden. Ehrenfr. Was ist denn die Uhrsache? Mumm. M. Jch solte ihnen erstlich wieder sagen / wie sie Jhre Gnaden tittuli ren solten / so wolten sie sich hernach gleich praesenti ren. Ehrenfr. Als wenn du Vogel nicht wüstest / wie mein Tittel wäre. Mumm. M. Jch weiß ihn wohl / allein ich weiß ihn aber doch nicht recht. Ehrenfr. Herr Capitain-Lieutenant , sagt doch den Jungen meinen rechten Tittel. Fortunatus. Gantz wohl / gnädiger Herr (zum Mummel-Märten.) Sprich zu den beyden Jäger-Purschen / wenn der Herr Graff mit sie reden würde / so müsten sie Jhn Jhr. Excellenz und Hoch-Gräfliche Gnaden tittuli ren. – Mumm. M. Je nu / nu / ich wills ihnen schon so vor sagen. (Gehet ab.) Ehrenfr. Herr Capitain-Lieutenant ! Fortun. Jhr Excellenz , Ehrenfr. Das müssen gescheute Kerl seyn / weil sie erstlich meinen Tittel zu wissen verlangen / damit sie bey der Audienz keinen Pfui dich an einlegen wollen. Fortunatus. Ja / Jhr Excellenz , es find ein paar vortreffliche Jäger-Pursche. Achter Aufftritt. Mummel-Märten / Marode / Sylvester und die Vorigen. Mumm. M. Jhr. Gnaden / da bring ich die Kerl. Ehrenfr. Seyd ihr Jäger? Marode. und Sylvest. Ja / Ihr. Excell . und Hochgräfl. Gnaden. Ehrenfr. Wo seyd ihr beyde her? Marode. Jch bin von Wespenhausen / und mein Cammerrath da ist von Haasendorff gebürtig / es liegen beyde Dörffer eine halbe Meile von einander. Ehrenfr. Seyd ihr sonst schon in Diensten gewesen? Marode. Wir sind alle beyde 6. gantzer Jahr bey Graf Narrburgen (wenn Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden denselben gekandt haben /) in Diensten gewesen / wie er aber vor wenig Wochen starb / so wurden alle seine Bediente abgedanckt. Ehrenfr. Jst der Graf von Narrburg todt? Sylvest. Ja Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / begraben ist er. Marode. Haben Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / den Herrn Grafen von Narrburg gekennet? Ehrenfr. Per renomée ist er mir bekandt gewesen / und wo mir recht ist / so sind gar viel Geschlechter / die sich von Narrburg schreiben. Marode. Ach ja / er hat eine grosse Freundschaft hinter sich gelassen. Ehrenfr. Nun / weil ihr bey einen so braven Herrn in Diensten gewesen seyd / der auch auff wackere Leute viel gehalten hat / und ihr beyde von meinen Herrn Capitain-Lieutenant da sehr wohl seyd recommendi ret worden / so will ich euch in meine Dienste nehmen. Marod. und Sylvest. Wir bedancken uns für die Hochgräfl. Gnade. Ehrenfr. Jch verhoffe auch / ihr werdet die Jägerey so gut verstehen als andere brave Jäger-Bursche. Marode. Ja / Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / so gut als ein Jäger / er mag auch seyn / wer er will. Sylvest. Und was das Schiessen anbelangt / so soll mich wohl keiner darinnen leichtlich verrathen / zumahl wenn fein viel Rephüner bey einander sitzen / und die Büchse versagt mir nicht. Marode. Und was das Hasen-schiessen anbelanget / so soll auch wohl leichtlich keiner über mir seyn / wenn ich nur allemahl gut Zünd-Kraut auf der Pfanne habe. Ehrenfr. An guten Pulver und tüchtigen Schrote soll es euch leichtlich nicht fehlen / zumahl was die Haasen-Schrot anbelanget / nur befleißiget euch auff gute Büchsen. Sylvest. Ey / meine Büchse soll mir leichtlich nichts verfehlen / wenn ich nur recht darauff ziele / wo ich hinschiessen will. Marode. Und mit meiner Büchse hier / da will ich wohl mit keinem Jäger seiner tauschen / denn es ist Damascener -Gemächte / und ist vortrefflich auff die Haasen eingeschossen. Fortunatus. Ey / Jhr. Excellenz , sie lassen sich doch das Ding erzehlen. Dieser hier spricht: Er hätte mit seiner Büchse einmahl 17. Rephüner auff einer Weide weggeschossen / und der da 3. Haasen auf einer Eiche / das Ding will mir gar nicht in meinen Kopff. Ehrenfr. Ja warumb nicht / mein Herr Capitain-Lieutenant , was ein guter Jäger ist / der muß alles schiessen können / es mag auch seyn wo es will. Fortunatus. Das ist alle wahr / Jhr. Excellenz , alleine siebenzehn Rephüner von einer Weide zu schiessen / und drey Haasen auff einen Schuß von einer Eiche / das ist ein bißgen zu viel. Ehrenfr. Ey / Herr Capitain Lieutenant , das ist eine Schraube. Sylvest. Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / verzeihen mir / daß ich sie in das Wort falle / und sage Ja / ich habe 17. Rephüner auff einen Schuß von einer Weide geschossen / allein der Herr Capitain Lieut. hat mich nicht recht verstanden / denn sie sassen auff einer Weide / wo man das Vieh weidet / aber auf keinem Baume nicht / die man Weide nennet. Fortunatus. Ey ja / das ist ein anders. Aber wie kan denn dieses möglich seyn / daß ihr 3. Haasen von einer Eiche geschossen habt / da man doch sein Lebetage nicht gehöret / daß ein Haase auff einem Baume gesessen? Jch dencke immer / Jäger / es werden 3. Eichhörner gewesen seyn. Marode. Ey / Herr Capitain-Lieutenant , lernet ihr mich doch Haasen kennen; Wolte ich doch wohl Euch / oder den Herrn Grafen gekennet haben / wenn ihr dazumahl droben gesessen / und wenn die Eiche auch gleich noch einmahl so lang gewesen wäre. Ehrenfr. Jch habe in meiner Graffschafft zwar viel tausend Millionen Eichen und andere Bäume / doch wüste ich mich selbst nicht zu erinnern / daß ich iemahls einen Haasen auf einem Baume sitzen gesehen. Marode. Ja / Jhr: Excellenz , mein Cammerrath da hat hinter mir gestanden / wie ich schoß / der kanns nicht anders sagen / und wenn mir damahls die Büchse nicht so langsam wäre loß gegangen / so bin ich kein ehrlicher Kerl / wenn ich nicht auch noch ein paar Füchse mit treffen wollen / denn die spielten mit den Haasen auff der Eiche / so bald sie aber das Feuer sahen / marchir ten sie fort /die 3. Hääßgen aber musten Haare lassen. Ehrenfr. Ey das ist eine erschröckliche Schraube! Marode. Nein / Jhr. Excellenz und Hochgräfliche Gnaden / es ist keine Vexirerey. Ehrenfr. Wie kan aber das möglich seyn? Marode. Sie müssen mich recht verstehen / Jhr. Excellenz und Hochgräffliche Gnaden. Ehrenfr. Wie aber? Marode. Die Eiche war umbgehackt / und lag in Pusche. Ehrenfr. Ey ja / das ist ein anders. Fortunatus. Ja so / wenn sie gelegen hat / so kan das wohl möglich seyn / allein es ist doch viel / drey Haasen auff einmahl zu schiessen. Marode. Je warumb hiessen wir denn Schützen oder Jäger / wenn wir so viel nicht gelernet hätten? Ehrenfr. Jch habe einen alten Jäger / der hat wohl Zeit Lebens nicht drey Haasen überall geschossen. Marode. Ja / Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / vielleicht weiß er den Vorthel nicht recht / oder ist etwan von sehr blöden Gesichte. Ehrenfr. Er giebts immer dem Gesichte schuld / und ich glaube auch / daß es wahr ist / denn daran kan ichs mercken. Er brachte mir neulich einen jungen Esel aus meiner Grafschafft geschlept / welchen er vor ein Reh geschossen hatte; Gestern habe ich ihn nun wieder hingeschickt / wer weiß / was er ietzund vor rar Wilpret mit bringt. Marode. Ja / Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / wenn ein Jäger kein gut Gesichte hat / so giebt er keinen gewissen Schützen ab / zumahl was das Haasen-schiessen anbelangt. Sylvest. Ey das Rephüner-schiessen ist noch künstlicher / denn sobald sie nur das Pulver riechen / marchir en sie fort. Marode. Ey / ein Haase wartet auch nicht lange / zumahl wenn er öffters aus dem Lager gejaget wird. Neundter Aufftritt. Hasenius / und die Vorigen. Hasenius. (Hat einen Befehl in der Hand.) Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gn. hier ist der Befehl wegen des Haasen-schiessens / geruhen sie denselben zu unterschreiben? Ehrenfr. Leset mir doch denselben her / damit ich höre / ob er recht ist. Hasen. (Machet den Befehl auff / lieset ihn folgender massen:) Ehrenveste / liebe Getreue. W Enn Jhr alle noch frisch und gesund seyd / höre ichs theils gerne / und auch theils nicht gerne. Gerne höre ichs / daß Jhr Eure Fron-Dienste noch alle thun und verrichten könnet / denn wenn Jhr kranck wäret / so müste es wohl unterwegens bleiben. Theils höre ichs auch nicht gerne / daß Jhr alle noch wohl auf seyd / und mir aus meinem Gehege so viel Haasen wegschiesset / denn wenn Jhr an einem hitzigen Fieber läget / so liesset Jhr solches wohl bleiben. Derowegen habe ich nicht unterlassen können / dieses Mandat an euch ergehen zu lassen / und gebiethe euch bey meiner höchsten Ungnade / daß sich hinfort keiner mehr von euch unterstehe / mein Gehege zu turbi ren / oder woferne ich nur das allergeringste erfahre / daß einer nur nach einen Haasen geschossen hat / und wenn Er Jhn auch gleich nicht einmahl getroffen / so hat mein alter Claus / der Großbärtige Jäger schon Ordre bey sich / daß er alle diejenigen / so wider diesen Befehl handeln / soll ohne eintziges Einwenden in den Bock spannen / und so lange karbatzschen / biß sie sprechen: sie wollens nicht mehr thun. Wornach Jhr Euch zu achten. GOTT befohlen. Hasen. Haben Jhr. Excellenz hierbey noch etwas zu erinnern? Ehrenfr. Der Befehl ist sehr gut / gebt her / ich will ihn unterschreiben. Jst keine Feder da? Hasen. Jhr. Gnaden hier ist eine. (Giebt dem Grafen eine Feder.) Ehrenfr. (Setzt sich an den Tisch in sein Audienz -Gemach / unterschreibet den Befehl / und als er fertig / steht er wieder auf / und spricht:) Da gehet / Secretair , und siegelt ihn nun. Hasen. Geruhen Jhr. Excellenz mir Jhr Petschafft zu geben? Ehrenfr. Herr Capitain -Lieutenant , wo ist denn mein Petschafft? Fortunatus. (Heimlich.) Jhr. Excellenz , es stehet mit versetzt. Ehrenfr. Habt ihr der weile keins nicht? Fortunatus. Nein / Jhr. Excellenz , ich habe keins. Ehrenfr. Hört Secretair , ich habe ietzt mein Petschafft nicht bey der Hand / nehmt nur unterdessen euers / und siegelt damit. Hasen. Ja / Jhr Excellenz ich habe auch keins. Ehrenfr. Wie denn ihr Herr Hauptmann? Feuerfax. Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gnaden / ich kan gar nicht schreiben. Ehrenfr. Jhr / Fendrich / habt ihr kein Petschafft? Friedens. Nein / Jhr Excellenz ; kein Petschafft habe ich nicht / aber einen galan ten Stoß-Degen habe ich / der steht Jhr. Excellenz zu Diensten / wenn sie ihn verlangen / und auff denselben können sie sich der Tebel holmer verlassen. Ehrenfr. Hat denn keiner unter euch kein Petschafft nicht? Du Haußdieb / hast du keines? Mumm. M. Jhr. Excellenz , was wolt ich denn damit scheren / bin ich doch mein Lebtage in keine Schule gegangen. Ehrenfr. Hört / Secretair , weil ich mein Cantzeley-Siegel / oder Hochgräfl. Petschafft nicht bey mir habe / so nehmt nur einen gantzen Groschen und siegelt damit / es ist vor meine Unterthanen gut genug. Hasen. Wollen Jhr. Excellenz mir einen Groschen geben lassen? Ehrenfr. Habt ihr denn kein Geld nicht? Hasen. Jhr. Excellenz , ich führe selten Geld bey mir. Ehrenfr. Herr Capitain-Lieutenant , gebt doch den Secretair einen gantzen Groschen. Fortunatus. Jhr. Excellenz , ich werde wohl von Gelde gar nichts bey mir haben. Ehrenfr. Und ich habe auch nichts eintzeln bey mir; Herr Hauptmann / habt ihr kein eintzeln Geld? Feuerfax. Jhr. Excellenz , ich werde wohl gar nichts haben. Ehrenfr. Hat denn keiner kein Geld bey sich? (Suchen alle in den Schübesäcken.) Mumm. M. Da hab ich noch einen Groschen / Jhr Excellenz . (Giebt dem Grafen einen Groschen.) Ehrenfr. Du bist doch noch ein braver Kerl / wenn keiner kein Geld hat / so hast du welches. Mumm. M. Je was hülffe mich denn mein stehlen / wenn ich keinen Groschen Geld haben wolte. Ehrenfr. Ey / das ist eine erschreckliche Schraube. Mirax. Ey rühme du Vogel dich was bessers. Mumm. M. Was schierts denn euch. Wenns mein Herr leiden kan / so hat sich so ein Naseweiser Kerl / als wie ihr seyd / nichts drüm zu bekümmern. Mirax. Wären Jhr. Excellenz nicht zugegen / ich wolte dir deinen diebischen Kopf zu rechte setzen / du soltest dein Lebetage an mich gedencken. Mumm. M. Ja / sie müssen noch alle dicke draussen liegen / welchen ihr die Köpffe zu rechte gesetzt habt. Hasen. Wo ist denn der Groschen? Ehrenfr. Hier ist er / da geht und siegelt den Befehl / damit er heute noch mit der extra -Post fortgeschickt wird. Hasen. Ja / Jhr. Excellenz , es soll geschehen. (will abgehen.) Ehrenfr. Hört / (rufft /) Secretair ? Hasen. (Kömmt wieder.) Jhr. Excellenz ? Ehrenfr. Da nehmt die beyden Jäger mit in euer Cabinet , und nehmet sie in Pflicht / denn sie sollen bey mir Dienste haben. Hasenius. Es soll geschehen / Jhr Excellenz . Ehrenfr. Diesem hier / der die 3. Hasen auf der Eiche geschossen hat / gebt das Prædicat , als Cammer-Jäger / und dem da mit den 17. Rephünern / als Hof- und Feld-Jäger. Hasenius. Wie Jhr. Excellenz befehlen. Ehrenfr. (Zum Jägern.) Gehet alle beyde mit meinem Secretair auff seine Stube / er soll euch in Pflicht nehmen / und was die Besoldung und das Kost-Geld anbetrifft / das soll euch mein Capitain-Lieutenant von meinen Hand-Geldern zahlen / ich will euch schon eine gute Besoldung machen lassen / daß ihr damit vergnügt seyn sollet. Marode. Es ist gantz gut / Jhr. Excellenz , wir wollen auch schon dafür getreue Dienste leisten. Hasenius. So kommt mit mir in mein Cabinet . Sylvester. Wir werden dem Herrn Secretari chs folgen. (Hasenius / Marode / Sylvester gehen ab.) Zehender Aufftritt. Klunte und die Vorigen. Klunte. Jhr Gnaden sie verzeihen mir / daß ich so gleich eingehe. Ehrenfr. Jhr hättet euch wohl können anmelden lassen / ob es mir / als einem grossen Herrn auch wäre gelegen gewesen. Klunte. Jhr Gnaden / sie verzeihen mir / ich bin eine einfältige Frau / und weil ich sonst allemahl / wenn sie zu mir geschickt haben / immer unangemeldet in ihr Zimmer gehen dürffen / so verhoffe ich / sie werdens ietzund auch nicht so genau nehmen. Ehrenfr. Was ist denn euer Anbringen? Klunte. Jhr Gnaden / sie werden sich großgünstig zu entsinnen wissen / wie daß ich sie vor etlichen Wochen auff etwas Pfand Geld schaffen muste. Ehrenfr. Jst es wahr Herr Capitain Lieutenant ? Fortunatus. Ja / Jhr. Excellenz , die Frau hat recht. Klunte. Und weil nun die gesetzte Zeit umb ist / so wolten die Leute gerne / daß die Sachen wieder mögten eingelöset werden. Ehrenfr. Was sagt ihr darzu / Herr Capitain Lieutenant ? Fortunatus. Ja / Jhr. Excellenz , was soll ich sagen / ich kan die Leute freylich nicht darumb verdencken / daß sie das Jhrige fordern. Ehrenfr. Jst