Joseph Christian von Zedlitz Svend Felding Nach einer dänischen Heldensage 1. Aus weitem Dänenland Kamen einher geritten Viel Ritter stolz, in Mitten Der Dänenkönig! Nah' am Strand Lugte mit Thurm und Zinnen Ein Schloß hoch von den Dünen Herein in's weite Land, Hinaus in's weite Meer, Das die kahlen Ufer umher Benetzte mit seinen Schäumen! – Dort in den Festesräumen Erklangen froh die Becher; Es tranken die edlen Zecher Den Meth aus goldnem Faß, Den Wein ans goldnem Glas, Den kühlen, blutrothen Firnewein! Sie thäten die Becher schwingen, Sie ließen sie erklingen, Und weithin tönte Rufen Von des Söllers luft'gen Stufen In das Land, in das Meer hinein: »Auf, all' ihr Helden stark, Für Dänemark, für Dänemark!« 2. Und als die Sonne gesunken In des Meeres Schlummerstatt, Und als der König getrunken Und worden des Weines satt! Da sah zur selben Stunde Er ringsum in der Runde Den hohen Rittergestalten, Den waffengrauen Alten, Den jugendlichen Fanten Forschend in's Angesicht! – »Wer von den mir bekannten Helden in diesem Kreis, Von allen den Sternen licht, Den Erben von Danlands Ehre, Wer von euch Allen wäre Um edlen Ruhmes Preis Und einen Helm von Golde Mir wohl zu Dienst gewärtig? Wer von euch macht sich fertig, Zu holen über dem Meere Die Königstochter, die holde? Zu führen mit starker Hand Sie her aus Friesenland, Daß ich sie mir vermähle, Zur Königin sie wähle Von Dänemark, von Dänemark!« 3. Und rings umher war Schweigen, Keiner thät Lust bezeigen In all der Gäste Schaar; Denn leicht mit Wunden blutig Käme zurück, wer muthig Sich gäb' in die Gefahr! Traun wohl den Tod erküret, Wer des Friesen Kind entführet! Mit Schrecken bald wind' er gewahr, Wie rings sein Panzer zerrissen, Zerhauen die Schienen hangen, Bald fühlen durch die Spangen Das dunkle Blut entfließen In den Staub hin, roch und klar. – Da woget im grauen Meer Ein Nachen zum Ufer her, Den schiffte mit starker Hand Ein einz'ger Mann an's Land Und band ihn fest mit dem Strange, Und stieß des Ruders Stange Tief in des Ufers Sand, Svend Felding war's, der Recke, Der tapfere, viel kecke. Als den der König ersah, Wohl freudig war er da. »Der Mann hier wird mir dienen, Ich seh's an seinen Mienen!« Der König voll Eifer spricht. Svend Felding tritt an des Tisches Rand Und stützet drauf die Eisenhand Und spricht: »Ich bin in eurer Pflicht Und bin zu allem Dienste gern Bereit dem König, meinem Herrn, Für Dänemark, für Dänemark!« 4. Und als der König ihm erzählt Wie heiß ihn das Verlangen quält Nach Jutta, dem Friesenkind, Und ihm die Braut zu frei'n Wohl säumig hier die Ritter sei'n – Versetzt' Svend Felding drauf geschwind: »Glaubt nicht, Herr König, im Dänenland Daß schon entfiel das Schwert der Hand, Der Knochen Mark zerstoben. Stünd' ich allein, einsam mein Speer, Den Friesen wollt' ich zwingen, Wollt' euch die Tochter bringen, Wollt' führen schön Jutta her!« – »Wo Svend, dort wollen wir Alle stehn!« So sprachen die Ritter im ganzen Saal, »Wir wollen uns hüllen in blanken Stahl, Mit Schiffen und Gewissen Hinziehn in's Friesenland, Dem König die Braut verschaffen, Der schönen Friesenfürstin Hand Für Dänemark, für Dänemark!