denn viel drauf geborget? Klunte. Jhr Gnaden / es werden mit dem vergöldeten Degen auff 40. Rthlr. seyn. Ehrenfr. Ja meine liebe Frau / es kan itzo wohl noch nicht seyn / daß ich die Sachen wieder einlösen kan. Sie werden ja noch ein 14. Tage oder was / mit der Zahlung in Ruhe stehen. Klunte. Ja / Jhr Gnaden / ich zweiffele / obs die Leute thun werden. Ehrenfr. Und wenn sie nicht wollen / so mögen sie es bleiben lassen / sie müssen doch warten / biß ich Geld bekomme. Klunte. Das ist alle wahr / Jhr Gnaden / ich habe es den Leuten auch gesagt. Sie gaben mir aber zur Antwort: Und wenn der Herr Graf heute oder morgen seine Sachen nicht wieder würde einlösen lassen / so wolten sie dieselben übermorgen entweder verkauffen / oder auf den Trödel hängen / denn das Wort müste gehalten seyn. Ehrenfr. Die Leute seyn doch gar Narren / ich thue ihnen was anders auff ihr Wort. Eilffter Aufftritt. Servillo / und die Vorigen. Servill. Der Herr Graf soll alsobald nach Hofe kommen / und mit den Damens in die Lotterie gehen. Ehrenfr. Wird kein Assembleé gehalten? Servill. Jch kans nicht wissen / was auf den Abend geschehen möchte. Ehrenfr. Geht nur / und sagt / daß ich bald kommen wolte. Servill. Jch werde es auszurichten wissen. (geht ab.) Ehrenfr. Herr Capitain-Lieutenant . Fortun. Jhr. Excellenz , was befehlen sie. Ehrenfr. Was habt ihr vor Geld noch im Vorrath? Fortun. Jhr. Excellenz , es ist nicht ein Dreyer mehr da. Ehrenfr. Ja ihr müst Rath schaffen. Fortun. Gantz gerne / Jhr. Gnaden / alleine wo denn hernehmen? Klunte. Jhr. Gnaden / sie lassen mir nur Pfand geben / ich will bald Rath schaffen. Ehrenfr. Hört / Trödel-Frau! Klunte. Jhr. Gnaden / hier bin ich. Ehrenfr. Könnt ihr mir wohl auf mein verschammerirtes Kleid hier / alsobald 30. Rthlr. Geld schaffen? Klunte. Warum das nicht / Jhr. Gnaden? wenn sie mir gnug Pfand geben / ich will Sie wohl 1000. Thlr. schaffen. Ehrenfr. Ja / es hilfft nichts. (Ziehet sein Kleid aus.) Herr Capitain-Lieutenant . Fortunatus. Gnädiger Herr. Ehrenfr. Jhr müst mir unterdessen euern Rock so lange lehnen / biß ich einen andern kriege. Fortun. Wie Jhr. Excellenz befehlen. (Ziehet sein Kleid auch aus / und giebts dem Grafen.) Aber was soll denn ich indessen anziehen? Ehrenfr. Lasset euch derweile dieses Cammerdieners seinen Rock geben / und ziehet ihn so lange an / biß Rath geschaffet wird. Narruffsky. Ey das laß ich wohl bleiben / daß ich meinen Rock wieder weg lehne. Ehrenfr. Was verschlägt dirs denn / du kanst ja leichtlich einen Tag oder was hintern Ofen sitzen / biß ich ein wenig zu Gelde komme / hernach solst du gar einen neuen haben. Narruffsky. Vor einem Jahre hieße es auch so / alleine es verzogen sich wohl 20. Wochen / ehe ich ein Kleid wieder auff den Leib bekam. Fortunatus. Jhr Gnaden / es ist eben nicht groß von nöthen / daß er mir sein Kleid lehnen muß / habe ich doch selbst noch eins / das ich so lange anziehen kan. Ehrenfr. Je nu / wenn dieses ist / so braucht es keiner andern Sorge. Klunte. Nun wie wollen sie es denn halten / Jhr. Gnaden? Ehrenfr. Da nehmt mein Kleid hier / und lasset euch dreißig Rthlr. darauff geben / und die bringet mir hernach nach Hofe. Klunte. Ja / Jhr. Gnaden / es soll keine halbe Stunde ins Land gehen / so sollen sie L'argent content haben / alleine wie soll es denn mit den andern Sachen gehalten werden? Ehrenfr. Sprecht nur / wenn sie nicht warten wolten / biß ich sie wieder einlösen könte / so möchten sie nur dieselben verkauffen / und mir das Ubrige raus geben. Klunte. Gantz gut / Jhr. Gnaden / ich werde alles schon auszurichten wissen. Ehrenfr. Das Geld müst ihr mir aber bald nach Hofe bringen. Klunte. Jch will mich schon zu rechter Zeit bey Jhr. Gnaden einstellen. (Gehet ab.) Ehrenfr. Allons ! He! fort in die Lotterie . (In weggehen /) Puff! Alle. Puff! puff! puff! (gehen ab.) ( Ballet , von alten Trödel-Weibern.) Anderer Handlung Der Schau-Platz zeiget eine Gasse und im Prospecte einen Wein-Keller. Erster Aufftritt. Herr Johannes und Jucundus. Joh. W Je viel? Jucund. Eine gantze Compagnie wird zu dir kommen / schaffe du nur prav zu fressen und zu sauffen an. Joh. Und wenn ihrer Tausend kommen / es ist genug da / Gott lob! Jucund. Was hastu denn vor Lampreten alle? Joh. Was du haben wilst: Krams-Vögel / Rep-Hüner / Schneppen / wilde Schweinskeulen / Lerchen / Haasen / und auch was von Fasanen / Gott lob! Jucun. Wo zum Hencker kriegstu denn die Fasanen her? Joh. O ho! ich will dir wohl ander Wildpret weisen. Jucun. Was denn? Joh. Trappen Gott lob! wenn du sie kennest. Jucun. Jch gläube / du hast gar einen Kobalt / der dir alles zuschleppt. Joh. Je ja / es hat sich was zu Kobelten. Jucun. Von rechten Dingen könte es / dächte ich / doch nicht zugehen / daß du allezeit so ein hauffen rar Wildpret immer im Vorrathe hast. Joh. Je Momflere ! wenn man Geld hat. Nu! da hasts. Jucun. Das ist wohl wahr / Bruder / allein man kan aber nicht allezeit vor Geld etwas bekommen / was man haben will / zumahl / wenn es ausser der Zeit ist. Joh. Momflere ! komm du zu mir / wenn du wilst / du sollst allemahl bey mir haben / was du verlangest. Jucun. Das wäre doch viel. Joh. Was ich sage / ich bin kein ehrlicher Mann / wenns nicht wahr ist. Jucun. Höre / Bruder / ich will ietzo gleich hingehen / und es etlichen noch sagen / daß sie sich bald bey dir einfinden sollen. Joh. Momflere , ein Wort: (sagt ihm heimlich ins Ohr /) zahlen sie auch wacker / die her kommen wollen? Jucun. Ey vortrefflich / Sie haben gantze Schubsäcke voll Ducaten bey sich. Joh. Was du sagest? Jucun. Jn Wahrheit / du magst mirs gläuben oder nicht. Joh. Mein Tage nicht gehöret! Aber / Momflere , kommen auch Grafen mit? Jucun. Ja / Bruder / nicht alleine Grafen / sondern auch Fürsten. Joh. Ey ne! Jucun. Auff mein Wort / es kommen Grafen und Fürsten mit zu dir. Joh. Top! Jucun. Top! ein Schelm / wenns nicht wahr ist. Joh. Jn deinem Nahmen aber? Jucun. Es sey in meinem oder in deinem Namen / genug / daß Sie kommen. Joh. Nun laß Sie kommen / bin ich doch schon da. Jucun. Aber du must dich auch prav lustig mit machen. Joh. Momflere , ich will Dinge machen / die du mein Lebe-Tage nicht wirst gesehen haben / aber / Momflere , vexiren müssen Sie mich nicht. Jucun. Ey du bist ein Narre / wer wird dich denn vexiren? du bist ein prav Mann. Joh. Das bin ich auch / Gott lob! Jucun. Nun / Adjeu / Herr Bruder / in einer halben Stunde wollen wir bey dir schmausen. Joh. Top! Jucun. Top! Herr Bruder / Adio ! (Gehet ab.) Joh. De gratias, Momflere . (rufft seine Frau:) Dicke! Dicke! Anderer Aufftritt. Johannes / Walpe. Walpe. Was wilstu denn / mein lieber Mann? Joh. Frag lange. Walpe. Jch werde ja fragen dürffen / was es giebt. Joh. Gäste wollen kommen. Weists nu? Walpe. Laß sie kommen in GOttes Nahmen / ich will sie schon satt machen. Joh. Weists denn auch / wer alles kömmt? Walpe. Das kan ich nicht wissen / weist du es aber / so sage mirs / damit ich mich ein wenig drauff schicken kan. Joh. Achtzig / Gottlob! Walpe. Wie viel? Joh. Was ich sage / auff mein Wort / auch wohl Neuntzig. Walpe. Je wer denn alle? Joh. Fürsten / Grafen / Freyherrn / Barone – Walpe. Keine Studenten? Joh. Eben auch welche. Walpe. Wenn sie nur prav Geld haben. Joh. Dicke! lauter Ducaten. Walpe. Hastu sie denn schon gesehn? Joh. Auff mein Wort / gantze Ficken voll haben sie. Nu! Walpe. So komm denn / daß wir ein wenig Anstalt in der Küche machen. Joh. Dicke / geh du nur / und mache die wilde Schweins-Keule mit zu rechte / ich will her seyn / und die grossen Gläser immer ausspielen. Walpe. Ey / mein Essen soll schon bereit seyn. (gehet ab.) Joh. Und an einschencken und anschreiben soll es / Gottlob / auch nicht fehlen. (gehet ab.) Dritter Aufftritt. Leonore / Courage. (begegnen einander.) Leonore. Höre doch / Courage / hastu den Herrn Grafen nicht gesehen? Courage. Höre doch / Lorgen / hastu des Grafens seine Jungfer Köchin nicht gesehen? Leonore. Ey was habe ich mit der Köchin zu thun. Courage . Je was schiert mich denn der Graf. Leonore. Nein / in rechten Ernst / hastu ihn nicht gesehen? Courage. Ja / ich habe ihn gesehn. Leonore. Wo denn? Courage. Er ließ sich nur vor kurtzen auff einer Zober-Stange von seinen Bedienten nach Hofe tragen. Leonore. Du damischer Dieb / es wird eine Carosse gewesen seyn / worauf er ist nach Hofe gefahren. Courage. Ey lerne du mich doch einen Hasen für eine Kuh ansehen / ich werde ja wissen / was eine Zober-Stange ist / oder was eine Carosse ist. Leonore. Er wird ja solch närrisch Ding nicht vornehmen. Courage. Ey er nimmt wohl närrischer Zeug für / ist er doch einmahl mit dem Könige im Schlaf-Beltze und einer Feder-Mütze auf dem Kopffe / gar auf die Jagd geritten / und hat / wo mir recht ist / weder Schuh noch Strümpffe angehabt. Leonore. Er hat aber eine schöne Carosse , warum fährt er denn nicht in derselben? Courage. Er kan auch nicht immer fahren. Ein grosser Herr / als wie der Herr Graf ist / muß ja eine Abwechselung haben. Leonore. Weistu nicht / ob er bald wird wieder nach Hause kommen. Courage. Ja / das kan ich dir nicht sagen / vor Abends kömmt er wohl schwerlich wieder / denn es ist ein Glücks-Töpffer bey Hofe angekommen / da ist er mit den Damens in die Glücks-Bude gegangen. Leonore. Ja / so wird er wohl schwerlich für Nachts wieder kommen. Courage. Jch zweiffele selbst / daß er vor Mitternacht wieder kömmt. Leonore. Jch muß ihn sprechen / ich treffe ihn auch an / wo ich will. Courage. Nur früh zu ihm gegangen / da trifft man ihn am allerersten an. Leonore. Das werde ich auch wohl thun. Courage. Wie steht ihr denn beyde mit einander / ist denn eure Sache bald richtig? Leonore. Ey was soll sie richtig seyn. Drum wolte ich gerne mit ihm daraus reden / und wenn er nicht will / wie ich will / so will ichs an den König gelangen lassen / denn er hat mir meine Ehre recht abgestohlen. Courage. Wenn ich als wie du wäre / Lorgen / und er wolte mir nicht geben / was ich verlangte / so wolte ich ihn knall und fall auff die Ehe anklagen. Leonore. Ey das will ich ohndem schon thun. Jch bin itzo bey einem Advocaten gewesen / der hat mir ein Supplic gemacht / das soll ich / wenn er in Güte nicht will / dem Könige selbst übergeben. Courage. Ey wo wohnt denn der Affocate ? Leonore. Jch habe nicht gefragt / wo er wohnt / so viel ich aber von der Wirthin im Wein-Keller vernehmen kunte / so soll er gar viel Frauen-Zimmer bedient seyn / die ihre Ehren-Kräntze verlohren haben. Courag. Das wird mir gar der rechte seyn / allein / wie muß er heissen? Leonore. Die Leute titulirten ihn nur Herr Fleck-Schreiber. Courage. Wo trifft man ihn aber an? Leonore. Er sitzt dort bey Herr Johansen im Wein-Keller / und hat ein Gläßgen Wein für sich stehen. Courage. Jch will doch hernach auch hingehen / und den Herrn Fleck-Schreiber in einer Sache um Rath fragen. Leonore. Du hast gewiß auch mit einer zu thun! Courage. Ach nein / es ist sonst was. Leonore. Darff mans aber nicht wissen? Courage. Warum nicht / das kan ich dir wohl sagen / ist es doch kein Schelm-Stück. Leonore. So sage mirs doch. Courage. Die gantze Affaire ist diese : Jch habe mich mit des Grafens seiner Köchin verlobt / und mein Herr der wills nicht zugeben / daß ich das Mensche nehmen soll. Drüm möchte ich gerne mit einem rechten Ungerechtsmacher reden / was er mir hierinnen für einen Rath giebt / denn ich habe gar willens / ich will ihn bey dem Könige verklagen / wenn ers nicht zugeben will. Leon. Je du hertzer Courage du / dieser Fleck-Schreiber wird dir bald eine Intrü sche sagen / wie du es machen solst / denn das soll ein Mann seyn / der auff lauter Cäußgen und Practiqven abgerichtet ist. Courag. Ey / das muß mir gar der rechte seyn. Leon. Die Wirthin hat mir Dinge von demselben Fleck-Schreiber erzehlet / daß man sich hatte putzig drüber lachen mögen. Courag. Wie so denn? Leon. Sie erzehlte mir / wie daß derselbe Mann so ein vortrefflicher Liebhaber von Frauenzimmer wäre. Courag. Jst er denn noch jung? Leon. Ey / es ist ein Stein-alter Mann / der schon auff der Grube gehet. Courag. Was hat er denn nun mit dem Frauenzimmer gemacht. Leon. Er soll sich mög' in ein artiges Mädgen verschammeriret gehabt haben / und dasselbe hätte er auch / weil er so hefftig in sie verliebt gewesen / in gelben Damast kleiden lassen / und hernachmahls nur das Rübsen-Stücke geheissen. Courag. Ey warum nicht gar das Schoten-Stücke. Hat aber dasselbe Frauen-Zimmer den alten Courtisan auch Gegen-Liebe bewiesen? Leon. So viel ich von der Wirthin vernahm / so hätte sie ihm nicht einmahl eine charmante Mine gemacht / vielweniger / daß sie ihm für das geschenckte Damastene Kleid sonsten seinen Willen erfüllen sollen. Courag. Ja / es geht bißweilen so / wenn alte Männer mit jungen Mädgen löffeln wollen / allein es geschicht ihnen gar recht / wenn sie hernachmahls für ihre Spendagen ins Fäustgen nein ausgelacht werden. Leon. Ein artiges Histörgen erzehlte mir die Wirthin von diesem so genandten Fleck-Schreiber : Er hätte einsmahls auff einer Hochzeit nach einer Bären-Music mit Frauenzimmer nackend um einen Dannen-Baum herumgetantzet / welches ihm diese Stunde noch übel ausgeleget würde. Courag. Ey das kan ich mir leicht einbilden / nackend zu tantzen! es kömmt gar zu ärgerlich heraus / wenns doch noch im Hemde gewesen wäre. Leon. Hernach so sagte mir die Wirthin auch / wie daß dieser Fleck-Schreiber allen Leuten dienete / sie möchten recht oder unrecht haben / wer ihm nur Geld brächte / der wäre ihm angenehm. Courag. Das muß mir gar einer von den rechten seyn. Leon. Uber eines muste ich recht hertzlich lachen. Courag. Uber was denn? Leon. Die Wirthin sagte mir / wie daß er einmahl ein paar Partheyen in einander gehetzt / über welches Unrecht dieser Fleck-Schreiber von einem Frauenzimmer in öffentlicher Gerichts-Stube wäre ein alter Rock-Seicher geheissen worden. Courag. Was hätte er denn darzu gesaget? Leon. Was solte er gesaget haben. Er hatte solches zu registri ren gebethen / alleine wegen anderer Affairen hattens die Gerichten nicht gehöret / und war also dieses Frauenzimmer noch so mit einem blauen Auge davon gekommen / sonst hätte er ihr unstreitig einen Injurien-Process an den Halß geworffen. Courag. Je könte man doch von diesem Fleck-Schreiber eine perfecte