« 5. Der König ist deß hoch erfreut, Er gibt dem Svend sein eigen Kleid, Seinen Königsmantel weich, Und gibt ihm seine Waffen reich, Gibt Helm und Panzer, Schild und Schwert, Damit der tapfre Ritter werth Im fernen Friesenreich Einziehe, einem König gleich. Und Svend drauf rüstet aus ein Schiff, Stark gegen Brandung, gegen Riff; Zu flügeln seinen Lauf Zieht er ein goldnes Segel auf, Hißt auf die goldne Rah'! Und bald der Küste nah. Wirft er die Anker auf den Strand, Springt gleichen Fußes an das Land Und so, der Erst' auf fremdem Grund, Svend Felding vor den Andern stund, Für Dänemark, für Dänemark! 6. Alsbald wie er vernommen, Daß eine ries'ge Schaar Ihm sey in's Land gekommen, Rief aus mit lauter Stimme Der Friesenfürst, der grimme: »Ihr Mannen, ehrenwerth, Den Speer gefaßt, die Hand an's Schwert! Nehmt ihr dort jene Kecken wahr? Werft mir sie flugs in's Meer, Von wannen sie geschifft hierher!« – Da eben kommt die Straß' entlang Svend Felding mit stolzem Gang. Wie mit mannhaftem Tritt Er vor den Männern schritt, Schien er fürwahr ein König ganz. Und als er Danlands Zeichen sah Und Danlands königlichen Glanz, Da glaubt der Friesenkönig frei, Daß Svend der Dänen König sey, Der selbst genaht mit solchem Zug. Besänftigt sprach er da: »Zu kämpfen wär' nicht klug Mit Dänemark, mit Dänemark!« 7. Der König sandt' hinaus, Daß man sie lüd' in's Haus; Sandt' auch zu seinem Kinde Einen Edelknecht geschwinde, Daß sie mit Sammt und Seide Den schönen Leib bekleide, Zu sitzen an des Königs Seit', Wo ihr ein goldner Stuhl bereit. Bald würden in den Hallen Der Dänen Tritte schallen, Denen soll sie den Pokal Kredenzen im Königssaal! – Schön Jutta glättet ihr langes Haar, Legt unter Mieder und Spangen, Mit Zwange gefangen, Den Busen voll und klar; Und wie sie vor dem Spiegel hält Und sieht, wie seine junge Pracht In leicht bewegten Wogen Aufwallt und steigt und fällt, Wie Korn vom Wind durchflogen, Da, lächelnd vor sich hin, Denkt sie mit stolzem Sinn: »Nicht schlecht gebettet ist der Mann, Der einst hier ruhen kann!«Und nestelt zu das Mieder, Und hüllt sich ein in reich Gewand Und steigt zum Saale nieder. – So trat schön Jutta ein, Zugleich auch Svend und seine Treu'n Aus Dänemark, aus Dänemark. 8. Der Friesenkönig mächtig Sitzt auf dem Throne, prächtig Von lautrem rothen Gold, Und neben ihm die Tochter hold. Da trat zum Throne Svend heran, Und als er zu reden begann, Der König ihn unterbrach Und also zum Recken sprach: »Nehmt erst, mein Nordlandsmann, Des Königs Willkomm an!« Und einen Becher der Schenke faßt Und einen Krug mit Weine klar, Schenkt den gewalt'gen Humpen voll, Der in die Runde gehen soll, Reicht ihn dem König dar. Der trinkt und reicht ihn dann dem Gast; Der drauf: »Auf euer Wohlergehn!« Und setzt den Humpen an den Mund Und trinkt ihn aus bis auf den Grund. All' es mit Staunen sehn! Schön Jutta drauf den Becher faßt Und lächelnd trinkt sie zu dem Gast; Der drauf: »Heil euch und Ehr'!« Und wieder ist der Becher leer. – Drauf setzt er sich zum Eichentisch, Bedienet sich vom Mahle frisch, Und als er satt, verneigt er sich Vor dem König adelich Und spricht: »Vergönnet nun Rede mir, Ich steh' ein Bote hier Für Dänemark, für Dänemark.« 9. Schön Jutta denkt für sich: »Der König freit um mich Und fängt's mit Listen an; Er gibt sich aus für seinen Mann, Wohlan, Wohlan!