Comœdie machen. Leon. Ach wenn ichs nur nicht vergessen hätte / was mir die Wirthin alles von den süssen Nächten / und noch andern Streichen / so dieser Fleck-Schreiber soll vorgenommen haben / erzehlet hat. Courag. Es scheint / als wenn an demselben Affocaten wohl nicht viel gebackens wäre. Leon. Er soll aber sehr viel zu thun haben. Courag. Jch will doch für die lange Weile hin gehen für den Weinkeller / und ihn lassen heraus kommen / da will ich bald hören / was er am Schilde führet. (gehet ab.) Leonore. Und ich will Morgen früh Graf Ehrenfriedgen eine Visite geben / und bey ihn hören / ob er mich nehmen will. (gehet ab.) Vierdter Aufftritt. (Der Prospect eröffnet sich / und zeiget Herr Johannsen seine Wein-Stube / worinnen sitzt Jnjurius / Leander / Jucundus und andere Wein-Gäste / haben ein Musickgen / und sind sehr lustig mit einander. Jnjurius singet sein Leib-Stückgen wie folget / und klimpert mit den Händen dazu.) Ach Dannen-Baum ach Dannen-Baum / Du biß ein edler Zweig / \&c. Fünffter Aufftritt. Herr Johannes / (mit einem Glase Wein) Joh. Momflere , das ist ein Weingen / und wenn du ihn in der Stadt besser kriegst / als mein Wein ist / so bin ich kein ehrlicher Mann. Leander. Wie vielerley Wein schenckstu denn aus einen Fasse? Joh. Je ja / Gottlob! Komm nur mit hinunter in meinem Keller / da will ich dir meine Weine weisen / was ich für Weine alle habe. Leander. Nun allons ! Bruder / trinck mir eins zu! Joh. Dein Diener Momflere . (will trincken.) Leander. Ey / du must mir auch einen Verß darzu machen. Joh. (reimet.) Momflere , das bring ich dir / Jn Gesundheit meiner Herrn Gäste hier. Es lebe die gantze Compagnie bey mir / Für und für / Das bring ich dir / Allhier bey mir. Da hasts! (Trincket und giebt hernach das Glaß Leandern.) Jucun. Du kanst brave Verse machen Bruder. Joh. Was fehlt ihnen denn? wer weiß / ob du es so gelernet hast. Jucund. Ey / du bist ein braver Mann. Joh. Was bin ich / he! Leander. Ein Schelm bist du. Joh. Jn deinen Nahmen. Leander. Nein nein Bruder / du bist ein wackerer Mann. Joh. Das war ein Wort. Jnjur. Herr Johannes / da lasse mir noch eins einschencken. Joh. (Rufft seine Frau.) Dicke! Dicke! Sechster Aufftritt. Walpe / (kömmt gelauffen.) Walpe. Was wilstu denn / lieber Mann! Joh. Da hole Wein! Walpe. Alsobald / (nimmt das Glaß / geht ab.) Leander. Höre / Bruder / wer war gestern bey dir? Joh. Gestern war alles voll bey mir. Leander. Wer denn? Joh. Ein hauffen Cavallier , Studenten / auch Grafen / Gottlob! Leander. Was denn für Grafen? Joh. Ehrenfriedgen / Gottlob! der Graf / wenn du ihn kennest. Kennestu ihn? Leander. Warumb solte ich ihn nicht kennen. Joh. Ein wackerer Herr. Jucund. Jst es denn dieser / welcher so viel Leute hält? Joh. Ja / Momflere , der ists. Jucun. Was bedienen sie denn alle für Chargen bey den Grafen. Joh. Einer ist Hauptmann / Feuerfaxgen / wenn du ihn kennest / hernach ist einer Capitain Lieutenant bey ihn / und auch einer Fendrich / Friedenschildgen / wenn du von ihn gehöret hast / es sind alles prave Leute. Jucun . Führet er so einen grossen Staat? ey so muß er auch viel Einkommens haben. Joh. Je ja / wenn ichs und du nur hätten / Momflere , wir wolten schon damit auskommen. Siebender Aufftritt. Walpe / (zu den Vorigen / bringet Wein.) Walpe. (zu Jnjurio.) Hier / mein Herr Fleck-Schreiber / da ist sein Gläßgen. Jucund. Da bringe sie mir auch noch eins. Walpe. Gleich / mein Herr. (nimmt das Gläßgen.) Joh. Dicke. Walpe. Was denn / lieber Mann. Joh. Bringe ihn doch eins aus dem grossen Fasse an der Mauer / No.75. Walpe. Ey die Weine sind alle gut. Joh. Thu du's / ich wills haben. Walpe. Ja doch / (gehet ab.) Jnjurius. Jch will dirs bringen / Herr Bruder. Joh. De gratias, Momflere . Jnjurius. Es lebe! Joh. Was denn? Es lebe! nun mache fort / es lebe! Jnjurius. Warte / ich will dirs erstlich zutrincken. (trincket / und als er getruncken) Da Bruder / thu mir nun bescheid / und mache mir einen Verß darzu. Joh. Nu / Momflere , itzt will ich einen Verß machen / den du dein Lebetage nicht gehöret hast. Jnjurius. Nu / mache fort. Es lebe! Joh. (reimet.) Es lebe die Sonne von Pohlens Gemüthe! Sachsens Treue bleibe allezeit bey Elb-Strohms Güte. Die Hand des HErrn schütze unsern König Lebenslang Gemüthe / Die hohen Seulen bleiben allezeit in dessen Segens-Güte. Es lebe der Unterthanen Schutz noch 1000 Jahr in frölichen Gemüthe. So wohl bey mir Und dir / Als auch in Pohlen weit von hier. Da hasts! (trincket.) Dergleichen hast du mein Tage nicht gehört. Achter Aufftritt. Walpe / (zu den Vorigen.) Walpe. Nun / da bringe ich den Herrn einen Wein / er ist recht aus dem Mutter-Fäßgen. Jucun. Solte der recht gut seyn? Joh. Und wenn du ihn so gut in der Stadt kriegst / als wie der Wein ist / so bin ich ein Schelm. Leander. Das bist du auch. Joh. Jn deinen Nahmen. Leander. Nein / Bruder / in deinen Nahmen. Joh. Ja / du schierst mich wohl. Jucun. Wenn ich als wie du wäre / Herr Bruder / ich ließe mich nicht so schimpfen. Joh. (Zu Leandern.) Was bin ich / he! (fast ihn bey den Arme) Was bin ich! Leander. Ey du bist ein brav Mann. Joh. Das war ein Wort. (Hier agiret Herr Johannes noch allerhand possir liche Schwäncke / Walpe geht ab und zu.) Neundter Aufftritt. Fortunatus / zu den Vorigen. Fortunatus. Gehorsamer Diener / meine Herrns / Jhr Diener / meine Patrons. J oh. Willkommen / Momflere , willkommen! Wo hastu denn Ehrenfriedgen / deinen Grafen / bringst du Jhn nicht mit? Fortunatus. Nein / Er ist noch bey Hofe in der Glücks-Bude / und wird wohl heute schwerlich zu dir kommen. Joh. Gewinnt der Graf auch wacker? Fortunatus. Was solt Er gewinnen / Er ist gar selten glücklich. Alleine ich habe abermahl was gewonnen. (Zieht ein Schnup Tuch aus dem Schubsacke /) / Bruder / ist das nicht ein schön Schnup-Tuch? Es ist dem Grafen gewesen / Er hats verspielt. Leander. Hats der Herr Capitain-Lieutenant Lust zu verkauffen / so will ich einen Handelsmann darzu abgeben? Fortunatus. Es ist mir zwar endlich nicht viel nütze / doch / weil ich ietzo Geld brauche / wer mir einen Rthlr. dafür giebt /der soll es haben. Leander. Ey behüte Gott / wer wolte vor ein altes Schnuptuch einen Rthlr. geben; Fortunatus. Meine Patrons / es hat beym Sapperment viel Geld gekostet / der Graf hats getragen. Leander. Ey das gläube ich gar wohl / allein dafür gebe ich keinen Rthlr. Fortunatus. Wenn ich ietzo nicht so gar nothwendig Geld brauchte / ich wolte es selber behalten; so aber muß ich heute mit dem Grafen noch ein bachadie machen. Gebe mir der Herr 4. Groschen baar Geld / so soll Ers doch haben. Leander. Zwey Groschen will ich dem Herrn geben / wenn er will / hier ist Geld. Fortunatus. So nehme Ers nur dafür hin / vielleicht gewinne ich dem Grafen mit des Herrn 2. Groschen 50 Rthlr. abe. (Leander giebt Fortunato 2. Groschen.) J oh. Momflere , Herr Capitain Lieutenant , was wilstu denn trincken? Fortunatus. Herr Bruder / ich werde hier nicht verziehen können / ich muß gleich wider zum Grafen gehen. Joh. Wie du wilst. Fortunatus. Jhr Diener / meine Patrons / Sie leben wohl. Leander. Serviteur , Herr Capitain-Lieutenant , und wenn Er wieder was gewinnt / so komme Er her / ich wills Jhn wieder abhandeln. Fortunatus. Es kan geschehen / meine Patrons. (geht ab.) Jucun. Der arme Capitain Lieutenant , hat gewiß nicht viel Besoldung bey seinen Grafen. Leander. Wie es scheint / so mag es wohl nicht viel seyn. Joh. Nun / wie ist es denn / einmahl herumb getruncken! Leander. Allons ! Bruder / deine Gesundheit / laß mir ein Runda darzu machen. Joh. Fort / allo ! he! Ein Runda. (Die Musicanten machen ein Runda / und andere lustige Stückgen / worbey es nach und nach finster wird.) Zehender Aufftritt. Feuerfax / Friedenschild / (und die Vorigen.) Feuerfax. Schuldiger Diener / meine Herren. Friedens. Serviteur Messieurs . Joh. Willkommen Herr Hauptmann / Momflere . Friedenschildgen / auch willkommen. Friedens. Serviteur Herr Bruder / wie stehts / was machst du guts? Joh. So / es muß sich noch leiden / Gottlob; setzt euch doch nieder. Friedens. Wir werden nicht lange verziehen. Joh. Was wolt ihr denn trincken? Friedens. Was hast du denn guts? Joh. Sect / Alacanten -Wein / Neckerwein / Moseler / Spanischen / Rhein Wein / auch Land-Wein / Gottlob. Feuerfax. Jch mag keinen Wein trincken / ich habe bey Hofe viel gesoffen. Joh. Was wilst du denn? Feuerfax. Herr Bruder / laß uns nur ein gut Glaß Bier geben. Joh. Jch habe kein Bier. Friedens. Hier steht ja welches auf dem Tische? Joh. Warumb wolt ihr aber keinen Wein trincken? Friedens. Es eckelt uns für den Weine so / wir haben bey Hofe zu viel gesoffen. Joh. Dicke! Walpe. Mein Schatz. Joh. Hole ihn doch nur ein Glaß Bier. Walpe. Ja / lieber Mann. (gehet ab.) Leander. Die Herren setzen sich doch zu uns an dem Tisch her. Feuerfax. Wir werden nicht lange verziehen. Friedens. Wir müssen wieder zu dem Herrn Grafen nach Hofe gehen. Leander. Mögen sie doch so lange warten als sie wollen / deßwegen können sie sich ja wohl niedersetzen. Joh. Setzt euch doch nieder / es ist ja Platz genug da. (Sie setzen sich) Friedens. Wird das Bier bald kommen. Joh. Es ist gleich da. Eilffter Aufftritt. Walpe / (mit einem Glaß Bier zu den Vorigen.) Walpe. Da bringe ich den Herrn ein Glaß Bier / sie werdens in der Stadt nicht besser finden. Feuerfax. Ey das gläube ich ihr gar wohl. Joh. Von der Neige hättest du ihnen bringen sollen. Walpe. Weßwegen denn? Joh. Warumb sauffen sie keinen Wein? Walpe. Je / lieber Mann / wer kan denn die Herren zwingen / wenn sie nicht wollen. Joh. Nu allons , einmahl herumb getruncken. Jucundus. Prosit Herr Bruder / deiner Dicke Gesundheit. Joh. Sie lebe / meine Dicke / in meinem Nahmen aber. Jucundus. Allons , ein Runda. (Jucund. trinckt.) (Singen.) Alle. Runda Runda der Wein ist gut Runda dinellula. Er macht uns einen frischen Muth / Runda dinellula. Joh. Das ist viel! Jucundus. Da thu mir Bescheid / wir wollen dir auch ein Runda singen. Joh. Nun allo he! singt! (Sie fangen alle wieder an zu singen.) Runda Runda der Wein ist gut / Runda dinellula. Herr Johannes ist ein 15hut / Runda dinellula. Joh. Ein Schelm heist mich so. Leander. Ey Bruder wir meinen ja dich nicht. Joh. Das war ein Wort. Leander. Umb Vergebung mein Herr Fendrich / daß ich frage? Hält denn ihr Herr Graff auch viel Volck. Friedens. Nein / Monsieur , er hat von gemeinen Soldaten noch nichts geworben. Aber auf das Früh-Jahr will er etliche Regimenter werben lassen. Joh. Das ist viel. Friedens. Ja / er muß doch in seiner Grafschaft Soldaten haben / damit er in Fall der Noth seine Vestungen defendi ren kan. Jucundus. Der Herr Graf aber hat sonst sehr viel Leute. Feuerfax. Ja die hält er nur zu seinem Staate. Friedens. Jch wolte daß es morgen wieder zu Felde gienge / es solte mir so lieb seyn / als wenn mir einer 100. species Ducaten verehrete. Leander. Es scheinet / als wenn der Herr Fendrich schon mehr wäre darbey gewesen. Friedens. Mons . mag mirs gläuben oder nicht / ich bin vor diesen mit gewesen in Ungarn / vor Ofen / vor Wien / vor Stuhl-Weissenburg / und bald gar mit vor Constantinopel. Jtem draussen am Rhein vor Mayntz / vor Bon , Mons , und Namur / ja ich habe mich der Tebel hol mer so versucht im Kriege / daß / wenn ich alles erzehlen solte / einem die Haare zu Berge stehen würden. Leander. Allein / ist auch der Herr Fendrich ohne Blessuren immer davon gekommen? Friedens. Ja / Monsieur , das kan ich wohl sagen / daß mir kein Finger ist verletzet worden / und bin doch in sehr gefährlichen Scharmützeln mit gewesen. Friedens. Messieurs , sie mögen mirs gläuben oder nicht / ich bin bey der Eroberung von Namur mit einer Falckenet-Kugel auff die Hertz-Cammer geschossen worden / daß es der Tebel hol mer gepufft hat. Jucundus. Und wäre nicht durch gegangen? Friedens. Nein / Monsieur . Joh. Auch kein blauer Fleck? Friedens. Nicht das geringste war zu sehen; sondern ich langte die Kugel ohne eintziges Verletzen aus dem Busen heraus / daß sich auch alle meine Cammeraden darüber verwunderten. Joh. Das ist viel. Friedens. Herr Bruder / du magst mirs gläuben oder nicht / ich kan diese Stunde noch dieselbe Kugel weisen. Jucundus . Jch dächte / es könte fast unmöglich seyn. Friedens. Mons . Lasse mich nicht schweren / allein es ist der Tebel hohlmer wahr. Leander. Dächte man doch nicht / daß dieses von rechten Dingen zu gehen könte? Feuerfax. Warum nicht / Monsieur , Es giebt viel Dinge vor Hauen / Stechen und Schiessen / die doch natürlich seyn / und mancher / der es nicht weiß / dächte es wäre Hexerey. Leander. Solte das wohl möglich seyn? Feuerfax. Monsieur , schau er : hier habe ich eine Salpeter-Kugel / die ist ihrer Güte halber 200. Rthlr. werth / wenn ich davon nur einer Linse groß abbreche / und schmiere mich damit / so mag einer auff mich hauen / auff mich stechen / und auff mich schüssen / es wird nicht durchgehen. Joh. Mein lebetage nicht gehört! Leander. So eine Kugel möcht ich haben. Feuerfax. Wenn Monsieur selbige verlangt / so kan ich sie ihn schon lassen. Leander. Wie theuer denn? Feuerfax. Monsieur mag mir nur einen species Ducaten dafür geben. Leander. Nein / mein Herr Hauptmann / so viel Geld wende ich auff eine Salpeter-Kugel wohl nicht. Feuerfax. Höre er Monsieur , weil ich ietzo nothwendig Geld brauche / so soll er mir 4. gute Groschen dafür geben. Leander. Hier sind 2. Groschen / kan sie der Herr Hauptmann dafür vergessen / mehr gebe ich nicht dafür. Feuerfax. Weil es der Herr ist / so will ich sie ihn doch dafür lassen / damit er nun sieht / was für einen Effect dieselbe hat. Leander. Hier ist Geld / mein Herr Hauptmann. (Giebt ihn 2 Groschen vor die Kugel) Feuerfax. Monsieur , der Hencker zerreise mich / wenn ich ihn nicht zehen Thaler an derselben Kugel schencke / denn es ist eine rechte Rarit ät. Friedens. Diesen Degen hier / Messieurs a vôtre permission (Ziehet den langen Stoß-Degen auff 3 mahl heraus.) den wolte ich keinen vor 30. Thlr. geben / auff denselben kan ich mich verlassen. Jucundus. Wie so / weil er so lang ist. Feuerfax. Nein Monsieur , und wenn tausend andere Klingen ihn nur anrühren / so müssen sie alle springen. Joh. Wie gehts aber zu? Friedens. Das will ich dir gleich sagen. (steckt ihn wieder in die Scheide.) Joh. Wie