« – Drauf spricht Svend Felding der Recke: »Herr König, ihr habt einen Edelstein, Der lüstet sehr dem Herren mein; Gebt ihr ihn mir in Güte, Gott euer Haupt behüte; Gebt ihr ihn nicht, dann müssen Es eure Tage büßen!« Als sie die Rede gehört, Denkt schön Jutta bethört: »Wenn das nicht selbst der König wär', Wer spräch' wohl sonst so kühn wie er? Ich schwör's, es ist der Kecke, Der Dänenkönig ächt! Mir aber ist der Freier recht, Ihm soll mein Magdthum rein, Zu eigen seyn!« – Svend weiter spricht: »Der Edelstein, Herr König, ist eure Tochter fein; Die schwur ich zu erringen Und sie als Braut zu bringen Gen Dänemark, gen Dänemark!« 10. »Ihr seyd fürwahr ein Bote kühn!« Der König spricht; drauf klar Wie ein purpurn Rosenpaar Der Jungfrau die Wangen glühn! – »Und wärt ihr König selbst von Dan Und Land und Leut' euch unterthan, Ich tadelt' euch dieß Wort! Und geht's nach meinem Sinn, so wißt, Zieht ihr im Schiff zu dieser Frist Allein, wie ihr gekommen, fort!« – Der Zorn Svend Felding überlief, Er schnell entgegen rief: »Schön Jutta, nimm dich wohl in Acht! Du gleichst in deiner Pracht Zwar einem Edelstein, Doch bist du nicht so hell und rein! Gibt's denn kein Wasser hier zu Land? Tauch deine weiße Hand Erst in die kühle Welle klar Und wasch dein feurig Augenpaar! Nimm von Svend Felding guten Rath: Rein sey dein Herz, die Stirne rein, Dann sollst du uns willkommen seyn In Dänemark, in Dänemark!« 11. Die schöne Jutta glüht in Scham Als sie den Hohn vernahm, Und daß Svend Felding nur sein Mann Und nicht der König sey von Dan. – »Ei Svend,« sprach sie voll Wuth, »Ei Svend, seyd doch so gut Und sagt mir offen und frei, Wer wohl der Pfarrer sey, Der eurem Vater den Segen sprach? Wo war eurer Mutter Brautgemach? War nicht der Wald ihr Klosett, Das grüne Gras ihr Bett, Wo sie selbander gelegen?. War nicht der Kukuk laut Der Pfaff, der sie getraut? Trat nicht der Häher als Küster vor Und die Waldvögel im Chor Sangen das Amen beim Segen?« – Drauf Svend: »Und bin ich kein ehlich Kind Und sitz' nicht auf dem Thron, So bin ich doch meines Vaters Sohn, Hab' Gold und Macht und Ehr', Ein schneidig Schwert und scharfen Speer Und einen Freund, mir wohl gesinnt, In Dänemark, in Dänemark!« 12. Schön Jutta voll Verdruß Maß ihn von Kopf zu Fuß Und fuhr dann höhnisch fort: »Meint ihr, der Purpurmantel dort Sey euer angeboren Kleid?« – Drauf Svend: »Gebt auf den Streit, Mit Reden wird hier nichts gethan! Ich bin Svend Felding, Daulands Mann. Der König trägt nach euch Begehr Und hat mich abgesandt, Daß ich euch bringe in sein Land. Ich hab's gelobt bei meiner Ehr'; Gescheh' was nicht zu ändern ist!« – Drauf raffte Svend In seinen Heldenarm behend Schön Jutta zu dieser Frist, Und trug sie mit Sitte Aus der Friesen Mitte Hinab zum Strand, Wo sein Schiff gebunden stand. Schön Jutta, bleich von Schrecken, Fühlte die Macht des Recken Und blickt ihm zürnend in's Gesicht Und murmelt für sich hin und spricht: »Wie ist so stark sein Arm, Wie hält er mich so warm, Der Bösewicht!« – Drauf spannt sein goldnes Segel auf, Hißt auf die goldne Rah' Der Kämp', und steht am Steuer da Und lenkt heimwärts den Lauf Nach Dänemark, nach Dänemark. 13. Das Segel schwoll gelind, Fort ging's mit gutem Wind; Svend wohl zu schiffen verstand. Schön Jutta ihre Blicke sandt' Heimlich auf dem Verdecke Aus der hintersten Ecke Nach Svend, der, ungerührt, So scheint's, das Steuer führt. »Wie glotzt er doch in's Meer hinein So dumm? gleich wie im Sonnenschein Ein Seekalb, das am Strande liegt! Bin ich denn gar nicht in der Welt? Ob er sich wohl verstellt? – Es wär' fürwahr der erste Held, Der nicht begehrte meiner Minne, Den nicht mein Reiz besiegt!« – So denkt sie in ihrem Sinne, Denkt's, und ihr Busen fliegt; Und schweigend blickt sie lang' auf ihn, Der ihr ein Mann vor andern schien An stattlicher Gestalt, An der Arme Gewalt, An kühnem Muth Und adligem Blut; Und mit glühendem Gesicht Sie endlich näher tretend spricht: »Ei Svend, ist das wohl fein, Ihr laßt mich hier allein? Es kümmert eure Königin, So scheint's, nur wenig euern Sinn. Was wählte man zu dieser Fahrt Nicht einen Boten fein'rer Art, Der säße zu meinen Füßen Und würde mit Gesang Und mit der Harfe Klang Die müß'ge Weile mir versüßen!« – Und Svend darauf: »Verzeiht, Ich habe keine Zeit, Ich muß hier andern Dienst versehn, Am Steuer stehn Für Dänemark, für Dänemark!« 14. Schön Jutta ihre Augen senkt, Beißt sich die Lipp' und denkt: »Und wär' der Mann von Holz, Ich bänd'ge dennoch seinen Stolz!« Der Abend kam heran, Und wie die Sonne niedergeht Das Meer in hellen Flammen steht, Und auf der glatten Bahn Das Schiff schwimmt ungesteuert, Svend still am Ruder feiert Und betrachtet gelassen Der Wogen Glühn und Erblassen. Schön Jutta tritt zu ihm hin, Heftet den Blick auf ihn; In seine lichten , blauen, Süßlächelnd schauen Ihre blauen Sterne, die dunkeln ; Doch er mit den lichten, hellen, Sieht ruhig in die Wellen Und betrachtet ihr stilles Funkeln! – Es setzt sich auf des Schiffes Kant. Schön Jutta, sieht in's Meer, Bald auf Svend Felding her, Und tauchet spielend ihre Hand In die sommerwarme Fluth Des Meeres rosige Gluth, Vom Abend überhaucht. Und wie sie tiefer und tiefer taucht, Macht sie des Ermels Spange los Und streift den Arm zur Schulter bloß, Und läßt wie im stillen Sinnen Die Wellen drüber rinnen; Bald trocknet sie mit Lächeln Ihn an der Lüfte Fächeln. Svend Felding sieht in Ruh Dem Spiele Jutta's zu; Sie merkt's, und scherzend spricht Sie mit huldigem Angesicht: »Nun Svend, sagt ungescheut, Wenn nächtens heut Euch mit lieblichen Schlingen Zwei solche Arm' umfingen, Thät euch ein ros'ger Mund, Wie meiner, Liebesworte kund, Würdet ihr euch besinnen, Wollt' ich euch minnen, Für solcher Minne Glück Zu wagen Leben, Blut und Leib?« – Und Svend darauf zurück: »Ich hab' daheim ein schön'res Weib In Dänemark, in Dänemark!« 15. Und tiefer als das Meer der Sonne Gluth Röthet der Jungfrau Wangen Zornesmuth. Sie geht seitab und denkt: »Das sey dir nicht geschenkt! Bei meiner Maidenehr', Das sollst du büßen schwer!« Und als der Morgen folgt der Nacht Und neu der Tag erwacht, Steigt aus dem Meere grau Von fern die Küste dunkelblau; Und nah und näher an das Land Treibt frischer Wind Das Brautschiff, das gelind Jetzt rührt an Danlands Strand. Und als das Schiff fest hält am Grund, Schon ungeduldig zur Stelle Der König harrend stund. »Wo ist sie?« fragt er schnelle. – Da schwenkt Svend seinen Hut Und also zu dem König spricht: »Herr Dänenkönig gut, Zwar nach Begehr Ist deine Botschaft ausgericht't, Doch freu' dich dessen nicht zu sehr. Die Braut ist zwar recht schön und fein, Doch könnte sie viel besser seyn Für Dänemark, für Dänemark!