denn? Friedens. Jch habe nicht mehr als eine Erbse groß von des Herrn Hauptmanns seiner Salpeter-Kugel mir in Knopff machen lassen / und davon müssen alle andere Klingen springen / sie mögen seyn aus Spanien oder aus Teutschland. Joh. Das ist viel. Feuerfax. Ja Herr Fendrich / es wird finster / wir werden müssen marchiren / der Graf dürffte wohl heute zeitlich nach Hause gehen / und sich schlaffen legen. Friedens. Es ist wahr / er sahe ohndem alle schläfrig aus. Herr Bruder / wie viel haben wir Bier? Johan. Eine treffliche Zeche / ein Glaß. Friedens. Was kostet es? Johan. Als wenn du's irgend nicht wüstest. Feuerfax. Wie viel denn? Johan. Zwey Groschen Gottlob! Friedens. Hier wird Geld seyn. (Giebt ihn Geld.) Johan. Wolt ihr denn nicht noch eins? Feuerfax. Nein / wir haben nicht Zeit / ein andermahl. Johan. Wie du wilst Momflere , aber höre ein Wort. (Saget Feuerfaxen etwas heimlich ins Ohr.) Das Restgen / Momflere ? Feuerfax. Was vor ein Restgen. Johan. Bey Ehrenfriedgen / deinen Herrn / die 16. Kannen Wein / Nu! da hasts. Feuerfax. Ja so / ich dachte du woltest von mir was haben. Johan. Nicht doch. Feuerfax. Höre Bruder / ich kan dir keinen bessern Rath geben / als daß du es auffsetzest / was es macht / und bringest es hernach meinen gnädigen Herrn hin / wenn er zu Hause ist. Johan. Welche Zeit wohl. Feuerfax. Komm nur morgen früh um 9. Uhr oder des Nachmittags umb 2. oder 3. Uhr / so ist er zu Hause / und alsdenn kanst du dich nur bey ihm anmelden lassen. Johan. Gantz gut Momfler , ich will hinkommen. Feuerfax. Das thu du nur / es wird ihn recht lieb seyn. (Steht mit Friedenschilden auff.) Nun ihr Diener meine Herren. Leander. Serviteur Herr Hauptman / Er lasse sich seine Salpeter-Kugel nicht tauren. Feuerfax. Es hat nichts zu sagen / kan ich mir doch schon eine andere wieder machen. Friedens. Serviteur Messieurs , Sie leben wohl. Jucundus. O ihr Diener / Herr Fendrich. Johan. Lebe wohl Momflere , kommt auch bald wieder zu mir / bringt Ehrenfriedgen auch einmahl wieder mit. Friedens. Wir wollen sehen / wie es die Gelegenheit geben wird / Adjeu! Leander. und Jucundus. Serviteur . (Feuerfax und Friedenschild gehen ab / Herr Johannes giebt ihm das Geleite.) Leander. Was meynstu Bruder / solten die Dinge wohl wahr seyn mit der Falckenet-Kugel? Jucundus. Je wer wird denn solch Ding gläuben. Jch glaube nicht / daß der Kerl einmahl einen todten Hund gesehen hat / geschweige / daß er wäre mit der Falckenet-Kugel auff die Brust geschossen worden. Leander. Ey / was fehlte denn dem Hn. Hauptmann mit seiner Salpeter-Kugel / die er mir vor 2. Groschen verkaufft hat? Jucundus. Wenn du die 2. Groschen versoffen hättest / oder einem armen Menschen dafür gegeben / vielleicht hättest du sie besser angewendet / als so. Leander. Jch habe nur solches aus Spaß gethan / ich weiß indem wohl / daß sie zu nichts hilfft. Jucundus. Die armen Officir er / sie dachten wunder / was sie vor Thaten gethan hätten. Leander. Ey / das sind die rechten Officir er / man solte wohl was kluges mit sie ausrichten können / zumahl der Fendrich mit seinen Stoß-Degen. Jucundus. Habe ich doch Zeit meiner Tage keinen solchen Degen gesehen. Zwölffter Aufftritt. Herr Johannes zu den vorigen. Joh. Allo ! Einmahl herumb getruncken! (Nimmt ein Glaß.) Prost Momflere , (trincket.) Es leben alle gute Freunde hier / Die treue allerbravsten Gäste bey mir / Das bring ich dir / Jtzund bey mir / Aus diesem Glase hier.         Ein Runda! (Die Musicanten machen ein Runda / und andere lustige Sachen. Herr Johannes mit seiner Dicke tantzt einmahl / und machts so gut als er kan. Als der Tantz aus ist / geht Walpe ab. Die Musicanten spielen weiter fort. Und nach geendigter Music /) Dreyzehender Aufftritt. Walpe / und die Vorigen. Walpe. Es ist ein Kerl draussen / er will gerne ein paar Wort mit dem Herrn Fleck-Schreiber reden. Jnjurius. Warum kommt er denn nicht herein? Walpe. Er will nicht / er sagte : Er hätte sich nicht lange auffzuhalten. Jnjurius. Wollet ihr ihn wohl sagen / daß er ein wenig verziehen solte / ich will gleich zu ihm kommen. Walpe. Ja / ich wills ihn sagen mein Herr. (Gehet ab.) (Die Music lässet sich wieder hören / Jnjurius trinckt sein Gläßgen aus und taumelt unter wärender Music zur Wein-Stube hinaus / weil er gantz truncken ist / worauff hernach der Wein-Keller bedeckt wird.) Vierzehender Aufftritt. Jnjurius / Courage. Courag. (Führet Jnjurio bey dem Arme.) Er sehe sich vor mein Herr Fleckschreiber / daß er hier nicht fält. Jnjurius. Mein Freund / lasset ihr mich nur gehen / ich will mich schon nach Hause finden. Courag. Ey lasse er sich doch immer führen / es ist finster auff der Gasse / damit er nicht etwa ein Unglück nimmt. Jnjurius. Es hat nichts zu bedeuten / ich werde mich schon in acht zu nehmen wissen. Courag. Man sieht manchmahl wie es geht / denn die Nacht ist niemands Freund. Jnjurius. Ach es thut mir kein Mensche nichts. Courag. Das ist wohl alle gut / mein Herr Fleck-Schreiber ; Allein manchmahl ist doch nicht zu trauen / denn bißweilen trägt sichs zu / daß einer auf den andern einen Groll hat / und gedencket ihn bey der Nacht daß so genannte Johannes-Brod zuzustellen / wenn er nun im Finstern seinen Feind nicht recht erkennen kan / so muß hernach wohl gar ein unschuldiger ehrlicher Mann / auf welchen man die Intention niemahls gehabt / den Buckel voll Schläge mit nach Hause nehmen. Jnjurius. Dergleichen ist nun wohl nicht zu besorgen. Courag. Man kan nicht wissen / trug sichs doch neulich auch zu / daß einer den andern gerne in die Haare wolte / und in der grossen Boßheit und Trunckenheit sahe er nicht einmal / mit wem er zu thun hatte / und kriegte also eben auch einen unrechten beym Kopffe. Jnjurius. Das ist viel ein anders / denn wenn man truncken ist / so kan man sich wohl leichte irren; Jst mirs doch unlängst ebenfalls so gegangen / daß ich einem Unrechten in die Haare fiel / allein das geschahe im Wein-Keller / und nicht auf öffentlicher Gasse. Courage. Es kan aber einen auf der Gasse eben auch begegnen / und zumahl wenn man des Abends immer späte nach Hause gehet / wie der Herr Fleck-Schreiber. Jnjurius. Wenn es darnach hätte gehen sollen / so müste ich schon zum öfftern / das so genannte Johannis-Brod / bekommen haben / und zumahl / weil mir die gantze Stadt fast zu wider ist. Courage. Was ist aber die Ursache / daß ihn die Leute zuwider seyn? Jnjurius. Jch mache ihnen immer so viel Intrü schen / und darüber beschweren sich die Leute so grausam. Courage. Was sind denn das vor Dinger / Intrü schen? Jnjurius. Wißt ihr nicht was Intrü schen seyn? Courage. Je nein / Herr Fleck-Schreiber / ich weiß es nicht. Jnjurius. Mein Freund / Intrü schen sind solche subtile Cäußgen / womit man die Leute prav schieret. Courage. Jst das aber recht / daß man die Leute schiert? Jnjurius. Es mag recht oder nicht recht seyn / gnug / daß ich so meine Freude drüber habe. Courag. Und wenn einer einmahl dem Herrn Fleck-Schreiber vor seine Intrü schen den Buckel brav ausblauen wird / so werden die Leute hernachmahls auch ihre Freude drüber haben. Jnjurius. Dafür hat es gute Wege / denn mir wird leichtlich niemand nichts thun. Courag. Jst es doch alle gut / aber er sage mir doch / wenn ich zu ihm kommen soll? Jnjurius. Kommt nur Morgen früh zu mir in mein Hauß / da will ich euch schon mit einem guten Rathe an die Hand gehen. Courag. Aber mein Herr Fleck-Schreiber / wenn nur sein guter Rath auch helffen wird. Jnjurius. Hilfft er nicht / so will ich euch hernach schon ein paar Intrü schen mit sagen / die gewiß gut seyn sollen. Courag. Ey ja / Herr Fleck-Schreiber / er thu es immer / ich will schon danckbar dafür seyn. Jnjurius. Kommt nur morgen zu mir / gute Nacht. Courag. Ey / was ich noch fragen wolte / wo wohnt denn der Herr Fleck-Schreiber? Jnjurius. Jch wohne nicht weit von der Schule. Courag. Wie frage ich aber nach Jhn? Jnjurius. Wenn ihr an die Schule kommt / so fragt nur nach dem Hause mit dem leeren Schilde / oder nach der Nonnenherberge / daselbsten wohne ich. Courag. Je nu nu / mein Herr Fleck-Schreiber / weil ers nicht haben will / daß ich ihn nach Hause begleiten soll / so schlaffe er wohl / und morgen früh so will ich schon zu ihm kommen. Jnjurius. Das könnt ihr thun / schlafft wohl. Courag. Er schlaffe auch wohl / Herr Fleck-Schreiber / und sehe zu / daß er nicht fält. (Gehet ab.) Jnjurius. Ey dafür hats gute Wege. (taumelt fort / und singet: ach Dannenbaum \&c.) Funffzehender Aufftritt (Vier masqvi rte Personen bringen Graf Ehrenfrieden getragen / welcher sich sehr ungebärdig stellet. Mummel-Märten / von ferne mit einer brennenden Fackel.) Ehrenfr. Jhr Bestien / lasset mich zu frieden / oder ich will euch alle vier in dem Bock spannen lassen. Holla! he! Herr Capitain-Lieutenant ! Herr Hauptmann! Herr Fendrich! Stallmeister! Cammer-Diener! Mummel-Märten! Mumm. M. Jhr Gnaden / hier bin ich! Ehrenfr. Jhr Hundsfötter / kommt mir zu Hülffe. Mumm. M. Wer auch helffen könte / Jhr. Gnaden. Ehrenfr. Geschwind lauff und sieh / wo meine Leute alle stecken. Mumm. M. Je das Gott erbarm / was will draus werden / ich muß doch gar Feuer ruffen. (geht ab.) Ehrenfr. Jhr verdammten Bösewichter / lasset mich gehen / oder die Schraube soll euch übel bekommen. Holla! he! bin ich denn gantz und gar verlassen? (Die Masqven tragen Graf Ehrenfrieden fort.) Sechzehender Aufftritt. Feuerfax / Fortunatus / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius mit blossen verrosteten Degen / Sylvester / Marode mit auffgeschlagenem Hahne / Cursino / Culin / Kilian / Damastor mit Sebeln / Mummel-Märten leuchtet mit der Fackel. Fortunatus. Wo sind die Bestien. Mumm. M. Hier hier / Herr Capitain-Lieutenant , hier. Fortunatus. Allons ! Stechet / hauet / schlaget / schüsset zu. Alle. Steht ihr Hunde. (Sie stechen und hauen alle auf einen leeren Fleck / Sylvester / Marode / wollen Feuer geben / alleine ihre Büchsen versagen ihnen allebeyde.) Mumm. M. Liegen sie nun? Feuerfax. Man stehet ja hier niemand? Mumm. M. Kommt nur hieher / hier wirds seyn. (führet sie an eine andere Ecke.) Fortunatus. Da ist auch kein Mensche. Mumm. M. So müssen sie sich unsichtbar gemacht haben / denn den Augenblick hatten sie den Herrn Grafen hier in der Klauße. Friedens. Vielleicht sind sie mit Jhn durch diese Gasse hier marchi ret. Mumm. M. Es kan auch wohl seyn. Fortunatus. Das Ding kömmt mir vor / als wenns ein abgelegter Karn wäre. Friedens. Du wirst ja gesehen haben / wie die Kerl aussahen? Mumm. M. Was solte ich nicht gesehen haben / sie hatten erschreckliche grosse Nasen / und sahen aus / wie die leibhafftigen Henckers-Knechte. Feuerfax. Sie werden Masqven vor den Gesichtern gehabt haben / damit man sie nicht hat erkennen sollen. Mumm. M. Das kan nun auch wohl seyn / denn ich stund nur von ferne / und wie der Herr Graf schrie / daß man ihn zu Hülffe kommen solte / so lief ich stracks nach euch / und nun weiß ich nicht / wo sie mit hin seyn. Fortunatus. Jhr Herren lasset uns ein wenig recognosci ren / vielleicht treffen wir sie an. Feuerfax. Der Meynung bin ich auch. Friedens. Jch rathe es den Kerlen der Tebel hol mer nicht / daß sie sich antreffen lassen. Mumm. M. Ey macht auch fort / wenn wir noch gehen wollen. Fortunatus. Allons ! leuchte du / und ihr Herren folget mir alle nach / und wenn es was setzen möchte / so werdet ihr schon wissen / was bey der Sache zu thun ist. (gehen ab.) (Es wird musici rt, und unter wärender Music , eröffnet sich eine Bad-Stube / worinnen Graf Ehrenfried halb ausgezogen auff einer Schwitz-Banck sitzet / eine Masque hält ihn hinten bey dem Kopffe / und ein masqvirter Bader schröpffet ihn / die andern sehen zu / und haben ihre Vexationes mit dem Herrn Grafen; nach verrichteter Arbeit tragen sie ihn wieder auf die Gasse / und lauffen davon.) Siebenzehender Aufftritt. Ehrenfried allein. O ihr vermaledeyeten Furien / wie habt ihr mich gepeiniget / und wenn mich die Bestien gleich in dem Bock gespannet / ich glaube nicht / daß sie mich ärger hätten martern können / als durch ihr verzweifeltes Schröpffen. Allein ich will mir das Ding schon hinter ein Ohr schreiben / und es ad notam nehmen / denn der eine Vogel war mir mehr als zu wohl bekandt / und der andere / welcher mir das stinckende Wasser ins Gesichte goß / den wolte ich auch wohl errathen. Aber es hat nichts zu sagen / wer weiß / wie es die Gelegenheit einmahl wieder giebet / daß ich mich revangi ren kan. Doch wundert mich bey dieser rencontre nichts mehr / als daß mich meine Leute so verlassen hatten. Ja / wenn ich irgend niemand hätte? und der verdammte Junge / mein Mummel-Märten / kam auch nicht wieder. Jch will die Hundsfötter alle mit einander in den Bock spannen lassen / damit sie einandermahl an ihre Auffwartung gedencken. Achtzehender Aufftritt. Mummel-Märten mit der Fackel / Fortunatus / Feuerfax / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius / Marode / Sylvester / Cursino / Culin / Damastor / Kilian. Mumm. M. (Gehet etwas zu voran.) Hier her ihr Herren / hier sind sie. Alle. Hunde! Ehrenfr. Halt! Mumm. M. Je halt doch / es ist der Herr Graf nur allein. Fortunatus. Jhr. Excellenz , sie verzeihen uns / es ist finster / wir dachten es wären die Bösewichter / welche Jhr. Excellenz hätten umbringen wollen. Ehrenfr. Ey ihr seyd feine Leute / nun ist es Zeit daß ihr kommt. Feuerfax. Jhr. Gn. wir haben sie ja gesucht. Ehrenfr. Ey Sapperment! müst ihr denn alle von mir gehn / wenn ich nach Hause fahre? Fortunatus. Jhr. Excellenz , sie werden mich entschuldiget halten / daß ich nicht bin wieder nach Hofe kommen / denn die alte Trödel-Frau hat mich so lange mit den Gelde auffgehalten. Ehrenfr. Wie viel hat sie euch denn auf den Mantel-Sack und auf die Stiefeln gegeben? Fortunatus. Nicht mehr als 5. Rthlr. Ehrenfr. Wo ist denn das Geld? Fortunatus. Morgen früh so soll ich wieder hinkommen und es holen. Ehrenfr. Nun / so vergeßt es auch nicht. Fortunatus. Nein / Jhr. Excellenz , ich wills nicht vergessen. Ehrenfr. Aber Hr. Hauptmann / was habt denn ihr für eine Excü se / daß ihr nicht seyd bey der Aufwartung gebliben? Feuerfax. Jhr. Hochgräfl. Gnaden / die Zähne thaten mir so lästerlich weh. Ehrenfr. Ey / warumb nicht gar was anders / ich dencke aber immer Herr