« 16. Der Dänenkönig in Hast Die Braut in seine Arme faßt, Sie inniglich begrüßt Und auf die Rosenlippen küßt; Dann trägt er freudig sie an's Land, Wo ihr ein golden Fuhrwerk stand. Und traulich hin zu Svend gekehrt Spricht drauf der Dänenkönig werth: »Wenn meinem Bruder, meinem Kind, Wenn meinem Freund du feind gesinnt, Ich trüg's mit Schmerz; Doch haßt dein Sinn Mein junges Weib, die Königin, Kränkt's nicht mein Herz; Freund Svend, das mag ich tragen!« – Drauf Jutta den goldnen Wagen, Den ihr der König schenkt, Mit eigner Hand zur Hofburg lenkt. Die hatte, wie ihr bekannt, Der beste Meister im Land, Svend Felding, aufgebaut. Als sie das Haus erschaut, Rief sie mit argem Hohne: »Der Mann verdient kein Lob, Der dieses Haus gebaut so grob; Was gabt ihr ihm zum Lohne?« – Und Svend erwiedert zornesroth: »Traun! gälte mein Gebot, Ihr lenktet euer Roßgespann Zurück, und nicht den Weg hinan! Wohl sieht die Burg hier anders aus Als eures Vaters Haus! Es ragen ihre Wände stolz, Obgleich nur dän'sches Eichenholz, Es glänzt ihr Dach, Es glänzt ihr Fach, Und innen glänzt Gold und Seide Und königlich Geschmeide! Scheint euch das Alles zu gering, So gebt zurück den goldnen Ring; Denn ist's nicht gut genug für euch, Ist gut doch Haus und Reich Für Dänemark, für Dänemark!« 17. Schön Jutta aus Friesenland Geleitete ein kühner Held, Dem sehr Svend Feldings Wort mißfällt; Der faßt ihn bei der Hand Und spricht mit Sitten: »Ein trotzig Wort, ein trotz'ger Schlag Sich wohl zusammen schicken mag; Steht euch mit mir ein Zweikampf an, Wohlan, er sey gestritten, Ich bin für euch der Mann, Ich kämpfe für die Königin, Und hundert Mark an Silber werth Setz' ich euch und mein bestes Pferd Zum Preise hin!« – Der Friese war erlesen In Krieg und Waffenwesen; Das aber machte Svend nicht bang, Der sich besinnt nicht lang Und drauf erwiedernd spricht: »Herr Friese, ei warum denn nicht! Ich habe Rosse reiner Zucht, In Kampf und Jagen wohl versucht, Ich habe Silber, rothes Gold, Deß setz' ich euch so viel ihr wollt; Svend Feldings Arm ist stark Für Dänemark, für Dänemark!« 18. Die Kämpfer legen Waffen an Und reiten muthig in die Bahn; Der Rosse Nüstern dampfen, Die Hufe die Erde stampfen. Noch stehen sie; indessen Wird Sonn' und Licht gemessen. Trompeten tönen lust'gen Klang, Es reiten die Kämpfer den ersten Gang; Kaum daß das Zeichen gegeben ist, So rennen sie zu gleicher Frist, Lanz' eingelegt, den Schild voran, Einander an! Abprellen beim erstenmale Zugleich an des Panzers Stahle Der beiden Lanzen-Spitzen, Doch fest die Beiden sitzen. – Die Hörner tönen lust'gen Klang, Es reiten die Kämpfer den zweiten Gang; Und wie sie sich treffen mit Macht, Zerspeilt der Speer Svend Feldings kracht; Indeß trifft seines Gegners Stoß Nicht ihn, doch sticht er wund sein Roß, Das stürzt hin todt. Frau Jutta birgt mit Lachen In ihren Scharlachmantel roth Ihr lieblich Gesicht Und höhnend spricht: »In meiner Heimath machen Es so die Tapfern alle!« Doch schon von seinem Falle Aufrecht auf seinen Füßen steht Svend da, und frischen Muthes geht Für Dänemark, für Dänemark. 19. Svend Felding, als ob nichts geschehn, Naht ruhig indessen Dem Ort wo den Kampf zu sehn Das Königspaar gesessen, Verneigt sich drauf nach Pflicht Und zu dem König spricht: »Wollt, königlicher Herre mein, Ihr wohl ein Roß mir leihn? In stolzem Wahn Steht noch der Friese, hält die Bahn!« – Der König drauf: »Die Bitte, Svend, ist billig, Ich geb' das Roß dir willig; Es soll Graubein Dir gern geliehen seyn!« – Das war des Königs bestes Pferd, Das er aus eigner Zucht genährt. Svend Felding sich verneigt Und seinen Dank bezeigt. Es bringen die Knappen herein Das edle Roß Graubein; Das konnte reiten umher Der König nur und Er. Es war Graubein gestreckt Mit Scharlachtuch bedeckt, Goldsattel that drauf prangen, Der in des Königs Schrein Ungebraucht neun Jahr gehangen. Wie auf zwei Füßen herein Das Roß nun trat mit Bäumen, Mit Wiehern und Schäumen, Wie's daher schnob den Weg, Zornfunkelnd wie ein Drache, Und Svend nicht in des Bügels Steg, Nein, gradhin in den Sattel sprang, Da ward dem Friesen bang Vor des Dänen Rache. Bald ritten die Kämpfer den dritten Gang, Und als die Lanzen zerstoben Sie ihre Schwerter erhoben; Gleich tapfer fochten beide, Und als sie gestritten lang', Flog hin, auf einen mächt'gen Hieb, Des Gegners Kopf auf die Heide, Der Rumpf aufrecht im Sattel blieb; Und als der nun hinfällt todt, Verbirgt der König mit Lachen In seinem Scharlachmantel roth Sein fröhlich Angesicht Und scherzend spricht: »Frau Jutta, seht, so machen Es hier die Tapfern alle In Dänemark, in Dänemark!« 20. Es schien die Morgensonne Hell ans des Brautbetts Wonne, Drinn Jutta mit dem König lag, Mit ihrem Herrn der Ruhe pflag; Und wie der junge Tag erwacht Und frisch ihr rosig Antlitz lacht, Kein schönres, traun, In den drei Reichen war zu schaun! Mit seidnem Händchen schmeichelnd Seine braune Wange streichelnd Sie also zum König spricht: »Gewiß ihr liebtet nicht, Könntet ihr, mein Gemahl, Mir wohl in dieser Stunde Versagen mit strengem Munde Ein Geschenk nach meiner Wahl, Nach dem ich Gelüsten habe? Deß schenk' ich zur Wiedergabe Euch einen schönen Sohn!« – »Und forderst du Scepter und Kron' Und alle Lande mein, Sie sollen dein eigen seyn!« So sprach der König zu seinem Weib Und schlang die Arm' um ihren Leib. Darauf die Königin erfreut: »Der Tod ist so verhaßt mir nicht Als des Svend Feldings Angesicht; Gebt mir sein Haupt, das grimme, Sein Herzblut, das viel schlimme!« – Der König bald sein Wort bereut Und spricht: »Nein, nein! Die Schuld wär' wahrlich mein, Wollt' ich Svend Feldings Leben So schnödem Tode geben! Begehrtest du Gold und Gut, Perlen und Prachtgeschmeide reich, Ja Städt' und Schlösser – war' mir's gleich, Doch nicht Svend Feldings Blut! Svend? nein, den wahr' ich mir Für Dänemark, für Dänemark!« 21. Svend Felding, seine Hand am Kinn, Ging finstern Blicks am Schlosse hin Und sprach voll Zornesgluth: »Bei meinem Blut, Beugt ich noch je mein Knie Vor einer Königin, wie die, Arglistig, falsch und stolz, Es brach' entzwei wie morsches Holz!« So in Gedanken spricht er laut. Der König nahe, hört's und schaut Ihn lächelnd an und spricht: »Freund Svend, geh' nicht so zornig fort, Vernimm erst noch ein Wort! Wißt, Svend, ich gebe nicht Mein Weib für meinen Freund, doch ihn Geb' ich auch für mein Weib nicht hin; Ich brauch' euch alle Beide! Den Freund in Noth und schwerer Zeit, Das Weib zu Lust und Freudigkeit; Ertragt euch ohne Neide; Denn bei der Ehre mein, So soll es stets gehalten seyn In Dänemark, in Dänemark!«