Hauptmann / das Ding wird eine Schraube seyn. Feuerfax. Ey / behüte Gott! wer wird denn Jhr Excellenz mit Lügen berichten. Ehrenfr. Wo stackt aber ihr / Herr Fendrich? Friedens. Jhr. Excellenz , ich ließ meine Schuh flicken. Ehrenfr. Die Entschuldigung mag auch noch hingehen; aber wo waret denn ihr Stallmeister? Mirax. Jhr. Excellenz , ich war zu Hause und machte das Bette zu rechte. Ehrenfr. Die Entschuldigung gehet auch noch hin. Weiter? Narruffsky. Jch und mein Cammerrath hier / liessen uns die Hosen flicken / so musten wir beyde so lange in der Hölle sitzen / biß der Schneider mit fertig war. Ehrenfr. Jst denn die Liverey schon wieder zerrissen? Pamphil. Jhr. Excellenz , haben wir doch noch keine Hosen bey sie bekommen. Ehrenfr. Warum thut ihr aber die Mäuler nicht auf? Narruffsky. Haben wirs doch wohl 10. mal wegen der Hosen dem Hn. Capitain hier gesagt. Ehrenfr. Ey / Herr Capitain Lieutenant , warum lasset ihr den Cammer-Dienern keine Hosen machen? Fortunatus. Jhr. Excellenz , haben doch meine selbst keinen gantzen Boden mehr. Ehrenfr. Warum zieht ihr aber keine neue an? Fortunatus. Ja / Jhr. Excell. an anziehen solte es gar nicht fehlen / wenn ich nur welche hätte. Ehrenfr. Warumb lasset ihr euch denn keine machen? Fortunatus. Ja / Jhr. Gnaden / es wäre gut machen / wer nur Geld hätte? Ehrenfr. Nun geduldet euch nur / ich will euch ehester Tage / wenn ich werde von meiner Grafschafft die Steuer-Gelder bekommen / alle miteinander auf das proper ste heraus mundi ren lassen. Aber daß ich weiter frage : wo seyd denn ihr Ubrigen gewesen / wie ich von Hofe fuhre? Nu wenn wirds? habt ihr gar keine Mäuler? Mumm. M. Jhr. Excellenz , was sollen sie sagen / sie wissen wohl / daß sie unrecht haben. Ehrenfr. Damit ihr aber einandermal fein an euere Aufwartung gedencken könnet / so solt ihr morgen alle sechse in den Bock gespannet werden. ( Cursino / Culin / Marode / Sylvester / Damastor und Kilian / knien nieder und sprechen: ) Ey Jhr. Gnaden / sie werden ja das nicht thun. Ehrenfr. Nu es hilft nichts / Straffe muß seyn. Fortunatus. Was ist denn Jhr. Excell. begegnet / da sie sind nach Hause gefahren? Ehrenfr. Jch wills euch morgen schon erzehlen / kommt nur und begleitet mich zur Ruhe / damit sich meine ermüdeten Kräffte in etwas erholen können. Alle. Wie Jhr. Excellenz befehlen werden. (Cursino / Culin / Marode / Sylvester / Damast. und Kil. (knien wieder nieder und sprechen:) Jhr. Hochgräfl. Gn. sie schencken uns immer die Straffe wegen das Bockspannens. Ehrenfr. Schert euch nur fort mit zu Bette / es wird sich morgen schon geben. (gehen ab.) Neunzehender Aufftritt. Thomas (bläset mit seinem Hörnichen und singet:) Hört / ihr Herren / laßt euch sagen: Der Seiger der hat Zehne geschlagen / Bewahrt das Feur und auch das Licht Daß kein Schade geschicht. (bläset /) Gehet ab. Inwendig wird eine Nacht- Music gehöret / und vor Graf Ehrenfrieden Schlaf-Zimmer folgende Aria gesungen: Ruhe wohl auf deine Schmertzen / Und vergiß der grossen Noth / Dachtest du gleich in dem Hertzen: Armer Graf / itzt kömmt dein Tod! Weil du so viel grosse Wunden Durch das Schröpffen hast empfunden. Zwanzigster Aufftritt. Grethe. (siehet sich umb.) Jch sehe wohl / Courage ist noch nicht hier ; ich will ja nicht hoffen / daß Er mir gar untreu werden wird. Meines Grafens seinen Consens habe ich nun weg / daß ich heyrathen soll / und das wäre auch eine schöne Sache / wenn er mich so rüm rücken wolte / und nur so eine Nase machen. Ja ich wolte es wohl diesen Augenblick verreden / nimmermehr keinem Kerl mehr zu gläuben / und wenn er auch gleich schwüre / daß ihm die Augen zum Kopffe heraus fielen. 21. Aufftritt. Courage / Grete. Courag. Bist du da / Gretgen? Grethe. Je sieh da / Courage / kömmst du? Courag. Wie du wohl siehest. Grethe. Du hertzer Courage du / du kanst mirs nicht gläuben / wie mir so bange nach dir gewesen ist / ich dachte / du würdest gar nicht wieder kommen. Courag. Je wenns meinem Herrn seinem Kopffe hätte nachgehen sollen / so würdest du mich wohl schwerlich wieder bey dir gesehen haben. Grethe. Warumb aber? Courag. Mein Herr der wills durchaus nicht haben / das ich dich heyrathen soll. Grethe. Was ist aber die Ursache? Courage. Ja / du Hertzes-Kind / das kan ich dir selbst nicht sagen. Grethe. Was wird aber nun draus? Courage. Je was wird draus werden? Grethe. Das wäre eine schöne Sache / und ich habe meines Grafens seinen Consens schon weg / Er hat mir auch schon Glücke darzu gewündscht / und ein Hochzeit-Geschencke versprochen. Courag. Ja / wenn ich dieses auch von meinem Herrn hätte bringen können / so aber will Er durchaus nicht. Grethe. Je wenn Er nicht wolte / so wüste ich schon / was ich im Sinne hätte. Courag. Je / was denn? Grethe. Wenn ich an deiner Stelle wäre / und mein Herr der wolte nicht zugeben / daß ich solte eine Frau nehmen / so wolte ich ihm gleich den Stuhl für die Thüre setzen / denn es giebet Herren-Dienste genug bey Hofe. Courage. Das ist alle wahr / Grethgen / alleine wenn ich dieses auch thäte / und liefe hernachmahls die gantze Welt durch und durch / so bekäme ich doch keinen solchen guten Herrn wieder / als ich ietzo habe. Grethe. Das wäre viel. Courag. Ja / Grethgen / das ist wahr. Jch habe solche Tage bey ihm / die ich mir nicht besser wündschen könte / und ich mag ihn ansprechen umb was ich will / so giebt er mirs / nur eine Frau will Er mich nicht nehmen lassen. Grethe. Was wäre mir aber das? Courage . Weist du was / Grethgen / ich bin diesen Abend bey einem Advocaten gewesen / und erzehlte ihm meine Sache / der Mann aber hatte sich so bestialisch vollgesoffen / daß er nicht einmahl wuste / was er mir antworten solte / ich soll aber morgen früh wieder zu ihm kommen. Grethe. Ach du hertzer Courage! wenn du die Sache unter die Advocaten spielen wilst / so werden sie einen Proceß aus dem Consense machen / der in 20. Jahren nicht aus wird. Courag. Jch kan ja leichte mit ihm reden / damit ich nur höre / ob Ers vor rathsam hält / daß ich meinen Herrn wegen des Consenses bey dem Könige verklagen soll? Grethe. Das wolte ich dir nun auch nicht rathen. Courage. Warumb aber nicht? Grethe. Man sieht / wie es geht / wenn man seinen eigenen Herrn bey der hohen Obrigkeit verklagt / man habe auch recht / wie man will / so wird einem armen Diener doch nicht geholffen; Mein Rath wäre / du gäbest Jhm gute Wort / vielleicht last Ers noch geschehen; dann zu einem Advocaten zu gehen / rathe ich dir durchaus nicht. Courage. Jch will her seyn / und morgen früh nüchtern noch einmahl mit meinem Herrn aus der Sache reden / will Er / wohl gut / will Er aber nicht / so will ich mir ein Klage-Schreiben machen lassen und Jhn ordentlicher weise bey dem Könige dieser wegen verklagen. Grethe. Je nu / nu / meinen Willen hast du ; Wenn du aber dadurch dir deinen Herrn zum Feinde machest / so gieb mir die Schuld hernach nur nicht. Courage. Jch will das Ding schon machen / bekümmere dich nur umb nichts. Aber höre / Grethgen / umb welche Zeit mag es ietzo wohl seyn? Grete. Der Wächter hat / deucht mich / Eilffe geruffen. Courage. Jst es denn schon so spät? Grete. Es war ja bald 10. Uhr / wie der Herr Graff mit seinen Leuten nach Hause kam / und das verzog sich auch wohl eine halbe Stunde; Nun / wie lange sind wir denn wohl hier? Courage. Schläfft denn dein Herr schon? Grethe. Ach ja / es ist alles zu Bette. Courage. Liegen Sie denn nun alle auff einer Streu? Grethe. Alle mit einander. Courage. Jch möchte das Nacht-Lager doch gerne sehen. Grethe. Verzieh / ich wil dirs öffnen. (Gehet ab.) Courag. Ey ja / Grethgen / ich wil dir ein andermahl wieder was zu Gefallen thun. (Graf Ehrenfrieds Schlaff-Zimmer wird eröffnet / und zeiget eine Straputzke / worauff der Graf mitten unter seinen Leuthen auf der Erden liegt / und haben sich alle mit ihren Röcken zugedeckt.) 22. Aufftritt. Grethe. Nun wie gefallen dir denn diese Gast-Betten? Courage. Ey vortrefflich! liegen sie doch da unter einander / wie Kraut und Rüben. Wer ist denn dieses da / der sich mit dem Kopffe so nahe an des Herrn Grafens seine Wind-Büchse geleget hat? Grethe. Es ist Mummel-Märten / wie ich dir gestern erzehlet habe / der muß dem Grafen allemahl die Füße krauen / biß er einschläfft / und über dem krauen schläfft das Aaß nun allemahl selber ein. Courage. Jch dachte / Er hätte auch einen Jungen / welchen Er nur seinen Hauß-Dieb hiesse? Grethe. Das wird ja die Kröte seyn; Man darff auch fast nicht das geringste in den Weg legen / so katzt ers weg / und mich wundert / daß das Rabenfell ietzo so feste schläfft / denn wenn die andern Diener im besten Schlaffe seyn / so stehet der auff / und visitiret allen die Schubsäcke / und stiehlet weg / was er kriegt. Courage. Was spricht aber der Graf darzu? Grethe. Was soll Er sprechen ; Er lacht drüber / und spricht noch wohl gar / es ist eine Schraube / wenn er Jhn gleich selbst bestiehlt. Courag. Ey du wärest recht für meinen Herrn / hader potz Velten / wie würde Er dich auf die Finger klopffen / wenn du Jhm was nähmest. Grete. Ja / es darff den Diebs-Vogel kein Diener nicht einmahl sauer ansehen / solche Stücken hält der Graf auf ihn. Courag. Aber wer sind denn diese hier? Grete. Sieh nur / ich wil dir sie alle zeigen / wie sie da liegen: Das in der Mitten ist der Herr Graff / neben ihm zur Rechten da liegt ein Läuffer / und zur Lincken der andere Läuffer. Courag. Wer ist denn das über des Herrn Grafens Kopffe? Grete. Das ist der Herr Secretar ichs. Courage. Der so schöne Befehle machen kan? Grete. Ja der ists / und hierunten liegen die beyden Jäger / da liegen die Cammer-Diener und Heyducken / und hier liegt der Herr Hauptmann und der Herr Fehndrich. Courage. Wer ist denn das da auff dem Stule? Grete. Das ist der Herr Capitain-Lieutenant . Courage. Warumb liegt er aber nicht auch mit auff der Straputzke? Grete. Es muß einer alle Nacht umb die andere wachen / heute ist nun die Reihe an dem Herrn Capitain-Lieutenant , allein sie wachen / daß es besser thäte. Courage. Wenn steht denn der Graf nun wieder auff? Grete. Ach Er hat keine gewisse Zeit / manchmahl steht Er flugs umb 1. umb 2. Uhr auff / und wenn denn seine Leute nicht gleich mit allard seyn / so begeußt Er sie über und über mit Wasser. Courage. Je nun / ich dancke / Gretgen / daß du mir deines Grafens sein Schlaf-Zimmer gezeiget hast / ich wil nun auch gehen / und mich ein wenig in die Boye legen / damit ich morgen frühe fein bey Zeite aufstehen kan / und mit meinem Herrn recht nüchterner Weise noch einmahl von dem Consense reden. Grete. Ey gieb du Jhm nur gute Worte / und bitte Jhn / ich weiß / Er wirds zu frieden seyn. Courage. Je nu / nu / ich wil meinen besten Stecher dran setzen / kan ichs in Güte so weit bey ihm bringen / wohl gut / wo nicht / so muß ich Jhn doch beym Könige verklagen. Schlaff wohl / Gretgen. Grete. Schlaff wohl / Courage / und sage mir morgen fein bey Zeiten Antwort wieder. Courage. Es soll geschehen / gute Nacht. Grethe. Gute Nacht. (Gehen ab.) Es wird eine schläfferige Music gehöret / und nach Endigung derselben 23. Aufftritt. Thomas. Siehe da! steht doch des Herrn Grafen seine Schlaf-Stube gar offen. Jch wil ja nicht hoffen / daß irgend ein Dieb bey Jhm eingebrochen hat / und Jhn bestehlen wollen. Es könte doch wohl seyn / weil alles so feste schläfft. Oder hat Er deßwegen die Stuben-Thür mit Fleiß offen gelassen / daß Er mich etwan hören will / wie viel ich ruffe. Und wenn ich wissen solte / daß Ers deswegen gethan hätte / so ruffte ich vor seinem Hause gleich nicht. Denn der Herr Graf ist manchmahl gar zu wunderlich. Neulich so kam Er mir auch auff der Gasse des Nachts nachgelauffen / und nahm mir das Horn / und bließ damit durch alle Gassen durch; wie Er aber an das Schloß kam / und da so ein abscheulich geblase anfieng / so kam einer mit einer Karbatzsche zum Schlosse heraus / und zukarbatzschte da meinen Herrn Grafen braun und blau. Ey wie kam Er hernach so stillschweigend wieder zu mir / und gab mir mein Hörngen wieder; Ach wie suchte ers hinter den Ohren / und gieng fein säuberlich nach Hause. Jch muß aber hier doch wohl ruffen / damit die Leute hören / welche Zeit es ist / kömmt iemand / und wil mir was thun / oder das Horn wieder nehmen / so habe ich schon Ordre / wie ich mich verhalten soll. (bläset und ruffet:) Hört / ihr Herren / laßt euch sagen: Der Seiger und der hat Zwey geschlagen / Steht auff / es wil Tag werden. (bläset und gehet ab.) 24. Aufftritt. Ehrenfried. (erwacht / und rufft seine Leute / welche aber nicht hören wollen.) Holla! he! auff! Mumm. M. (regt sich) Jhr. Gn. was giebts denn? Ehrenfr. Wasser her / ich muß die Bursche munter machen / wenn sie nicht aufstehen wollen. Mumm. M. Jhr. Gnaden ich will gleich welches holen. (hänget seinen Rock über die Achseln / und gehet ab.) Ehrenfr. Holla! Herr Capitain Lieutenant ! Herr Fendrich! wie ists? wolt ihr nicht auf! he! Hausdieb! wo bleibst du denn mit dem Wasser? Mumm. M. (Inwendig von weiten /) ich bringe gleich welches / Jhr Gnaden. Ehrenfr. Wie könnt ihr Leute doch so feste schlaffen? he! Wasser her! 25 Aufftritt. Mummel-Märten (mit einer Hose Wasser.) Mumm. M. Da bringe ich Wasser / Jhr Gnaden. Ehrenfr. Gib her. (Mummel-Märten giebt dem Grafen die Hose Wasser / der Graf begiesset sie über und über / worauff sie plötzlich auffahren / und sich alle sitzend possi rlich umbsehen.) Ehrenfr. (spricht) Ey das war eine Schraube Gelt / Herr Capitain-Lieut. das war eine erschreckliche Schraube? Fortunatus. Ja / Jhr. Excellenz , das war gar eine nasse Schraube. Ehrenfr. Warum steht ihr nicht auff / wenn ich euch ruffe. Fortunatus. Jhr. Excell. es ist aber noch nicht Tag? Ehrenfr. Ey was frage ich nach dem Tage / ich stehe auf / wenn ich will / es mag Tag oder Nacht seyn. Mumm. M. Soll ich denn den Kasten noch dort holen / wie mir Jhr Gnaden gestern bey Hofe befohlen haben? Ehrenfr. So bald es vollends Tag wird / so gehe hin / wir wollen indessen her seyn / und die Nummern machen. Mumm. M. Gantz gut / Jhr Gnaden. Ehrenfr. Nun allons ! fort / ziehet euch an ; wie sitzt ihr da? Soll ich noch mehr Wasser holen lassen? Alle. Ach nein / Jhr. Excellenz , wir wollen uns geschwinde anziehen. (Stehen alle eiligst auff / ziehen ihre Röcke an / und unter wärendem Anziehen wird das Nachtzimmer bedecket.) Ballett von Nachtwächtern. Dritter Handlung Erster Aufftritt. Der Schau-Platz bleibet eine Stadt / und wird wieder Tag. Leonore. (mit einem Supplic in der Hand.) Jch muß doch sehen / ob der Herr Graf auffgestanden ist / damit ich mit Jhm reden kan / und wenn Er mich nicht zu seiner Gemahlin nimmt / so will ich schon einen andern Weg mit ihm gehen; denn das wären keine Künste / ein Frauenzimmer kan man leichte zu was bereden / und hätte sich Graf Ehrenfried nicht so hoch vermessen / daß Er mich heyrathen wolte / so solte er mich zu solchen wollüstigen Händeln wohl nicht leichtlich beredet haben; aber dem sey nun wie ihm sey / wil Er in Güte seinen grausamen Schwüren und Promessen nicht nachkommen / so wil ich hier dieses Supplic / welches ich mir gestern einen Advocaten habe machen lassen / gleich ietzo Jhro Königl. Maj. persönlich übergeben / damit es doch nur kund wird / wie er mir so erbärmlicher Weise mein Ehren-Schlößgen auffgebrochen hat. Will Er mir aber zu meiner Ehre wieder helffen / so soll es auch die Katze hinter dem Herde nicht einmahl erfahren. Ach! ihr liebes Frauenzimmer / ich bitte euch umb des Himmels willen / trauet doch nimmermehr keinem Kerl zu viel / er mag auch seyn / wer er will / sie haben alle den Schelm in Nacken / und wenn sie auch gleich schwüren / daß ihnen die Schienebeine knackten / so ist ihnen doch nichts zu gläuben / denn ich weiß es am besten / wie es einen hernach gereuet / denn ich habs aus der Erfahrung mit meinem Grafen / allein er muß mich heyrathen / oder ich will meinen Kopff nicht sanfte legen. (Gehet ab.) Anderer Aufftritt. Mummel-Märten. (mit einem viereckigten Kasten.) Je hader der Hencker / was wird mein Herr Graf noch vor ein reicher Herr werden! da habe ich ihm müssen einen viereckigten Kasten holen / denselben wil er zu einem Glücks-Topffe machen / und alle seine Sachen hinein setzen. Er spricht: weil andere Glücks-Töpffer von solcher Profession reich würden / warumb solte er es / als ein Graf / nicht auch so weit bringen können. Es soll die Person 6. Pfennige geben. Wer nun Lust und Belieben hat / sein Glücke in meines Herrn seiner Schlotterie oder wie er auff Lateinisch den Glückstopff nennet / probir en will / der kan nur / wenn die Bude eröffnet wird / herbey kommen / vielleicht hat er das Glücke / daß er so viel gewinnet / damit er sich sein Lebetage damit behelffen kan. (geht ab.) Dritter Aufftritt. Leander. Jucundus. Leander. Jch wills ja nimmermehr hoffen / daß der Graf eine Lotterie auffrichten will. Jucun. So viel mir sein Cammer-Junge auf der Gassen erzehlete / wäre es gantz gewiß. Leander. Was werden aber für Raritäten hinein gesetzet werden? Jucund. Darum habe ich nun eben nicht gefraget / dieses sagte mir der Junge / daß die Person 6. Pf. geben solte. Leander. Ey so werden wohl vortreffliche pretieuse Sachen auffgesetzet werden. Jucun. Wer weiß denn? Vielleicht steht des Hn. Fendrichs Falconet -Kugel / und sein grosser langer Stoß-Degen auch mit auff dem Spiele. Leander. Ja das war eine grausame Lügen von dem Kerl. Jucund. Jch vermeinte / sie würden gestern wieder kommen / allein sie blieben aussen / wie das Röhr-Wasser. Leander. Vielleicht hat der Herr Hauptmann frische Salpeter-Kugeln gemacht / die er mit in seines Grafens Glücks-Topff setzen will. Jucund. Nun wir wollen doch auch hinein gehen / wenn die Glücks-Bude eröffnet wird / vielleicht gewinnen wir auch was. Leander. Jch wage schon ein paar Dreyer mit dran / allein wir werden nicht viel gewinnen. Jucund. Wenn gleich / ich weiß daß ein hauffen Volcks nur zum Possen hinein gehet / und siehet die curieus en Gewinste mit an. Leander. Da bin ich gut dafür / daß Lappereyen genug werden mit auff dem Spiele stehen. Jucund. Wir wollens doch mit ansehen. Leander. Aber wenn soll denn die schöne Lotterie eröffnet werden? Jucund. Der Junge sagte / so bald die Zeddel fertig wären / solte es gleich angehen. Leand. Ey so haben wir noch Zeit. Jucund. Wir wollen unterdeßen auff ein Gläßgen Spaniol zu Herr Johansen in Weinkeller gehen / und einen Jungen hin schicken / der ein wenig recognosci ren soll / wenn es angehet. Leand. Jch trincke schon ein Gläßgen mit / allein zu dem närrischen Polter-Wirthe komm ich nicht wieder / denn er schreibet gar zu viel an. Jucund. So wollen wir an einen andern Ort gehen / es gilt mir alles gleich. Leand. Wir wollen stracks hier gegen über gehen / und da können wir auch gleich erfahren / wenn des Herrn Grafens Lotterie wird eröffnet werden. Jucund. Jch lasse mir alles gefallen. (gehen ab.) Vierdter Aufftritt. Cursino. Culin. Culin. So ists dein rechter Ernst / daß du wilst durchgehen? Curs. Jch habe die Brieffe von so einen Herrn / der einen kein Kost-Geld giebt / man kan ja nicht von der Lufft leben. Culin. Das ist wahr / und wenn ich bey dem Küchen-Jungen bey Hoffe nicht manchmahl von dem verbrandten Schöpsen-Braten und verdorbenen Wildprete etwas erbettelt hätte / ich glaube / ich wäre längst verhungert. Curs. Ey / es ist ja ausser der Weise / ist gleich manchmahl ein Heller Geld da / so nehmens die grossen Diener weg / und unser einer muß crepi ren. Culin. Du hertzer Bruder / sie kriegen eben auch nicht viel / gestern hat er nun die 30. Rthl. welche er hat auff den Rock borgen lassen / in der Glücks-Bude verspielet / heute ist nun wieder nichts da / wo zum Hencker will es denn immer herkommen? Curs. Drum wird es das beste seyn / daß man die Lauff-Schuhe anziehet / und seinen Marsch aus der Stadt nimmt. Culin. Je Bruder / wenn du fort marchi rest / so gehe ich mit / alleine wir wollen uns erst vom Grafen unsern Abschied geben lassen. Curs. Ey was frag ich nach seinem Abschiede. Cul. Wo denckstu aber zu? Curs. Jch will wieder nach Jtalien zu meiner Mutter reisen / wenn du nun mit wilst / so mache fort / denn hier warte ich nicht länger. Cul. Wie kommen wir aber fort / wenn wir kein Geld haben? Curs. Je fragstu nicht Dinge / wo kommen denn die Bettler fort? Cul. Ey so werden wir schöne Güter mit in unser Vaterland bringen. Curs. Das mags thun / hunger leiden kan ich hier länger nicht. Cul. Wie aber / wenn wir uns in Teutschland nach einen andern Herrn umthäten? Curs. Du bist wunderlich / wer wird denn so ein paar nackichte Kerl annehmen / als wie wir sind / ja wenn wir noch was auff dem Leibe hätten / so möchte es noch seyn / so aber gehen wir ja / als wenn wir von dem Galgen gefallen wären. Cul. So mache nur fort / ich will mit marchi ren / damit wir mit Ehren aus der Stadt kommen / sonst wo es der Graf erfähret / daß wir durchgehen wollen / so schickt er uns nach / und wenn er uns kriegt / so läst er uns alle beyde in den Bock spannen/und ziehet uns die Mundirung darzu noch aus. Curs. Je das geschicht / darum laß uns nur sehen / wo der Zimmermann das Loch gelassen hat. Cul. So komm nur / an mir fehlts ja nicht. (gehen ab.) Es wird musici rt / und unter währender Music eröffnet sich der Prospect und zeiget Graf Ehrenfrieds Glücks-Bude / worinnen allerhand Lappereyen und Sachen zu sehen seyn. Der Graf stehet mit Mummel-Märten in der Glücks-Bude / vor derselben aber stehen alle seine Bedienten / wie auch andere Leute / und greifft einer nach dem andern hinein / worzu auch endlich Leander / Jucundus und andere Leute kommen und hinein greiffen / Mummel-Märten muß die Gewinste austheilen. Die Sachen / so da zu sehen / werden alle heraus gegriffen / und wird zu iedem Gewinste getummelt. Einer geht ab / der andere zu / und nach dem die geltenden Gewinste alle heraus gegriffen seyn / wird unter währender Music die Glücks-Bude wieder bedeckt. Fünffter Aufftritt. Jnjurius (mit verbundenen Kopffe /) Herr Johannes. Joh. Da hasts nu! Jnjur. Es hat nichts zu bedeuten / die Hosen sollen ihn schon dafür auffgebunden werden. Joh. Jch war dein Glücke noch / Momflere . Jnjur. Wie so? Joh. Halb todt hätte er dich geschmissen / auff mein Wort. Jnjur. Er soll mir die Schmertzen theuer gnug bezahlen. Joh. Je ja / es ist was zu bezahlen da. Jnjur. Es wird sich schon weisen. Joh. Du fingest aber an. Jnjur. Davon ist nun gantz kein Wort zu gedencken / wenn die Sache vor dem ordentlichen Richter kömmt / so soll sichs schon geben. Joh. Ehrlich Gottlob! du wirst die Schläge wohl behalten müssen. Jnjur. Jch will ihn schon solche Intrü schen machen / daß er Zeit Lebens an mich gedencken soll. Joh. Es klagt dich aber kein Mensche / nu! Jnjur. Was schere ich mich umb die Leute / ob sie Mitleiden mit mir haben oder nicht / ich frage nicht ein Hare darnach. Johan. O ho / wenns so ist / will ich gerne nichts sagen. Jnjur. Bruder? ich bin kein ehrlicher Mann / wenn ich nicht die gantze Familie mit allen ihren Adhærent en biß in die Grube verfolgen will. Joh. Was hilfft dichs aber Momflere ? Jnjur. Das ich so meine Freude drüber habe. Joh. Momflere , und wenn ich dir rathen soll / so thu du's nicht / auf mein Wort / ich bin kein ehrlicher Mann / du wirst wieder geschoren. Jnjur. Darauff laß ichs ankommen / ich versichre dich / daß mir leichtlich keiner soll gewachsen seyn. J oh. Dencke du an mich wenns nicht geschicht / denn ich kenne einen Gottlob! Er hat mich auch manchmahl geschoren. Jnjur. Wen meynestu denn? Joh. Den dorte / wegen der falschen Zeugen. Weists nu? Jnjur. Jch kan dich nicht verstehen. Joh. Wie du neulich sagtest. Jnjur. Jch weiß mich noch nicht drauf zu besinnen. Joh. Momflere weists denn nicht mehr / wie du neulich sagtest / du hättest einen Bauer 6. Gülden gegeben / daß er hätte falsch über ihn schweren müssen. Weists nu? Jnjur. Ach dort / ja / O der Kerl ist mir viel zu leichte / denn ich habe ihn schon manche Intrü sche gemacht. Joh. Dencke du an mich / wenn er dich nicht wieder schiert. Jnjur. Dafür ist mir gar nicht bange. Joh. Jch weiß was ich weiß / und wenn dirs nicht gehen wird / als sonst iemanden / so sage daß ich kein ehrlicher Man bin. Jnjur. Jch lasse es darauff ankommen. Joh. Was wilstu aber darnach machen / wenns so geschicht? Jnjur. Ey / laß mich mit solchen Lappereyen ungeschoren. Joh. Brüdergen / ein Schelm ders falsch mit dir meynet / nu! und ich wolte / daß du für deine Schläge 1000. Rthlr. schmertze-Geld bekämest / vielleicht hülffe michs auch was. Jnjur. Jch lasse der Sache ihren ordentlichen Lauf / es wird sich mit der Zeit schon geben. Joh. Ja wenn die Zeugen auch gut vor dich ausgesaget hätten? Jnjur. Warumb das nicht / und wenn deine Kerl die Wahrheit verschwiegen haben / so muß ich dich ebenfalls abhören lassen. Joh. Ein Schelm thut das / und darzu würde dichs auch fein viel helffen. Jnjurius. Wie so denn? Johan. Momflere , du schmist ja aus / nu! was wilst du denn machen? Jnjurius. Ey du must sagen / jener hätte ausgeschlagen. Joh. Und ich solte drüber schweren? Jnjurius. Wie anders? Johan. Und wenn du mir 10. Ducaten gäbest / ich thäte das Ding nicht. Jnjurius. Du kanst aber leichte schweren / es hat ja nichts zu bedeuten. Johan. Je behüte mich mein Gott dafür! Jnjurius. Wäre es nun nicht eine Sache / wenn du mir diesen Gefallen erwiesest. Joh. Nicht tausend Ducaten wolte ich nehmen / hohl mich GOtt! nicht 10. tausend. Aber Momflere weistu was / laß den Bauer wieder holen / der über jenen dorte / wie du wohl weist / vorm Jahre falsch geschworen hat / und gieb ihn noch einmahl 6. fl. er thuts schon. Jnjurius. Ja / was weiß derselbe Mann von dieser Affaire ? Johan. Warumb hatte er aber über jenen geschworen / vor 6. fl. und falsch? Nu? Jnjurius. Ja ietzo möchte es nicht angehen. Joh. Merckstu was? du wirst die Schmertzen und die Beulen wohl behalten müssen. Jnjurius. Ja wenn die Wunden nicht thäten. Joh. Auch Wunden Gottlob! Wie viel denn? Jnjurius. Greiff nur mit der Hand hieher / so wirstu sie alle an dem Griffe haben können. Joh. (fühlet Jnjurio auff dem Kopff.) O ho! sind doch das keine! (zehlet.) 1. 2. 3. 3. 4. 5. 7. keine mehr? ne / 7. Gottlob / auch wohl 8. Jnjurius. Wenn mir nur der Kopff nicht so geschwollen wäre. Joh. Schadet dirs aber was am Gedächtnisse? Jnjurius. Es schadet mir wohl nichts / allein die Intrü schen wollen mir doch nicht mehr so beyfallen / wie sonst. Joh. Hast du denn auch einem Wund-Zeddel eingegeben? Jnjurius. Jch habe auff eine iedwede Wunde den Barbier einen Zeddel machen lassen. Joh. Auch schon auff dem Rathhause? Jnjur. Wie sonsten? Joh. Oho! Straffe Gottlob! dürffte doch wol gefallen? Jnjur. Daran wird es nicht gnug seyn / ich will ihn schon anders scheren. Joh. Momflere , wenn ich dir rathen solte / so vertrüge ich mich mit dem Manne wieder / und liesse ihn was zum Besten geben. Jnjur. Daraus wird nimmermehr nichts / weil die Welt stehet. Joh. Wie du wilst. Jnjurius. Jch will ihn noch drücken / daß er sein Tage an mich gedencken soll. Joh. Meinethalben / wenn die Schlägerey nur bey mir nicht wäre vorgegangen. Jnjur. Was kanst du dafür / deswegen komm ich doch wohl wieder zu dir. Joh. Wenn denn? Jnjurius. Jch will nur erstlich zum Balbier gehen / und mich verbinden lassen / hernach so will ich gleich auff ein Gläßgen zu dir kommen. Joh. Top! Jnjurius. Ein Wort ein Mann. Joh. Ein Schelm der nicht kömmt. Jnjurius. Was ich sage. Adjeu . (gehet ab.) Joh. Dein Diener Momflere . (Jndem Jnjurius fortgehet / sieht Herr Johannes ihn hinten mit einer hönischen Mine nach / und spricht:) Sieben Wunden / Gottlob / auch wohl achte oder 9. (gehet ab) Sechster Aufftritt. Mummel-Märten (hat ein Päctgen unterm Arme.) Je da wär ich wohl ein rechter Bärenheuter / daß ich einen Augenblick länger bey dem Grafen bliebe. Jch dachte wohl / daß es so ablauffen würde / denn man dencke nur / was er vor närrische Dinge vornimmt / da setzt er so ein Hauffen Sachen auf das Spiel / und hat mehr Treffer als Fehler auf den Nummern / so muß er ja verspielen. Nun / er hat ja auch nicht das Geringste mehr in seinen Vermögen / und ich habe die Briefe von so einen Herrn / wenn er nichts hat. Keinen Heller Kost-Geld habe ich / weil ich bey ihm bin / von ihm bekommen / und wenn ich mir durch Stehlen manchmahl nicht ein Accidens gemacht hätte / so würde ich wohl schmale Bissen bey ihn haben fressen müssen. Weil aber die Freude nun ein Ende hat / und nichts mehr bey dem Herrn Grafen vor mich zu holen ist / so hab ich incognito von ihn meinen Abschied genommen / er mag sich nun den Hn. Capitain-Lieutenant des Nachts die stinckigten Knochen krauen lassen / biß er einschläfft / ich habe Stanck genug bey meiner Nächtlichen Auffwartung von ihm verschlucken müssen. Jch will schon sehen / wo ich einen andern Herrn kriege / der mir satt zu fressen giebt / daß ich mich nicht mehr auff das Promovi ren legen darff / denn sonst / wenn ich grösser würde / dürffte ich eine Gewohnheit drauß machen / und mit der Zeit gar an den Galgen kommen. (will abgehen.) Siebender Aufftritt. Mummel-Märten / Mirax / Narruffsky / Pamphilius. Mirax. (Kriegt ihn bey den Ermel.) Halt Vogel / wo wilstu hinaus? Mum. M. Warum denn / was gehts denn euch an? Last ihr mich immer gehen. Mirax. Warte nur / wir müssen anders mit dir reden. Mum. M. Was hab ich denn mit euch zu thun / lasset ihr mich immer ungeschoren. Mirax. Helfft doch dem Vogel halten / daß er uns nicht durchgehet. (Pamph. / Narruffsky / greiffen Mummel-Märten an.) Pamph. Halt du / wir müssen besser mit dir reden. Mirax. Höre Dieb / was hast du in dem Päckgen? Mum. M. Ey was gehts denn euch an? es ist meine schwartze Wäsche / ich will sie zu meiner Wäscherin tragen. Mirax. Nein nein / wir müssen sehen was du eingepackt hast. (Mirax macht das Päckgen auf / und schüttet einen Hauffen alte Hembden und Lumpen auffs Theatrum und spricht:) Vogel sind das deine Hembden? Mum. M. Wem werden sie sonst seyn? Narruff. Je Herr Stallmeister / da ist mein Oberhembde mit dabey / welches mir vor 4. Wochen aus dem Coffre ist gestohlen worden. Mirax. Und dieses sind meine 2. Hembden / welche mir vorgestern nur wegkommen sind. Pamph. Und dieses ist meine Nestel-tuchene Krause / welche ich mir vor 2. Tagen bey dem Jtaliener gekaufft habe. Mum. M. Ja / gleich so / als wenn ein bunter Hund nicht dem andern ähnlich sähe. Pamph. Was ist denn dieses da. Mirax. Je was zum Hencker ist denn das vor eine Binde? Pamph. Je das ist des Herrn Capit. Lieutenants seine Sontags- Scherpe , die er von dem Hn. Grafen hat verehrt bekommen. Mirax. Je du Haußdieb / kanst du so wacker einpacken? Narruff. Habe ichs nicht immer gesagt / der Vogel würde einmahl nehmen was er kriegte / und fort marchir en. Pamph. Ja / das hab ich längst immer gedacht. Mirax. Jst es doch auch eingetroffen / ie du Haußdieb du. Mum. Jhr dürfft mir nur meine Sachen zufrieden lassen / sonst seyd ihr ärgere Diebe als ich. Mirax. Kanstu denn sagen / daß die 2. Hembden auf deinen Miste gewachsen seyn? Narruff. Und meinestu denn dieses Ober-Hembde sey deine? Pamph. Du must wohl dein Lebtage viel Nestel-tuchene Halß-Krausen getragen haben. Achter Aufftritt. Fortunatus / und die Vorigen. Fortunatus. Habt ihr den Vogel angetroffen? Mir. Ja / mein Herr Capitain-Lieutenant , wir haben ihn noch ergattert. Fortunatus. Was zum Hencker seyn das für Sachen da? Mirax. Das ist unsere gute Wäsche / die hat der Vogel alle mit eingepackt. Fortunatus. Was ist denn dieses hier? Mirax. Kennt denn der Herr Capitain-Lieutenant das Ding nicht? Fortun. Je das ist ja meine Sontags-Scherpe / welche mir der Herr Graf geschencket hat. Ey! ey! bistu nicht ein Vogel? Mumm. M. Last euchs lieb seyn / Herr Capitain-Lieutenant / daß ihr sie hier antrefft / ich habe es zu euern besten gethan / daß ich sie so lange bey mir auffgehoben habe. Fortun. Ey du bist der rechte Auffheber du. Mumm. Warum nicht / denn wenn ihr sie bey der Hand gehabt / ihr hättet sie doch nur versetzt / oder um ein liederlich Geld im Wirths-Hause verkaufft / so aber habe ich sie euch nur auffgehoben. Fortun. Heist denn das auffgehoben / wenn man eines andern seine Sachen heimlicher Weise wegnimmt. Mumm. M. Zum wenigsten wird es auch kein Diebstück seyn. Fortun. Was wär es denn sonsten? Mumm. M. Je wenn ihrs so nehmen wolt / so seyd ihr eben auch ein Dieb. Fortunat. Je du Vogel du / halts Maul. Mumm. M. Als wenn es irgend nicht wahr wäre mit dem Petschaffte? Fortunat. Was denn vor ein Petschafft? Mumm. M. Ey ja doch? habt ihr nicht neulich des Grafens sein Petschafft in den Wirths-Hause einen Paruqven-Macher vor 4. Gr. verkaufft? Fortunat. Was sagstu? Mum. M. Was sagst du? als wenn es irgend nicht wahr wäre / der Mann hat mirs selbst gesagt / er wird mirs nicht aus den Fingern saugen / ihr habts ihn erstlich vor einen Thl. gebothen. Hat denn der Graf davon ein Wort gewust. Fortunat. Das ist mit des Herrn Grafens seinen Consens geschehen / und darum hastu dich nichts zu bekümmern. Mum. M. Wo will denn der Herr Graf was davon gewust haben / denn wie er euch gestern / da der Befehl wegen des Hasens-Schiessens solte gesiegelt werden / fragte / wo sein Petschafft wäre / so sagtet ihr heimlich zu ihme / es stünde mit versetzt / allein ich wuste es besser. Wenn ich euch da nun auch hätte beschämen wollen / was würden denn die Leute gedacht haben? Fortunat. Je du Bestie du halts Maul. Fort ihr Kammer-Dieners / zieht dem Vogel die Livray aus / mein gnädiger Herr will es haben / und last den Dieb hernach an Galgen lauffen. (geht ab.) Pamph. Fort / raus mit der Jacke / der Grafe wills haben. (ziehen ihn aus.) Mum. M. Da nehmt die alte Hülle immer hin / wenn ich sie nicht behalten soll / sie ist ohne dem nicht 6. Pf. werth. Narruff. Genug / daß es der Graf so befohlen hat. Mum. M. Da habt ihr sie / tragt sie euern Grafen hin / und sprecht / er soll sie in seine Glücks-Bude hengen / vielleicht gewinnt er damit seine Sachen wieder. Mirax. Mit solchen Reden kanstu Vogel nur stille schweigen / oder wir werden dir zu guter letzt noch einen Buckel voll Schläge mit auf den Weg geben. Mum. M. Thuts / wenn ihrs nicht lassen könnt. Pamph. Wir hätten keine Ehre davon. Wenn du aber ein rechtschaffener Kerl wärst / wie wir / so soltest du schon längst ein paar Ohrfeigen weg haben / so aber bistu nur ein Junge. Mum. M. Wenn ich gleich ein Junge bin / so hab ich doch von dem Grafen nicht so viel Ohrfeigen gekriegt / als ihr. Mirax. Geht nur fort ihr Herrn / nehmt euere Sachen und vermenget euch nur nicht weiter mit ihn / es hat keiner keine Ehre davon. (Nehmen ein ieder seine Wäsche / und gehen davon.) Mum. M. Nehmt die lausigten Lumpen immer hin / wenn ihr mir sie nicht lassen wolt / ich will doch wohl sehen / wo ich andere kriege. Das mahl so einen Grafen gedienet und nimmermehr wieder. Jch will zehnmahl lieber bey Hofe einen Pagen aufwarten / als so einen Herrn / da habe ich doch satt zu fressen / und darf mir den Hunger nicht durch Stehlen vertreiben. Daß des Grafens beyde Läuffer ihren Abschied auch hinter der Thüre genommen haben / hat sie nichts anders als der liebe Hunger darzu gebracht / und wenn er sie anträffe / er liesse ihnen die Livray eben auch ausziehen; Aber es mag immer seyn / was frage ich nach den alten schäbichten Rocke / bin ich doch mit allen Pagen -Jungen bekannt / und der eine ist auch mein Vetter / zu dem will ich hingehen / und ihm mein Unglück klagen / vielleicht hilfft er mir / daß ich auch ein Pagen -Junge werde / wenn ich mich gleich von dem Pferde auff den Esel setzen müste. (gehet ab.) Neundter Aufftritt. Courage / Grethgen. Greth. Habe ich dirs nicht gesagt / Courage / daß ein gut Wort manchmahl mehr hilfft / als sonsten was. Courag. Das ist wahr / Grethgen / ich gab meinen Herrn deinetwegen vortreffl. gute Worte / und es hätte mich lästerlich verdriessen sollen / wenn er mir den Consens abgeschlagen hätte. Grethe. Gelt! es ist so besser / als wenn du zu den Advocat en wärest gegangen? Courag. Ach / du hertzes Kind / ich wäre ohndem nicht zu ihm gegangen ; denn es hat mir heute frühe eine Frau erzehlet / daß derselbe Fleck-Schreiber gantz nichts studieret hätte / denn die Cäußgen die er bißweilen macht / heist er nur lauter Intrü schen / und mit solchen Intrü schen führet er so manche ehrliche Leute in die Processe hinein / daß sie hernachmahls Ach und Weh über ihn schreien. Grethe. Ey ich weiß gar wol / ich wolte dirs immer gestern sagen / daß du zu demselben Manne nicht gehen soltest / denn es ist ein rechter Ehren-Kräncker. Courag. Je warum thut er aber das? Grete. Je weiß mans denn? Neulich so hat er ein paar Partheyen in einander gehetzt / und in seinen Concipirt en Klag-Schreiben solche Anzügligkeiten gebraucht / daß ich dirs nicht sagen kan. Courag. Mich wundert aber / daß so einen Calumniant en das Handwerck nicht gelegt wird. Grete. Ey! es hat immer drauf gestanden / daß ihm die spitzige Feder hat sollen verschnitten werden / und stehet auch noch drauff. Courag. So ein Mensch / der eines andern seine Ehre abschneiden will / und ist selbst hinten und forne mit Peche besudelt / der ist nicht werth / daß ihn der Erdboden trägt. Gret. Er würde dir ein schönes Supplic gemacht haben. Courag. Jch dancke meinen GOtt / daß ich denselben Fleckschreiber nicht habe von nöthen gehabt / denn wenn mir der Kerl meinen Herrn mit unbescheidenen Worten angegriffen hätte / und ich hätte hernach das Ding dem Könige übergeben / ich wüste nicht / was ich ihm gethan hätte. Grete. Ach! es sind ihm wegen seiner anzüglichen Injurien halber in diesem Jahre wol über 20. Rthlr. Straffe zuerkandt worden. Cour. Ey du magst mir der rechte Advocate seyn. Grete. Jn einer benachbarten Stadt nicht weit von hier / so hat er sich schon in 2. Jahren nicht sehen lassen dürffen / wenn er sich da blicken läst / so nimmt ihn der Rath daselbst gleich in Arrest . Courag. Was hat er denn da gethan? Grete. Nach seiner gewöhnlichen Art / soll er auch nichts als lauter Schmäh-Worte in einer daselbst eingegebenen Klage-Schrifft gebraucht haben / weswegen ihm 10. Rthlr. Straffe zuerkant worden / und dieselben hat er noch nicht abgetragen. Courage . Mich wundert / daß von der hohen Obrigkeit so einen Practiqv enmacher seiner unverantwortl. anzüglichkeiten halber / nicht mit ernstlicher Straffe auf die unnützen Schelm-Finger geklopt wird. Grete. Es wundert mich selbst / daß ihnen so viel nachgesehen wird / und wenn mein Hr. Graf so einen Advocaten in seinen Lande hätte / und er griffe ehrliche Leute in Schrifften so an / wie dieser Fleck-Schreiber / so will ich nicht ehrlich seyn / wenn er ihn nicht alle Tage dreymal in den Bock spannete / und karbatzschte ihn so lange / biß er spräche: er wolte es unterwegens lassen. Courage. So ein Kerl wär auch nichts bessers werth. Grete. Wer hat dir aber diesen Fleck-Schreiber zugewiesen? Courage. Höre nur / Fräul. Lorgen / die mit deinen Herrn hat zu thun gehabt / die begegnete mir gestern auf der Gassen / und fragte nach den H. Grafen; wie ich ihr nun zur Antwort gab / daß er wohl möchte bey Hofe seyn / und sie ihn gerne sprechen wolte / so erzehlte sie mir / wie daß sie bey einen Advocat en gewesen wäre / und sich lassen ein Supplic machen / dasselbe möchte sie / wenn der Herr Graf nicht wolte / wie sie / dem Könige geben / und ihn verklagen. Grete. Ach potz tausend / sie ist heute bey meinen Herrn flugs gantz frühe gewesen / was sie aber vor Bescheid bey ihn bekommen / das kan ich dir nicht sagen. Courag. Und derselben erzehlte ich auch / wie ich und du ein paar werden wolten / und daß mein Herr darein nicht consenti ren wolte / so recommendir te sie mich an diesen so genannten Fleck-Schreiber / und erzehlte mir erschreckliche Schwäncke von ihm / die sie von Herr Johannsen seiner Frau im Weinkeller erfahren hätte. Grete. Wo hat die Wirthin aber drum gewust? Courag. Derselbe Fleckschreiber liegt alle Abende da / und säufft / daß er nicht mehr stehen kan / hernach klettert er an den Wänden nach Hause / wie ich denn selbst gestern mit Augen gesehen habe. Grete. Warestu denn auch in dem Weinkeller? Cour. Nein / ich liesse ihn nur heraus ruffen / und wie er kam / so kunte er auf keinen Beine stehen / viel weniger daß er ein klug Wort mit mir hätte reden sollen. Gret. Ey das sind mir die rechten Advocat en / die aus Tag Nacht / und aus Nacht Tag machen. Courag. Aber höre doch Gretgen / weil ich nun meines Herrn seinen Consens habe / und du deines Grafen seinen / wie wollen wir denn unsere Sachen nun anstellen? Grete. Jch weiß mein Treu nicht / wie wir es anstellen werden. Courag. Rede doch mit dem Grafen wegen des Hochzeit-Geschencks / wie daß wir beyde nun richtig wären. Grete. Ach! du hertzes Kind / darvon darf ich ihn itzo kein Wort gedencken. Courage. Warumb aber nicht? Gretgen. Fragstu warumb? als wenn du es etwa nicht wüstest / daß er sich eine Glücks-Bude zugelegt / und darinnen alle seine Mobilien verspielet hat. Courage. Je warumb nimmt er solche närrische Dinge vor / und bringt sich muthwillig umb das Seinige. Grete. Jch kan es wohl sagen / daß er Zeit seiner Tage noch nicht so melancholi sch gewesen ist / als ietzo / zumahl / da ihm seine beyden Läuffer und der Cammer-Junge / sein Haußdieb / mit der Livrey durchgegangen seyn. Courage. Von den Läuffern habe ich nichts gehört / aber von dem Jungen das weiß ich / ich dachte aber / den hätten sie wieder ertappt / und die Livrey ausgezogen? Grete. Ja / von dem hat der Herr Graf die Livrey auch wieder bekommen / aber von den andern nicht. Courage. Wo ist denn dein Herr? Grete. Er sitzt drinnen in seinem Zimmer / und hat sich gantz geistlich angezogen / und ließt stets in einem großen Buche / ich horchte vorhin ein bißgen zu / da hörte ich / daß er sagte / Er wolte das Hof-Leben gantz cassi ren / und ein Apt werden. Courage. Was machten aber seine Leute? Grete. Dieselben stunden alle in langen Mänteln umb ihn herumb / und hatten ein iedweder ein Buch unter dem Arme. Courage. Jch dencke / weil er alles in seinem Glücks-Topffe zugesetzt hat / so wil er gar ein Pietiste werden. Grete. Je Zeit wäre es / wenn er einmahl sein Leben ändern wolte. Courage. Ach laß dir nur nicht Leid dafür seyn / er wird das Ding nicht lange treiben. Grete. Alleine / wie machen wir es mit unserer Hochzeit? Courage. Höre Gretgen / suche du nur deinen Braut-Schmuck immer zu rechte / ich wil mein Bräutigams-Kleid auch auskehren / und wil mit Fräulein Lorgen reden / wenn die es so weit bringt / daß der Graf sie heyrathen muß / so können wir hernach flugs mit unterlauffen. Grete. Es ist gantz gut / Courage / allein / wenn nun nichts drauß wird? Courage. Je wird nichts drauß / so wird nichts drauß / so machen wir vor uns Hochzeit / und streichen das Hochzeit-Geschencke hernach vor uns alleine ein. Grete. Je nun / wie du wilst / es soll an mir nicht fehlen / ich wil gleich gehen / und meinen Braut-Schmuck anlegen / damit ich im Fall der Noth flugs fix und fertig bin. Courage. Das thu du / ich will dergleichen thun / und wenn ich von Fräulein Lorgen erfahren kan / wie es mit ihrem Beylager stehet / so wil ich dir gleich Antwort wissen lassen. Gretgen. Nun so mache nur fein bald / damit wir einmahl zusammen kommen. (gehen ab.) (Der Prospect eröffnet sich. ) Zehender Aufftritt. Graf Ehrenfried / (in einem schwartzen Habite / kleinem Uberschlag / kurtzen Mäntelgen und schwartzen Sammet-Mützgen / mit einem schmalen Hütgen / ingleichen Feuerfax / Fortunatus / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius / Marode / Sylvester / Damastor und Kilian / (alle in langen schwartzen Mänteln / und ein iedweder ein Buch unterm Arme.) Ehrenfried. A de / du Wollust-Welt / mit allen deinen Schätzen /     Mein Wandel soll hinfort ein frommes Leben seyn. Ade / du Königs-Hoff / du vormahls mein Ergötzen /     Jch werde hinfort nicht mehr bey dir sprechen ein. Das Schicksal hat mich nun geführt in einen Orden /     Wo nichts als Frömmigkeit und heilges Wesen ist / Dem Himmel sey gedanckt / daß ich bin Apt geworden /     Dieweil mein Hertze nun das Zeitliche vergißt. Fortunatus. Jhre Hochwürden / was werden aber Jhro Majestät von der plötzlichen Veränderung dencken? Ehrenfried. Sagt mir doch nur / mein Herr Capitain-Lieutenant , wie ichs auff der Welt besser haben könte / als so? Jch habe ja mein schönes Auskommen von so vielen Klöster- Intraden , das ich bey Hofe nicht habe. Fortunatus. Das ist wahr / Jhre Hoch-Ehrwürden / Sie haben vortreffliche Intraden , allein ihre Graffschafft trägt Sie doch auch was rechtes ein. Ehrenfr. Diesen ungeachtet / so bin ich des Hof-Lebens so überdrüßig / als wenn ichs mit Löffeln gefressen hätte. Fortunatus. Wie Jhro Hochwürden belieben / wenn Sie uns nur auch mit der Zeit zu guten Chargen helffen können. Ehrenfried. Darauff habt ihr euch zu verlassen / es soll kein halbes Jahr ins Land gehen / so solt ihr alle mit einander Patres seyn. Alle. Wir bedancken uns / Jhro Hochwürden / vor die allzugrosse Sorgfalt für Dero getreue Diener. Ehrenfried. (besinnt sich) Ein Apt seyn und das Hofe-Leben cassi ren? Nein / der König möchte auch dencken / ich wäre gar ein Bärenhäuter und hätte kein Hertz im Leibe / fort / laßt uns den Habit wieder ablegen / (schreyet) puff! Alle. Puff! puff! (gehen ab.) Eilffter Aufftritt. Leonore. Je daß doch solchen Practiqven-machern flugs die Hälse gebrochen wären mit ihren vermaledeyten Intrü schen. Man dencke nur / da ließ ich mir gestern bey dem so genanndten Fleck-Schreiber ein Supplic machen wegen meines Grafens / und sagte ihm doch alles vor / wie ers machen solte / so hat der Mann Zeug hinein gesetzt / und den Grafen so herunter gemacht / daß es die Schweine nicht einmahl gefressen hätten. Und wenn der König nicht so allergnädigst gewesen wäre / und Mitleiden mit meinem Zustande gehabt / ich würde fein viel damit ausgerichtet haben / so aber hat er mir versprochen / der Graf solte und müste mich heyrathen / Er wolte gleich zu ihm schicken / und ihm bey seiner höchsten Ungnade ansagen lassen / wofern Ers nicht thun wolte / solte ihm von Stund an der Hoff verbothen seyn. Jch dencke / Graf Ehrenfriedgen wird sich auch solches nicht weigern / bin ich ihm zuvor gut genug gewesen / so kan Er ietzo auch mit mir zu frieden seyn / und mich zu seiner Frau Gemahlin machen. Jhro Majestät haben mir auch auff das Beylager 4000. Rthlr. Hochzeit-Geschencke zugesagt / und wenn der Graf das hören wird / daß ich so viel Geld bekommen werde / so wird Er sich wohl nicht lange sperren. Drumb will ich geschwinde / geschwinde gehen / vielleicht kan heute noch gar Hochzeit werden. Zwölffter Aufftritt. Clare / Fortunatus. Clare. Jch muß meinen Hauß-Zinß haben / oder das Ding muß anders werden. Fort. Je seyd ihr nicht eine wunderliche Frau / ie tragt doch deßwegen keine Sorge / mein gnädiger Herr bezahlt euch alles / und wenns 1000.  Rthlr. wären. Clare. Das heist immer so / er hätte mich längst bezahlen können. Fortun. Das soll auch geschehen. Clare. Wenn er das Geld genommen / das er manchmahl liederlich verspielt / und in den Glücks-Topff gesetzt / er hätte mich 100. mal bezahlen können. Fortun. Es ist wohl wahr / allein ein grosser Herr muß ja woran seine Lust haben. Clare. Er muß aber auch darbey seinen Respect in acht nehmen / und sich umb so eines bagatels willen / nicht so vielmahl mahnen lassen. Fortun. Je meine Frau! grosse Herren / wie mein Herr Graf ist / die machens bißweilen nicht anders. Clare. Es ist aber nicht gut / und wenn ich ja ein grosser Herr seyn wolte / als wie der Herr Graf auch würcklich einer ist / so schaffte ich mir auch ein eigen Hauß / und liesse mir wegen des Hauß-Zinses / keine solche Verdrießligkeit machen. Fortun. Was brauchts aber mein gnädiger Herr / daß er sich hier in dieser Stadt ein Hauß kauffte / ja wenn er continue hier wohnte / er hat in seiner Grafschafft wohl 10. Häuser. Clare. Ey das gläube ich gar wohl / ich bin eine arme Frau gegen dem Herrn Grafen / und wenn ich mir an einen frembden Orte eine Stube miethete / und solte mich die Hauß-Wirthin um den Hauß-Zinß mahnen lassen / ich dächte es wäre mir eine grosse Schande. Fortun. Ja / ich kan mir nicht helffen / es ist kein Geld da. Clare. So höre ich mein Wunder / ich soll noch länger warten? Ach nein / der Herr Capitain-Leutenant kans nur den Herrn Grafen hinterbringen / wofern ich heut oder morgen wegen des Hauß-Zinses nicht contenti ret würde / so wolte ich seine Stube zuschliessen / und wolte weder ihn / noch iemand von seinen Leuten wieder in mein Hauß lassen. (gehet ab.) Fortun. Das wär auch was schönes / und mein Herr Graf dürffte wohl wider seinen Willen Hochzeit machen müssen / wo wolte er denn hernach seine Braut hinführen / bey Hofe würde sichs auch nicht wol schicken / weil alle Gemächer schon besetzt seyn. Dreyzehnder Aufftritt. Fortunatus / Kilian / (kömmt geschwind gelauffen.) Kilian. Herr Capitain-Lieut. er soll geschwind zum Herrn Grafen kommen / die Stücke sollen gelöset werden / daß darzu Anstalt gemacht wird. Fort. Liegt denn alles an mir / die Commission könte ja wohl der Hr. Hauptmann oder Fendrich über sich nehmen. Kilian. Der Herr Graf trug es ihnen allen beyden auf / allein Sie entschuldigten sich und sagten: Sie wüsten keinen Bescheid um die Ladung / hätten auch ihr lebtage keines loßbrennen sehen. Vierzehnder Aufftritt. Damastor / und die Vorigen. Dam. Wo bleibst du denn so lange / hastu es denn dem Hn. Capit. Lieut. noch nicht gesagt wegen der Stücken? Fort. Ja / ich weiß es schon. Dam. Ey er soll geschwinde geschwinde kommen / seine neue Braut ist angekommen. Fort. Wenn dieses ist / so muß ich doch wohl gehen. Funffzehnder Aufftritt. Kilian / Damastor. Kil. Je Bruder / werden wir auf der Hochzeit nicht fressen? Dam. Narre / heiß es doch keine Hochzeit / bey vornehmen Leuten nennt man es ein Beylager. Kil. Ey es mag heissen wie es will / wenn ich mich nur einmahl recht satt fresse. Dam. Ey ich wills auch nicht schonen. Kil. Komm laß uns gehen / damit wir nichts bey der Aufwartung versäumen. Dam. Es ist wahr / sonst kriegen wir bey der Braut keine Hochzeit-Krausen. (gehen ab.) Sechzehnder Aufftritt. Courage / Grete / (beyde in ihren Hochzeitkleidern.) Greth. Nun es ist auch eine Liebe unter den beyden Leuten / ich kan dirs nicht sagen. Courag. Wer hätte das Ding dencken sollen / daß so geschwinde was aus dem Beylager werden solte? Grethe. Ja / mein Schatz / das macht der König / und ehe der Graf sich den König hätte zum Feinde gemacht / er hätte eher noch eine dazu genommen / die 6. mahl hätte tauffen lassen. Courag. Wenn soll denn das Beylager angehen? Greth. Morgen gleich / und ietzo wird die Zusage geschehn. Courag. Ey so müssen wir das Ding auch nicht versäumen / daß wir uns dabey mit einstellen / sonst dürfften wir hernach vergessen werden. Greth. Freylich haben wir hohe Zeit. Cour. So komm mein liebster Schatz / du süsser Zuckerstengel / Du liebes Gretgen du / komm laß uns eiligst gehn. Gret. Jch folge dir mein Kind / Cour. du bleibest doch mein Engel / Gret. So küsse mich einmal / Cour. es soll geschwind geschehn. (küsset sie / gehen ab.) Siebzehnder Aufftritt. Graf Ehrenfried / Leonore / beyde in seltsamen Hochzeit Schmucke. Fortunatus / als ein Hochzeitbitter / Feuerfax / Friedenschild / Mirax / Narruffsky / Pamphilius / Damastor / Kilian / Marode / Sylvester in neuen Halßkrausen mit rothen Schleiffen / etl. Hochzeitbitter u. Schalmeypfeiffer gehn voran. Ehrenfr. Weil es der Himmel also beschlossen / und der König will es so haben / so mags drum seyn / sie sollen meine Gemahlin werden / hier ist meine Hand. Leon. Und hier ist meine Hand / daß ich den Herrn Grafen allezeit mit gebührender Liebe und Treue biß in das Grab werde verbunden seyn. Ehrenfr. Allons , Herr Capit. Lieut. respective Herr Hochzeitbitter / lasset die Stücken loß brennen. Fort. Jhr. Excellenz , es ist keines geladen. Ehr. Jch hab es ja befohlen / daß Salve soll gegeben werden. Fort. Jhr. Excell. es ist kein Pulver da gewesen. Ehrenfr. Warum habt ihr keins holen lassen? Fort. Ja / Jhr. Excell. ich hab kein Geld gehabt. E hr. Allons : der Hertzog von Tölle! puff! schreyet. Alle. Puff! puff! Achzehnder Aufftritt. Courage / Grethe und die Vorigen. Courag. (Schiesset einen Puffer loß.) Das Puff klinget ein bißgen besser. Ehr. Wer hat dir dieses befohlen? Courag. Herr Graf / das war ein Freuden-Schuß. Ehr. Wo hastu das Gewehr bekommen? Courag. Mein Herr hats neulich in der Glücks-Bude gewonnen / und mir verehrt. Ehr. Du hättest aber erst sollen um Perdon bitten. Courag. Ja Herr Graf / das hab ich nicht gewust / ich dachte / weil es an ein Puff! puff! gehet / so must du auch mit loßpuffen. Greth. Gnäd. Herr / sie halten es ihn immer zu gute / denn es ist mein Schatz. Ehr. Nun / weil es so ist / so mag es seyn / und weil du mir so lange Zeit ehrlich und treu gedienet hast / so solt ihr morgen auf meinen Beylager mit unterlauffen / damit es euch nicht viel Unkosten verursacht. Greth. Jch bedancke mich / gnäd. Herr / vor die grosse Gnade. Cour. Auch grossen Danck / Hr. Graf / vor das gute Anerbieten. Ehrenfr. Herr Hochzeitbitter? Fort. Jhr. Excellenz . Ehr. Jhr möget heut noch nach Hofe gehen / und den König mit seiner gantzen Hofstadt auf mein Beylager bitten. Fort. Jhr. Excellenz und Hochgräfl. Gn. es soll geschehen. Courag. Und meinet wegen bittet Jhn auch / vielleicht krieg ich auch ein Hochzeit-Geschencke. Ehr. Ey das war eine erschröckliche Schraube. Fort. Du kanst wohl selber bitten / wen du haben wilst / und darzu werden Jhr. Majest. wohl fein viel von deiner Person wissen. Courag. Ey wer weiß denn / vielleicht bin ich bey Hofe so gut bekandt / als ihr auf dem Trödel und Brandtewein-Hause / wo ihr den Herrn Grafen neulich sein Petschafft vor 4. Groschen verkaufft habt. Ehr. Stille itzund von solchen Discoursen , und last uns auf den morgenden Tag bedacht seyn. Gret. Jch wolte daß es schon morgen wäre / und auch schon wieder Abend / und ich läge auch schon im Bette und schlieffe / und hätte meinen Schatz in Arme / und wüste auch schon wie es – – (umbfasset Couragen.) Courag. Nu nu / du wirsts ja nicht versäumen. Neunzehnder Aufftritt. Herr Johannes zu den Vorigen. Joh. Top! es lebe! Ehrenfr. Sieh da / Bruder Poltermatz / wo kömst du her? Joh. Ein Schelm heist mich so / Jhr. Gnaden. Ehrenfr. Nu Narr / du wirst nicht böse werden. Joh. Jn deinen Nahmen ja. Ehr. Ey du bist ein brav Mann. Joh. Ehrlich Gottlob! das bin ich auch. Ehr. Du bist mein lieber Bruder / ein Schelm müste dich tadeln. Joh. Das war ein Wort. Ehr. Was bringstu denn guts / Bruder? Joh. Jhr. Gn. ein klein Restgen. (langet einen Auszug aus den Schubsacke.) Ehr. Wie viel ist es denn? Joh. Sechzehn / Gottlob. (giebt ihn den Zeddel.) Ehr. Sechzehn Kannen? Joh. Ja Jhr. Gnaden / nicht mehr als Sechzehn. Ehr. Höre Bruder / ich werde morgen Beylager haben / und darzu muß ich ohndem noch mehr Wein bey dir holen lassen / nimm den Zeddel nur so lange wieder zu dir / und brings hernach in eine Summa . Joh. Was du sagst? Ehrenfr. Auf mein Wort / dieses hier soll meine Gemahlin werden. Joh. Ey ne! Ehrenfr. Es ist nicht anders; wie gefält dir denn meine Braut? Joh. Ein wacker Mensch / schöne / wohl gewachsen / und auch fein qvappelich / Gottlob. Ehr. Du wirst ja auch zu mir zur Hochzeit kommen? Joh. Top! Mache nur / daß es bald wird / ich will schon kommen. Ehr. Aber guten Wein must du mir zukommen lassen. Johan. Momflere , ich will dir einen Wein lassen / desgleichen du dein Lebtag nicht getruncken hast. Ehrenfr. Das wäre ja brav. Joh. Und wenns nicht wahr ist / so bin ich ein Schelm. Fort. Das bist du auch. Joh. Jn deinen Nahmen ja! Fort. Nein Bruder / in deinen Nahmen. Joh. Ja / du schierst mich wohl. Fort. Nein / Bruder / es ist so böse nicht gemeynet / du bist ein brav Mann. Joh. Was bin ich / he! Fort. Ein brav Mann bist du. Joh. Das war ein Wort. Ehr. Kommt lasset uns fein bald zum Hochzeit-Schmause schicken. Denn morgen ist der Tag / da neues Glücke lacht. Cour. Je Gretgen / wie will ich dich an mein Hertze drücken / Greth. Ein Schelm / der es auch nicht fein appetit lich macht. Leonor. Mein allerliebster Graf / wie halten wirs denn morgen? An welchem Ort soll denn das Hochzeit-Fest geschehn? Ehrenfr. Dafür laß ich allhier die Hochzeitbitter sorgen / Dieselben werden schon auf das Logis mit sehn. Joh. Momfler , komm du zu mir / und schlaf bey meiner Dicke / Laß deine Braut mit mir in deinen Nahmen gehn. Ehr. Nein / Bruder Poltermatz / ich dancke für das Glücke. Joh. Ein Schelm / der heist mich so / Ehrenfr. Du wirst ja Schertz verstehn. Joh. Jn deinen Nahmen Ja / Ehr. Du bist mein lieber Bruder / Jch halte viel auf dich / ich will nicht ehrlich seyn. Joh. Momfler und leb ich gleich bißweilen mit in Luder / Hab' ich doch bey der Stadt Gottlob den besten Wein. Ehrenfr. Auf! Hochzeitbitter auf! schickt euch zum Grand-Ballette , Und exercir et noch einmahl den neuen Tantz; Leon. Hernach / mein werther Graf / so gehen wir zu Bette / Greth. Und morgen setz ich auf / den schönsten Blumen-Krantz. Ballet von des Grafens Hochzeitbittern.